Rr. 158 Erstes Blast 181. Jahrgang Donnerstag, 9. Juli 1931 Erich« 'N» loglich.avhn Sonntags und Feiertag* BtUeece; the JOnltriert« vtetzener ^amilienblttto Heimat im Bild Di» Scholl« Mcmats-Vezugsprets. 2.20 Reichsmark und 30 Retchspfenmg für Träger» lohn, auch de> Nichte»» scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. JrnNprechanIchlüße eRterSammelnummer2251 Lnschrist Hit Drahtnach« richten Lnzetger Gieße». polfcheckkonto: Sranffurtam Blain 116M Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Dnid Btiö Verlag: vrühl'jche Untoedttäte»Bndh nwö Sletnörnderet H. fange tn Eietzen. Sd^riftieitung und Geschäftrftelle: Schulttratze 7. Lnnahmk von Bnzeiae, für di« Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm Höhe Si Anzeigen von 27 mm rette örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» Klameanzeigen von 70 mrx Breite 35 Reichspfennig, plahvorschrift 20', mehr. Chefredakteur. Dr. Fnedr. Will). Lang«. Derantwortlich sur Politik Dr. Fr. Wtlh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Dieben. Randnoten. Die preußische Regierung hat ein Rundschreiben an die verschißenen deutschen Länder gerichtet und ihnen den Wunsch ausgesprochen, daß dte bei der preußischen Regierung akkreditierten Gesandten der Länder möglichst rasch verschwinden. Bayern ist vielleicht aus Empfindlichkeit, vielleicht auch aus sachlichen Gründen dieser Anregung sofort gefolgt. Auch dte anderen Bundesstaaten werden kaum ander- können, zumal Preußen gleichzeitig zu verstehen gegeben hat. daß e- bei einem Personal- Wechsel das Agrement für neue Gesandte nicht mehr erteilen werde. Früher oder später werden also die Ländergesandischasien in Preußen verschwinden. DaS ist kein Fehler, sie sind längst überflüssig, sind ein Ueberblcibsel aus der Bcr- gongenheit, das in der Gegenwart keine ©riftenA- berechtigung mehr Hai. Höchstens insoweit, als die Gesandten das Recht der Sfterritorialität besaßen, also von der Desteüerung durch Preußen und die Stadt Berlin befreit waren. Aber man wirb nicht anzunehmen brauchen, daß solche finanziellen Gründe hier überhaupt eine Rolle gespielt haben. GS geht rein um das Prinzip, daß die diplomatischen Vertretungen. die vor der Gründung deS Deutschen Reiches notwendig waren, seit Jahr und Tag hätten eingespart werden können. In der Praxis freilich hatten sie ein doppeltes Gesicht, die Gesandten waren gleichzeitig die Vertreter ihrer Länder im Reichsrat und mit der Wahrnehmung der Interessen ihrer Länder in allen Reichsangelegen- heiten betraut. Wenn also di« zwölf Gesandtschaften aufhören zu existieren, dann wird vermutlich in den meisten Fällen eine einfache Tim- fchaltung erfolgen, daß die Gesandten, wie daS schon von Bayern geschehen ist. auf ihren Posten als ReichsratSbevollmächtigtc belassen werden. Obwohl auch hier die Frage entsteht, ob nicht derselbe Zweck genau so gut erreicht wird, wenn jeweils ein besonderer Beauftragter für Reichs- raiSsihungen herüber käme. Lübeck scheint eine entsprechende Kostenrechnung ausgemacht zu haben und ist dabei Wohl zu dem GrgebniS gekommen, daß diese- Verlahren billiger wäre, wird also wohl auf die eigene Vertretung verzichten. In vielen anderen Fällen wäre eS möglich, zu einer gemeinsamen Vertretung zu kommen, nach dem Beispiel von Braunschweig und Anhalt. An dem bestehenden Zustand ändert sich also nicht allzuviel. Immerhin ist mit dem Verschwinden der innerdeutschen Gesandtschaften ein bescheidener Ansang zu einer praktischen Reichs- resorm gemacht, der ohne große Mühe weiter au-gebaut werden könnte. Soweit wir wissen, unterhalten die Länder untereinander auch noch eigene Konsulate, die doch reine Luxuscinrich- tungcn geworden firn). Vor allem aber, wie ist eS mit der französischen Gesandtschaft in München. die immer noch auf dem Papier besteht, von Frankreich nach- der KriegSzeit wieder liebevoll gepflegt, weil damit Bayern gegen Preußen auSgespielt werden sollte. Aber es wäre doch wohl an der Zeit, daß auch dieser Atavismus verschwände, und es könnte gar nicht schaden, wenn von München wie von Berlin aus ein entsprechender Vorstoß in Paris erfolgte. Daß die Franzosen einen Konsul in München unterhalten, ist ihr gutes Recht, für eine eigene Gesandtschaft aber-iehlt nicht nur politisch, sondern auch staatsrechtlich jedes Bedürfnis. Der russische Diktator Stalin hat auf der Konferenz der führenden Wirtschaftler eine sensationelle Rede gehalten, die einen völligen Umschwung in der kommunistischen Wirtschaftsordnung einleitet, zum mindesten ankündigt. Mit einer verblüffenden Offenheit hat er erklärt, man müsse viele- verbrennen, was man bisher angebetet habe, und dann ein Programm aufgestellt. daß in der Durchführung differenzierter Löhne, in der Heranziehung der technischen Intelligenz zur Leitung der Betriebe, in dem Abbau der Fünstage-Woche und in dem Verlangen nach Rentabilität kulminiert. Das ist in allem das Gegenteil von dem. was die kommunistischen Wirtschaftslehrer bisher als ihr Evangelium verkündet hoben, ist, praktisch gesprochen, vielleicht der entscheidende Schritt aus der Revolution in die Evolution. Freilich, die russische Entwicklung hat ja keine gerade Linie gehabt. Sie ist im Zickzackkurs so erstaunliche Wege gegangen, daß man mit Bewunderung feststellte, was ein Staat alles aus- halten kann. Auf den wilden Kriegskommunismus. der alles Alte vernichtete, und jede Aende- rung mit Blut zementierte, folgte schon unter Lenin die Episode der neuen ökonomischen Politik, die den Versuch der Einschaltung privattapitalisti- scher Elemente bedeute'.«. Sie hat aber nicht allzulange voraehalten. An ihre Stelle trat wieder der Kamps nicht nur gegen den Handel, sondern jetzt auch gegen den Dauer, und in einem mit unerhörter Brutalität geführten Ringen ist es Stalin schließlich wohl tatsächlich gelungen, den Dauer, den Kulaken, mürbe zu machen. Gleichzeitig wurde der Fünfjahresplan angekurbelt. der 1932 zu Ende geführt sein soll, gleich- zeittg wurde der Vernichtungskampf gegen alle geführt, die politisch nicht mit Stalin einer Meinung waren. Und jetzt, wo er seine Herrschaft wohl fast endgülttg gesichert hält, wirft er erneut das ©teuer herum; allerdings nicht ganz so plötzlich, Der nächste Schritt: die Abrüstung. Washington kündigt eine neue Aktion an. — Oie Rückkehr zur Wohlfahrt seht Beschränkung der Rüstungsausgaben voraus. Washington, 9. Juli. (WIB. Funkspruch.) Unlerflaalsfefrelär LastIe sagte in einer Runb- sunkanfprache an das amerikanische Volk, die gegenseitige Verständigung der Regierungen beseitige nur ein Hindernis für die Wohlfahrt der well, noch schädlicher seien die unproduktiven Ausgaben für die Rü st ungen. Lastle fuhr fort: wir erhoffen von der ^Itweiligen Befreiung von den zwischenstaatlichen Schuldenzahlungen, daß unter den Rationen ein solches Gefühl der loyalen ver- antworllichkeit entsteht, daß alle zur 21 b r ü - slungskonserenz kommen mit dem festen willen, ihr zum Erfolge zu verhelfen. Ls gibt für Europa Probleme, die noch durchgearbeitet werden müsfen. und sie können nur gelöst werden, wenn sie in konstruktivem und mutigen Gei st in Angriff genommen werden, wir müssen heute alle nach Sparsamkeit In allen staatlichen Behörden streben, da wir im nächsten Jahre das Problem der infolge der Rüstungen entstehenden Verschuldung in Angriff nehmen müssen. Der Vorschlag des Präsidenten hat die Pforten geöffnet für eine Rückkehr der Wohlfahrt, die jeder Bürger und jedes Land berührt. Es ist unsere Aufgabe, diese Pforte offen zu halten, wir fangen an, zu verstehen, daß unsere Wohlfahrt von der Wohlfahrt unserer Rachbarn und nicht von ihrem Elend abhängt. Bei den verwickelten Beziehungen zwischen den Rationen von heute muß der wirtschaftliche Zusammenbruch der einen weitreichende Folgen für alle anderen haben. Was geschieht nach Ablauf des Feierjahrs? Amerikanische Stimmen für eine Revision des Noungplans. Reuyork, 8. Iuli. (WTD.) Die Morgen- Zeitungen bringen über mehrere Spalten gehend Meinungsäußerungen aus der Geschäftswelt und aus politischen Kreisen, die die Erwartung aussprechen, daß die durch die Zahlungsaussetzung geschaffene zuversichtlichere Stimmung eine dauernde Förderung des Wirtschaftslebens zur Folge haben werd«. .Rew Bork Times" erklärt, vor allem müsse man sich so bald wie möglich über die Maßnahmen einigen, Oie bei Ablauf des Feierjahres ergriffen werden müßten. Denn eS sei die allgemeine Ueberzeugung, daß nach Ablauf des Feierjahres die bisherigen Verträge niemals me & r in ihrer ursprünglichen Form wieder in Kraft gesetzt werden könnten. Aus der Tatsache, daß Amerikas Mitarbeit in Europa mehr denn je nötig sei, ergebe sich eine unvermeidliche Wandlung der amerikanischen Politik. Man braucht keinen finanziellen Propheten, um voraus- jufagen, daß der Boung-Plan geändert tperden muh. Ohne Zeit zu verlieren, sollten die Staatsmänner und Männer der Wirtschaft aller Länder sich für einen neuen Plan entscheiden, der für die veränderten Verhältnisse passe. Die Zeit hierzu sei glücklicherweise vorhanden. Aber diese Zeit dürfe nicht mit felb st gefälligem Händeschütteln verbracht werden, über das, was geschehen fei. sondern man müsse jede Anstrengung machen, das zu leisten, was noch zu tun übrig bleibe. Paris wird hellhörig. Tie amcrilanifchc Aktivität macht die Kranzofcn nervös. Paris, 8. Iuli. (TU.) Die Aufsehen erregenden Rachrichten aus Washington haben in Paris sichtliche Nervosität hervorgerufen. Man beginnt in Daris zu begreifen, daß die franzöfifch- amerikanifchen Verhandlungen nur ein Vorfeldgeplänkel gewesen sind, denen die große Offensive erst folgen soll. Die Gefahr für die französische Politik liege, so wird erklärt, vor allen Dingen darin, daß der Angriff auf zwei Frontabschnitten gleichzeitig a n g e s e h t werde: die Abrüstung und die Tribute. Auf beiden Abschnitten aber befindet sich Frankreich in der Verteidigung von Stellungen, deren Widerstandsfähigkeit von den Franzosen selbst für zweifelhaft gehalten wird. Hoover hat absichtlich seine beiden hervorragendsten Kabinettsmitglieder gleichzeitig nach Europa gesandt, um auch nach der Annahme des Zahlungsaufschubes mit der notwendigen Aktivität die Verhandlungen über die Abrüstung und Tribute gleichzeitig aufnehmen zu können. Wahrend Mellon feine europäischen Despre- chungen in London begann, reift 51 i m | o n zunächst nach Rom. Man schließt daraus in Pari», daß Italien in der Abrüstungsfragc etwa die Rolle spielen wird, die Englandinder Tributfrage gesoielt hat und weiterfpielen will, während Deutschland hinter den Kulissen bleibt. Diese Taktik hat sich für Frankreich al» unvorteilhaft erwiesen, und die aktivistischen politischen Kreise in Paris drängen daher entschieden auf eine französische Initiative. Die französische Regierung müße ihre Handlungsfreiheit wiedergewinnen, indem sie Deutschland eine langfristige Anleihe anbiete, die selbstverständlich an eine Reih« von politischen Bedingungen geknüpft fein müsse. (Eine dieser Bedingungen sei die Verpflichtung der Reichsregierung, auf keinen Fall die Rüstungen zu vermehren, und zwar während der ganzen Dauer der Anleihe, nicht nur während des Hoovermoratoriums. In diplomatischen Kreisen geht das Gerücht, daß B r i a n d aus der Entwicklung der Dinge die Folgen ziehen und feinen Rücktritt einreichen wolle, da er sich mit der Form der Führung der auswärtigen Politik Frankreich» nicht einverstanden erklären könne. Oer britische Konferenzplan. England steuert auf eine spätere Konferenz der Minister hin. London. 