schen ^ehlar £«*- Aflen. hnvor. ^Z°.Wr°°üe *V« Stln*9ung igoo SÄIB | Qrl SU mun^tj irfe. 'mmerOarmstadi. lauten und mit usgegeben werden, u, drei Arten von 1' S. bei denen |d- iungsdmer und ju staffeln wären, !rtscheinheft, gültig von 100 Warf und ; nt zum greife von Dettscheinheft mit ;i )s Monaten, einem . «hlah von 15 Pro- : i 255 Mark, ein T : einer ©ültigteit^ ! n Dert von 1000 Prozent und einem t Dertfcheinheft hätte ' örterten Dogen die j üerlscheinen auf je I Mahme der Fahr« )es Dertscheinheftes! der öchalterbeamte imen und sie flatt ( »n hätte. Spihm- m in jebem Salle rtschemhefte wären i oder engere a • der Vergünstigung ■ tn, sei ausdrücklich ; er Bezirkszeit. rochen werden soll: ring des Gedankens; viÄmehr durchaus j muß aber betont eitkarte allein en geeignet Schiene gegenüber i grundlegend *ul -kann eS sich nicht» verb des freizügigen I inzelne Taris-I die nach ihrer Ge» ? Lingen nur einem Veden zugute kommen , t Wettstreit mit tej ton erfolM'ch br- ch ein grob »US 9 sich gescnleU Z rÄ i« ^taUcr M Schule. (ar. ä'äs' (OlOlMlOO^ Sk! 101 $sS® LZL- SÄ»”*, tiSßüS? tfS««0’“’8’ sss*"***! «"‘.s Nr. 132 Erster Blatt 181. Jahrgang Dienstag, 9. Juni 1931 Erschein» »üglich.outz« Sonntag* and Stiertags Beilagen The Illustriert« Lietzener Famllienblätto Heimat tm Bild Die Scholle IRonat$«Bejng$prets: 2.20 Beichsmard und 30 Reichspfennig für Trüge» lohn, auch bei Richter» scheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechavfchlüste anter5ammelnummer2251 Anschrift für Drahtnachrichten Snjeiaer Gletze» Postscheckkonto: $ra*fftirlam Main 11686 Gietzemr Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Dnid und Verlag: vrühl'sche Untverstlätr-Vuch- und Stetnörnderei H. Lange tn Stehen. 5chrtstlettung und Seschästrftelle: Zchulsttahe 7. Annahme von Anzeigen für die lagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mne Breite 35 Reichspfennig, Platzoorfchrist 20°,3 mehr. Chefredakteur. Dr. Friedt. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Ft. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gietzen Wann tritt der Reichstag zusammen? Weiterhin Kritik an der Notverordnung. — Die außenpolitischen Gesichtspunkte sind bedeutsam. Der bayerische Ministerpräsident gegen die Reichsreform. Selten wohl ist eine Maßregel der 'Regierung so einmütig von der gesamten Oesfentlichkeit ab- gelehnt worden, wie die Notverordnung. Die Begründung ist nach den einzelnen Partei» schattierungen verschieden, aber in der Tendenz herrscht völlige Einigkeit darin, daß die Regierung in der QIrt, wie sie das ganze Problem anpackte und in der Wahl der Mittel sich start! vergriffen hat. Wenn man die Notverordnung für sich allein betrachtet, dann könnte eigentlich kein Zweifel darüber sein, daß der Neltesten- rat des Reichstags am morgigen Mittwoch bereits die Einberufung des Reichstags beschließen und daß spätestens eine Woche nachher ein Antrag auf Aufhebung der Notverordnung angenommen würde. Womit vermutlich der Sturz des Kabinetts besiegelt wäre. Diese einfache Linie wird aber dadurch etwas verwirrt, daß ja gleichzeitig der Kanzler in Ehequers das Reparationsproblem angeschnitten hat. Die Parteien müssen sich also überlegen, ob und inwieweit durch eine inner- politische Krise die Möglichkeiten, die sich vielleicht für eine Erleichterung der Reparations- lasten in absehbarer Zeit abzeichnen, zerschlagen werden könn en. C ne sehr schwerwiegende Entscheidung, die sicherlich zugunsten der Notverordnung beeinflußt würde, wenn die Meinung sich durchsetzen sollte, daß die drakonischen Mittel, wie sie die Regierung anwendet, von Erfolg sind: wenigstens so lange von Erfolg, bis die neue Reparationskonferenz zu einem Ergebnis gekommen ist. Aber gerade hier sehen die Bedenken ein. innerhalb der Parteien der bürgerlichen Mitte, bei denen ja die Entscheidung liegt, wird die Auffassung vertreten, daß die Regierung sich wieder starst verschätzt hat und daß die Mehrerträge, mit denen sie rechnen zu können glaubt, nur auf dem Papier stehen bleiben. Bor allen Dingen wird sehr stark angezweifelt, ob die K r i s e n st e u e r auch nur entfernt die an* gesetzten 400 Millionen bringen wird: während die negativen Folgen in der Schrumpfung der Kaufkraft und damit in dem Sinken anderer Steuern unbestreitbar bliebe. Dazu kommt für die Deutsche Bolkspariei noch, daß sie ihren eigenen Minister Moldenhauer vor eineinhalb Jahren opferte, als er zum ersten Male mit dem Gedanken eines Notopfers hervortrat, und daß sie jetzt doch nicht gut die gleiche Steuer mittelbar oder unmittelbar bewil- liaen helfen kann, die sie damals als unsozial ablehnte. Der Ausgang steht also auf des Messers Schneide. Rund 220 Stimmen der Deutschnationalen, der Nationalsozialisten und der Kommunisten sind unbedingt für die Einberufung des Reichstages. Die sozialdemokratische Führung wird vermutlich alle Anstrengungen machen, um die Fraktion auf der Linie der parlamentarischen Abstinenz festzuhalten. Das Landvolk scheint durch die Steuererleichterungen für d.e kleinen Landwirte so befriedigt, daß es die Notverordnung nicht aufheben will. Die Entscheidung liegt also bei der Wirtschaftspartei und bei der D e u t s ch en Dvlkspartei. Setzen sie sich für die Einberufung des Reichstags ein, dann ist die Mehrheit gegen die Notverordnung da. Wir glauben allerdings nicht, daß schon am Mittwoch in der Sitzung des Äleltestenrates Klarheit geschaffen wird, weil die Fraktionen zunächst abwarten werden. was der Kanzler aus England mitbringt, damit sie in der Lage sind, die innenpolitischen und außenpolitischen Gefahren gegeneinander ab- zu wägen. Zraktionssitzungen. Berlin, 8.3uni. (DDZ.) 3n der laufenden Woche werden einige Reichstagsfraktionen zu Sitzungen zusammentreten, die hauptsächlich der Besprechung der durch die neue Notverordnung geschaffenen politischen Lage dienen. Zunächst ist für Dienstag die Fraktion der Deutschen Dvlkspartei einberufen worden. Am Mittwoch treten die Reichstagsfraktion der Wirtschaftspartei und der Fraktionsvorstand der Sozialdemokraten zusammen. Am gleichen Tage wird der Aelte- ftenrat zu den Anträgen der Kommunisten und Nationalsozialisten auf Einberufung des Reichstages Stellung nehmen. Die Reichstagsfraktion der Sozialdemokraten versammelt sich dann am Freitagnachmittag. Oie Meinung in Regienmgskreisen. Berlin, 8. Juni. (ERB.) 3n Kreisen der Reichsregierung liegen noch keine näheren Mitteilungen über die Besprechungen von Ehe - quere vor, die über das hinausgehen, was in der Oeffentlichkrit bekannt geworden ist. Man wartet zunächst die Rückkehr des Reichskanzlers und des Reichsauhenminisiers ab. Beide werden voraussichtlich am Donnerstag dem Kabinett über ihre Reife Bericht erstatten und daran wird sich die Unterrichtung der Parte iführer anschliehen. In politischen Kreisen ist man sich vollkommen klar darüber, datz die Zusammenkunft von Ehe - q u e r s auch für die weitere innnerpolitische Entwicklung von auherorden 11 icher Bedeutung ist. Die Entscheidung der Fraktionen — wobei es namentlich auf die Sozialdemokraten und die Deutsche Dvlkspartei an- kommt — über die (Einberufung oder Nichteinberu- fung des Reichstages hängt im wesentlichen davon ab, ob die Reichsregierung in der allernächsten Zeit praktische Schritte zur Revision des Poungplanes unternimmt. Sowohl bei der Sozialdemokratie, als auch bei der Deutschen Bolkspariei hält man die (Einberufung des Reichstages für unmöglich, wen» damit nur die Aussicht besteht, datz der Regierung, die einen außerordentlich wichtigen Abschnit unserer Auhenpolitik vor sich hat, auch noch innere Schwierigkeiten bereitet werden. GPO und OVP. zur Notverordnung. Nichtsdestoweniger ist die Kritik an der Notverordnung bei beiden Parteien auher- ordentlich scharf. Die wir von führender sozialdemokratischer Seite erfahren, bemängelt man hier vor allem die Staffelung der ftrifen- ft e u e r und den Verzicht der Reichsregierung auf eine Beitragserhöhung für die Arbeitslosenversicherung. Durch eine solche Erhöhung wären nach sozialdemokratischer Ansicht auch die Arbeitgeber »’. i belastet worden, während jetzt einseitig die Arbeitnehmer alles zu tragen hätten. Der Borstand der Sozialdemokratischen Reichstagsfraktion wird am Mittwoch mit den freien Gewerkschaften eine gemeinsame Sitzung abhasten, die als wesentliche Borbereifung der am Freitag folgenden Fraktionsfihung an- zusehen ist. Anderseits wird in politischen Kreisen viel beachtet, datz der Führer der Deutschen Bolkspariei in seiner letzten Rede offen den Gedanken eines Direkt oriums erörtert hat. Man weist auch darauf hin, datz ein fo prominentes, der Deutschen Bolkspariei nahestehendes Blatt wie die „Kölnische Zeitung", die einer der Hauptkämpfer gegen die jetzige Form der Notverordnung ist, ihre Abänderung verlangt. Diese Frage der Abänderung bekommt weiter dadurch Bedeutung, datz die fozialdemokraiische Führung die Absicht hat, dem Kanzler die Frage oorzulegen, ob er Abänderungen für möglich hält oder nicht, wird diese Frage bejaht, so wäre es denkbar, datz der Haushastsausschuh sich auch mit dieser Notverordnung beschäftigt und der Reichstag schon im September einberufen wird. Lin solches Kompromiß könnte die Parteien unter Umständen veranlassen, auf die sofortige (Einberufung des Parlaments zu verzichten. Ob es möglich ist, das aber hängt, wie eingangs erwähnt, zum sehr wesentlichen Teil von den Auskünften ab, die der Reichskanzler den Parteiführern über feine Absichten auf dem Gebiet der Reparationspolitik geben wird. Kabinetts-Umbildung gefordert. „Eine von Parteibindungen freie Regierung." Hagen, 9. Juni. (OB.) Bor den Bertrauens- männern des Evangelischen Bolfsbien- si e s sprach heule Reichstagsabgeordneier Kippet, der stellvertretende Fraktionsvorsihende des Lhrist- lich-Sozialen Bolksdienstes, über die politische Cage und insbesondere über die Notverordnung, die, wie der Redner betonte, die Grenze des Möglichen weit überschreite und deshalb ein vergebliches Opfer des Bolkes darsielle. Der Reichskanzler, der volles Berfreuen verdiene, müsse sich sagen, daß auch er mit dem gegenwärtigen Kabinett die Revision der Tributfrage nicht durchführen könne. (Eine personelle Ergänzung des Kabinetts sei notwendig. Daß Dr. Lur- t i u 9, dessen ehrliches wollen er nicht bestreite, nicht revisionslüsfern fein könne, stehe nach der Isolierung und Niederlage in Gens fest. Die Bolksdiensf-Frakfion lehne eine übereilte (Einberufung des Reichstages ab. (Eine möglichst reife und starke Revisionsfront, geführt von einer von Parteibindungen freien Regierung, fei die Forderung der Bolksdiensf- Frakfion. Die Einstellung der Tributzahlungen sei keine Forderung des politischen Radikalismus, sondern eine Lebensnotwendig k e i t, die auch der Evangelische Bolksdiensf auf alle Folgen hin fordere und dafür die Beranfroor- fung vor der Geschichte und dem Bolte übernehme. Der bayerische Ministerpräsident warnt. München, 9. 3imi. (Sil.) Auf der Sagung des Arbeitsausschusses „Reich und Heimat" ergriff am Montagabend der bayerische Mini st erpräsidentDr. Held das Wort. Er wa rn t e die maßgebenden Instanzen, neuerdings die Frage der Reichsreform aufzurollen. Der Kampf werde geführt um die Beherrschung deo gesamten deutschen Finanz- und Wirtschaftskräfte von einer Zentrale aus. Wir hätten bereits unsere Arbeitsorganisation zentralistisch aufgebaut, und es gebe nichts verwirrteres und nichts dem oral isierenderes als diese Art der Organisation. Wir hätten unser F i - nanzwesenverreichlicht und die Wirkung sei, daß die Derarmung des ganzen deutschen Volkes unter dieser Vereinheitlichung größer sei, als vorher. So teuer seien dem deutschen Voll! die Steuern noch nicht aus der Tasche geholt worden, als in der Gegenwart. Der Zentralismus sei in jeder Form zu verwerfen. 3m föderalistischen Staat allein bestehe die Möglichkeit, daß alle Kräfte des Bolkes zu einer Einheit zufarnrnenschrnelzen in ihrer Wirkung. wer heute die Selbständigkeit der Länder antaste, fei ein Arnstürzler der gegenwärtigen Berfaffung. Es bestehe der Verdacht, daß in den letzten» Kabinettssihungen erwogen worden sei, ob man nicht im Rahmen der Notverordnung die Reichsresorm in Eingriff nehmen sollte. Es habe aber doch keiner den Mut gefunden, dis Reichsreform durch eine Notverordnung einleiten zu wollen. Der Föderalismus werde liegen, weil das deutsche Volk an den großen 3deen eines Freiherm vom Stein nicht vorübergehen könne. Es gehe um Heimat, um Vaterland, um Freiheit und Recht. Kanzlerreden in London. Oie englischen Minister zum Gegenbesuch eingeladen. — Zm Herbst Aufrollung der Reparationsfrage? Gegenbesuch der englischen Minister in Vertin. London, 9. Juni (2BIB. Funkspruch.) Die deutschen Minister haben bei ihrem Besuch ihre englischen Gastgeber zu ein em Gegen- besuch in Berlin eingeladen. Macdonald und Henderson haben diese Einladung mit Dank angenommen. Der Zeitpunkt und die Einzelheiten des Besuches der englischen Minister werden demnächst festgesetzt werden. Audienz beim König. London, 3uni. (WTV.) Der Reichskanzler, der Reichsaußenminister und der deutsche Botschafter begaben sich heute not» mittag xum Buckingham Palace, wo die deutschen Minister vom König in Audienz empfangen wurden. Der deutsche Botschafter stellte den Reichskanzler und den Reichsauhen- minister dem König vor. Daran schloß sich eine längere freundschaftliche Unterhaltung. Ansprachen vor her englisch-deutschen Gesellschaft Das heutige Frühstück der Anglo-German Association zu Ehren des deutschen Reichskanzlers und des deutschen Reichsautzenministers war ein Ereignis von besonderer Bedeutung. Dem Reichskanzler zur Rechten saß der Vorsitzende der Anglo-German Association, der vor- majjae Dizekönig von 3ndien Lord Reading, zur Linken Schahkanzler Snowden. Unter den zahlreichen Anwesenden befanden sich Mitglieder der beiden Häuser des Parlamentes Lord ZReabing brachte in seinem Trinkspruch auf die beiden deutschen (Staatsmänner die hohe Ehre zum Ausdruck. die sie dem Verbände durch ihren heutigen Vesuch bezeugt haben. Lord Reading bemerkte u. a. weiter. Unsere beiden Länder stehen vor zahlreichen Schwierigkeiten. Die ernsten Fragen, die uns berühren, die Wirtschaftskrise, die industrielle Depression und die Arbeitslosigkeit in beiden Ländern berühren nicht und allein, nicht nur Europa, sondern sie betreffen auch Amerika, und nicht nur die Vereinigten Staaten, sondern auch Südamerika und die ganze Welt. Diese ernste Krise ist die Krise aller Nationen. Wir müssen fortfahren, soweit wir es irgend können, das Heilmittel zu suchen. Reichskanzler Or. Brüning erklärte in seiner Antwortrede nach herzlichen Dankesworten u. a.: Wie sie alle wissen, war der Zweck unserer Reise nach England, in eine freundschaftliche Besprechung mit ihren führenden Staatsmännern einzutreten. Es ist nicht meine Absicht, in den wenigen Worten, die ich heute an sie zu richten die Ehre habe, das Gebiet der Politik zu betreten. Ader soviel kann gesagt werden, daß es meine tiefe Ueberzeugung ist, daß enge und freundschaftliche Beziehungen zwischen Großbritannien und Deutschland ein unbedingt wesentlicher Faktor in europäischen Angelegenheiten sind. Mit der größten Genugtuung und aufrichtiger Hoffnung für die Zukunft kann ich sagen, daß unsere Länder ständig immer näher aneinander rücken, und ich bin sicher, daß ich herzliche Zustimmung finden werde, wenn ich die Hoffnung ausdrücke, daß diese Bewegung fortbauert und diefe Freundschaft stabilisiert. Wir kennen alle den ernsten Stand der Dinge, die Weltdepression der Wirtschaft, gefolgt von ernster Arbeitslosigkeit und sozialer Unruhe, nicht nur in unseren Ländern, sondern in ganz Eu- ropa und der übrigen Welt. Die Regierungen de» verschiedenen Länder gehen Problemen entgegen, die dringend eine Lösung fordern, aber in ihrer Größe nur durch allgemeines Zusammenwirken und den Geist des guten Willens behandelt werden können. Je mehr diese Notwendigkeit zusammengefaßter Aktion gewürdigt wird, um so schneller wird die Erholung sein. Don diesem Standpunkt aus hoffe ich, daß unser Besuch in England Frucht tragen wird nicht nur als isolierter Akt zwischen unseren beiden Ländern, sondern als neuer Meilenstein in der Entwicklung des Internationalen Friedens und Einvernehmens. Die Tage, die wir in England als Gäste der britischen Regierung verbracht haben, die freundschaft- liche Aufnahme, die wir bei unseren englischen Gastgebern gefunden haben, werden von Dr. Curtius und mir selbst als äußerst angenehme Erinnerung angesehen werden. „Förderung der internationalen Zusammenarbeit". Der Empfang des Royal 3nstitute of 3nternational Affairs zu Ehren des Reichskanzlers und des Reichsaußenministers, der heute im Chatham House veranstaltet wurde, gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung der Sympathie für die deutschen Minister. Anwesend waren u. a. Lord d'Abernon, Sir Robert Dansittart, Sir Abe Vailey, viele führende englische und ausländische Pressevertreter und Parlamentsmitglieder, außerdem die Mitglieder der deutschen Botschaft in London. Der Vorsitzende des 3nstitutes (Sir Reill Malcolm begrüßte die deutschen Minister, die in Begleitung des deutschen Botschafters Freiherrn von Neurath eintrafen und deren Ankunft allgemein lauten Beifall auslöste. Sir Neill drückte in einer Ansprache die außerordentlich großeBe- friedigung aus, die das 3nstitut über die Ehre des Besuches der deutschen Minister, empfinde. Es sei das erstemal, daß der Erste Minister und der Außenminister Zeines der großen Staaten Europas" in den Räumen des Royal 3nftitute erschienen seien. Reichskanzler Or. Brüning dankte für die freundlichen Worte, mit denen ec und Dr. Curtius empfangen worden feien. Wie sind, fuhr er fort, beide hocherfreut darüber, daß wir in der Lage waren, die freundliche Einladung dieser hervorragenden Einrichtung anzunehmen. 