nr. 181 (Erftes Blatt 18|. Jahrgang Mittwoch, 5. August 1931 GiehemrAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Dmd hüö Verlag: vrLhl'sche llktversilät^Buch. nnö Stehtömderei B. tauge tu Stehen. Zchrtftlettung und Sefchästrftelle: Schnlftrahe 7. LL»ap«e een 3u)cigti für die Tageinammer Die zum Nachmittag vorher. Preis fir 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Vrette örtlich 8, auswärts 10 Neichspfennig: für Ne» klameanzeigen von 70 mrx Breite 35 Neichspfennig, Playvorfchnft 20*. mehr. Chefredakteur. Dr. Fnedr. Wilh. Lange. DeranttooNlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Ma^ Filter, sämtlich in Stehen. Eriche «ul idglich.ouyer öonntaqs und Feiertag» Beilagen v>» 3Du|tneTti Vlehene« Familiendlütte, Heimat im Bild Die Scholl« Monat».Bezugspreise 2.20 Neichsmark und 30 Neichspfennlg für Träger» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Zeralprechaalchlüße »n1erSammelnummer225l Lnlchnft für Vrahtnach- richten Anzeiger Gieße». polfd?tdtonio: ^ro’-ftnnom Main 1168« Der Reichskanzler Hai das Wort: Brüning vor dem Mikrophon aller deutschen Gender. — Der Kanzler räumt mit falschen Illusionen auf und fordert nüchterne und ruhige Beurteilung der Lage, Selbstzucht und Selbstvertrauen. Berlin, 4. Aug. (WTB) Reichskanzler Dr. Brüning yielt heute abend im Rundfunk «in Rede, in der er u. a. au-führte: Meine Damen und Herren! Heute vor sechs Wochen habe ich mich schon einmal an dieser Stelle an daS deutsche Dolk gewandt. Damals standen wir unter dem Eindruck deS großen historischen Schritte- deS Herrn Präsidenten Hoover, durch den Deutschland aus ein Jahr von der Zahlung der Reparation-Verpflichtungen befreit werden sollte. Gleich damals habe ich vor der Illusion gewarnt, daß wir bei Annahme dieses hochherzigen Planes über die Gesamtheit der unS bedrängenden Röte hinweg seien. Dieser Sorge hat die Entwicklung der Zwischenzeit Recht gegeben. DaS deutsche Dolk hat die über alle Schichten hereingebrvchene schwere Prüfung mit vorbildlicher Ruhe über sich ergehen lassen und seinen natürlichen Sinn für Ordnung und Führung bewahrt, der die verdiente Anerkennung der ganzen Welt gefunden hat. Der Hoover- plan ist in seinem wesentlichsten Inhalt Wirklichkeit geworden, wenn auch eine mehrwöchige Der- zögcrung schwere Rückwirkungen aus die deutsche Wirtschaft auSsteübt hat. Die in diesen Wochen erfolgte Entziehung kurzfristiger ausländischer Kredite in Milliardenhöhe auS den deutschen Danken bedeutet für unsere Dolks- wirtschast einen plötzlichen und gefahrvollen Blutverlust. Starke Störungen deS Zahlungsverkehrs und Erschütterungen des gesamten Wirtschaftslebens waren die naturgemäße Folge. Ein bedeutsamer Fortschritt ist aber als Ergebnis dieser Krisis unverkennbar. Heute ist sich die gesamte Welt darüber einig, daß die Geschicke der Dölker miteinanderaufdasengstever- flochten sind, daß Störungen im OrganismuS eineS so großen Wirtschaftskörpers wie Deutschland nichtohneer n ft e Fv l ge w i r ku n ge n auch im Ausland bleiben können. Dor sechs Wochen sagte ich deshalb, daß daS Gedeihen Europas und der Welt davon abhänge, daß diejenigen, die ein tragisches Geschick im Weltkrieg zu Feinden werden ließ, nunmehr weitsichtig zu den Entschlüssen sich ausrassen, welche die gemeinsame beklemmende Rot von ihnen fordert. Ich sagte insbesondere, daß sich die deutsche Regierung bewußt sei. welche wichtige Rolle der zukünftigen Gestaltung der Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland zusällt. AuS solchen Erwägungen ist eS inzwischen zu dem deutschen Staatsbesuch in Paris gekommen, dem sich alsdann die Sieben-Mächte-Kvnfe- renj in London anschloß. Dieser Konferenz folgten die Besuche der amerikanischen und englischen Staatsmänner tn der Reichshauptstadt. Morgen abend begebe ich mich, einer Einladung der italienischen Regierung folgend, nach Rom. Hoffentlich werden wir in einiger Zeit den in Paris aufgenommenen deutkch-französischen Gedankenaustausch bei dem Gegenbesuch der französischen Staatsmänner in Berlin in freimütiger Weise svrtsetzen. Zwischen den Lrfllingsergebnissen solcher Zu- fammenfünfle und den durch die dringende Rot erregten Hoffnungen wird immer eine schmerzliche Distanz bestehen. So sehr ich diese» Geschehen verstehe und bedauere, so bedauerlich wäre e» doch, wenn solche Anfongsenttäufchun- gen imstande wären, den entschlossenen willen Deutschlands zu hemmen, auf dem beschrittenen und auf die Dauer allein aussichtsoollen Wege weiterzugehen. Ich stelle erneut fest, daß eine große Ausländsanleihe augenblicklich und für geraume Zeit außerhalb der realpolitischen Möglichkeit liegt, hierfür gibt es verschiedene Gründ«. Das wesentliche liegt insbesondere in der Tatsache, daß zu einer solchen Anleihe di« Garantie mehrerer großer Länder verlangt wird, deren Zusage zu erreichen, teil» aus staatsrechtlichen, teil» aus finanztechnischen Gründen zur Zeit ausgeschtosten ist. Darum ist vorerst Deutschland und seine Wirtschaft auf Selbsthilfe und auf das vertrauen in seine eigene Kraft angewiesen. Ohne Zaubern ist die Reichsregierung schon vor und während der Pariser und Londoner Derhand- lungen daran gegangen, die Folgerungen aus dieser Sachlage zu ziehen. Ich erwähnte vorhin die Schwierigkeiten, in die ein Teil der deutschen Großbanken durch die plötzliche Abziehung großer Posten kurzfristiger Kredite gekommen war. Bei der Bedeutung, die die Großbanken in der gegenwärtigen Struktur unseres Bankwesens für die deutsche Gesamtwirtschaft haben, waren schnelle Entscheidungen der Reichs- regicrung notwendig. Sie kennen die Maßnahmen. die vor einigen Wochen hinsichtlich der Darmstädter und Ratio na l b a n k und in den letzten Tagen hinsichtlich der Dresdner Bank ergriffen worden sind. Auch in personeller Hinsicht werden geeignete Schritte erfolgen. Durch die Entschließungen vom vergangenen Samstag wurde erreicht, daß vom Mittwoch an der Geldumlauf im Dar- und Ueberwei- fungsverkehr bei den Danken wieder ingang gesetzt werden kann. In Verbindung damit waren einschneidende Bestimmungen zur Derhinde- rung der Kapitalflucht und für den Der- kehr mit ausländischen Devisen erforderlich. AuS der Schärfe der Bestimmungen, die biS zur Festsetzung von Zuchthausstrafen bei ehrlosem Verhalten und schweren Verstößen gegen diese Dorschrilten gehen, möge man die Entschlossenheit der Reichsregierung entnehmen, volksschädlichen Sonderwünschen auf dem Kapitalmarkt in dieser allgemeinen Rotzeit auf das entschiedenste zu begegnen. Gewiß ist richtig, daß bei der in Aussicht genommenen vorübergehenden Devisenbewirtschaftung durch die Landessinanz- ämter in Einzelsällen fühlbare Härten eintreten können. Die Reichsregicrung ist entschlossen, dafür zu sorgen, daß diese durch die Rot der Zeit erzwungenen Maßnahmen bei aller Schärfe ihrer Durchführung nicht wirtschaftsstörend wirken. Alles, was Reichspräsident und Reichsregierung in diesen Wochen anordnen, hat mit 3nflallon»- gefahr nicht das Mindeste zu tun. wir leiden keinesfalls an einem Zuviel an umlaufenden Zahlungsmitteln. Darum ist eine Sorge, als ob das fauer verdiente und ersparte Geld, da und dort angelegt, In Gefahr sei, seinen wert wie in der Inflationszeit einzubüßen, durchaus gegenstandslos. 3m Gegenteil, die Ueberlegung liegt nahe, von feinem Guthaben möglichst wenig abzuheben, ja, es, wenn möglich, noch zu erhöhen, weil die Kaufkraft de» Geldes steigt. Die Wiederherstellung des Zahlungsverkehrs hat den Sinn einer Frage an das deutsche Volk selbst, der Frage nämlich, ob es In Selbstbesinnung aus seine eigene Kraft und Würde entschlossen ist, an der Gesundung des Zahlungskreislaufs und Wirtschaftsgeschehens aktiv teilzunehmen. Bare» Geld In einem Augenblick beanspruchen, so es nicht unbedingt benötigt wird, ist ein Ausfluß unbegründeter Nervosität, aber nicht wirtschaftlich richtigen Denkens. Sowohl der Gesamtwirtschaft des Volke», als auch den eigenen 3nteressen gegenüber ist e» falsch, Bargeld früher abzuheben, al» es tatsächlich benötigt wird. Wenn unsere heutige Aussprache eine wechselseitige sein könnte, würde mir vielleicht von manchem Gewerbetreibenden und mancher Hausfrau der Zuruf entgegenklingen, wie es mit dem Geldverkehr der Sparkassen aussieht. Daher auch hierzu ein offenes Wort: Es ist richtig, daß wir zunächst davon ablehen muhten, den vollständigen freien Kassenverkehr bei den Sparkassen sowie bei den Banken schon von morgen ab in Wirksamkeit treten zu lassen. Das aber hängt mit dem Wesen und der Zweckbestimmung der Sparkassen zusammen. Die Sparkassenvermögen sind so sorgfältig als möglichst angelegt, und zwar in erster Linie in der Anlage- form, die man für die sicherste hält, d. h. i n er st st eiligen Hypotheken. Die Sicherheit einer solchen Anlage muß aber zunächst damit erkauft werden, daß die angelegten Gelder nicht täglich in beliebiger Höhe zurück g ez a h I t werden können, weil Hypotheken ihrem Wesen noch langfristige Anlagen sind. Eine Sparkasse ist ja ein Institut, das ersparte Dermögen mit einem Höchstmaß von Sicherheit verwalten und nicht etwa eine-, das tägliche Gelder bewirtschaften soll. Gewiß ist dieses Wesen der Sparkassen, insbesondere mit Rücksicht auf die Kreditbedürftigkeit des kleinen Mannes, nicht überall aufrechterhalten worden, und ein Teil der Sparkassen hat mehr oder weniger neben diesem ihren Hauptzweck auch noch die Tätigkeit von Danken, also oem täglichen Geldinstitut, mit übernommen. weil dieser Dienst insbesondere den kleineren Handwerkern und Gewerbetreibenden unentbehrlich ist, hat die Reichsregierung und Reichsbank in voller Uebereinffimmung mit der Deutschen Girozentrale und den Sparkassen alle» vorbereitet, um auch bei den Sparkassen den unbeschränkten Zahlungsverkehr in einem nahen Zeitpunkt wiederherzustellen. Die Loge zwingt uns, das Problem der Groß- banken zunächst in Angriff zu nehmen. Aber der Eindruck, als ob Reichsregierung und Reichsbank weniger großes Interesse für mittlere und kleinere Wirtschastskreife haben, ist völlig abwegig. Die Gläubigerkunden, die bei einer endgültigen Erschütterung jener Banken zu Schaden gekommen wären, hätten sich auf viele hunderttausende und zweifellos zum größten Teile auf mittlere und Heinere Wirtschaftskreise, auf Gewerbe- treibende und Handwerker, ausgewirkt. Weit über tausend Genossenschaften und Genossen- s ch a s t s d-a n k e n stehen mit der einen der in Frage kommenden Großbanken in innigster Beziehung und wären von der Erschütterung unmittelbar und drastisch betroffen worden. Das besondere Eingreifen der Reichsregierung in diesem Fall war eine ausgesprochene Mittelstands- Maßnahme. . I Selbstverständlich kann die Reichsregierung nicht daraus verzichten, Maßnahmen auf dem Gebiete de» gesamten Kredit- und Kapltalvetkehr» und des Aktienrechts oorzubereiten. Diese Erklärung bedeutet keinen Schlag gegen da» freie Banf- geroerbe. Aber nachdem einmal der Staat auf dringendes Ersuchen der Beteiligten sich rettend und schützend aus diesem Gebiet hat einschalten müssen, kann er sich nicht der Pflicht entziehen, auch Maßnahmen vorbeugender Art für die Zukunft zu treffen, wie e» andere Völker längst getan haben. Alles in allem genommen, ist das Ziel jedenfalls erreicht, daß von morgen ab die Doraus- sehungen für einen normalen WirtschastSkreiSlaus der Güter und des Geldes gegeben sind. Rotwendig ist nunmehr, daß sich daS Dertrauen. die unentbehrlichste Ergänzung aller technischen Maß- nahmen, st ä r k e unb endgültig befestige. Hierzu, meine Damen und Herren, kann jeder von Ihnen beitragen. Ja, es ist die P flicht jedes einzelnen, es zu tun mit Rücksicht auf unser eigenes Land und mit Rücksicht auf unser Ansehen dem Ausland gegenüber. Eine große ausländische Finanzhilfe ist. wie ich schon sagte, im Augenblick außerhalb des Bereichs der Möglichkeit Was für die Stunde gilt, braucht aber nicht auf die Dauer -u gelten. FremdeHilfeerfährtnurder, der sich zunächst selbst zu helfen weiß und damit daS Dertrauen der Um- Welt gewinnt. Einem Dolk, das sich selbst nicht genügend Kraft zulraut. die Dinge lausen läßt und nur in der Kritik sich auszeiä^et, wird niemand Achtung und Derlrauen schenken. Sieht aber die Umwelt, daß kraftvolle Selbstbesinnung in schweren Stunden bei uns Deutschen sich steigert, so zweifle ich nicht, daß die Fortsetzung der internationalen Derhandlungen zur Erschließung zusätzlicher Kraftquellen tn der Weltwirtschaft führen wird. Ist eS notwendig, au sagen, daß für die aussichtsreiche Fvrtsührung dieser Entwicklung Freiheit von innerpolitischen Störungen. Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung, im deutschen Dolke unentbehrliche DorauSsetzung ist? In einem Augenblick, wo alle Dolkskrast der gemeinsamen und verstehenden Arbeit an der Ueberwindung der Wirtschastsnot gehört, müssen solche zerfleischende politische Kämpfe, die in der Geschichte so ost Leid über Deutschland gebracht haben, zurücktreten. Und wenn Sie. meine Damen und Herren, in Fortführung dieses Gedankens sich nun fragen, was ich vom DolkSbegehren über ole Auflösung deS Preußischen Landtags Halle, so muh ich Ihnen erwidern, daß eS sich staatsrechtlich hier um keine Reichs-, sondern um eine preußische Angelegenheit handelt. A l S Staatsbürger — nicht als Parteipolitiker — aber erkläre ich Ihnen, daß Sie mich nicht an der Wahlurne sehen werden. Richt Zuspitzung der parteipolitischen Gegensätze ist daS Gebot der Stunde, sondern ihre Fruchtbarmachung in einer diese Gegensätze überbrückenden schöpferischen Synthese. In einer Synthes« aller der Kräfte, die bereit sind, einer in wahrem Gemeinschaftsgeist ausgesaßlen WirtschastSresorm und einer auf bauend en Staatspolitik rückhaltlos und uneigennützig Hand und Herz zu weihen. Rur so wird es Deutschland gelingen, im Rahmen der übrigen großen Staatsvölker fei' nen gleichberechtigten Platz zu erringen und zu behaupten und in aufrichtiger Zusammenarbeit mit den übrigen Staaten seine ganze Kraft eiiuusetzen für die baldige Lösung der gewaltigen Aufgaben, vor die eine Weltnot ohnegleichen die Menschheit hx dieser Stunde stellt. Das Echo der Kanzlerrebe. Berlin, 5. Aug. (ERB.) Die Rundfunkrede des Reichskanzlers wird von fast allen Blättern sehr ausführlich wiedergegeben und auch eingehend besprochen. — Das „Berliner Tageblatt" (dem.) betont, Dr. Brüning habe feinen entschlösse- ncn Willen erklärt, auf dem Wege der Derstandi- K, der mit den Besuchen in Paris und London ritten wurde, weiterzugehen. Die Rede sei nicht bürokratisch gewesen, sondern habe vom ersten bis zum letzten Wort einen erfreulichen populären Ton gehabt. — Die „Germania" (Zentr.) bezeichnet als Charakteristikum der Rundfunkrede Brünings die Zerstörung falscher Illufionen und Erziehung des deutschen Volkes zu klarer und nüchterner Be urteilung der politischen und wirtschaftlichen Realitäten. Der Satz, den der Kanzler geprägt habe: „Fremde Hilfe erfährt