8. Iuli. (TU. Funkspruch.) Die englische Regierung hat sich mit dem französischen Vorschlag einverstanden erklärt, die Londoner Hoover-Plan-Konferenz erst gegen Ende der nächsten Woche beginnen zu lassen. Sie hat dementsprechend die französische Regierung unterrichtet. Die Konferenz soll mit Sitzungen von Sachverständigen beginnen. Sobald die Vorarbeiten hinreichend gefördert sind, soll sich eine Ministerkonferenz daran anschließen. In diesem Sinne beabsichtigt die englische Regierung, sofort Einladungen an die am Boung-Plan interessierten Mächte einschließlich Deutschland zu entsenden. Auch Amerika wird eine Einladung zur Teilnahme an der Konferenz erhalten, wobei cs den Vereinigten Staaten überlassen bleiben wird, sich in der Eigenschaft vertreten zu lassen, die ihrer besonderen Stellung und ihren Wünschen entspricht. Verhandlungen über das Programm der Konferenz sind noch nicht eingeleitet. Ihre Dauer ist noch nicht zu übersehen. Wenn auch die englische Regierung sich bemühen wird, die Verhandlungen möglich st ab- zukürzen. so herrscht doch in den diplomatischen Kreisen Londons die Auffassung, daß man sich auf eine längere Dauer gefaßt machen muh. Diese Ansicht wird damit begründet, daß dem Bestreben der Franzosen, möglich st bindende Erklärungen über bi« w ei t er« Wirksamkeit desBvung - PlanS zu erdalten, der Wunsch der anderen Mächte gegen* übersteht, sich die Wege zu einer Revision oder zu einer Verlängerung deS Hoover* Moratoriums offen zu halten. Dis in die späten Abendstunden war in bri* tischen amtlichen Kreisen noch nicht bekannt, ob auch die kleineren Mächte sowie Oester* reich. Ungarn und Bulgarien zu dieser Konferenz eingeladcn werden sollen. Frankreich ist, wie verlautet, für eine Teilnahme seiner östlichen Verbündeten. Belgien gehört naturgemäß in die* fer Frage zu den alliierten Mächten. Die französischen Minister beabsichtigen, während des ersten Teiles der Konferenz nicht nach London zu kommen, und es ist auch nicht anzunehmen. daß sie später dazu geneigt fein werden. Der Grund ist, daß man in Paris fürchtet, ihre Anwesenheit in London könnte anderen Mächten die Gelegenheit geben, das ErörterungS- gebiet auszudehnen und die ganze Frage des künftigen Funktionierens des Boungplanes zu erörtern. Lin britischer Mlliardenkredit für Deutschland? London, 8. Juli. (TU.) Die Bonk von England hat bisher die Meldung von einer Verlängerung des an die Reichsbank gegebenen Vorfchuffes über den 16. Juli hinaus weder bestätigt, noch dementiert. Jn Eity-streifen rechnet man damit, daß den deutschen Banken eine An- leihe von mindestens 1,6 Milliarden Mark gegeben werden muh. Line englische Rach- richlenagentur verbreitet die Meldung, daß der Reichsbankpräsident Luther zu Verhandlungen nach London kommen werde. • Di« englischen Finanzzeitungen beurteilen die nächste Zukunft ziemlich skeptisch. Durch die langen Verhandlungen, so sagt die „Financial Times", sei die Ausgabe der Danken, Deutschland zu Helsen, sehr erschwert worden. Da man nicht wisse, wie sich di« weiteren Verhandlungen gestalten würden und da man insbesondere noch keine Gewißheit darüber habe, was nach einem Iahr geschehen werde, so würden viele zögern, ihre Gelder nach Deutschland zurückfließen zu lassen. Di« Lage werde also in Deutschland weiterhin ernst bleiben. Auch die „Financial Rews" hat Zweifel, ob der Hovverplan in der jichigen Form auS reicht, um das Vertrauen wieder herzustellen. In Tity* Kreisen sei man sich darüber klar, daß die Fi- nanzkris« in Deutschland viel zu ernst sei, als daß sie bald überwunden werden könne. ES seien ganz erhebliche Kredite notwendig . um di« Lage in Deutschland wieder zu sanieren. wie aus der Rede hervorzugehen scheint. Ansätze der neuen Ordnung sind schon leit Monaten bemerkbar; vielleicht, weil Stalin sich überzeugt hat. daß er mit den bisherigen Methoden nicht zurechtkommt, vielleicht auch aus der Erkenntnis heraus, daß der Kommunismus in Reinkultur — der Übrigens nach Stalin bisher in Rußland noch gar nicht gewesen sein soll — wohl für den Aufbau des Fünfjahrcsplanes ausrcichte, aber nicht für die Durchführung. Welch gewaltige Elastizität liegt darin, daß derselbe QHann, der bisher den Grundsatz proklamierte, daß es nur auf die.Produktion, nicht aber auf die Kosten an- komme, jetzt das Prinzip derRentabili- t ä t in den Vordergrund schiebt, daß er die alten Direktoren wieder heranziehen will und sich zu einem System bekannt, das doch tatsächlich nichts weiter als der etwas stark sozialistisch übertünchte Kapitalismus ist! Mit einiger Spannung wird man abwarten müssen, was die deutschen Kommunisten mit diesem Kurswechsel anfangen. Für sie müßte es ja eigentlich den Zusammenbruch bedeuten. daß „ihr" Rußland nun mit den gleichen Rezepten kuriert werden soll, wie sie die bürgerliche Wirtschaft im übrigen Europa anwendet. Keine Konferenzbegeisterung in Paris. Man fürchtet neue Ueberrafchungen. Paris, 8. Iuli. (WTD.) Havas teilt mit, daß die Verhandlungen über die sofortige Durchführung des allgemeinen Ferienjahres sehr aktiv betrieben wurden, so daß bereits am Montag, dem 13. Iuli, die International« Zahlungsbank in Basel den französischen Antrag über die Bedingungen, zu denen Frankreich im Falle eines Boungplanmoratoriums den im Boung-Plan vorgesehenen Garantiefonds zu stellen hätte, prüfen würde. Am 17. Iuli, so heißt es in der Meldung weiter, werde in London die K onferenz der Schatz- amtssachverständigen beginnen, hie sich mit der technischen Durchführung des Moratoriums und mit der Frage der S a ch liefe r u n g e n beschäftigen solle. Bei diesen Verhandlungen werde Deutschland vertreten fein. Erst nach Beendigung der Arbeiten der Sachverständigen werde entschieden werden, ob eine Konferenz der Minister der ver- schiedenen interessierten Länder einschließlich Deutschlands notwendig sei und wann sie in diesem Falle zusammentreten würde. In der Pariser Presse stößt die englische Einladung auf keinerlei Begeisterung. Man schreibt es nur der französisch-englischen Freundschaft zu. daß Frankreich teilweise auf diese Einladung überhaupt eingegangen ist. Die Blätter betonen, daß Paris als Verhandlungsort sehr viel günstiger gewesen wäre. „Echo de Paris" unterstreicht, daß das Programm der Kon- ferenz noch in keiner Weise festgelegt sei. Man wisse nicht einmal, ob Deutschland auf dieser Konferenz vertreten sein werde, ebensowenig, wie sich jetzt schon ooraussaaen lasse, ob sich die Sachverständigen nur mit den finanztechnischen Fragen befassen ober auch die juristischen Fragen in Erwägung ziehen würden. Das Blatt hält eine Zusammenkunft von Sachverständigen insofern für ratsam, als diese in voller Handlungsfreiheit eine Regierung desavouieren können, was bei Regierungsmitgliedern nicht der Fall sei. Das „Deuore" glaubt zu wissen, daß Briand den englischen Vorschlag für eine spätere Zusammen- funft der Minister der am Aoungplan interessierten Länder nicht zurückgestellt, sondern glatt ab- gelehnt habe. Der „Temps" schreibt: ES handele sich nicht darum, eine eigentliche Konferenz von politischer Bedeutung einzubcrufen, Vie irgendeinen umfassenden neuen Plan auszuarbeiten habe, sondern lediglich um eine Besprechung von Sachverständigen, die die technische Fragen studieren und eine Regelung vorbereiten sollten, die genau aus die tatsächliche Lage beschränkt bleiben müsse, die sich w ä h r e n d e i n e s Jahres für die Nutznießer des PoungplaneS ergeben würden. Erst wenn diese Regelung von den Fachleuten der verschiedenen interessierten Schatzämter ausgcarbeitet sein werde, werde man darüber Klarheit erhalten können, ob es notwendig sei, die Minister zusammenzuberufen, um endgültig eine Entscheidung zu treffen innerhalb des notwendigerweise beschränkten Rahmens, der sür die Regierungen gezogen sei. Wenn man eine derartige Konferenz einberufe, würde cs erforderlich sein, im voraus sorgfältig ihre Befugnisse sestzusetzen und ihr Tätigkeitsfeld mit Genauigkeit zu umgrenzen, um sich nicht von den Ereignissen überraschen zu lassen. — In noch schärferem Matze lehnt das „Journal d e s T e b a t s" eine derartige Konferenz ab. Rach seiner Ansicht ist man schon in eine unangenehme Lage gekommen. Eine Konferenz würde viel mehr Rachteile und Gefahren auf- weisen als eine Zusammenkunft der Sachverständigen. Man würde sich zweifellos bemühen, d i e Zerstörung des Poungplanes in die Wege zu leiten, und zwar unter dem Deckmantel der Revision. Schon jetzt fasse man in Washington den Plan ins Auge, datz das Moratorium nicht ausreichcn werde, um eine Wiederbelebung der Wirtschaft herbeizuführen. Wie immer, würde man eine für Frankreich unheilvolle Kombination ausarbeiten. Auch Berlin wünscht keine Regierungskonferenz. verlin, 8. Juli. (LNV.) Zu der bevorstehenden Einberufung der Sachverständigenkonsercn; wird von unterrichteter Seite betont, datz es sich dabei lediglich um eine technische Konferenz von Sachverständigen handelt, die die technische Beratung der noch ausstehenden Mahnohmen zur Aufgabe haben soll. Der genaue Termin sür diese Konferenz stehl noch nicht fest. Zu den in der Presse verschiedentlich aufgetauchten Gerüchten von einer neuen Regierungskonserenz. die nach der Sachverstandigenkonferen; stattfinden und die Ratifizierung der von der Sachverständigenkonferenz gefatzten Beschlüsse vornehmen solle, wird mitgeteilt, datz man in Berlin eine solche Konferenz für nutz- und zwecklos halte, da die von ihr zu behandelnden Dinge ebensogut a u s diplomatischem Wege erledigt werden könnten. Oie Verwendung der gestundeten Gelder. Botschafter von Hocsch bei Laval. P a r i s , 8. Juli. (£il.) Botschafter v. Hoesch hat am Mittwoch von Ministerpräsidenten L a - v a l ausgesucht, der den abwesenden Autzen- mmister Briand vertritt. Im Laufe der Unterredungen wurden alle Mahnahmen zur Sprache gebracht, die zur Durchführung des Hoover-Moratoriums notwendig erscheinen. Bei dieser Gelegenheit überreichte der .Botschafter dem Ministerpräsidenten «ine Abschrift der Erklärung des Reichskanzlers Brüning an den Präsidenten Hoover, wonach im Laufe des Feierjahres keinerlei Mittel zur Erhöhung des R e i ch s w e h r h a u sh a I t s oder des Haushalts der Reichsmarine verwendet werden würden. Er hinterließ dem Ministerpräsidenten auch eine Riederschrift der Erklärung des Reichskanzlers vom 7. Juli über dasselbe Thema (vergl. den gestrigen Aufruf der Reichsregierung). — Cs ist notwendig, festzustellen, dah Ministerpräsident Laval bis jetzt eine derartige Erklärung der Reichsregierung amtlich nicht gefordert hat. Cs handelt sich also um einen spontanen Schritt der Reichsregierung. Wie in unterrichteten Kreisen verlautet, würde die Reichsregieruny die Forderungeinerneuen förmlichen, an die französische Regierung gerichteten Erklärung über die Derwendung der durch das Hoover-Moratorium freiwerdenden Mittel mit größter Entschiedenheit ablehnen. Oer Kurswechsel in Rußland. Jndustricrcform im Donezbecken. Moskau, 9. Juli. (WTB. Funkspruch.) Molo- toff, Stalin und der Vorsitzende des Obersten Volks- ^dirtschaftsrates haben einen Aufruf an d ie Partei-, Wirtschafts- und Gewerkschafts-Organisationen des Donez- deckens über die Aufgaben der Kohlenindustrie im Donczbecken gerichtet. Der Aufruf stellte für das Donezbecken konkrete Maßnahmen auf dem Gebiete der Arbeitsorganisation, der technischen Leitung und der Mechanisierung, der Verhütung von Arbeiterabwanderung, sowie der Verbesserung der Kultur- und Lebensverhältnisse der Arbeiter, der Ingenieure und des technischen Personals auf. Bereits im laufenden Jahre soll eine Anzahl Grubenanlagen tue- chanisiert werden, so daß 1932 bereits 50 v. ch. große Gruben völlig mechanisiert seien. Ferner soll noch in diesem Jahre 15 im Bau befindliche neue Grubenanlagen In Betrieb genommen werden. Im Laufe von zwei Monaten soll m i t b c r Nivellierung der Arbeitslöhne aufgeräumt und spätestens am 1. September 85 bis 90 v. ch. der Untertagearbeiter, sowie mindestens 70 v. ch. der übrigen Arbeiter auf Akkordlohn- system u m g e st e l l t werden. Der Aufruf fordert pünktliche Belieferung der Arbeiter, der Ingenieure und des technischen Personals mit Jndustrieware, sowie Verbesserung der öffentlichen Speiseanstalten und der Wohnungsverhältnisse. Wenn auch der Kamps gegen offenkundige Schädlingselemente fortgesetzt wird, io schließt der Aufruf, müsse die Partei-, die Wirtschafts, und gewerkschaftlichen Organisationen bessere sachliche Beziehungen zu den gewissenhaft arbeitenden Ingenieuren und Technikern in die Wege leiten und den hingebungsvoll arbeitenden Ingenieuren und Technikern allseitige Unterstützung zuteil werden lassen. Die Ausfallbürgschaft der deutschen Wirtschaft. Neichsbaiikpräsidcnt ©r. Luther erläutert den Zweck der neuen Maßnahme. (Berlin, 8. Juli. (ERD.) In einer Pressekonferenz äußerte sieh Reichsbankpräsident Dr. Luther über die Bedeutung der von der Wirtschaft übernommenen Ausfallgarantie für die deutsche Golddiskontbank, die durch eine Rotverordnung des Reichspräsidenten inzwischen auch schon greifbare Gestalt angenommen hat. Dr. Luther betonte, datz es sich bei den 500 Millionen um eine Ausfallbürgschaft handele, die etwa mit dem Aktienkapital einer Bank zu vergleichen sei, deren Kreditmöglichkeiten sich natürlich nicht mit der Grötze ihres Aktienkapitals deckten. Ein Mehrfaches des Betrages der AusfaUbürgschaft mit 500 Millionen. Mark könne man als Kredit auf bauen, und das sei auch ein Hauptzweck der Xtion, weil es darauf ankomme, eine Entlastung auf dem Gebiete des Kredits zu schaffen, die mit einem zu geringen Kredit niemals bewirkt werden könne. Der aufzubauende Kredit müsse so groß fein, datz er jede auch noch so berechtigte Sorge über den Auslandkredit der deutschen Wirtschaft zu bannen in der Lage fei. ES komme nach außen in erster Linie daraus an, zu zeigen, dah cs sich bei der Aktion um eine Maßnahme handele, die von derVolks- wirtschaft im ganzen mit der Front zu den Auslandkrediten hin im Kampfe gegen den Devisenabzug ergriffen werde. Am Auslande liege es jetzt, feine Zustimmung zu dem neuen Kreditgedanken zu geben un) in diePraxis umzusehen. Die deutsche Wirtschaft beweise mit der von ihr vorgeschlagenen Aktion, datz sie von sich aus ihr Möglichstes tue, damit die Vertrauensgrundlage für Deutschland wieder hergestellt werde. Hierauf erläuterte Staatssekretär Trende- lenburg die Durchführungsbestimmungen zur neuen Rotvcrordnung, wobei er unterstrich, datz die Rotverordnung lediglich ein technisches Hilfsmittel sei, um das restlos zur Durchführung zu bringen, was in ben Besprechungen des Reich s- 6anty>räfibenten mit den Wirtschaftsführern vereinbart