Nr. 7 Erstes Blatt 18|. Jahrgang 8reitag,9. Januar (931 ttld)etet läglid),anßei Sonntage und IeieNags Bttlaatn Vie jUultrtertt Gietzenri ,3-amihenblättet Heimat 'w Bild Dt» Scholle monafi Bnugsorets. 2.20 Reichsmark und 30 -ietchspienntg iüi Träger» lohn.' auch bet Richter» toemen emzetnertllummern tnfolqt böherei (Bemalt tierolorechanlchlüst« anterSammelnummer2251 Sn)d)ntt tüt Drahtnachrichten Snzeiger ftleften. poffcheckionto gro^lfurtam Main 11686 GietzenerAMger General-Anzeiger für Oberheffen Vn>6 vnv Verlag: Vrühl'fche Universitülr-Vuch- und Stetnöruderet S. Lanqe tn Siehen. Zchriftleitung und Gefchiftsstelle: Zchul^ttaße 7. Nnnahme oon Hnjetgen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen oon 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Bcichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 >> m Brette 35 Reichspfennig, Playvorfchrist 20° , mehr. Chefredakteur Dr Fricdr Wilh Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Wilh. Lange, für Feuilleton Dr H.THynot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für >>en Anzeigenteil Blax Filter, sämtlich in (Bienen Die große Frage. Sin Repräsentant einer weltbekannten deutschen Skportindustrie. Kenner Europas, sendet den „Leipziger Reuesten Rach- richten" nach'ehende Aus ü rungen. denen das Blatt mit Recht Verbreitung und Wirkung wünscht. Etresemann hat in einer seiner letzten Reden eindringlich auf die traurige Erscheinung hin- gewiesen, daß unser durch Dertrustuna und Ra- Pönalisierung überspitztes Wirtschaftssystem von beute, die" soziale Struktur der deutschen Ration gerade in der bürgerlichen Mittelschicht zerstört und damit denjenigen Teil des Volkes nach unten gedrängt habe, der im Werden unseres Staates zuvorderst Aufschwung und Fortschritt. Unternehmungsg ist und Der- antwortungS'reudigk it verbürgt hätte Die für die Rachkriegszeit so bemerkenswerte bizarre Svmbiose der finanziellen und industri-'llen pri- va twirtschof tl ichen Zentralisation mit der Ausbreitung der öffentlichen Hand im Wirtschaftsleben verschärfte diesen Zustand, so daß man heute sagen kann, daß 30 Prozent aller unserer Veschäftigten in ganz- oder halböffentlichen Betrieben stehen und etwa 40 Prozent in Betrieben, deren Gröhe die persönliche Entfaltung der Führerschaft immer mehr tottritt. Aber man wird sich damit abfinden müssen, dah jede Wir s hafts^eriode ihre Kämpfe um Brot und Arbeit gewissermahen mit einer anderen sozialen Schlochtenordnung fuhrt, ebenso wie die französische Schützenkette der Revolutionszeit die friderizianischen Karrees ablöste Das Wesentlichste jedoch ist der Fortschritt an sich und das allgemeine Wohl Solange das Vertrauen im großen und ganzen zu dem Prinzip erhalten bleibt, ist der Streit um Methoden, so heftige Formen er auch annimmt, historisch belanglos. Die Entwicklung der Weltwirtschaft in den letzten 1’/, Jahren hat aber eine derartige traurige Wendung genommen. dah es nichts mehr nützt, die Augen davor zu verschliehen Wenn 18 Millionen der weihen Rasse - Ruhland nicht eingerechnet - trotz des eigentlichen Ueberflusses an Brot und Gold auf der Erde vergeblich aus Arbeit und Verdienst warten und se'bst die offiziellen Bulletins der Konjunkturforschungs-Institute keinen Hoffnungsschimmer einer Besserung vermelden können so kann dieser Zustand nicht mehr lange dauern ohne dah gewaltige Umwälzungen bg nnen> Allzuviel ist über die Ursachen bereits gesprochen und geschrieben worden. Mussolini saht sie in seiner eben gehaltenen Kammerrede in drei Hauptgründen zusammen das r'is ische Dumping, Golderstarrung in Pa-is und Reuyork. di? schädlichen Friedensverträge Anders ausgedrückt heiht dies also Offensive der bolfche- wistischen Wirtschastsidee. Possivi- tät des H y v e r k a p i t a 1 i s m u s durch Goldthesaurierung, politischer Konservativismus geg enüber einem als falsch erkannten Sy st em In dieser Wüste ab.ndtändischer Weltwirtschaft nimmt sich das Bild der rastlos und unbeirrt um die Herstellung der Staa s inanzen b sorgten Regierung Brüning g-rad zu symbo isch für den deutschen Ordnun^s n mshen aus. ebenso bewundernswert, dah in dies.m schwierigen Zeiten der deutsche Außenhandel pr^z ntual am wenig- sten auf dem Weltmarkt betroffen ist. Handelt es sich hier aber überhaupt noch um ein deutsches, englisches, italienisches Schicksal, oder ist nicht vielmehr die abendländische Verbundenheit der Kultur zwischen Warschau und Reuyork, He'sinqfors und Rom bereits derartig in eine gemeinsame Gefahr geraten, dah von dieser Seite eine tatsächliche Beeinflussung der Lage nicht mehr erfo'gen kann? Was nützt daher die Anwendung kleinlicher Mittel der einzelnen Staaten wie das Einwandcrungsver- bot der USA., etliche Dollarmillionen für Straßenbau und derartiges? Diese Hilfsmittel verhalten sich zur Gröhe des Problems gerade so. als wenn im letzten Jahrhundert des römischen Kaiserreiches Brotspenden an die wirtschaftlich nicht mehr einzuordnende Masse h-rabgekommener K einbauern und Grohstadtprrletavier verteilt wurden. Und selbst mit einem lebenslänglichen Arbeits'osenstivendium wird die Katastrophe nicht aufgehalten. denn sie ist nur bedingt materiell und in der Hauptsache ideell gelagert. Dr Schacht wies in seinen letzten Reden immer wieder aus d e Rotwendigkeit nach R a u m- schaffung für unser Volk hin. Mit Recht fragt man sich aber, ob denn diese Zustände irgendwie in Amerika und England besser sind, obwohl diesen Staaten ein politisch „unendlicher" Raum zur Verfügung steht. Man wird leider nicht vergessen dürfen, dah der heutige westlichere Mensch längst nicht mehr der Pionier des achtzehnten Jahrhunderts ist, der gewillt ist, eine noch so schmutzige und überfüllte Mi.tskaserne mit einem Tropenbiwak zu vertauschen. D.r Rus nach Quadratkilometern allein wird daher leider weder die zusommengeballten Mil ien.n Europäer, noch die gusammengetragcnen Goldbarren in Bewegung sehen, sondern einzig und allein 3d een! Grohe, neue, umfassende Ideen, würdig unf'ren technischen, Organisator.s^en und finanzie l.m Krä.ten. Es ist eine sehr traurige Wahrheit, hier als Gegenbeispiel auf den Fünfjahresplan der Sowjets Hinweisen zu müssen, dessen Durchsicht rung man zwar noch mit einem gewissen, aber keineswegs mehr als 60prozentigen Skeptizismus Aenderung des Schiedsverfahrens durch Notverordnung. Ein Mittel zur Lösung des Lohnkonflikts im Ruhrbergbau.—Oer Sonderschlichier fallt mit zwei ! Unparteiischen den Schiedsspruch, der vom Reichsarbeitsministerium für verbindlich erllärt wird Die Ao Verordnung vom Reichspräsidenten unterschrieb en. Berlin, 9. Ian. (111 Drahtmeldung.) Der Reichspräsident hat heute vormittag nach Anhören der zuständigen Referenten aus dem Reichsarbeitsministerium eine Notverordnung unterzeichnet, die die bisher geltende Schlichtungsordnung so abändert, dah die Bet- Regterungsral Professor Dr Brahn (Mitte) im Gespräch mit Bergarbeitersührern. Im ! ‘X- ■! bindlichkeitserklärung des Schiedsspruchs auch dann möglich ist, wenn sich nach dem bisherigen System eine Mehrheit nicht findet. Die Notverordnung legt fest, dah ein Sonderschlich- t e r aus Anordnung des Reichsarbeitsministers zwei Unparteiische zu berufen hat, wenn eine Mehrheitsbildung mit Hilfe der Parteien nicht möglich ist. Die Notverordnung wird bereits bei der für morgen vormittag angelegten weiteren Verhandlung im Ruhrbergkonslikt angewandt werden, und zwar wird Professor Dr. Brahn als Sonderschlichter fungieren, so dah er sofort die Unparteiischen heran- ziehen und ein Schiedsspruch gefällt werden kann, den der Reichsarbeitsminister f ü r verbindlich erklärt. Ls ist damit also sicher, dah der Lohnkonsiikt im Ruhrbergbau bereits morgen mittag beendet wird. Durch die Notverordnung soll die Stellung des Schlichters unabhängiger werden als bisher Bei dem grohen Lifenstre'k der Gruppe Nordwest hat das Relchsarbeitsgericht den Spruch des Schlichters nicht als gültig anerkannt, weil dieser Spruch eine Kollegialentscheidung hätte sein müssen, d. h. dah der Spruch durch Mehrheitsentscheidung hätte zustande kommen mässen. Dieses bisher geltende Verfahren hat zu Schwierigkeiten geführt und nicht befriedigt. Meder dem Schlichter Prof. Brahn noch dem Reichsarbeitsmini st er persönlich war es gelungen, in den Verhandlungen mit Arbeitgebern und Arbeitnehmern eine mittlere Linie zu finden, die das Zustandekommen eines Schiedsfpruches ermöglichte. Nach der bisher geltenden Schlichtungsordnung konnte im Sinne der genannten Entscheidung des Reichsarbeitsgerichts ein Schiedsspruch praktisch nur Zustandekommen, wenn er die Zustimmung wenn nicht beider, so doch wenigstens der einen der streitenden Parteien findet. Ein Reichsdarlehen für den Ruhrbergbau? Lenkung der Lclbsttoftcn. Berlin, 8. Jan (LNB ) Lin Berliner Abendblatt berichtet aus Düsseldorf, dah bei den Verhandlungen des Reichsarbeitsministeriums über die Beilegung des Lohnkonfliktes im Ruhrbergbau vom Arbeitsminifter der plan entwickelt worden fei, den Ruhrbergbau zu subventionieren, indem man ihm ein billiges Reichsdarlehen oder eine Reichsbürgschaft