Mittwoch. 7. Moder I93l 181. Zahrgmg nr. 234 Erstes Matt Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Druck und Verlag: vrühl'fche Univerfitüls-Vuch- und Ztelndruckeret K. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20 X mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot,- für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Erschein: laglich.außei Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monats Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. ZernsprechanschlUsse unterSammeInummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Liehen. Postscheckkonto: Srcflffurt am Main 11686. Gesamtdemission des Reichskabinetts. Reichskanzler Dr. Brüning auf der Suche nach neuen Männern. — Dr. Gehler wird als neuer Innenminister genannt. Der Kanzler will sein eigener Außenminister sein. Die letzte Kabinettssihung. Der Reichskanzler begibt sich zum Reichspräsidenten. Berlin, 7. Okt. (WTB. Funkspruch.) Amt- l i ch. Rach Abschluß der Arbeiten an der neuen Jlof- vcrordnung trat das Reichskabinett heute vormittag unter "Vorsitz des Reichskanzlers Dr. D r ü n i n g im Zusammenhang mit der Fortsetzung der Aussprache über die Genfer Tagung in eine Erörterung dergesamtpolitischenLage ein. Unter Berücksichtigung des inzwischen eingereichten Rück- trittsgesuches des Reichsministers des Auswärtigen Dr. L u r l i u s, beschloß das Reichskabinett auf Vorschlag des Reichskanzlers, dem Herrn Reichspräsidenten die Gesamldemis- sion des Kabinetts anzubieten. Der Reichskanzler benutzte den Anlaß zunächst, dem Reichs- minisier Dr. Lurtius, sodann auch seinen übrigen Rlinisterkollegen für die in den schweren anderthalb Jahren geleistete aufopfernde Mitarbeit seinen aufrichtigen Dank auszufprechen. — 3m Anschluß an die Kabinettssihung begab sich der Reichskanzler zum Vortrag zum Herrn Reichspräsidenten. Die Umbildung des Kabinetts. Auf der Suche nach neuen Männern. Der weitere Verlauf dürfte davon abhängen, wie schnell der Kanzler mit feinen Bemühungen um die Kabinettsumbildung vorwärkskommt. Luch der Rücktritt des Reichsaußenministers wird in diese Gesamtdemifsion hineingenommen, so daß die Genehmigung seines Rücktrittsgesuches nicht gesondert vorher bekanntgegeben wird. Die Nachricht, daß auch der Staatssekretär der Reichskanzlei Dr. P ü n d e r und der Pressechef der Reichsregierung Ministerialrat Dr. Z e ch l i n mit ausscheiden, trifft nach unseren Informationen nicht zu. Für das Innenministerium wird in politischen Kreisen heute abend der Name des ehemaligen Reichswehr- minisiers Dr. Geßler genannt. Ob hinter diesen Gerüchten ernste Absichten stehen, läßt sich aber im Augenblick nicht nachprüfen. Es handelt fich vor allem darum, einige hervorragende Männer zu gewinnen, die in dem neuen Kabinett das Reichs- w i r t s ch a f l s - und das Reichsverkehrsministerium übernehmen. Bisher sieht hierzu nur fest, daß Geheimrat Schmitz das Wirtschafts- Ministerium a b g e l e h n t hat. Es gilt aber immer noch als möglich, daß er das Reichsverkehrsminifte- rium übernimmt. Dagegen ist es nicht richtig, daß der frühere preußische Landwirtschaftsminister Prof. W a r m b o l d das Reichswirtschastsministerium bereits abgelehnt hak. Die Gerüchte, wonach auch mit Dr. Vögler verhandelt wird, werden von unterrichteter Seite als unzutreffend bezeichnet. Das Außenministerium wird nicht durch einen neuen Minister beseht werden, vielmehr wird der Kanzler es selbst übernehmen. Ursprünglich war daran gedockt worden, Staatssekretär von Bülow mit der Wahrnehmung der Geschäfte zu beauftragen, damit der Kanzler von den Botfchoster- empfängen und ähnlichen Aufgaben befreit wird. Diesen Plan hat man aber auch wieder fallen lassen, da Dr. Brüning die Verhandlungen mit den auswärtigen Missionschefs, z. B. die Besprechungen mit dem amerikanischen Botschafter über die schwierigen wirtschaftlichen und finanziellen Probleme, auch bisher schon im weilenMaßeselbst wahrgenommen hat. Für das Justizministerium kommt in erster Linie der bisherige Staatssekretär des Ministeriums Dr. Joel in Frage, der als ein außerordentlich fähiger Jurist und Verwaltungsbeamter gilt und politisch der Deutschen Volkspartei nahesteht. Warum EurttuS gehen mußte. Kritik der „Germania" an der Zollunions- aktion. Berlin, 6. Okt. (TU.) Zum Rücktritt des Reichsaußenministers schreibt die „G e r m a n i a“ , das Blatt des Reickskanzlers, u. a.: Daß auch wir zu denen get>on haben, die der Meinung gewesen find, ein Rücktritt von Dr. Curtius werde sich nicht mehr umgehen lassen, entspringt in erster Linie aus der Frage seiner taktischen Ge - s ch i ck l i ch k e i t und dann aus der Frage, ob es überhaupt möglich gewesen wäre, Herrn Dr. Curtius über die bevorstehende Parlamentstagung Hinwegzubringen. Schon damals haben wir daraus hingewiesen, daß uns die Zurückziehung der deutsch-österreichischen Zollunion sowohl der Form als auch dem Zeitpunkt nach höchst unglücklich erschien. Wir stehen auf dem Standpunkt, daß die deutsche Politik eine andere, bessere Möglichkeit suchen müßte, sich aus dieser Affäre herauszu- ziehen, in der cs nicht nötig war, der österreichischen Politik, die ihrerseits unter einem starken Drucke stand, bis zum letzten und äu- ßer ft en 511 folgen. Es ist auch heute post festum, an der Einleitung der ganzen Aktion zu rühren, an dec Herr Ministerialdirektor Ritter im Auswärtigen Amt aufs engste beteiligt ist. Aber wir dürfen, wenn auch nachträglich. soviel doch wenigstens zum Ausdruck bringen, daß es ein erhebliches Manko der deutschen Außenpolitik gewesen ist, in ein Unternehmen einzuwilligen, oder ein solches zu betreiben, ohne das man sich über die internationale Stimmung und über die internationale Lagerung, also über die Aussichten eines solchen Planes, ganz im klaren war. Worauf wir aber einen ganz entscheidenden Wert legen, das ist die Feststellung, daß wir in der Außenpolitik den Kurs der internationalen Zusammenarbeit in großen Zügen mitbestimmt haben. Lieber die künftige Verwendung des ausscheidenden Außenministers glaubt die Vossi- sche Zeitung mitteilen zu können, daß der Reichskanzler Dr. Curtius gebeten habe, die Führung der deutschen Abordnung auf der bevorstehenden Abrüstungskonferenz zu übernehmen, daß ’erncr Curtius bei den deutsch- französischen Vereinbarungen über eine wirtschaftliche Zus ammenarbeit eine führende Rolle spielen werde. * Dr. C u r t i u s ist 1877 in Duisburg geboren. Nach Absolvierung des Gymnasiums seiner Geburtsstadt studierte er an den Universitäten Kiel, Straßburg und Bonn Rechtswissenschaft. In den Jahren 1905 bis 1910 war eralsRechtsanwaltinDuis- b u r g tätig. Am Kriege nahm er als Hauptmann und Batterieführer im Feloe teil. 1920 wurde er a l s Mitglied der Deutschen Volkspartei im Wahlkreis 32 in den Reichstag gewählt. 1921 ließ er sich als Rechtsanwalt am Kam- mergericht nieder. Im Januar 1926 trat er in das zweite Kabinett Luther als Reichswirtschaftsminister ein und übernahm dieses Amt auch in den beiden folgenden Kabinetten. Nach dem Tode Stresemanns wurde er zum 3)1 i n i ft e r des Auswärtigen ernannt. Was sagt die presse zu den Bemühungen des Kanzlers? Oie Quadratur des Zirkels. - Oie Rechtsopposition bleibt ablehnend. Oie Sozialdemokratie ist verstimmt und mißtrauisch. Berlin, 6. Ott. (Sil.) Die Berliner Abendblätter befassen sich eingehend mit dem geplanten Gesamtrücktritt des Reichskabinetts, dem die Reubildung des Kabinetts Brüning folgen soll. Vielfach ist man der Ansicht, daß der Gesamtrücktritt bereits am Mittwoch erfolgen werde. lieber die Gründe, die den Reichskanzler zu einer Kabinettsumbildung noch kurz vor Zusammentritt des Reichstages veranlaßt haben, glaubt der sozialdemokratische „21 b e n d" als einziges Blatt melden zu können, daß die Ilmbildung auf einen Wunsch des Reichs- vräsidenten selbst zurückgehe. Allgemein sieht man jedoch in der Umbildung den Versuch Brünings — um mit dem genannten sozialdemokratischen Blatt zu sprechen — „die Quadratur des Zirkels zu lösen, der Rechten Zugeständnisse zu machen, ohne die Tolerierung der Sozialdemokratie zu verlieren". Demgegenüber erklärt der „Lokalanzeiger" erneut, daß es ein grotesker Irrtum fei, wenn man damit rechnen wollte, eine im Sinne der rechten Mitte unigebaute Regierung Brüning werde bei der nationalen Opposition irgendwelche Schonung finden. Die Harz- burger Tagung werde unzweideutig ergeben, daß die nationale Opposition zu einer politischen Gemeinschaft geworden sei, die in unverbrüchlicher Zusammenarbeit für die Grundlagen sorgen werde, auf denen eine verantwortungsbewußte nationale Regierung gebildet werden könne. 3n einem Leit auf sah des „Sozialdemokratischen Pressedienstes" unter der Ueberschrift: „Brünings Plötzlichkeiten" schreibt der Abgeordnete B r e i t s ch e i d: Brüning spielt ein riskantes Spiel. Er versichert, nicht nach rechts gehen zu wollen, aber er berücksichtigt bei der Bildung seines neuen Kabinetts d i e Wünsche feines bisherigen rechten Flügels und verzichtet auf eine Fühlungnahme mit der Sozialdemokratie. Aber die große Frage ist die, ob nicht die personelle Reuorien- tierung des Kabinetts ganz naturgemäß seine politische Linie so verändern muß, daß ein weiteres Tolerieren durch die Sozialdemokratie unmöglich wird. Das werden wir in der nächsten Zeit mit größter Sorgfalt zu prüfen haben, und wenn diese Prüfung mit einem stärkeren Mißtrauen vorgenommen wird, so kann das der Reichskanzler auch dem Umstande zuschreiben, daß er es nicht für nötig gehalten hat, die Partei, von der doch schließlich in hohem Maße feine Existenz abhängt, über seinen Plan ins Bild gesetzt zu haben. Einstweilen jedenfalls hat der plötzliche Entschluß Brünings feine Aussicht en nicht verbessert, sondern verschlechtert, und es könnte sehr wohl sein, daß sich nach wenigen Wochen die Mühe, die er sich mit der Umbildung des Kabinetts gemacht hat, als überflüssig und vergeblich herausstellt. Scharfe Kritik der Länder an der Roi- verordnungspolitik der Reichsregierung. Oer Reichskanzler berichtet vor dem Reichsrat über die neue Notverordnung. Bayern protestiert gegen die Eingriffe in die Länderhoheit als „verfassungswidrig, sachlich unnötig und unbegründet". Berlin, 6. Okt. (WTD.) Unter dem Vorsitz des Reichskanzlers fand heute in der Reichskanzlei eine Sitzung der vereinigten Ausschüsse des Reichsrats statt, zu der die Rlinisterpräsidenten der Länder in der Mehrzahl erschienen waren. Der Reichskanzler erstattete einen eingehenden Bericht über die wirtschaftliche und finanzielle Lage, wobei er sich insbesondere mit den aus der Krise des englischen Pfundes zu erwartenden Rückwirkungen auseinanderfehte. Da sich diese Auswirkungen in vollem Umfange noch nicht übersehen ließen, so mühten sich die jetzigen Maßnahmen auf eine Vorwegnahme von Eingriffen beschränken, welche die Behebung der d r i n g e n d st e n R 0 t st ä n d e, besonders in denGemeinden, ermöglichen. Die auf diesen Grundsätzen beruhende Rotverordnung würde den Ausgangspunkt für weitere Maßnahmen zu bilden haben, die sich mit der Konsolidierung Der Wirtschaft, der Ausbalancierung der Produktionskosten und Lebenshaltungskosten zu befassen haben würden. Aber all diese sofort in Angriff zu nehmenden wirtschaftlichen Maßnahmen könne kein Land, auch Deutschland nicht, für sich allein restlos lösen; nur eine internationale Zusammenarbeit, und zwar eine solche, die in kürzester Zeit in Angriff genommen werden müsse, könne eine Besserung in den einzelnen Ländern und in der gesamten Weltwirtschaft mit sich bringen. 3m Anschluß an diese programmatischen Erklärungen des Reichskanzlers erläuterte der Vizekanzler und Reichsfinanzminister Dietrich die in der Rotverordnung vorgesehenen und in der Hauptsache die Länder und Gemeinden interessierenden Fragen. An diese Ausführungen schloß sich eine eingehende Diskussion, an der sich zahlreiche Mitglieder der vereinigten Ausschüsse des Reichsrats und der Reichsbankpräsident beteiligten. Bayerns und Sachsens Protest. Schieck fordert statt Teilmaßnahmen einen klaren Kurs. Für Bayern erhob Ministerpräsident Dr. Held vor allem lebhafte Bedenken gegen die ganze Sachbehandlung. Er verlangte eine andere als die vorgesehene Regelung der Zuweisungen für die Wohlfahrtserwerbslosen- fürsorge, und zwar der ganzen vorgesehenen Summe über die Länder, lehnte die Umschuldung in der beabsichtigten Form ab, erhob schärfsten P r 0 t e st gegen die vorgesehene Regelung der Hauszins st euer und ebenso gegen die Behandlung des Sparkassenwe- s e n s. Er stellte dabei in Aussicht, daß die Bestimmungen über diese beiden Punkte i n Bayern nicht durchgeführt werden konnten. Er wies den Eingriff in die Zuständigkeit der Länder auf diesen Gebieten als verfassungswidrig, als sachlich unnötig und unbegründet zurück. Er bemängelte dann die Art, wie die S i e d l u n g s f r a g e gelost und wie die Mittel hierfür beschafft werden sollen. Schließlich stellte er die Frage, wie die Länder und Gemeinden an den Reparationser-- sparungen und an den Münzgewin- 11 en beteiligt werden sollen. Sodann gab Ministerpräsident Dr. Held einen Ueberblid über die Finanzlage in Bayern und die Unmöglichkeit, den Etat aufzustellen, wenn die Rotverordnung in der vorgesehenen Form durchgeführt werden müßte. Gegenüber Ausführungen des Reichsbankpräsidenten Dr. Luther über die vorgesehene Regelung des Sparkassenwesens legte der bayerische Innenminister Dr. Stützet die versassungs- rechtliche Unzulässigkeit der vorgesehenen Regelung, aber auch ihre sachliche Unbegründetheit dar. Die im Interesse einer einheitlichen Regelung wünschenswerten Dinge hätten auf dem Wege der Vereinbarung geordnet werden können, wozu sämtliche Länder, auch Bayern, ihre Zustimmung bereits erklärt hätten. (Segen die vorgesehene zwangsweise Abführung eines Teiles der Liquiditätsreseroe der Länder girozentralen erhob der bayerische Innenminister nochmals nachdrücklichst Protest und zeigte einen Weg, wie auch diese Frage statt durch Zwang aus Grund gütlicher Vereinbarung gelöst werden könne. Sowohl in der Frage der Regelung der Hauszinssteuer wie der Liquiditätsreserve der Girozentralen stellte schließlich die Reichsregierung ein Entgegenkommen gegenüber den Forderungen der Länder in Aussicht. Der sächsische Ministerpräsident S ch i e ck wehrte sich entschieden dagegen, daß die Länder auch bet der neuen NotverordnuyZ wieder vor vollzogene Tatsachen gestellt worden sind und die Landesregierungen mehr und mehr zu bloßen Vollzugsorganen der Reichsregierung gemacht und dabei gezwungen werden, unter dem Drucke äußerster finanzieller Not Maßnahmen zu treffen, die die Reichsregierung für ihren Verwaltungsbereich vornimmt. Vor allem hat Ministerpräsident Schieck nachdrücklich darauf hingewiesen, daß die neue Notverordnung sich noch in Teilmaßnahmen er- ■ schöpfe, und hat dringend gebeten, daß dem deutschen Volke sobald als möglich klar und eindeutig der Kurs gezeigt werde, den die Politik der Reichsregierung steuern will. Oie Aussichten. Wird die Bolkspartei mit der Kabinettsumbildung befriedigt fein? An amtlicher Stelle wird auf die Feststellung Wert gelegt, daß die politische Basis des zweiten Kabinetts Brüning dieselbe fein wird, wie die des bisherigen Deichskabinetts. Die Frage, ob es unter diesen Umständen gelingen wird, den rechten Flügel der Parteienkombination, die bisher hinter der Regierung stand, durch die Umbildung zu befriedigen, wird in parlamentarischen Kreisen vorläufig noch verschieden beurteilt. Es wird dabei wesentlich aufdieHaltung d er Deutschen V 0 l k s p a r t e i ankommen, die erst Anfang nächster Woche festgelegt werden wird. Obgleich von amtlicher Seite die Blättcrmeldung über einen dicht bevorstehenden Anschluß an die „Rationale Opposition" als „aus den Fingern gesogen" bezeichnet wird, muh doch festgestellt werden, daß man die Dinge in "Kreisen der Deutschen Volkspartei recht skeptisch ay- sieht. Rach Auffassung objektiv urteilender Beobachter ist es ratsam, zunächst einmal abzuwarten, bis der Kanzler das Kabinett fertig hat, weil auch die personelle Zusammensetzung die parlamentarischen Aussichten des Kabinetts wesentlich beeinflussen dürfte. 