worden fei. Die Durchführung der Rotverordnung geschehe in enger Anlehnung an das Verfahren, das bei der Ausbriirgung der für die Ostpreußenhilfe aufzubringenden Beiträge unter Einschaltung der Jndustrieobligationsbank an« gewendet werde. Die Verteilung erfolge nach dem Schlüssel aus den Beiträgen für die Osthilfe pro rata der Betriebsvermögen von über fünf Millionen Mark. Somit werden auch die etwaigen Ausfälle in bem gleichen Verhältnis verteilt, so datz sie sich wie ein Zuschlag zu den Abgaben für die Osthilfe auswirken würden. Dieses Verfahren sei das einfachste und praktischste. Das Volksbegehren aus Landtags- auflösung in Preußen. Erregte Aussprache im LandtagSplenum. - Severing ve.teidigt die Position der Regierung. Berlin, 8. Juli. (TU.) Jin Preußischen Landtag fand am Mittwoch die Aussprache über bas Stahlhelm-Volksbegehren auf Auflösung b e 9 Lanbtages statt. Die Aussprache würbe eröffnet von ben Sozialbemokratcn, bereit Rebner erklärte, bah bie Aktion bes Stahlhelms ausschließlich bas Ziel verfolgte, unter Aus- nutzung ber ungeheueren Wirtschaftsnot in fchran- kcnloser Verhetzung gegen bie Demokratie anzu- kämvsen. Die Sozialbemokraten warnten alle Ver- Künftigen, sich am Volksentscheib 3u beteiligen unb sich zu Werkzeugen einer offensichtlichen Katastro- phenpolitik zu machen. Die Deuts chnationa- l e n setzten sich für ben Volksentscheib ein, ba ber Lanbtag in seiner jetzigen Zusammensetzung nicht bem Volkswillen entspreche. An ber N o t bes Volkes seien bie republikanischen R e - gicrungen schulb. Wenn Hoover jetzt bas sofortige Zusammenbrcchen verhindert habe, so bedeute das noch längst keine endgültige Rettung. Die Ausführungen des Redners wurden fortgesetzt durch Lärmszenen der Sozialdemokraten unterbochen. — In der weiteren Aussprache bezeichneten die Kommunisten das Volksbegehren als den Ausfluß politischer Demagogie. Die Rechtsparteien könnten mit der reaktionären Regierung Braun-Severing durchaus zufrieden sein. — Die Deutsche Volkspartei lieh ihre Zustimmung zum Volksentscheid mitteilen, da sie aus grundsätzlichen Erwägungen heraus zur preußischen Regierung in Opposition stehe und ihre Beseitigung nur durch die Auflösung des Landtages zu erreichen sei. — Innenminister S e v c r i n g erklärte, das „Absterbenbe System" sei noch da und werde sich zu wehren wissen. Was der Ministerpräsident schon im Oktober des vergangenen JahreS gegen die Auflösung des Landtages gesagt habe, trifft auch heute noch zu. Die Preußen-Regierung bleibe auf dem Platze, weil sie damit nicht nur dem preußischen, sondern dem ganzen deutschen Volk in diesen unruhigen Zeiten den allerbesten Dienst leiste. — Der Redner des Landvolkes begrüßte den Volksentscheid, da er Gelegenheit biete zur Beseitigung einer Regierung, die es nie verstanden habe, die nationalen Belange des Volkes zu vertreten. — Der Redner der Staatspartei forderte Anerkennung der Verdienste, die sich Preußen um die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung in der deutschen Republik erworben habe und sprach die Hoffnung auS, daß cs am 9. August gelingen werde, die republikanische Position Preußens zu halten. - Der Wirtschaftsparteiler 2 a« dendorf sah in der ablehnenden Haltung der Staatsregierung gegenüber dem Volksentscheid den Beweis für die Angst der jetzigen Machthaber vor der Rache des souveränen Volkes. Unter großem Lärm der Linken vertrat er die Auffassung, datz man nicht ein ganxes Volk zu Rentenempfängern machen und obenorcin noch einen aufgeblähten Verwaltungsapparat mit Pöstchen für Parteifreunde schaffen könne. Es gelte, die Vormachtstellung der Sozialdemokratie in Preußen, durch die der Mi t l st and zugrunde gerietet worden sei, zu zertrümmern. Rachdem dann noch der Redner des Christlich - Sozialen Volksdien- st e s erklärt hatte, daß auch seine Freunde eine baldige Reuwahl des Landtages als Voraussetzung für eine baldige Umbildung der Staatsregierung für dringend notwendig hielten, und datz sie sich auch beim Volksentscheid dafür einsetzen würden, war die Aussprache geschlossen. Die Abstimmungen finden am Donnerstag statt. Hessischer Landtag. Darmstadt, 8. Juli. (WHP.) Präsident Delp eröffnet die Sitzung bei noch schwach besetztem Hause und teilt mit, daß der Aeltestenrat die Beratung der kommunistischen Anträge zur letzten Rotverordnung von der Tagesordnung ab gesetzt habe, da sie keine landesgesehlichcn Fragen beträfen. Die Abg. von der Schmidt (Komm.), Dr. Werner (RS.) und Böhm (Dnl.) protestieren energisch gegen diesen Beschluß. denn die Rotverordnung greife tief in die hessischen Finanzen und das Leben des hessischen Volkes ein. Oer Versaffungsiag. Die Beratung der Tagesordnung wird fortgesetzt. Zu dem volksparteilichen Antrag, den Dersassungstag als gesetzlichen Feiertag in Hessen aufzuheben, erklärt Abg. Dr. Müller (Ldb.) die Zustimmung des Landbundes, denn am 11. August stehe Die Landwirtschaft mitten in ber Erntearbeit. Die Regierung müsse unbedingt zugestehen, daß die Freigabe der Erntearbeiten von den Bürgermeistereien erklärt werden dürfte. Abg. Heyne (DVP.) unterstreicht die wirtschaftlichen und politischen Gründe gegen solche einzelstaatlichen, von oben herunter dekretierten Feiertage, die nicht aus bem Volksempfinden erwachsen seien. Gerade an den Randgebieten ergäben sich für Wirtschaft und Arbeitnehmer erhebliche Schwierigkeiten, da Hessen und Baden allein den 11. August als gesetzlichen Feiertag begehen. Abg. H e i n st a d t (Z.) beantragt, daß der Verfassungstag an dem auf den 11. August folgenden Sonntag gefeiert werden solle. (Hört! Hört!) Abg. Ka ul(S.) hält am 11. August als 'Nationalfeiertag fest und lehnt ben Zentrumsantrag ab. Abg. Dr. Werner (RS.) erklärte, heute sei dis Verfassung, die sehr Gutes enthalte, von ihrencigenenVäternerschlagen und außer Kraft gesetzt worden. Der Vorsatz der Verfassung, „Alle Gewalt geht vom Volke aus", werde von den Rutznietzern des heutigen Systems sofort außer Kraft gesetzt, wenn das Volk sein Lebensrecht fordere. In der heutigen unausgegorenen Zeit sei ein einmütiger Volksfeierbag unmöglich. Abg. Dr. Best (VRP.) und Aba. Böhm (Dntls) stimmen dein volksparteilichen Antrag zu. Die Abstimmung wird auf Donnerstag ausgesetzt. Das Landtagswahlgesetz. In den weiteren Abstimmungen wird beim Landtagswahlgesetz der Antrag, die Abgeordnetenzahl von 70 auf 56 herabzusehen, von Kommunisten, Sozialdemokraten, Zentrum und einigen Demokraten gegen alle übrigen Parteien abgelehnt, cbenfo die weiteren Herab- sehungsanträge der Rechten. Mit 31:30 Stimmen wird der Zentrumsantrag, bei der Reichsregierung auf Heraufsetzung des Wahlal - ters vorstellig zu werden, angenommen. Die Vorlage wird angenommen. Annahme finden die Gesetzentwürfe „Äendcrung des Gesetzes über Volksbegehren und Volksentscheid", „Einstellung von Kraftfahrzeugen", „Verkehr mit brennbaren Flüssigkeiten". Der Ablehnung verfällt der staatsparteiliche Antrag auf llmorganifation der Staatsverwaltung. Um eine Reform des Lichispielgesehes. Abg. Frau H a 11 e m er (Z.) plädiert für ihren Antrag, auf Reform des Licht f pielge- s e h e s bei der Reichsregierung vorstellig zu werden. Der oft dargebotene Schund und Kitsch und die-„Aufklärungsfilme" schädigten besonders die Jugend und stellten eine Entehrung der Frau bar. Was in Berlin möglich, wirke auf bem Lande gefährlich. Der Film dürfe nicht zu einem Tummelplatz der Triebe und Instinkte werden. Abg. Reiber (Rad.-Dem.) lehnt den Antrag ab, der die Zensur über kulturelle, politische und wissenschaftliche Fragen in die Hände von Unzuständigen und Ungeeigneten legen wolle. Die heutigen Zensurvorschriften führten allein dazu, freiheitliche und fortschrittliche Gedanken in Kunst, Wissenschaft und Politik zu erdrosseln. Abg. H a m m a n n (Komm.) lehnt den Antrag ab und erklärt, daß die Kommunistische Partei systematisch den Bürgerkrieg vorbereite. Abg. G a I in (Komm. Opp.) polemisiert gegen den Vorredner. Er solle schleunigst seine Sachen packen und aus dem Parlament verschwinden. (Beifall.) Die Arbeiterschaft wolle keinen Solbst- mord begehen, aber wenn hi« andere Seite Ten Bürgerkrieg provoziere, werb« die Arbeiterschaft zur Stelle sein. Das Zentrum solle seine muckerischen Sorgen aufgeben und alle Kraft darauf verwenden, die grausamen und schrecklichen Filme des Lebens unmöglich zu machen, die Wohnungsnot mit ihren entsittlichenden und verrohenden Folgen, die Arbeitslosigkeit und ihre Folgeerscheinungen endlich zu beseitigen. Abg. Widmann (Soz.) hält die Verstaatlichung der Filmproduktion für notwendig, um die Kitschfabrikation zu beenden. Die Sozialdemokratie lehne eine weitere Zensur ab. Abg. Frau Heraeus (Dnl.) ftimmt dem Antrag Hattemer zu. Die deutschnationale Fraktion lehne es ab, Kunst und Wissenschaft tendenziös auszuschlachten und einen Dolksteil gegen den anderen aufhetzen zu lassen. Die Aufklärungsfilme führten zur Aufreizung der Jugend, die beste Aufklärerin für die Kinder bleibe die Mutter. Abg. Dr. R i e p o t h (D. Vp.) erklärt, wenn man im allgemeinen bie Ausführungen des Kommunisten Hammann nicht ernst nehme, so dürfe man seine heutige Aufforderungzum offenen Bürgerkrieg nicht stillschweigend hinnehmen. Zu dieser Aufhetzung dienten auch die russischen Tendenzfilme. Man müsse dem Innenminister zurufen: So sehen die politischen Kinder des Herrn Severing aus! — Wir fordern, erklärt dcr Redner, daß Sie den Staat und die Staatsautorität wahren, nicht durch eine Politik der Radelstiche, sondern mit Stärke und Unnachsichtigkeit. (Beifall.) Abg. Dr. Werner (Rat.-Soz.) stellt fest, dah die Kommunisten hier offen zugeben, daß sie ben Bürgerkrieg vorbereiten. Auch das Reichsbanner arbeite ganz offensichtlich zum Bürgerkrieg hin. Dem Antrag des Zentrums stimme er zu, denn die jetzt über das Volk hingehende Flut von Schlamm und Schmutz bezwecke nichts als eine Herabsetzung des weiblichen Wesens. Die Darstellung des Geburtsvorganges öffentlichen Theater gehöre für Jugendlich- verboten. Die Prostitution an der Kunst lehnen wir ab. Oer Brotpreis. Zu bem Protest ber Zentrumsfraktion gegen die Brotpreiserhöhung erklärt Arbeitsminister K o r e l l, Hessen habe den Reichsernährungsminister wiederholt um intensives Eingreifen gebeten. Der Aufhebung bes Nachtbackverbotes könne er nicht zustim- men. Um eine weitere Brotpreiserhöhung zu ver- meiben, sollte bie Reichsregierung entsprechende Mengen (Betreibe einführen unb unter Kontrolle abgeben. Daneben müßte bie Landwirtschaft bie Bestrebungen zur Brotpreissenkung energisch unter« ftütien. Abg. Wesp (Z.) erklärt, daß ihm zahlreiche Drohbriefe aus Däckerkreisen zugcgangen seien. (Hört! Hört!) Abg. Glaser (Lbd.) stellt fest, daß die Landwirtschaft an der Drotpreiserhöhung keine Schuld trifft. Abg. Dr. Werner (RS.) legt dar, daß gerade auch der kleine und mittlere Landwirt von den Zöllen profitiere. Erste Ausgabe bleibe die Verringerung der Preiszwischenspanne durch Räherführung von Produktion und Konsumenten. Oer GOA. fordert beschleunigte Revision der Notverordnung. Berlin, 8. Juli. (ERB.) Der Gewerkschaftsbund der Angestellten hat jetzt erneut eine umfangreiche Eingabe an d i e Reichsregierung gelangen lassen, die entsprechend der Zusage der Ueberprüfung der Rotverordnung eine entschlossene, völlige Beseitigung der außerordentlichen sozialen Ungerechtigkeiten verlangt. Dringend gefordert werden Kürzungen der Pensionen für Großpensionäre, aber auch energische Maßnahmen gegen die Preisbildung der Kartelle, Trusts und Innungen und eine Revision der Zollpolitik. Oie Gehaltskürzungen bei der Reichswehr. Berlin, 6. Juli. (TU.) Im Reichs- k a b i n e 11 besteht Liebereinstimmung darüber, dah die durch die letzte Rotverordnung bedingten Gehaltskürzungen durch besondere Zulagen für die Reichswehrangehöri- g en b i s zum Hauptmann einschließlich wenigstens teilweise ausgeglichen werden sollen, wie das auch in den einzelnen Ländern gegenüber den Angehörigen der S ch u h- Polizei bereits erfolgt oder in Aussicht genommen ist. Die Verhandlungen darüber, in welcher Form dieser Ausgleich bei der Reichswehr erfolgen soll, sind aber noch nicht abgeschlossen. Oie Wetterlage. Oslo 12l ft via Uaij .om 78 Oerll SCH Paris Toi Clermont Gei -Kl r?3's <6 üWcn -Thorsna/T^TT W? - ©Wolkenlos, ©neuer, (jnaib oedecKL ® wolkig. ® oevem tltegtrs w Schnee a Qraupein. ■ Neoei K Gewiuer.(§)windsti!le.«o-. «m- «eicnter Osi jS nissiger Südsüdwest q stürmischer Nordwesl oie Pfeuc fliegen mit dem Umde. Die oei den Stationen stehenden Zähren gehen die Temperatur an. Pir Linien VerDindcn Orte mit gleichen eut MecresniVeau umoerethnelr» Luftdruck Wettervoraussage. Die nördliche Störung hat erneut an Energie gewonnen und sich über Skandinavien zu einem Siurinwirbel mit Barometerständen von unter 735 Millimeter Luftdruck entwickelt. Infolge der starken Druckgcgensätze hat, besonders in Rord- deutschland, stürmisches Wetter eingesetzt.' Die Rückseite des Tiefs wird uns weiterhin beeinflussen und unter "lebhafter Zufuhr kühler Luft veränderliches Wetter mit Regenschauern bringen. Auch .behalten die Temperaturen noch ihre verhältnismäßig niedrigen.Werte bei. A u s s i ch t c n f ü r F r e i t a g : Weiterhin unbeständig und kühl, Regenschauer, lebhafte, um West drehende Winde. Aus der Provinzialhauptstodt. Diehen, den 9. 