in höhe von etwa 120 Millionen RM befcha ft Der Zinssuh solle so niedrig bemessen werden, dah der Bergbau zusammen mit der Lohnerrnähigung eine Selbst- kostenersparnis erhalten würde, die derjenigen aus einer 8prozentigen Lohnsenkung g l e i d) f ä m e. Der Ich betrag der Knappschaft. Beratungen des Neidskabinetts B e r l i n , 8 Jan (LNB.) Vizekanzler und Reichsfinanzminister Dietrich hat seinen Urlaub beendet und -st heute vormittag wieder in Berlin eingefroren. Unter seinem Vorsitz begann um 11 Uhr eine Konferenz der in Berlin anwesenden Mitglieder des Reichskabinetts, öle vor allem der Frage galt, welche weiteren Schritte zur Beilegung des Konflikts im Ruhr bergbau unternommen werden sollen. In Kreisen der Reichsregie- rung sieht man noch keineswegs alle Möglichkeiten a 1 6 erschopst an. So dürste z B. soweit die Frage des Fehlbetrages der Knappschaft in Frage kommt, die Lösung in einem Ausgleich zwischen der Knapp- schaftv- und Invalidenversicherung liegen. Bei der Schaffung des knappschastsgesehes im Jahre 1925 wurde feftgelegl, dah die Knappschaft beim Bezug beider Renten nur die Zuschläge zahlt, während die Grundrente oon der Invalidenversicherung getragen wird. Man denkt offenbar an eine Entlastung der knappschast auch von einem Teile der Zuschläge. Jedenfalls müssen die fehlenden 80 Millionen für die Knappschaft beschafft werden, da sie doch einen erheblichen Teil ihres Gefamtetats von 210 Millionen ausmachen Eine Beseitigung dieser Schwierigkeit ohne Beitragserhöhung würde zweifellos bereits eine Erleichterung der Gesamt- s 11 u a t i o n im Ruhrkonflikt bedeuten. Darüber hinaus ist anzunehmeu, dah der Reichsarbeitsminister auch wegen der höhe der Lohnsenkung noch einmal mit den Parteien Fühlung nimmt, wenn die Knappschaftsfrage geklärt ist. Zunächn ist Steger- wald im Anschluß an die Minifterbesprechung nach Küftrin gefahren, um dort mit dem Reichskanzler Dr Brüning über die Vorschläge zur Behebung der Schwierigkeiten zu sprechen. Stegerroalb wird am Freitag nach Berlin zurückkehren und voraussichtlich dem Reichspräsidenten Bericht e r |t a » te n. Ge«endiewirWaBpMMeMemnBmmkas Der Aeuyorker Bankier Warburg sagt, Hilfe für Europa liege im Interesse Amerikas. — Reparationsmoratonum hat keine Rückwirkung auf deutsche Ausland an leihen. Reuyork, 8. Jan. (WTD.) Der Bankier Paul M Warburg hielt in der Aufsichtsratssihung mehrerer großer Banken eine Rede, in der er erklärte, die Richtigkeit der Ansicht, daß Goldmangel und unrichtige Goldverteilung die Krise verursacht hätten, mühte stark bezweifelt werden. Ein Weg zur Verhütung einer Depression sei die Vermeidung einer akuten Üebererpansion, da eine solche Unausbleiblich eine akute Uberkontraktion zeitige. In Zeiten solcher Entwicklungen falle eine doppel- schwere Verantwortung auf die Dankwelt, für deren internationales Zusammenwirken durch die Begründung der D 3 Z. vielversprechende Aussichten eröffnet worden seien. Tief bedauerlich sei, dah die amerikanische Regierung eine Vertretung der amerikanischen Bundes- reservebanlen im Ausschuhrat der B. I. Z. verhindert habe. Die internationale Politik Amerikas werde anscheinend letzten Endes von Senatoren gestaltet, die sich der nationalistischen Illusion hingäben, dah Amerika, geleitet aus- schbehlich durch einheimische Interessen, seine Stellung privilegierter Isolierung weiter zu behaupten vermöge. Man müsse hoffen, dah auch Amerika schließlich ein- sehen werde, dah es nicht die Kaufkraft seines gröhten Marktes, nämlich Europa, lähmen könne, ohne sich selbst zu schädigen Amerika habe ein wesentliches Interesse an der Erhaltung der für Amerika: selbst grundsätzlich bedeutsamen wirtschaftlichen j und politischen Anschauungen auch in England und Deutschland, wo soeben ein verzweifelter Kamps für die Erhaltung der demokratischen Regierungsform und des Rationalkredits gewonnen worden sei. Wir sollten, so sagte Warburg, Deutschland in seinem Bestreben, fein Haus in Ordnung zu bringen, jede moralische und materielle Unterstützung gewähren, damit es den Anforderungen der Wirtschaftsdepr^ssion genügen kann, die besonders schwer ein erschöpftes Land drückt, das seiner wirtschaftlichen Reserven beraubt und mit schweren Reparationszah- l u n g e n b e l a st e t ist. Es ist unmöglich, vorauszusagen, ob Deutschland sich der Moratoriumsklausel des Voungplanes bedienen wird. Die gegenwärtige Weliwirtichafts.age würde zweifellos einen derartigen Schritt rechtfertigen. Ein solcher Entschluß Deutschlands würde weder die Dawesanleihe noch die Bounganleihe noch überhaupt irgendwelche deutschen öffentlichen oder Privatanleihen berühren. Der Stand der Anleihen. die einem Moratorium nicht unterliegen, dürfte vielmehr eher gebessert werden dadurch, dah das Moratorium den Druck auf die deutschen Finanzen zeitweise erleichtern würde. betrachten darf. Welche Pläne auf feiten der kapitalistischen Wirtschaftsländer entsprechen etwa dieser Gröhenordnung? Vielleicht die Schaffung eines neuen weihen Staates in Afrika zwischen Kongo und Indischem Ozean, a so die künstliche Bildung eines bald wirksamen Absatzgebietes der abendländischen Produkten und die Erschl ehung ein s intcrnational'n grandiosen Siedlu gsierri- toriums. - ein Reu-Europa. Ilm die Inangriffnahme eines solchen oder ähnlichen Werkes nicht auf unabsehbare Zeit hinauszuschieben, mühte freilich die endgültige Lösung der politischen Gebietssrage vorerst auf 30 bis 53 Jahre zurückgestellt werden, z. B. durch Konzesiionsge- Währung und Führung einer neutralen Flagge Man sollte glauben, dah eine Mitbeteiligung von kirchlicher Seite bei solchen Unternehmungen sehr berechtigt und wertvoll wäre, denn es könnte dies wohl als ein wahrer Kreuzzug nach Arbeit gelten. Entweder werden nämlich in letzter Stunde große, neue Ideen aus selten Oer christlichen und auf PriDaleigentum eingestellten Kulturzone des Westens geboren, oder in das vorhandene Vakuum fehlenden Unternehmungsgeistes und Risikomutes stoben d i e Ideen asiatischen Umsturzes vor. Durch Konferenzen allerdings wird dies alles nicht zu erreichen sein, zumal das Vertrauen tm Volke hierzu völlig geschwunden ist. Wohl wäre aber in dieser Zeit ein einziger genialer Mann vielleicht imstande, das Kräftefeld aller Rationen und Parteien mit neuen Ideen auch ohne äußere Machtposition in überraschend kurzer Zeit zu beherrschen. denn das Jahrhundert der Technik und des Hochkavitalismus hat feinen Kulminationspunkt erreicht und ist blutleer und phantasielos geworden. Das Weltbild von heute steht in feiner politischen und großenteils auch wirtschaftlichen Starrheit und Hilflosigkeit in einem für spätere Geschlechter schier unbegreiflichen Geg niatz zu den vorhandenen M o glichkeiten und den g .-rabc in den letzten Jahrzehnten geschaffenen Mitteln, eine Aenderung des untragbaren Zustandes herbeizusühren. Haben aber überhaupt diese sogenannten technischen und kulturellen Errungen- schaflen, diese wund.rvollen Jnstrum n e menschlichen Geistes noch ihre eigentliche Berechtigung in den Händen einer Generation, welche von ihnen keinen wahrhaft fortschrittlichen. das Allgemeinwohl errettenden Gebrauch macht? Das Schicksal der Menschheit beantwortete solch eingetretenen Leerlauf aber noch stets mit einem Umbruch der Geschichte — und so wird es wohl auch diesmal sein!... Oeutschtands Sympathien im Ausland. Ein neuer Aufsatz der „Times". London, 8. 3an. tTU.) Ein Bericht der .Times" beschäftigt sich eingehend mit den Rückwirkungen der englischen Haltung in der Mo- ratoriumssrage auf die deutsche ö fent iHe Meinung, wobei von der .Times" besonders auf ihren vorgestrigen Artikel „Deutsch'and und der Voungplan" hingewirsen wird. Dieser Artikel habe wie eine kalte Dusche aus Deutschland gewirkt. Die „Times" gibt vor. überrascht zu sein, daß Mitglieder der Zentrumspartei kein volles Verständnis für die Gefühle in den G.'äubigerländern gezeigt hätten. 3 der. der den interna ionalen Erörterungen wchrend der letz en drei Monate gefolgt sei. müsse diese Gefühle kennen. 3n dem Bericht h ißt es dann weiter, daß die Welle des Ration al gesühls, die seit den letzten Wahlen in Deutschland in steigendem Maße zu spüren sei, das Po itische Verständnis der deutschen öffent ichen Meinung für das Ausland etwas verdunkelt habe Es sei bemerkenswert, wie in der kurzen Zeit seit Weihnachten irrige Auffassungen b i 8 in die führenden Kreise gedrungen feien. 