Rr. 204 6rff« Blatt 18L Jahrgang Mittwoch, 2. September 1931 Erich «int täglich, außer Sonntags nnb Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Schalle. monats-Bejugspreii: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger- lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüsse MnterSammeInummer22Sl. Anschrift für Drahtnach- richtens Änjetger •iefjen. po#fd?edfonto: jironffurt am main 11686. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnick und Verlag: vrühl'lche Univerfilülr-Vuch. und Zteindruckerei rr. Lang» in Stehen. Schrtftleitung und Seschäflrftelle: ZchulNrahe 7. Annahme von Sazelaen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8. auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite u5 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20', mehr. Ehefredakteur Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Derantwottlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.IHyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. 3n Erwartung des Haager Spruchs. Dor einer deutsch-österreichischen Erklärung im Europaausschuß. — Zurückstellung des Zollunionsplans zu Gunsten einer umfaffenderen Zollangleichung. Vor Samstag leine Entscheidung Haag, 1. Sept. (CAD.) Wie zuverlässig verlautet. haben die letzten entscheidenden Schluß- Verhandlungen de- Ständigen Internationalen Gerichtshöfe- in der Angelegenheit der deutschösterreichischen Zollunion entgegen der ursprünglichen Erwartung gestern noch nicht stattfinden können. Der Gerichtshof tagte auch heute noch den ganzen Tag über. BIS zur Stunde steht noch nicht sest, aus welchen Tag die össentliche Sitzung anberaumt werden kann, in der zur Bekanntgabe der gutachtlichen Entscheidung geschritten wird. Da eine solche Anberaumung mehrere Tage vor dem festgesetzten Zeitpunkt zu geschehen Pflegt, rechnet man jetzt in unterrichteten Kreisen damit, daß da- Gutachten kaum noch vor dem kommenden Sam-tag verkündet werden kann. Die Behandlung in Genf. Kein prinzipieller Verzicht auf den Unionegedanken. Genf. 1. Sept. (IDIB.) Das Gutachten des Haager Gerichtshofes in der Frage des deutschösterreichischen Zollunionsplanes wird, wie heute abend von unterrichteter Seite mitgeteilt wurde, am Samstagootmlllag hier in Genf eintreffen. Rach den bisherigen Dispositionen wird sich der D ö l• kerbundsrat am Samstagnachmittag versammeln. um das Gutachten entgegenzunehmen. (Es bestätigt sich, daß auf österreichischer und deutscher Seite beabsichtigt ist. zu der Frage gewisse Erklärungen abzugeben. 2Han spricht von der Hlög- llchkeit, daß diese Erklärungen iw Luropaaus- f ch u h abgegeben werden, an der Stelle also, wo die Frage der Zollunion ihrer wirlschafttichen Bedeutung entsprechend auch im Mai eingehend behandelt worden ist. Der Wortlaut der Erklärungen steht noch nicht fest. Ls ist jedoch im großen bereits eine Uebereinftimmung erzielt worden, obwohl die Verhandlungen auch am Mittwoch noch fortgesetzt werden. Die beiden Abordnungen stehen In Fühlung mit ihren Regierungen in Berlin und Wien, und die Erklärungen der Außenminister werden Infolgedessen in voller Uebercin- ftimmung mit diesen erfolgen. Es ist in Aussicht genommen, daß schon in der am 3. September stattslndenden Tagung des Luropaausschus- ses von (Eurtius und von Schober eine Erklärung abgegeben wird, so daß damit bereits vor der offijielen Verhandlung im Rat die Stellungnahme der beiden Regierungen bekannt sein wird. 3n den sorgfältig vorbereiteten Erklärungen wird jeder Hinweis vermieden werden, der als ein grundsätzlicher Verzicht auf den Gedanken einer Zollunion zwischen Deutschland und Oesterreich ausgefegt werden könnte. Dagegen kann erwartet werden, daß in den Erklärungen übereinstimmend zum Ausdruck kommen wird, daß im Hinblick auf die feit der Maitagung eingelrete- nen Veränderungen in der gesamteuropäischen tage und die jetzt im Rahmen des (Europaaus- schusses eingelöteten Bemühungen zu einem allgemeinen Wirtschaftsplan und einer allgemeinen europäischen Zollangleichung zu gelangen, der vorliegende plan einer Zollunion diesen versuchen untergeordnet und eingegliedert werden soll. * Die Zollunion bedeutete nach langer Zeit den ersten Versuch einer aktiven deutschen Außenpolitik, der Versuch aber ist heute schon aus finanziellen Gründen c r ft i d t, denn wenn wir auch noch eine begrenzte Bewegungsfreiheit haben, die Oesterreicher haben sie nicht mehr, sie brauchen Geld, und bekommen das Geld von Frankreich nur, wenn sie die Zollunion preisgeben. Man wird also die Verhandlungen zwischen Schober und Curtius in Gens wohl richtig dahin deuten, daß der Versuch gemacht werden soll, eine Formel zu finden, die unter Verzicht auf die Aktualität der Zollunion w e - nigstens das Prinzip rettet und die Möglichkeit schafft, die sonst unvermeidliche Niederlage nach außen hin zu verbergen. Das wäre denkbar auf der Grundlage, daß Deutschland und Oesterreich noch einmal ihre Lieberzeugung von der Notwendigkeit und Richtigkeit der Zollunion zu Protokoll geben und die Erwartung aussprechen, daß innerhalb der Europa-Konferenz dieser Gedanke zur Beseitigung der europäischen Wirt- schaftsnöte weiter verfolgt würde. Eine Geste, die, wie die Dinge liegen, nicht viel bedeutet, die uns auch nicht darüber hinweg täuschen könnte, daß wir ein diplomatisches Gefecht verloren haben. Die Meinung in Paris. In Erwartung des Haager Gutachtens bemerkt der „Matin": Die Frage ist äußerst kompliziert. Die Haager Richter scheinen sich über ihre Stellung. nähme noch nicht genügend klar zu fein. Es handelt sich in der Tat nicht nur darum, einen Urteilsfprud) zu fällen, sondern ein internationales Rechtsgut. achten abzugeben, das sich f o w o h I aus das politische wie auf das wirtschaftliche Gebiet erstreckt, höchst seltsame Ansichten über die Pflichten eines Richters am Internationalen Gerichtshof äußert der Auhenpolitiker des „Journal". Seine Ausführungen lasten wieder einmal erkennen, daß man in Frankreich, wenigstens in der maßgebenden Presse, die Frage der deutsch-österreichi. chen Zollunion immer nur von rein Politiken Gesichtspunkten und nicht von wirt- chaftlichen behandelt. „Journal" erklärt, die Vertagung des Urteils der Haager Richter hätte allen möglichen Gerüchten Raum gegeben, die nicht gerade die Autorität des Internationalen Gerichtshofes erhöhten. habe man nicht gerüchtweise hören können, daß die deutsche These von dem Vertreter einer Ration angenommen worden ist, die das Opfer mangelnder Gewiffenhaftig- feit Deutschlands war, und daß die gleiche Haltung von dem Vertreter einer anderen Ration eingenommen wurde, die d i e Klage mitvertreten (Italien oder Tschechoslowakei) und deren Rechtsbeistand sich vielleicht noch kategorischer als derjenige Frankreichs gegen den deutsch-österreichischen Plan gewandt habe? Die Tagung des Mkelbundsrais wird eröffnet. Oer (Spanier Lerroux führt den Vorsitz. — Kein Interesse für die Tagesordnung. Nach einer Zehn-Minuten-Sitzung Vertagung bis Freitag. Genf, l.Sept. (TU) Die 64. ordentliche Tagung des Dölkerbundsrates ist am Dienstagoormittag unter Vorsitz des spanischen Außenministers Lerroux in der Glasveranda des Dolkerbundssekreta- riats eröffnet worden. In einer kurzen Geheimsitzung wurden die Tagesordnung der gegenwärtigen Tagung und eine Reihe bedeutungsloser Haushaltsund Verwaltungsfragen erledigt. Von Außenministern nehmen an der Tagung teil Dr. Curtius (Deutschland), Grand! (Italien), Z a 1 e s k i (Polen), Marinkowitsch (Südslawien) und M c. Gill an (Irland). Die englische Regierung war durch Lord Robert Cecil, die französische durch M a (f i 0 l i vertreten. Die an die Geheimsitzung anschließende öffentliche Sitzung dauerte kaum 10 Minuten. Im (Eiltempo nahm der Rat Berichte über Fragen von geringerer Bedeutung entgegen. Dr. Curtius erstattete sodann Bericht über die bisherigen Arbeiten des ständigen Wirtschaftsausschusses des Völkerbundes. Der Rat vertagte s i ch sodann auf Freitag vormittag. Der ungewöhnlich kurze Verlauf ber heutigen Ratstagung zeigt, daß man gegenwärtig das Schwergewicht der Verhandlungen ausschließlich in die Einzelausschuste der Europakommission verlegt hat und bis Ende der Woche, wo dann der Zoll- unionsplan zur Verhandlung gelangen soll, die Arbeiten des Rates völlig in den Hintergrund treten werden. Die Beteiligung des Publikums und der Presse heute vormittag war außerordentlich schwach. Als Grund für die Vertagung wird angegeben, daß der morgige lag voraussichtlich vollständig mit den Beratungen des Koordinationskomitees ausgefüllt fein werde und daß am Donnerstag der (Europa- ausfchuß zu feiner 4. Tagung jufammentrete. Europas Kampf gegen die Wirischastskrisis. Ncuc Wege der Zollpolitik. Genf, l.Sept. (TNB.) Der am Donnerstag zusammentretenden 4. Tagung des Europa- a u s s ch u s s e s fällt die Aufgabe zu, praktische Vorschläge und Maßnahmen für eine Behebung der europäischen Wirtfchafts- n ö t e zu machen. Die Fragen, die hier zur Behandlung kommen, sind heute im sog. Koordinationskomitee teilweise angeschnitten worden. Was die besondere Lage der südosteuro- päischenAgrarstaaten angcht, mit der sich der Völkerbund und der Suropaausschuh schon seit einiger Zeit beschäftigten, so hat die heutige Aussprache mit aller Deutlichkeit gezeigt, daß der Gedanke des Präferenzsystems (Vorzugszölle) sich durchzusetzen beginnt. Es ist besonders interessant, daß Frankreich heute seine frühere Ab. neigung gegen diesen Gedanken vollkommen aufgegeben hat und nun selbst mit einigen südosteuro. päischen Staaten auf der Grundlage von Präferenzen verhandelt. Der Gedanke der Präferenzen im Sinne der Wünsche der Donaustaaten ist jedoch bis jetzt praktisch verwirklicht worden nur von Deutschland in den Im Sommer abgeschlossenen Handelsverträgen mitRumänien und Ungarn. Die jetzige Tagung soll nun dazu benutzt werden, um die notwendige Zustimmung der meist- b e g ü n st i g t e n S t a a t e n zu erlangen. ES ocr- dient festgeyalten zu werden, daß, abgesehen von Rußland, das grundsätzlich die Präferenzen a b l e h n t, von keine r Seite formell Einspruch erhoben wurde. An der formellen Zustimmung der meistbegünstigten Staaten wird daher nicht gezweifelt. Die AuSsvrache im Koordinationskomitee hat aber auch ergeben, daß eine Ausdehnung des Präferenzsystems auf andere Produkte als Ge- trcideartcn nicht möglich ist. Das Koordinationskomitee beschäftigte sich auch mit dem Bericht der wirtschaftlichen Sachverstän- tilgen über die Neuorganisation ber europäischen Wirtschaft. Der Bericht spricht in seinem handelspolitischen Teil über die Notwendigkeit eines Abbaues des zollpolitischen Durcheinanders in Europa, wobei als Endziel der wirtschaftlichen Annäherung die eure- Päische Zollunion hingestellt wird. Gegen diese These wandte sich der Vertreter der Schweiz Stucki mit dem Vorvehalt, er glaube nicht an die europäische Zollunion. Der deutsche Delegierte, Ministerialdirektor Dr. Posse betonte dagegen, daß auch die deutsche Regierung in ber Herstellung eines einzigen europäischen Marktes bas wirksamste Mittel zur Uebcrroinbung ber Schwierigkeiten sehe. Aber bie europäische Zollunion fei ein fernes Ziel, bem man sich allmählich burch eine wirtschaftliche Annäherung ber einzelnen Staaten innerhalb Europas nähern müsse. Dr. Posse sprach seine volle Anerkennung gegenüber bem Bericht ber Sachverständigen aus und erklärte, daß die deutsche Regierung diesem Bericht voll und ganz zustimme. Es verdient festgehalten zu werden, daß indem Bericht die Frage der Zollunion als ein Mittel für eine wirtschaftliche Annäherung zweimal besonders erwähnt wird, und es muß begrüßt werden, daß auf Vorschlag des deutschen Vertreters, der die Unterstützung des englischen und hol- ländischen Delegierten fand, dieser Bericht den Re- gierungen überwiesen wird. Auf diese Weise besteht die Möglichkeit, auf die Frage ber Zollunion bei geeigneter Gelegenheit immer roieber zurückzukommen, wehr bemerkenswert ist es, baß bie ftartellibee, bie in ben französischen Plänen einer europäischen Wirtschaftsorganisation im Mai eine hervorragenbe Rolle spielte, in bem Bericht vollkommen in den Hintergrund getreten ist. Dasselbe gilt von den französischen Wünschen für eine internationale Kreditpolitik. Ungewiß ist im Augenblick noch bas Schicksal bes Francqui-Planes, der auf die Grün- düng einer internationalen I n d u st r i e. und ha ndelsbank für langfristige Kredite abzielte. „Internationale Polizei"- der Vorschlag Panl-Bonconrs. Der französische Sozialist Paul-Doncour, der sich der Oesfentlichkeit bisher immer nur als Aufrüstungsspezialist vorgestellt hat, meldet sich wieder einmal zum Wort. Er hat jetzt einen Vorschlag von Stapel gelassen, wonach die Nationen ihre Streitkräfte dem Dölker- bundsrat zur Verfügung stellen follen, damit dieser sie gegen den .festgestellten" Angreifer verwenden könne. Paul-Boncour will also aus allen Armeen eine große internationale Polizei madjen, an deren Spitze der Völkerbund steht. Derartige Pläne sind nicht mehr neu. Eie haben wiederholt in den Ab- rüstungsdebatten eine Rolle gespielt. Nur hat sich jedesmal von neuem herausgesteUt, daß kein Staat Neigung verspürt, seine Armee unter den Oberbefehl des Rates zu ftellcn. Besonders die Franzosen haben es immer wieder abgelehnt, ihre gewaltige Rüstung in den Dienst des Völkerbundes zu stellen. Paul-Boncour hofft offenbar. durch seine Anregungen da- ganze Abrüstungs- Problem auf ein neues Gleis schieben zu können. Die Erfahrungen der Vergangenheit sprechen aber nicht für ein Gelingen seines Planes. Auch wenn Frankreich grundsätzlich bereit wäre, Paul-Don- cours Ratschlägen Folge zu leisten, so würde es doch innerhalb der Völkerbundsarmee den maßgebende^ Einfluß für sich in Anspruch nehmen und auch dafür forgen, daß dank seiner bevorzugten Stellung in Gens die Heere und Flotten aller anderen Staaten indirekt unter seine Kontrolle kommen. Aber gerade das ist es, was wieder die übrigen Nationen, auch die besten Freunde Frankreichs, nicht wollen. Paul-Bon- cour wird also, wenn er sich um die Abrüstung wirkliche Verdienste erwerben toiH, schon brauchbare Vorschläge über eine tatsächliche Abrüstung in die Welt setzen müssen. Aber dafür war er eben bisher nicht zu haben. Keine frühere Einberufung des preußischen Landtags. Tie Teutfchnationalcn rufen den Ltaats- gcrichtshof an. Berlin, 1. Sept. (VDZ) Der Aeltestenrat des Preußischen Landtags