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Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20° , mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THynot, für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Bietzen. Erscheint täglich,auher Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monats-Vezugsprets: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Hernfvrechanschliiffe unter Sammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. (Landbund) betont, dah sie dem neuen Finanzminister angesichts seiner bisherigen Betätigung mit recht starken Vorbehalten gegenübertrete. — Der ,.B ö r s e n - C o u r i e r" (dem.) vertritt die Auffassung, dah seine unfentimentale, rein kaufmännische Art des Denkens und seine entschiedene Sparsamkeitspolitik ihn als geeigneten Nachfolger Höpler-Aschoffs erscheinen liehen, dessen Ausscheiden trotz allem bedauerlich sei. — Das „Berliner Tageblatt (dem.) schreibt. Kleppers Eintritt in das preußische Kabinett sei in jedem Fall ein Vorteil, weil in ihm eine lebendige Kraft hinzukomme, die gerade in diesen Monaten wertvoll sein könne. — Die „D o s s i s ch e Zeitung" (Ullstein) hebt hervor, dah Ministerpräsident Braun mit der Wahl Kleppers sicher einen guten Griff getan habe. — Der „Vorwärts" (soz.) sagt, der preuhische Ministerpräsident habe sich durch die Berufung Kleppers die Mitarbeit eines sehr energischen finanz» und bankpc-lttisch erfahrenen und vor allem von Interessenten unabhängigen Ministers gesichert. — Der „T a g" (Hugenberg) schreibt, man müsse bezweiseln, ob der Vertrauensmann Brauns gerade der richtige Sparfinanzminister für, Preußen sein werde. Schon bei der Aufstellung des neuen Haushalts werde er zu zeigen haben, welche politische Linie er zu befolgen gedenke. — Die „Deutsche Zeitung (deutschnatl.) sieht in der plötzlichen Ernennung Kleppers in erster Linie einen Gegenstoß gegen die Berufung Schlange- Schöningens zum Osthilfekommissar, da Klepper schon in der Preuhenkasse aus seiner Gegnerschaft gegen den Großgrundbesitz des Ostens keinen Hehl gemacht habe. Der Föderalismus im Südweflen Interessantes Ergebnis e.ner Umfrage. München, 7. Nov. (TU.) Die „Münchener Zeitung" hat ihren Hauptschriftleiter eine Reise durch die süddeutschen Länder machen lassen, um die Stärke der föderalistischen Ueberzeugung in Würt- temberg, Baden und Hessen zu erforschen. Nach dem Ergebnis dieser Studien hat zwar in Württemberg das Wort Zentralismus einen bösen Klang, und jeder Versuch einer radikalen Vereinheitlichung würde auf starken Widerstand stoßen. Das Wort Föderalismus aber klingt den Württembergern zu sehr nach Widerspruch gegen das Reich. Zugegeben wird die Nützlichkeit der Bildung eines einheitlichen norddeutschen Vermal- tungsgebiets. Man hat aber dabei nicht die schwere bayerische Sorge, daß dieser gewaltige Block die übrigen Länder unterdrücken würde. In Württemberg ist man bereit, mit Bayern gemeinsame P o l i t i k zu machen, wenn Bayern auf diese Gemeinsamkeit Wert legt, sich nicht ausschließlich ablehnend gegen alle Reichsreformpläne verhält, und wenn eine gemeinsame Linie keine Spitze gegen das Reich haben würde. In Baden ist im Gegensatz zu Württemberg und Bayern eine ftarfe Staatsidee im Lande nicht lebendig geworden. Schon die demokratische Grundeinstellung läßt den Gedanken an eine Vereinheitlichung der gesamten deutschen Verwaltung dem Lande nicht als etwas Bedenkliches erscheinen. An Aufregung über die Möglichkeit einer Reichsreform mit der Folge des Verschwindens vieler badischer Einrichtungen wird gar nicht gedacht, dagegen K die Vorstellung eine wichtige Rolle, es könnte eine Zentralverwaltung doch vielleicht manches gespart werden. . Demgegenüber ist in Hessen eine erstaunliche Anteilnahme an allen Reichsreformplänen vorhanden. Man hat dieselben Anschauungen von den staatlichen Notwendigkeiten des Landes wie in Bayern und Württemberg, ist aber doch weniger geneigt, solche Gedankengänge föderalistisch zu nennen. Man will keineswegs willenlose Sache einer Zentrale sein, legt aber doch nicht den Wert wie Bayern auf die formelle Staatlichkeit. Man könne ein gesundes eigenes Leben führen, auch wenn man die Landes- rechte nicht aus eigener Machtvollkommenheit, sondern i m Auftrage des Reiches ausübe. Was man für möglich halte, fei die Zusammenfassung des deutschen Nor- d e n s und die Selb st Verwaltung der süddeutschen Länder im Auftrage des Reiches. Als unerträglich und verhängnisvoll empfände man die Zusammenfassung des gesamten Reichsgebietes, wenn auch mit dezentralisierter Verwaltung, und ein daneben im loseren Reichsverband selbständig gelassenes Bayern. Oie vorstädtische Siedlung. Berlin, 7. Nov. (VDZ.) Reichssiedlungskommissar Dr. S a a ß e n hatte am Samstag eine längere Besprechung mit den kommunalen Spitzenverbänden über die Durchführung der auf Anregung des Reichsfinanzministers Dietrich beabsichtigten Siedlung von Erwerbslosen in Vorstädten der Großstädte Es ist noch nicht möglich gewesen, über alle Punkte eine Einigung mit den Gemeinden herbeizuführen. Vor allen Dingen haben die Gemeinden Bedenken gegen finanzielle Belastungen, die mit dem Siedlungsplan immerhin auch für die Kommu- nen verbunden sind und die bei der gegenwärtigen Finanzlage der Gemeinden als untragbar bezeichnet werden. Immerhin besteht die Hoffung, daß auch diese Bedenken in späteren Verhandlungen noch ausgeräumt werden können. Einstweilen wartet man die Ergebnisse der Beratungen des Sied- l u n gs a u s s ch u sses des Reichstags ab, der sich am Montag mit demselben Problem beschäftigen wird. Das Reparationsgespräch in Paris. Eine zweite Unterredung zwischen Hoesch und Laval. — Botschafter Francois Poncet in Paris. Paris, 7. Nov. (TU.) Der zweite Besuch des Botschafters von Hoefch bei Laval war nur von recht kurzer Dauer. Der deutsche Botschafter hat im Auftrag seiner Regierung um ergänzende Auskünfte gebeten. In der Pariser Presse wird heroorgehoben, daß die Auslegung des Artikels 119 des Poungplans den Hauptgegenftand der Unterredung gebildet habe. Deutscherseits sei man sich darüber klar geworden, daß eine Einberufung des Prüfungsausschusses nicht mehr zu umgehen sei. Man versuche daher die Befugnisse dieses Ausschusses dahin auszudehnen, daß er die gesamte Zahlungsfähigkeit Deutschlands unter Einschluß der kurzfristigen Kredite prüft. Französischerseits stehe man dagegen auf dem Standpunkt, daß die Reparationen auf keinen Fall mit den Privatschulden verbunden oder auch nur in Zusammenhang gebracht werden dürften. Im übrigen verharre Frankreich auf dem Standpunkt, daß sich die Untersuchung der deutschen Zahlungsfähigkeit in den vom Poungplan vorgesehenen Rahmen bewegen müsse und daß die Vollmachten des Ausschusses nicht auf die ungeschützten Tributzahlungen und die deutschen Privatschulden gegenüber dem Ausland ausgedehnt werden könnten. Im Gegensatz dazu wird von deutscher Seite nach wie vor betont, daß die Prüfung der deutschen Zahlungsfähigkeit nur dann zweckentsprechend verlaufen könne, wenn sie sich uneingeschränkt auf die gesamten mit der deutschen Finanzlage in Zusammenhang stehenden Fragen bezieht. Francois Poncet erhält Instruktionen. Werden die Verstand Hingen nach Berlin verlegt? Berlin, 7. Nov. (END.) Der französische Botschafter Francois Poncet ist heute abend nach Paris abgereist. Der Botschafter, der während der letzten Tage mit der Reichs- regierung zur Klärung des Neparations- problems in ständiger Fühlung stand, wird zwei oder drei Tage in Paris bleiben und dort mit dem Ministerpräsidenten und dem Minister des Aeußern Unterredungen haben. Wie der „Matin" hervorhebt, ist die Reise des Botschafters nicht dadurch veranlaßt worden, daß über neue deutsche Vorschläge diskutiert werde. Botschafter Francois Poncet sei von Laval nach Paris berufen worden, weil der französische Ministerpräsident sich über die Unterredung unterrichten wollte, die Francois Poncet in Berlin hatte, und weil er ihn über seine Verhandlungen mit Botschafter von Hoefch orientieren wollte. Botschafter Francois Poncet habe von Laval alle etwa notwendigen Direktiven erhalten und werde heute von Außenminister B r i a n d empfangen, der sich gestern nicht in Paris aufhielt. Oie Gtillbaltung der amerikanischen Kredite. Die amerikanischen Banken erwarten 20-prozentige Tcilrückzastlnng der kurzfristigen Kredite. N e u h o r k, 7. Nov. (TL.) Die Besprechungen der amerikanischen Großbanken über die Weiterführung des Stillhalteabkommens sind bereits in vollem Gange. Man will versuchen, möglichst noch vor dem 1. Dezember eine Einigung zu erzielen, da die Neu- Yorker Finanzinstitute Bedenken tragen, den deutschen Banken vor einer Verständigung über die zukünftige Behandlung der alten Kredite weitere Akzeptkredite zu gewähren, die erst nach Ablauf der Stillhaltefrist fällig würden. Die Verhandlungen dürften sicherlich geraume Zeit beanspruchen, um so mehr, als von deutscher Seite noch keine Vorschläge gemacht worden sind. Indessen kann man schon jetzt erkennen, dah die amerikanischen Banken auf die Rückzahlung wenigstens eines Teiles der kurzen Kredite drängen werden. Bei allem Verständnis für Deutschlands Notlage scheint man hier zu glauben, daß die deutschen Schuldner Ende Februar mindestens 20 bis 25 v. H. der Stillhaltekredite zurückzahlen können. Die Umwandlung oer kurzfristigen Kredite in langfristige Anleihen stößt hier auf entschiedenen W iderspruch, da sich die Banken nicht der Möglichkeit berauben wollen, die kurzfristigen Akzepte auf dem offenen Markt oder bei der Bundesreservebank zu diskontieren, während es andererseits unmöglich erscheint, langfristige Anleihen beim Publikum unterzubringen. Herriot fordert Respekt vor den Verträgen. Der außenpolitische Kurs der Radlkaliozialisten. Paris, 7 Nov. (TU.) Der neu gewählte Präsident der Radikalsozialistischen Partei, Her not, hielt eine große außenpolitische Rede. Herriot verteidigte den Standpunkt der Radikalsozialisten in der Entwaffnungsfrage. Sie feien für einen Rüst u n g s st i l l st a n d , um den Staatshaushalt zu entlasten, aber gerade weil die Partei für diese Forderungen eintrete, müsse sie bie aufmert« s c> m st e und treue ft e Verteidigerin der nationalen Rüstung sein. Solange ein Krieg möglich sei, werde er, Herriot, einer besonderen und vorweggenommenen Abrüstung Frankreichs nicht zustimmen. „Solange es noch gefährliche Narren gibt, ziehe ich es vor, die Schützengräben mit toten Betonmassen zu füllen, als mit den Leibern unserer Kinder!" Herriot fordert eine internationale Polizei und einen internationalen Vertrag, durch den die Entscheidungen des Völkerbundes wirksam und unverletzlich gemacht würden, getreu dem Protokoll von 1926, durch das Sicherheit, Schiedsgericht und Entwaffnung miteinander verbunden seien. Zur Frage der Revision der Verträge erklärte Herriot: „Es gibt keine internationale Mo- Belgrad, 9. Nov. (CNB. Funkspruch.) Die Ergebnisse der gestern in Jugoslawien durchgeführten Wahlen zum Abgeordnetenhaus liegen heute früh nahezu vollständig vor. Da sich die in einem oppositionellen Block vereinigten ehemaligen Parteiführer an den Wahlen nicht beteiligt hatten, stand es von vornherein außer Zweifel, daß d i e Regierungsliste alle Mandate b e - kommen werde. Die Frage war, angesichts der von der Opposition ausgegebenen Wahlenthaltungsparole nur, wie groß die Wahlbeteiligung sein würde. Diese soll nach amtlichen Angaben im ganzen Staate immerhin 70 Prozent betragen haben, doch fehlen nähere Angaben über die Wahlbeteiligung, besonders in den kroatischen Gebieten. Die Wahl der aktiven Minister war, da sie in ihren Wahlbezirken keine Gegenkandidaten hatten, von vornherein gesichert. Großes Erstaunen muß die Tatsache Hervorrufen, daß die deutsche Minderheit, der von der Regierung ohnehin nur sechs Bezirkskandidaturen zugestanden waren, nach den jetzt vorliegenden Ergebnissen nur ein einziges Abgeordnete n m a n d a t erhält. Gewählt ist nur der Führer der deutschen Minderheit, Dr. Kraft, während die in überwiegend deutschen Bezirken aufgcfteUten übrigen deutschen Kandidaten ihren serbischen Gegenkandidaten unterlegen erscheinen. Berlin,?. Roo. (WTB. Amtlich.) Der preu- ßische Ministerpräsident Dr. Braun hat auf Grund des Artikels 45 der preußischen Verfassung den Präsidenten der preußischen Zentral-Genossenschafts- kasse (preuhenkasse) Otto Klepper zum Finanzminister ernannt Roch vor dem Bekanntwerden der Ernennung Kleppers zum preuhischen Finanzminister meldet das „Berliner Tageblatt", dah der in Berlin eingetroffene frühere preuhische Finanzminister Höpker-Aschoff mit dem Ministerpräsidenten Braun eine längere Aussprache gehabt habe, in der die Voraussetzungen für diewiederberufungdes Ministers auf seinen alten Posten geklärt werden sollten. Gegen den Wiedereintritt Höpker-Aschoffs in die preuhische Regierung und vor allem gegen eine etwaige Erteilung besonderer über bie früheren Grenzen hinausgehender Vollmachten an den Finanzminister feien bei einem Teil der preuhischen Regierungsparteien, vor altem beim Zentrum, auch noch in letzter Stunde Bedenken erhoben worden. Der allgemeinen Tendenz, die Befugnisse der Regierungen und besonders die der Finanzminister gegenüber den Parlamenten zu errat ohne Zuverlässigkeit und Respekt vor den Verträgen." Der Artikel 19 des Versailler Vertrages sehe die Nachprüfung unanwendbar gewordener Verträge vor. Er widersetze sich nicht der Untersuchung der Möglichkeit von Ergänzungen, aber man dürfe nicht diese oder jene Nation als Richter über Aenderungen anerkennen, die sie selbst betreffen. Der Respekt vor dem gegebenen Wort und den unterzeichneten Verträgen sei unentbehrlich für die Erhaltung der internationalen Moral und infolgedessen des Friedens. „Revision der Verträge? Nein! Aenderungen im Rahmen der Verträge? Ja!" Herriot schloß mit einem Appell an den guten Willen der Arbeit und zur Geduld. Wenn das Land Goethes und das Land Voltaires sich nicht verstehen könnten, so müsse man am Frieden verzweifeln. Ganz unerklärlich ist dabei, daß die serbischen Gegenkandidaten der Deutschen in Bezirken mit großer deutscher Bevölkerungsmehrheit das doppelte und dreifache an Stimmen erhalten haben sollen wie die deutschen Kandidaten. So wird die deutsche Minderheit Jugoslawiens im neuen Parlament nur durch einen Abgeordneten vertreten fein, während sie früher, als sie noch als selbständige Partei auftreten konnte, acht Abgeordnete durchbrachte. Der Wahlkampf scheint im übrigen ruhig verlaufen zu fein. In Belgrad kam es zu Demon - ftrationen der Studentenschaft. Die Studenten hatten in ihrem Heim in der Alexandsr- straße große Plakate mit der Aufschrift: „Es lebe die Freiheit!", „Nieder mit Pera Ziwkowitsch!" angebracht. Von der Terrasse und den Fenstern aus hielten zahlreiche Redner an die Menschenmenge, die sich rasch angesammelt hatte, Ansprachen, in denen die Beseitigung der Diktatur gefor- dert wurde. Polizeiagenten, die die Ansammlungen verhindern wollten, wurden mit Steinen beworfen. Da die Menge immer neuen Zuzug erhielt, schritt gegen Mittag ein großes Polizeiaufgebot mit schußbereiten Gewehren ein und drängte die Massen in die Seitenstraßen ab. Nachmittags rückte Feuerwehr aus und zerstreute durch Wasserstrahlen die Demonstranten. weitern, stehe im preußischen Fall die Erwägung gegenüber, dah die Lebensdauer des Landtags und der Regierung begrenzt fei. * Der neue preußische Finanzminister ist am 17 August 1888 in Brotterode (Kreis Schmalkalden) geboren steht also im 43. Lebensjahr. Nach Ablegung der großen juristischen Staatsprüfung wurde er 1921 Syndikus des Reformbundes der Gutshöfe in Bad-Nauheim. Mitte 1923 übernahm er das Amt eines geschäftsführenden Vorstandsmitgliedes des Domanenpächter- verbandes, um später nach Gründung der Deutschen Domänenbank (Deutsche Pächter- Kreditbank), an der er an maßgebender Stelle mitgewirkt hatte, im Oktober 1924 Vorsitzender des Vorstandes dieses Instituts zu werden. Anfangs 1928 wurde Klepper zum Präsidenten der Preußischen Z e n t r a l - Genossenschaftskasse ernannt. Oer neue Mann im Echo der preffe. Schärfstes Mißtrauen auf der Rechten. Berlin, 8. Nov. ($11.) Zur Ernennung Kleppers zum preußischen Finanzminister meint die „Germania", man hätte sich sehr gewundert, wenn Höpker-Aschoff wieder beauftragt worden wäre, da Höpker-Aschoff durch feine höchsteigene Initiative aus dem preußischen Finanzministerium ausgeschieden sei, und weist daraus hin, dah Klepper schon bisher als Präsi- dent der Preuhenkasse einen guten Ruf gehabt habe. — Die „D A Z." (Volkspartei) weist darauf hin, dah die Preuhenkassenpolitik Kleppers heftig u m k ä m p f t und von der Rechten, besonders von der Landwirts cha ft, immer wieder aufs schärf st e angegriffen worden fei. Durch seinen Eintritt in das Kabinett habe sich dessen Kampfcharakter zweifellos verschärft. — Die „B ö r s e n z e i t u n g" (kons.) schreibt, Klepper habe bereits als Leiter der Preuhenkasse sein Möglichstes getan, um über feine eindeutig l i n k s o r i e n t i e r t e Gesinnung keinen Zweifel aufkommen zu lassen. Er gelte als erklärter Feind des Grohgrund- besihes. — Die „Deutsche Tageszeitung" Oie südslawischen ahlen. Oie Wahlenthaltung der Opposition. — Oie Regierungsliste bekommt alle Mandate. — Nur ein deutscher Abgeordneter im neuen Parlament. Oie Studenten demonstrieren gegen die Diktatur. Der neue preußische Jinanzminisler. Präsident Klepper von der preußenkaffe wird Nachfolger Höpker-Aschoffs. DerMkerbundsralnachpansemberusen. Neue Beschwerdenote Chinas über die Vorgänge in der Mandschurei. Genf. 7. Nov. (WTD.) Der Dölkerbundsrat tritt am 16. November in Pari- zusammen. Briand hat al- Präsident des VölkerbundSrats einen neuen dringenden Appell an die Regierungen von Tokio und Nanking gerichtet und sie ersucht, ihren Befehlshabern Weisungen zu erteilen, um weitere blutige Zusammenstöße »wischen den beiderseittgen Streitkräften zu verhindern. Er erinnere daran, daß die Vertreter Chinas und 3apanS die Versicherung gegeben hätten, eine Verschärfung der Situation zu vermeiden. 