Montag, 9. Sebruar 193t 181. Jahrgang M.33 Erster Statt Erregte Geschäftsordnungsdebatte |oIdolen e. v zuzulassen, das auf Berlin, 7. Jebr. (WTB.) wie der Amtliche Preußische Pressedienst milteill, hat der preußische Minister des Innern Severing an den Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten e. V. in Magdeburg, am 7.Februar folgendes Schreiben gerichtet: Dem Anträge des Stahlhelms, Bund der Front- die Listenauslegung für ein Volksbegehren Severing macht dem Stahlhelm- Volksbegehren Schwierigkeiten. Der preußische Innenminister lehnt die Auflegung der Listen ab. Oie Abstimmung. Für den von den Nationalsozialisten und Kommunisten gegen das Gcsamtkabinetl eingebrachlen Mißlrauensantrag stimmen mit den Nationalsozialisten und Kommunisten die Deutjchnatio- nalen und das Landvolk. Der Mißtrauensanlrag wird mit 2 9 2 gegen 220 Stimmen bei 13 Enthaltungen abgelehnt. (Pfuirufe bei den Kommunisten.) Die Abg. Schlange-Scho- ningen und Baur von der Landvolkpartei nahmen an der Abstimmung nicht teil. Die Mehrheit der Wirtschaftspartei hat Stimmenthaltung geübt, die Minderheit hat gegen den Mißtrauensanlrag gestimmt. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20°, mehr. Chefredakteur Dr Fnedr Wilh Lange. Derantworllich für Politik Dr Fr. WUH. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot,- für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für hen Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in (Bienen Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertag» Beilagen: •Die Illustrierte Viehener FamilienblStte, Heimat im Bild •Die Scholle monals-Bejugsprets: 2.20 Reichsmarli und 30 Reichspsennlg für Träger» lohn, auch bei Richter- Gemen einzelner Nummern folge höher«, Gewalt. ^ernsprechanschlSste anterSa m melnummer2251. Anschrift für vrahtnach» richten Anzeiger Sieben. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. 2lbg. Esser (Z): Nachdem das Mßtrauens- votzim gegen das @ cf am tf ab ine tt abgelehnt ist, beantragen wir Uebergang zur Tagesordnung über den Mchtrauensantrag gegen den Minister T r i v i r a n u s. Die 2lbgcordneten Doti Heiner (Dnl.) und Dr. Frick (Statt) halten eine solche Qlbftimmung für unzu I ä s - i g. Präsident Lobe weist aus der Geschäftsordnung die Zulässiakeit nach. Sn namentlicher Abstimmung wird öer Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung mit 312 gegen 236 Stimmen bei 7 Enthaltungen der Wirtschaftsparte, angenommen. Das Landvolk hat in diesem Falle ür ilebergang zur Tagesordnung gestimmt, die Kommunisten, Nationalsozialisten und Deutschnationalen stimmten dagegen. Der nationalsozialistische Antrag auf Reichstagsauflösung wird dann in namentlicher Abstimmung mit 318 gegen 207 Stimmen ab* gelehnt. Dafür stimmten die Nationalsozialisten, die Deutschnationalen, die Kommunisten und vom Landvolk der Abg. Dr. Wendhausen. Der kommunistische Antrag auf Streichung des Gehalts des Reichskanzlers wird in namentlicher Abstimmung mit 314 gegen 207 Stimmen der Kommunisten, Nationalsozialisten und Deutschnationalen abgelehnt. Mit ähnlichem Stimmenverhältnis werden dann in einer ganzen Reihe von namentlichen Abstimmungen weitere Streichungs- und Aenderungsanträge der Nationalsozialisten, Kommunisten und Deutsch- nationalen abgelehnt. Schließlich meldet sich Abg. Esser (3.) zur Geschäftsordnung. Er wird von Nationalsozialisten und Kommunisten mit lärmenden Rufen empfangen: Schieberl Habt ihr den Dreh gefunden? Abg. Esser beantragt, über alle noch vorliegenden Aenderungsanträge zur Tagesordnung überzugehen und über alle noch nicht erledigten Kapitel des Etats gemein* s a m abzustimmen. (Rufe auf der äußersten Linken und Rechten: Unerhört I) Abg. S t ö ck e r (Komm.) erklärt diesen Antrag für eine Vergewaltigung der Minderheit und für geschäftsordnungswidrig; er widerspreche zum mindesten der gesamten bisherigen Praxis. Der Redner verlangt namentliche Abstimmung über den Vorschlag Esser. Abg. Dr. Frick (Rats.) und Abg. Dr. Ever- 0er Start. x Don unserer Berliner Redaktion. Selten hat es im Reichstag ein derart heftiges Ringen zwischen Mehrheit und Minderheit und eine so häufige Anwendung von Obstruktionsmitteln aller Art gegeben wie am Samstag. Dennoch kann der -Ausgang dieser Sitzung als ein verheißungsvoller Auftakt für die Erledigung des Reichshaushaltsplanes auf parlamentarischem Wege an gesprochen werden. Kurz vor 16 älhr gelang es dem Abg. Esser durch einen geschickten Schachzug, die auf der Tagesordnung stehenden ersten Abschnitte des Reichshaushaltsplanes, also den Etat des Reichspräsidenten, des Reichskanzlers und des Reichskabinetts z u r Abstimmung zu stellen und eine beachtliche Mehrheit für diese drei Kapitel zusammenzubekommen. Silan darf aus diesem Abstimmungsergebnis den Schluß ziehen, daß die meisten Parteien bereit sind, den eindringlichen Mahnungen des Reichskanzlers Folge zu leisten und für den Etat zu stimmen, um namentlich dem Ausland zu zeigen, daß im Reichstag wenigstens von Fall zu Fall noch immer eine arbeitsfähige Mehrheit vorhanden ist und daß es nicht nötig ist, bei jeder Gelegenheit zum Artikel 48 und damit zur Notverordnung zu greifen. Wir wollen aber die Augen nicht davor verschließen. daß bei wci Abschnitten des Reichshaushalts, namenlii c i m Wehretat, Schwierigkeiten zu erwarten sind und daß bei dieser Gelegenheit die Sozialdemokratie sich vermutlich eine weideve Llnterstützung der Regierung abkaufen lassen wird. Auch das Ermächtigungsgesetz, das von der Deutschen Volks- Partei angesteuert wird, kann leicht zu einer Klippe für die am Samstag in die Erscheinung getretene Mehrheit werden. Dennoch dürfen wir vorläufig uns der Erwartung hingeben, daß in der Schlußabstimmung über den Etat sich eine ausreichende Anzahl von Abgeordneten für die Regierung zusammenfindet. Der Samstag hat aber noch einige andere interessante Ergebnisse gebracht. Fe stärker die Opposition vorprellte, je heftiger sie Obstruktion trieb, und alle Möglichkeiten der Geschäftsordnung zur Verlangsamung oder Verhinderung des Arbeitstempos auszuschöpfen versuchte, desto stärker wurde der 'Abwehrwille im Haufe und damit auch die Mehr heit für die Negierung. Ergab sich bei der Ablehnung des Mißtrauensantraaes gegen das Gesamt- täbinett zunächst nur ein Mehr an 72 Stimmen für die Negierung, so wuchs die Gefolgschaft des Kanzlers von Abstimmung zu Abstimmung weiter an. Die Streichung seines Gehaltes wurde schon mit einer Mehrheit von 107 Stimmen und die Streichung seiner Dienstaufwandsentschädigungen sogar mit einer Mehrheit von 109 Stimmen abgelehnt. Umgekehrt ergibt sich daraus für die Negierung Brüning ein beachtlicher Erfolg, zu dem noch die Verabschiedung der ersten drei Etatskapitel mit einer Mehrheit von 106 Stimmen hinzulommt. Es hat sich ergeben, daß mit dem Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung die Obstruktion wirksam bekämpft werden kann Am Montag wird nun das heiße Eisen der G c° schäf tsord'nungsref orm anzupacken fein. Wir müssen uns erneut auf scharfe Auseinandersetzungen und eine Wiederholung der Vorgänge des Samstag gefaßt machen. Man rechnet im Neichstag damit, daß die Verhandlungen über die Änderungen der Geschäftsordnung und die Aufhebung der Immunität bestimmter Abgeordneter sich bis in die tiefen Nachtstunden hinziehen werden. Die Mehrheitsparteien werden zwar den Versuch der radikalen Parteien, für jeden einzelnen Fall einer Jmmunitatsauf- I) c b ü n g namentliche A b st i m m u n g zu beantragen, durch einen Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung nach dem Muster des Antrags Esser zum Schellern bringen. Die Sitzung wird aber trotzdem nicht nur recht lebhaft, sondern sicher auch sehr lang werden, weil die Flügelparteien von ihrer Redezeit so ausgiebig wie möglich Gebrauch machen und ihre heutige Obstruktionstaktik mit allen Kräften fortfetzen werden. Sitzungsbericht. Präsident Löbe eröffnete die Sitzung um 12Alfjr. Vor Eintritt in die Tagesordnung verlangte Abg. Gvttheiner (Dnl.), nach dem Abschluß der Debatte auch die Mißtrauensanträge gegen die Minister Treviranus. Dr. Eurtius und Wirth zur Abstimmung zu bringen. Präsident Lobe erwidert, die Miß» trauensanträge gegen Eurtius und Wirth konnten erst bei den Etats dieser Minister erledigt werben. Minister Treviranus habe allerdings keinen besonderen Etat. Abg. Bornemann (Voltsn. JT8.) erklärt, seine Freunde würden den Mißtrauensanträgen nicht zustimmen. Es handelt sich nicht mir um eine Wirtschaftskrise, sondern um eine V o l k S k r i s e. Wir leiden unter einem System, das den Staat zur Beute privater Kreise macht und den größten .staatlichen Einfluß privaten Parteien cintäumt, die mit dem MittÄ der Demagogie arbeiten. Wir stimmen auch der Aen- derung der Geschäftsordnung zu und den Anträgen gegen den Mißbrauch der Immunität. DolkSwillen entspreche, und werd ckdaher den Mißtrauensanträgen zustimmen. Abg. Or. Ley (Hoff.) wendet sich gegen die Ausführungen des Abg. Joos. Wo die Zentrumsanhänger die Mehrheit haben, da wapde von ihnen Terror und Gewalt geübt. Abg. Joos habe es verstanden, einen legalen Separatismus zu verbreiten, aber das Volk am Rhein unterscheidet nur zwischen denen, die im Dienste Frankreichs das Rheinland von Deutschland ab trennen wollten, und denen, die gegen dieses Gesindel gekämpft haben. Wenn wir >ie Macht haben, werden wir nicht die kleinen, andern die großen Separattsten hängen. Abg. Dr. Oberfohren ('Dnt) wendet sich gegen die Ausführungen, de gestern der Abgeordnete Joos gegen Dr. Thyssen gemacht hat. Dr. Thyssen habe in einer Versammlung deutschnationaler Industrieller nicht die Preisgabe deutscher Provinzen gefordert, sondern gegen die Kreditverskla- vung Deutschlands an Frankreich gekämpft. Dabei habe er gesagt, es sei zu erwägen, was schlimmer sei, der Verlust deutschen Landes in der Vergangenheit, oder aber die goldenen Fesseln, die nunmehr zu der Tributversllavung noch hinzukommen sollten. Der Abgeordnete Joos hätte die Berichtigung beachten sollen,, die sich gegen den falschen „Vorwärts''-Bericht über diese Versammlung richtete. Abg. Dr. Orersohren wendet sich dann dagegen, daß der Reichskanzler gestern davon gesprochen habe, Hugenberg habe eine neue Inflation vorgeschlagen. Er stellt an den Reichskanzler die Fragen, aus welchem Grunde er einer Darlegung, die klar und deutlich von den Gefahren der Deflation spreche, ixe Absicht der Herbeiführung einer neuen Inflation unterschiebe, ob der Reichskanzler nicht wiße, daß wir uns mitten in einer verhän an i s - vollen Deflation befinden, ob der Reichskanzler vergessen habe, daß schon zweimal das Ausland einen planmäßigen Angriff auf unsere Währung durch Zurückziehung kurzfristiger Kredite unternommen habe, daß er bei diesem Zustand der Dinge überhaupt keine selbständige deutsche Politik führen könne und ob er es für möglich halte, diesen Zustand der Dinge als Dauerzustand bestehen zu lassen? Die Behauptung des Reichskanzlers, dieser habe 1927 Herrn Hugenberg einen Vorschlag gemacht, zuerst den deutschen Osten zu entschulden und bann erst an die Reparationsfrage zu gehen, und daß es die Absicht der damaligen Regierung gewesen sei, diesen Vonchlag zu verwirklichen, errfärte der Redner im Einverständnis mit Hugenberg und den damaligen deutschnattonalen Ministern für eine älnwahrheit. Als der Redner seine Ausführungen beendet hatte, ertönen auf der Rechten taute Rufe: Der Herr Reichskanzler hat das Wort! — (Der Reichskanzler befindet sich im Augenblick nicht im Saale.) Abg. Dr. Kleiner (Dnt.) hielt dem Reichskanzler vor, daß es seiner gestrigen Erwiderung an Sachlichkeit und an konkretem Inhalt gemangelt habe. Der Reichskanzler habe nicht die deutschnationale 'Beweisführung erschüttern können, daß die Absicht, die Osthilfe mit ausländischen Krediten zu finanzieren, eine gefährliche Fortsetzung der verhängnisvollen Wirtschafts- imb Finanzpolitik bedeutet hätte, die den Osten ruiniert habe. Die unerfreulichen lärmenden Begleiterscheinungen bei der Ost reise des Reichskanzlers lehne die ganze nationale Bevölkerung der Grenzlande ab. Die Schuld liege aber bei den Trägern der Erfüllungspolittk. Von einer konfessionellen Hetze könne nicht die Rede fein. Gerade die Massen, die in Oberschlesien ihrer Ablehnung gegenüber dem Reichskanzler Ausdruck gegeben hätten, seien zu 90 v. H. katholisch. Der Kampf der Deutschnattonalen gehe' gegen d i e Parteibureaukratie des herrschenden Systems und damit auch gegen die Parteibureaukratie des Zentrums, gegen das Zentrum, das nach der Wahl Hindenburgs ein Flugblatt verbreitete: „Deutsches Volk, was hast du getan, du hast Verrat geübt an deinen heiligsten Gütern." Abg. Lucke (Wirischastspariei) Die gegenwärtige deutsche Wirtschaftsnot sei in erster Linie auf das marxistische Regiment in der Nachkriegszeit zurückzuführen. Er erörtert die Entwicklung der Finanz- und Steuerpolittk der Ich en Jahre, um nachzuweisen. daß die Finanznot entstanden sei durch das Entgegenkommen gegen die Forderungen der Sozialdemokraten. Das sei zuni Schaden des Mittelstandes geschehen. weil die Deutschnattonalen die positive Mitarbeit am Staate versagt hätten. Die Rettung könne auch nicht von den Äattonalsozialisten kommen, sondern nur von einem erstarkten deutschen Mittelstand. Der deutsche Mittelstand kämpfe nicht nur gegen den Marxismus von links, sondern auch gegen den Mittelstands- feindlichen Sozialismus der Nationalsozialisten. Die Wirtschaftspartei habe dem Kabinett Vrüning von Anfang an ein gewisses Vertrauen entgegengebracht. Die Deutschnationalen aber hätten in Verkennung der Verhältnisse die Auflösung des Reichstags herbeigeführt. Die Folge sei eine Radikalisierung und eine Verschärfung der Wirtschaftskrise gewesen. Abg. Dobrich (Lv.) gibt eine kurze Erklärung ab, wonach seine Fraktion den Antrag auf Reichstagsauflösung ablehnt. damit sofort notwendige Maßnahmen gesetzgeberischer Art im Interesse der notleidenden Landwirftchast nicht weiter hinausgezögert würden. An der Einstellung der Fraktton habe sich seit ihrer Erklärung im November v. 3. nichts geändert, sie verlange eine Umbildung der Reichsregierung, die dem itahouaien Die Satzung des Stahlhelms lasse nach keiner Richtung erkennen, daß der Stahlhelm die Auflösung des Preußischen Landtages zu seinem Ziele gemacht hat. Auch aus der Betätigung des Stahlhelms kann eine Zustimmung von 100 000 stimmberechtigten Mitgliedern zu dem mit dem Anträge ver- folgten Ziele der Auflösung des Preußischen Landtages nicht herbeigeführt werden. Auch die Berufung auf den Beschluß des Skahlhelm-Vorstandes vom 4. Oktober 1930 und die zu ihm angeblich erfolgte Zustimmung von 140 000 Mitgliedern auf dem «tahlhelmtag in Koblenz am 5.Oktober 1930 greife nicht durch. Es stehe keineswegs fest, daß die Teilnehmer an der Koblenzer Tagung tatsächlich einem auf Landtagsauflösung gerichteten Volksbegehren ihre Zustimmung geben wollten. 