entschied die Frage« ob der Landtag, der sich bis zum 13. Oktober vertagt hatte, auf Grund des deutschnationalen Antrages zur Beratung der Vorschläge deS preußischen Finanzministers hinsichtlich der Reichsreform und des von den Kommunisten eingebrachten Mihtrauensantrages gegen das preußische Staatsministerium früher zusammentreten solle. Der Antrag auf eine frühere Einberufung des ßanbtagg wurde mit den 12 Stimmen der Regierungsparteien gegen 9 Stimmen abgelehnt. Es wurde der Auffassung Ausdruck gegeben, daß die Bestimmungen des Art. 17 der Verfassung sich lediglich auf den Fall Französische Rüstungskontrolle unter Genfer Flagge. Verewigung der Rüstungdungleichheit. Die „G e r m a n i a" schreibt zu ben Acußcrun- gen Paul-Boncours: lieber eine Verstärkung ber Befugnisse bes Völkerbundes auf den Basis Dollfter, wirklicher Gleichberechtigung mürbe Deutschlanb gewiß mit sich reben lassen. Es muß aber beachtet werben, daß Paul- Boncour mit keinem Wort von einer Parität dieser Volkerbuntisarmeen unb einer entsprechenben fron- zösischen Abrüstung spricht. Die Erweiterung ber Genfer Machtbefugnisse soll also offensichtlich a u f be m Boden der heutigen unhaltbaren Rüstungsgleichhelt erfolgen, und bl« französische Armee würbe unter ber Genfer Flagge offiziell jene polizeilichen Befugnisie in (Europa ausüben, bie es heute in Widerspruch zu den geschloßenen Verträgen beansprucht. Durch eine Verwirklichung dieser Pläne würde die europäisch« f)egemoniefteUung Frankreichs, die bereits heute überragend ist, absolut und unkorrigier-. bar werden, und Deutschland würde für alle Zukunft darauf verzichten, die ihm gebührende und zugestandene politische Gleichberechtigung wiederzuerlangen. Die Hegemonie des Völkerbunds. Paul-Boncour an feine Kritiker. Paul-Boncvur äußert sich auch Im „Journal* unb betont, daß §8 des Dölkerbundsstatuts neben den Erfordernissen der nationalen Sicherheit auch bie internationalen Verpflichtungen ber Staaten vorsehe. Die Einschränkung unb bie Herabsetzung ber Rüstungen sei mit bem Gebankcn einer internationalen Streitmacht oerbunben, bie ben schiedsgerichtlichen Entscheidungen Respekt verschaffen könnte. Diele (Ein- schränkung unb Herabsetzung hinge also ad von ben Fortschritten, bie bie Schiedsgerichts- und Sanktionsfrage mache. Das sei für bie Abrüstungskonferenz ein Beurteilungsmaßstab unb gleichzeitig ein Akttonsselb. Seeckt erkläre, ber Krieg habe bahin geführt, baß die gefürchtete Hegemonie Deutschlanbs burch bie tatsächliche Suprematie Frankreichs ersetzt worben sei. Hierüber wäre viel zu sagen. Aber darum handele es sich hier nicht, sondern vielmehr um die Sicherung ber Hegemonie bes Völkerbunbes. Seien bie anberen Nationen hierzu so wie Frankreich bereit? Seien sie geneigt, ihre ständigen Luft-, See- und Lantistreitkräfte unter die Kontrolle und zur Verfügung des Völkerbundes zu stellen? Vielleicht würde bann jede Parität gewährleistet fein. Herbe Kritik am Völkerbund. TaS Journal de Gcnöve fordert eine neue konstruktive Politik. Genf, 1. Sept. (TU.) Der Völkerbund wird am Dienstag zum ersten Male von ticm bekannten Außenpolttiker des .Journal de Ge- n ö v e", William Martin, ungewöhnlich scharf angegriffen. Das Blatt ironisiert die bisherigen Methoden der Einsetzung unzähliger Ober-, Unter- und Mittelausschüsse. Die Verweisung wichtiger Fragen an einen plötzlich gebildeten Unterausschuß sei zu einer Methode nicht nur der Vertagung, sondern schon der Beerdigung geworden. Die Behandlung des AbrüstungSpro- blems durch die Einsetzung immer wieder neuer Einzelausschüsse sei hinlänglich bekannt. Die Berichte der zahllosen Einzelausschüsse des Europa- ausschusfeS seien zwar reich an interessanten Gedanken, jedoch arm an praktischen Vorschlägen. WaS sich in der letzten Zeit an Hilfsmaßnahmen in Europa vollzogen habe, sei ohne und außerhalb dieser Ausschüsse erfolgt. Die Arbeitslosigkeit sei trotz des Arbeitslosenausschusses des Curopaausschusses weiter gewachsen. ES sei schwer, hierüber keine Satire zu schreiben. Die Frage ergebe sich, wer denn eigentlich diese Methoden erfunden habe, wer die Schaffung dieser zahllosen Ausschüsse beschlossen und wer das Völkerbundsschisf mit diesem Ballast, der das Schiff zum Sinken zu bringen drohe, belastet habe. Der Völkerbund sei mehr das Opfer als der eigentliche Verantwortliche dieser Lage. DaS Unglück fei, daß heute die verantwortlichen Staatsmänner in Genf nicht den Mut und nicht die Autorität hätten, eine neue konstruktive Politik zu treiben. beziehen, bah der Landtag geschlossen worden ist, während im vorliegenden Falle nur eine Vertagung erfolgt ist, die der Landtag mit Mehrheit beschlossen hat. Hinsichtlich des kommunistischen Mihtrauensantrages wurde von den Regierungsparteien der Standpunkt vertreten, daß es allerdings zutreffe, dah über einen solchen Antrag innerhalb von 14 Tagen nach seiner Einbringung abgestimmt werden müsse. Als „eingebracht" könne ein Antrag jedoch erst gelten, wenn ihn der Präsident dem versammelten Landtag vorgelegt habe. Daher laufe die 14tägige Frist erst vom Tage des Wiederzusammentritts, also vom 13. Oktober, an. Von den Regierungsparteien wurde erklärt, dah bei e'.ner anderen Auslegung eine kleine Minderheit die Möglichkeit haben würde, den Landtag jede Woche $um Zusammentritt zu zwingen; das könne nicht Srnn der Verfassung sein. Die deutschnationale Landtagsfraktion wird den Staatsgerichtshof anrufen, damit dieser über die Verpflichtung des Landtagspräsidenten auf Einberufung des Landtags sein Votum abgebe, wenn ein Mihtrauensantrag gegen das Staatsministerium oder einen Minister vorliegt, oder wenn die Zusammenberufung des Landtags von einem Fünftel der Zahl der Mitglieder gefordert wird. Es wird der Standpunkt vertreten, dah ein Antrag als „eingebracht" anzusehen ist, sobald er von dem amtierenden Präsidenten unbeanstandet entgegengenommen ist. Nie Sozialdemokraten bei Brüning. Fortsetzung der Besprechungen Ende der Woche. Berlin, 1. Sept. (VDZ.) Am Dienstagabend empfing Reichskanzler Dr. Brüning die Abg. Dr. H i l f e r d i n g und Dr. Hertz als Vertreter der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion zu einer Besprechung über das Winterprogramm der Reichs- regierung. Da jedoch die Regierung selbst über die Einzelheiten dieses Programms noch keine Entscheidungen gefällt hat, so konnte auch die heutige Besprechung noch zu keinem Ergebnis führen, zumal die von den Sozialdemokraten verlangten Abänderungen der Juni-Notverordnung in die neuen Pläne der Regierung hineingearbeitet werden sollen. Ende dieser Woche oder Anfang nächster Woche werden die Verhandlungen zwischen der Regierung und den Sozialdemokraten fortgesetzt. Daher ist nicht damit zu rechnen, daß schon am Freitag im Aeltestenrat eine Entscheidung über die vorzeitige Einb erufung des Reichstags fallen wird, da die Sozialdemokraten ihre Stellungnahme zur Parlamentseinberufung von der Erfüllung ihrer Wünsche abhängig machen dürften. Eine Entscheidung ist jedoch spätestens vor der für den nächsten Dienstag angesetzten Fraktionssitzung der Sozialdemokraten im Reichstag zu erwarten. Die Nationalsozialisten In Braunschweig. Braunschweig, 1. Sept. (ERB.) Die Frage der Regierungsbildung in Braunschweig ist durch einen Beschluß der Rationalsozialisten, sich wieder an der Regierung zu beteiligen, in ein neues Stadium getreten. Die national-, sozialistische Landtagsfraktion ist von der Erklärung ihres Führers Groh, dah sich die Situation seit dem Rücktritt des Ministers Dr. Frantzen nicht geändert habe und nach wie vor die Gründe, . die Frantzen zu seinem Schritt bestimmt hätten, für die Rationalsozialisten in Braunschweig be- , stünden, abgerückt. Die Fraktion stellt sich in einer Erklärung geschlossen hinter den Beschluß ; der Partei und hat mit der Fraktionsführung den Landtagsabgeordneten Bertram beauftragt. Im Zusammenhang damit hat der Abgeordnete Groh, der bisherige Führer der nationalsozialistischen Landtagsfraktion, in einer Erklärung seinen Austritt aus der Rationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei mitgeteilt. Ebenso hat Minister Dr. Frantzen seinen Austritt erklärt. Aus aller Welt. „Graf Zeppelin" in Pernambuco gelandet. Wie die Hamburg-Amerika-Linie mitteilt, ist das Luftschiff „Graf Zeppelin" am Dienstag um 21.10 MEZ. in Recife (Pernambuco) glatt gelandet. „Graf Zeppelin" überflog die Stadt unter dem Pfeifengeheul der Schiffe und Fabriken. Große Menschenmengen in den Straßen und auf den Brücken jubelten dem Luftschiff zu, das erleuchtet und niedrig fliegend südwärts nach dem acht Meilen entfernten Flugfelde weiterflog. Tagung des „Weltbundes für internationale Freundschaftsarbeil^ Tie Tagung des „Weltbundes für internationale Freundschaftsarbeit", dem 400 evangelische, anglikanische und orthodoxe Kirchenführer aus 33 Ländern angehören, ist in Cambridge eröffnet worden. Rach den Begrüßungsansprachen kam ein SchreibenMacdonalds zur Verlesung, der auf die Bedeutung der nächsten Monate für die kommende Abrüstungskonferenz hinwies. Die Bestrebungen zur Förderung internationaler Freund- schastsarbeit der Völker könnten keine solide Grundlage bilden, solange die Waffen noch geschärft und die Armeen für einen neuen Krieg vorbereitet würden. Weitere Begrüßungsschreiben waren vom Erzbischof von Canterbury sowie von anderen englischen Kirchenführern eingelaufen. Anschließend traten die Ausschüsse zusammen. Den wichtigsten Ausschuß, der zur Behandlung der Abrüstungsfrage vom sittlichen und religiösen Standpunkt aus eingesetzt ist. gehören von deutscher Seite Reichsgerichtspräsident a.D. Dr. S i m o n s (Berlin), Prälat S ch ü l l und der Berliner Professor G. Sigmund Schultze an. General von Walter wird 70 Jahre all. Am 2. September begeht Generalleutnant Oskar Freiherr von Matter seinen 70. Geburtstag. Matter entstammt einer alten württembergischen Soldatenfamilie, wurde 1879 Offizier im Württembergischen Feldartillerieregiment Nr. 13 in Ulm. Seine weitere Laufbahn bis zum General hat Frhr. von Matter stets bei der Feldartillerie durchlaufen. Als Artilleriekommandeur der 10. Jnfanterie-Divi- fion rückte er mit dem 5. Armeekorps in den Weltkrieg. Im März 1915 wurde er Kommandeur der 54. Jnf.-Div., mit der er an der Winterschlacht in der,Champagne 1915, an der Offensive über Narew und Njemen, an der Flandernschlacht von 1917 und an der Schlacht bei Cambrai teilnahm. Später nahm er an der Offensive bei Amiens und an der Der Haushaltsausgleich hei den kleinen und mittleren Gemeinden. .Oer Reichsstädtebund zu den Richtlinien des Reichsfinanzministers. Der Gesamtvorstand des Reichsstädtebundes hat nach eingehender Beratung zu den Richtlinien des Reichsfinanzministers über Haushaltsausgleich Stellung genommen. Die mittleren und kleinen Städte sind zu weiteren Einsparungen und zu einem Abbau der Aufgaben bereit. Jedoch ergeben sich bei ihnen nicht die gleichen Sparmöglich keit en wie bei den großen Städten. Für die notwendigen Ersparnisse im Schulwesen müssen erst die gesetzlichen Grundlagen geschaffen werden. Hoch-, Tief- und Straßenbau, sowie die Strahenunterhaltung ist infolge mangelnder Mittel noch mehr als bisher einzuschränken, wenn auch der Fortfall von Arbeitsmöglichkeiten zu bedauern ist. Reich und Länder dürfen unter keinen älmständen — wie früher — einzelne Gemeinden zu Beiträgen von Baugrund- oder Baukosten für staatliche Bauausführungen Herangehen. Eine Anpassung der Wohlfahrtsunterstützungen an den örtlich bedingten Lebensbedarf ist bereits weit- gehend durchgeführt. Die Wirtschaftsbetätigung muß sich grundsätzlich auf Versorgungsbetriebe beschränken unter wirtschaftlichster Gestaltung derselben. Auf dem Gebiete des Verwaltungsaufwandes wurden folgende Richtlinien ausgestellt: Einhaltung der Gleichstellung der Kommunalbeamtenbesoldung mit der Besoldung gleichartiger Staats- und Reichsbeamten, bei Freiwerden von «teilen sorgfältige Prüfung, ob Wiederbesetzung notwendig ist, stärkere Heranziehung sachverständiger Kräfte zur praktischen Mitarbeit im Ehrenamt, Einstellung aller Repräsentationsausgaben, Einschränkung des Besuches von Tagungen und Kon- greffen. Zu den dringlichen Selbsthilfemaßnahmen gehört auch volle Ausnutzung der vorhandenen Steuermöglichkeiten. Ferner muß eine schnelle und rationelle Veranlagung und Erhebung der Steuern sichergestellt werden. Diese kann bei den Realsteuern nur durch die Gemeinden (nicht durch die Finanzämter) erfolgen. Die den mittleren und kleinen Städten verbliebenen Spar- und Steuermöglichkeiten stehen aber in keinem Verhältnis zu der ungeheuren Steigerung der Wohlfahrtserwerbslosenausgaben. Ferner fehlen bei den kleinen Städten häufig Einnahmen aus Wirtschaftsbetrieben, und die zahlreichen Gemeindeforsten, die früher einen nicht unerheblichen Teil der Ausgaben kleiner Städte deckten, sind zum großen Teil Zuschußbetriebe geworden. Die mittleren und kleinen Städte fordern daher Befreiung der Gemeinden von dein Anteil der Krisenunter st ühung, organisatorische Zusammenfassung von Krisen- und Wohlfahrtserwerbslosenfürsorge und finanzielle Beteiligung des Reiches an denWohlfahrtsrrwerbslosenlasten. Ebenso notwendig ist eine Konsolidierung der kurzfristigen Gemeindekredite. Als Uebergangsmahnahmen sind erforderlich: Aufhebung der Kreditsperre der Sparkassen gegenüber den Gemeinden und schleunige äleberweisung ausreichender Reichszuschüsse. Schlacht bei Noyon teil, 1919 übernahm v. Matter als Kommandierender General des 7. Armeekorps, das Oberkommando an Rhein und Ruhr, eine Stellung, die besonders wichtig wurde, als im März 1920 die Niederkämpfung des im Anschluß an den Kapp°Putsch ausgebrochenen Roten Aufruhrs im Rubrrevier notwendig wurde. Nach der erfolgreichen Erledigung dieser Aufgabe schied Frhr. von Matter 1920 aus dem aktiven Dienst aus. Soen hedins Expedition von Räubern überfallen und ausgeplünderk. Aus Stockholm wird gemeldet, daß Dr. D e x e l, ein Mitglied der Zentralasien-Expedition Sven Hedins, ein Telegramm an Sven Hedin sandte, in dem er mitteilt, daß Räuber das Lager der Expedition überfallen und völlig ausgeplündert hätten. Selbst die wertvollen meteorologischen und astronomischen Meßinstrumente seien geraubt worden. Sven Hedin hat sich bereits an die chinesische Regierung um Hilfe gewandt. Anscheinend handelt es sich bei der Räuberbande um entlassene Soldaten. Regen und Schnee in den Alpen. Das Wetter in den Alpen hat sich wiederum verschlechtert. Während in d.en Riederungen der Regen anhält, ging über die höheren Berglagen, so namentlich über dem Berner Oberland, auch am Dienstag wieder Reu- s ch n e e nieder. 