3n einer Note der chinesischen Delegation wird darauf hingewiesen, dah die Äon* zentrierungjopanischerStreitkräste am Brückenkopf de- Nonniflusses ausgeführt wurde gemäh der vom japanischen Kommandanten eingeschlagenen Politik, die darin bestehe, die Vertreter der gesetzlichen chinesischen Regierung aus der ganzen Mandschurei zu vertreiben und an ihre Stelle Personen zu setzen, die von den Japanern selbst unterstützt würden. Die Ereignisse zeigten klar, dah die Wiederinstandsetzung der Brücke über den Nonni» sluh nur ein Vorwand sei. Es sei sonst nicht üblich, Drücken mit Unterstützung von Artillerie, Infanterie und Bombenflugzeugen wieder instand zu setzen. Japan verfolge das Ziel unter dem Deckmantel eines .Komitee» für die Aufrechterhaltung des Friedens und der Ordnung" in Mukden, Kirin und anderen Orten im besetzten Gebiet die Autorität von solchen Gruppen au stützen, die nicht- anderes als Kreaturen des japanischen Militärkommando - seien. — Diese Politik stehe im Widerspruch au Artikel 10 des ÄölkerbundSpaktes und zu Artikel 1 des in Washington unterzeichneten Neun-Mächte-Dertra- ges. Diese Politik stelle auch eine flagrante Weigerung dar, sich den Empfehlungen des Rates zu fügen und überdies einen Bruch des zu wiederholten Malen feierlich abgegebenen Versprechens, durch das sich Japan vor dem Rate verpflichtet habe, alle- zu unterlassen, waS den Konflikt verschlimmern oder zu seiner Ausdehnung beitragen könnte. Japan erklärt -en Vormarsch für beendet. Am Nonnifluß auch em russischer Lsfizicr gefallen? Genf, 8. Noo. (WTB.) Der Vertreter Japans in Paris, Iofchifawa, hat den Generalsekretär des Völkerbundes telegraphisch gebe^n, den Mitgliedern des Rates mitzuteilen, daß nach einem Telegramm feiner Regierung die japanischen Truppen den Vormarsch in der nördlichen Mandschurei nach der Besetzung Tahsings am 6. November e i n g e st e l l t hätten. Die japanische Regierung betont erneut, dah der Vormarsch ihrer Truppen an den Ronnifluß lediglich erfolgt sei, um den Wiederaufbau der von Chinesen zerstörten Brücke zu sichern. Die Wiederherstellungsarbeiten würden ungefähr zwei Wochen dauern. Die Regierung sei fest entschlossen, die Truppen zu- rückzuziehen, sobald die Brücke wieder inftand- gesetzt sei. Nach einer Reutermeldung aus Tokio, soll sich unter den bei den Kämpfen am Nonni-Fluh getöteten 200 Chinesen auch d i e Leiche eines sowjetrussifchen Offiziers befunden haben. Die Zahl der in diesen Gefechten umgekommenen Japaner wird mit 36, die der Verwundeten mit 140 angegeben. Das Gerücht von den Zusammenziehungen von chinesischen Verstärkungen nach Anganki bat sich unterdessen zu einer japanischen Auslassung verdichtet, die davon spricht, daß die Truppen des Generals Matfchantschan konzentrisch gegen Anganki und Tahsing oorgehen. Parteiführer im hessischen Wahlkampf. Oie Front von Harzburg. Hugenbcrg über die Geipräche mit dem Zentrum. D a r m st a d t, 8. Noo. (WEN.) In einer deutschnationalen Wahlkundgebung in Darmstadt setzte sich der Parteiführer Dr. Hugenberg mit der Frage auseinander: „Was bedeutet Harzburg?". Er führte u. a. aus: Nicht umsonst heißt es in der gemein- famen Entschließung der vereinigten Parteien und Bünde: „Geächtet ist jeder, der unsere Front zersetzen will." Wir sind doch sämtlich keine Kinder, die so etwas heute machen und morgen wieder ausein- onderlaufen. Es ist völlig richtig, was irgendwo von nationalsozialistischer Seite gesagt wurde: Es handelt sich um ein Zweckbündnis zum Sturz eines verderblichen Sy st em s. Da aber in der Politik ein System nur dann gestürzt werden und gestürzt bleiben kann, wenn ein neues System und Programm und eine neue Macht a n d i e Stelle des alten tritt, so bedeutet die gemeinsame Negation des Bestehenden selbstverständlich auch die gemeinsame Bejahung eines Künftigen. Die Harzburger Kundgebung läßt darüber keinen Zweifel. Daß es dem Zentrum und den Gewerkschaften erwünscht sein würde, mit den Nationalsozialisten in ähnlicher Weise ihren Sonderpalt zu machen, wie früher mit den damaligen Dcutschnationalen, ist selbstverständlich. Es wäre aber töricht, anzunehmen, daß Zentrum und Gewerkschaften immer wieder in gleicher Weise ihren Dummen finden mühten. An dem Bestände und der Zukunft des Zentrum- haben ja nicht alle Deutschen ein unbedingtes Interesse — auch diejenigen nicht, die immer wieder Oberhessischer Kunstverein. Drei Frauen der Gegenwart. Die Leitung des Oberhessischen Kunst- vereins, die sehr sichtbar sowohl um Vielseitigkeit wie um Qualität ihrer Ausstellungen bemüht ist, bringt diesmal eine Liebersicht über das Werk von drei modernen Künstlerinnen, welche durch die Gegensätzlichkeit der Temperamente und Ausdruckswerte sehr reizvoll gekennzeichnet ist. Cs stellen aus: Lotte Droese (Danzig): Milly Marle-Fries (Würzburg): Sulamith Wülfing (Elberfeld). Lotte Droese ist eine Schülerin vcn Pros. 5 A. Pfuhle in Danzig und von Christian RohlfS, dem greisen Maler der Türme und der Blumen. Das legitimiert sie und bricht in den besten Stücken ihrer Malerei oft ganz überraschend durch. (Es gibt da ein Schwefelgelb, ein Kobaltblau z. B., das sehr entschieden auf die großartig reiche Palette von Rohlfs zurück- weist.) Dabei ist die Künstlerin, wie man bald gewahr wird, eine durchaus selbständige und ganz impulsive Persönlichkeit. Eie kommt vom Zeichnerischen, von der Echwarz-Weiß-Bildnerei der, und cs ist interessant zü beobachten, wie sie sich stilistisch grundlegend gewandelt hat ... von den etwas morbiden und blassen Bleistift- zeichnungcn (..Die Gisersüchtige", „Nähende Frau") zu den starken und gefüllten, von Bewegung und seelischem Ausdruck gespannten Figuren und Köpfen der späteren Zeit: wir nennen etwa: „Sic klugen Jungfrauen", ..Die Bauernfrauen", ..Die singenden Kinder" und den ausgezeichneten „Weiblichen Kopf". Diese Kreideblätter wirken viel herzhafter in Strich und Zugriff, trotzdem weicher und malerischer im impressionistischen Gesamteindruck: von ihnen au» findet man am ehesten den Anschluß an die Ma- Ictd, die übrigen- merkwürdig energisch und männlich in Haltung und Handschrift wirkt. (Von den drei Frauen dieser Ausstellung ist Lotte Droese die einzige, die nicht- typisch Weibliches in Thema oder Technik verrät.) Die Gemälde — wie auch schon die graphischen Blätter — sind durch da- leidenschaftliche Bestreben bestimmt. Ausdruck im eigentlichen Sinn«, Bewegung und Beseelung zu vermitteln. So etwa der „Frühling , ein Bild, da- man geradezu allegorisch auflösen könnte, oder der „Rusende Dauer", der wohl am entschiedensten von Rohlf- her beeinflußt ist. Del der „Schlafenden" ist vor allem die Hingegebenheit und die entspannte Gelöstheit erklärt haben, daß sie bereit seien, auf ehrlicher Grundlage mit dem Zentrum zusammenzuarbeiten. Auch die Nationalsozialisten haben dieses Interesse nicht. Daß im übrigen über manche Fragen die Auffassungen der Deutschnationalen und der Nationalsozialisten auseinandergehen, ist oft betont. Sonst würden es ja auch nicht zwei verschiedene Parteien sein. Ich habe z. D. gestern in Gießen und heute hier deutlich betont, daß wir Deutschnationalen nicht Sozialisten, sondern ausgesprochene Anhänger der Privatwirtschaft sind. Wir haben auch nicht die Absicht, wie es irgendwo einmal von nationalsozialistischer Seite liebenswürdig an» gedeutet ist, uns als Mischmasch zu fühlen, uns als Vorspann benutzen und dann — dabei wurde als Muster Mussolini genannt — einen Fußtritt geben zu lassen. Fassen Sie das bitte als jugenlichen Heber» schwang auf, entfalten Eie ruhig denselben jugendlichen Lieberschwang. Sollten in dieser oder in anderer Beziehung Meinungsverschiedenheiten und Schwierigkeiten entstehen, so wird das gemeinsame Interesse zur Sache und zum Vaterlande den Ausweg weisen. Iraktionssihung -es Christlich- sozialen Volks-ienstes. Mainz, 7. Nov. (WEN.) Die Reichstagsfraktion des Christlich-sozialen Volksdie.lstes tagte in Mainz und besprach die politische Lage und die hessischen Landtags» Wahlen. Die Politik der Reichstagsfraktion hat im ganzen Reich und in den hessischen Volksdienst-Kreisen Zustimmung gefunden. Die im Gesichtsausdruck, bei der „Mutter mit Kindern" der delikate malerische Dreiklang von Rosa, Grün und Gelb zu beachten. Neben diesen vier stärksten Stücken wären noch die viel weicher und lockerer gemalten „Tanzenden" und die die „Straße,mit Frauen" zu beachten. * Die Bilder von Milly Marle-Fries erscheinen hierneben sowohl im Sujet wie in der Technik begrenzter und minder kompliziert: sie zeigt Dlumenstücke und Landschaften: das ist eine noble, klare und Helle Malerei, formal sehr sauber, rein dekorativ In der Haltung. Man wird sogleich die Temperamentsunterschiede bemerken, wenn man diese Dlumenstücke und Freilichtaus- schnitte mit den Arbeiten der beiden anderen Frauen vergleicht. (Gerade in solcher Gegenüberstellung liegt ja ein besonderer Reiz der neuen Kollektion.) 3m einzelnen wollen wir die ..Roten und gelben Tulpen" am Fenster, die »Blumen aus dem Süden" bot dem Würzburger Marienberg, die sehr apart vorgetragenen .Rosen" und den .Ausblick im Winter" hervorheben, der durch eine auch anderwärts au beobachtend« Austeilung des Dildcs gewissermaßen in Vorder- und Hinterbühne charakterisiert wird. Dann die Landschaften: klar und ruhig gemalt, mit hohem Himmel und betonten Vordergründen: einzelne Motiv« sind übrigens mehrfach wiederholt. Sulamith Wülfing, welche man .Dürers kleine Tochter" genannt hat, ist eine Zeichnerin und Miniaturma.erin von ausgeprägter Eigenart und entschiedenem Äi nnen. 3hre winzigen Bildet erscheinen romantisch, phantastisch, illustrativ, nicht ohne gedankliche Belastung. aber auch gelegentlich nicht ohne Humor. Sicherlich ist die filigranhafte Zartheit der Strichführung an altmeisterlichcn Vorbildern geschult, aber man könnte vor anderen Einzelheiten ebensogut auch an Fidus oder an die Präraffaeliten denken. Mancher dieser an alte Medaillons und E fenbeinmalercien gemahnenden Zierlichkeiten, di« übrigens teilweise in einem allzu anspruchsvollen Rahmen vorgestellt werden, wirken wie 3llustrationen zu den zarten und innigen Gedichten der Ruth Schaumann. Auch bei Sulamith Wülfing gibt «S gewisse besondere Vorlieben und Leitmotive, die immer wieder angeschlagen und variiert werden: wie etwa ein Figurentypus deS zwischen Kind und Mutter stehen- den, unendlich zartgliedrigen und großäugigen Frauenwesen-, dessen Körperhaltung und Armbeugung an die typische Gest« frühgottscher Ma- donnen erinnert. Blumen und Schmetterlinge, Fabeltiere und Zwerge, Kinder und Frauen, Ma- Fraktion nahm sodann einen Bericht des hessischen Landesvorsitzenden und Spitzenkandidaten G r e b, Mainz, entgegen, der der Auffassung Ausdruck gab, daß die bevorstehenden hessischen Landtagswahlen die Ausgabe haben, d i e Machtstellung der bisherigen Regierung s k o a l i t i o n, die sich als dem evangelischen Volksteil, seinen Forderungen und 3dealen nachteilig erwiesen habe, zu brechen. Der Volksdienst fordere all« bewußt Evangelischen auf, da- ihrige zu tun. um dieses Ziel, zu dem sich der Volksdienst bekennt, zu erreichen. Die Reichstagssraktion hat von dieser Stellungnahme des hessischen Landesverbandes Kenntnis genommen und sie einstimmig gebilligt. Gin Protest der WirtschastSpartei Darmstadt, 8. Noo. (WSN.) Der Vorsitzende der hessischen Wirtschaftspartei, Rechtsanwalt Lud- tu i g (Ingelheim), protestiert in einer längeren Erklärung gegen d i e Nichtzulassung des wirtschaftsparteilichenWahlvorschla- g e s in Hessen. Zu dem Abstimmungsergebnis des Wahlausschusses wird dabei u. a. gesagt: Nach der hessischen Landeswahlordnung muh jeder Wahloor- schlag von mindestens 500 Wahlberech- tigten unterschrieben sein. An Stelle von 500 Wahlberechtigten genügen aber 20, wenn diese glaubhaft machen, daß mindestens 500 wähl- .berechtigte Anhänger des eingereichten Wahlvorschlags sind. Weder die Staalspartei noch die Radikaldemokratische Partei noch die Nationalsozialisten haben bisher zu dem Landtag selbständige Listen eingereicht. Trotzdem waren diesmal die Wahlvorschläge dieser Parteien nur von 20 Wahlberechtigten unterzeichnet. Von der Wirtschaftspartei verlangte man 500 Unterschriften. Es wäre ein leichtes gewesen außer den 514 zum Teil beanstandeten Unterschriften noch weitere 500 Unterschriften beizubringen. Der Wahlausschuß lehnte jedoch eine nachträgliche Mängelbe- scitigung ab und sah es auch nicht als ausreichende Glaubhaftmachung an, daß am 14. September 1930 die Wirtschaftspartei in Hessen über 17 000 Stimmen hatte. Oer Weg aus -er Krisis. EineRededcsReichtzfinanzminiftersrictrich Darmstadt, 8.Noo. (TU.) In einer Dersamm- hing der Deutschen Staatspartei erklärte Reichs- finanzminister Dr. Dietrich u.a.: Das Miß- trauen habe das ganze Kreditgebäude der Welt zerstört, den Sturm auf Deutschland beroorgerufen, der zur Einstellung der beut- chen Äußenzahlungen geführt, den Abzug der kurz- riftigen Gelder aus England gebracht und in des- en Verfolg das Pfund erfaßt habe. In der Wirt- chaft der einzelnen Völker aber habe die Sorge um den Verlust von Geld und Kapital dazu geführt, daß die einzelnen Bürger Gold und, wo das nicht ging, Noten gehamstert hätten, die dadurch ihrer eigentlichen Aufgabe entzogen worden seien. Um das Vertrauen wieder her- »ustellen, seien zwei Dinge nötig: eine Regelung der kurzfristigen Schulden und ein« Ordnung der Reparationen. Zu dem Streit, was oorgehe, die Prioatschulden ober bie politischen Schulben, wolle er sich nicht äußern, aber bas eine sagen, baß bie Voraussetzungen bafür, baß Deutschland überhaupt zahlen könne, die Wiedereinschaltung in das K r e d i t g e b ä u d e der Weltwirtschaft sei. Wenn man die deutsche Krise für sich betrachte, seien zwei Gebiete zu unterscheiden: Zunächst der Außenhandel und dann die Binnenroirt- schäft. Für die Binnenwirtschast sei es an sich gleichgültia, auf welchem Preisniveau sie sich ent- wickele, sofern nur d i e Verteilung des wirtschaftlichen Ertrages auf die verschiedenen Berufspruppen in Drbnuna sei. Entschei- bend seien hier bie Ko st en b e r öffentlichen Hand, ber Sozialversicherung unb des Kapitals, d. h. der Zinsen. Die Kosten der Sozialversicherung fanden wir heute hauptsächlich in dem Aufwand für die Arbeitslosen. Wir müßten daran denken, eine Entwicklung hervorzurufen, bei ber ein krisenfester Arbeiter geschaffen werbe, das heißt, ein Arbeiter mit eigenem Häuschen und Land, den der Verlust der Ardeilsstelle nicht sofort besitz- und mittellos mache. Bei den Kosten des Kapitals, d. h. der Höhe der Zinsen, seien gewaltfame (Eingriffe sehr zu überlegen. Man mülie vor allen Dingen sehen, daß man die Zinsspanne herunterdrücke und dafür sorge, daß das vorhandene Kapital richtig verteilt werbe. Der Minister setzte sich dann mit aller Entschiedenheit für eine mittelständijche Politik ein, bie in erster Linie in der Entlastung des Hausbesitzer bestehen müsse. Die Staat-partei habe gelernt an den Vorgängen de» Jahres 1918 und 1919, daß es nicht bester werde dadurch, daß man dem Radikalismus nachrenn«. Eine gewaltige Gefahr für uns fei die ungeheuere Zerf plitte- r u n g und Ziellosigkeit des deutschen Bürgertums. Der Hauptfeind sei der Kleinmut, der in Deutschland umgehe und auf den ein erheblicher Teil unserer Schwierigkeiten zurückzuführen sei. Gerade darin in einer solchen schweren Zeit nicht zu verzagen, liege die Aufgabe aller wirklich nationalgesinnten Menschen. Stadlvei-ordneienwahlen in Bremer-Haven. Bremerhaven, 9. Noo. (WTB. Funkspruch.) Bei den gestrigen Stadtverordnetenwahlen in Bremer- Haven erhielten: Sozialdemokraten 3799 Stimmen, 11 Sitze (bisher 15 Sitze): Staats- Partei 509 Stimmen, 1 Sitz (4); Zentrum 327 Stimmen, 1 Sitz (1); Wirtschaftspartei 649 Stimmen, 3 Sitze (6): Nationalsozialisten 3068 Stimmen, 9 Sitze (0): Deutsch nationale 1275 Stimmen, 4 Sitze (1928 in der Bürgerlichen Bereinigung); Kommuni st en 1847 Stimmen, 5 Sitze (2); Bürgerliche Bereinigung 549 Stimmen, 2 Sitze (8). Die Wahl ist ruhig verlausen. Eine Frankfurter Rektorrede. scharfe Kritik Zifcher-Wafeio an der preußischen Kulturpolitik. Frankfurt a. M., 7. Nov. (XU.) Am Samstag fand im Beisein der staatlichen und städtischen Behörden, der Ehrenbürger und der Stu» dentenschast, aber in Abwesenheit der Korporationen die feierliche Rektoratsübergabe des Rettors Prof. Dr. Fifcher-WaselS, Direktor des Eenckenbergischen Pathologischen 3nsti» tuts, an Prof. Dr. Madelung statt. Die Feier erhielt durch eine sehr scharfe Rede des scheidenden Rektors ein« besondere Note. Prof. Dr. Fischer-Wasels bezeichnete das vergangene 3ahr als ein solches der u^ersüllten Hofsnun- gen. Die Zahl der Eludierenden habe trotz aller Warnungen das fünfte Tausend überschritten. Damit sei eine staatlich geförderte Entwicklung im Anwachsen, die man als die der negativen Auslese bezeichnen müsse. Eo sei eS z. D. unsinnig, bei aller Anerkennung der Bedeutung des Eports körperliche Leistungen der geistigen Befähigung gleichzuschen. Di« Folg« deS jetzigen Zustande- sei eine staatlich geförderte Proletari- tierung der Studentenschaft, die sich bitter rächen werde. Sine verständnislose Ministerialbureaukrati« sei am Werk, di« Grundlagen der akademischen Freiheit zu Aerstören. 