nur der, der sich zunächst selbst zu helfen weiß und damit das Vertrauen der Umwett gewinnt", bezeichne das Programm unserer Zukunft. Dieser Wille zur S e l b st h i l f e habe aber eine Voraussetzung, und der Kanzler habe das am Schluß seiner Rede in wirkungsvollster Form betont, nämlich die Zu- sammenfassung aller Kräfte, die bereit sind, „einer aufbauenden Staatspolitik rückhaltlos und uneigennützig Hand und Herz zu weihen". — Der „B ö r s e n - C o u r i e r" (dem.) spricht von dem „mentor Germaniae“. Die Erkenntnis, daß alle Rationen jetzt gemeinsame Gefahr bedroht, fei ohn« eine Vergeudung von Pathos als ein wichtiger Fortschritt charakterisiert. Die „B ö r s e n z e i t u n g" (kons.) kritisiert ebenso wie die meisten anderen Rechtsblatter die Bemerkung des Kanzlers über seine Stellungnahme zum Volksentscheid, die außenpolitisch ein schwerer Mißgriff gewesen sei und innerpolitisch durch die Tatsache, daß der Kanzler mit Hilfe des Rundfunks und der schwierigen Lage Deutschlands die Aufmerk- sarnkeit aller Kreise auf seine Rede zu lenken ver- mochte, eine nicht zu verteidigende Unzulässigkeit darstelle. Mit seiner Rede scheine Dr. Brüning die Absicht verbunden zu haben, brüsk für die Sozial- demokratie zu optieren. — Der ,Lo kalanzeiger" (Hugenberg) ist der Ansicht, daß der Ton der gestrigen Kanzlerrede sehr viel gedämpfter wirke als der seines ersten Appells an die Welt. Innerpolitisch suche der Kanzler die Eingriffe der Notoerordnungs- politik in die Finanzwirtschaft zu rechtfertigen. Er mahne im Augenblick der Wiederannäherung an normale Verhältnisse zur Vernunft und suche für die neue Lösiing der „Selbsthilfe" um Vertrauen zu werben. Aus eine durchaus sympathische Weise. Hof. fentlid) mit Erfolg. — Die „Deutsche Tages- Zeitung" (Landbund) nennt die Rede eine Ent- täuschung. Die deutsche Oefsentlichkeit hätte eigentlich in diesem Augenblick weniger eine Rekapitulation der Vorgänge der letzten Wochen und sicherlich sehr gut gemeinte Ermahnungen an die Adresse des einzelnen erwartet als vielmehr programmatische zukunftweisende Ausführungen, die lehr viel mehr geeignet gewesen wären, das vom Reichskanzler be- anspruchte Vertrauen zu fundieren. — Auch die ^DeutscheZeitung" (beutfebnational) vermutet, daß all diejenigen enttäuscht fein werden, die sich von der Rede bedeutsame Aufschlüsse über die Absichten der Regierung versprochen hatten. Der Widerhall in Paris. Paris. 5. Aug (WTB. Funkspruch.) Di« Rundfunkrede deS Reichskanzlers wird von der gesamten Morgenpresse wiedergegeben. Dor allen Dingen werden die Stellen unterstrichen, die von der RotwendigkeiteinerDerstän- digung zwilchen Frankreich und Deutschland handeln. Rach dieser Richtung nennt man die Rede eine mutige Rede, die Red« eines Staatsmannes, der die Offenheit, die er während seines Aufenthalte- in Paris gezeigt hat, völlig bestätigt. Die Hoffnung, daß bei dem kommenden Besuch der fran- Aöslschen Staatsmänner in Berlin andere bedeutendere moralische Ergebnisse erzielt würden, als die in ßonbon, wird vom „Petit Journal" als eine Hoffnung bezeichnet, die deshalb ihren Wert habe, weil sie am Dorabend der Reis« des Reichskanzlers nach Rom klar zum Ausdruck bringe, welchen Wert die Regierungskreife in Deutschland auf die Fortsetzung birefter Aussprachen zwischen Frankreich und Deutschland legen. Die radikale Zeitung „Oeuvre" lobt an der Rede, daß Dr. Brüning kaltblütig und entschlossen die Dinge dargclegk habe, wie sie wirklich seien. Die radikale Zeitung „La Re- pub l i c" schreibt, die Rede stelle einen Appell an das Dertrauen in die internationale Solidarität dar. Der Reichskanzler habe nicht unrecht, wenn er die deutsch-französische Zusammenarbeit suche. Wenn Dr. Brüning nicht für daS deutsche Dolk. sondern auch für daS französische Dolk gesprochen habe, dann habe er bie rechten Wor:e ausgesprochen. Glatte Abwicklung des Zahlungsverkehrs. Am Montag soll auch die Beschränkung für die Sparkassen fallen. Berlin, 4. Aug. (TU.) Obgleich offiziell der unbeschränkte Zahlungsverkehr erst morgen auf- genommen werden soll, haben die Berliner Groß- banken schon ab heute bei ihren Auszahlungen eine gewisse Großzügigkeit walten lassen. Eine Großbank hat sogar den Leitern ihrer Depositenkassen Anweisung gegeben, allen Anforderun- ge n nachzukommen. Während die anderen Banken eine Anweisung in dieser strikten Form zwar nicht gegeben haben, werden sie immerhin liberal ft e Behandlung aller Kunden- ans prüche veranlaßt haben. Diese Maßnahmen haben, wie dem DHD. übereinstimmend mitgeteilt besten Erfolg gezeigt. Die Einzahlungen haben dle Auszahlungen bei weitem überschritten. ps wird aus Kreisen leitender Personen der be- ftimmten Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß di« Wiederaufnahme des unbeschränkten Zahlungsoer- kehrs viel besser und glatter oonfta11 e » ß ehe n w ir^ als man ursprünglich annahm. Wie der WTB.-Handelsdienst erfährt, hat sich die Reichsbank grundsätzlich bereiterklärt, den Spar- lassen die für die Durchführung des Zahlung»« Verkehrs erforderlichen Betrage in dieser Woche und in der nächsten Woche zur Verfügung zu stellen. Es ist allerdings noch nicht entschieden, in welcher Form die Finanzierung dieser Beträge erfoiat; hierüber werden noch Verhandlungen geführt. Man rechnet ab Montag nächster Woche an den Sparkassen mit der Wiederherstellung des Zahlungsverkehrs im ordnungsmäßigen Rahmen, das würde bedeuten, daß ohne Kündigung wieder 30 0 Mark a u f jedes Sparkonto ausgezahlt werden dürften. Amerika und die Gtillhalieaktion. Die Empfehlungen der amerikanischen Bankiers. Reu York, 4. August. (WTD.) 3n hiesigen Finanz kreisen wurde dem Vertreter des WTD. heute erklärt, daß der Bankier - Hnteraus- schuh, der den Vorschlag des Aeichsbankpräsi- denten Luther wegen einer Kreditverlängerung geprüft habe, den Bankiers heute seine Empfehlungen unterbreitet habe. Die Besprechungen des Unterausschusses haben erfreulicherweise die Solidarität der beteiligten Banken und den aufrichtigen Wunsch ergeben, den deutschen Kveditbedürfnissen nach Möglichkeit entge- geiuukommen. Das Hauptproblem sei eine enge Anlehnung des künftigen deutschen Wechselkredits an die Rediskontvoraussetzungen des Federal- Reserve-Gesehes. Hieraus werde sich voraussichtlich einegewisseEinschränkung des bisherigen Kreditumfanges ergeben, doch werde die fortlaufende Erneuerung der gu t fundierten Akzepte gewährleistet. Man würde es hier gern sehen, wenn die amerikanischen Empfehlungen nach ihrer Annahme in eine deutsche Verordnung ausgenommen wurden, die allen Gläubigern gleiche Behandlung zusichern würde. Die von Deutschland getroffenen Rotmahnahmen werden als sehr klug und weise bezeichnet, jedoch wurde abermals betont, daß nur die Reuregelung der Reparativnsfrage Deutschland wirklich retten könne. Don einer Stelle wurde es sogar als möglich bezeichnet, daß das DIZ-Komite« sich auch mit dieser Frage in irgendeiner Form befassen werde. Ferner wurde erklärt, daß Deutschland fraglos weitere kurzfristige Kredite brauche und daß es sie auch erhalten werde. Die einzige Frage hierbei sei die der Sicherheit. Die Empfehlun- aen des Unterausschusses wurden dem Hauptaus- schuh unterbreitet, der morgen zu weiteren Besprechungen zusammentreten wird. Hugenberg beim Reichspräsidenten. Deutschnationale und Kabinett Brüning. Berlin. 4. Aug. Reichspräsident von Hindenburg hat, wie durch eine Indiskretion aus diplomatischen Kreisen bekanntgeworden ist, am Samstag den Parteiführer der Deutschnationalen, Geheimrat Dr. Huaenberg, empfangen, lieber diesen Besuch wird sowohl von amtlicher als auch von deutschnationaler Seite Näheres nicht mitge- teilt. Er ging offenbar auf einen Wunsch des deutsch- nationalen Parteiführers Zurück, der das Reichsoberhaupt über die gegenwärtig in seiner Partei obwaltenden Strömungen zu unterrichten wünschte. In politischen Kreisen wurde schon seit längerem die Absicht Hugenbergs diskutiert, Verhandlungen mitdemReichskanzlerDr. Brüning auf- zunehmen. Eine Besprechung zwischen Dr. Brüning und Dr. Hugenberg hat bisher ni ch t stattgefunden. Offenbar diente aber die von Dr. Hugenberg nach- gesuchte Audienz beim Reichspräsidenten zur Vor- 'Bereitung dieser Besprechung. Sie soll — nach -Auffassung gut unterrichteter Kreise — daraus ab- zielen, der Deutschnationalen Partei nach dem -preußischen Volksentscheid eine Verringerung ihrer Distanz zur gegen- wärtigenReichsregierungzu ermöglichen. Diplomatisches Revirement. Neue deutsche Gesandte in Bukarest, Athen und Teheran. Berlin, 4. Aug. (TU.) Der Reichspräsident hat den Grafen Friedrich Werner vonderSchulen- bürg zum Gesandten in B u k a r e st, den Geheimrat Ernst E i s e n l o h r zum Gesandten i n Athen und Dr. Wipert von Blücher zum Gesandten in Teheran ernannt Friedrich Werner Graf von der Schulenburg gehört dem Auswärtigen Dienst seit 1901 an. 1918 war er Mitglied der transkaukasischen Delegation, 1921 wurde er zum Vortragenden Legationsrat ernannt. Seit 1913 vertrat er das Reich als Gesandter in Teheran. Dr. Ernst E i s e n l o h r ging aus dem badischen Iustizdienst hervor. 1911 wurde er dem Generalkonsulat in London zugeteilt, 1919 mit der Leitung des Konsulats in Sao Paulo beauftragt. Don 1915 an im Heeresdienst, geriet er 1916 in Kriegsgefangenschaft und wurde nach seiner Rückkehr 1920 Gesandtschaftsrat in Lissabon und 1923 Gesandtschaftsrat in Belgrad. 1925 wurde er in das Auswärtige Amt berufen und 1926 zum Vortragenden Legationsrat ernannt Dr. Wipert von Blücher ist 1882 in Schwerin geboren. Nachdem er für das Auswärtige Amt in Tanger, Teheran und Schanghai tätig war, wurde er 1916 der Gesandschaft in Persien als Legations- sekretär zugeteilt und trat 1917 In den Heeresdienst. 1918 wurde er in das Auswärtige Amt berufen und 1920 zum Legationsrat ernannt, 1926 wurde er Botschaftsrat bei der Gesandschaft in Buenos Aires. Don 1929 an war er im Auswärtigen Amt tätig. Weitere Gehaltskürzungen werden nicht erwogen. Berlin, 5.Aug. (TU.) In einer Besprechung des Preußischen Beamtenbundes mit dem preußischen Finanzminister Dr. h ö p k e r - A s ch o f f verwiesen die Vertreter des Preußischen Beamtenbundes auf die Beunruhigung in der Beamtenschaft durch das Vorgehen Badens hin, das die Bezüge der Beamten über die Notverordnung des Relchspräfl- denten hinaus um weitere 5 v. h. kürzt. Finanz- minifter Dr. Höpker-Afchoff erklärte dazu, daß derartige Pläne in Preußen nicht erwogen würden. Uebrigens hat auch der Reichsfinanzminister Dr. Dietrich dem Vorsitzenden des Deutschen Beamtenbundes, Flügel, erklärt, daß er sowohl al, auch der Reichsarbeitsminister Gegnerjeder weiteren Gehaltskürzung seien. Vor dem Volksentscheid in Preußen. Eine Kundgebung des Stahlhelms in Berlin. Berlin, 4. Aug. (TH.) Am Dienstag fand im Herrenhaus zu Berlin eine große programmatische Kundgebung des Stahlhelms zum Volksentscheid statt, bei der die beiden Dundessührer vor einem geladenen Auditorium von Politikern, Wirtschaftlern und Journalisten sprachen. Oer erste Bundesführer Seldte führte dabei u. a. auS: Der Aufruf des Stahlhelm zum preußischen Volksentscheid ist für uns der Freiheitskampf, wie wir ihn seit 13 Jahren aus unserem Soldatentum heraus zäh und unablässig führen. 13 Jahre hat man uns kritisiert und nicht hören und sehen wollen. Und heute? Heute, nachdem an jenem grauen Iulitage die Menschen vor den verschlossenen Türen standen, da scheinen ihnen die Augen aufgegangen zu sein. Der englische Ministerpräsident Macdvnald hat bei seinem Besuch in Berlin gesagt: „Ein freies und sich selbst achtendes Deutschland ist für die Gemeinschaft der Zivilisation unentbehrlich. Deutschland muh sich selbst helfen, fann sich nur selbst helfen." Das ist es gerade, woran der Stahlhelm gearbeitet hat, wofür sich seine Kameraden 13 Jahre eingesetzt haben: Für die Willensbildung im deutschen Volke, für den Gedanken, daß es in Deutschland nur vorwärts gehen kann, wenn nicht der Geist des Marxismus und der Wille und,die Stimmung der Massen regieren, sondern wenn das alte Preuhenwvrt wieder auf den Schild geschrieben wird: »Hilf dir selbst und Gott wird dir h e l f e n I" Wir muffen dieses System beseitigen, das die deutsche Lebenskraft zerstört. Wir wollen Preußen für die wirklichen Preußen haben. Wer Preußen hat, der hat Deutschland. Klar und einfach ist unser Programm, in dem der Volksentscheid nur ein Glied ist, ein Glied, auf das wir die Wahlen in Preußen und auch in den anderen deutschen Ländern folgen lassen wollen. Wahlen, denen die Reichstagswahlen nachfolgen müssen. Alles Wahlen, die wir abgeschlossen zu wissen wünschen, bevor das deutsche Volk daran geht, zum gesetzlich vorgeschriebenen Termin sich sein neues Reichsoberhaupt zu wählen. Oberstleutnant a. O. Oüsterberg erklärte u. a.: Die wichtigste Voraussetzung für Deutschlands Freiheit ist bieW leber g ewi n - nung der Wehrhoheit. Ohne Wiedergewinnung der Wehrhoheit wird Deutschland auch in Zukunft nicht Dubjett, sondern Objekt der Politik unserer Gegner bleiben. Daß wir keinen Krieg wollen, sei nochmals ausgesprochen Aber wir wollen einen Frieden in Ehren auf dem Boden unbedingter Gleichberechtigung und des Selbstbestimmungsrechtes, das man allen Völkern der Welt zubilligt, nur uns dorenthalten hat. Aber auch abgesehen von dieser außenpolitischen Frage, die eine Umwandlung der preußischen Regierung im nationalen Sinne nötig macht, ist es unsere feste Heber- zeugung, daß bei einem weiteren Bestehen der heutigen preußischen Regierungskoalition immer mehr kulturelle, politische und wirtschaftliche Ge- sunbungsquellen in Preußen zerstört werden. Das Leistungsprinzip ohne Rücksicht auf di« Parteizugehörigkit ist wieder zum herrschenden Grundsatz zu machen. Die heute bestehende verschleierte Diktatur entspricht nach unserer Heber» zeugung nicht mehr der Verfassung von Weimar. Wenn in der heutigen Krise Stimmen der Linken laut werden, daß vaterländische Verantwortung ein Zurückziehen des Volksentscheides verlangen, so lehnen wir diese Ratgeber ab. Vielmehr müssen wir darauf Hinweisen, daß sich gerade die Parteien und ihre Exponenten in den höchsten Staatsstellen, die heule von vaterländischer Pflicht sprechen, nicht gescheut haben, während des Kriege- eine Willensschwäche des deutschen Volkes zu betreiben. Wenn die KPD. sich an diesem Volksentscheid beteiligen will, so ist ein gewisser Vorwurf der Mittelpavteien über diese „Volksgenossen" nicht am Platze. Parlamentarisch haben, von den kleinsten Gemeinden angefangen bis zum Reichstag, diese Parteien niemals, wenn es ihren Interessen entsprach, auf die Stimmen der tt>m- munistischen Abgeordneten verzichtet. Besorgnisse in Paris. Paris, 4. Aug. (WTD.) Zum Volksentscheid über die Auflösung des Preußischen Landtags schreibt E x c e l s i o r, das Element des Vertrauens, das die Verständigung zwischen der Federal Reserve Bank, der Bank von