Kr. 127 Erstes Blatt 181. Jahrgang Mittwoch, Z. Juni (951 Erscheint täglich,autzn Sonntags und Feiertag» Beilagen: The Illustrierte Vtetzener Familienblättei Heimat im Bild Die Scholle Dlonats-Bejugsprets: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Hernfprechanfchlüffe anttrSammelnummer2251 Anschrift für Drahtnach» richten, Bnjeiget Sieben. Postscheckkonto. 8ra"tfurt om Main 11686. Gietzemr Anzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen VniS und Verlag: vrühl'sche Univerfitäts Buch- und Stetnörnderei R. Lange in Sieben. Schriftlettung und Seschästrstelle: Zchulftrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mne Breite 35 Neichspfennig, Platzvorschrift 20°, mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Bietzen. Am Vorabend der Tage von Chequers. Reichskanzler und Außenminister reifen heute ab. — Macdonald fordert Zusammenarbeit. — Die Notverordnung äußerste Krastanstrengung Deutschlands. Heute abend treten der Reichskanzler und der Außenminister ihre Reise noch England an. Das Schwergewicht der europäischen Politik wird dann für einige Tage in London liegen. Die Einladung hat freilich durch die Fülle der offiziellen Empfänge, mit der sie nachträglich verkoppelt worden ist, einen Teil ihres ursprünglichen Charakters verloren. Sie bleibt trotzdem auch jetzt noch ein starkes politisches Ak- tivum. Denn die Engländer sind viel zu große Realisten, als daß sie jemanden zu sich bitten würden, nur aus liebenswürdigen Erwägungen heraus. Wenn Herr Macdonald die geheiligte Tradition des Wochenendes auf seinem Landsitz mit wichtigen politischen Besprechungen belastet, dann nur, weil er sich davon etwas verspricht. Die Tatsache der Einladung ist und bleibt der deutlichste Beweis dafür, daß zum mindesten England wieder mir Deutschland als politischem Faktor rechnet und sich in die Möglichkeiten rechtzeitig einzuschalten beabsichtigt, die hier vielleicht liegen. Das ist, werm wir nur um ein Jahrzehnt zurückdenlen, an die Tage, da dir Deutschen nach London gerufen wurden, um ein Ultimatum in Empfang zu nehmen, ein ganz gewaltiger Fortschritt, wenn auch zweifelhaft bleibt, wie weit er sich real auswirkt. Die Engländer haben oft genug betont, daß cs nur unverbindliche Besprechungen sind. Es wäre deshalb versehlt, wenn wir glauben wollten, daß die deutschen Minister greifbare Ergebnisse mit nach Hause bringen würden. Cs kann sich nur um eine Aussprache handeln, bei der günstigstenfalls die Englands! ihre aktive Unterstützung für bestimmte Ziele der deutschen Politik zusagen. Dabei bleibt es bedauerlich, daß nicht der ur- spüngliche Termin der Einladung innegehalten werden konnte. Die deutschen Minister haben nicht sonderlich glücklich operiert, als sie Ka- lenderschwierigkeiten machten und so die Engländer zu einer Berlegung der Aussprache nach der Genfer Tagung drängten. Vielleicht wäre in der Ratssitzung mancherlei anders gelaufen, falls Herr Macdonald und vor allem Herr Henderson Gelegenheit gehabt hätten, vorher ein ungeschminktes Bild der deutschen Schwierigkeiten und des Ernstes unserer Lage zu bekommen, vielleicht wäre dann auch vermieden worden, daß gerade Henderson den Wortführer bei der Abdrosselung der deutsch-österreichischen Zollunion spielte und schließlich Deutschland vor dem Rat in einer beschämenden Isolierung dastand, die uns diplomatisch um einige Jahre zurückgeworfen hat. Aber darüber zu klagen, hat heute keinen Sinn mehr. Wir stehen zu dicht am Rande des Abgrundes, als daß wir noch Konjckturalpolitik treiben können. Wir müssen den Dingen, so wie sie sind, klar ins Auge sehen. Rur dann haben wir überhaupt die Aussicht, der Katastrophe noch Herr zu werden. Man hat nach Chequers keine Akten st ücke mitgenommen. Das ist gut so. Für die entscheidende Aussprache bleiben ja tatsächlich nur die zwei halben Tage auf dem Landgut übrig. Da braucht man keine Belege. Das Bild, das die beiden deutschen Minister von den Zuständen in Deutschland zeichnen können, wird um so lebendiger gehalten sein, je weniger es irgendwie mit statistischen Zahlen belegt ist. Schade nur, daß die Einladung nicht auch auf den Finanzminister Dietrich ausgedehnt worden ist, der in diesen Kreis unbedingt hineingehört hätte und vielleicht in der Lage gewesen wäre, Illustrationen im einzelnen zu liefern, die aus seiner besonderen Sachkenntnis der Materie heraus auf die Engländer Eindruck gemacht hätten. Denn der Erfolg der ganzen Reise wird dadurch bedingt, daß es uns gelingt, den Engländern hegreiflich zu machen, wie stark ihre eigenen Lebensinteressen mit dem wirtschaftlichen Schicksal Deutschlands verknüpft sind. Bon Poincar6 bis Briand seht sich das System der endgültigen Dernichtung Deutschlands fort, der Krieg mit anderen Mitteln, der eines Tages den Franzosen begreiflich machen will, daß sie zwar auf weitere Reparationszahlungen aus Deutschland nicht mehr zu rechnen haben, daß dafür aber die deutsche Gefahr auf Generationen hinaus für Frankreich verschwunden ist. Don der Seite her ist also kaum etwas zu erwarten. Dagegen sind die Engländer in erster Linie wirtschaftlich orientiert. Sie würden es unmittelbar an ihrem eigenen Leibe verspüren, wenn der Brand in Deutschland tatsächlich ausbrechen sollte. Das würde für sie nicht nur den mittelbaren und unmittelbaren Verlust aller ihrer Gelder bedeuten, die in Europa arbeiten, das bedeutete für sic die Gefahr, daß der Funke jeden Augenblick überspringen und ihre ohnehin schwer kämpfende Wirtschaft in ihren Grundfesten erschüttern könnte Mit der Rotverordnung haben wir die Möglichkeiten der Selb st Hilfe bis zum äußer- sten ausgeschöpft. Weitere Lasten kann man dem deutschen Volke nicht zumuten. Es ist sogar mehr als wahrscheinlich, daß der Bogen der Steuerbedrückung heute schon überspannt ist. Abhilfe kann nur kommen durch eine grundlegende Aenderung des Systems der Kriegsentschädigung. Die deutsche Regierung scheint auf ein Moratorium zu starten, das uns auf einige Jahre ganz von Zahlungen befreit. Wir sehen darin ein Dehelfsmittel, das nur für den Augenblick nützt und das mir die Einleitung für eine neue internationale Konferenz sein kann. Lind das ist das, was wir von den Engländern erwarten müssen, daß sie ihre Unter- stühung bei der Cinberusung einer solchen internationalen Konferenz versprechen; nicht um unsertwillen, sondern weil sie sonst die Kosten eines deutschen Konkurses zu zahlen hätten. Macdonald fordert Zusammenarbeit. London, 3. Juni. (TU.) Auf der Landeskonse- ren; der Frauen der Arbeiterpartei hielt Ministerpräsident Macdonald eine Rede, in der er zunächst alle Parteien auf forderte, das indische Problem und den Absatz englischer Ware als eine gemeinsame nationale Sache zu behandeln. Auch auf anderem Gebiet sollten seine Gegner versuchen, mit ihm ;u- sammenzuarbeiten. Gegensätze bei der Behandlung internationaler Angelegenheiten stünden ihm bis zum hals. Die Zeiten seien vorüber, wo die Engländer gegenüber den Ereignissen in der Außenwelt gleichgültig bleiben könnten. Weiter kam Macdonald auf die internationale Schuldenfrage zu sprechen. Bei der gegenwärtigen Lage der internationalen Schulden, so sagt er, müsse er feine Anhänger um Zusammenarbeit, nicht nur für das Wohlergehen im eigenen Land, sondern um des Erfolges in der Welt willen, die anderen Großmächte bitten. Er wende sich jetzt erneut an Frankreich, die vereinigten Staaten, Deutschland und das englische Volk, sie sollten einsehen, daß nicht einer von ihnen gedeihen könne, wenn cs nicht auch allen anderen gleichzeitig gut gehe. Es liege ihm fern, in die inneren Verhältnisse anderer Länder eingreifen zu wollen. Sie würden das genau fo Übelnehmen, wie es England tun würde, wenn eine auswärtige Macht sich in die inneren Angelegenheiten Englands hineinmifchte. Englische Vorschau. London, 2. Juni. (WTB.) Zum bevorstehenden Besuch der deutschen Staatsmänner in Chequers schreibt der diplomatische Korrespondent des „Daily Herold": Deutsche Staatsmänner sind seit dem Kriege bereits anläßlich von Konferenzen in Eng- lang gewesen, aber dies ist das erstemal, daß sie unabhängig von einem solchen Anlaß als Gäste der britischen Regierung eingeladen worden sind. Diese Berlin, 2. Juni. (WTB.) Reichskanzler Dr. Brüning empfing heute im Beisein der zuständigen Reichsminister und des Reichsbankpräsidenten in der Reichskanzlei die Staats- und Ministerpräsidenten der deutschen Länder zu eingehender Aussprache über die von der Reichsregierung in Aussicht genommenen Sanierungsmaßnahmen. Die Aussprache diente lediglich der Orientierung. Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Bedenken der Länder. Berlin, 2. Juni. (TLl.) Die Konferenz der Ministerpräsidenten der Länder mit dem Reichskanzler erstreckte sich über mehrere Stunden. Rach einem eingehenden Referat des Reichskanzlers, in dem er auf die Rotwendigkeit hinwies, die bevorstehenden Maßnahmen in den Rahmen der Gesamtpolitik einzuordnen, fand eine längere Aussprache statt. Dabei würben von sciten der Länderregierungen Bedenken geltend gemacht, die namentlich der Verschlechterung galten, die die neue Rotverordnung für die Länderregierungen im Gefolge hat. Oie Kritik der Industrie. Berlin, 2. Juni. (ERD.) Der Reichsverband der Deutschen Indu st rie teilt mit: Der bisher bekannt gewordene Inhalt der bevorstehenden Rotverordnung hat in allen Kreisen der Industrie eine starke Enttäuschung und schwere Besorgnisse hcrvorgerufen. Man sieht in der Absicht, im Wege einer Krisen- steuer eine neue direkte Belastung drs Einkommens zu schaffen, einen überaus verhängnisvollen Entschluß, der sich dahin auswirken muß, daß zum Rachteil aller schaffenden Stände weitere Mittel der K a p i t a l b i l d un g entzogen werden. Damit wird die Mutlosigkeit nur vergrößert und jeder Ansatz zu einer allmäblichen Besserung der Wirtschaftslage erneut gefährdet. Bei aller Würdigung der Schwierigkeiten in den öffentlichen Finanzen farm die Absicht der Regierung, eine neue Besteuerung des Einkommens einzuführen, insbesondere deshalb nicht verstanden werden, weil r Tatsache schon allein macht ihr Kommen bedeutungsvoll. Tatsächlich war der Zweck der Einladung, durch diese Geste zu erklären, daß die Vergangenheit begraben und daß die Beziehungen Englands zu Deutschland durchaus den gleichen Charakter haben, wie die Beziehungen Englands zu Frankreich, zu Italien und zu jedem anderen Mitglied der Familie der Rationen. Damit ist natürlich nicht gesagt, daß der Besuch in einem leeren Phrasenaustausch bestehen wird. Genau wie bei einer Zusammenkunft französischer und bri- tischer Staatsmänner, werden auch in diesem Falle Fragen erörtert werden, die für die beiden Länder von Bedeutung sind, und die Deutschen haben ein Thema, über das sie besonders dringend zu sprechen wünschen. Der Korrespondent gibt eine Uebersicht über das, was seiner Meinung nach Dr. Brüning und Dr. C u r t i u s sagen werden, und erklärt, die deutschen Staatsmänner würden auf die nicht bloß ernste, sondern geradezu verzweifelte finanzielle Lage Deutschlands, auf die Gefahr eines völligen Zusammenbruches im kommenden Winter und auf die dann möglichen politischen Folgen Hinweisen. Sie würden ihren Standpunkt in der Frage der Zollunion erläutern und die Frage der Revision des Aoungplanes anschneiden. Der Verfasser hält es für sicher, daß sie auch andeuten werden, daß Deutschland genötigt sein werde, sehr bald von seinem Recht der Erklärung eines Zahlungsaufschubs Gebrauch zu machen, falls nicht irgend etwas geschehe. Der Verfasser fährt dann fort: Macdonald und Henderson würden voraussichtlich volles Verständnis für Deutschlands Schwierigkeiten bekunden, aber darauf Hinweisen, daß eine Revision des Poungplans auch die anderen Rationen einschließlich der Vereinigten Staaten angeht. Sie würden auch die eigenen finanziellen Schwierigkeiten Englands hervorheben. Sie würden erklären, wenn Deutschland eine Revision wünsche, so müsse es sich an alle interessierten Rationen einschließlich der Vereinigten Staaten wenden und eine erneute Prüfung der ganzen Frage beantragen, und zwar eine beschleunigte Prüfung, falls Deutschlands Lage so verzweifelt fei, wie sie sagten. Der Korrespondent schließt: Ich glaube bestimmt, daß ein solcher Rat erteilt wird, und ich glaube ebenso fest, daß er befolgt wird. Sehr bald wird also eine neue Prüfung der ebenso alten, wie neuen Frage der deutschen Zahlungsfähigkeit zu erwarten sein, sei es durch einen Sachverständigen-Ausschuß, sei es durch die BIZ« die Regierung wiederholt und in programmatischer Form selbst erklärt hat, daß sie jede neue steuerliche Belastung für einen schweren Fehler hält. Die kürzliche Erklärung des Reichsarbeitsministers. daß er nicht in der Lage sei, die staatlichen Schlichtungsinstanzen für weitere allgemeine Lohnsenkungen zur Verfügung zu stellen, wird in der Industrie dahin verstanden, daß der Arbeitsminister selbst von der Ueberflüssig- keit dieser Schlichtungsinstanzen überzeugt ist. Auch in Deutschland werden die Löhne und Preise trotz aller politischen Hemmungen ganz von selbst auf das Riveau sinken, das wirtschaftlich tragbar ist, wenn erst einmal die Tarifverträge von dem politischen Zwang befreit werden, so daß wieder wie früher Arbeitsverträge unter der ausschließlichen Verantwortung der Vertragschließenden zustandekom- men können. Bedenken und Forderungen des Reichslandbundes. Berlin, 2. Juni. (TLl.) Das Präsidium des Reichslandbundes hat an den Reichskanzler und an den Reichsernährungsminister heute je ein Schreiben gerichtet. Der Brief an den Reichsernährungsminister beschäftigt sich mit Pressemitteilunqen über die kommeßbe Rotte er ordnung. Zur Verdoppelung der Zucker st euer sagt der Reichslandbund, daß diese, angesichts der geschwächten Kaufkraft, zu ein'm Konsumrückaang führen müsse. Ganz untragbar sei eine Senkung des Zucker- Höchstpreises. In diesem Zusammenhang müsse der Reichslandbund auch allen Maßnahmen widersprechen, die geeignet feien, den deutschen Tabakbau zugunsten der aus ausländischem Tabak hergestellten Zigarette unrentabel zu gestalten. Der Reichslandbund erhebe gegen die beabsich- tigte Ausgleich st euer auf inländischen Treibstoff Einspruch, und fordere Stützung des Kartoffelpreises der kommenden Ernte durch Festsetzung eines ausreichend hohen Drennrechtes, sowie den Spiritusbeimischungszwang für die heimische Treibstofsproduktion und die Importeure von Treibstoff. Sodann gibt der Rcichslandbund seinem Befremden darüber Ausdruck, daß die Reichsregierung noch nicht an einen stärkeren Schuh der Milch- und Molkcreiproduk- tion Herangehen wolle. In dem Schreiben an den Reichs kanzler heißt es, die Landwirtschaft sei schwer beunruhigt über die Pressemitteilungen, wonach der Kanzler den Sozialdemokraten unter Llmständen eineS en- kung der Drotgetreidezölle in Aussicht gestellt habe. Es sei nicht nur die Getreideversorgung bis zur Ernte sichergestellt, sondern es bleibe noch ein Restbeslcmd von etwa 300 000 Tonnen Roggen, der in die neue Ernteperiode mit hinübergenommen werde. Es dürfe nicht wieder vorkommen, daß die Preise der kommenden Ernte so geschädigt werden, daß diese wieder mit Verlust für den Landwirt verschleudert werden müsse. Richt Abbau der Getreidezölle, sondern Aufbau des Schutzes der Deredelungswirtschaft sei das Gebot der Stunde. Die Hetze gegen die Gctreide- zölle auf Grund gewisser Brotpreissteigerungen sei ein ausgesprochen polittsches Manöver, habe es sich doch gezeigt, daß das Publikum nicht besonders nach dem aus verbilligtem Mehl her- gestellten billigeren Brot verlange. Die unbedeutende Roggenpreissteigerung der letzten Wochen könne für die Verteuerung des Brotes nicht verantwortlich gemacht werden. Der Reichslandbund fordere erneut die Aufhebung des Rachtbackverbotes. Am Schluß des Schreibens wird der Kanzler dringend ersucht, alle Bestrebungen die die Erzeugerpreise des Landwirts erneut gefährden könnten, abzulehnen. Weiter wird ersucht, den Gerüchten, die dem Kanzler derartige Absichten unterstellen, öffentlich cntgegenzutreten. Hindenburg und die deutsche presse. Berlin, 2. Juni. (WTB.) Der Verein Deutscher Zeitungsverleger hat von seiner Wiener Tagung folgendes Telegramm an den Herrn Reichspräsidenten gerichtet: „Die in Wien aus allen Teilen des Deutschen Reiches versammelten Mitglieder des Vereins Deutscher Zeitungsverleger. Herausgeber der deutschen Tageszeitungen, entbieten Ihnen, Herr Reichspräsident, ehrfurchtsvollen Gruß. Die Jahresversammlung, auf der 2500 reichsdeutsche Zeitungen durch ihre Führer und Delegierten vertreten sind, findet zum ersten Male seit den 37 Jahren des Bestehens unserer Vereinigung außerhalb der politischen Grenzen des Deutschen Reiches, aber doch auf echt deutschem Boden statt. In der Wiener Tagung der deutschen Zeitungsverleger spiegelt sich aufs sinnfälligste die gesamtdeutsche öffentliche Meinung wieder, die getragen ist von dem unbeirrbaren Zusammengehörigkeitsgefühl der deutschen Stämme. Dieses Gefühl erfüllt mit einzigartiger Einmütigkeit alle Teile des sonst von Parteihader so sehr zerrissenen deutschen Volkes. In Ihnen, hochverehrter Herr Reichspräsident, verehrt das deutsche Volk den über dem Meinungsstreit und den Parteien stehenden Führer, dessen persönliches, chrfurchtgebietendes Vorbild gekennzeichnet ist durch das großeOpfer fürVolkundReich, dessen ganzes Sinnen und Trachten auf das Wohl und die Einigung des deutschen Volkes gerichtet ist. Der Verein Deutscher Zeitungsoerleger ist sich seiner verantwortungsvollen Aufgabe bewußt, durch Sammlung der in der deutschen Presse lebendigen geistigen Kräfte mitzuarbeiten an dem großen Einigungswerk. Der Vorsitzende: Dr. K r u m b f) a a r." Der Herr Reichspräsident hat hierauf wie folgt geantwortet: „Haben Sie vielen Dank für die freundliche Be- grüßung von Ihrer Wiener Tagung, die ich herzlichst erwidere. Mit besonderer Befriedigung habe ich Ihre Versicherungen entgegengenommen, durch Sammlung der in der deutschen Presse lebendigen geistigen Kräfte an dem großen werk der Einigung der deutschen Ration mitzu- arbeiten. Ich wünsche Ihnen für Ihre weitere Arbeit von Herzen guten Erfolg! von Hindenburg, Reichspräsident." Amerikanische Ehrung des deutschen Botschafters. Reuyork, 2.Juni. (WTB.) Bei der heutigen Semesterschlußfeier der Columbia-Universität, die unter Leitung des Präsidenten Nicholas M. B u t - l e r stattfand, wurden 14 Ehrendoktortitel verliehen, darunter an den deutschen Botschafter v. Prittwitz, den britischen Botschafter Lindsay, sowie an Parker Gilbert und Sir James