3m übrigen fei die Angabe, daß an dem Sta#* helmtag 140 ODO stimmberechtigte Staatsbürger teilgenommen hätten, keinesfalls glaubhaft gemacht. Nach zuverlässigen amtlichen Feststellungen habe die Zahl der Teilnehmer an dem Stahlhelmtage hoch stens etwa 70 000 betragen. Eine verhältnismäßig hohe Zahl der Teilnehmer waren übrigens Angehörige des Jung-Stahlhelms, von denen etwa die Hälfte nicht stimmberechtigt gewesen fei. Es müsse auch festgeftellt werden, daß von den Teilnehmern an der Koblenzer Tagung nicht nur preußische Staatsbürger, sondern a u ch Staatsbürger anderer deutscher Länder sogar noch Ausländer, z. B. eine Abordnung von Faschisten aus Italien, teilgenommen haben. Der Stahlhelm fönne ferner nicht einet 1 ing (Dnt.) schlichen sich diesem Protest und dem Verlangen nach namentlicher Abstimmung an. Mit 301 gegen 218 Stimmen der Nationalsozialisten, Deutschnationalen, des Landvolks und der Kommunisten beschließt das Haus, über alle Aenderungsanträge zur Tagesordnung überzugehen. Abg. Dr. E v e r l i n g (Dn.) beantragt, über den Antrag Esser auf Annahme des Etats en bloc zur Tagesordnung überzugehen, weil dieser Antrag nicht ernst gemeint sei und eine verfassungswidrige Entrechtung der Minderhett bedeute. Abg. Esser (Zentr.): Als die Deutschnationalen in der Regierung waren, sind wir schon einmal so verfahren, und zwar auf Anregung von Dr. Ever- Üng. (Hört, Hörti in der Mitte.) Präsident Löbe: Ich sehe in dem, was wir jetzt beschließen, nur eine Notwehrmaßnahme. (Hört, Hörti) Wer den Versuch macht, über jeden der Zehntausende von Kapiteln und Titeln des Etats namentliche Abstimmung herbeizuführen, der versucht, die Erledigung des Etats unmöglich zu machen. (Sehr richtig! bei der Mehrheit.) Die Abwehrmaßnahmen der Mehrheit sind also de r e ch t i g t. Ich mochte aber beide Teile von diesem Wege zuruckrufen. Deshalb betone ich, daß es sich im Augenblick nur um eine Notwehr- Maßnahme handelt, die übrigens mit der Geschäftsordnung n i cf) t im Widerspruch steht. Abg. Dr. ©Borling (Dtn.l: Wenn über alles im Ramsch abgestimmt werden soll, dann könnte der Reichstag ja einfach nach Hause gehen. (Rufe links: Gehen Sie doch') Mit Ihrer Demokratie ist verflucht nichts mehr los! (Sehr gut rechts.) Es wird nun in namentlicher Abstimmung der Antrag Eoerling (Dnt.) auf Uebergang zur Tagesordnung über den Antrag Esser mit 298 gegen 198 Stimmen abge 1 ehnt. Der Antrag Esser (Z.) auf en bloc-Annahme des Haushalts des Reichsministeriums, des Reichskanzlers und der Reichskanzlei wird hierauf mit 312 gegen 206 Stimmen angenommen. Präsident Löbe erklärt den Etat des Reichskanzlers ufro. für angenommen und schlägt vor, die nächste Sitzung am Montag abzuhalten und den Antrag auf Aenderung der Geschäftsordnung auf die Tagesordnung zu fetzen. Der Präsident bittet die Abgeordneten, sich am Montag auf eine lange Sitzung einzurichten. AuflSfung des Preußischen Landtags gerichtet ist, vermag ich zur Zeit nicht zu entsprechen. Der Antrag trägt nicht die Unterschrift von 2 0 0 0 0 Stimmberechtigten. Infolgedessen müßte der Vorstand der antragstellenden Vereinigung Stahlhelm nach § 2 Absatz 2 des Gesetzes über dös Verfahren bei Volksbegehren und Entscheiden vom 8. 1. 26 glaubhaft machen, daß 100000 der stimmberechtigten Mitglieder des Stahlhelms den Antrag unterstützen. Oie Begründung. In der ausführlichen Begründung der Ablehnung des Antrages nimmt Severing u. a. Bezug auf die Bestimmung der Landesabstimmungsordnung, wonach es zur Glaubhaftmachung der Unterstützung des Antrages durch die Mitglieder eines Vereins genügt, wenn „ausderSatzung oder aus der bekanntgewordenen Betätigung des Vereins d i e Zustimmung seiner Mitglieder zu den vom Anträge verfolgten Ziele erkennbar fff. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vruck und Verlag: vriihl'sche Universttätr-Vuch- und Ztetndruckerei H. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstraße 7. Oer Reichstag lehnt die Mßtrauensanträge ab. 72 Stimmen Mehrheit für Brüning. — Uebergang zur Tagesordnung. — Oer Etat des Reichskanzlers angenommen Mr. 17 ffreuf cm orniürfr ;bmar M IWID Man rtb Frau )oui Gießen IDtiD nferer fllbtrntn ufmtrtfomleiien lege allen, In#- Verein und dem !cn N DANK in unt) $rau. '931. (721 . [ ickMW! br.,4 u. SViVJhr rabcnmisslODar sse keilet . Eintritt frei! WHRiH tfiSÄ i,.an ne kuobso. rxennunfl® unoQu«1': Verl»?® nio» aiofl- bekannter^ 'h—S5 (senw«^ jetenstraß«55 « Kinl*eo: n . yfri»'0 ir ^Lbiia^ up1*1 iq-.S-L. sellscbaft d Heilkunde Hiebe Abteilung) r.l931,20'I.Uhr, hemischenlabo- Universität ße 21 K9D hmidtgen, Mainz: ire Bedeutung fuf t$ Lebens. i. D^Vorstani politischen Partei gleichgeachtet wer-- ben, deren Mitglieberzahl bei den Wahlen ohne weiteres in Erscheinung tritt, und bei der unterstellt werden kann, daß die Mitglieder einen einheitlich gerichteten politischen Willen haben. Aach seiner eigenen Satzung sei der „Stahlhelm" ein Bund, der alle Frontsoldaten ohne RÜck - sicht auf Stand. Partei und Bildung umfassen will. Es könne daher keineswegs ohne weiteres der Schluß gezogen werden, daß etwa alle Mitglieder des Stahlhelms hinter einem Volksbegehren auf Auflösung des Landtags stehen würden. Tas Schreiben des Ministers schließt: Aus diesen Erwägungen kann ich die nach § 2 Absatz 2 des Gesetzes vom 8. Januar 1926 vorgeschriebene Glaubhaftmachung bisher nicht alserfolgt ansehen. Gemäß $5 der Landesabstimmungsordnung vom 23. Oanuar 1926 sehe ist hiernach zur Beibringung einer weiteren und ausreichenden Glaubhaftmachung eine Fristvvnzwei Monaten mit der in der Landesabstimmungsordnung vorgeschr.ebenen Androhung, daß nach deren erfolglosen Ablauf die Ablehnung des Antrages erfolgen wird. Falls der Stahlhelm nicht in der Lage ist, eine den gesetzlichen Vorschriften entsprechende Glaubhaftmachung für den Antrag seines Vorstandes beizubringen, muß es ihm überlassen bleiben, einen neuen, von 20 000 Stimmberechtigten unterschriebenen Antrag in der in der Landesabstimmimgsordinlng vorgesehenen Form vvrzulegen. Oie Antwort des Stahlhelms. Bereits Vorsorge getroffen, da mit Einwänden gerechnet wurde. Berlin, 8.Febr. (TU.) Das Bundesamt des Stahlhelms teilt mit: Das Volksbegehren marschiert! Die recht wortreiche Erklärung des Herrn Severing, weshalb er auch heute noch nicht glauben möchte, daß hunderttausend stimmberechtigte Stahlhelmer das Volksbegehren auf Landtagsauflösung unterstützen, kann rasch erledigt werden. Der Stahlhelm hat entsprechend der bisherigen Amtsführung der SPD. in Preußen natürlich von vornherein damit gerechnet, daß die derzeitige Regierung in Preußen aller demokratischen Auffassung zum Trohe den Volkswillen durchaus mißachtet. Das ist nunmehr erneut bewiesen. Wir danken Herrn Severing für diese von ihm offenbar nicht bedachte erste Unterstützung unserer Propaganda im Volke. Die Abhilfe ist ein- sach. Der Stahlhelm hat bereits bei Anmeldung des Volksbegehrens befohlen, daß in den beiden Landesverbänden Berlin und Brandenburg, wo nur 20000 Unterschrif- t e n gesammelt werden, die auch einer ungläubigen Regierung gegenüber gesetzmäßig in jedem Falle genügen. Die .dafür nach Vorschrift gedruckten Listen werden vom heutigen Sonntag ab bereits bei den Ortsgruppen aus- gefüllt. Nicht erst in zwei Monaten, sondern in wenigen Tagen wird auch dieser formelle Vorwand des Herrn Severing hinfällig sein. Eine Verzögerung im Arbeitsplan entsteht dadurch nicht, weil mit der Absicht des Ministers Severing zur Verschleppuno des Volkswillens nach seinen eigenen vorherigen Ankündigungen bereits gerechnet war. Die Front, die dem Willen des Preußenvolkes verfassungsmäßig Geltung schaffen wird, wächst von Tag zu Tag. Der Widerstand des Herrn Severino kann sie nur verstärken. Im Guten oder Bösen? der Landtag ist aufzulösen! Front Heil! Die Deutsche Bolkspartei unterstützt das Volksbegehren. Berlin, 7. Febr. (BDZ.) Der Pressedienst der D V P. teilt mit: Der Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, hat dem Parteiführer der DvP., tztbg. D i n g e l d e y, offiziell von der Einbringung des Volksbegehrens zur Auflösung des Preußischen Landtags Mitteilung gemacht. Abg. Dingeldey hat darauf geantwortet, daß die DVP. dos Volksbegehren unter st ühen werde. HTagimKammerspiet-Zyklus Vortrag von Dr. Ernst Leopold Stahl. Ter Goebhebund hatte in Gemeinschaft mit der Theaterleitung am Sonntagvormittag Mitglieder »und Gäste au einem Vortrag in das Stadttheater eingeladen. Der Münchner Theaterwissen- fchaftler Dr. E. L. S t a h 1 sprach über die deutsche Szenenkunst von denMeiningern bis Piscator. Der Redner beschränkte sich in seinen Ausführungen lediglich auf die Betrachtung des szenischen Aufbaues und auf dessen Entwicklung während der letzten 50 Jahre. Eine große Anzahl von Bildern unterstützte den Vortrag. Der Vortragende erinnerte zunächst an*das englische Theater vor 50 Jahren, das dem Publikum, dem Theaterbesucher in der detailliertesten Aussührrmg der Szene und der Ausstattung zugleich in bewußter Absicht Wissen vermittelte, und stellte dem die Art des Wiener Burgtheaters gegenüber, das seinerzeit unter Heinrich Laube mne Glanzzeit erlebte, während der ober der Szene keine Bedeutung beigemessen war, sondern vielmehr der Schauspieler als Persönlichkeit im Mitteldunkt stand und alles beherrschte. Eine Wandlung in der damals als vorbildlich auch in Deutschland geltenden Aera des Wiener Durg- theaters habe, so führte der Redner aus, die Bühne des Herzogs Georg II. von Meiningen gebracht, der ein naturalistisches Theater schuf, zugleich aber die historische Treue zur Forderung erhob und dadurch richtunggebend wurde. Zugleich sei in dieser Form des Theaters die Machtvollkommenheit des Schauspielers, des Stars gebrochen und seine Kraft einem Ensemble untergeordnet worden. Im Sinne des Hoftheaters zu Meimngen habe man dann an fast allen deutschen Bühnen reformiert. Die Bewegung habe jedoch auch Gegner gefunden und aus dieser Gegnerschaft heraus sei die Shakespearebühne zu München geschaffen worden, die die Gegenständlichkeit der naturalistischen Meininger Bühne in eine vereinfachte und mehr symbolische Form überführte. Max Reinhardt, der in der Zeit von 1905 bis 1914 in seiner Eigenschaft als Direktor des Deutschen Theaters wirkte, Hobe die Art der Shakespearebühne fortgesetzt und weiter verfochten Er sei es auch gewesen, der zur Bearbeitung der Szene die darstellenden Künstler in erhöhtem Matze in den Dienst des Theaters stellte und dadurch das künstlerische Riveau der szenischen Gestaltung hob. In seinen weiteren Der Reichskanzler spricht vor den westfälischen Handwerkern. M ü n st e r, 8. Febr. (WTB.) Auf einer in Anwesenheit des Reichskanzlers, mehrerer Minister und zahlreicher Vertreter der Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden abgehaltenen Kundgebung des westfälisch-lippifchen H a n d w e r k e r b u n d e s , zu der sich etwa 8000 Handwerker eingefunden hatten, sprach der preußische Finanzminister Dr. Höpker-Aschoff. Er erklärte, nur durch strengste Sparmaßnahmen könne man trotz wachsender Last der Wohlfahrtspflege einen ungefähren Ausgleich der Etats in Reich, Ländern und Gemeinden herbeiführen, der kommen müsse, wenn die Wirtschaft intakt bleiben solle. Die Lage sei nirgends hoffnungslos. Ein starkes Verantwortungsbewußt- fein aller Körperschaften und eine starke Führung seien die Voraussetzung für einen Wiederaufstieg. Staatsminister a. D. von Raumer wies darauf hin, daß es in den großen Kulturstaaten der Welk mehr als 20 Millionen Arbeitslose gebe. Die Arbeitslosigkeit sei das Hauptproblem Deutschlands, und darum müsse unsere Handelspolitik auf Erhaltung der