Nr. 180 Erster Matt 18L Jahrgang Dienstag, August 1951 GietzeimAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Postscheckkonto: SraFfiurtammaiuiisM. vnttf uud Verlag: BrLhl'fche UntverstkülL Buch' imö StdMtrederd H. taugt tn Siehe«. Sdfriftldteng irnö Skschäftrstelle: Schulfttahe 7. Nllnahmr ree Anzeige, für btt Tage,nummer bts jum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mra Breite örtlid) 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Re- klameanzeigen von 70 mix Brette 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20', mehr. Ehefrebakteur Dr Fnebr. Wilh. Lange, verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Canae; für Feuilleton Dr H TKynot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für de» Anzeigenteil Max Filt«^ iämtlid) in Liehen. Eriche in, lügltch.autzn öonniogs und Feiertag» Veilaaen: Die Illustrierte vtehener FamtliendlLUei Heimat im vslb Die Scholle IRonali-Beiegsprtti: 2.20 Reichsmard und 30 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Richter» scheinen einzelner Nummern infolge höherer (Bemalt Zernfprechanfchlüße anttrSammeInummcr2251. Anschnst für vrahtnach» eichten Anzeiger Gieße». Das Reichskabineii berät den Selbsthilfeplan. Besprechungen mit Sachverständigen der Wirtschast. - Beschlüsse sind erst Anfang der nächsten Woche zu erwarten. Berlin, Z.Aug. (121.) Das Rcichskabi- n e 11 setzte am Monlagnachmillag seine bereits am Freitag voriger Woche in Ungriff genommenen Beratungen mit führenden Persönlichkeiten der Wirtschaft fort. An den Besprechungen, die mehrere Stunden dauerten, nahmen außer sämtlichen Kabinettsmitgliedern und dem Reichsbankpräsidenten Dr. Luther noch Geheimrat Schmidt von der J.-G.-Farbenindustrie AG., Geheimrat Bücher vom Reichsverband der Deutschen Industrie, Staatssekretär a. v. Dr. Dernburgals Präsident der Akzept- und Garantiebank, der srühere Reichssinanzminister Dr. hilserding, Geh. Rat Silverberg. sowie profefior warmbold als Landwirtschaftlicher Sachverständiger teil. Die Besprechungen dienten im wesentlichen der Unterrichtung des Reichskabinetts über die Auffassungen der genannten wirtschaslspersönlichkeiten, so dafz es zu irgendwelchen Beschlüssen nicht kam. Die Beratungen, die in den nächsten lagen vom wirtschaftspolitischen Ausschuh de» Kabinetts zusammen mit den Sachverständigen der In Betracht kommenden Wirlschastskreise f a r t g e s e h t werden sollen, gellen der Vorbereitung des wirtschast- lichen Selb st Hilfeplane». Ueber den Inhalt de» Wirtschaftsprogramms find in der Preffe bereit» Einzelheiten angegeben worden. Bon unterrichteter Seile wird jedvch gewarnt, diese Darstellungen al» richtig hinzunehmen. Bei all' dem könne es sich nur um Bermufungen handeln, die zum Teil sogar falsch sind. Sv wird in einem Berliner Blatt heute abend eine Senkung der INietea angekündigt. Dabei handelt e» sich um eine Kombination, die aus der Annahme entstanden ist, dah da» Problem der hau»- j I n s ft e u c r bei den Beratungen behandelt wird. Ebenso ist e» zum mindesten zweifelhaft, dah die in dem Blatt weiter angekündigten Maßnahmen auf dem Karlellgebiet durchgeführt werden. Richtig dürfte dagegen sein, dah man sich In Kreisen de» Kabinett» in den lehten lagen wieder lebhaft mit der finanziellen Lage der Gemeinden befahl hat, bei denen sich die Entwicklung der letzten Wochen besonder» fühlbar macht. Es ist anzunehmen, dah da» Kabinett schon recht bald zu Beschlüssen kommt, die die Situation der Gemeinden erleichtern. Dabei dürste es allerdings fraglich fein, ob eine solche Erleichterung möglich ist, ohne dah die Gemeinden selbst zu sehr drastischen Bütteln greifen, die nach Ansicht von Kreisen der Reichsregierung einmal auf dem Gebiete der Ausga- benfenkung, zum anderen in der Beräuhe- rung eigener Bermögcnsrocrtc liegen konnten. Da der Kanzler Mittwoch bereits nach Rom fährt, fo dürfte die zweite Hälfte der Woche in erster Linie weiteren Besprechungen der Res- forts Vorbehalten bleiben. Bis zur Rückkehr Dr. Brünings können eine Reihe von leilfragen immer- hin soweit vorwärts getrieben werden, dah die Beratungen der nächsten Woche dann um so schneller oonftatten gehen. Am Mittwoch Homreife des Reichskanzlers. Berlin, 3. Aug. (ERB.) wie verlautet, werden Reichskanzler Dr. Brüning und Reichsauhen- minifler Dr. Eurtiu » ihre Reise nach Rom a m kommenden Mittwoch antreten. 3n Begleitung des Reichskanzlers befindet sich der Oberregierungsrat in der Reichskanzlei Dr. p 1 a n f, Reichsauhenminlfter Dr. Lurtius wird begleitet von Cegationsral Thomson. Montag vormittag werden die beiden Minister nach Berlin zurückkehren. Die Gemeinden in der Finanzkrisis. Tie Liquidität der Gemeinden und Lparkaffcn. Berlin, 3. Aug. "(XU.) Dor Reichs- städiebund hat die zuständigen Stellen in Beich und Ländern erneut auf die Notwendigkeit h ngewiesen, die Gemeinden in den Anstrengungen, die Liquidität der Gemeinden und Sparkassen auch in verschärfter Finanzkris^ sicherzustellen, durch sofortige tatkräftige Hilfe zu unterstützen. Jede Stockung des gemeindlichen Zahlungsverkehrs müßte sich unmittelbar auf die Wirtschaft auswirken, weil die deutschen Gemeinden mit 5 Milliarden jährlich ihre Hauptauftra ggeber feien. Dcr Reichsstädtebund fordert gleiche Behandlung der Sparkassen und Danken und demzufolge auch eine den notwendigen Bedürfnissen der Sparkasten angepaßte Z u - we.sung von Geldmitteln durch die Reichsbank. Es zeige sich jetzt, wie berechtigt die Warnungen der Gemeinden vor einer Abdrosselung langfristiger Aus- kandanleihen gewesen seien, die die nvt- tvendigsten Kreditbedürfnisfe der Gemeinden auf kurzfristige Kredite abgebrängt hat. Den preußischen Gemeinden fei die pünktliche Ablieferung der von ihnen eingezvgenen Staatssteucrn durch einen Erlast deS Ministers des zur besonderen Pflicht gemacht worden. Das setze aber voraus, dah ihnen die gerne i n d l i ch e nA n t e i le an den Reichssteuern auch rechtzeitig zur Verfügung ständen. Die Rotwendi gleit rigoroser Sparmahnahmen in Reich. Ländern und Gemeinden wird anerkannt. Trotz aller Spar- mahrrahmen wcrde sich aber in vielen mittleren und kleineren Städten, deren Cinnahmemöglich- keiten in der gegenwärtigen Krisenzeit auster- ordentlich beschränkt seien, eine Katastrophe nicht vermeiden lassen, wenn eine Entlastung der Gemeinden von Ausgaben, die nach allgemeiner Auffassung nicht von ihnen getragen werden könnten. weiter aufgeschoben werde. Hierzu gehörten in erster Linie die Wohlfahrtserwerbs- lofenlaften. Das Siillhaliekonsoriium. Tie Aussichten für eine langfristige Anleihe Paris, 3. Aug (XU.) Am Montag haben weitere Einzelbesprechungen des Bevollmächtigten der Deutschen Dank, Direktor Schlieper. mit den Vertretern der französischen Danken stattgesunden. Der auS den Vertretern der Groh- ban-ken gebildete Ausschuß, der sich mit der französischen 'Beteiligung an den für Deutschland in Aussicht genommenen Stillhalte - kvnsvrtium und anderen banktechnischen Fragen befahl, ist um 16.30 ilfjt zu einer Sitzung zusammengetreten. Direktor Schlieper reift am Dienstag zur Fortführung der Verhandlungen nach London ab. Das führende Pariser Finanz- und Wirtschafts- bTatt, die „Agence Ecvnomique et Financidre" stellt in Tlebereinstimmung mit der Ansicht hiesiger Finanzkreise fest, dah daS am Samstag abgeschlossene französisch-amerikanische Kreditabkommen mit der Dank von England den ersten und wichtigsten Schritt auf dem Wege jueiner langfristigen Anleihe darstelle. Austerdem sei dieser Tag von gröhler Dedeutung. da man ihn als Markstein in den französisch-amerikanischen Finanz- beziehungen bewerten müsse. Die Amerikaner hätten alle zwischen Paris und London vereinbarten Dedingungen als Ganzes und ohne jede Erörterung angenommen. Zu der Kreditoperation zugunsten der Dank von England schreibt das Oeuvre: Frankreich hat England einen Kredit von 3 Milliarden Franks bewilligt. Das ist ganz natürlich, denn England, daS mit Frankreich befreundet ist, befindet sich in Schwierigkeiten, und so hilft ihm Frankreich. WeShalb aber sei England in Schwierigkeiten? Weil es in Deutschland kurzfristige Kredite angelegt habe, und wenn Frankreich ihm nicht zu Hilfe komme. England gezwungen wäre, Deutschland diese Kredite wieder zu entziehen. Auf diese Weise helfe Frankreich indirekt Deutschland. Dagegen wolle das "Blatt keineswegs Einspruch erheben, es wolle aber hervorhcben. mit welcher Leichtigkeit in Frankreich der Gedanke einer indirekten Hilfe für Deutschland ausgenommen worden se»i, während in den Augen des deutschen Volkes England das Verdienst für die Deutschland zuteil werdende Hilfe zukomme. OerVerwaltungsrat derBFZ. Tas Lachvcrständigcnkomitce tritt am kommenden LamStag zusammen. B a f e 1,3. Aug. (WTB.j Der Derwaltungsrat der B3Z. hat in feiner heutigen Sitzung, an der für den Reichsbankprasidenten Dr. Luther Geh. Oberfinanzrat Dr. Bocke, sowie die deutschen Verwaltungsrats» Mitglieder Bankier Melchior und Kommerzienrat R e u s ch teilnahmen, die Vorschläge auf Einberufung des internationalen Sachoer st ändigenkomitees der D3Z. gutge- heißen, dessen Zusammensetzung bereits bekannt ist. Der Verwaltungsrat beschloß, die Mitglieder dieses Komitees aufzufordern, die erste Sitzung am nächsten Samstag, 8. August, in Basel abzuhalten und dem Komitee sein Sekretariat zur Verfügung zu stellen. Das Komitee wird seinen eigenen Vorsitzenden ernennen und seine Arbeitsmethode selbst bestimmen. Der Derwaltungsrat hat dann die Derichte über die Lage in Oesterreich und Ungarn zur Kenntnis genommen, über deren Inhalt jedoch leitens der Dankleitung nichts mitgeteilt worden ist. Auch wurde der Geschäftsausweis über den Stand der Dank am* 31.3uli 1931 zur Kenntnis genommen. Dieser Ausweis weist eine "Bilanzsumme von 1632 Mill. Schweizer Franken auf, was gegenüber dem letzten Ausweis eine Verringerung von 148 Mitt. Schweizer Franken bedeutet. Diese Verringerung ist bei den Konten der Schatzämter auf die feit dem 1. Juli in der Durchführung deS neuen Planes eingetretenen Veränderungen zu- rückzuführen, bei den Konten der Zentra I b a n le n auf den llmftanb, dah sich einige von ihnen genötigt sahen, Devisen zu verkaufen, um den auf den verschiedenen europäischen Plätzen sestgcstcllten Kapttalabziehungen au begegnen. Teil dieser Abziehungen ist durch Reueinlagen der Zentralbanken, auf deren Märkte Kapitalien zurückgeflossen sind, ausgeglichen worden. 51 Prozent der Mittel wurden am 31. 3uli in Form von Sichtguthaben bzw. sofort rediskontierbaren Wechseln gehalten, während die Sichtverbindttchkeiten nur 33 v. H. betrugen. Amerika finanziert den deutschen Weizenexport. Berlin. 3. Aug. ERB. Zu den deutsch- amerikanischen Verhandlungen wegen Bewilligung eines Warenkredits erfährt WTB.-Han- delsdienst, dah eS sich nur b"b i Baumwolle und Kupfer um Warenlieferungen handelt, be-i Weizen dagegen in erster Linie um einen Finanzierungskredit für den deutschen Export. Bekanntlich beabsichtigt die Reichsregierung zur Entlastung deS deutschen Ge- Belgrad, 3. Aug. (112.) 3n der Rachl vom Sonntag zum Blontag ereignete sich in dem Schne11 zug Agram —B elgrad beim Lin- sahren in den Bahnhof Semlln eine Bomben- explosion und zwar in dem direkten wagen diese» Zuges, der von München Über Laibach und Agram nach Belgrad geleitet wird. Durch die Explosion wurde der wagen stark beschädigt. Zwei Personen wurden gelötet und eine Anzahl weiterer Personen schwer verletzt. Bon den Getöteten konnte bisher lediglich das Kind des prosesior» B r u n e 11 i identifiziert werden, da sich die Familie des Professor» in dem Unglückswagen befand. Die Explosion verursachte auch in den beiden Rachbarwagen schwere Schäden. Richt nur die Sitze, sondern auch die Seitenwände wurden zerstört. E» entstand eine furchtbare Panik. Auch die unverletzt gebliebenen Reisenden flüchteten, wobei mehrere in dem Tumult leichte Verletzungen erlitten. Drei Höllen- Maschinen hatte man unter die Wagenfihe verborgen. Das Attentat ist das schwerste der in den letzten Monaten verübten Anschläge. Die Attentäter hatten vermutlich die Absicht gehabt, die mit Zeitzünder versehenen Höllenmaschinen im Belgrader Batjnof explodieren zu lassen. Unter den Berlehten befinden sich der Baler de» getöteten Kindes, Professor Brunetti, dessen Frau und drei Kinder. An den Löscharbeiten beteiligten sich die Feuerwehren von Semlln und Belgrad. Die Polizei besetzte sofort die Landungsstege und hielt alle Personen zur Ausweisleistung an. Berhastungen wurden jedoch nicht vorgenommen. Bon den Schwerverletzten ist die Frau Brunettis im Ein Aufruf her Bereinigten Vaterländischen Verbände. Berlin. 5. Aug. (XU.) Die 'Bereinigten Vaterländische n Verbände Deutschlands erlassen folgenden Aufruf zum Volksentscheid: »Der preußische Landtag ist aufzulösen! In eurer Hand, preußische Wähler, liegt am 9. August die Entscheidung! Heran an die Wahlurne! Es gilt abzurechnen mit der marxistischen Mißwirtschaft! Ueber Preußen führt der Weg zur Machtergreifung im Reich! Deutschlands Rettung. Deutschlands Schicksal liegt in eurer Hand! Laßt euch nicht beirren durch das Gerede der Gegner des Volksentscheids über die Xeilnahme der Kommunisten. Wir haben sie nicht gebeten! Auch sind die Sozialdemokraten nur die Wegbereiter der Äommuniften. Auf zum deutschen Freiheitskampf am 9. August! Jeder tue seine Pflicht und stimme mit ja! Dann wird der Sieg unser fein! Präsidium der Vereinigten' Vaterländischen Verbände Deutschlands, Alldeutscher Verband, Altherrenschaft des Deutschen Hochschulringes, Arbeitsgemeinschaft für vaterländische Aufklärung, Bismarck-Gesellschaft, Bund der Grohdeut- schen, Bund für Rationalwirtschaft und Werks- gemeinfchaft. Bund Königin Luise. Deutschbanner Schwarz-Weiß-Rot, Deutsche Adelsgenossenschaft, Deutfche Ausbauyilfe, Deutsche "Bereinigung, Deutscher Defreiungsbund. Deutscher Frauenbund, Deutscher Frauendienst. Deutscher Herold. Deut- scher Hochschulring. Deutscher Offizierbund. Deut- treidemarkteS innerhalb der ersten Monate des SrntejahreS den Export von Weizen und Soggen zu fördern. DaS Getreide sott un- ter Erteilung von E xportscheinen auSgeführt werden. Die Inhaber der Expvrt- scheine erhalten daS Recht, die gleiche Warenmenge gegen Zahlung eines niedrigen Zollsatzes, wie verlautet zirka 25 blS 30 Mk. je Tonne, zu reimportieren. Bei den gegenwärtig in Deutschland herrschenden Kre» ditverhältnissen wäre der Export stark erschwert, wenn der Getreideexporteur selbst für die volle Preisdifferenz zwischen Inland- und Exportpreisen In Vorlage treten müßte, hier den Reimport vornehmen kann. Die Verhandlungen mit Amerika zielen darauf ab. daß daS Federal Farm Board auf diese Exportscheine Kredi t zu niedrigen Zinssätzen zur Verfügung stellt, wofür bei dem Reimport auch OS - Weizen berücksichtigt werden soll. Der Plan der amerikanischen Regierung, größere Mengen Baumwolle auS der Hand deS FarmamteS gegen einen zweijährigen Kredit an Deutschland zu liefern, wird in ‘Bremer Baumwollkreisen mit außerordentlicher Skepsis ausgenommen. Man ist der Ansicht, daß die besonderen Bedingungen, die an den Plan geknüpft sein sollen, gefahrbringend sind und sich letzten Ende- gegen die Interefseni der deutschen Volkswirtschaft auSwirken wer dem Belgrader Krankenhaus ge fl o r b e n. Die Persönlichkeit des drillen Toten, eines Herrn mittleren Alters, konnte bisher noch nicht feftgeftellt werden. 3m Zusammen Hang mit dieser Explosion haben die südslawischen Behörden eine Bersügung angekündigt, nach der ausländische Eisenbahnwagen nicht mehr nach Südslawien hineingelassen werden sollen. Die Ursache für diese Maßnahme liegt darin, dah die Behörden nach ihren bisherigen Erhebungen zu dem Ergebnis gekommen sind, dah derartige Bombenanschläge auf Eisenbahnzüge immer in solchen Magen erfolgen, die di r e k I aus den, Ausland kommen. Auherdem sind noch Mahnahmen getroffen worden, um den Sicherheitsdienst entsprechend pi verschärfen. Heuer kommunistischer Bahnfrevel in (Siebenbürgen. Budapest. 3. Aug. (WTB.) Wie der »Pester Lloyd" aus Bukarest erfährt, ist abermals ein von kommunistischer Seite geplanter frevelhafter Anschlag auf einen Gisenbahnzug vereitel t worden. In Siebenbürgen, in der Rähe der Station Marosvasarhely. entdeckte ein Bahnwärter, dah die Gleise vom Bahnkörper in einer Länge von 50 Meter entfernt und in den parallel laufenden Graben geworfen worden waren. Die Erhebungen ergaben, daß daS Attentat von Kommunisten gegen den Schnellzug Bukarest — Galatz geplant war. 30 Perloncn wurden verhaftet, unter ihnen auch der Führer des SchnettzugeS Bukarest —Ezemowih. Das Attentat gehört zu der Serie von Anschlägen, die im Zusammenhang mit dem roten 1. August in den letzten Tagen verübt worden touren. scher Ostmarkenverein. Deutscher Wehrverein, Deutschvrden, Flottenbund deutscher Frauen, Germanenhort, Gesellschaft .Deutscher Freiheit", Rationaler Klub ^Berlin, Rationalklub von 1919 Hamburg, Rationalverband Deutscher Offiziere, Reulandbewegung. Preußenbund, Reichsbund vaterländischer Arbeiter- und Werkvereine, Reichsverband Deutscher Klein- und Straßenbahner Reichsbund Deutscher Angestellten-Berufsverbände, Reichs verband Deutscher Hausund Privatlehrerinnen. Bund Deutscher Lokomotivführer. Reichsbund ehern. Kadetten. ReichS- landarbeiterbund. Reichsofttzierbund, Großdeutscher Baltikumverband, Ring nationaler Frauen, Verband Deutscher Kriegsveteranen." Oie Siaaispariei zum Volksentscheid. Berlin, 3. Aug. (TU.) Die preußische Land- tagsfraktion der Deutschen Staatspartei veröffentlicht einen Aufruf zum Volksentscheid über die Auflösung des preußischen Landtags, in dem es u. a, heißt: .^itfer Hugenberg und der Stahlhelm marschieren Arm in Arm mit den kommunistischen Moskowitern gegen die durch ein starkes Preußen gewährleistete Ruhe und Ordnung. Niemals können sie eine gemeinsame Regierung bilden. Was sie unternehmen, ist nichts anderes, als der Versuch, den Staat zu unterhöhlen und in dieser Zeit der Weltentscheidungen bei uns alles zum Zusammenbruch z» bringen. Die heutige Not, die im Urgrunde auf bet verlorenen Krieg zurückgeht, ist darüber hinaus aber Schweres Bombenattentai im Schnellzug München-Belgrad. Explosion im deutschen OurchgangSwagen auf dem Bahnhof Semlin. Drei Todesopfer deS'AnschlagS. Oer Volksentscheid in Preußen. Die Miederingangsetzung des Zahlungsverkehrs. Ausgezeichnete Disziplin des Publikums. - Ruhige Abwicklung des Verkehrs bei Banken und Sparkassen. Dom 5. V. M- ab wird der Zahlungsverkehr wieder von den schweren Beschränkungen befreit werden, die seit Mitte 3uli auf ihm gelastet haben. In den vergangenen drei Wochen ist es fedem einzelnen klar geworden, wie eng er auf Gedeih und Verderb mit dem Wirtschaftsleben nicht nur des eigenen Volkes, sondern der grämten Welt verbunden "ift; denn jeder, ohne rgend eine Ausnahme, wurde von den tief- ch neideten Mahnahmen betroffen, die die Regierung im Interesse des Ganzen unserem Volke aufevleigen muhte. Daß diese rein materiellen Veschränkunigen für viele auch seelisch« Delastun- gen mit sich brachten, ist verständlich. Wenn wir auch auf lange hinaus noch nicht von normalen Verhältnissen werden sprechen können, o kann doch das eine mit großer Sicherheit wohlz gesagt werden, dah wir das Schlimmste überstanden haben. Und wenn wir rückschauend die letzten Wochen betrachten, so können wir mit Genugtuung feststollen, dah die Bevölkerung sich, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, ruhig verhaften und mit bewunderungswürdigem Verständnis die Notwendigkeit der charfen Mahnahmen namentlich auch der Verordnungen, die sich auf die Erfassung der Devisen usw. erstreckten, anerkannt hat. In diesen schweren Wochen hat in zunehmendem Maße die Auf- ässung Boden gewonnen, dah wir nur aus ligenerKraft, nicht aber mit fremder Unter- tühung aus unserem wirtschaftlichen Elend herauskommen können. Diese Erkenntnis muh als Gewinn gebucht werden, der sich hoffentlich auch ür die kommenden Zeiten auswirken wird. Ferner haben die vergangenen Wochen bewiesen, dah unsere Währung fest gegründet ist, und es kann nicht oft genug betont werden, dah sie auch in Zukunft unerschüttert bleiben wird. Wir standen und stehen nicht in einer Inflati'on (ungesunde Vermehrung an Zahlungsmitteln), sondern in einer Deflation (Mangel an Zahlungsmitteln), einmal hervorgerufen durch den Rückfluh von gekündigten Auslandkrediten und damit zu- ammenhängend den Verlust von Gold und Deusen, die zur Deckung unseres Rotenumlaufs dienten, und dann duvch die stoßweise auftretenden Abhebungen von Dank- und Sparkassenguthaben durch die Einleger. So mußten Regierung und Reichsbank, um einen völligen Zusammenbruch zu vermeiden, zu Maßnahmen schreiten, die wir alle am eigenen Leibe auf das unangenehmste empfunden haben und leider noch empfinden müssen; denn mit der Wiederaufnahme eines geordneten Zahlungsverkehrs sind noch nicht diehohen Zin- s e n beseitigt, die lahmend auf der ganzen Wirtschaft lasten und sobald als nur irgend möglich wieder abgebaut werden müssen. Sie können aber abgebaut werden, wenn jeder einzelne zu der Einsicht kommt, dah es sinnlos ist, mehr Geld zu Hause aufzubewahren, als notwendig ist. Unendlich viel Zahlungsmittel halten sich zwecklos in den Taschen oder Schubkästen des einzelnen auf, unendlich viel Zahlungen (Steuern, Mieten, ^soziale Abgaben, Zinsen, Versicherungsbeiträge, Schulgelder, Rechnungen aller Art usw.) könnten durch Banküberweisungen ohne Inanspruchnahme von Zahlungsmitteln beglichen werden I Die Behörden und alle Stellen, die regelmäßig Gehälter auszahlen, müßten dafür sorgen, daß die Gehaltsempfänger ihre Bezüge auf dem Wege der Ueberweisung auf Dank- oder Spar- kassenkvnto erhalten, wobei den Empfängern allerdings die Wahl der Dank oder Sparkasse freistehen müßte. Bei den Millionenbeträgen, die monatlich zur Auszahlung gelangen, würde der Ueberwei- sungsverkehr für den Zahlungsmittelumlaufeine gewaltige Entlastung bedeuten. Und welche Annehmlichkeiten der bargeldlose Verkehr hat, werden alle die bestätigen können, die sich bisher schon dieses Weges bedienten. Cs hat sich, wie wir durch Befragen an zuständigen Stellen feststellen konnten, selbst in den letzten Wochen gezeigt, daß nur ganz wenige, besonders ängstliche Gemüter ihre Dank- und Sparkassentonten aufgaben. Der überwiegende Teil ist seiner bisherigen Verbindung treu geblieben, ein Zeichen dafür, daß das Vertrauen in unsere Danken und Sparkassen durch die letzten Vorgänge doch nicht so erschüttert wurde, tote man nach den ersten Anzeichen annehmen konnte. Ja, in einzelnen Fällen lassen die Dareingänge der letzten Tage erkennen, dah eine rechterfreulich« Beruhigung eingetreten ist. Im übrigen bieten ja auch die gegenwärtigen hohen Zinsen für Bankeinlagen einen Anreiz, überflüssige Gelder zur Dank oder Sparkasse zu bringen. Eine Umfrage der Reichsbank bei ihren Zweigstellen hat, wie die Telegraphen-Union meldet, ergeben, daß bei den Prooinzbanken ebenso wie auch bei den Berliner Banken, die teilweise Wiederaufnahme des freien Zahlungsverkehrs einen günstigen Auftakt genommen hat. Fast durchweg wird berichtet, daß die Einzab- lungen bei den Banken die Auszahlungen überstiegen. Einzelne Banken haben eine Besserung ihrer Liquidität zu verzeichnen. Da für die Wiederaufnahme des vollen Zahlungsverkehrs gut vorgesorgt ist, befürchtet man keinerlei Schwierigkeiten. Bei den Sparkassen haben die Kündigungen ebenfalls stark nachgelassen. Die Wechseleinreichungen waren gering. Vielfach hat sich auch der Beginn des Saisonausverkaufes auf die Abwicklung des Zahlungsverkehrs vorteilhaft ausgewirkt. Au ch in Gießen verhält sich das Publikum, wie wir auf Rückfraae bei den verschiedenen hiesigen Geldinstituten erfreulicherweise feststellen können, durchaus diszipliniert. Auch von gelegentlich auftretenden Unruhestiftern läßt sich das Publikum nicht beeinflussen, sondern behält jene Ruhe, die bei der jetzigen Lage einzig angebracht erscheint. Der Verkehr bewegt sich überall in ruhigen Bahnen, der Giroverkehr ist nach wie vor lebhaft, neben den Abhebungen werden auch beträchtliche Einzahlungen getätigt und neue Konten eröffnet, so daß man überall mit Zuversicht der völligen Freigabe des Zahlungsverkehrs entgegensieht. Günstiger Stand des postscheckvertehrö Der Postscheckverkehr ist, abgesehen von dem durch Rotverordnung angeordneten Schließen der Zahlstellen der Postscheckämter am 14. und 15. Juli, während der ganzen Krisenzeit in v o l - lemUmfange auf recht erhalten worden. In der Zeit vom 14. bis 31. Juli haben betragen die Einzahlungen 734 Millionen Mk., die Auszahlungen 782 Millionen Mk. Durch bargeldlose Uebertoeifung von Konto zu Konto sind 3606 Millionen Mk. umgesetzt worden. In der zweiten Hälfte deS Juli Hat der Zugang an Postscheckkonten mehr als das Doppelte des Zugangs in der ersten Monats- Hälfte betragen. Der Verkehr hat sich durchweg glatt ohne jede Störung abwickeln lassen. auch eine unmittelbare Folge des Vertrauensoer- lustes, den der Ausfall der Reichstagswahl vom 14. September 1930 Deutschland in der Welt eingetragen und erst zu dem unheilvollen Abzug der ausländischen Kredite geführt hat. Würde am 9. August so abgestimmt werden, wie am 14. September 1930, dann würde damit der endgültige Zusammen- bruch Deutschlands besiegelt." Der Aufruf, in dem noch erklärt wird, daß gerade der jetzige Landtag in ruhiger und sachlicher Arbeit wertvolles für die innere Stabilisierung geleistet habe, schließt mit folgendem Appell: „Abstimmungsberechtigte, die Deutsche Staatspartei fordert Euch auf: Bleibt der Abstimmung fern! Rur wer in abhängiger Stellung von seinem Fernbleiben wirtsä-aftliche Schäden zu erwarten hat, gehe zwar zur Abstimmung, stimme dort aber mit Rein." Radikaler Mittelstand/ eine neue Partei K o b l e n z, 3. Aug. (TU.) Am 2. August sand eine Tagung der Führer der aus der Wirtschaftspartel ausgetretenen W-a hl kreise in Koblenz statt. Es wurde beschlossen, den Namen „Radi- kaler Mittelstand" zu führen. Entsprechende organisatorische Beschlüsse wurden gefaßt. Mit der zu gleicher Zeit in Dresden tagenden Sächsischen Wirtschaftspart^i wurden Begruhungstele- gramme ausgetauscht. Ein gemeinsamer Parteitag soll die Form der Bareinigung festsetzen. Die neu- gegründete Radikale Mittelstandspartei hat an das Präsidium des Preußischen Landtags folgendes Telegramm gerichtet: Hierdurch teilen wir mit, daß wir nicht mehr Mitglieder der Reichspar- teidesDeutschenMittelstandes sind, und auch der Fraktion nicht mehr angehören. Wir sind der neugegründeten Partei „R adikalerMittel- st a n d" beigetreten und bitten, uns im Landtag als Mitglieder dieser Partei zu führen. Sitze bitten wir uns rechts von der Reichspartei des Deutfchen Mittelstandes (Wirtschaftspartei) zuzuweisen. Gez. Abgeordneter Dr. Rhode, von Detten, Mitglieder des Preußischen Landtags. Oie Sachlieferungen während des Hoovermoraioriums. Berlin, 4.Aug. (ERB.) Der Leiter der Haus- Haltsabteilung des Reichsfinanzministeriums, Mini- fterialdirektor G r a f S ch w e r i n v. K r o s i g k, der den Reichskanzler nach London begleitete, ist gestern wieder in Berlin eingetroffen und hat über den Stand der Stillhalteverhandlungen Bericht erstattet. Gleichzeitig hat Graf Schwerin von Krosigk berichtet über den Stand der Verhandlungen über die S a ch l i e f e r u n g e n, die in London unter Mitwirkung von Vertretern der Reichsressorts noch geführt werden. Es verlautet, dah diesachlichen Schwierigkeiten nach wie vor erheblich sind. Insbesondere ist es die Be- zahlung der Sachlieferungen durch die kleinen Länder, mit denen bisher eine Einigung noch nicht möglich gewesen ist. Kongresse und Tagungen. Das deutsche Episkopat feiert die Heilige Elisabeth. In Fulda fand in der Stadthalle anläßlich der 700-Jahrseier der Heiligen Elisabeth ein« Fest- versammlung statt, an der sämtlich« Bischöfe teilnahmen, die wegen der bevorstehenden Bischofs- konferenz hier weilen. Der Bischof von Fulda begrüßte di« Teilnehmer. Den Höhepunkt der Versammlung bildete di« Festrede von Prälat Dr. Dvn d er s über „Das tiefe Geheimnis der Heiligen Elisabeth". Seine Ausführungen knüpften an den Gedanken an, daß die große deutsche Heilige, das Vorbild der christlichen Nächstenliebe, all' ihre seelischen und materiellen Schätze gespendet habe aus tiefster Quelle ihres Herzens, aus der höchsten Gottes- und llyenschenliebe. Der stärkste Mensch sei immer der Mensch eines einzigen Gedankens. Alles, was er an Kraft, Willen, Intelligenz und Nervenanspannungen in sich aufspeichere, setze er einzig und allein in dieser einen Richtung ein und erzwinge damit eilte Wucht, der selten di« Welt widerstehe. Die Männer und Frauen, die heute ganz und gar erfüllt und durchtränkt seien von der Not der Zeit und ihres Volkes, in all' diesen lebe di« Apostelseele der Heiligen Elisabeth. — Den Abschluß der Feier bildete die Uraufführung einer symphonischen St. Elisabeth-Kantate. Am Dormittag fand im Dom ein von Kardinal-Erzbischof Faulhaber unter Assistenz sämtlicher anwesenden Bischöfe zelebriertes Pontifikalamt statt. Auch die Festpredigt hielt Kardinal Faulhaber. Sehr bemerkenswert waren seine Ausführungen über die Stellung der katholischen Bischöfe Deutschlands zu den sozialen und fulhireUen Fragen der Gegenwart. Die Bischöfe wendeten sich, so erklärte er, vor allem gegen die übermodernen Strömungen der heutigen Zeit, gegen die Frauenmode, die übertriebene Körperkultur und die sittenlosen Auswüchse in Literatur und Kunst. Sie sprächen sich aus für die Bekämpfung der Wohnungsnot und nähmen Stellung gegen die Leichenverbrennungen. Gleichzeittg appellierten sie an das Ausland, dem sie zu bedenken gäben, dah das deutsche Volk im Stadium der Hungersnot stehe .— An der Clisabethfeier nahmen teil die Kardinal-Erzbischöfe von Breslau, Münch e n und Köln, die Erzbischöfe von Paderborn und Freiburg, die Dischöfe von Fulda, Osnabrück, Münster undDer- lin, Mainz, Trier, Rottenburg, Hildesheim, Meißen, Ermland, Limburg und Aachen. weltkonferei»; Christlicher Iungmännervereine. In Toronto hat die Weltkonferenz der Christlichen Vereine Junger Männer ihren Anfang genommen, zu der über 1000 Iugendsührer und Vertreter der Jugendlichen aus der ganzem Welt angemeldet sind. Die letzte christliche Welt- jugendtagung hat vor 5 Jahren in Helsingfors stattgefunden. Dr. Stange aus Kassel, Reichs- toart der evangelischen Iungmännerbünde Deutschlands, wurde zum Vorsitzenden der Son- derkonferenz für Iungmännerarbeit gewählt. Die deutsche Abordnung ist auf die verschiedenen Fachgruppen verteilt und steht in lebhafter Auseinandersetzung mit den Iugendführern der anderen Länder. Starke Abordnungen sind auS China, Japan, Indien und Hawai zugegen. De- sonderS wirkungsvoll war das Oluf treten deS bekannten Sozialreformers K a g a w a. Tagung des Jugendbunde» für entschiedenes Christentum. Dom 31.Juli bis 5.August findet in Köln die 37. Tagung des Deutschen Jugendbundes für entschiedenes Christentum statt. Begrüßungsworte sprach der Bundesdirektor Pfarrer Schürmann, worauf Vertreter der englischen Bruderorganisation die Grüße aus den in den Distrikten von Lanca- shire und Manchester bestehenden Bünden übermittelten. Der Generalsekretär des Bundes, Stolp- mann, sprach sodann über die in England im Jahre 1881 erfolgte Gründung des Jugendbundes. Direktor Schreiber stellte die Ziele des Bundes heraus. Durch ein Bekenntnis zu einem entschiedenen Christentum, das zu keinerlei Kompromißlösungen bereit sei, wolle man die Bundesmitglieder über den Akt der inneren Bekehrung hinaus zur Gemeinschaft der Arbeit des Glaubens und des Lebens zusammen- führen. Am Sonntag fanden in mehreren Kölner Kirchen FAgottesdienste statt, an die sich eine öffentliche Kundgebung auf dem Neumarkt anschloß. In geschlossenem Zuge marschierten bann die Teilnehmer, unter denen sich mehr als 2000 ^ungmäb« chen unb Jungmänner befanben, wieder zum Messegelände. Reichslagung der marianischen Kongregationen. Anläßlich der Reichstagung der marianischen Kon- gregationen höherer Schüler Deutschlands veranstaltete das katholische Mainz am Sonntag in der Stadthalle eine Kundgebung zur 1500-Jahr-Feier des Konzils von Ephesus. Es sprachen der Erbprinz zu Löwen st ein-Wertheim-Rosenberg und der Mainzer Bischof Dr. Ludwig Maria Hugo über die marianischen Kongregationen und ihre religiösen Grundlagen. Gewerkfchaftslag der Deutschen postgewerkfchaft. Die Deutsche Postgewerkschaft hielt am 2. unb 3. August in Düsseldorf ihren Gewerkschaftstag ab. Ministerialrat Kröner, der die Grüße unb Wünsche bes Reichspostministers überbrachte, betonte, daß auch bei der Reichspost der Rückgang des Verkehrs nicht ohne Einfluß auf das Personal geblieben (ei. Die Deutsche Reichspost werde aber bestrebt fein, allen Arbeitern den Arbeitsplatz zu erhalten. Die Notwendigkeit, für bestimmte Betriebszweige die Arbeitszeit herabzusetzen, lasse sich aber kaum umaehen. Aus dem Tätigkeitsbericht ist zu erwähnen, daß trotz der allgemeinen schlechten Wirtschaftslage eine ständige Aufwärtsentwicklung der Organisation zu verzeichnen ist. In der Nach- mittagsoerhandlung sprach der Präsident der Ver- forgungsanftalt der Deutschen Reichspost, Dr. Schn ei der-Dresden, über „Die Versorgungs- anstatt". Die Finanzlage der Versicherungsanstalt, so erklärte er, sei im Gegensatz zu den sonstigen sozialen Versicherungen als gut unb gesichert zu betrachten. Der Marinebunbeslag In Kassel. Am Marinebundestag in Kassel, der gleichzeitig zu einem Treffen der Deefoldaten der Flanoern- kämpfer und der Angehörigen der ehemaligen Mittelmeerdivision crusgestaltet wurde, nähmen trotz der Not der Zeit etwa 3000 ehemalige Marineangehörige aus ganz Deutschland, aus den abgetretenen Gebieten, aus Danzig, Oberschlesien und dem Saarland teil. Als Ehrenkompagni« war die 6. Marineinfanterieabteilung mit der Musikkapelse erschienen. Am Samstag fand in der Stadthalle ein Begrüßungs- aberrd statt. Am Tisch der Ehrengähe sah man u. a. Vizeadmiral a. D. Rö s ing, den ersten Vorsitzenden des Dundes deutscher Marinevereine, Vizeadmiral a. D. Souchon, ehemaligen Chef der Mittelmeerdivision und General der Kavallerie von Kayser. Oberbürgermeister Dr. Stadler hieß di« Gäste willkommen, worauf weiter« Degrühungsansprachen folgten. Der Dun- desvorsitzende, Vizeadmiral Rösing, hielt die Festrede. Sonntagvormittag fand ein Gottesdienst und für die Gefallenen «ine Gedenkfeier statt. Am Nachmittag folgte ein Umzug der Tagungs- teilnehmer durch die Stadt. Aus aller Well. Weidmannsheil des Reichspräsidenten. Reichspräsident von Hindenburg, der zu einem kurzen Iagdaufenthalt in seinem Jagdhaus« in der Schorffheide weilte, erlegte am SamStag einen Zwanzigende r. Das ist der stärkste Hirsch, der dem Reichspräsidenten bisher vor die Büchse kam. Die Leistung ist um so höher zu bewerten, als von Hindenburg auf 90 Meter Entfernung bei starkem Zwielicht einen guten Blattschuh anbringen konnte. Schwere Unfälle bei der Segelwoche in Cowes. Als dte königlich L Segeljacht „D-oitannia" mit dem König von England an Bord zur Eröffnung der großen Segelwoch« von Cowes zur_ Startlinie fuhr, spülte eine überkommende Böe den zweiten Offizier über Bord, der trotz sofort eingeleiteter Rettungsmcmöver ertrank. Der König ließ die Regatta sofort ab breche n und kehrte zu seiner Dampsfacht „Viktoria and Albert" zurück. Fast zu gleicher Zeit wurden duvch eine Explosion an Bord eines Motor- vrnnbovtes die Lady H ul ton, der Admiral Metchell und ein Mechancker schwer verletzt. Das Boot stand sofort in Flammen und nur mit Mühe gelang es, die Insassen zu retten. Drei Bauern vom Blitz gelötet Nordwestlich von Häselgehr im Lechtal schlug der Blitz in eine Hütte ein. Hierbei wurden drei Bauern getötet, zwei Personen verletzt bzw. betäubt. Eine Rettungsexpedition brachte sie zu Tal. hochwasserkalaslrophe in hankau. Nachdem der Vangtse bereits seit einigen Tagen infolge der starken Regenfälle über die Ufer getreten war und auch das Wasser der Seen in der Nähe der Stadt Hankau stieg, barst plöhl ich der Schuhdamm gegen die Seen, und eine ungeheuere Wassermenge ergoß sich in die Stadt, die in ganz kurzer Zeit bis zu fast eineinviertel Meter Höhe überschwemmt wurde. Hunderte von Einwohnern der dicht bevölkerten Armenviertel, die von der Flut überrascht wurden, ertranken. Die Truppen arbeiten an der Errichtung von provisorischen Staudämmen, um die Ueberschwemmung einzuschränken. Sehr ernst ist die Frage der Lebensmittelversorgung der Stadt, die vollkommen von der Umwelt abgesperrt ist und nur über geringe Lebensmittelvorräte verfügt. Schweres Unglück in einer Schleuse. In Toronto (Kanada) ereignete sich in einer Schleuse des Lachine-Kanals ein schweres Un- glück. Der Dampfer „Rapids Prince" fuhr m i t voller Wucht gegen eine geschlossene Schleusentür und zertrümmerte sie. Durch die herausströmenden Fluten wurden 40 Arbeiter, die am Ufer beschäftigt waren, fvrtge- schwemmt. Rur 25 konnten sich durch Schwimmen retten, während dir übrigen 15 ertrunken sind. Der Schiffsverkehr im Kanal ist für drei Tage unterbrochen. Der Schaden wird auf 1,2 Millionen Mk. geschäht. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 4. August 1931. । Laurentiusträrien. Die vielen Sternschnuppen, die in den Nächten vom 6. bis 12. August zu fallen" pflegen, nennt der Volksmund „Laurenttusttänen" und bringt sie mit den glühenden Tränen des Hl. Laurentius, der am 10. August den Märtyrertod auf dem Rost gestorben sein soll, in Verbindung. Die Sternschnuppen verdanken ihre Entstehung kleinen meteorischen Körperchen, etwa von der Größenordnung einer Erbse bis zu einem Kieselstein, die — ehemals einem Kometen angehörig — in ellipttscher Dahn die Sonne umkreisen. Jeweils in der ersten Augusthälfte durchschneidet die Erdbahn die Meteorwolke, so dah die kleinen Körperchen, angezogen von der großen Erbmasse« auf diese zustürzen. Beim Durchsausen der Luft werden die Körperchen glühend und verdampfen meist völlig, da ihre Geschwindigkeit im Mittel etwa 60 Kilometer pro Sekund« beträgt. Dia Astronomen nennen diesen Sternschnuppe^ schwärm meist „Perseiden", da die scheinbaren Bahnen vom Sternbild Perseus auszustrahlen scheinen. — Wenn die scheinbare Bahn ein und desselben Meteors von zwei oder mehreren Erdorten aus genau beobachtet wird, so ist es möglich, seine Dahn über der Erdoberfläche zu berechnen. Bei Sternschnuppenbeobachtungen wurde am 10. August 1921, 1.11 Uhr, von Oberbühlertal (bei Bühl) am Südosthimmel eine Sternschnuppe beobachtet, die zufättig sich auch auf einer von Geheimrat Wolf, Heidelberg, aufgenommenen Himmelsphotographie abbildete. Aus den scheinbaren Bahnen ist ermittelt, daß die Sternschnuppe in 117 Kilometer Höhe über dem Erd-, boden zuerst aufleuchtete, und zwar über einer Stelle 6 Kilometer nordöstlich von Schramberg. Sie sauste dann mit 57 Grad Neigungswinkel 44,5 Kilometer weit dahin und erlosch in 79,5 Kilometer Höhe über Nordstetten (bei Horb). Die Sternschnuppe leuchtete damals sehr hell in grünlich-blauem Licht und hinterließ eine etwa drei Sekunden lang nachleuchtende Schweifspur, d. h. glühende Reste des Meteorkörpers, die bet dem raschen Flug durch die Luft absplitterten, glimmen noch einige Sekunden nach, bis sie erlöschen. Daten für Dienstag, 4. August. Sonnenaufgang 4.53 Uhr, Sonnenuntergang 20.09 Uhr. — Mondaufgang 22.09 Uhr, Monbuntergang 11.04 Uhr. 1859: der Schriftsteller Knut Hamsun in Gud- branbsbal geboren; — 1875: ber Märchendichter Hans Christian Anbersen in Kopenhagen gestorben; — 1914: England erklärt Deutschlanb ben Krieg. Gießener Wochenmarktpreise. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter 140 bis 150 Pfennig das Pfund, Matte 30 bis 35, Wirsing 10 bis 12, Weißkraut 10 bis 12, Rotkraut 12 bis 15, Gelbe Rüben 15 bis 20, Rote Rüben 15 bis 20, Spinat 20 bis 25, Römischkohl 8 bis 10, Bohnen 10 bis 15, Erbsen 10 bis 15, Tomaten 20 bis 30, Zwiebeln 10 bis 15, Kürbis 5 bis 6, Pilze 20 bis 25, Kartoffeln 4 bis 4Vr. Frühäpfel 15 bis 20, Falläpfel 4 bis 5, Aepfel, ausländische 50 bis 60, Birnen 15 bis 30, Dörrobst 30 bis 35, Heidelbeeren 20 bis 25, Stachelbeeren 20 bis 25, Johannisbeeren 20 bis 25, Pflaumen 30 bis 35. Zwetschen 30 bis 35, Mirabellen 35 bis 40, Reineclauden 35 bis 40, Honig 40 bis 50, junge Hähne 90 bis 110, Suppenhühner 90 bis 100, Pfirsiche 40 bis 60, Himbeeren 35 bis 40, dicke Bohnen 10 bis 15; Käse (zehn Stück) 60 bis 140, Tauben 50 bis 70 Pfennig das Stück, Sier 9. Blumenkohl 30 bis 70, Salat 5 bis 10, Salatgurken 15 bis 25, Cinmachgurken 2 bis 5, Endivien 10 bis 20, Ober- Kohlrabi 8 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 15; Radieschen 10 bis 15 Pf. das Bündel; Kartoffeln 3,50 Mark der Zentner. Bornotizen. — Tageskalender für Dienstag! Stadttheater Gießen, Gastspiel des Kuban- Kosaken-Chors, Anfang 20, Ende 22 lltjr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: »Kinder vor Gericht". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute abend, 20 il&r, einmaliges Gastspiel der Kuban-Kosaken (28 Mann!) mit einem reichhaltigen Programm. Gewöhnliche Preise. Beginn 20 Uhr, Ende gegen 22 llfjr. — Flugtag am 9. August. Jrn hiesigen Flughafen gelangt am Sonntag ein Flugtag zur Durchführung. Neuartige Rückenflüge, sowie die verschiedenen Arten des Kunstfliegens, ein Geschick- lichkeitswettbewerb, Zielabwurf, und anderes mehr sind im Programm vorgesehen. Ein besonderes sport- liches Ereignis wird die kombinierte Stafette bar- stellen, an oer sich Läufer, Reiter, Radfahrer, Kraftfahrer, Autos und Flugzeuge beteiligen werden. Die Sensation des Flugtages wird ber Fallschirmabsprung-Wettbewerb fein, an dem auch der bekannte Fallschirmpilot Resch- Würzburg teilnehmen wirb. Näheres in ber heutigen Anzeige. • * Familientag der Lukasgemeinde. Der Gemeindetag, den die Lukasgemeinde am Sonntag im Saale der „Liebigshöhe" veranstaltete, nahm bei sehr starker Beteiligung einen guten Verlauf. Den musikalischen Teil hatte der „Verein für christliche Musik' übernommen. Unter Dorantritt dieser Kapelle zogen die Kinder, die die Kinderkirche besuchen, nach dem Versammlungsorte, viele Erwachsene hatten sich dem Zuge angeschlossen. Die Versammlung wurde von Kirchenvorsteher Juwelier Noll geleitet, der in seiner Begrüßungsansprache auf die seither veranstalteten Familientage der Lukasgemeinde hin- wie- unb ihre *Sebeuhmfl für Ml ®cmeinbc- leben darlegte. Pfarrer Bechtolsheim er sprach sodann über die Gestaltung des cvan^elr- schen Gemeindelebens, wie ft« in der neueren Zeit allenthalben in den deutschen Städten durchge- sührt worden sei, er wies auf die segensreichen Bestrebungen der kirchlichen Vereine der LukaS- gemeinde, deS GerneindevereinS, deS Frauenver- einS, des MädchenbundeS und der Bereinigung der konfirmierten männlichen Jugend hin. Der Mädchenbund führte mehrere Reigen auf. die freundliche Aufnahme fanden. Die Bereinigung der konfirmierten männlichen Jugend brachte ein Schelmen stück, ,9t. Allwissend", nach dem gleich, namigen Märchen der Brüder Grimm zur Aus- sührung. Sodann wurden die Kinder mit Bre^ln bedacht. 3rx seiner Schluhansprache dankte Äir- chenvorsteher ReichSbahnamtmann Dörr allen, die zur Verschönerung der Veranstaltung bei- getragen hatten. Gemeinsam begab man sich aus den Heimweg. •• Treffen deS HessenbunbeS. Am SamSrag und Sonntag fand in Gießen ein Treffen deS KreiSverbandeS Oberhefsen des Hessen- bundeS statt, in dem die im ReichSvtrband für die evangelische männlich« 3ugend organisienen 3u* gendbünde zusammen geschlossen sind. Schon am SamSlagabend sammelten sich bi« von auSwärtS gekommenen Iugendbündc mit den Mitgliedern der evangelischen Iugendvereinigungen aus den Giessener Gemeinden zum Zeltlager auf dem Trieb. Zum AestgotteSdienst am Sonntagvormit- tag in der S-tadtkirch« zogen di« Iugendlichen mit ihren Wimpeln und horten aufmerksam die Fest- prediat d«S DiasporapfarrerS T r a b a n d t auS Herbstetn. Da auch noch die AlterSvereinigung der 70jährig«n am Gottesdienst teilnahm, fo sanden sich Alt« unb Junge zu gemeinsamem Bekenntnis zusammen. Der Frauenchvr der evangelischen Arbeitervereinigung unter der Leitung von Frau Schäfer verschönle mit dem Terzett der Engel auS dem Oratorium ..SliaS" und dem Desperchor die Feierstunde. Die Kollekte deS TageS kommt der evangelischen Zügendvereins- arbeit zugute. Aach dem Mittagsmahl im Zeltlager verbrachte di« Jugend den Vachmittag mit Spiel und Gesang. Mitglieder der Iugendver- einigung der DelruSgemeinde führten den Schwank „Der Rohdieb zu Fünsingen" von HanS Sachs auf. DaS Treffen nahm einen harmonischen Der- lauf. •* Heimatfest auf dem Schisfenberg. Don der Hcimatoereiniguna Schisfenberg wird uns geschrieben- Nach langen Erwägungen ist in einer kürzlich abgchaltenen Sitzung der Heimatoereini» gung Schisfenberg beswlossen worden, auch in diesem Jahr mit einer Veranstaltung auf dem Schissenberg an die Oessentlichkeit zu treten. Die Veranstalter sind sich bewußt, daß die jetzigen Zeitoerhöltnisse keine Veranlassung zu rauschenden Festen gaben, daher soll die Veranstaltung den Charakter einer Heimattagpng tragen. Die Heimatvereinigung Schis» fenberg hat u. a. auch das Bestreben, Leute aus Stadt und Land einander näher zu bringen, sich kennen zu lernen und so dem Vaterlands zu dienen. Das Schifsenbergscst soll eine traditionelle, alle Jahre wicderkehrende Einrichtung werden. Es soll aber nicht nur eine Veranstaltung für die Mitglieder der Vereinigung fein, vielmehr soll jedermann daran teilnehmen und einige fröhliche Stunden verleben. Um den wirtschaftlichen Verhältnissen Rechnung zu tragen und jedermann Gelegenheit zu geben, die Veranstaltung zu besuchen, wird von der Erhebung eines Eintrittsgeldes abgesehen. Die verschiedensten Vereine aus «tadt unb Land haben ihre Mitwirkung zugesagt. Man hofft, ein reichhaltiges, ab- wechslungsreiches Programm zusammenstellen zu können. •• Anmahnung von G aS» und Wasser gelb. DaS GaS- unb Wasserwerk macht darauf aufmerksam, bah die Beträge für Dasund Wasser biS zum 15. d. M. noch ohne Kosten bezahU werden können. DaS Elektrizitätswerk mahnt in seiner heutigen Bekanntmachung im gleichen Sinne für di« fälligen Strvmgelber. Oberheffen. Landkreis Gießen. 00 Klein-Linden, 2. Äug. 3m Saale der hiesigen Kleinkinderschule sprach am Freitagabend stuck, theol. Geißler (Watzenborn-Steinberg, in anschaulicher Weise über die geistige und religiöse Lage in Indien und über die Ehristusoorstellung der Indier. Der Redner fand aufmertlam« Zuhörer. • Klein-Linden. 4. Äug. Der Notiz über die Deigeorbnetenwahl ist nachzutragen, daß auf den Kandidaten deS GewerbeveretnS, Friedrich Schimmel, nicht 242, sondern 272 Stimmen entfielen. w Leihgestern, 3. August Bei der gestrigen Deigeorbnetenwahl erhielt der seitherige Beigeordnete Georg Wal dschmidt (Liste deS Bauernbundes) 466 Stimmen, Wilh. S e i p p VI. (freie Dürgerlist«) 283 Stimmen und Wilhelm Funk (Sozialdemokratische Liste) 197 Stimmen. Don 1176 Wahlberechtigten wurden 946 gültige Stimmzettel abgegeben, also rund 80 v. H. Das vorliegende Wahlergebnis macht eine Stichwahl zwischen G. Waldschmidt und Wilh. Seipp notwendig. Kreis Friedberg. ch BUtzdach 2. Aug. Der hessische Landes- verein für 3nnere Mission veranstaltet in der Zeit vom 23. bi» 29. August in unserer Stadt eine Freizeit für Arbeiter und Arbeitslose. Die Teilnehmer sind Gäste bei evangelischen Gemeindemitgliedern in unserer Stadt. Der Hessische Landesverein für Innere Mission hosft, auch die Reisekosten auS kirchlichen Mitteln vergüten zu Birnen. Kreis Büdingen. g. Büdingen, 3. August. Aus der jüngsten Gemeinderatssttzung ist folgendes zu berichten: Die von der Bürgermeisterei vorgeleg- ten Erläuterungen zu den Revisions-Bemerkungen des Kreisamtes Büdingen zum Gemeindevoranschlag 1931 werden vom Gemeinderat angenommen. Dem Gemeinderat wurde Mitteilung davon gemacht, dah die Stadtkasse den der Stadt obliegenden Derpslichtungen von Zahlungen, wie z. B. Kosten für Unterbringung von Geisteskranken mit etwa 4000 Mk., Zuschuß zum Gymnasium 8000 Mk., Beiträge zur Fürsorgekasse mit etwa 2500 Mk. zur Zeit nicht n a ch - kommen kann. Die Angelegenheit wurde auf kurze Zeit vertagt, da größere Einnahmen in Aussicht stehen. Der vorliegende Waldwirtschaftsplan sür das Wirtschaftsjahr 1932 wurde angenommen. Der Demeinderat beschloß, daß für die Folge im Büdinger Stadtwald nur Büdinger Arbeiter beschäftigt werden dürfen. Die Einstellung eine» Dvllziehungsbeamten für die Adreßbuch der Siadt und des Kreises Gießen. Der Abschnitt V mit ben Einträgen In bas Handels- und Sewerbeverzeichnis brr Stadt Sitßen liegt zwei Tage, vom Mittwoch,dem 5., bis einschließlich Donnerstag, dem 6. b. Mts.^u jedermanns Einsichtnahme In unserer Geschäftsstelle offen. Die zuständigen Geschäftsleute Gießens werden um Prüfung der Einträge auf Richtigkeit und Vollständig- feit hiermit gebeten. Für Fehler unb Unrichtigkeiten kann keine Haftung übernommen werden. OberhessischerAdreßbuchverlag Gießen Schulstraße 7 Eingang von der Kaplaneigaffe aus. Gemeind« Büdingen wird von der Beratung ab- geseht. Der vorliegende DoranschlagSent- Wurf deS Wvlfgang-Ernst-Gtzmna- f i u m S für 1932, nach dem die Gemeinde einen Zuschuß von 17 700 Mk. zu leisten hat, wurde angenommen,. Für alle vor dem 1. April 1931 bezugsfertig gewordenen Wohngebäude läßt die Gemeinde auf Antrag Bef reiung von der Gr und ft euer eintreten. Einem Antrag auf Rückerstattung von vorgelegten PflasterungSkosten wird zu 50 Prozent entsprochen. Der Qlntrag der .Siege" auf Zahlung eines ZinszufchusseS wurde zur weiteren Behandlung der Finanzkommission überwiesen. Die Beschaffung von Geldmitteln für die Feldbereinigung unb Notstand s- arbeiten wurde der Finanzkommisfion überwiesen. Krcis Schotten. Laubach, 3. Aug. 3n der Gemeinderatssitzung wurde zunächst beschlossen, daß die vorläufigen Steuersätze für daS Rechnungsjahr 1930 als endgültige zu gelten haben. — Für Wohnungsneubauten, die vor dem 1. April 1931 bezugsfertig geworden sind, wurde die früher beschlossene Grundsteuervergütung insofern ausgedehnt, als über fünf 3ohre hinaus für das 6., 7. und 8.3ahr noch Freistellung von der gemeindlichen Grundsteuer, und für das 9 und 10.3ahr Ermäßigung um die Hälfte stattfindet, lieber das Ende des Rech- nungsiahres 1938 hinaus wird die Dergünsti- gung jedoch nicht gewährt. — Auf die Eingabe deS Turnvereins hin wurde die jährliche Anerkennungsgebühr für die Benutzung des städtischen Schwimmbades von 30 Mk. auf 20 Mk. ermäßigt — Die veraltete Ortssatzung über die Benutzung der städtischen Wasserleitung zum Privatgebrauch soll durch die Einführung einer neuen Wasserbezugsordnung auf gehoben werden. Die Angelegenheit wurde der Wasserkommission zur Bearbeitung überwiesen. — Die Prvvinzialbau- verwaltung läßtzur Zeit eine zweite Teerung der über 1400 Meter langen Laubacher Ortsdurchfahrt vornehmen. Auch die Bahnhofstraße soll geteert werden. — Einer Eingabe, den mit Gemeindegefällen rückständigen Erwerbslosen Zahlungserleichterungen zu gestatten, soll durch Gewährung von Ratenzahlungen entsprochen werden. — Die Bier st euer wurde Kaiser-Natron dar! in keiner Küche fehlen. Macht die Spelten leicht verdaulich. Zur Bereitung erfrltchender Braute-Umonade. Gegen Sodbrennen, Mtgentiure. Verlangen Sie au td rückt ich Kelter-Netron in grüner Original-Packung, höchtte Reinheit garantiert, niemalt lote. In den menten Getchdften. Rezepte gratit. Arnold Hoffte Wwe. Bielefeld. fMSjj seither direkt von den Wirten erhoben. Mit Rücklicht aut die bei der Erhebung eingetretenen Schwierigkeiten soll tn Zukunft btc Steuer unmittelbar von den Brauereien an- gefordert werden. — Die im Stadtwald Distrikt ,Scna«S" auSgeführten Wegebauarbeiten tollen fortgesetzt werden. — Für die Neubildung der SteuerauSschüssc werden die seitherigen Mitglieder dem KreiSamt Schotten in Vorschlag gebracht. U Ulrichstein, 3. Aug. Sin SreigniS für den hoben Vogelsberg war der auf der Höhe bei Ulrichstein abgehalten« Flugtag der Gießener Sportlervereinigung. Sine große Zufchauermen«. etwa 3CX» Personen aui oen umliegenden Ortschaften war erschienen. Gute» Flugwetter und hellster Sonnenschein ermöglichten den guten Verlaus der Veranstaltung. Don den zahlreichen Darbietungen machten den Zuschauern ein Luftkampf der beiden Piloten, daS Zerstören von kleinen KinderballonS durch den Doppeldecker und. schließlich der Fallschirmabsprung die größte Freude. 'Der Fallschirmspringer konnte seine Landung nicht auf dem Fluggeländ« vornehmen, er wurde vom Wind stark abgetrieben, kam aber wohlbehalten zur Erde. Wettervoraussage. Das neue Hochdruckgebiet hat sich etwas mehr südlich über Deutschland ausgebreitet. Unter feinem Einfluß wird, nachdem die letzten Storungsrefte beteiligt sind, Besserung der Wetterlage eintreten. Vorhersage für Mittwoch: Meist wolkig, jedoch mehr aufheiternd, warm und trocken. Lufttemperaturen am 3. August: mittags 26 Grad Celsius, abends 19,6 Grad: dm 4. August: morgen» 19,4 Grad. Maximum 26,8 Grad, Minimum 17,6 Grad. — Erdtemperaturen in 10 an liefe am 3 August, abends 24,4 Grad: am 4. August: morgen» 20,8 Grad Celsius. — Niederschläge 9,7 mm — Son» nenscheindauer 2% Stunden. Rcisewetterdiensk der amtlichen Wetterdienststelle Gießen. B a d T ö l z : 17 Grad, Südwind: Witterung heute morgen heiter bis halb bedeckt. Witterung seit gestern teils heiter, teils wolkig. Westerland: 19 Grad, vstwind. heute morgen heiter bis halb bedeckt, gestern teils heiter, teil» wolkig. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bl» 12.39 Uhr, 16 bl» 17 Uhr. Samstag nachmittag geschloffen Anzeige nausträge sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten. Für unverlangt elngesandte Manuskripte ohne beigefügte» Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Verantwortlich für Lokales: i. V. H. L. N e u n e r. Continental-Reifen bestehen auch diese schwere Prüfung! Nach der Gewaltprobe auf dem Nürburgring („Großer Preis von Deutschland“) nun auch die phantastischen Geschwindigkeiten des „Avus“-Rennens! Caracciola siegt auf Mercedes-Benz mit Continental-„Record“ ohne jeden Reifenwechsel in der bisher unerreichten Durchsdmittsgeschwindigkeit von 185,7 km/Std.! >i«v v. Brauchitsch auf Mercedes-Benz mit „Continental“ ................ Lewy auf Bugatti mit „Continental“ Macher auf D. KW. mit „Continental“ Bauhofer auf D.K.W. mit „Continental“ v. Delius auf B.M.W. mit „Continental“ May auf D.K.W. mit „Continental“ Dritter der Klasse über 1500 ccm Erster der Klasse 750 bis 1500 ccm Erster der Klasse bis 750 ccm Dritter der Klasse bis 750 ccm Sechster der Klasse bis 750 ccm Siebenter der Klasse bis 750 ccm (onlineni Hauptwerke Hannover • Excelsior-Werk Hann.-Lir Hauptwerke Hannover • Excelsior-Werk Hann.-Limmer V- Peters Union-Werk Corbach Eva am Strand Vornan von Hermann Weick. 26. Fortsetzung Nachdruck verboten. S:« wollte ihr Wohnzimmer aufschliehen, aber der Schlüssel ging nicht ins Schloß. Verwundert betrachtete Eva das Schloß. Da gewahrte sie, daß ein Schlüssel von innen eingesteckt war. Wahrscheinlich hat das Mädchen das Zimmer von innen abgeschlossen und versehentlich den Schlüssel stecken lassen, dachte Eva und ging zur Schlafzimmertüre. Sie machte Licht. Als sie am Spiegel vorüberging, blieb sie stehen. Sie sah ihr blasses, verstörtes Gesicht und lächelte bitter. Dann öffnete sie die Türe zum Wohnzimmer, schritt rasch zum Schalter und drehte das Licht an. Plötzlich überfiel sie «in unbestimmtes Empfinden von Angst. Unsicher irrten ihre Augen umher. Run sah sie etwas, das ihr Mut erstarren ließ: Ihr großer Koffer, den sie immer abgeschlossen hielt, war geöffnet .. - auch die Fächer des Schreibtisches standen offen ... auf dem Schreibtisch lagen verstreut, als seien sie in aller Hast hingeworfen worden, Stücke ihres Schmucks ... Für Sekundendauer verharrte Eva regungslos, als fasse sie dies alles nicht. Dann jagte Entsetzen über sie hin. Sie wollte schreien, der Gefahr, die sie auf sich zukommcn fühlte, entfliehen ... Da sprang hinter der Portiere am Fenster, die ihn bisher verborgen hatte, ein Mann hervor und auf sie zu: er war im Gesellschaftsanzug und trug eine schwarze Maske. Blitzschnell hatte er mit dem einen Arm Eva umklammert, die andere Hand preßte er auf ihren Mund. Eva bäumte sich auf, sie wollte sich losreihen, aber wie eine stählerne Fessel lag der Arm des Mannes um sie. Hinter der Maske sahen gleich glühenden Lichtern seine Augen sie an. „Ein Laut, und du bist verloren!" zischte der Mann. Evas Herz setzte im Schlage aus. Diese Stimme! Diese Gestalt! d'Alvez! schrie es in ihr. Sie war wie von Sinnen. d'Alvez war ein Einbrecher! Sie war in seiner Gewalt! Vielleicht würde er sie töten! Todesangst siel sie an; mit verzweifelter Kraft versuchte sie, sich aus der Umklammerung zu lösen. Haß gegen den Mann, der sie für seine verbrecheriscAn Ziele mißbraucht hatte, verlieh ihr ungeahnte Kräfte. Sie rang mit ihm. Plötzlich bekam sie eine Hand frei. Mit wilder Wucht hieb sie d'Alvez die Faust ins Gesicht. Gr wollte sie abwehren und nahm seine Hand von ihrem Mund ... Gellend schrie sie. Seine Hände fuhren ihr um den Hals, würgten sie. Da wurde an der Klinke der verschlossenen Türe gezerrt. „Aufmachen! Kriminalpolizei!" klang es befehlend von draußen. d'Alvez stieß einen Wutschrei aus. Seine Augen jagten uncher, suchten «ine Möglichkeit zur Flucht. 3m Gang ertönten eilende Schritte, man suchte draußen den Weg durch Evas Schlafzimmer ... Da lieh der Verbrecher Eva los. Mit zwei Sähen war er beim Balkon. Er rih die Türe auf und schwang sich über das Geländer. Eva war aus den Boden gesunken. Wie durch einen dichten Schleier sah sie, wie aus ihrem Schlafzimmer ein Herr hereinstürmte, einen Revolver in der Hand ... hinter.ihm erschien Stefan Helbing ... dann verlor sie das Bewußtsein. „Er ist hinabgesprungen!" sagte Dr. Drannat erregt zu Helbing. „3ch gehe ihm nach. Bleiben Sie bei ihr!" Helbing kniete an Evas Seite. Zart strich er ihr über die tvdesbleichen Wangen.' Run wäre er doch beinahe zu spät gekommen! Roch wenige Minuten, und Eva wäre vielleicht verloren gewesen. Dieser Gedanke ließ Helbing bis in di« Tiefen seines Wesens erzittern. Gewaltsam rih er sich zusammen. Er nahm Eva auf seine Arme und bettete sie auf den Diwan. Dann suchte er im Rebenzimmer ein Tuch, feuchtete es an und legt« es Eva auf die Stirnen Rach wenigen Minuten schlug sie die Augen auf. Als ihr Blick Helbing traf, lächelte sie ungläubig. Sogleich aber verzerrten sich ihre Züge in maßlosem Schreck. Sie fuhr empor. „Ist er fort? ..." stieß sie heiser hervor. „Ja! Sie können ganz ruhig sein, Eva! Ich bin bei Ihnen!" Jäh sank sie wieder zurück. Das Dewuhtsein schien sie wieder verlassen zu haben. Helbing hatte ihre Hand, die wie leblos herab- gefunten war, ergriffen. So blieb er sitzen, bis Dr. Brannat zurückkam. „Ich habe ihn!" sagte der Kommissar leise. „Er ist nicht weit gekommen; beim Absprung hat er sich das linke Dein gebrochen, wenig« Meter vom Hotel entfernt blieb er liegen. Er ist in sicherem Gwahrsam und wird überdies auch wenig Lust verspüren, nur mit einem Bein aus- rücken zu wollen!" Brannat wies auf Eva Willer. „Roch immer bewußtlos?" „Vorhin war sie für einen Augenblick bei Bewußtsein." „Cassianu scheint ihr schwer zugesetzt zu haben. Man sollte für alle Fälile einen Arzt hinzuziehen. Ich werde sofort das Rötige veranlassen und auch ein Mädchen herausschicken, das Fraulein Willer zu Bett bringt." Als das Mädchen erschien, sagte Helbing erklärend : „Fräulein Willer hat einen Ohnmachtsanfall erlitten. Der Arzt wird gleich kommen. Bleiben Sie, bitte, solange bei Fräulein Willer!" Gemeinsam trugen sie Eva in ihr Schlafzimmer, dann kehrte Helbing in den anderen Raum zurück. Don schweren Gedanken bewegt, ging er hin und her. Er machte sich Vorwürfe, weil er Eva nicht rechtzeitig vor Cassianu gewarnt hatte. Wenn der Verbrecher Eva ein Leid zugefügt hätte, wäre er, Helbing seines Lebens nie mehr froh geworden; immer hätte diese Schuld auf ihm gelastet. Dei Helbing machten sich plötzlich die Erregungen der letzten halben Stunde sehr bemerkbar. Seine Deine wurden ihm schwer. Er setzte sich in seinen Sessel. Wie Eva Willer wohl zumute sein wurde, wenn sie erfuhr, daß er, gerade er an ihrer Rettung mitgewirkt habe? Dei ihrer Abneigung gegen ihn, die sie ihn immer deutlicher hatte fühlen lassen, würde ihr dieser Gedanke sicherlich peinlich sein ... Helbings Heberlegungen rissen jäh ab. Achtlos hatte seine Hand nach einem der Dücher gegriffen, die auf dem Tische lagen; achtlos hatte er den Titel gelesen ... Ein Duch über Ostafrika! Wie kam das Duch hierher? Zu Eva Willer? Hastig nahm Helbing die anderen Dücher an sich. Auch sie behandelten Ostasrika. Gin ratloser Ausdruck kam in Helbings Züge. Plötzlich durchjagte ihn Erkenntnis. Las Eva seinetwegen diese Dücher? Jene Unterredung am Strand, die sich um Ostasrika gedreht hatte, tauchte in seinem Erinnern auf. Seit jenem Tage bestand die Kluft zwischen ihnen. Hatte Eva ihm seine damaligen Worte wirklich übel genommen? Wollte sie ihm eines Tages beweisen, daß sie in diesen Dingen, in denen er sich ihr überlegen gebrüstet hatte, doch nicht so unerfahren sei, wie er geglaubt halte. Geschah dies alles aus Trotz? Aus Feindschaft gegen ihn? Oder? ... Helbing sprang auf. Er meinte, inmitten lohender Flammen zu stehen. Eva liebte ihn! Kein Zweifel war möglich! Wenn er ihr gleichgültig wäre, hätte sie bann jene Unterredung nicht längst vergessen? Läse sie dann diese Dücher, die seinen künftigen Wirkungskreis behandelten. Immer klarer traten für ihn die tieferen Ursachen des seltsam feindlichen Verhaftens, das Eva gezeigt hatte, zutage. Gekränkter Stolz, Liebe, die sich verschmäht wähnte, hatten sie geleitet. Ohne Cassianus verbrecherischen Anschlag, der ihn, Helbing, nochmals mit Eva in Verbindung gebracht hatte, wäre ihm Evas wahre Sinnesart wahrscheinlich für immer verborgen geblieben ... , „ Klopfen an der Tür rch Heftung aus feinen Gedanken. Cs war der Arzt, der kam. Dr. Drannat hatte ihn bereits von dem Vorgefallenen unterrichtet. Die Untersuchung Evas dauerte Helbing, den sorgenvolle Ungeduld peinigte, viel zu lange. „Die Sache ist nicht schlimm", berichtete der Arzt, als er wieder zu Helbing zurückkam. „Ein leichter Rervenschok, der in ein oder zwei Tagen überwunden sein wird." „Ist Fräulein Willer bei Bewußtsein?" „Einigermaßen. Die Hauptsache ist jetzt langer, tiefer Schlaf. Ich habe Fräulein Wil'ler etwas eingegeben, damit sie bald einschläft. Als der Arzt gegangen war, blieb Helbing unschlüssig im Zimmer stehen. Er meinte, er müsse zu Eva eilen, ihr sagen, wie sehr er sie liebe, daß er um ihre Liebe zu ihm wisse ... „Morgen!" sagte er leise und riß sich los. Er wollte Dr. Drannat in seinem Zimmer aufsuchen, aber der Kommissar war nicht da. In der Halle wartete Helbing auf^ihn. Gegen ein Uhr erst kam Brannal.""Er machte einen abgehetzten Eindruck und ließ sich ermattet in den Klubsessel fallen. „Frau Cassianu ist nirgends aufzufinden", erklärte er ärgerlich. „Ich nehme an, daß sie, nachdem sie heute abend sich unserer Verfolgung entzogen hatte, nachher wieder hierher zurückgekommen ist und die Flucht ihres Mannes über den Daikon sowie seine Festnahme aus der Rähe mitangesehen hat. Dann hatte sie sich aus dem Staube gemacht." Der Kriminalkommissar zündete sich ein« Zigarette an. „Ich habe die nötigen Maßnahmen getroffen, damit sie die Insel nicht verlassen kann." „Die Hauptsache ist, daß wir Cassianu haben!" „Er scheint heute abend, wo das ganze Haus hier leer war, Großes dorgehabt zu haben; ich habe eine Reihe von Rachschlüsseln zu Hotelzimmern bei ihm gefunden. Dei Fräulein Willer dürfte er den Anfang gemacht haben. „Die beiden sind doch miteinander ins Kurhaus gegangen“, sagte Helbing nachdenklich. „Wie ist es zu erklären, daß es zu diesem Aeberfall hier kam? Hat Cassianu sich heimlich vom Kurhaus entfernt? Ist Fraulein Willer chm nachgegangen?" „Das werden wir morgen, wenn Fräulein Willer vernehmungsfähig ist, erfahren. Ich bin selbst sehr darauf gespannt, wie sich der Sachverhalt Herausstellen wird." (Fortsetzung folgt.) 0 Gestern früh verschied plötzlich und unerwartet infolge eines Schlaganfalles mein lieber Mann, unser herzensguter Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Adolf Mülln Institutsgehilfe am Pharmakolog. Institut der Universität Im Namen der tief trauernd Hinterbliebenen: Marie Mülln, geb. Klein Adolf Mülln Hans Mülln Gretel Mülln, geb. Koch Hans-Wilfried Mülln. Gießen, den 4. August 1931. Auf ausdrücklichen Wunsch des Verstorbenen findet die Beerdigung in aller Stille statt, auch Blumenspenden sind nicht im Sinne des Verschiedenen. Unser Wohl war seiner Arbeit Ziel. __________________________________________________nW4 Von der Reise zurück Fr. Friedrich ,_______________________________________________04422 Mittwoch, den 5. August 1931, nachmittags 2 Ähr, versteigere ich dahier, Reuenweg Jtr. 28. „Zum Löwen", zwangsweise gegen Barzahlung: 1 Dokumentenmappen, Bleistifte, Radiergummi, Briefpapier, Reißzeuge, Aüllfederhalterftänder, Zedern, Bestellbücher, einen Kofferfprechappa- rat. 5145V 2. Büfetts Kredenzen, Nähmaschinen, Vertikos, Warenschränke, Ladentheken, Sofas, Grammophone, Schreibtische Kleiderschränke, Schreibmaschinen, Chaiselongues, Zimmerteppiche, Trumeauspie- gel, Kommoden, Diwans, ein Damen- fahrrod, einen Dauerwellenapparat, Eßservice, Kaffeeservice, 100 Mistbeetfenster, Kassenschränke, Registrierkassen, Rucksäcke, Koffer, Aktenmappen, Handkoffer, Biegelkoffer, Schulranzen, Puppenwagen, Schiffskoffer, Kalbfelle, einen Geräteschrank, Kunstleder, Kühlerduck, einen Photoapparat, Bücherschränke, Stönder- lampeiz, eine Standuhr, eine Wanduhr, Rohrsessel, einen Küchenschrank, zwei Schränke, vier Stühle, Damen- fportftftfel, ein Fernglas, Gasherde, eine Kuh, zwei Schlafzimmerbilder, Oelge- mälde, einen Bilderschrank mit 95 Bildern, Tischdecken Deckbettenbezüge, Kopfkissenbezüge, Paradekiffen, Schreibmaschinen, Radios, Lautsprecher, Kopfhörer, einen Bestrahlungsapparat, eilte Hobelbank. 3. Verkauf aus freier Hand: ein Grammophon. Die Versteigerung zu 1 findet bestimmt statt. Junker Gerichtsvollzieher in Gießen Wiefecker Weg 16 — Telephon 3383 Bekanntmachung. Die noch rückständigen Beträge für Gas im Monat Juni d. I. und für Wasser in der Zeit vom 1. April bis 30. Juni d. I. können bis zum 15. d. M. noch ohne Kosten bezahlt werden. 5142V Nach Ablauf dieser Frist erfolgt Beitreibung der Rückstände bzw. Sperrung der Gas- oder Wasserzuführung. Eine schriftliche Mahnung erfolgt nicht mehr. Gießen, den 3. Juli 1931. Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen. S t e d i n g. Bekanntmachung. Die bereits fälligen Stromgelder im Stadt- und Ueberlandgebiet für den Mo- nat Juni 1931 können noch bis zum 15. d. 7N. ohne Kosten bezahlt werden. Bei Nichtzahlung bis zu diesem Termin erfolgt Beitreibung und Stromsperre auf Kosten des Stromabnehmers. 5143V Gießen, den 3. August 1931. Direktion der Elektrizitätswerke, Ueberlandanloge und Straßenbahn der Stadt Gießen. I.B.: Ku n tze mü ller. 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Denn der Mann, der nach dem Beispiel deS Finnen Kosola den Anstoft zu dem Rot - Zusammenschluh der dänischen Dauerns cha,t gegeben hat, wohnt in Rönge zwischen Diborg und R anders. Die dänische Bauernschaft aber spricht von einer .Ränder» - Bewegung", denn von Ränder» au» nahmen die zahlreichen Versammlungen. die seit Sommerbeginn allerorten von den dänischen Dauern abgehalten werden, ihren Anfang. Sin Rot - Zusammenschluß der dänischen Bauernschaft. Fährt der deutsche Feriengast durch diese» mit Fruchtbarkeit geseg- nete Land ob durch die Inseln oder daS.weitge- streckte Jütland, überall trächtige Srde, sättige Weiden, mit prallen Rinderherden, blitzsaubere, weih schimmernde Gehöfte, freundliche, gepflegte Ortschaften, wohl genährte, srischwangige Menschen! Hier sollte Rot sein? Run, es ist die Ä o t derDerfettung. Dänemark erstickt in seinem Fett. Dänemark muh die gewaltigen Lieberschüsse seiner Bodenerzeugnisse. vor allem Butter und Speck, die nur zum geringen Teil im eigenen Lande verzehrt werden können, im Ausland absehen. Don dem Wohlergehen des Auslandes. Deutschlands und Englands, hängt die dänische Wohlfahrt ab. Das erklärt heule alles. Sin Hofbesitzer nach dem anderen muh seinen Hof verlassen. Eine Zwangsversteigerung nach der anderen zeigt immer das gleiche Bild. Dre gesamte .Randers-Bewegung" steht nun hinter diesem Doykott-Deschluh. der sich gegen alle Höfe richlct. die. von ihrem Besitzer zwangsläufig verlassen, in Bank - Besitz übergegangen sind und durch Fremde bewirtschaftet werden sollen. Und dabei stehen wir hierzulande erst am Anfang der Zwangsauklionen landwirtschaftlichen Besitzes. Kein Wunder, dah die Dauern sich zusammentnn müssen, um noch zu retten, was zu retten ist. Und so löst eine Rot-Dersammlung die andere ab. und Resolutionen werden gefaßt. die alle, die sie hören, aufhovchen lassen. Sechzig- bis siebzigtausend Mitglieder soll die inzwischen gegründete Gesamtorganisation der bedrängten Dauern „Landbrugernes Sammenslutning“ (Zusammenschluß der Landwirte) zählen. Moratorium für alle Hypothekenzinsen und zwar für die Zeit von drei Jahren! Sofortige Einberufung des Reichstages! Augenblickliche Bewilligung von Krisenbeihilfen! Herabsetzung der Löhne für landwirtschaftliche Arbeiter! Stcuerver- weigerung! Das sind einige Parolen, die in den letzten Bauern Versammlungen ausgegeben worden sind. Knud Dach heißt der Mann, der die treibende Kraft der Gesamtbewegung ist. 3n Rönge hat er seinen Hof, einen Desitz von etwa 50 Hektar, ein echter Züte, breitschultrig, wortkarg, seit vier Generationen ging sein Hof von Dater auf Sohn. Stauning, der Ministerpräsident, hat ihm und seiner riesigen Anhängerschaft den Ramen »Lap- poleute" gegeben. ..Es kommt darauf an, was man unt-er Lappoleuten versteht", erklärt er selber. »Vorläufig wollen wir in erster Linie alle Bauern sammeln, und gelingt es, wie es den Anschein hat. so werden wir für iedeS dänische Amt (etwa einem preußischen Landkreis entsprechend), eine Amtsleitung wählen. Diese Amtsausschüsse. oder wie man sie nennen will, sollen dann zu einer Tagung zusammenlommen und eine Lan- oesleitung wäh^n. Unb die Aufgabe dieser Lan- deSlcitung als unserer obersten Instanz wird eS dann sein, unsere Forderungen an Regierung und Reichstag auszuarbeiten. Dann muß abgewartet werden, ob der Reichstag etwas Effektives zur Llcberwindung der Krise tun wird, damit die dänischen Landwirte auf ihrer Scholle bleiben können. Geschieht nichts, so werden wir in kurzer Zeit erleben, daß Tausende von dänischen Landwirten .-Berichterstatter. gelungen sein werden. Hau» und Hof zu her- Auf die Fraage. was denn geschehen soll, damit diese Krise überwunden werben kann, antwortet der dänische Kosola folgendermaßen: »Wir müssen eine andere Verteilung desGel- d e s, das in Dänemark verdient wird, bekommen! Jetzt liegen die Verhältnisse so. daß 80 Pro- ' -ent, wie jeder weih, in Dänemark direkt oder indirekt von der Landwirtschaft leben. Aber diejenigen, die i n d i r e k t davon leben, streichen den Profit ein. Bei den jetzt herrschenden Preisen für landwirtschaftliche Produk e könnens ch die Landwirte ganz einfach nicht mehr mit dem jetzigen Zustand ablindem Wir haben in Dänemark eine Preiszahl (Indexzahl) für die Landwirtschaft, und eine ganz andere, viel höhere Preiszahl für die übrige Bevölkerung des Landes, b. h. die Bevölkerung der Städte. Diese beiden Preis- zahlen müssen sich einander nähern, am besten, sie müssen sich decken. Dies kann dadurch ge- schehen. dah die PreiSzahl der Städte gesenkt ober dah die Preiszahl der landwirtschaftlichen Bevölkerung ge h o b e n wird. Bei der Regierung und dem Reichstag liegt es. zu entscheiden, was von beiden Alternativen geschehen soll. Ein» von beiden muh geschehen! Unsere Einnahmen sind um die Hälfte gefallen, aber unsere Ausgaben finb dieselbeit geblieben. Wir müssen fordern, dah die Löhne überall herabgesetzt und nach den Preisen für landwirtschaftliche Erzeugnisse festgesetzt werden. Das ist unsere Hauptforderung. Kann der Reichstag sich nicht einig werden, oder werden seine Maßnahmen unserer Meinung nach nicht effektiv genug sein, so müssen wir Dauern überlegen, was wir tun sollen. Worin daS bestehen wird, will ich in der augenblicklichen Lage nicht näher darlegen, aber es kann ja die Situation eintreten, dah wir von einem bestimmten Tage an alle- unsere Zahlungen einstellen. Wir müssen von allen Politikern, die auf dem Doden des Freihandels stehen, fordern, dah sie die Hälfte ihre» Einkommens abliefern, aber man kann natürlich nicht verlangen, dah ein Mann an sich selber solche Forderung stellt! Wir predigen durchaus nicht den Kampf aller gegen alle! Dah jetzt harte Worte fallen, ist nur natürlich und notwendig. Aber wir sind es dem ganzen Lande schuldig, dah es die furchtbare Gefahr, die un» bedroht, erkennt." Soweit der dänische Kosola, Knud Dach in Rönge. Seine Worte sind gerade jetzt im richtigen Augenblick ausgesprochen worden, denn gegenwärtig sind zwischen Dertretern der dänischen "Bauernschaft und dem Finanzminister im "Verein mit dem Landwirtschaftsminister und dem Innenminister hier in Kopenhagen Verhandlungen ausgenommen, die einen Ausweg im letzten Augenblick suchen sollen. Wie ernst die Lage ist, dürfte schon der Umstand beweisen, dah man im Lager der Regierung mit einer Sonder- tagung des Reichstage« im September rechnet, also unmittelbar nach Einbringung der Ernte, um so vor der ordentlichen Tagung des Reichstages im Oktober, wo der Haushalt zu verabschieden sein wird. Hilfsmaßnahmen zur Uebet- winbung der Landwirtschaftskrise als vollendete Tatsachen der Herbstsession vorlegen -u können. — Ob sie die Forderungen der allmählich sehr machtvollen dänischen Lappo-Dewegung werden erfüllen wollen oder können, ist natürlich sehr die Frage, schon aus dem Grunde, weil augenblicklich einsvzialdemokratisch - l i n k s b ü r - gerliches Kabinett die Geschäfte des Landes besorgt, gestützt auf ein Folketing, das den Interessen der bäuerlichen Bevölkerung eine wenn auch schwache Mehrheit aus Arbeiter- und wenigen Links-Dürgerlichen, d. h. Stadtbevölke- rungs-Dertretern, entgcgenstellen kann. Iedenfalls muß die allgemeine Wirtschaftslage in Dänemark als sehr ernst bezeichnet werden. Die Regierung Stauning wird daher fortab einen schweren Stand haben. _______________________ Liest man nun Tag für Tag, mit welcher in- brünstiaen Lieberzeugung der größte und maßgebendste Teil der Äopenbagener Stadtpresse sich zum Sekundanten Frankreich» im augenblicklichen Ringen um die Sanierung der europäischen Welt aufwirst, so möchte man fast meinen, dah den Fedcrtührern dieser Zeitungen die wirkliche Verbundenheit Dänemarks mit dem Wohlergehen Deutschland- und Englands aus dem Gedächtnis geschwunden ist. Anstatt selber den unerhörten win'chaftlick^n und politischen Forderungen Frankreichs gegenüber Deutschland einer dänischen Kritik in der Diskussion der hiesigen Presse weit Tür und Tor zu öffnen, geschieht hier das Gegenteil. Richt mit einem Worte kam die unerbittliche Erkenntnis der Wahrheit in den hauptstädtischen Zeitungen Dänemarks zum Durchbruch — Richt mit einem einzigen Won! — Dies muß > gerade jetzt festgenagelt werden, damit die Leute. | auf deren Schultern da» Wohl.und Webe^DÄ»- mark» mehr denn jemal» mit druckender Last l egt. nämlich die dänischen Bauern, erkennen, was va» dänische Volk zu tun hat, wenn e» will, day seine llotlage, die heute sich erst m den Anfängen äußert, von seinen Rachbarn verstanden und berücksichtigt werden soll. Denn wie niederge- brochen da» große Deutschland auch heute dallegt, so kann es, genau so gut wie England, vtzns D ä n e m a r k fertig werden. Aber ohne England und ohne Deutschland wird nie und nimmer Dänemark existieren können. wohl aber — ohne Frankreich. Und darum mühte es Aufgabe eines Mannes wie Knud Dach sein sich zum Wortführer dieser Erkenntnis bei seinen Landsleuten in Stadt und Land zu machen. Tut er dies, fo wird er mit seinem riesigen Anhang von heute schon 70 000 Bauern mit Fug und Recht sagen können, wahrhaft dänisch-nationale .Lappo-Männer" zu fein. Röntgenapparate an die Grenzkontrollen! VERBOTEN OEVISf h AUSFUHR OlVIStN VERBOT 40000 I RM 1 -> * t£\ I H k Sie derzeitige Arbeitsmarkttage siir Angestellte. Die Entwicklung seit l.Juli 1929. Don Heinrich Müller, Angestelltenvermittler beim Arbeitsamt Gießen. (Schluß'), ii. Die im ersten Teil angeführten. Ende Iuni 1931 vorhanden gewesenen stellensuchenden Angestellten verteilen sich wie folgt: männlich weiblich zusammen kaufm. Angestellte 156 000 104 000 260 000 Büroangestcllte 22 000 18 000 40 000 techn. Angestellte 59 000 1 000 60 000 237 000 123 000 360 000 Daraus resultiert, daß die männlichen Stellensuchenden rund - t und die weiblichen 1-'s der Gesamtzahl ausmachen: ferner, dah die kaufmännischen Angestellten das Hauptkontingent stellen. Bei den männlichen machen sie 66 v. H. und bei den weiblichen sogar 85 v. H aller Stellensuchenden aus An zweiter Stelle stehen die technischen Angestellten und an letzter die Bureauangestellten. Innerhalb der einzelnen Derufsgruppen ist festzustellen. daß von den kaufmännischen Ange- •) Vergleiche Rr. 179. stellten 60 v. H. männlichen und 40 v. H. weiblichen Geschlechts sind während bei den Burcau- angeftellten daS Verhältnis 55 v. H. zu 45 v. H. ist und bei den technischen Berufen fast nur männliche Angestellten von der Arbeitslosigkeit betroffen sind, nämlich 98 v. H. Die nichtige Zahl der stellenlosen weiblichen technischen Angestellten erklärt sich au» der an und für sich geringen Beteiligung deS weiblichen Geschlecht» an den technischen Berufen. Weiterhin wird das Alter der stellensuchenden Angestellten interessieren. G» ergab sich per Ende Iuni 1931 ungefähr folgendes Bild. bis 20 21—30 31—40 41—50 über 50 Jahre Jahre Jahre Jahre Jahre o. 5). . v. H. v. 5). D -S). v. f) kausm.Angestellte männlich 19 40 22 11 A weiblich 39 48 8 4 1 Büroongestellte männlich 12 39 26 12 10 weiblich 33 50 12 4 1 techn. Angestellte männlich 2 39 22 18 19 weiblich 16 57 20 4 3 Nächtlicher Ansitz. Don Gurt Bloedorn. Dort, wo ich im vergangenen Iahte den zu- rückgesehten Sechser mit dem eisgrauen Kopf schoß, sitze ich und warte auf einen Dolchbock mit Mör- derstangen. ilnb wenn der nicht kommt, dann will ich zum in Milchreife stehenden Hafetfchlag an der Kleestoppel, in dem in den letzten Mondscheinnächten Sauen breite Steige getreten und die süßen Waben geschmatzt haben. Im Rücken habe ich alten Bestand Laubwald, vor mir liegt ein schmaler Wiesenstreifen, dann der kleine See. Spärlich steht das Rohr an seinem kiesigen Ufer. Zwei Taucherpaare sischen, hell leuchtet die Alabasterbrust, dreht sich solch gefiederter Fischer gegen die Sonne. Rohrbühner huschen beweglich durch das stille Ried, und ein Reiher steht auf und streicht durch das Gold der Sonne zum fernen Bruch. Mit der Schnelligkeit rollender Quecksilberkugeln slitzen einige Lapuhen am Holzrand — sie sind da, sind fort, kommen wieder: faustgroß erst sind ein Dutzend Iungkamickel. Klar und sichtig ist es. Ich tarnt die Rohrhalme zählen und die Randstämme des Föhren- horsteS am jenseitigen Seeufer. Eine Ricke mit zwei Kitzen war bereit« draußen, als ich auf dem weichen Pirfchweg durch das Holz tarn und mich hinter dichtem Hasel am Waldrand ansehte. Die Alte mit ihren beiden Kindern äst sich links am See bei den Erlen. Spielend jagen sich die Kitzen um die Ricke, der linde, stille 6ommcrabenb gefällt ihnen, und selten wird die Ruhe dieses Revierteils gestört. Auf einem Feldweg, in der gerne, fingen Mädchen dreistimmig und melodisch schön: .Im schönsten Wiesengrunde, da steht mein Heimathaus ...“ Verschwommen erst höre ich den Gesang, das Lied kommt näher und endet. , In eine lichte Wolkenbank taucht die Sonne, sinkend färbt sie den weißen Dunst rosa, der Himmel wird kup'ergvldig, die Felder leuchten auf wie in lodernder Wabe. Ein wunderfeiner, süßen Duft kommt von einem blühenden Gelb- lupinenfchlag. Schweigen ist um mich. Leise summen einige Mücken, ein Grohfisch überschlägt sich klatschend auf dem blanken Spiegel des Sees, große, sich mehr und mehr erweiternde Kreise schaffend. Dann quarren Frösche und Ro^»> drosseln fingen. Die Kaninchen find zu Bau, auch die Ricke I mit den Kitzen ist fort. | Kein Rebeldunst: warm und wetch totU die Sommernacht kommen. • Hinter mir im Holz schreckt ein Reh auf: ich recke mich, reifte mich aus Träumen und packe meine Büchse fester... und dann hatte ich einen reizenden Anblick: ich hatte sie nicht kommen gehört, habe wirklich keinen Laut, keinen Tritt der drei Schmalrchchen vernommen, die ohne Hülle die Wiese überquerten, um ihre reinen, schönen Körper in den Fluten zu baden. Eie glaubten sich allein und taten vertraut. Es gibt doch noch Schönheit auf der Welt. Lind während dis drei Sängerinnen unter Scherzen und Lachen hinausschwimmen in den &ee, stehe ich auf und drücke mich lautloS. um weiter zum Hafer zu schnüren, denn ich will die Mädel nicht vergrämen. Am Wacholder beim Steinhaufen mache ich es mir bequem; hier will ich auf Schwarzwild passen. Dom See her. vom leisen Lufthauch mir zugetragen das Lied: .Der 3ugcnb heit rer Morgen ist wolkenlos und hell..." Bleibt lange jung und sorglos, ihr Schmal- ti Wißmar, 3. Aug. Am Sonntag gegen 21,30 Ahr wollte ein junger Motorradfahrer, dec von Ruttershausen kam, einem Radfahrer, der ohne Licht fuhr, ausweichen. Dabei kam er zu Fall und erlitt einen Beinbruch, sein Mitfahrer, ein Sattlergeselle von hier, einen Schädelbruch. Die erste Hilfe leistete Dr. Schlapp (Lollar), der beide der Gießener Klinik, zuführte. Der Radfahrer wurde nicht verletzt. — Der Haushaltsplan der Gemeinde wurde vom Kreisausschuh nicht genehmigt, nachdem auch der Bürgermeister Einspruch erhoben hatte. Kreis Marburg. ][ Marburg. 3. Aug. Der Anterver- band de rRaisfeisengenossen schäften des Kreises Marburg hielt unter Leitung von Anterverbandsdirektor Preis -Hachborn in Hachborn seinen diesjährigen Derbandstag ab. Aus dem zum Vortrag gebrachten 3ahresbericht war zu entnehmen, daß sich die Spareinlagen in den Raiffeisenvereinen in aufsteigender Linie bewegen und Ende 1930 2 200 000 Mark betrugen. Demgegenüber ist die Verschuldung der Mitglieder bei den Vereinen von 1 158 000 Mk. in 1928 auf 2 474 000 Mk. Ende 1930 gestiegen. 3n den Vereinen wurden 10 190 000 Mk. umgesetzt. Aus den dahei erzielten Gewinnen konnten neben anderen gemeinnützigen Anlagen sieben Pettkus- Getreidereinigungsanlagen angeschafft werden. Verbandsanwalt Schmidt erwähnte in seinem Bericht über die Gesamtorganisation, daß in dieser jetzt etwa 40 000 Genossenschaften mit 3 800 000 Mitgliedern zusammengeschlossen sind, davon im hessischen Bezirk 96 000 Mitglieder in 712 Genossenschaften. Pfarrer Deerhof f-Mar- burg hielt einen Vortrag über „Raiffeisen und die Rot der Gegenwart". js Marburg, 3. Aug. Der in den 30er Fahren stehende Kaufmann Wecker hatte in Wetter (Kr. Marburg) ein Handelsgeschäft für landwirtschaftliche Maschinen übernommen, das auch anfangs guten Ruhen abwarf, int Frühjahr 1930 aber in finanzielle Schwierigkeiten geriet, so daß sich Wecker an einen finanzkräftigen Wetterschen Einwohner mit der Bitte wandte, i n sein Geschäft als Gesellschafter ein - z u t r e te n. Der betreffende Einwohner ging auch auf das Angebot Weckers ein, so daß eine offene Handelsgesellschaft zustande kam. Aber schon nach einem viertel Jahr löste sich diese wieder auf, da sich herausgestrllt hatte, daß die in den Büchern Weckers eingetragenen großen Außenstände gar nicht vorhanden und die im Lager befindlichen Maschinen schon vor Anterzeichnung des Gesellschaftsvertrages gepfändet waren. Der Gesellschafter Weckers hatte inzwischen mehr als 10 000 Mk. in das Geschäft hineingesteckt, die natürlich verloren sind. Wecker wurde heute vom Marburger Schöffengericht wegen schweren Betrug es in eine Gefängnisstrafe von 6 Monaten genommen. Bewährungsfrist billigte man infolge der Schwere der Tat nicht zu. Wirtschaft. Erläuterungen im Reichsbankausweis vom 31. Juli. Nack dem Ausweis der Reichsbank vom 31. Juli 1931 gat sich in der Ultimowoche die gesamte Kapitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten um 486,3 Millionen auf 3971,5 Millionen RM. erhöht. Im einzelnen haben die Bestände an Handelswechseln und -schecks um 490 Millionen auf 3272,6 Millionen RM., die Lombardbestände um 30,6 Millionen auf 347 Millionen RM. und die Bestände an Reichsschatzwechseln um 46,1 Millionen auf 249 Millionen RM. zugenommen. An Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen zusammen sind 268,5 Mill. RM. in den Verkehr abgeflossen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 259,1 Millionen auf 4453,7 Millionen RM., derjenige an Rentenbankscheinen um 3,4 Millionen auf 419,2 Millionen RM. erhöht. Dementsprechend haben sich die Bestände der Reichsbank an Rentenbankscheinen auf 8,4 Millionen RM. vermindert. Die fremden Gelder zeigen mit 833,8 Mill. NM. eine Zunahme um 248,8 Millionen RM. Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen haben sich um 97,3 Millionen auf 1609,6 Millionen ÄlM erhöht. Im einzelnen haben die Goldbestände um 10,5 Millionen auf 1363,3 Millionen RM. und die Bestände an deckungsfähigen Devisen um 86,8 Millionen auf 246,3 Millionen RM. zugenommen. Die Deckung der Noten durch Gold und deckungsfähige Devisen beträgt 36,1 o. H., wie in der Vorwoche. Berliner Provnktenmarkt. Berlin, 3. Aug. An der Produktenbörse kam das Geschäft zu Beginn der neuen Woche wieder nur schleppend in Gcmg und die Grundstimmung war erneut als schwächer zu bezeichnen. Obwohl die Landwirtschaft angesichts des beständigen Wetters mit allen Kräften die Feldarbeiten beschleunigt und infolgedessen weniger Material an den Markt bringen kann, war das Angebot, gemessen an der vorsichtigen Mühlennachfrage, ziemlich reichlich. Bei den gegenwärtigen Zahlungsverhältnissen werden nur kurzfristige Partien aus dem Markte genommen und die Gebote lauteten für Weizen 3 bis 4 Mark, für Roggen etwa 2 Mark niedriger als am Wochenschluh. Weizen- und Roggenmehle werden zu gedrückten Preisen nur vorsichtig gekauft. Für Hafer alter Ernte bekundet der Konsum nur wenig Interesse und bei ausreichendem Angebot sind die Preise kaum behauptet, vereinzelt entwickelt sich schon Geschäft in Reuyafer. Der Absatz von Winter- uno Sommergerste läßt keine Besserung erkennen. Es notierten für je 1000 Kilo: Weizen, märkischer, 192 bis 194 (matt); Roggen, märkischer, 143 bis 144 (ruhig); neue Wintergerste 135 bis 146 (matter); Hafer, märkischer, 147 bis 153 (stetig). Banknoten. __________Berlin, Z Auaust_________ •>Imeri!anifcfie Noten Belgische Noten......... Dänische Noten Englische Noten Französische Noten Holländische Noten Italienische Noten Norwegische Noten Deutsch-Oesterreich, ä 100 Schilling Rumänische Noten........ Schwedische Noten Schweizer Noten Spanische Noten . . . . Ungarische Noten ........ Geld 4,201 58,53 112,28 20,39 16,45 169,36 21,96 112,28 59,08 2,48 112,33 81,81 37-82 73,10 Arles 4,221 58,77 112,72 20,47 16,51 170,04 22,04 112,72 59,32 2,50 112,77 82,13 37,98 73,40 Devi enmarkt Berlin — Frankfurt a. M. Z. August 4. August Amiliche Noiierung Amtliche Notierung Geld Ärie, Geld »rief Helstngfo« . Wien.... 10,59 10,61 10,59 10,61 59,16 59,28 59,15 59,27 Prag . . . 12,48 12,50 12,47 12,49 Budapest . . 73,43 73,57 73,43 73,57 Sofia . . . 3,052 3,058 3,052 3,048 Holland . . 169,78 170,12 169,78 170,12 ÖSlo.... 112,58 112,80 112,59 112,81 Kopenhagen. 112,56 112,78 112,81 112,56 112,78 Stockholm . 112,59 112,59 112,81 London. . 20,455 20,495 20,455 20,495 Buenos Aires 1,238 1,242 1,234 1,238 Neuyort . . 4,209 4,217 4,209 4,217 Brüstet. . . 58,74 22,06 58,86 58,71 58,83 Italien. . . 22,10 22,06 22,10 Paris . . 16,50 16,54 16,50 16,54 Schweiz . . 81,99 82,15 82,01 82,17 Spanten . . 38,06 36,14 37,51 37,59 Danzig. . . 81,42 81,58 81.32 81,48 Japan . . . 2,080 2,084 2.080 2,084 Rio de Ian.. 0,296 0,298 0.281 0,283 Jugoslawien. Lissabon . . 7,458 7,472 7,458 7,472 18,60 18,64 18,60 18,64 Aus aller Welt. Drei Mitglieder der Wegener-Expedition zurückgekehrt. Drei Mitglieder der Wegener-Expedition, Dr. W. Kopp, Dr. Peters und Ingenieur Ern stl in g, trafen mit dem Motorschiff „Drot- ning Alexandrine" aus Island tn Kopenhagen ein. Sie waren mit dem Dampfer „Gertrud Rask" von Scoresbysund auf Grönland nach Island gebracht worden. Ein Schnellzug überfährt ein Auto. Bei T o r t o n e wurde ein Kraftwagen mit acht Fahrgästen auf einem Bahnübergang von einem Schnellzug erfaßt und zertrümmert. DieMit- fahrenden, sämtlich Frauen, wurden getötet, nur der Chauffeur kam mit dem Leben davon; er wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Zwei Tote bei einem Motorradunglück. 2(uf der Landstraße Querfurt — Gisleben ereignete sich ein schweres Motorradunglück, dem zwei Menschenleben zum Opfer fielen. Aus bisher unbekannter Ursache verlor der Führer des Kraftrades in der Nähe der Abzweigung n,ach Wolferode die Gewalt über die Maschine und fuhr in den Straßengraben. Der Führer und sein Begleiter stürzten so unglücklich, daß ein rasch herbeigerufener Arzt nur noch den Tod infolge schwerer Schädelverletzungen feststellen konnte. Bisher konnte nur der Name des einen Toten festgestellt werden. Schweres Autounglück bei Augsburg. Ein aus Dillingen kommender mit sechs Per- • Jonen besetzter Schnellieferwagen, der einer Münchener Firma gehört, stürzte beim Aeberholen eines anderen Lieferwagens mit voller Wucht i'n den Straßengraben und wurde vollständig zertrümmert. Von den Insassen wurde ein neunjähriges Mädchen aus Dillingen sofort getötet, ein fünf Jahre altes Mädchen aus Dillingen und ein zwanzig Jahre alter Maler aus Halle wurden lebensgefährlich verletzt. Lord Kylfanl gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt. Lord Khlsant, der ehemalige Präsident der Royal Mail Dampfschiff ahrtgesellschaft. der gestern zu zwölf Monaten Gefängnis verurteilt wurde, ist nach Hinterlegung einer Kaution von 10 000 Pfund Sterling bis zur Ausnahme des Berufungsverfahrens im nächsten Herbst a u f 1 lr eien Fuß gesrtzt worden.