Nr. 288 Erstes Blatt 18t Zahrgairg Mittwoch, 9. Dezember 1931 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen und Verlag: vrühl'sche Univerfilüls-Vuch- und Ztelndruckerei «.Lange in Stehen. Schnftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re* klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20u,„ mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen. Erscheinl läglich,außer Sonntags und Feiertag». Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monatr-Vezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt, üernsprechanschlüffe unterSammeInummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Poflfdfeflonto: Zranlfurt am Main 11686. Der Inhalt der neuen Notverordnung. Schutz der Währung durch Sicherung der öffentlichen Haushalte. — Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und Stärkung des Binnenmarkts durch gleichzeitige Senkung des Preis-, Lohn- und Gehaltsniveaus. — Senkung der Zinsen und Mieten. — Abbau der Hauszinsfteuer. — Lockerung der gebundenen Preise. — Verminderung der Handelsspannen. — Senkung der Verkehrstarise. — Senkung der Lohn- und Gehaltssätze aus den Stand yom 10. Januar 1927. — Beamtenbesoldungskürzung um 9 Prozent. — Erhöhung der Llmsahsteuer. — Eine neue Reichsflucht- steuer zur Bekämpfung der Kapitalflucht. — Llniform- und Waffenverbot. Berlin, 9. Dez. (WTB. Funkspruch.) Sn der Einleitung zur amtlichen Verlautbarung zur Rot- verordnung vom 8. Dezember 1931 wird zunächst auf die weitere Verschärfung der wirtschaftlichen und sozialen Lage Deutschlands in der zweiten Hälfte dieses Jahres infolge der lang andauernden Weltwirtschaftskrise, das Absinken der englischen Währung und anderer Valuten, deren Auswirkung auf die deutsche Ausfuhr, die z o l l - politischen Maßnahmen gegen die deutsche Einfuhr und dem anhaltenden Abzug fremder kurzfristiger Gelder aus Deutschland hingewiesen. Alle diese ungünstigen Llmstände, so heißt es dann weiter, haben einen st a r k e n Rückgang im deutschen Geschäftsleben verursacht, der die Erzeugung, die Llmsätze und den Verkehr immer weiter hat einschrumpfen lassen. Infolgedessen können nur sehr tiefe Eingriffe Erfolg versprechen, wenn das klar erkannte und unverrückbar feststehende Ziel erreicht werden soll, nämlich die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft erneut zu stärken und die große Arbeitslosigkeit zu mindern. Als Ausgangspunkt jeder gesunden Gesamt- wirtschaft wird weiter auf die Erhaltung oder die Schaffung des Ausgleiches der öffentlichen Haushalte hingewiesen und betont, daß die Etat-Sicherung auch mitentscheidend ist für die Aufrechterhaltung der deutschen Währung. Reichspräsident und Reichs- rcgierung, so wird ausgeführt, lehnen in voller Llebereinstimmung mit der Reichsbank ab, durch geldpolitische Experimente die Sicherheit der deutschen Währung zu gefährden. Als weiteres Ziel der Notverordnung wird die Entlastung der Gesamtproduktion, des Umsatzes und der Lebenshaltung des deutschen Volkes in jeder nur möglichen Weise bezeichnet, dabei sei aber an einer weiteren Senkung von Löhnen und Gehältern nicht vorbeizugehen. Diese Senkung von Löhnen und Gehältern ohne S i ch e r st e l - lung gleichzeitiger und entsprechender Senkung der Preise sei aber untragbar, da sonst eine verhängnisvolle Schrumpfung der Kaufkraft die Folge wäre. Erst, nachdem ein wesentliches Abgleiten sämtlicher Preise sichergestelll war, hat sich die Reichsregierung zu dem Eingriff in Löhne und Gehälter entschlossen. Die schicksal- hafte Verbundenheit von Löhnen und Preisen bleibt selbstverständlich auch für die Zukunft erhallen. Gerade um eine unerträgliche Schrumpfung der Kaufkraft des großen Volkes zu vermeiden, wird die Reichsregierung es als ihre vornehmste Pflicht ansehen, darauf zu achten, daß der jetzige Stand von Löhnen und Gehältern nur bei einem entsprechend tief gehaltenen Stand aller Preise ausrechkerhalten bleiben kann. 1. preis- und Zinsfenkung. Der amtliche Kommentar zur Rotverordnung führt in dem Kapitel über Preis- und Zinssen- hing u. a. aus: Die Preise müssen an die veränderte Wirtschaftslage angepaßt werden. Die Rotverordnung unterscheidet hierbei zwischen gebundenen Preisen und solchen, die sich iin freien Markte bilden. Entsprechend den Vor- lchlägdn des Wirtschaftsbeirats ist davon abge- lehen worden, allgemein Preissenkungen aufzuhe- t»m und Kartelle und Syndikate grundsätzlich zu erschlagen. Das Ziel der Bestimmungen ist vielmehr eine Auflockerung dieser Verbände, auf deren bedeutende Rol e in der Wirtschaft der Kommentar noch einmal ausdrücklich hinweist. Alle Preise, die durch Kartelle, Syndikate und ähnliche Abmachungen, sowie durch Derpflich- 'vngsfcheine und Lieferungsbedingungen g e b u n - d e n find, müssenbiszum 1.3anuarl932 um mindestens 10 vom Hundert gegenüber dem Stande vom 1. Juli 1931 gesenkt werden. Der Kommentar stellt fest, daß uian auf eine Rachprüfung der bestehenden Preis- Höhe angesichts der Vielgestaltigkeit verzichten müßte, bezeichnet aber die geforderte Preisherab- leyung von 10 Prozent im Hinblick auf die durch die Rotverordnung herbeigesührte Minderung der Selbstkosten als durchaus tragbar. Preissenkungen, die nicht in dem vorgeschriebenen Ausmaß herabgesetzt worden sind, werden mit dem 1. Januar 1932 nichtig. Die Preise für nicht» gebundeneWare werden bis zum 1. Januar durch Zusammenwirkung von Herstellung und Handel gleichfalls um 10 Prozent gesenkt werden. Preiserhöhungen und die Einführung neuer Preisbindungen sind in der Zeit bis zum 1.3uli 1932 genehmigungspflichtig. Versuche, die angeführten Vorschriften zu umgehen, und Zuwiderhandlungen werden unter Strafe gestellt. Den Zwangssyndikaten der Kohlen- und Kaliwirtschaft wird aufgegeben, ebenfalls mit Wirkung vom 1. Januar ihre Preise um 10 Prozent zu senken. Für die Preisbindungen des Kohleneinzelhandels ist eine besondere Regelung Vorbehalten, die der Reichskommissar für Preisüberwachung erlassen wird. Der Kommentar wendet sich nunmehr d r Preis- beeinfluffung der lebenswichtigen Waren und wirtschaftlichen Leistungen auf dem freien Markte zu und verweist auf die Tatsache der Einsetzung eines P r e i s k 0 in- missars für Preisüberwachung mit außerordentlichen Vollmachten. Der Preiskommissar werde seine besondere Aufmerksamkeit der Beseitigung überhöhter Preisspannen zuwenden. Ausdrücklich wird betont, daß der sachliche Arbeitsbereich dcS Preiskommissars als praktisch unbegrenzt zu gelten hat. Seine Vollmachten erstrecken sich auch auf eine angemessene Senkung der Werktarife der Kommunen, sowie der Tarife für handwerkliche Leistungen. Er hat das Recht, Betriebe zu schließen, die sich seinen Anordnungen nicht fügen oder sonst die erforderliche Zuverlässigkeit nicht besitzen. 3n diesem Zusammenhang wird beloul, daß die Erzeugerpreise für landwirl- schaflliche Produkte nach ausdrücklicher Feststellung des Wirtschaftsbeirates unter dem allgemeinen Preisniveau liegen. hier wird es als Ausgabe des Preiskom- mifsars bezeichnet, eine Verringerung der in vielen Gegenden noch besonders hohen Preisspannen zu erreichen. Um der Gefahr vorzubeugen, daß die Erzeugerpreise für landwirtschaflliche Produkte durch die Einfuhr aus Erzeugerländern mit absinkender Währung gefährdet werden, beabsichtigt die Reichsregierung, insbesondere im Interesse der bäuerlichen Veredelungswirtschaft die Gegenmaßnahmen zu treffen, die sich aus dem vorgehen anderer Länder auf dem Gebiete der Währung und der Devisenbewirtschaftung ergeben. Das von der Reichsregierung verfolgte Ziel einer allgemein wirtschaftlichen Gesundung könne nicht erreicht werden, ohne daß gleichzeitig mit den anderen Maßnahmen eine merkliche Senkung des Zinsniveaus herbeigeführt wird. Sie werde wesentlich dazu beitragen, die Selbstkosten der deutschen Wirtschaft zu mindern und die Konkurrenzfähigkeit mit dem Auslande zu stärken. Gleichzeitig solle sie aber auch bewirken, daß die zugrundeliegenden Kapitalforderungen sicherer werden als bisher, womit auch dem Gläubiger ein wichtiger Dienst geleistet werde. Die Rotverordnung sieht daher vor, daß die Zinsen für alle langfristigen Forderungen um rund 1/i, jedoch nicht unter 6 Prozent gesenkt werden. Bei übersteigerten, über 12 Prozent hinausgehenden Zinsen ist eine noch stärkere Herabsetzung vorgesehen. Betont wird, daß die Herabsetzung der Zinsen auch für die Zukunft wirksam bleibt, bis die Gesundung der Wirtschaft von sich aus ein geregeltes Funktionieren des Geld- und Kapitalmarktes gewährleistet. Deswegen ist die Zins- herabsehung mit einer gewissen Streckung der Kündigungsfristen verbunden. — Die Maßnahmen auf dem Kapitalmarkt haben naturgemäß eine gewisse Einflußnahme auf die Zinsen am Geldmarkt. Deswegen ist vorgesehen, die Beeinflussung der Debetzinsen auf dem Geldmärkte organisch ausgehend von den Habenzinsen herbeizuführen. Der Reichskommissar für das Bankgewerbe hat zu diesem Zwecke Vereinbarungen zwischen den Spihenverbänden der Kreditinstitute herbeizuführen über die Höhe der künftig zu zahlenden Haben- zinsen und über die Berechnung der Provisionen bei Weitergabe der Gelder an Dritte. Weiter verweist dann der Kommentar auf die in Höhe von jährlich 300 Mill. Mk. vorgesehenen Tarifermäßigungen für den Güterverkehr bei der Reichsbahn. Der Ror- maltarif wird in allen Klassen einschließlich der Rebenklaffen gegenüber dem Stand vom 31. Oktober dieses Jahres gesenkt, bei Stückgut um 15 v. H., bei Klasse A um 24 v. H., Klasse B um 17 bis 24 v. H., C um 1.5 bis 25 v. H., D um 14 bis 26 v. H., E um 14 bis 25 v. H., F um 10 bis 22 v. H. und G um 5 bis 17 v. H. Den Hauptwert hat die Reichsregierung auf eine Senkung der Kohlens rach ten in Höhe von 85 Millionen gelegt. Weitere Entlastung erhofft man aus der Senkung der An- schlußgebühren, der Verbilligung der Rollgebühren durch Aufwendung von etwa 70 Millionen und die Organisierung des Sammelgutverkehrs. Die neuen Tarife sollen zum 16. Dezember d. 3. durchgeführt werden, soweit die Neuberechnung bis dahin erfolgen kann. Die Reichsregierung erwartet, daß die ermäßigten Frachtsätze den Verbrauchern in Gestalt herabgesetzter Einzelhandelspreise ungeschmälert zugute kommen. 3m Hinblick auf die Zinssenkung werden mit Wirkung vom l.Sanuar die Steuerverzugszuschläge vollständig aufgehoben und die Steuerzinsen erheblich gesenkt. Die Verzugszinsen werden von 24 auf 12 v. H. jährlich herabgesetzt. Sie finden in Zukunft auch in den Fällen Anwendung, wo bisher Verzugszuschläge erhoben wurden. Aufschubzinsen insbesondere bei Zöllen werden von 10 auf 8 v. H. jährlich herabgesetzt, Dteuerstundungszinsen ungefähr 5 bis 12 v. H. auf nunmehr 5 bis 8 v. H. jährlich. 2. Wohnungswirtschast. Das zweite Kapitel, welches sich mit der Wohnungswirtschaft beschäftigt, bringt die endgültige Regelung der Hauszins steuer. Zahlreiche Gründe, wie die zunehmende Entfernung von der Inflationszeit und die seither zahlreich erfolgten Eigentumsübertragungen, die der Besteuerung des eigentlichen Jnflationsgewin- ners entgegenstehen, lassen einen baldigen Fortfall der Steuer geboten erscheinen, was wiederum auf der anderen Seite durch die finanzielle Lage von Ländern und Gemeinden unmöglich ist. Aus diesen Gesichtspunkten heraus soll die Hauszinssteuer noch eine Reihe von Jahren gezahlt werden. 3hr stasfelmähiger Abbau ist aber vorgesehen. 3n den Rechnungsjahren 1932 bis 1934 soll sie noch in voller höhe erhoben, werden, vom 1. April 1935 ab wird ein Abschlag von 25 v. h. gewährt, vom 1. April 1937 ab wird für drei 3ahre noch je die Hälfte der Steuer erhoben, die mit dem 1. April 1940 völlig in Fortfall kommt. Die Möglichkeit einer Ablösung durch Zahlung des dreieinhalbfachen Iahressollbetrages in der Zeit vom 1. April 1932 bis 31. März 1934 ist gegeben. Wer bis zum 31. März 1932 ablöst, braucht nur das Dreifache zu zahlen. Die aus der Ablösung aufkommenden Beträge dienen zur Ab - Erstes Echo der presse. Berlin, 9. Dez. (ERB.) Reben einer Inhaltsangabe der neuen Rotverordnung bringen die Berliner Blätter ausführliche Stellungnahmen. in denen die neue Rotverordnung in ihrer Gesamtheit gewürdigt wird. Die „Germania" (Ztr.) bezeichnet die Rotverordnung als ein Dokument der Rot und hebt hervor, daß an zahlreichen Einzelheiten noch eingehende Kritik zu üben fei, daß man aber dem gesamten Problem nur gerecht werden könne, wenn man die leitenden Gesichtspunkte berücksichtige, die die Reichsregierung bei der Abfassung dieses Gesehwerkes im Auge gehabt habe und die von keiner noch so gearteten deutschen Regierung außer Acht gelassen werden könnten, wenn sie verantwortungs- und pflichtbewußt handele. Die „D 0 s s i s ch e Zeitung" (ilHftein) überschreibt ihren Artikel „Regierung zeigt Mut". Zum erstenmal unternehme eine Regierung den Versuch, den Wirtschaftsprozeß eines großen Staates nach bestimmten Absichten zu regulieren, um einerseits die Währung aufrechtzuerhalten, andererseits die Wettbewerbsfähigkeit auf dem internationalen Markt zu sichern. Besonders unterstreicht das Blatt die Bestimmungen zur Sicherung des inneren Friedens und das Unifornwcrbot, in dem die Ankündigung eines neuen schärferen Kurses gegen den Radikalismus zu sehen sei. — Das „Berliner Tageblatt" (dem.) spricht von einer „klaren Front gegen Hitler" und nennt die Rundfunkrede des Kanzlers eine Kampfansage. Zu der Rotverordnung schreibt das Blatt: Wie alle großen Notverordnungen, die bisher erlassen worden sind, stelle sie ein gesetzgeberisches Sammelsurium dar. Die gestern unterzeichnete Rotverordnung sei von dieser Charakterisierung nicht auszunehmen, da ihr jene Einheitlichkeit der Ideengebung fehle, die notwendig wäre, um von einem „Wirtschaftsprogramm" im eigentlichen Sinne des Wortes sprechen zu können. — Auch der „Vorwärt s" (soz.) bezeichnet die Kanzlerrede als eine Kampfansage an Hitler. Die politischen Bestimmungen nennt das Blatt „ein Stück Belagerungszustand". Das Verbot des Tragens von Uniformen und politischen Abzeichen schere alle über einen Kamm. Daß es dis auf weiteres den Verteidigern der Republik in gleicher Weise wie ihren Feinden verboten fein solle, ähre. Gesinnung in Kleid und Abzeichen erkennen zu lassen, müsse Erbitterung Hervorrufen. Bei Erörterung der lohn- und preispolitischen Bestimmungen gibt der „Vorwärts" der Meinung Ausdruck, daß die Lohnsenkung stärker als die Preissenkung sei. Die Rotverordnung stelle darum eine außerordentlich schwere Belastung für die Arbeiterschaft dar. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" (DVP.) sagt, man könne der Reichsregierung nicht mehr den Vorwurf machen, daß sie halbe Maßregeln ergreife und keine ganze Arbeit leiste. Es sei diesmal eher zu fürchten, daß die Keule zu heftig geschwungen worden sei. Die Mittel, deren sich die Regierung bediene, widersprächen an einigen Punkten in fundamentaler Weise den Grundprinzipien des kapitalistischen Systems. Es sei zwar kein Zweifel darüber möglich, daß die Regierung als Ziel ihrer Politik nicht den Bolfche» wismus betreibe, sondern die Rückkehr zu normalen Verhältnissen. Ader ob der Zweck die Mittel so sehr heiliges dürfe, wie es in dieser Notverordnung geschehe, müsse doch bezweifelt werden. Die „Kölnische Zeitung" (DVP.) schreibt u. a.: Unter dem Druck von außen habe die Regierung Brüning in ihren Maßnahmen den Grundsatz der freien Wirtschaft und der Privatwirtschaft, der bereits zum erheblichen Teil eine Fixion geworden war, in wesentlichen Teilen noch weiter verlassen müssen. Das Abweichen von diesem Grundsatz sei ein vorläufiges, was aber in Zukunft daraus werde, das vermöge niemand zu sagen. Der Weg, den die Reichsregierung habe beschreiten müssen, führe in eine immer stärkere Regelung der Wirtschaftsbewegungen durch den Staat, zu einer schärferen Kontrolle und Eingreifen in das private Handeln. Aber es gebe keinen anderen, und es fei das Bezeichnende unserer von Weltkrise und Reparationszwang bestimmten Lage, daß auch eine Regierung der Opposit on ihn beschreiten müsse. Wir übersehen jetzt erst die Anfangsstrecke. Sie fei, wenn sie folgerichtig durchgebaut werde, eine Vorstufe des Staatskapitalismus. Der „Lokalanzeiger" (Hugenberg) führt aus, daß er seit dem Jahre 1924 immer wieder auf das eindrückkichste vor all den Fehlern gewarnt hätte, deren leicht voraussehbare Folgen die heutige Lage herbeigeführt hätten. Eine u n • geheure Verantwortung habe Brüning auf sich geladen mit seinem Versuche, in letzter Minute eine gemäßigte Binnenwirt - schäft unter gleichzeitiger Herabdrückung des gesamten Preisniveaus der deutschen Volkswirtschaft zu erzielen. Ob er in der Lage sei, auch nur parlamentarisch sein Werk durchzuhalten, sei noch unsicher. Mit der scharfen Polemik gegen die Rationalsozialisten habe er bewußt sein parlamentarisches Schicksal wieder allein auf die Sozialdemokratie gestellt. - Der „Sag“ (Hugenberg) spricht von einem „Sprung ins Dunkle" und fragt: Wird über dem Wege, den der Kanzler Brüning jetzt gehe, das tragische Wort „zu spät" stehen? Manches, was in der Rotverordnung stehe, könne man als ein Sichbesinnen auf jene nationale Binnenwirtschaft deuten, die Hugenberg seit Jahren gefordert habe. Die kommunistischen Blätter „Rote Fahne" und „D erlin am M 0 rge n" sprechen von einem „Generalangriff der Drüning-Diktatur gegen die Arbeiterklasse". lösuna der Schulden der Länder und Gemeinden, soweit sie nicht zum Aussüllen de- laufenden Aufkommens in den Rechnungs- jähren 1932 bis 1934 oder zur gemeindlichen Umschuldung verwendet werden. Die Nowerorbnung sieht ferner eine M i e t - senkung sowohl der Wohnungen als dergewerblichenRäume vor. Die Grundlage dafür ist geschaffen durch die Herabsetzung des Zinsfußes in Verbindung mit der Neuregelung der HauSzinSsteuer. Am einfachsten ist sie durchzuführen bei den Räumen, die den Vorschriften des ReichSmietengesehes unterliegen, wo Ne auch in der Verordnung zahlenmäßig vorae- schrieben wird. DaS gleiche gilt für Räume, die zwar den Vorschriften des Reichsmietengesetzes nicht mehr unterliegen, jedoch bereits vor dem 1. Juli 1918 bezugsfertig geworden sind. Eine Senkung um 10 Prozent der Friedensmiete bedeutet eine fühlbare Entlastung de, EinzelhauLhalt». Für den Vermieter ist sie durch die Vorschriften über die Zinssenkung tragbar. Lei den Neubauwohnungen, bei denen der Mietzins nicht gesetzlich seslgelegt ist, kann nur so vergegangen wer- den, daß die tatsächliche Entlastuag, die der Vermieter im Einzelsall durch die Zinsherabsehung erfährt, von der Miete in Abzug gebracht wird. Auch hier wird zweifellos in der überwiegenden Zahl der Zölle die Mietsenkung recht erhebliche» Ausmaß haben. 3a den Aussührungsbestim- mungen wird dem Vermieter die Verpflichtung auserlegt werden, den Mietern unverzüglich die neue Mietsberechnung mitzuteilen. Mo im Laufe de» letzten 3ahre» der Mietzins bereits herabgesetzt ist, soll diese Herabsetzung bei der angeordnelen Mietsenkung ange- , rechnet werden. Daneben gibt die Verordnung dem Mieter, ohne Ruckflcht darauf, ob es sich um Altbau oder Neubau handelt, um Wohnungen oder Geschäftsräumen, das einmalige außerordentliche Recht, alle vor dem 15. Juli 1931 geschloffenen, über den 31. März 1932 hinauslaufenden Mietverträge vorzeitig zu dem letztgenannten Termin zur Auflösung zu bringen. Ausgenommen sind die Fälle, wo sich der Hauseigentümer mit dem Mieter im Laufe des Jahres 1931 auf eine Senkung des Mietzinses um mindestens 20 v.H. geeinigt oder wo der Vermieter auf Wunsch des Mieters kostspielige Um- bauten der Räume gegen einen längeren Vertrag vorgenommen hat. Für größere Wohnungen besteht wirt- schastlich die Möglichkeit, das Reichsmieten, und Mieters cyutzgesetz aufzuhebe n. Als Zeitpunkt dieser Maßnahme ist der 1 April 1932 vorgesehen. Dasselbe gilt mit gewissen Ausnahmen für Geschäfts raume. Schließlich bedürfen auch Unter mietoerhältnisse jetzt keinen besonderen Schutzes mehr. Aber auch soweit hiernach Wohnungen und Geschäftsräume aus der Zwangswirtschaft herausgenommen werden, bleibt das Fordern, Annehmen oder Versprechenlassen von unangemessen hohen Mieten verboten und strafbar. Weltergehende Lockerungen sind auf dem Gebiete des Wohnungsmangelgesetzes möglich. Das Verbot der Zusammenlegung und der Umwandlung von Wohnungen in Geschäftsräume wird aufgehoben. Die Notwendigkeit, leerstehenden oder freiwerdenden Wohnraum zu beschlagnahmen, kann nur noch für d i e kleineren Wohnungen anerkannt werden. Die schon angekündigte völlige Aushebung der Wohnungsgesetze wird für den 1 April 1933 in Aussicht genommen unter der Bedingung, daß bis dahin die Mietvorschristen des Bürgerlichen Gesetzbuches nach sozialen Gesichtspunkten ausgestaltet worden sind. 3. Maßnahmen ans dem Gebiete derZw ngSvollstreünng. Unter Hinweis auf die ungünfttge Lage des Grundstückseigentums und auf das Ansteigen der Zwangsversteigerungen heißt es dann: der Zuschlag darf regelmäßig nicht unter sieben Zehntel des Grund st ückSwertes erteilt werden. Der Schuldner, der seine Verpflichtungen infolge der Wirtschaftskrise nicht hat erfüllen können, kann die einstweilige Einstellung der Grün dstücksver steige- runa künftig aus 6 Monate erwirken. Hm Härten zu vermeiden, die sich im Einzelfalle für die Gläubiger ergeben können, sieht die Verordnung vor, daß das Gericht bei seiner Entschließung die Interessen des Schuldner- und des Gläubigers gegeneinander adzuwägen hat. Für l a n d- wirtschaftliche Grund st ücke ist besondere Vorsorge getroffen. In Hebereinstimmung mit dem Wirtschaftsbeirat der Regierung muh die Fortführung der landwirtfchaft- lichen Detriebe mit allen verfügbaren Mitteln sichergestellt werden. Deswegen ist vorgesehen, daß bei landwirtschaftlichen Grundstücken auf Antrag des Schuldners gegenüber dem bei- treibenden Gläubiger die vorläufige Einstellung der Zwangsversteigerung bis noch der Ernte bann zulässig fein soll, wenn die ordnungmäßige Fortführung de« Be- triebe« und die Einbringung der Ernte bei einer Betriebsführung durch den Schuldner gewährleistet, aber bei Fortführung des ZwangSverstei- gerungSverfahrens gefährdet fein würde. — Weiter spricht die Verordnung davon, daß da« ZwangsverwaltungSversahren einfacher und billiger ausgestaltet wird al« bi«her. E« ist Vorkehrung getroffen, daß ZwangSvollstreckungSmahnabmen in beweg- lldjc Gegenstände des landwirtschaftlichen Betriebe« feiten« de« Gerichte« aufgehoben werden können. Bei der Ausgestaltung der Schutzmaßnahmen ist daraus Bedacht genommen, daß in die bisherige Regelung de- ZwangS- versteigerung-veriahren« nicht weiter eingegriffen werden soll, als e« die Sicherung der kommenden Ernte erfordert. 4. Sonstige wirtschaftliche Maßnahmen. Rach einer Schilderung der Zentralisierung-- tendenzen in der deutschen Wirtschaft heißt e« daß ein Teil der Wirtschaft dazu neigt, sich in gewissem Hmfangc wieder zu dezentralisieren. Diesem Bestreben kommt die Verordnung entgegen, indem sie die Austeilung großer Gesellschaften steuerlich erleichtert Vom 2. April 1932 an können auf dem Gebiete Der Reichskommiffar für die Preisüberwachung. Oberbürgermeister Goerdeler trennt sich von den Oeutschnationalen. Berlin, 8. Dez. (IDIB.) Amtlich. Der Herr Reichspräsident empfing heute abend den vberbürgermeisier Dr. Goerdeler (Ceip- zig- und bat ihn, im Interesse der Allgemeinheit und der schnellen Durchführung der Drei»- fenkong da» in der neuen Notverordnung geschaffene Amt eine» Reich»kommifsar» für die Preisüberwachung zu übernehmen. Dr. Goerdeler Hal sich dem Herrn Reichspräsidenten z u r Verfügung gestellt. Der neuernannte Reichskommissar Hal sich nach einer Unterredung mit dem Führer der Deutschnationalen valksparlei, Dr. hugenberg, entschlossen, da seine Stellung ihn in einen Gegensatz zur polillschen Haltung der D eo l s ch n a t i o n a l e n Volkspartei und ihrer Oppofitionsfleflung gegen da» Kabinett Brünlag bringt, au» der Partei an»* j u I r e I e n. 3n der Erklärung darüber gibt er bekannt, daß er nach wie vor mit den politischen und weltanschaulichen Grundsätzen der Partei sich verbunden fühlt. Die deulschnationale Pressestelle er klärt zu dem Austritt de» Relchskomissar» Goerdeler, daß die grundsätzlich ablehnende Haltung der P a r 1 el zur Regierung Brüning den Austritt de» Reichskommistars, der der Regierung seine Mitarbeit zur Verfügung stellt, zu einem A k t selbstverständlicher Loyalität macht. Der neue Reichskommissar Dr. Karl Goerdeler wurde 1884 in Schneidemühl geboren. Sein Vater war Geheimer Rcgierungsrat und Landschasts- syndikuS sowie Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses. G. studierte auf den '’—netfi- täten Tübingen und Königsberg i. Pr Nachdem er 1911 die Gerichtsassessorenprüfung ...gelegt hatte, war er in verschiedenen Banken tätig. 1912 wurde er juristischer Hilfsarbeiter der Stadt Solingen, 1913 Beigeordneter in Solingen. Den Krieg machte er als Hauptmann der Reserve eines Feldartillerie-Regiments an der Front mit. 1920 wurde er zum 2. Bürgermeister von Königsberg gewählt und 1930 zum Oberbürgermeister der Stadt Leipzig. 3m Deutschen Städtetag ist er Mitglied des Personal- und des DerkehrsauS- schusses. F'ner ist er Stellvertretender Vorsitzender des Reichsarbeitgeberverbandes deutscher Gemeinden und Kommunalverbände. der Einheitsbewertung und der Vermögenssteuer Maßnahmen getroffen werden, die den auf den 1. Januar 1931 eingetretenen Veränderungen Rechnung tragen. Die Mineralwasser- steuer wird vorübergehend außer Kraft gesetzt. Die Wirtschaft soll für einen gewissen Zeitraum zum Zwecke einer Bilanzierung von den gegenwärtig geltenden Bewertung-Vorschriften befreit werden. Es ist beabsichtigt, die Möglichkeit, Wertpapiere des Hmlaufsver- mögens im lausenden Geschäftsjahr zu einem anderen als der gesetzlich vorgeschriebenen Laufzeit zu bewerten. Die Einstellung eines besonderen Gntwcrtungskontos unter die Aktiven soll für das Hmlaufsvermözen gestattet werden, um Verluste auf einen größeren Zeitabschnitt als daS gegenwärtige Geschäftsjahr zu verteilen. Die Reichsregierung hält es für geboten, ein Vier- Pfennigstück zu schaffen, um den Zahlungsverkehr mit Pfcnnigrechnung au erleichtern. DaS Fünfpsennigstück soll allmählich in entsprechendem Ausmaß eingezogen werden. 5. Soziale Versicherung und Kürsorge. Um die Rentenversicherung zwischen Klippen und Untiefen ohne Gefahr für den Bestand hin- durchzufübrcn, läßt die Verordnung die Renten in ihrer Höhe und den Kinderzuschuß unberührt, hält eS aber für notwendig, daß z. B. die K i n - derzuschüfse und Waisenrenten nicht mehr über das 15. Lebensjahr hinaus bezahlt werden, daß doppelter und dreifacher Bezug von Renten wegfällt oder wenigstens eingeschränkt wird, daß die Hinterbliebenenrenten in ihrem Gesamtbetrag nicht die Hauptrente übersteigen und daß die Versorgung für Hinterbliebene von Männern, die vom 1. Januar 1912 schon Invalide oder tot waren, von der Versicherung wieder auf die Fürsorge übergeht. In der Unfallversicherung fallen die kleinen Verletztenrenten weg. Die Verordnung besiegelt ferner den vom Reich-arbeitsministerium vermittelten Frieden zwischen Aerzten und Krankenkassen. 'Die Leistungen für die Krankenkassen und Ersatzkassen werden, wenigsten« Zeitweise, auf die Regellcistungen beschränkt. In der Fürsorge bleibt die sogenannte gehobene Fürsorge für Sozial- und Kleinrentner grundkählich aufrechterhalten, beim Ausmaß der linier- ftußung hat jedoch die Eigenart des Falle- be- rücksichtigt zu werden. 6. Arbeifsrechfliche Vorslbristen. An die Spitze des Kapitels über die arbeitsrecht, lidjen Vorfchr.flen wird vom Kommentar der Grundsatz gestellt, daß die Verordnung an den rechtlichen Grundlagen des kollektiven Arbeitsrechts nichts ändert. Dagegen soll das Tarifvertrag s s y ft e m allmählich in Uebereinftimmung mit den unterschiedlichen Verhältnissen der einzel- nen Gebiete und Wirtschaftsweise umgebaut werden. Voraussetzung dazu ist Schaffung einer der Lage der Gcfamlwirtschafl entsprechenden Grund- läge für Löhne und Gehälter. Die Reichs- regierung ist der Auffassung, daß die erforderliche Preissenkung in vielen Wirtschaftskrelsen nur erfolgen kann, wenn d , e Produktionskosten erheblich gesenkt werden. Eine fühlbare Sen- kung der Produktionskosten kann aber nicht ohne eine entsprechende Senkung der Löhne und Gehalter durchgeführt werden. Dabei soll grundsätzlich auf den Stand im Anfang des Jahres 1927 zurückgegangen werden. Die Reichsregierung ermißt die ganze Schwere dieser Maß. nähme, sie wird aber den Arbeitnehmern zugute kommen, weil die Lebenshaltungskosten bereits erheblich gesunken sind, und zwar nach dem Lebens- Haltungsindex unter den Stand von 1927, und weil die Reichsregierung im Gesamtergebnis von ihren Maßnahmen eine weitere bedeutende Verbilligung der Lebenshaltung erwartet, die auf die Dauer eine Senkung des Reallohns verhindert. Der Kommentar beschäftigt fich bann mit den Möglichkeiten der Durchführung einer gleichzeitigen Herabsetzung der Gesamtkosten der wirtschaft, au» denen sich ergibt, bah e» nolroenbig mar, mit Wirkung »om IJanuur 1 932 ab unmittelbar eine Senkung ber Löhne unb Gehälter unb zwar grundsätzlich auf ben Staub vom 10. Januar 1 927 herbeizuführen, dadurch, bah bie damaligen Lohn- und Gehall»- fähe an Stelle ber heutigen im Tarifvertrag al» vereinbart angesehen werben. Durchschnittlich würbe ba» eine Kürzung van etwa 10 bl» 15 v. h. ausmachen, in einer Reihe von Wirt- schaflszwelgen jebach erheblich mehr, roa» bie Reichsregierung nicht für tragbar hä«. Vie Perorbnung bestimmt beshalb, bah im Sumulfuarltoe Äinlerhufeoebalte im ianbiao. Die Nachmittagsfitzung Während der Pause wird von den Nationaisozia- listen dem Zentrum das Koalilionsangebot mit betallierten Bedingung e.n unterbreitet In der Nachrnittagssitzung fragte 21bg Lenz (NS.), aus welchen Gründen zur Zeit 6 Saft- tnaaen mit Schupo, die Maschinengewehre bei sich führten, durch die Stadt führen. Staatspräsident Adelung erwiderte, daß er innerhalb der Ge- schäftsordnung-frist schriftl'ch vorliegende Anfragen beantworten werde. (Heiterkeit.) Gin lebhafter Tumult entstand, als der sozial- demokratische Abgeordnete S t e s f a n eine Erklärung verlas, es sei für Republikaner eine Zumutung, mit den nationalsozialistischen Abgeordneten, die durch die Boxheimer Affäre dem Volk und dem Dolksstaat gegenüber auf- schwerste belastet seien, im Hause zusammenHu- sitzen. Die Arbeiterschaft fordere unnächsichtlge Verfolgung der Drschuldigten. Anschließend entspann sich eine zweistündige Auseinandersetzung zwischen Kommunisten, Kommunistische Opposition und Nationalsozialisten über die von diesen drei Parteien eingebrachten spezialisierten Anträge auf Gewährung von Winterbeihilf c n an Erwerbslose und Rentenempfänger. Die Nuttel dazu sollen durch ein besonderes Notopfer und auf nationalsozialistischen Antrag auch noch durch die Reichsregierung bereitgestellt werden. Gin Zentrumsantrag verlangte, daß zunächst die Anträge im Ausschuß beraten werden, um eine