Nr. M Erster Blatt 18t Jahrgang Samstag, 8. August |95| trl^etet täghd),au5n Sonntag» und 5etcrtags. Beilagen: DU 3Hu|tricrU «Utzena JamüienblitUi Hem, al tm Bild Die Scholle Konats-Bfjugiprets: 2.20 Reichsmark und 30 Setd)»ptennig für Trüge» lohn, and) bei Nichts» scheinen einzelner Nummern infolge höhere, Dem alt. zerMfprechanfchlSße unter5ammelnummer2281 Anschrift ftu Drahtnachrichten: Lizetaer Otetze». poRfchedlonto: KraUttuNa« Main IIS«. WetzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen vnllk »nd Verlag: vrLhl'lche Usttverfttälr-Vuch. nö Stetiörndcret B. LaAge tu Kietzen. Sdfriftitthnig und Geschäftsstelle: Schulsttatze 7. Annahme om Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis fir l mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Ne» hlameanjeigen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig. Playvorschnft 20*, mehr. Thefredakteur. Dr. Frirdr. Will). Lange. Verantwortlich für Volitil Dr. Fr. Will). Gange; für Feuilleton Dr.H.THyrrot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, fümtlich in Gießen. Oer Kanzlerbesuch in Nom. Oie Ankunst in Nom. Mussolini begrüßt seine deutschen Gäste. Nom, 7. Äug. (BIS.) Reichskanzler Dr. Brüning pnb Reichsaußenrninister Dr. Curtius haben bei ihrer Ankunft in Rom, die pünktlich um 8.15 Uhr erfolgte, einen sehr würdigen Empfang erhalten. Schon eine Viertelstunde vor Ankunft des Zuges war der Chef der italienischen Regierung Mussolini in Begleitung des Außenminister» (B ran bi und zahlreicher hoher Beamter des italienischen Außenministerium» auf dem Bahnhof erschienen. Bis zum Eintreffen des Zuges unterhielt sich Musiolini angelegentlich mit dem italienischen Botschoster in Berlin Orsini B a r o n I. Rach Ein- laufen des Zuges ging Musiolini sofort auf die (Baste zu, um sie in deutscher Sprache freundschaftlich zu bewillkommnen. Außer dem vollständig erschienenen Personal der deutschen Botschaften beim Ouirinal und Vatikan waren die deutschen und einige italienische sowie ausländische Presievertreter bei dem Empfang anwesend. Rach der offiziellen Vorstellung durch den Botschafter Dr. von Schubert begaben sich die Herren durch den Königssalon zu den bereitstehenden Automobilen. Aus dem Bahn- Hofsplatz hatte sich unter den in Galauniform auf- gestellt«) Karobinieri eine stattliche Menschenmenge eingebunden, die durch wiederholte» Händeklatschen und Zuruse den deutschen Staatsmännern ihren Gruß entboten. Zahlreiche Photographen und Filmoperateure haben den Empfang im Lichtbild festgehalten. Die deutschen Regierungsvertreter verabschiedeten sich hieraus von ihren Gast- gebern und begaben sich in» Grandhotel, von wo sie sich nach einer kurzen Pause gegen 10 Uhr zum Besuch Mussolini» in den Palomo Venezia begaben. Besuch im Palazzo Venezia. Erste Aussprache mit Mussolini. 'Hom, 7. Aug. (WTB.) Der Besuch dos Reichskanzler- und des. ReichSauhenministerS beim Ches der italienischen Regierung iin Pa - lazzv Venezia dauerte saft anderthalb ©tun» bene. Diese erste Aussprache, an der auch der italienische Außenminister und der deutsche Botschafter beim üuirinal teilnahmen, trug sehr offenen und freundschaftlichen Charakter. Rach dem Besuch im Palazzo Denezia empfingen Dr. Brüning und Dr. Curtius die deutfchen Pressevertreter. Sie gaben ihrer besonderen Genugtuung darüber Ausdruck, daß der Gedankenaustausch, den sie bereits in London mit dem italienischen Außenminister ausnehmen konnten, jetzt mit Mussolini fortgesetzt werden kann, der den Gedanken der europäischen Kooperation ganz besonders stark und seit Zähren in den Dordergrund gestellt hat. Auch die Besprechungen werden dazu beitragen, daß sich die Erkenntnis von der dringenden Rotwen- bigfat überall durchsetze, daß man nur durch gemeinsame Arbeit und durch Schafsung einer BertrauenSatmosphare bei den Völkern selbst über den Berg der gegenwärtigen finanziellen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten hinüberkvmmen und die Gefahren überwinden kann, die daraus der ganzen Welt drohen. Das fei daS Ziel der in Ehequers begonnenen und seither in Pari-, London und Berlin fortgesetzten und jetzt hx Rom aufgenommenen Besprechungen Vertrauliche Besprechungen. Zum Lee in der Villa d'Estc. Rom. 7. Aug. (WTB) Die Besprechungen deS Reichskanzlers und des Reichsaußenministers mit Mussolini und Grandi sind im Lause des heutigen Tages bei verschiedenen gesellschaftlichen Veranstaltungen in zwangloser 5orm fortgesetzt worden zunächst bei dem Frühstück, das der italienische Außenminister Grand' den deutschen Gästen in dem an Kunstschätzen reichen Smpsangsräumen der Villa Borghese gab. Die deutschen Pressevertreter waren zur gleichen Zeit zusammen mit einer Reihe italienischer Journalisten im Hamen Brandts von dem Pressechef des Ministerpräsidenten. Lando Ferretti. zu einem Frühstück geladen worden und von diesem später in den KreiS der Gäste deS italienischen Außenministers eingeführt worden. Rach einer kurzen Pause, während der Dr. Brüning und Dr. Eurtius eine größere Anzahl Mitglieder der deutschen Kolonie empfangen hatten, begaben sich die deutschen Staatsmänner nach Tivoli in die Villa d'Gste, wo in Anwesenheit Mussolinis und Grandis und einer stattlichen Anzahl von Gästen ein Tee Gelegenheit zu einem weiteren Gedankenaustausch bot. Man sah den Reichskanzler abwechselnd im Gespräch mit Mussolini, mit dem italienischen Botschafter in Berlin und mit Außenminister Grandi. Mit letzterem unterhielt sich auch Außenminister EurtiuS sehr eingehend. Es hat den Anschein, alS ob man nach ter erfteti allgemeinen Fühlungnahme bereits konkrete Fragen erörtert har. wobei wirtschaftlichePro- b lerne im Vordergrund der Aussprache gestanden haben. Das erste Funktelegramm aus Rom: Die Ankunft der deutschen Minister. Don link» nach rechts: Botschafter von Schubert, Reichskanzler Dr. Brüning, Mussolini, Dr. Curtius und Außenminister Grandi. Lin Festbankett zu Wen des Reichskanzlers. Mussolinis Trinkspruch. Rom, 7. August. (WTB.) Mussolini gab heute abend zu Ehren des Reichskanzlers Dr. Brüning und deS Reichsaußenmimsters Dr. Curtius ein Diner, an dem sämtliche hier weilenden Mitglieder der italienischen Regierung, ferner Senatspräsident Federzoni, der Gouverneur von Rom, Doncompagni, der Gouver- neur der Dank von Italien, A z z o l i n i. der italienische Botschafter in Berlin, Orfini Baroni, der Pressechef beim Ministerpräsidium. Ferretti, Senator General de Marinis. Botschafter Dr. v. Schubert und die übrigen Mitglieder der deutschen Botschaft beim Quirinal tei(nahmen. — Während der Tafel richtete Musso- lini folgenden Trinkspruch an die deutschen Gäste: Herr Kanzler! Es gereicht mir zur Freude. Ew. Exzellenz und Se. Exzellenz Herrn Dr. Cur- ttus herzlich willkommen zu heißem Die italienische Regierung und das italienische Volk begrüßen Sie als sehr gern gesehene Gäste in diesem Rom. das immer allen Großen teuer war. die in der Welt die deutsche Kunst und den deutschen Gedanken verkörperten, in diesem Rom. wo sich durch die Jahrhunderte hindurch die deutsche und die l a t e ini s che K u l- tut begegneten und sich durchdrangen. Das faschistische Italien hat stets alles getan, um wirksam teilzunehmen an dem großen gemeinsamen Werk, dessen Ziel es ist, d i e m o r a - lischen und materiellen Schäden zu heilen, die der Krieg hinterlassen hat unb woran noch alle Volker leiden. Es beabsichtigt, auch fest hierbei zu verharren und leiht seine Willensstärke Mithilfe denen, die sich dieses Ziel setzen. Wir sind überzeugt, daß die Verwirklichung einer aufrichtigen politischen und wirtschaftlichen Zu- fammenarbeit zwischen den verschiedenen Ländern auf immer weiteren und tieferen Gebieten ganz besonders dazu dienen wird, jenen Geist gegenseitigen Vertrauens zu schassen, der Gewähr ist für einen wahren Frieden, begründet auf Recht und Gerechtigkeit. DaS italienische Volk, das mit lebhafter Sympathie die großen Leistungen verfolgt, die Deutschland auf allen Gebieten menschlicher Arbeit erzieft hat, ist sicher, daß das deutsche Volk seinen Weg mit neuer Kraft weitergehen wird tn vollem Bewußtsein der großen Kräfte, die chm innewohnen. Dies ist nicht nur ein Wunsch, es ist eine ileberjcugung, in der ich bestärkt werde durch die kluge und energische Tätigkeit, die Ew. Exzellenz entwickeln, um das deutsche Volk wieder in die günstigsten Verhältnisse zu führen und ihm die Zukunft zu sichern, die es verdient. In diesem Gefühl erhebe ich mein GlaS auf das Wohl des hohen Herrn Reichspräsidenten Marschall v. Hindenburg, auf das Wohl Ew. Erzellenz, Seiner Exzellenz des Herrn Dr. Eurtius, auf das Gedeihen Deutschlands! Brünings Dank. Reichskanzler Dr. Brüning erwiderte daraus XL a.: Herr Ministerpräsident! Wir sind in die Crange Stadt gekommen, durchdrungen von dem Gedanken, daß in der Lage, in der sich heute nicht nur einzelne Länder, sondern der größte Teil der Welt befindet, nichts nützlicher gewesen sei als der persönliche Kontakt und die offeneAus- spräche zwischen den Männern, denen die Leitung der Politik ihr« Staaten anDertraut tfL Wir haben eS warm begrüßt, naß Sie H«r Ministerpräsident, unseren Besuch willkommen geheißen haben. Indem Sie an die Hebet» lief erungen der alten Zeit an* knüpfen, die mit dem Begriff der römischen Bürgertugend unzertrennlich verbunden ist, haben Sie die im italienischen Volk schlummernden Kräfte zu Leistungen auf allen Gebieten der Zivilisation geweckt, die uns mit hoher Achtung erfüllen. Die schweren Aufgaben, mit denen die deutsche Regierung ringt, sind Ew. Exzellenz bekannt. Wir haben Vertrauen auf d i e Kraft, den Arbeitswillen und die EntsagungSsähigkeit unseres Volkes. für die es schon oft genug Beweise gegeben hat. Es bereitet mir besondere Genugtuung, daß Sie, He« Ministerpräsident, derselben Heberzeugung spontanen Ausdruck gegeben haben. Wir wissen, daß untere Sorgen nicht allein unser eigenes Land, sondern Europa und die Welt angehen. Deshalb erhoffen wir das Verständnis aller, die guten Willens sind und der Welt den Frieden geben wollen. Sie, Herr Ministerpräsident, waren unter den Ersten, die die bahnbrechende Bedeutung der Botschaft des Herrn Präsidenten der Vereinigten Staaten erkannten und mit dem Ihnen eigenen staatsmännischen Weitblick und in Verfolg Ihrer seit lang« Zeit eingenommenen grundsätzlichen Haltung indieTatumsetzten. Ihr schneller und großartiger Entschluß hat wesentlich dazu beigetragen, die kritische Lage der Weltwirtschaft hoffnungsvoll« gestalten Dafür gebührt Ihnen unser all« Dank. Die Reise nach Rom hat auch in mir aufs Reue daS Bild des jahrhundertealten geistigen Verkehrs zwischen unseren Volkern entstehen lassen, w« auf beiden Seiten die wertvollsten Kräfte angeregt und befruchtet hat. In Gedanken an die historische Bedeutung dies« wechselseitigen kulturellen Beziehungen habe ich die Zuversicht, daß sich auch die wirtschastliche und politische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Italien zum Segen beiber Länder und zur Forderung der allgemeinen internationalen Kooperation auf der Grundlage von Recht und Gerechtigkeit fruchtbar Weit«entwickeln wird. Ich gebe der Hoffnung Ausdruck, daß die Zeit nicht mehr allzu fern fein möge, in der wir uns a m Erfolg der gemeinsamen Q3emÜbungen um die Heberwindung der großen Schwierigkeiten d« Gegenwart erfreuen und mit Dante sagen können: ita tune cives, respirantes in pace, confusionis miserias in gaudio recolemus (Aufatmend in Frieden und voller Freude besinnen wir Bürger uns auf die Trübsal der Verwirrung). Ich «hebe mein Glas und trinke auf das Wohlergehen Sein« Majestät des König- Victor Emanuel, des Souveräns dieses großen Landes, auf Ihr Wohlergehen und eine glückliche Zukunf t des italienifcben Volkes! Dre Gäste des Banketts haben das Hotel Excelftor gegen 1/,12 Hhr verlassen. Rach Aufhebung der Tafel hatten Mussolini unb Außenminister Grandi eine etwa einstündige Hnterredung mit ihren deutschen Gästen, während sich die übrigen Eingeladenen in angeregter Hn terpaliung auf die verschiedenen Salons verteilt hatten. Llm Preußen. ötne Zeit schwerst« wirtschaftlich« Störungen, die mit dem Hnglückstag des 13. Juli begann, hat mit der Wiederaufnahme des unbeschränkten Zahlungsverkehrs, d« von heute ab auch für die Sparkassen gilt, einen vorläufigen Abschluß ge- funben. Die akute Gefahr eines Zusammenbruchs b« deutschen Wirtschaft ist wenigsten- für den Augenblick gebannt. Hnfer Schifflein hat nach schwerer Sturmfahrt ruhigeres Wall« erreicht, aber eS segelt immer noch mit nur notdürftig verstopftem Leck auf hoher See. wert entfernt vom sicheren Hafen, und ieb« neu aufkommende Sturm droht ihm neue schwere Havarie zu bringen. ES toäve Frevel, sich üb« den Ernst der Lage auch noch dem ersten Abebben her Flut irgendwelcher Täuschung hinzugeben. Der Reichskanzlei selb« hat tn seinem letzten Rechenschaf tSbericht vor dem Rundsurck in fein« jeder optimistischen Phrase, jed« Verschleierung abholden, nüchtern- sachlichen Art eindringlich vor solch törichten Illusionen gewarnt. Er hat gründlich mit dem Gedanken aufgeräumt, als ob wir in absehbar« Zeit mit ein« langfristigen Auslandanleihe rechnen t6unten, die uns des Zwang- zur Hilfe aus eigen« Kraft und eigenem Willen enthöbe Er hat vielmehr mit Rachdruck darauf hingewiesen, daß das deutsche Volk, nad>bcm es durch Selbstdisziplin und Besonnenheit die akute Gefahr überwunden hat, erst am Anfang eines mühsamen, nur Schritt für Schritt aufwärts f ühr enden Weges steht, deS einzigen, bet aus dem Dickicht ins Freie führt, den wir ab« nur beschreiten können in starkem Vertrauen auf die eigene Kraft. Der Reichskanzler hat mit Recht betont, daß nur bet fremde Hilfe erfährt, der sich zunächst selbst zu helfen weiß und damit daS Vertrauen der Hmtoelt gewinnt. Wir wissen, daß die in London angebahnten Verhandlungen üb« Kredit- «leichterangen für Deutschland weitergehen. Davon d« Bank für Internationale Zahlungen in Basel bestimmte Komitee von V«trauenSleuten der 3entratnotenbanten wird in diesen Tagen in 'Berlin mit der Prüfung der deutschen Kreditbedürfnisse beginnen. Die von der ReichSregie- nmg um ihren Rat gebetenen ausländischen Sachverständigen sind sckwn an der Arbeit. Sie waren schon an den letzten Besprechungen deS ReichS- tabinette üb« die zunächst drängenden Maßnahmen des Selbsthilfeprogramms beteiligt und werden ferner der Reichsregierung auf Grund eines eingehenden Studium- der deutschen Wirtschaftslage Material für die Weiterführung ihr« Bemühungen um eine Revision des VoungplanS, die während des HoovermoratoriumS perfekt werden muß, an die Hand geben. Daß da- in Vorbereitung befindliche Selbsthilfeprogrannn deS Kabinette zu den alten, schon alS untragbar empfundenen Lasten neue schwere materielle Opfer fordern wird, wird sich nicht umgehen lassen. Ab« kein Einsichtig« wird sich dem Rotwendigen verschließen, wenn « einen klaren Kurs und ein Ziel sieht, wenn er ehrliche Bemühungen um eine gerechte Lastenverteilung erkennt, welche Zumutungen vermeidet, die er als unbillige Härte empfinden muh. toenn « vor allem sieht, daß dort rücksichtslos zugepackt wird, wo es gilt, unzeitgemäße Auswüchse zu beschneiden, und man nicht übet Zwirnsfäden stolpert, wo eine außergewöhnliche Rvtzeit mich eine außergewöhnliche Entschlußkraft verlangt. So ist alle- im Fluß, und man begreift die Sorge des Reichskanzlers, daß neue inner* politische Kämpfe und eine dabei fast unvermeidliche Verschärfung der Gegensätze ihn bei der Durchführung seines ReformprvgrammS. da- Sammlung d« aufbautoilligen Kräfte durch Heberbrückung der Gegensätze zur Voraussetzung hat, hindern könnten. In dem morgen in Preußen zum Ausirag stehenden Volksentscheid übet die Auflösung des Preußischen Landtag- sieht der Kanzler eine solche Quelle der Hntuhe und er hat sich in ehrlicher Sorge um die Zukunft seiner Pläne, vielleicht auch nicht ganz ohne Einwirkung seiner preußischen Parteifreunde. bewegen lassen, in seiner Rundfunkrede von d« Teilnahme am Volksentscheid abzuraten. Der Kanzler hat damit eine Hnerschrockenheit an den Tag gelegt, die seinem Charakter Ehre macht. Ob es für den leitenden Staatsmann des Reiches allerdings klug gehandelt war. ohne zwingenden Grund in eine schwebende Angelegenheit Preußens einzugreifen und sich zu den ohnehin schon bestehenden Schwierigkeiten noch mit dem Odium einseitiger Stellungnahme und parteipolitischer Bindung zu belasten, das steht auf einem anderen Blatt. Gewiß können so außerordentliche politische Vorgänge wie drohende Landtagsauf- lÖlung und folgender Regierunaswechfel in Preußen. dem weitaus größten deutschen Bundesstaat, auch auf die Führung b« Reichsgeschäfte, namentlich in Krisen zetten, nicht ohne weitreichenden Einfluß bleiben. Aus der Arbeit des Kabinetts Brüning ist ja die Mitwirkung des preußischen Ministerpräsidenten Braun nicht Hinwegzudenken. Seine außerordentliche Energie be- w.rkte. daß die sozialdemokratische Reichstagsfraktion aus begreiflicher Furcht, auch das in Preußen errichtete Bollwerk d« Partei an die Rechte zu verlieren, das Kabinett Brüning tolerierte und zu Mahnahmen schwieg, die mit einem sozialistischen Kurs unvereinbar waren. Auch Preußens Schlüllelftellung im Reichsrat muhte für den Kanzler von um so größerer Bedeutung werden, je mehr der Reichstag auS- geschaltet wurde. So kann ihm also eine durch den Volksentscheid in den Bereich der Möglich- kett gerückte Veränderung der polittschen Macht xn Preuhen nicht gleichgültig sein. Ab« um so mehr wäre eS unseres Erachtens ein Gebot vor- rAATSPART£,ee5l23 Stimmen der ------------v---------- Stimmen der Oppositionspartei 12,420.650 auSschauender Vorsicht gewesen, sich nicht ohne Aot vorzeitig festzulegen und den Gegensatz zu der heul« noch wenigstens in Preußen in Opposition stehenden Rechten zu vertiefen, mit der man morgen vielleicht schon zusammenarbeiten muh. Ob der Volksentscheid in Preußen, dem aus den oben aufgezeigten Zusammenhängen mit der Reichspolitik auch außerhalb der schwarzweißen GreiiZ- pfähle eine außerordentliche Bedeutung zukommt, in diesem