Ur. 28 Erstes Matt 181. Jahrgang Dienstag, 3. Zebrnar (951 Eriche'vi tügUch.imtzn eotmtag» and Feiertag» Betlaaen the Illustriert, Wetzen« FamillenbtLtt« Hennal im Bild Dir Scholle «onats Ve,ug»vret,: 2.20 Reichsmark und 30 Rerchspfennrg Hh Träger- lohn, auch bei Nichterscheinen einzelner Nummern mfolqt höhere, Gewalt. Zernjvrechantchlüste anterSammelnummer225l Anschrift für Drahtnachrichten Hnjetger •ieften. Äetffonto: n Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrvck und Verlag: vrühl'sche Univerfitäu-Vuch. und Steinöruderd H. Lange in Sietzen. Zchnftlettung und Seschästrftelle: Schul^tratze I. Lnnahme von Anzeige» für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mrn Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Ne- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig, Platzoorfchrist 20°, mehr. Chefredakteure Dr Fnedr Will). Lange. Verantwortlich für *Politifc Dr Fr. Will). Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Dießen Berliner Tagung des Reichslandbundes. Scharfe Stellungnahme gegen die agrarpolitischen Maßnahmen der Reichsregierung. — Es werden Zollschutz und Lastensenkung gefordert. Berlin. 2. Febr. (ERB.) Unter großer Be- I teUigung hielt heute mittag der Reichsland- buitb Im Zirkus Busch seinen X. Reichs- | landbundtag ab. Zahlreiche dem Landbund nahestehende Abgeordnete wohnten der Tagung als Gaste bei. Dagegen waren keine Der- t re ter der Behörden erschienen, da Einladungen an die Behörden nicht ergangen waren. Auch Reichsmini st er Schiele hatte sich der Tagung ferngehal- ten. Es sprachen die Präsidenten des Bundes. Landwirt und Bürgermeister Lind, M. d.R., Graf Kalckreuth und Dauernhofbesiher Bethge. 3n sämtlichen Reden kam eine ent- schiedene Stellungnahme gegen di e Regierung Brüning in schärfster Form zum Ausdruck. HeichstagSabgeordneter Lind, betonte, die letzten zehn Jahre Agrarpolitik feien in ihrer ganzen Entwicklung für die Landwirtschaft unerfreulich und schuld an dem Riedergang unserer gesamten Wirtschaft. Man habe der Auslandkonkurrenz Tür und Tor geöffnet und nichts getan, um den deutschen Markt zu schützen. Es sei tief bedauerlich, dah sich die Industrie im Kampf um den heimischen Marit von der Landwirtschaft getrennt habe und sich einseitig die Industriezölle von der Reichsregierung habe garantieren lassen, während die Landwirtschaft gänzlich ungeschützt geblieben sei. Auch die Mahnahmen, die vom Jahre 1928 an unternommen wurden, seien nur Teilmaßnahmen gewesen, denen ein durchgreifender Erfolg versagt geblieben sei. Insbesondere unsere Milch- und Buttererzeugung und die deutsche Rindvieh- und Schweinezucht, auch Obstund Weinbau hätten unter dem Einfluh der AuSlandkonkurrenz schwere Preiseinbuhen ertragen müssen. Präsident Graf von Kalckreuth führte u. a. aus: Das Kabinett Brüning habe manches für die Erhaltung der deutschen Landwirtschaft getan, aber der Erfolg sei ihm ver- sagt geblieben. Auf dem Gebiet der ®e- treideprvduktion sei der Druck der Auslandsware von der Reichsregierung im Ganzen mit Erfolg abgeschwächt worden. Auf dem Gebiet von Milch und tierischen Erzeugnissen habe es die Reichsregierung bisher nicht vermocht, sich die zum wirkungsvollen Schuh der heimischen Produktion notwendige Bewegungsfreiheit durch ein Ermächtigungsgesetz zu verschaffen. Das Versäumte sofort n a ch - zuhvlen fei daher dringende Aufgabe. Mit Bedauern wies Graf von Kalckreuth darauf hin, dah der Reichsverband der deutschen Industrie in den letzten Wochen Jein Mittel unversucht gelassen habe, der Landwirtschaft bei der Schaffung der praktischen Vorbedingungen für die Wiedererlangung der landwirtschaftlichen Rentabilität Steine auf den Weg zur Rettung zu legen. In der Rachinflationszeit seien im reinen IndustrieeKvortinteresse eine Reihe von Handelsverträgen abgeschlossen worden, die gerade die intensivste Form deutscher Landwirtschaft, den Gemüse-, Garten- und Obstbau sowie dis Geflü- gelwirtschaft, der Schleudereinfuhr des Auslandes preisgäben. Rur durch Lösung dieser Bindungen sei es möglich, wirksamen Schuh zu schaffen. Daher müsse auch der sogenannte Genfer Zollsrieden, der versuche, diese unhaltbaren Zustände zu stabilisieren, e b e n- sv tote der polnische Handelsvertrag von Deutschland abgelehnt werden. Reben der Notwendigkeit der Rückdrängung der ausländischen Lebensmitteleinfuhr stehe die Notwendigkeit, einen Ausgleich zu schaffen zwischen Angebot und Nachfrage deutscher waren auf deutschem Markt. Obwohl die Reichsregierung das Machtmittel des Derwendungszwanges für inländische tierische Fette in der Hand habe, habe sie es nicht vermocht, die Margarinefabrikation zu einer 93er. Wendung deutschen Erzeugnisses in dem gleichen Umfang wie in der Vorkriegszeit zu zwingen. Stär, ker noch habe die Reichsregierung in der Verteilung der heimischen Brotfrucht. ernte versagt Die einzig wirksame Maßnahme, der Beimischungszwang von Roggen- zum Weizenmehl unter Mühlenkontrolle fei bisher n i ch t in die Tat umgefeßt worden. Auf diese Weife sei der größte Teil der deutschen Roggenernte vom Landwirt zu Preisen verschleudert worden, die noch unter Dorkriegspreisen liegen. Das von der Regierung angeregte System der Roggen- magaginierung fei im Prinzip richtig und könne, wenn es zweckmäßig angewendet werde, in Serbin- düng mit der Roggenmehlbeimischung für den Roggenmarkt in den Monaten, in denen der Landwirt feine Ware auf den Markt bringen müsse, eine wirkungsvolle Stütze fein. Dadurch, daß die Reichsregierung unter Verzicht auf stärkeren Zwang der Bevölkerung zu Roggenverzehr in Form von Brot sich im wesentlichen darauf beschränke, den Roggen der Derfütterung an die Schweinemast er in Westdeutschland zuzufüh- ren, sei ein starkes Notventil zur Verwertung un. ferer außergewöhnlich großen Kartoffelernte dieses Jahres verstopft worden. Auch die zweite Abzugsmöglichkeit für die große Kartoffelernte des Ostens durch höchstmögliche Einschaltung inbu - strieller Äartoffelvcrwcrtung habe die Reichsregierung nicht ausgenutzt. Die Händler- und Großstadtpresse werfe der Landwirtschaft vor, daß sie ohne Rücksicht auf die Notlage des Volkes Preise fordere, die kn einem völligen Mißverhältnis zu den Agrarpreisen im Ausland ständen. Die Landwirtschaft erhalte aber für die von ihr aus den Markt gebrachten Waren nur etwa 10 bis 11 Milliarden Mark, während der Verbraucher für dieselben Waren 25 Milliarden Mark zahle. In dieser ungeheuren Spanne lägen noch starke Verbilligungsmöglichkeiten, die im Interesse der armen Schichten ausgewertet werden könnten. Selbstverständlich sei die Wiederherstellung der land- wirtschaftlichen Rentabilität nicht lediglich durch Er- Höhung der Einnahmen, 'sondern auch durch Sen- kungderunerträglichhochgewordenen zwangsläufigen Ausgaben zu erstreben. Die Steuern und Lasten, welche heute die Landwirtschaft in ungleich höherem Verhältnis, be- sonders in Form von Grundsteuern, Schul- und Wegebaulasten zu zahlen habe, müßten auf ein erträgliches Maß g e f e.n k t werden. Auch auf diesem Gebiet sei bisher nichts Durchgreifendes geschehen. vier große Aufgaben müßten sofort der Lösung entgegengesührl werden, wenn nicht Deutschland rettungslos der völligen Katastrophe enlgegen- treiden solle: 1. Rettung der Landwirtschaft vor dem völligen Erliegen. 2. Befreiung der deutschen Wirtschaft von den Fesseln des Doung- Darmstadt, 2. Febr. (WSR.) Eine Konferenz von Vertretern der hessischen Selbstverwaltungskörper. der Landtagsfraktionen, der Wirtschaft und der Ministerien, mit hessischen Reichstagsabgeordneten beschäftigte sich unter dem Vorsitz des Staatspräsidenten mit der Reichs- toesthilfe. Die 5 Millionen Mark, die hierfür im Rcichsetat 1931 stehen, wurden als völlig unzureichend bezeichnet, zumal Hessen an dem G renzf onds nicht beteiligt war. Es kam das dringende Verlangen zum Ausdruck, im Reichstag auf eine Erhöhung dieses Ctats- ansahes nachdrücklichst hinzuwirken. Das Hauptthema der Aussprache bildete die schwierige Finanzlage, in der sich heute die Gemeinden infolge des Anschwellens der Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen befinden. Von den Vertretern des Hessischen Städtetages, des Lcrndgemeindetages und des Verbandes der hessischen Landkreise und Provinzen wurde eingehend der Ernst der Situation geschildert. In manchen hessischen Gemeinden ist die Belastung mit Ausgaben für die Wohlfahrtserwerbslosen wesent- Berlin, 3. Febr. (ERB.) In der gestrigen Besprechung über eine Reform der Geschäftsordnung des Reichstags, die der Reichskanzler im Beisein des Reichstagspräsidenten L ö b e und des Vizepräsidenten Esser mit den Führern der hinter der Regierung stehenden Parteien führte, hat man sich zunächst auf vier Punkte geeinigt: 1. Die Behandlung von Vertrauens - und Mihtrauensanträgen wird grundsätzlich geändert durch die Feststellung, dah eine am- tierende Regierung ohne weiteres das Vertrauen des Parlaments besitzt, wenn es ihr nicht ausdrücklich entzogen wird. Die grundlegende Aenderung kommt dadurch zum Ausdruck, dch) künftig die Entziehung des Vertrauens ausgesprochen werden soll. Auherdem wird bestimmt, dah alle Anträge, die sich auf die Person eines Ministers oder des Kanzlers beziehen, nur in der Vollversammlung des Reichstags zulässig sind. 2. Eine Verschärfung der Diszipli- narmahnahmen soll dadurch eintreten, dah man in ben § 90 der Geschäftsordnung eine Bestimmung einfügt, wonach ein Redner, dem d a s Wort entzogen worden ist, in der gleichen Sitzung nicht noch einmal sprechen kann. 3. Vorlagen, die sich mit Finanz fragen be- schäftigen, sowohl Regierungsvorlagen wie auch Initiativanträge der Parteien, gehen in Zukunft sofort an den zuständigen Ausschuß. planes. 