3uli 1931. (Seschästliche Sonntagsruhe auf dem Lande. Das Kreisamt Gießen veröffentlicht im neuesten Amtsvertünbigungsbiatt eine Bekanntmachung über die Sonntagsruhe im Handelsge- werbe a u f demL an d e. 3n der Bekannt» machung heiht eS u. a.: An Sonntagen und Äeft- tagen darf ein Dcwerbebetrieb in offenen Der- kaufSstellen nicht stattfinden. Gehilfen. Lehrlinge und Arbeiter dürfen an Sonn- und Festtagen nicht beschäftigt werden. Allerdings bestehen AuSnahme-Bestimmungen. So dürfen z. D an den drei letzten Sonntagen vor Weihnachten, an den beiden letzten Sonntaaen vor Ostern und am letzten Sonntag vor Pfingsten die Laden offengchalten werden, jedoch insgesamt nicht über acht Stunden lang und nicht über 18 Uhr hinaus. An diesen Tagen dürfen auch Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter beschäftigt werden. Für eine Reihe von Gewerben, deren vollständige oder teilweise Ausübung an Sonn- und Feiertagen zur Befriedigung täglicher oder an diesen Tagen be'onterS hervortretender Bedürfnisse erforderlich ist. sind mit Ausnahme deS 2. Öfter- deS 2. Pfingst- und deS 2. W.thnachtSfeieptagc» bestimmte Verkauf»- und DeschäftigungSzeiten zugelassen: Für Bäckereien und Konditoreien von 7 biS 9 und 11 b>» 13 Ufer; für Milch- und Rohei»ver- kaufsstejlen von 7,30 bi» 9 und 11 bi» 13 -Ubr; für Metzgereien, Handel mit Fleisch- und Wurstwaren von 7,30 bi» 9 ilfir, jedoch nur in der Zeit vom 1. April bi» 30. September: für Tabak, Zigarren und Zigaretten von 11 bi» 13 Hbr; für Gärtnereien. Obst- und Gemüsehändler von 11 bi» 13 Tlhr. für Friseure von 7,30 bi» 9 Uhr und von 11 bi» 13 Uhr. Apotheken dürfen mit Ausnahme der genormten drei Feiertage (2. Öfter-, 2. Pfingst- und 2. Weih- nachtSseleriag) an Sonn- und Feiertagen offenhalten. jedoch nur Arzneien und sonstige Mittel für die Krankenpflege verkaufen. Da» Feilbielen von Waren, so heißt es in der Bekanntmachung zum Schluß, da» Aufkäufen von Waren und Aufsuchen von Warenbestellungen, sowie da» Anbielen gewerblicher Leistungen im Umherziehen ist an Sonn- und Feiertagen verboten. Bornotizen. — TageskalendS hn 19. Jahrhundert, seine sprungartige Entwicklung zum führenden Industriestaat der Welt war von volk-politisch lehr bedenklichen Erscheinungen begleitet. 6 Millionen durchweg gesunde, kräftige Menschen wurden in diesem Jahrhundert zur Auswanderung gezwungen, weil ihnen daS Vaterland keine Lebensmöglichkeit bieten konnte. Millionen wanderten au8 dem allmählich menschenleer werdenden Osten nach den Industriestädten WestelbienS ab. Entsetzlich sind die Folgen für unser Vaterland. Die Rach» kommen jener 6 Millionen entscheiden a!8 amerikanische Soldaten im Herbst 1918 den Krieg zu unfern llngunften, wenig später brandet die slawische Welle an die Oft grenzen Deutschlands, überspült daS Land des Großgrundbesitze- und verebbt erst vor den 'BauernWörtern, deren Männer einen lebendigen Schutzwall bilden. Die neue Grenze übertrifft die schlimmsten Befürchtungen. Die Polen, aus unseren Fehlern lernend, letten sofort eine großzügige Siedlung ein. Allen finanziellen Schwierigkeiten zum Trotz wird daS geraubte Gebiet systematisch au Bauernland gemacht. Heute, nach zehn Jahren, sind jenseits der deutschen Ostgrenze fast 200 000 neue Siedlerstellen vorhanden, ihnen stehen in der uns verbliebenen Ostmark noch keine 30 000 gegenüber. Da zudem der deutsche Osten weiter durch Abwanderung geschwächt wurde, ist heute die Bevölkerungsdichle drüben ungefähr doppelt so hoch wie in der uns verbliebenen Ostmark. und eine um 75 Prozent höhere polnische Geburtenziffer macht von Jahr zu Jahr den Druck gegen unsere Grenzen unerträglicher ilnb nun betrachten wir als Ergänzung zu diesen erschütternden Tatsachen das Bild der deutschen Ostgrenzen. Ostpreußen, die Insel in slawischer Flut, Posen, der Keil nach Westen, mit seiner Spitze nicht mehr als 150 Kilometer von Berlin entfernt. Schlesien in tschechisch-polnischer Zange, es kann einem grausen vor der nationalen Gefahr, die hier aufsteigt. Wohin wir steuern, wenn eS noch zehn Jahre so weiter geht, kann eigentlich niemand mehr zweifelhaft fern, lieber alle Proteste und Kundgebungen für die Wiedergewinnung des verlorenen Landes wird das Aad der Geschichte hinwegrollen, ja die brüchigen Ostgrenzen werden weiter einbrechen, wenn es unS nicht gelingt, in letzter Stunde der nationalen Gefahr zu begegnen. lind diese letzte Stunde ist da. so sehr sich auch gewisse politische Gruppen in Deutschland gegen diese Erkenntnis sträuben mögen. Soll Deutschland leben, so kann es nur heißen- „09 l ief nach Offen und deutsche Menschen alS Siedler in die bedrohtenAäume". Steht uns doch daS beste Menschenmaterial hierfür zur 23er- fügung. Da wachsen in den deutschen Bauern- gegenben Zehntausende von zweit- und britt- aeborenen Landwirtsföhnen heran, und unter den Arbeitslosen, besonders in den kleinen Städten und Industriegemeinden, gibt es sicher Hundert- taufenöe. die noch das 3eug zu einem Kolonisten und Bauern haben. Selbst bei günstigster Entwicklung unserer Volkswirtschaft werden diese Menschen nur zum geringen Teil in den gewerblichen Produktionsprozeß neu- und wiedereingegliedert werden können. Denn Deutschland ist. diele Erkenntnis, wächst von Tag zu Tag. heute völlig überinbuftriaHficrt und kann nur gesunden, wenn feine wirtschaftliche Struktur gründlich geändert wird. So hat der bekannte Aationalökonom Professor Sombart kürzlich gefordert, daß das richtige Derhältms zwischen Landwirtschaft und Handel. Industrie usw. nicht 21:79. sondern 40:60 fein muffe. Zu erreichen ist dies nur durch Verwandlung der etwa 12 Millionen Morgen Oed- land. Moor und Heide, über die Deutschland verfügt, in Acker- und Gartenland und durch eine weitgehende Beseitigung des Großgrundbesitzes dort, wo er durch fein Vorhandensein eine nationale Gefahr darstellt, nämlich im beut« s ch e n-O st e n. Angesichts der oben geschilderten Die Riefenlustmanöver der englischen ßufftftreitfräftc in Hendon bei London. Oben links: Ein Zieldorf wird durch Brandbomben zerstört. Unten links: Parade der Militärflieger. Rechts: Mannschastsabsprünge im Fallschirm. Verhältnisse muh man daher zu der Forderung kommen, in allernächster Zeit östlich der Elbe mindestens 100 000 neue Bauern- st eilen als unüberwindlichen Damm gegen die polnische Flut zu schaffen. Mit den bisherigen Siedlungsmethoden wird man einer solchen gigantischen Aufgabe allerdings nicht gewachsen fein. Es wäre daher zu fordern: 1 Die Ostsiedlung mutz als die dringlichste nationale Aufgabe erkannt und durch eine großzügige Propaganda zur Dolkssache gemacht werden. 2. Die Siedlung muß auch solchen Menschen ermöglicht werden, die zwar über Geldmittel nicht verfügen, die aber bereit sind, ihre Arbeitskraft als Ostsiedler zur Verfügung zu stellen. 3. Die neuen Siedlungen müssen durch langjährige Abgabenfreiheit lebensfähig gemacht werden. 4. Die Siedler aus dem Westen des Reiches dürfen nicht einzeln angefetzt werden, sondern müssen mit ihren Landsleuten zu Dorf- gemein sch a f te n zu sa m m e n ge f a h t werden. Fast unüberwindlich werden jedem Deutschen die Schwierigkei!en finanzieller 21 r t erscheinen. aber auch sie sind zu überwinden, wenn man die alten ausgetretenen Wege verläßt. Deutschland ist ein kapitalarmes Land, aber dieser Mangel an Kapital kann zum Teil ausgeglichen werden durch richtige Verwendung des uns überreich zur Verfügung stehenden Produktionsfaktors Arbeit. Man kann in Deutschland für solche Aufgaben, wie sie die Siedlung nötig macht, den Straßen- und Häuserbau, die Melioration des Landes ufw. hochbezahlte Arbeitskräfte nicht ansehen. wie bas etwa Holland bei der Trockenlegung des Zuidersees sich leisten konnte, sondern wir müssen etwas ähnliches aufbauen, wie es uns die Bulgaren, die sich in einer gleich verzweifelten Lage wie wir befanden, durch ihren Arbeitsdienst vorgemacht haben. Als geeignete Form käme zunächst ein freiwilliger Arbeitsdienst in Frage, bei dem sich die Arbeitsfreiwilligen den Anspruch auf Siedlungsland erarbei- t e n. Dieser freiwillige Arbeitsdienst ist bei der Größe der Aufgabe nicht nur aus Ersparnisgründen erforderlich, sondern auch deswegen, weil man nur so die für die Siedlung geeigneten Menschen auf die Dauer gewinnen kann. Schon jetzt macht es Schwierigkeiten Menschen ausfindig zu machen, welche die 6000 bis 8000 Mk. Eigen- kapital für die vorhandenen Siedlungen aufbringen können. Das wird in Zukunft immer schwieriger werden, und soll chie Ostsiedlung über die kläglichen Erfolge — kläglich, gemessen an den Leistungen der Polen — hinausgeführt werden, dann muh man eben auf die Beibringung eigener Mittel ganz oder teilweise verzichten und als Entgelt dafür die 2lbleiftung von Arbeit entgegennehmen. Gar nicht zu umgehen ist auch die Abkehr von der Gepflogenheit, dem Siedler die Siedlung tipp topp schlüsselfertig zu übergeben. Vielmehr wird aus Ersparnisgründen ein gut Teil der Dchlußarbeiten von der Siedlergemein- fchaft, die ja über Handwerker verfügt, erledigt werden müssen. Man denke nur, unter welchen Verhältnissen unsere Auswanderer noch heute anfangen müssen, wenn sie in Brasilien oder Kanada sich eine Heimstätte gründen. Sollte nicht ein Teil dieses Kolonistengeistes, der da auf einmal vorhanden ist. auch in Deutschland aufgebracht werden? Cs wird der Fall sein, wenn die Siedler die Aussicht haben, in absehbarer Zeit Herr auf eigener Scholle zu werden. Was nun die trotz Arbeitsdienst und Kostensenkung durch sparsame Bauweise' noch immer schwierige Finanzfrage anlangt, so seien hier einige gewiß gangbare Wege gewiesen. Zunächst mühte der staatliche Besitz ganz anders als bisher herangezogen werden Das für die S'ed ungen nötige Bauholz werden die Staats- forsten zum Teil liefern können. Steine und Ziegel sind ebenfalls auf Staatsboden zu gewinnen. Bereits vorhanden sind die Etatmittel Preußens und des Reiches für Siedlung und die Summen der Osthilfe. Sie werden alles in allem für jedes der nächsten Jahre etwa 150 bis 200 Millionen Mark ausmachen und sind daher un- zureichenb. Um sie zu erhöhen, wird man vielleicht aus der Hauszinssteuer gewisse Summen flüssig machen können. Ferner stehen bei Einsatz von Arbeitsfreiwilligen sämtliche Unter- st ü hungsbeträge zur CBerfügung, die ihnen bisher bezahlt wurden. Dor allem aber wäre zu fordern, datz bei einer Revision des Doungplanes. die ja angesichts unserer Wirtschaftslage unbedingt in nächster Zeit kommen muß und wird, ein Teil der Einsparungen für die Siedlung bereitgestellt werden. Ebenso wären sämtliche Summen, die in Deutschland durch eine großzügige Reichsneugliederung und eine radikale Verwaltungsreform gespart werden — nach pessimistischen Schätzungen 500 Millionen, nach optimistischen Schätzungen 2 Milliarden jährlich — für Sted- lungszwecke zu verwenden. Ist es doch na4>- gerade ein Unsinn ja geradezu ein Verbrechen an unserm Volle, für Bcibebaltung dieses überholten Regierungs- und DerwaltungsapparateS jährlich Hunderte von Millionen zum Fenster hinauszuwerfen und bei der Siedlung, die eine Schicksalsfrage der ganzen Ration ist. mit jeder Million zu geizen. Auch an die Auflegung einer großen Kolonisationsanleide wäre zu denken, die bann sicherlich ihre Ze.