Nr. 183 Erstes Matt 181 Jahrgang Zreitag. 7. August 1931 Erich« >nl täglich,nutzer Sonntags unb Feiertag». Belleaei: Die Onu|trtertt E letzen er Jamiltenblättci Heimat im Büb Die Scholle BtonatS'Bejagspreti: 2.20 Nnchsmark und 30 Nelchspfenmg für Träger» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelner Nummern In folgt hüherer ©ewatt. ZernfprechaafchlSße anterSammebrammer22Sl. Anschrift für Drahtnach- richten »nzelgrr Oleste». postscheckkoilo: firarflurt am Main 11688. GietzeiierAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnick unb Verlag: vrLhl'fche llUwersilSlr-vuch. und Stetiöniderd L Lange tn Sieben. Schriftleitung unb Seschäftrftelle: Schulstraße 7. Linahmr oo» Bnjeleti für die lagtsnummcr bis jum Nachmittag vorher. Preis fir 1 mm HSHe für Snjeiqtn von 27 mm Brett, örilich 8, auswärt, 10 Neich,pfennig: für Ne- Klameanzeigen von TOmrx Brette 35 Neichspfenmg, Plotzvorschrift 20* . mehr. EhesredaKteur-. Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Volitili Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.IHyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Ma^ Filler, sämtlich in (Liehen. Scharfer Endkampf um den Volksentscheid. Eine Kundgebung der preußischen Staatsregierung als Zwangsauflage für die gesamte presse auf Grund der Notverordnung CB e r l i n , 6. Aug. (XU.) Die preußische Staat-regierung hat heute durch die zuständigen Regierungsstellen den preußischen Zeitungen eine Kundgebung gegen den Volksentscheid am 9. August 1931 auf Grund der Rotverordnung vom 17. Juli 1931 zur Veröffentlichung auf der ersten Seite an er st er Stelle tn Fettdruck in der nächsten zum Druck noch nicht abgeschlossenen Stummer ausgegeben. 3n der Kundgebung heißt es u. a. Rechtsparteien, Stahlhelm und Kommunisten — unversöhnliche Todfeinde in unnatürlicher Paarung vereint — rufen Aum Volksentscheid für die Auflösung deS Preußischen Landtages auf. Mit derselben Waffe deS Ja-Zettels zum Volksentscheid wollen beide Teile daS denkbar Sntgegen- gesetzte erreichen Die einen ein bolschewistisches, russischen Methoden nachgeahmteS Sowjetpreußen, die anderen daS alte volksfeindliche Preußen des DreiklassenwahlunrechtS oder ein saschistisches Ge- waltregiment. Vereint wollen die Links- und Rechtsradikalen, wollen die Rationalsozialisten unb Kommunisten daS letzte große Bollwerk, die Zitadelle der Demokratie und Republik in Deutschland, Preußen, erstürmen. Mit dem Gelingen des Volksentscheids wollen sie weiterhin sichtbar da- Flammenzeichen geben, daß das Ende der Demokratie des Dolksstaates in Deutschland gekommen sei. (Belingen des Volksentscheides bedeutet: Sieg zweier für den Augenblick vereinter gegnerischer radikaler Flügel, die dann in einem erbitterten Kampf miteinander um die Endherrschaft eintreten und Staat und Wirtschaft in diesen Vernichtungskampf mit hereinreißen würden. Ein Scheitern des Volksentscheides ermöglicht eine Weitersührung der ruhigen und stetigen Regierungspolitik in Preußen zur Aufrechterhaltung der Ordnung unb als bewährte politische Stütze des Reiches bei allen Verhandlungen mit dem Ausland, die der Festigung des Vertrauens zu Deutschland unb dem Wiederaufbau seiner Wirtschaft bienen. Wer aus blindem f)afe gegen die Errungenschaft der Demokratie den Sturz der Regierung der Weimarer Koalition in Preußen will, wer an die Stelle von Ordnung und Sicherheit die gegenseitige Zer- fleischung der dann um die Herrschaft kämpfenden radikalen Parteien, also den Bruderkrieg im eigenen Lande setzen will, wer die mühsam wieder an- geknüpfte» von der deutschen Wirtschaft zur europäischen Umwelt führenden Fäden wieder zerreißen will, wer ein Sowjetpreußen ober ein faschistisches Preußen will, der gehe zum Volksentscheid und stimme mit ja. Der dagegen für den sozialen unb bemokratischen Ausbau der beutschen Republik und des Freistaates Preußen ist, wer der preußischen Staatsregierung mithelfen will uns aus dem furchtbaren Elend der Wirtschaftskrise, der Arbeitslosigkeit, in hartem und zähem Kampfe wieder aufwärts zur Gesundung zu führen, wer Vernunft, Besonnenheit und tiefglühende Liebe zu Volk und Vaterland gerade in schwerster Zeit beweisen will, der folge der Parole: Haltet euch fern vorn Volksentscheid, beteiligt euch nicht am Volksentscheid. Das Preußische Staatsministerium: Dr. st. c. Braun, Ministerpräsident; Dr. st. c. Seoering, Minister des Innern: Dr. st. c. H i r t s i e s e r, Minister für Doikswohifahrt; Dr. st. v. Steiger, Mini- ster für Landwirtschaft, Domänen und Forsten: Dr. Höpker-Aschoff, Minister der Finanzen: Dr. Schreiber, Minister für Handel und Gewerbe; Dr. Schmidt, Iustizminister: Dr. Grimme, Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung. Beschwerde des Stahlhelm. Berlin, 6. Slug. (XU.) Das Bundesamt des Stahlhelms, Abteilung Volksentscheid, hat in Verfolg der Kundgebung der preußischen Staatsregierung gegen den Volksentscheid, die als Auflagenachr:cht sämtlichen preußischen Zeitungen zuging, an.den Reichspräsidenten, Generalfeldmarschall von Hindenburg, ein Schreiben gerichtet, in dem es darauf hinweift, daß diese Kundgebung unter seiner Ansicht nach unberechtigter Berufung auf di« Rotverordnung erginge, und in dem es den Reichspräsidenten bittet, dieses Verfahren a 6 - z u ft eilen und zu verhindern, daß preußische Blatter daS Gegenteil von dem zu schreiben gezwungen seien, was sie als Wahrheit und Recht erkannt hätten. Am Tage vorher hat der Stahlhelm an den Reichskanzler kurz vor dessen Abreise nach Rom ein Schreiben gerichtet, in dem er über DehinderungendesVolksentscheids Beschwerde erhebt, und in dem er erklärt, daß der Stahlhelm sich Vorbehalte, bei weiterer Behinderung des Volksentscheids das Ergebnis der Abstimmung anzufcchlen. Von Mtschwcrde- punkten werden u. a. folgend« angeführt: Volksentscheidsplakate. Flugblätter und Klebzettel. die dem preußischen Minister des Innern vorgelegt und von diesem nicht beanstandet worden seien, würden von den nachgcordneten Instanzen in den Provinzen widerrechtlich verboten und beschlagnahmt. Propagandafahrten. Aufmärsche. Zapfenstreiche und Feuerwerke würden verboten. Schreiben, in denen sich der Stahlhelm beschwerdeführend an den Aeichsminister des Innern und den preußischen Iustizminister gewandt hätte. bli«ben unbeantwortet. Gegen den Amtlichen Preußischen Pressedienst wird der Vorwurf erhoben, daß er gegen den Volksentscheid Hetze. ES folgen Beschwerden üb«r die Zusammenlegung bzw. die Auswahl von Siimmlvkalen. Schließlich wird die durch das preußische Ministerium de- Innern angeordnet« erhöht« Alarmbereitschaft der Schuh- poltzet am 9. August dahin ausgelegt, daß sie bestimmt sei. die Beamten an her Ausübung ihrer politischen Rechte an diesem Tage zu hindern. Die Antwort der Deutschnationalen. Wußte die Reichörcgierung von dem geplanten Aufruf'? Berlin, 6. Aug. (XU.) Auf die von der preußischen Regierung den preußischen Zeitungen ausgegebene Kundgebung gegen den Volksentscheid wird in den .M itteilungen der Deutschnationalen Dolkspartei" eine Antwort erteilt, in der es u. a. heißt: Mit der Aufzwingung diese- Ausrufes gegen den Volksentscheid istdiePressefreiheit praktisch beseitigt. Der Gebrauch, den die preußische Regierung von der Rotverordnung des Reichspräsidenten von Hindenburg macht, ist der beste Beweis dasür, daß von Volksrechten in dieser Demokratie nicht mehr viel zu sehen ist. Der Aufruf der preußischen Regierung ist ein Versuch zu erproben, waS man der Rechten zumuten darf. Wir fragen in aller Ehrerbietung den Reichspräsidenten und wir fragen die Reichs- regierung, ob sie diese Ausnutzung einer Rotverordnung durch eine in ihrem Bestände bedrohte Parteienmehrheit billigen. Sachlich ist über den Aufruf wenig zu sagen. Richt .da- letzte große Bollwerk, die Zitadelle der Demokratie und Republik", ist Preußen, sondern Preußen ist das letzte Dolftverk des Marxismus — deshalb: Wer Vernunft, Besonnenheit und tiesglühende Liebe zu Dolk und Vaterland gerade in schwerster Zeit beweisen will, der folge der Parole: Geht hin zum Volksentscheid und stimmt mit ,3a". Dingelbey warnt. Gegen den politifchen Mißbrauch der Notverordnung zu Zwecken der Wahlbecinflufsung. Dgrlin, 6. Aug. (XU.) Der Parteiführer der DVP. hat an die Reichsregierung folgendes Telegramm gerichtet: .Soeben erfahre ich, daß die Preußische StaatS- regienmg an sämtliche preußische Tageszeitungen einen Aufruf gegen den Volksentscheid gesandt hat. Sie verlangt von den Zeitungen den Abdruck an leitender Stelle unterDezugnahme auf die zweite Rvtverordnung des Herrn Reichspräsidenten zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen. Selbst wenn nach dem Wortlaut der Rotverordnung die Landesregierungen von diesem Mittel Gebrauch machen können, so muß in diesem Derfähren kurz vor dem Termin des Dölksentscheids ein p o - litischer Mißbrauch der Rotverordnung des Reiches erblickt werden. Es steht zudem in Widerspruch zu den Erklärungen der Reichsregierung, die eine kleinliche Handhabung der Verordnung vermieden sehen wollte.Die preußisch« Regierung bedient sich eines Mittels, das für d i eRe ich s re g i e r u n g bestimmt war. umeSfür de »konkreten Fall der Wahlbeeinflussung zu b nutzem. Ichmcch e den dringenden Wunsch auslprechen. daß bie Reich-regterung noch in letzter Stunde alles unternimmt, daß die preußische Regierung von einem Awangsweisen Vorgehen gegen die Presse in diesem Falle absieht. Sonst ist zu befürchten, daß das preußische Vorgehen die Stärkung radikaler Tendenzen im Lande und eine neue Erreg u n g der Bevölkerung zur Folge hat. Weite Kreise, die die Reichsregierung bisher unterstützt haben, werden durch die von Preußen geübte Anwendung der Rvtverordnung in eine Oppvsitionsstellunggedrängt, die schwere Gefahren in sich schließt. Der Vorsitzende der Deutschen Dolkspartei. Dingeldey." Ein Aufruf Hitlers. München. 7. Aug. (XU) Der Führer der RSDAP.. Adolf Hitler, richtet an di« Ra- tionalfvzialisten Preußens einen Aufruf, in dem es heißt: Eine Verfassung lebt, aber daS Volk wird seit ypölf Jahren von einer Elend- und Rotkrise in die andere geworfen. Alles in diesen zwölf Jahren ist ins Wanken geraten. Erinnert euch des Doungplanes. erinnert euch an die Versprechungen. daß keine Unterzeichnung Deutschland einer glücklicheren Zukunft entgegen führen werde, daß die Weltnot nun ihr Ende fände, daß die 'Wirtschaftskapitalien erhalten, daß die Arbeitslosigkeit abgebaut werde, daß nunmehr die Steuern ermäßigt werden könnten und daß nunmehr aus den Ersparnissen des Poungplanes Millionen den notleidenden Massen zugeführt werden sollten. Erinnert euch an alles das und seht euch die Wirklichkeit an. Haben wir. di« Männer deS Volksbegehrens gegen den Doungplan. mit unseren Prophezeiungen Recht gehabt, oder haben die Parteien der Doungplanunterzeichnung mit ihrer Versprechung Recht behalten? Die Geschichte hat nach noch nicht einmal zwölf Monaten daS Recht auf unserer Seite fest gestellt. Die Rot. die ihr. deutsche Volksgenossen, heute erleidet, ist die Zeugin für die Wahrhaftigkeit unserer Voraussagen. Solange Sozialdemokratie und Zentrum nicht überwunden werden, wird Deutschland nicht auferstehen. Die Position, von der auS die Sozialdemolratie heute Deutschland beherrscht. ist Preußen. Am Sonntag, dem 9. August 1931. tritt an die deutsche Ration die Frage heran. ob sie nach zwölf Jahren unermeßlicher Schicksalsschläge nun endlich reif geworden ist, den Weg nach aufwärts zu gehen. Der Reichsinnenminister nicht unterrichtet. Berlin, 7.Aug. (111. Funkspruch.) Der her- auogeber einer Korrespondenz hol, wie die „Börsen- zeitung- meldet, bei dem Reichoinnenmini- st e r Dr. Iv i r I h in den frühen Vachmitlagvstunden de, 6. August angefragt, ob der Beichsinnenminister von dem Auflageartikel der preußifchen Regierung gegen den Volkantscheid Kenntnis habe, und welche Stellung er dazu einnehme. Der Reichsinnenminister habe auf die Frage präzise und wörtlich erklärt: „Dondem Auflageartikel höre ichdurch Ihren Anruf da, erste Work.- Im Spiegel der presse Scharfe Kritik der oppositionellen Blätter. Berlin. 7. Aug. (ERB.) Die Berliner Morgen- blätter bringen, entsprechend den Bestimmungen der Pressenotverordnung. den Aufruf der preußischen Regierung gegen den Volksentscheid auf der ersten Seite. Von den Blättern der hinter der Regierung stehenden Parteien, die alle den Auftuf in großer Aufmachung bringen, enthält der „Vorwärts" einen Kommentar von amtlicher Stelle, in dem gefügt wird, daß die Regierung sich nur schweren Herzens dazu entschlossen habe, ihre Kundgebung durch Inanspruchnahme der Notverordnung zu verbreiten. Die Regierung erkenne bas Hohe Lieb ber Pressefreiheit an unb werbe nie ihre Hanb zu einer wirklichen Verletzung der Pressefreiheit unb zu ihrer willkürlichen Einschränkung geben. In bem obwaltenden Falle aber habe sie b i e Gele- genbeit ergreifen müssen, um zum ganzen Volke sprechen zu können. Die Presse ber hinter bem Dolksentscheib stehen- ben Parteien nimmt in schärfster Form gegen ben Aufruf unb bie Art feiner Verbreitung Stellung. Die volksparteiliche „Deutsche Allgemeine Zeitung", die von einem Dokument ber Schwäche unb der Furcht spricht, schreibt in Fettdruck u. a.: „Mit Entrüstung unb Empörung kann man ben Inhalt biefer Kundgebung zur Kenntnis nehmen. Es ist unerhört, daß sich unter biefer Kundgebung ber preußischen Staatsregierung auch Namen ber Minister befinden, die der Zentrumspartei angehören. Wir haben vielen Angriffen aus dem Bürgertum gegenüber konsequent daran sestgehalten, die Politik der Zentrumspartei wohlwollend zu beurteilen unb uns darum bemüht, Derstänbnis für die Ziele dieser Politik zu schaffen unb zu verbreiten. Die Tatsache ber Unterschrift der Zentrumsminister unter die Kundgebung ist eine große Unmoralität gegenüber den für ben Volks- entscheib eintretenbcn Parteien, die im Reich unter Zurückstellung berechtigter Bedenken die Politik des Zentrums unb Dr. Brünings bis zur Grenze ber Selbstaufopferung unterstützt haben. Diese Illoyalität kann nicht ohne bie schwer- ft e n politischen Folgen bleiben, auch nicht für bie Reichspolitik, an der die Zentrumspartei maßgebend unb führenb beteiligt ist. Daß bas preu- bische Zentrum es wagt, Dolkskonseroative, Land- volk, Christlich-Soziale, Wirtschastspartei, Deutsche Volkspartei mit ben Schmähungen biefer Kundgebung zu bedenken, ist ein in ber politischen Geschichte Deutschlands einzig dastehenber Fall. Es ist eine ungeheuerliche Behauptung, ben Befürwortern des Volksentscheids verallgemeinernd „Gewissenlosigkeit" oorzuwerfen und die unrichtige Darstellung zu verbreiten, daß sie „bas Chaos unb bie Vernichtung ber Volksrechtc" wollen. Einer Zen- trumspartei, bie solchen großen politischen Unfua duldet, gehört ber allerschärf sie Kamps. Wir fordern bie drei bem Zentrum angehörenben Minister ber preußischen Staatsregierung auf, sofort ihren Rücktritt zu erklären, unb bie Parteileitung der Zentrumspartei, wenn sie es nicht freiwillig tun, sie dazu mit politischen Mitteln zu veranlassen." Die konservative .Derli ner Börsenzeitung" schreibt u. a.: »Die preußische Regierung benutzt, indem sie auch für den Volksentscheid eintretende Zeitungen zwingt, ihre Kundgebung au veröffentlichen, die Rotverordnung jjur Verfolgung eines Zieles, das nichts mit jener von dem Herrn Reichspräsidenten unterschriebenen Verordnung vom 17. Juli 1931 zu tun hat. Wir sind gespannt, wie sich der Herr Reich-Präsident au diesem Mißbrauch der von ihm unterzeichneten Verordnung verhält." — Der .Lokal-Anzeiger" (Hugenberg) sagt: .Seitdem e- so etwas wie em« Zeitung gibt, hat noch niemals eine Regierung die Macht in Anspruch genommen, und in Anspruch nehmen können, die oppositionelle Presse zu zwingen, in einer Weise die völlig gegen ihre lieber ^eugung gebt, für die Politik eines von ihr bekämpften Ministerium- an vorgeschriebener Stelle mit vorgeschriebenen Worten in vorgeschriebener Aufmachung Propaganda zu machen. Die Pressenotverordnung vom 31. Juli gibt zum ersten Male einer Regierung diese Macht. Die preußische Regierung Draun- Severing macht zum ersten Male von dieser Macht Gebrauch." — Die agrarische .Deutsche Tageszeitung" bemerkt, daß die Kundgebung sich eines Tones bediene, der bei sonstiger Anwendung in der Presse z u einem Verbot durch die preußischen Verwaltungsbehörden zu führen pflege. Die preußische Regierung möge jeden Tag Zeitung-papier, das sie nicht bezahle, mit Kundgebungen pflastern, sie werde in weitesten Teilen des deutschen Volkes nicht die UcbetAeugung ersticken, daß sie als Hauptbollwerk des Sozialismus in