Satter, den Direktor der Finanzabteilung des Völkerbundes. Sie Mvewidnmig vor den iänhcimimflcrn. Das Ehrenmal für die Gefallenen Deutschlands. Oben: Die Fahnen des alten Heeres ziehen an dem neuen Ehrenmal vorbei. — Unten links: Der Reichspräsident begibt sich zur Kranzniederlegung in das Innere. — Unten rechts: Der Jnnen- raum des Ehrenmals. > ,-W W; W K- WMM 'M'- - M ;-4.. f -M«. : : j I : < M j f y : W 111 MM? ; " •<« ft ■ Berlin, 2.3uni. (WTB.) Die zur Gedächtnisstätte für die Gefallenen des Weltkrieges umgestaltete Neue Wache hinter den Linden wurde heute mittag mit einem feierlichen Akt ihrer Bestimmung übergeben. Gegen 11.30 Hhr marschierte die gesamte Wachttruppe Berlins vor der EhrenhaUe auf, ihr folgte die Fahnenkompanie mit Musik, die von der 11. Kompanie des Infanterieregiments Ar. 5 Bo stock gestellt war. Weiter nahmen Abordnungen der Schutzpolizei, der Kriegerveveine und anderer Organisationen vor der Gedächtnisstätte Aufstellung. Pünktlich um 12 Uhr erschien der Herr Reichspräsident, von der Menge ehrfurchtsvoll begrüßt. Er schritt die Front der r Ehrenkompanie ab und wurde dann durch den preußischen Ministerpräsidenten Braun emp- fangen und mit dem Reichswehrminister und den etwa 80 Ehrengästen in die Gedächtnisstätte geleitet. Beim Betreten der Halle erllangen die Glocken und die Wachtbatterie feuerte einen Salut von 101 Schuß ab. Rach einem Gesang des Berliner Domchors erfolgte die Uebergabe des Ehrenmales durch den preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun der in seiner Ansprache u .a. sagte: „Worte sind zu schwach, um das auszudrücken, was uns bei dieser Feierlichkeit erfüllt, was der Inbegriff dieser Gedächtnisstätte ist, die wir heute weihen Das Ehrenmal, zu dessen Einweihung wir hier versammelt sind, soll in der Reichshauptstadt das Gedächtnis an die Toten des Weltkrieges wach erhalten, nicht nur an die Söhne Berlins oder die Preußens, sondern an die gefallenen Söhne des ganzen Deutschland. Die Republik Preußen, der man zu unrecht so oft Vernachlässigung der Tradition zum Vorwurf macht, hat dieses Denkmal errichtet an der preußisch st en Stelle ganz Preußens und dafür eines der edelsten Bauwerke des berühmten Meisters altpreuhischer Baukunst bestimmt. And auch das Gold, aus dem der den Stein krönende Lvrbeerkranz gebildet ist, hat seine Geschichte: es ist gewonnen aus dem eingeschmolzenen Golde preußischer Orden, die Generationen der Vorkriegszeit in Ehren getragen haben. Dieses Ehrenmal trägt der Rot der Zeit Rechnung. Würde und Einfachheit zeichnen dieses Denkmal selbstloser Hingabe an Volk und Vaterland aus. Hon nun an soll dieser kleine Tempel ein Heiligtum des deutschen Volkes werden. Tag und Rächt wird diese Halle für jedermann offenstehen und zu stillem Gedenken an die Toten einladen. Tag und Rächt werden die Strahlen von Sonne, Mond und Sternen als ein Gruß aus dem Weltall an die Toten hier Zutritt haben und mit ihrem Glanze den goldenen Lorbeerkranz, der symbolisch das Massengrab aller Gefallenen schmückt, verklären Die Lebenden, die hier eintrelen oder vorüber- gehen, soll dieses Ehrenmal ermahnen, den Toten nachzueisern an Opsersinn für das Ganze, das zu tun, was die Würde und die Größe des Menschen ausmacht, dem Volke, dem Vaterlande, dem Staate zu dienen. Dann wird, mögen auch noch schwerere Zeiten» kommen, Deutschland niemals untergehen. Reichswehrminister Groener hielt sodann eine Ansprache, in der er u. a. ausführte: Den Gefallenen des Weltkrieges weihen wir heute die umgestaltete Reue Wache. Erbaut von den Kämpfern von Leipzig und Belle Alliance war sie ein Jahrhundert lang das Wahrzeichen des preußischen Hreres. Die heroische Gröhe ihrer Formen gleicht der Gröhe des Hel- dentumes und der Gröhe der Opfer, die immer neue Generationen gebracht haben, damit Deutschland lebe. An dieser durch Kunst und Schicksal geweihten Stätte gedenken wir der ungeheuren Leistungen des deutschen Volkes und seiner Wehrmacht auf allen Schauplätzen des Weltkrieges, zu Lande, zur See und in der Luft mit Stolz und Bewunderung. Wir gedenken insbesondere unserer Toben in Trauer, in Ehrfurcht und in tiefer Dankbarkeit. Sie haben durch ihr Leben und Sterben bewiesen, dah ihnen das Wohl des Vaterlandes höher stand als ihr eigenes Dasein. Zu ihrer Ehre wollen wir den Sinn ihres Opfers hüten. Wir wollen dafür sorgen, dah der Gei st, der sie beseelte, nicht stirbt, dah das Erbe despreu- hischen Heeres, das heilige Feuer der Vaterlands- liebe, der Geist der Pflicht und der Opferbereitschaft nutzbar gemacht wird für die Zukunft der deutschen Ration. Darum sei uns die neue Wache auch in ihrer neuen Gestalt nicht eine Stätte des Todes, sondern des Lebensl Reichspräsident von Hindenburg legte hierauf einen Lorbeerkranz nieder^ der auf einer weihen Schleife die Inschrift trägt: „Seinen in Treue gefallenen Kameraden. Generalfeldmarschall v. Hindenburg, Reichspräsident." Der Herr Reichspräsident hielt hierbei folgende Ansprache: „In bewegtem Gedenken an die vielen, die in den mehr als vierjährigen Verteidigungskämpfen unseres Vaterlandes gegen eine Welt von Feinden in Treue ihr Leben hingegeben haben, lege ich meinen Kranz in Ehrfurcht und Dankbarkeit für die Toten an diesem Ehrenmal nieder. Wöge diese Gedächtnisstätte dazu beitragen, die innere Einigkeit zu fördern! Damit ehren wir unsere gefallenen Brüder am besten, die auf dem Schlachtfeld stets ohntz-. AVierschied treu zusammenstanden." Mit einem Gesang des Domchores fand die schlichte Feier ihren würdigen Abschluß. Während der Feier hatten bereits die Reichswehr und die Schutzpolizei Paradestellung eingenommen. Als der Reichspräsident, wiederum von der zahlreichen Menge ehrfurchtsvoll begrüßt, den Platz vor dem Ehrenmal betrat, nahm er den Vorbeimarsch" ab. Bald nach Beendigung der Feier wurde das Ehrenmal zur Besichtigung durch das Publikum freigegeben. Das Ringen um den Kurs der SPD. Oie Entscheidung voraussichtlich erste heute abend. Leipzig, 2.Juni. (TU.) Der Sozialdemo- krati sche Parteitag nahm heute vormittag seine Verhandlungen unter dem Vorsitz des Reichs^ tngsabgeordneten Wels wieder auf. Zu dem Thema „Die Ueberwindung des Faschismus" sprach Or. Breitscheid, der sich zunächst gegen die Auffassung wandte, daß es keinen Unterschied zwischen Mussolini und Brüning gebe. Der Faschismus sei eine Bewegung zu einer Staatsform, die im Gegensatz zur Demokratie die o b e r st e Gewalt im Staate nicht der Gesamtheit der gleichberechtigten Staatsbürger, sondern einer einzelnen, oder einer bevorrechtigten Minderheit zuerkenne. Auch in einer Diktatur des Proletariats fei die Demokratie ausgeschaltet. Das Elend der dauernden Erwerbslosigkeit und die Verarmung breiter Schichten habe die Nationalsozialisten gewaltig anwachsen lassen. Verlogen sei die Darstellung, daß Deutschland seit 1919 marxistisch regiert worden sei und daß deshalb alle Not auf die Schultern der deutschen Sozialdemokratie falle. Verständnis für die wirtschaftliche Voraussetzung internationaler Zusammenhänge fehle den Nationalsozialisten vollständig. Die Hervorkehruüg des nationalen Prinzips diene dazu, die in das Proletariat hinabsinkenden Schichten von der Sozialdemokratie fernzuhalten. Der Sozialismus der Nationalsozialisten erschöpfe sich in einigen dürftigen Redensarten. Die Legalitätsbeteuerungen Hitlers feien nicht ernst zu nehmen. Eine Bewegung wie die nationalsozialistische könne nicht aus sich selbst heraus finanziert werden. Das Geld komme von den deutschen Großkapitalisten, vielleicht auch von Italien. Breitscheid hob weiter hervor, die U e b e r w i n - düng des Faschismus sei eine Sache längerer F r ist und angestrengter Arbeit der Verfechter der Demokratie. Deshalb habe die Sozialdemokratie sich zunächst auf die Fernhaltung der Nationalsozialisten von der Regierung in letzter Zeit eingestellt. Dabei habe sie sich immer wieder die Frage vorzulegen, ob das, was man ihr zugemutet habe und zumute, kein zu hoher Preis für die Abwehr des Faschismus fei. Es dürfe den bürgerlich Parteien und der Regierung gegenüber kein Zweifel daran gelassen werden, daß die Politik des Ausweichens von der Sozialdemokratie nicht um ihrer selbst willen getrieben werde, sondern daß sie darin lediglich eine harte Notwendigkeit sehe und daß sie nicht auch gleichzeitig verbürgerliche, weil sie eine bürgerliche Regierung stütze. Man werde den Gegner nicht überwinden, wenn man ihn nur von der Macht fernhalte und wenn man der kommunistischen Parole folgt: „Schlagt die Faschisten, wo ihr sie trefft!", sondern dann, wenn man die materiellen und geistigen Voraussetzungen der Entstehung und des Wachsens des Nationalsozialismus beseitige. Reichstagsabgeordneter Sollmann richtet zunächst scharfe Angriffe gegen den S t a h l h e l m. Der Parteitag der größten deutschen Partei habe wohl die Pflicht, im Hinblick auf den Stahlhelmaufmarsch in Breslau darauf h:n- zuweisen, daß diese Parade mit ihren kriegshetzerischen Reden sich allmählich zu einem außerordentlichen Skandal auswachse. Es sei höchst bedauerlich, daß der Reichspräsident mit einem Danktelegramm antworte, für das doch schließlich auch die Regierung eine gewisse Verant- wvrtung tragen solle. Der Stahlhelm sei eine Organisation zur Vorbereitung des Bürgerkrieges und zur Riedertretung der arbeitenden Massen in Deutschland. Der Reichspräsident sei Ehrenmitglied einer solchen Organisation. Von außenpolitischen Fortschritten zugunsten Deutschlands sei seit dem Austritt der Sozialdemokratie aus der Regierung nichts zu spüren. Die Art, wie die deutsch-österreichische Zollunion diplomatisch vorbereitet worden sei, bilde kein Ruhmesblatt für die außenpolitischen Punkte der Regierung. Im Oktober vorigen Jahres sei die Gefahr der _Aebernahme der Regierungsmacht durch die Nationalsozialisten groß und unmittelbar gewesen. Die Sozialdemokratie habe diese Gefahr abgewendet. Es habe der Zusammeir- Oie geheimnisvolle Bibliothek Was ist eigentlich unser Gedächtnis? Don Bruno H. Bürgel. Einer der gelehrtesten Menschen aller Zeiten war Alexander v. H u m b o l d t, der über ein nie versagendes, erstaunliches Wissen auf allen nur denkbaren Gebieten menschlicher Geistestätigkeil verfügte: er war der letzte große „Polyhistor", der Alleswisser schlechthin. Als ihm einmal der große Napoleon ein Kompliment machte über seine bewundernswerte Gelehrsamkeit, entgegnete Humboldt, dah er keineswegs klüger sei als andere Menschen, ja sogar eine etwas träge Auffassungsgabe habe, und alles nur seinem vorzüglichen Gedächtnis verdanke, das einmal, wenn auch mühsam, Aufgenommenes festhalte und treu bewahre. Er brauche nur in den „Gedankenkasten" zu greifen, um das Gewünschte wieder daraus hervorzulangen. Dieses gute Gedächtnis ist von vielen bedeutenden Menschen als die eigentliche Arsache ihres Könnens, ihres Ruhmes gepriesen worden, aber bis auf den heutigen Tag hat die Wissenschaft nicht herausbringen können, was denn eigentlich „Gedächtnis" sei, wie denn in unserm Hirn, das ja noch so viele ungelöste Rätsel birgt, erworbene Erkenntnisse aufgespeichert werden. Wir alle haben eine Anmenge von Namen, Zahlen, Melodien usw. usw. „im Kopf", aber wer macht sich Wohl eine Vorstellung davon, wie das nun in diesem Kopf aussieht, wie dieses Wissensgut aufgestapelt ist. Als ich ein Kind war, hatte ich die merkwürdige Idee, daß es in einem Kopfe wie in einer Bibliothek aussehe, wo alles Wissen wohlgeordnet in Bänden auf Regalen thrortt. Aber in der grauen Hirnrinde, die der Sih aller Bewuhtseinsvorgänge ist, finden wir nichts weiter als ein ungeheures Netzwerk von Ganglienzellen und Nervenfasern, die von jenen Zellen ausgehen oder von anderen Zellen zu ihnen hinführen. Aeber 9000 Millionen solcher Zellen bauen die graue Hirnrinde auf, und irgendwie muh das. was wir Gedächtnis nennen, mit diesen Ganglienzellen in Verbindung stehen. Seit Jahrhunderten raten die Hirn-Physiologen an dem Rätsel herum, war für Veränderungen denn nun in diesen Zellen vor sich gehen, wenn Wir irgend etwas „lernen“, etwa, dah Amerika im Jahre 1492 von Christoph Columbus entdeckt wurde, und wie in den Zellen das Erlernte bewahrt, festgehalten wird, so dah wir noch als alte Leute unfern Enkeln, wenn sie uns fragen, in welchem Jahre Amerika entdeckt wurde, die in früher Jugend auf der Schule gelernte Zahl wiederholen können. Es steckt eine geheimnisvolle Bibliothek in unserem Kopf, verbunden mit Notenheften und Adrehbüchern, und es ist doch eigentlich eine vertrackte Geschichte, dah wir keine Ahnung davon haben, wie wir in unserm Gehirn das produzieren, was uns befähigt, unfern Beruf zu erfüllen, unser Brot zu verdienen, denn in dem Augenblick, in dem wir unser Gedächtnis verlieren, ist es auch mit uns aus, ganz gleichgültig, ob wir Opernsänger, Briefträger, Fabrikarbeiterin oder Lehrerin sind. „Denn eben wo Begriffe fehlen, da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein“, sagt einmal Goethe im „Faust" an einer Stelle, wo er darüber spottet, dah wir wirkliches Wissen durch Scheinwissen, durch im Grunde inhaltlose Worte ersetzen. So hat man gesagt, es entstände, wenn wir etwas lernen, ein „Engramm", so etwas wie ein „Eindruck" in irgendeiner Zelle des Gehirns, aber selten ist aus Verlegenheit ein inhaltsloseres Wort an Stelle wirklichen Wissens gesetzt worden. Wie sollte denn dieses Engramm zustande kommen? Wenn wir einen Metallstempel in eine Wachsmasse abdrücken, so haftet dieses Bild und es verschwindet wieder, wenn wir die Wachsmalle erwärmen. Eindrücke solcher Art sind selbstverständlich im Gehirn unmöglich, denn erstens einmal ist ein Gedanke, den wir aufnehmen, kein Metallstempel, sondern ein unwägbares und im Grunde gänzlich rätselhaftes geistiges „Etwas", und zweitens sind die Ganglienzellen Heine Eiweihkörperchen mit einem Kem: es sind sozusagen ganz winzige Lebewesen oder Bausteine des Lebendigen, die sich durch Säfteaufnahme ernähren und die bei der Arbeit, die sie leisten, auch abgenutzt werden: sie machen einen Stvffwechselprozeh durch, profitieren vom Säftestrom unseres Körpers, bauen sich auf und bauen sich ab, sind eigentlich in ständiger Amfvrmung. „Eindrücke" im uns geläufigen Sinne des Wortes können also da nicht entstehen, es muh vielmehr in diesen Zellen bei ihrer Arbeit entweder eine chemische Amwandlung der da enthaltenen Materie eintreten, oder irgendwelche elektrische Vorgänge, Aenderungen der Ladung innerhalb der Zellen oder des Zellkernes spielen eine Rolle. Für beide Anschauungen sind namhafte Physiologen, die sich mit dem großen Rätsel beschäftigen. eingetreten, ohne daß es bis jetzt gelungen wäre, etwas Sicheres darüber zu ermitteln. Die Sache wird um so schwieriger, wenn man sich überlegt, dah doch, wie schon angedeutet, alle Zellen am Stoffwechselprozeß des Körpers teilnehmen, sich umbauen und erneuern. Wenn sich aber das ganze Gefäh, eben irgendeine Ge- Hirnzelle, die, sagen wir einmal die auf der Schule gelernte Jahreszahl für die Entdeckung Amerikas aufbewahrt als Gedächtniswert, sich fortwährend verändert und umbaut, wie kommt es dann, dah nicht der Inhalt dieses winzigen Gefäßes, also eben das Gedächtnis der Jahreszahl 1492 dabei mit vernichtet wird und aus dem Gedächtnis verschwindet? Wir wissen aber alle, daß jtoir aus allerfrühesten Kindheitstagen Erinnerungen bis ans Ende des Lebens mit Herumschleppen, obwohl solche Erinnerungsbilder ganz wertlos und zufällig sind. Als Kind von zweieinhalb Jahren habe ich einmal einen Billardball auf eine glühende Herdplatte gelegt Die Erinnerung daran bewahre ich noch heute: habe erst später von meiner Mutter erfahren, dah es zu einer Zeit geschah, als ich das obenerwähnte Alter erreicht hatte. Wie sonderbar, daß dieses ganz unwichtige Ereignis so fest haften blieb, während mir wichtige Lebensvor- gänge viel späterer Jahre restlos geschwunden sind! Oft arbeitet unser Gedächtnis völlig selbständig. ohne daß wir uns dellen bewußt werden. Wir basteln an irgendeiner Arbeit und pfeifen dabei irgendeine Melodie. Wir wissen das gar nicht, aber jemand, der uns zuhört, macht uns plötzlich darauf aufmerksam, indem er fragt: „Ist das nicht die Arie der Philine?" Wir haben die gar nicht einfache Melodie vöb' lig richtig gepfiffen, ohne es zu willen! „Doiit selbst"' hat Der Musiker in uns aus dem Noten- schrank der geheimnisvollen Bibliothek des Gedächtnisses diese Arie hervorgekramt, und die Lippenflöte hat sie auch ganz richtig zu Gehör gebracht. Hebrigens ist auch den Tieren ein oft ganz erstaunlich gutes Gedächtnis eigen. Ein Hund erkennt noch nach Jahren einen Menschen, der ifjm früher dann und wann eine Heine Magenfreude machte, und ein Tintenfisch, der einmal mit einem Hummer im Aquarium einen Kampf hatte, stürzt sich noch nach Monaten auf diesen inzwischen entfernten Feind, um ihn zu bestrafen. Das Experiment war angeordnet worden, um die Stärke des Gedächtnilles bei niederen Tieren zu erproben. Es wird übrigens behauptet, daß Leute mit hervorragendem Gedächtnis keine guten selbständigen Denker sind und umgekehrt. Man sagt, dah man dcis Gehirn entweder als Stapelraum verwendend könnte (Gedächtnisfülle) oder als Ar- beitsrarim (selbständige geistige, schöpferische Tätigkeit)/ Möglich, daß es so ist. Jedenfalls haben Antersuchungen gezeigt, dah selbst schwachsinnige Kinder oft ein vortreffliches Gedächtnis haben. Aber das alles ist heute noch sehr wenig sicher und in den Grundlagen geklärt. Auch hier wird das neue großartige Institut für Hirnforschung in Berlin, mit der Zeit Einblicke in unbekannte Gebiete ermöglichen. — Dah Hebung den Meister macht, dah man das Gehirn schulen, das Gedächtnis stärken kann durch Hebung, wie ein Sportsmann durch Training einen Muskel stärkt, wissen wir olle, aber auch das ist im Grunde rätselhaft, weil wir nicht zu erkennen vermögen, wie unser Wollen int Gehirn zum Wirken wird. So kommt es, dah wir uns selbst ein Rällel sind. Hochschulnachrichten. Amtlich wird das Ausscheiden des o. Professors Dr. Fritz von Wett st ein an der Hni- versität Göttingen zum 1. Oktober 1931 aus dem preußischen Staatsdienst gemeldet. Professor v. Wettstein siedelt an die Hniversität München über, wo er als Nachfolger des Geheimen Rates Karl von Goebel den Lehrstuhl der Botanik übernimmt. bruch des ganzen politischen Shsteins gedroht, und eS habe nur die Alternative gegeben: Kabinett Brüning oder offene faschistische Diktatur. Eine Verhinderung des Panzerschisf- baues sei unmöglich gewesen: man hätte nur den Sturz Groeners herbeigesührt und den Rational- sozialisten den Weg in die Regierung geöffnet. Die große Mehrheit der Reichstagsfrattion halte die Aktion der neun Mitglieder, die gegen den Panzerkreuzer stimmten, für einen gefährlichen, das politische Ansehen der Fraktion schwer erschütternden Disziplin bruch. Gr erwarte, daß der Parteitag den Schritt der Reun verurteilen und Garantien gegen eine Wiederholung solcher Disziplinbrüche schaffen werde. Der Parteitag müsse eine ganz klare Entscheidung treffen. Am Schluffe seiner Ausführungen erklärte Sollmairn mit erhobener Stimme, der Reichskanzler und der Innenminister sollten sich gesagt sein lassen, daß die Sozialdemokratie eine Kulturdiktatur der christlichen Welt- anschauung gegenüber dem Freidenker- t u m nicht zulassen werde. Richt nur in der Partei, sondern im ganzen deutschen Arbeiteroolk wache sich eine tiese Enttäuschung über die Regierung Brüning breit. Mit Sparmaßnahmen und Drosselung der Sozialpolitik sei die Krise nicht zu beheben. Unmittelbar nach dem Erscheinen der neuen Rotverordnung werde die sozialdemokratische Reichstagsfraktion zusammentreten, um unabhängig von der Regierung ihre Entschlüsse zu fassen. In der Rachmittagssihung begann die Aussprache über die Referate. Die Aussprache wird auch den ganzen Mittwoch nod> in Anspruch nehmen. Die Abstimmmrgen sind nicht vor Mittwochabend zu erwarten. 