ausländischen Märkte dringen. Hier sei die Grenze gezogen für Möglichkeiten, die Zollwünsche der Landwirtschaft zu berücksichtigen. Die Hauptursache der deutschen Krise sei die Zerstörung der Rentabilität, und die Arbeitslosigkeit könne nicht eher behoben werden, als unsere Wirtschast wieder rentabel sei. In den letzten zehn Jahren seien in Deutschland Gesetzgebung, Verwaltung und öffentliche Hand zu sehr gegen das Unternehmertum eingenommen gewesen: das müsse anders werden, da alle Reserven durch diese falsche Politik, die Verdienst und Sparen unmöglich gemocht hätten, aufgebraucht seien. Nur der Glaube an erttagreiche Arbeit könne den Weg aus der Verzweiflung zu neuen Höhen bereiten. Das Mitglied des Reichstages Feuer bäum (Dortmund) kritisierte die Preisabbauaktion, die von der Reichsregierung wohl gut gemeint sei, in ihrer Durchführung jedoch gerade die s ch w ä ch st e n Schultern des gewerblichen Mittelstarrdes treffe. Das Handwerk fordere die Abkehr vom Staatssozialismus und wieder Raum für freie Wirtschaft. Reichskanzler Dr. Brüning, von rauschendem Beifall begrüßt, dankte für den freundlichen Empfang. Manche Kreise im Volke seien der Lieberzeugung, daß das, was die Reichsregierung bislang getan und was sie als nächste Maßnahmen angedeutet habe, nicht dasjenige Tempo aufweise, was der Größe der augenblicklichen Rot entspreche. Die Kritik sei berochtigt. Aber die Fehler der letzten zwölf Jahre liehen sich nicht an einem Tage aus der Welt schaffen, und die Maßnahmen müßten getroffen werden zu einer Zeit, wo sie am härtesten drücktsn. Aber gerade die größte Rot peitsche am stärksten an, um außergewöhnliche Reformen durchzuführen und die höchste Rot zwinge auch, den Höch st en Glauben« an die eigene Kraft aufzubringen. „Glauben Sie nicht", so sagte der Reichs- kanzlar, „daß die Regierung auch nur im geringsten in der Lage ist, das deutsche Volk in dem Sturz den Berg hinunter aufzuhalten allein durch gesetzgeberische Maßnahmen. Das einzige, was das deutsche Volk in dieser verzweifelten Stunde retten kann, ist der Glaube an sich selbst und an seine Kraft. Dieser fängt an in dem Augenblick, in dem das Volk Vertrauen zu seiner Regierung hat. Die frühere schöne Zeit der Resolutionen ist vorüber. Wenn ter Reichstag den Landwirtschastsetat und die Osthilfe erledigt habe, habe er genug getan, und es wäre wünschenswert, wenn er nach dieser Arbeit eine größere Pause mache, aber freiwillig. Die Regierung könne dann an die schwierige Frage der Reform einzelner Teile der Sozialversicherung und Wvhnungswirtschaft Herangehen und diese Gesetze später dem Reichstage unterbreiten. Ich wünsche, so schloß der Kanzler, daß Sie alle die Freiheit in Ehren halten, daß Sie die Verantwortung schaffen, auf der sich die Freiheit im Innern und nach außen aufbauen kann, daß Sie Ordnung schaffen für jeden Aufstieg. Einigkeit in der Verantwortung zwischen Volk und Regierung. Ablehnung jedes sinnlosen Radikalismus, dann ist die Grundlage gelegt, auf der wir weiterbauen: können. Die Ausführungen des Kanzlers wurden mit stürmischem Beifall ausgenommen. Einigung über die Osthilfe. Berlin, 9. Febr. (ERB.) Wie wir erfahren, ist es nunmehr gelungen, eine Einigung in der Osthilfe - Frage herbeizusühren. Das Ostkom- missariat ist sowohl mit Preußen als auch mit der Industrie einig geworden. Die Führung bei der LImschuldung wird bei der Dank für Jndustrieobligationen liegen. Außerdem werden die Rentenbank-Kreditanstalt und die Preußcnckasse eingeschaltet, irnd zwar entsprechend der Höhe der Aufbringung, die sich bei der Bank für Industrie-Obligationen auf 500 Millionen, bei der Rentenbank auf 50 und bei der Preußen- lasse auf 25 Millionen beläuft. Auch in der Frage, ob Arbeitsgemeinschaften von etwa zehn bis fünfzehn Gütern oder Haftungsverbände geschaffen werden sollen, die große Bezirke umfassen und bei der Umschuldung für die zweiten Hypotheken dem entsprechen würden, was die Genera llandschast für die erste Hypothek bedeutet, ist eine Einigung herbeigeführt worden. Man hat ein Kompromiß gefunden, das die Vorzüge beider Lösungen in sich vereinigt und gewisserTnaßen Wirtschafts- Verbände von mittlerer Größe schafft. Damit sind auch die Standpunkte von Industrie und Landwirtschaft ausgeglichen. Am heutigen Montag werden die Formulierungen für diese Einigung in einer Art Redakti-ons- sihung festgelegt. Am Dienstag und Mittwoch soll in Chefbesprechungen der beteiligten Ressorts der Gesetzentwurf ferttagestellt werden, so daß sich dann am Donnerstag das Kabinett mit ihm Ausführungen ging der Redner noch kurz auf die expressionistische Bühnengestaltung ein und zeigte Arbeiten der Russen, die es dabei zu einiger Reife gebracht haben. Schließlich beschäftigte sich der Redner noch mit der Szenenführung Piscators, der als Radikalist gänzlich neue Wege geht. Der Vortragende nahm zu der Person Piscators kritisch Stellung, betonte, daß Piscator als schöpferische Kraft und als Künstler nicht übersehen werden könne, der von ihm gepflegten Form des politischen Theaters müsse man aber ablehnend gegenüberstehen, denn es sei nicht in Verbindung mit dem wahren Wesen des Theaters zu bringen, in geistiger Einseitigkeit an das Publikum heranzutreten: das Parteitheater, das sich aus dem politischen Theater entwickeln werde, sei eine Llnnwglichkeit. Zum Schluß seiner Ausführungen bezeichnete der Redner das heutige Theater als das Feld des großen Schauspielers, woraus sich im Hinblick auf die geschichtliche Entwicklung ergibt, daß das Theater einem ständigen Wechsel unterworfen ist, der von den Forderungen der Stunde diktiert wird. Der Vortrag, der vom Redner selbst lediglich als ein Spaziergang durch die Geschichte der szenischen Gestaltung des Theaters bezeichnet wurde, und diese Lime auch einhielt, fand lebhaften Beifall. Goll man, — oder nicht? Von (Siegfried von Vegesack Ich meine nicht heiraten, rauchen oder trinken. Ich meine Staub wischen: soll man Staub wischen, — oder nicht? Jeden Tag wird in jedem Haushalt mindestens eine Stunde Staub gewischt, ©taub gesaugt, Staub gekehrt, Staub abgeklopst, — eine Arbeitskraft und Energie verschwendet, die, produktiv angewandt, wahrscheinlich unser wirtschaftliches Elend beheben, jedenfalls unser Leben wesentlich angenehmer und geräuschloser gestalten würde. Mein alter Onkel Oscha pflegte zu sagen „Wozu Staub wischen? Wo er liegt, da liegt er!" Er meinte ganz richtig: durch das Wischen würde der Staub nur aufgewirbelt, nicht aber beseitigt. Als Kind seiner Zeit glaubte er noch an den Staub. Die Lehre vom Staub beherrschte damals noch alle Köpfe. In den Schulen wurde sie eingetrichtert, in den Kirchen gepredigt. Staub war das, was der Mensch einmal werden würde. Lind da der Mensch viel zu sehr von seiner Bebefassen Eann. In unterrichteten Kreisen rechnet man nun damit, daß es gelingt, das Osthilfe- Gesetz bisEndeder Woche zu erledigen, damit es dann sofort auf den parlamentarischen Weg gebracht wird. Angesichts der großen Schwierigkeiten, die gerade dieses Problem in den letzten Tagen und Wochen gemacht hat, sieht man in der Lösung einen Erfolg des Kabinetts und namentlich des Reichsministers Treviranus. Tittoni f. Der Liquidator des Dreibunds. Rom, 7. Febr. Der frühere italienische Minister des Auswärttgen, Senator Tomasso T i t- toni. ist heute im Alter von 82 Jahren an den Folgen einer Grippe g e sto r den. Tomasso Tittvni, der am 16. Rovember 1855 in Rom geboren wurde, hat nach einer erfolgreichen parlamentarischen Laufbahn — als Außenminister verschiedener Kabinette in den für das Schicksal des Dreibundes entscheideirden Jahren 1903 bis 1 9 09 mit kurzer Llnter- brechung die intemattonale Politik Italiens geleitet. Er war einer der ausgesprochen enten» tistischen Staatsmänner Italiens. Sein Amtsantritt in dem neugebildeten Kabinett Giolitti im Rovember 1903 erfolgte wenige Wochen, nachdem das italienische Königspaar in Paris einen offiziellen Besuch abgestattet hatte und neue Gerüchte über eine Lockerung des Dreibundes entstanden waren. Tittoni nahm wiederholt Gelegenheit, sein Festhalten an den beutung eingenommen war, um anzunehmen, daß er sich in Richts auflösen könnte, klammerte er sich mit Scheu, ja, mit heimlicher Ehrfurcht an das magische Wort Staub. Der Staub hat also seine metaphysischen, religiösen Hintergründe. Daneben symbolische Bedeutung: man „schüttelt den Staub von den Füßen. Llebrigens: haben Sie jemals einen Menschen gesehen, der den Staub von den Füßen „schüttelt"? Oder haben Sie ihn selbst geschüttelt? Wie tut man das? Schlenkert man verächtlich mit dem Fuß in der Luft, oder stampft man verbissen auf einer Stelle, bis der Staub herunterfallt? Eine recht aussichtslose Sache. Und genau so aussichtslos, so sinn- unö zwecklos ist der ganze, durch Generationen fortgesetzte Kultus, der mit dem Staub getrieben wird. Früher wurde dieser Kultus wenigstens ge- räuschtss, mit einer gewissen sakralen Andacht verrichtet. Es gab kunstvoll gehäkelte Staub- läppchen, malerische Staubwedel, mit denen man feierlich, wie segnend, alle Dinge berührte. Da der Glaub als letztes äieberbleibsel des Menschen verehrt wurde, lag in dieser lautlosen, allmorgendlichen Handlung etwas vom Toten- und Ahnen» kultus unserer Vorfahren. Ich kannte ein Stubenmädchen. das mit verglasten Augen, völlig geistesabwesend, stundenlang Staub wischte. Als ich es einmal genauer beobachtete, entdeckte ich, daß es die Gegenstände überhaupt nicht berührte, sondern mit der andächtig gehobenen Hand nur geheimnisvolle Zeichen in der Luft beschrieb. Seitdem wurde mir die metaphysische Bedeutung des Staubes und des Staubwischens klar. Die heutige Zeit hat für Metaphysik und Ahnenkultus äußerst wenig übrig. Dafür hat sie den Reinlichkeits- oder Hygiene-Fimmel. Staub ist für uns nicht mehr letzte, kaum sichtbare Substanz des menschlichen Dasein, sondern Rähr- boden für Bakterien, Bazillen und Mikroben. Staub muß entfernt werden, und zwar auf eine möglichst radikale, geräuschvolle Art. weil nur ohrenbetäubender Lärm die Gewähr dafür bietet, daß überhaupt etwas geschieht. So entstand der Staubsauger, dieses dröhnende, alles verschlingende Ungeheuer, das allen Staubläppchen und Staubwedeln ein jähes Ende bereitete. Ich weiß: die Hausfrauen und Hausmädchen sind von diesem Ungetüm begeistert. Erstens kann man alles viel schneller und gründlicher erledigen, zweitens ist der schnurrend Staubsauger lustiger, großartiger, als der stille, bescheidene Staublappen. Man braucht nur den Stöpsel in Verträgen mit Deutschland und Oesterreich ge betonen. Auch rückte er gleich zu Beginn seiner Tätigkeit von den irvedcntistischen Bestrebungen ab, die sich gegen österreichische Gebiete richteten. Aber die Algeciraskonferenz betätigte den nach dem Besuch des französischen Präsidenten Loubet in Rom im Jahve 1904 aufS neue entstandenen Eindruck, daß die italienische Politik unter Leitung Tittonis immer mehr ins Fahrwasser Frankreichs und Englands geriet. Der Gegensatz zu Oesterreich verschärfte sich durch die bosnische Annektionskrise, in der Tittvni den von Oesterveich und Deutschland abgelebten Vorschlag einer europäischen Konferenz unterstützte. Sein Werk ist die bald darauf erfolgte Begegnung von Racconigi (1909), die die italienisch-russische Jnteressen- solidarität unterstrich. Im Jahre 1910 ging Tittoni als Botschafter nach Paris, wo er bis zum Jahre 1916, also bis nach dem Eintritt Italiens in den Krieg, blieb. Im Juni 1919 wurde er im Kabinett Nitti wiederum Außenminister und wirkte als solcher maßgebend an der Ausarbeitung der Verträge von St. Germain, Trianon und Neuilly mit. In den Jahren 1920 bis 1922 führte er regelmäßig d i c italienischen Delegationen beim Völkerbund. Später wurde er zum Pp-»siden - t c n des Senats gewählt. Dieses Amt bekleidete er auch nach dem Sieg des Faschismus bis zum Jahre 1929. Er war danach der erste Präsident der von Mussolini gegründeten Accademia d'Jta- l i a. In der Nuova Antologia und anderen führenden Zeitschriften hat er in zahlreichen Aufsätzen zur Kriegsschuldfrage Stellung genommen, nachdem er selbst schon lange zu einet nur noch historischen Persönlichkeit geworden war. Aus aller Welt. Temperaturrückgang in Südwestdeutsckstand. Das außerordentlich starke Absinken der Tem>- peraturen in den letzten Tagen hat eine erhebliche Verschärfung der Kälte in Südwestdeutschland mit sich gebracht. Montag früh wurden in Freiburg und ilmgegenb bis zu 17 Grad gemessen. In freien Lagen des Oberrheintales erreichte das Thermometer 20 Froftgrade. In mittleren Gebirgslagen wurden stellenweise Temperaturen über 20 Grad Kälte gemessen. Dagegen macht sich auf dem Feldberg Temperaturumschlag bemerkbar. Auch in Württemberg dürfte der Montag der kälteste des bisherigen Winters gewesen sein. So meldet der Flugplatz Böblingen bev Stuttgart eine Morgentemperatur von 19 Grad Kälte. Aehnliche Temperaturen wurden von verschiedenen anderen Orten gemeldet. Tragischer Tod eines Volksschülers. In Offenburg (Baden) fuhr der 9 Jahre alte Volksschüler Fridolin Hug, Sohn des Lokomotivführers Hug, beim Rodeln in Oberharmersbach auf den letzten Personenwagen des Zuges der Nebenbahn Biberach—Oberharmersbach auf, wurde zurückgeworfen und brach das Genick. Er war sofort tot. Den Zug, der dem