Deutschland aus vielfältige Art die Mitschuld trage an der Abwärtsentwicklung unserer politischen und wirtschastlichen Situation. Das Echo in -er Provinz. Düsseldorf, 7.Aug. (TU.) Die „Deutsche Bergwerkszeitung" schreibt zur Kundgebung ber preußischen Staatsregierung u. a. folgendes: Lange ist es her, daß wir einen Leitartikel mit der Ucberschrift „Auf Befehl" geben mußten. Das war in der unseligen Zeit, als uns französische Offiziere derartige Manuskripts zum Abdruck an vorgeschriebener Stelle der Zeitung und in vor- geschriebener Ausmachung überreichten. Die Kundgebung ist ein tolles Stück, wohl bas tollste, was in bem Deutschlanb ber Nachkriegszeit erlebt worden ist. Das ist die Freiheit, die uns die sozialistische Herrschaft beschert Hal. Die Demokratie und der Dolksstaat sind bereits völlig tot, wenn es möglich ist, daß die Preste in dieser Weise behandelt wird. Wenn durch sofortige Einberufung des Reichstages zwecks Aufhebung der Preffenot- vcrordnung weitere Komplikationen entstehen, ist es die Schuld derer, die glauben, den Bogen Überspannen und sich alles erlauben zu dürfen, weil sic annehmen, daß die Mittelparteien sogar bereit sind, Selbstmord zu begehen um des Friedens willen. Die „W estfälifchen Neuesten Nachrichten" in Bielefeld, die ausgesprochen demokratisch einaeslellt sind, sagen zu der Kundgebung der Preußischen Staatsregierung: „Wir hätten sellrstverständ- lich von dieser Erklärung der preußischen Regierung unseren Lesern ebenso Mitteilung gemacht, wie wir es bei allen anderen Kundgebungen zum Dolksent- scheid, ganz gleich, von welcher Seite sie kommen, tun. Daß wir hier aber zu einer derartig einseitigen BevorAuguna dieser Kundgebung durch eine o f- f c n 11 i d) 11 i d) vom Reichskabinett nicht geplante Anwendung der Presscnot- Verordnung gezwungen werden, erscheint uns ein sehr bedauerlicher Mißgriff der preußischen Regierung. Wir halten uns für ver- pflichtet, unseren Lesern von diesen Zusammenhängen Mitteilung zu machen." Die ,Leipziger Aeuesten Rachrichten" IDVP.) nennen die Auflagekundgebung der preußischen Regierung eine .Wahldemagogie de« Preuhenkabinetts" unb sagen u. a.: .Hier liegt ein ganz groberMihbrauch der Rotver- vrdnung vor. ein Mißbrauch zum Zwecke des Wahlkampses. der noch dadurch verschärft wird, daß die Preußenrecherung in dem Aufruse nicht« unterlaffen und nichts vergessen hak, was die ohnehin mit Zündswfs geladene innerpolitische Atmosphäre nur noch mehr mit Zündstoff laden könnt«. Die Kundgebung der Preuhenregie- rung ist ein demagogischer Mißgriff der gefährlichsten Art. Schon heute muß feierlichst und in aller Form feftgeftellt werden: Die letzte Verantwortung für die jedes Maß überschreitende Zuspitzung der politischen Meinungen in Preußen trägt da- Preußenkabinett." Der Verleger der .Rheinisch-Westfälischen Zeitung" Dr. Reismann-Grone. hat a n den Reichspräsidenten ein Telegramm gerichtet, in dem er dagegen Einspruch erhebt, daß die preußische Staatsregierung auf Grund der Notverordnung vom 17.3uli von der Presse die Veröffentlichung eines Aufrufes gegen den Volksentscheid verlangt, obwohl der Volksentscheid Leine politische Ausschreitung,sondern ein verfassungsmäßiges Recht der Staatsbürger sei. 3n dem Telegramm heißt eS weiter, der Kampf der preußischen Regierung gehe mit Hilfe der Verordnung des Reichspräsidenten gegen die gesamte Presse, die für die Wahl Hindenburgs eintrat und sie durchführen half und für die Parteien, die Hindenburg bekämpfen. Auf -er Fahrt nach Rom. Den Brenner überschritten. Reichskanzler Dr. Brüning traf mit Außenminister Dr. C u r t i u s mit dem fahrplanmäßigen O-Zug 9.02 Uhr im Münchener Hauptbahn Hof ein. Obwohl auf ausdrücklichen Wunsch des Reichskanzlers ein offizieller Empfang nicht stattfand, hatte sich eine größere Menschenmenge im Bahnhof eingefunden. Der Reichskanzler reiste in dem kursmäßigen Schlafwagen, der in München in den Italienschnellzug eingestellt wurde. Der Reichskanzler arbeitete wahrend des ganzen 40 Minuten dauernden Aufenthaltes in München mit dem Außenminister im Wagen, ohne sich am Fenster seines Abteils au zeigen. Pünktlich um 9.40 Uhr verließ der v-Zug München. Am Brenner sind die Herren um 16 Uhr eingetroffen Im Grenz- bahnhof wurden sie vom deutschen Botschafter Dr. von Schubert, Legationsrat Grafen Bal- doni und vom Präfekten von Bozen begrüßt. Um 17.30 Uhr wurde die Reite im Sonderzuge des Ministerpräsidenten Mussolini fortgesetzt. OerBesuch -esReichskanzlers im Vatikan. R o m, 6. Aug. (TU.) Der deutsche Botschafter beim Päpstlichen Stuhl, von Bergen, der seine Kur unterbrochen hat, ist am Donnerstag früh nach Rom zurückgekehrt. um bei dem deutschen Ministerbesuch zugegen zu sein. Inzwischen ist auch das Programm für den Besuch des Reichskanzlers und des Reichs- außenministers im Vatikan festgelegt worden. Am Samstag zwischen 18 und 19 Uhr werden sich die deutschen Minister in Begleitung der Herren von der deutschen Botschaft in den Vatikan begeben und nacheinander dem Kardinalstaatssekretär Pacelli einen Besuch abstatten, um dann ebenfalls einzeln vom Pap ft in Privataudienz empfange n zu werden. Kardinalstaatssekretär Pacelli wird dann die Besuche der deutschen Minister in der deut- schen Botschaft e r w i d e r n. In der Botschaft findet am Abend im kleinen Kreise ein Essen statt, an dem außer den Ministern auch der Kardinalstaatssekretär Pacelli teilnehmen wird. Der Empfang im Vatikan wird sich nach dem Zeremoniell abspielen, das dem Range der deutschen Gäste entspricht. Das Agrarprogramm des Reichskabmeits. Berlin, 6. Aug. (CRD.) 3n der letzten Kabinettsberatung vor Antritt der Ronrreise des Reichskanzlers wurden die für die nächste Zeit geplanten Agrarmahncrhmen grundsätzlich gebilligt. Die für die Durchführung der Pläne noch notwendigen Verhandlungen sind weitestgehend gefördert worden, teilweise wurden auch schon Ergebnisse erzielt. Einen sehr wesentlichen Bestandteil des Agrar- programms stellt die beschlossene Zwischen- lö.sung für das Getreidelagerscheinwesen dar. Mit der Ausstellung der Lagerscheine ist die Deutsche Getreidehandelsgesellschaft betraut worden: die Einlagerung wird bei allen Lagerhaltern erfolgen, die bereit sind, eine Garantie für die Qualitätserhaltung zu übernehmen. Die neue Lagerscheinverordnung soll die Möglichkeit für eine Verbilligung des Lombardkredites für landwirtschaftliche Zwecke bieten. Darüber hinaus schweben noch Verhandlungen über eine weitergehende Zins senkungsaktivn fürland- wirtschaftliche Kredite. Um eine möglichst weitgehende Entlastung des deutschen Getreidemarktes zu erzielen, beabsichtigt Die Reichsregierung, mit größtmöglicher Beschleunigung das Exportventil fürWei- zen und Roggen zu öffnen. Die Schwierigkeiten der Exportfinanzierung bzw. der Finanzierung der Exporischeine hofft man durch Abschluß der deutsch-amerikanischen Kreditverhandlungen beheben zu können. Die Ausfuhr von Brotgetreide soll vorerst auf ein« gewisse Zeit — wahrscheinlich bis 31. Dezember — begrenzt werden. 3nnerhalb Lieser Zeit darf nur ein Teil der exportierten Gelreidemeng« reimportiert werden, der Rest im zweiten Teil des Erntejahres. Die Höhe der beim Reimport zu zahlenden Abgaben steht noch nicht mit Sicherheit fest, genannt werden in diesem Zusammenhang 20 Mark je Tonne für Weizen und 10 Mark für Roggen. Der Verma h l u n g s z w a n g für 3nlandweizen soll für das ganze Erntejahr im allgemeinen mit 97 Prozent festgesetzt werden, daneben dürfte jedoch noch eine zweit« Quote festzulegen sein zur Regelung der Vermahlung von Auslandweizen, der auf dem Tauschwege hev- ernkommt. Genannt wird hierfür eine Quote von vielleicht 70 Prozent, d. h. diejenigen Mühlen, die Auslandweizen, der auf Grund der Exportscheine reimportiert wird, vermahlen, haben mindestens 70 Prozent 3nlandweiz«n zu verwenden. 3n Anbetracht der unsicheren Weltmarktlage von Roggen sollen die Voraussetzungen für die Magazinierung von mehreren hunderttausend Tonnen Roggen geschaffen werden. Gedacht ist hierbei aber nicht an eine Preisstützung, wie sie im vorigen 3ahr vvrge- nommen wurde, sondern lediglich an die Aufnahme übermäßig starker Angebote zu marktgemähen Preisen. Deutschlands Baumwollbedarf. Berlin, 7. Aug. (TU.) Wie die DAZ. zuverlässig erfährt, hat die Reichsreaierung in Form eines Vorschlages die amerikmzische Regierung wissen lasten, daß die Höchstgrenze für den deutschen Bedarf an amerikanischer Baumwolle in diesem 3ahre 600 000 Ballen sein würde. Es sei jedoch nicht ausgeschlossen, daß sich der deutsch« Markt für weitere 200 000 Ballen als aufnahmefähig erweisen könnte. Das deutsch« Preisangebot soll stch in der Richtung bewegen, daß man di« jeweilige Daumwollnotierung in Liverpool in den Lieferungsmonaten zugrunde legen wolle. Der Freigabe der Sparkonten ab Samstag Strenge Einhaltung der statutenmäßig vorgeschriebenen Kündigungsfristen. Berlin, 6. Aug. (VTB.) Amtlich. Durch die Verordnung des Reichspräsidenten vom 5. August 1931 ist den Sparkassen die Möglichkeit eröffnet worden, geeignete Unterlagen zu schaffen, auf denen sie sich durch Vermittlung der Akzept- und Kreditbank bei der Rcichsbank öle nötigen Kassenmittel verschaffen können. Es besieht daher keine Notwendigkeit mehr, den Zah- lungsverkehr der Sparkassen noch weiter zu beschränken, zumal das Verhalten der B e- völkerung am ersten Tage des freien Zahlung». Verkehrs bei den Banken den Erwartungen ent- sprachen hat, die der Reichskanzler in seiner Rundfunkrede ausgesprochen hat, und auch anzunehmen ist, daß die Inhaber von Sparguthaben d i e gleiche Besonnenheit und das gleiche vertrauen an den Tag legen werden. Schon vom nächsten Samstag ab soll sich daher der Zahlungsverkehr, soweit es sich um Guthaben aus Sparkonten und Sparbüchern handelt, im selben Maße wie vor den Bankfeierlagen gestalten. Allerdings wird er sich in den Grenzen halten müssen, welche schon die — früher nicht überall streng innegehaltene — Mustersahung des Spar, und Girooerbandes vorsieht. Diese Satzung schreibt bekanntlich vor, daß innerhalb eines Monats bis zu 300 Reichsmark ohne vorherige Kündigung abgehoben werden können. Die Zahlung eines höheren Betrages als insgesamt 300 RM. innerhalb eines Zeitraums von einem Monat kann nur gefordert werden, wenn eine rechtzeitige Kündigung erfolgt ist. Die Kündigungsfrist beträgt, soweit keine längere Kündigungsfrist ausdrücklich vereinbart worden ist, für Beträge von mehr als 300 RM. bis 1000 RM. einen Monat, für Beträge über 1000 RM. drei Monate. Weiter glatte Abwicklung des Zahlungsverkehrs. Fortgang der Einzahlungen. Berlin, 6. Aug. (TU.) Die Reichsbonk teilt mit: Dank der besonnenen Haltung des Publikums und der umsichtigen Vorbereitungen der Reichs- bcmk ist die Wiederingangsehung beS Zahlungsverkehrs als vollkommen gelungen zu bezeichnen. Auch am heutigen Tage (Donnerstag) ist alles ruhig verlaufen. Die Einzahlungen haben fast überall die Auszahlungen um ein Vielfaches überschritten. Abhebungen erfolgten fast nur für Lohngel- 5 er. Bei den Reichsbankkassen in Berlin überstiegen die Einzahlungen die Auszahlungen um ein Vierfaches. Auch Rücküberweisungen sind wieder stark aus der Provinz erfolgt. Die eingegangenen telegraphischen Giroüberweisungen waren achtmal so groß wie an die Provinz auszuführende telegraphische lleberweisungen. Bei Öen Sparkassen verlief ebenfalls alles ruhig. Don einigen Stellen wird gemeldet, daß bereits ausgesprochene Kündigungen von Spargelbern wiederzurückgezvgen wurden. Die Regierung hat deshalb beschlossen, den vollen Zahlungsverkehr für Sparkonten nicht erst am Montag, sondern schon am Samstag eintreten zu lassen. Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, daß ausländische Roten an den Bankkassen in sehr starkem Umfang wieder angeboten werden. Das Handwerk zur Wirtschaftslage. Hannover, 6.Aug. (TU.) Die Vorstände des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages und des Reichsverbandes des deutschen Handwerks traten am 5. August in Hannover unter dem Vorsitz von Präsident Stadtrat Pflugmacher (Magdeburg) zusammen, um zur derzeitigen Wirtschaftslage Stellung zu nehmen. Die Beratungen wurden eingeleitet mit einem eingehenden Bericht von Generalsekretär Dr. M e u s ch (Hannover), an den sich eine lebhafte Aussprache anschloß. Die Stellungnahme der Vorstände läßt sich wie folgt zusammenfassen: Die Wiederherstellung des Zahlungsoer- kehrs wurde lebhaft begrüßt, insbesondere auch, daß nach der Ankündigung des Reichskanzlers in seiner Rundfunkrede vom 4. August die letzten Bin- düngen für die Sparkassen in kürzester Frist fallen werden. In der Aussprache wurde betont, daß sich die für die Kreditversorgung der Wirtschaft in Frage kommenden Institute wieder in erster Linie den Ausgaben zuwenden sollen, die von ihnen in der Vorkriegszeit durchgeführt wurden, daß also die Sparkassen sich in erster Linie der Pflege des Realkredits wieder widmeten. Maßnahmen, die von einer inflatorischen Wirkung begleitet sein könnten, wurden grundsätzlich abgelehnt. Zu der Frage der hohen Verzugszuschläge für Steuerrückstände sind Verhandlungen mit dem Reichsfinanzministerium in Aussicht genommen, um kleinere rückständige Steuerbeträge von den hohen Zuschlägen zu befreien. Für den notwendigen Umbau im Innern muß die dringend erforderliche Verwaltungsreform endlich ihrer Verwirklichung entgegengeführt werden. Auf wirtschaftspolitischem Gebiet ist jeder überflüssige Zwang für die Wirtschaft zu beseitigen und ihr für die Steigerung ihrer Leistungsfähigkeit größtmöglichste Freiheit zu geben. Insbesondere wurde die baldige Aufhebung der Wohnungszwangswirtschaft für unerläßlich bezeichnet. Bestehende Bindungen für Preise und Löhne sind gleichfalls einer ernsten Überprüfung zu unterziehen. Die Sozialpolitik darf an der Leistungsfähigkeit der Wirtschaft nicht achtlos vorübergehen. Die Steuerpolitik muß auf eine gerechte Lastenverteilung Rücksicht nehmen und darf die Möglichkeit zur Kapitalbildung nicht unterbinden. Mit der Neuregelung des Finanzausgleichs darf keine Verschiebung der La st en zu ungun ft en des gewerblichen Mittel st andes verbunden werden, vielmehr muß seine Durchführung von einem wesentlichen Lastenabbau Begleitet sein. Es wurde beschlossen, zu dieser Frage eine ausführliche Denkschrift auszuarbeiten, bei der die übrigen mittelständiscben Gruppen zur Mitarbeit herangezogen werden sollen. Die Vorstände des Kammertages und Reichsver- bandes wiesen auch daraus hin, daß die R e p a - rationale ft en angesichts der inzwischen einge- tretenen Entwicklung völlig untragbar sind. Auch hier läßt sich eine durchgreifende Revision der außenpolitischen Bindungen nicht länger mehr aufschieben. Die Vorstände bedauerten lebhaft, daß in dieser Zeit, die ein Zusammenstehen aller Wirtschaftsgruppen gebietet, der Reichslandbund beabsichtigt, durch die Verpflichtung seiner Mitglieder zur Einhaltung von Minde st preisen zum Schaden des Handwerks und der übrigen Dolksteile den freien Wettbewerb auszuschalten. Diese mangelnde Rücksicht auf die Schicksalsverbundenheit aller Wirtschaftsstände wirft die Frage auf, ob die durch hohe Zölle bislang erfolgte Subventionierung der Landwirtschaft weiterhin aufrechterhalten werden kann. Der von den Spitzenvertretungen des Handwerks dem Reichskanzler unterbreiteten Bitte, bei allen Maßnahmen, die in der Regierung für die Ueberroinbung der Wirtschaftskrise vorbereitet werden, einen sachverständigen Vertrauensmann der mittel st ändischen Wirtschaft 3U beteiligen, wurde zugestimmt. Nach Rückkehr des Reichskanzlers von seiner Romreise wird diesem die Auffassung des Berufsstandes zur Lage in mündlicher Aussprache noch einmal ausführlich dargelegt werden. deutsche Vorschlag sei Washington durch den amerikanischen Botschafter Sackett übermittelt worden. Eine Stellungnahme liege noch nicht vor. öer Gierlingkurs. Amerika kauft Franken. Paris, 6. Aug. (WTB.) Der M a t i n vertritt den Standpunkt, daß die Kursschwankungen des englischen Pfundkurses, die sich im Laufe des gestrigen Börsentages zeigten, auf Massenabgaben in englischen Pfunden gegen französische Franken zurückzuführen seien, die gestern und vorgestern oorgenommen wurden. Am Dienstag habe die Bank von Frankreich unaufhörlich Pfund Sterling hereingenommen. Gerüchtweise verlautete gestern, die Bank von England habe mit Hilfe des amerikanisch-französischen Kredits von 50 Millionen Pfund Sterling interveniert. Von welcher Seite würden nun aber die Pfund Sterling auf den Markt geworfen? Von Berlin? Man erkenne nicht, weshalb Berlin gegenwärtig etwa französische Franken