England und der Bank von Frankreich darftellt, werde seine volle Auswirkung in der Welt nur haben, wenn Deutschland, das mit einer sehr kritischen Wirtschafts, und Finanzlage zu kämpfen habe, einen Beweis seines Friedenswillens gebe. Die Gelegenheit hierzu werde das deutsche Volk am 9. August haben, wenn es für oder gegen die Beibehaltung des preußischen Landtags stimme. Es handele sich nicht um das Geschick der Weimarer Verfassung und der deutschen Republik, deren letzter Scyutzwall die Koalition in Preußen zwischen Sozialdemokraten, Zentrum und Demokraten bleibe, die ganze Außenpolitik Deutschlands würde in Frage gestellt werden, wenn in Preußen eine nationalistisch-völkische Koalition ans Ruder käme, die Deutschland in die schlimmsten Abenteuer hineinziehen würde. — Victoire schreibt, Hugenberg müsse sich darüber klar sein, daß ein Sieg seiner politischen Freunde nicht dazu angetan sei, den Geldgebern, die man aufgefordert habe Deutschland zu Hilfe zu kommen, noch Vertrauen einzuflößen. Ruhigere Beurteilung in England. London, 4. Aug. (TU.) Di« englische Presse beginnt jetzt ihr Interesse dem kommenden Volksentscheid in Preußen zuzuwenden. Der Pariser Korrespondent der „Times" bringt hierbei ausführlich die neuerlichen Befürchtungen der Franzosen zum Ausdruck, fügt aber hinzu, daß diese Aussichten übertrieben fein dürften, ganz besonders, weil die Lage der allgemeinen Entwicklung in Deutschland nicht immer die Ergebnisse zeitigte, die man in Paris erwarte. Die möglichen Rückwirkungen in Deutschland im Falle eines Sieges der Rationalsozialisten würden in Paris Wohl überschätzt. Trotzdem aber sei es aut, wenn man mit den möglichen Folgen außerhalb Deutschlands und ganz besonders in Frankreich rechne. Auch der Berliner Korrespondent der „Ti- meS", der einen eingehenden Bericht über die Geschichte deS Volksentscheids bringt, meint, daß die Befürchtungen der französischen Presse wieder trügerisch zu sein schienen, obwohl möglicherweise die Leiter der deutschen Politik den nächsten Sonntag mit großer Besorgnis betrachteten, die nicht geringer sei als die Befürchtungen der Freunde Deutschlands im Ausland«. Kein Reichsminister geht zum Volksentscheid. Berlin, 5. Aug. Wie der „Vorwärts" Im Zusammenhang mit der Aeußerung des Reichskanzlers in seiner Rundfunkrede zum Volksentscheid, daß man ihn am Sonntag n i ch t a n d e r W a h l u r n e sehen werde erfährt, trifft das gleiche für alle Reichsminister zu. Der Reichskanzler und sämtliche Reichsminister lehnten den Volksentscheid aus inner, und außenpolitischen Gründen ab. Aus aller Welt. Flottenfchletzübungen in der Kieler Bucht. Am Montagvormittag sind die Linienschiffe »Schleswig-Holstein", »Schlesien", »Hessen" und »Hannover", sowie der Kreuzer »Königsberg", ferner der Kreuzer »Köln", die erste Minensuch- hatbflottille mit den Booten „M 113, 75, 122, 136 und 145“ zu Artillerieschießübungen in der Kieler Ducht ausgelaufen. Die Schiffe werden voraussichtlich am Freitagabend zurückkehren. Die Hebungen erreichten ihren Höhepunkt in einem Tag- und Rachtschiehen. Als Ziele dienten Scheiben, die von Schnelltendern geschleppt wurden und Torpedoboote darstellen. Das femlenkbare Zielschiff „Zähringen" konnte infolge einer Havarie nicht verwandt werden. Der militärische Erfolg der bisherigen Zielschießübungen ist gut. Konteradmiral Förster sprach den beteiligten Schiffen seine Anerkennung aus. An den Schießübungen nahm u. a. auch der Chef der Marineleitung, Admiral Dr. h. c. Raeder teil. Amtsenthebung des Direktors der Bremer Staatshauptkaffe. Der Direktor der Staatshauptkafs«, Dr. Meh- fer, hat bei der Schröder-Bank persönliche Spekulationsgeschäfte betrieben. Diese Spekulationen sind nicht mit bremischen Staatsmitteln gemacht worden. Dr. Mehler hatte sich persönlich für diese Geschäfte bei der Schröder- Bank ein Konto eröffnen lassen. Das Depot- kondo von Dr. Mehler soll etwa 200 000 Mark betragen. Gegen Dr. Mehler ist das Disziplinarverfahren eröffnet und im weiteren Verlauf bi« Suspendierung von seinem Amt verfügt worden. Edisons Befinden gebessert. Das Befinden des 84jährigen Thomas Edison, der vor einigen Tagen einen Zusammenbruch erlitten hatte, hat sich so weit gebessert, daß er b e ° reite einen kleinen Spaziergang um fein Haus vornehmen konnte. (Ein Seesteg in Brand. Zu aufregenden Szenen kam es inPenarth bei Cardiff (England), als der 200 Meter lange ©eefteg und eine auf ihm errichtet« Tanzhalle in Braud gerieten. Beim Ausbruch des Feuers befanden sich ungefähr 800 Personen auf der Drücke, die sich größtenteils in Sicherheit bringen konnten. Rur etwa 50 Tänzern und Tänzerinnen und den Mitgliedern deS Orchesters, die sich auf den glücklicherweise aus Zement erbauten Brückenkopf geflüchtet hatten, war der Rückweg abgeschnitten, doch wurden sie sämtlich von herbeieilenden Booten an Bord genommen und gelandet. Der Seesteg und die Tanzhalle sind völlig zerstört. Unwetter über Düsseldorf. — (Ein 2Hann vom Blitz erschlagen. Düsseldorf, 4. Aug. (WTB.) In Düffeldorf und Umgebung ging heute in den Mittagsstunden ein schweres Gewitter nieder, dos etwa 2% Stunden dauerte und große Schäden verursachte. Durch einen Blihjchlag wurde der Eifenbahndamm in ber (Siegburger Straße getroffen und beschädigt. Wäre es nicht gelungen, einen herannahenden Zug auftuhalten, tjatte sich ein schweres Unglück ereignen können. In der Siedlung bei Holthausen wurde ein Mann, der sich a u f e i n e m Felde befand, von einem Blitzschlag getötet. Schwere Unwetterfchäden in Mltlelfronkreich und Belgien. Aus allen Teilen Mittelfrankreichs werden schwere Gewitterschäden gemeldet. Im Schloß M6han bei Sr. Denis verursachte ein Blitzschlag ein großes Schadenfeuer. Auch ein Bauernaehöft wurde eingeäschert. In der Nahe von Vichy starb eine Frau vor Schreck über einen Blitzschlag. Auch aus anderen Orten werden zahlreiche Todesfälle infolge Blitzschlages gemeldet. — Ueoer Lüttich und Umgebung entlud sich ein schweres Unwetter. Eine Windhose und starker Hagelschlag richteten erheblichen Schaden an. Der Straßenverkehr war zeitweise unterbrochen. Stellenweise waren große Ueberschwemrnungen zu verzeichnen. Die Ueberschwemmung in hankau. Der Konsul der Vereinigten Staaten in Hankau hat das Staatsbepartement benachrichtigt, daß infolge der ungesunden Bedingungen, unter denen die vor den Fluten Geflohenen leben, der Aus- bruch einer ernsten Epidemie unvermeidlich sei. Hnzählige Flüchtlinge leiden a n Lebensmitteln Mangel und sind auf unzureichendem Raum und ohne die nötigen hygie- nischen Vorkehrungen zusammengedrängt. Das Jardine-Gebiet, ein Ausländerviertel in Hankau, ist biszu 7 MeterTiefevondem Wasser überflutet. Schwerer Autounfall in Koblenz. An einer gefährlichen Straßenkreuzung an einer Unterführung stießen zwei Personenkraftwagen in voller Fahrt zusammen. Durch die Wucht des Zusammenpralls wurde eine in dem einen Auto sitzend« Dame in hohem Bogen auf die Straße geschleudert, wobei sie einen doppelten Beinbruch erlitt, Drei wettere Damen wurden mehr oder weniger schwer de« letzt. Der Sohn eines Obsthändlers, gegen dessen hölzerne Verkaufsbude die beiden Autos nach d«N Zusammenstoß anprallten, erlitt schwere InN n er e Quetschungen. Die Führer der beiden verunglückten Wagen blieben unverletzt. Dagegen wurden die Fahrzeuge stark demoliert und auch das Derkaufshäuschen des Obsthändlers ist erheblich beschädigt. Landungsfahrt des „Graf Zeppelin" nach Englands Wie Kapitän von Schiller erklärte, wird diq am 14. Juli verschobene LandungSfahrt des »Graf Zeppelin" nach London nun am 1 8. August, 7 Uhr, angetreten werden. Die Landung auf dem Flugplatz H e st v n bei London wird am 18 August gegen 18 Hhr erfolgen. Hm 19 Hhr folgt eine Rundfahrt um di e englischen Inseln. Rach einer kurzen Zwischenlandung am 19. August tritt das Luftschiff um 19 Hhr seine Heimreise nach Friedrichshafen an, wo es am 20. August 6 Hhr auf dem Werftgelände landen wird. Flugzeugabsturz In der Tschechoslowakei. Bombenflugzeug ist brennend auf bi« Chrudlmer Spiritusbrennerei ab- Stürzt- Tas Flugzeug fing in einer Höhe von 2000 Meter Feuer. Der Pilot, Körhoral Steiner, sprang mit einem Fallschirm ab. Er [anbete wohlbehalten unweit von Chrudim. Der Fallschirm des Beobachters Leutnant Mlejnek blieb am Steuer des Flugzeugs hängen, so daß der Leutnant mit dem brennenden Flugzeug noch etwa vier Minuten durch die Luft flog. 200 Meter über der Chrudimer Spiritusbrennerei brannten bie Saue des Fallschirmes durch. Leutnant Mlejn«? stürzte auf ein Dach der Brennerei und fiel dann tot in den Garten. Das brennenbe Flugzeug ohne Beman- mma stieß gegen die Wand des Magazins, in welchem Spiritus lagerte, wobei es explodierte. Todesskürze in den Schweizer Alpen. In der Schweiz haben sich wieder verschiedene tödliche Abstürze ereignet. So ftürxte auf dem Frohnalpstock eine Damenschneiderin aus Zürich in die Tiefe und blieb tot liegen. Bei einem Aufstieg an der Fählenwand verlor der Tourist Fitzt von Berg beim Edelweißsuchen plötzlich den Halt und stürzte vor den Augen seines Begleiters 300 Meter tief ab. Sein Körper wurde vollständig zerschmettert. Beim Aufstieg zur Wilden Frau stürzte ein 17jährioer Tourist aus Steffisburg über einen Gletscher ab und blieb mit zerschmettertem Kopf liegen. Blitzschlag in die Straßenbahn. Während eines Gewitters mit wolkenbruchartigem Regen schlug der Blitz in die fahrend« Straßenbahn der Strecke Langenlonsheim — Bad-Kreuznach. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt: die Fahrgäste kamen mit einer Betäubung und dem Schrecken davon. Der Blitz zerstörte den Motor des Triebwagens und brachte den Zug sofort zum Stehen. Erst nachdem ein Ersatzwagen aus dem Kreuz- nacher Werk zur Stelle war, konnten die Fahrgäste ihre Reise fortsehen. Line zu spät gekommene Erbschaft. Dieser Tage waren zwei ausländische Rechtsanwälte in Offe nburg erschienen, um einem Fräulein Geiger di« Mitteilung zu machen, daß ihr eine Erbschaft von 30 Millionen Dollar aus Amerika zugefallen sei. Sie mußten aber feststellen, daß bi« in Betracht kommenbe Dame bereitsvor zwei Jahren in hohem Lebensalter gestor b«n ist, ohne be- sonberes Vermögen zu besitzen. Oie Weilerlage. •en £0! 'U. Scydlsfjord' 10' Ml ■Val, ,O Lorn 1016 Detin r~±TLO Tours zzte -------1— -~TnofsnavrtajC^ O Wolkenlos, o netter 3 nsre oedeett ® wonu» • oeoecut, •Regel} # Schnee Graupein ■ Hebel K Gewitter,©Windstille. O» seht leichter Ost y massiger "Soosoowesi q stürmischer nordwesl Die Pfeile fliegen mit dem winde Oie oei aen Stationen stenenden fahl- len geben die Temperatur an. Oie Limen verbinden Orte mit gleiche* euf neeresniveau umgerechneien Luftdruck Wettervoraussage. Obwohl das Hochdruckgebiet seine Lage seit gestern wenig verändert hat, so zeigt es in seinem Aufbau einen Rückgang des Luftdrucks. Die aus dem Hoch ausfließende Luft führt zu vielfach heiterem und sommerlichem Wetter mit Morgentemperaturen über 20 Grad. Inzwischen hat sich über der Biskaya und Westfrankreich eine flache Störung ausgebreitet, die später wahrscheinlich auch bis in unseren Bezirk ihren Einfluß entfalten dürfte, so daß dadurch der Hochdruck eine weitere Schwächung erfährt. Vorhersage für Donnerstag: Warmes Wetter, bewölkt, aber auch aufheiternd, trocken. Vorhersage fürFreitag: Bewölkt, warm, Neigung zu Gewitterstörungen oder einzelnen Niederschlägen. Lufttemperaturen am 4. August: mittags 25 Grad Celsius, abends 21 Grad: am 5. August: morgens 19,9 Grad. Maximum 25,4 Grad, Minimum 15,6 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 4. August: abends 23,8 Grad: am 5. August: morgens 20,2 Grad Celsius. — Niederschläge 14 mm. Sonnenschelndauer drei Stundey, ✓- straf« von zwei Wochen und gen verurteilt worden war. 1 2 4357 V Drogerie 0. Winterhoff, Gießen, Kreuzplatz 9/10 Lichtspielliaus«Gießen Ab heute Berufsmantel Ulf C D R CDRUCKSACHEN • ■ t IX D m Brühl'sc he Druckerei Aufnahmen In alle Klassen werden jederzeit entgegengenommen. Sprechstunden werktags von 10—12 Uhr. Fernrul 2735. Kleine Strafkammer Gießen. Gießen. 4. Äugust. Ein junger Mann nem 20 Jahren verfolgte Berufung gegen ein Urteil de» Amtsgericht» Grünberg, durch da» et wegen Mißhandlung und Bedrohung seiner Mutter zu einer^Gesamtgcsängni» i und zwei Ta Gr wollte in Rot- Vornotizen. — Tageskolender für Mittwoch: Licht- spielhaus Bahnhofstraße: „Der Liebesexprcß". — Flugtag am Sonntag. Am kommenden Sonntag findet auf dem Gießener Flugplatz Für die uns anläßlich unserer Vermählung erwiesenen Aufmerksamkeiten, ganz besonders für die überaus zahlreichen Älumenspenben, banken wir hiermit herzlichst Richard Schäfer und Frau Thea, geb. Fischer Am Sonntag würbe tn etner Wvymmg an ter Sudanlage einaeb rochen. 'Alle Behältnisse wurden durchwühlt, verschlossene gewaltsam geöffnet: entwend« wurde aber lediglich ein Heiner Darbetrag. — Don einen» Lagerplatz in der Hammstrahe wurde ein vierrädriger Weiß» binderwagen gestohlen. — Au» Diebstählen in den Badeanstalten ist bei der Kruninalpvlizet noch ein braune» guterhaltene» Lederportemonnaie sichergestellt, daß von dem Eigentum-berechtigten auf Zimmer 24 abgeholt werden kann. Sie sparen viel Geld, wenn Sie über Ihr Kleid einen HaUS* oder Der Liebesexpreß (AchtTage Glück) Eine entzückende, h e rzerfrl sc hendeTonfi Im-Komödie Gießener „69D Pädagogium Private höhere Lehranstalt WMW.Mö.WW versteigere ich zwangsweise gegen Ä a r z a h l u n g: bestimmt an Ort und Stelle, Zusammen- tunst um 1% llhr in meinem Bureau: einen Personenkraftwagen, Opel (defekt); bestimmt im „Löwen", Tleuenweg, dahier, 2% Uhr: 28 verschiedene Anzugstoffe, 8 m roten Barchent, 10 Einsatzhemden, 7 Futter- Hosen, 17 Reithosen, vier Bettkolter, drei Normalhemden, 24 Schillerhemden, vier Sporlfianellhemden, sieben Normal, anzüge, einen Futteranzug, zwei Wall- jaden, 18 Kattuntücher, vier Kinderkleidchen (gestrickt), sechs Normalhosen, Zehn Kinderschürzen sieben Mädchen- schürzen, neun Oberhemden, neun Garnituren Hosenträger, neun Servietten, elf Tischdecken, 18 Tischtücher, einen größeren Posten verschiedene Wolle, Hoscnknöpfe, Druckknopfe, Wäscheknopfe, Aermelhalter, Armbandchen, Häkelnadeln, Aermelhalter, 28 Paar Erstlings, strümpfe, zwei Dutzend Lilienmilchseife, 22 Paar wollene Strümpfe zwölf Paar Damcnstrümpse, 18 Paar Makostrumpfe, 13 Paar Wadenstrümpfe, zwölf Erstlingsjäckchen. 51780 wehr gehandelt haben und freigdproeben sein. Seine Berufung wurde zurückgewiesen. Da es sich um einen an sich ordentlichen und fleißigen Menschen handelt, der durch ungünsttge Umstände zu seiner Derfehlung gekommen war. trmrte ihm bedingter Strafaufschub bewilligt. Gleichfalls zurückgewiesen wurde dieBe- rusung eine» vom Amtsgericht Vilbel wegen Beleidigung zu 150 Mk. Geldstrafe Verurteilten, der den Bürgermeister feines Heimatdorfes in einer Wirtschaft »Schuft. Lump und Betrüger" genannt hatte Gr wollte freiaefprochen sein und bot den .Wahrheitsbeweis" für seine Behaup- tuna an, der aber, da e» sich um tormelle OSkN leidtgungen drehte, nicht zulässig war. Straf- mildernd wurde berücksichtigt, daß er überzeugt war, der Bürgermeister habe sein Amt nicht einwandfrei versähen. Kytffhäufer-technikum Bid Frenkenhiuien, Kyflb. rroenee ulirNrt Elektrotechnik, Maschinen-, L-u>nmeech.