'Der Führer der Opposition, Seydewitz-Zwickau, wurde von einem Teil der Versammlung, besonders aber von der Tribüne, mit Beifall begrüßt. Er stellte fest, daß die oppositionellen Fraktionsmitglieder in vollem Derantwortungsbewußtsein gehandelt hätten. Die Taktik der sozialistischen Fraktionsmehrheit habe bisher auf der Erwartung basiert, daß man in absehbarer Zeit über die wirtschastlichen Schwierigkeiten hinwegkomme. Wenn Sollmann gesagt habe, es gebe Grenzen der Tvlerierungspolitik, so frage es sich eben, wo diese Grenzen erreicht sind. Er sei der Meinung, daß sie erreicht waren bei der Entscheidung über Len Panzerkreuzer. 3m übrigen sei es nicht besonders erfreulich, zu hören, daß der Parteitag zu der Rotverordnung deshalb noch nicht Stellung nehmen könne, weil man ihren Wortlaut noch nicht kenne. Die Regierung könne der stärksten Partei des Reichstages, oon der sie unterstützt wird, zwei Tage vor dem Abschluß nicht sagen, was m der Rotverordnung steht. (Hört, hört!) Auch ohne Wortlaut könne der Parteitag schon eine Entscheidung über die Rotverordnung treffen. Der Parteitag habe die Pflicht, zu fragen, ob hier nicht die Grenze der Tolerierungspolitik erreicht sei. (Beifall und Händeklatschen auf den Tribünen.) „Wir stehen", so schloß Seydewih, „nicht reumütig vor dem Parteitag, sindern sind von der Richtigkeit unserer Auffassung überzeugt. 3n den nächsten Wochen wird auch die Gesamtpartei auf unseren Weg gezwungen werden. Richt Leichtfertigkeit hat unser Handeln bestimmt, sondern die Sorge um die Partei und die Arbeiterbewegung, die Sorge um die Einheit der Partei. (Lachen. — Stürmisches Händeklatschen und Bravorufe auf den Tribünen. — Große Unruhe.) Die übrigen Redner. Frau Sender hält es für nötig, der Regierung Brüning bei ihrer nächsten Rotverordnung ein energisches „H alt!" entgegenzustellen. Dr. Rosenfeld stellt die Einmütigkeit der Partei fest in dem Willen, den F ä s ch i s - mus zu bekämpfen. Aber der Weg, den Parteidorstand und Fraktionsmehrheit gehen, sei nicht der richtige. Es müsse Schluß gebracht werden mit der Tolerierungspolitik. Reichstagsabgeordneter H o c g n e r-München bezeichnete als eine wesentliche Ursache für das Anwachsen des Rationalsozialismus die Tatsache, daß die Sozialdemokratie in den vergangenen Jahren dem Volke die Erfüllungspolitik doch wohl allzu schmackhaft gemacht habe. Reichstagsabgeordneter K ü n st l e r - Berlin meinte, der Disziplinbruch bei der Panzerkreuzer-Entscheidung sei zu verurteilen. Fle i ß ner-Dresden erklärte, die Zollerhöhungen seien ein Spiel mit dem Feuer. Es sei nötig, Schluß zu machen mit der Tolerierung der Zollpolitik Brünings, wenn nicht noch größere Massen das Vertrauen zur Partei verlieren sollten. Die Fortsetzung der Aussprache wurde dann auf Mittwochvormittag vertagt. Bischof Schreiber an den Papst. Berlin, 2. Juni. (CNB.) Bischof Dr. Schreiber hat folgendes Telegramm nacy Rom an den Papst gesandt: „Von einer Pastoralreise nach Pommern zurückgekehrt, bekundete ich Euch, Hl. Vater, zugleich im Namen des Domkapitels, des Klerus und des gläubigen Volkes im Bistum Berlin unseren großen Schmerz über die Vorgänge gegen die Katholische Aktion in Rom und in ganz Italien. Wir nehmen innigen Anteil an dem Kummer Eurer Heiligkeit und beten zu Gott um Abkürzung der Trübsal und Wiederherstellung der Freiheit. Christian Schreiber, Bischof von Berlin." Aus aller Well. heute früh Start des Do X nach Südamerika? Wie Reuter aus P r a j a (Kap Verdische Unfein) meldet, soll der Start des Do X nach Südamerika für heute früh 5 Uhr örtlicher Zeit festgesetzt worden sein. Französisches Bombenflugzeug abgestürzt. — Bier Todesopfer. Wie aus Metz berichtet wird, stürzte dort ein mit vier Mann besetztes Bombenflugzeug ab. Sämtliche Insassen, zwei Unteroffiziere und zwei Soldaten fanden den Tod. Das Unglück soll auf Geschwindigkeitsverlust zurückznführen sein. Bier Mädchen beim Baden ertrunken. In Dickschen, im Kreise Pillkallen (Ostpreußen), sind vier Mädchen, die an einer entlegenen Stelle badeten, ertrunken. Die Kinder liefen eine Sandbank -entlang und bemerkten dabei nicht, daß diese plötzlich steil abfiel. Sie versanken, ohne daß es ein Erwachsener bemerkte. Aus der provinzialhaupistadt. Gießen, den 3.Juni 1931. Oer neue Herr. Es soll hier nicht gesprochen werden von dem neuen Herrn im Sinne der Zimmervermieterinnen, sondern von dem neuen Herrn im Urteil der Mode. Der „Dandy" früherer Zeiten ist ausgestorben. Er ist auch alt genug geworden. Der berühmteste -bandy aller Zeiten, der Engländer George Brumme!, trug laut zeitgenössischer Chronik im Jahre 1830 folgende Toilette: „Ein kastanienfarbener Gehrock mit einem Velourkragen, dunkelbraun getönt; eine Kaschrnirweste mit Palmenmuster, aus einem Schal, der hundert Guineen gekostet hat, verfertigt; Panta- lons Nuance foncöe, sehr spitze Schuhe." Bekannter dürfte noch das Bild des Dichters Oskar Wilde sein, der später das Ideal aller Gents wurde. Heute ist das anders. Zwar befaßt sich die Mode, weil sie nun einmal weiblichen Geschlechts ist, auch vornehmlich mit den Dingen der holden Weiblichkeit, aber sie findet doch Zeit, sich ab und 3U mit uns Männern zu befassen, uns Vorschriften zu machen, die wir als moderne Menschen nicht unbeachtet lassen dürfen. Heute weiß wohl jeder: die Zeiten des gewöhn- lichen Bratenrockes, der Röllchen, Brettchen und eisernen Schlipse sind vorüber. Das Prinzip der Sachlichkeit dominiert in der Herrenmode, das heutige Ideal ist der Sporttyp! Der Zweckgedanke hat neue Leben- und Schmuckformen geschaffen. Im Zeitalter der Armbanduhr ist die dicke goldene Ta- schenuhr mit der noch dickeren Sicherheitskette über dem mehr oder minder behäbigen Bauch einfach un- möglich. Und so ließen sich viele Beispiele anführen. Berus und Sport, als bestimmende Faktoren des Alltags haben hier normend gewirkt. In Berlin gibt es sogar einen Verein zur Reform der Männerklei- dung, der der Sache theoretisch „zu Leibe" gehen will. Tatsache ist ja, daß in hygienischer und ästhetischer Hinsicht manches zu reformieren war und daß der neue Herr nunmehr auch ein besserer und gesünderer sein wird... wichtige Behandlung erlegten Wildes. Zu Beginn der Schußzeit des Rehbockes macht der preußische Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten auf die außerordentlich großen Verluste aufmerksam, die der Volkswirtschaft durch falsche Behandlung erlegten Wildes erwachsen. Allein in der Zentralmarkthalle in Berlin mußten im Lause des vergangenen Jahres 11 617 Kilogramm einheimischen Wildes aus dem Handel genommen werden, da sie durch falsche Behandlung stickig geworden waren. Um die Jäger vor Schaden und vor Aerger mit dem Wildbrethändler und die Volkswirtschaft vor solchen Verlusten zu bewahren, ist es dringend nötig, dem Wild auch nach dem Schuß die nötige Sorgfalt angedeihen zu lassen. Besonders bei warmem Wetter muß alles Haarwild sofort aufgebrochen werden, die Brust- und Baucheingeweide sind zu entfernen, damit keine Fäulnisbakterien vom Darm aus austreten können. Ist das Gescheide verletzt (Magen und Darm), so kann bei warmem Wetter schon nach Ablauf einer Stunde ein unaufgebrochene» Stück unverwertbar sein. Das aufgebrochene Stück lasse man im Schatten möglichst ausschweißen und richtig auskühlen. Ist Gescheideinhalt bei schlechtem Schuß in die Leibeshöhle gelangt, so darf nur eine Reinigung mit trockenem Tuch oder ähnlichem, unter keinen Umständen mit Wasser stattfinden. Da der lokale Markt meist bald gesättigt ist, gelangt immer eine große Menge von Wild zum Versand. Je eher dieser nach dem Auskühlen erfolgt (bei Bahntransport als Eilgut), um so besser. Unter keinen Umständen darf dabei die Bauchhöhle zuge- näht womöglich vorher mit Gras oder Brennesseln gefüllt werden, wie das oft geschieht. Das Stück bleibt, wie es ist. Das Zwerchfell ist völlig zu entfernen. Die Vorder- und Hinterläufe find nicht gegeneinander zu verschränken, da. dann bei dem Transport häufig Brüche des Zie'mers, also des wertvollsten Teiles eintreten, wofür der Händler den Jäger mit geringerer Bewertung belastet. Nie- mals packe man Wild aufeinander. Eine Menge von Hasen wird so alljährlich unverwertbar. Federwild ist auszuhaken, so daß der Darm ganz entfernt ist. Besonders Enten, die im Juli/August geschossen werden, werden sonst sehr rasch grün. Richtig behandeltes Wild ist sehr lange haltbar, Fehler dagegen rächen sich sehr rasch. Holzel. Taten für Mittwoch, 3. Juni. 1844: der Dichter Detlev von Liliencron in Kiel geboren; — 1864: der Dichter Otto Erich Hartleben in Klausthal geboren; — 1871: Elsaß-Lothringen wird Deutsches Reichsland; — 1875: der Komponist Georges Bizet in Bougioal gestorben. Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch: Deutscher Republikanischer Lehrerbund: Vortrag „Die französische Jugendbewegung und der Friede", von Rechtsanwalt Jean Zah, Festsaal des Gymnasiums, Südanlage, 16 älhr. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Der Schrecken der Garnison". * ** Ferienkursus an der Universität. An unserer Landesuniversität veranstaltet das Institut für experimentelle Psychologie und Pädagogik den 4. Ferienkursus für Deutsche und Ausländer in den Tagen vom 20. Juli bis zum 1. August. Der Ferienkursus, der unter dem Titel „Der junge Mensch in der Gegenwart" (Wesen, Selbstgestaltung und Erziehung) durchgeführt wird, sieht eine Reihe von Vorträgen, Vorführungen, Besichtigungen und Ausstellungen vor. Außerdem sind künstlerische, ge, sellige und sportliche Veranstaltungen, Ausflüge in die Umgebung, sowie eine Main- und Rheinfahrt geplant. Frvnleichnarnsprozession. Die katholische Gemeinde feiert am morgigen Donnerstag das Fronleichnamsfest. Aus diesem Anlaß findet nach dem Hochamt eine Prozession statt, die sich von der Kirche aus durch die Wilhelm- strahe bis zur Ebetstraße und wieder zurück durch die Ludwigstrahe zur Kirche bewegen wird. Die Prozession wird begleitet von der hiesigen Reichswehrkapelle und der Kapelle Topp. ** 6 in Fünfundsiebzigjähriger. Herr Salomon Joseph, wohnhaft Westanlage 29, feiert heute bei guter Gesundheit seinen 75. Geburtstag. •* We st deutsche Archivare in Gießen. Am Sonntag trafen sich die Archivare Westdeutschlands in Gießen zu einer Tagung, die durch den Besuch des Oberheis.schen Museums eingeleitet wurde. Der Museumsdirektor, Prof. Helmke, begrüßte die Gäste und lie ßihnen kleine Führer durch Gießen überreichen, die der Verkehrs- und Derschönerungsverein zur Verfügung gestellt hatte. Daraus führte der Assistent des Museums, stud. phil. Hans Szczech, die Gäste durch die reichhaltigen Sammlungen des Hauses, wobei besonders die vor- und frühgeichichtliche Abteilung die Aufmerksamkeit und Bewunderung der Besucher erregte. Hm 12.30 Hhr brachte ein Omni- bus die Teilnehmer nach dem Schiffenberg. Ein Rundgang durch die Gebäude des Schiffcnbergs unter sachkundiger Führung machte die Teilnehmer mit der Geschichte des Klosters bekannt. Rach einer Kaffeepause wurde im Omnibus die Rückfahrt angetreten. Die Besucher dürften nachhaltige Eindrücke von Gießen mit nach Hause genommen haben. ** Warnung vor Blumendieb stahl in öffentlichen Anlagen. Von der Stadtver- Wenn Ihre Empfehlungsanzeige in der Freitags- oder in der Samstagsnummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung werben soll dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags in der Geschäftsstelle auf. waltung wird uns geschrieben: In den letzten Tagen wurden verschiedene Tulpenbeete in den städtischen Anlagen wiederholt geplündert. Es besteht die Gefahr, daß die in kurzer Zeit erblühenden Geranienstöcke usw., gleich den Vorkommnissen in früheren Jahren, auch diesmal wieder Anlaß zu Diebstählen geben werden. Es wird darauf hingewiesen, daß etwa gefaßte Täter unweigerlich mit einer Anzeige zu rechnen haben. Außerdem wird jeweils die Art der Bestrafung unter volle r Namensnen- in den hiesigen Tageszeitungen bekannt- iswüchse im Reklamewesen. Vom Polizeiamt Gießen wird uns geschrieben: In letzter Zeit sind wiederholt Nachahmungen von Reichs- banknoten (sogenannte Blüten) zu Reklamezwecken verbreitet worden. Trotz der vorhandenen Abweichungen zeigen diese Bluten, besonders wenn sie zu- sammenaefaltet sind oder der Reklametext durch Ucberkleoen abgedeckt worden ist, eine Aehnlichkeit mit den echten Noten, so daß es in zahlreichen Fällen Betrügern gelungen ist, sie zu Zahlungen zu verwenden. Es erscheint angebracht, das Publikum, insbesondere die gewerblichen Kreise, darauf hinzuweisen, daß nach § 360, Ziffer 6 StGB, die Anfertigung und Verbreitung von Warenempfehlungskarten, Ankündigungen oder anderen Drucksachen oder Abbildungen, welche in der Form oder Verzierung dem Papiergelde ähnlich sind, ft r a f b a r ist. Das Reichsbankdirektorium warnt daher vor Anfertigung und Verbreitung und warnt gleichzeitig auch vor Annahme derartiger Blüten. *• Taschendiebstay l. Auf dem gestrigen Viehmarkt wurde dem Viehhändler Benjamin Löwenstein aus Digge bei Brilon von unbekannter Hand die Brieftasche gestohlen. Die Brieftasche enthielt 170 Mark Bargeld und außerdem drei Schecks. Einer dieser Schecks lautet über 373 Mark und führt die Rr. 247 193 (Hof- Heimer Bank). Der zweite lautet über 570 Mark (Rr. 13 479 Oberhessifche Dank in Friedberg) und der dritte auf 410 Mark (Rr. 33 255, Volksbank Grünstadt). Außerdem vermißt der Destohlene ein Scheckbuch, ausgestellt von der Kreissparkasse Dri- lon. Sachdienliche Mitteilungen erbittet die Kri- minalvolizei. ** DH C.-Jubiläumsfeier kn Schotten. Wie uns zu dem Bericht über die Jubiläumsfeier des VHC. in Schotten berichtigend mitgeteilt wird, bestand die Trachtengruppe der Hri- matvereinigung Schiffenbrrg, die unter der Führung von Georg Heß das Fest verschönte, nicht aus jungen Mädchen und Burschen aus Leihgestern, sondern aus jungen Leuten von Garbenteich. Strafkammer Gießen. • Gießen, 2. Juni. 3m September vorigen Jahres wollte ein Oberwachtmeister der Butzbacher Polizei mit zwei Freunden, nachdem sie tagsüber gezecht hatten, abends einen ihnen bekannten Iagdpächter in seiner Hütte besuchen. Als sich auf ihr Rufen niemand zeigte, stiegen der Oberwachtmeister und der eine seiner Freunde über den hohen Zaun und begaben sich in das offene Jagdhaus. Dort streute der erstere Mehl aus. warf Grammophonplatten und andere Gegenstände aus dem Fenster hinaus und nahm einen Feldstecher und einige Patronen an sich. Alle drei gingen dann weg. Die hinausgeworfenen Sachen versteckte der Oberwachtmeister unter einem Busch; Feldstecher und Patronen nahm er mit. Obwohl er in den nächsten Tagen genug Gelegenheit gehabt hätte, diese Gegenstände dem Iagdpächter zurückzugeben, tat er dies nicht, nahm sie vielmehr mit nach Krumbach und ließ sie dort in der Wohnung von Bekannten. 3m Gegensatz zu dem Schöffengericht nahm die Strafkammer an, daß der Angeklagte nicht schon in der 3agdhütte die Absicht gehabt hätte, sich die Sachen anzueignen, n u n g gegeben. 211 sondern erst später bei der Fahrt nach Krumbach. Wegen Unterschlagung wurde auf zwei Monate Gefängnis erkannt. Ein erheblich vorbestrafter Schuhmacher war wieder einmal im Park von Dad-Rauheim nachts Liebespärchen nachgeschlichen und hatte sich dabei einem Passanten als Polizeibeamter auggegeben. Wegen Amtsanmaßung erhielt er einen Monat Gefängnis. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) H. H. Der Hundertsatz der gesetzlichen Frieden-- miete beträgt zur Zeit 122 Prozent. Will ein Hausbesitzer das Wassergeld umlegen, dann muh er 3 Prozent von dem vorgenannten Hundertsatz der Miete in Abzug bringen, so daß also 119 Prozent zu erheben wären. Eine andere Umlegung ist nicht zulässig. S. W., Lollar. Die Sondersteuer wird wegen schwieriger persönlicher Verhältnisse nicht erlassen. Dagegen besteht die Möglichkeit der Erlangung von Mietunterstühung. Ein solcher Antrag ist durch das Bürgermeisteramt bei dem Bezirks- Fürsorgeverband (Kreisamt Gießen) zu stellen. A. Sch., Wiescck. Das wahre spezifische Gewicht der Lust ist bei 0 Grad und 760 Millimeter Druck, bezogen auf Wasser bei 4 Grad, 0,001 292 8. Das spezifische Gewicht, bezogen auf Luft = 1, von Wasserstoff ist 0.0695, Sauerstoff 1.1053. Kohlenoxydgas 0,9672, Heliumgas 0,138, Knallgas 0,4147. Das spezifische Gewicht von Dur- aluminium ist etwa 3.0. B. in C. Trotz mannigfacher Umfragen war es uns nicht möglich, die gewünschte Adresse zu ermitteln. Siedlung. Wenden Sie sich an Herrn Dr. Schmidt in Frankfurt a. M.. Mainkai 22. Oie Wetterlage. 'Tftorsfiavn~y^ »VT/fc 6' ( Oslo . J 1 4 ■joyyv // \ • 1 V» w; ,on£__77 Hombg. DerlmMj»“ ZT™ ( ■A, IW 0WoHtento$.O neuer. ®naro otdecxL »wolkig. ecedeckt • Kegc’L * Schnee & Graupein ■ Nebel K 0ewiiter,(§)wind$tiHe.