so notwendig brauchen sollte. Börsenkreise glaubten daher eher, daß die Verkäufe in Pfund Sterling von Neuyork ausgingen, wo viel englische Devisen lägen. Die dortigen Finanzkreise hätten es für angebracht gehalten, englische Devisen gegen französische auszutauschen, um so das R i - siko zu verteilen. Wie dem auch sei, die Kursschwankungen des Pfund Sterling seien ein neuer Beweis dafür, daß die durch die deutschen Finanzschwierigkeiten heroorgerufene Krise noch immer in gleicher Stärke andauere und daß wenigstens in finanzieller Hinsicht größte Wachsamkeit am Platze sei. Aus aller Welt. Die Unwetterkatastrophe am Mittelrhein. Das Unwetter, das am Mittwoch über dem Mittelrheingebiet wütete, hat großen Schaden angerichtet, der sich auch jetzt noch nicht döUig übersehen läßt. Besonders das sogenannte Drachen- selser Ländchen ist arg verwüstet worden. Das Amt Villip wird wohl 3ahre gebrauchen, um den durch die Unwetterkatastrophe hervorgerufenen Schaden wieder einigermaßen gut- zumachen, wobei es ohne Hilfe von Provinz und Reich kaum abgehen wird. Straßen und Drücken wurden zerstört, Gärten vernichtet, Häuser unterspült un5 schwer mitgenommen. Groß ist auch die Verwüstung in der Ortschaft Mehlen bei Godesberg. Das Wasser drang in die Häuser ein und schwemmte eine Menge von Hausrat fort. Die Mühle von Hüllen stand bis zum zweiten Stockwerk unter Wasser. Rur mit Mühe formten sich die Bewohner in Sicherheit bringen. Sechs Kühe und drei Pferde kamen in den Fluten um. Die Straßen sind mit Schlamm bedeckt. Die Läden können kaum Waren anbieten, da die Wassermassen die Schaufenster eingedrückt und die Waren sortgeschwemmt haben. Ebenso schlimm hat das llnwetter auch im bergischen Lande gehaust. Die Eisenbahnunterführungen stehen fast sämtlich unter Wasser, und zwar stellenweise vier bis fünf Meter tief. Die Hoffnung, daß die Wassermafsen sich bald verlaufen werden, hat sich nicht erfüllt, da am Donnerstag wieder ein schweres Gewitter nieder- ging, das von hefttgen Regenfällen begleitet war. Unwetterschäden in Nordtlrol. Am Mittwochspätabend ging überdas Gebiet des Achensees ein Wolkenbruch nieder, der große Verheerungen anrichtete. Die Straße nach 3enbach ist an mehreren Stellen durch große Erdmassen verschüttet. Ganze Hange und Waldstreifen wurden durch die Wassermafsen zutal gerissen. Die Erd- und Schlammassen erreichten auf der Straße teilweise eine Höh« von 4—5 Meter. Auch in 3enbach selbst richtete das Unwetter vielfach großen Schaden an. Die Wassermassen sind in die Häuser eingebrochen. Roch im Laufe der Rächt wurde mit den Räumungsarbei- ten begonnen. Der Verkehr kann zunächst nur notdürftig erhalten werden. Die Schießübungen der Jlotte. Das diesjährige Flotten-Artillerieschießen in der Kieler Ducht wird unter Beobachtung besonderer Absperrungsmaßnahmen durchgeführt. 3n der vergangenen Woche wurde zunächst zur Vorübung aus Abkommenkanonen geschossen. Es handelt sich dabei um Rohre geringeren- Kalibers, die aus Gründen der Kostenersparnis in die Geschütze eingesetzt werden Vom 3. bis 7. August wird erst das eigentliche Kaliberschießen durchgeführt, wobei scharf gefeuert wird. Als Ziel dienen das frühere Linienschiff .Zähringen-, das von dem Schnellschlepper »Blitz" ferngelenkt wird, fotoU Schlitten und Schnellscheiben verschiedener ®rö* ßen, die an über 1000 Meter langen Seinen geschleppt werden. Die ersten Tage dieser Woche brachten eine Reihe Tages- und Rachtschieß- übungen. Die Aufgaben sahen u. a. die Abwehr von angreifenden Torpedobooten auf nahe und mittlere Entfernung vor. Den Höhepunkt bildeten die Schießübungen der Kreuzer und Linienschiffe, die unter möglichst gefechtsmäßigen Verhältnissen durchgeführt wurden. Ein Rachtschiehen der Kreuzer ^zweckte die Torpedvabwehr auf mittlere Entfernung durch die mittlere Artillerie im Treffenverband (zwei Schiffe). Die Beleuchtung des Zieles erfolgte dabei durch Leuchtgranaten, die das schießende Schiff selbst feuerte. Während der verschiedenen Anläufe wurden taktische Bewegungen der Kreuzer durchgeführt. Rach Beendigung des Schießens und der Feststellung der Treffer durch einen unparteiischen Offizier erfolgte die Bewertung des Schießens in anschließender Besprechung. Bei alten Schiffen wurde ein hoher Grad von Treffsicherheit festgestellt. Auf einer Schwarzfahrt ertrunken. Zu dem bereits gemeldeten Bootsunglück bei Gatow (Potsdam), bei dem drei Personen ertranken, wird noch mitaeteilt: Die ertrunkenen Personen sind Frau W. 3ähn ck e , der Opernsän- ger Paul 3ansen und ein Herbert Dartel. Die übrigen vier 3nsassen, darunter der Arzt Dr. 3ähncke, konnten gerettet werden. Öähncke feierte am Mittwochabend in seiner Villa seinen Geburtstag. Als die Gesellschaft den letzten Omnibus nicht erreichen konnte, nahm sie das Angebot von zwei Chauffeuren an, die sie in einem Rennboot befördern wollten, das, wie sich nachher herausstellte, die beiden Chauffeure für eine Schwarzfahrt enttoen- d e t hatten. Rach 20 Meter schlug das Doot wahrscheinlich infolge Ueberlastung um. Ein« Segeljacht konnte die vier Ueberlebenden aufneh- men, während ein Feuerlöschboot die beiden Leichen bergen konnte. Die beiden fiagenoroer Bankräuber verhaftet. Die beiden Hagenower Dankräuber konnten itt der Rähe der Ortschaft Dannenberg verhaftet werden. Es handelt sich um den 22jährigenj Kontoristen Äiibes und den 21 3ahre altem Kaufmann Hans Rohr. Die beiden Verbrecher stammen aus Lübeck. Cs wurden bei ihnen noch 1916 Mk. vvrgefunden. Sie haben also von dem geraubten Geld« kaum etwas verbraucht. Schluß der Fuldaer Bifchofskonferenz. Die diesjährige Dischvfskonferenz ist Mittwoch? abend zu Ende gegangen. Den feierlichen Schlußakt der Konferenz bildete eine Andacht am Grabe des Hl. Donifattus, an der sämtliche in Fulda anwesenden Kirchenfürsten sowie ein zahlreiches Publikum teilnahmen. Während des Gesanges des Donisatiusiiedes wurde den Dischösen die Reliquie des hl. Donisitius zur Verehrung gereicht. Eröffnung des Bildtelegrammdienstes Rom—Berlin. Vom Reichspostministerium wird mitgeteilt, daß der Bildtelegraphenverkehr eröffnet wird. Ein.Quadratzentimeter Bildfläche kostet 17 Reichspfennig, der Mindestbetrag für ein Bildtelegramm beträgt 17 RM. Die Wetterlage. IngO Jan Hw :ydistjor-0*17 ( Wien u^uv xjtny'isi' q i** Mk *Xwägent.^2 «am 0 wolkenlos, o neuer oharo oeoeent oworxia eoeoecii -liegen * Schnee ä.Graupein * Meoei ’K 6ewitter.@wind$tiiiL-O' sehr tekhter Ost £ massiger Suosoowesi q siyrmocnei «orgwesl Ole Pfeile fliegen mit dem winde Oie oeigen Stationen stenenden za» len geben die Temperatur an. Die Linien verbinden Orte mit gleichen! «uf rteeresnnieau umgerechneten Luftdruck Wettervoraussage. An der Rückseite des heute morgen sich über Süd« Skandinavien bewegenden Tiefdruckgebietes haben die Winde nach Nordwesten umgedreht. Es gelangt somit von den Britischen Inseln her kühle ozeanische Luft nach Deutschland, was ein Zurückgehen dec Temperaturen zur Folge hat. Dabei dürften vereinzelt auch noch Niederschläge in Form von Schauern auftreten. Mit dem Zustrom der Kaltluft ist allerdings Luftdruckanstieg verbunden, so daß das westliche Hoch mit der Zeit nach dem Festland gelangt. Dabei wird die Wetterlage wieder in ruhigere Bahnen kommen und mehr Aufheiterung einsetzen, wenn auch infolge der maritimen Luft vorübergehend noch Gewitterstörungen auftreten. Vorhersage für Samstag: 3m ganzen kühleres, wechselnd wolkiges Wetter mit Aufheiterung, noch Regenschauer. Vorhersage für Sonntag: Wieder mehr aufheiternd und tagsüber wärmer, nur noch vereinzelt Reigung zu Gewitterstörungen. Lufttemperaturen am 6. August: mittags 26,2 Grad Celsius, abends 18,8 Grad: am 7. August: morgens 16,9 Grad. Maximum 27,1 Grad, Minimum 14,6 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 6. August: abends 2^,2 Grad: am 7. August: morgens 12 Grad. — Niederschläge 3,4 mm. — Sonnenscheindauer 7K Stunden. Reifewetterdienst der amlNchen Wetterdienststelle Gießen. Westerland: 16 Grad, gestern warmer Tag, heute morgen Südwest-Wind, halb bis ganz bedeckt. Witterungsverlauf seit gestern: veränderlich. Swinemünde: 17 Grad, gestern der Jahreszeit angemessene Temperatur, heute Südwest- Wind, halb bis ganz bedeckt, gestern meist trüb^ 9 IX1U201 SBirtn -'W offeL tat iq dreche, n noch n dem i®tabe Iba an» K« Pu- leS des kliquie •Berlin, ilt, bah in .Qua« Mennig, betragt il(A .n Schou« altlust >ll baß da» stlanb iruhiSktt einfetzen. bergehend immer aul dem angestammter norddeutscher Herrensitz, um von Derantwortlich für Lokales: t. D. j). ß. Neuner. InApolhuDfog Do$euTubeQ60ul20 alt- den •• Schulpersonalie. Dipl -Gewerbelehrer Richard Latsch aus Alsfeld wurde mit Wirkung vornehmlich, was uns in ein falsches Licht rückt. Also liegt es nicht nur an den andern, sondern eben- soviel au.' »Das bißchen (?rht* von Richard Stovronnek und führt in eine Welt, deren Schilderung alle Kämpfe, alle Irrungen und Wirrungen dieses Romans im Grunde verschuldet hat, ist ein je her ausgezeichnet und beliebt gemacht haben So dürfen wir hoffen, auch mit dem neuen Roman einen guten Erfolg in unserem Leserkreise verzeichnen zu können. Talen für Freitag, 7. August. Sonnenaufgang 4.57 Uhr, Sonnenuntergang 20.03 Uhr. — Mondaufgang 22.55 Uhr, Monduntcrgang 14.45 Uhr. 1779: der Geograph Karl Ritter in Quedlinburg geboren: — 1848: der Chemiker von Berzelius in Stockholm gestorben; — 1914: die Deutschen erobern Lüttich. ich an uns selbst. Dören wir immer ich, ufrecht. Immer gerade, immer ohne Falsch und ohne unnötige Maske, wir würden auch gerechter beurteilt werden. Doch wer macht den An- fana damit? Nein, wir sehen die Menschen nicht, wie sie sind, wissen wir doch oft nicht einmal über uns selbst Bescheid! —r. mit allen Mitteln erbittert gekämpft wird. Das bißchen Erde und da» bißchen Liebe sind die Grundmotioe dieses Romans, dessen Gestalten Skowronnek nach der Natur gemalt sind, dessen Handlungen mit der intensiven Spannung, dem erzählerischen Temperament und dem liebenswürdigen Humor gestaltet sind, die Skoweonneks Romane von Autor wie wenigen aus tieHter persönlicher Kenntnis heraus stets mit besonderer Meisterschaft gelungen ist. Das bißchen Erde, um das es hier geht, und das Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. Israelitische Religlonvgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, 8. August. Dor- abend 7.30 Uhr, morgens 8.30; Predigt; abends 8.10 und 8.50 Uhr. Aus der prvvinzialhauptfiadt. Gießen, den 7. August 1931. Oer Mensch, wie er ist. Kann auch nur einer behaupten, daß er die Men- schen sieht, wie sie sind? Das Iunggesellenbrevier behauptet, daß man erst in der Ehe die Frau kennenlernt, wie sie ist. Dieselbe Bosheit ailt natürlich auch umgekehrt. Es läuft ganz auf dasselbe hinaus, und schließlich hat keiner dem anderen etwa» vorzuwerfen. Trotzdem wird man auch dieses Wort nicht aufrechterhalten können, wenn man es ganz ernst nimmt, denn selbst in der Ehe bleiben noch manche Winkel des Wesens unentdeckt und unverstanden. Auf beiden Seiten. Wir sehen die Menschen, wie eben wir sie sehen, zumTeil auch, wie wir sie in einer bestimmten Stunde und unter der Beleuchtung die unsere äugen, blickliche Stimmung gibt, sehen wollen. Hinzu kommt, daß uns keiner gestattet, ihn wirklich richtig zu sehen. Irgendeine Maske hat jeder oorgebunden, denn jeder will fidj sehen lassen auf die Weise, die ihm gerade behüflt Da ist eine Frau, die sc ganz anders ist als die Frauen sonst. Bon einer Herbheit und Unzugänglich, keil daß jedes wärmere Wort auf den Lippen er- stirot. Es ist eine kluge Frau, und infolge der Der- einsamung, in die sie die Herbheit ihres Wesen» geführt hat, vermochte sie sich ein ansehnliches Wilsen' anzueignen. Sie könnte eine vortreffliche Gesell- schafterin sein, wenn nicht eben ihr Wesen jeden Menschen absließe, da er sich ständig belauert suhlt. Da tritt ihr einer in den Weg, der sich durch die dornige Hülle nicht schrecken laßt, sondern den andern Menschen sucht, der darunter verborgen sein kann. E, ist keiner der üblichen Sieger über Frauen- herzen, sondern eher ein stiller, schüchterner Mensch, der mehr au» sportlichem Interesse und au» innerer Teilnahme in dem Mitmenschen das Gute sucht und wecken will. Und siehe da: Die herbe Frau wird Wach» in seinen Händen, und in Gemeinschaft eine» anderen Manne» ist sie nur immer herber geworden. Sie ilt auch weiterhin herb und unzugänglich gegenüber den andern aber zu bleiern einen ist sie die hin- gebende, opferwillige Frau, die ihr ganzes Sein auf diese eine Karte setzt, während sie sonst so selbstsicher- egoistilch sein kann. Ein einfacher Handwerker ist im Grunde seine» Herzens gemütvoll und besitzt echten, von Herzen kommenden Humor. Aber er muß poltern, er kehrt jedem gegenüber Stacheln heraus. Er möchte liebenswürdig fein, aber wie sehr er sich auch darum müht, r» wird doch ein Dorn, der zwar nicht sehr weh tut, doch auch nicht angenehm berührt. So kommt es, daß er so gut wie allgemein gemieden wird, obwohl man feine Persönlichkeit schätzen sollte, weil er nicht nur em charaktervoller und grundehrlicher, sondern auch ein guter, opferbereiter Mensch ist, zum Freunde ebenso geeignet wie zum Kollegen. Hier gibt sich jedoch keiner die Mühe, zu verstehen und in Fühlung zu kommen, und so geschieht es, daß ein vortrefs- licher Mensch keinen Freund findet und überall auf Widerstand stößt. Die Beispiele ließen sich in» Unendliche vermehren. Doch wozu? Schließlich brauchen wir ja nur auf uns selbst zu blicken. Werden wir so erkannt, wie wir sind? Deutet man nicht unzählige unserer Taten und Worte falsch, läßt man uns wirklich Gerechtigkeit widerfahren Man versteht uns nach all den unbedeutenden Einzelzügen, die wir nicht immer beherr- schen können, weil wir nicht Herr feder Sekunde sind. Aber man fragt nicht ein einzigesmal nach dem Grunde unseres Handelns, nicht nach den geheimen Motiven, die eigentlich den Ausschlag geben. Richt selten wollen wir allerdings auch anders gesehen sein, al» wir wirklich sind. Und das ist es im Grunde Unser neuer Roman. In der heutigen Ausgabe des „Gießener Anzeigers" beginnen wir mit der Veröffentlichung eines neuen Romans, nachdem der alte in der gestrigen Nummer feine befriedigende Löfung gefunden hat. Der Derfasier unseres neuen Romans gehört feit Jahren zu den beliebtesten Autoren der deutschen Unterhaltung»literatur: seine besten Bücher sind in bedeutender Auflagenböhe verbreitet und werden immer wieder gern gelesen; auch im „Gießener Anzeiger" ist der Verfasser schon früher erfolgreich zu Worte gekommen. Der neue Roman heißt: Vornotizen. — Tageskalender für Freitaa: Gieße- ner Gesangvereine, 20.30 Uhr, Gesamtprobe, Kacho- Usches Dereinshaus. — Lichtspielhaus, Bahnhof, ftraße: „Der Liebesexpreß". — Flug tag. Der für den nächsten Sonntag vorgesehene Flugtag dürfte für Gießen wiederum ein großes sportliches Ereignis bedeuten. Erstmalig wird dabei ein Mitglied deS Vereins für Luftfahrt Dießen zu einem großen MotorfluA- wetibewerb starten. Das Schulflugzeug Klemm L 26 wird unter Führung des Leiters der hiesigen Flugschule Fluglehrer ßubtoig Maier nachmittags $um Deutschlandslug 1931 Gießen verlassen. Dte Piloten der Sportfliegervereinigung werden die modernsten Arten des Kunstfluges -eigen; HilsSfluglehrer Moog startet an diesem Tage aus dem Flugzeug ^Thea Rasche" zu seinen Sensations- und Rückens!» gn. Die Zuschauerplätze sind so gelegt, daß sich der gesamte Flugverkehr direkt vor dem Publikum abspielt. vom 1 Juli zum Studienrat an der Gewerbeschule zu Lauterbach ernannt, *• Freie Lehrer st eile. An den Volksschulen zu Elbenrod und Deckenbach wurden je eine Stelle für einen evangelischen Lehrer frei. Dienstwohnun- gen sind vorhanden. •• 2 5. Dienstjubiläum. Der Kafsenbote Heinrich O p p e r konnte gestern auf eine 25- jährige Tätigkeit im Dienste der Städtischen Gas- und Wasserwerke in Dießen zurückdlicken. Der Jubilar zeichnete sich stet» durch ytXMffCTtbafte und treue Pflichterfüllung au». ” Dlvckenläu tcn und Dotte»dienst am 11. August. Da» Lande-kirchenamt erläßt ein Anschrei den, nach dem die kirchliche Feier de» Verfassupgstage» auch in diesem Fahr genau wie in den früheren gehandhabt werden soll. Daher ist für den 11. August von 12 bi» 12,15 Ahr ein allgemeineSGeläute angevrdnet. DieAbhaltung von Gottesdiensten wird den örtlichen Entschließungen überlassen. Voraussetzung hierfür ist, daß bei Veranstaltungen von weltlichen Feiern unter allen Umftänben auf die kirchliche Veranstaltung Rücksicht genommen wird. *• Die Post am Serfaffungstag Da der Dersasfungstag (11. August) in Hessen al» staatlich anerkannter Feicrtog gilt, wird bei den Postämtern in Gießen der Dienst wie folgt geregelt: Die Schalter Werden wie an Sonntagen geöffnet. Außer der einmaligen Briefzustellung, die um S.45 Uhr beginnt, wird eine Geld- und Landzustellung aus- geführt. Die Briefkasten werden wie an Werktagen geleert. Die Kraftposten verkehren wie an Sonn- tagen. •• Straßensperrung, mitgeteilt vom Oberhessischen Automvbil-E'.uh (A. v. D). Gießen. Die Sperre der Ortsdurchfahrt Schlitz ist wieder aufgehoben. Di« Sperrung der Siraßenftrecke Rendel — Riederdvrfel- d e n bi- zur Abzweigung nach DüdeSbeim wird ab 11. August ebenfalls aufgehoben. Di« Straße Rodheim v. d. Höhe —Petterweil wird ab 10. August gesperrt. Die Umleitung erfolgt über Holzhausen v. d. Höhe—Ober- erlenbach oder Riederwöllstadt—Okarben. Die Straße Rendel — Büdesheim vom Abzweig nach Riederdorfelden wird ab 10. August gesperrt. Die Umleitung erfolgt über Groß- Karben—Heldenbergen und umgekehrt. ee Der Kraftfahrzeugbestand in Hessen. Rach den Feststellungen deS Landes« statistischen Amte- waren am 1. Juli 1931 im Volksstaat Hessen 10147 Krafträder vorhanden. Gegenüber Dem Vorjahre haben vor allem di« Krafträder und ganz besonders die Kleinkrast- räger an Zahl zugenommen; bei den Kraftwagen pat sich das Wachstumtempo gegenüber den Vorjahren wesentlich verlangsamt. DesonderS hoch ist der Kraftfahrzeugbestand in den Kreisen Drost- Gerau und Darmstadt. Entfällt hier doch bereits auf 31 bzw. 38 Einwohner ein Kraftfahrzeug. * Wiedersehensfeier der 7 6. Res. - D i v i s i v n. 3n den Tagen vom 5. bis 7. September findet in Wiesbaden die Wiedersehensfeier der Regimentsvereinigungen der 76. Res.