-,Aoto- j a. Fluneofbau, Fliybe trieb. Stehl bee. Eisen- wneeerbeu Für K.un-ute rimta. teehn. Kuree eine große flugsportllche Veranstaltung statt. Sine besonder» spannende Bummer deS reichhaIngen Flugprogramm» wird der Staffetdetckampf sein. Die sogenannte gemischte Staffelte ist eine Reu- beit, die erst auf wenigen Fluglagen gezeigt wurde. 6» handelt sich hierbei um eine stetige Steigerung der Geschwindigkeit. Awei Parteien werden gebildet. Jeder Partei gehören ein Läufer, ein Motorradfahrer. Beiter, ein Radfahrer, ein Auto und ein Flugzeug an. Die Partei, deren Flugzeug al» erste» die Ziellinie passiert, hat gesiegt. Der ganze Kampf ist al» Pendelverkehr parallel zu ter Zuschauerfront angelegt, so daß er in seinem ganzen Verlauf von allen Zuschauern bequem verfolgt werten kann. " Sine 80jährige. Frau Antonie Unverzagt, geb. Gigenbrobt, wohnhaft Liebig- straße 62. begeht morgen, Donnerstag. ihren 80 Geburt tag. Die alte Dame ist geistig und körperlich noch sehr rüstig. " Goldene Hochzeit. Die Eheleute Arbeiter Ludwig Krell und Frau, wohnhaft Schiffenberger Weg 33, feiern am Freitag, 7. August, das Fest der goldenen Hochzeit. " 6te rbef älle in Dießen. 3n ter Zoll vom 15. bis 31. 3uli verstorben in Gießen: 15. Siegfried Werner. Dienst knecht, 18 Jahre, Leihgesterner Weg 107 18. Dhilippme Slise Sch.ckedanl. geb. Ruppel. 23 2«hre, Rcunweg 29. Ber:a Ploch. geb. Limpert, Witwe, 83 Sabre, Kaiserallee 93. 20. Karl Johann Heinrich Stein, DermessungS.nspeklor, 45 Jahre, Gnauthstrahc 10. 23. Fviednch Ernst Althof, Zugführer L QL, 66 2ahre. Asterweg 56. 28. Emma Dröper, geb. Schmttt, 27 Jahre, FriedenSstrahe 23. 29. Dr. Wilhelm Borgmann, Universitäts-Professor. 62 3abtc, Rordanlage 63. Paul Älent, Zimmermann, 55 Jahre, We.dengasse 7. •• Zur Verlegung de» Stadtpvst- a m t e S. Am Montag öffnete — wir wiesen in einem längeren Artikel am SamStag darauf hin — da» neue Stadtpostamt feine Pforten im ehemaligen Easö Ernst Ludwig. Trotzdem konnte man die Beobachtung machen, daß sich noch viele Personen irrtümlicherweise nach ter Schulstrahe begaben, um dort ihre postalischen Geschäfte zu erledigen. Interessant ist e», auf die bisherigen Umsiedlungen, die daS Stadtpostamt bereits hinter sich hat, zurückzublicken. DaS erste Amt befand sich in dem zum früheren Hotel Einhorn gehörenden Hause am Lintenplatz. Dann wurde es nach dem Kirchenplatz in das Haus verlegt, in dem sich da» Leterwarengeschäst Röder befindet. 3n diesem Hause wurde später eine Wirtschaft mit dem bezeichnenden Ramen .Zum lahmen Esel" errichtet. Die nächste UebcrfieMung de» Postamts erfolgte nach dem Semmler- schenHausein der Walltorstrahe, die folgende nach ter Schulstrahe (jetzt KethnerscheDuch- Handlung) und schließlich in da- gegenüberliegende, von der Firma Winn errichtete Gebäude. In den siebziger Jahren befand sich da» Telegraphenamt, das wegen Raummangel nicht in die obengenannten Häuser untergebracht werten tonnte, in den jetzigen Geschäftsräumen des Gießener Anzeigers. Die neu bezogenen Räume in der Reuen Bäue gefallen allgemein sehr gut. " DevisenbewirtschaftungS stelle in Kassel. Aus Grund ter Verordnung des Reichspräsidenten vom 1. August 1931 ist beim Landesfinanzamt Kassel eine Stelle für Aus Der Provinzialhauptssadt. D ießen, den 5.August 1931. Zweifelhafte Erbschaften. Wiederholt hat es in Hessen und in den benachbarten Gebietsteilen Sensation erregt, alS die Rachricht verbreitet tourte, in Amerika oder in Holland seien Hinterlassenschasten, die in die Millionen gingen, von deutschen Staatsangehörigen zu beanspruchen. ES fei an die Erbschaften Emmerich und Metzger erinnert, die wiederholt, schon vor vielen Jahrzehnten und wieder in ter neueren Zeit, die Gemüter bewegt haben, ohne daß ein einziger Dollar oder Dulten nach Hessen gelangt ist. ES wurde auch darauf aufmerksam g, macht, daß ter General Metzger nicht aus Hessen, sondern auS dem Elsaß stammte.-I Run taucht abermals eine Botschaft dieser Art auf. Es wird gesagt, im ameritanifdben Sezessionskriege, und zwar am 29. August 1632, sei in ter Schlacht bei Dull Run ein General Johann Stark glatten. Dieter Mann habe eine geisteskranke Tochter gehckvl. die in einem Asyl zu Reu- Drfean» unter gebracht werten und dort gestorben sei. Weitere Srben seien in Amerika nicht da- getoeten. Die Hinterlassenschaft, die sich auf 80 biS 90 Millionen Mark belaufe, sei In einem WaisenfondS zu PittSburg angelegt. General Stark fei «n Sohn de» 1774 In Hatzfeld an ter Eder gebotenen Johann Stark gewesen, ter mit feiner Familie nach Nordamerika ausgewantert fei, feine Frau habe gleichfalls aus Hatzfeld Kunst und Wissenschaft. von der Kunstgewerbeschule Offenbad) a. IN Durch Verfügung tes Heffifchen Minister» für KultuS und Bildungswesen tourte die Drucke r- fachklaffe ter Offenbacher Kunstgewerbeschule als EnttoursSklasse anerkannt: der Leiter dieser Klasse ist Pros. Emst Engel. In Hand-in- Hand-Arbeit mit ter Fach klasse für Werbegraphik unter Professor Ludwig Enders, der unter ter Bezeichnung .Offenbacher Schreiber" weitbekannten Schriftilaffe von Prof. D. Rudolf Koch und der bekannten Werkftätte für Buchbinderei der Anstalt wird die neu anerkannte Fachkiasfe für Buchdruck ter Offenbacher Kunstgewerbeschule ihre durch diese Einheitlichkeit stark werbend« Kraft auf den RachwuchS im Buchgewerbe nicht verfehlen. QraneJfaare nidil färben! D** «eil Jehren bewihite biologische HMisUrkung»- /'■l •••••* ENTRUP AL ges gesell führt dee geichwlcb- tee Meerwunele die verbrauchten Pigmente (Farbstoffe) re. aodafl grave Haare und Nachwuchs auf natürliche Weise die ehemalige Farbe wiedererhalterv daher Fehlfarbne ausgeschlossen Kopfschuppen end Haarausfall verschwladee wach heuen Gebrauch Flasche RM 4.80. Prospekt kostenlos Aus dem Amisverkündigungsblaii. Da» Amtsverkündigungsblatt Nr. 55 vom 4. August enthält: Die Gebühren der Schornsteinfeger. — Strahcnsperre-Aufhebung. — Die kommunale Son« dergedäudesteuer 1931. — Nachtrag aur Friedhofs- ordnung für den Friedhof der Gemeinde Elimbach — Die Erhebung einer allgemeinen Wertzuwachs- steuer in der Gemeinde Alten-Buseck und Nieder- Bessingen. — Die Erhebung einer Biersteuer in der Öcmcinbc Ovenhausen. — Dienstnachrichten. Verantwortlich für Lokales: i. V. H L. Neuner. Run. glauben alle, die mit den Samtlien otarr und SfTel verwandt find, einen Anspruch auf die große Erbschaft zu haben. Die Sache spielt auch nach Dietzen, denn zu Beginn te» 19. Jahrhundert» stand hier beim zweiten Bataillon des Helßschen Leibregiment» ein Sergeant Daniel Issel, dem hier mehrere Kinder geboren wurden. Der im Jahre 1811 geborene Sohn Johann Wilhelm Georg Lorenz Issel zog nach Hatzfeld, wo er ungefähr im Jabre 1887 gestorben ist. Hieraus vermutet man. daß ter Sergeant Issel gleichfalls au» Hatzfeld gewesen und mit dem amerikanischen General verwandt gewesen sei. Auch um diese Erbschaft hat man sich schon in früheren Jahr,zehnten bemüht. so im Jahre 1862 und im Jahre 1898. Im Jahre 1862 sei in einer amerikanischen Zeitung ein Aufruf, daß sich die Erben te» General» Stark melden möchten, veröffentlicht worden. Run bemühen sich abermals Personen, die mit den genannten Familien verwandtschaftliche Beziehungen haben, die nötigen Unterlagen, Geburtsscheine, Heiratsscheine und dergleichen beizubringen, um tn den Besitz ter amerikanischen Millionen zu kommen. Man wird, gestützt auf die Erfahrungen in den Fällen Emmerich und Metzger, allen Beteiligten raten dürfen, kein Geld an diese Dache zu hängen. Taten für Mittwoch, 5. August. 1850: ter französische Schriftsteller Guy de Maupassant auf Schloß M'vomesnil geboren. 1895: ter Sozialist Friedrich Engel» in London gestorben. Süllen- und Sderverkaus. Die Stabt Allen darf a. b. Lda. verkauft auf dem Submissionswege einen fetten Lullen, sowie einen abgänaiaen Eber, (getrennte Angebote sind auf Lebendgewicht bis zum 7. August L 3., vormittags 11 Uhr. auf hiesiger Bürgermeisterei einzureichen, woselbst die Eröffnung der Angebote statt- findet. 5170V Allendorf a. d. Lda., den 4. August 1931. Hessische Bürgermeisterei. Schneide?, T<»:.fentetoirtfefcaftung eingerichtet Worten. Sie nahm btt in ter bezeichneten Verordnung naher umschriebene Tätigkeit am 4. August auf und ist zuständig für alle Antragsteller, die ihren Wohnsitz. gewöhnlichen Aufenthalt, Sih oder Ort ter Leitung im Bezirk te» LanteSfinanzamt» Kaffe! haben. Mit ter Leitung ter Stelle ist Reichsbank- Oberinspektor Scharr beauftragt worden Die Dienststelle befindet sich im Lantessnurnzamt. Kaiserplatz 43. Zimmer 29 Die Entscheidungen der Devi sen-Bewirrfcho s tS stelle ergehen inner ter Firma: .Der Präsident tes Lantesfinanzamt»- al» Stell« für Devllen-Bewirtschaftung. •• Ausfuhr von Kartoffeln. Don ter Hessischen Hauptstelle für Pflanzenzucht in Gießen wird unS geschrieben Verschiedene Vorkommnisse in letzter Zeit lassen es angebracht erscheinen. erneut darauf hinzuweifen, daß 5tar- wifelfendungen nach tarn AuSlande von Ursprung»» bzw. Gesundheitszeugnisfen te» Deutschen Pslanzenschutzdienste» begleitet sein müssen. Fehlt daS Zeugnis, so wird die Sendung von den Zollkontrollstationen zurückgehallen und dem Absender entstehen Unannehmlichkeiten. Die erforderlichen Zeugnisse werten in Helfen jeweils von dem zuständigen LandwirtfchaftSamt bzw. von ter Heffifchen Hauptstell« für Pflanzenschutz ausgestellt. ' Sonntagsrückfahrkarten amVer- fassunaStag. Der Verfassung»tag am 11. August ist in Hessen gesetzlicher Feiertag. Infolgedessen werden von den Fahrkartenausgaben der in Hessen gelegenen Bahnhöfe Sonntagsrückfahrkarten und Arbeiterrückfahrkarten auS- gegeben. D-.e Karten gelten von Montag. 10.. biS Mittwoch. 12. August, aber am Mittwoch bi» 9 Uhr vorm'.rtags nur tur Rückfahrt. In Preußen und Bayern ist der Verfassungstag kein gesetzlicher Feiertag. Don den im Bereiche dieser Lander liegenden Bahnhöfe werden daher am DersassungStag keine Sonntagsrückfahrkarten verabfolgt. ee El n Betrüger fest genommen. Der Polizeibericht meldet: Dor einigen Tagen versuchte der 42 Jahre alte Reisende Waller Fürst au» Berlin auf betrügerische Art in den Besitz von Zigarren zu kommen. Um seinen Zweck zu erreichen, begab er sich in eine hiesige Zigarrenfabrik und bestellte für einige tausend Mark Zigarren in den verschiedensten Sorten, die nach Eingang des Geldes an eine bestimmte Adresse abgesandt werten sollten. AIS die Bestellung gemacht war, stellte er an die Firma das Ansinnen. von der bestellten Ware Mustcrpackun- gen mitnehmen zu wollen. Der Inhalt dieser Packungen sollte dann an ter bestellten Ware in Abzug gebracht werden Da das De bahren dem Inhaber ter Firma verdächtig erschien, wurde tem Besteller bedeutet, daß die Muster- Packungen erst angefertigt werden müßten, die er nach einigen Stunden in Empfang nehmen könnte. In ter Zwischenzeit zog ter Iichaber Erkundigungen ein. wobei sich herauSstellte, daß Fürst von sechs verschiedenen Behörden wegen Betrugs gesucht wird. AlS Fürst gegen Abend die Musterpackungen abhvlen wollte, tourte er von Beamten ter Kriminalabteilung festgenvmmen. Er wurde tem Amtsgericht zugeführt und kam in Untersuchungshaft. — Der Mechaniker Heinrich S ch m i d t II. aus Dorheim wurde auf Grund eines Steckbriefes vom Amtsgericht Weißenfels a. 6. wegen Betrugs fest genommen. — IBaaratislall-Schoppen? dann nur das echte Birkenwasser,.Baleogold“ für blond. Haar.' < Llt. BB.l.Nu. echtes Brennesselhaarwasser für fettiges Haar,1 «Lu HM.0.76 von Holapotheker Schaefer Fein parfümiert <993 v Keine teure Verpackung! Flasche mltbr. Zn haben in der Üniv.-Apotheke z. goldenen Engel. Bullenverkauf. Die Gemeinde Großen Linden verkauft einen fetten, schweren 5171D Simmentaler Bullen. Angebote für den Zentner Lebendgewicht find bis zum Freitag, dem 7. August 1931, mittag» 12 Uhr. auf dem Bureau der Bürgermeisterei abzugeben, woselbst die Be- dingungen eingesehen werden können. Großen-Linden, den 4. August 1931. Hessische Bürgermeisterei. Lang. Großen-Onden, im August 1931 64427 tragen Haus- oder Berufsmantel «ter aus gutem Zephir,mit färb.Besatz, mit und ohne Arm 3.50, £ Haus- oder Berufsmantel aus gutem baumw. Beiderwand od. ft 71 Blaudruck mit färb. Kragen u. Man- < •' schelten, mit und ohne Arm 4.75, AI Haus- oder Berufsmantel — nr aus bestem Blaudr., Siamosen od. Beiderwand, bes. fL Machart 6.00, V Haus- oder Berufsmantel aus la schwarzem oder marinefar- p Cf bigem Satin,teils mit abnehmbaren weißen Trikolin-Kragen 6.50 V Volks-Flugtaü Flughafen Gießen 5180 A Modehaus uSIOIHOII 3 Vertikos, Nähmaschinen, Chaiselongues, Sofa, Sessel, BuseU, Diwan einen spie- gclschrank, einen Rauchtisch, zwei Bü- cherlchränke, zwei Schreidtilche, einen Gläserjchrank, ein Wirtschaftsbüsett, einen Badeofen mit Badewanne, zwei Kassenschränke drei Schreibmaschinen, zwei Regulatoren, einen Veroielsaltigungs- apparat, einen Arzneischrank, eine Bitrine, einen Einspannerwagen, ein Kia- vier, drei Opel-, zwei Horch-, einen He- lios-, einen Aga-Perloncnwagen, eine Kiste Sargbeschlade, Milchtopfe, Bratpfannen, Wasserschiffe, Kafiee- und Wasserkannen, zwei Oefen, zwei Man- lelkessel, Kokos- und Roßhaarbesen, Holländer, Klappstühle, Pferdchen, Puppenwagen, Kinderspiele, Fahr, und Waschleinen. sechs Tafeln Sperrholz, sechs Ro- delschlitten, Koch- und Waschropfe, Ga- Imdciften, Fruchtsäcke, eine Korbmöbel- garnitur. Dem Gerichtsvollzieher in Gießen Steinstraße 13 — Telephon 4101 In den Hauptrollen: Dina Gralla, Georg Alexander Die von Temperament übersprudelnde Dina Oralla, der beliebte Georg Alexander und der bekannte Tenor Joseph Schmidt sind die Träger der Hauptrollen des neuen Emelka- Greenbaum-Tonfilms, der unter der bewährten Regie Robert Wienes entstand. Eine schmissige Handlung, voll Witz und unerhörter Lustigkeit, dessen vergnüglicher Laune sich keiner entziehen kann.Dinaöralla, Georg Alexander, die beiden Lustspieldar- steller deutscher Filmbühnen und derTenor Joseph Schmidt, der die einschmeichelnden Schlager des Films sowie die melodiösen Weisen italienischer Liebeslieder singt, gewährleisten Ihnen zwei vergnügte Stunden. Das herrliche Venedig gibt diesem Film den passenden Rahmen. Ferner: Das reichhaltige Beiprogramm Sowie: Die neueste Ufa-Wochenschau 5163 (. Am 3. August verstarb infolge eines Schlaganfalls Gießen, den 3. August 1931. 04432 Von der Reise zurück 5181 D 5155 V Rudi im 6.Lebensjahre. Gießen (Cafe Krämer), den 5. August 1931. 