Nr. M Erstes Blatt 181. Jahrgang Dienstag, 5. Mai 1931 Lrlch-lni tügtich.autz« Sonntags und Feiertag» Beilagen vte Illustriert, Ltetzenei Familienblättei tzeimat im Bild Di, Scholle Monats-vezugsvrets. 2.20 Reichsmark und 30 T TWAayrn ■ — DM Geht Brüning Den anoeren Weg? Ein ernster Appell an Ein französischer Gentleman. Vor einigen Monaden ist der französische Milii- tärattachö in Berlin, General Tournes, weggefeiert w-orden in Formen, die über den Rahmen des Lieblichen Hinatisgingru: sogar die deutsche Heeresleitung bestätigte chm, daß er sich stets als ein Gentleman benommen habe. Dafür bekommen wir jetzt die Quittung. Das erste, was Tournös nach seiner Rückkehr in seine Heimat getan hat, ist, daß er ausgerechnet im „Echo de Paris" eine ganze Serie von Artikeln über die deutsche Reichswehr ankündigte. Was davon zu halten fein wird, zeigt schon der erste Artikel, der sich mit dem Haushalt der Reichswehr beschäftigt und vm einzelnen ausrechnet, welche Llnsmnmen von Deutschland verbraucht werden. Zwei Zahlen: in Deutschland koste ein Maschinengewehr 5000 Mark, in Frankreich 2000 Mark, in Deutschland ein Feldgeschütz 60 000 Mark und in Frankreich nur 18 000 Mark: Stichproben, die für den ganzen Charakter dieser Schreiberei kennzeichnend sind. Ein Mann, der selbst Militär ist, muß doch genai wissen, daß die Art der Landesverteidigung, die uns in Versailles aufgezungen wurde, außerordentlich kostspielig ist. Die Franzosen mit ihrer allgemeinen Wehrpflicht brauchen ihren Soldaten natürlich nur einen Bruchteil der Löhnung zu geben, die Deutschland seinen Berufssoldaten bezahlen muh, es ist zudem selbstverständlich, dah die deutschen Soldaten, die ja eigentlich schon mehr Beamte sind, bei einer zwölfjährigen Dienstzeit ganz andere Ansprüche nicht nur auf Llnterrunft, sondern auch auf Lebensbildung stellen müssen. Lind die Ausrüstung? 3eder Offizier weiß, wie ein System kleinlicher Schikanen uns die Versor- gung unserer Armee mit Material denkbar erschwert hat, wie wir alle leistungsfähigen Fabriken zerstören und mit möglichst großen Linkosten neue, weniger leistungsfähige unterhalten muhten: weih zudem, dah uns die Ausfuhr von Kriegsmaterial verboten ist. Selbstverständlich, dah uns infolgedessen das einzelne Geschütz sehr viel mehr kostet als die Franzosen, die ja auch um deswegen billiger arbeiten können, weil sie ihren vsteuropälschen Trabanten Anleihen nur mit der Auflage geben, dah sie dafür ihre-Rüstungen bei den französischen Fabriken ergänzen. . Eigentlich überflüssig, das alles noch einmal auszusprechen, aber General Tournös zwingt uns dazu. Wir können an seinen weiteren Artikeln noch unsere Freude erleben. Es bleibt aber doch immerhin etwas Llngeheuerliches, dah ein Mann, der bei uns mit gröhter Korrektheit ausgenommen wurde, seine dienstlich erworbenen Kenntnisse dazu mißbraucht, um die nationalistische Hetze gegen Deutschland zu unterstützen. Zur gleichen Zeit, wo wir mit dem französischen Konsul in Königsberg und dem Stellvertreter des neuen französischer Militärattaches in Berlin noch unsere besonderen Erfahrungen machen. Amerika und die Reparationen. Die amerikanische Wirtschaft erwartet ein deutsches Moratorium. WTB. W a s h i n g t v n. 4. Mai. (WTB.) Silas ©traten, der Vorsitzende der amerikanischen Sektion der Internationalen Handelskammer, erklärte in einem Presseinterviete, Amerika werde sich nie zur Streichung der elf Milliarden Dollar Kriegsschulden bereitfinden, denn der amerikanische Steuerzahler sei j e h t s ch o n schwer b e l a st e t. Eine andere Frage sei eine Ausdehnung der Zahlungsfristen: dies liehe sich erwägen. Es sei jedoch Sache der Schuldner st aaten, hierfür überzeugende Argumente vorzubringen. Eine andere Frage sei auch Deutschlands Zahlungsfähigkeit: jedermann sehe ein. dah der Fall der Weltpreise Deutschlands Reparativnslasten beträchtlich erhöhe. Wenn Deutschland ein Moratorium erklären sollte, so würde es dafür in der amerikanischen Geschäftswelt großes Verständnis finden. Lieber die Frage, inwieweit die internationalen Schulden zur Weltkrise bei- getragen haben, wollte Strawn sich nicht äußern; er erklärte jedoch, er könne dem Standpunkt Dr. Dernburgs, daß sie die Weltkrise verursacht hätten, nicht beistimmen, denn auch diejenigen Länder, welche den Vereinigten Staaten nichts schulden, litten unter wirtschaftlicher Depression. Die Ausführungen von Silas Strawn, die amerikanische Geschä tsw2lt werde Verständnis dafür haben, falls Deutschland sich gezwungen sehe, ein Moratorium zu beantragen, werden in Finanzkreisen als eine Andeutung ausgefaht, daß nach Ansicht Strawns die amerikanischen Bankiers in einem solchen Falle Deutschland die kurzfristigen Kredite nicht kündigen würden. Schwere Unruhen in Spanisch-Marotto. Royalistische Kundgebung der Fremdenlegion. — Eingcborenenrevolie in Tctuan. London, 5. Mai. (WTB. Funkspruch.) Ein Bericht aus Tetuan (Spanisch-Marokko) gibt Einzelheiten über den Zusammenstoß zwischen spanischer Infanterie und royalistischen Soldaten der spanischen Frem-^ d e n l e g i o n. Legionäre hatten eine Kundgebung veranstaltet, wurden aber von den Infanteristen überwältigt. Als die Nachricht im Hauptquartier der Fremdenlegion eintrpf, bemächtigten sich die Soldaten ihrer Offiziere und hißten die königliche Flagge. Der Oberkommissar, General Sanjurjo, entsandte ein Regiment eingeborener Truppen mit drei Kompanien Infanterie von Ceuta nach dem Hauptquartier, das umzingelt wurde. Am Sonntagoormittag ergaben sich die Legionäre. Diese Ereignisse haben auf die Eingeborenen der Stadt Tetuan eingewirkt, wo es gestern zum General st reik kam. Ungefähr 3000 Personen veranstalteten eine Kundgebung und verlangten, daßspanischeundeingeborene Arbeiter gleichberechtigt sein sollten, daß der achtstündige Arbeitstag eingeführt werde, daß die arbeitslosen Eingeborenen Arbeit erhalten sollten und daß der Sonntag als Ruhetag durch den Freitag ersetzt werde. General Sanjurjo empfing eine Abordnung von 20 Personen, schickte sie aber wieder fort, bevor sie ihre Erklärung beendet hatte. Hieraus wurden die Fenster des Regierungsgebäudes eingeworfen und e u r o - Berlin, 4. Mai. (TL1.) Die Verhandlungen des Reichskanzlers mit den Ressorts über die Beseitigung des bedrohten anschwellenden H a u s- Haltsfehlbetrages und in Zusammenhang damit über die Sanierung der Sozialversicherungen werden von Leitartikeln in der Berliner Presse begleitet, die auf den großen Ernst der Lage Hinweisen. Llnter der Lleberschnft • Das Zentrum h a t das Wort", erllä t die 213“, das Kabinett Brüning sei nach einjähriger Wirksamkeit dahin gelangt, dah wieder ein doktrinärer Einspruch etwa des Herrn Wissell seine ganze Regierungsarbeit über den Haufen werfen könne. Es sei die politische Tatsache festgestellt, dah der tiefe Sinn des Auftrags Dr.Brünings nicht erfaßt, ja ins Gegenteil verkehrt worden sei. Wer eine vernünftige Sozialpolitik erhalten wolle, müsse den Entschluh finden, die Auswüchse des Versorgungsgedankens rücksichtslos zu beseit i gen, die Lüge des gleichen Anspruches hoch- und geringwertiger Arbeit zu bekämpfen, die Vernich ung des persönlichen Aufstiegsstrebens durch schematische Tarife aufzuheben und dem Grundsatz der Leistung wieder Gel- tungzuverschaffen. Mit diesem Programm müsse Brüning vor die Oeffentlichkeit und die Parteien treten. Er habe sich bisher nicht unter die Kuratel des Parlaments gestellt, er dürfe das auch in Zukunft nicht tun. Die Sozialdemokratie werde und müsse sich der grundsätzlichen Reform der Finanzen, der Politik und des Staatsaufbaues versage n. Daher bleibe der zweite Weg einer tattischen Zusammenarbeit des Zentrumskanzlers und der Zentrum spart ei mit allen denjenigen Faktoren, die das Volksbegehren des Stahlhelms in Preußen unterstützt haben. päische Laden geplündert. Eingeborene Kavallerie versuchte mit gezogenem Säbel die Menge zu zerstreuen. Da dies nicht gelang, wurde Infanterie und eine M a s ch i n e n g e w e h r a b t e i- [ung herangezogen und da^ Feuer eröffnet. Gestern um 16 Uhr wurde noch in den Straßen gekämpft. Oie Wahlen in Sckanmbnrg-Lippe. Die nationalsozialistische Welle. Berlin, 5. Mai. In Schaumburg- Lippe, dem kleinsten deutchen Land, haben am Sonntag die Wahlen zum Landtag fatt- gefunden. Der ganze Staat zählt noch nicht einmal 50 000 Einwohner, ein Parlamentarismus mit fünfzehn Abgeordneten und ein ganzes Reqierungssystem ist also an sich etwas Widersinniges. Selbstverständlich, dah auch in so begrenzten Verhältnissen in der Beurteilung der Stimmen besondere Maßstäbe anzulegen sind. Die Verschiebungen sind zum großen Teil lokal bedingt. Es wäre also falsch, die Stimmverteilung ohne weiteres ins Große übertragen zu wollen. ‘ Sie kann höchstens Anhaltspunkte für die Beurteilung ergeben, und da ist es auffallend, daß die Rationalsozialisten gegenüber den Reichstagswahlen einen Stimmenzuwachs von fast fünf zig Prozent verzeichnen. Die Annahme, dah die nationalsozialistische Welle ihren Höhepunkt überschritten hätte, scheint also nicht zuzutreffen. Auch die Deutschnationalen haben einen lleinen Sttmmenzuwachs. Beide Parteien aber haben im wesentlichen auf Kosten der Mitlel- parteien gewonnen, während der Verlust der Sozialdemokratie den Kommunisten z u g e w a ch s e n ist. An Mandaten gemessen hat der Verlust der Sozialdemokraten gerade genügt, um ihnen die absolute Mehrhüt im Landtag zu nehmen. Sie hatten bisher acht Stimmen von fünfzehn und werden künftig nur sieben haben, so dah der Kommunist die Entscheidung bringt. Die Landgemeinden fordern eine Reichsarbeltslosensürsorge. Berlin, 5. Mai. (WTB. Funkspruch.) Bei einem Presseempfang sprach der Präsident des Deutschen L a n d g e m e i n d e t a g e s, Dr. G e r e k e (M. d. R.),^ über die finanzielle Lage der Gemeinden und über den Gesetzentwurf zu einer Reichsarbeitslosenfürsorge, den der deutsche Landgemeindetag heute der Reichsregierung, den Länderregierungen und den gesetzgebenden Körperschaften überreichen wird. Zur Begründung dieses Gesetzentwurfes- führte Dr. Gereke u. a. aus: „Die unerträgliche Belastung der Gemeinden durch die Wohlfahrtserwerbslosen ist in einem Llmfange gestiegen, dah beschleunigte Maßnahmen der Reichsregierung unbedingt erforderlich sind, die spätestens Anfang Juni wirksam werden müssen. An der bisherigen Dreiteilung der Arbeitslosenfürsorge in Arbeitslosenversicherung, Krisen- und Wohlfahrtsunterstühung kann nicht länger fe st gehalten werden. Die unterschiedliche Behandlung der aus der Arbeitslosenversicherung Ausgesteuerten erscheint für die Zukunft nicht weiter möglich. Krisenfürsorge und Wohlfahrtserwerbslosenfür- fcrge müssen in einer Reichsarbeitslose n f ü r so r ge zus ammengefah t werden. Eine wirksamere Form des gegenwärtigen Llnterstützungssystems kann nur durchgSführt werden, wenn eine viel genauere Prüfung der Bedürftigkeit erfolgt als bisher. Die wichtigste Frage ist die nach der Aufbringung der Mittel für die neue Reichsarbeitslosenfürsorge. Grundsätzlich erhebt der deutsche Landgemeindetag die Forderung, daß Reich und Länder beteiligt werden müssen. 3m Gegensatz zu dem Vorschläge des deutschen Städtetages, der 50 Prozent der entstehenden Kosten auf das Reich, 25 Prozent auf die Länder und 25 Prozent auf die Gemeinden umlegen will, ist der deutsche Landgemeindetag der Lieberzeugung, dah die ländlichen Gemeinden nicht mehr als 15 Prozent tragen können. Für das Reich sollen 50 Prozent bleiben, die Lander sollen aber wieder in der Höhe wie bis 1927 mit etwa ein Drittel beteiligt werden. Das jetzige System der Lintervertei- tung der Reichs st euerüberteeisun- gen hat zur Folge gehabt, dah die Gemeinden den Reichskanzler. Oie Gtaatspartei zur Lage. Jnnerpolitifche Besprechungen beim Reichskanzler. Berlin, 4. Mai. (WTB.) Der demokratische Zeitungsdienst teilt mit: Reichskanzler Dr.Brüning empfing am Montag die beiden Vorsitzenden der staatsparteilichen Fraktionsgemeinschaft im Reichstage, die Abgeordneten Dr. August Weber und Ostar Meyer, um mit ihnen die politische Lage zu besprechen. 3n der Unterhaltung wurde zunächst die Agrarfrage eingehend behandelt. Die Vertreter der Staatspartei wiesen nachdrücklich darauf hin, dah ihnen eine Brotpreiserhöhung untragbar erscheine und hiergegen sofort mit einschneidenden Maßnahmen vorgegangen werden müsse. Der Reichskanzler lieh keinen Zweifel darüber, dah die Regierung entschlossen sei, der Brotpreiserhöhung sofort entgegenzuwirken. Das Arbeitslosenproblem wurde ebenfalls eingehend erörtert. Dr. Weber führte dazu aus, daß nach Ansicht der staatsparteilichen Reichstagsfraktion nicht mit kleinen Mitteln, sondern grundlegend an diese Frage heran- gcgangen werden müsse, um sowohl einer unerträglichen Beitragserhöhung zu Lasten der Wirtschaft, Arbeitnehmer und Arbeit- geber, als auch um einer später schwer wieder- gutzumachenden Zerrüttung der Reichsfinanzen vorzubeugen. 