Knaben zum Verhängnis wurde, führte fein eigener Vater. Schwerer Raubüberfall im Nachtschnellzog. Im Rachtschnellzug Köln — Brüssel wurde am Sonntcrgmvrgen ein schwerer Raubüberfall verübt. Der holländische Spediteur R o h m a n befand sich allein in einem Abteil zweiter Klasse des Zuges, der gegen ein Hfyr den Kölner Hauptbahnhof in Richtung Belgien verläßt. Gr hatte sich nie der gelegt und war bald fest ein- geschlafen. Hinter Lüttich bemerkte er, wie, sich ein -Unbekannter an seiner Jackentasche zu sch affe n machte. Er versuchte sich ■ r Wehr zu sehen, wurde aber von dem Stäube >. mit einem scharfen Gegenstand besinnungslos geschlagen. Eine Dame im Rachbavabteil zog kurz entschlossen die R o t b re m s e, und der Zug kam zum Stehen. Die Bahnbeamten fanden sofort den Lieberfallenen, der schwer zugerichtet in einer Blu tlache lag. Im selben Augenblick sahen die Beamten einen Mann aus dem Waschraum herausstürzen und aus dem Zug sprin- den Kontakt zu stecken, die schmale Metallschnauze spazieren zu führen, — und der Staub macht sich ganz von selbst aus dem Staube. So wurde aus der kultischen Handlung ein maschineller Betrieb. Aber der Glaube an den Staub, an die Rotwendigkeit seiner Beseitigung ist geblieben. Lind trotzdem: ich kann und darf meine welt- umstürzende Entdeckung nicht verheimlichen. Auf Grund wochcnlanger. genauester Untersuchungen erkläre ich hiermit feierlich: es gibt keinen Staub! Staub ist ein Aberglaube, eine seit ©enerationen übernommene Wahnvorstellung, eine fixe Idee, die nur in unseren Köpfen, nicht aber in der Wirklichkeit existiert. Staublappen, Staubwedel uni) Staubsauger kämpfen gegen ein Phantom, und grade deshalb ist ihr Kampf so hoffnungslos, weil Phantome nicht auszurotten sind. Wie alle großen Entdeckungen beruht auch meine auf einer Verb küssend einfachen Beobachtung. Seit Wochen wohne ich allein in unserem alten Turm. Mittags kommt die gute Hirtreiterin, eine Frau aus dem Dorf, und kocht mir das Essen. Alles übrige, Heizen usw. erledige ich selbst. Als meine Frau mit den Kindern, die in die Schule müssen, zur Stadt fuhr, fragte sie mich besorgt: „Lind wer wird den Staub wischen?" „Riemand", erklärte ich kaltblütig. Meine Frau nahm von mir Abschied, als wollte ich zu einem tollen Transozeanflug starten. Uni) nun warte ich Tag für Tag auf den Staub. Aber er kommt nicht. Er ist einfach nicht da. Ich suche ihn. kann ihn aber nirgends entdecken. Ich fahre mit dem Finger über die polierte Schreibtischplatte. — nichts. Ich starre angestrengt auf die Glasscheibe eines Bildes, — nichts. Lleberall, wo sonst jeden Morgen die (Staub- läppchen emsig hin und her tupften und zu meiner Verzweiflung alle Dinge durcheinander brachten, oder wo der Staubsauger sein geräuschvolles Unwesen trieb, laute ich gespannt, mit wachsender Neugier auf jenes? rätselhafte Ding, das doch jetzt m Erscheinung treten müßte. Aber auch unter Lupe ist auch nicht ein Staubkörnchen fest- zustellen! Beim Ofen setzt sich ein wenig Asche ab. Das ist alles. Aber Asche ist nicht Staub. Wenn es nun aber keinen Staub gibt, —- was werden wir dann nach dem Tode? Meine Entdeckung rührt an ernste, metaphysische Pro- b.eme. Jedenfalls wird sie viel ©taub auf* wirbeln. Wenn man dieses Bild überhaupt noch anwenden darf. 0t AL" l.-Ach Ä*» Lokal ° hatten,e'N- in Wi'me wurden iJ,"1 new im f ?en Derk D 3m Geb mittag bei svurt. der Erdbeben Aavier An den 2 bei Aapie rutsche. Rapier, ti durch ung verändert fluteten d Erdbeben sich in Q tigen, chr 6nl Mad) ein man in e' eine Anzah stücke, Mess Ansicht ar, keltische Pc riund um i aus der Ze bei 3n den l Deutschen, d in der Sm Frem.en heblich 3Uge bürg wurde Deutsche als sie n o c dur Fremde Kui Jtobenms .Geheimr leine Aust «Mchungr Zeitschr künde Derlap, H 2 -C 9tl £ *■3*? &•* & plicen >n J Diinn auf inhaber ianble, f°nnt gebracht J« haben den Grundstücks Aus EM 40 tzrie'öee gingen. 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Nach den Feststellungen der ftriminab Polizei haben zwei Einbrecher mit Hilfe dieses Wagens, den sie am Samstagabend vor einem Lokal am « u r f ü r ft c n b a m m gestohlen hatten, einen Einbruch in ein Radio-^pezialhaus in Wilmersdorf unternommen. Die beiden Diebe wurden jedoch von dem Geschäftsinhaber ü b c r r a s ch t u n d b e s ch o f s e n. Einer von chnen wurde schwer verletzt: er wurde von seinem Komplicen in den Wagen getragen. Die Diebe fuhren dann auf und davon, und, obwohl der Geschäfts- inhaber dem Kraftwagen noch sechs Schüsse nach- sandte, konnte der Waaen nicht mehr zum Stehen gebracht werden. Die Verbrecher sind nach diesem blutigen Intermezzo nach Lichtenberg gefahren und haben den Wagen dort im Hofe eines größeren Grundstücks stehen lassen. Auf einer Eisscholle abgetrieben. Etwa 40 Fischer, die auf dem Eise des Erie'-Sees bei Buffalo ihrem Berufe nachgingen, wurden infolge eines sich plötzlich erhebenden Sturmes auf einer Eisscholle einige Kilometer vom Ufer abgetrieben. Rach- dem sie mehrere Stunden in dem eisigen Sturm, der eine Geschwindigkeit von etwa 80 Kilometer pro Stunde hatte, umhergetricben waren, gelang cs, 20 Fischer zu retten. Die andern Fischer, die 30 Stunden lang auf einer gewaltigen Eisscholle hilflos umhergetricben waren, wurden von einem Flugzeug gesichtet. Das Flugzeug warf an Fallschirmen befestigte Kannen mit Kaffee ab, flog dann zurück zur Küste, und zeigte den Strandwächtern den Weg zu der Eisscholle. Die 20 Fischer wurden darauf von den Strandwächtern an Land gebracht. Gedenkfeier für Günther vlüschow. 3m Berliner Flugverbandshaus fand am 4 5. Geburtstage von Günther Plüschow. die von der Kameradschaftlichen Bereinigung der Marineflieger gemeinsam mit den Hinterbliebenen veranstaltete Gedenkfeier für Gün- cher Plüschow und Ernst Dreblow statt. Die Gedenkrede hielt Fregattenkapitän a. D. Dc. Mehner t, der in warmen Worten der beiden in Argentinien tödlich abgestürzten Fli gerhclden gedachte. An der Trauerfeier nahmen außer den Angehörigen der beiden Flieger Vertreter der Luftsohrtabteilung des Reichsverkchrsrnmistc- riums und des Chefs der Marineleitung teil. Außerdem waren namhafte Vertreter der Luftfahrt und viele Offiziere der Marine und des alten Heeres, unter ihnen der frühere Kronprinz und die Admirale von Schröder und Philipp, vertreten. neues Erdbeben in Neuseeland. 3in Gebiet der Hawkes-Bucht wurde Sonntagmittag der stärkste Erdstoß feit Dienstag verspürt. der besonders in den auch beim letzten Erdbeben am schwersten heimaesuchtxm Städten A a v i e r und Hastings Schaden verursachte. An den Abhängen von Bluff Hill, einem Berg bei Rapier, ereigneten sich gewaltige Erdrutsche. Das Kap Kidnappers, südlich von Aapicr. war gairz in Staub gehüllt und wurde durch ungeheure Erdrutsche und Felsstürze völlig verändert. Ungeheure Sturzwellen überfluteten die Küste und bür ten die bei dem letzten Erdbeben obdachlos gewordenen Familien, die sich in Aapier an den Strand flüchteten, nötigen. ihre Zufluchtsstätte zu räumen. Entdeckung einer keltischen Grabstätte. Nach einer Meldung aus Chälons-sur-Marnc hat man in einem Steinbruch bei Dormans eine Anzahl Skelette, Tongefäße, Waffen, Schmuckstücke, Messer und Schwerter au-gcgraben, die nach Ansicht archaeologischer Sachverständiger auf die keltische Periode zurückgehen. Es soll sich bei dem Fund um die Entdeckung einer keltischen Grabstätte aus der Zeit um 500 vor Christi handeln. Der Sirenenruf der Fremdenlegion. In den letzten Wochen hat die Zahl der jungen Deutschen, die versuchten, diebayrischeGrenze in der Südpfalz zu überschreiten, um sich zur Fremdenlegion anwerben zu lassen, wieder erheblich zugenommen. Allein im Bezirk Neulauterburg wurden im Monat Januar 29 junge Deutsche durch die Grenzpolizei zurückgehalten, als sie nach d e m Elsaß fliehen wollten, um zur Fremdenlegion zu gehen. Kunst und Wissenschaft. Frobenius übernimmt die Redaktion des „Erdball". Geheimrat Leo Frobenius, bekannt durch seine Aufsehen erregenden Forschungen in Afrika, der Schöpfer des ersten tulturmorphologischen Forschungsinstituts, übernimmt die Leitung der Zeitschrift für Länder - und Völkerkunde „Der Erdball" (Hugo Bermühler. Verlag. Berlin-Lichterfelde) Da die Zeitschrift aus die großen tulturmorphologischen Probleme von Frobenius eingestellt werden wird, dürfte der „Erdball" eine der interessantesten Zettlchrck- ten aus dem Gebiete der Kultur-, Länder- und Völkerkunde werden. Ein neuer Stefan Zweig. Ein neues Buch von Stefan <>weig erscheint soeben im Insel-Verlag unter dem Titel: „Die Heilung durch den Geist". In diesem neuen Werk zeichnet Zweig mit dichterischer und psychologischer Eindringlichkeit die Gestalten dreier großer Seelenmeister: Franz Anton Mesmer. Mary Baker-Eddy (Begründerin der Chn- stian - Science) und Sigmund Freud, den Schöpfer der Psychoanalyse. Studienreise eines deutschen Archäologen nach Amerika. Professor Dr. Robert Zahn, der zweite Direktor in der Antikenabteilung der Staatlichen Museen in Berlin, tritt demnächst auf Einladung des Archäologischen Instituts des Deutschen Reiches eine Stutz i e n r e i f e noch Amerika an. Es ist dies die erste von vier Reisen, für die dem Archäoloastchen Institut anläßlich seiner Hundertjahrfeier die Mittel gestiftet worden sind, um hervorragenden deut chen Archäologen die Möglichkeit zu geben, die amerikanischen Sammlungen kennen zu lernen und die Beziehungen zwischen der amerikanischen und der deutschen Wissenschaft enger zu knüpfen. Aus der provinzialbauptfiadi. Gießen, den 9. Februar 1931. Schlaflose Nächte. Äon Geh.-Rat Or. Bruno Schaefer, Berlin-Charlottenburg. Wie wohltätig und heilsam der Schlaf ift. das weiß am besten, wer an Schlaflosigkeit leidet. Diele schlafen deswegen nicht, weil sie am Tage sich zu wenig bewegt haben, so daß sie gar nicht richtig müde werden konnten. Sie haben den Tag über herumgesesfen, zwischendurch auch etwas schlafend geruht, und es fehlt ihnen daher der Hauptanreiz zum Schlafen in der Rächt, die richtige Müdigkeit. Wer den Tag über nur sitzende Beschäftigung hat, der sollte nicht ver äumen, sich wenigstens für eine kurze Zeit im Freien zu ergehen und während des Tages öfter einmal einige Leibesübungen vorzunehmen. Die schlimmsten Feinde des ruhigen Schlafes sind aber Kummer und Sorge, und der Kaufmann. der sich nicht in gewagte Spekulationen einlassen will, hat recht, wenn er das damit begründet, daß er mehr Wert darauf legt, gut zu schlafen als gut zu essen. Leider ist gerade bei großem Kummer der Schlaf „der Balsam kranker Seelen", besonders schwer in seiner vollen Wirksamkeit zu erzielen, ebenso wie bei körperlichen Schmerzen und bei Fieber. Hier wird am besten der Arzt helfen unb in den meisten Fällen zu einem passenden Schlafmittel greifen müssen. Wichtig zu wissen ist ös auch, daß man bei Aei- gung zur Schlaflosigkeit weder starken Kaffee noch starken Tee vor der Schlafenszeit trinken soll. Diese Getränke benutzt man ja auch besonders dann, wenn man aus irgendeinem Grunde des Aachts wach sein muß. — Viele sind ärgerlich und verstimmt, wenn sie lange nicht einschlafen können. Sie sollen sich dann bemühen, die schönsten Erinnerungen ihres Lebens sich xurückzurufen und genau zu überdenken, und so den Zug der Gedanken m das richtige Geleise zu schieben. Die sogenannten nervösen Menschen sind auch in der Aacht nervös und häufig schlaflos. Sind sie endlich eingeschlafen, dann stört sie das geringste Geräusch wieder aus dem Schlaf. Hören sie eine benachbarte Turmuhr schlagen, dann stört sie nicht nur das Geräusch an sich, sondern es entsteht auch schon die Angst vor dem nächsten Schlagen, es entsteht die sogenannte „Erwar- V'ngs-Aeurose". Sind sie besonders ängstlich, auf ihr Wohl bedacht, dann ärgern sie sich auch darüber, daß die Turmuhr ihnen anzeigt, daß sie schon wieder eine zu lange Zeit schlaflos zugebracht haben und fürchten sich vor dem Ermüdungsgefühl am nächsten Tage. 3m allgemeinen wird man daran festhalten müssen, baß das Abhallen aller Sinnesreizungen den Eintritt des Schlafes und sein gutes Fortbestehen begünstigt. Dazu gehört auch, daß das vorher gut gelüftete Schlafzimmer ausreichend verdunkelt wird. Bei vielen ist nach dem Zubettgehen das Spiel der Gedanken noch sehr erregt, und es fallen ihnen immer neue Gesichtspunkte für ihre Unternehmungen der nächsten Zeit ein. Es verschafft dann eine große Erleichterung, wenn man ein sogenanntes Aacht-Aotizbuch leicht erreichbar neben dem Bett liegen hat. in welches man die neuen Gedanken kurz einschreibt. Es fällt dann die Angst weg, sie schnell toi eher zu vergessen. — Daß man stets im 3nteresse eines ungestörten Schlafes einen scharfen Kampf gegen eventuelle Insekten führen mutz, ist selbstverständlich. Letztere fühlen sich am behaglichsten unter den großen, schweren, weichen Oberbetten, die unhyaienisch sind, und durch Wärmcstauung, Schweißerzeu- gung und mangelnde Hautabdunstung zu Schlaf- störern werden können. Das Katzenwürgen beim Hundesport verboten. Einer Anregung des Tierschuhvereins für Hessen entsprechend hat der Hessische Minister des Innern durch Erlaß vom 6. Januar 1931 folgende Anordnung an die hessischen Kreisämter und staatlichen Polizeiämter getroffen: „Bei Leistungsprüfungen vonHun- d e n werden zur Prüfung der Aaubtierfchärse vielfach Hehproben auf lebendeKahen vorgenommen. Ich empfehle, derartigen Veranstaltungen besondere Ausmerlsamkeit zu widmen. 