-chner finden wird, wenn da- Volk erst einmal spürt daß hier ein großes Werk zur Rettung Deutschlands an- gefangen wird, und schließlich würde auch d t c deutsche Industrie, für die ja ein gewaltiger neuer Absatzmarkt geschaffen wird, für bte Finanzierung zu interessieren fein. Es find also Möglichkeiten der Finanzierung genügend vorhanden. aber sie werden nur ausgeschöpft werden von einem Dolle, das den Ern st der Lage erkennt, und alle seine Kräfte bewußt in den Dienst der Rettung des deutschen Ostens und damit der Sicherung der deutschen Ration stellt. Reben dem Einwand der finanziellen Unmöglichkeit. der bereits entkräftet wurde, kommen die Gegner einer großzügigen Siedlungspolitik immer wieder mit dem Hinweis auf die schwierige Lage der Landwirtschaft. In der Tat. diese Bedenken treffen das Wesentliche, denn die Reubesiedelung des deutschen Osten- ist nur möglich im Rahmen einer gesunden, leistungsfähigenLandwirtschaft. Sollen die neu entstehenden Bauemsiedlungen auch in erster Linie der Selbstversorgung der Familie dienen, so wird auch für sie die Der - Wertung der Ueberschüffe eine Haupt- forge bleiben. Jeder Mensch weiß heute, daß die deutsche Landwirtschaft nur gesunden kann, wenn sie sich nach dem Vorbild der benachbarten Bauernländer, wie Dänemark. Holland ufw. In noch stärkerem Maße auf die sogenannte Der - edelungsproduktion (Erzeugung von Fleisch- und Milchprodukten, Giern ufw.) ein- stellt. Standardprodukte auf den Markt bringt und das Genossenschaftswesen zur Regelung des 2lbfatzes ausbaut. Dies wird bei den Neusiedlungen insofern einfacher fein, als ja die Siedler meist jüngere, fortschrittlich gesinnte Leute sind und auch die viel größere Gleichmäßigkeit der Dodenbefchaffenheit im deutschen Osten die 2Hobernifierung eher ermöglicht, als in den landschaftlich so reich gegliederten und mit fo verschiedenen Böden ausgestattelen Gebieten in den übrigen Teilen des Deutschen Reiches Erne Selbstverständlichkeit ist es. daß für eine lieber» gangszeit der deutsche Markt durch zollpolitische Maßnahmen (auch die Landwirtschaft hat Recht auf ErziehungSzölle) vor der Heberfchwemmung durch ausländische Produkte weitgehend geschützt werden muß. Die jährlich fast 4 Milliarden betragende Einfuhr von Ob ft. Gemüse, Fleischwaren. Milch, Käse. Eier usw , Erzeugnisse. die wir zum überwiegenden Teile im 3n- lande genau so gut und billig Herstellen können, muß ganz wesentlich herabgedrückt werden, selbst auf die Gefahr hin. datz unsere industrielle Ausfuhr nach den betroffenen Ländern nachläßt. Vergessen wir nicht, daß die deutsche Industrie durch einen bann kaufkräftigen Bauernstand mehr als reichlich entschädigt werden kaum Schon bricht sich die Erkenntnis, daß eine Reu- besiedlung des deutschen Ostens aus nationalen und wirtschaftlichen Gründen das Gebot der Stunde ist, allerorten 23abn. Das deutsche Bauerntum, bisher häufig gleichgültig oder sogar ablehnend eingestellt, beginnt die große Möglichkeit für die Unterbringung seines Nachwuchses zu ahnen. Teile der hündischen Bewegung (wie z. B. der Iungdeutsche Orden), der Jugendbewegung (z. D. die Evangelischen Iungmännerbünde) und Kreise der deutschen Studentenschast gehen praktisch an das Siedlungswerk heran. Aber noch fehlt in der breiten Malle unseres DolkeS. vor allen Dingen in der Großstadtbevölkerung, das richtige Verständnis für diese schicksalsschwere Frage Es zu wecken, wird die Qlufgabe aller Gutgesinnten aus allen Lagern sein müssen. Denn nur eine ganz große Volksbewegung wird es schaffen können, das deullche Schicksal in letzter Stunde zum Guten zu wenden. 0er Apfel vom Daum der Erkenntnis. (Erzählung undGleichnisvonAlbrechtSchaeffer Ein König in Persien, der dem Tode erlag, bevor er einen männlichen Erben zeugte, hinterließ eine einzige Tochter von großer Schönheit namens Gülnare Run sollte nach dem Gesetz die Krone mit der Hand der Prinzessin demjenigen gehören, der in gefährlichen Kamvfspielen sich alber erste an Kraft und Kühnheit erwiefe. Das Schicksal aber wollte es. daß. als diese Turniere vollzogen wurden, vier Ritter verblieben, die ununterscheidbar waren an Arm» und Herzkraft. In ihrer Ratlosigkeit nun erinnerte sich die Prinzessin eines früheren Wortes ihrer lange verstorbenen Mutter: daß sie dem Ruf ihres Kinbes aus der Seligkeit folgen würde, wenn er aus einer großen Rot $u ihr dränge. Also ging Gülnare bei Rächt in die Einsamkeit des Gartens, und sie hatte kaum den Ramen der Toten gerufen, so quoll ein Schein aus dem Dunkel und die Verstorbene stand vor ihr in blühender Gestalt, als ob sie lebte, an ihren Dusen mit den Armen drückend vier schimmernde Aepfel: ..Ich kenne", sprach sie, »deine OSerlcgenljeit, mein Kind, nimm diese Aepfel an dich, die sie dir lösen werden. Es sind Früchte vom Daum der ©rfenntniS, und alle find sie von gleicher Kraft: jeder verzehrt den, der ihn verzehrt. wenn er nicht berufen ist." -Wie kann ich aber“, sprach die Tochter, sich fassend, »vier Männer vergiften?" »Du sollst es nicht tun. Weil sie vielleicht dir nicht glauben würden, so lasse jeden geheim, daß niemand es weiß, in eine Kammer gehen, nachts, und ich werde felbcr hineingeben zu jedem, ihm einen 2lpfel hinlegen und ihm sagen, datz er ellen mag. wenn er sich berufen glaubt, und sterben wird, toenn er es nicht ist. Morgens komme ich dann zu dir und führe dich hin." Die Mutter lächelte, nickte und schwand. lind am Morgen nach der Rächt, in der die vier Ritter die Kammer betreten hatten, erschien die Mutter ihrer Tochter, und fic gingen zur erften. Sie war ganz leer; der Apfel hatte feine Kraft bewährt, und die 2Itutter sagte: .Dieser war rasch wie ein Held. Richt einen Ru kamen ihm Zweifel an feiner Berufenheit; er griff zu. aß und wurde verzehrt." Sie betraten die zweite Kammer, in der nichts war wie in der ersten. „Dieser", sprach die Mutter. ..wurde bleich: aber er würgte seine Zweifel mit der Schlinge des Hochmuts, aß und wurde verzehrt." Leer war auch die dritte Kammer. ..Wenn du", sagte die Mutter, „das Antlitz von diesem gesehen hättest, als er aß, so hättest du das deine darin gesehen wie im Spiegel. Zum König war er daher nicht berufen Komm in die letzte Kammer!" Gülnare aber zauderte vor dieser Türe, und über ihrem pochenden Herzen schwebte der Rame Iussuff zu ihren Lippen. „Oeffne“, sagte die Mutter und löste sich in ein Lächeln auf. Die Tür sprang auf, im Lamven- schein erblickte Gülnare auf dem Tisch einen Apfel, der keine Spur eines Bisses zeigte; im Schatten aber stand ein Mensch an der Mauer, bleich und mit brennenden Auqen Er sagte: .Du Gülnare. wirst es in alle Ewigkeit Feigheit nennen, und ich habe doch im Kamps nicht norm Tode gezittert. Aber", er stockte und sprach: »ich wußte nicht und ich weiß nicht, ob ich berufen bin." Er senkte den Kops und schritt an ihr vorüber. Riemand im Land sah ibn mehr. Federmann 32. Folge. Bon Hans JRiebou. Dellrekord. - Der Kapitän der Europa", erzählt Mücke, „hat das blaue Band bekommen." ..Das blaue Band?" fragt Federmann. „Wofür denn?" ..Er hat", sagt Mücke, „er hat auf der ersten Awierikafahrt der Europa den Weltrekörb ge- b rochen." ..Komisch", schüttelt Federmann den Kops, und ich dach:>2. Kapitäne würden überhaupt nicht mehr seekrank." Der AnglückStag. Ein Flieger sitzt mit am Stammtisch. ..Das war ein verteufe.ter Tag damals", erzählt er. . Sechstausend Meter über der Front, Döen, daß ich nicht mehr wußte, wo vorn und hinten war. dabei bockte der Motor. und schließlich noch einen Schrapnelltreffer ins Tragdeck — was blieb mir anderes übrig, als abzuspringen? Rur gut. daß ich einen Schirm da hatte" ..2lch", sagte Federmann und setzt sein Glas hin. „geregnet hat es auch noch?" Störung. Federmann sprengt den Garten. Plöhlch fängt an zu regnen. „Verflucht", murmelt Feder- mann und dreht den Hahn ab. „nun werde ich w'eder mit dem Svrengen nicht fertig.“ Adoption. Dchonke hat ein 25aby adoptiert. Don einer englischen Mutter. „So ein Unsinn“, sagt Federmann, „was willst du denn eigentlich machen, wenn das Kind erst anfängt zu sprachen? Du kannst doch gar nicht englisch." Ahvenkauf. Federmann will eine Uhr kaufen. Eine moderne große Uhr. „Diese Wanduhr“, sagt der 2krläufer, „geht sieben Tage, diese Standuhr vierzehn Tage. Und diese Glaskuppeluhr sogar ein volles Jahr.“ Danke", sagte Federmann, „dann behalte ich lieber meine alte Uhr. Die geht schon dreiundzwanzig Jahre." Telephon. Horniebel kommt zu Besuch „Ich wollte gerade ausgehen", sagt Federmann, „warum hast du mch denn nicht vorher angerufen?“ .Angerufen?" fragt Horniebel. „Hast du denn ein Telephon? Das habe ich ja gar nicht gewußt." „Aber Menschenskind". sagt Federmann, „lieft du denn lein Telephonbuch?" Dr. Eckener. Sebermann geht spazieren. Plötzlich bleibt er stehen, guckt einen Herrn, der einen grauen Spitzbart hat. an und stürzt auf ihn zu. „Verzeihung", sagt er. „sind ©ic nicht Hugo Eckener?" Dr. Hugo Eckener lächelt. „Jawohl", sagt er, „das bin ich.“ „Menschenskind, Hugo!“ schlägt ihn Feder- mann auf die Schulter. „Weißt du noch, wie wir in Flensburg in die Schule gingen? Run sag' mal, was ist beim eigentlich aus dir geworden?" Betrug. „Ich bin", erzählt Mücke, „vor ein paar Jahren mit einer Eisenbahnkarte und weiter gar nicht- von Hannover nach Berlw gefahren.“ „Die Eisenbahn", nickt Federmann, „die Eisenbahn kann man leicht betrügen. Ich bin einmal mit einer Rückfahrkarte von Hamburg nach Stettin gefahren. Aber zurück habe ich — haha — ein Auto benutzt.“ Lokalrunde. Federmann will einen Witz machen. Feder- mann geht in ein kleines Lokal und sieht: et ist der einzige Gast. „Herr Wirt", sagt er und kneift die Augen zusammen". „eine Lokalrunde." Der Wirt nickt. Rimmt ein Glas, schenkt ein. Rimmt ein zweites Glas, schenkt ein. Rimmt ein drittes, viertes, fünftes, sechstes —. Federmann guckt zu. „Ranu?" sagt er schließlich. „Was wollen Sie mit all dem Bier?" „Was ich mit dem Bier will?" sagt der Wirt und stößt eine Tür auf. „Hier nebenan ist es gerammelt voll." Zeitschriften. — Die Heberfrembung bet beutschen Wirtschaft durch Kapitaleinfuhr ist heute ein schwerwiegendes wirtschaftspolitisches Problem geworden. 2le» gierungsrat Dr. H. Schmalz behandelt dieses fesselnde Problem im neuen Heft der Leipziger „3(luftrirten Zeitung" (Derlag I. I. Weber). Kinderaufnahmen einst und jetzt so heißt das Thema eines anderen Beitrags. Selten wird einem die Wahrheit des Satzes „Andere Zeiten, andere Welten" so klar, wie bei dieser Gegenüberstellung von Bildern aus den Iugend- tagen unserer Großväter und den modernen Kin- deraufnahmen. Berichte aus fernen Ländern, eine Riemenfchneider-Würdigung. Photoratschläge, ausführliche Modenbearbeitungen. Bilder aus der Tagesgeichichte, wertvolle künstlerische 23eigaben ergänzen den Inhalt des Heftes. Oie Folgen der Ltnwetter-Katastrophe im Erzgebirge. Die Verwüstungen des Hochwassers im Antonstal bei Schwarzenberg, wo der Wasserstrom riesige Bäume entwurzelte und Häuser einriß. ■ . -EP ; v, • - < V o j Sa ...... Zerstörte Eisenbahnstrecke beim Bahnhof Erla zwischen Schwarzenberg und Johanngeorgenstadt. 9JL-$poit Südwestdeutsche Hochschulmeisterschasten in Freiburg. Hießen läuft Hochschulrekord in der Schweden- stafsel. Die Universität Gießen hat in diesem Jahre eine zahlenmäßig und sportlich recht starke Vertretung nach Freiburg entsandt, die aus einer Faustballmannschaft und 12 Leichtathleten bestand. Die Uebcrraschung des ersten Tages brachte die Faustballmannschaft, denn es gelang ihr, sämtliche Spiele der Dor- und Zwischenrunde hoch zu gewinnen mit dem fast gleichmäßig in allen Spielen hohen Punktvorsprung von durchschnittlich 16 Punkten gegen die Universitäten Freiburg, Heidelberg, Marburg und Stuttgart. Im Endspiel standen sich die beiden hessischen Hochschulen Darmstadt und Gießen gegenüber. Die Gießener -Mannschaft war nicht in der guten Form des Dortages und verlor nach dramatischem Kampfe in der letzten Minute mit 2 Punkten. Die Ausstellung war: Loh I, Pfeffer, Reinhard, Trapp, Loh H (alle A.T.V. Rhein- franken). Die Universität Ziehen konzentrierte sich hauptsächlich darauf, den Hochschulmehrkampf zu gewinnen, der nach den Leistungen der 2 Fünfkämpfer und den Ergebnissen der 4X100-Meter- und Schwedenstaffel gewertet wurde. Deshalb verzichteten Eldracher und Mehner auf den Start in den Einzelläufen. Müller schied leider schon im Dorlauf gegen den Favoriten Riermann - Frankfurt, Brust- breite zurück, aus. In der 4xl00-Meter°Staffel kam Gießen mit einer Dorlaufzeit von 44.2 Sek. in die Entscheidung. Im Endlauf lief die Mannschaft Eldracher II, Müller, Eldracherl, Mehner ein ausgezeichnetes Rennen. Besonders Eldracher I und Mehner entschieden durch ihren hervorragenden Lauf den knappen Sieg in 43 8 Sek. Leider wurde die Mannschaft um den Sieg gebracht, da angeblich Mehner und Eldracher I die Wechselmarke überlaufen haben sollten, was aber absolut den Tatsachen nicht entsprach. Durch diese Fehlentscheidung wurde Gießen auch um den sicheren Sieg im Hochschulmehrkampf gebracht. Die Schwcdenstaffel 400, 300, 200, 100 gewann die Universität Gießen mit Meßner, Eschenrbder, Müller, Eldracher I in der Zeit von 2,02 Min. Die Zeit bedeutet einen neuen Hochschulrekord. Schon über 400 Meter holte Mehner gegen den bekannten D a n z- Marburg über 10 Meter Dorsprung heraus, der im Ziel 15 Meter vor der Universität Marburg betrug. An Einzelkämpfen gewann Mehner mit 12,85 Meter das Kugelstoßen, ferner belegte Weil mit 1,70 Meter den 2. Platz im Hochsprung. Eine Derlehung schied chn leider aus der weiteren Konkurrenz aus. Im Fünfkampf belegten die Gießener Dertreter den 4 , 5. und 7 Platz. Die Universität Gießen kann mit diesem Erfolg — 2. Platz im Hochschulmehrlampf — als kleinste Universität des Kreises VI vollauf zufrieden sein. Dom weißen Sport. Gießener Tenmsklub 1922 — Tennisklub Bad Homburg 18:9. Der Wettkampf auf den neuhergerichteten Plätzen im Bad Homburger Kurpark war ein voller sportlicher Erfolg. Das Wetter erwies sich als günstig, es gab eine Reihe sehr spannender Kämpfe, und Gießen konnte seine Ueber- legenheit beweisen. Frl. Berg stieß in Frl. Lauenstein-Homburg auf eine begabte Schülerin mit wunderschönen harten Schlägen und muhte sich trotz ihres guten Spieles 6:1, 6:1 geschlagen bekennen. Alle anderen Gießener Damen gewannen glatt. Bei den Herren machte sich das Fehlen des Gießener Spitzenspielers Dr. Fischer bemerkbar. Die drei Ersten von 10 Herren-Einzelspielern gingen verloren. Gute Kämpfe gab es im Herren» doppel. Dr. Schopper—K. Fischer hatten gegen die schon vor dem Krieg bekannten Gebrüder v. Lersner zu spielen, die ein routiniertes Doppel zeigten und knapp 7:5, 6:4 gewannen. Das zweite Herren-Doppel gewannen die Homburger Dr. Eckhard—Eayard gegen v. Grolman—Altkemper 6:2, 6:3. 