Hr. 285 Erstes Blaff 18|. Jahrgang Samstag, 5. Dezember (951 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertag». Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblatter Heimat im Bild Die Scholle Monats Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Zernsvrechanfchlüsse anterSammeInummer2251. Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger Siehe«. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck vnd Verlag: vrühl'fche UniverfltSls-Vuch- und Steindruckerei n. Lange in Giehen. Zchriftlettung und Geschäftsstelle: Zchulftrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20 \ mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Trust Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Giehen. Trübe Aussichten. Außenpolitische Umschau. Von Dr. Otto Hoehsch, o. ö. Pros, der Geschichte an der Universität Äerlin. Die letzte Woche hat die Aussichten auf eine europäische Verständigung wieder recht verschlechtert, und zwar durch die Haltung Frankreichs. An zwei aufeinanderfolgenden Tagen erst die Rede Lavals über die Reparationsfragen und dann der .SkandalaufderAbrüftungsocrfamm- lung in Paris! Gewiß wird man eine Kundgebung wie die letztere nicht überschätzen, aber es waren doch zahlreiche Organisationen und Rationen dabei vertreten. Daß sich Deutschland dabei vertreten ließ (in einer Delegation, an der auch ich teil« nahm), war nicht nur gut, sondern einfach notwendig. Wie wollen wir unsere Auffassungen und Thesen den anderen kundtun, wenn wir sie ihnen nicht sagen, wenn wir nicht mit den anderen darüber diskutieren und wenn wir nicht vor einem Publikum, das den deutschen Standpunkt nicht kennt, diesen rückhaltslos vertreten, so wie es ohne Zweifel Leschickt und wirksam die deutschen Redner in Paris getan haben? Auch die Entschließung, auf die sich der Kongreß einigen sollte — zu einer förmlichen Abstimmung kam es wegen der Störungen nicht — war einwandfrei. Denn die Hauptsache ist und bleibt in diesen Dingen: einmal die Anerkcn- nung, daß die bekannten Bestimmungen, zur Abrüstung Versprechen auf Abrüstung der anderen sind, und sodann, daß das Zentrum der ganzen Rüstungserörterung ist: die Beseitigung einer unerträglichen Ungleichheit zwischen den Staaten, die Herstellung gleichen Rechts in diesem so wesentlichen Merkmal eines freien und souveränen Staates. Man kann nicht leugnen, daß die Anerkennung dieser beiden Forderungen auch auf der anderen Seite Fortschritte macht. Daß die große Versammlung im Trocadero in unwürdigster Weise g e st ö r t wurde, ist noch nicht das Wesentliche. Dergleichen kommt überall vor. Schlimmer war, daß die Vertreter der fremden Htaaten im Sprechen gestört oder daran gehindert wurden und daß der Zuruf des Versammlungs. leiters Herriot: „Wo ist die französische Höflichkeit?" ohne jede Wirkung verhallte. Roch wesentlicher war, daß — was möglich gewesen wäre — die zahlreich erschienene Polizei nicht für Ordnung sorgte, wohl weil sie es selb st nicht wollte und nicht sollte! Und am aller- wesentlichsten war, daß weder die Pariser Presse noch die französische Regierung auch nur das gering ft e Wort des Bedauerns und des Tadels über diese Vorgänge äußerten. Nimmt man dazu, daß gleichzeitig eine Riefenversammlung gegen die Abrüstung stattfand, und daß vorher wochenlang zielbewußt gegen den Abrüstungskongreß gehetzt worden war, so beleuchtet dieser an sich nicht so wichtige Vorgang die Haltung Frankreichs zur Abrüstungsfrage mit einem grellen Lichte. Das eröffnet nun trübe Aussichten auf die Abrüstungskonferenz. Kann sich die französische Regierung wundern, wenn das, was sie und ihre Beauftragten in Abrüstungsfragen sagen, immer als reine Spiegelfechterei erscheint, da selbst ein Mann wie P a i n l e v e es für nötig hält, der offenbar herrschenden Meinung so nach dem Munde zu reden, wie er es tat? Bereits heute Tann man sagen, daß die Abrüstungskonferenz durch diese Haltung und Starrheit von Frankreich aufs höchste g e f 2 h r d e t ist. Gewiß isoliert sich Frankreich damit in der Welt mehr und mehr. Insofern hat die Trocadero-Bersammlung auch sehr erhebliche Wirkungen. Wir sehen aber nicht, daß das unmittelbar etwas bedeutet, und niemand weih, was werden soll, wenn die Abrüstungskonferenz scheitert und — was dann doch ziemlich sicher ist — der Völkerbund einfach in die Luft fliegt? Dis dahin haben wir jedenfalls in der bisherigen Weise weiterzuarbeiten, in der Klarheit unseres Standpunktes, die immer mehr herausgetreten ist und die verschiedenen deutschen Parteirichtungen vereinigt. Davon gab die deutscheKundgebung im Reichstage, in der Abgeordnete der verschiedensten Parteien sprachen, ein sehr erfreuliches und kräftiges Zeugnis! Dem Rückschlag durch die Trocadero-Vvrkomm- nisse war die Rede Lavals in der Rächt vorher vorausgegangen. Auch hier wieder die Starrheit, mit der Frankreich glaubt, durch die Krise hindurch kommen zu können. Laval legte sich auf das stärkste fest: nur provisorische Lösung für öie Zeit der Wirtschcrsts» k r i s e, keine Antastung des „ungeschützten" Teiles der Annuitäten, keine Priorität der privaten Schulden vor den politischen. 3n der Aussprache faßte er das noch genauer. Da erwähnte er aber wenigstens die Tatsache: Berbindung zwischen Reparationen und interalliierten Schulden, sowie, daß die Sachverständigen die privaten Schulden Deutschlands würden in Rechnung ziehen müssen. Die Hauptsache an dieser Rede ist die Festlegung, daß Frankreich seine endgültige Ordnung nicht will, sondern diese bereits i m Poungplan gegeben sieht, daß es nur in provisorische Lösungen einwilligen und daß es sich außerdem unter allen Llmständen und unbedingt jenen ungeschützten Teil, also die 660 Millionen Mark, sichern will. Wenn man die Ver- händlungsgegenstände bereits jetzt so starr formuliert, ist die Aussicht, daß die Regierungskonferenz im Januar etwas zustande bringe, sehr schlecht, und so kommen wir, kommt Europa nicht aus dem verhängnisvollen Zirkel heraus. Wenn Frankreich immer noch nicht begreifen will, daß die Reparationszahlungen erledigt sind und erledigt fein müssen, so will es einfach, wie der Roch immer keine Klarheit über die neue Notverordnung. Ein Weihnachtsburgsriede. Matznahmen zur Beruhigung der politischen Atmosphäre. Berlin, 4. Dez. (ERB.) Wie wir erfahren, ist von bayerischer Seite eine Anregung an die Reichsregierung herangebracht worden, daß sie in der Weihnachtszeit für einen politischen Burgfrieden Sorge tragen möge. Es würde sich dabei um eine Angelegenheit handeln, die in der Durchführung in erster Linie Sache der Reichsregierung wäre. Man denkt sich deshalb die Verwirklichung so, daß die Reichsregierung mit einem Erlaß an die Länder Maßnahmen verlangt, die für die Weihnachtszeit jede parteipolitische Betätigung in Wort und Schrift verbieten. Das würde bedeuten, daß politische Versammlungen und Demonstrationen untersagt würden und auch jede Plakatpropaganda w e g f i e I c. Daß man d i e Meinunasäuße- rung der Presse nicht unterbinden kann, liegt auf der Hand. Immerhin würde durch den Zustand eines solchen Burgfriedens eine wesentliche Entgiftung der politischen Atmosphäre während dieser Zeit eintreten, die bis zum Festtag der Heiligen Drei Könige, also biszum 6. Januar, ausgedehnt werden soll. Bisher hat das Reichskabinett über diese Dinge noch keinen Beschluß gefaßt. Man rechnet aber mit der Wahrscheinlichkeit, daß es der bayerischen Anregung folgt. Ferner werden von der Presse in ihren Kombinationen über die bevorstehende Notverordnung auch Behauptungen über eine Waffennotver- orbnung laut, die eine Kontrolle des in prioaten Händen befindlichen Waffenbesitzes durchführen soll. Aus dem Reichsinnenministerium erfahren wir dazu, daß beabsichtigt ist, den Ländern eine Ermächtigung zu erteilen, eine Kontrolle des privaten Waffenbesitzes durchzuführen. Die Preise und Lohnsenkungspläne. Berlin, 6. Dez. (TU.) Berliner Blätter entnehmen einer dem Reichsfinanzminister nahestehenden Korrespondenz über die Pläne des Reichskabinetts, die sich auf die Preis- und Lohnsenkung beziehen, folgende Einzelheiten. Die Preissenkung auf den wichtigsten Gebieten soll gewährleistet werden durch einen direkten Eingriff bei Kohle, Eisen und den Baustoffen. Bei der Kohle lasse sich ein solcher Eingriff sofort bewerkstelligen, beim Eisen und bei der Baustoffindustrie werde ebenfalls angenommen, daß es gelingen werde, hier sofort eine fühlbare Preissenkung durchzuführen. Dabei sei man sich in Regierungskreisen auch darüber klar, daß überall diese Preissenkung nicht schematisch durchgeführt werden könne, daß insbesondere dort, wo bereits eine fühlbare Preissenkung stattgefunden habe, z. B. in der Textil - und Lederindu- st r i e, nicht in der Weise vorgegangen werden könne, wie auf den Gebieten, wo heute noch eine zu große Preisspanne vorhanden sei. Die Reichsregierung sei weiterhin entschlossen, den direkten Eingriff vornehmen zu lassen auf dem Gebiete der Tarife der öffentlichen Unternehmungen. Auf der anderen Seite glaube man aber in Kreisen der Reichsregierung, daß ein solcher direkter Eingriff auch bei den Tarifgehältern und bei den Tariflöhnen vorgenommen werden müsse. Um aber auch hier durch eine schematische Anwendung der Notverordnung keine Härten aufkommen zu lassen, soll die Lohnsenkung prozentual abgestuft werden. Dabei soll als Sicherung für die Arbeitnehmer eine unterste Grenze festgesetzt werden. Oie Sozialdemokraten erneut beim Reichskanzler. Endgültiges über die Notverordnung steht noch nicht fest. Berlin, 4. Dez. (DDZ.) Lieber einen Empfang der sozialdemokratischen Fraktionsführer beim Reichskanzler Dr. Brüning wird von sozialdemokratischer Seite folgender Bericht ausgegeben: Die Abgeordneten Dreitscheid, Graß- m a n n, Hertz und H i l s e r d i n g erschienen am Freitagnachmittag nochmals beim Reichskanzler Dr. Brüning, um sich nach dem Stande der Arbeiten an der neuen Rotverord- nung zu erkundigen und dem Reichskanzler mit- zuteilen, wie es innerhalb der sozialdemokratischen Fraktion außerordentlich verstimmend wirke, daß der Reichsregierung im Kampf gegen den faschistischen Terror die notige Entschlossenheit fehle. Sie machten darauf aufmerksam, daß gegenüber der Absicht der Reichsregierung auf gleichzeitige Preis- und Berlin, 4. *S>cä. (TL1.) In „Soziale Praxis" veröffentlicht der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, Dr. S y r u p, einen Artikel über die ersten Erfahrungen mit dem freiwilligen Arbeitsdienst. Das Gesamtergebnis sei erfreulich. Bis zum 15. Rovember hätten die Landesarbeitsämter 19 7 Arbeiten gemeldet, von denen etwa 120 in ihren Ergebnissen unmittelbare volkswirtschaftliche Werte darstellten. Unter diesen letzten seien als größte Gruppe 4 6 B o - öenüerbef ferung sar beiten zu nennen, ferner 15 Arbeiten in der Wasserwirtschaft 27 an Wegebauten, 9 in der Forstwirtschaft und 22 Arbeiten befaßten sich mit der ländlichen Siedlung, der vorstädtischen Rebenerwerbssiedlung und der Schaffung von Kleingartenland. Unter den Arbeiten, die der Volksgesundheit dienten, ständen mit 45 an erster Stelle die Anlagen von Spiel- und Sportplätzen sowie Ausgestaltung von Flugplätzen u. a. m. Aus diesen Zahlen Schlüsse auf die Entwicklungsri ch- hingen des freiwilligen Arbeitsdienstes zu ziehen. Lohnsenkung in weitesten Dolkskreisengroßes Mißtrauen besteht. Der Versuch, die Löhne weiter zu senken, und die Lohnsenkung durch Eingriffe in das Tarifrecht in kürzester Frist zu ermöglichen, sowie der Abbau der Sozialversicherung werde nach wie vor auf entschiedensten Wider st and der Sozialdemokratie und der Gewerkschas- t e n stoßen. Der Reichskanzler legte die Absichten dar, von denen sich die Reichsregierung bei der neuen Rotverordnung leiten lasse, versicherte aber, daß über ihre Gestaltung in den Einzelheiten noch nichts Endgültiges f e st st e h t. Eine Erklärung der Spihengewerkschasten. Berlin, 4. Dez. (TU.) Die Spitzengewerkschaften aller Richtungen, einschließlich der Deamtenbünde, traten am 3. Dezember erneut zusammen. Lieber das Ergebnis der Besprechung teilt der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund mit: „Angesichts der mit jedem Tage zunehmenden Röte der Volks- maffen, insbesondere der Millionen Arbeitslosen, herrschte volle Uebereinftimmung darüber, daß öie Arbeitsbeschaffung und die Wiedereinschaltung der Arbeitslosen in den Arbeitsprozeß nach wie vor das dringendste Gebot der Stunde ist. Ebenso müsse die Kaufkraft der Dolksmassen geschützt und der soziale Schutz der Arbeitnehmerschaft aufrecht erhalten werden. Eingehend befaßte die Besprechung sich mit dem würdelosen Bruderkrieg, in sei aber nicht ratsam. Bei etwa einem Viertel btt Arbeiten fänden sich als Träger der Arbeit der Staat, die Provinz, der Landkreis und die Stadt- und Landgemeinden. Sn beachtlichem Umfange hätten ferner Ki r ch e n g e m e i n d e n. karitative Verbände sowie gemeinnützige Verbände und Genossenschaften die Trägerschaft der Arbeiten übernommen, was man auch zu einem großen Teil von Sportvereinen, den Arbeitnehmerverbänden, den Wehrverbänden, der Technischen Rothilfe und den Frauenverbänden sagen könne. Als Träger des Dienstes andererseits träten in hohem Maße die W e h r v e r b ä n d e auf: der Stahlhelm sei bei 7, der Sungdeutsche Orden bei 5 Arbeiten, das Reichsbanner und die Rationalsozialisten bei einer Arbeit tätig. Die Größe der einzelnen Gruppen des freiwilligen Arbeitsdienstes sei verschieden. Es gebe kleinere Gruppen von 7 bis 10 und sogar solche von 100 bis 600 Arbeitswilligen. Die überwiegende Zahl der Arbeitswilligen bestehe naturgemäß aus Empfängern vonArbeitslosen-oderKrisenunter- st ü h u n g. Oie ersten Erfahrungen mit dem freiwilligen Arbeitsdienst. Präsident Gyrup kann befriedigende Ergebnisse berichten. „Manchester Guardian" richtig bemerkt, Deutschland für ewige Zeiten am Abgrund des Ruins halten. Das englische Blatt, das damit zweifellos die Ansicht aller Engländer widergibt, fügte hinzu: „Laval mag an die Helligkeit der Reparationen glauben, Millionen Deutsche aber wollen nicht auf ewig unter den gegenwärtigen unerträglichen Bedingungen leben. Keine Ration wlll ohne Aussicht auf Besserung leiden, weil ein paar kurzsichtige und engstirnige französische Politiker glauben, daß darin das Interesse und die Sicherheit ihres Landes bestehe." Sehr richtig ist damit gesagt, daß die starre Methode der Franzosen gegenüber einem Deutschland, das heute ein anderes geworden ist und immer mehr ein anderes wird, als das Deutschland der Jahre 1919 bis 1923 es war, zur Explosion führen muß. Aber das ist nicht richtig, daß es sich bei dieser Haltung nur um ein paar engstirnige und kurzsichtige Politiker Frankreichs handle. Ist denn der Widerspruch gegen die französische These zur Abrüstungs- und Reparationsfrage in Frankreich selbst nennenswert? Wird er von wirklich einflußreichen Mächten und von ihnen im Ernst erhoben? Sfffcu bestreiten, daß die heute in Frankreich mächtigen Elemente auf der anderen Seite stehen? Man kann mit Recht die weitere Frage erheben, welches Frankreich Herr Laval denn eigentlich vertritt, wenn er mit Brüning über die großen Fragen so sprach, wie er es getan hat (von Briand, von dem man überhaupt nichts mehr merkt, schon ganz abgesehen). Gewöhnen wir uns also, so unerfreulich diese Einsicht auch ist, daran, daß der Exponent Frankreichs heute der Finanzminister F l a n d i n ist und daß dieser in der Finanzfrage dasselbe ist, was früher uns gegenüber Poincar 6 war. Das sagt ja genug! Inzwischen mehren sich die Sturmsignale. Wie- lange wird es in Oesterreich und namentlich in Ungarn noch ruhig bleiben? Die Putschpläne dort, so verrückt sie sind, sind Anzeichen doch einer außerordentlich großen Spannung, die ihre letzten Gründe eben auch in der Wirtschaftskrise hat. Dazu nun — wie fast jeder Tag zeigt — die große Verwirrung und Unordnung in der Weltwirtschaft, die Englands Schutzzollpolitik mit sich bringt. Die deutsche Regierung hat bereits ihre Vorstellungen in London eröffnet. Frankreich beginnt das gleiche zu tun. Sein Finanzminister fuhr überraschend nach London, um über den neuen Pfundsturz und die Pfundstabalisierung zu sprechen. Frankreich will über den Druck auf das englische Pfund einen Druck ausEngland ausüben, zieht darum feine Guthaben ab, verkauft Pfunddevisen, drückt so den Pfundkurs, wie es, aber ohne die gleiche Absicht, auch die „Niederländische Bank" tat. Aber Frank reich schneidet sich ins eigene Fleisch dabei. Man berechnet, daß die Bank von Frankreich Ende September, als England vom Goldstandard abging, rund 10 Milliarden Franken in Pfund besaß. Das ergäbe bei einem Verlust von 27,5 Prozent des Pfundwertes einen Verlust von 2X Milliarden Franken (gleich 400 Millionen Mark). Und man wirft der Bank von Frankreich vor, daß sie ihr Publikum und die Welt darüber täusche, indem sie, im Gegensatz zur deutschen Reichsbank, die ihre Pfundverluste sofort abgeschrieben hat, ihren Pfundbesitz noch zum alten Kurs einsetzt. Begreift ein Mann wie F l a n d i n nicht den ganzen Llnsinn einer Lage, an der Frankreich so sehr große Schuld mitträgt, wie sie sich in diesem Zirkel für Frankreich selber unangenehm auswirkt? Was nützt ihn sein Goldbesitz, der immer mehr den Weg in die privaten Taschen findet, wenn solche Verluste am Pfundbesitz eintreten, wenn Verluste an Dollardevisen nur durch Stillhalten französischer Kredite in Amerika verhütet werden und wenn die Außenhandelsbilanz Frankreichs immer passiver wird? Es scheint aber, als würd es auch diesmal wieder wie so oft fein, daß Völker und Staaten erst durch Leiden klug werden, daß also die Wirtschaftskrise noch viel mehr und viel stärker Frankreich erfassen, in Lln- ruhe und Sorge bringen muh, ehe es einlenkt. Aber wie viel Zeit kann darüber vergehen! Man halte sich einmal folgenden Kalender vor: am 7.Dezember tritt in Basel der Ausschuß bei derDIZ. zusammen, der auf Deutschlands Antrag unsere Zahlungsfähigkeit untersuchen soll. Am gleichen Tage übrigens tritt auch b c tarneri konische Kongreß zusammen, der das Hoover-Feierjahr noch zu ratifizieren hat. Dort wird sich, da der Kongreß für Hoover und die Regierung recht schwierig zusammengesetzt ist (218 Demokraten und 216 Republikaner im Repräsentantenhaus), ohne Zweifel die angesammelte LLn- zufriedenheit mit dem Präsidenten entladen. Europa kann schon froh fein, wenn aus diesen Kongreß-Debatten für die Zentralfinanzfrage keine neue Erschwerung hervorgeht. Mit einer Erleichterung in dieser Hinsicht aus dem Kongreß heraus ist überhaupt nicht zu rechnen. Am 10. Januar voraussichtlich wird dann die Konferenz der Regierungen zusammentreten, die auf Grund des Berichts des BIZ.