sachliche Behandlung im Interesse der Wchlfahrtserwerbslosen ü b e r h a u p t zu ermöglichen. Für die Nationalsozialisten schloß sich der Aba Lenz diesem Anträge an. da die letzte halbe Stunde bewiesen habe, daß die Kommunisten diese Anträge nur zur Agitation an die Tribüne ausnuhen wollten Als in der Abstimmung die Anträge dem Ausschuß überwiesen wurden, entstand einungeheurerTumult. Don der Tribüne hörte man Zwischenru'e: ..Das ist das wahre Gesicht der Nationalsozialisten! Ihr seid keine Arbeiterpartei, sondern Arbeiterverräter!' Präsident W.rner regte an, daß die Aus- schü'se sich sofort konstituieren. Diesem Vorschläge stimmte das Haus zn Hm 16.45 Hhr vertagte der Präsident die Sitzung auf Freitag Oer nationalsozialistische Winterhilfe-Antrag. Der von den Nationalsozialisten eingebrachte Antrag zur Gewährung einer Winterhilfe lautet Der Landtag wolle beschließen: 1. allen Er- werbslosen, Sozialrentnern und deren unterstützungsbedürftigen Angehörigen eine besondere Zuwendung in bar für die Beschaffung von Winterkleidung zu gewähren. Als Mindestsätze beantragen wir a) für Eheleute ohne Kinder 80 Mk., für jedes Kind 35 Mark, bi für Alleinstehende 50 Mark Diese einmalige Zuwendung ist am 1. Januar 1932 au-zuzahlen. Außerdem als laufende Beihilfen a) an Familien mindesten- drei Zentner Kohlen pro Monat, b) an Alleinstehende mit eigener Wohnung zwei Zentner Kohlen pro Monat, c) an sämtliche Hnterstützungsberechtigte nebst deren Angehörige je einen Zentner Kartoffeln für den Monat bereitzustellen. Die Aufbringung der Mittel erfolgt durch ein einmalige - Notopf er von allen liquiden Vermögen über 20 030 Mark und von allen Gehalts- und Lohnempfängern über 8000 Mark. Vorsorglich stellen wir den Antrag, das «Reich zu ersuchen, die für die Winterbei- hilfen erforderlichen Mittel zur Verfügung zu l stellen Höchstfälle Senkungen um 10 vH. unb in ben Fällen, In benen feit dem 1. Juli 1931 keine Kürzung eingetreten ist, um 15 v. h. Um ben neuen Lohn- unb Gehaltswnd» bi» in» einzelne feft wiegen, treten die Parteien jede» Tarifvertrages bis zum 19. Dezember 1931 zusammen. Da. wo in freier Verhandlung eine Festlegung nicht Jetzt, hat sie durch eine Behörde zu erfolgen. Der ommentar lagt dazu: Die Verordnung sieht hierzu ben Schlichter als die geeignete Stelle vor. «sie treffen ihre Feststellungen endgültig und gegenüber allen Beteiligten Die Schlichter können auch die Saufbauer der Tarifverträge bi» zum 30. September 1 932 verlängern, wenn das für die ruhige Fortentwicklung de» Wirtschaft»- Zweiges erforderlich ericheint und die Verhältnisse genügend übersehbar sind Da durch die Herabsetzung der Löhne und Gehäster im Laufe des Tarifvertrags keine Aenderung eintreten soll, trifft die Der- Ordnung auch Vorsorge dafür, daß die neuen Sätze mit größter Beschleunigung im Rahmen eine» im übrigen allgemein verbindlichen Tarifvertrages ebenfalls allgemein serbindlich wer- den Das gesamte geschilderte Verfahren gilt nicht für die Arbeiter und Angestellten, deren Löhne oder Gehälter nach den Vorschriften der Verordnung bereits im Zusammenhang mit der Kürzung der Be- anUcngebälter gesenkt werden Auch hat die Verordnung von einem Eingreifen in bie nicht tarifvertraglich geregelten Löhne unb Gehälter abgesehen. 7. Sickerung der Haushalte. Im Kapitel VU „Sicherung ber Haushalte" wird von der Erhöhung der Umsatzsteuer ge- sprachen, um die Haushalte der öffentlichen Hand sicherzustellen. Wenn dadurch — so heißt e» — der Preissenkung.'tendenz gewisse Hemmungen entstehen, so erwarte die Neiden gierung, daß diese bei dem sich aus der Kesamtlage ergebenden Druck, soweit irgend angängig, überwunden werden. Ab 1 Januar 1932 wird die Umsatzsteuer 2 Prozent betragen. Ausgenommen sind: Brot, Getreide, Mehl, Brot ober Kleie au» (Betreibe, sowie den anderen daraus hergestell- ten Backwaren Bei diesen bleibt der Steuersatz unverändert, so daß auch jede Veränderung des (Betreibe-, Mehl- oder Brotpreises dadurch vermieden wird. Neu eingeführt wird die Besteuerung des Einbringens von Gegenständen in das Inland. Diese Steuer dient für den Lu»- Öder Belastung der deutschen Waren, die eine Bfteuer tragen, mit den eingeführten Gegen- ständen (A u s g 1 e i ch s st e u e r) Ausgenommen von der Ausgleichssteuer sollen nur bestimmte Rah- ftoffe ober Hilfsstoffe werben, bie für bie deutsche Produktion erforderlich sind und im Inland nicht oder in nicht ausreichender Menge erzeugt werden. Don dem M e h r a u f k o m m e n, da» auf da» Jahr mit 900 Millionen Reichsmark veranschlagt wird, erhalten die Länder und Gemeinden 3 0 o. H Das Kapitel sieben enthält ferner Vorschriften über die Einkommen st eueroor- aus Zahlung Die am 10. April 1932 fälligen Vorauszahlungen auf die Einkommensteuer unb Körperfchaftsfteuer sollen auf den 10 März 1932 ooroerleyt werden Auch die im Rechnungsjahr 1932 fällig werdenden Vorauszahlungen find nach näherer Bestimmung de» Reichsftnanz< ministers entsprechend f r ü h e r zu zahlen. Des weiteren berichtete das Kapitel sieben von den Vorschriften über die Reichsfluchtsteuer. Durch diese sollen nicht die Personen betroffen werden, die in der deutschen Heimat einen auskömmlichen Lebensunterhalt nicht finden und nunmehr in fremde Lände ziehen, um dort etwa al» Kolonisten fertig zu werden. Ebensowenig sollen die Deutschen nicht davon betroffen werden, die im Interesse deutscher Firmen ins Ausland gehen, um den Export au fördern. Vielmehr sollen durch bie neuen Vorschriften nur bie Personen betroffen wer- ben, bie besonders leistungsfähig sind und aus Gründen, die volkswirtschaftlich nicht gerechtfertigt sind, ihren Wohnsitz ins Ausland verlegen. Demgemäß beschränken sich die Vorschriften auf deutsche Staatsangehörige, die am 1. Januar 1928 ober am 1.Januar 1931 ein steuerpflichtige» (Be* famtoermögen von mehr als 200000 Reichsmark ober im laufenden ober in ben beiben oorangegangenen Steuerabschnitten ein E I n- kommen von mehr als 20000 Reichsmark gehabt haben. Die einmalige außerordent- liebe Steuer, bie biefen Personen auferlegt werden soll, ist auf i des gesamten steuerpfsichtig e n Vermögens festgesetzt. Nur diejenigen Deutschen sollen der Steuer unterliegen, die in der Zelt vom 1. April 1931 bis 31 Dezember 1932 ihren Wohnsitz ins Ausland verlegt haben ober verlegen werden. Hm die Beitreibung ber Reichsfluchl- ftcuer zu sichern, werden In ber Verorbnung Steuer st cckbriese, ben bas Finanzamt gegen ben Steuerpflichtigen erlassen soll, unb Strafbestimmungen (Freiheitsstrafen, Geldstrafen) vorgesehen. Jin Zusammenhang mit der Reich-fluchtfieuer sind u. a. folgende Maßnahmen gegen K a - pital-undSteuerfluchl vorgesehen Leitende Angestellte von deutschen Unternehmen, wenn sie formell ihren Wohnsitz im Auslände haben, aber trotzdem im Jnlande die Geschäfte führen, sollen so behandelt werden, als wenn sie ihren gewöhnlichen Aufenthalt Im In- lande haben, daS heißt, sie sollen unbeschränkt steuerpflichtig sein. Das gleiche gilt auch für die Aufsichtsratsmitglieder, die im Auslände wohnen, aber vertretungsweise oder vorübergehend die Geschäfte eine« Vorstandsmitgliedes im Jnlande führen. — In den neuen Vorschriften ist ferner ausdrücklich klargestellt, bafj Beträge für die Heberlassung von literarischem, künsllerischem und gewerblichem Urheberrecht, sowie von gewerblichen Erfahrungen, die an im Auslande wohnende Personen gezahlt werden, der deutschen Besteuerung unterliegen. Die Notverordnung vom 1. Dezember 1930 sah für das Rechnungsjahr 1931 neben einer Real- ftcucrfenlung auch eine R e a I st e u e r s p e r r e in ber Weise vor, bah eine Erhöhung bet Realsteuersätze über den Stand vorn 31. Dezember 1930 ausgeschlossen war. An dieser Realsteuersperre soll auch weiterhin grundsätzlich fest gehalten werden. Im Interesse von Gemeinden, bie Infolge bes Wegfalles von Einnahmen aus Grundbesitz, Forsten ufw. notleibenb geworden sind, sieht jedoch die Notverordnung f ü r b a i letzte Viertel des Rechnungsjahres 19 3 1 für die Gemeinden, deren Realsteuerfätze unter dem Landesdurchschnitt liegen, die Möglichkeit einer Erhöhung big zum Landesdurchschnitt vor. Auf Grund der vorher verordneten Eiats- maßnahmcn ergibt sich folgendes Bild: der im September von ber Reichsregierung erneut auf- dH * -^ark J Itfjcn 1 Äcse L-n . n a t ' sü** ^.3öetau kS8* r»“iu' liontn nx6t aus' V«b!b .Veränderung des Ee, lies dadurch vermieden > die Lesleuerung Gegenständen in -r bient für den Aus- sichen Baren, die eine n eingesührten Eegen- uer). Ausgenommen en nur bestimmte Nch n. die sür die deutste und im Inland niä Menge erzeugt werde mmen, das aus bs ieichsmark veronschlazl der und ©emeir« sieben enchält sernir immensteuervoi. lü. April 1932 sällig-n Eintommensteuer urä us den 10. März »en Auch die im Neidenden Borauszahlungm mng des Neichssinan;- >er zu zahlen. 05 fiapitel sieben von etchsfillchtfteuer. ertönen betreffentoet» imat einen austvmm- sinden und nunmehr n dort etm als Roll' .beniowenifl sollen die Üen werden, die im 3'* Ausland gehen, um bei r sollen durch die neun r|onen betroffen eistungsfohig P e oolkswirtschaft' irtiflt sind, ihm nd verlegen. L\ Porschriften auf beuii« 1 Januar 1928 obere- erpflichi'ges mehr als 20000- laufenden ober m br euerab dtnitten em EU 1“" 20000 Seif? finmoliee ««6«** -rinnen a*le«t »* mten steuerpj>!° besetzt. Nur r unterliegen, bie'»HJ 31 Dezember 19” W eg' w; LK b« NnM rb**«.*f feA 'ber 1931 JS?8 eine W,?'"^en. rbe Äflung nicht Siete Ctek^M unh 6ie Schier k2^en. Derträge "? M rrZd b-6iieK*> w'i“"” UM* * ü'Ks lufW* aber inbe vohne^.°^M t deu 1930 Ij SjüftW öe sühren-' ii» «es1»* bet «ER LiA-S r-Srr Seiner^ r>5; Äiat*' i gestellte Haushalt für 1931 schließt im ordentlichen und außerordentlichen Haushalt aus der Einnahme- und Ausgabeselle mit 9150 Millionen Mark ab. 1930 betrugen die Gesamtausgaben 11 985 Millionen Mark. Somit ist der Ausgaben st and um fast 3 Milliarden gesunken. Etwa zur Hülste beruht diese Senkung auf der Verminderung der Reparationszahlungen infolge des Hooverplanes. Vei den Einnahmen ist mit einem Minderaufkommen von rund 850 Millionen gegenüber 1930 gerechnet worden. Aach den Aufkommensergebnissen in den Monaten September bis Aovember muh mit einem weiteren Ausfall von rund 200 Millionen im Jahre 1931 gerechnet werden. Dazu kommt, daß angesichts der Kapitalmarktlage der Erlös aus dem Verkauf von 150Millionen R e i ch s b a h n v o r z u g s a k t i e n nicht aufkommen wird. Der sich ergebende F ehlbetrag wird durch den Münzgewinn und durch die Kürzung der Gehälter vom 1. Januar ab, sowie durch die Erhöhung der Umsatzsteuer aus 2 Prozent und die Vorverlegung der Einkommensteuer von April auf den März a u s - ge glich en. Somit ist der Haushalt des Reiches gesichert, auch wenn die für Llnterstiihung der durch Wohlfahrtserwerbslosenlasten besonders betroffenen Gemeinden vorgesehenen 230 Millionen nicht ausreichen sollten. Die vom 1. Ianuar ab vorgesehene weitere Gehalts- und Lohnsenkung bei den Beamten, Angestellten und Arbeitern betrögt 10 Prozent. Der haushalt für 19 3 2 würde sich, wenn die Reparationslast die gleiche bleibt, auf der Einnahmeseile aus 7830, auf der Ausgabcnseite auf 8790 Millionen belaufen. Dabei ist davon ausgegangen, daß das Steueraufkommen gegenüber dem Jftergebnis von 1931 um rund 700 Millionen, gegenüber dem Jstergeb- nis von 1930 um rund VA Milliarde Zurückbleiben wird. Der Fehlbetrag von 960 Millionen soll durch die Ersparnisse infolge der Gehalts- und Lohnkürzungen in höhe von rund 200 Millionen und durch die rund 700 Millionen aus der Erhöhung der Umsatz st euer gesetzt werden. Der verbleibende Fehlbetrag von 60 Millionen wird durch weitere Ersparnisse bei den sächlichen Ausgaben erseht, die sich infolge der Miet-, Preis- und Zinsfenkung erzielen lassen. Der Etat 1932 würde damit auf Einnahme und Ausgabe mit 8530 Millionen a b - schließen, das bedeutet gegenüber 1930 eine Senkung um rund 3% Milliarden. 8. Schuh des inneren Friedens. Das letzte Kapitel der amtlichen Verlautbarung beschäftigt sich mit den Maßnahmen zum Schuhe des inneren Friedens. Im ersten Abschnitt wird zu den Vorschriften über den Waffenmih- brauch ergänzend festgelegt, daß in gefährdeten Bezirken die Anmeldung von Waffen aller Art und wenn nötig auch die Ablieferung der Waffen verlangt werden kann. Der Erwerb von Schußwaffen wird erschwert, die Herstellung von Hieb- und Stoßwaffen sowie der Handes damit ist genehmigungspflichtig. Die bisherigen Gtrafvorschriften wegen verbotenem Waffenhandel find erheblich verschärft worden. 3m zweiten Abschnitt wird auf das Lleberhandnehmen der politischen Verhetzung und der da- mit verbundenen Ausschreitungen hingewiesen, die häufig durch von Privatpersonen getragene Llni- formen und Abzeichen verursacht werden. Reichspräsident und Reichsregierung seien daher entschlossen, das Tragen von Uniformen und Abzeichen politischer verbände mit sofortiger Wirkung ohne jede Ausnahme für das ganze Reichsgebiet zu verbieten. Der dritte Abschnitt erläutert die Vorschriften zur Verstärkung des Ehrenschutzes für im öffentlichen Leben stehende Personen, einerlei, welcher politischen Partei sie an« gehören. Zu diesem Zweck sollen die Strafrahnen tor allgemeinen Beleidigungsparagraphen des Strafgesetzbuches verschärft werden, indem bei leichtfertiger Behauptung nicht erweisbarer Tatsachen, tote geeignet sind, diese Personen des notwendigen öiifentlichen Vertrauens unwürdig erscheinen zu las- [ m, die Mindeststrafe auf 3 Monate und bei verleumderischer Beleidigung auf 6 Monate festgesetzt wird. Außerdem soll auf eine Buße an bie Staats? aff e bis z u 100000 Mark erkannt werden können. 