3d> bin überzeugt, daß eine Einrichtung, wie die 3hre, ein sehr günstiger Faktor bei der Verwirklichung des großen Zieles ist, auf das alle verantwortlichen Staatsmänner zu- streben, nämlich die Förderung der internationalen Zusammenarbeit und die Erzielung des Weltfriedens. Der Reichskanzler betonte die Notwendigkeit, die Wirtschaftskrise der Welt zu bekämpfen und die Wohlfahrt wieder herzustellen. Unsere beiden Länder, sagte er, erfahren das volle Gewicht der Weltdepression und der Not, die sie für Millionen von Arbeitslosen bringt. Die freundschaftliche Besprechung in Ehequers, die wir mit 3hren verantwortlichen Staatsmännern führten, haben beiden Parteien Gelegenheit gegeben, unsere gegenseitigen Schwierigkeiten zu erörtern. Wie Sie durch das heute vormittag veröffentlichte Communi- que gesehen haben, ist gegenseitig vereinbart worden, eine Zusammenarbeit zwischen allen in Betracht kommenden Ländern zu suchen, um die bestehende Lage zu verbessern, und ich bin überzeugt, daß dieser Geist des Einvernehmen- ein günstiges Echo bei der Welt finden wird. Dr. Curtius und ich schätzen hoch die warme Aufnahme .die wir von unseren englischen Gastgebern erfuhren, und ich freue mich, eine Gelegenheit er- halten zu haben, den britischen Staatsmännern öffentlich zu danken. Die Rede des Reichskanzlers rief laute Der- fallskundgebungen hervor. Der Abschluß des Ministerbesuchs Seinen gesellschaftlichen Höhepunkt und Ab- schluh erreichte der Besuch des deutschen Reichskanzlers und Reichsauhenministers hmrke abend mit dem Diner, das der deutsche Botichafter und Freifrau v. Reurath zu ihren Ehren rn der deutschen Botschaft in Carlton House Terrace gaben und an das sich ein großer EmP fan g onschloß, der in den Räumen der deutschen Botschaft das gesamte diplomatische Korps Londons, die Spitzen des politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens, prominente Mitglieder der deutschen Kolonie in London, sowie zahlreiche Vertreter der englischen und deutschen Presse versammelte. Der Empfang nahm einen herzlichen Verlauf und gab den deutschen Ministern Gelegenheit, mit repräsentativen Mitgliedern der verschiedensten Schichten der öffentlichen Meinung Englands Fühlung zu nehmen. Morgen früh erfolgt die Abreise nach New - h a m p t o n, wo sich die deutschen Minister zur Heimreise nach Deutschland an Bord der „Europa" begeben werden. Auf der Heimreise. London, 9. Juni. (WTD. Funkspruch^) Dr. Brüning und Reichsauhenminister Dr C u r- t i u s haben heute morgen die englische Hauptstadt verlassen, um nach Deutschland zu- rückzukehren. Abschiedstelegramm Brünings und Curtius'. Southampton, 9. Juni. _ (WTD. Funkspruch.) Reichskanzler Dr. Brüning hat an den britischen Premierminister Macdvnald folgendes Telegramm gesandt: „Mein lieber Premierminister! Deim Verlassen des englischen Dodens möchte ich Ihnen nochmals «auf richtig für die liebenswürdige Gastfreundschaft danken, die Dr. Curtius und mir während unseres Besuches in Chequers zuteil ge- worden ist. Sie dürfen versichert sein, daß ivir uns der angenehmen Tage, die wir in Ihrem schönen Lande zugebracht haben, und des warmen Empfanges, der uns von der britischen Regierung und dem britischen Volke bereitet worden ist, stets sehr dankbar erinnern werden. Seien Sie, mein lieber Premierminister, meiner aufrichtigen Ergebenheit versichert. Dr. Brüning." Reichsauhenminister Dr. Curtius hat an Staatssekretär Henderson nachstehendes Telegramm gesandt: „Mein lieber Staatssekretär! Wollen Sie bitte meinen aufrichtigen Dank entgegennehmen für die schöne Gastfreundschaft, die Sie mir während meines Besuches in England erwiesen haben. Ich habe mich sehr gefreut. Gelegenheit zu haben, mit Ihnen in Ihrem eigenen Lande zusammenzutreffen, und ich empfinde lebhafte Dankbarkeit für die angenehmen Tage, die ich in England verbracht habe. Mit der Versicherung meiner ausdrücklichen Ergebenheit Dr. Curtius." Botschasterbesuch bei Henderson. London, 9. Juni. (WTD. Funkspruch.) Staatssekretär Henderson empfing gestern, wie „Times" berichtet, den französischen und den italienischen Dotschafter, die er über den wesentlichen Inhalt der Drsprechun- gen von Chequers unterrichtete. t Oer „Maiin" urteilt: , Paris, 9. Juni. (WTD. Funkspruch.) Der ' Auhenpolitiker des „M a t i n" , Jules Sauer- . wein, urteilt über die Desprechung von Chequers folgendermaßen: Der Besuch der deutschen Minister in England hat fürDeutsch- land zweierlei Vorteile gebracht. Der erste ist darin zu erblicken, daß eine Fühlungnahme und eine gewisse g ü n st i g e Strömung hergestellt worden ist, die man zum größten Teil der hervorragenden Persönlichkeit D ru- n i n g s zuschreiben muh. Ferner hat Deutschland nunmehr die Idee verbreitet, daß es a n derGrenze seiner Leistungsfähigkeit angekommen sei. Diese Idee wird für Deutschland arbeiten, nicht nur in Europa, sondern schliehlich auch in Amerika, und wenn eines Tages die deutsche Regierung! erklärt, dah sie wirklich nicht mehr zahlen könne, wird sie sich in der Stellung befinden, daß sie daran erinnern kann, sie habe die englische Regierung und dadurch auch alle Gläubigerstaaten im voraus darauf aufmerksam gemacht, indem im einzelnen die schwierige Lage Deutschlands bekanntgegeben worden sei. Was wird Amerika tun? Schuldenermäßigung nur in Verbindung mit Abrüstung? London, 9. Juni. (WTD. Funkspruch.) Der Washingtoner Korrespondent der „Times" meldet: Staatssekretär Stimson hatte gestern vormittag eine lange Llnterredung mit dem Präsidenten Hoover, aber weder über das Commu- niqu6 von Chequers, noch über den Erlaß derdeutschenRegierung ist ein Kommen- Schatzsekretär Mellon (Amerika). tot gegeben worden. Immerhin ist es aufgefallen, dah der Staatssekretär keine Gelegenheit nahm, auf die amerikanische Auffassung hinzuweisen, dah zwischen Reparationen und Kriegsschulden kein Zusammenhang bestehe. lichten Ersparnisse für vermehrte Rüstungen vergeudet hätten. Die amerikanischen Bauern und Arbeiter wollten nicht für die Vorbereitungen zu einem neuen europäischen Krieg ihr Geld opfern. Die Lösung sei daher: Verminderung der Schulden, der Reparationen und der R ü st u n g e n zusammen. Einstellung der Tributzahlungen im Herbst? Eine gemeinsame europäische Aktion? London, 9. Juni. (ERB. Funkspruch. Eigene Meldung.) Ein Sonderkorrespondent der „Daily Mail" schreibt, Dr. Brüning und Dr. Curtius hätten keine Vereinbarung mit England über die deutschen Finanzprobleme abgeschlossen, aber es sei deutlich genug gemacht worden, daß ein e r n st e s neues Wirtschaftsproblem im Entstehen sei. In britischen Kreisen gilt es jetzt nicht mehr als möglich, sondern als wahrscheinlich, daß Deutschland im nächsten herbst die Reparationszahlungen suspendieren werde. Alle europäischen Nationen seien sich klar über die schwerwiegenden Folgen, die sich daraus ergeben. England würde im Falle einer Suspendierung der Reparationen 30 Millionen Pfund Sterling im Jahre e i n b ü ß e n. Großbritannien habe stets die Politik verfolgt, von seinen Schuldner nur so viel zu nehmen, wie zur Bezahlung seiner Gläubiger nötig sei, aber wenn die Schuldner Großbritanniens ihre Zahlungen einstellten, sei es die Frage, ob Großbritannien seine Zahlungen an die Bereinigten Staaten fortsetzen solle. Die britischen Minister hofften ehrlich, dies zu vermeiden, aber auf dem Kontinent würde die Möglichkeit einer Einstellung der Schuldenzahlungen an die vereinigten Staaten von den Staatsmännern allen Ernstes erwogen, falls die deutschen Zahlungen ausblieben. Der Korrespondent schließt: Mit dieser Möglichkeit wird sich zweifellos der Völkerbundsausschuß zur Untersuchung der europäischen Finanzlage befassen, und es wäre keine große lieber- raschung, wenn Anfang nächsten Herbstes, wo der Bericht des Ausschusses vorliegen wird, in dieser Frage eine überein st immende europäische Aktion zustande käme. Borahs Meinung über Deutschland. London, 9. Juni. (WTD. Funkspruch.) Der Reuyorker Korrespondent des „Daily Telegraph" gibt eine Aeuherung des Senators B o r a h wie- Senator B o r a h, einer der einflußreichsten Parlamentarier Amerikas. der, wonach dieser gesagt haben soll, die Zustände i n Deutschland seien „so schlimm, wie sie überhaupt nur sein können". Dorah begründet diese Mitteilung damit, dah er in letzter Zeit vieledirekte Mitteilungen auS Deutschland erhalten habe. Preußen und die Evangelische Kirche. Der Vertragsentwurf im preußischen Landtag. Die Möglichkeit, daß die Vereinigten Staaten von Europa gewissermaßen eingeladen werden könnten, der Wiederaufrollung der ganzen Kriegsschuldenfrage näherzutreten, wird von verschiedenen Mitgliedern des Kabinetts mit Unruhe betrachtet. Staatssekretär Stimson soll allerdings weniger beunruhigt sein, als der Präsident selbst. Die sich hier allmählich bemerkbar machende Auffassung, Schuldenverminderung und A b - rüstung als zusammenhängende Frage zu behandeln, betrachtet man gegen- wärttg nicht als eine Aufforderung an Europa, die Schulden- und Abrüstungsfrage zusammen aufzurollen. Vielmehr ist darin eine Andeutung zu erblicken, daß die Vereinigten Staaten, wenn sie aufgefordert werden sollten, die Schuldenfrage neu zu erwägen, dies nur im Zusammenhang mit der Abrüstungsfrage tun würden. Der Korrespondent weist dazu auf den gestrigen Leitartikel der Washingtoner „Dailn News" hin, der seiner Meinung nach in diesem Zusammenhang Gedankengänge enthalte, die in weiten Kreisen Aufnahme fänden. In dem Artikel heißt es, die Fiktion der Washingtoner Regierung, daß Reparationen und Schulden nichts miteinander zu schaffen hätten, bräche zusammen, aber die Verminderung oder gar Streichung der Schulden sei eine zu einfache Lösung. Es müsse doch im Auge behalten werden, daß Amerika bereits 25 bis 75 Lents pro Dollar an Kriegsschulden gestrichen habe und daß die alliierten Regierungen die ihnen dadurch ermög- Berlin, 8. Juni. (WSR.) Der Preußische Landtag, der heute nach der Pfingstpause wieder zusammentrat, erledigte die erste Lesung des Vertrages mit den evangelischen Landeskirchen und das Pfarrbesoldungsgesetz. Kultusminister Grimme leitete die Beratung mit einer längeren Rede ein, in der er u. a. sagte: Zwei Motive hätten die preußische Staatsregierung zur Vorlegung des Vertrages bestimmt, einmal nach dem Abschluß des katholischen Kirchenvertrages die Rücksicht auf die anderen, sodann die Tatsache, daß das Jahr 1918 auch in dem Verhältnis zwischen Staat und Kirche eine grundlegende Veränderung mit sich gebracht habe. Die Aufgabe des Landtages sei es, zu prüfen, ob der Vertrag die staatlichen Interessen unzweideutig sichere, insbesondere ob er den staatlichen Hoheitsrechten ausreichend gerecht werde. Die vertragliche Sicherung der ' Staatshoheit, die politische Klausel, sei am stärksten umstritten gewesen. Diese Klausel sehe der Freiheit der Kirchen eine Grenze, die jedoch nicht von der angeblichen staatlichen Macht gezogen sei. Sie sei nichts als die Grenze, die zwischen der Freiheit der Kirche und der Freiheit des Staates zu beachten sei. Die politische Klausel bezwecke die Beseitigung eines Zustandes der letzten sieben Jahre, demzufolge eine einseitige Verpflichtung des Staates gegenüber den Kirchen vorlag, ohne daß die Kirchen zugleich auch von sich genötigt waren, auf die Lebensinteressen des Staates Rücksicht zu nehmen. Darum die Verpflichtung der Kirchen, dah sie m ihre leitenden Aem ter niemand berufen, von dem nicht bei der preußischen Staatsregierung festgestellt sei, daß Bedenken politischer Art gegen ihn nicht bestehen. Die Anerkenntnis der politischen Klausel durch die Kirchen stelle ein Politikum ersten Ranges dar. Sie sei zu werten als Ausdruck des kirchlichen Verantwvrtungs- bewuhtseins gegenüber der in der Verfassung bestimmten staatlichen Lebensform. 3n dieser Anerkenntnis komme auch bet Wille bet kirchenbehörben zu einem positiven Verhältnis zum Staat zum Ausdruck, so daß es geeignet sein dürfe, die Ueberwindung des Mißtrauens der republikanischen Kreise gegenüber der politischen Einstellung der evangelischen Kirchen anbahnen zu helfen. Es wäre ein nationaler Gewinn, wenn fortan gewisse kirchlich gebundene Kreise aus der Tatsache, dah sich der Die deutschen Romantiker. Zum Brande des Münchener Glaspalastes. Von Karl Hochstetler. Was in der Rächt zum Samstag im Münchener Glaspalast vernichtet wurde, ist nicht zu ersehen. Die deutsche Kunst hat einen Verlust erlitten, der nie wieder gut gemacht werden kann. Es ist nicht so, dah man an diesem Grabe von einem toten Freunde Abschied nehmen könnte. Hier hat das Messer eines unbarmherzigen Chirurgen sinnlos ein Glied aus dem Kunstkörper einer Ration herausgeschnitten, das gesund war, wie nur irgendeines — nein, das gerade in diesen Jahren wieder zu einem neuen, in viele Richtungen hin anregenden Leben erwacht war. Es ist noch nicht sehr lange her, dah man die Schule der Romantiker als veraltetes, in unserer realen Zeit unnützes Heb erbte ib fei eines vergangenen Jahrhunderts zum Gerümpel warf, ein Objekt billigen Spottes in der Zeit der Wolkenkratzer und der Sachlichkeit. In den Galerien stiefmütterlich behandelt, auf den Auktionen kaum gefragt, spielten die Meisterwerke dieser Epoche nur noch eine klägliche Rolle als Vorbilder für eine stets florierende Postkarten-Kitsch-Jndustrie. Wenn man von ihnen sprach, so geschah es kaum anders, als um einen Maßstab zu finden, an dem man die „Gröhe" der neuen Kunst beweisen könne. Dann kam der älmschwung. Richt überraschend — wie so viele glauben machen wollen. Er war begründet in einer Massensehnsucht, die aus den steinern starren Formen des Alltags sich hin- überretten wollte in das Reich eines tieferen Gefühls. Gefühl — ein Begriff aus Schullesebüchern, ein Erinnern an längstvergessene Klassiker-Aufführungen für die Jugend, in den Schau» spiel-Eleoen mit rollenden Augen erschütternde Gemütsbewegungen markierten. Gefühl — was hatte es zu suchen inmitten einer von Dag zu Tag phantastischeren Technik, unter Aeroplanen und drahtlosen Telegraphen, in einer Zeit der gewaltigsten sozialen und politischen älmwälzun- gen, die daS Gesicht unseres Erdballs neu zu formen begannen. Aber in irgendeiner Ecke dieser technisierten Epoche verborgen, ängstlich gehütet, sah etwas und wartete, etwas, das sich nicht so einfach aus- rotten lieh: das Jndividium. ilnb eines Tages brach es hervor und verlangte sein Recht. Es stellte keine hohen Ansprüche — es wollte nichts, als dah man seine Existenz erkenne. Die „ilmtoertung aller Werte" auf allen Gebieten. geistig, technisch, soziologisch ging auch an dieser Sphäre nicht spurlos vorüber. Aber das Erwachen des Gefühls, diese Reaktion auf die Mechanisierung des einzelnen, brachte die Werte wieder ins Bewußtsein zurück, die unter tem Schutt des Reubaues begraben worden waren. Die Romantiker wurden ans Tageslicht gezogen, man begann ihre Bedeutung im geschichtlichen Verlauf zu erkennen, ihren Einfluh nicht nur auf die Entwicklung der deutschen Kunst, sondern auf das gesamte geistige Leben Europas. Anersehliche Meisterwerke, mit vielen Mühen und großer Sorgfalt zusammengetragen, sind dem Brande zum Opfer gefallen, die Spitzenleistungen einer ganzen Generation. Drei Hauptwerke von Karl Blechen, der als einer der ersten die Geheimnisse der modernen Malerei erkannte, acht von Caspar David Friedrich, dessen Kunst man sich gerade jetzt mit Immer größerer Liebe und Aufmerksamkeit zu widmen begann, das schönste Bild von Philipp Otto Runge, „Wir Drei", ein nie zu verschmerzender Verlust, sechs Bilder von Moritz von Schwind — die Reihe konnte ins Unendliche verlängert werden. Vierzig deutsche Galerien hatten ihre Schätze nach München zu dieser Kollektivausstellung geschickt. Sie müssen jetzt einen Verlust von 30 Millionen Mark beklagen. Es Hai keinen Sinn, viel Worte zu verlieren. Dieser Brand ist eine Tragödie, er raubt dem kulturellen Geben Deutschlands Werte, die immer von neuem hätten befruchtend wirken können. Oer unvollkommene Trmmph. Von Max Gidow. Marquise de S6vigne, die nachmals durch ihre Briefe berühmt wurde, galt unter den vielen schonen Frauen, die am Hofe Ludwigs XIV. glänzten, für eine der schönsten. Roch in reiferen Jahren hatte sie sich soviel von dem Liebreiz ihrer Jugend zu wahren gewußt, dah man nicht leicht das wirkliche Alter der geistvollen Frau erraten konnte, zumal sie auch eitel genug war, das Jahr ihrer Geburt zu verschweigen oder es, so oft sie das für nötig hielt, zu korrigieren. Run wußte man jedoch in der Hofgesellschaft, daß sie und die Fürstin d'Harcourt am selben Tage geboren waren, und darum schien es der Marquise eines Tages geraten zu fein, mit ihrer Altersgenosfin ein Abkommen zu treffen. Sie fand die Fürstin, die neben der noch immer scharmanten Ssvigne allzu ältlich und matronenhaft wirkte, vor einem Spiegel des Schlosses zu Versailles, begrüßte sie heiter und rief lebhaft: „Madame, wir muffen uns einigen. Bitte, bestimmen Sie, welches Alter wir angeben sollen!" „Gewiß", erwiderte die Fürstin spitz, „ich sehe die Notwendigkeit einer Verständigung Wohl ein. Aber warum fragen Sie mich und nicht besser Ihre Eitelkeit?" Frau von Sövigns schien die Bosheit der Antwort zu überhören. Mit all dem Zauber ihrer natürlichen Anmut trat sie neben die Fürstin, legte den Arm um sie und wies mit beinahe aHichtsloser Gebärde zum Spiegel. „Wäre das nicht ein wenig gefährlich?", fragte sie zurück. „Meine Eitelkeit ist so jung, daß man ihr nur allzu leicht glauben würde. Jedoch, Madame, welches Argument hätte dairn Ihre Bescheidenheit vorzubringen?" Die 5ütjtin wandte sich brüsk ab. Frau von Ssvigne aber blieb vor dem Spiegel stehen, froh ihres Sieges, aber zugleich bedauernd, dah dieser Triumph unvollkommen bleiben muhte: beim sie konnte ihn nicht kolportieren. Kunstausstellung Darmstadt 1931. Am Sonntagvorinittag wurde in Darmstadt die Kunstausstellung der Reuen Hessischen Arbeitsgemeinschaft für bildende Kunst „Darmstadt 1931" mit einer schlichten Feier eröffnet. Oberbürgermeister Mueller begrüßte insbesondere die Vertreter des Reichsverbandes bildender Künstler, der in diesem Jahre hier seine Mitgliederversammlung abhält. Die Beteiligung an der Ausstellung ist erfreulich stark und weist über 300 Rummern auf. Reben den Gemälden ist reichlich Graphik und plastisches Schaffen von auffallend guter Qualität vertreten. An der Ausstellung sind beteiligt die Freie Vereinigung Darmstädter Künstler, die Darmstädter Gruppe, die Darmstädter Sezession, der Drei-Städte-Bund, die Allgemeine Deutsche Kunstgenossenschaft, die Vereinig, bildender Künstler, die Mainzer Gruppe, der Bund Offenbacher Künstler und die Künstlergruppe Worms. Ein Gang durch die Ausstellung zeigte, dah trotz der schweren materiellen Rot der Künstler ihr Schaffen ungebrochen ist. Gustav Hartung, Generalintendant des Hessischen Landestheaters. Die Hessische Amtliche Pressestelle in Darmstadt teilt mit: Die Derwaltungskommission des Hessischen Landestheaters hat heute Gustav Hartung als Rachfolger des nach Berlin berufenen Generalintendanten Carl Ebert mit Mehrheit gewählt. Wenn sich die Derwaltungskommission nach sorgfältigster und gewissenhafter Prüfung aller Bedenken und Llmstände zu dieser Wahl entschlossen hat, so waren ausschließlich der Wunsch und der Wille maßgebend, der durch eine immer schwierigere wirtschaftliche Lage bedrängten Bühne eine Leitung zu sichern, die einem Höchstmaß künstlerischer Anforderungen und wirtschaftlichen Erfahrungen genügt. Sie erkennt hierin den einzigen Weg, den hohen Stand der hessischen Lan- desbühne sicherzustellen, der allein das in dey deutschen Theaterwelt einzigartige Interesse der Bevölkerung zu erhalten und den Aufwand öffentlicher Mittel zu rechtfertigen vermag. Die Derwaltungskommission gibt der Hoffnung Ausdruck, dah ein so bewährtes Publikum wie das des Hessischen Landestheaters, in wohlbegründetem Vertrauen auf die zu erwartende künstlerische Arbeit seiner Bühne die Treue hält und sich vor allen Dingen von politischen und theaterfremden Erwägungen nicht beeinflussen läßt, die weder aus der Persönlichkeit des neuen Intendanten noch aus den Motiven der getroffenen Entscheidung hergeleitet werden können. Der Nachfolger des Generalmusikdirektors Dr. Karl Böhm wird in Kürze bestimmt werden. ♦ Wie ein WSN.-Bericht aus Darmstadt ergänzend mitteilt, entschied sich die Wahlkommission, die sich aus Vertretern von Staat und Stadt zu- sammensetzt, nach ernsten Auseinandersetzungen für den Berliner stellungslosen Intendanten Gustav Hartung, der schon einmal an der Spitze des Hessischen Landestheaters stand, als den Nachfolger Carl Eberts, der bekanntlich nach Berlin geht. Für Hartung setzten sich die Kommissionsmitglieder Staatspräsident Adelung, Innenminister Leuschner, Ministerialdirektor H r ft a d t und Stadtrat Ziegs wärmstens ein, während Finanzminister Kirnberger, Oberbürgermeister Mueller und Justizrat Bender Hartungs Wahl aufs schärfste bekämpften. - Staat von Weimar zu dem Vertragsabschluß bereit finde, die Verpflichtung ableiten bürfen, diesem Staat in Zukunft nicht mehr ju unterstellen», dah sein Wille durch religiöse Parität Religionsfeindschaft bedeute. Oie Stellungnahme her Parteien. Inder Aussprache wurde der Vertrag von den Kommunisten und auch von dem Redner der Dolksrechtspartei scharf abgelehnt. Der deutschnationale Redner erklärte, dah seine Freunde starke Bedenken gegen die pvlitischeKlausel hätten und ihre Haltung von der Ausschuhberatung abhängig machen würden. DaS letztere erklärte auch der sozialdemokratische Redner, der bcanftanbete, dah der Grundsatz der Parität bisher auf die Freidenkerorganisationen nicht angewendet worden sei. Der Vertreter der D e u t - schenVolkspartei erklärte, dah verschiedene seiner Freunde dem Vertrage nicht zustimmen: würden. Die Deutsche Dolkspartei wünsche nicht, dah etwa durch die Auslegung des Vertrage-unl ie b s a m e kirchliche Würdenträger gehindert tocrben, sich in der Tagespresse kritisch zu Angelegenheiten der Tagespolitik zu äuhern. Auch die Deutsche Fraktion behielt sich ihre Stellungnahme bis zur Ausschuhberatung vor. Die Redner der Staatspartei, der Wirtschaftspartei und d«S Christlich-Sozialen Volks- d i e n st e S stimmten dem Vertrag trotz einiger Bedenken zu. Beide Vorlagen wurden darauf dem Hauptaus» schuh >üb erwiesen. Wiederaufnahme der deutsch - rumänischen Handelsvertrags» Verhandlungen. Berlin, 9. Juni. (TU.) Die deutsch-rumänischen Handelsvertragsverhandlungen sind gestern in Berlin wieder ausgenommen toorbcn. Deutscherseits werden sie von Ministerialdirektor Posse geführt. Kunst und Wissenschaft. fiünfllerempfang im hessischen Slaalsminislerium. WSR. Darmstadt, 8. Juni. Staatspräsident Dr. Adelung empfing heute nachmittag aus Anlah der Tagung des Reichsverbandes der bildenden Künstler TeutschlandS die hier anwesenden Teilnehmer im Staatsministerium. Er hieb den Reichsverband bildender Künstler im Ramen der hessischen Regierung herzlich willkommen. Der Staatspräsident ging aus das Verhältnis zwischen Kunst, Künstler und Volk in der heutigen Rotzeit ein und erklärte, bei aller eigenen Rot und in allen seinen Sorgen werde der Staat nicht vergessen, dah auch die Kunst und der Künstler seiner Förderung bedürfe. Ich dcrrs, so erklärte Staatspräsident Adelung, sür uns in Hessen in Anspruch nehmen, dah wir es uns in dieser Verantwortung nicht haben leicht werden lajfen, und dah wir uns immer bemüht haben, zu tun was irgend möglich ist. Wir haben uns bemüht, über die uns vom Landtag noch stets bewilligten Mittel hinaus Hilfsquellen zu erschlie- h e n und Helfer zu finden, wo wir nur konnten. Ich darf für das kleine Land Hessen, das stolz ist auf seine Kulturgüter und stolz auf den Ruf, den es aus mannigfachen Gebieten der Kunst errungen und behauptet hat, in Anspruch nehmen, dah eS sich im Vergleich mit anderen Säubern sehenlassen kann. Wir bekennen uns dazu, dah es Dinge gibt, die mindestens so wichtig sind wie das, was sich in Zahlen und statistischen Tabellen ausdrücken lässt, und dazu gehört in allererster Linie die Kunst. Im Ramen des ReichsverbandeS bildender Künstler dankte Professor H o e n e - München sür den Empfang. Prof. Hoene gedachte auch der Katastrophe in München, die von den Künstlern weniger wegen der materiellen Verluste, als wegen des zerstörenden Einbruchs in ihr LebenSwerk beklagt werde. Es sei zu wünschen, dah das allgemeine Mitgefühl zu einer Welle der Begeisterung für die Kunst anwachse. Aus oller Welt. Der Hemarque-JUm für geschlossene Veranstaltungen zugelassen. Berlin, 8. Juni. (ERD.) Der Filmprüfstelle Berlin lag heute der Remarque-Film »ImWesten nichts Reues" nochmals zur Prüfung vor. Der Film wurde auf Grund des durch Reichstags- beschluh vom März im Lichtspielgeseh neu eingefügten Paragraphen 24 zur Ausführung in Deutschland zugelassen. Der Film darf nur in geschlossenen Veranstaltungen von Vereinigungen von Kriegsteilnehmern und solcher Verbände gezeigt werden, die der Friedensbewegung angeboren, oder die internationale Verständigung anstreben. Die Untersuchung über die Münchener Drandkatastrophe. München. 