2m Gebiet der „Jungfrau" mißt die Reufchneedecke 50 Zentimeter, die Temperatur beträgt 2—3 Grad unter Rull. Auch der südliche Teil der Walliser Hochalpen weist Schnee auf. 3m Karton Bern ist das Gebiet des sogenannten „Großen Moses" durch den Regen so überschwemmt worden, daß ein großer Teil der Ernte, namentlich die Kartoffel- und Zuckerrübenernte, vernichtet ist. Das Große Los. Wie die Berliner Blätter melden, wurde am Dienstagnachmittag bei der Ziehung der Preußisch-Süddeutschen Klassen-Lotterie das Große Los, der 500 000-Mark-Gewinn, auf die Losnummer 281050 gezogen. In der ersten Abteilung wird das Los in Berlin, in der zweiten Abteilung in Freiburg gespielt. Eine blutige Hochzeit. In einem Dorfe des Bezirkes Czernowitz fand eine Hochzeitsfeier ein tragisches Ende. Die vielbegehrte Tochter eines reichen Großbauers, das schönste Mädchen der ganzen Gegend, heiratete trotz der Todesdrohungen verschiedener zurückgewiesener Bewerber einen jungen Burschen namens Bilinski. Als nach der kirchlichen Trauung fast das ganze Dorf zum Hochzeitsschmaus im Hofe der Brauteltern versammelt war und die Feier ihren Höhepunkt erreicht hatte, erschienen zwei der verschmähten Bewerber am Hoftor und eröffneten ein Schnellfeuer auf d i e Hochzeitsgäste. Das Brautpaar, die Brauteltern und einer der Trauzeugen brachen, von mehreren Kugeln getroffen, zusammen. Den beiden Mördern gelang es, das Dorf unangefochten zu verlassen, da niemand wagte, ihnen entgegenzutreten. Bei den Eltern der Braut und dem Trauzeugen konnte nur nock der inzwischen eingetretene Tod feft» gestellt werden. Das junge Ehepaar mußte, lebensgefährlich verletzt, ins Krankenhaus übergeführt werden. Pallenberg als Bankgläubiger. Der Schauspieler Max Pallenberg ist in Wien eingetroffen, um an der Gläubigerversammlung der Amstelbank teilzunehmen. Er und seine Frau, Fritzi Massary, haben bei der Bank Ersparnisse im Betrage von etwa 227 000 Dollar und gehören somit zu den Hauptgläubigern der Amsterdamer Dank. Pallenberg läßt sich mit den angebotenen 35 Prozent nicht abfinden und ist gesonnen, mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die Bank vorzugehen. So will er Ende Oktober in Wien einen Vortrag halten unter dem Titel: „Die Amstelbank, ihre Generaldirektoren und ich". Ferner werde er sich ein Theaterstück „Die Amstelbank" schreiben lassen und schwanke noch, ob er darin den Präsidenten oder seinen Generaldirektor spielen soll. Schwere Kesselexplosion in einem Schlachthaus. 3n dem Städtischen Schlachthaus in Appenzell ereignete sich durch die Entzündung von Kesselgasen im Feuerraum der Kesselanlage eine schwere Explosion. Das Gemäuer, in dem der große, etwa 30 Zentner schwere Dampfkessel eingebaut war, ging in die Brüche. Der Kessel flog dann durch den Dachstuhl, der zertrümmert wurde, hinaus und noch über den Bahnübergang etwa 200 Meter weiter, um dann in einem kleinen Flüßchen zu landen. Von dem im Schlachthaus arbeitenden Metzgerpersonal wurden drei Metzger schwer verletzt. Der eine ist ^bereits seinen Verletzungen erlegen. Der Sachschaden ist bedeutend. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 2. September 1931. Ruhm, Gold/ Arbeit. Man sagt, dah Gier nach Gold und Ruhm dem Manne Glück und Friede nimmt, und daß durch Sieg und Heldentum der Seele Funken jäh erglimmt. Den Glücklichen bekümmert nie des Lebens harter Waffengang; er lauscht des Herzens Melodie und freut sich an der Vögel Sang. Er sorgt sich nicht um den Parnaß, er fragt nach Knechten nicht und Herrn, er liegt oft stundenlang im Gras, und Duft und Blumen hat er gern. Und dennoch ich keinen treffen sollte, der nicht sein Geschick verbessern wollte. Man sagt, dah Reichtum nicht beglückt, und dah des Goldes schwere Last den Reichen Tag und Rächt bedrückt und ihn verstrickt in Gier und Hast. Er fürchtet, was ihn niemals traf, er wittert nachts die Diebsgefahr, das Gold raubt Frieden ihm und Schlaf und oft vor Sorgen auch sein Haar. Besitz ist, was allein er liebt, er zittert vor dem Kursbericht, und dah es Glück und Ruhe gibt, das weih der arme Reiche nicht. ■Unb dennoch sah ich noch keinen sich morden, weil er über Rächt Millionär geworden. • Man sagt, dah Arbeit Segen bringt, und dah sie alle Leiden heilt; dah jedem alles gut gelingt, der freudig hin zum Schaffen eilt. Wer mit der Sonne sich erhebt und redlich rackert und sich plagt, hat doppelt seinen Tag gelebt, wie man so schön in Büchern sagt. Und wenn sich dann der Abend senkt, mit Ruh und Frieden allgemach, freut sich der brave Mann und denkt der Pflicht des nächsten Morgens nach. Und dennoch seh ich keinen schnell springen, wenn die Glocken seines Betriebs erklingen. Puck. Oie Steuererleichterungen für die hessische Landwirtschaft. Wie bekannt, ist durch einen Erlaß des hessischen Finanzministers den Landwirten im Hauptberuf eine vorläufige Erleichterung in der Zahlung ihrer staatlichen Steuerschuld gewährt worden. In einem Erlaß an die Kreisämter und Provinzialdirektionen gibt jetzt der hessische Innenminister von der Verfügung des Ministers Der Finanzen Kenntnis mit dem Emp- fehlen, „umgehend zu veranlassen, daß die Kreis- und Provinzialausschüsse bezüglich der Kreis- und Provinzialumlagen 1931 und die Vertretungen der in Betracht kommenden Gemeinden Ihres Kreises bezüglich der Gemeindeumlagen 1931 alsbald den vorläufigen Anordnungen des Herrn Finanzministers entsprechende Beschlüsse fassen. Es ist selbstverständlich, daß — namentlich bei der eigenen Finanznot der Gemeinden — nur in solchen Gemeinden der Anregung zu entsprechen ist, in deren Gemarkung tatsächlich Ernteschäden in einem Ausmaß eingetreten sind, daß den Landwirten eine Zahlung der Steuern zu den Fälligkeitsterminen nicht angesonnen werden kann." Oer Fremdenverkehr in Hessen im Frühsommer 1931. Wirtschaftskrise und gesunkene Kaufkraft haben fast überall im 3n- und Ausland den Fremdenverkehr zurückgehen lassen. Auch Hessens Fremdenorte blieben von dieser Entwicklung nicht verschont, wie die soeben vom Hessischen Landesstatistischen Amt ermittelten Ergebnisse für die drei Monate April bis 3uni 1931 erkennen lassen. 3n Bad-Rauheim war in diesen drei Monaten die Zahl der abgestiegenen Fremden um etwa 9 Prozent geringer als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Bad Wimpfen weist zwar einen höheren Fremdenbesuch als in der gleichen Zeit des Vorjahres auf, jedoch ist dies nur auf die weit stärkere Belegung der Kinderheime (Kindersolbäder) zurückzuführen. 3n B a ö Salzhausen, König und Selters blieben die Uebernachtungszahlen der Fremden um etwa ein Viertel gegenüber dem Vorjahr zurück 3n den größeren hessischen Städten hat sich der Fremdenverkehr uneinheitlich gestaltet. Einem mäßigen Rückgang in Mainz und Gießen steht eine geringfügige Erhöhung in Darmstadt gegenüber. 3n Bingen mit seinem 1 starken Verkehr von Rheinreisenden hat sich de- Besuch fast genau auf der Vorjahrshöhe gehalten. Von den hessischen Luftkurorten und Sommerfrischen weist Lindenfels fast den gleichen! Besuch wie im Vorjahr auf, ebenso Jugenheim, während Auerbach einen Rückgang der älebernachtungen um etwa ein Fünftel, Hirschhorn am Reckar einen wesentlich stärkeren Rückgang aufweisen. Mehrere kleinere Ausflugs- und Wochenendorte in Oberhessen und im Odenwald vermochten ihren Besuch zu steigern« Den Hauptausschlag für den Fremdenverkehr! geben freilich erst die Monate Juli und August« Hierüber werden jedoch erst in einiger Zeit Ergebnisse vorliegen. Daten für Mittwoch, 2. September. 1851: Der Dichter Richard Voß in Neugrape geboren; — 1870: Gefangennahme Napoleons III. und Kapitulation von Sedan. Vornotizen. ageskalender für Mittwoch« RSDAP.: Cafe Leib, 20.15 Uhr, Theateraufführung „Der Wanderer". — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Ihre Hoheit befiehlt". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Die diesjährigL Sommer- spielzeit bringt noch zwei neue Werke. Mi! eigenem Ensemble kommt am Sonntag, dem 6. September, das Vollsstück „Alt-Heidelberg" von Meyer-Förster in völlig neuer Inszenierung unter der Spielleitung von Karl Dolck zur Aufführung. Dieses Schauspiel, das auf seinem Siegeszuge ständiger Erfolge bereits bis Japan gekommen ist, erlebte im April 1930 in Dresden seine 2500. Inszenierung und steht auch heute noch, nach 30 Jahren, auf dem Spielplan sämtlicher Bühnen des In- und Auslandes. Kein Stück hat die Aufführungsrekorde einer ununterbrochenen Erfolgsserie erlebt wie „Alt-Heidelberg". Die Aufführung findet als 10. Vorstellung des Sommer-Abonnements zu gewöhnlichen Sommerpreisen statt. Vorverkauf ab Freitag. Beginn der Vorstellung 19 Uhr, Ende gegen 22 Tlhr. ♦ "Straßenbau-ArbeiteninGiehen. Das städtische Tiefbauamt hat in jüngster Zeit eine Reihe von Straßenbau-Arbeiten durchführen lassen. Zum Teil waren es Arbeiten, die unbedingt notwendig waren, Ausbesserungen u. dgl. im ganzen Stadtgebiet, zum Teil sind es Reuanlagen von Straßen, die auf weitere Sicht durchgeführt wurden. So arbeitete man seit geraumer Zeit an dem Ausbau des Hohen Eichweges als Zufahrtstrahe zu dem später zu errichtenden Viehhof. Die Arbeiten sind bereits sehr weit fortgeschritten, und die Straße ist bis in die unmittelbare Rähe des Schlachthofes in solidem Unterbau fertiggestellt. Die Straße, die sich dem Lauf der Lahn entlangzieht, ist durch besondere Befestigungen (Pflasterung, angesäter Rasen) gegen die nagende Kraft des Wassers geschützt. Ferner wurde der Straßenbau in den Eichgärten gefördert. Auch hier wurde ein solider Unterbau aus schweren Steinen hergestellt, der in diesen Tagen mit Schotter beworfen wird und seiner baldigen Fertigstellung entgegensieht. Für die verlängerte Roonstraße, die ebenfalls zur Pestalozzischule durchgeführt werden soll, wurde bisher der notwendige Damm aufgeworfen, der die Straße über das Riveau der Wiese und über das unmittelbare Hochwassergebiet hebt. Des weiteren wird zur Zeit an dem Ausbau der Frei- ligrathstrahe gearbeitet, die als Zugang zu der neuerbauten Orthopädischen Klinik erhöhte Bedeutung erhält. Die Arbeiten an dieser Straße sollen bis Anfang Oktober (dem Zeitpunkt der Inbetriebnahme der Orthopädischen Klinik) beendet werden. Im Auftrage des Hochbauamtes sind in diesen Tagen Arbeiter damit beschäftigt, vor dem Häuserblock in der Schottstraße, der zu Anfang des vorigen Monats bezogen werden konnte, die Vorgärten anzulegen und das Erdreich hierfür aufzubringen. Das Strahenbild dürfte durch diese Vorgärten, die in der gleichen Form vor den beiden Häuserblocks im verlängerten Asterweg angelegt wurden, eine wesentliche Verschönerung und Vervollständigung erfahren. ** Lehrgang in der Einheitskurz- schrift. Die Erlernung der Einheitskurzschrcft kann allen jungen Leuten in Handel und Industrie, sowie bei Behörden nicht dringend genug empfohlen werden. Die 1. Reichskurzschriftgesellschaft e. V. Gießen eröffnet am Dienstag, 8. September, in der Pestalozzischule, Rord- anlage, wiederum einen Anfänger-Lehrgang in der Einheitskurzschrift unter Leitung eines staatlich geprüften Lehrets der Stenographie. (Siehe heutige Anzeige.) " Werbeausstellung für die Einheitskurzschrift. Anläßlich der neu beginnenden Lehrgänge in Einheitskurzschrift veranstaltet die 1. Reichskurzschriftgesellschaft e. V. Gießen in der Zeit vom 1. bis 12. September in der Schreibwarenhandlung R i e b e l, Marktplatz, eine Werbeausstellung, um die Kurzschrift den Interessenten näher zu bringen. Das Schaufenster sei zur Beachtung empfohlen. ** Deutschnationale Volkspartei. Man berichtet uns: Am vergangenen Freitagabend fand im „Hotel Schütz" eine außerordentlich gut besuchte Mitgliederversammlung der Deutschnationalen Volkspartei stakt. Rach einleitenden Worten des zweiten Ortsgruppenvorsitzenden, Postinspek- tor Luc as , sprach der Vorsitzende der Wetzlarer Ortsgruppe Dr. Raab über die Frage „Was nun?“ Der Redner wies auf die Wirtschafts- und politische- Gage Deutschlands hin und behandelte eingehend die Möglichkeiten politischer Machtergreifung durch die nationale Opposition. 3m einzelnen nahm der Redner dann zu den wirtschaftspolitischen Forderungen Hugenbergs Stellung und erläuterte den Gedanken Der Arbeitsdienstpflicht. Wenn auch, wirtschaftlich betrachtet, die Arbeitslosigkeit der älteren Leute schmerzlich sei, so dürfe man bei der arbeitslosen 3ugend nicht außer acht lassen, dah sie gerade in den 3ahren von der Produktion ausgeschaltet sei, in der sich der Mensch zum Charakter bilde. Deshalb sei die Gefahr für die Ration durch die Arbeitslosigkeit weitester Kreise der 3ugend, die keine Zukunft und keine Hoffnung habe, so außerordentlich groß. Man habe von den Vorschlägen der Führer der politischen Rechten verschiedenes herausgegrissen, sie nur teilweise, dazu noch verspätet und unzulänglich zu verwirklichen versucht. Entscheidend sei, wie die kommenden neuen Männer aussehen würden, die unsere Geschicke meistern sollten. Mit einem warmen Appell, sich hinter die bewährte Führung des deutschnationalen Führers Hutzenberg zu stellen, schloß der Redner seine mit starkem Beifall aufgenommenen tiefgründigen Ausführungen. Rach kurzer Aussprache, in der auch auf die bevorstehenden größeren Parteiveranstaltungen Der Ortsgruppe hingewiesen wurde, schloß der Vorsitzende die Versammlung. — Frauengruppe b e6 Dd A. Die FrauenortSgruppe deS VdA. Gießen veranstaltete am Freitag im Hotel „Hindenburg" einen Licht- bildervorlragSabend, der sehr gut besucht war. Die Dorsitzende der Ortsgruppe, Frau Prof. Dr. Eger, begrüßte Mitglieder und Döste. Dr. Go tz - Darmstadt, der in diesem 3ahre mit noch einigen anderen Herren im Auftrage deS Lande«- Verbandes Hessen deS DdA. eine Studienreise nach der Bukowina und der Dobrudscha unternommen hatte, hielt einen Dortrag über diese Gebiete. 