3m 3ahre 1934 würden wir 134 000 stellungslose Akademiker haben, die unter sinnloser Vergeudung öffentlicher und privater Mittel studierten. Di« Notlage, In der wir durch den Vertrag von Versailles gelangt seien, entschuldige nicht unsere eigenen Fehler. WaS unheute durch di« Notverordnungen zugemutet werde, sei «in schwerer Verstoß gegen Treu und Glauben unb gegen die Verfassung. Man könne bie besten Absichten der Staatsleitung unterstellen, aber selbst der große Zweck der Rettung des Vaterlandes heilige nicht alle Mittel. Die Not der Gegenwart gebe einer verständnislosen Bureaukrati« einen Freibrief für jeden Rechtsbruch. Professor Fischer-Wasels siebt di« liefe Ursache der Weltkrise in der sittlichen Min - derwertigkeitderMensch heit, die das donnen, Priiuefsinnen und Engel bevölkern die ganz märchenhafte und völlig illusionistische Welt dieser Kleinmalerei. Der „$raum auf der Mondsichel" und daS .Knabenträumchen" mögen als interessante Abwandlungen deS gleichen, unerschöpflichen Motivs einander gegenübergestellt werden, das,Tor", das.Zwiegespräch" und der.Kristall" als Beispiele für die symbolistischen und phantasie- gebundenen Vorstellungen dieser sehr leisen und zerbrechlichen Dildnerei gelten. Die Ausstellung wurde gestern. Eonntagvormit- tag, eröffnet. Ei« dauert bis zum 23. November und ist außer an den Sonntagen von Dienstag bis Freitag, 15 bis 17 älhr, zugänglich. -y- Efziehe deine Hand! Die Natur ist eine streng« Rechnerin, bie dem Menschen, wenn er ihr ihre geheimen Kräfte ab- listet, dafür andere wichtig« Ding« entzieht. So müficn wir bie ungeheure Entwicklung der Technik, die uns zu Herren über so viele Naturkräfte gemacht hat, mit ber Verkümmerung von Eigenschaften büßen, mit denen wir ursprünglich ausgestattet waren. 3mmer wieder wird geklagt, daß wir nicht mehr die Schärfe der Sinne besitzen, die den Naturmenschen auSzeichneten, und ebenso geht eS mit den natürlichen Werkzeugen, mit denen wir ausgestattet sind. Der Urmensch hat Ungeheures geleistet, nachdem er gelernt hatte, sich seiner Hände zu bedienen. Heute, da die Handarbeit in vielen Fällen durch die Maschine ersetzt ist, haben wir diese Handfertigkeit Aum größten Teil verloren. Darauf weist der hervorragende englische Chirurg Sir Herb. Barker in einem Aussatz hin, in dem er bie Wichtigkeit der Erziehung der Hand betont. .Es muß immer wieder daran erinnert werden", so schreibt er, .daß eine enge Beziehung zwischen Hand und Hirn besteht. DaS Handwerk ist nicht nur die Mutter der Künste, sondern überhaupt der geistigen Entwicklung d«S Menschen. Bevor der erste Mensch schrieb, mußten erst andere daS Werkzeug ersinnen, mit dem er seine Gedanken feftbatten konnte. Zuerst war bie Hand, bann bas Hirn. DiS zu einem gewissen Punkt war bie Entwicklung bes Menschen als eines bert- kenden Wesen- bebingt burch die Geschicklichkeit seiner Hand. Der Prei-. den wir für unsere Herrschaft über bie Maschinen zahlen, ist ein unver» meiblicher Rückfall in die Epoche der geringen Handausbildung, die einst bei unfern primitiven Vorfahren herrschte. Unsere Händ« vermögen nicht mehr, jene hohe Fertigkeiten zu entwickeln, die die Menschen früherer Zeiten auszeichneten. Nur einzelne Berufe und Handwerke haben noch eine solche Geschicklichkeit bewahrt. 3m allgemeinen verlieren wir durch bie Vernachlässigung ber Handarbeit bie körperliche Crbscha t vergangener Zeiten, und es ist eine wichtige Aufgabe künftiger Erziehung, diese verlorene Kunst wieder» zugewinnen. Da» erste, waS jede- Kinb lernen müßte, ist bie Bedeutung seiner beiden Hände. 3ed«S Kind zeigt unbewußt das Verlangen nach HanbauSbilbung. aber diese wird ihm nicht mehr gewährt. Gewisse Methoden. wie die der Frau Montessori, suchen diesen F.hlet wieder gut zu machen. In Wien erstrebt Prof. Franz Ti- zeck, der ein besonderer Vorkämpfer dieser Bewegung ist, bie Benutzung diese- natürlichen Werkzeuges bei feinen kleinen Schülern. Da- Leben wird bereichert durch den Gebrauch der Hände: es erhält einen neuen und wichtigen Inhalt durch die Steiaerung der Handfertigkeit. 3e geschickter die Hände de» Kindes werden, desto belfer wird auf geheimnisvolle Weife das Gehirn ausgebildet, denn bie Beziehung zwischen biefen beiden Organen ist ein grundlegender Faktor. 3edes Kind sollte, welches auch später sein Berus wird, ein Handwerk erlernen. Die außerordentlichen Möglichkeiten, die der Gebrauch der Hand bietet, sind uns nicht mehr gegenwärtig. 3n diesem seinsten Werkzeug sind mehr Geheimnisse, al- wir ahnen. Man nehme z. B den Fall ber taut>blinbcn Miß Keller, bie mit ihren Hänben bie verschiede» nen Farben zu untersckieiben weiß unb so die Farben mit den Nerven ihrer Hände wahrnimmt." 3eiffd)riffen. — Mutter unb Kinb. Zeitschrift für Ernährung. Pflege unb Erziehung beS Kinde». Verlag Elwin Staude. Osterwieck a. H. Vierteljährlich (3 Hefte) 1,65 Mk. einschl. Porto. — Diese Zeitschrift behandelt in au-gezeichneten Artikeln alle» für Mutterschaft, Säuglings» unb Kinderpflege Bedeutsame, ohne in langweilige Belehrungen zu verfallen. In Heft 11 schreibt u. a. Frau Ruth Vollmer über .Betrachtungen zur Säugling»- unb Kleinkindergymnastik". Schwester Laura Möhrina erzählt ihre .Erlebnisse mit er en alischen Kindern* und 3ohs. Harlig behandelt da» Thema .Sollen Kinder die Zeitung lesen?". Beiträge wie .Da» Kind im Spiegel seiner Schrift", .Eine Bibliothek für Kinder". .Können Kinder philosophieren?" unb nicht zuletzt .Zur Geschichte der Kochkunst* dürften erweisen, baß bie Zeitschrift auch für Mütter, beten Kinder au» bem Säuglingsalter heraus sind, wertvoll und anregend ist. Geläuterter Rauch Diese Darstellung zeigt deutlich die ATIKA OHNE MUNDSTÜCK filtrierende Wirkung der Feuchtigkeit im Mundende einer Atikah ohne Mund• stück. Der Tabak ist sichtlich dunkler geworden als bei der Mundstück• Cigarette, bei der das Mundstück das Eindringen der Feuchtigkeit verhindert. das Aroma beeinträchtigen und die Schleimhäute in Mund und Hals reizen. Ein Mundstück dagegen verhindert die Feuchtigkeit am Eindringen. Wenn Sie unmittelbar nach einer Mundstück-Cigarette eine Atikah rauchen, wird Ihnen auffallen, wie kühl und rein, wie aromatisch und mild die Atikah schmeckt. Sie gibt Ihnen den vollen Genuß edler türkischer Auslese-Tabake, deren aromatischer Rauch auf natürliche Weise geläutert wird. e Entwicklung im die der negativen «se. 6o sei cs z.2. un« , iing der Bedeutung des : Leistungen der ng glcichzusehen. y Zustandes sei eine | rte Proletari« | Uenschast, die sich 1 Eine Verständnis« i| ireaukratie sei am g der akademischen Frei« i| Jahre 1934 würden | ngälofe 2lkaöe« E fmnlofa Tetgeubung “ Miet studierten. ir durch den Bertrag den, entschuldige n Fehler. Das uns irordnungen zugemutet Zerstoß gegen Treu und ; Bersassung. Man könne Staatsleitung unterste!« che Zweck der Bettung nicht alle Mittel Die > einer verständnislosen brief für jeden W Dasels siebt die tute l ^sittlichenAn' I AenschSe^ö-ed°r . auf natürliche Weise filtriert ist reiner Genuß Sprache für unsere deutschen Bruder dort zeugt. Die Inszenierung lag in den Händen von Bernd Hoffmann, dem bisherigen Oberspielleiter des Wiener Schauspielhauses. Sn den Hauptrollen wirkten u. a. mit Maria Krahn, Paul Rehkopf von den Reinhardt-Bühnen, Rose Rubner, Dresden, Leopold Diberti, Frankfurt a. M.. Die tragende Rolle spielte Hans Mieren- d o r f f unter großem Beifall. Schmuggler erschossen. Zollbeamte trafen auf der Straße Cleve — Donsbrüggen den Arbeiter Hebben auf einem mit Schmugglerware beladenen Fahrrade. Auf die Halterufe der Beamten flüchtete der Schmuggler und, als auch die Warnungsschüsse unbeachtet blieben, schossen dieBeamten scharf und verwundeten Hebben so schwer, daß er kurz nach der Einlieferung ins Spital st a r b. Der Schmuggler hatte insgesamt zehn Pfund Kaffee und Tabak bei sich. AUSLESE-CIGARETTEN Selbstverständlich Die weitaus größte Mehrzahl aller Raucher der Welt bevorzugt gute Cigaretten nur ohne Mundstück. Das ist keine Zufälligkeit, sondern hat seinen guten Grund. In der mundstücklosen Cigarette spielt sich ein ähnlicher Vorgang ab wie in der orientalischen Wasserpfeife, in der der Rauch durch Wasser filtriert wird. Die Feuchtigkeit, die durch das poröse Papier in das Mundende eindringt, kühlt den Rauch und entzieht ihm bittere Stoffe, die ins. LzMdes-.-U sied 6-9 Diese K*6ä!> mende Bewölkung und Niederschläge, milder. Aussichten für Mittwoch: Temperaturen wieder mehr ausgeglichen, wechselnd bewölkt mit Aufklaren, einzelne schauerartige Niederschläge. Lufttemperaturen am 7. November: mittags 11,3 Grad Celsius, abends 3.7 Grad; am 8. November: morgens 3,8 Grad. Maximum 11,5 Grad, Minimum 1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 7 November: abends 7,8 Grad; am 8. November: morgens 5,2 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 2% Stunden. Oie Wetterlage. Schwerer Orkan über West-Venezuela. Ein schwerer Orkan ist über die Petroleumstadt Maracaibo (West-Venezuela) dahingebraust und hat auf den Oelfeldern von Lagunillas und Las Salinas großen Schaden angerichtet. Ver- chiedene Häuser sind dabei zerstört worden, und der verkehr war eine zeitlang, stillgelegt, jedoch sind bereits wieder normale Verhältnisse hergestellt. Todesopfer scheint die Sturmkatastrophe, soweit bisher bekannt geworden ist, nicht gefordert zu haben. Schon wieder ein Lhausfeurmord In Berlin. Don einem Kraftdroschkenführer wurde in dem im Rorden Derlins gelegenen Dorort D u ch - Holz eine verlassene Kraftdroschke aufgefunden. Die Polizei fand dann in unmittelbarer Rahe der verlassenen Droschke ihren Führer, den Chauf- feuer Pohl, in einem Wassergraben liegend, tot auf. Dem Toten war der Schädel zertrümmert worden, außerdem wies der Körper zwei Schuhverlehungen auf. Schleifspuren von der Kraftdroschke nach dem Wassergraben beweisen, daß Pohl in der Droschke getötet und dann nach dem Fundort geschleppt worden ist. Daß es auf einen Raub abgesehen war, geht daraus hervor, daß dem ermordeten Pohl die Brieftasche fehlt. Diel Geld dürfte sie nicht enthalten haben. Ein Portemonnaie mit etwa 20 Mk. Silbergeld steckte noch in einer Tasche des Pohl. Eröffnung des Deutschen Nationaltheaters in Berlin. Am Samstag wurde das Deutsche Rationaltheater im früheren Theater am Schiffbauerdamm eröffnet. Das neue Haus soll „eine Pflegestätte deutscher und deutschverwandter Kunst sein, zur Ermutigungund Stärkung derSchaf- fenSlust unserer deutschen Dichter, eine Stätte ernster Arbeit für den deutschen Schauspieler, eine Stätte der Erbauung des ganzen Volkes". Es waren u. a. anwesend Prinz Heinrich der Riederlande, Vertreter der holländischen Gesandtschaft und der italienischen Botschaft, Vertreter der nationalen Parteien, der Vaterländischen Verbände des Stahlhelm, des Reichslandbundes, des Kultus- und Reichswehrministeriums. Als Eröffnungswerk brachte das Deutsche Rationaltheater Hans Kysers Schauspiel „Es brennt an der Grenze", das Kampf und Rot der Deutschen im „neuen Polen" zum Thema hat und in starker KM nb balür i niQn die Uai^Jorge, Ä !Wt fij) 19 Der. aller -in * Jiek(n? des rt9en des SQf5Partei er °°rde fr "18 ltenn«. Gin! n ' u des ,lte« ei der K" Ar. Jnb auj benC?mut' "Ms stoche« Men. s '- Zentrum 32? stimmen, r Morrebe, 'icher-Wasels 1 Kullurpoliiil. t&an&nni« Etlichen und ftädtt« "burger und der 6tu» Wesenheit der Äot> üktoratsübergabe des "«Daseks. Dirck« Pachvlogcschen Znsti« lung statt. Die Feier irse Lede des scheiden« >ere Lote. Pros. Dr. das vergangene Jahr lullten Hossnun« tudiercnden habe ngen das fünfte Itcn. Damit fei eine Aus dem Amtsverkündigungsblatt. * Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 77 vom 6. Rovember enthält: Stand der Maul- und Klauenseuche in Hessen. — Falsche Reichsbanknoten. — Die Stundung der Reichswinzerkredite. — Feldbereinigung Annerod. — Dienstnachrichten. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Dienstag, den 10. November. Kirchberg. 20.30 Uhr: Lollar; Bibelstunde. Donnerstag, den 12. November. Kirchberg. 20.30 Uhr: Daubringen; Bibelstunde. Wettervoraussage. Die weitere kontinentale Luftzufuhr hat noch zu trockenem Wetter geführt. Die Temperaturen gingen durch nächtliches Aufklaren vielfach bis in Gefrierpunktnähe zurück; sie wird auch in der kommenden Nacht die Temperatur beherrschen und noch zu Aufklaren führen. Jedoch werden im Laufe des morgigen Tages die Ausläufer der Atlantik-Störung, welche bereits den Kanal und das französische Küstengebiet beeinflussen, bis in unseren Bezirk gelangen und dabei Bewölkung, Milderung und etwas Regen verursachen. Aussichten für Dienstag: Nach kalter Nacht Frühnebel mit Aufklaren, tagsüber aufkomOer Schiedsspruch für die Gemeindearbeiter abgelehnt. Berlin, 7. Noo. (CNB.) Nachdem Samstag mittag, am Tage der Ablaufsfrist für die Erklärung zum Schiedsspruch der Gemeindcarbeiter, beide Parteien, der Kommunale Reichsarbeitgeberoerband und die Gewerkschaften, den Schiedsspruch, der eine 4^prozentige Senkung der Löhne für die Gemeindearbeiter vorsah, ab gelehnt haben, hat der Reichsarbeitsminister die Parteien für Montag, 14 Uhr, zu Nachverhandlungen eingeladen. Seelische dem Materiellen geopfert habe. Aber immer noch gelte der alte Grundsatz: justitia fundamentum regnorum. Heute ständen wir vor einem Abgrund. Wir müßten -zurück zurechten Sittlichkeit. Der Weg sei nicht leicht, aber: Unb wenn die Welt voll Teufel wär', eS muß uns doch gelingen! Hochschullehrer und Notverordnung. Eine Eingabe von Rektor und Senat der Universität Köln. Köln, 7. Rov. (TU.) Rektor und Senat der Tlniversität Köln haben an den Unterrichtsminister eine Eingabe gerichtet, in der u. a. darauf hingewiesen wird, daß die Behandlung der wirtschaftlichen Belange der Hochschul l e h r e r sich nicht in einer Weise entwickeln möge, die zu einer schematischen Einordnung der Hochschullehrer in die übrigen Deamtenklassen führen müßte. Ein solches Verfahren würde sich auch gegen die eigenartige Stellung und Wirkungsmöglichkeit der deutschen Wissenschaft richten. Der deutsche Hochschullehrer brauche einen gewissen wirtschaftlichen Spielraum, der es ihm gestatte, seinen besonderen Arbeitsmethoden nachzugehen. Er müsse vor allem dabei in der Lage bleiben, in internationalem Rahmen zu arbeiten. Er müsse sich z. D. durch Auslandsliteratur und Auslandsreisen einen weltoffenen Zug in seiner Forschung und Persönlichkeit wahren können. Schon jetzt sei es aber den allermeisten beamteten Hochschullehrern unmöglich, sich beruflich so zu bewegen, wie das ihre Aufgaben erforderten. Es dürfe mit Rachdruck darauf hingewiesen werden, daß die bereits im Gang befindliche Verminderung der für die Hochschullehrer bisher charakteristischen Einkommen durch die Zentralbehörden die Gefahr akut machte, daß die akademische Laufbahn in Zukunft nur noch vermö- gendenPersonenzugänglich bleibe. Bereits jetzt sei in wichtigen Fächern ein R ü ck g a n g der Rachwuchsentwicklung festzustellen. Die sich auch auf diePrivatdozenten erstreckende Verkürzung der Bezüge müsse zugleich die schon vorhandenen Kollegen, soweit sie namentlich vermögenslos feien, in ihrer wissenschaftlichen Entwicklung nachteilig beeinflussen. Rektor und Senat hielten es für ihre Pflicht, auch von sich aus auf diese Gefahren hinzuweisen und um stärkere Berücksichtigung der Sonderverhältnisse akademischer Berufsarbeit zu bitten, mit denen sich diese scharf von anderer amtlicher Tätigkeit unterscheide. , Aus aller Welt. Die Teilnehmer an der Wegener-Expedition wieder daheim. Jetzt sind alle Teilnehmer der Wegener-Expedition in Grönland wieder daheim. Freitag abend trafen mit dem Zug von Kopenhagen drei weitere jener mutigen Männer ein, die im hohen Norden aus- geharrt haben. Ein kleiner Kreis von Wissenschaftlern hatte sich auf dem Hauptbahnhof eingefunden, um zusammen mit Dr. Georgi und anderen Mitgliedern der deutschen Seewarte die drei Heimkehrer zu begrüßen. Es handelt sich um die beiden in Hamburg ansässigen Lissey und Friedrich- s e n, von denen der erstere Student und der andere Mechaniker ist, und um den Isländer Gut- mund Gislarson. Sie weilen schon seit einiger Zeit wieder in Europa, nachdem der Dampfer „Gertrud Rafk" sie von Grönland wieder nach Hause gebracht hatte. Gislarson, Friedrichsen und Lissey waren auf der Weststation unter- gebracht, deren Auflösung ihnen zur Aufgabe ge- macht worden war, nachdem die Stationen Ost und Eis-Mitte schon früher ausgelöst worden waren. Gronau schildert seinen Jlug quer über Grönlands Jnland-Cis. Der Automobilclub von Deutschland veranstaltete einen Empfangsabend für sein Ehrenmitglied, Wolfgang v. Gronau, bei dem der bekannte Ozeanflieger über seinen Flug que über Grönlands Jnlcmd-Eis und Labrador nach Chikago sprach. Die Arktis- Nächte, die besonderen klimatischen Verhältnisse, Blendung durch Schnee und Eis stellten an die Flugkunst neue und schwere Anforderungen. Die Leistungsfähigkeit des jüngsten Verkehrsmittels konnte nicht überzeugender vermittelt werden als durch fcü Tatsache, daß die Ueberquerung des In- land Eises, allerdings unter starker Beanspruchung der Motoren, in zehn Stunden gegluckt ist, während eine Expedition mit erdgebundenen Mit- teln hierzu einschließlich der Vorbereitungen mm- heftens ein halbes Jahr gebraucht hätte. Die Durchquerung Labradors in feiner unend- lichen Verlassenheit, die Landung im Eskimodorf, erschwerte Wiederaufnahme von Brennstoff, bis endlich über die Urwälder Kanadas, die großen Seen, das Ziel der Expedition, Chikago, erreicht wurde. Urteil im Helldorf-Prozeß. Im Prozeß wegen der Unruhen am Kurfürsten- dämm in Berlin am israelitischen Neujahrstag wurde vom Schöffengericht Charlottenburg folgendes Urteil verkündet: Die Angeklagten Graf Helldorf, Berliner SA.