21 uslä irdische Freunde Deutschlands feien der Entwicklung zwar mit Verständnis, gleichzeitig aber auch mit Bedauern gefolgt, da Deutschland sich hierdurch gewisse Sympathien im 2lusland verscherzt habe. Man dürfe annehmen, dah die kalte Dusche den Mitgliedern der Regierung willkommen sei. die kaum irgendwelche Hoffnungen gehabt hätten, die weitgesteckten Ziele auf dem Gebiete der Außenpolitik zu erreichen. Sie empfänden jetzt vielleicht ein Gefühl der Erleichterung. Sin Vorfall. wie die englisch-französische Finanzkonferenz werde die Stellung des K a n z l ers stärken, wenn er nachweise, daß die Welle des Ratjonalgefühls für die deutsche Außenpoiilil und für die deutsche Finanzpolitik kein reiner Segen sei. Es sei außerdem außerordentlich interessant, daß Minister T r e v i r a n u s auf der Ostreise hinsichtlich deS polnischen Korridors bisher die gleiche Zurückhaltung wie der Kanzler gezeigt habe. Konflikt um den Rmarque-zilm. Tie Aufführung in Wien. Wien, 8. San. (WTD.) Innenminister Winkler hat an den Bürgermeister von Wien, Seih, ein Schreiben gerichtet, in dem er m i t Rücksicht auf die gewaltigen Ko st en, die die polizeilichen Vorlehru g:n lei einer Fortsetzung der Aufführung des Films „o m 2B e ft e n nichts Reues" noch verursachen würden und unter Hinweis daraus, daß der Kulturwert des Films wohl in keinem Verhältnis zu den Schädigungen wirtschaftlicher Ratur steh, den Bürgermeister dringend ersucht, uiwerwellt die erforderlichen Maßnahmen zu erg e fen, damit die weitere Fortführung des Films unterbleibt. Sn seinem Antwortschreiben lehnt es Bürgermeister Seih ab. en Verbot der Aufführung des Films „Sm Westen nichts ReueS" zu erlaisen und verwahrt sich entschieden dagegen, dah die heutigen Abendvor- stellungen im Schweden-Kino von der Polizei ohne seinen Auftrag als Landeshauptmann verboten wurden. Oie Slowenen verbieten das deutsche Gebet. Graz, 8. San. (TU.) Am 24. Rovember vergangenen Sahre« starb in Siegersdorf. Gemeinde Sützenberg, in Eüdslawien eine Frau War.a Ferk, die in Maria Schnee beerdigt wurde. Zum Begräbnis wurde der dortige Besitzer Franz Roschier als Vorbeter geladen. Da Roschler und fast alle Leidtragenden nur d em t s ch sprechen, bedienten er und die Leidtragenden sich beim Beten der deutschen Sprache. Am 31. Dezemaer 1930 wurde Roschker zur südslawischen Bezirkshauptmannschaft Marburg vorgeladen, wo ihm vorgehalten wurde, dah er beim Begräbnis deutsch gebetet habe. Es wurde ihm eröffnet, dah er im Wiederholungs'alle bestraft und Landes verwiesen würde. Der slowenische Oberlehrer an der zuständigen Volksschule. Karl Sakobee. hat übrigens den deutschen Kindern ebenfalls das Beten in der Muttersprache verboten. Die Sinsuyr von Südfrüchten. Schutz und Hilfe für den deutschen Obstbau. Berlin, 8. San. (TA.) Sn einet kleinen Anfrage vollsparteilichec Landtagsabgeordneter wurde ausgeführt, die Südfruchteinfuhr habe im Sahre 1929 einen Wert von 244,2 Mlll. Mark, die O v st e i n f u h r einen Wert von 211,9 Mlll. Marl aufzuweilen. Das Jahr 1930 zeige ein erhebliches Anschwellen dieser Ein- fuhrzif,er. Das preußische Staatsministerium wurde gefragt, durch welche Maßnahmen es den ^deutschen Obsterzeuger angesichts dieser Tatsache in seinen wirtschaftlichen Snteressen n ach halst ig zu schützen gedenkt. Der preußische Landwirtschaftsminister beantwortete die Frage folgendermaßen : »Zum Schutze der Obsterzeuger erscheint mir eine Erhöhung der geltenden Zoll- sätze für Obst geboten. Da diese in verschiedenen Handelsverträgen gebunden sind, so kann eine Zol.'erhöhung erst durchgeführt werden, nachdem durch Verhandlungen mit den beteiligten Handelsvertrags ländern eine Befreiung von bet Zollbindung für die in Betracht kommenden Waren erreicht worden ist. Die Einleitung solcher Verhandlungen ist Gegenstand der Prüfung im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Eine toei ere Maßnahme zum Schutze der Obsterzeuger sehe ich vor allem in der weiteren Förderung der Bestrebungen, d i e Erzeugung z u verbessern, sowie d i e Ware besser zu behandeln, d. h. nach bestimmten Qualitatsstufen (Standards) zu sortieren und nach einheitlichen Gesichtspunkten zu verpacken, um so der Auslandkonkurrenz begegnen zu können. Oie Llmorganisat on der Hessischen Staatspartei. Darmstadt. 8. oan. (WSR.) Der Landes- Vorstand der Deutschen Staatspartei in Hessen hat |uf> mit der durch die jüngst bekanntgewordenen Austritte geschaffenen Lage besaßt. Außer dem bere-ts bckamllgewordenen Austritt des Frakt.onsvorsihenden R e i b e r ist auch Landtagsabgeordneter Bürgermeister Eber le-Dotzheim in Rheinhessen aus der Staatspartei ausgetreten. Don den sechs Landtagsabgeordneten gehört jetzt nur noch der Abgeordnete Schrei- ber-Vilbel der Staatspartei an. Zu gleichberechtigten Landesvorsihenden wurden gewählt- Abgeordneter Schreiber- Vilbel und Direktor S ch r a u t h - Darmstadt sowie Gewerkschaftssekretär M e s ch k a t - Worms. Kleine politische Nachrichten. Das Pariser „Sournal“ veröffentlicht feit einigen Tagen Artikel eines Sonderberichterstatters über angebliche Geheimrüstungen Deutschlands. Sn einem der letzten 21rtilel war u. a. die Rede von geheimen Befestigungsanlagen im ostpreuhischen Grenzgebiet. Die Behauptungen werden vom Reichswehrministerium als vollkommener Schwindel bezeichnet. Sn der von dem Be- richterstatter bezeichneten Gegend befinden sich V er!c ft i Q u n g 8 a n l a g e n. Es I handelt sich also hier wieder um eines der Mär- ' Oer italienische Lleberseeflug. General BalboS erster Bericht. Rom, 8.9an. (TU.) Die Abendblätter veröffentlichen den ersten Bericht über den großen Uebersee- lug. Balbo erklärt u. a.: Das Geschwader sei Gruppe ür Gruppe aufgestiegen, seine Gruppe als erste, o daß er selbst den Start aller Apparate nicht habe ehen können. Er habe nur bemerkt, daß General Dalle nach einem Startversuch an denStrand zurückkehrte und Benzin auslud. Valle sei dann eineinhalb Stunden später wieder gestartet und habe dos Geschwader eingeholt. Der Start sei im allgemeinen infolge des Nebels außerordentlich schwierig gewesen. Der Mond sei bedeckt und der Wasserspiegel nicht zu sehen gewesen. Balbo habe die Entfernung zwischen den Flugzeugen abkürzen lassen, damit Die Führer öle gegenseitigen Licht er sehen konnten. Beim Morgengrauen habe er die Flugzeuge alle angerufen, aber nur zehn hätten geantwortet Erst später habe er von Bolama aus die Meldung über die beiden Unfälle erhalten. Dalbo erklärt hierzu, er habe den Verlust von drei Apparaten auf zwölf in Rechnung gestellt. Wenn jetzt auf 14 Maschinen eine verloren sei, so liege der Hundertsatz unter der vorsichtigen Vorberechnung. Nach einer Flugzeit von neun Stunden habe er einen 808-Ruf des Kapitäns Baistrochi aufgefangen und chn an Den Kreuzer „Pesfagno" weitergeleitet, der das not- gewasserte Flugzeug ins Schlepptau genommen habe. 600 Kilometer vor Noronha habe Kapitän Dona- delli seine Notwasserung gemeldet. Da er den Schaden seiner Maschine nicht Hobe aus- bessern können, so sei der Kreuzer „Da Noli" hin- geschickt worden, um das Flugzeug ins Schlepp- tau zu nehmen. Die drei letzten Flugstunden seien durch starken Südwestwind behindert worden. Der Ueberfeeflug habe das Geschwader vor Schwierigkeiten gestellt, die nur zum Teil oorauszu- sehen gewesen seien und den vollen Einsatz der physischen und moralischen Kräfte erfordert batten. Die Gefallenen, so erklärt Balbo zum Schluß, gehören zu der Reihe der Helden, die sich opferten, um den Rhythmus Der menschlichen Eroberungen zu beschleunigen. D.e Golasfowitzer dauern vor Gericht. Oie Vernehmung -er Zeugen. A y b n i k, 8. San. (WTB.) Am zweiten 23er- hanblungstag vor der Rybniker Strafkammer gegen Die a ch t Golassowiher Bauern wurde mit der Vernehmung der Zeugen begonnen. Alle bisher Vernommenen: der Organist Digalke, der Lehrer Aerbas und die ßebrerin Fräulein Fuchs, schildern übereinstimmend den großen Schrecken, der im Dorf infolge des äleberfallsder Aufständischen entstand und die Bevöllerung beherrschte. Der Organist Bigalke, der von den Aufständischen gelegentlich ihres Einbringens in das evangelische Vereins- Haus mißhandelt wurde, bestätigte, daß die Aufständischen gedroht hätten, die deutsche Schule in die Luft zu sprengen. Als gegen 21 älhr im Vereinshause von bisher noch nicht festgestellten Tätern die Scheiben ein- geschlagen wurden, hätte er und alle andern zuerst geglaubt, daß nun ein zweiter Angriff der Aufständischen bevorstehe. Die Lehrerin Fuchs schildert das Eindringen der Aufständischen in bie Schulklassen, wodurch unter den Kindern großer Schrecken verursacht wurde. Der Lehrer Rerbas bestätigt die Angaben der früheren Zeugen über die von den Aufständischen ausgestohenen Drohungen und spricht rühaltlos von seiner großen Angst. Die b'sher gen Zeugenvernehmungen geben von dem Verlauf der Tat selbst kein Bild Hinge- geht schon jetzt klar hervor, daß die ganze ölkerung unter dem Eindruck der ersten Terrorakte der Aufständischen am Rachmittag von einer 21 r t Angstpsychose erfaßt wurde, die überhaupt erst die Vorbedingungen für den Raufhandel geschaffen hat, des,en Opfer der Poli- zeikommandant Sznapka geworden ist. Einer der Zeugen, Georg Lux, will die Angeklagten Oskar Szymik und Wallit erkannt haben, als sie auf Sznapka einfchlugen. Der Zeuge verwickelt sich aber in Widersprüche, so daß seine Ausführungen an Wert verlieren. Der Zeuge Rajwa, ein polnisch gesinnter Einwohner von Golassowitz, weiß nur zu erzählen, daß nach dem Einschlagen der Fenster im evangelischen Dereinshaus Pastor H a r l f i n g e r den Auftrag gegeben habe, zu blasen und die Kirchenglocken zu läuten Storni Lux, ein Dauer aus Golassowitz, sagt aus, daß ber getötete Sznapka bei der evangelischen Bevölkerung des Ortes, die zumeist deutsch gesinnt ist, beliebt und geachtet war, ein neuer Beweis für die Annahme, daß kein Einwohner von Golassowitz Ur ache gehabt habe, Sznapka ein Leid anzutun. Zum Schluß stellte der Verteidiger. Rechtsanwalt Daj, den Antrag, zwecks Auf- llarung des über die Vorfälle in Golassowitz noch schwebenden Dunkels einen Lokaltermin vor- zunehmen. Das Gericht wird erst morgen zu diesem Antrag Stellung nehmen. chen, die von Zeit zu Zeit immer wieder in der französischen Presse auftauchen. • Die Ostpreuhenreise des Reichskanzlers hat mil dem Verlassen von Marienburg ihren Abschluß gefunden. 