3n der Reichsregierung nahestehenden Kreisen beurteilt man die Aussichten des neuen Kabinetts dahin, daß die Sozialdemokratie zwar erklären wird, sie stehe dem neuen Kabinett mit einer größeren Skepsis gegenüber als der bisherigen Reichsregierung, daß sie a b c r dochzunächst abwarten wird, wie das neue Kabinett arbeitet. Bei der Zusammensetzung des neuen Kabinetts will der Reichskanzler offenbar besonders darauf Rücksicht nehmen, daß d i e parlamentarische Situation nicht erschwert wird. Bracht dementiert. Der Essener Oberbürgermeister hat keinen Ehrgeiz auf einen Ministcrfeffel. Essen, 6. Okt. (ERB.) 3n politischen Kreisen wurde bekanntlich im Zusammenhang mit der Umbildung des Reichskabinetts auch der Rame des Essener Oberbürgermeisters Dr. Bracht genannt. Hierzu teilt uns Dr. Bracht mit: „3ch verstehe nicht, daß man bei jeder möglichen oder unmöglichen Gelegenheit mich als Kandidaten benennt, zumal doch die Erfahrungen, die man mit den Oberbürgermeistern in der Politik gemacht hat, zum mindesten unterschiedliche find. 3edenfalls halte ich derartige Mel- Bungen für vollkommen gegenstanös- l o s und vermute, daß es nicht gerade meine Freunde sind, die derartige Dachrichten in die Oeffentlichkeit lancieren. Die Presse, die derartiges bringt, ist sich offenbar nicht darüber klar, daß sie durch diesen Hinweis auf einen Provinzbürgermeister, der sich seit sieben Jahren bewußt und gewollt von jeder politischen Tätigkeit fernhält, der deutschen Politik ein Armutszeugnis ausstellt." Wir geben diese Erklärung wieder, möchten aber auf Grund unserer Kenntnis der Dinge darauf Hinweisen, daß der Dame Dr. Brachts keineswegs von Kreisen in die Debatte geworfen wurde, die als seine Gegner gelten können. Jedenfalls geht aus der Erklärung des Essener Oberbürgermeisters eindeutig hervor, daß Dr. Bracht selbst nicht an die Uebernahme eines Ministeramtes denkt. pariser Echo. Curtius' Rücktritt wurde erwartet. P a r i s, 6. Oft. (TU.) Der Rücktritt des Reichs- außenministers ist in Paris zu spät bekannt geworden, um allen Blättern schon jeht die Möglichkeit zu einer ausführlichen Stellungnahme zu oeben. Der „T e m p s" meint, Dr. Eurtius habe daS Werk seines Vorgängers zu stark kompromittiert, als daß er noch länger auf seinem Posten hätte bleiben können. Sein Rücktritt sei vorauszusehen gewesen und habe in Frankreich keineswegs überrascht. — Der »Intransi- g e a n t" erklärt da h das Chaos, das zur Zeit in Deutschland herrsche, geradezu unglaublich sei. DieKrlse habe i h r e n H ö h e p u n k t erreicht. Selbst die zu erwartenden neuen Regierungserlasse hätten heute nur vermindertes Interesse, da die ganze Aufmerksamkeit auf die Deubildung derRegierung gerichtet sei. — Gustav Herv6 tritt tn seinem Organ, der .Bictoire" für eine Unterstützung der deutschen Rechtsparteien ein. Dur diese hätten die wahre nationale Kraft, geordnete Verhältnisse wiederherzustellen und die Maßnahmen zu ergreifen, die zum Wohle des Landes notwendig feien. Frankreich habe die Pflicht, die deutsche Rechte dadurch zu unterstützen, daß sie ihr zum mindesten keine Knüppel mehr zwischen die Beine werfe und die unannehmbare Forderung aufgebe, Deutschland möge auf die Revisionspolitik verzichten. Wenn Frankreich nicht endlich seine Hand dem patriotischen und nationalen Deutschland hinstrecke, so werde man erleben, wie das Reich dem Bolschewismus und Anarchismus verfalle. Oie Harzburger Tagung der Opposition. Berlin, 6. Oft. (TU.) Die Deutschnationale Pressestelle teilt einiges über das Programm der Harzburger Tagung der Rechtsopoofition mit. Da. noch handelt es sich um eine geschlossene Kundgebung im großen Saale des Kurhauses in Harzburg am 11. Oktober, wobei Dr. H u g e n b e r g, Adolf Hit- l c r, die Stahlhelmbundesführer S e l d t e und D ü « st e r b e r g, der Präsident des Reichslandbundes G r a f K a l ck r e u t h , der Reichsbankpräsident a. D. Dr. S ch a ch t, Justizrat C l a ß , der Führer des Alldeutschen Verbandes, sowie Gras v. d. G o l tz, der Vorsitzende der Vereinigten Vaterländischen Verbände, das Wort nehmen werden. Am Vormittag des 11. Oktober findet eine gemeinsame Sitzung der deutschnatwnalen und nationalsozialistisct)en Fraktionen des Reichstags und des Preußischen Landtag, der Reichs- und des Staatsrats statt. Die deutschnationalen und nationalsozialistischen M i n i - st e r der Länder sowie Vertreter der Landtagsfraktionen der übrigen Länder sind ebenfalls geladen. An der Fryktiopssitzung nehmen ferner die drei aus der Landoolkpartei zur nationalen Opposition übergetretenen Reichstagsabgeordneten teil. Zu gleicher Zeit findet eine große Bundesvorstands- fitzung des Stahlhelms unter Leitung der Bundesführer statt. Schon jetzt ist zu übersehen, so heißt es weiter in der Mitteilung, daß der Besuch außerordentlich stark sein wird, besonders auch aus Kreisen der Industrie und der Landwirtschaft. Führende Persönlichkeiten der westlichen Industrie, des Reichslandbundes und der Arbeitnehmerschaft haben ihr Erscheinen zugesagt. Die Tagung ist durch die drei großen politischen Organisationen der Rechtsopposition vvrbereitet worden. Die Arbeit liegt in den Händen eines Arbeitsausschusses der nationalen Opposition. Ihm gehören an: der Reichs- tagsabgeordnete Schmidt (Hannover) für die Deutschnationalen, Minister a. D. Dr. Frick für die NSDAP., Bundeskanzler Wagner für den Stahlhelm. Den Vorsitz in der Tagung der Fraktionen führt Minister a. D. Dr. F r i ck , in der großen Nachmittagstagung der nationalen Opposition führt den Vorsitz Dr. H u g e n b e r g. Der Einzelhandel in der Wirtschastskrisis. Mitgliederversammlung der Hauptgemein- schäft deS Deutschen Einzelhandels. Berlin, 6. Oft. (WTB.) Die diesjährige Mitgliederversammlung der Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels wurde von dem Vorsitzenden, Heinrich G r ü n f e l d, eröffnet. Die Deugestaltung unseres Kreditwesens, so führte er weiter auS, werde unter stärkerer Beachtung des alten Prinzips erfolgen müssen, nach dem es sicherer sei, kleinere Personal- fredite auf eine größere Zahl von Schuldnern zu verteilen, als daS Risiko durch Gewährung von Riesenkrediten an wenige zu erhöhen. Gerade die jetzige Krise erweise immer stärker, dah berfcri- vatwirt schöstliche Einzelhandel die zweckmäßigste Form der Warenverteilung darstelle, weil sie das Risiko dem Sin- zelunternehmer in vollem Umfange zuweise; er lehne Versuche, durch Mitbeteiligung der Konsumenten auch das Risiko teilweise auf diese abzu- wälzen, ab. Im Damen der Reichsregierung begrüßte Staatssekretär Dr. Trendelenburg, der Leiter des Deichswirtschaftsministeriums. die Versammlung. Den Geschäftsbericht erstattete sodann daS ge- schästsführende Vorstandsmitglied der Hauptge- meinschast, Dr. T i d u r t i u S. Er führte u. a. auS: Der Einzelhandel fordere zur Senkung der Kostenlast in erster Linie eine nachdrückliche Inangriffnahme der R e i ch S r e f o r m , in der Steuerpolitik eine Beseitigung derHaus- zinssteuer zur Stärkung der Reparaturtätigfeit und eine Phasenpauschalierung bei der Umsatzsteuer: eine Erhöhung der Umfahheucr sei abzulehnen. Dotwendig sei ferner eine Klä - Die Konferenz im Weißen Hause. Vertreter beider Parteien beim Präsidenten. — Hilfsmaßnahmen für die amen» kanischen Banken. — Keine Entscheidung über das Hoovermoratorium vor dem Besuch LavalS. Washington,?. Oft. (WTB. Funkspruch.) Der Bureauflügel de» Weißen Hauses wird heule nacht hell erleuchtet, und Parlamentarier beider Parteien eilten in die Reichskanzlei, wo Präsident Hoover ihnen einen plan vorlegte, der die nationale Einheit zur Vorbereitung auf die harten Wintermonate sicherstellen soll. Die Demokraten hielten rasch noch eine Ausschuhsihung ab, um sich über die Taktik gegenüber den Vorschlägen de» republikanischen Präsidenten einig zu werden. Hoover hat alle Beteiligten um strikteste Geheimhaltung gebeten, und wenn auch die Kurse auf der Deuyorker Börse in Erwartung konstruktiver Schritte zur Behebung der Depression erfreulich anzogen, fo bestehl doch allgemeine Unsicherheit über Inhalt und Resultat der heutigen Konferenz. Das pressezimmer der Reichskanzlei war voll von wartenden Reportern und alle Ausgänge des Weißen Hauses find mit Zeitungsleuten beseht, die ungeduldig bis nach Mitternacht warteten in der Hoffnung, daß einer der vielen Geladenen eine Indiskretion begehen und die Pläne ausplaudern wird, bevor der Präsident sie selbst bekanntgibt, wa» aber immer der Vorschlag Hoover» sein möge, das sympathische Verhalten der Demokraten ist ihnen sicher, da sie niemals in diesen schweren Zeilen nationaler und internationaler Jlof aus engherzigem Parteiegoismus feine Mitarbeit verweigern wollen, sofern es sich nicht um fundamentale Differenzen in der Auffassung handelt. Die Konferenz endete erst nach Mitternacht. Dicht eingeladen waren die Vertreter der sog. progressiven Republikaner, dagegen nahm unter anderen Demokraten der deutsch-amerikanische Senator Wagner teil, der nach dem verlassen des weihen Hauses erklärte, es fei weder eine Steuererhöhung, noch ein verbot von Leerverkäufen an Fondsbörsen, noch die Frage der deutschen Kurzkredite erörtert worden. Man habe lediglich diskutiert und sich prinzipiell geeinigt über d l e Gründung eine» privaten Bankkorsortiums mit einemKapltalvon500MlllionenDol- tar, womit den Banken geholfen werden soll, deren Anleihen an ihre Schuldner sich nach dem Bankgeseh nicht zur Diskontierung durch Bundesbanken eignen, lieber Verlängerung des hoovermoratoriums wurde nichts beschlossen. Man war sich darüber einig, daß Präsident Hoover diese Frage mit Laval aufnehmen wolle und feststellen, wann und unter welchen Bedingungen ein weitere» Moratorium erforderlich sei. 3um Tode Morrows. Amerika und die europäischen Pläne. Washington, 6. Oft. (WTB.) Der verstorbene Senator Dwight Morrow stand, wie Etaatssefretär Stimson heute in einem Dachruf auf den Loten ausführte, mehr denn irgendein anderer Bundes^enator im Rampenlicht Der öffentlichen Diskussion: als Schwiegervater Lind- berghs, als Kandidat der Republikaner für das Weiße Haus, als früherer Teilhaber der Welt- fitma Morgan & Co., als erfolgreicher Mittler zwilchen Mexiko und den Bereinigten Staaten, deren Beziehungen zueinander sich sofort besserten. nachdem Coolidge Morrow als Botschafter dorthin entsandt hatte, und schließlich als ge'chickter Unterhändler während der Londoner Flottenfonferenz. Gerade in den nächsten Wochen und Monaten sollte Morrow als Berater und Mitarbeiter bei der Lösung der schwebenden internationalen Probleme wichtige Aufgaben erfüllen. Staatssekretär Stimson hatte ihn am Donnerstag der letzten Woche eigens aus Dew Jersey nach Washington gerufen und den ganzen Freitag über in intimster Beratung mit ihm alle Punkte durch- gesprochen, die bei dem Besuche Lavals erörtert werden sollen, so die Abrüstungsfrage, das Korridorproblem, die Reparationen und die Sanierung der internationalen Kreditlage. Morrow vertrat den Standpunkt, daß man weder in der Abrüstungsfrage noch in anderen Problemen vorwärtskomme. wenn nicht Frankreich in irgendeiner Form gegenüber deutschen und italienischen Bestrebungen gesichert werde. Andererseits stand fest, daß die Regierung diese Sicherheit nicht in der Form eines Paktes geben könne, der Amerika zum aktiven Einschreiten bei europäischen Konflikten verpflichten würde, da der Bundessenat eine derartige Bindung traditionell ablehnt. Stimson bezeichnet den Tod feines Freundes und Beraters als schweren Schlag, da Amerika gerade jetzt der Dienste Morrows beraubt wurde, wo er bestimmt war, unschätzbare Arbeit zu leisten. — Durch den Tod Morrows stehen sich im Bundessenat 47 Republikaner. 47 Demokraten und der Vertreter der Farmerlabourpartei. Senator Shipstad, gegenüber. Die neue Notverordnung. Eine ergänzende Inhaltsübersicht. Berlin, 7. Oft. (WTB. Funkspruch.) Die neue Notverordnung, die in weitem Umfang Voraus- fetzung für ein Wirtschaftsprograrnin ist, das in den nächsten Wochen mit maßgebenden Führern der Wirtschaft beraten werden soll, enthält im wesentlichen alle die Maßnahmen, die bereits am Dienstag veröffentlicht wurden. So u. a. Hilfsmaßnahmen, die durch die gesteigerten La st en der Wohlfahrtsfürsorge erforderlich geworden sind. Für den kommenden Winter wird, wie bereits bekannt geworden, den Gemeinden 230 Millionen Reichsmark zur Verfügung gestellt, von denen 150 Millionen schlüsselmäßig verteilt und 80 Millionen an besonders not- leidende Gemeinden im Einzelfall gegeben werden. Bürger st euer und Getränke st euer sollen weiterhin erhoben werden, und die auf den WohnungsbauanteilentfallendenBe. träge der Hauszins st euer für den allgemeinen Finanzbedarf verwendet werden können. Der Sonderbeitrag von 375 Millionen Reichsmark aus dem Gefamtaufkommen der drei großen Ueberweisungssteuern soll wie bisher verteilt werden. Bei der Arbeitslosenversicherung wer- den gewisse Härten beseitigt. Lohnsenkun- gen der letzten Zeit z. B. werden sich nicht sofort in vollem Umfang auf die Höhe der Unterstützungen auswirken, die bis zu einem Drittel in Sachleistungen bestimmter Art gewährt werden können. Bei einem regelmäßigen Wechsel von Belegschaften kann den zeitweise aussetzenden Arbeitnehmern Arbeits- losenunterstützuna gewährt werden, wenn auch nicht in voller Höhe. Aenderungen in den Sätzen und in der Gesamtdauer der Unterstützung sind nicht vor- geseben. Für die notwendig werdenden Mehraufwendungen in der Krisenfürsorge wird die Reichs- regierung Mittel bereitstellen. Die Ausgaben der öffentlichen Hand werden insofern eingeschränkt, als für die nächsten drei Jahre Neubauten für Verwaltungsgebäude unterbleiben, diePensionenbeiErreichung der Altersgrenze von 80 aus 75 v. H. herabgesetzt und ferner die Höchstpensionen und die der Doppelverdiener gekürzt werden. Die bereits angekündigte SenkungderHauszins- steuer beträgt 20 v. H. — Die Vorschriften über die Kapitalherabsetzung in erleichterter Form sollen der deutschen Privatwirtschaft die Anpassung ihres Stammkapitals und ihrer Finanzen an die veränderte Wirtschaftslage erleichtern. Ein weiterer Teil der Dotverordnung befaßt sich mit der Bereitstellung von Garantien zur Förderung der deutschen Wirtschaft bis zum Betrage von 30 Millionen Mark. Darüber hinaus wird der Finanzminister ermächtigt, zur Stützung der M a n s f e l d - A. - G. bis zu 3 Millionen Mark zur Verfügung zu stellen und bis zu 300 Millionen durch Kredite zu beschaffen. — Aus den neuen Bestimmungen über den ileberlanb- verkehr mit Kraftfahrzeugen ist hervorzuheben, daß zur Beförderung von Gütern für Dritte aus Entfernungen über 50 Kilometer der staa11iche Genehmigungszwang eingeführt wird mit der Maßgabe, daß kein Unternehmer die einheitlich für das ganze Reich festgesetzten Beförderungspreise unterbieten darf. Ferner bestimmt die Dotverordnung, daß alle Wirtschaftsbetriede der öffentlichen Hand, soweit es sich nicht um Aktiengesellschaften handelt, einer regelmäßigen Prüfung durch sachverständige Finanzprüfer unterzogen werden. Zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen sieht die Dotverordnung eine Reihe scharfer Bestimmungen vor, die insbesondere sich gegen die politische Propaganda mit illegalen Schriften hochverräterischer oder zersetzender Ziele richten. Der Polizei wird ferner die Möglichkeit gegeben, Heime und Verkehrslokale radikaler Verbände erforderlichenfalls zu schließen. Am Schluß heißt es: „Es muß gelingen, das gesamte Preisniveau rasch auf die verringerte Kaufkraft der Abnehmer einzustellen. die Produktion ausreichend herabzusetzen und zu dem natürlichen Verhältnis der Preise der einzelnen Warengruppen zurückzuführen. uiö sich aus den volkswirtschaftlichen Zusammenhängen und aus dem Gebrauchswert der Waren in großem Rahmen des gesamten Wirtschaftsverkehrs ergibt. Auch im Außenhandel und in der Devisenbewirtschaftung muß der außerordentlichen Lage Rechnung getragen und den Mahnungen des Laytonberich- tes gefolgt werden, der vor vermeidbaren Einfuhren warn t." rung der Erwerbslvsenlastcn. In der Tarifpolitik herrsche im Einzelhandel überwiegend keine Gegnerschast gegen den Tarifvertrag, wohl aber der Wunsch nach Beseitigung gewisser Fehler im Aufbau. Die Verbindlichkeitserk lä - rung von Schiedssprüchen müsse in ihrer jetzigen Form verschwinden, übrig bleiben werde ein auf seltene Dotstände zu beschränkendes Instrument einer Art von Wirtschaftspolizei Die Selbsthilfe der Wirtschaft müsse sich auch auf eine Deform der jetzigen Zollpolitik erstrecken. die den Bedürfnissen der bäuerlichen Wirtschaft und der Herstellung absatzfähiger deutscher Veredelungsprodukte angemessen sei. An Spezialforderungen des Einzelhandels nannte der Redner Verbesserung der Kreditversorgung und Schutz des reellen Wettbewerbs. Der Einzelhandel sei sich bewußt, daß die bestehende Vertrauenskrise gegenüber der Privatwirtschaft nur durch den wirtschaftlichen und staatspolitischen Effekt ihrer Arbeitsleistung von innen heraus beseitigt werden könne. Der sozialpolitische Ausschuß bezeichnet eS als dringend notwendig, daß auf dem Gebiete des Tarifwesens Maßnahmen getroffen werden, die eine beschleunigte Anpassung der Löhne und Gehälter an die Absahmöglich- leiten fördern. Diese Umstellung darf sich aber nicht nur auf die Höhe der Löhne und Gehälter beschränken, sondern es muß eine schleunige, unter Umständen der normalen Lausdauer der Tarife vorgreifende Abkehr von allen schematischen Ueberspannungen des Tarifgedankens der letzten Jahre, besonders auch bei Angestellten, erfolgen. Entschließungen des Afa-Kongresses. Leipzig, 6. Okt. (WTB.) In der Nachmittags- sitzung des Asa-Kongresses gelangten mehrere (Ent- schließungen zur Annahme, von denen eine als erste Aufgabe für die nächste Zukunft die Sicherung des Lebensspielraumes der breiten Massen sowie die planmäßige Arbeitsvertei- • u n & bezeichnet. In dieser Resolution wird auch die 40-«tunden-Woche gefordert und ein von der Gesellschaft getragener Wirtschaftsplan „an Stelle der kapitalistischen Anarchie". In einet Resolution zum Tarifrecht, die davon ausgeht, datz bereits jetzt eine durchschnittliche Einkommensoerminderung von 25 Prozent festzustellen sei, roirty der Tarifvertrag neben der Arbeitslosenunterstützung als der einzige Wall vor dem völligen Zusammen, bruch der Lebenshaltung von Arbeitern und Ange» stellten bezeichnet. Alle Pläne, ihn zu beseitigen, werden mit aller Schärfe abgelehnt. Eine andere Resolution beauftragt den Afa-Bundesvorstand, für die Einführung der 40-Stunden.Woche bei den Be- Hörden hinzuwirken. Aus aller Welt. Da» postflugzeug der „Bremen" verunglückt. Das Postflugzeug des Dampfer» Bremen, das in Sydney auf Neuschottland neuen De- triebsstoff aufgefüllt und bann seinen 5 Lug nach Neuyork fortaesetzt hatte, wurde in der Lobe- quidbucht zum Niedergehen gezwungen. Die Hoffnung, das Schleuderflugzeug unversehrt aufzu- finden, ist aufgegeben worden, nachdem in der Nähe von Noel an der Küste von Neuschottland eine Tragfläche aufgefunden worden ist, die als zur „Neuyork" gehörend erkannt wurde. Die Leitung des Norddeutschen Lloyd nimmt an, daß die beiden Flugzeuginsassen, der Pilot Simon und der Mechaniker Wagenknecht, ertrunken sind. Die fünf P o st s ä ck e, die sich an Bord des Flugzeuges befanden, gelten als verloren. Bombenexplosionen an der serbisch-griechischen Grenze. Die griechische Presse bringt eine Meldung aufl Saloniki über einen geplanten Bombenanschlag auf den Simpionexpreß in Kevgheli an der serbisch-griechischen Grenze. Die Höllenmaschine konnte eine Viertelstunde vor Durchfahrt de- Sirnplenexpreh unschädlich gemacht werden. 500 Meter von der griechischen Grenze entfernt explodierten auf serbischem Gebiet 25B o m - b c n. Dabei wurden zwei Serben getötet und drei verletzt. Eine weitere Bombe, die in der Dähe einer Kaserne in Kevgheli explodierte, riß die Vorderwand ein. Ein Soldat wurde getötet und zahlreiche verwundet. In der Dähe des Bahnhofs S k o p l j e richteten zwei Bomben schweren Schaden an. Die Verbindung Disch— Kevgheli wurde unterbrochen. Die geängstigten Einwohner Kevghelis fliehen nach der griechischen Grenzstation Idomenc. Es werden neue Anschläge der Komitatschi befürchtet. Großer Fabrikbrand in kowno. 