3n längeren Ausführungen streifte er die Geschichte der deutschen Ansiedlungen in diesen Gegenden, schilderte die Entwicklung hin- sichtlich der Staatsangehörigkeit der deutschen Ansiedler zu Rumänien nach dem Weltkrieg und ihren steten Kampf um die Behauptung ihres DolkStumS. Er kennzeichnete die kulturelle Mission der Deutschen, ihr starkes völkisches Zusam- mengehöriakeitsgesühl und ihre glühende Liebe »u ihrem Vaterlande. daS viele noch niemals gesehen haben und doch enger mit ihm verbunden erscheinen, als mancher Reichsdeutsche. Der Redner schilderte weiter die Sl'izelhelten seiner vierzehntägigen Fahrt, erzählte von der überaus herzlichen Gastfreundschaft, mit der die Besucher empfangen worden seien, und den Eindrücken, die die deutschen dörflichen und städtischen Ansiedlungen machen. An Hand einer Reihe schöner Lichtbilder brachte er seinen Zuhörern das Land und die Menschen nahe und ging zum Schluß auf die Mission deS Verein« für daS Deutschtum im Auslande ein, indem er die Arbeit besonders deS Landesverbandes Hessen, dem die deutschen Ansiedlungen in der Bukowina und der Dobrudscha alS Betätigungsfeld zugewiesen sind, einer Würdigung unterzog. Der Dortrag sand freundliche Aufnahme. 3n einem zweiten Dortrag sprach Pfarrer Zimmerling, der Geistliche eines Dorfes in der Dobrudscha, der sich zur Zeit auf einer Studienreise in Deutschland befindet und Eindrücke sammelt, um sie seiner Gemeinde wiedcrgeben zu können und auf diese Weise da- DolkStum und ihre Liebe zum Daterlande stärken und fördern zu helfen. Der Dor» tragende erzählte aus seinen mannigfachen Erlebnissen, seinen Erfahrungen, die er in langjähriger Tätigkeit in der Dobrudscha gesammelt hatte, und schilderte insbesondere den Kampf um die Behauptung der deutschen Schule und der Kirche. Seine eindrucksvollen Worte wurden mit groher Aufmerksamkeit verfolgt. •• Guttempler-Loge „Hasst ä". G letz e n. Die hiesige Loge deS GuttemplerordenS veranstaltete am Sonntag im Drohen Hörsaal der Universität einen Dortragsabend. Professor Dr. S t r e ck e r - Berlin, der im Auftrage des Gut- templer-OrdenS eine längere Studienreise nach dem Balkan unternahm, hielt einen Dortrag über seine Erlebnisse und Eindrücke auf der Balkan- Halbinsel. Der Redner schilderte zunächst daS geistige Derhältnis zwischen Europa und dem Balkan, betonte, daß wir als Europäer nicht vergessen dürften, datz der Balkan während dreier Jahrhunderte unter der despotischen Fremdherrschaft der Türken stand und durch die Politik der Türken europäischen, das heißt abendländischen Einflüssen nahezu unzugänglich gemacht wurde. Die Wirrnisse, Die wir mit Dem Balkan alS einer Selbstverständlichkeit in Verbindung brächten, hätten mannigfache Ursachen, die nicht nur auf die Derschiedenheit der völkischen Zu- sammensehung des Landes, sondern in erster Linie auf die Gegensätze zwischen Christentum und Mohammedanismus zurückzuführen seien. Das harte 3och der Türken habe sich autzerdern in besonderer Hinsicht auSgewirkt. Die Türken hätten jeder aufstrebenden völkischen Intelligenz des einen oder anderen Dolkes systematischen Widerstand und Gewalt entgegengesetzt, um auf diese Weise einer Gefährdung der türkischen Oberhoheit im Keime entgegenzuwirken. Der Dvr- tragende wandte sich Dann Der Geschichte Bulgariens und Serbiens zu unD gab hierbei interessante Aufschlüsse, die zum Verständnis Der innerpolitischen Verhältnisse in Diesen beiDen Län- Dern wesentlich beitrugen. 3m Zusammenhang Damit erwähnte er Die kritische Lage Bulgariens am Schwarzen Meer, Die es Den Russen heute gestatte, ungehindert und unterstützt durch die sprachliche Verwandtschaft zwischen Rutzland und Bulgarien in den Hafenstädten Bulgariens und dem nächsten Hinterland Sowjetpropaganda zu machen. 3edes russische Schiff. Das heute in bulgarischen Häfen anloufc, sei eine Propa- gandazentrale Der Eowjet-LInion. AutzerDem warf Der Redner die mazedonische Frage auf, schilderte den Kampf um dieses Land zwischen der Türkei und Bulgarien, und referierte schliehlich noch über eine Reihe kultureller, wirtschaftlicher, reli- Siofer und völkischer Fragen der Balkanstaaten. In einer Reihe guter Lichtbilder vermittelte der Bortragenbe seinen Zuhörern einen Eindruck von Land und Leuten und gedachte dabei dankbar der großen Gastfreundschaft, der er allenthalben und nicht nur in Kreisen Der Guttempler (Die auch im Balkan sehr stark vertreten seien), begegnete. Der Dortrag wurde sehr beifällig auf genommen. «2lm grohen Strom." 3m Lichtspiel- VauS, Bahnhofstraße. wurde am Sonntagvormittag ein schöner Kultursilm unter dem Titel »2lm grohen Strom" gezeigt. Der Filmstreifen führte in das Stromgebiet deS Amazonas, jenes größten Stromes der Welt, Der durch feine landschaftliche Eigenart, durch die Fülle Der Pflanzen- und Tierwelt an feinen Ufern und im Wasser von jeher ein dankbare- Forschungsgebiet gewesen ist. Die Terra hat eS unternommen, unter der Leitung deS Freiherm von Düngern einen Film zu drehen. Der ein SpiegelbilD jene- Lan- DeS Darftdlt unD viele EinDrücke vermittelt, Die man aus Der Beschreibung ober aus der Erzählung nie so lebenDig empfangen würde. Obwohl Der Film nicht neuesten Datums ist, gab er Doch in seiner geschickten Anlage ein cindrucks- volles BUD jenes fruchtbaren Stromgebietes. Der Besucher hatte Gelegenheit, DaS geheimnisvolle Leben im schier unDurchDringlichen Urwald ken- nenzulemen, Raubvögel unD stolze Reiher, Kolibris unD ParaDieSvögel, Störche unD Kormorans im Rest, auf Den Schlafbäumen unD auf Dem Wasser bei Der Nahrungssuche zu beobachten. Der Film schilberte DaS Leben in Der Hütte DeS Fischer- FemanDo, Der allerlei seltene Tiere sammelte, um sie Dann auf Dem Markt in Pars zu verkaufen. Manches luftige Bild ergab sich aus dem Spiel und den Gewohnheiten Der verschiedenen Affen, Die in enger Gemeinschaft mit Den KinDern dieses Eingeborenen lebten. Der Film brachte Bilder von dem täppischen Tapir, von Papageien und Schildkröten, von Waflerschwei- nen und anderen Tieren, die der Fischer in sein Haus ausgenommen hatte. Die kunstvollen Rest- bauten der Wespen und Die groben Arbeitsleistungen der Ameisen wurden im Bilde nicht weniger eindrucksvoll wiedergegeben. Mit leisem Grauen betrachtete man zum Schluh Den barbarischen Kampf zwischen Menschen unD den Krokodilen, die als Todfeinde Der Menschen zu Zeiten niedrigen WasserstanDes von Den mutigen Männern auf Den flachen StranD getrieben, Dort mit Dem Lasso gefangen und schlieblich erschlagen werden. Der Film verdiente alle Aufmerksamkeit. Ein zweiter Kulturfilm offenbarte Die herbe Pracht nordischer Landschast in schönen Bildern. Oberheffen. Um den neuen Kurdirektor von Bad-Nauheim. = Bad-Nauheim, 1. Sept. Mit dem heutigen Tage tritt Kurdirektor o. B o e h m e r in den Ruhe- stand. Bis zur Ernennung seines Nachfolgers wurde er mit der Wciterführung der Geschäfte der Bad- und Kurverwaltung beauftragt. In Ißjähriger Tätigkeit hat o. B o e h m e r, der vorher in Mainz als Saurat und Vorstand des Kulturbauamtes wirkte, sehr segensreich für Das hessische Staatsbad gewirkt. Seine besonderen Verdienste liegen auf den Gebieten des künstlerischen und gesellschaftlichen Lebens, deren Ausgestaltung er stets größte Beachtung schenkte. Bei der Bedeutung, die das Amt des Kurdirektors für unser Bad hat, ist es natürlich, daß sich die Ocfsentlichkcit in starkem Maße mit der Nachfolgefrage beschäftigt. Eine Entscheidung ist bis jetzt in Der Angelegenheit noch nicht gefallen. Glockenweihe in Langsdorf. Df. Langsdorf, 31. 2Iug. Die am vergangenen Montag in feierlichem Festzug eingeholten Glocken tourDen im Laufe Der Woche an Ort unD Stelle gebracht. Am gestrigen Sonntag fanb nun Die .kirchliche Weihe Der Glocken in einem FestgottesDienste statt. Der von musikalischen Darbietungen reich umrahmt war. Frl. T h i m m aus Hungen fang nach Dem Eingangsgebet das „Ave verum corpus“ von Mozart, nach der Pre- Digt fang Lehrer Herbert Kruger (Steinfurth) aus Der Arie des Ellas: „So ihr mich von ganzem Herzen suchet, so will ich mich finden lassen, spricht unser Gott". Rach Der Glockenweihe unD Dem Weihegeläute brachten ein aus Dem Männergesangverein unD Gemischten Chor gebilDeter Gemischter Chor Beethovens „Die Himmel rühmen Des Ewigen Ehre", begleitet von Orgel- unD 3nftrumentalmufif. zu Gehör. 3n feiner Fest- predigt sprach Der Ortsgeistliche Pfarrer Dr. H e h m a n n vom Wert unD Sinn Der Glocken, inDcm er sich an Die 3nschriften Der Glocken an- lehnte. Don Den vier Glocken, Die in ihrer Harmonie Die Töne g, b, c, d schwingen, finD Die größte unD kleinste neu. Von Den beiDen alten trägt Die größere Die IahreSzahl 1657. Die bei- ben neuen stammen an» Der Gkockengfesteres R k n» ker in Sinn. Die gröbere ist geziert mit Dem Spruch 3efaja 21 DerS 8: „Herr, ich stehe auf Der Warte immerDar Des Tages unD stelle mich auf meine Hut alle Rächt": Die kleinste Glocke ist geziert mit Der Inschrift 1. Korinther 13 VerS 1: „Wenn ich mit Menschen- unD Engelzungen rebete, und hätte der Ciebe nicht, so wäre ich ein tönenD Erz oDcr eine fTtngcnDc Schelle". Danehen trägt sie Den Dermerk, Daß sie von unserem Bürgermeister gestiftet tourDe. Wit Der Beschaffung eines öürDigcn GcläuteS ist «in jahrelanger Wunsch fast aller DemeinDe- gfieDer in Erfüllung gegangen. Die Gemeinde Darf stolz Darauf fein, trotz Der wirtschaftlichen Röte unterer Zeit ein schöne» Geläute beschafft zu haben unD ihr Eigen zu nennen. Mögen Die neuen LangSDorier Glocken allen bessere Zeiten einläutcn. Auch Der ©onntagobenD galt noch Der feierlichen Glockenweihe. 3m Saale Des „Deutschen HauseS" sanD eixf FamilienabenD statt, für Den al« ReDner StiftSpfarrer D r a u D t (Lich) gewonnen war. Er sprach zu Dem Thema: .Der Ruf Der Glocken in schwerer Zeit". Musikvorträge, ein Glockenspruch, sowie Begrüßung-- unD Schlußworte gestalteten auch Diesen Teil Der Gesamtfeier recht wirkungsvoll. Landkreis Kietzen. £ to i e i e tf, 1. Sept. Gestern abend fand bei Gastwirt Phil. Walter Die Generalversammlung der Spar- und Darlehenskasse e. G. m. b. S). Wieseck statt. Der Dorsitzenbe des Aussichtsrates, Bürgermeister Scho mb er, eröffnete die General- Versammlung und ging auf die Schwierigkeiten ein, die seit dem 13. Juli auch die Spar- und Darlehens tafle betroffen haben. Sodann wurde die Jahres- rechnung 1930 bekanntgegeben und besprochen. Den Geschäftsbericht gab Rechner Lang. Während die Einlagen, durch die wirtschaftlichen Verhältnisse be- Dingt, etwas hinter denen des Vorjahres zurück- blieben, wurde die Kasse au Rückzahlungen von Guthaben stärker in Anspruch genommen. Dem Vor- stand wurde einstimmig Entlastung erteilt. Aus dem Reingewinn von 4045,69 RM. sollen, wie Im Vorjahr, 8 o. S). Dividende bezahlt werden, während der Restbetrag den Reservefonds özw. Der Betriebsrücklage zugeschrieben werden soll. Zum Schluß wurde noch Darauf hingewiesen, daß es heute notwendiger sei als je, die entbehrlichen Gelder Der Kass« zu» zuführen, zum Nutzen Der Gesamtwirtschaft. ! AuS Dem südöstlichen Kreise Gie- tz e n, 31. Aug. Die DetreiDeernte ist in Den meisten Orten unserer GegenD beendet. Der Ertrag fast aller Fruchtarten kann als mittelmäßig bezeichnet werden. Sehr gering war Der Ertrag Des RoggenS, Der etwa 5 bis 7 Zentner je Morgen brachte. Die (Srummeternte hat bei Dem schönen Wetter Der letzten Tage ihren Anfang genommen. Die große Feuchtigkeit hat Den Gras- wuchs sehr gcförDcrt, so Daß neben eine vorzügliche Heuernte auch ein reichlicher Grummetertrag tritt. Die Äarto ffelernte verspricht ebenso gut zu werben. Die D i ck w u r z steht in Quantität nicht hinter sonstigen 3ahren zurück. Bel Den ersten Obstversteigerungen wurden für Dirnen, Frühäpfel und Zwetschen nur geringe Preise erzielt. Oie Oevisen-Ablieferung. Berlin, 1. Sept. (WTB.) Es wird Darauf hingewiesen, Daß die Ablieferung derDevisen auf Grund Der Verordnung vom 29. August 1931 bls zum 5. September 19 31 zu erfolgen hat. Hierzu ist jeDer verpflichtet, der Devisen im Werte von mehr als 10 0 0 Reichsmark besitzt, und zwar: 1. ausländische Zahlungsmittel (ä. B. ausländische Banknoten, Goldmünzen, Schecks, Wechsel usw.), 2. Forderungen in ausländischer Währung (z. B. sämtliche Bankguthaben in ausländischer Währung bei in- und ausländischen Banken oder sonstige Forderungen in ausländischer Währung, die in Den nächsten Drei Monaten fällig werden). 3. Ausländische Wertpapiere, sofern sie nach dem 12. 3uli 1931 erworben sind, und schließlich 4. Gold (außer Den vorerwähnten ausländischen GolDmünzen alle außer KurS gesetzten Goldmünzen, Feingold und legiertes Gold, sowie Rohgold, wie Altfabrikate, nicht Dagegen Schmucksachen). Die Anbietung urfD Ablieferung Der Devisen hat bei der Reichsbank und allen Devisenbanken zu erfolgen. Vordrucke brauchen nur in den Fällen aus- gefüllt zu werden, wenn jemand beantragt, ihm seine Devisen zu belassen, da er sie zu Volkswirt^ schaftlich gerechtfertigten Zwecken gebraucht. Wer feinen Verpflichtungen zur Ablieferung nicht nachkommt, wird streng bestraft. Auskunft erteilen Die Reichsbankanstalten und die Devisenbanken. Kunst und Wissenschaft. Aufruf an die JrnioDc Dorthe» in bet Schweiz. Führende schweizerische PeZönllchkelten in Politik und Wirtschaft, Kunst und Wissenschaft veröffentlichen. wie aus Zürich berichtet wird, aus Anlaß De» Goethejahres einen Aufruf zur Errichtung einer schweizerischen Goethespenbe, in Dem es u a. heißt: „Am 22. März kommenden Jahre» feiert bas deutsche Volk Den 100. Todestag feines größten Dichters. Zn die Begeisterung, sich zu Goethe zu bekennen und in die Freude, Dem Genius zu huldigen, teilt sich die Welt Aber Da» Bekenntnis der Welt zu Goethe wäre nicht vollwertig ohne Die Bereitschaft, der vom deutschen Volk zur Feier des Tages geplanten Unterstützung der Goethe« Stätten in Frankfurt a. M. und Weimar, die den Unbilden der Zeil preisgeaeben sind, zum Zwecke ihrer Erhaltung und ihren Ausbaues durch einen Akt internationaler Solidarität zu Hilfe zu kommen. Außer Italien ist kaum ein fremde» Land inniger und auf mannigfaltigere Weife mit Goethe verbunden als die Schweiz. Sv werden auch bei uns Männer und Frauen, denen Goethe Leitstern des Leben» geworden ist, freudig das Ihrige beitrage« zu einer schweizerischen ©oetbefptnbe, die zu gleiche» Teilen dem Goethe-Nationalmuseum in Weimar und Dem Frankfurter Goethehau» zugedacht fein soll (fr* innert euch des einen Goethewortes: Edel fei der Mensch, hilfreich und gut!" Die Wetterlage. Hä V" 7c" Rbtrdtfl s | B i ” x z zz / ■ / inoo A & ijtao -jU wM-'ölO n iß 6 ötrim o«en dienenden /«• len gehen die Temperatur an. Oie Limen veromdeo Orte mit gteichc® •ul Meeresaiveau umgerecMetan Luftdruck Wettervoraussage. Langsam rückt unter weiterer Ausdehnung Dal neue ozeanische Tief nach Dem FestlanDe vor. Dabei hat sich Das Regengebiet noch vergrößert und macht sich bereits im Deutschen Rordseeküstenae- bict bemerkbar. Die Warmluft wirb allmählich auch In unserem Bezirk Platz ergreifen und zu Riederschlägen führen. Aussichten für Donnerstag: Feucht- warmeS unD trübes Wetter mit Riedcrschlägen. Aussichten f ü r Freitag: Wolkig unk» warm, zeitweise noch RieDerschlag, zum Teil ge- witterhaftcr Art. Lufttemperaturen. Am 1. September mittag« 20,0 Grab CelsiuS, abends 16,3 Grad. 2lm 2. September morgen« 15,0 Grad. Maximum 20,2 Grad. Minimum 12,2 GraD. Riederschläge 0,2 Millimeter. SonnenfcheinDauer 1 StunDe. GrDtemperaturen in lOZentimeter Tiefe. Am 1. September abenD« 19,0 Grad. Am 2. September morgen« 15,6 Grab. Briefkasten Der ZReöoffion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit Der Schriftleitung.) M. 6. Sie wenDen sich In Dieser Sache am besten an 3hre voraesehte DienstbehörDe. ES handelt sich in der Mietsache um eine Interne Ver- waltung-angelegenheit, die man von außen her nicht beurteilen kann. Für die anläßlich unserer Verlobung erwiesenen Aufmerksamkeiten sagen wir herzlichen Dank Oma Müller Wilhelm Schmitt Gießen, im August 1931 05000 Für die und anläßlich unserer Vermählung in so reichem Maße überbrachten Glückwünsche unb Geschenke banken wir herzlich Rudolf Mißler und Frau Gretel, geb. Äecker Gießen (Bleichstraße 38), den 1. September 1931 04990 Rundfunk-Anlagen 3-Röhren-Netzempfänger mit Lautsprecher Marke Telefunken zu Mk.114 Ruhl • Gießen 5737d Plockstraße Nr. 12 Lernt Einheitskurzschrift! Am Montag, dem 7. Sept., abends 19 Uhr eröffnen wir in der tioetheachnle, Westanlage 43, einen Anfängerlehrgang in der deutschen Einheitskurzschrift für Damen und Herren unter Leitung eines staatlich geprüften Lehrers der Kurzacbriit. Unterrichtsgeld RM. 121— AMildugeii an den L Vorsitzenden. Herrrn Fraas Haustein, Löberslraße 9 II, oder zu Unterrichtsbeginn erbeten! Kurzschriftverein v.1861 m. Oamenabtlg. LV. 