3. Abbau der die Hälfte des Arbeitsverdienstes des deutschen Volkes auszehrenden Ausgaben der öffentlichen Hand. 4. Umstellung der gesamten sozialen Fürsorge aus ihrer heutigen Form. Die Regierung Brüning habe es bisher nicht verstanden, sich aus parteipolitischen Fesseln zu lösen, obwohl die Form ihrer Berufung durch den Reichspräsidenten ihr die Handhabe dazu geboten habe. Die habe es auch nicht verstanden, nach den Wahlen am 14. September die stark auflotnrnöe nationale Bewegung zu erfassen, und in ihr eine Stütze für notwendige aber zwangsläufig unpopuläre Gesundungsmahnahmen zu suchen. Heute dürfe die neue Ausgabe der produktiven Umstellung und der systematischen Absahregelung nur dann mit voller Kraft von der Landwirtschalt ausgenommen werden, wenn ihr die geforderten Sicherheiten geboten seien. Zur Erhaltung seines Betriebes aber werde auch jeder Landwirt, der seine Kreditmöglichkeiten erschöpft sehe, sich, ehe er sich der letzten Barmittel durch Steuerzahlung beraube, die Frage vorlegen müssen, ob er dann auch noch die zur Fortführung seiner Wirtschaft notwendigen Barmittel bis zur neuen Ernte sicher stellen könne. Wenn nicht, dann fei es Pflicht _ jedes Landwirts, int Rahmen der gesetzlich zulässigen Mittel alle Hebel anzusehen, um nicht durch Steuerzahlung sich der Möglichkeiten der Erhaltung seines Betriebes zu begeben. Die E r Haltung der Produktivnsfähigkeit der Scholle sei heute die wichtigste Pflicht des Landwirts dem Vaterland gegenüber. lich höher als der Reichsdirrchschni11 beträgt. Für diese Gemeinde tourte eine sofortige Hilfe des Reiches als unerläßlich erachtet. Mehrfach tourte auf die große Gefahr hingewiesen, daß der Antrag einer Partei, den Reichsvoranschlag um weitere 300 Millionen Mark zu senken, etwa auf Ko st en der Länder und Gemeinden verwirklicht werten könnte. Angesichts der augenblicklichen Situation wurde ein solcher Weg als völlig unmöglich bezeichnet. Berührt wurden noch Fragen der Hafraba und ter im Reichsetat vorgesehenen Kürzung ter Mittel zur Erforschung und Bekämpfung ter Maul- und Klauenseuche. Durch diese Kürzung drohe dem Gießener Diehmarkt, dem größten in Hessen, eine empfindliche Schädigung. Die anwesenden Reichstagsabgeordneten erkannten die Berechtigung ter vorgebrachten Wünsche an und sagten zu, für die Interessen ter Bevölkerung tes Landes um so mehr eintreten zu wollen, als Hessen mehr als andere deutsche Gebiete unter ter Rot der Rachkriegszeit noch immer zu leiten hat. Soweit Anträge aus dem Parlament neue Ausgaben vorsehen, können sie nur bei Zustim- mung der Regierung angenommen werden, und sie sind nur zulässig, wenn sie gleichzeitig eine Deckungsoorlage enthalten. Dabei kann über einen Antrag auf Erhöhung der Ausgaben und über den Deckungsvorschlag nur gemeinsam, nicht getrennt abgeslimmt werden. 2lls Deckung im Sinne dieser Bestimmung gilt es nicht, wenn in einem Antrag die Einnahmen aus einer bestimmten Steuerquelle einfach höher geschäht werden, als die Regierungsvorlage vorfiehl. Ob es sich um eine Finanzvorlage handelt oder nicht, entscheidet der Reichstagspräsident. 4. Die Zulässigkeit von Interpellationen, also Anfragen über bestimmte Tatbestände, wird künftig davon abhängig gemacht, daß sie nur Tatsachen, die der Klärung bedürfen, enthalten, nicht aber Kritik und Angriffe auf die Regierung. Unparlamentarische Aeußerungen in Interpellationen sind unzulässig, und der Reichstagspräsident hat in einem solchen Fall das Recht, die game Interpellation zurückzuweisen, wobei der Aeltesten- rat al5 Reoisionsinstanz gilt. Zu diesen vier Vereinbarungen müssen nunmehr die Fraktionen Stellung nehmen. Wenn sie den Vorschlägen zustimmen, wird zunächst der Aeltesten- rat, dann der Geschäftsordnungsausschuß sich damit zu beschäftigen haben. Sie Jinanzttise der hessischen Gemeinden. Eine Konferenz mit den hessischen Reichstagsabgeordneten. — Oie Gemeinden unter dem Druck der Kürsorgelasten für Wohlfahrtserwerbslose. Kein Ausgabenbeschluß ohne Deckung. Einigung über eine Reform der Geschäftsordnung des Reichstags. Oie Gtreichungssorderung der Volkspartei. Heute Verhandlungen mit dem Reichskanzler. Berlin, 2. Febr. (ERB.) Wie wir erfahren, fand dcr vorgesehene Besuch des Führers der Deutschen Dolkspartei beim Reichskanzler nicht statt. Dafür ist für Dienstag eine Besprechung vereinbart Worten, an dcr auch der Finanzreferent ter Deutschen Volkspartei, Dr. Cremer, teilnimmt. Man kann annehmen, dah ein ernsthafter Versuch gemacht werden soll, zu einer Einigung über die Forderung auf Etatsabstriche zu gelangen. Zweifellos wird der Kanzler den Vertretern ter Deutschen Volkspartei die Frage vorlegen, w i e s i e sich die Einsparungen im einzelnen denken. In Kreisen der Deutschen Volkspartei wird darauf hingewiesen, daß darüber schon in ben bisherigen Besprechungen gewisse Anhaltspunkte gegeben worden seien, daß cs aber nach ihrer Ansicht Aufgabe der Regierung ist, die erforderlichen Mahnahmen zu treffen, um den Etat auszubalancieren. Cs wird erklärt, dah die Fraktion unter keinen Lim ständen auf ihre Forderun g verzichten könne. Sie müsse unbedingt verlangen. dah im Laufe dieser Woche eine Klärung der Finanzlage ein tritt. Gegen Ente der Woche wird dcr Etat des Reichsfinanzministeriums zur Behandlung kommen. Bei dieser Gelegenheit wird die Deutsche Volkspartei ihren Standpunkt mit aller Stärke herausarbeiten, wenn es nicht inzwischen gelungen sein sollte, eine Einigung herbeizuführen. In politischen Kreisen geht man den Verhandlungen dieser Woche mit gespanntem Interesse entgegen, da von ihnen die $rage ab- hängt, ob der Etat Paria in entartscy erledigt toerben kann, oder durch Rvtver- ordnung in Kraft gesetzt werden muh, und da der Ausgang dieser Verhandlungen auch für das Verhältnis der DVP. zum Kabinett Brüning bestimmend sein wird. Eine deutschnationale Interpellation. Berlin, 2. Febr. (TU.- Die teutschnationale Reichstagsfraktion hat eine Interpellation eingebracht, in der es heißt: „Am 24. Rovember 1930 hat ter .Preußische Disziplinarhvf für die nichtrichterlichen Beamten' einen Polizeihauptwachtmeister mit Strafversetzung und Kürzung des Dien st einkommens um eine Gehaltsstufe bestraft, weil er an einer Stahlhelmveranstaltung a ls Tam- bourmajor teilgenommen hat. Die Begründung des Urteils kommt zu ter Forderung, daß Polizeibeamte auch außerhalb tes Dienstes nicht an Veranstaltungen von Verbänden teilneh- inen dürften, die .nicht einwandfrei auf dem Voten der Verfassung' ständen und gipfelt darin, daß es nicht einmal auf den politischen Charakter der betreffenden Veranstaltung, sondern .nur auf die Gesamteinstellung des Verbandes gegenüber der bestehenden Staatsform' im allgemeinen ankomme. Das Urteil betrifft das Mitglied eines Verbandes, zu dessen Ehrenmitgliedern der Herr Reichspräsident gehört und dessen einwandfrei legales Verhalten bekannt ist. Es verletzt die Grundrechte der Artikel 118, 123, 124 und 130 Absatz 2 der Weimarer Verfassung. Was gedenkt die Reichsregierung zu tun, um der Weimarer Verfassung auch in Preußen Geltung zu verschaffen und um zu verhindern, daß einseitig zusammengesetzte Disziplinarstellen durch falsche Auslegung die Grundrechte derDe- amten beseitigen und ihnen die gewährleistete Freiheit politischer Betätigung und der Vereinigung überhaupt entziehen. ‘ 3m Auswärtigen Ausschuß des Reichstags. Berlin, 2. Febr. (VDZ.) 3m Auswärtigen Ausschuß tes Reichstages fand im Anschluß an Ausführungen des Reichsaußenministers eine Aussprache statt, in deren Verlauf die Opposition sich in der Hauptsache darauf beschränkte, einige Fragen an den Minister zu stellen. Die grundsätzlichen Darlegungen zur Außenpolitik wird sie sich gemäß ihrer Ankündigung für die außenpolitische Aussprache im Plenum Vorbehalten, deren Herbeiführung im Reichstage sofort beantragt werden