Augenblick, wo auf Ruhe und Stetigkeit im Innern viel ankommt, zweckmäßig war, ist eine Frage, über die man zweierlei Meinung sein kann. Die Abneigung gegen eine Teilnahme am Volksentscheide geht ungeachtet der grundsätzlichen Einstellung zu der in Preußen regierenden Koalition bis weit in die Reihen der Volkspartei, von der so bedeutende Männer wie Graf Dohna oder der ehrwürdige Nestor der Partei, Geheimrat Kahl, sich gegen die Aktion des Volksentscheids zu einem innerpolitisch ohnehin kritischen Zeitpunkt ausgesprochen haben. Aber es läßt sich wohl auch die Ansicht Dekreten, daß jede großzügige innere Reform seit einem Dezennium die Sozialdemokratie stets zum schärfsten Gegner gehabt hat, daß es also htzute, wo wir im Kampfe um unsere Selbstbehauptung vor der zwingenden Notwendigkeit stehen, eine solche Reform auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens in Angriff zu nehmen, es mehr denn je das Gebot der Stunde ist. die retardierenden Elemente einer Partei, von der ihrer ganzen Entwicklung nach eine fruchtbare Mitarbeit nicht zu erwarten ist, durch Kräfte au ersetzen, von denen man «inen starken Antrieb für die notwendigen Reformen erhoffen kann. Der verfassungsrechtliche Aufbau unseres Staates setzt für eine gedeihliche Führung der Reichsgeschafte eine gewisse Homogenität der Regierungen im Reich und in Preußen voraus. Das Kabinett Braun hat allen dahinzielenden Tendenzen solange mit Erfolg äußersten Widerstand entgegengestellt, als es mit der unumschränkten Macht in Preußen am längeren Hebelarm saß und glaubte, auf das Reich keine Rücksicht nehmen zu brauchen. Es hat damit die politische Entwicklung im Reich mehrfach entscheidend beeinflussen können, vor allem auch, weil es mit erstaunlichem Geschick stets verstanden hat, die Interessengemeinschaft, die Sozialdemokratie und Zentrum m Preußen eng verband, für beide Partner so einttäglich zu gestatten, daß auch in kritischen Augenblicken es dem Zentrum stets wertvoller erschien, diese Bipdung aufrechtzuerhalten, als dringenden Erfordernissen der Reichspolitik Rechnung zu tragen. So ist es vom Reich aus gesehen begreiflich daß die Parteien der Rechten — im weitesten Sinne — nach den Septemberwahlen, die ihnen im Reich eine starke — wenn auch bislang kaum genützte Posttion brachten, nun alle Anstrengungen unternahmen, auch in Preußen durch Herbeiführung von Neuwahlen das Parlament der seit 1928 gründlich veränderten Dolksmeinung anzu- passen. Und das vor allem, weil sie aus dem bisherigen Gang der Dinge durchaus mit Recht folgern mußten, daß erst eine Aenderung der Mehr- hettsverhältnisse in Preußen und ein daraus sich ergebender Kabinettswechsel ihnen die Möglichkeit gebe, auch im Reich sich Den Einfluß zu verschaffen, der ihnen bislang versagt geblieben ist. Nimmt man noch dazu spezifisch preußische Momente, eine rücksichtslose Personalpolitik, die den ganzen Staatsapparat vom Oberpräsidenten abwärts mit An- gehörigen der regierenden Koalitionsparteien durchsetzte, eine Kulturpolitik, die trotz der Zugehörigkeit des Zentrums Aur Koalition der zersetzenden Propaganda der Kommunisten gegen christliche und deutsche Kultur freie Bahn ließ und in Schule und Universität vor lauter kostspieligen Experimenten von Mißgriff zu Mißgriff fchrill, so sind — von anderem ganz zu schweigen — Gründe genug für die Bemühungen der Rechten, der Herrschaft der Weimarer Koalition in Preußen ein baldiges Ende zu. setzen. Nachdem das Kabinett Braun sich geweigert hatte *- wozu es sehr wohl verfassungsmäßig in der Lage Sewesen wäre — durch Ausschreibung von Neu- iahlen der veränderten Dolksmeinung, wie sie in den Septemberwahlen zum Reistag in Erscheinung getreten war, von sich aus Rechnung zu tragen, blieb der Opposition nur der längere und kostspieligere Weg über den Volksentscheid. Auch das Volksbegehren, das für die Regierung schon ein Menetekel hätte sein können, ließ sie vorübergehen, ohne irgendwelche Folgerungen zu ziehen. Ja, das Kabinett Braun fühlte sich so unentbehrlich, war anscheinend seiner Sache auch so sicher, daß es darauf verzichtete, die regulär für das kommende Frühjahr in Aussicht stehenden Wahlen durch gütliche Vereinbarung mit der Opposition auf einen früheren Termin zu verlegen. Wenn wir recht unterrichtet sind, hatten für ein solches Kompromiß, dos tri schwerer Krisenzeit uns sehr viel Erregung und Unruhe erspart hätte, sehr wohl Möglichkeiten bestanden, besonders auch, da die zwar unverlangte, aber immer peinlich bleibende Bundesgenossenschaft der Kommuni st en, die natürlich mit ihrer Unterstützung der Aktion ganz andere und nicht ungefährliche Zwecke verfolgen, seitdem die Lage für manchen bisherigen Befürworter des Volksentscheids beträchtlich verschoben hatte. So wirkt es schon sonderbar, wenn man mit der sturen Hartnäckigkeit und Selbstsicherheit, die den Preußenzaren von jeher im Guten wie im Schlechten aus- aezeichnet haben, zwar jedes Entgegenkommen ob» lehnt und darauf besteht, die Machtprobe auszutragen, dann aber Zetermordio schreit gegen die Träger des Volksentscheids, die durch die Fortführung ihrer Aktion auf die Notwendigkeiten der Stunde keine Rücksicht nehmen. Merkwürdig auch, wie sich die Koalition, die stolz als die „Zitadelle der Demokratie und Republik" firmiert, sich gegen dos ur» demokratische und erst durch die Weimarer Koalition in die Verfassung der Republik eingeführte Instrument des Volksentscheids in dem Augenblick stemmt, wo es gegen sie selbst angewandt werden soll. Noch erstaunlicher aber, zu welchen Mitteln die regierende Koalition greift, um sich gegen die Aktion des Volks- entfcheids zu behaupten. Wir schweigen von der langen Liste kleinlicher Schikanen, die man dem Uebereifer untergeordneter Organe in die Schuhe schieben mag, obwohl es überrascht, daß es dem sonst so gestrengen Herrn Severing grabe in dieser Sache nicht reckt gelingen will, sich nach unten durchzusetzen. Aber das alles wird weit in den Schatten gestellt durch die Art, wie der preußische Ministerpräsident die gesamte Presse seines Landes den politischen Zwecken des Kabinetts dienst- bar gemacht hat. Eine Notverordnung des Reichspräsidenten sollte es der Reichsregierung ermöglichen, sachliche Darlegungen ober Richtigstellungen durch die Presse der Oeffentlichkeit zur Kenntnis zu bringen. Den Anlaß für diese Notverordnung hatte die Tatsache gegeben, daß eine Reihe von Blättern oppositioneller Rich- hing, Rundfunkreden des Reichskanzlers oder an- dere Verlautbarungen der Reichsregierung entweder totgeschwiegen ober in Form von polemisch geholte- nen Aufsätzen gebracht hatten, aus denen der Lefer Aus »er' «wÄ®" M®* ’unt>«” wäre" Iagen. SleE heiair 6 Boo^ fejj oV« M LS mn w * Ks Derlehrsstund« UneOlaud ge-Hm. och Arbeiter r TumieleM er tonnte- Ds zu schafm tonntet Aufbietung J5r' gen. Der weM die Aettungsmc liche Lrkrantte holt. Explosion»! 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Der Zweck der Notverordnung war also klar und der zuständige Reichsinnenminister hatte noch dazu auf begreiflicherweise geäußerte Bedenken der Berufsorganisationen der Presse mildeste Anwendung der Notverordnung nur in besonderen Fällen zugesagt, im übrigen aber ihre baldige Wiederaufhebung in Aussicht gestellt. Bisher ist uns auch noch nicht ein einziger Fall betanntaeroorben, wo bie Reichsregierung von bieser Bestimmung ber Notverorbnung Gebrauch gemacht hätte. Um so überraschender ist, was sich bie preußische Staatsregierung soeben geleistet hat. Unter Berufung auf biese Notverorbnung hat sie sämtliche preußische Tageszeitungen gezwungen, an der Spitze bes Blattes in Fettdruck eine Kundgebung gegen den Volksentscheid au veröffentlichen, die nicht nur auf mehr als Spaltenlänge von Schmähungen gegen die Anhänger des Volksentscheids strotzt, sondern auch im Hinblick auf bie Wirkung im Ausland jedes Maß und Ziel außer acht läßt. Alles das, was man der Aktion des Volksentscheids vorwirft, daß er die Beunruhigung im Innern erhöhe und die Nervosität des Auslandes neu entfache, wird auch diesem Aufruf der preußischen Staatsregierung zugeschrieben werden müssen. Das Erstaunen auf ber andern Seite ber Wilhelmstraße über diesen offenkundigen Mißbrauch der Notverordnung durch Preußen scheint nicht gering gewesen zu sein. Es ist erfreulich, daß der Herr Reichspräsident sofort Vorschläge zur Aenderung der Notverordnung angefordert hat, aber es wird schwer halten, das Porzellan wieder zu kitten, das bei diesem Gewaltritt in Scherben gegangen ist. Der Reichskanzler wird wohl wenig entzückt sein, wenn er hört, welches Kuckucksei Otto Braun noch dazu unter Assistenz sämtlicher Zentrumsminister ihm während seiner Romreise ins Nest legte. Er hat sich vermutlich den Dank für fein offenes Eintreten gegen den Volksentscheid etwas anders gedacht. Und auch wir müssen sagen, daß wir von der staatsmännischen Einsicht des preußischen Ministerpräsidenten, den wir trotz aller sachlichen Meinungsverschiedenheiten als aufrechten Mann von Format stets anerkannt haben, im Kampf um den Volksentscheid eine andere Haltung erwartet haben, als sie diese unerfreuliche unb nach innen und außen gleich schadenstiftende Kundgebung verrät. Ser Reichspräsident fordert Abänderung der Aotverordnung. Hindenburg greift ein. Am Montag der Beschluß des Kabinetts zu erwarten Berlin, 7. Aug. Der Herr Reichspräsident läßt auf bie ihm heute zugegangenen zahlreichen telegraphischen Anfragen mittei- len, daß die Anordnung der Veröffentlichung der gestrigen Kundgebung der preußischen Staatsregierung ihm Veranlassung gegeben hat, die Reichsregierung um Vorschläge zur Aenderung der Verordnung vom 17. Juli 1931 zur Bekämpfung politifcher Ausschreitungen zu ersuchen. Die Reichsregierung wird unverzüglich solche Vorschläge dem Herrn Reichspräsidenten unterbreiten. Das Reichskabinetf hat sich, wie wir erfahren. bereits in feiner heutigen Besprechung mit dem Dünsche des Reichspräsidenten auf Aenderung der preffenotoerorbnung vom 17. Juli d. I. beschäftigt. Ls steht fest, daß eine Aenderung erfolgen wird voraussichtlich wird da» Kabinett diese Aenderung in einer Sitzung am Montag beschließen, wenn Reichskanzler Dr. Brüning aus Rom wieder in Berlin eingetroffen fein wird. Inzwischen soll mit den beteiligten 0 r g a n i- sationen der Presse usw. Fühlung genommen werden, um eine zweckentsprechende Neuregelung forgfältig vorzubereiten. Die die „DAZ." berichtet, werden die Aenderungen sich auf zwei Punkte erstrecken: Den Ländern wird die Befugnis, Verbote, (Entgegnungen usw. auf Grund der Notverordnung zu erlassen, entzogen. Das Reich wird sich mindestens in Gestalt einer IHitbetelligung einschalten. Ferner sollen die Presseverbände künftig beteiligt werden. Warum Preußen die Notverordnung in Anspruch nahm Berlin, 7. August. (CAB.) Zur Kundgebung der preußischen Staatsregierung schreibt der Amtliche Preußische Pressedienst u. cl, die Notverordnung sei ausdrücklich zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen erlassen worden. Die „polittschen Ausschreitungen" der gegen die preußische Regierung sturmlaufenden Presse hätten eine so starke Unruhe und Aufregung in der Bevölkerung erzeugt, daß die preußisch« Staatsregierung es als i h r e P f l i ch t betrachtete, vor der Beteiligung an dem Volksentscheid zu warnen. Der Volksentscheid sei für das 3n» wie für das Ausland daS wichtigste politische Ereignis dieser Tage. Seit langem werde vielfach die Taktik angewandt, nichts zu berichten, was für die preußische Regierung und ihre Leistungen spreche, dagegen alles zu vergröbern und zu verstärken, was gegen sie vorgebracht werden könnte. Die preußische Staatsregierung sei der Ansicht, daß in dieser ernsten Zeit nur einestarkeRegierungdie Verhältnisse meistern könne. Deshalb habe sie es für notig gehalten, allen Wählern und Wählerinnen vor Augen zu führen, was für Folgen eintreten könnten, wenn etwa eine Mehrheit des Volkes der Parole des Volksentscheids folgte. Daher habe die Staatsregierung entscheidenden Wert darauf gelegt, von der gesamten Presse des Landes gehört zu werden. Sine Antwort des Stahlhelms. Berlin, 7. Aug. (TA.) Die am Volksentscheid beteiligten Bunde, Parteien und Organisationen veröffentlichen folgende Erklärung und bitten die Zeitungen aus Gründen dec Loyalität ihr ebenso wie der Kundgebung der preußischen Regierung Raum zu geben: „Sämtliche Zeitungen, 2500 an der Zahl, sind unter Berufung auf die Pressenotverordnung des Reichspräsidenten vom 17. Juli gezwungen worden, eine Kundgebung der preußischen Regierung an Preußens Wähler und Wählerinnen gegen den Volksentscheid zu veröffentlichen. Es gibt kein verfassungsmäßigeres und demokratischeres Mittel des politischen Kampfes als die Befragung des Volkes in einer politischen Angelegenheit von Bedeutung. Ilm dieses verfassungsmäßige Mittel zu bekämpfen, und eine dem Dolkswillen nicht mehr entsprechende Regierung zu schützen, wird die Pressefreiheit, dieses höchste Gut eines freiheitlichen Staates, vernichtet. Ein besserer Beweis für die Avtwendigkeit dieses Volksentscheides konnte nicht erbracht werden. Eine sachliche Erwiderung auf die von parteipolitischen Erwägungen frittierte Kundgebung der preußischen Regierung erübrigt sich in diesem Augenblick der Enttcheidung. Wir sind überzeugt davon, daß nicht nur unsere bisherigen Anhänger in Stadt und Land, die durch derartige parteipolitische Kundgebungen nicht schwankend gemacht iverden tonnen, sondern daß darüber hinaus alle wirklich freiheitlich denkenden Männer und Frauen auf diese Vergewaltigung der Meinungsfreiheit die einzig mögliche würdige Antwort geben: 3a I Der Preußische Landtag ist aufzulösen. Oie Freien Gewerkschaften gegen den Volksentscheid. Berlin, 7. Aug. (CAB.) 3n einem an all« Arbeiter und Angestellten Preußens gerichteten Aufruf wendet sich der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund und der Allgemeine frei« Angestelltenbund gegen die Beteiligung am Volksentscheid, da bei seinem Gelingen der Sieg des Faschismus in Deutschland zu befürchten fei. Schon die Möglichkeit dieses Sieges allein, so heißt es darin, reißt, wie die letzten Wochen gezeigt haben, die deutsche Wirtschaft in den Abgrund und rückt den Zusammenbruch der deutschen Währung in fürchterliche Aähe. „Wer der Einheitsparole von Hitler, Hugenberg und Thälmann folgt, begeht ein Verbrechen an seinen Kameraden." Was sagt die presse? Hindenburg schützt die Pressefreiheit. Berlin, 7. Aug. (TU.) Die Berliner Abendblätter nehmen ßu der Forderung des Reichspräsidenten auf Abänderung der Pressenotoerordnung ausführlich Stellung. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" (DDP.) schreiot, Reichspräsident v. Hindenburg habe aus der kühnen Berufung der preußischen Staatsregierung auf feine Notverordnung über die Presse, die den in der ganzen deutschen Geschickte unerhörten Zwang zur Veröffentlichung einer rein Partei- politischen Kundgebung durch sämtliche Blätter Preußens herbeiführte, die Konsequenzen gezogen. Der Generalfeldmarschall habe endlich ein erlösendes Wort gefunden. — Die „Vossische Zeitung" (Ullstein) meint, hoffentlich bedeute dies das Ende der Dressenot- verorbnung. Schneller als man yätte erwarten können, habe sich herausgestelll, daß bie Anwenbung den richtigen ©runbgebamten ber Derorbnung völlig zunichte macht. Nach dem Reich habe jetzt auch Preußen gesündigt. Die preußischen Herren seien schlecht beraten aewesen, als sie ihre Massenauflage insgeheim herstellten und auf dem Wege über die Obervräsidenten ins Land schickten. Wir fürchten, sie yat gestern einen Bumerang abgeschleudert. Wir hoffen, daß er nicht auf sie zurückfällt. Die „Deutsche Tageszeitung" (Land- bunfr) sagt: Allzu straff gespannt zerspringt der Dogen. Unb wenn nicht alles täuscht, wirb bie preußische Regierung nach ihrer gestrigen Gewaltprobe nunmehr Gelegenheit bekommen, zu bebauern, bah ihr bie parteipolitische Rvsinante burchgegangen ist. Offenbar hat ber Herr Reichspräsibent doch wesentlich anbete Auffassungen von Dolksrechten unb von bemokratischen Freiheiten als ber preußische Berlin, 8. Aug. (TU. Funkspruch.) Vom Preußischen Statistischen Landesamt ist nach einer Mel- düng Berliner Blätter eine Berechnung über die Zahl der Wahlberechtigten aufgestellt worden. Man schätzt, daß nach Abgang der Toten und dem Zugang der Wahloerechtigten rund 400 000 Wähler in Preußen mehr vorhanden sein werden als am Schweres Eisenbahnunglück in Polen. Ein schweres Eisenbahnunglück ereignete sich vor Bialoftok. Ein Personenzug, der von Warschau nach Baranowice fuyr, blieb a u f freier Strecke stehen, um einen Wagerischaden zu beheben. Das End des Zuges wurde durch rote Lichter kenntlich gemacht. Da jedoch der Stellenwärter keine Kenntnis davon nahm, daß der Zug wartete und dem V-Zug Warschau — Zem - aale freie Fahrt gab, fuhr dieser einige Minuten später eintreffende O-Zug in voller Fahrt auf den haltenden Zug auf. Die Ö-Zuglokomotive zertrümmerte zwei Wagen des Personenzuges, wurde dann selbst durch den Anprall zurückgeschleudert und stürzte, einen Wag- gon mitreißend, bie Böschung hinab. Fünf Personen wurden getötet und etwa 25 Personen verletzt, eine vvn ihnen lebensgefährlich. Der Stellenwärter der Station Cape wurde oer- Ministerpräsibent unb sein« Ministerko liegen. — Die „Deutsche Zeitung" (dtschnatl.) ist bec Ansicht, baß bie preußische Regierung biese Wirkung ihres Vorgehens nicht vorausgesehen haben bürste. Sie habe sich selbst eine wohlverdiente Aiefrerlage bereitet, wie sie schwerer nicht gebucht werben könne. Zugleich aber 4eu.fr ie amtliche Mitteilung eine Bestätigung für bie M angel h a f ti g ke i t ber Verordnung selbst, bie nach einem Dasein von nur brei Wochen im Begriff sei, eines sanften Tobes zu entschlafen. Die „Germania" schreibt u.a.: Wir halten uns verpflichtet, schon jetzt zu sagen, baß die preußische Staatsregierung bei ihrem Schritt nicht gut beraten war, unb baß ber Kampf um Preußen baburch kompliziert worben ist. Die „Kölnische Zeitung" (Volksp.) schreibt u.a.: Wir müssen ber preußischen Regierung sagen, baß wir den von ihr gewählten Weg ber Veröffentlichung für einen schweren politischen Fehler halten. Was soll man bann aber von einer solchen außenpolitischen Entgleisung ber preußischen Staatsregierung sagen, die von faschistischem Gewaltregime spricht in dem Augenblick, wo ber Reichskanzler unb ber Reichsminister bes Auswärtigen in Rom beim Schöpfer bes Faschismus weilen, um mit ihm zu raten und zu taten. Die preußische Regierung hat in der Wahl ihrer Mittel wieder einmal sehr wenig Geschick gezeigt. ES heißt, bah sie zu ber Aotverorbnung gegriffen habe, toeil es ihr sonst nicht möglich gewesen wäre, ihre Meinung allen Wählern bekanntzugeben. 