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September 1931. 050061 5718V Person ernannt. Wieseck, den 1. September 1931. 5725 D Von der Reise zurück 5638 D 5739 D Treis an der Lumda, den 2. September 1931. 5736d Für die herzlichen Teilnahmen bei dem schweren Verluste meines lieben Gatten und unseres lieben Vaters, für ^verwiesenen Nachtwachen und die trostreiche Grabrede sprechen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank aus. Prof. Brüning Sprechstunde: 11-13 Uhr Friedrichstraße Nr. 11. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgange unserer lieben Entschlafenen Frau Wilhelmine Pfeffer, geb. Oppermann sagen wir herzlichen Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Termin zur Verhandlung über den Vergleichsvorschlag ist auf Donnerstag, den 24. September 1931, norm. 9 Uhr, vor dem Amtsgericht in Hungen, Zimmer Nr. 1, anberaumt. Der Antrag auf Eröffnung des Ver- fahrens nebst seinen Anlagen — und das Ergebnis der weiteren Ermittlungen — ist auf der Geschäftsstelle zur Einsicht der Beteiligten niedergelegt. Hungen, den 31. August 1931. Hess. Amtsgericht. Vergleichsverfahren. lieber das Vermögen des 1. Karl Dieffenbach, 2. dessen Ehefrau Anna, geb. Nürnberger, beide in Berstadt, ist am 31. August 1931, nachm. 3 Uhr, das Vergleichsverfahren zur Abwendung des Konkurses eröffnet worden. Der Rechtsanwalt und Notar Otto Schoenhals in Hungen ist zur Vertrauens- Statt Karten. Für die vielen Beweise herzlicher Anteilnahme und zahlreichen Kranzspenden beim Heimgang unserer lieben Entschlafenen sagen wir allen unsern innigsten Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Wilhelm Jade. Bedeutende LebenSverficherungsgesellschast eines iührenden Verücherungskonzerns sucht für (Sieben und Oberhessen je einen tiicht. Inspektor sowie gewandte Vertreter bei hoben Bezügen. Nichtfachleuien. die sich eine Existenz aufbauen wollen, wird durch weitestgehende Unterstützung Gelegenheit zur Einarbeitung gegeben. Aussührltche Bewerbungen sind zu richten unt.B7515 an Annoncenm ovcr, Frankfurt am Main. 5721V Die trauernd Hinterbliebenen: Elisabeth Hildebrand nebst Kindern. Anna Kem, geb. Pfeffer Gießen, September 1931. laoe Ingenieur-Schule u7,. MascninenoanEiettro- tecnn/K.Hocit-u.ntfDio, TonmousrriB. Wertnieliter-Abteneeeee, Shd-Ktmt.LBtirrnamfreL Geschäfts-Drucksachen Rechnungen Briefblätter Briefumschläge Postkarten bei Brühl, Schulstraße? Geschäftskarten Danksagung. Für die uns erwiesene Teilnahme bei dem Heimgang meiner Heben Gattin und unserer guten Mutter sagen wir hierdurch unseren innigsten Dank. H. Roß Familie K. Roß, Familie H. Frees. Gießen, den 2. September 1931. Von der MODELL-AUSSTELLUNG zurück ELSE PETRI »ELE6ANCE« Salon für feine Damen-Moden, Bleichstraße 36 p. Donnerstag, den 3. September 1931, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im „Löwen", Neuenweg 28, dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 5733D eine Radioanlage, einen Wintermantel, zwei Kassenschränke, ein Wirtschaftsbüfett, einen Wäscheschrank, eine Lederwalze, eine Steppmaschine, eine Eismaschine, einen Arzneischrank, einen Bücherschrank, eine Vitrine, eine Schreibmaschine, eine Standuhr, einen Eis- schronk, einen Gasherd, ein Klubsofa, eine Korbmöbelgarnitur, eine Blumenkrippe, einen Herd, Sofas, Klubsessel, Vertikos, Nähmaschinen, Chaiselongues, Teppiche, Büfetts, Warenschränke, Spiegel, Tische und Stühle, Regulatoren, Kleiderschränke, drei Klaviere, zwei Kredenzen, zwei Bettücher, zwei Ueberzüge, vier Kopfkissen, vier Ueberschlagtücher, drei Stück Damast, einen Grammophon, einen Horch - Personenwagen, Diwan, ein Pferd, einen Aga- und einen Fiat- Personenwagen. Dem, Gerichtsvollzieher in Gießen, Steinstraße 13, Telephon 4101. Allen denen, die während des langen Krankseins unserer lieben Enschlafenen hilfreich zur Seite standen und für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unserer lieben Fran Förster Kasnar SchiffiWwe. sagen wir auf diesem Wege innigsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. MmWWlll Montag, den 7. September 1931 findet in Nidda auf der „Gänsweid" HWeli-, SW«- ZiW'MWMl'Mll verbunden mit einer Prämiierung von Dullen, Kühen, Kalbinnen und Rindern der Simmentaler und Vogelsberger Rassen sowie einer Versteigerung von Bullen, Ebern und Ziegenböcken eingetragener Herdbuchtiere statt. Anmeldung zur Prämiierung bis zum 2. September an das Landroirtfchaftsanrt Nidda. Günstige Gelegenheit zum Ankauf von Faselvieh für Gemeinden. Nachmittags 2 Uhr Verlosung von Vieh, landwirtschaftlichen Geräten und Gebrauchsgegenständen. AusstellunglandwirlschafllicherMaschtnenpp. Konzert * Tanz * Volksbelustigung Bürgermeisterei Nidda N u l l m a n n. Schellfilche o.K. Kabeljau o. K. 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Montag 7. 9. 8L 7 Uhr Diktatunterricht: 120 u. höh. Montag, 7. 9. 31, 8 Uhr. Der Vorstand 500 Kaffeehausbesucher zur Beurteilung von Kaffee herangezogen In einem der schönsten Kaffeehäuser Roms, das im Zentrum gegenüber dem Parlament liegt, wurde kürzlich jedem Gast, der eine Tasse Kaffee bestellte, noch eine zweite Tasse Kaffee serviert mit der Bitte, zu beurteilen, welcher der beiden Kaffees der bessere sei. In 498 von 500 Fällen wurde Kaffee II als der bessere bezeichnet. Was für eine Kaffeesorte dieser bessere war, wußte das Publikum nicht Es war Kaffee Hag! Natürlich wurde in diesem Kaffeehaus schon immer ein guter Kaffee gereicht, aber da der Besitzer seinen Gästen das allerbeste bieten will, verwendet er jetzt ausschließlidi Kaffee Hag. Durch hervorragende Qualität und völlige Unschädlichkeit hat sich Kaffee Hag die Welt erobert Er wird in 39 Ländern der Erde getrunken, Bitte probieren Sie Kaffee Hag noch heute. Er ist überall zu haben. Das große Paket kostet jetzt nur noch RM 1.62, das kleine Paket 81 Pfennig. Kaffee Hag bleibt Kaffee Hag Wer Douaunio^' n tn# 5,1.6a schon eij jrei genöcn 2 persi-r agrs »ssr. W B Leutnant R äiS Wortage. r lang der MgJ Dickung aus. UM tim das akustische iftjsch gegeben woi Pfeifen und iniiner Granaten und Wn Dildern, o. |tß vielstündigen - Vater bemerkbar (eine Mühe, das Q hen und zu leugn Xiefengeschühe und )er zerstörenden - Vede der verqual Aranaten sausen, r sprachen wird nm Handlung erläuter die Hand der ®eut Aammentverfcr, bi zerstört, bie Segenc Der Abzug aus dem zcnde lautlose Aück zühlicn Gelände. E che Sätze aus He Boit, des MsentlicI mb die nie aufhöre' Düs Kine Dc Oskar I niere des Sammlung ' Zeutsch" macht. « erste Duseu figen können ^Senheit, tzj , Dohnung ^ber 3efU( ,6ei Derlii »x ra®en: »2 ft, in*6n??QneBe W ® öec De! 2 Zuerst ö 'N einem ft Dl Oderts fee jJJ kleinen ßW ?}*=£*'* ? 3a6?h mci pfetien« fanirntj "diig'Unter ßei WÄ^-befan S'KZ Ein 8hmg in eir lombiet zeigt: , 1 lau et“. Frankreich chern Don daris" fi halt, fein Regisseur seine »Mim" aus Hffii in seinem Mr, der von di Ml düs an. Kch der Jechchrell eine Reihe von Ad dort ereignen, (tn versammelt ist •'C Gasse, er erobe imnens, er wird ' kmpfes und errinl Ausdauer Herz u; Knnf sich Georges Mger Tarsteller, ß und unwiderstetz uißerhalb. Denn n M spielen, und Aufnahmen von ei M Augbvspiel, Mm, das immer 1Jnn jtott grvhe F !,S Ur. 204 Zweites Blatt 1N 6 lelvieh 5tUD i ard en lag 931 Weib“ ettschast für Sieben landwirt. en. inenpp. tigung da CE. 10 30 p. legeflelle Monate alttn en aefudjt. itLÄnntbotctt. Perfrefer Ine Criittni nerfffliuna ibxlidje 'Bt- aclvmattrr, 5721V M n.S^tn, 1 Vogels, n Bullen, tiere statt. ■ Septem- Sir eignen «* nfäiF MN obrere l>. ersinnen i»r KHK KtzK». .livoch- yjt Uhr. Vs"V- 'Mm- Gin Sprung in eine andere Welt: Pierre Co- lombier zeigt: »Der König der Aas- sauer". Frankreich hat sich mit „Unter den Dächern von Paris" seinen großen Filmersolg geholt, sein Regisseur Rene CI a i r hat auf ihm seine .Million" aufgebaut, und auch Colombier stützt sich in seinem .Rossauer" noch immer auf den Zauber, der von den .Dächern" ausging. Roch gebt das an. Bouboulc, der Straßcnsänger, der König der Zechpreller, der ,Rassauer", geht durch eine Reihe von Abenteuern hindurch, die sich immer dort ereignen, wo das Volk in großen Mengen versammelt ist: seine charmante Art begeistert die Gasse, er erobert sich die Masse des Sechstagerennens, er wird der Held eines Rugby-Länderkampfes und erringt sich endlich durch Geschick und Ausdauer Herz und Hand der Geliebten, und er nennt sich Georges Milton , ein nicht mehr ganz junger Darsteller, der immer glänzender Laune ist und unwiderstehlich wirken muß, in Berlin und außerhalb. Denn man dürfte diesen Film auch im Reich spielen, und er verdient cs schon: glänzende Aufnahmen von einem Pariser Sechstagerennen, dom Rugbyspiel, hervorragende Typen des Lporis, der Gasse, der Hinterhöfe und des Pariser Volks, das immer den Hintergrund bildet. Man kann zwei große Filme auf „Unter den Dächern" Das erste Museum der Kinematographie. Don Egon Larsen. Oskar M e ß t e r , einer der ersten Pioniere des Films, hat eine sehr große Sammlung von Film-Raritäten dem Deutschen Museum zum Geschenk gemacht. 3h Kürze wird das Publikum dieses erste Museum der Kinematographie besichtigen können. Unser Mitarbeiter hatte Gelegenheit. die Schätze schon jetzt, in der Wohnung des Spenders, zu besichtigen. Läutet der Besucher an M e ß t e r s Haus in Dahlem bei Berlin, so hört er plötzlich eine Stimme fragen: „Bitte, wer ist da?", ohne daß hinter der Gartentür ein lebendes Wesen zu sehen ist. Die Stimme ertönt aus einem Lautsprecher, und daneben ist ein Mikrophon verborgen, in das der Besucher seinen Ramen hinein- spricht. Dann erst öffnet sich die Tür ... Man erkennt also schon vor dem Eintritt, daß dieses Haus einem hundertprozentigen Techniker gehört. 3n einem kleinen Kellerraum sind die Gegenstände vorläufig zusammengepfercht worden. Der alte Herr — Meßter ist heute Mitte der Sechzig — nimmt liebevoll und mit Eammlerstolz die einzelnen Objekte aus den Schränken und erklärt ihre Bedeutung. Ursprünglich umfaßte die Sammlung 15 OOO Stücke, von denen eine große Zahl bleistiftgeschriebene Zottel waren — und gerade auf ihnen stand meist das Wichtigste. Run hat man die Zahl der Objekte auf tausend reduziert, jeweils die interessantesten Dinge, so daß ein last lückenloser Querschnitt durch die Entwicklung der Kinematographie entstanden ist. Rummcr eins ist der erste Dorführungsapparat, mit dem in Deutschland ein Kino betrieben wurde. Er stammte aus Paris, und das ..Etablissement", unter Leitung des Schriftstellers Leo ^^ipziger, befand sich Unter den Linden. Ts existierte nicht lange. 3m Mai 1896, also nach dem Debüt der Brüder Sklandanowsky im Berliner „Wintergarten" wurde es eröffnet. Seine besondere Spezialität bestand darin, daß die Borführung alle paar Minuten aussetzte und die Stimme des Operateurs ertönte, die in den Berliner Filmprenckren. „Douaumont." - -König der Tlaffauer.