- Division statt. Zur Vorbereitung der Feier hat sich ein Ausschuß gebildet, der es auch übernommen hat, unbemittelten Kameraden die Teilnahme an dem DivisionStag durch Vermittlung von Frei quartieren zu ermöglichen. Die Leitung des Unterkunstsausschusses liegt in den Händen des Vorsitzenden der 80er Ortsgruppe Wiesbaden, Dr. H o r n h. Kleine Wilhelmstraße 5. Don ibm werden auch Meldurrgen zur Teilnahme an Der WiedersehenSseier entgegengenommen. •• Keine gebrauchten Räder von U n • bekannten kaufen. Trotz wiederholter behördlicher Warnungen werden gebrauchte Fahr- räder, deren Herkunft fast in allen Fällen zweifelhaft ist, von leichtgläubiaen Personen, hauptsächlich auf dem Lande, angekaust. Mehrere Fälle in letzter Zeit geben Veranlassung, norttmal» zu warnen In allen Fällen gibt der Verkäufer an. Eigentümer de» Rades zu sein. Die Käufer derartiger Fahrräder bringen sich dem Strafgesetz gegenüber in empfindliche Situationen, weil sie den Umständen nach annehmen müssen, daß die Räder nicht auf ehrlichem Wege erstanden sein können. Die Vorzeigung von Perfonalpapieren leiten» der Verkäufer, die überdies meist falsch sind, schließt nicht au», daß sich die Abnehmer solcher Räder wegen Hehlerei strafbar machen können. •• Der Landwirtschaftliche Genvf« senschaftSverbandRaiffeisen mit dem Sh in Frankfurt a. M. dem die Genossenschaften in Oberhessen und im Krei» Wetzlar angehören, h.elt am Sonntag im Restaurant Faulst>ch in Gießen einen genossenschaftlich-geldwirtschaftlichen Sprechtag ab. Direktor Ivlk von der genossenschaftl chen Zentralkafi« referierte übet die wesentlichen Fragen der Geldwirtschaft in den letzten Wochen und Tagen, wie e» zu der Krise gekommen ist, welche V.laßnahmen zu ihrer Behebung ergriffen worden sind imb wie diese sich im genossenschaftlichen Geldverkehr auSwirken. An den Vortrag schloß sich eine rege Aus sprach« an, in der durch den Austausch von Erfahrungen in den letzten Wochen und durch Erwägungen und Vorschläge aus der Mitt« der anwesenden Genossenschaftler noch manche aktuell« Fraga geklärt werden konnte. ,e Der Wanderflug der Zugvögel beginnt. Roch ist der Sommer nicht zur Hälft« vorüber, und schon rüsten di« ersten Zugvögel sich zur Südlandreise. Die Mauer- oder Turmschwalbe, die vom 1. Mai bi» 1. August unter gellendem Sri-Sri-Sri durch die Straßen unserer Städte jagt und die Spitzen der allen Kirchtürme umfliegt, nimmt anfang» August von un» Abschied. Vogelbevbachter rühmen die oben erwähnte Regelmäßigkeit ihrer Ankunft und ihreS Wegzugs. Stet» in großen Gesellschaften wandernd. verläßt sie ihre Rester gewöhnlich in ein und derselben Rächt. Di« Mauer- ober Turmschwalbe ist ein höchst lebendiger, äußerst flug- tüchtiger Vogel. Unübertrefflich ist ihre Gewandtheit und unermüdlich ihre Ausdauer. Durch Vernichten unzähliger Insekten: von kleinen Käfern, Schmetterlingen, Fliegen. Mücken, Blattläusen, Libellen und Eintagsfliegen — zählt der kühn« Segler zu den nützltchsten Sommervögeln unserer Heimat. Di« übrige Z«it des Jahre» verbringen die Turmschwalben in Afrika und Südindien. Wlrxeem In der Farbe drucksachen gut unterstützen BrOhl'eche Druckerei, GleBen, SchulstraOe 7, Anruf Nr. 1851 Elngu। Ecke Tilkibit Kali Ladet. 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II prg-gf s”Sa'g • L A- 3 3 SX SS 3-iS iS° =-W9 0 =.§. to 2"3 3 Z> D«LK 3 W £S iS 3 a-B- 5 e: 3 C S'J 5. 3 3. 3 = B» s 2 csy® X3 3 °^§3 2.0 .3 V> LZ 0-3 3 CP3 D S _xS-3.^ F3ff 3^" 9 6) SGI 8 3 8 8 8 3 giabI •oa®or A2.§ ■ssp O S ?2 ® S.Z a2. iS^d S' o _. x. " 3 2. 5t 3- 3 — -■3 -J'm .3 - • s-5? r-.Z iS=-c K Ss 3 Sgl oo?8 3 t OTCT 8 3 ossLscMy^ ?3M 1 3:U>S :-Eis~ x--S@" ro — 3. ** o , D Ld o' Q E o C 2 _ 2 S: _ SE3g Z2- 3 iS X O 3 —s o S—’ 5 A ~ B 0 x — 8 3 2 CD ° 3 s*’» o o EbE ö- 33? -2^er r 3 yt 5-8-3 oaL3 15 3§h Z9 3Z2 S'f^ 3f 3 Gl 5 2-3g3 Z.-sI d«af c 3 8 1 ~c o-O 3=2 8^ x o a "aa ro 2. iS sLKA - a w 3 SH2.8SO sA 2.3 ,3 3 0 ci‘2,- ScS WZ =■§»=§ is<® §oS?r« sGl 2. 3- Zs- « 5 3 D ^83 3©J 3 o 3 O.H O Xo @3 gc2 xK o 9 3 » S2 3-2 3 X er Sog 13 u - — 3Zs3sz2a O-A-9SL3 8 J— ryX © rsr> 10’25 003 = 3 6 H= AXL» ao- o - ~ * «■ °: m nPO" E->3 3 ~ 3 3X3 = eo er« o 3 00g" 38 oA dxero-d'ddc»- >»=- 3a^=23-35-5 s'a 2« g-^Ss : iS) "d 5" H3 or 3 2 3 -* ' c3 ty » § 5^8 co (30 Cp|. 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Rußland und die deutsche Diftschaftslnsis. Don unserem dl.-Berichterstatter. (Lochdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Moskau, August 1931. Die Verschärfung der weltpolitischen Lage, die durch die Wirtschaftskrise und den deutschen Are- ditzujammenbruch entstanden ist, hat in der Räte- union ihre eigenen Auswirkungen gezeitigt. Doch nie hat daS offizielle Dlatt, die 3 f to e ft i j a, im Zeitraum von drei Wochen eine solche Fülle von Leitartikeln einem einzigen Thema - dazu einem außenpolitischen! — gewidmet. 3n einer Zeit, in der die entscheidende Erntekampagne im Dange ist, in der daS Schicksal der Finanzen deS Staates von Erfolg oder Mißerfolg der neuen Anleihe entschieden werden soll und allerwärtS die Auseinandersetzungen über die in der ßtalin- rede angekündigten Parieirichtlinien andauern, Will dies für die Sowjetpolitik sehr viel besagen. SS unterliegt keinem Zweifel: die dürch die deutschen Ereignisse hervorgerusene Weltkrise hat auch die Sowjetpolitik in Ausruhr gebracht. Der Hing, mit dem sich die Sowjets gegen die .kapttalistische Umwelt" abgeschlossen pa- ben,'toirb immer lästiger Denn die andere Seite davon ist Isolierung, Deiseitestehen. Man ist Zeuge der Auseinandersetzung der führenden Weltmächte über alle die politische Degenwart berührenden Fragen — und steht draußen. Man sieht im Kreml zwar deutlich die Grenzen der eigenen Möglichkeiten, man erkennt vor allem daS Mißverhältnis zwischen Können und Wollen. aber man fürchtet eine nochmalige „lebte Einigung" der kapitalistischen Staaten und glaubt an die Gefahr, Objekt dieser Einigung zu sein. — Dabei bietet die krisenhafte Zuspitzung der europäischen Verhältnisse allerdings den Komintern so manche Hoffnung, daß nunmehr ihr Weizen mächtig in die Lehren schießen werde, — aber auch die- braucht vor allem einen gesunden Mutterstaat. Daß Rußland aber heute ohne ausländische Kredite schlechterdings nicht mehr lebensfähig ist, ist schon zu einer Din- senweiSheit geworden. Daher die Unruhe und die Unsicherheit, mit der die Entwicklung verfolgt wird. Und daS Destreben, sich aktiv in den Gang der Ereignisse einzuschalten. AlS die Danatbank ihre Schalter schloß und die Entwicklung in Berlin sich überstürzte, veröffentlichte der bekannte, letzthin erst wieder von Stalin in Gnaden aufgenommene Karl Radek einen Aufsatz in der Iswestija, in dem er sich die größte Mühe gab. haarklein zu beweisen, warum und wieso Amerika und England nie und nimmer den Verzicht auf die von Frankreich gestellten exorbitanten politischen Forderungen verlangen würden. Radek argumentiert, daß innerhalb dieses Mächtedreiecks jeder Partner auf die beiden anderen eifersüchtig fei, aber jeder fich auch den anderen warm zu halten trachte, um ihn gegen den dritten zu verwenden. Somit habe Deutschland in der Tat keinerlei Aussichten, mit den Angelsachsen etwas gegen Frankreich auSzurichten: eS sei als besiegtes Volk isoliert und der einzige Verbündete sei und bleibe die Sowjetunion. Die politischen Bedingungen Frankreichs an Deutschland nannte die Iswestija ein verzehnfachtes Versailles und schriebe „Wenn England und Amerika mit diesen Bedingungen einverstanden sein sollten, so würde dem deutschen Volk damit eine Kriegserklärung überreicht werden.- Wenige Tage später geißelte daS Blatt die Heuchelei der Verhandlungspartner. von denen jeder nur darauf bedacht fei, Deutschland seine eigenen, für ihn vorteilhaften, für die beiden anderen unvor- teilhasten Bedingungen aufzuzwingen, und einen Tag darauf gab eS folgende Formulierung für die Lage: .Die ganze kapitalistifche Welt denke nicht etwa daran, Deutschland auszukurieren, sondern einzig daran, wie sie sich selbst aus deutsche Rechnung gesund machen tonnte.“ Wie man in Moskau generell über die f»genannten RettungSpläne für Deutschland denkt, wird am besten in einer Karikatur dargestellt, die die Iswestija am 25.3uli brachte. Briand, Laval, Macdonal, Stimson und Brüning stehen vor einer Musterkollektion von Fanginstrumenten, wie Handlchcllcn. Schlingen, Käfigen, Ketten usw., um aus dieser Sammlung den r i ch t i ge n ,P lan" ausfindig zu machen. Daß man sich aber hüten sollte, die LiebeSbe- xeugungen der Sowjets allzu wörtlich zu nehmen, das haben die Räte selbst ziemlich eindeutig unterstrichen. Hieß es auf der einen Seite, jetzt gehe eS für Deutschland ums Ganze, jetzt sei die Gelegenheit da, die Fesseln abzustreifen (d. h durch Errichtung der proletarischen Diktatur, durch ein Sowjetdeutfchland). so ließ man auf der anderen Seite durch nichts erkennen, daß die Politik gegenüber dem .bourgeoisen" Deutschland sich um ein Iota geändert hätte. Als nämlich die russische Handelsvertretung in Berlin durch die Verordnung der Regierung Brüning über den Verkehr mit Devisen in ihrer Bewegungsfreiheit etwas eingeschränkt wurde, soll sie geharnischte Vorstellungen in der Wilhelmstrahe erhoben haben, und gar die Aussichten einer Krediteinschränkung haben die hiesige Presse in Helle Wut gebracht. Man konnte eS wieder hören in diesen Tagen, daß Moskau „nur Geschäfte auf Gegenseitigkeit und unter voller Garantie der Handlungsfreiheit für seine Vertretungen" mache, daß „es aber auch noch andere Gelegenheiten habe, seine Bestellungen unterzubringen" usw. Und diese Drohungen wurden noch um einige Grad gesteigert, als in Moskau ein Berliner Bericht der Wiener Freien Presse bekannt wurde, demzufolge die Amerikaner angeblich in Berlin darauf hingewiefen hätten, daß eine Kreditgewährung „natürlich auch eine gewisse Modifizierung der deutschen Ostpolitik' zur Folge haben mühte. „Man wird diesen amerikanischen Hinweis in Berlin gewiß auch verstehen können", so soll der Wiener Korrespondent gefolgert haben, und diese Schlußfolgerung veranlaßt die Iswestua zu einem ganzen Leitartikel, in dem fchwerste Geschütze gegen Deutschland aufgefahren, es aber auch geradezu beschworen wird, im eigensten Interesse nur ja keine Westorientierung vorzunehmen So bleibt die offizielle Moskauer Deutschlandpolitik auch weiter mißtrauisch und undurchsichtig. Sie schwimmt im Fahrwasser der unzulänglichen ..besten Freundschaft", wie Moskau sie versteht, d. h. pendelt zwischen Dro- Hungen, Liebesbezeugungen und Beschwörungen hin und her Wobei man es geflissentlich vermeidet. über eine andere Entwicklung zu sprechen, die zwar mit der augenblicklichen deutschen Krise Rcitermanooer an der Oder: Pferde und Mannschaften werden mit Schlauchbooten über den Fluh gesetzt. Ein Maschinengewehr wird in Stellung gebracht. und der Verschärfung der weltpolitischen Lag« nicht in ursächlichem Zusammenhang steht, auf die Gefamtsituation aber stärksten- zurückwirken kann. Die scharfe Verurteilung der französischen Kreditpolitik gegenüber Deutschland hindert nämlich Moskau nicht im geringsten, ein Spiel — vorsichtig ausgedrückt — mindestens zu dulden, das um Frankreich-Polen-Ruhland im Gange ist Der ehemalige französische Botschafter in Moskau, Herbette, hat lange Zeit fieberhaft versucht, als Gegenspieler des verstorbenen Drvckdorsf-Rantzau aufzutreten. Bei Tschitscherin, den bekanntlich sreundschaftliche Bande mit dem deutschen Grasen verbanden. hatte er keinen Srsolg, obwohl er sich zeitweise so exponierte, daß er sich in der Sowjetöffentlichkeit außerordentlich radikal gab. Run haben aber sowohl das russische Kreditbedürfnis wie allem Anschein nach politische Interessen der Pariser Regierung die Grundlage für russisch-französische Verhandlungen abgegeben und man weiß, daß die Pariser Besprechungen zunächst zu einer gegenseitigen Aufhebung der Handelsbeschränkungen geführt haben. Will man Gerüchten, die übrigens keineswegs abwegia erscheinen, Glauben schenken, wird dieser vorläufige ..Akkord" nur der Anfang einer offenbar auf französische Initiative eingeleiteten DaS bißchen Erde. Vornan von Richard Skowronnel. Copyright by I. Engelhorns Nachf., Stuttgart. (Nachdruck verboten.) I. Der alte Lentz und Miken Dannappel. die Köchin, die schon den Eltern des Grasen Malte in Treue gedient hatten, standen auf der Freitreppe des Vellahner Schlosses und erwarteten die Heimkehr ihres jungen Herrn. Zwei lange Jahre hatte er sich da unten in Asrika umber- getrieben. und die beiden alten Leutchen waren oft in banger Sorge gewesen, ob er aus all den Fährnissen mit wilden Völkerschaften und reihenden Tieren heil zurückkommen würde. Der älteste Sohn deS Schloßgärtners Parbs nämlich, der als Steward aus einem Woermanndampfer gefahren war und in allen afrikanischen Fragen wohl alS Sachverständiger gelten durfte, erzählte die gruseligsten Geschichten. Da holten sich die Löwen fast allnächtlich ihren Reger aus dem Karawanenlager. wie hier die Füchse einen feisten Gockel aus dem Hühnerstall. und wenn auch der alte Lenh den Gärtnerssohn einen lügenhaften Auf- fchneider nannte, Miken Dannappel schüttelte dazu nur mißbilligend und sorgenvoll den weißhaarigen Kopf. Löwen gab es in Afrika, das wußte sie noch von der Schule her. und wie leicht konnte so ein unvernünftiges Vieh fich in stichdunkler Rächt vergreifen? ffimen mecklenburgischen Edelmann jum Fraß fortschleppen statt eines heidnischen RegerS. an dem schließlich nicht allzuviel gelegen War... Sie schlief erst wieder ruhig, als eine Dcpefchc dem Verwalter gemeldet hatte, der junge Herr wäre wohlbehalten in Europa gelandet. in einer italienischen Stadt, deren "21 amen fie sich nicht zu merken vermochte und in der er sich nach dem Rate des Arztes einige Wochen aufhalten sollte, um nicht gar zu unvermittelt aus dem heißen Klima Afrikas in den kühlen mecklenburgischen Frühling zu kommen. Je mehr aber diese Wochen sich ihrem Ende näherten, desto beklommener wurde es ihr um das alte Harz In dem stillen Winkel, in dem das Geben sonst so ruhig seinen Dang ging, hatte sich vieles geändert, und gar manches war geschehen in ben zwei Jahren, was dem jungen Grafen Malte die Heimat wohl ebenso verleiden mochte wie damals, als er zum ersten Male in die Fremde -og Damals hatte er fortgehen müssen nicht ohne eigene Schuld, heute aber zog sich über Wm ein Schicksal zusammen, für das er nichts tonnte und das er Wehrlos erwarten muhte. Güter Haß hatte es ihm gewoben und eine Feindschaft, die in längst vergangene Jahre zurückreichte. .. ..Wat hei woll bar tau loggen ward?" sagte Miken und hob die glanzlosen Augen von dem ewigen Strickzeug zwischen den zitterigen Händen. Der alte Lentz aber seufzte bekümmert auf. Seine Gedanken gingen tagaus, tagein ja auch nur um biefe einzige Frage ... ..Che. wat ward hei woll dartau feggen?