2lus den mannigfachen in den bereisten Gebieten gesammelten Eindrücken ergibt sich als Gesamtbild die Tatsache, daß ber Wille ber Reichsregierung, mit den vorhandenen Mitteln und Möglichkeiten helfend einzugreifen, auf Verständnis gestoßen ist. Hiermit dürfte bie Grundlage geschaffen fein, die ber Reichskanzler als das wichtigste Fundament einer wirksamen Hilfe bezeichnet hat. • Die von der Sowjetregierung im Herbst 1930 in Höhe von 800 Millionen Rubel aufgeregte Anleihe zur Durchführung des Fünf- Sahresplanes In vier Jahren ist, laut Mitteilung der Telegraphenagentur ter Sowjetunion, bis zum 1. Sanuar 1931 um 14 Millionen Rubel überzeichnet worden. Das oberste Gericht der Sowjetunion verur'eilte fünfDeamte der Geno ser.schallen wegen Schädigung der Snterejen des Staates zum Tode durch Erschießen. Die Beamten haben Waren für mehrere Millionen Rubel versch e iderl, um da- durch Stimmung gegen die Sowjets im Dorfe zu machen. Die Todesurteile wurden am Mittwoch durch die Wachen der OGPL1. v o l l st r e ck t. Aus aller Welt. Elly Beinhorn in Barcelona gelandet. Die Fliegerin Elly Beinhorn traf auf ihrem Westafrikaflug von Lyon aus in Barcelona ein. Das Klemm-Flugzeug legte die Strecke Lyon- Barcelona ohne Zwischenlandung in fünfeinhalb Stunden zurück. Die junge Fliegerin wollte ursprünglich den Weg über die Pyrenäenpässe nehmen, flog aber zuletzt doch den direkten Weg über den Golf von Lyon, da die Wettermeldungen den gefürchteten Mistral nicht verzeichneten. Elly Beinhorn wird nunmehr zwei bis drei Tage in Barcelona bleiben. Don hier aus wird sie dann an der Küste entlang nach Cartagena oder Alicante fliegen, um bann ohne weitere Zwischenlandung direkt bis Easablanca durchzu.liegen. Unfall des Reichslagsabgeordneleu Straffet. Der nationalsozialistische Abgeordnete Gregor Strasser ist bei einer Skitour auf den Hohenkapf verunglückt. Bei der Abfahrt kam er zu Fall und zog sich eine Verletzung der Wirbelsäule zu. Er wurde in das Krankenhaus nach Oberstaufen gebracht. Sechs lote bei einer Springflut in Reu-Guinea. Bei einer gewaltigen Springflut, die bie Küste von Reu-Guinea auf einer Länge von 60 Kilometern heimfuchte, find sechs Personen ums Leben gekommen. Die Flut erreichte eine Höhe von 10 Metern und ging über 300 Meter weit ins Land. 3 ni er nationale Surifientagung. Sn Vorbereitung des für August 1932 imHaag vorgesehenen Kongresses bet Snterna- tionalen Akademie für vergleichen- bestecht sind am Sitze des VöllelchundsamteS für Geistige Zusammenarbeit in Paris etwa 50 Rechtslehrer von etwa 20 Ländern (darunter Deutschland, Frankreich, England, Stallen, Spanien, Oesterreich, Ungarn, Sapan usw.) zusammengetreten. Als einer der Generalsekretäre hielt Professor Balogh, Berlin, einen Vortrag über bie künftigen Deratungsgegenstände. Die Sachverständigen sind sich darüber einig, daß eine Gegenüberstellung ber Behandlung gewisser Fragen, bie sowohl das öffentliche wie das Privatrecht betreten, in Gesetz und Rechtsprechung der einzelnen Länder zur Förderung der Vereinheitlichung wünschenswert sei. Es wurde die Einsetzung von Länderausschüf- fen beschlossen, die für die Haager Tagung positive Anregungen in dieser Hinsicht ausarbeiten sollen. Boxer Carpenlier entführt und beraubt. Der frühere Europameister im Halbschwergewicht, Carpentier, hatte zusammen mit Charlie Chaplins zweiter geschiedenen Frau ein Theater in Reuyort oesucht. Als sie nach Schluß der Vorstellung in ihrem Auto faßen, drangen mehrere Manner in den Wagen. Einer steuerte ihn in voller Fahrt aus der Stadt hinaus, während die anderen das Paar mit vorgehaltenen Pistolen zur H e r - gäbe des Geldes und sämtlicher 3 u - to eien im Werte von rund 100 000 Mark zwangen. Carpentier und seine Begleiterin wurden auf freiem Felde ausgesetzt und gelangten erst gegen Morgen — größtenteils zu Fuß — nach Reuyork zurück. Der Ueberfall war in dem großen Menschen trudel bei Theaterschluh vollkommen unbemerkt geblieben. Der Parlamentarier In der Löwengrube. Ein Mitglied des englischen Unterbautes, der Ar- beiterabgeordnete John Clarke. Halle auf einer in einer Menagerie veranstalteten Kundgebung eine neue Gesetzesvorlage beanstandet, die, wie er glaubt, die Direttoren, Menageriebesitzer usw. in der Ausübung ihres Berufes schwer behindern würde. Um nun den Beweis zu erbringen, daß man sich in Gesellschaft von Raubtieren aufhalten kann, ohne sich durch irgendwelche brutale Mittel zu schützen, begab er sich zweimal in einen Käfig, in dem sich z w e i ausgewach- sene Löwen undzwei Tiger befanden. Das erste Mal war er von einem Tierbändiaer begleitet, das zweite Mal aber erging er sich allein unter den wilden Tieren, die ihm zwar die Zähne wiesen, aber nichts zu Leide taten Immerhin atmeten die Zuschauer erleichtert auf und spendeten stürmischen Beifall, als der Parlamentarier unversehrt aus dem Käsig kam. Die Sälenberreform in Rumänien. Die Anwendung des neuen Kalenders war auch in diesem Sahre die Ursache von Ausschreitungen in den Provinzen Bessarabien und Moldau. So muhte in Kischinew die Polizei gegen bie Begehung der Weihnachtsfeier nach dem alten Kalender einschreiten, und In einem Dorfe bei Sofft) wurde der Pfarrer von den Dorfbewohnern verhindert, das Fest der Heiligen drei Könige nach dem neuen Kalender zu feiern. Er wurde von den Dorfbewohnern in der Kirche belagert und am Morgen von den in. das Gotteshaus eindringenden Dorfbewohnern überfallen, verprügelt und schwer verletzt. Erst die Gendarmerie konnte nach Vornahme mehrerer Verhaftungen die Ruhe wiederherstellen. Tragischer Unglücksfall In einem Wohnwagen. Ein tragischer UnglückSfall ereignete sich in einem Wohnwagen, brr feit Monaten in einem Pariser Außenbezirk steht und in dem eine fünfköpfige Familie lebt Als man keines der Familienmitglieder den Wagen hatte verlassen sehen, öffneten die Rachbarn die Tür gewaltsam und fanden die ganze Familie bewußtlosaus ihren Ruhelagern. Sn 'der ehren Ecke des Wagens glimmte noch ein Koksofen. Der daN älnglücf herbeigeführt hat. Ein sofort b.nachrich» tigter Arzt konnte bei ber Frau und einem Kind« nur noch den Tod fest stellen, während ber Mann und zwei andere Kinder mit lebensgefährlichen Kohlenoxydgasvergiftungen in bas Krankenhaus übergeführt wurden. Brandskifiuug in kubanischen Zuckerrohrselder«. Infolge planmäßiger Brandstiftungen, die zweifele los auf eine weitverzweigte Verschwörung im Lande ^urückzuführen sind, wurden an mehreren Stellen in der kubanischen Provinz Matanzas insgesamt 4500 Tonnen Zuckerrohr auf den Feldern vernichtet. Die Regierung des Präsidenten Ma° chado ist in dem Besitz umfangreichen Dokumenten- Materials, aus dem hervorgeht, dah die Verschwörer sämtliche kubanischen Zuckerrohrfelder vor der am 15. Januar beginnenden Ernte abzubren« n e n beabsichtigen. Die militärischen Stellen sind angewiesen, Posten aufzustellen und gegen die Brandstifter mit rücksichtsloser Htrenge vorzugehen. Das todbringende hochzeitsgetränk. Bei einer Hochzeit in Gerhardsfelde (Ostpr.) brachte ein Postbote e in Glückwunschtelegramm. Die Braut reichte ihm ein gefülltes Schnapsglas. Kaum hatte der Bote das Glas an bie Lippen gesetzt und geleert, als er zusammenbrach. Unter ben Hochzeitsgästen entstaub eine große Aufregung. Man stellte fest, daß ber Bote an Stelle von Likör Karbol getrunken hatte. Das ilnglüd ist darauf zurückzuführen, bah eine Lrkörftasche, die zur Aufbewahrung von Karbolsäure Diente, irrtümlich unter die Hochzeitsgetränke geraten war. Es gelang nicht, den Mann am Leben zu erhalten. Die ungLckliche Braut versuchte sich aus dem Fenster zu stürzen, wurde jedoch daran gehindert. Um das Erbe Abdul Hamids. Sn Konstantinopel trat das britisch-türkische Schiedsgericht zusammen, um bie von ben Eröen des verstorbenen Sultans Abdul Hamid erhobenen Ansprüche auf einen Teil der Petroleumgebiete des Sraf und auf den Grundbesitz in Palästina zu untersuchen. Der Wert ber Ländereien wird auf 16 Millionen Pfund Sterling geschätzt. Die erwähnten Erben sind vier Witwen, eine Tochter und siebe n Söhne des Verstorbenen. Cs wird erwartet, daß ber türkische unb ber bri-> tische Richter gegen einanber stimmen werben, und dah somit bie .Stimme bes bänischen Vorsitzenden Hemmerick ausschlaggebend fei. Oie Wetterlage. 552 Kill; Wien Koruna- lenf Klagen». 