3m Anschluß hieran wurde in Aussicht genommen, dah diese Erwägungen mit den dazugehörigen sachlichen Einzelheiten von Dr. Weber unmittelbar dem Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald unterbreitet werden sollen. im 3ahre 1928 nach amtlichen Zahlen an Reichssteuerüberweisungen je Einwohner erhalten haben: Die Stadt Frankfurt am Main rund 38 Mark, die Stadt Berlin rund 34 Mk., die Gemeinden bis zu 5000 Einwohner im Durchschnitt rund 7 Mk. und die Gemeinden bis zu 200 Einwohnern rund 3 Mark. Gerade diese Lleberweisungs- ziffern sind der beste Beweis dafür, wie notwendig ein interkommunaler Lastenaus- gleich ist. weil den lleinen Gemeinden so gut wie jede Möglichkeit fehlt, einen Ausgleich für die ständig wachsenden Wohlfahrtslasten zu finden. Aus aller Well. Kardinal Pornpilj f. Am Dienstag ist Kardinal Pornpilj, der Gene raloikor des Papstes, gestorben, nachdem er schon seit einigen Tagen von den Aerzten aufgegeben und die letzte Oelung erhalten hatte. Kardinal Basilio Pornpilj war Bischof von Velletri und Erzpriester der Lateranbasilika, die bekanntlich die Bischofskirche des Papstes ist. Als Generalvikar des Papstes hatte der verstorbene Kirchenfürst in Rom eine besonders hervorragende Stellung. Mit seinem Tode sinkt die Zahl der Purpurträger auf 57, so daß 13 rote Hüte vakant sind. Die Zahl der von Pius X. kreierten Kardinäle verringert sich auf 10. Kardinal Pornpilj ist der 45. Kardinal, der zur Zeit des Pontifikats XI. verstorben ist. Eine hundertjährige Aerztin gestorben. D.e älteste Aerztin der Welt, Dr. Harriet C l i s b y, ist im Alter von über hundert Jahren in London gestorben. Sie hatte ihr medizinisches Examen im Jahre 1865 an der Universität in Neuyork bestanden. Schweres Unwetter in Rorddeutschland. In Hamburg folgte auf das herrliche Sonntagswetter am Montagvormittag wolkenbruchartiger Regen, der bis in die frühen Nach- mittagsftunden hinein andauerte und bereits kurz nach Mittag eine Regenmenge von 37,5 mm brachte. An vielen Stellen der Stadt sind Keller und Lagerräume, Kabelschächte und Leitungsbauten vollgelaufen. Die Feuerwehr, die über 300mal alarmiert wurde, war den ganzen Nachmittag mit Pumparbeiten beschäftigt. — Am Montagvormittag ging über dem Hakel, einem Borgebirge des Harzes, als Begleiterscheinung eines schweren Gewitters ein furchtbarer Wolkenbruch nieder. Der Schaden ist sehr bedeutend. Am Montag früh überzog sich der Himmel weithin mit pechschwarzen Wolken. Bald darauf entlud sich ein schweres Gewitter. Der Regen war so dicht, daß man kaum 10 Meter weit sehen konnte. Durch Gröningen und Kroppenstedt wälzten sich große Schlammmassen und bedeckten 30 cm hoch die Straßen, so daß Kraftfahrzeuge stecken blieben. In der Nähe von Gröningen hat sich auf den Aeckern ein riesiger See gebildet. Bei Heynburg wurde der Bahndamm der Kleinbahn Gröningen—Scheitlingen von den Wassermassen unterhöhlt. Mit dem Auto auf den Bürgersteig. In Gelsenkirchen fuhr am Montagmorgen ein Lastkraftwagen im Ortsteil Erle beim Ueberholen eines Fuhrwerkes auf den Bürgersteig, und zwar in eine Gruppe Schulkinder. Ein siebenjähriger Junge wurde so schwer verletzt, daß er kurz darauf starb. Zwei weitere Knaben und ein Mädchen wurden erheblich und zwei erwachsene Personen leichter verletzt. Der Kraftwagenführer wurde festgenommen. Ein seltsamer Grenzstreit. Bei Rhede und Reurhede haben deutsche Siedler einige Dutzend Siedlungen auf holländischem Gebiet errichtet, ohne zu wissen, daß sie sich auf holländischem Gebiet befanden. Diese Deutschen haben Moorflächen, die noch keines Menschen Fuß betreten hatte unö in denen daher Grenznxarkierungen nicht vorhanden waren, der Kultur erschlossen und sich auf dem besiedelten Gebiet feste Wohnungen geschaffen. Die Holländer verlangen jetzt die Rückgabe des Gebietes. Die Bemühungen der deutschen Regierung scheinen vergeblich zu sein, denn auf einer Versammlung wurde von dem holländischen Kommissar erllärt, daß Holland auf Rückgabe der betreffenden Gebiete besteht. Wenn die Deutschen freiwillig die Moorgebiete abgeben, werde ihnen von dem holländischen Kommissariat je Hektar ein Betrag von 250 Mark gezahlt werden. 3n allen anderen Fällen soll das beschleunigte Enteignungsverfahren eingeleitet werden. Den Deutschen soll nach Vollendung der Kultivie- rungsarbeiten, die von holländischen Er - werbslolenausgelührt werden, Gelegenheit gegeben werden, Altparzellen für einen Hektarp eis von 800 b'.s 900 Mk. zu erwerben oder za pachten. Für die angelegten Wege und Gräben soll noch eine besondere Entschädigung gegeben werden. Die Angelegenheit scheint sich deshalb zugespiht zu haben, weil die Prqvurz Groningen in den Moordistrikten einen Teil ihrer Erwerbslosen zu beschäftigen hofft. Eine schwere Exmittierung. 3n Berlin kam es bei der Exmittierung eine» Mieters des am Brunnenplah gelegenen Ledigenheimes zu schweren Ausschreitungen. Da die Exmittierung wiederholt vergeblich versucht worden war, wollte ein Gerichtsvollzieher diese mit Hilfe der Polizei durchführen. Den anrückenden Beamten stellte sich jedoch eine Menschenmenge von etwa 2 0 0 Personen entgegen, die von den 3nsassen des Ledigenheimes unterstützt wurden. Der Mieter hatte sich in seinem Zimmer verschanzt und drohte, aus dem Fenster zu springen, falls man mit Gewalt bei ihm eindringen wolle. Feuerwehrleute und Polizeibeamte bemächtigten sich nun über eine mechanische Leiter durch das Fenster des Zimmers, wo sie den Widerspenstigen mit Schnittwunde-n 4jn Handgelenk vorfanden. Inzwischen hatten sich die Demonstranten auf etwa 500 Personen erhöht, so daß die Polizei mit dem Gummiknüppel vorgehen mußte. Dabei wurde ein Polizeioffiz^r zu Boden geschlagen und am Kopf verletzt. Sechs Personen wurden festgenommen. Mord an einem Gerichlsdiener. 3n Malchow (Mecklenburg) wurde ein aufsehenerregender Mord entdeckt. Der pensioniert« Gerichtsdiener Glaesel wurde indem Arbeitsraum des Fabrikanten 3 o - nas ermordet auf gefunden. Richt weit von der Leiche lag eine schwere Eisenstange, mit der der Mord offenbar ausgeführt worden ist. Als Täter kommt mit größter Wahrscheinlichkeit der Fabrikant 3onas in Frage, der seit etwa einem halben 3ahre inLlntersuchungs- h af t sitzt. 3onas hatte seinerzeit durch die Behauptung, er könne mittels eines besonderen Apparates Wasserstoff gas aus Wasser erzeugen und mit Hilfe dieses Wafserstoffgases eine verbilligte Fernheizung Herstellen, eine Anzahl Geldleute dazu verlockt, sich mit Kapitalien an seinem Unternehmen zu beteiligen, wurde ie- doch unter dem Verdacht, ein Schwindler zu sein, verhaftet. 3onas bot darauf den Llnter- suchungsbehörden an, den Beweis für feine Behauptung anzutreten, worauf ihm vor mehreren Wochen gestattet wurde, unterAufsichtdes Gerichtsdieners Glaesel die zur Ausführung seines Verfahrens notwendigen Arbeiten auf seinem Grundstück in Malchow zu verrichten. 2lls nun weder 3onas noch Glaesel nach dem Llntersuchungsgefängnis zurückgekehrt waren, forschte man auf dem 3onasschen Grundstück nach ihrem Verbleib. Als man den verschlossenen Ott* beitsraum mit Gewalt öffnete, fand man Glaesel in dem Raum ermordet auf; von dem Untersuchung sgcfangenen 3onas dagegen f e h l t e jede Spur. Wie inzwischen festgestellt.werden, konnte ist ein Hamburger 2lutomobil von dem Grundstück fortgefahren. Man vermutet daher, daß 3onas von Helfershelfern abgeho^t und indem Auto geflüchtet ist. Oie Wetterlage. Owoixentos. Oneuer. <1 naib oenecKt.» woikiq. • oruteki eltegefc »Schnee aGraupeln, b Nebel K Gcwitttr.(§)wmd5iilie.«O-> «nr «itnier 0$; nassige» Südsüdwest ’S stürmische» Nordwest oie »Jene fliegen mit dem winde. Pie oeiden Stationen stenenden Za* «en geben die Temperatur an. Die Linien verbinden Orte mit Qiclcbcat auf Meeresniveau umoerrchnete» Luftdruck. Wettervoraussage. Durch den Zustrom kühler Luft ist der Luftdruck über dem Fesllande kräftig angestiegen. Dabei ist die Bewölkung zurückgegangen und meist heiteres Wetter eingetreten, lieber den britischen Inseln ist allerdings eine neue Störung erschienen, deren Vor- derseiteneinfluß die Winde auch in Westdeutschland schon nach Süden zurückdrehen ließ. Somit steht wieder die Zufuhr warmer Lust in Aussicht, was besonders tagsüber unter Mitwirkung der Sonnenstrahlung kräftigen Temperaturanstieg zur Folge haben wird. Das meist heitere Wetter dürfte vor- erst erhalten bleiben, jedoch wird später mit dem Drehen der Winde mehr nach Westen hin und der Zufuhr etwas kühlerer Ozeanluft wieder Bewölkung und Neigung zu Gewitterstörungen aufkommen. Aussichten für Mittwoch: Zunächst vielfach aufheiternd u,d trocken, wärmer, später wieder aufkommende Bewölkung. Aussicyten für Donnerstag: Neigung zu Gewitterstörungen mit einzelnen Niederschlägen. Lusttemperaturen om 4. Mai: mittags 16,2 Grad Celsius, abends 9,4 Grad; am 5. Mai: morgens 4,5 Grad. Maximum 16,4 Grad, Minimum 1,8 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 4. Mai: abends 13,6 Grad; am 5. Mai: morgens 8,1 Grad Celsius. Niederschläge 0,2 nun. — Sonnenscheindauer 37» Stunden. u&s L-SZ Kn lerung. ZÄU ^vollzieh^A * «SiÄ ;Ä£ V» Ä nM rtWpw Ä L^V-irr J°W verletzt. Sech- tysbienet. Mvurde ein auf. > i Ml*e 1 J»rd "u Lj« und01 »'»* ."wä V1"“ , wann--' ir yitigtV'i *V* tflfe Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 5. Mai 1931. provinzialauSschuß'Sihung. Am vergangenen Samstag fand — _ wie geftern bereits mitgeteilt — im Regierungsgebäude zu Gießen unter dem Vorfitz von Prooinzialdireklor Graes eine öffentliche Sitzung des Pro» vtnzialausjchusses statt. Zunächst erfolgte die Verkündung des wegen der Vergütung des Bürgermeisters der Gemeinde Klein-Linden auf Grund der mündlichen Verhandlungen vor dem Prooinzialaus- schuß am 28. Mörz 1931 ergangenen Urteils. Hier» nach wurde auf die Berufung des Bürgermeisters las Urteil des Kreisausschusses des Kreises Gießen eom 1. November 1930 ausgehoben und der Bürgermeister der Gemeinde Klein-Linden vom 1. April 1928 ab in die Gruppe 4e der staatlichen Besol- iungßorbnung eingereiht Die Ortsgerichtsgebühren laben von diesem Zeitpunkt an in die Gemeindetasse zu fließen. Die dem Bürgermeister seither gewährte Vergütung für die Führung der Standes- LMtsaeschäste fällt vom gleichen Zeitpunkt an weg. Die Kasten der ersten Instanz sind von dem Bürgermeister und von der Gemeinde Klein-Linden je zur Hälfte zu tragen, die Kosten der Berufungsinstanz fallen der Gemeinde allein zur Last. Der Wert des Streitgegenstandes wurde auf 3000 Mark festgesetzt. In dem Dienststrafverfahren gegen den Stadtbaumei st er Aloys Scherrer in Butzbach verkündete der Vorsitzende, nach mündlicher Verhandlung als Gerichtsbeschluß, daß die Entscheidung ausgesetzt und in der nächsten öffentlichen Sitzung des Provinzialausschusses bekannt- gegeben wird Weiter wurde verhandelt die Klage der Rosa Maria Debusmann in Frankfurt a. M. gegen bas Kreisamt Friedberg auf Aushebung des Poli- zeibefehls vom 6. September 1930, wonach ihr hin- sichtlich ihres Anwesens in Bad-Nauheim, Ludwigstraße 15, folgendes aufgegeben wurde: 1. Auf Grund des Ortsbaustatuts für die Stadt Bad- Nauheim vom 20 September 1912 (Nachtrag), den von ihr ohne polizeiliche Genehmigung mit Zement- platten belegten Vorgarten ihres Hauses wieder als Ziergarten mit angemessener Bepflanzung herzu- richten: 2. die an der Einfriedigung ihres Hauses angebrachten weiteren Firmenschilder, sowie die an der Seite der Einfriedigung ahne baupolizeiliche Genehmigung angebrachten zwei Schaukästen zu beseitigen und die Einfriedigung nach Paragraphen 1 und 3 der Baupolizeiverordnung der Stadt Bad- Nauheim in gefällig aussehendem Zustand anzulegen und zu unterhalten Der P r o v i n z i a k a u s- lchuß wies die Klage als unbegründet kostenpflichtig zurück und setzte den Streit- wert auf 3000 Mark fest. Die <5arf>e Disziplinarverfahren gegen bin städtischen Straßenmeister Johannes Ewald in Dad-Nauheim wurde unter Ausschluß der Oef- sentlichkeit und der Presse verhandelt. Der Pro- vinzialausschuß erkannte zu Recht, dem Genannten einen Verweis zu erteilen und ihn außerdem in eine Geldstrafe von 150 Mark zu verurteilen. Die Kosten des Verfahrens wurden ihm ouferlegt und der Streitwert auf 1000 Mark fest- gesetzt. ßrhöbuttfl des BroipreUes. Im Sinzeigenteil unseres heutigen Blattes geben die Bäckermeister von Gießdn-Stadt und -Land bekannt daß von morgen ab je 2 k" Roaaenh''ot 75 Bf (bisher 70 Pf.) und je 2 kg Mischbrot 85 Pf (h;=hpr 80 Pf) kosten werden. Der Preis für 2 kg Weißbrot beträgt 1 Mark. Wie mir hierzu aus Kreisen der Gießener Bäcker- Innung hören ist diese Steigerung des Brotpreises durch das seit mehreren Monaten anhaltende Steigen des Mehlpreifes veranlaßt worden Der Mehlvreis, der sich Ende Januar auf 26 Mark ie Doppel,entner Rovaenmehl belief, sei bis Ende Avril auf 33 Mark ie Doppelzentner gediegen Außerdem kämen bei dieser troangstäutiaen Neuordnung des Brotvreises auch die erhöhten Steuerlasten in Betritt, die insbesondere durch die Bes-dlüsse' des ^Hilfhen L-mdtaas verursach* seien Wenn die Mehlvreis- fleigerung von 26 Mark auf 33 Mark — die den 9Vgierungen doch nicht unbekannt geblieben fei, gegen die sie ober trotz aller Versprechungen nichts unternommen hätten — in vollem Ausmaße der neuen Drotpreisdildung zugrunde gelegt worden wäre, hätte sich sogar eine Steigerung des Brot- Preises um 11 Pf. je 2 kg Roggenbrot ergeben müssen. Die Bäckermeister hätten sich aber angesichts der wirtschaftlichen Zeitverhältnisse breitester Kon- sumentenschichten zu einer Preiserhöhung in diesem Ausmaß nicht entschließen können und es bei einer Erhöhung von 5 Ps. pr# 2 Kilo bewenden lassen. Nachdem in anderen Städten schon vor einiger Zeit der Brotpreis erhöht worden sei, komme man nun- mehr auch in Stadt und Kreis Gießen um die teilweise Angleichung des Verkaufspreises an die wesentlich gestiegenen Selbstkosten nicht mehr herum Man erwarte jedoch von der Regierung mit aller Bestimmtheit, daß nun endlich durchgreifende Maßnahmen getroffen würden, um einer weiteren Steigerung der Mehl preise vorzu- beugen und auch eine Senkung der steuerlichen Lasten in die Wege zu leiten. Weiter wird in den Kreisen der Bäckerinnung der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die Bürgerschaft in Stadt und Land angesichts der ganzen Sachlage die nur in beschränktem Ausmaß oorgenommenc notwendige Preiserhöhung, für deren Begrenzung soziale Rücksichten entscheidend gewesen seien, mit Verständnis aufnehmen werde. Daten für Dienstag, 5. Mai 1818: der Sozialist Karl Marx in Trier geboren; — 1821: Napoleon I. auf St. Helena gestorben. Bornotizen. — lagestalenberfürSienstag. Stadt, theater: „Haus Rothschild", 20 bis 22.30 Uhr. — Volkshochschule Gießen: Beginn des Kurses .Lebensprobleme", 20 Uhr, Universität, Hörsaal 34, 1. Stock. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Grock". — Aus b e m S t a d 11 h e a t e r b u r e a u wird uns geschrieben: Heute, 20 Uhr, Erstaufführung von Hanns Sahmanns historischem Schauspiel „Haus Rothschild", unter der Spielleitung von Intendant Dr. Prasch. Ende kurz nach 22 Uhr. Frau Auguste Prasch-Grevenberg spielt als Gast die Rolle der Frau Gudula. Mitwirkende: Herren: Bäuerle, Bruck, Fassott, Hub, Linkmann, Hauer, Nieren, Ritter, Schelcher, Dolck, Wesener, Zingel. — Mittwoch, 6. Mai, 20 Uhr, zum letzten Male im Abonnement „Im Spiel der Sommerlüfte" von A. Schnitzler, Spielleitung Walter Bäuerle. — Freitag, 8. Mai, 20 Uhr, erste Wiederholung des Oaftfpiels von Frau Auguste Prasch-Greoenberg als Frau Gudula in Hanns Saßmanns historischem Schauspiel «Laus Rothschild", unter der Spielleitung des Intendanten Dr Prasch — Samstag, 15 45 Uhr, Schülervorstellung von Schillers „Jungfrau von Orleans“, Spielleitung Intendant Dr. Prasch. Die Hauptrolle spielt Beatrice Doering. — Sonntag, 10. Mai, als Fremdenvorstellung zum letzten Male Frau Prasch-Grevenberg in der Rolle der Herzogin in „Die Welt, in bet man sich langweilt“, Lustspiel von Pailleron, Spielleitung Peter Fasiott. Beginn 18.30 Uhr. Ermäßigte Preise. — Volkshochschule. Man schreibt uns: Heute beginnen-die Kurse „Diktatur und Volks- Wille im Wandel der Geschichte" und Englisch für Anfänger (Fortsetzung des Winterkurses), beide Kurse finden in der Universität statt. Dagegen wird der Kurs „Grundlagen der Radiotechnik" im Realgymnasium (Ludwigstraße) gehalten, der Kurs „Rhythmische Körperschulung" in der Grabenstraße 11 (Hinterhaus). Man beachte die heutige Anzeige. — Johann-Strauß-KonzertinGre- ßen. Man schreibt uns: Johann Strauß bringt für das am Samstag, 9. Mai. 20 Uhr. in der Volkshalle stattfindende diesjährige Kon- zert ein auserlesenes Programm. Der starke Vefuch in allen Großstädten des 3n- und Aus- landes dürfte Zeugnis dafür sein, daß Johann Strauß überall als der Exponent der Wiener Musik betrachtet wird. Die Konzertveranstaltung dürste auch in Gießen viele Freunde finden. — Hausfrauen-Abende — Gasschau- kochen Am Donnerstag- und am Freitagabend finden im Caf6 Leib je ein Hausfrauen-Abend statt. Gasvorträge mit Schaukochen, die von der Gießener Hausfrauenberatung veranstaltet werden, werden ergänzt durch die praktischen Vorführungen der Firma Junkers 8- Ruh, Karlsruhe. Frau Müller- Moers (Karlsruhe) wirb über Gasverwenbung sprechen unb auf zwei Gaskochern unb vier Jun- kers-L-Ruh-Gasherben mit sechs Brat, unb Backöfen ein Schaukochen veranstalten Die Veranstal- tung wirb burch eine Seefisch-Musterschau unb eine Gasgeräteausstellung bereichert. Näheres in ber heutigen Anzeige. "TodesfälleinGießen. Cs nerftarben in Gießen in der Zeit vom 16. bis 30. April: 18. Emma Theis, 13 Jahre. Frankfurter Str. 134. Sophie Reuel, geb. W.ngenseld, 49 Jahre, Katharinengalle 7. 19. Emma Knaus, geb. Sommer- lad, Witwe, 69 Jahre, Kaiserallee 56. Marie Anna Hobel, 1 Monat. Rittergalle 23. 21. Heinrich Wilhelm Deuster, Regierungssekretär i.R.. 66 Jahre, Steinstratze 60. 23. Mathilde Kohler- mann. geb. Roll, Witwe, 91 Jahre, Teufelslustgärtchen 28. Katharina Vest, geb. Wagenbach. 48 Jahre, Katharinengalle 14. 25. Emma Poppe, geb. Lust, Witwe, 55 Jahre, Leihgestemer Weg 31. Wilhelm Schmidt, Schuhmachermeister, 74 Jahre, Asterweg 5. 26. Rosa Weil, geb. Reu, Witwe, 55 Jahre, Kaiserallee 6. 27. Hermine Wetter- Hahn, geb. Dreifuß, 56 Jahre, Bleichstrahe 10. 28. Adolf Kreuter. ohne Veruf. 82 Jahre, Sonnen- strahe 6. Elisabeth Seim, geb. Becker. Witwe, 83 Jahre, Hillebrandstraße 11. Heinz Roll. 6 Monate, Brandgalle 5. 30. Margot Schienbäcker, 4 Jahre, Lahnstraße 27. Lydia Balke, geb.-Rudolph, Witwe. 56 Jahre, Stephanstr. 42. ** Arbeitsjubiläum. Herr Georg Schell- Haas, Ludwigstraße 3 wohnhaft, feiert am morgigen Mittwoch das Jubiläum feiner 25jährigen Tätigkeit bei der Firma Dem & Co. •• (Senbarmerieperfonalie. Der Gendarmeriehauptwachtmeister Peter Wagner in Groh-Felda wurde mit Wirkung vom 1. April ab zum Gendarmeriemeister ernannt. ** Der Bauersche Gesangverein hielt am Samstag seine diesjährige Hauptversammlung ab. Von besonderer Bedeutung war hierbei die Wahl des neuen Dirigenten. Nach eingehender Aussprache wurde, wie gestern schon kurz berichtet, Universitätsmusikdirektor Dr. Temesvary als Chormeister gewählt. Nach dem vom zweiten Schriftführer erstatteten Geschäftsbericht hat der Verein auch im letzten Jahre eine rege Tätigkeit entfaltet. Der vom Rechner L i ch vorgelegte Rechenschaftsbericht ergab ein günstiges Bild über Kasse und Vereinsvermögen, trotzdem heute noch der Dorkriegsbeitrag von jährlich 8 Mark erhoben wird. Bei der Wahl des Vorstandes wurden die seitherigen Vorstandsmitglieder, soweit sie nicht eine Wiederwahl ablehnten, wieder gewählt, neu in den Vorstand traten die Herren Ä11haus, Rud. Weber und A. Schneider ein. Die Wahl der Ausschüsse hatte folgendes Ergebnis: Georg - Todt - Stiftung: Aufdermauer, Hentschel, Lehmann und Kinzenbach. Vergnügungs- fommiffion; Ehrharb, Gärtner, Wehn, Aufbermauer, P Dunkel. Im weiteren Verlauf der Verhandlungen würbe bie Frage ber Stärkung bes Baufonbs eingehend erörtert, um möglichst bald zu einem eigenen Heim zu kommen. *♦ EineSchanbtat. Wie die Lanbeskriminal- polizeistelle Gießen mitteilt, verübten bisher noch unbekannte Täter in ber Nacht zum Sonntag in Rodenbach bei Altenstadt wüste Ausschreitungen an dortigen Baumpflanzungen. In dem eingefriedigten Grundstück eines Landwirts brachen sie zwölf jungen Bäumchen bie Krone ab, aufjerbem schälten sie an einem Teile ber Bäumchen bie ganze Rinbe herunter Die wertvolle Anpflanzung ist natürlich verloren. Nach den llebeltätern wird eifrig geforscht. Hoffentlich gelingt es, sie ausfinbig zu machen unb ganz gehörig zu bestrafen •• Reichsbund akademisch gebildeter Landwirte. Der Landesverein Hessen im Reichsbund akademisch gebildeter Landwirte hielt — wie man uns berichtet - in Frankfurt am Main seinen diesjährigen Landestag ab. Die zur Behandlung stehenden beruflichen und berufsständischen Fragen (Ausbildung der Diplomlastd- wirte für den höheren Verwaltungsdienst. Organisation eines Pressedienstes. Derufskunde in den ländlichen Fortbildungsschulen. Bauernschulung, Beschaffung geeigneter Stellen für den landwirtschaftlichen Akademiker), die Berichte über Dorstandssihungen des Reichsbundes und der verschiedenen Reichssachgruppen in Berlin und Würzburg, dazu der von dem Bundesgeschäfts- Rabindranath lagere, ber inbische Dichter, begeht am 6. Mai seinen 70. Geburtstag. 1913 erhielt ber Dichter ben Nobelpreis für Literatur führer vorgetragene „Rückblick und Ausblick" regten zu lebhafter Aussprache an. Cs wurde beschlossen. gelegentlich der diesjährigen Herbsttagung der Deutschen Landwirtschastsgesellschaft (D. L. G.) in Darmstadt eine besondere Tagung in Verbindung mit einem Gesellschaftsabend zu veranstalten. Zwei Einbrecher in Lich verhaftet. ]) Lich. 4. Mai. In der Rächt zum Sonntag wurde in dem Bahnhofsgebäude der Butzbach—Licher Eisenbahn in Butzbach ein Einbruchsdiebstahl verübt. Dis Diebe entwendeten eine Blechkassette in der Annahme. sie enthalte die S t a t i o n s k a s s e. Sie mögen aber eine große Enttäuschung erlebt haben, als sie später anstatt des vermuteten Geldes lediglich den Verbandskasten in der Kassette vorsanden. 2m Zusammenhang mit diesem Einbruchsdiebstahl stand ein Wäschediebstahl aus einer landwirtschaftlichen Hosreite in dem nahen Eberstadt. Am Sonntagnachmittag wurden zwei Männer beobachtet, die in der Räh« des Hofgutes Kolnhausen bei Lich einen Mantel versteckt niederlegten, der eine ganzg Menge Cinbruchswerkzeuge. wie Dietriche. größere Schlüssel, Meisel, Schraubenzieher. Zangen usw. enthielt. Bei Eintritt der Dunkelheit gelang es Beamten der Gendarmeriestation Lich, in der Rähe des Hofgutes Kolnhausen eine verdächtige Person und eine zweite in Lich selbst zu steilem Beide wurden verha ^tet und in das Amtsgerichtsgefängnis Lich eingeliefert. Es handelt sich um einen österreichischen Staatsangehörigen Georg Steindl. 23 Jahre alt, und seinen Komplizen Walter Dahlheim, 47 Jahre alt, aus Magdeburg gebürtig. Beide gaben nach längerem Leugnen die angeführten Diebstähle zu; sie haben keinen festen Wohnsitz, treiben sich vielmehr ziel- und planlos in der Welt herum. Es ist mehr als wahrscheinlich, daß sie in der folgenden Rächt einen Diebstahl in Lich planten, der nur durch ihre vorzeitige Festnahme verhindert werden konnte. Die beiden Einbrecher wurden mittlerweile auch von Beamten der Landeskriminalpolizeistelle Gießen vernommen. Dabei wurde festgestellt, daß di« beiden in Bad Wildungen einen Schokoladenautomaten abgerissen und im Wald« aufgebrochen haben wobei ihnen ein kleiner Barbetrag in oie Hände fiel. Die Landes- kriminalpolizeistelle Gießen ist zur Zeit mit den weiteren Ermittlungen beschäftigt. KAFFEE HAG RM 0.81 des kleine Paket jetzt nur noch RM 1.82 das groBe Paket ” RM 1.71 tile Vakuumdose Die ECHTE Palmolive-Seife - 3 Stück 1 Mark OJE Regierung hat die Hersteller von Markenartikeln ersucht, die Preise ihrer Waren um lOe/o zu ermäßigen. In dem Bestreben, dieser Forderung vollauf zu entsprechen, haben wir den Preis der Palmolive-Seife um 121/j °/o herabgesetzt Getreu unserem Prinzip, den Bedürfnissen des Konsumenten vollauf entgegenzukommen, wie wir schon in der Vergangenheit bewiesen haben, freuen wir uns, den neuen Preis bekannt zu geben, damit alle davon profitieren können. 1930 mehr Palmolive-Seife verkauft als je zuvor Es ist erstaunlich, daß unser Rekordjahr gerade in Hie Zeit einer Wirtschaftskrise fiel. Aber es war für uns, die wir das überraschende Anwachsen der Popularität dieser Schönheitsseife mit angesehen* haben, nicht ganz unvorhergesehen. Wie dem auch sei — dieses Anwachsen ist die Ursache unserer damaligen Preissenkung, gewesen, und ist es erfreulicherweise auch diesmal. Als Palmolive-Seife zuerst eingefiiihrt wurde, setzten wir den Preis auf 50 Pfennig fest. Das war ein vernünftiger Preis, wenn man die Qualität in Betracht zieht. 1928 weiter ermäßigt Im Jahre 1928, als wir wußten, daß man sehr schnell dazu kam, Palmolive Seife yorzuziehen, setzten wir den Preis freiwillig auf 40 Pfennig herab — und Sie drückten Ihre Anerkennung dadurch aus, daß Sie mehr und mehr Palmolive-Seife kauften. So setzen wir in diesem Jahr den Preis noch einmal herab. Denn dadurch, daß Sie Palmolive vorziehen, haben Sie unsere Verkäufe sehr vergrößert und es ermöglicht. Ihnen Palmolive billiger zu liefern. Die Interessen der Wiederverkauf er sind geschützt Wie im Jahre 1928 haben wir bei diesem Preisabbau überall mit den Wiederverkäufen! Maßnahmen getroffen, den neuen Preis unverzüglich in Kraft treten zu lassen. Die tägliche Anwendung von Palmolive-Seife ist die bevorzugte Schönheitsbehandlung von Millionen Frauen der ganzen Welt. Diese Frauen sind fest überzeugt davon, daß Palmolive ihnen hilft, die Schönheit der Jugend zu erhalten. 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Besonders danke ich Herrn Pfarrer Nies für die trostreichen und erhebenden Wort" am Grabe, ebenso dem Herrn Bürgermeister und Gemeinderat, dem K:rchenvorsiand, dem Rech nerverband des Kreises Gießen und dem Gesangverein Neue Eintracht für die Kranznieder egungen, desgleichen letzterem für die schönen Cnorgesänge, sowie für alle Kranzspenden und allen, die meinem verstorbenen Manne das letzte Geleite gaben. Marie Rühl Wwe., geb. Seipp für die trauernden Hinterbliebenen. MMM-IMmm! Wir bieten arbeltsireud., orgamsations- Heute nacht entschlief sanft nach kurzem, schwerem Leiden mein lieber Mann. Vater und Großvater, der Müller von Mühlsacbsen Johann Bender im 70. Lebensjahre. Hauptgewinne ä Mk. 1530.-. -. Mk. Nächste Woche Ziehung (Dienstag) Weimarer Naturhp. Geldlotterie 2 Hauptgewinne ac* ä Mk. 5000.-.. Mk. 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I. 21. des Hessischen Amtsgerichts Gießen: Leo, Vorsteher. Trauer™“ üM ■naannaBai Auswahl bereitwillig! Telephon 3048 gifpnhqfjD ^oörbeflniteiiDer. Glehen W>r erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mit ibeber von dem Ablebrn unseres lieben Kollegen Herrn §. Knapp, ebener i. b. in Kenntnis zu fetzen. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. — Beerdigung: •.uiittmod), 3.30 Uhr nachmiitags, vom Sterbebaus, frankfurter Straße 94. Klein-Linden. Ter Vorstand. _______________________________________3158 D Befchlagna'metrete 3-Zimmßr-Wohiiung nut Badezimmer z. 1. Juni zu verm. Schrntl. Angeb unt. 026s8 an d. Gß. Anz. | Mietgesuche | Zn ruh. Lage, nächst Babnhor schöne 3—4-Zimmer-Wohng. v. kinderl. Elieo. ges Mielvreis bis 701)tk Mietber.-Sch oorh. Schrtftl. An eb. nm. 0.686 an d. Gß. Anz. Einiae 3- lind K-Mkk- WoBnnnaen in unseren Neubauten In bester Lage Gießens zu vermieten. 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Am 5.Mai 1921 überreichte Lloyd George im Qtamfcn der Verbündeten dem deutschen Botschafter eine Bote, in der in ultimativer Form Deutschland Auflagen gemacht wurden, die, weirn sie zurückerinnernd geprüft werden, zu dem Ungeheuerlichsten gehören, was jemals im Ablauf der Geschichte der neueren Zeit von den Siegern Len Besiegten aufgezwungen worden ist. Dies Londoner Ultimatum hat eine Vorgeschichte. Die Verbündeten hatten schon am 29. Januar der deutschen Regierung die sogenannten Pariser Beschlüsse übermittelt, in denen Deutschland zugemutet wurde, seine Abrüstung bis zur Entwaffnung zu beschleunigen, sowie sich zu verpflichten, innerhalb 42 Jahren in Jahresraten, begin- ncnd mit zwei Milliarden Mark, nach 11 Jahren steigend auf 6 Milliarden Goldmark, insgesamt 226 Milliarden Goldmark zu bezahlen. Diese Forderungen bildeten den Gegenstand der Londoner Konferenz, die am 1.März zusammentrat, in der die deutsche Abordnung von dem Reichsaußenminister Dr. Simons in kluger und geschickter Weise geführt wurde. Dr. Simons suchte die deutschen Gegenvorschläge mit der äußersten Leistungsfähigkeit Deutschlands in Uebereinstimmung zu bringen, weshalb er als-.Gesaintentschädigung 50 Milliarden Goldmark a l s Gegenwartswert anbot, von denen 2 0 Milliarden Goldmark a l s schon vor"geleistet anerkannt werden sollten. 