“ Und ingrimmig fügte er hinzu: „Ah pfui Deuwel ward hei Jeggen, und das is mich ja ’ne schöne Ueberraschung! Was soll denn aus mir werben. Wenn das Kleine, was in Hohenrömnitz erwartet wird, sich nun als einen männlichen Knaben ergibt? Und hatte bet griese Esel es überhaupt nötig, sich auf seine alten Tage noch ’ne junge Frau zu nehmen?" „Um Gottes willen. Lenh" — Miken legte erschrocken die Hand auf die Brust —, „in so einer respektlosen Art und Weise sprechen Sie von Seiner Exzellenz, dem Herrn Erblandmarschall?" Der Alte entschuldigte sich ein wenig jefuiterisch. „Ich hab' natürlich nur gemeint, so würd' vielleicht unser Graf Malte sich über feinen Herrn Onkel ausdrücken, wenn man ihm nämlich die unangenehme Reuigkeit mitt eilt. Ich aber möchte mit aller schuldigen Subordinatschon befürworten, daß er sich von Rechts wegen so ausdrücken dürft ! All die Jahre ist er zu dem Hohenrömnitzer Majorat der nächste Erbe gewesen und hat sich sozusagen auf diesen Beruf eingerichtet Soll er vielleicht mit eins umfaiteln und Geld verdienen lernen, bloß weil in Hohen- römniy der Storch unterwegens is? Und das Reine Bündel fängt an zu quäken, du Großer, steh mal auf. jetzt seh' i ch mich auf deinen Platz?" Miken spie rasch bintereinanber dreimal aus. „Möchten Eie's vielleicht noch beschreien. Sie alter Dröhnbartel. Eie? Mich heben sowieso schon die Aengste. aber ich tröst' mich, unser himmlischer Vater wird das Unrecht nich zulassen in seiner Gnade." ..Fräulein Dannappel". sagte der alte Lenh gekränkt. „deswegen is man noch fein Dröhnbartel nich. wenn man von Was spricht und man zersorgt sich Tag und Rächt darüber- Und neben dem lieben Gott regiert leider auch der Deuwel die Menschheit. namentlich. Was die weibliche Hälfte angehen tut. Lichts als Hinterlistigkeiten haben biefe Rackers im Kopf, und wie sie die Männer am besten Wvhl betrügen können! Davon wär noch manches zu sagen, aber ich nehm' Rücksicht, daß Eie doch noch immer eine ledige Frauensperson sind, und verkneif' mich das also." „Das möchf ich mich auch ausgebeten haben", erwiderte Miken. und in ihr verschrumpeltes Altweibergefichtlein. kaum Wie zwei Fäuste so groß, trat eine flüchtige Röte. „Die Moden Wollen wir doch nich anfangen. Herr Lenh, daß Sie in Beifein von 'nem unschuldigen Mädchen über unpassende Sachen sprechen!" Eie rückte energisch die weißgestärkte Haube zurecht und klapperte in emsigem Stricken mit den stählernen Radeln. Rach einer kurzen Weile aber hob sie Wieder den Kopf und fuhr mit der Zungenspitze neugierig über die schmalen Lippen. „Oder haben Sie vielleicht von dem Kammerdiener Paalzow aus Hohenrömnih Was Reues gehört über die junge Gräfin? Sie brauchen sich ja nich auf einer ordinären Art und Weise aus- zudrücken, sondern können mich das auf einer mehr verblümten Manier mitteilen. Ich werd' 6ie schon verstehen.“ Lenh zuckte mit den Achseln. „An Ihrem Verständnis. Fräulein Dannappel, zWeifel' ich nich, Sie sind ja kein Kind mehr, sondern mit Gottes Hilfe mehr als siebzig Jahre auf der Welt. Aber den Krifchan Paalzow hab' ich leit drei Wochen nicht gesehen, und Was er mir damals erzählt hat. wissen Eie ja. Ein richtiger Herr Geheimer Medizinalrat ist bestellt für den Tag. aus Berlin, weil die hiesigen Doktoren dem Herrn Erblandmarschall nich klug genug sind." „Ra ja“, sagte Miken, „auf die Unkosten kömmt es ja wohl nich an. wenn es sich um einer so wichtigen Sache handelt. Aber kleine Kinder find anfällig, auch wenn ein Herr Geheimer Medizinalrat neben ihnen steht, aus Berlin. Wieviel kleine Kinder hab' ich nich schon sterben gesehen! An Masern oder Keuchhusten, an Bräune oder Zahnkrämpfen.. ..Oder Scharlach", fügte Lenh mit einem fast freu bi gen Rachdruck hinzu. „Dem Schlachter Röper in Woltzahn sind vergangenes Jahr drei Kinder an Scharlach gestorben, in einer Woche. Aber ich will natürlich nich gesagt haben, daß ich dem Kleinen, was sie drüben in Hohenrömnih erwarten, so Was anWünschen täte. Wenn s ein Mädchen gibt, kann es meinetwegen hundert Jahre alt werden!" ..Von me netwegen erst recht", erwiderte Miken, „denn ein Mädchen kann unterem Herrn Grafen ja wohl nich das Majorat nehmen. Und überhaupt. wenn man !o was spricht, muß man sich nich gleich was Böses 'bei denken ... es is vielmehr so im allgemeinen. Wenn es einen Jungen gibt, w.rd der liebe Gott schon wissen, Wie er alles am besten lenkt .. „Che", sagte Lenh, „das w rb er Wohl wissen in feinem unerforschtichen Ratschluß ..." Danach schwiegen die beiben Altchen, standen fröstelnd in der Abendkühle und hingen ihren langsamen Gedanken nach, die unabläHig um die einzige Sorge kreisten. Um die Sorge, ob dem einen, den fie betreut hatten vom ersten Tag. der Urnen teuer war, als stammte er aus ihrem eigenen Fleisch und Blut, an seinen Rechten fein Abtrag geschehe. Und halb unbewußt ballte sich in ihnen ein kalter Haß gegen den andern, der noch nicht geboren War, dessen erster Atemzug aber alles einstürzen lieh, was sie an Hoffnungen und Wünschen für den Rest ihrer Tage aufgebaut hatten ... Am andern Ende der Dammallee, die von der Schloßinsel zum festen Lande führte, ließ sich das Rollen von Wagenrädern vernehmen. „Ieht kömmt er". Jagte Miken mit einem tiefen Atemzug, und Lentz wiederholte: «Che, jetzt kömmt er!" Zwei Augenpaare blickten angestrengt in den dichten Abendnebel hinaus, brr in breiten Schwaben vom See her über die noch kahlen Erlen der Dammallee gezogen kam. und zwei treue Herren begannen in freudiger Erregung rascher zu schlagen. Auf diesen Augenblick hatten sie zwei lange Jahre gewartet ... Das Rollen des Wagens kam näher, schon konnte man das Schnauben der vier Rappen vernehmen. die der alte Leibkutscher Fuhbel noch Wie ein 3üngling vom Sattel aus fuhr. Mit einem kurzen Bogen lenkte er um den Vorgarten in die schmale Auffahrtrampe, und auf einen leisen Zungenschnalzer standen die Gäule mit einem einzigen Ruck, so daß der WagenJchlag genau vor der Mitte der Freitteppe hielt. Aus dem leichten Gefährt schwang sich ein hoch gewachsener junger Mann und nahm die drei Treppenstufen mit einem einzigen Satz. Miken griff mit zitternder Hand nach seiner Rechten, um fie an die Lippen zu ziehen, er aber umfaßte das aite Weiblein und schwenkte es in überströmender Wiedersehensfreude hoch in die Luft. „Re. Jungfer Miken, daS Wollen zwei LiebeS- leutchen wie wir doch nicht einführen", rief er übermütig und küßte fie mitten auf den Mund. -Ach Gott nein. Herr Graf, nich so stürmisch", kreischte sie beglückt und verlegen zugleich, der alte Lentz aber stand dabei, fuhr sich mit dem Handrücken verstohlen über die Augen. -3ch freu' mich doch bannig, daß der Herr Graf wieder zu Haufe find. Und daß der Herr Graf wieder ganz gesund sind. Wie früher, eh' daß Sie nach Afrika gingen!“ „3a gottlob, Alter, wieder ganz gesund", sagte Malte mit einem Aufatmen. „Da draußen fällt vieles von einem ab, was man hier als große Wichtigkeit ansieht!" Er schüttelte dem Getreuen die Hand und sah ihm fest in die Augen. Beide Wußten sie, Wie es gemeint war, denn der alte Weißbart hatte ja vor -Wei Jahren die verhängnisvolle Liebesgeschichte mitgemacht vom vergnügJamen Anfang bis -um traurigen Ende. Hatte schon rrü&et immer die heimiick^n Brief- Iain getragen nach Alten-Krakow und zurück, und Wer Weiß, Was damals geschehen wäre, Wenn er nicht in jener mondhellen Mainacht Plötzlich dagestanden hätte unter den drei Lichen auf dem Krakower Galgenberg? ... Wie aus dem Boden gewachsen stand er mit einem Male da. denn er hatte sich ohne Zaudern aufgemacht, als er im Schreibzimmer des Grasen Malte den versiegelten Brief gesehen hatte mit der Aus- Jchr ft: -Morgen früh Seiner Exzellenz dem Herrn Erblandmarschall Grafen Römnitz auf Hohenrömnch durch reitenden Boden zu bestellen.“ Hatte einen Gaul auS dem Stalle geritten und das Tier halb zuschanden gejagt, bis er mit feinen scharfen Augen erkennen konnte, daß bie beiden auf der Bergkuppe noch aufrecht standen. (Fortsetzung folgt) politischen Aktion sein. Sie für die Wilhelmstraße von besonderem Interesse sein wird. Hinüber und herüber werden schon seit langem Fäden gesponnen — und erinnert man sich der sensationell 'freundschaftlichen Begrüßung zwischen Driand und Litwinow bei der letzten Genfer Tagung, so wird es klar, daß man auch in Moskau bestrebt ist, Frankreich ein freundliches Gesicht zu zeigen. Es wird offen von dem bevorstehenden Abschluß eines politischen Nichtangriffspaktes gesprochen, und man wird bei uns Wohl wenig erstaunt sein, wenn man hört, daß natürlich auch Polen von dieser neuesten Freundschaft profitieren soll. Dazu ist aber noch zu sagen, daß der polnische Gesandte Patek vor zwei Wochen in besonderer Mission in Warschau weilte, worauf der Ton der polnischen Presse gegen Moskau sich von einem Tag zum anderen radikal änderte. Unö in den nächsten Tagen erhält Moskau den Besuch des ehemaligen polnischen Finanzministers Matuschewski, wie es heißt, eines besonderen Bertrauensmannes Pilsudskis. — Das sind Tatsachen, die zunächst auf eine Aenderung der französisch-polnischen Politik gegenüber Moskau schließen lassen. Es ist nicht unbekannt, daß Polen eine Stabilisierung seiner Grenzverhältnisse im Osten anstrebt, um die Hände nach dem Westen sreizubekommen: es ist weiterhin von einem französischen Kredit an Moskau die Rede (der bekanntlich noch stets politischer Ratur gewesen ist) und die Prawda hat neulich fast allzu unmißverständlich ausgerufen: „Frankreich ist die größte Ka- pitalmacht der Welt — wir müssen Verständigung mit Frankreich suchen!" Belgiens Angriffsrüstung. Von G. Arendonck, Brüssel. DaS belgische Rüstungsshstem, für das die Kammer nunmehr 175 bis 210 Millionen als erste Jahressumme bewilligen soll, richtet sich nur gegen Deutschland. In ihm offenbart sich — mehr als die sogenannte Furcht vor dem entwaffneten Deutschland — der Druck Frankreichs, dem sich Belgien in Versailles verschrieben hat, gegen das es seine Grenzen infolge des Bündnisses völlig ungeschützt läßt und das unter Umständen eben doch einen — Angriffskrieg gegen Deutschland unternehmen will. Besonders lehrreich ist ein Vergleich der Ziffern, die sich Belgiens Rüstung heute leistet, mit denen der Vorkriegszeit: Stehendes Heer Reserven 1914 27 000 170 000 Heute 66 800 350 000 Nach der neuen Vorlage (1932) 71 322 600 000 Noch mehr fällt die Vermehrung der Maschinengewehre und Geschütze auf: Maschinengewehre Kanonen leichte schwere leichte schwere 1914 300 — 200 30 Nach der neuen Dor- läge 2900 1200 588 271 Und gar die modernsten Waffen, Flugzeuge und Tanks! 1914 hatte Belgien vier Flugzeuge: sie sind auf 234 angewachsen, zu denen noch 400 DeservefluW«uge kommen, und die Tanks, die es 1914 ja noch nicht gab, auf fünfzig. Die ganze Rüstung geschieht nach französischem Vorbild, und es wird niemanden, der die Geistesbeschaffenheit der tonangebenden Kveise kennt, in Erstaunen setzen, wenn in Belgien eines Tages nach diesem Muster auch die „disponibilite“ eingeführt ist, das heißt das Recht der militärischen Behörden, ohne Parla- mentsbekchluß drei Jahrgänge einzuberufen. Die Phantasien über Deutschlands Angriffslust, mit denen man diese Rüstungen begründet, gipfeln darin, daß Deutschland den nächsten Krieg mit einem Durchbruch durch Holland beginnen werde. sinter diesem Vorwand (und vielleicht auch weil man Holland gegenüber kein ganz reines Gewissen hat), befestigt man auch gegen diesen Nachbarn die Grenze, und zwar von Ebei^Emael bis Maasehck mit der Front nach Osten und von Maaseyck bis Turnhout mit dem Gesicht nach Norden. Sorgfältige Befestigungsanlagen sind ferner Antwerpen zugedacht, an das man das System des sogenannten „Reduit national" anstchlieht, eine Zuflucht für die Armee im Falle von Niederlage unb Rückzug und einen Sammelraum zu neuer Offensive. -Dieser „Reduit national" umfaßt das Waas- land und andere Teile von Ostvlaanderen. sowie ifcn größten Teil von Westvlaanderen, wobei die Leie bis Gent und von da ab die Schelde eine natürliche Sicherung bieten. Weite 11 e bersch w em m u n g s z o n e n sind hier vorgesehen (wie übrigens auch zwischen Antwerpen und der Ostgrenze). Diese Heberschwemmungen treffen nur flämisches, kein wallonisches Gebiet. Auch der Sammelraum umfaßt ausschließlich flämisches Land und würde über eine Million Flamen mit allen Lasten, Mühs'alen und Entbehrungen des Krieges Heimsuchen. Und das alles um Frankreichs, des alten Feindes willen! Der Plan dieses „Reduit national", die besondere Heimsuchung eines dichtbevölkerten flämischen Landesteiles, kommt also noch zu den übrigen Zumutungen, die in steigendem Maße die Flamen gegen das französisch-belgische Bündnis und die damit verbundenen Rüstungen aufbringen: Sie sollen sich nicht nur, ihrem Volks- bewußtsein und ihrer Heberlieferung entgegen, zutn Kanonenfutter für Frankreich hergeben und ihr nicht allzu glänzendes Dasein mit schweren Abgaben besteuern lassen, sie sollen auch einen großen Teil ihres Grundes und Bodens einer Verwüstung darbieten, die ihn auf zwanzig Iahre, vielleicht noch länger, ertragsunfähig macht. Die unausbleibliche Folge ist, daß der Unwille. gegen diese belgischen Pläne innerhalb des flämischen Volkes noch immer breitere Schichten ergreift und zu immer heftigeren Aeuherungen drängt. Vanderveldes Schwenkung, vom llnterzeichner des französisch-belgischen Bündnisses zu seinem Gegner, war ein unverkennbares Symptom der allgemeinen Stimmung vor mehreren Monaten: sie ist heute um viele Grade hitziger und gefährlicher. Wird angesichts dieser zunehmenden Gärung das Kabinett R e n k i n , dies „Ministerium der Angst vor den Wahlen", wirklich den Mut haben, die Militärvorlagen noch aufrechtzuerhalten? Wird der König, der mit den Seinen seit den spanischen Ereignissen recht nervös geworden ist, aus seiner Zurückhaltung heraustreten? Es ist kaum mehr als ein Iahr her, seitdem der mutige flämische Gehorsamsverweigerer Joris de Leeuw den Anstoß gab. daß die belgische Armee in flämische und französische Ausbildungseinheiten geteilt werden mutzte. Und schon scheint ein neuer Joris de ßeeuto sich zu melden. Lode van Dyck, gleichfalls ein „Vvlksjonge" aus Antwerpen, hat seinen Gestellungsbefehl mit dem lakonischen Brief beant- wovlet, daß er dem Befehl nicht Folge leisten werde, „weiil in dem königlichen Versprechen nach dem Weltkrieg (Gleichheit des Rechts für Wallonen und Flamen) das offizielle Bekenntnis liegt, daß es diese Gleichheit nicht gab, und weil dies Versprechen bis heute nicht erfüllt wurde". Weiter sagt man: „Im August viel Wind auS Nord, Unbeständigkeit fliegt fort." „Nordwind und August will san (sagen), daß gut Wetter noch hält an." Dagegen „Stellen sich im Anfang Gewitter ein, wird's am Ende noch so sein" oder „nasser August macht teure Kost" und „je dicker der Regen im August, je dünner der Most". Dem Augustwetter wird vorhersagende Bedeutung bei gelegt in den Wetterregeln: „Wittert es viel im August, einen nassen Winter du erwarten mutzt" und „ist's in der ersten Augustwoche heiß, bleibt der Winter lange weiß". Aus dem häufigen Auftreten der weißen Haufenwolken will man auf die Masse der Schneewolken im kommenden Winter schließen. Auch an die große Reihe der Fest- und Feiertage im August knüpfen sich viele Wetterregeln. „Am Petri-Kettenfeier", sagt man, „muß man die Sense wetzen". Vom 4. August wird gesagt: „Hitze an Dominikus, ein langer Winter kommen muß." Zum 5. August rechnet man mit gutem Wetter: „Oswalditag mutz trocken sein, sonst wird sehr teuer Korn und Wein." Oberheffen. Schwerer Derkehrsunfall. -f- G r ü n berg, 6. Aug. Am Donnerstagnachmittag ereignete sich an der Alsfelder Straße bei der Holzschneiderei Haas ein schwerer Motorrad uns all. Ein Radfahrer von Mücke, hinter dem ein Motorradfahrer herkam, wollte einem von Grünberg kommenden Kraftwagen aus- weichen. Die drei Fahrzeuge trafen etwa gleichzeitig zusammen. Anscheinend konnte das Auto wegen eines an der rechten Straßenseite liegenden dicken Baumastes nicht genügend rechts fahren, denn die beiden entgegenkommenden Fahr- Die Deutsche Veamten-Kmnkenversichewng. Am Ende des 25. Geschäftsjahres. Von der Gewerkschaft Hessischer Gemeindebeamten, Ortsgruppe Gießen, wird uns der Bericht über das 25jährige Bestehen der Deutschen Be- amten-Krankenversicherung übermittelt, dem wir u. a. folgendes entnehmen: „Eine Beamten-Selbsthilfeeinrichtung, die ohne fremde Hilfe, auf gemeinnütziger Grundlage auf- gebaut, trotz aller Kriegs- und Jnflationsstürme auf ein 25jähriges Bestehen zurückblicken kann und dabei finanziell vollständig gesund geblieben ist, verdient allgemeine Beachtung. Die Deutsche Deamten-Krankenversicherung (nachfolgend kurz Debeka genannt), vormals Krankenkasse für die Gemeindebeamten und -Angestellten des Deutschen Reiches ist im Iahre 1905 als Dersiche- rungsverein auf Gegenseitigkeit von der rheinischen Gemeindebeamtenschaft gegründet worden und hat sich zu einem der größten Krankenver- sicherungsunternehmen in zähem Ringen zu dem stattlichen Versichertenbeskande von rund 300000 Personen emporgearbeitet. Der Geschäftsbericht für 1 930 gibt an, daß sich bereits 27 kleinere Krankenkassen mit der Debeka vereinigt haben: im letzten Jahre waren es die Krankenzuschuß lasse des Reichsbundes der höheren Beamten, die Oberbeamtenkrankenkasse Osnabrück und die Krankenkasse der Beamten und Angestellten der Stadt Remscheid. Richt weniger als 50 Deaintenverbände empfehlen die Debeka und haben Dergünsttgungsverträge mit ihr abgeschlossen. 