3m dritten Herren-Doppel zeigte sich Müller in hervorragender Form, seine herrlichen Dorhandschläge sahen mit unheimlicher Sicherheit. Trotzdem gewannen die Homburger Leonhard—Theophile 0:6, 6:2, 6:2, durch grö» Here Sicherheit und etwas Glück. Im gemischten Doppel konnten Frau Dumur—Altkemper einen schönen Sieg über Frl. Lauenstein—Theophile mit 6:2, 11:9 buchen. Die übrigen vier gemischten Doppel fielen gleichmäßig an Homburg und Gießen. Am kommenden Sonntag spielt der Klub in Bad-Rauheim gegen den dortigen Tennisklub. Schützen-Verein. Bei dem In Alsfeld stattgefundcnen Der - bandsschiehen des Bezirksverb an- des Hessen--Rassau nahm das Gesellschaftsschießen eine Hauptstellung ein. Bier- zehn Dereine stellten eine Mannschaft von je drei Mann, die mit je 15 Schuß auf Stand 175 Meter um die Meisterschaft des Dezirks- verbandes stritten. Dem Schühen-Derein Gießen gelang es, sich nach scharfem Kampf an die zweite Stelle zu setzen. Die sechs besten Dereine waren: 1. Marburger Schützenverein 574 Punkte, 2. Gießener Schühenverein 550, 3. Betzdorf 526, 4. Siegen 510, 5. Biedenkopf 453, 6. Alsfeld 426. Aus diesem Schießen ging mit 202 Punkten Georg Schilling als zweitbester hervor. Im Schnellfeuerschiehen konnte Heinrich Appel den 2. Preis und auf der 100-Meter-Festscheibe gleichfalls den 2. Preis erringen: auf der Festscheibe 175 Meter und 300 Meter wurde er 9. bzw. 7. Sieger. Einen schönen Erfolg, und zwar den 1. Preis auf die Pistolen-Meisterscheibe. sicherte sich Willi Georg, neben zwei 11. Preisen auf die Festscheiben. Hermann Sauer erschoß auf die 100-Meter-Meisterscheibe den 2. Preis, auf die 100-Meter-Festscheibe den 9. Preis und konnte auf der 175-Meter-Fest- scheibe noch den 7. Preis erringen. Verkehrsdisziplin auch auf der Lahn! Line Mahnung des Vereins Uferkritik. Dom Verein Aferkrittk, der in diesem Jahre wieder seine Tätigkeit ausgenommen hat und durch die aus seinen Beobachtungen geschöpften Anregungen der Sache des Wassersportes in der verschiedensten Form dienen will, werden wir um die Veröffentlichung folgender Anregung gebeten: Der lebhafte Rudertrainingsbetrieb einerseits, der in diesem Jahre auf der Lahn herrscht und der gerade jetzt kurz vor der großen Regatta eine wesentliche Steigerung erfahren hat, anderseits der stark angewachsene Paddelsportbetrieb, läßt es notwendig erscheinen, darauf hinzuweisrn, daß auch auf der Lahn eine gewisse ^Verkehrsregelung" platzgreifen muh. Im Interesse aller Wassersporttreibender liegt es, daß besonders während des Rudertrainingsbetriebes von den Paddelbootfahrern möglichst die rechte Flußseite Ungehalten wird. Es ist dies besonders deshalb zu empfehlen, weil doch die größeren Ruderboote nicht über die Wendigkeit verfügen können, die notwendig ist, um einen Anfall auf dem Wasser ml verhüten, der eventuell durch ein Paddelboot in der Fahrlinie heraufbeschworen worden ist. Ganz abgesehen von der Gefahr für Menschenleben uni) Gesundheit, die durch das Kentern eines Bootes, durch einen Zusammenstoß heraufbeschworen wird, ist auch der Materialschaden nicht unwesentlich, der an den Ruderbooten entstehen kann. Gleichermaßen sollten sich Schwimmer, die in der offenen Lahn ihren Sport betreiben wollen, so verhalten, daß nicht das Training dec Rudermannschaften gestört toirö; Bei gegenseitiger Bereitwilligkeit und dem notigen Verständnis wird es sich leicht ermöglichen lassen, daß sich auch auf der Lahn eine Verkehrsordnung herausbildet, die jeden Anfall verhüten hilft, sofern sich jedermann den vorläufig noch ungeschriebenen Gesetzen fügt. Mannschastskampf der Turnvereine. Kinzenbach, Rodheim, Launsbach. Der im vorigen Jahr zum erstenmal in Kinzenbach ausgetragene Mannschastskampf erfuhr am Sonntag seine 2. Auflage in Launsbach. Während 1930 der TV. Rodheim den Sieger stellte, konnte in diesem Kampf kein offizieller Sieger ermittelt werden, da die beiden Mannschaften der Vereine Kinzenbach und Launsbach nach einem hartnäckigen Ringen, das mit der letzten Konkurrenz den Gleichstand brachte, gleiche Punktzahl erreichten, während Rodheim mit 12 Punkten Abstand folgte. Der Kampf wurde auf dem neueingeweihten Sportplatz Launsbachs abgewickelt und zeigte mitunter schöne Leistungen. Rach stehend die Ergebnisse: 100 Meter. 1. Schieferstein, L., 12,7. 2. Schlierbach, R. 3. Schmidt, R. 4. Leib, K. 4X100 Meter. 1. TV. Rodheim. 2. TV. Krnzeübach. 3. TV. Launsbach. Weitsprung. 1. Schieferstein, L., 6,24 Meter. 2. Schlierbach, R., 6,02. 3. Winter, L., 5,77. 4s. R. Depler, K. Hochsprung. 1. Schieferstein, L., 1,55Meter. 2. Schlierbach, R., 1,55. 3. Schmidt, R., 1,50. 4. H. Winter, L. Den ersten Platz erreichte erst durch Stechen Schieferstein. Stabhochsprung. 1. W. Depler, K., 3,10 Meter. 2. E. Keller, R., 2,90. 3. L. Depler, K., 2,80. 4. Reeh, R. Der Sieg Deplers war nie gefährdet. Kugelstoßen. 1. E. Winter, L., 10,63 Meter. 2. R. Depler, K.. 9,86. 3. W. Depler, K., 9,61. 4. Schlierbach, R. Winter lag mit sämtlichen Würfen stets vorn und siegte sicher. S t e i n st o ß e n. 1. W. Depler, K. 2. W. Hörr, L. 3. E. Winter, L. 4. L. Depler, K. Schleuderballwerfen, 1. W. Depler, K. 2. W. Hörr, L. 3. L. Depler, K. 4. R. Schmidt, R. Diskuswerfen. 1. G. Winter, L., 31,09 Meter. 2. R. Depler, K., 29,65. 3. W. Depler, K. 4. W. Hörr, L. Der Sieger zeigte eine schone Technik. Speerwerfen. 1. W. Leib, K., 40 Meter. 2. R. Schmidt. R., 38,93. 3. R. Schiefexstein, L.. 35,20. 4. E. Winter, L. Der Speerwurf brachte insofern eine große Aeberraschung, indem sich der alte Gaumeister Schmidt, R., von Leib schla- gen ließ. Gesamtergebnis: Kinzenbach 69 Punkte, Launsbach 69, Rodheim 57. Der Kampf war von Anfang an stets spannend. Während in den ersten Konkurrenzen Launsbach durchweg im Vorteil war, kam Rodheim später etwas auf, um aber bald Kinzenbach den Vortritt zu lassen. Rach dem Austrag des Diskuswerfens stand der Kampf noch mit nachstehender Punktzahl klar zugunsten Launsbachs, dessen Sieg allgemein angenommen wurde. L. 52 P., K. 39. R. 35. Dadurch, daß Kinzew- bach in den nachfolgenden Konkurrenzen (Speerwerfen, Schleuderballwerfen und dem Stabhochsprung) jeweils die ersten Plätze belegen konnte, war dieser Vorsprung bis auf einen Punkt wieder aufgeholt, und mit dem 2. Platz, den'die Mannschaft in dem letzten Bewerb der 4xl00-Meter- Staffel errang, der Gleichstand erzwungen. — (K. — Kinzenbach, L. — Launsbach, R. — Rod- heim.) Zubiläumsfest - des Lahn-Oünsberg-Gaues. Am 11., 12. und 13. Juli begeht der Lahn- Dünsberg-Gau im ADT. fein 25jähriges Stiftungsfest verbunden mit der Bannerweihe des Tv. Londorf. Die Vorbereitungen sind in vollem Gange. Der Verein wird sich der Zeit entsprechend die größte Mühe geben, den Turnern und Gästen den Aufenthalt so an- gendhm wie möglich zu gestalten. An den Wettkämpfen nehmen etwa 300 bis 400 Turner und Turnerinnen teil. Am Samstagabend findet in der Volkshalle in Londorf ein Iubiläumskommers statt, bei dem Aebungen der Gauriege, Reigenfahren des Radfahrervereins Londorf usw. vorgeführt werden. Handball im Gau Hessen (O.T.) Tv. Lang-Göns — TV. Hochelheim. Am Sonntag hatte der Tv. Lang-Göns drek Mannschaften im Felde stehen. Gegner war der Tv. Hochelheim. Die Lang-Gönser mußten sich sehr anstrengen, um ein einigermaßen ehrenvolles Resultat herauszuholen. Infolge Absage von mehreren Spielern muhten die beiden aktiven Mannschaften ersatzgeschwächt die Spiele bestreiten. Die Ergebnisse: Tv. Lang-Göns I — Tv. Hochelheim l 4:7 (3:5); Tv. Lang-Göns II — Tv. Hochelheim II 1:1 (1:1); Tv. Lang-Göns Schüler gegen Tv. Hochelheim Schüler 0:3 (0:1). Auch die Schüler waren von vornherein gehandicapt, zumal in der Schülermannschaft von Hochelheim mehrere Jugendliche mitspielten, gegen die sich die kleinen Lang-Gönser, meist elf- bis dreizehnjährige Buben, nicht durchsetzen konnten. TV. Klein-Linden — Tb. Griedel 3:9 (1:6). Am Sonntag standen sich in Klein-Linden die erste Handballmannschaft des Tv. Klein-Linden und die Erste des Tv. Griedel gegenüber. Trotz großen Spieleifers und einer körperlich starken Mannschaft muhte sich Griedel mit 3:9 (Halbzeit 1:6) der gewandten und spielsicheren Mannschaft Klein-Lindens beugen. Die beweglichere und sehr flinke Schülermannschaft Dutenhofens besiegle die Schülermannschaft von Klein-Linden mit 2:1. TV. Allendorf (Lahn) — TV. Wetzlar komb. 4: 7. Zwei gleichwertige Gegner lieferten sich ein äußerst schnelles, bis zum letzten Moment spannendes, aber auch hartes Spiel. Das Schluher- gebnis entspricht nicht ganz dem Spielverlauf. Gin Anentschieden wäre gerechter gewesen. TV. Allendorf Igd. — TV. Wetzlar 2. Igd. 0:5. Wetzlar gewann verdient über die ersatzgeschwächten Allendörfer, da diese nicht mit den gewohnten Leistungen aufwarteten. Kurze Sporinoiizen. DieDeutscheHochschule fürLeibeS- Übungen weilte am Wochenende in Amsterdam und erntete für ihre Vorführungen in der Gymnastik anläßlich des Internationalen Turnfestes reichen Beifall. In der 4xl00-Meter- Staffel belegte die Mannschaft nur den zweiten Platz, da die Schlußläuserin gestürzt war. Geschichten ans aller Welt. Rosen in Holland. (r) Amsterdam. Eine der größten holländischen Blumenzüchter- Organisationen ist die Vereinigung ,.Nos jungunt rosae", d. h. „Uns einen die Rosen . Diese Vereinigung, der die größten und bekanntesten Züchter des Königreiches angehören, veranstaltet, in jedem Jahre einen Blumenkörso zwischen dem Haag und Sche- veningen, der im Lause der Jahre zu einem wahren Volksfest geworden ist. Leider aber scheint sich das innere Leben dieser Vereinigung nicht mehr ihres zarten und blumigen Namen bewußt zu sein, denn von der jüngst abgehaltenen Generalversammlung der Vereinigung werden schreckliche Dinge gemeldet. Danach besteht schon seit geraumer Zeit ein scharfer Gegensatz zwischen dem ersten und dem zweiten Vorsitzenden, die beide verstanden haben, einen großen Teil der Mitgliederschaft auf ihre Seite zu ziehen. Auf der letzten Generalversammlung explodierte das Pulverfaß: nach einer erregten Debatte, in der es nicht an den abscheulichsten Verbalinjurien fehlte, kam es zu einer wüsten Schlägerei, bei der das Mobiliar des Versammlungsraumes zertrümmert, fünfzehn Mitglieder mehr oder minder schwer beschädigt wurden und schließlich die Polizei ein- greifen mußte, um weiteres zu verhindern.-- Man sieht: die holde Blume der Eintracht scheint nicht gerade zu den hervorragendsten Zuchtergebnissen der Herren zu gehören. Und angesichts der letzten Ereignisse soll sich eine Anzahl von Mitgliedern zu einem Antrag vereinigt haben, den Namen des Bundes zu ändern. „Nos jungunt rosae“ — das scheint ihnen nicht mehr ganz zeitgemäß. Türkische Heiraten. P. Stambul. Seitdem man im Jahre 1927 zum ersten Male in der Türkei eine Volkszählung nach europäischen Begriffen unter der Leitung eines belgischen Statistikers obgehalten hat, deren Ergebnis allerdings nach Ansicht der Kenner des Landes kaum den Tatsachen entsprochen haben dürfte, wie sich jetzt bei der Aufstellung der Wahllisten ergibt, ist die Statt» stik in der Türkei endlich, eine Dauereinrichtung bet den türkischen Behörden geworden. So erfährt man erstaunliche Dinge. Da ist z. B. dieser Tage die amtliche Heiratsstatistik für das Jahr 1929 erschienen, die besagt, daß in jenem Jahre in der Türkei 18 279 Ehen in den Städten und 26 048 Ehen in den Dörfern abgeschlossen worden sind. Man erfährt ferner, daß etwa die Hälfte der in die Ehe Steigenden in einem Alter zwischen 19 und 24 Jahren stehen. Das sind statistische Daten, die nicht viel besagen, höchstens einen Rückschluß auf Bevölkerungszahl und -dichte sowie auf die Wirtschaftslage der Bevölkerung zulassen. Worüber sich aber die Presse mit Recht ausregt, das sind die „mariages dispropor- tionnös“, die verrücktesten Heiraten von Leuten, die gar nicht zusammen paffen. Da ist z. B. ein Bauer genannt, der im Alter von 75 Jahren ein junges Mädchen von 19 Jahren heiratete. Eine Bäuerin von 79 Jahren hat sich einen jungen Mann von 19 Jahren zum Ehegespons ausgesucht. In den Städten gibt es noch tollere Verrücktheiten. Zwei Beispiele beweisen es. Ein Mann von 69 Lenzen hat sich eine Ehehälfte von 19 Jahren gewählt, und auf zwei Frauen von je 69 Jahren sind zwei Jünglinge von 17 Lenzen hereingefallen, die kaum trocken hinter den Ohren sind. Solche unpassende Ehebündnisse wären in früheren Zeiten einfach unmöglich gewesen. Daten für Donnerstag. 9. Juli. Sonnenaufgang 4.19 Ahr, Sonnenuntergang 20.40 Ahr. — Mondaufgang 0.14 Ahr, Monduntergang 14.31 Ahr. 1440: der holländische Maler Ian van Eyck in Brügge gestorben; — 1677: der Dichter Johann Schestler (Angelus Silesius) in Breslau gestorben; — 1807: Friede zu Tilsit zwischen Frankreich und Preußen; — 1826: Schillers Gattin Charlotte in Bonn gestorben; — 1915: Kapitulation der deutschen Echntztruppe von Deutsch-Südlrestafrika. Hessischer HauOerein derGustav-Adols-SWng. 88. Hauptversammlung. Groß-U mftadt. 7. 