3m Falle des Vorliegens von Tierquälerei gemäß § 360 Ziffer 13 des AStGB. ist unnachsichtig einzuschreiten und die strasrecht- liche Verfolgung zu veranlassen. 3. V.: gez. Dr. A e i tz." Aunmehr ist für Preußen, Württemberg, Baden und Hessen das „Kahenwürgen" verboten. Alle Tierfreunde und edeldenkende Menschen werden gebeten, den Tierschuhverein für Hessen in seinem Bestreben zur Verhinderung der Tierquälereien zu unterstützen und ihm solche Fälle zu melden, in denen eine Tierquälerei nachweisbar ist. Taten für Tien4ta§. 10. Februar Sonnenausgang 7.25 älhr. Sonnenuntergang 17.05 Ufjr. Mondaufgang 2.18 llhr. Mond- untergang 10.16 älhr. 1847: der Physiker Alva Thomas Edison zu Milan in Ohio geboren. Bornotizcn. Tageskalender für Montag. Oberhllftsche Gesellschaft für Aatur- und Heilkunde: Vor.rag von Prof. Dr. Schmidtgen. Mainz, 20.15 Ubr, Hörsaal des Chemischen Laboratoriums, Ludwigstrahe 21. — F. G. F Monatsversammlung. 20.30 Uhr. im „Schiptavaß". — Union: Damen heute abend im Cafö Amend - Lichtspielhaus Gießen: ..Stürme über dem Montblanc". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen Dienstag. 22 Uhr, Erstaufführung von Ben 3onsons „liebloser Komödie" „Volpone", bearbeitet von Stefan Zweig. Spielleitung: Peter Frssolt. — Mittwoch, 11. Februar, 2-5 Uhr, erste Wiederholung der Ko- nwbie „Volpone". - Freitag, 13. Februar, 20 Uhr, Erstaufführung des diesjährigen Faschinqs- schwanles „Das öffentliche Aergernis" von Franz Arnold unter der Spielleitung Heinr. Hubs. *♦ Der Leichensund auf den Schienen. Zu dem grausigen Leichenfuntz auf der Main-Weser- Bahn zwischen Butzbach und Gießen am Samstag- früh ist weiter zu berichten, daß es sich bei dem Toten um den Schuhfabrikanten Schuck aus Pirmasens handelt. Nach dem bisherigen Ergebnis der polizeilichen Untersuchung sprechen nur ganz wenig Umstände dafür, daß ein Verbrechen in Betracht zu ziehen ist. Schuck benutzte den Früh-O-Zug von Verlln, der gegen 6 Uhr ht Butzbach durchfahrt. Dieser Zug, der zum größten Teil aus Schlafwagen, Gepäck, und Postwagen besteht, führt außerdem zwei O-Wagen mit Abteilen mit sich, und beide Wagen waren sehr gut besetzt. Es kann mithin nicht aut angenommen werden, daß bei der starken Besetzung dieser Wagen ein Verbrechen im Zuge begangen werden konnte. Es wird vielmehr zu vermuten sein, daß Schuck entweder beim Gang nach der Toilette die Türen verwechselt und dabei aus dem Zuge gestürzt ift, so daß ein Unglücksfall in Betracht kommt, ferner wird auch die Möglichkeit eines Selbstmordes nicht ganz von der Hand zu weisen fein. Die Brieftasche des Toten konnte bis. her noch nicht gefunden werden. Allerdings ist es möglich, daß sie noch irgendwo am Bahndamm liegt, da die Leiche über 1000 Meter von der Lokomotive des entgegenkommenden Personenzuges ge- chleift wurde. Die Uhr des Toten ift dagegen gefunden worden. Die polizeilichen Ermittlungen ind nach wie vor im Gange und werben im Laufe es heutigen Tages weiter fortgesetzt. Die Ankunft des Sohnes des Toten wird jetzt abaeroartet, um vielleicht dadurch mehr Licht in die Angelegenheit zu bringen. ** Mozartfeier der Volkshochschule. Im Singsaal des Realgymnasiums Deranftaltete die Volkshochschule am Samstagabend eine ebenso Eindrucks- wie stimmungsvolle Mozartfeier. Musiklehrer Bauer jun. sprach einleitende Worte, schilderte in ganz knappen Umrissen Mozarts Leben als einen Kampf um seine künstlerische Behauptung zu seiner Zeit und — als einen Kampf um die Erhaltung feiner materiellen Existenz. Ausschnitte aus Briefen Mozarts an seinen Vater gaben ein erschütterndes Bild. Aussprüche bedeutender Zeitgenossen, die sei- Witnll ter ünnaetnlien IW! nen Wert und seine schöpferische Kraft zu schätzen wußten, vertieften das Bild, das der Redner entwarf. Die nun folgenden Darbietungen musikalischer und gesanglicher Art ließen den Zuhörern mit aller Deutlichkeit klar werden, was das Schicksal dem genialen Meister zu seinen Lebzeiten schuldig^ geblieben ift Eine Sonate in O-Dur in zwei Sätzen für Violine und Klavier (Herr Bauer, Frau E. Fischer) offenbarte, dank einer vorzüglichen Interpretation, den Melodienreichtum des Komponisten, seine tiefe Freude an Form und Leben, ein Eindruck, der im weiteren Verlauf des Abends durch ein Klavierquarlett in 0-Moll erheblich gesteigert wurde. Die Ausführenden, Frau E. Fischer (am Klavier von überraschender Virtuosität unb Ausdruckskraft), Franz Bauer (1. Violine), Helmuth Bayersdorf (2. Violine), Heinz Eger (Cello), gaben sich viel Mühe um die geschlossene Aufführung des Werkes und ernteten starken anhaltenden Beifall. Zwischen den beiden instrumentalen Darbietungen erfreute Fräulein Toni O11o durch einige Lieder. Das lyrische „Abend ist's", das bekannte stimmungsvolle „Wiegenlied" und das kapriziöse schelmisch-heitere Liedchen „Komm' lieber Mai" fanden stürmischen Beifall. Ergriffen einerseits und doch erfüllt und beschwingt von Mozarts liebenswürdigem Genius verließen die Zuhörer das Haus. *' Verein für das Deutschtum im Ausland. Schulrat Dr. Rösler aus Hermannstadt (Siebenbürgen), ein Mann, der maßgeblich für das Schulwesen der Siebenbürger Sachsen wirkt, weilte am Freitagabend bei der hiesigen Ortsgruppe des Vereins für das Deutschtum im Auslände zu Gast und hielt im Sing- saal des Realgymnasiums vor einer leider nur geringen Anzahl von Zuhörern einen Lichtbilder» vortrag über „Die Siebenbürger Sachsen, ihre kulturelle unb politische Lage". Dr. Rösler, ein gründlicher Kenner des Landes, führte in überaus eindringlicher unb kultivierter Sprache bic Verhältnisse in Siebenbürgen vor Augen. Er griff weit zurück in die Geschichte, schilderte die harten Kämpfe der Sachsen vor nun nahezu 800 3ahren, Kämpfe um die eigene Kirche und um die eigene Gerichtsbarkeit, die ihnen schlicß- lich durch den „goldenen Freibrief", das „an- dreanum“, zuteil wurden. Der Redner sprach von den Kämpfen gegen die Mongolen im 12. Jahrhundert unb später gegen die Türken, erinnerte an den steten Kampf um die Erhaltung der volksstämmigen Eigenart unb berichtete den Zuhörern von dem geschlossenen Heber tritt der Siebenbürger Sachsen zum Protestantismus nach der Reformation im Mutterlande. In überzeugender Weise sprach der Vortragende weiter von der Kulturarbeit, die in dem anfänglich unwirtlichen Gebiet zu leisten war, und von dem Einfluß des Beispiels der Deutschen auf die nachbarlichen Rumänen. Die Siebenbürger Deutschen, so führte der Redner u. a. aus. sind erfüllt von ihrer Sendung und fühlen eine göttliche Mission in der Ausgabe, Kulturarbeit zu leisten auf vorgeschobenem Posten. In kurzen Zügen erfuhren bic Zuhörer von künstlerischer, wissenschaftlicher unb dichterischer Arbeit bieses tapferen Menschenschlages. Schließlich aber wurde die Gegenwart lebendig, eindrucksvoll schilderte Dr. Rösler die bedrängte unb entrechtete Lage der Siebenbürger nach dem Kriege. Als Minderheit gilt es, gegen die Liebergriffe und Lln- gerechtigkritcn der Rumänen vorzugehen, es gilt weiter um bic deutsche Schule und um die deutsche Kirche zu rämpsen.und zugleich augenblickliche materielle Röte unb Krisen zu überwinden ohne zu ermüden. Das Volk der Siebenbürger Sachsen halte aus — unb damit schloß der Redner seinen Vortrag — im Vertrauen auf seine göttliche Sendung und bewahre Etamm^sart inmitten einer fremden Welt. Lebhafter Beisatt dankte dem Redner für bic ausschlußreichen Ausführungen. Im Anschluß baran wurde noch eine Reihe von Lichtbildern gezeigt, die überzeugend das rein erhaltene Deutschtum im Dorse und in der Bauernstube, in der Stadt unb in der Kirche, in der Tracht und in den Gebräuchen, in der Arbeitsweise unb in gesellschaftlicher Hinsicht unter Beweis stellten unb die Worte des Redners bestätigten. •• Prüfung für Geschäfts ft enogra- phen. Zu unserem Bericht vom 4. Februar teilt man uns noch mit, daß die von der Industrie- unb Handelskammer in Gießen vor kurzem abgehal- tcr.c Prüfung *ür Deschästsstenographen mit Erfolg ablegten: Abteilung 200 Silben: Georg Wahl und Ottilie Treser (1. Reichskurzschriftgesellschaft c. V. Gießen)' 180 Silben: Fritz Dörfner (1. R.-G., Gießen)' 150 Silben: Gretel Becker (i.R.-G., G.). Dora Heß (l. R.-G., G.), Alfred Bormuth (I.R.-V.. ®J, Olga Pfeiffer (Kurzschristverein 1861, Gießen). Aug. Schott (I. R.-G., G ), Fritz Weeg (Kurzschriftverein Eibelshausen). Die Vorprüfung — 120 Si Iben bestanden: Johanna Bohl (I. R.-G., G.), Ernst Häuser CB. 61), Friedrich Gorge» (V. 61). Fritz Rech (D. 61). Helmut Zschunke (D. 61). Minna Gerbig (I. R.-G., G.). Lina Kiefer (V. 61). Erna Rcininger (1. R -G.. ©.), Gertrud Müller (D. 61). Artur Michel (V. 61). Anni Lanio (D. 6b. Rich Strauch (V. 61), Emma Größer (D. 61), Elis. Gla» digow (V. 61). Marie Derzbach (D. 6b. Lilli Pietz (D. 61). und Karl Seipp (Leihgestern). Verlobung im kicher Zürstenhause. DSR. L i ch, 8. Febr. Die jüngste Tochter des Fürstenpaares von SolmS-HohensolmK-Lich, Prin- zessin Maria Anna, hat sich mit dem Burggrafen und Grafen Christoph zu Dohna- Schl o bitten verlobt. Beisetzung des Abgeordneten Haury. WSR. Darmstadt, 7. Febr. Heute nachmittag wurde der so plötzlich verstorbene Abgeordnete und Stadtrat ber Deutschen Volkspartei Konrad Haury zur letzten Ruhe gebettet. Der ©arg mit den sterblichen Resten Hourys war vor der Totenhalle des Waldfriedhofes aufgebahrt und verschwand unter einer Fülle von Kränzen und Blumen. Zahlreiche Vertreter der staatlichen unb städtischen Behörden hatten sich eingefunben, um Haury die letzte Ehre zu erweisen. Man bemerkte u. a. den hessischen Staatspräsidenten Dr. Adelung, den Minister des Innern, L e u s ch n e r, den Oberbürgermeister von Darmstadt. Mueller, zahlreiche Land- tagLabgeordnete unb Stab träte aller Fraktionen, die Berufskollegen Haurys, die Zimmerleute, sowie Vertreter des Hausbesihervereins, dessen Vorstand Abgeordneter Haury gewesen war Rach einer erhebenden Trauerfeier sank ber Sarg in die Gruft. Berliner Börse. Berlin. 9. Febr. (WTB. Funkspruch.) Zum Wochenbeginn scheint die Tendenz weiter freunblid) zu bleiben, doch kommt bas Geschäft nur schwer in Gang. Das feste Neuyork vom Samstag, bic Ab ftimmungen im Reichstag und sonstige Betrachtungen in ber Sonntagspressc über die Börsenlage gebe» ber Börse eine Anregung. Kurse sind noch nicht zu hören. Am Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 123,98, gegen Mailand 92,84, gegen Madrid 47,75, gegen Schweiz 25,1640, gegen Berlin 20,4490 gegen Kabel 4,8625, Kabel gegen Berlin 4,2050. Oie Wetterlage. <71 ,<2 Islo Slot 2C Still' ’oui 2 er 5 ’5eydis?iord ■w— _Jan7Hajen w-i Qwolkenlos.(5 neuer ®naio oeaecKL »woikiq. eoeoem »Regen. * Schnee c ärmpem ■ ntoei K Gewnier.@wind5tiiie.-O sehr leichter ost massiger Suosuowesi stürmische« norowest Oie Pfene fliegen mit dem winde Die oeioen Stationen Menenden zahlen geDen die Temperatur an. Die Linien veromden Orte mit gleichem auf neeresniveau umgereenneten Luftdruck Wettervoraussage. lieber Island ist ein sehr kräftiges Fallgebiet erschienen, dessen Randstörungen sich mehr unb mehr nach dem Festlande ausbehnen. Die warme Lull an ber Vorderseite greift bereits über das westliche Deutschland vor. so daß dort eine Frost - abschwächung eingetreten ist. Aachen meldete heute morgen nur noch 1 Grad unter Rull. Der Einfluß der Störung wird sich weiter durchsetzen unb zu allgemeinem Frostrückgang führen. Außerdem erfolgt stärkere Eintrübung unb bas Ricber- schlagsgebiet über bem Kanal wirb auch unseren Bezirk überqueren. Die Niederschläge treten dabei meist als Schnee auf. AussichtLoN für Dienstag: Meist dunstig unb bewölkt mit Frost rück gang, zeitweise Schneefälle. Lufttemperaturen am 8. Februar: mittags —3 Grad Celsius, abends —9,4 Grad: am 9. Februar, morgens 10,7 Grad. Maximum —3,2 Grad, Mini nimum —12 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 8. Februar: abends —0,4 Grad; am 9. Februar: morgens — 0,4 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer drei Viertelstunden. MW Sie 3hte BoMe im neue» WWW Nur eigenhändiger unb vollständiger Eintrag in die Haus- und Firmenlisten schützt vor den peinlichen Nachteilen mangelhafter Aufnahme in dem wichtigen Nachschlagewerk oder vor gänzlicher Ausschaltung. Die Sicherheit richtiger Einträge in die Listen kann von den Hausbesitzern oder ihren Stellvertretern wesentlich gefördert werden durch die Überwachung ordnungsmäßigen Umlaufs der Liften, Überprüfung der Einträge, fowte rechtzeitige Bereitstellung zur Abholung. Wem die Hausliste nicht vorgelegt wurde, oder wer die Firmenliste nicht erhalten hat, wolle feine Rechte wahren durch Meldung beim Adreßbuchverlag, Schulstraße Nr. 7, oder durch Anruf mit Fernsprecher Nr. 2251 im 53. Lebensjahre. Herrenwäsche wie neu Garantiert 14. Februar Wfeseck, König i. O.. Frankfurt a. M.. Altcn-Buseck, den 8. Februar 1931. Die Beerdigung findet Dienstag, den 10. Februar, nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehausc. Wieseck, Kirchstraße 44, aus statt. 1061 n o M 1062 D Gießen, den 9. Februar 1931 1074 V 3l/, Uhr statt. 1068 D Per Anzug nur Mark l 1072V gesucht. SCHUHHAUS 932 A 1060D maschine. bl Stämme 57 22 Kiefernstämme Der Anfang ist im Distritt Seeheck am zu Bürozwecken. 