-Ausschufses beraten und beschließen soll. Als ein Anhalt für die etwaige Dauer dieser Zusammenkunft sei daran erinnert, wie lange die Londoner Konferenz über den Da- wesplan und die Haager Konferenz über den Voungplan gedauert haben, obwohl in beiden Fällen bereits ausgearbeitete Pläne Vorlagen und eine Einigung im großen und ganzen darauf schon erzielt war. Davon aber ist diesmal noch in keiner Weise die Rede. Dann läuft am 2 9. Februar das Stillhalteabkommen ab, in einer Zeit, in der alle Gläubiger aufs äußerste ihre Anlagen zu sichern, nach Hause zu bringen suchen. Dazwischen beginnt am 2. Februar d i c Abrüstungskonferenz. Es ist ganz unmöglich, diese zu verschieben, soviel auch auf der anderen Seite dafür geredet und intrigiert wird. Gewiß wäre es für die Regierungen bequemer, die Abrüstungsfrage ein paar Monate später anzufassen, als gleichzeitig beide große Komplexe bearbeiten zu müssen. Aber die Verschiebung hatte keinen Sinn, weil ja im letzten die beiden großen Fragen aufs engste zufammenhängen — an der Stelle, auf die es dann entscheidend ankommt, nämlich bei Amerika. So drängt sich alles auf das äußerste zusammen und in einer Gesamtsituation der Welt, in der vor allem eben infolge der starren Haltung Frankreichs die Aussichten für brauchbare Lösungen immer ungünst i g e r werden. So dunkel und düster hat der weltpolitische Himmel kaum je ausgesehen seit dem Ende des Krieges. dem weite Kreise des deutschen Volke- sich gegenwärtig zerfleischen. Ferner beschäftigten die Spit- z en Vertreter sich mit dem bevorsteherrben Zusammentritt des Sonderausschusses zur Begut- achtung der wirtschaftilchen Lage Deutschlands in Basel. Wan beschloß, sich mit einer gemeinsamen Verlautbarung an die Ocffent» lichkeit zu wenderr. Keine Einberufung des Reichstags. Ein kommunistischer Antrag wird abgelehnt Berlin, 5. Dez. (232)3-) Der Aeltestenrat des Reichstages tagte am Freitagnachmittag unter dem Vorsitz des Präsidenten ß l b e, um zu htm neuen kommunistischen Antrag auf Reichstogsein- berufung Stillung zu nehmen. In der Sitzung waren olle Parteien vertreten. Die Kom munisten begründeten ihren Antrag mit längeren Ausführungen. Im übrigen nahm nur Staatssekretär Pünder das Wort, der um Ablehnung des Antrages bat. Die Reichstagseinberufung wurde oom Aeltestenrat abgelehnt. Für die Reichstagseinberufung stimmten die Nationalsozialisten, die Deutschnationalen, die Kommunisten und die Deutsche Volkspartei. Die Vertreter der Wirtschaftspartei und des Landvolkes vertraten den Standpunkt, daß die Frage einer Rcichslagseinbe- rufung praktisch erst akut werde, wenn die Notverordnung bekannt ist. Zum mindesten werden die Kommunisten dann einen neuen Antrag aus Reichstagseinberufung stellen. Oie Aeichsposl will die Einsparungen zur Gebührensenkung verwenden. Berlin, 4 Dez. (TNB) Wie wir erfahren, rechnet man in Streifen der Reichspost damit, daß die kommende Kürzung der Beamtengehälter bei der Reichspost eine (Er- sparnis von 120 Millionen RM. bringen wird. Im Reichspostministerium ist nun ^ln Plan ausgearbeitet worden, nach dem diese Summe zur Gebührensenkung verwendet werden soll, wenn der Rcichsfinanzminister bereit sein sollte, den Betrag nicht für die Haushaltsdeckung zu beanspruchen. Der Plan sieht die Verminderung der Tarife für Porto, Telegra- oh en - und Teleoonwefen und für den Rundfunk vor. Db diese Absicht durchgesührt werden kann, unterliegt aber der Entscheidung des Reichskobinelts. In unterrichteten Streifen sieht man die Aussichten ziemlich skeptisch an, da der Reichsfinanzminister alle verfügbaren Mittel zur Sicherung des Etats heranziehen muß. Eine Reichelaktion zur Senkung der Kteischpreise. Berlin, 4. Dez. (LAD.) 3m Reichs« rnäh- rungsm'misteriurn finden zur Zeit Verhandlungen mit den beteiligten Fachkreisen statt, die auf eine Senkung der Fleischpreise abzielen. Vor allem ist die verbilligte Abgabe von Fleisch an Erwerbslose und Unter» stützungsempfänger in AuS.icht genommen. Für diesen Zweck ist von Reichs wegen eine Summe von 15 Will. Wk. bereit- ge st e l lt. Vei der Aktion sollen jedoch auch gewisse Opfer von dem Fleischgroß- und -Hein» handel getragen werden, lieber diese Eonder- aktion hinaus wird eine allgemeine Senkung der Fleischpreise erstrebt durch Abbau aller Unkosten und Lasten, die für die Preisspanne zwischen Stall und Laden verantwortlich sind. Die Despre- chungen sind bereits so weit gediehen, das) mit der Inkraftsetzung der niedrigeren Preise am 15. Dezember gerechnet werden kann. Oie Oebatte in der Harzburger Front. Der Völkische Beobachter an Hngenberfl. München, 4.Dez. (211.) Der .Völkische Beobachte?' nimmt zu der Rede Dr. Hugen- bergs vor der deutschnationalen Parteivertretung Stellung. DaS Blatt Hitlers führt u. a. aus: Wir greifen wohl nicht fehl, wenn wir annehmen, daß die Aus.ührungcn Huzenbergs, der sich u. a. auch mit dem Begriff .Sozialismus" aus- einandersehte, weniger den Rationalsozialisten gelten als vielmehr beschwörend an seine eigene Gefolgschaft gerichtet waren. Unsere QDelt- anschauunq bedarf keiner Rechtfertigung, da sie kein Ergeonis spekulativer lleberzeugung ist, son» hem elementaren Charakter trägt Der Appell an den .bürgerlichen Mui" dürfte ungefähr auf der gleichen Linie liegen, wie die Forderung nach einer »Verbürgerlichung derASDA P", die allen EmsteS von der ewig bürgerlichen Seite her schon erhoben worden ist. Solche Wü ische sind noch harmlos. Wenn aber immer wieder in mehr oder minder versteckter Form unser deutscher Sozialismus als neueingekleideter Marxismus verunglimpft wird, so muh — da böser Wille nicht unterstellt werden soll — Unkenntnis angenommen werden. Im kommenden Staat wird der schrankenlosen Willkür der BerusSstände im Kampfe untereinander die eiserne Faust entgegengesetzt werden Wenn daS Wohl des Ganzen auf dem Spiele steht dann müssen sich beide Teile bescheiden, die Arbeitgeber genau wie die Arbeitnehmer. DaS ist unser Sozialismus. Für Skperimente der einen Interessensphäre zuungunsten der anderen sind wir nicht zu haben Mag daS WarriSmuS nennen wer will. Auch dieser Kinderschreck wird bald vergessen sein Kleine politische Nachrichten. In einer öffentlichen Versammlung der RSDAP. im Berliner Sportpalast, in der der Reichstagsabgeordnete Dr. G o e b b e l S sprechen sollte, wurde zu Beginn vom Versammlungsleiter mitaetcilt. daß Dr.Goebbels das Reden polizeilich verboten worden sei. Der Mecklenburg -Strelitzer Landtag nahm das von den Deutschnationalen gegen den sozialdemokratischen Staatsminister Dr. o. Reib- n I tz eingebrachte Mißtrauensvotum mit 22 gegen 13 Stimmen der Sozialdemokraten an. Mi- nister von Reibnitz erklärte seinen Rücktritt. Der Landtagspräsident ernannte den deutschnationalen Abgeordneten von Michael zum Staatsminister, der seinerseits die Abgeordneten Schreckhas (DVP >, Äundlach (Dem.) und Fröhmke (Handwerkerbund) au Staatsräten und damit zu Mitgliedern der neuen Regierung ernannte. Diese drei Staatsräte gehörten auch der bisherigen Regierung von Reibnitz an. Hiller vor Verlrelem der englischen presse. Das deutsch-französische Verhältnis. — Oie Einfuhrbeschränkung. Oie Reparationsfrage Loudon, 5. Dez. (IDIB. Funkspruch.) Da* Hauptereignis für die heutigen Morgenblätter bildet ein Interview, da» Adolf Hitler in Berlin dortigen Vertretern englischer Blätter gegeben hat. Der Führer der Tlatlonalfoiialiften fehle den englischen Journalisten feine Auffassung über die Lage und seine Vorstellungen von der Zukunft auseinander. Er betonte dabei n. a. wieder, daß er nnr auf legalem Dege oorgehen werde. Denn die Dacht liege für ihn praktiich schon in Reichweite, und da wäre es eine vntlugheit, wenn seine Partei sich auf da» Risiko unlegaler Handlungen einlassen würde. Zn dem Boxhelmer Dokument erklärte Hitler, niemand könne ihn für die privaten laten seiner 700 000 Parteimitglieder verantwortlich machen. Im übrigen entscheide in der Partei sein Dille allein. Zur Frage der Außenpolitik hebt Hitler hervor, dah da» Verhältnis zwischen Frank- reichund Deutschland von ersterem abhänge. Auf eine Politik der Erpressung gegenüber Deutschland, die zum Ruin führen müsse, könne sich Deutschland nicht einlassen. Deutschland sei nicht Karthago und Frankreich sei nicht Rom. Die Forderung nach einer Verminderung der deutschen Einfuhr tauchte In den Aeußerungen Hitler» immer wilder auf. Er brachte die Theorie vor, dah durch Vermeidung de» Ankäufe» unnötiger ausländischer Lebensmittel eine Milliarde Mark im Lande blieben, was den heimischen Markt in einem Ausmaße von sechs bl» sieben Milliarden anregen würde. Die Zeitspanne, die verstreichen würde, bis die Rationalsozialisten die Macht erlangten, entweder allein oder wahrscheinlicher noch zuerst auf Koalitionsbasis, schätzte Hitler auf höchsten» zehn Monate. Der Bericht des Korrespondenten der „Morningpost" hebt hervor, daß eine nationalsozialistische Regierung nur das unterzeichnen würde, wovon sie wähte, daß sie es ansführen könnte. Ao» Hitler* Bemerkungen sei klar geworden, daß ihm nur eine Beparalion*- regelung annehmbar erschien, die in wenigen Jahren abgetragen werden könnte. Rosenbergs Aufenthalt inlondon London, 5 Dez. (ERB. Funkfpruch.) Anläßlich der Anwesenheit des Chefredakteurs des „Völkischen Beobachters", Rosenberg, der hier vor einigen Tagen eingetroffen ist, veröffentlicht „Daily Wall" ein kurzes Interview. Darin betont Rosenberg u. a., daß Deutschland nach Ansicht der Rationalsozialistischen Partei feine Handelsschulden bezahlen wolle, daß aber seine politische und wirtschaftliche Katastrophe nicht vermieden werden könne, wenn nicht alle Reparationen und Kriegsschulden gestrichen würden. Eine neue Friedenskonferenz werde bald tagen. Sie werde daS Reparationsproblem der Entwicklung der Weltkrise anpassen müssen. „Rcws Chronicle" meint, wenn die Hoffnungen der Rationalsozialisten in Erfüllung gingen, dann werde Hitlers Adjutant der jüngste Außenminister sein, den Deutschland je hervorgebracht habe. Wie Rosenberg einem Vertreter des BlatteS gegenüber betonte, sei der Zweck seines Besuches le.n Geheimnis. Die Rationalsozialisten wollten sich mit derEinstellung der englischen öffentlichen Meinung bekannt machen. Rosenberg sei gekommen, um seine Freunde hierüber zu befragen. Gr habe ausdrücklich bemerkt, dah es sich bei diesen Freunden um private Personen handele, nicht aber um Mitglieder der Regierung, auch habe er in Abrede gestellt, den Gouverneur der Dank von England gesehen zu haben. Dasiliilerhaus hiüifli das britische Emsichroerbot. Wie soll Deutschland ohne Export seine Schulden bezahlen? England in der Zwickmühle. London, 4. Dez. (WTB.) Im Unterhaus wurde ein Antrag der Oppositiokt auf Aufhebung der beiden Verordnungen über Die Z o l l e r h ö h u n g e n für gewisse Warengattungen mit 230 gegen 38 Stimmen a b • gelehnt und mit dem gleichen Stimmenverhäll- nis eine Entschließung angenommen, in der das Voraehen der Regierung gebilligt und die Wirksamkeit der Verordnungen — das fast völlige Unterbinden der in Frage kommenden Einfuhr — festgestellt wird. Vor den Abstimmungen erklärte der Präsident des Handelsamtes, die englische Regierung wünsche, Verständnis dafür zu finden, daß sie nicht tatenlos ,zusehen könne, wenn England durch Maßnahmen wie das jüngst ergangene französische Dekret betroffen werde. Es lei zu hoffen, daß die aufgetauchten Gegensätze in freundschaftlichster Weise ausgeglichen werden können. Jede Diskriminierung gegen England werde aber ernsteste Aufmerksamkeit finden, und ein Umsichgreifen derartiger Tendenzen würde die englischen Interessen so schwer schädigen, dah die eng- lische Regierung nicht daran vorübergehen könnte. Die englischen Einfuhroerordnungen wurden ohne Ansehen des Ursprungslandes und erst nach dem französischen Dekret über die Belastung der englischen Waren erlassen. Natürlich müssen die Verfügungen notwendigerweise einigen deutschen Exporteuren lästig fallen. Aber schließlich müssen wir zu allererst die finanzielle Stabilität und die industrielle Wohlfahrt unteres eigenen Landes berücksichtigen. Wir müssen uns natürlich zu gleicher Zeit die Tatsache vor Augen halten, daß Deutschland uns große Summe Geldes schuldet, die es nur in der Lieferung von Waren und Dien- st en zahlen kann aber wir wollen die Lieferung von Waren und Diensten in einer Weise zu- standegebracht sehen, die nicht die Stabilität unseres Pfundes oder unseres Han- dels gefährdet. Welche Beschwerden könnte Deutschland gegen diese besonderen Verfügungen haben? Die betreffenden Waren spielen nur eine geringe Rolle im handel zwischen Deutschland und uns. Es gibt zahlreiche deutsche Interessenten, die zu wissen wünschen, was unsere Politik sein wird. Ich kann diesen Deutschen nicht mehr sagen, al» ich dem Hause sagen kann. Ich roiü klarstellen, daß d.e Verfügungen auf Grund dieses Gesetzes allein den Zweck haben, zu verhindern, daß die Industrien des Vereinigten Königreiches durch die anormale Ein- fuhr beeinträchtigt werden. Gegen den französischen Kohlenimporiausschlag. Tie britische Kohlcnindnstrie wehrt sich. London, 4. Dez. (WTB ) Der Zentralrat. dem Vertreter der Zcchenbesitzer aller Kohlenbergwerke Großbritanniens angehören, hat die Lage erwogen, di« durch die von der französischen Regierung eingeführte ISprozentige Zusatzabgabe auf britische Kohlenimporte entstanden ist. Di« Zechenbesitzer betonen, dah auf Kohle, die von anderen Ländern mit Hllfe von Staatssubsidien zu Dumpingpreisen weit unter den Preisen der britischen Kohle in Frankreich eingesührt werden, kein derartiger Zoll erhoben wird. Angesichts der Tatsache, dah der Wert der französischen Exporte nach Großbritannien, Frankreichs bestem Abnehmer, nahezu d a s D o p- pelte der britischen Ausfuhr nach Frankreich betrage, und der Tatsache, daß keine Diskriminierung zwischen französischen 3m- p ort en und den anderen Ländern in England erfolgt, wird der Regierung die Wichtigkeit einer raschen Ausübung der kürzlich dem Präsidenten des HandelSamtS übertragenen Vollmachten vor Augen gehalten für den Fall, daß die Entfernung des Zusatzzolles auf englische 3mporte ausbleiben sollte. 