3n dem Kownoer Vorort Schanzy steht e i n Block von vier Fabriken (eine Strumpffabrik, eine Spinnerei, eine Dagelfabrik und eine Faserstoff-Fabrik) in Flammen. Die Fabriken gehören zu den größten Unternehmungen Litauens. Der Brand begann bereits um 6 Uhr früh in der Daumwollfaser-Fabrik zu Beginn der ersten Schicht. Man vermutet, daß der Brand durch unachtsames Rauchen entstanden ist. Gleichzeitig verbrannte in dem Zabrikblock ein aroheS sowjetrussisches Transitlager mit Manufaktur- Waren, Zucker, Gummi usw. Im Streit den Bater erschlagen. Eine schwere Bluttat ereignete sich in Elgen- roth (KreiS Altenkirchen) im Westerwald. Ein Arbeiter kam in betrunkenem Zustand nach Hause und geriet mit seinem 22jährigen Sohn in Streit. Als der Vater dem Sohn drohte, er werde ihm die Kehle durchschneiden und auf ihn eindrang, ergriff der Sohn eine Axt und schlug auf den Vater ein. Er traf die Halsschlagader. so daß der Tod durch Verbluten c i n t r a t. Der Sohn stellte sich nach der Tat der Polizei. Oie Wetterlage. 17 zo/ i '/Ty—* sw» Tours 10 Ft-4< y r— H \ * 0 -—o > 11 Qyuna ' 'TTderfnont/c,, | —73t --- ' - [ngö l*£*. QWoiWtnlo$.G nenn 9 Mie otfltcti e wattig < pedecu eReget * Schnee a 4r«upem e Hchei X 0c-iner.@)wind5tiiie.eO-. tc*w ItkMer Ost y ^"igee Südsüdwest 2 Murmoche« -ordweil d e Mene fliegen mit dem winde Oie Beiden siibonen jtenenden zellen gehen die Temperier tn. Oie Urnen eerDmde» Ort« aut gleiche* tu* ncerumzeiu umaveckacten Luftdruck Wettervoraussage. Ausläufer der nördlichen Störung gewinnen auf dem Festlande an Raum. Insolgedesien hat sich über Frankreich und Holland ein Rcgengebiet ousgebreitet, und die Temperaturen sind weiter angestiegcn. Auch bei uns wird sich der Störungseinfluß bemerkbar machen, so daß noch im Lause des heutigen Tages oder in der kommenden Nacht Niederschläge auf- treten. Mit dem alsbaldigen Zufließen kühler Ozcan- lüft wird am morgigen Tag Abkühlung einsetzen. Da» Wetter nimmt einen unbeständigen Charakter an. Vorhersage für Donnerstag: Anfang» mild, bedeckt mit Niederschlägen, später wechselnd wolkig und kühler. DorhersagefürFreitag: Kühl, wechselnd wolkiges Wetter mit Aufheiterung, keine oder nur vereinzelt geringe Niederschläge. Lufttemperaturen am 6. Oktober: mittags 18,7 ®rab CelfiuS, abends 9.2 Grad; am 7. Oktober: morgen- 11.1 Grad. Maximum 18,7 Grad. Minimum 7.1 Grad. Erdtcmperaturen in 10 cm Tiefe am 6. Oktober: abends 12,8 Grad, am 7. Oktober: morgen- 10,4 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 7 Stunden. k W bei.;?«" •eil. " ^nfllüdt SS?* :L? ?s* --ZZ o?e°nbk$ft n 1 Grenje. Meldung aus v¥“^ -*te «r. “.««tatet und drei in der M 'vierte, rih die vurde getötet und A* Aderen ZÄisch—Aevgdeli iNen Einwvhn« ^«chischen tzrenz« «ueAnschläg, o fiorono. öchanzy fleht ein :n (eine Strümps. Fabrik und eine en. Die Fabrilen Icrnehmungen Li« Breits um 6 Uhr Arik zu ‘Beginn tt. dah der Brand Händen ist. Aeich« rilblod ein grobes mit THmfathit- erschlagen. utc sich in Eigen- Deftcrwald. Sin tnem Zustand feinem 22jährigen dem Sohn drohte, 'chneiden uni auf ;n eine Bit uni) ras dir tzMchiag« ich Betbluten sich nach der Tat OflL ingl tA auf übet > H ' Hk M«: Mk. läninfl I feine oö« - mitto^.Ä KM 3= 17®/ ' ^tnn /uw),, /rTV P^o1 Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 7. Oktober 1931. Unterstützt die Winternothilfe! Der Werbe- und Sammelausschuß der Gießener Winternothilfe 19 3 1/3 2 trat gestern im Stadthaus, Gartenstraße, zu seiner ersten Sitzung zusammen, in der er eine Reihe von Maßnahmen zur Durchführung des Gießener Winterhilfswerks besprach. Es ist beabsichtigt, für das Hilfswerk allmonatlich Geldspenden aufzubringen, da- neben aber auch die Sammlung von Klei» dungs-und Wäsche st ücfen sowie von Gegenständen des R a h r u n g s m i t t e l b e d a r f s zur Versorgung der hilfsbedürftigen Mitbürger vorzu» nehmen. Bei dem Hilfswerk rechnet man auf die Unterstützung aller Mitbürger, die noch über Mr- beit und Verdienst verfügen und infolgedessen in der Lage sind, zur Verbesserung der von der Rot dieser Zeit am schwersten betroffenen Familien unserer Stadt beizusteuern. Niemand bleibe bei diesem Hilfswerk abseits stehen! Jeder denke daran, daß es nicht nur gilt, Nächstenliebe durch die Tat zu offenbaren, sondern daß es auch mir Rücksicht auf das Gemeinwohl notwendig ist, durch persönliche Opfer bei diesem Hilfswerk den A u s b r u ch von Verzweiflung in den am schwersten notleidenden Bevölkerungsschichten zu verhindern und dadurch die Aufrecht- erhaltung von Ruhe und Ordnung in den kommenden Wintermonaten ohne Inanspruchnahme der staatlichen Machtmittel zu ermöglichen. Der Ausschuß rechnet aber nicht nur auf die Unterstützung durch Einzelpersonen, sondern er hofft auch, daß sich alle Vereine unserer Stadt durch die Veranstaltung geeigneter Darbietungen künstlerischer, geselliger oder sportlicher Art in den Dienst der Wohlfahrtssache stellen, um aus dem Ertrag solcher Veranstaltungen die Geldmittel des Hilfs» werks zu stärken. Es ist erwünscht, daß die Vereinsleitungen wegen der Anberaumung von Veranstaltungen sich baldmöglichst an den Ausschuß (Städtisches Wohlfahrtsamt, zu Händen von Herrn Amtmann K e i tz e r) wenden, damit die Organisation und die zeitliche Folge dieses Unterstützungsdienstes planmäßig geregelt werden kann. Als erste Hilfsmaßnahme beschloß der Ausschuß, von einem Angebot auf billige Obstlieferung für ErwerbsloseundsonstigeHilfsbedürf» ti g e Gebrauch zu machen. Weitere Beschlüsse werden in den nächsten Tagen gefaßt und alsbald zur Durchführung gebracht werden. Billige Aepfel für Hilfsbedürftige. Dem Werbe» und Sammelausschuß der Gießener W i n t e r n o t h i l f e ist eine größere Menge Aepfel zu außerordentlich billigem Preise angeboten worden. Der Ausschuß beabsichtigt, dieses Obst an Erwerbslose und sonstige Hilfsbedürftige unserer Stadt gegen einen Preis abzugeben, der weit unter den üblichen Kaufpreisen liegt, um auf diese Weise den'wirtschaftlich schwachen Bevölkerungsschichten den Bezug von deutschem Obst zu ermöglichen. Kauflustige (nur Erwerbslose und sonstigeHilfsbedürftige) mögen sich sofort beim städtischen Wohlfahrtsamt melden, damit sie für den Bezug dieses billigen Obstes vorgemerkt werden können. Gegen den Reklame-Llnfug in der Landschaft. Das Kreisamt Gießen veröffentlicht im Amtsverkündigungsblatt vom 2. Oktober eine Polizeiverordnung über die Regelung des Re- kl a m e w e s e n s , in der für den Kreis Gießen u. a. folgendes bestimmt wird: Das Anbringen oder Aufstellen von Schildern, Aufschriften und Abbildungen für Werbezwecke ist außerhalb der geschlossenen Ortschaften verboten. Das gleiche gilt für das Anbringen oder Aufstellen von sonstigen Schildern, Aufschriften und dergleichen oder Gegenständen, die für das landschaftliche Bild mihständig erscheinen. Falls eine Anpreisung auf oder an öffentlichen Straßen oder Wegen angebracht werden soll, ist die vorherige Zustimmung des Wegunterhaltungspflichtigen zu der Ausnahmebewilligung erforderlich. Innerhalb der geschlossenen Ortschaften dürfen auf oder an öffentlichen Plätzen, Straßen oder Wegen keine Schilder, Aufschriften und Abbildungen für Werbezwecke aufgestellt oder angebracht werden, die den im Interesse des Kraft- fa^rzeugverkehrs vorgeschriebenen Verkehrszeichen (Warnungstafeln, Verbots- und Verkehrsbeschränkungsschildern, Wegweisern und Ortstafeln) in Größe und Farbe ähnlich sind und daher zur Verwechslung Anlaß geben können. Die Werbezeichen dürfen derartige Verkehrszeichen nicht verdecken: sie müssen von ihnen mindestens 15 Meter entfernt angebracht werden, insoweit es sich nicht um Anpreisungen für ein Geschäft an einem Gebäude handelt, in dem das Geschäft betrieben wird. Werbezeichen dürfen nicht mit Verkehrszeichen der genannten Art verbunden werden. Vereits bestehende Anpreisungen, sowie sonstige Schilder, Aufschriften und dergleichen oder Gegenstände, die den vorstehenden Bestimmungen widersprechen, müssen spätestens binnen zwei Monaten nach Inkrafttreten dieser Polizeiverordnung beseitigt werden. Soweit Vereinbarungen der Wegunterhal» tungspflichtigen über die Aufstellung von Wegweisern und Ortstafeln mit Geschäftsanpreisungen bestehen, können diese Verkehrszeichen mit Genehmigung des Ministers des Innern bis auf weiteres belassen werden. Es ist verboten, Verkehrszeichen unbefugt zu entfernen, zu beschädigen oder sonstwie ihren Zweck zu beeinträchtigen. Zuwiderhandlungen gegen die vorstehenden Bestimmungen werden, soweit nicht nach den Vorschriften über den Denkmalschutz oder nach anderen Vorschriften eine höhere Strafe verwirkt ist, mit Geldstrafe bis zu 150 Mark bestraft, an deren Stelle im Llnvermögensfalle entsprechende Haft tritt. 25 Jahre Gießener Ruder-Club Hassia 1906. Der Gießener Ruder - Club Hassia feierte am Samstagabend in den Räumen des Gesellschaftsvereins das Iubiläum seines 25jährigen Bestehens. Viele Mitglieder und geladene Gäste nahmen an der Feier teil. Die Reichswehrkapelle — erstmals unter der Stabführung des neuen Obermusikmeisters K r a u ß e — leitete den Abend mit einem schneidigen Marsch ein, dem eine Reihe hochwertiger anderer musikalischer Darbietungen folgten. Die Kapelle fand 'e-haften Beifall. Der erste Vorsitzende der Hassia, Herr Fritz S ch ü ß l e r, hielt eine kurze Begrüßungsansprache. Besonders begrüßte er die Vertreter des Oberbürgermeisters, des Bataillons, der Leibesübungen treibenden Vereine, die Vorstände der beiden anderen Rudervereine, des Vereins älfer- kritik, des Lahnregattaverbandes, des Süddeutschen Rudcrverbandes und des Gesangvereins „Heiterkeit". Im weiteren Verlauf des Abends gab Herr Henkel, einen Tleberblick über die Geschichte des Vereins und die bisher erzielten sportlichen Erfolge. Er schilderte die Entwicklung des Clubs aus kleinen Anfängen heraus und betonte, daß es der unermüdlichen Arbeit der älteren Sportskameraden bedurfte, um den Verein auf seine heutige Höhe zu bringen. 89 Siege wurden im Laufe der Iahre errungen, 13 schöne Boote und ein Motorboot stehen den Ruderern heute sur Verfügung. Mit Genugtuung dürfe der Ruder-Club Hassia auf seine 25jährige Tätigkeit im Dienste der Ertüchtigung der Iugend und damit im Dienste des Vaterlandes zurückblicken. Mit Zuversicht sehe man auch der nächsten Zukunft entgegen. Der Redner erinnerte auch an die im Weltkriege gefallenen Mitglieder, deren Andenken in einer Minute stillen Gedenkens geehrt wurde. Rach einem weiteren Musikvortrag nahm der Vorsitzende, Herr S ch ü ß l e r, der schon 24 Iahre dem Klub angehört, die Ehrung langjähriger Mitglieder vor. Ausgezeichnet wurden für 24jährige Mitgliedschaft die Herren Peter C a st e i n, Adolf Staudt und Karl W c- ber: für 23jährige Zugehörigkeit Willi Rupp, Hermann Kaiser, Paul Plage, Karl Wenzel, Ludwig Klein, Ludwig Müller und Adam D ö b u s. Philipp Lange, Heinrich Rühl, Karl Wolf, Ernst Rödel, Heinrich Keßler und Heinrich Ioedt wurden für 21- jährige Zugehörigkeit, und die Herren Richard Frenz el jr., Wilhelm Hauß und Julius W i s k e r für 15jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet. Im Anschluß daran brachten die Vertreter der Behörden, Vereine und Verbände ihre Glückwünsche dar und überreichten schöne praktische Geschenke. Der Vorsitzende des Vereins dankte für die zahlreichen Beweise der geistigen und sportlichen Verbundenheit, die in den Glückwunschreden und in den Geschenken zum Ausdruck kam. Einige weitere Musikstücke beschlossen das offizielle Programm. Ein Ball hielt die Festversammlung noch lange beisammen. Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater: „Elisabeth von England", 19.15 bis 22 Uhr. — Oberhessischcr Kunstverein: Jubiläumsausstellung Ernst Eimer, Turmhaus am Brandplatz, 15 bis 17 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „1000 Worte Deutsch" und Schmeling gegen Stribling im „Boxkampf um die Weltmeisterschaft". — Konzert der Gießener Militärkapelle. Das Musikkorps unseres Bataillons wird am kommenden Sonntagabend zum ersten Male unter der Stabführung des neuen Obermusikmeisters Krauße mit einem Konzert vor die breiteste Oefsentlichkeit treten. Das Konzert wird in der Volkshalle stattfinden. Obermusikmeister K r a u ß e, bekanntlich ein Sohn des srüheren Gießener Militär-Musikdirektors Krauße der 116er, geht der Ruf eines hervorragenden Musikers voraus, dessen hohe musikalische Befähigung zweifellos für unsere Gießener Militärkapelle eiye starke Auftriebskraft fein wird. Man beachte die heutige Anzeige. — Werbeabend für Elektrizitäts- Verwendung. Man schreibt uns: Das Elektrizitätswerk ist emsig beschäftigt, die Vorbereitungen zu den am Donnerstag und Freitag, 8. und 9. Oktober, 20 Llhr, im Saale des Cafe Leib, Walltorstraße, stattfindenden Werbeabenden zu treffen. Das über 150mal aufgeführte Bühnenstück „Pirnrnelrnann aus Pummelhausen" dürfte, wie überall, auch in Gießen mit Begeisterung ausgenommen werden und großen Beifall finden. Da der Andrang sicher ein recht starker fein wird, dürfte zu empfehlen sein, sich rechtzeitig einen Platz zu sichern. Man beachte die gestrige Anzeige. ** Forst Personalien. Ernannt wurden Heinrich Förster aus Kefenrod zum Förster der Försterei Climbach des Forstamts Gießen; Friedrich Grieb aus Griedel zum Förster der Försterei Lllrichstein des Forstamtes Tllrichstein; Wenn Ihre Empfehlungsanzeige in der Freitags- oder in der Samstagsnummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung werben so^l dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags in der Geschäftsstelle auf. Karl Harres aus Ober-Gleen zum Förster der Försterei Schwabenrod des Forstamtes Eudorf; Karl Kornmann aus Rüddingshausen zum Förster der Försterei Londorf des Forstamtes Rabenau zu Londorf; Heinrich Kraft aus Lichtenberg zum Förster der Försterei Köddingen des Forstamtes Storndorf; Karl Repp aus Dauernheim zum Förster der Försterei Pe- tersßainerhof des Forstamtes Lllrichstein; Heinrich Ruppert aus Ober-Gleen zum Förster der Försterei Iägerhaus des Forstamtes Viernheim; Walter Ruppert aus Maulbach zum Förster der Försterei Felsberg des Forstamtes Iugen- heim. ** Auszeichnung verdienter Sänger. Der Hessische Sängerbund ehrte in diesen Togen wieder eine Reihe verdienter Mitglieder mit Auszeichnungen. Die Silberne Ehrennadel für »e aktive Sangestätigkeit erhielt u. a. Wil- r o ß h a u s vom Gesangverein „Eintracht", Leihgestern. Mit der Ehrennadel „Für Verdien st" (für 25jährige Vorstandstätigkeit) wurden Adolf Bender vom Gesangverein „Eintracht", Butzbach, und Philipp H a r b u s ch vom Turn- und Gesangverein, Lollar, bedacht. Zum Ehrenchor- m e i st e r des Hessischen Sängerbundes unter gleichzeitiger Verleihung der Ehrennadel „Ehrenchormeister" wurde Lehrer G ö r g („Concordia") in Stangenrod ernannt. — Der Ehrenchormeister des Hessischen Sängerbundes, Wilhelm Bechtols - Heimer, kann am 15. November als Chorleiter des Gesangvereins „Frohsinn" in Bad-Nauheim sein 40. Dirigentenjubiläum begehen. " Das „Stadtcafe". Gestern nachmittag wurde das umgestaltete bisherige „Caf6 Astoria" in der Plockstrahe unter dem Hamen „Stadtcafe" eröffnet. Der umgestaltete Hauptraum, einfach und klar in seiner Form, in kräftigem Rot und mattem Gelb gehalten, macht einen gediegenen Eindruck. Einfache, aber geschmackvolle Beleuchtungskörper verstärken die heimelige Rote dieses Raumes. Eine wesentliche Umgestaltung hat auch der bisherige lange Bufettraum erhalten. Er ist zu einem selbständigen, vom Hauptraum durch eine Türe zu trennenden Zimmer gestaltet worden. In seinen lichtblauen Tönen wirkt er nicht weniger angenehm als der Hauptraum. Im ersten Stock hat man den großen Raum so aufgeteilt, daß durch Türen drei verschiedene Zimmer geschaffen wurden, die allen Erfordernissen entsprechend Verwendung finden lönnen. Die einzelnen Raumteile können von dem Lichthof, der' dem Kaffeehaus eine charakteristische Rote gibt, durch Schiebefenster getrennt werden, so daß die einzelnen Zimmer in sich geschlossene Räume bilden. Auch hier ist man in der Farbe und in den dekorativen Formen sorgfältig zu Werke gegangen. Tische und Stühle fügen sich dem Ganzen allenthalben harmonisch ein. Portieren und Vorhänge in schlichten Formen und korrespondierenden Farben verstärken den kultivierten Eindruck. Bei der Umgestaltung des Familienrats wurden — das verdient besonders erwähnt zu werden — durchweg Gießener Handwerker beschäftigt. Lediglich einige technische und maschinelle Einrichtungen der neuzeitlichen Küche wurden von Spezialfirmen bezogen. Die Handwerksmeister haben sich mit großem Geschick ihrer Aufgaben entledigt. Die Leitung der Umbauarbeiten lag in den Händen des Architekten Ernst Thomö, für die Innenausstattung zeichnet die Gattin des Architekten, Frau Else T h o m 6, verantwortlich. Inhaber des „Stadtcafes" ist Herr Iosef W. D o e r r c r; der Hauseigentümer, Herr Kaufmann Bach, der Inhaber des Kunstgewerbehauses Bach hat die Reugestaltung des Kaffeehauses in tatkräftiger Weise unterstützt. “ Deutsch nationale Volkspart e i. Wie uns berichtet wird, sprach »dieser Tage in einer sehr gut besuchten Mitgliederversammlung der Landesgeschäftsführer der Partei, Herr v. Schilling- Darmstadt. Der Redner wies in feinen einleitenden Worten zunächst auf den Stettiner Parteitag, der in so glänzender Weise die Geschlossenheit und den Ausstieg der Partei gezeigt habe, hin, um sich sodann mit dem Parteiführer Hugenberg des näheren zu befassen. An Hand von früheren und jetzigen Reden und Schriften Hugenbergs konnte der Vortragende mit Recht davon sprechen, daß in ihm einer der ganz seltenen Führer vorhanden sei, die wegen ihrer Fähigkeiten und ihres politischen Charakters berufen seien, bei der Gestaltung unserer Geschichte künftig eine große Rolle zu spielen. Der Redner behandelte sodann die hessischen Verhältnisse mit Rücksicht auf die bevorstehenden Landtagswahlen, die eine Rechtsregierung bringen müßten. Die Ausführungen 'des Herrn v. Schilling ernteten lebhaften Beifall; nach kurzer Aussprache schloß der stellvertretende Parteivorsitzende, Herr Oberpostinspektor Lukas, die gut verlaufene Versammlung. ** EinrabiaterBettler. Der Polizeibericht meldet: Am 3. Oktober, um die Mittagszeit, kam der 24jährige Fuhrmann Albert G a t h aus Wetzlar in der Westanlage in die Wohnung eines 70 Jahre alten Mannes, der allein zu Hause war, und hielt um Mittagessen an. Als der Angesprochene, der selbst in dürftigen Verhältnissen lebt, dem Bettler erklärte, daß er für sich nichts habe, faßte ihn der Bettler mit der einen Hand an die Brust und schlug ihm mit der anderen Hand, in der er einen festen Gegenstand, vermutlich ein geschlossenes Taschenmesser, hatte, mehrmals auf den Kopf und in das Gesicht, so daß der alte Mann blutüberströmt zusammenbrach. Nach dieser Tat verließ der Rohling die Wohnung des Mannes und ging, als sei nichts vorgefallen, nach der Frankfurter Straße, der Wiefeckbrücke zu. Ein Nachbar des verletzten Mannes, der auf die Hilferufe den Bettler aus dem Haufe kommen sah, verfolgte diesen unauffällig. An der Wiefeckbrücke kamen zufällig zwei Polizeibeamte, die von dem Verfolger auf den Rohling, der inzwischen in die Alicen- straße, nach dem Essiggäßchen zu, eingebogen war, aufmerksam gemacht wurden. Die beiden Beamten nahmen die Verfolgung auf und stellten den Täter am Essiggäßchen. Er leistete den Beamten heftigsten Widerstand, so daß seine Inhaftierung mittels Kraftwagens notwendig wurde. Goth wurde am folgenden Tage dem Amtsgericht zugeführt und kam in Untersuchungshaft. * Dieb staple. Der Polizeibericht meldet: In letzter Zeit wurden in unserer Stadt mehrere Stallhasen entwendet, darunter mehrere sehr wertvolle Zuchttiere. — Auf einem Am Kugelberg gelegenen Gartengrundstück wurden fünf Tischmesser mit Nickelgriff gefunden, die vermutlich aus einem Diebstahl herrühren. Auf der Messerklinge steht die Firmenbezeichnung Edgar Borrmann, Gießen. Personen, die sachdienliche Angaben machen und Eigentumsanspruch erheben können, werden gebeten, der Kriminalabteilung, Zimmer 24, Rachricht zu geben. Berliner Börse. Berlin, 7. Okt. (WTB. Funkspruch.) Die feste Stimmung an der gestrigen Neuyorker Börse blieb auch auf den heutigen Frühverkehr nicht ohne Einfluß. Man nannte für die Hauptwerte 1 bis 2 o. H. über gestern liegende Kurse, und auf dieser Basis dürfte schon einiges gehandelt worden sein. Die Nachrichten über die Hoover-Konferenz im Weißen Hause sind zwar im Resultat etwas enttäuschend, dies hängt aber wohl in der Hauptsache damit zusammen, daß man mit den Verhandlungen bis zur Ankunft Lavals in Amerika warten will. Am Devisenmarkt waren Kurse noch nicht zu hören. Gurgeln Sie mal im Konzert! ???