«O-. sehr leichter Ost y "WSS’Oer ludsuowesi q stürmischer «ordwesl Die Pfeile fliegen mit dem winde Oie oeiaen Stationen stehenden Zahlen geben die Temperatur an. Pie Linien verbindet! Orte mit gleichem tut Meeresniveau umgerechneten Luftdruck Wettervoraussage. Da an der Rückseite der Störung über Skandinavien, die sich erheblich vertieft hat und dort böiges Wetter verursacht, weiterhin Kaltlustmassen bis nach Deutschland hin vorgeschoben werden so zeigt sich immer noch etwas Bewölkung. Jedoch ist das Hochdruckgebiet von Südwesten her ganz auf das Festland vorgerückt und wird sich bei der Weiterentwicklung der Wetterlage immer mehr durchsetzen. Abgesehen von einzelner Wolkenbildung, die durch die hartnäckige Skandinavienstörung noch heroor- gerufen werden kann, wird im Bereich hohen Drucks schöneres und wärmeres Wetter eintreten. Mit der Zeit geht die Bewölkung ganz zurück. Aussichten für Donnerstag: Weitere Wetterberuhigung, wärmer und trocken. Lufttemperaturen am 2. Juni: mittags 18 Grad Celsius, abends 14,3 Grad; am 3. Juni: morgens 14,1 Grad. Maximum 18,6 Grad, Minimum 10,8 Grad. Verantwortlich für Politik: i. V. Ernst Blumschein. BgENN, XtoQen- ,-v .der ,, Repräsentation Juchlig und Elegant; ein Mellterwert moderner I Autotechnik, da» Ergebnul lahnehnteiange« ErtahAxieen | \ '' (Copyri 2- Sortier _ Sie bliy Herder in ; ! lie ein neue .Wer es I 'chen den be ieht der rote "ach der €1; '■"getreten i ®*n blond tcn Straßen ?n'9e Schn ■ f'oen blieb. wollt I r da wie ta liän« | et"ount au - legte h°b sich, q s einlad« . U hlnube mit . ■Sienften?“ L 'Men. ’ ?i9en hu I tt Dein. r । n^oten ■faßte sie 1 r"d strich ■ Zähne : K K: 4? j ft°L Dem ; 2uch ] lischt sich zwer ’u|c lischen K Europa " I Denn es 1 darair ; abto"^ 1 Grundlage i hätte M nicht Älu, | Stümpern 1 weit^j« licht lvordes dauert, b>- erinnerten. Deutschland tet ist. m von 2nlm ges Wa englisch von Loi überPa Terlm Wechsel » schasterpoft sächsischen man die N ob sich ■'m Es ist das 1 praltischen sand, und Maedo n einigem ir fang der ! Lorgeschrcr aus. wie ' gegangen weiteren Tatsache; Denn schehnisse uns desse lische 2Bi Wiederau vir uns hing der delt sich b sehr um vielmehr den Enttä Jahre pst hing an Loearnove feit neue mafie grei i land fjeut uiib ernste! i sammeni 1 ropa für der Schwi „Balance i trotz Sota Man mü Deutschlani Europa gi Mitarbeit den Verhm hat ihre G 3203 A 3336 D durch den Kurverein. 2391 V 3778 D Heuchelheim. Gießen, Vetzberg, den 2. Juni 1931. '775 D 1490V liefert zu Sonderpreisen 3504 V Drogerie 0. 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Die Beerdigung findet Donnerstag, den 4. Juni, nachmittags 2% Uhr, vom Trauerhause Bahnstraße 13 aus statt 2Ovvqm Lagerplatz Ecke Wetzlar. Weg u. Bahnüberg. gegenüb. Hotel Hopfeld tit ganz ob. getrennt zu verkauf. Auch kann das Geländer, kleine Gärten aufget. werden. Zahlungs-Bedingungen günstig. Schr. Angebote, unt. O3238and.Giek.Anz. Junge Witwe nicht ausgeschl. Nur ernst- gemeinte Zuschriften unter 03225 an den Gien. Anz. erbeten. im 67. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Elisabethe Schmidt, geb, Kröck. Es ist bestimmt in Gottes Rat, daß man vorn Liebsten, was man hat, muß scheiden. Donnerstag: Premiere d.sensationellen neuen Ufa-Tonfilm-Schwankes t y,lu.-w ro-u uj..-. u Iman-Umojsine RM 6250/3 Ltr.-bS PS-8 Cyl.-Pul m.-Umous. 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(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) London, 1.3uni 1931. Dem englischen Volke ist in diesen Tagen das Duch „Stresemann" der Frau Dallentin in englischer Liebcrsetzung vorgelegt worden. Dies trifft sich ganz gut in einem Augenblicke, wo sich zwei führende deutsche Minister mit ihren eng- tischen Kollegen in Chequers über bk Lage in Europa und in der Welt aussprechen wollen. Denn cs erinnert die englische Öffentlichkeit daran, daß vor Iahren einmal ein Locarno- ablomntcn zustande kam, das die politische Grundlage des jetzigen Europa wesentlich anders hätte gestalten können, wenn seine Richtlinien nicht Illusion geblieben und von diplomatischen Stümpern verwischt und verdunkelt, sondern von weitsichtigen Staatsleuten mit Energie verwirklicht worden wären. Es hat über fünf Iahre gedauert, bis sich die englischen Minister dessen erinnerten, daß ihr Land in gleicher Weise Deutschland, wie Frankreich gegenüber verpflichtet ist, und niemals hat man sie in dieser Zeit von Berlin hieran erinnert Richt ein einziges M a l hat unsere Diplomatie der englischen nahe gelegt, dah der Weg von London nach Genf nicht immer über Paris, sondernaucheinmalüber Berlin führen kann. Erft nach einem Wechsel in der Besetzung des Londoner Dot- fchaftcrpostens und der Abteilung für die angelsächsischen Länder im Auswärtigen Amte fühlte man die Notwendigkeit, wenigstens zu versuchen, ob sich doch noch neue Dahnen finden lassen. Es ist das Verdienst Hendersons, dah er den praktischen Weg zur Derwirklichung der Ideen fand, und ihm ist es Wohl zu danken, dah Macdonald, wenn vielleicht auch erst nach einigem inneren Widerstreben, sich zum Empfang der deutschen Minister bereit erklärte. Die Dorgeschichte von Chequers klärt uns darüber auf, wie vorsichtig man in England zu Werke gegangen ist, und man wird gut tun, sich im weiteren Verläufe der Ereignisse stets an diese Tatsache zu erinnern. Wenn wir in unseren Gedanken auf die Geschehnisse der Locarno-Tage zurückgehen und uns dessen entsinnen, wie stark damals der englische Wunsch war. die deutsche Mitarbeit am Wiederaufbau Europas zu gewinnen, so werden wir uns damit das Verständnis für die Bedeutung der jetzigen Konferenz erleichtern. Cs handelt sich bei der Aussprache für England nicht so sehr um eine Erörterung von Einzelheiten, als vielmehr darum, wie man Deutschland nach all den Enttäuschungen der vergangenen Monate und Iahre psychologisch wieder zur aktiven Mitwirkung an europäischen Fragen im Sinne der Locarnoverträge hcransühren und feiner Tätigkeit neue Fiele setzen kann. Die englische Diplomatie greift auf die Theorie zurück, dah England heutigentags angesichts der bedrohlichen und ernsten Verhältnisse in Europa die Zusammenarbeit der Rationen in Europa für das bessere Mittel zur Lieberwindung der Schwierigkeiten hält, als die historische „Balance of Power“, die in den letzten Iahren trotz Locarno die Oberhand gewonnen hatte. Man müsse, so lautet die englische Formel, Deutschland wieder an seine Verantwortlichkeiten Europa gegenüber erinnern und seine freudige Mitarbeit sicherstellen. Diese englische These, die den Verhandlungen von Chequers zugrunde liegt, hat ihre Gefahren und Vorteile. Sie bringt uns Brandung desLebens Roman von Käte Lindner. (Copyright 1931 by Verlag Alfred Bechthold in Braunschweig.) 2. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Sie blinzelte kokett unter den breiten Lidern hervor in fein zorniges Gesicht. Dann stimmte sie ein neues Lied an. Aber es hätte wohl trotzdem einen Streit zwischen den beiden Rivalen gegeben, wenn sich nicht jetzt der rote Vorhang geteilt hätte, der die Osteria nach der Straße zu abschloh, und ein neuer Gast eingetreten wäre. Ein blonder, lächelnder Gast in einem eleganten Strahenanzug, der mit neugierigen Augen einige Sekunden lang unter dem roten Vorhang stehen blieb. Als wollte er den Gesang der Frau nicht stören, die da wie ein schönes, leuchtendes Bild im Kreis, der Männer sah und jetzt die schwarzen Augen erstaunt auf ihn richtete. Eie legte die Laute neben ihren Stuhl und erhob sich. Ging um den Tisch herum und machte eine einladende Handbewegung nach dem Herrentisch hinüber, der, sich heraushebend von den andern, mit einem weihen Tuch bedeckt war. „Willkommen, Herr! Was steht Ihnen zu Diensten?" Mit dem Anstand einer Fürstin hatte sie gesprochen. Hansheinrich Liskow sah in ihre lodernden Augen hinein und fuhr sich über die Sttrn. Dann nahm er am Herrentisch Platz und bestellte Wein. „Roten Sizilianer, Herr, oder Desuvwein?“ fragte sie mit ihrer leisen, schmeichelnden Stimme und strich über das blauschwarze Haar. Die weihen Zähne glänzten hinter den lächelnden Lippen. „Welch ein wunderschönes Weib ', dachte Liskow und vergab, seine Bestellung zu wiederholen. Als sie aber immer noch lächelnd stehen blieb, sagte er: „Den besten, wenn der Sizilianer echt ist, dann bringen Sie den. Ihr panscht hier droben und gebt Eueren Marken wohlklingende Rainen." Lachend drohte er der schönen Wirtin mit dem Finger. „Wo ist der Patrone?" „Er ist tot." Ein klein wenig gekränkt, funkelten ihre Augen ihn an. „Ich bin die Wirtin, Herr, und meine Weine sind unverfälscht. Der rote Sizilianer wird direkt aus meiner Heimat Cefalu bezogen." Höflich verbeugte sich Liskow. „Nichts für un- ' vQut. schönste Wirtin. Es war gewiß nicht so Yimm gemeint wie es den Anschein hat. Lind zunächst zum Bewußtsein, daß die englische Tättg- leit sich nur im allgemeinen europäischen Rahmen halten wird. Riemals wird England auf die Erhaltung möglichst guter Beziehungen zu Frankreich etwa um der deutschen Freundschaft willen verzichten. Hält man sich dies vor Augen, so wird man nicht Gefahr laufen, die wahrscheinlich sehr herzlich werdende englische Gastfreundschaft mißzuverstehen und aus dem persönlichen Entgegenkommen zu weitgehende Schlüsse auf die politischen Möglichkeiten einer deutsch-englischen Annäherung zu ziehen, wie es in der ilcber- schwänglichkeit der Locarno-Zeit tatsächlich geschah. Die zahlreichen Bindungen Englands und seine eigenartige Stellung als größte Seemacht nahe dem europäischen Kontinent machen es ihm unmöglich, sich einseitig mit Deutschland über gewisse Einzelpunkte zu einigen. Es wäre daher falsch, wenn die deutsche Diplomatie, wie es den Anschein hat, sich von der Chequcrs-Zu- sammenkunft fest umriffene Lösungen von Repara- ttons- und sonstigen Deutschland naheliegenden Fragen verspräche. Man kann es als ganz sicher annehmen, daß Macdonald sich höflich weigern wird, Cinzelfragen zu erörtern. Tatsächlich ist auch die Zeit zu eingehenden Erörterungen viel zu kurz. Der Reichskanzler und der Außenminister treffen am Samstag spät zum Incheon in Chequers ein, es wird einige Zeit dauern, bis man das allgemeine Gespräch auf die in ter» effierenben Fragen übergeleitet hat, bald folgen Tee und Abendbrot und Macdonald liebt es, nicht zu spät zu Belt zu gehen. Am Sonntag bleibt eigentlich nach Frühstück und Kirchgang nur die Zeit eines Morgenspazierganges durch den Park von Chequers übrig, um sich weiter auszusprechen. Die Zeit ist also knapp. Sie genügt aber, um alle die Fragen zu berühren, die den Engländern am Herzen liegen. Cs handelt sich zunächst darum. Mittel und Wege zu finden, um der gegenwärtigen Tendenz in Europa, der Verschärfung des deutsch -französischen Gegensatzes, der Reugruppierung in feindliche Lager eine andere Richtung zu geben. Hier bieten sich zweifellos einem konstruktiven, staatsmännischen Geiste viele und neue Möglichkeiten. Aber genügt das für Deutschland, dem die Rot auf den Rägeln brennt? Es trifft sich eigenartig, dah im gegenwärtigen Augenblicke der deutsche und der englische Leiter der Polittk Männer sind, die aus dem Gewerkschaftsleben hervorgcgangen sind und deshalb gemeinsame Anknüpfungspunkte finden werden, wo es sich um die brennenden Fragen der Arbeitslosigkeit, ihrer Rückwirkung auf die staatlichen Budgets und die Möglichkeit einer internationalen Bekämpfung des Liebeis handelt. Ihre Ansichten werden sich auch in manchen Punkten begegnen, wenn sie den Einfluß der Banken und ihrer Finanzpolittk auf die Derbraucherkraft der Massen, die Entwicklung der Industrie und die Beschäftigung der Arbeitermasfen erörtern. Das sind Punkte gemeinsamen Interesses, die automatisch zu den Rückwirkungen der gegenwärtigen Wirtschaftslage auf die politischen Fragen hinüberführen. In diesem Rahmen werden wohl auch das österreichisch-deutsche Zollabkommen, die Bemühungen Englands um Herabsetzung der Zolltarife, das Reparations- und das internationale Schuldenproblem berührt werden. Damit aber wird es genug fein. Iede Andeutung, daß England bei Amerika irgendwie m der zum Zeichen, daß Sie mir nicht zürnen, bringen Sie sich ein Glas mit und tuen mir Bescheid." Mit wiegenden Schritten ging sie nach dem Hinteren Ausgang und verschwand hinter dem Dor- Hang. „So viel Glanz in dieser Hütte."... Liskows Augen verfolgten jede Bewegung ihrer anmutigen Gestalt. Lind als Colomba zurückkam und eine goldgelapselte Flasche mit zwei Gläsern auf den Tisch stellte, legte er seine Hand auf ihren Arm. „Ihre Dorfahren müssen Wohl stolze Romer oder Sarazenen gewesen sein. Ich hätte es erraten, auch wenn Sie mir vorhin nicht Ihre Da- terstadt genannt hätten. Alle Merkmale rassereiner Abkunft sind an Ihnen erhalten." Lind er zog eifrig einen Stuhl unter dem Tisch vor, schenkte ihr Glas voll. Colombas Augen lächelten in die seinen. Seine Schmeicheleien gefielen ihr wohl. Das war etwas anderes, als Massimos plumpe Annäherungsversuche, als Marios und der anderen offenkundiges Liebeswerben. Ein Städter, ein Vornehmer ... Lind Colombas lächelnder Mund tat dem Fremden Bescheid, ihre schwarzen Augen flammten in die feinen. Sie war ein echtes Kind des Südens, zutraulich, heiter, liebenswürdig und kokett. Lind Liskow trank, und feine Augen redeten noch eindringlicher, als fein Mund. „Wie bist du schon", sagten sie. „Geschaffen zum Lieben und Glücklichsein. Wie eine Blume blühst du, Co- lomba, hier im Winkel der engen Gasse.. Heiß rann ihm der Sizilianer ins Blut. Liskow vergaß, daß er nicht allein mit der schonen Wirtin in der Stube saß. Er rebete_ eindringlicher auf sie ein, seine Hand glitt über ihren vollen Arm, legte sich mit leisem Druck auf die ihre. Sie lachte und lieh es geschehen. Bis ein heiserer Laut vom Rebentisch herüber Colomba plötzlich zusammenfahren lieh. Wie das böse Knurren eines wilden Tieres hatte es geklungen. Mario hatte sich drüben aufgerichtet, stand hinter feinem Stuhl mit finster drohenden Augen und sah herüber zum Herrentisch. Hinter feinen vollen, lebensgierigen Lippen blitzten die Zähne, und seine kleinen, halb hinter dichten Brauen versteckten Augen funkelten bösartig. „Wir sind auch noch da, Täubchen... wir, deine anderen Gäste. Das hast du wohl ganz vergessen? He? Des Massimo Glas steht leer, schon lange, und du siehst es nicht. Heut sind wir wohl auf einmal nicht gut genug für das Täubele... ? Auf, Colomba, bring' mir einen Chianti. Lind fing uns das Lied von dem roten Rosenbusch und dem Hirten, der seine Liebste darunter erstach im Mondschein. Aus Liebe ... weil sie ihm untreu geworden war. Singe, Täubchen, sing' uns das Lied. Dem feinen Herrn wird Schuldenfrage einwirken soll, wird stets einem eisigen Stillschweigen begegnen. England hält an der Theorie fest, daß Amerika nichts von diesen Dingen hören will, solange das alle Europa noch so in Waffen starrt, wie es heute der Fall ist. Die Anwesenheit von Henderson und des ersten Lords der Admiralität. Alexander, garantieren dafür, dah die Aussichten der Abrüstungskonferenz besprochen werden, wobei die Engländer alles versuchen werden, uns von der Rotwendigkeit zu überzeugen, dah wir um des Himmels willen unsere Ideen von einer etwaigen Wiederaufrüstung bis auf weiteres in den Wind schlagen müssen. Aber gerade auf diesem Gebiete wird es sich verlohnen, wenn die deutsche Diplomatie sich wieder einmal des Vorhandenseins der Locarnoverträge erinnert und darauf hinweist, dah die von England übernommene doppelseitige Garantie Frankreich und Deutschland gegenüber die Unterlage bilden sollte, um das Rüstungsproblem auch einmal von einem anderen als nur dem französischen Standpunkte aus zu betrachten. In allen den Iahren seit Locarno hat sich die deutsche Politik ängstlich, man mochte fast sagen aus einem gewissen Minderwertigkeitsgefühl heraus, gescheut, einmal die militärischen Konsequenzen zu erörtern, die sich aus der englischen Garantie Deutschland gegenüber logischerweise ergeben. Richt einmal die Idee der Entmilitarifie- rung.von französischen oder belgischen Gebieten ist angeschnitten worden, obwohl dies ein wichtiger Punkt für die praktische Durchführung der englischen Garantieverpflichtung ist. Hier haben wir eine beide Länder in gleicher Weise interessierende Frage, die im Rahmen internationaler Verträge liegt und noch einer Lösung harrt. Werden unsere Minister die sich bietenden militärischen Mögllchkeiten einmal in einem neuen Lichte zur Darstellung bringen und neue Richtlinien finden, die auf die Entwicklung der Abrüstungspolitik eine gesundende Rückwirkung haben? Eine Zusammenkunft der verantwortlichen Minister Englands und Deutschlands kann kaum verlaufen. ohne dah ein kurzer Seitenblick auf Rußland geworfen wird. Cs verlohnt sich der Mühe, gemeinsam das Wiedererscheinen Rußlands auf dem Weltmärkte, die Veränderungen, die die englische Politik gegenüber früheren Iahren in den Beziehungen zu Moskau durchgemacht hat und die Gefahr der kommunistischen Bewegung zu erörtern, und zu sehen, ob sich da gemeinsame Gesichtspunkte finden, die der Polittk beider Cant der eine gleiche Richtung, oder doch eine getoiffc Liebereinstimmung sowohl hinsichtlich des Verhaltens gegen Rußland, als auch im Hinblick auf die Reaktionen im übrigen Europa bringen können. Chequers kann nur dann ein Markstein werden. wenn die Verhandlungen sich auf einem hohen Riveau staatsmännischen Könnens und weitblickender Voraussicht halten. Das deutsche Volk hat die volle Berechtigung, in dieser Hinsicht hohe Anforderungen an die Fähigkeit seiner Regierung zu stellen und grundlegende Erfolge zu erwarten. Werden diese nicht erreicht, so darf mit der Kritik nicht gespart werden. Denn wir können es uns nicht leisten, wieder eine Gelegenheit ungenutzt vor- übergehen zu lassen. SJ.