5164 D ßelegeoheilskäule iEm?,ehlun9eni Erntedecken RESTE RESTE 1 RESTE RESTE 1490V liefert ü 5%Edeta-RabattliH 04439 oafunnl Nach 2 tägiger schwerer Krankheit verschied gestern um 1 Uhr in der Klinik unser liebes, gutes, einziges Söhnchen von K'seiden-Georgettes, Chiffons, K'seiden- Marocaine, Wollmussel., Bembergselde in berrl. Mustern zu einem Bruchteil des regul. Wertes Wir betrauern in ihm einen Mann von außerordentlichem Pflichteifer, größter unermüdlicher Arbeitskraft und vorbildlichem Fleiße, der in Uneigennützigkeit sein ganzes Können und Wollen für das Institut eingesetzt hat Wir werden sein Andenken in Ehren halten. von einfarbigen Kleiderstoffen. Tweeds, Schotten, Mantelstoffen und Herrenstoffen weit unterPreis Per Anzug nur Mark (im Abonnement nur Mark 1.50) Filets... Zander. Heilbutt Ludwig Keil und Frau und Schwesterchen Irma, von Wasch'Kunstseiden, Indanthrenstoffen, Schürzen - Siamosen, Sport - Flanellen u. a. m. sehr preiswert Soziale Pflicht her Hufatter o. Stellen, ongtbottn Ift tf, ble ein» Die trauernden Hinterbliebenen: Agnes Freifrau van der Hoop, geb. Wehberg Adrian Freiherr van der Hoop, Oberleutnant in der 7. (Bayer.) Fahrabteilung Gerrit Freiherr van der Hoop. f Wein- nnifX Anfelweinfösser3 in allen Größen Küferei t Sommerkorn y von einfarbigen Seidenstoffen, wie Marocaine, Veloutlne, Crßpe Satin, Crfipe de Chine, fabelhaft billig Die Beerdigung findet in aller Stille statt Beileidsbesuche dankend verbeten. kleine Werkwohnung atone 2-Zimmer- Dr. Knauff Gießen, Ludwlgstraße 37 Pfd. von 45 PL an ......Pfd. 100 PL .......Pfd. 125 PL ®*^4-Zim.-Wohog. in Bart, eines Neubaues (Stadt) »er 1.9. 31 zu vermieten. Schriftl. Angeb. unt. 04429 a. d. Gien. An,. Herr Adolf Mülln Institutsgehilfe am Pharmakologischen Institut. JungeDame wünscht MeimiiiW durchzumachen.Schr. Beding, unter 04444 an den (Sieh. An,. AuskünsteinRechtS-, Stras'.Famil.-Ange» legenheiten, Gesuche, Verträge, Beobachtungen, Ueberrvachg. und Ermittlungen preiSw^ streng diskr. u. an all. Orten ert. u. erledigt Detektiv- Bnreau-u. Auskunftei Inh.K.Gerz, Bad-Nauheim, Kuratr. 17. 838 Die Leitung des Pharmakologischen Instituts. Schmitte, den 4. August 1931. Die Beerdigung findet am Freitag, dem 7. August, 14.30 Uhr, statt. Versicherungssachmann oder fachkundiger Vertreter ist Gelegenheit gebot, sich als Generalagent bekannter Gesellschaft, die Feuerversicherung und alle sonst. Branchen, auch Leben betreibt, eine einträgliche Existenz auszubauen. Klein. Bestand vorhanden. Altersversorgung durch lebenslänglich. Inkasso. Auch Bezirks- Vertreter werden zu hohen Bezügen angestellt. Bewerbungen, die vertraulich behandelt werden, unter F 7475 an Annoncenmayer, Frankfurt a. BL [5173V Fischhaus Cuxhaven Marktstrabe 23 Telefon 2417 DANKSAGUNG. Für die überaus zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgange unserer lieben Entschlafenen Emma Gröper, geb. Schmitt sprechen wir hiermit unseren innigsten Dank aus. Besonderen Dank für die überaus zahlreichen Kranz-, Blumen- und Kartenspenden. Die tieftrauernden Hinterbliebenen: Paul Gröper und Kinder Gießen (Friedensstraße 23), den 5. August 1931. 5161 D taiilaM gut erb. u. Ballon- Herrenrad verksl. Böcker, Crednerstr. 24. liefert die Brühl'sche Druckerei W. L J. Moufang A.-G I Ober-Schmitten. __ Donnerstag — Freitag Billige Fischtage Kochfisch .... Pfd. von 35 PL an Tee und Kakao nur tadellose Fabrikate Suche sofort ein sauberes, ehrl. 0106 Mädchen oder Frau f. leichte Hausarbeit vormitt. 2-3Stund. Zuerir. t.b. Geschst. d. GH. A. Abholen und Zusenden kostenlos Amerik. Exprefe-Dampf-Bügel-Anstalt „Wie-Neu“ Inh.: E. Kömpel, Schneider .Wolkengasse 23 Telephon 2503 / Reparaturen und alle einschlägigen Arbeiten schnell und billigst 5163 A 1 neuer und 1 gebr. (Mmgen (50 Ztr. Tragkraft! zu verkaufen. 04438 Heuchelheim, 12 Träger NP 20 und 24, davon je 4 Stück 10, 5-10, 4 u. 6,4 m lang, neuwertig, bill. zu verk. Heyligenstaedt 6 Comp., A.-G., Gießen. 5159D Hubertus Heute Stammtisch. Versammlung (mit Schieben» erst am 12. August. 5172D Ungeziefer-Vertilg.- Institut Bchomher, Gießen, Kirchen- platz 18, TeL 3983. 1 10000 UM. gegen L Hypothek zu verleiben. Schriftl. Angebote unt. 04430 an den Gieh. Anz. 3000II. als 1. Hypothek auf einen Neubau ges. Pünktliche Zinszabl. Bis 1. oder 15. Nov. gewünscht. Schriftl. Angebote unt. 5160D an den Gieh. Anz. Große Auswahl in Kolonialwaren Reis, Grieß, Graupen, Mehl, Sago Hülsenfrüchte usw. in ausgesuchten Qualitäten iNMM vertilgt unt. schriftl. Garantie Wanzen und jed. Ungeziefer samt Brut. Behärdt. Dankschreiben. Bei Wanzen nur Ver- 10/30 PS NAG - Lieierwagen 10—15Ztr.Tragkraft 5/20 PS BronoaBor Personenwagen 4-Sttzer 600 ccm Matieco 'Dlt. 450- 750 ccm Wanderer-Sport kompl.m. Bosch-Licht und Horn Mk. 480.— 25öccmZiindaDP in tadellos. Zustand Pik. 280.- Eioreö- Moiorfatnrail mit Siebtel & Sachs- 'Dlotor u. elektr. Beleuchtung Mk. 250.— W. Appel Kaiserallee 49 . Tel. 4067 S1MP eingetroffen s. G. Babnbosstr.61 I5174D1 Televbon 38H<» Dafür, wenn men Ihre Bemühungen zur Or- lanauru ein. geeigneten TÄgkS« aus Hirte Weise unterstützt und sind auf diese selbstverständliche Pflicht auch angewiesen. GrePenev Anzeiger Seltersweg 70 Telephon 2481 5162 A Heute entschlief nach kurzem, schwerem Leiden auf der Schmitte bei Rodheim a. d. Bieber im 64. Lebensjahr mein lieber Mann, unser treuer Vater, der Kgl. Preuß. Major a. D. im ehern. Füsilier-Regiment von Gersdorff (Kurhessisches) Nr. 80 Georg Freiherr van der Hoop Ritter des Eisernen Kreuzes und anderer höherer Orden Ehrenritter des Johanniterordens. fit Gießen Sonntag,d.S.Aug. Familien-Wanderung: Ablar-Hohe Warte- Heide—Bieber. 4'/,Std. Abs.6.46Uhr Rucksackoerpflegung «aub. Frühstück) nicht erforderlich. [Ma7D Gemüse-Konserven nur erste Fabrikate laOC iNBEHiEUR-SCHULE hjTp. MascmnenoaaElelttro- =£!tL.tecnn/r.Hocr>-u.n8fDau. Toninoustna. attrpianefreL Freondl. Wohining 4 Zimmer u. Mans, nut Balkon, Bad, Zentrnlheizg^inbest. Lage Gietzens in der Nahe der Kliniken, beschlagnahmest ab 1. Seat. ob. Oktober zu vermieten. 04373 Lelbpestern.Weg 241 Kleines beschlag- nabmesreies Einsamilien- Saus Nähe Babnhos und Kliniken sof. zu vermied tauch i.Engros- GeschäitshauS oder Aerzte-PrariS geeignet!. Schr. Angeb. u. 5169D a. d. GH. Anz. 10000.- M. als 1. Hypothek aus gut erhaltenes Haus in bester Lage nur v. Selbstgeber gesucht. Sicherste Kapitalanlage. Diskretion au» gesichert u. verlangt. Schriftl. Angeb. unt. 04441 an d. Gh. Anz. Christi. Geschäftsmann sucht 1OOO Mk. geg. gute Sicherheit. Schrift l. Angeb. unt. 04434 an d. Gh. Anz. RESTE von fast allen anderen gangbaren Artikeln in Riesenmengen unglaublich billig. — — — Die Preise, die ich diesmal für die Reste ansetzte, übertreffen alles bisher Dagewesene Meine hervorragenden gebrannten If ff Mokka-Misch. 4.40 y OimOn Spezial-Misch. 4.00 Machen Sie bitte einen Versuch! L.BERNARD Stoff-Spezialhaus, Plockstrahe 16 ______________5166 A . Hühneraugen Warzen, Hornballen beseitigt restlos auch in den hartnäckigst, sxällen todsicher unt. Gar. innerh. 5—6Tg. Hiibneraugen-Rapid Erhältl. nur: Löwen- Drogerie W. Kilbinger Hachf., Seltersweg 69. KurzgeschnttteneS hmachhol 2 Frau gesucht beigut. Wochenverd. f. eine kl. Bevkauss- stellelkeinLadens.Be- irest'ende wird eingerichtet. Crford. ist kl. Betrag f.Ware.Sckr. Meid. uA. 2.8 l5156v! an den Gieh. Anz. [Stellengesuche) AeltercS Mädchen sucht Stellung in kl. ruhigen Hausbalt. Schrtftl. Anaev. unt. 04431 an d. GH. Anz. | Verkäufe | Nabrikneuc Nähmaschine erste Marke, im Auftrag unter Preis Mit Garantie abzugeben. Wo? sagt die Geschst. des Gieh. Anz. [««m Damplsägewerk Lollar B. Nubn. A.-l«. Donnerstagnachm. von 5Vi Uhr an Zwiebel- Kuchen Bäckerei Lange. Neustadt 37. 4693D » a gehen Sie immer, wenn Sie Ihre tziegani Kleidungsstücke des öfteren bügeln, dämpfen und auffrischen lassen Berufsverband sucht für Abendkurse Lehrer • für Deutschen Handelsbrief Kausm. Rechnen Buchführung (auch Bilanz) Kurzschrift Fremdsprachen Wechsel- und Scheckverkehr Mahn- und Klagewesen Kundenwerbung. Schriftliche Angebote mit Nennung des Stundenhonorars unter 5157D an den Gtehener Anzeiger erbeten.. | Vermietungen | Herrschaftliche 6-Zimmer- Wohnung mit Bad, Balkon, eL Licht, Zentralheiz. u. allem Zubehör zum 1. Okt. zu vermieten. Schriftl. Angeb. unt. 5175D a. d. GH. Anz. Geräumige 4-gimmer- Wohnung mit el. Licht, Zentral- heizg., Balkon, Mädchenzimmer und all. Zubehör zum 1. Okt. zu vermieten. 5176D Aiterweg 34. Wohnung mitgroh. Wohnküche sofort zu verm. Zu ersr. in d. Geschst. d. GH. A. 0.«-, Beschlagnabmesrei 2 Zimmer mit Küche u. Zubeh. zu verm. slläh in d. Geschst. d. GH A. nm; Stellenangebote| Säcke f. die Landwirtschaft, sowie wasserdichte Wagenplanen liefert billigst 5018D M. Cb. Mühlstein, Sacksabrik, Giehen Televbon 2132. An derMargarelenhütteS Lungenverschleimung hartnäck. Husten. Luströhrenkatarrh, Keuch-1--nTzn-----------'—n husten, Bronchialkatarrh, Asthma etc be- 14/70 mit hebt und lindert selbst in veralteten Fällen /H M Oetthei"m'sBrust- u.Lungentee Q OtOSitl Preis Mk. 1,25. Zu haben in den Apo- theken, bestimmt: Pelikanavotbeke Gie Phaeton, 5-sitzig, 90000 km gefahren, in iten, Kreuzvlatz 2. 7426D gepflegtestem Zustand, Maschine fast un- —------- —~ I hörbar laufend, sofort zu verkaufen. Besuchskarten Papierfabrik Ober-Schmitten LI (ifteM ttllung» dankbar unterlagen Iber 0.64t.)! iriWjof.Dtt nbendm sind Nr. 181 Zweiter Blatt Mehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheflen) Mittwoch, 5. August 1931 Das Recht im täglichen Leben. Aus dem Konkursrecht. Bei dem Tiefstand unserer Wirtschaft, deren weitere Entwicklung, zumal angesichts der letzten Ereignisse und der fortdauernden Geldknappheit, von niemanden vorauSgesehen werden kann, hat die Zahl der Äonturfc in erschreckendem Mähe zugenommen. Firmen und Aechtsperlönlichkeiten aller Art werden plötzlich von den Folgen einer fremden Konkurseröffnung betroffen, die sie selbst in einen wirtschaftlichen Strudel hineinreiht und sie gar in ihrer Ssist-enz bedroht, ohne dah sie die schlechte pekuniäre Lage ihre- Schuldners auch nur ahnten. Richt zuletzt werden die Lohn- und Gehaltsempfänger eines in Konkurs geratenen GemeinschuldrvrS einer Aktiengesellschaft, einer offenen Handelsgesellschaft, einer Kommandit- und der Aktienkommanditgesellschast, einer Genossenschaft, einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung, der öffentlichen Körperschaften usw. betroffen. • An dieser Stelle sei daraus hingewiesen, dah daS Recht, bei dem zuständigen Amtsgericht den Anträa auf Eröffnung eines Konkursverfahrens zu stellen, dem Gcmeinfchuldner und jedem Äon- kur-gläubigen zusteht. DaS Verfahren darf der KonkurSrichter nur eröffnen, wenn der Gemeinschuldner zahlungsunfähig ist. Zahlungsunfähigkeit ist anzunehmen, wenn Zahlungseinstellung erfolgt ist, weil dem Gemeinschuldner voraussichtlich dauernd und nicht lediglich verübergehend die Barmittel fehlen, feine fälligen Geldschulden zu bezahlen. Aach § 1 der deutschen KonkurSordnung umsaht daS Konkursverfahren daS gesamte, einer Zwangsvollstreckung unterliegende Vermögen des Gemeinschuldners, das ihm zur Zeit der Er- össnung des Dersahrens gehört. Aur dieses Vermögen bildet die sog. Konkursmasse. Zu letzterer gehören auch die Geschästsbücher, nicht jedoch solche Gegenstände, die nicht gepfändet werden füllen. Anpfändbar und deshalb nicht in die Masse fallend sind beispielsweise die in §850 der Zivilprozessordnung aufgesührten Ansprüche auS Lohn-. Gehalts*. Dersorgungs* und Ent* schädigungSverhältnissen usw. in dem gesetzlich bestimmten Umfang. Die einschlägigen Bestimmungen sind recht verwickelter Art. Ihre Auszählung und Erörterung würde hier zu weit führen. Mit dem Augenblick der Konkurseröffnung verliert der Gemeinschuldner daS Recht, über die Konkursmasse zu verfügen. DaS Derwaltungs- und Verfügungsrecht geht vielmehr auf den Konkursverwalter über, der auch das Prozehsüh* rungSrccht für daS ganze im Konkurs betragene Vermögen deS GemeinschuldnerS erlangt. AuS der Konkursmasse sind die Massekosten und Masseschulden vorweg zu berichtigen. Unter Massekosten versteht das Gesetz zunächst die gerichtlichen Kosten für das gemeinschaftliche Verfahren, sodann die Ausgaben für die Verwaltung. Verwertung und Verteilung der Masse und schliehlich die dem bedürftigen Gemeinschuldner und seiner Familie vom Gericht oder dem Gläubigerausschuh für den notdürftigen Unterhalt gewährte Unterstützung. Unter die Masseschulden fallen in erster Linie die Ansprüche, die aus Geschästen oder Handlungen des Konkursverwalters entstehen, die er innerhalb seines ihm amtlich übertragenen Wirkungskreises ausübt. Wer etwas an die Konkursmasse zur Zeit der Erössnung deS Dersahrens zu fordern hat, ist Konkursgläubiger und gehört nun gewissermaßen au einer Interessengemeinschaft. Der bekannte § 61 der Konkursordnung stellt jedoch für die Gläubiger eine Rangordnung auf und gewährt dementsprechend für einzelne bestimmte Ansprüche eine vorzugsweise Befriedigung aus der Konkursmasse. Die Konkurssorderungen werden hiernach in nachstehender Reihenfolge, und jeder bei gleichem Range nach Verhältnis ihrer Beträge, berichtigt: 1. Die für das letzte Jahr vor der Eröffnung des Konkursverfahrens oder dem Ableben deS Gemeinschuldners rückständigen Forderungen an Lohn, Kostgeld oder anderen Dienstbezügen jener Personen, die sich dem Gemeinschuldner für feinen Haushalt. Wirtschaftsbetrieb oder Srwerbsgeschäft zur Leistling von Diensten verdungen hatten (solche Dienstleistungen können ganz vorübergehend [ein. Zweck dieser Bestimmung ist der Schutz der wirtschaftlich Schwachen). 2. Die Forderung der öffentlichen Kassen des Reichs, des Staates usw. 3. Desgleichen die der Kirchen und Schulen, der öffentlichen Verbände und der öffentlichen Feuerversicherungsanstalten wegen der Abgaben und Leistungen aus dem letzten Jahr vor Eröffnung des Verfahrens. 4. Die Forderungen der Aerzte, Wundärzte, Tierärzte, Apotheker, Hebammen und Krankenpfleger wegen Kur- und Pslegekosten aus dem letzten Jahre vor Eröffnung des Verfahrens. insoweit der Betrag der Forderungen den Betrag der tapnäfcigen Gebührnisse nicht übersteigt. 5. Die Forderungen der Kinder, der Mündel und der Pflegebefohlenen des Gemcinschuld- ners in Ansehung ihres gesetzlich feiner Verwaltung unterworfenen Vermögens, das Vorrecht steht ihnen aber nicht zu, wenn sie nicht binnen zwei Jahren nach Beendigung t-cr Vermögensverwaltung gerichtlich gemacht und bis zur Eröffnung des Verfahrens verfolgt worden ist. 6. Hiernach erst alle übrigen Konkursforderungen Die V orrechte werden nur auf Antrag berücksichtigt. Unter die obige Ar. 1 fallen beispielsweise die Lohnforderungen der Handarbeiter und die Gr- haltssorderungen der eine höhere, selbständigere Stellung einnehmenden geistigen Arbeiter. Streitig ist es. ob auch die Sei ter (Direktoren) gröberer Unternehmungen mit juristischen Persönlichkeiten, z. B. die Vorstandsmitglieder von Aktiengesellschaften oder rechtsfähigen Vereinen, die Ge- schästdsührer einer Gesellschaft mbH. für ihre Forderungen an Gehalt und sonstigen Bezügen das Vorrecht der Dr. 1 genießen (siehe hierzu Kommentar von Metzel sowie die dort angeführten Stellen und Entscheidüngest, die diese Frage Bernetnen. Die Frist zur Anmeldung der Konkurs! orderun- gen betrögt zwei Wochen diS drei Monate. Oer Urlaub in der Rechtssprechung. Das Reichsarbeitsgericht hat in der jüngsten Zeit wieder mehrere grundsätzliche Entscheidungen über die Urlaubsfrage gefällt. So spricht es aus. daß Darlohn und Urlaub die vertragliche Gesamt* aegenlciftung bilden. iRAG 563 30). die der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer für die von ihm verrichtete Arbeit schuldet. Wolle der Arbeitgeber den in einem abgelaufenen Tarifvertrag begründeten Urlaubsanspruch des Arbeitnehmer- beseitigen, so genüge es nicht, wenn er den Arbeits- Vertrag kündige und die Fortsetzung des Arbeits- Verhältnisses .auf Grund der allgemeinen gesetzlichen Bestimmungen" anbietc. Denn der Arbeit- nehmer dürfe auf Grund eineS solchen Angebots davon ausgehen, daß seine Arbeit auch weiterhin in derselben Weise wie bisher vergütet werde, unb dah sich sonach auch hinsichtlich seines Urlaubs nichts ändern solle. Denn der Arbeitgeber seine Gegenleistung in Hinsicht auf den Barlohn oder den Urlaub herabfetzen wolle, bedürfe es vielmehr einer klaren, jedem Arbeitnehmer verständlichen Erklärung über den Umfang der beabsichtigten DergütungS Verminderung In einer anderen Entscheidung (RAG 305 30) erinnert daS ReichsarbeilSgericht an sein früheres Erkenntnis, wonach selbst durch fristlose Entlassung deS Arbeiters wegen Vertragsbruches der mit dem tarifveNraglichen Stichtag erworbene An- sprach des Arbeiters auf Urlaub-Vergütung nicht berührt werde. Letzteres müsse auch gelten wenn der Arbeiter seinerseits kündige und der maßgebende Tarifvertrag bestimme, dah in diesem Falle ein Anspruch auf Urlaub nur gegeben sei, wenn der bereits festgesetzte Urlaub hx die Kündigungsfrist fällt. Schliehlich hebt da- ReichSarbeitSgericht (RAG. 530 30) hervor, daß es für den Urlaubsanspruch, den ein Tarifvertrag auf Grund einer ununterbrochenen Beschäftigung gewährt, nicht darauf an- komme, ob der gleiche Arbeitgeber während jener Zeitspanne Inhaber des Betriebes gewesen sei. Das gelte meistens auch für Handwerksbetriebe. Gs möge -war Betriebe geben, deren Wesen von der Person deS Inhabers und seiner BetriebSfüh. rung schlechthin abhängig sei. SerLMMmbeiMsgehodeneMieloechältnissen Don Zustizinspekior Schröder, Darmstadt Die Aenderungcn des MicterschutzgeseheS unb Reichsrnietengefehes durch Rotverordnung unb kwndesgeseyliche Anordnungen haben den Uebcr- blid über das heute geltende Mietrecht noch weiter erschwert. Die nachstehenden Ausführungen dürften daher für Vermieter sowie Mieter von gleichem Interesse sein Wird ein bestehendes Mietverhältnis aus gehoben, weil das überwiegende Interesse des Vermieters an der Erlangung des Mietraums anerkannt werden muh. so ist im Urteil gleichzeitig auszusprechen, dah die Vollstreckung abhängig sei von der Beschaffung .ausreichenden CrfatzraumS". Die Dollstreckungsklausel zu einem solchen Urteil kann der Vorsitzende des Gerichts erst anordnen wenn ihm die behördlichen Bescheinigungen über die Sicherung des Ersahraums vorgelegt werden Die Jahre her geschah diese Sicherung des Ersatzraums in der Weise, daß bas Wohnungsamt bem Mieter eine Wohnung zuwieS unb ihn hierbei daraus hinwies, dah ihm „binnen einer Woche das Recht zustehe, beim Mieteinigungsamt hiergegen Einwenbung zu erheben". Mache der Mieter von diesem Recht keinen Gebrauch, oder würden seine Einwendungen zurückgewiesen, so erhielt der Dermieter vom Mieteinigungsamt eine entsprechende Bescheinigung, mit der er zwecks Durchführung des Urteils die Dollstreckungsklausel erlangen konnte. Genau so verhält es sich bei der Dollstreckung eines vor Gericht abgeschlossenen Vergleichs. Seit in vielen Gemeinden die „M i e t b e r e ch - tigungskarten" eingeführt sind, treten diese an die Stelle der Zuweisung einer Wohnung. Sache des zur Räumung verpflichteten Mieters ist cs nun, sich schnellstens um Beschaffung einer Ersatzwvhnung zu bemühen. Unterläßt er dies böswillig, ober ist er gar zu wählerisch, so steht dem Dermieter die Möglichkeit offen, auf Aufhebung des entsprechenden Vorbehalts in Urteil ober Vergleich zu klagen. Er hat aber noch einen anbeten Weg, um zum Ziele zu gelangen, inbem er sich selbst für feinen seitherigen Mieter um eine Ersahwohnung bemüht, sich von dem Hauseigentümer, der zur Ausnahme de» Mieters bereit ist, eine tn Ansehung der Unterschrift beglaubigte entsprechende Erklärung auSstellen läßt und diese dem Mieter mit der Aufforderung zur Annahme durch einen Gerichtsvollzieher -ustellt. Er muß darin nicht auf die Möglichkeit deS Einspruchs beim Mieteinigungsamt Hinweisen, sondern er soll eS nur. Unterläßt er eS unb versäumt ber Mieter auS Unkenntnis ber gesetzlichen Vorschriften Einwendung binnen einer Woche schriftlich zu erheben, so kann die Doll- streckungSklausel erteilt werden, d. h. der Mieter muß räumen, auch wenn die ihm zugewiesene Wohnung ganz und gar nicht seinen Verhältnissen und Bedürfnissen entspricht. Handelt es sich um die Aushebung eineS Miet- verhältnisseS wegen erheblicher Belästigung oder Mietrückstandes, so wird in der Regel der oben erwähnte Vorbehalt der Deschasfung eineS Er- satzraumeS nicht in das Urteil ausgenommen. Dagegen macht der Richter oft von feinem Recht Gebrauch, eine angemessene Räumungs- frist (aber nur auf Antrag des Mieter- spätestens in ber letzten mündlichen VerhandlungI) zu bestimmen. Diese RäumungSsrist kann er einmal verlängern, aber nur bann, wenn der entsprechende Antrag von dem Mieter mindesten» zwei Wochen vor Ablauf der Räumung S s r i st gestellt wird. Vielfach mißverstanden wirb auch bie durch Rotverordnung in das Micterschutz^esetz angenommene Bestimmung, daß der (Benoteter, der mindestens 3 Jahre lang Hauseigentümer ist, einen Anspruch auf Erlangung einer Wohnung in feinem Hause hat. Er kann diesen Anspruch nicht etwa durch private Kündigung geltend machen: eine solche ist gesetzlich wirkungslos. Vielmehr muß er nach den Vorschriften des Mie- terschuhgesctzes vorgehen. Auch bei der Aufhebung des Mietverhältnisfes auf Grund dieser Vorschrift m u ß das Urteil den Vorbehalt enthalten daß bie Vollstreckung von der Beschaffung „ausreichenden Ersahraums" abhängig sei. OasZüchiigungsrechtanfremdenKin-ern Don Dr. jur. Richard Ernst. Trog mehrfacher Gerichtsentscheidungen ist die Frage, wie weit jemand ein Züchtigung-recht einem fremden Kinde gegenüber hat, außerordentlich um- stritten und Gegenstand vielfacher Prozesse. Das Kammergericht (Jur. Wochcnschr. Heft 20/31) vertritt in ständiger Rechtsprechung die Auffassung, daß der erwachsene Tatzeuge, der an sich nicht erziehungsberechtigt ist, im öffentlichen Interesse eine Ungehörigkeit des Kindes — sogar gegen den Willen des Erziehungsberechtigten — alsbald ahnden darf. Es handelt sich bei einer derartigen Züchtigung lediglich um eine Schutzmaßnahme der Gesellschaft gegen einen die gesellschaftliche Ordnung störenden Angriff des Kindes. Eine solche sichernde Maßnahme der Gesellschaft, die künftigen Störungen rechtzeitig vorbeugen muß, hat der jugendliche Störer aber im Interesse der Aufrechterhaltung der sozialen Ordnung, auch wenn der Gesichtspunkt der Notwehr völlig ausscheidet. zu dulden. Da diese Züchtigung nicht den Charakter einer „Erziehungsmaßregel" hat, so kom- men jene rechtlichen Bedenken, die sonst etwa aus den Vorschriften über die Jugenderziehung zu schöpfen fein möchten, gar nicht in Frage, weil ein Eingriff in das natürliche Elternrecht der Erziehung in Wirklichkeit nicht oorliegt. In einem anderen Falle hatte sich das Oberlandes- gerichl Dresden damit zu beschäftigen, daß jemand einen Schulknaben wegen fortgesetzter Ungezogenheiten, die der Knabe sich ihm, seiner Ehefrau und seinen Kindern gegenüber hatte zuschulden kommen lassen, durch mehrere mit der Hand ausgeführte Schlage an den Kopf und ins Gesicht gezüchtigt hatte. Das Oberlandesgericht Dresden spricht in ständiger Rechtsprechung Erwachsenen ein Recht zu einer maß- vollen Züchtigung eines fremden Kindes unter der Voraussetzung zu, daß der dem gezüchtigten Kinde zur Last fallenden Unart nur durch sofortige Züchti- gung begegnet werden konnte, das Anrufen der Eltern zu diesem Zwecke nicht möglich war und Der Züchtende unter den gegebenen Verhältnissen voraus- setzen durfte, er werde mit feinen Maßnahmen im Sinne der Eltern — und zwar sachgemäß und billig denkender, ihrer Erziehungspflicht im öffentlichen Interesse bewußter Eltern — handeln. Auch diese Entscheidung begründet das Oberlandesgericht Eres- ben damit, daß es sich bei einer derartigen Züchti- gung um eine Schutzmaßnahme der Gesellschaft gegen einen bie gesellschaftliche Ordnung störenden Angriff des Kindes handelt. Eine solche sichernde Maßnahme der Gesellschaft hat ber jugenbliche Störer im In- tereffe ber Aufrechterhaltung ber sozialen Drbnung zu bulben. Besonders umstritten ist bie Frage bes Züchtigungsrechts bes Lehrers. Dem Lehrer in der Volks- schule (Grunbschule) steht nach ber Rechtsprechung bes Kammergerichts zur Aufrechterhaltung der Schul- zücht das Recht zu Strafmahnahmen zu: auch zur körperlichen Züchtigung, aber lediglich innerhalb der durch den Erziehungszweck gezogenen Grenzen. Allerdings muß die Züchtigung derart fein, daß eine Gesuydheitsfchadigung als mittelbare ober unmittelbare Folge außer bem Bereich ber Wahrscheinlichkeit liegt. Die körperliche Züchtigung kommt weiter nur in Frage, wenn andere, leichtere Maßnahmen den Erfolg im Sinne des Erziehungszweckes nicht ver- sprechen. Zu beachten ist dabei, daß bas dem Lehrer zustehenbe Züchtigungsrecht nicht lediglich den Zwecken des Unterrichts dient, sondern der Erziehung des Schülers auch Insoweit, als es sich um bie Auf- rechterhaltung ber Schulzucht im allgemeinen hanbelt insbefonbere um bas sittliche Verhalten des Schülers in und außer der Schule. Das Bayerische Oberlandes, aericht hat entgegen dieser Auffassung des preußischen Kammergerichts eine gegenteilige Ansicht vertreten. Das Kammergericht pflichtet der gegenteiligen Ansicht bes Bayrischen Oberlanbesgerichts aber nicht bei aus der Erwägung ber Aufrechterhaltung ber Schulauto, rität unb bes Schuleinflusses, also bes mit der Schule verfolgten Erziehungszweckes, der es als geboten erscheinen läßt, daß im gegebenen Falle ohne Säubern und Verzögerung eingegriffen wird. Es ist beteuernd), bah gerate über bas Züchtigungsrecht bes Lehres bie Rechtsprechung keine einheitliche ist. Es wird damit nicht nur ein Moment ber Unsicherheit in bie Kreise ber Lehrer getragen, fonbern auch bie Eltern haben ein Recht, zu wissen, wie weit bie bem Lehrer zustehenten Rechte gehen unb wo sie ein- roanbfrei ihre Grenzen finben. Es wäre deshalb im allseitigen Interesse zu wünschen, baß gegenüber dieser oerschiebenartigen Rechtsauffassung halb eine einheitliche Rechtsprechung Plag greift Wann sind die Verwandten unterhaltspflichtig? Don Dr. F. D. Rupfe. Häufig spielen sich vor den Gerichten Prozeße ab, die den Streit um die gegenseitige Unterhaltspflicht naher Verwandter zum Gegenstand haben und mitunter grimmige Feindschaft in einer Familie schaffen. Solche Prozesse konnten oft vermieden werden, wenn die entsprechenden Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuchs >inem größeren Teil unserer Volks- genoiien bekannt waren. Die Kenntnis dieser Dor- ichnsten brächte dann obendrein noch eine erheblich« Kosten, und Zeitersparnis mit sich Wie gesagt, sind die in Frage kommenden Richtlinien im Bürgerlichen Gesetzbuch festgelegt. Danach sind eben den Ehegatten Verwandte in gerader Linie verpflichtet, einander Unterhalt zu gewahren. Es befiehl also eine gegenseitige Unterhaltspflicht zwischen Großeltern, Eltern und Kindern und Enkeln- dagegen nicht zwischen Seitenverwandten und Der- schwagerlen, insbesondere also nicht zwischen Geschwistern, Geschwisterkindern (Detter und Base), zwischen Onkel, Tante, Resfe und Nichte zwischen Schwiegereltern und Schwiegerkindern und zwischen Stiefeltern und Stieskindern. Voraussetzung für die Unterhaltspflicht der Verwandten ist einerseits Bedürstigkeit des Berechtigten, anderseits Leistungsfähigkeit der Verpflichteten Un- terhaltsberechtigt ist also nur, wer außerstande ist, sich selbst zu unterhalten, wer also vermögenslos und ohne sein Verschulden erwerbslos ist. Dem Unterhaltspflichtigen steht die Einrede des Notbedarfs zu, d h. er kann die Gewährung des Unterhalts verweigern, wenn dadurch sein eigener standesgemäßer Unterhalt bei Berücksichtigung seiner sonstigen Verpflichtungen gefährdet würde. Die Einrede des Not- beterfs ist jedoch den Eltern gegenüber ihren minder- jährigen unverheirateten Kindern versagt Die Eltern trifft also eine erhöhte Unterhaltspflicht, sie haben mit ihren minderjährigen unverheirateten Kindern alle verfügbaren Mittel zu teilen, es sei denn, daß ein anderer unterhaltspslichtiger Verwandter z. B. reiche Großeltern, vorhanden ist, oder daß der Unterhalt des Kindes aus dem Stamm seines Vermögens bestritten werden kann. Nur einiges über die Reihenfolge der Unterhalts- pflichtigen. Diese dürfen nicht nach beliebiger Wahl, sondern nur in der gesetzlich bestimmten Reihenfolge in Anspruch genommen werben. Dor den Verwandten haftet der Ehegatte des Bedürftigen , die Unterhalts- pflicht der Verwandten tritt erst dann ein, wenn der Ehegatte den Unterhalt nicht ohne Gefährdung seines eigenen standesgemäßen Unterhalts gewähren kann. Sind Abkömmlinge des Bedürftigen vorhanden, so hasten diese nach der gesetzlichen Erbfolge und nach dem Verhältnis ihrer gesetzlichen Erbteile. Unter den Verwandten der aufsteigenden Linie haften die näheren vor den entfernteren; die Eltern haften also vor den Großeltern. Der reiche Großvater ist z. B. nicht verpflichtet, einem Enkel Unterhalt zu gewähren, solange die Ellern dazu imstande sind, er ist ebensowenig verpflichtet, dem Enkel Zuschüsse zu einem Zweck (Studium, Geschäftsgründung) zu gewähren, dessen Erreichung mit Hilfe der Eltern nicht möglich ist. Ist ein Verwandler wegen Gefährdung seines eigenen standesgemäßen Unterhalts vor der Unterhaltspflicht befreit, so hat der nach ihm haftende Verwandte den Unterhalt zu gewähren. In diesem Zusammenhänge sei noch daraus hin- gewiesen, daß der Unterhaltsanspruch mit dem Tode des Berechtigten oder Verpflichteten erlischt und als olcher nicht Der Verjährung unterliegt. Er ist weder ifänbbar, noch übertragbar. Ein Anspruch auf ruef- tanbipe Unterhaltsraten verjährt nach vier Jahren eit seiner Entstehung. Wer ist Gast im Ginne des Gaststättengesehes? Derweilen Gäste über Eintritt ter Polizeistunde hinaus in einem Lokal, so machen sich sowohl Gast als auch Gastwirt nach den Bestimmungen des Gast- stältengesetzes strafbar. Häufig berufen sich in solchen Fällen die zur Anzeige gelangenden Gaste darauf, daß sie Privatbesucher des Wirts gewesen seien, und daß deshalb für sie die Bestimmungen der Polizei- stunde keine Gültigkeit hatten. Im Rahmen eines derartigen Prozesses hatte sich das Oberlandesgericht Hamburg (Jur. Wochcnschr. H. 13/31) mit der Frage zu beschäftigen, wer als Gast im Sinne der Bestimmungen des Gaststättengesetzes anzusprechen sei. Da- nach ist als Gast in einer Schankwirlschaft eine Person anzusehen, die der Belriebsinhader in seine Schankräume zu oerkehrsüblicher Benutzung der dortigen Einrichtung und in der Erwartung angemessenen Verzehrs ausgenommen hat. Daß ein solcher Gast während des ganzen Aufenthalts Speisen ober Getränke verzehrt, ist nicht erforderlich. Er kann sich mit Lesen, Kartenspiel usw. begnügen. Auch für solche Gäste gilt die Polizeistunde. Bon ihnen zu scheiden sind die Prioalgölte des Wirts, die dieser aus besonderen privaten Gründen (verwandtschaftlichen, freundschaftlichen, gesellschaftlichen Beziehun- gen) in seinen Schankräumen bewirtet. Das Der- weilen solcher Personen über die Polizeistunde hinaus, mögen sie etwas verzehren ober nicht, wird nicht von den Einschränkungen der Polizeistunde betroffen. Dabei müssen aber beide Fälle bei der Mannig- faltigfeit der tatsächlichen Lagerungen gewisse Ein- ichränkungen erfahren. Das Derweilen eines Gastes ber erstgenannten Art über die Polizeistunde hinaus kann z.B infolge auf der Straße eingetretener gefahrdrohender Unruhen, infolge plötzlichen Unwetters im Einzelfall entschuldbar sein; die Motive welche den Wirt veranlassen, Prioatgäste über die Polizei- (tunte bei sich zu behalten, können auch mit geschäftlichen Zwecken verbunden fein, dürfen nur von diesen nicht beherrscht werden. Das Gericht weist in feiner Entscheidung auf einen besonders gelagerten Fall hin, in welchem ein Wirt die Mitglieder eines regelmäßig bei ihm verkehrenden Kegelklubs, als diese um Mit- ternacht zum Geburtstage der Ehefrau des Wirts Glückwünsche und Geschenke brachten, mit Rücksicht auf Anstand und Sitte noch über die bald darauf ein. Getretene Polizeistunde zu bewirten fick' veranlaßt sah. Hier ist Freispruch erfolgt, obwohl nicht verkannt wurde, daß das Handeln bes Wirts diesem indirekt (durch Ansichsesseln der Mitglieder bes Klubs) ge- schäftlichen Nutzen brachte ober doch bringen konnte. .In einem anderen Falle waren vier Gäste, die bis dahin Schankgäste gewesen waren, von dem Wirt nach Eintritt der Polizeistunde zum Skat eingeladen worden. Ob irgendwelche, in persönlichen Verhältnissen des Wirts liegende besondere Umstände die Einladung veranlaßt und die geladenen vier Schank- gaste zu Privatgästen gemacht haben können, war nicht erwiesen. Trotzdem hat das Gericht den Wirt verurteilt. Die Tatsache, daß er sich in dem irrigen Glauben befunden hatte, der Gast, der nach der Polizeistunde nichts mehr verzehre, könne als Privatgast ungestört in den Schankräumen bleiben, ist als unbeachtlicher, strafrechtlicher Irrtum zu bezeichnen. Einheitliches Kernsprechbuch. Jüt dos ganze Rhein-Main-Gebiel. WSR. Frankfurt a.91t., 3.2lug. 3nKreisen der Fernspr«hteilnehmer der rhein-mainischen Wirtschaftsgebietes ist es oft unangenehm empfunden worden, daß das umfangreiche Telephon- neh dieses Gebietes noch immer in zwei bis drei Oherpostbirektionen (Frankfurt a. M, Darmstadt, Würzburg) aufgeteilt ist und daß daher in diesem Gebiet drei Fernsprechbücher notwendig sind. Bei der engen wirtschaftlichen Verflechtung z. D. zwischen Frankfurt und seiner hessischen und bayerischen Nachbarschaft (Darmstadt, Mainz, Friedberg, Aschaffenburg usw.) wirkt sich dieser Umstand sehr zeitraubend und durch die vielen Nachfragen beim Fernamt auch sehr kostspielig aus. Nunmehr wird von interessierter Seite der be- griitzenswerte Vorschlag gemacht, die nächstjährigen Telephonbücher für das ganze Rhein-Maingebiet zu einem einzigen zu verschmelzen oder — falls dies technisch nicht möglich sein sollte — in die einzelnen Telephonbücher die Teilnehmer der wichtigsten Nachbarstädte, die zu einem anderen Oberpvstdirektionsbezirk gehören, aufzunehmen. Eine solche Regelung besteht bekanntlich schon seit Jahren zwischen Frankfurt und Offenbach. Angesichts der Tatsache, daß der Kranz der rhein-mainischen Städte heute fast durchweg mit dem Fernsprechschnellverkehr verbunden ist, würde diese Neuerung vom fernsprechenden Publikum sicher auf das wärmste begrüßt werden. führte zur Heimfahrt zu ersparen. Hier oben wird meistens — wenn es sich irgendwie machen läßt — das Abendessen eingenommen und man bleibt dann sitzen, um mit Ungeduld das erste kühle Lüftchen zu erhaschen das erst zur späteren Abendzeit über die belebte Terrassenstadt Athen dahinstreicht. lleberall auf den Straßen, in den Parks, den Badeorten, auf den Terrassen und in den Kellern der Tavernen gibt es nur ein Gesprächsthema, nicht wie bei uns von Steuern, Lasten und Reparationen, sondern von derMegali Sesti, von der großen Hitze, die an den heißesten Tagen bis zu 42 Grad im Schatten steigen kann. Wer nachts durch die Straßen wandert, die nun gerade nicht im vornehmen Zentrum liegen, muß wirklich aufpassen, daß er seine Mitbürger nicht etwa „aus Versehen" tottritt! Die ärmere Bevölkerung ergreift die Flucht vor den dunstigen Kellerwohnungen, in denen sie zu hausen verdammt ist, und legt sich einfach vors HcruS auf das Straßenpflaster! Da sieht man ein größeres dunkles Etwas, das sich plötzlich zu dehnen und zu recken beginnt oder von der Hitze gequält aufstöhnt. man muß vorsichtig vom Bürgersteige heruntergehen, um nicht über solch ein schlcck- suchendes Hindernis hinwegzustolpern. So liegen sie, bis am Morgen hinter dem dunklen Bergesrücken des Hymettus die Sonne wieder aufgeht, das Leben wieder erwacht, sein Lärmen und geschäftiges Treiben von neuem beginnt, die Kinder wieder tollen und die Weiber kreischend dazwischenfahren und über all diesem Gelärme und Getöse, über all diesem lebhaften Tun und Treiben das glühende Tagesgestirn seine ewige Bahn zieht, das gegen Mittag neue Ruhe erzwingt. Vrimings letzte Vorbereitungen znr Aomreise. GeWcherMttaMlas.-SoinmertageinAthen. Von unserem Nachdruck, auch mit Ouellenangabe, verboten! Athen, 3uli 1931. Siebenmal am Tage wechselt der Hymettus seine Farben, und wenn er das siebente Farbenkleid angelegt hat, dann kommt das Dunkel der Nacht, dann gleicht der langhingezogene, charakteristische Bergeszug Attikas einem kunstvollen Scherenschnitt, der sich am Hellen Llbendhunmel abhebt. Schnell senkt sich die Nacht über Athen herab und mit ihr kommt die langersehnte Kühle; dann freut sich Athen, daß die Gluthitze des Tages sich wenigstens ein wenig herabmuderte. Jetzt erst wird Athen lebendig; cs erwacht wie aus einem Tagesschlummer, die Balkons, die Straßen und die Plätze füllen sich, es ist, als hätte das Leben die Sommersonne gefürchtet und wagte sich erst jetzt, nachdem der heiße Sonnenball feurigrot hinter den zackigen Bergen des Peloponnes und dem blutgetränkten Akrokorinth versank, unter die sternenfunkelnde Wölbung des klaren griechischen Nachthimmels. In Athen zur Abendzeit zu schlafen, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit; es gibt in gaiu Athen kaum einen Menschen, der es wagte, sich vor Mitternacht zu Bett zu begeben. Theater, Kinos und Kabaretts schließen nach ein Uhr nachts und die letzteren erst beim Anbruch des neuen Tages. Aber auch dann ist die Hitze in der Stadt noch groß — kaum, daß man ein Auge schließen kann. Hinzu kommen noch dieMücken, die Quälgeister, die mit ihrem brennenden Stich und dem unaufhörlichen Summen den Ruhe Suchenden zur Verzweiflung bringen können. -Ueberau sind Mückenneye aufgespannt, die die Quälgeister in respektvoller Ferne halten, doch ist es wiederum nicht jedermanns Sache, solch ein Gewebe über sich zu spannen, das die frische Luft und Kühlung doch nur abhält. Am Mittag glaubt man, die Straßen Athens seien ausgestorben. Autobusse und Straßenbahnen verkehren nur rwch selten, selbst der energische Verkehrspolizist gönnt sich die wohlverdiente Ruhe und läßt die paar Menschen und Gefährte laufen, in welcher Richtung sie immer wollen. Keinen Schatten gibt es. in dem man Schutz vor den glühenden Strahlen der Sonne finden könnte, langsam und bedächtig macht man sich mittags auf den Heimweg und landet dann wie ein eben aus dem Wasser gezogener Selbstmörder in seiner Wohnung. Mit einer geradezu klassischen Energielosigkeit wirft man sich auf fejn Lager und verschläft den Nachmittag — wenn man sich's leisten kann —, um erst gegen Abend das Haus wieder zu verlassen. Zwischen 13 bis 16 Uhr ungefähr, hat sogar die Athener Polizeidirektion allen ruhestörenden Lärm im Sommer verboten; das Mittagsschläfchen der Athener wird durch die hohe Obrigkeit wirkungsvoll geschützt. Zwischen 13 bis 16 Uhr wird in Athen nicht gestohlen. niemand ermordet, kein Dieb, kein Raub- Q l^.-Berichter st atter. mörder gefangengenommen, ilm diese Zeit gibt es kein Stelldichein, keine Rendezvous unter einer Normaluhr, da sucht fein Gläubiger feinen Schuldner heim — ganz einfach! — Athen schläft! Abends aber schwirrts und surrts in den Straßen, wogen die Menschen auf und ab, jagen die Autos hin und her. Eine „Auswanderung" aus Athen hat eingesetzt, und das Ziel dieser Völkerwanderung ist der saronische Golf, die Seebäder in Alt- und Neu-PHaleron. Die ganze Küste ist in ein Meer von Licht getaucht, die Tausende von elektrischen Lampen spiegeln sich in der nahen wogenden See, deren Wellen sich rauschend am Strande brechen. Die Tische sind bis ganz nahe an den Strand herangeseht, oft müssen die äußeren weihgedeckten Tische geräumt werden, weil der Gischt der Wogen über sie und die Stühle springt und das feuchte Element sich den zarten und schicken Toiletten der Damen gegenüber recht rücksichtslos benimmt. Draußen, in der Ferne, fahren hell erleuchtete Dampfer vorüber, die warnenden Leuchttürme senden regelmäßig ihr Blinklicht über die weite Fläche, während ein Blick in die allernächste Nähe tanzende Paare und elegante Gesellschaft sichtet. Weiter am Strande entlang machen sich in einfacheren Bierlokalen die unteren Schichten des Volkes breit, während in dem heutigen Lido Athens, dem Badeort G l y f a h d a, sich die vornehmsten Athener einfinden. Der „dernier Cri“ in den Sommerfrischen Athens, die dem Wechsel der Mode unterliegen wie die Kleidung der Athenerinnen, nennt sich L u z z a. Eine lange Kette von eleganten Automobilen durchstreift die Attische Ebene, um diesen neuesten, allerneueften Badeort, der weit hinter den Bergen des Hh' mettus liegt, zu erreichen. Ein herrlicher Strand, begrenzt mit frischen Pinien, lädt zum Baden ein, zum Sich-Hineinwerfen in die wogenden Fluten. Andere wieder, denen das Meer nicht zusagt, flüchten in die nahen Berge, in den schon in römischer Zeit bekannten vornehmen Dillenort K e p h i s s i a, wo einige Luxushotels mit Terrassen und elegantem Betrieb ihre Pforten geöffnet haben. Der Athener aber, der aus irgendwelchen Gründen nicht mit hinauskonnte, der an die heiße Stadt gefesselt wurde, der sucht zum mindesten das grüne Zappeion oder den Abhang des Lykabettus auf* die beiden einzigen Stätten in Athen, wo des Abends ein kühles Lüftchen leise zu verspüren ist. Muh man aber ganz zu Hause bleiben, dann erklettert man die Stufen, die zur Terrasse führen. Alle Häuser in Athen sind mit einer Terrasse ausgestattet, die mit zu den unentbehrlichsten Lebensbedingungen gehört. Hat man nicht gerade das Pech, zu tief im Tal zu wohnen, so genießt man von hier herrliche Rundblicke und hat noch den Vorteil, sich das Schieben und Stoßen und den Kampf und Sturm auf die Ge- NerBergbundvon Haugesund Don per Schwenzen. Don Kap Lindesnaes. über das fruchtbare Telemarken. Gudbrandsdalen. Tröndelag bis an den Polarzirkel hinauf und bis dicht unter die Schneegrenze der Gebirge deckt dichter Wald das zerklüftete Norwegen. Millionen Stämme, blank geschält, treiben im reißenden Fluh, stoßen schmal, wie Torpedos, durch die Schaumstrudel, sperren, verrammen sich ineinander, türmen sich zu donnernder, splitternder Staumauer, eine Daum- latoine, die Eisenbahnbrücken Wegsprengen kann — Holz, Holz, Holz. Das liebliche Sörland (Südnorwegen), hängt mit Taimen und Birkenlaub über klarem Fjord, lockt die Salzflut in zahllosen Windungen tief in das blühende Leben hinein. Kühe spiegeln ihre philosophischen Züge im Wasser, ihre Hörner ringeln sich wie Seeschlangen zwischen Quallen und Tang... Die Klippen und Schären der Westküste aber liegen nackt in der See, wie graue Buckel versteinerter Saurier. Die Felsenburgen der Stein- füfte ragen in baumloser Härte empor. Erst hinter ihrem mächtigen Ringwall, wo die Fjorde Hunderte von Kilometer ins Land hineinzüngeln, liegt bunte Fruchtbarkeit mit Korn und Obst, Wäldern und Wiesen in die Berge gebettet. Hier aber, an der Steilküste, die hinterm Schärgaard gegen das freie Meer aufragt, haben die Kriegssackeln früherer Zeiten und der Wind der Jahrhunderte alle Waldung vernichtet und das Erdreich vom harten Felsleib geblasen, hat Regen und Schnee- schmelze den Humus hinab ins Meer gespült. Bei Haugesund, der „Geringsstadt", sah der steinerne Hintergrund vor einem Vierteljahrhundert ru>ch gänzlich kahl aus. Da aber erwachte plötzlich in einer Iugendvereinigung der schöne Gedanke, die Heimat wieder in den alten Schmuck zu kleiden. Am 28. März 1905 wurde Haugesund Fjetl-lag" (Berg-Bund) gegründet. Hoch über allen anderen Statuten stand die Devise: „Jugend, kleide den Fels!" Man hätte annehmen dürfen, dah eine derartig praktisch gerich'.eteHeimatliebe auf die ®e» genliebe aller Stellen stoßen würde. Aber nein! Che die hohe Obrigkeit dem Bergbund erlaubte, feine Schößlinge einzuzäunen und sie unter den Schuh der Forstgesetze zu stellen, mußte die ar- beitssrohe Jugend sich verpflichten, ein bestimmtes Terrain pro Jahr kostenlos anzupflanzen, und die Kommunalverwaltung steckte, ohne ihre gesehes- schwere Hand an den Spaten zu legen, die Befor- stungssubvention ein! Die Jugend aber kleidete die alten Felsen. Mit ganzen Tragbahren voller Schößlinge, mit Spaten und Futtersack, zogen sie auf die Höhen hinauf. Und die Erde, die verschämt, unter rauhem Kleid und rotem Moos, in Mulden und Rissen fest- gekrallt, hier aushielt, erlebte 2>ie Rückkehr des Lebens. Junge Wurzeln streckten sich, zwängten sich in die Steinrifse, sogen Kraft auf dem harten Land. In das Rauschen der Meerweiten, das im ungebrochenen Wind an die Felsen brandet, mischte sich ein Ton vergangener Zeiten: Hochwald sang wie aus alten Träumen her! Die jungen Anpflanzungen gediehen größtenteils vorzüglich. Der erste Erfolg brachte neue Begeisterung, neue Bundesmitglieder, ja sogar öffentliche und private Zuwendungen mit sich. Man konnte hoch in den Felsen, am Iötnawasser, eine eigene Hütte bauen. Ein privater Forstmann sandte zehntausend Schößlinge als Ehrengabe. Die Schulen boten ihre Hilfe an. Dieser Bergbund, ein eingetragener Verein, der nach fünfundzwanzig Jahren seines Bestehens in vollster Blüte steht, hat vor zahlreichen Vereinen, die unsere Erde schmücken, eines voraus: ein klares Arbeitsziel. Seit fünfundzwanzig Jahren zieht die Jugend Haugesunds an schulfreien Tagen und in der längeren Ferienzeit zum Kampf gegen die Einöde hinauf. Mit ganzen Traglasten von Föhren- und Birkenbabys. Die Jugend kleidet den Fels. Mit jungem Wald. Und mit ihrer eigenen Jugend. Mit Hunderten von Wanderern, mit den roten Flecken von flatternden Schals und Kappen, die wie Klatsch- rosen von den Steilhängen leuchten. Mit Lachen und Liedern kämpft sich der Frontabschnitt des Lebens, Schritt für Schritt, Daum nach Baum, die steinernen Hänge hinan. Der Sieg marschiert. Das Heer wächst unaufhaltsam, das Heer der Pflanzer und der Pflanzen. Auch Schlappen hat es schon gegeben. Einmal, als ein Baumpilz ganze Gehege zerstörte, als unachtsame Touristen ein Streichholz in die junge Garde warfen und ein ganzes Armeekorps von Waldrekruten, über hunderttausend Däumchen, in Flammen aufgingen. Die Zahlen scheinen in Anbetracht der Dolksarmut der Umgebung, bet einer Einwohnerzahl, die erst in letzter Zeit in Haugesund 17 000 erreichte, überraschend. Jährlich pflanzt diese arbeitsfrohe 3u- genb zwischen fünfzig- und hunderttausend Schößlinge an. Der Jahresrekord ist in den Dücheim des Bundes mit 110 550 verzeichnet. 