* „Geheimdienst." Berlin, Ende August. Während in den Theatern noch die große Som- merslaute herrscht, beginnt in den Filmhäusern schon eine Art „Saison": in drei auseinanderfol- gendcn Tagen drei bedeutsame Uraussührungen. Man kann versichert sein, daß der deutsche Kriegsfilm „D o u a u m o n t" (Candofilm) keiner Tender» und keiner Partei dienen wollte, denn in seine Ausnahmen sind KriegSbilder der deutschen und französischen Heeresleitung, hineingeschnitten. Die Ausnahmen des Forts, die Sprengungen und einige Sturmbilder sind teils im „Kavalier" Kü- strinS, der kürzlich niedergelegt wurde, teils in 3ü- terbog gedreht, und die akustischen Synchronisierungen stammen auS Reichswehrmanövern. Die ersten Stürmer deS Forts, Hauptmann Haupt und Leutnant Radtke, wirken mit; auf eine Spielhandlung, die die Tragödie nur verniedlichen könnte, hat der Regisseur Hein» Paul, selbst ein Frontsoldat, verzichtet, und also fehlen auch die Stars und Solisten: so entspricht die Art des kriegerischen DramaS etwa dem KriegSbucho Renns, eS gibt sich bewußt als reine, gefüylSunbetonte Reportage. Und trotzdem geht von dieser Darstellung der Douaumont-Tragödie eine gewaltige Wirkung aus. Dielleicht ist noch in keinem Kriegs- film das akustische Element der Schlacht so realistisch gegeben worden, noch nie hat das Sausen, Dfeifen und immerwährende Surren und Heulen der Granaten und Ginschläge so gepackt wie in Viesen Bildern, die nervenzerrüttende Wirkung veS vielstündigen TrommelseuerS wurde auch im Theater bemerkbar. Gewiß gibt sich dieser Film keine Mühe, das Grauen des Krieges abzuschwä- chen und zu leugnen; immer wieder krachen die Riesengcschühe und erweisen hie seelenlose Gewalt der zerstörenden Maschinen; man empfindet die Oede der verqualmten Ebenen, über denen die Granaten sausen, noch einmal in aller Stärke. Gesprochen wird nur das Rotwendigste, das die Handlung erläutert: den Sturm, der das Fort in die Hand der Deutschen bringt, die Explosion der Flammenwerfer, die die Panzerseste »ur Hälfte zerstört, die Gegenangriffe der Franzosen, endlich Der Abzug aus dem Trümmerhaufen, der schweigende lautlose Rückmarsch aus dem leeren aufgewühlten Gelände. Einige berichtende Texte, einzelne Sähe auS Heeresberichten ergänzen das Wort, das Wesentliche aber sagen schon die Bilder und die nie aufhörende Musik der Steilgeschühe. Siebener Anzeiger sSenerai-Anzeiger für Gberheffen) Mittwoch, 2. September 1951 Aus der Wett des Films. aufbauen, aber nicht mehr. Auch diese Mode hat ihre Grenzen, die hier noch einmal ungemein liebenswürdig und lebhaft umgangen sind Der Lisa-Palast am Zoo. wird mit dem Spio- nagesilrn „3 m Geheimdienst" eröffnet, den KriegSszenen und Schlachtenbilder einrahmen. Dazwischen die kriminell betonte Handlung des deutschen Spions Hagen, dessen Geschicklichkeit wichtige Dokumente übermittelt, durch die ein großer russischer Angrifs vereitelt werden kann. 3n dieser Zeit, da der Geheimdienst aller Länder seine Listen enthüllt, ein sehr zeitgemäßer und dank- barer Stoff, den Walter Reisch zu einem wirkungsvollen Filmbuch verarbeitet hat: Spannung, kriminelles Milieu, in dem mit chiffrierten Rotcn- blättern und Mikrophonen gearbeitet wird. Atmo- fpäre von Gefahr und Entschlossenheit, zweideutige Situationen, die erregen — eS sind alle Faktoren eincS publikumswirksamen Films vorhanden. Lind darüber hinaus noch mehr. DaS Filmische wird vom Regisseur Gustav Hcicky ungemein fesselnd gemeistert; Willy Fritsch, der deutsche Geheimagent, zeigt sich hier, wie damals in den „Spionen" Friy Langs, in einer verhalten-herben Männlichkeit, Brigitte Helm, seine Partnerin, bewährt sich in diesem Zusammenspiel so treff- lich, wie schon lange nicht mehr, und dahinter tauchen die Köpfe der Russen auf. Homolka, K. L D i e«h l und endlich Theodor L o o S . ein russischer Spitzel. DaS Publikum, daS bis zum Schluß in beinahe atemloser Anteilnahme verharrte. bereitete den anwesenden Darstellern lebhafte Ovationen, während sich vor dem hell erleuchteten Hause gewaltige Menschenmengen angesammelt hatten, die durchaus etwas von dem Premiörenschimmer erhaschen wollten. A. Das neuesteHandwerkszeug desTonfilms Oie Technik entwickelt sich. — Hilfsgerate der Tonfilmaufnahme. — Töne werben gemischt. — Oer elektrische Kapellmeister. Don Peter Burg. Während in der ersten Periode der technischen Tonfilmentwicklung hauptsächlich an der Dervoll- kommnung der Tonwiedergabe gearbeitet wurde, um den bedeutenden Dorsprung des amerikanischen Films einzuholen, haben sich im letzten 3ahr die Derbesserungen der Tonfilmtechnik auf einem wesentlich anderen Gebiete bewegt. Denn als der Tonfilm aufhörte, technische Sensation zu sein, daS Publikum sich nicht mehr über die „sprechende Leinwand" wunderte, sondern dringender nach dem künstlerischen Tonsilm verlangte, wurde an die Klangtechniker die Anforderung gestellt, dem filmschaffenden Künstler durch Der« vollkommnung und Ausbau der gesamten Apparatur die notwendigen Doraussehungen zu schassen. Eine sauber funktionierende Tonapparatur genügt an sich noch nicht, um einen Tonfilm einwandfrei herzustellen, weil man hier nicht, wie etwa beim Rundfunk eine Hebertragung fortlaufend aus dem gleichen Raum und unter den gleichen akustischen Verhältnissen vornehmen kann. Der Film wird aus einer großen Anzahl unter verschiedenen Derhältnissen entstandener Aufnahmen regelrecht zusammengeflickt, wofür man in der Filmsprache den Fachausdruck „montieren" gebraucht. Hieraus ergab sich schon eine große Schwierigkeit, die überwunden werden mußte: die Hngleichmäßigkeit der Klangstärke, die in den ersten Tonfilmen so unangenehm aufsiel. Bei jedem Wechsel der Bildeinstellung bekam der Ton einen Sprung und veränderte sich in Stärke und Raumwirkung. Mit der Zeit lernten die Techniker, den Ton auszubalancieren und anzupassen, so wie jeder gute Kameramann es versteht, die Bilder gleichmäßig auszuleuchten. Amüsant ist es übrigens, sich daraufhin alte Filme anzusehen, die so etwa vor zwanzig 3ahren entstanden sind. Die Beleuchtungstechnik war damals noch so primitiv, daß jede Großaufnahme stets völlig anders belichtet erschien, als die entsprechende Totale. — Der Tonfilm hat zunächst wieder eine gewisse Primitivität in der Bildbehandlung gebracht, denn die surrenden Kameras mußten in unbewegliche, schalldichte Glasboxen gesteckt werden, und die für die Ausleuchtung schwer entbehrlichen, aber summenden Kohlenscheinwerfer konnten für die Tonfilmaufnahmen keine Verwendung finden. Jetzt sind diese Schwierigkeiten behoben. Für die Scheinwerfer wurden Drosselspulen erfunden, die das Summen unterbinden, und die neukonstruierten modernen Tonfilmkameras arbeiten völlig geräuschlos, so daß man mit ihnen genau Zuschauerraum rief: „Oojenblick mal, meine Herrschaften. — Et hakt schon Wieda!" Der Apparat hatte nämlich den Grundfehler, daß der Mechanismus zum rudroeifen Transport des Filmbandes nicht funktionierte. Oskar Meßter, damals ein junger Optiker und Feinmechaniker, machte sich daher selbst an die Konstruktion dieses wichtigen Apparateteiles. Er fand das ,,M alteser- kreuz", eine Einrichtung, die präzis Bildchen um Bildchen vor die Lichtquel.e zog. und um derct- willen Oskar Meßter der „Ritter vom Malteser- kreuz" genannt wird Dies erst ermöglichte die technische Dervollkommnung der Kinematographie und ist heute noch in jedem Dorsührungsapparat zu finden. Meßter führte mit feinem neuen Apparat Filme vor. die Edison ausgenommen hatte — allerdings nicht, um sie zu projizieren, sondern um sie tn einem kleinen Apparat betrachten zu lassen. Edison hatte den Wert der Projektion nicht erkannt, seine Erfindung erschien ihm nebensächlich und bestenfalls dazu geeignet, mit dem gleichfalls von ihm erfundenen Phonographen zu .,Tonbildern" zusammengekoppelt zu werden. Oskar Meßter aber erkannte die Möglichkeit der öffentlichen Dorführung. Er sann nach wie er selbst Filme aufnehmen könne — er hatte ja noch keinen Aufnahmeapparat — und führte dies folgendermaßen durch: er verklebte das Fenster feiner Werkstatt, die am Bahnhof Friedrichstraße lag, mit schwarzem Papier. Rur ein kleines rundes Loch ließ er frei. Dahinter stellte er seinen Dorführungsapparat, spannte unbelichtete Filme ein und begann zu kurbeln, als gerade ein Eisenbahnzug einfuhr. Der Film wurde tadellos, und Meßter baute nach eigenem Entwurf seinen ersten Aufnahmeapparat. All diese Dinge, deren Geschichte Meßter erzählt, sind als leibhaftige Zeugen zu sehen. 3n der historischen Reihenfolge kommt nun das Hauptbuch der Firma Meßter: unter dem 15. 3uni 1896 findet sich die Eintragung des ersten Der- kaufs eines Kinematographen für 2000 Mark, inklusive Filmen, an eine Moskauer Firma. Diese wenigen Zeilen — dahinter kommt als nächste Eintragung: „Hm. Lieutenant Wilde 4 Mo- noelcs ä 1 Mk." — kennzeichnen den ersten Schritt zur Filmindustrie; während alle anderen kinematographischen Techniker von damals bestrebt waren, ihre Apparate als Iahrmarkts- budenzauber geheimzuhalten, trachtete Meßter da- so „entfeffelt“ arbeiten und ein ebenso bewegte- Dild erzielen kann, wie früher beim stummen Film. Die Aufnahme tonlich einfacher Szenen bereitet heute keine Schwierigkeiten mehr. Hier kommt eS nur darauf an, die Dekoration raumakustisch richtig zu behandeln, um dem Ton einen natürlichen, dem Raum entsprechenden Klangcharakter zu geben. Die Schwierigkeiten beginnen erst bei kombinierten Aufnahmen, etwa gleichzeitiger Verwendung von Dialog und Musik, die sich zum Bild und vor allem zur Dildmontage ganz verschieden verhalten. Der Dialogsah besteht aud Worten, prägnanten, in sich abgeschlossenen Lautgebilden. Bei reinen Dialogszenen kann daher der Tonstreifen entsprechend dem Bildstreifen und den verschiedenen Kameraeinstellungen geschnitten und zusammengesetzt werden, was ja notwendig ist, um eine genaue Hebereinftimmung zwischen Bild und Ton — Synchronismus — zu wahren. Ein musikalischer Satz verlangt keine so präzise Hebereinftimmung mit dem Bild, dagegen kann er nicht aus mehreren Aufnahmen zusammengesetzt werden, weil eine Rote in die folgende hinübertönt. Deshalb muß man im Falle musikalischer Untermalung bei der Montage des Films eine andere Methode anwenden: man schneidet in das Bildband verschiedene andere Bildeinstellungen ein. jedoch unter Beibehaltung des einen, fortlaufend aufgenommenen Sanft reifend. Um es überhaupt möglich zu machen, Dialog und Musik gleichzeitig zu bringen, z. D. ein tanzendes Paar im Gespräch zu zeigen, ohne daß man dies in einer einzigen gleich- bleibenden Kameraeinstellung machen müßte, war cs notwendig, einen Apparat zum elektrischen Mischen der Töne zu konstruieren. Gleichzeitig mit dem Bild wird nur der Dialog und der „Geräuschteppich" ausgenommen, die Musik aber wird mit Hilfe des elektrischen Mischapparates nachträglich hinzusynchronisiert, wenn die Szene in Bild und Ton bereits völlig fertiggeschnitten ist. Dabei fällt es nicht schwer, den musikalischen Rhythmus mit dem Bewegungsrhythmus derTan- zenden in Einklang zu bringen. — Für die Ermöglichung von Aufnahmen in freiem Gelände war von besonderer Bedeutung die Erfindung einer geräuschlosen Lichtmaschine. Die alten Lichtmaschinen verursachten einen derartigen Höllenlärm, daß sie für Tonfilmaufnahmen nicht in Frage kamen. Anderseits sind Freiaufnahmen ohne künstliches Licht nur in seltensten Fällen möglich. Die neue Lichtmaschine, die im letzten Winter erstmalig erprobt wurde, hat diese Schwie- nach, den Kinematographen verkausssähig zu machen. Das Wort „Abblenden", aus dem Filmdeutsch in die Alltagssprache übernommen, stammt vom langsamen Zudrehen der 3risblende des Aufnahme» apvarates. wodurch das allmähliche Verdunkeln des Bildes am Schluß einer Szene erreicht wurde. Oskar Meßter erfand statt dessen den Schiebe- schlih, der während des Kurbeldrehens automatisch das Bildfenster schloß; eine Erfindung, die heute noch in jedem Film duhendmal an- gewendct wird. Kaum ein Gebiet der Kinematographie hat Oskar Meßter nicht als Pionier betreten: wir leben das erste Amateurkino, den ersten Breitfilm - Z e i 11 u p c n a p p a r a t für wissenschaftliche Zwecke, den ersten Dreifilter-Farbenapparat. das erste Schmalfilmkino und den ersten plastischen Film. Daß aber auch der Tonfilm Oskar Meßter zum Vater hak. ist heute kaum mehr bekannt. Schon 1903 begann Meßter mit dem "Zusammenkoppeln von Bild und Ton. Er kaufte Carusoplatten, steckte einen Schauspieler in eine dem Maestro ähnliche Maske und filmte feinen scheinbar singend aufgerissenen Mund samt Gesten und Mimik, genau zur Musik passend. Ein anderes System, später ausgearbeitet. war die Verbindung zwischen Film und elektrischem Klavier. Meßter ließ eine Anzahl Rollen vom „Drcimäderlhaus" für das Pianola aufnehmen und filmte die dazu gehörige Handlung. Reben diesem System erfand Meßter schon vor zwei 3ahrzehnten den ..Synchromotor", der Bild- und Tonaufnahme gleichzeitig regulierte und im Prinzip noch heute beim modernen Tonfilm angewendet wird. Patentstreitigkeiten setzten diesen Anlauf kurz vor dem Kriege ein Ende. Meßter erfand ein weiteres Tonbildsystem, dessen Hauptbestandteil ein Zifferblatt zur Regulierung der Dorführungsgeschwindigkeit bildete. Aber die Kinovorführer waren nicht dazu zu bewegen, auf dieses Zifferblatt aufzupassen, und die sich ständig vergrößernde Disferenz zwischen Bild und Ton war von zwerchfellerschütternder, unfreiwilliger Komik. Während des Krieges baute Meßter technisch ausgezeichnete Apparate zur Geländephotogra- phic vom Flugzeug aus; Filmstreifen hielten die überflogene Gegend mit größter Genauigkeit fest. Eine interessante Konstruktion ist auch die „QHa- rigfeiten au- dem Wege geräumt, so daß totr in den Tonfilmen der kommenden Soifon wahrscheinlich wieder mehr „echte Ratur" zu sehen bekommen werden. 3n manchen Fällen läßt sich aber eine gleichzeitige Aufnahme von Ton und Bild auch mit der besten und beweglichsten Apparatur nicht bewerkstelligen. Beispielsweise sollte einmal ein Dialog in einem dahinrasenden Motorboot ausgenommen werden. DaS Knattern deS Motor- übertönte den Dialog derart, daß die Worte nicht zu verstehen waren. Cs ergab sich damit die Rotwcndig- keit. den Dialog in einem den Lippenbewegungen der Schauspieler genau entsprechenden Rhythmus nachträglich auszunehrnen und dem Bild zu unterlegen. Hm solche Rachsynchronisierungen ganz genau durchführen zu können, sind besondere Verfahren ausgearbeitet worden. Eine- der bekanntesten besten. daS sog. .Rhythrnographie"- Derfahren. benutzt ein Dlankfilmband. das im „Rhvthmonom' genannten Apparat gleichzeitig mit dem Bildsilm abgespielt wird. Aus diesem Dlankfilmband wird mittels einer besonderen Tastatur die Einteilung der Dildszenen und die Betonung des Textes genau vermerkt. — Hiernach wird unter den rhythmischen Zeichen der entsprechende Text eingetragen, der vom Schauspieler bei der Tonaufnahme an einer Richtmarke abgelesen wird, so daß sich eine genaue Heberem- stimmung des Bildes mit dem nachträglich aufgenommenen Ton ergibt. Reben zahlreichen anderen HilfSapparaten. die im Laufe des letzten 3ahres für die Tonfilmaufnahme entwickelt wurden. ist vor allem noch der „elektrische Kapellmeister" erwähnenswert. Diese Vorrichtung wird am Dirigentenpult angebracht und gibt dem Orchcsterleiter während der Tonfilmaufnahme mit Lichtzeichen den Takt an. Sin gewöhnliche- Metronom kann für Tonfilmzwede natürlich nicht Verwendung finden, weil sein Tiden vom Mikrophon mit ausgezeichnet würde. Für die künstlerische Entwicklung den Tonfilms ist die Konstruktion solcher Hilssapparatc im Grunde wesentlich wichtiger alS die rein technische Vervollkommnung der eigentlichen Son» apparatur. Die technisch-handwerkliche Grundlage des SonfilmS ist so kompliziert, daß der silm- schaffende Künstler erst durch die Hinzunahme solcher Hilfsgeräte die Möglichkeit erhält, seine an keine Scchnik gebundenen 3ntentionen In die tonfilmische Wirklichkeit umzusehen. Ratürlich muß der Regisseur heutzutage erhebliche technische Vorkenntnisse besitzen, um