9. Juni. (WTB. Funkspruch.) Der Brandabteilung der Polizei wurden verschiedene Mitteilungen über die vermutliche Entstehungs- Ursache der Brandkataftrophe des Glaspa l a st e s gemacht. Die Polizei prüft diese Angaben gegenwärtig nach, scheint aber bei der Ansicht zu verbleiben, dass höchstwahrscheinlich der Brand auf chemische Vorgänge (Selbstefttzündung der Ma- terialien) zurückzusühren ist. Dieser Standpunkt soll auch in einem Gutachten des Polizeichemikers vertreten sein. Gestern nachmittag wurde mit den Aufräumungsarbeiten begonnen. Abends stürzte ein Teil des ragenden Gebälks am Weftflügel mit großem Getöse ein, wobei zwei etwa 8 Meter lange Teile bis in die Sophienstraße geschleudert wurden. Qm Namen der Reichsregierung hat Vize- rangier Dietrich folgendes Telegramm an die bayerische Staatsregierung gerichtet: „Die Nachricht von dem unersetzlichen Verlust, den die deutsche Kunst durch den Brand des Münchener Glaspalastes erlitten hat, bewegt d i e Reichsregierung aufs Tiefste. Mit dem Lande Sanem und der Kunststadt München trauert das deutsche Volk um die Werke dieser lebenden Meister und um die ehrwürdigen Schätze der deutschen 2krgangenf)eit." Französisches Indienflugzeug abgeflürjf. Drei lote. Paris, 8. Juni. (TU.) Wie Companie Air-Orient berichtet, ist zwischen Indochina und Frankreich das verkehrende Postflugzeug südlich von Akyab (Birma) in einen Fluß aestürzt. Die drei Piloten ertranken. Passagiere befanden sich nicht an Bord. Havas fügt hinzu, daß vermutlich doch ein Fahrgast das Flugzeug benutzt und ebenfalls den Tod gefunden habe. Massenvergiftungen. Paris, 9. Juni. (WTB. Funkspruch.) 53 bei Dauarbeiten im Bahnhof von Trouville beschäftigte Arbeiter sind an Dergif tun gS e r- scheinungen erkrankt. Einer von ihnen, ein Italiener, ist gestorben. Die Erkrankungen sollen auf den Genuss von vergifteten Lebensmitteln zurückzuführen sein. Es heisst, es sei nicht ausgeschlossen, dass ein Arbeiter auS Rache seinen Kameraden das Essen vergiftet habe. Aus der Provinzialhauptstadt. Giessen, den 9. Juni 1931. Zatsche Tierliebe schadet! Eine Bitte an die Daldbesucher. Alljährlich fallen zahlreiche Rehkitze (Rehkälber) in den Wäldern und Feldern der in diesem Falle unangebrachten Tierliebe der Ausflügler zum Opfer. Die Kitzchen, im allgemeinen setzt das Reh zwei, sind in der ersten Zeit noch zu schwach, der Mutter überallhin zu folgen. Bei der Aufnahme der Aesung entfernt sich die Ricke oft mehr oder weniger weit von ihnen oder zieht sich beim Herannahen von Menschen vorsichtig zurück, während die Kälbchen sich in hohem Grase unsichtbar zu machen suchen. Sulche Tierchen werden nun häufig von Spazier- gänaern gefunden, als „mutterlose Waisen" angesehen und zur nächsten Försterei gebracht oder mit nach Hause genommen. Letzteres ist übrigens als Jagdvergehen strafbar. Auch glauben die unerfahrenen Tierfreunde, das „Fiepen" ober Angst- geschrei der Kitze, durch das sie nur die Ricke auf die ihnen drohende Gefahr lnsttnktiv aufmerksam machen, wäre durch Hunger verursacht, und schon wird versucht, dem Tierchen irgend etwas ganz Un- bekömmliches, wie z. B. Schokolade, Brötchen, Milchkaffee, einzuflößen. Die mitgenommenen oder auf der Försterei abgegebenen Kitzen gehen in den allermeisten Fällen infolge falscher Ernährungsweise — die Muttermilch des Wildes ist eben kaum zu ersetzen — elend zugrunde. Der Schaden, der alljährlich auf diese Weise dem Rehwild, besonders in der Nähe von größeren Städten, zugefügt wird, ist bedeutend und läßt sich vermeiden, wenn jeder Ausflügler als wahrer Tierfreund sich von etwa ausgefundenen Kitzen, ohne sie zu berühren, sofort entfernt und sie ihrem Schicksal überläßt. Er kann fest überzeugt sein, daß die Ricke bald zu ihren Jungen zurückkehrt, um sie zu säugen und langsam in eine in der Nähe liegende bessere Deckung zu führen. Auch an die Hundebesitzer sei die Bitte gerichtet, gerade in der jetzigen Zeit in Wald und Feld ihre Hunde so zu führen, daß sie sie fest in der Hand haben, denn im Handumdrehen hat sich die Tragödie des Abwürgens eines Kitzcs oder sonstigen Jungtieres, oder die Zerstörung eincs mit Eiern ober Jungen besetzten Vogelnestes ab- gespielt. Sommerfest her Gießener Siuhenienschast. Die Gießener Stubentenschaft unb bie Stubentenhilfe veranstalteten auch in biefem Jahre mieber ein graßangelegtes Svmmerfest in ber Vvlkshalle, bas mit viel Sorgfalt bem Fest- charakter entsprechend außgeftattet war. Diele Gäste — etwa 1400 Besucher wurden gezählt — fanden sich ein, so daß bald ein lebhafter Betrieb herrschte unb eine fröhliche Stimmung sich entwickelte. Die Jugend, die das Fest beherrschte, widmete sich sofort eifrig dem Tanze. Die Geräumigkeit der Halle bot außerdem die Möglichkeit zu unterhaltsamer Promenade, man ließ sich an Tischen nieder, die sehr geschickt, gleichsam nach „Gärtnerin Art" im Saale untergebracht waren. Eine schneidige Musikkapelle, die Kapelle Rusch, wartete mit guten Darbietungen auf. Aber die Möglichkeiten der Belustigungen erschöpften sich nicht im Tanze, viel- mehr waren eine Reihe von Einrichtungen geschaf- fen, die wesentlich zur Hebuna der Stimmung beitrugen. Eine sehr stark in Anspruch genommene „real american bar“ barg einen kleinen Tanzraum, eine formgerechte „Theke": in der „Texas-Bar" waren Spirituosen greifbar, wie man sie wohl im wilden Westen von USA. liebt, daneben befand sich aber gleich ein Schießstand, an dem der Besucher feine Zielsicherheit beweisen konnte. Zur weiteren Illustrierung knallten hin und wieder wilde Schüsse durch die Halle. Für die wenig kriegerisch gestimmten Gäste war eine Kegelbahn eingerichtet, auf der es um so harmloser zuging. Mit Gummibällen wurde auf dieser Kegelbahn nach Pappekegeln gerollt. Eine Apfelweinbude, von Papierlampions magisch beleuchtet, ein Tombola, Zigarren-Kiosk und Mineralwasserdude fehlten nicht. Für Speise und Trank war reichlich gesorgt. Das offizielle Programm des Abends brachte zu- nächst einen humorvollen Sketsch von Dr. Ritter, der unter ber Mitwirkung breier Stubenten von Mitgliedern des Stadttheaters (E. W i e l a n d e r , P. Nieren unb Dr. Ritter aufgeführt wurde unb herzlichen Beifall fanb. Heinrich H u b fungierte als Conferencier unb entlebigte sich feiner Ausgabe mit viel Geschick. Das Ehepaar Bä ulke wartete mit einigen Tanzszenen auf unb fanb ebenso herzlichen, wie wohlverdienten Beifall. So gefiel zum Beispiel der Puppentanz von Frau Bäulke, der anläßlich der Aufführungen von „Robert und Bertram" im Stadttheater gezeigt wurde, sehr gut, nicht weniger der groteske Gummitanz von Herrn Bäulke, schließlich aber eine sehr geschickte Jazz- Creation. Schließlich erreichte die Stimmung ihren Höhepunkt, als eine Clowntruppe unter Leitung von „Direktor Hub" den Saal betrat unb halb von einem Kreis vieler Zuschauer eng umschlossen war. Die Truppe brachte zugleich ben Esel mit, ber sonst srieblich am Flugplatz weibet, unb trieb mit ihm harmloses Allotria. Der Rest des Abends und der frühe Morgen waren dem Tanze gewidmet. Herr Hub und Frl. Ilse Jahn unterhielten in der American-Bar die Gäste mit guten humoristischen Darbietungen. Die Gesamtleitung des Festes hatte der Vorsitzende der Studentenhilfe, Seine Magnifizenz der Rektor Prof. Dr. Eger, übernommen. Die verschiedenen Einrichtungen hatten die Korporationen geschaffen, die Texas-Bar hatten die Adelphen eingerichtet, Frankonia schuf die Tombola, Hasso-Rhenania zeichnete für die Kegelbahn verantwortlich und die Alemannen hatten die Apfelweinstube in ihrer Obhut. Die Herren Referendar Schmidt, stud. Knier unb Haupt hatten sich für bie humoristische Szene zur Verfügung gestellt unb erwiesen sich babel als »ehr geschickt. Die musikalische Leitung lag in Hän- ben von cand. med. Rusch. Die Vorarbeiten unb ben Aufbau erlebigte unter ber Mitwirkung ber Korporationen cand. med. ff r eie. Das Fest, dessen Reinertrag ber Gießener Studentenhilfe zufließen soll, nahm in allen Teilen einen wohlgelungenen Verlauf. Taten für Dienstag, S.Iuni. 68: der römische Kaiser Nero endet durch Selbstmord; — 1672: Zar Peter in Moskau geboren; — 1870: der englische Dichter Charles Dickens auf Gadshill Place bei Rochester gestorben; — 1884: Grundsteinlegung zum Reichstagsgebäude in Berlin. Bornotizen. — Tageskalender für Dienstag. Technischer Verein: Monatsversammlung im „Augu- ftiner". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Königin einer Nacht". — Aus dem S t a d 11 h e a t e r b u r e a u wird uns geschrieben: Das Ensemble-Gastspiel Lottina Baart, E. L. Franken und Kurt Unser wird am Dienstag, 16. Juni, als 4. Vorstellung im Sommerabonnement mit einer Aufführung der Tragödie „Nju" von Ossip Dymow die Reihe der Gastspiele der Sommerspielzeit fortsetzen. Das Gastspiel beginnt um 20 Uhr. Es gelten ermäßigte Sommer- preise. — Die Oberheffische Gesellschaft für Ratur - und Heilkunde (Raturwiften- schaftlichc Abteilung) veranstaltet am morgigen Mittwoch. 20.15 älhr, im Hörsaal des Chemischen Laboratoriums (Ludwigstralsse 21) einen Vortragsabend. Als Redner sind Dr. med. h. c. Fritz SieII, München, und Dr. Derek, Wetzlar, gewonnen. RähereS in der heutigen Anzeige. — Vortragsabend mit Schaukochen. Die S)au3fraucnberahmg Giessen veranstaltet in Verbindung mit der Firma ©ebr. Roeder AG. (Darmstadt) am Donnerstag, 11., und am Freitag. 12. Juni, 20 Llhr im Cas6 Leib, je einen Vortragsabend mit Schaukochen. Zugleich wird mit diesen beiden Veranstaltungen eine P or» zell an - Sonder aus st ellung verbunden fein. Ausserdem werden fünf gedeckte Tische gezeigt (Kaffeetisch, Teetisch, Dowlentisch, Jung- gesellentisch und eine Hochzeitstafel), die die besondere Aufmerksamkeit der Frauen finden dürften. Schliesslich ist eine Verteilung von Rezepten und Kochproben vorgesehen. Hausfrauen, die sich für neuzeitliche Küche und für Tischkultur interessieren, werden manche Anregung erhalten. Rä» heres in der gestrigen Anzeige. •• Vom Botanischen Garten. Aller Voraussicht nach wird Dienstag, Mittwoch und Donnerstag abend die „Königin der Rächt" im Kakteenhaus des Botanischen Gartens blühen. Räheres wird in den Abendstunden an den Eingängen des Botanischen Gartens (Brandplatz und Senckenbergstrasse) durch Anschlag und Plakat mitgeteilt werden. Das Kakteenhaus wird an den Abenden, an welchen die „Königin der Rächt" blüht, von 20 Uftr ab geöffnet sein. ** (Ein Fünfundsiebzigjährlger. Der Schuhmachermeister Georg Wink, wohnhaft Am Nahrungsberg 18, feiert heute in geistiger unb körperlicher Frische seinen 75. Geburtstag. *' P f er delotterie - Gewinne sind abzuholen! Wie die Stadtverwaltung mitteilt, sind noch verschiedene Gewinne der letzten Pferdelotterie nicht abgeholt worden. Die Inhaber der Gewinnlose seien darauf aufmerksam gemacht, dass die Gewinne bis zum 2 5. Juni ab» geholt sein müssen, da nach diesem Zeitpunkt jeder Anspruch daraus verfällt. ' Volkstümliche Rheinsahrt. Wie uns vom Hapag-Reisebureau Giessen mitgeteilt wird, findet in diesem Jahr nur eine volkstümliche DHeinfahrt am Sonntag, 26. Juli, statt. Der Preis ist auf 11,50 Mark herabgesetzt bei einer Anzahlung von 6 Mark. Die Abfahrt mit dem Sonderzug erfolgt um 6.32 Uhr mit Haltestellen in Grossen-Linden, Lang-Göns, Butzbach, Bad-Rauheim und Friedberg. Für die Rhein» fahrt ab Mainz ist ein Sondersalondampfer gemietet. Für Musik, Tanz und Unterhaltung ist Sorge getragen. Sowohl in Rüdesheim, als auch in Assmannshausen und Koblenz ist ein Aufenthalt von je über zwei Stunden vorgesehen, so dass den Teilnehmern Gelegenheit geboten ist, das Riederwalddenkmal, sowie die Winzerstuben in Rüdesheim und Assmannshausen zu besuchen. Auch in Koblenz ist genügend Zeit vorhanden, um dem Deutschen Eck, dem Weindorf usw. einen Besuch abzustatten. Der Sonderzug trifft um 22.16 Llhr wieder in Giessen ein. (Räheres siehe im heutigen Anzeigenteil.) ** EntflohenerStrafgefangener. Der 31jährige Willi S cf) n i e b aus Dresden, der im Zuchthaus Marienfchloß bei Butzbach eine Strafe zu verbüßen hatte unb erst im April bes nächsten Jahres entlassen werben sollte, würbe mit Außenarbeiten beschäftigt unb entfloh gestern bei biefer Gelegenheit. Die Nachforschungen nach bem Flüchtling sind im Gange. Tagung her oberhessischen Saniiäts- kolonnenführer. & Schotten, 8. Juni. Für die Freiwilligen Sanitätskolonnen vorn Roten Kreuz in Oberhessen fand gestern in unserer Kreisstadt ein Aerzte - und Führer- t a g statt, der einen sehr guten Besuch aufwies. Don 16 Kolonnen hatten 14 insgesamt 83 Teilnehmer entsandt. Vertreten waren die Kolonnen Bad-Rauheim, Gießern Alsfeld, Homberg a. d. O., Butzbach, Echzell, Friedberg, Ridda, Hungen, Leihgestern, Lauterbach, Laubach, Gedern und Schotten. Der Provinzialinspekleur, Sanitätsrat Dr. Hahn (Bad-Rauheim), der die Verhandlungen leitete, tonnte außer den Teilnehmern als Gäste Kreisdirektor Dr. Iann, Bürgermeister Menge!, den Kommandanten der Schotten er Freiwilligen Feuerwehr Stang, den Vorsitzenden vom Hessischen Landesverein vom Roten Kreuz, Geheimrat v. H a h n (Darmstadt) begrüßen, ferner als weiteren Vertreter des Hauptvorstandes des Hessischen Landesvereins, Generaldirektor Heim (Offenbach a. M.). Mit lebhaftem Interesse wurde zunächst ein Lichtbildervortrag von Fabrikant Willi Frankl (Offenbach a. M.) über „Gas- und Wasserrettungsdienst und Wiederbelebung" verfolgt. Der Redner behandelte eingehend at- tuelle Fragen des Wasser-, und insbesondere des Gasrettungsdienstes und fand für seine lehrreichen Ausführungen starken Beifall. Dem Vortrag folgte eine rege Aussprache, die ergab, welch große Bedeutung man heute allenthalben dem Gasschutz beimiht. äl. a sprach auch Geheimrat v. H a h n, der der Tagung die Grüße des Landesvereins vom Roten Kreuz überbrachte, und Mitteilen konnte, dah ähnliche Vorträge in allen hessischen Kolonnen in Aussicht genommen sind. Die für die Sanitätsmannschaften in Hessen gültigen Bestimmungen über Haftpflichtund Unfall behandelte Kolonnenführer Kratz (Gießen) in einem anschaulichen Referat. Die Ausführungen des Redners und die Im Anschluß art den Vortrag von Geheimrat v. H a h n gegebenen ergänzenden Erläuterungen wurden von den Kolonnenführern als wertvolle Anleitung für dis Handhabung der gesetzlichen Bestimmungen dankbar auf genommen. Eine längere Aussprache entspann sich übet die Frage, wie die einzelnen Kolonnen die Beträge für verbrauchtes Material und für Transporte einbringen und wie sich die Krankenkassen hierzu stellen. Zur Klärung der vorgebrachten Einzel» fälle trugen erläuternde Ausführungen von Stang. Schotten, wesentlich bei, die dieser in seiner Eigenschaft als Vorstandsmitglied der Kreiskrankenkasse machen konnte. Einen Einblick in die vielseitige Tä tigkei« des Roten Kreuzes in Hessen gab ein von Geheimrat v. Hahn erstatteter Bericht, der mit interessantem Zahlenmaterial belegt tourbc, So ist die Zahl der ersten Hilfeleistungen von 15 899 im Jahre IMS auf 25 732 in 1930 gestiegen. In noch höherem Masse wuchs die Zahl der Krankentransporte an, die mit über 8000 in 1930 fast das Dreifache von 1928 betrug. Mit lebhaftem Beifall ausgenommen wurde die Mitteilung, daß die Hauptversammlung des Hessischen La nde s ve r e i n S vom Roten Kreuz, die bisher immer in der Landeshauptstadt zusammentrat, in diesem Jahre am 18. Oktober in Gießen stattfinden soll. Für die erfolgreiche Ablegung der in Heften seit zwei Jahren eingeführten Führerprüfungen gab Geheimrat v. Hahn beachtenswerte Anleitung, ebenso für die Durchführung deS bevorstehenden Rotkreuztages, der nut dann zu einem vollen Gelingen führen könne, wenn eine gute Vorbereitung und Werbung fror» ausgegangen sei. Als Ort der nächstjährigen Führertagung tourde fron der Versammlung B ad-Rauheim bestimmt. Es ist jedoch möglich, dah die nachträgliche Meldung von Homberg a. d. O. vor Bad-Rauheim Derücksichttgung findet. Rachdem Kreisdirektor Dr. Iann und Bürgermeister Mengel aus die Bedeutung der Sanitätskolonnen für die im Vogelsberg heimisch! gewordenen Grohsportveranstaltungen hingewiesen und für die Wahl der Vogelsberger Kreisstadt zum diesjährigen Tagungsort herzlichst gedankt hatten, schloß Profrinzialinspekteur Sani» tätsrat Dr. Hahn die anregend verlaufene« Tagung mit einem Dankeswort an die Redner des Tages und die gastliche Stadt Schotten/ Bei einer Hebung, die am Rachmittag am! Steinbruch Lind stattfand, stellte die Kolonne Schotten ihr Können unter Beweis. In der Krittk fand sie denn auch die Anerkennung des Iw- spekteurs. Die Wetterlage. Beträten- ( Klagen«.. Vermont llr/T ©woixenios. ® neuer. (>naiD Dedeent® wollt ig. • oet/tcxi Oegttt * Schnee a Graupeln, b mcdci K Gewitter.(§)Wind$iilie.gl.)schneNstei^ turürfuif. Die Steilung» fuzbenben fmb dankbar bafür, wenn man ihre Bemühungen zur Erlangung ein. geeigneten Tössgkdt aus diese Weise uoterstüht und sind auf diese selbstverständliche pflicht auch angewiesen. G Setze «Lv A«,eisev Werkstatt au mieten ges., mögl. mit 4-Zimm.-Wohn. oder kl. Laden. Schr. Angebote unt. 03385 an den Gieß. Ana. | Stellenangebote | 3 bis 4 seriöse Herren mit gut. Garderobe aum Besuche von Geschälten bei hoben BerdienstmögUchkei- tenfüt sofort gesucht. Schnitt. Angeb. unt. 03371 an d. GH. Ana. Jüngerer Schuhmacher sofort gesucht. Schr. Angeb. mit Angabe des Alters unt. 03390 an den Gießen. Ana. Friseur-Lehrling gesucht. Schr.Ang. u. 03373 an d. GH. Anz. Wim für kaufm. Büro v. hiesiger Firma per sofort gesucht.Schr Angebote mitLichl- bild u. Lebenslaus unter 03368 an den Giehen. Anzeiger. Tüchtiges Sausmädchen welches kochen kann, per sos. gesucht. 03MI Seltersweg 45. Junges Mädchen für tagsüber gesucht. Schriftl. Angeb. unt. 03365 an d. GH. Ana. Zum 15. 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OtloStransky brlngtdie Schlager „Gnädige Frau, Sie sind ja so schön“ u. „Du bist die Königin im Reich der Liebe“, die schon v. Erscheinen d. Films populärsind. Im Beiprogramm: Ton-Lustspiel 3762 c Ufa-Wochenschau Lichtspielhaus - Gießen Heute Dienstag Premiere Die witzigste, spannendste, pompöseste Tonfilm- Operette des Jahres — große Ausstattung I inj sq Vottsiümikbe Nheiniahrt Sonntag, den 26. Juli 1931 Gießen, Mainz, Hildesheim, Niederwald-Denkmal, Aßmannshausen, Koblenz, Gießen Sonderzug u. Sondersalondampfer — Musik, Tanz u. Unterhaltung an Bord Gesamtvreis Mk. 11.50, Anzahlung Mk. 6.— Auf rum deutschen rrbeiu t Auskunft und Anmeldung durch: Hapag*Relsebüro, Gießen. Seltcrewec 89, Telephon 4197. Oberh. Gesellschail lür Nator- o. Heilkunde Naturwissenschaftliche Abteilung mittwoch, den 10. Juni, 20.16 Uhr pünktlich 1m Hörsaal des Chemischen Laboratoriums Ludwlgstraße 21 (Seiteneingang) 1. Heir Dr. med. h. c. Fritz Shell, München: Rationelles mikroskopisches Schauen u.Mikropbotographierenlm.Demonstr.) 2. Herr Dr. Berek, Wetzlar: Ueber den Ultropak (mit Demonstrationen). Zur Diskussion werden sprechen die Herren Prof. Schmidt und Prof. Becher. Gäste willkommen! 3896D H en n e b er g. Vorsitzender. CafeAmend lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Morgen Mittwochabend Zweites Sonderkonzert Neu! Neu! Neu! Gvavselschalev schält sparsam, äußerst billig empfiehlt 3891A Gdsav Bovemauu, Gretze« Irische Fische Mittwoch, Donnerstag, Freitag: Prima Schellfische, Kabeljau, Seelachs usw. srischeIischsilets WlhMMO Bahnhofstrahe 27 Fernsvr. 