3n Araen tinien läßt die fortschreitende Stimmenzählung für die Präsidentschaftswahl nunmehr zweifelsfrei erkennen, daß General 3 u st o bei weitem die meisten Stimmen erhalten hat. Die Präsidentschaft des Generals Justo ist indes nur wahrscheinlich, wenn der Kongreß nicht die Wahlen in den Provinzen Buenos Aires und Mendoza, die heftig angefochten werden, annulliert Die französische Kammer hat den zweiten Teil des Notstandsarbeitsprogramms verabschiedet. durch das man wenigstens teilweise b i e Arbeitslosigkeit zu bekämpfen hofft. Ins- gesamt sind 3476 Millionen Frank für die Finanzierung dieser Arbeiten bewilligt worden. Kunst und Wissenschaft. Die Herstellung de* Vitamin* C gelungen. Vor einer großen Versammlung derAkademie der Wissenschaften in Oslo hielt der junge norwegische Wissenschaftler Ottar R y g h einen Vor- trag über die Resultate, die er und seine Mitarbei- ter — seine Frau, Frau Aagot Rygh, und der Chemiker Per Laland — während ihrer Unter- suchung über die Vitamine C erhallen hätten. Rygh stellte fest, daß ihnen die Herstellung des 'Bor- stadiums des Vitamins C, seines sogenannten Provitamins, gelungen sei. Es sei erwiesen, daß diese» identisch mit Narkotin sei, einer den Wissenschaftlern wohlbekannten Substanz. Wie Rygh weiter ausführte, kommen die Vitamine C hauptsächlich in Pflanzen vor. Systematische Versuche haben bewiesen, daß verhättnismäßia große Quantitäten von Narkotin in jungen Pflanzen und unreifen Früchten Vorkommen. Da» Narkotin verschwinde wahrend des Reifungsprozestes und verwandle sich in Vitamine C. Ihm und feinen Mitarbeitern fei es gelungen, die gleiche Verwandlung de* Narkotin» im Laboratorium herzustellen, wie sie erfolgt, wenn bas Narkotin sich in der Natur in das Vitamin C verwandelt. Diese Verwandlung bestehe in der Zersetzung dieser Substanz durch Methylgruppen. Aus dem Narkotin sei cs möglich, aktive C-Vitamlne herzustellen sowohl auf rein chemischem Wege als auch durch Zusetzung gewisser Enzyme. Auch durch ultraviolette Strahlen scheine Narkotin aktiviert werden zu können, aber in sehr geringem Grade. Sodom und Gomorrha. Ein Bericht über die Ausgrabungen von Sodom und Gomorrha besagt, daß die jetzt gemachten Funde die biblischen Angaben über die Vernichtung dieser Städte durch Feuer und Schwefel vollauf bestätigen, lieber vierzig Morgen der Ruinen, die nördlich des Toten Meeres und etwa fünf Kilometer östlich de- 3or- dan liegen, seien freigelegt und cS sei festgestellt worden, daß die Grundmauern der Häuser sämtlich mit Asche bedeckt seien. Alle Funde bewiesen, daß die Stadt nicht etwa durch eine ilebcrkßwemmung, sondern durch F^uerzer- st ö r t wurde. 3n einer Vafe fand man das Skelett eines sechsjährigen Kinde-, da- offensichtlich einer Gottheit geopfert worden war. Aus aller Well. Ehewifche Fabrik In Flammen. 3n der Chemischen Fabrik von A.Herz (Her- stellung von Feuerzündfteinen) bet Erfurt entstand vermutlich durch Unvorsichtigkeit ein Droß- feuer. Cs fand in den äußerst feuergefährlichen Rohmaterialien, wie Torf, Sägefpäne, Teer und Raphtha reiche Rahruna. In kurzer Zeit standen auch an die 10?3 Feuersteine, wie sie zum Heizen von Lokomottven verwandt werden, in bellen Flammen. Der Wind trieb gewaltige Rauchschwaden über den in der Rähe liegenden Bahnkörper, der durch den Funkenflug aufS äußerste gefährdet wurde. Die ®rfurtel Feuerwehr mußte sich, da kein Wasser Dtfr» Händen war, daraus beschränken, den gefährdeten Bahndamm durch Srdaufwerfen zu schützen. DaS Gebäude selbst konnte nicht gerettet werden und brannte vollständig aus. Sämtliche Lager- beständ«, Rohmaterialien und Fertigfabrikate, sowie die Bureaueinrichtungen fielen den Flammen zum Opfer. Der Schaden ist beträchtlich. Brandkatastrophe In einer kalifornischen Stabt Bei einem in Berkeley (Kalifornien) ausge» brochenen Feuer ereignete sich eine Gasexplo- (ion. Zwei Personen wurden getötet, eine schwer und 60 leicht verletzt. Drei Personen werden vermißt. Die große Zahl der verletzten erklärt sich daraus, daß brennende Haus- und M ö b e 11 e i I e durch die Explosion auf die Menge geschleudert wurden, die sich in den Straßen um das brennende Hau* gesammelt hatte. Eisregen und Schnee über Berlin. Degen Mitternacht setzte in Berlin starker Eisregen ein, der Fahrdämme und Bürgersteige mit lebensgefährlicher Glätte überzog und sich auch im Straßenbahnverichr sehr unangenehm bemerkbar machte, da wiederholt Weichen Dercißen. Später verwandelte sich der Eisregen in einen starken Schneefall, der gegen 4 llhr noch anhielt. Eigenartige Wetterverhältnifse In Somjetrußland. 3n der Sowjetunion werden augenblicklich seltsame Wetterverhältnisse beobachtet. Aus Murmansk am nördlichen Eismeer werden zwei Grad Wärme gemeldet, dagegen herrscht In der wegen ihres sonst milden Klimas bekannten Krim eine Kälte von 20 Grad. Die Straße von Ke.tsch friert bcrcU zu. A^ch in Moskau herrscht zur Zeit sehr frostiges, trockenes Wetter. Fünf Kinder beim Spielen tödlich verunglückt. Bei KUlaloe in der irischen Grafschaft Slart stürzten sechs Knaben beim Spielen in einen drei Meter tiefen Kanal. Fünf Knaben ertranken, während einer gerettet werden konnte. Lohngeldraub an der Tagesordnung. 3m Margarinewerk Eidelstedt bei Altona wurde ein dreister Lohngeldraub verübt. Einige Männer drangen in daS Pförtnerhaus ein, bedrohten die Anwesenden und flüchteten mit 2600 Mark, die zu Lohnauszahlungen bestimmt waren. In bcrielbcn Stunde sind auch in Berlin-Reukölln Lchngcldräuber mit Erfolg tätig gewesen. Drei junge Burschen überfielen den 70jährigen Boten einer Baust r m a , alS er mit 2100 Mark Lohngeld auf dem Wege nach einem Reuköllner Reubau war. Die drei Räuber, di« auf einem Motor- r a d mit Beiwagen faßen, hielten plötzl.ch in einer menschenleeren Straße neben dem Boten an, versetzten ihm einen Schlag auf den Kops und entrissen ihm die Aktentasche mit dem G e l d e. Ein Begleiter, der dem alten Boten zur Sicherheit mitgegeben war. konnte den Raub nicht verhindern. Die drei Burschen sind auf dem Motorrade unerkannt entkommen. Gasexplosion in einer Wohnung. In Stockholm ereignete sich eine eigenartige Gasexplosion. Als in einer Wohnung eine 11 n - gexieferDertilgung vorgenommen wurde, explodierte plö^lich da- dabei verwendete GaS. Die Wände stürzten ein und es entstand ein Feuer, das sich auch über die Rachbarwvhnungerr auSbreitete. Die beiden Beamten, die die Entseuchung vornahmen, wurden sehr schwer verletzt. Oie IBefferlaae. o -m- VM Ovontmox or-icctt ® ««■IC- 0« p tud-.uowtsi K »*« •'<»« w.n« o« CO dm Mcbgum le» «n S«vm 6 « T Jikolaur in E o Dankbar' sm 5inbcü iL ii* Iteaen >ev Ne Zukunft 5: » Dkolausta? imlWe» jcnnitM DoHltn- «J Der nerMn - • ait »ei jj «j fünnnet 3nmi itaffen sie ft ..•j M Lon Zr-eS komm M und & abte en. die Llanz verg Dorgen M den jungen chwer. W albt! dadurch eil den llrlau n anchln al i das ganze Dochen ei n nehmen Bit mal Kind j können, das Irischen |ii und Zusried Leben unS c lucht. Spricht ni sucht aus? Mur am ; nicht etwas düsteren Ta 2<"rrcS? Sie Äinb< jbdtn. Die an bai 2 welche Mi laustag et nun cndlics nachtsliede^ sich auch n wissen, dass und dem r verbirgt, dc strn ®abm Dünlchmi Rauben'. 6- Z au 1834: AI Freifchar 1 (leneralfetb Giej 'Sieh tigen D^ch an; Butter ling 7 bis 8. gelbe 3 tclnai 15 tobl 10 bi 80 bis l,oc 12; Aeerr, Äartty bis 10; 5), Jonig 40 b SüHner 70 a fw 50 6i bis 60; e( Cbertoblrab 10 bis 15- ( 3.: 3.00 b-4 35 blt 5.C0 H ~ läge ‘^Uer -T°'lhe im “ft ßaup 7«rrl.. i herein: 20 ',!Wuna. 13 bis 13 । -''chen *<%enl SÄ Die luw 8114D Auch ohne Mundstück, dick und rund • Konzernfreil Die neue Lesmona SO 10 aufjet Abonnement die Groteske „Goethe im Examen" von Friedel! und Polgar. Diese Groteske läuft auf einen Kampf zwischen der lebendig zu empfindenden Dichtkunst und der Literatur-Gelehrtheit in einem großartig angelegten Frage- und Antwortspiel hinaus. 3m Anschluß an diese Groteske gelangt die komische Oper „La serva padrona" von Pergolese zur Aufführung. Sonntag beginnt die Abendvorstellung bereits um 19.30 Ahr und endet 21.30 Ahr. Das Abend- Programm des Sonntags sieht eine Wiederholung der Groteske „Goethe im Examen" vor, sowie die Ausführung des Singspiels „Bastien und Bastienne" von W. A. Mozart. Sonntagvormittag, 11.15 Ahr, einmalige Wiederholung der Morgenfeier des Kammerspielzyklus. Aufführung der Komödie „Der Mann des Schicksals" von Bernard Shaw. Spielleitung und einleitender Dortrag: Wolfgang Kühne. — Dom Konzertverein wird uns geschrieben: Lubka Kolessa. die jugendliche Pianistin, die vor vier Jahren im Rahmen eines Orchesterkonzerts ein Klavierkonzert von Chopin spielte und Beifallsstürme erntete, wird uns ge entsprechend, muß Bedauern des Vorstan- Weih- 13 bis 15 Uhr; „O-Zug 13 hat Verdatung zu den üblichen Zeiten. — Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: „Zwischen den Seilen" und „Der Nächste — bitte". — Tageskalender für Sonntag. Stadttheater Gießen: Der Mann des Schicksals", 11.15 bis 12.45 Ahr; „Das Krippenspiel", 16 bis 18 Ahr; „Goethe im Examen", 19.30 bis 21.30 Gießener Derkehrssragen. Beratungen im Vorstand des Verkehrs- und Verschönerungsvereins. nachtsbäume abgesehen werden. Prämien für die Feststellung von Rowdys. Veranlaßt durch wiederholte Zerstörungen an dem Wetterhäuschen in der Südanlage, durch die Zertrümmerung von Bänken im Stadtwald und in den Anlagen, sowie durch böswillige Beschädigungen des gärtnerischen Schmuckes in den Anlagen der Stadt wurde einstimmig beschlossen, in Zukunst vorbehaltlich der Zustimmung der- vorgesetzten Dienststellen an Polizeibeamte und an Angestellte der Wach- und Schließgesellschast, sowie an Zivilpersonen, die die Zerstörer von gemeinnützigen Anlagen auf frischer Tat erwischen und ihre Personalien zur Feststellung bringen Geldprämien zu gewähren. Durch diese Belohnung soll ein Anreiz zu verstärkter Aufmerksamkeit im Interesse unseres Anlagenschutzes gegeben werden. — Tageskalender für Samstag. Stadttheater Gießen: „Das Krippenspiel", 16 bis 18 Uhr; „Goethe im Examen", 20 bis 22.15 Uhr. — Hessische Vereinigung für Volkskunde: 17.15 Uhr, Hotel Hindenburg, Ausschußsitzung; 17.45 Uhr: Hotel Hindenburg, Hauptversammlung; 20.15 Uhr: Großer Hör- {aal der Universität, Feie? des 30jährigen Bestehens. — GDA.: 20.30 Uhr, Weihnachtsfeier. — Artillerie- Verein: 20.30 Uhr, „Hessischer Hof", Monatsversammlung. — Hausfrauen-Beratung, Palast-Lichtspielhaus: Hauswirtschaftliche Weihnachts-Äusstel- ' lg. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Himatschal", bis 15 Uhr; „O-Zug 13 hat Verspätung" zu den In den letzten Jahren hat der Vorstand des Ver- kehrs- und Verschönerungsvereins in den Wochen vor Weihnachten an verschiedenen Stellen des Stadtzentrums Weihnachtsbäume mit elektrischer Beleuchtung aufstellen lassen, um dadurch das Straßenbild in der Adoentszeit zu verschönern. Die Kosten für diesen Schmuck beliefen sich in jedem Jahre auf rund 300 Mark. Da die Geldmittel des Vereins unter dem Drucke der allgemeinen Wirtschaftsnot in diesem Jahre erheblich knapper als in früheren Jahren geworden sind und die Vereinskasse bei der Veranstaltung der „Gießener Oktobertage", die übrigens für unsere Geschäftswelt durchaus befriedigende Erfolge gebracht haben, einen namhaften Zuschuß leistete, bleiben keine Mittel mehr ver- fügbar, um in diesem Jahre den Weihnachtsbaumschmuck in den Straßen wieder durchzuführen. Der starken finanziellen Notlage entsprechend, muh also in diesem Jahre zum Bedauern des Vorstandes und Ausschusses von der Ausstellung der Weihdieses 3ahr durch einen Klavierabend erfreuen« Sie spielt am Sonntag, 13. Dezember, 17 Ahr, in der Aula Werke von Divaldi, Chopin, Liszt und Debussy. Die vorliegenden Kritiken aus den letzten Monaten aus Frankfurt, Köln, Leipzig, Dresden, Hamburg usw., aus Holland und aus der Schweiz sprechen sich' übereinstimmend so begeistert über dieses „Klavierphänomen" aus, daß auch die Gießener Musikfreunde mit Recht darauf gespannt sein werden, festzustellen, wie sich dieses große Talent weiterentwickelt hat. Wir dürfen also auf einen besonders anregenden und eindrucksvollen Abend rechnen. Alles Nähere über das Konzert in den Anzeigen. — Kirchenkonzert in der Stadtkirche. Es sei nochmals auf das Kirchenkonzert in der Stadtkirche am Montag, 7. Dezember, hin- getoiefen, bei dem — wie man uns schreibt — das weithin bekannte Leipziger Soloquartett für Kirchengesang alte Weihnachtslieder fingen wird. (Siehe heutige Anzeige.) Künstlerhilfe: Turmhaus am Drandplatz, 11 bis 13 Ahr. — Frauengruppe des VDA.: 17 Ahr, Katholisches Vereinshaus, Krippenspiel. — Physiologisches Institut: 11.30 Ahr, öffentlicher Dor- trag. — Bund der Lahnfreunde: 19 Ahr, Hotel Hopfeld, Hauptversammlung. — 1. Reichskurzschrift-Gesellschaft: 9 Ahr, Pestalozzischule. Ge- feUfchafts-Wettfchreiben. — Hausfrauen-Dera- tung: Palaft-Lichtspielhaus, Hauswirtschaftliche Weihnachts-Ausstellung. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Himatschal", 11-15 Ahr; „V-Zug 13 hat Verspätung", zu den üblichen Zecken. — Astoria-Lichtspiele: siehe Samstag. — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute und morgen zweitägiges Gastspiel des Marionettentheaters Münchener Künstler. Die Tradition des Puppenspiels, das bereits Goethe, Kleist und Storm verherr- lichten, ist bei Paul Brann in guten Händen. Der jüngste Erfolg Branns, „Das Krippenspiel", eine Neudichtung der Legende von der Geburt des Heilands unter Verwendung alter Werh- nachtsspiele und Lieder, wird heute und morgen um 16 Abc aut Auiiübruna aebracht. Am 20 Ahr Aus der Provinziakbauptstadt Gießen, den 5.Dezember 1931. Nikolaustag! Es ist gut, daß die Kinder uns Erwachsenen von Zeit zu Zeit ein Beispiel geben. Glücklich ist der Erwachsene, der sich ein jugendliches Herz bewahrt hat und sich mitfreuen kann, .^"bekümmert um die Gegenwart schauen die Kinder hoffnungsvoll nach ihren Sternen. Ist erst Nikolaustag, dann kommt bald der Wmy- nachtsmannl Das ist ihre kleine Philosophie. Wir sollten ihnen darin ein Stück folgen, wenigstens in dieser Zeit. «. Dankbar müssen wir sein, daß diese Freude in den Kinder herzen nicht unterzuknegen ist. Das ist ein Lichtblick in diesen Tagen. Wenn toir m ihre gläubigen Augen schauen, wenn wir beim Gepolter des Nikolaus ihre erwartungsvollen Mienen sehen, dann eilen unsere Gedanken in die Zukunft, und ein kleiner Stoßseufzer steigt auf: Möge euch das Schicksal dereinst bessere Nikolaustage und schönere Weihnachten geben als uns, die wir durch Kriegs- und Jnslationsjahre zermürbt, endlich an aufsteigende Zeiten denken wollten, und nun... Aber nicht Wehmut im Herzen soll uns den morgigen Nikolaustag verleiden. Feiern wir ihn mit den Kindern! Freuen wir uns mit ihnen! Vielleicht kommt dann auch der Nikolaus zu uns. Was kümmern sich die Kinder um trübe Nebelwolken! Inmitten einer unfreundlichen Jahreszeit schaffen sie sich selber Helle und halten Ausschau nach der Sonne. Niemals sind die Kinder einsam. Jedes kommende Ding ist für sie wunderbar. Mit Lust und Staunen beginnen sie den Tag. And mag die Not mit hundert Zangen nach uns greifen, die Sonne leuchtet ihnen doch, und ihr Glanz vergeht nicht. Für Kinder läuten jeden Morgen die Glocken, und freundlich grüßen sie den jungen Tag, sei er nun nebelig, oder regenschwer. Es gibt Leute, die sich ihre schwere Arbeit nur dadurch erleichtern, daß sie das ganze Jahr an den Arlaub und seine Freuden denken. Ja, manchmal ist es nur ein schöner Tag, der ihnen das ganze Dasein erhellt. Lassen wir die trüben Wochen einmal aus unserem Gedankenkreis und nehmen wir diesen Nikolaustag, um wieder einmal Kind zu sein! Freude und Hoffnung schöpfen können, das ist auch etwas wert. And in jedem Menschen sitzt tief innen eine Sehnsucht nach Gluck und Zufriedenheit. Je härter und araufamer das Leben uns anfaht, um so größer wird diese Sehnsucht. Spricht nicht auch der Nikolaustag diese Sehnsucht aus? Kommt er nicht zu uns, wenn die Natur am traurigsten, am stillsten ist? Will er nicht etwas Leben in die starre Oede, in die düsteren Sage bringen, ein Wegweiser sein für Besseres? Ä Die Kinder hören schon die fernen Weihnachts- glocken, viele schreiben Wunschzettel und denken an das Weihnachtsgebäck. Welche Hoffnungen, welche Wünsche lösen diese Worte aus! Am Nikolaustag erhalten sie die Versicherung, daß es nun endlich ernst wird, daß sie bald ihre Weihnachtslieder fingen können. Mag der Nikolaus sich auch noch so rauh und wild gebärden! Sie wissen, daß sich hinter dem verwitterten Gesicht und dem rauhen Aeuheren ein goldenes Herz verbirgt, daß nach einigen Schlägen die schönsten Gaben gestiftet werden. Wünschen wir uns auch so ein bißchen Nikolausglauben! Es kann nicht schaden. Gt. Laten für Sonntag 6. Dezember. 