-Führer der NSDAP., und E r n ft werden unter Freisprechung von den übrigen Anklagepunkten wegen einfachen Landfriedensbruchs zu je sechs Monaten Gefängnis verurteilt, ferner wegen Beleidi- gung zu einer Geldstrafe von je 100 Mark, ersatzweise zu weiteren zehn Tagen Gefängnis. Der Angeklagte Brandt wegen einfachen Landfriedensbruches zu sechs Monaten Gefängnis, Damerow zu drei Monaten Gefängnis, Schulz zu vier Monaten Gefängnis. Die Angeklagten H e l l, H a gern e i st e r und S a m e r s k i werden auf Kosten der Staatskasse freigesprochen. Die Angekagten Graf Helldorf, Ernst und Brandt werden aus der Haft entlassen. q wolkenlos O netter, c» hat» bedeckt » wolkig. • bedeckt • «««J ♦ Schnee graupeln ■ Nebel K Gewit'er.©windstille. «CH seif (eichte* Ost d massige* Südsüdwest q stürmische« HordweSl 6le Ptene fliegen mit dem winde. Pie neiden Stationen sttnenden iafc len geben die Temperatur an. Pie Limen Verbinden Orte mH-gleicht» «ut Meeresniveau umoerechneten Luftdruck iten auszcichnctcir Dur I- Dtoerfe haben noch eine 1 L 3 m MM« 1 e LcrnachWgung der 1 , üMa-t verganxen r ■ I 9,. . i -Mfangen nach mg dlSsu inen tintc; ^äiÄch-ltdurch > aeslhM )'cth1S»«n beffer wird SeH N idcr E- f iA ein :er k'n 3Len M°g' auhcrorde-MA uch ^tnefem feigen Thg- « Bit aHneu ----US'-M. 3ZE Thorshavn- LScillj iToui Lorn 'lerijwnt’l Aber< een- lenf TJÖj psi 57 o lerlln p8 faoentß 74 5tO PfSeydlsljortT efynnkuf' den 8- Kortmbtr egu* 8 Uhr namtig 5(§^ ar un?-^ ~ 0.68 0.98 1.60 7602 * Freie Aussprache! 7603 D Lichtspielhaus-Gießen Heute letzter Tag: Töchter Große Posten Fabrik-Reste neu hereingekommen: L. Bernard Gießen, Plockstraße 16 709 A Größtes Stoffspezlalhaus am Platze Kleiderstoffe Waschsamt bedr., 70 cm, hervorrag. Qual., i. herrlich. Muttern, p. m 1.45 RESTE von vielen Artikeln entsprechend billig Tweed 70 cm, der mod. Kleiderstoff, per m 0.85 Kunsts. Duchesse 80 cm, das preisw. 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November »SÜL, nachmittags 2Utzr, sollen im Löwen, Neuenweg 2S, daßier,zwangsweise gegen sofortige Barzahlung versteigert werden: 1.1 Kleinkraftrad, 1 Kaffeemaschine, 1 Eis. maschine, 1 Eiskonseroator, 1 Sofa, Bücherschränke, Schreibtische, 1 Laden- einrichtung, Warenschränke, Eisschränke, 1 Schlafzimmer, Chaiselongues, Tische, Stühle, Spielsachen aller Art, Ferngläser, 1 Goniometer, Schreibmaschinen, 1 Ausputzmaschine, 1 Personenwagen, diverse Flaschen Likör, 1 Nioellierinstru- ment, 1 Schrank, 1 Kleiderschrank, 1 Ladentheke, 1 Kommode, 1 Pserd, 1 Registrierkasse, 1 Büfett, Strohhüte, 1 Vul- kanisieranlage, Leviteus, Schillerkragen, Kragen, Hemden, Mützen, Handschuhe, 1 Schreibsekretär, 1 Rotomaschine, 1 Ber- tiko, 3 Fremdenzimmer, Tischdecken, Decken, Schürzen, Läufer und Vorhänge. 7591D 2. Voraussichtlich bestimmt: 1 Bücherschrank, 1 Schreibtisch mit Sessel, 2 runde Tische, 2 Stühle mit Ledersitz, 1 neuen Boucle-Teppich (2X3 m). 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Der Parteiführer, bei seinem Erscheinen in der Halle und am 'Rednerpult mit lebhaftem Beifall und zu Beginn der Versammlung von dem Leiter, Rektor Kling, mit einem Treuegelöbnis begrüßte, wandte sich zu Beginn seiner Rede gegen die Ausführungen des Reichskanzlers Brüning vor dem Reichsparteiausschuh des -Zentrums. Herr Brüning, sagte er u. a., hat in seiner Rede nicht den Weg gezeigt, den man seit Monaten von dem leitenden Staatsmann erwartet, den Weg zur Behebung der täglich gesteigerten Rot, der immer mehr um sich greifenden Leichenstarre der Wirtschaft. Es fördert auch nicht das Vertrauen, wenn wichtige politische Reden in zwei Fassungen ausgegeben werden. Wenn ein Reichskanzler sich in parteipolitischen Angriffen gegen eine ihm unbequeme Partei ergeht, so muh nicht nur verlangt werden, daß er zu seinen Worten steht, sondern es muß mit aller Deutlichkeit gefordert werden, daß er seine Angriffe nicht in Form dunkler Andeutungen führt. chugenberg übte dann an dem Reichsernäh- rungsininister schiele und an dessen Agrarpolitik, ferner an der Osthilfe unter der Leitung des früheren Ostkommissars und jetzigen Reichsverkehrsministers Treviranus, sowie an dem jetzigen Leiter der Osthilfe Schlange- Schöningen Kritik, wobei er gleichzeitig die von ihm als „politisches Beloh« nungssystem bezeichnete Personalpolitik der Reichs- regierung, ja den ganzen Kurs überhaupt ablehnte, indem er in bezug auf das jetzige System sein Wort von der Harzburger Tagung wiederholte: „Es ist eine neue Welt im Aufstieg, wir wollen euch nicht mehr!" Sodann wies er auf ein Brieftelegramm hin, das er an den Landesverband Hessen-Darmstadt seiner Partei gesandt hat und in dem er u. a. sagt: „Hessen gehörte bisher zu den zahlenmäßig schwächsten Gebieten der Partei. Die bevorstehenden hessischen Landtagswahlen müssen zu einem Sprung nach vorwärts führen. Wieder einmal kann hier das herrschende, alles verderbende System gebrochen werden: die gemeinsame Herrschaft von Zentrum und Sozialdemokratie. Seit Jahren hat das unschlüssige Hin- und Herschwanken der sog. Mittelgruppen dies System praktisch'gestützt. Darum hilft dem vielgeschröpften und vielgeplagten Wähler nur ein klarer und entschiedener Rechtskurs, wie ihn die DRVP. vertritt. Sie ist heute die Partei, die den Kurs der Zukunft am klarsten und geschlossensten steuert. Niemand in Deutschland übertrifft uns Deutschnationale im Ernste und in der Leidenschaft des nationalen Willens und in der klaren Erkenntnis des vor uns liegenden schweren nationalen Weges. Aber es übertrifft uns auch niemand in der Erkenntnis, daß die sozialistisch-marxistische und damit materialistische Erkrankung der deutschen Gehirne der Hauptgrund des tiefen Falles Deutschlands zwischen 1914 und 1931 ist. Da man hier- gegen sonst nichts mehr zu sagen weiß, sucht man uns elende Lügen anzuhängen, wie „Jnflations- absichten" und „sozialreaktionäre Gesinnung'. Unjer soziales Programm haben wir stets als einen Kernpunkt unseres politischen Rüstzeuges betrachtet. Aber wenn „sozialistisch" etwas anderes als der für uns selbstverständliche Begriff „sozial" bedeuten soll, so sind wir keineswegs und durchaus nicht sozialistisch. Iür den Rationalismus und gegen den War- xismus — in beidem find wir für Deutschland dasselbe, wie für England die konservative Partei. Sorgen Sie beim hessischen Wahlkampfe dafür, daß wir dort diejenige Hausmacht erobern die es unmöglich macht, an unserem Willen zur schöpferischen Gestaltung einer besseren Zukunft voruberzugehen Weiter erklärte der Redner dann u. a.: Wahrend des letzten Jahres haben wir gezeigt, daß wir eine neue junge Partei sind, die mit den bürgerlichen Schwächen der Jahre 1924 bis 1928 nicht das mindeste zu tun hat. Wenn unser Kleid das einfache Alltagskleid ist, wenn wir unsere Arbeit m Schlichtheit, Einfachheit und Prunklosigkeit tun, wenn wir in diesem Sinne die Puritaner der nationalen Bewegung, oder die Grauröcke des politischen Feldkrieges sind, so sehen wir — und mit uns ein steinender Teil des deutschen Volkes — das in diesen trüben ernsten Zeiten nicht als Mangel, sondern als Vorzug an. Wenn daraus jemand folgern wollte, unser nationaler Wille, unsere Kraft und Begeisterungsfähigkeit stände hinter der irgend eines anderen zurück, so mußten wir uns das ernstlich verbitten. Weiter habe ich betont, daß wir nicht Sozialisten, aber weder „sozialreaktionär" — ein besonders beliebtes Schimpfwort — noch Jnflationisten find. Offenbar furchten tue regierenden Parteien fich vor der „Inflation , zu der ihr sozialistisches Schwergewicht sie hinzieht Vorbeugend suchen sie nach einem Sundenbock und küren dazu ausgesucht den politischen Gegner, der seit vielen Monaten — z. B. in meiner Januar rede im Sportpalast, bald darauf im Reichstag — auf die Unterlassungssünden er Regierung und der Reichs- bank auf dem Gebiete der Währungsfragen hinge- wiesen hat. Ich will es klipp und klar sagen: unfer einer von uns beeinflußten Reichsregierung gibt es keine neue Inflation und keinen neuen vertust der Sparkasseneinlagen. Es gibt nur eins, wofür gelebt zu.haben ein gutes Gewissen hinterläßt — das V o l k. Das Volk aber ist im Grunde der Arbeiter ieder Art. Ihn nicht lieben, heißt sein Volk nicht heben. Ihm nicht dienen, heißt seinem Volke nicht dienen. Darum ist es wahr, eine Politik gegen das wirkliche Interesse der Arbeiterschaft treiben, heißt eine Kette von Verbrechen begehen. Aber bedeutet das etwa, daß man eine marxistische, eine sozialistische, eine gewerkschaftliche Politik betreiben müßte? Heißt das etwa, daß eine anti- marxistische, eine antisozialistische, eine antigewerkschaftliche Politik „sozialreaktionär" sei? Niemand hat dem deutschen Arbeiter mehr geschadet, als der M a r x i s m u s, als der Sozialismus, als die Sorte von Gewerkschaften und Gewerkschaftsführern, die sich in Deutschland unter dem Einfluß des Marxismus und im Widerspiel zu einer gleichfalls immer mehr marxistisch verseuchten Arbeiterschaft entwickelt hat. Richt gegen die Gewerkschaftsform als solche richtet sich die Kritik, aber reaktionärer und greisenhafter als die heutigen deutschen Gewerkschaftsbonzen ist sicherlich niemand. Daß Deutschland nicht mit den heutigen Gewerkschaften, sondern nur gegen sie zu retten ist, hat die Reichstagsabstimmung vom 16. Oktober gezeigt, bei der die nationale Opposition einem geschlossenen Ringe von Gewerkschastsparteien gegenüberstand, zu denen sich seltsamer Weise die angeblichen Jnter- essenvertreter des Mittelstandes, die Wirtschaftsparteiler schlugen. Wenn ich das hier ausspreche, so weiß ich genau, daß dies Wort meiner Partei nicht eine einzige Arbeiterstimme kostet. Es ist die Auffassung von Millionen deutscher Arbeiter. Weitere Millionen würden sich laut dazu bekennen, wenn sie nicht einstweilen durch materiellen oder seelischen Zwang daran verhindert würden. Zum Schlüsse richtete der Redner noch besonders an die Jugend die Aufforderung, ihre Begeisterung und ihren Willen zu nationaler Neugestaltung in Deutschland dem Werke der nationalen Opposition zu widmen, damit der nationale Wille durch stoßen könne. Mit den Worten: „Laßt uns alle fest zusammenstehen, dann wird unser Deutschland wieder aufwärtssteigen!" schloß der LandtagSabgeordneter Steuer-Kassel als zweiter Redner des Abends unterstrich die von dem Parteiführer vertretenen Gedanken noch in gut einstündiger Rede, wobei er an Hand der politischen Ereignisse des letzten 3a rzehnts scharfe Kritik an dem vom Zentrum und von der Sozialdemokratie vertretenen Kurs übte. Er zog nicht nur gegen die Sozialdemokratie, sondern auch gegen das Zentrum einen scharfen und klaren Trennungsstrich, wobei er u. a. unter starker Zustimmung der Versammlung und auch unter dem Beifall des Parteiführers Hugenberg betonte, erst wenn das Zentrum ausgeschaltet sei, könne von einer Heberwindung des jetzigen Systems gesprochen werden, und die Frage sei doch sehr akut, ob das deutsche Volk das Zentrum in den nächsten zehn Jahren überhaupt brauche. Die Kritik des Redners galt nicht nur der Reichsregierung und den beiden vorgenannten Parteien, sondern auch den Parteien der Mitte, wobei er den Christlich-sozialen Volksdienst als „evangelische Fremdenlegion des Zentrums" bezeichnete, während er von der Deutschen Volkspartei, der Fraktion der Wirtschaftspartei (eine solche Partei gebe es ja nicht mehr) und der Landvolkpartei als „Sammeldepot der politisch Unschlüssigen" sprach. Er forderte zum Schlüsse auf, den Kampf unter Hugenbergs Parole für die Wicdererringung der Freiheit nach außen durch die Erkämpfung der Freiheit im Innern zu führen. (Stürmischer Veifall.) Mit dem gemeinsamen Gesang des ersten und des neugeschaffenen vierten Verses des Deutschlandliedes fand die Kundgebung ihren Abschluß. Frauenversammlung der OVP. Gestern nachmittag versammelte die Deutsche Volkspartei im Rahmen ihrer Frauenortsgruppe Mitglieder und Gäste zu einer Versammlung im Hotel Hindenburg. Frau Oberstudiendirektorm Or. Matz, M. d. X sprach über das Thema: „Wohin gehen wir?" Die Rednerin erklärte, der Wahltag in Hessen bringe eine Entscheidung, die besonders auch die Frauen angehe, denn der Zukunftsweg des deutschen Volkes hänge maßgeblich mit von der Frau ab. Die Frau sei berufen, im politischen Leben mitzuwirken und müsse sich der Verantwortung bewußt sein. Zu bedauern sei, daß die Nationalsozialistische Partei die Mitarbeit der Frau ablehne. Die Arbeit der Frau gelte nicht allein charitativer Betätigung, sie müsse sich darüber hinaus für das Volksganze einsetzen. Hierauf besprach die Rednerin die deutsche außenpolitische Lage. Stresemanns Politik trage erst jetzt ihre Früchte, man habe im Ausland heute mehr Verständnis für die deutsche Lage. Die Nationalsozialisten seien heute auch so weit, zuzugeben, daß eine Verständigung mit Frankreich notwendig sei. Ministerbesuche allein seien allerdings nicht geeignet, Deutschlands Lage zu bessern. Zwischen Deutschland und Italien stehe z. B. noch Südtirol, Englands neue Regierung bedeute für Deutschland keinen Vorteil, von Amerika sei nach der Aussprache mit Laval nichts zu hoffen. Deutschland sei auf Selbsthilfe angewiesen. Zur Wirtschaftspolitik bemerkte die Rednerin, die DVP. wirke stets darauf hin, die deutsche Wirtschaft organisch wieder aufzubauen. Man lehne marxistische Experimente ab, sei gegen eine übersteigerte und für die Wirtschaft untragbare Sozialversicherung und wende sich gegen die unerträgliche Ausnützung der Erwerbslosenfürsorge. Man erstrebe eine Herabsetzung der Hauszinssteuer und verlange, daß die aus der Hauszinssteuer aufkommenden Mittel dem freien Gewerbe zugute kommen sollten. Vor allem trete die Deutsche Volkspartei für eine Senkung der öffentlichen Ausgaben ein. Leider habe die Sozialdemokratie in Hessen auch recht üppig gewirtschaftet. Die politische Linie der Deutschen Volkspartei gehe auf die Bildung einer nationalen Konzentrationsregierung hinaus, die von Hitler bis unter Umständen zu den Demokraten reichen könne. Es gelte, eine Front gegen die bolschewistische Flut aufzurichten. Die Kommunisten seien eifrig an der Vorarbeit für einen gewaltsamen Umsturz. Dor allem gelte der Kampf auch dem Kulturbvlschewis- mus. Weiter müsse sich die evangelische und die katholische Kirche zu einem Kampf gegen die Gott- losenpropaganda einigen, die die Grundpfeiler christlicher Gesinnung zu erschüttern drohe. Auch die Deutsche Volkspartei sehe es, wie bisher, als ihre Aufgabe an, diesen Kamps mit allen Mitteln zu unterstützen. Die Deutsche