3m Laufe Die berühmten deutschen Romreisenden aus alter Zeit geben dem Kanzler ihre Ratschläge. //'KWÄ ZchreMung der Industrie- und Handelskammer. Die Industrie- und Handelskammer D a r m st a d t. hielt dieser Tage ihre 6. V o live r s a m m l u na ab, in der zu der gegenwärtigen Wirtschaftslage Stellung genommen wurde. Es wurde ein eingehender Bericht erstattet, dem unter anderem das Ergebnis der Verhandlungen im Reich des Hessischen Industrie- und Handelskammertags zugrunde lag. Die Versammlung war der Auffassung, daß durch tatkräftige und zieloewußte Maßnahmen der zuständigen Stellen die derzeitige Krise behoben und darüber hinaus die Grundlagen zu einer nachhaltigen Besserung unseres Wirtschaftslebens gewon- neu werden könnten. Insbesondere kam zum Ausdruck, daß keine Veranlassung dazu besteht, durch unveranlaßte Abhebungen, namentlich von Spargeldern, die durch die Ereignisse der letzten Wochen gespannte Lage auf dem Geldmarkt weiter zu erschweren. Don der bevorstehenden völligen Freigabe des Zahlungsverkehrs werde zweifellos die Wirkung einer wesentlichen Beruhigung und Entspannung zu erwarten sein. Die Aussprache befaßte sich u. a. auch mit dem Mißstand, daß manche Firmen es für angezeigt erachten, ihre Rechnungen in ausländischer Währung auszustellen. Die Vollversammlung war der Auffassung, daß ein solches Verhalten im Interesse einer Gesundung unseres Zahlungsver- kehrs keineswegs gelegen ist und wegen der möglichen Konsequenzen zu ernstlichen Bedenken Veranlassung geben muß. Ein Abbau der überaus hohen Reichsbankdiskont- und Lombardsätze müsse sobald wie nur irgend möglich ins Auge gefaßt werden, wenn nicht weite Kreise des Wirtschaftslebens durch die Hohe Zins- belastung erdrückt werden sollen. Als besonders wichtig wurde betont, daß die Banken den unterbrochenen Scheck- und Ueberweisungsverkehr möglichst bald wieder in geordnete Bahnen lenken müssen. In Uebereinstimmung mit den anderen hessischen Industrie- und Handelskammern steht die Kammer auf dem Standpunkt, daß die Darmstädter- und Nationalbank, deren Geschichte und Entwicklung mit Hessen und seiner Landeshauptstadt besonders eng verknüpft sind, auf alle Fälle in der einen oder anderen Form aufred t erhalten werden müsse. Aus dem der Vollversammlung vorgelegten Geschäftsführungsbericht ist zu entnehmen, daß im Bereich der Hessischen Jndustrie- und Handelskammern die wichtigen Fragen der Einheitsbewerlung des bebauten Grundbesitzes, der Neubildung der Steuerausschüsse sowie der Er- Hebung der Gewerbesteuern durch die Gemeinden Beratungen unterzogen worden sind. Der letztgenannte Punkt hat insbesondere zu Vorstellungen bei dem Herrn Minister des Innern Veranlassung gegeben, wobei gefordert wurde, ent° seines Bestehens hat der Bergbund bis heute über eine Million Bäume angepflanzt! Ohne Amt und Sold. Immer höher aber stieg dieser seltsame Bund in der Achtung der einst so skeptischen Behörde. Die Pflanzungen wurden als Naturschutzgebiet erklärt, alles Wild, Hasen und Dögel, im Umkreis der jungen Waldung gefriedet. So schufen die eifrigen jungen Dergbündler Leben und schützten ihre lebendige Schöpfung. Sie setzten Fische in den stillen Dergwässern aus. Sie bauten sich am klaren Iötnasee eine wetterfeste Baude. In dieser Behausung, dieser Wochenendfestung der Waldläufer, ist es wunderschön. Da haben sie Küche und Saal mit gescheuerter Diele, mit dem „Peis", dem offenen Kamin, darauf einst auch die eigenen Scheite brennen werden, Holz aus dem großen Iötnawald. Noch aber ist es hier oben kahl. Ein paar kleine Setzlinge stecken die Nase schon in den Wind und das heißt soviel wie: der Fels wird bekleidet! Nur Geduld muß er haben. Wie der Bergbund. Das dauerte auch von 1905 bis 1917, ehe man soweit gediehen war, dah diese Baude, das Iötnaheim, hier stand. Da mußte planiert, die Baumaterialien im Winter mit Schlitten herangeführt, im Sommer über den See geflößt uni) mit viel Schweiß und guter Laune an Ort und Stelle geschleppt werden. Nun steht sie aber auch da, und hat, sage und schreibe, zwei Stockwerke, hat eine überdachte Galerie, dahinter die Schlafräume mit zwanzig Schlaflosen, hat zün- aelnde Drachenköpfe am Dachfirst — alles derb, herzhaft wie der ganze Gedanke und seine Jünger. Allmählich wurde man rings im Land auf die Arbeit, die hier an der engeren Heimat geleistet wurde, aufmerksam, und mit der Zeit haben verschiedene öffentliche und private Zuwendungen dem Bund ein kleines Kapital geschaffen. Er besitzt eine Baumschule in der Stadt, von einem Fachmann geleitet, er hält theoretische und praktische Anpflanzungskurse ab. .Und so ergibt sich die originelle Tatsache, daß in dieser Fischerei- und Hafenstadt jeder kleine Junge ein Stück von einem Forstgehilfen ist, daß uns die Haugesunder Mädel Sonntags nicht in langem Kleid mit einer Blume am träumerischen Busen, sondern in Knickerbockers mit einer kleinen Tanne in der sachverständigen Faust begegnen... Beim Arbeiten fanden die Waldleu'.e einen alten Baumstamm im Moor, größeren Ausmaßes als irgend ein Baum in weiterem Umkreis. Da wußten sie es: hier stand einmal Hochwald! Sie schleppten die heilige Relique maraidftarl zur Hütte. Gin Forstmeister wurde aus Stavanger geholt, und taxierte das Alter des Baumes auf zweitausend Jahve. Entrindet, verwittert, aber vom tausendjährigen Moorbad mumifiziert, steht der alte Stamm jetzt als Wahrzeichen vor der Iötna- baude. Ein alter, einsamer Riese der Vorzeit, ein Skelett, das zum Symbol des Lebens ward. Denn so vevkündet es ein Schild, damit sie ihn schmückten: Wald war einst hier — Wald soll hier werden! Kuban-Kosaken-Ehor. Im Stadttheater gastierte gestern abend der Kuban. Kosaken-Chor unter Leitung seines Dirigenten L. I w a n o f f. Der Klangkörper dieses vortrefflichen Vokalorchesters ruht auf profunden Bässen, wie man sie selten in so gesättigter Tiefe und mit so samtweichem, schwebenden Piano antrifft; ihr warmer und dunkler Orgelton erinnert manchmal an den Klang von Kirchenglocken (etwa in den geistlichen Gesängen „Gott, höre mein Gebet" und „Dir singen wir" oder im Volkslied „Abendgeläut"). Im Tenor hebt sich mitunter eine völlig weiblich anmutende Kopfstimme heraus. Der Chor präsentiert sich als eine sehr geschlossene, sehr durchgebildete und ab- aestufte Gruppe von Naturorganen. Der Dirigent I w a n o f f hat seine Leute vorzüglich in der Hand; er dirigiert auswendig und bringt klare Einsätze und empfindliche dynamische Steigerungen. Schon vom zweiten Lied an, das diese Kosaken singen, hat man den typischen und unverwechselbaren Eindruck von nationalrussischer, bodenständiger Chormusik. Das Programm stellte zwischen die Kirchen- aesänge — von denen der erste, „Herrliches sah das Volk", gar nicht wie ein geistliches Lied klingt, während die „Koliadka", rhythmisch scharf akzentuiert, eine glänzende Programmnummer darstellt — und die weltlichen Lieder einige Stücke für Balalaika- Orchcster; hier hörte man u. a. neben den berühmten und auch bei uns (durch den Film) schon fast populär gewordenen Wolga-Liedern das Stimmungsbild „Im Kloster", eine schöne Ballade aus „Ascolds Grab" und eine Zigeuner-Fantasie mit strahlendem Unisono-Finale. In den weltlichen Liedern kommt der sympathische Nationalcharakter dieser urwüchsigen Musik vollends zum Durchbruch. „Herzensmädchen", „Der Kuckuck", „Kalinka" wirkten überaus belebt, lautmalerisch, naturhaft und volksliedmähig; ein stürmiscl-er kaukasischer Nationaltanz bildete den Abschluß des gutbesuchten Konzertes. Es gab viel Beifall und etliche Wieder» Holungen« e-#— . weder die den Gemeinden erteilte Ermächtigung, ihre Gewerbesteuern nach den Grundlagen des vor- johres endgültig zu erheben, zurückzuziehen, oder zum mindesten die Gemeinden anzuweisen, daß eine anderweitige Verrechnung der gemeindlichen Gewerbesteuern aus Billigkeitsgründen schon danck Platz zu greifen habe, wenn sich entweder das Anlage- und Betriebskapital oder der Ertrag um mindestens 20 o. H. oerringert habe. Oberheffen. Landkreis Gießen. • Hausen, S Aug Bei der am 2. August statt- gefundenen Beigeordnetenwahl wurde der Schreinermeister Ludwig S ch e p p mit 203 Stimmen gewählt. Der Gegenkandidat Wilhelm Schar dt erhielt nur 104 Stimmen. Die Wahlbeteiligung betrug 80 v. S). • Lich. 4. Aug. Die beim Postamt Lich neu- eingerichtete Landkraftpost verkehrt Dom 17. August ab und berührt folgende Ork: Arn-» bürg, Hof Düll, Dorf-Gill, Eberstadt. Ober- Hörgern, Münzenberg. Tca.»-Münzenberg, Mu» schenheim, Birklar, Bettenhausen. Lang-dorf, Hungen. Dilllngen, Donnenroth, Röthges, Hes- fenbrücken-Hammer. Münster, Ober-Bessingen, Dieder-Dessingen, Lich. An Werktagen verkehrt die Landkraslpost Atoetmal, an Sonn- und ersten Feiertagen einmal (nur 1. Fahrt). Die erste Fahrt beginnt um 7.30 und endigt um 10.34, die zweite Fahrt beginnt um 14.33 und endigt um 17.34. Deden der Beförderung von Postsendustgen ist Personenbeförderung mit Reisegepäck in beschränktem Mahr zugelassen, lieber die Mitnahme von Reisenden entscheidet der Fahrer, der gleichAeitig di« Fahrschein« verkauft. Die seither in den Lanborten Arnsburg. Dorf-Gill, Eberstadt, Ober-Hörgern, Trais-Mün- Aenberg. Muschenhelm, Birklar, Dettenhausen, Donnenroth. Röthges, Münster, Ober-Defsinacn und D'.eber-Dessingen befindlichen Posthilfs- st eilen sind in Po st stellen umgewandelt, während die Postagentur Billingen (seither zum Postamt Hungen juqebörig), dem Postamt Lich Augeteilt wurde. Die Poststellen haben voll« Annahme- und AuSgabebefugnis. Die mit der ersten Fahrt eingehenden Postsendungen jeder Art werden alSoald zugcstellt, die mit der 2. Fahrt eingehenden Sendungen durch die Poststelle zur Abholung bereitgchalten. l. Hungen, 4. Aug. Zu dem am Montag hier abgehaltenen Ferkel- und Ziegenmarkt waren 512 Ferkel und 171 Ziegen auf- «trieben. Das Zuchtmaterial, das zum Berkaus stand, ertmeS sich als sehr gut. Der Handel in Böcken ging flott vonstatten. Die Preise bewegten sich zwischen 45 und 80 Mark. Ziegen- undMutter- lämmer wurden ebenfalls gern« gekauft. Der Handel auf dem Fcrkelmarkt bewegte sich in engen Grenzen. GS verblieb lleberstand. Es ko- steten: biS zu 6 Wochen alte Tier« 8 bis 12 Mark, 6 hiS 7 Wochen alt« Ferkel 12 bis 14Mark, für 9 b-iS 13 Wochen alt« Tiere wurden 19 bis 25 Mark bezahlt. Mit dem Ziegenmarkt war ein« Prämiierung verbunden, die folgende- Er- gebni» (das wir auszugsweise wiedergeben) zeitigt«: ÄLaffe 1: Ddck«. 2 Jahre und älter. 1. Gemeinde Hattenrod (I); 2. Gemeinde Drosten- Duseck: 3. Gemeinde Laubach (II). Klasse 2: Böcke, 1 Jahr und älter: 1. Gemeinde Laubach (I); 2. Otto Rühl, lltphe A. Klasse 3: Zi egen, 3 Jahre und älter: 1. Hch Rühl II.. Utphe (1): 2. Ehr. Scheid VI., Grohen- Buseck (I); 3. Hch Münster. Hattenrod (I); 4. Hch. Rau IV.. Hattenrod (I); 5. Friedr. Stauf. Utphe Der Sternhimmel im August. Sonnenaufgang von 4.20 bi» 5.10 Uhr. — Sonnenuntergang von 19.50 bis 18.50 Uhr. — Licht- geftalten des Mondes: Letzte- Diertel am 6. um 17 Uhr. 1. Diertel am 20. um 13 Uhr, Dollmond am 28. um 4 Uhr. rnfh Jrn August sind es meist zwei Ereignisse, die die Aufmerksamkeit des Sternenfreundes auf sich ziehen, nämlich da» Hervortreten der MilchDte Milchstraße wird namentlich zu Ende des Monats in den späten Abendstunden schön sichtbar. Der Saturn, der wiederum wie im Dor» nronat der einzige leicht und ohne Mühe sichtbar« Wandelstern ist. bezeichnet ungefähr die Stell«, wo sich die Milchstraße über den Horizont erhebt. und gleichzeitig auch die Stell«, wo sie den Tterkreisgürtrl schneidet. Don den weiteren Ticr- STABEN STEII Mond: D t Viertel © Vollmond d letztes Viertel 'Q Venus (^Jupiter ust weid Bries Amerikanische Noten....... 4.200 4.220 Belgische Noten......... 58.43 58.67 Dänische Noten . ........ 112.28 112,72 Englische Noten......... 20,39 20,47 französische Noten........ 16.45 16,51 Holländische Noten........ 169,36 170,04 Italienische Noten........ 21,96 22,04 Norwegische Noten........ 112.28 112,72 Deutsch-Oesterreich, A 100 Schilling 59.07 59.31 Rumänische Noten..... . . 2,48 2.50 Schwedische Noten........ 112,33 112,77 Schweizer Noten......... 8i,8l 82,13 Spanische Noten......... 37,27 37,43 Ungarische Noten........ 73,10 73,40 Deoifenmarft Berlin --Frankfurt a. 2H. 4. August 5. August Amtliche Notierung Amtliche Notierung (Rrlh Brie, Gelb Briet Helsingsor» . 10,59 10,61 10,588 10,608 Wien.... 59.15 59,27 59,15 59,27 Prag . . . 12,47 12,49 12,467 12,487 Budapest. . 73,43 73,57 73,43 73,57 Sofia . . . 3,052 3,048 3,052 3,058 Holland . . 169,78 170,12 169,63 169,97 Ctio .... 112,59 112,81 112,44 112,66 Kopenhagen. 112,56 112,78 112,44 112,66 Stockholm . 112,59 112.81 112,49 112,71 London. . . 20,455 20.495 20,43 20,47 Buenos AtrcS 1,234 1,238 1,178 1,182 Neunork . . 4,209 4,217 4.209 4.217 Brüssel. . . 58,71 58,83 58,67 58.79 Italien. . . 22,06 22,10 22,00 22,04 Paris . . . 16,50 16,54 16,50 16,54 Schweiz . . 82,01 82.17 82,04 82,17 Spanien . . 37,51 37,59 36,86 36,94 Danzig'. . . 81.32 81,48 81,47 81,63 Japan . . . 2.080 2,084 2,080 2,084 Rio de Ian.. 0,281 0,283 0,274 0,276 Jugoslawien. 7,458 7,472 7,453 7,467 Lissabon . . 18,60 18,64 18,53 18,57 Kirchliche Nachrichten. Donnerstag, den 6. August. Gieften. 17.30 Uhr: Beichte. Freitag, den 7. August. Gieften. 6.30 Uhr: Segensamt. — Lich. 6.15z Segensmesse, , . v