1032 D 1036D A. F, Elbert 0763 Obst- u. 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Fast alle Spiele endeten mit unerwarteten Ergebnissen. So fertigte in der Rordgruppe der SE. 03 auf dem gefährlichen Kirch di tmolder Gelände Hessen09 Kassel mit 7:2 Toren ab und befestigte damit feine führende Position. Dabei kam ihm noch die Riederlage der Kasseler Kurhessen die über alles Erwarten in Einbeck 6:5 unterlagen, sehr zustatten Wenn die 03er am kommenden Sonntag in Göttingen gegen den bdttigen SE 05 gewinnen ist ihnen die Meisterschaft nicht mehr zu nehmen. Auch im Falle einer Niederlage können sie dem nächsten Spiel gegen die Kurhessen mit Ruhe entgegensehen 3m dritten Spiel der Rordgruppe schlug Götttngen 05 den SE. Grone in Grone 5: 2. In der Südgruppe muhte Kurhessen Marburg einen wichtigen Punkt an Herrnannia Kassel abgeben der vielleicht für den Ausgang der Meisterschaft entfcheidend ist. Die Lage wird hier erst geklärt wenn Sport am kommenden Sonntag gegen ^Herrnannia gespielt hat und Borussia seine noch ausstehenden Spiele beendet hat. Dabei bleibt natürlich Voraussetzung, dah die Fuldaer [einen Punkt mehr abgeben. Spielverein Kassel fertigte in Fulda die Hersfelder Hessen mit dem Rekordergebnis von 111 Toren ab. Thunberg Europameister. Dor wiederum sehr gutem Besuch und bei schönstem Winterwetter wurden am Sonntag die Europame sterschaften Im Eisschnelläufen im Stockholmer Stadion beendet. Finnlands Altmeister Eiaas Thunberg, der schon am Dortage die Führung übernommen hatte, setzte sich auch in den beiden Wettbewerben am Schluhtage erfolgreich durch und holte sich nach längerer Unterbrechung den begehrten Titel vor seinem Landsmann Blvmauist und dem Holländer van der Scheer. Tyunberg lief über 1500 Meter mit 2:20,7 Min die beste Zeit und muhte in der langen Strecke über 10 000 Meter nur seinen Landsmann Blomquist in 17:53 Min vvrlassen Deutsche Skimeisterschasten. Bayern gewinnt die Staffel-Meisterschaften. Der zweite Tag der Deutschen Ski-Meifter- schasten in Lauscha-Ernstthal brachte am Samstagvormittag die Staffelmeisterschaft, die über eine Gesamtstrecke von 42,2 Kilometer führte. Don 15 gemeldeten Staffeln traten 13 an. Die beste Zeit für die 8,1 Kilometer lange Strecke der ersten Staffeltour lief G. Müller (Bayrisch Zell) mit 7,21 Minuten. Der vierte Teil war mit 9,9 Kilometer der längste und schwierigste. Als erste Staffel ging Bayern II auf die letzte und mit 6,7 Kilometer kürzeste Strecke, die zum Schluß noch eine fast 2 Kilometer lange Abfahrt aufwieS. DaS Ergebnis: Bayerischer Skiverband I (G. Müller, W. Dogener, Krebs, Hagen, Ponn) 3.27,35 Stunden, 2. Bayern II 3:27,42 Stunden: 3. Thüringer Wintersport-Derband 3:30,52 Stunden, 4 Schlesischer Skiverband: 5. Bayern III; 6 Ski verband Sachsen; 7. Thüringen II; 8. Skiklub Schwarzwald: 9. Harzer Ski verband; 10. Derband Mitteldeutscher Skivereine; 11. Thüringen III, 12. Fränkischer Schneeschuh-Bund: 13. Norddeutscher Ski-Derband Bor den Weltmeisterschaften in Oberhof. Birger Ruud, erst 17 Jahre alt, zeichnete sich vor wenigen Wochen durch einen Rekordsprung von 76,5 Meter aus. Die Kämpfe um die Südwestdeutschen Hochschulmeisterschaften, die am Sonntag in Frankfurt aus- getragen wurden, brachten ganz ausgezeichnete Ergebnisse. Es war erstaunlich, welches Leistungsniveau die Studenten in den einzelnen Wettkampf- Konkurrenzen erreicht haben. W o I f s h o I z-Frank- furt im 100-Meter-Freislilschwimmen die ausgezeichnete Zeit von 1:06,4 Minuten Sehr erfolgreich schnitt auch der Bruder der Olympiasiegerin Helene Mayer ab, der alle drei Fecht-Konkurrenzen gewann. An den Wettkämpfen waren die Universitäten und Technische Hochschulen von G i e h e n und Frankfurt, Tübingen, Stuttgart, Freiburg, Karlsruhe, Heidelberg, Darmstadt, Marburg beteiligt. Die Ergebnisse: Hochschul-Mehrkampsmeisterschaft: 1. Darmstadt, 2. Heidelberg und Stuttgart, 3 Gießen. Kleinkaliberschießen: Mannschastskampf: 1 Stuttgart, 543 P.; 2. Frankfurt, 494 P.: 3. Gießen, 480 Punkte. Einzelkämofe: Dreikamps: 1. Lancke-Gießen, 142 R., liegend freihändig: 1. Gallmeyer-Tübingen, 57 R., sitzend freihändig: 1. Gilles-Frankfurt, 49 R., stehend freihändig: 1. Berkerhoff Stuttgart, 50 Ringe. Fechten: Florett: 1. Mayer-Frankfurt, sechs Siege, 7 Treffer; 2 Keller-Frankfurt, 4 Siege, 18 Treffer. Säbel: 1. Mayer-Frankfurt, 7 Siege, 15 Treffer; 2. Eckert-Karlsruhe, 6 Siege, 21 Treffer. Degen: 1. Mayer-Frankfurt, 8 Siege, 5 Treffer; 2. Heilbronner-Stuttgart, 7 Siege, 7 Treffer. Schwimm-Mei ft erfchaften für Stu - HI. Zugendskitag des Verbandes Mitteldeutscher Skivereine. Wettkämpfe auf dem Hohcrodskops. Der auf Den 4. Januar icitgclctjic 3ugenö- fkitag muhte wegen ungeeigneter Schneeverhält- niffe auf den 15. Februar verschoben werden. Da» damals bekanntgegebene Programm bleibt in feinen einzelnen Punkten bestehen. Teilnahme - berechtigt sind sämtliche DSD.-Iugendmitglieder sowie tne Schulen. Die bereits abgegebenen Ren- nungen behalten ihre Gültigkeit, es können aber Rachmeldungen erfolgen. Vorstandssihung des DFB. Am 14. und 15. Februar hält der Vorstand des Deuttchen Fuhball-Bundes in Berlin eine Sitzung ab. auf der das Profistatut endgültig verabschiedet werden soll. Endgültig festgelegt wird weiterhin das Programm für den im Mai stattfindenden Fifa-Kongreh in Berlin und für den im Anschluß hieran vor sich gehenden Länderkampf Deutschland-Oesterreich. Helene Mayer in Paris. Helene Mayer hat sich nach ihrem Auftreten am Mittwoch in Mailand sofort nach Paris begeben, wo sie bei einer WvhltätigkeitsVeranstaltung zugunsten der Fechtlehrer mitwirkte Die erntete in ihrem Florett-Schaukampf mit dem französischen Fechtmeister R Dondoux lebhaften DeifaN. Kurze Sportnottzen. Die Europameisterschaft im Eishockey fiel an Oesterreich, das im entscheidenden Spiele Shweden 1:0 schlug 3n der Trostrunde belegte Ungarn den ersten Platz Bei den Deutschen Rodelmei st er- schäften in Wiesbaden siegte T i e h e. Brücken- denten: 4 X 50-Metcr-Bruststaffel: 1. Tübingen, 2:31; 2. Heidelberg, 2:35,3 Minuten. 4 X 50-Meter- Lagenstaffel: 1 Heidelberg, 2:22,1; 2. Darmstadt, 2:28,1 Minuten. 4 X 50-Meter-Freistilstaffel: 1. Heidelberg, 2:04; 2. Darmstadt 2:04,6 Minuten. 100» Meter-Brustschwimmen: 1 Weigmann-Tubingen, 1:21,5 Minuten 100-Meter-Ruckenschwimmen: 1. Schaumann-Gießen 1:25,9 Minuten 100- Mcter - Seitenschwimmen: 1. Wadrin - Frankfurt, 1.16,7 Minuten lOO-Meter-Freistilschwunmen: 1. Wolfsholz-Darmstadt 1:06,4 Minuten Springen: 1 Schönleber-Stuttgart. Mehrkampf 1. Reinhardt- Gießen. Für Studentinnen: 3 X 50-Meter-Brust- ftaffel: 1. Frankfurt, 2:25,5; 2. Gießen, 2:31,5 Minuten. Mehrkampf: 1. Kallinowsky-Heidelberg. 50-Meter-Freistilschwimmen: 1. Hewaldt-Tübingen, 42 Sekunden. 50-Meter-Brustschwimmen: 1. Sättele- Tübingen, 45,8 Sekunden. Springen: Kallinowsky- Heidelberg. Turnwettkämpfe: Muslerrriege: 1. Darmstadt, 937 P.; 2. Stuttgart, 829 P.; 3. Marburg, 815 Punkte Elnzelkämpfe: Reck: 1. Petri-Heidel- berg, 51 Punkte. Barren: 1. KöhneGießen, 58 Punkte. Pferd: 1. Mobus-Stuttgart, 52 Punkte. Studentinnen: Reck: 1. Kampf-Frankfurt, 36 Punkte. Barren: Hohnold-Heidelberg, 39 Punkte. Pferd: Hohnold-Heidelberg, 34 Punkte Geräte-Zehnkamps für Männer: 1 Doß-Heidelberg. 180 Punkte; 2. Kohn-Gießen, 174 Punkte Siebenkampf für Studentinnen: 1 Hohnold-Heidelberg, 119 Punkte; 2 Gießer-Heidelberg, 117 Punkte. SüdwesldeuM HMchulmeisterschafien. Der Mann der das Lachen verlernt hat. Dxomon oon Gert Gothberg. Copyright by Martin Feuchtwanger. Halle (Saale) 2. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Unfahlich! Qlbcr warum hatte dieses bildschöne junge Geschöpf den Dater genommen, der um so vieles älter war? Diese Frage tauchte immer wieder auf tpn thm, muhte auflauchen, wenn man die Hinfälligkeit und das aufiallenb starke Altern des Daters in Betracht zog. „Aus Berechnung! Natürlich nur aus Berechnung!" Der junge Graf starrte zu dem lebensgrohen Bildnis des Grafen Friedrich, seines ilrgrofi- vaters. empor, und es war ihm, als habe der höhnisch lächelnd diese Worte getagt. Der Dater hatte einen Schlaganfall erlitten und konnte sich kaum bewegen. Mit fast unverständlicher Stimme bat er: ..Set gut zu ihrl" . Denn er bemerkte nur zu gut dte feindlichen Blicke des Sohnes, der den schönen Eindringling nicht anerkannte. 3u dem jungen Grasen sah es seltsam aus. Nach dem ersten staunenden Wohlgefallen an dieser fremden Schönheit dieser jungen Frau regte sich der Hah gegen die, die der Dater der Mutter als Nachfolgerin bestimmt hatte. Unb um den Sohn wehte es leise, wehmütig: „Vergiß du mich wenigstens nicht ganz, mein lieber, lieber 3unge!" Da ballte der junge Graf die Hände, reckte seine hohe Gestalt hoch auf und dachte: „Unbeforgt, mein Mütterchen, ich räume keiner den Platz in meinem Herzen ein und dieser da gleich gar nicht. Du allein bleibst mein Mütterchen." „Sei gut zu ihr!" So hatte der Dater gesagt! Gewih. sie hatte ein Recht darauf, hier zu sein, nachdem der Dater es fertig gebracht hatte, ihr feinen Namen zu geben, und sie war ja gewih auch nicht die erste Künstlerin, die zur Gräfin erhoben wurde. Doch das waren dann andere Frauen! Bestimmt waren sie ganz anders als diese hier Und er begriff den Dater nicht, würde ibn niemals begreifen. Das waren die Gedanken, die dem jungen Grafen immer wieder tarnen, wenn er verstohlen den Blick über das junge, schöne Weib gleiten lieh. Der Urlaub neigte sich seinem Ende zu. Der 1 Dater wurde ungeduldig. Ec wollte aufstehen. Er wollte dies und jenes. Dabei nörgelte er: „Der Doktor ist ein elender Stümper. Er läßt mich hier verkommen." Aber es ging ihm doch besser jetzt. Das Personal sah mit scheuen Augen in das Gesicht des jüngeren Grasen. Die hätten doch alle gar zu gern gewußt, wie er die Anwesenheit der sremden Frau aufnahm. Die fremde 5rau! Das war sie geblieben bis auf den heutigen Tag für alle. Für die Leute im Dorfe, für die auf dem Gutshofe, für die Dienerfchaft im Schlöffe, für die Nachbarn. Und sie blieb die fremde Frau auch für den jungen Grafen; der Kammerdiener berichtete es in der Leutestube. Zwei Tage vor der Abreife des jungen Offiziers sagte der Dater: „Und du wirst nun wieder öfter kommen?" Die heihen, blauschwarzen Augen der Gräfin ruhten unentwegt auf dem Gesicht des jungen Grafen. Ein kurzer, abweifender Blick traf sie, und er fagte zum Dater gewandt: „Wenn du mich rufst, komme ich, Dater." Da senkte der Alte den Kopf. Die Antwort war klar und deutlich. Sein Sohn kam nur heim, wenn er ihn rief; von selber kam er nicht! Die Leidenschaft war noch immer in dem alten Herrn, die unselige Leidenschaft für Kora. Und er merfte es nicht, wie sie bei einem Ausbruch dieser Leidenschaft des alternden Mannes verächtlich die Lippen verzog und wie ihr Blick immer heißer, sengender den jungen Grafen umfaßte. „Dah ich nicht gehen kann, das ist das Schlimmste; doch ein Weilchen wird es noch dauern. Ich muh mich bescheiden, und Kora leistet mir ja Gesellschaft." Und einige Stunden später, als der Graf mit dem Sohne allein war. sagte er: „Wie gefällt dir Kora?" Der junge Gras zuckte mit den Achseln. „Sie hat dir gefallen, und du warst nicht mir, sondern nur der Mutter Rechenschast schuldig." Da war sie wieder, die junge, harte Stimme, die der Dater manchmal haßte, und trotzdem liebte er doch den Sohn und war stolz auf ihn. Sprunghaft ging der Vater auf ein anderes Thema über. Er wollte dem Sohne gegenüber sichtlich eine seelische Unruhe verstecken. Am Abend — der junge Kentner gestand es sich ein. dah er froh war, am anderen Tage weg- fahren zu können — ging et noch einmal in öie Zimmer feiner verstorbenen Mutter hinüber. Sie waren noch so, wie die Verstorbene sie verlassen hatte. Sv viel Pietät also hatte der Dater doch der Mutter gegenüber aufgebracht, dah er der fremden Frau nicht diese Zimmer, die für den Sohn immer ein Heiligtum gewesen waren, zur Verfügung stellte. Er dankte es dem Vater im stillen. Und dann weilte er Wohl eine Stunde in diesen Zimmern. Langsam ging er von einem ins andere, strich hier liebkosend mit der Hand über eine feine Stickerei, die die Mama selbst gefertigt, oder er blickte andächtig auf einen Gegenstand, von dem er wußte, daß die Mutter ihn besonders geliebt hatte. Er strich über die Bücher, die forgfältig geordnet dort standen, und er setzte sich ein Weilchen in den hohen Lehnstuhl und legte den schmalen dunklen Kops an das Kissen, wie die Verstorbene es oft getan hatte. Und es war ihm, als schwebe der seine Duft zu ihm empor, der Duft, der die feine, stille Mama immer umgeben hatte. Und Graf Kentner dachte, daß die Mama alles mit ins Grab genommen hatte Liebe, Wärme, Behaglichkeit, Frieden. Ihr einziger Sohn fühlte sich jetzt fremd im Hause seines Vaters! Wie bitter war das! Langsam stand der Graf auf. Sein Blick umfaßte noch einmal die ihm so vertraute Umgebung. dann ging er hinaus und schloß das Dorderzimmer sorgsam ab. Den langen Gang hinunter, durch dessen hohe Bogenfenster die Abendsonne schien, ging er dann nach dem Bibliothekszimmer. Er wollte noch eine Stunde lesen. Wie lange er so gestanden und die vielen Bücher angesehen hatte, um eines von ihnen zu wählen, wußte er nicht. Er wußte nur, daß plötzlich hinter ihm ein leises, feines Rascheln