Volkspartei setze sich weiter für die kulturellen Belange unseres Volkes ein, für die Aufrechterhaltung der ethischen Grundsätze der Ehe und der Sittlichkeit. Gerade auf diesen Gebieten trage die Frau besondere Verantwortung, und'für sie bedeute das Wahlrecht um so mehr Wahlpflicht.. (Starker Beifall.) LandLagsabgeordneie $rL Birnbaum ging in ihren Ausführungen besonders auf die hessischen Verhältnisse ein. Die Volkspartei in Hessen fei konsequent stets in Opposition gegen die Regierung gewesen, der Kampf gelte dem sozialistischen System. Die bevorstehende Wahl sei von entscheidender Bedeutung. Die aktuellste Frage für Hessen sei in Verbindung mit der Landtagswahl die der Regierungsbildung. Die Bildung von Links- ober Rechtsblocks werde in Anbetracht der unbestimmten Haltung des Zentrums kaum möglich sein. Die Deutsche Volkspartei sei auch stets gegen die Finan.z- politik der Regierung gewesen, die Fraktion sei aber im Landtag stets niedergestimmt worden. Nicht zuletzt sei an den Verhältnissen die überspannte Sozialpolitik schuld, die den Staat immer aufs neue ungeheuer belaste. In kulturpolitischer Hinsicht habe die DVP. stets ihre Stimme in die Waagschale geworfen, denn nicht nur die wirtschaftliche Erneuerung halte ein Volk aufrecht, die sittliche (Erneuerung sei nicht weniger wesentlich. Die DVP. habe stets scharfe Kritik am Landestheater geübt, das seine Kulturmission nicht immer erfüllt habe. Die DVP. habe auch gegen die Verlegung des Pädagogischen Instituts nach Mainz gestimmt, weil sie eine indirekte Gefahr für die Simultanschule darstelle. Nicht Staatsverdrossenheit dürfe Platz greifen, auch wenn die politischen Verhältnisse noch so unerfreulich seien. Wer sich vom Staate löse, helfe ihm das Grab schaufeln. Deshalb müsse jedermann an die Wahlurne gehen, nicht zuliebe einer Partei, sondern zuliebe seinem Vaterland und seiner Heimat. (Lebhafter Beifall.) An die Vorträge schloß sich eine kurze Aussprache an. Kundgebung der SPD. Am Samstagabend hielt die Sozialdemokratische Partei in der Turnhalle am Os- waldsgarten eine Wähleroersammlung ab. Als erster Redner sprach Staatspräsident Or. Adelung. Er erklärte u. a., den hessischen Landtagswahlen komme diesmal höhere Bedeutung zu, als früher. Die Entscheidung sei grundsätzlicher A r t Man sehe in ganz Deutschland diesen Wahlen mit besonderer Aufmerksamkeit entgegen. Für Hessen sei in erster Linie bedeutsam, daß ein Parlament gewählt werde, das Arbeit leiste, die in die Zukunft weise. Es gelte wahre Demokratie zu pflegen, jedermanns staatsbürgerliche Freiheit, die religiöse Freiheit und auch der Frau die Freiheit zu sichern, die ihr eingeräumt sei. Bei mancher Partei habe das Wort Freiheit leider mehr die Bedeutung eines Schlagwortes. So wolle z. B. der Nationalsozialismus die staatsbürgerliche Freiheit nicht, sondern er wolle an Stelle der Demokratie die Diktatur setzen. Diktatur bedeute aber Einzelherrschast, die freie Meinungsäußerung werde dadurch ausgeschlossen. Auch die radikale Linke wolle die Diktatur. Das Beispiel Rußland beweise, daß dort die Freiheit ein verlorengegangener Begriff sei. Für die Diktatur stelle, im Falle sie Wirklichkeit werde, das Parlament nur noch eine Sprechbühne dar, der positive Bedeutung nicht beizumessen sei. Der Redner polemisierte sodann gegen die Deutsche Volkspartei, die beanstande, daß nur Leute in Amt und Würden kämen, die demokratisch gesinnt seien. Demgegenüber erklärte der Redner, daß heute viel zu wenig wahre Republikaner in leitenden Positionen seien. Man spreche auch viel von nationaler Gesinnung. Man habe aber vergessen, daß während der Besetzung eines großen Teiles Hessens die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften es gewesen seien, die die zur Absplitterung neigenden Volksteile zum nationalen Zusammenhalt aufgefordert hätten. Die Sozialdemokratie habe seinerzeit national gehandelt aus dem Bewußtsein volksmäßiger Gebundenheit heraus. Die Sozialdemokratie habe stets auch eine Reichsreform angestrebt. Aber so lange die Grenzen bestünden, müsse eben die derzeitige Regierung Ordnung halten. Man habe auch Notverordnungen herausgeben müssen, sei aber bemüht gewesen, soziale Härten zu vermeiden. Man wolle verwaltungstechnische Vereinfachung durchführen, man müsse sich aber darüber klar sein, daß viele Schwierigkeiten gegenüberständen. Nach einer Verteidigung der Gehälter der oberen Beamten erklärte der Redner u. a. weiter, Hessen (ei bisher stolz darauf gewesen, daß der Aufwand für Schulen den größten Posten im Etat darstelle, leider wäre es aber nicht möglich gewesen, an diesem Posten Kürzungen zu vermeiden. Man sei sich darüber klar, daß der Ausstieg unseres Volkes nur durch die Bildung möglich sei, hoffe aber, daß der Zustand der finanziellen Depression vorübergehend sei und bald wieder durch die frühere Form abgelöst werde. 3n feinen weiteren Ausführungen befaßte sich der Redner mit dem Rationalsozialismus. Man könne sich, so betonte er u. a., bei der Betrachtung des nationalsozialistischen Regierungsprogrammes des Gedankens nicht erwehren, daß die Programme mancher inzwischen verschwundener Parteien fortschrittlicher gewesen seien, als das der Rationalfozialisten. Der Hessischen Regierung werde von dieser Seite der Borwurf gemacht, daß zu viele Parteibuchbeamte im Amt seien. Er, der Staatspräsident, sei nicht dieser Meinung. Die Rationalsozialisten, die so sehr gegen die Parteibuchbeamten wetterten, hätten bisher, soweit sie es bewerkstelligen konnten, nur ihre Parteigänger in Aemter gebracht. Auf den Gebieten des Kultur- und des Finanzwesens sei von den Rationalsozialisten bestimmt keine Besserung zu erwarten. In dieser Hinsicht bedeute der Rationalsozialismus für das Land eine schwere Gefahr, umsomehr, als ihm keine geschlossene Front gegenüberstehe, sondern das Bürgertum und zum Teil auch die Linke in Splitter zerfallen sei. Es gelte, bei der Wahl die Idee des Sozialismus und der Demokratie zum Siege zu führen, wenn die nächste Zeit tatsächlich die Freiheit bringen solle. (Lebhafter Beifall.) Reichstagsabgeordneter Solimann erklärte u. a.: Dem Marxismus werde die Schuld an den heutigen Verhältnissen beigemessen. Man vergesse dabei aber, daß die Sozialdemokratie im Weltkriege die Partei gewesen sei, welche die meisten Mitglieder verloren habe. Der Marxismus habe die Inflation vorausgesehen, er habe sie aber nicht aufhalten können. Das kapitalistische System habe auf der ganzen Linie versagt. England werde nicht marxistisch regiert und habe auch Millionen Arbeitslose, Amerika desgleichen. Es fehle der Welt die gemeinschaftliche Wirtschaftsorganisation. Deshalb gelte der Kampf dem Kapitalismus, eine Aenderung des bestehenden Zustandes müsse herbeigeführt werden. Wenn heute eine nationale Regierung ans Ruder käme, so sei sie auch gezwungen, die bisherige Außenpolitik fortzuführen. Die Wahlen in Hessen seien für die Reichspolitik, ja für die europäische Politik von großer Bedeutung. Für Hessen und für die Sozialdemokratie gebe es keine andere Aufgabe, als das nationalsozialistische Experiment zu verhindern. Die Sozialdemokratie sei um keinen Preis gewillt, ihre Errungenschaften aufzugeben. Für Hessen sei es erste Aufgabe, jetzt Dämme aufzurichten, an denen die Aut der RSDAP. gebrochen werde. Faschismus, Bolschewismus und soziale Demokratie kämpften heute den Kampf der Entscheidung. Die soziale Demokratie wolle die Reuordnung der Welt, für sie einzustehen, sei die große Aufgabe der nächsten Zukunft. Die Sozialdemokratie bekämpfe den Faschismus, wie auch den Bolschewismus. Die soziale Demokratie sei ihr Ziel. (Lebhafter Beifall.) Kundgebung der Radikaldemokraien. Die R a d i k a l d e m o k r a t i s ch e Partei veranstaltete gestern abend im Cafe Leib eine öffentliche Wählerversammlung. Als erster Redner sprach Herr Neumann- Berlin, der unter Hinweis auf die große Arbeitslosigkeit erklärte, auch in wirtschaftlicher Hinsicht seien wir falsch regiert worden. Er forderte entschiedenen Kampf gegen das Kartell» und Trustkapital, ebenso gegen den Nationalsozialis- mus, der sich mit dem Großkapital verbunden habe. Weiter sprach er sich gegen Hochschutzzölle aus, die dem Bauer nicht helfen könnten, ebenso lehnte er alle Subventionen an die Industrie, die Großlandwirtschaft, Banken usw. ab. Zum Schluß forderte er entschiedenes (Eintreten für die Republik. Landtagsabg. Keiber-Darmstadt stellte zunächst die Forderung nach einer Reichsreform auf, bei der allerdings Rücksicht zu nehmen sei auf kulturelle und landsmannschaftliche Zusammenhänge. Der Anschluß Hessens an Preußen sei kein Fortschritt auf dem Gebiete der Reichsreform. Die Notverordnungspolitik billige seine Partei nicht, ab'r eine Notverordnung zur Förderung der Neichs- reform fei zu begrüßen. Zunächst müsse Preußen in das Reich eingegliedert, dann müßten die Widerstände in München und Stuttgart beseitigt werden. In bezug auf Hessen erklärte der Redner u. a., die Notverordnungen wären zweckmäßiger durch den Landtag erledigt worden, er forderte Ersparnisse an den hohen Gehältern und hohen Pensionen, Herabsetzung der Abfindung des früheren Großherzogs durch Vertragsrevision, lehnte alle Abstriche an den sachlichen Erfordernissen der Schulen ab, sprach sich für Maßnahmen zur Vereinfachung der Verwaltung aus und machte schließlich der hessischen Justiz den Vorwurf, daß eine Vertrauenskrise gegen sie bestehe, da in Hessen der linksstehende Republikaner in politischen Strafangelegenheiten vor dem hessischen Strafrichter sein Recht nicht finde. Er erklärte, die hessische politische Justiz sei ein Skandal. Der Hessische Richterverein habe gegen ihn (Redner) vorgehen wollen, es bis jetzt aber noch nicht getan, er warte jetzt, was vom Hessischen Nichterverein geschehe. Zum Schluß sprach er sich entschieden gegen jede Diktatur und für eine starke radikaldemokratische Front aus. Herr S t ü n d t - Nürnberg polemisierte vor allem gegen die Staatspartei, die Deutsche Volkspartei und die Nationalsozialisten. (Er hob hervor, die Radikaldemokratische Partei sei entschieden pazifistisch eingestellt, sprach sich für Planwirtschaft und Siedlung aus, lehnte die Schutzzollpolitik ab und forderte eine neue radikal demokratische und soziale Republik, Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Aus Anfrage erklärte er noch, daß Mitglieder der Radikaldemokratischen Partei in der Deutschen Frie- densgesellschaft mit tätig seien, die Partei als solche aber nicht dazu gehöre. Als letzte Rednerin sprach noch Frl. Dr. Meyer - Nürnberg kurz in der gleichen Einstellung wie die Vorredner, wobei sie sich besonders an die Frauen wandte. Eine Aussprache wurde von der Versammlung nicht beliebt. Daten für Montag, 9. November 1799: Rap ole on Bonaparte stürzt das Direktorium und wird Erster Konsul. 1918: Ausrufung der Republik in Deutschland. — Abdankung Kaiser Wilhelm II. und fein Ucbertritt über die holländische Grenze. Daten für Dienstag, 10 November. 1483: Martin Luther in Eisleben geboren. 1759: Friedrich von Schiller in Marbach geboren. 1810: Reichsgerichtspräsident Eduard von Sim- son geboren. Reise im Burgenland Don Dr. Stephan Kekule von Stradonih. Das Burgenland, heute unter diesem Namen ein selbständiger Gliedstaat, ein Bundesland des Bun- desfreistaates Oesterreich, ist ein Ergebnis des Weltkrieges und ein Stück des früheren, ehemals „Westungarn" genannten Gebietes. Dieses Westungarn, wie schon sein Name besagt, ein Teil des König- reichs Ungarn, ist durch den Vertrag von St. Germain und die, von Oesterreich nicht anerkannte, Volksabstimmung vom 14. Dezember 1921 in drei Teile zerstückelt worden. Oedenbura, Wieselburg und E i s e n b u r g blieben bei Ungarn, d. h. eigentlich: kamen an es zurück; Preßburg, die ehemalige Königl. Ungarische Freistadt und uralte Krönunasstadt der Köniae von Ungarn, kam an die Tschechoslowakei, der Rest an Oesterreich, so daß also die vier „Burg -Städte, nach denen das Gebiet den Namen hatte, jetzt gar nicht mehr dazu gehören. Dieses nunmehr österreichische Burgenland • liegt südlich von Wien, zwischen Steiermark.und Ungarn eingekeilt, in seinem nördlichen Teile: zwischen Wiener-Neustadt und dem berühmten, flachen, salzhaltigen „Neusiedler See", und hat gegen 300 000 Ein- roohner. Weitaus der überwiegende Teil der Einwohnerschaft ist katholisch. Die Hauptstadt des Landes, in der der Landeshauvtmann und der Landtag ihren Sitz haben, ist Eisenstadt, ein winziges Städtchen von jetzt knapp über fünftausend Einwohnern. Hieran, an der Begrenzung des Landes überhaupt und an der vorbeschriebenen „Zerstückelungtann man die Hinterlist erkennen, mit der, auch in dem Vertrage von St. Germain, die Grenzziehungen vorgenommen worden sind. Im vorliegenden Falle galt es nicht nur, ein ohnmächtiges Gebilde herzustellen, sondern auch zwischen Oesterreich und Ungarn gewissermaßen einen Zankapfel zu schaffen, normalen Durchschnittsstandard der Nation beläuft stch der jährliche Fehlbetrag zur Selbsterhaltung auf etwa 8 bis höchstens 10 Prozent der genannten Summe. Woraus klar hervorgeht, daß einezehn- prozentigc Produktionssteigeruna das Land in die glückliche Lage versetzt, sich selbst ernähren au können! Die Voraussetzung zur Erreichung dieser tatsächlich minimalen Produktion»- erhöhung ist nun in dem Augenblick gegeben, in dem die Staatsverwaltung vereinfacht und der Apparat auf ein Minimum reduziert wird. Ties scheint der Dille der ungarischen Nation zu sein. Weder ein Bündnis mit Frankreich, noch eine Abkehr von der nationalkonservaiioen Generallinie der Slaatsführung! Der Ungar ist weder „frankophil" noch „demokratisch" eingestellt und hat den einziaen Wunsch, im Zeichen eines entschiedenen Nationalismus aus eigener Kraft vorwärtszukommen, in der richtigen Erkenntnis, daß nur eine planmäßige Gegenwartspolitik eine Brücke zur besseren Zukunft bauen kann. Führt der neue Mann, Graf Karolyi, seine in Angriff genommenen Sparmaßnahmen konse- quent durch, werden die Magyaren wieder Vertrauen fassen zu ihren Führern Die Krise wird abflauen und das Liebäugeln mit Frankreich auf der einen, und mit dem Linkskurs auf der anderen Seite muß automatisch aufhören. Nur dann kann Ungarn genesen und dann wird auch ein starker Nationalstaat im Südosten jederzeit gern bereit [ein, mit einem national erstarkenden Mitteleuropa zusam- rnenzugehen. Dazu gehört allerdings aus deutschem Gesichtspunkte heraus zuförderlt eine vernünftige Behandlung der unter ungarischer Oberherrschaft verbliebenen deutschen Minderheit im Magyarenlande. Wenn schon Bethlen in der westungarischen Frage unrichtig gehandelt und eine,Zwang»- magyarisierung", wenn auch nicht gefördert, so doch zumindest stillschweigend geduldet hatte, so muh sein Nachfolger auch diese „Fehlgriffe" schleunigst reparieren. Reibungsflächen künstlich herzustellen. die beide Staatswesen mindestens ständig einander zu entfremden getaner fein sollten. Vier Fünftel der Einwohnerschaft de» Burgen- landes sind deutsch, der Rest hauptsächlich kroatisch, aber auch magyarisch und jüdisch. Den Reichsdeutschen, der in da» Land kommt, berührt es ganz eigenartig, wenn er darauf aufmerksam gemacht wird (im Gedächtnis haben kann man ja derartiges nicht!), daß die großen Tonsetzer: Joseph Haydn und Franz ß 1 fgt, der Geiger- könia Josef Joachim, der Meisterschauspieler Josef Kainz und der einst weltberühmte Wiener Anatomieprofessor Josef Hyrtl aus dem Durgenlande gebürtig gewesen sind, so daß also auch die verstorbene Frau Cosima Wagner von der Seite ihres Vaters Franz Liszt her burgenländisches Blut in den Adern hatte. Haydn war aus Rohrau, Hyrtl aus Eisenstadt, Joachim aus Kittsee bei Preßburg, Kainz aus Wieselburg und Liszt aus Raidtng bei Debenburg. Wer von Norden, etwa von Wien her kommend, in das Burgenland einreist, ist überrascht, wie mit dem Ueberschreiten der Grenze, d. h. eigentlich des Flüßchens Leitha (man denke an den bekannten Ausdruck: „Transleithanien"!) sich der Anblick der bäuerlichen Dorssiedlungen ändert. In Niederöster- reich, also in „Cisleithanien" breite, behäbige Bauernhäuser mit stattlichen Höfen und Ställen; im Burgenlande meist nur zwei Fenster breite Häuschen, deren Giebelseite die Straßenfront bildet, da- neben die Torfahrt, die in den bescheidenen Hof und Au den unansehnlichen Ställen führt. Dabei ist die Anordnung meift so, daß immer das eine Häuschen die Torfahrt links, das andere rechts hat, ober um- (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Budapest, November 1931. Die am 4. Juni 1920 in Trianon erfolgte Zerstückelung Ungarns, durch die das Land wichtiger und ertragreicher Naturschätze beraubt worden ist, mußte zwangsläufig zu einer Wirt- Ichaftskatastrophe führen. Zweifelsohne lätte zu einer gesunden Entwicklung dieses südöst- ichen Agrarstaates von außen her die Erfüllung, vorerst zumindest Teilerfüllung der rnagnarifchcn