7W Owoixemos. o netter. auf Meeresniveau umaereehnele» Luftdruck t^eiUTVüLuuei'agc. Die Vorherrschaft des hohen Druckes verursachte während der verflossenen stacht stärkeres Aufllaren, was in der Verschärfung des Frostes zum Ausdruck kam. So gingen in unserem Bezirk die Lufllempera» turen bi- minus 10 Grad und in Bodennähe bis zu minus 12 Grad zurück. Durch einen Ausläufer der nordischen Störung welcher sich bis über die Nordsee nach England und dem deuischen Nordseeküstengebiet erstreckt, wird sich zunächst die Wetterlage wieder umgestalten. Mit der aufkommenden Bewölkung schwächt sich der Frost ab und die milde ozeanische Luft führt außerdem zu Schneefällen, die sich auch über unseren Bezirk erstrecken dürften. Die Aende- rung ber Wetterlage scheint aber nur vorübergehend zu fein, denn durch später zufließende Kallluft dürfte der über Irland lagernde hohe Druck erneut nach dem Fesllande gelangen, so daß er wieder weller, bestimmend wird. Es steht nach vorübergehendem Rückgang des Frostes eine erneute Verschärfung in Aussicht. Aussichten fürSamstag: Abschwächung bes Frostes, neblig bewölkt, vereinzelte Schneefälle. Aussichten für Sonntag: 'Bewölkt mit Aufklaren, weiterhin Frost mit späterer Verschärfung wahrscheinlich. Lufttemperaturen am 8. Sanuar: mittags —2,2 Grad Celsius, abends —5,7 Grad; am 9. Januar: morgens'9,1 Grad. Maximum —0,9 Grad, Minimum — 9,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 8. Januar: abends — 0,2 Grad; am 9. Januar: morgens 0,4 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 3 Vi Stunden. Amtliche wintersportnachrlchtev. Vogelsberg, Hoherobskopf: —9 Grab, 7 cm Pulverschnee; Ski und Rodeln gut bis sehr gut. Sauerland, Winterberg: Klar, — 9 Grad, 28 cm Pulverschnee, Sn unb Rodeln sehr gut Bhön, Wasserkuppe: Leichterer Schneefall, - 10 Grad, 15 cm Pulverschnee; Ski unb Rodeln sehr gut Schwarzwald, Feldberg: Leichter Schneefall, - 12 Grad, 30 cm Pulverschnee; Ski unb Rodeln sehr gut 2llben, Garmisch - Partenkirchen: Bewölkt, — 8 Grad, 17 cm Pulverschnee; Ski und Rodeln sehr gut und bl U auch ^neÄ?^ ^enbe’ den dursten s .^hend Sneut noch lÄfes f,a,•«••>■ ^&*w .„.. -JewvD ss'S»*^ -A-S Celsius-" MtW^Z- -9 V56*** -terbeKL^ 611 äSS®* «•«•ISfi»* . 30°^ * ,-xchen: x Portes Ski und Aus der prvvinzialbauptstadt Gießen, den 9. Januar 1931. Prälat D. Dr. Diehl. (3u seinem 60. Geburtstag am 10. Januar 1931.) Prälat O. Or. Diehl ist weit über das Hessenland hinaus bekannt, vor allem durch seine historischen Forschungen. Mit ihm beginnt eine neue vertiefte Einsicht in bie hessische Kirchen- und Schulgelchichte. Wir nennen von Diehls kirchen- und schulgeschichtlichen Arbeiten: .Zur Geschichte der Konfirmation" (1897), .Zur Geschichte d:s Gottesdienstes und der gottesdienstlichen Handlungen in Hessen" (1899), .Die Orgel. Organistenstellen und Organistenbesoldungen in den Oberarafscha, tsgemeinden des Grohherrvgtums Hessen'* (19081, .Hessen-Darm» städter Pfarr- und Schulmeisterbuch" (Hassia sacra, 3 Dde). Diehl ist Herausgeber und Verleger der Hessischen Volksbücher, Herausgeber der Hessischen Chronik, Mitherausgeber dn: Beiträge zur hessischen Kirchengeschichte, der Beiträge zur Hessischen Schul- und llniversitätsgeschichte. Fügen wir noch an. daß er die Beine geschichtliche Erzählung aus dem 30jährigen Krieg .Der gefangene Pfarrer" schrieb, ein stilles, ruhiges, besinnliches Buch, aus diel Liebe zur Heimat geschaffen. eine Geschichte, packend erzählt, dann er- Sibt sich das Bild eines außerordentlich frucht- aren literarischen Schaffens. Man ahnt etwas von der Bedeutung des ManneS für unser Hessenland. Tas Ried ist die engere Heimat des Prälaten: in Groß-Gerau ist er geboren. Er kommt auS alt- bäuerlicher Familie. Das Blut der Vorfahren ist machtvoll in ihm lebendig, Urwüchsig in seiner Sprache, derb oft im Witz, gewandt in Rede und Gegenrede,'gern in den Dialekt geratend, wenn er eine Anekdote erzählt, der Mann der al en Zeit, der schnupft und freundlich seine Schnupftabakdose dem andern reicht, unermüdlich im Geschichtenerzählen, in überraschenden Sch'aglichtern Menschen und Dinge beleuchtend, so steht er vor vielen, die ihn kennen und immer wieder gerne hören: der Mann des Volkes, ein Eigener, erfrischend in seiner O.iginali ät. Wer Selegenh^ hat, ihn persönlich zu kennen, weiß, wie geistvoll und Ditzig Diehl zu plaudern versteht. Schlagfertig ist er wie wenige. Hindenburg ist in Darmstadt. Prälat Diehl sitzt neben dem Staatspräsidenten ll l r i ch an der Tafel. Präsident Ulrich greift aus Versehen nach der Gabel des Prälaten und sagt zum Prälaten: „3d) glaube, Herr Prälat, ich habe Ihre Gabel genommen.“ Darauf der Prälat unter fröhlichem Gelächter der anderen erwidert: „Macht nichts, Herr Präsident! Die Kirche ist die Uebergriffe des Staates gewöhnt." Lange hat Diehl dem Hessischen Landtag an- gehvrt. Er gehörte zur Deutschnationalen Partei, aber das bedeutet nicht, daß er nur Parteimann war. Diehl blieb in feiner Partei durchaus selbständig und wußte eigene Gedanken zu vertreten. Es ist charakteristisch für Diehl, daß in der Festschrift, die zu seinem 60. Geburtstage erscheint, der hessische Staatspräsident Adelung neben dem Minister des Inneren W. Leuschner und -neben dem Abgeordneten Reiber ihm ihren herzlichen Gruß entbieten. Diehl weih, daß persönliche Fühlung von Mensch zu Mensch wichtiger ist als die offizielle Gebärde und daß nur in solcher persönlichen Fühlung von MenschzuMensch ler Weg frei wird zu einer fruchtbaren politischen Arbeit. Als Theologe der Ritschlschen Schule, der modernen Theologie zugehörig — Diehl hat seine theologische Bildung in Gießen unter Stade, Krüger, Kattenbusch empfangen —, als Schüler der modernen Theologie allem Fortschritt zu- gewandt, ist er doch im Innersten seines Wesens keine reckte Vorstellung. Man hat zwar schon gehört, daß Auskünfte über die Berufe und Berufsmöglichkeiten gegeben und passende Lehrstellen bemittelt werden, daß ‘Beratung und Lehrsteifenzuweisung nichts kosten und unverbindlich sind. Öfter wie geht es in der Berufsberatung eigentlich zu und können die da oben in den Schtoarzschen Kolonnaden überhaupt wissen, für welchen Beruf mein Kind am besten geeignet ist? ilnb wozu auch eine Berufsberatung, die nur „unnötig" Geld kostet! Wer hat denn früher eine solche Einrichtung gekannt und sind wir trotzdem nicht etwas Rechtes geworden? Auch der Schreiber dieser Zeilen könnte vielleicht so von sich reden. Er lernte ein halbes Jahr als Mechaniker, das war nichts: dann einige Wochen als Polsterer und Tapezier, das war erst recht nichts, und schließlich drei Jahre als Portefeuiller. Rach 13jähriger Berufstätigkeit als solcher im Süden und Rorden Deutschlands: Weltkrieg, ein hochherziger Freund und Gönner. Waturitätslnstitut. Reifeprüfung, llniversitäts- studium, Diplomprüfung für Volkswirte und nun Doktor rer. pol. Das alles ohne Berufsberatung. Warum auch nicht! Oder hätte nicht schon zu jener Zeit bei seiner wiederholt verkehrter Deruss- toahl, die ihn damals ernstlich krank machte, eine Berufsberatung etwas Gutes stiften können? Ohne Zweifel, nicht jeder Schulabgänger hat die öffentliche Berufsberatung nötig, trotz der schwierig und unübersichtlich gewordenen Derufs- und Wirtschastsverhältnisse: aber die sie nötig haben, sind ihrer sehr viele. Durch Schilderung einiger Deratungsfälle und Einrichtungen der Berufsberatung möge der Leser einen gewissen Einblick in die Praxis derselben und ihre Rot- wendigkeit bekommen. Dem Berufsberater stehen Lehrer. Arzt und Psychologe helfend zur Seite. Don jedem Volks- schiller (schülerln). der zur Schulentlassung kommt, haben wir eine Schülerkarte, in der uns der Schüler seine Personalien und den Berufswunsch, der Lehrer die Sd)ulnoten und seine oft jahrelangen für die Berufswahl wichtigen Beobachtungen am Kinde bezüglich der körperlichen, intellektuellen und moralischen Entwicklung mitteilt und der Schularzt das ärztliche llntersuchungS- ergebnis. Bei befonberen Bedenken über die gesundheitliche Derufseignung des Ratsuchenden stehen uns die Universitätskliniken bereitwilligst zur Verfügung und durch eine psychologische Cig- nungsuntersuchung kann in Zweifelsfällen auch der Arbeitstypus des Berufssuchers sestgestellt werden. Zu all dem unterhält die Berufsberatung noch ein berufskundliches Archiv, das über alle Berufe, ihre Anforderungen und Verhältnisse. Aufschluß gibt; außerdem sammelt sie ine Prospekte sämtlicher Fachschulen und auch das berufskundliche Material aus den Fachzeitschriften So unterstützt und ausgerüstet ist der Berufsberater besser als der Lale in der Lage, über alle möglichen Berufe die nötige Auskunft und einen guten Rat zu geben, ilnb durch Besichtigung der Betriebe der- schafst er sich noch die Gelegenheit, feine Deruss- kenntnisse immer frisch zu erhalten und zu erweitern. In Kürze nun einige Deratungsfälle. In der Sprechstunde Mutter und Sohn: dieser gut benotet und beurteilt vom Lehrer, gesund, kräftig, macht besten Eindruck. Man glaubt ihm anzusehen, daß er künftig seinen Mann stellen wird. Er möchte Schlosser, am liebsten Maschinenschlosser werden Aber die Mutter Witt nichts davon wissen, da ihr Mann schon Schlosser sei und arbeitslos zu Hause sitze: dem Vater da- gegen sei es gleich, was der Junge lerne. Wir esprechen unter anderen auch den Beruf des Werkzeugmachers auf Schnitte und Stanzen, wo ebenfalls feilen, schmieden, hobeln, bohren und fräsen gelernt werden muß. Ein guter Beruf für nur hochqualifizierte Jungens. 