-jpori Gießener Tennisklub L 922 —Frankfurter Tennisklub 1914 6.11. Dr. Fischer schlägt Gavrilowitsch 6:2 (8:6). Der Gießener Tennisklub entsandte eine Tour- niermannschaft von 4 Damen und 10 Herren zum jährlichen Klubwettkampf auf die im Palmengarten herrlich gelegenen Plätze des Frankfurter TC. 1914. Leider war Petrus dem Linter- ncchmen nicht wohlgesinnt. Bereits am Morgen war ein schweres Gewitter in Frankfurt niedergegangen, so daß anfangs nur zwei Plätze bespielbar waren. Am Nachmittag setzte auch noch ein Dauerregen ein und der Wettkampf mußte abgebrochen werden. Dies war um so bedauerlicher, da noch zwei Herrendoppel und fünf gemischte Doppel auszutragen waren, bei denen es Gießen bestimmt gelungen wäre, wenn auch nicht einen Sieg, so doch wenigstens den Punktaus- gleich zu erzielen. Die Lleberraschung des Tages war der Sieg des Spitzenspielers Dr. Fischer über Gavrilowitsch. Frankfurt. Letzterer wurde durch das kluge Sicherheitsspiel des Gießeners aus dem Schlag gebracht, der mit dem guten Resultat von 6:2, 8:6 belohnt wurde. Dr. Schopper gewann in drei Sähen gegen den im ersten Sah sehr überlegen spielenden Dr. Fuchs, Frankfurt, eine beachtenswerte Leistung, v. Grolman verlor nach hartem Dreisatz-Kampf knapp gegen den sehr sicheren Salinger, während Dr. Dönges Rosenbusch mit 8:6, 6:3 abfertigte. K. Fischer, nicht im Schlag, wurde vom Dezirkspräsidenten Dr. ©rüber besiegt, ebenso verlor Cngisch gegen Dr. Placzeck. Böhnke gewann im guten Spiel gegen Dr. Sichel, es auch gar wohl gefallen, das Lied vom rot- roten Rosenbusch. ilnb ich mein, du hast dich nun lang' genug mit dem feinen Gast unterhalten. Ieht kommen wir dran." „Haft Ruh, Mario ... Suchst du schon wieder Händel ...?" Ihre Augen glitten furchtsam zu ihm hinüber. Seine Hand glitt da auf und ab, wo dem Mario das Messer stak ... Colomba sprang auf und holte von der Theke herüber zwei neue Karaffen mit Chianti. Stellte sie vor Massimo und Mario auf den Tisch und sah die beiden Männer an mit blitzenden Augen. „Allweil muht du aufbegehren, Mario, du wirst mir mein Albergo noch in Verruf bringen. Kannst es nicht leiden, wenn Herrschaften zu mir in die Osteria kommen. Schäm dich. Mario ... Lind zum Singen habe ich heute schon gar keine Lust mehr ..." Colomba nahm die Laute auf und trug sie hinaus. Des Burschen Augen sahen chr nach mit wilder Leidenschaft. In einem Zug trank er fein Glas leer. Sein Blick streifte finster den einsamen Gast am Rebenttsch. Der nahm ihn herausfordernd auf. Solch einem Lümmel mußte man den Herrn zeigen. Er bestellte bei der hereintretenden Frau eine neue Flasche, und lehnte sich auf dem Holzstuhl zurück. Run gerade blieb er noch eine Weile, so ungemütlich auch der Aufenthalt hier war. Diese junge Witwe schien der Gegenstand allgemeinen Degeh- rens hier am Stammtisch zu fein. Kein Wunder. So jung noch und schön und Inhaberin eines guten Geschäfts obendrein. Liskow fing an, sich über die Freier des Täubchens zu belustigen. Dieser junge, wilde Bursche da drüben, der so herausfordernd sich benahm ... und der alte daneben, der wohl auch jetzt eifersüchtig auf den späten Gast war. Run, vielleicht nicht ohne Llrsache. Man würde einmal sehen ... Sie schien ja nicht spröde, die schöne Colomba Serra. Aber für heute abend mußte er sich nun mit dem Anschauen begnügen ... Die Wirtin kam nicht wieder an seinen Tisch zurück, sie machte sich jetzt allerhand an der großen Wirtschaftstheke zu schaffen, die im Hintergrund des kahlen Raumes stand und bedeckt war mit großen Glasglocken, unter denen Käse- und Wurstbrote in Bereitschaft standen. Mit Karaffen und Gläsern. Mario halte sich wieder beruhigt, als er sah, dah Colomba nicht wieder an den Tisch des Fremden zurückkehrte. Er unterhielt sich jetzt mit Massimo über die schwere Arbeit, die er jetzt zu leisten habe, morgen noch und wohl an die acht Tage würden die Sprengungen dauern, die sie jetzt droben jenseits der Roquetta begonnen hätten. während Weinsheimer, Schüßler und Altmeister Dock (letzterer erst nach hartem Dreisatz-Kampf) die Punkte Frankfurt überlassen mußte. Die Damen haben diesmal leider alle verloren. Fräulein Berg, der das weiche Spiel von Frau Hoesch, Frankfurt, nicht lag, verlor nach hart um- kämpf fern, zweiten Sah. Frau Düttmann erlag trotz schöner Schläge der Sicherheit von Frl. Dünger, ebenso scheiterten Frl. Reyher und Frl. Kuhlmann an der Routine ihrer Gegnerinnen. Das erste Herren-Doppel mit Dr. Schopper- Fischer mußte beim Stand von 6:4 1:1 für Frankfurt abgebrochen werden. Das zweite Herren- Doppel wurde eine Deute des gut eingespielten Paares Gavrilowitsch — Dr. Grüder. über Dr. Fischer — v. Grolman 6:3, 6:3. Döhnke Weinsheimer gewannen sicher 6:4, 6:3. Im vierten Herren-Doppel traten sich die Präsidenten der beiden Klubs, Dr. Albrecht und Dr. Dönges, gegenüber, das Spiel gewannen Dr. Dönges--- Cngisch für Gießen. Voraussichtlich findet noch in diesem Iahre ein Rückspiel in Gießen statt. Landball der Sp.-Dq. 1900. 1900 I — Tv. Buhbach I 10:12. Auch das Rückspiel konnten die 1900er gegen die Duhbacher Turner nicht siegreich gestalten. Die Gästemannschaft traf allerdings auf eine stark zusammengewürfelte Spielvereinigungself, die besonders in der Hintermannschaft bedenkliche Schwächen aufwies. Zur Halbzeit führten die Turner mit einem Tor, kamen dann ater stark auf. Die 1900er brachten aber gegen Schluß so viel Energie auf, um das Torverhältnis auf 10:12 stellen zu können. Als die Flasche geleert war, winkte Liskow der Wirtin, um zu zahlen. Mit niedergeschlagenen Augen kam sie herbei, stellte sich so, dah sie den großen, runden Tisch im Rücken hatte. Mario hatte ausgehört zu sprechen, feine Augen folgten jeder ihrer Bewegungen. Aber da ihm Colomba den Rücken zukehrte und er ihr Gesicht nicht sehen konnte, so sah er auch nicht, wie sie Liskow mit dem Wechselgeld einen Zettel zu- schob. Darauf hatte sie in großen, ungelenken Buchstaben geschrieben: „Rehmen Sie nicht den Weg am Wasser entlang. Gehen Sie nach links, durch die Stadt. Das letzte Schiss geht in einer halben Stunde. Aus Wiedersehen." Verwundert sah ihr Liskow in das weihe Gesicht. Sie schüttelte leise, fast unmerkbar den Kopf, legte den Finger auf die Lippen. Dann wendete sie sich um, dah das Licht der Lampe voll auf ihr Gesicht fiel, und verneigte sich graziös. „Dielen Dank mein Herr. Deehren Sie mein Haus bald wieder." Als der rote Vorhang hinter ihm zusammenschlug, erklang iljre Stimme: „Auf Wiedersehen!" Liskow stand auf der Strahe mit schwerem Kopf und unsicheren Schritten. Der reichliche Weingenuß wachte sich jetzt bemerkbar, wo die kühle Rachtluft ihm ins Gesicht schlug. Er stand noch unschlüssig. Der rote Vorhang hinter ihm bewegte sich leise im Luftzug, zwei verkümmerte Oleander in Kübeln warfen huschende Schatten auf die mondbeschienene Gasse. Gegen Sie nach links, nehmen Sie nicht den Weg am Wasser entlang, hatte die schone Wirtin auf den Zettel geschrieben, warum ...? Sollte das eine Warnung sein oder hatte sie gemerkt, dah er zu viel getrunken hatte? Teufel, welch eine Rolle spielte er hier in der rauchgeschwärzten Spelunke der Gasse ... Wenn ihn so Renate sehen würde, fast schämte er sich seiner unsicheren Haltung. Er suchte mit zitternden Händen feine Zigarrentasche, fand sie nicht gleich. Da teilte sich hinter ihm der Vorhang. Colomba huschte heraus, griff nach seiner Hand, und ihr Gesicht sah ■ unsagbar lieblich aus im Licht des Mondes. Die goldenen Ringe in ihren Ohren pendelten vor seinem Gesicht. „Geht nach links die Gasse hinauf. Herr, ihr kommt dann an den Hafen ... Richt hier hinunter. Auf Wiedersehen!" Ein leiser Druck der Hand und der Vorhang schlug hinter ihr zusammen Liskow strich sich über die Sttrn. Morgen ... morgen wollte er sie Wiedersehen. (Fortsetzung folgt.) Spielvereinigung 1900 Gießen. Jugendspiele. 21 Ihu siegesbewußt fuhr die 1. Jugend nach Alsfeko und lieferte dort das schlechteste Spiel dieser Saison. Durch langes Baden, Training in der Sonne vor dem Spiel, war die ganze Mannschaft so lahm, daß die mit Ersatz antretenden 2llsfelder, trotz der besseren Technik der 1900er, stets im Vorteil waren. Die erste Halbzeit war ziemlich ausgeglichen und Alsfeld konnte durch Zufallstreffer das einzigste Tor des Spieles aus 30 Meter Entfernung erzielen. In der zweiten Halbzeit ließen die 1900er alle Alsfelder kaum über die Mittellinie kommen. Ueberkombina- tion, Eigensinn und Unverständnis des Sturmes verhinderten jeden Erfolg. Die 2. Jugend verlor gegen Großen - Buseck 1. Jugend 0:3. Der Gast war den 1900ern körperlich um ein Bedeutendes überlegen und konnte in der ersten Halbzeit bereits mit 2:0 in Führung gehen. Durch besseres Zusammenspiel war 1900 in der zwei- ten Halbzeit überlegen, doch vermochte sich der Sturm gegen die starke Verteidigung des Gastes nicht durchzusetzen. Schneller Durchbruch und unhaltbarer schöner Schuß stellten das Resultat auf 3:0 für Großen- Buseck her. Die Schüler gewannen gegen Nauborn Schüler 3:1. Eine neu zusammengesiellte Schülermannschaft fuhr mit wenig Hoffnung nach Nauborn und vermochte dort durch vorbildlichen Eifer über einen stärkeren Gegner mit 3:1 zu triumphieren. Die Lehrscheinurkunde für Rettungsschwimmer. Don der Geschäftsstelle der Deutschen Lebens- rettungsgesellschast. Berlin, wurde dem Zoll- praktikanten Karl S ch w i n n (TV. 46 Gießen), dem Lehrer Bruno Czygan, Gießen, und dem Studenten Wilhelm Reinhardt (Tgm. Friedberg) nach erfolgreich abgelegter Prüfung die Lehrscheinurkunde mit goldener Radel überreicht. Kegeln um die Bundeskette. Am Sonntag fand in Lolllar das Kegeln um die Bundcskette des Keglerbundes Lahn- Duseckcrtal statt. Von den 15 Vereinen, die um die Dundeskette warfen, erhielten die Vereine „Alle Reun", Trohe, „Gut Holz", Lollar, und „Dahn frei", Lollar, je 302 Kegel. Geworfen wurden von 5 Alarm je 10 Kugeln. Beim zweiten Werfen erhielt dec Kegelklub „Gut Holz", Lollar, 296 Kegel und wurde somit Besitzer der Bundeskette für 1931 32, „Alle Reun", Trohe, erhielt nur 278 Kegel, während „Bahn frei", Lollar, mit 289 Kegeln an die zweite Stelle kam. Handball im Gau Hessen (O. T.) To. Grohen-Lindcn I — Tv. Rieder-Mörlen I 11:3 (7:1). Rieder-Mörlen muhte eine hohe Riederlage einstecken, war aber keinesfalls so schlecht, wie es aus dem Resultat hervorgeht, sondern stellte eine wuchtige Elf, die das Spiel stets offen hielt, aber den Einheimischen in bezug auf Technik klar unterlegen war. Schon in den 2. Minute gingen die Gäste in Führung! der Ausgleich wurde aber bald erzielt und in regelmäßigen Abständen erzielen die Großen-Lindener bis zur Pause noch sechs weitere Treffer. Rach der Pause kommen die Gro- Hen-Lindener noch zu vier, Rieder-Mörlen noch zu zwei Erfolgen. Die neuaufgestellte zweite Mannschaft schlug eine kombinierte Elf des Turnvereins Lang- Göns 5:3. Handball im Lahn-Oünsberg-Gau. To. Londorf I — To. Dorlar I 6:2 (4:0). 3n diesem Spiel holte sich Londorf die zwei Punkte, die es benötigt, um nun mit Garbenteich um die Entscheidung anzutreten. Londorf erzielte den Führungstreffer und war bis zur Pause noch dreimal erfolgreich. Die zweite Halbzeit zeigt ein ganz anderes Bild. Londorf erhöhte durch seinen Rechtsaußen auf 6:0. Dann kam aber Dorlar mehr und mehr auf und hielt das Spiel offen. Beim Schlußpfiff stand das fair durchgeführte Spiel auf 6:2 für Londorf. Wißmar I — Erda I 3:0 (0:0). Beide Mannschaften trafen sich am Sonntagmorgen zu einem Pokalspiel. Sofort nach Beginn setzte ein flottes. Spiel ein. Die erste Halbzeit verlief torlos. 3n der zweiten Halbzeit wurde das Spiel von feiten Erdas etwas hart durchgeführt, so daß Wißmar durch einen Strafstoß das erste Tor erzielen konnte, worauf noch kurz hintereinander zwei weitere Tore folgten. Mutlos durch dieses Resultat brach Erda ohne jeden Grund das Spiel ab. Wißmar I — Beuern I 3:2 (1:1). Am Sonntagnachmittag trafen sich beide Mannschaften zu einem Freundschaftsspiel. Beuern, in der 1. Halbzeit mit dem Wind im Rücken, hatte etwas mehr vom Spiel und konnte auch bald durch ihren Rechtsaußen in Führung gehen. Dem jedoch setzte Wißmar bald das Ausgleichtor entgegen. Mit 1:1 ging es in die Pause. Rach Seitenwechsel gestaltete sich das Spiel für Wißmar etwas überlegen, so daß Wißmar das schöne und fair durchgeführte Spiel 3:2 für sich entscheiden konnte. Schiri Hofmann, Lollar, leitete einwandfrei. Lützellinden 1 — Münchholzhausen I 3:3 (2:1). Am Sonntag trafen sich diese beiden Mannschaften in Lützellinden. Es kam ein flottes Spiel zustande, das allerdings manchmal die Grenzen des Erlaubten überschritt. Das Ergebnis entspricht dem Spielverlauf. Rach diesem Spiel trat die zweite Mannschaft gegen die Zweite von Klein- Linden an. Das fair durchgeführte Spiel endete unentschieden 2:2. Arbeiter-Turn- und Sportbund. Gießen I — Lollar I 3:1. Ein Serienspiel auf dem Trieb. Beide Mannschaften versuchten es mit neuen Kräften. Die Gäste legten großen Eifer an den Tag und in der 15. Minute gelang es ihnen denn auch, in Führung zu gehen. Das Spiel wurde daraufhin zusehends schärfer. Zur Halbzeit f el der Ausgleich. Rach dem Wechsel machten die Gäste dem Schlußtrio der Einheimischen wiederum viel zu schaffen. Schließlich muhte der Mittelläufer von Gießen das Feld verlassen. Aufgeregt ging der Kampf weiter. Ein Handelfmeter brachte den Gießenern die Führung, und sie erzielten schließlich auch ein drittes Tor. Der Sieg konnte auch den Gästen zufallen. Vorher standen sich Gießen Jugend und Rieder- Ohmen Jugend gegenüber. Wesentlich verstärkt durch Spieler aktiver Mannschaften konnten die Einheimischen über die aufopfernd spielenden Gäste einen 7:2-Sieg erringen. Die dritte Elf der Gießener hatte Watzenborns Zweite zum Gegner und errang nach gleichwertigem Spiel einen 2:l°Sieg. Großen-Buseck I — Wieseck II 3:3. Wiesecks Zweite war zu einem Freundschaftsspiel in Großen-Buseck zu Gast. Bei mäßigen Platzverhältnissen entwickelte sich ein flottes Spiel. Die Gäste ließen durch die schlechten Leistungen in ihrer Stürmerreihe manche sichere Sache aus und konnten nur mit Glück das Unentschieden Herstellen. — Vorher standen sich die Iugendmann- schäften beider Vereine gegenüber. Hier konnten die Gäste einen überzeugenden 8:2-Sieg erringen. Waldgirmes I — Klein-Linden I 3:1. Klein-Linden war zum Serienspiel in Waldgirmes zu Gast. Mit nur neun Mann lieferten sie den Einheimischen trotzdem ein schönes Spiel, muhten sich aber geschlagen bekennen. Wetzlar II — Gleiberg I 1:5. Gleiberg war in Wetzlar zu Gast. Die Gleiberger waren sehr überlegen und führten bei Halbzeit bereits mit 3:0. Auch nach dem Seitenwechsel hatte Wetzlar wenig zu bestellen und konnte nur durch einen Clfmeterball das Ehrentor retten. Segelflug Berlin —Frankfurt a. O. Dein Darmstädter Studenten Fuchs, der am Montagabend den ersten kühnen Segelflug über Berlin ausgeführt hat, ist heute ein Ueberlandflug nach Frankfurt a. O. gelungen. Während seines Startes stand im Westen bereits das Gewitter, das sich später über Berlin entlud. In 800 bis 1000 m Höhe fand Fuchs eine starke nach Südosten gerichtete Luftströmung. Er ließ sich von diesen aufwärtsführenden Winden „mitnehmen" und segelte in schnellem Flug über Berlin hinweg fast in direkter Richtung nach Frankfurt a. O. mit einer Stundengeschwindigkeit von teilweise 60 bis 70 km. In der Nähe der Kreuzung der Bahnstrecke Frankfurt a. O. —Küstrin und der Berlin—Frankfurter Chaussee setzte er die Maschine unbeschädigt auf eine Wiese aus. Wirtschast. Oie wirtschaftliche Lage des Handwerks Rach dem Monatsbericht des Reichsverbandes des deutschen Handwerks lag im Mai, entsprechend der allgemeinen schwierigen Lage der deutschen Wirtschaft, auch im Handwerk die Geschäftstätigkeit außerordentlich darnieder. Selbst die an der üblichen jahreszeitlichen Belebung des Geschäfts beteiligten Handwerksberufe sind von der Geschäftstätigkeit sehr enttäuscht. Vor allem fehlte es nahezu völlig an lohnenden Aufträgen. Die Betriebe in ländlichen Gegenden klagen über die Zurückhaltung der Landwirtschaft bei der Erteilung von Aufträgen, und in den Städten bleibt das Darniederliegen der Bauwirtschaft und die schlechte Lage der Industrie für den Geschäftsgang zahlreicher Handwerksbetriebe bestimmend. Mit einer wirksamen Belebung der Bautätigkeit ist in diesem Jahre kaum noch zu rechnen. Besonders nachteilig ist für das private Baugewerbe noch, daß bei Vergebung von Wohnungsbauten im Rahmen des staatlichen Wohnungsbauprogramms ein großer Teil der hierbei berücksichtigten Baugenossenschaften die Bauarbeiten vorzugsweise an Arbeiterproduktivgenossenschaften vergibt. Die Hauptarbeiten des privaten Bauhauptgewerbes bestehen daher in kleineren Instandsehungs- oder Umbauten. Das gleiche gilt für die Baunebengewerbe. Der Arbeitsmarkt der Handwerksgesellen hat unter diesen Umständen noch keine wesentliche Entlastung erfahren. * Der Aktienindex. Der vom Statistischen Reichsamt errechnete Aktieninder (1924 26 = 100) stellt sich für die Woche vom 25. bis 30. Mai auf 78,5, gegenüber 80,7 in der Vorwoche, und zwar in der Gruppe Bergbau und Schwerindustrie auf 71,0 (73,4), Gruppe verarbeitende Industrie auf 69,1 (71,2) und Gruppe Handel und Verkehr auf 101,7 (103,8). Für den Durchschnitt des Monats Mai ist der Index mit 83,0 gegenüber 92,4 im Durchschnitt April 1931 errechnet, und zwar in der Gruppe Bergbau und Schwerindustrie mit 76,2 (88,4), Gruppe verarbeitende Industrie mit 73,5 (82,1) und Gruppe Handel und Verkehr mit 105,5 (113,9). * D i e Indexziffer für die Lebenshaltungskosten im Mai. Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten (Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Delleidung und „sonstiger Bedarfs hat nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamtes für den Monat Mai mit 137,3 gegenüber 137,2 im Vormonat leicht angezogen. Die Indexziffer für Ernährung ist um 0,5 v. H. auf 129,9 gestiegen. Die Indexziffer für Wohnung ist mit 131,6 unverändert geblieben. Zurückgegangen sind die Indexziffern für Heizung und Beleuchtung um 2,3 v. H. auf 145,8, für Bekleidung um 0,8 v. H. auf 140,4, für „sonstiger Bedarf" um 0,1 v. H. auf 184,9. In der Gruppe Ernährung wurden Preissteigerungen für Kartoffeln und Gemüse, sowie für Brot und Mehl durch einen Preisrückgang für Fleisch und Fleischwaren, Milch und Butter, sowie Eier nur zum Teil ausgeglichen. In der Indexziffer für Heizung und Beleuchtung hatten sich die Sommerrabatte für Heizungsstoffe weiter ausgewirkt. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 3. Juni. Tendenz: behauptet. Im Dormittagsverkehr taxierte man auf Grund der erneut schwächeren Börse in Wallstreet etwas schwächere Kurse. Die amtliche Börse eröffnete bemerkenswert widerstandsfähig, da der inzwischen bekanntgewordene Bericht der I.-G.-Farbenindustrie von der heutigen Generalversammlung befriedigte. Die Geschäftslage wird in Anbetracht der jetzigen Wirtschaftsdepression als recht günstig beurteilt. Besonders stimulierten die rund 160 Millionen betragenden zur Verfügung stehenden Mittel. Auch der gebesserte Stickstoffabsah trug zur Besserung der Stimmung bei. Anderseits ist die Börse von dem bevorstehenden Erlaß der Rotverordnung gedrückt, und den Verhandlungen in Chequers sieht, man mit gemischten Gefühlen entgegen. Bei kleiner Am'sahtätigkeit war die Kursbildung nicht einheitlich. Im großen und ganzen blieben die Kurse unter Berücksichtigung der noch schwebenden Fragen relativ gehalten. I.-G.