nr. 156 (Elftes Blatt 181. Jahrgang Dienstag, 7. Juli 1931 Cr|d)etwt täglid),aufcti Sowwtag» and 5«tertegs. BcUefti: Die Dlluftrierte Gtehen« JamiTienblätla Herrn al im Bild Vie Scholle «eiaU-Bfinflsptets: 2.20 Rerchsmard and 30 Retchspfenntg fir Träger» lohn, auch bei Nicht«» schein«, einzelner Nummern hfolgt höherer Gewalt. Kerntprechanlchlüße •nterSammeutummtr2251 «nfchntt für Drahtnachrichten: Mnjetger tiefte». Pot1d?etffonto: Sranffart am Mala 11686, Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrvS vnd Verlag: vrLhl'sche UntversttLU vmh. nnö StetHöraderei L Lange tn Stehen. 5chriftlettung und Seschästrstelle: Schulsttahe X. Annahme von Anzeigen für die lagesnummet di» zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mi» Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20', mehr. Chefredakteur Dr. Frredr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyrrot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Ula^ FiU«, sämtlich in Gießen. Die Einigung in Pans vollzogen. Ein amerikanisch-französisches Kompromiß. - Das Schlußprotokoll unterzeichnet. - Paris und Washington sind zufrieden. Die Einigungsformel. Ta-Ergebnis der Montag-Besprechung Paris, 6. 3ull. (1DIB.) Die Bef pred)ua- gen der französischen und amerikanischen Unterhändler, die um 15 Uhr begannen, gingen um 16.30 Uhr zu Ende. Um 17 Uhr f rat der französische TH l n i ft errat zusam- men, um zur Lage Stellung zu nehmen. Die französisch - amerikanischen Besprechungen wurden um 19 Uhr wieder ausgenommen und führten in später Abendstunde zu einer völligen (Einigung, über deren Grundlage, die die französische Regierung vorgeschlagen und die die amerikanische Regierung angenommen hat, die Agentur havas folgende Auslassung verbreitet: Nach dem vorgenommenen Meinungsaustausch stellt die französische Regierung fest, daß sie sich mit der amerikanischen Regierung über die wesentlichen Grundsätze des Vorschlags des Präsi- denlen Hoover und über die nachstehend aufgeführ- ten Bestimmungen einig sei: 1. Die Bezahlung der Regierungssitz u 1 d wird vom 1. Juli 1931 bis 30. Juni 1932 ausgesetzt. 2. Deutschland bezahlt jedoch den Betrag der ungeschützten Annuität; aber die französische Regierung Ist, soweit sie in Frage kommt, bereit ein- zuwllligen, dah die auf diese weise von Deutschland geleisteten Zahlungen durch die Internationale Zahlungsbank I n garantierten Bonds der Deutschen Reichsbahn angelegt werden. 3. Alle suspendierten Zahlungen tragen unter den seitens der amerikanischen Regierung angeregten Bedingungen Zinsen und sind vom 1. Juli 1933 ab In zehn Annuitäten z u tilgen. 1. Die gleichen Bedingungen gelten für die von der Reichsbahn auszugebenden Bonds. Die französische Regierung erklärt hinsichtlich dreier Punkte, von denen sie ihrerseits anerkennt, dah diese Punkte die amerikanische Regierung nicht direkt betreffen, das folgende: a) (Eine gemeinsame Aktion der hauptsächlichsten Sentralnofenbanfen wird durch Vermittlung der Internationalen Zahlungsbank zugunsten der europäischen Länder unternommen, die besonders durch die Aussetzung der 3 affin n ge n betroffen werden. b) (Eine vorherige Verständigung wird zwischen Frankreich und der Internationalen Zahlungsbank erzielt werden müssen, damit Frankreich den im Falle eines Poungplan-INoratoriums vorgesehenen Garantiefonds nur durch Monatsraten ergänze, die den Bedürfnissen der Internationalen Zahlungsbank unter Be- rücksichtigung der tatsächlich von Deutschland transferierten Zahlun- gen entspreche. c) Die Frage der Sachlieserungen und die verschiedenen durch die Anwendung des amerikanischen Vorschlages und das vorliegende Abkommen notwendig werdenden technischen Beft immun ge n werden oon einem Sachverständig e n a u s f ch u h geprüft werden, zu dem die interessierten Mächte Delegierte entsenden; die Sachverständigen werden die tatsächlichen Notwendigkeiten mit dem Geist des hooverschen Vorschlags in Einklang zu bringen haben. Frankreich behält sich vor, von derdeutschen Regierung die uner - läßlichen Versicherungen bezüglich der Verwendung der Summen, die im deutschen Budget gespart werden, zu ausschliehlich wirtschaftlichen Zwecken zu verlangen. Um 23.30 Uhr haben die französischen und amerikanischen Unterhändler ein in französischer Sprache obgesahtes Protokoll in zwei Exemplaren paraphiert, das die Grundlagen des veröffentlichten Abkommen enthält. Ls haben paraphiert für die vereinigten Staaten Schahsekretär Mellon und Botschafter E d g e, für Frankreich Ministerpräsident C a oal, Außenminister Briand, Finanzminister F l a n d i n , Budgetminister Pi 61ry und Anter - staatssekretär Franxois Poncet. Mellon macht den Parisern Komplimente. Paris, 7. Juli. (XU.) Dach Abschluß des amerikanisch-französischen Abkommens hat Schahsekretär Mellon den Vertretern der amerikanischen Presse die in solchen Fällen übliche kurze Erklärung abgegeben. Er führte aus: »Unsere Verhandlungen mit den Franzosen sind in der liebenswürdig st en und angenehmsten Form verlaufen Ihre herzliche und freimütige Haltung hat unsere Aufgabe sehr erleichtert. Im Verlaufe unserer Besprechungen haben wir das Vertrauen auf den endgültigen Erfolg niemals verloren. Ich möchte, dah der amerikanischen Oeffentlich- leit gegenüber zum Ausdruck gebracht wird. dah die Zusammenarbeit mit den französischen Unterhändlern, besonders aber mit dem Ministerpräsidenten Laval, unsere aufrichtige Anerken- mmg gesunden und zur Erreichung des Zieles geführt hat." Präsident Hoover über die Einigung. „Keinerlei Belastung der deutschen Reich-» lasse während eines IahreS." Washington, 6. Juli. Präsident Hoover hatte die Pressevertreter zu einer Pressekonferenz ins Weihe Haus bitten lassen, wo er ihnen freudestrahlend entgegentrat und ihnen eine Erklärung vorlas, in der von der Einigung mit Frankreich über den Grundgedanken des Hoover-Planes Mitteilung gemacht wird. Der Präsident betonte, Frankreich habe endlich der Forderung Hoovers zuge st immt, dah die Reichsregierung während des Aufschubjahres keinen Pfennig an Repara- Berlin, 7. Juli. (ERB.) Die gestern in später Rachtstunde in Paris ^ustandegekommene Einigung zwischen den französischen und amerikanischen Unterhändlern über den Plan des Präsidenten Hoover wird von den meisten Berliner Morgenzeitungen in großer Aufmachung veröffentlicht. Indes unterziehen nur wenige Blätter den Inhalt der Einigungsfvrmel einer kritischen Betrachtung. Die „Germania" (Zentrum) charakterisiert die Einigung dahin, daß man sich, nachdem Frankreich zwölf volle Tage gekämpft und gefeilscht habe, auf der Grundlage eines Kompromisses einigte, der grundsätzlich Hoovers Prinzipien annehme, in den Einzelheiten aber der französischen Empfindlichkeit und den französischen Sonoerwünschen in recht weitgehendem Mähe Rechnung trage. Amerika und Frankreich dürfen behaupten, schreibt das Blatt, dah sie in diesem zähen Kampfe die Verständigung im Auge hatten. Wir selbst aber müssen dankbar sein, aber auch mit Wehmut feststellen, dah Hoover und seine Bevollmächtigten, Mellon und Castle, hartnäckig und folgerichtig um ihr Ziel kämpften und um dieses notwendigen Zieles willen auch Unerwünschtes in Kauf zu nehmen hatten. Dah die Anerkennung des französischen Anspruches der Aufrechterhaltung des Prinzips der ungeschützten Annuitäten nach dem bisherigen Verlauf der Verhandlungen zu erwarten war, wird von uns in der Ueberzeugung zur Kenntnis genommen, dah trotzdem noch nicht das letzte Wort über die deutsche Zahlungsfähigkeit in den kommenden Jahren gesprochen sein wird. Roch optimistischer äußert sich die »Vos s. Z t g. (Ullstein), wenn sie schreibt, dah trotz der den Garantiesonds und die Sachlieferungen be- Derlin, 6. Juli. (TU.) Die gestern kurz veröffentlichten Aeuherungen desReichs- kanzlers gegenüber dem amerikanischen Botschafter Dackett lauten wie folgt: „3m Hinblick auf die in einigen Kreisen aufgetauchten Besorgnisse, die im deutschen Haushalt durch den Eriah der Reparationszahlungen sreiwerdenden Summen könnten für «ine Vermehrung der Rüstungen Verwendung finden, stelle ich fest, dah eine Erhöhung der Aufwendungen für Heer und Flott« während des Feierjahres weder je beabsichtigt war. noch stattfinden wird. Die gesamten Erleichterungen, die der Hoover- plan Deutschland bringen wird, werden zur Deckung der zu erwartenden Einnahmeausfälle, zur Konsolidierung der finanziellen Verhältnisse und zur Rettung der deutschen Wirtschaft restlos benötigt und verwandt werden." Der auhenpolittsche Mitarbeiter des ..Mattn", Sauerwein, hat im Zusammenhang mit diesen Aeuherungen Brünings — es handelte sich, wie hervorgehoben werden muh, nicht um eine Rote — Mitteilungen gemacht, die auf politische Forderungen Frankreichs hinauslaufen. Er erklärt in Zusammenhang mit dem Abschluß der Verhandlungen, dah es ein ergreifender Anblick gewesen sei, als nach Unterzeichnung der Verhandlungsgrundlagen durch die beiden Parteien die französischen Minister dem amerikanischen Schatzkanzler und dem amerikanischen Botschafter herzlich die Hände schüttelten. Alles sei jedo ch noch nicht been» t i o n e n zu zahlen habe. Leider habe er bezüglich der Rückzahlungsfrist Frankreich n a ch - geben müssen, die mit dem 1. Juli 1933 beginnend festgesetzt wurde, anstatt mit dem l.Iuli 1934. wobei die Tilgung in zehn Jahresraten erfolgen soll. Aber der Plan sei nunmehr moralisch in Kraft und Deutschlands Lasten wäh- rend dieses Zeitraumes erheblich erleichtert. Er habe Zusicherungen von einer groben Mehrheit beider Häuser deS Kongresses ohne Unterschied der Partei, dah sie alsbald nach Beginn der regulären Session anfangs Dezember seinem Plan z u st i m m e n und ihn für die Vereinigten Staaten noch vor Witte Dezember, dem Zeitpunkt, an dem die nächsten' Zahlungen an sich fällig wären, in Kraft setzen werden. Frankreich werd« einige Details mit den anderen Gläubigerländern noch zu regeln haben. Alles aber werd« getreu dem Grundgedanken des Hoover-Planes erfolgen: „Keinerlei Belastung der deutschen Reichskasse während des Jahres" und die Regierung der Vereinigten Staaten werde sich nunmehr an den weiteren Verhandlungen nicht mehr zu beteiligen brauchen. treffenden Vorbehalte der Wert der politischen Inkraftsetzung des Hoover- planes nicht vermindert werde. Das Entscheidende sei, dah Deutschland bis zum 15. Juli 1932 keinen Pfennig in fremder Währung zu übertragen haben werde. Das Blatt erwartet die Wiederkehr des Vertrauens, das dem zähen Ringen der letzten 15 Tage nicht standgehalten habe. Alles deute daraufhin, daß das große internationale Hilfswerk zugunsten der deutschen Wirtschaft nun sehr rasch beginnen werde. In einem sehr krittschen Tone dagegen schreibt die „D. A. Z.", die Franzosen wollten uns aus- bluten lassen, um uns dann diktieren zu können, nicht hinsichtlich der ungeschützten Annuitäten oder der Sachlieferungen, sondern hinsichtlich politischer Lebensfragen er st en Ranges. Auch nach der Einigung müssen wir vermeiden, dah die französische Politik uns ihre Bedingungen dikttert. Hauptsächlich wirkt sich das Pariser Uebereinkommen psychologisch aus. Richt Mutlosigkeit, sondern k o n st r u k t i v e, aufbauende Gesinnung, die endlich auf das Ganze geht, ist das Gebot der Stunde. Gs kann keine Regierung mehr wagen, jene politischen Verzichte auszusprechen, die etwa in der französischen Kammerdebatte gefordert touröen. Sie wäre in dem gleichen Augenblick gestürzt. Der „T a g" (Hugenberg) schreibt: Die vollständige Befreiung der deutschen Finanzen von den Tributlasten während eines Jahres sei nicht erreicht worden. In der Sachlieferungsfrage habe Hoover einen glatten Rückzug angetreten. Sollte es in dieser Frage zu keiner Einigung kommen, so werde auch dos Sachlieferungsprogramm deutscherseits zunächst unter- b roch en werden. de t. Der BIZ. faÄe die Aufgabe zu, die bestehenden Schwiergikeiten weiter zu löfen, die weder dem Hovverplan noch dem Poungplan irgendwie schädlich sein könnten.. Das wichtigste sei jedoch, dah Deutschland ohne Umschweife die Versicherungen gegenüber Frankreich wiederhole, die es soeben erst gegenüber der amerikanischen Regierung abgegeben habe. Deutschland müsse vor allem verstehen, daß, wenn Frankreich um die Unterlassung von abenteuerllchen Maßnahmen, die Dermeidung des deutsch-österreichischen Anschlusses oder von militärischen Kundgebungen bitte, dies keineswegs eine Schikanlererei bedeute, noch eine Beschränkung der freien Meinungsäußerung. Es bedeute lediglich, daß zwei Arten von Politik nicht möglich seien. Ein großes geschlagenes Volk könne zweierlei wünschen, entweder sich zu rächen oder sich im Einvernehmen mit seinem Gegner wieder zu erholen, niemals aber beides auf einmal. Es fei absolut unmöglich, Reoanchegefühle zu unterhalten und zu gleicher Zeit ausländisches Kapital um ein Moratorium anzu- rufen. Bon zuständiger Stelle in Berlin wird hierzu erklärt, daß die Aeuherungen Brünings gegenüber dem amerikanischen Botschafter selbstverständlich nicht nur für Amerika, sondern auch für die übrigen Länder Geltung haben. Aus diesem Grunde fei es völlig unverständlich, wenn die französische Regierung eine entsprechende Bereicherung auch für sich wünsche. Für Deutschland kämen in Uebereinftimmung mit Washington natürlich keine politischen Forderungen in Frage. Es könne auch keine Rebe davon sein, wie das in verschiedenen französischen Meldungen, insbesondere von der halbamtlichen Agentur „ßavas" behauptet worden ist, dah sich die Reichsregierung wegen der Zollunion bereits mit der Wiener Regierung auseinandergesetzt habe. Demarchen irgendwelcher Art seien weder in Berlin noch in anderen Hauptstädten unternommen. Frankreichs geheiligte Rechte gewahrt. Laval verkündet den Beginn einer neuen Acra. Paris, 6. Juli. (WTB.) Rach Beendigung der heute abend erfolgten französisch-amerikanischen Besprechung übermittelte Ministerpräsident Laval der Presse folgende Auslassung: Staatssekretär Mellon und Botschafter Edge hoben dem amerikanischen Präsidenten Hoover telephonisch den vorgeschlagenen Text der Derständigungs- grundlage übermittelt. Bei Wiederaufnahme der französisch-amerikanischen Besprechungen um 22 Uhr haben die amerikanischen Unterhändler die Zustimmung ihrer Regierung zur Kenntnis gebracht und mitgeteilt, Präsident Hoover habe erklärt, das heute geschlossene Abkommen würde dem Geiste des amerikanischen Vorschlages entsprechen; es bleibe allerdings dann von der Zustimmung der anderen interessierten Teile abhängig, für deren Staaten er keine Verpflichtungen übernehmen konnte. — Staatssekretär Mellon und Botschafter Edge haben darauf im Ramen Hoovers und in ihrem eigenen Ramen der französischen Regierung ihre aufrichtige Dankbarkeit gegenüber der französischen Regierung zum Ausdruck gebracht, über deren hochherzige Anstrengungen zugunsten der wirtschaftlichen Wiederherstellung der Welt. Ministerpräsident Laval hat den amerikanischen Unterhändlern für ihre tätige