3m Einverständnis der Mutter wünscht der Sohn die Vermittlung in eine solche Lehrstelle. Das geschieht. Die Firma verlangt noch eine besondere Eignungsprüfung. die der 3unge erwartungsgemäß gut besteht. Eine spätere Dewährungskontrolle ergibt, daß die Firma mit dem Jungen und dieser mit dem erwählten Beruf sehr zufrieden ist. Vater und Mutter: sie wollen irgendeine Lehrstelle für ihren Sohn, der sich etwas zaghaft auf die Seite drückt. Ich nehme ihn heran und frage, was er werden wolle. Er weiß es nicht. „Deshalb sind wir ja hierhergekommen", meinte die Mutter, „damit Sie unS einen guten Vorschlag machen." Rach den vorhandenen schulischen und ärztlichen Unterlagen und dem Gesamteindruck, den der Junge macht, scheint er für die meisten in Frage kommenden Berufe nicht ungeeignet zu fein. Gr legt mir feine Zeichnungen vor, die sich sehen lassen können. 3ch zähle eine Reihe von Berufen auf aus den Metall-, Holz-, Dau-, DekleidungS- und anderen Gewerben. Es stellt sich heraus, daß Eltern und Junge ganz bestimmte Berufe entschieden ablehnen. Lieber die nichtabgelehnten unterhalten wir uns näher. Von diesen kommen einige wegen der hohen Ausbildungskosten, andere wegen allgemeinen Lehrstellenmangels nicht in Betracht. Das Ende unterer gemeinsamen Beratung ist die Vermittlung in eine Modellschreinerlehrstelle, wo sich der Junge bisher gut bewährt hat. Eine Kriegerwitwe mit ihrem Sohn, der ein recht unmanierliches Wesen zur Schau trägt, in der Untertertia zweimal bas Klassenziel nicht erreichte und die Oberrealschule verlassen mußte. In Deutsch und Rechnen hatte er ungenügende Roten und auch die andern waren nicht gut. Die Mutter wünschte für ihn eine Kaufmannslehrstelle und der Junge selbst glaubte nichts anderes, als höherer Schüler nur Kaufmann werden zu können und dürfen. Dor Ablehnung des Berufs- Wunsches ließ ich ihn vorsorglich noch einer Eignungsprüfung unterziehen. Diese ergab, daß das technische Verständnis und seine Handgeschicklich- keit gar nicht schlecht waren, dagegen die kaufmännischen Tests sehr mangelhaft erledigt wurden. Ich lehnte nun die Vermittlung in eine Kaufmanns! ehrstette ab und brachte einen handwerklichen Beruf in Vorschlag. Aber da meinte die Mutter entrüstet und mit Tränen in den Augen: „Was, da habe ich mich abgespart und meinen Jungen 5 Jahre „studieren" lassen und nun soll er bloß einen Arbeiter machen?" Ich antwortete der Mutter in ruhigem, aber bestimmtem Ton, daß keine Arbeit schände, und auch der Kaufmann ein Arbeiter und fein Privatier sei. Die Mutter konnte es nicht fassen, daß ihr Sohn für den „besseren" Beruf nicht geeignet fein sollte und ging, um, wie sie sagte, selbst eine Kaufmannslehrstelle zu suchen. — Ein gutes Jahr war vorüber, da tarn die Mutter wieder. Sie hatte damals eine Kaufmannslehrstelle gefunden, aber schon nach 8 Tagen wurde ihr Junge wegen älntauglichkcit aus der Lehre entlassen. Angeblich rieten ihr barm wohlmeinende Leute, ihren Jungen auf die Handelsschule zu schicken, wo er schon lerne, was er zum Kaufmann brauche. Aber auch auf der Handelsschule blieb er sitzen und hatt« dann keine Lust mehr, sie noch weiter zu besuchen. Ob ich ihren Sohn nun nicht als Autoschlosser ober Elektro-„Techniker" vermitteln möchte und möglichst recht bald, damit er von der Straße wegiomme. Unterdessen war der Junge 16 Jahre alt geworden, es hielt schwer, eine Lehrstelle für ihn zu finden. Aber schließlich konnte er, wenn auch nicht als Autoschlosser oder Elektriker, fo doch als Spengler und Installateurlehrling vermittelt werden. Ob er gut tun wird? Ein Unterprimaner in dec Sprechstunde, der die Obersekunda repetiert hat und auch in der Unterprima nicht recht mittommt. Er möchte Förster werden und nähere Auskunft darüber haben. Ich stelle fest, daß er als Hesse das Aufnahmealter schon überschritten hat und wegen eines inneren Leidens auch kein Förster werden könnte. Ein Jahr lang gab er sich der trügerischen Hoffnung auf diesen Beruf hin. Warum fand et den Weg nicht früher zur Berufsberatung? Es wäre für ihn wahrscheinlich das Beste gewesen, schon mit Obersekundareife die Schule zu verlassen. Run ist er über seine Berufswahl noch völlig unentschlossen und will wiederkommen. Mit diesem möge es heute genug fein. Wir werden gelegentlich rwch manchen Blick in die Praxis der öffentlichen Berufsberatung werfen lassen. Die angeführten Deratungsfälle sind nur einige Stichproben aus einer Fülle von Erzählenswertem. Ein befonderes Kapitel ist die große BerufSnot unserer Abiturienten, deren Berufswahl heute fast noch schwerer geworden ist als die der Dvlksschüler. Diehl wesentliche Dienste In den schwierigen Auseinandersetzungen zwischen Staat und Kirche, zwischen bürgerlicher Gemeinde und Kirchengemeinde. Richt nur, daß er das alte Aktenmaterial bis aufs einzelnste kennt, - er kennt die Dorfgeschichte besser, als sie das Dorf selbst kennt. Aus solcher geschichtlichen Kenntnis wächst ihm ein Verstehn des Volkes, der bäuerlichen Devötterung, des besonderen Dorfes, die es ihm ermöglicht, immer wieder zu einem praktischen Ausgleich und zu einem allseitig befriedigenden Verständnis zu kommen. Seit 1923 ist Diehl bet Prälat bet hessischen Landeskirche. Was er der hessischen Landeskirche geleistet hat, liegt weniger in einer neuen Organisation des kirchlichen Lebens. Die neue Kirchenverfassung ist vor seiner Tätigkett als Prälat geschaffen: aber er hat an ihr wesentlich mit gearbeitet als Vorsitzender der Friedberger Konferenz, d. h. der kirchlichen Mitte. Diehls Bedeutung für das kirchliche Leben und darüber hinaus für die Allgemeinheit liegt in seiner lebendigen Verbundenheit mit dem hessischen Volk und Volkstum, in seiner kraftvollen Persönlichkeit, die shn zum Führer macht. In seiner sicheren Kenn?- nis bet Heimat In Vergangenheit und ©eget** wart: er steht, wie wenige, mitten Im Volk, niemals hat die Kirche in einer schwierigeren KrisiB gestanden als heute. Diehl ist sich dessen bewußt. Aber er hat die Zuversicht, daß alle Schwierigkeiten sich losen lassen, wo die Kraft deS Glauben» und die Kraft bet tragenden, verstehenden und entschlossen handelnden Liebe ist. Er ist der Meinung, daß heute viel gewonnen ist, wenn die Menschen merken, baß einer ein Hetz hat für den andern. Das allein schafft Vertrauen und baut in dieser Welt des Widereinanders Brücken der Verständigung über alle Mauern und Parteien hinauS: es ebnet den Weg zur Dolksgemeinfchaft„ Hier hat die Kirche nach Diehl mitzuarbeiten: in dieser Arbeit an der Erneuerung unseres Volkes von innen her, hat die Kirche einen unersetzlichen Wert für unser Staats- und Volksleben. H.G.M. Bornotizcn. — TageSkalender für Frei tag. Stadttheater: „Der Kaiser von Amerika", 19,30 bis 22,30 llhr. — Vortrag von Missionar Walther in der Stadtkirche: „Gedenke an deinen Schöpfer in deiner Jugend". — VHE. Gießen: Ordentliche Hauptversammlung, 20,30 llhr, bei Hopfeld. — Deutsch-österreichischer Alpenverein: 20,30 llhr, im Geol. Institut, Draugasse: Licht- bildervortrag von Freiherrn von Rotberg über „Kreuz und quer durch Kärnten". — Protestkundgebung der Angestellten, 20,30 llhr im 6«ft Leib. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Das Land deS Lächelns". — Astoria-Lichtspiele: „Rin- Tin-Tin, der 5tonig der Wildnis" und „Wein Herz gehört dir". — Aus dem Stadttheaterburean wird unS geschrieben: Heute um 19.30 Uhr unter der Spielleitung von Oberspiclleiter Walter Bäuerle Erstaufführung der polittschen Komödie „Der Kaiser von Amerika" von Bernard Shaw. Mitwirkende: Damen: Doering, Koch. Leutholf, Schwend, Wielander: Herren: Bäuerle, Bruck, Fassott, Hauer, Linkmann, Rieren, Schel- cher, Bold, Zingel. — Die letzte Vorstellung von „Goldmarie und Pechmarie" am nächsten Sonntag beginnt bereits um 14.45 llhr (nicht 15 Uhr). — Die vberhessische Pilgermis- s i o n S a r b e 11 begeht am Sonntag, 11. Januar im Stadtmissionshaus. Löterstrahe 14, ihr 52. Iahresfest mit anschließendem DibelkurS von Montag, 12., bis Mittwoch, 14. Januar. RähereS ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. — Märchen-Fe st spiele im Lichtspielhaus. Am Samstagnachmittag und am Sonntag« vormittag finden im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, Märchen-Festspiele statt. Zur Dorführuna gelangen die Märchen „König Drosselbart" und „Rotkäppchen". Die Eintrittspreise sind zeitgemäß niedrig gehalten. In diesen Märchenoorstellungen dürften die Besucher viel Freude erleben, und die Eltern sollten nicht verfehlen, ihren Kindern die Tellnahme zu ermöglichen« • •• Universitätsperfonalie. Der Privat- dozent an unserer Universität und seitherige Assistent an der Klinik für Haut, und Geschlechtskrankheiten Dr. Engelhardt wurde mit Beginn dieses Wintersemesters als Oberarzt an die