3m vierten Abschnitt wird schließlich mitgeleilt, daß zur Wahrung des Deihnachts- f Hebens bis z u m 3. Januar 19 3 2 alle öffentlichen politischen Versammlungen und Aufzüge verbo- t e n sind, ebenso wird die Verbreitung von Plakaten und Flugblättern politischen Inhalts untersagt. InderSchlußbemerkung wird dann u. a. ausgeführt: Die Reichsregierung ist überzeugt, daß die angeordneten Maßnahmen in ihrem un- l.oslichen Zusammenhang derWirtschaft E r- lleichterungenbringen und eine Festigung ihrer Basis, die die Opfer weit übersteigen. Das j edoch nur dann, wenn das gesamte Volk in voller Erkenntnis der ungeheuren Schwere der Zeit und ber unmittelbar drohenden Gefahren dem Wege f otgt, den die Reichsregierung vorzeichnet. Die Verantwortung dafür, daß das Ziel erreicht wird, trifft das deutsche Volk in seiner Ge - f aintheit und jeden inzelnen. Er muh er» kennen, daß nicht Willkür die Bestimmungen dik- tiert, sondern die harte Aotwendigkeit. Ihr muß er sich fügen, wenn ihm auch zunächst daraus Opfer erwachsen. Der Schaden, der dadurch für ihn und alle entstände, wenn mangels Verantwortungsbewuhtsein die Schaffung einer neuen und soliden Basis für das Wirtjchaftsleben nicht erreicht würde, wäre unendlich größer als diele Opfer s e l b st. Neuer Antrag auf Einberufung deSReichsiagS. D e r l i n, 8. Dez. (DDZ.) Die kommunistischen Mitglieder des Aeltestenrats haben am Dienstag einen neuenAntragaufEinbe- rufung des Aeltestenrats beim Reichstagspräsidenten Lobe gestellt, und zwar f ü r Freitag, den 11. Dezember. Die Einberufung des Reichstagsplenums wird- für Dienstag, den 15. Dezember, verlangt. Als Tagesordnung werden kommunistische Anträge auf Aufhebung der neuen Aotverordnung vorgeschlagen, in Verbindung damit eine finanz- und wirtschaftspolitische Aussprache, sowie erneut eine außenpolitische Aussprache und eine Erklärung des Reichsinnenministers zu den hessischen Dokumenten. Oer Reichskanzler im Rundfunk. Oie Notwendigkeit der neuen Maßnahmen. Berlin, 8. Dez. (WTD.) Reichskanzler Dr. Brüning hielt heute abend im Rundfunk eine Rede, in der er u. a. ausführte: Am Vorabend der Veröffentlichung einer schicksalsschweren Notverordnung, die soeben der Herr Reichspräsident unterzeichnet hat, halte ich es für meine Pflicht, dem deutschen Volk in großen Zügen Aufschluß über die Ziele und Entscheidungen der Reichsregierung zu geben. Die zu treffenden Maßnahmen sind bedingt durch die Lage der Weltwirtschaft und des Kapitalmarktes der Welt. Sie sind bedingt durch die unerträglichen Lasten, die dem deutschen Volk im vergangenen Jahrzehnt a u f e r I e g t wurden. Aber sie gehen andererseits auch zurück auf die Fehler, die wir selbst indenvergangenenIahren gemacht haben. Tag für Tag schreitet die Zerrüttung der Weltwirtschaft fort. Ein Wirtschaftskrieg von ungeheuerem Ausmaße ist entbrannt, der die Wohlfahrt aller Völker der Welt zu untergraben droht. Sollen diese Gefahren gebannf werden, bann dürfen bie Entschließungen der Regierungen der Welt nicht hinter den Erkenntnissen Zurückbleiben. Durch Festhalten an formellen Rechtsauffafsun- gen kann bie Lage ber Welt noch nicht gemeistert werden. Großzügige Lösungen müssen gefunden werden, deren Wirksamkeit nicht mehr durch überholte Konstruktionen und Gedankengönge der Vergangenheit belastet ist. Wollte man abermals bei Teillösungen stehen bleiben, die an der zwangsläufigen Gesamllage vorbeigehen, so würde sich schnell erweisen, bah sie nicht nur für bie einzelnen Beteiligten unzureichenb, sondern auch für bie Welt unheilvoll finb. Mit den auf deutschen Antrag eingeleiteten Verhandlungen in Basel über bie Reparationsfragen haben gestern bie internationalen Verhandlungen begonnen. Ich richte noch einmal den bringend st en Appell an alle beteiligten Regierungen, dafür zu sorgen, bah die oft und von allen Seiten verkündeten Grundsätze verständnisvollen und solidarischen Zusammenwirkens sich jetzt endlich in letzter Stunde in die Tat Umsehen. Wenn jedes Land die Tendenz hat, sich abzugrenzen, währungspolitisch und zollpolitisch für sich zu sorgen, so wächst unweigerlich das Gesamlmah der Wirtschastszerstörung aller Länder. Alles dieses weist auf die internationale Verständigung hin. Aber bis zu einer solidarischen Lösung der Krise der Welt muß jede verantwortliche Regierung der Welt den Weg gehen, der aus den Lebensbedingungen des eig enen Volkes und der eigenen Wirtschast sich ergibt. Vollkommene Lösungen kann sie allein nicht geben. Für Deutschland, das eine schwere Inflation erlebt hat, steht im Vordergründe die Sicherung der Währung. Dieses Ziel zwingt die Reichsregierung nach außen zur Erfassung und planvollen Bewirtschaftung der anfallenden Devisen, es zwingt im Inneren zur unbedingten Sicherung des Etats auch mit harten Mitteln. War es möglich, bis zur Auswirkung der englischen Pfundkrise wohlüberlegt miteinander in Zusammenhang stehende Maßnahmen schrittweise zu treffen, so ist jetzt der Augenblick gekommen, entscheidende Maßnahmen auf zusammenhängenden Gebieten der Wirtschaft und Finanzen gleichzeitig zu treffen. Verbilligung von Produktion und Lebenshaltung. Preissenkung, Zinsfenkung, Lohn- und Gehalts- fenfung, sowie bie Senkung ber Frachten, also Maßnahmen auf ber ganzen Linie müssen gleichzeitig erfolgen. Rur so kann es gelingen, zu verhinbern, bah bie Realkaufkraft finkt, bie Produktion weiter zufammenschrumpft und bie Arbeitslosigkeit ins Ungemeffene steigt. Abbau und Tilgungsmöglichkeilen ber Hauszinssteuer oerbunben mit ber Zinsfenkung werben eine minbeftens lOprozentige Verringerung ber Mieten ermöglichen. Abbau bet Zinsen, gerechte Berechnung ber han- belsfpanne, müssen eine weitere Verbilligung be s täglichen Bebarf es herbeiführen. Slörenbe p r e i s b i n b u n g e n werben ausgelockert. Zu gleicher Zeit, wie bie Lohnsenkungen erfolgen, werben bie Preise ber gebundenen Produktion, kohle, Eisen, Düngemittel heruntergeseht. Frachlensenkung in grohem Ausmaß unterstützt die Preissenkung. Die Zinsen ber langfristigen Verpflichtungen, mit Ausnahme ber ausländischen, werden ebenfalls heruntergeseht, die Produktionskosten, insbesondere auch der Landwirtschaft, auf diese Weise gemindert. So soll überall, was auf der einen Seite allen Schichten ber Bevölkerung genommen werden muh, auf der anderen Seile ihr durch Steigerung des Geldes wiedergegeben werden. Alles dies soll Zusammenwirken, um die Verkrampfung am deutschen Geldmarkt und in der deutschen Gülerwirtschaft zu lösen, soweit das durch staatliche Machtmittel überhaupt geschehen kann. Schmerzlich sind die Opfer, die von Beamten, Arbeitern und Angestellten, ja darüber hinaus in beschränktem Umfange auch von den durch Sozialversicherungen Betreuten nun abermals verlangt werden. Wir haben lange versucht, und alles daran gesetzt, sie zu vermeiden, aber die Wirtschaftsnot zwingt wegen der inneren gesetzmäßigen Zusammenhänge dieser Dinge auch hier zuzugreifen. Sicherung des Eiais. Hinter allen diesen Maßnahmen steht als ein weiteres entscheidendes Moment die Sicherung der E. t a t s. Durch Erhöhung der Umsatzsteuer— bei Schonung des Brotes, Mehles und Getreides als Volksnahrungsmittel — und durch die Senkung der Ausgaben ist die Kassen- und Etatslage gesichert, sind die Voraussetzungen geschaffen, die für jeden Einzelnen das wichtigste sind, daß nämlich die Zahlungen des Staats in den kommenden Monaten pünktlich geleistet werden können. Mit steigender Rot haben sich in steigendem Maße weite Dolkskreise zu Traumbildern geflüchtet. Wunschgebilde aber sind fein politisches Programm: Eine Rettung Deutschlands ist jetzt, wie in den vergangenen Jahren nur möglich, wenn sich die Leitung ber deutschen Politik nicht gleichfalls in dieses Reich der Illusionen begibt, sondern sich bei heißester Liebe zum Volk und Vaterland von nüchterner Ueberle- gung, von klarer Einsicht in die uns nach dem Kriege verbliebenen Mittel und Möglichkeiten bestimmen läßt. Eine Regierung, die sich ihrer Verantwortung für Volk und Vaterland bemüht ist, barf und wirb nicht baoor zurückschrecken, einem drohen- ben Zerfall ber Volkskräfte mit eiserner Energie entgegenzulreten. Sie bulbel keine an- bere Macht als bie verfassungs- mäßige. Reichspräsibent unb Reichsregierung verfügen allein über bie Machtmittel des Staates. Sie werben mit unerbittlicher Strenge — notfalls auch unter Verhängung bes Ausnahmezuftanbes — gegen alle eingesetzt werben, bie sich unterfangen würben, in ben Stunden stärkster Rervenprobe den ver- fasfungsmähigen Gewalten in ben Arm zu fallen. Oer Nationalsozialismus. Wenn der Parteiführer der Rational s o z i a l i st e n die legalen Wege und Ziele seiner politischen Absichten betont hat, so stehen in grellem Kontrast dazu die heftigen Beteuerungen sich nicht weniger verantwortlich dünkender Führer, die zum sinnlosen Druderkampf und zu außenpolitischen Torheitcn auffordern. Wenn man erklärt, daß man — auf legalem Wege zur Macht gekommen — die legalen Schranken durchbrechen werde, so ist das keine Legalität. Und sie ist es noch weniger, wenn zu gleicher Zeit im engeren Kreise Rachepläne verfaßt und vorgetragen werden. Dagegen wende ich mich als verantwortlicher Staatsmann auf das schärfste. Ich werde mich weiterhin mit allen verfassungsmäßigen Mitteln solchen Parteiversuchen entgegensetzen, das deutsche Volk in dieser ungeheueren materiellen und seelischen Rot in zwei feindliche Lager zu zerreißen. Ein uralter Instinkt gesunder Völker ermahnt, den innerpolitischen Meinungsstreit zurücktreten, ja völlig schweigen zu lassen, wenn das Vaterland in entscheidenden Stunden politischen Handelns steht. Deshalb ist es ein dem Lande abträgliches Unterfangen, wenn mit dem Hinweis auf innenpolitische Verschiebungen in den Tagesmeinungen der Wähler versucht wird, im Ausland den Eindruck zu erwecken, als ob es in Deutschland in Wirklichkeit geteilte Fronten, ja eine Regierung von morgen gebe, die sich anmahen dürfte, für das deutsche Volk zu sprechen. Sicherung des inneren Ariedens. Auch künftighin wird die politische Führung des Deutschen Reichs unb die Vertretung der Interessen bes Deutschen Reichs im Auslanbe ausschlicß« 1 i ch in ben Händen bes Herrn Reichspräsidenten unb der Verfassung s-r mäßigen Regierung liegen. Um ben inneren Frieben gegen Gewaltmah- nahmen unb Terrorakte von jeder Seite zu schützen, ist eine Verschärfung der Be- stimmungeu über ben Waffengebrauch notwendig geworden. Das Tragen von Uniformen unb Abzeichen politischer Verbänbe hat sich als immer größerer Mißstanb erwiesen. Reichspräsident unb Reichsregierung haben sich baher entschlossen, das Tragen von Uniformen unb Abzeichen politischer verbände allgemein unb ausnahmslos für das ganze Reichs- gebiet zu verbieten. Der Herr Reichspräsident hat sich ferner entschlossen, zur Sicherung bes weihnachtsfriedens von morgen ab bis zum 3. Januar nächsten Jahre» alle öffentlichen politischen Versammlungen unb Auszüge zu verbleien, damit unser Volk Gelegenheit bekommt, Abstand von dem aufgeregten laufen Tagesstreit zu gewinnen. Ich werde nie mit Versprechungen unb Illusionen über den wirklichen Zustand unserer Lage hinwegzutäuschen versuchen. Die kühle Ueberlegung, das harte Rechnen mit politischen Möglichkeiten ist nicht ein Mangel an tiefstem Mitempfinden mit den Leiden des Volkes; es ist vielmehr die schwere Verantwortung, die auf ben Kegierenben ruht unb ihnen verbietet, ihr innerstes Gefühl anders als in ber sorgfältigen Unterorbnung unter bie Pflichten ihres Amtes zu äußern. Taten für Tonnerstast, 10. Dezember. 1520: Luther verbrennt in Wittenberg die päpstliche Bannbulle: — 1845: Kunsthistoriker Wilhelm v. Bode in Kalvörde geboren; — 1847: der Reeder Adolf Woerrnann in Hamburg geboren; — 1889: der Dichter Ludwig Anzengruber in Wien gestorben; — 1896: der Chemiker Adolf Robel in San Remo gestorben. Oie Detterlaae. Bost Nordevan Iss Oslj Ärnä —5- 9 V »>Loni ' -15 io mw—K1 ©vorxentos öneuer. ®nafD oedecKt, ® wolkig, • pedecKt errege^ ♦ Sehnet a Graupeln’ «Nebel KGewitter.^windstilic.sei* leichte» Ost massige« Südsüdwest h stürmische» «fordtfesi 6le Piene fliegen mit dem wmdc. Die deigen Stationen stehenden z* len geoen die Temperatur an. Die Linien verbinden Orte mit.gjeidK» neeresmveau umac/echneten Luftdruck Wettervoraussage. Aus nördlichen Breiten fließt jetzt ozeanische Luft zu, deren Beeinflussung sich durch Temperaturrückgang bemerkbar machen wird. Da gleichzeitig damit Darometeranstieg verbunden ist, wird der hohe Druck im Westen weiter auf dem Kontinent an Raum gewinnen und wetterwirksam werden. Dennoch läßt vorerst die kühle ozeanische Luft Möglichkeit zum Bewölkungsvorüberzug und zu vereinzelten leichten Riederschlägen bestehen. Rachts nimmt die Frostgefahr durch Aufklaren zu. Ob eine cklmgestaltung zur Hochdruckwetterlage sich vollziehen wird, ist noch nicht zu entscheiden, zumal über dem Rordatlantik ein Tief heranrückt, das seine Ausläufer schon bis zur Westküste Irlands vorstreckt, so daß dort wieder ein Zurückdrehen der Winde auf Südwesten zu, sowie Erwärmung stattfindet. Aussichten für Donnerstag: Kühleres Wetter bis zu leichtem Nachtfrost, teils dunstig unb wolkig, teils aufheiternb, keine ober nur vereinzelt geringe Nieberschläge. Aussichten für Freitag: Leichter Nachtfrost, dunstig unb wolkig mit Aufheiterung, tagsüber milber unb noch trocken. Lufttemperaturen. Am 8. Dezember: mittags 5,7, abenbs 3,7 Grab Celsius. Am 9. Dezember: morgens 4,6 Grab Celsius. Maximum 6,1 Minimum 2,2 Grab Celsius. Niederschläge 0,8 Millimeter. Sonnenscheindauer 5A Stunden. — (Erbtcmpcraturen in zehn Zentimeter Tiefe. Am 8. Dezember: abenbs 3,3; am 9. Dezember: morgens 3,2 Grab Celsius. Gießen Plöckstr.12 Tel. 3170 8114V Die neue Lesmona ÖOIO • Auch ohne Mundstück, dick und rund • Konzernfrei 1 ■ Lange,, tiefe Züge ... welch'Genuß ' ■ ■ ■ ■ bei einer 9OLO. Eine 3V3 Pfennig- I ■ ■ Zigarette, die bestimmt mehr bietet, als ihr Preis vermuten läßt Gießener Konzertverein Klavierabend Herr Rentner Ml Heinrich Müller im 78. Lebensjahre. haus Schönau. 8337D Gießen. Rheydt, den 8. Dezember 1931. M4JD NOWACKaöl. 4659 A Gewinnen gezogen worden: 8133 D Pid. 28 8441 D Wiesock, den 9. Dezember 1931. 8446 D Kratz, Kolonnenführer. 4-29D Verkäufe Lotyringen. 8450 D Walltorstraße 5 Morgen: 8431 D Schiffenberg Irkvbon 2288 07222 *D nbuhicbcn. 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Tledtke. 54,9 c Heute nacht verschied ganz plötzlich und unerwartet nach glücklich überstandener Operation meine herzensgute. inniger geliebte Frau, unsere über alles geliebte, gute Tochter, Schwester, Schwiegertochter. Schwägerin. Tante und Nichte Frau Lina Schupp, geb. Reh im blühenden Alter von 23 Jahren. Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: Heinrich Schupp Familie Heinrich Reh,Lokomotivführer. Mittelweg 24 Familie Georg? Schupp, Friedrichstraße 16 Gießen, den 8. Dezember 1931. Die. Beerdigung findet statt: Freitag, den 11. Dezember 1931. nachm. 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof. _________________________________________ 8449 1' | Unsere Methode der Vruch-Heilung er), gute Heilerfolge (auch bei Wa'i'erbruchcn >,wo die fonu übl. vcilmittclDcrnnt. Hatte feit mehreren fahren einen Leuten- bruch rechts, der fdilichhcti wie eine <3nuft 'ich nach unten gesenkt hatte. .. Oring zu .. Venne»" . nach einem aahr fühlte ick mich geheilt, ich arbeite wieder fckwer rote früher, bin 60 ,'labte alt. Hermann Schäfer, •Semgärtner.Rorb bei Waiblingen, 27. Mai 1931. . . kann feit der Heilung durch Sie iebe Jlrbeit verreckten, ohne Lckmerzcn oder sonstige Nachteile zu haben . 3-aberCtL Jlulnnacn, 16. 21dtiI 1930. Weitere Referenden stehen z. Bertugung. ruredntunöe unteres Bertrauensarztes Beinhausen: 2amotag, 12. Dez., norm. 9 bis 12 Uhr, Hotel Deutsches Haus. Gießen: Samstag, 12. Dez., nachmittags 3 6 Uhr, Bahnhofs-Hotel Lenz. HauShefucke nur n. frühz. Anmeld. mögl. ..Herme*“, ärztliches anttitut für ortho- vadiickc Bruckbehandlung G. m. b. Hamborg, Esplanade t. 8447D Arische Seefische Fischfilets iWöiidtcnuarcu Marinaden olcifdi» und Heringssalat empfiehlt ß. G. Kleiohenn Bahnhofstr. 61, Tel. 3866. Ab heute Mittwoch, 9. Dezember, ist die Wärmestube Äuto-Gelegenheitskauf LS Vtv. Opel-1,1 oioumI neuen, Borfübrungs» wagen, weit unter Fabrikpreis 7433D Opel. 