3ft das wirklich der wahre Grund? Dann ist er jebenfalls sehr fabenscheinig und bann zeigt er sehr wenig psychologisches Ver- stänbniS. Es ist bamit zu rechnen, baß die preußische Regierung mit ihrem Fehlgriff bas Gegenteil bes beabsichtigten Zweckes erreicht. — Der „Abend", die Spätausgabe des ^Vorwärts" (Soz.) schreibt: Dieser Schritt d«S Reichspräsidenten v. Hindenburg ist die Folge eines Ansturmes, der vom Stahlhelm und ben rechtsradikalen Parteien seit gestern abend unaufhörlich auf ihn geführt worden ist. — Der -Berliner Dorsen-Courier" (dem.) und des „Tempo" (Llllstein) bringen die Erklärung bes Reichspräsidenten unter ber Aeberschrift: „Hindenburg schützt die Pressefreiheit". 14. September 1930. Eine solche Berechnung ergäbe eine Hohl von 26 899 000. Da der Volksentscheid dann als angenommen gilt, wenn mehr als die Hälfte „Ia"-Stimmen abgeben, so find rund 1 34 49800 „Ia"-Stimmen für das Gelingen, nötig. haftet, da er sich von der Durchfahrt des Personenzuges hätte überzeugen müssen, bevor er dem O-Zug die Weiterfahrt gestattete. vier Todesopfer der Berge. Zwei reichsdeutsche Touristen unternahmen am Freitag ohne Führer einen Aufstiegaus das Finsterahor n. Während des Aufstieges begegneten sie sich mit einer zweiten Partie, die einen ähnlichen Weg auf das Finsterahorn einschlug, aber mit Führer ging. Als diese Gruppe wieder zur Konkordiahütte zurücKehrte, mußte der Führer feststellen, daß die beiden Reichsdeutschen noch nicht wieder eingetroffen waren. Er veranlaßte sofort den Hüttenwart, auf die ausstehende Partei Acht zu geben und machte gleichtzeilia auf dem 3ungfraujcch Meldung von dem Ausbleiben der Touristen. Dec Hüttenwart suchte sodann mit dem Glas die Auf- Wieviel Stimmen sind nötig? Notwendige Stimmemahl 13,184/108_______________Parteien 8,868,502 Jnsqesamt Stimmberechtigte 26,368,215 Die Stärke der Parteien im Preußischen Landtag, berechnet nach den Ergebnissen der Reichstagswahl vom 14. September 1930. Aus aller Welt. iiiiiii um iiiiiii iiiiiii ___, n,ii um iiiiiu nun nun nm [ (iniiii iiiiiii nun nun preussischer Landtag NATIONALSOZIALISTEN 3,967,379 ZENTRUM 3,163,012 WIRTSCHAFTSPARTE/ 803.141 KOMMJNIS TEN 3,141,547 ....... .;___—---—4 DEUTSCH NATIONALE 1,968,6 58 LANDV + CHRISTSOZ. 1.088,510 \VOLKSKONS+HANNOV. ,447297 DEUTSCHE VOLKSP. 1004,118 +rfprT WUUHT1 a/” :rdui igti| layr fceimaefi feiner 25jäprif terchen uno f< — Taaeskalenber für Samstag. VfB. Gießen: Waldfportplatz, 18.30 Uhr. Fußball-Groh- kampf DfR. Furth — Df». Gießen. — Orchester- Verein: Ausflug nach Annerod Abmarsch 18 Uhr, Krelsmotorspritze wurde um 22-55 Uhr alarmiert unb erschien eine Stunde später in Röthges. Mit der Sreismotorspriße begab sich auch Rrdsfeuer- wehrinspektor D l d o r < (Gießen) an den Lrand- platz. Oderregierungsrat Ritzel erschien ebenfalls an der BranbfleUe. heute morgen gegen 625 Uhr rückte die Kreismolorspritze wieder in Gießen ein. Mit vereinten Kräften (die Lreismolorspritze arbeitete ununterbrochen 4S Stunden) gelang es. da» 3euer auf Scheunen und Schuppen zu beschränken. Allerdings konnte nicht verhindert werden, daß sämtliche Scheunen bi» auf die Grundmauern niederbrannten. 3n der Scheune de» Landwirt» Metzger verbrannten sämtliche landwirtschaftliche Maschinen. Auch die Erntewagen fielen dem Jener jum Opfer, der gesamte hüh - nerbeftand wurde ein Raub der Jlammen. Da» Vieh, da» sich in den Ställen befand, konnte glücklicherweise gerettet werden. Der entstandene Schaden ist jum großen Teil durch Versicherung gedeckt, lieber die Entstehung»ursache de» vrande» ist bl»- her noch nicht» bekannt. Die Untersuchung ist im Gange. • Röthge ». 8. August. Gestern gegen 22 JO Uhr wurde unser Dors durch Jeueralarm in große Aufregung versetzt, in einem Holzschuppen de» Landwirt» Georg Metzger war Jener auegebro- ch e n, da» sofort auf die mit Irucht gefüllte Scheune und auf einen Stall Übergriff. Holzschuppen und Scheune standen bald in Hellen Jlammen und e» dauerte nicht lange, da war auch die durch eine Brandmauer von dem Mehgerschen Anwesen getrennte Scheune de» Landwirts Georg Emmerich und schließlich noch eine Scheune und ein Schuppen de» Landwirt» Otto Mäckel von den Jlammen ergriffen. Die Scheunen waren bl» oben hIn mit Heu und E r n l e v o r r ä l e n gefüllt, so daß da» Jener reiche Nahrung fand. Die Jener- wehr von Rölhge» erschien rasch am Brandplah und versuchte zu retten, roa» zu retten war. 3ns- besondere war man bemüht, da» Uebergrelfen auf benachbarte Wohnhäuser z n verhindern: die» gelang auch. Sehr bald erschienen benachbarte Jeuerwehren, und zwar die Jeuerwehr von Ruppertsburg, von IDellerfclb und von Münster. Gegen 24 Uhr trat auch die flrel»- motorsprltze in Aktion und griff energisch ein. Die der Hilfeleistung so schwere Brandwunden erlitten hat, daß man an seinem Aufkommen zweifelt. Motorbootunglück in Jinnlanb. In der Nähe von D i l l m a n st r a n d kenterte auf dem Saimaasee ein mit sieben Aus - flüglern besetzte» Motorboot. Ritt- meister Lonnroth. seine Frau unb drei Töchter sowie ein Unteroffizier, der gleichfalls an Bord war fanden den Tod in den Wellen. Die Hauslehrerin, eine Deutsche, Frl. Annemarie Schmitt, konnte sich durch Schwimmen auf eine etwa 400 m von der Unglücksstelle entfernte Insel retten. Großfeuer in Röthges. Drei fruchtgefültte Scheunen ein Opfer der Klammen. kampf DfR. Furth — DfB. Gießen. — Orche ter- Verein: Ausflug nach Annerod Abmarsch 18 Uhr, „Stabt Lich". — Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: „Der Aus der Provinztalhauptstadt. Gießen, den 8. August 1931. „Lieblings. Aber selbstverständlich kann jeber nach seiner Fasson selig werben. Wenn er Freube baran hat, kann er sich Weinbergsschnecken sammeln unb zu- bereiten, wie sich ein anderer an Austern delektiert, und wenn es einem behagt, Liebling zu seinem junaen Frauchen zu sagen, so ist das auch sein gutes Recht und seine eigene Angelegenheit, in die ihm niemand dreinzureden hat. Nur darauf kommt es an, wo und wann er es sagt. Es ist seit uralten Zeiten sv daß hochzeitsreisende ein wenig komisch wirken. Man beneidet sie nicht, man macht ein ganz ernstes Gesicht, wenn man ihnen begegnet, aber man lächelt ein wenig, wenn sie vorüber sind. Nur Adam hatte es besser. Nicht nur daß er mit keiner Schwie- germutter etwa» zu schaffen hatte, es gab auch keine boshaften Fahrtgenossen, als er mit ferner Eva zum siebenten Himmel fuhr. „Nicht wahr, Liebling?" „3a, Mausi!" Ein junges Glück — ober wie man es fonft nennen will — soll man allein unb ungestört lasten. Sie haben nur für sich Augen unb Ohren. Die grausame Welt aber betrachtet sie kühl, abroägenb, unb denkt gar nicht daran, sich ein Iota von ihrem Rechte, kritisch zu sein, abhandeln zu lassen. Der „Liebling" ist in ihren Augen schließlich ein Fratz mit schlechten Manieren und „Mausi" ist ein männliches Wesen, das wie ein verliebter Tauber gurrt. Nicht einmal Mütter sind geneigt, hier Gnade für Recht ergehen zu lasten da es ja doch eine verlorene Partie für sie bzw ihre Töchter ist. Für verlorene Partien aber interessiert man sich bekanntlich nicht sehr. Es wäre möglich, daß noch irgendein sentimentales eeufjer- chen irgendwo aufklingt: „Ach. so war es auch bei uns einmal! Wie lange ist das her!" Dabei trifft den ehelichen Partner ein Blick des Vorwurfs^ in dem steht: ..Wie hast du dich zu deinem Nachteil gewandelt!" Wird er richtig aufgefangen, so wird er auch roiebergegeben, unb bann lautet er: ,,30, bamals warst du em gertenschlankes reizendes Käfer- eben; heute? Punktroller. Diät!" Woraus sich möglicherweise eine kleine Verstimmung ergibt, von der aber weder „Liebling" noch „Mausi" etwas merken, obwohl sie den Anlaß dazu gegeben haben. Diel zu sehr sind sie mit sich selbst beschäftigt- Denkt man! Aber es ist gar nicht der Fall. Sie haben recht wohl Auge und Ohr für ihre Umwelt, wenn Liebesexpreß". — Tageskalender für Sonntag. VHE. Gießen: Familienwanberung. Abfahrt 6 46 Uhr. — Turnverein 1846, Gießen: Wanberung. Abfahrt nach Lollar 6.42 Uhr. — Flughafen Gießen: Dolksflugtag, 15.30 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Liebesexpreß". — glugtag im Flughafen Gießen. Das Programm bes Flugtages, ber am morgigen Sonntag auf unserem Gießener Flughafen ftattfinbet, ist außerordentlich reichhaltig. Es werden Staffelflüge, fiunftflüge, Ballonjagden, Geschicklichkeits-Wett- bewerbe, Leichtflugzeugoorführungen, Rückenflüge, Zielland'ungen und Segelflüge gezeigt. Außerdem werden in einer gemischten Staffel die Sportler aus den verschiedenen Sportzweigen um den Sieg kämpfen. Ein Hürdenrennen (Uni- versttäts-Reitinstitut) wird zur weiteren Bereicherung des Programms beitragen. — Heimattagung auf dem Schiffenberg. Die Heimatvereinigung Schiffenberg veranstaltet am Sonntag, 23. August, eine Heimattagung (Heimatfest) auf dem Schiffenberg. Die Veranstaltung sieht ein reichhaltiges Programm vor. Siehe heutige Anzeige. Don einem schweren Unglück wurde ein Ferienlager Heim gesucht, do- ein Pariser Ingenieur mit irigen Frau, seinem zweijährigen Töch- ____,...__feinem 16jährigen Schwager in der Bähe von Tlermont-Ferrand aufge- schlagen hatte. AIS der Schwager deS Ingenieurs am Donnerstag einen Petroleumkocher anzünden wollte, explodierte dieser und im Au stand da« Zelt in hellen Flammen. 2luf die Hilferufe eilte der Ingenieur, der sich außerhalb de« Zelte« befand, mit einigen anderen AuSsluglern herbei und versuchte bte Flammen zu ersticken. Die Brandwunden, die die Unglücklichen inzwischen davongetragen hatten, waren jedoch so schwer, daß Mutter und Kind schon kurz darauf starben. Der Schwager wurde mit schweren Verletzungen in ein Krankenhau- überführt, ebenso der Ingenieur, der bei • Deolfenfreigabe für den Warenverkehr. Die Reichsregierung hat die Devisen- bewlrtschaftungsstellen angewiesen, bis auf weiteres ben Firmen, bie eine enlsprechenbe Hanbelskammer- bescheinigung vorweisen können, allgemein bie Genehmigung zum Erwerb von Devisen unb zur 'Verfügung bieser Devisen zu erteilen, soweit bies« De- oisen zur Finanzierung ber Lin- unb Ausfuhr unb be» Transilbanbels von Waren verwenbet werben sollen. Die Reichsregierung erwartet aber von ber Derbraucherschaft Hanbel unb Banken, bah sie bei ber Einbeckung, msdesonbere von Luruswaren unb Genußmitteln sich bie burch bie Wirtschaftslage gebotene Zurückhaltung auferlegen. Eine Kontrolle ber Verwendung ber für bie Einfuhr in Anspruch genommenen Devisen, wirb nachträglich burch bie De- visenbewirtschaftungsstellen ftattfinben. •• DerfafsungSfeier 1931. Am Dienstag. 11. August, 15 Uhr, findet, wie auS der heutigen Anzeige hervorgeht, in der BolkShalle eine BerfassungSfeier statt, au der die Einwohners chatt der Stadt und de« Kreise« Gießen durch den Oberbürgermeister der Stadt Dießen und durch die Provinzialdirektion Oberhessen eingeladen ist. Die Kapelle deS hiesigen Regiments wird den musikalischen Teil der Feier bestreiten. Die vereinigten Gießener Gesangvereine und der Gemischte Ehor de« ArbeitergesangvereinS Eintracht werden mit einigen Lhordarbietungen aufwarten, die Gießener Turnerschaft hat für turnerische Borführungen und die Freie Turnerschaft zu einem gymnastischen Tanzspiel ihre Mitwirkung zugesagt. Die Festrede hält Oberstudiendirektor Dr. Weiner (Offenbach a.M.). 3n einer weiteren Anzeige wird die Bevölkerung gebeten, au« Anlaß de« DerfassungStage«. die Häuser fest, lich zu schmücken.. " Das Oberhesfische Museum und der Hei ben türm sind am Derfassungstage in ber Zeit von 11 bis 13 Uhr bei kleinen Preisen geöffnet. •• Sonntag • Rückfahrkarten am DerfassungStaae. Bei den am 8. und 9. August auf den hessischen Bahnhöfen gelosten Sonntagsrückfahrkarten wird die Gültigkeitsdauer entgegen einer früheren Anordnung über den Ber» fassungslos (11. August) hinaus bi« 12. August 9 Uhr verlängert. In der Gültigkeitsdauer der auf preußischen Bahnhöfen am 8. und 9. August gelösten Sonntagsrückfahrkarten tritt eine Aende- rung nicht ein. " Persvnenzugverkehr am Derf a s- sunaStag. Im allgemeinen verkehren in Gießen die Persvnenzüge am DerfassungStaae wie an Sonntagen. Für Gießen tritt eine Aenderung gegenüber dem Werktogsverkehr nicht ein, weil Die Züge au« und nach den Richtungen Gelnhausen und Fulda am Derfassungstage wie an Werktagen verkehren. Gs verkehrt auch der Pe sonenzuz Dad- Rauheim—Gießen, (Rauheim ab 1 Uhr, Gießen an 1.38 Uhr), wie sonst von Sonntag zu Montag. •• Goldene Hochzeit. Der stäbtische Arbeiter Heinrich Lotz, wohnhaft Afterweg 22, kann am 12. August mit seiner Ehefrau bas Jubiläum einer 50jährigen Ehe feiern. •• Die Museen unb ber Heldenturm finb am Sonntag bei gewöhnlichen Preisen von 11 bis 13 Uhr geöffnet. *• Eine amtliche Verkaufsstelle für Postwertzeichen ist bei Herrn Karl Scheuer, lein im Hause Kaiserallee 20 eingerichtet worben. •• Der Dienstag-Wochenmarkt fällt am 11. August aus Anlaß bes Derfossungstages aus. Markttag ist Montag, 10. August. Näheres In ber heutigen Bekanntmachung. " Der nächste Rindvieh- (Nutzvieh-) Markt findet am Donnerstag, 13. August, statt. Näheres in der heutigen Anzeige. •• Schlägerei. Gestern geaen 23 Uhr entwickelte sich in der Neuen Bäue anscheinend zwischen politischen Gegnern eine kleine Schläaerei, in deren Verlauf ein etubent burch einen Messerstich in ben Rücken verletzt würbe. Die Sanitätskolonne vom Roten Kreuz leistete bie erste Hilfe. Der Täter konnte bisher nicht gefaßt werben. Die Ermittlungen finb im Gange. " Sicherheit«- und Absperrmaß- nahmen während deS FlugtageS. Im AmtsverkündigungSblatt vom 7. August veröffentlicht dos KreiSamt Gießen di« für den am morgigen Sonntag stattfindenden Zlugtag getroffenen Sicherheit«- und Absperr-Maßnahmen. Während der Zeit von 13.30 bis 18.30 Uhr ist das innerhalb der nachstehend näher bezeichneten Grenzen liegende Gelände polizeilich gesperrt: Im Süden: 100 Meter südlich entlang an der Straße Gießen—Rödgen von der 4. Schneise bi« stieg«route auf da« Finsterahorn ab und tonnte fcabei feststellen, daß di« beiden ab gestürzt waren und am Fuße de« F.nsterahorn auf dem Gletscher lagen. Die Hamen der Verunglückten sind nicht bekannt. — Zwei in Montreux ansässig« jung« Leute sind bei der Besteigung M Rvcher de Rahe oberhalb Montreuf abgestürzt und fanden den Tod. Boo(»unglütf auf dem Bobenfee. Don Passagieren de« KurSdampferS Friedrich«. Hafen—Konstanz wurde in der Aähe von Immen- staad ein Ruderboot gesehen, da« auf dem Bodensee ohne Insassen trieb. Die sofort auf genommenen Dachforschungen ergaben, daß ein« Familie Hamann, deren Kraftwagen m Immenstaad herrenlos stand, da« Ruderboot g e - mietet halte, um «in« Fahrt auf dem See zu machen. Di« Suche nach den Derunglückten blieb zunächst erfolglos, örft gegen abend wukde die Leich« der 46 Jahre alten Frau Hamann bei Fisch- bad) an« Land gespült, während die von Dater, Sohn und Tochter noch nicht geborgen sind, lieber di« Ursache de« Unglück« ist noch nicht« bekannt. MU knapper Rot dem Tobe entronnen. Bei Arbeiten zur Elektrifizierung der Bodensee— Toggenburg-Dabn sind im Wasserfluhtunnel bei der Station Lichtenstein 42 Arbeiter stark gefährdet worden. Die Kolonne war gegen 20.30 Uhr in den Tunnel eingerückt, um die während der Derkehr«stunden unterbrochenen Arbeiten fort- zusetzen, wurde jedoch durch zurückgebliebene Rauchgase derartig in Mitleidenschaft gezoaest, daß zunächst nur ein ein - iger Arbeiter in völlig erschöpftem Zustand da« Tunnelende erreichen und Alarm schlagen konnte. Di- -um Eintreffen der Rettungsmannschaften konnten sich einige weitere Arbeiter mit Aufbietung ihrer letzten Kraft in Sicherheit bringen. Der weitaus größte Teil mußte jedoch durch Die Rettungsmannschaft geborgen werden. Sämtliche Gekrankte haben sich inzwischen wieder erholt. Explostonsunglück in einem Ferienlager. sie wollen, unb man kann sogar boshaft genug sein, zu behaupten, baß sie ein wenig mit ihrer Verliebtheit kokettieren, baß also ein gut Teil ihres Gekoses vor ber Oefsentlichkeit auf Wirkung berechnet ist. Sie wollen ber Welt zu erkennen geben, baß sie ein Paar geworben finb, bas im Glücke schwimmt, sie wollen benelbet, berounbert sei: Sehl her, so sieht ein Glück aus! Die liebe Eitelkeit fehlt ja auch in einem solchen Musterbeispiel egozentrischer Betrachtungsweise nickt. Aber bie Welt nimmt gar kein so große» Interesse an ihnen wie sie glauben. Sie lächelt herüber, wie man über eine komische Figur im Zirkus ober im Kino lächelt, mokiert sich auf ihre Weise unb bekommt so auch ihren Anteil an ihrer Unterhaltung. Unb warum soll man benn nicht ein wenig über bie Schwäcken ber lieben Mitmenschen lächeln. „Die ganze Welt ist zum Verzweifeln traurig", sagt ein Dichter. Aber er sagt es nicht, als er auf einer Hochzeitsreise war, unb er sagt es auch von einer Welt, tn ber es keine Hochzeitsreisenben gab. —r. (Segen Zinszuschläge bei (Steuer» rückständen. Ein Antrag der wirtschaftlichen Bereinigung. Die Stabtratsfraktion „Wirtschaftliche Vereinigung" hat gestern bei ber Stabtverwaltung beantragt, baß ber burch Notverordnung bestimmte Zinssatz von 5 v H. halbmonatlich auf Steuerrückstänbe von ber Stabt nicht erhoben wirb, fonbern höchstens bie bank- mäßigen Zinsen Uebcr ben Antrag wirb demnächst im Finanzausschuß verhanbelt werben. Oie Ausreisegebühr. Dom Reichsfinanzministerium wird mitgeteilt: Teilweise sind Vereine, deren Zweck auf die Pflege de« Wandersports