beurteilen zu können, welche Möglichkeiten ihm die komplizierte Ausnahmeapparatur in jedem Fall bietet. Sheoretisch gibt der tönende Film Ausdrudsmöglichkeiten. die zur Zeit wohl nicht zu überbieten sein dürsten; praktisch hängt die künstlerische Entwidlung des Son» films von der künstlerischen Phantasie des Filmherstellers und der Beherrschung der technischen Grundlagen der Sonfilmaufnahme ab. Vorläufig entwickelt sich die Scchnik dcS Tonsilms weitaus zielbewußter und gradliniger als seine künstlerische Form. Während der künstlerische Stil des Tonfilms sich jetzt erst allmählich anzudeuten beginnt, hat seine Technik auf vielen Gebieten bereits kaum überbietbare Spitzenleistungen erreicht, wie etwa den Bau schall- und erschütterung-sicherer TonfilmatclierS. Was noch vor zwei wahren sorgfältige Experimente und einen großen Zeitaufwand erforderte, wird heute mühelos und fehlerfrei berechnet. Ein Beispiel lieferte der kürzlich erfolgte Umbau der Atelieranlagen der Ufa in Tempelhof für Tonfilmzwede. Um ganz sicher zu gehen, daß der Umbau jede Störung von außerhalb auch wirklich verhindere, beschloß man, die Probe aufs Vxempel zu machen. Man stellte im Atelier eine Reihe besonders empfindlicher Mikrophone auf und mietete ein Flugzeug, das in niedrigster Höhe über den Dächern des Ateliers dahinstreichen sollte. Pünktlich zur festgesetzten Zeit wurde die Apparatur schinengewchrkamera". die bei Hebungdflügen am Beobachters!!) des Flugzeugs anmontiert wurden und durch Zielkinematographie genau anzeigten. ob der Beobachter gut „getroffen“ hatte. Auch für den Humor ist in diesem Museum gesorgt. Er wird geliefert durch die uralten Pho » t o s aud den ersten Filmen. Es sind Zeitdokumente, wie sie nicht eindringlicher gedacht werden tonnen. Wir sehen Henny Porten als schmachtenden Badfisch oder Meißener Porzellanfigur, Emst Reichert (noch vor seiner Zeit als Meisterdetektiv Stuart WebbUi in der Rolle des Stehkragenkavaliers von 1908. Hnd dies alles in Dekorationen und Kulissen, die Alpdrücke aus dem Plüschzeitalter lebendig werden lassen. Auch historische Filme wurden gedreht: „Andreas Hofer" oder „Richard Wagner" oder gar „Salome" — cs läßt sich nichts überwältigend Komischeres denken als den Sanz der grausamen 3ungfrau mit dem Haupt des 3o- hannes in der Ausfassung der Filmleute jener Zeit. Die Meßter-Sammlung enthält ebenfalls ein Bündel Filmmanuskripte — wohl die ersten der Welt. Sie wurden meist auf die Manschette des Herrn Regisseurs geschrieben; einige sind als Schreibmaschinenkopien erhalten. Ein Manuskript aud den Kindertagen bed Filmd sah so aus (einschließlich „Szenarium", „Personenzettel" und „Requisitorium"): „Kurze Freude. Mann mit Karren Sand, steckt Pfeife an, 3ungc sitzt auf, Mann leert Sand aus, 3unge kollert herab. THZann. Thinge. 3m Freien, Karre, Sand, Graben, eventuell mit Wasser." Die Länge eines solchen „Monumentalfilms" betrug etwa zwanzig Meter und beanspruchte einige Sekunden Dorführungsdauer. Reben diesen Raritäten sieht man noch ein Programm einer Filmvorführung im Mai 1914 beim deutschen Kronprinzen und einen Vertrag der Mehter-Filmgesellschaft mit Henny Porten für zwölf Filme pro 3ahr. Ratürlich sind auch die Filme selbst aud jenen 3ahren aufbewahrt; sicherlich wird das Deutsche Museum gelegentlich die eine oder andere dieser Delikatessen vorführen. d i n unerl r ' Wirtschaft Oie Sparkasseneinlagen Ende Juli. sich ein Politiker wünschen Tarnt. Als Industrieller gehört er natürlich zu den Anhängern des Schutzzolls, und auch den Reichszollvereinsbestrebungen steht er nicht fern. Wenn sich der Rachwuchs der konservativen Partei in erster Linie aus diesem Typus zusammensetzt, dann kann man um ihre fernere Zukunft besorgt sein. Der neue englische Außenminister, aus dem liberalen Lager kommend, der Earl of Rea- ' g, hat mit seinen 71 Jahren nicht nur eine ____.•pört sensationelle Vergangenheit, sondern auch eine unerhört glänzende Laufbahn hinter sich. Er kommt frisch aus den Flitterwochen, die er mit seiner zweiten Frau — seiner ehemaligen Sekretärin — im sonnigen Süden verlebte, ins Foreign Office und bringt, was Menschen- und Länderkenntnis betrifft, alles mit, was ein Prüfung mit dem großen Generalstreik kam, war er an der rechten Stelle: durch Geduld, Zähigkeit, Würde und faire Handlungsweise führte er ihn zu einem Ende, daß beim Friedensschluß weder bei den Siegern noch den Besiegten, d. h. den Arbeitern, ein Stachel der Verbitterung zurückblieb. Das hat man ihm nicht vergessen. Aus feiner religiösen Gesinnung heraus strebte er überhaupt eine Versöhnung und Zusammenarbeit zwischen Arbeit und Kapital an und hatte durchaus ein Auge für die neue industrielle Entwicklung der modernen Zeit. Ein liberaler Konservativismus, oder ein konservativer Liberalismus ist die Grundhaltung dieses Mannes, den von Snowdens Vudgetansichten nur sein Bekenntnis zu Schutzzöllen trennt $or einigen Tagen olle ReiäMalaa hinaewiefen wirb deiswechfei, erkennen ist, bei i lunft finden ko mit den Banken wand herab ertönte: „3um Donnerwetter, wo bleibt denn das verdammte Flugzeug?" Dieser Ausruf des Tonmeisters war das einzige, was das Mikrophon bei der Probe ausgezeichnet hatte. Alle Versuche des vierhundertpferdigen Flugzeugmotors, sich bemerkbar zu machen, waren hinter den schallsicheren Atelierwänden ungehört verhallt. eingeschaltet und daS Flugzeug begann über den Ateliers seine Kreise zu ziehen. Tags darauf lieh sich die Direktion die Probeaufnahme zur Prüfung vorführen. Gespannt lauschte man, ob das Flugzeuggeknatter aus dem Lautsprecher ertönen würde. Aber die Leinwand blieb stumm, — bis plötzlich in die atemlose Stille hinein die verzweifelte Stimme des Tonmeisters von der Lein- Sir Austen Chamberlain kennen wir aus eigener Erfahrung: Genf, Locarno, London, heimliches Flottcnablommen u. a. Erinnerungen erwecken keine Sehnsucht danach, ihn wieder im Foreign Office zu sehen. Seine Zeit ist vorbei. Dafür spielt fein Bruder Reville, zum zweitenmal Gesundheitsminister Englands, eine immer stärkere Rolle im konservativen Lager. Er hat soeben erst die Reorganisation der Partei vollendet und ist Baldwins vertrautester Mitarbeiter. Sein Großvater war, wie alle Chamberlains vor ihm, ehrbarer Schuhmachermeister in London, und selbst sein Vater, der große Joseph Chamberlain, der Imperialist, erlernte noch dieses Handwerk. Heute zieht die Familie Chamberlain einen ansehnlichen Wohlstand aus einer Schrau- bensabrik in Birmingham. Während Sir Austen, des Vaters Liebling und fein Geschöpf, bald hervortrat und eine lange parlamentarisch-politische Laufbahn mit dem Hosenbandorden und höchster königlicher Gnade belohnt sah, obwohl nach Geist und Gaben fein Schicksal war, ein schwacher Schatten des großen Vaters zu bleiben, blieb fein Bruder Reville bis in die jüngste Zeit hinein im Hintergrund. Erst im ersten Kabinett Baldwin, 1923/24, zieht er als Schatzkanzler in die Regierung ein und trägt mit Baldwin zusammen die heute erst recht schwerwiegende Verantwortung für jenes großzügige Schulden- abkontmen mit Amerika, wo man aus Prestigegründen Pfund für Pfund der erhaltenen Anleihen zurückzuzahlen sich verpflichtete, während man seinen frastzösischen Schuldner unerhört leichten Kaufes davonkommen ließ. Im zweiten Kabinett Baldwin und jetzt wieder verwaltete er das Amt des Gesundheitsministers, seine wirklichen Fähigkeiten liegen aber in der Verwaltung und in den Finanzen. Seine politische Karriere hat erst begonnen. Wahrscheinlich wird er noch eine Rolle zu spielen haben, denn auch feine politischen Gegner schätzen ihn hoch ein. Ende Juli 1931 beliefen sich die Spac- bei den deutschen Man kann in England Minister sein und doch nicht zum Kabinett gehören. So geht es jetzt z. B. dem würdigen Sir Au st en Chamberlain, der sich heute mit dem, an sich natürlich wichtigen, Amt des Marineministers begnügen muß, aber nicht zum eigentlichen Kabinett Zutritt hat. Im Kabinett versammelt der englische Premier seine eigentlichen, vertrauten oder unentbehrlichen Mitarbeiter. Sie brauchen durchaus kein wichtiges Amt zu bekleiden. V a l d w i n z. B. ist nur President of the Council geworden, ein Amt, das keine praktische Bedeutung mehr hat. Aehnlich ist es mit dem Lord Privy Seal, dem Großsiegelbewahrer, oder dem Chancellor of the Duchy of Lancaster. Der eigentliche Titel des Ministerpräsidenten selbst heißt First Lord of the Treasury, obwohl er nicht das geringste mit dem englischen Staatsschatz zu tun hat. Es geht daraus schon hervor, daß das englische Kabinett immer noch eher aus Köpfen statt Technikern, aus Führern statt Exponenten einer Gruppe oder Interessenvertretung besteht. Zu den wichtigsten „Reum" im Kabinett der Rationalen Regierung gehören Baldwin, Reville Chamberlain, Cunliffe Lister, Lord Reading und Sir' Herbert Samuel. Das Kabinett der Köpfe. EngLandsneueMänner. GneintereffanteSchau über dieMitarbeiier Macdonalds Bettln, L- luag vom IRilfo konifah o°n batdfahvonl 0i : DisfontRnfuni I 'ücichsbank hat l'j im Ginne lof. . entmirfeü. D.e A । s. Äugust noch dc chhttn bis zum 695 !M Mark, sich auch in der fort; erst vom 28 einjefoenben W Eine etwa gleich tenumlaui a Staub am 26.21 erreichte. Die t lichkeiten ers ucijme aus rund ab überwogen bi bar, baß bie III. ren genaue 3ille: liegen, sich in bui zen gehalten hoi 9lotinumtauf mit Äch bas übliche ten buch ®olb i etwa 393 v. h. Ende Ai. Der Rechbanks [ammlung bam l strebt ist, ihre wieberhergesteüte weilen Mischa faffeneln[agen — Sparkassen auf 10805,99 Mill. Mk., gegen 11073,61 Mill. Mk. Ende Juni 1931. Der Berichtsmonat weist mithin eine Abnahme um 267,62 Mill. Mk., gegenüber einer Abnahme um 152,18 Mill. Mk. im Juni auf. Im einzelnen betrugen die Einzahl un gen insgesamt 434,54 (Juni 529,82), davon aus Aufwertung 5,18 (6,84) und aus Zinsgutschriften 10,18 (7,82) Mill. Mk. und die Auszahlungen 702,16 (682,00) Mill. Mk. Die Scheck-, Giro-, Kontokorrent- und Depv- fiteneinlagen stellten sich Ende Juli auf 1270,13 Mill. Mk. gegen 1355,78 Mill. Mk. Ende Juni. Die Statistik der Spareinlagen bei den deutschen Sparkassen im Juli ergibt einen Rückgang von rund 268 Mill. Mk. — 2,4 Prozent des Bestandes zu Beginn des Derichlsmonats. Der Rückgang geht vor allem auf verringerte Einzahlungen zurück (419 gegen 515 Mill. Mk. im Vormonat und 626 Mill. Mk. im Juli 1930), weniger auf die Steigerung der Auszahlung, die sich zwar auf dem erhöhten Riveau des Vormonats halten (702 gegen 682 im Juni und 535 Mill. Mk. im Juli 1930), aber nicht wesentlich gestiegen ist. Bemerkenswert ist demnach vor allem, daß trotz der Vertrauenskrise erhebliche Einzahlungen vorgenommen wurden. Insgesamt ist der Rückgang nicht so stark wie hier und da zunächst angenommen wurde. In den beiden Monaten Juni und Juli gingen die Einlagen um insgesamt nur 420 Mill. Mk. Vornan vl Copyright by ; Sortierung. & schwieg g, •j Tränen ju "ach Wi lange bt)Wt. Frau wo in brr tzy 10 unerträglich' Sie hatte danach toicbet slanöljch har < M der Heim! toteber, Gertru ung beiden?" Kloh, und' Da tol versucht die q 4hi kennst Fi ^alte blickte 1 hatte es UL»-«. "'°°7 Hfi. «dm/, » einS Er rirf.», -otu deil die bi>w h. Uanb'e M Mfcn t,5 sie er lu$* f »°! « W nVC Na ,.»Sieh 9(JC ju [ Mt f^M Stanley B a l dw in. weder nach Alter noch Aemtern ein heuriger Hase mehr, kehrt jetzt nach Downingstreet als Helfer Macdonalds zurück, dem er im Juni 1929 als geschlagener Ministerpräsident das Feld räumen mußte. Führer der Konservativen, aber nicht mehr unbestrittener Führer. Die Jugend und die wilden Männer um die Presselords Deaverbrook und Rothermere, wahrscheinlich auch der kapriziöse Winston Churchill möchten ihn am liebsten abhalftern. Aber bisher blieb Baldwin, wenn immer die Machtprobe in der Partei kam, Sieger. Man sagt, und es ist- wohl auch so, daß er Führer bleibe, weil es zur Zeit keinen andern gäbe. Aber das ist nicht der einzige Grund. Denn Baldwin ist beliebt, nicht nur bei den City- leuten, Industriellen und den Edelleuten, sondern auch bei den Arbeitern, den Pastoren und kl-^nen., Leuten. Denn Baldwin scheint der personifizierte englische „common sense“, der gesunde Mens nverstand zu sein. Aller Phrase, allen Lloyd Georgeschen Hexereien abhold. Ein schlichter, etwas schwerfälliger Mann, mit der kurzen Pfeife in jeder Lebenslage, alles andere als elegant. Er könnte ein gebildeter Landpastor fein, der gerne Blumen und Schweine züchtet. Das letztere tut Baldwin übrigens mit Erfolg. Ein Schüler Harrows zwar, aber kein Musterschüler und doch ein Typ und Produkt Les englischen Bildungsideals. Belesen und bewandert in Büchern, Ländern und Landschaften und — in der Bibel. Seine tiefe, einfache und unkomplizierte Frömmigkeit ist fein Kompaß tn den Wassern der Politik, in denen er eigentlich nichts zu tun hatte, denn er kommt aus der väterlichen Eifenbranche, Baldwin Ltd. Seine politisch-parlamentarische Lausbahn hat nichts Sensationelles an sich. Bon 1917 bis 1921 Sekretär im Schatzamt wird er ganz plötzlich 1922 nach Donar Laws Tod zum Führer der englischen Konservativen gewählt, weil er sich für den echten, alten englischer Typ des nüchternen, braven, ehrlichen aber bombensicheren Führers ein* fetzte. Es galt England von den Verwirrungen und Teufelskünften der Koalitionszeit der Lloyd Georges und Churchills zu reinigen und dafür war Baldwin der rechte Mann. So bildete er 1923 die erste konservative Regierung und kehrte nach einem kurzen Labour- zwifchenakt 1924 zum zweitenmal als Premier an die Macht zurück. Als die Stunde der zurück. Regional zeigen sich diesmal nicht so erhebliche Unterschiede wie im Juni. Zur Wiedereröffnung de- Börsenverkehrs. In den Räumen der Frankfurter Handelskammer fand gestern zwischen den Interessenten, Bankiers, Kurs- und freien Maklern eine Aussprache über die bevorstehende Börseneröff- nung statt. Der Vorsitzende des Dörsenvorstan- des, Oscar Oppenheimer, legte die Schwierigkeiten dar, die bei der bevorstehenden Wiedereröffnung der Effektenbörse überwunden werden müssen. Er richtete einen sehr eindringlichen Appell an die jetzt für alle Mitglieder der Börse geltende oberste Pflicht der Selbstdisziplin im Interesse der Allgemeinheit und des Frankfurter Platzes, sowohl beim Handel, als auch bei dem ganzen übrigen Verhalten. Er machte ausdrücklich darauf aufmerksam, daß ein Handel z u anderen als offiziellen, von Kursmaklern notierten Kursen nicht erlaubt sei. Oie Leipziger Messe. Der Verkehr in den Leipziger Messehäusern hält sich gegenüber Montag in ziemlich gleicher Höhe und hat vielfach sogar zugenommen. Während der Besuch der B a u m e s s e mehr einen informatorischen Charakter hat, bleibt der Geschäftsgang bei der M ö b e l m e f s e, besonders in Kleinmöbeln, belebt. Auch der Umsatz in Dekorationsstoffen für die Innenausstattung ist auf der Textilmesse nicht unbedeutend. In der Porzellan- und Glasindustrie vollzieht sich das Geschäft ungleichmäßig. Die Umsätze in Außenminister sich wünschen kann. Rufus Daniel Isaacs wurde als Sohn eines kleinen jüdischen Zuckerhändlers im Castend von London geboren. Zu einer sorgfält gen Ausbildung in einer Grarnmar School und in Harrow oder Eton fehlten die Mittel. Der junge Rufus kam im Ausland in die Lehre, zuerst in Brüssel, dann in Hannover und Magdeburg. Aber die alte Kaiserstadt an der Elbe, die 1874 sicherlich weniger interessant war als heute, war nichts für einen 14jährigen Jungen, der darauf brannte, die Welt kennenzulernen. Rufus Isaacs riß seinem Lehrherrn aus und ließ sich als Schiffsjunge auf einer Fregatte nach Indien anheuern. Rach dreijähriger, mühseliger und stürmischer Fahrt landete er 1877 in der Mündung des Ganges im Märchenland Indien, dos er fünf Jahrzehnte später im Hermelin des Vizekönigs regieren sollte. Aber Rufus Isaacs kehrt nach London zurück und versucht es mit dem Advokaten. Mit unglaublicher Zähigkeit brachte er die für die Ausbildung erforderlichen Mittel zusammen. Sein scharfer Verstand und feine forensische Kunst verschafften ihm schnell eine große und einträgliche Praxis. Schon nach kurzer Zeit verfügte er über ein Einkommen, wie es nur englische Rechtsanwälte von Ruf erreichten. In das Unterhaus kam er als liberaler Abgeordneter für Reading. 