-Farben eröffneten relativ gut behauptet, Rütgerswerke 1,5 Proz. höher, dagegen Scheideanstalt minus 1 Proz. Elektrowerte setzten überwiegend bis 1 Proz. niedriger ein. Don Montanwerten fielen Harvener mit einem 2prozentigen Verlust auf. Am Kalimarkt verloren Salzdetfurth 1 Proz. Leise unter Kursdruck standen Wavß & Frehtag. h'e 1,75 Vroz. einbüßten. Am Zellstoffaktienmarkt lagen Aschaffenburg nach den gestrigen Rückgängen behauptet, dagegen Waldhof noch abbröckelnd. Am Kunstseidemarkt Bemberg auf die Ausführungen der Generalversammlung der Farben industrie 2,5 Prozent fester. Deutsche Linoleum minus 1,25 Prozent. Niedriger eröffneten noch Harpener minus 1,5 und Südd. Zucker auf die Stellegungen minus 1 Proz. Bankaktien etwas angeboten, doch blieben die Kurse relativ gehalten. Deutsche Anleihen unverändert. Don fremden Werten Anatolier und Mexikaner etwas höher, dagegen Rumänen etwas schwächer. Pfandbriefe sehr still und kaum verändert. Reichsschüldbuchforderungen 0,5 Prozent fester. Im CB erlaufe wurde das Geschäft auf Deckungen der Spekulation lebhafter. I.-G.-Far- bejt stark gefragt und 1,25 Proz. hoher. Auch die übrigen Märkte wurden hiervon etwas beeinflußt und konnten leicht anziehen. Don internationalen Aktien Chade 2,50 Mark fester. Am Geldmarkt war Tagesgeld weiter erleichtert. Der Sah wurde um 0,25 auf 4 Proz. ermäßigt. Am Devisenmarkt A lag das Pfund gegen Mark sehr fest. Man nannte - Mark gegen Dollar 4,2110, gegen Pfund 20,4213. Don älfancen Schweiz und Madrids weiter befestigt, dagegen Paris etwas matter. London gegen Reuyork 4,8655, gegen Paris 124,22, gegen Mailand 92,97, gegen Madrid 51,50, gegen Schweiz 25,09, gegen Holland 12,0840. _ Berliner Börse. Berlin. 3. Juni. Im heutigen Vormittagsverkehr begegnete man überwiegend der Ansicht, daß die Tendenz des Börsenbeginns trotz des wieder sehr schwachen Neuyork mindestens behauptet fein würde. Man erwartete günstige Auslassungen des Geheimrats Schmidt auf der heutigen Generalversammlung der JG.-Farbenindustrie, hoffte auf eine Jreunb. liche Nachwirkung des Ultimoausweises der Reichsbank. verwies auf den relativ guten Stickstoffabsatz im Mai und war befriedigt darüber, daß in dec Morgenpresse keine wesentlich ungünstigen Nachrichten standen. Daß die Industrie gegen die Not- Verordnung eingestellt ist sowie die sonstigen inner- - und außenpolitischen Fragen waren allerdings Unsicherheitsfaktoren. Zu den ersten Kursen kam dann nur in geringem Umfang Material heraus, das die Kurse aber in keinem Fall bis über 2 v. H. drückte. Nach den gestrigen starken Abschwächungen erfuhren Soenska eine Erhöhung um 7 Mark, während Chade trotz der auf Jterventionen wesentlich gebesserten spanischen Valuta nur unbedeutend höher lagen. Anleihen wiesen nur geringe Veränderungen auf. Von Ausländern neigten Bosnier zur Schwäche, während Mexikaner sich etwas erholen konnten. Pfandbriefe und Reichsschuldbuchforderungen eher etwas schwächer. Geld erleichterte sich für Tagesgeld auf 4,5 bis 6,5 v. H., die übrigen Sätze unverändert. Im Verlaufe nahm die Spekulation Deckungen vor, und das Geschäft wurde auf feste Auslandmeldungen etwas lebhafter, auch wurden die Ausführungen in der JG.-Farben-General- versammlung langsam bekannt. Hierdurch wurde der Eindruck einer anfangs ungünstig kommentierten Rede Dr. Schachts in Dresden über „Das Ende der Reparationen" etwas verwischt. Svenska gewannen im Verlause weitere 4 Mark. Salzdetfurth, Siemens und Kunstseideaktien lagen bis 2 v. H. gebessert. Allerdings konnten sich diese Höchstkurse nicht immer behaupten, doch war die Grundstimmung entschieden freundlicher, als gestern. Gegen 12.45 Uhr setzte sich dann auch eine neue Befestigung durch. Soenska gewannen gegen Anfang 5 Mark, Salzdetfurth zogen auf 3,5 o. H. über Anfang an, Kunstseidewerte gewannen bis 2,75 v. H. Verspätet gelangten Oesterreichische Kredit mit 9 Mark zur Notiz. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 3. Juni. Es wurden notiert: Weizen 292,50 Mark, Roggen 217,50 bis 220, Hafer (inländischer) 207,50 bis 210, Weizenmehl (süddeutsches. Spezial 0) 40 bis 41, Roggenmehl 29,75 bis 31,75. Weizenkleie 12, Roggenkleie 12,75 Mark. — Tendenz: ruhig. Kirchliche Nachrichten. Katholische Gemeinden. Mittwoch, den 3. Juni. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Donnerstag, den 4. Juni: Fronleichnamsfest. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; 9: Hochamt; 9.45: Prozession; 11.30: Messe; 14: Andacht mit Segen. — Hungen. 8: Hochamt mit Predigt. — Lich. 10: Hochamt mit Predigt. — Ridda. 8.30: Hochamt mit Predigt. Freitag, den 5. Juni. Gießen. 6 Uhr: Segensamt; 20: Segensandacht. — Lich. 6.15: Segensmesse. Kurszettel der Berliner und Frankfurier Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o. H., Lombardzinsfuß 6 o. H. $ranlfurt a. Ul. Berlin Schluß« kurs l»Uhr« flurd Schluß«! Anfang« lurs | Kurs Datum 2.6. 3.6. 2.6. 3.6. 6% Deutsche Reichsanlethe von 1927 ........ 7% Deutsche Reichranleihe 84,75 — 84,5 — von 1029 .......... 98,5 — 98,25 — teulldie Anl.-Ablöi.-Schuld mit Aiiilos.-SIech'.en....... 52,13 — 52,1 52 Detgl. ohne Slinlol.-fflctfjte . . 8% Hell. Boll'slaal von 1929 4,5 4,45 4,5 4,5. triickzohlb. 102%)...... Oberhessen Provinz • Anleihe mit 93 — i 93 — AuSlol.-Rechten...... Bcutldte Komm. Sammelabl. 51 — — — Anleihe Serie 1 .... 8% fifanll. Hyp.-Bank Goldpse 50,5 — 50,5 — XIII unlandbar bis 1934 . . . 7% Zronks. Hyp.-Bank Goldpfe 100,13 — — — unkündbar bis 1932 ..... iyt% Rdelnllche Hyp.-Bank 97,5 — — •— 88,75 - _ -3% Pr. Landespfandbriefanstalt, Psondbriese 3i.lv ...... 8% Pr Londesplanobrtefanstait, 100,5 — 100,5 — ftomm^Cbl. 81. 80...... 7% Pr. Landeevlandbriesänlialt, — — — Psandbricfe 01. 81...... ll.E.G. abg. BorttiegS-Obligatto- 96,5 — 96,5 — nen, rückzahlbar 1932 ..... - — — — «% Oesterretchllche Goidrente . . — — 19,6 19,5 1,20% Ocsterrclchtlche Silberrente — — 1,7 1,7 1% Oeklerrelchilche Einheitliche Rente .......... __ 1% Ungarische Goidrente . . . . 16,5 — 16,5 16,5 1% Ungarilche Slaat-rente v. 1910 15 — V/i% deSgl. von 1913 . . . . 1% Ungarilche Kronenrente . . . — — 15,75 — —— — _ 1% Dänische gollanleihe von 1911 1% Türkische Bagdadbahn-Anl 2,75 — 2,8 2,75 Serie l..... . . . 2,7 — — — 1% deSgl. Serie II....... 5% Rumäniiche veretnh. Rente 2,7 — 2,85 2,75 von 1903 ......... 7,05 7,2 _ r/,% RumSnilche veretnh. Rente von 1913 .......... — -- 13 13 i% Rumänische verei:ch. Rente -- 5,05 5,3 5,2 Frankfurt a. .91. Berlin Schluß« I lurs | l«Uhr« Kurs Schlußkurs Anfang« Kurs Datum 2.6. 3.6. 2.6. 3.6. Hamburg-Amerika Bäte« . . 7 47,5 47 47,75 46,65 Hamburg-Südam. Dampfschiff 8 — 88 87,25 Hansa Tampsichiff..... 10 — — 69,5 — Norddeutscher Lloyd .... 8 49 — 49 49 Allgemeine DeutscheTredttanst. 10 — — Barmer Banlveretn ... 10 — —— — —— Berliner Handelsgesellschaft . 12 105 — 105,25 104 Commerz, und Pnvat-Bank . 11 100,5 100,5 100,75 100,5 Darmstädter ujtb Nartonalbanl 12 117,75 — 117,25 116 Deutsche Bank und TiLconto-GefeUlchas!, . . . 10 100,75 100,5 100,75 100,25 Dresdner Bonk...... 10 100,5 100,25 100,5 100,25 Reichsbank........ 12 — 127,25 127,75 A.E.G........... 8 85 84,13 85 83,75 Bergmann........ . 9 66 — 66 64,5 Elektr. LieserungsgeleUschaft. 10 96 96,75 97,5 — Licht und Kraft...... 10 95 95 94,75 94 Selten & Guilleaume . . . IVi 67 — 67,5 95,25 (Belellldiaft für Elektrische Unternehmungen .... 10 88,5 — 88 87,5 Hamburger Elektrizltäts-Werke 10 — — — — N kölnische Elektrizität . . . . 9 90 —— 91 Schleliiche Elektrizität. . . , 10 — — — — Schuckert & Co....... 11 — — 105,5 105,5 Siemens & Halske..... 16 136 136 135,25 134 Traneradio........ . 8 — — — —— Lahmeyer L Co....... 10 102,5 1— 102,25 — Buderus......... . 6 — — 37,25 — Dcutlche Erdvl ...... . 6 — — 57,75 58 diener Steinkohle ..... . 8 *— — —- — Gelsenkirchener...... . 8 62 — 61 60,4 Harpener. ....... . 0 — 46 48 47 Hoesch Ellen........ 6fr — —— 46 44 Ille Bergbau....... 10 140 —— 138 135,5 filödncrrocde..... • . 7 46,5 —— 47 46 Köln-Reuellen....... —— —— 50,13 50 ManneSmann-Ndlire» . . , . 7 62 61,75 62 61,75 Mansfeld« Bergbau .... . 7 30 — 30 29,75 Cbcr|d)lc|. Eilenbedarf ... . 5 — — — — Dbctldjlcl. fiuUrocrte.... . 7 — — 63,75 63,65 PHSnir Bergbau...... ev, 44,75 —— 44,9 44,5 Rheinische Braunkohlen . . 10 — 138,25 136,75 Rheinslahl........ 63,25 — 63,25 62,75 Rlebeck Montan ...... 7,2 — — —- Sranlfurt a. M. Lerliti Schluß« 1 lurd | l«üt>r« Kurs Schluß« kurs Anfang- Kurs Datum 2-6. | 3.6. 2.6. 3.6. Bereinigte Stahlwerke . 44 — 44,5 43,9 Otavi Minen..... 1 6 V. 21 — 20,25 20,13 Kaliwerke Aschersleben . e e 10 115,5 — 115 116 Kaliwerke Westeregeln . e ■ 10 120 — 119 —— Kaliwerke Salzdetfurth . • • 15 172 171 171,5 170,13 I. ®. tzarbemIndustrte . - 12 127,5 127,65 127,25 126,25 Dynamit Nobel .... . 6 — ■----- — — Scheideanstall..... . 9 115,75 115 — — . 6 37,25. —— 37,5 37 RülgerSwerke..... • e . 6 45 46,5 45,25 45,75 Metallgelelllchaft. . . . . 8 57 57 57,5 >57,5 Philipp Holzmann . . . . 7 66 — 67,5 65,5 Zementwerk Heidelberg • • 10 52 — — — Eementwerk Karlstadt. . • • 10 89 — Wanb & Ireytag . . . . 8 21,75 20 — — Schultheis Patzenhoser . M e 15 — — 125 122,75 Cftroerle....... » • 12 — — — — Alu......... 18 58 58 58,5 58 14 68,5 71 68,65 68,5 Zellstoss Waldhof . . . e 18V. —— 66,75 67,25 67 Zellstoss Alchassenburg . e • 12 50 50 —- — Charlottenburger Wasser e e . 8 -- — —— — Dessauer Mas..... . 9 — —— 106 104 Daimler Motoren . . . e o . 0 21,5 56 21,9 22 21 Deutsche Linoleum . . <* • e • — 55 55,13 . 0 — - —— — Nal. Automobil .... • e . 0 — — — — Crenftein & Koppel . . e • . 6 — 37,25 38,5 37,5 Leonhard Tietz . . . • e • 10 88 88,25 —— Svenska....... — 190 188 frankfurter Maschinen . . 1 10 10 10 — Gritzncr....... . 29 —— 28 — Heyligenstaedt . . . . Iungyans....... . ( — — — . — — — Lechwerke....... • . —— — — Mainkrastwerke Höchst a. M.. . 60,5 — — —— Mag......... IC —— — — Gebr. Roeder..... • IC — — — Botgt & Haefsner . . . . — — — Süddeutsche Zucker . , • • IC 106 105,5 106 — Banknoten. Berlin, 2. Juni Geld Brief Amerikanische Noten...... 4,197 4,217 Belgilche Noten. ....... 58,38 58,62 Dänische Noten ........ 112,38 112,82 Englische Noten ........ 20,43 20,51 Französische Noten....... 16,445 16,505 Holländische Noten....... 168,96 169,64 Italienische Noten........ 21,96 22.04 Norwegische Noten....... ■ 112,35 112,79 Deutsch-Oesterreich, i 100 Schilling 59,08 59,32 Rumänische Noten....... 2,50 2,52 Schwedische Noten....... 112,53 112,97 Schweizer Noten........ 81,52 81,84 Spanische Noten........ 36,93 37,07 Tichechoslowakische Noten..... 12,444 12,504 Ungarische Noten ...... 73,13 73,43 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. W. 2-Zuni 3. Juni Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brief Geld Brief Amst.'Rott. 169,28 169,62 169,31 169,65 Buen.-Aires 1,265 1,296 1,261 1,265 Brss.-Slntw- 58,57 58,69 58,58 58,70 Christiania. 112,64 112,84 112,67 112,89 Kopenhagen 112,67 112,89 112,68 112,90 Stockholm - 112,74 112,96 112.59 113,01 Heisingfors. 10,584 10,604 10,584 10,604 Italien. . - London. . . Neuvork .. 22,005 22,045 22,01 22,05 20,466 20,506 20,473 20,513 4,206 16,475 4,214 4,2065 4,2145 Paris.... 16,515 16,475 16,515 Schwei, . . 81,60 81,76 81,58 81,74 Spante« . - 37,96 38,04 39,66 39.74 Japan .. . 2,080 2,084 2,083 2,087 Wo de Jan- Wien in D-- 0,272 0,294 0,303 0,305 Oest- ebgest. 59,105 59,225 59,12 59,24 Prag - . - 12,464 12,484 12,464 12,484 Belgrad . . 7,438 7,452 7,437 7,451 Budapest. . 73,34 73,48 73,38 73,42 Bulgarien . 3,048 3,054 3,048 3,054 Lissabon Danzig.,. 18,91 18,95 18,68 18,72 81,81 81,97 81,81 81,97 1,789 Konstuutia. 1,784 1,789 1,784 Athen. . 5,455 5,465 5,458 5,468 Lanada - 4,203 4,211 4,203 4,212 Uruauaö - 2,507 2,513 2,483 2,487 Cairo . . 20,98 21,02 20,99 21,03 wS ’S Ilnug125fn?’5 L-r: -Mr Ä LZ W K nannte . Jh» 20,4213 &£" b-- J-onöon g *• gegen Aa-. gegen daß ' t$s wieder lehr Eb,s.8*™- "I« i»r Nch» SMo|fob|ah Jer'f dc>tz in der günstigen Noch, gegen -je Not. sonstigen inner. 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(168) — Diese neue Novelle ist thematisch einem ähnlichen sozialen De- zirk entwachsen wie jene erschütternde Erzählung vom „Tode des Kleinbürgers", die Werfel vor Jahren hier selbst gelesen hat; sie berührt sich aber auch — Geschichte eines Knaben und seiner Gouvernante — stofflich und in der feinfühlig vor- st oh en den und analysierenden Psychologie mit ähnlichen Erzählungen, wie sie Stefan Zweig im „Ersten Erlebnis" zusammen gefaßt hat. Es kommt hier weniger auf einen fortlaufenden Gang der Handlung an. der oft nur angedeutet oder indirekt dargestellt wird, als auf die psychologischen Voraussetzungen, Folgen und Ausstrahlungen dieser Handlungsreihe; auf die Gegenüberstellung und Lleberschneidung verschiedener sozialer Schichtungen: eben der „kleinen Verhältnisse" nämlich aus denen die junge Gouvernante stammt, und der gepflegten, stilvollen, selbstsicheren Wohlhabenheit im Elternhause ihres elfjährigen Zöglings; auf die Schilderung der kindlichen Vorstellungswelt, die sich mit dem Leben, Denken und Handeln der Erwachsenen nicht zurechtfindet. Der Knabe wittert das drohende Schicksal, das der geliebten Erzieherin aus der Bewegung mit ihren Kavalieren erwächst; er wünscht glühend, ihr zu helfen, sie aus einer tödlichen Verstrickung zu befreien — uni> tut, im besten Glauben, gerade das Gegenteil. Tragischer Irrtum eines eben erwachenden Kindes, das da meint, die kleinen und die großen Verhältnisse dieser Welt (sozial und generationsmähig verstanden) mühelos, hilfsbereit und voller Vertrauen auf eine menschliche und übermenschliche Gerechtigkeit, miteinander in Einklang bringen zu können. — Die kleine Erzählung ist wiederum eine Bestätigung der schöpferischen Kraft und Reife Franz Werfels, dessen Werk zu den wesentlichsten Beständen unserer gegenwärtigen Dichtung gehört. -y- — Georg Rendl: „DerBienenroman". Im Jnselverlag zu Leipzig. — (162) — Dieser Bienen- roman ist ein Roman der Wirklichkeit, und doch ein Werk reiner Stunft und Poesie, geschrieben von einem Dichter, der mit den Bienen ausgewachsen ist. Das Bienenleben eines Jahres ist mit dem Jahresablauf der Natur verknüpft. Zu erfinden war hier nicht nötig, wo die Natur selbst die phantastischsten Bor- gänge und Zustande erfindet und das hochbegabte Volk der Bienen einen Staat verwaltet, der dem menschlichen in seiner Geschlossenheit und Harmonie ohne Zweifel überlegen ist. Atemlos liest man und will nicht glauben, wird überzeugt und staunt in Ehrfurcht. — Hubert M.umelter: Zwei ohne Gnade. Roman. 374 Selten 8". Im Jnsclverlag zu Leipzig, 1931. — (139) — In der vom Jnselvcrlag herausgegebenen Reihe .Lunge Deutsche Erzähler" bedeutet die Erzählung „Zwei ohne Gnade" von Mumelter einen Versuch, den historischen Roman mit den Mitteln der modernen Psychologie neu zu beleben. In den Kampf des Tiroler Adels um feine Unabhängigkeit gegen den Herzog Friedrich von Habsburg und die langsam steigende Herrschaft des Bürgertums, die sich der Herzog zunutze macht, ist die Liebe des Minnesängers Oswald von Wolkenstein zu Sabina Jäger schicksalhaft verwoben. Es ist der Liebeskampf zweier Menschen, deren Seelen sich beim ersten Begegnen finden, deren Wesen aber niemals zu einer Harmonie gedeihen kann. Nie errät Oswald die Stimmung und Wünsche der geliebten Frau (was allerdings schwierig ist, da sie sich meist selbst nicht klar ist und von Augenblick zu Augenblick wechselt). Nur ein einziges Mal ertastet er ihren Willen und darf für kurze Zeit glücklich sein in ihrem Besitz; dann entgleitet sie ihm wieder durch äußeres Schicksal und innere Fremdheit. Künstlerisch ist die Szene der Höhepunkt des Romans, der einzigartig schwer und zäh geschrieben ist, aber mit Wärme und tiefem Gefühl für die Verbundenheit von Menschen und Landschaft. Die Gestalten Oswalds und des Herzogs wirken wie Holzplastiken aus jener Zeit, einfach, wahr im Gefühl, massig und schwer. Die Gestalt der dämonischen Frau erscheint weniger geglückt, sie ist ein Gemisch von elbischem Naturwesen und Strind- berg, mehr erdacht als erlebt. Ihr Opfer, daß sie sich tötet, um Oswald und den Herzog aus der Ver> strickung um sie zu lösen, ist nicht glaubhaft. Ausgezeichnet gelang die Schilderung der politischen Dinge; die Verhandlungen der Ritter untereinander und mit dem Herzog, das Doppelspiel des Kaisers Sigismund, besonders gut das Konzil zu Konstanz, das hier von einer ganz neuen Seite her gesehen ist. G.Th. Aus fremden Literaturen. — Sinclair Lewis: Llnser Herr Wrenn. Die romantischen Erlebnisse eines kleinen Mannes. 334 Seiten 8°. Kartoniert 5 Mk., Leinen 7,50 Mk. Ernst Rowohlt Verlag, Berlin 1931. (181.) — „Our Mr. Wrenn“ ist bas Erstlingswerk des Nobelpreisträgers Lewis. Es gibt über Amerika und im besonderen über die Lebenshaltung und psychologische Verfassung des Durchschnittsmenschen und Kleinbürgers in USA. vielleicht auf den ersten Blick überraschende, aber jedenfalls ähnlich eindringliche und charakteristische Aufschlüsse wie etwa die Erzählungen des Franzosen Luc Durtain oder der Roman „Der 22. August" von Nathan Asch; wir glauben jedenfalls. daß man aus der Gestaltung solcher (Änzel- schicksale, derartiger Ausschnitte aus dem Mil- livnengewimmel anonymer Vankees besser und gründlicher über Amerika unterrichtet wird als aus manchen umständlichen Reisebeschreibungen. In diesem Roman äußern sich Lewis' Darstellungskraft, sein Wissen um die weite Welt und das kleine Menschenherz, und seine grandiose Ironie in besonders liebenswürdiger Weise. „Unser Herr Wrenn", Buchhalter in einer Reu- Yorker Kunstartikelgesellschaft, ein braver Mann, den in Kontor, Pensionszimmer und Kino die Sehnsucht nach der Ferne und dem höheren Leben plagt, tritt, als er eine kleine Erbschaft macht, als Viehwärter eine abenteuerliche Weltreise an, die ihn aber nur bis nach England führt; dort tut es ihm eine Bohemekünstlerin aus Kalifornien an. Aber er fühlt sich recht unsicher in ihrem gebildeten und snobistischen Lebenskreise, und schon nach zwei Monaten reist er heim und „entdeckt Amerika". Ein liebes Ge- schäftsmädel vertreibt die phantastische Liebe zu der Künstlerin und zum großen Leben aus seinem Herzen. Diese einfache Geschichte gestaltet der Dichter zu einem bunten Bilde des amerikanischen Kleinbürgers in Heimat und Fremde, zu einem Idyll aus der Zeit vor dem Weltkrieg. — MarthaOstenso: ,D ieWasserunter d e r E r d e“. Roman. 