1834: Adolf Freiherr von Lützow, Führer der Freischar 1812/13 in Berlin gestorben; — 1849: Generalfeldmarschall August von Mackenfen in Haus- Icipnitz geboren; — 1869: der Romanschriftsteller Rudolf Herzog in Barmen geboren. Gießener Wochenmaritpreise. • Gießen, 5. Dez. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Kochbutter Pfund von !Mk. an; Butter 1,20 bis 1,30; Matte 25 bis 35; Wirsing 7 bis 8; Weißkraut 5 b.s 6; Rotkraut 7 bis 8- gelbe Rüben 8 b.s 10; rote Rüben 8 bis 10; Spinat 15 bis 20; Anter-Kohlrabi 5 bis 6; Grünkohl 10 bis 12; Rosenkohl 15 bis 20; Feldsalat 80 bis 1,00; Tomaten 40 bis 50; Zwiebeln 10 bis 12; Meerrettich 35 bis 70; Schwarzwurzeln 25 bis 35; Kartoffeln 4; Aepfel 8 bis 10; Birnen 8 bis 10; Dörrobst 30 bis 35; Enten 80 bis 1,00; Honig 40 bis 50; junge Hähne 80 bis 90; Suppenhühner 70 bis 80; Gänse 70 bis 80; Nüsse 35 bis 40; Käse (10 Stück) 60 bis 1,40; Tauben Stück 50 bis 60; Eier 13 bis 14; Blumenkohl 20 bis 60- Salat 8 bis 10; Endivien 8 bis 10; Oberkohlrabi 8 bis 10; Lauch 5 bis 10; Rettich 10 bis 15; Sellerie 10 bis 40; Kartoffeln Zentner 3 00 bis 3,50; Aepfel 4,00 bis 7,00; Weißkraut 3 00 bis 3.50; Wirsing 4,00 bis 5,00; Rotkraut 4,00 bis 5,00 Mk. Vornotizen. Richtung Hungen—Lich nach Gießen um 7.21 Uhr nach wie vor am Erdkauterweg halten, damit dort die Arbeiter der Firmen, die Schüler und Schülerinnen von auswärts und sonstige, in jener Stadt- gegend interessierte Reisende aussteigen können. In der umgekehrten Richtung wird künftig der Halt des Zuges von Gießen in Richtung Lieh um 16.38 Uhr am Erdkauterweg in Wegfall kommen, da um diele Zeit in den meisten Betrieben noch kein Arbeiteschluß eingetreten ist und die Schüler bereits m t Dem früheren Zuge heimgekehrt sind. Dagegen soll auch weiterhin der um 17.37 Uhr von Gießen ab- fahrende und um 17.43 Uhr am Erdkauterweg ha'- tende Zug nach Hungen diesen Halt am Bahnhcf „Gießen-Südost" beibehalten, damit den interessierten Arbeitern Gelegenheit zur Heimfahrt geboten ist. Der jetzt Samstags um 13 46 Uhr am Erd- tauterroeg haltende Zug von Gießen nach Gelnhausen soll gleichfalls unverändert gefahren werden, so daß also nach dem früheren Arbeitsschluß an Samstagen auch vom Erdkauterweg aus Beförderungsmöglichkeit vorhanden fein wird. Durch den Fortfall zweier Zughalte ist es der Reichsbahnver- waltung möglich, ihren Unkostensatz zu mindern, so daß auf die bisherige finanzielle Beihilfe der Firmen verzichtet werden kann. Die beteiligten Firmen werden jedoch weiterhin die sachlichen Leistungen für die Aufrechterhaltung des Haltepunktes übernehmen. Mit dieser Vereinbarung haben sich die interessierten Firmen einverstanden erklärt, so daß man auch für die Folgezeit den Bestand der Halte- stelle Erdkauterweg als gesichert ansehen kann, lieber eine evtl. Neuordnung der Dinge soll erforderlichenfalls im nächsten Frühjahr wieder verhandelt werden. Vorstand und Ausschuß des Verkehrs- und Verschönerungsvereins nahmen mit Befriedigung und mit voller Anerkennung für das Entgegenkommen der Reichsbahnverwaltung von diesem Ergebnis der Verhandlungen Kenntnis. Verbesserungen im kraflomnlbusdienst der Reichspost. Don dem geschäftsführenden Vorstand wurde weiterhin zur Kenntnis der Versammlung gebracht, daß die Reichspost in dankenswerter Weise den Kraftomnibusdienst nach Krofdorf in Zukunft verstärken und die Fahrten der Omnibusse bis nach Fellingshausen ausdeh- nen will, damit den Bewohnern der Orte am Düns- berg ausreichend Gelegenheit zum Verkehr mit Gießen geboten wird. Die Erweiterung dieses Dienstes bis nach Fellingshausen soll in jenen Orten bekanntgegeben werden, damit auch die Reichspost in betriebswirtschaftlicher Hinsicht auf ihre Rechnung kommen kann. 3n diesem Jahre keine Weihnachlsbäume in den Straßen. * * Die Museen und der Heidenturm sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr bei kleinen Preisen geöffnet. * * Ooerhessischer Kun st verein. Man schreibt uns: Für den morgigen zweiten Sonntag der Ausstellung „Künstlerhilfe für 20 bis 100 RM." seien die Freunde der oberhessischen Künstler noch- rnals ganz besonders eingeladen, damit den Arbeiten der erhoffte und verdiente Erfolg beschicken ist. — Für den folgenden Sonntag ist die Ausstellung der Gewinne der Mitgliederverloiung vorgesehen, im Laufe der dann folgenden Woche wird das Ergebnis der Verlosung öffentlich bekanntgegeben. Außerdem sei noch darauf hingewiesen, daß von den Arbeiten Sulamith Wülfings aus der letzten Ausstellung noch Einzelhefte während der Besuchszeiten im Kunstverein zu haben sind. ** ein Achtzigjähriger. Am morgigen Sonntag, 6. Dezember, feiert Bäckermeister Karl Germann, wohnhaft Wolkengasse 13, in großer geistiger und körperlicher Frische seinen 80. Geburtstag. ** Der nächste Rindvieh- (Nutzvieh-) Markt findet am Dienstag, 8. Dezember, der nächste Schweinemarkt am Mittwoch, 9. Dezember, statt. ** Die Bäcker-Jnnung Gießen veröffentlicht in unserem heutigen Anzeigenteil eine Mitteilung über Brotpreise für hiesiges und auswärts hergestelltes Brot, auf die unsere Leser besonders hingewiesen seien. " Fahrplanverbesserung auf der Strecke Gießen — Wetzlar. Der Personen- zug 1649 von Gießen nach Dillenburg, in Gießen ab 23 Ahr, erhält vorn nächsten Montag ab versuchsweise Aufenthalt in Dutenhofen (Kreis Wetzlar). ** Kulturfilm - Vorführung im Lichtspielhaus. Anter dem Titel „Hima- tschal, der Thron der Götter" kommt am heutigen Samstagnachmittag und morgen, Sonntag, um 11.15 Ahr, im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, in Zusammenarbeit des Lichtspielhauses mit dem Goethebund und mit der Hessischen Bildstelle Darmstadt, ein Kulturfilm zur Aufführung, der in Bild und Wort den Besuchern in der Hauptsache das Himalaja-Gebirge vor Augen führen wird. Es handelt sich um einen Mm, der von der Expedition gedreht wurde, die unter der Leitung von Prof. Dr.Dyhrenfurt (Breslau) vor zwei Jahren im Himalaja-Gebirge den 7500 Meter hohen Iongsong-Peak bestieg und damit eine Höhe erreichte, die bis dahin nie eines Menschen Fuß betreten hatte. Der Film bringt aber nicht nur Bilder von der Schönheit der gigantischen Bergwelt des Himalaja, sondern auch viele Bilder von dem langen Anmarschweg der Expedition, der von Gens aus über Venedig, nach Aegypten, durch den Suezkanal, nach Indien und dann in das Hochland führte und so den Forschern Gelegenheit gab, auch das völkische Leben, die Landschaft und die Eigentümlichkeiten der Länder des Orients und Asiens in Bild und Ton festzuhalten. So ergab sich ein Film, der eine große Menge volkskundlichen, länderkundlichen und wissenschaftlichen Materials enthält und in vieler Hinsicht nicht nur sehr lehrreich und unterhaltsam, sondern in den Teilen der Besteigung der hohen Berge auch begeisternd wirkt. Die Freunde des Kulturfilms werden sich diesen Film kaum entgehenlassen. Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. ** Sterbefälle in Gießen. Es verstärken in Gießen in der Zeit vom 16. bis 30. November: 16.: Irmgard Ortmüller, 4 Monate, An der Kläranlage 2; Heinrich Leschhorn, Arbeiter. 68 Jahre, Walltorstraße 18; 18.: Theodor Schmidt, Mützenmacher, 76 Jahre, Neuen Bäue 6; Luise Bechtoldt geb. Klingelhöfer, 55 Jahre, Ebel- strahe 30; 19.: Katharina Reuter geb. Rau, Wwe^ 69 Jahre, Kaplaneigasse 9; 21.: Konrad Schmidt, ohne Beruf, 70 Jahre alt, Ostanlage 47; Katharina El s. betha Petri geb. Geist, Witwe, 65 Jahre, Plockstraße 14; Katharine Elisabeths Waas geb. Ostheim, 73 Jahre, Gartenstraße 18; 22.: Luise Rademaker geb. Ottmann, Witwe, 76 Jahre, Lö- berstraße 15; 23.: Margarete Sack geb. Schmidt, Witwe, 68 Jahre, Bahnhofstraße 23; Wilhelm Schäfer, 4 Jahre, Katharinengasse 7; 24.: Margarete Frink geb. Fischer, 33 Jahre, Am Kugelberg 41; 25.: Georg Fischer, Schneider, 71 Jahre, Marburger Straße 13; 26.: Anna Mandler geb. Kreuder, 63 Jahre, Hammstrahe 20; Margarete Dörner geb. Simon, 62 Jahre, Ludwigstraße 11; Joses Stamm, Eisenbahn-Obersekretär, 62 Jahre, Dleichstrahe 46; 29.: Fritz Walther, Kaufmann. 73 Jahre, Neuen Däne 29; Marie Brunow geb, Ruskovius, Witwe, 71 Jahre, Liebigstrahe 67. weitere Cotalnadirid)ten im zweiten Blatt Am Donnerstagabend beschäftigten den geschäftsführenden Vorstand und den Ausschuß des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Gießen mehrere bedeutsame Gießener Verkehrs- fragen. Als wichtigster Punkt der Beratungen stand der Fahrpreis der Straßenbahn auf der Tagesordnung. Wie schon früher, so sind auch neuerdings wieder Beschwerden über bie Hohe des Straßenbahnfahrprei- f e 5 zur Kenntnis des Dereinsvorstandes gebracht worden. Die Beschwerdeführer bezeichnen es als unerträglich, daß bei der Benutzung der Gießener Straßenbahn die Teil ft reckenfahrt mit20 Pfennig, dem Preis für die Fahrt über die gesamte Strahenbahnstrecke in einer Richtung, bezahlt werden muh. In den Beschwerden wird die Forderung ausgesprochen, daß auch die Straßen- bahnverwaltung durch billigere Bemessung des Fahrpreises für die Teilstrecken die auf allgemeine Preissenkung gerichteten Bestrebungen unterstützen soll. Der geschäftsführende Vorstand und der Ausschuß des Verkehrs- und Verschönerungsvereins nahmen in eingehender Aussprache Stellung zu dieser Frage und tarnen dabei einstimmig zu dem Ergebnis, daß die Beschwerden In vollem Umfange al s begründet an- zusehen sind und mit Nachdruck auf eine niedrigere Festsetzung des Teilstrecken-Fahrpreises hinzu» wirken ist. Übereinstimmend wurde von allen Rednern zum Ausdruck gebracht, daß man gegen die Beibehaltung des Fahrpreises von 20 Pfennig für die Benutzung der Straßenbahn auf einer Ganz- streckenfahrt nichts einwenden kann, da hierbei Zahlung und Leistung in richtiger Weife einan- der gegenüberstehen, daß aber für eine Teil- ft reckenfahrt der Fahrpreis unter keinen Umständen höher als 10 Pfennig fein darf. Gegenüber einem etwaigen Einwand, daß bei einer Senkung des Teilftreckenfahrpreifes auf 10 Pfennig der Einnahmeausfall der Straßenbahn zu erheblich wtzxde, ist nach der Ansicht aller Redner geltend zu machen, daß von einer Verbilligung der Teilstreckenfahrt mit größter Wahrscheinlichkeit, ja fast mit Gewißheit eine verstärkte B e - Nutzung der Straßenbahn zu erwarten ist und auf diese Weise das finanzielle Ergebnis für den Betrieb keine Einbuße erfahren wird. Die Versammlung stellte sich auf den Standpunkt, daß die Straßenbahn, wie überhaupt jeder Betrieb der öffentlichen Hand, den bewährten kaufmännischen Grundsatz, daß nur durch g r ö ß t m ö g l i ch st e Billigkeit der Lieferung bei bestmöglich- ft er Güte der Leistung das Unternehmen wirtschaftlich am besten gedeihen und wohlverstandenen Dienst am Kunden leisten kann, unbedingt wieder zur Geltung bringen muß. Um die Befrie- digung der Wünsche der Bürgerschaft nach dieser Richtung hin baldmöglichst herbeizuführen, sollen Vertreter des Vorstandes alsbald mit den zuständigen Stellen der Stadtverwaltung Verhandlungen aufnehmen, wobei als selbstverständlich erwartet wird, daß vor allem auch die Mitglieder der B e - triebsbeputatipn diesem dringenden Wunsche der Bürgerschaft verständnisvoll Rechnung tragen werden. Die Reichsbahnhaliestelle am Lrdkaukerweg. Im „Gießener Anzeiger" Nr. 273 vom 21. November wurde mrtgeterlt, daß die Reichsbahnverwaltung Ende dieses Jahres die Haltestelle Erdkauterweg bei dem Werk von Bänninger an der Strecke Gießen—Gelnhausen aufheben wolle. Als Grund hierfür sei anzusehen, daß die an der Einrichtung jenes Haltepunktes finanziell beteiligten und nach wie vor an der Aufrechterhaltung dieser Verkehrsmöglichkeit ihres Personals interessierten Firmen den seither geleisteten monatlichen Kosten- zuschuh angesichts der gegenwärtigen Wirtschaftslage nicht mehr tragen könnten. Der Vorstand des Verkehrs- und Verschönerungsvereins, der ebenso wie das städtische Verkehrsamt von dieser voraus- sichtlichen Beeinträchtigung der Verkehrsmöglichkeiten Kenntnis erhielt, nahm sofort Verhandlungen mit der zuständigen Stelle der Reichsbahnverwaltung in Gießen auf. Nach Prüfung aller Möglichkeiten kamen beide Teile zu dem Ergebnis, daß durch eine Kompromißlösung den berechtigten Interessen der Reichsbahn, aber auch den wohl- begründeten Forderungen des öffentlichen Verkehrs Rechnung getragen werden kann. Es wurde vereinbart, daß der Halt des Frühzuges Hungen—Gießen um 6.21 Uhr am Erdkauterweg von einem nahen Zeitpunkt ab fortfallen wird, da für diesen Hall bei den gegenwärtigen Beschäftigungsverhältnissen » den Betrieben kein dringliches Bedürfnis mehr vorhanden ist. Dagegen soll der Zug aus Jiflz kl Gießen idfrir MMN 0 GrößteAusslellung R6parä>ü^en;hdmplerie Anlagen 5010 Mischung edler Orienttabake, die für 31/3 Pfg. bisher nicht geboten wurde Schon vom ersten Zuge an beweist / die neue SOLO ihre hohe Klasse. [ Linoleum Tanetenhaus Ferd. Nennstiel Gießen H * 41/ M Herr Wilhelm Pfeil im 83 Lebensjahre. Von Blumcnspenden und Beileidsbesuchen bittet man absehen zu wollen |Verschiedenes| 3371 D | Steppdecken in Sieppdedtenhaus Schott Walltor*traße 21 07163 Für die e**A L_____ Vermietungen Mk. Mk. 31-35 mieten. 07155 Wetiiteinftr. 11II r. Mk. 36-42 ’cliiihhm Molli mriirf, bietet an • tD u. weg. Tee Vorstand. o' -/'S» Stellenangebote kos. ob. fnnt. z. um. I07160 yiäüereö: ■Wübiitr.‘ZSp. 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Saturn $utaJt reizt. D s ^lvw.MK7<7 Cf 12 10. t». c unverändert und beträgt nur etwa 8% Stunden. Wir müssen daher einen erheblichen Teil unseres Tageswerkes bei künstlicher Beleuchtung vollbringen. Auch am Sternhimmel herrschen die Winterbilder, allen voran der Orion, der um die Monatsmitte gerade um Mitternacht seinen höchsten Stand erreicht. Dieses Sternbild ist bekanntlich nicht nur das schönste, sondern es enthält auch mehrere Sterne, die für die neuere Wissenschaft besonders wichtig geworden find. Ganz besonders wollen wir auf den Orion- ncbel aufmerksam machen, der an der Stelle unter den Gürtel des Orion bildenden drei Sternen steht, wo die Alten das sog. „Schwertgehänge" des Riesen zeichneten. Der über alle Vorstellungen weit ausgedehnte Nebel besteht aus ganz fein verteiltem diesen seinem Schicksal überlassend. Sie steht nun ganz in der Nähe des Saturn; die beiden bilden ein recht wundersames Paar, denn mit dem hellen Glanz der Venus kann der Saturn nicht entfernt wetteifern. Man kann es wohl verstehen, daß jene als junge Frau, dieser als grämlicher alter Mann dargestellt wurde. Der Jupiter steht im Löwen, den ganzen Monat fast unbeweglich. Mitten durch den Sternhimmel zieht sich das mächtige aus vielen Millionen Sternen bestehende Gebilde der Milchstraße, über deren Natur — ob aus einzelnen selbständigen Sternwolken bestehend oder ein einheitliches Gebilde —, ob in schneller Drehung befindlich oder nicht, jetzt viele tiefgründige Ueberlegungen angestellt werden. Kü st ermann. Kurheffen Kassel in Gießen. VfB. Gießen — Kurhessen Kassel. Ein Verbandsspiell Ein Verbandsspiel, dem höhere Bedeutung zuzumessen ist als irgend einem anderen Spiel in Gießen während der jüngsten Zeit. Die Namensvettern der Grünweißen, die Liga der Kurhessen, sind ein Gegner, von dem man, trotz der im augenblicklich wenig günstigen Papierform, allerlei erwarten darf. Jedenfalls können die VfBer an diesem Gegner beweisen, ob sie tatsächlich besser sind als ihr Ruf und ob es wirklich so ist, daß die Grünweißen dann in ihren Leistungen wachsen, wenn sie einem qualifizierten Gegner gegenüberstehen. Der Gegner des Sonntags wird geeignet fein, die VfBer zur Hergabe ihres ganzen Könnens zu veranlassen. Oie Mannschaften treten in folgender Aufstellung an: VfB. Kurhessen: Kniep Garmitzel Weber Schröder Rindermann Wuth Dickel Krageser Falck Luchhardt Kanertz Fehling Wlodarek Haupt Mattern Schmidt Lehrmund Knaus Leutheuser Singel Kreß I Balser VfB. Gießen: Die Kurhessen stellen ihre wohl stärkste Vertretung, in der sich auf dem Posten des linken Verteidigers der internationale Weber befindet, der Deutschland bereits in 12 Länderspielen vertrat. Der Sturm der VfBer, der durch das Fehlen von Bärenfänger immerhin geschwächt erscheint, wird schwer zu arbeiten haben, wenn er sich gegen diese Verteidigung durchsetzen