1910 wurde er Generalstaatsanwalt. Drei Jahre später Lord-Oberrichter von England — übrigens mit 160 000 Mark eine der bestbezahlten amtlichen Stellungen — U"d damit Mitglied des Oberhauses. Wäre der Krieg nicht gekommen so hätte Rufus Isaacs fein Leben als Lord-Oberrichter abgeschlossen. Der Führer des ersten Kriegskabinetts, im Reichstag — hatte ich zu einer Vorlage sehr viel zu sagen gehabt, und deswegen wurden mir von mehreren Parlamentskollegen gründlich die Leviten gelesen. Ich wollte noch einmal das Wort nehmen, aber da war schon die Debatte abgeschlossen. Was nun? In diesem Augenblick erhob sich der Kanzler von seinem Platz, erhielt das Wort und sagte zu dem Hohen Hause: „Ich werde für den Abgeordneten Gerlich sprechen!" Und verteidigte meine Ansicht so gut, wie ich es wohl kaum vermocht hätte. Und dann kam das Jahr des Abschieds. Richt lange vor dem Ausscheiden Bismarcks aus den Diensten des jungen Kaisers hatten mich seine Gegner schon ausgebootet, ich kehrte wieder zum diplomatischen Dienst zurück, ging nach Indien, nach der Türkei, wie mir der Orient immer eine wichtige und interessante Arbeitsstätte schien. Einmal jedoch, im Jahre 1894, sah ich den Kanzler wieder. Ich suchte ihn in Varzin auf und bat um die Erlaubnis, einen Huldigungszug meiner Landsleute von Westpreußen zu ihm führen zu dürfen. Gr willigte nach einigem Sträuben ein. Und nun brachte ich in meinem Heimatkreis den Marsch erst einmal zu Papier. Ich organisierte jeden Reisetag, denn für zweitausend Menschen muß gesorgt werden. Alles klappte denn auch wunderschön: wir trafen in Varzin ein und huldigten dem Kanzler des Deutschen Reiches. Die Wiedersehensfreude war auf beiden Seiten groß, der Kanzler ließ mich nicht los, wollte mich nicht einmal für die kurze Zeit freigeben, die für die Begrüßung der Fürstin notwendig war. Und bis zum letzten Augenblick mußte ich ihm erzählen: er interessierte sich ja für so viele Dinge. Das war das letzte Mal, daß ich den Kanzler sah. Gelegentlich wohl erhielt ich noch von ihm ein paar freundliche Zeilen, die Antwort auf Grüße, die ich ihm aus meiner Konsulartätigkeit schickte. Dis eines Tages die Rachricht von seinem Ableben kam, sie erreichte mich fern von der Heimat, und so war es mir versagt, den großen Kanzler auf seiner letzten Fahrt zu begleiten. Aber gern und immer wieder erinnere ich mich der Tage, da ich Handlanger des Fürsten sein durfte, Der Deutschland zum mächtigen Reiche in der Welt gemacht hatte. E. W, Ä?" M * W. S-Z Rückgang l" 9 fiel die Schrecken dieser Rächt von mit einreichen. Gr gab ihn mit der Randbemerkung „Mit schauderndem Interesse gelesen" an die Kaiserin weiter, wir sanden das Dokument nach vielen, vielen Jahren. Aber Sie wollen ja von Dismarck hören. Amerika betrieb in Diesen Jahren eine ausgesprochene Schutzzollpolitik, die ich aufmerksam verfolgte. Heber meine Deobachtungen gab ich einen sehr gründlichen Bericht nach Berlin, und der kam dem Reichskanzler in die Hände. Er wurde auf mich aufmerksam, und eines Tages kam die Berufung nach Berlin. Bismarck verfolgte natürlich damit sehr reale Dinge: auch bereitete er zu dieser Zeit für Deutschland eine umfassende Schutzzollgesehgebung vor, und da war ich ihm als Fachmann natürlich gerade recht. Zunächst einmal leistete ich allerlei wichtige Vorarbeit im Handelsministerium, und als dort meine Aufgabe erfüllt war, berief mich der Kanzler in das Auswärtige Amt, wo ich sehr oft mit ihm zusammenkam und mit ihm gemeinsam an der Verwirklichung seiner Pläne arbeitete." „Wie war Bismarck eigentlich als.Vorgesetzter^, wenn das Wort hier einmal gebraucht werden darf, Herr Geheimrat?" „Wie wird man sich das vorstellen? Sicher doch wohl so, als daß da ein Tyrann, ein Despot im Auswärtigen Amt herrschte und allen seinen Mitarbeitern seinen Willen aufzwang. Das ist aber ganz und gar falsch, Bismarck forderte zwar von jedem seiner Beamten unglaublich viel, aber nicht zuviel. Er setzte voraus, daß jeder auf das genaueste und sorgsamste seine Pflicht tut, aber er lieh in allem Eifer der Arbeit doch den Menschen gelten. Er bekam es oft und immer wieder fertig, mich nach Schluß der Dienststun- den, wie sie offiziell vorgeschrieben waren, zu sich in das Kanzlerpalais zu laden, mit ihm zu speisen. Und dann unterhielten wir uns aufs beste über seine Erinnerungen, sprachen seine Pläne durch, und plötzlich waren wir wieder mitten drin in unseren dienstlichen Angelegenheiten. So kam es, daß mir kein Auftrag je lästig wurde. Für jeden seiner Beamten trat Bismarck sehr entschieden ein, wenn es einmal Zank und Streit mit anderen Stellen gab — davor sind auch die Behörden nie verschont geblieben. Einmal — da war ich konservativer Abgeordneter Asquith, berief Isaacs tn daS Schatzamt, fca8 Lloyd George als Kanzler verwaltete. Von Isaacs, der inzwischen in den Ritterstand erhoben war, stammte der Plan, sofort bei Ausbruch des Krieges ein Moratorium zu erklären, aber zugleich vom Staate die Zahlung der Wechsel, die sich auf Hunderte von Millionen Pfund beliefen, garantieren zu lassen. Es war ein kühner Gedanke, aber er glückte. Sir Rufus wurde jetzt mit einer Baronie geehrt und seine finanziellen Fähigkeiten dazu benutzt, um als Präsident der englisch-französischen Anleihe-Kom- Mission nach Amerika zu fahren und dort die notwendigen Gelder für die Kriegführung der Alliierten zu beschaffen. Seine Verdienste bei der Beschaffung der amerikanischen Anleihen und zweifellos wohl auch bei dem Eintritt der USA. in die Reihe der deutschen Kriegsgegner wurden dadurch belohnt, daß er bereits 1917 zum Earl, Ende 1917 zum Viscount of Reading erhoben wurde. Dann legt ihm fein König, ein in der englischen Geschichte unerlebter Vorgang, 1921 Hermelin und Purpur des indischen Vizekönigs um die Schultern. Mit königlichen Ehren empfangen, steigt er in Bombay an Land und findet ein rebellierendes, die Folgerungen aus dem Krieg ziehendes Indien vor. 1926 verläßt er es unter königlichem Salut, noch immer-gälgrtb, aber doch — vorläufig — ruhiger und geordneter. Run soll er die englische Außenpolitik leiten. Man weiß nichts über feine An- und Absichten. Aber soviel hat er an Ort und Stelle gesehen, daß nur ein angesehenes, kraftvolles England sein indisches Reich erhalten wird. * Marcus Samuelist qls Lord Dearsted der Schöpfer der großen Shellgruppe im Weltpetroleumgeschäft. Sir Herbert ist ebenfalls mit dem Petroleum verschwägert. Sein Hauptverdienst für England liegt aber in der Gewinnung der jüdischen Sympathien im und nach dem Krieg durch die Schaffung des Mandats Palästina. Er wird als erster Hoher Kommissar in das Land seiner Ahnen gesandt und es gelingt ihm, dis dort hart aufeinanderstohenden jüdischen und arabischen Interessen ohne Blutvergießen auseinanderzuhalten. Es gelingt ihm auch, die Interessen der britischen Petroleumgruppen im Auas zu behalten, denn in der Rähe liegen die Mossubi quellen und eine direkte Oelleitung soll zum palästinensischen Hafen Haifa gehen. Später wird er einer der wichtigsten liberalen Führer neben Lloyd George, und als dessen Vertreter übernimmt er jetzt das englische Innenministerium. De? Mim, der Vismarck kannte. Dieser Tage beging der Wirk!. Legationsrat a. D. Hermann Gerlich, ein ehemaliger Mitarbeiter des Fürsten Bismarck, in Berlin seinen 87. Geburtstag. Ein Haus im westlichen Berliner Vorort — Friedrnau, freundlich, hell, luftig. So vorbildlich hat man einmal in der Vorkriegszeit gebaut, und trotzdem ist das Schlagwort von Der Mietskaserne aufgekommen. Still und ruhig ist es in dieser Straße: es muh schön sein, hier einen gesegneten Lebensabend zu verbringen. Aber der Mann, der mich da in seinem Studierzimmer empfängt, der 87jährige Kaiserliche Wirkl. Geheimrat Gerlich, denkt noch gar nicht — das zeigt der erste Blick in die so energischen lebhaften Augen — an den geruhigen Lebensabend. In ihm lebt noch Kämpfergeist. „Ich lebe schon wer weiß wieviel Jahre fernab von meiner Heimat, aber ich kann nicht die schöne Sitte des geraubten Westpreußens vergessen, den Gast mit einem Trunk zu grüßen!", so eröffnet der freundliche Gastgeber das Gespräch. Hnb wir stoßen noch einmal nachträglich auf den soeben begangenen Geburtstag an. „Was wollen Sie von mir hören?" „B i s m a r ck", sage ich nur, „Herr Geheimrat, Sie sind doch einer der ganz wenigen Menschen in Deutschland, die ihn noch persönlich kannten. Und fast der einzige, der mit ihm zusammengearbeitet hat. Wie kamen Sie zum Reichskanzler?" „Run, das hat alles ein bißchen Vorgeschichte. Rach den siebziger Jahren mußte ich al8 junger Diplomat zunächst nach Aegypten und dann nach Amerika, nach Reuyork. Da hatte ich als frisch- gebackener Ehemann gleich einmal Malheur. In dem Hotel, das uns beherbergte, brach zu nächtlicher Stunde ein Brand aus. Die Treppen waren verqualmt, von der Feuerwehr weit und breit noch nichts zu sehen. Kurz entschlossen nahm ich da meine Frau in die Arme und sprang mit ihr aus dem Fenster. Sie kam glücklich unten an, ich hatte mir allerdings einen Beinbruch zugezogen und war für geraume Zeit dienstunfähig. Liebrigens ließ sich der alte Kaiser einen Bericht über Sir Philip Cunliff-Lister, diesem jungen, 47jährigen und ehrgeizigen Politiker sagt man nach, daß er eine ziemliche Aehnlichkelt mit dem Typ Menschen habe, die wir auch in Deutschland als Anbeter des Erfolgs, gesellschaftliche Löwen, tüchtige Finanziers und Geschäftsleute, ehrgeizige Streber ohne innere Berufung mit Schaudern als Führer haben versagen sehen. Begabt und energisch, aber ohne das Kabel zum Ethisch-Moralischen, höflich und gewandt bis zu Aalglätte, aber ohne Wärme und Verantwortungsgefühl. In Baldwins Umgebung muß er sich merkwürdig ausnehmen. Er war schon einmal Handelsminister und wurde jetzt sogar ins engere Kabinett ausgenommen. Offizier, Industrieller Jurist, Mitarbeiter der Firma Vickers, reich und angesehen in der Gesellschaft, also über alle Voraussetzungen verfügend, die Zeitschriften. — Im Juliheft der Zeitschrift „Europäische Gespräche" (Verlag Dr. Walther Rothschild, Berlin-Grunewald), zeigt 21. Mendelssohn Bartholdy am Fall der „Minderheiten im Irak", wie die Son- derpolitik der Großmächte in und neben dem Völkerbund mit ihren Jnteressenverslechtungen die Mandatsidee aushöhlt, so daß der Völkerbund sich seiner vielleicht wichtigsten Schutzpflichten oft nur formell zu entledigen vermag, ohne den Völkern und Minoritäten seinen Beistand leisten zu können. Professor William Rapvard (Genf) gibt ein umfassendes Bild der Gesamtmöglichkeiten des Völkerbundes, die, wenn, die Völker wollen, durch ihn Verwirklichung finden.' können. — „Berlin er, Monatsh e ft e", 9. Jahrgang, Augustheft 1931. Quaderoerlag G. m. b. H., Berlin NW 6, Einzelpreis 1,50 Mark. — Graf Montgelas bringt seine ausführliche kritische Würdigung der Werkes des amerikanischen Historikers Professor Bernadotte E. Schmitt über den Ursprung des Weltkrieges zum Abschluß. Graf Waldersee weist die Am schuldigungen zurück, die der amerikanische Heerführer während des Weltkrieges General Pershing in seinen Memoiren gegen die deutsche militärische und politische Leitung erhoben hat. Eduard Ritter von Steinitz gibt eine Darstellung der österreichisch-ungarischen Außenpolitik um die Wende 1912/13 auf Grund der österreichischen Aktenpublikation. — Die „I l l u st r i r t e Z e i t u n g" (I. I. Weber, Leipzig) weist in der neuesten Nummer u. a. auf den großen kulturellen Wert der deutschen Gaststätten hin — zu einer Zelt da das deutsche Gastwirts- gewerbe schwer um seine Existenz ringt. Den Gastwirt, der sich vom behäbigen Wirt in Hemdsärmeln zum großen Hotelier und Restaurateur entwickelt hat, stellt uns Harry Nitsch in einem kleinen Aufsatz vor. Das Heer der dienstoaren Geister, das er befehligt, muß erst durch lange Schulung lernen, dem Gaste zu dienen und feinen Wünschen entgegenzukommen. Ein ganzseitiges Tableau bietet Ausschnitts aus einer Berliner Kellnerschule. Ein Loblied auf den Rebentrank singt Alexander von Gleichen-Ruß- wurm in einem Artikel „Sorgenbrecher Wein", und die Urgeschichte des Bieres behandelt Dr. Max Kemmerich. Die eingeftreuten Bilder — Zeichnungen, Ge- mälde, Stiche — zeigen Gaststätten aller Zeiten. W soll jutn Da» Später virL » Nchrer Mai tretet übernimmt IcthniL ’^a*btn Delt. « • * EbenialK ^mHauptver. öer Selvinnu-i "ach Sem Stieg ^«URina. « bi dar Canfr ilingt ihm, bie 'Wen und ata« Sieben aufcbu W, blt Inter« ■t» DZ 9.*‘ »um Tv! •dln2 'S- -in inU ergänz, {S rhren embfnr -Äi f bem Stieg rt" ? unte? 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