3631 03383 Älktien-GeseMchaft für modernen Bitumen- und Teerstraben» bau wünicht Arbeitögemeinschast mit leistungsfähigen Siraßenwalzen-Betrieben mit guten Beziehungen zu Landstraßen» bau-Behörden. Llngaben erbeten unter F. 31.877an Ala Haasenttein & Vogler, Frankfurt am Main.3902V Tomnaustnt. ten»»»«» Wer «mele ter-Afc teile» •»» sied'Ketiae.Lehryltnefrei. Oberförftcrei ZUarburg-Süb in Marburg, Fernsprecher 960, verkauft am Mittwoch, 17. b. 21L, 10 Uhr, im Oberförstergeschäftszimmer, Bismarckstraße 16b, das 4 km von Marburg-Ockershausen entfernte forst- fiskalische Dammühlengehöfl; das gesamte umfriedete Grundstück, Grund und Boden nebst Wohnhaus und anschließenden Wirtschaftsräumen, Hofraum und Garten = 1236 qm Fläche: auf Wunsch wird der anschl. Acker - 0,5 ha = 1,57 Thlr. Reinertrag mitverkauft. Vorzeigung des Gehöfts am Dienstag, 16. d. M., von 10 bis 1 Uhr, durch Herrn Staatsförster Kieber. Bauzeichnung und Vertrag können Bis- marckstraße 16b eingesehen werden. (39000 Mittwoch, den 10. Juni 1931, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich dahier, Neuenweg 28, „Zum Löwen", zwangsweise gegen Barzahlung: 39030 Büfetts, Kredenzen, Vertikos, Nähmaschinen, Warenschränke, Bücherschränke, Grammophone, Sofas, Pianinos, Schreibtische, Ausziehtische, Kleiderschränke, Chaiselongues, Zimmerteppiche, Trumeau- spiegel, Kommoden, Diwans, Kassenschränke, Tischdecken, Bettücher, Ladentheken, Motorräder, Schreibmaschinen, Gummibälle, Schweinekrausen, Mitteldärme, Kranzdärme, Schweineblasen, Rindsblasen, einen Rollschrank, einen Oekonomiewagen, Damenfahrräder, ein Fernrohr, eine Truhe, zwei Klubsessel, 13m Gummiverdeckstoff, 8 m Kokosläufer, eine Kuh, ein Dauerwellenapparat, eine Küchenanrichte, 100 Mistbeetfenster, drei Oelgemälde, einen Bilderschrank mit 95 Bildern, einen Kon- solschrank, eine Ständerlampe, Bürstengarnituren, Holzseroierbretter, Weißbinderbürsten, Türoorlagen, Waschleinen, Fensterleder, Bohner, Kleider-, Haar- und Gläserbürsten, Schwämme, Ausklopfer. Junker, Gerichtsvollzieher in Gießen Gerichtsvollzieher in Gießen Wiesecker Weg 16 — Telephon 3383 3n der General-Versammlung vom 31. Mai 1931 wurde die Umwandlung in beschränkte Haftpflicht beschlossen. Die Gläubiger werden aufgefordert, innerhalb des gesetzlichen Sperrjahrs sich zu melden. Großen-Buseck, den 6. Juni 1931. Landwirtschaftlicher Consumverein e. G. m. u. H. Reusch. 3887d Gans X. Zur Bekämphmt der Pflanzen-Schädlinge und Pilzkrankheiten alle entfprechenden Mittel fowie Zerftäuber Blumen-u. Obftbaumfpritzen in größter Auswahl Abners Rafenmäher Grasfcheren, Gießkannen Blumenftäbe, Rofenpfähle Raffiabaft uiw. Samenhaus Heinrich Hahn Bahnbofitrabe Telephon 3403 3854 A Lungenverschleimung harmäck. Husten. Luftröhrenkatarrh, Keuchhusten, Bronchialkatarrh, Asthma etc. behebt und lindert selbst in veralteten Fällen der schleimlösende Oellheim's Brust- u. Lungeuiee Preis Mk. 1,25. 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Juni 1931: %% Uhr (Zusammenkunft am Schlachthof) von den Wiesen im Neustädter Feld, bei dem Schlachthof, Hohleiche und auf der Insel: 9/ Uhr (Zusammenkunft am Viadukt in der Ederstraße) von den Wiesen in der Schwarzlach in 11 Abteilungen: 11 Uhr (Zusammenkunft in der Restauration von Georg Schrimpf, Kaiserallee 4) von den Wiesen im Heegstrauch, Rußland, Ohleberg, am Weiher, Throms Garten, eine Wiese hinter der Kläranlage und vom Obstbaumstück in der Licher Straße in vier Abteilungen: 14 Uhr (Zusammenkunft in der Restauration Philosophenwald) von den Wiesen im Wiesecktal und an der Eselswiese. Donnerstag, den 11. Juni 1931: 9 Uhr (Zusammenkunft an Ort und Stelle) an der Anneröder Straße, von den Wiesen am Altentisch und Utersbrunnen, anschließend an der Rödgener Straße von den Ochsenwiesen und den Wiesen im Stolzenmorgen. 13 Uhr (Zusammenkunft an Ort und Stelle) von den Wiesen in den Gemarkungen Großen-Buseck und Rödgen. Steigliebhaber, welche die Wiesen zu besichtigen wünschen, wollen sich an den städtischen Wiesenmeister Klos, Bückingstraße 4, wenden. Gießen, den 2. Juni 1931. Der Oberbürgermeister. 9.58.: Dr. Seid. Statt Starten! DieDerlobung unsererTochterAgnes mit Herrn Dr. med. et med. dent. Rudolf Kurz, Assistenzarzt, zeigen ergebenst an Oberst a. D. Kock und Frau Lydia, geb. Körner Gießen, den 10. Juni 1931 Agnes Kock Rudolf Kurz Verlobte Gießen Gießen Dariweg 14 Univ.-OhrenNIntt 3901 D RADIO . a\\e xxe'u\ass^\\0 BRINKMANN autorisierter Telefunkendienst Aelteste Fachfirma 3899 a Größte Erfahrung Verkäufe Herrschaftliches M-Zimmerte mit Garten in guter Lage unter günjtigen Bedingung, zu verk. Näheres 91. Becker, Kevlerstr. 9 I. [>M78 w- (Belegenljeilslfiufe Mehrere 4 PS Opel- Wiiiiruegswagen Limousinen und Cabriolets weit unter Katalogpreis mit Fabrikgarantie zu verkauf. ZahlungSerletchierg. Ovclauto, Gießen Frankfurt. Str. 52 56 Tel. 2817/48. s3742D SWfiflWOt gebraucht, mit samt!. 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(t) Vollmond d letztes Viertel CD § 11: STABEN Sterne: Kleine Buchst stabet) terlung des Sternhimmels, die zwar im grosten und ganzen genommen gewist sehr sinnig und reizvc^l ist, im einzelnen aber auch manche Schönheitsfehler aufweist, die man nur nicht gut beseitigen kann, weil sie schon Tausende von Jahren bestehen und eine Aenderung vermutlich mehr Streit Hervorrufen würde, als die ganze Sache wert ist. Da ist z. D. das Sternbild des Schlan- genträgers. das sich vom Herkules aus ziemlich tief nach Süden erstreckt: es wird nicht zu den Tierkreisbildern gezählt, obwohl die Tierkreislinie, die sogenannte Ekliptik, ein ganz hübsches Stück in ihm verläuft. Dieser Schlangenträger trägt übrigens eine Schlange, die teils rechts, teils links von ihm liegt, so dast dieses, übrigens an sich schon kleine Sternbild in zwei getrennte Teile zerfäTt, was natürlich sehr wenig zweck- mästig ist. digen Stelle zwischen die Sternbilder des Stiers und der Zwillinge einschiebt. Der Jupiter verschwindet nun ganz vom Abendhimmel, der Mars nimmt auch weiterhin ab, bleibt aber bis Monatsende sichtbar. Bemerkenswert ist sein Vorübergang am Regulus im Löwen am 9. dieses Monats. Die Venus wird als Morgenstern kaum beachtet werden, und so ist der wichtigste Wandelstern der Saturn geworden, der nun immer früher erscheint und von der Monatsmitte ab die ganze Rächt sichtbar ist. Auch in diesem Monat ist, wie im vorigen, der Vollnrond sehr knapp bemessen, er geht wiederum nach Sonnenuntergang auf und vor Sonnenaufgang unter. Auch auf dem Wettstreit der beiden Hellen Sommersterne Arctur und Wega sei besonders aufmerksam gemacht. Küstermann. Zurückhaltung war nicht zu verkennen, da die M'g- lichkeit einer Einberufung des Reichstags wegen der Notverordnung etwas geschäftshemmend wirkte. Das Angebot war sehr klein und wurde glatt ausgenommen. Die Spekulation schritt zu kleinen Deckungen. Gegen die gestrige Abendbörse ergaben sich daher meist leichte Besserungen, obwohl die Kursentwicklung nicht einheitlich war. Bis zu 1,5 v H. höher eröffneten JG.-Farben, Elektrowerte, Montanaktien, Zellstoff Waldhof und Wayß & Frey- tag. Letztere erschienen mit Plus-Plus-Zeichen. Am Kalimarkt zogen Salzdetfurth um 4 v. H. an. Niedriger setzten ferner noch ein Rütgerswerke, Süddeutsche Zucker, Karstadt, Mainkraftwerke und Buderus. Die Abschläge gingen jedoch nicht über 1 v. $j. hinaus. Die Banken lagen durchweg gut gehalten. Am Rentenmarkt lagen Altbesitz noch knapp behauptet. Bon fremden Werten Rumänen weiter leicht befestigt, dagegen verloren Mexikaner und Ungarn von 0,25 bis 0,50 v. H. Am Pfandbriefmarkt hatte das Angebot etwas nachgelassen Reichsschuldbuchsorderungen lagen etwa 0,75 v. S). höher. Im Verlaufe erfuhr das an sich schon geringe Geschäft eine weitere Einengung. Die Kurse bröckelten gegen den Anfang meist um 0,75 bis 1 v. H. ab, wo- tzei man auf die ungeklärte innerpolitische Lage verwies. Da auch zu den Kassakursen für Terminpapiere etwas größeres Angebot vorlag, gaben die Kurse später weiter leicht nach. Die Stimmung blieb unsicher. Am Geldmarkt war die Lage sehr leicht, so daß der Satz für Tagesgeld eine Ermäßigung um 0,5 auf 3 v. H. erfuhr. Am Devisenmarkt konnte sich die Reichsmark gegen das Pfund weiter etwas erholen. Man nannte Mark gegen Dollar 4,2135, Pfund 20,4990 London gegen Neuyork 4,8652, gegen Paris 124,24, gegen Mailand 92,95, gegen Madrid 50,65, gegen Schweiz 25,08, gegen Holland 12,0925. Berliner Börse. Berlin, 9. Juni. Die Ungewißheit hinsichtlich der außenpolitischen Entwicklung war zwar auch heute durch die im allgemeinen günstig lautenden ausländischen Pressestimmen noch nicht von der Börse genommen, es war aber doch schon im heutigen Bor- mittagsoerkehr eine gewisse beruhigende Auffassung festzustellen, die durch die Meldung eines Mittagsblattes, daß auch M a c d o n a l d nach Berlin kommen werde, noch verstärkt wurde. Auch die festere gestrige Neuyorker Börse (deutsche Werte waren allerdings überwiegend schwächer), die anhaltende Entspannung am Devisenmarkt und der Reichsbankausweis für die erste Juniwoche regten an. Der Gold- und Devisenabfluß entsprach mit 250 Millionen etwa den Erwartungen. Die Gesamtentlastung um rund 105 Millionen wurde aber als ausgesprochen günstig angesehen. Das Geschäft war im allgemeinen nicht sehr umfangreich, da es sich hauptsächlich auf Deckungen der Kulisse beschränkte, während von außenher nur spärliche Aufgabe eingetroffen war. Die B e s s e r u n g e n zu den ersten Kursen betrugen allgemein 1 bis 2 o. H. Kaliwerte, Rheinische Braunkohlen (auf unveränderte 10--D. H.-Dioidendenerwartungen), Svenska, Chade und Kunstseidewerte waren noch darüber hinaus gebessert. Nur Aschaffenburger Zellstoff fielen durch schwache Haltung auf und erschienen zunächst nur mit Minus-Minus-Zeichen. Später gelangten sie gegen ihre letzte Notiz vom 6. Juni 4 v. H. niedriger mit 52 v. H. zur Notiz. Anleihen etwa behauptet, Aus- länder geschäftslos. Türken nach gestriger Plus-Plus. Notiz heute Minus-Minus. Pfandbriefe schwächer, Reichsschutdbuchforderungen dagegen bis zu 0,5 v. H. gebessert. Geld unverändert. Im Verlaufe zunächst auf Deckungen weiter bis zu 0,75 v. H. höhere Kurse. Später aber bei nachlassendem Geschäft und völlig fehlendem Publikum wieder abbröckelnd. Die Hauptspezialwerte verloren hier bis zu 2 v. H. Als besonders schwachsind Nordddeutsche Wolle zu nennen, die bis 25,25 Mark nachgaben und Otavi, die, obwohl noch keine Stillegung des Kupferbergbaues geplant ist, auf 15,65 Mark zurückqinaen. Diese Sonderbewegungen drückten auch auf^ie^llgemein- stimmung und veranlaßten Glattstellungen der Kulisse, vereinzelt auch wohl Blankoabgaben. Kunst und Wissenschaft. Die Darmstädter Verluste im Münchener Glaspalast. WSR. Darmstadt, 8. Juni. Darmstadt, das die Ausstellung 1931 des Münchener Glas- Palastes mit zehn Bildern beschickt hatte, steht auch auf der durch den Riesenbrand verursachten Verlustliste, und zwar mit allen zehn Bildern. Davon entfallen drei auf hiesige Privatsammlungen, darunter die großherzogliche, sieben auf das Landesmuseum. Das Landesmuseum verliert folgende Stücke: 3. A. K o ch, «Wasserfall bei Tivoli"; Ramboux, „Brunnen bei Ar- riccia": 3ssel, „Die drei Kirchen in Paris"; K. Friedr. Lessing, „Mosellandschaft"; Anton Rade, „Waldeingang"; August Lucas, „Badende Frauen": Schwind, „Dame zu Pferd mit Page". Dem Kunstwert nach sind die verbrannten Bilder unersetzlich, wenn sie auch von der Münchener Ausstellungsleitung zum vollen angegebenen Wert versichert waren. Keine Aenderung der Aolverordnung? 3n 3 Wochen Aufrollung der Neparaiionsfrage? (Letzte Nachricht.) sehr ausgiebig waren, so genügten sie doch, um das Sehen der Dickwurzpflanzen vornehmen zu können. Auch für die bereits gesteckten und gekeimten Dickwurz war die Feuchtigkeit von großem Vorteil. Während der Stand des Wintergetreides als gut angesprochen werden kann, hat die S o m m e r f r u ch t, besonders Gerste, stark unter der Schädigung durch den Drahtwurm gelitten, so daß stellenweise sich große Lücken zeigen. = Reinhardshain, 8. 3uni. Zu der gestrigen Bürgermeisterwahl in unserem Dorfe waren zwei Wahlvorschläge eingereicht. Als Kandidaten waren der seitherige Bürger- ftieistcr und Landwirt Heinrich Gieß und Schmiedemeister Heinrich Johannes W e n z e l genannt. Gieß erhielt 115, Wenzel 73 Stimmen: Bürgermeister Gieß wurde also wiedergewählt. Wirtschaft. * Zechen st illegungen und Arbeiterentlassungen im Ruhrbergbau. Die Gewerkschaft des Steinkohlenbergwerkes „Ewald" in Herten zeigt die Stillegung des unterirdischen Betriebes der Zechenanlage „Ewald Fortsetzung" und der Betriebe der damit zusammenhängenden Rebenanlagen an. Zur Entlassung kommen 2200 Arbeiter und 130 Angestellte. Die Einstellung des Betriebes soll spätestens am 30. 3uni erfolgen. Weiter bringt die Gewerkschaft „Hibernia" in Herne 180 Arbeiter auf der Schachtanlage „Schlaegel und Eisen I/Il" in Recklinghausen zur Entlassung. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 140—150, Matte 30—35 Pf. das Pfd., Eier 8—9 Pf. das Stück, Käse 10 Stück 60—140 Pfennig, Wirsing, neue, 20—25, Weißkraut, neue, 20—25, Spinat 15-20, Römischkohl 10—15, Dohnen, ausländ., 40—45, Spargel 30—60, Erbsen 30—35, Mischgemüse 10—15, Tomaten 60—80, Zwiebeln 15—20, Rhabarber 10—15, Kartoffeln 5—6, Kartoffeln, neue, 20—25, Aepfel, ausländ., 50—60, Dörrobst 30—35, Kirschen 30—50, Stachelbeeren, unreife, 20--25, Erdbeeren 50—60, Aprikosen 70—80, Honig 40-50, Rüsse 60—70, 3unge Hähne 90—100, Suppenhühner 90—100 Pf. das Pfund, Tauben 50—70, Blumenkohl 40—70, Salat 10—15, Salatgurken 40—60, Ober-Kohlrabi 10 bis 15, Lauch 5—10, Rettich 10—15, Sellerie 10 bis 50 Pf. das Stück, Gelbe Rüben, neue, 20 bis 25, Radieschen 10—15 Pf. das Bund, - Frankfurter Börse. Frankfurta. M., 9. Juni. Tendenz: freundlicher. An der Börse machte sich heute im Anschluß an die Verhandlungen in Chequers eine etwas zuversichtlichere Stimmung bemerkbar, da man mit weiter fortschreitender Verständigung auch mit den anderen Ländern rechnet. Ferner nahm die Spekulation von der Sitzung der BIZ. Kenntnis, in der die Leitung der BIZ. beauftragt wurde, die'besten Methoden für die Finanzierung von mittelfristigen Krediten zu studieren. Es scheint daher, daß man in dieser Angelegenheit immerhin etwas weiter gekommen ist. Auch der feste Schluß der gestrigen Neuyorker Börse regte etwas an, trotzdem deutsche Anleihen dort sehr schwach tendierten. Eine gewisse Berlin, 9. 3uni. (ERB. Funkspruch. Eigene Meldung.) 3n den politischen Kreisen beschäftigt man sich lebhaft mit der Frage, welche Stellung der Reichskanzler gegenüber den Wünschen nach einer Abänderung der Notverordnung einnehmen wird, die von verschiedenen parlamentarischen Seiten laut geworden sind. Soweit wir unterrichtet sind, ist n i ch t damit zu rechnen, daß Kanzler und Kabinett solchen Forderungen nachgeben können. Das hat seinen Grund vor allem darin, daß ein Entgegenkommen an die Parteien insofern den B e st a n d der ganzen Notverordnung gefährden kann, als niemand weih, wo die Aen- derungen aufhören sollen. Nach der Auffassung, die in den der Regierung nahestehenden Kreisen herrscht, würde ein Nachgeben die Reichsregierung auf eine rechtschiefeBahn führen. Dazu kommt noch, daß die Forderungen der Sozialdemokratie und die des rechten Flügels der Regierungskoalilion nicht nur auseinandergehen, sondern sich gegenseitig widersprechen, so dah praktisch kaum ein Weg zu einer Verständigung über die Abänderung gangbar sein dürste. Unter diesen Umständen hält man es für richtiger, die Notverordnung so zu lassen, wie sie nun einmal aussieht. Dabei wird darauf hingewiesen, daß die Reichsregierung die Absicht hat, die sehr kritisierte K r i s e n st e u e r nur so lange zu erheben, wie es unbedingt notwendig ist. Die Kritik an der Notverordnung dürfe nicht dazu führen, daß die Regierung in der Arbeit um die ReoisionderTributlasken gehindert werde. Der Kanzler werde bei den Besprechungen, die er nach seiner Rückkehr mit den Parteiführern haben wird, zweifellos mit allem Nachdruck auf die Abgeordneten in diesem Sinne einwirken. Nachdem sich das Kabinett voraussichtlich am Donnerstag mit der Situation befaßt haben wird, wird der Reichskanzler am Freitag nach Neudeck zum Reichspräsidenten reisen, um Bericht zu erstatten. Dann werden sich bis in die nächste Woche hinein die Besprechungen mit den Parteiführern anschließen, soweit nicht schon am Donnerstag eine Reihe von Aufklärungen gegeben werden kann. Auch in den Kreisen der Reichsregierung ist man sich durchaus bewußt, daß der nächste Schritt in der Reparationsfrage nicht in irgendwelchen platonischen Erklärungen bestehen kann, sondern dah die Reicheregierung vielmehr mit ganz bestimmten Vorschlägen und Forderungen herauskommen muh. Es ist anzunehmen, daß der Reichskanzler den Parteiführern erklärt, daß er für die notwendigen Vorbereitungen etwa drei Wochen braucht, dah aber noch Ende dieses oder Anfang nächsten Monats entscheidende Schritte unternommen werden. Von dieser Ankündigung wird die nächste politische Entwicklung beherrscht sein. Nach Auffassung gut unterrichteter Kreise werden die Parteien, auf die es seht in erster Linie ankommt, sich der Argumentation des Kanzlers kaum entziehen. Das würde also bedeuten, dah die Gefahr einer Reichstagseinberufung nicht mehr okul ist. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o. H., Lombardzinsfuß 6 v. H. Frankfurt a Di. Seriin Schluß- furd t-Uhr« flurd Schluß« kurs Anfang» Kurs Datum 6.6. 8.6. 6.6. 8.6. 6% Deutsche RelchSanleihe 84,5 von 1927 .......... 7% Deutsche Reichsanleihe 84,25 — — 97 firn 1929 ....... 97 — Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mtt 52 4,5 51,95 52 52 DeSgl. ohne AuSlos.-Rcchte . . . 6% Heil, Bollifloat von 1929 4,5 4,5 frfirfiohfb 102 °ZJ ..... 91 91 06etf)c||cn Provinz • Anleihe mit eiu8lol.'9led)tcn...... Deutsche Komm. GammcIabL 50,5 — 49,5 — — •— 8% fitanll. Hyv.-Bank Goldpse Xlll unlündbar bid 1934 . . . 7% Krantz. Hyp.-Bank Goldpse 100 — — —— 94,5 — — -—. tyz% 9ihclnl|d)e Hyp.-Bank 88,65 — — 8% Pr. LandeSptandbriesanstali, PsandbrieseR.l»...... 8% Pr Landespianobriesanstalt, 100 —- 100,5 — Äomm^Cbl. 9t. 20...... —— — —» — 7% Pr. 2anbcovfanbbriefanßalt, Psandbriesc 91. tl...... AE G. abg. BortriegS-Obllgatio- 96,5 — 96,5 — nen mdiahibar 1933..... - 4% Oesterretchtsche (Bolbrcnte . . _ 20 <,2O% Ocsterrelchlsche Sllberrenke i% Ocklerretchische Einheitliche — — 1,3 1,4 Diente ......... i% Ungarische Golbrente . . . . — 16,45 16,65 16,5 i% Ungarische Staatsrente v. 1910 14,5 14,8 iy,% deSgl. von 1913 15,4 — 4% Ungarische Kronenrente . . — — — 4% Türkische Zollanlethe von 1911 4% Türkische Bagbabbahn-Anl 2,5 — 2,65 — Serie 1......... — — 2,6 — io/ Rpdni pprie II...... 2,6 6% Rumänische veretnh. Rente 7,2 ■ 7,2 iy,% Rumänische veretnh. Rent ___ ■ 13,5 5,6 13,5 5,5 <% Rumänische veretnh. »arte 5,7 5,75 Frankfurt a. 2R. | Seriin Schlußkurs 1-Uhr. Kurs Schluß-1 kurs | Unfang» Kurs Datum 6.6. 8.6. 6.6. . 8.6. Hamvurg-Amertka Palet . . 7 46,2 — 45,75 45,5 Hamburg-Südam. Dcnnptzchitz 8 — —— 90,5 92,75 Hansa Dampsschisl..... 10 — — 70 71 Rorbbeutzcher Lloyd .... 6 47 — 47,13 47,4 Allgemeine DeulscheEredttanft. 10 — — — Barmer Bankverein .... Berli,ier Handelsgesellschaft . 10 — —— — —— 12 104 — 104,5 104,5 Commerz- und Privat-Bank. 11 100,5 100,5 100,5 100,5 Darmstädter und Rakionalbanl 12 117,5 117,5 117,25 118 Teutzche Bant und DiSconto-Gesellschast, . . . 10 100,25 100,5 100,5 100,5 Dresdner Bant ...... 10 100,25 — 100,25 100,25 Reichsbant........ 12 127 — 126 127,75 A.E.G........... 8 84,5 85,5 84,5 85,5 Bergmann........ 9 —— —— 67,5 68,5 Eleltr. LielerungSgelellschast. 10 100 — 101 101,25 Licht und Lrast...... 10 96,5 98 96,75 98,5 stellen & Guilleaume . . . IV, 61,5 61 61,25 61,65 Gesellschasl für Elektrische Unternehmungen .... Hamburger ElektriztläiS-Werk« 10 89 —— 89,25 90,5 10 — — — — Rheinische Elektrizität . . . . 9 — — 93,25 — Schlesische Elektrizität. . . . IC — — —— —— -erfuidcrt & (So..... . Siemens & Halste . . . . . 11 — 106,75 106 107,75 16 136 — 136,75 139,5 Itanitaolo ....... . t — —— —— — Lah meyer L So....... 10 102,5 — 102,25 — Buderus ......... 37 36,7$ 37 37 Deutsche Erdvl ...... . < 57 57 Essener Steinkohle ..... . — — -- — Gelsenkirchener...... . 62,5 — 62 62,65 Harvcner......... . — •— 50,75 50 Hoesch Eisen..... • . — 44 44,5 Ilse Bergbau....... 1< 138 — 138 138,5 Klöcknerwerke ....... • — —— 46,75 46,4 Köln-Ncuelsen..... • . — — 47,75 — Mannesmann-Röhren . . . . 54,75 55,25 54,75 55,75 ManSselder Bergbau . . . . 30 — 30,25 30,25 Oberschles. Eiienbcdarf . . . — —— —— Oberschles. Kokowerke. . . . — — 60 60,4 Phönix Bergbau...... Rheinische Braunkohles . . Rhetnstahl........ 6V 44 — 45,25 45.5 1 138 — 138 142 . 63,5 65 63,4 64,75 i Rübed Startet ...... V- — — — — Frankfurt a. M. | 3trlln Schluß» kurS l»llhr» Kurs Schlußkurs Anfang- Kurs < ■ ' 1 Datum 6.6. 8.6. 6.6. 8.6. Bereinigte Stahlwerke . . . 43,5 —— 43,75 44,75 Otavi Minen......167. 20 — 19,4 19 Kaliwerke Aschersleben . . . 10 113 —— 112,25 113 Kaliwerke Westeregeln . . . 10 116 — 115,75 119 Kaliwerte Salzdetfurth . . . 15 171 175 171,5 175 I. G. Farben Industrie . . . 12 117,5 118,75 118 118,5 Dynamit Nobel...... 6 — — — — 9 114 —— —— — Goldschmidt ....... 6 37,75 37,75 37,5 37 RÜtgerSwerke ....... 6 44 43,25 44 43,5 Metallgeiellschaft. . • • • • 8 57 57 57,5 PhiliVV Hol, mann..... 7 65 — 64,75 65,25 Zementwerk Heidelberg . . 10 53 — — Eemenlwerk Karlsladt. ... 