in den deutschen Grenzgebirgen und denen de« benachbarten Lande- gerichtet ist, und deren Mitglieder von der Ausreisegebühr befreit sind, dazu übergegangen, Mit« glicber nur zum Zwecke der Ermöglichung des gebührenfreien Grenzübertritt« und sogar nur gegen Monat sm i t g l iedschaf t aufzunehmen. Um derartigen Mißbräuchen vor-u- beugen, hat der Reichslinanzminister den gebührenfreien Grenzübertritt davon abhängig gemacht, daß die Mitgliedschaft mindesten« auf «in volle« Jahr erworben worden ist. Dabei wird noch darauf hingewiesen, daß der Grenzübertritt nur in das jeweils benachbarteLand gebührenfrei erfolgen kann. Danach können z. D. Mitglieder des Deutsch-Oesterreichischen Alpen- verein« nur in die Alpen fahren, Mitglieder des Riesengebirgsvereins nur im Riesengebirge die Grenz? gebührenfrei überschreiten. Mitglieder des De rein« der Raturpslege können ebenfalls nur zum Zwecke der Ausreise in eine« der angrenzenden Gebirge (Bayerisch-Böhmischer Wald, Erz- Ricsengebirge usw.) die Grenze gebührenfrei überschreiten. Sine Weiterreise au« dem Grenzland in ein dritte« Land, ist unzulässig. DaS gleiche gilt für eine Grenzüberschreltung zwecks Ausreise, z. D. nach Holland, Ror- wegen usw. Vornotizen. zur Ueberführung der Bahnlinie Gießen—Fulda. Im Osten Bahndamm von Kreuzung Bahniime Gießen—Fulda. Rödgener Straße bi« zum strande des Walde«, genannt der Iunkernstrauch, sodann in nordwestlicher Richtung durch den Wald bi« zur Siruppmühle. Im Rorden: Don der Struppmühle dem Lauf der Wiefeck entlang bi« zur GanSmühle Die Straße Alten- Du leck—Wieleck ist nur für den Durchgangsverkehr geöffnet Im Westen: Dem von der GanSmühle in südwestlicher Richtung nach dem Trieb sührenden Weg entlang. Ostrand der Wic- secker Spieiplätz«. Schneise bi- zur Straße Gießen—Rödgen. Für die Dauer der Sperrzeit ist da« Betreten de« innerhalb der genannten Grenzen liegenden Gebietes nur mit Ausweisen der Flugleitung oder nach Lösung von Eintrittskarten gestattet. Die Straße Gießen—Rödgen ist von 13-30 bi« 18.30 Uhr nur für ben Durchgang«- verkehr von Gießen nach Rödgen und umgekehrt eröffnet. Der vom Stadttvald unmittelbar nach dem Flughafen führende Feldweg wird von 1530 bi« 18 30 Uhr für jeglichen Derkehr gesperrt. •' Generalversammlung der Spiel- Vereinigung 1 9 00. In der am Donnerstag abgchalteneit. sehr gut besuchten außerordentlichen Genera l-Derfammlung gab der 1. Dorsitzende, Referendar D u y o t, einen Bericht über die finanzielle Lage de» Derein« und zugleich eine kurze Zusammenfassung der sportlichen Betätigung Im Lause der letzten Monate. An Hand von Zahlen wicS der Redner nach, baß die Derpslichtungen de« Derein« um ein Bedeutende« reduziert worden und die laufenden Pachtgelder, die Zinsen und Amortisationen in regelmäßige Folge überwiesen worden seien. Man dürfe mit Recht behaupten, daß sich der Derein in finanzieller Hinsicht auf durchaus gesunder Grundlage beftnbe und mit aller Zuversicht in die Zukunft sehen könne Diese Tatsache sei in Anbetracht der augenblicklichen wirtschaftlichen Derhältnifse ganz besonder« hoch zu bewerten. Er, der Dorsitzende wolle dabei nicht vergessen, dankbar derer zu gedenken, die in eifriger Mitarbeit und mit vielem Derständnis dazu beige tragen haben, dem Derein zu seinen inneren Kräften zu verhelfen. Aber nicht nur die finanzielle Lage dürfe al« sehr gut bezeichnet werden, vielmehr ließe sich von der Entwicklung de« Mitgliederbestandes de« Derein« Günstige« berichten. Seit der letzten ordentlichen Generalversammlung konnte der Derein nicht weniger al« 48 Neuaufnahmen tätigen. Insbesondere die Iugendabteilung habe eine wesentliche Stärkung erfahren. Zur Zeit treten 58 aktive Leichtathleten zu den verschiedenen Sportveranstaltungen auf, nahezu 10 Mannschaften stellt ber Derein in« Feld, die Frauenabteilung umfaßt 60 Mitglieder. Die Leichtathletikabteilung in ihrer Gesamtheit vermochte in letzter Zeit Line Reihe eindrucksvoller Siege zu erringen. Zum Schluß wurden einige interne Angelegenheiten in lebhafter Aussprache behandelt. Die D^sammluna nahm einen sehr harmonischen Verlauf und sand mit einem gemütlichen Beisammensein im neuen DereinSlokal »Postkeller" ihr Ende. Oie Wetterlage. 2-0 Wto OVortenlos.® htner. ®n«re »edecn a vontg ® otdttik # Sehnet ä Ireupein e mcDci 1t Otwilter @)wmdstiiie.-O-> sehr Itkhter Ost 0 «IJS'or kn geben die Temperatur «ft Die Linien verbinden Orle mit gleiche* •• «u< neereimveiu »»gerechnete« Luftdruck Wettervoraussage. Obwohl bie Skandinavienstörung nordöstlich nach Finnlanb weiterzieht unb ber gestern an ihrer Rückseite angeletzte Barometeranstieg besseres Wetter in Aussicht stellte, so ist bies in ben nächsten Tagen noch nicht zu erwarten, benn über England hat sich ein Wirbel gebildet welcher wetterwirksam wirb. An seiner Vorderseite schiebt sich ein Regenyebiet westwärts vor. bas uns im Laufe bes heutigen Tages unb währenb ber Nacht überqueren wirb. Alsbann bürfte im Laufe bes heutigen Tages unter Drehen ber Winbe auf Westen zu bie Wolkenbecke zum Durchbruch kommen unb unter wechselnber Bewölkung noch Schauer auftreten. Mil bem Winbum- sprung auf West bzw. Nordwest setzt außerbem allgemeine Abkühlung ein. Aussichten für Sonntag: Anfangs be- bcckt, mit Niederschlägen, bann wechselnd wolkig mit Schauern, kühler, um West brehenbe Winbe. Aussichten für Montag: Kübles, wechselnb wolkiges Wetter mit einzelnen Niederschlägen. Lufttemperaturen am 7. August: mittags 22,7 Grab Celsius, abenbs 16,6 Grad, am 8. August: morgens 15,6 Grab. Maximum 22,8 Grab, Minimum 13,1 Grab. Hebei X «ewmer ^windstille. O sehr "Südsüdwest n Mürmgcner «ordwest »le pfeife Nied" »'• dem winde Oie oooen siebenen stehenden i»r> TA Pfg. 5218V STANDARD 04493 5250 D Frau Berta Möbus, geb. Barth sagen wir unseren innigsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Wieseck, den 8. August 1931. 5245 n 5257 D Für die zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgange unserer teuren Entschlafenen Am Freitag, 7. August, entschlief sanft nach kurzer. schwerer Krankheit mein lieber Sohn, unser unvergeßlicher Bruder, Pate und Neffe Heinrich Pfeiffer im 21. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Kath. Pfeiffer Wwe., geb. Stephan und Kinder. Großen-Buseck, 7. August 1931. Die Beerdigung findet Sonntag, den 9 August, nachmittags 2% Uhr statt All denen, die unserer lieben Entschlafenen Frau Katharine Weber, geb. Euler auf ihrem Lebenswege, besonders in den schweren Tagen ihres Leidens Gutes getan und denen, die die trauernden Angehörigen durch ihre Anteilnahme beim Heimgang getröstet habgn, sage ich im Namen der Hinterbliebenen herzlichsten Dank. Heinrich Weber. Klein-Linden, den 8. August 1931. Donnerstagnacht 12'/, Uhr entschlief nach langem, mit großer Geduld ertragenem Leiden unser lieber Vater, Großvater und Urgroßvater Gollfried Lanlier.Laiieschalfoer i R. im 80. Lebensjahr. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Georg Heilmann. Krim. Hptw. Philippine Zinn, geb. tauber, und Sohn Familie Hch. Pempfer. Gießen (Steinstr. 47 p.) und Lollar, den 7. Aug. 1931. Die Beerdigung findet Montag, den 10. August, nachmittags 3 Uhr. auf dem Neuen Friedhof statt. Beileidsbesuche verbeten. Vermietungen (geräumige [04460 7-Zimier-Wohii. mit Bad. Balkon. Loaaia-Miidchenzim. und sonnigem reich!. Zubehör au vermiet. Südanlage 111. 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Dorthin sind Brüning und TurtiuS gefahren, — die Reise ist genau so eine Veste wie die nach Pari» es toar: zur Au», spräche mit der italienischen Politik gewiß nütz- lich, von irgendwelchem unmittelbaren und praktischen Ergebnis gan^ bestimmt nicht. Die Taten, bte diesen Vesten folgen sollen, müssen im Innern getan werden und lassen draußen recht lehr auf sich warten. Was soeben al» Beschluß der DIZ. verkündet wurde, die Verlängerung de» 1 00»THi l» lionen-Dollar-Kredit», ist da» einzige, was bisher wirtlich geschah. Aber da» stand schon längst fest. Die Stillbalteverhandlun- gen stehen vor dem Abschluß. Die Schwierigkeit lag hier bei Frankreich, da» zwar nur 200 Millionen kurzfristige Kredit? in Deutschland hat. aber für später nicht entbehrt werden kann. Schwierigkeiten haben ferner gemacht die Schweizer und die Holländer Banken. Vehr hat sich bewährt die englische Hilfe, und die amerikanische Bereitschaft zum Stillhcckte^Vnsortium scheint auch scstzustehen Die DIZ. hat da» Komitee ernannt au» zehn Mitgliedern (der deutsche ist Dr. Melchior von der Firma Warburg), von denen für uns der wichtigste der Amerikaner W i g g t n ist. Daneben ist die kleine Kommission tätig^ die die deutsche Regierung mehr allgemein in Finanzfragen beraten foll, bekannliich der Amerikaner S p r a g u e. der Schwede Wallen- berg, der Engländer Kinder»ley. Jene», von der DIZ. eingesetzte Komitee ist da» Wichtigste. Man spricht schon von einer Parallele mit den Sachverständigenberotungen vor Ausarbeitung de» DoungplanS. und so sehr verschieden ist diese Komiteearbeit nicht von der. die getan würde, wenn Deutschland den Morotorium»- antrag au» dem Boungplan gestellt hätte. W i g g i n ist der Präsident de» DerwaltungS- rates der Thase Rational Dank os Rewhork, der größten amerikanischen Dank überhaupt. Er ist der Führer, der, wenn man so will, deutschfreundlichen Gruppe der Wallstreet, seine Dank hat größere Interessen in Deutschland al» irgendeine andere Reuyorler Dank. Die Dorbereitung seiner Reise noch Europa war sehr gründlich, an ihr nahmen teil die Dertreter de» Hause» Morgan. dessen Chef sich zur Zeit in Europa aufhält, der Untertekretär de» Schahamte». Mill», und Dertreter der Federal Reserve-Dank. Cs ist also ohne Zweifel eine Aktion, für die sich Herr Wiggin jeht nach Europa in Bewegung seht, Und klar sind sich alle diese Bankführer darüber, daß der Ltillhaltung kurzfristiger Kredite weiteres. Positive» folgen must, also ihre Lieberführung in langfristige Anleihen und die Dorbereitung zu weiteren Krediten. Sehr schnell wird aber die Arbeit dieses Komitees auf die nun einmal nicht au» der Welt zu schaffende Tatsache stoßen, hast schon eine Stillhaltu^gSaktion -ohne Frankreich nicht effektiv zu gestalten ist und dast ohne Frankreich große Anleihen auf lange Frist nicht zu erhalten sind. Parallel damit geht eine Derhandlung über amerikanische Warenkredite in Deutschland, die wir offengestanden nicht völlig in ihrem Werte -begreifen. Weizen und Baumwolle werden Deutschland gegen günstige Kreditbedingungen aus den Dorräten angeboten. die der Farmboard obstvsten möchte. Weizen kommt nun gor nicht in Frage bei unserer Ernte und unserem Weizenvorrat. Mit Baumwolle ist e» etwa» anderes. Aber irgendwie eine Hilfe gegen die Krise im eigentlichen Sinne ist daS nun nicht. Die Absicht ist, dast den amerikanischen Farnrern der Dorteil des Schuldenfeierjahres zugute kommen soll. Das verstehen wir- vhne weiteres und an sich ist eine Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Amerika auch in Verschollene Reiterei. Don HanS Thyriot. .Deines Pferdes Bild verfolge dich bei Tag und Rocht, im Wachen und im Schlaf, wie da» Bild deines Freundes dich verfolgte .. Dinding. .Rei»Vorschrift... Rudolf G Dindings entzückende .Reitvorschrift für eine Geliebte" war damals^ mitten im Kriege, noch nicht erschienen. Man hätte auch in diesen Zeiten und Umständen nicht viel damit anzusan- gen gcwustt. Denn sie ist für sehr kultiviert« Menschen geschrieben und nicht für den primitiven Kommisbedarf eingerichtet: über die gebräuchlichsten Miseren, die kleinen Unfälle und Abenteuer des täglichen Lebens ist wenig daraus zu ent» nehmen. Als zum Deifpiel: dast es zwar durchaus verboten, aber trotzdem da» beste Mittel ist, eine Stallgaffe fchncll und gründlich von Heu unD Stroh zu säubern —: wenn sie von zwei Mann Schritt für Schritt taktmästig mit einem Woilach ausgeschwenkt wird. (Ein Woilach ist das, waS ahnungslose Laien als Pferdedecke bczeichstcn.) Wie wird aber hernach, kunstvoll in dreifacher Faltung, der Woilach wieder zusammengelegt? Wie wird er auf den Rücken deS Schinders gepackt — das offene Teil nach vorn oder nach hinten? Und vor allen Dingen so, dast es nicht das kleinste Fältchen gibt und die Remonte — welche bekanntlich wie ein roheS Si zu behandeln ist — keine Druckstellen bekommt. Probleme für ein achtzehnjähriges Gemüt, das noch drei 'Wochen zuvor nicht ohne Talent die Satiren des Horaz interpretiert hat und jedenfalls von der filbemen Latinität, von der Logarithmentafel und vom tragischen Äonflift im .Wallenstein" mehr verstand al» von der wahrhaft geheimnisvollen Kunst, eine Kinnkette blitz- blank zu putzen oder eine Mistgabel mit Ruhen zu gebrauchen... Oder auf der Stallwache, so nachts zwischen zwei und vier, einen unternehmungslustigen Ausreißer wieder einzufangen, der ohne Kopszeug, nackt wie ein Steppengaul, mit klappernden Hufen im dunstigen Laternenschein zwischen den Ständen wnhergeiftert. (Da kannst du von Glück sagen. derlei Weise von großer Bedeutung. Aber wie atfagt, man soll nicht glauben, daß auf diele Art der DirtfchastSkrife wirklich zu ßeibe gegangen werden könnte. England, bei kn Lage in vieler Beziehung der unseren ähnlich sieht, will uns helfen, hat aber auch um seinen Goldvorrat zu kämpfen. Erst nach mühseligen Derhandlungen kam am l. August der Kredit für die Dank von England zustande, auf 50 Millionen Pfund, zu einer Hälfte von der Dank von Frankreich und zur anderen von der Federal Reserve-Dank in Reuyork gegeben. Mit Stolz weift man in Frankreich daraus bin, daß zum erstenmal in der modernen Finanzgeschichte die Dank von Frankreich und die Federal Reserve-Bank in voller Gleichheit an einer großen Operation zusammen wirken. Weder in Amerika, noch vor allem in England wird da» ein Gefühl des Stolzes auSlösen. man hat die Kraft und Bedeutung des französischen Goldes und Kredites sehr empfindlich gespürt. Dor allem England, das durch diele Transaktion nun sein Psund wieder sicherstellen konnte, so daß da» englische Finanzwesen wieder aktionS- fähig wird. DaS ist für uns angenehm, weil diese Zusammenarbeit uns erleichtert, insofern als England jeht freier ist, feinem deutschen Schuldner entgegenzukommen. Aber die Wichtigkeit Frankreichs ist in jeder Beziehung doch wieder sehr deutlich geworden. Dabei ist von Bedeutung, einmal die Goldvorräte nebeneinanbenuftel- len: England 2.6 Milliarden Mark, Frankreich 9.2 Milliarden und die Bereinigten Staaten 20 Milliarden! Aber wie im Krieg ist eS auch hier, daß nicht immer und schlechthin einfach da» mechanisch berechnete Vebergewicht enttcheidet. Inzwischen gingen, in unterer Sorge weniger beachtet, die Haager Derhandlungen über die Zollunion vor sich und führten zu einem erstaunlichen Zwischenfall. insofern der eine italienische Dertreter. in Polittk und Dölkerrecht wohl befaimt. Scialoja, den Haager Hof mit dem Dölkerbundsrat verwechselte, die juristische Frage politisch nahm und bei dieser Drohung sich auch nicht scheute, »m Friedenspalaft da» Wort .Krieg" in den Mund zu nehmen. Schwerlich ist das al» Entgleisung zu bezeichnen. Wer mit italienischen Politikern im Auslande zu tun hat. weiß, wie scharf sie fort gelebt nach Rom blicken ilnb wer in Gens — ich habe im vorigen September in der ersten Kommission de» Dölkrbundes unter ScialojaS Dorsi» gearbeitet -- diesen Politiker kennt, weiß, daß der reichlich alte, müde Mann, der das Wort aber sehr beherrscht, von sich aus einen solchen Angriff nicht machte. Da» heißt: er handelte a u f Anweisung seiner Regierung. Italien stellte sich ja immer sehr scharf gegen alles ein, waS nach Anschluß auch nur von Ferne au-sah Die deutschen Vertreter, die Professoren D r u n» und Erich Kaufmann. die im Haag ausgezeichnet auftreten, haben den Italiener und seine Tendenz sehr scharf zurückgewiesen, bei der es sich geradezu darum handelt, dah der höchste Gerichtshof der Welt politischen Zwecken dienen und feine Entscheidungen danach richten soll. Die deutschen Worte waren klar und wirksam, aber sie ändern nicht» daran, daß im Haag Italien, daS sonst doch eine erhebliche außenpolitische Reserve bewahrt, außer* ordentlich scharf auf trat. Damit fällt natürlich ein Schatten auf das, was Brüning und Eurttu» mit Mussolini in Rom sprechen können. Ergebnisreich in ihrem eigentlichen Sinn war auch M Saauna > c r 2. 