3 ult Zu feinet 88. Hauptversammlung hatte der Gustav-Abolf-Der- cm da- evangolilchc Hessen land nach Groß-Um- stadt berufen. Der Torrmttaq de- ersten Fest- tage- brachte Feftgotto-dienst« in Stadt und Dekanat Groh-Umstadt, in welchen Vertreter ter Diaspora au- der Nähe unb der Fern« die Notwendigkeit der Gustav-Ado'.sarbeit vor Äugen sühnen 3n Groß-Umstadt sprach Pfarrer und Schuldirektor R e i m e r s ch - Kronstadt (Siebenbürgen) am Vormittag, während der scst- l>chc Gokiesdienst de- Nachmittags von Psarrer D. Mahnert- Innsbruck aeha.ten wurde. In packenden ÄuSsührungen wühle der Redner die Gustav-Ldols-Arbeit für die Glauben-genossen zu schildern. Im Hamen der Kirchenregierung und des Landeskirchen amte- grühte Prälat l). Dr. Dr. Diehl die Festgencinde und würdigte die Bedeutung der Gustcw-Ädolf-Vereinc. E-.n stattlicher Festzug bewegte sich am Nachmittag durch di« festlich geschmückten Ströhen d«r Stadt nach dem Hofe der Oberreallchule. wo die große öffentliche Kundgebung, und Volk-versommlung statttand. Der Vvr- fihende de- Hessischen Dustav-Ado'.f-Haupiver- ei.nes. Freiherr F). Dr. Hey! zu Herrn-hetm. hielt die Begrühung-anfprache Tinen Druh au- d«m fernen Siebenbürgen bracht« Psarrer Rei - mersch au- Kronstadt, der datauf hinwie-, dah die Eintracht jenen versprengten Splitter deutschen Volk-tum- im heutigen Rumänien davor bewahrt hat, in sremdem Volk-tum und Glauben unterzugehen. Frau Psarrer Cie. Claußen au- Hüsby berichtete sodann von ihrer früheren Tätigkeit in Steiermark. AuS Tirol und besonder- von der evangelischen Pfarr- gemeinde Innsbruck grühte Pfarrer D. Mahnert. Gin Familienobend brachte die offiziellen Begrüßungen. Verwandte Organisationen, ttr.e der VDA. und der Evangelische Bund tauschten mit dem Gustav-Abols-Verein Grüße auS. nachdem der Verein-Vorsitzende Freiherr Hehl zu Herrn-He:m die Gäste begrüßt hatte. Für Den LandeSkirchentag sprach dessen Präsident, Archivdirektor Dr. H c r r m a n - Darmstadt, für da- Dekanat Dekan R ei ch e r t - Lengfeld, für kn« Stadt Bürgermeister Lampe- Groß-Um- stadt. Der zweite Tag war zunächst der Der- waltung-ratSsihung gewidmet. Die zahlreichen Vertreter der Gustav-Adolsarbeit nahmen zunächst den Jahresbericht de- Schriftführer- Pfarrer Wagner Prozent, Svenska w.eder um 4 Mark befestigen. Reichsschuldbuchforderungen nach Iproz. schwächerem Beginn wieder erholt. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M, 9. Juli. Austrieb: 77 Rinder, 923 Kälber, 184 Schale. 752 Schweine. Es notierten: beste Mast- und Saugkälber 50 bis 56, mittlere Mast- und Saugkälber 44 bis 49, geringe Ääl.cr 35 bis 43, Mastlämmer und jünger« Mast- hämmel, Weidemast, 40 bis 45, mittlere Mast- tämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 35 bis 39: vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 41 bis 44, von etwa 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 42 bis 45, von etwa 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 41 bis 45, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 38 bis 41 Mark. Marktverlauf: Kälber und Schafe schleppend, ausverkauft: Schweine ruhig, geräumt. Berliner Produktenmarkt. Berlin, 8. Juli. Die Erholung am Produktenmarkte machte heute weitere Fortschritte. Das Jnlandangebot von Drotgetreide neuer Ernte, insbesondere zur kurzfristigen Lieferung, hat sich infolge des regnerischen Wetters vermindert und verschiedentlich glaubt man, daß bei Anhalten der gegenwärtigen Witterungsverhältnisse auch das Offertenmaterial von Vrotgetteide alterßmte wieder etwas mehr Beachtung finden wird. Für Weizen und Roggen neuer Ernte bewilligten Mühlen und Händler etwa 2 Mark höhere Preise als gestern, wobei für Weizen die Tatsache stimulierie, daß bereu3 gestern nachmittag verschiedentlich Abschlüsse in Weizenmehl für die neue Campagne zustande, gekommen sind. Am Lieferungsmarkte setzte Weizen bis 1,50 Mark, Roggen bis 2,50 Mark fester ein. Weizen- und Roggenmehle zur prompten Lieferung haben bei behaupteten Preisen kleine- Dedarfsgeschäft. Dberßeffen. Stadtvorstand in Alsfeld. X Alsfeld, 8. Juli. In der jüngsten Sitzung de» Stadtrate- wurde zunächst über die Errichtung der Kläranlage verhandelt. Nachdem di« ministerielle Genehmigung zur Erbauung bet Anlage erteilt ist. wurde beschlossen, mit der Ausführung der Arbeiten sofort zu beginnen. Nach dem Angebot beläuft sich die Desamtkostensumme auf rund 48 000 Mark. Zur Wasserversorgung der Stadt wurde vom Vorsitzenden mitgeteilt, daß der im Sommer, in der heißen und trockenen Jahreszeit, manchmal austretende Wassermangel Veranlassung gegeben habe, sich mit der Beseitigung des Uebelstandes eingehend zu belassen. Di« vom Kulturbauamt gemachten Vorschläge sehen eine Erweiterung deS Hochdruckbehälter-, sowie die Legung einer besonderen Leitung nach dem Behälter und eine Ouellsassung im Gebiet der Niederdruckleitung mit verschiedenen Nebenarbeiten vor. Die Gesamtkvsten diese- Projekt- werden sich auf ungefähr 100000 Mark belaufen Die vom Kulturbauamt gemachten Vorschläge wurden zur Kenntnis genommen, doch muß beten Ausführung wegen Mangel an Mitteln in Rücksicht auf die allgemein schwierigen Wirtschafts- Verhältnisse vorerst zurückgestellt werden. Aus eine im vergangenen Frühjahr «ingereichte Beschwerde von Al- selber Handwerksmeistern wegen Verteilung von städtischen Arbeiten war beschlossen worden, die Angelegenheit auf Grund der vom Stadtbauamt ausgestellten Nachweisungen durch eine besondere Kommission prüfen zu laufen. Die Kommission stellte die Richtigkeit der vorgelegten Aufstellungen fest, ferner, daß da- Stadtbauann bestrebt gewesen sei, die Arbeiten möglichst gleichmäßig zu verteilen. Der Dtadworstand nahm von dem Protokoll Kenntnis und billigte «S. Unter Mitteilungen gab der Vorsitzende bekannt. daß eine vom Htadlvorstand gegebene Anregung wegen Grünhung einer privaten Straßenreinigungs-Gesellschaft vom HauSbesiycrverein abgelehnt worden sei. In der anschließenden nichtöfsentlichen Sitzung wurde über die Verpachtung des Hotel- ..Deutsches Haus" verhandelt und der mit dem seitherigen Pächter Hermann S ch m a 11 auS Gießen bestehend« Pachtvertrag auf weitere fünf Jahre erneuert. Landkreis Gictzen. r Alten - Duseck. 8. Juli. Der seit 1930 in unserem Dors« tätige Schulverwalter S ch« m • bet wurde ab 1. Juli mit der Verwaltung der Lehrerstelle in Ober-Seibertenrod betraut. Die Gemeint b.'baucrt den Weggang dieses Lehrers, der sowohl durch seine berufliche Tüchtigkeit, als auch durch sein stets sreundliches Wesen tm persönlichen Umgang die Wertschätzung der Einwohnerschaft des Dorfes sich erworben hatte. bg. Großen-Buseck, 8. Juli. Ein in der Nacht nach Hause fahrender Radfahrer kam dadurch zu Fall, daß ein offenbar geblendeter Hase ihm unvermutet ins Rad sprang. Die Verletzungen des ManneS sind glücklicherweise nicht schwer. 'Bersrod, 8. Juli. Gestern vormittag ereignete sich im Anwesen eines hiesigen Landwirt- ein U n g l ü d 6 f a 11. Ein Elektriker, der mit Installationsarbeiten in ter Scheune beschäftigt war, stürzte während der Arbeit von einer etwa vier Meter ßofcen Leiter auf die Erde und erlitt dabei einen Armbruch, sowie einige leichtere Verletzungen. Der Verunglückte wurde von der Freiwilligen Sanitätskolonne Dom Roten Kreuz in Gießen nach der Chirurgischen Klinik gebracht. k. Lang-Göns, 8. Juli. Der hiesige Gewerbeverein hielt im Gasthaus »Zum ®am- brinus" eine Werbeversammlung ab. Syndikus Röhr von der Handwerkskammemebenstell« Gießen sprach über die derzeitige wirtschaftliche Lage des Handwerks, während Geschäftsführer Kirchner (Gießen) über die Aufgaben der Beratungsstelle des DeAirksverbandes der Gewerbe- Vereine, sowie über die Abgabe der Dermögens- fteuererflärungen referierte. Zum Schluß sprach Syndikus Röhr noch über die Organisation des Handwerks im Kreise Gießen. Kreis Friedberg. WSN. Friedberg, 8. Juli. Heute morgen 7.45 Uhr wurde auf der Strecke Frankfurt—Friedberg zwischen Nieder-Wöllstadt und Groß-Karben der Rottenarbeiter Karl Bär aus Glauberg von einem D- 3u g überfahren und getötet. Bär hatte die Aufsicht an der Drückenumbaustelle. KreiS Büdingen. nd. N i d d a. 8. Juli. Gegenwärtig unternimmt der aus 100 Knabsn und Mädchen bestehende Der- Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 v.H., Lombardzinsfuß 8 v. H. IVranftun a. Dl. Zkriln Irtantrun a. WI. Berlin Schluß turt t «Uhr- Nur- Schluh- Iur4 Unfony flurt edtiufe« lur< l'Uhr» Mure Gchluß» hir« Anfang» riur4 Dalum 8.7. 9.7. 8.7. S.7. Vatvm 8.7. 9.7. 8.7 9.7. 6% Teutldx iKetdieanleibe v. 1W. 78.5 — 78,5 — Oamburg-flmenta Patei . t- 46.5 45 46 45.65 7% Deutsche IReidrfanleibc v. 1929 95 — 94,6 — Hamburg-Lüdam. Tantpsschis . o —— 94,25 — 5':°,. Doung-Anletbe von 1930 . 69,75 — 70 — Hansa TiimpffditH . . . . — — 77.5 Deutsche Änl . .Iblöl.-Lchuld mii Norddeutscher Lwyv .... . 6 48 48,25 48.9 48,25 9uJlof.-9leCLtcn....... 50 50,1 50,1 50 A.S. für Brrkebrtwefen Akt. — 47,75 — t>6ne Autlos^Rechte . . . 5 — 5 4.85 Berliner Handelrgesellschaft. 6 103 — 103,25 102,5 8°o Hell. SolUflaai von 1929 , rück«ab Id. 109%)...... Cbetbtiicn Proomz-Anleihe mii (Sommerv und Privat-Bank . 7 100.75 100,5 100.75 100,5 87,5 87,5 TarmftaBtcr und Rattonalbank 8 101,75 — 101,5 100,5 Teutiche Bank und Autlos.-Rtchlen....... 49 — — — Disconto-Gesellschaft. . . 6 100.5 — 100.5 100.5 Deutsche Romm. eammcIabL Ttrtbner Bank...... 6 100.5 100,5 100.5 100.5 An leibe Serie 1....... 8% trtanlf. Hvv.-Bank «oldpse 47 — 46,5 — ReichSbank........ 12 132,5 131,4 133 15 nokündbar di« 1935 . . . . 7% «rtonff- Hdv-.vank «oldvfe unkündbar dis 1936 Serie 16 . 98 — — — fl-G.ffl........... . 7 90 90,5 91.5 90 92 — Bergmann........ Bektr.Lieieruntzögesellschast. . 9 10 70,5 101.5 100 4‘ Notierung »rief Amtliche Notierung Selb »rief HrifingsorO . Wien. . . . Prag . . . Budapest . « Sofia . . . Holland . . Crio . . . . Kopenhagen. Stockholm . London. . . Buenos Arres Neuyotl . . 8rüffel . . . Italien. . . . Lchwest . . Spanten . . ranzig. . . Japan . . . Kn de Jan.. Jugoslawien. LsslaLon . . 10,593 59.205 12.473 73,40 3,049 169,4.) 112,72 112,72 112,86 20,475 1,341 4,209 58,77 22,045 16,478 81,67- 40.03 81,89 2,081 0.315 7,437 18,68 10,613 59,325 12,493 73.54 3,055 169,77 112.94 112,94 118.08 20.515 1.345 4,217 58.89 22,085 16,518 81,83 40,11 82.05 2,085 0,317 7.451 18,72 10,593 59,195 12,472 73,38 3,051 169,55 112,72 112,72 112,86 20,475 1,330 4,209 58,77 22.045 16,478 81,67 40.06 81,89 2.081 0,314 7.436 18,68 10.613 59,315 12,492 73,42 3,057 169,89 112,94 112,94 113.08 20,515 1,334 4,217 58,99 22,035 16,518 81,83 50,14 82.05 2.085 0,316 7.459 18,72 (inet Mozart - Chor eine Serienreife; durch Hessen und ilnterfronfen. Am Sonn- tag- und Montagabend gab der Chor in der hiesigen Turnhalle zweiKonzerte. die gut besucht waren und ganz außerordentlichen Beifall fanden. Die Liedervorträge, teils mit Sprechchören abwechselnd, die Volkstänze und kurzen Vorträge, eine musikalische Hauskomödie verdienten in jeder Hinsicht die höchste Anerkennung sowohl für die junge Sängerschar, als auch für den Chorleiter Steffen. Bei den Quartiergebern lassen die Kinder durch ihr freundliches Benehmen die besten Eindrücke zurück. A 2lii>ba, 8. Juli. Schreinermeister Karl Keller kaufte von Landwirt Wilhelm U h l l. das Ecke Schiller st raße und Krötenburgweg gelegene Wohnhaus nebst Garten. Der Käufer will in dem Garten eine größere Schreinerwerkst ätte erbauen lassen. — 3n den letzten Tagen zeigte sich hier eine Belebung des Heuhandels. Am Bahnhof wurden täglich einige Wagenladungen versandt. Für altes Heu wurden per Zentner 2 Mark, für neues Heu 1,20 Mark bezahlt. Kreis 'Alsfeld. H Alsfeld, 8. Juli. Am vergangenen Sonntag hielt der Alsfelder Skiklub auf der Herchenhainer Höhe ein Bergfest anläßlich der Einweihung der Alsfelder Hütte ab Den Vormittag füllten sportliche Wettkämpfe aus, während am Rachmittag die Einweihung der von dem Alsfelder Stiklub errichteten Alsfelder Hütte mit einem Festakt stattfand. Bürgermeister Dr. V ö l s i n g (Alsfeld) hielt die Weiherede. Die geräumig und behaglich eingerichtete Hütte, die im Winter für die Ausübung des Skisportes und im Sommer für die Wanderer zur Verfügung gestellt wird, enthält einen Aufenthaltsraum, sowie zwei Schlafräume für 20 Personen. Anschließend an die Einweihung fand in Herchenhain ein Volksfest mit Hans-Sachs-Spielen, humoristischen Vorführungen und Tanz statt. ch Bleichenrod, 8. Juli. Heute morgen ereignete sich in unserem Dorfe ein schwerer Unglüdäfall. Als das Mobiliar einer noch auswärts verheirateten Landwirtstochter verladen werden sollte, scheuten die Pferde des Landwirts Lein, die vor den Wagen gekannt waren, und gingen durch. Der Besitzer der Pferde wurde dabei vom Wagen erfaßt, gegen eine Mauer gedrückt und erlitt Verletzungen an der Brust. Der sofort herbeigerufene Arzt Dr. Götz (Homberg) ordnete die ^leberführung des bedauernswerten Mannes nach der Chirurgischen Klinik in Gießen an. Aach den bisherigen -Unter- Buchungen hat der Verunglückte Rippenquetschungen erlitten. Ob schwerere innere Verletzungen vorliegen, muh erst die Röntgenuntersuchung ergeben. Oie Marburger Studenienwahleu. WSA. Marburg, 8. 