570 öffentliche Körperschaften, darunter auch die badische Regierung, haben einen Teil der Beiträge für ihre Beamten übernommen, um so die Fürsorge für ihre Beamten in Krankheitsfällen indirekt der Debeka zu überlassen. Das hierdurch bekundete Vertrauen der vielen Behörden zu dieser Deamteneinrichtung hat auch eine gewisse Bürgschaft dadurch erhalten, daß in allen Organen der Debeka die Vertreter des Deutschen Städtetages, des Reichsstädtebundes, des Deutschen Landgemeindetages, des Deutschen Land- kreistoges, der Provinzialverwaltungen und schließlich auch der badischen Regierung ihre Stimmen in die Waagschale werfen können. Interessant sind einige Zahlen über die Leistungen. Im Jahre 1930 wurden rund 12,6 Millionen Mark, seit 1924 rund 65 Millionen Mark Kassenleistungen gezahlt, die in dem gesundheitlich schlechten Jahre 1929 sogar 87 v.H. der Deitragseinnahmen ausmachten, im Jahre 1930 dann aber wieder auf 79 v. H. gefallen sind. Das finanzielle Fundament der Debeka äußert sich in einem vermögen von rund 3 Millionen Mark, das zu einem erheblichen Teil in Kommunal- Anleihen und Darlehen angelegt ist. An Grundvermögen ist ein ansehnliches, solid gebautes Verwaltungsgebäude zu verzeichnen. Die Zahl der beschäftigten Angestellten einschließlich der 34 Verwaltungsstellen im Reich betrüg tj>31 Der neuzeitlichen Bewegung auf denk' Gebiet der Krankenversicherung ist die Debeka gefolgt durch Einführung einer Beitragsrückgewähr mit fünfjährigem Auszahlungsmodus. Hierdurch erfolgt eine gewisse Neuschätzung des Risikos in fünfjährigen Abständen. 1930 ist erstmalig ein Betrag von 400 000 Mk. für diesen Zweck zurückgestellt worden. Was solch großen, über das ganze Reich ausgebreiteten beruflichen Krankenversicherungen gegenüber den kleineren, meist örtlich begrenzten Einrichtungen den Vorzug gibt, ist der große Risiken- ausgleich, der eine weit größere Stetigkeit und damit Unabhängigkeit von eng begrenzten Gefahrengebieten verbürgt. Selbst größere Epidemien usw. in mehreren Gebieten tonnen leichter überwunden werden. Die Entwicklung der Debeka in den 25 Jahren ihres Bestehens faim als sehr günstig bezeichnet werden." Was wird Herr de Broquevilles Nachfolger, der Antwerpener Großreeder Dens , als Kriegsminister darauf antworten? Denn eigentlich ist der Brief ja nicht an seine, sondern an des KönigsAdresse gerichtet, des „Veolbelover", der fein Versprechen nicht hielt. Wird auch das Kabinett Renkin, diese, von einem in der Politik ergrauten Minister geleitete Regierung, sich der Einsicht^ verschließen, daß alle Rüstungen trotz ausgeklügelter Parlamentsmehrheiten nichts helfen. wenn das Volk, dem man sie vor allem ausevlegt, sie nicht mehr tragen will? Oer August im DolkSmund. Mit sonnigem Lachen ist der Juli vorübergegangen. um dem August, dem Erntemonat, Platz zu machen. Bei den alten Römern hieß er ursprünglich Sextilius, der Sechste, erhielt aber zu Ehren von Aktavianus-Augustus, der in ihm sein Konsulat angetreten hatte, dessen Titel. Unter Karl dem Großen legte man ihm den Namen Aranmanoth, Erntemonat, bei, während er jetzt in Niedersachsen noch den Namen Aust, in Südtirol erster Aux, der zeitigende, der reifende Monat trägt. In Feld und Wald, in Park und Garten atmet die Natur den satten Odem der Ernte, der Reife. Sonnenglut der Hundstage und leichte Böen lassen die Luft über dem Erdboden erzittern wie den Dunst vor einem Backofen. Das ist das Wetter nach dem Wunsch des Landmannes, von dem der alte Volksspruch sagt: „Was der August nicht kocht, läßt der September ungebraten." Mit schönen Wetterregeln sind nach uralten Wetterregeln verbunden Tau und Nordwind. „2au ist im August so not, wie des Menschen täglich Brot" oder „Wenns im August viel tauen tut, dann bleibet auch das Wetter gut“. Russischer Besuch bei Kant. Unbekannte Aufzeichnungen Karamsins. Miigeteilt von Dr. Erich Ienifch. Als der berühmte russische Historiker Nikolai Michailvwitsch Karamsin (1766—1826), der Verfasser der zwölfbändigen großen „Geschichte des Russischen Reiches", in den Jahren 1789 bis 1791 eine Reise durch Deutschland, die Schweiz und Frankreich unternahm, weilte er auch in Königsberg, wo er Immanuel Kant auf suchte. In seinen „Briefen eines reisenden Russen", die 1799 deutsch in Leipzig erschienen und die eine unterhaltende und kulturgeschichtlich sehr interessante Schilderung seines Aufenthaltes im Auslande enthalten, gibt Karamsin eine eingehende Schilderung dieses merkwürdigen Besuches, die jedoch in den Kantbiographien bisher nicht berücksichtigt worden ist. Karamsin hatte keine Empfehlung an den Philosophen. Aber „Kühnheit gewinnt Städte und mir öffnete sie die Türe des Philosophen". Das Haus, das Kant bewohnt, nennt Karamsin „klein und unansehnlich", überhaupt sei alles bei ihm alltäglich, ausgenommen seine Metaphysik. Drei Stunden brachte Karamsin bei Kant zu. Ein kleiner, hagerer Greis von außerordentlicher Zartheit und Weiße empfing ihn. Als Karamsin sich als russischer Edelmann vorgestellt hat, der reist, um berühmte Gelehrte kennenzulernen, wird er sofort zum Sitzen genötigt. „Meine Schriften können nicht jedermann gefallen", sagt Kant. „Nur wenige lieben die tiefen metaphysischen Untersuchungen, mit welchen ich mich beschäftigt habe." Zunächst berührt das Gespräch verschiedene Gegenstände. Don Reisen, von China, von der Entdeckung neuer Länder wird gesprochen, und Karamsin ist erstaunt von den geographischen und historischen Kenntnissen Kants, die allein genüge^ „das ganze Magazin eines menschlichen Gedächtnisses zu füllen und die bei ihm doch nur Nebensache sind." Dann bringt Karamsin das Gespräch auf die moralische Natur des Menschen und notiert sich folgende Aeuherungen KantS: „Unsere Destim- MUNI ist Tätigkeit. Der Mensch ist niemals ganz zufrieden mit dem, was er besitzt, und strebt immer nach etwas anderem. Der Tod trifft uns noch auf dem Wege nach dem Ziel unserer Wün- fcfce. , Man gebe dem Menschen alles, wonach er sich sehnt, und in demselben Augenblick, da er es erlangt, wird er empfinden, daß dieses Alles nicht alles sei. Da wir nun hier kein Ziel und Ende unseres Strebens sehen, so nehmen wir eine Zukunft an, wo sich der Knoten lösen muß: und dieser Gedanke ist dem Menschen um so angenehmer, je weniger Verhältnis hienieden zwischen Freude und Schmerz, zwischen Genüssen und Entbehrungen stattfindet. Ich für meine Person erheitere mich damit, daß ich schon über sechzig alt bin, und daß das Ende meines Lebens nicht mehr fern ist, wo ich in ein besseres zu kommen hoffe. Wenn ich mich jetzt an die Freuden erinnere, die ich während meines Lebens genossen habe, so empfind' ich kein Vergnügen: denk ich aber an die Gelegenheiten, wo ich nach dem Mo- ralgefetj- handelte, das in mein Herz geschrieben ist. so fühl ich die reinste Freude. Ich nenne es das Moralgeseh, andere das Gewissen, die Empfindung von Recht und Unrecht — man nenne es, wie man will, aber e s i st. Ich habe gelogen, kein Mensch weiß es, und ich schäme mich doch. Freilich ist die Wahrscheinlichkeit des künfttgen Lebens noch immer keine Gewißheit, aber wenn man alles zusammen nimmt, so gebietet die Vernunft, daran zu glauben. Was würde auch aus uns werden, wenn wir es sozusagen mit den Augen sähen? Würden wir dann nicht vielleicht durch den Reiz desselben von dem rechten Gebrauche des Gegenwärtigen abgezogen werden? Reden wir aber von Bestimmung, von einem zukünftigen Leben, so sehen wir dadurch schon das Dasein eines ewigen und schöpferischen Verstandes voraus, der alles zu irgendetwas, und zwar zu etwas Gutem schuf. Was? Wie? — Hier muß auch der erste Weife feine Unwissenheit bekennen. Die Vernunft löscht hier ihre Fackel aus und wir bleiben im Dunkeln. Nur die Einbildungskraft kann in diesem Dunkel herumirren und Phantome schaffen." Das Gespräch wandte sich Lavater zu, mit dem Kant korrespondiert hatte. „Lavater", sagte er, „ist sehr liebenswürdig, in Rücksicht seines guten Herzens: aber seine außerordentlich lebhafte Einbildungskraft macht, daß er sich durch Phantome blenden läßt, an Magnetismus und dergleichen Karamsin erwähnt noch, daß Kant schnell, leise und unverständlich spricht. Er mußte „alle seine Gehörnerven anstrengen", um zu verstehen, was er sagte. Zum Schluß des Gespräches schrieb Kant seinem Besucher die Titel zweier seiner Schriften auf, die dieser noch nicht gelesen hatte: „Krittk der praktischen Vernunft" und „Metaphysik der Sitten." „Dieses Zettelchen werde ich verwahren wie ein heiliges Andenken", versichert Karamsin. Endlich trägt Kant noch seinen Namen in das Taschenbuch des Reifenden ein und wünscht ihm, „daß sich einmal alle seine Zweifel lösen mögen". Darauf scheiden die beiden. Wer hat in diesen Zeiten noch Geld? Wie sich das alles ändert! Auch vor den Millionären bleiben die schlechten Zeiten nicht stehen, und ihre Namen wechseln mit einigen Ausnahmen ständig. Im Jahre 1914. als man die Millionäre in Deutschland noch nach dem Wehrbeitrage be- rochnete. gab es bei uns 15 547 Menschen, die wehr als eine Million Mark ihr eigen nannten. Heute sind es nur noch 2335. 2lls reichster Mann in Deutschland gilt zur Zeit Frttz Thyssen mit ungefähr 950 Millionen, während Wilhelm II. immer noch mit 350 Mil- lionen an zweiter Stelle steht. Auf 250 Millionen werden die Herren Krupp von Bohlen und Halbach, Otto Wolf f und der F ü r st z u Fürsten- b e r g geschäht, während die Familie S t i n n e s immer noch über rund 100 Millionen verfügen dürfte. In Frankreich gelten als die drei reichsten Leute der Parfümfabrikant Coty, der Baron Rothschild und der eingebürgerte indische Fürst Aga K h a n mit je 300 Millionen Mk. oder 1,8 Milliarden Frank. Die Zahl der Millionäre in E n g l a n d ist in den letzten Jahren ebenfalls recht stark gesunken. Im Jahre 1924 waren es noch 597, heute kaum 460, wobei allerdings zu bedenken ist, daß es sich bei dieser kleinen Zahl um Pfund Millionäre handelt, und ein Pfund sind 20 Mark! Der reichste Mann des Jnselreiches ist immer noch der HerzogvonWestminster, dem drei Viertel des Grund und Bodens von London gehören und der auf 900 Millionen Mark geschäht wird, während Sir Basil Z a h a r o f f, ein aus der Türkei eingewanderter und geadelter Finanzier, sowie Daronett L. Rothschild mit je 500 Millionen Mark an zweiter Stelle „liegen“. Ter englische König ist wohlhabend, jedoch nicht reich — er dürfte höchstens 20 Millionen Mark besitzen. Dagegen hat der Exkönig Alfons von Spanien 180 Millionen nach England gerettet. 3n 11 n g a r n dürfte Prinz Paul Esterhazy mit seinen 250 Millionen Mark an erster Stelle stehen: in Polen Graf Alfred P o t o ck i, der 80 Millionen Mark sein eigen nennt. Ein ungeheures Vermögen gehört auch dem Besitzer vieler Erzgruben in Bolivien. Don S. P a t i n o, der 400 Millionen Mark schwer sein soll. Doch was ist das alles gegen USA.? Dort rechnet man nur nach Dollar, und ein Dollar sind 4,20 Mark.'Im Jahre 1926 gab es bereits 11000 Dollarmillio- näre; aber heute sind es trotz der verschiedenen schwarzen Tage an der Börse und dem großen Bankkrach des Jahres 1929, bereits mehr als 30 000 geworden! Von ihnen haben 511 ein Einkommen von mehr als einer Million Dollar im Jahre, und darunter befinden sich wiederum 29 ledige und 35 verheiratete oder verwitwete Frauen. Als reichste Frau galt lange Zeit die soeben verstorbene letzte der drei Schwestern Wendel, die 800 Millionen Mark besaß: aber seit ihrem Tode ist eine andere Frau an diese Stelle gerückt, nämlich eine Engländerin namens Miß Hovard D l i g h, die durch Erbschaften 1,6 Milliarden Mark erhielt und jetzt in den Vereinigten Staaten lebt. Sie dürfte die erste Frau der Welt sein, die über mehr als eine Milliarde Mark verfügte! Als sehr reich gelten auch Lady Vule mit 640 Millionen Mark, Lady Houston mit 420 Millionen Mark und Lady Granard mit 390 Millionen Mark. Der reichste Millionär Amerikas ist ohne Frage immer noch Henry Ford, dessen Vermögen auf fünf Milliarden Mark geschäht wird. Er hat sowohl Carnegie mit einer Milliarde, als auch J^ D. Rocke feiler mit 2,3 Milliarden überflügelt; aber es darf nicht vergessen werden, daß letzterer das meiste Geld von allen Menschen jemals besessen hat, denn er stiftete innerhalb dec letzten 50 Jahre nicht weniger als drei Milliarden Dollar für wohltätige Zwecke! Der bekannte Bankier Pierpont Morgan ist gut für 500 Millionen Mark, ebenso S. D. Johl, der Diamantenkönig: doch werden beide übertroffen durch den Aluminiumindustriellen Andre Mellon mit 900 und durch Eduard H a r k n e ß mit 800 Millionen. Der Eisenbahnkönig Payne W h i t h n e y soll 450 Millionen besitzen, Vincent Astor, F. W. Van - derbilt, I. K. Sinclair und C. F. Do- Henny je 350 Millionen. Der Stahlkontrolleur M. Schwab und Ebert H. Garry werden auf je 200 Millionen geschäht, also ebenso hoch wie Mister Mellon, der als Vertreter Amerikas auf den Konferenzen von Paris und London eine große Rolle spielte. Natürlich gibt es auch im fernen Often viel Geld. So sollen zum B. die japanischen Jndustrie- familien Mitsui, Jwasaki und Sumitomo jeweils 800 Millionen Mark besitzen. Und wer ist nun der allerreichste Millionär oder Millardär von allen? Nach einer amerikanischen Schätzung soll es augenblicklich der Nizarn von Heiderabad sein, bei bem eine amerikanische Kommission allein für zwei Milliarden Mark Goldbarren und für eine Milliarde sonstige flüssige Werte feststellte: doch sollen seine Juwelen noch einmal so viel Wert haben. Auch eine ganze Reihe anderer indischer Fürsten sollen mehr als eine Milliarde Mark besitzen: doch sind dort nur Schätzungen möglich. Von diesen Vermögen macht man sich erst einen richtigen Begriff, • wenn man sich überlegt, daß ein einziger Mensch in der Lage wäre, ganz Deutschland zu finanzieren! Man sieht also, es ist noch viel Geld da, nur nicht immer an der richtigen Stelle. zeuge. Fahrrad und Motorrad, stießen zusammen und d»e drei Fahrer flürAlen. Während der Radsahrer leichte Verletzungen an Kopf und Deinen erlitt, sind die D er le V u n g e n der bei de nMvtvrradfahrer schwerer Natur. Der Führer de« Motorrades. Karl Kühn au« Lindenstruth, wurde in bewußtlosem Zustande mit einem schweren Schatelbruch in die Ehirurgische Klinik nach Diesten verbracht: der Beifahrer der Maurer Schmidt au« Göbelnrod, erlitt eine Vehir ner schü tte - rung und Verletzungen an Schulter und Oberarm. Wie wir heute morgen erfahren. ist Karl Kühn seinen erlittenen schweren Verletzungen noch am gestrigen Abend erlegen. Landkreis Gießen. • Lauter. 6. Aug. Die älteste Einwob - nerin unsere« Dorfe«. Frau Katharine Sann Witwe geb. Rahn, feiert heute bei verhältnismäßig guter Gesundheit ihren 8 5. Geburtstag. h Lich , 6. Aug. Die Stadtverwaltung läßt von Wohlfahrt «erwerbslosen bzw. Fürsorgearteitern feit wahren daS Wegenetz der Feld- und Wald- aemarfimg durch Reuchaussierungen ver- bessern. 3n letzter Zeit konnte hierdurch eine Anzahl befestigter Wege dem Verkehr übergeben werden. Daneben nimmt die Stadtverwaltung auch Bedacht auf die Unterhaltung der be- reitS be st eßenden chaussierten Feldwege. 3nSbe'vndere befinden sich zwei Wege, die Ziegelgasse und der Sttxkbrückenweg in unterhal- tung-tedürf tigern Zustand. Sine Teilstrecke de« ersteren Weges, der al« Hauptverkehrsweg gilt, wird zur Zett instandge'eht. Zu diesem Zwecke rft eine verhältnismäßig starke Schotterdecke auf den Weg aufgebracht worden. 