Hautklinik der Medi. zinifchen Akademie in Düsseldorf berufen und hat dort die Ernennung zum Dozenten erhalten. •• Das Gießener Stadt theater beginnt sein Gastspiel in Grotzen-Linden am Samstag, 10. Januar, um 20.15 Uhr: eS wird „Geschäft mit Amerika" einmalig aufgefüfirt •* Kraft-Omnibus-Sonderfahrten nach dem Hoherodskopf. Die Post will auch in diesem Jahre wieder einen ständigen Wintersport" Omnibus von Gießen nach dem Skigelände Hohe- rodskopf verkehren lassen. Der Wagen fährt bei ge nügender Beteiligung am 11. Januar das erstemal. Anmeldungen hierzu müssen bis zum Samstag, 16 Uhr, bei der Hauptpost vorliegen. Näheres im heutigen Anzeigenteil, auf den die Wintersportler besonders verwiesen werden. "• Beflaggung Der Reichsdienst ge- bäuöe am Reichsgründungstage. Aus Anlaß des 60. Reichsgründungstages werden am 18. Januar die Reichsbienstgebäude im gaßzen Reiche nach den Bestimmungen des Erlasses vom 20. März 1929 beflaggt •• Alarmsirenen-Probe. Wie uns vom städtischen Tiefbauamt mitgeteilt wird, findet am Samstag, 10. Januar, 15 llhr. eine Prüfung der Feueralarmanlage statt AuS diesem Grunde werden die Sirenen probeweise ertönen. Zu einer Beunruhigung ist also in Anbetracht dessen, daß es sich nur um eine Kontrolle handelt, fein Grund vorhanden. ** Gefundene Gegenstände. Dom Polizeiamt wird mitgeteilt: Das Verzeichnis über die im Monat Dezember 1930 gefundenen bzw. abgelieferten Gegenstände kann an der Anschlagtafel im Flur bei PolizeiamtS, Landgraf-Philipp-Platz 1, eingesehen werden. Die Empfangs- berechttgten werden aufgeforbert, ihre etwaigen Rechte ungesäumt bei der Polizei crnzumelden. Grippe* Wff Erkältungskrank ©an/faw/l'/TX heiten'Mandel-u. TPA stiu.cn Halsentzündungen 1 ucptwuuMoewn \ßz Ein Versuch überzeugt!inApolh.u.Drog.Preis60Pfg. u. 1.20M. 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LandeSpsandbrtefanstair, Pfandbriefe R. i S...... S% Pr SanbeeDiariobriefanftalt, Nomm^Lbl.R. 20...... *•% Pr. Landesvianvbrtefanstalt, «ntft.« mott. lvuen.'AireS Brss.-Antw. Christian ia. Kopenhagen Stockholm . HelstngforS. Italien. . . London. .. Neunork .. Parts.... Schweiz .. Spanten. . Japan . . . wo de Jan. Wien in®.« abgest. Prag .... Brtrrad . . Baoavlst. . Bul arten . Lissabon . . Danztg. . . Konst.intin. Athen. . . Canada . . Uru uay. , 6aiw ... 1,306 58,56 112,19 112,18 112,34 10.563 21,98 20,382 4,1980 16,47 81,37 44,51 2,078 0,381 59,0« 12,444 7,425 73,35 3.039 18,82 81,44 1,784 5,437 4,182 2,927 20,90 1,310 58,68 112,41 112,40 112,56 10,583 22,02 20,422 4,2060 16,51 81,53 44,59 2,082 3,383 59,16 12,464 7,439 73,49 3.045 18,86 81,60 1,789 5,447 4,190 2,933 20,84 S.42.®. abg. BonnegS-Obltgatio- 4% Lefterretchische Goldrente . . 4,20% Ocftcrreichtsche EUberrente 4% vekterreichüche Einheitliche Nenie........... 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M.. .8 Miag...........10 Gobr. Roeder.......10 Botgt & Haesfner ...... 9 Güddeutjche Zucke» • • • • 4ö 4’/»% Rumänische vereinh. Rente von 1913 .......... SisauLnlsche Verein-. Kenis . k” .£hA ■ ’ÄÄ L SchL; Pudert js yA&M* 4L^AZ1 Ä i »SS ! WfeS?Ä ■ LrMv W&s Me L^Mark 20,4113 1 P«is NS T^45?fe' Holland 12 063g ’ er Vörse.' der erftn ‘ L"2 Meftimmunge!l WM man m den Bonnit! ■Uu tonnen geglaubt, bak Stamjtt 8$rfiitie h deutschen Bonds und bt< Staatsanleihen Deckungs- lrK und man hatte daher t 400000 tn der zweiten Wes ließ aber keine Ilfl4eit auffommen, zu« derSchlichtungsverhandlun, die besten waren. Bor< Stimmung zur Schwäche ■ "ßen wollte, daß Brrlauss. Werte vorlagen, anderseits iebene Notverordnung, die en schlichtungsverhandlun^ M Zurückhaltung mahnen ierungen waren zwar sehr : so schwach wie besürchieti Zanken etwas interoeiüed,- hsbankausweis für die erste ?r überraschend groben Em >e. Die Qeiomtabgabe der •i \9 Millionen uni) Die Sri i Millionen. Trotzdem h. n zirka 5 ’O.S) gegen tii m Zusammenhang mit bei ) erheblichem Umfang (jirla ; Devisen abgegeben 1 bslicben von Eold zu vei Hungen gegen den gestrigen in nur Kunstseideaktien, 3u- , Neichsbank, Westeregeln, nders stark gebrüift erofsnc- weiter mit Minus-Minus- bei einem Angebot von zirka . Sonst waren noch BMW. (fnänaig. Am Anleihenmarkt hwach, Ausländer lagen ■ still, auch Geld war um war ebenfalls kern Zet« stsbelebung zu erkem Tendenz blieb vorherrsche^ n weiter an, fiamburpuh in weiteres Prozents N Der :klcualtson. 16 bis 17 W zge find ledM °° i richte«. ________ inkiwlen. IM tßn g 1400» 7iß 58,33 111,80 20.356 16,U 168,7 21.« 11b« 58,« 2,« 112.« 81-3? 44,16 12.« 73,19 jtany. T2Ö3 58.57 20.4* 16,50 10,39 22,04 112.« 59,12 2.50 11242 81.71, 44.« 12.« 73,« a.Hl. 59.11 !! Ä eil ,,7« 44j ,1« 2,?1 w 169.02 1,303 58,57} 112.« 112,22 112.39 10.567 21-98 20,391 4.2005 16,47 81-38 44,89 1,060 0,3« 59,05 Ä -Ä 19.82 l',7« « 4,1« 2-92 20,81 gnd., i77^ 1.310 58.« 112.41 1'2,40 112.56 10,583 22,02 20,422 4,206 16-51 81,53 44,59 LOS? 3,383 53,16 12.4g 7,439 73.49 1:045 18.« BI-« 1,789 5,447 190 29« 2J,84 1,307 58,6« 112. 112.« 1'2. 10,587 22.02 20,431 4,20« 16, 1 81.« 44.9 2,«4 0,3« Die kleine Aicolelle. Vornan von Paul Ham. 14. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Lieber das Gesicht des alten Herrn glitt ein Lächeln, so eine stille, milde Heiterkeit. „3a, Gott sei Dank! Gin Alterssitz. Hier tarnt ich meine Lieder komponieren nach Herzenslust. 3ch komme mir vor wis der liebe Gott." Qlicolette beschäftigte sich verlegen mit dem Windspiel, das lebhaft zu werden begann. „Still Prinz — Prinzchcn! Wirst du wohl! „3a — ich bin wirklich respektabler Dchlohherr. Aber — Herrgott, da stehen wir noch immer, atico — such' doch einmal die alte Warthe oder den 3acobus, sie sollen sich mal bischen um uns kümmern. Kommen Sie, Herr Wordehoff, hier ins Nebenzimmer, eine Tasse Kaffee werden Sie nicht abschlagen. Lind nach der Wanderung ist hier gute Aast!" „O - Sie sind zu freundlich - „Lassen Sie nur 3hren Rucksack hier hegen. Der stört niemanden. 3acobus wird ihn schon beiseitebringen. So — kommen Sie — ilnb beweglich komplimentierte er Wordehoff durch die Tür nach nebenan, während er seinem Mädchen noch einmal zunickte: „Spring, mein Kind —" Sie zupfte Pnnz am Halsband, und nun klang ihre Stimme voll unbehinderter Fröhlichkeit: ,3ch springe schon, Papa. — Komm, mein weiher Prinz!" Der Seidenschal flatterte lang hinter ihr her. Nebenan war das Eßzimmer. Die Möbel im Darockstih CBiel Bilder an den Wänden. Professor Kinna zog die Gardinen vor den Fenstern zurück. „Rehmen Sie Platz. Tun Sie, als ob Sie zu Hause sind. Sie wundern sich, daß es hier etwas moderner aussieht als nebenan? 3a, wenn Sie erst das ganze Schloß kennen, werden Sie sich noch mehr tounbern. Hier berühren sich die Geschmacklosigkeiten und die geschmackvollen Einfälle der verschiedensten 3ahrhunderte. 3ch konnte ja die hinterlassenen Einrichtungen des früheren Besitzers und seiner erlauchten Ahnen nicht hinausschmeißen! Lind meine Sachen mußten auch her. So haben wir hier ein wunderbares Gemisch der verschiedensten Stilarten, von der Mönchszelle, die in dem alten Flügel noch mit den Jahrhunderte alten Bedarfsartikeln fanatischer Flagellanten erhalten ist, über den ver- schllssenen Talmipomp eines niedergehenden Rittergeschlechts hinweg, wie er sich hier in so vielen Räumen bietet, bis zu der sogenannten modernen 3nnenbaufultur, wie Sie die beispielsweise in den Zimmern bewundern oder nicht bewundern können. Sowas hat sein Gutes. Man langtoeilt sich nämlich nicht so leicht. Lind wenn man nichts zu tun hat, spaziert man einfach durch dir verschiedensten Zimmer — und wandert so durch die 3ahrhunderte. Fein, was?" Sie saßen einander an dem großen Tisch gegenüber, in deren Mitte eine Kristallschale mit frischen Blumen stand. ,,3n der Tat", sagte Wördehoff, „Sie leben hier wunderbar. 3ch könnte Sie beneiden." Kinna sah ihn nachdenklich an. Es war ein Blinzeln in seinen Augen. „3a — Sie könnte ich mir auch recht gut vorstellen, Herr Wördehoff. Sehen Sie — meiner Frau, sie ruht ja schon lange in Frieden — hätte das hier nicht gepaßt! Die mußte immer im Mittelpunkt des Salonlebens stehen. Hm. Aber Sie, ja, trotzdem Sie moderner Theaterdichter sind —“ Wördehoff krauste die Stirn. „Ich deutete wohl vorhin an, daß wir zuweilen hier von Ihnen gesprochen haben. So im Winter — wissen Sie? Man kramt da allerlei Erinnerungen aus. Wir waren ja nur wenige Male zusammen. Aber — der interessanteste Kopf damals waren Sie nur. Ich sah Ihr letztes Stück — ein Reiher! Famos gemacht. Aber dennoch — ein paar Stellen waren darin, die tiefer gingen. Die eigentlich so weggespielt wurden. Hm —“ Wördehoff verhielt fast den Atem. „Ich sagte später zu Ricolette: Der Wörde- hoff .ist durch Zufall Stückeschreiber geworden. Er ist eigentlich ein viel größerer — Dichter. Er sollte das Theater an den Ragel hängen und — mit Büchern zu der großen Menge sprechen. Lind Ricolette meinte: Er wird es auch schon mal machen! Das Mädel hat eine feine Rase!" Kinna schnmnzelte. „Ra? Etiinmt's? Was macht ihre letzte Arbeit? Schon was Reues?" Wördehoff erwiderte langsam: „Ich freue mich, Herr Professor, über Ihre Meinung. Vielleicht — haben Sie Recht! Was ich arbeite? Ach Gott, es scheint mir schon so lange so unwesentlich. Ich wandre, Herr Professor, ich sehe und erlebe —“ Kinna blickte ihn scharf an. „Verstehe —", murmelte er. „Reden wir also nicht mehr davon! Sie haben ja — Ferien!" „3a — wollte Gott, sie dauerten recht lange.