Nr. 209 Erstes Blatt M. Jahrgang Dienstag, 8. September (931 Erschein! täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Siebener Jamiltenblätter Heimat im Bild Die Scholle. moeats Bejiigsprets: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelner Nummern Infolge höherer Gewalt. zernsprechanschliifie unterSammelnummer'2251. «nschrist für Drahtnach- richten: Jlnjelger riehen. poftfcheckkonto: granffnrtam Main 11686. GktzemrAnzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen Drutf und Verlag: vrühl'fche Universtlälrvuch. und Steinöruderel R. Lange in' Sieben. §chrifileitung und Sefchästritelle: §chulittatze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspfennigj für Re» hlameameigen von 70 mm Breite 35 Neichspsennig, platzvorfchrift 20*. mehr. Chefredakteur: Dr. Fnedr. Will). Lange. Derantwonlich für Politik Dr. Jr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H Thyriot; für den übrigen Icil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Sieben. Landnöten. AIS man Ende deS vergangenen Monats die Rachricht laS, in der (Billa des Schriftstellers Äatl 6 t r c d e r feien unheimlich raffinierte (Brandstifter am Werk gewesen, während sich Ctrcdcr selbst fern von Berlin auf hielt, ahnte niemand die erschredende und düstere Aufklärung dteseS Verbrechens: ja, auch als er unter dem Verdacht der Brandstiftung und deS Versicherungsbetruges verhaftet wurde, sträubte man sich gefühlsmäßig gegen die Möglichkeit einer solchen Beschuldigung. Denn Strecker, der jetzt beinahe Siebzigjährige, war ja nicht ein beliebiger Unbekannter, sondern eine Persönlichkeit von Geltung und Ansehen, deren Leben makellos vor aller Oefsentlichkeit lag. Der frühere Offizier hatte sich alS Schriftsteller und Essayist einen berechtigten (Ruf geschahen, er war, in ihren besten Zeiten, Theaterkritiker der .Täglichen (Rundschau", er hat daS Leben Heinrich von Kleists, Friedrich Hebbels, (Nietzsches und StrindbergS beschrieben, er hat Goethes Faust gedeutet und wirkte bis zuletzt als Buchkritiker einer angesehenen deutschen Monatsschrift. Ucberblidt man die (Reihe feiner Essays, Bücher, Romane, Lustspiele, so ist kaum ein Jahr vergangen, in dem er, neben aller beruflichen Arbeit — er war zwischendrein auch Dramaturg an den Reinhardtbüh- n c n — nicht auch irgendein selbständiges Werk veröffentlicht hätte: daS Leben dieses ManneS ist wahrlich Mühe und Arbeit gewesen, Mühe und Arbeit um große und bedeutende Gegenstände. Run hat er, alS er den unseligen Entschluß faßte, in seinem Hause F^er anzulegen, das olleS selbst zerstört. Voreilig^haben gemutmaßt, es handle sich hier um verwickelte seelische Vorgänge: vielleicht darum, daß der Gestalter Strecker in Wirklichkeit auSführen sollte, waS er die Menschen in seinen Büchern hatte begehen lassen — aber sein Fall liegt viel unkomplizierter, viel einfacher und grausamer: eS ist, nach seinem Geständnis, die einfache und gemeine Materie 11 e R o t gewesen, die ihn zu dieser Tat trieb. Hier hört nun das Private und Persönliche dieser Angelegenheit auf, das Drama Strecker tritt auf die Bühne dieser Zeit und erweckt, einer griechischen Schicksalstragödie nicht unähnlich, Mitleid und Furcht. Wie groß muß die Ratlosigkeit gewesen sein, wie unbeschreiblich die Verwirrung dieses Geistes, als er sich zu dieser Tat entschloß! Gab eS keine andere Möglichkeit für ihn? Wir wissen es nicht, aber wir können annehmen, daß sein getrübtes Auge keinen anderen Ausweg mehr sehen konnte. ilnö so endet dieses redliche und reinliche, dieses arbeitsame und immer strebend sich bemühende Dasein mit einer Verzweiflungstat, einem mißglückten Hasardspiel. Schicksalstragödic: sie spiegelt die Not der Zeit im allgemeinen, sie stellt im Besonderen das Leiden des geistigen Arbeiters dar, dessen Arbeit immer weniger Achtung und Absatz findet, dessen Wirkungsmöglichkeiten täglich mehr eingeschränkt werden. Das Drama des Alternden auch, dessen ernstes und planvolles Wirken von einem jungen lauten Geschlecht verdrängt wird, dessen Name allmählich in Vergessenheit gerät, weil er der schreienden Reklame abhold ist, weil es ihm widerstrebt, sich anzubicten, weil diese Gegenwart überhaupt mit jungen Kräften einen verschwenderischen Kult treibt, als fei Jugend an sich schon ein Verdienst. Und so wird der Lebensraum des Alternden immer enger und spärlicher, immer dichter umstrickt ihn die Verzweiflung, bis endlich die letzte Hemmung gefallen ist und ein getrübter Geist keinen anderen Weg sieht als das Verbrechen, das der Schuldige nun mit der Vernichtung seines bür- I,erlichen Daseins büßen muß. Wer heute noch in icherer Sorglosigkeit sitzt, hat es leicht, den Branb- tifter zu verdammen Aber roeffen Stellung wäre in dieser Zeit so gefestigt, daß er nicht fürchten müsse, in eine gleiche Lage abzugleiten? Wer will dann für sich bürgen? Wer mag auf diesen Schul- digen den ersten «tein werfen? Während man sich in Deutschland immer noch nicht zu durchgreifenden Maßnahmen zur Wiederaufrichtung der Landwirtschaft entschließen kann und damit die Abhängigkeit der Volksernährung vom Ausland bestehen bleibt, geht man in Italien ziel- bewußt einen Weg, der die Ernährung des italienischen Volkes aus eigener Scholle sicherstellen soll. Ungeachtet des Ueberangebotes an Getreide auf dem Weltmarkt, ungeachtet der Rufe, daß in ileberfee das Getreide viel billiger erzeugt werden könne, wird in Italien d i e ,Kornschlacht" geschlagen, jene große wirtschaftliche Schlacht, deren Sieg für das italienische Volk völlige Unabhängigkeit in der Drotgrtreide- versorgung bedeutet. Man hat in Italien aus der Vergangenheit gelernt. Würde Italien in einem Kriege zur See blockiert und auch an den Landgrenzen von jeder Zufuhr abgeschnitten, so wäre eS hx verhältnismäßig kurzer Zeit ausgehungert. Mussolini will ein völlig unabhängiges Italien schassen, einen wirtschaftlich starken Staat, der jederzeit seine Unabhängigkeit aus eigener Kraft verteidigen kann. Man mag zu Mussolini stehen wie man will, die Idee des Faschismus bekämpfen oder sie verherrlichen: Tatsache ist, daß nur das Volk wirklich frei und unabhängig ist, das sich selbst ernähren kann. Wird Italien dieses Ziel erreichen? Unbefangene Sachverständige, zu denen auch der landwirtschaftliche Sachverständige bei der Deutschen Botschaft hx (Rom, Geheimrat Busse, gehört, halten die Steigerung der Ernteerträge bis zur tatsächlichen Selbstversorgung hx Italien für erreichbar. Die Oie Völkerbundsversammlung eröffnet. Lebhaftes Interesse des Publikums. Genf, 7. Sept. (WTD.) Schon lange vor dem auf 10.30 Uhr angelegten Beginn der Eröffnungssitzung der 12. Dölkerbundsverfammlung herrschte in den Wandelgängen deS VersammlungSgebäu- deS das an solchen Tagen übliche lebhafte Treiben. Aus der Straße hat sich eine starke, durch umfangreiche Ordnungsmahnahmen zurückgehaltene Menge angesammelt, die, da die Tribüne nur über eine ganz beschränkte Anzahl von PublikumS- plätzen verfügt, wenigstens die Auffahrt der Delegier fen erleben will. Von den 54 Staaten, die dem Völkerbund zur Zeit angehö.en, sind in der 12. ordentlichen Tagung der Völkerbunds» Versammlung 52 Staaten vertreten. Argentinien und Honduras haben keine Vertreter entsandt. Vier Staaten sind durch ihre Ministerpräsidenten, 23 durch ihre Außenminister oder sonstige aktive Minister vertreten. England hat Lord Robert Eecil, Japan den Botschafter in Paris Poshi- sawa, entsandt. 'Die überseeischen Staaten lassen sich durch ihre europäischen Gesandten vertreten. Der Vertreter Oesterreichs ist Vizekanzler Dr. Schober. Die deutschen Hauptdelegierten, Außenminister Dr. E u r t i u s , Botschaster a. D. Graf Bernstorfs und Ministerealdirektor Dr. G a u S, haben in der ersten Reihe der Delegationen vor dem Tisch des Präsidenten Platz genommen. Oie Eröffnung. Begrüßungsansprache bce Ratspräsidenten Kurz nach 10 Uhr eröffnete der amtierende Ratspräsident, der spanische Außenminister L e r • rouj, die Vollversammlung. In seiner mit Beifall aufgenommenen Ansprache ging Lerroux kurz auf die wichtigsten Vorgänge des abgelaufenen Arbeitsjahres des Völkerbundes ein. Ein Beweis der zunehmenden Ausbreitung des Rechtsgedankens im internationalen Leben, erklärte er u. a., fei darin xu erblicken, daß nunmehr 37 Staaten, darunter fast alle europäischen Staaten, die obligatorische Rechtsprechung des Haager G e« r i ch t s h o s e s anerkennen. Einen wesentlichen Beitrag zur Aufrechterhaltung des Friedens bedeute auch die Tätigkeit des Europaausschusses. Der Europaausstbuß habe sich im ersten Jahre feines Bestehens hauptsächlich mit einem Teilgebiet der allgemeinen Wirtschaftskrise, der mittel» und osteuropäischen Landwirtschaftskrise, beschäftigt und hierbei bemerkenswerte Ergebnisse erzielt und außerdem das Problem der Umstellung der Zollpolitik in Europa durch ein großzügiges Gesamtprogramm gefördert. Der Aufschub der R e - parations- und Kriegsschulden auf Grund des Vorschlages des Präsidenten Hoover, die Konferenzen von London, Paris, Berlin und Rom zwischen den deutschen, amerikanischen, englischen, französischen und italienischen (Staatsmännern, d i e Tätigkeit d e r BIZ. und die Arbeiten des Baseler Sachoerständigenausschusies seien weiterhin Anzeichen für den Willen zur Gesundung und den Wunsch nach Zusammenarbeit. Oie Wahl des Präsidenten. ritnlcocu siegt mit knapper Mehrheit über Apponyi. Dann wurde zur Wahl des Präsidenten der Vollversammlung geschritten. Gewählt wurde der zweite rumänische Delegierte, der Gesandte in London, Titulescu. Er erhielt von den 49 abgegebenen Stimmen 25. Aus den ungarischen Delegierten, Gras Apponyi, entfielen 21 Stimmen. Titulescu war bekanntlich auch Präsident der 11. Völkerbundsversammlung Es ist das erste Mal in der Geschichte des Völkerbundes, daß ein Delegierter zweimal hintereinander zum Präsidenten gewählt wurde. Titulescu begann seine Amtsübernahme mit einer längeren programmatischen Rede, in der er die Zweckmäßigkeit und Wirksamkeit der Völkerbundsarbeiten alS daS Ziel, an dem er nach Kräften mitarbeiten wolle, in den Mittelpunkt stellte. Er warnte vor übertriebenem Pessimismus und erklärte, man dürfe nicht von einem Zusammenbruch sprechen, sondern müsse die gegenwärtigen Versuche alS eine Baustätte betrachten. Die „Arbeiten der ersten Stunde" könnten vergessen werden. SS komme nur darauf an. daß späteren Geschlechtern daS Gebäude deS Friedens überliefert wird. Zu diesem Zweck müsse mit Vertrauen, Umsicht, Aktivität und Opfersinn gearbeitet werden. Diese Wahl ist ausschließlich auf die politischen Intrigen der leitenden französischen Kreise des Sekretariats, insbesondere der Leitung der Informationsabteilung zurückzuführen, die unter keinen