10 88 — ■ Wayß & streb lag..... . 8 16,5 18 15,5 — Schultheis Patzenhoser . . . 15 — — 123 125 12 •— —■ — .............. 18 60,25 62 60,25 63,25 Bemberg......... 14 73 — 72 74,75 «ellstotz Waldhok .... 187. — 68 66,5 68 Zellstotz Aschaffenburg . . . 12 53 52,13 — — Charlottenburger Wasser . . . 8 — —- — — Dessauer Gas....... . 9 — — 109,75 111,25 . 0 20,5 _ 20.4 20.25 Deutsche Linoleum .... 57 — 56,5 57,5 Maschinenbau A.-G. ...» . v — — —— — Rat. Auwmobil ..... . 0 —— •— — Orenstein & Koppel .... . 6 —- —— 38,25 39 Leonhard Tietz ...... 10 87 — 86,75 — SvenSka....... . • 194 — 191 195 Frankfurter Maschinen . . . . 9,13 — 10 — Griyner......... . 1 26 —- 26,25 — Heyliaenstaedt...... . 1 — —— — —— Iungyan»......... . 1 — —— — — Lechiverke......... . 1 — —- — Mamkraftwerke Höchst a. ÖL. . 1 60,5 60 — — Miag. ......... 11 — — —— — Gebr. Roeder....... 1 — — — — Boigl L Haesfner..... . — — —— — Süddeutsche Zucker . . . . 11 104 103,5 103 — Banknoten. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. Berlin, 8. Juni Gel? Zri? Amerikanische Roten...... 4,26 4,28 Belgische Noten. ....... 58,48 58,72 Dänische Noten ........ 112,60 113.04 Englische Noten ........ 20,505 20,585 Französische Noten ....... 16,505 - 16,565 Holländische Noten....... 169,25 169,93 Italienische Noten........ 21,99 22,07 Norwegische Noten....... 112,58 113,02 Deutsch-Oesterreich, 6 100 Schilling 59,06 59,30 Rumänische Noten....... 2,485 2,505 Schwedische Noten....... 112,78 113,22 Schweizer Noten........ 81,79 82,11 Spanische Noten........ 39,62 39,78 Tschechoslowakische Noten..... 12,445 12,505 Ungarische Noten........ 73,25 73,55 6. Juni 8.Juni Amtliche Notierung Amtliche Notierung Gelb Dries Gelb Dries Amfi.-Rott. 169,31 169,65 169,38 169,65 Buen.-Aires 1,300 1,304 1,295 1,300 Brss.'Antw. 58,61 58,73 58,635 58,755 Chrisiiania. 112,69 112,91 112,72 112,94 Kopenhagen 112,71 112,93 112,74 112,96 Stockholm - 112,80 113,02 112,81 113,03 Heifingsors. Italien • • • 10,59 10,69 10,59 10,61 22,03 22,07 22,035 22,075 London. . . 20,475 20,585 20,475 20,515 Neunork . . Paris.... 4,209 4,217 4,209 4,217 16,475 16,515 16,475 16,505 Schwei» ». Spanien » . 81,63 81,79 81,645 81,805 40,28 40,36 40,41 40,49 Japan . . . 2,082 2,086 2,080 2,084 Rio de Jan- 0,301 0,303 0,305 0,307 Wien in <$> Oest. adgest. 59,15 59,27- 59,15 59,27 Prag . . . Belgrad . 12,471 12,491 12,471 12,491 7,441 7,455 7,443 7,457 Budapest. 73,43 73,57 73,43 73,57 Bulgarien 3,047 3,053 3,047 3,053 Lissabon 18,58 82,00 18,58 18,62 Danzig. . 81,84 18,62 81.84 82.00 Konstantin. 1,784 1,789 1,784 1,789 Athen. . 5,447 5,467 5,458 5,468 Lanada ■ 4,205 4,213 4,205 4,213 Uruguay - 2,498 2,502 2.498 2,502 • » 20,98 21,02 20,95 21,35 Nr. 151 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhefsen)Montag, 8. Juni 1951 Randnoten. 3n den letzten fünfzig Jahren hat in Deutschland eine Binnenwanderung stattgefunden, deren Umfang man sich nur dadurch klar machen kann, daß man die Statistik der Großstädte heranzieht. Die I n d u st r i a l i s i e - r u n g Deutschlands brachte es mit sich, daß aus den ländlichen Bezirken eine ganz gewaltige Abwanderung einsehte, die auf der anderen Seite ein geradezu gigantisches Anwachsen der deutschen Großstädte verursach te. Die Bcrdienstmöglichkeiten in der Industrie wirkten dabei in der Vorkriegszeit vor allem als Propagandamittel und dazu kam noch, daß die städtische Beweglichkeit, die Variabilität der Lebenshaltung so verlockend wurden, daß d i e Landbevölkerung nicht mehr zu hal- t e n war. Diele Millionen Menschen sind vom Lande in die Großstädte, in die Fabriken abgewandert. Aach einer kurz vor dem Kriege vorgenommenen Schätzung kamen auf je zehn erwerbstätige Personen in den deutschen Großstädten drei Ortsgeborene und sieben Zugewanderte. Bor 1871 lagen die Verhältnisse in Deutschland dagegen vollkommen anders. Die deutsche Bevölkerung nahm in den vorwiegend agrarischen Bezirken von 1860 bis 1871 um fast 91 Prozent zu, während die Zunahme in West- und Süddeutschland außerordentlich stark zurückblieb und im Höchstfälle nur 23 Prozent erreichte. Dieser Unterschied entsprach der Unterschiedlichkeit im Geburtenüberschuß auf dem flachen Lande und in den Städten. Don 1871 trat sodann eine radikale Aenderung ein. Dis zum Jahre 1900 betrug die Zunahme der Bevölkerung in Ostelbien nur noch 26 Prozent, während sie im industriellen Westen und Süden 79 Prozent erreichte. Trotzdem blieb der Geburtenüberschuß in agrarischen Landschasten immer noch größer als in den industriellen Gebieten, wo sich immer stärker das Ein- bis Zweikindersystem durchsetzte. Der Geburtenüberschuß des Landes konnte jedoch in den Dörfern keine Arbeit finden, während die Städte Arbeit zu vergeben hatten. Und so trat die Abwanderung ein. 3m Jahre 1816 waren von der preußischen Bevölkerung 78 Prozent landwirtschaftlich tätig. Diese Summe ist dann außerordentlich schnell zurückgegangen, und erreichte bereits im Jahre 1895 den Stand von 35 Prozent. 3m 3ahre 1800 lebten in Europa erst 1,7 Prozent der gesamten Bevölkerung in Städten über 100 000 Einwohnern. 1895 waren es schon 10 Prozent und im Jahre 1907 stieg die Zahl bereits auf 13 Prozent, die jetzt selbstverständlich bei weitem überholt ist und die 20 Prozent überschritten hat. Diese Binnenwanderung ist natürlich noch lange nicht abgeschlossen, wenn auch das heutige Sied- lungswcrk immer mehr darauf hinausgeht, hier ein Bollwerk zu schaffen und auf der anderen Seite die Ansiedlung eines seßhaften, bodenständigen Bauerntums anzubahnen. Man sieht also, daß es sich hierbei um eminent bedeutsame bevölkerungspolitische Probleme handelt. Die Stabilisierung in der Bevölkerungspolitik ist erste Sorge der Staatsverwaltung. Die Binnenwanderung muß überwunden werden, wenn sich die innerwirtschaftlichen Derhältnisse bessern sollen. Die Bodenreform hat nach dieser Dichtung hin wertvolle Pionierarbeit geleistet. Aber wir sind immer noch im Anfang der Lösung dieser Aufgaben. 3n den nächsten Jahren müssen deshalb alle Anstrengungen gemacht werden, um eine endgültige Bereinigung dieser Existenzfrage Deutschlands herbeizusiihren. Der polnische Hafen Gdingen, der Danzig eine so unerbittliche und auf die Dauer tödlich wirkende Konkurrenz bereitet, wird von Jahr zu Jahr leistungsfähiger. Er könnte schon jetzt Höchstleistungen aufweisen, wenn der Zubringerverkehr bereits durchorganisiert wäre. Aber daran hat es bislang gehapert und deswegen ist die pol- Nische Regierung wild darauf gewesen, endlich die schon seit langem projektierte und zum Teil be- Gießener Etadttheater. Gastspiel des Kleinen Theaters, Berlin: „Liebe — unmodern" von Wilhelm Stert. 3m Film hicß eine ähnliche Geschichte, wie man sich erinnert, „Die Privatsekretärin". Der Publikumserfolg beruht in beiden Fällen merkwürdigerweise auf einer Absage an die — angebliche, aber keinesfalls bewiesene — Sachlichkeit unserer Zeit. (Der Titel ist einfach eine 3ronie; die Quintessenz lautet: Liebe veraltet nie; Sachlichkeit war ein Bluff oder eine Modeerscheinung; Liebe ist jederzeit aktuell.) * Der Erfolg beruht zweitens, hier wie beim Film, auf der Unwahrscheinlichkeit der Vorgänge; das heißt: auf der Unwahrscheinlichkeit, die doch eines Morgens, Mittags oder Abends einmal möglich werden könnte. Es föimte doch mal Vorkommen, daß der Generaldirektor seine Privatsekretärin heiratet. Hach ja. Märchen im zwanzigsten 3ahrhundert.Wunschtraum anno 1931. (Aach den letzten Verlautbarungen in der Presse hat man allerdings den Eindruck, als ob die Generaldirektoren der großen Werke zur Zeit etliche andere Wünsche zu erfüllen hatten.) « Aa, man muß nicht gleich zu viel verlangen. Schließlich ist das ja hier auch bloß ein Spiel. 3n drei Akten. Spielerei auf dem Theater. Amüsement für zwei unbeschwerte Stunden. Sehr geschickt und sauber zurechtgemacht. Mit einer schwebenden Spannung bis in den dritten Akt hinein, bis knapp vor den letzten Vorhangfall. Mit einer dem Alltag abgelauschten Konversation und viel wohltuender 3ronie. Ziemlich anzüglich und stellenweise von beachtlicher Offenheit, ober im Grunde nicht halb so frivol, wie es erst den Anschein hat. • Camill liebt die Privatsekretärin Thea. Thea liebt leider ihren Generaldirektor (namensFrank); der merkt das nicht und zieht es vor, vier Wochen mit einer Freundin eine Frühlingsreise zu machen. 3edes 3ahr eine andere. Die Partnerin wird mit sachlicher Zeitungsanzeige ermittelt. Die Aeise kostet eine Kleinigkeit. Aber: wir habens ja. gonnene Kohle nb ahn von Oberschlesien n a ch Gdingen auszubauen. Weil das aus eigenen Kräften nicht möglich ist — der Versuch wurde unternommen, mußte aber angesichts der mißlichen Finanzlage des Landes scheitern —-hat die Regierung in Warschau den guten Freund Frankreich zur Hilfe herbeigerufen. Es fehlt das Verbindungsstück Sdunfkawola—Hohensalza van 150 Kilometer Länge sowie eine Zweiglinie nach Ezenstochau mit 50 Kilometer Gleis. Die Mittel dazu wird nun eine französische Bank in Gemeinschaft mit der grüßten französischen Waffenschmiede von Schneider-Creuzot durch eine Anleihe aufbringen. Aber dies Geschäft ist wahrhaftig nicht um der schönen Augen der Polen willen von Frankreich übernommen; die französischen Geldgeber lassen sich die Sache recht gut bezahlen. Auf 45 Jahre erhalten sie die fertige Bahn aus- geliefert und dürfen Tariffreiheit ousüben, Polen muß dazu einen sehr anständigen Mindestgewinn garantieren. Es läßt sich schon heute sagen, daß das polnische Volk schwer zuzahlen wird, denn mit dieser Gdingen-Bahn ist das so eine besondere Sache. Polen betreibt seit 3ahr und Tag ein Koh - lenhumping, das nicht nur die deutschen Kohlenexporteure, sondern auch die englischen zu spüren bekamen. Den skandinavischen Markt haben die Polen durch eine an Wahnsinn grenzende Unterbietung der Preise zu einem guten Teil bereits geräubert. Damit die Sache fortan noch gesteigert werden könne, muß nun die Kohlenbahn betriebsfähig werden, in drei 3ahren kann die Dumpingbahn fertig sein. Aber da sind nun die Franzosen fortan im Geschäft und wollen Höchsttarife erheben, wie sie auch großzügig den Polen die Pflicht überlassen, aus deren Kosten die Strecke und das auf ihr rollende Material instandzuhal- ten, zu ergänzen und zu erneuern. Auch in der Tarifsrage zeigen sich die Herren in Warschau generös; Kohle aus Ost-Oberschlesien muß zwar zu einer ungewöhnlich niedrigen Frachtrate befördert werden, aber die Differenz zwischen dem Satz des Ausnahme- und des Höchsttariss zahlt Polen eben an die Franzosen. Derartige Cisenbahngeschäfte hat früher in der ganzen Welt nur bvr „tränte Mann", das Osmanische Aeich, gemacht; jetzt traut sich Polen die gleiche Verlustquelle zu. Schön, das wäre seine Sache! Was uns in Deutschland neben mancher anderen Frage interessiert, ist die Tatsache des Kohlen dumpings. Aach dem Waffenstillstand haben die Polen behauptet, ihr neuer Staat wäre nicht lebensfähig, wenn er nicht die oberschlesische Kohle hätte, und den damals noch Alliierten kam diese Lesart gut zu passen. Polen bekam mit einem unehrlich begründeten Schiedsspruch des Aales ein großes Stück Oberschlesien. Aber die Kohle verwendet es nicht für sich, für seine Existenz, sondern treibt damit ein Dumping, wie es in der Geschichte ohne Vorgang ist. Daß wir Deutschen seine Wirkungen zu spüren bekommen, ist uns nichts Ungewohntes; aber England müßte doch gelegentlich einmal darüber nachdenken, welche Vorteile es von seinem damaligen Eintreteü für „polnische Belange" hat.... Die Arbeitslosenhilfe. Das dritte Gutachten der Brauns-Kommission. Berlin, 6. 3uni. (CAD.) Das dritte Teil- gutachten der B r a u n s - K o rn rn i s s i o n wird heute der Oeffentlichkeit übergeben. Angesichts der finanziellen Bedrängnis derA r beits- losenhilfe mußte die Kommission ihr Hauptaugenmerk auf schnell wirkende Abhilfe- mahnahmen richten. Die Kommission empfiehlt, an der versicherungsmäßigen Ausgestaltung der Arbeitslosenhilfe unbedingt feftzuhallen. Aus dem Wesen der Versicherung ergaben sich innerhalb der Kommission grundsätzliche Bedenken gegen die Bedürftigkeitsprüfung, so auch das einer großen verwaltungsmähigen Erschwerung. 3n den letzten Monaten ist viel über die Frage der Zweiteilung oder Dreiteilung der Arbeitslosenhilfe gestritten worden. Fast alle Vorschläge stimmen darin überein, daß sie eine Verschmelzung von Krisenfürsorge und gemeindlicher Fürsorge für Wohlfahrtserwerbslose zu einer Reichsarbeitslosenfürsorge an- ftreben. Die Kommission ist aber der Ueberjeugung, daß der Krisenfürsorge in ihrer elastischen Mittelstellung zwischen Versicherung und gemeindlicher Fürsorge eine große Bedeutung zukommt. Es ist freilich festzustellen, daß die Krisenfürsorge der Arbeitslosennot nicht so folgen könne, wie es ihrem Zweck entspricht. Gemeinden und Gemeindeverbände sind in vielen Fällen über ihre finanzielle Kraft hinaus in Anspruch genommen worden, ein Zu st and, der dringend der Abhilfe bedarf. Diese Abhilfe in einem© ystemwechsel zu suchen, hat die Mehrheit der Kommission wenigstens zur Zeit nicht empfehlen können, dagegen befürwortet sie die Anpassung der krifenfürsorge an die gesteigerte Notlage. Allerdings waren zwei Mitglieder der Kommission mit dieser Auffassung nicht einverstanden. An den Voraussetzungen für den Unter st ühungsanspruch hat die Kommission wenig Aendemngen vorgeschlagen. 3nsbesondere gilt dies für die Anwartschaft, da sonst bei den verringerten Deschäftigungsmöglichkeiten Personengruppen von der Unterstützung ausgeschlossen toürben, denen sie aus sozialpolittschen Erwägungen zukommt. An dem bisherigen Begriff der Arbeitsfähigkeit hält die Kommission fest. Dagegen hat die Kommission erhebliche Aenderungen der gesetzlichen Vorschriften über die Wartezeiten vorgeschlagen. Die regelmäßigen Wartezeiten sollen erhöht werden: 1. Bei Arbeitslosen ohne zuschlagsberechtigte Angehörige von 14 auf 21 Tage. 2. Bei Arbeitslosen mit einem bis drei zuschlagsberechtigten Angehörigen von 7 auf 14 Tage. 3. Bei Arbeitslosen mit 4 oder mehr zuschlagsberechtigten Angehörigen aber nur von 3 auf 7 Tage. Die Kommission verkennt nicht, daß bei gesenkten Löhnen und wiederholter Arbeitslosigkeit eine Verlängerung der Wartezeit vielfach hart ist und Hilfsbedürftigkeit auslöst. Sie mußte diesen Weg aber gehen, weil angesichts der Aotwendig- keit. Einsparungen zu erzielen, sonst eine stärkere Senkung der Unterstühungsleistungen hätte vor- geschlagen werden müssen, die schwerer zu tragen sind als eine längere Wartezeit. Die Kommission Ist der Auffassung, daß als Nolmaßnahme auch eine zeitweilige Senkung der Unterstühungssähe in Betracht gezogen werden müsse. Sie hält diesen Weg nur dann für gangbar, wenn mindestens gleichzeitig auch auf der Seite der Einnahmen der Versicherung dieser Notlage und den großen Opfern der Arbeitslosen Rechnung getragen wird. Denn die beträchtlichen Summen, welche zur Sanierung der Arbeitslosenhilfe erforderlich sind, können unmöglich allein an der Unterstützung der Arbeitslosen eingespart werden. Die Kommission hält es deshalb für erforderlich, daß zu den den Arbeitslosen zugemutelen Opfern auch Opfer des Teiles der Bevölkerung treten müssen, die sich noch in günstigeren wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen befinden. Die Kommission schlägt ferner vor, zu erwägen, ob der Reichsanstalt für den Ausgleich von Einnahmen und Ausgaben in der Arbeitslosenversicherung eine gewisse Autonomie eingeräumt werden soll. Camill, dem Thea ihre hoffnungslose Liebe gestanden hat, bringt mit bewundernswerter Selbst- entäußerung Frank dazu, sich für Thea zu interessieren. Der tut es prompt und engagiert, was Camill allerdings nicht beabsichtigte, Thea für die nächste Reise. Und Thea, was Camill vollends den Rest gibt, sagt, ohne mit der Wimper zu zucken, zu. Für vier Wochen. Scheck über 10 000 Mark. So ist, wieder mal, das Leben. (Ohne .Rotverordnung.) Die Reise nach dem sonnigen Süden geht aber anders aus, als Frank und auch Camill sich das gedacht haben. Der Wunschtraum findet zwar spät, aber immerhin Erfüllung. Thea schlägt Frank mit seinen eigenen Waffen: mit seiner angeblichen Sachlichkeit, feinem Zynismus, seiner materialistischen Weltbetrachtung. Sie lockt, allmählich, einen ganz unmodernen „Eifersüchtling" und schließlich einen richtigen Liebhaber aus ü>m heraus. Und Camill. der gute, kommt noch gerade recht, ihnen seinen Segen zu geben. — * Die drei Berliner vom Kleinen Theater spielen das ganz famos. Herr K l u b e r t a n z hat die Sache inszeniert. Mit Witz und Laune und einem blendend klappenden Dialog, daß die Leute aus der Spannung, aus dem Lachen und aus der Märchenstimmung gar nicht herauskommen. * Grete Reinwald, auf der Bühne viel netter als im Film, ist, wie Renate Müller in der „Privatsekretärin", die arme Kirchenmaus, die fouragiert alles auf eine Karte seht und trotz allerlei Hemmungen und Kunstfehlem am Ende doch den Haupttreffer gewinnt; sie spielt das mit Charme, mit Ruhe, Ratürlichkeit und den feineren Uebergängen, die die Rolle verlangt. Eine aparte Leistung. • Will Ä auf mann gibt den etwas jugendlichen Generaldirektor mit soviel gesundem Humor und soviel drolligen und gutsitzenden Reben- bemertungen, daß er fast ebenso sympathisch wirkt wie der menschlich angenehmere, etwas stiefmütterlich behandelte Freund Camill, der von Heinz Klubertanz sehr liebenswürdig und geschmackvoll gegeben wurde. • Das gutbesuchte Haus dankte mit herzlichem Beifall für zwei angeregte Stunden. hth. Nocturne. Don Hermann Hesse. Die Kerze ist verlöscht. Das Klavier ist verstummt. Durch die dunkle Stille treibt der süße Duft der Teerose, die im Gürtel der Klavierspielerin hängt. Die Rose ist überreif und beginnt schon zu zerfallen, abgewehte blaffe Blätter liegen wie matte, helle Flecken am Boden. Und Sttlle ... Von der Wand her faust plötzlich ein summender Saitenton ... eine Saite meiner Geige hat nachgelassen... Und wieder Stille. „Soll ich noch?" — „3a, ja, bitte 1“ „Die Rvcturne Es-Sur?“ — „O ja!" Chopins Es-Dur-Roc turne beginnt. Das Zimmer verwandelt sich. Die Wände entfernen sich nach allen Seiten, die Fenster wölben hohe Bogen, und die hohen, runden Bogen sind mit Daumwipfeln und Mondschein gefüllt Die Wipfel neigen sich alle gegen mich her und jeder fragt: „Kennst du mich noch?" Und das Mondlicht fragt: „Weißt du noch?" Meine Hand fährt über die Stirne hin. Aber das ist nicht meine Stirne mehr, die harte, faltige, mit den starken Brauen. Das ist eine feine, glatte Kinderftirn mit darüber gekämmten seidigen Kinderhaaren. und meine Hand ist eine kleine, glatte Kinderhand, und draußen rauschen die Bäume im Garten meines Vaters. 3n dieser Halle habe ich hundertmal gesessen, diese hohen Dergfenster und diese hellen hohen Wände kennen mich wohl. Und aufhorchend erlausche ich leise Klaviermusik, Musik aus fernen 3ahren her, das ist meine Mutter, die in ihrem hohen, duftenden Zimmer spielt. Ich höre zu und nicke und habe fein Verlangen, zu ihr hinüber» zugehen, sie wird bald ungerufen kommen und mich zu Bette bringen. Doch scheint mir die Musik an diesem Abend besonders schön und traurig zu fein. Run verklingt sie fast ganz, sie wird zaghaft, leise, und immer trauriger. Und jetzt ist sie zu Ende — oder nein, sie beginnt schon wieder verändert, aber nicht weniger traurig. Mir schmerzt der Kopf, ich schließe die Augen. Diese Musik! Ich öffne die Augen wieder. Mondlicht, Park, Saal und Kinderzeit sind nicht mehr da. Wir sind in einem Hellen, schmucken Saal, eine Dame am Flügel und ich mit meiner hellbraunen Geige. Wir spielen. Wir spielen rasch im eiligsten Den Ausschluß der Saisonarbeiter aus bet Arbeitslosenversicherung konnte die Kommission nicht befürworten. Sie glaubt aber, dem überaus hohen Risiko der berufsüblichen Arbeitslosigkeit durch toigenbe Vorschläge Rechnung tragen zu müssen: 1. Für Arbeitnehmer mit berufsüblicher Arbeitslosigkeit ist die Anwartschastszeit von 26 auf 30 Wochen zu verlängern. 2. Die Höchstbezugsdauer der Arbeitslosenunterstützung ist für Arbeitnehmer mit berufsüblicher Arbeitslosigkeit von 26 auf 20 Wochen herabzusetzen. 3. Die Unterstützungssätze für Arbeitnehmer mit berufsüblicher Arbeitslosigkeit sind auf die Sätze der Krisenunterstützung herabzusetzen. Ferner schlägt die Kommission vor, die H a u s - gewerbetreibenden und He im arbeitet grundsätzlich aus der Versicherung her- auszunehmen, jedoch den Derwaltungsrat der Deichsanstalt zu ermächtigen, unter gewissen Voraussetzungen einzelne Kategorien in die Versicherung einzubeziehen. Die Fragen, ob an der geltenden unteren Altersgrenze etwas zu ändern ist, und ob eine obere Altersgrenze eingeführt werden soll, hat die Kommission verneint. Einen besonderen Abschnitt widmet das Gutachten der Krisenfürsorge. 3m Hinblick auf die Verordnung vom 11. Oktober 1930, die die Sähe der Krifenfürsorge bereits beträchtlich gesenkt hat, spricht sich die Kommission nicht für eine weitere Senkung bet Leistungen in ber krifenfürsorge aus, es fei denn, daß es sich eine solche automatisch aus einer Senkung der Unterstützungshöhe in der Arbeitslosenversicherung ergeben sollte. Die nach der Verordnung bestehende Möglichkeit zur Prüfung ber individuellen Bedürftigkeit will die Kommission schärfer als bisher ausgenuht wissen. Hinsichtlich der Kosten der Krisenfürsorge schlägt die Kommission, um den Gemeinden zu helfen, vor, daß das Reich auf den Gemeindeanteil in der Krifenfürsorge verzichtet. Eine Beteiligung der Länder an dem Aufwand der Krifenfürsorge dagegen kann die Kommission nicht empfehlen. Aus ber Provinzialhauptstadt. Gießen, den 8. 3uni 1931. Eßt Seefische auch im Sommer! Die Zeit ist gekommen, in der die meisten unserer Seefische, nachdem sie in den Wintermonaten gelaicht haben, wieder in dem Ernährungszustand sich befinden, in dem ihr Genuß den Menschen am zuträglichsten ist. Gerade diejenigen, die sich bisher nicht an die regelmäßige Aufnahme von Seefischen gewöhnen konnten oder wollten, sollten jetzt die Gelegenheit wahrnehmen, um ohne sonderliche Belastung ihres Geldbeutels, neben sonstiger Kost, die ihnen einstweilen noch angenehmer erscheint, wie der Engländer einmal täglich ein Fischgericht zu sich zu nehmen. Sehr bald werden sie merken, daß dieser regelmäßige Fifchgenuß auf den gesamten Organismus wohltuend wirkt. Die im Sommer leicht eintretende Schlaffheit und Müdigkeit, insbesondere die schon nach mäßiger körperlicher Anspannung vielfach bemerkbare Arbeitsunlust wird behoben, und zwar um so sicherer, je mehr man dazu übergeht, das Fischgericht allmählich in den Mittelpunkt der Hauptmahlzeit zu stellen. Die Erklärung ist einfach: Der Seefisch belastet nicht den Magen, sondern mutet ihm nur leichte Arbeit zu; die Verdauung vollzieht sich wesentlich bequemer, als wenn schwere Nahrungsmittel verarbeitet werden sollen. Dabei enthält das Seefischfleisch reichlich Nährstoffe und kräftigt vermöge des hohen Eiweihaehalles, der gerade den billigen Seefischen, wie Kabeljau, Seelachs, Lengfisch u. a.,- innewohnt, den Körper in ungewöhnlichem Maße, ohne ihn mit Stoffen zu belasten, die an sich wertlos, sogar eher den Keim zu Stosfwechsel- krankheiten legen, und ohne an die einzelnen Organe hohe Anforderungen zu stellen. Das Seefischfleisch Takt, und spielen eine fiebernde Tanzmelvdie. Das Gesicht der schönen Dame ist vom Spielen schwach gerötet, ihr Mund steht ein wenig geöffnet, in ihren blonden Haaren schimmert das Kerzenlicht. Und ihre feinen, langen Hände greifen leicht und rasch. 3ch muß sie küssen, sobald das Spiel zu Ende ist. Das Spiel ist zu Ende. Die schlanken Frauenhände liegen lässig in den meinen, und ich küsse sie langsam, erst die linke und dann die rechte, die zarten Gelenke, und die dünnen, biegsamen Finger. Darüber lächelt stolz und ruhig die Dame, zieht beide Hände langsam zurück und beginnt wieder zu spielen. Sie spielt brillant, kühl, etwas verächtlich und stolz. 3ch bücke mich zu ihr nieder, bis mein Haar ihr duftendes Haar berührt. 3ch sehe meine Werbung gegen ihre Kühle. 3hr kühler Blick fragt sonderbar herauf. Ich flüstere lange. Sie schüttelt leicht den Kopf. „Sag' ja!" rufe ich. Sie schüttelt den Kopf. „Du lügst! Sag' ja!" Sie schüttelt den Kopf. Ich gehe fort und gehe lange — mir scheint, durch lauter dunklen Wald, und weih nicht, warum es mir so sonderbar weh tut, in den Augen, in der Kehle, in der Stirn — und gehe immerzu, bis ich todmüde bin und rasten muß. Durch alle Wälder der Welt geht meine müde Reise, durch alles Dunkel der Welt, d^rch alles Weh der Welt. Dis ich todmüde bin. Indem ich raste und nicht weiß, wo ich bin, ertönt Musik. Ein fabelhafter Laut auf dem Klavier, wunderlich verschlungen, leise, scheu, fieberisch, von wunderbar zarten und gelenken Fingern meisterhaft gespielt. Ich schlage meine Augen auf. müde Augen. Das Zimmer ist dunkel, keine Halle, kein Saal, keine Kindheit, feine Jugend. Gegenwart umgibt mich. Ein starker Teerosenduft ist in der Luft. Der letzte tiefe Ton der Rocturne zerrinnt. Die Dame steht auf. „Run?" fragt sie. — „Danke, danke!" Ich strecke ihr die Hand entgegen. Sie macht die Rose von ihrem Gürtel los, öffnet die Tür und geht, und gibt mir im Weggehen die blaffe Rose in die Hand. Dann schlägt die Tür inß Schloß, ein Zugwind schleicht durchs dunkle Zimmer. Ich halte einen nackten Rvsenstengel rn der Hand. Der ganze Doden ist mit Rosenblättern bedeckt. Sie duften stark und schimmern matt und blaß im Dunkeln. gestattet bekanntlich jegliche Behandlung, wie wir sie bei der Verwendung von Warmblüterfleisch von jeher geübt haben: das Kochen, das Schmoren, das Braten, das Verarbeiten mit Gemüse, die Gewinnung von Suppen und ähnlichem. Die Hausfrau hat noch einen besonderen Grund, in der wärmeren Zeit regelmäßig Seefischgerichte auf den Tisch zu bringen. Da nämlich die Herstellung von Fischgerichten, die viel schneller gar werden, im allgemeinen nur wenig Zeit erfordert, so braucht sich die Kochende auch nur halb so lange der Hitze des Küchenseuers auszusetzen. Alle Erwägungen, insbesondere auch diejenigen gesundheitlicher und wirtschaftlicher Natur, sprechen also dafür, daß allgemein von der Gelegenheit, billige und nahrhafte Fischkost zu genießen, mehr als bisher Gebrauch gemacht werde. Schlägereien mit politischem Hintergrund. Sn der vergangenen Nacht kam es, wie der Polizeibericht meldet, zu verschiedenen Zwischenfällen. zu Schlägereien, deren Ursachen in politischen Meinungsverschiedenheiten zu suchen sein dürften. So wurde gegen 12 Uhr auf der Straße zwischen Heuchelheim und Gießen der Stahlhelmer Theo Schneider, der allein seines Weges ging, anscheinend von einigen Kommunisten angerempelt und geschlagen. Der Lleberfallene erlitt einige Kopfverletzungen. Die Freiwillige Sanitätskolonne vom Noten Kreuz brachte den Verwundeten nach der Chirurgischen Klinik: er konnte jedoch nach der ärztlichen Behandlung seiner Wunden seinen Heimweg antreten. Einige Kameraden, die ihn abholten, brachten ihn gegen 1 Uhr nachts nach Hause. Gegen 22.30 Ahr wurde der Wagensattler Karl Schlemm von Butzbach, der sich vom Bootshaus des Marinevereins nach dem Bahnhof begeben wollte, in der Westanlage von einigen anscheinend linksgerichteten Burschen angehalten und gefragt. ob er Hitlerianer sei. Da der Angehaltene sagte, er sei politisch rechts gesinnt, schlugen die Gegner auf ihn ein. Der Aeberfallene verlor dabei zwei Zähne, setzte jedoch seinen Weg zur Bahn fort. Die Rohlinge konnten in beiden Fällen leider nicht dingfest gemacht werden, da sie es jeweils nach ihren „Heldentaten" vorzogen, zu flüchten. Taten für Montag, 8. Juni. Sonnenaufgang 4.11 Uhr, Sonnenuntergang 20.37 Uhr. — Mondaufgang 1.15 Uhr, Monduntergang 12.05 Uhr. 1768: der Altertumsforscher Johann Joachim Winckelmann in Triest ermordet: — 1794: der Dichter Gottfried August Bürger in Göttingen gestorben: — 1810: der Komponist Robert Schumann in Zwickau geboren. Bornotizen. — Tageskalender für Montag. Freiwillige Gailsche Feuerwehr: 20.30 Uhr Antritt zur Uebung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der falsche Ehemann". ** Die Einkommensteuerpflicht von Baukostenzuschüssen. In den von Steuer- shndikus Hermann Will zu Gießen herausge- gebenen „Aktuellen Steuerfragen" (Rundschreiben Nr. 11) lesen wir: Lange Jahre hat der Reichsfinanzhof daran festgehalten, daß Daukostenzu^ schüsse beim Vermieter in dem Jahre einkommensteuerpflichtig seien, in dem sie gezahlt würden. Sn einem ausführlichen Urteil vom 4. Februar 1931 — Vf A 712/30 — hat aber der Reichsfinanzhof diese Rechtsprechung aufgegeben und folgendes erklärt: Baukostenzuschüsse sind im Gegensatz zur bisherigen Rechtsprechung nicht als Miet- einnähmen des Vermieters, die ihm im Jahre der Zahlung zufließen, zu behandeln. Es ist vielmehr je nach der Lage des Mnzelfalles dahin zu entscheiden, daß der Baukostenzuschuß überhaupt einkommensteuerfrei ist, oder daß die gezahlte Sunrme auf eine Reihe von Jahren (Dauer des Mietvertrages usw.) zu verteilen ist. ** Rudolf-Block-Stiftung. Dem Staatsrat Rudolf Block in Darmstadt, der am 1. Mai nach Erreichung der Altersgrenze aus dem Staatsdienst ausgeschieden ist, wurde vor einigen Tagen eine besondere Ehrung zuteil. Die Direktionen und Lehrkörper derjenigen höheren Schulen Hessens, die während langer Jahre seinem Referat im Ministerium für Kultus und Bildungswesen unterstellt waren, haben eine freiwillige Spende aufgebracht, die sie ihm als äußeres Zeichen ihrer Dankbarkeit und Verehrung überreicht haben. Die Spende jst für die deutsche Schule im Ausland bestimmt und wurde der seinen Ramen führenden „Rudolf-Dlock-Stiftung" überwiesen. Die Gabe gilt dem Manne, der in seiner langjährigen Tätigkeit sich bleibende Verdienste um das hessische höhere Schulwesen erworben hat, und dient dem großen gemeindeutschen Werk, für das Staatsrat Block mit allen Kräften sich eingesetzt hat. Die Adresse wurde von Zeichenoberlehrer Schäfer von der hiesigen Studienanstalt und einer seiner Schülerinnen ausgeführt. ** Gendarmerie-Personalie. Der Gendarmeriehauptwachtmeister a. Pr. Ferdinand Weller aus Klein-Linden wurde mit Wirkung vom 1. Mai 1931 zum Gendarmeriehauptwachtmeister ernannt. ** Ermittelt. Die Nachforschungen noch der Person des Greises, der sich am Freitagabend in der Nähe der Bahnunterführung in der Frankfurter Straße erschossen hat, haben ergeben, daß es sich bei dem Toten um den am 9. Juni 1853 in Rauschenberg (Kreis Kirchhain) geborenen, zuletzt in Hungen wohnhaften K. M. handelt. Der 78jährige Mann dürfte nach seinen letzten Aussagen Bekannten gegenüber die Tat aus Lebensüberdruß begangen haben. ** Gefundene Sachen. Das Polizeiamt teilt mit: Das Verzeichnis über die im Monat Mai gefundenen bzw. abgelieferten Gegenstände kann an der Anschlagtafel im Flur des Polizeiamts, Landgraf-Philipp-Platz Nr. 1, eingesehen werden. Die Empfangsberechtigten werden aufgefordert, ihre etwaigen Rechte innerhalb zwei Monaten beim Fundbureau während der Dienststunden geltend zu machen. **Bausparkassen-Werbevortrag. Bei dem großen Kapitalmangel, der seit dem Kriege in Deutschland herrscht, haben in wenigen Jahren die Neueinrichtungen der Bauspargesellschaften erheblich an Bedeutung gewonnen. Neben zahlreichen privaten Gesellschaften dieser Art gibt es seit einiger Zeit auch die öffentlichen Bausparkassen, die von den Verbänden der öffentlichen Sparkassen gegründet sind, und zwar für Hessen als eine Abteilung der Landeskommunalbank-Girozentrale in Darmstadt, lieber ihre Ziele und Einrichtungen spricht auf Deran- I lassung der Bezirkssparkasse Gießen Herr Otto I Hägertam Freitag, 12. Juni, 20.30 Uhr, im „Post- keller", Wagengasse. (Näheres in der Anzeige vom Samstag.) * * Deutscher Republikanischer Lehre r b u n d. Der Zweigverein Gießen des Deutschen Republikanischen Lehrerbundes veranstaltete am Mittwochnachmittag im Saale des Gymnasiums einen öffentlichen Vortrag. Lehrer P l o ch eröffnete die Versammlung und umrih kurz die EinsteUung des Republikanischen Lehrerbundes. Sodann sprach Rechtsanwalt Sean Zah vom Apellationsgericht zu Orleans über das Thema: „Die französische Sugend und der Friede". Die französische Jugend, so führte er u. a. aus, habe sich nach dem Kriege unter wesentlich anderen Voraussetzungen entwickelt, habe nie so lebhaft im politischen Tageskampfe gestanden wie die deutsche Jugend, da sie ja die Republik gesichert wußte. Die Einstellung des größten Teiles der französischen Jugend sei antikriegerisch. Die französische Jugend sehe heute, soweit sie nicht der Minderheit der nationalistischen Sugend angehöre, ihr hauptsächliches Ziel in der Wahrung des Völkerfriedens und in der Reform demokratischer Erziehung. Leider habe man die Meinung des französischen Volkes systematisch vergiftet, indem man immer nur das Wesen der nationalistischen deutschen Kreise in den Mittelpunkt der Betrachtungen stellte und der friedensfreundlichen republikanischen deutschen Sugend kaum Erwähnung tat. Die Gedanken des größten Teiles der französischen Sugend seien die gleichen wie die der deutschen republikanischen Sugend. Deutschland müsse, so betonte der Redner zum Schluß, Vertrauen haben zur Friedensliebe und »Bereitschaft der französischen Sugend, und wenn der beschrittene Weg auch steinig sei, er führe doch zum Ziel. Sm Anschluß an den Vortrag, der mit großer Aufmerksamkeit verfolgt wurde (Studienassessor Dr. Fühler übersetzte die Ausführungen des französisch sprechenden Redners ins Deutsche), beantwortete der Redner noch die an ihn gestellten Fragen. Wirtschaft. *5>ie Indexziffer der Großhandelspreise. Die vom Statistischen Reichsamt für den 3. Sunt errechnete Indexziffer der Großhandelspreise ist mit 111,6 gegenüber der Vorwoche um 1,2 Prozent gesunken. Die Sndexziffern der Hauptgruppen lauten: Agrarstvffe 105,7 (— 2,8), Kolonialwaren 94,2 (— 0,8), industrielle Rohstoffe und Halbwaren 102,6 (— 0,3) und industrielle Fertigwaren 136,7 (— 0,1). — Für den Monatsdurchschnitt Mai lautete die Gesamtindexziffer 113,3 (gegenüber dem Vormonat — 0,4 Prozent). Sndexziffern der Hauptgruppen: Agrar- stosse 109,2 (4- 0,8), Kolonialwaren 95,5 (— 1,4), industrielle Rohstoffe und Halbwaren 103,4 (— 1,4), industrielle Fertigwaren 137,2 (— 0,4). • Mitteldeutsche Hartstein-Sndu- strie AG.. Frankfurt a. M. Sn der Generalversammlung der Gesellschaft wurde der Geschäftsabschluß für das Sahr 1930 vorgelegt, der einen Betriebsüberschuß von 962 156 Mk. zeigt, aus dem nach Abzug der Verwaltungskosten von 570 000 (610 000) Mk., der sozialen Lasten von 120 000 (180 000) Mk., der Abschreibungen von 210 000 (390 000) Mk. und der Steuern von 60 000 (50 000) Mk. ein Reingewinn von 498 (10 818) Mk. verbleibt, der nach dem Beschluß der Generalversammlung auf neue Rechnung vorgetragen wird. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 8. Sunt. Tendenz: schwächer. Die Börse eröffnete zu Beginn der neuen Woche wieder schwächer. Man übte im Zusammenhang mit der Weiterentwicklung der inner- politischen Lage allgemein Zurück Hal- Haltung, zumal auch die Wochenschlußbörse in Reuhork wieder schwächer veranlagt war. Das bisherige Ergebnis in Chequers fand geteilte Aufnahme. Die Börse erwartet die Rückkehr der Staatsmänner und ihre Ausführungen. Das Geschäft spielte sich in sehr engen Grenzen ab. Das herauskommende Material fand glatt Unterkunft. Dennoch ergaben sich gegen den Schluß kurs vom Samstag Kursrückgänge von 1 bis 2 Proz. Ein stärkerer Kursverlust vollzog sich am Kunstseidemarkt, wo Aku 3 und Demberg 2,25 Prozent, Farben 1,5, Elektro-, Montan- und Bauunternehmungsaktien von 1 bis 1,5 Proz. nachgaben. Am Kalimarkt stellten sich die Notierungen auf 2 bis 2,5 Proz. niedriger. Schwächer lagen ferner Dt. Linoleum, Südd. Zucker und Reichsbank je minus 1,5 Proz. Gut behauptet eröffneten Siemens, Zellstoff Waldhof, Reichsbahnvorzugsaktien und die Danken. An den übrigen Marktgebieten herrschte Geschäftslosigkeit. Am Rentenmarkt eröffneten Altbesitz gut gehalten. Auslandanleihen zunächst ohne Umsatz. Der Pfandbriefmarkt lag überwiegend etwas schwächer. Reichsschuldbuchforderungen 0,5 Prozent nachgebend. Sm Verlaufe war die Haltung ziemlich schwach. Nachdem sich auch noch einige Abschwächungen einstellten, machte sich später etwas Deckungsbedürf- n i s geltend, zumal auch die Berliner Arbitrage einige Käufe vornahm. JG.-Farben lagen 0,75, einige Elektrowerte etwa 0,5 Proz. schwächer, aber Siemens kaum gehalten. Das Geschäft bewegte sich auch weiterhin in engen Grenzen. Am Geldmarkt war Tagesgeld zum Sah von 3,5 Prvz. unverändert. Am Devisenmarkt zeigte die Mark eine geringfügige Besserung, besonders gegen London. Man nannte Mark gegen Dollar 4,2135; gegen Pfunde 20,50; London gegen Neuyork 4,8652; gegen Paris 124,26; gegen Mailand 92,98; gegen Madrid 50,70; gegen Schweiz 25,0875; gegen Holland 12,0940. Berliner Börse. Berlin, 8. Sunt Nachdem noch im heutigen Dormittagsverkehr und an der Dorbörse ziemlich behauptete Kurstaxen zu hören waren, überraschte der offizielle Dörsenbeginn im Durchschnitt mit 1 bis 2 v. H. schwächeren Kursen. Cs kam auf fast allen Märkten etwas Ware heraus. Das Geschäft war ziemlich gering. Man war anscheinend doch von dem Resultat von Chequers enttäuscht und besonders durch die Spärlichkeit der eintreffenden Nachrichten verstimmt. Auch hat die Veröffentlichung der Notverordnung die innerpolitische Lage nicht durchsichtiger gemacht, vor allem will man anscheinend die Haltung der einzelnen Parteien und die Entscheidung über die Einberufung des Reichstages abwarten. Von den Auslandbörsen ging ebenfalls keine Anregung aus. Der Neuhorker Wochenschluß war ziemlich schwach, und von den Auslandbörsen liefen heute nur ruhige Meldungen ein. Etwas stärker gedrückt waren Reichsbank mit minus 2 v. H., Äku mit minus 2,75 v. H., Schultheis mit minus 2s/8 v. H., Polyphon mit minus 3 v. H., Svenska mit minus 2,50 Mark und Kaliwerte, die bis 3,5 v. H. verloren, Conti-Gummi mit minus 2,25, Schlesische Gas mit minus 2% und Chade mit minus 51 '8 Mark. Eine Ausnahme machten nur Sarotti, die gegen die letzte Notiz 3 v. H. anzogen, und einige Montanwerte auf gebesserte Kohlenabsähe. Auch Oesterreichische Siemens-Schuckert wurden verspätet 2,50 Mark über Samstag festgelegt. Am Farbenmarkt bestand einiges Angebot, so daß die Kurse um 2 v. H. nachgaven. Anleihen ruhig, von Ausländern Bosnier 0,75 v. H. schwächer. Türkische Los notierten ferner plus-plus. Pfandbriefe allgemein schwächer. Reichsschuldbuchforderungen bis etwa 0,8 v. H. niedriger. Die Lage am Geldmarkt blieb unverändert ziemlich steif. Tagesgeld nannte man wieder mit 5 bis 7 v. H., Monatsgeld mit 5,5 bis 6,75 v. H., Warenwechsel mit 5Vg bis 5,25 v. H. Sm Verlaufe neigte die Tendenz unter Schwankungen wei ter zur Schwäche, und die Kurse brodelten, von einigen Ausnahmen abgesehen, erneut bis 1 v. H. ab, obwohl am Devisenmarkt eine geringe Entspannung festzu- stellen war. Der Dollar ging im freien Verkehr auf 4,2130 bis 4,2135, und das Pfund auf 20,4950 bis 20,50 zurück. Nennenswert ist die schwache Haltung der Otavi Chaires, die.im Verlaufe die 20-Grenze überschritten. Frankfurter Schlachtvrehmarkt. Frankfurt a. M, 8. Suni. Auftrieb: Rinder 1248 Stück; darunter Ochsen 298, Dullen 126, Kühe 452, Färsen 345, Kälber 554, Schafe 14, Schweine 4301. Es wurden notiert: Rinder. Ochsen, vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlacht- werts: jüngere 45—49, ältere 40—44, sonstige voll- fleischige, jüngere, 33—39; Dullen: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 41—44, sonstige, vollfleischige oder ausgemästete 36—40; Kühe: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 35 bis 39, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 29—34, fleischige 22—28; Färsen (Kalbinnen, Sungrinder): vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 45—49, vollfleischige 40—44, flei- . schgie 35—39. Kälber: Deste Mast- und Saugkälber 60—65, mittlere Mast- und Saugkälber 54 bis 59, geringe Kälber 45—53. Schweine: Doll- fleischige Schweine von zirka 240 bis 300 Pfd. Lebendgewicht 45—48, desgl. von zirka 200 bis 240 Pfd. Lebendgewicht 47—50, desgl. von zirka 160—200 Pfd. Lebendgewicht 47—50, fleischige Schweine von zirka 120^-160 Pfd. Lebendgewicht 45—48 Mk. Marktverkauf: Rinder mittelmäßig, ausverkauft; Kälber und Schafe lebhaft, ausverkauft; Schweine rege, geräumt. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 8. Suni. Die Frankfurter Produktenbörse verkehrte in ziemlich fester Haltung. Anregend wirkten die Desprechungen dev Müller im Crnährungsministerium, wonach mit einer Wcizenzollermäßigung nicht zu rechnen fei. Dies bot Anlaß zu verstärkten Käufen der Müller, besonders für Rechnung des Rheinlandes. Das starke Angebot in Weizen und Roggen lieh leichte Preisbefserung durchkommen. Am Mehlmarkt wurden verschiedentlich Meinungskäufe getätigt und die Preise um 0,25 Mk. erhöht. Am Futtermittelmarkt gaben die Preise weiter etwas nach. Die Maßnahmen, die in der Notverordnung für Futterartikel vorgesehen sind, veranlaßten zur Zurückhaltung. Am Kartoffelmarkt war die Tendenz ebenfalls fest, da besonders aus dem Auslande stärkere Nachfrage hervortrat. Es notierten 50 Kilogramm Snbuftriefartoffel, gelbfleischig, hiesiger Gegend 4,75 Mk. Es wurden notiert: Weizen 295, Roggen 220, Hafer, inländischer, 210, Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0, 40,25—41,25, Roggenmehl 30,00—31,75, Weizenkleie 11,75, Roggenkleie 12,25, Erbsen, je nach Qualität für Speifezwecke, 30—36, Linsen, je nach Qualität für Speifezwecke, 25—68, Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreht, 3.50, Weizen- und Roggenstroh, gebündelt, 3,25, Treber, getrocknet, 10,75. Tendenz: Befestigt. Letzte Nachrichten. Gustav Hartung zum Intendanten des Landestheaters gewählt. Darmstadt, 8. 