wird. Die dem Ausschuß vorliegenden Anträge wurden abgelehnt, darunter auch ein Antrag ter Rationalsozialisten, ter folgenden Wortlaut hat: Die Reichsregierung wird ersucht, angesichts des völligen Versagens tes Döllerbundes, vor allem in der Frage tes Schutzes ter nationalen Minderheiten und in ter Abrüstungsfrage, den AustrittDeutsch- lands aus dem Völkerbünde durch Kündigung feiner Mitgliedschaft vorzubereiten. — Für den Antrag stimmten die Kommunisten, die Ratwnalsozialisten und die Deutschnationalen. | drigal-Vereinigung, bei der Frau Liebel solistisch mitwirkte, fang nach der Predigt das Glaubensbekenntnis der evangelischen Kirche, das von Orgelspiel Neuen ©ic&cncr ßotturfücrdn I 3e®e Hf ^.b?uH!?9 bcr in M verschiedenen rhyth- P ‘ mischen Gebilde. Das Andante ist mit weicher Lyrik -> . z - I örtl iff #• Sr,v- («X _______k . . . <« r. r - -V ' Das Wendling Quartett aus Stuttgart. Festtafel und Empfang im Neuen Palais. WSN. D a r m st a d t, 2. Febr. Nach ter bereits am 23. Januar erfolgten standesamtlichen Trauung des ältesten Sohnes tes ehemaligen Großherzogs von Hessen fand heute die kirchliche Trauung des ErbgroßherzvgsGeorg Donatus von Hessen mit der Prinzessin Cäcilie von Griechenland statt. An die griechische Trauung im Palais schloß sich die evangelische Trauung in ter Schloßkirche an. Auf dem Wege vom Palais zum Sch.oh hatten sich mehrere Tausend Zuschauer eingefunten, die beim Erscheinen des Brautpaares und ter zahlreichen Gäste in Hochrufe ausorachen. Das junge Paar wird in Schloß Rosenhöhe Wohnung nehmen. ferner Prinzen und Prinzessinnen von Griechenland, die Prinzen Louis Ferdinand und Waldemar von Preußen, sowie badische und südslawische Fürstlichkeiten. Nachdem die fürstlichen Herrschaften und die übrige Hofgesellschaft in der Nähe des Altars Platz genommen hatten, erschien das Grotzherzogs- p a a r mit dem Erbgroßherzog und der Vater der Braut, Prinz Andreas von Griechenland, mit der Braut am Arme und begleitet von der Prinzessin Ludwig von Battenberg im Gotteshause. Die Madrigal-Vereinigung unter Leitung von Prof. Dr. N o a cf leitete die kirchliche Trauung ein mit dem Gesang „Heilig, heilig ist der Herr". Anschließend hielt Pfarrer Lautenschläger die Hochzeitsansprache an das junge Paar, wobei er das Johannes- wort „Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben", zugrunde legte. Die Ma- gehen. ehe bas amerikanische Volk endlich verstanden habe, daß es nur sein eigener Vorteil sei, wenn es gewisse Zugeständnisse mache. Paul-Wegener-Gastspiel im Gtadiheaier. Friedrich Hebbel: Maria Magdalene. Auf dem Wege vom Gotteshaus zum Palais waren das junge Paar, das Großherzogspaar und die übrigen Fürstlichkeiten wiederum Gegenstand herzlicher Kundgebungen des Publikums. Nachdem im Neuen Palais Festtafel stattgefunden hatte, folgte am Nachmittag ein Empfang zahlreicher Persönlichkeiten, die den Neuvermählten und dem Großherzoglichen Paare persönliche Glückwünsche darzubringen wünschten. Neben diesen Be- kundungen herzlicher Zuneigung waren aus allen Teilen Deutschlands und auch aus dem Auslande, darunter von vielen regierenden Häusern, Glückwunschtelegramme eingetroffen. Die Erbgroßherzogin wurde am 23.Juni 1911 als Tochter des Prinzen Andreas von Griechenland geboren, der mit Prinzessin Beatrice v. Battenberg verheiratet ist. Erbgroßherzog Georg Donatus erblickte am 8.November 1906 das Licht ter Welt. und Orchestermusik begleitet war. Nach dem gemeinsamen Gesänge des alten Lutherliedes „Ein feste Burg ist unser Gott" wechselte das junge Paar die Ringe, hierauf erfolgte die feierliche Einsegnung der Ehe. Hochzeit im Großherzoglichen Hause. Oie Trauung des Erbgroßherzogs Georg und der Prinzessin Cäcilie. - Große Anteilnahme der Darmstädter Bevölkerung. Ein Programm voller Höhepunkte! Wäre cs nicht dennoch ratsam, bei kommenden Veranstaltungen Wiederholungen von früher gespielten Werken nach Möglichkeit zu vermeiden? Der Reichtum unserer Kammermusikliteratur erlaubt es. Dr. H i vytuuue. -uas zinoantc ist mit weicher Lyrik erfüllt, der sich Momente voll straffer Spannung entgegenstellen. Joseph Joachim wie auch Clara Schumann sind besonders von den beiden letzten Sätzen begeistert. So schreibt Clara Schumann darüber an Brahms: . Ganz besonders lieb sind mir ter dritte und vierte Satz und da weiß ich wirklich nicht, bei welchem ich mehr schwelge: ob bei den lüften Klängen der Viola im dritten oder bei dem reizenden Thema und feinen Verschlingungen (im vierten)." Im Scherzo wurde die Bratsche zu einem lebensvollen Träger des Hauptgedankens: sie erfüllte ihren Part mit edler Klangschönheit und wohliger Ausgeglichenheit tes Tones und mit musikalischer Warme: der Ausgang dieses Satzes wurde zu einer Kl?un05OoUen Klangvision. Das Finale mit feiner Abfolge der Variationen gab dem Quartett beson- terc Gelegenheit, die überraschenden Feinheiten Brahmscher Dariationstechnik mit ihrem manniq-- lachen Stimmungsgehalt ins rechte Licht zu stellen. Mit dem Eintreten des Kopfthemas aus dem ersten Satze und seiner thematischen Vereinigung mit dem Variationsthema fand das Werk feinen zusammen- sassenden Ausdruck. So verschiedenartig die Werke auch sein mögen, die das Wendling-Quartett seinem Programm einreiht, niemals wird durch die Bevorzugung eines Lieblingskomponisten ein anderes Werk weniger mit Hingabe und sorgfältiger Aufmerksamkeit bedacht werden. Indem sich das Quartett freihält vom Spezialistentum, vermag es dem Modernen genau so gerecht zu werden wie den Klassikern: die Bortrags- solgen der letzten Jahre können das bezeugen. Stets wird der Hörer zu seinem vollsten Recht kommen. . Insofern wäre es sicherlich sehr reizvoll gewesen, Haydns Quartett mit der bekannten Serenade zu Horen. An seiner Stelle erklang eins ter schönsten 0 3 a r t = Quartette, das durch die in ihm ruhende Problematik unserer Zeit besonders nahe steht: das C-Dur-Quartett, eines jener sechs Joseph Haydn gewidmeten Quartette (1785). Es konnte hier Ichon verschiedentlich darauf hingewiesen werden wie Mozart im Ausbau und in der endgültigen Ausgestaltung der Streichquartettform durch Haydn maßgebende Anregungen empfangen hat, und wie gerade diese Mozart-Quartette ihre Rückwirkung auf Haydns ferneres Schaffen erweisen. Den Zeitgenossen Mozarts beredeten diese Quartette gehöriges Kopfzerbrechen durch ihre fatztechnische Kühnheit und ihren verschwenderischen Reichtum an Erfindung: „Kaum will man einem schönen Gedanken nachsin- nen, so steht schon wieder ein anderer herrlicher da der den vorigen verdrängt." (Dittersdorf.) Schon vor drei Jahren hatte das Wendling-Quartett mit diesem Werk einen überaus starken nachhaltenden Eindruck hinterlassen. Auch diesmal nahm das Quartett von der ersten Note der mit linearen Spannungen erfüllten Adagio-Einleitung an in vollster Unmittelbarkeit den Hörer gefangen. Eine besondere Weihe lag über dem Andante, die leichte Wendung zum Schwermütigen hin (das Trio des Menuetts steht in Moll) lichtete sich im Finale. Brahms d r i t t e s Q u a r t e tt steht im Gegensatz zu den beiden andern Quartetten op. 51 (C-Moll, A®olß in bejahendem Dur. Der erste Satz ist voller Lebenskraft: die in den beiden Hauptthemen gebundenen rhythmischen Gegensätze (e/8=, -/«-Takt) bitten ihre Lösung in ter Koda durch die gleichwerden konnte. Wie weiter mitgeteilt wird, ist die Annahme der Presse, daß ein Luftverkehrs- abfommen zwilchen Deutschland und Polen besteht, in dem gewisse Fälle von Grenzüberfliegungen durch Zivilflieger z u g e l a s s e n sind, nicht richtig^ so daß im Falle Gruse tatsächlich eine Verletzung der polnischen Grenze oorliegt. Es ist aber nicht angängig, den Flug Gruses den Verletzungen der deutschen Grenze durch polnische Militärflieger gleichzuftellen, da es sich im vorliegenden Falle, wie immer erneut betont werden muß, um einen Sport- und nicht um einen Mili- tärflieger handelt. Aus aller Wett. Schweres Erdbeben auf Neuseeland. Wellington (Neuseeland), 3. Febr. (WTD. Funkspruch.) Heute vormittag ereignete sich ein heftiges Erdbeben. Im Hawkes-Day-Bezirk wurde eine Anzahl Drücken und Viadukte schwer beschädigt. Der Meeresboden bei Napier senkt sich: die „Äorthumperland" und andere Dampfer find deshalb auf's offene Meer hinausgefahren. Eine Anzahl Oeltanks und die Telegraphenlinien in Napier sind zerstört. Eine drahtlose Meldung der Kriegsschaluppe „Veronika", die vor Napier liegt, besagt: Es ist zu befürchten, daß es in Napier schwere Verlu ste an Menschenleben gegeben hat. -Die Lage ist zweifellos ernst. Nahezu jedes Steingebäude in Napier ist zerstört. Zahlreiche Feuersbrünste sind ausgebrochen. Die „Veronika" bittet um ärztliche Hilfe. Die Kriegsschiffe „Dio- mede" und „Dunedin" gehen mit Aerzten und Krankenpflegerinnen