“ Rach einer Weile brachte Marthe, die ältliche, rundliche Haushälterin, den Kaffee. Reugierig musterte sie den Gast von dep Seite, von dem ihr Ricolette draußen schon gesprochen hatte. Denn das war noch nicht oft vorgekom- men, daß jemand auf dem Schloß von auswärts zu Besuch war. Man lebte hier für sich. Der Professor hatte nicht viel Verwandte in dcr 'Well. Lind die wieder liebten hier oben auch nicht die Stille. Manchmal war zwar dieser und jener, besonders in der ersten Zell, gekommen, aber sie hielten sich nicht lange auf. Die laute Lintcrhaltung fehlte ihnen. Ricolette freute sich immer sehr, toerm sie wieder weg waren. Diesmal aber war sie seltsam aufgeregt gewesen, das hatte Frau Marthe gleich bemerkt, und jetzt am Tisch sah sie mit still-glänzenden Augen da und sah den Gast oft verstohlen an, und wenn er zu ihr herüberblickte, dann war etwas Besonderes in ihrem Blick, man konnte es nicht beschreiben. O ja. Frau Marthe hatte ein scharses Auge dafür. Schade, daß man nicht so ungeniert Hinsehen durfte, wie sie es gerne gewollt hätte. Lind lange herumhantieren durste man auch nicht. Jedenfalls — der Fremde schien ja soweit ein ganz netter Mensch zu sein. Richt mehr ganz jung — aber frisch und lebhaft, und Augen hatte er — die waren ordentlich schön. So hell und klar wie die von Ricolette! So sinnierte Frau Marthe. Lind nur schweren Herzens verlieh sie das Zimmer, nachdem sie alles aufgetragen hatte. Aber sie lehnte die Tür nur an, und eine ganze Weile hatte sie noch im Rebenzimmer herum- zulramen. 10. Man saß geraume Weile am Kaffee tisch beisammen. Wördehoff erzählte von seinen Wanderungen und was er unterwegs alles an Interessantem gesehen und gehört hatte, und Professor Kinna schilderte dann in seiner gemütvollen Art das Leben hier auf dem Schloß. Der Frühling und der beginnende-Sommer hätten ihm schon manche neue Lieder entlockt, die er demnächst seinem Verleger schicken wollte. Auch von seiner braven Haushälterin und ihrem Wann, dem getreuen Jacobus, sprach er, die schon unter dem früheren Besitzer hier oben gedient hatten, die ein ganzes Regiment von Dienern und Zofen ersetzten, und die sich schon selbst ihre Hilfen aus dem Städtchen heranhollen, wenn welche nötig war. Ricolette hörte schweigend zu, und nur ab und zu warf sie ein Wort dazwischen. Dann blickte Wördehoff zu ihr hinüber und es war wie ein herzlicher, warmer Gruß. Schließlich aber sagte Kinna: „Run haben wir hier wohl lange genug gesessen. Herr Wördehoff — wollen Sie das Schloß besichtigen? Sie brennen doch darauf —“ „Aber ja — natürlich —" „So einen alten Kasten findet man ja nicht alle Tage", lachte der Professor gutmütig. „Also — fangen wir an.“ Ricolette nickte eifrig mll dem Kopf, daß ihr das blonde Delock in die Stirn fiel. Wördehoff sah in ihre Augen hinein. Lind für Sekunden griffen ihre Blicke ineinander. Eine Dlukwelle jagte durch sein Herz. Kinna hatte sich bereits erhoben und machte ein paar Schritte durch das Zimmer, um die schon etwas bequem gewordenen Gliedmaßen wieder in Bewegung zu bringen. War dieses In einander greifen der Blicke nicht wie ein heimlicher Händedruck gewesen? Wie ein Flüstern dcr Lippen: Wir kennen unS ja — wir beide — kennen uns tiefer und befTer, als wir es wohl bisher gewußt haben! O ja — wir kennen uns gut! Von damals her! Die wenigen Worte, die wir da sprachen — sie führten unsere Seelen wohl doch nahe zusammen! Ricolette errötete. Aber nur schwer lösten sich ihre Augen von Wördehvsfs Blick. Schnell stand sie vom Stuhl auf. Auch Wördehoff erhob sich nun. Professor Kinna hatte die Wanderung durch das Zimmer beendet. Er hatte von der kleinen, lautlosen, sekundenschnellen Szene nichts be- merlt. „Fertig? Schön — dann kommen Sie, wir gehen gleich hier nebenan durch das Musikzimmer —“ Er schritt voran, und Wördehoff und Ricolette folgten. Wirklich, es wurde eine Wanderung durch die Jahrhunderte, wie Kinna schon angedeutet hatte. Den bewohnten renovierten Teil mit seinem verwelkten Pomp oder der steifen Vornehmheit der neuen Einrichtungen hatte man bald durchlaufen. Dann aber ging es durch die Räume deS alten Schlosses, und hier wurden die Schritte unwillkürlich langsamer. Da waren Decken und Wände noch wuchtig mit dunkelbraunem Cichen- belag getäfelt, wurmstichige Stühle mit primitiv geschnitzten Lehnen standen in den Ecken — und durch die schmalen Fenster blinzelte scheu der Tag hinter den eisernen Gitterstäben. Durch langgestreckte Trinksäle führte der Weg. In einem stand ein Steintisch, und wenn man lange hinsah, konnte man vermeinen, daß da wohl ein alter, wohlbeleibter Ritter vor seinem Humpen sah und es sich gut fein lieh. Es war aber nur die Staubsäule, die in dem Lichtteil, den die Sonne hereinschickte, durcheinanderwirbelte. Wördehoff murmelte: „Wunderbar — diese Räume. Wan vergißt beinahe die Gegenwart. Was mögen diese Wände alles erlebt haben!" (gortkhuna folgt) UM ■ und bis zum IQ Jahre dürfen Sie für die empfindliche Haut Ihres Kindes nur die milde » NIVEA KINDERSEIFE verwenden. Nivea-Kinderseife wird nach ärztlicher Vorschrift hergesfellf: schonend dringt der reiche Schaum In die Hauiporen ein und macht sie frei für eine 6OPfg. gesunde u. kräftige Hautaimung. Nivea-Creme 'Dosen zu rauhen Tagen, beim Wintersport NIVEA-CREME Und zwar vorher einreiben, bevor Sie In die rauhe Luft hinausgehen. Nivea- Creme dringt vollkommen in die Haut ein. ohne einen Glanz zu hinterlassen. Sie kräftigt und belebt die Haut und macht sie widerstandsfähig gegen Wind und Welter. Reiben Sie auch allabendlich vor dem Schlafengehen Gesicht und Hände gründlich mit Nivea-Creme ein. Mit Freuden können Sie dann immer wieder feststellen. wie welch und geschmeidig Ihre Haut sich anlühlt. und wie gesund, wie jugendlich Sie aussehen. 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Januar, 233V foudernFrettag,16.Zanuar 10 Uhr vormittags, statt. Londorf, den 8. Januar 1931. Hessisches Forstamt Rabenau.______ Holzversteigerung. Am Dienstag, dem 13. Januar 1931, kommen aus den Waldungen der Stadt Ullendorf a. d. Lda. nachstehende Holzsortimente aus den Forstorten Kaulsköppel, Läusköppel, Lehmgrube und Rabenauer Straße sowie das Dürr- und Windfallholz an Ort und Stelle zur Versteigerung. Das Dürr- und Windfallholz wird nickt vorgezeigt. 2371 1. Nutzholz. Abschnitte N. Kiefern: 2b-Klasse 5 Stück = 2,49 km 3 a» „ 13 „ - 8,10 „ 3b- „ 8 „ = 7,14 „ 4a-. „ 3 - 2,71 „ Abschnitte Ä. Kiefern: 4a-Klasse 3 Stück = 3,03 km 4b- „ 1 „ = 1,04 „ Nuhscheit rund (2,50 m lang): Kiefern - 133 rm. Nuhknüppel (3 m lang): Fichten = 9rm. Nuhreisig: Fichten = 5 rm. Derbstangen: Fichten = 207 Stück. 2. Brennholz. Scheit: Eichen = 3 rm, Aspen - 6 rm, Kiefern = 81,5 rm, Fichten 134 rm, Fichten (gesp.) = 21 rm. Knüppel: Eichen = 10 rm, Kiefern = 162,5 rm, Fichten = 31,5 rm. Reisig: Buchen = 2 rm, Eichen = 24 rm, Fichten = 10 rm. Stocke: Kiefern = 11 rm, Fichten -- 62 rm. Die Zusammenkunft ist vormittags 9 Uhr im Forstort Kaulsköppel. Allendorf a. d. Lda., den 8. Januar 1931. Hessische Bürgermeisterei. Schneider, Bürgermeister. 4t’>' INVENTUR MM Jetzt hats aber Jetzt- hak gedonnert und gekracht im PreisgebälKe - - jetzt gelten nur noch Räumungs-Preise Ein Posten Herren- Phantasiesocken H QR Wolle plattiert..... ...... WiwU Ein Posten Damenstrümpfe Waschk’seide, teils Bemberg, neueste Färb., Räumuqgspreis 1.25 Ein Posten reinwollene Damenstrümpfe vorzügliche Qualität,verstärkte Sohle u. Ferse, Räumungspreis 1.95 Ein großer Posten Damen- Trikotschlüpfer H 7R warm gefüttert,Räumungspreis V ■ I V Ein Posten Damen- Prinzeßröcke Kunstseidendecke, mit Futter, passend zum Schlüpfer.. Mk 2.45 Ein Posten Herren- Einsatzhemden kräft. 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BibelkurS: Täglich von Montag bis Mittwoch. 9 Ubr Gebetsveretniguug. »0 \ Behandlung des Themas Apostelgeschichte 20 u. 31. u*/| LlgT- I 8'/« Uhr: EvangeiisattonSvorlrag. 235 V Märchen-Festspiele II Samstag, den 10. Januar nachmittags 2.30 Uhr und Sonntag, den 11. Januar vormittags 11.15 Uhr Nur zwei Vorstellungen Haarausfall beseitigt sofort ».endgültig Papillaniin ein ernstbaiieö. wtstenkchaffitch auövrob. w.tftei Vollaar Brak.8.60 Ausführliche Pro- ioekte und Auskunft in den nachliebenden Rteder- lagen En et-Apo- theke am Marti, Priv. Po Ihan-Apo- theke, SlreitAvl. 2, Irsch • Apotheke, Frankfurt. Str. 4, Löwen • Drogerie, W.KiiblnnerJiichL. Selterstvea 79a. Drog. Otto Win.er* hotLStenxpl 9—lu, German.a Drogerie, Carl Seibel, Arant- furter Str. 39. 8l78v Zwei Märchen-Filme nach Brüder Gnmm Lichtspielhaus btraöe 34 d$U Betten (Stahl u.Holz) Point.. Stahl- mntr„Kln*rh„Cbaisel^ an Jeden. Toiliahlg. Katal. fr. ElaonmöbeUabrik SuhLTh. 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