3 n t e r n a 11 o n a l e in Wien nicht. Sie hat wieder bewiesen, daß einmal der Einfluß dieser internationalen Zu- sammenfaffung der Sozialdemokraten (da- ist die 2. Internationale, die 3. ist bekanntlich der Komintern) nicht groß und daß sie auch durchaus nicht einpeitlich und geschloßen ist. Da» zeigte sich bei der Adrüstungslrage. bei der Wirtschaftskrise und im besonderen der deutschen Krise. Der Appell von Dr Dreitscheid m Dien an btt Kapitalisten, die allein Hilfe bringen könnten: .wir appellieren an die Geldmächte der Welt", sagte deutlicher al» alles andere, daß diese internationale Zusammenfassung der sozialdemokratische» Arbeiter von sich au» und selber kein Programm und kein Mittel weih. Die Opposition höhnte deshalb auch dah die Mehrheit nicht» anderes ttnffe, al» den Rat, den Bankier za wechseln. Die Sntschllesiung im ganzen ging dann daraus hinau», dah an Stelle des gegenwärtigen Systems eine planmäßige Gestaltung der Weltwirtschaft treten müsse. Da» ist auch unsere Meinung. wobei wir nur meinen, daß da- gegenwärtige System des Kapitalismus in diesem Sinne umgestaltet und geordnet werden muh, ohne seine eigentliche Dasi» zu verlieren. Der Sozialismus aber der 2. Internationale hat dazu keinen eigenen Rat gewußtI Frauen, — an die Wirtschastöstont! Oie Forderung der Stunde: Helft der Wirtschaft - dann helft ihr euch selbst! Das mächtige englische Imperium hat eine große Bewegung ins Leben gerufen unter der Devise: „Kauft englische Waren!", die namentlich beidenenglischenFrauen starken Widerhall uni) Wirkung sanden. Um wieviel mehr ist es heule für die deu t s ch en Frauen eine gebieterische Forderung der Stunde, das Ihrige an Pionierarbeit auf dem Wege der deutschen Wirtschaft aus der Not heraus zu leisten! Und hier müssen die Frauen in vorderster Front kämpfen — zirka 50 Milliarden des deutschen Bolkseinkommens gehen jährlich durch ihre Hand! Die nachfolgenden Acußcrungen einiger Führerinnen der beui|d)cn Frauenbewegung sind deshalb von erhöhtem Interesse. Die Frau ist der Jinanzminister. Don Frau Prof. Gora Berliner. Die Frage der Einkommens Verwendung ist überwiegend eine Angelegenheit der Frau: Geht man von dem statistisch erfaßten Volkseinkommen von 65 bis 70 Milliarden aus, — einer Zahl, die allerdings in diesem Krisenjahr nicht erreicht werden wird — so gehen von dieser riesigen Summe zirka 50 Milliarden durch die Hand der Hausfrau! Von dieser enormen Summe sind zwei Ausgabengruppen, über die die Hausfrau verfugt, die wesentlichsten: Etwa die Halste entfällt auf die Ausgaben für Lebe n s m i 11 c I. Ob man die Umfähe des Kleinhandels oder des Handwerks betrachtet oder von der Statistik des Haushaltungsbudgets von Arbeitern, Angestellten oder Beamtenfamilien ausgeht, immer zeigt sich, daß die Ernährungsausgaben an der Spitze stehen! Die zweite große Ausgabengruppe ist die für Bekleidung! Zunächst erscheint es vielleicht übertrieben, wenn man die gesamten Bekleidungs- ausgaben unter die Haussrauen-Ausgaben rechnet. Es ist aber im wesentlichen doch so. Erfahrene Der- käuser vertreten durchweg die Auffassung, daß über- wiegend auch der Einkauf der Stoffe und sonstigen Bekleidungsstücke für die Manner von — Frauen, zum mindesten unter ihrer entscheidenden Beratung, getätigt wird. Auf diese Bekleidungsausgaben dürfte etwa ein Viertel der Hausfrauen-Ausgaben zu rechnen sein! Gin volkswittschastlich denkender HauSsrauenskand kann Serge versehen. Don Frau Klara Schloßmann-LönnieS, der Organisatorin des deutschen Muttertages. „Die deutschen Mütter und Hausfrauen müssen, was die Ernährung der Famille onbelangt, endlich einmal verstehen lernen, volkswirtschaftlich und i m Sinne des deutschen Nähr stände» zu denken und zu handeln. Die deutsche Hausfrauen- schasl ist das weitaus größte deutsche Unternehmen: In 15 Millionen Küchen von 15 Millionen Haushaltungen verbrauchen die deutschen Hausfrauen 70 vH. verdeutschen Kohlenförderung! Solche Zahlen muß man sich vor Augen halten, um die ungeheure Bedeutung — man kann sagen, die Schlüsselstellung der Frau für die Volkswirtschaft gerade in der heutigen Krife zu erkennen: Ein volkswirtschaftlich denkender deutscher Hausfrauenstand kann Berge versetzen — ein plan- und sinnloses, gewohnheitsmäßiges Weiterschludern muß uns noch weiter ins Unglück treiben. Um ein besonders markantes Beispiel herauszu- greifen: Diese Tage der Not braditcn uns durch Notverordnung eine Erhöhung der Zucker- (teuer. Nichts wäre verkehrter für die Volksgesundheit und zweckmäßige Ernährung, als wenn hierdurch, grade in der augenblicklichen Währungskrise, der Konsum dieses weißen Goldes der deutschen Landwirtschaft eingeschränkt würde. Der Deutsche lernt ja so gern vom Ausland: Bekanntlich ist aber der Verbrauch dieses Nahrungsmittels in anderen Kulturländern oielstärkeralsbeiuns, trotz- dem der Zuckerpreis in diesen Ländern zum Teil höher ist. So notwendig die immer wiederkebrende Ermahnung „Eßt Roggenbrot!" „Kauft deutsche Nahrungs- mittel!" im allgemeinen ist, so wenig waren sie grade beim Zucker notig. Die Umstellung unserer Ernäh- rungssitten erhellt sehr schnell für alle denkenden Frauen aus folgenden erschütternden Zahlen: Im Jahre 1930 haben wir für den Verbrauch wenn er sich nicht über die Haferkiste hergemacht oder sich plump vertraulich in einen falschen Stand hineingequetfcht hat, mit dessen rechtmäßigem Bewohner denn auch alsbald unter aufreizendem Quieken eine gediegene Keilerei in Gang kommt.) DeS Dizewachtmeisters kühl-ironischer Leitspruch hieß allewege: .Das Pferd ist ein wildes Tier, welches dem Menschen nach dem Leben trachtet. Jeder Galoppfprung ein Blick in» offene Grab!" Zu dieser Sorte von wilden Tieren gehörten zum Beispiel die Remonten .Moritz" und.Man- teussel", zwei bildschöne Goldsüchse mit weißen Abzeichen, die nebeneinander standen und aus Reid bei jedem Futterschütten innig bemüht toarcK, sich auskeilend gegenseitig die Knochen zu zerschlagen... Auch jener schlanke Dunkelbraune mit dem verwegenen und wildweftlichen Rufnamen .Lasso" — noch heute ist eine kleine Rarbe an meiner Hand zu sehen, zur Erinnerung an den bitterkalten Ianuarmvrgen, al» ich da» Pech hatte, dieses unberechenbare Maultiertemperament in die Schmiede zu bringen, wo ihm vier neue Eisen verpaßt wurden. Das Abenteuer dauerte den geschlagenen Vormittag, und der Fahnenschmied verbrauchte seinen ganzen ansehnlichen Vorrat an häßlichen Redensarten. Der Gefreite Greiff aus Riederursel im Taunus. ein Dauer von einmeterneunzig Höhe und entsprechender Breite, dabei unendlich gutmütig von Ratur, pflegte sich viel volkstümlicher auszulassen als der ironische Vize ober gar der stets wütige Suttermcifter. Greiff wandelte morgens beim Pferdeputzen sporenklirrend von Stand zu Stand und bedachte Mensch und Vieh mit Zuspruch und gutem Rat: .Drufsdricke. ihr junge Derschjer, aÜ drufsdricke! Die Gäul tonne en Puff vertrage .. Liewer Gott, wann ich an mei eige Rekrutezeit denk, euch wär'n die Aage iwwer- geganqc ... Als drufsdricke! Dah der ganze Dreck erauskirnrnt! äln schöne Strich kloppe!" So sprach der Gefreite Greiff. Es war oft wirklich nicht leicht, die sechs vorgeschriebenen dicken und langen .Striche" weißlichen Pferdeftaubs aus dem Striegel auf die sorgfältig angefeuchtete Stallgasse zu zaubern Don manchem Gaul (von dem fteinalten ramSnafigen .Meister" zum Beispiel) war einfach nicht genug herunterxubringen. Mehr als einer hat sich heimlicherweise von einem Kameraden mit ertragreicherem GesechtSesel einen Striegel voll gepumpt: eS gab aber auch welche, die verstohlen den Kalk von der Stallwand kratzten und .Striche" daraus machten. Wer erwischt wurde, war erschossen Rach dem Putzen kam die Reitttunde. Ohne Mantel natürlich - im strengen Winter 16 17; aber kalt war eS krinem. SS ist mir nur heute noch ein kleines Wunder, daß von den vielen die .im Karacho" au» dem Dattel flogen, fich niemand auf der meist hartgefrorenen Reitbahn waS gebrochen hat. DaS Sattelpferd war klein und kugelrund, hatte eine Löwenmähne und hieß .Mohr; ein braveS und zuverlässiges Geschöpf. DaS Hondpferd, weiblichen Geschlechts, mager und hartmäulig, hörte auf den harmlosen und gutbürgerlichen Ramen .Minna", war aber nichtsdestoweniger von ausgesprochen schlechtem Charakter. .Mohr" tat alles. «nxiS man billigerweise von ihm verlangen konnte. .Minna" war faul und lieft grundsätzlich den Dicken ziehen wenn sie nicht dauetrnd beaufsichtigt wurde Außerdem verfügte sie über die manchen Pserden eigentümliche, mephistophelifche Gabe, sich abwechselnd dick und dünn zu machen. Wenn- sie sah, baft sie gesattelt werden sollte, blies lie unmerklich, aber auS Leibeskräften den Bauch auf. Wenn sie fertig geschirrt war und der .Mohr" an die Reihe kam, wurde sie ebenso unmerklich wieder dünn So dünn, baft man zwei Finger zwischen Bauch und Sattelgurt legen konnte. Zum Glück habe ich daS hinterhältige Manöver gleich beim erstenmal entdeckt. Sie nahm eS mir feftr übel, versuchte eS aber jeden Morgen ausS neue. Ich habe sie, so lange ich sie hatte, nachsatteln müssen; ich schnallte ihr immer erst im Augenblick vor dem Abrücken den Sattelgurt in» letzte Loch, woraus sie regelmäßig mit bösartig beige’egten Ohren und gelb gefletschten Zähnen herumfuhr, nach meinem Arm schnappte und mit einer Maulschelle bedroht werden muftte. Hätte man den Trick einmal übersehen würde daS anschließende Gespannererzieren vermutlich der preußischen Feldartillerie tm allgemeinen und dem Regiment im besonderen kaum zur Ehre gereicht haben. — Sv war.Minna". Ich weiß nicht, was auS ihr geworden ist. ausländischer Lebensrnittel tägfi (?) an das Ausland bezahlt für Butter Südfrüchte Obst Gemüse Käse Eier Fleisch und Speck 1000 000 Mark 698 000 „ 556 000 „ 315 000 „ 244 000 „ 625 000 „ 364 000 „ Seit längerer Zeit braucht sich der Statistiker bei der Diagnose der deutschen Wirtschaftskrise a u s d e n Zucker nicht mehr zu beziehen, da so gut wie kein Auslandzucker in Deutschland mehr verbraucht wird: Und: jetzt steht die Haussrau in der Zeit des Einmachens. Die obige Statistik zeigt, welche Unsummen für die Einfuhr von fremdem Obst und Südfrüchten ausgegeben werden. Schließlich wird ja niemand daran zweifeln, daß dos deutsche Ob st ebenso nahrhaft und bekömmlich ist wie z. B. amerikanische Aepsel oder sonstige Auslandfrüchte. Je mehr die deutsche Hausfrau dazu übergeht, deutsche» Obst dann, wenn es am Markte ist, einzumachen um so stärker wird sie der heimischen Landwirtschaft in zweisacher Hinsicht durch Verbrauch deutscher Früchte und de» kraftspendenden Zuckers dienen. Die große englische Bewegung „Kauft britische Waren!" erhält au» Staatsmitteln jährlich 20 Millionen Mark! Um wie- viel mehr haben wir die Pflicht, gerade in diesen Tagen, wo e» auf jeden Cent ausländischen Geldes ankommt, deutschen Erzeugnissen den Vorzug zu geben!" Zum Kapitel Vekleidung. Don Frau Dr. Maral», vom Reichsverband deutscher Hausfrauen-Dereine. .Zuerst ein paar Zahlen, die d i e Bedeutung der deutschen Textilwirtschaft für die deutsche Gesamtwirtschaft dartun: Sie beschäftigt zirka 2,5 Millionen Menschen und überragt damit fast jeden anderen Wirtschaftszweig. Ihr Gcsamt- vroduktionswert betrug im Jahre 1928 8 Milliarden Mark, wovon zirka 2 Milliarden allein auf die Wollindustrie entfallen. Da» ade» liegt nun fünfzehn Jahre zurück... verschollene Reiterei. Ilnb wenig später, an bet Front, war eS ohnehin vorbei. In der Feuerstellung. am Telephon, auf der Beobachtung wurde nicht geritten. ES gab nicht mehr viel Pferbe. Sie würben immer weniger, immer mageret, immer hungriger. Und sie haben dennoch immer wieder, bi» zu ihrer letzten Stunde unermüdlich, ihre schwere Pflicht getan al» stumme Kameraden Sie haben ebenso gelitten wie die Menschen, aber sie haben stumm leiden müssen, und meisten» konnte man ihnen nicht helfen und bei- stehen... wenn nicht mit einem gutgezielten Schuft, der sie erlöste und eingehen lieft in den Himmel der Pferde. Die große Odyssee der kämpfenden und leidenden, der hungernden und zerschossenen Ziere im Krieg ist noch nicht geschrieben ... • Diele» wäre zu berichten. Don der Haubitze, die mit sechsen auSzog, mit vieren in Stellung ging und von den zwei letzten zurückgeschleppt wurde durch heiße Tage und kalte Rächte im August 18, al» da» Ende kam... von dem Gespannpferd, da» von der Wucht einer Granate auf einen Baum geschleudert wurde und in den, Aesten hängen blieb... von den vier anderen, welche, vom gleichen Einschlag getötet, wochenlang im heißen Sommer am Wege lagen mit aufgetriebenen Bäuchen, mit zahllosen Fliegen bedeckt ... und von dem winzigen, struppigen Fohlen auch, mit dem Glöckchen am HalS: seine Mutter gehörte zur V-Wagen-Despannung. eS war unser Stolz und unsere Heine Freude, und e» lief getreulich klingelnd auf endlosen Märschen mit un» über die verrotteten und zerschossenen Straßen in Frankreich Hochschulnachnchien. Professor Dr. A. Gelb in Frankfurt a.M. hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der Psychologie an der Universität Halle als Nach- folger von Professor Th. Ziehen angenommen. Professor Dr Hans Lewold in Frankfurt am Main hat den Rus an die Universität Berlin abgelehnt. Er sollte hier den neuerrichteten Lehrstuhl für römische- und bürgerliche» Recht übernehmen. Wesentlich für tie Beurteilung der volkswirtschaftlichen Bedeutung der W o l l t u ch i n d u st r i e »st die Tatsache, daß die deutsche Wolltucherzeugung nur zirka 7 v. ch. unseres Bedarfes deckt, daß wir also fast ausschließlich unseren Bedarf an Rohstoffen ohnedies aus dem Ausland bei unserer Bekleidung eindecken. Die Wolleinfuhr belüftet unsere Schißenhandelsbilan^ sehr stark, und um das auszugleichen, sind wir auf die Ausfuhr unserer Fertigfabrikate, gewebter Tuche, angewiesen. Wie steht es aber damit? Umgekehrt hat sich die (Ein- fuhrvon Fertigfabrikaten, besonders von englischen Tuchen, g e st e i g e r t! Der gedankenlose Einkauf ausländischer Tuche bewirkt, daß der deutsche Abnehmer von der deutschen Wirtschaft unmöglich auskömmliche Verdienstmöglichkeit erwarten kann, wenn er s e l b st durch u n - nötigen Einkauf ausländischer Ware der deutschen Wirtschaft die notwendige Beschäftigungsmöglichkeit beschneidet. Da die Hausfrauen auch bei der Auswahl der Herren st offe maßgebenden Einfluß ausüben, müssen sie auf die unbedingte nationale Pflicht hingewiesen werden, deutsches Tuch dann zu bevorzugen, wenn es dem a"u s - ländischen gleichwertig ist: „Jede für einen Anzug benötigte Stoffmenge, die aus dein Ausland bezogen wird, macht mindestens einen deutschen Arbeiter für einen Tag brotlos!" Der stärkste Feind des deutschen Tuches ist ein gewisser Snobismus, der allerdings nicht nur die Frau, sondern hier mindestens ebenso die Herren der Schöpfung betrifft. Ohne einen Schimmer von Berechtigung und Kenntnis des wirklichen Zusammenhanges wird oft dem deutschen Tucherzeugnis die Qualität abgesprochen. Tatsächlich aber stellt die deutsche Tuchindustrie qualitativ dasselbe her, wie die ausländische und auch die vielgerühmte englische. Hat also solcher Snobismus, unbedingt „echt englische" Stoffe zu tragen, schon in wirtschaftlich normalen Zeiten keinen Sinn, so wird er bei unserer Wirtschaftslage zum nationalen Verbrechen, da seine Folgen, wie gesagt, zwangsläufig Erhöhung der Arbeitslosigkeit bedeuten. Gegen 1926 ist die deutsche Einfuhr in wollenen Tuchen um 310 vH. g e • stiegen! Diese Tuchmenge entspricht der jährlichen Normalproduktion von 30 deutschen Tuchfabriken mittleren Umfangs. Da jede drei Meter Tuch, die aus dem Auslande bezogen werden, eine deutsche Arbeiterfamilie für mindestens einen Tag brotlos machen, so bedeutet diese englische Einfuhr für die deutsche Textilindustrie einen Ausfall von rund 1 650 000 Arbeitstagen! Es muß also heute von der deutschen Hausfrau als dem bedeutendsten deutschen Käufer verlangt werden, daß sie nicht ausländische Waren den deutschen vorzieht, wenn diese in gleicher Güte und Preiswllrdig- keit zu haben sind." Sparen, - aber kein sinnloser Käuferstreik. Dan einer führenden Persönlichkeit des deutschen Einzelhandels. „Don der Einstellung der Frauenwelt hängt Wohl und Wehe des Handels und damit der gesamten Wirtschaft ab. Würde die Mehrzahl der Frauen so einsichtslos handeln, aud) bie nötigen unb Im RähmendesEinkornrnensberecht taten Einkäufe zu drosseln und noch dazu das Bargeld im Strumpf aufzuheben, so konnte uns weder Selbsthilfe noch Auslandkredit vor der Katastrophe retten! Man denke nur an die jetzigen großen Saison-Ausverkäufe, die unbedingt eine Räumung der Lager und einen größeren Bargeldeinlauf erzielen müssen. Wenn diese saisonmäßig bedingte Blutzufuhr, auf die der Handel nun einmal eingestellt ist, plötzlich ausfallen würde, dann könnte die Blutarmut der Wirtschaft tödlich wirken! Die Hausfrau hat in Krisenzeiten wie den jetzigen volkswirtschaftliche Pflichten! Die Handelsorganisationen arbeiten mit aller erdenklichen Mühe daran, ihrerseits dem Gebote der Stunde gerecht zu werden, indem sie nach wohlüberlegtem Das bißchen Erde. Vornan von Richard Slowronnel. Copyright by I. Engelhorns Nachf., Stuttgart. 1 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Ta sprang er ab unb pirschte die letzten paar hundert Schritte sich kriechend heran, kam gerade noch zur Zeit, Gott sei Dank! Mit einem gewaltigen Satze warf er sich dazwischen, wand seinem jungen Herrn die Waffe aus der Hand ... Einen Faustschlag mitten ins Gesicht bekam er zum Dank, daß ihm das helle Feuer aus den Augen spritzte, aber das gefährliche Schießeisen gab er nicht wieder her. Unb inzwischen hatte die Kra- kower Baroneß es Wohl mit der Angst bekommen. Laut aufweinend lief sie den Berg hinab, band ihr Reitpferd los und jagte von bannen, als «raute ihr plötzlich vor dem Tode, den sie doch noch eben gesucht hatte. Denn von ihr nämlich war der Vorschlag ausgegangen, allem Herzeleid ein rasches Ende zu bereiten ... Graf Malte aber sah ihr wie geistesabwesend nach, und plötzlich lachte cr laut auf, lachte und lachte, bis das Lachen in ein Schluchzen überging. Danach ließ er sich willig den Berg hinunter führen, unb schweigen!) ritten sie nebeneinanber nach Hause. Am Hoftor verhielten sie, denn Lentz muhte die beiden Pferde in den Stall bringen. Unb sein Herr sah ihn mit einem Verzeihung heischenben Blick an. »Hass sehr weh getan, Alter?" „Vein, Herr Gras, ich hab's in der Aufregung gar nicht gespürt. Und viel wichtiger is es Wohl, daß S:e jetzt den Brief zerreißen werden, der wo im Schloß auf dem Schreibtisch liegt." Da blickte der "junge Herr eine ganze Weile vor sich hin auf den Boden. „Lieber ist's mir schon, du bleibst noch ein paar Stunden bei mir. Aber, nicht wahr, du sprichst zu keinem Menschen darüber, was eben geschehen ist? Auch zu mir nicht." Und ein wenig zögernd fügte er hinzu: „Oder vielleicht ist es besser, du nimmst meinen Wotan, weil der noch frischer ist als deine abgetriebene Kraggc, unb reitest nach Alten-Krakow hinüber. Es könnte doch sein, bah dort vielleicht ein Unglück pass-.ert wäre, und ich gebe dir mein Wort, ich warte ... also ich warte bestimmt, bis du wieder zurück bist." Da sagte Lenh nur: „Zu Befehl" und schwang sich m den andern Sattel. An einem Worte feines jungen Herrn war nicht zu zweifeln, und er konnte ruhig reiten. Vach zwei Stunden berichtete er wahrheitsgemäß, im Alten-Krakower Scylosse wäre alles ruhig, der Vachtwächter machte ferne Runde wie sonst, und kein Fenster Sprechende Zahlen der Llnfallstaiistik. Ein Menetekel für Motorradfahrer. — Rückgang der Unfälle in der Industrie. 