will. Es wird eines weitaus produktiveren Spieles bedürfen als es bisher gepflegt wurde, wenn die Gießener zu Torerfolgen kommen wollen. Wenn auch der Sturm der Kasseler über eine ausgesprochene Schußkanone auch nickt verfügt, so werden doch gegen diese Mannschaft in Anbetracht der zuverlässigen Verteidigung Tore, wenn sie einmal für Kurhessen gefallen sind, schwer aufzuholen sein. Für die Kasseler ist dieser Kampf von besonderer Bedeutung. Die Mannschaft hatte nicht zuletzt durch das öftere Fehlen ihres Verteidigers Weder zu Beginn der Spielzeit einen schlechten Start gehabt und ist nun tatsächlich so weit in das Hintertreffen geraten, daß sie in der Tabelle nur noch eine Position vor dem VsB. steht, also an viertletzter Stelle. Wenn den Kurhessen ein Sieg morgen nicht gelingt, bann wird es für die Mannschaft schwer halten, dem Abstieg, der in dieser Saison einige Mannschaften treffen muß, zu entgehen. Die Kurhessen würden den Abstieg zweifellos um so härter empfinden als sie bisher in der Liga immer in vorderster Linie standen und einigemale den Bezirksmeister gestellt hatten. Unter diesen Voraus- sctzungen wird sich die Mannschaft sicherlich bemühen, einen Sieg sicherzustellen. Das alles sollte jedoch kein Grund für die VfBer fein, das Spiel schon von Anfang an verloren zu geben, wenn auch (das kann nicht verschwiegen werden) die Chancen auf Sieg für die Hiesigen nicht allzugroß sind. Erwähnenswert ist die Erinnerung daran, daß sich die Kurhessen auch nicht gegen ihre Namensvetter von Marburg durchsetzen konnten und 2:0 verloren. Initiative im Sturm, saubere Deckunasarbeit, exaktes Zusammenspiel und die nötige Umsicht in bezug auf Abseitsstellung (Schmidt) werden wesentliche Voraussetzungen für ein ehrenvolles Abschneiden sein. Ein Sieg der Gießener, und sei er noch so knapp, würde eine freudige Überraschung darstellen. Die Ligareserve erfüllt am Sonntag eine alte Rückspielverpflichtung, fährt nach Aßlar und trägt dort ein Freundschaftsspiel gegen die dortige erste Mannschaft aus. Der Ausgang des Kampfes ist offen. Vor dem Spiel der Ligamannschaften tragen die erste und zweite Jugend Verbandsspiele gegen die erste und zweite Jugend von Sportverein Wetzlar aus. Gewinnt die erste Jugend ihr Spiel, so hat sie berechtigte Aussicht, die Meisterschaft ihrer Klasse zu erringen. Nach dem Spiel gegen 1900, in dem sich die VfBer als in sehr guter Form erwiesen, dürfte zu erwarten fein, daß die beiden Punkte den Gießenern bleiben. Spielveremigung 1900 Gießen. Die Liga der Spielvereinigung 1900 ist spielfrei. Die Ligarcserve bestreitet ein Derbandsspiel gegen Oberbiel. Der Ausgang des Kampfes ist offen. 2m Vorspiel verloren die Gießener trotz großer Lleberlegenheit mit 1:0. Die dritte Mannschaft ist ebenfalls spielfrei. Die vierte Mann- fchaft trägt gegen Lollar ein Spiel um die Gruppenmeisterschaft aus. Die DIauweißen stehen vor einer schweren Aufgabe. Die Mannschaft spielte bisher ungeschlagen und hat noch keinen Verlustpunkt auf dem Konto. Lollar stellt eine gefäh.liche Mannschaft, gegen die die 1900er im Vorspiel nur mit 2:1 gewinnen konnten. Die fünfte Mannschaft hat den Verbandsneuling Muschenheim zum Gegner. Die 1900er sind in Front zu erwarten. Die sechste Mannschaft trägt bereits das Rückspiel gegen Krofdorf aus. Der Sieg wird den Blauweißen nicht zu nehmen sein. Jugendspiele. Die erste Jugend fährt ersatzgeschwächt nach Butzbach und steht Dort im Pflichtspiel der ersten Jugend des DfR. gegenüber. Das Vorspiel wurde nach schwerem Kampf 3:1 gewonnen. Die körperlich bedeutend stärkeren Butzbacher werden auf eigenem Platze versuchen, diese Niederlage auszugleichen, so daß 1900 von vornherein das Spiel nicht zu leicht auffassen darf. Die zweite Jugend empfängt die erste Jugend aus Dutenhofen und wird das Spiel gewinnen, wenn es die seitherigen Leistungen zeigt. Die 1. Schüler werden in Wetzlar von den 1. Schülern des dortigen SV. erwartet. Da beide Mannschaften über gutes Spielermaterial verfügen, darf man auf das Ergebnis gespannt sein. Die 2. Schüler treten gegen die 2. Schüler von Wieseck an und werden wohl einen Sieg mit nach Hause bringen. FC „Teuion:a"Watzenborn-Steinberg Am morgigen Sonntag treffen sich die erste Mannschaft der Teutonen und die erste Mannschaft des SpC. 1921 Daubringen zum fälligen Verbandsrückspiel in Steinberg. Daubringens erste Elf war in den bis jetzt ausgetragenen acht Verbandsspielen die einzige Mannschaft, die dem Spitzenführer einen Punkt abnehmen konnte. Die Gastgeber werden diesmal alles daransetzen, um das Resultat vom Vorspiel zu berichtigen und die Punkte für sich zu buchen. Die zweite Mannschaft trägt ihr Verbandsrückspiel gegen die zweite Mannschaft der Spvg. Leihgestern in Leihgestern aus. Rach den Leistungen des Vorsonntags sollte Steinberg in der Loge sein, einen, wenn auch knappen, Sieg zu erringen. Sportverein 1928 Garbenteich. Am morgigen Sonntag wird die 1. Mannschaft des Sportvereins Garbenteich die 2. Mannschaft des VsR. Butzbach zu Gast haben. Garbenteich wird in diesem Derbandsspiel alles daran sehen, sich für die letzte Riederlage zu revanchieren. Es steht zu erwarten, daß diesmal der Sieg in Garbenteich bleibt, denn die Hiesigen sind auf eigenem Platze schwer zu schlagen. Die 1. Jugend hat die 1. Jugend des VsR. Lich zu Gast. Die Jugendlichen von Garbenteich werden sich in diesem Derbandsspiel die Punkte kaum nehmen lassen. Das Spiel Garbenteich 1. — Lollar 1. am vergangenen Sonntag endete 3:4 (2:2). Sportabteilung des Turnvereins Lollar Auf dem Platze des Turnvereins Lollar herrscht am morgigen Sonntag lebhafter Spielbetrieb. Die Sportabteilung des Turnvereins tritt mit allen aktiven Mannschaften auf den Plan. .Vormittags spielen die beiden zweiten Handball- mannschasten gegen die Mannschaften von 1900 Gießen und Ruttershausen. Die beiden 1. Mannschaften treten mittags gegen Leihgesterns 1. und Llllendorfs 2. Mannschaft an. Die Fußballspieler haben ebenfalls zwei wichtige Treffen auf dem Programm. Die 2. Mannschaft hat den Tabellenführer der Klasse, die 3. Mannschaft der Spielvereinigung 1900 Gießen, zum Gegner. Wenn es den Hiesigen gelingt, die Gäste zu schlagen, so stehen beide Mannschaften punktgleich an der Spitze. Die 1. Mannschaft hat in der 1. Mannschaft der Svielvereinigung Leihgestern einen außerordentlich schwer zu nehmenden Gegner, der die Hiesigen vor eine große Leistungsprobe stellen wird. Das Vorspiel verloren die Lollarer mit 9:3. Diesmal haben die Hiesigen den Vorteil des eigenen Platzes und sollten imstande sein, ein besseres Ergebnis herauszuholen. Handball der Sp.-Vg. 1900. Am Sonntag beginnt, nachdem die Spiele mit den DT.-Vereinen zum Abschluß gebracht wurden, im Gau Gießen-Wehlar die D S V. - Handballrunde. T ilnc h nende Vereine sind: Polizei Butzbach, VfL. Wetzlar und Spvgg. 1900 Gießen. Die beiden Letztgenannten stehen sich nun am Sonntag in Wetzlar gegenüber. An den Ergebnissen innerhalb der DT.-Runde gemessen, müssen die Mannschaften als gleichwertig bezeichnet werden, denn beide Treffen endeten unentschieden. Dem Tabellenstand nach ist den VfL.-Leuten jedoch ein kleines Plus zuzuschreiben. Die Splelvereinigungsmannschast hat einige Änderungen erfahren, die sich jedoch nur für die Hintermannschaft vorteilhaft auswirken dürsten, beim Sturm vermißt man die notwendige Durchschlagskraft. Handball im Gau Hessen CD. T.) Zu einem Freundschaftsspiel emvfängt die 1. Mannschaft des TV. G r o h e n - L i n d e n die 1. Elf des TV. Dutenhofen. Die Einheimischen sollten das Sviel für sich entscheiden. Am kommenden Sonntag weilen die erste und zweite Handballmannschiften des Tv. Hochelheim bei dem Tv. Klein-Linden zu Gast, um gegen die beiden Mannschaften Freundschafts- jpiele auszutragen. Der Ausgang beider Spiele ist ungewiß. Handball im Labn-Dünsberq-Gau In der Fortsetzung der Meisterschaftsspiele im Lahn-Dünsberg-Gau stehen für den morgigen Sonntag wieder S-iele auf dem Programm, deren einige interessante Treffen bringen dürften. In der Gauklasse stehen sich Londorf 1. und Atzbach 1. sowie Dorlar 1. und Wieseck 1. gegenüber. Im Bezirk l der DezirkLklasse spielen Erda und Launsbach, sowie Rodheim und Wißmar. 3m Bezirk II treffen sich Lollar 2. und Ruttershausen, außerdem Rordeck und Londorf 2., Allen- dorf 2. und Lollar 1. Im Bezirk III stehen sich Burkhardsfelden — Albach 1., Atbach 2. — Hausen 2. und Beuern — Steinbach gegenüber. In der Jugendklasse steht lediglich das Spiel Rod- Heim—Dorlar auf dem Programm. Lehrgang für Mädchenturnen. Am morgigen Sonntag beginnt in Staufenberg, durchgeführt vorn Lahn-Dünsberggau (Südwest- deutscher Turnverband ADT.), ein Lehrgang für Mädchenturnen, der sich über mehrere Sonntage erstrecken soll. Die Leitung des Lehrganges liegt in Händen des G au- Frauenturnwar ts Fritz Karbe r , Odenhausen. GerÄemannschaflSlamps in Waldgirmes Arn heutigen Samstag treffen sich in Waldgirmes die besten Geräteturner der Turnvereine Eräfenhausen bei Darmstadt, Lollar und Waldgirmes zu einem Gerätemannschaftskampf. Jede Mannschaft besteht aus sechs Turnern die am Reck, am Barren und am Pferd je eine Kürübung und eine Kurfreiübung zu zeigen haben. Bei dem Vorkampf im vergangenen Jahre konnte der Turnverein Lollar den ersten Platz belegen, während Gräfenhausen und Waldgirmes punktgleich lagen. Die teilnehmenden Vereine verfügen über sehr fähige Turner, so daß ein interessanter Wettbewerb zu erwarten steht. Bei der Ausgeglichenheit der Kräfte ist der Sieger vorher kaum zu nennen. Vom Büchertisch des Sportlers. — „Volks- und Bausrnspiele". Eine Sammlung von luftigen Spielen. Von Thilo Scheller. 64 Seiten, zahlreiche Abbildungen. „Bücherei für Leibesübungen". Verl. Quelle & Meyer. Leipzig. (414.) — Was können wir spielen? Wie oft wird nicht diese Frage gestellt, wo spielhungrige Jugend zusammenhockt oder wo Sportkameraden ihre Freizeit aussüllen wollen. 11 nb wenn es auch Tausende von Spielen gibt, wie oft will im rechten Augenblick feinem etwas Geeignetes einfallen! Da bietet sich dies luftige Spielbuch als willkommener Berater an. Thilo Schellers Schriften glänzen durch witzige Einfälle. Hier legt er eine Sammlung von Spielen vor, wie sie die Kinder auf der Straße spielen, wie sie bei Dauern und Schiffern im Schwange sind oder in der Enge des Schützengrabens geübt touröen. Zu jedem Spiel ist eine genaue Beschreibung geboten, so daß sich jeder die Spiele zu eigen machen könnte. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 6. Dezember. 2. Advent. Stadtkirche. 9.30 Uhr: Professor Michel; 11: Kin- dcrkirche für die Matthäusgeweinde; Prof. Michel; 17: Pfr. Becker; Beichte und hl. Abendmahl für die Markusgemeinde. — Jahanneskirche. 9.30: Pfr. Bechtolsheimer; 11: Kinderkirche für die Lukas- gemeinde; Pfr. Bechtolsheimer; 17: Pfr. Ausfeld; Beichte und hl. Abendmahl für die Johannes- gemeinde; 20: Misfionsstunde im Johannessaal; Pfr. Groh. — Kapelle des Allen Friedhofs. 9.30: Pfr. Lenz; Beichte und hl. Abendmahl für die Luther- gemeinde; 11.15: Kinderkirche für die Luthergemeinde; Pfr. Lenz. — Elisabeth-Kleinkinderschule. 9.45: Pfr. Lic. 3ßaas; 11: Kinderkirche für die Pe» trusgemeinde; Pfr. Lic. SBaas. — 3m Saale der neuen Krippe. 11: Kindergottesdienst für die Jo- hannesgemeinde; Pfr. Ausfeld. — Klein-Linden. 11: Kindergottesdienst: 13.30: Hauptgottesdienst. wieseck. 10: Hauptgottesdienst; 17.30. — Kirchberg. 10: Kirchberg; 13.30: Daubringen; 13.30: Mainzlar. — Hausen-Garbenteich. 10: Garbenteich; 13: Hausen. Watzenborn-Steinberg. 13.45: Haupgottesdienst. — Grüningen. 10: Hauptgottesdienst: 11: Kinderkirche. — Lich. 9.15: Beichte; 9.30: Stiftspfarrer Draudt; Chorschule; Kirchengesangverein; hl. Abendmahl; 13: Kindergottesdienst; 14: Stiftsdechant Kahn. katholische Gemeinden. Samstag, den 5. Dezember. Gießen. 16.30 und 19: Beichte. Sonntag, den 6. Dezember. 2. Adventssonntag. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Männer; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 17.30: Christenlehre und Andacht. — Grünberg. 9.45: Messe mit Predigt. — Hungen. 17.30: Vortrag und Andacht. — Lau- bad). 10: Hochamt mit Predigt; 14.30: Christenlehre und Andacht. — Lich. 7.30: Hochamt mit Predigt; 20: Vortrag und Andacht. — Ridda. 8.30: Hochamt mit Predigt. — Schotten. 10.30: Hochamt mit Predigt. Mittwoch, den 9. Dezember. Hungen. 7.30 Uhr: Messe.____________________ Sonntagsdienst d.Aerzte n.Avo1h"ken am 6.12.31 n-rau Dr. Rothenberaer. Dr. Ger Velikanavoth. Zahnarzt: Dr. Buck g > Der Sonn' entgegen — führen die vier billigen Orient- und Mittelmeerfahrten, die in den Monaten Februar bis Mai 1932 der Norddeutsche Lloyd Bremen mit seinem 11 000 Br.-Rcg.-Tons großen Doppelschrauben-Passagierdampfer „Karlsruhe" veranstaltet. Hebet alle Einzelheiten dieser wirklich zeitgemäßen Reisen geben der Nordodeutsche Lloyd Bremen oder seine Vertretungen unverbindlich Auskunft. (Siehe Inserat.) 8314V Gin Kleines Kapital kür Meinen Sohn! er wird es beützen. wenn er es nötig hat - gan? gleich, ob Mu dann noch lebtt oder nicht - durch eine »> Lebens -Verücherung mit fettem ÄusMlungs - Leitpunkt« Erkundige Mich nach dm dorteilhaften dDin^elljeiten! 0 ft» NEUERÖFFNUNG K«7D haus Schönau. find auch getrennt m vergeben. IW2D Um gütigen Zufpruch bitten Telephon 387? HEINRICH DECHERT UND FRAU AUSSTELLUNG Ihre Vermählung zeigen an mann, Südanlage 4 und an der Abendkasse. 8300 D 8379 D Kirchenplatz Heute bis 10 Uhr abends geöffnet HAUSFRAUENBERATUNG 07127 Statt Karten! Ihre Vermählung zeigen an Gießen, Alicensiraße 37, den -.Dezember 1931. 8342 l Statt Karten I und vieles andere 8317 d Beginn: Samstag, 5. Dezember 1931 (Uchch «5 I347D Statt Karten. Paul Denz, Bäckermeister Gießen, den 4. Dezember 1931. 8374 0 Erzeugnisse von Bruckner & Stark in Nürnberg Heinrich Arnold, Schreinermeister Lollar, den 5. Dezember 1931. 8uo r Heinrich Reuth und Frau Käthe, geb. Keil Gießen, den 5. Dezember 1931 Dammstraße 2T * Krvfdorser Sttaße 10. Ein neuer Hui erfreut immer! Hui-Richter Marktsuaße 24-26 Sonntag: Letzter Tag Bis 8 Uhr abends geöffnet! Sonntagnachmittag 4 Uhr: Großes Militär-Konzert ausgeführt von dem gelernten Mulikkorps des L (Helf.) Grenadier-Beils. 45. Infanterie-Regiment, Leitung: Herr Obermulikmeilter E Krauß«. Eintritt frei. 8 Uhr abends: Großer BURGERBALL mit Militär-Konzert. Heinrich Älum Gretel Slum, geb. Müller Für die mir anläßlich meines SO. Geburtstages erwiesenen Aufmerksamkeiten sage Ich meinen herzlichsten Dank 3ton Gottfried Hofmann und Frau Man'echen, geb. Dolz Vermählte »9 filnoiete ßnnnoniiiins werd, iadiflcmäh u. oreiöweri ae- sttmmi u revar. S.EHNI^ Giebeo.Ladwißslr 5p leieobon 2403 Verkant o neuen ii nebt fllno Der verehrten (Zinwohnerschast von Gießen zur Kenntnisnahme, baß Ich die Bäckerei, Konditorei und Cafe von Herrn Theodor Karl,LicherStraße 29,übernommen habe. gS wirb mein eifrigstes Äestreben sein, die Kund- schast reell und gut zu beb enen. Hochachtungsvoll 21. Oortl -Del. -D-Ilft lvünsche, -36'r Tnaria} -Nein. «X Mo Jerne Trauringe qlaO.maH, qekommefl dzjselie4 750 qeUempell Marl PecL,£ellersweqG^ wtm Gq. Spies. Äad Nauheim 5. Dezember 1931 Lich Preis-Schieben im „Thüringer Hoi“ Inh. Emil Sieck 1. Preis: Eine Chaiselongue 2 Preis: Ein wertvoll Oelgemälde 3. Preis: 25 Flaschen Wein Komplett 4g RA 77391 * K1k. IO,3U 6> De« gen 2c nach^ entlaste! mehr a qcgenüt mag. p klagt w Holet die der Sü° giert chre 21« vir rs-li-en hr tpmi Sepp«. HM u 'srad) al ljch abc leben m oinnci mit iln' ntn, flj oerlchw' Däh gröherc gibt ir Siem । man N «chcmt 3 e f ü f drechun, kloh dc Sucin der lich gebracht den 6ir Hatur i Per W Ami i Niger be tiichen K 'Heifcnbe; Loppii gemälbe teilen £ dem Cm baden in mit! 633 de- für nenben ' fläche vi Tief i lveieinh lich brau zugraben vaar TS unmbe» wenn ri man irr oicUeid ;m 3a aäbemi Aechu Auch veike z varum Durch ble glü^llche Geburt eines gefunden MädelS wurden hocherfteut Privatdozent Dr. ß. Iltoffenbeck Oberarzt an der llniversttatSfrauenkNnlk Oipl.-Ing. (5mmy ^offenbeck geb. von llhle Arbeitsgemeinschaft derMilitär- und ^egimentsvereine Gießen Zu den Gefallenengedenkfeiern verbunden mit f^ilmDorfübrunn über die Einweihung des .Kriegerfriedlwfs Rone» 2t.-AüUes am Montan, dem 7. Dez.1931, im Astoria-Pichtsvielbaus, Leltersweg, laden wir hiermit nodnnals die Mitglieder der uns annefcblossenen Vereine, bie Slngebörigen von Gefallenen sowie die gesamte Bürgerschaft ein. Beginnzeiten: nachm. 16, 18 und 20.30 Uhr. Eintrittsorcise: NM. 0,60; (Erwerbslose mit Ausweis RM. 0,30. Reinertrag für Gievener Winternothilfe. esseD Trümvert, I. Vorsitzender. Lumophon - Erzevgniite lind in jedem guten Ro- dio-Fodigexhon erhältlich. Verlangen Sie dort unsere Druckschrift 100. Solange Vorrat! Filz- schnallen- Stiefel mit Lederkuppe k»»A 27—35 1.00 Mk. 36-42 1.50 Mk SchuhhausWollf Bleflen, Selterew. 4 Das Haus der Musik- Ernst Chalfc ' ünldklani ST* Violinen in allen Grollen und Preislagen. H. Leieretnii in unerreichter Auswahl. Heisterbeiei. Deutsche und italienische Salten für alle Instrumente Klarinetten, Flöten, Ciakani, Trompeten, Poiannen, Saxophonei. Konzert- und Akkord Zithern. Hohm r Tange-Akkordeens. Universal Ziehharmoniken, ^on»£zCnn Di Das Leipziger Soloquartett für Kirchengesang singt Montag.den 7 Dezember 1931, abends 8 Uhr in der Stadtkirche Eintritt 50 Rpf. und 1 RM. 07084 Reinertrag für die Krippe Lichtspielhaus-Gießen Nur noch 2 Tage, heute und Sonntag, den 6. Dez. Das große Schlagerprogramm I. Bewunderung erfüllt Sic bei dem hochinteressanten Ufaton-Kulturfilm Tanzende Bäume DerTodcstanzderWaldrieeen von Berg zu Tal in den Karpathen. II. Lachen schüttelt Sie bei dem Tonfilm-Schwank der Ufa Der Stumme von Portici wenn ein Ehemann „stumm“ und seine bessere Hlilfte..sehend" wird.und wenn die Elite der Komiker. Szöke Szakall. Siegfried Arno, Karl Etlinger u. Paul Hörbiger im Verein mit Ida Wüst und Trude Berliner aufmarschieren. III. Erregung nackt Sic bei dem Kriminal-Tonfilm der Ufa mit Charlotte Snsa D-Zug 13 hat Verspätung Klavierabend Lubka Kolessa Werke von VivaldL Chopin, Liszt und Debussy Der Bechstein - Konzertflügel ist vom Piano- Qoßio Aber ein Radio von Lumophon muß es sein. Die neuen Lumophon - Empfänger und Lautsprecher für Wechsel- u. Gleichstrom (auch mit eingebaut. Lautsprecher erhältlich) bieten in Trennschärfe, Tonreinheit, Aussehen, Preislage wirklich etwas Besonderes. Ein Beispiel: LUMOPHON 440 Der 4 Röhren Schirmgitter- Empfänger, mit geeichter und zweifarbig beleuchteter Wellenskala, bringt Ihnen ganz Europa einwandfrei und ohne Mühe in Ihren Lautsprecher. Preis ohne Röhren RM. 175.— Der Röhrensatz kostet 69.50 Dazu der neue dynam. Lautsprecher LUMOPHON D78 Gießener Konzertverein Monntag, den 13. Dezember 1931. 17 Ihr. lalle, Sprechapparate und Schallplattee der führenden Marken. Leitwerke, Tealtkruiea, SchaUleaei usw. für Selb.Hteinhauer. — leparatarwerkatatL Aellesles und irö6les Spezialßesdilli Franklnrts. Müsikhaas Albert W Nam. Fahrgasse 128 Gew-1875 Töngesgaaae 4 an der Konstabler Wache). — Telephon Hansa 24333. i des Cafe-Reltaurant Liebigshöhe am Sonntag, 6. Dezember 1931, nachmittags 4 Uhr Der verehrten Einwohnerlchah von Gießen und Umg., allen Freunden und Gönnern, den Vereinen, Gesellschaften und studentischen Korporationen zur gefälligen Kenntnis, daß wir das renovierte Cafe-Reltaurant Liebigshöhe übernommen haben. Unser Beltreben wird es lein, allen Gälten durch Verabreichung erltklatiiger Speisen und Getränke, durch vorzügliche Backwaren aus eigener Konditorei in jeder Hinlicht xufnedensuliellen. Gleichzeitig empfehlen wir alle Säle für besondere Veranstaltungen und Festlichkeiten. Einige Samstage und Sonntee lind noch frei. Die Säle Lichtspielhaus GießeniM in Verbindung mit der HcHNie.-hcn Bildstelle und dem tioethebund Kulturfilmveranstaltung Sonntag, 6. Dez., vorm. 11.15 L'hr Himatschal Der Thron der Götter Die internationale Himalaya-Expedition 1930 von Professor Dr. DYHRENFURTH Eine Tonfilm-Reportage von dem Kampf mit den Bergen über 7000 Meter Höhe Hintritt von 0.60 bl* 1.50. für Schiller halbe Preise. Mitglieder des Goethebundes und die an- geschlossenen Verbünde (50 Pf. und 1 RM.) gegen Einlösung des Gutscheins Nr. 3. «356 c 100 RaMh-rklingcn a. f.Edelst. Haarsch. nur RM. 3.30 Nachn. 50 Stück RM.2.20 „ Rasierkl.Spezialh. Tiscntenms, nein, Kleines Billard, ja! Eintrittskarten; 2, 3 u. 4 RM. bei Ernst Challier und abends an der Kasse. Studentenkarten RM. 1- gegen Ausweis bei Herrn Sekretär Ritter und im neuen Studentenhaus. GesellsGhaftfürErd-u.Völkerkunde Donnerslag, den 10. Dezember 1931, abends 81. Uhr, in der neuen Universitäts-Aula: Lichtbildervortrag Prof. Dr. Hans Winkler, Hamburg Eine botanische Forschungsreise in das Innere von Borneo Eintritt: Mitglieder frei, Nichtmilglieder 75 Pf., Studenten, Schüler, Militär 40 Pf. Kartenvorverkauf bei Dr. Töpel- S Ur. 285 Drittes Blatt Tlebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)Samstag, 5. Dezember Ml Geschichten aus Italien Don unserem römischen Ein Alpenauge erblindet. Dem wirtschaftlichen Titanenwerk der „völligen Donifizierung" Italiens, die das Land nach Möglichkeit von der ausländischen Einfuhr entlasten soll und der Nation in der Tat schon mehr als eine Kolonie im eigenen Lande ohne Schwertstreich erobert hat, steht auf der anderen Seite so manche Landschaftsverwüstung gegenüber, die buchmäßig nicht ins Gewicht sallen mag, von den Naturfreunden aber bitter beklagt wird. Unsere Sentimentalität wird schweigen, wo sich die Stimme der Vernunft für die Trockenlegung der Sümpfe erhebt, in denen der gelbe Tod regiert. Mag die Wildnis der pontinischen Sümpfe ihre Reize gehabt haben für Maler und Jäger, wir heben vor dem Traktor den Arm zum römischen Gruß. Wir begreifen die Umgestaltung der römischen Campagna, wenn auch die riesige Steppe, dieses erschütternde Massengrab der Antike unmittelbarer zum geschichtlichen Gefühl sprach als der blühende Kartoffelacker. Es lehnt sich aber etwas in uns auf, wenn man zusehen muh, wie um eines fragwürdigen Gewinnes wegen die V e r g s e e n, die wir nicht mit Unrecht als die Augen der Alpen bezeichnen, geblendet werden. Sie erblinden und verschwinden. ^-Korrespondent. Wenn eine Alpengruppe das Auge zum ewigen Himmel aufschlägt, was kümmert es uns? Tabak und Gemüse sind eine reale Angelegenheit. Was die Zeitung so bringt... Aus einem Bericht, der dem amerikanischen Grotz- industriellenverbande vorgelegt wurde, ergibt sich, daß in den letzten sieben Jahren 35 600 000 Auto, mobile hergestellt wurden, davon allerdings nur .4 000 000 in Europa. Gesamtwert 520 Milliarden Franks, das ist das Doppelte des Goldwert s, das es auf Erden gibt. Tagesproduktion bis zu 20 000 Wagen. 3n Basel hatte ein australischer Student Schwierigkeiten bei den Zöllnern, weil er ein menschliches Skelett mit sich führte. Als endlich einwandfrei festgestellt wurde, daß es sich um keinen Mörder handeln konnte, weil das Gerippe viele hundert Jahre alt war, kam erst das dicke Ende: Wie sollte die Sache verzollt und gebucht werden? Nach welchen Tarifen? Kopfzerbrechen. Schließlich die Erleuchtung: Zollfrei, weil „gebrauchte Ware". Die Bibel ist ins Eskimesische übersetzt worden. Schilderung der ungewöhnlichen Hindernisse. Die Eskimos haben so lange Wörter. Die Tatsache, daß es auf Erden viele verschiedene Menschenrassen gibt, drücken sie folgendermaßen aus: Kaujijuksanvose ino- kotigskekakramat. Das kommt den Italienern komisch vor. Die Taucher des „Artiglio", des italienischen Bergungsschiffes, das die Goldschätze der „Aegypten" heben will, sind mit Dynamit an die Schatzkammern gelangt. Unterhaltung mit den Rittern der Tiefe. Im dunkelsten Afrika ist es der einzigen weißen Frau, die dort haust, einer englischen Missionärin', geglückt, den „Herrn mit dem dicken Kopfe", der die Negerdörfer heimsuchte, zu erlegen. Mangels Waffen tat sie das mit M o r p'h i u m. Miß Ethel Hall gill seither als der stärkste Medizinmann. Photographie des Löwen. Wie der „E r d b e b e n m e n s ch" die Erdbeben spürt, die nur die feinsten Seismographen verzeichnen. Schilderung eines „Robot", eines künstlichen Soldaten, mit einem Stahlherz von 70 PS, der Bajonettangriffe ausführen, Handgranaten werfen, stürmen und schießen kann, der sich, kurz gesagt, „in allem wie ein zivilisierter Mensch benimmt". Kleinkram: Sechs Monate alte, tagesfrische Blumen auf dem Grabmal Nelsons. In 27 Tagen viermal über den Ozean. Der gigantische Streit um die Gewinnlose. Millionenraub auf einem französischen Dampfer. Bon 50 Grad unter Null bis zu 100 Grad Wärme. Effekte des „Trockeneise s". Gemeinverständlich gehalten. Eine halbe Spalte. In einem Kohlenbergwerk der Rocky Mountains wurden im Flöz prähistorische Eidechsen entdeckt. Schauerlich — zwei lebten noch. Eine zer- Während man in der Schweiz schon einem größeren Teich den Ehrennamen eines Seeli gibt und auch die Wasserflächen, die keinen Stern im Führer haben, wie Kleinodien pflegt, man denke nur an den Blausee im Kandertal, scheint der Italiener auch heute noch kein Gefühl für die wundersame, glitzernde Unter- brechung der grauen Felsen zu haben. Er ist stolz darauf, die Trockenlegung des mächtigen Fucino-Sees in den Abruzzen, an der sich die Alten vergeblich versuchten, zuwege gebracht zu haben und kümmert sich wenig um den Einwand, daß dieser harte Eingriff in die Natur nicht nur die Landschaft, sondern sogar das Klima zu seinem Nachteil verändert habe. Der Pflug geht über den Seegrund — basta! Nun ist nach der Vernichtung so mancher weniger bekannter Wasserspiegel, nach der schematischen Kanalisierung schöner Fluhläuse der vielen Reisenden ans Herz gewachsene Vergsee von L o p p i o an der Reihe, dieses einzigartige ür- gemälde zwischen Rovereto und Riva. Die grotesken Felszinnen sollen sich nicht länger in dem Smaragd spiegeln, die Wolken nicht mehr baden in dem hochgehaltenen Becken — weg damit! 630 000 qm Wasserfläche ergeben nach Abzug des für Kanüle, Straßen und Baulandes zu rechnenden Arealverlustes von 10 Prozent eine Nutzfläche von 56 Hektaren. Also! Tief ist der See auch nicht, eineinhalb bis zweieinhalb Meter, er liegt erfreulich hoch, folglich braucht man nur das alte Ernissarium auszugraben und der ganze Zauber fließt in ein paar Wochen ab. Die Beschaffenheit des Seegrundes ist agrartechnisch einwandfrei festgestellt, wenn man zunächst Gras oder Lupinen sät, kann man im vierten Jahr Mais Pflanzen, im zehnten vielleicht Tabak oder Gemüse. Ertragschähung im Jahresmittel 165 000 Lire, Ausgaben annähernd ebensoviel. Später mehr. Einfache Rechnung. Auch der Bodensee weist auf kilometerweite Flächen Tiefen von nur 1—2 Meter auf — warum schüttet man ihn nicht einfach zu? ‘ **■’ V . ?*>•.. t» * 1 x-- . I ... ?'< ■ . ...... ■ ■ > Al"' . « -./V- wg# - •• ~ < V Auch Holland im Zeichen her Wirtschaftskrise. Die Wirtschaftskrise wirkt sich jetzt, auch in solchen Ländern aus, die wie Holland von den Schrecken des Krieges, der Revolution und der Inflation verschont geblieben waren. Holland hat besonders große Verluste durch den Sturz der englischen Währung erlitten und muß dazu ein nicht unbeträchtliches Arbeitslosenheer ernähren. In verschiedenen Städten kam es zu Streiks, die zeitweilig den Einsatz größerer Polizeiabteilungen nötig machten. Unser Bild zeigt streikende Arbeiter in der holländischen Industriestadt Enschede. brach allerdings, als man sie in die Hand nahm, dis andere aber konnte lebend nach Ottawa geschickt werden. Von der Vision der Mutter bis zum Alpdruck. Was die Zöglinge eines Korrektionshauses erzählen. Drei schwarze Katzen. Büffel, Hunde und Schlangen. Un- gemein interessant. Zwei Spalten. Phantasiebild. Bisons, die ins Museum wandern, unmittelbar von der Prärie weg. Photographie. Die neuesten Gasmasken. Abgebildet. Ein fideles Gefängnis. In Winterthur becherten die Gefangenen, kegelten, gingen ins Kino. — Kurzwellen verhindern Zersetzung der Lebensmittel. * Das alles und noch einiges mehr ist auf einer einzigen Seite einer römischen Abendzeitung zu finden. Die italienische Einheitspresse ist politisch eintönig bis zur Unerträglichkeit, aber wie man sieht, weiß sie sich zu helfen. Man nimmt sein Leibblatt gern zur Hand, man muß sich nicht immer'über den politischen Unverstand der andern ärgern und an die Geschichte mit den munteren fossilen Eidechsen braucht man ja, sie kommt aus Amerika, nicht gleich zu glauben. Hauptsache: die Zeitung ist nicht langweilig. Es „steht was drin". Der Mund der Wahrheit hat gelogen. Was die Kinder in Rom nicht leiden können, das ist die Bocca delia Veritä, der Mund der Wahrheit. Man kann ihnen diese Abneigung auch nicht verdenken, denn wenn man zur Beteuerung, daß man keine Lüge gesagt habe, die Hand in diesen Mund legt, dann — ist sie futsch. Der Mund — schnapp — schließt sich einfach, beißt die Hand ab und man steht als überführter Sünder da. Scheußlich. Schon die alten Römer mutzten bei einem wichtigen Schwur vor die Bocca della Verita treten und sich auf so drastische Weise von dem Ungeheuer ihr reines Gewissen bestätigen lassen. Wan darf eben nicht lügen. Daher haben die Korrespondenten der ausländischen Presse in Rom an die Türe $u ihrem Arbeitsraum in der Hauptpost eine Abbildung des Wahrheitsmundes gehängt. Seither ist bekanntlich niemehreine Falschmeldung durch die Presse gegangen. Und welchem Rom- fahrer wäre es jemals eingefallen, zu Hause über seine Reiseabenteuer mehr als die reine Wahrheit zu sagen? Die wunderbarsten Dinge hat man unter dem blauen Himmel der ewigen Stadt erlebt, einer feurigen Römerin die Hexameter auf den schönen Rücken geklopft, mit Mussolini zusammen einen Decher nach dem andern geleert... Hier zum Beweis meine beiden unversehrten Hände —! Ich fürchte, ich fürchte, jetzt bricht eine neue Zeit an. Der Mund der Wahrheit in in Mißkredit gekommen, das Wahrzeichen der Stadt am Tiber macht ganz verzweifelte Augen — Schreckliches hat sich zugetragen. O diese Archäologen! O dieser bauwütige Duce! In der Zeitung kann man lesen, datz der Wahrheitsmund gar nicht zu- beitzen kann, weil er kein zürnender Gott ist, sondern bloß ein — Verzeihung! — ein Kloakendeckel. Oh... ooh... Früher hieß der Platz, der seinen Namen trägt, Foro Boario. Da steht am Tiberufer das wundervolle Rundternpelchen mit den korinthischen Säulen, da steht der Tempel der Fortuna virilis oder Mater rnatuta. Vielleicht waren beide dem Hafengott oder dem Tiber geweiht, es kommt nicht so genau darauf an, es gibt ja so viele Tempel in Rom. Der Herkulestempel gegenüber wurde zur Kirche Santa Maria in Cosmeoin umgewandelt, in deren Vorhalle ein furchterweckendes Marmorgesicht zu sehen ist, das Gesicht eines Ungeheuers, wenn nicht des Papa WeffenKndbinich? Vornan von $r. Lehne. (Urheberschutz durch C. Ackcrmann, Romanzentrale Stuttgart.) 21. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Welche Ausdrücke —!" mißbilligte die Gräfin. ..Willst du die Herrschaften brüskieren? Ich wünsche, daß du hier bleibst!" „Ihr Besuch gilt ja dir, Mama! Ich gehe zu Maria Feldner und bummle ein wenig mit ihr —“ „Nein, Inga, ich erlaube dir nicht, daß du ausgchst!" „Ich gehe doch, Mama!" „Willst du, daß ich Papa bitte, dir das Ausgehen zu verbieten?" „Spare dir diese Mühe, Mama; denn ich würde doch gehen!" Die Gräfin verlor ihre bis dahin bewahrte Ruhe. „Inga, du bist ein ganz abscheuliches Geschöpf!" . „Möglich, Mama! Aber wenigstens ehrlich! Egbert Brandeck soll merken, daß ich mir gar nichts aus ihm mache! Er ist aber so eingebildet, daß ich es chm nicht deutlich genug zeigen kann!" „Papa und ich, wir wünschen aber deine Der- bindung mit ihm." „Wie oft soll ich euch noch erflären, bah ich, die Hauptperson, davon absehe —“ „Warum aber nur? Wenn du mir wenigstens einen triftigen Grund anführen könntest! Er ist ein hübscher, eleganter Mensch, die Familie sehr vermögend —" „Mich langweilt er —" „Lächerlich! Ich r a6e selten einen so unterhaltenden, amüsanten Plauderer gefunden als Egbert Drandeck — und wie elegant er tanzt —“ „Hältst du mich für so leicht und oberflächlich, Mama, daß mir das für eine Ehe genügen könnte? Nein, ich verlange mehr von einem Manne, als daß er ein unterhaltender, amüsanter Plauderer, ein eleganter Tänzer ist." Ernst und groß sah sie dabei die Mutter an, über deren Gesicht ein feines Rot lief — „wärest du damit bei Papa zufrieden gewesen?" „Wenn man klug ist, Inga, kann man sich feinen Mann ziehen, wie man ihn haben will!" aber wo keine Tiefe, kein Gemüt, kein Charakter ist — ? Nein, Mama, es wäre jede Liebesmühe umsonst! Neben einem solchen Menschen würde ich frieren! Ich muh zu meinem Manne emporsehen können —“ „Ueberspannte Mädchenideenl" „Ach, Mama, du willst mit diesen Worten alles abtun und denkst im Grunde ja doch wie ich! Die Ehe, wie du sie mit Papa führst, ist mir vorbildlich — ihr ergänzt euch auf das glücklichste — warum soll ich es nicht auch so haben dürfen? Egbert Drandeck ist so fade und süßlich — überhaupt, wenn ein Mann immer nur von Toiletten und den neuesten Modetänzen und den modernsten Krawatten färben und von Bühnen- klatsch spricht — bis hierher hab' ich's manchmal — Inga machte eine bezeichnende Bewegung nach ihrem Halse, „Mama, willst du mich durchaus unglücklich wissen?" „Ma che Menschen wollen ihr Glück nicht sehen, darum mutz man sie dazu zwingen!" „Ich bedauve, Mama, datz du einen solchen Standpunkt vertrittst. Nie kann ich mich zu ihm bekehren: darum ist es besser, wir brechen dieses Thema ab!" Die Gräfin war außer sich über den Starrsinn der Tochter. — „Inga, wenn du nicht Vernunft annimmst, schicke ich dich nach Reinshagen zurück." „Soll das als Strafe zu betrachten fein?“ Inga lächelte, „du weiht, wie gern ich dort bin und wie ungern ich es verlassen habe!" „Inga, willst du mich zum Aeußersten zwingen?" „Gewiß nicht, Mama, wie auch ich mich nicht zum Aeußersten zwingen lasse —" „Was verstehst du darunter?" Inga zuckte die Achseln. „Es kommt ganz auf die Umstände an.“ Alles prallte an Inga ab, was auch die Gräfin sagte. Sie war tief erregt, auf ihren Wangen brannten zwei rote Flecke. „Wenn ich aber nun schon bindende Versprechungen gemacht habe, daß Weihnachten die Verlobung —“ Da fuhr Inga auf — „Mama, ich bin doch kein unmündiges K nd — es ist unerhört von dir —" mühsam zwang sie sich zu ihrer früheren Ruhe zurück — „diese Voreiligkeit deinerseits, Mama, würde ich sehr bedauern: denn sie könnte mich trotzdem nicht anderen Sinnes machen!" Mit bebender Stimme bemerkte die Gräfin — „ich würde niemals gewagt haben, mit meinen Eltern in einer derartigen Weise zu sprechen —" „Jedenfalls haben deine Eltern dir auch erlaubt, nach deinem Herzen zu wählen —" „Willst du damit sagen, daß dein Herz schon gewähll hat?" Ein leises Rot färbte Ingas Wangen — „nein, Mama, das will ich damit nicht sagen! Ich will nur sagen, daß ich mir einen Lebensgefährten nicht gegen meines Herzens Sprache aufzwingen lassen will!" „Unerhört, von welcher Seite du dich jetzt zeigst! Solche Ansichten sind aber sicher das Ergebnis deiner Freundschaft mit Ebba Lenz, in der ich mich jahrelang so getäuscht habe!" „Ditte, Mama, schmähe mir meine Ebba nicht!" rief Inga erregt, „jedes Wort wäre auch eine Anklage gegen deinen Sohn!" „Nimmst du jenes leichtfertige Geschöpf noch tn Schutz?“ „Leichtfertig, Ebba leichtfertig?" Inga lachte em wenig, „mit dem gleichen Rechte könntest du diese Dezeichnung auch auf mich anwenden! Ebba ist noch immer meine liebe Freundin, und du darfst sie nicht verurteilen!“ „Nenne sie nicht mehr.' Ich bebaute, daß ich jenes Geschöpf in unser Haus gezogen und beinahe wie ein Kind gehalten habe! Das ist nun der Dank! Wer weiß, von welch obskurer Geburt, wessen Kind sie ist! Ein schwerer Fehler von uns war es, diesem Findelkinde den Verkehr mit dir zu gestatten!" „Ja, Mama, vielleicht war es ein schwerer Fehler — denn so hatte Hanno die beste Gelegenheit, die unerfahrene Ebba zu betören", entgegnete Inga ruhig. Mißbilligend sah die Gräfin die Tochter an. „Wenn sie ihm nicht entgegengekommen wäre und mit ihm kokettiert hätte —“ „Nun, Mama, so hat wohl Ebba gar den unschuldigen, harmlosen Hanno betört; beinahe klingt es so —" „Ich bin nicht zum Scherzen aufgelegt, Inga!“ ..Ich auch nicht, Mama! Und wenn du gerecht fein willst, darfst du nicht behaupten, daß Ebba kokett ist, dazu hat sie kein Talent. Um so mehr Talent aber hat Hanno, einem Mädchen den Kopf zu verdrehen? Und er hat es gründlich bei Ebba besorgt! Glaubst du, Mama, daß die so scheue und zurückhaltende Ebba ihm auch nur die geringste Vertraulichkeit gestattet hätte, wenn sie nicht gedacht, sie sei seine heimliche Braut? Unter Tränen hat mir Ebba alles gesagt — ich habe es euch ja erzählt. Jener anonyme Wisch ist eine große Gemeinheit! Und sagt gar nichts weiter? Ich an deiner Stelle hätte ihn gänzlich ignoriert und Hanno dafür ins Gebet genommen! Wenn er während der Feiertage hier ist, werde ich es besorgen! Mir tut Ebba zu leid! Du warst sehr kränkend und verletzend, Mama! Ich sehe sie noch im Zimmer totenblaß und zitternd vor dir stehen — Sorge trage ich um sie! Wie werden ihre Eltern und ihr Bruder ihre vlöhliche Heimkehr aufgefaßt haben! Du durftest Ebba nicht so unvermittelt fortschicken." „Das Findelkind — ?" „Mama!" rief Inga empört und sah die Mutter mit einem Blick an, vor dem sie ein wenig beschämt die Augen senken mußte. Die Gräfin fühlte selbst, daß sie sich eine Bloße gegeben — doch sie war durch Ingas Verhalten schwer geärgert und hatte ihrem Unmut auf irgendeine Weise Ausdruck geben müssen — unvornehm war sie sonst nie gewesen. •— ach, Mama, wer weih, ob nicht ebenso edles Blut wie das unsere durch Ebbas Adern rollt — hast ja oft selbst gesagt, daß sie wie ein kleines Prinzehchen aussieht.“ „Du scheinst dir in allerlei romantischen Einfällen zu gefallen, Inga! Genug, für mich ist diese Ebba Lenz erledigt: Reinshagen darf sic nicht wieder betreten! Und deine Freundschaft mit ifjr muh nun ein Ende haben!" „Nein, Mama, das muß sie nicht! Meine Sympathien und meine Antipathien lasse ich mir von niemandem korrigieren! Ebba Gen^ bleibt meine liebe Freundin! Was seit der Kinderzeit, seit wir geboren, mochte ich beinahe sagen, besteht, kann nicht durch ein bloßes Verbot zum Aus- Horen gebracht werden. Ich fühle mich mit Ebba verbunden, als sei sie eine geliebte Schwester! Und darf sie nicht mehr aufs Schloß kommen, fo werde ich sie im Lehrerhaufe aufsuchen!" Inga hatte eine ganz eigene, bestimmte Art, zu sprechen und zu handeln, die weit über ihre Jahre ging. Bei Meinungsverschiedenheiten gab es oft einen erbitterten Kampf zwischen ihr und der Mutter, bei dem sie fast stets als Sieger hervorging. So auch heute. Höflich verabschiedete sie sich — „Mama, ich erwecke und nähre nicht Hoffnungen, die zu erfüllen ich nicht gewillt bin! Du hast mich nicht vorher gefragt, als du die Beziehungen knüpftest, — siehe nun zu, wie du sie mit Diplomatie lösest. Ich heirate Egbert Drandeck nicht, und wenn ich alte Jungfer werden soll!"-- Inga kam erst kurz vor dem Abendessen zurück, um ganz sicher zu fein, den Besuch nicht mehr anzutreffen. Die Gräfin war sehr verstimmt. „Deinetwegen, Inga, hatte ich einen Moment peinlichster Verlegenheit — wie sollte ich deine Rücksichtslosigkeit glaubhaft entschuldigen!" Inga lächelte ironisch. „O Mama, im gesellschaftlichen Leben ist man um Ausreden doch nie verlegen — meisterhafte Jongleure kann man da beobachten! llnb in meinem Fall: hoffentlich haben die Herrschaften nun gemerkt, daß es nicht mein Ehrgeiz ist, dieses eleganten Tänzers Partnerin auf Lebenszeit zu werden! Ah — die Post ist gekommen?" Inga griff nach einer Karte, die, in die Qlugcn fallend, auf dem Tische lag. „Eine Karte an Ebba?" sagte sie verwundert, „hast du sie gelesen, Mama?" „Nein, es interessiert mich nicht, wer an sie schreibt! Schicke du sie ihr nach!" Inga kannte die sehr kleine, aber klare, deutliche Schrift — es war die Christels! „Ihr Bruder schreibt, Mama! Ebba ist doch langst zu Hause! Weiß er es nicht? Ist er verteilt? Wie kommt er sonst dazu, noch nach hier zu schreiben?" Hastig, überflog sie die Zeilen. ✓ ’ (Fortsetzung folgt) Tiber. Es reiht das Maul auf — eben die Bocca della Veritä. Der Platz soll der tiefste Punkt Rom- fein und wurde infolgedessen fast in jedem Jahre durch das Hochwasser deS Tibers überschwemmt. Daher versuchte man schon in früheren Jahrhunderten den Heberfluh in die unter dem Platz weg- ziehende Cloaca maxima zu leiten, wie den Dach, der vom Circus Mximus kam. Es kann übrigen- sein, doh der genannte Fortuna» oder Destatempel der Rymphe diese- Daches geweiht war. Also öffnete man den Wassern hier einen sbocco, dort eine bocca, und da man sich nicht mit unseren prosaischen Dullydeckeln begnügen wollte, verzierte man sie. führte sie in Marmor auS. in Form von MaSken, von Gesichtern. Eine- dieser Gebilde, das die spätere Aiveauerhöhung des Platzes überlebte, ist nun — ohne Zweifel, sagen die Archäologen — die sogenannte Bocca della Veritä gewesen. Die neuerlichen Umbauten haben da- klar ergeben. DaS drohende Maul hat ausgedroht. Seit gestern stehen die Gassenjungen davor, stecken höhnisch beide Hände in den zahnlosen Altweibermund, werden Knetgummi. Bleisoldaten, Radioschrauben hinein — sic transit gloria mundil Kriegsbeschädigte und Aentenversorguna. Die Kricaerkameradschaft Hassia, Derband der KriegSb:schad'gien und Kriegerhinterbliebenen. Provinzialgeschäftsstelle Oberhessen in Diesten, teilt unS mit: Die Rotverordnung vom 5. Juni 1931 hatte das Klager echt der Kriegsdienstbcschädigten stark eingeschränkt, insbesondere für die Inanspruch- nafzme der Dersorgungsgerichte bei Wiederholung von Renteneryöhungsanträ- aen eine zw^iährige Sperrfrist eingefuhrt. Hebet die Auslegung dieser neuen Dorschriften waren — besondere bei den Dersorgungsg:richten — zahlreiche Zweifel aufgetaucht und unrichtige Entscheidungen ergangen. Hm diese Entscheidungen ansechten zu Bnnen und eine einheitliche Anwendung der neuen Dorschriften bei den Der» sorgungvbehörden sicherzuste.len. hatte der Kyff- Häuserverband der Kriegsbe'chädigten und Kricgerhinterbliebrnen beim Reich-Ministerium die Herbeiführung einer grundsätzlichen Klärung durch das Reichsverforgungsgericht beantragt. Der 1. Senat deS ReichsversorgungSgerichts hat nunmehr tn feiner Sitzung am 1. Dezember etne Reihe von grundsätzlichen Sntscheidunger» gefällt, wobei er sich in der Mehrzahl der Streitfragen der Auffassung des Kyffhäuserverbande- anschlost. Für die Zukunft ist dadurch eine Klärung herbei geführt, und eine Anfechtung der bereits gefällten unrichtigen Entscheidungen ist durch Wiederaufnahme des Verfahrens ermöglicht. Arbeitsbeschaffung statt Hungerekport. Eine Kundgebung der Mirtelrheinischen Industrie. * Mainz, 3. Dez. Der Mittelrheinische Fabri- kanten-Derein hielt gestern hier seine erste Winterversammlung ab, tie unter dem Stichwort „A r • beitsbeschaffung" der Aussprache der Mitglieder über die wichtigsten Tagesfragen diente. Das die Aussprache einleitende Referat wies auf die Notwendigkeit einer allgemeinen Produkttonskost enfenkung und die Schaffung eines kaufkräftigen Binnenmarktes, insbesondere durch Stärkung der Landwirtschaft hin, um Deutschland in der Ernährung vom Auslande unabhängiger zu machen und die Notwendigkeit eines Hungerexportes ju vermeiden, wie er heute vielfach in der Ausfuhr unter den Gestehungskosten slattsinde. Eine Verbilligung der zu 80 bis 90 o H. aus Entlohnungen bestehenden Produktion gäbe die Möglichkeit entsprechender Senkung der öffentlichen Abgaben, sowie der Tarife von Post, Eisenbahn usw. und bringe dann auch die Möglichkeit zur allmählichen Wiederbeschäftiguna der heute aus dem Produktionsprozeß ausgeschalteten Arbeitslosen. Zn der anschließenden Aussprache, an der sich die zahlreich erschienenen Mitglieder lebhaft be- tcHiaten, wurden die Ausführungen des Referenten bestätigt und ergänzt durch Mitteilungen aus der Praxis der verschiedenartigsten größeren und Heinen Betriebe. Hierbei wurde insbesondere neben der Beseitigung d e r Tributlasten die Auf- Hebung der Z w a n g s b e w i r t s ch a f t u n g auf den Gebieten des Arbeitsrechts und des Baumarktes gefordert und die steigende Schwierigkeit betont, die heute nicht mehr produktiv tätigen Volksteile zu Lasten der immer mehr ein- schrumpfenden Wirtschaft zu erhalten. Die in der Aussprache angeführten kommunalen Haushalte, die unter Drosselung der sachlichen Ausgaben zu etwa 50 v.S) zur Erfüllung von Wohlfahrtsaus- gaben in Anspruch genommen werden, geben den deutlichen Beweis der Unmöglichkeit einer Fort- setzung der heutigen Politik. Das Ergebnis der Aussprache wurde zusammen- gefaßt in.folgender Entschließung: „Die heutige deutsche Wirtschaftsnot kann nicht durch Einzelmahnahmen, sondern nur dadurch beseitigt werden, daß man ihre Ursachen befeltigt. Die Ursachen aber bestehen nach außen in der Verstümmelung unserer Gebiets- und Hoheitsrcchte und in den jeder Vernunft wider- sprechenden Iributlaften unter gleichzeitiger Absperrung des Auslandes gegen untere Ausfuhr, nach innen darin, daß man die Anpassung der Selbstkosten der Wirtschaft an die durch den Striea und seine Folaen hervorgerufene Verarmung durch marxistische Zwangsmaßnahmen verhindert hat. Diese richteten sich gegen die Prioatwirtichaft und das private Eigentum (gewerkschaftliche Lohn- und Sozialpolitik, Wohnungszwangswirtschaft, Ausdehnung der Aufgaben der öffentlichen Hand), zerstörten jebe Kapitalbildung und brachten auch die Entwicklung der Wirtschaft teilweise in eine falsche Richtung Die Folgen hiervon haben wir zuerft mit der Inflation, sodann mit ausländischen Krediten bezahlt und bezahlen sie jetzt mit dem schlimmsten Mittel, der Massenarbeitslosigkeit. Die Abhilfe kann nur darin bestehen, daß wir auf die Wiederherstellung unserer hoheilsrechte und die völlige Beseitigung der Tribute drängen, daß wir den größten Rachdruck auf die Stärkung der einheimischen Produktivkräfte und die Pflege de» Binnenmarktes, insbesondere die Hebung der Landwirtschaft, legen und daß wir un» von - allen obengenannten marxistischen Maßnahmen entsch.eden abwenden. Rur auf diesem Wege ist das gestörte Gleichgewicht wieder herzustellen, die notwendige Sen- hing der Selbstkosten zu erreichen, alsdann die Wirtschaft wieder rentabel zu machen, hierdurch die Wiedereinstellung und angemcsseye Löhnung unserer beschäftigungslosen Arbeiter- und Angestellten- massen zu ermöglichen und damit eine allmähliche Gesundung unserer Wirtschaft anzubahnen. Hierzu bedarf es einer festen und klaren politischen Führung, die, gestützt auf unsere nationalen Lebensnotwendigkeiten, um die Erreichung dieser Ziele kämpft, Ziele, für die alle national- gesinnten Volksgenossen ohne Rücksicht auf Partei- und Berufszugehörigkeit eintreten müssen und für die alle Schichten Opfer zu bringen haben. Die notwendigen Maßnahmen müssen aber sofort getroffen werden, um den gänzlichen Zusammenbruch der Wirtschaft zu vermeiden." Rundfunkprogramm. Sonntag, 6. Dezember. 7 (Don Bremen): Hafenkonzert, 8.15 (Friedens» kirche, Kassel): Morgenfeier, veranstaltet von der Evangelischen Landeskirche. 10: Stunde deS Chorgesangs. II: W. A. Mozart, zum 142. Todestag am 5. Dezember Sonaten für Klavier und Dioline. 11.30 (Don Leipzig): Reichssendung: Kantate zum 2. Advent. 12: Konzert. 13: .Winternot — DolkS- hilfe — Weihnachten". Gespräch zwischen Wally Daumann und O. W. Studtmann. 14: Stunde des Landes. 15: Stunde der Jugend. 16 (Mannheim): Rachmittagskonzert. 18: .Berlin im Spätherbst 1931“ von Alfred Auerbach. 18.32: Dämmerstunde. 19.30 (Don Köln): Figaros Hochzeit, komische Oper in vier Aufzügen von Wolfgang Amadeus Mozart. 23 bis 24: Tanzmusik. Montag, 7. Dezember. 720: Frühkonzert. 12.05: Schallplattenkonzert. 15.20: .Welche Bücher schenke ich meinem Kinde?", Dortrag von Frieda Born, Frankfurt a. M. 16: Hnterhaltungskonzert. 17.05: Rachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.40: .Ein Gefangener des Alltags", Dortrag von Franz Zinkand. 19.05: .Englischer Sprachunterricht. 19.45: Rund um die Hauptwache. Mi» krophonbericht von Dr. Paul Laven. 20.05 (Großer Saal des Saalbaues. Frankfurt a. M.): 5. Montagskonzert des Frankfurter Orchestervereins. 21.50: .Ludovic". Rovelle von Ernest Hello. 22.45 bis 22.55: Interview: Fifi Clement und Wally Baumann. Dienstag, 8. Dezember. 720: Frühkonzert. 12.05: Schallplattenkonzert. 15.20 bis 15.50: Haussrauen-Rachmittag. 16: iln» terbaltungskonzert. 17.05: Konzert. 18.40: »Rationale Wirtschaft oder Weltwirtschaft", 1. Dortrag von Dr. Arthur Feiler. 19.05: .England vor dem Kriege", Dortrag von Dr. Bernhard Guttmann. 19.45: Schwäbische Anekdoten, erzählt von Martin Lang. 20.05 (Liederhalle Stuttgart): Violinkonzert Basa Prihoda. 21.30: »Das Institut für Persönlichkeitsforschung". Ein Funkbericht von Karl Köstlin. 22.40 bis 23.30: Tanzmusik. Mittwoch, 9. Dezember. 720: Frühkonzert. 10.20 bis 10.50: Hymnen der Rationen. Eine musikalische Schallplatten- Stunde von Fritz Sedl und Rektor Karl Wehr- han. 12.05: Schallplattenkonzert. 15.15 bis 16: Stunde der Jugend. 16: Hnterhaltungskonzert. 17.05: Rachmittagskonzert des Rundfunkorchester-. 18.40: .Rationale Wirtschaft oder Wcltwirt- schäft?" 2. Dortrag von Dr. Ernst Wilhelm Esch- mann, Heidelberg. 19.05: .Der Lyoner Weberauf- stand 1331", Dortrag von Hermann Wendel, 19.35: Kleiner Wegweiser durch Weihnachtsbücher. Don Willy Haas. 19.45: Ein Interview mit dem Maschinenmenschen MZ 94 A 6338 über die Entbehrlichkeit der Seele, von Arno Schirokauer. 20.05: Mozart und Salieri, zwei Szenen von Puschkin, Musik von Rikolai Rimsky-Korssakow. 21.05: Deutsche Humoristen. 21.35 (Karlsruhe): Zitherkonzert. Donnerstag, 10. Dezember. 720: Frühlonzert. 12.05; Schallplattenkonzert. 15.30: Stunde der Jugend. 16.30: Hnterhaltungskonzert. 17.05 (KurbauS Wiesbaden): Rachmit- tagskonzcrt deS städtischen KurorchesterS. 19.05: .Taub und blind", zur Metaphysik der Sinnesorgane, Dortrag von Werner Deubel. 19.45: Glien Watteyne singt Lieder zur Gitarre. 20.15: Sin alltäglicher Fall, Hörspiel von Rudolf Brook. Sortiert das heimische Gewerbe, kaust am Platze! 21: Konzert für Klavier und Orchester in O-Moll op. 15, von Johannes Brahms. 21.45: Akte und neue Chor-Mu ik. Holles Madrigal-Dereinigung. Freitag, 11. Dezember. 720: Frühtonzer.. 12.05. ^^aliplattenkonzert. 16: Hnterhaltungskonzert. 17.05: Rachmit- tags-Konzert des Rundfunkorchesters. 18.40: Aerztevortrag: .Was ist Eugenik?" 19.05: .Das Arbeitslosenproblem", Dortrag von 3. Kalin, Präsident des Landesarbeitsamtes Südwest- deutschland. 19.45 (Freiburg): Reue und alte Militärmusik. 20.30: .Wirtschaftskrise und Kommunalpolitik", Gespräch zwischen Stadtkämmerer Asch, Berlin, und Oberbürgermeister Jarres. 21 (Großer Festsaal der Liederhalle): Meeresstille und glückliche Fahrt, Gedichte von 3. W. von Goethe, für gemischten Chor und Orchester, op. 112 von ß. Dan Beethoven. 21.30: Ski-Heil, ein bunter Abend für Skileute und solche, die es werden wollen. 22.40 bis 23.30: Tanzmusik. Eingesandt. (Für Form und 9nhali aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung) An das lieber lanbrocrf Oberhessen. Bekanntlich darf jede, auch die kleinste Beränbe- rung an einer elektrischen Lichtanlage im Haushalt nur von einem geprüften und oom Werk zu- gelassenen Installateur ausgeführt werden. Man sollte nun meinen, wenn der geprüfte und vom Werk zugelassene Installateur z. B. eine weitere Lampe in einem Rebenraum anschließt (was sich, nebenbei bemerkt, die meisten Leute selbst machen könnten), 3um soundsooieltenmal einen großen Bogen ausfüllt, den man unterschreiben muß, die Sache in Ordnung wäre. Weit gefehlt. Dann kommt ein übergeprüfter Installateur und prüft die von dem geprüften Installateur angeschlossene Lampe noch einmal nach. Rur nicht, einfach mach n, wenn es umständlicher auch geht. Und e» ist doch eine zu schöne Gelegenheit, um Gebühren zu erheben. Vierzig Pfennig, schwapp, ab, feine Sache. Wer nicht berappt, bekommt den Strom abgeftcUL ‘^t/Tzrnfr^* tv Spottbillige Stoffe w ca CD Bettuchbiber, 150 cm breit.... von Mk. 1.58 an cn en cu KM A CD Peter Kolling, Gießen cu Sonntag geöffnet BIsmarckstraBe 6 nefD bauten 1,4. CD en en CD .von 25 Pf. an von 45 Pf. an .von 45 Pf. an co Wäschestoff, 80 cm breit Flockköper, 80 cm breit.. Schlafanxugflanell..... CD c B* Auf Leibwäsche die Ich ausverkaufe, erhalten Sie Woll-Cräpe de Chine...... 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Austriebszeit an beiden Markttagen oon 8 bis 9 Uhr vormittags. Uuf dem Rindviehmarkt wird sämllichüs Vieh gegen Maul, und Klauenseuche jchuggcimpst. Gießen, den 5. Dezember 1931. Bürgermeisterei Gießen. ______I. V.: Dr. Rosenberg. ^Bekanntmachung Die bereits fälligen Stromgelder im Stadt- und Uebcrlandgebiet für den Mo- not Oktober 1931 können noch bis zum 15. b.m. c*ne Kosten bezahlt werden. Bet Nichtzahlung bis zu diesem Termin erfolgt Beitreibung und Stromsperre auf Kosten des Stromabnehmers. 8380D Gießen, den 3. Dezember 1931. Direktion der Elektrizitätswerke, Ueberlandanlage und Stragenbahn der Stadt Gießen. etolte. Weihnachts-Verkauf Jetzt ist der Zeitpunkt für Sie gekommen, Ihre Weihnachtsgeschenke billigst einzukaufen. eAHe sollen bei uns kaufen können,denn Billigkeit ist unserTrumpf, lautet unsere Parole. • In allen Abteilungen stehen gewaltige Warenmengen zum Verkauf, zu Preisen, die man vor kurzer Zeit noch für unmöglich hielt. • Das grobe Ereignis für Giefeen u. weiteste Umgebung ist unser Gießen, Bahnhofstraße 2-4 8268 A Unsere Spezialabteilung bietet an: Biaue Velour-Mäntel aus gut.Vel.-Diagonal, ganzgef.m.gr.Blebe- rette-Schalkr.... 35.- Vel.- Diagonal-Mäntel, best. Verarbeitung m. Ejarrö besetzt, flotte C moderne Macharten H'Vi" Vergessen Sie nicht den schwarzen Frauen-Mantel für 27.- Gebr. 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Bernhardt, Gießen, Schulstr. 10 8389 D aAUTO-SKALA liJtn FUN mt/ auswechselbaren WM 151» DIE SENSATION DES NEUEN RUNDFUN KJ AHRES< Keine unverständlichen Skalenziffern, kein Vor* alten bei Änderung der Wellenverteilung, keine unansehnlichen handschriftlichen Notizen, keine Aufzählung aller bedeutungslosen Stationen, sondern: einfachste Einstellung auf den Stationsnamen, gutes Aussehen, deutliche Lesbarkeit, übersichtliche Anordnung oll der Stationen, die man wirklich hören will. cCautn e/f« tiA di» f>arai» mit . e/lollanh . . 169,83 170,17 169.78 170,12 Calo . . . 78,17 78,33 76,67 76,83 Kopenhagen. 78,17 78,33 77,17 77,33 Stockholm 78,32 78,48 77,17 77,33 London . . 14,16 14,20 13,96 14.00 Buenos Aires 1,028 1,034 1,028 1,032 Neunorl 4,209 4,217 4,209 4,217 Brügel. . . 58,39 58,51 58,39 58,51 Italien. . . 21,68 21,72 21,48 21,52 Varis . . . Schwei; . . 16.48 16,52 16,48 16,52 81,92 82,08 81,87 82,03 Spanien . . 35,16 35,24 35,06 35,14 Danzig . . 82,12 . 82,28 82,02 82.18 Japan 2,058 2,062 2,058 2,062 Rio de Ian. 1,239 0,241 0,242 0,244 Jugoslawien. 7.339 7,407 7,393 7,407 Lissabon 12.79 12.81 12,79 12,81 Berlin,4 Dezember Geld sFüf Aineritanuche Roten....... 4,20 4,22 Belgische Roten ........ 58,23 58,47 Dänische Roten......... 77,99 78,31 Englische Roten......... 14,12 14,18 „ranzösische Roten........ Holländische Roten........ 16,46 16,52 169,46 170,14 Italienische Roten ....... 21,66 '»1,74 Norwegische Roten........ 77,99 78,31 Deutsch-r.eslerreich, • 100 Schilling Rumänische Roten . . 2,48 250 Schwedische Roten........ 78,14 78,46 Schweizer Roten......... 81,74 82,06 Spanische Roten ........ 34,93 35,07 Ungarische Roten ....... Beichobankdivkont 8 v. h., Lombardzinssuh 10 v. h Frankfurter Schlachtvichmarkt. Frankfurt a. OIL, 4. Dez. Die Direktion des Frankfurter Schlacht- und Viehhofes gibt folgende Bekanntmachung heraus: Aus Anlaß des Weihnachtsfestes und des Veujahrstages werden die Hauptmärkte für Kälber und Schafe und die Vebenmärkte für Schweine, sowie der Fleischgroßmarkt von Donnerstag, 24. Dezember, auf Mittwoch, 23. Dezember, und von Donnerstag, 31. Dezember, auf Mittwoch, 30. Dezember, vor- 'oerlegt. Lpiclplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 6. Dezember, 15 bis 17.30 Uhr: „Peterchens Mondfahrt". — Sonntag, 6., Montag, 7., Freitag, 11., jeweils 20 bis 23: ,.3m weißen Rößt". — Dienstag, 8., 20 bis gegen 23: „Undine". — Mittwoch, 9., 19.30 bis 22.45: „Boris Godunow". — Donnerstag, 10., 19.30 bis 2230: „Othello". — Samstag, 12., 20 bis 22.30: „Das Rheingold". Schauspielhaus. Sonntag, 6. Dezember, 16 bis gegen 18 Uhr: „Emil und die Detektive". 20 bis nach 23: „Der Hauptmann von Köpenick". Montag, 7., 20 bis nach 23: „Der Streit um den Sergeanten Grischa". — Dienstag, 8., 20 bis nach 22.15: „Bobby weint, Bobby lacht". — Mittwoch, 9., 20 bis gegen 22: „Der Liebestrank". — Donnerstag, 10.. Samstag, 12., jeweils 20 bis 2230: „Liebelei"; hierauf „Literatur". — Freitag, 11., 20 bis gegen 23: „Der Kaufmann von Venedig". — Samstag, 12., 16 bis gegen 18: „Emil und die Detektive". Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Heble Garderobeverhältnisse im Dorraum der Unioerfitätsaula. Die Garderobeoerhciltnisse im Vorraum der Universitätsaula bei den Vortragsabenden und sonstigen großen Veranstaltungen sind geradezu haarsträubend. Es fehlt an Personal, so daß die Besucher der Vortrage gezwungen sind, ihre Kleidungsstücke selbst herbeizuholen, sofern sie nicht ungebührlich lange stehen und warten wollen. Ist da keine Abhilfe möglich? G. Wer unter dem Weihnachtsbaum. — Mirko Ielusich: Don Iuan, die sieben Todsünden F. G. Speidelsche Verlagsbuchhandlung, Wien IX. Preis drosch. 4,40, geb. 6,50 Mark. (447.) — Der Verfasser des schnell bekannt gewordenen Cae^r Romans sieht Don Juan als einen durch schmerzreiches Schicksal zerrütteten Menschen, der in den vielen Frauen, die er er* oben, immer nur die eine sucht, die nicht nur die Begierde seiner Sinne, sondern vor allem die Sehnsucht seines nach Liebe und Erlösung hungernden Herzens stillen könnte. Mit starker Anteilnahme verfolgen wir dieses packend geschilderte Schicksal mit seinen Abenteuern und Kämpfen, Freud und Leid, Sünden und Schmerzen. _ — Paul Stein müller: W i r pflügen. Schicksal und Glaube deutscher Erde. Roman. Fein gebunden 5,50 Mark. Broschürt 4,50 Mark. Martin Warneck, Berlin. (493.) —Man wird diesem Roman nicht gerecht, wenn man eine Formel für ihn sucht, wie „ein Buch von der Rot unseres Volkes" ober „vom Segen der Erde", obwohl es von beiden spricht. Es spricht auch von der Treue zur Scholle und meint darüber hinaus die Treue zu angestammtem Volkstum, zur eigenen Art, spricht vom Schatz im Acker und meint Gott, wie das Gleichnis irrt Reuen Testament. Die Handlung vollzieht sich im Kreis bestimmter Menschen in bestimmter Gegend und ist doch von allgemeiner Gültigkeit. Unter der Landbevölkerung spielend, bei Bauern und- Gutsbesitzern, spricht es ebenso zum Stadter, der nichts weiß von dem „beständigen Bedrohtsein", von der „Unruhe während Monaten, in denen die Seele des Landmannes in der Furcht vor Unheil krankt", der, aus Schreibstube oder Werkstatt nach Hause kommend, nichts weiß „von den Gefahren, von Fluch und Segen, die an der Scholle haften, von dem Weh der Angst, das dem Landmann unversehens über Haupt und Hände fällt". — Graf Alfred von Viezychowsky: „Kronprinz Wilhelm", der Luxus- dampfer als Kaperschiff. Leipzig 1931. K F. Koehler Verlag. Illustriert. Ganzleinen 5,80 Mk. (430j — Die Kaperfahrten eines der größten und schnellsten Passagierschiffe der Welt, des „Norddeutschen Lloyd"-Dampsers „Kronprinz Wilhelm", der in 250tägiger Kriegsfahrt als Hilfskreuzer, ununterbrochen auf hoher See weilend, eine Strecke durchmaß, die dem doppelten Erdumfang nahekommt. Acht Monate lang den Vachstellungen der vereinigten Atlantik-Flotten trotzend, hat „Kronprinz Wilhelm", nur mit zwei ganz leichten Geschützen bewaffnet, den Schiffsverkehr Südamerika—Europa durch Aufbringung von Prisen im Gesamtwerte von rund 30 Millionen Goldmark empfindlich gestört, ja teilweise völlig lahmg:lcgt. — Fesselnd geschrieben, gibt dieses Buch zum erstenmal ein Bild von den ungeheuren S^wierigkeiten, aber auch von den großen Vorteilen eines solchen von jedem Stützpunkt abgeschnittenen Riesenschiffes als Kriegsfahrzeug. Auch als Geschenk für die Iugend ist das Buch geeignet. — 2 m Tropenhelm, Kriegstagebuch eines Kamerunkämpfers. Von Carl W. H. Koch. Verlag Friedrich F l 0 e d e r, Düsseldorf. Geb. 6 Mk. (316.) — Aus vielen Büchern ist das gewaltige Geschehen des Weltkrieges wieder vor uns aufgewachsen. Ein großartiges Denkmal ist all denen, die Blut und Leben in den bitteren 2ahren 1914 bis 1918 einsetzten und Hingaben, in mancher Schrift gesetzt. Vergessen darf aber nicht werden das Ringen unserer Kolonialtruppen, der Schuhtruppe mit ihren eingeborenen .Unteroffizieren und Mannschaften. Für sie zeugt das Buch von Carl W. H. Koch. Es gilt dem deutschen Schuhtruppenkämpfer in Kamerun, der heldenhaft, einsam zu Schuh und Wehr auf verlorenem Posten stand, durchhielt in bitterster Rot. Das Kriegstagebuch dieses Kompanieführers ist ein erschütterndes Erlebnis, das in der Fülle seiner Ereignisse, in der ununterbrochenen Härte der täglichen Müh.n und der vielfachen Kämpfe aufs stärkste ergreift. Hier gab es keine Heimat mehr, zu der, wenn auch in weiten Abständen, einmal ein Urlaub führen konnte, hier gab es keine Post aus der Heimat mehr, hier war alles aus s:ch selbst gestellt. Unzulänglich die technischen Hilfsmittel. Ersah für den, der im Kampfe aus- fcfjiei», gab es nicht. Aus diesem harten Erlebnis, dem ständigen Kampf gegen Feind und Klima, um Disziplin über die eingeborenen Truppen formt sich dieses starke Werk, formt sich aus der harten Denkungsart des Kolonialmenschen, für den es kein Rechts, kein Links gab, sondern nur ein „Durch" — im Krieg wie im Frieden. Kameradschaftsgeist mit wenigen Deutschen der Kompanie und treu ergebenen eingeborenen Soldaten läßt den Helden des Buches glauben und weiter- kämpsen für diesen Boden, der ihm Vaterland ist. Dort in Kamerun, wie hier in Europa auf deutschem oder französischem Boden galt aller Einsah nur dem Vaterland, der Heimat. Mit gewaltiger Spannung liest man dieses Kriegsbuch, und voll Erschütterung und Bewunderung wird man es aus der Hand legen. Dieses Buch gehört zu den wertvollsten Stücken der deutschen Kriegstagebücher. Als ein würdiges Goethe-Denkmal darf das diesjährige Weihnachts-Iahrbuch des D 0 l k s v e r b a n d e s der Bücherfreunde „Im Zeichen Goethes" benannt werden. Besonders interessant ist die Mitteilung, daß es dem VdB. durch mühseliges Sammeln gelungen ist, die stattliche Anzahl von 26 Goethe-Original- Driesen erworben zu haben. Das 160 Seiten starke Iahrbuch mit seinem Tlnterhaltungsstof f aus Werken u. a. von Löns, London, Schickele, Meresch- kowskij, Iohannsen, aus einer Edison-Biographie und einer Cyth-Biographie, und seinem reichen Illustrationsmaterial repräsentiert in würdiger Weise die Leistungsfähigkeit des VdB. Zeitschriften. — Die „Süddeutschen Monatshefte" beleuchten in ihrem Dezemberheft die Verhältnisse wie sie im Elsaß vor dessen Verlust bestanden haben, Aufs Ganze gesehen, kann mit größerem Freimut und mit unerbittlicherer Gerechtigkeit auch gegen deutsche Fehlgriffe über dieses Thema nicht gespro chen werden. Das Heft will nur durch Beiträge von lauter Männern, die vor dem Verlust des Elsaß dort gewirkt haben, feststellen, was an positiver Arbeit in den früheren Reichslanden geleistet worden ist. Es findet sich darin keine Spur politischer Propaganda. Das Heft ist mit einem Wort niemandem Zuliebe und niemandem zuleide zusammengestellt. Es enthält eine Fülle von Einzelheiten, die jeden, der es in die Hände nimmt, davon überzeugen müssen, daß cs sich um einen historischen Ueberblirf über die kulturpolitische Arbeit Deutschlands in den nun französische gewordenen Provinzen handelt. — Das Dezemberheft der „Z e i t w e n d e" (E. H. Becksche Buchhandlung, München) bietet eine Studie, die die Lebensweisheit des alten Fontane, die ganze umfassende Menschlichkeit des großen märkischen Dichters lebendig macht. Das typisch Fontanelche spricht uns heute merkwürdig an. Seine Lebensweisheit ist die Haltung eines Mannes, der die Menschen gut kennt und nicht allzuhoch einschätzt, sie ober trotzdem nicht verachtet sondern liebt, der sich selbst zur Menge rechnet, sich zu allen kleinen Menschlichkeiten hingezogen fühlt, und sich mit dem kleinen Glück des Alltags bescheidet. Köstliche Funde echt Fontaneschen Seelentums aus Fontanes Versen und Erzählungen werden hier von Wilhelm Vogt geboten. Ein ganz anderes ©eelentum zeigt in dem Beitrage „Hegel als Rektor des Melanchthon-Gym- nafiums in Nürnberg" der jetzige Rektor dieser altehrwürdigen -schule, Hugo Steiger. Wie verstand es Hegel inmitten einer trübseligen, ja armseligen Gegenwart, die Zug um Zug an unsere Zeit der Notverordnungen erinnert, den Geist eines protestantischen Humanismus in seine Schule einzupflan- zen, als Schulmonarch Gesetz und Freiheit zu verbinden. — Jakob Schnell bietet ein vornehmes Charakterbild des ihm nahestehenden Nathan Söder- blom, des vor kurzem gestorbenen Erzbischofs von Schweden, der unermüdlich mit liebendem Herzen an einer Einigung und Aktivierung der Christenheit gegenüber den ungeheuren Nöten der Gegenwart arbeitete. Das Heft bringt noch zwei Erzäh langen, die in dieser Weihnachisnot tiefen Eindruck machen werden: Tim Kleins ganz unsentimentale Weihnachtsgeschichte „Der Klumpfuß" und des Schweizer Dichters Emanuel Stickelbergers Novelle „Die von Stralsund", die die Belagerung Stralsunds durch Wallenstein erzählt. Steppdecken W mit kleinen Fehlern weit unter Preis! 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