3ult Bei den heutigen Wahlen zur Studentenkammer wurden 3072 Stimmen abgegeben. Don den gültigen Stimmen entfielen aus den Rationalen Block 772 Stimmen (10 Sitze), Akademischen Ring 429 Stimmen (6 Sitze), Rationalsozialisten 1525 Stimmen (21 Sitze), Ueberparteiliche katholische Korporationen und Freistudenten 238 (3 Sitze) und den Ring Deutscher Studentinnen 74 Stimmen (1 Sih). Kreis Wetzlar. WSR. Wetzlar, 8. Juli. Gestern um 13.20 Uhr Übersicht ein Personenzug auf dem unbeschrankten Wegübergang der Strecke Ufingen— Wetzlar zwischen Braunfels-Oberndorf und Albs- Hausen den Personenkraftwagen des Richard Güntherberg aus Berlin. Das Auto 'wurde zertrümmert. Die Ehefrau des Besitzers erlitt einen Beinbruch und wurde in das hiesige Krankenhaus gebracht. Q (Ebersgöns, 6. Juli. In der heutigen Sitzung des Gemeinderats wurde der bisheriger Gemeindevorsteher-Stellvertreter Johannes Henrich mit vier Stimmen zum Gemeindevorsteher gewählt. Eine Stimme entfiel auf den Landwirt Wilhelm Höchst, eine Stimme war ungültig. Preußen. Maingau. WSR. Frankfurt a. M., 8. 3u(i. Die Manfardeneinbtüche haben in den letzten Wochen sehr überhand genommen. Rund 25 bis 30 solcher Einbrüche gelangen pro Woche bei der Kriminalpolizei zur Anzeige. Cs handelt sich anscheinend um Spezialistenbanden, die mit den technischen Voraussetzungen für den Mansardeneinbruch genau vertraut sind. So werden in der Hauptsache die Mansarden, die von den Hausangestellten bewohnt sind, in den Tagen nach dem Ersten des Monats beraubt, weil die Dienstmädchen unvorsichtigerweise ihren Lohn in meist unverschlossenen Schubladen in der Mansarde aufbewahren. Sängerfeste in Oberheffen. An der Ohm. .er. Hombetg, 8. Juli. Am 4., 5. und 6. Juli fand hier das 3 7. B u n d e s f e st des Lahn- talsängerbundes in Verbindung mit dem 7 5. Stiftungsfest des Gesangvereins „5 r a u en l o b" Homberg statt. Den Auftakt des Festes bildete der am Samstagabend in der Stadthalle abgehaltene Kommers. Der 1. Vorsitzende des gastgebenden Vereins, Herr Fischer, begrüßte die zahlreichen Gäste, insbesondere den Vorsitzenden des Lahntalsängerbundes, Lehrer Gengnagel, Grünberg. Besonders gedachte er auch des Ehrenmitgliedes Pfarrer Prätvrius, der die Festrede des Abends übernommen hatte. Fräulein Ilse S ch w c i t c r trug sodann einen von L. L angst r o f f verfaßten Prolog vor, und die beiden hiesigen Gesangvereine sangen nach dem Sängergruß den Mozartschen Chor „Weihe des Gesanges". Sodann hielt Pfarrer P r ä t o r i u s die Festansprache. Mas der Tau der Flur, so führte er u. a. aus, das sei der Gesang für die Seele des Menschen. Das deutsche Volkslied sei ein Quell sittlicher Kräfte. 75 Jahre stehe nun der festgebende Verein im Dienste des deutschen Liedes und habe feine Aufgaben nach Kräften erfüllt Das fei in schweren Zeiten nicht immer leicht gewesen, abn der Verein habe sich behauptet. Hosfentlich sei es dem Verein vergönnt, fein 100. Stiftungsfest in besserer Zeit zu begehen. Seit vier Jahren gehöre der Gesangverein „Frauenlob" dem Lahntalsängerbund an. Solche Zugehörigkeit, so führte der Redner weiter aus, verpflichte, denn dar Bundesvorstand wache darüber, daß kein Verein dem anderen in der Leistung nachstebe. Man lerne innerhalb der Organisation zugleich sich einzuordnen und zu fügen, und dieser Umstand trage dazu bei, dem Geist die Wege zu bahnen, den wir jetzt in unserem Vaterland so notwendig brauchen: dem Geiste der Einigkeit. Mit einem Hoch aus das Vaterland, in das die Versammlung lebhaft ein- stimmte, beschloß der Festredner seine Ausführungen. Rach einem Chorvortrag des Gesangvereins „Frauenlob" wünschte zunächst Bürgermeister S ch w e i f e r dem Feste einen frohen Verlaüf, und nach einigen musikalischen Darbietungen sprach der Vorsitzende des Lahntalsängerbundes, Lehrer Gengnagel, Grünberg. Er beglückwünschte den Verein zu seinem Jubiläum und würdigte kurz die Bedeutung des deutschen Volksliedes für unser Volkstum. Im weiteren Verlauf des Abends führten die Turnerinnen einige exakte Reigen vor, die sehr gut gefielen. Die Körperschule Der Turner bewies ebenfalls fleißige Uebung. Musik- und Gesangsvorträge unterhielten die Festversommlung auf das beste. Die Lol- larer Fcuerwehrkapelle unter der Leitung von Kapellmeister Deines bot gute Musik. Durch Choralblasen vom Schlosse aus leitete die Kapelle den Festsonntag, den Hauptfesttag ein. In zwei verschiedenen Räumen wurde das Wertungssingen durchgeführt, für das sich Musiklehrer Schwarzer von Aschaffenburg und Musikdirektor Werner von Frankfurt a. M. als Bewerter zur Verfügung gestellt hatten. Jeder Verein brachte als Pflichtchor das Lied „Das Mägdlein und der Reuter", sowie ein selbst- gewähltes Lied zum Vortrag. Gegen Mittag fanden sich die Sänger sämtlicher Bundesvereine zu einer großen Kundgebung für das deutsche Lied auf dem Marktplatz ein. Rach dem Sängergruß begrüßte der Bundesvorsitzende, Lehrer Gengnagel, den Kreisdirektvr Dr. Stammler (Alsfeld) als den Vertreter der Regierung und den Vertreter des Heffischen Sängerbundes, Herrn Mohberger (Offenbach a. M.). Dr. S t a m m l e r überbrachte die Grüße der hessischen Regierung und überreichte dem Festverein ein Bild des hessischen Staatspräsidenten. Danach beglückwünsche Herr Moh- borget als Vertreter des Hessischen Sängerbundes den Gesangverein „Frauenlob" zu seinem 75. Jubiläum. Anschließend dankte der 1. Vorsitzende Fischer dem Ehrenmitglieds Studienrat Leun für die von ihm gestiftete Ehrentafel. Rachdem noch Lehrer Gengnagel die Ehrung der Sän- gerDeleranen des Bundes vorgenommen hatte, schloß der Gesamtchor mit Orchesterbegleitung mit dem deutschen Seemannslied die eindrucksvolle Kundgebung. Am Rachmittag bewegte sich ein überaus großer F e st z u g durch die geschmückten Straßen der Stadt. Aus dem Festplah begrüßte zunächst ein Chor die vielen Gäste, und der erste Vorsitzende Fischer hieß auch hier die Vertreter der Behörden und Vereine, außerdem die Gastvereine herzlich willkommen. Bürgermeister S ch w e i k e r begrüßte im Ramen der Stadt die zahlreich erschienenen Sänger. Der Dundesvvrsitzende Lehrer Gengnagel hielt sodann eine kurze Ansprache über den hohen Wert des Gesanges und über die Bedeutung des Volksliedes für unser deutsches Volk. Herr Moßberger gab der Hoffnung Ausdruck, daß man, wie bisher, auch in der Zukunft an der Pflege des Gesanges Weiterarbeiten möge. Im Verlause des Rachmittags warteten die Gastvereine mit Chorvorträgen auf. Der Abend brachte schließlich ein prächtiges Feuerwerk. Am Montagnachmittag herrschte auf dem Fest- plah wiederum reges Geben und Treiben. In einem Festzug, in dem vor allem'die geschmückten Schulkinder die Hauptteilnehmer waren, begab man sich nach dem Platze, und der Rachmittag verging beim Spiel der Kinder sehr schnell. Eine Schwßbeleuchtung bildete am Abend den schönen Abschluß der groß angelegten Veranstaltung. Der Lahntalfängerbund und der Gesangverein „Frauenlob" dürfen mit Befriedigung auf das in allen Teilen harmonisch verlaufene Fest zurück- blicken. Zn der Wetterau. s. Utphe, 7. Juli. Am Sonntag hielt der Wetterauer Sängerbund hier sein Bundesfest in Verbindung mit dem 5 0. Jubiläum s f e st des hiesigen Männergesangvereins „Loreley" ab. Am Samstagabend ging eine Vorfeier voraus, bei der die beiden früheren Dirigenten, Lehrer Biedenkopf-Gießen und Lehrer Hahn- Bleidenrod. zu Ehrendirigenten ernannt wurden. Der Vorsitzende des Vereins, Wilh. Tag, begrüßte ferner den früher ernannten Ehrendirigenten Rektor Keller- Lollar und gab einen Rückblick über die Geschichte des Vereins. Der Festsonntag wurde durch Gottesdienst eingeleitet, in dem Pfarrer Kuhlmann - Berstadt auch der im Weltkrieg Gefallenen gedachte. Frk. Melita Bornmann sprach einen Prolog. Am Rachmittag bewegte sich ein stattlicher Fest zug , an dem 27 Vereine teilnahmen, durch die Orts- straßcn zum Festplatz, den in dankenswerter Weise Gutsbesitzer Rinn zur Verfügung gestellt hatte. Rach einem Begrüßungschor des Festvereins unter Leitung seines Dirigenten Göbel, hielt Lehrer Arnold die Festrede. Cr pries das deutsche Lied als die Quelle innerer Erhebung über den Alltag und als einigendes Band unseres Volkes. Anschließend trugen die Bundesvereine unter der Leitung des Bundeschormeisters Lehrer Hagenberger - Dorheim mehrere Chöre vor. Der BundesvArsihende, Lehrer Schenk- Melbach, dankte für die Aufnahme und beglückwünschte den festgebenden Verein, dem er einen Fahnennagel vom Wetterauer Bund, sowie die Staatsehrung, eine Liedersammlung von Silcher, übergab. Weiterhin konnte er die silberne Radel des Hessischen Sängerbundes dem Sänger Karl Bocher für 40- jähriges aktives Singen überreichen. Ehrenurkunden erhielten für 35jährige Mitgliedschaft Friedrich D ö ch e r , für 30jährige Mitgliedschaft Beigeordneter Heinrich Raab, Friedr. D o r n - mann I. und II.. Wilhelm Sack und Heinrich Born mann, für 25jähriges Singen Friedrich Schwarz und Karl S ch ä f e r. Alsdann überreichte mit einem Prolog Fräulein 2da Born- m a n n im Ramen der Frauen und Jungfrauen dem Verein eine Fahnenschleife. Der Verein sang hierauf mit Orchesterbegleitung den Chor „O Schuhgeist". Bei den folgenden Vorträgen der Gastvereine konnte man feststellen, daß in unserer Gegend das deutsche Lied ernsthaft gepflegt wird. Am Montag war allgemeines Volksfest. Der Gesangverein „Loreley" kann mit Befriedigung auf das wohlgelungene Fest zurückblicken. Große Strafkammer Gießen. * Gießen, 7. Juli. Ein wegen Sittlichkeitsverbrechens, begangen an Kindern, bereits fünfmal, zuletzt mit drei Jahren Zuchthaus, bestrafter Kqufmann aus Bad-Rauheim, verfolgte Berufung gegen ein Urteil des Bezirksschöffengerichts Gießen, durch-daL-er wegen eines Sittlichkeitsverbr^chens gleicher Art zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt worden war. Die Staatsanwaltschaft hatte ebenfalls Berufung eingelegt, weil ihr die Strafe zu gering erschien. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt: das Urteil wurde öffentlich verkündet. Da der Angeklagte, wie auch in den früheren Fällen, seine Schuld leugnete, war wieder eine umfangreiche Beweisaufnahme nötig. Seine Berufung wurde als unbegründet zurückgewiesen: auf die Berufung der Staatsanwaltschaft wurde die Strafe auf vier Jahre Zuchthaus erhöht. Ferner wurden dem Angeklagten die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren aberkannt. Im Wiederaufnahmeverfahren wurde gegen einen Maurer aus Heegheim verhandelt, der vom Schöffengericht Gießen von der Anklage eines Diebstahls freigesprochen worden war. Die Wiederaufnahme des Verfahrens war angeordnet worden, weil der Angeklagte als Strafgefangener in der Zellenstrafanstalt zwei Mitgefangenen gegenüber ein Geständnis abgelegt haben sollte. Cs erfolgte wieder Freisprechung, da das Gericht sich nicht von der Glaubwürdigkeit der Zeugen, mit denen der Angeklagte verfeindet war, überzeugen konnte. Kirchliche Nachrichten. Katholische Gemeinden. Freitag, den 10. Juli. Gießen. 6 Uhr: Segensamt. — Lich. 6.15: Segens, messe. Israelitische Gemeinden. Israelitische Religionsgrsellschast. Sabbatfeier ' den 11. Juli. Freitag abend 7.45 Uhr: Samstag vormittag 8.00 Uhr, nachmittag 4.00 Uhr, Sabbatausgang 9.35 Uhr. — Wochengottesdienst' morgens 6.30 Uhr, abends 7.15 Uhr. (Schluß des redaktionellen Teils.) Set Haiushalt von heute stellt an die Hausfrau besonders hohe Anforderungen, denn das Sparprogramm macht auch vor der Küche nicht halt, und es heißt mehr denn je „auskommen mit den vorhandenen Mitteln". Als wahre Freunde erweisen sich auch jetzt die bewährten Maggi-Erzeugnisse (Würze, Suppen und Fleischbrühwürfel). 4549 D Irgendwo. —. Vor mir geht eine Frau--. Der Wind spielt mit ihrem Haar — und tragt mir einen feinen, hauchzarten Dust zu. Die Sonne spielt mit ihrem Haar---und läßt es glänzen wie edle Seide. Welch' wundervolles Haarl-- Später lernte ich sie kennen. 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Generalvertretung: [4345V Dipl.-Ing. Heinrich Mellor, Mainz Neubrunnenstraße 4F, Telefon Münsterplatz 31382. Milarbeiter an allen Plätzen geinchl. m Gießener Ruder-Gesellschaft 1877 e.V. 8 Samstag, den 11. Juli, und Sonntag, den 12. Juli 1931: 26. Ruder-Regatta Jubiläums-Regatta des Lahn - Regatta - Verbandes anläßlich dessen 25jährigen Bestehens 23 Vereine, 95 Boote, 478 Ruderer Beginn der Rennen: Samstag 15,30 Uhr, Sonntag 14,30 Uhr, der Vorrennen an beiden Tagen vormittags 8 Uhr. Sonntagnachmittag: Großes Konzert auf dem Bootsplatz Eintrittspreise: Bootsplatz: Samstag 0.75 RM., Sonntag 1 RM., für Mitglieder im Vorverkauf bei Ernst Challier, Neuenweg, Karten für beide Tage gültig 1 RM., Terrassenplatz: Samstag 1 RM., Sonntag 2 RM., Bleiche: Samstag und Sonntag je 50 Pfennig. 4553p Gute Qualitäten /Salat-Oel\ [ Liter Mk. 0.80 \ Oliven-Oel) \ Liter Mk. 2.20 / Für die feine Küche / \ Drogerie Winterholl J Kreuzplatz 10 4548 A Im Evang. Gemeindehaus, Kirch- ttraße 9, spricht am Freitag, 10. Juli, abends 8l/9 Uhr, Frau Ltc. C La u f e n aus Husby über 03968 Evangelisches Leben in den steierischen Alpen Jedermann ist berzl. etngel. Eintritt frei Der Gustav Adolf Frauenvereitt. H. Lllvach, Bors. Becker, Schristf.