3n beleidigender Weise wies Lloyd George diese Vorschläge zurück, wobei er hinzufügte, daß der Versailler Vertrag als Grundlage die deutsche Verantwortlich^ keit für denKrieg hätte, so daß, wenn diese • Anerkenntnis verweigert oder aufgegeben würde, der ganze Vertrag hinfällig sei. Leider kann Lloyd George ebensowenig wie seine Verbündeten von dazumal beim Wort genommen werden, denn Lloyd George ist heute ein entmachteter Politiker und Staatsmann. Aber die deutsche Alleinschuld an dem Krieg, auf der sich nicht nur nach dem Zeugnis von Lloyd George der Versailler Vertrag aufbaut, ist nicht nur seit der Londoner Konferenz als die niederträchtigste Kricgslüge aller Zeiten und Völker enthüllt und gebrandmarkt worden. Deutschland trägt nicht die Alleinschuld, es ist überhaupt umstritten, ob ihm an der machtpolitischen Entwicklung, die zum Kriegsausbruch führte, eine Schuld beigemessen werden kann. Daß Frankreich den Krieg wollte, ist durch die Enthüllungen über die Diplomatie Poincares und Delcasses bewiesen. Lloyd George forderte am 5. März 1921, daß Deutschland bis zum 7. März abends sich bereiterklären müsse, alle Pariser Beschlüsse bedingungslos anzunehmen. Als dies Dr. Simons am 7. März in einer Rede von großem sittlichen Ernst und staatsmännischer Haltung und Gedankenführung a b 1 e h n t e, wurde die Konferenz abgebrochen Am gleichen Tage erhielt der französische Marschall Foch die Weisung, die dann zur Besetzung der Städte Duisburg, Ruhrort und Düsseldorf führte. Eine Zollinie wurde am Rhein errichtet, alles Maßnahmen, zu denen der Versailler Vertrag keine Handhabe bot. Weiter wurde die berüchtigte Reparationskommission eingeschaltet, die u. a. die Lieberführung des Goldbestandes der Reichsbank nach Frankreich forderte. Als auch dies abgelehnt wurde, trat am 30. April der Oberste Rat zusammen, der das Ultimatum entwarf, das die Regierung Fehrenbach-Simons nicht annehmen konnte. Sie trat zurück, um einer Regierung Wirth Platz zu machen, deren erste verhängnisvolle Tat die Annahme des Londoner Ultimatums am 11. Mar war. Wirth glaubte erfüllen zu können, trotz aller Warnungen Helffe- richs, was dann im Herbst 1922 den Zusammenbruch der Markwährung und die Bankerotterklärung der Erfüllungspolitik durch Wirth zur Folge hatte. Rumänische Königswahlen. Die Dauerkrise in Rumänien hat jetzt dazu geführt, daß der Ministerpräsident 3orga das Parlament aufgelöst hat. Das kann eigentlich nicht überraschen. Cs ist nur der Abschluß einer offenbar vom König gewollten Ent- Oer Oorn blüht. Von Peter Bauer. Mit einem Bretterzaun hält die Fabrik eine weite Schuttstätte voll aufgehügelten Gerümpels, gähnender Löcher und Mulden für künftige Baupläne umspannt. Trümmer menschlicher Gebrauchsgegenstände, verrostet und verwittert, liegen umher, da und dort bereits von Gras überwuchert. Richt kampflos ließ sich die einstige Wiese überrumpeln. 3ede Spanne Bodens, jedes Hümpel» chen Erde verteidigte sie zäh. Lind noch wütet das stumme, würgende Ringen auf Leben und Tod. Richts gibt sie verloren. 3n langer Winterruhe sammelte sie Kräfte, um im Beginn des Frühlings mit überraschender Heftigkeit ihre gefährlichsten und tückischsten Wehren einzusehen. LIeberall wimmelt es von Resseln und Disteln, die in dichter Phalanx die Hügel stürmen. Grün triumphiert über Rost und Fäule. Grün und Weiß. Wer hatte geddcht, daß das schwarze Dorn- gestrüpp, stellenweise ttef in Schutt und Scherben vergraben, noch einmal dem Zauber des Frühlings erliegen würde! Daß der wilde Schlehdorn, der Finsterling und Fürchtemacher, der mit gespreizten Dornen ewig sein „Rühr' mich nicht an" drohte, in solcher FÄle entbrennte! Lieber Rächt geschah ihm das holde Wunder. Zweige und Dörner sind über und über besteckt mit weißen, fünfstrahligen Flämmchen. Myriaden lodern an jedem Strauch, leuchten wie ein festliches Fanal gegen die schwarzen Rauchfahnen dcr Schlote. Weithin prangt das schneeige Weiß über der wüsten Schuttstätte, wie sonst über stolzen Gärten und reichen Fluren. Auch auf kleinster Scholle kann Glück erblühen. Auch das kleinste Dach kann zum weihen Zelt des 3ubels und der Freude werden. Auch der dickste Rauch kann die Sonne nicht verfinstern, wenn der blaue Himmel es nicht will. Stell fault er aus den Mäulern der Schlote empor, und der Schlehdorn steht von Glanz überschüttet. Schon sunnnen die ersten gvldbrüsttgen Dienen herbei, mit ihm zu .feiern und zu schwelgen. Wicklung. Carol scheint aus der Verbannung mit sehr bestimmten Plänen zurückgekvmmen zu sein. Er hat ja auch durchaus recht in der Erkenntnis, daß Rumänien in seinem jetzigen Llm- fang nach dem alten System nicht mehr zu regieren ist. Die Vettern- und Cliquen- wirtschaft war gerade noch tragbar in dem Rumänien von 1918, das immerhin eine gewisse kulturelle und nationale Einheit war. Das Rumänien von heute dagegen ist nicht nur räumlich zu groß geworden, es hat außerdem Millionen von Zwangsbürgern bekommen, die eine andere Art des Regierens gewohnt waren und sich die Bukarester Methoden nicht mehr gefallen lassen wollen. Deshalb sind die Versuche, die Grenzen zwischen den alten und neuen Provinzen zu verwischen, auch schon in ihren Anfängen stecken geblieben. Es ist vorläufig nicht gelungen, den einheitlichen Staat zu schassen, der gerade vom rumänischen Standpunkt aus geschahen werden muh, wenn die Gefahr eines Verlustes der neuen Provinzen vermieden werden soll. Lind deshalb hat sich der König von der Bauernpartei gelöst, hat vielleicht die Karten I sogar so gemischt, dah ein Koalittonskabinett n i ch t zustande kam und deshalb die Auflösung als letzte Möglichkeit blieb. Denn die rumänischen Wahlen waren bisher ttotz aller gegenteiligen Versicherungen eine Farce: wenn die Liberalen am Ruder sahen, boten sie den ganzen Derwaltungsapparat für ihre Kandidaten auf, die Bauernpartei hat es nicht viel anders gemacht, und ein wirkliches Reformprogramm durchzuführen in einem Parlament, das die Dauern mit Dreiviertelmehrheit beherrschten, toac Wohl in der Tat ausgeschlossen. Die Regierungserklärung, die 3orga als Präsident des „Königskabinetts" der Auflösung voranschickte, bedeutet, wenn sie wirklich ernst gemeint ist, den Beginn einer neuen Aera für Rumänien. Sie enthält Ankündigungen für politische, soziale und wirtschaftliche Reformen, die aus Rumänien ein modernes Land machen würden. Trotzdem bleibt die Auflösung ein gefährliches Experiment, gerade wenn 3orga auf die bisherige Beeinflussung der Wahl verzichten will, und es kann ihm geschehen, dah sich die Liberalen mit der Bauernpartei gegen ihn zusammenfinden, wobei dann seine einzige Stütze die Autorität des Königs bleiben würde. Tagungen in Hessen. Fleischerverbandstag in Alsfeld. ** Alsfeld, 4. Mai. Am gestrigen Sonntag hielt der Bezirks-Verein „Beide Hessen und Rassau" im Deutschen Fleischer-Verband hier im „Deutschen Haus" seinen diesjährigen ordentlichen Bezirkstag unter sehr guter Beteiligung ab. Don den 71 3nnungen des Dezirks-Derbandes waren nahezu 60 vertreten. Rach Eröffnung der Tagung durch den Bezirks« Vorsitzenden Schnell (Kassel) und nach Be- grühungsansprachen von Kreisdirektor Dr. Stammler (Alsfeld), Dürgermeister Dr. D ö l- sing (Alsfeld) und Direktor Schüttler von der Hessischen Handwerkskammer wurde zunächst der von dem Dezirksvorsitzenden erstattete 3 ähre s b e r i ch t entgegengenommen. Aus diesem ging hervor, daß die allgemeine ungünstige wirtschaftliche Lage, die ständig sinkenden Preise und die ungeheure Steuerlast auch auf dem Fleischergewerbe im abgelaufenen 3ahre schwer gelastet haben, und dah dieses insbesondere gegen die »inlautere Konkurrenz schwer zu kämpfen hat. Angesichts dieser schwierigen Verhältnisse wurde dringend engster wirtschaftlicher Zusammenschluß empfohlen. Unter den zur Verhandlung stehenden Punkten der Tagung nahmen die Beratungen über die Konkurrenz der Konsumvereine und derWarenhäuser, sowie die Selbst.-ilfemah- nahmen einzelner Berufsstände einen breiten Raum ein. Es wurde Beschwerde geführt über die steuerliche Bevorzugung der Konsumvereine und über die das Gewerbe immer mehr bedrohenden Selbsthilfemahnahmen von Berufsständen. Hierbei wurde insbesondere De- schwerde geführt gegen die Reichsbahnschlächtereien, die mit Unterstützung der Reichsbahn mehrfach errichtet wurden, so insbesondere in Kafsel. Dagegen wurde scharf Stellung genommen, da in diesen Einrichtungen eine Untergrabung der Existenz des freien Gewerbes erblickt wird. Rach längerer Aussprache wurde eine Entschließung angenommen, die dahinging, daß der Derbandsvorstand ersucht wird, bei der Reichsregierung vorstellig zu werden um Maßnahmen zum Schuhe des gewerblichenMittel- standes gegen das Vorgehen der Reichsbahn. Auherdem soll in der Angelegenheit sofort Fühlung genommen werden mit den Spihenverbänden. um unter Verwendung des TatsachenmLterials gemeinsam bei der Reichsregierung vorstellig zu werden und dort den Schuh der Wirtschaft, insbesondere des gewerblichen Mittelstandes mit Rach druck zu fordern. Ein Antrag der Fleischerinnung Mainz über die Höhe der Schlachthofgebühren in Hessen und deren Verwendung durch die Gemeinden gab Anlaß zu einer einstimmig angenommenen Entschließung, durch welche die Regierung ersucht werden soll, eine angemessene Senkung der Schlachthausgebühren vorzunehmen und bei der kommenden neuen hessischenGemeindeordnung die Schlachthausbettiebe der Städte nicht als gewerbliche Unternehmen zu bezeichnen. Eine lange Aussprache entspann sich über die landwirtschaftlichen H a u s s ch l a ch t u n ° gen, deren zunehmender Umfang als eine schwere Gefahr und Konkurrenz für das Fleischergewerbe bezeichnet wurde. Es wurde insbesondere bemängelt, daß keine klaren Bestimmungen vorhanden seien, inwieweit der Verkauf aus Hausschlachtungen als gewerblich anzusehen sei, und daß die Polizeibehörden in dieser Beziehung ganz verschieden Stellung einnehmen. In. einer Entschließung wird gefordert, daß von der Regierung klare Bestimmungen geschaffen werden sollen, inwieweit der Verkauf aus Hausschlachtungen als gewerblicher Nebenbetrieb anzusehen ist. Ferner wird die Abstellung der jetzt vorhandenen Mißstände gefordert. Es wurde weiter beschlossen, die Angelegenheit bei dem Hauptoerbandstag in Stuttgart zur Verhandlung zu bringen. Außerdem wurde ein Antrag angenommen, der eine einheitliche Regelung der Fleischbeschaugebühren und deren Herabsetzung fordert. Zu einer Aenderunq des Lebensmittelgesetzes in einer Anzahl von Einzelbestimmungen wurden in einer Entschließung entsprechende Anträge gestellt. Im übrigen beschäftigte sich die Tagung mit der Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten. Als Ort des nächstjährigen Verbandstages wurde Karls- Hafen an der Weser bestimmt. Im Anschluß an die Tagung fand am Abend eine gesellige Veranstaltung in Form eines Bunten Abends statt, den die Alsfelder Fleischerinnung anläßlich ihres 25jährigen Bestehens den Gästen darbot. Landesverbaudsiaguug. ber polizeibeamien Hessens. WSR. Offenbach, 3. Mai. 3n Anwesenheit des hessischen 3nnenministers Leu sch ne r wurde am Samstag und Sonntag hier der 7. o r - deutliche Derbandstag des Landesverbandes Hessen der Polizeibeam- t e n abgehalten, der von zahlreichen Delegierten aus ganz Hessen und darüber hinaus besucht war. Am Samstag fand die Tagung der Landesfach. gruppe statt, in der die internen Angelegenheiten erledigt wurden. Am Abend wurde eine Begrüßungsfeier veranstaltet, in deren Verlauf u, xl Ministerialrat Dr. Siegert das Wort nahm und den Wunsch aussprach, daß zwischen Polizei- beamtenverband und Regierung immer die Brücke gefunden werde, die sie zusammenführe. Am Sonntag, dem eigentlichen Derbandstag, sprach 3nnenministcr Leuschner, der darauf hinwies, daß das Ziel dahin gehe, die soziale Lage der Polizeibeamten zu verbessern und zu sichern. „Wir dürfen zufrieden fein“, so sagte er zur Frage des Vertrauens, „mit dem, was im 3nteresse der Polizeibeamten und zu gleicher Zeit auch im 3n- teresse des Dienstes geschaffen worden ist." Der Minister glaubt, daß dcr Derbandstag in allen Schichten dcr Bevölkerung den Eindruck erwecken werde, daß die hessischen Polizeibeamten in sich geschlossen und gefestigt dastchen im 3ntercsse des Volksganzen. Weiter hieß der Oberbürgermeister der Stadt Offenbach, Granzin, die Polizeibeamten willkommen. Er bezeichnete es als eine besondere Ehre für Offenbach, daß die Feier des zehnjährigen Dcstehens des Verbandes und der 7. ordentliche Derbandstag wieder in Offenbach, wie zur Zeit der Gründung, abgehalten werden. Am Sonntagnachmittag sprach Bundesdirektor Lenz vom Deutschen Beamtenbund über Wirtschaftsfragen der Vor- und Rachkriegszeit und über das damit zusammenhängende 3mport- und Exportwcsen. „Wir können verlangen", so sagte er u. a., „daß man uns "Beamten sagt, wie dio Dinge liegen.“ Zum Schluß sprach er die Hoffnung aus, daß das nächste 3ahrzehnt nicht nur Rackcnschläge zeitigen möge, sondern daß wir eine Aufwärtsbewcgung, eine bessere Zeit erleben mögen. Rach Erledigung weiterer Verbandsangelegenheiten, wie Geschäfts- und Kassenbericht, und nachdem der erste Vorsitzende des Landesverbandes der Polizcibeamtcn Hessens, Georg Rink, einige Schlußworte gesprochen hatte, wurde die Tagung geschlossen. Der nächste Tagungsort wurde noch nicht festgesetzt,' darüber soll demnächst im erweiterten Ortsgruppenvorstand De- schluh gefaßt werden. Mittelstandsprotest gegen die Steuererhöhung. ♦ Dad-Rauheim, 4. Mai. 3n der Turnhalle fand unter dem Vorsitz von Stadtrat Steuernagel eine von sämtlichen Bad-Rau- heimer Wirtschaftsverbänden einberufene P r o - test Versammlung gegen die letzten hestischen Steuererhöhungen statt. Das Referat hatte der neue 1. Vorsitzende des hessischen Hausund Grundbesitzer-Vereins, Bürgermeister a. D. A. Duxbaum (Darmstadt) übernommen. Er wies auf Grund eines reichhalttgen Zahlenmaterials nach, daß die Belastung der Hausbesitzer nunmehr 133,03 v. H. der Friedensmiete betrüge, während der von der hessischen Regierung festgesetzte Mietsatz nur 124 v. H. der Friedensmiete ausmacht. Der Redner betonte, daß der Haus- besiherverein sich nicht parteipolitisch orientieren wolle, es aber die Pflicht jedes Hausbesitzers sei, in Zukunft nur noch solchen Parteien ihre Stimmen zu geben, die gewillt seien, die Zerstörung, des Grundeigentums aufzuhalten. 