Hr. 233 Erstes BlM 181. Jahrgang Dienstag, 6. Oktober 1931 Erschein! räglich, anher Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Giehener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüsse unterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzemrAnzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen vnick und Verlag: vrühl'sche Univerfität§-Vuch- und 5teindruckerei R. Lange in Stehen. Zchriftlettung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm • Breite 35 Reichspfennig, ' Platzvorschrift 2O°/o mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot,' für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Giehen. Was wird die neue Notverordnung bringen? Eine erste Llebersicht über die wichtigsten punkte. — Heute vertrauliche Aussprache im Reichsrat der Notverordnung. Berlin, 5. Ott. (CNB.) Die neue Notverordnung, die am Mittwoch in Kraft treten soll und an Umfang nicht hinter der Verordnung vorn 1. Dezember 1930 zurückstehen dürfte, wird sich im wesentlichen mit folgenden Materien befassen: Erleichterung der Wohlfahrtslasten. Sachleistungen in der Arbeitslosen- Versicherung. Lieber die Erleichterung der Wohl- fahrt^lasten der Gemeinden wird bestimmt: Die Reichshilfe von 60 Millionen, die nach der Notverordnung vom Juni aus den Lohnsteuererstattungsbeträgcn gezahlt werden sollte, wird auf 150 Millionen erhöht. Hiervon erhalten die städtischen Fürsorgeverbände drei Viertel, die ländlichen ein Viertel. Zur Unterstützung von Gemeinden in besonderen Fällen werden weitere80 MillionenMk. bereitgestellt, so daß, wie bereits bekannt, der Gesamtzuschuh des Reiches 2 3 0 Millionen Mark erreichen wird. Auf dem Gebiete der Arbeitslosenversicherung wird insofern eine einschneidende Acnderung getroffen, als der Vorstand der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung anordnen kann, daß die Unterstützung bis zu einem Drittel in Sachlei st ungen gewährt werden darf. Die Kürzung der Unter st ühungsdauer ist bereits durch De- schluh des Vorstandes der Reichsanstalt angeordnet worden. Einschränkung der öffentlichen Ausgaben. Senkung derHanszinsstener um 20—25%. Wesentliche Einschränkungen werden an öffentlichen Ausgaben bestimmt. So dürfen bis zum 31. März 1934 Neubauten von Verwaltungsgebäuden für Zwecke der öffentlichen Verwaltung nicht in Angriff genommen werden. Ausnahmen sind nur in besonderen Fällen mit Zustimmung der Reichs- und der Landesregierung möglich. DieSenkungderHauszinssteuer, die ab 1. April 1932 erfolgen soll, dürfte zwischen 20 und 25 Prozent betragen. Sie soll nach dem vollen Jahresertrag ohne Berücksichtigung der niedergeschlagenen oder erlassenen Beträge berechnet werden. Durch diese Ermäßigung soll der den Eigentümern zur Verzinsung aufgewerteter Hypotheken und des Ei- genkapitals zu belassende Betrag als abgegolten gelten. Die Siedlung wird gefördert. Ein Reichekommissar für Kleinsiedlung. Ein umfangreicher Teil der Notverordnung wird sich mit den Vorschriften für das Siedlungswesen befassen. Besondere Förderung sollen die landwirtschaftliche Siedlung, die vorstädtische Kleinsiedlung und die Errichtung von Kleingärten für Erwerbslose erfahren. Die Mittel sollen dadurch aufgebracht werden, dah die Länder ab 1932 von der Reichsregierung festzusetzende Beträge ausdemHauszinssteuer- aufkoinmen andasReich abliefern und Kreditmittel des Reiches flüssig gemacht werden. Zwecks einheitlicher Durchführung der landwirtschaftlichen Siedlung soll in jedem beteiligten Lande ein Staatskommissar bestellt werden. Die vorstädtische Kleinsiedlung soll dem dem Reichsarbeitsminister unterstellten Reichskommifsar obliegen. Er hat dafür Sorge zu tragen, dah geeignetes Siedlungsland, besonders durch öffentliche Körperschaften, zur Verfügung gestellt wird. Enteignung soll unter Umständen möglich sein. Das für die vorstädtische Kleinsiedlung benötigte Land soll in der Regel ohne erhebliche Barzahlungen erworben werden können. Kleinsiedler, die als Pächter oder Erbbauberechtigte angesiedelt werden, sollen die Möglichkeit erhalten, das Land a 16 Eigentum zu erwerben. Zur hypothekarischen Beleihung können Reichsbürgschaften übernommen werden. Die Spihengehälter in der privatwirtschafi. Ueber die Herabs etzung hoher Bezüge in der Privatwirtschaft wu. a. bestimmt: Schiedsverträge, die eine Vergütung vorsehen, die mit der Geschäfts- oder Vermögenslage des Dienstberechtigten oder der allgemeinen Wirtschaftslage nicht mehr übereinst immen, können durch schriftliche Erklärung gegenüber dem Dienstverpflichteten auf einen angemessenen geringeren Betrag abgeändert werden. Die Frist zwischen der Erklärung und ihrer Wirksamkeit muh wenigstens drei Monate betragen. Der Dienstverpflichtete kann gegen die Kürzung Klage erheben, ein Schiedsgericht anrufen oder das Dienstverhältnis vorzeitig kündigen. Dies alles gilt nur für Dienstvergütungen, Pensions- oder sonstige Bezüge, die jährlich 15 000 Mk. überschreiten. Reform im Justizwesen. Die Prozesse solle > beschleunigt und vereinfacht werden Weitere Bestimmungen bezwecken eine Beschleunigung der Prozehführung. Revisionen in Strafsachen können durch das Oberlandesgericht verworfen werden, wenn dieses sie einstimmig für offensichtlich unbegründet erachtet. Auch für das Privatklageverfahren ist Vereinfachung und die Möglichkeit einer Einstellung des Verfahrens durch Besch l u h vorgesehen. Die Wertgrenze für die Zuständigkeit der Amtsgerichte in Zivilstreitigkeiten wird generell auf 1000 Mk. erhöht. Die Bestimmungen über die Bewilligung des Armenrechtes erfahren aus Ersparnisgründen weitgehende Aendcrungen. Die Gerichtsvollziehergebühren werden erhöht. Bezüglich der geplanten Sondergerichte beschränkt sich die Notverordnung auf eine Ermächtigung an die Reichsregierung, zur Aburteilung bestimmter strafbarer Handlungen in Bezirken, in denen ein Bedürfnis dafür hervortritt, Sondergerichte zu bilden. Die Reichsregierung wird ermächtigt, über die Zusammensetzung der Sondergerichte, ihre Zuständigkeit und das Verfahren, Vorschriften zu erlassen. Reform des Sparlaffenwefens. Lockerung von den Gemeinden. — Verstärkung ihrer Liquidität. Auf wirtschaftlichem Gebiete wird eine Reform des Sparkassenwesens in die Wege geleitet, indem die Verordnung die Landesregierungen verpflichtet, die Organisation und den Geschäftsbetrieb der Spar- und Girokassen, der kommunalen Kreditinstitute, der Giroverbände und Girozentralen mit den neuen Vorschriften, die von Reichs wegen erlassen werden, in Einklang zu bringen. Alle diese Unternehmungen sind zu An st alten mit eigener Rechtspersönlichkeit umzuge st alten. Soweit nach Landesrecht eine Sparkasse Darlehen an Gemeinden, Gemeindeverbände usw. gewähren darf, dürfen diese Darlehen 25 Prozent der gesamten Einlagen nicht über ft eigen. Die Darlehen dürfen höchstens bis zu 50 Prozent langfristig sein. Die Spar- und Girokassen haben 30 Prozent der Spareinlagen und 50 Prozent der sonstigen Einlagen in flüssigen Werten anzulegen. Dabei sind mindestens 10 Prozent der Spareinlagen und 20 Prozent der anderen Einlagen als Liquiditätsreserve bei der zuständigen Girozentrale anzulegen. Solange die Liquiditätsreserve nicht die vorgeschriebene Mindesthöhe erreicht hat, haben die Spar- und Girokassen mindestens 50 Prozent der jeweils verfügbaren Mittel der Liquidttätsreserve zuzuführen. Höchstens 40 Prozent der Spareinlagen dürfen in Hypotheken angelegt werden. Soweit Spareinlagen nach landesgesetzlichen Vorschriften in Wertpapieren anzulegen sind ist mindestens ein Drittel davon in Reichsbanklombardsfähigen Wertpapieren anzulegen. Die kurzfristigen Schulden der Länder und Gemeinden. Vi'dung von Umschuldungssonds. Kein Kreditnehmer der Sparkassen darf mehr als ein Prozent der Einlagen bzw. nicht mehr als 20 000 Mark als Personalkredit erhalten. Die Girozentralen haben die Liquiditätsreserve zu e^nem von der Deutschen Girozentrale zu bestimmenden Teil bei dieser als Guthaben zu unterhalten und den Rest in anderen, völlig flüssigen Wertpapieren, vorzugsweise in Privatdiskonten, anzulegen. Die Liquiditätsreserven dürfen nicht zur Gewährung von Darlehen verwendet werden. Die Deutsche Girozentrale hat die bei ihr unterhaltenen Liquiditätsreserven mindestens zur Hälfte als Guthaben bei der Reichsbank zu unterhalten oder durch diese anzulegen. Die Umschuldung kurzfristiger Schulden von Ländern und Gemeinde n wird durch die Notverordnung ausführlich geregelt. Sie soll durch Ausgabe von Schuldverschreibungen und Festsetzung von Tilgungsraten vor sich gehen. Aus dem Aufkommen der Hauszinssteuer sollen hierfür in den nächsten vier Rechnungsjahren je 12 Prozent verwendet und einem Umschuldungsfonds f ü r jedes Land zugeführt werden, über dessen Verwendung die Landesregierung bestimmen soll. Der Reichsfinanzminister wird ermächtigt, gegenüber der die Umschuldungsschuldverfchreibungen aus?,ebenden Stelle für die Verzinsung und Tilgung Garantien zu übernehmen. Die Umschuldungsstelle hat das Recht, die Umschuldung von Bedingungen abhängig zu machen. Das Land haftet dem Reiche gegenüber zu einem Drittel des garantierten Betrages. Schließlich wird der Reichsfinanzminister ermächtigt, Garantien auf dem Gebiete der Kreditversicherung mit der Maßgabe zu übernehmen, daß das Reich daraus höchstens Berlin, 6. Oki. (TA.) Während die Schluhbera- fungen über die neue Notverordnung noch im Gange sind, beschäftigt sich ein Teil der Berliner Blätter bereits mit der parlamentarischen Situation, die das Kabinett Brüning bei dem W jeder - Zusammentritt des Reichstags vorfindet. Man spricht von der Möglichkeit einer Ergänzung oder einer Umbildung des Kabinetts. Daß an den kursierenden Gerüchten etwas wahres ist, bestätigt eine Meldung der „(ßermani a“, die bekanntlich dem Reichskanzler nahesteht. Das Berliner Zentrumsorgan schreibt in seiner Dienstagmorgenausgabe u. a.-. Ls darf als sicher angenommen werden, daß das Reichskabinett in seiner heutigen Zusammensetzung nicht mehr vor den Reichstag treten wird... Doch ist nicht mehr daran zu zweifeln, dah der Reichsauhenminister in den allernächsten Tagen seinen Rücktritt nehmen wird. Darüberhinaus ist damit zu rechnen, dah noch im Lause dieser Wocheeine Umbildung der Reichsregierung ffatt- findet. Es steht allerdings noch nicht fest, ob es sich hierbei nur um die Neubesetzung der seit langem unbesetzten Ministerien handelt — Wirisch a f t s - und Justiz-, zu den nun auch noch das Auhenministerium trift — oder ob noch weitere personelle Veränderungen erfolgen. In jedem Fall ist aber anzunehmen, dah diese Entscheidungen noch in dieser Woche getroffen werden. * Das „D. T." will wissen, daß nunmehr auch die oft angekündigte Uebernahme des Reichswirtschaftsministeriums durch Geheimrat Schmitz von der JG.°Farben erfolgen und der Staatssekretär im Reichsjustizministerium, Joel, zum Reichsjustizminister ernannt werden soll. Die Ernennung des Ministers Treviranus zum R e i ch s s i e d ° lungskommissar sei beschlossen. Man spreche weiterhin sogar von einem Rücktritt des Reichsverkehrsministersv. Guerard. Alle die Um» oder Neubesetzungen sollten vor dem Zusammentritt des Reichstages erfolgen. Das Blatt drückt die Hoffnung aus, daß diese Maßnahmen die Fraktionen des rechten Regierungsflügels davon abhalten würden, für einen Mihtrauensantrag zu stimmen. — Die „Vossische Zeitung" (Ullstein) behauptet, der Kanzler werde dem Reichspräsidenten seine Demission anbieten, die mit der Demission des Gesamtkabinetts gleichbedeutend sei, um nach erfolgter Wieder- betrauung freie Hand f ü r einen Wechsel in einzelnen Ressorts und die Neubesetzung der erledigten Ministerien zu haben. Das Blatt hört, daß 'neben Dr. Schmitz auch Professor Warm- b o l d für das Wirtschaftsministerium in Frage käme. Beide sollen aber bereits abgelehnt haben. Die Haltung der Volkspartei. Die DAZ. fordert rasches und energisches Handeln. Die „DAZ." fordert in einem „Zweites Kabinett Brüning?" überschriebenen Artikel eine gänzliche Umgestaltung des Kabinetts. Das Blatt erklärt, man spreche nunmehr allgemein von zwei politischen Lösungen, die sich aufdrängten. Die eine sei ein Kabinett Hu - genbergs. Da das Zentrum dieses Kabinett bestimmt nicht mitmachen würde, scheine vielen die andere Lösungsmöglichkeit in einem Kabinett Gehler, Bracht (Oberbürgermeister von Düsseldorf) oder S t e- gerwald zu liegen mit Brüning a l s Außenmini st er. Demgegenüber fordert das Blatt von Brüning den Ausweg einer radikalen Umbildung seines Kabinetts. Brüning müsse sich von parteipolitischen Rücksichten vollkommen frei machen und ein nationales Kabinett ohne Berücksichtigung der Fraktionsinteressen auf die Beine stellen. Das Kabinett Brüning, so wie es sei, werde die Tagung des Reichstages kaum überleben. Die „DAZ." meint, nur wenn der Kanzler sehr rasch und energisch handele, - Mittwoch Veröffentlichung mit 30 Millionen Mark zuzüglich der von ihm vereinnahmten Rückversicherungsprämien in A. s ruch genommen werden darf. Der Reichsfinanzminister erhält die Vollmacht, für allgemeine Finanzzwecke bis zu 300 Millionen im Wege des Kredits'zu beschaffen. könne er die Dinge noch in der Hand behalten. Schon behaupte der Sozialdemokratische Pressedienst, daß die DVP. beschlossen habe, am Sonntag i h r Umschwenken auf die nationale Oppositon bekanntzugeben und zwar ohne Rücksicht darauf, ob Curtius noch im Amte sei oder nicht. Diese Behauptung möge den Tatsachen vorauseilen, sicher sei aber, dah mahgebende Kräfte der deutschen Politik und Wirtschaft im Begriff ständen, sich von Brüning zu lösen. Die „DAZ." rechnet damit, dah neben dem Reichsverkehrs- und Reichswirtschaftsministerium auch das Reichsinnenmini st e- rium neu beseht werden soll. Die „Nationalliberale Korrespondenz" schreibt u. a.: Nach allem, was man hört, besteht kein Zweifel darüber, dah