Umständen einen Vertreter der im Weltkriege besiegten Staatengruppe, den Ungarn Apponyi, den Ehrenposten des Präsidenten der Völkerbundsversammlung einräumen wollten. ES hat sich auch bei dieser Wahl von neuem gezeigt, daß für die im Weltkriege „besiegten" Staaten im Völkerbund kein Platz ist. AlS TituleScu die Präsidententribüne betrat, wurde ihm auS dem Saal nur äußerst lauer Beifall gezollt. SS war dabei deutlich daS Befremden über dies« Wahl zu spüren und insbesondere darüber, daß TituleSeu sich bereitgefunden habe, die Wahl zum zweiten Male anzunehmen. Oie Erledigung der Zollunion im Völkerbundsrat. Oer CRaf nimmt bat Haager Gutachten ohne weitere Aussprache zur Kenntnis. Genf, 7. Sept. (TU.) Die Verhandlung des Völkerbundsrats über den deutsch-österreichischen Zollunionsplan war nach den in den letzten Tagen zwischen den Abordnungen getroffenen Vereinbarungen nur von einer Dauer von kaum fünf Minuten und beschränkte sich ausschließlich auf folgende vom Ratspräfibenten verlesene kurze Erklärung: „Der Völkerbundsrat nimmt von dem Gutachten Kenntnis, das der Haager Gerichtshof in Verfolg des auf der Maitagung des Rats an ihn gerichteten Antrages über das zwischen Deutschland und Oesterreich abgeschlossene ZoUunionsprotokoU erstattet hat, dankt dem Internationalen Gerichtshof für seine Bemühungen und nimmt von der am 3. September im Luropaausschuß abgegebenen Erklärung Kenntnis. Der Rat stellt daher fest, daß für ihn keinerlei Veranlassung mehr vorliegt, die Prüfung dieses Punktes weiter fortzufehen." Die Aussprache wurde mit der einstimmigen stillschweigenden Annahme dieser Erklärung abgeschlossen. Irgendwelche Erklärungen wurden hierzu weder von deutscher noch von französischer Seite abgegeben. Der Präsident teilte ferner mit, daß d l e amtliche Abschrift des internationalen Gutachtens des Haager Gerichtshofes dem Völkerbundsrat zwar noch nicht vorliege, daß jedoch der Präsident des Haager Gerichtshofes dem Generalsekretär des Völkerbundes fernmündlich die Uebereln ft immun g des bereits übermittelten Textes des Gutachtens mit dem amtlichen im Haag niedergelegten Text bestätigt habe. Der Völkerbundsrat hat damit die Verhandlungen über den deutsch-österreichischen Zollunionsplan endgültig abgeschlossen und den von deutscher und österreichischer Seite geltend gemachten Wünschen stattgegeben und von jeder politischen Aussprache abgesehen. 3n den in den letzten lagen fortgesetzt geführten Verhandlungen war von deutfcher und österrelchifcher Seite geltend gemacht worden, daß eine allgemeine politische Aussprache über den deutsch-österreichischen Zollunionsplan nicht mehr wünschenswert erscheine. Die maßgebenden Ratsmächte, besonders Frankreich, haben sich somit diesem Wunsche angeschlossen. Mit den am vorigen Donnerstag von Dr. Lurtius und Schaber abgegebenen Verzichterklärungen war d i e politische Entscheidung übet die Zurückziehung des Zollunionsplanes ja bereits gefallen. Somit erübrigte sich jede weitere politische Aussprache im Völkerbundsrat. Oie Taktik der deutschen Oelegation. Warum Curtiutz schon im (Luropaauoschutz vcrjichtcte. Genf, 7. Sept. (LU.) Zu der In der Presse lebhaft erörterten Frage, aus welchen Gründen die deutsche und österreichische Derzichterklärung bereits vor der Bekanntgabe deS Haager Gutachtens erfolgt sei, wird von amtlicher deutfcher Stelle erklärt, daß eine längere Hinauszögerung der endgültigen Entscheidung angesichts der wachsenden Rervosität und Unruhe untragbar erschienen sei. Ferner wäre eS unnatürlich gewesen, wenn bei der Erörterung der wirtschaftlichen Pläne, iixsbesondere derjenigen der europäischen Markterweiterung i m ® u * ropaausschuß die Bekanntgabe deS deutschen und österreichischen Standpunkte- zum ZollunionS- plan unterblieben wäre. Der deutsche Vertreter Kornschlacht oder .Dattaglia del grano", wie sie der Italiener nennt, wird in dem letzten italienischen Dorf mit einer für südliche Verhältnisse seltenen Zähigkeit durchgekämpft. Das ganze Dauernvolk wird in diese wirtschaftliche und zugleich nationale Kampffront hi neingedrängt. Das Landwirtschaftsministerium hat neben umfangreichen Maßnahmen zur Wirlschaftsberatung und Entfaltung des Wettbewerbs unter den Landwirten 8 0 0 landwirtschaftliche Wanderlehrer in die Dörfer geschickt, die Tag für Tag die Idee der „Battaglia bei grano“ propagieren und den Bauern die praktische Möglichkeit des Sieges sofort zeigen. Ein solcher Wanderlehrer erscheint in der Bauerngemeinde und bittet die Bauern, ihm auf ihrem Acker einige Quadratmeter zu überlassen. An Ort und Stelle beginnt er sofort mit der Arbeit, er düngt den Boden sachgemäß mit Wirtfchafts- und Handelsdünger und sät Weizen aus, der aus einer Saalgutwirtschaft stammt. Nach Beendigung der B'e- ftcUungsarbeiten reift dieser Landwirtfchaftslehrer weiter. Erst zur Erntezeit erscheint er wieder und zeigt dann den Bauern den Unterschied des Getreides: so sieht euer Weizen aus und so meiner! Wenn ihr die gleichen Erträge haben wollt, bann müßt ihr biefe Saat unb jenen Kunstdünger ge- brauchen. Am Abend folgen belehrende Vorträge, die den Bauern aufklären. Der Erfolg ist überraschend: die italienischen Landwirte schlagen die Kornschlacht aut. Die Erträge steigen erstaunlich. Italien ist auf dem besten Wege, die Srotverforgung aus eigener Scholle sicherzustellen. — Man redet in Deutschland soviel von negativer Handelsbilanz unb Deoisenabsluß, wäre es nicht bitter nötig, auch unser Volk aus eigener Scholle zu ernähren, wo wir dem Ziel bod) viel näher sind? Oer Deutsche Lehrerverein zum Echulabbau. Berlin, 7. Sept. (Vdz.) Der geschäftsführende Ausschuß des Deutschen Lehrervereins wendet sich gegen die Drosselungsmaßnahmen, die von den Ländern und Gemeinden auf dem Gebiete des Volksschulwesens geplant werden, in einer Entschließung, in der eS heißt: .Der geschäftsführende Ausschuß deS Deutschen Lehrervereins erhebt schärf st en Einspruch gegen die bildungskeindlichen Abbaumahnahmcn, die neuerdings durch Reich, Länder und Gemeinden auf dem Gebiete des Schulwesens betrieben werden. Die weitere Erhöhung der Klassenfrequenz und der Pflichtstundenzahl der Lehrer, die schematische Zusammenlegung von Schulen und Klassen, die Herabsetzung der Schülerwochenstunden und die mit diesen und ähnlichen Maßnahmen zu befürchtende verhängnisvolle Herabdrückung der unterrichtlichen und erzieherischen Wirksamkeit drängen die deutsche Volksschule an den Rand des Abgrunds und stellen sie alS volkswirtschaftlichen und staatspolitischen Abzugposten für den notwendigen Wiederaufbau des deutschen Wirtschaftslebens in Frage. Der geschäftsführende Ausschuß erwartet, daß die Unterrichtsministerien der Länder Wege suchen und Mittel bereitstellen, die brachliegende Arbeitskraft der stellungslosen Junglehrer und - lehre r i n n e n der Schule dienstbar zu machen. Der Deutsche Lehrervercin lehnt jedes Sparprogramm auf dem Gebiete des VolkSschul- wesens entschieden ab, daS nicht zugleich einen sinnvollen organischen Aus - und Ausbau des deutschen Bildungswesens bringt." OieBürgermeisterzurBesoldungSfrage Berlin, 7. Sept. ($11.) Der Vorstand deS Deutschen Bürgermeisterbundes nahm in einer Sitzung zu der Frage der Besoldung der Bürgermeister, Etadträte und Beigeordnete Stellung. In seiner Erklärung bedauert er, daß einige wenige — ausnahmslos in Großstädten — tat* sächlich vorhandene Auswüchse ungerechterweise verallgemeinert und dazu benutzt würden, einen ganzen Derussstand in Verruf au bringen. Er weift demgegenüber darauf hin, daß inSbeson- dere in den Städten, deren Besoldungspolitik ja in der Hauptsache die neuesten Angriffe gelten, die Festsetzung sämtlicher Bezüge der leitenden Beamten in jedem einzelnen Falle nach den seit Jahrzehnten geltenden und angewandten gesetzlichen Bestimmungen seitens staatlicher Stellen nachgeprüst und besonders genehmigt worden ist. Danach entbehre die jetzt vielfach aufgestellte ‘Behauptung, daß die Gemeinden und vor allem die Städte allgemein und in größtem Umfange nach freiem Ermessen die Bezüge ihrer leitenden Beamten viel zu hoch festgesetzt hätten, jeder Grundlage. habe sich daher aus diesen Gründen veranlaßt gesehen, gemeinsam mit dem Vertreter der österreichischen Regierung bereits vor dem Zusammentritt des Rats im Europaausschuh eine Verzichterklärung abzugeben. Es sei weiter hervorzuheben, daß öte deutsche Regierung bei dem Abschluß des Zollunionsprotokolls mit Oesterreich von wirtschaftlichen Zielen ausgegangen sei: daher habe der Abbruch der Aktion gleichfalls imRahmen der wirtschaftlichen Aussprache des Guropaausschusses vorgenommen werden müssen. Rur auf diese Weife sei es möglich gewesen, eine größere politische Aussprache zu vermeiden. Ferner wird betont, daß eine Abgabe der Verzichterklärungen im Rat zwangsläufig von der Gegenseite dazu ausgenutzt worden wäre, über die reine Rechtsfrage hinaus d i e bekannten politischen Gesichtspunkte der den Zollunionsplan ablehnenden Regierungen vorzubringen. Hierdurch wären die bestehenden Gegensätze dieser Frage vonneuem und in verschärfter Form zum Ausdruck gekommen. Eine derartige Diskussion habe die deutsche Delegation aber vermeiden müssen. Ferner sei es wesentlich gewesen, daß in der die Verhandlungen im Rat abschließenden Erklärung des Ratspräsidenten keine Wiederholung der von Deutschland und Oesterreich bereits im Curopa- ausschuh abgegebenen Derzichterklärung erfolgte. Das sei erreicht worden. Gemischte Gefühle in Genf. Das Haager Gutachten das Ergebnis einer politischen Kombination London. 7. Sept. (Reuter.) Die Entscheidung des Haager Gerichtshofes über die Zollunion ist in Völkerbundskreisen mit geteilten Gefühlen ausgenommen worden. Die Auffassung der Minderheit der Richter, daß die Union sich mit St. Germain und dem Genfer Protokoll vertrage, hat in Völkerbundskreisen einen tiefen Eindruck gemacht. Der „Daily Telegraph" bemerkt, in diplomatischen Kreisen werde die Verschiedenheit der Ansichten bei den Mitgliedern des Haager Gerichtshofes als sehr unerfreulich betrachtet, weil sie mehr auf politische als auf rein juristische Erwägungen zurück,ührten. Es sei vielleicht zu bedauern, daß der Gerichtshof angesichts seiner Uneinigkeit es nicht vorgezogen habe, dem britischen und dem amerikanischen Rat zu folgen, der darauf hinauslief, sich für unzuständig zu erklären. Das Haager Gutachten, so schreibt u. a. auch die „Dailn Mail", sei in Genf mit gemischten Gefühlen ausgenommen worden. Die Art und Weise, durch die es zustande kam, habe Bedenken hinsichtlich der Unparteilichkeit des Internationalen Gerichtshofes heroorgerufen. Der Umstand, daß den Ansichten so hervorragender Juristen wie Sir Cecil Hearst, Adatschi und Kellogg von Richtern, die meist romanische Länder vertreten, Opposition gemacht wurde, habe in Völkerbundskreisen den Eindruck hervorgerufen, daß das Urteil das Ergebnis einer politischen Kombination war. Bedingungslose Llebergabe der Aufständischen in Chile. Buenos Aires, 7.Sept. (TU.) Rach einer Meldung aus Santiago de Chile haben sich die chilenischen Aufständischen der Regierung bedingungslos ergeben. Die Nachricht löste in der Hauptstadt ungeheuren Jubel aus. Die Bevölkerung füllte die Straßen und tanzte und sang. In einer amtlichen Mitteilung wird festgestellt, daß die Waf- .fenstreckung der Aufständischen nach der An- drohung eines erneuten Bombardements erfolgte. Keine Verstaatlichung der Rigaer Oomkirche. Riga, 7. Sept. (WTB.) In Lettland fand die Volksabstimmung über die unlänast vom Par- lament abgelehnte Vorlage statt, welche oie Verstaatlichung der Rigaer deutschen Domkirche bezweckte. Die Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen betrug in Riga 96 000 bei ungefähr 250 000 Wahlberechtigten. Da für das Gelingen der Volksabstimmung eine Beteiligung von mindestens der Hälfte der gesamten Wählerschaft notwendig war, ist die Abstimmung gescheitert. Verhältnismäßig geringe Abstimmungsziffern werden aus der vorwiegend katholischen Provinz Lettgallen gemeldet. Oie Urteilsverkündung im Haag. Der Präsident des Internationalen Gerichtshofs im Haag, Adatschi (Japan), verliest das Gutachten über die deutsch-österreichische Zollunion. — Daneben rechts: Kellogg (Amerika). - . - * Vor Zusammentritt des britischen Parlaments. Ein Aufruf Macdonalds an die Ration. - Oer König verfügt Kürzung seiner Zivilliste. London, 7. Sept. (TU.) Ministerpräsident Macdonald erließ am Montagabend folgenden Aufruf an die Nation: „Die Regierung wird morgen dem Parlament gegenüberstehen und wird ein Vertrauensvotum verlangen und zweifellos auch erhalten. Och wende mich an die Nation, mir auch ihrerseits ihr Vertrauen zu schenken und sich alle Gedanken aus dem Kopfe zu schlagen, daß die Krise, der wir uns gegenübersehen, nicht t a t- sächlicher und gefährlicher Art war oder, daß wir ihr mit irgendwelchen weniger durchgreifendenMahnahmen hätten zu Leibe gehen können, als wir morgen dem Parlament zur Billigung vorlegen werden. Wir müssen ihr mit allen ihren möglichen Folgen ins Auge sehen. Wir mußten entschlossen und schnell handeln, und die wichtige Tatsache, die wir bisher erreicht haben, ist, daß das Unterhaus morgen nicht einer Lage des finanziellen Zusammenbruches, sondern fertigen Vorschlägen, wie diese furchtbare Möglichkeit abzuwenden ist, gegenübersteht, um so das Land wieder ins Gleichgewicht zu bringen." Der König, der heute den Premierminister empfing, gab diesem seine Absicht bekannt, die ihm ausgesetzte Zivilliste um 5 0 0 0 0 Pfund Sterling (— 1 Million Mark) verkürzen zu lassen, um so auch persönlich zur Herabsetzung aller Ausgaben beizutragen. Er fügte hinzu, daß auch die Königin und die andern Mitglieder der königlichen Familie, denen eine Apanage gebührt, den Wunsch hegen, daß diese reduziert werde. Macdonald sprach dem König und der königlichen Familie den Dank für dieses hochherzige Beispiel aus. Er dankte auch dem Prinzen von Wales, der, obgleich er keine Zivilliste erhält, ihm mitteilen ließ, daß er einen Betrag von 5000 Pfund (— 100 000 Mark) dem Staatshaushalt zuzuwenden gedenke. Ein Siedlungsplan des Aeichsfinanzministers. Hunderttausend Wohlfahrtserwerbslose sollen durch Kleinsiedelung untergebracht werden. Berlin, 7. Sept (ERB.) wie wir erfahren, hat Reichsfinanzminlster Dr. Dietrich dem Reichs- kabinett einen großzügigen Siedlungsplan vorgelegt, der in absehbarer Zeit 10 o. £). der wohlfahrtserwerbslosen unlerbrin- gen soll und damit als ein wertvoller Teilbeitrag zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit anzusehen ist. Der Dietrichsche Vorschlag zeigt der Siedlung einen ganz neuen weg. Das bisherige System der ländlichen Siedlung begegnete aus psychologischen und aus finanziellen Gründen großen Schwierigkeiten. Der Reichsfinanzminister empfiehlt eine halb städtische, halb ländliche Siedlung. Rach seinem Vorschlag soll die Siedlung in der Räh e von St ädten erfolgen Der Boden soll aus städtischem und staatlichem B e - s i h hergegeben werden, von den Materialien, ;. B. das Holz, aus den staatlichen Forsten. Die Siedlung soll zunächst die kleinstmögliche Form bekommen: Ein kleines primitives Haus mit zwei bis vier IHorgen Land Voraussetzung für die Verpachtung einer Siedlerslelle ist. daß der Pächter, dem übrigens für später das Lrwerbsrccht offengehalten wird, bei der Herstellung des Hauses mit ar beitet, außerdem sollen andere Arbeitslose herangezogen werden. Line Mehrbezahlung über die Unterstützung hinaus ist allerdings nur in Form von Verpflegung auf der Arbeitsstelle und Transport von und zu ihr vorgesehen. Abgesehen davon, daß die psychologischen Schwierigkeiten der ländlichen Siedlung durch die Rähe der Städte beseitigt werden, rechnet man bei dieser Form der Errichtung der Sledlerslellen damit, für 200 Millionen Mark, die aus der Hauszinssteuer aufzubringen wären, etwa 100 000 Siedler ansehen zu können. Roch im September soll nach dem vorliegenden Plan mit dem Werk begonnen werden, so daß bis zum Frühjahr 1 00000 S iedler untergebracht sind. Sie würden die Unter st ühung noch bis zur nächsten Ernte, spätestens bis zum Ende des Jahres 1932, bekommen. Der Vorschlag des Reichsfinanzministers betont besonders die Rotwendigkeit einer einheitlichen Durchsüh- r u n g für das ganze Reich und empfiehlt die Einsetzung eines Reichskommissars für das fileinf ieblungsroef en, der nur dem Reichskanzler direkt unterstehen würde. Ihm soll ein Beirat zur Seite gestellt werden, der aus Vertretern der verschiedenen Reichs- ressorts und des betreffenden Landes besteht. Oie Sozialdemokraten erneut beim Reichskanzler. Die Milderung der Juni-Notverordnung. Berlin, 7. Sept. (BdZ.) Die Vertreter der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion begaben sich heute mittag zum Reichskanzler, um die bereits früher eingeleiteten Verhandlungen über Aenderungen der Juni-Notverordnung und andere Fragen fortzusehen. Lieber die Besprechung gibt die sozialdemokratische Partei folgenden Bericht heraus: Die Anfang voriger Woche vertagten politischen Besprechungen zwischen der-RLtchsregierung und der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion wurden am 'Montag unter dem Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Brüning und in Anwesenheit des Reichsfinanzministers Dietrich und des Reichsarbeitsministers Dr. Stegerwald fortgesetzt. Für die sozialdemokratische Fraktion waren an diesen Verhandlungen beteiligt die Abgeordneten Wels, Dr. H i l f e r d i n g, Dr. Hertz, A u f h ä u s e r und R o ß m a n n. Die Verhandlungen galten im wesentlichen der Abänderung der Juni-Notverordnung. Die Reichsregierung hatte seinerzeit in Aussicht gestellt, vor Zusammentritt des Reichstages schon eine Reihe der schlimmsten Härten zu beseitigen. Dabei handelt es sich im wesentlichen um Aen- - derungen hinsichtlich der Arbeitslosenhilfe, der Kriegsbeschädigten-Für- sorge und um Wiederherstellung des Tarifrechtes für die in öffentlichen Unternehmungen beschäftigten Arbeitnehmer. Das Ergebnis dieser Verhandlungen, in denen eine Reihe von Fortschritten erzielt wurde, beschäftigte am Montagnachmittag den V o r st a n d der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. Er billigte die Haltung seiner Vertreter. , _* "X Thüringen hebt das Wirtschastsministenum auf. Weimar, 7. Sept. (END.) Wie zuverlässig verlautet, wird das thüringische Wirtschaftsministerium auf Grund der dem Lande zustehenden Notbefugnis aufgehoben werden. Begründet wird die Maßnahme damit, daß in der gegenwärtigen Notzeit e d und Aufgabenbereich des Ministeriums durch die fortschreitende Reichsgesetzgebung so eingeschränkt seien, daß ein selbständiges Wirtschaftsministerium für Thüringen sich kaum noch rechtfertigen lasse. Die Abteilung Landwirtschaft wird der Abteilung für Domänen und Forsten dem Finanzministerium angegliedert. Die übrigen Abteilungen sollen dem Innenministerium zugeteilt werden. Baden entläßt seinen Gesandten in Berlin. Karlsruhe, 7. Sept. (WTB.) Der badische Gesandte in Berlin H o n o l d hat zum 1. Oktober d. 3. um seine Entlassung gebeten, die ihm vom Staatsministerium auch bewilligt wurde. Die Neuregelung der Vertretung Badens beim Reich bleibt einem künftigen Zeitpunkt Vorbehalten. Unabhängig von dieser Entscheidung hat das badische Staatsministerium auf die Anregung des preußischen Ministerpräsidenten zum 31. März 1932 die Aufhebung des badischen Gesandtenpostens bei der preußischen Regierung beschlossen. Cine Warnung für Gerüchtemacher. Das Bremer Schnellgericht hat gegen die Gerüchtemacher so vorbildlich gearbeitet, daß dieses Beispiel zur Nachahmung nur allgemein empfohlen werden kann. Am Samstag waren dort Gerüchte im Umlauf, daß ein Sparkassen- d i r e k t o r mit elf Millionen Mark geflohen fei; was begreiflicherweise zur Folge hatte, daß ein Merlwürdigketten eines Stiesels. Don Dr. Gustav W. Eberletn, :Rom. Ter große Stiefel, den Madame Europa trägt, und mit bemerkenswert wachsender Tatkraft ins Mittelmeer stößt, bietet — um mit den Reisehandbüchern zu sprechen, — einen reizvollen Anblick. Wie voller Reize, so ist er auch voller Merkwür. digkeiten. Ein Griff ins Wunderliche und Absonderliche, und wir haben die Hand tioll Tas ist selber schon eine Merkwürdigkeit. Denkwürdigkeiten eines Stiefels, man könnte auch so schreiben. 3n Rom liegt, eingekapfelt wie ein Fremdkörper, der kleinste Staat der Welt. Er hat die Form einer abgebrochenen, zerscharteten Schwertspihe, deren Spitze auf einem Berg liegt, während die Basis unten im Tale von dem größten Tempel der Welt und dem Palast der Paläste gebildet wird. Das Zackige zu beiden Seiten ist eine alte haushohe Festungsmauer mit Vorsprüngen und Einschnitten, Basteien und Zinnen, Schießscharten und Pechnasen. 3n 200 Sekunden kann man mit dem Apto bequem herumfahren, obwohl es steil aufwärts und abwärts geht. Der Staat ist 40 Hektar groß und zählt 517 Einwohner, wovon rund gerechnet die Hälfte Militär und die Hälfte Geistliche sind. Die Frauen kann man an den Fingern aufzählen. Dieser souveräne Staat (Autoschild S. C. V.) heißt Stadt: Vatikanstadt. Auf der Apenninenhalbinsel regieren drei Souveräne: der König, der Papst und der Duce. Zepter, Tiara und Liktorenbündel. Die Residenzen liegen so nahe beieinander, daß sich ein Fußgänger nicht zu beeilen braucht, wenn er in einer Halden Stunde alle drei besuchen will. Die Regierungs- befugnisse sind scharf getrennt und es ist gar nicht daran zu denken, daß ein Regent dem andern weichen würde. Aber die Mächte vertragen sich. Ein Wunder, denn die Staatsgrenzen laufen ineinander. ♦ Wenn man in Mailand eine Zeitung aufschlägt, weiß man, was in der Zeitung in Rom steht, Einheitspreise. Ein Staat, ein Parlament, eine Partei. Also auch ein Wort. Sehr bequem für die Orientierung. Wenn man den Führer des Staates und der Partei gehört hat, so weih man, was das Parlament denkt, redet und beschließt. Zur Verhütung von Meinungsverschiedenheiten empfehlenswert. Für Journalisten weniger. Auch Italien hat, wie jede gutbürgerliche Wohnung unserer Eltern, eine „schöne Stube". Seltsamerweise wurde beim Aufräumen darin etwas stehengelassen: ein feuerspuckender Berg. Schickt sich so etwas? Nicht sehr weit davon entfernt sieht man die Mutter Erde in Wehen sich winden. Von Zeit zu Zeit schenkt sie einem Sohn das Licht, der dann Monte nuovo getauft wird. In Lackschuhen kann man sich neben den brodelnden Arschlamm stellen und nordische Wandervögel kochen darauf ihre Suppe. Diese flammenlose Feuerstelle heißt Sol- fatara, Schweselloch, und seit Menschengedenken haust in ihm Luzifer. Wenigstens nennt sich der Mann so und behauptet, inoem er wie ein Gorilla gegen seine zottige Brust trommelt, Schwefel- damps und Gestank sei gut gegen Lungenleiden. Daher ist der Teufel immer kerngesund. Eines der mächtigsten Baudenkmäler mit dem größten Gewölbe dieser Erde ist in den kleinsten Rahmen gezwängt worden, den es gibt: man braucht nur durch das Schlüsselloch des Malteserpriorats hindurchzuschauen, dann sieht man darin die Peterskuppel. Man kann Pikanteres in Schlüssellöchern erblicken, aber nichts Merkwürdigeres. Dieses Malteserpriorat steht auf dem Gipfel des Monte Testaccio in Rom und dieser Berg besteht aus nichts anderem als den Scherben der Tongefäße, die sich im Laufe der Jahrhunderte am Tiberhafen der Marktschiffe anhäuften. Seine Höhe beträgt 35 Meter, sein Umfang 850 Meter. Die Siebenhügelstadt zählt gegenwärtig 13 bebaute Hügel. Der achte Hügel ist seinerzeit von Trajan weg- gestochen worden wie ein Stück Torte, weil er ihm bei seinem Forumsbau im Wege war. Zur Kennzeichnung der früheren Bodenhöhe wurde die Trajanssäule errichtet, deren Kapitell also dem Gipfel des verschwundenen Berges entspricht. Im heutigen Rom leben rund eine Million Menschen. Unter ihren Füßen schlummern in guter Ruhe wohl zehnmal so viel. Denn erst ein Zehntel der Katakomben wurde bisher ausgegraben. Ihre Länge wird auf 900 Kilometer geschäht, die sich auf mehrere Gürtel rings um die Altstadt verteilen. * Die Toten werden bestattet wie vor zweitausend Jahren, nur daß man außer unterirdischen Katakomben auch oberirdische kennt, aus Backsteinen errichtete riesige Mauern, in deren zellenförmige Oeffnungen die Särge hineingeschoben werden. Den Verschluß bildet eine Marmorplatte, mit genauen Angaben. Reihe über Reihe, Stockwerk über Stockwerk ruhen die modernen Christen, numeriert und katalogisiert, wie in ordentlichen Archiven, bis nach Jahrtausenden auch an diesen „Gräbern" der Zahn der Zeit und die Archäologen herumknabbern werden. * In Palermo zeigt man eine Gruft, wo die Toten in ihren Kleidern einfach an die Wand gestellt werden. Die trockene Luft mumifiziert sie und die Angehörigen erneuern von Zeit zu Zeit die Kleider. Caruso, der in Neapel in einem Glassarg liegt, wird alle paar Jahre heraus- genommen, nach der neuesten englischen Mode eingekleidet, wozu eigens ein Anzug aus London eintrifft, erhält die passenden Handschuhe und darf weiterlächeln. Er tut das nämlich, ich weiß nicht, ob wegen der guten Einbalsamierung oder der liebevollen Sorgfalt der tieftrauernden Hinterbliebenen oder über die Modelaunen. * Am Eingang zu den Abruzzen, In der Nähe von Cittaaucale, steht an der Landstraße eine stattliche Kirche, die bis zur Portalmitte eingesunken ist. Ein vor Schilf nicht zugänglicher Bach läuft hinein, im Innern steht opalisierendes, glasklares Wasser meterhoch und die Fische halten die Andacht. ♦ Die Schwalben werden im Lande der Singvogeljagden nicht geschossen. Sie sollen zu zäh sein. Cs gibt sogar ein Städtchen, wo die Nester liebevoll gepflegt werden, bis die Jungen hübsch rund und reif zum Ausfliegen sind. Dann — nimmt man sie heraus und tut sie in die Pfanne. Der Ofen ist im Süden, von Florenz abwärts, weniger ein Gebrauchsgegenstand als eine Rarität. Wer nicht frieren will, und in Rom kann man verdammt frieren, der stellt ein Kohlenbecken ins Zimmer und macht die Fenster zu. Auch beim Schlafen. Jedes Jahr wachen auf diese Weise brave Bürger als Leichen auf. Auch ein wegen seiner fortschrittlichen Ideen bekannter Schriftsteller in Rom ist im letzten Winter an dieser Merkwürdigkeit in die Gefilde der lautlosen Schreibmaschine eingegangen. (Fortsetzung nach Belieben.) „Tlie wieder Liebe!" Das literarische Motiv, daß eine einzige Frau auf ein mit lauter Männern besetztes Schiff gerät, kann in verschiedener Weise geformt werden; bei Rudolf Leonhard („Segel am Horizont") führt es zum tragischen Konflikt, bei Julius B e r st l, im Lustspiel „Dover—Calais", geht's gut aus. Dieses Lustspiels hat sich der neue Ufa-Tonfilm „Nie wieder Liebe!" bemächtigt: man hat ein kurzes Vorspiel dazu gebaut, dann folgt das Manuskript der Bühnen- Handlung in großen Zügen, springt aber schließlich mit einer überraschenden Wendung von Bord weg in den Maskentrubel des Nizzaer Karnevals hinein, um im Sinne des Lustspielthemas programmäßig und sehr versöhnlich auszuklingen. Die begabte Regie von Anatol L i t w a k hat das Thema filmgerecht in eine lustig bewegte Dilderfolge aufgelöst. Harry Liedtke, Liebling der Frauen, ist angenehm schlank geworden und spielt äls Kapitän Sander- croft eine Rolle, die man gerade von ihm am wenigsten erwartet hätte. In den letzten Szenen erst ist er wieder durchaus der Alte. Lilian Harvey (diesmal ganx ohne Fritsch) bringt auf eine äußerst charmante Art das männerfeindliche Schiff durcheinander, schmeißt die Beine und plätschert im Kanal wie ein Goldfisch. Felix Bressart nusselt die trockenen berlinerischen Pointen dazu, denen er seinen rapiden Aufstieg verdankt-, leider nicht immer verständlich. (Das kommt vom Rüsseln!) Die Musik stammt von S p o l i a n s k y. Die Premiöre gestern abend im Lichtspielhaus war sehr gut besucht, doch ist schwer zu sagen, wer von den drei Prominenten die meiste Anziehungskraft ausgeübt hat. —r— ä:' ?äi<” SUS« 'S eia«6 tet» tu feiner.6“ w* MikaM U Tausenden S°h ta für die H'u aU M Das Luftschiff L einer ununter lagen an der franzc i Land unter »Iler. des Deutsch-Oes 3n Baden i Lvrsih von Obe Hauptiagung des ■ Vereins statt. In e wr österreichische Sie Verdienste des besonders im Sten sicherte Sen Verein H die Norden, liiner Ansprache in tiroler. 3n Aoin n weit gediehen se !ir Verhältnisse, uni n Micol lebt, ä: «Gingen mühten Kutsche Dolkstum 6: Waste Aussprache tag der Lektion C in der Zeit der wirt tam Auslands stützen. Semgegeni rt Mutung die! i Sie am Himalaya, i n<@ebiet und im ! NM Für 1932 tota Bianca im P solche Ezpedil P Verfügung. D für die T tonen aus. 1580 'n Beihilfen für 5 Hafte Zustinnnu pn Lindau hervc irgen in Tal, lJue herzustellen. Krde Aürnber Haus Reichsverband K40.deutsche C Deutscher Dm wen rund 250000 dm Ian Mchrn Turo a. Meter aus al $SC als Fvrdei waeroberunq de- "un9 der deutscher ÜV^es g( t? der Arbeit d« emer Verba« 2°rtstreiben i lAege und Dam EJ932 M d Pdttgedankens F «men wanderst, ton Wesenrval Sfr |0 MW Pens Wien Tours Klagen! eben fan-ien Hausfrauen. Kinder / 7TTSN 90-90 im aus. e zuverlässig rtschofl-min> zustehenden i. 'Begrüntet > der gegen« ufgabtn« iird) bie fort« o einge* ibigei Wirt« sich laum )ie Abteilung für Dmänen i angegliedert. ban Innen« Bus Der provinzialhauptfiaDt. Gießen, den 8. September 1931. Oer Blumenschmuckwettbewerb in Gießen» Der zweite Rundgang der Blumenschmuck- Wettbewerb-Kommission des Verkehrs- und Bersch5nerungsvereinS Gießen ist vor einigen Tagen vorgenommen worden. Dabei hat sich ergeben, daß die Erwartungen, die man nach dem ersten Desichti- gungSganae vor einigen Monaten hinsichtlich eines vollen Gelingens der Dlumenschmuckarbeit glaubte hegen zu dürfen, durch den anhaltenden Regen der letzten Wochen leider zu einem Teile enttäuscht wurden. Dennoch war es der Kommission möglich, eine ganze Anzahl wertvoller Ergebnisse der Dlumenschmucktätigkeit unserer Mitbürger festzustellen. Es wurden von der Kommission 23 erste Preise, 91 zweite Preise, 36 dritte Preise und eine Anzahl lobender Anerkennungen erteilt. Reben den für die Prämiierung angemeldeten Fenstern, Balkons und Borgärten mit Blumenschmuck bemerkte die Kommission noch eine Anzahl weiterer, schön geschmückter Fenster, Balkons und Gärten, die nicht zum Wettbewerb angemeldet waren, bei der Konkurrenz aber zweifellos Preise erhalten Hütten. Manche Dtraßen- züge wiesen zahlreichen und guten Blumenschmuck auf, in anderen Straßen dagegen war leider von irgendwelchem Blumenschmuck, der doch jeden ortsansässigen Bürger und auch die Fremden erfreut, nichts zu bemerken. Dom Zeitpunkt der ersten Besichtigung bis jetzt haben sich die Geranien, Begonien, Fuchsien usw. als wetterfest erwiesen, dagegen haben die Petunien in fast allen Farben durch den wochenlangen Regen und Wind erheblich gelitten. Aus diesen Feststellungen der Kommission syllten unsere Mitbürger die Folgerung ziehen, für den nächsten Blumenschmuckwettbewerb den Blumenschmuck in gemischter Zusammenstellung vorzunehmen. Weiter wäre noch zu wünschen, daß alle Bürger, die ihre Fenster, Balkon- und Dorgärtcn bisher mit Blumen schmückten, an dem Wettbewerb aber nicht teilnahmen, sich in Zukunft doch dieser Konkurrenz anschliehen möchten. \i einzig W icrben; bei vw tz-L i Mr Ml""' |l “‘florb weg «- c* au 1'«* sw'll 6dnol erl ""..wockenen ot. gann. Der Sparkasse gelang eS gtoar genügend Barmittel für die plötzlich erhöhten Anforderungen bereitzustellen. 3n einer innerlich so nervösen Zeit wie der Gegenwart sind aber die Folgen derartiger leichtfertiger Redereien gar nicht abzu- sehen. Die Staatsanwaltschaft hat denn sofort vierPersonen gefaßt, denen nachgewiesen werden konnte, daß fic bei derDerbr eil u n g der Gerüchte beteiligt feien. Am Montag ist das Gericht bereit- zusammengetreten und hat auf Gefängnis strafen von vier btS sechs Wochen, erkannt. DaS Gericht hat zwar sestgestellt, daß die Beklagten die Gerüchte nicht aufgebracht, sondern nur to e i t e r g e g e b e n hätten. Unter diesen Umständen wirkt die Ge- fängniSftrase hart. Aber sie ist doch nicht ungerecht. Ls muß einmal ein Stempel statuiert werden, und man darf hoffen, daß der Bremer Fall allen alS Warnung vorschweben wird, denen sonst der Mund sehr rasch wegläuft. lungen sind vergeblich zur Eindämmung des Brandherdes herangezogen worden, der eine größere Ausdehnung hat, als das Grohfeuer in Tatoi im Jahre 1916. Zweimal 300 000 Mark in der Lotterie gewonnen. In der SamStagziehung der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie entfiel ein Hauptgewinn von 300 000 Mark auf daS LoS Rr 285 245. DaS GlücksloS befindet sich in beiden Abteilungen im Besitz eine» ©leimiger Kaufmannes, der daS ganze Doppello» allein spielt. Sr würde demnach Anspruch auf zusammen 600 000 Mark haben. SS dürfte bisher nur selten vorgekommen sein, daß ein so hoher Gewinn einem einzigen Inhaber ungeteilt gufällt Der erste Schnee auf der Schneekoppe. Die Schneekoppe hatte Montag früh 8 Uhr bei minuS 1 Grad den ersten Schneefall in diesem Herbst. Grohfeuer in Süditalien. In einem etwa 25 Kilometer von Reggio (Calabria) entfernten Ort brach anscheinend durch Selbstentzündung in einem Heuschober Grohfeucr auS. Da nach dem Erdbeben von 1903 die Ortschaft nur zum Teil wiederoufgebaut wurde unb die Bevölkerung meist noch in Holzbarocken wohnte, fand daS Feuer bei dem herrschenden starken Wind reiche Rahrung. Etwa 200 Häuser und Baracken, die ebensoviele Familien beherbergten, wurden ein Opfer der Flammen. Da die Feuerwehr die Bewohner gefährdeter Häuser mit Gewalt entfernte, find keine Menschenleben zu be- klagen. Der Sachschaden dagegen beläuft sich auf annähernd zehn Millionen Lire. Sowohl die Regierung als auch der Papst haben für die erste Hilfeleistung Fonds zur Verfügung gestellt. Vornotizen. — Tageskalender für Dienstag. NSDAP.: SA.-Kundgebung, 21 Uhr, CafS Leib. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße „Nie wieder Liebe".— 1. Reichskurzschrift.Gesellschaft: 19 Uhr Anfängerlehrgong. Peftalozzifchule. — „Amerika als Vorbild und War- nun g." Am Mittwoch, 9. September, 20 Uhr. hält Pfarrer Devaranne von der Ostasien- Mission, der eben von Rordamerika in die alte Heimat zurückgekehrt ist, in der Etadtkirche einen Vortrag über das Thema „Amerika als Vorbild uno Warnung". „Amerika, du hast es besser, al- unser Kontinent der alte ..schrieb einst Goethe: „wir aber, wir Menschen unserer Zeit, sehen deutlicher — so schreibt man uns — die Probleme (Prohibition, Reger-, Rassen- und Arbeiterfrage), mit denen sich auch Amerika ab» zuquälen hat. Wir sehen heute, daß es jenes Land absolut nicht besser hat, als unser alter Kontinent, sehen allerdings auch, daß man dort optimistischer an die Probleme herangeht. Gewiß, eS gibt Dinge, in denen uns Amerika über ist, in praktischen und hauswirtschaftlichen Dingen, im Verkehrswesen, in hygienischen Dingen. Aber darüber hinaus wollen wir nichts nachahmen, noch gar uns schmücken mit den Federn der ausgewanderten, stark emanzipierten Tochter Europas. vielmehr unser Erworbenes, unseren gewachsenen Besitzstand wahren nach beiden Seiten: Aus aller Welt. „Gras Zeppelin" von seiner Güdamerikafahri zurück. „Graf Zeppelin" ist von feiner Fahrt nach Süd- «merika wohlbehalten wieder heimgekehrt. Das Luft- schiss landete am Montaanachmittag um 15.45 Uhr. Wahrend der Landung brach die im Werftgelände »ach Taufenden zählende Zufchauermenge In begeisterte Hochrufe aus. Zwischen riesigen Palmen- poeigcn am-Bug des Lustfcyiffes baumelte ein Krokodil. Die begeisterte Menge war nicht zurückzuhalten inb folgte dem Luftriesen bis in die Halle, so daß lie Passagiere nur mit Muhe das Luftschiff verlassen kannten. Mit südamerikanischen Andenken wie Halmenzweigen, Kakteen, Schiangenhäuten Ananas »sw reich bepackt stieg die Besatzung aus. Das Lust- kchiff/hat für die zweimal 8000 Kilometer lange (trecke Friedrichshafen—Pernambuco und zurück insgesamt 155 Stunden benötigt, und zwar 73 Stunten für die Hinfahrt und 82 Stunden für die Rückfahrt. Das Luftschiff hatte bei feiner Rückfahrt erst rach einer ununterbrochenen Meerfahrt von drei Tagen an der französischen Westküste zum erstenmal Bieber £anb unter sich. Es hatte meist schönstes Detter. r-L Ä ?'b0! 'M« n ifen nzltt, ordnung. ^tretet btt ^ler, im Wiblungn -onung Partei (ou ten Mitregierung Jfläfraftion Ersitz H , ^ntoefen- unb des Mb fort- taten lejktfianbi 2bänbe- nung. Die Aussicht gc< 8lage6 schon u beteiligen, n um 2Ien« tSlosen« len-Für. lungbei 4en Unter« ir. en, in benen n erzielt ^mittag ben Reichstags« 1 seiner Der« Die Tagung des Deutsch-Oeslcrretchischen Alpenverein». In Baden bei Wien fand unter dem Vorsitz von Oberbaurat Rehlen-München die Haupttagung des Deussch-Oesterreichischen Alpen- »ereins statt. In einer Begrüßungsansprache hob Ter österreichische Bundeskanzler Dr. B u r e s ch die Verdienste deS AlpenvereinS um Oesterreich, besonder- im Fremdenverkehr, hervor und versicherte den Verein der allseitigen Unterstützung durch die Behörden. Der Vorsitzende gedachte in seiner Ansprache insbesondere auch der Südtiroler. In Rom sollten verschiedene Abkommen weit gediehen sein. Rach wie vor aber seien die Verhältnisse, unter denen das deutsche Volk in Südtirol lebt, äußerst traurig. Unsere Bemühungen müßten darauf gerichtet sein, daS deutsche Volkstum Südtirols zu erhalten. — Eine lebhafte Aussprache entspann sich über den Antrag der Sektion Männerturnverein München, in der Zeit der wirtschaftlichen Rotlage der Sektionen AuSlandfahrten nicht zu unter- stühen. Demgegenüber wurde jedoch auf die croße Bedeutung dieser Expeditionen hingewiesen, die am Himalaya, in den Eordilleren, im Pamir-Gebiet und im Kaukasus große Erfolge auf* Viesen. Für 1932 sei eine Expedition in die Cierra Bianca im südlichen Peru vorgesehen. Für solche Expeditionen ständen 39 000 Mark zur Verfügung. Die Hauptversammlung sprach sich für die Beibehaltung der Auslandaktionen aus. 158 000 Mark sind im Jahre 1932 an Beihilfen für Hütten und Wege vorgesehen. Lebhafte Zustimmung rief der Antrag der Sektion Lindau hervor, alpine Jugendherbergen in Talorten und in der Wald- zone herzustellen. Als Ort der nächsten Tagung tourbe Nürnberg angenommen. Tagung des Relchsoerbandc» Deutscher Wandervereine. Der 40. Deutsche Wandertag des Reichsverban- deS Deutscher Wandervereine, der in 63 Vereinen rund 250 000 deutsche Wanderer vereinigt, fand in dem landschaftlich herrlich gelegenen Städtchen Burg a. d. W statt. Der 1. Dorfitzende Rektor L a f p e r l (Frankfurt a. M.) begrüßte die Vertreter auS allen Gauen Deutschlands und teilte alS Forderung des Reichsverbandes die Rückeroberung deS Grünlandes, die Rückgewinnung der deutschen Seele und die Schaffung eines Gegengewichtes gegen die Maschine heraus. Inhalt der Arbeit der Zukunft wird u. a. die Schaffung einer Verbands-Haftpflicht sein, ebenso daS Vorwärtstreiben der Schaffung deutscher Wan- lertocgc und Wanderer-Schuhpfade. Eine Werbe- voche 1932 soll der Verbreitung des deutschen Dandergedankens dienen. Die Jugendarbeit soll für einen wanderfrohen Rachwuchs sorgen. Stern- vanderungen sollen zum Zusammenschluß benachbarter Derbandsvereine führen und im Jahre 1932 unter dem Leitgedanken .Goethe als Wanderer" gestellt werden. Der nächste Wandertag wird in Mettlach a. d. Saar ftattfinben. Ricfenroalbbranb bei Athen. Die nördliche Umgebung der Stadl Athen wird durch einen auf dem Berge Parnas ausgebrochenen brand gefährdet, der bereits taufende Hektar Herr- ichen Pinien-Waldes vernichtet hat. Ein Dorf fiel Breits den Flammen zum Opfer, während mehrere mdere geräumt werden mußten. Auch die Sommer- residenz des Staatspräsidenten Zaimais, der sich vor der Feuersgefahr nach Athen begab, die Dillen- Kolonie Kephifsiam soll in der Gefahrzone liegen. allgemeiner Run auf die Kassen be» | Der frühere Eommersitz des Königs Constantin, ' " ' - genügend Tatoi, ist von ben Flammen angegriffen. Die | ausgebefjnten Sperrmaßnahmen können die Feuer- ausdehnung nicht verhindern. Starke Mititärabtei- Der babilte jum 1. Oktober seten, die ihm oilligl wurde. DadenS beim Zeitvunli n dieser tot* imisierium auf sterpräsidrntcn ebung des ns bei der lchlossen. AW*. ht Hal gegen tatbeM bah nur allgemein ag waren dort yarkassen« rt geflohen I«. Halle, dah^in iorenz abwri^ als eine Dn« in Aom kann It ein Sohlen eben aus /" auf. iS bekannter be der laufen f) Sesieben.) nach Amerika und nach Rußland." Der Redner | wird seinen Vortrag mit Lichtbildern illustrieren | und dürfte so den Zuhörern einen Einblick in | daS wahre Wesen Amerikas verschaffen. (Siehe heutige Anzeige.) •* Veränderungen In hessischen Kreisverwaltungen. Mil Wirkung vom 1. Oktober tritt der KreiSdireklor beim Kreisamt Offenbach a M. Ernst Werner in den Ruhe- stand. Der bisherige KreiSdirektor in Groß-Gerau Dr. Emst Merk wurde zu feinem Rachfolger bestimmt. Mil der Dersehung der Dienstgeschäste des Kreisdirektors beim Kreisamt Groß-Gerau wurde der bisherige Polizeidirektor Dr. Hermann it f in g e r (Darmftabl) mit der Amtsbezeichnung alS KreiSdirektor betraut. Mil der Derfehung der Tienstgefchäfte deS bisherigen Polizeidirek- lorS Ufingcr wurde Polizeidireklor Dr. D i 11 - mar (Offenbach) und mit der Versetzung von dessen Dienstgeschäften der Leiter des LandeS- kriminalpol'.zeiamtcs Regierungsrat Hermann Back beauftragt •• FreiwilligeArbeitsdienstpslicht. In der letzten Zeit wurde auS verschiedenen Ge- genden des Reiches über eine steigende Aktivität der Bewegung für die Einführung einer freiwilligen Arbeitsdienstpflicht, insbesondere für junge Leute, berichtet. Die Bewegung wird diS jetzt in der Hauptsache von dem Iungdeutschen Orden getragen und vorwärtSgetrieben. Den ersten praktischen Versuch mit dieser Einrichtung hat der Iungdeutsch« Orden in Sachsen in Gang gebracht, der weiteren Durchführung dieses Werkes darf man mit Interesse entgegensehen. Die ReichSregie- rung hat sich entschlossen, wie in den letzten Tagen berichtet wurde, die Bestrebungen für die freiwillige Arbcitsdicnstpfiicht durch eine Beihilfe im Betrage von einer Million zu unterstützen. Wie w>r auf Anfrage beim Arbeitsamt Gießen erfahren, ist in unserer Gegend, also im Bereiche deS Gießener Arbeitsamtsbezirkes, der die ganze Provinz Oberhessen mit Ausnahme deS Schützer Landes und der Gegend von Vilbel umfaßt, von einem praktischen Schritt zur Einführung der Arbeitsdienstpflicht bis jetzt noch nichts bekannt, ebenso liegt ein dahinzielender Antrag beim Arbeitsamt noch nicht vor. "Don derReichsbahn. Der Personenzug 709, Dad-Rauheim ab 0.06 Uhr, ist von jetzt ab bis auf weiteres in der Rächt vom Mittwoch zum Donnerstag zur Rückfahrt auf AuSflug-Rücksahr- karten Gießen — Dad-Rauheim ausnahmsweise freigegeben worden. " Ein Fünfundsiebzigjähriger. Der Kaufmann Wilh. Ma des, früher Inhaber der Firma Treff & Co., begeht morgen die Feier seines 75. Geburtstages in voller körperlicher und geistiger Frische. Herr Made-, der Dorsihender des Rentnerbundes und dessen Mitaründer ist, hat sich lebhaft für die Interessen der Kleinrentner in unserer Stadl eingesetzt. " Ein neuer Erfolg der Tanzschule Bä ulke. Man berichtet uns: Bei dem in Bad Kissingen veranstalteten Tanz'ehrer-Kvngreß und Fachschule des Allgemeinen Deutschen Tanzlehrer- Verbandes, Akademie deutscher Tanzlehrer, wurde das Lehramt für moderne Gesellschaftstänze Herrn Ewald B ä u l k e und Frau übertragen. Im Rahmen dieser Tagung wurde eine öffentliche Tanz- schau abgehalten, woran sich ^Herr Ewald Bä ulke und Frau, sowie Herr Theo Däulke mit großem Erfolg beteiligten. Derkehrsunfall. Gestern nachmittag ereignete sich an der Einmündung der Ärofborfer Straße in die Rodheimer Straße ein Derkehrsunfall, der jedoch noch einigermaßen glimpflich ablief. Ein Motorradfahrer wollte aus der Krofdorfer Straße in die Rodheimer Straße einbiegen, fuhr dabei aber gegen einen Hanomag, der im gleichen Augen- blick die Straße paffierte, stürzte unb erlitt einige Verletzungen leichterer Art. Der Beifahrer des Der- unglückten kam mit dem Schrecken davon. Der Führer des Kraftrades wurde von der Freiwilligen Sanitätskolonne in die Chirurgische Klinik gebracht. " „Im Auto durch zwei Wellen." Der Film unter diesem Titel, der am Sonntagvormittag im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, gezeigt wurde, war daS Spiegelbild einer Reise (einer privaten Reise übrigens, der das Cha- rakteristikum der Expedition nicht eigen war), die Elärenore S l i n n e s in Gemeinschaft mit dem Regisseur Axel Söderström, ihrem jetzigen Gatten, im Auto durch zwei Grdtelle unternahm. Die zum Tell sehr strapaziöse Fahrt führte von Frankfurt a. M. aus nach dem Balkan, nach Klein-Asien und nach Rußland, durch Sibirien und die Mongolei nach China, nach Japan, über den Stillen Ozean nach Südamerika, über die Puruanischen Kordilleren nach Rordamerika unb via Le Havre—Paris nach Berlin. 3n loser Folge war im Bild das den Reisenden wesentlich Erscheinende festgehalten, Landschaft und Architektur, Menschen und Dinge in Photographie und Ton wiedergegeben, mit besonderer Sorgfalt waren die großen technischen Schwierigkeiten, die sich dieser Autoreise auf unwegsamen Straßen und grundlosen Wegen entgegenstellten, gefilmt. Man sah außerdem einige schöne Tieraufnahmen, eine Rehjagd bei 50 Grad Kälte in der russischen Steppe und fragmentarische Aufnahmen buddhistischer Tempeltänze. Der Film, der sich in der Hauptsache darauf beschränkte, kaleidoskopartig wiederzugeben, was sich den Reisenden auf ihrer Fahrt Bemerkenswertes bot, wurde mit Aufmerksamkeit verfolgt. Taten für Dienstag, 8. Leptembcr. 1778: der Dichter Clemens Brentano in Ehrenbreitstein geboren. — 1831: der Dichter Wilhelm Raabe in Eschershausen geboren. — 1841: der Komponist An ton Dvorak in Mühlhausen in Böhmen geboren. Meine Strafkammer Gießen. • Gießen, 4. Sept. Aus der Kaiserstrahe in Friedberg waren ein Auto und ein mit zwei Personen besetztes Motorrad zusarnmengestoßen, wobei die Motorradfahrer erheblich verletzt worden waren Vom Amtsgericht Friedberg waren die Lenker deS AuloS unb deS RadeS zu Geldstrafen verurteilt worden, der eine, weil er vor dem Motorradfahrer die Straße überquert hatte, der Motorradfahrer, weil er zu schnell gefahren fei. DaS Amtsgericht nahm an, daß beide an dem Unfall schuld seien. Auf die Berufung deS Motorradfahrers wurde das HrtcU gegen ihn aufgehoben unb er wurde frelge* sprachen. Rach dem Gutachten eine# Sachverständigen konnte ihm ein Verschulden nicht nachgewiesen werden. AuS der Aussage einet Zeugen« baß daS Aad an ihm .vorbeigesaust" sei, tonnte^ zumal eS dunkel war, kein sicherer Schluß auf Die Fahrgeschwindigkeit gezogen werden. Gleichfalls freigesprochen wurde ein Autolenker, der auf einer Landstraße einen Paffanten von hinten ungefähren hatte, wodurch Dieter un< bedeutende Verletzungen erlitt. Rach der Beweisaufnahme hatte der Verletzte die Straße im letzten Augenblick überquert; dem Angeklagten konnte ein Verschulden nicht nachgewiesen werden« Kunst unb Wissenschaft. lob eines bekannten Frankfurter Schauspieler». Frankfurt a. M., 7. Sept. (WSN.) 9m Atter von 73 Jahren ist bas Ehrenmitglied des Frankfurter Schauspielhauses Arthur Bauer am Sonntag g e ft o r b e n. Bauer war 32 Jahr« lang eines der bedeutendsten Mitglieder des Schauspielhauses und hat mehr als zehntausendmal auf der Buhne gestanden. Bei seinem Uebertritt in den Ruhestand wurde er Ehrenmitglied des Schauspielhauses. Linterschlagungen bei ber Kreis- und Zorstkasse Dillenburg. Dillenburg, 8. Sept. (MTV. Funkspruch.) Bel der hiesigen staatlichen Kreis - und Forstkasse wurden umfangreiche Unterschlagungen auf- gedeckt. Der Oberrentmeister Z w a n j i g e r, ein angesehener Bürger unb früherer Kreistagsabgeordneter, sowie der ebenfalls In bie Angelegenheit verwickelte Berroaltungsaffeffor Bergtjäufer würben gestern nachmittag verhaftet unb in bas Gerichtsgefängnis ju Wetzlar elngelicferL Die Im Laufe mehrerer Iahre veruntreute Summe soll sich auf 4000 0 INark belaufen. Der 50 Jahre alle Oberrentmeifler ist geständig. Die Wetterlaae 0Wof*tnlo$. 0 heilt« 3 RMe M« Q jiwmu«"«' "ordwc$| Oit Mene fliegt" mit dem winde Oie pooen Helionen itenendtn ztfr ten geben die Temperatur «rt Die Limen verbinde» Orw mit gieicbc® «ul HeercjniVeeu umdere bis ' «jährig, 75 bis 150 Mk., J <- bis 2jährig 120 bis 250 Mk., tragend 250 bis 450 Mk.: Kälber daS Psund Lebendgewicht 35 biS 45 Pf. Ausgesuchte Tiere über Rotiz. Marktverlauf: schleppend, geringer Ueberstand. Gute Milchkühe waren gesucht. Herbstmarkt in Tliööa. △ Nidda, 7. Sept. Heute sand hier der bedeutendste Markt des Jahres, der H e r b ft m a r 11, verbunden mit dem Kirchweihfest, statt. Der Markt war sehr gut besucht und wies einen außerordentlich starken Austrieb mit 1200 Stück Ferkeln und Ein» legem. 18 Ebern. 139 Stück Großvieh (Bullen, Stuben und Rindern), über 100 Stuck Ziegen und Böcken auf. Zur Versteigerung waren 16 Bullen angemelbet. Davon wurden 6 Versteigerungen im Preise von 420 Mark bis 500 Mark genehmigt Die Versteigerung von gekörten Ziegenböcken erzielte einen Absatz von etwa 45 Stuck zum Preise von 34 bis 50 Mark. Verhältnismäßig gut war der Preis der Eber. Für 6Monate alte Tiere wurden 110Mk., für die älteren Tiere bis 200 Mark pro Stück gelöst. Hier wurden alle 18 Zuchttiere verkaust. Auf dem Ferkelmarkt war bei dem starken 'Angebot der Handel mäßig. Der Preis betrug durchschnittlich für je ein Stück 6 Wochen alt 8 bis 9 Mark, 8 Wochen alt 11 bis 12 Mark, 10 Wochen alt 15 Mark, Läufer kostete ein Stück 24 Mark und Einleger etwa 35 Mark. Für Rinder bis ein Jahr alt wurden 150 Mark bis 170 Mark bezahlt. Kühe und Milchziegen wurden kaum verkauft. Die meisten waren auch nur zur Prämiierung aufgetrieben. Der gleichzeitig auf der Känsweid abgchaltcne Krämer markt war nachmittags auf der Umgegend sehr gut besucht. Gießener Wochenmarktpreise. SS kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt da» Pfund: Butter 140 bi» 150; Matte 30 biS 35; Käfe (10 Stück) 60 bi« 140; Wirsing 8 bi« 10; Weißkraut 6 bi« 7; Rotkraut 8 bis 10; gelbe Rüben 8 bi« 10; rote Rüben 10 bi« 12; Spinat 20 biS 25; Römifchkohl 8 bi« 10; Bohnen 15 biS 25; Unter-Kohlrabi 5 bi« 6; Tomaten 15 bi« 20; Zwiebeln 10 bi« 12; Meerrettich 90 bi« 100; Kürbis 5 bi« 6; Pilze 20 bi« 25; Kartoffeln 3,5 bis 4. Frühäpfel 8 bi« 15; Falläpsel 3 bi« 4; Birnen 8 bi« 15; Dörrobst 30 bi« 35; Zwetfchen 10 bi« 15; Mirabellen 40 bi« 45; Reineklauden 10 bi« 15; Pfirsiche 40 bi« 60; Preitzelbeeren 30 bi« 35; Brombeeren 30 bis 35; Honig 40 bi« 50; junge Hähne 90 bi« 110; Suppenhühner 80 bi« 100; Rüffc 50 bi« 60; da« Stück: Tauben 50 bi« 60; Eier 9 bi« 10; Blumenkohl 30 bi« 70; Salat 5 bis 10; Salatgurkcn 10 bi« 20; Sinmachgurken 2 bi« 4; Endivien 10 bi« 15; Ober-Kohlrabi 8 bis 10; Lauch 5 bis 10; Rettich 10 bi« 15; Sellerie 10 bis 40; da« Bund: Radieschen 10 bi« 15 Pf.; der Zentner: Kartoffeln 3 bi« 3,50 Mk. Sürflermeifleroerammlunfl des Kreises Aisseld. M Alsfeld, 7. Eept. Am SamStag fand im Hotel „Deutsches Haus" unter dem Vorsitz von Kreisdircktor Dr. Stammler eine Versammlung der Bürgermeister des Kreises Alsfeld statt, an der fast alle Gemeinden deS Kreises vertreten waren. Den ersten Punkt der Tagesordnung bildete ein Referat von Bürgermeister Dr. V ö l s i n g (Alsfeld) über „Die neue hessische Gemeindeordnung". Der Referent gab einen ilebcrblid über die Ent- Wickelung der kommunalen Gesetzgebung in Hessen und erläuterte alsdann den Aufbau der neuen hessischen Gemeindeordnung, die am 1. Oft. 1931 in Kraft tritt. Sie bringt als wesentlichste Neuerung die Zusammenfassung der seitherigen Städteordnung und Landgemeindeordnung in einer gemeinsamen Gemeindeordnung. Diese hält, im ganzen gesehen, an dem Grundaufbau des bisherigen Rechtes fest, bringt jedoch im einzelnen gegenüber dem bisherigen Zustand zahlreiche und teilweise einschneidende Aenderungen fachlicher Art und baut da« Grund- gcfeh der gemeindlichen Selbstverwaltung organisch neu auf. Dabei ist auch dem Gedanken, die Rechtsangleichung in den deutschen Ländern zu fördern, Rechnung getragen worden. An der bewährten Dürgermeistereiverfassung der in anderen deutschen Ländern das Zweikam- mersystem (Magistralsoersafsung) gegenübersteht, ist festgehalten worden. Das Recht der Gemeinde, verbände ist durch ein besonderes Gesetz geregelt worden. (Zweckverbandsgeseh.) Der Vortragende erläuterte sodann die hauptsächlichsten Abweichungen gegenüber dem seitherigen RechtSzustande. — lieber Tlotflanbsarbeilen und produktive Erwerbslosen-Fürsorge berichtete der stellvertretende Vorsitzende des Ar. beitsamts Gießen, Dr. Kohl, der die Haupt, sächlichsten Bestimmungen über Rotstandsarbeiten und die produktive Arbeitslosenfürsorge mit der Grundförderung und verstärkten Förderung näher darlegte Von Interesse war die Mitteilung, dah die Mittel für die verstärkte Förderung jetzt von der „Deutschen Gesellschaft für öffentliche Bauten in Berlin" zur Verfügung gestellt werden. Der Redner befaßte sich sodann eingehend mit der Beschäftigung der WohlfahrtSer- w e r b s l o s e n, für die er wertvolle Hinweise für die Praxis gab. Gr empfahl den Gemeinden dringend, sich vor der Inangriffnahme von Arbeiten durch Wohlsahrtserwcrbslose mit dem Arbeitsamt in Verbindung zu fetzen. Hinsichtlich der Lohngestaltung regte er eine gemeinsame Regelung für die Provinz Qberhefsen unter Mitwirkung der KreiSämter an. An die Ausführungen knüpfte fich eine rege Aussprache an. — Heber die Bürger- und Blcrfkuer erstattete Verwaltungsinspektor Dippel! ein ausführliches Referat, wobei er insbesondere über die DorauSsehungen und daS Verfahren bei der Durchführung der neuen Steuern nähere Erläuterungen gab. lieber das Deitreibungsverfahren im Kreise Alsfeld berichtete Verwaltungs-Ober» fekretär Kneife!. Daraus war au entnehmen, daß die Rückstände einen bedrohlichen Umfang annehmen. Rach der Mittagspause setzte der Bürgermeisterverein des Kreises unter dem Vorsitz deS Bürgermeisters K o r e l! (Angenrod) die Tagung fort, die nunmehr den Angelegenheiten deS Dürgermeistervereins gewidmet war. Bürgermeister Seim (Heidelbach) wurde anläßlich seines 25. Bürgermeisterjubiläums durch den Vorsitzenden im Auftrage des Landesverbände- der hessischen Bürgermeister eine Ehrenurkunde überreicht. Die Reuwahl des Vorstandes ergab Wiederwahl der seitherigen Mitglieder. Bürgermeister K o r e 11 (Angenrod) behandelte sodann das Thema „Die Zlnanznok der Gemeinden", wobei er auf die überaus ernste finanzielle Lage auch in den Landgemeinden hinwies, die infolge der großen EteuerauSfälle und Rückstände vor leeren Kassen stünden. Bürgermeister Dr. D ö l. fing gab dazu einige nähere Erläuterungen auf Grund der Verhandlungen der kommunalen Spihenorganisationen. Eine längere Aussprache entspann sich sodann über die Sammelwasenmeisterei des Kreises Alsfeld, Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 8 o.H., Lombardzinsfuß 10 o. H. (r = repartiert). lüi . . - . zx Einheit» irinbeite Ihn bei tf Uinbeitl jr» tur (ut# Datum | 7.9 8.9 7.9 8.9. 6% Teunäw »CtidiMuicthr v. 1fr. 7% Teutid>t Sel*4aiilclbe v. lf>2f 5H% 7)ounfl.«nidtK von 1930 Teuticbe enl.-Äblöl^ediulb mit SuSloi.-Rrchlc» THfll. ebne tiullof.-Sedite . 8% Hei'. SolHftaai von 1929 Cbtrbeilen Provinz Anleihe mit «utloi.-Rechten Teutirbe Komm, cammtlabl. Anleide Serie 1 . . . 8% Frankl. Hnp.-Bank Soldvle 15 unkündbar bt# 1935 7% Frankl. Hnp.-Banl fflotbpfe unkündbar bU 1936 Serif 16 4K% Flank«. Hov.-Bonk Liou Biandbrieie........ »beinüdie Hvp.-Vank-Ltou Soldpri......... 8% Pr. Landeepiandbrielanilal: Piandbriele R. 19 7% Pr. Landeipsandbriesankali Psandbrieie R 10 4% Oeilerrctthtldx Soldrentr 4,20% CefterrcidrilCbe Lllberrentc 4% Ungariicht (Solbrente . 4% Ungarndx Staaurente v. 1910 *'i% bc4fll. Don 1913 5% abgefu «oldmexikaner von 99 4% Türkische Zollanletde von 1911 4% Türkische Bagdaddabn-Anleib.- Serie I 4% 6cegl. Serie II 5% Shimän. oertinb. Reine v. 1903 4^%Ruman.vereinb.Reniev.l91S 4% Rumänische vereint». Rente L Anatolier —— — 71.5 — 83.65 — 84 — — — 56 — 43,95 —- 44 — 3,65 — 3,5 — 74,5 — 74,5 — 41,25 — — — 38,5 — 38.75 — 85.5 — — — 77,5 — — - ret75 — — - 72 — — — — — — — — - — - — — 14,5 - 0.80 — 0.80 0.75 12 — 12 — 11,75 — 12 — — — — 1,8 — 1,75 — 1,8 1.8 1.75 1.75 1.8 1.8 1.8 5.75 — 5.75 2,3 11.6 —— 11.75 — 4.55 — 1.65 — — — — 12.8 viutr ui Mi iinbe't» (5in bette ihn bette hi. ■ »UT« tur» Datura | 7.9 8 9 7.9. 8.9 vainBurg-Smento Pate- t 27,5 — 27.75 30 Hamdurg'Tüdam. Tampischiss . 1) — — 83 84,25 Hansa Tampsichiss Norddeutscher Llond . 0 — — 54 54 6 28,25 30.25 28,25 30 ft.(5. kür Berkeb»wrlen HTt 31.5 31.75 31,75 32 Berliner Handetegeieilschost b — — r 72 70 Socnrm- und Prioal-Bark 7 70 68 70 68 Tarmktaoter und Na.tonalbanl Deutsche Bank und s 76,13 75,65 76,13 76.13 Dt*conto.<»riel!schast. . . 6 71.5 69 71,5 69 Dresdner Sank...... 6 44 41 44 41 Reichsbank ..... 12 109 115,5 108,5 115 fl.C.®........ . 7 56,5 60,25 57 61 Bergmann........ . v 49.5 — 50 49 chlektr. LieierungSgeiellichost . 10 — — — — Licht und Äralt 10 71.5 73 72 73.5 .reiten & fluiHeaume. aefeUi*aft für Elektrische es 43,25 — 48,5 47 antemebmungen . . . 64.5 63.5 65 64 «betatsche eiektrqttüt . . . . 9 70,5 70 74,5 echudcn & Cc. . . . . 11 74,5 78.25 75 77.75 Siemens & Hairke..... 14 105.5 111.25 105 112 Labmer r & 6a....... 12 — - 75.5 flubenis....... . . 4 23,8 25,75 23 25.5 Deutsche Erdo!...... . 5 39,25 40.25 39,5 40,5 «elsenknchener...... . 6 36,75 — 37 40 Harpencr....... . . O <0.25 41,25 40 41 Hoeich tfifen........ . 6 — -- 32 32 Ilse Bergbau....... 10 — — 124 131 Hiodnetraerfe....... r- 32 32.75 32 33 Soln-Reuesjen....... — — •— — Skanne-smann-Rcbren . . . . 6 36.75 — 37 40 Mansselder tkrebau .... . 0 16.75 — 17 — Lberid-Iei. «c!etrcrfr . . . . 8 — — 9,5 41 Bböntr Bergbau ..... 4U 26 — 26 26.13 Rdeintjchc Braunkoblen . . . 10 118.5 124.75 119 124 Rdeins-adl....... 41.25 42.75 11.5 43 Sean ui .. Ser. thnbeite ttinbrtl» ute für# fu-e kure Datum 7.9 8.9. 7 9 8 9. . 7/.- — — — — vereinigte Stadl merke . ... t 27,5 — 27,5 27,75 C tavt ühnen .... . 16' , 11.75 12 12 12,5 Kaliwerke aiAerileben . . 10 79.5 79,5 80 80 flaltreerfe öefletegeln . 10 86,5 — 87 92 Kaliwerke Sfllibelfurtb 15 146,5 — 146 147 I. <1. Farven-Industrie vere n. chem. Indultrie ... If Frank- 97,25 102 96,5 102,5 furt a.M..... 40 — — — Ccheideanltalt.... . . . 10 93 94 — — Keldschtmdt..... . . . . 0 24,75 — 25 25 Sdigerfroerte .... . . . . 5 — 23.75 23 24,25 WrtoUgeieJIAaft. . . . . . . 6 — 40 39 40 Sbtltpp Holimano . . . 3emeetrttn Heidelberg. Zementwerk ÄarlfeaBt. . «avstS Frevtag e 42,75 41 41 SchulIbetr «asenboter ... 15 Aku (allgemeine ®unßfeibe> 0 Hemberg . . . ... 0 Zellitotl Saldboi.....12 Hdlftofi Aichassenburg ... 6 £ eilauer Ga»........S Taimler Motoren......0 Teutiche Linoleum . .... 6 Crenftein & Sovvel.....0 Leonbarv Tietz ....... 8 Soensla ........15 2 da de ....... ,1r. [Mu KräutcrbauSIuna öollro. Lebensmittel in der Schulstraßc. II bis 20WB. f. la erste Hyv. 75000 OrtSger. geschätzt,zu 97,> kies. Sehr. Ang. u. 05141 an d. GH. Anz. 8n der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 2 Grvinn« »u 300000 M. 285245 2 Gewinne zu 50000 M. 183111 2 Gewinne zu 10000 M. 326621 12 Gewinne »u 5000 W. 67141 75171 96714 250699 269794 384104 12 Gewinne,u 3000 M. 43680 202445 276761 303926 341207 365927 34 Gewinne zu 2000 M. 1078 14897 30793 122250 149611 166996 214098 215739 227966 235051 284177 302408 302756 326129 334898 347670 397057 - 102 Gewinne »o 1000 W. 10976 12577 16540 18217 24422 28446 31527 33998 46107 49266 54628 57568 61450 63643 74619 75092 79402 97596 Dienstag, Mittwoch und Donnerstag verkaufe Ich in meinem Laden Kreuzplatz 1 — Ecke Mflusburg n - einen großen Posten Reste moderner Dekorations-Stoffe geeignet für Kissen, Tischdecken, Portieren, Möbelbezüge usw. außerordentlich billig! Großflugveranstaltung in Hirzenhain. Die große Segelflugveranstaltung in Hirzenhain hotte sehr unter der regnerischen Witterung zu leiden, doch bedeutete sie für den rührigen Verein für Luftfahrt in flugsportlicher Hinsicht einen vollen Erfolg. Dem Düsseldorfer Flieger Freusberg gelang es, sich eine Stunde lang in del Luft zu halten. Den Höhepunkt des Tages bildete der Start des Weltrekordfliegers Kronfeld, der mit seiner Maschine „Wien" bei strömendem Regen aufsticg und nach halbstündigem Kreisen über dem Flugplatz über Dillenburg nach Herdorf (Kreis Wetzlar) flog; die Entfernung beträgt etwa 30 Kilometer. Sein Ziel Gießen, von wo er mit seiner Maschine zu einem internationalen Wettbewerb in Frankreich reisen wird, konnte Kronfeld nicht erreichen. Verband Mitteldeutscher Ski-Vereine (VMS.). Vertreter-Versammlung in Alsfeld. Am 5. und 6. September hielt der Verband Mitteldeutscher Ski-Vereine seine Herbsttagung in Alsfeld ab. Insgesamt waren 36 Vereine vertreten aus dem Taunusgau, Rhöngau, Gau Vogelsberg, Fulda-Werra-Gau, u. a., aus den Städten Frankfurt, Mainz, Darmstadt, Gießen, Kassel, Fulda, Wetzlar. Friedberg, Grünberg, Büdingen, Schotten, Aschaffenburg, Würzburg, Kissingcn, Bad Drüdenau, Gersfeld. Am Sonntag wurde von 8 bis 13 Uhr getagt; zunächst im Jugendausschuh unter dem Vorsitz von K a r t h a u s (Gersfeld), dann in der Vertreterversammlung unter dem Vorsitz von Ienisch (Frankfurt). Für den kommenden Winter sind folgende Sportveranstaltungen beschlossen: im Oktober ein „T r o ck e n - Renne n" um den Feldberg (Taunus), am 3. Januar Gau-Jugend- tag in der Rhön, am 9. und 10. Januar Verbandsrennen im Taunus (Lang-, Abfahrt- und Sprunglauf), am 17. Januar Staffe l l auf in derRhön, am 24. Januar 3 0- Kilometer-Lauf im Taunus. Dazu tritt eine Ski-Lehrer-Prüfung für werdende DSV.- Ski-Lehrer. Von Weihnachten bis Reujahr wird auch in diesem Jahr zur Ausbildung fortgeschrittener jüngerer Skiläufer ein Trainingskurs in Resselwang (Allgäu) abgehalten. Dazu kommen noch die Wettläufe der Gaue. Aus den Berichten der einzelnen Ausschüsse sei hervorgehoben: Der Sportausschuß berichtete, daß bei dem letzten Rennen des Deutschen Ski- Verbandes auch der DMS. eine Mannschaft stellte, die sich wacker hielt. Dasselbe gilt von den Resselwanger Kursteilnehmern, die sich am Rennen des Allgäuer Ski-Verbandes beteiligten. Alle heimischen Rennen waren gut beseht und haben gute Leistungen gezeitigt. Der seitherige Sport- und Lehrwart Prof. Ratzel, Frankfurt, legt das Amt als Sportwart nieder. An seine Stelle wurde Hauptmann Klug, Aschaffenburg, gewählt. Außer den Läufen in die heimatlichen Berge haben im letzten Winter, so berichtete der Touristik-Ausschuß, die Fahrten ins Hochgebirge weiter zugenommen. Verband und Vereine werden weiterhin Verbilligungen solcher Fahrten anstreben. Die Zahl der Jugendlichen hat sich, wie der Jugend-Ausschuß mitteilte, im Berichtsjahr um 41 Prozent vermehrt. Dem Jugend-Skilauf soll weiterhin Unterstützung gewährt werden. Auch über 18jährige junge Leute sollen noch als Jugendliche behandelt werden (Beiträge, Versicherung), falls sie Schulgruppen angegliedert sind. Ein Hauptteil in der Aufwärtsbewegung der Mitgliederzahl (die Zahl der Vollmitglieder hat sich im Verband um 12 Prozent vermehrt) fällt dem Ski-Gau Vogelsberg zu, dem im Jahresbericht des VMS. eine besondere Anerkennung ausgesprochen ist. Die Versammlung nahm ferner Stellung zu verschiedenen Anträgen, die zu der Hauptversammlung des Deutschen Ski-Verbandes vorliegen. Der Vertreter des Frankfurter Polizei-Sportvereins wies auf dessen Ski-Hütte in Hirschegg (Vorarlberg) hin, die, soweit sie nicht durch Polizei-Kurse belegt ist, auch den übrigen Verbandsvereinen sehr preiswert zur Verfügung steht. Launspach 70, 2. Schomber und Schäfer 52, 3. Roth 49 Punkte. Klasse A: 100 Meter: 1. K. Jäger 12,3, 2. Phil. Launspach 12,6, 3. E. Seipp 12,6; 200Meter: 1. Jäger 26,2, 2. Becker 28,4, 3. Seipp 29,4 Sek.; 1500 Meter: 1. Peter 5,08, 2. L. Schomber 5,08, Minuten, 3. Seipp; Hochsprung: 1. Launspach 1,60 2. Ehr. Möbus 1,55, 3. Rich. Damm 1,50; Stabhochsprung: 1. Launspach 2,90, 2. Möbus 2,80, 3. Fr. Balser 2,70; Weitsprung: 1. Launspach 5,93. 2. Balser 5,54, 3. Jäger 5,50; Fretweithochsprung: 1. Launspach 1,50:3,00, 2. Jäger 1,45:2,90, 3. L. Schomber 1,45:2,90; Kugelstoßen: 1. Balser 10,16, 2. Möbus 9,37, 3. Seipp 9,35; Speerwurf: 1. Möbus 34,60, 2. Balser 33,90, 3. Jäger 32,80 Meter. Fünfkampf: 1. Launspach 88, 2. Möbus 79, 3. Jäger 75 Punkte. Kurze Sportnotizen. Die We st deutsche Wasserball - M e i- st e r s ch a f t fiel wieder an den Titelverteidiger Schwimmsportfreunde Barmen. DiePolizei-Handballmei st erschüft von Hessen-Hessen-Rassau fiel an den jetzt wieder zur DSB. übergetretenen Polizei SV. Frankfurt, der in Wiesbaden den Polizei SB Darmstadt mit 9: 5 (7:2) schlug. * Bei denDeutschenMotorrad-Club- meisterschaften gab es zwei Todesstürze, von denen die Fahrer E. Berger und Deckert betroffen wurden. Die Meisterschaft fiel an den Chemnitzer M. C. Gewinnauszug 5. Klasse 37. Preußisch-Süddeutsche (263. Preuß.) Staats-Lotterie Ein Preisausschreiben wie es nicht alle Tage vorkommt, ist das Sanella-Margarine-Preisausschreiben für Hausfrauen und Kinder, das eine Fülle von Bar- und Sacypreisen bringt: 50 000 Mark und 40 000 Sachpreise sind ausgesetzt! Das Preisausschreiben, an dem sich jeder beteiligen kann, erscheint auf „Glückstüten", die in jedem einschlägigen Geschäft kostenlos erhältlich sind. Dort erfährt man auch alles Nähere über die Bedingungen. 5864V Alois Funk 2. Preis; Schwergewicht: Meininger 1. Preis. Abturnen im Turnverein Reiskirchen 08 (AOT.) Aus jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II der steuererlaß nicht bis zum Ablauf der Einspruchsfrist gegen den kommunalen Steuerbescheid für das betreffende Rechnungsjahr einzureichen sind, sondern daß derartige Anträge bis zum Ablauf des Rechnungsjahres an die Bürgermeisterei gerichtet werden können. Die Genehmigung zur Errichtung einerTank- stelle vor dem Grundstück der Ludw^ Sommer Witwe wurde erteilt. Rachdem die Einführung der Bürgersteuer in der letzten Gemeinderatssitzung einstimmig abgelehnt worden war, das Kreisamt Gießen sich jedoch mit diesem Beschluß nicht einverstanden erklärte und die Einführung verlangte, beschloß der Gemeinderat nunmehr die Einführung der Bürger st euer für das Rechnungsjahr 1931. Der Ertrag aus dieser Steuer soll in erster Linie für „Allgemeine Wohlfahrtspflege" Verwendung finden. Die Am Sonntag wurde das diesjährige Ab - turnen, verbunden mit der Austragung von leichtathletischen Vereinsmeister- schäften, abgehalten. Cs stellten sich etwa 50 Turner und Schüler den Kampfrichtern. Die Wettkämpfe, die den ganzen Tag in Anspruch nahmen, hatten sehr unter den schlechten Plah- und Witterungsvcrhältnissen zu leiden; trotzdem wurden einige sehr schöne Leistungen gezeigt. Ch. Möbus konnte infolge einer Hüftverletzung keine besseren Leistungen in den Sprungkonkurrenzen zeigen, (er übersprang bereits Freiboch -1,65 Meter und Stabhoch 3,10 Meter). Auch E. Sack konnte wegen Krankheit in den kurzen Strecken nicht antreten und muhte diese konkurrenzlos Jäger überlassen. (Die einzelnen Leistungen sind im Auszuge wiedergegeben.) Klasse C (Volkstümlicher Dierkampf): 1. . Ernst Schäfer und Hermann Balser 77 P.; 2. W. Möbus 65 P.; 3. W. Peter 61 P. Schüler (Oberstufe): 1. Hugo Jäger 151 P.; 2. Erich Opper 123 P.; 3. K. Peter 112 P. älnterstufe: 1. L. Reichmann 135 P.; 2. L. Döring 109 P.; 3. K. Enders 105 P. Klasse B: 100 Meter: 1. L Schäfer, 14,4, 2. Leonhard Launspach, 14,5, 3. Max Roth, 15; Weitsprung: 1. Launspach 4,41, 2. K. Schomber 4,17, 3. Schäfer 4,15; Hochsprung: 1. Launspach 1,45, 2. Roth 1,40, 3. Balser 1,30; Freiweithoch: 1. Launspach 1,25:2,50, 2. Roth 1,20:2,40, 3. Schäfer 1,20:2,40 (durch Stechen entschieden); Kugelstoßen: 1. Launspach 8,47, 2. Schomber 8,30, 3. L. Balser 7,69; Speerwurf: 1. Launspach 29,60, 2. Roth 21, 3. Balser 18,30 Meter. Fünfkampf: 1. Leonhard wobei insbesondere die Frage erörtert wurde, ob eine Stillegung des Betriebes erfolgen solle. Die Aussprache ergab die allgemeine Auffassung, daß cs im Interesse der Gemeinden des Kreises liegt, wenn der Betrieb sortgeführt wird. Am Schlüsse der Sitzung berichtete Bürgermeister Dr. V ö l s i n g noch für die in Betracht kommenden Gemeinden des Kreises Alsfeld über die Ablösung des Gemarkungsselbständigen- Grundbesihes im kreise Alsfeld. den Gemeinden wurde empfohlen, sich vor Stellung von Ablösungsanträgen für die Gemeinde« steuerfreiheit auf Grund des Gesetzes vom 8. Juli 1911 über die finanziellen Auswirkungen für die einzelne Gemeinde genau zu unterrichten. Oderheffen. Gemeinderat in Lich. j) L i ch, 4. Sept. In der jüngsten Sitzung wurde u. a. beschlossen: Die in der letzten Sitzung erfolgte Beschlußfassung über Erleichterun- gen der gemeindlichen Sonderge- äudesteuer wurde insoweit abgeändert, als Ermäßigungsanträge über die zugestandenen Steuererleichterungen bis zum Ablauf des Rechnungsjahres eingereicht werden können. — Entsprechend dem Vorgehen des Staates beschloß der Gemeinderat, daß hinsichtlich der Freistellung der vor dem 1. April 1931'bezugsfertig gewordenen Wohngebäude von der Gemeindegrundsteuer die Regelung des Hessischen Staates Platz greifen soll. Danach tritt für Wohnhausneubauten aus Antrag hin bis zu acht Jahren Steuerbefreiung und für weitere zwei Jahre Steuerermäßigung um die Hälfte ein. Heber das Ende des Rechnungsjahres 1938 hinaus fallen jedoch diese Vergünstigungen hinweg. Für die in der Zeit vom 1. April 1931 bis 31. März 1934 bezugsfertig werdenden Wohngebäude gilt die Verordnung des Reichspräsidenten Dom 1. Dezember 1930, die eine Grundsteuerbefreiung bis zum Ende des Rechnungsjahres 1938 vorsieht. Alle Vergünstigungen erstrecken sich auch auf die Kreis- und Provinzialumlagen. Lediglich für das Baugrundstück sind die Grundsteuern zu entrichten. Alle diese Maßnahmen laufen auf eine Ankurbelung der Bauwirtschaft hinaus. Im Anschluß hieran teilte der Bürgermeister mit, daß die letzte H o l z e r n t e einen Gesamterlös von rund 7 0 4 0 0 Mark gebracht habe und hinter dem Erlös des Vorjahres um rund 10 000 Mark zurückbleibe. Der ®emctn)crat stimmte nachträglich der Verwertung der gesamten Holzernte des Wirtschaftsjahres 1931 zu. Die Erhebung der Vergnügungssteuer, die seither entsprechend dem Vergnü- gungssteuergeseh vom 12. März 1926 erfolgte, soll auf Anregung der Aufsichtsbehörde insoweit eine Aenderung erfahren, als die hauptsächlichsten Arten von Veranstaltungen ausgenommen werden und die Höhe der Steuer durch Orts- sahung geregelt wird. Der Gemeinderat beschloß den Erlaß einer Ortssahung mit einem Grundbetrag von 5 Mark je nach der Größe des benutzten Raumes bei Tanzbelustigungen usw. — Ferner wurde die Einführung einer allgemeinen Wertzuwachs st euer nach einer Mustersahung beschlossen. Mit der Einführung dieser Steuerart tritt die seitherige Ortssahung über die Erhebung einer Jnflationswert- zuwachssteuer außer Kraft. — Beide Ortssahun- gen sollen mit ihrer Veröffentlichung in Kraft treten. Motorrad gegen Auto und Hauswand. Holzheim (Kr. Gießen), 7. Sept. Heute tgcgen 10.50 Ähr ereignete sich in unserem Orte ein Zusammenstoß zwischen einem Motorrad und einem Auto. Die Schornsteinfeger- gesellen Ernst Sartorius und August F as- sauer, beide bei einem Schornsteinfegermeister in Lich angestellt, fuhren auf einem Motorrad durch die Ortsstraßen und streiften beim Passieren einer abschüssigen und unübersichtlichen Kurve das ihnen entgegenkommende Auto der Provinzialdirektion Oberhessen in Gießen am linken Vorderrad. Sartorius, der das Motorrad führte, verlor nach dem Zusammenprall die Gewalt über das schnell fahrende Motorrad und rannte etwa 20 Meter weiter gegen ein Haus. Beide Motorradler stürzten und blieben bewußtlos liegen. Dr. med. Schäfer aus Lang-Göns leistete die erste Hilfe und ließ die beiden jungen Leute nach Gießen in die Klinik bringen. Sartorius trug bei dem Sturz einen älnterschenkelbruch davon, während F a f s a u e r anscheinend mit leichteren Verletzungen davongekommen ist. An dem Motorrad ist die Lenkstange abgebrochen, das Personenauto erlitt keine Beschädigungen. Die polizeilichen Feststellungen haben ergeben, daß das Personenauto in vorschriftsmäßiger Fahrtrichtung langsam fuhr und sofort gebremst wurde, während die Motorradler mit ihrer Maschine sich auf der linken Straßenseite in raschem Tempo in der Fahrt befanden. Landkreis Gießen. g Klein-Linden, 6. Sept. 3n der jüngsten Gemeinderatssitzung wurde zunächst der neugewählte Beigeordnete Friedrich Schimmel in fein Amt eingeführt und verpflichtet. Sodann wurde folgendes beschlossen: Der Ge- meinderatsbeschluh vom 6. August 1931 wird insofern berichtigt, als die Anträge auf S o n - 90374 100032 100120 115642 116311 136415 138998 147145 161565 169608 123868 150751 199817 278325 339126 TöO” ©etoinneju” 500 QÜ. 930 9621 11179 20592 21889 26978 27863 32165 46028 49697 52956 In allen Verhandlungen herrschte eine erfreuliche Einigkeit. Am Abend zuvor hatte der Alsfelder Ski-Klub im „Deutschen Haus" fein Bestes geboten. Die ganz hervorragende Kapelle des Schot teuer Ski-Klubs Blau-Weiß unter ihrem Dirigenten Dr. Koeniger spielte auf. Vorbereitete und improvisierte Aufführungen erhöhten die Stimmung. Am Sonntag wurde das Alsfelder Museum nebst Rathaus und Kirche besichtigt. DereinSmeisterschasten des 1. Gießener Kraft- und Sportklubs Der „I. Gießener Kraft- und Sport- klub von 189 3" hielt feine diesjährigen Vereins Meisterschaften ab. Obwohl die Beteiligung seitens der aktiven Mitglieder nicht besonders start war, wurden doch gute Leistungen gezeigt. Anschließend wurden noch die beiden verdienten Mitglieder Heinrich H ar tmann und Heinrich Schomber, die an diesem Tage auf eine 25jährige Zugehörigkeit zum Verein zurückblicken konnten, besonders geehrt. Rachstehend die Ergebnisse der Wettkämpfe: Gewichtheben (Jugendklassen), beidarmig Stoßen: Leichtgewicht: Hermann Ruß 1. Preis 100 Pfd.; Mittelgewicht: Wilhelm Schneider 1. Preis 175 Pfd.; Schwergewicht: Heinrich Emmerich 1. Preis 160 Pfd. Gewichtheben (aktiv), einarmig Reihen oder Stoßen, beidarmig Reißen und Stoßen: Leichtgewicht: A. Götz 1. Preis links Reißen 85 Pfd., beidarmig Reißen 105 Pfd., beidarmig Stoßen 140 Pfd. 2. Preis Wied rechts Reihen 75 Pfd., beidarmig Reihen 95 Pfd., beidarmig Stoßen 125 Pfd.; Mittelgewicht: Alois Funk 1. Preis links Reihen 100 Pfd., beidarmig Reißen 120 Pfd., beidarmig Stoßen 165 Pfd. Adolf Klotz 2. Preis rechts Stoßen 105 Pfd., beidarmig Reißen 115 Pfd., beidarmig Stoßen 160 Pfd.; Schwergewicht: Willi Meininger 1. Preis rechts Reißen 115 Pfd., beidarmig Reißen 125 Pfund, beidarmig Stoßen 170 Pfd. Ludwig Wagenpfeil 2. Preis links Reihen 95 Pfd., beidarmig Reihen 110 Pfd., beidarmig Stoßen 150 Pfund. Ringen (Jugendklasse): Leichtgewicht: Erich Lehmann 1. Preis; Mittelgewicht: Heinrich Emmerich 1. Preis. Ringen (aktiv): Leichtgewicht: Alexander Götz 1. Preis; Mittelgewicht: Adolf Klotz 1. Preis, Kleinkind-Bett (Fahrbett) 50/100 cm mit Torfmull-