und Verbandmaterial von Auckland nach Napier in See. Es wird befürchtet, daß Tausende von Einwohnern ohne Unter- Sch uberts letztes Quartett (op. 161: G-Dur) nimmt durch feinen Aufbau wie durch die Auspragiing feiner Thematik in dem Streichquar- iettfd)affen des Meisters eine Gipfelftellung ein. Dramatische Gespanntheit kennzeichnet dos Haupt- thema: die Zweite Gruppe entwickelt sich mit besonderen Feinheiten in der solistischen Anteilnahme der einzelnen Instrumente bei charakteristischer Rhythmik. Die Reprise zeigt die Hauptgedanken nach der Auseinandersetzung in der Durchführung bereichert und gemildert. Das Andante, anfangs geführt durch eine Cellokantilene, erhebt sich zu dramatischen Höhepunkten voller Unerbittlichkeit (so in den vom Tre- inolo beantworteten Rufen der Violine und Bratsche). Das Trio des Scherzos erweist besondere Reize m ter Instrumentation und kontrapunktischc Bildungen voller Natürlichkeit. Im Finale ein Drangen, dem sich SDlomente anmutig beschwingter Leichtigkeit entgegenstellen. — Auch dieses Werk wurde vor einigen Jahren durch die gleiche Vereinigung zu Gehör gebracht; auch diesmal erstand es in feiner vollen Größe, in einer klanglichen Schönheit und Ausgeglichenheit, die ihresgleichen sticht; erfüllt von hingebungsvoller Musikalilät. den Drunnen trieb, um tem Vater die Schande ZU ersparen, und als der Meister hören muß, daß man draußen um ihre Verzweiflungstat toeift, daß es nichts mehr zu verbergen gibt, ruft er aus: „Sie hat mir nichts e^part —- man hat's ge sehen“. „“Ser Schauspieler schafft intuitiv, intern er oic Rolle aus seinem Wesen heraus erzeugt", sagt Paul Wegener in einem Aufsatz über tee Schauspielkunst, llnb aus seinem Wesen heraus mußte Wegener den Meister Anton zu einem Fanatiker ter Llnbescholtenheit steigern. Das war nicht niehr ter „kleine Mann" aus dem Volke, der biedere Bürger, der nicht herauskann aus ter ®ngc seines Milieus, nicht herübersehen über den Zaun, den die Moral seiner Sphäre um ihn ab steckte. Das war ein furchtbarer Tyrann gegen alle Welt, gegen sich selbst zuerst, ter mit ter starken, alles niederschmetternden Leidenschaft eines edlen,' aufrechten Herzens um die Reinheit seines Namens ringt, ter nur einen Sinn des Lebens kennt: ehrlich und gerate seinen Weg zu ziehen, an dessen Ende einmal sein Schild blank und makellos stehen soll. Das war ein in seiner gänzlich unkomplizierten, ganz eindeutigen Starrheit grandioser Charakter, der ganz aus dem Elementaren schöpft und keine Biegung, keinen Bruch, kein Entweichen kennt. Verwundert, aber nicht zerbrochen bekennt Wegeners Meister Anton: „Ich verstehe die Welt nicht mehr!" Wie ein Klotz von Eisen steht er da, als die Welt um ihn, seine Welt, in Grauen versinkt. Wegener spielte mit eigenem Ensemble und führte selbst Regie. Es ist nicht überflüssig, zu vermerken, daß nicht alles auf den „0tar,r zuspielte. daß vielmehr gutes Niveau gehalten wurde Greta Schröder-Wegener gab die Klara sehr schlicht, seyr grate, hilflos resignierend, F? Ue sich umstellt sieht. An ihrer betonten Kindlichkeit wuchs 'Wegeners Vater. Erwähnung verdienen noch Walter Dyes-Dhsing als Leonhardt und Bogislav von S melding als — Das sehr gut besuchte Haus dankte ten Gasten mit großem Applaus, von dem auch die Intendanz für das Arrangieren de- eindrucksvollen Abends einen Teil auf sich beziehen darf. Reorganisation Chinas durch die deutschen Reparationen. (Sitt amerikanischer Bo schlag. Paris. 2.Febr. (2DZB.) wie dem New Zock Herald aus Schanghai gemeldet wird, habe ter in China weilende Professor der Lolumbia-Unioersilät Dr. Paul Monroe der Nankingregierung einen Plan unterbreitet, der die wirtschaftliche wiederflottmachung Chinas durch Anleihen und durch Materiallieferungen unter Lin- schaltu ng der Regelung der europäischen Kriegsschulden in dieses System zum Gegenstand hat. Professor Monroe habe seinen plan vor seiner Abreise nach China dem amerikanischen Staatsdepartement unterbreitet und verhandele nunmehr mit den zuständigen chinesischen Ministerien. Monroe gehe davon aus, daß die Kriegsschulden niemals in der gegenwärtig feftgelegten Jortn bezahlt werden können und daß insbesondere Deutschland nicht in der Lage sei, England und Frankreich auch nur nach dem Poungplan zu bezahlen. D i e amerikanischen Gläubigeransprüche an Europa mühten in Anleihen zugunsten Chinas umgewandelt werden, wobei Deutschland China S a ch l i e f e r u n g e n zur Verfügung stellen solle entsprechend den Beträgen, die es Frankreich und England schulte. Amerika würde die Bezahlung der chinesischen Schuldverschreibungen übernehmen, die durch neue in China zu errichtende Unternehmungen und durch alle sonstigen Sicherheiten garantiert werden würden. Amerika würde England und Frankreich die dadurch gewonnenen Vorschüsse gutschreiben und England und Frankreich würden sie entsprechend Deutschland gutschreiben. Dadurch würde Deutschland ein Auslandsmarkt erschlossen, wodurch auch die Wirtschaftskrise in Europa, insbesondere in Deutschland gemildert werten würde. Monroe vertritt den Standpunkt, daß sein plan zur Reorganisierung Chinas unter Einpassung ter Kriegsschultenregelung auch nicht verwickelter sei als der Poungplan oder die Internationale Zahlungsbank. Frankreichs Kriegsschulden in Amerika. Warum die USA. in den Krieg zogen. Paris. 2. Febr. (SH.) 3n der Akademie für moralische und politische W'.s enscha't n sprach der Ehrengouverneur des Credit foncier de France, Lucien Petit über die Regelung der französischen Kriegsschulden g~g?nü&:r Amerika. Er betonte, daß nach seincr Auffassung die Schul- tenabkommen mit England und Amerika bis zum Jahre 1987 nicht unverändert be - stehen bleiben könnten. Bei den kommenden Revisionsverdandlungen müsse Frankreich vor allem auf Hie Ansicht Amerikas Rücksicht nehmen, da vok ihm alles abhänge. Frankreich habe niemals richtig die Gründe verstanden, die Amerika in den Krieg getrieben hätten. Cs habe zunächst an gewisse freundschaftliche Eesüh'e geglaubt und deshalb auch immer gehofft, nach dem Krieg einen weith erzigen Gläubiger zu finden, der die ungeheuren Opfer verstehen würde, die Frankreich gebracht habe. Es scheine jedoch, als ob bei dem Eintritt Amerikas in ten Krieg eben- soviel Sieberlegung wi e Gefühl mitge- sprochen habe. 3n erster Linie habe es sich wohl um den Schutz seiner Sd>uldner gehantelt. Deshalb sei es auch verständlich, wenn Amerika jetzt die Begleichung aller Schulten verlange. Hieraus seien dann zehnjährige. Oft peinliche Verhandlungen entstanden, die schließlich mit dem Washingtoner Abkommen endeten. Die Lage, die die verschiedenen Abkom- riten geschaffen hätten, fei heute sehr schwach. Deutschland habe jetzt größeres Interesse daran, eine Herabsetzung ter Kriegsschulden durchzukämpfen. Außerdem erschwerten die ungeheuren Zahlungen die Wirtschaftskrise und Amerika sei einer der ersten Staaten, die darunter zu leiden hätten Allerdings werte noch einige Zeit ver- f u n f t sind. Lebensmittel sind dringend ange- fordert worden. Die „Veronika" hat Matrose« mit Brechstangen und anderen Werkzeugen ausgerüstet. Eine Anarchistenbande in Buenos Aires unschädlich gemacht. Der Polizei ist es gelungen, die Anarchisten- bante, die unter Leitung tes Hingerichteten di Giovanna stand, unschädlich zu machen. Am Tage ferner Hinrichtung drang die Polizei im ^or-orl '®ur3aco in eine Villa ein, in ter man fcaö Hauptquartier der Bande ausfindig gemacht hat. Es tarn zu einer wilden Schie'- fj c r e t, bet der zwei Anarchisten getötet und ter [ctjte Hieberlebente, Scarfo, festgenommen wurde. Auch ein Polizeibeamter kam ums Leben Sn der CBilla wurde ein ganzes Arsenal von Maschinengewehrpistolcn, Karabinern, Explosiv- stofsen und anderen Waffen gefunden, außerdem eine Falschmünzerwerkstatt, in ter Banknoten im Nennbetrag von 200 000 Pesos fertiggestellt bereitlagen. Scarfo wurde ebenfalls zum Tode verurteilt. Schweres Explosionsunglück in Honduras. Auf ter neuen Automobilstraße von Tegucigalpa nach Danli, die erst am 2. Februar vom Präsidenten eingeweiht worden war, ereignete sich in der Nähe von Danli eine. D h na m i t - explosion. Fünf Personen wurden getötet, 17. darunter ter Oberingenieur, tflürten schwer ^rleftt. Nähere Nachrichten über die Ursache des Unglücks liegen noch nicht vor. vanderbilt in kiel. William Kissam Dandcrvilt, der Chef der amerikanische Milliardärsfamilie, ist auf seiner Zacht „Qlra ‘ in Kiel eingetroffen und hat dort tm Hotels Continental Wohnung genommen. Ban- teroilt läßt sich auf der Germania-Werft eine neue Jacht bauen, die den Namen „Alpha" tragt und die das luxuriöseste Boot fein to.rö, das je die Meere befahren hat. Während seines Aufenthalts in Kiel soll die Jacht in Dienst gestellt werden, und nach erfolgten