3rt wesentlicher schärferer Form nahm der erste Diskussionsredner, der Syndikus der Offenbacher Haus- und Grundbesitzer Weiser, zu den neuen hessischen Steuererhöhungen Stellung. Cs sprachen außerdem noch Redner von den verschiedensten Verbänden und Parteien, u. a. auch der als Gast anwesende Landtagsabgeordnete Dr. Leuchtgens. Die Versammlung nahm zum Schluß einstimmig folgende Entschließung an: „Die heute in der Turnhalle in Dad°Rauheim versammelten Angehörigen der gesamten Wirtschaftsverbände Bad-Rauheims und der Llm- gebung sind von ernster Sorge um ihre Existenz erfüllt, die sie durch die Steuererhöhungen der hessischen Regierung aufs stärkste bedroht sehen. Für zahlreiche hiesige Steuerzahler bedeuten diese Steuererhöhungen die Vernichtung ihrer Existenz. Die hiesigen Steuerzahler fordern gebieterisch S t e u e r a b b a u. Sie verurteilen es auf das schärfste, daß die hessische Regierung im krassen Gegensatz zu dem Willen der Reichsregierung die hessischen Steuern bis zu 200 v. H. erhöht hat. Sie sind zur Zahlung dieser Steuern, die die Bad-Rauheimer Wirtschaft vollends zum Erliegen bringen, nicht in der Lage. Sie fordern daher von Regierung und Landtag dringend die soforttge Aufhebung der neuen Steuergesetze und eine fühlbare Senkung der Realsteuern." Auch einige Hummeln ftedten sich ein. Die Fanfaren der Düste schmettern unablässig ihre stum- men Lockrufe in die bereiten Lüfte. Bald werden die Schlehdornsträucher leise tönen vom sanften Geläut der Dienen wie heimlich schwingende Glocken. Llnendlich tröstlich weht ihre Weise: Auch aus Dornen brechen Bluten. Geschichten von Hans v. Bülow. Hans v. Bülows geniale Musiker-Persönlichkeit ist uns durch die neuesten Veröffentlichungen seiner Briefe sowie durch die ausgedehnten Mitteilungen über seine Beziehungen zu Richard und Cosima Wagner immer näher gerückt worden. Der Llntergrund des Tragischen in seiner Ratur tritt immer deutlicher hervor, wie der englische Musikforscher Ernest Rewman in einer Charakteristik des großen Dirigenten hervorhebt. Der geistvolle Witz und die bissig.» Kritik, die ihn auszeichneten, bildeten nur die funkelnden Blitze, die aus dem Gewitter seines 3nneren aufzuckten. Diesen Geschichten aber verdankt er seine Popularität. Rewman erwähnt als die bekannteste das Rencontre, das Bülow mit einem Herrn hatte, den er im Gedränge versehentlich auf den Fuß trat Der andere zischte wütend: „Esel!", worauf Bülow den Hut abnahm, sich verbeugte und höflich erwiderte: „v. Bülow!". Einige andere Anekdoten, die Rewman erzählt, sind weniger bekannt. Bülows schärfste musikalische Kritik ist wohl die über Wagners „Rienzi", den er einmal „Meherbeers beste Oper" nannte. — Bei einem Konzert, bei dem er eine Synphonie von Brahms aufführen wollte, wurde er durch den Verleger in Wut verseht, der die Roten für das Orchester nicht rechtzeitig schickte. Bülow sandte ihm ein Telegramm, in dem er erklärte, er habe letzt eine neue Aehnlichkeit zwischen Beethoven und Brahms entdeckt: „Sie hatten beide Verleger mit schlechten Manieren." Darauf kamen sofort die Roten mit einer entrüsteten Antwort des Verlegers, der sich dagegen verwahrte, daß solche Dinge in einem Telegramm ausgesprochen toür- ben. Als Bülow einmal für ein Konzert in Berlin die Eroica mit dem Orchester probte, hatte sich ein anderer bekannter Dirigent eingesunden, um sich die Tempi und Rüancen Bülows I aufzunotieren. Als man zu der Stelle gekommen war, wo die Trompete das Hauptthema angibt, I war Bülow mit der Ausführung nicht zufrieden, klopfte ab und sagte zu dem Trompeter: „Sie dürfen aber nicht so blasen, dah es klingt wie die .Schöne blaue Donau!'." Der eifrige Zuhörer schrieb sich an den Rand der Partttur: „Darf nicht klingen wie die .Schone blaue Donau'." Büloto horte davon, und als er dann später demselben Kapellmeister eine von ihm mit Phrasierungen versehene Partitur der „Fliegenden-Hol- lander"-Ouvertüre zusandte, fiel ihm ein, daß er bei der Probe kurz vorher an einer Stelle die Musiker recht unsanft angelassen hatte. Er schrieb also zum Ruhen des Kollegen an den Rand: ..Hier sind die Musiker zu beschimpfen." Uraufführung im Hessischen Landestheater. Das Hessische Landestheater in Darmstadt brachte die erste Oper des 34jährigen Darmstädter Komponisten Hans Simon zur erfolgreichen Uraufführung. Das Libretto der „Valerio" betitelten Oper ist von Theodor Ginster nach Motiven von Büchners Lustspiel „Leonce und Lena" geschrieben. Simon, der gelegentlich des Tonkünstler- feftes des Reicksoerbandes deutscker Tonkünstler vor etwa zwei Jahren mit seiner „Ersten Symphonie" Aufsehen erregt hatte erwies sich auch hier als großer Könner. Er hat vor allem den Mut, endlich wieder einmal eine Melodie zu schreiben, endlich einmal wieder tonal zu sein. Die Musik Simons bewegt sich trotz aller Zeitgemäßheit nicyt in ultra- modernen Bahnen. Sie ist liebenswürdig erfunden, spinnt den Hörer in den Klang eines raffiniert instrumentierten Orchesters, das allerdings hin und wieder ein bißchen zu dick aufträgt. Der Höhepunkt der Partitur ist der wundervolle dritte Akt, der u. a. ein ganz groß angelegtes Ensemble enthält. Auf alle Fälle ist das Werk ein großes Versprechen für die Zukunft. Eine von Dr. Böhm und Renato M o r d o sorgsam vorbereitete Aufführung in entzückenden Bühnenbildern Lothar Schenk von Trapps sicherte dem neuen Werk stärksten Beifall, den der anwesende Autor entgegennehmen konnte. Grock im Tonfilm. Eigentlich heißt er Adrian Wettach. Er ist der berühmteste Clown der Welt. Vor nicht sehr langer Zeit hat er seine letzte Vorstellung gegeben und sich ins wohlverdiente Privatleben zurückgezogen. Wer seine einzigartige Rümmer nicht im Original erlebt hat, wird es bedauern. Grock hat vorausgesehen, daß viele, die ihn noch nicht kannten, es bedauern würden; und also entstand ein Tonfilm, der seinen Ramen trägt und die ganze große „Rümmer" enthält, die ihn berühmt gemacht und ihm viel viel Geld eingebracht hat. Die Regie führte Carl Voese; das Drehbuch stammt von Edmund Behrens; es spielen eine Anzahl mehr oder minder bekannter Darsteller mit, Liane Ha id z. B., Harry Hardt, Max von Embden, Hörbiger, Licho, Lilien. Aber das ist unwesentlich. Auch der Film als solcher ist ziemlich belanglos; er ist nur als Auftakt, Beiwerk, Einkleidung zu werten. Die Hauptsache, wie recht und billig, ist Grock und die große Rümmer in der Berliner Skala, die ein unerhörter Publikumserfolg gewesen ist. Abend für Abend hat das volle Haus vom Gelächter gezittert über diesen einen Mann. Sicher gibt der Tonfilm nur einen Abglanz der lebendigen Vorstellung, aber auch dies genügt. Ratürlich kann man nichts beschreiben — weder den Mann, der Grock heißt, noch die vielfältigen und oft überwältigend witzigen (Sm^eH)eiten und komischen Pointen, aus denen der große Austritt sich zusammensetzt. Man muß selber sehn, hören, lachen: im Lichtspielhaus. Seit gestern. Cs ist unbeschreiblich. — r — Hochschulnachrichten. Der ordentliche Professor Dr.Johannes Zange von der Universität Graz ist vom 1. August'1931 ab zum beamteten ordentlichen Professor an der Uni- versität Jena mit einem Lehrauftrag für Ohren-, Nasen- und Kehlkopfheilkunde ernannt worden. Der Direktor des Instituts für Chemie am Kaller. Wilhelm-Institut für medizinische Forschung in Heidelberg, Professer Dr. Richard Kuhn, hat den Ruf als Ordinarius an die Technische Hochschule in Berlin abgelehnt. Oberheffen. Landkreis Gietzen. Q Holzheim, 4. Mai. Unser Polizeidiener Konrad Georg Reitz wurde auf seinen Antrag p e n. sioniert. Durch sein hilfreiches Wesen hat er sich bei allen Gemcindegliedern sehr beliebt gemocht. Heber 34 Jahre — vor ihm war sein Schwiegervater viele Jahrzehnte hier „Drtsbiencr" — versah er den Dienst zur vollsten Zufriedenheit seiner vorgesetzten Dienststelle. Obwohl er bald 64 Jahre alt ist, bleibt er noch so lange im Amt, bis sein Nachfolger ernannt ist. . , . . . j( Lich . 4. Mai. Der V o l k s b 11 d u n g s - verein beschoß seine diesjährige Winterarbeit und die jüngste Dildcrausstellung mit einem Familienabend. Stiftspfarrer ©raubt hielt an Hand von Bildern von Kollwitz. Dolkmann. Liebermann, Decker und anderen Künstlern einen kurzen Lichtbildervortrag über „Richtige Bild- betrachtung". Als Preisträger des photographischen Wettbewerbes, der mit der Ausstellung verbunden war, gingen folgende Herren hervor: 1. Karl Bolz, 2. und 3. Dr. Stvh, 4. Rudolf Jung, 5. Dr. Stotz. Die Preise waren vom Dolksbildungsverein, von Kaufmann Zimmer, Buchhändler Dolkmann und Apotheker W e - b e r gestiftet worden. Lehrer Hinkel, Rieder- Dessingen (Violine), Lehrer Stein (Klavier), der Frauenchor (Leiterin Musiklehrerin Jäger) und der Posaunenchor (Architekt Mülle r) hatten den musikalischen Teil des Abends übernommen und fanden für ihre Darbietungen reichen Beifall. Zum Schluß fand die Verlosung eines Dlldes statt. Während der Ausstellung konnte eine größere Anzahl von Bildern verkauft werden: die Ausstellung wurde von etwa 400 Gemeindegliedern besucht. —/— Lich, 4. Mai. Schuhmachermeister Ph. Oßwald Hierselbst wurde anläßlich seines 8 0. Geburtstages in wohlverdienter Weise geehrt. Anter den zahlreichen Gratulanten befanden sich auch der Vorstaud des Turnvereins und der Schuhmacherinnung. Der Posaunenchor brachte dem alten Herrn am Abend ein Ständchen dar und ernannte ihn zum Ehrenmitglied. — 2lm hiesigen Postamt werden zur Zeit größere Arbeiten ausgeführt, die mit der Verkraftung des Po st dien st es zusammenhängen. Vom 1. Juni ab werden voraussichtlich die Gemeinden Rieder- und Ober-Bessingen, Münster, Ronnen- roth, Villingen, Birklar, Muschenheim, Eberstadt, Ober-Hörgern und Dorf-Gill von hier aus postalisch durch Kraftwagen bedient werden. Mit der Kraftpost fami auch in beschränktem Maße P e r- sonenbeförderung erfolgen — Die Da u - tätigfett ist hier infolge der schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse in diesem Jahre sehr gering. Außer zwei Häusern, die bereits im vorigen Herbst im Rohbau fertiggestellt wurden, sind bis jetzt keine weiteren Bauten in Aussicht genommen. Kreis Büdingen. △ Ridda, 4. Mai. Unter starker Beteiligung der Einwohnerschaft wurde hier der älteste Mitbürger, der Veteran von 1863 und 1870/71, Stationsvorsteher i. R. C. W. H a m m e l, zu Grabe getragen. Der Verstorbene war über 90 Jahre alt; er trat nach seiner Entlassung vom Militär in den Dienst der Oberheffischen Eisen- bahngesellschaft, wurde 1873 Stationsvorsteher in Zell-Romrod, später in Ridda, schließlich in Grünberg. Seit 1910 lebte er im Ruhestand in Ridda. ©er Verstorbene war ein eifriger Förderer des Kriegervereinswesens und hat sich auch in anderen Vereinen manches Verdienst erworben. Dis in sein hohes Alter beteiligte er sich an den Wanderungen des VHC. Die hohe Wertschätzung, ' der sich der Verschiedene erfreute, kam in zahl- - reichen Kranzspenden zum Ausdruck. ! Borsdorf, 4. Mai. Der Gemeinderechner Michel konnte in diesen Tagen auf eine fünf- u n d z w a n z i g j ä h r i g e Amtstätigkeit zurückblicken. Bürgermeister W i d d er s h e i m beglückwünschte im Nomen der Gemeinde und des Ortsvorstandes den Jubilar, wies auf feine Amtstreue und Gewissenhaftigkeit hin und überreichte ihm als Geschenk der Gemeinde ein wertvolles Bild und einen Rohrsessel. Rechner Michel dankte für die ihm zuteil gewordene Ehrung. Kreis S6 otterr. # Freienseen, 4. Mai. Der Dezirks- lehrerverein Laubach hielt eine Versammlung ab, in der zunächst das Heimatbuch von Schulrat Kinkel einer eingehenden Besprechung unterzogen wurde. Die Meinungen über das Buch lauteten durchweg günstig. Im Anschluß daran wurde ßefjeer Debus (Ruppertsburg) durch einstimmigen Beschluß zum Obmann des Dezirksvereins an Stelle deS verstorbenen Obmanns gewählt. preuhen. Ehrenhofweihe der Zrauen-Iriedensku che in Frankfurt. WSR. Frankfurt a. M., 3. Mai. Am heutigen Sonntag wurde der Ehrenhof der Frauen-Friedenskirche im Stadt- teilBockenheim feierlich eingeweiht. Auftakt der Feier war ein Pontifikalamt, das der Bischof von Limburg, Dr. Antonius Hilfrich, unter großer Assistenz der Dockenheimer Geistlichkeit und des Frankfurter Stadtpfarrers Dr. Herr hielt. Das Pontifikalamt war umrahmt von künstlerischen Vorträgen und gipfelte in einer Ansprache des Bischofs, in der er über die Symbolik des Festes der Kreuzerfindung sprach. Am Rachmittag sand dann die Einweihungsfeier des Ehrenhofs statt, in dessen Mitte man einen Katafalk mit einem Stahlhelm, den gekreuzten Schwertern und den von den katholischen Frauenbünden Deutschlands gestifteten Lorbeerkränzen auf gebaut hatte. In seiner Weiherede kam der Bischof von Limburg 'auf die Idee und das Symbol der Frauen-Friedenskirche zu sprechen. Er betonte u. a., daß die Opfer, die die Helden draußen im Felde für uns gebracht hätten, nicht vergolten werden könnten. Trotzdem solle die Frauen-Friedenskirche, deren Ehrenhvf künftig die Ramen der Gefallenen tragen wird und an dessen Wänden auch der unbekannten Soldaten gedacht werden soll, ein kleines Ge- dächtnismal für das Leiden und Sterben so Dieter Tapferer fein. Weiter sprach die Vorsitzende des Katholischen Teutschen Frauenbundes, Dr. Gerta Krabbel (Aachen). Sie umriß in ihrer Ansprache die in der Frauen-Friedenskirche verkörperte Friedensidee, die ein starkes, auf blühendes, mutiges deutsches Volk verlange, das dem Wahnsinn des Krieges widerspreche. Für die katholische deutsche Jugend sprach Dr. Elisabeth Perenboom, M. d. R., die den Frieden als das Ergebnis eines täglich neuen Kampfes mit der Ichsucht des einzelnen Menschen und dem Egoismus der Völker schilderte. Sie betonte, die Völker müßten künftig im Frieden geeint ihre gemeinsamen Ziele verfolgen. Die Feier, die von künstlerischen Darbietungen des Frankfurter A cappella-®f)orS unter Leitung des Freiherrn von Droste umrahmt war, schloß mit einer Ansprache der Vorsitzenden des Arbeitsausschusses für die Frauen- Friedenskirche, Dr. Maria Heßberger (Berlin), Mitglied des Landtags. Große Strafkammer Gießen. * Gießen, 28. April. Ein Händler aus Oberhessen war im Sommer vorigen Jahres vom Schöffengericht Gießen wegen einer ganzen Anzahl von schweren Urkundenfälschungen und Betrügereien zu einer Gesamtstrafe von 5 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Straferhöhend tarnen die Vorstrafen und die Gemeingefährlichkeit seines Treibens in Betracht. Andererseits sah das Gericht