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Im Verlaufe der Entwicklung des Kinos durch ein Jahrzehnt hat der Regisseur M u r n a u nur wenige Filme gedreht. Aber jeder von ihnen war ein Erfolg, seine Arbeit „Vor Sonnenaufgang" galt sogar lange Zeit als stärkstes Erlebnis, das die stumme Kamera dem Beschauer bringen konnte Murnau ist — bei einem Autounfall verunglückt — nun schon einige Zeit tot, und jetzt sehen wir feinen letzten Film „Tab u", von dem die Eingeweihien zuvor Wunderdinge erzählten. Ja, gewiß, es ist ein Wunder der v>n Murnau dirigierten Kamera, daß sie so tief in den Zauber der Südsee einbringt und ihn uns augenfällig macht. Cs ist voller Süße und Anmut, das Leben der Eingeborenen in ihrer einfältigen, aber nicht einfallslosen Heiterkeit mitzuerleben. Eine von allen Sorgen unbeschwerte Jugend, die unter der glühenden Tropensonne in den Bächen und unter den Wasserfällen der Insel Bori-Bori herum- tobt. Bis über zwei der jungen Leute das große Leid kommt: Reri, die Schönste der Insel, wird den Göttern geweiht; sie ist fortan tabu. Kein Mann darf sie mehr begehren, sie ist unberühr- bar, und schwere Strafe würde sie und den Tollkühnen treffen, der gegen dieses strengste aller ungeschriebenen Gesetze verstößt. Mathami, ein junger Fischer, der Reri liebt, frevelt gegen das Tabu. Er raubt seine Reri und entflieht mit ihr auf eine Insel, auf der der weiße Mann herrscht und keine Sondergesehe der Eingeborenen anerkennt. Er ist der beste Taucher unter den Perlenfischern dieses Eilandes, alles bewundert ihn, jubelt ihm zu, erkennt ihn an. Lind da dieser Sohn der Wildnis von Geld und Geldeswert nicht die geringste Ahnung hat, macht er große Perl en- fünfte, ohne daraus einen besonderen Gewinn zu ziehen, er gerät - sogar bei dem chinesischen Wirt der Insel tief in Schulden. — Die beiden, Mathami und Reri, wären die glücklichsten Menschen der Insel, wenn nicht die Rache ihrer Stammesgenossen sie weiter verfolgen würde. Einmal noch entgehen sie den Verfolgungen des Stammes; bis eines Tages der alte Häuptling sie gefunden hat und Reri eine kurze Frist gibt, ihm zu folgen, wenn sie und ihr Liebhaber nicht dem Tode verfallen sein wollen. Flucht mit dem Schiff fter Weißen nach dem Festland, das wäre der letzte Ausweg, aber das kostet Geld. Lind das wenige, das sie beide haben, nimmt der chinesische Kneipenwirt für sich zur Deckung ihrer Schulden. In der Rächt kommt Mathami auf den Gedanken, an verbotener Stelle zu tauchen, die zwar auf dem Meeresgründe große Perlenschähe birgt, aber von Haifischen besonders gefährdet und daher „tabu“ ist. Er wagt es dennoch und gewinnt. Reri aber ist inzwischen dem alten Häuptling bereits gefolgt. Sie hat den Kampf aufgegeben. Lind der verzweifelnde Liebhaber kann sie auch durch die kühnsten Schwimmleistungen nicht wieder zurück- bringen, der Ozean ist stärker als er. Die einfache, für unseren Geschmack leicht schmalzige Geschichte wäre dennoch so schön wie nur möglich wenn man die beiden Hauptdarsteller nur sich selbst überlassen wollte. Aber — obwohl zu Eingang des Films stark unterstrichen wird, diese Eingeborenen lebten fern von aller Zivilisation, seien von jeder Kultur garantiert frei gehalten, bringt es Murnau erstaunlicherweise fertig, Reri schöne Briefe an den Geliebten schreiben zu lassen. Lind der Häuptling verliest langatmige Dokumente in schwülstiger Sprache. Lieberhaupt spielen Briese und Ducheintragungen eine große Rolle in diesem größtenteils stummen Film. Die Tänze der Eingeborenen sind herrlich Frühstück fanden. Abends wird oft bis nach 12 gedreht, und dann erst räumen die Arbeiter noch die Kulissen fort. Damit seine Angestellten nicht durch die Fahrt in die Stadt und zurück mehrere Stunden Rachtruhe verlieren, hat der Kantinenpächter in Reubabelsberg ein Grundstück erworben, wo er 15 seiner Angestellten untergebracht hat. In der Kantine geht es zu wie bei einer großen Familie. Was da so verzehrt wird, möchte ich wissen. „Wenig Kartoffeln", sagt der Pächter, Herr Klewih, „denn die schlanke Linie herrscht immer noch beim Film vor und dehnt sich sogar bis auf die Bühnenarbeiter aus. Fleisch brauchen tpir reichlich. Im Oktober haben wir 15 Schweine von zusammen 30 Zentner geschlachtet, außerdem mehrere Hammel und Rinder. Wir haben eine eigene Schweinezucht und eine eigene Hammelherde. Cs muß eben alles fta sein, denn oft bekommen wir überraschenden Besuch. Die Schauspieler und Komparsen haben täglich andere Wünsche, denn es sind ja fast täglich andere Leute da. Linkere Devise ist daher: gemischte Kost und viel Abwechslung. Lind in der Hauptsache muß alles schnell gehen. Die Bühnenarbeiter haben täglich ihr Stamm - essen für 70 Pfennig. Suppe, Fleischgang, Soße und Kartoffeln, soviel sie wollen, und Rachtisch. Lind alle essen gewissermaßen aus demselben Topf, der Star und der Hofkehrer, die kleine Komparsin unft der Regisseur, denn gerade die Filmleute leben nicht, um zu essen, sondern essen, um leben und Filme Herstellen zu können. Trotzdem ist es natürlich nicht leicht, alle diese vielen Menschen zufriedenzustellen, denn nirgends gibt es so viele Geschmacksrichtungen wie gerade in einer Filmkantine, und kleine Sonderwünsche hat natürlich ein jeder. So bevorzugt Werner Krauß Kalbfleisch und Geslügel, während Emil Ian - n i n g s sich fast ausschließlich kaltes Fleisch holen läßt und Willy Fritsch für Goulasch unft ganz ftünn geklopfte Schnitzel schwärmt. Merkwürdigerweise wirft in fter Film kant ine sehr wenig Alkohol genossen, ftas heißt, es wirft eine Menge Wermut getrunken, den man authentisch als Pflanzensaft bezeichnet. Linge- heuer ist fter Konsum an Kaffee unft besonders an Selterwasser, was wegen der großen Hitze in den hermetisch abgeschlossenen Tonfilmateliers erklärlich erscheint. Den weitaus größten Konsum aber hat die Filmkantine in Zigaretten, denn da es streng verboten ist, in den Ateliers, Garderoben und Kleberäumen $u rauchen, benutzt natürlich jeder die Gelegenheit, um in der Kantine eine Zigarette an der anderen anzustecken." r- * Ein Gang durch einen modernen Mikereibeirieb Btrll werben soll Bun dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags in der beschäftsstelle auf. „tin TL ittu ?i4tu^0T rolfle b' •’hne ba< lonnit, i und btt Vlltfltn. den B ni a n 41 auf genommen, tat Spiel der beiden Liebenden, toerm sie sich felbft überlassen sind, unglaublich verinnerlicht un6 kaum wieder erreichbar. Aber das sind wenige Höhepunkte deS sonst stark überschätzten Film-, dessen zauberhaft musikalische Thöre mm auch allzu sehr einstudiert klingen. -sn- Führung der Kasse betraute 1. Brandmeister Ludolf Rödiger das Wort. 3n längeren Ausführungen gab Kamerad Rödiger die von dem früheren Rechner R i e b e l begangenen Unterschlagungen bekannt, die von den anwesenden Kameraden mit berechtigten Entrüstung-rusen zur Kenntnis genommen wurden. Rach der von Kamerad R ö d i g e r vorgenommenen Rachprüfung der Kassenbücher besteht am 1. Oktober 1931 ein Defizit in Höhe von 1595,82 Riark, die auf Konto Riedel zu buchen sind. Durch Ehrengericht wurde R i e b e l auS der Wehr ausgeschlossen. Die ©eneralpcrfammlung befürwortete diesen Beschluß deS Ehrengerichtes. Kamerad R 6 b i g e r wurde auf Vorschlag von der Generalversammlung mit der Kasfenführung bis zur ordentlichen Generalversammlung im nächsten Jahre betraut. Drandinspektor Wenzel und Brandmeister R ö d i g e r wurden mit der Wahrung der weiteren Interessen der Wehr beauftragt. Bei der Ersatzwahl eine- Beisitzers wurde Kamerad Heinrich W i n n e ck e r gewählt. Die Sterbeunterstützung wurde wieder auf 200 OH art festgesetzt. Brandinspektor Wenzel forderte die Kameraden auf, trotz des schweren Verlustes an dem Wahlspruch „Einer für alle — alle für einen“ festzuhalten, dann werde auch dieser Verlust überwunden werden. Rkit „Gut Wehr" schloß nach Erledigung einiger Anfragen Brandinfpek- lor Wenzel die Versammlung. *e Das Leipziger Soloquartett für Kirchengesang bereitete am Montagabend in der Stadttirche einer andächtigen Gemeinde eine schöne Feierstunde. Das Quartett ist längst bekannt dafür, baß es nicht nur ein technisch vollkommenes Singen, sondern eine innerlich wahrhaftige Wiedergabe des religiösen und musikalischen Inhalts der alten Schätze unseres Kirchengesangs Pflegt. Das gelang wieder auf« beste. Es war eine reine Freude, diese vier Stimmen ineinanderklingen zu hören. Ihre Kräst füllte die Kirche »rt* *’ eil r>«r Mr » 3 itlbfflo Sing Strli Lurwei der h°l famit ®1 und Tchc Honen ai gelt. Ä 3881,4 'S um 63,4 und die ■ 224 Mill Sn Ne scheine mark in und Zwar um 49,0'] derjenige auf 414,0 entsprech« an Ncnic mark erhi Millionen lionen N< ?i( Bei gen Lei 1175.6 M haben bi 1005,1 M btdungsii Millionen Lie D Mungsfi 2.5J d. h. naturgemäß einfach, immerhin stehen jetzt Blumen auf den Tischen, für die Besucher sind illustrierte Zeitungen und allerlei Gesellschaftsspiele vorhanden, damit sie sich die Zeit vertreiben können. Radio ist ebenfalls aufgestellt worden. Ein guter Ofen wird das Zimmer warmhalten und selbst für strenge Wintertage angenehmen Aufenthalt gewährleisten. Mit der Einrichtung dieser Wärmestube wollte die Sanitätskolonne nach Kräften ihr Teil zum Winterhilfswerk beitragen. Der Gedanke der Schaffung einer solchen Einrichtung darf als sehr glücklich bezeichnet werden, und der Sanitäts- tolonne gebührt alle Anerkennung für diese Arbeit. Diese Wärmestube dürfte zweifellos — das wird sich in den Tagen, da die Kälte den Aufenthalt im Freien unmöglich macht, erweisen — einem Bedürfnis entsprechen, das bereits im vergangenen Winter in Erscheinung trat. Allerdings wäre es der Sanitätskolonne nicht möglich gekvesen, allein und aus eigenen Kräften diese Einrichtung au schaffen, wenn nicht eine Anzahl hiesiger Geschäftsleute in dankenswerter Weise ihre Unter» stühung zugesagt hätten. So haben z. B. die Firmen Fischer, Sauer, Lotz, Kahl, Glatt- Haar und Katz durch die Stiftung von Brennmaterial der Sanitätskolonne die hauptsächlichste Sorge abgenommen. Einige andere Geschäftsleute stifteten Einrichtungsgegenstände, die Firma Brinkmann gab einen schönen Radioapparat, der nicht nur ein sehr praktisches Geschenk, sondern auch ein Schmuckstück darstellt. Einige Bargeldspenden kommen der Sanitätskolonne bei der Durchführung dieses Hilfswerkes außerdem zustatten. Es ist erfreulich, daß auch die Geschäftswelt trotz aller wirtschaftlichen Sorgen immer noch zu Opfern bereit ist und dies in diesem Falle wieder bewiesen hat. ** Veterinärmedizinische Fakultät. Von der Pressestelle der Landesuniversität Gießen wird mitgeteilt: Dr. med. vet. Jürgen Witte, der sich für das Fach der Veterinärhygiene und Seuchen- lehre zu habilitieren wünscht wird Freitag, 11. Dezember, 18 Uhr c. t., im Hörsaal des Veterinär- hygienischen und Tierseucheninstituts, Frankfurter Straße 87, über das Thema: „lieber bie non gaufrieren auf den Menschen übertragbaren InsekrioN»- krankheiten" eine Probevorlesung halten. •• Die Volkshochschule macht darauf aufmerksam, daß die beiden nächsten Kursabende de» Kurses «Lebensnahe Psychologie" im Psychologischen Institut, Friedrichstraße 24III (Eingang an der Schmalseite des Instituts), stattiinden, und zwar pünktlich um 20 Uhr. (Siebe heutige tintige.) "DieGießener Freiwillige Feuerwehr hielt am Montag im „Frankfurter Hof“ eine außerordentliche Generalversammlung ab, die von 85 Kameraden besucht war. Brandinspek- tor Wenzel leitete die Versammlung und begrüßte die Kameraden, sowie Herrn Branddirektor Braubach. Zu Punkt 1 der Tagesordnung erhielt — wie man uns berichtet —. nachdem der frühere Rechner Riebel bereits am 19. Oktober seines Amtes als Rechner und sämtlicher Tätigkeit innerhalb der Wehr enthoben war, der bis zur Reuwahl eines Rechners mit der Merkwilch geht einen anderen Weg. Raturgemäß wird auch diese Milch zuerst gereinigt, in einer besonderen Maschine abgerahmt, der Rahm wird dann in der gleichen Weise wie die Frischmilch pasteuri- fiert Die Magermilch, sowie der Rahm fließen dann in besondere Behälter. Während die Magermilch der Käse- und Quartbercitung zugeführt wird, bleibt der Rahm einige Zeit in einem Bottich stehen, wird mit einem sog. .Säurewecker“ versetzt und so für die Butterherstellung vorbereitet. Das Buttern geschieht in einer großen Trommel, aus der das Endprodukt fertig entnommen werden kann Hat die Butter noch die Formmafchine passiert und ist sie außerdem durch eine einfache Vorrichtung in Stücke geschnitten, bann erfolgt sofort die Verpackung. BiS zum Verkauf wird die Butter ebenfalls in einem geräumigen Kühl- raum aufbewahrt. Der ganze Dorgang der Milchbearbeitung. sei es als Frischmilch oder a's Baffer, spielt sich ab, ohne daß eine Hand mit dem Material oder mit dem Fertigprodukt direkt in Berührung zu kommen braucht. Reben den Anlagen für die Herstellung von Butter find auch Einrichtungen getroffen für die Bereitung von Poghurt. Käse, Quark, Sahne usw Es braucht kaum besonders be.ont zu toerben, baß für bie Reinigung der Kannen und der Flaschen ebenfalls Maschinen zur Verfügung stehen. Für den Wasserverbrauch ist ein eigener Brunnen vorhanden, eine EnteisenungS- anlage reinigt daS Wasser, Heißdampf und Heiß- wafserbereitungSkessel fehlen ebenfalls nicht und eine GiSanlage ist auch eingebaut. Alle technischen Hilfsmittel sind also in ausreichendem Maße vorhanden. Die Einrichtung deS gesamten Betriebes entspricht in jeder Hinsicht modernen Erfordernissen. Wenn Ihre Empfehlungsanzeige in der Freitags- oder in der Samstaganummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung Seit einiger Zeit hat die Molkerei ®cbr. Grieb ihren Betrieb in bad neu errichtete Gebäude am Pfarrgarten verlegt, ba die bisherigen Räume nicht mehr ben mobemen Anforberungen entsprachen. Die neuen Anlagen werben ben Voraussetzungen wirtschaftlicher Betriebsführung, wie auch allen hygienischen Erforbernifsen gerecht. Der mit mobernsten Maschinen eingerichtete Betrieb ermöglicht eine rasche Bearbeitung bet Milch auf dem Wege von den Erzeugern zum Konsumenten. Der Weg, ben die Milch in der Molkerei zu gehen hat, sei in kurzen Zügen bargelegt. Täglich werden etwa 10 000 Elfer Milch verarbeitet. Ein Drittel bet von Hofgütern unb Gemeinben angelieferten Milch wirb als Frischmilch be- banbelt, bie übrigen zwei Drittel bienen der Herstellung von Butter, Käse, Quark, Voghurt, Sahne usw. Auf breiter Anfahrt wirb bie Milch an bie Rampe gebracht, sofort gewogen unb bann in bie Milchreinigungsanlage transportiert. Im weiteren Verlauf bes Arbeitsprozesses wirb sie auf einer Berieselungsanlage auf 35 Grad Celsius erwärmt, im Dauerheißhalter auf 65 Grad erhitzt, eine halbe Stunde lang auf dieser Temperatur belassen und dadurch pasteurisiert. keimfrei verläßt die Milch den Dauerheißhaller. Run wird sie über einen Vorkühler und dann über einen Tiefkühler geleitet, der ihre Temperatur auf 3 Grad Celsius herabdrückt. In großen glasemaillierten, isolierten Stahlbottichen (die mit je einem Rührwerk versehen sind) wird die Milch bann bis zur Abgabe an Hänbler unb Filialen aufbewahrt. Ein sinnreicher Mechanismus ermöglicht schnelle Abfüllung bet großen Kannen; für bic Flaschenabfüllung steht ein automatischer Füllapparat zur Verfügung. Für bic Flaschenmilch ist ein besonderer Kühlraum vorhanden. Don Zeit zu Zeit werden Stichproben über Reinheit, Fett- und Wassergehalt der angelieferten Milch durchgeführt. Die sog. ?tcknSwc Olt) Ul'“ «• (gl Prüfung bultri«1 u Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 9.Dezember 1931. Mehr Einsicht und — helfen! Es ist verständlich, daß man in Notzeiten, wenn einem das Messer an der Gurgel sitzt, Umschau hält und sich fraal: „Wer ist schuld an dem Unglück?“ Leider vergißt man dann sehr oft, vor der eigenen Tür zu kehren. Es ist immer — der andere. Gar manches würde sich auch im öffentlichen Leben ändern, wenn man mehr Einsicht und Selbst- erkenntnis zeigte. Ist es denn eine Schande, einzugestehen, daß man sich irrte, oder einen Fehler beging? Jeder täuscht sich einmal, jeder tapot sicher ein- mal im Dunklen. Wie leicht läßt man sich von äußeren Einflüssen und Verhältnissen verleiten, große Pläne auszuarbeiten und munter mit der Ausführung zu beginnen. Gibt es dann einen Rückschlag, dann greift man sich nicht an den eignen Kops, sondern geht meist yin und sagt: „Wenn die andern die Sache nicht verdorben hatten..." M e h r Selb st Verantwortung! Nicht olles auf seine Nächsten abschieben! Es gilt immer noch der alle Soruch: „Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung.“ Leider glaubt mancher, die Nächsten besser zu kennen, als sich selbst Die eigenen Schwächen will man sich nicht eingestehen, bei den Mitmenschen aber ist man geneigt, sie zu vergrößern, ja zu verzerren. Das ist bequem, im Grunde genommen aber feige. Jeder müßte viel mehr auf seine Gedanken unb auf sein Tun achten, als immer nach dem Nachbar schauen und dort etwas aussetzen. Wenigstens über kleine Schwächen und Sonderlichkeiten der Mitmenschen sollte man binwegsehen; denn diese Kleinigkeiten und eine lieb- lose Kritik an ihnen bringen den meisten Merger in die Welt. Wenn man versuchte, sich in andere hineinzu- denken, ihr Handeln zu begreifen, wäre schon vieles gewonnen. Aber man darf nicht sofort mit der scharfen Zunge einsetzen und alles verurteilen, das nicht der eigenen Ansicht entspricht. Statt Kritik, statt Schimpfen, sollte man nach- denken und — helfen, wenn man baju in der Lage ist. Die Unzufriebcnheit wirb durch «chimpfen nur vergrößert. Unb nichts wirkt anfterfenber, als das ewige Kritisieren an den bestehenden Zuständen. Es sollte jeder fein Teil dazu beitragen, daß es besser wird. Bor allem aber muß man an diejenigen denken, die noch schwerer zu tragen haben, als viele von denen, die heute noch wirken können. Wie viele stille Not ist in Deutschland! Sie ist nicht bei denen am größten, die von Haus zu Haus gehen unb das Mitleid ihrer Mitmenschen anrufen. Niemand kann in bie Wohnungen sehen unb ermessen, welches Leib, ja welche Verzweiflung oft herrscht Aber « gibt Gelegenheit genug, zu helfen. Unb bavon Gebrauch zu machen, soweit es nur geht, sollte jebermanns Aufgabe sein, nicht aber einzig unb allein immer nur auf bie schlechten Zeiten schimpfen unb anbern bie Schuld geben. Z. EineWärmestube der Sanitätskolonne. D.e Gießener Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz hat in ihrem Depot. Sonnenstraße 2. eine Wärme st ube eingerichtet. die am heutigen Mittwoch ihrer Bestimmung übergeben wurde. Die Wärmestube ist für jedermann gedacht, insbesondere soll sie alten, minderbemittelten Personen dienen, die nicht immer in der Lage sein dürften, sich ausreichend mit Brennmaterial zu versorgen. Die Stube wird in der Zeit von 10 bis 18 Uhr ständig geöffnet fein. Der Raum, der bisher der Abhaltung von Kursen diente, wurde mit sauberen Tischen und Stühlen versehen. Die gesamte Einrichtung ist In Anwesenheit von Bürgermeister Dr. Hamm, des Vorsitzenden des Roten Kreuzes in Gießen Oberstudiendirektor Dr. Baur. Frau Professor Kramer vom Alice-Frauenverein und des Kolonnenarztes Dr. Kortüm wurde gestern vormittag bie Wärmestube ihrer Bestimmung übergeben. Kolonnenführer Kratz schilderte in kurzen Zügen den Zweck, dem die Wärmestube dienen soll. Vornotizen. — Tageskalender für Mittwoch: Ltadttheater Gießen, „Wilhelm Teil', 19.30 bis 22 Uhr. — Oberhessischer Kunstverein, Künstler- Hilfe, TurmhauS am Brandplah, 15 bis 17 Uhr. — Frauengruppe des VDA, 16 Uhr, Kath. Der- einshaus, Krippenspiel. — Akadcnnische Ortsgruppe des VDA. 20 üfjr, Großer Hörsaal der llnioerfität, Vortrag über „Volk. Staat und Kirche in Südamerika". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, „Er und fein Diener"'. — Dom Konzertverein wird uns getrieben: Es sei nochmals auf das am Sonntag, 13. De- zember, 17 Uhr, in der Universitätsaula ftattfinbenbe Konzert der jungen Pianistin Lubka Kolessa hin- aewiesen. Das Programm, das sie sich gewählt hat, lautet folgendermaßen: 1. Vivaldi: Orgelkonzert D°Moll. 2. Chopin: Sonate B-Moll. 3. Liszt: Pa- Sanini Etüde E-Dur unb Valse Impromptu, 4. De- ussa: Suite pour le piano. Der Klavierabend verspricht allen Musikfreunden einen erlesenen Genuß. Näheres in ben Anzeigen. Gießener Estadttheater. Schiller: „Wilhelm Teil". Wir haben ben .Teil" hier seit Jahren nicht mehr auf ber Bühne gesehen, unb es ist sicher gut unb richtig, bem Sturm unb Drang ber „Luise Millerin" und der romantischen .Jungfrau" den freiheitlich-nationalen .Teil" folgen zu lassen, — das letzte große Dramcntoerf, das vollendet aus Schillers Hand hervorging, und von dem der Dichter nach der ersten Ausführung (17. März 1804) selbst gesagt hat. „Ich fühle, daß ich nach und nach des Theatralischen mächtig werbe". In diesen Worten — ein Jahr vor seinem Tode — ist wohl schon alle Tragik eines schmerzlich frühen Ausklangs und einer in der Fülle und Reise schöpfe- rischcr Kraft jäh abbrechenden Lebenslinie beschlossen. Was ist nun heute noch über dieses Schauspiel vorzubringen, das nicht längst gesagt, gelehrt, gelernt und Allgemeingut geworden wäre? Es ist vielleicht das populärste Stück des volkstümlichsten unter den deutschen Klassikern; es wird ausführ, lich in den Schulen gelesen, eS ist eigentlich d a S gegebene Objekt für Volks- und Schülervorstellun- gen. cS ist das Drama, daS neben dem „Faust" und dem „Tasfo" die meisten geflügelten Worte aufweist, die berühmtesten Szenen — Rütli, Apfelfchuß, hohle Gasse — und Verse, die der Besucher, zumal ber jugenbliche, im Stillen und Dunklen, geläufig mitdeklamiert. Es ist wohl auch hinreichenb bekannt, daß der Stoff eigentlich Goethe zuerst gehört hat, bet ernstlich an eine epische Gestaltung dessen dachte, wozu ihn die Schweizerreise vom Herbst 1797 angeregt hatte; daß er den Plan hegen ließ und uicht wieder darauf zurückkam; baß Gerüchte und Anfragen von ben Bühnen auftauchten, wonach Schiller an bem Stoff arbeite —; zu einem Zeitpunkt schon, als weder Schiller ernstlich an eine Ausführung dachte, noch Goethe bem Freunde den Stoff „gern und förmlich" überlassen hatte. l.Tag- und Iahreshefte 1804.) Schließlich hat doch der schweizerische Stoff in Schillers Plänen bic ursprünglichere Beschäftigung mit bem als Szenarium und Fragment erhaltenen ..Warbeck" verdrängt und sich trotz vielen Schwie- rigkeiten und Bedenken behauptet. 2In Körner schrieb der Dichter 1802: „Du hast vielleicht schon im vorigen Jahre davon reden hören, baß ich einen B>ilbeim Teil bearbeite Es war mir niemals in ben Sinn gekommen. Weil aber bie Rachfrage immer wiederholt wurde, so wurde ich aufmerksam daraus und fing an, Tschudis schweizerische Geschichte zu studieren. Run ging mir ein Licht auf, denn dieser Schriftsteller hat einen so treuherzigen herodotischen, ja fast homerischen Geist, daß er einen poetisch zu stimmen im stand ist". Alpb wenn Schiller ferner von einer Gestaltung dieser dramatischen Fabel als von einer „verteu- feiten Aufgabe" sprach, so erinnert man sich wohl vor allem der oft besprochenen unb betounberten Tatsache, baß gerade dieses in seinem Lokalkolorit und seiner Raturschilderung so ursprünglich und bodenständig anmutenbe Werk von einem Wanne geschaffen wurde, ber selbst die Schweiz nie gesehen hatte. Trotz vielen Schwierigkeiten also, trotz manchen Einwenbungen auch gegen tat Vollenbete Werk unb trotz feiner keinesweas einheitlichen HanblungS- führung ist der .Teil" unter den Schillerschen Stücken vielleicht gerade deswegen so beliebt geworden, weil in ihm das Historische sich mit dem Zeitlichen und Gegenwärtigen am ehesten in ®in- klang bringen ließ, weil der mächtige Appell an das nationale Bewußtsein nie ohne Widerhall blieb; und immer ist ja auch der „Teil" ähnlich wie die „Hermannsschlacht" von Kleist, mit Recht oder Unrecht, als die poetische Verkündigung der bald danach anhebcnben, weltgeschichtlichen Ereignisse empfunden worden. Die Bühnenform des Stückes ist schon früh gewissen Eingriffen ausgesetzt gewesen. Isflanb mente bereits für bic Berliner Aufführung überängstlich die berühmten Verse von der Tyrannenmacht aus, während man in Weimar bie von Schiller sehr geflissentlich eingeführte Parricida- Szene beS fünften Aktes tilgte. Später bilbetc sich bann eine Theater-Tradition aus, die erst nach dem Kriege durch Iefsners vielumstrittene Inszenierung (.auf der Treppe") empfindlich unb grundsätzlich durchbrochen wurde. Die Reueinrichtung unter der Regie von Peter Fas sott bot eine sehr felbftänbigc und unkonventionelle Fassung, bic sich rem äußerlich durch energische, aber recht geschickte Kürzungen auSzeichnete. ES sind ba unter anberem der lyrische Ratureingang bes ersten Aktes, bie Zwing- Uri-Szenen, die Szenen der Bertha. Teile des großen Monologs und — wie üblich — die Parricida-Szene Im gekürzten Schlußakt verschwunden. Doch auch wem mancher vertraut gewordene Vers und gewohnte 2£uftritt im Gefüge des Ganzen fehlte, wird zugestehen, daß bie Kürzungen einer nicht nur äußeren Konzentration des Stückes merklich zugute kamen Sie verschiedenen Handlungsphascn wurden so näher anein- andergerückt zu einheitlicher Wirkung. Ton und Stil des Dramas waren nach Möglichkeit aller Pathetik und lauten Geste entrückt, ohne daß damit dem echten unb großen Schwung ber Dichtung Gewalt angetan worden wäre. Durchaus im Zentrum bet Aufführung stand — nicht nur äußerlich — die Apfelschuß-^zene, die theatralisch geschickt gestellt, dramatisch vortrefflich gestuft, die Volkshandlung (im doppelten Ansturm der empörten Menge) mit der Einzel- Handlung (Teil — Geßler) in Einklang brachte und von unmittelbar lebendiger Wirkung war. Gut gegliedert auch, bei schöner Bildwirkung, der nächtliche Rütli-Schwur, die stürmische Melch- thal-Szene und Allinghausens feierlicher Tod mit den berühmten Versen. Die Telorationen von Löffler erschienen bei aller Einfachheit nicht ohne Phantasie, auf große strenge Linienführung und richtige Raumverteilung bedacht; die Beleuchtung (Keim) war den wechselnden Raturstimmungen sorgfältig angepaßt. • Den Teil spielt Hauer — nicht als den gewichtigen, bartumtoalten Biedermann, den man meistens sieht, sondern jugendlicher, dem Stil der Ausführung entsprechend ganz unpathetisch, ganz natürlich und einfach; auch im Tonfall unb Fluß der Verse angenehm gelöst und ungezwungen; die männliche Gestalt schlicht unb nur vom Menschlichen her geformt. waS vor allem der Apfelschuß-Szcne sehr zugute kam. ES war eine schöne und sehenswerte Leistung. Die Darstellung deS Geßler, anfänglich starr festgelegt, ist im Laufe der Zeit ein wenig von ber einen ober anderen Eharakterseite her inbi- vidualisiert worden; viele Möglichkeiten gibt eS freilich nicht, dazu ist die Gestalt im Tert zu eindeutig abgegrciut. Herr Heyser verzichtete auf den tobenden Wüterich mit Schaum vor dem Munde: er gab den Landvogt überwiegend ocr- halten, bleich, höhnisch, in der Apfelschuß-Szene mit einer abgemessenen, rachsüchtig auskoftenben Grausamkeit; erst zuletzt mit ber unverschleiert ausbrechenden Brutalität, mit der andere seinen Austritt beginnen. Für den Welch thal war S che l ch e r der gegebene Mann: sein stürmisches, heftig losbrechen- des Temperament war der berühmten Szene (I 4) im Hause des Walter Fürst recht angemessen; doch behielt er — stimmlich und darstellerisch — stets den Ueberbüd über die Möglichkeiten seiner Rolle. Sehr nobel und eindringlich sprach Wolfgang Kühns dis bedeutenden Worte des Alling- hausen. — Fassott selbst gab kernig und mit starkem Ausdruck die männliche Gestalt des Stausfacher. — V o l ck. vortrefflicher Schiller-Sprecher, spielte mit würdiger Haltung den greifen Walter Fürst. — Janscheck stellte, als Ulrich von Rubenz, einen ritterlichen jungen Kavalier von knappem Umriß (und freilich ohne alle romantischen Zugeständnisse: die LiebeSszene war gestrichen). • Die Frauen kommen meist in diesem Männerstück ein wenig zu kurz; doch sah man schön« und abgerundete Leistungen: Maria Koch «Gertrud); Edith Berger (Hedwig); Beatrice Doe- r in g (Armgard-; Grifft) Eaftein (WalterTeil). — Walter MichelS stürmifcher Baumgckrten, Geigers maßvoll bedächtiger Röffeunann, Hub und Bruck (die beiden Söldner) rundeten das Ensemble angenehm ab. DaS Publikum dankte mit kräftigem Beifall, den der Spielleiter zum Schluß inmitten der Darsteller entgegennehmen konnte. hth. Lochschulnachnchten. Professor Dr. jur. Friedrich Klausi ng in Frankfurt a. M. hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl für deutsches bürgerliche» Recht in Marburg angenommen Der au» M - Gladbach stammende Rechtslehrer wirkte früher al» hauptamtlicher Dozent bzw als Direktor der Handelshochschule München. 1921 kam er al» Orbinariu» unb Nachfolger von H. Planitz nach Frankfurt. Eine Berufung an bie Prager beutfche Universität hat er abgelehnt. Professor Dr. Rich. Harder in Stuttgart hat den an ihn ergangenen Rus auf den Lehrstuhl der Botanik an der Universität Göttingen als Rachfolger von Professor Fritz von Wettstein an- genommen. Zur Wiederbesetzung des durch die Emeritierung von Professor A. Ungnad an der Universität B r e »• l a u erledigten Lehrstuhls der Assyriologie ist ein Rus an Professor Dr. Theo B a u e r in R o st o ck ergangen. Der außerordentlichc Proseflor Dr. Hermann Iahrrei » in Leipzig hat einen Ruf auf den Lehrstuhl für öffentliches Recht an der Universität Greifswald als Nachfolger von G. Leidhofz er- halten. Professor Dr. rcr. pol., Dr. jur. Walter Weddigen von der Universität München hat einen Rus aus den durch das Ableben von Pros Schullern an ber Universität Innsbruck erledigten Lehrstuhl ber politischen Oekonomie unb Statistik angenommen. Kk (Urhebe 24 öottji §nga übliche« von einci doch noch •Tenno Die tr Mc sich -Aber, meint, Vw r°ne, .2 ö,t gaiu meinde | mal hej, •ann frxt , Dreha rldft nich nun . tu einfach u -Daru Sollte er Äo? WrlTi 'Wie D. •Sftte, « ab. Ojetai »Der,« Holte: & '°dl ^urch g ÄH Lv wie ein Chor, und ihr Pianissimo blieb dem Fernsten deutlich vernehmlich bis zum Berklingen. Schade, daß sich zu den schönsten und höchsten Gaben zu wenig Empfänger einstellten. Daß sich darunter recht viel Auswärtige befanden, ist bemerkenswert. Das Quartett, das im Evangelischen Schwesternhaus Quartier genommen hatte, verabschiedete sich dort am Dienstagmorgen mit einigen den Kranken gelungenen Liedern. — Aus L i ch und Echzell, wo das Quartett in den letzten Tagen ebenfalls in den Kirchen gesungen hatte, liegen uns Berichte vor, in denen die Darbietungen der Sänger gleichfalls mit hoher Anerkennung besprochen werden. ** Stenographen - Prüfungen. Die Prüfung für Geschäftsstenographen bei der Industrie. und Handelskammer Gießen haben mit Erfolg bestanden: 15 0 Silben: Max Katz, Erna Reininger, Richard Strauch, Fritz Reh, Minna Ger- big. Käthe Demuth, sämtlich in Gießen: 120 Silben: Lina Hucke, Heinz Becker. Ilse Biedenkopf, Gertrud Schäfer, Martha Seiferth, Gertrud Lapp, Heinrich Volk, Klara Wagner, Annemarie Steinberger, sämtlich in Gießen. **' Gedenktafel für Peter Fuchs. Der Vorstand des Vogelsberger Höben-Clubs (VHC.) hat beschlossen, an dem Geburtshause des vor einigen Monaten verstorbenen Vogelsberger Mundartdich- ters Peter Fuchs in Wohnfeld (KreisSchotten) eine Gedenktafel anbringen zu lassen. Fuchs mar lange Jahre als Postbeamter in Gießen tätig und wurde dann nach Offenbach a. M. versetzt wo er die letzten 20 Jahre seiner Dienstzeit als Ooer-Post- inspektor wirkte. Wirtschaft. OiSkontermäßigung der Reichsbank in Sicht. Berlin, S.Dez. (TU.) Der Zenlralaus- fchuß der Reichsbank ist aus Rlittwochnach- mittag einberufen worden. Es ist damit zu rechnen, dah die Reichsbank in verfolg der Rotverordnung mit einer Diskontermähigung den weg für die Zinssenkung am kurzfristigen Geldmarkt bereiten will. Ein günstiger Reichsbankausweis. Berlin, 9. Dez. (WTB. Funkspruch.) Rach dem Ausweis der Reichsbank vom 7. Dezember hat sich in der verflossenen Bankwoche die gesamte Kapitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten um 116,6 Millionen auf 4197,6 Millionen Reichsmark verringert. Im einzelnen haben die Bestände an Handelswechseln und -Schecks um 19,9 Millionen auf 3881,4 Millionen Reichsmark, die Lombarddeftände um 63,4 Millionen auf 190,9 Millionen Reichsmark und die Reichsschatzwechseln um 33,3 Millionen auf 22,4 Millionen Reichsmark abgenommen. An Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen zusammen sind 55,1 Millionen Reichsmark in die Kassen der Reichsbank zurückgeflossen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 49,0 Millionen auf 4591,6 Millionen Reichsmark, derjenige an Rentenbankscheinen um 6,1 Millionen auf 414,0 Millionen Reichsmark verringert. Dementsprechend haben sich die Bestände der Reichsbank an Rentenbankscheinen auf 13,4 Millionen Reichsmark erhöht. Die fremden Gelder zeigen mit 415,9 Millionen Reichsmark eine Abnahme um 90,1 Millionen Reichsmark. Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Deoif e n haben sich um 0,4 Millionen auf 1175,6 Millionen Reichsmark erhöht. Im einzelnen haben die Goldbestände um 0,2 Millionen auf 1005,1 Millionen Reichsmark und die Bestände an deckungsjähigen Devisen um 0,2 Millionen auf 170,5 Millionen Reichsmark zugenommen. Die Deckung der Roten durch Gold und deckungsfähige Devisen beträgt 25,6 v., H. gegen 25,3 v. H. in der Vorwoche. Börse und Notverordnung: „Ein Weg gezeigt, der für alle gangbar ist." Berlin, 9. Dez. (WTB. Funkspruch.) Lebhafte Diskussionen waren heute in den Bankbureaus die Folge der Veröffentlichung der Notverordnung, ohne daß man sich zunächst darüber einig werden lonnle, wie sich diese Bestimmungen in der Praxis und dementsprechend auch tendenzmäßig an den Essekten- und Pfandbriefmärkten auswirken werden. Man war sich darüber klar, daß noch manche Hindernisse und Schwierigkeiten zu überwinden sein werden, bevor alle Punkte im Sinne der Regierung geregelt sind. Im großen und ganzen wird aber doch wohl durch diese vielumstrittene Verordnung ein Weg gezeigt, der für alle gangbar i st und der der deutschen Wirtschaft die Möglichkeit einer Wiederbelebung geben kann. Durch die Punkte der Produktionsbestimmungen würde Deutschland im- stände sein, seinen Export zu erhöhen und auch die lebensnotwendigen Devisen sich zu beschossen, vorausgesetzt natürlich, daß die anderen Länder nicht zu starke zollpolitische Schutzmaßnahmen vornehmen und damit die Preissenkung der deutschen Waren wieder illusorisch machen. Bei großer Zurückhaltung schien für Aktien zunächst auf letzter Kursbasis eher etwas Interesse zu bestehen, später überwog aber doch Abgabeneigung, so dah gegen gestern - Kursverluste von 1 b i s 2 Prozent eintraten. Pfandbriefe hatten ebenfalls sehr ruhiges Geschäft: doch war hier die Unsicherheit noch größer, weil man sich üb:r die Auswirku gm der Zwangskonvertierung noch nicht im Klaren ist. Auch eine Ermäßigung des Reichs- bankdiskontes wird notwendig, und natürlich müssen auch die Bankzinsen entsprechend gesenkt werden. Diesbezügliche Beratungen sollen bereits bei den Banken im Gange sein. Es würde dann leicht möglich sein, daß viele Mark-Guthaben, die bisher als kurzfristige Gelder auf Bankkonto standen, nunmehr auf den Anlagemarkt zurückfließen, da die augenblicklichen Kurse der festverzinslichen Werte trotz der nur 6prozentigen Berzin- sung doch noch den größeren Anreiz geben würden. Der Reichsbankausweis für die erste Dezemberwoche entsprach etwa den Erwartungen. Die Gold- und Devisenbestände haben sich nur unwesentlich verändert. Die Deckung hat sich um 0,3 Prozent gegen die Borwoche aus 25,6 Prozent gebessert. Oie gestrigen Devisenmärkte. Das englische Pfund, das vorgestern mit 3,2575 gegen den Dollar geschlossen hatte, eröffnete gestern morgen mit 3,2550 und stand gegen mittag auf 3,2525. Gegen den Gulden stellte es sich auf 8,05, gegen Zürich auf 16,75 und in Paris auf 83,00. Der Dollar war eher etwas an- geboten und leichter: in Amsterdam ging er auf 247,95 zurück, in Zürich auf 514,39, in Paris lag er jedoch mit 25,5450 etwas höher. Die Reichsmark war im allgemeinen gut gehalten. 3n Amsterdam befestigte sie sich auf 56,90 (vorgestern Schluß 56,60), in Zürich auf 118, später ging sie aber wieder auf 117,50 zurück. 3n London stellte sie sich aus 14,20 und in Paris auf 585. Am Rachmittag konnte sich die Reichsmark fräftig erholen. 3n Amsterdam zog sie auf 57,25 an, in Zürich auf 118,50, in London auf 14,05, während sie in Reuyork mit 23,00 unverändert blieb. Das englische Pfund war ebenfalls eine Kleinigkeit befestigt, gegen den Dollar zog es auf 3,2575 an, gegen den Gulden auf 8,08, gegen Wessen Kind bin ich? Vornan von Fr. Lehne. (Urheberschutz durch C. Ackermann, Romanzentrale Stuttgart.) 24. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Inga lachte: doch es war nicht ganz ihr helles, fröhliches Mädchenlachen — „Sie sprechen schon von einem späten Alter, Herr Pfarrer, und sind doch noch so- jung — soll ich nachrechnen — ? „Dennoch werde ich einsam sein!" Wie traurig seine Worte doch klangen. Inga fühlte sich ganz eigen davon berührt. „Aber, Herr Pfarrer, so weltschmerzlich?" meinte sie in einem etwas gezwungenen leichten Tone, „Sie haben doch alles: Ihre Eltern Ebba, die ganz bestimmt wiederkommen^ wird, die Gemeinde, die sie verehrt und — Sie werden einmal heiraten: denn ohne eine Frau Pfarrer kann doch ein richtiges Pfarrhaus nicht sein." Weshalb sie das eigentlich gesagt, wußte sie selbst nicht: etwas in ihr hatte sie dazu gedrängt, und nun wartete sie begierig auf seine Antwort. „Ich werde nicht heiraten, Komtesse!" fagt$ er einfach und bestimmt. „Warum nicht, Herr Pfarrer?" Ein gequälter Ausdruck glitt über sein Gesicht. Sollte er ihr Jagen — „du bist daran schuld, weil ich dich so über alles liebe? Du trägst die Schuld, dah mein Leben einsam bleiben wird!" Sie würde ihn auslachen, würde ihn einen Phantasten, einen Rarren schelten, der aus einer Kindersreundschast solche Folgerungen zog und seine Wünsche zu ihr, der Grafentochter, erhob! „Ditte, fragen Sie nicht, Komtesse!" wehrte er ab. Sie tat verletzt. „Verzeihen Sie, Herr Psarrer, dah meine tfrage zudringlich war! Ich will mich wirklich nicht m Ihre Geheimnisse drängen." c rin Hatte Inga seine Antwort so aufgefaht? Ec war todunglücklich, dah das geliebte Mädchen dadurch gekränkt war. „Kvintesse, ich bitte, so habe ich es nicht gemeint! Und Geheimnisse habe ich nicht — bis auf eins das ich hüten muh bis an mein Lebensende —!" fetzte er ganz leise hinzu. Gar zu gern hätte Inga nun gewußt, was das für ein Geheimnis war — wenn sie es auch mit ihrem Fraueninstinkt schon erraten hatte — doch sie wollte es direkt aus seinem Munde hören! Wann hatte sie wieder einmal Gelegenheit, allein mit dem Iugendgespielen zusammen zu fein! Und sie hatte ihn doch so gern! Was für einen durchgeistigten, edlen, gereiften Ausdruck hatte fein ebenmäßiges Gesicht — wie gut und klug blickten die braunen Augen unter der hohen, auffallend gebildeten Stirn, auf der immer eine so eigenwillige, braune, stets vergebens zurückgestrichene Haarlocke lag. „Du mein lieber, geliebter Christel!" dachte sie zärtlich, indem sie ihn verstohlen von der Seite ansah. Sein Blick ging geradeaus: fest lagen die Lippen aufeinander, daß sie das Geheimnis streng hüteten, lind sie setzte alles daran, es zu erfahren, ehe sie im Dorfe waren. Ungeduld fieberte in ihr — wie war er doch schwerfällig! Wenn er doch nur ein Wort sagen wollte. Sie muhte ihm wirklich zu Hilfe kommen. „Wie feierlich das klingt, ein Geheimnis bis an sein Lebensende zu hüten — wie in einem Kriminalroman —I And wenn jemand nun nachspürt, es zu erfahren —" sagte Inga leise. „Es würde niemanden gelingen; denn die Furcht, sich lächerlich zu machen, verschlieht jedem den Mund." „Diese Furcht, Herr Psarrer, brauchen Sie am allerwenigsten zu haben —" „In diesem einen Falle doch, Komtesse, sprechen wir doch, bitte, darum nicht mehr davon." Aber Inga beharrte — „wer sollte über Sie lachen, Herr Pfarrer! Sagen Sie es mir doch! Ich sehe es Ihnen ja an, daß Sie einen bestimmten Verdacht haben —! Sollte gar ich es fein?“ scherzte sie. Er tat einen tiefen Atemzug. „Ja, Komtesse!" sagte er dann säst schrofs. „Ich —? Wie kommen Sie zu dieser sonderbaren Annahme, zu der nicht der geringste Grund vorliegt?" „Ditte, Komtesse, quälen Sie mich nicht! Da lachte sie leise und nannte ihn, wie so oft in ihren Kinderjahren ach, der dumme Christel —" ( ''.Wer quält Sie denn, Christel? Sie selber quälen sich mit Ihren Grübeleien und verlieren dabei den Blick für die Wirklichkeit —" Wenn er sie nun nicht verstand, dann war ihm nicht zu helfen: mehr konnte sie ihm wahrlich nicht entgegenkommen! Aber er hatte sie verstanden — sie sah es an dem Ausleuchten seiner Augen, sah es an dem Freudenschein auf seinem Gesicht. Sie nickte ihm zu mit einem übermütigen, fröhlichen Lächeln. Da wagte er ganz zaghaft nach ihrer Hand zu greifen, wie er sie in der Kinderzeit bei der Hand gefaßt und geführt, und wie in der Kinderzeit sagte er; „Inga, kleine Inga!" Fest hatte sich ihre Hand in die seine geschmiegt, und Hand in Hand gingen sie weiter in beglückendem Schweigen. In der Kälte verdichtete sich ihr warmer Ate.n zu leichten, weißen Wölkchen, die lustig vor ihrem Munde schwebten. Mit frohen Augen sahen sie sich an. Paris auf 83,18, gegen Brüssel auf 23,46, gegen Zürich auf 16,72 und gegen Madrid auf 39,65. Schweinemarkt in Gießen. Auf dem heutigen Schweinemarkt standen 139 Ferkel zum Berkaus. Es kosteten: Ferkel bis sechs Wochen alt 11 bis 13 Mk.. sechs bis acht Wochen alt 13 bis 15 Mk., acht bis dreizehn Wochen alt 15 bis 17 Mk.; stärkere Tiere 20 bis 25 Mk. Tendenz: Gut. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 9. Dez. Es wurden notiert: Weizen, 222,50, Roggen 221,50, Sommergerste für Brauzwecke 175 bis 180, Hafer, inländischer, 155 bis 160 Mark pro Tonne. Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0 mit Austauschweizen 35,25 bis 36,25, Sondermahlung 33,50 bis 34,50, Roggenmehl 30,75 bis 32, Weizenkleie 8,50 bis 8,40, Roggenkleie 9 bis 9,25 Mark pro Doppelzentner. Tendenz: matt. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2IL 8.Dezember 9 Dez mber Amiliche Dotierung Amiliche Notierung onh 3rtef Geld »rlei Helsingsor» . 6,993 7,007 6,893 6,907 Wien.... 58,94 59,06 57,94 58,06 Prag . . . 12,47 12,49 12,47 12,49 Budapek . . 73,28 73,42 73.28 73,42 Sofia . . . 3,057 3,063 3,057 3,063 Holland . . 169,93 170,27 169,93 170,27 Oälo ... 74,68 74,82 75,02 75,18 Kopenhagen. 75,17 75,33 75,92 76,08 Stockholm 75,17 75,33 75,67 75,83 London. . . 13,66 13,70 13,74 13,78 Buenos Aires 1,008 1,012 1,008 1,012 9?eunod . . 4,209 4,217 4,209 4,217 Brüssel. . . 58,49 58,61 58,49 58,61 Italien. . . 21,28 21,32 21,58 21,62 Paris . . . 16,48 16,52 16,50 16,54 Schweiz . . 81,77 81,93 81, 3 81,99 Svonien . . 34,61 34,69 34, 2 34,78 Danzig. . . 81,97 82,13 81, 7 82,13 Japan . . 2,058 2,062 2,0 8 2,062 Ntv de Ian.. 0,244 0,246 0,2 0,246 Jugoslawien. 7,393 7,407 7, S3 7,407 Lisiadoo . . 12,49 12,51 12,74 12,76 Rund 5 Millionen Arbeitslose. Berlin, 8. Dez. (WTB.) Die erwartete jahreszeitliche Verschlechterung des Arbeitsmarktes ist in der Berichtszeit eingetreten. Die Zahl der Arbeitslosen nahm um rund 214000 zu und betrug am 30. November nach den vorläufigen Meldungen der Arbeitsämter r u n d 5 057 000. Die Zunahme liegt im Rahmen der Schätzungen der Reichsanftalt. Sie beläuft sich gegenüber dem Stande Mitte des Monats auf 4,4 v. H Der überwiegend jahreszeitliche Charakter der Bewegung kommt in der Tatsache zum Ausdruck, daß die Zahl der Arbeitslosen in den Saisonaußenberufen um 7,7 v. H., in den übrigen Berufsgruppen nur um 2,4 v. H. gegenüber dem Stande vom 15 November zugenommen hat. Seit dem sommerlichen Tiefstand war in diesem, wie im vorigen Jahre eine Zunahme der Arbeitslosenzahl um etwa 1,1 Millionen zu verzeichnen. Der Stand der Arbeitslosigkeit ist jetzt, ähnlich wie im Sommer, um etwas über 1,3 Millionen höher als zu den Vergleichszeiten des Vorjahres. Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger belief sich am 30. November auf insgesamt rund 2 772000. Im einzelnen betrug sie in der Arbeitslosenversicherung rund 1 366 000 und hat seit Mitte des Monats eine Steigerung um rund 118 000 erfahren. Hauptunterstützungsempfänger in der Krisenfürsorge wurden, nach einer Zunahme um rund 24 000, Ende des Monats rund 1 406 000 gezählt. Melchior berichtet in Bafel. Im letzten Halbjahr eine Milliarde Kredite zurückgezahlt Bafel, 8. Dez. (WTB.) Der Beratende Sonderausschuß hat nach Erledigung einiger technischer und organisatorischer Fragen, die ihm durch die Bestimmungen des Voung-Plans und den deutschen Antrag vom 19. Rovember zugewiesene Ausgabe in Angriff genommen. Der deutsche Vertreter Dr. Melchior erstattete ein Expo ss über die allgemeine W i r t s ch a f t s- und Finanzlage Deutschlands unter Berücksichtigung der neuesten Zahlungsbilanz. In seinen Darlegungen hat Dr. Melchior sich hauptsächlich mit der kurzfristig gen -Verschuldung Deutschlands befaßt. Dr. Melchior hat darauf hingewiesen, dah der Aktivsaldo der deutschen Handelsbilanz im letzten halben Jahr durchschnittlich 350 Millionen Mark betragen habe. Trotz dieses günstigen Saldos habe sich die Deckung der Reichsbank weiterhin verschlechtert. Die Reichsbank schätze, dah Deutschland in den letzten sechs Monaten ungefähr eine Milliarde kurzfristige Kredite zurückgezahlt habe. Die Ausführungen Dr. Melchiors waren außerordentlich ausführlich gehalten und mit genauen zahlenmäßigen Angaben belegt. So führte er z. B. bei seinem Hinweis darauf, daß der Betrag der kurzfristigen Kredite erheblich höher sei als i ni Wiggin-Bericht angeführt wird, aus, daß es sich hierbei um den Unterschied von vier Milliarden handele, in dem sich diese kurzfristigen Kredite auf ungefähr 12 Milliarden anstatt 8 beliefen. Bei feinen Erklärungen über die Deckung der Reichsbank führte Dr. Melchior an. daß diese von ungefähr 30 v.H. auf etwa 12 v. H., wobei die Verpflichtungen in Riemand begegnete ihnen; weiß lagen die Felder um sie her: vom blauen Himmel strahlte hell die Sonne, und Sonne war auch in beider Herzen. Anwillkürlich gingen sie langsamer, um das Glück dieses Beieinanderseins auszudehnen. Inga blieb jetzt stehen: man war dem Dorfe nahe. Gar putzig mit den weihen Schneehauben lagen die Häuser da, aus deren Schornsteinen Rauchwolken kerzengerade in die klare Lust stiegen. „Ihr Geheimnis, Christel, habe ich es erraten?“ fragte sie leise. Er prehte ihre Hand, dah es ihr wehe tat. „Ach, Inga, kleine Inga, gibt es denn so viel Glück?" „3a, Christel, es gibt so viel Glück! Rur Mut muh man dazu haben, und Selbstvertrauen! Man darf sich selbst nicht zu gering einschähen. Ein jeder hat das Richt, nach den Sternen zu greifen!“ Ihre Worte liehen nur eine Deutung zu. Aus seinen Augen brach ein Leuchten, wie sie es noch nie in eines Menschen Auge gesehen! Er nahm ihre Hand und legte beinahe andachtsvoll seine Lippen darauf. „Sobald die Sache mit Ebba geklärt ist, werde ich mir das Recht nehmen und nach meinem Stern greifen!“ „3a, Christel, wenn es auch Kämpfe kosten wird! Aber der Stern ist ein Fixstern: er ist nicht wandelbar, er leuchtet nur dem einen!