Probefahrten will Vanderbilt sie abnehmen, um auf l9T die Reise nach dem Mittelmeer anzutreten. Vie Riesenschlange in der Universität. In ter WienerUniversität herrschte am Montagnachmittag große Aufregung. Eine Riesen- Eidechse und eine Riesenschlange, die seit Monaten im Institut zu Forschungszwecken gehalten werden, waren aus dem im 2. Stock der Universität gelegenen Zoologischen Institut entflohen und durch die Rohrleitung der Zentralheizung in die Räumlichkeiten des Rechtswissenschaft- lich en Seminars gelangt. Während die Eidechse vom Personal auch bald aufgefunden und gefan- g e n werden konnte, ist es bis jetzt noch nicht gelun- der Riesenschlange habhaft zu werden. Die Riesenschlange, die ein selten schönes Exemplar ihrer Gattung ist, hat bereits vor einigen Monaten denselben Weg in das Rechtswissenschaftliche Seminar genommen. Damals war das Tier durch die Dampfheizung gekrochen und blieb viele Stunden unauffindbar. Man vermutet, daß die Schlange sich in der Nähe der Keffelanlagen verkrochen hat. Der Mordprozeß Ulbrich. Auch Montag früh standen schon in früher Morgenstunde ungeachtet der Kälte große Scharen in der Turmstraße vor dem Berliner Kriminalgerichts- gebaute und harrten auf die Oeffnung des 'Portals öum Zuhörerraum des Schwurgerichtssaales. Es kam zur Entgegennahme der Gutachten. Ge- nchtsarzt Sanitätsrat Dr. Friedrich Leppmann begann mit Erich Benzinger. Der Angeklagte ist in der Schule schwach von Begriff gewesen und ist m eine Hilfsschule gekommen. Sein Lehrherr bezeichnete ihn als einen gut erzogenen, arbeitsfreudi- gcn und liebenswürdigen Jungen, dem niemand eine solche Tat zugetraut hätte. Wenn man ihn fragt, wofür er seine Tat halte, antwortet er: „Mord". Sein Benehmen bei der Tat scheint nicht sehr tapfer geroefen zu sein, aber er h a t sich beteiligt unb ist s i ch dessen bewußt geworden. Seine Zurechnungsfähigkeit im Sinne der Strafgesetze muft daher bejaht werden. Es ist jedoch fra gIich, ob er die vom Gesetzgeber vorausgesetzte Zähigkeit hatte, während ter Tat seine Urteilskraft anzuspannen, also zur Ueberlegung fähig war. Die Entscheidung darüber wird Sache des Gerichtes sein. Das Personlichkeitsbild ter Luise Neumann sei weitaus nicht so leicht -u entwerfen. Ihre Fa.Lieber den Verlauf des Hochzeitstages erfährt man aus Darmstadt noch folgende Einzelheiten: Die Hochzeit ging in Gegenwart zahlreicher fürstlicher Persönlichkeiten aus tem Verwandtenkreise ter beiden Familien und darüber hinaus vor sich. Wie schon oben kurz erwähnt, nahm auch die D a rin st ädter Einwohnerschaft, die sich mit dem großherzoglichen Hause eng verbunden weiß, herzlichen Anteil an diesem Familienfeste. Den fürftlidjcn Herrschaften wurden herzliche Kundgeb ungen dargebracht, die sich so weit steigerten, daß ter Brautwagen in ter Nähe des Schlosses nicht mehr weiterfahren kennte und die Braut die kurze Strecke Weges zur ochlohkirche inmitten der jubelnden Menschenmenge zu Fuß zurücklegen mußte. Auch dem Großherzogspaar wurden wie dem jungen Ehepaar, als sie sich auf dem Balkon des Palais zeigten, stürmische Ovationen dargebracht, wobei die Menschenmenge das Deutschlandlied fang. Oie Trauung in der Schloßkirche wurde von Pfarrer Lautenschläger vollzogen. An der Feier nahmen neben den engsten Angehörigen des jungen Paares noch zahlreiche Fürstlichkeiten teil, dabei u. a. die Kronprinzessin von Schweden, die Prinzessin Heinrich von Preußen, die Prinzessinnen Christine Friederike und Marianne zu Solms- Hohensolms-Lich, der Fürst zu Solms-Hohensolms- Lich, der Erbprinz zu Solms-Hohensolms-Lich, die Prinzen Ernst Ludwig und Philipp von Hessen, Fast auf ten Tag ist es ein Iahr, als hier über Paul. Wegeners Kunst aus Anlaß der Aufführung von Leonid Andrejews qualvoller Konstruktion „Der Gedanke" geschrieben tourte, lln- enblid) trostlos und nieterdrückend ist auch Hebbels „Maria Magdalene", aber nicht das ausgeklügelte Experiment eines schwermütig grübeln- ten, fast fanatisch spintifierenten Russen, sondern Blut von unserem Blut und Fleisch von unserem Slcisch. Menschenschicksal in einer Welt, die noch nicht allzulange und vielleicht noch nicht einmal überall Vergangenheit ist. Hebbels Menschen, diese Kleinbürger des Dietermeiers, zerbrechen an ter engen, innerlich unwahren und hohlen Moral einer Weltanschauung, der sie sich unfrei und befangen unterworfen haben. Hoffnungslos verstrickt sind diese Menschen in unerbittlichen konventionellen Gesehen, die sie, die Angehörigen einer nod) nicht zum Lichte wahren Menschentums sich durchgekämpften sozialen Schicht, wie. eine enge Mauer umgeben, aus deren Bezirk es kein Entweichen gibt. Falsch und hohl ist diese Moral, weil sie nicht so sehr den unüberlegten Fehltritt tee leichtfertige Tat, den Verstoß gegen die bürgerliche Sittenordnung richtet, sondern erst danach fragt ob „die Leute" es auch erfahren haben ob „ter gute Ruf" gewahrt blieb und bann losspricht oder verdammt. Unsittlich ist diese Moral well sie keine Sühne kennt, wenn Schimpf und schände ter Familie in aller Munde ift, aber ten Mantel verzeihender Liebe darüber» breitet, wenn nur ter Schein gewahrt wurde. Als man tem Tischler Anton den Tod der Tochter meldet, die der zynische Wortbruch eines banausischen Strebers und ter Starrsinn tes in 1 der Moral ,rinrr Welt befangenen Vaters tn , Kemal Pascha für militärische Dienstpflicht der Krau. Konstantinopel. 3. Febr. (Reuter. Funkspruch.) In einer Rede in einer Mädchenschule 'n Smyrna sagte der Präsident ter Republik Mu st ap ha Kemal: Nicht psychologische dlr- sgchen, sondern grundlose Vorurteile verhindern die Frauen, militärischen Dienst zu tun. •Seute verlangen die Frauen die Bürgerrechte und wollen auf gleichem Fuße mit den Männern stehen. Ietes Recht bringt aber auch eine Pflicht mit sich, und mcht öie geringste dieser Pflichten gegenüber tem Staat ist die militärische Dienst- pflicht. In alten Zeiten haben Frauen Schulter an Schulter mit den Männern gekämpft. Das Ue&erfliegen polnischen Gebiets. Polen beschwert sich in Bertil,. Die polnische Regierung hat in Berlin eine Be- £ ro b e n 0 * e me9en der Ueberftiegung polnischen Gebietes durch den deutschen Zivilflieger Gruse überreichen lassen. Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, hat d i e d e u t f ch e G e s a n d t s ch a f t i n Warschau sich bemüht, Erleichterungen für den tfcftgenonimencn ?u erreichen. Weitere Schritte konnten noch nicht unternommen werden, da der -Tatbestand noch nich t restlos geklärt! mDenverhältnisse waren sehr ungünstig. Bei ihrer Vernehmung sei ausgefallen, daß sie nicht zweimal bte gleiche Aussage gemacht haoe. Eine 3n- tÄligenzprüsung sei auherst schlecht ausgefallen. 3n Bezug auf Mutterwitz und Schlagfertigkeit mache die Angeklagte durchaus keinen schwachsinnigen Eindruck, aber es sei ihr unmöglich, sich zu konzentrieren. Don einem Ausschluß der freien Willensbestimmung im Sinne des §51 oder von der Unfähigkeit zur Einsicht ihrer Handlungen im Sinne des Jugendgesetzes forme keine Rede sein. Obwohl sie enorm viel Mängel der Entwickelung aufweise, so sei doch ihre Entwickelung nicht vollkommen ausgeblieben. Es liege sehr nahe, daß sie die Zähigkeit zur lleberlcgung im Sinne des Mordparagraphen nicht besitze. Sdjwere Lchneeslürme über Schottland und England. . Schottland und der 'Horben von England hatten während des Wochenendes unter schweren Schnee- stürrnen zu leiden, die erhebliche Störungen im Verkehr hervorriefen. Der Expreß- zua von Jnverneß noch London hatte eine Der- spatung von 13 Stunden. Die Strecke zwischen Jnverneß und Perth war vollständig verschneit, so daß der Zug zunächst stecken blieb uni» später einen llmtoeg von 250 Kilometer machen mußte. Aus fast allen Bezirken des schottischen Hochlandes werden schwere Verkehrsstörungen gemeldet, die ddn Eisenbahn-, Automobil- und Autobusverkehr störten und teilweise unmöglich machten, so daß vielfach die "Reisenden aussteigen und bis zur nächsten ilntet- kunft durch Schnee und Rebel marschieren mußten. Die Jnscsi Man litt unter schweren äleberschwemmungen. In anderen Gegenden wurden durch den starken Sturm Erd- vutsche hervorgerufen. Lynchjustiz in Amerika. Sin Fall von Lynchjustiz hat sich in Mary» ville (Missouri) ereignet. Ein 19jähriger Reger, der als Lehver in der Gemeinde angestellt war. soll sich angeblich an einer Schülerin vergangen und sie später im Schulzimmer ermordet haben. Auf die Anschuldigung einer anderen Schülerin entriß die Menge den Reger seinen Wächtern, noch bevor die Gerichtsverhandlung begonnen hatte, schleppte ihn zum Schulhaus, band ihn mit dem Kopf abwärts ans Dach, goß Benzin über das Gebäude, zündete es an und wartete dann, bis die Schule bis auf die Grundmauern niedergebrannt war. Oie höhere