—natürlich trocken mit das ist angenehmer und geht überall! RM.1.— und —.50 KlEIHtRSHEU-fW^ Verlassen Sie sich auf den SHELL-FÜHRER; er gibt Ihnen fachmännische Auskunft, für die Oelauswahl und die sachgemäße Pflege Ihres Fahrzeuges Der SHELL-FÜHRER ist auf Anforderung m Broschürenform kostenlos erhältlich und. hängt als Wandtafel in allen Fachgeschäften. SHELL > JTOOELEy & ekleidet-von allen beneidet Von 6527 A Statt Karten! 6480D Druckschrift. Uiphe, 6. Oktober 1931 6688 D Heuchelhelmer Mllhlchen, 6. Oktober 1931 6684 D Gießen (Frankfurter Str. 20), den 6. Oktober 1931. 679 D [6069D Hamborg, Esplanade 6. Anfang 8 Uhr Eintritt 75 Pf. Klein-Linden, den 5. öktober 1931. 6667 t 910 05806] Dir. io.- 6691 A Lichtspielhaus-Gießen nachmittags und abends nach 6 Uhr. 05794 Ab morgen Donnerstag bis Samstag Motto: Stehe euf und windle. Schmerlen so Lange 7 statt sieb I Flasche Im Walzeroaradies 4668 V (An der schönen blauen Donau) Ordentl. Junge als Denken Sie an Stoffe/ denken Sie an L Bernard 4 Schellt. 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August 1931. I. A. des Hessischen Amtsgerichts Gießen: Leo, Ortsgerichtsvorsteher. Tanzend und singend gleitet ein Werk voller Beschwinglichkelt an uns vorüber mit: Charlotte Susa - Grete Theimer — Jose Wedorn — Ernst Verebes - Betty Bird - Szöke Szakall - Paul Hörbiger - Adele Sandrock $ür die uns anläßlich unserer Vermählung erwiesenen zahlreichen Aufmerksamkeiten danken wir herzlichst Ludwig Firnhaber und Frau Martha, geb.Höxtermann Auskünfte inRechts-, Straf-.Jamtl.-Aune» lenenbeiten, Gesuche. Verträge, Beobachtungen, Ueberwachg. und Ermittlungen vreiSw , streng biotr. u. an all. Orten ert. u. erledigt Detektiv- Bur eau-u. Auskunftei Inh.K.Gerz,Bad-Nauheim. Kurstr. 17. Wir suchen in bester Lage von Gießen ein mindestens 300 qm großes Ladenlokal mit breiter Straßenfront. Schriftliche Angebote unt. 6682V an den Gießener Anzeiger erbeten. wer PliiiHB Private höh. Lehranstalt SextabisOberprima einschließlich Sorgfalt. Ueberwachung d. Arbeitsstunden. Umschulung ohne Zeitverlust. 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Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, heute morgen um 2® « Uhr meine innigstgeliebte Frau, unsere herzensgute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Fran Margarethe Stock, geb. Wenzel nach langem, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden im Alter von 67Jahren zu sich in die Ewigkeit zu rufen. In tiefer Trauer: Johann Stock. Znglfihrer LR., nebst Kindern und Angehörigen. Gießen, Worms, Frankfurt a.M„ Bodenheim a.Rh., den 6. Oktober 1931. Die Beerdigung findet am Freitag, dem 9. Oktober, nachm. um 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. _______________________________6685' Das Erleb» Ulan sagt, in Äm< in einet Huldigung | mir die Höhepunkt« überdenk, lomme So ost aus der betoe W find erscheint, höre schiedenheit bei der ► (unb jede Frau) i voreingenommen. Wobei die Zufc feine Arife fpielt: versagt nicht im toc| c- nicht auf den Doch -- ter Woche im Wii [ toirb. auch nicht auf I. lu alle ihr Iordlino Man besinnt sich । G allgemeinen, ich als.Ursache bi HUM von Geschäftsmann geg zeiigem. Binsen u. la Sicherheit ges. Sckriftl. Angeb. nnt. 05797 a. d. Giest.Anz. Vereine schnitt 1.20 Bk. FlaBhechte 1.20 Bk. Lebende Karpfen Plnnd nnr 1.20 Bk. Bresem, falls s^ang. wenD Plnnd 60 PI. empsteblt nur beste Qualität 1HU BlnsbnrglB.Tel.3612 Volkshalle Giefoen Sonntag, den 11. Oktober 1931.- Grobes Militärkonzerl ausgefübrt von dem gesamten Musikkorps des 1. (Hess ) Grenadier-Bataillons Inf.-Regts Nr. 15 Leitung: Obermusikmeister Ernst Krauhe -^'"noch wohn Einmal bo" .id) £c |ricdcnld)cn epu -2'crgkuvks Trenler I Tale gefahren ist, I' I erfährt, dah am solg I f.irgcnommcn Werder I Pilsen um die Pläne I reichliche Kompanie < I brn daiür eingeseht,^ L uten vom sicheren; Zii ganze Film ij L Nt eilktdings auch : net schon bekannten ! H tet. Lchirach dagegei H die in dieser heroische honblur.g, kaum der i Inhalt ihrer Holle ; rerbient auch hier ti I QHlgeiet. Verkäufe Leichte Fuchsstut? (8inbi.) sowie neuer (5insvännerÄastcu- wagcn zu verk. 05:93 Näh. t. d. GefchäftS- stelle des Gieß. Anz. Gebrauchtes Motorrad gut erb. bitt, zu verk. Alten - Buneck Sriedhossfr. 22. 6681 D Sonntag, 11. Oktober, ch'odheiin-Dicke Eicke Naunheim —Niedergirmes—Wetzlar. 4' rSld.Abf..^.20Uhr Bicberialbahn. Roilfchuh Bahn ist Mittwoch, 14. 10, wieder geöfsn. 05804 Frisch von der See: Mittelkabeljau o. .. Pfund 35 4 im ganzen Fisch im Ausschnitt.....Pfund 38 Rotbarschnlct.......Pfund 52^ Frische Bückinge......Pfund 35 Schade&Füllgrabe Filialen in allen Stadtteilen. ' 6697 c Wissenschaftliche Werke Sondergebiet der Brühl'achen Druckerei | Vermietungen 5-Jimmer- Wohnung geg. Berechtigungsschein zu vermieten. wwD Kcvlerstr. 11. Schüler von auswärts, der die höh. Schule besuchen soll, findet liebevolle Aufnahme m. voll. 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Oktober 193J Giehener Anzeiger (Äeneral-Anzeiger für Oberhessen) Lr. 254 Zweites Blatt Aus der Welt des Films egarb, Hiv Zn Vorbereitung: ein U!m um Vorck 6691 A s* Gießens ert und dunstig. 05 ernd Patachon Deutsch d Tulpen i /jollmdijdjen r evJtAlalfigm, tyÜ preiswert US r{a/jn 10oliengaJ/e freistifte mit ju fyenften! sucht nach der eigenen Kinderzeit, die Sehnsucht auch, mit und an dem Kind die Zeit der iln- besangenheit, des Beglücktseins ohne Tendenz noch einmal zu erleben. Man nimmt dieses öffentlich auf der Leinwand sichtbare Kind als persönliches Erlebnis, und aus der Legion jener Einzeleindrücke wird die Idee, der Begriff. Solche Wirkung hat sich durch den Tonfilm noch vertieft. Schon zur Zeit der stummen Kinematographie unterlag das „nur schöne" Kind in seiner Wirkung dem lebhaften, ausdrucksstarken. Bun, seit wir das Jauchzen und das Weinen, das selige, beseligende Geplapper höryn können, ja sogar die Atemzüge eines schlafenden Menschenkindes vernehmen, seit Gesicht und Gehör zusammengekoppelt geniesten, wird auch vom Filmkind mehr verlangt als nur ein schönes Gesicht. Aber um Gottes willen keine Dressur! Denn der andere Grund jener allgemeinen Beglückung des Filmpublikums scheint mir in der Natürlichkeit der kindlichen Daseinsäusterung zu liegen. Man wird gerade mir verzeihen, wenn ich auf die stärkste Konkurrenz Hinweise, die das Kind in seiner Filmwirkung hat — auf das Tier. Da wie dort bezwingt die Anmut, das Gelöste Charlie ein so reicher Mann geworden ist, dast er gleich zwei Pelze übereinander tragen darf, da er so fein geworden ist, dast er nur noch teure Importen raucht und dabei doch nicht von dem altgewohnten Griff nach dem Zigarrenstummel auf der Erde lassen kann, da er so angesehen ist, dast er im vornehmen Schiffssalon sich auf verwegene Art kratzen kann — wer wird das dem märchenhaft wohlhabenden Mann verübeln! — ilnb dast er dazu noch die Frau bekommt, die er haben wollte — wie wenigen unter uns passiert so etwas! Bergnügt pfeifend würde ich die Kopie wieder in den Schrank legen — auf Wiedersehen, wenn einmal Pessimismus und schlechte Laune die Oberhand gewinnen sollten. Ja, und ausgerechnet in diesem Moment lese ich, dast die letzte Kopie des herrlichen Goldrauschfilms Deutschland soeben verlassen hat — wo kriege ich nun meinen.Sorgenbrecher her, wenn ich über Nacht zu Gelbe kommen sollte? jeder Bewegung, die Naturnähe, die uns Erwachsenen verlorengegangen ist. Ich muh bei dieser Gelegenheit an Jackie C o o g a n erinnern, der in seinen ersten Filmen die Menschen der ganzen Welt erschütterte, weil sein Spiel uns nicht als Spiel erschien, sondern als gelebtes Leben. Ich kam im Sommer einmal zu einer Filmaufnahme, und weil mir der Negisseur freundlich gesonnen war, durfte ich einem spontanen Einfall nachgeben. Unter den Zuschauern dieser Freilichtaufnahme befand sich ein zweijähriger Flachskopf, dessen Mutter meine Anregung sofort begriff. In fünf Sekunden war dem Buben das Spielhöschen ausgezogen, und schon fast er in seiner rosigen Nacktheit mitten im Aufnahmefeld, krähte der Mutter zu, patschte sich selber auf den Leib, zupfte Blumen aus dem Gras, und als er mit seinen Zehen spielen wollte, purzelte der neuentdeckte Star um, verzog sein Schnäuzchen und brüllte aus Aerger oder Schreck. Diese kurze Szene begeisterte inzwischen abertausend Menschen, und ich habe seitdem meine eigenen Gedanken über eine der stärksten Zukunftsmöglichkeiten des Tonfilms. Kontrast: in einem Tonfilmatelier beginnen nun die ersten Aufnahmen. Die Bision wird Wahrheit. In einem Schlost gibt Macdonald ein glänzendes Fest, während die napoleonische Armee sich schon ieling ung Stribling n die »rschaft Oer erste Tonfilm In Neubabelsberg ist der Borck-Filrn begonnen worden, der erste, in dem einer unserer gröstten Charakterspieler sprechen wird: dieser Schauspieler, der unter vielen, die sich prominent nennen, der Prominente ist; der in der Menge nicht auffällt, den kaum jemand kennt; der in jeder Rolle eine andere Gestalt annimmt, und ein unbegrenztes Rollenfach beherrscht, vom träumerischen Peer Gynt zum weinseligen Falstaff, vom Hauptmann von Köpenick bis zum Juden Shykock — Werner Kraust. *in »Mar« Tonfilm-Prüfung. Beim stummen Film war die Feststellung für die Eignung zur Filmlaufbahn nicht allzu schwer. Nach der gehörigen Zurechtmachung des Prüflings wurden Aufnahmen in den verschiedensten Stellungen gemacht, und danach bildete man sich ein Urteil. Die Prüfung für den Tonfilm erfordert viel gröstere Sorgfalt und führt zu viel gröberen Ueberraschungen und Enttäuschungen, wie Dr. E. Hahn in „Reclams Universum" ausführt. Die photographische Eignung, über die der früher allmächtige Operateur bestimmte, steht heute erst in zweiter Linie. Der wichtigste Mann ist der Tonmeister, denn die Hauptsache ist die Stimme und die Aussprache. Noch bevor der Neuling überhaupt geprüft wird, schickt man ihn erst einmal in den Borführungsraum, damit er sich durch das Telephon anmeldet. Wenn seine Stimme telephonisch klar und deutlich klingt, dann ist das immerhin schon eine Grundlage. Wer am Telephon schwer verständlich ist, mit dem braucht man erst keine weiteren Proben vorzunehmen. Dann wird der Novize vor dem vielleicht erst nach langer Wartezeit freigewordenen Mikrophon vom „Tonmeister" abgehört, und erst wenn sich keine deutlichen Sprachfehler Herausstellen, dann erfolgt die Probeaufnahme in Ton und Bild, die die eigentliche Grundlage für das Urteil liefert Wie manche bekannte Schauspie- Oas Erlebnis „Kmd" im Film. I Von Paul Eipper Man sagt, in Amerika gipfle jede Daseinsform in einer Huldigung für das Kind. Wenn ich mir die Höhepunkte der filmischen Wirkungen iberbente, komme ich zum gleichen Ergebnis. 6o oft auf der bewegten Leinwand ein Menschen- linb erscheint, hören Kritik und Meinungsver- shiedenheit bei den Zuschauern auf, jedermann § |u.nö jede Frau) ist entzückt, im guten Sinne roteingenommen. Wobei die Zusammensetzung des Publikums leine Rolle spielt: die Wirkung „des Kindes" retsagt nicht im westlichen Luxuskino von Berlin, nicht auf den Dörfern Hollands, wo einmal in der Woche im Wirthaussaal ein Film gezeigt ItDirb, auch nicht auf den großen Dampfern, die ja alle ihr Bordkino haben. Man besinnt sich wohl auf die Gründe dieser ganz allgemeinen, nie versagenden Wirkung. Und k |p-urt als Ursache die Sehnsucht auf, die Sehn- auenDonau) über Theodor Loos, Friedrich K a ft fi I e r , ®öu» ard von Winter st ein bis zu Grete Mosheim, Bvrcks Tochter, der einzigen weiblichen Rolle des Spiels. An dem oberen Rande findet man die einzelnen Arbeitstage mit den Szenenangaben: Schloft — Königsberg — Borcks Zrmmer usw. Dann zeigen Kreuze an, an welchen Tagen und in welchen Szenen die Schauspieler zu tun haben. Eine nüchterne Ausstellung. Nüchtern wie das Regiebuch Ucickhs. Aber wo sind dabei die Grenzen? Wer will sagen, wo da die „Intuition^ aufhört und die eigentliche routinierte .Arbeit" beginnt? O. „Orachengold und Opium." Ein Expcditionsfilm Berlin, im Oktober. Biele tausend Kilometer gegen Sonnenaufgang, im Osten und Nordosten Asiens blitzen Gewehr- salven auf, und sogar das vielbeschäftigte Europa merkt auf und verweilt einen Augenblick in diesem fernöstlichen Land. Japan, das westlichste Bolk des Ostens, will seine Grenzen überfluten. Der Konflikt ist ernster, als Europa denkt, denn hier, wo die Schüsse knallen, stoften drei Bölker und Reiche zusammen, die sich alle drei ausbreiten wollen. Japan, China und Rußland, ilnb alle drei ergießen ihre Menschenmassen in ein Land, das bisher selten eines Europäers Fuß betreten hat: die Mandschurei. Mit diesem Ringen um den mandschurischen Boden ist das weltentrückte Land in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Und mit dem Land zugleich ein Film, der von der Forschungsexpedition des Asienforschecs Walther S t ö tz n e r und seines Begleiters, des Berliner Journalisten Frithjof Melzer, ausgenommen ist und ein überaus fesselndes Bild von diesem Zankapfel Asiens entwirft. Stöhner und Melzer kamen auf ihrer Expedition in dem Land des nördlichen Amur- bogens auf einen Boden, den ein Abendländer vor ihnen noch nie betreten hat, von dem es bisher noch keine exakten Landkarten gegeben hat und dessen aussterbendes Bolk, die Solonen (die nicht der gelben Rasse angehören), der Wissenschaft noch ganz unbekannt war. Der Film, der gegenwärtig im Berliner Planetarium läuft, ist unter ungeheuren Schwierigkeiten aufgenommen, und manchmal merkt man, daß der Filmstreifen öfters ein unfreiwilliges Bad in den Fluten des Flusses des Großen Schwarzen Drachen, des Amur, genommen hat, als die Expedition den zweitgrößten Fluß der Erde überqueren mußte. Zwar hat schon vor geraumer Zeit Melzers Buch „Malaria. Gold und Opium" einen Bericht über die Expedition gegeben, der sich eher wie ein fesselnder Roman lieft, in dem die Helden Bölker, in dem die Geschehnisse Wahrheit sind. Der Film aber, der jetzt am Anfang feiner Reise durch Deutschland in Berlin sein Debüt absolviert, bringt darüber hinaus eine so erhebliche Fülle von Einzelheiten in lebendigster Form, daß der Film, obwohl er ein wissenschaftlicher Film ist, seinen Weg schon machen wird. Es war höchste Zeit, daß der Film gedreht wurde, denn, wer weih, ob noch ein Europäer das zu sehen bekommt, was der Bildstreifen hier eingefangen hat. Die Solonen, die sich einen seltsamen, altüberkommenen Götterkult erhalten haben und ihre eigenartigen Schamanentänze zu Ehren ihrer Götter heute noch tanzen, sind ein sterbendes Bolk. Der Chinese dringt immer weiter ins Land ein, mit friedlicher Miene schiebt er sich als Ackerbauer immer tiefer in die Gründe der Rehhaut-Barbaren, wie die Solonen auch genannt werden, und wie bald wird der Solone in der Jllusionslosigkeit und greisenhaften Kultur des Chinesen aufgegangen fein. Wie ein Symbol wirkt es daher, wenn am Schluß des Bildstreifens ein chinesischer Bauer Stück um Stück, Scholle um Scholle den Boden mit Werner Krauß. auf dem russischen Rüdzug befindet: Hunderte von französischen Offizieren sind mit ihren Damen zur großen Ouadrille versammelt, aus den Kronleuchtern fällt der Schein zahlloser Kerzen in den weißen Saal, die bunten Uniformen blitzen, die Seide der Gewänder leuchtet, die Figuren des Tanzes knüpfen und lösen sich, — heiterstes Bild. Der Kameramann Carl Hoffmann erzählt zwischendurch einiges von dem Wandel und der Mode der Filmdekorationen (die natürlich wieder mit den Dildrnöglichkeiten der Kamera zusammenhängen). Früher pflegte man die Wände der Kulissen farbig zu behandeln, oder man erfreute sich am Gegensatz heller Wände und dunkler Stabfuft- böben — heute wirb ber gesamte Ausbau in einem lichten Weiß-Grau gehalten, auch bie Böben werben mit weißem Stofs bespannt, auf ben bie Qua- bern ber Säle und Fliesen ber Treppen gemalt werden. Der Stoffbelag des Fußbodens dämpft die Schritte, und die weißen Mauern und Säulen reflektieren das Licht der blenoenben Scheinwerfer intensiver unb gleichmäßiger, ber ganze Raum erfüllt sich mit strahlender Helligkeit, bie Dilber erhalten einen silbernen Glanz. iamstag „rk Fr. Zelnlki: trel««'”16 .... i.