aber von Zuchthausstrafen ab, um dem Angeklagten die Rückkehr in die bürgerliche Gesellschaft nicht unmöglich zu machen. Gegen dieses Urteil legte der Angeklagte Berufung ein. In der vor Monaten stattgehabten Berufungsverhandlung berief sich der Angeklagte daraus, er sei in Frankfurt a. M. bereits wegen der gleichen Straf fälle abgeurteilt worden. Das Gericht setzte darauf die Verhandlung aus und zog die Frankfurter Strafakten herbei. Es tourte festgestellt, daß der Angeklagte allerdings bei der Verhandlung in Frankfurt den Antrag gestellt hatte, die fraglichen Fälle mit zur Aburteilung zu bringen. Es wurde aber auch klargestellt, daß die Verhandlung in Frankfurt erst nach dem hiesigen ersten Termin, in dem der Angeklagte verurteilt worden war, stattfand, und daß der Angeklagte dem Frankfurter Gericht keine Mitteilung davon gemacht hat, daß er hier bereits abgeurteilt sei. Mit Rücksicht auf die tatsächlich und rechtlich verwirrte Sachlage mußte die Sache erneut zur Anstellung weiterer Ermittelungen ausgesetzt werden. Die Kleine Strafkammer verhandelte dann eine Berufungssache wegen Diebstahls eines Geschirrs gegen einen auswärti zen Metzger. Dieser war in erster Instanz an Stelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe zu einer Geldstrafe von 30 M k. verurteilt worden. In der Berufungsinstanz gestaltete sich die Teweisaufnahme wiederum ungünstig für den Angeklagten, so daß seine Berufung verworfen wurde. Wirtschaft Aus Gießen Kälber flinbermarff in (Hießen. dem heutigen -Rinder - Rutzviehmarkt in standen 1502 Stück Großvieh und 256 Daten für Mittwoch, 6. Mai. Sonnenaufgang 4.51 Uhr, Sonnenuntergang 19 53 Uhr. — Mondaufgang 0.46 Uhr, Monduntergang 7.04 Uhr. 1836: der Ingenieur und Schriftsteller Max v. Eyth in Kirchheim (Teck) geboren; — 1856: der Polar- forscher Robert Peary in Cresson geboren; — 1859: der Naturforscher Alexander v. Humboldt in Berlin gestorben; — 1871: der Dichter Christian Morgenstern in München geboren; — 1904: der Maler Franz v. Lenbach in München gestorben. Rirchlirfw» Jladtrithfen. Katholische Gemeinden. Mittwoch, den 6. Mai. Hungen. 7.15 Uhr: Messe. Freitag, den 8. Mai. Gießen. 20 Uhr: Maiandacht. zum Verkauf. Cs kosteten: a) Milchkühe oder hochtragende Kühe (1. Qualität) 450 bis 525 Mk., (2. Qualität) 300 bis 375 Mk., (3. Quali- sonders das Kriegsschuldenproblem. Mannesmann tagen in Erwartung des heutigem Abschlußberichtes behauptet, auch Rheinstahl, Buderus, Kaliwerte und Berliner Maschinen bemerkenswert befestigt. Wicking-Zement verloren auf die Meldung von der Möglichkeit eines völligen Dividendenverlustes 1,5 v. Sy, Svenska gingen um 3 Mark zurück. Sonst waren nur Rheinische Braunkohlen, Drown Doveri und Thüringer Gas stärker gedrückt. Anleihen und Ausländer behauptet. Pfandbriefe wenig entwickelt. Reichsschuldbuchforderungen auf Deckungen bis zu 0,5 v. Sy erholt. Der Geldmarkt war weiter etwas erleichtert. Tagesgeld stellte sich auf 5,5 bis 7,5 v. H. und darunter, die übrigen Sätze unverändert. Im Verlaufe trat eine kleine Geschäfts- b e l e b u ng ein und die Kurse zogen meist etwas an. Kunstseidewerte traten mehr in den Vordergrund und gewannen bis zu 2 v. H. Phönix tagen unter Berücksichtigung des Dividentenabschlusses ebenfalls fester. Auffallend war einiges Angebot in Karstadt-Aktien, die auf Abgaben eines großen Privatbankhauses etwa 1 v. H uckke»^ Anfang gingen. Man befaßte sich mit der Dividendenfrage, wobei immer mehr die Meinung für Dividendenausfall vorherrschte. Schweinemarkt in Hungen. t. Hungen, 4. Mai. Auf dem heutigen! Schweinemarkt standen 397 Ferkel zum Verkauf. Cs wurden bezahlt für Ferkel bis zu 6 Wochen alt 15 Mk., bis zu 7 Wochen alt 20 Mk., bis zu 8 Wochen alt 23 Mk., bis zu 9 Wochen alt 25 Mark, bis zu 12 Wochen alt 30 Mk. • Berliner Produktenmarkt. Berlin, 4. Mai. Die durch die neue Brot- Preiserhöhung geschaffene Lage und die Stellungnahme des zuständigen Ministers wurde an der Produktenbörse lebhaft erörtert und infolge der Unsicherheit bezüglich eventuell erfolgender Re- gierungsmahnahmen gestattete sich das Geschäft wieder äußerst schleppend. Das Jnlandangebot von Brotgetreide zur prompten Verladung war allerdings auch nur mäßig, Samstagforderungen konnten im allgemeinen nicht durchgehott werden. Bei Weizen rechnet man durch die Reuregelung der Auslandweizeneinfuhr mit einer vorübergehenden Entspannung und am Roggenmarkt zeigt sich Zurückhaltung, da man erst einmal ab» warten will, ob aus den Mahlroggen-Reserven Abgaben erfolgen. Am Lieferungsmarkte war das Preisniveau kaum behauptet. tat) 175 bis 250 Mk.; b) Schlachllühe 100 bis 300 Mt.; c) Rinder (Vr" bis Vtfährig) 100 bis 175 Mk., (3/i- bis 2jährig) 175 bis 275 Mk., (tragend) 300 bis 400 Mk.; d) Kälber das Pfund Lebendgewicht 40 bis 55 Pf. Ausgesuchte Tiere erbrachten Preise über Rotiz. — Markt- verlauf: sehr schleppend, erheblicher Ueberftanb. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 5. Mai. Tendenz: freundlicher. Ein Entwurf Franequis auf Gewährung langfristiger Kredite zur Belebung der Wirtschaft machte an der Börse einen guten Eindruck, zumal in den letzten Tagen nur von ungünstigen Rachrichten gesprochen wurde. Die Stimmung war im allgemeinen etwas beruhigter, da auch die gestrige Reuyorker Börse eine weitere Erholung erfahren hatte. Die Kulisse schritt nach den letzten Blankoabgaben zu einigen Rückdeckungen, denen allerdings noch keine Publikumsabgaben gegenüberstanden. Bei nicht umfangreichem Geschäft ergaben sich gegenüber der gestrigen Abendbörse dennoch überwiegend Kursbesserungen. Es zogen infolgedessen an 2.-G.-Farben 1,5 Prozent, Clek- trowerte von 1,5 bks 2,5 Prozent, Kaliaktien bis 3,5 Prozent und Kunstseidepapiere, die ebenfalls bis zu 2,25 Prozent gewannen. Am Montanmarkt wurde die 6prozentige Dividende (im Vorjahr 7j Prozent) bei Rheinstahl relativ günstig ausgenommen, und Rheinstahl lagen um 1,5 Prozent gebessert. Mannesmann zogen 1,75 Prozent an, während sonst das Geschäft sehr ruhig an diesem Markte war. Kleine Kurserholungen bis zu 0,75 Prozent hatten noch Zellstoff Aschaffenburg, Daimler, Reichsbahnvorzugsaktien und Verein für Chemische Industrie. Schwächer lagen anderseits Scheideanstalt mit minus 3 Prozent, Goldschmidt mit minus 1,5 Prozent und am Bauunterneh-- mungsmarkt Wayh & Frey tag, die 1,75 Prozent verloren. Auch Schiffahrtswerte standen unter leichtem Kursdruck, so daß sich Rückgänge bis zu 1.5 Prozent ergaben. Don Dankwerten Reichsbank 1,5 Prozent höher, während im übrigen die Kurse nur behauptet blieben. Am Rentenmarkt zogen Deutsche Anleihen leicht an. Ausländer geschäftslos. Der Pfandbriefmarkt lag sehr still und gegen gestern kaum verändert. Im Verlaufe wurde die Börse bei sehr ruhigem Geschäft teilweise etwas schwächer, so daß wieder eine gewisse Unsicherheit Platz griff. Es kam wieder Material heraus, und die Anfangskurse gingen; um 1 Prozent zurück. Mehr angeboten waren Rheinstahl, die auf Verkäufe der Berliner Arbitrage zirka 2 Prozent einbühten, dagegen konnten Scheideanstalt 1 Prozent ihres Anfangsverlustes wieder aufholen. Am Geldmarkt lag Tagesgeld zum Sah von 4 Prozent erleichtert. Am Devisenmarkt konnte sich der Dollar international etwas befestigen. Man nannte Mark gegen Dollar 4,20, gegen Pfund 42,30, London gegen Reu- york 4,8625, gegen Paris 124,38, gegen Mailand 92,8750, gegen Madrid 46,45, gegen Schweiz 25,24, gegen Holland 12,1015. Berliner Börse. Berlin, 5. Mai. Rachdem die Gerüchte, die größtenteils zu der Verstimmung an der gestrigen Börse beigetragen hatten, keine Bestätigung gefunden, d. h., nachdem sich herausgestellt hat, daß die Dewag-Derhandlungen nicht abgebrochen sind uni) daß auch in der Reuyorker Bankwelt keine neuen. Schwierigkeiten bekannt geworden sind, machte sich schon heute vormittag im Anschluß an das feste Reuhork eine festere Stimmung bemerkbar, die sich auch auf den Börsenbeginn übertrug. Die Spekulation zeigte Deckungsneigung, zumal zu den ersten Kursen kaum noch Ware an Die Märkte kam und auch das europäische Ausland höhere Kurse meldete. Die Umsatztättgkeit war allerdings im allgemeinen sehr gering, so daß die Desserun gen selten über 1 bis2v.H. hinausgingen. Einen günstigen Eindruck machte der Bericht der preußischen Industrie- und Handelskammern, der zwar nur von kleinen saison- mäßigen Belebungen sprach, im allgemeinen aber den Tiefstand der DPression als überwunden bezeichnet. Lebhaft diskutiert wurden auch die Fragen, die auf der Tagung der Internationalen Handelskammern berührt werden sollen, und beSrieffaften der Redaffion. (Rechtsgutachten find ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) h. k. in G. Während nach den für Hessen gültigen gesetzlichen Bestimmungen die st a a t l i ch e Grundsteuer für die ersten fünf Jahre nach der Erbauung ohne weiteres zu erlassen ist, ist es in das Ermessen der Gemeinden gestellt, ob sie den gleichen Erlaß auch hinsichtlich der Gemeindegrundsteuer eintreten lassen wollen. Der Erlaß der Gemeindegrundsteuer zieht bann ohne weiteres auch den Erlaß der Kreis, und Provinzialumlagen nach sich. Vom Jahre 1931 ab ist durch die Verordnung des Herrn Reichspräsidenten vom 1.,Dezember 1930 sowohl die staatliche als auch die Gemeinde.. Kreis, und Provinzialgrundsteuer für in der Zeit vom 1. Avril 1931 bis 31. März 1934 bezugsfertig gewordene Wohngebäude gesetzlich zu erlassen. Wohngebäude, die ohne Inanspruchnahme öffentlicher Mittel erstellt worden sind, bleiben von der Sondersteuer befreit; dabei gelten staatliche und gemeindliche Baudarlehen nicht als inanspruchgenommene öffentliche Mittel. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Retchsbankdiskont 5 o H., Lombardzinsfuß 6 o H firannun o. 271 Berlin rrankmri a. Öerim Schluß- t-Uhr- Schluß- älnfa g- Schluß-I 1-Uhr- Schluß-^ itlnsanq» lurrf , Run tur< , RurS ;urä Kur« lurs , Kurs Datum 4.5. 5.5. 4.5. 5.5 Datum | 4.5 5.5. 4.5. 5.5. b% SeuiW Reichsanleihe 34,75 vambutfl-irtmertta 'Batet . . 55,5 55 55,75 55,5 eon 1927 . . ;% Deutsche Reichsanleihe —- 84,75 —- Hamburg-Südom Damvslchltt 8 — 110 110 Honia Tamvsschtst . 10 — — 79,25 80 von 1929 ... 100 — 100 — Rorddeuticher Lloyd .... 8 57 56,75 56,9 56,25 Deutsche Anl.-Ablöl.-Schuld mit Äligemeine Deutsche Creditanst. 10 Auilol. $Ncditcn 55,3 55,5 55,5 55,5 Barmer Bankverein . 10 — — — — Selfll. ohne Ruriol.-Rechte 5 5,1 5,13 5,13 Berliner Handelsgesellschaft 13 119 — 118,5 119 ß% Hell. Bolk-Iiaat von 1929 95,75 (Sommert- und Privat-Bank . 11 107,65 107,25 107,4 107,13 midiabib to?”0 . . 95,5 — - M Darmstädter und Rationalbank Deutsche Bank und 12 131,5 131,25 134 ObfttKlkn Provln, - tlnlefbe mit Muelof.-fRcthtcn 56 — —— —— Tioconto Gesellichast, . . 10 103 — 103 103,4 Deutläie Summ. Sommelabl Dresdner Bank...... 10 103,5 103,5 103,25 103,5 Anleihe Gcrit 1 6% ilranlf. tz-nv.-Bant Goldvle 55 — 55 Reichsbank........ 12 141,75 143,25 100,75 142 143,5 XIII unkündbar bis 1934 101,5 — — — .'1.15.®.......... d 99 99 100,25 7% Rrantf Hyv.-Bank Goldvle Bergmann........ . 9 —- —— 85 —— unlünobar bU 1932 95,5 — — — .'leiir Lleserungsgesellschast. 10 113.5 — 112,5 112,25 4%% Rheinische Hnp.-Bank Licht und »rast..... 10 116 116 114,75 116,25 Clqu. öoiepfe....... 6% Pr. LandeSvicmdbriesanstalt, 5lonbbneffiM.it 90,75 — — — Hellen & Guilleaume . . GeselNchasi für Elektrische 7% 78 — 78 79 100,5 — 100,5 — Unternehmungen . Hamburger Elektrizitätr'Werke 10 117 — 117,25 118,25 6% %r L'anDe4rian:bdf|anftalt, 10 —• —— — — «omm.-CbLlR. «0. — — — aibelnische Eiekirijtiär . . . . V — — — — 7% Ht. Lande, ^anvbrietanstalt. Lchlclilche Elelnizitäl. . . . 10 —— — — — Pfandbriefe R AI 96,5 96,5 —— 'rtiudcti & lio. ..... 11 133 135 132,25 136 S.E.G ovg. Bor^riegS-Obllgatio. Kiemen, l» Halske..... 16 157,5 160 157,25 161 neu. riuüablbar 1932 — _ ranrraoio ....... . 8 — —— — —— 10 125 44,5 _ 123,25 44 _ 4% Defterreid)t|d)e (SolDrente . . 22,25 _ _ 22,25 Buderus . ..«••• Deutsche Erdvl ...... Gllcnet Steinkohle ..... . 6 46.75 4,20% Ccfteneld)t|(6e (siebenentt 4% Oclteneidilftfie Einheitliche Rente 4% Ungarische Soldrente . . . . 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 2,25 — 2,3 . 6 . 6 67,25 68,25 68,13 68^75 18,65 16 — 18,9 15,9 — Geilenkirchener ...... Harpcner . ...... Hoesch Eilen. ....... e . 0 ey, 75 65 — /5,25 64,5 60,25 76,25 63,5 61,25 <%% de»g>. von 1913 l% Ungarische Ikonenrente 16,3 — Äile Bergbau ....... io 175,5 61,75 63.5 4% DürUlche Aollanleibr von 1911 4,1 — 4,15 4,15 Kdin-Okeuelsrn..... • . 7 — 66 67,25 4% Türkische Vogdabbahn-Anl 4,2 Monnermunn-Rökire« . . . .. 70,5 72,25 .0,25 33,5 72,25 Serie l 4 — —— vlansselder Bergbau . . . . 1 32,5 — 35,25 4% de Sgl. Serie II 4 — 4,15 4,13 Cbcridilci Enenbedari . . . . I __ 6% Rumänische veretnh. Rente Oberschlel llolüwerke . . . . — — 72,5 73,25 etm 1903 . . RvmLntsche veretnh Rente Pbunir Bergbau .... Rbelnilche Braunkohlen . . •y. 1C 56,5 159 — 56,25 159,5 53,25 158,5 von 1913 ... ...... — — 15,2 15,13 Rhelnstabl ...... . < 5,25 76,5 75 77 i% Rumänische veretnh. Rente 6,8 — 6,85 6,75 1 Riebect Montan ...... 75. Sramiun a. 2H. Berlin Ech.uß-i tut» 1 t-Ubr- K f« Schluß-i Bnianq- kurs | «urrf Datum 4.5 5 5. 4.5. 5.5. Bereinigte Stahlwerke . *!#•/. 51,5 — 51,5 51,9 Otavl Minen . . — — 27,75 27,65 Kaliwerke ÄlcherSIebea . . 10 140 141 138 142 Kaliwerke Westeregeln . • . 10 143 146,5 141 145,75 Kaliwerke SaUdetkurth . • . 15 13,5 — 214,5 217 K. ®. fiaibcn-QnOuftrte . . 12 142,25 143,75 141,65 144 Dvnarnit Nobel ... . . 6 — — —— Scheide anlialt..... . . 9 130 127 —— — Goldlckmidi .... . . 6 43,5 42 43 42,25 Rüiger-werie..... . . 6 49 — 48,5 49,75 Metallgesellschaft. • . - . . 8 67,5 67,5 68 — Dhtltvv Hol,wann . . . . . 7 94,5 95,5 95 97 Zementwerk Heidelberg • . 10 — —— Gementroert Karlstadt. . e . 10 86,5 —— Dank & Krevtaa . . • . . 8 30,25 29 32 — Schultdeu $a»ent)o|et . . 15 — 148,75 151 Cftroerte ..... • . 12 — —- — —— Aku .... • . 18 78,25 80,5 78,25 78,25 Bemberg....... • . H 91,25 94 91,5 92,5 flellfloff Waldbos . . 18'/. —— 91,5 90.75 91 Zellstoll «IrfiallenbUTfl . 12 80 80,5 80 Lbarlotlenburger Masse» e . . 8 —— — — Teliouer fflai ■ . . . 