Mitarbeit und für ihren persönlichen Geist gedankt. Er hat den Wunsch ausgedrückt, dah die Inittative des Präsidenten Hoover die gesteckten Ziele erreichen möge. Laval erklärte weiter: Das Abkommen sei nunmehr abgeschlossen. Das sei eine wichtige Entscheidung, die für Frankreich ein schweres Opfer bedeute. Man werde begreifen, dah die französische Regierung die französi'sch-ameri- kanische Solidarität aufrechterhalten sollte, sei sie doch die Bedingung für die intemdtionale Zusammenarbeit, die für den Frieden notwendiger sei denn je. Man werde feststellen, dah die französische Regierung nicht zugelassen habe, dah das geheiligte Recht Frankreichs auf Reparationen verfalle. Wenn das abgeschlossene Abkommen die Wiedergeburt des Vertrauens in der Welt zur Folge haben werde, dann werde dies für Frankreich nicht vergeblich gewesen fein, und wenn man in Deutschland die Bedeutung und den Sinn der edelmütigen Haltung Frankreichs begreife, müsse für beide Volker eine neue Aera beginnen. Geteilte Meinung in Paris. Erste Presscstimmen. Paris, 7. Juli. (WTB. Funkspruch.) Zu dem Abkommen der französischen Verhandlungen äußert sich fast die gesamte Morgenpressr. ,2 a Repuolique" erklärt: Wir können un8 zu einem derartigen Ergebnis nur beglückwünschen. Ein Abbruch würde das Signal zur allgemeinen Unordnung gewesen fein. Hoovers Vorschlag stellt einen Beginn der. Er wird zu nichts dienen, wenn er sich daraus beschränke, eine Schwächung Deutschlands zu vermeiden, und wenn ihm nicht ein Plan folgen würde, der es Deutschland gestattet, sich wiederzu erheben. Frankreichs Sache fei es, diesen Plan vorzulegen. — Im .Populaire" (sozial.) schreibt Löon Blum: Dieser Vorschlag wird nur einen Aufschub bedeuten, wenn er nicht Ausgangspunkt einer zähen methodisch durchgesührten Gesamtaktton wird. Es geht um den Frieden. — „2*0 euo re" (radikalsoz.) schreibt, dah sich die französische Regierung wohl nicht mit den in Washington abgegebenen beruhigenden Erklärungen des Reichskanzlers zufriedengeben werde, fonbern die Versicherung zu erhalten gedenkt, dah die dem deutschen Budget gewährten Erleichterungen weder zur Heraufsetzung der deutschen Rüstungen, noch ^u einer Art finanziellen Inflation verwendet toerben. — In diesem Sinne äußert sich auch der offiziöse „Pettt Parisien". „Echo de Paris (national-klerikal) schreibt: Die französischen Minister haben noch gestern einen Abbruch der Verhandlungen befürchtet. Durch äußerste Konzessionen haben unsere Mi- trister das Manöver parieren wollen; aber d ie Angelegenheit ist nochnicht zu Ende. — „Excelsior" sagt: Man muh in erster Linie betonen, dah zwilchen der Grundlage des Abkommens, wie es paraphiert wurde, und den im französischen Parlament abgegebenen Er- Larungen lein tiefgreifender Wider« Erstes Echo in Berlin. Oas pariser Kompromiß kommt den französischen Wünschen weit entgegen. Gegen politische Zumutungen. Frankreichs politische Forderungen. Oie Verwendung der gestundeten Reparationen. Ein schamloser Erpreffungsversuch. spruch besteht. Das Abkommen wird jedoch seine Völle moralische Wirkung nur haben, wenn Deutschland selbst an seiner wirtschaftlichen und finanziellen Gesundung mitarbeitet. — „Journal" (national-klerikal) betont, daß die französische Regierung die heilig st en Rechte Frankreichs nicht habe veräußern lassen. DieS sei wichtiger als der Wortlaut des Abkommens selbst. „Quvtidien" (radikalsoA.) ist mit der französischen Regierung außerordentlich unzufrieden: DaS Kabinett hat nicht wiedergutzumachende Fehler begangen. Der QJoung- plan ist heute getroffen, morgen wird er zerrissen werden. — »Volonts" (radikalsoz.) schreibt: Deutschland Hot versprochen, daß es seine Rüstungen während eines Jahres nicht heraufsehen wird, Linser Interesse wird es sein, wenn man mit einem gleichlautenden versprechen antworten wird. Alles übrige wird von selbst folgen. - Victoire (Blatt Herv6s) ironisiert die französischen Unterhändler: Rach zweiwöchigem Feilschen stimmt Marianne endlich dem Vorschlag Uncle Sams zu mit der verärgerten Miene einer Bäuerin aus der Auvergne, die an einem Strick ihre Kuh auf den Markt geführt hat und nach abgeschlossenem Handel untröstlich ist, weil der Käufer ihr nicht auch den Strick bezahlt hat. Marianne in Bedrängnis. psychologische Hintergründe Don unserem Pariser (Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Der Bericht unseres Pariser Komespon- denten hat seiner guten Milieuschilderung wegen auch noch nach Abschluß der Pariser Verhandlungen Interesse. Paris, Juli 1931. Der Wetterbericht verkündet Tag für Tag „L e beau temps continu e“. Das schöne Wetter hält an! Tatsächlich, es ist eine Lust, zu leben. Die Sonne strahlt über die Dächer von Paris. Auf der Seine gleiten die weißen Boote dahin. Im Luxenbourg spielen fröhliche Kinder um das Wasscrrondcll und lassen ihre Schiffchen schwimmen, und auf dem Doul'Miche flaniert paarweise dis junge Welt des Quartier latin und summt von der Liebe. Es scheint, diese Stadt, in der der Frühling so früh anfängt, hat Frühling bis in den Hixhsommer hinein. Es ist eine zärtliche Stadt. Eine Stadt, die ganz und gar weiblich ist, die selbst das Gesicht eines ibrer entzückenden Kinder angenommen hat und die genau wie eine dieser Midinetten immerfort süß lächelt, mit den niedlichsten Launen kokettiert, unwiderstehlich bit- 'ten kann und der man jedenfalls niemals recht bös zu fein vermag. Die Franzosen wissen sehr genau, was sie an dieser ihrer Stadt haben. Besonders genau aber wissen es die französischen Politiker. Sie verlassen sich mit Sicherheit darauf, daß ein Fremder, wenn er auch in noch so ernster Mission nach Paris kommt, vom Zauber dieser Stadt gefangen wird und schon aus dem Kavaliersgefühl heraus sich zu Zugeständnissen bereit finden läßt, die er selbst vor seiner Ankunft niemals für möglich gehalten hätte. Vielleicht liegt in diesem Gefühl der Llnwiderstehlichkeit der Atmosphäre etwas von dem Grund dafür, daß Herr L a v a l sich in seiner Kammerrede derart zu Festlegungen hinreihen lieh, von denen er nun kaum mehr herunter fann, will er nicht den sprühenden Zorn Mariannes erregen. Lind dieser Zorn Mariannes ist gefährlich. Das haben andere französische Politiker vor ihm oft genug hart gespürt. Selbstverständlich hatte der französische Ministerpräsident auch eine Reihe von Sachgründen, die zu dieser Haltung brachten. Das Wort, daß der Boche alles bezahlen werde, wird zwar heute nicht mehr offen ausgesprochen, aber es ist darum doch immer noch wesentlicher Bestandteil jeder französischen Etataufstellung. Lind trotz des Reichtums Frankreichs ist auch dieser Haushalt immer nur so eben ausbalanciert. D i e Rüstung verschlingt ungeheureSum- m e n. An dem Etat rütteln heißt zugleich daS Rüstungsprogramm gefährden und die Industrie berausfordern, die sich auf lange und sichere Lieferungen eingestellt hat. Man wird sich klar darüber sein müssen, dah gerade aus dem industriellen Lager Einwirkungen auf Herrn Laval ausgeübt worden sind, die seine Haltung 'stark bestimmten. Man durfte ihm vorgetragen haben, dah das ^verzweifelte Manöver" des Herrn Hoover schließlich nur ausgeführt worden sei, um die Aussichten bei der bevorstehenden Präsidentenwahl zu retten. Darüber hinaus aber vermutet man oder behauptet es wenigstens anzunehmen, dah die ganze Aktion schließlich nur dazu dienen soll, in der Zeit der Entspannung die amerikanischen P r iv a t k r e d i te nicht nur aus Deutschland, sondern aus ganz Europa zurückzuziehen. Die unmittelbare Folge aber würde eine neue und schwerere Erschütterung des europäischen Wirtschaftsstandes sein. Man sieht, das sind Argumente, die so- der pariser Konferenz. Korrespondent. wohl Herrn Briand verständlich sind, wie sie auch Herrn Hcrriot nicht unberührt lassen. Lind Her-, riot und seine sozialistischen Freunde haben durch ihr Auftreten in der Kammer gezeigt, dah sie diese Argumente der Industrie sehr wohl zu würdigen wußten, wie ja überhaupt der französische Sozialismus den Klassenkampf immer sofort und mit einer Großzügigkeit sondergleichen a b b r i ch t, sobald es gilt, einegemeinsameSacheder nationalen Wirtschaft zu vertreten. Da- kommen selbstverständlich alle diese Lieberlegungen und Erwägungen, die in bezug auf die Heiligkeit der Verträge und auf die Frage der Sicherheit die französische Politik gegenüber Deutschland bisher bestimmt haben und auch noch geraume Zeit bestimmen werden, selbst wenn der Hoover-Aktion und dem hier außerordentlich ernst genommenen Schritt Mussolinis noch weitere Ereignisse folgen, die eine Isolierung Frankreichs vollständig machen und die Grundfesten, auf denen diese französische Politik aufgebaut ist, erschüttern. Man hat hier in Paris immer wieder den Eindruck, daß man drüben in Deutschland die französische Politik nicht begreift. Linier denselben Worten, unter den gleichen Begriffen versteht man an der Spree etwas grundsätzlich an- deres als das ist, was man an der Seine meint. Wenn kurz vor dem Hoover-Schritt Gustav H e r v ö wieder einmal von sich reden machte und in grohen Plakaten eine Kampagne für die Verständigung mit Deutschland führte, so meint auch er, wenn er noch so befriedigende Formulierurr- gen aufstellt, etwas ganz anderes unter dieser Verständigung, als man in Berlin darin sieht, ganz abgesehen davon, dah Herve nach wie vor ein gänzlich hoffnungsloser Außenseiter ist. Aber seine Plakate haben zum mindesten dazu beigetragen, dah Laval in seiner Kammerrede mit Worten und Begriffen jonglieren konnte, die gerade im Munde des Volkes waren. Llnverein- barkeiten tonnten dadurch geschickt überbrückt werden und rein innerpolitisch gesehen ist es Laval unzweifelhaft gelungen, sowohl die Rechte, die immer noch Deutschland züchtigen will, als auch die Linke, die die Verständigung auf ihr Panier geschrieben hat, für seine Antwort an Amerika zu einigen. Aber diese Antwort fand einen unerwartet schlechten Hörer. Man hatte sich wohl Mello n als das Llrbild eines der vielen reichen Amerikaner vorgestellt, wie sie zu Frühjahrszeiten nach Paris kommen, um sich durch erhebliches Geldausgeben recht beliebt zu machen. Wer konnte auch daran denken, daß dieser alte Herr den sprichwörtlichen Ruf der Amerikaner, dah sie wehrlos gegen Frauen seien, so schwer enttäuschen würde. Lind Marianne wurde schwer enttäuscht. Herr Mellon erlag nicht dem Charme der Stadt. Gr war ja nicht auf Llrlaub hier. Er hatte eine Mission, eine männliche Mission, eine Geschäftsmissivn. Lind auherdem kabelte er fortwährend über das grvhe Wasser und lieh sich Stunde für Stunde von Herrn Hoover seine Instruktionen geben, Hoover, der bekanntlich Quäker ist, und in der Rüchternheit des Weihen Hauses verärgert von der Hitzewelle wohl kaum etwas von der zärtlichen Sonne Frankreichs ahnt. Marianne geriet in schwerste Bedrängnis, eine Bedrängnis, die um so schmerzlicher war, als es das erstemal seit dem Wirken der grohen Vier ist, dah die Männer der anderen Welt die Wünsche Frankreichs kühl ablehnen. Neue Ausgaben für die Sowjetwirtschast. (Stalin kündigt Kurswechsel zur Durchführung des Zünsiahreöplans an. Moskau, 6. Juli. (WTB.) Auf einer Konferenz der Wirtschaftsfichrer sprach Stalin über die neue Lage und die neuen Aufgaben des Wirte schaftSaufbaues der Sowjetunion. Er erklärte u. a., dah die Ursache des Zurückbleibens gewisserJndustrien im Rahmen desFünf- jahresplanes darin zu sehen sei, dah die Entwicklungsbedingungen -von Grund auf sich geändert hätten. Die neue Lage fordere auch neue Methoden in der Führung. Dor allem handele es sich um die Versorgung der Betriebe mit Arbeitskräften. Mit einem automatischen Zustrom von Arbeitskräften vom Lande in die Städte könne nicht mehr gerechnet werden. Es sei unumgänglich zu einer Politik organisierter Werbung von Arbeitern mittels Verträgen überzugehen. Ferner sei es notwendig, sofort die Mechanisierung der schwer st en Arbeit vorzunehmen. Dies verlange eine neue Regelung der Arbeitslöhne und ein Sehhaftwerden der Arbeiter. Der Gleich- stellung der gelernten und ungelernte n A r b e i t e r und der Arbeitslosen müsse e i n Ende gemacht werden. Man könne hochqucrlte hzierte Arbeitskräfte nur durch Zahlung höherer Löhne an ihre Arbeitsstelle fesseln. Hierdurch werde man den Lerndrang der ungelernten Arbeiter anspornen. In der Verbesserung der Dersorgung und dev Wohnungsverhältnisse sei in den letzten Jahren nicht wenig getan worden, aber das genüge noch nicht. Man müsse solche Arbeitsbedingungen schaffen, dah die Qualität der Produktion besser werde. Ferner habe sich in der Industrie die Lage bezüglich deS Bestandes der leitenden Beamte n grundlegend geändert. Früher sei die Llkraine ßr Dersorgung der ganzen Industrie mit Kohlen und Metallen gewesen. Bei der Beibehaltung des gegenwärtigen Entwicke- lungstempvs sei das aber nicht mehr möglich. Man müsse daher neue Dersorgungsgebiete erschließen. Llm das Programm der Jndustriali- sierwig durchzuführen, brauche man zwei- bis fünfmal so viele leitende Kräfte, vor allem Ingenieure. Diese müßten aus der Arbeiterklasse selbst hervorgehen. Stalin wies darauf hin, daß in den höheren Lehranstalten der Sowjetunion jetzt Zehntausend junger Arbeiter zu Technikern und Ingenieuren ausgebildet würden. Diese würden zusammen mit den Angestellten und den gelernten Arbeitern den Jntelligenzkern der Arbeiterklasse bilden. Auch was die Derwendung von Mitgliedern der Bourgeoisie in den Betrieben betreffe, so sei die Lage grundlegend verändert. Man habe in den Städten und auf dem Lande die kapitalistischen Elemente überwunden und auf dem Gebiete des kollektiven Wirtschastsaufbaues gewaltige Erfolge errungen. Dies erkläre die Tatsache, dah man einen Umschwung zugunsten der Sowjetmacht in den Kreisen der Bourgeoisie feststellen könne, und daß diese Hand in Hand mit der Arbeiterklasse zusammenarbeite. Daher müsse sich auch die Politik gegenüber diesen Kreisen ändern, sie mühten mehr zur Mitarbeit herangezogen werden. 3m Gegensatz zum Ausland habe die Sowjetunion nicht die Möglichkeit der Aufnahme von Anleihen oder Krediten aus dem Auslande gehabt, sondern sie habe die Wiederherstellung der Landwirtschaft und Industrie mit Hilfe innerer Reserven bewerkstelligen müssen. Zur Einführung der neuen Arbeitsmethoden sei es notwendig, daß die Wirtschaftsführer selbst in Kleinigkeiten sich einen Einblick verschafften und wirkliche Führer würden. Hierzu müsse man große, manchmal 100 bis 200 Unternehmen umfassende Konzerne teilen und zur Ginzelver- waltuug übergehen. Der Produktionsvlan für 1931, schloß Stalin, ist tatsächlich durchführbar, da alle rwtwendigen Bedingungen für seine Anwendung vorhanden sind. Seine Durchführung hängt ausschließlich von unserer Fähigkeit ab, die vorhandenen sehr reichen Möglichkeiten auszunutzen. Die Tatsache, dah eine ganze Reihe von Unternehmungen und Industriezweigen den Plan schon mehr als erfüllt haben, beweist das. Die Millionen von Werktätigen, die ein neues Leben schaffen, unser Arbeitswille, unsere Bereitschaft, mit neuen Methoden zu arbeiten, und unsere Entschlossenheit, den Plan durchzuführen, sind die hinter unserem Produktionsplan stehenden Wirklichkeiten. Der britische Flottenbesuch in Kiel. Festliche Veranstaltungen zu Ehren der Gäste. Kiel, 6. Juli. (WTB.) Der Chef der Marinestation der Ostsee, Vizeadmiral Hansen, hatte aus Anlaß des englischen Flottenbesuches für heute abend Einladungen zu einem Essen in kleinem Kreise ergehen lassen, an dem der englische Ge- schwaderchef, Konteradmiral Astley-Rushton, mit den Herren seines Stabes und die Kommandanten der beiden englischen Kreuzer, teilnahmen. Ein Empfang m i t T a n z in der Seeburg, dem Besitz des Stationschefs, der die englischen Offiziere und ihre deutschen Gastgeber in fröhlicher Gesellschaft vereinte, schloß sich an. Für eine große Anzahl von englischen Unteroffizieren und Mannschaften fand gleichzeitig auf Einladung der Stadt Kiel eine Kinoveranstaltung statt. Am Nachmittag hatte die Bevölkerung der Stadt Kiel von der Möglichkeit, die englischen Kriegsschiffe zu besichtigen, in weitestem Umfange Gebrauch gemacht. Während eine Segel« regatta mit Kriegsschiffbooten mit Preisoerteilung auf der Seydlitz-Brücke ihren Abschluß fand, veranstaltete die Marine-Artillerie- Abteilung auf den Schießständen in Holtenau für die englischen und deutschen Schiffsbesatzungen ein W e t t s ch i e ß e n , bei dem sich die Engländer als ausgezeichnete Schützen erwiesen. Abends hatte die Offiziersmesse des Linienschiffes „Hes en" die Offiziere des Kreuzers „Dorfetfhire" eingeladen, während die Offiziere des Kreuzers „Norfolk" auf dem Kreuzer „Königsberg" zu Gast waren. Befriedigung in England. London, 6. Jüll. (WTB.) Die äußerst farbig gehaltenen Berichte der englischen Korre- sponltenten für den Kieler Besuch der englischen Flotte werden von allen Blättern an hervorragender Stelle veröffentlicht. Die Berichte befassen sich ausführlich mit dem reichhaltigen. Programm, das man zu Ehren der englischen Besucher zusammengestellt hat. Die äußerst herzliche Aufnahme der englischen Blaujacken durch die Kieler Bevölkerung wird wiederholt hervorgehoben. „Jack und Fritz Arm in Arm", so tautet z. B. die Lieberschrift im „Sundatz Expreß". „Sunday Rews" bezeichnen den Besuch als einen bemerkenswerten Fortschritt der deutsch-englischen Annäherung. „Observer" bemerkt nach Bezugnahme auf den letzten englischen Flottenbesuch vor 17 Jahren in einem besonderen Leitartikel: Die Kreuzer „Dorsetshire" und „Rvrföll" dampften in eine von Befürchtungen völlig gereinigte Atmosphäre. Der größte Sturm der Geschichte hat inzwischen gewütet und ist vorübergezogen, seitdem einige der Besatzung die deutsche Station Hum letztenmal erblickten. Ihr Eindruck, wie weil die beiden Döller alles glücklich hinter sich gelassen haben» wird ein besonders starker sein. Die SunWhnmg des Wsomverbots in Äfften Hitler protestiert gegen die Besetzung des Braunen Hauses. Die Polizeiaktion gegen das Braune Haus in München, das Hauptquartier der Nationalsozialisten. ft I U B«M EMU München, 6v3n!i. (TLl.) Im Hinblick auf die Vorgänge am Braunen Haus erläßt Hitler im heutigen „Völkischen Beobachter" eine Erklärung an die Parteigenossen, in der er zunächst darauf hinweist, dah trotz gegenteiliger gerichtlicher Entscheidungen die Rotverordnung vom 28. März erneut die Zulässigkeit von Uni* formverboten behauptet habe. Die Münchener Polizeidirektion habe es für angebracht gehalten, im Wege unhaltbarer Anordnungen und Verfügungen den uniformierten Schutz des Braunen Hauses zu bekämpfen. Entgegen der Zusage der Polizeidirektion, daß uniformierte Parteigenossen den Derkehrsdienst im Braunen Haus besorgen könnten, soweit sich dieser auf Grund und Boden des Parteiheimes abspielt, wurden am Samstag über vier Hundertschaften aus München gegen das Braune Haus eingesetzt. Die Vorgänge, die sich in Durchsetzung der Poli- zeiangriffe in und vor dem Braunen Haus abspielten, erregten die breite Masse der Münchener Bevölkerung. Llm für die kommenden restlichen Auseinandersetzungen zugleich das einwandfreie Deweismaterial zu sichern, wurden die wesentlichsten Vorgänge sofort urkundlich festgestellt. Die Rechtswidrigkeit dieser polizeilichen Maßnahmen sei von namhaften deutschen Juristen, die in der Reichsleitung anwesend waren, sofort vermerkt worden. Gegen jede Einzelmahnahme sind die Rechtsmittel ergriffen. Es besteht die dringende Hoffnung, daß nunmehr durch einen eklatanten Fall eine gerichtliche Entscheidung grundsätzlicher Art herbei- gesührt werden wird. Die Erklärung Hitlers schließt mit der Mahnung an die Parteigenossen, sich durch gar nichts provozieren zu lassen. „An unserer Gesetzlichkeit wird der Gegner trotz allem zerschellen." Das Hamburger llnisormverboi ungültig. Urteil des Oberlandesgerichts. Hamburg, 6. Juli. (TLl.) Vor dem Strafsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichtes fand am Montag unter dem Vorsitz des Senatspräsidenten Dr. Griesebach eine Revisionsverhandlung gegen ein Urteil des Amtsgerichts Hamburg, welches das LI n i f v r m - verholt des Hambuurger Senats vom 20. Oktober 1930 als ungültig erklärt hatte, weil das Tragen der Uniform eine Meinungsäußerung dar stelle, die nach der Reichsverfassung jedem Staatsbürger gewährlei- stet sei. In dem Urteil heißt es weiter, das Verbot des Senats stellt sich deshalb als ein Svn- dergesetz dar, Sondergesehe seien aber in Deutschland verboten. Deshalb sei das Verbot des Senats ungültig. Die Entscheidung des Amtsgerichts hatte sich ferner darauf gestützt, dah die Polizei ihre Ermächtigungsbefugnis überschritten hatte und daß außerdem das Verbot keine Definition des Begriffes Partei- uniform enthalte. — Gegen diese Entscheidung hatte die Staatsanwaltschaft Revision eingelegt. In der jetzigen Verhandlung vor dem Oberlandesgericht wurde die Materie nochmals eingehend bargelegt. Das Gericht verwarf dann bie Revision der Staatsanwaltschaft und legte die Kosten des Verfahrens dem Staate auf. Damit ist der Uniform streit in Hamburg durch höchstin- stanzliches Urteil entschieden. Das Verbot des Se- na-ds ist ungültig. Aus aller Wett. Großfeuer im Bremer Freihafengebiel. Im Freihafengebiet ereignete sich ein schweres Brandunglück. In der H o l z in eh l f a b r i k Zinszer entzündete sich, vermutlich durch Heißlaufen der steinernen Mahlwalzen, das Holzmehl. Infolge der großen Trockenheit des Materials griff das Feuer schnell um sich und führte kurz nach feiner Entstehung au einer Explosion des Holzmehlbaues, wodurch das ganze Gebäude zerstört wurde. Ein Arbeiter, der sich durch einen Sprung aus einem Fenster des Obergeschosses zu retten versuchte, stürzte auf ein Glasdach und zog sich schwere Verletzungen zu. Der Feuerwehr gelang es, nach zweistündiger angestreng, ter Tätigkeit, das Feuer zu lokalisieren, so daß die Gefahr, daß das Feuer auf benachbarte Fabrikgebäude übergreift, beseitigt war. Schweres Unwetter im westlichen Erzgebirge. Lieber Johanngeorgenstadt entlud sich ein außerordentlich schweres Llnwetter, das von einem wolkenbruchartigen Regen begleitet wurde. Die Bäche und Flüsse vermochten die Wasser- mengen nicht zu fassen. Das Rittägetal und das Lehmgrundtal bildeten einen einzigen See. Im Lehmer Grund wurde das Haus des Arbeiters Hänele weggerissen, wobei der Besitzer unter den Trümmern seines einstürzenden Hauses begraben wurde. Seine Kinder werden vermißt, öb sie ebenfalls ein Opfer der Fluten geworden sind, steht noch nicht fest. Der ganze Eisenbahnverkehr ist infolge Dammrutsches lahmgelegt. Die Stadt ist ohne Licht. Telephon- und Telegraphenleitungen sind stark beschädigt. Die Stadt Schwarzenberg wurde ebenfalls von einem Hochwasser heimgesucht, wie es Wohl im Erzgebirge noch nicht zu verzeichnen war und das bte gewaltigen Raturkataftrophen von 1907 und 1895 in den Schatten stellt. Die Eisenbahnlinie Schwarzenberg—Johanngeorgenstadt wurde vom Wasser unterspült. Die Züge blieben auf der Strecke stehen. Die Wassermengen wälzten sich in einer Breite von etwa 60 Meter durch das Tal, wobei die hohen Llfermauern keinerlei Hindernis bildeten. Die Stoßkraft des Wassers war so stark, dah ein mächtiges Holzlager w e ggeschwemmt wurde. Im unteren Stadtteil wurde das Strahenpflaster aufge» rissen und das Wasser drang meterhoch ein. Jleue Unwetterkatastrophe im Derratal. Dos vor kurzem durch ein schweres Unwetter verwüstete Gebiet im Werratai Wurde erneut von iWei schweren Gewittern heimgesucht. 3n breiten Strömen floh bas Wasser zu Tal und verschlammte die nach dem letzten Unwetter neu bestellten Aecker Wälder und Gärten wurden verwüstet, desgleichen die erst -um Teil auS- gebesserten Straßen. Diele Bäume wurden entwurzelt. DaS Obst ist restloS abgeschlagen. Zahlreiche neue Bolchungsrutsche sind eingetreten. Don vielen Dächern wurden die Ziegel herab- gerissen. Die Bewohner sind der Verzweiflung nahe. Durch diese letzte Katastrophe ist die Rot in- Ungemessene gestiegen. Zyklon über Sidney. Die Stadt Sidney (äluftralien) wurde am Montag von einem Zyklon heimgesucht, dem nach den bisher vorliegenden Meldungen mehrere Menschen zum Opfer gefallen sind. Die im Hasen liegenden Dampfer befanden sich in größter Gefahr, da die Anker gelichtet waren. Die Höhe des Schadens Iaht sich noch nicht abschätzen. Lin Jluazeug raff In die Zuschoucrmenge. Gin surchtoareS Flugzeugunglück, bei dem fünf Personen den Tod fanden., ereignete sich auf dem Flugtage in Hirson (Frankreich). Die Wenge st,Late aulmerksam den Kunstflügen, die von nam- hgsten Flugzeugführern au-geführt wurden, alS ihre ÄustnerNamkeit auf eine Maschine gelenkt wurde, in der mehrere Personen P atz genommen Hanen und die anscheinend zu überlastet war, um sich zu erheben. Der Führer deS Flugzeuges gab plötzlich Vollgas. Der Apparat drehte sich um die eigene Achse und sauste" mit rasender Geschwindigkeit in die Zuschauermenge. Fünf Personen wurden durch den Properer auf der Stelle getötet, während 10 andere zum Te^ leben-- gefährliche Derletzungen davontrugen. Raubüberfall Im Bahnhof. Zn U l m wurde ein S ch a l t e r b e a m t e r im Hauptbahnhof von zwei jungen Leuten im -schaler- raum überfallen. Während der eine den Beamten mit einer Pistole bedrohte, raubte sein Komplice aus der Kasse 334 Mark. Die Tater flohen, konnten aber nach kurzer Zeit von Polizei- beamten ge(teilt werden. Es kam äu einer Schieberei, wobei ein Polizcibeamter verletzt und ein Polizeihund getötet wurde. Einer der Tater erhielt ebenfalls eine Schußwunde und mutzte schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden. Der Molchs wer Mörder vor Gericht. Vor dem Schwurgericht Güstrow begann der Prozeß gegen den Fabrikanten Friedrich 3 o n a «. Der Angeklagte hatte bekanntlich am 4. Mai d. 3. den Iustizobcrwachtmeiftcr G l ä se l, der den Auftrag hatte, den seinerzeit inUntersuchungS- haft befindlichen 3onaS zu überwachen, erschlagen. Vach der Tat war 3onaS geflohen, konnte aber einen Tag später von ver Polizei auf dem Motorschiff ..Bubi", auf dem et sich mit seinen Helfershelfern verborgen hielt, fest- genommen werden Diese, der Lagerverwalter Kaselitz und der Buchdrucker Heinrich 3örß sind Wegen Gesangenenbefreiuna und Beihilfe Aum Totschlag, die Ehefrau deS 3onaS Wegen Beihilfe zur Gefangenenbefreiung und Beihilfe zum Totschlag. die Ghesrau des 3onaS Wegen Beihilfe zur Defangenenbesreiung angeklagt. Während 3onas in Deutschland sechsmal vorbestraft ist, sind die Mitangeklagten bisher unbestraft. Auch von Amerika au- wird Jonas gesucht. 3n der Verhandlung Wurde mit der Vernehmung der Angeklagten begonnen. 3onaÄ Will feine Auskunft über seine Persönlichkeit geben und behauptet, kein Schwindler zu sein. Den Hamen „3onaS" Wolle et angenommen haben, um für seine Gegner verschwunden zu sein. Die Zeugenvernehmung konnte verhältnismäßig schnell durchgelührt werden, da über den Sachverhalt fast vollständige Klarheit herrschte. Vicht vollständig geklärt werden konnte die Art. wte der ermordete Gläsel erstickt wurde. Die beiden Sachverständigen. Vegierungsmedizinalrat Dr. Preimrter und Medizinalrat Dr. Scheven, gaben übereinstimmend dahin ihr Gutachten ab. datz der Tod deS Gläsel infolge Verlegung der Atemwege durch Erbrechen eingetreten sei. Aus der Fremdenlegion entflohen. Mit dem britt,eben Dampfer .Unport“ sind -Wei junge Deutsche als blinde Passagiere i n Aberdeen eingclroffen, denen es gelungen ist, nach vier- bzW. fünfjähriger Dienstzeit aus der Fremdenlegion zu entfliehen. Sie Haven ben größten Teil dieser Zeit in Gefängnissen zubringen müssen und tragen zahlreiche QIarbcn a l s Beweis einer unmenschlichen Grausamkeit aus dem Körper. Die beiden Deutschen hatten sich in der Deckladung des britischen Dampfers so gut versteckt, dah sie von dem Suchkommando der Fremdenlegion in dem Abfahrthasen nicht gesunden wurden. Eine ganze Woche hielten sie sich ohneVahrungsmittel verborgen, so dah sie bei ihrer Ankunft vollkommen erfchöpft Waren. Die völkerbundsorganisalion für geistige Zusammenarbeit. (9 » n f, 6. 3uli. (TU.) 3m Rahmen der Organisation des Völkerbunds für geistige Zusammenarbeit, die im 3uli eine größere Tagung abhält, ist am Montag $uni erstenmal ein ständiger Ausschuß für Kunst und Literatur zusammen- getreten, dem führende Persönlichkeiten des Geisteslebens aus verschiedenen Ländern angehören. Von deutscher Seite nimmt Thomas Mann an den Arbeiten des Ausschusses teil, ferner der französische Schriftsteller Paul Valery, der ungarische Komponist Bela B a r t o k, der englische Dichter M a i s- field, der englische Wissenschaftler Gilbert Mur- ran, der tschechische Schriftsteller Capek sowie Museumsdirektoren und Mitglieder der wissenschaftlichen Akademien verschiedener Länder. Der Ausschuß hat beschlossen, sich auf der gegenwärtigen Tagung im Hinblick auf die allgemeine geistige Krise der Gegenwart nicht mit technischen, sondern ausschließlich mit grundsätzlichen weltanschaulichen Fragen und insbesondere der Sielluna und Not der geistigen Menschen der heutigen Epoche zu beschäftigen. An den Gräbern der Skagerrak-Gefallenen. Boote Der 2. TorPedobootshalb- flo tille der Rcichsmarine liefen auf der Rückkehr von der Sommerausbildungsreise die schwedische Schärcninsel Stensholm, die nördlich von Göteborg im Skagerrak liegt, an, um dem dort befindlichen Friedhof der Skagerrak-Gefallenen, auf dem auch der Dichter Gorch Fock begraben liegt, einen Besuch abzustatten. Eine Abordnung der Veichsmarine legte an den Gräbern der Gefallenen, die 1916 nach der Skagerrak- schlacht an dieser 3nsel angespült und von schwedischen Fischern begraben worden waren, einen Kranz nieder und hielt eine schlichte Gedächtnisfeier ab. Heuschreckenplage In Toscana. 3n der Väho von Perugia und in einigen Gemeinden in der Vähe von Florenz sind millionenstarke Heuschreckenschwänne ausgetreten, die in den Kulturen verheerenden Schadenanrichten. Man kann selbst unter Anwendung von GaS noch keine merkliche Abhilfe feststellen. Vach Zeitungsberichten sind die Straßen der heimgesuchten Landstrecken buchstäblich mit Heuschrecken übersät, so daß Automobile der Sicherheit halber die Fahrt verlangsamen müssen. Derbandsiag des Hessen-Nassauischen Kui-zschnstverbandeö. WÄV. Darmstadt. 5. 3uIL 3n Verbindung mit dem 70jährigen 3ub.läum des Gabelsberger- schen Stenographen Vereins 1861 fand in Darmstadt am Samstag und Sonntag der diesjährige Hessen-Vassauische Stenographen-Verbandstag statt. Vach einem Jubiläums-Kommers am Samstagabend. bei dem insbe'ondere die verdienten Förderer des festgebenden Vereins geehrt wurden, fand am Sonnlagvormittag ein Festakt im großen Saale des SaalbaueS ftatt. Der Verbands Vorsitzende Vechnungsdireklor Werner (Darmstadt) hielt die Begrüßungsansprache. Der Vedner dankte insbesondere der Regierung für die Unterstützung, die die Einheitskurzschrift in Hessen gefunden habe. Anschließend übermittelte Schulrat Hassingcr die Glückwünsche der hessischen Regierung. Gleichzeitig brachte er dem 3ubelverein herzliche Glückwünsche dar und dankte dem Stenographenverein für die Bereitwilligkeit, erwerbslosen 3ugend'.ichen die Möglichkeit jur Erlernung der Kurz'chrift zu geben. Regierungsrat Schaible vom Stenographischen Landtagsamt übermittelte die Glückwünsche des Kultusministeriums Für die Stadlverwaltung Darmstadt wies Stadtrat Schneider darauf hin, daß die Stenographenvereine nicht nur Kurz'chriftschulen feien, sondern wertvolle Bildungsstätten für die 3ugend. 3m gleichen Sinne sprachen Stadtschulrat Lösch im Varn en des Stadtschulamts und der unterstellten Schulen und Lehrer und als Mitglieds des Landtags Kreisschulrat Storck. Die Grüße des Deutschen 6!enographenbundes übermittelte Oberstudiendirektor Professor Pfaff, diejenigen des Vachbarverbandes Hessen-Waldeck Siadtsekretär Pfeiffer (Kassel». Prosessor Fischer (Karlsruhe) hielt bann einen großangeleg'.en Vortrag über die »Einhei tS- kurzschrift im Dienste des deutschen Volkes." Er begrüßte es, daß die Kämpfe um eine Reichslurz'chrift jetzt be.nöct seien. We n auch die Einheitsstenographie einige Mängel habe, so seien diese doch nicht so groß, dah das System als solches revidiert Werben müsse. Der Redner stellte fest, dah Hessen auf stenographischem Gebiet ohne Zweifel ein Mush:rland darstelle. Das mit dem Verbandstag verbundene Derbands-Wett- schreiben zerfiel in ein Schnell- und ein Richtig- und Schönschreiben. Am Schnellschreiben nahmen 1168 Personen teil, am Richtigschreiben 68. Es gelangten beim Wettschreiben 65 Ehrenpreise, 503 erste, 224 zweite und 188 dritte Preise zur Verteilung. Die mit Ehrenpreisen bedachte Höchstleistung erreichte Hans Fischer (Darmstadt) mit 260 Silben, der den Ehrenpreis des hessischen Staatspräsidenten erhielt. Der Schüler Wilhelm Schmitt (Darmstadt) erhielt in der Abteilung 240 Silben den Ehrenpreis der Stadt Darmstadt, einen weiteren Ehrenpreis in der gleichen Abteilung erhielt Theobald Winkler (Frankfurt am Main). 3n der Abteilung 220 Silben erhielten Ehrenpreise Georg W a h l (G i e h e n), Maria Wenzel (Darmstadt), Karl Fröhner (Dieburg) und Emil 3oft (Gießen). Wettervoraussage. Die Störung über der Vordsee hat ihren Weg nach Mittel- und Süddeutschland genommen und infolgedessen auch über unseren Bezirk ihren Einfluß ausgedehnt, so daß in der verflossenen Vacht und in den heutigen Morgenstunden ungefähr 20 Millimeter Regen gefallen sind. Voch lagert über der Vordsee ein Tiefdrucklern, dessen Rück eile über den britischen 3nfeln kühlere Luft vor schiebt. Sie Wird auch für uns von Einfluß sein und unter sinkenden Temperaturen mehr wechselhaftes Wetter verursachen. Dabei treten zunächt noch Meder» schlüge auf, jedoch nicht mehr als Dauerregen, sondern nur zeitweise und mehr in Fern, von Schauern. Aussichten für Mittwoch Wechselnd bewölkt mit kurzer Aufheiterung, kühler, vorerst noch Regenschauer. L u f 11 e m pe r a t u r e n. Am 6 3u?i m.ttags 21.6 Grad Ee .'.us. abends 15.6 Grad EelsiuS: am 7. 3u_; morgens 15.3 Grab Genius. Maffi- mum 25,0 Grad Ee.tus, Minimum 15.2 Grad Ee. '.us. Viedcrschläge 15 Mttlnne-er. Sonnen- fcheindauer 5l/< Stunden. Erdtempcraturen in 10 Zentimeter Tiefe: Am 6.3uli, abends. 23.3 Grad Celsius. 26n 7. 3uli, morgens. 19.0 Grad Eelsius. Hrifcroctlcrbicnfl der amtlichen IDctterbienflfleUe Gießen. Konstanz: 16 Grad. Südwind, Regen, gestern regnerisch Garmifch - Partenkirchen: 15 Grad, Westwind, bedeckt Witterungsverlauf feil gestern veränderlich mit Schauem. Vwinemünde: 22 Grad, Südostwind, wolkig gestern Dauerregen. Helgoland: 16 Grad. Westwind, wolkig, gestern veränderlich mit Schauem. Die Wetterlage. >10 1 nami 5ci X* «eichte» On massige» SOdiodwtsi q siOrmucho «tordWesl Ole Piene fliegen mit dem winde. Ole oeiden Stationen stenenden Zahlen gehen die Temperatur an. Oie Linien verbinden Orte mH .gleiche» tu1 eiteresniveau umgereehneten Luftdruck (Schluß des redaktionellen Teils.) Derantwortl. f. d. Feuilleton: i. V. Dr. Lang e. Die Ziehung der Eisenacher Geldlotterie qum Besten des Thüringer Museums zu Eisenach sinket am 16. und 17.3uli statt. Die Lotterie bietet eine aussichtsreiche Gelegenheit, für eine kleine Ausgabe einen großen ober geringeren Geldgewinn zu erzielen. Anläßlich meines stelle Ich ca. 50 Stück Hemden, Zephir und Popeline *welt unter Preis zum Verkauf Hier ein Beispiel: Oberhemden Popeline, 80 cm breit, gute traglähige Qualität, echt Indanthren getärbt. in grober Muster-Auswahl.......netto m 0.68 Ferner alle anderen Qualitäten entsprechend billig L. BERN ARD Stoffspezialhaus, Plockstrabe 16 Auf alle regulären Waren gewähre ich während meines Ausverkaufes 10% Sonder-Rabatt 10% ___________________________________________________________________ 451 Großer Transport Erinelanderu. Ostpreußischer Arbeitspferde !eichten,mittleren und schweren Schlages,darunter mehrere egale Gespanne sowie Einspänner stehen ab Freitag, den io. 3uli, in unseren Stallungen zum lommisstonsweisen Verkauf und Tausch. Gebrüder Stenberg J« de« wühle« 2 Seenspeechev 2312. BORKUM t> Wissenschaftliche Werke Sondergeoiet oar Brühl’schen Druckerei SrifOe wische Mittwoch. Donnerstag, Freitag: Frische Schellfische, Kabeljau Seelachs o. K. Arische Fischfilets Richard Grünewald Bahnhofstrahe 27 Fernspr. 3631 _________________________________03933 Strandhotel und Strandvilla Viktoria Bestempfohlen, Ruh. Lage, Seeblick Pens.M 6.50.KeineKonzerte, KcinWeinzw. Mittwoch, den 8. Zuli 1931, nachm. 2 Uhr, versteigere ich dahier, Neuenweg 28/ ,3um Löwen^zwangsweise geg. Bar» Zahlung: 1. Büfetts, Kredenzen, Vertikos, Nähma- fchinen, Warenfchränke, Lodentyeken, Grammophons, Sofas, Schreibtische, Schreibmaschinen, Kleiderschränke, Chaiselongues Zimmerteppiche, Tru- meauspieyel, Kommoden, Diwans, Damenfahrräder, Frisier-Toiletten, Eßservice, Kaffeeservice, 100 Mistbeet- senster, Küchcnanrichten, einen Kassen- schrank, 25 Meter Gummivcrdeckstoff, eine Registrierkasse, Rucksacke, Kosser, Aktenmappen, Handkoffer, Biegel- koffer, Schulranzen, Mitteldärme, Motorräder, zwei Schlafzimmerbilder, Oclgemaldo, einen Warenschrank mit 95 Bildern, ein Fernglas, Stühle, Waschseroice, Werfpupven, Halsketten, Gasherde, 95 Auswaschlumpen, eine Klebepresse, Papierkörbe, ein Rinkz Tischdecken, zwölf Deckbettenbezüge, Kopfkistenbezüge, Paradekissen, vier Bände Denkmäler des Theaters, Ständerlampen. 2. zwei Reisekörbe, Dokumentenmappen. Bleistifte, Briefpapier, Reißzeuge, Radiergummi, Züllsederhalterständer, Sehern, Bestellbücher. Die Versteigerung zu 2 findet bestimmt statt. Siebert stellv. Gerichtsvollzieher in Gießen, Wiesecker Weg 16 — Telephon 3383. wieder i-Ä Herr Friedrich Wagner Lieh, den 7. Juli 1931. 4512 D 4513D Nachruf. Nachruf. Nach langem schweren Leiden verstarb heute früh der Prokurist Heute nacht verstarb zu Gießen unser Direktor Friedrich Wagner im Alter von 56 Jahren. Lieh, den 7. Juli 1931. 4514 D 4516 D Nachruf Lieh, den 7. Juli 1931. 11V. f. B. 08 T1 Gießen. Vereine 03920 | Kaufgesuche 03936 I Restbestände 3.75 zum Ausverkaufspreis per Meter Gebe. Imheuser Stoff-Spezialgeschäft am Marktplatz 4504 A Familie Familie Familie Familie in Abschnitten von 3-5 Meter, beste Qualität, hell- und dunkelgrundig, moderne Muster, bieten wir an Brauerei Ihring-Melchior, Komm.-Ges., Lieh. Wir bedauern tief das allzufrühe Ableben unseres lieben Kollegen, dem wir stets ein treues Gedenken bewahren werden. Ober-Hörgern, Lang-Göns, den 5. Juli 1931. Die Beerdigung findet statt: Mittwoch, 8. Juli, nachm. 2% Uhr. Ludwig Panzer Johannes Göbel Stumpf Friedrich Kaiser Er gehörte bei der Neugestaltung der Bank dem Vorstande und zwar als Direktor an. Herr Wagner war uns ein treuer und lieber Mitarbeiter, der auf allen Gebieten des Bank- und Kassenwesens als Fachmann anzusprechen war. Die Lieber Bank wird sein Andenken stets in Ehren halten. Frankfurt/M., Koblenzer Str. 4411 Karl Braun. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Luise Wagner, geb. Waag AugustWagner, Referendar. Mittwoch, den 8. d. M. Merovinyerhaus. Etwa 200 Meter Crepe maroc. bedr. Lieh, den 7. Juli 1931. Die Beerdigung findet am Donnerstag, dem 9. Juli, um 15 Uhr, vom Trauerhause aus statt. Von Kranzspenden und Beileidsbesuchen bittet man absehen zu wollen. Frankfurt/M., Garbenteich, Gleisen, den 6. Juli 1931. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 9. Juli, vorm. 10l/3 Uhr, in Frankfurt vom neuen Portale des Hauptfriedhofs aus statt. Die Arbeiterschaft der Brauerei Ihring-Melchior Komm.-Ges., Lieh. ___4515 D Wir betrauern in dem Verstorbenen einen lieben Freund, der sich durch seine hervorragende Sachkenntnis und aufopfernde Pflichttreue um unsere Firma in nahezu 33 jähriger Tätigkeit sehr verdient gemacht hat Sein Andenken wird bei uns stets in hohen Ehren gehalten werden. Die Angestellten der Brauerei Ihring-Melchior, Komm.-Ges., Lieh. Herein Milre onn e. ?, Generalversammlung 9.3u(i 1931,18 Uör in den Geschäftsräumen desVereinS, SelterSwsg 38. Eing. Wolkengasse. Tagesordnung: L Ersatzwahlen zum Vorstand. [03929 2. Geschäftsführer. 3. Verschiedenes. Der Vorstand. Heute früh verstarb nach langem Leiden der Prokurist Friedrich Wagner Wir betrauern das Ableben unseres langjährigen Vorgesetzten, dem wir ein ehrendes Gedenken bewahren werden. Schönes, fast neues einfomilieoiiflns 8Zim^Vad,Zentral- heiz., mitZubeh^weg. Versetz, bald zu vrm. Schriftl. Anfrag. unt. 03930and.Gteff.Anz. Herr Prokurist Friedrich Wagner von Lieh. WOMIng Mittwoch, 8. Juli, ab 5 Ubr. 03925 Erscheinen aller Aktiven u. Jugendlich, erforderlich. DerSvielauSfchuK MiM-M Zentralheizung und Warmwasser, in der Südanlage, zuverm. Schriftl. Angeb. unt. 4439D an d. Gff. Anz. Schöne 03931 fZimm.-Wflhng. Oftanlage 12,3.St. an ruhige Familie abzugeb. Näh. Bau- büro H. W. Rinn. 2 Jimmer mit Küche und Zentralheiz. in gutem Wohubause u. bester Wohnlage an ruhig. Miet, zu öeim. Näh. durch Architekt Phil. Nicolaus, An der Johanniskirche 5. Nachruf. Nach langem schweren Leiden verschied heute in der Frühe unser langjähriger Mitarbeiter und Prokurist Gebrauchte, gut erhaltene Sthreihmasthine neues Modell, z. kaufen gesucht. Schriftl. Angebote mit Preis-1 angabe unter 4480D I an den Gteh. Anzeig. > Dem Herrn über Leben und Tod hat es gefallen, heute nacht 12 Uhr meine liebe, unvergeßliche Gattin, unsere treusorgende Mutter, Schwiegertochter und Tante Frau Margarete Weil geb. Müller nach kurzem, schweren Kranksein im 42. Lebensjahre zu sich in ein besseres Jenseits abzurufen. Die tieftrauernden Hinterbliebenen: Eugen Weil Irene Weil Irmgard Weil Katharine Weil Witwe, geb. Weber. Auf sämtliche Badeartikel wie Bade-Mäntel Bade-Anzüge Bade-Hosen Bade-Schuhe Bade-Mützen usw. gewähren wir von heute an 20% Rabatt Heute nacht entschlief sanft nach langem, mit großer Geduld ertragenem Leiden mein lieber, herzensguter Mann, unser treusorgender Vater, Bruder, Schwager und Onkel Fritz Wagner, Prokurist Am Samstag abend entschlief sanft nach langem schweren, mit großer Geduld ertragenem Leiden mein herzensguter Sohn, unser lieber Bruder, Schwager und Onkel Herr Karl Panzer Reichsbahn-Obersekretär Schmücker __4501 A I Auto-Gelegeoheilskäulel | Mehrere gebrauchte 4 PS-Personenwagen 2-Sitzer und 4-Sttzer offen, Kabrioletts u. Limousinen, in tadellosem Zustand, sehr vrelsw.zuverk.Zah- lungSerletchterung. Ovelauto Gieken, Frankfurt. Str. 52,56 Telelephon 2847/48. 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Mittwoch, den 8. d.N iel te an ibati Nr. 156 Zweites Blatt Giehener Anzeiger sGeneral-Anzelger für Gberheffen) Dienstag, 7. Juli 195t Balkanwahlen. Außenpolitische Umschau Don Dr. Otto Hoehsch, o. ö. Prof, der Geschichte an der Universität Berlin. Wichtige Wahlen fanden soeben statt. Noch W die Wirkung und Bedeutung der spanischen Wahl am 2S. Juni zu einer Rationalversamm- lung, die die neue Derfafsung beschließen soll, nicht zu erkennen. Dagegen lassen sich die Wahlen in Rumänien. Bulgarien und Ungarn übersehen Die rumänischen Wahlen, di« schon längere Zeit zurückliegen (1. 3uni), haben den Sieg der Regierungsparteien gebracht (es siegle eigentlich mehr die Regierung eine- Mannes, des gegenwärtigen Ministerpräsidenten Sorga), die 287 Sitze erhielten einschließlich der Liberalen und der zehn deutschen Mandate und damit eine Mehrheit von 30 Stimmen. Völlig geschlagen ist di« Partei Manius, der sich deshalb auch aus dem politischen Leben zurückzieht. di« Partei der sog. Rational-Zaranisten. Die anderen Parteien haben keine nennenswerten Mandatszahlen. So hat Rumänien eine ..Regierungskammet" und 3ot)fla kann an die Arbeit gehen, in einer stabilen Regierung, die Rumänien heute mehr denn j« braucht, um ein ungeheures Res arm Programm durchzuführen, das Rumänien dringlich braucht. W rd 3orga das können, wenn er parlamentarisch regieren will? Wird er es können, wenn er diktatorisch vorgeht? Ein gutes Zeichen ist immerhin, daß. nachdem die Verhandlungen mit Deutschland, wie erinnerlich von Rumänien brüsk beendet worden waren, sie jetzt wieder ausgenommen wurden, und in Gens am 27. 3uni auch zum Abschluß eines deutsch.rumänischen Handelsvertrages geführt hoben, der die neuen Gesichtspunkte der Handelspolitik berücksichtigt: Verbindung der Präferenz (für Mais und Futtergerste) mit der Meistbegünstigung. Also ein erster praktischer Versuch in dem oft behandelten Sinne, dem allerdings die über die Meistbegünstigung daran beteiligten Regierungen zustimmen müssen. Der Vertrag kann deshalb voraussichtlich erst nach der Völkerbundsversammlung in Kraft treten. Don unserem außenpolitischen Gesichtspunkt aus ist er jedenfalls zu begrüßen. Am 21. Juni wurde in Bulgarien gewählt. Das Regierungssystem des sog. .Ögoöor“, des Blockes unter Lj aptschew wurde völlig geschlagen, in einer noch bei keiner bulgarischen Wahl erreichten Wahlbeteiligung. Die Wirtschaftskrise und die Verelendung des Volkes wurde auf den Sgovor geschoben und die Opposition als „Volksblock" errang erstaunliche Erfolge. Die bisherige Regierungsgruppe hat nur 79 Mandate, der neue Block 150 und damit die absolute Mehrheit. Sehr stark ist auch d i e äußerste Linke angewachsen. Die Kabinettsbildung übernahm ein alter Politiker. Mali - now. Er hat nun im Innern die gleiche Aufgabe wie 3orga in Rumänien. Die alte Spannung im Land wird nicht gering sein zwischen den Mazedoniern und den anderen, zwischen den bisher herrschenden Parteien, die mit den Mazedoniern eng zusammen gingen, und den Dauern, die die Hälfte des neuen Volksblockes in den Mandaten bilden. Diese Spannungen können sich gefährlich entladen, sie können aber durch eine geschickte Politik Malinows auch so gelöst werden, daß sie nach außen im Sinn einer Sanierung der Dalkanstaaten aneinander weiterwirken. Diel weniger spannend und aufregend waren di« Wahlen in Ungarn am 28. Juni Wahlen sind das ja überhaupt nicht, wenn von 245 Mandaten nicht weniger als 199 in öffentlicher Abstimmung verteilt werden, also nut bei 46 überhaupt von Wahlagitation und Wahlkampf die Rede sein kann. Diese Bezirke sind Budapest und die sieben größeren Städte. Aus dem Land wird öffentlich gewählt. So ist es kein Wunder, daß die sogen. Einheitspart ei mit 155 Mandaten wieder durchs Ziel ging, die absolute Mehrheit hat und auf die Oppositionsparteien nur etwa 20 Mandate entfallen. Die Wahlen sind nur wegen der Der- Die Enthüllung des Stresemann-Ehrenmals In Mainz. Reichsaußenmintster Dr. Curtius hält die Gedenkrede bei der Einweihung. schiebung in den Personen interessant. Das Verhältnis der Parteien verschob sich nicht, weil es sich nicht verschieben konnte. Aber innerhalb der Regierungsparteien sind viele neue Männer gewählt. darunter auffallend viele habsburgische Legitimisten. Unzweifelhaft ist der Ministerpräsident. Graf Dethlen. heute wohl der „dienst- älteste" aller europäischen Ministerpräsidenten — zehn Jahre ist er in diesem Amt —, ein sehr bedeutender Staatsmann. Auch sind Ungarns innenpolitische Verhältnisse stabil. Aber wirtschaftlich ist hier die gleiche Rot wie sonst und ein eigentliches politisches Leben ist bei einer solchen Wahl- Verfassung und Wahlpolitik nicht zu erwarten. Für die große Politik in Europa bedeuten diese Wahlen im Osten entweder nichts oder verhältnismäßig sehr wenig. Eine Frage, wie die des Zusammenschlusses Südosteurvpas als handelspolitische Gemeinsamkeit in der gemeinsamen wirtschaftlichen Rot hat bei diesen Wahlen überhaupt keine Rolle gespielt I Aus der Provinzialhauptstadt. Dießen, den 7. Juli 1931. Sprich richtig! Don Robert pallesle. Der Deutsche tut sich etwas auf seine Bildung zugute. Und es ist wahr: wir haben, im Gegensatz zu manchen anderen Völkern, nur verschwindend wenige Schriftunkundige: wir treiben auf den höheren Schulen die verschiedensten Wissenschaften, lernen auch allerlei fremde Sprachen, und der berühmte ..deutsche Schulmeister" hat nicht nur die Schlacht bei Sadowa gewonnen, sondern auch die Raturkräfte in unfern Dienst gezwungen. Aber was ist das für eine Bildung, die m alle Fernen schweift und das Nächstliegende vernachlässigt? Und das sollte uns doch die Muttersprache sein, denn mit der Sprache steht und fällt unser Volkstum. Daß wir Deutsche sind, verdanken wir nicht so sehr der heute so diel genannten Rasse, wie der Sprache, so daß, wer im Auslande die deutsche Sprache aufgibt, aufhört ein Deutscher zu sein. Und doch gibt es keir» Volk, das seine Sprache so geringschätzig behandelt wie wir Deutschen, und die Klagen der Hochschullehrer und der höheren Richter über die mangelhafte sprachliche Ausbildung des jungen Nachwuchses wollen nicht verstummen. Gewiß, wir Deutschen streiten uns genug über sprachliche Fragen und vertreten die eigene Ansicht mit Feuereifer, aber wir reden davon wie Kinder, denn uns fehlt jede tiefere Kenntnis unserer Sprachgeschichte. Aber auch die gegenwärtige hochdeutsche Sprache beherrschen wir. trotz all den Schulaufsätzen, die wir darin geschrieben haben, nicht so vollkommen, daß wir einen sicheren Maßstab hätten für richtiges und falsches Deutsch, und über den guten * Sprachgebrauch lassen wir oft nicht so sehr di« Sprache der Meister des deutschen Stils entscheiden, wie das — eigene Gutdünken. wie ja in allen Dingen die am hartnäckigsten für ihre Meinung zu kämpfen pflegen, die von der Sache nichts verstehen. Müssen wir erst nach Beispielen suchen für die mangelhafte Bildung des Deutschen in Sachen der Muttersprache? Kein „gebildeter" Deutscher würde es sich verzeihen, zu sagen larger as oder plus grand comme, aber Millionen sprechen seelenruhig „größer wie", was doch ebenso falsch ist wie jenes. Andere Verstöße gegen die Sprachrichtigkeit sind die uns überall begegnende Umstellung nach „und", der falsche Fall im Beisatz (der Apposition), die falsche Beugung des Gigenfchastswvrts (n statt m), das Fehlen von „zu" nach brauchen u. a. m.; zu tadeln ist ferner der häufige Gebrauch der Leideform statt der Tätigkeitsform, die planlose Mischung von Gegenwart und Vergangenheit in der Erzählung usw. Und wie unübersichtlich ist oft der Sahbau, wie verwickelt die Wortstellung, wie störend die Verwechslung von Haupt- und Nebensätzen. wie häßlich die Weitschweifigkeit und Schwerfälligkeit, die Wiederholung des Ausdrucks aus bloßer Gedankenlosigkeit, die Vermischung zweier Wendungen, und dazu der nur aus beschämender Gleichgültigkeit gegen unsere Muttersprache erklärliche Gebrauch auch der übelsten Fremdwörter, wo wir schon bei geringem Nachdenken so viel schönere deutsche Wörter fänden. Uns fehlt hier leider der Platz, um für alle solche Mängel Beispiele anzuführen: aber wer sich erst einmal gewöhnt hat, auf sprachliche Dinge zu achten, dem begegnen sie auf Schritt und Tritt. Und daraus kommt es an: wir müssen lernen, auf die eigene Sprache und die unserer Umgebung zn achten: wir müssen gute deutsche Bücher lesen, und zwar nicht nur den Inhalt genießend, sondern auch die Sprache beachtend und prüfend, und wir sollen uns. auch wenn die Schule längst hinter uns liegt, nicht für zu gut halten, öfters einmal in deutsche Sprachführer hineinzublicken und uns daraus zu unterrichten über Fragen des guten Stils und der Sprachrichtigkeit. Wenn das viele tun, dann werden auch wir Deutschen zu der Einsicht kommen, welche die Franzosen längst besitzen: daß die Sprache nicht eine Sache persönlicher Willkür ist. sondern die wichtigste Angelegenheit des ganzen Volkes. Dann erst haben wir ein Recht, von dem Hoch stände unserer Bildung zu reden. Talen für Dienstag, 7. Juli Sonnenaufgang 4.17 Uhr, Sonnenuntergang 20.41 Uhr. - Mondaufgang 23.51 Uhr, Mond- Untergang 12.08 Uhr 1531: der Bildhauer Tilman Riemenfchneidee in Würzburg gestorben: — 1855: der Dichlor Ludwig Ganghvser in Kaufbeuren geboren. Zwei Menschen. Film nach dem Roman von Richard Dost. Es ist erschütterndes Menschen sch icksal. das der Autor des bekannten Romans in guter dichterisch r Gestaltungskunst und in fesselnder Erzählung schildert: das Ringen eines jungen Menschenpaares um Liebe und Entsagen: der schwere seelische Kampf eines jungen Mannes um ein Leben in der Welt, oder um lebenslängliches Wirken im Dienste der katholischen Kirche, unerschöpfliche Mutterliebe, die in ihrer Herzensangst durch ein feierliches Gelübde den Lebensweg des SohneS schicksalhaft auf die Bahn des Verzichts lenkt. Mit diesem Roman hat der vielgelesene Erzähler Voß seine Lesergemeinde stark in Bann geschlagen. Was dem Roman den großen Pub.ikumserfolg gebracht hat, wird durch den gleichnamigen Film, der seit gestern im Lichtspielhaus Bahnhof* strahe läuft, aufs neue erreicht. Mit starker Spannung und mit tiefer Ergriffenheit folgt der Besucher der Handlung in diesem Film, in dem die von Doh in seinem Roman feingeu>eichneten Personen und die prächtigen Milieuschilderungen sehr eindrucksvoll zur Darstellung kommen. Der Träger der Hauptrolle des Junkers Rochus Gustav Fröhlich bietet sowohl in seiner Urwüchsigkeit alS junger schneidiger ^laturbursche der Tiroler Berge, wie auch In seinem schweren Ringen zwischen Liebe und Erfüllung deS mütterlichen Gelübdes, daß er Geistlicher werden soll, und in der Rolle des Paters, der auf die Iugendgeliebte und die Welt gezwungenermaßen Verzicht leistet, eine starke lünst- lerische Leistung. Ihm gleichwertig in künstlerischer Gestaltungskraft ist Charlotte Susa alS Judith Platter, die junge tiroler Hofbesitzerin mit außerordentlich sympathischen menschlichen Wesenszügen, die unter der Schwere des seelischen Konflikts desIugcndgespielen undJuien^geliebten Erlösung im Tod sucht und findet. Eine sehr gute Leistung bietet auch Herrn i ne Steller als Gräfin Enna. Fein dargeftellt wird der Graf Enna durch Fritz Alberti. Eindrucksvoll gestaltet Friedrich Kahhler den Kardinal, köstlich sind Luch Englisch als Iungmagd Josepha und Harry Restor als Iungknecht Martin. Die übrigen kleinen Rollen werden von ihren Trägern zufriedenstellend durchgeführt. Prächtige Landschaftsbilder aus Tirol und fein gestimmte Aufnahmen aus den vatikanischen Kirchen in Rom geben der Handlung einen würdigen Rahmen und verhelfen in Gemeinschaft mit der künstlerisch hervorragenden Lösung der darstellerischen Aufgabe dem Film zu starker Wirkung. Aus der musikalischen Umrahmung des Films sind besonders die Chorgesänge hervorzuheben. Deutscher Abend im VOA. Am Samstagabend vereinigte die Gießener Ortsgruppe des Vereins für dasDeutsch- tum im Ausland, in Verbindung mit dem Deutschen Ostbund, Ortsgruppe Gießen, zahlreiche Freunde der Vd^.-Sache zu einem Deutschen Abend im Caf6 Leib. Insbesondere di« Jugend war sehr stark vertreten und nahm lebhaften Anteil an den Ansprachen und an den verschiedenen Darbietungen des Abends. Ein Marsch, schneidig gespielt vom SchÜler- orch«fter der Oberrealschul«, unter der Leitung von Studienrat Dr. Hillenbrand, leitete den Abend «in. Ein Gedichtvortrag, „Ostmarkgedanken", gab den Grundgedanken wieder, in dessen Zeichen der Abend stehen sollte. Sodann hielt der geschäftsführende Vorsitzende der Freude an einem kleinen Gatten. Don Paul Eipper. (Nachdruck verboten.) Mein Garten ist 14 Meter lang und noch nicht 5 Meter breit. Zwei Kiefernbäume stehen auf seinem Grund: eine Dirke habe ich im April dazugepflanzt. Man sieht, viel ist es nicht. Aber links und rechts von mir sind gleichartige Gartenstreifen, und auch sie gehören meinem Auge, spiegeln mir Weite vor nach beiden Seiten. Inseits der Gartenfront liegt unbebauter Wald, der echte, vielgeschmähte Grünewald mit seinen nackten Dournfäulen und den dunkelgrünen Schirmwipfeln. Obwohl die üppigen Laubwälder meiner süddeutschen Heimat zum Vergleich natürlich nicht herangezogen werden dürfen, ist dieser untcr- holzlofe Kiefernwald keineswegs ein kümmerlicher Ersatz. Ich habe durch ihn einen viel- gestuften Landschaftsprospekt: denn der Blick dringt tief in die Ferne zwischen den aufragenden Stämmen, ein Wechselspiel von Licht und Schatten in perspektivischer Verkürzung, scheinbar bis in die Unendlichkeit. Jede Stund« des Tages hat eigenes Gepräge: das goldene Leuchten der Morgenfrühe: das Wispern und Raunen, die Beweglichkeit der Wipfel, sobald ein Wind sich regt: die schwermütige Stille des erstarrten Grau bei Regen und Nebel: das glutrote Oluf flammen der gelblichbraunen Rinde, wenn die Sonne hinuntersteigt. Am schönsten aber dünkt mich der Kontrast des blau leuchtenden Himmels und der fast schwarzen Schirmkronen — ober ist ihre zackig geballte Silhouette nicht noch schöner vor dem gestirnten Firmament der Nacht? Dies schrieb ich am Morgen, als das Wetter noch dunstig war. Ueber Mittag kam Sonne durch die Wolken: ich bin lange Zeit im Garten gesessen. körperlich fühlbar drang die Wärme des Himmelslichts in meine Poren: Käser und kleine Fliegen machten mir ihren Besuch, und durch die nur halb geöffneten Ader sah ich schräg hinaus über die kleine Rasenfläche, die von mir angclät worden ist vor wenigen Wochen. Man merkte zunächst dem Boden keine Veränderung an; grau, gelb und braun, fahl also, blieb das Gemisch von Sand, Torf und Dung Aber bann regnete es 2 Tage, und als am folgenden Morgen die Sonne schien, stand «in schüchternes gelbes Flimmern über dem Erdreich. 24 Stunden später sah man auch die Form des Farbigen: feine grünlichgelbe Spitzen wie durchsichtige Sänger. Jetzt breitet sich di« Grasnarbe wie ein grüner Teppich aus bis zu den unbehauenen Steinbrocken, die aus der Schräge der Böschung ein bescheidenes Alpinum machen. In diesem Steingarten zeigt sich die Manmg- falt der Farben Gottes. Stiefmütterchen prangen gelb und rötlichbraun: winzige violette Blüten leuchten vor dem Moospolster, und irgendwo grüßen Vergißmeinnicht, zarte blaue Sterne, mild wie die Augen • von Engelskindern. Manchmal hängt in einer kleinen Blattmulde vom Nachttau her ein Tropfen Wasser, und über seinem kristallischen Glanz, über seinem weißen Lichtfeuer verblaßt mir alle Buntheit, weil ja auch der Diamant das Glühen des Rubins überfunkelt, das Strahlen von Smaragd und Amethyst. Mein liebster Freund aber im Garten ist die Dirke, mein Wunschkind, zart noch und anfällig, obwohl sein Wipfel fast drei Meter über den Boden ragt Der Seidenbast der Rinde schält sich gerade, und schimmerndweiß wird jetzt der gertenschlanke Stamm. In der jungen Krone aber wirkt die Kraft der Sonne: grüne Blättchen kommen aus dem Gezweig. Diese Birke, auch vom Schreibtisch im Obergeschoß zu sehen, ist mir Symbol« der Schönheit des Lebendigen. Am Stamm der einen Kiefer haben wir in Augenhöhe ein winziges Holzhaus aufgehängt. Futterplah für die Vögel des Waldes. Sobald jemand von uns am frühen Morgen zur Türe kommt, sieht er die Schar der ungeduldig wartenden Kostgänger, wird vorwurfsvoll zwitschernd von ihnen begrüßt. Eie sitzen auf jedem Zweig der umstehenden Bäume, sitzen auf dem Grenzzaun. besonders gern in der anmutigen Hängebirke. die mein Nachbar zur Linken neben meine Balkontür pflanzte, als hätte er im voraus gewußt. wie mich_ dieses goldene Geriesel beglückt. Meine Kostgänger sind hauptsächlich Meisen. Manchmal erscheint zwar auch ein Fink, ein Sperling, flötet ein« dunkle Amsel: aber in Mengen besuchen uns die olivgrünen Goldhähnchen. die Grasmeisen und Haubenmeisen. Sie umfliegen ohne Unterlaß die Futterstätte, zeigen, daß der Kampf ums tägliche Brot auch in der Vogelwelt unerbittlich ist. zwitschern, locken und zanken. Es gibt da die unterschiedlichsten Temperamente: verträgliche Familien, die immer noch enger zusammenrücken, so daß acht oder neun gleichzeitig Körner picken fönnen. Hastige und Genießerische, auch Neidlinge, die keinem andern einen Bissen gönnen, sich rücksichtslos dazwischendrängen und nicht daran denken zu fressen, ehe sie nicht all« übcigey verjagt haben. Ein dicker Meisenhahn ist mir besonders unliebsam ausgefallen: er springt mit gesträubtem Kopfgefieder jeden Detter an, hetzt ihn hinaus, und wenn er nicht geht, stürzt sich Der Zankbald über ihn, hackt und kämpft fliegend, wobei beide Vogel gewissermaßen in der Luft stehenbleiben, sich zeternd duellieren. Ihre Flügel flattern und schwirren, daß man an exotisch große, giftige Insekten glauben könnt«. Ueber meine Meisen wird noch viel zu sagen sein. Sie sind temperamentvollstes Leben: aber sie verschwinden scheu, sobald mit weitem Schwingenslug. stark und bös, die dunkle Nebelkrähe hoch oben durch die Kiesemwipfel streicht. Billardspiel. Don Peter Bauer. Ein leiseS, zweimaliges Knacken verrät die geglückte Karambolage: ein« der elfenbeinernen Äugeln hat die beiden anderen sanft berührt. Die Kugeln haben sich geküßt und verharren jetzt kaum fingerbreit vorreinander entfernt. Sie glänzen wie glattschalige, pralle Früchte im nieber- flutenben Licht der rings abgeblendeten Lampe, die mitten über dem grünbetuchten, in den mächtigen Tafeltisch eingetieften Spielfeld wie Vollmond über einer Rasenfläche leuchtet. Die Stille ist spürbar mit Spannung geladen. Ein Queue und der linke Arm eines Mannes schieben sich weit in die Mitte der Cpielbahn bis unmittelbar vor die Kugeln, di« in einem Dreieck liegen: die rote als Spitz« über den beiden weihen. Daumen, Zeige- und Mittelfinger des Spielers krümmen sich wie ein Ring um bie Spitze des Queues, während die beiben anderen Finger sich gespreizt gegen die grüne Fläche anstemmen, um dem Stab, der plötzlich zum Stoß vorschnellt, unabirrbar sein Ziel zu sichern. Dann nimmt der Angreifer den Stab zurück und setzt ihn wie ein Gewehr bei Fuh an die Seite gleich den übrigen Spielern. Alic verfolgen die vom harten Zusammenprall heftig auseinander geschleuderten Kugeln, die, von den elastischen Wänden des Spielfeldes gepufft und geboxt, wie gehetzte Tiere in einem Käfig Herumrasen. Soll doch die eine der beiden Kugeln die noch unbeteiligte dritte treffen. Mehreremal hat sie bereits die Dahn durchrast, hart an der Ruhenden vorbei. Wird sie im langsam sich erschöpfenden Auslauf mehr Glück haben? Die Dlicke des Spielers jagen sie wie die Meute ein Wild. Sie stießen sie am liebsten wie «in Queue noch um einen Heinen Schub vor. Aber die Gesichter der Mitspieler werfen ihr allen Widerstand entgegen, den sie in ihre Züge legen können. Die Kugel macht mit Anstrengung noch eine Drehung, bann reicht es mir mehr zu einer halben. Sie versagt eine winzige Spanne vor dem sicheren Zusammenstoß und steht. Der enttäuschte Spieler stößt sein Queue verärgert auf den Boden. Die andern sagen ein paar knappe, höfliche Worte: Der Treffer hätte unbedingt kommen müssen.' Der Versager sei bei fo ausgezeichnetem Spiel ganz unverständlich: und ähnliche Phrasen. Inzwischen hat der Rächst« sein« Queuespitze tüchtig mit Kreide gerieben und zum Angriff angelegt. Oft erfordern di« Stöße äußerste Geschicklichkeit, wenn die Kugeln den gewünschten Weg rollen sollen. Es gehört Gelenkigkeit, manchmal geradezu gijmnaftifdje Fertigkeit dazu, das Queue richtig zu führen. Wenn etwa die Kugel möglichst von oben getroffen werden muß, so daß das Queue eine fast senkrecht« Haltung einnimmt. Der gute Spieler verrät sich rasch vor dem jungen Heißsporn, der meist schlecht berechnend und ungestüm losknallt wie vor dem zaudernden Pedanten, der um das Spielfeld herumläuft und unschlüssig auf die Ratschläge der Mitspieler wartet, ehe er schließlich doch noch nach eigenem Kopf das Falsche tut Er wahrt in jeber Stellung, selbst in der schwierigsten, die Eleganz, biegt den Oberkörper mit der gleichen Leichtigkeit nach den Seiten ober gar rücklings über das hohle Kreuz auf das Spielfeld und stoßt nach kurzem Fixieren bestimmt und treffsicher. Frauen und Mädchen sah ich noch nicht beim Dillardspiel. Aber ich denke mir, daß sie es ebenso meisterhaft erlernen konnten wie das Tennis. Sie haben die Beschwingtheit, die Biegsamkeit und bi« Grazie. Das Queue ist kein Eisen stab und die Kugeln rollen auch, wenn zarte Hände ihnen den Stoß versetzen. Und noch immer ist das auf einer rollenden! Kugel dargeftellt« Glück eine Göttin, eine grau gewesen... Oer Sternhimmel im Juli des Monats STERNBILDER Kleine Buchstaben die zu der Stunde, den Zustand um Mitternacht der Mo- Bornotizen Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei. Roman von Hermann Weick. I. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Leupold Sah Ci SÄ“ (Fortsetzung fc>Igt) vte bleibenden - die Regien" ) den heißen nender Aus- Pfeil zeigt, i baren Sterne. und 56 Minuten im Sinne des gebogenen natsmitte. Will man zu einer andereti gelangt man Zum Sternbilde des Adlers mit dem tair weiterhin zum Schwan, an Aach ihrem vorherigen Zögern hatte diese rasche Zusage nicht erwartet. „Sie wollen wirklich?" „Wenn es Ihnen Spaß macht, ja!“ „Spaß ist gar kein Ausdruck dafür!" tete in freudiger Erregung. „Morgen ’ 30NH1I/V1Z Sie gingen weiter. Hanna Moest hatte das Haupt gesenkt. Sie war im Zweifel darüber, was sie tun solle. Es erschien ihr gefährlich, so wie- es um Leupold zu stehen schien, fortan häufiger als bisher mit ihm zusammen zu sein. Lind doch: sie würde den Verkehr mit ihm entbehren, das gestand sie sich unverhohlen ein. Gr war ein kluger Mensch, mit dem sich gut reden ließ. Manche schöne, angeregte Stunde hatte sie ihm schon zu verdanken. Sie warf jäh ihre Bedenken von sich ab. Warum alles so schwer nehmen! Sie würde auf der Hut sein und, wenn es nötig würde, Leupold zu verstehen geben, daß er bei ihr nichts zu hoffen habe. „Da Sie unbedingt ein Bild von mir malen wollen, so will ich Ihnen gerne sitzen." *1 «(N9a„n9 yPlaneten: •'Q Venus Mars (^Jupiter Saturn sonders günstigen Monat Juli bei uns nicht hoch über den Horizont. Aicht weit von- dieser Stelle sehen wir auch den einzigen in diesem Monat gut sichtbaren zieh samt dem auf Mitternacht zeigenden geraden Pfeil — gewissermaßen dem Zeiger der Himmelsuhr — in 23 Stunden — Tageskalender für Dienstag: Stadttheater Gießen: Lustspiel-Aevue: „Der unsichtbare Mensch", „Der Biß", „Aachts um drei", 20 bis 22 Llhrj. —Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Zwei Menschen". Hauptstern Äl , . dem sich die Milchstraße gabelt, ferner zur Cassiopeia und dem schon sehr spät ausgehenden „Der Maler, der seine Staffelei und Farben nicht überallhin nntschleppt, muß erst mxh geboren werden! Er blickte sie bittend an: „Sagen Sie ja, gnädige Frau!" Hanna Moest gewahrte X Glanz in seinen Augen. Ein tag fangen wir mit dem Malen an!" Frau Elsbeth Jason, die auf dem Balkon ihres Hotelzimmers saß, nahm daS Lorgnon von den Augen. „Diese Frau Moest scheint nicht halb so reserviert zu sein, wie sie sich immer aufspielt", sagte sie spitz. „Jetzt kommt sie schon wieder mit dem Maler Leupold daher!" „Laß ihr die Freude!" antwortete Fritz Jason, ohne von seiner Zeitung aufzusehen. „Man ist in diesem Hotel überhaupt mit Leuten von sehr zweifelhafter Moral zusammen! Wenn ich nur an das Fräulein Willer denke! Eine junge Dame von kaum zwanzig Jahren unh allein in einem Seebad! Hnd dieses schamlose Benehmen! Jeden Tag sieht man sie mit einem anderen Herrn I" „Warum auch nicht, wenn es ihr so gefällt? Sie ist ja zum Vergnügen in Aorderney, nicht um sich einzukapseln I" In Elsbeth Jasons hagerem, strengem Gesicht prägte sich Empörung aus. „Das ist wieder eine deiner frivolen Ansichten, die ich zur Genüge kenne! Ein Glück, daß Lotte dich nicht gehört hat! Das Kind bekäme einen schönen Begriff von seinem Vater!" Fritz Jason, dem derartige Dispute mit seiner Frau nichts Aeues waren, zuckte mit den Schultern, sagte aber nichts darauf. „Ich möchte dich jedenfalls bitten, im Beisammensein mit Herrn Dr. Kröger dir etwas Reserve aufzuerlegen", fuhr Elsbeth Jason in befehlsgewohntem Tone fort. „Herr Dr. Kröger soll keinen unvorteilhaften Eindruck von uns gewinnen: du weiht, warum!" „Hältst du noch immer an deiner Idee fest, Elsbeth?" zeichnete sie als Parteien, deren geistige Direktiven sich in materieller Ideologie erschöpften, und stellte dem die geistige Haltung der Aattonal- sozialisten gegenüber, die in dem tiefen Glauben an das als heilig Erkannte zu Opfern bereit seien sür Volk und Vaterland. Aicht der Macht des Geldes dürfen wir erliegen, vielmehr müssen wir uns wieder zur Drgeisterungsfähigkeit durchringen, die vielen Menschen verloren gegangen sei. Aach einer kurzen Pause sprach der Redner das Schlußwort: er wies darauf hin, daß heute im politischen Leben niemand abseits stehen dürfe, jeder müsse sich dasür einsetzen, daß andere Verhältnisse im Lande geschaffen werden, und heute müsse jeder Deutsche dafür Sorge tragen, daß er sich später nicht zu schämen brauche vor sich selbst, noch vor seinen Kindern. Die Aattonal- fozialisten mühten heute sagen: wer nicht für uns ist, ist gegen uns! Dem Redner wurde starker Beifall zuteil. Die Qkranlftaltung verlief ruhig. hinübergehen und mit ihr sprechen, damit sie weiß, wie sie sich Dr. Kröger gegenüber zu verhalten hat!" Kopfschüttelnd sah Fritz Jason seiner Frau nach. Am Sonntagabend veranstaltete die Aationalso- zialistische Deutsche Arbeiterpartei im Cafe Leib eine SA.-Kundgebung. Als Redner erschien Graf Bernhard zu Solms-Laubach (Arnsburg). Der Redner sprach zunächst vom Versailler Friedensvertrag, von der Schamlosigkeit, mit der die Feinde jenen ruchlosen Vertrag aufsetzten, im Für jeden Monat muh es einen Teil des Sternhimmels geben, der günstiger sichtbar ist als zu jeder anderen Zeit des Jahres, den Teil nämlich, Perseus. Von den Wandelsternen ist nur der Saturn längere Seit sichtbar. Von den übrigen Wandlern ist die Venus Morgenstern. Aber da sie der Sonne recht nahe steht, so zählt die Dauer ihrer Sichtbarkeit mir nach Minuten, oder anders ausgedrückt, sie steht im wesentlichen nur aus dem Papier. Aicht viel günstiger steht es mit dem Mars, für den die Sternkundigen gegen Ende des Monats noch elf Minuten Sichtbarkeit errechnen. Als ziemlich unscheinbares Sternlein bewegt er sich zwischen dem Löwen und der Jungfrau. Kü st ermann. „Sie hätten keine Mühe damit! Ich würde Sie in den Dünen malen, mittags, wenn Sie ohnehin draußen sind. In ein paar Tagen wäre die Sache vorüber, dann wären Sie mich wieder los!" schloß er lachend. »Ich will e8 mir überlesen../ Bewußtsein eines unwürdig errungenen Sieges einen sittlichen Verrat begingen, wir ihn die Weltgeschichte bisher noch nicht erlebt hatte. Er einnerte weiter an den großen Betrug, den das deutsche Volk durch Wilson über sich ergehen lassen muhte, er sprach von der Revolution als von einer Revolte und erörterte das Wesen der deutschen Revolution aus ihrer kurzen Entwicklungsgeschichte heraus. In seinen weiteren Ausführungen ging der Redner auf die geistige Konstitution im deutschen Volke ein und unterschied hierbei zwei grundsätzliche Typen. Er sprach von Vertretern des alten Geistes (den politischen Parteien der Mitte bis zur Sozialdemokratie, die sich absolut bürgerlich entwickelt habe) und von dem neuen und erneuernden Geist der Aational- sozialisten, die ein neues völkische Lebensgefühl schaffen wollten. Er ging bei der Definitton der beiden geistigen Richtungen auf die polittsche Handlungsweise der Regierungsparteien ein, be- HHt erkenne schwerster r dieser v " DevWl leinesw Sem* sich nehmen «• Sinn Verkehr! eins. 2n schMck-Kon Mnerungs UichtigM Mentor iie Sommu bewerb ani rungsarbei des Garte: wurden te lridn Lj? MifiK *ss£a »an % Mammen, K ÄLnui,9Ä* 4hi» m}M«Ä ändern. * -u kW W ben!« emem bteiffl&n A der Le^r S«Wi.D« Ade^'uftjgun, Hebungen rnveremSAws. fajatai; einige Mborfet Tu> ^"hen IttldL Preise. JJ Dvchenmmjt: Ratte 30 bii 35- 5 W 20; Spinat I Dvhmn 25 bii «biS 25, M,ch. ns 50; HvirbÄ» Pilz« 25 biS 30; vffeln (neue) 10 ) biä 60; Dbn» 5; Sauerkirsche iS 35; Stachel, iwn 20 bis 25; E (Schoppen) W; Apriloien 40 Mig 40 bis 50; mhühner SO bii 10; Tauben 6tüd dhl 30 bis 10; 20 bis 35; Sin. trabt 8 biS 10; 0 bis 15; gell« Hüben 8 bis 10; ein Zenter 4 bii Dienstag', lew. .Der w LachtS um brei“, L Dchnhosstrahe: leaterbureau Uhr, als 6, Dor- t Snfemble^afi« Srnst Franken, i mit der Lustspiel. MM Sommer» überlegen an. ihre alt ist und das Ater allem mierter, llebenS- i^ist Llinistmal. üngen Mn Tag Sren vielleicht i unserer Dachbav» Ächt rötete st«-- ,btn Memsol' mSinMr!-^ Weise, die eben ich. WWH habe, ben I« ™ ^gelernt unb mtt fiÖS «s- r ■*’ JptfS er wt‘ rf»”iew” Ä4 Aiisnis her Mchsregiemng zum Hooverplan. (Cd$(e Tlachrtcht.) 8 e r (I n , 7. 3uli. (0113. Eigene Vrahtmeldung.) Die weltfchauende und staatsmännische 3niliatioe des Präsidenten Hoover wurde von Erfolg gefrönt. Die seelische Entlastung und die Hoffnung auf w i rtfchaftsbefseru ng, die diefes Ereignis mit sich bringt, löst allerseits freundschaftliche und freudige Gefühle aus. Der Entschluß zum raschen und dringenden handeln eröffnet weitere Möglich- feiten ja einer Iv i e d e r g e s u n d u n g der Welt. Dos deutsche Dolf Ist sich darüber flar, daß die endgültige Durchführung de» hoo«r-plone» Ihm als dem Schwerbelasteten die Verhältnis- mähig stärkste Erleichterung bringen wird. Die Einigung über da» Jeierjatjr konnte durch verständnisvolle Mitwirkung aller Beteiligten erreicht werden, von denen einige Stacten eine vergrohe- rung eigener Schwierigkeiten und erhebliche An- bequemlichkeilen im 3ntcresie der Gefamtlösung auf sich nehmen muhten. Der hochherzige Verzicht des amerikanischen Volke» hat jedoch ein begrüßenswerte# Echo ausgelöst, wir erkennen dankbar an, dah in her Stunde schwerster wirtschastlicher Gesahr Deutschland diese» v e r st ö n d n i » für feine Loge gefunden hat. Deutschland ist nach Eintritt de» Aeierjahre» keineswegs feiner wlrlfchaftllchen und sinon- ziellen Höfe überhoben. E» kann die ihm ver- bleibenden Mittel nicht benutzen, um die Opfer, die die Regierung der veoolkerung zumuten muhte, bei aller Milderung gewisser Härten herabzufehen. Ls darf nicht In seiner äußersten Jin Krengung, z u sparen, nachlassen. Vie gesamten Erleichterungen, die der hoover-plan Deutschland bringen wird, werden zur Konsolidierung der Öffentlichen Jlnanjen restlos benötigt und verwandt werden. Die hierdurch eintretende Erleichterung des Geld- und Kreditmarktes muh der deutschen wirtschast zugute kommen. Eine Erhöhung irgendwelcher Ausgaben de» Reiche», auf welchem Gebiete auch immer, ist während de» Jeierjahre» nicht mag- lich. Darüber hat der Reichskanzler der amerikanischen Regierung eindeutige Erklärungen abgegeben. Vas hooverjahr soll der w l e d e r h e r st e l - lang der deutschen Wirtschaft und darüber hinaus der wirtschaftlichen Erholung der Welt dienen. Sollte sich die Hoffnung verwirklichen, dah in der gesetzten Zeit diese» Ziel erreicht wird, so ist eine enge Zusammenarbeit der Volker ersorderlich. Die nächsten Monate werden Gelegen- heil zu einer solchen Zusammenarbeit bieten. Die Heilung der Wunden dieser Krise und die Vorsorge gegen den Wiedereintritt ähnlicher Weltkatastrophen muh bas gemeinsame Ziel fein, von dem sich die Staatsmänner und die Völker bei der Lösung der noch größeren Ausgaben de» kommenden 3ahre» leiten lassen. Die Reichsregierung. •• Blumenschmuck-Wettbewerb beS Verkehr-- und Verschönerung Sverein S. 3n den letzten Tagen hat die Blumen- schmuck-Kommifsion deS Verkehrs- und Verschönerungsvereins ihren ersten Rundgang zur Besichtigung der für die Prämiierung angcmel- deten Vorgärten unternommen. Dabei konnte die Kommission feststellen, daß in den zum Wettbewerb angemeldeten Vorgärten rege Derschöne- rungsarbeit geleistet wurde, die der Verbesserung des Gortenbildes zustatten gekommen ist. Weiter wurden auf diesem Rundgange zahlreiche Vorgärten bemerkt, die für den Wettbewerb noch nicht angemeldet sind, es aber verdienen, in die Konkurrenz einbezogen zu werden. Umgehende Anmeldung dieser Gärten im Bureau des Verkehrs- und Derschönerungsvereins ist den Besitzern zu empfehlen. Bei ihrem Gange durch die Straßen hat die Kommission auch an den Balkons und genftern vielfach gute Dlumen- schmuckleistungen bemerkt, die aber erst in einigen Wochen für die Prämiierung gewertet werden. Dabei könnten dann auch die Fenster- und Dalkon- schmuckleistungen mit Berücksichtigung finden, die schönen Schmuck aufwcisen und biS jetzt noch nicht angemeldet sind. Wer Gewicht darauf legt, seinen Blumenschmuck am Fenster oder Balkon bei dem Wettbewerb berücksichtigt zu sehen, möge sich ebensallS umgehend im Bureau des Derkehrs- und Verschönerungsvereins melden. AIS erfreulich ist weiterhin zu buä-en, dah auch zahlreiche Gärten an der Peripherie der Stadl durch fchöne Anlage und gute Pflege der Beete und Blumen wesentlich zur Verschönerung unseres gesamten Stadtkllbes beitragen. Wirtschaft. Oie Verwertung der neuen Weizenernte Die starke Vergröberung der deutschen Weizenanbaufläche, die für das kommende Erntejahr eine Weizen-Mehrernte von 700 OOO b i s 800 000 Tonnen erwarten läßt, wird insbesondere in Anbetracht der schweren Grnte- finanzierung eine Einstellung der deutschen Agrarpolitik auf die veränderte Situation notwendig machen. Wie WTB.-Hanbelsdienst in diesem Zusammenhänge erfährt, ist vor allem mit einer sehr scharfen Handhabung des Verma h lu n g s z w a n g e s für Inlandwei- z e n zu rechnen. Darüber hinaus wird jedoch eine Entlastung des Weizenmarktes durch zeitweise Oessnung des E x p o r t v e n t i l s notwendig sein. Wahrscheinlich wird der Export für die Monate September-Oktober, in denen erfahrungsgemäß das stärkste Weizenangebot her- auskommt. ermöglicht werden, lieber die technischen Einzelheiten in dieser Beziehung ist gegenwärtig noch nichts in Erfahrung zu bringen. Rur soviel kann bereits gesagt werden, daß die Wiedereinfuhr der entsprechenden Menge von AuSlarvdweizen möglichst auf den Schluß des Erntejahres gelegt werden dürfte. Es stehen gewisse Pläne zur Erörterung, die ebenfalls zwecks Vermeidung eines A n g e b v t s d r u ck s einen reinen Qualitätsausgleich zwischen Inland- unb Auslandweizen ermöglichen sollen. Rach weiteren Informationen deS WTB.-Handels- dienstes wird auch auf jeden Fall dafür Sorge getragen werden, dah die in dem deutsch-ungarischen Handelsvertrag fest zu legenden Wetzen- einfuhrkvnttngente in keiner Form irgendeinen Druck auf den innerdeutschen Weizenmarkt aus- üben werden. 100 Millionen Mark Verlust im Nordwoll-Konzern. Die Prüfungen des Konzerns der R o r d - deutschen Wollkämmerei und Kamm- garnspinnerei hoben ergeben, dah die Schulden von Rordwolle und Ultra Mare zusammen mit 2 4 0 Millionen Mark feftgeteilt sind, während bei vorsichtiger Bewertung der Vorräte und unter voller Abschreibung der Forderungen und Beteiligungen an anderen Toch- tergesellschasten, die von der gegenwärtigen Leitung bei Rordwolle als notwendig für die Sanierung der Tochtergesellschaften gehalten werden, die Aktiven von Rordwolle und Ultra Mare nur mit r d. 14 0 Mill. M k. zu bewerten sind. ES sind also durch Fehlmahnahmen der früheren Konzernleitung über Kapital und Reserven hinaus rd. 100 Millionen M k. verloren. Zu einer Sanierung fet It. .Frankfurter Zeitung' ein Verzicht der Gläubiger auf durchschnittlich etwa 40 Prozent der gesamten Forderungen, sowie die Beschaffung neuer Mittel notwendig. Bemühungen um die Schaffung solcher Voraussetzungen für eine Sanierung feien im Gange. Eine Gruppe soll sich bereiterklärt haben, ein Kapital von 50 Millionen Mark zur Verfügung au stellen, falls mit den Gläubigern eine Verständigung derart erfolgt, dah der Paffivfaldo durch den Schilldennachlah ausgeglichen wird. Auch bei der zum Rordwolle-Konzern gehörenden Samn> garnspinnereiKaiferslautern find die Verluste so hoch, daß die Aktionäre nicht damit rechnen können, dah ein nennenswerter Seil ihres Kapitals von 3,98 Mill. Mk. erhalten bleibt. Dagegen befürchtet man hier nicht, daß außenstehende Gläubiger irgendeinen Schaden erleiden. • • Der Rediskontkredit für d i e Reichsbank. Die von verschiedenen Blättern gebrachten Meldungen, wonach der Rediskontkredit der Reichsbank bis über Ultimo Juli verlängert und um 50 Millionen Dollar erweitert werden soll, sind verfrüht. Diesbezügliche Verhandlungen sind noch nicht ausgenommen. 'Statistik derAktiengesellfchaften. Rach Mitteilung des Stalistischrn Reichsamtes wurden im Juni 14 Aktiengesellschaften mit zusammen 3.5 Mill. Mk. Rominalkapital gegründet. Ferner wurden 20 Kapitalerhöhungen mit zusammen 53,5 Mill. Mk. vorgenommen und 27 Kapital- Herabsetzungen mit zusammen 15 Mill. Mk. 45 Ak- tiengesellschakten nut einem Rominalkapital von 15,5 Mill. Mk. wurden aufgelöst, darunter 16 wegen Konkurseröffnung. Der Kurswert der gegen Barzahlung im Monat Juni ausgegebenen Litten betrug 37 Millionen Mark. Frankfurter Börse. Frankfurt a.M. 7. Juli. (WTD. Draht- bericht.) Tendenz: fest. Rachdem daS Hemmnis, das durch die Verzögerung der Pariser Verhandlungen verursacht worden war. nunmehr beseitigt ist. konnte sich an der heutigen Börse eine Befestigung durchsetzen. Eine weitere Anregung erhielt die Börse durch die Meldung von der Gewährung eineS neuen Rediskont kreditS für die Reichsbank und der wahrscheinlichen Verlängerung des laufenden 100-Millionen-Dollar-Kre- d i t s. Die Spekulation zeigte rege Deckungslust^ so daß die Kurse bei nicht allzu großem Angebot bereits im Dormittagsverkehr beträchtlich anzogen. Zu Beginn der amtlichen Börse stellten sich bei den führenden Papieren Besserungen biS zu 6 Prozent ein. Trotz allem war noch ziemliche Zurückhaltung zu erkennen, da man zunächst abwarten will, welchen Einfluß die Parier Einigung auf die Getd- und Devisenmarktlage ausüben wird. Am Ehemiemarkt betrugen die Erhöhungen biS zu 4 Prozent, bet I.-G.-Farben 5 Prozent. Durch feste Gesamttendenz zeichnete sich der Elektromarkt aus, wo Siemens 8 Prozent. Des- fütel 6.75 Prozent, Schuckert. AGG. und Licht & Kraft je 5 Prozent gewannen. Bon Kunstseidewerten zogen Dernberg um 9.13 Prozent und Aku um 4.5 Prozent an. Dorn llmsatzgebiet der Montanaktien wurden Buderus 4,5 Prozent, Rheinstahl 4 Prozent und Stahlverein 3 Prozent höher genannt. Kallaktien lagen bis 6 Prozent befestigt. Batllaktien blieben nur behauptet, Reichsbank konnten sich aber um 6,25 Prozent befestigen. Irn Gegensatz zur Allgemeiniendenz lagen Wahß & Frcytag etwa 1 Prozent schwächer. Einiges Interesse fanden auch Zellstoff Waldhos, Felten und Phönix, die je 2,75 Prozent anzogen. Am An-leihemarkt konnten sich Altbesiy um 1.4 Prozent befestigen. Bon fremden Werten lagen Ungarische Goldrenten 0,25 Prozent schwächer, während Mexikaner etwas höher notierten. Der Psandbriefmarkt blieb bei ruhigem Geschäft ziemlich ohne Veränderungen. Reichsschuldbuchforoerungen notierten 2.5 Prozent fester. Im Verlaufe konnten sich die Kurse unter Schwankungen a u f dem erhöhten Riveau behaupten. Einer Fortsetzung der Aufwärtsbewegung wirkte vor allem der Umstand entgegen, daß am Geld- und Devisenmarkt auch heute noch keine Entspannung eingetreten ist. Die Kredi11age wird allgemein mit ziemlicher Skepsis beurteilt. Das Geschäft, daS anfangs eine Belebung zu erfahren schien, wurde im Verlaufe wieder recht ruhig. Don Publikumsseite waren Kaufaufträge in kleinem Simfange ringe* troffen. Am Geldmarkt wurde der Satz für TagcSgell» unverändert belasten. Man nannte Mark gegen Dollar 4,2140, gegen Pfund 20.5125, London gegen Reuyork 4.8665, gegen Paris 124,24, gegen Mailand 92,93, gegen Madrid 50.8750, gegen Schweiz 25.11, gegen Amsterdam 12.0891. Berliner Börse. Berlin, 7. Juli. Die Erwartungen deS Dorrn ittagsverkehrS, daß die Börse in fester Tendenz eröffnen würde, haben sich erfüllt. Die ersten Kurse zeigten teils bis 5 p r v z. Besserungen gegen gestern Mittag-Schluß. Dor allem hat die gestern abend erzielte Einigung zwischen den Amerikanern und Franzosen beruhigt, doch ist die psvchologifche Wirkung der ganzen Hoover-Aktton nicht mehr so stark infolge der Verzögerung um über zwei Wochen. Die Gerüchte, nach denen der Rediskontkredit der Reichsbank über den 16. Juli hinaus prolongiert und wahrscheinlich erhöbt werden soll, erhalten sich» obwohl gestern erklärt wurde, dah noch keine Verhandlungen ausgenommen worden sind. Die Gerüchte haben aber durch Reuvorker und Londoner Meldungen eine gewisse Bestätigung erfahren, da diese besagen, daß die Bankkreise dort bereits einen neuen Kredit in Erwägung gezogen haben. Man spricht von 500 Millionen auv Reuyork und derselben Summe auS London. Das Dementi über eine Berliner Großbank beruhigte ebenfalls stark, ferner regte die leichte Befestigung der Reichsmark und eine gewisse Entspannung am Geldmarkt an. DaS Geschäft war zu Beginn nicht» sehr umfangreich Die hiesige Spekulation schritt zu Deckungen. Man beobachtete wiederum kleine Käufe der in- und ausländischen Arbitrage. Weniger günstige Rachrichten, wie die Einstellung der Maschinenfabrik Kappel, wurden kaum beachtet. Verschiedene Werte erschienen mit PluS-PluS- Zeichen, so AG. für Verkehrswesen, Felten, Karstadt, Mannesmann, Buderus, Rheinstahl, AGG., Licht & Kraft, Gessürel. Kali- und Kunstseidewerte. Bei letzteren regten die Bestrebungen zur Erweiterung des Discose-Syndikats an. Heber 5 Proz. hinaus waren Berger, Feldmühle, Reichsbank, Buderus, Gesfürel, ©lern end und Westeregeln gebessert, die bis 7 Proz, und Salzetfurch, die bi» 8,25 Proz. anzogen. Deutsche Anleihen blieben fest. Reubesitz erholten sich bei PluS-Plus-Rottz um 0,3 Prozent. Reichs'chuldbuchforderungen waren etwa 3 Proz. höher. Von Ausländern konnten Mexikaner stärker anziehen. Der Geldmarkt lag ziemlich freundlich TageSgeld ging auf 8 dis 10,5 Prc^ zurück Die übrigen Sätze unverändert. Im Verlaufe war die Tendenz nicht ganz emheillich. Bei toeitcren Kursbesserungen bis zu 2 Proz. wurde es später wieder ruhiger und etwas schwächer. Die Kurse lagen zum Teil auf Anfangsniveau, vereinzelt waren sie biS 1 Prozent darunter. Rordwolle wurden verspätet I bei einem Angebot von etwa 150 000 mit 3,25 Prv- | zent niedriger notiert Ein neues Spielsystem in Westdeutschland. Der von der Spielshstem-Kommission des Westdeutschen Spiel-Verbandes ausgearbeitete Vorschlag auf Schaffung eines neuen Spielsystems ist am ersten Derhandlungstage der Wahlversammlung des WSV. 1931 in Münster mit deutlicher Mehrheit angenommen worden. Danach wird eine neue Liga geschaffen, die eine Auswahl aus den Vereinen der Sonderklasse barstellt, die sich im Liebergangsjahr 1931/32 an die Spitze zu sehen vermögen. 'Der Rheinbezirk erhält zwei Ligagruppen bis xu 12 Vereinen, die Dexirke Berg- Mark, Riederrhein, Ruhr und Westfalen zwei Gruppen bis zu 10 Vereinen, die drei anderen Be- xirke Mittelrhein, Hessen'Hannover und Eüdwest- falen je eine Gruppe bis zu zehn Vereinen. Die Einteilung der unteren Klassen erfolgt dergestalt, daß der Aus- und Abstieg sich utomatisch regeln läßt In den Bezirken mit zwei Ligagruppen gibt es vier Gruppen der ersten, acht Gruppen der zweiten Bezirksklasse usw. In den Bezirken mit einer Ligaklasse zwei der ersten Dezirks- klasse, vier der zweiten Vezirksttasse usw. Diese Lösung wird im Westen zwar nicht als ideal angesehen, da sich immerhin noch 134 „erstklassige" Vereine ergeben, die es in Wirklichkeit im Westen gar nicht gibt. Eine beschränktere Auslese aber ist bei ben gegenwärtigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht möglich, weil bann einige wenige Vereine zu ungunften ber kaum weniger schlechten, aber gleich großen Vereine benachteiligt würden. Die zweistündige Debatte erbrachte in der Versammlung ziemliche Einstimmigkeit über die Ziveckmäßigkeit des Vorschlages. Ein Antrag des Rheinbezirks, daS vorgesehene ilebet- gangSjahr fallen zu lassen, wurde abgelehnt. Schiedsrichter-Vereinigung Gießen-Buhbach. EchiedSrichterVereiittgung I — Lollar (kombiniert) 6:4 (5:1). Am Sonntag, 5. Juli, weilte die Schiedsrichter- Vereinigung Gießen-Butzbach als Gast beim Stellarer Turn- und Sportverein. RachmittagS hielt der Gauschiebsrichterreferent Grünewalb im Vereinslokal bes DostgeberS einen Vortrag über bas Tbema: »Quer durch die Regeln." Eine ansehnliche Zuhörerschaft hatte sich eingefimben. Der Redner ging zunächst auf die Ziele der Sportbewegung ein, erklärte, daß eS die Pflicht eines jeden Deutschen wäre, sich In ber heutigen Rvt- zeit unseres Vaterlandes in den Dienst der Bewegung zu stellen und so mitzuhelfen, eine kräftige und charakterfeste Jugend her anzubi Iben. Anschließend kam er auf das Verhältnis zwischen den Spielleitern einerseits, den Spielern und Zuschauern anderseits zu sprechen und hielt es unbedingt für erforderlich, daß gerade die letzteren sich einmal intensiv mit den Regeln vertraut machen sollten. An Hand des DelehrungSbretteS ging er bann auf alle etwas schwierigen Regelfragen ein. Anschließend begab man sich nun auf ben Sportplatz, wo sich eine stattliche Zuschauermenge ein- gesunden hatte. Lollar stellte eine Mannschaft, die sich aus Spielern der aktiven und der Alten- Herren-Mannschaft zusammensetzte. Die Schiedsrichtervereinigung mußte diesmal auf einige ihrer besten Spieler verzichten. Sir trat an in bet Aus- Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 o.H., Lombardzinsfuß 8 v. H. Banknoten. Sranfnin o. DL 3 tri in c?$iu6-| l«Uho> Schluß- löntan-y furt | Kurs furt Äurt Datum 7.7. 67. 7.7. 6% Deutsche Sietdbianietbe d.192'. 78,5 — 78,75 — 7% Deutsch« Se((Manlet6t 6.1929 Doung.«nleide von 1930 . Deutsche Anl.-Abtöl.-Lchuld mit 95 — 94.8 —— 68 *— 68 — Autloi^Rechten....... 48,25 49,6 49,13 49,3 TttyL ohne eiu»M -9te*te - - 8% Hess. Boöi'ftaat von 1989 4,7 — 4,75 5 (tüchaNS. 108%)...... Cbetbcifen Provinz-Anleihe mit 88 — — — Au»los.-Rechten....... Deutsche komm. Earnmelabl. 49,5 — — — Anleihe Serie 1....... 8% Franks. Hyp.-Bank Eoldpse 47,25 — 47 — 15 rmkündbar bi» 1935 .... 7% Franks. Hnv -Vank Goldvse. 98 — — unkündbar bis 1936 Serie 16 . Franks. Hyp.-Bank Siqu. Pfandbriefe......... 92 — — — 86,25 — — — Rum2nu»ereink>.Renieo.i9U — 14,1 14,2 4% Rumänische vereinh. Rente . 5,6 —— 5,9 6 IH% L Ixatoltex....... • 14,13 ;Vanrrun a. 2H. Zkrltn eichiuh- l-Ubr- «nfarg* hirt Äure für# Kur# Datum 6.7. 7.7. 6.7 7.7. Hamburg-Amerika Patci . . . t — 45,4 46,25 Hamburg-Sudam. Tampsschif . 0 95,5 99 Hansa Tampfschiss .... . 0 — 77,5 78 Norddeutscher Lloov .... . 6 47,4 —— 48.75 49.5 A.«. für Beriebrtrvesen Akt. . 46 — 45.5 — Berliner Handelrgelcllschast . 8 —- 103 103,5 Commer;- und Privat-Bank. 1 100,5 100,5 100.5 100.5 Tarmitädtcr und Nutionawank 8 101,75 102 102,5 102,5 Deutsche Bank und DUconw-Gesellschast. . . 6 100,5 — 100,5 100,5 Dresdner Bank...... 6 100.5 100,25 100,5 100,5 ReichLbank........ 12 128,75 135 127,65 133 a.s.®........... . 7 86,75 92,25 86,5 91,5 Bergmann........ . 9 — — 70,5 71,5 (Hein. Lieserungtgesellschaft. 10 — — 101 103,5 Licht und -rast...... 10 109,5 115 109,5 114,5 {teilen & Suilleaume.... Sesellschast für Dedrische 66 68,5 63,13 103 68 108,5 Unttmehmungen .... 9 101,5 108,25 Rheinische CicknrzuLt . . . . 9 — — 97 99 Lchuckeri & Co....... 11 115 121 114,5 119 Siemen» & Halike..... 14 145 153 146,9 153 Lahmeyer & ....... 12 111 111,5 — Buderus ........ . 4 39 43,5 38,5 44 Deutsche Erdöl...... . 6 62,5 65,75 63 66 Gelsenkirchener...... . 8 68 69 68,75 71 Harpener......... . O — — 59,65 61 Hoesch Eisen........ . 6 — —— 48 49,25 Ilse Bergbau....... 10 142 — 142 144 ftlödncrroerfe....... . 6 50 — >9.5 51,5 Söln-Reuessen....... — —- — — Wannesmann-Rodren . . . . 6 60,5 — 61 64 Manösekder Bergbau .... . 0 —— 27 — cberschlel. Soklverke . . . . 8 — — 59,5 62 Phönix Bergbau...... Rheiniiche Braunkohlen. . . 4H 10 43,25 151 46 44 152,5 157,25 Rheinsuchl........ . 6 71 75 70,5 74,25 ;frronrfun a. JJi. 2xrlm Schiup- l-Uhr- Schluß- Xlnfony tur# Äurt kure flurt Datum 6.7. 7.7. 6.7. 7.7. Riebul Montan......l,t — — —— Bereinigte Stahlwerke .... 4 42 45 42,5 43,5 Llavi Minen......16'/, — — 18.25 19 Kaliwerke Aschersleben ... io 112 —— 113 — Kaliwerke Westeregeln ... 10 116 — 118 — Kaliwerke Salzdetfurth ... 14 184 190 183,9 192 I. (9. Horben-Industrie ... 11 127,9 132,75 127,65 133 Verein, chem. Industrie Frank- 50 ■ — —— Scheideanstalt.......10 123,5 — — — Gold'ckmidt.........O 39 — 38.75 39,5 RutgerLwerke........ö 39.5 43,5 40,75 32,5 Merallgesellschaft.......5 55,25 56,5 55,25 — PbllivV Holzmann......8 72,5 73 75 Zementwerk Heidelberg.... 7 Sementroert Karlstad!.....7 34 — Wavb L Frevtag......0 24 23,25 24,25 — SchultbeU Patzenhoser ... 15 — — 122,75 127 Lku (Allgemeine Kunstseide) 0 76,5 81 76,25 79,5 Brmherg......... O 85 94,5 87,5 92,75 Zellstoss Waldbof.....12 —— — 63,5 65,5 Zellstoff Aschassenburg ... 6 — — 54 58 Dessauer Gas........9 — — 109,25 113,5 Daimler Mcwren......0 23,5 — 23 24,13 Deutsche Linoleum ..... 5 59 — 59,25 59 Crenßem & Koppel.....0 — — 36,5 Leonhard Tietz.......8 82 — 81 Soentka.........15 243,5 — 238 242 Chade............ 252 - 256,5 262 Frankfurter Maschinen . . . . O 9,5 - 10 - Gritzner..........0 Mainkraftwerke Höchst a. R. - . 6 28,5 64 25 - Süddeutscher Zucker . • • . 10 - - Berlin, 6. Juli Geld Zrief Llmerikantsche Roten....... Relgilche Roten ......... 4,216 58,70 112,58 4.236 58,94 113,02 Dänische Roten ......... Englische Noten......... 20,49 20,57 französische Noten ........ 16,487 169,38 22,11 16,547 170,06 22,19 Holländische Noten........ Italienische Noten........ Norwegische Roten........ T eulich-L esterreick, i 1OO Schilling 112,61 113,05 59,12 59.36 Rumänische Noten ........ 2,495 2,515 Schwebifche Noten........ 112,93 113,37 Schwei,er Noten......... 81,66 81,98 Spanische Noten......... 39,67 39,83 Ungarische Noten ........ 73,27 73,5/ Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. TU. 6. Juli 7.3uli Lmlliche ®elb Notierung Sries Slmiliche Geld Rasterung Srief Heisings or> . 10,593 10,613 10,593 10,613 ästen. . . . 59,175 59,295 59,19 59.31 Prag . . . 12,475 12,495 12.473 12.494 Budapest . . 73,43 73,57 73,43 73,57 Sofia . . , 3,047 3,053 3.047 3,053 Holland . . 169,39 169,73 169.43 169,77 Cilo .... 112,71 112,93 112,72 112,94 Kopenhagen. 112,72 112,94 112,74 112,96 Stockholm . 112.88 113,10 112,89 113,11 London. . . Buenol 9Ure* 20,475 20,515 20,475 20,515 1,351 1,355 1,344 1.348 Reuvork . . 4,209 4.217 4,209 4,217 Brüssel. . . 58,71 58,83 58,78 58,90 Italien. . . 22,06 22,10 22,06 22,10 Pari« . . . 16,475 16,515 16,475 16.505 Schwei; . . 83,62 83,78 81,63 81,7f Spanien . . 39,96 40.04 40,36 40,44 Danzig. . . 81,87 82,03 81,87 82.03 Japan . . . Rio de Ian.. 2,081 2,085 0,321 2,081 0,316 2.085 0,319 0,318 Jugoslawien. Lissabon . . 7,435 7,449 7,437 7,451 18,64 18,68 18,67 18,71 ftclhmg: Kunze, Grünewald, Seih, Philipp, Tränkner, Noll, Noon, Wlodareck, Happel, Grote, Rabe Das Spiel war meistenteils ausgeglichen, nur in der Mitte der 2. Halbzeit spielte Lollar eine Zeitlang überlegen. Die durchschlagkräftigere Angriffsreihe, insbesondere der linke Flügel Roon—Wlodareck, und die solide Arbeit der Läuferreihe gaben den Schiedsrichtern ein Plus, das sich auch zahlenmäßig im Ergebnis wiederspiegelt. 6:4 am Schluß, 5:1 bei Halbzeit war der Stand des Spiels. Die Spielleitung lag in den Händen des Schiedsrichters Böchuer, der seiner Aufgabe jederzeit gerecht wurde. Leichtathletik der Ep.-Vg. 1900. Hervorragendes Abschneiden der Frauenabteilung in Kassel. Wie schon kurz berichtet, war der Start der Frauen-Abteilung der Spielvereinigung 1900 bei den Dezirlsmeisterschaften von Hessen-Hannover in Kassel von bestem Erfolg begleitet. Die Beteiligung an den Wettkämpfen selbst war nicht so gut wie in den Vorjahren, die Stiftungen sind jedoch in allen Klassen als recht ansprechend zu bezeichnen. Es gab meist ausgeglichene Felder und daher sehr spannende Kämpfe. Nachstehend die Wettbewerbe, in denen die 1900erinnen siegreich waren bzw. Plätze belegten: Frauen. 100 Meter: 1. Hücker (Kurhessen Kassel) 14,8; 2. Nickel (1900) 15; 3. Brede (Kurhessen) 15 Sek. Frl. Nickel konnte sich erst unmittelbar Dorrn Ziel auf den 2. Platz vorschieben. 200 Meter: 1. Schlüter (Kurhessen) 30,8; 2. Hublitz (1900) 30,8 ; 3. Pfaff (VfB. Wetzlar) 32,6 Sek. Die 1900erin führte knapp bis ins Ziel hinein. Dort wollte jedoch das Kampfgericht die Kurhessendame mit Handbreite im Vorteil gesehen haben. ,4xlOO-Meter-Staffel: 1. Spielvereim- gung 1900 Gießen 56,6; 2. Kurhessen Kassel 58,5 Sek. 1900 in der Aufstellung: Nickel, Holstein, Richtberg k Drews lief das Rennen sicher nach Hause. Hochsprung: 1. Abee (VfL. Wetzlar) 1:33; 2. Richtbcrg I. (1900) 1,28 ; 3. Hücker (Kurhessen) 1,28 Meter. Frl. Pauline Richtberg kam erst beim Stichkampf in Schwung und übersprang dabei 1,33 Meter. Weitsprung: 1. Drews (1900), 4,76; 2. Hücker (Kurh.) 4,34; 3. Griesing (Kurh.), 4,30 Meter. Fräulein Drews wartete mit einer schönen Leistung auf. K u g e l ft o ß e n: 1. Drews (1900), 8,40; 2. Abee (VfL. Wetzlar), 7,71; 3. Griesing (Kurh.), 7,21 Meter. Der Absprung war sehr mangelhaft. So ist es auch zu erflären, daß fast alle Leilnehime- rinnen hinter ihren sonstigen Leistungen blieben. Diskus: 1. Drews (1900), 27,97; 2. Ab6e (VfL. Wetzlar), 26,35; 3. Griesing (Kurh ), 20,59 Meter. Die 1900erin zeigte Formverbesserung. Speerwerfen: 1. Hücker (Kurh.), 21,85; 2. Holstein (1900), 20,56; 3. Nickel (1900), 19,35 Meter. Fräulein Holstein blieb ein gutes Stück hinter den gewohnten Leistungen zurück. 3 x 800 - Meter-Staffel: 1. Kurhessen Kassel 8:26,5; 2. Spielvereinigung 1900 Gießen 8:49,2. Kassel hatte eine überraschend gute Mannschaft zur Stelle. Die Leistung der 1900er°Staffel (Ctzelmüller, Hublitz E. Richtberg) ist mit einem Durchschnitt von 2:56,4 Minuten noch ansprechend. Mädchen A (13/14). Weitsprung: 1. Kuhn (VfL.Wetzlar), 4,64; 2. Richtberg H (1900), 3,86; 3. Reich (Kurh.), 3,84 Meter. Die Wetzlarerin war weit überlegen. Frl. Richtberg war durch eine Fußverlehung behindert. Dreikampf: 1. Kuhn (VfL. Wetzlar) 91 P.; 2. Dötting (Kurh.) 60 P.; 3. Richtberg II (1900) 33 Punkte. Mädchen 8 (15 Jahre und jünger). 7 5 Meter: 1. Diehl 11,2 Sek.; 2. Guth 11,6 Sek.; 3. Ockel 11,8 Sek., sämtlich 1900 Gießen. Die jüngste Teilnehmerin erwies sich als die schnellste ihrer Klasse. Weitsprung: 1. Guth 4,07 Meter; 2. Diehl 3,94 Meter; 3. Lippert 3,85 Meter, sämtlich 1900 Gießen. Guter Springernachwuchs! V allweit: 1. Lippert 42 Meter; 2. Ockel 36,50 Meter; 3. Guth 28 Meter, sämtlich 1900 Gießen. Ebenfalls ansprechende Leistungen. Dreikampf: 1. Diehl 86 Punkte; 2. Guth 79 Punkte; 3. Ockel 72 Punkte. 4x75 Meter-Staffel: Spielvereinigg. 1900 Gießen 44,2 Sek. Eine beachtliche Zeit, zumal sie im Alleingang erzielt wurde. Abendsportfest in Bochum. Nach den bisher vorliegenden Zusagen verspricht das internationale Abendsportfest von Tus Bochum am kommenden Mittwoch ein großes leichtathletisches Ereignis zu werden. Während über die Teilnehmer aus dem Auslände noch nichts Bestimmtes verlautet, haben von ersten deutschen Kräften bereits u. a. Hirschfeld, Wegner, Lingnau-Dortmund, Regener-Dortmund, Völmke-Dortmund und Danz-Charlottenburg zugesagt. Oie Friedberger Giadtstafette. Die von der Friedberger Ortsgruppe des Reichsausschusses für Leibesübungen seit einer Reihe von Jahren veranstaltete Stadtstafette, in der bisher die Polizei immer Sieger war, wurde am Sonntag für dieses Jahr ausgetragen. Jede Mannschaft bestand aus zehn Mann. Die zu durchlaufende Strecke von der Burg über die Kaiserstrahe bis zur Mainzer Toranlage beträgt etwas über 1000 Meter. Sieger wurde diesmal die Turngemeinde in 2 Min. 5 Sek., die damit den Wanderpreis der Stadt gewann. Es folgten weiter: 2. Polytechnikum, 3. Turn- und Sportverein Stadtteil Fauerbach, 4. Aufbauschule, 5. Verein sür Leibesübungen. In der JVgendstufe wurde die Augustinerschule vor der Aufbauschule Sieger. Kurze Sporinoiizen. Lieber die Einnahmen beim Schm«- ling-Kampf liegen jetzt einige Zahlen vor. Die Gesamteinnahmen betrugen 1 150 000 Mark, davon erhalten Schmeling 445 780 Mark, Stribb- ling 139 300 Mark und die Steuerbehörde! 75 704 Mark. Gießen im Gegelflug voran... Von der ,/Aoigemeinschast erwerbsloser Segelflieger^. Die Gießener Segelfliegerei gewinnt mehr und mehr an Boden. Man kennt in den Kreisen der Segelflieger überhaupt die Gießener schon wesentlich besser, als es noch vor zwei Jahren der Fall war. Einzelne Mitglieder der Jungsegelflirger- gruppe des Vereins für Luftfahrt haben von sich reden gemacht, haben gute Leistungen gezeigt und beteiligten sich da und dort an Wettbewerben. Trotz der schweren Zeit, die allenthalben größte Beschränkungen auferlegt, fanden sich doch immer wieder Menschen, die aus einer optimistischen und aktivistischen Einstellung heraus einer guten Sache dienten und dienen. Der Sache des Segelfluges. So wurde vor nicht allzulanger Zeit die Notgemeinschast erwerbsloser Segelflieger gegründet, in der sich einige Ingenieure, Techniker und Handwerker befinden, die den Segelflug im Rahmen ihrer Kräfte fördern wollen, bereits mit viel Energie an die Arbeit gegangen sind und — schon ein Segelflugzeug geschaffen haben. 3m Laufe von drei Wochen, in insgesamt 250 Arbeitsstunden, wurde von 12 Mitgliedern der Gemeinschaft ein Flugzeug von dem bekannten Typ des „Zögling" mit einer Spannweite von 10 Meter gebaut. Die Leitung hatte Schreinermeister S ch e p p übernommen. Die Arbeiten schritten rasch vorwärts, wurden aber trotzdem mit aller angebrachten Sorgfalt durchgeführt, denn die Erbauer Jini) durchweg mit technischen und konstruktiven Voraussetzungen auf das engste vertraut und vermochten etwas vollwertiges zu schaffen. Das Segelflugzeug macht in seiner sauberen Ausführung einen sehr guten Eindruck, die Tragflächen sind mit schöner weißer Leinwand bespannt, das Holz der Streben sauber bearbeitet, aus jeder Einzelheit tritt dem Betrachter jene Exaktheit der technischen Ausführungen entgegen, die eben den Techniker und den Ingenieur von Natur aus kennzeichnet. Das Material für dieses Flugzeug stellte im wesentlichen der Verein für Luftfahrt zur Verfügung. Die Herstellung übernahmen die Mitglieder der Notgemeinschaft aus freien Stücken. Die Notgemeinschaft wird im übrigen in steter enger Gemeinschaft mit dem hiesigen Verein für Luftfahrt arbeiten, dem sie als geschlossene Gruppe beigetreten ist in dem gleichen Sinne, in dem die Akademische Fliegergruppe dem Verein angehört. . Die Mitglieder der Notgemeinschaft beschränken sich jedoch nicht darauf, in dem Bau eines Segelflugzeuges ihre Aufgabe erfüllt zu sehen, sondern haben sich nun vor genommen, mit dem Flugzeug, das am Montagmorgen im Schulhof der Pesta- lozzischule zu besichtigen war, einen Schulungslehrgang- durchzuführen und den Segelflug zu erlernen. Das neue Segelflugzeug wurde bereits gestern nachmittag nach dem Bahnhof gebracht und nach Oberofleiden verladen. Auf dem dortigen Segelfluggelände wird der Schulungslehrgang, der sich auf etwa drei Wochen erstrecken soll, stattfinden. Die Segelflieger werden dort ein richtiggehendes Fliegerlager aufschlagen, das ihnen durch verschiedene hochherzige Spenden an Material, an Unterkunft und Lebensrnitteln ermöglicht wurde. Die Notgemeinschaft bedarf jedoch weiterer Llnter- stühung und wäre dafür sehr dankbar. In Ober» ofleiden wird man sich allerdings nicht darauf beschränken, lediglich den Segelflug zu lernen, vielmehr hat man sich vorgenommen, in der Zusammenarbeit mit der Hornberger Segelfliegergruppe, die sich ebenfalls dem Verein für Luftfahrt in Gießen anschließen will, an Ort und Stelle ein weiteres Schulungsflugzeug zu bauen. Einer späteren Zeit soll es außerdem Vorbehalten bleiben, an der Herstellung eines leistungsfähigeren Segelflugzeuges vom Typ „Hols-der°Teufel" mitzuarbeiten. Die Organisation dieser Notgemeinschaft, das bisherige Wirken und die Absichten ihinr Mitglieder, dürfen als außerordentlich bezeichnet werden. Es ist der Beweis dafür, daß selbst längere oder kürzere Erwerbslosigkeit nicht unbedingt zur Negation des einzelnen führen -muß, daß vielmehr ein guter Gedanke, den die Gründung dieser Notgemeinschaft darstellt, zur Begeisterung und zur Tat drängt. Jetzt wiffen die meiften was wir leiften! 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Der Jnstallationsmeister Albert Schmidt zu Heuchelheim ist zur Ausführung von Anlagen im Anschluß an das Gas- und Wasserwerk der Stadt Gießen auf Grund der Bestimmungen vom 16. Juni 1925 zu- gelassen worden. 4497D Gießen, den 4. Juli 1931. Stadt. Gas°^Wasserwerk Gießen. Sted.ng. Neu für Giefeen! Bekanntmachung. Die erste Hälfte Holzgeld 1931 kann bis zum 15. Juli d. I. noch ohne Kosten an die Stadtkasse Lich oder deren Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 13196 bezahlt werden. 44850 Lich, den 3. Juli 1931. Hess. Bürgermeisterei Lich. Geil. GroBes Konzerit™ am Mittwoch, dem 8. Juli 1931, 20.15 Uhr, im CafS Leib. Ausführende: Kapelle W. Seitz. Eintritt: Vorverkauf RM. 0,60; an der Kasse RM. 0,75. Um recht zahlreichen Besuch bittet 4509 D Der Vorstand des Marine-Vereins Giefeen e.V ff. Fischen. 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