-Ope'"116 II Währenb ber Regisseur Gustav Ucickh auf einem Pobest steht unb burch ein Sprachrohr bie tanzenben Quabrillenpaare leitet — eine mühselige, oft vergebliche Arbeit, bie burch Stunden wiederholt wirb — kann man einmal einen Blick in fein Regiebuch tun. Heber bas Schreib- maschinenmanuskript, bas einen stattlichen Bank» ausmacht, finb Zettel mit rätselhaften Zeichnungen geheftet. Farbige Punkte bebeuten die han- betnben Personen, kleine Pfeile zeigen bie einzelnen „Gänge" unb Beränberungen in ihrer Haltung an, hier ist sozusagen jeher Schritt burchbacht unb festgelegt. Pebanterie? Keineswegs. Die monatelange Arbeit an einem Film wäre nicht möglich, wenn man nicht zuvor bas Pensum jebes Tages bestimmen wollte, bas Pensum, bas unter allen Hmftänben bewältigt werden muß, denn wer kann sich heute den Aufwand leisten, Hunberte von Statisten vergeblich zu bestellen? Daher auch die minutiöse Durcharbeitung der einzelnen Austritte. Der Regisseur muß wissen, was er will, er darf nicht herumprobieren, er muß regiemäfjige Präzisionsarbeit leisten. Zeit ist Geld. Eine große Tabelle, nichts weiter: links stehen die Namen der Darsteller, von Werner Krauß . p.ui ele Sat'dr°ck HU»*1* lerin der Bühne hat sich schon bei einem solchen Examen als Niete erwiesen. Denn es genügt bereits, daß das „R" im Mikrophon nicht richtig kommt, um den Durchfall zu entscheiden. Der gefährlichste von allen Lauten ist der „S"» Laut. an dem Hunderte von Darstellern, besonders Frauen, scheitern. Denn selbst bei denen, die im Leben ein tadelloses S sprechen, kommt es vor. daß sie im Mikrophon plötzlich lispeln. Durch diese Umwertung aller früheren Werte, die berühmte Stars ins Dunkel der Bergefsen- heit schleuderte und ganz unbekannte Künstler und Künstlerinnen heraufkommen lieft, sind die Krisenerscheinungen hervorgerufen, die sich im Glashaus in der letzten Zeit so deutlich bemerkbar machten. Der Beruf des Tonfilmschauspielers ist überaus anstrengend und erfordert weit mehr Sammlung und Geisteskraft als beim stummen Film. Jetzt heißt es, Dollen lernen, genau so wie beim Theater; der Tonfilmstar darf nicht viel rauchen und nicht viel trinken. Er muß stets auf seine Stimme achten wie eine Primadonna. Dabei ist Sprachenkenntnis von höchstem Wert, denn wer in der Lage ist, nicht nur im deutschen Film, sondern auch in der französischen oder englischen Fassung zu spielen, wird natürlich dem nur deutschsprachigen Kollegen über sein. Der klingende Lohn ist zwar anständig, aber, wenigstens unter deutschen Derhältnissen, durchaus nicht so phantastisch wie man annimmt. Mit Ausnahme der „Amerikaner", die wie Lannings oder Marlene Dietrich auch amerikanische Preise erzielen, gibt es noch nicht ein Dutzend Tonfilmstars. die eine Tagesgage von 1000 Mark und mehr erhalten; alle andern müssen sich mit ein paar hundert Mark für den Tag „begnügen“. Bei den Aufnahmen muß die größte Stille bewahrt werden. Selbst wenn draußen eine Straßenbahn fährt oder ein Lastwagen auf einer entfernten Brücke vorüberrollt, muß man warten, bis diese Nebengeräusche verschwunden sind. Der Tonfilm hat seine besonderen Tücken. Ein überflüssiger Seufzer kann wie ein kleiner Kanonenschuß wirken und ein Kuß wie eine Explosion. Infolge dieser Umformung der natürlichen Geräusche bedient man sich sehr häufig künstlicher, denn der kleine Zimmerventilator ruft einen viel echteren Eindruck eines heransaufenden Flug- I zeugs hervor als der wirkliche Propeller, und kein Hahn kräht so „naturgetreu" im Film wie der Tierstimmenimitator. fb. gleM ein ""älichkelt «n Im Frühling haben die ersten Borbereitungen zu diesem Film begonnen, im Herbst fängt man an, ih i zu drehen, gegen Weihnachten wird er er- Kleinen. Was geschieht in all dieser Zeit? Die ersten, die sich mit dem Filmbuch praktisch beschäftigen, dürften die Architekten Herlth und Röhrig gewesen sein, die sich nach dieser Lektüre mit Empirekostümen, zeitgenössischer Architektur, ostpreußischer Landschaft und östlichen Bauten befaßten — in ihrem Atelier findet man Bücher über „Das schöne Ostpreußen", Trachtenbilder, Fachliteratur über die Zeit, Photos aus Schlössern, von Sälen, Treppenaufgängen und Hal en. Aus dem Drehbuch und diesen historischen Gruben ergeben sich einzelne B.sionen: eine Winterlandschaft, das Zimmer Borcks, düster unb nichtig, von einer einzelnen Kerze beleuchtet, t^ord tritt vor ben franz fischen General Macdonalb ... alle biefe Impressionen werben in Bleisti,tzeichnungen fest- gehalten, von benen jebe emze ne ein ausgezeichnetes Stück Graphik barstellt, es entstehen richtige „Bühnenbilder", Figur nen, R e schengruppierun- gen in Schwarz-WeH, unb auf allen taucht ber bleiche Kopf von Werter Krauß geisterhaft aus bunkeln Flächen. Ein koloriertes Plaste inmobell: Vorcks Zeltlager. Weiße spärliche Lanbschast um einen vereisten See, Zelte, ein Bauernhaus, bürf- tiges, winlerstarres Gestrüpp, zerfah.ene Wege: diese kleine Landschaft wirb hernach in einem Ate-. Her riesengroß au'gebaut, b. h nter ein halbkreisförmiger Prospekt wie ber Rundhorizont einer Bühne mit Aussicht auf kahles winterliches Gelände, über dem eine tiefe Sonne hängt, verschlei- „Berge in Flammen." Gebirgtzkrieg im Tonfilm Berlin, im Oktober. Wenn Luis T r e n k e r auf bie Leinwand» prunt, weiß man, es gibt Berge, Schnee, rol- mbe Lawinen, Skiläufer unb Fackelrnärsche burch lie schweigenbe Nacht. Diesmal hat Trenker von ktt üblichen kitschigen Liebesgeschichte Abstanb ge- iMimen unb sich ein Manuskript hervorgeholt, >a_z auf eine Epifobe im alten Kriege ber Oester» cücher mit ben Italienern zurückzuführen ist. iaenker war selbst auf feiten ber Oesterreicher m ber Front, hat bie Kämpfe um ben Col di Lana nuterlebt, machte Schneeschuhpatrouillen unb Durbe auch verwunbet. Jetzt erinnert er sich an 'ic Geschichte, bie sich bamals ereignet hat: Oben lief ber Spitze bes Coi di Lana lagen bie Oester» eichet, unten im Tal, in bem bas Dörfchen liegt, ampierten bie Italiener. Unb einer ber öfter» eichischen Mitkämpfer war in biefem Dörfchen be- »cimatet: noch wohnte feine Frau hort. Zwei ctunben nur, unb er hätte bei ihr fein können. Einmal hatte er biefe Talfahrt benn boch getagt, als er sich Lebensmittel aufgespart hatte und sie seiner Frau bringen wollte. Trenker Der» riefelt diese romantische Handlung mit einer recht röegerischen Episode. Die Italiener können die k-rgkuppe nicht erobern, und daher bohren sie .■timen Stollen in ben Berg, bamit sie bie öfter» :cichische Besatzung auf ber Kuppe in bie Luft 'piengen können. Hier seht bie eigentliche Hanblung bes Films (in Durch bas unaufhörliche Donnern ber Gra» mten Hingt schrillend) bas Geräusch ber Bohrmaschinen, bie von ben Italienern, angesetzt wor- ben sind). Die Oefterreicher wissen, baß sie jebe Stunbe in bie Luft fliegen können, aber sie müssen bie Stellung halten. Wann bie Explosion erfolgen wirb, bas möchte ber Kompanieführer gern genau wissen. Unb haftet kommt es ihm beinahe " gelegen, als er davon erfährt, daß fein Berg- 'ührer, Luis Trenker, in einer dunklen Nacht zu >- ?ale gefahren ist, seine Frau besucht und hort erfährt, haft am folgenben Abenb bie Sprengung • vorgenommen werben soll. Durch bies rechtzeitige ß Dissen um bie Pläne ber Italiener wirb bie österreichische Kompanie gerettet, Trenker hat sein Leben bafür eingesetzt, bah ein paar hunbert Kame- ia.ben Dom sicheren Tobe Derschont bleiben. Der ganze Film ist auf Luis Trenker gestellt, fer allerbings auch hier wieher im Rahmen feiner schon bekannten Leistungen Erstaunliches bie» lel. Schwach bagegen muß Lissy Arna wirken, ß bi< in biefer heroischen Lanbschaft, in ber Kriegs» banblung, kaum den rechten Ausbruck für ben D Inhalt ihrer Rolle finbet. Sein besonberes Lob rerbient auch hier wieher ber Kameramann Sepp 21 (t g e i e r. A- le Giefeen «1931; irtiomert isamlra Musikkorps des »taillons InL-Regts Nr. 15 dst« Ernst Krank Eintritt 75 Pt Alienhandlung von Emst lang. Unb ba ist hinter ihm ein Bär, bem ganz gewiß ein guter Happen in biefer Stunde | willkommen ist. Aber gerabe in bem Augenblick, ba Charlie sich umbreftt, ist bas Ungeheuer Der» schwunben, unb wenn ich baß gesehen habe, kann ich mich wieher an bem kitschigen Bild) von bem Kinh am Abhang mit bem Schutzengel hinter ihm erfreuen. Früher hing es beinahe in jeher Stube — heute — also sprechen wtr in meinem Filmmuseum nicht Don Politik. Wenn aber Charlie in ber Der schneiten Hütte 5jungerqua!en erleibet unb baher ben Lichtstumpf aus ber Lampe ißt, wenn er nach bem Salzfaß greift unb mit einer Prise bas Talglicht schmackhaft macht, bann werbe ich wieher froh. Unb wenn er ben Bären geschossen hat unb alsogleich, ehe noch bie Beute eingeholt, ausgenommen unb zubereitet ist, ben Tisch beckt, bie Messer schleift — ja, wo gibt es benn noch Trübsal in ber Welt? Laut lache ich in ben leeren Saal hinein — ist hoch eine Dergnügte Welt, — in ber man aus so tolle Einfälle kommt. . Dann aber freue ich mich schon lange im Boraus auf ben Höhepunkt bes Films, auf ben oft gerühmten Brötchentanz, ben Charlie seinem erträumten Besuch Dorfüftrt. Kann man bas rasende Band nicht stoppen, auf daß er diese herrlichste aller Filmerfindungen nicht gleich und auf der Stelle noch einmal exekutiere? Nein, es geht nicht. — der Film muß erst zu Ende laufen, aber dann werde ich gleich noch einmal anfangen, 500 — 1000 — 1500 — 1700 Meter, da geht dieser eigenartigste aller Tänze wieder vor sich mit den beiden Brötchen, die von Den Gabeln in ben Hänben Charlies geführt unb bewegt werben. Böllig ausgesöhnt mit allen Tücken, bie bas Schicksal unb bie Erkenntnis in baß eigene Unvermögen mir auferlegt hat, gehe ich nun mutig an bie letzten Szenen bes Films, an bie furchtbare Sache mit bem Hause, bas zur Hälfte über bem Qlbgrunb steht. Das auf beängftigenbe unb an» greifenbe Art überkippt unb burch ein paar Schritte bes Golbgräbers Charlie wieher ins Gleichgewicht kommt — biefe Szene voll grausamster unb zugleich ulkigster Tragikomik. K.entopp, nichts als Kientopp! rufe ich mir ermutigen!) zu, aber bei jebern neuen Schwanken bes gebrechlichen Holzhauses zittere ich hoch für ben armen Kerl, ber ba in Tohesängsten schwebt unb sich bie Sache vorerst n'cht erklären kann. Unb wie versöhnlich wirkt der Schluß, da "*"9 «iw« ' ®lr herzlichst ÖÖFtermann «1931 Abschied von einem Film. Von Ernst Wesner. Ach wer doch das könnte! So ein Haus besitzen,'in dem ein großer Saal vorhanden wäre. Unö an der Stirnwand dieses Saales mußte eine Leinwand hängen, und an der entgegengesetzten ZV eite wäre die Borrichtung für ein Kino. £ur d«s Privatkino — nicht zu verwechseln mit dem Hiümkino, denn das ist ja nur eine Spielerei. '5a, und dann wäre in diesem Saal ein feuer» lefter Schrank, und in dem Schrank läge eine Filmrolle neben der andern, und die möchte ich alle einmal wieder ablaufen lassen, ganz nach &uft unb Laune, genau so wie ich mir die Schall- platten vorhole und lostoben lasse. Ist das em verrückter Wunsch? . . „Kommt ganz darauf an! wird jener an- lvruchsvolle Zeitgenosse sagen, der den Film und die Filmkunst Atoar billigt, aber doch mit (ehr vielen Dorbehalten. Kommt darauf an, was tu dir da in den feuersicheren Panzerschrank least Nun der „Schrecken der Garnison" tarne fl (toift nicht mit in die Sammlung; der gehört eten in die Schreckenskammer des Films, die hoffentlich auch noch einmal errichtet wird und im ber ich auch Aufnahmen von bem Publi» fwm sehen möchte, baß hiess einzigartige Geschmacklosigkeit burch eifrigen Besuch anerkannt fat. Unb eine ganze Reihe anberer Fi me biefer ob vergangener Tage bliebe gleichfalls von meiner Sammlung ausgeschlossen. Aber — ich würbe vielleicht aus ber Zeit b:ß stummen Films mir Murnaus Meisterwerk T3or Sonnenaufgang" beschaffen. Unb Jannings Letzten Befehl". Auch ,einen „Blauen Engel - schon ber herrlichen Marlene Dietrich wegen. Unb bann wäre „Golbrausch" babei. „Golb- r-usch" aber - baß ist sicher - „Golbrausch icare baß schönste Stück in biefer Sammlung. Das würbe ich mir ganz allem Vorspielen, so in einer Stunbe ober in einer Situation m öit man mit Gott unb ber Welt zerfallen ifl - „was hast bu eigentlich nur noch hier in ; diesem Jammertal zu suchen? So bebruckt unb mißgestimmt, unheilbar schwermütig feftembar ginge ich an bie Truhe unb holte bie Film» tepie vom „Golbrausch" hervor. Unb sehe halb tbarlie wie er im bünnen Anzug burch bie SHneewüste Alaskas stapft, ben steilen Grat ent- Oie Lag- im Oktober weiter inS Land hinein umgräbt. Ein Bilö- streifen, der Wahrheit bringt, ein Stück echten Lebens, mit Seltsamkeiten und Humor, mit Malaria und mystischen Gesundbetertänzen, mit Opium und Gold, Überschwemmungen und Kulileben (auch Weihe sind dort zu Kulis herabgesunken, meist Russen), mit Götterglauben und trostlosen Goldgräber-Einsamkeiten des Landes, dos die Begriffe Zeit und Weite nicht kennt. F. L. lassen, die in Wirklichkeit, d. h. bei ausreichenden Rücklagen und genügender Berücksichtigung der Wiederoeschaffungskosten nicht bestand. Die Aufnahmefähigkeit für die mit den neuen Maschinen hergestellten Waren wuchs nicht annähernd in dem gleichenMahe wie die technische Leistungsfähigkeit. Auch das Ausland zeigte sich angesichts seiner schutzzöllnerischen Einstellung keineswegs bereit, die erhöhte Produktionskapazität des deutschen Wirtschaftsbereichs durch Aufnahme von Waren zu rechtfertigen. Die Werke waren also nur mit einem Teil ihrer Kapazität ausgenuht, muhten aber das gesamte angelegte Kapital verzinsen und amortisieren. Bei Industriezweigen mit starker Kapitalintensität führte dies zu einer erheblichen Steigerung der Selbstkosten. Unr.ünst ge Rückwirkungen für die Allgemeinheit konnten daher nicht ausbleiben. Eine Produ^tionsdrosselung muhte sich dort um so schärfer auswirken, wo es sich um eine junge, in ständiger technischer Umstellung begriffene Industrie handelte, wo also mit besonders hohen Abschreibungssätzen zu rechnen war. Der Rationalisierungsprozeh wirkte vielfach auch in hohem Mähe einebnend, indem die Gebundenheit gewisser Industrien an Gebiete mit hochqualifizierter Arbeiterschaft und jahrzehntelangen ^Überlieferungen teilweise aufgehoben wurde. Leider gab es auf dem Gebiete der Verteilung keine rationelle Organisation, so dah die Vorteile der Produktionsrationalisierung auf dem Wege zum Verbraucher gröhtenteils wieder versickerten. Zweifellos muh man nun einen Teil der Ar- War die Nationalisierung volkswirtschaftlich notwendig? Von Or. O. Leibrock. rung tatsächlich erreicht wird. Es ist für den Jäger, der sein Revier nur einigermaßen kennt, kein Kunst» stück, den Abschluß vor allem in den Sonnenstunden auf Blößen, im Hochwald oder auch am Feldrand durchzuführen. Zahlreiche Reviere oder Jagdvereinigungen sind ohne staatlichen Zwang schon dazu übergegangen, nur noch den Kugelschuß auf Rehwild anzuwenden. Die auf der Liebigshöhe in Gießen veranstaltete Jagdausstellung hat u. a. auch gezeigt, welche furcht» baren Wirkungen der schlecht sitzende Schrotschuß auf Rehwild haben kann. Alljährlich verludern große Werte, und eine ganze Anzahl von Stücken schleppt si chkrank dahin, um nie mehr völlig zu gesunden oder schließlich dem Winter zum Opfer zu fallen. Wer wirklich Weidmann sein will, verwerfe den rauhen Schuß auf unser liebstes Wild und suche seinen Weidmannsstolz darin, im sicheren, rasch tötenden Schuß das abschußreife Stück zu strecken. Andere Methoden überlasse er ruhig dem Nachbar, der ihm sonst auch kein Vorbild ist. Dringend zu wünschen wäre es auch, wenn alle, die in ihren eigenen Revieren den Schrotschuß auf Rehwild ver» werfen, dies auch in voller Offenheit auf Treibjagden als Gäste tun. Dann wird bald eine Scheidung der Geister zum Wohle unserer Wildbahnen kommen. Vielleicht schließt man sich aber auch in Hessen einmal, anderen Staaten gleich, den Forderungen der weidgerechten Jägerei an. Das' läge auch durchaus im Interesse der Verpächter, deren Jagden dann nicht so ausgeschossen und im Wert herabgemindert werden können, wie man dies im Vorjahr erlebt hat. Die Jagd auf den Hasen hat in Preußen mit bcitslosigkeit auf Konto dieser arbeitstechnischen Strukturveränderungen buchen. Sta- tistische Unterlagen hierüber fehlen allerdings. Fest steht aber, daß die Rationalisierung in früheren Zeiten zunächst ebenfalls zahllose Kräfte frei- gesetzt hat. Indessen führte die Verbilligung des Arbeitsprodukts zu neuem Bedarf in solchem Umfange, daß massenhaft neue Kräfte eingestellt werden konnten und die Lebenshaltung allgemein gehoben wurde. Jetzt aber machte die wirtschaftsseindliche Politik des Staates auch die wertvollen Ergebnisse der Rationalisierung von vornherein illusorisch. Was wäre nun geschehen, wenn man den Arbeitsvorgang überhaupt nicht mechanisiert hätte? In diesem Falle würde die deutsche Produktion auf dem Tdeltmarkt noch weit weniger konkurrenzfähig gewesen sein als beispielsweise die Industrie Westeuropas, die nicht nur mit geringeren Steuern, Frachten, Löhnen und Eoziallasten, sondern auch mit billigerem Kredit auf Anlagekonto und im Betrieb arbeiten tarnt Belgien und Frankreich z. B. gehören bemerkenswcrterweise neben den Vereinigten Staaten zu den Ländern, in denen sich die produktiven Kräfte am stärksten gesteigert haben: die materiellen Schäden des Krieges waren dort bald beseitigt. Ihre Industrien verfügen über eine Produktionsausrüstung, die an Kapazität und technischer Einrichtung weit über Vorkriegsstand hinausragt. Beide Länder nutzen ihre große Produktionskapazität in verstärktem Maße auf dem Weltmarkt aus- Das Verhältnis von Einfuhr zur Ausfuhr verschob sich gegenüber der Vorkriegszeit beträchtlich zugunsten der Ausfuhr. Auch Groß-Britannien hatte die veränderte weltmarktmäßige Konkurrenzfähigkeit alter Standardindustrien reichlich ausgleichen können durch Errichtung neuer Industriezweige, insbesondere im südlichen England und durch Mitwirkung an der Errichtung bedeutender industrieller Anlagen außerhalb Groß-Britanniens, vor allem in den Dominions und Kolonien. Der deutschen Produktion fehlte eine solche bevorzugte Stellung. Mit Reparationen. Steuern und sonstigen Auslagen überlastet, galt es für sie, ohne Kapitalexport den Konkurrenzkampf aufzunehmen. Die Rationalisierung war also — von den oben skizzierten Auswüchsen abgesehen — eine volkswirtschaftliche