“ sagte 3nga einfach und schlicht. „Ich habe Geduld und Mut, nun ich weih, daß ich hoffen darf! Ich werde um dich kämpfen und werde um dich dienen, 3nga! Denn du bist der Stern meiner Kindheit mnd der Stern meiner Iünglingsjahre gewesen. Deinetwegen nur wäre ich einsam und allein geblieben, weil ich dich über alles liebe! — And wenn ich sieben Jahre, wie Jakob um Rahel, um dich dienen soll —“ „— so werde ich mit dir warten! Denn einem anderen als dir, Christel, werde ich nie angehören!" Inga verhehlte sich nicht, daß es schwere Kämpfe in der Familie geben würde, bis sie ihren Willen durchgeseht; aber ihr Lebensglück war Christel Lenz! Sie sahen sich beide tief in die Augen. Sehnsüchtig blühten ihre Lippen ihm entgegen. Da wagte er, seinen Mund auf den jungen unberührten Mädchenmund in einem innigen Kuh zu legen; und scheu und innig gab sie ihm den Kuh zurück. „Ach, Christel!" flüsterte sie, blutübergossen. Wie Feuer sloh es durch ihre Adern; am liebsten hätte sie ihre Arme um seinen Hals geschlungen und sich an ihn geschmiegt. Sie war ihm so über alle Mähen gut! And sie schämte sich auch nicht, dah sie es ihm zu verstehen gegeben; denn längst hatte sie es gesuhlt, als halbes Kind noch, wie der Lenz' Christel sie verehrte. Aber in seiner Bescheidenheit würde er nie gewagt fremder Währung abgezogen worden seien, gesunken sei. Die „Rationalzeitung“ meldet, dah die Erklärungen Dr. Melchiors über die Aufrecht- erhaltung des Goldstandards in Deutschland in den Kreisen der englischen Delegation des Beratenden Sonderausschusses besondere Aufmerksamkeit gefunden hätten. Die in dem Kommunique enthaltene Feststellung, dah die deutsche Währung heute nur noch bis zu 12 Prozent gedeckt sei, erklärt sich daraus, daß der von den Rotenbanken Frankreichs, Englands und der Bereinigten Staaten vor einigen Monaten der Reichsbank gewährte Goldkredit von 60 Millionen Mark, der heute noch in der Währungsdeckung einbegriffen ist, als kurz- fristige Schuld in Abrechnung gebracht worden ist. Schon der bisherige Verlauf der Beratungen hat ergeben, daß gegenüber dem Layton-Bericht in den für die Zahlungsfähigkeit Deutschlands maßgebenden Faktoren wert gehende Verschlechterungen eingetreten sind, und daß die damaligen Feststellungen des Wiggin-Ausschusfes, der bekanntlich eine Reihe Delegierter ebenfalls angehörte, durch die Entwicklung der Krise bestätigt und unterstrichen worden sind. Die neuen Maßnahmen der Reichsregierung und die Erklärung des Reichskanzlers haben hier einen starken Eindruck gemacht, besonders in amerikanischen Kreisen. Man'sieht darin einen weiteren Beweis für die Entschlossenheit der Regierung, die Dinge zu meistern, soweit es in ihren Kräften steht. Französische Kreise sehen jedoch in der Notverordnung in erster Linie ein Mittel, um dem Sonderausschuß gegenüber eine G e st e zu machen. Es ist bezeichnend, daß die Franzosen sich vorläufig mehr für den Teil der Maßnahmen interessieren, die sich auf die Aufrechterhaltung der inneren Ordnung beziehen, man erklärt, es müsse sich erst zeigen, ob diese Maßnahmen wirksam und erfolgreich sein werden. haben, es ihr zu sagen; darum hatte sie ihm diese Drücke bauen müssen, damit auch sie zu ihrem Glück kam. And man war noch jung und konnte warten! 15. „3ft der Brief fertig?“ „3a, gnädige Frau! Wie bin ich Ihnen doch dankbar, dah Sie mir die Briefe an meine Eltern vermitteln! Zu Mutteru-ens Geburtstag, am fünfzehnten Februar, darf mein Glückwunsch doch nicht fehlen! Ich habe geschrieben, wie gütig gnädige Frau sind!" „Die wollen wirklich dem Geburtstag fern- bleiben?“ — zögernd beinahe fragte es Frau Angela, als ob sie eine enttäuschende Antwort fürchtete. Ebba nickte. In ihren Augen blinkten Tränen. Doch mit aller Kraft unterdrückte sie die schmerzliche Anwandlung und fragte dann ablenkend: „Darf ich jetzt den Tee bereiten?“ „Ja, mein Kind, tun Sie es!" Sinnend folgten Frau Angelas Augen den anmutsvollen Bewegungen des jungen Mädchens, das sich in der kurzen Zeit, in der sie bei ihr war, staunenswert entwickelt hatte in Grazie und gewandtem Benehmen. Eine starke, ihr unerklärliche Sympathie zog sie zu ihrem Schützling. Aengstlich sah sie jeden, Morgen entgegen, an dem das Mädchen vielleicht sagen würde — „ich möchte doch wieder heim!" Denn nimmer hätte Angela sie missen mögen! Wärme lag in dem mit feinstem Geschmack eingerichteten Raum, dessen Wände mit einem matten Taubenblau bespannt waren. Einige sehr farbig gehaltene kleine Landschaftsbilder in Ebenholzrahmen gaben im Verein mit den in allen Farben blühenden Hyazinthen vor dem großen Fenster dem Raume Stimmung und Leben. Frau Angela sah in einem tiefen Sessel, neben sich den mit allerhand guten Sachen bestandenen Teetisch. Sie war ein wenig müde; es war jene Müdigkeit nach einer großen Anstrengung, die man im wohlverdienten Ausruhen beinahe angenehm empfindet, wenn man dem Körper und dem Geist für eine Weile völlige Entspannung gönnen darf. Wohltuend empfand sie die Stille um sich her. Ihre junge Gesellschafterin sprach nur, wenn sie gefragt wurde, und dann mit einer so weichen, klingenden Stimme, dah ihr verwöhntes Ohr nur angenehm davon berührt wurde. Die schlanken Finger des Mädcheirs mühten sich mit einer wunderfeinen Strickdecke. „Hören Sie auf, Kind, es fängt an zu dämmern!“ Gehorsam legte Ebba ihre Arbeit beiseite, nachdem sie sie sorglich eingewickelt. (Fortsetzung folgt.) Oberheffen. Landkreis Gictzen. x QBief cd, 8. Dez. Der zweite Advent brachte unserer Gemeinde in der Kirche zwei a d v e n t • siche Lichtbildstunden für die zahlreich erschienene Schuljugend und für die Erwachsenen. Zu den von Gemeindegesang begleiteten Bildreihen sprach der Ortsgeistliche die Geleitworte. f Treis a. d- Lda.. 8. Dez. 3m vollbesetzten Saale der Gastwirtschaft Will fand am Sonntag- abend der diesjährige Zamilienabend des hiesigen Zweigvereins des Evangelischen Bundes statt- Pfarrer Lic. Waas, Gießen, hielt einen Vortrag: ..Wie erziehe ich meine Kinder zur Gottesfurcht?" Der Redner wies auf die großen Gefahren hin, die heute der Kindererziehung drohen, und zeigte Wege, diesen Gefahren entgegenzuwirken. Borträgc deS Kirchcngcsanaver- eins und de- PosaunenchoreS. sowie passende Deklamationen der Konfirmanden und gemeinsame Gesänge der Teilnehmer verschönten den Wend. 4* Grünberg, 8. Dez. Am Sonntagabend hielt der hiesige Kriegerverein im .Rappen" einen Familienabend ab. 3m Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein Lichtbildervortrag des Kameraden B o n h a r d, Gießen, über ..Land und Leute in Mazedonien", wobei er eigene Ausnahmen während seiner Anwesenheit an der mazedonischen Front im Weltkriege vorführte. V Watzenborn - Steinberg, 8.Dez. Zu einem Elternabend hatte unsere evangelische Mädchenvereinigung für den zweiten Advent eingeladen: er fand in dem überfüllten Sale der.Krone" zu Steinberg statt. Auch der Kirchengesangverein stellte sich zur Verfügung und schuf durch feine Lieder für die Veranstaltung einen passenden Rahmen. Zur Aufführung gelangten zwei gehaltvolle Laienspiele, die den jungen Mitgliedern alle Ehre machten. Gedichtvor- träge und ein Zwiegespräch zeugten gleichfalls von steiniger Durcharbeitung. Der musikalische Teil bestand aus K aoier und Violinvorträgen. Die Veranstaltung legte Zeugnis ab von dem ernsten Streben der jungen Schar. Begrüßungsansprache und Schlußwort hatte der Ortspfarrer übernommen. T Leihgestern. 8.Dez. Der »weite Ge- meindcabend, der am Sonntag hier gehalten wurde, stand unter dem Gedanken »Weihnachten und Heimat". Roch einem flott gespielten Marsch unseres 3ugendorchesterS und einem kurzen Be> arühungSwort begann Lehrer S ch l a u d r a f f von hier seinen Vortrag. 3n lebendig fesselnder Dar- stellung führte der Redner im ersten Teil die Zuhörer nach der Heimat deS Weihnachtsfestes: Bethlehem. 3m zweiten Teil schilderte er sein Weihnachtserleben als Kriegsgefangener in der Bretagne. Mit kurzen Dankesworten an den Vortragenden das Orchester und die Konfirmanden, die mit Advents- und Weihnachtsgedichten den Abend verschönten, ebenso an die ganze Gemeinde, schloß der Wend. df. Langsdorf. 8. Dez. Am Sonntagabend fand hier im Gasthaus .zum Deutschen HauS" ein gut besuchter Gemerndeabend statt. Gr wurde au-gefüllt von einem Thcaterstüd .Die Der- treibung der Salzburger", das in seinen einzelnen Akten durch passende religiöse Lieder abgerundet wurde Aussührende waren christenlehrpflichtige junge Leute, die sich mit Lust und Liebe ihrer Aufgabe entledigten. Die Veranstaltung fand dankbare Zuhörer. Kreis Büdingen. * Kohden, 8. Dez. Dieser Tage feierte hier Schuhmachermeister Konrad Ludwig Rühl seinen 80. Geburtstag. Zahlreiche Glückwünsche wurden chm entgegengebracht. Rühl war viele Jahre Mitglied des Gemeinderats und 15 Jahre Beigeordneter unserer Gemeinde. •!* Echzell. 8 De». Am 5.Dezember seierten die Eheleute 3ohann Kaspar Herzberger und Kacharina Elisabetha, geb. Ulrich. daS Fest der goldenen Hochzeit. Die LtaatSregierung sandte einen Glückwunsch und ein Geschenk. — Der Beitrag der Gemeinde zum Kirchcnvoranschlag wurde durch äußerste Sparsamkeit um ein Viertel gegenüber dem Vorfahr gesenkt. 9.A.-'SvotI DfB.Giehen. VfL. Ligareserve — DfB. Aßlar Liga 3:4. Die Ligareserve deS VfB. vermochte trotz stärkster Besetzung in Aßlar nicht »u gewinnen. Der Gegner ist auf eigenem Platz schwer zu schlagen, zumal der Ramensvetter in Aßlar über eine ansehnliche Spielstärke verfügt. Trotzdem zeigten die VfBer das technisch bessere Spiel, aber die wuchtige Verteidigung des Gegners klärte immer wieder die kritischsten Situationen. vfS. 1. Jugend — Spo. Wetzlar 1. Jugend 2:0. Der Rachwuchs des VfB. konnte sich durch den Sieg über die spielstarken Wetzlarer den L Platz der Diplomspieltabelle sichern. Die VfBer sind zur Zeit in sehr outer Form und in allen 'Seilen gut beseht, so daß die errungene Stellung durchaus verdient ist. — Dos sonntägliche Spiel zeigte durch die überaus schlechten Bodenverhältnisse keine Feinheiten. Trotz des Einsatzes aller Kräfte verlief das Spiel jederzeit fair. Die Verteidigung der Gästemannschaft war in glänzender Form, sonst wäre das Resultat weniger günstig für Wehlar ausgefallen. Die VfBer spielten die Derbandsspiele in folgender Aufstellung: Becker: Schwarz, Dörr: Kaus, Heß, Leuthäufer: Heinzmann, Stumpf, Schmidt, Mattern!., Mattern I>. Die zweite 3ugend verlor gegen die zweite vom Wetzlarer EpV. 0:2 nach wenig schönem Spiel. Der Schiedsrichter war ausgeblieben, und so wurde das Spiel als Gesellschaftsspiel ausgetragen. Spielvereinigung 1900 Gießen. DaS schlechte Wetter des Sonntags bewirkte, daß von den angesetzten Senioren-Fuhballspielen nur drei zum Austrag kamen. Die Ligareserve weilte mit halb ersetzter Mannschaft in Oberbiel und muhte sich nach guter erster Halbzeit (1:0) am Schluß mit 5:0 Toren geschla- Sen bekennen. Eine harte Elfmeterentscheidung rächte dem Plahverein bis zur Pause die knappe Führung. IWOS Widerstand erlahmte, als der Torwart verletzt ausscheiden muhte. DaS Spiel war trotz deS schlechten Platzes fair und spannend. Die vierte Mannschaft erlitt in Lollar die erste Riederlage der Saison (4:2). 1900 hat jetzt nur noch 1 Punkt Vorsprung. Die fünfte Mannschaft siegte erwartungsgemäh und sicher über Muschenheims erste Elf 3:0. Beiderseits war man nicht komplett. Der bestellte Spielleiter fehlte auch. Spielvereinigung 1926 Leihgestern. Leihgestern II — Steinberg II 6:4 (2:2). Am Sonntag hatte die zweite Elf der Spielvereinigung 1926 Leihgestern die gleiche deS FE. ,Teutonia" Steinberg zum VerbandSspiel zu Gast. Rach Anstoß fiel sofort der Führungstreffer für die Plahbesiher. Rach überlegenem Spiel der Einheimischen konnte Steinberg überraschend auS- gleichen und durch Handelfmeter sogar die Füh- rung übernehmen, die Leihgestern kurz vor Halbzeit ausglich. Rach Halbzeit stellten die Platz- oesiher das Ergebnis auf 4:2, doch kamen die Gäste abermals durch zwei billige Erfolge zum Ausgleich. Rach drückender ^Überlegenheit stellten die Leihgesterner durch »Wei weitere Tore ihren Sieg sicher. Der Schiedsrichter leitete mustergültig. Sportverein 1928 Garbenteich. Am Sonntag hatte die 1. Mannschaft des Sportvereins Garbenteich auf eigenem Platze die zweite Mannschaft des VfR. Butzbach zum Gegner. Es entwickelte sich ein flottes Spiel, ein spannender Kampf, der zu Halbzeit mit einem Unentschieden von 1:1 abschloh. Rach der Pause liefen die Plahbesiher zu Hochform auf und des Gegner- Torwart mußte das Leder noch zweimal aus den Rehen holen. Der Sieg konnte höher lauten, wenn nicht zwei Elfmeterbälle vergeben worden wären. Die 1. Jugend des Sportvereins Garbenteich hatte die gleiche 3ugend des DsR. Lich zum Gegner, der mit 2:0 sicher besiegt wurde. Das Spiel wurde von feiten der Licher nach Halbzeit abgebrochen Sportabteilung des Turnvereins Lollar Am Sonntag herrschte in Lollar lebhafter Spielbetrieb. Schon am frühen Morgen hatte Lollars 2. Fußballmannschaft auf dem Waldfport- plah die 4- Mannschaft der Spleloereinigung 1903 zu Gast. Es wurde hart, aber fair um die Punkte gekämpft Lollar war eifrig bei der Lache, aber trotzdem gelang es den Gästen, bei Halbzeit mit 2:1 zu führen. Die Collarer gerieten nach der Pause bester in Fahrt, holten das Tor auf und erzielten außerdem noch zwei weitere Lore, durch die der Sieg sichergestellt wurde. Die 1. Mannschaft des Turnvereins Lollar hatte die spielstarke 1. Mannschaft der Spielvereinigung Leihgestern zum Gegner. Lollar nahm für die Riederlage des Vorspiel- Revanche. Mit 7:2 Toren konterten sie die Gäste nieder. Die UÜberlegenheit der Plahbesiher kam bereits im Halbzeitergebnis von 4:0 zum Ausdruck. Leihgestern vermochte zwar zwei Tore aufzuholen, mit weiteren drei Treffern entschieden aber dann die Platz- besiher da- Spiel endgültig für sich. Do- Handballspiel der 2. Mannschaft gegen Ruttershausens 1 Mannschaft wurde deS Regen- Wegen abgeseht. Die 1. Handballmannschaft war der 2. Mannschaft von Allendorf stark überlegen. Trotzdem die Lollarer mit Ersatz spielten, vermochten sie bereits zur Halbzeit mit 4:1 zu führen. Rach der Paule mußten sich die Allen- dörfer auf die Verteidigung beschränken, sie konnten e- über nicht verhindern, daß die Plahbesiher zwei weitere Tore erzielten. Handball der Sp.'Dg. 1900. VfL. Wehlar I — 1900 I 7:1 (2:1). Die DSB-Runde nahm für die 1900er einen wenig verheißungsvollen Anfang. Don dem VfL. Wetzlar, dem in den letzten 3ahrcn nur Treffen mit knapper Tordifferenz geliefert worden waren, muhte eine empfindliche Schlappe hingenommen werden. Allerdings waren die Spielvereinigungs- leute gezwungen, mit mehrfachem Ersah anzutreten und hatten außerdem noch das Mißgeschick, kurz nach Halbzeit den Mittelläufer infolge Verletzung fast außer Aktion gesetzt zu sehen. - Fechtlehrgang in Grimberg. 3n der Turnhalle zu Grünberg sand am Sonntag ein Treffen der Fechter und Fechterinnen des Gaues Hessen statt. linier der Leitung von Gausechtwart Kühn (Friedberg) wurde am Vormittag ein Lehrgang in den einzelnen Waffen ab gehalten. Der Rachmittag brachte Flore! tkämpse für Frauen, die aber wegen der Kürye der Zeit nicht zu Ende geführt wurden. Beim hiesigen Turnverein besteht seit Anfang dieses 3ahres eine Fechtriege, die von Fritz Roll (früher in Gießen) geleitet wird Hier wirkt •i macht unempfindlicher gegen Erkältung! Weihnachten naht.. und mehr denn je werden Sie in diesem Jahre „praktisch" schenken. Stoffe sind praktische u. stets willkommene Geschenke, zumal wenn sie so gut u. preiswert sind wie ich sie anbiete. 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