345 Seiten 8°. Broschiert 4,40, Leinen 6,50 Mark. Deutsch von Nelly Hobsbaum. F. G. Speidelsche Verlagsouchhandlung, Wien und Leipzig. — (167) — In ihrem neuen Roman schildert Martha Ostenso, die rasch zu Ansehen und recht übertriebener Würdigung gelangte amerikanische Schriftstellerin, wieder den Stampf um eigene Formung des Lebens, diesmal im Schicksal der sieben Kinder eines puritanisch strengen und frömmelnden Kleinbürgers. Die Wasser unter der Erde, das sind die geheimen Mächte des Blutes, Furcht, Aberglauben, angeborenes Autoritätsgefühl, die den Kampf bei den sechs älteren aussichtslos machen. Wohl haben sie sich innerlich vom Vater gelöst, äußerlich leben sie aber das Leben weiter, das er ihnen dank seiner mächtigeren Persönlichkeit auf» zwingt. Neben den sechs Geschwistern, deren Lebenslinie unheilbar gebrochen ist, wächst die jüngste Tochter allein zu einer einheitlichen, unberührbaren Persönlichkeit heran, die iyr Leben für sich lebt und gestaltet, und den Weg geht, den sie gehen muß, ohne Rücksicht auf den Vater und seine puritanische Enge. Der Roman führt mitten hinein in die amerikanische Kleinstadt, in die primitiven Verhältnisse, die gar nichts vom modernen Amerikanismus haben; er ist sehr gut geschrieben, niemals eintönig trotz des sieben, mal abgewandelten Themas. Sehr fein ist die Gemeinsamkeit der Geschwister geschildert, die, so verschieden sie sind, dank der angeborenen Kräfte und der Erziehung, auf die elementaren Ereignisse im Leben, Liebe und Tod, ungewollt gleichartig reagieren. Ueberhaupt hat die Ostenso die Gabe, alle Menschen, namentlich Frauen, in ihren Trieben psychologisch zu erfassen und sie anmutig und lebendig darzustellen. G.Th. Deutsche Kunstgeschichte. — Tilmann R i e m en s chne ide r. Ein Gedenkbuch. Herausgegeben und eingeleitet von I u st u s Bier. 24 Seiten Text. 80 Bildtafeln. Kart. 7 Mk. Dr. Benno Filser Verlag G. m. b. H., Augsburg, 1931. (151) — Zum 400. Todestage des großen deutschen Bildhauers Tilmann Riemenschneider am 7. Juli d. I. erschien dies schöne Ge- denkbuch von Justus Bier, herausgegeben auf Anregung und mit Unterstützung des fränkischen Kunst- und Altertumsvereins. Der verdienstvolle Riemenschneiderforscher gibt hier gewissermaßen in knapper, übersich licher und zu weitester Verbreitung geeigneter Form eine Eisenz seiner in drei starken Bänden niedergelegten Arbeiten über Werk und Leben des berühmten Meisters von Würzburg, wo Heuer, im Jubiläums) aht, eine festliche Ausstellung die wichtigsten Werke Riemenschneiders vereinigt. Im Vorwort ist zu- sammengefaht, was die leider dürftigen, chronikalischen Belege über die Biographie des zu Osterode am Harz 1463 geborenen, in Würzburg am Kilianstag 1531 gestorbenen Meisters gesichert erscheinen lassen. Bier gibt überdies eine ausgezeichnet Flore kunsthistorische Einführung, die Riemenschneider in den Zusammenhang einer großen deutschen Tradition einordnet und zugleich durchaus überzeugend die innere und äußere Entwicklung seines bildhauerischen Schaffens verfolgen läßt. Die Einführung faßt den modernen Stand der Riemenschneiderforschung (ohne allen, den Laien ermüdenden Ballast eines wissenschaftlichen Apparates) zusammen und bringt außerdem in kurzen Anmerkungen zu den einzelnen Bildern die notwendigsten Angaben über Entstehung, Material und Inhalt jeden Werkes. Ganz ausgezeichnet, ein unerschöpflicher und bleibender Genuß für den Beschauer, sind die 80 vorzüglich reproduzierten Bildtafeln, welche als unentbehrliche Ergänzung des Textes die wichtigsten Bestände des großartigen Riemenschneiderschen Oeuvre zu einem überwältigenden Panorama blldhauerilcher Hochblüte zusammenfassen; besonders erfreulich: die zahlreichen Detailaufnahmen, welche unzählige Feinheiten dieser Holz- und Steinplastik erst recht zur Geltung bringen. — Das Gedenkbuch, das zu einem volkstümlichen und wohlfeilen Preis zu haben ist, verdient weiteste Verbreitung und sollte ein Hausbuch jedes gebildeten und kunstliebenden Deutschen werden. -y- — Bayerische Kunstgeschichte. Dd.2: Fränkische Kunst. (Franken und Pfalz.) Von Dr. Joseph Maria R i h. 210 Seiten 8U mit 109 Bildern. Geh. 6,50 Mk., Leinen 8 Mk. Verlag Knorr & Hirth GmbH., München, 1931. (111) — Der lOOOjährige Umkreis fränkischer Kunst begreift das Werk Dürers ebenso wie das Grünewalds und die Dome von Speyer und Bamberg, die gegürteten Städte des Mittelalters, wie das Licht- und Formenwunder Vierzehnheiligens in sich. Das Gebiet, das solche Frucht trägt, legt sich als breiter Streifen quer durch des Reiches Mitte vom Fichtelgebirge bis zu Rhein und Saar. Helden dieses Buches sind weniger die einzelnen Künstlerpersönlichkeiten als die Starn- meslandschast und ihre führenden Städte. Es sind vor allem Speyer (mit einem gewaltigen Auftakt beginnt hier die Geschichte) und dann das Dreieck, um das sich die fränkische Kunstgeschichte ganz besonders dreht, nämlich Wurzburg, Nürnberg und Bamberg. Jede dieser drei Städte bildet die Ueberschrift über ein Kapitel. Bamberg ist das Sinnbild für den europäischen Hvchstand der letzten romanischen Zeit; Nürnberg erweckt sogleich den Gedanken an Albrecht Dürer, es ist zu jener Zeit die Stadt in Franken, ja in Deutschland; Würzburg aber trägt die Krone des 18. Jahrhunderts, es ist die Hauptstadt des rheinisch-fränkischen Barocks, die Stadt Balthasar Neumanns. Kaum ein zweiter deutscher Stamm hat der deutschen Kunst so viel Großartiges geschenkt wie der fränkische. — Dem Verfasser, Konservator am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, ist es gelungen, nicht nur einen Begriff von dem überreichen Mosaikbild fränkischer Kunst zu geben, sondern auch von der großen Einheit, die über ihr liegt. Er hat damit das Werk der bayerischen Kunstgeschichte in würdigster Weise vollendet. Die Auswahl der Abbildungen ist sehr glücklich, ihre Wiedergabe hervorragend. Der Preis des Buches kann angesichts dieser Ausstattung volkstümlich genannt werden. — Der erste Band, Karlingers „Altbayern und Baherisch-Schwaben", ist früher bereits an dieser Stelle angezeigt worden. Politik und — Das Erwachen der Menschheit, Propyläenweltgeschichte, herausgegeben von Professor Dr. Walter Goetz, Leipzig. Band 1. Preis 34 Mark in Seinen, 38 Mark in Halbleder. Im Propyläenverlag Berlin WS 68, Ullsteinhaus. — (991 — Das ist von den bislang erschienenen vier Bänden dieser reprä- seniativen Weltgeschichte wohl der weitaus interessan. teste, weil er an Hand eines ganz ausgezeichnet aus- gewählten und in verschwenderischer Fülle beigegebe. nen Abbildungsmaterials breiten Kreisen die Ergebnisse der prähistorischen und frühgeschichtlichen Forschungen bis in die allerneueste Zeit erschließt, die bis dato fast ausschließlich Fachkreisen bekannt waren. Damit rückt auch für den Laien die weit- geschichtliche Betrachtung um Jahrtausende zurück. Es erschließt sich ihm der geschichtliche Werdegang, Kunst und Kultur des Urmenschen in dem besonders fesselnden in seiner Knappheit klar und eindringlichen Beitrag Professor Friedrich B e h n s (Mainz), dessen Forschungsarbeit unsere Leser aus zahlreichen Aufsätzen in unserer „Heimat im Bild" kennen. Daran schließen sich Darstellungen der Geschichte der alten Kulturvölker des Orients. Professor F. E. A. Krause behandelt Dftafien, China Japan und Korea von den Anfängen bis zu ihrer Berührung mit Europa im vergangenen Jahrhundert. Die Geschichte Aegyptens, die durch neue Funde und Ausgrabungen in den letzten Jahren eine wesentliche Bereicherung erfahren hat, übernahm der Leipziger Aegyptologe, Professor Georg Steindorff, vielleichk der beste lebende Kenner der Materie. Der Band schließt ab mit einer instruktiven und farbenreichen Darstellung der Völker des vorderen Orients, Babylonier und Assyrer, Israels und Persiens. Als Einleitung sind dem ganzen Werk eine Reihe von Aufsätzen vorangestellt, die eine Einführung in die Philosophie der Geschichte geben und so aktuelle Probleme wie Rasse und Geschichte, Boden und Geschichte, Menschwerdung behandeln. — Johannes Bühler: ad _ erste Reich der Deutschen von der Völkerwanderung bis zur Reformation." Inselverlag zu Leipzig. (163.) Johannes Bühler hat sich einen Namen gemacht durch sein ausgezeichnetes Quellenwerk, „Deutsche Vergangenheit", das in 9 Vänden auch den Laien heranführt an das deutsche Mittelalter. Dieses neue Werk faßt nun die den neuen Quellenbänden vorangestellten Einführungen zusammen und gibt so eine Schilderung der polittschen und kulturellen Lebensmächte im ersten Reiche der Deutschen, während des Jahrtausends von der Völkerwanderung bis zur Reformation. Das Buch will den Deutschen hinführen jum Erleben seiner Ahnen, damit er so, wurzelnd im Nährboden der Vergangenheit, hineinwachse in sein Volkstum, das über Glück und Unglück und allen äußeren Formen steht. Das Buch ist hervorragend ausgestattet mit einem Anhang von 80 ausgezeichnet wiedergegebenen Bildern. — Richard von Kühlmann, „Gedanken über Deutschland". Preis 10 Mk. Geschichte. Verlag Paul List, Leipzig C 1. (145.) Der ehemalige kaiserliche Staatssekretär des Auswärtigen, der früher als Botschaftsrat in London, als Gesandter in Bukarest und Botschafter in Konstantinopel an der politischen Entwicklung des letzten Jahrzehnts vor dem Kriege wie auch während des Krieges tätigen Anteil genommen hat, legt hier ein Buch vor, das sich von ähnlichen Werken der letzten Zeit erfreulich unterscheidet. Es ist keine Rechtfertigungsschrift, es gibt kein Wühlen in politischem oder gesellschaftlichem Klatsch vergangener- Jahrzehnte, sondern eine klare und gedankenreiche Auseinandersetzung mit den Problemen, die unserer Gegenwart gestellt sind. Dabei geht es natürlich auch ohne Rückblicke auf grundsätzliche Fehler und Mißgriffe der Vergangenheit nicht ab, aber die Kritik geschieht in einer so vornehmen Form, daß man sie den vielen Memoirenschreibern, die uns heute mit ihren Anklagen und Rechtfertigungsversuchen Überschwemmen, als Vorbild vorhalten möchte. Aus dem gut geschriebenen und sowohl politisch wie wirtschaftlich sicher fundierten Werk können nur einige Gedanken herausgehoben werden. Kühlmann ist der Meinung, daß die Wilhelminische Aera die ihr von der Geschichte gestellte Aufgabe der Zerschlagung Oesterreich-Ungarns nicht erkannt hat. Die rechtzeitige Liquidierung und Aufteilung der Donaumonarchie hätte allerdings auf deutscher Seite eine Führerpersönlichkeit von ungewöhnlichen Ausmaßen verlangt. Das ideenlose Am-Dreibund-Hängen trug Schuld an der katastrophalen Abhängigkeit der deutschen Diplomatie von Oesterreich. Der Verfasser bespricht dann eingehend unsere Flottenpolitik, in der er einen weiteren fundamentalen Fehler siebt, da sie England nervös machte, ohne uns jemals in den Stand zu setzen, die absolute Seeherrschaft Englands zu brechen. Kühlmann wendet sich dann der Gegenwart zu und erörtert in großem klaren Linien die deutsche Situation, das Verhältnis zu den beiden Diktaturmächten Rußland und Italien und zu Frankreich und England. Nur wenn es gelingt, zwischen Frankreich und Deutschland ein Verhältnis herzustellen, das beiden Völkern ermöglicht, mit Ehre, Wohlstand und Sicherheit sich der Erfüllung ihrer nationalen Aufgaben zu widmen, glaubt Kühlmann, der Zukunft unseres Konttnents ein günstiges Horoskop stellen zu können. — Stein (Rumpelstilzchen) 5 „Bülow und der Kaiser." Preis fort. 3Mk., in Leinen 4 Mk. Brunn en Verlag (Willi Bischoff), Berlin SW 68. (216.) Das Buch gibt auf Grund eigener Erfahrungen Eindrücke über daS Verhältnis zwischen Kaiser und Kanzler, das durch die Memoiren Bülows eine sehr einseittge Beleuchtung erfahren hat. Ein Mann, der „als naher Zuschauer hinter den Kulissen gestanden" hat und lebendig darüber zu plaudern versteht, weiß hier manches zurechtzurücken. Wirtschaft und Recht. — Handbuch des deutschen Staatsrecht s, in Verbindung mit einer Reihe von Gelehrten, herausgegeben von Gerhard Anschütz und Richard Thoma. Verlag I. C. B. Mohr (Paul Siebet!) in Tübingen. Das umfangreiche Subskriptionswerk liegt nunmehr mit der 21. Lieferung bis zum 18. Bogen des zweiten Bandes vor. Professor Erwin Jacobi (Leipzig) behandelt die Derwaltungsverord- nungen, Professor Hans Peters (Berlin) „Die Satzungsgewalt innerstaatlicher Verbände" und Rechtsanwalt Richard Grau (Berlin) „Die Diktaturgewalt des Reichspräsidenten". Auch die neueste Lieferung zeigt alle Vorzüge des ganzen Werkes, sorgfältige Behandlung des Gegenstandes durch Spezialforscher, aktuelle Gestaltung, ausreichende Literaturangaben. — Dr. Erich Häussermann: Wirt- schaftsgemähe Gestaltung der Arbeitslosenversicherung. Nürnberg, Hochschulbuchhandlung, Krische & Co. Preis 2 Mk. — An das brennendste Problem der Zeit wird hier von einer neuen Seite herangegangen: Nicht Beitragsbemessung nach der Zahl der Beschäf- tigterx, sondern nach der Zahl der Entlassungen! Die Neuregelung soll von vornherein einer Entstehung von Arbeitslosigkeit entgegenwirken, Rückschläge in der Wirtschaft auffangen und überbrücken, Depressionen hemmen. Der Verfasser bringt in knapper, allgemein verständlicher Form eine umfasiende Behandlung des Problems. — Die Handelsschule, Lehrbuch der Wirtschaftswissenschaften, herausgegeben von Professor Dr. Schmidt, Frankfurt a. M., Industrieverlag Späth & Linde, Berlin W 10. Die neuen Lieferungen 90 bis 93 führen das Kavitel Privatversicherungsrecht (Professor Durchard) zu Ende. Es wird dann im Kapitel 10 mit dem Der- waltungsrecht begonnen, dessen Behandlung die Frankfurter Professoren Giese und Cahn übernommen haben. Schließlich beginnt auch Kapitel 8 des 4. Bandes mit der Darstellung der Wirtschaftsgeschichte von Professor Laum, Braunsberg. — Arg en tarius, „Briefe einesDank- direktvrs an feinen Sohn": Die Arbeit. Preis brosch. 2 Mk., Dankverlag Berlin W 57. (171.) Alfred Lansburgh, der Herausgeber der bekannten Zeitschrift „Die Bank', verbirgt sich hinter diesem Anonymus, der durch seine volkswirtschaftlichen Briefe sich schon einen guten Namen gemacht hat. Dieses neue Heft rückt die Arbeit in den rechten nationalökonomischen Zusammenhang ein und räumt dabei mit einer Reihe von der praktischen Sozialpolitik außerordentlich hinderlichen Vorurteilen und Irrtümern auf. Er bringt auch die Begriffe Kapital und Arbeit wieder in das richtige volkswirtschaftliche Verhältnis und erseht die These „Kapital ist akkumuliertes Arbeitsprodukt" durch die andere, „Kapital ist gefrorener Intellekt und sein Hauptbestandteil nicht rohe akkumulierte Gütermenge, sondern die Idee, die den Gütermengen bestimmte Gestalt gegeben hot". Damit ist auch die Kapitalrente begründet und die ganze soziale Frage erhält ein anderes Gesicht. Der Verfasser untersucht dann die älrfachen der gegenwärtigen Wirtschaftskrifis und kommt zu dem Ergebnis, daß das Fehlen ausreichender Reserven sowohl auf feiten des iln- ternehmers, wie auf feiten des Arbeiters die Schwere der Wirtschaftskrisen bestimmt. Sein praktischer Vorschlag geht dahin, durch Bodenständigkeit des Arbeiters diesen von den Kon- lunkturschwankungen der Wirtschaft weitgehend unabhängig zu machen und ihn zu befähigen, mit dem Unternehmer auf gleichem Fuß über seinen Lohn zu verhandeln und bei schlechten Zeiten eine längere Ruhepause ohne wirtschaftliche Schädigung durchhalten zu können, statt wie bisher von Gewerkschaften gegen Tariflöhne an Unternehmergruppen vermietet zu werden. Das Buch ist klar und allgemeinverständlich geschrieben wie alle Arbeiten Lansburghs und verdient gerade auch wegen seiner Vorschläge zur Bekämpfung der Wirtschaftsnot weiteste Verbreitung in allen volkswirtschaftlich interessierten Kreisen. — Georg Fuchs, Wir Zuchthäusler. Aufzeichnungen des Zellengefangenen Nr. 2911. 2m Zuchthaus geschrieben. Verlag Albert Langen, München 27. Preis gebunden 8,50 Mk. (131.) — Prof. Georg Fuchs, der sich in der literarischen Welt Münchens als Begründer des Künstlertheaters und Derfaller einer Reihe von literarischen Schriften einen Namen gemacht hat, war in die polittschen Wirren der Nachkriegszeit verstrickt worden, zusammen mit dem jungen Komponisten Hugo Mach Haus verhaftet und im Mai 1923 von einem der berüchtigten bayerischen Volksgerichte zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach vier Jahren Strafverbüßung in dem zum Zuchthaus umgewandelten alten Kloster Ebrach bei Bamberg wurde er aus Anlaß des 80. Geburtstages Hindenburgs begnadigt. Der Mann, der im Alter von 55 Jahren hinter Zuchthausmauern verschwand, hatte schon abgeschlossen mit dieser Welt. So enthalten seine Aufzeichnungen kaum mehr als Andeutungen über fein eigenes tragisches Geschick, kein Wort der Klage über sein eigenes hartes 2o8. Lind gerade deshalb ist sein Buch ein erschütterndes und aufrüttelndes Zeugnis wahrer Humanität, die nichts für sich, alles für die Menschheit verlangt, die nicht von wilden Anklagen gegen den Strafvollzug und seine Beamten Besserung erwartet, fonbem durch eine ganz neue Einstellung des Strafrechts selber von der Seele her heilende Einwirkungen auf die Verbrecher erhofft. Dieser edlen Menschlichkeit des Derfallers ist es gelungen, sich das volle Vertrauen und in vielen Fällen die aufrichtige Freundschaft der Vollzugsbeamten zu erwerben, die nach seinen Erfahrungen überwiegend ihren schweren und bei dem bösarttgen Charakter vieler Verbrecher auch gefährlichen Beruf mit großem psychologischen Verständnis und Feingefühl ausüben, soweit sie nicht pedantische Streber und Formalisten finb, wie sie nach Fuchsens Ansicht der moderne Strafvollzug viel eher grohzüchtet als der alte. Aber was mehr bedeutet, der Derfaller fand auch den Weg zu der Seele seiner Mitgefangenen. Dilder von verpfuschten Leben, eines erschütternder als daS anbete, reihen sich aneinander zu einem Mikrokosmos menschlicher Vot, sozialen Elends, psychischer Verirrungen und Laster. Georg Fuchs ist aber ein zu klar und zu gerecht denkender Mensch, um nun der Gesellschaft die Alleinschuld für diese verlorenen, ins Verbrechen abgeglittenen Existenzen aufzubürden, doch sein Buch ruft aus einer tief religiösen, wahrhaft christlichen Gesinnung uns alle auf, die Verantwortung mitzuempfinden, die wir für unsere gefährdeten Mitmenschen haben. HaMversanmilimg des Äeuischen Landkreistages WSR. Mainz, 1. Sunt Die diesjährige Tagung des Deutschen Landkreistages in Mainz unter dem Dorsitz des Landrats Dr. v. 2l ch e n - bach versammelte etwa 150 Vertreter der ländlichen Bezirksfürsorgeverbände aller deutschen Länder zur Besprechung des brennenden Problems der 'Wohlfahrtserwerbs- lvsenfürsorge. Unter den Anwesenden bemerkte man als Vertreter der Reichsregierung den Präsidenten des Landesarbeitsamtes Hessen, Dr. Engler, als Vertreter der hessischen Regierung die Minister Leuschner und Kirnberger, Provmzial- direktor Dr. Wehner, Bürgermeister Maurer als Vertreter der Stadt Mainz, ferner die Reichstagsabgeordneten B o ck i u s (Mainz) und Ritzel (Gießen), sowie den hessischen Landtagspräsiden- tcn und eine große Anzahl hessischer Landtagsabgeordneter. Rach Begrüßungsworten des Hauptvorslhenden Dr. v. Achenbach, hielt Präsident Dr. von Stempel einen Vortrag, in dem er die Probleme, die den Dezirksfürsorgeverbänden augenblicklich als die wichtigsten erscheinen, umriß. Er betonte, daß Reich, Länder und Kommunen ein, unlösliches Ganzes seien. Man habe bisher versucht, auf dem Wege der Sparsamkeit Mittel zu gewinnen, die zum Ausgleich der finanziellen Belastung durch die Wolhfahrtserwerbslosenfürsorge nötig seien. Bei den Landkreisen sei man am Ende der Sparsamkeit angelangt. Jehl sei der Augenblick gekommen, wo die Sorge um den deutschen Menschen näher stehen müsse, als die Bezahlung der Reparationen an das Ausland. Don der Senkung der völlig unerträglichen Kriegstribute sei letzten Endes die Arbeitsmöglichkeit der Kommunalverbände abhängig. Sein Vortrag schloß mit einem Aufruf an die' deutschen Landkreise. in der Hoffnung auf eine Besserung auch für die VZohlfahrtserwerbslosigkeit, den Willen zum Aufbau wachzuhalten. Das Hauptreferat zu dem Thema „A r b e r t s - lvsenversicherung und-Fürsorge" erstattete Syndikus Dr. C u b a, Geschäftsführer des Verbandes der sächsischen Bezirksverbände in Dresden. Er beleuchtete die Frage unter dem Gesichtspunkt der finanziellen Lage der Landkreise. In seinen Ausführungen legte er dar, wie die Last der Krisen- und Wohlfahrtserwerbslosenfürsorge vom Reich und von den Reichsstellen systematisch auf die Fürsorgeverbände hinübergetragen worden seien. Diese Last sei auf die Dauer nicht zu tragen. Der Zustand, daß das Risiko einzig und allein auf den Gemeinden und Gemeindeverbänden laste, führe zu einem finanziellen Zusammenbruch der Gemeinde und Gemeindeverbände. Eine Beteiligung des Reiches und der Länder an den Kosten der Arbeitslosenfürsorge müsse daher nachdrücklichst gefordert werden. Im Anschluß an die Vorträge wurde von dem Präsidenten Dr. v. Stempel eine Resolution verlesen, die zum Ausdruck bringt, daß die bisher durchaus gesunde Finanzwirtschaft der Landkreise auf das empfindlichste getroffen und geschä- gigt werde durch die Lasten, die den Landkreisen als Bezirksfürsorgeverbände erwachsen. Die Ent- schließrmg fordert, daß die unterstützende Arbeitslosenhilfe mit möglichster Beschleunigung so umgestaltet werde, daß alle arbeitsfähigen Personen außerhalb der öffentlichen Wohlfahrtspflege unterstützt werden. 