Reolstonswünsche gehört. Ungarischerseits hingegen weitest gehende Sparsamkeit auf allen Gebieten und nicht nur Reoisionskampf, sondern eine reale Wirtschaftspolitik. Unter dem Grafen Bethlen konzentrierten sich die magyarischen Bestrebungen darauf, vor aller Welt großaufgemachte zu demonstrieren, daß Ungarn zur Zeit nicht den Platz unter der Sonne ein- nehme, der ihm gebührt. Um diese bedauerliche Tatsache vor Augen zu führen hat sich aber Ungarn nach jeder Richtung hm sozusagen übernommen. Man bereitete eine bessere Zukunft vor, ohne hierbei den Erfordernissen der Gegenwart Rechnung Au tragen. Weder der Beamtenapparat, noch die übernommenen Repräsentationspflichten entsprachen der wirklichen Lage des Rumpfstaates. Wohl hat Graf Bethlen das taktische Kunststück fertiagebracht. die Klippen nach außen hin au umschiffen, ohne jedoch feinen weitgestreckten Zielen auch nur um einen Schritt näherzukommen. Innenpolitisch Höste eine planmäßige, im Rahmen der heutigen Grenzen rationalisierende Wirtschaft»- Politik die richtige Basis schaffen sollen zur Betraf- tigung der stets betonten Tatsache, daß sich in Ungarn nur ein nationalkonseroatioes Regiment auf die Dauer halten kann. Diese Grundlage fehlt heute völlig, und so führen gewisse Kreise den trotz aller Beschönigung offen ^gegebenen Wirtschaftszusammenbruch nicht auf die Fehler der früheren Dethlen-Regierung, sondern irrtüm- licherweise auf da» nationalkonseroative System als solche» zurück. So schiebt man denn dem Grafen Bethlen auch die Schuld für die jetzt zu beobachtende verhängnisvolle Abkehr weiter Kreise von der nationalkonservatioen Idee zu. Die Bevölkerung wankt in ihrem Glauben an die nationalen Führer und man liebäugelt wieder einmal mit der sog. „westlichen Demokratie", der Ungarn den Oktoberumsturz 1918 und die daraus folgende Kommunisten- Herrschaft verdanktel Gleichzeitig mit dieser Strömung setzt unter dem Druck der hundertprozentigen außenpolitischen Jlo- lierung ein politischer Kurswechsel in Richtung auf Frankreich ein. Das Agrarland im Sudosten Europas steht im Begriff, das bisher so fest gehaltene Steuer seines Staatsschiffes sich aus der Hand gleiten zu lassen. Die Gegenwartsfragen (Stillhaltung ausländischer Kredite, Budgetsanierung und Sicherung der wankenden Währung) sind wohl von großer Bedeutung, keineswegs aber von ausschlaggebender Tragweite bezüglich der Zukunftentwicklung. Weder die Sanierung des Staatshaushaltes noch die Sicherung der Wahrung vermag sich lediglich auf Auslandan- leihen zu stützen. Bekanntlich bringt eine übermäßige Verschuldung des Staates das betreffende Land nur sehr schnell In ein nicht erwünschtes Abhängigkeit»- Verhältnis zu seinen Geldgebern, ohne seiner Wirt- schäft endgültig wieder in den Sattel au Helsen. 2)ie Franzosen wollen den magyarischen Agrarstaat offensichtlich gegen das Deutsche Reich ausspielen und eine 21 r t „D o n a u f ö ö e r a t i o n" ins Leben rufen, die sich ohne deutsche Mitarbeit AU- guterletzt nur gegen Deutschland richten würde. Ungarn wäre damit für alle Zukunft Frankreich ausgeliefert. Ganz abgesehen davon, daß an der gerade für Unggrn untragbaren und wirtschaftlich unmöglichen Lage im Südosten in allererster Linie Frankreich die Schuld trägt, abgesehen auch davon, daß sich die Magyaren rein gefühlsmäßig zu Deutschland hin- gezogen fühlen und nicht etwa zu den mit Frankreich verbündeten Nachfolgestaaten, könnte nämlich die von Frankreich geplante Föderation gerade für Ungarn niemals nennenswerte Vorteile bringen. An einen Zusammenschluß unter ungarischer Führung denkt Frankreich kaum, und für Wirtschaftskonzessionen untergeordneten Ranges würde Ungarn feine staatliche Souveränität nie und nimmer aufs Spiel sehen. Sobald Ungarn zur einzig richtigen Erkenntnis gelangt, daß es s i ch selbst la n i e • r e n muß, wird es auch einsehen, daß ein Bündnis Ungarn-Frankreich nicht in Frage kommt. Die deutsch-ungarische kulturelle Verbundenheit einerseits und anderseits die gegebene Grundlage für eine oeutsch ungariskye wirtschaftlich-industrielle Zusammenarbeit (der Industriestaat im Zentrum und der Agrarstaat im Südosten Europas) sollten die ungarische Regierung davon abhalten, Verpflichtungen einzugehen, die weder seiner Gegenwart noch seiner Zukunft dienlich wären, sondern im Bestfalle vorübergehende Erleichterungen bringen würden. Um einer zweiten Vergewaltigung Ungarns durch Frankreich vorzubeugen, muß ein Weg gefunden werden, auf dem dieser Aararstacst in die Lage versetzt wird, eine, wenn auch noch so bescheidene Eri- stenz aus eigener Kraft, ohne ausländische Hilfeleistung fristen zu können, bis sich später einmal auch entsprechende Entwicklungsmöglichkeiten bieten. Der „modus procedendi" ist einfacher als man cs glaubte. Bei einer aufs strengste rationell- fierten Bewirtschaftung wirst Ungarns Landwirt- chaft jährlich 2,5 Milliarden Pengö ab. Bei einem Ungarn am Scheideweg Von unserem X.-Berichterstaster. Wenn Menschen anseinandeegehn Vornan von J. Schneider»Zoersl1. vrheberrechtsschutz Verlag O. Meister, Werdau. 33. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Degen Mitternacht weckte Dr. Döhle den Forscher aus dem unruhigen Schlummer, in den er gefallen war. „Szengeryi, ich leide an Wahnvorstellungen." Sin jäher Schrecken lieh den Forscher empor- fahren. „Du weiht, in welcher Verfassung ich bin „64 tut mir leid. Ich kann mich auf meine Qluaen nicht mehr verlassen. Aber höre: Mister Taloervn ist — eine Frau." „Lieber Döhle", mahnte Szengeryi und begann dessen Finger zu streicheln, „deine Verven sind stark überreizt. Wir haben alle furchtbar viel durchgemacht die letzten Wochen. Versuche jetzt zu schlafen. Ich wache bei (Salbeton. Morgen ist alles wieder gut." .,Du magst recht haben. Ich muhte dem jungen Irländer Wickel machen, weil sich hohe- Fieber bei ihm einstellte. Wenn ich aber wirklich so weit bin, wie es den Anschein hat, dann, Szengeryi, werd' ich mich morgen niederknallen. Ein Arzt, der die Geschlechter nicht mehr auseinander- kennti" Der Forscher begann sich hastig anzulleiden und brückte den Doktor auf den Diwan nieder, auf bem er geschlafen hatte. „Du kannst ganz ruhig sein. Wenn sein Definden zu Desorgnissen Veranlassung gibt, wecke ich dich." Al» Szengeryi bei Ealderon eintrat, lag dieser mit offenen Augen, in denen da» Fieber brannte. Ehe der Kranke noch nach dem Wasser greifen konnte, da» In einem Glase auf dem Rachitisch ftanb, hielt Szengeryi eS ihm bereit» an die Lipden. -Danke!" Die heißen Finger ruhten für Sekundenlänge auf seinem Aetmel. ..Erlauben Sie noch eine Frage, Dr. Szengeryi: WaS würden Sie tun, wenn Ihre Frau lebte?" Die Qlluifeln in dem a-ketenhaften Gesicht standen verknöchert. „Sie haben mich belogen. Mistet 6 albe ton T‘ „Ja." „Meine Frau lebt?“ Ein Dicken der Zustimmung „Sie ist bei Guido Horvath?" „Heini — Del Ihnen.“ Au» Szengeryi» Gesicht wich die Srftarrung. ..Ealderon spricht im Fieber, er hat vergessen, wie krank er ist", dachte Szengeryi und behutsam drückte er dessen Schultern in die Kissen zurück. In den Augen stand jetzt ein Lächeln: „Sie haben mir meine Frage noch nicht beantwortet, Dr. Szengeryi. Was würden Sie tun, wenn Ihre Frau lebte?" Dem Forschet wurde es ungemütlich. Die letzten Wochen muhten vernichtend auf Talbeton» Geist gewirkt haben. Das Gleiche schien auch bet Dr. Döhle bet Fall zu fein. Ein Grauen lief Szengeryi den Rücken hinab. „Sie sollen jetzt nicht- mehr benken, lieber Freund", bat er eindringlich. „Lassen Sie Ihr Gehirn ruhen und beschäftigen Sie sich mit nichts al- bet Gegenwart. Vergangenheit und Zukunft lassen Sie gänzlich ausgeschaltet." Die Liber des jungen Mannes senkten sich. „Ich hätte es so gerne gewuht", kam es schleppend. „so gerne." Ezengeryis Gedanken jagten sich. „Vielleicht wenn Ich ihm den Willen tue, bah er sich dann beruhigt. Et scheint sich ganz in diese eine Frage verbohrt zu haben", dachte er, bevor er bann unsicher zu sprechen begann: „Liebet Ealderon, wenn Ihnen damit gedient ist. will ich Ihnen Antwort nicht vorenthalten. Ich möchte gar nicht mehr, dah meine Frau lebt — nein, ich möchte e» nicht mehr. ES würde Immer etwas in mir zurückbleiben gegen sie: Ein Stachel, ein Mißtrauen, ein Verdacht, etwas wie Zorn, daß sie durch ihren gewissenlosen 'Betrug mein ganze- Leben zerbrach. Mein Glück würde sein wie eine Fahne, aus der der Sturm Fetzen gerissen hat. So wie es jetzt ist, ist eS gut. Ich habe das Erinnern an sie und das ist das Heiligste, waS ich besitze. Ich kann nur wiederholen, was ich bereit» gesagt habe: Dah ich die Stelle segne, wo sie ruht. Wenn sie auch lebte — es wäre doch alles zu Ende." Szengeryi sah. wie der junge Taldeton den Kops nach bet Seite drehte und die Augen schloh. E- war also richtig und gut gewesen, dah er ihm den Willen erfüllt hatte. Als er nach einer Welle sich abermals übet die Kissen neigte, um nach ihm au schauen, wat er eingefchlasen. Todmüde warf Szengeryi sich auf den Divan und erwachte nicht mehr, bis der Morgen sich über das Meer hob. TalberonS Zustanb besserte sich schon am anderen Tage so weit, baß man cchne Gefahr die Rückreise nach Göteborg in» Auge fassen konnte. Allein wollte man ben jungen Irlänber nicht zurücklassen. Szengeryi fühlte sich Lord Talberon gegenüber für dessen Ressen verantwortlich, bet ihm auch außerdem persönlich sehr ans Herz gewachsen war. Riemais wieder batte Dr. Döhle eine Anspielung gemacht, der junge Irländer sei eine Frau. Auch Szengeryi rührte niemals an diese Aeuße- rung beS Arztes. Er war aufrieben, daß sich seine schlimmsten ‘Befürchtungen bezüglich einer Geistesstörung nicht erfüllt batten. Am Abend sollte der Dampfer, ben die norwegische Regierung geschickt hatte, von der Dai abgehen. Man wollte die Rächt zur Fahrt benützen, um bei Tag in Göteborg landen zu können. Der junge Caweron hatte große Müdigkeit vorgeschützt und gebeten, ihn erst eine halbe Stunde vor der Abfahrt zu wecken. Als Szengeryi an seiner Tür klopfte, erfolgte kein „Herein". Die Klinke gab nach, das Zimmer war leer, das Bett unberührt. Sc hatte sich also gar nicht schlafen gelegt, vielleicht einen Spaziergang unternommen, von dem er noch nicht zurück war. ES blieben immerhin noch zwanzig Minuten Zeit. Al» da- erste Sirenenzeichen über die Ducht gellte, wurde er nervös. TS war rücksichtslos von Ealderon, auf sich warten zu lassem Dr. Döhle kam mit dem Mantel über dem Arm und zeigte sich nicht weniger erregt al» der Forscher selbst. »Ich habe daS Personal gefragt", erklärte er. »ES hat ihn niemand gesehen, nur ein Doy wußte mir zu sagen, er sei schon vor Atpei Stunden toeg- gegangen, landeinwärts, den Eisfeldern entlang und bann verschwunden." „Ich habe ihn für taktvoller gehalten." Szengeryi zerrte ärgerlich an dem Rever» seines Anzuges. .Er hat doch eine älhr und muß wissen, daß eS Zeit ist." Heber die Eisfelder her kam ein Mann. ES war nicht Richard Ealderon. Auf die Frage, ob er nicht einem jungen Mann begegnet sei, bejahte er. „Aber da- war schon vor geraumer Zeit gewesen. Er hat's wohl nicht recht im Kopfe gehabt", befchied er. .denn er ist auf» Geradewohl drauf loS gelaufen — immer nordwärts, wo eS doch wahrhaftig nichts zu suchen und zu holen gibt. Green-Harbou, die Kohlenmine. liegt viel weiter westlich. Wenn er In die Rächt kommt, erfriert er." Szengeryi und Dr. Döhle sahen sich an. Man muhte nach Talberon suchen. Gr hatte jedenfalls die Richtung verfehlt, glaubte nach der Ducht K' kzugehen und war nordwärts gelaufen. Döhle den Kapitän Dcrftänblgen, daß eine Verschiebung der Abfahrt notwendig sei. Szengeryi schnallte sich inzwischen seine Schneeschuhe an die Füße und lieh sich eine Blendlaterne geben. ES war zwar noch Heller Tag. aber es würde Rächt werben, bis man zurückkam Da Windstille herrschte und kein Schnee gefallen war, konnte et Ealderon- Spur unschwer verfolgen. Rebenher lief die entgegengesetzte de- Mannes, der ihm die Auskunft gegeben hatte. Plötzlich zweigte Talberon- Spur scharf nach Rocdosten hin. Ab und zu mochte der arme Mensch gefallen sein, denn eS zeigten sich große platte Eindrücke auf bem Schnee. gekehrt, so daß fast regelmäßig je zwei Torfahrten und je zwei Häuschen aneinander stoßen. Es hat also hier der Bauernstand sich anscheinend nicht so frei entfalten können, wie im angrenzenden Oesterreich. Dabei ist der Boden ergiebig. Lieh-, Geflügel« und Bienenzucht blühen. Wiesen und Weiden sind reichlich, (Betreibe, Zuckerrübe, Gemüse, Kartoffel und Obst (Edelkastanien darunter) liefern guten Ertrag, Rust berühmten Wem („Rüster Ausbruch"). Die vorbeschriebenen bäuerlichen Verhältnisse dürsten ihre Ursache darin haben, daß ein sehr großer Teil de» Burgenlandes im Eigentume ganz großer Grundherren ist. Die bei weitem mächtigsten unter diesen sind die Esterhazy l Fürsten und Grafen), von denen e» drei Linien gibt. Forchtcn- ftein, Czesneck und Lltiohl. Der erste Ast bet Linie Forchlenstein ist der fürstliche. Die wohlerhaltene Burg Forchlenstein ist eine der großen Sehenswür- digkeiten de» Burgenlandes. Sie liegt im „Rosalien- gebirge "in 520 Meter Höhe auf einem hohen Kalk- fclfen und ist feit 1622 im Besitze der Esterhazy. Eigentlich ist es gar keine „Burg" in dem Sinne, wie man sich gewöhnlich eine Burg oorstellt. Dazu sind die Gebäulichkeiten viel zu groß und zu mächtig. E» ist vielmehr eine Burg-Festung, eine Feste, rote man in Deutschland z. B- von der „Feste Jioburg“ spricht. Sie stammt in ihren ältesten Teilen au» dem 13. Jahrhundert und wurde im 17 Jahrhundert umgebaut. Ueberschreitet man die Brücke de» Burg- graben», so wirb man am Eingang und im Hofe zu seinem grenzenlosen Erstaunen Soldaten einer Schloßgarde gewahr: in der malerischen Tracht der Esterhazy-Grenadiere, mit E und Fürstenkrone auf den Patronentaschen, die in beschränkter Anzahl zu überhasten den Fürsten Esterhazy auf Forchlenstein noch gestattet ist, ebenso wie — nebenbei bemerkt — die Fürsten zu Schwarzenberg in der Tschechoslowakei auf die gleiche Weise noch da» Vorrecht genießen, sich „eigenes Militär" halten zu dürfen. Fretlich hat Die „Forchtensteiner Schloßgarde" nicht verhüten können, daß in den lagen der ungarischen Bolsche- wisten-Herrschast de» Bela Kun (März bi» August 1919) sechzehn eiserne Kisten im Schloß ihre» reichen Inhalte» an Kostbarkeiten usw. gänzlich beraubt worben sind. Im Inneren Hofe de» Schlosses Forchtenstein ist noch eine andere Merkwürdigkeit zu sehen: ein höchst barocke» Reiterdenkmal au» Stein, den ersten Für« ften des Hauses, den Fürsten Paul (geft 1647), im Harnisch darstellend, aber mit einer Fürstcnkrone, nicht etwa mit einem Helm auf dem Haupte, währen das hochgebäumte Pferd seine Vorderhufe auf das davor gestellte neue Fürstenwappen aufstützt. Sicherem» Vernehmen nach ist dieses da» zeitlich älteste Reiterdenkmal auf ungarischem ober ehemal» ungarischem Boden. Wer einmal in Forchlenstein ist, kommt naturgemäß auch nach dem nahen Städtchen E i s e n st a d t, der eigentlichen Esterhazyschen „Residenz" im bärtigen Lande. In diesem Städtchen, bas am ehesten mit bem nordbeutschen, aber doch noch weit größeren Bückeburg verglichen werden kann, haben die Esterhazy ein großes, prachtvolles, wahrhaft fürstliches Schloß. (Eifenftabt ist berühmt in der Geschichte der Tonkunst, weil der große Haydn daselbst von 1761 ab als Zweiter, von 1766 ab als Erster Kapellmeister de» Fürsten Nikolaus Joseph Esterhazy, der eine eigene Opern-, Konzert- und Kirchen-Musik unterhielt, gewirkt hat. Freilich siedelte 1769 der Ester- hazysche Hof und mit ihm die Kapelle für den Sommer nach bem neu erbauten Schloß „Esterhazy"' am Neusiedler See unb für ben Winter nach Wien über, freilich wurde 1790, nach bem lobe des vorgenannten Fürsten, die Kapelle ganz aufgelöst, und au Wien ist, am 31. Mai 1809, auch Haydn gestorben allein au Eisenstabt haben Ihm die Esterhazy in Der Wallfahrtskirche „Mariae Heimsuchung" em würdiges Grabmal errichtet. Sinnend steht man hier vor bem Grabmal biese» kerndeutschen Kunstmeisters, liest die lateinische In- schrift darauf und gedenkt des Umstande», daß die lebenslängliche Pension, die Haydn fortdauernd, von 1790 ab bis zu feinem lobe, in Höhe feine» vollen Gehalts vom Haufe Esterhazy erhielt, ihm für Szengeryi- Aerger unb Zorn schlugen In Mitleid um. Wie mußte eS Talberon zumute fein, wenn er sah, daß er sich Immer mehr In die Ei-- wüste verirrte? Man merkte es den Fußtapfen an, daß er den Weg im Laufschritt zurückgelegt hatte. Die Skier glitten lautlos über Eis und Schnee dahin. Ab und zu tief er Talderons (Hamen nach einer Richtung. Szengeryi zog die Uhr. Mehr als eineinhalb Stunden war er nun unterwegs. Die Sterne über ihm flimmerten kalt und mitleidslos. Vielleicht war er längst erfroren! Lag tot am Wege, bis er kam! Wieder glitten die Hölzer mit leisem Knirschen dahin. Plötzlich wurden Szengeryi» Augen au großen, starren Punkten. Sein Gehör verschärfte .Wölfel- Schwarze Striche liefen über die gewellte Fläche hin. Tin langgezogene» DeNen heulte auf, bann stürzten sich ein paar dunkle Körper nach ein und derselben Stelle. Die Skier rasten. .Ealderon!" Langausgestreckt lag er am Wege. Dlut rann auS der Wunde, die an der Stirne klaffte und sickerte langsam in den Schnee. Feige zog sich da- Raubzeug in die Rächt der Tiswüfie zurück. Szengeryi kniete vor dem Leblosen und suchte ihn hochzubeben: .Talderonl" Der Körper war völlig erstarrt. .Talderonk" Er riß den mitge- brachten Kognak aus der Tasche seiner Pelzjacke und begann Ealderon au reiben. Als er an die Hande kam, sah er, daß die Finger einen Fetzen Papier umklammert hielten. Fast mit DeWalt mußte er ihn aus der MmHammerung lösen. Die Blendlaterne warf einen grellen Schein über die wenigen Duchstaben: .Dela! Halte Dein Wort und segne die Stelle, unter der ich ruhe. RoSmarie." Die Polarnacht gab den Schrei, den Szengeryi ausstieß, unheimlich wieder. .Ro-mariel" Der Mann, der sich nun über den erstarrten Leib warf, vollbrachte Dinge, deren kein Lebender sonst fähig aewesen wäre. <$t riß sich die Gewandstücke vom Körper und hüllte den leblos liegenden darin ein. Heber da- leichenkalte Gesicht geneigt, versuchte er den schweigenden Mund mit dem Hauche des feinen aufzutauen. Er wühlte die Hände in den Schnee und rieb die reglosen Finger damit ein, lieh seinen Kops auf die unbewegliche 2rüst fallen und drückte sein Ohr dagegen, ob das Herz noch einen Ton des Lebens von sich gab. Das Strahlenbündel feiner großen Blendlaterne hatte Dr. Döhle, der seiner Spur folgte, den Weg gewiesen. .Totr* Gr neigte sich mitleidig über den jungen Wann. (Schluß folgt) |d,e>nenb M1)01 KrxÄi S'Ss mS*3ä Mte Wfej* s,i£?: 6er Ser«, J e' tt|t ,‘;d& M- W bürftn. gjjjj »jjt verhm^ »is SK*n. den ersten Für. ' V>.ul (gift 1647), im ut einer Fürstenkrone, ouf bem Haupte, müh. >. >«ne Vorderhuse auf urstenwappen aufftüßl ift biefes bas zeitlich gotischem ober ehemals (in ist, kommt nahirge« labten Eisenstabt, kN „Nesibenz. im bor= btchen, bas am ehesten doch noch weit große- erben kann, haben bie volles, wahrhaft kürst- irühmt In ber Geschichte ße haybn baselbst von )6 ab als Erster fiapeö- 5 Josevh Esterhazy, ber unb Kirchen-Musik un- fiebelte 1769 ber Ester- i bie fiapeüe für ben i/en Schloß „Esterhazy' btn Sinter nad) Wien ch btm lobt bes vor- le ganz aufgtlöft, unb 9, auch fjatjbn gestor- en ihm bie Esterhazy riat Heimsuchung' ein ot btm Grabmal biefes liest bie lateinische > les Umstanbes, baß die je haybn fortbauernb, i lobe, in höhe seines sterdaZY erhitll, ihm^ur Xaßeron zumute lein, irncr mehr in bie Eis- !te es den Fußtapfen 'aukschntt jutüdgelegl 1U tief er Oberons als eineinhalb t längst erfroren. r'ÄM- Küste zurüL ht btt un6 suchte leit Ji*ning lösen- ®tsr8t** N WuWj'feinen dem ben e ^bamit e'\[[en rfrft bk" Der Sternhimmel im November. grob, 10, ,15, ,v 'Y 17, 18 I Q 19 inne Banknoten. Reichsbankdiskont 8 v. £)., Lombardzinsfuß 10 v. h. gen dann, eigentlichen Für die D Werfel @ Vollmond d /e/ztes Viertel 5 A STERNBILDER; GROSZE BUCH-J& STABEN verzweigte, breit ausgedehnte Gestalt des Wal- fischs, in dem der „Wunderstern" Mira liegt. Weiter links nach dem Orion zu steht das Sternbild des Cridanus, dessen weitaus größter Teil dem südlichen Sternhimmel angehört und daher bei uns nicht sichtbar ist. Roch weiter links fol- Polizeiamt teilt mit: Aus Anlaß der größeren politischen Versammlungen in der Dolkshalle am 9., 13. und 14. November fahren die elektrischen Straßenbahnwagen von 18.30 älhr bis Schluß der Versammlungen durch die M a r k t st r a ß e und Bahnhofstraße. (Nachdruck verboten.) mfl Der Winter naht. Mit Niesenschritten wandert die Sonne in südlicher Richtung weiter, was sich namentlich morgens beim Aufstehen sehr empfindlich bemerkbar macht, da sich der Eintritt der Tageshelligkeit im Laufe des Monats immerhin ist es schon gegen Mitte des Monats bald nach 5 älhr nachmittags dunkel, und wenn wir klaren Himmel haben, der freilich in diesem Monat eine Ausnahme ist, wird genügend Zeit zur Vternbeobachtung bleiben. Im Süden fällt das große Himmelsquadrat auf, aus einem Andromeda- und drei Pegasus- ternen bestehend. Unter der Andromeda sind die drei ziemlich dicht beieinanderstehenden Sterne des Widder- sichtbar, dessen Ruhm von aliersher darin bestand, daß er den Reigen der Tierkreissternbilder eröffnete. „Ein muntrer Widder geht voran" sagt Schiller in dem hübschen Rätsel, in dem er die Sterne mit einer Schafherde und den Mond mit ihrem Hirten vergleicht. Unter diesem Sternbild erblicken wir die weit- ihnen, nämlich der Mars und die Venus, stehen der Monat nicht übermäßig günstig. Zwei von dicht beieinander, aber leider auch der Sonne zu nahe, um beobachtet werden zu können. Gegen End> des Monats überholt die Venus den Mars und dies, wie auch ihre an sich erheblich größere Helligkeit bewirken, daß sie gegen Monatsende gesehen werden kann, während der Mars unsichtbar bleibt. Auch mit dem Saturn ist nicht allzuviel Staat zu machen, er ist zwar sichtbar, steht aber in sehr südlichen Gegenden des Himmels, wo er sich nicht hoch über den Horizont erheben kann. So bleibt als einziger eindrucksvoller Wandelstern nur der erst spät aufgehende Jupiter übrig, der im Sternbild des Löwen steht und dessen Hauptstern Regulus ziemlich nahekommt. teilweise erst spät ausgehend, die Wintersternbilder. Beobachtung der Wandelsterne ist Der di« 24 Stundenzahlen von Mitter- nacht bis Mitternacht eines Tages enthaltende Kreis und die dick punktierte Linie, der sogenannte Horizont, sind feststehend zu denken. Der Sternhimmel dreht sich samt dem auf Mitternacht zeigenden geraden Pfeil — gewissermaßen dem Zeiger der Himmelsuhr — in 23 Stunden und 56 Minuten im Sinne des gebogenen Pfeils einmal um seinen Mittelpunkt. Der eingezeichnete Horizont umrahmt die zu der Stunde, auf die der gerade Pfeil zeigt, um die Monalsmitte sichtbaren Sterne. Unsere Karte zeigt also den Zustand um Mitternacht der Monatsmiete. Will man zu einer anderen Stunde beobachten, so denke man sich den Sternhimmel samt dem geraden Pfeil so gedreht, daß dieser auf die Beobachtungsstunde zeigt; dadurch werden die zu dieser Zeit sichtbaren Sterne in den nicht mitzudrehenden Horizont hineingedreht. Für je 5 Tage vor der Monatsmitte ist der gerade Pfeil Vs Stunde früher, für je 5 Tage nach der Monats- mitte Vs Stunde später zu stellen. Man vergleiche die nächste Monatskarte. Der Mond nimmt die gezeichneten Stellungen ein, wenn er die angedeutete Licht- gestalt zeigt. um mehr als eine Stunde verzögert. Am Nachmittag ist der Unterschied wegen der Abweichung in unserer Zeitfestsehung nicht ganz so ^vPlaneten: **/Q Venus $$Mars (§)Jupiter <&Saturn r ^'V^fNoidbö^: o&49NflC 9 Sterne: Kleine Buch- s. staben n der Reichs- tagsabg. Dr. H u g o und Landtagsabg. Dr. K Hier sprechen werden. Näheres ist aus der heutigen An- zeigeErsichtlich t|^nQtiona[e tßoltspartei hält ihre letzte Wähleroersammlung nächsten Donnerstag 12. November, 20.15 Uhr, im Cafs Leib ab, in der Reichstagsabg. Schmidt (Hannover) sprechen wird. Siehe heutige Anzeige.) 55VS-—112J—ZLR Wirtschaft. Günstige Stimmung in Berlin. B e r l i n, 9. Nov. (WTB. Funkspruch.) Wenn auch die neue Woche keine nennenswerte Geschästsbelebung mitbrachte lag die Tendenz des heutigen Freiver- kehrs weiter freundlich. Die Festigkeit der Neuyorker Wochenendbörse, die von Tag zu Tag auch stimmungsmäßia mehr hervortretende Besserung an den Rohstoffmärkten, die Ernennung Dr. Kleppers, des bisherigen Präsidenten der Preußenkasse, zum preußischen Finanzminister, unb die Transaktionen der Berliner Handelsgesellschaft unb Warburg waren für die Spekulation Grünbe genug, um eher Engagements einzugehen. Besonders die erstmalige Jnteressenahme arneri- kunischen Kapitals an einer deutschen Großbank nach ber Julikrise würbe als ein Zeichen wiederkehrenben Vertrauens gewertet. Der übernommene Betrag als solcher hat zwar keinen aus- schlaggebenben Einfluß, bie übernehmenben Bankgruppen seien aber als recht solvent anzusprechen. Welchen Grund die BHG. für diese Transaktion gehabt hat, ist noch nicht recht ersichtlich, wahrscheinlich ging aber das Hauptbestreben ber Bank bcchin, von ihren Jnvestierungsbestänben herunterzukommen. Während jedoch diese Momente an ben Aktienmärkten zu einer Aufwärtsbewegung ber Kurse um 1 bis 2 o. H. im Durchschnitt führten, nur Schultheis lagen relativ schwach, hat sich an ber schlechten Veranlagung ber Pfanb- b rief Märkte auch heute nichts geänbert. Be° sonbers 8-v. H.-Pfanbbriefe waren erneut angeboten unb lagen roieberum um 1 bis 2 v. H. gebrückt. Die in ber heutigen Morgenpresse erörterten Probleme ber Reichsregierung betreffs eine 2 0 - v. H.° Sen - fung bes Preisniveaus scheinen zwar in dieser generellen Form nicht ganz zu stimmen, liehen aber bie Befürchtungen hinsichtlich einer Schuldzins- konoersion wieder stärker werden. Verschiedentlich wurde zwar vor einer solchen Konversion gewarnt, unb auch bes öfteren finb bereits Bedenken gegen eine Zwangskonversion geäußert worben, es wäre aber doch immerhin möglich, baß die Reichsregierung im Allgemeininteresse Opfer von einem kleineren Streife forbern konnte. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 9. Nov. Die heutige Probuk- tenborse zeigte zum Wochenbeginn ein sehrruhi - g e s Bild. Das Angebot in effektiver Ware ist äußerst gering. Die Ankündigung einer Preissenkungsaktion seitens ber Reichsregierung mahnte zur Zurückhaltung. Roggen ist in prompter Verlobung besser gefragt, ebenso zeigt sich in Roggenmehl stärkere Nachfrage. Weizen- unb Weizenmehl lagen ruhig, bie Notierungen stellten sich unverändert. Am Futtermittelmarkt ist Hafer von Konsumseite leicht gefragt, Brau- unb Jndustriegerste haben sehr ruhige Tendenz. Oelhaltige Futterartikel finb ebenfalls ruhiger geworben. Es notierten: Weizen 237,50 Mark, Roggen 225 bis 227,50, Sommergerste für Brauzwecke 190, Hafer (inlänbifcher) 162,50 bis 172,50, Weizenmehl (süddeutsches, Spezial 0, mit Austausch- weizen) 37 bis 38, Sondermahlung 35 bis 36, Weizenmehl (niederrheinisches, mit Austauschweizen) 37 bis 37,75, Sonbermahluna 35 bis 35,75, Roggenmehl 31,50 bis 32,50, Weizenkleie 9,25, Roggenkleie 9,75, Erbsen, je nach Qualität für Speisezwecke 33 bis 38, Linsen, je nach Qualität für Speijezwecke 26 bis 58, Heu (südbeutsches, gut, gesunb, trocken) 5, Weizen- unb Roggenstroh (drahtgepreht) 3,50 bis 3,75, Weizen- und Roggenstroh (gebündelt) 3,50 bis 3,75, Treber (getrocknet) 12,50 bis 13 Mark. — Tenbenz: stetig. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 9. Nov. Auftrieb: 1846 Rin- ber (371 Ochsen, 164 Bullen, 689 Kühe, 570 Färsen), 569 Kälber, 91 Schafe 4805 Schweine. Es würben notiert: Rinber: Ochsen: vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts (jüngere) 32 bis 34 Mark, (ältere 28 bis 31, sonstige vollfleischige 23 bis 27; Bullen: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 26 bis 30, sonstige vollfleischige ober ausgemästete 22 bis 25; Kühe: jüngere, vollsleifchige, höchsten Schlachtwerts 24 bis 26, sonstige vollfleischige ober ausgemästete 20 bis 23; fleischige 15 bis 19; Färsen (Kalbinnen, Jungrinder): vollfleischige ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 31 bis 33, vollfleischige 28 bis 30, fleischige 23 bis 27. Kälber: beste Mast- unb Saugkälber 40 bis 43 mittlere Mast- und Saugkälber 35 bis 39, geringe Kälber 28 bis 34; Schafe: Mastlämmer unb Jüngere Masthämmel (Weidemast) 28 bis 32, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 23 bis 27. — S ch m e i n e : vollfleischige von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 46 bis 49, von etwa 200 bis 240 Pfund 45 bis 49, von etwa 160 bis 200 Pfund 43 bis 48, fleischige von etwa 120 bis 160 Pfund 38 bis 44, Sauen 35 bis 42 Mark. — Marktverlauf: Rinder sehr schlecht, Ueberftanb; Kälber und Schafe schleppend, geräumt; Scyweine ruhig, ausverkaust. Frankfurter Eiermarkt. Frankfurt a. Hl., 7. Nov. Mit dem in die Berichtswoche fallenden Monatsbeginn wäre eine gewisse Belebung der Nachfrage zu erwarten gewesen, zumal auch die Zufuhren zu den Märkten immer noch sehr gering find, was in der Hauptsache für frische Eier der Fall ist, wenn nicht die Kaufkraft der breiten Bevölkerung unter der Einwirkung der schwierigen Wirtschaftsverhältnisse zu schwach wäre. So hielt sich das Geschäft während der ganzen Woche in sehr engen Grenzen. Das Publikum deckte nur den dringendsten Bedarf, wobei Kühlhauseier und billige frische Ware bevorzugt wurde. Es notierten in Pfennig per Stück ab loco Frankfurt a. M.: Bulgaren 11 bis 11,5, Jugoslawen 11 bis 11,5, Rumänen 10,5 bis 11, Russen 10 bis 10,5, Polen 10 bis 10,5, Holländer 12,5 bis 15, Dänen 12,5 bis 15. K ü h l h a u s e i e r: Holländer 10,5 bis 11, Rumänen 9 bis 9,5 Bulgaren 9,5 bis 10, Polen 9 bis 9,5. Wochenbericht vom Frankfurter Schlachtviehmarkt. Der Handel war auch in dieser Woche außerordentlich schlecht, so daß sich wiederum große Preisverluste einstellten. Die Zutriebe waren allgemein wieder hoher, und bei der geringen Nachfrage des Konsums infolge der schwachen Kaufkraft verblieben meist Lieberstände. Am Rind.ermarkt war die Nachfrage sehr schlecht, die Preise gingen für Ochsen und Dullen um je 2 Mk. und für Kühe und Färsen um je 3 Mk. pro Zentner zurück. Der Auftrieb betrug 1795 gegen 1601 Stück in der Vorwoche. — Auch am Kälbermarkt setzten sich die Preisrückgänge fort, obwohl der Auftrieb mit 1324 Stück um fast 300 Stück geringer war. Nach schleppendem Handel unb bei bis zu 2 Mk. nachgebenden Preisen wurde der Markt geräumt. — Eine leichte Besserung hatte der Schaf- markt insofern zu verzeichnen, als trotz nur unwesentlich verringerten Auftriebs die Preise der Vorwoche behauptet biteben und auch das Geschäft ziemlich lebhaft war, so daß der Markt glatt ausverkauft werden konnte. — Am Schweinemarkt war die Beschickung mit 6322 Stück um rund 600 Stück großer, als in der Vorwoche. Nach schleppendem Geschäft ergaben sich für alle Gewichtsklassen Preisrückgänge bis zu 4 Mk. Im einzelnen notierten pro Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen: al) 34 bis 37, a2) 30 bis 33, bl) 25 bis 29; Bullen: a) 26 bis 30, b) 22 bis 25; Kühe a) 26 bis 28, b) 22 bis 25, c) 17 bis 21; Färsen: a) 34 bis 36, b) 30 bis 33. c) 25 bis 29; Kälber: b) 39 bis 44, c) 35 bis 38, d) 28 bis 34; Schafe: a) 27 bis 30, b) 22 bis 26. c) 17 bis 21; Schweine: b) 46 bis 48, c) 44 bis 48, d) 43 bis 47, e) 38 bis 44, g) 35 bis 40. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2R. den Rest seines Ledens die wirtschaftliche Unterlage geschaffen hat, um in fruchtbarster Weise tonkünst- lerisch weiter schaffen und wirken zu können. Wie fruchtbar dieses Schaffen im ganzen gewesen ist, mögen unkundige Leser daran erkennen, daß die Gesamtausgabe seiner tonkünstleriscken Schäpfunaen auf etwa achtzig Bände berechnet ist, von denen seit 1908 bis jetzt bereits über zwanzig erschienen finb. Dem Eisenstadt, wie es zu Haydns Zeiten aussah, wird übrigens die im Aufblühen begriffene Stadt bald nicht mehr gleich sehen. Schon jetzt hat die Landesregierung, da nichts Geeignetes an Ort und Stelle vorhanden war, höchst stattliche Gebäude für die Regierung, den'Landtag usw. daselbst errichten müssen. ** Neuer Befehlshaber im Wehrkreiskommando V. Mit Wirkung vom 1. Dezember 1931 wird Generalleutnant Freiherr S e u t • ter von Loetzen .Kommandeur der 5. Division und Befehlshaber im Wehrkreis V, zum Oberbefehlshaber der Gruppe II ernannt. Generalleutnant Liebmann, Chef des Stabes des Gruppenkommandos II, wird fein Nachfolger als Kommandeur der 5. Division unb Befehlshaber im Wehrkreis V. ** A n alle Theaterbesucher! Aus bem Stabttheaterbureau wirb uns geschrieben: Der Winter steht vor ber Tür. Bei biesen Zeiten erstreben auch Sie mehr denn je einen unterhaltsamen Abenb. Woburch kommt eine angenehme unb gehobene Stimmung? Wenn ber Spielplan infolge seiner ab- wechslungsreichen Vielfältigkeit auch etwas Sie Interessierendes bringt. Können Sie Ihre Sorgen im Gejchäft, Bureau ober Beruf vergessen? Im Gegenteil! Aber ein Theaterbesuch läßt alles Sor- genbe bannen. Unter diesem Gesichtspunkt präsentiert sich Ihnen auch unser Spielplan. Mit dem Pfennig fängt es an und mit der Stimmung hort es auf! Eine Behauptung, die ein amüsantes Feuilleton von Fritz Schwiefert unter dem Titel „Marguerite : 3" als unterhaltendes Lustspiel am Dienstag, 10. November, anläßlich feiner Erstaufführung unter Karl Heyfers Spielleitung Ihnen beweisen wird. „Marguerite : 3" ist was Neues! Sowohl in ber Form, wie in ber ganzen Aufmachung. Diese 6. Vorstellung im Dienstag - Abonnement beginnt 20 Uhr unb endet 22 Uhr. *♦ Geschäftsjubiläum. Der Jubilar des Papierwarengeschäftes Noll, Herr Heinrich Noll, kann morgen auf das 40jährige Bestehen seiner Firma zurückblicken. Das Geschäft hat sich unter seiner Leitung aus kleinen Anfängen heraus zu der heutigen Große entwickelt. Die Firma wurde am 10. November 1891 gegründet. Bald konnten die anfänglich gemieteten Räume ben Verhältnissen nicht mehr entsprechen. Am I.Juli 1898 würben neue, eigene Räume im Hause Mäusburg 7 bezogen, in bem sich bas Geschäft heute noch befinbet. Herr Heinrich Noll erweiterte bann seinen Geschäfts- betrieb Durch Uebernahme der Vertretung ber Abler- Schreibmaschinen. Im Jahre 1911 gab ber Buch- binbermeifter unb Papierwarenhändler Fritz Kuhn sein Geschäft auf, unb Herr Noll übernahm nun auch bie Vertretung ber Firma I. C. König & Eb- hardt (Hannover). Im Jahre 1919 trat ber Sohn des Inhabers, Herr August Noll, nach dem Ausscheiden aus dem Heeresdienst, in die väterliche Firma ein, in der er heute bie Stellung des Prokuristen betreibet. Die Firma erfuhr dann eine meb tere Vergrößerung durch bie Aufnahme von Buro- möbeln, Büromaschinen unb durch den Ausbau ber Abteilung Bürobebarf. In eifriger Weise ift bie Firma auch um bie Einführung Des Papier-Norm- formats bei ber Kunbschaft bemüht. In Anbetracht ber allgemein ungünstigen wirtschaftlichen Verhalt- nisse sieht bie Firma bauen ab, bas Jubiläum festlich zu begehen. "Ein Siebzigjähriger. Am morgigen Dienstag tonn Herr Christian Sauer, Neuen Baue 7, in großer geistiger unb körperlicher Rüstigkeit seinen 70. Geburtstag begehen. " Das Verzeichnis der Fundsachen. Das Verzeichnis über die im Monat Oktober gefundenen bzw. abgelieferten Gegenstände kann an der Anschlagtafel im Flur des Polizeiarnts. Landgraf-Philipp-Platz 1, eingesehen werden- Die Empfangsberechtigten werden aufgefordert, ihre Rechte binnen zwei Monaten anzumelden. •• Der Strahenbahnverkehr vor arvßen Wahlversammlungen. Das 7. November S.Aovember Amtliche Dotierung Amlllche Notierung meld 3rief Geld Brief Helllngsori . 