'Dem Vernehmen nach soll die restliche Teilstrecke der Ziegelgasfe im kommenden Rechnungsjahr in gleicher Weise in Stand gesetzt werden. DaS erforderliche Steinmaterial ist in dem naße gelegenen städttschen Steinbruch auf dem Schäferling gewonnen und auch dort aufgearbeitet toorten. Die Anfuhr der Steine besorgten hiesige Landwirte. — Die Getreideernte ist augenblicklich im vollsten Gange. Zur Zeit wird in Der Hauptsache Weizen geschnitten. Seit Montag dieser Woche brummt auch die Dreschmaschine, die augenblicklich vornehmlich von kleineren bäuerlichen Betrieben in Anspruch genommen wird. Der Srtrag wird al« zufri e- denftellend bezeichnet. Areie Friedberg. WSN. Butzbach, 6. Lug In dem Prozeß der Provinz Oberheffen gegen die Stabt Butzbach wegen Erhöhung der Strompreise hat das Oberlandcsgcricht in Darmstadt heute ein für Butzbach obsiegendes Urteil verkündet. Die Berufung der Provinzialdirektion Oberhesscn wurde verworfen. Auch das Landgericht Gießen hatte sich auf den Standpunkt der Stadt Butzbach gestellt. M Butzdach, 6. Vug. Unsere Stadt hatte gestern einen großen lag. Gegen Mittag traf die K a p e l l e des Linienschiffs „Schlesien" hier ein unter reichem Flaggcnjchmuck der Stadt, begrüßt von unserem Stadtoberhaupt. Bei Beginn des Äon- zerles waren der große Saal und die Tribünen des .hessischen Hofs" überfüllt. Redakteur Ä. Schneider begrüßte die Gäste. (Er endete feine Ansprache mit einem Hoist auf das Deutsche Reich. Richt nur die Arrncemarsche. darunter zwei prächtige Fan- farenmärschc, sondern auch die übrigen Darbietungen fanden starken Beifall, so daß immer neue Zugaben erfolgten. Die Matrosen fanden ein dankbare» Publikum. Starkenburg MSN. Darmstadt. 6. Aua. Oberregie» rungsrat Lindenstruth bei der Abteilung für Dekch- und Derkehrssteuern des Landesfinanz- amteS ist zum Landesfinanzamtsdirektor und Leiter dieser Abteilung ernannt worden. Preußen. Kreis Marburg. WSR. Marburg, 6. Aug. An der hiesigen Universität habilitierte sich alS Privatdozent Dr. Fritz Ahlfeld. || Marburg. 6. Aug. Der Gastwirteverein Marburg und Umgegend hat beschlossen, daß infolge der schwierigen Wirtschaftslage, von der insbesondere auch der Gastwirtestand schwer betroffen ist, den Gästen nur noch gegen bar Getränke und Speisen verabreicht werden können. Da einzelne Wirte ein halbes Liter Bier noch für 35 Pf. verkaufen, sollen die Brauereien gebeten werden, einheitliche Bierpreise und einen Preisschutz einzu- führen. Oeuffchlandflug twmll. bifif 16. August Die größte flugsportliche Veranstaltung in diesem Jahre wird der oom 11. bis 16. August ftattfinbenbe Deutschlandflug sein. Im Gegensatz zum (Europa- Rundslug wird dieser Wettbewerb erstmalig als Rennen ausgetragen, da die Punkte bei der technischen Prüfung In „Plus-Minuten" umgerechnet werden und der nach Zeit schnellste Flieger Sieaer wird. Der veranstaltende Aero-Club von Deutschland gibt setzt folgende Einzelheiten bekannt: Das (Eintreffen der Flugzeuge ist ab 8. August auf dem Flughafen Staaten zu erwarten. Die technische Prüfung findet oom 11. bis 14. August, mittags, in Staaten jtatt, wobei eine Auswertung tiefer Prüfung in „Plus-Minuten" für die Startfolge zum Streckenflug vorgenommen wird. Das Ergebnis der technischen Prüfung ist also zugleich die Startreihenfolge für den Streckenflug. Der Beste aus der technischen Prüfung hat den ersten Start für den Strcrfcnflug. Die Stanreihensolge wird am 14. August auf dem Flughafen Staaten befannt- gegeben. Der StartAum Streckenflug erfolgt am 15. August früh (ab 4.30 Uhr) vom Flughafen Staaten aus. Die Flugstrecke des ersten Tages — 15. August — führt von Staaten über Lübeck— Münster—Böblingen nach München. Die Flugstrecke des zweiten Tages führt von München über Wien— Breslau nach Berlin-Tempelhof. Die Länge der Strecke ist am ersten Tage 1140 Kilometer, am zweiten Tage 1835 Kilometer, insgesamt also 2130 Kilometer. Da» Ziel in Tempelhof wird am Sonntagnachmittag erreicht werden. 7. Hohensyburg kennen. Arn 13. September veranstaltet ber Allgemeine Deutsche Automobil-Elub Gau 5 Westfalen-Lippe auf der bekannten Rundstrecke an der Hohensy- burg sein traditionelles Hohensyburg-Rennen. Seit dem Jahre 1925 wird diese Veranstaltung alljährlich durchgesührt. Lediglich im Jahre 1929 wurde sie durch da« Straßenrennverbot zur Zu- verlässigkcitSfahrt. Aber nachdem im vorigen Jahr die Strecke offiziell als Hilsrennstrecke anerkannt wurde, lebt sofort die alte Veranstaltung wieder auf. Durch die Tatsache, daß die 14,8 Kilometer lange Rund strecke in Deutschland die einzige für Automvobile genehmigt« Straße ist, erhält da« Rennen eine außerordentliche Bedeutung. 3n Westdeutschland ist sie überhaupt die einzige genehmigte Straße und Rundstrecke für Geschwin- digbtttswertungen. So dürste dann das Hohensy- burg-Reimen, da« für Automobile und Motorräder offen ist. ein motorsportliche« Ereignis allerersten Ranges werden. Radsport im „Lahngau" des BdR. Saalsportfest in Gießen. Der Lahngau im Bund Deutscher Radfahrer tritt am Sonntag mit einem Gau-Iugend-Saal- sport fest an die Oefsentlichkeit. Zur Austragung gelangen Iugenbrcigen, Jugend-Radballspiele und Kunstfahren. Da der Iugendsaalsport im Lahngau zur Zeit auf beachtlicher Höhe steht und da für dieses Saalsportfest zahlreiche Meldungen eingeganaen sind, dürfte guter Sport zu erwarten sein. Das Programm der Veranstaltung sieht außerdem einen Vortrag des Reichsjugendsührers Arthur Dahl- Kassel, sowie eine Reihe musikalischer Darbietungen vor. Am Vormittag gelangt ein Jugend-Zu- verlässigkeitsfahren über 17 km mit Start und Ziel am Schützenhaus und ein Zweiermannschaftsfahren der Aktiven über 8 0 km (Start: Walltor, Ziel: Schützenhaus) zur Durchführung. Auch hierzu sind zahlreiche Meldun- gen eingegangen. Näheres in der heutigen Anzeige. Hauptschießen her Schühengesettschast 1926 Gießen. Bei dem am 1., 2. und 3. August abgehaltenen Hauptschicßen mit Großkaliber wurden folgende Resultate erzielt, und zwar: 1. Auf der Festscheib « 100 Meter (40er Ringscheibe stehend aufgelegt): 1. Sauer, Gießen, 40 R. (Etechschuh 31); 2. Hill. Alsfeld, 39/34 Ringe; 3. Herrmann, Gießen, 39 34 R.; 4. Spa- mer, Ridda, 39/24 R; 5. Sühel, Schottert, 38/36 Ringe; 6. Heinen. Wetzlar, 38 35 R.; 7. Kumme- row, Gießen, 38 34 R; 8. Tertvr, Lich 38/34 R.; 9. Rühl, Laubach. 38 32 R; 10. Maidhof, Lich, 37/34 R.; 11. Mobs, Gießen. 37,30 R.; 12. De- Wald, Gießen, 37/28 Ringe. Festscheibel75Meter (stehend sreihand): 1. Ricke!, Ridda, 34 R. Stechschuß 2; 2. Steller, Weilmünster, 33/32 R.; 3. Reumann. Schotten, 33/31 R; 4. Dewald, Gießen, 33/0 R.; 5. Loew, Weilmünster, 29/26 R.; 6. Maidhof, Lich, 27/16 R.; 7. Kummerow, Gießen, 26/15 R.; 8. Schilling, Gießen, 24 21 Ringe. Oie Sommerspiele des S. Bezirks. Der 5. Bezirk im Turngau Hessen der DT. veranstaltet am Sonntag seine Sommerspiele, zu denen nur Meldungen in Faustball vorliegen. 3n der Meisterklasse werden T. u. Epv. Butzbach l und Polizeisportverein Butzbach I dem vorjährigen Dezirksmeister, Tv. H o l z- heiml, gegenüverstehen. Zur ^-Klasse haben Tv. Rieder-Mörlen I, Tv. Holzheim II, T. u. Spv. Butzbach II und Pvl.-Spv. Butzbach II gemeldet. Richt eine einzige Meldung liegt in der Jugendklasse vor. Auch in der Altersklasse kommt es zu keinem Spiel, weil hier nur Tv. Rieder- Mörlen gemeldet hat. Handball im Lahn-Oünsberg-Gau Albach — Burkhardsfelden 4:1 (1:0). Die beiden Mannschaften standen sich vor dem Endspiel Friedberg-Fauerbach.Londorf im Gesellschaftsspiel gegenüber. Trotz überlegenem Spiel gelang eS Albach in der ersten Halbzeit nur einmal, den guten Tormann von Burkhardsfelden zu schlagen. Rach Wechsel spielt Albach weiterhin überlegen und konnte noch dreimal erfolgreich sein. Gegen Schluß erzielte Burkhardsfelden durch 13-Meter-Wurs das Ehrentor. Handball im Sau Hessen (O.T.) Drei Mannschaften des Tv. Grohen-Linden im Feld. Den letzten pflichtspielfreien Sonntag benützen die Großen Lindener dazu, mit der ersten, der zweiten und mit der Schülermannschaft Rückspielverpslichtun- gen zu erfüllen. Die erste Mannschaft tritt gegen die erste von Rieder-Mörlen, die zweite gegen Lang- Göns und die Schülermannschaft gegen die Schüler von Hörnsheim an. Reitertag in Londorf. Der .Ländliche Reit- und Fahrverein Rabenau", der alljährlich bisher in Londorf ein größere« Reit- undFahrturnier auf gezogen hatte, nahm in diesem Jahre, In Anbetracht der allgemeinen wirtschaftlichen Rotlage, hiervon Abstand unZ> veranstaltete nur im kleinen Rahmen einen log. .Reitertag". Die Veranstaltung diente in erster Linie dazu, genau wie in anderen Vereinen, die Leibesübungen betreiben, einen Hebet- blick über die Tättgkeit im Reitsport, vor allem der akttven Reiter des Vereins, zu geben und ferner vorgeschrittene Reiter und Fahrer für das neugefchaNene .Deutsche Reiter- bzw. Deutsche Fahrer-Abzeichen" zu prüfen. Als Prüfungskommission hierfür waren zwei, vom Reichsverband Berlin, anerkannte Richter erschienen, und zwar Landstallmeister Hertel (Darmstadt> und Rittmeister a. D. Graf v. Dredvw (Altenburg). Ferner waren als Richter für die Hebungen der Abteilungen noch zwei Vorstandsmitglieder des Provinzialverbandes der oberhessischen Reit- und Fahrvereine, P. Hoffmann (Hof-Güll) und R. Kleberger «Melbach) anwesend. Aus dem herrlich gelegenen Turnierplatz marschierten zunächst alle sechs Abteilungen des Raben auer Vereins und die Abteilung Rieder-Ohmen des befreundeten Rachbarvereins Grünberg in Paradeaufstellung auf Das Kommando hatte der älteste Rabenauer Reitlehrer K. Röcker (Weiters- hain), der auch vom Sammelplatz Londorf aus unter Dvrantritt des Londorf er Polaunenchor« die Abteilungen mit vorangetragener Standarte durch Londorf zum Turnierplatz geführt hatte. Als Steuerung wurde nächst dem Abteilungsreiten, ein Wettbewerb in Freiübungen durchgefuhrt, befon- ders gut schnitt hierbei die Anfänger-Reitabteilung Lvichors-Rordeck unter ihrem Reitlehrer K. Pfeiff ab. Beste Leistungen in Sinzelfreiübungen zeigte hierbei Adam Pfaff (Abt. Londvrf-Ror- deck>, Willi Döll (Abt Rieder-Ohmen). Fritz El au (Abt. Grohen-Bufeck^. Kurt Peil (Abt. Wermertshausens Wilh. Wagner (Abteilung Geilshausen.. Reinhold Theiß (2LbL Weiters- Hain). An die Genannten wurden Ehrenschleisen und Ertnnerungspreise verteilt. Ferner bestanden die P r ü f u n g e n für daS .Deutsche Reiterabzeichen Klasse III in Bronze": Adolf Röcker, Wilhelm Reichert. S Lerch, W. Ricklas, R. Theiß, Ad. Loth, (alle von der Abt. Wei- tershain-; Hch. Becker (Abt. Geilshausen); Hch Kornmann. P. Kornmann, K. Peil (alle von der Abt Wermertshausen); K. Pfeiff, Reitlehrer «Abt. Lvndorf-Rordeck»; Fritz Esau, O. S ch m l d t. Hch Rübsamen , Aug. Weber (sämtlich von der Adt. Droßen-Busecki und 3aL Grkel (Abt. Rieder-Ohmen. Tie Prüfungen für daS .DeutscheFah- reraozeichenKlassell! inBronze traten. nach den Ausschreibungen, nur ehemalige Schüler von Fahrschulen zugelassen. Hierbei »eftanten A» Röcker i Abk. WeiterShain». Kutscher Wilbeü» Dörr (Londorf». Hch Becker (Abt. GeilSoau- len), Hch. Kornmann (Abt. Wermertshausen), und Fritz El au (Abt Droften-Duseck). Die Veranstaltung nahm einen guten Verlauf und dürfte einen wetteren Ansporn für die aktive Tätigkeit in den ein^dnen Reitabteilungen bilden. v. R. Kurze Sportnotizen. Bei der soeben beendeten Alpen- fahrt gewann tue deutsche .Wanderer"-Mannschaft den internationalen Alpenpvkal. Gustave Roth (Belgien) und der deutsche Metstcr Gustav Eder (Dortmund) kämpsen am 30. Auaust in Der'.in erneut um die Europameisterschaft im Weltergewichtsboren. Hertba/BSS. hat sich jetzt entschlossen, da« Spiel gegen den 1. ZE Rürnberg am Coniv* tag in Rürnberg doch auSzutragen. prominente Kußballer in Gießen. VfB. (Liga) - BfK Zürth (BezirkSliga). Der hiesige DfB. hat für Samstagabend eine Mannschaft verpflichtet, berem Auftreten von den Fußballinteressenten in Gießen mit sicherlich gesteigertem Interesse entgegengesehen wird. Die Liga- Mannschaft des Vereins für Rasenspiele Fürth, eine Mannschaft die in der fpiclftärfften deutschen Bezirksliga eine Rolle spielt, wird auf dem Waldspielplatz gegen die 1. Mannschaft des VfB. antreten und die Grün-Weißen zu einer Leistungsprobe heraussordern, wie sie den DfLern bisher noch nicht beschieden war. Es darf nicht vergessen werden, in diesem Zusammenhang daran zu erinnern, daß die Mannschaft des VsR. in den Verbandsspielen keine geringeren Mannschaften als die des 1. FC. R., der opieloereinigung Fürth, der Würzburger Kickers, der Bayern von Hof und des Nürnberger ASB. zu Gegnern hat. In dieser prominenten Gesellschaft kann sich sicherlich eine Mannschaft nur bann hallen, wenn sie tatsächlich mit außerordentlichen Leistungen aufzuwarten vermag. Außerdem darf nicht vergessen werden, daß die Gäste vom Samstag in der süddeutschen Trostrunde gegen den Endspielgegner um die DFB.-Meisterschaft gegen 1860 München nur knapp unterlag (4:3) und damit ihr Können nach- drücklichst unter Beweis stellten. Die beiden Mannschaften stehen sich in folgender Aufstellung gegenüber: VfR. Fürth. Hirsch Förster Schwender Leitzmann Emmert I Stemmer Sesselmann Dietrich Emmert II Schönlein Wolf Lehrmund Haupt Bärenfänger Wlodareck Schmidt Post Knauß Leutheuser Singel Kreß I Balser VfB. Gießen. Unterzieht man die einzelnen Spieler der Gastmannschaft einer kurzen Bettachtung, bann ergibt sich folgenbes Bild: Die bekanntesten und befähigtsten Spieler haben die Fürther zweifellos in den beiden Außenstürmern S e f f e I m a n n und Wolf. (Emmert II gilt als Mittelstürmer, ber feiner Mannschaft manchen Impuls gibt unb den Sturm immer wieder nach vorn reißt. Der Tormann Hirsch ist zwar noch sehr jung, gilt jedoch bereits als einer der aussichtsreichsten Torhüter Süddeutschlands und bedeutet für seine Mannschaft einen hoch einzuschähen- den moralischen Rückhalt. Die Fürther sind eine Kom- binationsmannschaft ersten Ranges, führen den typi- schen südbeutschen Flachpaß vor unb arbeiten äußerst flink unb zuverlässig. Daraus erhellt, baß bic DsBer vor einer außerorbentlich schweren Aufgabe stehen, wenn sie auch nur ehrenvoll bestehen wollen. Die DsBer haben sich mit der Verpflichtung der Gäste au» Süddeutschland eine Ausgabe gestellt, der sie, aller Voraussicht nach, kaum voll gerecht zu werben vermögen. Dies insbesondere deshalb, weil die Mannschaft einige neue Kräfte ausgestellt hat, zu denen erst ber innere Kontakt geschaffen werden muß. Zwar hat die Mannschaft unter der Leitung des bekannten ehemaligen Halbstürmers Bärensän- g e r (FC. Benrath) eifrig trainiert, es bleibt indessen noch abzuwarten, inwieweit sich die Mannschaft in ber Spielanlage System angeeignet hat. Daß man eine Mannschaft, wie ber bes VsR. Fürth nur mit genauester Zusammenarbeit entgegentreten darf, wenn man erfolgreich fein will, erscheint klar. Ob bic DfB.-Mannschaft in bic,er Hinsicht den Ansorbe- rungen entsprechen wird, ist nicht sicher. (Ein Sieg der Fürther steht, sofern die Mannschaft in der genannten Aufstellung antritt, absolut fest. Die VfB.-Mannschaft: B a l f e r ift zweifellos einer der Besten in der Mannschaft. Bingel zuverlässig und gut in Form, Kreß I bei aller Aufopferung vielleicht nicht ganz der richtige Mann, Leutheu f e r unb P o st sind zuverlässige Kämpen, Kn a u ß (ein Jugendlicher) wirb einen sehr schweren Stand haben. Särenfänger dürfte kaum ent- täuschen, Hauptist leider durch eine Fußoerletzung noch etwas gehandicapt und zur Vorsicht verpflichtet, Wlodareck ist neu in der Mannschaft, Schmidt und Lehrmund: man hofft, daß sie gut auf dem Posten sein werden. Das Spiel beginnt morgen um 18.30 Uhr. Der Fußballkampf, ber sich bei einer nur einigermaßen guten Leistung der DsBer sehr wohl zu einem Großkampf entwickeln kann, dürfte sicherlich viel Interesie auslösen. Auf das Ergebnis des Kampfes, der einen eindrucksvollen Auftakt ber diesjährigen Saison darstellen sollte, darf man mit Recht sehr gespannt sein. Für den Sonntag hat die Mannschaft ein weiteres Spiel abgeschlossen. Der Gegner ift die Liga- Mannschaft des DfB. Weidenau, eine leistungsfähige Mannschaft, gegen die die Grünweißen keinen leich- ten Stand haben werden. Zudem wird ber Mannschaft das Spiel gegen Fürth noch „in den Knochen (legen*. Außerdem ist zu berücksichtigen, daß Weidenau nahezu zwei Schnellzugstunden entfernt liegt. Ob es unter diesen Umständen möglich fein wird, gegen die ausgeruhten Weidenauer einen Sieg zu landen, darf mit Fug und Recht als sehr fraglich bezeichnet werden. Die 2. Mannschaft hat die 1. Mannschaft bes FT. Daubringen, ben hartnäckigen Gegner ber vergangen nen Saison zum Gegner. Auch hier wirb ber Sieg nicht leicht zu erringen fein. Immerhin barf man bie zweite Mannschaft al» Sieger erwarten. Regeln für die Postabfertigung. Zur glatten und raschen Qlbfertigung an den Postschaltern kann das Publikum im eigenen Interesse viel beitragen, wenn es die nachstehenden Regeln beachtet: 1. Wähle für deine Dostgeschäfte möglichst nicht die Hauptverkehrsstunden. 