Schule Hessens im Staats-Voranschlag 1931 Stellungnahme des Phi ologcnvereins. Der Dor st and des Hessischen Philo- logenvereins hat zu der Behandlung, die der höheren Schule im Staatsvoranschlag 1931 widerfahren soll, in einem einstimmig gefaßten Beschluß Stellung genommen, in dem es u. a. heißt: Der Finanzausschuß hat die Beratungen des Staatsvoranschlags 1931 mit den Kapiteln begonnen, die daS Ministerium für Kultus und Bildungswesen betreffen. Der Ausschuß hat mit seinen Beratungen zu einem Zeitpunkt eingesetzt, in dem der Staatsvoranschlag weder der Oeffentlichkeit noch dem Finanzausschuß vorliegt. Die Beratung und entscheidende Beschlußfassung über den Voranschlag vollzieht sich demnach in diesem Jahr unter völligem Ausschluß der Oeffentlichkeit — ein Vorgang, der sich mit den Formen der Demokratie schwerlich vereinbaren läßt. Heber das Schicksal der höheren Schule, über ihre Leistungsfähigkeit, über das harte Los, das dem akademisch gebildeten Rachwuchs bereitet wird, fällt in großer Eile die Entscheidung. Ein Urteil über die Zweckmäßigkeit und Gerechtigkeit der Maßnahmen ist nur möglich auf Grund einer Prüfung des gesamten Voranschlags. Die Möglichkeit dazu hat das diesmal von Regierung und Landtag eingeschlagene Verfahren der Berufs- Vertretung der höheren Schulen entzogen. Sie fühlt sich veranlaßt, sich gegen dieses in ein Geheimnis gehüllte und eilige Verfahren der Gesetzgebung zu verwahren. Auch in diesem Jahre handelt es sich wieder — zum vierten Male innerhalb von 7 Jahren — um Sparmaßnahmen im höheren Schulwesen Hessens. Ja, es scheint, als erstreckten sich die unmittelbaren schweren Eingriffe innerhalb des Kultusministeriums vorwiegend und fast ausschließlich allein auf die höheren Schulen. Ein Grund dafür ist nicht er- lichtlich. Ist doch das höhere Schulwesen Hessens besonders sparsam aufgebaut — im Unterschied zu anderen Verwaltungen, auch zu Verwaltungen innerhalb des Kultusministeriums. Rach den Berechnungen des Statistischen Reichsamtes liegt der Zuschuhbedarf für die höheren Schulen Hessens für Staat und Gemeinden zusammen mit 6,68 Mk. pro Kopf der Bevölkerung u n = t c r dem Zuschußbedarf anderer Länder, namentlich unter dem Bedarf Badens und Württembergs und unter dem DurchschnittSsah (7,20 Mk.) aller deutschen Länder. Gleichwohl hat die hessische Philologenschaft positive Mitarbeit zur Ersparnis zweckloser Ausgaben geleistet. Dcr einzig sinnvolle Weg dazu stellt die Verpflichtung zur Leistung, die Auslese der begabten Schüler dar. Dafür ober müssen die Philologen verlangen, daß ihnen die Ar. eitsbedingungen zur Erfüllung dieser verantwortungsvollen Aufgabe wieder zurückgegeben und nicht durch einen vierten Eingriff auf Jahre hinaus weiter verschlechtert werden. Auslese durch überlastete, überalterte Lehrerkollegien ist unmöglich! Auslese in vollgepfropften, unter einem ständigen Wechsel der Lehrkräfte, der Arbeitsmethoden unb Stundenzahlen in den einzelnen Fächern leidenden Klassen ist unmöglich! Auslese in einem durch sechs Jahre hindurch unablässig hin und her geworfenen Schulwesen ist unmöglich! Dringend bedarf die hessische höhere Schule end.ich der Ruhe, der Sammlung und Besinnung auf ihre Aufgaben, Ziele und Grenzen. Seit Jahren unterrichtet sie nach einem Lehrplanentwurf, der b is heute ein Entwurf geblieben ist. — Sie bedarf dringend einer Leitung, die sich der Aufgabe der Festigung und Klärung der inneren Angelegenheiten des Unterrichts und der Erziehung der Jugend, die der Schule anvertraut ist, widmen kann. Darum verwirft die Phllologenscha'r Hessens die mechanischen Sparmaßnahmen, die einen so komplizierten Organismus, wie ihn die höhere Schule darstellt, zerrütten und schließlich aushöhlen müssen. Ans -er Provinzialhauptstadt. Gießen, den 3. Februar 1931. Tyrann Sekunde. Der Zug braust über die Gleise, saust durch das Spalier der Telegraphenstangen, fegt klirrend durch Kurven und über Weichen, und jagt, jagt auf feiner stählernen Bahn, nur vorwärts, vorwärts. Der Tyrann Sekunde keucht hinter ihm her und schwingt die Peitsche über ihn, die Peitsche des Fahrplanes, dieses unerbittliche Muh, das letzte Möglichkeiten aus Mensch und Maschine herausprcht. Haben Eie, wenn Sie sich hindämmernd dieser schwindelnden, vorwärtsreißenden Fahrt überliehen, schon einmal an das Wunder gedacht, das diesen sausenden Rhythmus in geregelte, mathematisch abgewogene, millimeterhast korrekte Bahnen zwingt"? Dieses technische Wunder, das zehn- tausende von Uhren in über elf tausend Stationen im ganzen Reiche zu einem auf die Minute gleich- bleibenden Schritt und Tritt gedrillt hat? Empfinden Sie diese Zeitharmonie aller deutschen Dahnhossuhren, die der jagenden Fahrt der Züge erst die Gewähr der Sicherheit gibt, nicht als ein Wunder, weil wir blasierten Gegenwartsmenschen schon größere Dinge zwischen Himmel und Erde haben schaffen und entstehen sehen? Wunder ist vielleicht zu viel gesagt: aber ein Stück Romantik unseres technischen Zeitalters bleibt es doch: auch wenn man es mit pedantischen, ordnenden Fingern auseinanderfaltet und es als eine einfache, technische Mahn ahme enthüllt. Diese Tatsache, daß in 11 250 Eisenbahnstationen, die über ein Gebiet von 470 000 qkm verstreut sind, mehrere zehntausend Uhren immer zur gleichen Stunde den gleichen Zeigerschritt machen, hat im Grunde eine so einfache Ursache, die aber gerade dadurch für sich einnimmt. Jeden Morgen um 4 Uhr liest die Sternwarte in Potsdam-Babelsberg die neue, richtige Zeit für Mitteleuropa aus den Gestirnen ab, deren ur- ewig-unwandelbarer Gang keine Störungen und keine Verspätungen kennt, und meldet diese Zeit sofort der Zeitdienststelle der Reichsbahn in Berlin. Don hier aus sehen sich eine Minute vor 8 Uhr morgens viele Morseapparate in Bewegung, um die genaue Zeit allen Stationen im Reiche mitzuteilen. Das ist die erste Zeit- regulientng. Daneben laufen bei jeder Station, auf jedem Stellwerk, in jedem Wärterhause von morgens bis abends telephonisch und telegraphisch periodische Meldungen über alle möglichen Dienst- Vorkommnisse ein, die so minutiös ecntreffen, daß sie während des ganzen Tages eine ständige Zeitkontrolle bilden. Eine technische Einrichtung von riesigen Ausmaßen gehört dazu, um dem Tyrannen Sekunde sein Recht zu geben. Die Reichsbahn besitzt etwa 250 000 Kilometer meist doppelte Fernsprechleitungen, an die rund 135 000 Apparate angeschlossen sind, und etwa 210 000 Kilometer Telegraphenleitung mit fast 28 000 Morse- und selbstschreibenden Telegraphenapparaten. Das sino rund 460 000 Kilometer Rachrichtenleitung,. die ausreichen würden, um die Erde an ihrer dicksten Stelle IV/tmal zu umspannen. Hierbei haben die Funkanlagen der Reichsbahn unberücksichtigt bleiben müssen. Zahlen von gewaltiger Bedeutung! Und doch nehmen wir sie so selbstverständlich, so kühl, so regungslos hin, wir Menschen eines technischen Zeitalters I Neues Adreßbuch von Gießen. Reben den sehr zahlreichen Aenderungen in den Adressenverzeichnissen durch Zuzüge, Fort- und Umzüge innerhalb der Zeit von zwei Jahren macht die Um Numerierung einer ganzen Reihe von Straßenzügen die Herausgabe eines neuen Adreßbuches dringend erforderlich. Zwecks Erzielung genauer Einträge in das neue Buch werden von morgen an die üblichen HauS- und Firmenlisten von den Übertretern des AdrehbuchverlageS bei den Hausbesitzern oder ihren Stellvertretern abgegeben. Es dient dem Dorteil jedes Einzelnen und der Allgemeinheit, daß diese Listen ohne jedenDer- z u g sorgfältig und eigenhändig ausgefüllt und zur Abholung bereitgelegt werden. Auf diese Weise wird den Vertretern des Verlages die mühsame Einhvlearbeit erleichtert, die für das neue Adreßbuch der Stadt und des Kreises Gießen nicht mehr von den Polizeibeamten geleistet wird im Hinblick auf die allgemeine Erwerbsnot weiter Kreise. Keine Waffen in öffentlichen Versammlungen. Auch Spazierstöcke sind verboten. Dom Polizeiamt Gießen wird uns mitgeteilt: „In letzter Zeit ist wiederholt beobachtet worden. daß Teilnehmer einer öffen 1 ichen Versammlung Spazierst öcke mit sich führten. Wir verweisen auf den § 11 des Reichsvereins- gesehes vom 19. April 1908, wonach niemand in einer öffentlichen Versammlung oder in einem Aufzug, der auf öffentlichen Straßen oder Plätzen stattfindet, bewaffne: erscheinen darf. Gemäß Verfügung des Herrn Ministers des Innern vom 19. Juli 1927 gelten als Waffen im Sinne § 11 des Dercinsgesehes alle Gegenstände, die nach ihrer Bestimmung zu eigner Zufügung gefährlicher Verletzungen beim Angriff oder der Verteidigung gebraucht werden. Demnach sind Stöcke, Knüppel, Gummiknüppel, Schlagringe, Stahlruten, Spiralfedern und Spaten als Waffen im Sinne des § 11 des Vereins- gesehes anzusehen. Wir haben unsere Beamten angewiesen, auf die angeführten Bestimmungen genau zu achten." Gießener Wochcnm(irktpre 1 sc. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 130 bis 140 Pf. (Kochbutter von 110 Pf. an), Matte 30 bis 35. Käse- (10 Stück) 60 bis 140. Wirsing 15 bis 20 (pro Zentner 12 bis 15 Mk ). Weißkraut 12 bis 15 (pro Zentner 8 bis 10 Mk.), Rotkraut 15 bis 20 (pro Zentner 10 bis 12 Mk.), Kartoffeln 3,5 bis 4 (pro Ztr. 2,50 bis 3 Mk.), gelbe Rüben 10 bis 15, rote Rüben 10 bis 15, Spinat 25 bis 30. Unterkvhlrabi 5 bis 6, Grünkohl 20 bis 25. Rosenkohl 35 bis 40. Feldsalat 100 bis 120, Tomaten 70 bis SO, Endivien 80 bis 100, Meerrettich 30 bis 60, Zwiebeln 10 bis 15, Schwarzwurzeln 30 bis 50, Aepsel 30 bis 45, Birnen 20 bis 40, Rüsse 50 bis CO, Dörrobst 30 bis 35, Honig 40 bis 50. junge Hähne 90 bis 120. Suppenhühner 90 bis 120 pro Pfuird: Tauben 70 bis 80. Eier 13 bis 14, Blumenkohl 40 bis 80, Salat 25 bis 30. Lauch 5 bis 15, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 50, , Oberkohlrabi 10 bis 15 Pfennig pro Stück. Bornotizen. — Tageskalender für Dienstag. Stadttheater: „Der Widerspenstigen Zähmung", 20 bis 22 Uhr. — Frauenvortrag, 20 Uhr, Eafe Leib. — Rationalsozialistischer deutscher Studentenbund: Protest-Versammlung, 20,15 Uhr. Turnhalle am OswaldSgarten. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße. .Madame sucht Anschluß. — Astoria-Lichtspiele: „Razzia und „Unter falschem Ramen". — Mozartfeier. Eine Feier von Mozarts 175. Geburtstag veranstaltet die Volkshochschule am Samstag. 7. Februar, 20 Uhr. im Singsaal des Realgymnasiums. Rach einleitenden Worten von Musiklehrer Franz Dauer jun. weroen eine Sonate, drei Lieder und ein Klavierquartett gebracht werden. Räheres siehe heutige Anzeige. e ** Zu Mitgliedern der Historischen Kommission ernannt. Die hessische Staatsregierung hat den Universitätsprosessor Dr. Mayer, Gießen: Oberkirchenrat Zentgraf, Mainz: Regierung-rat Schäfer, Darmstadt, und Geheimen Justizra. R o e m h c l d, R.dda, zu Mitgliedern der Historischen Kommission für den Volksstaat Hessen ernannt. * Finanzamts-Personalie. Dberfteuer- Inspektors ühlin g wurde zum Steueramtmann bei dem Finanzamt Mainz III ernannt. ** Der Volkstrauertag wird auch in diesem Jahre am Sonntag Reminiszere (1. März) in unserer Stabt vom Volksbund Deutsche Kriegs- gräberfürforge, Bezirksgruppe Gießen, mit einer Besucht dasWohitütigkeitSkouzert kr„Wintell)ilse 1930/31" am Donnerstag/ 5. Februar, 20 Llhr, im Caf6 Leib, Walttorstraße. Ihr unterstützt damit das Hilfswerk: Städtische Nothilfe 1930. Feier in der Aula der Unidcrfität in der gewohnten eindrucksvollen Weise begangen werden. Wer die Gedenkrede halten wird, ist bis jetzt noch nicht endgültig festgelegt, diese Entscheidung wird aber in diesen lagen getroffen werden. Frau Dr. Wolf wird in liebenswürdiger Weise durch gesangliche Darbietungen zur Bereicherung der feierlichen Ge> denlstunde beitragen, ferner ist in dankenswerter Weise die Mitwirkung unserer Militärkapelle unter Leitung von Obermusikmeister L ö b e r zugesagt worden. ** Wieder ein Frühlingsbote. Gestern nachmittag wurde uns von Herrn Fersch, Wilhelm- straße 56 wohnhaft, wieder ein Frühlingsbote in Gestalt eines Schmetterlings überbracht. Wir verzeichnen hiermit die Anwesenheit dieses Verkünders einer besseren Jahreszeit, betonen aber gleichzeitig, daß unser Bedarf an Schmetterlingen usw. gedeckt ist. •* Ein Hirsch auf drei Läufen. Im Gemeindewald von Wißmar ergriffen holzsuchende Arbeitslose einen Hirsch, der auf drei Läufen ging. Eie fesselten ihn mit Stricken an einen Daum und holten den zuständigen Förster, der dem Hirsch den Fangschuß gab. Es handelt sich um ein älteres Tier, das infolge eines alten Dorderlaufschusses sich nur mühsam fortbewegen konnte. Das Geweih war infolge der Derletzung nur kümmerlich geschoben. " Einbruch in Lollar. In der vergangenen Rächt wurde in der Dilla des Kaufmanns Hofmann zu Lollar ein Einbruch verübt. Den Dieben fielen etwa 200 Mk. Bargeld und Schmucksachen in die Hände. Beamte der Kriminalpolizei Gießen begaben sich heute morgen an den Tcttort und nahmen die ersten Ermittelungen auf. ** Kirchengesangvereinsfest des Evangelischen Dekanats Gießen. Im Hotel Hindenburg sand' am Samstag eine Versammlung der Vorsitzenden und Chormeister der evangelischen Kirchengesangvereine des evangelischen Dekanats Gießen statt, um über die Abhaltung des diesjährigen Kirchengesangvereinsfestes zu beraten. Es wurde beschlossen, das Fest wie üblich am Sonntag vor Pfingsten, 17. Mai, auf dem Schiffenberg zu begehen. Im Gottesdienst werden zwei Massenchöre und ein Frauenchor mitwirken: in der Rachversammlung werden sich nach einem Massenchor die einzelnen Vereine hören lassen. Die Festpredigt wird Pfarrer Reusch (Leihgestern) halten. •* Der Bund „Königin Luise" hielt, wie man uns berichtet, am 30. Januar die Grün- dungöversammlung der Ortsgruppe Gießen ab. die über alles Erwarten stark besucht war. Als Gäste waren Mitglieder der Ortsgruppen Friedberg. Bad-Rauheim und Herborn anwesend. Es ist besonders zu begrüßen, daß sich Frauen und Mädchen aus allen Kreisen dem Bund angeschlossen haben. Rach gemütlichem, anregendem Abend trennten sich die Mitglieder erst in vorgerückter Stunde. ** Deutscher Rentnerbund, Ortsgruppe Gießen. Im kleinen Saale deS Katholischen VereinshauseS hielt am Freitagnachmittag die Ortsgruppe Gießen des Deutschen RentnerbundeS eine Versammlung ab, die sehr gut besucht war. Der Vorsitzende Herr Ma des hieß die Mitglieder willkommen. Dr. Kramer, ein Mitarbeiter der Dundesleitung in Kassel, hielt sodann einen Vortrag über das Thema: „Wie kann heute ein Rentnergesetz gestaltet werden?" Der Redner hob u. a. hervor, daS Rentnerproblem sei eine Folge des Krieges und insbesondere der Inflation. Alle Gesetze seien bisher sehr unvollkommen gewesen, denn kein Gesetz habe den Rentnern ein Recht, sondern immer nur einen Fürsorgeanspruch zugebilligt. Der Begriff der Fürsorge müsse aber ausgeschaltet und die Llrsache der Rot der Rentner mehr in den Vordergrund der Betrachtung gestellt und berücksichtigt werden. Der Schadensersahanspruch müsse in ähnlichem Sinne, wie er für bte Liquidationsgeschädigten bestehe, auch auf die Rentner in bestimmtem Ausmaße übertragen werden. Der Gedanke des Privateigentums müsse Kraft behalten und die Wiederkehr zu Treu und 0Lauben bringen. Aus dem sozialistischen Wohlfahrtsstaat müsse wieder ein Rechtsstaat werden, der auch den Rentnern gibt, was der Rentner sei. Der Rentnerbund lasse kein Mittel mrversucht, die Rechte der Rentner zu verfechten, die ihm längst zugestanden werden müßten. Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Im Anschluß daran gab Herr Reiber einen kurzen Rückblick auf die Geschieht der Gießener Ortsgruppe des Oientnerbunbc#, die am Tage der Versammlung auf ein zehn jährigeS Bestehen z rückblicke \ konnte. Der Redne. schilderte die Rot der RachkriegSjahre und bk Hilfsmaßnahmen deS RentnerbundeS für feine Mitglieder. Mit besten Wünschen für eine bessere Zukunft der Rentner schloß der Vorsitzende die Versammlung. LandfriedenSbnich in Michelstadt. Der Bürgermeister von TNichetstadt wegen Teilnahme am Canbfrlebcnsbrud) zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. WSR. Darmstadt. 2. Febr. In einer gum Teil außerordentlich heftigen und erregten Gerichtssitzung hatten sich heute sieben Michel- städtcr, unter ihnen Bürgermeister Reff, vor dem hiesigen D.-zirksschösfengericht wegen Landfriedensbruchs zu verant- worten. Am zweiten Januarsonntag des vorigen Jahres batten einige Darmstädter Rationalsozialisten eine Odenwaldwanderung unternommen und wollten von Michelstadt aus die Heimreise antreten. Sie gingen vorher durch das Städtchen. Als sie eines ihrer Kampflieder sangen, kam es auf dem Marktplatz mit politischen Gegnern zu Auseinandersetzungen und zu einer Schlägerei, wobei auch mit Latten auf die Rationalsozialisten eingeschlagen wurde, so daß sie Zuflucht in einem Gasthaus suchen mußten. Von den Angeklagten waren vier wegen Tätlichkeiten angeklagt, der Bürgermeister, der gerade am Tage vor den Zusammenstößen gewählt worden war, wegen Aufforderung zu Tätlichkeiten. Rach der Zeugenvernehmung, die sich sehr lebhaft gestaltete, kam der Staatsanwalt zu der Auffassung, daß der Tatbestand deS LandsriedensbruchS gegeben sei. Er beantragte gegen drei Angeklagte je sechs Monate Gefängnis, gegen den Bürgermeister vier Monate Gefängnis, gegen einen weiteren Angeklagten drei Monate Gefängnis. Allen Angeklagten seien mildernde Umstände zu- zubilligen. Bürgermeister Reff hätte sich in Ansehung seines künftigen Amtes mehr zurück- halten müssen. Allerdings hätten die Rationalsozialisten ein provokator.scheS Verhalten an den Tag gelegt. Der Verteidiger bestritt, daß Land- friedenSbruch gegeben sei und beantragte Freisprechung für sämtliche Angeklagte. Das Gericht verkündete folgendes Urteil: Zwei Angeklagte erhalten wegen LandfriedenSbruchS sechs Monate Gefängnis, da als erwiesen angesehen werden müsse, daß fick tätlich vorgegangen seien. Bürgermeister Reff erhält wegen Teilnahme am LandfriedenS- bruch drei Monate Gefängnis. Zwei Angeklagte werden freigesprochen. Gegen zwei weitere Angeklagte wird das Verfahren am Donnerstag weiterverhandelt, weil zur völligen Klärung des Tatbestandes noch einige Zeugen vernommen werden sollen. .Berliner Börse. Berlin, 3. Febr. (WTB. Funkspruch.) Nachdem es gestern abend im Anschluß an die Auslandbörsen etwas leichter geworden war, lag der heutige Früh- verkehr recht abwartend und völlig geschäftslos. Der heutige Reichstagsbcginn mahnte zur Zurückhaltung, zumal es an sonstigen Anregungen fehlte. Kurse waren noch nicht zu hören. Die Detterlaae. 