3n dem Organ der Ruhr-Handelskammern „Duhr und Rhein" veröffentlicht F. Holter- mann, Essen, an Hand der soeben erschienenen amtlichen Unfallstatistik für bas Jahr 1929 einen beachtenswerten Artikel, bem wir folgenbes entnehmen: Wenn trotz ber günstigen Entwicklung der Unfallziffern bei ben gewerblichen Berufsgenossenschaften bie Gesamtzahl ber Unfälle gestiegen ist, so ist bies im wesentlichen auf die starke Zunahme ber Derkehrsunfälle zurückzuführen. In ben Jahren 1926 bis 1929 betrug bie Gesamtzahl der tödlich verunglückten Personen 23 475, 24 943, 26 403, 27 679; auf 100 000 Einwohner berechnet ist bie Verhältnisziffer in dem Zeitraum von 1926 bis 1929 von 37,2 auf 43,3 gestiegen. Die neuerliche starke Zunahme ber löblichen Verunglückungen ist zum weitaus größten Teil burch bie rasche Ausdehnung des Kraftverkehrs verursacht. Im Jahre 1929 fielen dem Verkehr mit Kraftfahrzeugen im Deutschen Reich 5867 Personen zum Opfer, das sind 904 Personen mehr als im Vorjahr. In den letzten Jahren haben die Unfälle mit Kraf trädern in besonders starkem Maße zugenommen, ihre Zahl war im Jahre 1929 3*/< mal größer als im Jahre 1926, während die Zahl der mit oder durch Kraftwagen verunglückten Personen immerhin um 3/4 ber Zahl von 1926 gestiegen ist. Auf einen gleichen Bestand von 1000 Kraftwagen kamen im Jahre 1929 nur noch 6,7 tödlich Verunglückte gegenüber 7.6 und 7,9 auf 1000 in den Jahren 1928 unb 1927. Dagegen hat die Zahl der durch Krafträder herbeigesuhrlen tödlichen Verletzungen fast doppelt so stark zugenommen wie dec Bestand an Krafträdern. Während im Jahre 1926 auf 1000 Krafträder nur erst 1,9 tödliche Verunglückungen entfielen, ist diese Zahl neuerdings auf 3,5 auf 1000 angestiegen. Die Zahl ber sonstigen töblichen Derkehrsunfälle ist — im Gegensatz zu der starken Zunahme der Verunglückungen im Kraftverkehr — im Jahre 1929 etwas zurückgegangen, sie betrug 3737 gegenüber 3832 im Vorjahr. Besonders auffallend ist die starke Zunahme der Verunglückungen jugendlicher Personen mit Krafträdern. So kamen durch den Verkehr unb den Sport mit Krafträdern im Jahre 1929 allein 299 15- bis 30jährige, dagegen immerhin nur 154 30* bis 60jährige Männer mehr zu Tode als im Jahre 1928. Auch unter den Kindern forderte die weitere Ausdehnung des Kraftverkehrs wieder 128 Opfer mehr als im Vorjahre. Bei den 5* bis 15jährigen Knaben ist außerdem die Zahl der Ertrunkenen um 77 an- gestiegen. Erfreulicherweise ist im Gegensatz zu ber Zunahme ber Verkehrsunfälle bei den gewerblichen Berufen eine weitere Abnahme der Unfälle zu verzeichnen. Die amtlichen Feststellungen können zum Teil schon durch die von ben Derufsgenossenschaften mitgeteilten Zahlen für bas Jahr 1930 ergänzt werden. Bei der Hütten- und Walzwerk-Berufs- genossenschast (Sih Essen) betrug die Zahl der tödlichen Unfälle auf 1000 Versicherte berechnet in ben Jahren 1928 bis 1930: 0,920, 0,735, 0,690 unb bie Zahl der entschädigungspflichtigen Unfälle 9,00, 7,92, 8,47 (1913: 13,89). Die Unfallziffer ist im Oberbergamtsbezirk Dortmund beiden tödlichen Unfällen, auf 1000 Beschäftigte berechnet, im Vierteljahresdurchschnitt von 0,721 im Jahre 1925 (dieses Jahr war für den Ruhrbergbau ein wahres Unglücksjahr) und 0,573 im Zeitraum von 1901 bis 1910 auf 0,507 im Viertel- jahresdurchschnitt 1923 und 0,469 im Vierteljahresdurchschnitt 1930 zurückgegangen. In Berlin verunglückten 1929 tödlich 1877 Personen (43,4). Die Zahl der tödlichen Unfälle in der Reichshauptstadt ist hiernach nicht unwesentlich größer als die Zahl der tödlichen Unfälle, die der ganze deutsche Bergbau im Jahre 1929 (1647) zu beklagen hatte. Plan das niedrige Preisniveau halten und ttotz ge- wattig gestiegenem Reichsbankdiskont jede Steigerung der Preise zu vermeiden suchen. Einen dauernden Erfolg können sie aber nur dann haben, wenn ihnen die deutsche Hausfrau nicht in den Rücken fällt und durch einen sinnlosen Käuferstreik die Bemühungen um einen ungestörten Verlauf der Wirt- schäft sabotiert. Frauen, helft der Wirtschaft nach euren Kräften, — dann helft i h r euch s e l b st!" Oberheffen. Landkreis Gießen. ch Garbenteich, 7.Aug. An ber Licher Straße hat Dr. Rupp vor einigen Jahren ein Gehege angelegt und darin zwei junge Rehe aufgezogen. Während das weibliche Tier sich vollständig zähmen ließ, blieb der Rehbock stets scheu, um zuweilen recht bösartig, ja sogar gefährlich zu werden, so daß er im letzten Winter getötet werden mußte. Die Rehgeiß warf im Mai d. I. zwei Junge, die aber beide eingingen. Die Jugend unseres Dorfes und vorübergehende Fremde verweilen gern einige Augenblicke an dem Gehege. ch Hausen, 6. Aua. Dem Beispiele anderer Gemeinden folgend, beschloß der Gemeinderat in seiner Sitzung vom Dienstagabend den Erlaß einer Ortssatzung über V e r gn ü g ungs st eu- e r n für unsere Gemeinde. — In bem in den Vachkriegsjahren an der Straße nach Gießen zu entstandenen neuen Dorfteil wird auch in diesem Jahr wieder ein neues Wohnhaus errichtet. : .Deutsche Kran- kenhilse in der kanadischen Prärie", Dortrag von Ludwig Eid. 19.35: Diolinmusik. 20 15: Aus Schall- Platten: In der Bayreuther Besetzung: Szenen aus Tannhäuser. Mittwoch, 12. August. 7: Frühkonzert auf Schallplatten. 10.20 biS 10.50: .Weimar im Jahre 1919.“ Ein Hörspiel aus der Aationalversammlung. 12.05: Schallplattenkonzert. 15.15 biS 16: Stunde der Jugend. 17: Konzert für die Jugend. Rationale Tanzrhythmen der Dölker, gespielt vom Philbarmo- nischen Orchester Stuttgart. 18.45: .Auf dem Tapajvz", Dortrag von lllrich Grafen von Reischach. 19.20 (Don der Deutschen Welle): Gedanken der Zeit: .DaS faschistische Wirtschafts- Programm", Gespräch zwischen Professor Dr. Goetz' Brief« und Dr. Hans Reupke. 20: Kabarett. 21.15: Sinsoniekonzert de« Rundfunk-Orchester«. 22.50 bi« 24 (Don Bad Homburg): Unterhaltung« tonyrrt des Kur Orchesters Bad Homburg. Donnerstag, 13. August. 7: Frühkonzert auf Schallplatten. 12.05: Schallplattenkonzert. 15.30 bi« 16: Stunde der Iuaend. 17: Rachmittagskonzert des Rundfunk-Orchester«. 18.45: .Ein kleine« Kunstwerk schon für drei Pfennige", Dortrag von Dr. Walter Schürmeher. 19.05: .Au« einem unbekannten Winkel AmeriRundfunkprogramm. kas", Dortrag von Konsul Reinhardt. 19.45 Zwei Sketsch« von Herrnyne Zur Mühlen. 21 (Dorn Hof der Alten Fürsterzblschöflichen Residenz, Salzburg): 6. Thors er ena de 22.15 (Rach Berlin. Köln und Leipzig!: Zeitbericht. Für und wider die Todesstrafe Bearbeitet von Actualis. 23.15 bi« 24; älntcrhaltungskonzcrt des Rundfunkorchesters. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bl* 12.33 Uhr, 16 bl» 17 Uhr. Samstag nachmittag geschloffen. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 9. August. 10. Sonntag nach Trinitatis. Stadlkirche. 8 Uhr. Pfr. Becker zugleich Christenlehre für die Markusgemcinde; 9.3»: Pfr. Mahr. — 3ohanne»kirche. 8: Pfr. Ausfeld: zugleich Christenlehre für die ^ohannesgemeinde. 9.30: Pfr Bcchtol»- Heimer; 20: Bibelbesprechung im Iohannessaal, Pfr. Ausfetd — Kapelle de» Alten Friedhof». 9 30: Pfr. Lenz; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmicrten der Luthergemcinde. — Elisabeth-Kleinklnderfchu le. 9.45: Pfarrassistent Seemann. — (Demdnbrfaal (Cle- bigstrafte 50). 13.30: Taubstummengottesdienst; Pfr. Bechtolsheimer. — Heuchelheim. 13: »dienst; Pfarrassistent Seemann (Gießen). — Dieseck. 9.30; 10.45: .üinderkirche. — Alten-Vuseck. 10: Gotte»- dienst; 13: Christenlehre. — Kirchberg. 10: Kirchberg; 11: Christenlehre für die konfirmierte männliche Äugend, 13.30: Lollar. — Hausen-Garbenteich. 13.15. Garbentcich; Pfr Krämer (Steinbach; 14: Hausen: Pfr. Staubach (Watzenborn). — Watzenborn-Steinberg. 12.45: Hauptgottesdienst; anschließend Wimpelweihe des Mädchenvcreins (Kollekte). — Cid). 9.30. Sttflsdechant Kahn, Christenlehre für die weibliche Jugend; 12.45: Kindergottesdlenst; 14: Stiftspfarrer Draudt. katholische Gemeinden. Samstag, den 8. August. Glcften. 16.30 und 19 Uhr: Deichte. Sonntag, den 9. August. 11. Sonntag nach Pfingsten. Gieften. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Jungfrauen und Hausangestellten; 7: Messe; Kommunion der Jungfrauen und Hausangestellten; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 14: Andacht. — Grünberg. 9 45: Messe mit Predigt. — Hungen. 9.30: Hochamt mit Predigt und Christenlehre. — Cid). 7.30: Hochamt mit Predigt; 20: Christenlehre und Andacht. — Collar. 8.45: Messe mit Predigt. — Jllbba. 8.30: Hochamt mit Predigt. Montag, den 10. August. Laubach 7.30 Uhr: Meste. Mittwoch, den 12. August. Hungen. 6.15 Uhr: Meste. Lon«tagsbicnst d.Aerate n. Apotheken am 9. 8. 81. ÖrL Dr. Gürtler. Dr. W. Klein. Pelikanapotbeke. Zahnarzt: i’r Kockerbeck. **°D Giebener l)O0 Pädagogium Private höhere Lehranstalt Aufnahmen in alle Klassen werden jederzeit entgeßengenommen. Sprechstunden werktags von 10—12 Uhr. Fernruf 2735. 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Dentist ________________________________________5228 D Konkursverfahren. lieber das Vermögen de» Kaufmanns Siegfried Schäfer, alleinigen Inhaber» der Tirma Heinrich Schäfer in Gieften, Marktstrafte 20, wird heute am 7. August 1931, 16 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet, da der Gemeinjchuldner zahlungsunfähig ist. Der Rechtsanwalt Karl Krüger In Gieften wird zum Konkursverwalter ernannt Konkursforderungen sind bis zum 28. August 1931 bei dem Gerichte anzumelden. 5259D Es wird zur Lefchluftfastung über die Beibehaltung de» ernannten oder die Wahl eines andern Verwalters sowie über die Bestellung eine» Gläubigerausschusses und eintretendenfalls über die in § 132 der Konkursordnung bezeichneten Gegenstände und zur Prüfung der angcmeldeten Forde- rungen auf Samstag, den 5. September 1931, vormittags 9 Uhr, vor dem unterzeichneten Gerichte, Zimmer !^r. 106, Termin anberaumt. Allen Personen, welche eine zur Äon- kursmaste gehörige Sache in Besitz haben oder zur Konkursmasse etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nichts an den Gemeinschuldner zu verabfolgen oder zu leisten, auch die Verpflichtung auferlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderun- gen, für welche sie aus der Sache abgesonderte Befriedigung in Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zum 28. August 1931 Anzeige zu machen. hessisches Amtsgericht zu Gieften. Auio-Gelegenheiiskaufe O 40 PN Dlxl-Innenlenker, «l ünfsttz, fompl.,mit all. Zubehör, äufterstpreiswert, ß 30 PN Flat -Cabriolet, ncuroerttfl, nur al» Doriührungöwagen benutzt, preiswert abzugeben. 5243D Seiet)«. Linker & Sohn (fliehen, Lndwiattrabe 16. Tel. 3581. AMWWWe 1 Steyr-Waren, 6/80 PS, 4-5 Sitzer, affen, Sechszylinder, 1 Aga 5 20 PS, 4-Litzer, offen, 1 Brennabor- Inneostenerllmou* eine, 6 25 PS. 4iitzlg. Sämtl. Wagen in vorzüglicher Berfastung. 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Umt+eitdcn MB.narD3o, Toamtvstna. t 3t,4-a,,„^itatTMoefreL Staufenberg Sonntag, den 9.. und Montag, den 10. August 1931 Kirchweih Heimattagung auf dem Schiffenberg / Reichhaltiges Programm/Eintritt frei Für die uns anläßlich unserer Vermählung erwiesenen Aufmerksamkeiten danken wir herzlichst Willy Schwarz und Frau Erna, geb. Klinkel , den 8. August 1931 Gießen' 9 ' Kirchweihe Morgen und Montag, den l>. n. 10. August, auf der Wer wollte sich diese Gelegenheit entgehen lassen, unter schattigen Anlagen, überdeckten Hallen, in Räumen nach allen der Neuzeit entsprechenden Erfordernissen, bei angenehmen Fernsichten, frei von jeder Schnakenplage, bei klassischer Musik und Tanz einige nette Stunden zu verleben? Gute, reelle Bedienung ohne Getränkeaufschlag ist eine soziale Selbstverständ- deubdw dckfrixh-eulo. mafad» Kühbdvenk beiifl alle Voraüge neu- zertlKhezKühfvorrtdilungen.ßelriebi fertig dixdi Amdiluh an den ShxMuniakl der efekliodien lertung . AutomoSidw Arbeitwiie, keine War- VflrtrAtimn • fung. Kein WewanKhluf,.De. ungefeh-LAe , -. Vertretung. ' lUbe^nel. Me^-CNortd . P-euwert Inder J. 8160651, 16000. DUTO Anxholfung. ' Marburg ALFRED TEVES Bahnhofstraße 17, Teleph.191 LBERNARD Stoff-Spezialhaus, Plockstraße 16 Marburg Gießen, Frankfurter Str. 127 8. August 1931 Gießen Steinberg 9. August 1931 ©runWnleflung in Wiesest zu dem zinslosen D. Ä. S.-Gigenheim des Herrn Postmeisters Guthier, findet am Ganutas, dem Äugust, nachm. i übt in feierlicher Weise statt. — Anschließend Aufklärungsvortrag im Saale des Gastwirts Äraun. Alle Mit» glieder und Interessenten find freundlichst eingeladen. Deutsche Bau- u. Siedelunssgemeruschaft e. <$. m. b. S., Darmstadt. Der Kreisausschuß. 5234d AuskünsteinRechiö-, Stras-.Fainil.-Ange- legenbetten, Gesuche. Verträge. Beobachtungen. Ueberwachg. und Ermittlungen vreiSw^ streng diskr. u. an all. Orten ert. u. erledigt Detektiv- Bureau-n.Anikunftel Inh.K.Gerz.Bad-Nan- heim, Knritr. 17. 6rntenri(te.Binöe- gam.Bagentfldier wasserdichte Wagenplanen Frucht-Säcke liefert prompt Wild. Nebbutb, Seilerei und Vlan- fabrik. Gießen Telephon 3206. tau» VT Wlf O 1 O Sonatag, den 9. August, nachmittags 3.30 Uhr Hg « m dFMI iJ ä Vilß-FMat ^s=s=i=ä= Fhiöhaipn Mm ■ O B llldUE usw. - Eintrittspreise: Erw.0.50, Kinder 0.30, Startpl. 1.00 ■ lllrf |||||[ jBB I ■ B R J I ■ Hl I ” ™ AutoverblnduDj (Kraftverkehr Hessen) zum Flußhafen ab Ludwigsplatzlühr ■■ "**"^J*" «LWr _____Der Wirt: Ludwig Bierau. Sonntag, den 9. u. Montag, den 10. August KIRMES zu Allendorfa.d.Lalin Es ladet freundlichst ein Gastwirt Hörr 0<49, 04522 Familien-Drucksachen Verlobungsanzeigen , , — Vermählungsanzeigen bei Bruhl. Schulstraße Geburtsanzeigen ERFR! r Al. 5237 A sagte Onkel Mollig, als die Orete Hochzeit machte. Ich kaufe Euch einen Gasherd und zwar einen echten Roeder, beim Häuser am Oswaldsgarten. Ihr glaubt ja gar 2!^ht,kYa9 aS° C«.KnuPiPg_>för Freude macht. Wenn mittags pünktlich und In aus- ,,„a k.rtin- \T, —0,0 v,clut" lacnmanmscn Geraten und gut bedient. — Wann dürfen wir Sie in unseren Ausstellungsräumen erwarten? X B. HAUSER, GIESSEN AM OSWALDSGARTEN V*1 ßi/figsten undbequemster ßrennsto^^^^ iRaacfi. kein Paß, {(einefcfifacken ■«Di’ikeffsiK Samstag, 8. August 195t Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Nr. 184 Drittes Blatt Wandem und Reisen • Bäder und Sommerfrischen. Wanderung ins Siisterland. Don Siegfried von Degesack. In aller Frühe .-ab« t<$ den RuMack qo schnallt. nehme Den 6tod. pfeife Lappa. der Schäfcrhündtn. und wandere ostwärts. dem fcu- r gen Sonnenball entgegen. In den Tälern dampfen noch weihe Aebelfchwaden. klammern sich an den Da Id hängen und sinken kraftlos in die Wielengründe. Immer klarer, immer strahlender wölbt sich der Augusthimmel über den endlosen blauen Bergketten, dem weilen, hochsommerlich prangenden Land. Ich komme durch große Dörfer und Ortschaften mit breiten, verschlafenen Plätzen und mächtigen Gasthöfen. Sine Wirtschaft steht neben der anderen. und da alle anscheinend gut gedeihen und von Fremdenverkehr keine Spur -u sehen ist. muh der Dierkonsum der Bevölkerung gewaltig sein. Sin Dorf hecht sogar ..Bnrhütten". lieber- Haupt gibt cS hier viele charakteristische Ortsnamen. w.e a. B Sroßarmlchlag. öiebenellen, Schönanger. 'Ringelai. Der Weg geht meist auf langgestreckten Höhen zögen. mit freiem Rund- bha nach Borden zum bayeri'ch-döhmischen ®c- birgskamm. und nach Süden in die welligen Donauberge. Aber bald beginnen die endlosen Wälder leuchte, schattige Schluchten mit tropisch wuchernden Farren und besonnte Hänge mit duftenden Himbeerstauden. lind dann geht es auswärts durch lichten Buchenwald zum Dreisessel. Die Fellen deS Dreifessel sehen teils wie Watrahen auS. die man übereinander gelegt hat, teils wie Kulissen auS Pappe. Und auch daS Schweizer UnterkunftShauS. die Bänke unter den Bäumen, ja. die Bäume selbst wirken wie Theater-Dekoration: so natürlich ist hier allc-8 in die Ratur hineingebaut, dah einem die Do- tur selbst schon verdächtig vorkoinmtl Schnell mache ich mich mit Lappa auf den WeiieNveg zum Plöckenstein. Wir wandern immer bw Grenze entlang: rechts Bayern und links Böhmen. Der Grenzpfad führt auf dem Ramm deS Geb.rgeS durch Tannenwald und Hochmoor mit wucherndem Knieholz und Latschengestrüpp. Auf einer kleinen Lichtung flößen Bayern. Böhmen und Oesterreich zusammen. Dom Plöckenstein. einem Trümmerhaufen mächtiger Granitblöcke, geht eS abwärts zum See. Hier, auf einer schroffen ZelSplatte. von der auS man den Plöckenfteinsee tief unten im Wipfelmeer der Tannen eingebettet liegen sieht, erhebt sich ein einfacher Obelisk. daS Stifter-Denkmal. Am Fuh deS Sockels sind die Worte des Dichters eingegraben: ..Auf diesem Anger, an vielem Waller ist der Herzschlag deS Waldes." Dies ist der See. an dessen Ufer sich Stifter« ..H o ch w a l d" abgespielt hat. und von dem eS beißt Sin unheimliches Ratucaugc, überragt von der Stirn und den Brauen der Felsen, gesäumt von den Wimpeln dunkler Tannen. darin daS Wasser regungSIoS wie eine versteinerte tXrlne." So einsam und regungslos wie damals ist der See heute allerdings nicht. Am Ufer herrscht munteres Badeleben. Braungebrannte 3ungen und Damen in elegantem Dadelostüm tummeln sich aus den besonnten Felsen, stürzen mit Kops- sprung ins Wasser und schwimmen über den flimmernden Spiegel. Keiner kümmert sich um das sittenstrenge Plakat am Stamm einer alten Tanne, das jedes Baden verbietet. Da weder Lappa noch ich ein Dadekostüm haben, schleichen wir durch Latschen-Dickicht am Ufer entlang bis ans andere Ende des Sees, wo ich eine idyllische, von mächtigen Felsen umsäumte Bucht entdecke, die zum Einzelbad wie geschaffen ist. Ich schwimme in den See hinaus, während Lappa mir vorn User verzweifelt nach- heult. Endlich springt auch sie ins Wasser, um mich zu retten. Gerettet legen wir uns aus eine versteckte Felsplatte in die Sonne. Dor mir wuchern auf d.ckem Moospolster Heidelbeerbüsche mit Beeren, die fast so groß wie Kirschen lind. Sie wachsen einem buchstäblich in den Wund, und Lappa und ich essen, bis wir nicht mehr können. Ich liege auSgeftreckt im Halbschlaf. Da höre ich plötzlich hinter dem Felsen em Prusten und Hchnausen. Lapp.i ,*urrt drohend. — und vor mir taucht ein jung'7 Mann auS dem Wasser. Er bat den gan^.. ^.e überquert und ist völlig erschöpft. Ich biete ihm eine Zigarette an, und er fetzt sich zu uns auf die Felsplatte. Er ist ein Student auS Prag, wir schwatzen ein wenig, bann schwimmen wir zusammen, jeder ruft dem andern ..auf Wiedersehen!" zu und kehrt zu feinem Ufer zurück7 Diele kleine 'Begegnung macht mich, ich weiß eS selbst nicht warum, sehr froh. ES kommt mit so vor. alS würden alle Menschen, ißrer Kleider und Würden beraubt, einander viel besser verstehen.. Am nächsten Morgen wandere ich heimwärts, elf Stunden durch endlose einsame Wälder. Hier und dort steht em Marterl am Wege: zwei Holzhauer hat der Blitz getroffen, und em dritter ist beim Baumfällen verunglückt. Auf der einfachen Tafel stehen d.c Worte ..AIS ich starb im Wald, reichte niemand mir die Hand." Dor einer kleinen Wirtschaft auf einer Waldlichtung sitzen Holzarbeiter beim Bier und rauchen ihre kurzen Pfeifen. Der eine steht auf und sagt: ..Muaß hoam auf d' Docht!" E.n anderer hält ihn mit dem tiefsinnigen Wort zurück: ..Zwisch'n Tog und Docht iS koa Zaun g'wochfen!" DaS Wort gefällt mir. und so bleibe auch ich bei den Holzhauern fitzen und wandere bei ern- brechender Dämmerung ©etter biS nach Wald- häufer. Die Dunkelheit kriegt zwischen den Baumstämmen. fahleS Licht geistert über dem Berg- Hang: Zwischen Tag und Dacht ist kein Zaun gewachsen. Sommerliche Schwäbische Alb. Don Urach zum Lichtenstein. Don Johanna Gilling.Wiesner. Arn glühheißen Sommertag fielen wir schnau- sknd unb sehr höhen durstig im vertrauten ‘Reutlingen ein. Alte Kirchenpracht überstrahlt fein heimelige- Stadtbild, feine stillen Winkel. Lauben- gassen und Brunnenplätze. In den moosigen Mauergärtlein hängt der Holunder 'Riefenfträußc auS: längst blühen die Linden, über jeden Weg streicht Dolenduft: der Sommer schafft aus dem warm geborgenen Talgrund im Alb Vorland einen üppig blühenden Garten. Hoch und blau steht, als Schattenmauer, die Alb, vor ‘Reutlingen^ Toren. Wer ihre Sommerschönheit leimt, wer nur einmal echte Albluft trank auS meilenweiten Wäldern. kräuterreichen Hochflächen, wer die Höhlenwelt dieses zerklüfeten FelsenwalleS bestaunte und dann wieder auf einzigartiger .Dandwanderung" von Plateau zu Plateau streifte — der gehört der Alb für allezeit l » Gegen 900 Kilometer Wanderwege hat der Schwäbische Albverein geschaffen. Deutschlands größter Mittelgebirgsverein, und da die Alb glücklicherweise noch nicht kreuz und quer von Dahnen und Kraftposten befahren wird, so gedeiht hier noch alS köstliche Albblüte das ungestörte Wandern. Schweifen, geruhsames Weilen. — Wir haben den Frühzug nach Urach erwischt. Stadt Eberhards im Barte, des »reichsten Fürsten", dessen Stammschloß noch heut neben der kostbaren gotischen Amanduskirche steht und manche Erinnerung an den alten Rauschebart bewahrt hat, alte Wappentafeln. Malereien, Schnihwerk im Goldenen und Weißen Saal. Eine landschaftliche Besonderheit ist daS bei Urach mündende, schlucht- reiche Seeburgertal mit der schönsten Tuffsteinhöhle der Alb voll seltsamer Stalaktite und vollendeter kristallinischer Bildungen. In Seeburg läßt es sich sommerlang wundervoll Hausen, wenn einem Urach schon zu sehr .erschlossen" scheintI In jedem Iahr mit ungerader Zahl feiert Urach fein uraltes Volksfest des .Schä f erl au f s". diesmal ist es also wieder fällig. Hunderte kletterfreudiger Schwabenbubcn und Mäkle werden dann mit besonderer Begeisterung die Uracher Alb aufs Korn nehmen, aus deren walderfüllten Gründen die herrlichsten Steige ins Hochland führen. Eine wahre Albfreude sind Aufstieg und Rand- Wanderung zum Lichtenstein. Diem als sind die Buchenmeere um den Uracher Kessel lichter und heiterer als am frischen Frühsommermorgen. wenn die ganze Welt Sang und Klang scheint. Wie ein Ävigkeitswerk tauchen die gewaltigen Ruinen von Hohen-Urach vor unS auf. Hohe Torbogen. Wehrgänge. Mauerkranz der berühmten Trutzfeste aus dem 11. Iahrhundert. Die weite Bastion (702 Meter) blickt übers Urachtal. das herandrängende Waldgebirg bis zu Stuttgarts Türmen. Die Waldeinsamkeit hat hier- eine melodische Stimme, den Uracher Wasserfall. Ein silberner Schaumsturz von hoher Steil stufe der mächtig aufgemauerten Wand. Don allen Seiten strudeln die Quellen ins felsige Decken, quirlen in Kaskaden zu Tal. Beim Uracher Wasserfall fängt dann das Klettern an. Man erobert zunächst die Rutschenfelsen, dann den nahen Gipfel der H o - h e n W a r t e (820 Meter), deren Umschau au den schönsten m Schwaben zählt. Die charakteristischen Formen der Alb. ihre blendend weißen Kalkriffe, Dolomitennadeln. Türme. Zackenmauern, zeigen sich hier in bunten Gruppierungen, und fern im Süden grenzt die Alpenkette mit silberner Kontur den Horizont. Hier oben beginnt die wechlelvo^Ie Plateauwanderung zum Echaztale hinüber, über wellige Hochflächen. Wald- und Weideland, blühende Steppe. Dersteckte Dörfer, einsame Höfe. Burgruinen stöbert man auf. und immer wieder zweigen Pfade seitab zu seltsamen Felsgestalten an steilen Rändern: gelber, grüner Fels, Sonnenfels und viele andere. Die Tagesstunden fliegen vorbei wie die Zitronenfalter — dann kommt die Sensation, wenn die Riesenspalte des Echaztales vvr uns aufgerissen wird und man vom lotrechten Absturz. 300 Meter tiefer, die ganze Talfurche mit einem Blick umfaßt: In bunten Farbtupfen die Gärten von Unterhausen. Oberhausen, das herrli ch um grünte Hvnau. Am jenseitigen Rand der Kluft ein phantastisches Gebilde, hingehert auS dem Märchenbuch der Ratur; Lichtenstein! »Aus einem tiefen, grünen Tal steigt auf ein Fels gleich wie ein Strahl..." Burg Lichtenstein, deren keckeS Bild in aller Welt bekannt ist. hat der Sänger des Lichtenstein. Wilhelm Hauff, nie gesehen, denn erst mehrere Tage nach seinem Tode gab die »Romantische Sage*7 Deranlafsung Aum Burg- bau. Manches hat sich seit Hauffs Zeiten hier geändert. Don der reizenden Talstation Hönau führt zur .Eroberung" deS Lichtenstein die einzige Bergbahn der Alb aufs Traiffelbergpla- te a u . wo im TraiffelberghauS eine ideale Gaststätte für Albwanderer entstanden ist. Don hier umgeht man auf fast alpin wirkender Felsenstraße die tiefe Dobelfchlucht und wandert ins vielhundertjährige Wald- und Parkreich, das den Lichtenstein grün und schatten kühl umrauscht. Hier hat Hauff daS originellste aller Denkmäler gefunden: auf frei aus Der Tiefe aus schießender Felsnadel steht die Drvnzebüste des Dichters, das jugend- schöne Antlitz zum Lichtenstein gewendet. Wundervolle Fernsichten eröffnen sich vom Schloß und Forsthaus, und nicht weit liegen die geheimnisvollen .Debelhöhlen", wo die Geister von Lichten- stein Hausen... Deisewinke. Keine Ausreifcgebühr für Erholungsreisen über Lee und Auswanderer. Die Hamburg-Amerika Linie teilt mit, daß die Verordnung über die Erhebung einer Gebühr für Auslandreisen sich nach den nunmehr veröffentlichten Ausfuhrungsbeslimmungen nicht auf die Teilnehmer an Dcrgnügungs-und Er. holungsreisen deutscher Schisse bezieht. Ferner sind nicht allein die Auswanderer fremder Staatsangehörigkeit, die auf deutschen Schissen und über deutsche Häsen nach dem Auslande reisen, von der Auslandreisegebühr in Höhe von 100 NM. befreit, sondern auch alle Auswanderer, die die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Um von dieser Gebühr befreit zu sein, genügt der Besitz der Einreiseerlaubnis für das Zielland. Tobel (Schwarzwald). Wenn in den Rieberungen die Menschen unter brückender Sommerhitze leiden, herrscht hier oben luftige Kühle, der Kranz der nahen Tcmnenhoch- wälber fächelt harzige Frische: besonbers werben die starken nächtlichen Abkühlungen von den Kurgästen als wohltuend empfunden. Die Derbreite- rung unb Verschönerung der Staatsstraße, sowohl in bet Richtung gegen Wildbab wie in ber Richtung gegen Herrenalb unb Baben-Baden wurde gerade noch rechtzeitig zum Beginn der Kur- saison fertiggestellt. Tic Heilbronner Laienspiele. Unter den Hunderten von Laienspielen stehen die vor drei Iahren gegründeten Heilbronner Laienspiele in dem neuen Freilichttheater am Rosenberg in ber vordersten Linie. Bis Mitte September wird jeden Samstag und Sonntag bas ,Dachsolge Ehristi Spiel" des Oesterreichers Max Tlcll aufgeführt, eine dramatische Episode aus dem Türkenkriege im Stile alter steierischer Dolksschauspiele. Bei Gelegenheit eines Besuches iif der Kätchenstabt betrachte man auch bas am Markt gelegene .Kätchenhaus", bas unter Beihilfe der Stabt in seiner ursprünglichen Gestalt erneuert wurde und sich wundervoll in den Rahmen des Marttplayes einfügt. Wanderfahrten. Ehringshausen — Crmplal — Oberlemp — Altenberg — Lieber. Dir fahren nach Ehringshausen (Dill), durchschreiten den stattlichen Ort und geben schwarzen Dreiecken nach, bas allerdings schattenlose Lemptat auswärts durch die Orte Kolschhausen und Nieder- kmp nach dem schon gelegenen Dorse Oberlemp. Hier verlassen wir da» Zeichen und wenden un- östlich, immer dem Bache nach. Nach einiger Zeit gelangen wir in den Wald und stoßen auf gelbe liegende Kreuze, denen wir nach rechts folgen. Nach schöner Waldwanderung kommen wir am Fuße de» Altenberges, dessen Aussichtsturm leider noch unbe- stcigbar ist, vorbei. Nach Durchschreiten eine- Wald- chens bietet sich uns ein überraschender Blick auf Königsberg, den Dünsberg und das Biebertal. Bald darauf erreichen wir nach insgesamt 4 ^stündiger Wanderung unser Endziel Bieber. Schotten — Petershainer Hof — Seenbachtal — Laubach. Don unserem Ausgangspunkt Schotten benutzen wir die Staatsstraße (mit grünen Strichen bezeichnet). die uns in allmählicher Steigung, immer hübsche Blicke bietend, an Götzen vorbei, auf die Hohe bringt Kurz vor dem Ludwigsbrunnen ver- lassen wir das Zeichen und folgen nach link» blauen Dreiecken, die uns alsbald nach dem gastlichen Petershainer Hof führen. Durch schone Waldpartien leitet uns jetzt das Zeichen abwärts nach dem lieblichen Seenbachtal bis zur Schreinersmühle, von wo wir roten liegenden Kreuzen nachgehcn, die uns zum Endziel Laubach bringen. Dauer der Wanderung 4% Stunden. SV Jahre Tennis in Bad Homburg. WSN. Bad Homburg, 6. Aug. Im Jahre 1876 wurden in Bad Homburg die ersten deutschen Tennisplätze errichtet. Hier sanden später die ersten deutschen Turniere um die Tennis-Weltmeisterschast statt Bei dem vom 19. bis 23. August stattfindenden großen internationalen Turnier wird eine neue mustergültige Tennisanlage eingeweiht werden. Bad Homburg ist der Ausgangspunkt für den weißen Sport in Deutschland. Unterschlagung beim Raiffeisenverein Groß-Zimmern. Der Kassierer mit 100 000 Mark sluchtig. LPD. Darmstadt, 7.Aug. Wie der LPD. er- fährt, wurde bei einer unvermuteten Revision ber Kasse des Raisfeisenvercins in Groß-Zimmern ein Fehlbetrag von etwa 100 000 Mark festaestellt. Schon vor einigen Tagen wurde in der Dorstandssitzung der Gesellschafter der Verdacht ausgesprochen, daß Unterschlagungen vorgekommen seien. Die nunmehr Dorgenommene Revision bestätigte den Verdacht. Gegen den Täter, den Bankbuchhalter Geo Schmidt, der seit Donnerstag flüchtig ist, wurde Steckbrief erlassen. Die Mutter des Schmidt wurde in der Wohnung ihres Schwiegersohnes in Kirch- hausen bet Bensheim verhaftet. Direktor des Ralfs- eifenvereins ist der kommunistische Landtagsabge- ordnete Angermeier, der wie wir hören, mit der Sache nichts zu tun Haven soll. Die Untersuchung ist noch im Gange. Spiclplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 9. August bis SamS- tag, 15. August, täglich von 20 bis 23 Uhr: Gastspiele der Berliner Rotterbühnen: .Der Soldat der Marie." Sonntag, 16. August: Wiedereröffnung der Opernfpielzeit. Schauspielhaus. Don ‘Montag, 3. Aug.. bis einschließlich Donnerstag. 13. August, bleibt das Schauspielhaus geschlossen. Freitag. 14. Aug.. bis Sonntag. 16. August, täglich von 20 bis gegen 23 Uhr: Gastspiele der Berliner Rotterbühnen mit der Operette: .Mit dir allein auf einer einsamen Insel." Taten für Samstag. 8. August. Sonnenaufgang 4.59 Uhr, Sonnenuntergang 20.02 Uhr. — Mondaufgang 23.24 Uhr, Monduntergang 16.02 Uhr. 1867: die Künstlerin Käthe Kollwitz in Königsberg geboren. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. Das Amtsoerkündigungsblatt Nr. 56 vom 7. Au« gust enthält: Fluaveranstaltung in Gießen. — Die Gewährung von Beihilsen an ehemalige Kriegsteilnehmer. — Gemeindesteuern. — Nachtrag zur 5rieb- hofsordnuna für den Friedhof ber (Bcmeinbe Grün» berg. — Derfastungsfeier 1931. — Abhalten von Dorträgen über die französische Fremdenlegion. - Salzhausen Jsj Bewährte Heilquellen / Schöner alter Park Preiswerte Pauschalkuren Auskunft: Hessische Badedirektion SchloB-Caf6 Marburg Inh. Carl Spangenberg - Schönste Aussicht Marburgs Täglich ab 15J0 Uhr: Konzert Dienst.,Donnerst.Sonnab.u.Sonnt:Tanz-Abend Mittwoch: 5-Uhr-Tanz-Tee 3572d Sommerkur für 3563V Nervenkranke und Nervös-Erschöpfte Spexlalkuranstatt Bolhelm le Tannas bei Frankfurt a. M. — Prospekte durch San.-Ril Dr.M.Sdrolze-Kahletss. 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Für den ersten Sonntag der Saison 1931/32 hat sich auch die Spielvereinigung 1900 einen beachtlichen Gegner verpflichtet, der die Blau- Weihen auf eine Leistungsprobe stellen wird. Die Gastmannschaft, die in ihren letzten Gesellschaftsspielen außerordentlich gut abschnitt, vermochte sich für die kommende Berbandsspiel- serie in die Kreisliga emporzuarbeiten. Die Mannschaft stellt für die 1900er einen zum mindesten gleichwertigen Gegner dar, der den Hiesigen selbst auf eignem Platze einen Sieg nicht leicht werden lassen wird. Wiesbaden-Dotzheim hat seine Spielstarke zuletzt dadurch unter Beweis gestellt, dah die Mannschaft gegen den Sportverein Wiesbaden, der über eine auherordentlich fähige Mannschaft verfügt, nur knapp mit 2:1 geschlagen wurde. Der Gast des Sonntags hat in seiner Mannschaft einige Spieler, die weit über die Grenzen Wiesbadens hinaus bekannt sind. 3n der Hauptsache sind es die beiden Brüder Rischer, die als Mittelläufer und Tormann in der Mannschaft eine mahgebliche Rolle spielen. Der Tormann Rischer II war bereits als Ersatzmann für internationale Repräsentationsspiele aufgestellt. Der Mittelstürmer Tomszhk ist als umsichtiger Sturmführer bekannt. Die Spieltxreinigung 1900 geht nicht mit den besten Aussichten in den Kamps. Zur Zeit sind WUHelmi und Zeiler noch gesperrt, auherdem ist es fraglich, ob Heilmann und Adelberger anlreten können. Unter diesen Umständen wird es notwendig sein, dah sich die Mannschaft zu einer geschlossenen Leistung aufschwingt, von Anfang an auf Erfolg spielt und dem flachen Kombinationsspiel, das die Gäste pflegen, ein gleiches entgegensetzt. Die zweite Mannschaft hat sich in der ersten Mannschaft von Weilburg ebenfalls einen Gegner verpflichtet, der bisher auf dem Sportplatz der Spielvereinigung 1900 stets den besten Eindruck hinterlassen hat. Tie Gäste sind auherordentlich flink und wendig und werden den Gießenern schwer zu schaffen machen. Wie das Treffen ausgehen wird, ist kaum vorherzusagen, denn die 1900er treten mit einer völlig neu zusammengestellten Mannschaft an, die sich erst einspielen muh. Unter dieser Voraussetzung sind die Aussichten auf Sieg sehr gering, obwohl eine Ueberraschung durchaus im Bereich des Möglichen liegt. Tie dritte und die vierte Mannschaft fahren nach Garbenteich und treten gegen die erste bzw. zweite Mannschaft des Gastgebers an. Tie Plahbesiher haben sich in der vergangenen Saison sehr gut geschlagen und konnten es zu Meisterehren bringen. Man erwartet trotz alledem die Gießener als sichere Sieger. Eine weitere Mannschaft, die sog. Lehrmannschaft, die sich durchweg aus Jugendlichen rekrutiert, tritt gegen die erste Mannschaft des Turnv. Wieseck an. Die Turner haben sich bisher überraschend gut behauptet, dürften allerdings durch die Ueberfieb- lung ihres besten Spielers Wlodarek etwas gehandicapt sein. Der Ausgang des Kampfes ist jedoch offen. $. <5 Teutonia Steinberg. Zur Eröffnung der neuen Spielsaison hat sich die 1. Mannschaft des FC. Teutonia Watzenborn-Steinberg die 1. Mannschaft des Turnvereins Lollar zum Gesellschaftsspiel verpflichtet. Die Gäste spielen einen guten Fußball und gelten als eine faire Mannschaft. Das Vorspiel endete 7:7. Das eifrige Training, das die Teutonen während der Spielsperre gepflegt haben, sollte es ermöglichen, einen knappen Sieg zu erzielen. Leichtathletik der Sp.-Dg. 1900. Kommenden Sonntag tragen die 1900er ihren ersten diesjährigen Klubkampf aus. Sie fahren zum Sportverern „Hessen" 1911 Frankenberg (Eder), der aus Anlaß der Einweihung seiner neu erschaffenen Aschenbahn die Einladung an die 1900er hat ergehen lassen. Die Spielvereinigungs- leute folgen ihr um so freudiger, als schon eine jahrelange sportliche Verbundenheit mit den Frankenbergern besteht und es zum anderen angezeigt erscheint, die von einem hohen Grad von Opfersinn zeugende Tat des Aschenbahnbaues entsprechend zu würdigen. Als Wettbewerbe sind ausgeschrieben (bei Beteiligung von je zwei Vertretern der beiden Vereine): 200 Meter, 400 Meter, 1000 Meter, Hochsprung, Weitsprung, Stabhochsprung, Kugelstoßen, Speerwerfen, Diskuswerfen, 4x100 Meter- und Schweden-Staffel. Die 1900er formen zwar nicht überall ihre stärksten Vertreter entsenden, es steht jedoch zu erwarten, dah ein kleiner Punktvorsprung erkämpft werden kann. Leichtathletische Wettkämpfe des ISD. 1926 Steinbach. Am Sonntag hielt der F. Sp. V. 1926 Steinbach anläßlich seines 5. Stiftungsfestes zum ersten Male leichtathletische Vereins- meisterschaften ab. Die Teilnehmer, die sonst alle als Fußballspieler aktiv tätig sind, warteten zum Teil mit recht guten Leistungen auf. Nachfolgend seien immer die drei ersten Sieger auf- gezählt: Aktive. 100 Meter: 1. Hch. Gerhard II. 12 ©.; 2. K. Pfeiffer 12,1; 3. L. Horn 12,1 (Drustweite zurück). 4 0 0 Meter: 1. O. Hahn 58; 2. E. Heckroth 60,5; 3. 3. Kehler 61; 4. G. Baldauf 61,5 Sek. 3000 Meter: 1. O. Hahn 11,05; 2. 3. Kehler 11,12 Min. Kugelstoßen beidarmig: 1. K. Becker 16,45; 2. E. Heckroth 16,15; 3. K. Reuschling 15,95 Meter. Weitsprung: 1. C. Heckroth 5,30; 2. K. Größer 5,20; 3. L. Horn, K. Pfeiffer je 4,70 Meter. Hochsprung: 1. E.Heckroth; 2. G.Baldauf; 3. K. Becker; 4. K. Größer; durch Stechen entschieden. Drei kämpf: 1. E.Heckroth 46; 2. K.Decker 41; 3. H. Gerhard 38; 4. G. Baldauf 35 P. Jugend. 