3uni. (TU. Drahtmeldung.) Die Derwaltungskommiffion des Hessischen Landestheaters, die sich aus Vertretung von Staat und Stadt zusammenseht, hat heute mit vier gegen drei Stimmen den Berliner Intendanten Gustav Hartung zum Nachfolger des bisherigen Sntendanten Ebert gewählt. Hartung, der früher schon einmal die Leitung des Hessischen Landestheaters innehatte, wurde damals nicht nur vom Theaterpublikum, sondern auch von der gesamten öffentlichen Meinung abgelehnt. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o. H., Lombardzinsfuß 6 o. H. Jranffurt a. 2JI. Berlin Schluß.! lurS | l.ilhr. Kurl Schluß. kurS Ansang. Kurs Datum 6.6. 8.6. 6.6. 8.6. 6% Deutsche Reichs anteihe oon 1927 .......... 84,25 _ 84,5 7% Dcutlche Reichsanleihe von 1929 .......... 97,6 _ 97,25 _ Deuttche Anl.-Ablöl.»Schuld mV Bu«los.’ unb caujj* »Jaugtälbcr 54 Florine: CBofl- 0 bi8 300 Psd n Mka 200 biS W-von zirka •I fleischige }• Lebmdgrtzicht der miMmWg lebhaft, äugte- sebörse. • Die Fiankfur- lemlich fester Hal- sprechungea btt int, wonach mit t zu rechnen fei ufen der Müller, Inlandes. Das oggm lieh leichte Am Mehlmarkt gskäufe getätigt, vht. Am Futtcr- eiter etwas nach, vtverordnung für veranlahten zur irtt war die Ten- s aus dem Ausrat. Es notierten gclbfleischig, hie- ?n notiert: 13ei’ bischer, 2ll>, Wei- 0, 40,25-4125, «rizenllrie 11,15, ich Qualität für nach Qualität für und Aoggenslroh, । LogMstroh, ge- , 10,75. Tendenz: hten. jntendanien gewählt. [ Drahtmellmg^ §>effifchen . aus Vertretung ieM ^LK mmen den w Hartung M tendanten 66er schon cimnaj die iheaters innehalte, ^b'Ltcrpabiirum, örtlichen M" T2S5 58.76 112.92 20.585 16.M 169-85 22,08 112. 58,31 2,51 113.14 82.1 39.18 12.5« 73,55 m. 169^5 1,301 58,73 112.91 112.93 113.« 10.« 22.« US tS l» 0,303 88,27 i ,491 7.455 73,57 3.053 |8;§ i.'S 5,457 213 2,5« 21,« stib___ — „235 >8,52 12,48 0,505 16,48 69,1 22,00 12,53 59,07 2,49 12,70 81-7 38,9 2.4j 73,25 canffart^ stib-J. 1,300 ,61 112-« 112, 112-0 10,59 22,03 20.475 4,209 16.475 81,63. 40.2« 2.0« 0,301 59,1« Ä 18,58 s Provinzialtag der Provinz Oberheffen. 3m Regierungsgebäude zu Gießen fand am Sams- lag der diesjährige Prooinzialtagder Provinz Oberhessen unter dem Vorsitz von Pro- vlnzialdirektor Graef statt. Prooinzialdirektor Graef gedachte zunächst des eeqtorbenen Provinzialtagsmitaliedes Altburgermeister Jost- Bermutshain, der seit einer Reihe von Jahren Provinzialtagsmitglied war. Er wies auf die großen Verdienste des Verstorbenen hin, die Versammlung erhob sich zu dessen Gedenken von den Plätzen. Als Ersatzmann wurde dann der Landwirt Konrad Göbel von Pfordt (Kreis Lauterbach) ein- geführt und verpflichtet. Sodann stellte der Vorsitzende den Derwal- tungsbericht für dos Rechnungsjahr * 1 9 2 9 zur Beratung, der gegen die Stimme des Kommunisten genehmigt wurde. Der Haushaltsvoranschlag der Provinz Oberhessen für das Rechnungsjahr 1931 kam nunmehr zur Beratung. In Erläuterung des Voranschlags ging Provinzialdirektor Graef auf die Lage ein, die durch die Notverordnung des Reichspräsidenten in finanzieller und steuerpolitischer Hinsicht für die Provinz geschaffen worden fei, und er gab dann Erläuterungen über den Voranschlag selbst. Er wies in der Hauptsache darauf hin, daß es notwendig sei, den Ausgleichs st ock u n a n getastet zu lassen, da mancherlei Steuerausfälle zu erwarten seien und das Reichssteueraufkommen möglicherweise nicht in der höhe in Erscheinung trete, wie es im Voranschlag vorgesehen sei. J Der kommunistische Abgeordnete Dietz hotte zur Voranschlagsberatung eine Reihe von Anträgen gestellt, für die zum Teil der Provinzialtag nicht zu- । ständig war, so daß sie zurückgewiesen werden muß- j len, während sie zum kleineren Teile dem Provinzialausschuß überwiesen wurden. Darunter befand sich auch ein Antrag, die Arbeitszeit im Bereiche der Prooinzialverwaltung auf 40 Stunden wöchentlich herabzusetzen. Ein Antrag, die Zuschüsse zum Gießener Stadttheater und zum hessischen Künst- lertheater zu streichen, wurde mit knapper Mehrheit ab gelehnt, die Zuschüsse also in der voranschlagsmäßigen höhe genehmigt. Zum Straßen- Sondervoranschlog, ber im Rahmen des Gesamtetats behandelt wurde, machte Prooinzialdirektor G r a e f längere Ausführungen. Er wies darauf hin, daß mit den durch den Staat gegebenen 560 000 Mark im vergangenen Jahre viel Notstandsarbeit geleistet worden sei. Es solle auch in Zukunft viel geschehen: am guten Willen mangele es nicht. Der Straßenbauvoranschlag des Wahres 1931 schließe mit ungefähr der gleichen Ziffer «b, wie der des Vorjahres. Eine etwas günstigere Situation ergebe sich allerdings daraus, daß die Materialkosten gesunken seien und dadurch einiges mehr geschaffen werden könne. Der Vorsitzende wies in seinen weiteren Ausführungen auf die von den Abgeordneten Dr. N i e p o t h , Schlitz (DDP.), und Fenchel Oberhörgern (Ldbd.), im Landtag ein- pereichten Anträge hin, die eine Neuregelung des Verhältnisses zwischen den Provinzen und den Gemeinden in der Finanzierung des Straßenbaues ge- . bracht haben und die Gemeinden etwas entlasten. I Der Prooinzialausschuß stimme dieser Neuregelung ! 3it unter der Voraussetzung, daß auch die anderen । Provinzen ihr Einverständnis zu dieser neuen Regelung der Lastenverteilung erteilten. Der Provinzial- tag erklärte sich damit einverstanden. Einem sozialdemokratischen Antrag, daß die im Laufe des Rechnungsjahres sich eventuell ergebenden Einsparungen im haushalt dem Straßenbau zugute kommen sollen, wurde zugestimmt. Im weiteren Ver. [auf der Beratung des Etats des Straßenbaues, in ber der Provinzialdirektor eine Ueberficht über die unbedingt notwendigen Arbeiten gab, wurde vom Abg. Lux (Soz.) die Anregung gegeben, bet der Verstellung von Straßen und Ortsdurchfahrten Klein. Pflasterung zu bevorzugen. Dadurch könne die ober- hessische Basaltindustrie gestützt und vielen Arbeitern Erwerbsmöglichkeit gegeben werden. Das Kleinpflaster sei auch deshalb zu bevorzugen, weil es sich als das dauerhafteste Straßenbaumaterial erwiesen j habe und wenig Ausbesserungskosten verursache. Im übrigen spreche er dem Provinzialausschuß und der : Vrovinzialbauverwaltuna das Vertrauen seiner Frok- ■ tion für das bisherige Wirken bei der Durchführung ber Straßenbauprogramme aus. — Provinzialdirek- ; tor (9 r a e f dankte für diese Vertrauenskundgebung ! und empfahl ebenfalls die Anwendung von Klein- : pflafter. — Aba. Dr. Niepoth, Schlitz (DVV.), j begrüßte den Entschluß des Provinzialausschusses hinsichtlich der Neuregelung der Finanzierungsform ,wischen Drovinz und Gemeinden und empfahl eben- falls, die Gesuche der Gemeinden zur Kleinpflasterung ber Ortsdurchfahrten wohlwollend zu behandeln. — Schließlich machte Provinzialdirektor Graef noch darauf aufmerksam, daß Neu- und Umbauten nur dann in Angriff genommen werden könnten, wenn Fid) der Staat mit dem gesetzlichen Anteil von % der Kosten an der Finanzierung beteilige. —* Abg. Dolf, Düdelsheim (Ldbd.), regte an, der Schädlingsbekämpfung und Veredelung der Ob ft bäume an den Landstraßen mehr Ausmerk- [amteit zu schenken. — Prooinzialdirektor Graef dankte für die Anregung und wies darauf hin, daß gegenüber dem Vorjahre 300 Mark mehr für die Schädlingsbekämpfung eingesetzt worden seien und nunmehr 2300 Mark zur Verfügung stünden. Der Erlös aus Obst sei mit 55 000 Mark in Einnahme veranschlagt, sofern eine Mehreinnahme erzielt werden sollte, komme dieser Betrag ebenfalls der Schädlingsbekämpfung bzw. der Neuanzflanzung und Veredlung zugute. — Der Straßen-Sondervoranschlag wurde in der vorliegenden Form genehmigt. Bei dem Kapitel Allgemeine Förderung der Wirtschaft" stellten die Abg. Dr. Nie- p o t h (DDP.) und Fenchel (Ldbd.) den Antrag, die Summe der Zuschüsse an leistungsschwache Gemeinden für den Zinsen- und Tilgungsdienst für die zur Jeldbercinigung aufgenommenen Kapitalien von 5000 Mark auf 1OOOO Mark zu erhöhen. Die Sozialdemokraten stellten einen gleichlautenden Antrag für die Aufwendungen zur Niddaregulierung. Beide Anträge wurden dem Prooinzialausschuß zur Prüfung überwiesen. Die Voranschläge zu den Kapiteln Wohlfahrtspflege und Gesundheitswesen, sowie 21 n st a l t e n urld Einrichtungen fanden gegen die Stimme des Kommunisten die Zustimmung des Provinzialtages. Bei der Behandlung des Kapitels Finanz- und Eteucrwesen wurde von Provinzialdirektor Graef darauf hingewiesen, daß das Ministerium den ausgestellten Ausschlagsähen grundsätzlich zugestimmt habe und lediglich einige kleinere 21enderungen anrege. Der Provinzialtag stimmte auch diesem Teil des Voranschlags zu unter Berücksichtigung der vom Ministerium angeregten 2lbänderungen. Zn der G e s a m t a b st i m m u n g , wurde der Voranschlag mit allen Stimmen gegen die Stimme des Kommunisten angenommen. Der Voranschlag schließt ab mit 4 639 800 Mk.: davon entfallen auf die Betriebsrechnung 4 306 500 Mark, auf die Vermögensrechnung 333 300 Mk. WER. Darmstadt, 6. 3uni. Die Hessische Handwerkskammer hielt gestern ihre 3 9. Vollversammlung im Saale der Vereinigten Gesellschaft in Darmstadt ab. Der Vorsitzende Rohl hieß u. a. den Vertreter der Regierung, Ministerialrat Hechler, den Vertreter der Bauabteilung, Baurat Schnell, und Direktor Paech willkommen. 3n seinen weiteren Ausführungen verwies der Kammervorsihende auf die schwere wirtschaftliche Rot, die namentlich das Handwerk stark bedrücke und bereits zur Vernichtung vieler millelständlerischer Existenzen geführt habe. Die Kammer habe sich bemüht, das Allerschlimmste abzuwenden, soweit das in ihren Kräften stand. Der Vorsitzende gedachte der inzwischen verstorbenen Kammerangehörigen Geheimrat Falk (Mainz) und Landtagsabgeordneten H a u r y (Darmstadt). Ministerialrat Hechler erörterte kurz die Maßnahmen, die die hessische Regierung zur Behebung der Rot des Handwerks, insbesondere aus dem Westhilfefonds, unternehmen könne. Der geschäftsführende Direktor Schüttler erstattete dann den Verwaltungsbericht. 3n der Aussprache wurde vom Kammermitglied Becher (Osfenbach) scharfe Kritik insbesondere an den Ausführungen über die Preissenkungsaktion, namentlich vom Standpunkt des Bäckerhandwerks aus, geübt. Der Entschluß der Handwerkskammer, den Innungen die Preissenkung zu empfehlen, sei außerordentlich bedauerlich, ebenso wie die Steuerpolitik des Landtags. Gegen die von dem Redner vorgelegte sehr scharfe Entschließung wandten sich Kammer- direklor Schüttler, Abg. D o n a t (Dem.). Landtagsabgeordneter Kun kel (DVP.) und auch Ministerialrat Hechler wies die Resolution zurück, da sie ganz auf Politik abgestellt sei, die nicht in die Kammerberatungrn gehöre. In der weiteren Aussprache wurde zum Teil lebhafter Protest gegen den Vorschlag des Wirt- schastsministeriums erhoben, aus Ersparnisgründen die Handwerkskammer-Rebenstelle Darmstadt aufzuheben und deren seitherige Arbeiten der Hauptstelle in Darmstadt zu übertragen. Der Vorschlag des Vorsitzenden, die Verträge mit dem Shrcknci zu ändern, wurde gegen sechs Stimmen angenommen. Die Tätigkeitsberichte der Ge- werbeförderungs- und Detriebsberatungsstelle sowie die Revisionsbeauftragten wurden genehmigt. Dem Vorstand wurde über die Einnahmen und Ausgaben des Jahres 1930 Entlastung erteilt. Der Bericht über die Altersfürsorge wurde genehmigt. Ueber die Pläne zur Sodann beschäftigt sich das Haus mit der Vorlage des PrvvinzialausschusseS über die Uebedragung einer Prooinstalstraßenstrecke In das Eigentum der Stadl Bad-Rauheim. Die Provinzialstrahe von Bad-Rauheim nach Ockstadt (Homburger Straße) zwischen Mittelstraße in Dad-Rauheim und dem Deuler- graben konnte als Zufahrt zum neuen Bad-Rauheimer Friedhof von der Provinz nicht so unterhalten werden, wie es den städtischen Wünschen entsprach. Der Bürgermeister der Stadt Bad- Ra u h e i m beantragte deshalb, die Unterhaltung dieses 850,5 Meter langen Strahenstückes der Stadt Bad-Rauheim gegen Gewährung der üblichen Abfindung zu übertragen. Rach längeren Verhandlungen zwischen Provinzialausschuh und Stadtverordnetenversammlung einigte man sich dahin, der Stadt Bad-Rauheim eine einmalige Abfindung von 9882,81 Mk. für Lleberleitung dieser Straßenstrecke in Eigentum und Linierhaltung der Stadt zu zahlen. Der zwischen dem Vorsitzenden des Provtnzialausschusses und dem Bürgermeister der Stadt Bad-Rauheim abgeschlossene Liebereignungsvertrag erhielt die Zustimmung des Provinzialtags. Wasserwerk Inheiden. Der Rechensehaftsbericht des Wasserwerks Inheiden wurde genehmigt. Die Detriebs- rechnung schließt in Einnahme und Ausgabe mit 927 898,37 Mk. (Voranschlag 841 400 Mk.) ab. Der Voranschlag des Wasserwerks Inheiden für R s. 19 31 schließt in Einnahme und Ausgabe mit 890 000 Mk. ab. Wurde genehmigt. Uebedanbroed Oberhessen. Rach dem Rechnungsabschluß für 1 929 des Lleberlandwerks weist das De- rriebsergebnis nach dem Stande vom 31. März 1930 in Einnahme und Ausgabe die Abschlußsummc von 3 500 644,05 Mk., die Ver - mögensübersicht nach dem Stande vom 31. März 1931 die Abschlußsumme von 9 481 872,76 Mark auf. Wurde genehmigt. Der Voranschlag für das Rj. 19 31, der in Einnahme und Ausgabe mit 3 450 000 Mk. abschlieht, wurde gleichfalls glatt angenommen. Ausgestaltung des gewerblichen llnterrichts- roefene sprach Ehrenobermeister Schmuck (Worms). Der Kammervorsihende erläuterte dann den Voranschlag 1931, der mit 464 500 Mark balanciert. Die Kammerumlage bleibt die gleiche wie im Vorjahre. Die Gebühren für die Meisterprüfung wurden von 40 auf 35 Mark herabgesetzt. Lieber die Tätigkeit und die Lage der Hessischen Handwerks-Zentralgenossenschaft erstattete Direktor Paech Bericht. Er erklärte, daß die Rot der Zeit auch an der Zentralgenossenschaft nicht spurlos vorübergegangen sei. Der Umsatz bei den Maschinen usw. sei fast um die Hälfte zurückgegangen. Besonders drückend sei die Lage des Schuhmacherhandwerks, das mehr als jedes andere unter der Rationalisierung der Industrie leide. Der Bericht wurde genehmigt. Die Kammer nahm dann einstimmig eine Entschließung an, in der die Vollversammlung Regierung und Öffentlichkeit nachdrücklich auf die tiefe Rot in den breiten Schichten des Handwerks hinweist. Tausende von Handwerksbetriebe lägen seit langen Monaten brach und die Reste des Betriebsvermögens und des Betriebskredits würden durch erbarmungslose Steuereinziehung und die Lebensnotdurft verzehrt. Dadurch verliere das Handwerk jede Aussicht auf die Zukunft. Llnbeirrt von Einzelinteressen müsse im Augenblick der größten Rot das Steuer herumgeworfen werden. Die Handwerkskammer stelle in diesem Zusammenhang fest, daß die seinerzeit von der Reichsregierung angekündigte Realsteuersenkung durch Beschlüsse des Hessischen Landtags in ihr Gegenteil verkehrt wurden und diese Beschlüsse eine erhebliche direkte und indirekte Schädigung des gesamten hessischen Handwerks bedeuten. Die Kammer bedaure die Haltung der Mehrheit des Landtages und hoffe in Zukunft auf besseres Verständnis. Gleichzeitig protestiert die Kammer gegen die in der Rotverord- nung enthaltenen neuerlichen Belastungen, die eine weitere Einengung des für das Hapdwerk allein in Frage kommenden heimischen Marktes und damit eine weitere Existenzgefährdung bedeuteten. Zum Schluß wurden mehrere Anträge angenommen bzw. dem Vorstand als Material überwiesen. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bif 12.30 Uhr, 16 bi» 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. Tagung der Hessischen Handwerkskammer. Oberheffen. Landkreis Gießen. k. Cid), 8. Juni. Am Sonntagnachmiltag sand bei Gastwirt Heller eine Versammlung der selbständigen Metzger des hiesigen Bezirks statt, an der auch Syndikus Röhr von der Handwerkskammerneben- stelle und Geschäftsführer Kirchner von der Beratungsstelle des Bezirksverbandcs der Gewerbe- vereine teilnahmen. In den Verhandlungen wurde auf die Auswirkung der Hausschlachtungen hingewiesen und entsprechende Regelung dieser Frage gefordert. Auch die eventuelle Erhebung von Schlachtgebühren für Hausschlachtungen wurde einer Besprechung unterzogen. Zum Schluß wurde noch auf die Bedeutung der Organisation hingewiesen. Eine weitere Derfammlung findet demnächst in Gießen statt. Kreis Schotten. k. Babenhausen II, 7. Juni. Dem Altbürgermeister Johann Wilhelm Möser von hier wurde in der jüngsten Gemcinderatssiyung eine besondere Ehrung zuteil. Für seine 40jährigcn Dienste als Feldgeschworener der Gemeinde Babenhausen wurde ihm durch Regierungsrat Schwan vom Kreisamt Schotten ein Anerkennungsfchreiben des Hessischen Ministeriums überreicht. Preußen. Oer Etat des Landkreises Marburg verabschiedet. ][ Marburg, 6. Juni. Der Kreistag deS Landkreises Marburg, der heute Im Kreishause zu seiner Frühjahrssitzung zusammentrat, erledigte u. a. den Etat der Marburger Kreisbahn sowie den Hauptetat des Landkreises. Wie Landrat Schwebe! mitteilte, wird die Kreisbahn von der LIngunst der Wirtschaftslage — ihre Haupteinnahmequellen bilden bekanntlich die Dasaltverfrachtungen in Drei hausen — besonders schwer betroffen. Im vergangenen Jahre wurde eine tägliche Verfrachtung von nur 440 Tonnen erreicht, während der Etat auf einer solchen von 640 Tonnen zugrunde gelegt war. Infolgedessen muhten erhebliche Einsparungen an Personal- und Betriebsunkosten vorgenommen werden. Der Etat für 1931, der unter Zugrundelegung einer Tagesförderung von 540 Tonnen ausgestellt ist, schließt mit 282 000 Mk. ab. Wahrscheinlich müssen nöch weitere Einsparungen erfolgen, da gegenwärtig erst 330 Tonnen am Tage erreicht werden. Der Kreisbahnetat fand in der vorliegenden Form Annahme. Auch der Hauptetat des Kreises, der bet 1 184 217 Mk. Ausgaben einen Fehlbetrag von 23583 Mk. aufweist, steht unter dem Zeichen der Sparsamkeit. Die Anforderungen auf dem Gebiete der Wohlsachrtspflege erforderten einen Zuschuß von 169 000 Mk. Die Beratung des Wohlfahrtsetats erforderte eine stundenlange Aussprache, infolge der Zwangsläufigkeit der Ausgaben konnte nichts gekürzt werden. In der Finanzverwaltung wird im laufenden Jahre mit einem Steuerminderertraa von 38000 Mk gerechnet. Die Deckung des Fehlbetrages von 23 583 Mark erfolgt durch Umlegung der im Jahre 1931 auf den Kreis entfallenden Lleberweisungen aus der Reichseinkommerr- und Körperschaftssteuer sowie die Realsteuergrundbetrage und die Bür- gersteuer. Mit nur geringfügigen Aenderungen fand dann der Hauptetat Annahme. Kreis Wetzlar. < Vetzberg, 5. Juni. Für 1931 kommt auch hier die Bürger st euer mit 50 o. H. Zuschlag zur Einführung. An Gemeindeumlagen werden 250 v. H. der Grundvermögenssteuer und 250 v. H. der Gewerbesteuer erhoben. <> Lützellinden, 5. Juni. Da der Gemeinderat die Einführung der Gemeinde- Biersteuer abgelehnt hat fjat der Kreisausschuß in Wetzlar diese Steuer mit Wirkung vom l.Juni ab bei einfachen Sätzen für die hiesige Gemeinde ein* geführt. --- • Kleine Strafkammer Gießen. Eine wegen Verleumdung eines Wachtmeisters der Zellenstrafanstalt Butzbach vom Amtsgericht Butzbach zu zwei Wochen Gefängnis verurteilte Ehefrau legte gegen das Urteil Berufung ein. Sie hatte eines Tages ihren in Butzbach in Haft befindlichen Mann besucht und ihm im Besuchszimmer erzählt, sie sei soeben von dem sie begleitenden Beamten unzüchtig angefaßt worden. Der Beamte, ein Mann in vorgerücktem Alter, dem noch niemals eine derartige Handlung zur Last gelegt worden war, stritt dies unter Eid ab. Auch andere Zeugen hatten keinerlei Wahrnehmungen über bie nach Lage der Sache recht unwahrscheinliche angebliche Tat gemacht. Das Gericht gelangte zu der Auffassung, daß die Angeklagte sich der üblen Rachrede schuldig gemacht hat. Die Derufungwurdezurück- gewiesen. U E11 ~‘lnu ißiÄMS«nELL M M den durch Herkunft und Verarbei- v ■ tung Schnellstartenden, kraftvollen | und klopffesten Betriebsstoff, wonn mrin u/ip rlia ßrnRnn rlpc Unrhctlpicfnnnpri t wenn man, wie die Großen des Sports, Höchstleistungen erstrebt SHELL ÄUTOOi Schont unsere Waldungen! Oie Zollverwaltung ist bemüht, Schönheit und Frieden der Natur zu erhalten. Llnterstüht sie alle darin! Die Zahl derer, die an Sonn- und Feiertagen den Wald aussuchen, weil sie sich seines wohltätigen Einflusses auf Körper und Gemüt bewußt sind, wird immer größer. Nicht zuletzt ist dieser Umstand der Wanderbewegung zuzuschreiben, die in den letzten Jahren einen gewaltigen Aufschwung erfahren hat. Aus der Erkenntnis heraus, daß durch die wirtschaftliche Not, in der sich heute weite Bevölkerungskreise befinden, der Besuch unserer Waldungen für viele tatsächlich die einzige LrholungsmögUchkeit darstellt, ist die Forstoerwaltung bemüht, bei der Bewirt- schaftung der in der Nähe der Städte und Ausflugsorte gelegenen Waldungen, den Interessen der Waldbesucher Rechnung zu tragen. Diese Rücksichtnahme geht oft so weit, daß zur Erhaltung der Waldesschönheit Aufwendungen gemacht werden, die nicht immer durch die Aussicht auf eine entsprechende höhere Rente gerechtertigt sind. Hier liegt ein Fall vor, wo bei der Bewirtschaftung des Waldes das ozialökonomische Prinzip dominiert. Bekanntlich er« olgt die Waldbewirtschaftung unter Beobachtung ireier Grundsätze: des naturgesetzlichen, des privatwirtschaftlichen und des sozialökonomischen, wobei natürlich heute wegen der ungünstigen Lage der deutschen Forstwirtschaft es die Regel sein muß, dem privatwirtschaftlichen Prinzip eine Vorrangstellung einzuräumen. Nur dort, wo die Wohlfahrtswirkungen des Waldes besonders in Erscheinung treten, und das ist in der Nähe größerer Städte und Ausflugsorte, hat das privatwirtschaftliche Prinzip hinter das sozialökonomische zurückzutreten. Bei den Maßnahmen, die von forstlicher Seite zur Erhaltung der Waldesschönheit ergriffen werden, handelt es sich, um nur die wichtigsten zu nennen, um die Erhaltung alter schöner Bäume, um die Einbringung von schattenspendendem Laubholz in Nadelholz, um den Anbau von solchen einheimischen und fremdländischen Holzarten, die sich auszeichnen durch besondere Blattfarbe oder durch ihre eigenartigen Blüten und Früchte, und die dadurch das Auge des Wanderers erfreuen, u. a. mehr. Nicht vergessen soll auch werden- die Anlage von Fußpfaden und das Aufstellen von Ruhebänken an besonders schönen Plätzen. Wesentlich unterstützt wird hierin die Fprstverwaltung durch die Wandervereine, insbesondere den Odenwaldklubs und den Vogelsberger Höhen-Club. Leider muß jedoch immer wieder feflgestellt werden, daß es bei den Bestrebungen der Jorff- behörde auf Erhaltung und Förderung der Waldesschönheil vielfach an der nötigen Unterstützung durch das waldbesuchende Publikum fehlt. Auf diese Unterstützung kann nicht verzichtet werden, wenn die ergriffenen Maßnahmen von Erfolg begleitet sein sollen. Die Klagen der Forstbeamten über das Abreißen von Blüten und Zweigen, über das Beschmutzen und Beschädigen von Bänken, Brunnen usw., über das Herumliegenlassen von Papier und sonstigen Abfällen wollen nicht verstummen. Man sollte sich bewußt sein, daß mit diesen Handlungen den übrigen Besuchern des Waldes die Freude an der schönen Waldesnatur getrübt wird. Ein seiner Blüten und Zweige beraubter Strauch oder Baum ist gewiß kein erfreulicher Anblick. Durch das Herumliegenlassen von Papier und Abfällen und durch die Beschädigung und Beschmutzung von Bänken wird ein schöner Platz so verunziert, daß der mit dem Aufstellen der Bänke verbundene Zweck vollkommen vereitelt werden kann. Ein wahrer Naturfreund meidet diese Orte. Um den vielen Gefahren, die dem Wald und seiner eigenartigen Schönheit drohen, abzuwenden, muß jeder einzelne mithelfen. In erster Linie gilt es natürlich, die S ch u l- fugend für diese Arbeit zu gewinnen, weil man sich davon mit Recht den nachhaltigen Erfolg versprechen darf. Es ist daher außerordentlich zu begrüßen und wird dankbar anerkannt, daß die hessischen Schulleitungen sich schon seit Jahren in den Dienst dieser Sache gestellt haben. Im Unterricht und gelegentlich von Spaziergängen wird jede sich bietende Gelegenheit durch die Lehrerschaft wahrgenommen, die Schüler über die Bestrebungen zum Schutz der Waldesschönheit aufzuklären. Doch um einen vollen Erfolg sicherzustellen, darf die übrige Bevölkerung nicht beiseite stehen. An alle, die an der Schönheit des Waldes interessiert sind, ergeht deshalb die Bitte, die Bestrebungen zu ihrer Erhaltung und Förderung zu unterstützen. Dies kann schon dadurch geschehen, daß beim Waldesbesuch folgende Regeln beachtet werden: 1. Laß den Gewächsen des Waldes ihre Zweige, Blätter, und Blüten; sie sind der Schmuck des Waldes, sollen noch viele erfreuen und neues Leben bilden. Abgerissen welken sie rasch, dienen niemand mehr zur Freude, werden meist bald weggeworfen, das beschädigte Gewächs aber verkümmert. 2. Betritt keine jungen Anpflanzungen, locken dich auch die schönsten Beeren und Blumen, denn du siehst die jungen Pflanzen nicht, die zu Bäumen heranwachsen sollen. Die Zerstörung, die dein Fuß dort anrichtet, ist noch nach Jahren kenntlich. 3. Laß Zeitungen, Frühstückspapier und sonstige Abfälle nicht auf Wegen und Ruheplätzen herumliegen; balle sie zusammen und wirf sie in Dickungen oder vergrabe sie in Moos oder Laub; zerschlage auch keine ausgetrunkenen Flaschen, sondern lege sie beiseite in den Wald. Denn was ist häßlicher, als wenn einzelne Stellen im Walde aussehen wie Sammelplätze für Abfälle? 4. Gehe mit Feuer, Zigaretten und Zigarren recht vorsichtig um. Bei trockenem Wetter kann jede brennend weggeworfene Zigarette und jedes glimmende Streichholz einen Waldbrand verursachen. 5. Störe die Tiere des Waldes nicht; alle fürchten den Menschen als ihren größten Feind. Die Berührung durch Menschenhand kann die Mutter ver- anlassen, ihr Junges oder ihre Eier zu verlassen und so dem Verderben zu weihen. Nimm deshalb auch deinen Hund an die Leine, wenn du nicht ganz sicher bist, daß er keinerlei Jagdlust hat. ö.jf.-ifpori VfB. -19001:4. Spannender Kampf der Lokalrivalen. Das Spiel der beiden Lokalgegner war in mancherlei Hinsicht beachtenswert. So zeigte es sich zum Beispiel, daß ein Fußballspiel, das guten Sport verspricht, oas eine spannende Kampfhandlung erwarten läßt, wohl geeignet ist, auch in Gießen ein zahlreiches Publikum auf den Sportplatz zu locken. 1500 Menschen hatten sich eingefunden. Das Spiel hat weiter gezeigt, daß ein Lokaltreffen durchaus scharf und hart geführt werden kann, ohne unfair sein zu müssen. Und schließlich läßt sich behaupten, daß die Mannschaften nicht enttäuscht haben. Diese Feststellung erscheint wichtig. Allerdings: Ueberragen- des wurde nicht gezeigt. Einige Einzelleistungen gefielen gut. Welche Mannschaft gewinnt das Derby? Diese Frage beherrschte das Publikum und die Spieler. Die engere Sportgemeinde tippte schon seit zwei Wochen. Ohne jedoch zu einer klaren Meinung zu kommen. Auch die Kenntnis der Mannschaftsaufstellungen war noch keine Gewähr. Anders lag allerdings die Situation, als man auf dem Sportplatz hörte, Haupt wird nicht spielen, der talentierte Mittelstürmer der VfBer, der Sturmführer, der nun einmal der wichtigste Mann ist. — Rein stimmungs- tzemäß sanken dadurch die Aktien des VfB. Äm übrigen waren die in der Vorschau genannten Spieler zur Stelle. Die Spieloereinigung 1900 trat in der angekündigten Aufstellung an. Das Spiel ist vorbei! Die Ligamannschaft des Vereins für Bewegungsspiele 08 Gießen hat mit 1:4 Toren verloren. An dieser Tatsache ist nicht zu rütteln. Gerade das Torverhältnis erscheint etwas hart. 3:1 wäre dem Eifer der Grünweißen gerechter gewesen. Ader 1900 war besser. Daran ist auch nicht zu rütteln. Der Spielverlauf. Beide Mannschaften spielten in den ersten 10 Minuten reichlich zerfahren. VfB. druckvoller, die 1900er konnten sich nicht gleich finden. Das verschaffte den Grünweihen zunächst ein Uebergewicht, das sich aber mehr und mehr ausglich. In der 1. Minute schoß Kreß über das Tor, in der 6. Minute ging von Ritter ein Ball hoch über den Kasten. Im nächsten Augenblick setzt Schäfer einen Ball neben das Tor. Lehrmund wehrt in der 15. Minute aus kritischer Situation glänzend zu einer Ecke ab, die den 1900em aber nichts einbrachte. 1900 rückte um diese Zeit merklich auf. In der 16. Minute Torschüsse von Glitsch und Schäfer, eine Minute später ließen die VfBer eine glänzende Chance aus. In der 20. Minute fiel das erste Tor. Im Strafraum sprang dem Verteidiger Zeller der Ball an die Hand (zweifellos ohne fein Verschulden), der Schiedsrichter gab einen Elfmeterball, Ritter verwandelte geschickt. Der Ball war für den Tormann unhaltbar. 1:0 für VfB. Kurz darauf bot sich eine Gelegenheit zum Ausgleich, aber Wilhelmi lenkte mit den Händen aus nächster Aähe den Ball in das Tor. Warum nicht mit dem Kopf? Jäckel hätte sich bald unmittelbar danach ein Selbsttor geleistet, zeigte aber bald darauf eine glänzende Parade. Schmidt (VfB.- schoß aus aussichtsreicher Stellung auf das Tor. Aber der Ball wurde eine Deute des Tormannes. Die 1900er schossen in kurzem Zeitraum viermal auf das Tor, vorläufig aber ohne sichtbaren Erfolg. Erst zwei Minuten vor Halbzeit schoß Schäfer durch einen fabelhaften Schuß den Ausgleichstreffer. Mit 1:1 ging es in die Pause. Aach dem Wechsel wurde das Spiel etwas schärfer Sn der 8. Minute erzielte Wilhelmi durch einen schönen Kopfball ein zweites Tor für seine Farben. Die BfBer wurden etwas unruhig. Zeiler hielt in der 10. Minute vor dem Tor einen Ball, der sehr gefährlich werden konnte. (1900 stellte nun Schäfer auf Linksaußen, Heilmann Halblinks.) Das Spiel ging in lebhaftem Hin und Her weiter. 1900 drängte einige Zeit mächtig. In der 26. Minute schoß Feuster einen Strafstoß über die Latte. Kreß setzte einen scharfen Schuß auf des Gegners Tor. Der Tormann war aber auf dem Posten. Bald darauf ließ sich Böckler im Tor der BfBer einen schweren Stellungsfehler zuschulden kommen. Schäfer setzte mehr ungewollt einen Ball von der linken Außenlinie in die rechte Ecke des Tores. 3:1 für 1900. Aun stellten auch die BfBer um, Bingel ging in den Sturm. Die Spielzeit näherte sich dem Ende. Die BfBer kämpften mit aller Macht um eine Verbesserung des Ergebnisses. Vergeblich! Zwei Minuten vor Schluß fiel durch Wilhelmi ein viertes und zugleich das schönste Tor des Tages für die 1900er. Der Ball ging knapp unter die Latte. Kritik der Mannschaften. Die BfB.er spielten eifrig, wuchtiger als der Gegner, ließen aber in der Spielanlage die nötige Exaktheit vermissen. Die Verteidigung arbeitete zuverlässig. Die Läuferreihe bediente den Sturm nicht restlos befriedigend. Der Sturm selbst lieh den Torschuß vermissen. Haupts Fehlen machte sich deutlich bemerkbar. Sn der 1. Halbzeit lieferte die Mannschaft ein besseres Spiel. — Der Sieger hatte seine stärkste Waffe Im Sturm. Das Kombinationsspiel war weitaus besser. Es dauerte allerdings reichlich lange, bis sich die Mannschaft fand. Die Verteidigung arbeitete aufopfernd, der Kontakt zwischen Läuferreihe und Sturm war enger als beim Gegner. 11 nb die einzelnen Spieler? Schmidt im Tor der 1900er war der beste Mann im Spielfeld. Seine Sicherheit, sein ausgezeichnetes Stellungsspiel war der Mannschaft wichtiger moralischer Rückhalt. Sehr gut Henrich (rechter Läufer), Zeiler, Heilmann, Glitsch; Adelberger enttäuschte etwas. Gut Langsdorf, Wilhelmi, Schäfer, Luft, Säckel. Bei den BfB.ern war während der ersten Halbzeit unbestritten Dingel der beste und zuverlässigste Mann. Aach dem Wechsel fiel er allerdings merklich ab. Böckler im Tor ließ zu wünschen übrig. Kreß war in der 1. Halbzeit überraschend gut, ließ aber ebenfalls in der zweiten Hälfte nach. Henrichs manchmal etwas zu hart, K. Schmidt sehr gut, Sauer, Leutheuser, Lehrmund entsprachen den Erwartungen, Feuster teils, teils. Fehling als Sturmführer zeigte nicht genügend Snitiative, die den Sturm hätte nach vorne bringen können. Ritter auf Linksaußen sehr zuverlässig, konnte sich jedoch nicht immer durchsetzen. Uni) nun ein Wort dem Schiedsrichter: Engelter, Marburg, war dem Spiel ein Leiter, wie man ihn nicht besser wünschen konnte. Er hielt das Spiel stets in Grenzen, entschied durchaus korrekt, ließ kein Foul hingehen und war darin von unbestechlicher Gerechtigkeit. Shm ist es zuzuschreiben, daß das Spiel stets in Grenzen blieb. Allerdings übersah auch er einiges. _ Das Publikum folgte dem Kampf mit größter Spannung und verhielt sich sehr diszipliniert (abgesehen von einigen, die der Meinung sind, alles besser machen zu können und deshalb pfeifen). Es kam zu keinerlei Zwischenfällen. Die Meinung der beiden Dereinsvorsihenden. Gerichtsreferendar G u y o t (Vorsitzender der Spielvereinigung 1900) sagt: „Ein von Anfang bis Ende spannendes Spiel. VfB. spielte eifriger, wuchtiger, aber nicht durchdacht genug. Die Blauweihen spielten fair, flach und tattisch klüger. Besonders in der zweiten Halbzeit. Der Sieg erscheint mir verdient. Vielleicht um ein Top zu hoch." Kassenleiter Geißler (Vorsitzender des VfB.): „Sch bin sehr befriedigt. Leider war unsere Mannschaft durch Absagen von vornherein gehandicapt. Trotzdem hat sich die Mannschaft, tapfer geschlagen. Das Torverhältnis ist zu hoch. Ein Unentschieden hätte dem Spielverlauf entsprochen." * Oie Leichtathletischen Ganmeisterschasten in Wetzlar. Im Wetzlarer Stadion wurden am Sonntag die Gaumeisterschaften des Gaues Gießen-Wetzlar ausgetragen. Aus den Wettkämpfen gingen die Leichtathleten der Spielvereinigung 1900 Gießen mit 12 ersten, 16 zweiten und 10 dritten Siegen hervor. Die Teilnehmer des VfB. erränge«-7,yfte, 10 zweite und 10 dritte Siege. Die höchste Zahl der ersten Siege errang der VfL. Wetzlar, 15 erste, 7 zweite und 7 dritte Siege blieben in Wetzlar. In der Gesamtwertung ergaben sich für Spielvereinigung 1900 90 Punkte, für VfL. Wetzlar 75 Punkte und für VfB. Gießen 62 Punkte. Das Sportfest nahm bei wenig günstigem Wetter und geringer Beteiligung von feiten des Publikums einen guten Verlauf. Die Abwicklung der Wettkämpfe ließ stark zu wünschen übrig. Werischeinhest und Halbkarte. Zur Tarifgestaltung der Reichsbahn. Von Neg.-Nat a. O. Or.Noefener, Erster Syndikus derIndustrie- und Handelskammer Darmstadt. Die Erkenntnis, daß auch im Personenverkehr der Reichsbahn dem ständig zunehmenden Wettbewerb des Kraftwagens mit großzügigen Maßnahmen begegnet werden muß, hat die Reichsbahn veranlaßt, in eine Prüfung der Frage einzutreten, in welcher Weise durch tarifarisch es Entgegenkommen die Wettbewerbslage der Schiene gegenüber dem Kraftwagen verbessert werden kann. Wie zuverlässig verlautet, haben die internen Beratungen der Reichsbahn zu dem Ergebnis geführt, daß man eine Ausdehrnmg der bisher — von Ausnahmefällen abgesehen — lediglich auf bestimmte Strecken beschränkten Zeitkarte auf größere oder kleinere Bezirke vornehmen will. Es sollen sogenannte'Dezirkszeitkarten eingeführt werden, die den Snhabern die Berechtigung geben, innerhalb eines bestimmten, genau abgegrenzten Beziickes die Eisenbahn zu benützen. Es muß mit allem Aachdruck ausgesprochen werden, daß eine Personentarifreform, die sich auf die Einführung von Dezirkszeitkarten beschränkt, den Forderungen der Zeit nicht entsprechen würde. Es kommt vielmehr entscheidend darauf an, bei der durch die Sachlage dringend gebotenen Auflockerung der Reichsbahntarife die Freizügigkeit der Tarifermäßigungen sicherzu st eilen. Es ist schlechterdings nicht einzusehen, warum ein Reisender, dessen Eisenbahnfahrten vielleicht nur auf sehr kurze Strecken, oder einen sehr eng begrenzten Gebietsteil beschränkt sind, sehr große Fahrpreisermäßigungen gegenüber dem Aormaltarif genießen soll, während solche Reisenden, die ^Tausende von Kilometern auf der Bahn auf den verschiedensten Strecken zurücklegen, ohne jede Ermäßigung des durch die Tributlasten überteuerten Aormaltarifs bleiben sollen. Dem Gesichtspunkt des Wettbewerbs des Kraftwagens können solche bezirklich beschränkte Ermäßigungen, wie sie die Bezirkskarte darstellen würde, nicht genügen. Will man dem Kraf twagen toirffam begegnen, der in Raum und Zeit über eine Freizügigkeit verfügt, wie jie der Schienenweg nie wird erreichen können, so muh bei der Tarifgebahrung der Eisenbahn diesem Gesichtspunkt der Freizügigkeit soweit wie nurirgend möglich entsprochen werden. Dieser Forderung trägt die von maßgebenden Organisationen immer wieder gegebene Anregung auf Einführung eines Kilometer Heftes — vom Standpunkt des reisenden Publikums aus gesehen — in geradezu idealer Weise Rechnung. Das Kilometerheft, das gerade im Westen als eine besonders beliebte Einrichtung der ehemaligen Badischen Staatseisenbahn noch in bester Erinnerung ist, gewährt die Möglichkeit, auf beliebigen Strecken jede beliebige Entfernung zu einem ermäßigten Preise zu fahren. Die Reichsbahn steht den Anreguirgen auf Wiedereinführung des Kiolmeterheftes allerdings ablehnend gegenüber, und zwar aus abfertigungstechnischen Bedenken. Diese Bedenken wird man nicht ohne weiteres als unbegründet bezeichnen können. Sn der Tat ist es wesentlich schwieriger, in einem so weitverzweigten Verkehrsgebiet, wie demjenigen der Deutschen Reichsbahn, eine Einrichtung zu treffen, die im beschränkten Gebiet der ehemaligen badischen Staatsbahnen möglich war. Dom Standpunkt der Verkehrsinteresienten aus ist es daher geboten, bei der weiteren Behandlung der Frage mit allem Aachdruck die Forderung der Freizügigkeit für die neu zu schaffenden Tarif ermäßigungen zu erheben und hierbei nach Möglichkeit der Reichsbahn Lösungen vorzuschlagen, die in gleicher Weise dem Sntereffe dieses unseres führenden Verkehrsunternehmens, wie den berechtigten Belangen des reisenden Publikums entsprechen. Sn diesem Sinne wird der Vorschlag der Einführung eines „Wertscheinheftes" zur Erörterung gestellt, der unter Aufrechterhaltung des dem Kilometerheft wesenseigenen Grundgedankens eine Berechnung der Leistungen der Dahn statt nach Kilometern nach der gesetzlichen 'Währung der Reichsmark unter Zugrundelegung des Aormaltarifs vorsieht. Das Wertscheinheft ist so gedacht, daß die Reichsbahn Ausweise in Heftform herausbringt, die auf einen bestimmten Aennwert lauten und mit gewissen Preisnachlässen herausgegeben werden. So könnte man dazu gelangen, drei Arten von Wertscheinheften herauszubringen, bei denen sowohl der Wert, wie auch die Geltungsdauer und der Rabattsah entsprechend zu staffeln wären, nämlich ein „kleines" Wertscheinheft, gültig zwei Monate mit einem Wert von 100 Mark und einem Aachlah von 10 Prozent zum Preise von 90 Mark, ein „mittleres" Wertscheinheft mit einer Gültigkitsdauer von sechs Monaten, einem Wert von 300 Mark, einem Aachlaß von 15 Prozent und einem Preise von 255 Mark, ein „großes" Wertscheinheft mit einer Gültigkeitsdauer von einem Saljr, einem Wert von 1000 Mark, einem Aachlaß von 20 Prozent und einem Preise von 800 Mark. Das Wertscheinheft hätte in kleinen Scheinen auf perforierten Dogen die entsprechende Anzahl von Wertscheinen auf je 1 Mark au enthalten. Die Entnahme der Fahrkarten würde unter Vorlage des Wertscheinheftes am Schalter erfolgen, wobei der Schalterbeamte die Wertscheine herauszunehmen und sie statt baren Geldes zu vereinnahmen hätte. Spihen- beträgen von Pfennigen wären in jedem Falle in bar zu entrichten. Die Wertscheinhefte wären auf Hamen auszustellen, wobei aber engere Familienangehörige an der Vergünstigung müßten teilnehmen dürfen. Um Zweifel auszuschließ en, sei ausdrücklich betont, daß der Einführung der De zirkszeit - karte nicht etwa widersprochen werden soll; diese folgerichtige Ausgestaltung des ©eöantenJ der Monatskarte erscheint vielmehr durchaus zweckmäßig. Aachdrücklich muß aber betont werden, daß die Bezirkszeitkarte allein unter keinen Umständen geeignet ist, die Wettbewerbsstellung der Schiene gegenüber dem freizügigen Kraftwagen grundlegend zu stärken. Aach Lage der Dinge kann es sich nicht darum handeln, dem Wettbewerb des freizügigen Kraftwagens durch eine einzelne Tarifmaßnahme zu begegnen, die nach ihrer Gestaltung und ihren Auswirkungen nur einem beschränkten Teil von Reisenden zugute kommen kann. Die Schiene wird den Wettstreit mit der Landstraße vielmehr nur dann erfolgreich bestehen können, wenn sie durch ein großzügig aufgebautes System sich gegenseitig ergänzender Tarifvergünstigungen den von den Vcrkehrstreibenden im Zeitalter deS Kraftwagens zu stellenden vielfältigen und umfangreichen Anforderungen in möglichst lückenloser Weise entspricht. Kirche und Schule. Kreis Wetzlar. (D Krofdorf, 7. Juni. Pfarrer Wiebel aus Barmen, der bereits über ein Jahr die hiesige Pfarrstelle verwaltet, ist nunmehr endgültig zum Seelsorger der Gemeinden Krofdorf, Gleiberg und Kinzenbach ernannt worden. ErnStzten Sie M öen Woröetongen des Spotts entwend? Gerade beim Svorlsmenschen ist richtige Ernährung von außerordentlicher Wichtigkeit. Verwenden Sie daher nur das Echte Lüneburger Zod-Speisesalz. Dieses jodhaltige reine Siedesalz von natürlichem Salzgeschmack und -geruch bat dank seiner stärker salzenden Straft einen Minderverbrauch an Salz zur Folge. Dadurch wird die Forderung der modernen ärztlichen Wissenschaft nach einer möglichst salzarmen Kost erfüllt, was besonders für den Organismus des stark in Anspruch genommenen SvortSmenschen wichtig ist. Lüneburger Jod-Sveise« falz erhält Sie jung und elastisch. Erhältlich in allen Lebensrnittel- und- Drogen» geschähen zum Preise von 27 Pfennig für daö Pfund-Paket 50 Pfennig für das Kilo-Paket. Nur echt in der bekannten Würselvackung mit dem Giebel. Name und Packung geschützt. Nachahmungen weise man zurück. — Vertreter: 3885V Wilhelm Westerman«, Frankfurt a. Maia, Hochstraße 43, Telephon Hansa 850. PIX AVON | SKcunfuwi PIXAVON | S/humfiMTi selbst iiöt ■ dxxsJWLste Wid llk tri fcOT ki«I lk 2.2t N loh' sch« ml an' St tti ft frier Lim w Sieu bcfri hebet Dir Dvl hmg gegen bingS Mg ritb den, dm und $uto S söge' Die scho her run-, anh verg für lich rat reits und trag nom Kab T verl Ch anc übt po viel laffc wer Enl Aott mm( Mit Erst bis zu ' hier Pai die stet, vers< sie n flehe! 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