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Holland, Gestern abend 11% Uhr entschlief sanft und unerwartet mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Urgroßvater. Bruder, Schwager und Onkel Herr Adolf Holland Altveteran von 1870/71 888 D Gießen, Frankfurt a. M.-Höcbst, 3. Febr 1931. 881 D Gießen, den 3 Februar 1931. 912 D Für die vielen letzten Ehrungen, die unserer teuren Mutter zuteil wurden, danken wir auf das herzlichste. Im Namen der Hinterbliebenen: H. Schaaf, Studienrat. Mathilde Spier, geb, Nach mann Dr Josef Spier und Frau Pecha, geb Spier Rosa Nachmann. Danksagung. Für die überaus zahlreichen Beweise wohltuender Anteilna ime während der Krankheit und beim Heimgang unseres lieben Entschlafenen danken wir herzlich. 52. 70. 60. Aufarbeiten Neuen weg 23, Telf. 3573. bekannten Vertrauens 3teilig mit Kopfkeil in bekannt guter Qualität 90x190 100x200 jienstag, 5. Februar 1951 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesse! Nr. 28 Zweites Blatt KKä LKiS Stud»0, ilro^InritrijK— S. kuteier, MM leftet-igcrail^y Anlcll. fr,l-®.‘y*!=7. O^btWflintW^- iflsleolo» verleiben. lM Neustadters ^Vereine^l meorereiiM 1881-1931 ,DonncrS«an,dcM S5SÄ K1'!'8 iSo3i "n! nol?,ld1eö^st”1ffl) | I I i w Industrie- und Handelskammer Gießen Blick in die Haupthalle der Ausstellung Zwanzig Milliarden hat Deutschland im letzten I verkaufen wollt: alles wird durch Dilder Schau- Jahre für Lebensmittel ausgegeben, aber nur beider und kleine hübsch beleuchtete und bunte q 3 M illiarden kamen davon der einhei- Panoramen gelehrt. . mitten Landwirtschaft Augutc! Was Die Technik hat hier, tote überall ganz natur' Nachdruck verboten 35 Fortsetzung Daß die deutsche Ware nicht schlechter sei als ausländische, zeigen die Bemühungen um Steigerung von Qualität und die Kontrollstationen, die die Gleichwertigkeit und den Geholt z. B. des Käses prüfen und überwachen, von dem eine ganze Musterkollektion - lauter deutsche Markenwaren — gezeigt wird. Was der Landwirt von sich aus dazu tun kann, wird ihm hier vorgeführt : ein Stall lebender Kühe. Rinder. Schafe zeigt ihm —■■ wenn er cs noch nicht wisfen sollte — wie gutes Bich auszusehen hat und wie es zu halten ist. Liber in einem riesigen Kühlschrank, der daneben steht, kann man Fleisch in geschlachtetem Zu st and bewundern, damit auch der Schlächter lerne, wie gesundes Fleisch anzubieten fei — wenn er's noch nicht weiß. Eine große 2 n d ustrieschau, landwirtschast- liche Maschinen vom Spaten bis zum Traktor und Dreschsah. Wer mag sie kaufen? Eine Frage weniger des guten Willens als der finanziellen Möglichleiten. Geht weiter. Landwirte, und lernt, wie ihr Garten - und Gemüsebau zu treiben, wie ihr Fischteiche anzulegen und zu halten, wie ihr Geflügel zu züchten habt und wie eure Waren auszusehen haben wenn ihr sie lich das große Wort. Das Reichskuratorium für Technik in der Landwirtschaft — frei von jeder Firmenwerbung — führt in einer Abteilung vor, was man zu wissen hat. wenn man landwirtschaftliche Maschinen lausen will und wie man sie. wenn man sie gekauft hat. möglichst lange am Leben erhalt. Der Stahl, erfahrt man. bringt auch hier immer weiter vor Wußten Sie. daß es Asphalt-Kühe gibt? Sie haben nie eine Wiese gesehen, biete traurigen Tiere, aber sie ernähren sich aus einem hier ausgestellten sechzehn Meter hohen Silo, in dem das Rohsutter sozusagen emge- mischen Landwirtschaft zugute I Was kann also geschehen, den Anteil der Landwirtschaft an dieser Summe zu steigern? Schaubilder. Statistiken und Photomontagen zeigen den einen Weg unter der ileberfdjrift: ..Jedes Volk schützt seine Arbeit". Amerika durch die größte Insormations- und Propaganda-Organi- fation der Welt, Italien kämpft unter der Parole: was muß man kaufen, um Qualitätssteigerung zu erreichen? In Indien hat Gandhi ein Volk von dreihundert Millionen mitgerissen zu sehen." , , . Herr Kommerzienrat Ramspeck gibt seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß der neue Präsident die Kammer so führen werde, wie diese es erwartet. und spricht den Mitgliedern im Ramcn des Vorstandes den Dank für das durch die Wahl bewiesene Vertrauen aus. Oer Voranschlag für 1931. Der Voranschlag für das Rechnungsjahr 1931 der — den Erfordernissen der Zeit entsprechend - Abstriche an den einzelnen Positionen vorsieht, wird genehmigt. Rückblick auf das Wii-tschastSjahrryZV. Der Syndikus Dr. Zeidler erstattet einen Gericht über das Wirtschastsiahr 1 930 aus dem folgendes hervorzuheben ist: „Die deutsche Volkswirtschaft ist im Jahre 1930 einen Leidensweg gegangen, an dessen Seiten, gewissermaßen als Marksteine, die Zahlen der amtlichen und privaten Wirtschaftsstatistik stehen, die erschütterndes Zeugnis von dem Aieberbruch und teilweisen Versal! der deutschen Wirtschait ablegen. Zu den Erscheinungen, welche von außen her schicksalsmäßig auf die Gestaltung des Wirtschaftslebens entscheidenden Einfluß ausubten. sind die Tributzahlungen, die Kapitalknechtschaft des deutschen Unternehmertums gegenüber dem Ausland, die Schutzzollpolitik der Gläubigerstaaten und nicht zuletzt die Krise der Weltwirtschasr zu nennen. Zu diesen Erscheinungen treten hinzu noch schwere innere Lasten und Hemmnisse, welche eine einseitige Macht- und Parteipolitik der deutschen Wirtschaft auferlegt. Da ist es zunächst unsere verhängnisvolle Finanz- und Steuerpolitik. die jahrelang auf Kosten der Wirtschaft das verhindert, daß die Zugvögel an den Leucht* türmen zerschellen. _ , _ Iagdausstellung seltene Trophäen: ein Alpensteinbock ein Gorilla aus Französisch- Kongo, der stärkste deutsche Hirsch aus freier Wildbahn, Galerie von Gehörnen. Roch langst nicht alles. Es gibt eine Kunstausstellung, auf der zahlreiche Maler Motive aus Jagd. Sport, Landschaft und Landwirtschaft zeigen. C» gibt eine Milchschänke. in der man Roggenbrot essen kann und neben dem S a u p t - reftaurant. das mit grünen Girlanden behängt und. in heiteren Farben Gäste erwartet, die K o ch st u b c „Huhn und E i". denn wir sind aus einer landwirtschaftlichen Schau und sollen lernen, auch beim Ellen lernen, daß die Erzeugnisse der Geflügelzucht gut und schmackhaft sind... wcfen in der Zeit der Trennung. Die hatte ihnen niemand verwehren können. Wördehofs nickte vor sich hin. Ja - er wollte selbst fahren. Heute aber -- heute wollte er, zum erstenmal seit langer Zeit, leichten Herzens durch die laue Abendlust des Waldes wandern, seinem Frohsinn hingegeben. So ging er denn ins Freie. Wanderte durch die klare Dunkelheit des Grünewalds dahin, in dem schon leise die neuen Säfte quollen, und fühlte sich hineinversunken in diese leise, feine Melodie, die der laue Wind und das Säftesteigen in den Bäumen um ihn herum spielte. Da ergriff ihn mit ememmal Sehnsucht nach schöner Musik. Rach dem hinreißenden. gepflegten Klang eines Orchesters ober nach ber Stimme einer Sängerin. Er erinnerte sich, daß heute in der Philharmonie ein Konzert gegeben würbe, an bcH. Rollsliaai von 1929 (rfidiohib 102%) . - - • • 89 — 89 — Cberbcilen Provtn, • Anleihe ml eiufioi.-illcdittn ■ • 48,25 — — — Leustche ftumm. Gemmelahl Anleihe Sette 1 ■ • ■ 48,25 — 48,5 — 8% ntanll. fop.-Sont Goldpse XIII unlünobar d'- 1984 100,25 — — — 7% Jlrantl Vov.-Aank Goldvie unlunobat bi* 1933 92,5 — 4K% Rdcinliche Hvv.-Bank Blau. tioiople...... 87,65 — — — 8% Br. LandrtviEbttetanSalt, $lanbbnefr tH iS 100,25 — — — s% Pr Landeur an.brtelanstalt. ft cnim.-übl. 31. 20..... 97 — 96,5 — 7% Ri Lande., a ivdrietanstaU, Vfonebricfe R 21 ..... 97 97 — fl.C.® abg. S8orateg»-Übllgetto- nen. rückzahlbar 1932 95,5 — — — 4% Oesterreichllche Soldrente . . 25 _ 25 4,20% Lcsterreichstche Silberrente — —— 2,3 — 4% Oesterreich!! che Einheitliche Rente — —— 1,4 — 4% Ungar«die Oolbrcnte • - 4% Unganiche Staaterrnte v. 1910 20,25 — 20,4 20.1 16,25 — 16,65 — 4H% be