Reichsminister Dr. Curtius vom Kabinett nicht desavouiert werden kann aus der einfachen Tatsache heraus, dah seine Auhenpolittk im Einvernehmen und nach den Richtlinien des Kabinetts geführt worden ist. Wenn sich aus dieser Politik Konsequenzen ergeben sollten, so können sie deshalb nicht gut dem Außenminister zuge- f(hoben werden. Dah das Kabinett Brüning in seinerGesamtheit gefährdet erscheint, darüber ist man sich wohl in allen Lagern eins. Nicht nur durch die Niederlage in der Zollunionsfrage, sondern vielmehr durch die Verzögerung der innenpolitischen Aufgaben und durch die jetzige Haltung der Sozialdemokratie ist eine Stimmung entstanden, die für den Bestand des Kabinetts in seiner jetzigen Zusammensetzung gefährlich ist. DieRechisoMsition unbefriedigt „Der Ta g“ (Hugenberg) spricht von einem letzten Rettungsversuch Brünings. Die zahlreichen Kombinationen hinsichtlich der personellen Seite feien im wesentlichen auf den gemeinsamen Nenner zu bringen, dah sachlich alles beim alten bleiben würde. Für die nationale Opposition gehe es um die Sache. Taktische Manöver und neue Namen f ü r eine alte Politik beirrten sie nicht im mindesten. Die nationale Opposition habe betont, dah es ein Denkfehler sei, den von ihr zum Rücktritt aufgeforderten Kanzler Brüning als den Kanzler eines Kabinetts der nationalen Opposition zu bezeichnen. Die vom Kanzler geplante Llmbil- dung seines Kabinetts deute in ihrer Tendenz darauf hin, dah Brüning sich die sozialdemokratische Rückendeckung erhalten wolle. — Der „Lokal-Anzeiger" (Hugenberg) betont, dah jede vom Marxismus abhängige Reichsregierung dem schärfsten Kampf der nationalen Opposition begegnen werde. Lind es gebe nur eine Art der Reichsregierung, die nicht vom Marxismus abhängig wäre: Die, in der die nationale Opposition regierte. — Die „D ö r s e n z e i t u n g" (konservativ) sagt, alles was über die „Kabinettsumbildung" bisher bekannt geworden sei, deute darauf hin, dah diese alles andere als eine ideale Lösung im Sinne der nationalen Bewegung bedeuten würde, nichts Ganzes, sondern wieder nur eine Halbheit. Der Eintritt von Geheimrat Schmitz in die Regierung wäre an sich zu begrüben, aber eine Schwalbe allein mache noch keinen Sommer. Der neue Wirtschaftsminister würde zweifellos bald einsehen, dah er sich mit seinen Ideen in einem Kabinett nicht durchsetzen könne, dessen politisches Gesicht nicht verändert worden sei. Von einer wirklichen Llmbildung könne man erst sprechen, wenn auher Curtius noch einige andere seiner Kollegen durch Persönlichkeiten erseht würden, die auf das Vertrauen der nationalen Bewegung Anspruch erheben könnten. Oer „Vorwärts" warnt vor den zwei Stühlen. Der „Vorwärts" (soz.) hebt hervor, es könne dem Ansehen des Kanzlers nicht förderlich fein, wenn er sich unter den gegebenen Llinständen zu einer Llmbildung seines Kabinetts entschliche, es entstehe dadurch der Eindruck, dah er nicht mehr Herr seiner Entschlüsse sei. Im übrigen werde er damit rechnen müssen, dah er durch jeden Versuch, seine Hand nach rechts zu stärken, seine Stellung nach links gefährde. Die Gefahr sei sehr groß, daß er sich zwischen verschiedenenStühlen auf den Boden setze. Noch in dieserWocheLlmbiidnnOesNeichSkabinM Rücktritt des Außenministers Or. Curtius. — Wiederbesehung des WirtschastS- und Justizministeriums. — Auch Gue>ard und Wirth sollen ausscheiden. Amerika berät. Es war von vornherein klar, daß der bevor- stehende Besuch des französischen Mini- sterpräsidenten in Washington nicht nur ein Höflichkeitsakt darstellen sollte, sondern daß die Staatsmänner der beiden stärksten Finanzmächte sich sehr eingehend über die allgemeine Weltwirtschaftskrise und die Möglichkeiten ihrer Behebung unterhalten würden. Die Bedeutung dieser Reise Lavals nach Amerika wird noch dadurch unterstrichen, daß der englische Außenminister Lord Reading sich entschlossen hat, Paris vor der Abfahrt des französischen Ministerpräsidenten aufzusuchen. Laval, der erst vor ganz kurzem in Berlin Gelegenheit hatte, den Standpunkt der deutschen Reichs- rcgierung kennenzulernen, wird nun also auch über die englischen Ansichten eingehend unterrichtet werden. Er ist damit in die Lage versetzt, bei seinem Aufenthalt in Washington dem amerikanischen Präsidenten davon Kenntnis zu geben, welche Pläne zur Ueberwindung der gegenwärtigen Rot Aussicht auf Annahme bei den hauptsächlich in Frage kommenden europäischen Großmächten haben. Laval wird sicherlich die rein wirtschaftlichen Fragen in den Vordergrund zu rücken suchen. Wir wissen heute, daß die Anregung zu seinem amerikanischen Besuch von Paris ausging, und wir können darin wohl ein Zeichen dafür erblicken, daß Frankreich sich seiner wirtschaftlichen Llnerschütterlichkeit nicht mehr so sicher ist, wie es noch vor kurzem der Fall war. Die Dankzusammenbrüche, die jetzt auch Paris erlebt, und die gewaltige Zunahme der Konkurse reden immerhin eine deutliche Sprache. Bei der Erörterung der finanziellen und wirtschaftlichen Probleme wird es aber nicht sein Bewenden haben. Amerikanische Stimmen bringen sehr deutlich zum Ausdruck, daß bei dieser Gelegenheit auch die politische LageEu» r o p a s, die ja zum gut Teil Schuld an der Wirtschaftsmisere trägt, $ur Verhandlung kommen soll. Paris gibt sich darüber bereits keinem Zweifel mehr hin, und die nationalistische Presse Frankreichs sorgt sich schon jetzt um den Ausgang der Washingtoner Besprechung. « Inzwischen finden in den maßgebenden Kreisen Amerikas Beratungen statt, die offensichtlich die Fühlungnahme zwischen den beiden Staatsmännern vorbereiten sollen. Es ist nicht ganz leicht, aus den vielen Vachrichten positiver und negativer Art ein Bild davon zu gewinnen, was Hoover nun eigentlich beabsichtigt. Seine Aussprache mit Mellon und dem führenden Finanzmann Baruch legen die Annahme nahe, daß Maßnahmen finanzpolitischer Vatur zumindest erwogen werden. Die Erkenntnis, daß das bisherige Sy st em der Kriegsschulden und Veparationen nicht aufrecht zu erhalten ist, hat sich in Amerika doch wohl schon zu weitgehend durch- gesetzt, als daß man nicht von der unbedingten Votwendigkeit einer Veuregelung überzeugt wäre. Wann und in welcher Weise freilich die dadurch bedingten Schritte unternommen werden, bleibt auch heute noch in Dunkel gehüllt. 3n den Gesprächen am letzten Wochenend sollen auch politische Angelegenheiten Europas diskutiert worden sein. 3n erster Linie handelte es sich dabei um die Frage des polnischen Korridors. Wir begrüßen es außerordentlich, daß auch jenseits des Ozeans die älnhaltbarkeit des gegenwärtigen Zustandes erkannt wird. Sicherlich kann es für uns von großem Vuhen sein, wenn Amerika seinen Einfluß für eine vernunftgemäße Lösung geltend machen will. Es scheint uns jedoch die Warnung vor übertriebenen Hoffnungen am Platz, denn Erwägungen bedeuten noch keine Lösung. Eine Kompromißlösung kann für Deutschland unter keinen Llmständen in Frage kommen. Der sogenannte Korridor stellt für uns eine absolute Lebensnotwendigkeit dar, und nur mit der völligen Wiederherstellung der sinnlos gestörten Verbindung zwischen Ostpreußen und dem Mutterland kann diese ständige Gefährdung eines dauerhaften Friedens beseitigt werden. Wenn Hoover die Absicht haben sollte, Frankreich die Abrüstung durch einen Ausbau des Kellogg-Pattes schmackhafter zu machen, so können von unserer Seite Bedenken kaum erhoben werden. Angesichts der starken Opposition, die eine Einmischung Amerikas in die politischen europäischen Verhältnisse noch immer in großen Teilen des Repräsentantenhauses findet, ist es indessen verständlich, daß die Regierung sehr vorsichtig mit derartigen Projekten ist. Da aber die wirtschaftlichen Röten nicht ohne politische Eingriffe sich beheben lassen, wird Amerika nichts anderes übrig bleiben, als eine Aenderung seiner Doktrin vorzunehmen. Durchaus möglich ist cs, daß Präsident Hoover den Zusammentritt des Kongresses abwartet, ehe er Schritte unternimmt, die für die weitere Entwicklung der ganzen Welt von ausschlaggebender Bedeutung sind. 3m Zusammenhang mit den Erörterungen über die Sanierung der Krise wollen die Gerüchte über eine geplante Einladung Hoovers an Brüning nicht verstummen. Wenn der Direktor des Parteibureaus der amerikanischen Republikaner in einer Rundfunkrede den Besuch des Reichskanzlers als beinahe schon feststehend bezeichnete, so eilt diese Darstellung gelinde gesagt den Tatsachen erheblich voraus. Wir wollen nicht verkennen, daß eine direkte Aussprache zwischen Hoover und Brüning sehr w e r t - v o l l für Deutschland sein mühte. 3ft doch die Besorgnis nicht von der Hand zu weisen, daß der amerikanische Präsident durch die Berührung mit Laval allzu einseitig orientiert wird und zu Entschlüssen kommen könnte, die den deutschen Belangen nicht gerecht werden könnten. Vorläufig sehen wir allerdings keine Möglich- kcit, daß der Reichskanzler für längere Zeit die Heimat verläßt, denn die kritische Zuspitzung in der inneren Politik verlangt Unbedingt seine Anwesendes. Darüber wird auch Amerika nicht im Zweifel sein. Ob nach der Reichstagssession eine Amerika-Fahrt Brünings durchführbar ist, kann erst die Zukunft lehren. DieAuswirlungenderpsundttW Professor Pruinö über die Zukunft der Mark und des duldens. Amsterdam, 5. Oft (Xil.) Der von der Bank für Internationale Zahlungen zum Berater der Oesterreichischen Rationalbank berufene Professor Bruins, königlicher Kommissar bei der holländischen Zentralbank, hat sich während eine« kurzen Aufenthaltes im Haag zu dem Vertreter eines holländischen Rachrichtenbureaus über aktuelle wirtschaftspolitische Fragen geäußert Professor Bruins erklärte. die Aussicht, daß das Pfund wieder seinen alten Wert erhalte, werde Sieht eine neue Aktion Hoovers vor der Air? Besprechung mit Parteiführern im Weißen Hause. — Wird daö Kriegsschuldenmoratorium verlängert? Washington, 5. Oft (2DIB. Funkspruch.) Präsident Hoover hat Vertreter beider Parteien aus Senat und Repräsentantenhaus für Dienstag abend zu einer Besprechung ins Weiße Haus geladen. Da derartige Konferenzen sehr selten stattfinden und stets mit größeren politischen Unionen zusammen hängen, für die der Präsident sich vorher der Mehrheit der beiden Parteien vergewissern will, nimmt die Presse an. daß entweder die Verlängerung des hoovermOratoriums oder sonst ein Schritt erläutert werden soll, um der schweren Finanzkrise Europas und Lateinamerikas nach Möglichkeit abzuhelfen. Ob tatsächlich ein neuer Schritt geplant sei, darüber wird von allen Stellen jegliche Auskunft abgelehnt. Man hört, daß es sich, obwohl Präsident Hoover den Wunsch gehabt habe, Erwägungen über eine Verlängerung des Kriegsschuldenmoratoriums bis nach der Ratifizierung des hooverplanes durch den Kongreß hinauszuschieben, als notwendig herausgestellt Hobe, dem Gefühl der Unsicherheit über das, was nach dem Ablauf des jetzigen hoovermoratoriums geschehen werde, sofort ein Ende zu bereiten. Präsident Hoover sei jetzt bereit, sobald als möglich zu handeln. Die Dringlichkeit zu einer schnellen Entscheidung ergebe sich teilweise aus den erneuten Abzügen bei der Reichsbank und teilweise aus der Tatsache, daß d i e amerikanischen Banken an dem Stillhalteabkommen beteiligt seien. Die Bankiers wünschten nunmehr zu wissen, was nach dem Ablauf dieser Vereinbarung im Februar geschehen werde. Wie „Times" erfährt, wird auf Grund einer i n der Rächt von Sonntag zu Montag zwischen Hoover und einer kleinen Gruppe von Wall- streetbankiers obgehaltenen Konferenz binnen 24 Stunden eine wichtige Erklärung zur Welkwirtschaslslage abgegeben werden. Die Konferenz habe nicht Im weihen Hause stattgefunden. Sie sei unter größter Geheimhaltung vor sich gegangen und die beteiligten Bankier hätten jede Erörterung abgelehnt Man nehme jedoch an, daß die Konferenz sich mit denselben Fragen beschäftigt habe, die auch in der Dienstag-Besprechung mit sührenden Kongreßmitgliedern erörtert werden sollen. Goldzertifikate der 2533.? Burgctz schlägt eine Milliardenanleihe der USA. und Frankreichs vor. Paris, 5. Oft (ERD.) Der Havasvertreter in Derlin will über den sogenannten „Rettungsplan" Einzelheiten erfahren haben, den Ran- dolph D u r g e h von der Federal Reserve Danf Reuyorf, der sich gegenwärtig in London aufhalte und am 12. Oktober in Basel sein werde, der Konferenz der Leiter der Emissionsbanken zu unterbreiten gedenke. Es solle sich um eine Anleihe von 1 Milliarde Dollar an d i e D3Z. handeln, die zu zwei Drittel von den Vereinigten Staaten und zu einem Drittel von Frankreich gegeben werde. Die DIZ. werde auf Grund dieser Anleihe Gold- Zertifikate ausgeben und diese den gegenwärtig in Schwierigkeiten befindlichen Emissionsbanken, wie der Dank von England und der Reichsbank, leihen. Dieser Plan fei in Reuhork reiflich erwogen worden, und er habe die Zustimmung der amerikanischen Hauptbanken und der Federal Reserve Dank erhalten. von Tag zu Tag geringer. Es liege im Interesse Englands, so schnell wie möglich auf dem durch Angebot und Rachfrage bestimmten Preisstand zur Stabilisierung des Pfundes überzugehen. In Deutschland werde es sich vermutlich auch in Zukunft sowohl wirtschaftlich wie finanziell vermeiden lassen, dem englischen Deispiel zu folgen. Die Aktivität der deutschen Handelsbilanz in einer Zeit, in der der internationale Kapitalverkehr dermaßen gestört fei, fei von doppelter Bedeutung. Außerdem wisse in Deutschland die ganze "Bevölkerung, was Inflation und Entwertung bedeuteten. Das habe zur Folge, daß Lohnkürzungen dort viel leichter in gegenseitigem Liebereinkommen durchzuführen seien und Ersparnisse in Staats- und Gemeindehaushalt e n auf viel weniger Widerstand stießen als anderswo. Holland habe von ollen Ländern, die keine Inflation durchgemacht hätten, ohne Zweifel das größte Wider st andsvermögen. Don einer augenblicklichen Gefahr für den Gulden könne denn auch keine Rede fein. Rotwendig feien jedoch Vereinfachung und Ersparnisse in den öffentlichen Haushalten von Staat und Gemeinden, ferner Herabsetzung der Erzeugungskosten sowie des. Konsumtionsniveaus. In Holland wie in @ng-' land stehe man einer sehr großen Starrheit des Gehalts - und Lohnniveaus gegenüber, wodurch der natürlichen weiteren Preissenkung stark entgegengewirkt werde. Ende Oktober Reuwahlen in England. Das Kabinett Maedonald wird freie Hand fordern. London, 6. Olt. (TL1.) Gegen Mitternacht wurde die englische Presse davon verständigt, daß in der Kabinettssihung am Montagabend eine vollständige Einigung zwischen sämtlichen Kabinettsministern über die zu erfolgende Politik erzielt wurde. Es verlautet, daß der englische Ministerpräsident am Mittwoch im Unterlaufe sich offiziell zu der Frage baldiger Wahlen äußern wird, die sich auf einen vom Ministerpräsidenten selbst unterzeichneten Aufruf stützen sollen. Man glaubt, daß das Kabinett sich mit den bisher strittigen Punkten in der Formulierung des Wahlaufrufs nicht mehr weiter befaßt hat und .statt dessen beschloß, sich vom Volk freie Hand geben zu lassen. Es ist wahrscheinlich, daß die Wahlen a m Dienstag, dem 27. Oktober, stattfinden werden. Gewerkschaftskongreß des Afa-Bnndes L e i p z i g , 5. Oft. (WTD.) Unter starker Beteiligung fand der IV. Kongreß des Freigewerkschaftlichen Afa-Bundes der Angestellten-Organi- sationen der Freien Gewerkschaften statt. Der Bundesvorfitzende Reichstagsabgeordneter A u f - Häuser hob hervor, daß die Gesamtzahl der erwerbslosen Angestellten sich auf rund 500 000 beziffere. Mit besonderer Schärfe wandte sich der Referent gegen den Spruch des Reichsarbeitsgerichtes, wonach bei Kurzarbeit der Angestellten ohne Kündigung die Bezüge ebenfalls gekürzt werden dürfen. Wirtschaftsnot und Arbeitsnot drängten dahin, die heutige kapitalistische Anarchie abzulösen durch planmäßige Gestaltung der Warenerzeugung und Warenverteilung sowie durch Leitung des Kapitalstromes nach gemeinwirtschaftlichen Grundsätzen. Es handele sich um die Entscheidung, ob der Staat die Wirtschaft beherrschen oder ob die Privatwirtschaft den Staat diktieren solle. Ministerialdirektor Dr. S i tz l e r vom Reichsarbeitsministerium erklärte, mitteilen zu können, daß die Aufrechterhaltung unseres kollektiven Arbeitsrechtes nach Meinung des Reichsarbeitsministeriums unbedingt notwendig ist. Das Tarisrecht. und zwar das unverfälschte. mit Unabdingbarkeit, müsse in Deutschland bestehen bleiben, ebenso das Schlichtungswesen mit der Möglichkeit der Derbindlichkeits- crklärung. Dr. C r o m e r vom Deutschen Werkmeisterverband beschäftigte sich mit den Angriffen des Unternehmertums auf die Sozialversicherung. Der Asa-Dund lehne jedes Antasten des Rechtsanspruches der Arbeitnehmer auf die Sicherung feiner Existenz ob. Schroeder vom Zentralverband der Angestellten wandte sich gegen die Verschlechterung der Arbeitslosenversicherung, die mit dem Artikel 163 der Reichsverfassung im Widerspruch stehe. Lüdemann (Homburg) vom Verband deutscher Schiffsingenieure begründete die Entschließung zur Regelung der arbeitsrechtlichen Verhältnisse der seemännischen Angestellten. F o s s i h l von der Internationalen Artistenloge bat um einen Beschluß, die Artisten in die Sozialversicherung einzureihen. Kleine politische Nachrichten. Der Herr Reichspräsident ließ anläßlich seines Geburtstages durch die von ihm geschaffene Stiftung „H i n d e n b u r g - S p e n d e" rund 2200 schwer notleidenden Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Veteranen insgesamt 425 000 Mark auszahlen. * Der Finanzminister hat verfügt, daß den preußischen Beamten von der ihnen für den Monat Oktober zustehenden Hälfte ihrer Dienstbezüge die am 10. d. M. fällig ist, nur d i e Hälfte ausgezahlt wird. Das bedeutet praktisch, daß die Beamten am 10. Oktober nur einDiertel ihres Gehalts bekommen werden. Soweit Lieber- Weisungen der Gehälter in Frage kommen, dürfen diese nicht vor dem 8. Oktober erfolgen. Von den Dersorgungsbezügen soll als weitere Oktoberrate e i n V i e r t e l der für den Monat September verausgabten Rettobezüge ausgezahlt werden. * 3n Bad Harzburg findet am Sonntag eine Tagung von Vertretern der deutschnationalen und nationalsoziali st isch-en Reichstags- und Preußischen Landtagsfraktionen statt, auf der auch der Stahlhelm vertreten sein wird. Ferner werden diejenigen Abgeordneten der Landvolkpartei teilnehmen, die auf dem Boden der nationalen Opposition stehen. Außerdem sollen Wirtschaftsverbände vertreten sein. Man erwartet Hugen- berg, Hitler, Seldte, Düsterberg und den früheren Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht. * Ministerialdirektor Kaestner, der langjährige Leiter der Volksschulabteilung im preu- ßischen Kultusministerium, hat auf ärztliches Anraten einen längeren Urlaub antreten müssen. Da er bereits seit längerer Zeit leidend ist, hat er gleichzeitig sein Abschiedsgesuch einyereicht. * Die Industrie- undHandelskammer zu Berlin hat energisch gegen jedweden Inflationsplan Stellung genommen und erklärt, daß eine Wirtschaftswiederbelebung nur eintreten könne durch Ermäßigung der Selbstkosten, Herabsetzung der Steuern, Abgaben, Verkehrstarife, Zölle und Preise, der ein Abbau der Lohne zu folgen hätte. Der Präsident der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hat zum Vorsitzenden des auf Grund des Stillhalteabkommens zwischen Deutschland und den Gläubigerländern vorgesehenen Schiedsausschusses Marcus Wallenberg (Stockholms Enskild) ernannt. Außer Wallenberg gehören dem Ausschuß an: T. H. Mc. K i 11 r i ck (Higginson & Co. London) und Franz il r b i g (Deutsche Bank und Dis- conto-Gesellschaft Berlin). Zum Präsidenten von Chile gewählt wurde der Kandidat der Regierung, Montero, mit großer Mehrheit. Senator Morrow gestorben. Reuyor k, 5. Oft. (TL1.) Der frühere amerikanische Botschafter in Mexiko und Schwiegervater des bekannten Ozeanfliegers Lindbergh, Swight Morrow, ist am Montag an einem Geht r n s ch l a g e gestorben. Senator Morrow hatte vor einigen Tagen dem Präsidenten den Vorschlag gemacht, dafür einzutreten, daß der durch das Versailler Diktat dem Deutschen Reiche zu Llnrecht entrissene Danziger Korridor an Deutschland zurückgegeben werde. Morrow war ein Freund von Coolidge, mit dem er zusammen studierte und seit 1914 der Vertreter der juristischen Interessen der Firma 3. Pierpont Morgan. Morrow hat während des Weltkrieges die ganze Deckung deS militärischen Material-Rachschubes organisiert. In der Mitte der zwanziger Jahre war M. von Coolidge zum Botschafter für Mexiko ausersehen. Diese Ernennung wurde im Senat beanstandet, da das Haus Morgan, zu dem er noch gehörte, Mexl» kos Außenanleihen verwaltete. M. brachte daraufhin das Opfer, alle Beziehungen zum Bankhaus Morgan zu lösen und nahm das Dotschafteramt in Mexiko 1927 an. 1930 wurde M. als Botschafter abberufen, um als Mitglied der amerikanischen Delegation an der Londoner Flottenkonferenz teilzu- nehmen. 1930 wurde M. in den Senat gewählt. M. war aussichtsreicher Kandidat für die 1932 stattfindende Präsidentschaftswahl. Aus aller Wett. Kommunistenkrawall in Berlin. Am Montag zwischen 23 und 24 Uhr wurden in verschiedenen Gegenden Groß-Berlins Schaufensterscheiben von Zeitungsfilialen der Verlage Scherl und Ullstein durch Steinwürfe zertrümmert. Mehrere Steine waren eingewickelt tn Handzettel der Kommunistischen Partei, die folgende Aufschrift trugen: .Das Verbot der „Roten Fahne" ist sofort aufzuheben! Der Rote Frontkämpferbund." Einer der Täter wurde trotz heftigen Widerstandes festgenommen. Vor dem Corso-Cafö in der Hardenbergstraße hatten sich etwa zehn entlassene Kellner eingefunden, von denen einer eine Ansprache hielt, während andere Zettel verteilten. Dor dem Lokal waren sechs Radfahrer erschienen, die die Fensterscheiben cintoarf cn. Die Täter entkamen. Von dem Lieberfallkommando wurde einer der Zettelverteiler festgenommen. Reichslagung für höhere Mädchenbildung. Die Reichstagung für höhere Mädchcnbilduna hm in Leipzig ihren Anfang. Vor ungefähr 500 Tagungsteilnehmern sprach Kreishauptmann Dr. Marcus-Leipzig Begrüßungswortc namens der sächsischen, der württcmbergischen, der bayerischen und der thüringischen Staatsregierung, otabtrat Professor Dr. Stahl grüßte für das Sächsische Volksbildungsministerium und für die Stadtverwaltung Leipzig. Der Redner ging namentlich auf die Notwendigkeit des Sparens ein, doch dürfte nicht destruktiv, sondern es müsse konstruktiv gespart werden. Der erste Vorsitzende des Reichsverbandes für höhere Mädchenbildung, Professor Dr. Friedrich, entwickelte die Ziele des Verbandes und der Reichstagung: Die Not des Volkes und des Vaterlandes durfte nicht der Vorwand werden dafür, der Frau die Bildungsmöglichkeiten zu nehmen und zu verkürzen, die ihr notwendig sind, will sie die verfassungsmäßig gewährleistete Gleichstellung mit dem Manne zu Recht einnehmcn und behaupten. Universitätsprofessor Dr. Litt- Leipzig sprach dann über „Lebensnot und Schulerziehung". Erlrunken. 3n Wolgast (Pommern) fuhren vier Arbeitslose mit zwei Kähnen die Peene hinaus, um auf den abgeernteten Feldern Kartoffeln zu sammeln. Als die vier Männer nicht wieder nach Hause gekommen waren und auf der Peene ein kieloben treibendes Doot gesunden wurde, wurden Rachforschungen nach den Vermißten angestellt. Die Besatzung des einen Bootes wurde wohlbehalten in Liepe angetroffen. Sie hatte sich aus einem Sturm glücklich an Land retten können. Lieber das Schicksal des zweiten Bootes konnten sie nichts Räheres aussaaen. Das aufgefundene Doot gehörte den beiden Verschollenen. Fischer hatten an diesem Abend auch Hilferufe gehört. Oie Wetterlage. 75V, inrd -e- -lat -X-uai. -Pans Qwoixemos. oneiter. Qnaro ® woitig e orntcu «Wtgex » Sehnte & Graupeln. « Mtoei K &cwitttr^)winastillc«O-. seht «■enter Ost nissiger Südsüdwest K slurmtsener nordweji Oit Piene fliegen mu dem Winde. Die ooden Stationen stenengen Zanten geBtn die Temperatur an Oie Limen vtromden Orte mit gleicht^ uit Meereimveau umoeratiineir» uulldruci Wettervoraussage. Die Ozeanluft ist in größeren Höhen auf das Festland vorgedrungen und bringt allmählich Erwärmung. In Rord- und Westdeutschland liegen die Temperaturen schon bei 14 Grad, während in unserem Bezirk infolge der Ausstrahlung noch eine kalte Dodenlustschicht erhalten geblieben ist, die aber am Tage kräftig erwärmt wird. Da die Luftdruckgegenfätze über dem Festlande sehr gering sind, geht der Austausch der ßuftmaffen ziemlich langsam vor sich Aber immerhin zeigt das Barometer fallende Tendenz, was einen weiteren Abbau des Hochdrucks bedeutet. Es wird daher wieder zu stärkerer Rebel- und Dunstbildung kommen, auch tagsüber wird der Himmel mehr Bewölkung zeigen. Riederschläge treten in unserem Bezirk vorerst kaum, höchstens in ganz geringem Maße auf. Bo r hersage für Mittwoch: Dunstig und neblig, bewölkt mit Aufheiterung, mild, feine nennenswerten Riederschläge. Vorhersage für Donnerstag: Frühnebel, tagsüber meist wolkiges Wetter, vereinzelt leichte Riederschläge. Lufttemperaturen. Am 5. Oktober, mittags: 16,6 Grad Cels., abends: 7,7 Grad Cels.; am 6. Oktober, morgens: 4,8 Grad Cels. Maximum: 16,6 Grad Cels., Minimum: 4,0 Grad Cels. Sonnenscheindauer: 6 Stunden. — Erdtempe- raturen in 10 Zentimeter Tiefe. Am 5-Oktober, abends: 12,6 Grad Cels-, am 6. Oktober, morgens: 9,0 Grad Cels. ' bracht» ' jum ?>. ,Quji *• °m3F i" «9<- ?*nat oe JL ft- Ut bieiS A 15,32 statt. Seit. 1 Berlin. baren -i ^rse y*n Ä*U Z-K ?-S. . mfn- Don dein öet Zettclver. ^bildong. ' Mödchenbjldung ^""Sefähr 500 ■^uptaann Dr S u numcns der ^Vnlchen S** _,ur bas TaM^ yr &le «ladtverwal- VTÄ auf die J- M durste nicht fruftto gespart wer- Msoerbanbes für r Br. Stiebritb. b« unb der Reichs, "b des 'Ntrlanbes en bafur, der Frau ebmen und zu ver> wiU k die versa«. 'Wellung mit dem mb behaupten. Uni. 'M iprad) bann el)ung-. fuhren biet Ar« > die Peene hinaus, fern Kartoffeln zu t nicht wieder nach auf der Peene ein ■ben wurde, wurden :rmihten angestellt, rotes wurde wählen. Sie hatte sich cklich an Land schick al des zweiten »eres aussaaen. Jas en beiden Derfchol- iefem Abend auch 10t a?Ä er fV^fieben 'st, Da d'e ■ Lr ^ustmals'" x uunflifl“?, “Ü? M- 1 ctie^nfl’ V«3. Lehren aus der Obflaussteltung er ** Kinde will der Ali ten Kreuz des Stahlhelms in Rheinhessen, über ..Rach Sur ist, Trauerjahr um den erst im sterium überbrachte. 6,00 Rtt. Vornotizen. iau* wobei Yorker Kurse man auf den als flau gemeldeten Rcu- Schlutz verwies. Am Devisenmarkt waren noch nicht zu hören. Veranstaltungen wie die Obstausstellung in Gießen sollen neben der Belehrung und der Anregung für den Obstzüchter dem konsumierenden Publikum einen Maßstab zur Beurteilung der L e i st u n g s - fähigkeit des Obstbaues in der Gegend Anzeige. " Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Ortsgruppe Gießen, machte un Anzeigenteil vom Samstag darauf aufmerksam, daß der Bund auch in diesem Jahre wieder die Schmückung deutscher Kriegergräber im Auslande übernimmt. Für den Sonntag Allerseelen müssen dementsprechende Anträge sofort, für den Totensonntag bis zum 22. Oktober bei dem Orts- gruppen-Rechner Herrn B o ck, Gießen, Stephan- straße 38, eingereicht werden. Der Volksbund macht es sich außerdem zur Aufgabe, Sammelgräber meist unbekannter Toter zu schmücken und erbittet hierzu die Hilfe der Öffentlichkeit durch eine Haussammlung, die der allgemeinen Förderung warm empfohlen sei. Interessenten seien auf die Bekanntmachung besonders hingewiesen. von zweiunddreitzig Enkeln und zwanzig ilren* fein erfreuen. Da das Jubelpaar in recht beschränkten Verhältnissen lebt, auch noch im storbenen ältesten Sohn steht, Fest im engsten Familienkreise durch eine kirchliche Feier im Hause begangen, bei welcher der Ortsgeistliche gleichzeitig die Glückwünsche des Landeskirchenamts und des Kirchenvorstandes zum Ausdruck brachte, während der Bürgermeister die Glückwünsche von Gemeinde, Kreisamt und Mini- Anzeige. — Der Tanz-Klub „Rot-Weih" ® te- ßen veranstaltet am Samstag, 10. Oktober, 20 Üfjr, in den Räumen des Gesellschaftsvereins in der Sonnenstrahe die Austragung feiner Klubmeisterschaft 1931. Die Turnierleitung liegt in Händen von Herrn Theo Däulke. In den Turnierpausen und nach dem Turnier findet Berliner Börse. Berlin. 6. Olt. (WTB. Funkspruch.) Unter dem Eindruck des recht schwachen Reuhork trat in den gestrigen Abendstunden nach vorübergehender Erholung wieder Abgabeneigung hervor, so daß verschiedentlich in ehrprozentige Kursrückgänge zu verzeichnen waren. Auch heute früh b.ieb die Grundstimmung schwach. Aufmerksamkeit. Der Vorsitzende des Vereins dankte Herrn Szczech für seine liebenswürdige Führung und betonte, dieser Besuch habe erneut angeregt, die Arbeit mit neuer Lust aufzunehmen. Alle Besucher waren sich darin einig, daß dieser Museumsgang eine wertvolle Ergänzung der Vorträge darstelle, daß aber auch niemand geahnt habe, welche Schätze in Gießen zusammengetragen worden sind. In der Tat ist ein Besuch sehr lohnend und billig, denn die Museumsleitung kommt Vereinen sehr entgegen. el. Lumda, 5. Oft. Zur Zeit werden auf der Bahnstrecke Grünberg — Londorf — Lollar zwischen Grünberg und unserem Orte durchgreifende Renovierungsarbeiten vorgenommen. Auf der 4 Kilometer langen Strecke werden 30 Arbeiter beschäftigt. Die alten, unbrauchbaren Schienen werden herausgenommen und dafür neue eingelegt. 4- (9r ü n b e r g , 5. Ott. Die Arbeiten an unserem Schwimmbad schreiten rüstig voran. Der Erd- aushub für das Schwimmbecken ist nahezu vollendet. Mit den Betonarbeiten ist schon begonnen worden, und man hofft, sie noch vor Winter fertigstellen zu können. Die Arbeiten an der Verlängerung der städtischen Wasserleitung, die das Wasser zum Schwimmbecken liefert, sind beendet. Kreis Büdingen. 'Büdingen, 4. Oft. Die hiesige Ortsgruppe gruppe des V. D. A. veranstaltete einen Tiroler D o l f s f u n st a b e n d, der bei vollbesetztem Hause unter großem Beifall des Publikums einen prächtigen Verlauf nahm. Der Landesverband Hessen hatte eine Tiroler Gruppe aus Jnsbruck unter ihrem Führer Dr. Falbesoner für eine mehrwöchige Fahrt durch ganz Hessen gewonnen. Die Truppe fand hier in Privatquartieren Auf- I nahmej sie wurde bei ihrer Ankunft von der Spielschar der V. D. A.-Jugendgruppe des Gymnasiums im Werbezug durch die Stadt geführt und allgemein freudig begrüßt. Am Vorführungsabend im Saale des Hotels „Fürstenhof" rollten die Spielteilnehmer nach kurzer Begrüßung durch den stellvertretenden Vorsitzenden, Regierungsbaurat Frey, in ihren schmucken Rationaltrachten ein buntes, wechselvolles Bild ihrer einheimischen Gebräuche in Tanz, Jodlergesang, Zither- und Zupfgeigenspiel, sowie im Fahnenschwingen auf. Besonders hervorgehoben zu werden verdienen die Darbietungen von Frl. Friedl Sauerwein, die mit außergewöhnlich sympathischer Stimme die Jodlerpartien sang und in ihrem I „Echo" ein beneidenswertes Piano zu Gehör I brachte. Richt weniger ansprechend erwiesen sich I ihre schauspielerischen Fähigkeiten. Unterbrochen wurde das Spiel durch einen begeisternden Vortrag von Dr. Falbesoner über den „Helden- I kampf deutschen Volkstums in Südtirol", der einen Einblick gab in die unsagbaren Leiden der deutschen Stammesbrüder und die systematische Verwelschung des urdeutschen Landes Tirol. Die Ausführungen machten einen I tiefen Eindruck. Rach Worten des Dankes an die I Vorführenden durch Kammerdirektor W e i m e r als Vorstandsmitglied und nach kurzem fröhlichem Zusammensein trennte man sich. Das finan- I stelle Ergebnis der Veranstaltung war zufriedenstellend, so daß der Aeberschuh der Winter- n o t h i l f e überwiesen werden konnte. Kreis Scholten. £2 Hlf a, 6. Oft. Heute feierten hier in verhältnismäßig guter körperlicher Frische der Maurer Georg Schmidt und feine Ehefrau Elisabethe, geb. Döpfer, das seltene Fest der I Diamantenen Hochzeit. Der Jubilar steht I im dreiundachtzigsten, die Jubilarin im sechsundachtzigsten Lebensjahr. Don ihren sieben Kindern sind ihnen zwei durch den Tod entrissen worden. Anderseits können sie sich an der großen Schar M745 Änte-Gutachten! Jede Bohne Qualität jeder Tropfen Genuß jede Tasse Gesundheit das ist Kaffee Hag! In jedem Paket ein Gutidiein. Im Weihnaditsmonat auf 40Gutscheine 1 imit. Altsilberdose mit Kaffee Hag gratis vorigen Herbst Der* :, wurde das seltene Kirchliche Nachrichten. Katholische Gemeinden. Dienstag, den 6., und Freitag, den 9. Oktober. Gießen. 20 Uhr: Rosenkranzandacht. Mittwoch, den 7. Oktober. Hungen. 6.30 Uhr: Messe. Eindruck zurücklassen. ** Fundgegenstände. Das Polizeiamt teilt uns mit: Das Verzeichnis über die im Monat September gefundenen bzw. abgelieferten Gegenstände kann ander Anschlagtafel im Flur des Polizeiamts, Landgraf-Philipp-Platz 1, eingesehen werden. Die Empfangsberechtigten werden aufgefordert, ihre etwaigen Rechte innerhalb 2 Monaten beim Fundbüro während der Dienststunden geltend zu machen. "Sperrzeit fürTauben. In der Zeit vom 7. Oktober bis 7. Rovember sind die Tauben zum Schuhe der Aussaat aus den Feldern in den Schlägen zu behalten. Im heutigen Anzeigenteil veröffentlicht die Bürgermeisterei die Bekanntmachung der Sperre. Feldsalat 8 bis 10; Tomaten 20 bis 25; nebeln 8 bis 10; Meerrettich 35 bis 70; Kürbis 5 bis 6; Pilze 20 bis 25; Kartoffeln 3*/2 bis 4; Frühäpfel 8 bis 10; Falläpfel 3 bis 4 ; Preißel- beeren 35 bis 40; Brombeeren 30 bis 35; Zwet- schen 8 bis 10; Pfirsiche 40 bis 60; Honig 40 bis 50; junge Hähne 90 bis 1,00; Suppenhühner 80 bis 1,00; Rüsse 25 bis 30; Käse (10 Stück) 60 bis 1,40; Tauben Stück 50 bis 60; Eier 11 bis 12; Blumenkohl 30 bis 70; Salat 10 bis 15; Salatgurken 15 bis 25; Einmachgurken 2 bis 4; Endivien 10 bis 15; Ober-Kohlrabi 8 bis 10; Lauch 5 bis 10; Rettich 10 bis 15; Sellerie 10 bis 40; Radieschen Bund 10 bis 15; Kartoffeln Zenter 2,80 bis 3,00; Aepfel 5,00 bis 6,00; Weißkraut 3,00 bis 4.00; Wirsing 6,00; Rotkraut ganz gleich wie die Sorte heißen mag und wie lange sie sich hält. Apfel ist nichtApfel; ein großer und guter Apfel ist mehr wert, als ein ganzes Dutzend schlechter. Obst ist auch kein Ge- nuhmittel, sondern ein wichtiges Nahrungsmittel, und unser deutsches Obst istbesserals Aus der provinzialhaupistadi. Gießen, den 6.Oktober 1931. Massage ist kein Luxus! Don Or. med. Günter Liebig. Massage ist nicht die Erfindung und das Vorrecht einiger verwöhnter Damen, die keine anderen Sorgen haben, als die Schlankerhaltung ihrer schmalen Hüften und schönen, rassigen Fesseln. Zwar steht die Massage an erster Stelle im Kampf um die schönen Körperformen, aber weit darüber hinaus ist sie heute schon längst kein Luxus mehr. Nach dem Stande unserer modernen medizinischen und biologischen Kenntnisse ist Massage geradezu eine Forderung geworden, ein notwendiger und unentbehrlicher Baustein unter den vielen anderen, die das Gebäude unserer körperlichen und seelischen Gesundheit stützen. Wer sich jung und gesund erhalten will, der fange früh mit Körpermafsage an, am besten schon in den ersten Kinderjahren. Warum ist die Massage so gesundheitsfördernd und worin besteht ihre Wirkung? Die unmittelbarste Wirkung der Massage ist eine gesteigerte Durchblutung der bearbeiteten Körperpartien. Je nach der Art der Massage erstreckt sich diese Wirkung nur auf das Unterhautzellgewebe oder — je nachdem — auch auf die darunterliegende Muskulatur. In jedem Falle werden die kleinen und allerkleinsten Blutgefäße zu vermehrter Tätigkeit angeregt. Durch deü Reiz, den man mittels Kneten, Streicheln, Klopfen indirekt auf sie ausübt, füllen sie sich mit Blut, dehnen sich also vorübergehend aus und ziehen sich nach einer Weile, wenn die Blutfülle wieder abflaut, wieder zusammen. Wir alle kennen ja die vorübergehende Rotfärbung, die durch Erweiterung der Blutgefäße Verbieten, aus der die ausgestellten Früchte stammen. Diese Forderungen fand man auf der Gießener Obstausstellung in vollem Umfange erfüllt. Daneben ist hier aber auch die Rotwendigkeit der Trennung des Erwerbs - Obstbaues vorn Liebhaber - Obstbau der städtischen Klein- und Selbstversorger zur Durchführung gekommen. Damit ist dem Erwerbs-Obstbau gedient, der als Rebenbetrieb der Landwirtschaft zur Versorgung der städtischen Bevölkerung mit gutem und preiswürdigem Obst zur Zurückdrängung des Aus- landabstes von den deutschen Märkten eine außerordentlich wichtige Rolle spielt. Es muß deshalb hinter jedem Fünfpfund-Teller, wie hinter jeder ausgefkellten, mit Obst gefüllten Kiste eine größere Menge vollkommen gleichwertiger Ware stehen, wie der Handel sie sucht. Daß die Erfüllung einer solchen Aufgabe nur bei äußerster Beschränkung auf wenige, für die Gegend sowohl, wie für den Handel geeignete Sorten möglich ist, liegt auf der Hand. Zunächst ist einmal in der Ausstellung der Beweis erbracht worden, daß sich bei sachgemäßer Behandlung der Bäume auf freiem Felde ebenso schönes, ja in der Güte vielleicht wertvolleres Obst erzielen läßt, wie im geschlossenen und gut gepflegten Garten. Erwähnenswert ist, daß die Ausstellung den ersten Erfolg der Ampfropfungsbewegung mit staatlichen Zuschüssen aufzuweisen hat, denn die besten Früchte stammen zum großen Teil von umgepfropften Bäumen, die in diesem Jahr zum erstenmal getragen haben. Wenn diese und Tausende anderer Obstbäume, die noch des Ampfropfens harren, erst wieder in voller Tragfähigkeit stehen, wird es endlich auch bei uns im Obstbau aufwärts- gehen und Preise erzielt werden, die auch in guten Obstjahren lohnen. Gegenwärtig sind wir aber noch nicht soweit. Die Preise sind gedrückt durch ein Ueberangebot geringwertiger Ware, welche den Pflückerlohn kaum lohnt. Dazu kommt noch | die ilnfenntniö des kaufenden Publikums, das für — Tageskalender für Dienstag: Stadttheater, „Sturm im Wasserglas", Anfang 20, Ende 22 Uhr. - Liebiqshöhe, Obst-, Gartenb. und Jagdausstellung, bis 18 llfjr. — Lichtspiele größere Mengen für den kommenden Winter ein- I zulagern. Schöner, besser und billiger kann man es nirgends kaufen, als auf der Ausstellung, auch wenn die Preise dort, gegenüber den Wochenmarktpreisen, vielleicht höher erscheinen, I wofür man aber auch tadellose und gut I haltbare Ware erhält. Auch bei Obst — und da ganz besonders — ist dasBestein den weit- I aus meisten Fällen zugleich auch das Billigste. Oie Träger der Hauptpreise. Für besondere Leistungen auf der Obst- und Gartenbau-Ausstellung wurden 21 Ehren-, 32 erste, 30 zweite und 47 dritte Preise, außerdem eine größere Anzahl von Anerkennungen verliehen. Es erhielten Ehren-, 1. und 2. Preise: Alten-Buseck: Gemeinde 2., Jakob Döll E., Hch. Gruber zwei E. und einen 1. Preis. Bellersheim: Ferd. Bopp 2., Hugo Kammer 2., Wilh. Kopf 2., Albrecht Müller zwei 2., « Georg Ruppel 1. und 2. Bettenhausen: Hch. Mathes zwei 2., Hch. Müller 2., W. Schmeel 7., zwei 2., Ernst Steul E. und 1., Joh. Georg Steul, 2. und 3. Beuern: Wilh. Fuhr 2. Bingmühle bei Lauter: Zimmer, 1. Birklar: Karl Heyer, 2. Daubringen: Lehrer Beppler, 1. Gr ohen-Buseck: Philipp Buchtaleck, 3., zwei 2., Hch. Gräf 2., Reinh. Münch, 1., Konrad Münch, 7., zwei 1. und 2., Aug. Pfeiffer, 2 E., 1., Hch. Reinschmidt, 1. ® rüningen: A. Bender, E., H. A. Euler, 1. Heuchelheim bei Gießen: Aug. Engelhardt. 1. und 2., Hans Rinn, E. des Landwirtschaftskammer-Ausschusses. Lang-Göns: Wilh. Kehler, 2. Langsdorf: Gustav Block, zwei 1. L ich: Stadtverwaltung 2 E. und zwei 1., Hch. Eise, E. und 1., Jakob Eise, E. und 1., Obergärtner Schmidt, E., zwei 1. und 2., Konrad Schöne, E. und 1., Hch. Stengler, 1. Muschenheim: Gemeinde 1., W. Weibe. 7.,2. Rieder-Bessingen: Keblowski, E., Wilh. Klös, E., Herrn. Loh, E., Ernst Pein, Ea., 1. und 2., Roth 4., ®a„ Emil Zimmer, E. Ronnenroth: Hch. Mihler, zwei 2., Hch. Stephan, 2. Obbornhofen: Otto Roth, 1. Ober-Bessingen: Wilh. Keller, E. und 2., Gustav Kühn, 2., Joh. Schmidt, 2. Rodheim (Horloff): Herbert Kröll, 1. Wieseck: Lehrer Beppler, E. und zwei 1., Ludwig Haas, 2., Wilh. Oswald, 1. Oberheffen. Landkreis Gießen. V Watzenborn - S t einberg, 5. Oft. Am Sonntag stattete der hiesige evang. Frauen- verein dem Steinbacher Schwesterverein einen Besuch ab. Rach der Besichtigung der schönen,Wieder hergestellten Kirche verteilten sich die Teilnehmer zum Kaffeetrinken in den Häusern der | einzelnen Mitglieder. Danach trafen sich beide — Gastgeber und Gäste — im Saale des Gasthauses „Zum Einhorn". Hier wurden sie durch einen wirkungsvollen Vorspruch eines Steinbacher Mädchens begrüßt. Mit Klaviervorträgen, gemeinsamem Gesang von Liedern und Ansprachen verflogen die anregenden Stunden sehr schnell. Der Besuch dürfte dazu beigetragen haben, die bereits bestehende Verbindung zu vertiefen. z Rödgen, 5. Oft. Rachdem im vergangenen Winter die Mitglieder des hiesigen Lese- Vereins durch vier Vorträge in die erdgeschichtliche und die siedlungsgeschichtliche Entwickelung unserer engeren Heimat eingeführt worden waren, besuchten sie am Sonntag das Oberhessische Museum und die Gai l sch c n Sammlungen in Gießen. Die Beteiligung war so stark, daß die Besichtigung in zwei Gruppen vorgenommen werden mußte; die erste Führung fand um 10 Ahr für 21 Mitglieder, die zweite um 14 Ahr für 36 Mitglieder durch den Assistenten am Museum, Herrn Szczech, statt, der es in feiner und klarer Weise verstand, den großen Reichtum der Sammlung in leicht faßlichen Erklärungen den Besuchern nahezubringen. Obwohl eine Führung fast 2l/2 Stunden dauerte, herrschte jedesmal bis zum Schluß ungestörte " Kinderspeisungen in Familien ^.^ice- Frauenverein vom Roten Kreuz, wie im Vorjahre, auch jetzt wieder einführen. In unserem heutigen Anzeigenteil bittet der Vorstand des Vereins um die Anmeldung solcher Familien, die Kinder an ihrem Mittagessen teilnehmen lassen wollen. Angesichts der stark gestiegenen Rot, unter der besonders die Kinder zu leiden haben, sei der Aufruf des 2llice- Frauenvereins zu tatkräftiger Hilfeleistung für die Kinder aufs wärmste unterstützt. Wer den Kindern die Möglichkeit des Mittagessens in dieser Rotzeit bietet, leistet damit dem Winterhilfswcrk einen sehr wesentlichen Dienst. Man beachte die tragen. I ... ----- Daß die Massage, infolge des Trainings der Hamburg — Hessen!" Räheres in der gestrigen Hautgefähe, auch ein vorzügliches Mittel Abhärtung gegen Erkältung und Rheuma wollen wir nicht vergessen. Leider ist bisher die Massage mit Händen und Fingern immer noch die beste, die Anpassung, das Einsaugen der Finger in das zu bearbeitende Gewebe, die Vielfältigkeit und Abstimmbarkeit der Bewegungen, hat bisher noch kein Apparat nachahmen können. _ Aber da es ganz ausgeschlossen ist, daß die 33a[[ statt. Außerdem wird den Gästen Gelegen- große Masse der Menschen sich diese nur allzu ^eit gegeben fein, Preise zu erringen, da auch teure und kostspielige Form der Körperpflege I cjn Tanzwettbewerb für Gäste ausgeschrieben ist. leisten kann, ist es sehr erfreulich, daß es eine Das Meisterschafts-Tanzpaar Anni und Ewald Fülle von Apparaten gibt, die die menschliche Däulke wird einige besondere Tänze vorführen. Hand ausgezeichnet ersetzen. Punktroller, elek- Näheres in der heutigen Anzeige. Irische Apparate für Vibrationsmassage und un- * Sählige andere sollten sich der weitgehendsten .. Professor Dr. Haupt, Preetz, Gunst des Publikums erfreuen Sehr empfehlens- g5 3 a u r c aIt $eute ist es dem früheren tor?r£n?c er vielen Apparate, öu mit- Provinzialkonservator der Kunstdenkmäler der «te^aiLerftra?^m rhCr-Cn»’ Provinz Schleswig-Holstein, Professor Dr. theol. strahlduschen, fadenförmige Duschen für Gesicht £ hiL RichardHauptin Preetz (Holstein), und Körper, Wechselduschen. vergönnt, in seltener Frische und Arbeitskraft Gießener Wochenmarktpreise. feinen 85. Geburtstag zu feiern. Wenn auch der Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Hauptteil seiner unermüdlichen Tätigkeit der Ge- Kochbutter Pfund von 1,10 Mk. an; Butter schichte und Kunstgeschichte seiner zweiten Hei» 1,30 bis 1,50;'Matte 30 bis 35; Wirsing 8 bis mat, Schleswig-Holstein, für deren Erforschung 10; Weißkraut 6 bis 7; Rotkraut 8 bis 10; gelbe sein amtliches und schriftstellerisches Wirken bahn- Rüben 8 bis 10; rote Rüben 8 bis 10; Spinat brechend gewesen ist, gewidmet ist, so haben doch 20 bis 25; Römischkohl 8 bis 10; Bohnen 15 bis auch wir allen Anlaß, dieses Tages zu ge- 25; Anter-Kohlrabi 5 bis 6; Rosenkohl 25 bis denken. Hat doch Haupt, der Sohn des Büdinger 30; Feldsalat 8 bis 10; Tomaten 20 bis 25; Gymnasialdirektors Dr. Georg Haupt, seine alte Zwiebeln 8 bis 10; Meerrettich 35 bis 70; Kür- Heimat nie vergessen und uns eine Reihe von ' "" Untersuchungen zur Geschichte Oberhessens, insbesondere seiner Vaterstadt und der Ronneburg beschert, die in ihrer warmen Heimatliebe, und ihrer auf der gründlichen Beherrschung des Stosses beruhenden Anschaulichkeit nachhaltigen vorgerufen wird. Wenn die Massage regelmäßig vorgenommen wird, kann man beinahe sagen, daß sie auf die Hautgefäße wie eine Art Turnübung wirkt. Diese „Gefaßgymnastik" stärkt die Blutgefäße und macht sie widerstandsfähiger gegen alle möglichen Schädlichkeiten. Die Massage ist — wenn mit Sachkenntnis und mit Maß gearbeitet wird — die beste Vorbeugung gegen Krampfadern, große sowohl wie kleine, vor allem gegen die allerkleinsten, blau- violetten Aederchen, die sich fast bei jeder Frau in ___________ __ , .. einem bestimmten Alter einstellen und jede Stau möglichst wenig Geld recht viel Obst haben möchte, betrüben, die auf ihre schöne weiße Haut etwas hält, ganz gleich wie die Sorte heißen mag und wie Sehr wirksam ist das „Training" der Haut- - ----- - ■ . . gefähe auch gegen alle möglichen Stauunas- erscheinungen, welche die häufigste Arsache der dicken Beine bilden. Hier handelt es sich durchaus nicht um ein kosmetisches Aebel, das be- kämpft werden soll, denn die Massage ist nicht I ausländisches aus irgendeinem nur ein Training für die Gefäße an der Körper- Teile der Erde. Man follte deshalb die oberfläche, sie ist vor allem auch ein Training gegenwärtigen billigen Preise ausnützen, um sich für das Organ, das für den gesamten Dlutumlauf ____ im Körper zu sorgen hat, das Herz. Das Herz - pumpt ja doch das Blut vom Innern durch den h^us, Bahnhofstraße: „1000 Worte Deutsch" und ganzen Körper bis an die äußersten Körper- Schmeling gegen Stribling im „Boxkampf um die Partien, und je funktionstüchtiger es ist, desto Weltmeisterschaft". besser wird es dieser Aufgabe bis an die äußer- 21 u s dem S t a d 11 h e a t e r b u r e a u : sten Stellen seines Arbeitsbereiches, die Haut, Mittwoch, erste Vorstellung im Mittwoch-Abonne- die Finger- und Fußspitzen und die Rasenspihe, ment. Zur Aufführung gelangt unter der Spielgerecht werden. Heben wir also unsere Haut- und leitung des Intendanten Bruckners historisches Muskelgefäße, so trainieren wir damit auch unser Schauspiel: „Elisabeth von England". Beginn 19.15 Herz, den Motor, der dies alles in Bewegung ^hx, Ende 22 Ahr. seht. Darum kann man mit diesem „Blutgefäß- — Oeffentliche Versammlung der Turnen", das die Massage darstellt, gar nicht Deutsch nationalen Volkspartei. Am früh genug im Kindesalter beginnen. Aber aus Sonntag, 11. Oktober, 20.15 Ahr, spricht in der demselben Grunde müssen wir bei Herzkranken Turnhalle am Oswaldsgarten in einer von der oder überhaupt bei Kranken und Rekonvaleszen- -Deutschnationalen Volkspartei einberufenen öf- ten vorsichtig fein und den Arzt fragen, ob das fentlichen Versammlung Landtagsabgeordneter Herz imstande ist, diese Beanspruchung zu er- ^Staatsanwalt Dr. Wolf-Mainz, der Führer Wie wenig Brennstoff verbraucht ein Fordwagen? Krahn & Comp., Gießen, Marburger Straße 7, Tel. 3039, autorisierter Fordhändler Am Mittwoch, dem 7. IO. 31, beginnt unser Brennstoffverbrauchs-Wettbewerb mit einer Prüfungsfahrt. - Nähere Auskünfte über den Wettbewerb bei uns! 6648 V 6619 Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Elisabeth Schneider, geb. Haag. Klein-Linden, den 4. Oktober 1931. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 7. Oktober, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause aus statt. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, heute nacht kurz nach 10 Uhr meinen innigstgeliebten Gatten, unseren treusorgenden Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Herrn Heinrich Schneider Zugführer i. R. nach langem Leiden im Alter von 68 Jahren zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. 6661 Staufenberg, Mainzlar, Hanau, am 5. Oktober 1931. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 7. Oktober, nachmittags 3lzUhr, vom Trauerhause in Staufenberg aus statt. Todes-Anzeige. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die tieftraurige Mitteilung, daß unser lieber, treu- sorgcnder Vater. Schwiegervater, Großvater, Bruder. Schwager, Onkel und Pate Herr Heinrich Vogel I. Landwirt nach einem arbeitsreichen Leben im 74. Lebensjahre sanft entschlafen ist. Die trauernden Hinterbliebenen. Vermietungen | Beschlagnahme.rele Wohnung! 4 Zimmer, Müdie, Bodenkamm^ Keller, Damviheizg., eleftr. Vtdn u. Gas, per foL auch netrennt für Büros zu verm 05773 Liebigstraste 51. 4-Zimmer-Wohnung beschlagnahmefcei, mit Bad und ManL zum 1. Nov. z. verm. Schrifii. Anfr. unter ßfiOul > an d. Gst. Anz. Wohnung zu vermieten, l«,«; Watzenborn, Kirchnralre 4. Fahrveamlenverein Gießen Wir erfüllen hier mit tue traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben unteres Kollegen Heinrich Schneider I. Zugführer i. R. in Kenntnis zu fetzen. Die Beerdigung findet am 7. Oft., 15 Uhr, inStlcm-Vmben statt.—Um zahlreiche Beteiligung bittet 6662 d der Vorstand. Mittwoch, den 7. Oktober T93T nachm. 2 Llhr, versteigere ich dahier, Neuenweg 28, Zum Löwen zwangsweise geg. Barzahlung: 1 Büfetts, Kredenzen, Schreibtische, Schreibmaschinen, Warenschränfe, Pianinos, Sofas, Kleiderschränke, Nähmaschinen, Vertikos, zwei Eisschränke, einen Manikür- tisch, einen Piperdruck, einen Zeißbücher- scbrank, einen Flügel, einen Bilder- schrank mit 95 Bildern, zwei Rohrsessel, einen Gasherd, zwölf Bettdeckenbezüge, Hirsch- und Rehgeweihe, einen Bestrahlungsapparat, Werfpuppen und Halsketten, einen Aktenrollschrank, ein Pferd, einen Kaffeebrenner, einen Radioapparat, einen Regulator. 2 Bestimmt: Brotkörbe, Handarbeitskörbe, Henkel- und Fahrradkörbe, Reisekörbe, äettungshaller. 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Voraussichtlich bestimmt: ein Aquarell von Gönner (Windmühle), ein Bild Stilleben unter Glas, ein Del» bild, zwei Aquarelle (Else Wittich). 4- An Ort und Stelle; Bekanntgabe im obigen Lokal: einen Warenschrank mit vier Schiebetüren und sechs Schubkasten, eine Ladentheke mit Glasfüllung und Glasaussatz, 200 Mistbeetfenster. | Sperrzeit für Tauben. Die Besitzer von Tauben werden aufgefordert, ihre Tauben während der Saatzeit vorn 7. Oktober bis 7. November 1931 einschließlich einzuhalten, andernfalls sie zu gewärtigen haben, daß sie bestraft und die Tauben vom Feldschutzpersonal abgeschossen werden. 666OC Gießen, den 5. Oktober 1931. Bürgermeisterei. I. V.: Rosenberg. Äiicefrauenverein vom Roten Kreuz will wieder Kindersueisnn^ in Familien eintübren. Wir bitten, mit Rücksicht auf die grobe Not, um recht zahlreiche Meldung von Kostgebern. 6652 d Die Vorsitzende. I.V.: G. Schliephake, Goethestr. 44. — Auf besonderenWunsch d. Gießener Hausfrauen finden Dienstag, 6. Oktober, pünktlich 3 und 5 Uhr, Mittwoch, 7. Oktober, pünktlich 3,5 und 8 ühr, Donnerstag, 8. Oktober, pünktlich 3,5 u. 8 ühr imBeslaafanlBayrischernoLBahnhofstr. WasMnMeo mit dem Weimer Waschsaugerstatt. In 5 Minuten wird Ihre Wäsche vor Ihren Augen ohne Kochen, ohne Reiben und Bürsten nur mit Lutt und Persil sauber gewaschen Unwiderruflich die letzten drei Tage. _________________________________05770 en n i iiir Restant Postkeller Mittwoch, den 7. Oktober Schladitiesl Ab 9 Uhr: WeUileisch mit Kraut Heinrich Dahmer. 05774 Von der Reise zurück Schwester Minna Deibel Hebamme Neuenweg 50 Telephon 3534 Junker Gerichtsvollzieher in Gießen, Wiesecker Weg 16 — Telephon 3383. Sparen Sie! Die 6656 V 05777 Wasch-Anstalt Sonnenlicht Sriltve sische heute einiressend: 5783 Pa. SdicIL irfjc, Kabeljau, Lee lachs und Wulbbarid) Bratichcllfiichc, Piund 35 Ps. Grane Heringe, 3 Psd. 65 Pf. Makrelen......Pfund 35 Pi. 3rifd)e$l tMts.M70u.SW. Lebende Schleien, Pfd. 1.40 Mk. Rich. 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(8-3- llniversitäts-Frauen'Minik Gießen) ..............................6^61 D Einladung zu den lustigen Werbe-Abenden über die Verwendung der Elektrizität im Haushalt In Form eines Bühnenstückes: Pimmelmann aas Pummelhaosen (elektrische Humoreske) am Donnerstag, dem 8. Oktober 1931, 20 Uhr, und am Freitag, dem 9. Oktober 1931, 16 Uhr und 20 Uhr. im Saale des »Cai6 Leib«, Gießen, Walltorstrabe Verteilung von Kostproben — Gratisverlosung elektrischer Gebrauchs - Gegenstände und Freischeine für Strombezug nach jedem Vortrag — Musikalische Darbietungen 6645 o Eintritt 30 Pfennig Stadt. Elektrizitätswerke und Elektro-Gemeinsdiaft Giefoen. Stolte. TANZ-TURNIER Samstag, den 10. Oktober, abends 8 Uhr, im Saale des Gesellschaftsvereins (Klub), Sonnenstraße, Austragung der Klubmeisterschaft 1931 Turnierleitung: Herr Theo Bäulke In den Turnier - Pausen und nach dem Turnier BALL — Gäste willkommen Klasse für Gästepaare — Meldungen hierfür an Herrn Theo Bäulke, Woltstr 31 Tanz-Einlagen des Meisterschatts Tanzpaares Anni u. Ewald Bäulke Eintritt im Vorverkauf Mk. 1.50, Abendkasse Mk. 1.75 Vorverkauf Im Hapag-Reisebüro, Seltersweg 89, und bei Ernst Challler, Neuenweg Tanzklub »ROT^WEISS« e.V, Gießen 6646 D Obft-n. GartenbauaushelluDg Giefeen, »Liebigshöhe« 6664D Am Mittwoch, dem 7. Oktober, nach* mittags 3Yt Uhr, soll das unverkauft gebliebene Obst zu angemessenen Preisen versteigert werden. Die Ausstellungsleitung. 4 gehen Sie immer, wenn Sie Ihre E/ICgani Kleidungsstücke des öfteren bügeln, dämpfen und auffrischen lassen Per Anzug (im Abonnement nur Mark nur Mark 1.50) Abholen und Zusenden kostenlos Amerik. Expreh-Dampf-Bügel-Anstalt „Wie-Neu“ Inh..E. 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Bruckner. $r°u Erni, ^^1931 en ßjD nden ung der aushalt 'Stückes: WtzjN 1 81 Oktober 1931, ^11“ ri** Dienstag, 6. Oktober 1931 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesfen) Nr. 235 Zweites Blatt SJl.-'fpoit Gerhardts rS-Kitometer-Lauf inBertm Wie bereits gestern gemeldet, hatte der 1900er Gerhardt beim Championat der Streckenläufer des SC. „Komet" Berlin am vergangenen Sonntag wieder einen ausserordentlichen Erfolg zu verzeichnen. Das über 25 Kilometer Bahn führende Bennen nahm einen äußerst dramatischen Verlauf. Zuerst sah es so aus, als ob niemand dem Titelverteidiger und deutschen Rekordhalter Brauch (SC. Charlottenburg) gewachsen sei, denn der SLLer lies dem übrigen Feld aus und davon und hatte bei 15 Kilometer alles überrundet. Dann zeigte es lich jedoch, daß er sich ein bißchen zuviel zugemutet hatte. Sein Laus wurde wesentlich matter, und als erster kam B r ä - ficke < Berlin- auf. In der viertletzten Runde ging dieser an Brauch vorbei. Gerhardt lag zu dieser Zeit noch über 200 Meter zurück. Er setzte nun zu einem fabelhaften Spurt an, durch den er alsbald an die zweite Stelle kam. Der 1900er wurde schneller und schneller, Dräsicke zu erreichen war jedoch unmöglich. Der Berliner konnte sich mit knapp 40 Meter Dorsprung ins Ziel retten. Brauch hielt den dritten Platz, dann folgten Schneider (Hirschberg), Geißler (SC. Charlottenburg- und Boß (Osram). Spielvereinigung 1900 Gießen. Breidenbach (Liga) — 1900 (Liga) 1:1 (1:1). Die Gießener bestritten dieses Meisterschaftsspiel in nahezu kompletter Ausstellung. Wilhelmi fehlte. Breidenbach gab einen wesentlich besseren Gegner ab, als man auf Grund des Tabellenstandes vermutete. Mangelndes technisches Können wurde durch Schnelligkeit und Energie erseht. Der zuverlässige Torwart und die beiden schlagfertigen Der- teidiger trugen die Hauptlast des Spieles. Im Angriff überragten die beiden Außenstürmer. Der Spielverlauf sah 1900 gleich von Anbeginn in guter Zusammenarbeit leicht überlegen, schon nach einigen Minuten glaubten die Gießener den Führungstreffer erzielt zu haben (der Schiri zog jedoch seine dementsprechende Entscheidung zurück). 1900 lag weiterhin im Angrifs und erzielte aus einem Eckball von Schlarb durch prachtvollen Kopfstoß des Mittelläufers Lippert den Führungstreffer. Die Freude dauerte aber nicht lange und die Platzherren hatten ausgeglichen. Ein rasanter Durchbruch des Rechtsaußen führte durch den Halbrechten zum Gegentreffer. 1900s Ver- teidiger zeigten in der Folge manchmal bedenkliche Schwächen, der Sturm verlor an Zusammenhang. Dis zum Wechsel ereignete sich aber nichts mehr. Rach der Pause spielte 1900 bergauf. Der ausgeglichene Kamps wogte auf und ab und brachte abwechselnd beide Tore in Gefahr. Es fehlte aber am placierten Torschuß, s o daß die beiden Hüter verhältnismäßig wenig in Aktion zu treten brauchten. Henrich verschoß . zwei Meter oorm Tor eine klare Chance. Es zeigte sich im Verlaufe des Spiels immer mehr, daß die beiden Stürmerreihen sehr schußunsicher waren. Beide Hintermannschaften kämpften denn auch mit Ausbietung aller Kraft zur Haltung dieses Resultats. Die Torersolge blieben denn auch aus. Schiedsrichter Schneider (Marbach) war für diesen scharfen Kampf der richtige Mann. Die 3. (Lehrmannschafti hatte mit fünf Ersatzleuten in Dutenhofen schwer um den Sieg zu kämpfen, der denn auch mit 2: 1 sehr knapp ausfiel Die Elf lieferte das schlechteste Spiel der Saison, da sich die Ersatzleute wenig anzupassen wußten. Die 4. Mannschaft ließ sich auch von ihrem schärfsten Rivalen, Lollars 2. Els, im Siegeszug nicht unterbrechen. Rach hartem Kamps entschieden die Dlauweißen das Treffen mit 2: 0 für sich (Halbzeit 0- 0.) Spielerisch wurde beiderseits wenig geboten. ______________________ Mannschastskampf 1.33afl. A5.3/K. gegen Spiel-Vereinigung 1900. Sporlwerbetag auf dem Sportplatz der Spv. 1900. Am kommenden Sonntag findet auf dem Sportplatz der SpB. 1900 eine großzügig aufgezogene Sportwerbeveranstaltung statt. Morgens findet ein Iugendklubwett- kampf 1 900 Sportverein Wetzlar statt, der mit vier Mannschasten nach Gießen kommen wird. Anschließend trägt die 1. Handballmannschaft ein Derbandsspiel gegen T.- und Sportverein Butzbach aus. Ein besonderes Ereignis verspricht der Mannschastswett- kampfl. Bataillon — 1900 zu werden, der aus Leichtathletik, Fußball und Handball besteht. Beide Teile verfügen über spielstarke Mannschaften. Auf dem Gebiete der Leichtathletik wird man die besten Sportler Gießens am Start sehen. (Gerhardt, Scharf, Gugel, Mohl, Müller, Weil, Bepperling, Steines, Peters usw.) Mit größter Spannung sieht man einem 6er Rasenradballspiel entgegen, das im gleichen Rahmen stattfindet, und zu dem der Gießener Radfahrverein von 1885 den Weltmeister Rad- Club 1 89 5 Frankfurt zum Gegner verpflichtet hat Die Frankfurter haben in der letzten Jahren zweimal die deutsche Meisterschaft errungen und gewannen vor einigen Wochen die Weltmeisterschaft in Bern vor Belgien, Frankreich und der Schweiz. — Die Reichswehrkapelle wird die Veranstaltung durch musikalische Darbietungen bereichern. Leichtathletische VereinSmeisterschasten des VfB. Den Abschluß der Saison bildeten die am vergangenen Sonntag auf dem Waldsportplatz durch- gesührten leichtathletischen Dereinsmeisterschaften. Die Kämpfe nahmen bei zahlreicher Beteiligung einen flotten Verlauf. Die erzielten Leistungen sind recht zusriedenstellend. Die Besetzung in den Läufen der Aktiven und -^-Jugendlichen war infolge Erkrankungen schwach, desto bessere Leistungen sind in den Wurfkonkurrenzen zu verzeichnen. R o h l gewann auch in diesem Jahre den Zehnkampf. Die Ergebnisse folgen. JR(£. „Germania" 1899 Gießen. 1 Sieger beim Radballturnier in Aranksurt-Oberrod. Die 1. Radballmannschaft des RC. „Germania" 1899 Gießen (A. Baum und W. S t o m m e l) konnte am vergangenen Sonntag wieder einen schönen Erfolg erringen. Unter 14 Bewerbern aus Oberrad, Frankfurt-Dockenheim, Mainz, Aschaffenburg, Wiesbaden, 1885 Gießen und Kelkheim wurden sie in der 6-Klasse überlegen Sieger mit einem Gesamttorverhältnis von 53:9 Toren. Im ersten Vorspiel wurde Kelkheims 1. Mannschaft mit 17:3, Kelkheims 2. Mannschaft mit 11:3, im Zwischenspiel Aschaffenburgs 1. mit 13:1 und im Endspiel die Mannschaft von „Wanderlust" Frankfurt-Dockenheim mit 12:2 Toren geschlagen. Diese Ergebnisse geben die Aeber- legenheit der Gießener Germanen deutlich^ wieder. Durch ihre bestechende und faire Spielweise hatte sich die Mannschaft viele Sympathien erworben. Etwa 500 'Zuschauer wohnten den Wettkämpfen bei Bc nzmverbrauchs-Wetibewerb mit Korbwagen Vor längerer Zeit brachte die Ford Motor Company für ihre Händler einen Denzin-Prü- fungsapparat heraus, der eine einwandfreie Feststellung des Brennstoffverbrauchs gewährleistete An Hand dieses Apparates wird nun ein Den- zinprüfungswettbewerb in den Tagen vom 7 bis 11 Oktober zur Durchführung kommen Reichslreffen der deutschen Reiierjugend in Äerlin-Mleben Ausgezeichnete Leistungen waren auf dem Reichstreffen der deutschen Reiterjugend in Ruhleben zu sehen, das erstmalig vom'Reichsverband für Zucht und Prüfung deutschen Warmbluts veranstaltet wurde. D.e jugendlichen'Reiter und Reiterinnen zeigten in Turnieren und (Jinaelporfulirungen ijr Fünfjährige saßen zu Pferde wie bewährte Schulreiter. - Oben: die Siahrige Helga Gohde das lungste Turniermitglied des Treffens, siegte bei der Reiterprüfung für Teilnehmer b.s 12 Jahre. Unten links die 16jährige Vera Wolff bestand die Olympiade-Dressurprufung und wird m Los Angeles an der Olympiade teilnehmen. Rechts: der 8jährige Rudi Hirsch und der biahrige Curt Sackl vom akademischen Reitklub Halle erhielten erste Preise. Dor den Augen des Fahrers hängt eine Prüfuhr, ein kleiner Handgriff setzt die Pumpe in Tätigkeit, wenn das Eichglas voll ist, wird umgeschaltet (zugleich der Kilometerstand genau vermerkt), und der Wagen fährt nun nur aus dem i/2-Liter-Inhalt des Eichglases. Ist dieses leer, so wird im gleichen Augenblick wiederum der Kilometerstand abgelesen. Die zurückgelegte Strecke entspricht dem Verbrauch eines halben Liters Brennstoff. Sodann wird dieselbe Strecke zurück- gesahren, um Steigung, Gegenwind usw. auszugleichen. Damit kann jeder Fordwagenbesitzer feststellen, wie viel oder wie wenig Betriebsstoff sein Kraftwagen beansprucht. Raturgemäß wird es bei diesem Wettbewerb auch mit an der Geschicklichkeit des Fahrers liegen, mit wenig Betriebsstoff eine möglichst große Strecke zurückzulegen. Räheres über den Wettbewerb in der heutigen Anzeige. Gießener Reichswehr an der Mosel. Die Sportabteilung der 3./15. JR., verstärkt durch einge Leute der 1./15. JR., weilte vor kurzem in Traben-Trarbach an der Mosel und trug dort gegen den Trarbacher Turnverein 1861 einen leichtathletischen Wettkampf sowie ein Faust- und ein Handballspiel aus Der gezeigte Sport stand auf sehr beachtlicher Höhe Es gelang den Gießener Soldaten, große Erfolge zu erringen. Der leichtathletische Wettkampf wurde mit 115.<72 Punkten überlegen gewonnen. Nachstehend die P u n k t e r g e b n i s s e und Höch st lei st ungen in den einzelnen Kon- kurrenzen: Trarbacher To. 3./15. JR. Höchstleistung 100-Meter-Laus 12 9 11,4 Sek. 1500-Meter-Laus 6 15 4:28,4 Sek. Kugelstoßen 6 15 12,40 m Kugelschocken 6 15 17,90 m Steinstoßen 5 15 7,90 m Speerwerfen 11 10 41,70 m Diskuswerfen 6 15 40,30 m Hochsprung 10 10 1,65 m Weitsprung 10 11 6,25 m Außer diesen Wettkämpfen wurde außer Punktwertung Handgranatenwerfen und eine 5 X 100- Meter-Staffel ausgetragen. Beim Handgranatenwerfen teilten sich Unteroffizier Gm g e l und Ober« gefreiter Mohl die Punkte. Beide warfen 66,70 Meter, eine für die ungünstigen Abwurfverhältnisse ausgezeichnete Leistung. Ebenso wurde die 5 X 100« Meter-Pendel-Staffel nach spannendem Kamps knapp gewonnen. Das Faustballspiel ging mit 36:38 Fehlerpunkten an den Gastgeber. Das am Nachmittag ausgetragene Handballspiel^hatte eine große Zuschauermenge angelockt, die das Spiel mit großem Interesse verfolgte. Das unentschiedene Ergebnis 2:2 ist für die junge Mannschaft der Sportabteilung fehr schmeichelhaft, denn der Gastgeber ist Meister im Moselgau und verfügt über eine sehr schnelle upb kampferprobte Els ____________ Vorposten am Eismeer. Von per Gchwenzen (Rachdruck, auch mit Quellanangabe, verboten!) B i 1 l e s j o r d (Finnmarken), Herbst 1931. Das einzige Motorboot war von einem Wanderprediger gechartert worden. Also kam es, daß ich rudern durfte. . Der Bootsmann hatte mir vorsorglich ein paar Riemen mitgebracht Die Rußschale machte vor Wind und Flut unter doppeltem Ruderschlag ganz große Fahrt. Steine, Klippen, Felsen, Steine - die ganze Schöpfung sieht hier aus wie ein ungeheurer Materialstapel, der nicht mehr so recht zur Verwendung kam -, lorenweise wurden die Blöcke ins Meer gekippt und liegen in der Anarchie eines ewigen Feierabends hier herum.... „Remak-Olje", groß prangt die Reklameschrift an einer Felsenwand, Tankstelle für Fischerkutter, wir sind am Ziel. Der Handelsplatz Kvalsund taucht aus. Zwei weiße Häuser, ein paar rote Schuppen, viele dachstuhlähnliche Gestelle, darin die Stockfische hängen. Die Hälfte der Gebäude, die hier in weiter Einsamkeit stehen, kriecht noch aus langem Landungssteg ins Meer hinaus als hätte sie sich mit der anderen Hälfte entzweit und wartet auf den nächsten Dampfer, um die Heimat zu verlassen.... Eine Giebelinschrift verkündet: Post Dampf kibsexpedision Handel L. Herneh. Das ist einer diefx.c Handelsplätze, auf die sich die Regierung bei der Erschließung Finnmarkens stützt, private Initiative, die sozusagen ehrenamtlich die Behörden vertreten darf. Dieser Kaufmann hat neben Unterhosen und Lakritzen die Reichspost, das öffentliche Telephon, er gibt Wettermeldungen und die Rotizen der Fischbörse durch, er regelt mit seinen zwei Booten den Personenverkehr, er hat den gesamten Ex- und Import des Distriktes in der Hand. Man fragt sich nur im ersten Augenblick, wem er das alles eigentlich mitteilt, verkauft und vermittelt. Denn es ist auch nicht der Schatten einer Kundschaft oder der Rauch eines Hauses zu sehen, außer dem Schornstein von nebenan - und der steht auf dem Konkurrenzladen, der da kaum 30 Schritt entfernt liegt, etwas kleiner und ganz ohne Post und sowas... Die Kundschaft verteilt sich in Abständen von vielen Kilometern oder Meilen rings auf die Berge. Lappen, die mit ihren Zelten ihrer riesigen Renntierherde folgen, in die Winkel und Duchten der Küste: die Eismeerfischer, die in den Fjorden liegen, die See-Lappen, die in ihrenErd- Hütten längs der Küste leben. Die Fischer löschen ihre Dorschfänge hier und verproviantieren sich, die Lappen kommen Tagemärsche weit daher, um Renntiersleisch gegen Stosse, Zucker und Kastee zu tauschen. Hin und wieder kommt ein richtiger Dampfer und holt die getrockneten Fische für die Italiener ab. Das alles hat der Herr Kaufmann Herneh zu überwachen und zu regeln. Der Handelsmann macht alles Alles ausgezeichnet und daher selbstverständlich ohne Aebereilung. Er steht in Hemdsärmeln aus der Drücke und verhandelt mit uns. „Ein Hotel? Cm Gasthaus? Hier gibt es nur zwei Häuser, meines und das andere da, da wohnt die Konkurrenz, der andere Kaufmann. Da werde ich Sie gleich mal rüberbringen. Bei mir geht s nicht. Ich male gerade. Alle Zimmer ausgeräumt." Er denkt eine Weile nach Es ist ihm nicht recht, daß er in diesem Falle als Hotelier versagen muß. Es gäbe da einen Ausweg, wenn die Herren eben als sportliche Touristen vorliebneh- mcn wollen. Er hat da 20 Kilometer, ganz in der Rähe, oben in den Bergen, eine Hütte an einem Forellenwasser Erst aber müsse man essen. Vorsichtig über gemalte Treppen in die Küche. And auf einem Brett in die gute Stube, denn man soll die Familienbilder besehen. Das also wären die Großeltern seiner Frau, sie kamen aus Sachsen heraus nach Hammerfest. Man hat Verwandte in Leipzig Ich blicke aus dem Fenster, eine Renntierherde grast mit der nervösen Eile, die diesen Tieren eigen, einen Abhang hinan. Es gibt Renntierbraten und Multer, die rötlich gelbe Deere der nordischen Hochmoore. Wir packen also wieder aus und ziehen mit Mückenschleiern überm Hut in die Berge. Die steilen Hänge sind mit dichtem Pelz von allerlei Bodenpslanzen. Moosen, Farnen, Gräsern und Blumen gedeckt, leuchten in grausilbernen, satt- und zartgrünen Tönungen, hier und da wehen ein paar Krüppelbirken im Wind. Unten am Flußlaus jagen die Renntiere aus der Flucht vor einer Mückenwolke, springen ins Wasser, sehen in herrlichen Sprüngen über Blöcke und Gehölz und fliehen endlich, ein undeutlicher Schatten aus dem Grau gleichfarbigen Mooshanges, in den Schutz des Höhenwindes hinauf. Das erste, was in der Hütte geschieht, ist die Flagge zu hissen. Dann wird der Petroleumkocher entzündet und Kaffee gekocht und auf das kleine Dergwasser hinausgerudert und Forellen gefangen. So, mit Fischsangen, Braten, Essen, Auswaschen vergeht angenehm der Tag. Man kann aus den hellen Bergen umherstreisen und gegen den Wind eine äsende Renntierherde beschleichen. Als wir aus dreißig Schritt heran sind, seht sich das Heer in Trab, ein wirrer Wald von Geweihen, Böcke. Kühe und helle Kälber. Weit über tausend Tiere stürmen zu Tal. Gegen Morgen kommt ein Mann. Er kommt die 20 Kilometer daher, um mitzuteilen, daß soeben jemand angerufen habe, ob der Handelsmann vielleicht mal eben ans Telephon kommen möchte. Ja, der Handelsmann muß wohl oder Übel, also rüsten wir allmählich zum Aufbruch. Ein herrlicher Herbsttag steht über den Bergen, den Wassern, dem atmenden Flußlauf. In einer Symphonie von grünen und silbergrauen Tönen fließen und überschneiden sich die Hänge, wölben sich Kuppen und hin und wieder blitzt hinter einem Laieinschnitt der Fjord, zarte blaue Gipfel stehen im Dunst der Ferne. Der 68jährige Kaufmann Herneß ist unzufrieden, daß et aus der Ratur in die Zivilisation der Häuser und Schuppen am Fjord zurück muß. Dazu geht man zwanzig Kilometer, um schon am nächsten Tag wieder ins Geschäft zu müssen? Er ist so unglücklich wie ein Berliner Bankier, der übers Weekend verhindert wird, seine Villa in Rikolassee auszusuchen. Für ihn sind die paar Schuppen ein Betrieb: das Te e.hon w rd schrillen und ihn mit den englischen Fischpreisen beunruhigen, er wird an die große Welt angeschlossen fein, und die grandiose Einsamkeit dieser Bucht, die uns fast bedrückt, scheint ihm erfüllt von Dorschen, Salzsäcken, Ahrzeiten und Zahlen ... Es war das Postamt von Hammerfest, das da angerufen hatte. Man brauchte die Adresse des Lappen Joseph Josephson Döljo. Aergerlich sowas! Wo kriegt man den Döljo jetzt her? Vielleicht liegt er 20 Kilometer ostwärts überm Fluh oder auch westwärts? Das ist nicht so gut zu wissen ... Auch Peer Johannes Rilsen-Rangoo weiß es nicht. Rangoo ist mit seinem Hund gekommen, erstens, weil er Tabak für seine Pfeife wünscht und auch Kaffee könnte mau brauchen, hatten die Frauen gesagt. Da ist er rasch die 20 Kilometer dahergekommen. Das Motorboot ist wieder da! Der Prediger ist irgendwo in einer Gamnie bei einem Seelappen geblieben. Wir laden Rangoo ein, mit uns bis Reppafjord zu fahren. Er nimmt dankend an. Jeder Lappe nimmt von einem Reisenden oder Touristen alles an, denn er hält den Fremden für unermeßlich reich. Rangoo selbst versteuert — nach der Behauptung des Handelsmannes — über 50 000 Kronen, denn er besitzt über 2000 Renntiere. Er hockt in seiner blauwollenen „Koste" und der dreizipseligen Lappenmütze dekorativ auf einer Tonne in der Sonne, Diogenes am Eismeer. Er hat Zeit. Der alte Oelmotor fängt an zu bellen, ebenso der Hund des Rilsen-Rangoo. Er liebt viele Meilen Land und haßt jeden Fußbreit Wasser. Rangoo klemmt ihn unter den Arm wie eine Aktentasche und entert an Bord. Oben auf der Brücke steht der wackere und geschäftige Verwalter der Einsamkeit, der Handelsmann, vor seinem Schuppen und winkt Auch Der Konkurrent steht in der Türe und schwenkt ein Tuch. In seiner Eigenschaft als Verkehrsunternehmer hat unser Wirk bei sich ein Eilgespräch nach Billefjord bestellt. „Die Herren fahren jetzt mit einem Motorboot in den Reppafjord. Dann gehen sie über die Berge und so zwischen 18 und 21 Ahr holt ihr sie mit dem Auto ab." So reist man hier. Auf Fußpfaden, die es erst zu finden gilt, geht man, durch Flüsse, durch Moore. And dann steht irgendwo so gegen Abend ein Auto, so weit nämlich der Weg schon vorstößt. Rur muß man es finden. Angefähr da, - sagt der Handelsmann, und macht ein Kreuz in die Karte. Eingezeichnet ist der Weg noch nicht. Ja, wenn erst die Wege fertig sind, — dann wird es ja bequem hier und dann kommt die Post und der Staat und Cook und Konfektion hierher - dann stehen die Häuser ausgerichtet und abgezählt. Die Lappen binden sich den Schlips um den Hals und grüßen mit der Six-Pence-Mütze ehrfurchtsvoll das siegreiche Europa. Öod)fd)ulnachnd)ten. Ernannt wurde der Privatdozent Dr. Udo Wegner in Göttingen vom 1. Oktober 1931 an zum ordentlichen Professor der Mathematik an der Technischen Hochschule in D a r m st a d t. Professor Wegner ist an der Darmstadter Hochschule Nachfolger des Geh. Hofrats Professor Dr. Friedrick) Dingeldey. Professor Dr Hermann Emde in Basel hat den an ihn ergangenen Rus auf den Lehrstuhl der pharmazeutischen Chemie an der Universität K ö - n i g 5 b e r g als Nachfolger von H. Matthes angenommen. Professor Dr. Viktor Heß in G r a z ist als ordentlicher Professor der Experimentalphysik an die Universität Innsbruck berufen worden. Wirischast. Bankschwiengkeiien auch in Dänemark Kopenhagen, 5. Oft. (WTD.) Infolge von Zweifeln an der Liquidität der „Hande l s b a n k e n", Kopenhagen, die in gewissen Kreisen zu bestehen scheinen, hat die dänische Rationalbank sich bereit erklärt, der „Handelsbanken" Mittel in einer Höhe zur Verfügung zu stellen, die diese für nötig erachtet, um allen an sie gestellten Anforderungen gerecht zu werden. Handelsminister Hauge erklärte im Zusammenhang mit den Schwierigkeiten von „Handelsbanken", es sei selbstverständlich, daß Gelder, die von Kunden übereilt abgeholt werden, erseht werden mühten. Es mühten also andere Zahlungsmittel beschafft werden. Dies sei nach dem Versprechen der Rationalbank bei Handelsbanken der Fall. Es könne aber hierbei keine Rede von irgendeiner Inflation sein. Dem würde sich schon die Rationalbank entgegensetzen. Immerhin werde die Rationalbank jetzt ihre Kreditpolitik den Banken gegenüber mildern, so dah diese in die Lage verseht würden, legalen Geschäften Kredite zur Verfügung zu stellen, Valuten usw. Hierbei seien Valuten für den Einkauf yon Luxuswaren ausgeschlossen. Es sei seit langem allgemeine Anschauung gewesen, dah die G o l d v o r r ä t e der Rational- bank zu g r o h gewesen seien. Eine Aenderung dieses Verhältnisses müsse man in der Hauptsache als rein taktisch-technische Frage betrachten. Eine Entscheidung in dieser Angelegenheit sei jedoch noch nicht getroffen. Erwartungen der Berliner Börse. Berlin, 6. Oft. (WTD. Funfspruch.) Im Vordergründe der Diskussion stand auch heute wieder die geplante Hoover-Aktion, doch liegt bisher genaueres über die gestern stattgefundenen Beratungen im Weihen Hause noch nicht vor. In amerikanischen Bankkreisen geht das Gerücht, dah das Hoovermoratorium um drei Iahre verlängert werde. Sehr bedauerlich ist, dah gerade jetzt bei diesen Verhandlungen Deutschland einen Freund verloren hat durch den Tod des Senators Morrow, der immer grohes Verständnis für internationale Probleme gezeigt hat und der gerade in der nächsten Zeit als Berater der amerikanischen Regierung wichtige Aufgaben erfüllen sollte. Dem entgegen standen die Schwierigkeiten der Regierung. Reichsminister Dr. C u r t i u s hat heute um seine Entlassung gebeten. Die Grundstimmung des heutigen Freiverkehrs wurde in der Hauptsache von den schwachen Auslandbörsen bestimmt. Die Umsatz- tätigkeit war zwar nicht groß, doch fand sie auf einem Rivcau statt, das zunächst unter gestern lag, das aber später auf Deckungen wieder eine Korrektur nach oben fand. Die bekanntgewordene Zahlungseinstellung der Berliner Bankfirma Max Marcus & Co. wurde nur zur Kenntnis genommen und hatte keinen Einfluh auf die Tendenz. Dom frankfurter Effektenfreiverkehr. Frankfurt a. M., 5. Oft. Zum Wochenbeginn war der Geschäftsverkehr von Bureau zu Bureau s e h r st i l l. Cs lag nichts vor, was Anregung hätte bieten können, so daß die allgemeine Unsicherheit, die schon die letzten Tage gekennzeichnet hatte, weiter bestehen blieb. Eine gewisse Beunruhigung ging davon aus, daß nun auch aus DänemarkDankschwierigkeiten gemeldet wurden. Wenn sich auch die dänische Rationalbank bereit erklärt hatte, der Kopenhagener „Handelsbanken" helfend beizuspringcn, so ist der Eindruck nicht zu verwischen, daß die Lage überall reichlich unsicher geworden ist. Am Aktienmarkt herrschte allgemein etwas schwächere Stimmung vor, dagegen blieben Rcichcschu dbuch» forderungen und P'andbriefe gehalten. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2H. 5 Ok obtr 6 Oktober Amtliche Notierung Amtliche Nottcnmg Seiet Geld Srie' telffngfort . 10.19 10,21 10,34 10.36 Lien. . . . 54,70 54.80 53,45 53.55 tßrart . . . 12,48 12.50 12,43 12.50 BudapeÜ . . 73.28 73.42 73,28 73,42 Sofia . . . 3.067 3.073 3,067 3,073 Holland . . 159.58 169.92 169,48 169.82 Calo .... 92.91 93.09 92.91 93.09 Kopenhagen. 93.41 93.59 93,51 93.59 Stockholm . 98.40 98.60 98,40 98.60 London. . . 16.03 16.07 16.03 16.12 Buenos Aires 0.923 0.927 0.913 0,922 fReunort . 4.209 4.217 4.2G9 4,217 Brülle, . . . 58,79 58,91 59,14 59.26 Italien. . . 21.38 21.42 21.48 21.52 Vari, . . . 16.68 16,72 16,70 16,74 Schweiz . . 82,32 82,48 82.42 82.58 Spanien . . 37.56 37,64 37.86 37.94 Danzig. . . 81.97 82,13 82.02 82.18 Japan . . . 2.078 2,082 2.078 2.082 Rio ve Ian.. 0,194 0,196 0.189 0,191 Jugoslawien. 7.463 7,477 7.473 7.487 iiiiahon . . 14.64 14.66 14,64 14,66 Banknoten. Serlln, 5 . Oh ober «eld Seles Amerikanische Noten . . . 4.20 4,22 Belgische Noten..... 58.68 58,92 Dänische Noten..... 93.21 93.59 Englische Nolen..... 15.99 16,05 Französische Noten .... 16.67 16.73 Holländische Noten .... 169,21 169.89 Italienische Noten .... 21.46 21.54 Norwegische Noten .... 92.71 93.09 Deutsch-Celterreich, * 100 Schllluig 54,54 54,76 Rumänische Noten .... 2,50 2.52 Schwedische Nölen .... 93,15 98.55 Schweizer Noten..... 82,14 82,46 Spanische Noten..... 37,33 37,47 Ungarische Noten .... 72,75 73.15 * Der Großhandelsindex. Die vom Statistischen Reichsamt für den 30. September berech nete Indexziffer der Großhandelspreise ist mit 107,6 gegenüber der Vorwoche um 0,6 v. H. gesunken. An diesem Rückgang sind die Indexziffern für alle Hauptgruppen beteiligt: Agrarstoffe 90,4 (1 bis 1,4 v. H.), Kolonialwaren 93,7 (—0,3 v. H.j, industrielle Rohstoffe und Halbwaren 99,5 (—0,4 v. H.) und industrielle Fertigwaren 134,0 (—0,2 v. H.). • Der Eisenerzbergbau im Lahn- Dill-Gebiet. Irn September gestaltete sich die Entwicklung im Eisenerzbergbau des Lahn- Dill-Gebiets rückläufig. Förderung und Absatz blieben teilweise infolge der eingetretenen Stilllegungen erheblich hinter dem Vormonat zurück. * S t i l l e g u n g s a n t r a g der Mansfeld - A G. Die Mansfeld°AG. für Bergbau und Hüttenbetriebe gibt in einer Erklärung bekannt, daß die vorbereitenden Maßnahmen für die Stilllegung ihrer Betriebe in Angriff genommen seien. Die begonnenen Reubauten würden sofort eingestellt werden. Wegen der fortdauernden großen Verluste sei beim Dcmobilmachungskommisi'ar in Merseburg eine Abkürzung der vierwöchigen Stilllegungsfrist beantragt worden. Das Kupfer- und Messingwerk in Hettstedt soll weitergcführt werden. * Darmstädter Volksbank. Die Darmstädter Dolksbank teilt mit, daß der frühere Vorstand seiner Aemter enthoben und vom neuen Aufsichtsrat fristlos entlassen wurde. Die Vorarbeiten für die Geltendmachung der Regreßansprüche gegen den früheren Reichsrat und die früheren Vorstandsmitglieder wurden gefördert und die beiden neuen Vorstandsmitglieder in ihre Aemter eingewicsen. Die Gehaltsbezüge des neuen Vorstands wurden so bemessen, daß sie gegenüber den Bezügen des früheren Vorstandes um zirka 25 000 Mark ermäßigt wurden. Außerdem wurden alle erforderlichen Sparsamkeitsmaßnahmen eingeleitet, die zur Sanierung der Volksbank erforderlich sind. Die Stillhalteverhandlungen mit dem Gläubigerausschuß dauern noch an. Wenn Menschen auseinandeegehn Vornan von 3- Gchneider-Foerstl. Urhcberrechtsschutz Verlag O. Mei st er, Werdau. 4. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Er schüttelte den Kopf und blickte auf das Muster des Strohtcppichs, der das ganze Zimmer füllte. „Warum erklärst du mir nie, weshalb? Vosanhi will nicht, daß Raja meine Frau wird und du willst nicht, daß ich sie zum Weibe nehme. Hat es einmal Zwist gegeben zwischen den Do- sanyis und uns?" „3a, Zwist, mein Iunge." „Aber das ist doch vorüber." „Es gibt Dinge, die nicht verjähren, Guido. Cs muß ja nicht gerade die Raja sein. Iede andere ist mir willkommen." Er sah nachdenklich vor sich hin. „Ich habe schon so manche Frau im Arm gehalten, Großmutter, aber Raja hat etwas, das mich rasend macht. Ich weiß nicht einmal, ob das Liebe ist." „Was sollte es sonst fein?“ Er zuckte die Schultern, erhob sich und küßte sie auf die Stirne. „Gute Rächt, du! Gute Rächt! Und gräm dich nicht. Ich bin es ja gar nicht wert." 3m Gesicht der Greisin stand eine leise Trauer. „3ch hätte so gerne noch deine Frau gesehen und deine Kinder im Arm gehalten, Guido. Aber du wartest so lange, bis es zu spät ist. 3ch habe nicht mehr allzuviel Zeit vor mir.“ Er sah sie erschrocken an. „Warum quälst du mich?" „Quälen?“ „Du weißt, daß du es tust, wenn du vom Gehen sprichst." Sie lächelte. „3ch soll wobl tausend 3aßre wer- den, Kind?" Von seinem Arm gestützt, erhob sie sich. Mehr von ihm getragen, als auf eigenen Füßen gehend, stieg sie die Treppe hinauf. Vor seinem Zimmer machte sie halt. Er neigte das Gesicht und ließ sich von den zitternden Greisenhänden den Segen auf die Stirne zeichnen. „Hab' gute Träume, Guido!" Er nahm das welke Gesicht zwischen seine jugendwarmen Finger und küßte den schlaffen Mund. „Schlaf wohl, Großmutterchen!" Sic blieb noch stehen, bis er hinter der Türe seines Zimmers verschwunden war. Mühsam holte sie Atem. Wenn der Haß nicht so groß wäre! Don einem Horvath zu einer Dosanyi gab es keine Drücke Rajas schwarzes Haar, das sie dem Enkel von der Hemdbrust gelöst hatte, schimmerte nun auf ihrem Kleide. Mit spitzen Fingern nahm sie eS hinweg und ließ es zu Boden gleiten. Hastig, als ginge eine Gefahr davon aus, wandte sie den Blick davon. Sie öffnete eine der Türen linker Hand und ließ den Riegel vorspringen. Aus dem Raum gegenüber kam Guidos Schritt. Ein Fenster klirrte. Der arme 3ungc! Er wußte nicht, ob das Liebe ist. Roch im Traume lag ein Ausdruck der Sorge auf ihrem Gesicht. ♦ 2In Szengeryis Türe klopfte es. Er hörte nicht. Durch die Fenster kam das erste Frühlicht des Morgens und fiel auf seine geschlossenen Lider. Das Klopsen wiederholte sich und wurde zum Trommeln. Er schnellte auf, rieb sich die Augen. „Was ist?" „Du hast wohl verschlafen, Dela?" „Bei Gott!" Er sprang aus dem Bett. Ein Stiefel schlug gegen die Dielen, Waschwasser plätscherte, der Schlüsses eines Schrankes knirschte. Gleich daraus siel eine Schale klirrend gegen den Waschtisch. Mit einem leisen Fluch las Dela die Scherben auf, sah Dlut über seine Finger rinnen und klebte eilig ein Pflaster auf die Wunde. Scherben und Dlut! Das war ein böses Omen. 3m Hinunterspringen über die Treppe schloß er die Knöpfe des Rockes. Professor Török stand im Flur und sprach mit dem Verwalter. Als er Szengeryis „Guten Morgen" hörte, nickte er ihm lachend zu. „So was Schönes geträumt, Bela, daß du dich gar nicht davon losreißen konntest?" Auf den Wangen des jungen Mannes erschien ein dunkles Rot. Er öffnete hastig die Tür zum Speisezimmer, wo Rosmarie am Tisch hantierte und Kaffee in die Tassen goß. Ab und zu fuhr ihre Linke immer wieder über die Augen. Als Török auf die Schwelle trat, stellte sie mit einem Ruck die Kanne auf die geblümte Decke, lief an Szengeryi vorüber und flog dem Vater um den Hals. Die Wangen gegen die feinen gedrückt, schluchzte sie auf. Der Professor stand für Sekunden wortlos, preßte das Kind noch fester gegen sich und mahnte dann mit einem merklichen Vibrieren in der Stimme: „Mußt ein tapferes Mädel sein!" Er schluckte an den Worten, „lind der Aga folgen.' Sie meint es gut. lind keine Angst haben um wich. Es gibt keine Menschenfresser mehr in Afrika, lind gräm dich auch nicht, Kind, wenn einmal lange keine Rachricht von mir eintrifft. Es läßt sich nicht immer machen." „Vater, nimm mich mit!" Da war es nun wieder! Wie oft hatte RoS- warie schon darum gebeten. Sobald er zu packen anfing, gleichviel wohin die Reise führte, immer wieder dieses eine: „Rimm mich mit!" lind immer wieder mußte er vertrösten: „Später, Kind! Denn du groß bist. 3etzt ist es noch zu anstrengend für Frankfurter Eicrmarkt. Frankfurt a. M., 5. Ott Die Beruhigung im Eiergeschäft hat in der vorigen Woche weiter angehallen. Die Zufuhren gingen zwar etwas zurück. doch war auf der anderen Seite im Zusammenhang mit dem Monatsende ein Rachlassen der Rachfrage festzustellen, die sich auch in den ersten Tagen nach dem Ultimo nicht beleben konnte. Die Preise blieben auf dem Riveau der Dorwoche gut behauptet. Es notierten in Pf. per Stück ab loco Frankfurt (Main): Bulgaren 10,00—10,50, Iugoslawon 9.75—10,00, Rumänen 9,75—10,00, Russen 8,00 bis 9,00, Polen 9,00-9,50. Holländer 11,50-13,00, Dänen 11,00-13,50, Bayern 10,00—10,50, Dt. Frischeier 10.00—13,00. 3n- und ausländische Mittel- und Schmuheier 7,50—8,50 Pf. Amtsgericht Gießen. 3n einem Rachöarort überfuhr ein Motorradfahrer auf der rechten Fahrstraßenseite ein vierjähriges Kind, das ihm von dem linken Fußsteig aus in das Rad gelaufen war. Ein gerichtlicher Augenschein an Ort und Stelle ergab, daß dem unvernünftigen Kinde nicht die alleinige Schuld beizumcsscn war, daß vielmehr den Radfahrer die Mitschuld traf, indem er die Fahrbahn nicht so, wie es sich gehörte, überblickte und infolgedessen das Kind zu spät wahrnahm. Der Angeklagte suhr zwar langsamer, bremste auch im letzten Augenblick; aber das Rad kippte um, und das Kind kam unter das Rad zu liegen. Es trug einen Schenkelbruch davon. Der unvorsichtige Motorradfahrer, dem immerhin Milderungs- aründe zur Seite standen, erhielt eine nicht erhebliche Geldstrafe wegen fahrlässiger Körperverletzung. Ein Metallfräser, der Erwerbslosenunterstüt- zung empfing, sollte dadurch Betrug verübt haben, daß er während der Zeit, in der er solche in Anspruch nahm, eine bezahlte Stellung bei einer auswärtigen Gesellschaft inne hatte. Die Beweisaufnahme ergab zu Ungunsten des Angeklagten, daß er bei dieser zu Werbezwecken in der fraglichen Zeit beschäftigt war, daß ihm auch Bahn- und Zehrungskosten, letztere in sehr geringem Maße, bezahlt wurden, sowie daß er — und dieses Moment führte zur Anklageerhebung — einem Arbeitskollegen gegenüber äußerte, er erhalte für seine Beschäftigung 80 Mark Lohn. Schließlich war auch nicht anzunehmen, daß er umsonst arbeitete. All dem gegenüber erklärte aber der Unternehmer eidlich, der Angeklagte habe während seiner Beschäftigung keinen Lohn erhalten, und dieser bestätigte es; er zieh sich damit selbst der Lüge seinem Arbeitskollegen gegenüber, begründete sie aber damit, er habe diesem nur die Zunge lösen wollen, damit er ihm über die allgemeinen Lohnverhältnisse bei seinem Arbeitgeber aufkläre. 3m übrigen erklärte der Angeklagte, er habe nur deshalb umsonst gearbeitet, weil ihm der Unternehmer eine bezahlte Beschäftigung in Aussicht gestellt habe; bei einer solchen Aussicht esse man auch einmal zur jetzigen Zeit trockenes Brot. Auch in dieser Hinsicht sprach sich der Unternehmer, an dessen Glaubwürdigkeit zu zweifeln kein Grund vorlag, zugunsten des Angeklagten aus. Dieser wurde f r e i gesprochen. Schöffengericht Wehlar. Q Wetzlar, 5. Oft. Ein früherer Dahnhofs- meister aus Kinzenbach stand unter der Anklage des Derbrechens im Amte vor dem hiesigen Schöffengericht. Er hatte in den 3ahren 1930/31 den Betrag von 703,19 Mark unterschlagen. Bei einer unvermuteten Kassenprüfung wurde der Fehlbetrag festgestellt. Der Angeklagte gab die Verfehlung zu. Er will den Betrag in kleinen Teilen der Kasse entnommen haben, da er durch die lange Krankheit seiner verstorbenen Ehefrau in schwere wirtschaftliche Bedrängnis gekommen fei. Der Angeklagte wurde dich." Und dann wieder das haltlose Weinen des Kindes. Török löste sich aus der Umarmung der Tochter. „3ch habe noch mit Olga zu reden. Sorge, daß Bela seinen Kaffee bekommt!" Dann war er aus dem Zimmer. Der Abschied von dem einzigen Kinde riß an seinen Rerven. Szengeryi trank seine Tasse im Stehen leer, griff nach Rosmaries Händen und fuhr streichelnd darüber hin. „Du mußt dich nicht im geringsten um den Vater sorgen. 3ch werde gewiß auf ihn acht haben und bringe ihn dir wohlbehalten zurück." Das blasse Gesicht hob sich vertrauend zu ihm auf. „3a, Dela, wenn du das tun wolltest! — Warte!" Sie lief in das Zimmer nebenan und kam mit einem Paar selbstgestrickter Handschuhe zurück. „Ich wollte sie dir eigentlich zu Weihnacht schicken, weil es jetzt noch gar nicht kalt ist. Aber ich habe sonst nichts, was ich dir geben konnte — zum Andenken an mich." Szengeryi sah auf die unförmlichen Dinger, die jenen ähnelten, die die Rinderhirten im Winter zu tragen pflegten und unterdrückte ein Lächeln. „Ich danke dir, Rosmarie." Er hatte sich auf einen Stuhl gesetzt und sie auf seine Knie gezogen. „Ich zerdrücke dir dein Beinkleid", wehrte sie angstvoll. Er hatte sie schon ost gezankt deswegen. Aber heute hielt er sie fest. Unablässig ihre Hände liebkosend, suchte er nach dem Blick ihrer Augen. „Wenn ich wieder zurückkomme, wirst du ein großes Mädchen sein." Ein Schimmer von Freude flog über ihr Gesicht. „So groß wie die Raja jetzt." „Dann muß ich Fräulein zu dir sagen", lächelte er. „Du bist verrückt." Aergerlich suchte sie von ihm frei zu kommen. Er hielt sie nur noch fester an sich gedrückt. „Schenk mir noch einen Kuß zum Abschied! 3a?“ Willig legte sich ihr keuscher Mund auf den seinen. Sie fühlte, wie sein Körper zitterte, und ließ ihre Augen erstaunt auf ihm ruhen. „Was ist dir? Hast du Angst vor dem Gehen, Bela?" „3a, Rosmarie." Eie wurde in diesem Moment ganz mitleidiges Weib und fuhr, ohne auf seinen sorgfältig gezogenen Scheitel zu achten, ihm zärtlich über das Haar. „Du kommst ja wieder. Dela. Dann hol ich dich ab an der Station, oder ich reite dir ein Stück entgegen." Er nickte und senkte den Kops gegen ihre Drust. „Vergiß mich nicht, Rosmarie!" „Vergessen? Rein." Sie schmiegte sich fester an ihn. „3ch habe ja nicht an viele Menschen zu denken. Rur an Vater, dich und Guido Horvath." Guido Horvath! Da war es wieder. Szengeryis Gesicht wurde ganz fahl. Török trat in den Rahmen der Tur, sah das verstörte Gesicht feines ehemaligen Schulers und. wegen Verbrechens tm Amt zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Außerdem wurde ihm die Fähigkeit zur Dekleidung eines öffentlichen Amtes auf die Dauer von drei 3ahren aberkannt. Dem bisher unbescholtenen 60jährigen Angeklagten wurde unter der Voraussetzung, daß V. der Reichsbahn den Schaden ersetzt, eine dreijährige Bewährung^ frist erteilt. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Kleines Erlebnis in einer Diertelstunde. Dieser Tage hatte ich auf einer hiesigen Dank etwas zu tun, mußte aber eine kurze Zeit warten, weil ein 3üngling eines hiesigen Geschäftes für eine Pariser Firma etwa 100 Mk. für Parfümerien einzahlte. Don der Dank ging ich auf den Wochenmarkt, um etwas Obst zu kaufen. Auch hier mußte ich einige Zeit warten, weil zwei Damen ausgerechnet ‘Bananen kauften Als ich sie darauf aufmerksam machte, daß es hier doch vorzügliches deutsches Obst gibt, und daß es eine Schädigung unserer Wirtschaft bedeute, ausländisches Obst zu kaufen, erhielt ich von beiden die Antwort ..Ei, unser Enkelcher esse die Danane so gern.“ Ich konnte nur erwidern: „Wahrscheinlich haben Ihre „Enkelcher" noch nie gutes deutsches, viel gesünderes Obst vorgesetzt bekommen." Unter Obst kommt um, und ‘Bananen werden gekauft. G. Seid nicht so mitteilsam mit eurer Freude! Es ist gut, daß es in der heutigen Zeit noch Leute gibt, die sich mit Sjuihor über die Alltagssorgen Hinwegsehen können. Iedoch sollten sie mehr Rücksicht, besonders in den Rachtstunden. auf ihre Mitmenschen nehmen. Leider war cs in der Rächt zum Sonntag nach einer Festlichkeit, daß die Anwohner der Sonnen st raße und Umgebung (welche ja immer sehr viel darunter zu leiden haben) wieder einige Stunden ihrer Rachtruhe einbüßten. Unter den heimkehrenden Festteilnehmern waren mehrere Damen, die sich besonders durch Iohlen, Lachen und Singen am meisten und unangenehmsten bemerkbar machten. Dieses Lärmen wirkt nicht nur ruhestörend, sondern es erweckt auch Erbitterung bei denen, die sich mit Mühe und Rot durch die heutige schwere Zeit hindurchringen müssen. Kann denn nicht jeder so viel Selbsterziehung in sich haben, um dieses Lärmen zu unterlassen? Muß erst die Polizei Einhalt gebieten? Cin Einwohner der Sonnenstraße. Letzte Nachrichten. NckttWgesuch des Reichsaußenminifiers Berlin, 6. Off. (IDIB. Drahtmeldung.) Der Reichsminister des Auswärtigen, Dr. Eurtius, hat am Samstag, dem 3. Oktober, an den Reichskanzler folgendes Schreiben gerichtet: Sehr geehrter Herr Reichskanzler! 3n der Unterredung, die wir am Tage nach meiner Rückkehr aus Genf hatten, habe ich Ihnen erklärt, daß ich ohne Rücksicht auf die parlamentarische Lage aus der Reichsregierung ausscheiden wollte. In unserer Besprechung blieb die Frage des Zeitpunktes und der Form offen. Ich halte es nunmehr für erforderlich, über mein Ausscheiden alsbald Klarheit zu schaffen; deshalb bitte ich Sie, bei dem Herrn Reichspräsidenten meine Entlassung zu beantragen. 3n ausgezeichneter Hochachtung Ihr sehr ergebener gez. E u r t i u s. Reichspräsident o. Hindenburg empfing in den Rlittagsstunden den Minister Eurtius zum Borfrag. Dr. Eurtius machte dem Herrn Reichspräsidenten davon Mitteilung, daß er dem Reichskanzler sein Abschiedsgesuch oorgetegt habe. wie dieser das Kind an sich gepreßt hielt. Seine Stimme klang strenge mahnend: „Rosmarie, man seht sich mit fünfzehn Iahren nicht mehr auf die Knie eines Mannes!" Ohne ihren Sitz zu ändern, blickte sie dem Dater aus verwunderten Augen entgegen. „Es ist ja nur Bela, Dater." Der Vater stand entwaffnet, trat rasch hinzu und zog sie zu sich empor. „Dleib brav, mein Kind!" Seine Stimme versagte. „3a, Dater.“ „Unb gehorche der Olga, als wäre ich es selbst.“ Ein Ricken. „Und nun verabschiede dich von Dela!" Rosmarie entwand sich dem Arm deS DaterS, sah einen Augenblick stumm in Szengeryis schmerzverzogenes Gesicht, bann warf sie die Hände um seinen Hals und drückte die Wangen an sein Gesicht. Török mußte wegsehen. „Du sorgst dafür, daß Dater nichts zustößt?“ bat sie flüsternd. „3a, mein Liebes. Aber du darfst nicht mehr weinen. Es wird ihm sonst zu schwer." Sie wischte eilig die Tränen weg und ging gefaßt zwischen den beiden Männern nach dem Garten, an dessen offenem Tor der Wagen wartete. Quer über die Felder kam ein Mann gerannt, geradewegs auf sie zu. „Guioo!" rief Szengeryi erfreut. „3ch habe schon gefürchtet, ich komme zu spät.“ Der Geiger keuchte in raschem Atmen. „Cs wäre mir furchtbar leid gewesen." Gr hielt den Schlag für den Professor geöffnet, der als erster in den Wagen stieg. Dela sprang nach. Rosmarie stand auf der rechten Seite und hielt die Hand des Vaters umklammert, die sich ihr nochmal entgegenstreckte. „Es ist Zeit", mahnte der junge Mann auf dem Kutschbock. „Leb wohl! — Auf Wiedersehen! — Auf Wiedersehen!" Die Pferde zogen an. Aga winkte unter der Ture mit ihrem großen Taschentuch und führte es ab und zu verstohlen an die Augen. Szengeryi sah zurück. Das Licht der Morgensonne überflutete die Steppe, die fern am Horizont mit dem Himmel in eins verschmolz. Dunkelbraun, wie der Leib einer Südländerin, von der blauen Kugel deS Firmamentes überdacht, ruhte die Ebene. Gleich rieselndem Gold schwankten die Weizenfelder im Frühwind. 2luf dem staubigen Weg, der als schmales Dand durch das Gelände zog, glitt der Wagen mit leichtem Geholper dahin. Pappelgruppen hoben sich in der Feme von der hellen Tonung deS Himmels ab, wurden bald kleiner, bald größer. Der Horizont dehnte sich über brennend gelbe Rapsfelder und senkte sich wieder. (Fortsetzung folgt)