100 Meter: 1. A. Roth 12,5; 2. H. Deuker 13; 3. Hch. Hom 13,5 Sek. 400 Meter: 1. A. Roth 60; 2. H. Deuker 62; 3. H. Hom 63 Sek. 3 0 0 0 M e t e r: 1. H. Hom 12,17 Min. Weitsprung: 1. A. Roth 5; 2. H. Deuker 4,70; 3. O. Horn 4 Meter. Hochsprung: 1. A. Roth 1,35; 2. H. Deuker 1,30; 3. H. Leinweber 1,25 Meter. Kugelstoßen (beidarmig, 6 Kilo): 1. H. Deuker 17,75; 2. A. Roth 16,70; 3. H. Hom 14 Meter. Dreikampf: 1. A. Roth 64; 2. H. Deuker 63; 3. H. Leinweber 40 P. FaustballspieledesT.V.v.^846Gießen Am Mittwochabend weilte die erste Mannschaft zu einem Gesellschaftsspiel in Butzbach bei der dortigen Schupo. 3n zwei sehr spannenden Spielen konnte sie beide Male die Polizisten mit den Ergebnissen 25: 43 und 22:42 schlagen. 3n der Mannschaft der Schutzpolizei entsteht die erste Mannschaft aus den DSB. in unserer Gegend, die bald für alle Vereine des Gaues Hessen einen scharfen Gegner abgeben wird — vivant sequentes. Am kommenden Samstag und Sonntag nimmt die erste Mannschaft an dem Kreisspielfest teil. Wie schon auf den Gaugruppenspielen ist auch hier der Wunsch, hinter dem deutschen Meister zweiter zu werden. Die Mannschaft trifft in der Gruppe der zweiten Gaugruppenfieger auf die Vereine Rauheim (bei Groß-Gerau), Brom- berg, Schaffhausen (Saar) und Gülz. Bei einigermaßen gutem Spiel können die Gießener hier den ersten Platz erringen und damit in die Endrunde der Kreismeisterschaft kommen. Hier spielt sie mit dem zweiten Sieger der ersten Gruppe um den zweiten Platz. 3n der ersten Gruppe spielen Lichtluft Frankfurt, Aschaffenburg, Worms. Saarbrücken und Herborn, von denen wohl Aschaffenburg hinter Lichtlust an die zweite Stelle kommen wird. Arbeiier-Turn- und Spörtbund. Am Sonntag beginnen die Serienspiele in der neu errichteten Kreisklasse. 3n 4 Gruppen zu je 9 Vereinen werden die besten Mannschaften des 9. Kreises den Titel des Kreismeisters ausspielen. Vier Vereine des 3. und 5 Vereine des 6. Bezirkes bilden hierbei die erste Gruppe. Zum Beginn der Spiele am Sonntag empfängt Gießen I. die erste Mannschaft von Heuchelheim. Die Gäste, die in ihren letzten Spielen wenig von ihrer früheren Spielstärke bewiesen haben, werden in diesem Spiele wohl alles hergeben müssen, wenn sie die Punkte nicht den Plahbesihern überlassen wollen. Gegen den neuen Vermahlungszwang. Mannheim, 6. Aug. Stadt und Handelskammer Mannheim haben die nachstehende Eingabe an das Reichswirtschaftsministerium, das Reichsfinanzministerium und das Reichsernährungsministerium gerichtet: „Die rheinischen Mühlen, die durch die Maßnahmen auf dem Agrargebiet schon seit geraumer Zeit schwer um ihre Existenz ringen, fürchten infolge der jetzt erfolgten Festsetzung des Dermah- lungszwanges von 97 Prozent ab 15. August völlig zum Erliegen zu kommen. Don welch katastrophalen Folgen ein solcher Zusammenbruch für die. süddeutsche Mühlenindustrie, allgemein volkswirtschaftlich gesehen, begleitet sein würde, bedarf wohl keiner besonderen Hervorhebung. Die unterzeichneten Stellen (Stadt und Handelskammer Mannheim) hallen es für ihre Pflicht, mit allem Nachdruck auf diese Gefahr aufmerksam zu machen. Die durch die Presse bekannt gewordene Absicht, das Exportventil zur Erleichterung des Saisondruckes zur offnen und zur teilweisen Wiederherstellung der lebenswichtigen Interessen der Wasserstraßenmühlen das Tausch- verfahren Inland- gegen Aus land weizen zuzulassen, muß nun sofort verwirklicht werden. Es erscheint dringend notwendig, daß diese Maßregel baldmöglichst verfügt wird, damit ab 15. August kein Vacuum entsteht. — Die unterzeichneten Stellen erwarten von der Reichsregierung, daß sie kein Mittel unversucht lassen wird, um einen endgültigen Beschluß unter Fühlungnahme mit den interessierten Kreisen bis spätestens 15. August herbeizuführen." Wochenbericht e vom Zranlfurter Produttenmarkt. Während man zu Beginn der neuen Woche sich von der Aufhebung des beschränkten Zahlungsverkehrs eine Belebung der Ilmsatztätigkeit erhoffte, brachte der weitere Verlauf in dieser Hinsicht eine Enttäuschung. Der Umfang des Geschäftes blieb gegenüber den Vorwochen immer noch recht klein, da immerhin noch eine nicht zu verkennende Unsicherheit bestehen blieb. Die Haltung des Marktes war durchweg schwach. Reben der Kalamität der Zahlungsverhältnisse bildete naturgemäß die Wetterlage, die nach dem neuesten Saatenstandsbericht für das Reich den Früchten allgemein zuträglich gewesen sein soll, das Hauptverstimmungsmoment. Von Einfluß auf die Haltung waren ferner die hohen, die Lagerhaltung verteuernden Zinsen, die Unklarheiten wegen der Auswirkung der hohen Dermahlungsquote für die neue Kampagne und das erhebliche Angebot der Landwirtschaft in Brotgetreide neuer Ernte, die zu Geldbeschaffungszwecken für die Erntefinanzierung schließlich dazu gezwungen wurde. Da aber die Rachfrage so gut wie ganz fehlte, ergaben sich daher zum Teil sehr starke Preisabschläge. Tie Anlieferung von Brotgetreide neuer Ernte ist merklich größer geworden, so daß ziemlich starkes Angebot in sofort greifbarer Ware vorhanden war, die bei der Enge des Geschäftes preisdrückend wirken mußte. So stellten sich die Rotierungen für Weizen und Roggen neuer Ernte um 33 bzw. 25 Mark pro Tonne gegen die Vorwoche niedriger. Auch der Futtermittelmarkt hatte bei größter Geschäftsstille schwache Stimmung. H a - f er lag lustlos; die Preise für alte Ernte werden durch das zunehmende Angebot von Reuhafer gedrückt, so daß auch hier ein Nachlaß von 7,50 Mk. pro Tonne eintrat. Am Gerstenmarkt ist das Angebot von Sommergerste ziemlich stark, der Absatz gestaltete sich schwierig. Reue Wintergerste wurde überwiegend offeriert, doch war der Preisverlust mit 5 Mark per Tonne relativ klein. Das M eh lge schäft verharrt ohne Bele- lebung, da der Konsum nur die allernotwendigsten Bedarfskäufe vornimmt. 3ndessen traten auch hier merkliche Abschwächungen ein, wobei besonders Roggenmehl mit minus 2 Mark pro 100 Kilo in Den Vordergrund rückt, während Weizenmehl um rund 1 Mark nachgab. Die allgemein schwache Wieseck I empfängt die erste Mannschaft von Rieder-Florstadt. Die Gäste, die im letzten Jahre .mit im Endspiel um die Kreismeisterschaft standen, verfügen über eine durchschlagskräftige Elf. Wieseck wird wohl alles einsetzen müssen, wenn eine höhere Niederlage verhindert werden soll. Raunheim I hat zum ersten Spiel die erste Elf von Schwalheim zu Gast. Die Gäste werden sich wohl kaum gegen die Spielweise der Einheimischen durchsetzen können. 3n den Dezirksklassen stehen sich zu Freundschaftsspielen am Sonntag Kinzenbach I. und Gießen 1L als gleichwertige Gegner in Kinzenbach gegenüber. — Großen-Linden empfängt die 1. und die 3ugendmannschaft von Großen-Buseck. Der Ausgang der Spiele ist kaum vorherzusagen. — Leun ist mit seiner 1. und mit der 3ugenömann- schaft in Wißmar zu Gast. Die Einheimischen bürfteil die besseren sein. Annerod 1. hat sich die «.Mannschaft von Watzenborn verpflichtet. Die Gäste werden den Einheimischen eine gleichwertige Partie liefern. — Watzenborn II. hat die zweite Mannschaft von Wetzlar zum Gegner. — Waldgirmes «. hat Treis I. zu Gast. Der Plahbesiher hat die besseren Aussichten. Vorher stehen sich die 3ugendmannschaften beider Vereine gegenüber. — Hausen I. hat Lich i. zum Gegner und wird sich auf eigenem Platze nicht leicht schlagen lassen. Wiesecks zweite Mannschaft fährt zu einem Rückspiele nach Hungen. Den Gästen darf man auf Grund ihrer seitherigen Leistungen ein Plus zusprechen. Wiesecks erste 3ugenb wird vor dem Spiel der Kreisttassenmannschaft die 3ugenö von Gießen im Freundschaftsspiel zum Gegner haben. — Wißmar 1. und Launsbach 1. werden sich am Samstagabend in Wißmar ein Freundschaftsspiel liefern. Handball. Am Sonntagnachmittag spielen auf dem Wie- secker Platze Wieseck I. und Wißmar 1. 3m letzten Spiele konnte Wißmar knapp Sieger bleiben. Der Spielausgang ist offen. Kurze Sporinotizen. Handball im To. Großen-Linden. Das Spiel der 1. Jugend von Hochelheim gegen die 2. Mannschaft des Turnvereins Großen-Linden endigte trotz körperlicher Ueberlegenheit der Platzmannschaft mit dem Ergebnis von 8:4 für Hochel- heim. Tendenz übertrug sich auch auf die Abfallprodukte der Müllereien. Rachmehle, Futtermehle und Kleie zeigten gleichfalls Preisrückgänge von 1 bis 1,25 Mark per 100 Kilo. Rauhfuttermittel bei unbedeutendem Geschäft gut behauptet. Am K a r t o f f e l m a r k t ergaben sich ebenfalls infolge der schwachen Rachfrage und des verstärkten Angebots Preisreduzierungen um 0,25 bis 0,50 Mark für den Zentner. Die Berichtswoche schloß zu folgenden Rvti.e» rungen: Weizen, Hektolitergewicht von 74Kilo neuer Ernte 220 Mark, Roggen, 70 Kilo neuer Ernte 180, neue Wintergerste 170, Hafer, alter Ernte 185 bis 190, Weizenmehl, südd., Spez. 0 39,75 bis 40, Weizenmehl, niederrheinisches, Spezial 0 39,75 bis 40,25, Roggenmehl 26,75 bis 28,50, Weizenkleie 9,60 bis 9 75, Roggenkleie 9,85 bis 10, Heu, südd., 3,50 bis 4, Weizen- Wochenbencht vom Sranffurfcr Schlachtviehmartt. Unter dem Zeichen eines geringeren Auftriebs als in der Vorwoche war die Preisgestaltung am Frankfurter Viehmarkt in der laufenden Berichtswoche weiter etwas gebessert, die auch Dis zum Ende der Woche anhielt. Wiederum erhielt der Markt seine Anregung von der fortschreitenden Preisbesserung am Umsahgebiet der Schweine, bet denen der anfangs der Woche verminderte Auftrieb günstig auf die Preisgestaltung einwirkte. Das Geschäft nahm allgemein etwas lebhaftere Formen an, doch blieb die Geschäftstätigkeit noch weit hinter der in der gleichen Zeit des Vorjahres zurück. Von dem erleichterten Zahlungsverkehr in dieser Woche ging keine bedeutsame Belebung aus, wenn auch diese Tatsache nicht außer Acht gelassen wurde. 3n- dessen ist eine größere Aenderung in der allgemeinen Marktlage für die nächste Zeit wohl kaum zu erwarten. Der Auftrieb am Großviehmarkt (1293 Stück) war um 83 Stück weniger als in der Vorwoche. Die Rachfrage erstreckte sich insbesondere auf gute Qualitäten, die auch um 1 Mk. anzogen, während die geringeren Gattungen vernachlässigt, aber im Preise doch unverändert blieben. Rach mäßig regem Handel wurde der Markt geräumt. Auf dem Schweinemarkt setzte sich das Anziehen der Preise für Schlachtschweine fort, und zwar stand der Zentner Lebendgewicht in der zumeist gekauften Gewichtsklasse (160 bis 300 Pfd.) zwischen 55 und 58 Mk., und hatte sich mithin nach der letzten Donnerstagsnotiz um weitere etwa 5 Mk. erhöht. Diese Erscheinung ergibt sich aus schwächerem Angebot, dann aber auch aus dem Umstand, daß die den Markt beliefernden Händler aus den vor Marktbeginn ermittelten Vorbestellungen nur noch die Zahl von Schweinen zum Verkauf stellen, die gerade noch ausreicht, um den Bedarf zu decken. Ein weiterer Faktor war, daß - besonders aus der näheren Umgegend Frankfurts, besonders aber aus der Rhön, Wetterau und Oberhessen, die Beschickung nicht so stark war, und aus der weiteren Zone wegen der hohen Fracht kein großes Angebot vorlag. Der Gesamtauftrieb (5812 Stück) betrug indessen doch etwa 500 Stück mehr als in der Vorwoche, da am Rebenmarkt, anscheinend angeregt durch die höheren Preise, etwas stärkeres Angebot vorlag. Das Geschäft, das anfangs ziemlich lebhaft einsehte, flaute aber später merklich ab, doch konnte ausverkauft werden. Am Kälbermarkt war die Deschickuna (1257 gegen 1329 Stück) ebenfalls etwas' geringe? Bei mittelmäßigem Geschäft wurde der Markt geräumt. Die Preisbesserung betrug 2 bis 5 Mk. für den Zentner, wobei die Besserung am Schweinemarkt auch den Kälbern zugute kam. Schafe wurden nach einem Auftrieb von 130 Stück (minus 60) bei leicht anziehenden Preisen (etwa 1 Mk.) und mittelmäßigem Geschäft ausverkauft. 3m einzelnen notierten pro Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen al) 43 bis 47, a2) 38 bis 42, bl )32 bis 37; Bullen a) 36 bis 39, b) 31 bis 35; Kühe a) 34 bis 33, b) 30 bis 33, Wirtschaft. c) 22 bis 24; Färsen a) 43 bis 47, b) 38 bis 42, c) 33 bis 37. — Kälber b) 50 bis 56, c) 44 bis 49, d) 38 bis 43. — Schafe al) 40 bis 45, b) 33 bis 39. — Schweine a) 56 bis 58, b) 56 bis 58, c) 55 bis 58, d) 54 bis 58, e) 52 bis 55. und Roggenstroh, drahtgepreßt 3, dasselbe, gebündelt 2,75, Treber, getrocknet 10,25 bis 11; Kartoffeln: Erstlinge 2,90 bis 3, Böhms allerfrüheste Gelbe 2,25 bis 2,30 Mark. * Anhaltende R.ü dflüffe zur Reichs- bank. Nach den hier vorliegenden Meldungen ist der Zahlungsverkehr auch heute in allen Teilen des Reiches normal und ruhig verlaufen, und man rechnet damit, daß die Wiederöffnung der Sparkassen ebenfalls reibungslos vor sich gehen wird. Der Zahlungsverkehr zeitigte auch weiterhin Ueberfchüffe; die Rückflüsse von Zahlungsmitteln an die Reichsbank an den beiden ersten Tagen der Wiederingangsetzung des normalen Zahlungsverkehrs betragen rund 166 Millionen Reichsmark. * Stillegung in der Hunsrücker Eisenerzindustrie? Das Schicksal der Hunsrücker Cisenerzindustrie scheint mit der Stilllegung der Gruben Reusund und Märkerei besiegelt zu sein. Die Belegschaft ist entlassen worden. Die gesamte Betriebseinrichtung wurde zum Verkauf angeboten. Die im Hunsrück geschürften Eisenerze konnten toegeir ihres geringen Eisengehaltes gegen die ausländische Konkurrenz nichts ausrichten. Einige hundert Arbeiter sind durch die Betriebsstillegung brotlos geworden. Es besteht keine Hoffnung, die Gruben wieder in Gang zu bringen. * Keine Stützungsaktion für den Frankfurter Viehmarkt. Eine aus dem Schlachthofdirektor und Vertretern des Großvieh- Handels sowie der Landwirtschaft bestehende Kommission war bei der Regierung wegen einer Stützungsaktion für den Frankfurter Großvieh- markt vorstellig geworden, da die Verhältnisse im Frankfurter Viehmarkt eine katastrophale Entwicklung genommen haben. Während nun die süddeutschen Märkte in München, Rürnberg und Augsburg eine Stützung dergestalt erfahren, daß für jedes ausgeführte Stück Großvieh eine Prämie von 30 bis 60 Mk. gezahlt wird, hat man das Frankfurter Ersuchen nur in Erwägung gezogen und die Kommission auf bessere Seiten vertröstet. Mit einer Stützung des Frankfurter Marktes ist also nicht zu rechnen. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a.M. Banknoten. 6. August 7. August Amtliche Notierung Amtliche Geld Notierung ZJrlef Geld Bries Helsingsorg . 10,588 10,608 10,585 10,605 Wien.... 59,15 59,27 59,15 59,27 Prag . . . 12,462 12,482 12,464. 12.484 Budapest . . 73,43 73,57 73,43 73,57 Sofia . . . 3,052 3,058 3,052 3,058 Holland . . 169,73 112,44 170,07 169,73 170,07 Oslo.... Kopenhagen. 112,66 112,39 112,61 112,42 112,64 112,39 112,61 Stockholm . 112,47 112,69 112,43 112,66 London. . . Buenos Aires 20,435 20,475 20,425 20,465 1.168 1,172 1,168 1,172 Neuyork . . 4.209 4,217 4,209 4,217 Brüste! . . . 58,67 58,79 58,67 58,79 ' Italien. . . Paris . . . 21.98 22,02 21,99 22,03 16,50 16,54 16,50 16,54 Schwei- . . 82,04 82,20 82,04 82,20 Spanien . . 36,16 36,24 36.11 36,19 Danzig. . . 81,62 • 81,78 . 81,62 81,79 Japan . . . 2,080 2,084 2,080 2,084 Rio de Ian.. 0,289 0,291 0,279 0,281 Jugoslawien. Lissabon . . 7,453 7,467 7,453 7.467 18,53 18,57 18,53 18,57 Berlin, 7 . Auaust | Geld Bries Amerilanstche Noten....... 4,20 4,22 Belgische Noten......... 58,48 58,72 Dänische Noten......... 112,13 112,57 Englische Noten......... 20,375 20,455 Französische Noten........ 16,45 16,51 Holländische Noten........ 169 26 169,97 Italienische Noten........ 21,92 22,00 Norwegische Noten........ 112,13 112,57 Deutsch.Oesterreich, 1 100 Schilling 59,08 59,32 Rumänische Noten........ 2,477 2,497 Schwedische Noten........ 112,18 112,62 Schweizer Noten......... 81.84 82,16 Spanische Noten......... 34.77 34,93 Ungarische Noten........ 73,05 73,35 Aus aller Welt. Hungersnot droht in China. Die Ueberfchwemmung in Hankau verursacht große Unruhe. 3n der Stadt selbst befinden sich 1 6 0 000 Flüch tlinge, und es ist nahezu un- ^möglich, sie zu ernähren. Jeden Tag gehen Dutzende von ihnen infolge Hungers zugrunde. Es wird befürchtet, dah es Monate dauern wird, bis die Wasserfluten zurückgegan- gen sind. Das Gebiet, in dem die drei Städte Hankau, Rahyang und Wutsch-ang liegen, bildet eine große Wasserfläche. 3n den niedriger gelegenen Stadtteilen steht das Wasser bis zu 5 Meter hoch. Die Polizei führt denPa- troulllendienst in Booten aus. Tausende von Tierkadavern schwimmen• auf dem Wasser umher und verpesten mit ihrem Gestank die Luft. Der Ausbruch von Epidemien wird befürchtet. Von der Provinz Hankau sind zwei Drittel durch die Fluten überschwemmt. 10 Millionen Einwohner sind geschädigt. Viele Bezirke der Provinz haben seit Anfang des Sommers unter der Dürre gelitten, und die Ernte in den günstiger gelegenen Bezirken ist jetzt durch die Flut'en vernichtet worden.Die Provinz ist' von einer schweren Hungersnot bedroht. Ueberfatf in einem Pfarrhause. In Aachen wurde die Schwester des Oberpfarrers von St. Nikolaus, Fräulein Fischer, die allein im Pfarrhause in der Kleinen Kölner Straße war, voneinemjungenDurschen überfallen. Sie erhielt mit dem Knauf eines Revolvers mehrere wuchtige Schläge über den Kopf. Dabei löste sich ein Schuh, der jedoch glücklicherweise nur in eine Tür drang. Der Täter flüchtete mit seinem Fahrrad und entkam. Fräulein Fischer erlitt Verletzungen, die jedoch nicht lebensgefährlich sind. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei führten auf eine Spur. Gegen 23 Uhr wollte die Kriminalpolizei den inzwischen festgestellten Täter, einen gewissen Görz, feft- nehmen. Als die Beamten klopften und riefen, fielen zwei Schüsse, die die Beamten veranlaßten, mit Gewalt in das Zimmer einzudringen. Hier bot sich ihnen ein schreckliches Bild. Görz lag mit einem schweren Kopfschuh in den letzten Zügen, während seine Frau, die ebenfalls einen Kopfschuß hatte, noch lebte. Sie wurde nach dem Marienhospital gebracht, wo sie am andern Morgen ver'starb. Ueber die Motive des Ueberfalls wie des Mordes und Selbstmordes fehlt noch jeder Anhaltspunkt.