2. Klebe auf alle freizumachenden Sendungen die Marken vor der Einlieferung auf, wozu du bei Briefsenduygen. Postanweisungen und Zahlkarten verpflichtet bist. 3. Schreibe zu Wert- und Einschreibesendungen einen Einlieferungsschein — mit Tinte — vorher aus. 4. Halte daS Geld abgezählt bereit. Hebergib größere Mengen Papier- oder Silbergeld stet« geordnet. Lege bei gleichzeitiger Ein- oder Auszahlung von drei und mehr PostanweisungS- und Zcchlkartenbeträgen sowie beim Einkauf von drei oder mehr verschiedenen Sorten von Wertzeichen im Betrag von mehr al« 5 Mk. eine auf gerechnete Zusammenstellung der zu zahlenden Beträge vor. 5. Benutze bei eigenem stärkerem Verkehr die besonderen Einrichtungen (Einlieferungsbücher, Selbstvvrbereitung von Paketen, Einschreibbriefen usw.). Büchertisch. — Ludwig Finkh: „Die Reise an den Bodensee". Verlag von Adolf Donz & Co., Stuttgart. Geb. 2,25 Mk. (177.) — Wohl kaum ein anderer Dichter hat die Landschaft des Bodensees. das Welen der Städte an seinen grünen Hsern. den lebendigen Zauber der Dörfer, die Kraft und die Eigenart der Menschen und den sanften Glanz, der dort die Dinge und die Ratur umwebt, so fein darzustellen vermocht, wie Ludwig Finch. Kaum einer bettachtet den Bodensee mit so klaren Augen wie er. Er bringt dem Leser die Berge nahe und die grünen Hier, die das klare Walser säumen, er vermag in Worten die Luft so wiederzugeben, wie es die alten holländischen Maler mit der Farbe vermochten und webt so das Bild vieler Landschaft zu einer vollkommenen Einheit- Was aber das kleine Büchlein besonders reizvoll macht, ist die Verbindung des gegenwärttgen Geschehnisses mit der Landschaft und mit der Vergangenheit. Daß er bie Wenfchen. ihre Gewohnheiten, ihre Sprache dem Ganzen einordnet, wie ein Goldschmied den Edelstein dem lauteren Gold, erscheint fast felbft- verständlich. Der das kleine Büchlein gelesen hat. wird lebhaft wünschen, den Bodensee, die deutsche Riviera, da« alte Lindau und die Insel Mainau, die Abtei Reichenau und das liebliche altertümliche Meersburg, wie auch noch viele« andeve kennenzu lernen. — Margarete Seemann : Benedeit« Erde. 79 Seiten 8°. Ganzleinen 4 Mk. 3rran$ Bvrgmeher Verlag, HildeSheim. (174.) — ßont Laurmann-Krnzelmann: Dom heimlichen Leben zwischen Mutter und Kind. 80 Seiten 8°. Drosch. 2 Mk., Ganzleinen 3.50 Mk. Franz Borgmeyer Verlag, Hildesheim, (175.) — 3n diesen beiden Bändchen haben zwei mütterliche Frauen ihre persönlichen Erlebnisse mit ihren Kindern in Form von Versen und kurzen. tagcbuchmähigen Aufzeichnungen niedergelegt, die — über den privaten HmkreiS hinaus — auch manchen anderen Müttern und jungett Frauen in stillen Stunden eine willkommene Lektüre bilden werden. Buntes Allerlei. Ilgerjagb an Lord. Die aufregende Geschichte von einer Tigerjagd an Bord eine« Schiffes erzählte der Oberingenieur deS Rorddeutschen Lloyd-Dampfers .Lahn", al« das Schiff im Londoner Hafen anlegte. Der Dampfer, der außer der Mannschaft 16 Passagiere an Bord hatte, brachte einige Tiger von Dinga- pore nach Europa; sie befanden sich in vier getrennten Käfigen auf dem inteven Deck. .In den Rachtstunden de« 23. Juli, kurz bevor wir Marseille erreichten", berichtete ter Oberingenieur, .gelang eS einem der Tiger, einem .Menschenfressers von etwa 140 Zentimeter Höhe und 2 Meter Länge, sich aus seinem Käsig zu befreien, indem er die Holzverschalung mit seinen mächtigen Tatzen zerschlug. Ein Matrose, der gerate von ter Wache zurückkam, befand sich dem Tier in der Dunkelheit plötzlich gegenüber. Er dachte zunächst, es fei ter Schiffshund, rief ihm bei Damen, und als da« Tier herankam, streichelte er e«. Man kann sich sein Entsetzen vorstellen, als er entdeckte, daß es ein Tiger war. Der Mann rannte fort, ater die Bestie setzte hinter ihm her, packte ihn am Handgelenk unb riß ihm das Fleisch bi« zum Knochen heraus. Er entkam, und ter Offizier auf der Landungsbrücke teilte uns telephonisch mit, daß wir un- in den Kabinen halten fottten. Als es einige Stunden später heller wurde, guckte ich aus meiner Kabine heraus und sah den Tiger herumschleichen. Unterteilen hatten sich die Offiziere unb Mannschaften der Wache mit Revolvern und Gewehren bewaffnet, machten auf das Raubtier Jagd und, als sie es zwischen zwei Luken entdeckten, erschossen sie es. Vorher war der vierte Offizier von dem Tiger angegriffen worden, aber rtiit einigen Krahwunden davongekommen. Das Tier war in einen Raum eingedrungen, in dem einige Matrosen Affen in Kisten hielten, hatte einige dieser Kisten entzweigeschlagen und vier Affen gefressen. Die Passagiere, die alle wach waren, zeigten in der gefährlichen Lage große Kaltblütigkeit." Wirtschast. Lieber die Devisenbewirtschaftung. Die Industrie - und Handelskammer Mainz schreibt uns: Rach der Verordnung des Reichspräsidenten über di« Devisenbewirtschaftung vom 1. August sind als Stellen für die Devisen- bewirtschaftung die Landesfinanzämter bestimmt. Bei ihnen sind in Zukunft die Anträge auf Erteilung einer Genehmigung zum Erwerb von ausländischen Zahlungsmitteln und Forderungen in ausländischer Währung oder zur Verfügung über solche für den Warenbezug aus dem Ausland ein- ^ureichen. Vordrucke hierfür sind bei den In- oustrie- und Handelskammern erhältlich. Da die Bestimmungen über Devisenbewirtschaftung nur dann ohne schwere Schädigung des Außenhandels durchgesührt werden können, wenn sie in einer Weise gehandhabt werden, diie den Besonderheiten des Außenhandels Rechnung trägt, hat die Industrie- und Handeskammer Mainz als Vorort des Hessischen Industrie- und Handelskammertags an das Landesfinanzamt Darmstadt das Ersuchen gerichtet, bei der Devisenstelle einen Beirat, der aus Sachverständigen der Wirtschaft bestehen soll, zu bilden, damit auf diese Weise die nötige Fühlung mit der kaufmännischen Praxis hergestellt wird. Erntevorschätzung in Preußen. Berlin, 6. Aug. Wie das Preußische Statistisd>e Landesamt mitteilt, hat das Regenwetter in der zweiten und dritten Juliwoche den Ernteertrag nicht wesentlich beeinflußt. Auf Grund der zweiten Ernte- vorschätzungen der amtlichen Saatenstandsberichterstatter zu Anfang August wird, wie das bereits zu Anfang Juli festgestellt worden ist, weiterhin mit einer mittleren Getreideernte gerechnet. Der Frühkartoffelertrag ist geringer als im Vorjahre. Winterweizen: Schätzung am 1. August 1931: 2,36 Mill. Tonnen, Ernteertrag 1930: 2,08 Mill. Tonnen (plus 13,9 v. H.): Sommerweizen 0,39 Mill, t, — 0,23 Mill, t (plus 6,7 o.H.); Winterrog- gen 5,32 Mill, t, — 5,66 Mill, t (minus 6,0 Sommerroggen 0,08 Mill, t, — 0,05 Mill, t (plus 18,3 v. §.), Wintergerste 0.36 Mill, t, — 0.34 Mill, t (plus 6,5 o.H.); Sommergerste 1,36 Mill, t, — 1,25 Mill, t (plus 8,6 o.H.); Hafer 4,53 Mill. 1, — 3,83 Mill, t (plus 18,1 v. H.); Frühkartoffeln 1,92 Mill, t, — 2,05 Mill, t (minus 6,3 v. H.). Somit ergibt sich auf Grund der vergrößerten Weizenanbaufläche eine voraussichtliche Weizenernte (Winter- und Sommerfrucht) von 2,769 Mill, t gegen eine Durchschnittsweizenernte von 2,054 Mill, t (plus 34,7 v H.) in den Jahren 1926 bis 1930, von 2,272 Millionen t (plus 21,9 v. H.) in den Jahren 1909 bis 1913. * Zur Betriebseinschränkung b e i Opel. In dem Bestreben, die volle Belegschaft im Arbeitsverhältnis zu erhalten, um auf diese Weise zu verhindern, daß di« Arbeitslosigkeit wieder wächst. haben sich die Opelwerke entschlossen, vorübergehend von Woche zu Woche die Produktion durch Beschränkung der Arbeitszeit dem jeweiligen Absatz anzupassen, da es untragbar erscheint, di« Erzeugung in vollem Umfange aufrocht zu erhalten, wenn die Rachfrage nach den produzierten Gegenständen im Zusammenhänge mit der allgemeinen Wirtschaftskrise sinkt. Auf diese Weise soll erreicht werden, daß die Zahl der Arbeitnehmer möglichst konstant bleibt. Die Opelwerke rechnen damit, daß eine vorübergehend« dreitägige Arbeitszeit pro Woche cs ermöglichen wird, die Belegschaft im wesentlichen im Arbeitsverhältnis durchzuhalten. Rach einer neueren Meldung kann auf Grund neu eingelaufener Export-Aufträge an vier Tagen jeder Woche gearbeitet werden. * Stillegungs - Verhandlungen im Hamborner Bergbau. Unter dem Vorsitz von Oberbergrat Sommer fanden gestern im Verwaltungsgebäude der Vereinigten Stahlwerke die Stillegungsoerhandlunaen wegen der beabsichtigten Entlassung von 1050 Bergleuten zum 15. August statt. Nach Darlegung der Gründe, die zu den Kündigungen geführt haben, durch den Vertreter der Vereinigten Stahlwerke, kam man zu dem Ergebnis, daß in Anbetracht der augenblicklichen Lage des Bergbaues die Entlassungen in dem angegebenen Umfange vorgenommen werden müßten. Von den Entlassungen werden je 350 Bergleute der Schachtanlagen Westende, Thyssen-Hütte II1/V1I und Lohberg betroffen. * D i e Rückzahlung der hessischen W i n z e r k r e d i t e. Die Richtlinien für die Rückzahlung der Winzerkredite in Hessen sind vom Ministerium für Arbeit und Wirtschaft neuerlich dahin geändert worden, daß der 4prozentige Zinssatz bei Darlehen über 600 Mark bleibt, daß aber im Gegen- satz zur früheren Verordnung bei Festsetzung der 600-Mark-Grenze bei Winzern mit mehreren Darlehen aus dem Reichswinzerkredit die verschiedenen Darlehen nicht mehr zusammengezählt werden mit Ausnahme des Haupt- und Zusatzdarlehens 1925. Die seither unverzinslichen Darlehen bis 350 Mark aus dem Reichswinzerkredit 1926 bleiben auch weiterhin unverzinslich. * Wiederaufnahme des handelsrechtlichen L ieferungsgeschäftes in Getreide. Die Wiederaufnahme des handelsrechtlichen Lieferungsgeschästes in Getreide vollzog sich ruhig und glatt. Die Preisdifferenzen gegenüber der letzten Votierung am 13. Juli betrugen bei Weizen 23 bis 24 Mark bei Roggen 12 bis 15 Mark, bei Hafer 11,50 bis 13 Mark je Tonne. Das Geschäft kam verhältnismäßig schnell wieder voll ingang und im Marktverlauf zeigte sich für Roggen eine beachtliche Befestigung. In Marktkreisen glaubt man nicht, daß Exekutionen größeren Ausmaßes erforderlich sein werden. j Devisenmarkt Berlin — Frcmkfurk a. M. Banknoten. 8. August 7.August Amtliche NoiieruNg Amtliche Notierung meld Bries Gelb Brie, Hclsingsor» . 10,588 10,608 10,585 10,605 Wien. . . . 59,15 59,27 59,15 59,27 Prag . . . 12.462 12,482 12,464 12.484 Budapest . . 73,43 73,57 73,43 73,57 Sofia . . . 3,052 3,058 3,052 3,058 Holland . . 169,73 170,07 169,73 170,07 Oolo.... 112,44 112,66 112,39 112,61 Kopenhagen. 112,42 112,64 112,39 112,61 Stockholm . 112,47 112,69 112,43 112,66 London. . . 20,435 20,475 20,425 20,465 Buenos Aires 1.168 1,172 1,168 4,209 1,172 Neu»ork . . 4,209 4,217 4,217 Brüssel. . . 58,67 58,79 58,67 58,79 Italien. . . 21,98 2?, 02 21,99 22,03 Paris . . . 16.50 16,54 16,50 16,54 Schweiz . . 82,04 82,20 82,04 82,20 Spanien . . 36,16 36,24 36,11 36,19 Danzig. . . 81,62 81,78 81,62 81.79 Japan . . . 2,080 2,084 2,080 2.084 Rio de Ian.. 0,289 0,291 0,279 0,281 Jugoslawien. Lissabon . . 7,453 7,467 7,453 7,467 18,53 18,57 18,53 18,57 Berlin, 6. Auaust Geld | Brief Amerikauische Noten....... 4,20 4,22 Belgische Noten......... 58,48 58,72 Däniichc Noten......... 112,18 112,62 Englische Noten......... 20.385 20,465 Französische Noten........ 16,47 16,53 Holländische Noten........ 169,36 170,04 Italienische Noten........ 21,91 21,99 Norwegische Noten........ 112,18 112,62 Deutsch-cesterreich, » 100 Schilling 59,08 59,32 Rumänische Noten........ 2,48 2,50 Schwedische Noten........ 112,23 112,67 Schweizer Noten......... 81,84 82,16 Spanische Noten......... 35,72 35,88 Ungarische Noten........ 73,10 73,40 Berliner Produktenmarkt. Berlin, 6. Aug. Im Mittelpunkt des Interesse an der heutigen Produktenbörse stand die Wiederaufnahme des handelsrechtlichen Lieferungsgeschäftes. Die Preisabschläge betrugen gegenüber den letzten Notierungen vom 13. Juli bei Weizen 23 bis 24, bei Roggen 12 bis 15 und bei Hafer 11,50 bis 13 Mark. In Marktkreisen wird der Meinung Ausdruck verliehen, daß die Preissenkungen als keine übermäßig große an- zusehen sind, kursmähig läßt sich noch nicht übersehen, wie weit aus den Preisdifferenzen Glatt- ftellungen erforderlich fein werden. Letzte Nachrichten. Oer neue Oirekior des Gießener Gchlachihofes. Der Gießener Stadlrat wählte in seiner heutigen nichtöffentlichen Sitzung Dr. Hugo Keller in Offenbach a.21L zum Direktor des hiesigen S ch l a ch l h o f s. Dr. Keller, ein geborener Oberhesse, steht im 38. Lebensjahre. Er erlangte das Zeugnis der Reife in Alsfeld, studierte in Gießen Veterinärmedizin und wurde hier 1920 als Tierarzt mit der Note „sehr gut"" approbiert. Im Anschluß hieran legte er das Tier- zuchtinsvektorenexamen ab und promovierte zum Dr. med. vet. Im Jahre 1924 bestand er die Prüfung für den hessischen Staatsdienst und war von 1925 bis 1927 im Schlacht- und Viehhof in Frankfurt a. M. tätig. 1927 wurde Dr. Keller vom hessischen Ministerium des Innern zum Vorstand des Fleischbeschauamtes und der Trichinenschau in Neu-Isenburg ernannt. Vor Abänderung der Pressenotverordnung. Berlin,?. Aug. (TU. Drahlmeldung.) Amtlich wird mitgeleill, der Reichspräsident lasse auf die zugehenden zahlreichen telegraphischen Anfragen mitteilen, daß die Veröffentlichung der gestrigenkundgebungderpreuhischen Staalsregierung die Veranlassung gegeben habe, die Reichsregierung um Vorschläge zur Abänderung der Notverordnung vom 17. Juli 1931 zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen zu ersuchen. Die Reichsregierung wird unverzüglich solche Vorschläge dem Herrn Reichspräsidenten unterbreiten. (Schluß des redaktionellen Teils.) Im Geschäft der Firma Theodor Köhler, Rtarkt- cct ?2, reflt C5. s'ch seit dem 1. August besonders. (Es steht im Zeichen des Räumungsausverkaufs. Der Inhaber dieses Bekleidungshauses für Herren und Knaben hat es verstanden, durch große Rührigkeit und Lieferung von Qualitätswaren sich großen ' Zuspruch zu verschaffen, so daß die -8a£yuäume zu klein wurden. Das Geschäft wird demnächst in den Seltersweg verlegt. Alle Waren sind deshalb dem Ausverkauf unterstellt. Die Fenster zeigen eine gewaltige Auswahl zu kaum vorstellbaren, niedrigen Preisen. Es wird ein Ausverkauf veranstaltet, der einer Warenauktion gleichkommt. Auf die Sonderangebote in dieser Zeitung wird hingewiesen. 5220A Ein Wunsch vieler, der in Erfüllung ging. Sie waren plötzlich da; zuerst vereinzelt, gleichsam als müßten sie ein Vorurteil beseitigen, das von dem unzuverlässigen „Leichtmotorrad" der Nachkriegs, und Inflationszeit zurückgeblieben ist. Heute aber beleben die „Miele"-Motorfahrräder mit „Sachs". Motor wesentlich das Straßenbild. Wer sich für die Konstruktionseinzelheiten interessiert, der sieht bald, daß alle Voraussetzungen für sicheres und bequemes Fahren und lange Haltbar, feit erfüllt sind. Der Motor bedeutet mit seinem Ge- wicht von zirka 8 Kilogramm kaum eine Belastung; er hat ein Zweiganggetriebe nebst Leerlauf sowie Lamellenkupplung, leistet 154 PS und verbraucht auf 100 Kilometer etwa 2 Liter Benzin. Erfreulicherweise ist das „Miele"-Fahrrad mit Hilfsmotor von der Steuer befreit. Auch ein Führerschein ist nicht not- wendig. 5102V Zigaretten-verknappung? Die starke Nachfrage nach der beliebten Abdulla Standard-Zl- garette hat in der letzten Zeit zu Lieferungs- schwierigkeiten geführt, die trotz der Einstellung einer großen Anzahl geschulter Fachkräfte leider nur langsam behoben werden können. Wenn daher die Abdulla-Raucher die-Standard-Zigarette nicht gleich überall vorrätig finden, so wird um Geduld gebeten. 5218 V Somte und Naumann's weifte Kernseife sind die wahren Freunde Ihrer Wäsche. 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Flur 13 Nr. 28 = 3360 qm Grabgarten, geschätzt 6756 RM. versteigert. 4565V Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstr. 20 (Stadthaus), zur Einsicht ausgehänat. Gießen, den 7. Juli 1931. I. A. des Hessischen Amtsgerichts Gießen: _______Leo, Ortsgerichtsvorsteher._______ Zwangsversteigerung 52/31 Am Freitag, dem 11. September 1931, vormittags 9 Uhr, wird im Amtsgerichts- gebäude zu Gießen, Zimmer 106, das im Grundbuche von Gießen dem Paul Adler in Gießen zugeschriebene Anwesen plock- strahe 5 (Unioersitäts-Cafö) 5205V Flur 1, Jlr. 134 = 285 qm hofreite, geschätzt 81 591 Reichsmark, versteigert. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20 (Stadthaus), zur Einsicht ausgehängt. Gießen, den 4. August 1931. I. A. des Hessischen Amtsgerichts Gießen: Leo, Ortsgerichtsvorsteher. Morgen beginnt unser großer Kleiderverkauf ps 5198 a Posten Tenniskleider aus gutem Panama, Größe 42-46......... 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