Rotwendigkeit. Herbstzeit, Erntezeit des Weidmannes! Fast alle Felder des Jagdpasses zeigen Schußzeit und ver- heißen dem, der sein Wild hegte und pflegte, nunmehr immer neue Jägerfreuden. Noch steht das R o t w i l d in der Brunft, die erst gegen Monatsmitte hin allmählich zu Ende geht. Mächtig hallt der Schrei des Platzhirjches durch den herbstlich kalten, nächtlichen Wald, wenn er unablässig besorgt sein muß, sein Rudel zusammenzu» halten und die Beihirsche abzukämpfen. Die Jagd auf den edlen Hirsch hat ihren Höhepunkt erreicht. Um die Monatsmitte tritt auch das Damwild in die Brunft. Bot die Pürsch auf den braven Schaufler in freier Wildbahn dem Weidmann oft größere Schwierigkeiten als die auf den Rothirsch, so erleichtert die Brunft auch hier die Jagd. Die Sauen sind feist geworden, denn eifrig brachen sie zum Aerger des Landwirts wie auch des ersatzpflichtigen Jägers auf den Feldern. Nun sind die Felder frei, und Mondscheinnächte können mit gutem Erfolg zum Ansitz an abgeernteten Kartoffel» schlügen benutzt werden, auf denen die Sauen gern Nachlese halten. Auch wo im Wald Eiche oder Buche Mast trugen, versprechen Ansitz oder Pürsch Erfolg. Das Rehwild verfärbt und trägt bald seine graue Winterdecke. In Hessen hat am 1. Oktober die Schußzeit der Ricken begonnen, die bis zum 30. November dauert. Diese Vorverlegung der Schußzeit gegen früher sollte den Abschuß mit der Kugel erleichtern, da wir leider den obligatorischen Kugelschuß auf Schalenwild im Gegensatz zu einer großen Zahl deutscher Länder noch nicht haben. Die Erfahrung im Vorjahr hat gezeigt, daß diese Erleichte- 3n der seit dem Kriege durch Kostensteigerungen gekennzeichneten Wirtschaftsepoche sah sich der Unternehmer, der vor dem Kriege fremdes Kapital gewinnbringend in Anspruch nehmen konnte — der Gewinn erreichte regelmäßig die doppelte Höhe des Zinses für Leihkapital — genötigt, die gesunkene Rentabilität halbwegS wieder herzustellen: er ging zum kapitalintensiven Betrieb über, also zu einer Reuorganisation der technischen Arbeitsleistung nach kostensparenden. dabei gleichzeitig den Pro- duktivnserivlg erhöhenden Gesichtspunkten. Es änderten sich der Produktionsapparat und die Produktionsbereitschaft, damit der Anteil der fixen Kosten. Während diese in der arbeitsintensiven Produktion klein sind, steigen sie bei zunehmender Kapitalintensität. Jetzt lasten durch die Produktionsbereitschaft Kosten auf den Betrieben, die dauernden Charakter haben und daher je Leistungseinheit mit sinkender Produktion steigen, mit steigender Produktion sinken. Die fixen Kosten (Generalien, Kopitakzinsen, Steuern ufw.) erheischen somit nicht allein eine größtmögliche Kontinuität, sondern darüber hinaus eine größtmögliche Ausdehnung von Warenerzeugung und Warenabsatz. Unter ihrem Druck mußte sich der Aktionsradius der Betriebe, die Sphäre ihrer ökonomischen Beziehungen immer mehr erweitern. Run ist es leider verschiedentlich vorgekommen, daß man bei dem ilebergang von der individuellen zur generellen Präzision häufig ganz schematisch amerikanischeMethoden kopierte, ohne zu bedenken, daß in Amerika das Ideal der großen Zahl vorherrschend ist: daß wirtschaftliche Formen, die jenseits des Ozeans noch im Werden und dauerndem Wechsel begriffen, nicht mustergültig für solche sein können, die wie in Deutschland, ja auf dem europäischen Kontinent, durch die Geschichte gebunden sind. In diesen Fällen hatte stets der Techniker über den Wirtschaftler den Sieg davongetragen und sich zu sehr leiten lassen von unmittelbaren Augenblicksberechnungen. So blieb es nicht aus, daß zuweilen nicht schrittweise, d. h. in vorsichtiger Abwägung aller Folgen, gehandelt wurde, sondern überstürzt. Manchen Stellen fehlte die Erkenntnis, dah die Rationalisierung eine Gleichung mit mehreren Unbekannten darstellte, daß imaginäre Faktoren in Rechnung gestellt werden mußten, die man zuerst übersehen zu können glaubte. ES sei hier erinnert an den lebendigen Menschen mit seinem Streben, seinen Zielsetzungen, seinen Willensregungen, seinen Gedanken und Leidenschaften. Es fei weiter erinnert an die unterirdisch wirksamen pshchologischenMv- mentc im Triebwerk der Wirtschaftsordnung, die alle Spielarten des Geistes und seiner Haltung, von der Intuition über den Instinkt und das Fingerspitzengefühl bis zum Ausdruck vitalen Lebensgefühls und Existenzwillens umfaßten. So wurde denn mitunter die Rationalisierung zu weit getrieben und damit wiederum die Ratio der Betriebsmodernisierung vernichtet. Gerade an die Verkennung der Grenzen, der nichtbeachteten Tatsache, daß die Maschine neben der erwarteten Ersparnis an Löhnen, die erforderlichen Zinsen und Amortisationsquote aufbringen müsse, scheiterten viele Unternehmungen. Sie hatten sich zu oft zur Ueberfteigcrung der fixen Kosten verleiten lassen. So kam es schließlich, daß viele von ihnen durch die notwendigen Rücksichtnahmen auf ihren Kredit und auf künftigen Kapitalbedarf gezwungen waren, eine Rentabilität in Erscheinung treten zu Gießener Gta-ttheaier. Bruno Frank: „Lturm im Wasserglas". Die vierbeinige Kreatur, die dem Weimarer Theaterdirektor Goethe vor langer Zeit soviel Verdruß bereitet hat, ist inzwischen zu hohen Ehren gelangt; der selige Herr Geheimrat würde sich baß verwundert haben, wenn er es hätte erleben können. (Abgesehen davon, daß er heute wahrscheinlich überhaupt nicht aus dem Staunen herauskame.) Der schwäbische Dichter Bruno Frank hingegen. der in Gießen schon mehrfach zu Wort gekommen ist. und dem wir den erregenden Lebensroman des unglücklichen Barons Trenck verdanken. — schreibt über sich in einer autobiographischen Rotiz unter anderem: „Sein vertrautester Umgang waren ... seine drei kleinen, schwarzen Pudel, auf deren Verstand und Charakter er große Stücke hält." Einer von diesen dreien, namens Hexi. spielte in der Münchener Ausführung die Hauptrolle. Weil die Blumenfrau Vogl für ihre Promenadenmischung von Köter, welcher Toni heißt, die Hundesteuer nicht bezahlen kann, erhebt sich der Sturm im Wasserglas. Aus einer Lappalie entwickelt sich im Handumdrehen eine gesellschast- lich-kommunale Staatsaktion, die immer weitere Kreise zieht, um schließlich in lustspielhaftem Geplätscher sanft zu verebben. Ein Stück aus Humanität, aus Liebe zur Kreatur, aus Empörung gegen bürokratische Enge und und menschliche Fragwürdigkeit; eine Fabel, welche die alltägliche Kleinigkeit zur Prin- zipienfrage erhebt; mit einem dialektischen Schwung, der zwei Akte lang echte Spannung und Anteilnahme erzwingt. .. . während der dritte heftig an Riveau verliert, und im Gesamteindruck zuletzt die Theaterwirkung das Komö- dienproblem überwuchert und unwichtig gemacht hat. Daß die Hundesteuer nicht bezahlt und der Hund von der Kommunalverwaltung eingezogen wird, bedeutet für die dicke Frau Vogl mehr als einen materiellen Verlust. Den Stabtrat Thoß kostet es die Karriere, weil ein junger Journalist, den es eigentlich nichts angebt. den Fall aufgreift und durch einen öffentlichen Eingriff die Wahl des Stadtrats zum Bürgermeister vereitelt. Sturm im Wasserglas: wenn die Rede des Stadt» rate niedergebellt wird, ... wenn feine Frau immer mehr von feiner Seite auf die des jugendlichen Angreifers getrieben wird, ... wenn die Privatsache der Frau Vogl am Ende zu zwei Ehescheidungen und einer Einbruchsklage führt, die der kaltgestellte Beamte gegen seinen Angreifer entfesselt, weil der den vom Tierarzt auf acht Mark Verkaufswert geschätzten Köter aus dem städtischen Gewahrsam „gestoh» len" hat, um ihn seiner Eigentümerin wiederzubringen. * Das alles wirkt ganz natürlich, stellenweise äußerst zeitgemäß, oft unwiderstehlich komisch, an den besten Stellen aber gar nicht mehr komisch, weil man merkt, daß es sich hier eigentlich um Wichtigeres handelt als um einen ruppigen Hund und einen fehlenden Steuerbetrug. Das geht schließlich jeden von uns an ... selbst wenn wir das Gefühl haben, daß sich Frank sowohl einen Zeitungsbetrieb als auch eine Gerichtsverhandlung etwas naiv vorge- stellt hat. Aber cs verstimmt, wenn man sieht, wie unwahrscheinlich im dritten Akt der natürlich nicht verurteilte Beklagte in jeder Hinsicht die Treppe hinauffällt, und wie die Hauptbeteiliaten den Gerichtssaal lustspielhaft-paarweise verlassen. — * Die von Hub inszenierte Vorstellung entsprach in ihrem Ablauf genau der Linienführung des Stuckes, sie war in den beiden ersten Akten span» nend und witzig, ohne den ernsten Unterton ver- missen zu lassen, von dialektischer Schärfe, zur Teilnahme zwingend; im letzten viel lockerer, noch volkstümlich in der Komik, aber ohne retten zu können, was im Stück schon verdorben ist Eine überaus sympathische Erscheinung, der von Albert Ianscheck ruhig und überlegen gespielte Burdach; Fräulein Berger (Viktoria) wirkte dies» mal viel freier und konzentrierter als beim ersten Auftreten; sie gab die Partie mit liebenswürdiger Sicherheit und natürlicher Wärme. In der Valetti-Rolle der Blumenfrau Vogl vereinigte Luise Schubert-Jüngling drastischen Mutterwitz, kleinbürgerliche Beredsamkeit und Rühr» seligkeit zu einer volkstümlichen Mischung, obwohl ihr die gut gesehene Figur (auch im Dialekt) kaum aus der selbstverständlichen Bodenständigkeit zugewachsen ist wie seinerzeit den Münchener Schauspielern. * Den unangenehmen Typ des bürokratisch engstirnigen nervös-gereizten, hochmütigen und strebe» rischen Stadtrats gab Karl Heyser in knappen und scharfen Umrissen. — Hub brachte als Magi» ftratsbiener Pfaffenzeller eine drollige Charge heraus. — Fräulein Doering erschien uns für die reichlich übertrieben gespielte Partie der Lisa zu jung. — Dom Ensemble seien noch Kühne (Amts- richter), Hauer (QuiUing) und Volck (Tierarzt) genannt. — • Es gab den gleichen Publikumserfola, den das Stück (außer in Berlin) bisher allenthalben gefunden hat. hth. „3m Reich her Hausfrau." Eine Ausstellung in Frankfurt. Wer noch immer dazu neigt, die Tätigkeit der Hausfrau gering zu schätzen, den wird ein Gang durch die Frankfurter Ausstellung zu einer Revi- dierung feiner Meinung veranlassen. Hier wird er erkennen müssen, von welch großer Bedeutung die Arbeit der Hausfrau ist, wie eng mit ihr daS ganze Wirtschaftsleben sich verbindet. Wie könnte dies deutlicher vor Augen geführt werden, als es in den Ausstellungen geschieht, die in verschiedenen Städten Deutschlands Frauen für die Frau geschaffen haben, um ein Gesamtbild zu geben von allem, was in das Arbeitsgebiet der Hausfrau fällt. Kaum reicht die Fest- halle in ihrem weiten Partcrrcraum aus, um all die Stände zu fassen, in welchen die Waren zu Schau und Kauf geboten werden. Da ist nicht nur alles, was für Küche und Hausarbeit nötig ist. vertreten, sondern vor allem auch die Ausstattung des Heims, desien Gestaltung ganz Sache der Frau ist. mit einbezogen. Möbel. Teppiche. Fensterbekleidung. Möbelstoffe, alles neuzeitlich in einem gesunden Geschmack angeordnet, um den Hausfrauen ein gutes Vorbild und manche Anregung zu geben. Rächst der Gestaltung des Heims ist es natürlich dessen Erhaltung, d. h. die dazu erforderlichen Geräte sowie alles Rötige für die Küche, was von Haushaltungsgeschäften in anschaulichster Weise vorgeführt wird. Lind es gibt wieder viel Reue- und immer wieder andere Gedanken, wie Haushalt- und Küchenarbeit durch maschinelle Hilfsmittel zu erleichtern sei. Da fällt eine Schälmaschine für Obst, Kartoffeln und Gemüse dem 1. Oktober begonnen, in Hessen beginnt sie mit dem 16. Oktober. Den Küchenhasen wird man sich auf dem Ansitz am Waldrand qfcer auf der Suche holen. Wer letztere übertreibt, jagt seine Hasen bald über die Grenze! Erst gegen Monatsende, wenn cs kälter wird, beginnen die Waldtreiben auf den Mümmelmann. Die Rebhühner halten meist schlecht und streichen weit. Immerhin kann zur Mauserzeit und in schönen Sonnenstunden die Jagd noch einmal floppen. Lohnend ist sie jedenfalls, denn die Jung. Hühner sind nun schön stark. Die Fasanenjagd hat in Preußen schon begonnen, während sie in Hessen erst am 16. Oktober aufgeht. UeberaU wo Hecken, Unkraut und Schilf Deckung bieten, kann das Stöbern des Hundes den bunten Hahn vor die Flinte bringen. Einen Hennenabschuß dürfte das Interesse der Jagdkasse bei den geringen Wildpreisen und unseren noch schwachen Beständen verbieten. Die Waldschnepfe zieht durch und kann mit kurz suchenden Hund gejagt werden, auch verspricht der Strich Weidmannsheil! Enten und Gänse ziehen, und auch die Tau- benjagb verspricht vor allem dort, wo Mast im Walde fällt, Erfolg. Der F u ch s b a l g wird allmählich reif, doch schadet zu früher Abschuß des roten Schelmes nur, da der Balg dann meist noch „grün" und unterfertig ist. Der Dachs ist feist. In Revieren, wo man Fasanen hochbringen will, soll man ihn nicht überhand nehmen lassen, während er anderseits in der Bekämpfung der Rachenbremsenplage durch Fresien der Larven und Puppen eine wichtige Rolle spielt. Neben diesen vielerlei Jagdfreuden muß der Weid- mann aber weiter denken an das, was der Winter bringen kann. Dor allem müßen S a l z l e ck e n neu beschickt oder angelegt werden. Wir wissen aus berufenem Munde, daß der Salzhunger gerade das Wild häufig ungeeignete Nahrung, rote Kunstdünger, lecken und damit Krankheitserreger aus dem Boden in Form von Bakterien aufnehmen läßt. Drum müßte von der billigen, vorbeugenden Methode der Salzlecke viel mehr Gebrauch gemacht werden, wollen wir nicht ähnliche Verluste erleben wie im Frühjahr 1931. Hinzu kommt die Anlage von Fütterun- gen, vor allem zunächst für Fasanen, die alsbald auch zu beschicken sind, damit bas Wilb, wenn ber Winter einsetzt, weiß, wo es etwas finbet. Abschuß unb Wilbpflege sinb für ben echten Weibmann unzertrennlich miteinanber oerbunben unb bereiten ihm gleichviel Freude! Hubertus. Oberbeffen. Vürgenneistenvechsel in Buhbach. Butzbach, 6. Ott, sWSN.) Der seit einigen Jahren hier amtierende Bürgermeister Dr. Jansen ist unter 123 Bewerbern einstimmig zum Bürger- m e i ft e r ber Stabt Gronau in Westfalen ge- wählt worben. Die Annahme ber Wahl hängt noch von gewissen Bebingungen ab. Landkreis Gießen. FAlten»Buseck,6. Oft. Durch bie gute Witterung ber letzten Wochen würbe bie Kartoffelernte so begünstigt, baß man sie jetzt als beenbet ansehen kann. Der Ertrag ist reichlich. Einige emp- finblichere Sorten, wie Inbustrie unb Ebeltraut, haben aUerbings sehr unter ber anhaltenden Nässe des Nachsommers zu leiden gehabt. ' Großen-Bufeck, 6. Okt. Altbürgermeister Heinrich Meyer I. feierte am vorigen Sonntag.in voller geistiger Rüstigkeit und Frische seinen achtzigsten Geburtstag. Herr Meyer stand von 1880 bis 1930 im öffentlichen Leben. Don 1880 bis 1891 war er Mitglied des Gemeinderats, von 1891 bis 1900 war er Bürgermeister von Großen-Buseck. Während seiner Amtszeit wurden die Wa ferleitung unb neue Ortsstraßen erbaut, bas Feldwegenetz ver- bessert u. bgl. m. Von 1900 bis 1923 versah er bie Untererhebestelle ber Gemeinbe Grohen-Buseck. Don 1892 bis 1898 war er Postagent ber Postagentur Großen-Buseck, von 1882 bis Enbe 1930 Direktor bes Landwirtschaftlichen Konsumvereins e. G. m. u H. Großen-Buseck. Seine hohen kaufmännischen Fähigkeiten haben bem Verein eine sehr gute finanzielle Lage gesichert. Herr Meyer erfreut sich weit über «re«'" * ,2 fi OH- I , geiler 1 starke % j)ie 2 gtefan ,7 hier M hi t'.ncm ö>": si. cn ÄSÄ clektt' l^°2nlcheinend l Kreis Hiebet'®«’?1 ertbtnau, t Etra'einhtira te sth k « •uiqi’S Kabchen , 2T; 3urbe mit erwart! Elriflfbolf pur seit tel, man 1 ber »räutiqant 0 Eüfcn unb mit Der E> Ek n baoonsuhr. 9W E t« sp«'? n,, i!,, benachrichtig'' ■woldien'loll e» gelange > E d) l i R M M" ' E. von rilsselb emjul r hen Dallerrbors von ga"ui er Lin feinem ge; fiifiirt eine Forelle it rjLiraen. Sie Forelle Pre Kreis Mit. Dehlar. Mm Jagd in M •3cgbpäd)tcr Zabrilan la'em gestern einen wollte eine Mchse a men, als sich auf u löste. Sine Schrot! rechte Schulter u len Umltanb, bah fe fallet trat, ist es zu 'lrtte nicht verblutete. Metdeigcrusen unb de Koanlenhaus nach ’ krvldots, 6. 6. Cltobtt 1936, toutb | 2tib jum Tutnw rJtrofDorf gewähl auch heute noch, llne Wem) auftim auf, die man noch nicht gesehen hat, welche blitzschnell die Früchte haardünn schält. Da sind wieder neue Schnellkochtöpfe, eine elektrische Bohnermaschine, da hat man wieder neue Anordnung für die Kücheneinrichtung herausgefunden, um so rationell wie nur irgend möglich die Hausarbeit zu verrichten. Man zeigt den schön gedeckten Tisch, zeigt schöne Wäsche und Bestecke. Die Standard- Firmen der LebenSmittelbranche bringen ihre Erzeugnisse mit Kostproben, und wem es Freud« macht, der kann sich von einem Stand zum andern durchessen. Da gibt eS Kuchen auS besonderem Weizenmehl, dort gibt eS Pflanzenbutter, hier besonderes Brot, dann wieder salzloses, hier Suppe, dort ein Täßchen Kaffee, Pudding, Kleln- und Feingebäck wird freundlich zum Kosten verabreicht. Hauptanziehungspunkt sind natürlich die Kochvorführungen, welche vom Frankfurter HauS- frauenvercin mit täglich wechselndem Programm geboten werden. Hier wird den Frauen m einem ständigen Dienst die Zubereitung der verschiedensten Gerichte gezeigt und erklärt, in einem Lehrhaushalt eine genaue Berechnung deS Rährwer- teS und der Kosten jeder Speise den Frauen vor ! Augen geführt. Dom Bund für Volksernährung V werden gleichfalls praktisch Mahlzeiten für vier Personen gekocht, deren DesamtpreiS sich um 50 Pf. bewegt. Und über die Hausarbeit hinaus ist auch der V SrholungSstunden gedacht und all der Dinge, mit welchen der Schönheitssinn der Frau liebäugelt. >- Vorn Bund der Künstlerinnen, von den Berufsschulen, wie von den Frauenschulklassen der Fort- t bildungsschulen sind besondere Stände mit fünft» k lerischer Arbeit gestellt, und selbstverständlich ist ’ das Kunsthandwerk mit den vielen Dingen, die eine Frau gebraucht und gerne haben möchte, I vertreten. Endlich ist auch des Sports, wie der ■ Unterhaltung gedacht, damit eS an nichts fehlt, | waS im Leben einer Frau vorkommt und für ihr i Heben wichtig ist. M. H. ; dod)fd)ulnad)nd)feiL Die Ernennung deS außerordentlichen Professors Dr Adhemar Gelb in Frankfurt zum ordentlichen Professor der Psychologie an der Universität Halle als Rachfolger von Professor Th. Ziehen ist erfolgt. Der Bonner Privatdozent Dr. H. Drost hat den an ihn ergangenen Ruf als ordentlicher Professor für Strafrecht und Rechtsphilosophie an der Universität Münster vom 1. Oktober dieses IahreS angenommen. Vornan von i l VrhcderrechtrlchuhDe I Fortsetzung. hielt noi 8-tonbi. 6, sah Ao neben ihr bie ftattl ft das Mädch Ji4er flatterten im rauschender Dunsi -»-an, al« ob ßtrö päh wob zur ( xj^.^teünb a *. das ®ri • jjA ßanbfluter, von AokS.vor und die ^'FhiS gehörten. wnb auf den Ann Yun°hSIa’ ba® ® cS bvrwä dosten, dah wir ^verlassen s.-^rfinden. wi Ü Hrnger $ «ner r zurück W® Ä? Nie ? eN°r bl °"ostel. über M GM •11, ei -ÖM -aber nr^Sen , ?Uc die K ::l? 2 4“ spreche ?'-r6riten btt' Kreis Schotten. Wirtschaft Banknoten. Bries Geld -T- Grebenau, 6. Okt. In unserem Städtchen Men. Nachdruck verboten. 5. Fortsetzung. goo'bis 1923 versah er bii meinbe Srohen-Busell. 8« Oer Krisendruck in Amenka. 19 amerikanische Banken gestern geschlossen. WTB. N e u y o r k, 6. Okt. Die Franklin Tr u st Company in Philadelphia, tue vier Zweigstellen unterhält und über Einlagen in Höhe von 22 Millionen Dollar verfügt, hat ihre Schalter für die Dauer des heutigen Tages geschloffen. 18 andere Ba n k e n , die Mehrzahl davon in Penn- sylvanien und Westvirginicn und die anderen im Mittelwesten, haben die gleiche Maßnahme getroffen. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 7. Okt. Es wurden notiert: Weizen 228,50 bis 230 Mark, Roggen 220, Sommergerste für Brauzwecke 175 bis 180, Hafer (inländischer) 160 bis 167,50, Weizenmehl (süddeutsches, Spezial 0, mit Austauschware) 36,50 bis 37,25, Sonder- mahlung 34,25 bis 35, Weizenmehl (niederrhelnlfches, mit Austauschware) 36,50 bis 37, Sondermahlung 34,25 bis 34,75, Roggenmehl 30,50 bis 31,50, Weizenkleie 8,25, Roggenkleie 8,75 Mark. — Tendenz: ruhig. Men« Menschen «useLnandeegehn Vornan von L. Schneider.Foerstl. Ht Heberrechtsschutz D e r l a g O. M e i st e r, Werdau. Letzte Nachrichten. Oie Umbildung des ReichSkabineits. B e r l i n , 7. Okt. (WTB. Drahlmeldung.) Reichs- kanzler Dr. Brüning wurde vom Reichspräsidenten heute mit der Reubildung des Kabinetts ohne parteimäßige Bindungen beauftrag«. Es ist nunmehr als sicher damit zu rechnen, daß Professor W a r m b o l d das Reichswirtschaftsministerium übernimmt. Reber das Verkehrsministerium wird mit Geheimrat Schmiß verhandelt. In politischen Kreisen will man heute vormittag wissen, daß Dr. Wirth das IHini- stcrium behalte. Dieses Gerücht trifft jedoch nicht zu. Vielmehr kommt als hervorragender Anwärter hierfür Reichsminister Dr.Geßler in Frage, mit dem man noch in Verhandlungen stehl. Unter diesen Umständen ist es ausgeschlossen, daß das Kabinett bereits heute abend vollständig ist. An den maßgebenden Stellen rechnet man jetzt vielmehr mit frühe st ens morgen, also Donnerstag abend. 5-ftagent her Wagenm >2 bis Ende 1930 Hirefto. ^onlumwreins e. S.tn.u.fl. ,5en faufmänni|djen Fähig- ' eine 'ehr gute sinanMt n c r erfreut sich weit ub» :,-5 junges Mädchen zum Opfer fiel. Der Brautl- -m wurde mit erwartungsvoller Freude am Bahn- k:i abgeholt. Für seinen Besuch war alles aufs hbis hergerichtet, man verlebte einige schone ^.age, b: der Bräutigam vorgob, etwas besorgen zu dieser 25 Jahre der Turnsache gewidmet und war er der Erzieher der Heranwachsenden Jugend auf turnerischem Gebiet. 3m Jahre 1912 würde unter seiner Leitung eine Schülerabteilung, die heute 30 Mitglieder zählt, und im Jahre 1926 eine Mädchenabteilung mit heute 46 Mitgliedern gegründet. Dein Wirken kennzeichnen die vielen Siege, die seine Turner bei turnerischen Veranstaltungen im Bezirk, Gau und Kreis erringen konnten. Daß seine hervorragenden Leistungen für die Turnsache auch von höheren Stellen der Turnerschaft hoch bewertet werden, bewies die Verleihung des Kreisehrenbriefes, der ihm vor drei Iahren gelegentlich der Einweihung der Oie Arbeitsmarktlage in Hessen und Heffen-Aaffau. vorübergehende Befserung. WSV. 3n der zweiten Septemberhälfte ist die Zahl der Arbeitsuchenden im Be» reich des Landesarbeitsamts Hessen um rund 1200 auf 271 665 z u r ü ck g e g a n g e n. Die Landwirtschaft hat für die Kartoffelernte zahlreiche Arbeitslose, auch solche aus andern Berufen, eingestellt. Ferner weisen die Lederindustrie und das Bekleidungsgewerbe eine verstärkte Saisonbelebung auf; auch das gewerbe ist durch Einstellungen von Zeitarbei^rn bei der Reichsbahn auf Grund des zusätzlichen Arbeitsbeschaffungsprogramms merklich entlastet worden. Infolgedessen hat sich die Verhältnis- mäßig nur leichte Zunahme der Arbeitsuchenden in den meisten übrigen Berufsgruppen mehr als ausgeglichen. Es scheint jedoch nach den Berichten der Arbeitsämter zweifellos, daß die Entspannung auf dem Arbeitsmarkt nicht von län* gerer Dauer sein wird; man rechnet nach Beendigung der Erntearbeiten wieder mit größeren Zugängen. Die Zahl der Hauptunterstühungs- empfänger ist in der Arbeitslosenversicherung um 1428 auf 77 845, in der Krisenunterstuhung um 1080 auf 67 136 gestiegen. Freundlichere Stimmung in Berlin. B e r l i n , 7. Okt. (WTB. Funkspruch.) Die kräs- tige Aufwärtsbewegung an der gestrigen Reu- yorker Börse löste im heutigen Verkehr von Bureau zu Bureau eine wesentlichfreu n d - lichere Stimmung aus. Das Ergebnis der Konferenz im Weihen Hause war zwar für die hiesigen Bankkreise etwas enttäuschend, da uver die europäischen Probleme nur wenig gesprochen worden ist. Man hielt dies aber für eine taktische Maßnahme, da man anscheinend erst den Besuch Lavals für diese Besprechungen abwarten will. Vorläufig beschränkte man sich jedenfalls auf innerwirtschaft iche Maßnahmen der Vereinigten Staaten die aber die Einsicht erkennen lassen, daß unbedingt möglichst schnell eingegriffen werden muß, um der gegenwärtigen internationalen Wirtschaftskrise zu steuern. Später würden dann wahrscheinlich auch von selbst günstige Auswirkungen dieser Vorschläge auf Europa eintreten. Einer der Hauptpunkte des Hoover - Planes ist em zu bildender Kreditfonds von etwa zwei Milliarden Mark, der zur Verflüssigung der auch in Amerika reichlich eingefrorenen Kredite dienen soll. Außerdem will Hoover die Re- di s k o n t i e r u n g s m ö g l ich k e i t e n erleichtern, um so zu einem etwas erweiterten Notenumlauf zu kommen. Ruch die Rachrichten um Brüning lauteten heute etwas günstiger. So konnten die Kurse im heutigen F r e i v e r - kehr sich allgemein erholen, und auf der erhöhten Basis fanden auch verhältnismäßig viel Umsätze statt. Heber einen Wiedereröffnungstermin der Börse läßt sich Zuverlässiges auch heute noch nicht sagen. Auch die heutige Borsenvor- stands-Sihung wird sich kaum entscheidend nut dieser Frage beschäftigen können und nur technische Dinge beraten, da die Entscheidung bekanntlich bei den Aufsichtsbehörden und der Reichsbank liegen wird. Am Devisenmarkt neigte der österreichische Schilling weiter zur Schwäche, gegen Pfund war ein Kurs von 30 Brief zu hören, während sich Pfund — Dollar auf 3,91, Pfund gegen Paris auf 99,25, Pfund gegen Amsterdam auf 9,60, Pfund gegen Mailand auf 76,38, Pfund gegen Spanien auf etwa 43 und Pfund gegen Schweiz auf 19,88 stellten. Außerordentlich starke Zurückhaltung in Frankfurt. Frankfurt a. M., 6. Okt. Im Verkehr von Bureau zu Bureau herrschte heute vormittag ziemliche Nervosität. Die Kurse wurden im Hin- blick auf die schwache Haltung der gestrigen Neu- yorker Börse zunächst schwächer genannt, später trat aber eine Erholung ein, wodurch das gestrige Niveau zum größten Teil wieder erreicht wurde. Gerüchtweise verlautete, daß die Einberufung einer europäischen Konferenz erörtert werde, au der die internationale Lage besprochen werden soll. Daneben fand auch die Bermutung amerikanischer Bankkreise, daß Hoover eine Verlängerung des Moratoriums um drei Jahre beantragen werde, ziemliche Beachtung. Allgemein bestand jedoch außerordentlich starke Zu- rückhaltung, wobei man auf die eingetretenen innerpolitischen Verhältnisse verwies. Die Umsatz- tatigkeit hielt sich in den allerengsten Grenzen. Am Pfandbriefmarkt hörte man die Kurse gegen gestern ebenfalls kaum verändert. Oesterreichische Valutaspekulationen durch Postanweisungen. Dec Postanweisungvverkehr nach dem Auslande wird eingestellt. WTB. Wien, 6. Okt. Die Postdirektion verfügte heute mittag die Einstellung des Postan- w e i s u n g s o e r k e h r s bis auf weiteres nach dem gesamten Auslande, nachdem gestern bereits eine teilweise Sperrung des Post- anweisungsoerkehrs erfolgt war. Der Grund zu der Maßnahme ist die Beobachtung, daß infolge der Kursdifferenz ausländischer Währungen bei der amtlichen Umrechnung und im freien Handel mittels Postanweisungsverkehrs Dalucaspe- k u l a t i o n e n einsetzten. Turnhalle des Turnvereins Krofdorf überreicht wurde. <> Hörnsheim, 6. Okt. Ein Z u s a m m e n- st o h zwischen einem kleinen Landpostkrastwagen und einer Radfahrerin ereignete sich gestern vormittag an der hiesigen Ortsstraße. Die Radfahrerin bog aus einer Seitenstraße in die Hauptdorsstraße ein und stieß hierbei mit dem Postkraftwagen zusammen; sie stürzte auf die Straße und erlitt durch den Sturz eine Gehirnerschütterung, sowie Verletzungen an beiden Beinen. Dr. Watz von hier leistete die erste Hilse und verbrachte die Verletzte in ihre Wohnung. nende Schall, der vorn Himmel zur Erde fuhr und sich anhörte wie das Getöse aneinandcrprallender Eisenplatten, überschrie ihr Flüstern, das aber trotzdem sein Ohr erreichte. „Du mußt dich nicht fürchten", tröstete er. Unb noch einmal: „Du mußt dich nicht fürchten." ilnb ihm selbst stockte dabei der Herzschlag. Das matte Braun feines Gesichtes wechselte dabei zu gelber Fahle. Er legte den Kops in ihren Schoß und stammelte ihren Aamen. Sie sah ganz reglos. Rur ihre Augen glitten suchend nach dem trüben Wasser des Hortobagy. Er sah es und deckte mit einem Aufstöhnen das Gesicht mit beiden Händen. Als er die Hände wieder finken lieh, und das Mädchen noch immer neben ihm sah, ohne eine Spur von Leben oder Bewegung zu zeigen, verlor er jegliche Selbstbeherrschung. Run, da sie seine Frau war, brauchte er auch das Wort nicht mehr zu halten, das er sich selbst und der Großmutter gegeben hatte. Rur mehr sein Blut sprach und das Verlangen, sie zu feinem Eigentum zu machen, so lange es noch Zeit war und ehe ein anderer sie an sich riß. Er legte ihr die Hand über die Ohren, damit sie den Donner nicht hörte, der über sie hinging. Die ganze Steppe stand in fahles Licht getaucht. 3n schwerem, geheimnisvollem Rauschen fielen die ersten Tropfen. 3m Widerschein der Blitze flimmerten sie wie irisierender Stahl. Wie mit toeitgebffnetem, dürstendem Munde trank die Erde das Rah in sich, das da vom Himmel auf sie herabstürzte. Die Gräser hoben sich. Mit blitzenden Leibern jagte ein Rudel Pferde vorüber. Die Steppenkräuter und die Kletterstauden, durch die sie rannten, zitterten leise nach. Als Horvath sich erhob, wagte er keinen Blick in den des Mädchens zu tun. Sie benötigte seine Hand, um sich erheben zu können. 3n meter- weitem Abstande und dann wieder eng zusammen- gedrückt, schritten sie nach der Tanja. Er fühlte sich schuldig, trotz ihrer göttlichen und gesetzlichen Verbundenheit. Zusammenschauernd drückte er die Fäuste gegen die Schläfen. „3ch werde jetzt sofort zu deinem Vater gehen, Raja." „Rein!" Sie hielt ihn mit beiden Armen fest. „Ich will ihn nochmals bitten, dah er dich mir gibt. — Du hast gesehen, wohin es führt, wenn man im Geheimen Mann und Frau ist." „Du darsst jetzt nicht zu ihm gehen!" weinte sie aus. „3eht nicht! — Er würde dich fragen und du würdest in deiner Erregung alles gestehen, auch daß wir uns haben trauen lassen." , „lind bann?“ Er machte sich behutsam frei, . faßte ihren linken Arm und ging mit ihr dem j Landhause Dosanvis zu. „Bleib hier, bis ich wiederkomme". bat er, als sie an dem niederen Heckenzaune standen. . (Fortfehung folgt.) „Wir wollen uns die letzten Stunden nicht vergällen", sagte er besänftigend. „Seh dich zu mir! Wer weiß, wann wir uns Wiedersehen!" Er faßte nach ihrer Hand und zog sie neben sich in das vertrocknete Gras. Da sie noch immer schweigsam blieb, begann fein Blut sich wieder zu erregen. Aergerlich klopfte er den Staub von seinem dunklen Beinkleid. „Wenn du verstimmt bist, weshalb kommst du dann? 3ch mußte mir die Zeit stehlen, hier eine geschlagene Stunde auf dich zu warten. Und das ist nun der Dank dafür! Er wollte sich erheben, aber ihre Hand griff erschrocken nach seinem Arm. „Guido, wenn du wüßtest!" . « • c Was soll ich denn schon wieder wissen , rief er verzweifelt und wühlte in feinem dunklen Haar. „3ch habe schon mit so viel verwöhnten Frauen zu tun gehabt, aber du bist noch die verwöhnteste von allen." Das nicht! — Aber die bemitleidenswerteste sicher." „Bemitleidenswert?" lachte er ungehalten auf. „Weil ich dich zu meiner Frau gemacht habe? — Deswegen? — Dann laß mich doch, wenn es dir solch ungeheures Opfer ist. Rimm dir doch einen anderen. Es gibt so viele außer mir!“ Er saß vorneüber geneigt, riß ein Stück Rasen aus der vertrockneten Erde und warf es mit einem zornigen Laut in den Hortobagy, daß das Wasser' zischend aufsprihte. „Guido i 3d) hätte Ettel Rovas Frau werden f°ll(StteI Rovas Frau!" lachte Horvath auf. „Das ist" doch der Gelbe mit der Riesenglahe? Einen feinen Mann hätten sie dir ausgesucht. Reben dem tann ich mich allerdings nicht sehen lassen. Dann, als das Mädchen herzzerbrechend auf- weinte, lenkte er ein. „3ch wollte dich nicht kränken, aber es wäre doch zu toll gewesen, wenn du gerade den hättest nehmen wollen. Der ist ja dreißig 3ahre älter als du. Und wenn er auch Geld hat wie Heu, von dem Geld allein wird die Liebe nicht satt." Sie barg ihr Gesicht an seiner Brust. Die ganze Steppe lag plötzlich von blauem, blendendem Licht übergossen, hob sich, senkte sich zuweilen und erzitterte tief von dem Rollen und Knattern, das über sie hinwegdröhnte. Dichtes, schwarzes Gewölk jagte vorüber, daß cs stockdunkel wurde. Gleich drohenden Fingern reckte sich das Schilf zur Höhe und neigte sich im Winde gegeneinander. Die Angst des geliebten Weibes wirkte auf Horvath beruhigend. Er legte den Arm um Raja und zog sie an sich. 3m blauen Schein der Flammen, die vom Himmel herniederzüngeltcn, fat) er ihre Augen in brennend heißem Flehen auf sich gerichtet. „Was ist denn, mein Liebes? Ihr Gesicht glitt auf seine Brust. Der dröh- Hnö bann? Wenn einer geht, kann er nichts als hoffen, daß er alles so wiedersindet, Wie er es verlassen hat. * Guido Horvaths Ferien neigten sich ihrem Ende zu. Fünf Tage noch. Dann wollte auch er der Sonne des Südens entgegen. Aegypten war diesmal das Ziel, das er als erstes anftrebte. 3n Kairo meldeten die Blätter fern Eintreffen für die erste Hälfte des Oktober. Hub er ließ biesmal eine Frau zuruck. — ©eine Frau Raja hatte feinem Drängen nachgegeben unb sich vor Tagen im Geheimen mit ihm trauen ^Run saß er zwischen Schilf unb bürftigem Weidengestrüpp, das den Hortobagy umsäumte, und blickte gedankenverloren nach dem Streifen gelben Sandes, der das Braun der krustigen Erde durchschnitt. . , ... . ... Trübe von mitgespültem Erdreich walzte sich das schlammige Wasser dahin. Ein zweirädriger Karren mit einem großen Blachendache kmrschte im Hferfanb und verschwand in einer Wolke grobkörnigen Staubes. . . Horvath wühlte ärgerlich mit seinem Stock m dem Boden. Wie lange wollte sie ihn noch warten lassen? Wie satt er das hatte! Wie satt! Immer dieses Bitten und Betteln, bis sie ihm ein Zusammentreffen gewährte. Gut, daß er endlich reifen mußte. Es wäre nicht länger zu ertragen 8 Eine stickige Schwüle lag in der Luft. Die Sonne stand dicht über dem Horizont, und über die Pappelfpihen flog ein rötlicher Schimmer, während sich die Abendschatten bereits in ihr schwarzes Laub legten, daß sie noch hoher und ernster schienen, als brüteten sie Unheil und Verderben. .. ... Die Lust fieberte in Gewitterschwüle, ganz von brennendem Dunst gesättigt. Die Himme skuppel wölbte sich in schwarzem Samt, unb broyte langsam auf bic Erde herabzugleiten. Melancholisch, mit kaum hörbarem Wellenschlag, schob sich der Hortobagy dahin. Ein dichter Schritt kam über den gelben Streifen Sandes. Horvaths Ohr erlauschte den leisen Ton. Das Schilf wurde zur Seite geschoben. „Guido!" , , . Er erhob sich nicht, wandte nicht einmal den Kopf. Rur seine Hand streckte sich in lässiger Bewegung über die Schulter. „Ich habe dieses Warten nachgerade satt bekommen. Richt einmal jetzt kannst du pünktlich sein, wo du doch meine Frau Als sie nichts erwiderte, sah er auf und blickte in ein Gesicht, aus dem bis tief in die Lippen hinein jede Farbe gewichen war. Sie sah über ihn hinweg nach den Wolken, die langsam über den Himmel gekrochen kamen. Gchwcinemarkt in Gedern. V Gedern, 6. Okt. Auf dem heutigen Schweinemarkt waren 594 Tiere ausgetrieben. Für 6 Wochen alte Ferkel wurden 8 Mark, für 6 bis 8 Wochen alte 8 bis 12 Mark unb für Läufer je nach Qualität 12 bis 20 Mark bezahlt. Der Handel war teilweise sehr lebhaft. Es blieb geringer Ueberstand. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. t»t u"r volN t' - «eschen hat, welche s Mn Mt. D- lm M c eine elektrische MM wieder nm Anordnung ZSKZZ täwss «ttand» wti, Üblich zum koM m d jttb den - .Yaien der 5°^' ADH li W hab-" "M [e ?9,n-^ntS bin ■MS © ä) o 11 e n, 6. Okt. Dor kurzer Zeit wurde einem Wochenendhaus unweit des früheren ; jrerheirns ein Einbr e ch e r f c st g e n orn - n Der Täter, der im hiesigen Arntsgerichts- ängnis saß, ist nun in der Rächt zum Montag Gebrochen und spurlos ver sch wundem i brach ein Loch in den Kamin und stieg durch k fen auf das Dach. Bon hier aus ließ er sich r fls eines Seiles, das er aus Bettuch und Sfltzrr gedreht, in den Gefängnishof unb enttarn U-ch Ueberflettern ber Mauer. Ieht fanden Les- 5; »facher im Stadtwald auch ein herrenloses 3:|rrab mit elektrischer Lampe. In etnec LoTnnappe waren größere Mengen Z i - q cilloä unb ein Fernsprecher unter- Tracht. Anscheinenb gehörte bas Fahrrab bem Ezengeryi hielt noch immer das Gesicht zuruck- tcüanbt. Er sah Rosmaries schlanke Gestalt unb ieben ihr bie stattliche des Freundes, der den fcn um das Mädchen gelegt hatte. Zwei weiße rücher flatterten im Winde. täuschender Dunst schwebte aus der Ferne tewan als ob Ströme goldenen Staubes vom Äi-nmel Tjerab zur Erde flössen. Hinter diesem Fleier verschwand alles: die Gärten, die toogen- )en Felder, das Grün der Bäume, das dunkle Buaun der Aecker, bie weitläufigen ®ebofte der )t«i Landgüter, von denen das eine im Besitze rSröks war unb bie anbern ben Horvaths und Busanyis gehörten. . . mein lieber Bela!" Der Professor legte feine hanb auf den Arm des jungen Mannes und imng Bela, das Gesicht nach ihm zu wenden. Tlun heißt es vorwärts sehen. Wir können nichts ils hoffen, daß wir alles so toieberfmben, tote Dur es verlassen haben." Wiebersinden, wie wir es verlassen haben", fmilte es in Szengeryis Ohr nach. Er senkte ben Kaps. Rach einer Weile hob er ihn und sah ücrhmals zurück. Ls war nichts mehr zu unterscheiden. Der Professor blickte unentwegt geradeaus während der Rosselenker alle Mühe hatte, daS !-fährt sicher über den stellenweise klaffenden Lkden hinwegzulenken. Am Rande der Steppe stieg em Gewitter auf. Man sah Blitze niedersahren unb hörte den 2'mner nachrollen. Aber bie Ebene Rbtie üer- jeöenö nach bem Labsal bes Regens. Der bleiche fj.mmel lieh keinen Tropfen entschlüpfen, obwohl ölc Lust von Dünsten gera* esu geschwängert war. Janz in schwarzen, toiroelnben Staub gehüllt, iirite der Wagen an ausgetrockneten Brunnen oerüber. Rur die Hufschläge der Pferde unb bas Mtem ber Räber unterbrachen bie lastende ö'lillc Lörök toanbte bas Gesicht nach Szengeryi, sah bon geneigten Kopf unb begann mit ihm von ber Reise zu sprechen. Es kam Zuerst keiner^i Antwort. Aber ber Professor ließ es sich nicht v-rbrießen, weiterzureben, bis bie Augen bes iiingen Mannes wieder Interesse zeigten und dis bns Erwarten alles dessen, dem sie fufjren, die Depression des Abschieds verscheuchte. 3n drei Iahren kam man ja wieder! Drei Jahre waren keine Ewigkeit. ää käcf:«»:im* Walde abgeftellt hatte. Rolle S ön He Zigarillos dürsten gleichfalls Diebsgut sein. KenmTVer W-ib. Kreis Alsfeld. mifen Sahi/J ' Rieder-Gemünden, 5. Okt. Zu bem bin SirnJiu enn«i tnncht vom Sängertag in Rieber-Gemunben ist oi'nhu - ' d,U5 6,1 fci*f)tigenb mitzuteilen, bah nicht ber altere Teil iabrung FLK dos & hiesigen © ä n g e r D e r e i n t gun g fern Ihriges Bestehen feiert, fonbern fern 50jah- -u’nebmen 4«=*- Entgegen bem Berichte feiert der G e - orteuS 'f-mgverein Eintrach t“ Rieber-Ohmen !c' rojähriges Bestehen. ... . erWi»! er Gewerbeschule auf dem Lande in Stage .Strout unhDSe! stellt fein, was im Interefse des Handwerks be- Uli* wäre. Berlin, k .Ok'ober 'Jlmenlanndie 'Jloten....... Beigijche Violen Taniiche Violen Engliiäie fioUn......... RtansölHdie Noten Holländische Noten Ntalienliche Noten Norwegtlche Nölen TeuHch-Lelterrelch, I 100 SchMing Numänilche Noten........ Schwedtiche Noten Schweizer Noten......... Spanische Noten Ungarische Noten ....... 6 . Df ober 7 Oftober Amllichk Notierung Amtliche Notierung »flD Brie' Geld Seiet Helsingsor» . Wien.... 10,34 53,45 10,36 53,55 10,34 50,70 10.36 50,80 Prag . . • 12,48 12,50 12.482 12.502 Budapest . . 73,28 73,42 73,28 73,42 3,067 3,073 3,067 3,073 Holland . . 169,48 169,82 168,83 170,17 CSlo .... 92,91 93,09 93,41 93,59 Kopenhagen 93,51 93.59 94,16 94,34 Stockholm 98.40 98,60 97,65 97,85 London. . 16,08 16,12 16,43 16,47 Buenos Aire 0,918 0,922 0,908 0,912 Neuport . 4.209 4,217 4.209 4,217 Brüssel. . 59,14 59,26 59,14 59,26 Italien. . 21,48 21,52 21,58 21,62 Parts . . 16,70 16,74 16.70 16,74 Schweiz . 82,42 82,58 82.52 82,68 Spanien . 37,86 37,94 37,86 37,94 Danzig. . 82,02 82,18 82.07 82,23 Japan . . 2,078 2,082 2,078 2,082 Rio de Ion 0,189 0,191 0,209 0,211 Jugoslawien 7,473 7.487 7.473 7,487 Liliadon . 14,64 1 14,66 15,08 15,12 4.20 4,22 59,03 59,27 93,21 93.59 16.04 16.10 16,67 16,73 169,11 169.79 21.46 21.54 92,71 93,09 53,29 53,51 2,50 2.52 96,16 96,54 82,24 82,56 37,62 37,78 72,75 73,15 SJtxfpont VfB-Gießen. DfD. 1. Jugend — Spd. Wetzlar 1. Jugend 4:1 (2:1). Die 1. Jugend bewies auch im Spiel in Wetzlar gegen einen ihrer stärksten Gegner, den Sportverein Wetzlar, ihre gute Form. Körperlich dem Gegner weit unterlegen, vermochten sich die DsDer jedoch durch technisches einwandfreies Spiel sowie durch f^lst fehlerlose ^illbehondlung fc-en Sieg zu sichern. Bis zur Halbzeit leistete Wetzlar verzweifelten Widerstand, in der zweiten Spielhälfte beherrschten jedoch die Gießener das Feld. Auf dem Waldsportplah schlug die 2. Fugendmann-- schäft des DsD. die 3. Fugend der Sp.D. 1900 mit 5: 0 infolge technischer und körperlicher Lleber- legenheit. Die 1. Schülermannschaft mußte auf dem Waldsportplah eine 0: 3-Riederlage von der gleichen Leihgesterns hinnehmen. Das vorletzte Spiel endete 0:10 für Leihgestern. Spielvereinigung 1900 Gießen. Iugendspiele. Die Fugend hatte einen schwarzen Tag. Von den ausgetragenen Spielen wurde keines gewonnen. Die 2. F u g e n d war mit zehn Mann in Dutenhofen und erreichte gegen die dortige 1. Jugend mit Gluck ein Unentschieden 1:1. Die ganze Mannschaft spielte ohne Lust und Eifer und konnte sich daher nicht durchsetzen. — Die 3. Iugend weilte auf dem Waldsportplah und hatte die bedeutend stärkere 2. Fugend des DfV. zum Gegner. Die 1900er verloren mit 0: 5. Die 2. Schülermannschaft war den ersten Schülern aus Lich längst nicht gewachsen, wehrte sich aber verzweifelt. Vis Halbzeit konnte der Gast zwei Tore erzielen, um dann gegen das technisch bessere und schnellere Spiel der 1900er nicht mehr aufzukommen. Der Kleinste der 22 vermochte ipit schönem Schuß sogar für 1900 das Ehrentor zu erreichen. $. E Teutonia Steinberg. Watzenborn-Steinberg l — Lollar I 2:1 (1:0). Am Sonntag weilte Lollar zum fälligen Der- bandsspiel in Watzenborn-Steinberg. 3n der 30. Minute verwandelten die „Teutonen" eine Ecke durch einen schönen Kopfball zum ersten Treffer. Die Gäste kämpften mit aller Energie um den Ausgleich. Steinbergs Hintermannschaft und Läuferreihe ließ die Gästestürmer aber kaum zur Entwicklung kommen. In der Mitte der 2. Halbzeit gelang es den Plahbesihern durch das Resultat auf 2:0 zu erhöhen. Kurze Zeit darauf verwandelte Lollar einen Strafstoß zum ersten und einzigen Tor. Das Spiel wurde fair durchgeführt und war gut geleitet. Deutsche Zugendkrast. Gießen I — Marburg I 3:1 (1:1). Gespannt sah man dieser Begegnung in Gießen entgegen. Die Gießener Mannschaft hatte durch die lange Spielpause wenig Siegesaussichten. Schon kurz nach Spielbeginn führten die Marburger. Der Ausgleich ließ recht lange auf sich warten. Nach der Pause übernahm Gießen die Führung, doch Marburg kämpfte mit großem Eifer, konnte aber kein Tor mehr erzielen. Kurz vor Schluß waren die Gießener ein drittes Mal durch ihren Mittelstürmer Drescher, der alle drei Tore schoß, erfolgreich. Handball der Sp.-Vg. 1900. VfL. Wetzlar l — 1900 1 5:5 (4:1). Wie beim Vorspiel so trennten sich auch am Sonnlag der VfL. Wetzlar und 1900 bei einem unentschiedenen Spielstand. 3m Gegensatz zu dem ersten Treffen waren jedoch die beiden Spiel- Hälften grundverschieden. 3n der ersten dominierten die Wetzlarer unzweifelhaft und waren viermal am Gießener Wurfkreis erfolgreich. Die 1900er vermochten lediglich einen Strafwurf zu verwandeln. Vach dem Wechsel war ihr Spiel jedoch wie umgewandelt. Vachdem der 1900er- Mannschaft durch den Torwächterwechsel ein stärkerer Rückhalt verliehen worden war, wurde ihr ganzes Spiel systemvoller. Drei schöne aus Angriffen heraus resultierende Tore durch Veh sowie ein Strafwurftreffer (Wolf) waren die Ausbeute. Die Spielvereinigungsleute haben damit gezeigt, daß sie bei einigem Eiegeswillen auch etwas erreichen können. 1900 II — Tb. Allendorf (Lahn) I 1:4. Zu Halbzeit lagen die Gäste 2:0 in Führung. Dann kamen die Einheimischen gut auf, brachten es jedoch bei der llngenauig'eit ihrer Würfe zu nur einem Tor, während die Turner den 1900er Hüter noch zweimal schlagen konnten. Oie Ergebnisse des leichtathletischen Bereinswettkampss des VfB. Aktive (Einzel- und Zehnkampf): 100 Meter: 1. Gugel 12; 2. Müller 12,1; 3. Mohl 12,4. Sek. 200 Meter: 1. Müller 25,4; 2. Gugel 25,9; 3. Mehl 26,2 Sek. 4 00 Meter: 1. Müller 58,1; 2. Gugel 65,4; 3. Mohl 66,1 Sek. 1 500 Meter; 1. Gugel 5:53,5; 2. Mohl 5:56,2 Min. Hoch- sprung: 1. Mohl 1,48; 2. Leutheuser 1,43; 3. Gugel 1,40 Meter. Weitsprung: 1. Gugel 5,18; 2. Müller 5,10; 3. Leutheuser 5 Meter. Kugel: 1. Mohl 12,37; 2. Gugel 11,75; 3. Müller 8,72 Meter. Diskus: 1. Gugel 37,90; 2. Luh 35,10; 3. Mohl 34,50 Meter. Hammer: 1. Mohl 30,50; 2. Luh 28,35; 3. Gugel 24,20 Meter. Steinstoßen. 1. Mohl 8,35; 2. Gugel 7,75; 3. Leutheuser 5,60 Meter. Zehnkampf: 1. Mohl 4667,42; 2. Gugel 4582,50; 3. Müller 3069,72 Punkte. 3 u g e n d (^-Klasse): K u g e l st o ß e n: 1. Luh 13,65; 2. Mattern 11,18; 3. Laudon 10,81 Meter. Diskus. 1. Luh 39,10; 2. Mattern 31,11; 3. Laudon 27,56 Meter. 3ugend (6-Klasse): 5 0 Meter: 1. Simon 6,9; 2. Happ 7; 3. Goldschmidt 7,1 Sek. 100 Meter: 1. Simon 13,5; 2. Happ 13,6; 3. Goldschmidt 13,8 Sek. 8 0 0 Meter: 1. Goldschmidt 2,28; Daumann 2,44,1 Min. Diskus: 1. Mattern 31,11; 2. Laudon 27,56; 3. Simon 22,51 Meter. Kugel: 1. Mattern 10,85; 2. Laudon 10,13; 3. Simon 9,97 Meter. Hochsprung: 1. Goldschmidt 1,38; 2. Happ 1,38; 3. Baumann 1,15 Meter. Weitsprung: 1. Goldschmidt 4,45; 2. Simon 4,43, 3. Happ 4,40 Meter. Frauen: 50 Meter: 1. Stühler 7,4; 2. Krause 7,6; 3. E. Müller 7,7 Sek. 100 Meter: 1. Stühler 15,4; 2. Krause 15,6; 3. Weber 15,7 Sek. Diskus: 1. Stühler 20,75; 2. Euler 20,05; 3. Vingel 17,60 Meter. Kugel: 1. Stühler 8,10; 2. Euler 7,22; 3. Krause 6,08 Meter. Hoch- sprung: 1. E. Müller 1,20; 2. Dingel 1,18; 3. Krause 1,15 Meter. Weitsprung: 1. Stüh- ler 3,65; 2. Krause 3,63; 3. Müller 3,57 Meter. Schleuderball: 1. Euler 25,50; 2. Stühler 22,85; 3. Krause 19,25; 3. Dingel 19,25 Meter. Mädchen (^-Klasse): 50 Meter: 1. M. Müller 8; 2. F. Müller 8,2; 3. Heinz 8,3 Sek. 100 Meter: 1. M. Müller 15,1; 2. F. Müller 15,9; 3. Heinz 16,1 Sek. 800 Meter: 1. E. Müller 3:05; 2. L. Müller 3:06,4; 3. Weber 3:11 Minuten. Diskus: 1. Heinz 17,50; 2. F. Müller 15,53; 3. E. Müller 14,05 Minuten. Kugel: 1. E. Müller 6,73; 2. M. Müller 6,67; 3. Heinz 6,39 Meter. Mädchen (B-Klasse): 5 0 Meter: 1. E. Müller 7,4; 2. L. Müller 7,6; 3. Hof 7.8 Sek. 75 Meter: 1. E. Müller 11,6; 2. L.Müller 12; 3. Hof 12,1 Sek. Kugel: 1. E. Müller 6,10; 2. L. Müller 5,95; 3. Hof 5,71 Meter. Weitsprung aus dem Stand: 1. L. Müller 1,80; 2. E. Müller 1,79; 3. Hof 1,72 Meter. Ballweitwurf: 1. Hof 44,80; 2. L. Müller 32,25; 3. C. Müller 30,08 Meer. Landesschlußschießen der Kleinkaliber-Gchühen. Der Landesverband Hessisch-Vassauischer Kleinkaliberschützenvereine konnte sein Landesschlußschießen die Abschlußkonferenz des großen Sommerwettkampfes, in der schönen alten Stadt Cor- bach fm Waldecker Land abhalten. Die sehr gut besuchte Kreisschiehleiterversamm- lung am Samstagnachmittag ergab ein erfreuliches Bild ernster Arbeit. 3m letzten Fahr wurden über 70 neue Dereine ausgenommen. Der Derbandsvorsitzende, Generalmajor a. D. Keller, überreichte drei älteren Mitarbeitern die Ehrennadel des Veichsverbandes. Der Abend war einem kameradschaftlichen Zusammentreffen gewidmet. Goldene Herbstsonne begrüßte am Sonntagmorgen die über 100, in drei Ausscheidungs- kämpscn bewährten Schützen des ganzen Derban- des, die sich auf dem städtischen Schiehstand zur Austragung der Landesmeisterschaften zusammenfanden. Zahlreiche wertvolle Preise standen zur Derfügung. Dank der guten Dorbereitungen ging das Schießen — 15 Schuß in drei Körperlagen — glatt und reibungslos vonstatten. Es wurden sehr beachtenswerte Ergebnisse erzielt. Die Landesmeisterschaft in der Altersklasse errang die Mannschaft von Wabern mit dem glänzenden Ergebnis von 729 Ringen. Landeseinzelmeister wurde Herr Arthur Paul, Frankfurt a. M., mit 159 Ringen. 3n der Jugendklasse gewann die 3ungmannschaft von Homberg (Bez. Kassel) mit dem vortrefflichen Resultat von 661 Ringen die Landesmeisterschaft. Landeseinzelmcister wurde Herbert Metzler, Bieber (Kreis Biedenkopf) mit 151 Ringen. Den Kreisschießleiterpreis errang Lehrer Schröder, Eschwege. Arbeitei-Turn- und Sportbund. Wieseck I — Erbstadt I 6:0. Zum letzten Spiel der Dorrunde war Erbstadt in Wieseck zu Gast. Beide Hintermannschaften bekommen sofort nach Beginn reichlich Arbeit. Wieseck lag zeitweise stark im Angriff, ohne jedoch Zählbares zu erreichen. Auch die Gäste entwickelten schöne Angrif e. Während der ersten Halbzeit gelang es Wieseck den Hüter der Plahbcsiher nur einmal zu überwinden. Rach Seitenwcch'e' wurde ein Elfmeter für Wieseck glatt verwandelt. Erbstadt ging nun sehr aus sich heraus, Wieseck blieb aber weiter im Dorteil und war noch viermal erfolgreich. Dorheim l — Heuchelheim 11:1. Heuchelheim traf in Dorheim auf einen schwer zu nehmenden Gegner. Beide Torhüter mußten öfters ihr Können unter Beweis stellen. Die Einheimischen gingen zuerst in Führung, der Ausgleich fiel durch einen Elfmeterball. Allen weiteren Anstrengungen beider Mannschaften blieben die Erfolge versagt. Rieder-Florstadt l — Naunheim I 3: 5. Raunheim traf in Rieder-Florstadt auf einen Gegner, der um jeden Preis die Punkte für sich buchen wollte. Auch gelang es den Einheimischen, zwei Tore vorzulegen, doch hatte Raunheim den Ausgleich ba'd wieder hergestellt. Raunheim vermochte dann zwei weitere Tore zu erringen. Bald darauf fand das Spiel ein unschönes Ende. Gießen II — Wieseck II 2:2. Schon wenige Minuten nach Spielbeginn konnte Gießen überraschend in Führung gehen. Der Ausgleich ließ nicht lange auf sich warten. Die' Gießener legten dann ein reichlich hartes Spiel vor. 3ede Partei kam noch einmal zum Erfolg. Den Gästen blieb das verdiente Siegertor versagt. Rodheim I — Großen-Linden I 1:3. Großen-Linden war in Rodheim zu Gast. Es ergab sich ein scharfes Spiel. Großen-Linden verlor einen Mann durch Herausstellung, spielte aber trotzdem überlegen und konnte bis Schluß dreimal — Rodheim nur einmal — erfolgreich sein. Großen-Duseck l — Hachborn! 4: 0. 3n der ersten Halbzeit sah man auf dem Busecker Platz ein ausgeglichenes Spiel, das keiner Mannschaft Erfolg brachte. Rach dem Seitenwechsel wurden die Einheimischen aber stark überlegen und siegten verdient mit 4:0. Grünberg I — Londorf I 3: 3. Den Gästen aus Londorf'gelang es, drei Tore vorzulegen; bis Halbzeit holten die Platzbesiher aber zwei Tore auf. Rach Seitenwechsel brachte ein Selbsttor den Einheimischen den unverdienten Ausgleich. Launsbach I — filein-CInbtn I 4:2. Klein-Linden war in Launsbach zu Gast unh mußte trotz aller Gleichwertigkeit den Plaz. besitzem den Sieg überlassen. Lich I — Grünberg ll 8:1. Grünberg traf in Lich auf einen weit überlegt, nen Gegner, dem der Sieg nicht zu nehmen wer. Rüddingshausen I — Marburg II 2:5. Marburg hatte in Rüddingshausen einen ach.-, baren Gegner. Bei verteiltem Spiele lautete bej Halbzeitresultat 2:2. Rach dem Wechsel touri« > Marburg besser und stellte den Sieg sicher. Hungen II — Lindenstruth l 6:0. Hungen entschied das Spiel überlegen für sich, Gießen III — Allendorf II 3:2. Außerdem spielten Gießens dritte Mannschsi gegen Allendorfs Zweite mit 3:2 und Gießen Fugend gegen die Fugend von Grohen-Lindt, mit 4:0. Strafkammer Gießen. * Gießen, 2-Ott. Ein Landwirt, der tr| einem über 70 Fahre alten Mann seines Ortet schon länger verfeindet war, schlug diesem, aj er ihn vor dem Ort traf, derart mit einem Karn auf den Arm, daß dieser einen Bruch des Ober- armknochens davontrug. Wegen gefährlicher Körperverletzung wurde er durch das Am», gericht Friedberg zu dreiMonatenGefänz- n i s verurteilt. Die gegen dieses Urteil eii. gelegte Berufung hatte keinen Erfolg. Sei?« Behauptung, er habe in Rotwehr gehandelt, erwies sich als falsch. Der Derletzte halte dem Angeklagten nicht den geringsten Anlaß zu bickm Roheitsakt gegeben. Das erstinstanzliche Urteil wurde daher in vollem Umfange bestätigt. Einem Eisenbahnassistenten waren anfangi dieses Fahres eines Rachts seine Tauben gestohlen worden. Um an den Taubenschlag gelangen, mußte der Täter eine etwa 1,80 Meter hohe Mauer übersteigen, vor welcher ein größerer Haufen Sand aufgeschichtet war, der dem Die! zum Derräter wurde. Am anderen Morgen fani die Gendarmerie am Tatort einen zu Vergleichs- zwecken gut verwendbaren Fußabdruck, in dessen Derfolg wurden durch Sandrückstände gezeichnete Fußspuren ermittelt, die bis zur Wohnung bei fetzigen Angeklagten führten. Auch ein an den Tatort angesehter Polizeihund zeigte denselbrr Weg an. Wegen schweren Diebstahls wurde bei Angeklagte durch das Amtsgericht Homberg zi dreiMonatenGefängnis verurteilt. seine Berufung wurde die Sache jetzt nochmals verhandelt. Der Angeklagte bestritt wiedenm die Täterschaft. Doch kam auf Grund der Indizien das Berufungsgericht auch heute zu bei Ueberzeugung, daß der Qlngefiagte derjenige wir der seinerzeit die Tauben gestohlen hat, unb verwarf kostenfällig die Berufung. Ein Provisionsreisender, der Abonnenten au', eine Familienzeitschrist, mit der eine Unfall- urt) Sterbegeldversicherung verbunden ist, auffuchtk, wurde durch das Amtsgericht Büdingen* tocgei Betrugs zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Ein Mann hatte einen Unfall erlitten Diesem spiegelte er vor, er könne rückwirkend in dir "Versicherung ausgenommen werden und babutd) für den erlittenen Unfall Entschädigung erhalten Hierdurch wurde dieser veranlaßt, die betreffend Zeitschrift zu abonnieren. Fn einem anderen Fall hatte er von einem Händler ein Fahrrad erschwindelt. Aus die Berusung der Staatsanwaltschaft wurde die erkannte Gefängnisstrafe auf zwei Monate erhöht. Ein Arbeiter war durch das Amtsgericht Vilbel wegen Beteiligung an der Körperverletzung eines anderen Arbeiters zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Seine Beruluni hatte keinen Erfolg. Zwar bestritt er, irgendwie tätlich geworden zu fein, doch wurde er von einigen Zeugen mit Bestimmtheit erkannt. Seine "Berufung wurde kostenpflichtig zurückgewiesen. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Mir, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschloffen. Arterienverkalkung Ihre Vorboten und Begleiterscheinungen, wie: hoher Blutdruck, Atemnot Schwindelanfälle, Herzbeschwerden, Schlaflosigkeit, Gicht, Rheuma bekämpfen Sie durch ,, Ra diosclerin * ‘ (Wz. Nr. 313844) die seit Jahren bewährten radtumhaltigen Brunnen-Tabletten (mit kontroll. Radiumgehalt). 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