9 — — 124,13 125,25 Daimler Motoren . . e . . O 27,75 28,5 28,25 28,5 Deutsche Linoleum . . 79,5 — 60 81 Maschinenbau 81.-0. . . e . . 0 — Wal. Automobil . . . . . 0 —— — —— — Otenffein & fiucvel . . e . . 6 — — 50,5 49,25 Leonhard Tietz - . . . . 10 106 — 106 105,25 Svendia • . . 243 — 244 241 frankfurter Mchchtne, . 14,5 — 16 . . 6 37 — 34 — Hevliarnllaedt . . . . . . ( — — Iunghan» ..... . . 6 —- — —— Lechwerie....... . . i — — — Mainkratrwette Höchst a. M.. . 68 — — —- Miag . . . . . 10 — — —- «ebr. Roeder . . . . 1( — — — Bolgt ä Haeffner . . . . . — — —— tzliddeutiche Zucke» . . 0 . 10 120 121 120 Banfnolen. Berlin, 4. Mai Geld Brief ameri’nnt'rtw Rote»..... 4,179 4,199 Belgilcke Roten 58,10 58,34 Täniiche Roten ....... 112,00 112,44 Snglliche Roten . ....... 20,36 20,44 Kranjöiildie Roten ....... 16,36 16,42 Holländische Roten....... 168,36 169,04 Italienische Roien........ 22,01 22,09 Rorwegi'che Roien....... 111,98 112.42 Deulich-OeNerreich. 1 100 Schilling 58,91 59,15 Rumänische Roten....... 2,485 2,505 Schwedische Roten....... 112,11 112,55 Schweiler Roten........ 80,62 80,94 Spanische Roten....... 43,28 43,46 T'chechoilowaklsche Roten..... 12,39 12,45 Ungarische Roten 73,00 73,30 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a M. 4. Mol 5 Mai Amtliche Rotiemng Amtliche Roileninq eio »rief Gelb 3ric Am't.. Stott. 168,66 169,00 168,56 168,90 Buen-NireS 1,339 1,343 1,322 58,335 1,326 Brss-'Antw. 58,34 112,30 58,46 58,455 Gbrntiania. 112,52 112,30 112,52 fiovenbag.'« 112,31 1'2,53 112,30 112,52 ©toifliolm 112,42 112,64 112,42 112,64 HelsingrorS. 10,558 10,578 10,558 10.578 Italien • . 21,96 22,00 21,97 22.01 London. . 20,404 20,444 20,402 20,442 Dicunorf . . 4,1955 4,2035 4,196 4,204 Baris - .. 16,395 16,435 16,399 16,439 Cchweij .. 80,78 80,94 80,481 80,497 Spa ten • - 43,33 43,41 43,86 43,94 Japan 2,073 0,300 2,077 0,302 2,075 2,079 Rio de Ian. Wien in D-- 0,282 0,284 Ceft. abfleft. 59,025 59,145 59,03 59,15 Prag - ■ • 12,428 12,448 12,427 12,447 Bel irad . . 7,376 7,390 7,380 7,394 Duoup.'st. . 73,14 73,28 73,14 73,28 ibui orten 3,037 3,043 3,037 3,043 Lissabon . Damig 18,85 18,89 18,85 18,89 81,58 81,74 81,56 81.72 .Honft ulin. 1,784 1,789 1.784 1.789 Alben 5,44 5,45 5,44 5.45 Lrinaoa 4,193 4,201 4,193 4.201 Um uay 2,727 2,733 2,687 2,693 Lotro 20,91 20,95 20,915 20,953 Nach 6 fcneonj um >e Laufes' Verbind' Lauf vc rechnet > Sport« । anftaltu Lei Gerhart' Bei les aNfl( variete - itnbfi len M bürget ö (in), M- Dcr v« behalten- tzpvrtplö ten die Gporlpla bereits < sie aus *1 Für de sührung bundenen einigung' Anzahl st M Dere Lranstal nahm ei' schauern das, in geleistet versagen Am sr spielen Austrag der reg sondern Sie einz Ergebniss 19001 - 19001'11 190011 - 1900111 1900 {& D'A. C 0:5 (0:3). Ein H derluul» Btofse un kl 8eri Sc BhLVi q. 51 ^r|glna ^naudi. S.Upori Nund um die Anlagen. Nach 6jähriger Unterbrechung wird am kommenden Sonntag wieder einmal der Staffellauf „Rund um die Anlagen" durchaeführt. Die Ausrichtung des Laufes hat der VfB. Gießen übernommen, der in Verbindung mit der Spielvereinigung 1900 den Lauf vorzubereiten und durchzuführen hat. Man rechnet mit einer starken Beteiligung aller Gießener Sport- und Turnvereine. Wir kommen auf die Veranstaltung noch zurück. Leichtathletik der Ep.-Bg. 1900. Gerhardt (1900) wird Fünfter „Quer durch Berlin“. Bei der ersten internationalen Veranstaltung dieses Jahres, dem vom Berliner Athletik-Klub veranstalteten 25-Kilometer-Laufen „Quer durch Berlin" wartete 1900s Vertreter Gerhardt mit einer feinen Leistung auf. In einem äußerst starken, aus den besten deutschen Langläufern und hervorragen- den Ausländern gebildeten Feld belegte er den fünften Platz. Sieger des Laufes wurde der Charlottenburger Brauch, gefolgt von Boß (Osram Berlin), M o t t m ll l l e r (Riga) und Zeilhofer (München). Von Gerhardt auf den sechsten Platz verwiesen wurde kein geringerer als der deutsche Marathonmeister Geißler (SC. Charlottenburg), der seinerseits den Tschechen Sulc (Prag) hinter sich ließ. Bemerkenswert ist, daß bekannte und in dieser Saison auch schon erfolgreiche Leute wie Kapp (München) und Dreckmann (Hamburg) dem scharfen Tempo — der Sieger lief 1 Stunde 33:26,8 Min. — zum Opfer fielen und aufgeben mußten. Der Lauf fand die stärkste Anteilnahme des Berliner Publi- kums. Wohl über Hunderttausend bildeten Spalier. Handball der Sp.-Dg. 1900 Zu einem Wochentagsspiel hat sich für morgen abend 1900s zweite Mannschaft die erste Elf der 3. Komp, des hiesigen Bataillons verschrieben. Es fragt sich sehr, ob sich 1900s Reserve damit nicht etwas zu viel zugemutet hat. Wenn die Leute aus der Alten Kaserne auch in ihrer Spielstärke nicht ganz an die Mannschaften der 1. und 2. Kompanie heranreichen, so dürften sie doch eine so schlagkräftige Elf ins Feld stellen, daß die Spieloereinigungsleute alles aufbieten müssen, um glimpflich dabei weg- zuk^mmen. Die Jugend auf den Sportplätzen. Der vergangene Sonntag war der Jugend Vorbehalten. Olm Sonntag gehörten der Jugend die Sportplätze. 3m ganzen Reichsgebiet beherrschten die Jugendlichen der den beiden Verbänden DFB. und DSV. angeschlossenen Vereine die Sportplätze. Die aktiven Mannschaften mußten bereits am Samstag Spiele austragen, sofern sie auf Wettspiele nicht ganz verzichteten. Für den Gau Gießen-Wetzlar war die Durchführung des 3ugendtages und der damit verbundenen sportlichen Wettkämpfe der Spielvereinigung 1900 Gießen übertragen. Bei der großen Anzahl sportbegeisterter Knaben war die Leitung des Vereins vor schwere Aufgaben gestellt. Die Veranstaltung war vom Wetter begünstigt und nahm einen befriedigenden Verlauf. Den Zuschauern mußte sich das Bewußtsein aufdrängen, daß in den Sportvereinen eine ernste Arbeit geleistet wird, der man die Anerkennung nicht versagen darf. Am frühen Rachmittag wurde mit den Fußballspielen begonnen, deren insgesamt zwölf zum Austrag gelangten. Die Spiele wurden nicht in der regulären Spielzeit von 2X45 Minuten, sondern mit nur je 2X20 Minuten durchgeführt. Die einzelnen Begegnungen brachten folgende Ergebnisse: 1900 I - VfB. I 6:0 (3:0). 1900 MI — Rieder-Weisel 6:1 (2:0). 1900 H — VfB. II 1:0 (0:0). 1900 III — Leihgestern 1:0 (0:0). 1900 (Schüler) — Butzbach (Schüler) 2:0 (2:0). D,B. Gießen (Schüler) — Wetzlar (Schüler) Großen-Duseck — Lich 1:2 (0:0). Heuchelheim — Lollar 1:0 (0:0). Garbenteich — Flensungen 3:0 (2:0). Lollar (Schüler) — Garbenteich (Schüler) 0:3 (0:0). Leihgestern (Schüler) — Wieseck (Schüler) 1:1 (1:0). Butzbach — Ettingshausen 1:0 (1:0). Die Spiele nahmen durchweg einen sehr schönen Verlauf. Die Mannschaften bemühten sich sichtlich, mit aller Fairneß zu spielen, so daß di« Wettkämpfe werbenden Charakter trugen und dazu beigetragen haben dürften, daß manches Vorurteil, das bei einzelnen Eltern gegen das Fußballspiel besteht, geschwunden sein dürfte. 3m Anschluß an die Fußballspiele, die auf vier verschiedenen Plätzen zum Austrag gelangten, trafen sich Hie Handballmeisterschaften von Gießen und Wetzlar im Gtädiespiel Dehlar — Gießen 10:7 (5:3). Cs war ein torreiches Treffen. 'Beide Mannschaften befleißigten sich einer fairen Spielweise und machten so dem Schiedsrichter Ettling von der Turngemeinde Dockenheim fein Amt leicht. Der Spielanfang sah die Gäste sofort in Front. Schon in der 5. Minute mußte Balser einen unhaltbaren Wurf des Halblinken passieren lassen. Allerdings dauerte die Freude der Wetzlarer nicht lange: derrn bald darauf erzielte Schmitt durch fein placierten Wurf den Ausgleich. Schon in der ersten Viertelstunde zeigte es sich, daß die Gießener Hintermannschaft taktisch falsch spielte. Die Läuferreihe rückte meist zu weit auf und konnte den schnellen Wetzlarer Sturm bei seinen gefährlichen Durchbrüchen nicht mehr erreichen. Dies wurde in der Folgezeit zum Verhängnis. Mit 5:3 Toren für Wetzlar ging es in die Halbzeit. Rach der Pause, die infolge des Paarlaufens etwas verlängert werden mußte, legten die Gäste sofort ein scharfes Tempo vor und konnten in schneller Folge auf 8:5 erhöhen. Sten Vorsprung von 3 Toren hielten sie auch bis zum Schluß. Wenn zur Kritik der Einheimischen etwas zu bemerken ist, so muß man sagen, daß der Hintermannschaft das nötige Stellungsspiel fehlte, während im Sturm besonders die Flügel mangelhaft bedient wurden. Der Mittelstürmer Schmitt war ein vollwertiger Ersah für Krämer und führte sich gut ein. Balser im Tor zeigte einige schöne Paraden. Sämtliche Tore waren unhaltbar. Die Gästemannschaft spielte geschlossener. Bewunderung verdient der Sturm, der sowohl im gegnerischen Felde Erstaunliches leistete und auch bei den Gießener Angriffen im eigenen Strafraum zu finden war. Das Rückspiel findet aller Voraussicht nach im 3uni in Wetzlar statt. Mit gesteigertem 3nteresse sah man dem Halbstundenpaarlaufen entgegen. Dieses Rennen, das in Gießen erstmalig gezeigt wurde, verdiente alle Beachtung. Es stellte an die beteiligten Mannschaften große Anforderungen und nahm einen prächtigen Verlauf. Vier Mannschaften stellten sich dem Starter. 1900 hatte zwei Mannschaften genannt. 3n der ersten Mannschaft traten P e t e r s l. und Schaaf an, in der zweiten Kochi, und G l a g o w. Der Fußball-Sportverein Frankfurt schickte Kaufmann und Hetzel, zwei befähigte Läufer, an den Start. Der Sportverein Wetzlar wurde durch H e b e r l i n g und Wambach vertreten. Gegen das Ende der ersten Halbzeit des Städte-Hand- ballspiels fiel der Startschuß. Die Frankfurter übernahmen zunächst die Führung. 3n Abständen von 1 bzw. P/2 Punkten wechselten die Läufer jeweils ab. Das Rennen wurde bis zum Schluß in einem sehr gleichmäßigen Tempo gelaufen. 3n der zehnten Minute hatten die Läufer bereits etwa 3500 Meter zurückgelegt, die Frankfurter hielten mit 10 Meter Vorsprung vor Peters und Schaaf die Spitze, die Wetzlarer waren bis zu diesem Zeitpunkt etwa 200 Meter zurückgefallen, die zweite Mannschaft der 1900er folgte in kurzem Abstand. Gegen die 15. Minute trat bei den Frankfurtern eine Schwächeperiode ein, die den Gästen die Führung kostete, die 1900er schoben sich nach vorne und vermochten in kurzer Zeit einen Vorsprung herauszuholen, den die Frankfurter nicht mehr zurückerobern konnten. 3n der 20. Minute hatte die Führung 7225 Meter hinter sich. Ohne wesentliche Veränderung der Situation wurde das Rennen zu Ende geführt. Die Hiesigen errangen einen ebenso sicheren wie eindrucksvollen Sieg, der um so höher zu bewerten ist, als die Frankfurter als sichere Favoriten galten. Peters I. und Schaaf liefen hervorragend, besonders gefiel Schaaf, der das Rennen in großer Form bestritt. Die Ergebnisse lauteten: 1. Peters-Schaaf (1900) 10 027 Meter: 2. Kaufmann-Hetzel (FSV. Frankfurt 9783 Meter: 3. Heberling-Wambach (Sportverein Wetzlar) 9518 Meter: 4. Koch-Glagow (1900) 9374 Meter. Der restliche Rachmittag — die Zett war indessen reichlich vorgeschritten — war den leichtathletischen Wettkämpfen der 3ugenb- lichen gewidmet. Leider mußten eine Reihe der 3ugendlichen schon aufbrechen, um Zuganschlüsse rechtzeitig zu erreichen, so daß die Mannschaften, wie sie ursprünglich gemeldet wurden, nicht immer komplett antreten konnten. Trotzdem entwickelte sich noch ein lebhafter Betrieb. Spannende Rennen lieferten sich die 3ugendlichen der A-Älaffe im 100-Meter-Lauf, die B- und C-3ugcnb, hauptsächlich die 3üngsten, beteiligten sich in großer Anzahl an den Wettkämpfen und waren mit großem Eifer bei der Sache. Es wurden zum Teil sehr gute Zeiten erzielt. Die Dahn befand sich in denkbar bestem Zustand. Ein nicht weniger spannendes Ringen entwickelte sich an der Sprunggrube und bei den Hochsprung- konkurrcnzen, beim Kugelstoßen und beim Ballweitwurf. Auch beim Tauziehen wurde hart um den Sieg gekämpft. Es war eine Freude, zu sehen, mit welchem Eifer und mit welcher Energie sich die 3ugendlichen an den Wettkämpfen beteiligten. Den Abschluß bildete die Preisverteilung. Der Gauvorsitzende Klier hielt eine kurze Ansprache, ermahnte die Knaben, auch weiterhin im gleichen Geiste sportlich tätig zu sein, mit dem gleichen Eifer auch dann, wenn nicht jedem der Sieg zuteil werden kann. Die siegreichen Mannschaften erhielten als Anerkennung für ihre Leistungen ein einfaches aber geschmackvoll ausgestattetes Diplom. Auf die Ergebnisse der leichtathletischen Wettkämpfe kommen wir zurück. (Schluß des redaktionellen Teils.) viele Kilo Nahrungsmittel in einer Pfunddose. Die Firma Dr. A. Wander G. m. b. $)., Osthofen (Rheinhessen), bringt mit Doomaltine ein Nährprä- parat heraus, das durch die Art feiner Zusammen- setzung und des besonderen Herstellungsverfahrens große Beachtung verdient. Der Nährwert einer 500-§-Büchse Ovomaltine entspricht dem Nährwert von 3% Liter Milch 4- 28 Eiern 4- 3% Pfund Rindfleisch + 6% Pfund Erbsen 4- 41 Bananen. Zwei bis drei Kaffeelöffel Ovomaltine werden In Milch gelöst, je nach Geschmack mit oder ohne Zucker- zusatz. Auch in Kaffee oder Tee ist Ovomaltine ein schmackhaftes Nährgetränk. 601V Die Förderung des Kundendienstes bei Opel. Die Opelwerke legen besonders großen Wert auf die möglichst vollkommene Organisation des Kunden- dienstes in ganz Deutschland. Ihre dahingehenden Bestrebungen lassen immer neue Wege für die Durchführung finden. 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Sah« Bahnhofstraße Telefon 3403 Aus vielseitigen Wunsch wird der moffenoerlflof emaillierter nnö oenintter Wirre, welcher im SorivenhauS in Krün berg ffattfinbet, bis SamSkag, den 9. Mat. verlängert. aisso Die (Brünöetger Oau^altnnasgeMte. XXXXXXXTXXI 3 Eleganter H-Gitzer 6 Zylinder, mit Allwetterve,deck, narant. ohne Fehler, Aussehen wie neu. auch eine Prusche, um als Lieferwagen zu fahren, in vorhanden, aus Privaihand bitt« an abzugsben. Näheres bei 31350 Kircher, Automobile, SleichstrlS. Bekanntmachung. Die Brennholzversteigerung vom 28. April 1931 (Nr. 19) wurde genehmigt. Die Abfuhrscheine sind bis spätestens 15. Mal 1931 in Empfang zu nehmen. Die Abfuhr des Holzes muß umgehend erfolgen. Gießen, den 4. Mai 1931. ’ (3041C Der Oberbürgermeister. _____I. V.: Dr. Rosenberg.