erklang, so. wie es von seidenen Kleidern herrührt, und er wandte sich um. Am niederen, weißen Kaminofen lehnte die junge Frau und sah ihn unverwandt an mit ihren heißen Augen. Spionierte sie ihm nach? Zorn war in ihm, daß er sich das gefallen lassen sollte. „Sie wünschen, bitte?" Zwischen den Zähnen fragte er es, sich dabei knapp verbeugend. Mit ihrem gleitenden, katzenartigen Gang kam sie näher. „Ich liebe dich! Nimm mich hier heraus, denn ich ersticke an dem Ekel, der in meinem Geben ist." Er lachte hart auf. „Frau Gräfin belieben zu scherzen. Die Rechnung stimmt doch? Oder ist doch ein Fehler unterlaufen T* „Ja, ein Fehler, ein riesengroßer Fehler. Ich habe nicht wissen können, was man sich mit solch einer Heirat zufügt." „Das geht oft so. Man muß es dann tragen, oder glauben Sie. daß ich mit dieser Heirat meines Daters einverstanden war?" „Ich habe eS mir denken können, dah Sie mich hassen, Karl. Und — heute verstehe ich es auch." berg im Herren-Einzel, Frl. Winkler, Schierke, im Damen-Einzel und das Paar Tietze Weidner, Brückenberg, im Herren-Zweier. • Der argentinische F u ß b a 11 m < i st e r La Plata spielte im Frankfurter Stadion vor nur 4000 Zuschauern gegen den FSB. Frankfurt 1:1 (0:0). • Gustl Müller. Bayrisch- Ze11. wurde zum dritten Male Deutscher Skimeister. Den zweiten Platz belegte Walter Glaß. Klingenthal. Im Preis von Deutschland, der abschließenden Konkurrenz des Berliner Reittur-/ niers, siegte Italien knapp vor 'Deutschland und Holland Bei denDeutschenEisschnell-Lauf- Meisterschaften in Berlin siegte der Berliner Barwa in den Läuien über 500 und 5000 Meter Kanada verteidigte die Eishockey-Weltmeisterschaft durch einen 2:0 Sieg über Nordamerika erfolgreich. Dberbeffen. (demeinOeraf in Grünberg. + ® rünberg, 5. Febr DerG e m e i n de r a t war in seiner jüngsten Sitzung vollzählig versammelt. Zur Holzsubmission waren zwei Lose ausgeschrieben Bei Los I. enthaltend 300 Festmeter, bot der hiesige Holzhändler Friedrich D a h m e r im Durchschnitt 16,86 Mark pro Zest- metcr, was 57 Prozent des Landesgrundpreises ist; bei Los II, enthaltend 350 Festmeter, das aber durch weiteren Anfall jetzt 514,35 Festmeter sind, bot das hiesige Sagewerk Georg Haas § Eo. im Du Abschnitt 63.4 Prozent der Landesgrundpreise. Der Gemeinderat ermächtigte den Bürgermeister. dem Friedrich Dahmer für sein Angebot die Genehmigung zu erteilen, falls dieser den gleichen Durchschnittssay wie Haas (63,4 Prozent) bietet. (Da dieses Holz zur Zeit noch nicht geschlagen ist. wird beim Richtzustandekommen des Verkaufs das Fällen unterbleiben.) Der Firma Haas wird die Genehmigung erteilt, falls sie das gesamte bis jetzt angefallene Holz <514.35 Festmeter) nimmt. Sodann beschäftigte man sich mit dem Erlaß einer Wasserbezugsordnung ab 1. April 1931 Tie Wo serlommission empfahl einftimmige Annahme des von ihr beratenen Entwurfs, an dem sie nur geringfügige Aenderungen vorgenommen hat Tie Wasscrmefser sollen Eigentum der Stadt bleiben, als jährlichen Mietbetrag schläat sie 3 Mark vor, die der Inhaber zahlen folL Das Wassergeld soll nach der Hohe deS Verbrauchs gestaffelt fein. Es wurde folgendes be- schlosfen: Das Wasfergeld betrüg, ab 1 April 1931 bei einem Verbrauch bis zu 250 Kubikmeter 30 Pf für den Kubikmeter, von 251 bis 500 Kubikmeter 25 Pf. für den Kubikmeter, von 501 bis 1000 Kubikmeter 22 Pf. für den Kubikmeter, über 1000 Kubikmeter 18 Pf. für den Kubikmeter. Der einem Verbrauch bis 15 Kubikmeter ist eine Mindestgebühr von 4.50 Mark au entrichten. Die Iahresmiete für den Wassermesser beträgt 2 Mk. Zu einer lebhaften Aussprache kam es bei der Beschaffung der Waffermesser. Durch Beschluß des GemeinderatS vom 20 Oktober 1930 war deren Lieferung der Firma Dreyer. Rosenkranz und Droop in Hannover übertragen worden. Die Lieferung war aber nicht zustande gekommen, da der Vertreter der Firma ohne deren Wissen günstigere Zahlungsbedingungen zugestanden Aus halb zugeknifsenen Augen blickte er auf sie nieder, die ihm nicht biS zur Schulter ging. Wie eine schöne, gefährliche Katze schien ihm diese Frau, wie ein Raubtier, das im gleichen Augenb ick st eicheln und l odl ch verwun'e.i konn c. Run, er verlachte solche Frauen, hatte sie immer verlacht. Roch dichter trat sie auf ihn zu, schlang die Arme um ihn. „Ich liebe dich! Rimm mich mit. Rimm mich hier heraus, oder es geschieht ein Unglück." „Weshalb diese Drohung? Ich lerne doch nicht anders denken." Ihre Arme umschlangen ihn fester. „Ich liebe dich. Seit ich dich sah, weiß ich erst, was ich mir, was ich meiner Jugend angetan habe. Ich bin noch nicht ganz zwanzig Jahre alt." Er versuchte sich, ohne brutal zu werden, zu befreien. Sie umklammerte ihn nur um so fester. „Wußten Sie denn nicht schon lange, schon damals, daß Sie jung sind und nicht zu dem alten Manne paßten?" „Ich wollte aus dem Zirkusleben heraus; mir war alles gleich", sagte sie. Er löste ihre weißen Arme von seinem Körper. Mit Gewalt loste er sie jetzt. „Ich fühle nichts für Sie, höchstens Haß, den ich Ihnen aber nie gezeigt hätte, selbst dann nicht, wenn mein Dater einmal sterben sollte." Sie warf sich wieder an feine Brust. „Dann töte ich mich, denn ich liebe dich so sehr, daß ich daran sterben werde." „Ich verbiete Ihnen, noch länger so zu sprechen, Frau Gräfin. Sie sind die Frau meines Daters, und selbst wenn Sie es nicht wären, würde ich nichts für Sie empfinden." „Warum nicht? Bin ich nicht jung und schon?" „Das sind <Äe bestimmt!" „Dann fliehen Sie mit mir." „Rein!" Mit hängenden Armen stand sie vor ihm. Ihr penmutterfarbener Teint schimmerte, und das schwere, dunkle Haar war wellig und fast blau. Die mandelförmig geschnittenen Augen sahen ihn an, der leuchtend rote Mund war halb geöffnet Ein leichter Taumel ging über ihn hin, dann hatte er sich wieder in der Gewalt Er verachtete diese Frau jetzt mehr, als er sie haßte. Denn sie war ja bereit, den Damen Kentner zu schänden. Sie würde einem anderen genau fo in die Arme finken, wenn ein Zufall sie mit diesem anderen zusammenführte. 2lus ihrer Langweile heraus, gewiß, er wollte gerecht sein, aus der inneren Ruhelosigkeit, einem Un* befriebigtfein heraus warf sie sich dem erstbesten G. . . Not. Automobil . • . Orcnlleln & Kovvel . . Leonhard Tietz . . . SvenSla . . . . Philipp Holzmann . . . Zementwerk Heidelberg Zementwerk Karlstadt. . Wann & grentag . . 62,5 58 6,5 74,5 übertragen wurden. Kreis Alsfeld Berliner Börse. Berlin, 9. Febr. Die feste Tendenz, die in der vergangenen Woche geherrscht hatte, setzte sich auch zu Beginn der neuen Woche weiter fort. Schon heute vormittag und an der Vorbörse hatte man die Kurse mehrprozentig höher taxiert. Die ersten No- enliflrnftarbt . . . nunflbane. . . . Cednucrte...... . 121 139,5 *. *• » 127,25 . . 6. 36,5 . > 6 8,75 . . 8| 68 Rechner Lehrer Colmar wurde Entlastung erteilt. Rach Erledigung verschiedener geschäftlicher Angelegenheiten hielt Lehrer Sauer (Ober- Lais) einen sehr lehrreichen Lichtbildervortrag über „Deutsches Darock in Süddeutschland". Der gründliche Dortrag sand sehr aufmerksame Zuhörer und verdienten starken Deifall. ? Gedern, 5. 5ebr. Der hiesige DHC. - Zweigverein veranstaltete einen Mozart- abend. Der 1. Vorsitzende, Apotheker Vee- s e n m e h e r, begrüßte die zahlreichen Gäste. Anläßlich der 175. Wiederkehr des Geburtstages von Wolfgang Amadeus Mozart hielt sodann Lehrer Riedel einen Vortrag, in dem er nicht nur das schicksalreiche Leben des großen Ton» künstlers in fesselnder Weise beschrieb, sondern ging vor allem auch auf die Fruchtbarkeit und Leichtigkeit seines Schaffens und die Reinheit seines Charakters einging. Köstliche Proben aus seinen Werken kamen durch vierhändige Klaviervorträge (Lehrer Riedel und Lehrer Schnei- d e r), durch Violinsoli (Lehrer Reith) mit Klavierbegleitung, durch Liedervorträge des VHC.-Chores in ansprechender Weise zu Gehör. Die einzelnen Opern, Sinfonien, Klavierwerke und Streichquartette wurden schließlich noch inhaltlich skizziert, während anschließend Teile derselben auf neuen Schallplatten durch Lautsprecher 64,75 129,25 108 65,9 ‘ 7,4 100,9 123,4 112 143,25 111 111 243 9,131 114,5 117,75 113 80 Schlechte Konjunktur für Lahnerze. Wie der Berg- und Hüttenmännische Verein zu Wetzlar mitteilt, hat sich die Lage des Eisenerzbergbaues an Lahn, Dill und in Oöerhessen weiter verschlechtert. Die Erzabrufe sind weiter zurückgegangen, so daß bei Förderung und Absatz mit einem Ausfall von 7000 Tonnen Erz allein im Iqnuar gerechnet werben muß. Diese Entwicklung bewirkt, oaß demnächst sechs Erzgruben mit etwa 500 Mann Belegschaft stillgelegt werden. Die erforderliche Senkung der Selbstkosten wird durch die siebenprozenlige Lohnsenkung ab 1. Februar bei weitem mcht in wünschenswertem Umfange erreicht. Die Lage ist um so kritischer, als die Staatsbeihilse noch nicht gesichert erscheint. Würoe die Staatsbeihilfe für 1931 weiter gewährt, so könnten vier von den sechs stillgelegten Gruben den Betrieb wieder aufnehmen. O * Die Indexziffer der Großhandelspreise. Die auf den Stichtag des 4. Februar berechnete Großhandelsinoexzif,er des (5.0= tistischen Reichsamts ist mit 113,7 gegenüber der Vorwoche (113,9) um 0,2 v. H. zurückgegangen. Die Indexziffern für die Hauptgruppen stellten sich wie folgt: Agrarstoffe 104,8 (Plus 0,3 v. H.), Kolonialwaren 99,9 (minus 1,7 v. H), industrielle Rohstoffe und Halbwaren 106,3 (minus 0,5 v. H.), und industrielle Fertigwaren 140,1 (minus 0,3 v. H.). 2m Monatsdurchschnitt Januar ist die Gesamtindexziffer gegenüber dem Vormonat um 2,2 v. H. auf 115,2 (117,8) gesunken. Die Indexziffern der Hauptgruppen lauten: Agrarstoffe 106,7 (minus 3,4 v. H.), Kolonialwaren 101,7 (minus 3,3 v. H.), industrielle Rohstoffe und Halbwaren 107,5 (minus 2,2 v. H.), und industrielle Fertigwaren 141,5 (minus 1,0 v. H.). Frankfurter Börse. F r a n f f u r t a. M, 9. Febr. Die Börse eröffnete zum Wochenbeginn noch einem schon festeren Vormittagsverkehr in fester Haltung. Die überwiegend festen Auslandbörsen, die Erfolge des Reichskanzlers Brüning bei der Abstimmung im Reichstag, ferner günstige wirtschaftliche Betrachtungen in der Sonntagpresse, regten allgemein etwas an. Das Geschäft war jedoch nicht mehr so lebhaft, als in den letzten Tagen. Zu den ersten Kursen kam jedoch wieder sofort neues Material an die Märkte, so daß die hohen Vorbörsenkurse nicht immer erreicht wurden. Gegen die Schlutz- kurse von Samstag ergaben sich immerhin noch recht nennenswerte Kursöefestigungen. Deutsche Linoleum zogen um 3 Prozent an. Größere Kursgewinne hatten außerdem Montanwerte, obwohl die Wirtschafts berichte aus diesem Industriezweig eher ungünstig lauteten. Harpener gewannen 4,25 Prozent, Mannesmann 3 Prozent, während im übrigen die Erhöhungen bis 2,5 Prozent betrugen. Phönix lagen 1 Prozent schwächer. Von Elektroaktien lagen besonders Holdingwerte stark gebessert. Licht & Kraft, Gesfürel und Felten lagen 4,5 Prozent fester. Die übrigen gewannen bis 2,5 Prozent. Der Chemiemarkt lag 1 bis 1,5 Prozent fester. Dauunternehmungen und Kunstseideaktien setzten bis 1,5 Prozent fester ein. Arn Kalimarkt lag Salzdetfurth 2,5 Prozent höher. Bankaktien zogen bis 1 Prozent an, aber Danatbank 1,75 Prozent. Am Anleihenm arkt lag 21(1- besitz sehr fest, bis 0,75 Prozent höher. Reu besitz, davon beeinflußt, bis 0,40 Prozent freundlicher. Von fremden Werten gaben Rumänen leicht nach, 'bagegen konnten sich Bagdadtürken etwas befestigen. Am Pfandbriefmarkt lagen Liquidationspfandbriefe weiter gedrückt. Reichs- schuldbuchsorderungen hatten bei erhöhten Kursen größere Umsätze. Im Verlaufe wurde es nach einer überwiegend leichten Abschwächung wieder fester. Die Kurse lagen meist 1 Prozent über Anfang. Besonders gedrückt blieben Elektrowerte. Ter Ge ldm arkt lag weiter leicht. Tagesgeld stellte sich auf 3,5 Prozent. Am Devisenmarkt lag das Pfund international weiter fest: ferner beftanb Rachfrage nach Devisen. Man nannte Mark gegen Dollar 4,2055, gegen Pfund 20,45, London gegen Kabel 4,8634, gegen Paris 123,9950, gegen Mailand 92,85, gegen Madrid 48,1250, gegen Schweiz 25,1713, gegen Holland 12,1050. Kurszettel der Derlmer und ^rKuksurier Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die höhe der zuletzt beschlosfenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o ch., Lombardzinsfuß 6 o ch Geld 4,191 58,42 112,13 20,382 16,46 168,41 21,97 112,10 58,93 2,475 112,23 81,03 42,61 12,39 73.16 Frankfurt hatte, woran die Sache scheiterte. Während einige Gemeinderäte sich für die ßicterung der Wasser- messer durch diese Firma ausspraa-en, wurde von anderer Seite gewünscht, erst ein fachmännisches Urteil einer Materialprüfungsstelle einer Hochschule einzuholen. Schließlich stimmte man diesem Vorschlag zu. Sodann beschäftigte man sich mit der Anschaffung einer Motorspritze für die Feuerwehr. Magirus, Ulm, liefert eine solche mit einer 600 bis 800--Literleistung zum Preise von etwa 4100 Mk., wenn eine Sammelbestellung durch die Drandversicherungskammer zustande kommt, und sie gewährt in diesem Falle einen Rabatt von 15 Prozent. Die Brandversicherungs- fammer leistet 1700 Mk. Zuschuß, von zwei anderen Stellen steht ein Zuschuß von etwa 1300 Mark in sicherer Aussicht, so daß die Stadt nur etwa 750 Mark aufzuwenden hätte, welchen Betrag man dem Mobiliar-Erneuerungsfonds glaubt entnehmen zu können. Landkreis Gießen. CD Lollar, 5. Febr. Die diesjährige ordentliche Generalversammlung der Sängervereinigung fano unter fast vollzähliger Beteiligung der Mitglieder statt. Der 1. Vorsitzende, Gg. Schnell, begrüßte Mitglieder und Gäste, gedachte der im letzten Jahre verstorbenen neun Mitglieder und erstattete sodann den ausführlichen Jahresbericht. Der Verein zählt zur Zeit 70 aktive Sänger sowie 200 passive Mitglieder und Ehrenmitglieder. Der Gefang- ftunbenbefud) war als gut zu bezeichnen. Die Jalstes- rcchnung ergab einen günstigen Abschluß. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt. Der Vorsitzende dankte den Vorstandsmitgliedern und Sangern für ihre Mitarbeit. Die Vorstandswahl ergab die einstimmige Wiederwahl des Gesamtvorstandes. Nach einigen gut zum Vortrag gebrachten Chören und Volksliedern unter Leitung des Chormeisters Herrn D a p p e r, Gießen, fand die Versammlung ihr Ende. WSR. jungen, 8. Febr. Beim Holzfällen im Hunaener Walde wurde der Arbeiter Otto Fulda von hier von einem stürzenden Baum getroffen und auf der Stelle getötet. Um den bedauernswerten Mann trauern die Witwe und ein Kind, sowie des Vc^unglückten alter Vater. U Ronnenroth, 6. Febr. Der Sportverein „Frisch auf.“ hielt im Gasthaus „Zum deutschen Haus" seine diesjährige Generalversammlung ab. Der Versammlungsleiter Albert Hoppe begrüßte die Mitglieder und ermahnte zu treuer Mitarbeit im Interesse des Vereins. Die Prüfung der Rechnung ergab einen kleinen Ueberschuß. Die Dorstandswahl brachte folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender Karl Dippel: 2. Vorsitzender Karl Metzger: Rechner und Schriftführer Otto Ullrich: 1. Spielleiter Heinrich Hofmann; 2. Spielleiter Heinrich Dippel. 2m weiteren Verlauf der Versammlung wurde beschlossen, den Sportplatz zu entwässern, da er bei Regenwetter kaum bespielbar ist. Außerdem wurde der Wunsch laut, die Jugend möchte sich lebhafter sportlich betätigen. Kreis Friedberg. • Butzbach, 9. Febr. In der vergangenen Rächt wurden in Butzbach wiederum zwelGin - brüche verübt, und zwar einer bet Pfarrer Wahl und ein zweiter bei Medizinalrat Vogt. Im Hause des Geistlichen fielen den Dieben Bargeld, Kleidungsstücke rmd Schmuckfachen in die Hände. Was im Hause des Medizinalrates ge- ftohlcn worden ist, steht bisher noch nicht fest. Die Beamten des Kriminalpolizeiamtes Gießen sind mit den Ermittlungen beschäftigt. Kreis Büdingen. ow. Unter-Widdersheim, 7. Febr. Am Mittwoch koimte der im 80. Lebensjahr stehende Gemeinde- und Polizeidiener Johannes Hoch er von hier sein 4 0. Dienstjahr vollenden. Aus diesem Anlaß ließ das Ministerium des Innern durch den Kreisdirektor G a ß n e r pon Büdingen ein Anerkennungs- und Glückwunschschreiben überreichen. Die Gemeinde ehrte die langjährigen, treuen Dienste des Jubilars durch ein Ehrendiplom. △ Bingenheim, 7. Febr. Im Echzeller Wald fand am Donnerstag eine Polizei- jagd auf Schwarzwil d statt. Gemeindeeinnehmer Albrecht Schultheis aus Blofeld erlegte dabei einen Keiler. Kreis Schotten. Gedern, 3. Febr. Am Samstag fand die erste Lehrerkonferenz des Jahres statt. Obmann Häusel begrüßte die Mitglieder und erstattete den Tätigkeitsbericht über die im vergangenen Jahre geleistete Arbeit. Die Rechnung des abgelaufenen Jahres schloß mit einem kleinen Ueberschuß. Dem tfranuur, a i't. (r . uü«, l«ui>r. » « re Berlin. 7. Februar eimcrümiOdie Noten..... yclnüdn* Noten ...... 2auiidii' Noten ....... Endliche Noten . ...... itnmiöiiidie Noten . . . . . . . Holländische Noten Italienisch.- Noten Norwegische Noieu Deulich-Oeslerreich. 8 100 Schilling Olumaiiiiche Noten....... Schwedische Noten Schweizer Noten . . Spanische Noten ..... . T'chechogoivaktsche Noten..... llngoiliche Noten Devisenmarkt Berlin — tierungen lagen zwar etwas unter diesen Taxen, aber überwiegend 1 bis 2 v. H. im Durchschnitt über den Samstagfchlußstand. Eine Reihe von Momenten trug zu den Steigerungen bei, sowie günstig gehaltene Wirtschaftsbetrachtungen in der Sonntag- presse, die Reden des Reichskanzlers Dr. Brüning und Hoepker-Afchoffs in Münster, vor allem aber der glatte Verlauf der ersten Reichstagswoche. Allgemein machte auch die Tatsache einen guten Eindruck, daß die Auslondkredite, die bis zum 15. Februar verlängert waren, jetzt um weitere 3 Monate prolongiert wurden, zumal es sich um recht erhebliche Beträge handelt. Hierzu kam noch die feste Haltung des Samstagbörse und das anscheinend etwas gunebmenbe Vertrauen des Publikums für die Börse. Während aus der Provinz neue Kauforders eingegangen waren und das Ausland weiter Deckungsneigung bekundete, zeigte die Spekulation 'das Bestreben, die Gewinne mitzunehmen. Für L.-G.-Farben, Gesfürel, Schuckert, Schubert, Deutsche Bank, Danatbank, Svenska, Otavi und für Schwachstromwerke konnte man starkes Interesse feststellen und Umsätze bis 150 Mill., bei J.-G -Farben sogar zirka 300 Mill, hören. Eine ganze Anzahl von Werten hielten sich über den Durchschnitt hinaus bis Wi v. H., während Svenska 5 Mk., BMW. 6 v. H. fester lagen. Deutsche Anleihen ebenfalls fester. Neubesitz zogen bei Plus-Plus-Notiz um 0,20 v. H. an. Ausländer waren nicht ganz einheitlich, z. T. aber etwas nachgebend. Der Pfandbriefmarkt lag weiter freundlich. Reichsschuldbuchforderungen zogen etwas an. Am Geldmarkt konnte sich Tagesgeld weiter auf 4j bis 64 v. H. erleichtern. Die übrigen Sätze blieben unverändert. Nach den ersten Kursen wurde das Geschäft etwas leichter. Die Kurse lagen meist auf Anfcmgsnioeau, zum Teil bis 1 v. H. über bzw. unter Anfang. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 9. Febr. Auftrieb: 1145 Rinder, darunter 240 Ochsen, 71 Bullen, 426 Kühe, 349 Färsen, ferner 589 Kälber, 135 Schafe, 5181 Schweine (270 Litauer). Preise am Frankfurter Viehmarkt (nicht Stallpreise). Es wurden notiert: Rinder: Ochsen: voll- fleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts (jüngere) 49 bis 52 Mk., (ältere) 44 bis 48, sonstige vollfleischige (jüngere) 40 bis 43; Bullen: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 43 bis 50, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 44 bis 47: Kühe: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 40 bis 43, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 35 bis 39, fleischige 30 bis 34, gering genährte 23 bis 29; Färsen (Kalbinnen, Iungrinder): vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 49 bis 52, vollfleischige 44 bis 43, fleischige 40 bis 43. — Kälber: beste Mast- und Saugkälber 62 bis 65. mittlere Mast- und Saugkälber 57 bis 61, geringe Kälber 53 bis 56. — Schafe: Mastlämmer unb jüngere Masthämmel (Weidemast) 45 bis 48, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 38 bis 44. — Schweine: vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 53 bis 55, von etwa 160 bis 240 Pfund 54 bis 56, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund 52 bis 55 Mk. — Marktverkauf: Rüder und Schweine lebhaft, ausverkauft: Kälber unb Schafe mittelmäßig, geräumt. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 9. Febr. Der Frankfurter Produktenmarkt lag bei sehr Heinern Geschäft ruhig. Infolgedessen gab Weizen bis zu 3,5 nach. Auch Hafer notierte etwas schwächer, während im übrigen die Preise gut behauptet blieben. ES W Ä 22,05 112,54 59,17 2,495 112,67 81,35 42,79 12,45 '3.46 a. M öerln cSchluu- An^anz- furd । Nurs Bergmann 8 Llektr LieserungSgeseMchast. 10 Vld)i uno llraft......10 zelle» L Guilleaume . . . Geseluchast für Elektrische Unternehmungen .... lu Hamburger EleklrtzitätS-Werke 10 •Ubeinildje Elektrizität .... 8 Schlcsilche Eleltrizität. ... 10 2d>udctl & Go. ...... 11 Siemen» & HalSke . . , . , 16 Iranetaolo ......... 8 Vabmetjer L Go.......10 Buverus «... 6 Deutsche Erdöl . ...... 6 Ebener Steinkohle ...... 8 Gelsenkirchener ....... 8 Harpener. . ....... 0 Hoeich Eilen 6¥t Ilse Bergbau 10 Klöcknerwcrle . ....... 7 tköln.Neucllen 7 Manuc^innnn-iHöbrea .... 7 Mansjelver Bergbau . .... 7 Cbrridilci. GlienbeDatf .... 6 Lberschlei. Nolowerke.....7 Dbüntr Bergbau .... 6Vi Rheinische Braunkohlen . . 10 Nhetnstabl . ........ 6 tRlebed SNonta»...... 7,2 Datum V'üinhurp-i'lmertta 'l;alei . . . 71 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 8| ;tramrun a. UI. | Zlerltn Schluß-i für« | 1-Uhr« flur.’ Schluß-!An,a g- lur । Rur«i Datum 7.2. 9.2 7.2. 9.2. 6% DeuNche Reichranleihe von 1927 ......... 85 _ 84,8 _ '% Deutsche Reichsanleihe von 1929........- - T-iddK Sint.-Ahlbl.-Schuid mit '.'iiielot. Rechten....... 98,75 • 99 _ 52,8 53,5 52,8 53,4 Deegi. ohne Auilos.-Nechte . . 5,05 5,35 5,13 5,4 -% firll. Bolt:nanl von 1929 -rudsnljlb. 102%)...... 89 _ 89 -__ ' verbessen Provin» - Anleihe mf 'lnitoi. R> chlcn...... 48,75 _ —- deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1 ... 49,5 _ 50' — ■■■'n Arnnti. ^nv.-Bant Koidpse XIII unlnnobat bla 1034 . . . 100,5 _ _ _ ■ „ .Vrnnfi i>nv -Bank Goidvle nntunvbnr bl; 1933 ..... 92,8 ■ >■;% »veinltche Hnp.-Bank Lian. «Doiovse........ 88,5 _ . Br. VonDe5u>an:briesanilalt, 'svmm^Lbl.R. 80...... o Br. Caiibevinanebriefanftalt, Binnvbriese R LI ..... ij i (4. obg. Aor.riegS-Obligailo- urn, rudiahlbai 1932 . - . : 100,5 100,5 97 97 97 97 97,8 — — f% OeNerreichische Goldrente . . 25 24,75 i.2O% Oeslerrcichische Silberrente —— 2,3 _ i% Lekterrelchiiche EinheiUiche — _ 1,3 <% llugarische Goidrente . - - i% Ungarische Staatsrente v. 1910 19,75 —— 20 17 — 16,9 iV-% oeenl. oon 1913 . . — — 17,2 17,4 i% Unpariidie Kronenrente . . • 1,35 —— 1,35 1,35 <% TiirUsche flollanleibe von 1911 i% Tütlnche Bagdadbabn-Artl Serie 1..... 3,15 —— 3,25 3,1 .— — 3,3 i% Dfifll. Serie 11....... 3,1 3,178 — 3,3 5% Numnniiche veretnh. Rente von 1003 ... ..... ,15 — 9,4 1 'eio Bries Geld Lrie AnM.-Nott. 168,71 169,05 168,78 169,12 1,287 Bun.-Ate.s Brff. ?tntw 1,282 1,286 1,283 58,63 58,75 53,64 SS SS Cliristiania • 112,40 112,62 112,44 llüViiibaflen 112,42 112,64 112,47 112,69 gtorfliolm • 112,52 112,74 112,56 112,78 ßelfiitflfor-l. Italien ■ . 10,571 22,005 10,591 22,045 10,574 22,005 10,594 22,045 London. . . 20,423 20,463 20,433 20,473 ‘Jieunorf . . 4,201 4,209 4,2015 4,2095 Barts. • • . 15,47 16,51 16,475 'Ä Schweiz .. .1,185 81,345 81,17 Svn teil . ■ 42,91 42,99 41,41 41,49 Japan . . . N io de Ian. ,080 ',362 2,084 0,364 2,080 0,365 2,084 0,367 Wien in 2.- Ceft. abgeft 19,035 59,155 59,03 59,18 Brng 2*ci irab . . 12,433 12,453 12,432 12,453 7,408 7,422 7,410 7,424 Buoup >t. . '3,320 ?3,360 73,33 73,47 k>ui arien 1,044 3,050 3,044 3,050 M "'iiavon Tanva 18,83 11,63 18,87 81,79 K:S f.onft nun- 1,734 l ,789 1,784 1,789 2lti en Conuoa 5,447 4,200 5,457 4,20° 1:5» 5,452 ja Uru oon . 2,807 2,813 2,837 Cotro 20,935 20,975 20,945 § «, c y e1“-« 2e = 5 R «i C.tiE S'E’- ■^5 4, C 5 M- St*® c-- a 6.0 a LZ? c-0 .5-86? = £.=55 C7 * ou c E Q £3"-Sc. e*~ ~a- •-eo O 5 ! o< a7=i=ä -b c *L ■ E 3 c 'S'rE.ü c 's® 5 E « tu'» — 1 r— o ö *** s cn o <-» E E s <*D e = ro S- Oi c Q ö fc- Ä* es r> r^rrs Ä 3Ä 3 e.2 61 c Ö?» ■e- w * 2 etSA a 2 KK 5,a H ps ^lOS-0 £ B o E 3 -S j- E s ä E = 2^C7 Ea ek a L =9 E L A ä> c csx-.fi' 5 3 BS'e 2 El8 c c ? = s §E E« 5;ez§ p t£2s ZA 3 = A , 2x - c A n «B o 4= x? = un-tr# I £e E = E B E »■§■ -c ■§3 B * 8 E c' S *» » Ü E = E S6« 3 C- c-> । ZN<9 I 8i LL ASS ZL--8 E E E D E E A e K w L.B e B IZ 4 e-L A "c Sfo WA EP* v€£ S e> £ L ö L s E 3 TO S ,L 1ZZ B ^i> fcö § a S c Szune A£zS E W L -X» o> E P 5 A iD-es K2 t3 ZZ.s Z3Z a E d || X B KZ ?‘?E Es II ÄZzZL-LALÄ — E Q/to £ Bö °-e ti C “ E w« B BEP-B EX Hec ■ e - E AA ,° L E i. 3 * .E ä <£? o L ^ea3 r= = E ä s ~liei zd X7 3 " 3.E E .ä E g^EEc?Q - ’' = p£s2ESS 19 >5?. 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Stohr Prallt i-° LieMlEch lung wie bei < herbei. Die Hati Kommunisten uii men an der Ao» feit antwortet c mungen üblich^ die säumigen - geben. Als Erg. dent Lobe lest, also bie zur 2 von 289 nicht sozialisten flott« rufen: .Die Pt beraumt sofort e an mit der gfad Mg. Stöhr BefchWähigkeit holt werden mu diesmal auch d beteiligen, ergib geordneten. Der fähig. Das Haus tr , träges Dell (■ I Gesckäf tso ! allen Parteien | nalen, Sommir terstuht. Don d nationalen ist anträge eingeg Zunächst rin Sescßi üb Präsident Löb für jede Fraktion beantragt U 6t1 listen und K01 d e n. Auf Antrai die Redezeit nm der Auszäblung an den Präsider spricht, kommen b»"g! Echlebun L ö b e: Fch nebr ein Mitglied de! nein! - große Stimmen wird i Hut. üt)Cr de -nede muß aus na um namentlich ni Wiften beteilig laicht. Die andertb 9e9en Ql Stimme , Drösident Löb schlag auf drei n 0 m m e n 'tog ßr. Sri. ^elchaftsordnunq * '*' He iibl L" °"rch Namen nehmen. Eifer (? ?v W gegen beantrage ich, Vor. ft 01,1 brau Mitglieder b r'iem 91?c5rc ' Atgliedern. (I M Stahr , UlaÄ’rt'i °.Ke '^°Kr |d)lag njRer (3. I ?fllf ÜfAt®UrS -2-öS-Me6) ■tSsilgl-"' a- -"3 re. er .fS = H§U 2^-0 Ä Z§re 0-612" Hl 3' 2.-0 — ^■S: 3 0 3 co Z-3LS3 =<~ " -0 2.0 5 —cm 2. = <2 3: = 8 er =re 2. x> 2. czS'ä0 - ■ er re ö- sä' o^3 3 S c = h 61-2. ec 2SA =*g (3 3 2. • er re re „ — re o o o "23ff)2 — 3. S — 5 - ü 2.W re 0-^5- 3 g- pre 3**ogreODo- re re -P re re . 3 — re 2:2.8 L2Z " - 2 2 2 5 3 3 3 3 P?CM 2 5 n. =. "" 3 re :fi= 3 5 3 3 5 8 3 8 LS 8 8 3 8 61 5 61 3 3 61 E 8 8 8 8 2 3 61 3 8 3 ID 3 3 - A 3 8 8 S LS 2 3