8,29 8,31 8,34 8,36 Wien. . . . 58,94 59,06 58,94 59,06 Prag . . . 12,47 12,49 12,47 12,49 Gudavest. . 73,48 73,42 73,28 73,42 Sofia . . . 3,072 3,078 3.072 3,078 Holland . . 170,03 170,37 169,98 170,32 Colo . . . . 89,66 89,84 89,41 89,59 Kopenhagen. 91,16 91,34 90,91 91,09 Stockholm . 91,66 91,84 91,16 91,34 London. . . 15,98 16,02 15,92 15.96 Buenos Mrci 1,058 1,062 1,063 1,067 Neuvorl . . 4,209 4,217 4,209 4.217 Brülle! . . . 58,69 58,81 58,69 58,81 Italien. . . 21,78 21,82 21,78 21,82 Paris . . . 16,56 16,60 16,56 16,60 Schweiz . . 82,22 82,38 82,24 82,40 Spanien . . 36,91 36,99 36.76 36,84 Danzig. . . 82,37 82,51 82,32 82.48 Japan . . . Rio de 3an.. 2,048 2,052 2.048 2.052 0,259 0,261 7,487 14,41 0,259 0,261 nugoslawiet». Liliabon . . 7,473 14,39 7.474 14,39 7,484 14,41 Berlin, 7. November Geld Brief . Ameriianilche Noten....... 4,20 4,22 Belgtfche Noten......... 58,53 58,77 Dänilche Noten......... 90,97 91,33 l^ngltlche Noten......... Franzolilche Noten........ 15,94 16,00 16.55 16,61 Holländlfche Noten........ 169.66 170,34 Itallenilche Noten...... . 21,76 21,84 Norwegilche Noten........ 89,47 89,83 Deutlcl>Oesterreich, i 100 Schilling 58,68 58,92 Rumüntlche Noten........ 2,52 2,54 Schwedifche Noten........ 91,47 91,83 Schweizer Noten......... 82,04 82,36 Spanilche Noten......... 36,78 36,92 Ungarilche Noten........ $.J.Jport Fußball her Gießener Mannschaften. Die Liga der Spieloereinigung 1900 bestritt gestern nachmittag ein Verbandsspiel gegen die 1. Mannschaft van Bottenhorn. Die 1900er vermochten den Gegner nicht zu bezwingen, und man mußte sich mit einem Unentschieden von 2:2 zufrieden geben. Daß zwei Elfmeterballe verschossen wurden und dadurch der Sieg verloren ging, ist für die Mannschaft wenig rühmlich. Die Ligareserve wurde von der Ligarejerve des VfB. sicher mit 5;0 niedergehalten. Die BfBer pflegten ein besseres Zusammen'oiel und siegten verdient. Die Jugendmannschaften waren ebenfalls auf dem Plan. Die 1. Jugend gewann gegen die 1. Jugend nach hartem Stampfe mit 1:0. Die 2a-Jugend gewann gegen ihre 2b-Vereinskameroden 6:4. Die 1. Schülermannschaft wartete vergebens auf den Gegner, die Schüler des VfB. Die 2. Schüler spielten gegen die 2. Schüler des VfB 0:0. Die VfBer konnten gestern verschiedene gute Ergebnisse buchen. Die Liga besiegte die Soldaten nach einem schönen Spiel mit 3:0. Die Soldaten waren überraschend gut, die VfBer waren jedoch in technischer Hinsicht stets etwas überlegen. Immerhin hatten die Soldaten das Ehrentor durchaus verdient. Die Ligareserve gewann gegen 1900 Ligareserve mit 5:0, obwohl die zweite Halbzeit mit zehn Mann gespielt werden mußte, da Post beim Stande von 2:0 verletzt ausschied. Die 3. Mannschaft verlor gegen Dutenhofen I mit 0:3. Die VfBer spielten reichlich zerfahren Die 1. Jugend spielte gegen Hermannstein 1. Jugend, war in glänzender Form und gewann verdient mit 5:0. Die 2. Jugend verlor gegen die 1 Jugend von Leihgestern 0:2. Die 1. Schüler traten infolge eines Mißverständnisses nicht vollständig an und verzichteten bedauerlicherweise aus den Kampf gegen die 1. Schüler 1900s. Fußball in Hessen-Hannover. Borussia Fulda und 56.03 geschlagen. In der Südgruppe brachten die Fußball- Meisterschaftsspiele zwei große Ueberraschungen: der SC. 03 Kassel wurde von den stark aufstrebenden Fuldaei Germanen erneut geschlagen, und zwar mit 5:3 und ist damit zunächst aus der Spitzengruppe verdrängt Nicht besser erging es dem seitherigen Tabellenführer, Borussia Fulda: die Borussen mürben in Marburg von den dortigen Germanen mit 4:2 bezwungen, wodurch die Marburger an die Ta- bellenspitze gelangten, und die Borussen auf den zweiten Platz zurückfielcn. Hessen 09 Kassel fertigte Horas 4 1 ab. Die Tabelle wird nunmehr von Germania Marburg mit 15:3 Punkten geführt, gefolgt von Borussia Fulda mit 14:4 und Hessen 09 Kassel mit 11:5 Punkten. In der Nordgruppe fiel Sport Kassel durch eine 3:1 Niederlage von Spiel- verein Kassel gegen die nunmehr klar führenden Göttinger weiter zurück. Grone schlug Einbeck mit 2:1. Die Begegnung zwischen Kurhesien Kassel und dem VfB. Gießen fiel aus Göttinnen führt mit 16:2 Punkten vor Sport Kassel mit 13:5 und Spielverein Kassel mit 12:6 Punkten Bergführer Hauptmann Freund spricht. Ein Lichtbilder-DortragSabend in der Aula. Der Skiklub Gießen und das Institut für Leibesübungen der Universität beabsichtigen nach dem großen Erfolg des vorjährigen Filmes „Sonne über Piz Palü" auch in diesem Winter einen gemeinsamen Vortrag au veranstalten Als Redner für diesen Lichtbilderabend ist der international bekannte Bergführer Hauptmann a. D Erich. Freund, zur Zeit in Galtür (Tirol), gewonnen worden. Hauptmann Freund gilt als der beste Kenner der Silvretta. Dorzüalich ist der von ihm heraus- gegebene Skiführer der „Blauen Silvretta" und die Ski-Wanderkarte der Silvretta, des Ferwall und des Llnterengadingebietes. Hauptmann Freund ist vielen Gießener Skiläufern kein Unbekannter mehr: führt er doch seit drei Iahren die Hochgebirgstouren der Tourengruppe geübter Skiläufer der Universität. Jedem Studenten, der Gelegenheit hatte mit ihm und seiner tapferen Frau die Silvretta zu durchstreifen, wird diese Zeit immer unvergessen bleiben. Bor allem waren es auch die abendlichen Plauder- stunden auf den Hütten, auf die sich jeder freute, wenn Hauptmann Freund aus dem reichen Schah seiner Erfahrungen erzählte. Man sieht dem ruhigen Manne seine an Abenteuern aller Art überaus reiche Vergangenheit nicht an. Der frühere aktive Offizier war schon bei Ausbruch des Krieges in besonderer Mission auf dem Balkan, während des Krieges dann dort und in Rußland abwechselnd Kriegsflieger und Bandenführer, bis vor kurzem noch ein verwegener Kletterer, den keine Unfallversicherung mehr aufnehmen wollte. Jetzt ist Freund wohl der zuverlässigste Bergführer der Silvretta und der Bernina. Wie er jeden Gletscher, jede Spalte bei stärkstem Rebel und Schneetreiben kennt, das ist geradezu unfaßbar für den gewöhnlichen Skiläufer. Freund erzählt von seinen Winterfahrten in der Blauen Silvretta am Dienstag, 17 Rov. Näheres in der heutigen Anzeige Lin Zahl LeWaihlelik der Spielvereinigung1000. T/it dem Zwet-Stunden-Bahnlaufen beschloß die Spielvereinigung 1900 endgültig die diesjährige Leichtathletiksaison. Das Jahr 1931 war für den Verein in mancherlei Hinsicht außerordentlich erfolgreich. Die Mannschaften, Aktive, wie Jugendliche und Frauen, konnten eine stattliche Anzahl achtbarer Siege erringen, die den Namen des Vereins weit über die Mauern der Stadt bekannt werden ließen. Die Abteilung hat außerdem manchen wertvollen Zuwachs erhalten. Die gezeigten Leistungen lagen über dem Durchschnitt. Die 1900er konnten ihre Stellung in der Leichtathletik des Bezirkes Hessen- Hannover halten. Unter der Leitung von Georg R i ch t b e r g, unter der eifrigen Förderung der Mannschaften durch die Trainer Schmidt und Meyer hoff konnte sich die Abteilung in günstigstem Sinne entwickeln. Der Verein blieb weiterhin bemüht, Breitenarbeit zu leisten. Die erzielten überdurchschnittlichen Leistungen einzelner Leichtathleten sind ein erfreulicher Ausdruck des sportlichen Geistes, der in den Mannschaften steckt. Die Spielvereinigung hat im vergangenen Jahre wieder ein 5lück wertvoller Pionierarbeit im Interesse der Gesundung der Jugend geleistet. Diese Tatsache verdient alle Anerkennung, und zwar um so mehr, als nicht nur von den Leichtathleten selbst, sondern auch von den leitenden Männern manches Opfer gebracht werden mußte. Im Laufe des Jahres 1931 wurden nicht weniger als 2 6 verschiedene Veranstaltungen beschickt. Darunter waren einige Veranstaltungen, die der Verein organisierte und die einen rei- bungslosen Verlauf nahmen. Von den verschiedenen Sportfesten, auf denen die 1900er in Aktion traten, verdienen zunächst die Nationalen leichtathletischen Wettkampfe der besonderen Erwähnung, die vor vielen Zuschauern auf dem Sportplatz an der Liebigshöhe durchgcführt wurden. Namhafte Leichtathleten waren am Start. Namhafte Vereine der näheren und wei- teren Umgebung hatten gemeldet und ihre Besten entsandt. Dieses Sportfest war der Höhepunkt der Saison und ein schöner Erfolg. Einen weiteren Erfolg brachte den Leichtathletinnen und Leichtathleten der A n ( a a e n l a u f im Mai, der die Blauweißen in der ftlafse der Aktiven und der A-Jugend, sowie die Frauen vor den Turnerinnen des Mto. überraschend siegreich sah. Von den eigenen Veranstaltungen verdient dann noch der Zwei- karnpf gegen das Bataillon heroorgehoben zu werden, der nach überaus spannendem Kampf- verlaus die 1900er mit 67 zu 63 Punkten siegreich sah. Außerdem wurde ein Klubkampf gegen Frankenberg ausgetragen und gewonnen. Bei den Nationalen Wettkämpfen in Diez und in Altendiez wurden ebenfalls einige ein- drucksvolle Siege errungen. Die Leichtathleten der Spielvereinigung vertraten den Verein auch auf verschiedenen offiziellen Meisterschaftswett- bewerben. Bei den We st deutschen Meisterschaften in Kassel vermochten die Blauweißen nicht besonders günstig abzuschneiden. Immerhin konnten Gerhard und Schaaf im 5000-Meter-Lauf achtbare dritte bzw. vierte Plätze halten, während Jung im Zehnkampf unter scharfer Konkurrenz 6. wurde. Bei den B e z i r k s m e j st e r s ch a f t e n, die in diesem Jahre in Göttingen zum Austrag gelangten, konnten sich die 1900er aus verschiedenen Erwägungen heraus nicht beteiligen, obwohl nicht weniger denn 7 Meisterschaften zu verteidigen gewesen wären. Bei den Gaumeisterschaften in Wetzlar blieb die Spielvereinigung 1900 erfolgreichster Verein und konnte 12 erste Siege an sich bringen. Sehr erfolgreich waren die Frauen bei den Bezirksmeisterschaften in Kassel. Sieben Meisterschaften fielen an die Leichtathletinnen der Spielvereinigung 1900. Den Jugendlichen war bei den Gaujugendmei st erschuften ebenfalls Gelegenheit aegeben, ihr Können zu beweisen. In der Jugendklasse A konnten sie die meisten Siege an sich bringen. In der B-Klasse war man weniger glücklich. Bei einem Sportfeft in Darm- st u d t warteten die Jugendlichen der A-Klusse mit einigen vorzüglichen Leistungen auf, in dem sie in der 3X 1000'Meter-Stusfel vor führenden süddeutschen Grohvereinen überzeugend den ersten Sieg erringen konnten. Bei dem großen Hallensportfest in Frankfurt a. M. zu Beginn des Jahres brachten die Im englischen Unterhaus bilden die weiblichen Abgeordneten aller Parteien eine Gemeinschaft, die ost bei Abstimmungen einheitlich und sogar gegen die Ansicht ihrer männlichen Parteikollegen Stellung nimmt Bei der Parlamentseröffnung wurden die weiblichen „M.P.s" zusammen in einem Tonfilm ausgenommen, zu dem die populäre Abgeordnete Lady A st o r (rechts neben dem Mikrophon) die Erklärungen gab Jugendlichen die 10X50-Meter-Stufsel an sich. Auch bei den kreisoffenen Wettkämpfen der Kasseler Turngemeinde schnitten die Ju- aendlichen gut ab. Die leichtathletischen Wettkämpfe des M ä n n e r t u r n d e r e i n s auf dem VfB. Platz sah die 1900er nicht besonders in Form und so blieb die Siegesausbeute spärlich. Don den Leistungen der einzelnen Sportler verdienen einige besonders heroorgehoben zu wer- den. Paul Gerhard, der bekannte Marathonläufer, der hier in erster Linie zu nennen ist, hat den Namen des Vereins ehrenvoll über Deutschlands Grenzen hinausgetrugen. In Wien vermochte er unter starker Konkurrenz in der Zeit von 2:48,25 Stunden den internationalen ö st e r r e i ch i- schen Marathonlauf als zweiter Sieger hinter sich zu bringen. (Wir berichteten seinerzeit ausführlich darüber.) Im Lauf „Quer durch Ber - l i n" konnte er einen ehrenvollen 5. Platz halten: im Lauf „Quer durch Dortmund" wurde er in vorzüglicher Zeit 1. Sieger. Einen weiteren hoch einzuschatzenden Erfolg erzielte er beim Championat der Streckenläufer, das vom SE. Komet-Berlin veranstaltet, und Gerhard auch hier unter stärkster deutscher Konkurrenz zweiter Sieger wurde. Der Laus führte über 25 Kilometer. Ebenfalls die Läufe quer durch Berlin und Dortmund. Schaaf lief bei den freisoffenen Wettkämpfen der Turngemeinde Kassel über 5000 Meter seine beste Zeit mit 15:51,2 Minuten. Jung zeichnete sich durch einen Stabhochsprung von 3,40 Meter beson- bers aus; Weil sprang 1,75 Meter hoch, H. M ü l ■ l e r erreichte im Kugelstoßen 12,74 Meter. Leider fiel Peters I bereits zu Beginn der Saison durch eine Verletzung aus, so daß die Mittelstrecke immer etwas vernachlässigt war. In der Jugendklasse zeichnete sich B a u m ft i e g e r über 1000 Meter in der Zeit von 2,46 Minuten und über 1500 Meter mit 4,27 Minuten aus. Fr. Koch lief 100 Meter in der Zeit von 11,6 Sekunden und die 200 Meter In der ebenfalls sehr guten Zeit von 23,6 Sekunden. Von den Damen ist in erster Linie Frl. Drews zu nennen, die in Lauf und Wurfkonkurrenzen ihren Kameradinnen überlegen war. Im Diskuswerfen erreichte sie 27,97 Meter, im Weitsprung 4,78 Meter. Frl. P. R i ch t b e r g sprang 1,35 Meter hoch. Sehr aut schnitten die Leichtathletinnen in der 4X100- Meter-Staffel bei den Bezirksmeisterschaften in Kassel mit der Zeit von 56,6 Sekunden ab. In der Zusammenstellung der (240) Siege, die auf den 26 bestrittenen Veranstaltungen erzielt wurden, ergaben sich 84 erste, 87 zweite und 69 dritte Siege. Trotzdem man sich über die Schwächen, die einer jeden Rangliste eignen, klar war. hat man doch um eine vergleichende Uebersicht zu erhalten, eine solche Liste ausgestellt: Aktive (Einzelwettkämpfe): 1. K. Schaaf 20P.; 1. P. Gerhard 20 P.; 3. H Jung 16 P ; 4 R. Bepperling 12 P.; 5. Th. Hopfenmüller 9 P., 6. H. Müller 8 P., 7. K. Weil, K. Lipp 7 P.; 8. R. Schickedanz, O. Günther 6 Punkte. Aktive iGesamtwertung): 1. P. Gerhard 29 P.: 2. K. Schaaf 28 P.: 3. H. Jung 24 P.; 4 R Bepperling 21 P.; 5. R Schickedanz 20 P.: 6. N. Geist 12 P.; 7. G. Koch 11 P.: 8. C Weil, K. Schwab, Th. Hopfenmüller 10 P.; 9. H. Peters 9 P.: 10. H. Müller 8 Punkte. Jugend: 1. Fr. Koch 38 P., 2. M Baumstieger 37 P.; 3. H. Herrmann 26 P.. 4. ft Volck 25 P.z 5. ft. Felsing 23 P.; 6. M. Mootz 18 P. 7. W. Gräf 17 P: 8. E. Lippert 15 P.; 9. D. Schlard 13 P.; 10. B. Goß 12 Punkte. Frauen. 1. Guth 26 P.; 2. Drews 21 P.; 3» Diehl 20 P.; 4. Nichtberg II. 17 P; 5. Holstein 16 P.; 6. Orfel, Hublitz 15 P.: 7. Losch 14 P.; 8. Richtberg I. 12 P.; 9. Nickel, Lippert 9 Punkts • Diese Rangliste soll in der Hauptsache dazn dienen, den Sportlerinnen und Sportlern einen An» reiz IU geben, den Besseren nachzueifern und im Bemühen um die Erhaltung der körperlichen Spannkraft nicht zu erlahmen. Die Spielvereinigung 1900, die mit den erzielten Erfolgen wohl zufrieden fein darf, kann in 21nbe» tracht des hoffnungsvollen Nachwuchses und in 21 n» betracht des Geistes, ^)er in den Mannschaften und in der Abteilung herrscht, mit Huversich^ in die Zu» fünft blicken. Die Aussichten für die Saison P'32 sind, wenn sich die Leichtathleten das Wintertraining mit allem Ernste angelegen sein lassen, durchaus gut. Schöffengericht Gießen. * Gießen, 7. Rov. Am 6. Rovernber tagte das Erweiterte Schöffengericht in Butzbach