______ Bekanntmachung. Die noch rückständigen Beträge für Gas im Monat März d. I. und für Wasser in der Zeit vom 1. Januar bis 30. März d. I. können bis zum 15. d. M. noch ohne Kosten bezahlt werden. 3133D Nach Ablauf dieser Frist erfolgt Beitreibung der Rückstände bzw. Sperrung der Gas- bzw. Wasserzufuhr. Eine schriftliche Mahnung erfolgt nicht mehr. Gießen, den 2. Mai 1931. Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen. ________________Steding.________________ Zwangsversteigerung. Mittwoch, den 6. Mai 1931, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich dahier, Neuenweg 28, „Zum Löwen", zwangsweise gegen Barzahlung: 3150D 1. Büfetts, Kredenzen, Schreibtische, Kleiderschränke, Zimmerteppiche, Ausziehtische, Nähmaschinen, Sofas, Vertikos, Spiegel, Grammophone, Chaiselongues, Pianmos, zwei Bücherschränke, drei Motorräder, zwei Gasyerde zwei Fahrräder, ein Etzseroice, ein Kaffeeservice, zwölf Bettdeckenbezüge, drei Kopfkissenbezüge, eine Bohrmaschine, zwei Waren- schränke, einen Ueberzieher, eine Bettstelle, zwei Klubsessel, eine Truhe, vier Rohrstühle, drei Eisschränke, zwei La- dentheken, einen Ausstellungsschrank, eine Schnellwaage, Oelgemälde eine elektrische Ständerlampe, einen Bilder, schrank mit 95 Bildern, ein Oelbild, einen Elektromotor. 2. eine Registrierkaste Stahlfedern, Be- stellbücher, Quartbücher, Registrierbücher einen Fleischwolf, zehn Bettdeckenbezüge, siebzehn Kopfkissenbezüge, vier Bettücher, sechs Handtücher, zwei Decken, eine Tischdecke eine Schreib- maschine (AEG., Modell 6, Nr. 106 718), ein Grammophon. 3. An Ort und Stelle: sechs leere Wein- f äff er. 4. 3n Großen-Vuseck. Donnerstag, den 7., und Freitag, den 8. Mai 1931, von vormittags 9J4 Uhr an, versteigere ich in Großen-Vuseck, Im Saale des Gastwirts Gans (am Vahnhof) zwangsweise gegen Barzahlung: eine große Partie Kleiderstoffe, Bett- tuchleinen, Nessel, Flanell, Druckzeug, Kretonne, Kattun, Vorhänge, Stores, Herrenmäntel, Anzüge, Damenmäntel, Wachstuch, Nähseide, Stickerei, Spitzen, Handtuchstoffe und vieles andere. Die Versteigerung zu 2 und 4 findet bestimmt stakt. Hunter, Gerichtsvollzieher in Gießen Wiesecker Weg 16 — Telephon 3383 Ovomaltine versichert Ihre Lebenskraft Um den Nährwert und die Leichtverdau- lidikeit zu erhalten, wird Ovomaltine durch ein besonderes Fabrikationsverfahren bei niedrigen Temperaturen bergerteilt. Ihr Haus brennt Ihnen vielleicht in Ihrem ganzen Leben nicht ab. Ihre Lebenskraft aber muss jeden Tag Feuerproben bestehen. Sie merken es am Abend, wenn Sie wie ausgebrannt sind nach den heissen Stunden dey täglichen Arbeit. 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Das verwirrte Lächeln machte ihr Gesicht kindhaft jfung, so bah es aussah. als wäre sie kaum der Schule entwachsen. „Meine Aja will es so", sagte sie und lächelte noch immer. „Seien Sie froh, dah Sie keine Aja haben." Der Haushofmeister kam und erledigte im Sekretariat die Abrechnung. Großzügig, gentte- manlike! Das Appartement wurde für die volle Woche, für die es bestellt gewesen war, bezahlt. Die Trinkgelder waren prozentual angeglichen. Der Liftboy bekam den Ausfall in voller Höhe ersetzt. Lutz stand noch immer an ''die Säule gelehnt, löste sich plötzlich von ihr und den Wintergarten durchschreitend, bestellte er in dem angrenzenden Blumengeschäfte ein Arrangement auserlesenster Orchideen, die er nach Miß Hetterfields Appaiüe- ment schicken ließ. ZurüÄchrend, hörte er, wie der Haushofmeister zu dem Portier in die Loge sprach: „llnb senden Sie alle Post, auch die Kabel, vom Moment unserer Abreise an Frau Professor Dr. Ulla Setterholm. Wien I, Prinz-Cugen-Straße 8611.“ Es gab noch Zufälle im Leben! Zufälle! Mit dem Abendschnellzug reiste Lutz Setterholm nach Wien zurück. Im Schlafwagen linker Hand lag die schöne Fremde in den Kissen. • Viktor Lippstädt war nicht weniger in Schweiß gebadet, als das Pferd, das ihn nach Langenbach getragen hatte. Lex stand am Tor und nahm Pferd und Reiter in Empfang. „Herr Graf warten im großen Empfangszimmer." Dabei fuhr er sich rasch über die Augen. „Ich hätte nie gedacht, daß das möglich wäre, wo doch alle die Toten hier schlafen!" „Die werden weiterschlafen. Lex.“ Viktor strich dem Tier die feuchte Mähne zurück, daß sie glatt und glänzend lag. Mit einem müden Lächeln schlang er die Zügel über Lex Arm. „Du darfst ja nicht glauben, daß es mich nicht schmerzt, wenn der Verkauf perfekt wird. Aber so. wie es jetzt war, ist es ein unhaltbarer Zustand. Zwei Jahre noch, wenn nicht früher, kracht uns ganz Langenbach über dem Kopf zusammen. Mese Schande will ich uns um jeden Preis ersparen. And wir trennen uns ja nicht, mein Alter." Er klopfte ihm dabei gütig auf die Wange. „Du wirst sehen, die Wohnung, die ich für uns ausgesucht habe, ist wunderhübsch. Sogar ein paar Rotdornbäume findest du im Garten. And wenn du die Augen Lumachst, meinst du, du bist auf Langenbach. And dann, wenn die Sache einmal geregelt ist. brauchst du auch nicht mehr über jeden Pfennig das Kreuz zu machen, wie du es bis jetzt tun muhtest. Das ist doch auch etwas wert." „Der Herr Graf Vater werden ungeduldig sein!" sagte Lex erschrocken, trat einen Schritt zurück und wartete, bis Viktor die Freitreppe hinaufgestiegen war. Erst dann führte er das Pferd nach der Stallung. „Lange brauchst du!" empfing Graf Egon seinen Einzigen. „Zwei Stunden sitze ich schon herum und warte auf dich!" , „Du hast mich für drei Ahr bestellt, Vater. Jetzt ist es einundeinehalbe Minute darüber." „Deswegen habe ich doch gewartet." Viktor empfand ungeheures Erbarmen mit dem Manne, der von sichtlicher Anruhe getrieben, das große Zimmer der Länge und Breite nach durchquerte. Der Anzug, in den er sich gezwängt hatte, trug Acrmel aus einem neueren Stoff. Viktor lieh den Blick darauf ruhen und überlegte, ob er es wagen durfte, jetzt etwas zu sagen. Dann riskierte er es doch. Wozu vor fremden Leuten eine Blöße verdecken wollen, die doch sofort ins Auge sprin- gen muhte? „Willst du nicht lieber deinen Iagdrock tragen, Papa?" Er sah dabei durch das Fenster, dessen Helle Scheiben spiegelnde Reflexe auf den Boden warfen. „Warum? Hast du was auszusetzen an dem, wie es ist?" Dabei zerrte der Graf bereits an den Rockkiropfen, die ihm die Brust einengten. „Der Schneider hat nicht gut gearbeitet!" suchte Viktor des Vaters Erregung abzuschwächen, wurde aber von einem zornigen Lachen unterbrochen. „Was du nicht sagst! Da arbeite einer besser, wenn — ach was! Ich hab's dem Lex ja gleich gesagt: Dreiviertel schillert grün. Aber der Kerl ist ja farbenblind! Behauptet bocksteif: Man merkt nichts. Da ist also die ganze Auslage für die Katz gewesen." Dabei rissen seine Finger schon an den Knöpfen, die das Jackett zusammenhielten. Eine Faust donnerte fast gleick^eitig gegen die TAre, die für einen Spalt aufflog. „Meinen Iagdrock! He! Eine andere Weste auch! Hose?“ Er suchte dabei fragend nach Viktor hinüber, der an seinen Lippen bih. „Das Beinkleid geht!" „Soi Geht das? Meinswegen! Dir ist Wohl auch die Uniform zu schad gewesen für den Handel? Lah nur!" tröstete er, als der Sohn sich mit verfärbtem Gesicht in den Stuhl neben dem großen Kamin niederlieh. Lex kam und half das Kleidungsstück wechsele Der alte Graf hatte aufbrausen wollen. „Du Rarrl Hast gesagt, man merkt nichts und einstweilen .. “ Aber als er die tiefliegenden Augen sah, die zu allem Aeberfluh so verdächtig feucht waren, schluckte er Groll und Aerger hinunter. Er brummelte nur etwas vor sich hin und fragte dann: „Hast du der Annemie gesagt, dah sie gehen kann?" Es half nichts, so barsch es hatte klingen foltert, die Stimme zitterte doch' „Was? Dteiben will sie?" murrte er kopfschüttelnd! „Merkwürdig! Alles will bleiben'! Rur mich fragt keiner, ob ich gehen mag." Viktor hob die Hand, dah er sprechen wolle. „Man kann der Annemie ja um eine andere Stellung sehen!" „Hm! Stellung!" nörgelte Graf Egon. „Da gibt's doch in der Stadt so Asyle oder Hospitäler oder wie man das Ding heiht. So viel ich weih. nehmen die gegen Bezahlung so alte verhutzelte Frauenzimmer in Kost uni) Logis.“ „Vater!" warf Viktor ein. „Das verstehst du nicht und geht dich auch nichts an“, unterbrach ihn dieser. „Die Annemie hat sich ihr Lebtag genug geschunden und geplagt. Da schadet's nichts, wenn sie's auch einmal schöner kriegt. Wenn die Geschichte perfekt wird, kauf ich sie wd ein. Da hat sie bann ihre eigene Stube und kann sich einen Kanarienvogel halten oder ein Katzenvieh und ein paar Blumenstöcke an den Fenstern und was sonst noch so ein verblühtes Jungsernherz erfreut. Das kannst du ihr sagen. Lex. And dah sie mir nicht kommen soll mit „Vergelt s Gott!" sagen und so. Ist alles schon quitt gemacht die vierzig Jahre. Mensch, heul nicht!" rief er erregt und wuhte gar nicht, dah ihm die Stimme dabei überkippte. „Oder meinst du, dah wir zwei alten Mannsleute die Annemie als Kammerzofe mitnehmen sollen?" Lex schluckte, schluckte noch einmal, machte kehrt und drückte die Klinke ins Schloh. „So einer", wandte sich der Graf an den Sohn, zog die Achseln ein und begann wieder auf und ab zu wandern. Viktor sah mit vorgeneigtem Körper in dem Sessel, hielt die Hände auf den Knien verschränkt und das Gesicht hineingedrückt. Plötzlich gab es dem Grafen einen Ruck, dah er beinahe gegen die Türe schlug. Seins Augen standen weit offen und sahen jetzt erst, was doch eigentlich gar nicht zu übersehen gewesen war. Dicht vor dem Sohne blieb er stehen, rang nach Luft, tat den Mund auf und schloh ihn wieder. Seine Zunge fand nur ein Gurgeln: „Seit wann?" „Seit heute morgen, Vater!" Ein Helles Lachen schlug ihm ins Gesicht. „Mit Anerkennung für geleistete Dienstzeit entlassen. Ha, ha, ha, ha! Viktorchen, du auch! Sprich nicht dagegen — ist ja altes eins! Altes eins, Viktorchen! Ich bin gegangen worden. Du hast freiwillig Adjö gesagt. Aber was mir da einfällt: Da hab' ich neulich so einen Blödsinn gelesen von der Duplizität der Ereignisse. Das ist gar nicht einmal so dumm und scheinbar gar kein Schwindel dabei. Auf uns beide wenigstens trifft es zu. Mich hat die Mutter and Messer geliefert und dich die> Tochter, ha, ha, ha, ha!" „Vater, lah meine Liebe aus dem Spiel!“ Der Graf schnappte 'noch immer nach S?uft. Sein Lachen war Galle und Ekel gewesen. „Meinetwegen", sagte er, als er sich wieder gefaßt hatte. „And was gedenkst du als Hauptmanna. D. zu tun?“ Viktor wurde einer Antwort überhoben. Sie hatten beide das Eintreffen des Wagens überhört, das den angemeldeten Besuch brachte, ßej Schritte wurden auf dem Pflaster hörbar, und während er den einen Flügel zurückhielt, meldete er: „Mr. Jefferson." Viktor sah eine hagere, langcrufgeschossene Gestalt, der der dunkle Anzug eine aristokratisch distinguierte Rote gab. Die Verneigung der beiden Lippstädter wirkte unverbindlich kühl. Der Fremde schien den Vorsatz gehabt zu haben, Wärme auszustrahlen. Run sah er sich zwei verschlossenen Gesichtern gegenüber, drückte die Schultern zurück und tourte ganz Steifheit. Graf Egon zeigte auf einen der tiefen Sessel unb Viktor wurde weih vor Angst, die spröde Seide möchte in tausend Brüche gehen. Aber efl riß und knackte nichts. Er atmete auf, als der Besucher sah. Eine halbe Minute peinlichen Schweigens, bis Jefferson sein Rotizbuch herausgeholt, es auf* geklappt und ihm eine Zeitungsannonce entnommen hatte. „Wenn Sie erlauben, Graf, werde ich lesen." And auf ein Ricken, begann er mit monotonem Stimmfall: „Schlohbesitz in der Rahe Wiens. Vierhundert Morgen arrondiert Wald, Wiesen, Aecker. Lage fünfhundert Meter über dem Meere. Ertragfähige Landwirtschaft. Oekonomiebetrieb vom Schloß getrennt liegend. Bei etwas Ausbau risikolos achtzig bis hundert Kühe zu Haltern Gutes Absatzgebiet. Schloß, alt, achtundzwanzig Räume, Park, Gewächshäuser, Tennisplatz usw. 'Besitzer gibt auf, weil Terrain zu groß. Defitz kann sofort nach Kauf bezogen werden. Preis, wie es liegt und steht: Achthundert tausend Schilling. Anterhandlungen ohne Vermittler durch den Besitzer selbst. Besichtigung nur bei Rachweis eines Dankauszuaes gestattet." „Stimmt das, Herr Graf?" »Ja!" Viktors Gesicht war gelbweih wie der Plafond, der sich zu seinen Häupten streckte. Er sah nach dem Vater hinüber. Er wirkte alt und^ebrechlich. Der hochgeschlossene Rock gab ihm das Aussehen eines Forstbeamten. Aber er füllte ihn, namentlich über den Schultern, nicht mehr ganz aus. Wie durch eine Wand hörte er ihn jetzt sprechen. „Die Besichtigung kann ich natürlich nur bann erlauben, wenn Sie ernsthafter Käufer sinb." „Das bin ich!" Jefferson griff nach ber Saffianbrieftasche, die er' aus dem Rocke nahm, faltete sie auseinander und entnahm ihr einen Bankausweis, den er vor Graf Egon hinlegte. Mit einer knappen Geste und ebensolchem Dank schob der Graf das Papier wieder zurück. „Einer Besichtigung des Schlosses steht also nichts mehr im Weg6, Herr Graf?" Der brummte etwas, das weder Viktor noch Jefferson verstand, erhob sich, indem er die Tisch- kante als Stühe benützte und sagte, zum Sohn gewandt: „Vielleicht hast du die Güte, nach Lex zu klingeln." Dann eine knappe Verneigung nach dem Gaste: „Der Bediente wird Sie führen. Sie werden natürlich nicht alles so finden, wie es sein sollte. Mein Sohn ist Offizier. Ich selber bin zu alt, um noch überall nach dem Rechten zu sehen. Sie kommen ja selbst gleich darauf, wo es fehlt. Rur das eine möchte ich Ihnen vorweg sagen: Der Preis ist äußerst kalkuliert. Ich kann keinen Schilling davon Nachlassen." „Wenn es irgendwie zu machen ist, werde ich kaufen": war Jeffersons Erwitemug. „Sie gestatten Wohl, daß auch Miß Hetterfield, die Tochter eines Freundes, mit an ber Besichtigung teilnimmt?" „Ich habe nichts dagegen einzuwenden. Wo ist die Dame?" „Sie wartet im Wagen. Ich werbe mir erlauben, nach dem Rundgang noch einmal vorzusprechen. Erlauben Sie, daß ich mich einstweilen empfehle." Eine Verneigung nach dem Vater und bann nach bem Sohne hin beschloß bie Unter* rebung. (Fortsetzung folgt.) MAGGIsMi^!.n SUPPEN 1 Würfel nur noch lUpfg. Existenz! Basaltfirma mit Aufträgen für längere Zeit sucht tätigen Teilhaber mit9?3)l.5000618iOOOt.felb «.Dauerstellung. 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