3n der anschließenden Aussprache sprach ein Delegierter aus Westfalen und ein Delegierter aus Thüringen, worauf die Entschließung einstimmig angenommen wurde. Der hessische Innenminister Leuschner wies auf die Verbundenheit der Gemeinden mit Reich und den Ländern hin und betonte, daß nur durch gemeinsame Anstrengungen. aller beteiligten Körperschaften und Verbände ein Zusammenbruch vermieden werden könne. Verbandstagung des Ländlichen Genoffenschastsverbandes Raiffeisen. WSR. F r a n k f u r t a. M., 1. Iuni. Der Ländliche Genossenschaftsverband Raiffeisen Frankfurt a. M, der in den Bezirken Rassau,Kreis Wetzlar und Oberhessen rund 1000 Genossenschaften umfaßt, hielt hier seine Verbandstagung ab. Am Mittwoch wurden in einer Vvrversamm- lung interne Angelegenheiten erledigt. Für den genossenschaftlichen Einheitsverband, der am 11. Oktober 1930 durch Zusammenschluß der Genossenschaftsorganisationen Wiesbaden-Frankfurt, sowie Angliederung der Raiffeisengenossenschaft Oberhessen geschaffen wurde, wurde erstmals ein gemeinschaftlicher Bericht erstattet, der eine befriedigende Zusammenarbeit und Entwicklung feststellt. Rachmittags legten die Genossenschaftliche Zentralkasse Frankfurt a. M. und die Landwirtschaftliche Hauptgenossenschaft Frankfurt a. M. in ihren Generalversammlungen ihre ersten gemeinschaftlichen Berichte nach dem Zusammenschluß im Herbst vorigen Jahres vor. Am Donnerstagvormittag fand im Volksbildungsheim die Hauptversammlung statt, • die außerordentlich stark besucht war. Verbands- vorsihender Dr. Rolden (Frankfurt a.M.) um- l riß in einer längeren Ansprache Aufgabe und Bedeutung des aus zwei Verbänden zusammen- ' geschlossenen Einheitsverbandes, der nach üleber- windung innerer und äußerer Schwierigkeiten durch seine Größe die Garantie für Stiftung^* * fähigkeit in sich trage. Rach einer Reihe von Begrüßungsansprachen referierte Regierungsrat G e n n e s (Berlin) über „Forderungen der Gegenwark an das ländliche Genossenschaftswesen". -Einleitend wies der Redner auf die hervorragende wirtschaftliche und soziale Bedeutung der genvssenschaftlichen ülnternehmungsform im Rahmen unseres heutigen Wirtschaftslebens hin. Den landwirtschaftlichen Genossenschaften erwachsen als Mittler und Treuhänder zwischen Erzeugern und Abnehmern in der Gegenwart besonders schwierige und verantwortungreiche Aufgaben. Zu deren Bewältigung ist die Rationalisierung int landwirtschaftlichen Genossenschaftswesen bereits weitgehend durchgeführt. Im Vorjahre wurden der Generalverband und der Reichsverband zum „Reichsverband der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften" zusammengeschmolzen mit insgesamt 36 500 Genossenschaften. Die Vereinheitlichung der Landes- und Provinzialverbände wurde ebenfalls durchgeführt: die Vereinheitlichung bei den Einzelgenossenschaften wird energisch fortgesetzt. Auf dem Gebiete des genvssenschaftlichen Geldgeschäfts betrachtet es der Reichsverband als wichtige Aufgaben, im Interesse der Landwirtschaft den Wechselverkehr möglichst einzuschränken, die Spartätigkeit auf dem Lande zu fördern und die Genossenschaften zu veranlassen, die Kredite sorgfältig zu sichern und für eine entsprechende Zahlungsbereitfchaft Sorge zu tragen. Die durchschnittliche Zinsspanne bei den Zentralkassen von 1 Prozent und bei den Spar- und Darlehnskassen von 2 Prozent kann als angemessen bezeichnet werden. Der mengen- und wertmäßige Anteil der Hauptgenossenschaften am Wareneinkauf der Einzelgenossenschaften sei im allgemeinen noch ausbaufähig. Das genossenschaftliche Dezugsgeschäft müsse mehr als bisher in den Dienst der Produktionsumstellung durch Lieferung sachentfpre- chender landwirtschaftlicher Bedarfsartikel gestellt werden. Mitwirkung und aktive Betätigung der Warengenossenschaften bei der Schaffung einheitlicher und marktgängiger Ware sei das Gebot der Stunde. Im Anschluß daran sprach Generalsekretär Dr. Rohr (Ludwigshafen) über das Thema: „Das Führerlum in der Genossenschaft". Er führte u. a. aus: Die Ziele, die für die genossenschaftliche Arbeit gesteckt wurden, bedürfen zu ihrer Erreichung der dörflichen und genossenschaftlichen Führer. Diese Führer seien mehr denn je notwendig in einer Zeit entscheidender Um- stellung und Reuordnung. Sie müßten nicht nur Theoretiker, svndern auch Praktiker sein, die die Sprache des Dorfes sprechen. Da die Genossenschaft für viele Schicksalsfrage sei und über manche Existenz im Dorf zu entscheiden habe, sei das Fülhrerproblem auf dem Lande erst recht dringlich. Es gehöre dazu klarer Wille, Autorität in Wissen und Wollen. Was den Führer besonders auszeichne, sei die Bereitschaft zur Verantwortung und das Hinauswachsen über den bloßen Inberessentenstandpunkt. Das Prinzip der Selbstverwaltung der Genossenschaften mache es auch den Zentralen zur Pflicht, den Genossenschaften und deren Führertum Spielraum und Entfaltungsmöglichkeit zu lassen. Es gelte heute, die etwa 400 000 Führer der 40 000 Genossenschaften mit höchster Aktivität zu erfüllen und eine so große Armee in den friedlichen Dienst eines positiven Aufbaues des Vaterlandes zu stellen. Oberheffen. Gemeinderai in Büdingen. !-! Büdingen, 2. Iuni. In der jüngsten Sitzung wurde dem Gemeinderat von den von 921 Personen eingegangenen Einsprliehen gegen die Ortssatzung über die Anstellung eines Berufsbürgermeisters Kenntnis gegeben. Der Bürgermeister stellte hierzu den An.rag, sämtliche in dieser Angelegenheit gefaßten Beschlüsse aufzuheben. Falls dieser Antrag abgelehnt werde, stelle er den Antrag, den Anspruch des Derufs- bürgermeisters auf höhere Eingruppierung als Gruppe IHc in der Ortssatzung zu wahren. Der Gemeinderat lehnte beide Anträge ab und beschloß ferner, die Einsprüche gegen die Orts- sahung zurückzuweisen. Die listenmäßig, ohne behördliche Kontrolle gesammelten Einsprüche wurden alö nicht gültig im Sinne der Landgemeindeordnung befunden. Der Gemeinderat bittet nunmehr das Kreisamt und das Ministerium um baldige Genehmigung der Ortssahung. Der frühere Beigeordnete Wilh. Dotter wurde in Anerkennung seiner Verdienste, die er während vieler Iahre um seine Vaterstadt sich erworben hat, zum Ehrenbürger ernannt. Die Erhöhu ng der Bier st euer um 50 Prozent lehnte der Gemeinderat ab. R e a l - steuersähe für das Rj. 1931 wurden in der Höhe der Ausgangssähe unter Abzug der vorgeschriebenen Senkungssähe festgesetzt. Die S o n - dergebäudesteuer wird in der gleichen Höhe wie im Vorjahre erhoben. Landkreis Gießen. Z L o l l a r, 3. Juni. Gestern abend ereignete sich in unmittelbarer Nähe des Dorfes, unweit dem Sportplatz, ein schwerer Derkehrsunfall. Der Schnellastkraftwagen der Firma Karl Dörr, Frankfurt, passierte gegen 18.30 Uhr Lollar. Kurz hinter dem Orte verlor der Kraftwagenführer, veranlaßt durch Reifenbruch am linken Vorderrad, die Gewalt über das Fahrzeug, der Kraftwagen fuhr gegen einen Baum, stürzte in.den Straßengraben und überschlug sich. Der Krastwagensührer erlitt dabei eine Verletzung an einer Hand, die seine Uebersührung in die Gießener Chirurgische Klinik notwendig machte. In einem Prioatkraftwagen, der eben die Straße passierte, wurde der Verunglückte nach Gießen gebracht. Der Beifahrer erlitt eine leichtere Kopfverletzung, die von einem Arbeitersamariter verbunden wurde. Der Kraftwagen, der mit vielen Südfrüchten und mit Gemüse beladen war, wurde schwer beschädigt, u. a. wurde das vordere Fahrgestell aus der Karosserie herausgerissen. Das Frachtgut wurde auf das Feld geschleudert und lag in wirrem Durcheinander auf der Erde. Der Vorfall hatte eine große Zuschauermenge angelockt. Preußen. Kreis Biedenkopf. (D Oberweidbach, 3.Juni. In der vergangenen Nacht brach auf bisher noch ungeklärte Weise im Anwesen des Hausierers W. Koch Feuer aus. Die Scheune stand, als der Brand bemerkt wurde, bereits in Hellen Flammen, die schon auf das Wohnhaus übergegriffen hatten. Die Bewohner des Hauses konnten nur das Leben retten. Die Scheune, das Wohnhaus und der Stall wurden ein Raub der Flammen. Forderungen der hessischen Gemeindebeamien. * Alzey, 2. Iuni. Auf. dem am Sonntag hier stattgehabten 11. Vertretertag der Gewerkschaft hessischer Gemeindebeamten wurde eine Entschließung angenommen, in der die Auffassung vertreten wird, es müsse Ziel der von der Reichsregierung zu treffenden Sanierungsmaßnahmen sein, der großen Rot der Arbeitslosen und ihrer Familien zu steuern, die sozialen Einrichtungen und Leistungen zu erhalten und die Finanzen von Reich, Ländern und Gemeinden in Ordnung zu bringen. Die hierfür erforderlichen Mittel sollen nicht durch Sonderbelostungen und sonstige Einzelmaßnahmen beschasftkwerden, sondern durch Heranziehung aller leistungsfähigen Schichten des deutschen Volkes. Es wird Einspruch gegen die Beseitigung des Berufsbeamtentums in den kommunalen Verwaltungen und Betrieben erhoben und die Besetzung sämtlicher dauernd notwendiger Stellen mit unwiderruflich ange- fteilten, mit Pensionsrechten ausg^statteten Beamten und äleber^ührung der Dauerangestellben in das Beamtenverhältnis gefordert. Der Hessische Städtetag wird ersucht, die auf Anregung der Gewerkschaft hessischer Gemeindebeamten in Angriff genommenen Vorarbeiten für die Regelung der Rechte der kommunalen Angestellten so zu beschleunigen, daß noch im Laufe dieses Sommers die Sicherung der Rechte der Angestellten durchgeführt werden kann. In einer weiteren Entschließung wird verlangt, daß die bisher durch Gesetz festgelegte Regelung der Pensionsansprüche der Landgemeindebeamten bei der Abänderung des Versicherungsgesetzes in ihrem Grundsatz nicht abgeändert wird. Die Gemeindebeamten erklären sich bereit, an notwendigen Reformen des Ver- sicherungsgesehes für gemeindliche Beamte mit» zuarbeiten, fordern aber die Erhaltung der Versicherungsanstalt, weil damit nach Auffassung des Vertretertages Gewähr gegeben ist, daß die Lasten für alle Gemeinden tragbar bleiben und eine gewisse Stetigkeit sichergestellt ist. Eine Einschränkung des Kreises der Versicherten wird im Interesse der Leistungsfähigkeit der Anstalt für unangebracht gehalten. Wiedersehensfeier der 11 Zer. WSR. Mainz, 31. Mai. Zum siebentenmal seit der Auflösung des Infanterie-Leibregiments Großherzogin Rr. 117 tarnen die ehemaligen 117er Oer neue Führer der Grönlandexpediiion. Professor Dr. Kurt Wegener, der Bruder des so tragisch ums Leben gekommenen Leiters der deutschen Grönlandexpedition, schisst sich in diesen Tagen nach Grönland ein, um an Stelle seines Bruders die weitere Leitung der Expedition zu übernehmen. in diesem Iahr zusammen. Die Zusammenkunft und die Wiedersehensfeier gestaltete sich deshalb in diesem Iahre besonders freudig, weil Zum erstenmal seit dem Weltkriege eine Gedenkfeier der 117er wieder in ihrer alten Garnisonstadt Mainz stattfinden konnte. Im ganzen waren etwa 6000 alte Regimentsangehörige für diese Feier der Mainzer Ortsgruppe "gemeldet worden. Die. Feier begann am Samstag mit einer G e d ä ch t - nisveranstaltung auf dem Ehrenfriedhof. Oberst a. D. K o e t t s ch a u fand für die gefallenen Offiziere und Mannschaften ehrende Worte. Am Samstagabend wurde im Rahmen einer Begrüßungsfeier in der Stadthalle die neue Fahne der Ortsgruppe Mainz des Regiments 117 geweiht. Dem Weiheakt wohnten der ehemalige Großherzog von Hessen, die Großherzogin als Inhaberin und Kommandeurin des Regiments, sowie viele alte Generale und Offiziere der Reichswehr, die früher dem Regiment 117 angehört hatten, bei. Sonntagvormittag nahm der ehemalige Kommandeur der 117er, General v. Schlutterbach, auf dem Hofe der Alice-Kaserne den Generalappell ab. Anschließend fand ein Festzug durch die Stadt Mainz statt, an dem sich etwa 8000 ehemalige Angehörige des Regiments beteiligten. Aus dem Gutenbergplah wurde von General v. Schlutterbach die Parade der ehemaligen 117er, die mit ihren Fahnen kompanieweise vorbeizogen, abgenommen. Die Feier beschloß eine gesellige Veranstaltung tn der Stadthalle. Tagung der hessischen Zentralgenoffenschast. WSR. D a r m st a d t, 1. Iuni. In der Woogsturnhalle in Darmstadt fand die 41. ordentl. Generalversammlung der landwirtschaftlichen Zentralgenossenschaft unter dem Vorsitz des Aufsichtsratspräsidenten Gutsbesitzer B e i f e r statt. Der Vorsitzende gab einen kurzen ileberblid über das vergangene Iahr. Anschließend erstattete Direktor Berg den Geschäftsbericht und legte die Iahres- rechnung und die Bilanz vor. Direktor Berg beleuchtete die schwere Krise der deutschen Wirtschaft, die auch an den Zentralgenofsenschaften nicht spurlos vorübergegangen sei. Rach der gedruckt vorliegenden Bilanz unb der Iahres- rechnung 1930 konnte ein Gewinn von 170 677 Mk. erzielt werden. Die Bilanz per 31. Dezember schloß mit 8 991 798 Mk., die Gewinn- und Verlustrechnung balanciert mit 989 925 Mk. Sodann sprach Direktor Strasburger über das Thema „Wichtige Tagesfragen im genossenschaftlichen Warenverkehr". Er wies darauf hin, daß bereits in diesem Iahr die Zentralgenossenschaft preisführend gewesen sei dadurch. daß ihr größere Mengen, z. B. Kartoffeln, zugeführt wurden. Auch Standardware wurde von der Zentralgenossenschaft gefragt. Er sprach dann über die einzelnen landwirtschaftlichen Produkte und die Wege, wie diese besser abzusehen seien. An das Referat schloß sich eine rege Diskussion an. Molkereidirektor Keipp erstattete den Bericht über die Prüfung der Iahres- rechnung und der Bilanz, die keinerlei Beanstandung ergeben hatte. Die Verwendung des Reingewinns erfolgt aus 184 788 Mk. einschließlich Gewinnvortrag 1929 in folgender Weise: Für den Reservefonds 100 000 Mk., für die Betriebsrücklage 50 000 Mk. für llprozentige Verzinsung der Geschäftsguthaben (Stand per 31. Dezember 1930) 25 542 Mi.. Vortrag'auf neue Rechnung 9246 Mk. Iahresrechnung. Bilanz und die Vorschläge über die Gewinnverteilung wurden einstimmig angenommen und einstimmig 'Vorstand und Aufsichtsrat Entlastung erteilt. Für den aus dem Aufsichtsrat ausgeschiedenen Dersiche- rungsdirektor Schröder, Halle, wurde Bürgermeister E i s l ä n d e r, Stockheim, gewählt. 2 Teller Heugras-Versteigerung. Dienstag, den 9. d. 2TL, vormittags 9 Ilhr, wird das Heugras von den fiskalischen Wiesen in den Gemarkungen Garbenteich, Leihgestern, Schiffenberg und Watzenborn, das Gras von Schneisen, Mähplatten, den Eisteichen, dem Petersweiher und der Klosterwiese in der Wirtschaft des Georg Sommer VI. zu Watzenborn versteigert. Anschließend kommen 50 Düngersäcke zum Verkauf. 3781D Gießen, den I.Juni 1931. Hessisches Forstamt Schiffenberg. Nicolaus, BerWonSlefetn-Moli. Aus dem Staatswald der Försterei Treis a. d. Lda. werden aus. der Hand verkauft: 111 fm Kiefernlangholz, und zwar 31 fm lb-Kl., 56 fm 2a=&[ 18 fm 2d-Kl., 5 fm 3a-Kl. und 1 fm 3b-Kl. Das Holz ist ohne Rinde gemessen, entrindet und an die Abfuhrwege gerückt. Fuhrlohn nach Station Treis a. d. Lda. etwa 3,40 RM. je Festmeter. 3774D Klassenweise Gebote bis 15. Juni an unterzeichnete Stelle erbeten. Auf Wunsch wird das Holz von Herrn Förster Bing zu Treis a. d. Lda. vorgezeigt. Gießen, 2. Juni 1931. Hessisches Forskamt Gießen, Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Rüd- dingshaufen für Rj. 1931 liegt vom 3. bis einschließlich 9. Juni l. I. auf unserem Bureau zur Einsicht der Interessenten und Erhebung von Einwendungen offen. Es ist die Erhebung einer Umlage beschlossen, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. 3773D Rüddingshausen, den 2. Juni 1931. Bürgermeisterei Rüddingshausen. __________Müssig.__________ Wissenschaftliche Werke Sonoergeoiet aer Brühl’scnen Druckerei Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Trohe für Rj. 1931 liegt vom Donnerstag, dem 4. Juni, bis ein chliehlich Mittwoch, dem 10. Ium, auf hie iger Bürgermeisterei zur Einsichtnahme of en. Es ist die Erhebung einer Umlage be chloffen, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. 3768D Trohe, den 1. Juni 1931. Hessische Bürgermeisterei Trohe: Rau. HeefMSksnilaae Ingenieur-Schul e I ‘‘hT.. MdscfiinenoauElettro- fcmlllJiri-iii । i tectiHimoct>a.Tiefoai, Tomnoustrit. „ Wer emeliHe-A tote nee eee. Sied-XitieeLertrpiant freL Mk SkkM <£♦ G. Meinheim Babnbofttr.61 [3783D] TctcDbon 3866 G M -Maschinen Edaar Borrmann, Gießen, iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii