Ur. 126 Erstes Blatt 181. Zahrgang Dienstag, 2. Zum 1931 6r|d)etnt täglich, außer Sonntags und Fei erlag» Beilagen: the Illustriert« Vietzrnrr FamllienbläNei Heimat im Bild Die Scholle !Ronat$>Be$ng$preti: 2-20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Läger» lohn, auch bei ^d)ter- scheinen einzelnerRummem Infolge höherer Gewalt, Sern|pred)anl4lüfle enter5ammelnumm p a r r i uu. eine Information des „Popolo di Roma", daß „er niemals an irgend eine berufene Persönlichkeit, noch an sonst wen einen Brief oder eine Mitteilung habe gelangen lassen, die sich irgendwie auf die Katholische Aktion bezogen hätte". Die Polemik um die Katholische Aktion ist mit dem heutigen Tage in eine neue Phase eingetreten und vorerst eingestellt worden. „Lavoro Faseista" kündigt am Kopf des Blattes in Fettdruck an, daß es die in Gang befindliche Arbeit der verantwortlichen Stellen nicht stören wolle. Auch „Osser- vatore Romano" verzichtet bei der neuen Wendung der Dinge auf die Fortsetzung der Veröffentlichung der Deschwerdelisten. Oer Präsident der Katholischen Aktion erklärt. Rom, I.Juni. (WTB.) In einem Interview des in Bologna erscheinenden „Resto Carlino" mit dem Präsidenten der Katholischen Aktion, C i r i a c i, dementiert dieser die „falschen und tendenziösen Versionen", die über die Jahresversammlung der Katholischen Aktion verbreitet worden seien und erklärt u. a., die Zusammenarbeit mit dem Regime sei freiwillig und aufrichtig. Die Katholische Aktion dürfe unter keinen Umständen mit einer politischen Aktion verwechselt werden. Auch nicht entfernt könne die Katholische Aktion in Verbindung gebracht werden mit einer möglichen Wiederherstellung der früheren katholischen Volksparlei. Die Befürchtung, die Katholische Aktion könne ;um Mittelpunkt regimefeindlicher Bestrebungen werden, sei vollkommen unbegründet. Die Katholische Aktion werde fich immer nach den Richtlinien des Hl. Stuhles und in Uebereinstimmung mit den Bestimmungen des Konkordats außerhalb jeder politischen Arbeit einstellen. Die deutsch-österreichische Gemeinschast. Oie deutschen Zeitungsverleger bekunden in Wien die deuffch österreichische SchicksalSgemeinschast. Wien, 1. Sunt (WTD.) Sm Zeremoniensaal der Burg begannen heute die Verhandlungen der 3 7. Hauptversammlung des Vereins Deutscher Zeitungsverleger mtt einem Festakt, zu dem auch viele Ehrengäste, darunter die Vertreter der österreichischen Bundesregierung und der deutschen Reichsregierung, erschienen waren. Der Vorsitzende des Vereins Deutscher Zeitungsverleger, Kommerzienrat Dr. Krumb- tz a a r , sprach der österreichischen Bundesregierung, der Stadt Wien und dem Verband der Herausgeber der österreichischen Tageszeitungen seinen Dank aus für die Einladung nach Wien. Der Redner kam dann u. a. auf die Wechselwirkung zwischen Presse und Volk zu sprechen. Er erklärte u. a.: Von Anbeginn hat es der Verein Deutscher Zeitungsverleger als eine seiner Hauptaufgaben erachtet, das Bewußtsein der letzten und Höchsten Verantwortung zu schärfen und zu vertiefen. Gerade in unseren mit politischer Spannung erfüllten Tagen erwächst der gesamten deutschen Presse eine gewaltige Fülle bedeutungsvoller und verantwortungsschwerer Aufgaben im Hinblick auf unser gemeinsames Schicksal. Durch nichts kann diese Schicksals- gemeinschast stärker getäuscht werden, als durch die Ereignisse der letzten Tage. Der Wunsch Oesterreichs und Deutschlands, für das deutsche Völk beider Staaten einen breiteren und größeren Wirtschafts- und Dewegungsraum zu schaffen, um der wachsenden Verelendung Halt zu gebieten, und die wirtschaftliche Befriedung Mitteleuropas anzubahnen, ist bekanntlich in Genf auf stärksten Widerstand gestoßen. heute, wo das Deutschtum der äußeren Machtmittel beraubt ist, sind es allein die moralischen Kräfte, mit denen wir unsere Weltgeltung zu erringen und zu bewahren vermögen, und das wichtigste Werkzeug dafür ist die Presse. Für uns alle, die wir deutschen Volkstums und deutscher Zunge sind, ist die deutsche Sprache, ist das gedruckte deutsche Wort, ist die deutsche Zeitung das einigende Band geisttger Zusammen- gehörigkeit und gemeinsamen Volksttcms. Angesichts des ungeheuren Reichtums an Gütern des Geisteslebens, der Kunst, der Wissenschaft, der Technik, die das deutsche Volk der Welt geschenkt hat, sind wir stolz darauf, dieser Dolksgesamthett anzugehören. Unser Stolz kann durch äußeres Mißgeschick nicht gebrochen werden. Sn diesem Bewußtsein empfinden wir den heutigen Tag als einen Ehrentag für das gesamte Deutschtum." Der Redner schloß mtt einem begeistert aufgenom- menen Hoch auf dcn Bundespräsidenten Miklas, den Reichspräsidenten von Hindenburg und das gesamte Deutschtum. Nach den Begrüßungsansprachen der österreichischen und deutschen Regierungsvertreter sprach Kommerzialrat Fliege l namens des Verbandes der Herausgeber österreichischer Tageszeitungen und teilte dabei u. a. mit, daß Kommerzienrat Dr. Krumbhaar, Prof. Julius Ferdinand Wolff und Kommerzienrat Dr. h. c. Neven-DuMont zu Ehrenmitgliedern des österreichischen Verbandes ernannt worden seien. Nach Dankesworten von Kommerzienrat Dr. Krumbhaar, auch im'Namen der beiden anderen Herren, sprach Dr. Neven- Du Mont kurz den Dank des Vereins für dis Behördengrüße aus. Hierauf hielt Prof. Julius Ferdinand Wolff einen Vortrag über das Themar „Pressefreiheit und Kultur der Zeitung". Der Redner wies u. a. darauf hin, daß Wien eilt klassisches Schlachtfeld der Kämpfe um die deutsch« Pressefreiheit sei. Anhand eines reichen Tatsachenmaterials aus der österreichischen Geschichte schilderte der Vortragende die drei Versuche Knebelung zur Pressefreiheit, die in Oesterreich im Zeitraum der letzten 150 Jahre unternommen wurden, beleuchtete ausführlich das Aufkommen von Demagogie und den Mißbrauch der Pressefreiheit durch unverantwortliche Elemente und die daraus folgende erneute Knebelung der Presse durch Polizeigesetze. Der Vortragende umriß dann kurz die Grenzen zwischen Freiheit und Zügellosigkeit der Presse und kritisierte mit großer Schärfe Auswüchse des heutigen Pressewesens. Unterdrückt man die freie Bildung der öffentlichen Meinung durch Knebelung der Pressefreiheit oder dadurch, daß durch die demagogische Ausnutzung eines Massenwahnes Denken und Denker unterdrückt werden, dann wird das Vakuum, das durch den Ausfall einer wirklichen öffentlichen Meinuna . .tt- steht, von der rohen Gewalt eingenommen. Sie rohe Gewalt aber vereinigt sich in iyrer kulturzerstörenden Wirkung mit dem Materialismus, während in Wirklichkeit die Erneuerung des Geistigen in der Welt nur durch den Immaterialismus, das Metaphysische, entsteht. „Mögen Millionen", schloß er, „auch mit dem geschriebenen und gedruckten Wort in furchtbarer Weise das Göttliche in der Welt verleugnen, wir werden uns nicht den Glauben aufzwingen lassen, daß in diesem homerischen Kampf um die Kultur der schmähsüchtige und kulturlose Thersites Sieger bleibt." Im Anschluß daran fand eine geschlossene Arbeitstagung des Vereins Deutscher Zeitungsverleger statt. Sei der österreichischen Regierung zn ©aff. Die Teilnehmer an der Hauptversammlung waren heute abend Gäste der österreichischen Bundesregierung auf einem Bankett in den Fest- räumen der Burg. Spitzen der österreichischen Regierung sowie prominente Vertteter der deutschen Reichsregierung und hervorragende Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kunst, Wirtschaft, Zeitungs- und Buchdruckwesen nahmen an dem Bankett teil. Sm Rarnen der österreichischen Bundesregierung begrüßte Brotlose Kunst. Don Prof. Dr. h. r. Max Liebermann, Präsidenten derpreußischenAkademie derKünsie. Wenn man heute die Malerei als brotlose Kunst bezeichnet, so ist das keine llebertreibung. Die Aussichten für einen Maler sind heute alles andere als rosig. Wenn man mich fragt, ob ein junger Maler Aussicht auf Erfolg hat, ist das ungefähr dasselbe, als wenn man mich fragen würde, ob ein Bankbeamter Aussicht hat, ein Rothschild zu werden. Der Außenstehende hat nut eine schwache Vorstellung von den grauenhaften Zuständen, die im Zusammenhang mit der allgemeinen Rot der Zeit in Künstler kreisen herrschen, lind ttohdem bin ich der Meinung, daß wahre Tüchtigkeit die schwersten Hindernisse überwinden wird. Ein junger Künstler hat es niemals leicht gehabt. Heute aber ist sein Weg durch die äußeren Zustände in einer Weise gehemmt, wie dies frühere Generationen in dem Maße nicht gekannt haben: was für uns Maler natürlich äußerst traurig ist, für die Kunst aber nur einen Rückfall in die Situation vor dem Kriege von 1870/71 bedeutet. Als dann mit den fünf Milliarden Kriegsentschädigung — einer Summe, von der sich selbst Bismarck keine Vorstellung machen konnte — ein unermeßlicher Reichtum über uns ausyeschüttet schien, wurde aus der Malerei die milchende Kuh. Künstler und Kunsthändler und Kunstkäufer wuchsen, wie Pilze nach einem warmen Regen, aus der Erde. Die Malerei wurde ein einttägliches Metter, das seinen Mann ernährte. Seder junge Mann, der mit und in seinem Berufe unzufrieden war oder es in ihm nicht weiterbringen konnte, wurde Maler, /und es wurde ihm nicht allzu schwer, seine Bilder abzusetzen. Auf allen Gebieten des wirtschaftlichen Lebens sind heute die Preise gefallen und die Honorare zurückgegangen — das ist eine Tatsache, die allzu bekannt ist, um bei ihr länger zu verweilen. Die Preise für Bilder auf Kunstauktionen als auch bei den Kunsthändlern sind unendlich gesunken, selbst ein Rembrandt, wenn es nicht eines seiner Meisterwerke ist, erzielt höchstens noch die Hälfte der früheren Preise. Das Aller- schlimmste auf dem Kunstmarkt ist aber nicht der Preissturz selbst, sondern die Tatsache, daß ein junger Mann überhaupt kaum noch die Möglichkeit hat, feine Bilder zu verkaufen, wenigstens in Deutschland: welche traurige Tatsache wohl darin begründet ist, daß das Snteresse für bildende Kunst im Publikum nicht nur bedenklich gesunken, sondern gleich Rull geworden ist. Wenn ein junger Künstler mich um Rat fragt, mache ich ihn auf das Aussichtslose dieses Berufs aufmerksam. Wovon die jungen Künstler leben, das ist mir ein Rätsel. Rur in Paris hat der junge Maler immerhin die Möglichkeit, wenn er etwa auf dem March£ aux fleurs für 2 Sous einen Blumenstrauß ersteht und ihn abkonterfeit, dieses lünstlerische Erzeugnis für 5 oder 10 Francs irgendwo abzusehen. Cs ist das freilich nicht 1 viel, aber immerhin genügend für ein beschÄdenes Mittag- und Abendessen. Auch die Kauflust der Amerikaner hat nachgelassen. Früher haben Amerikaner in München oder Düsseldorf waggonweise Bilder gekauft. Heute ist dem nicht so. Und vielleicht liegt die Ursache dieser Erscheinung auch in der Entwicklung der Kunst. Wie nicht jedes Weinjahr gut ist, so ist auch nicht jede Epoche für die Kunst fruchtbar. Sede Epoche hat eine eigene Anschauung von der Ratur, und es ist möglich, daß die Anschauung der modernen Künstlergeneration die Käufer zum Erwerbe von modernen Bildern nicht allzu sehr reizt. Die Maler haben stets das Publikum, das sie verdienen, und umgekehrt hat das Publikum öii Maler, die es verdient. Trotz allem will ich die Hoffnung auf bessere Zeiten nicht sinken lassen. Man muß der Gegenwart Rechnung tragen und darf vor Tatsachen .die Augen nicht verschließen. Gewiß, der Staat tut gerade in Deutschland viel, um die Rot zu lindern und angehenden Talenten den Weg zu ebnen. Eine wichttge Bedeutung hat die Zusammenlegung der Kunstschulen mit kunstgewerblichen Schulen, denn die Entwicklung der heuttgen Kunst führt die Maler zu einer Einstellung auf bas Kunstgewerbe. Die Kunst scheint sich mir überhaupt in der Richtung zum Plakatarttgen äu entwickeln. Diese Entwicklung liegt in der Zeit, die offenbar angewandter Kunst günstiger ist. Dagegen ist nichts einzuwenden. Auf dem Gebiete der angewandten Kunst, der Reklame, des Plakates sowie auf dem Gebiet des Films, liegt das wahre Betätigungsfeld für den modernen Künstler. Gerade auf dem Gebiete des Plakats ist bereits seit einem Menschenalter Wunderbares erreicht worden, und zwar von den Franzosen wie Che ret, Toulouse-Lautrec, bei uns von Ty. Th. Heine und Gulbransson. Dor vierzig Sahren wurde der Plakatstil, den es ja auch in der Musik und Literatur gibt, im Pariser Cabaret du Chat-noir geboren. Dieser eigenartige Stil hat die Umwälzung, wie sie heute vor s^ch geht, vorbereitet. Sn der ganzen Welt, marschiert das siegreiche künstlerische Plakat voran. Hub nicht nur die Deutschen und Franzosen, auch Engländer und Amerikaner haben auf diesem Gebiete Hervorragendes geleistet. Die Möglichkeiten, die auf solch neuen Wegen der Kunst erschlossen werden können, sind das Morgenrot in einer düsteren Gegenwart. Oas Wunder der Heiligen Elisabeth. Die Deutung des Wunders der Heiligen Elisabeth gibt der fränkische Dichter Leo Weisman t e l im Suniheft von Velhagen & Klast n g s Monatsheften: Elisabeth ist wie kaum eine andere Heilige ein Besitztum über den Konfessionen unseres Volkes geworden. Aber allen ist durch ihr Leben und durch das Gedenken an sie die letzte entscheidende Frage gestellt nach der letzten Substanz der Mirakel, von denen die Legenden künden. Sft das Rosenwunder, ist das Mantelwunder, sind dies alles dichterische Legenden oder historische Fakta? Man greift sich an den Kopf, kann man so fragen? Legenden sind niemals historische Fakten, glauben wir Aufgeklärten. Das Volk glaubt anders, lind das Entscheidende ist: Elisabeth selbst glaubte anders als wir Aufgeklärten. Elisabeths ganzes Leben ist der Glaube an die Möglichkeit, ja an die nahezu naturwissenschaftliche Folgerichttgkett, mit der das „Wunder" geschichtliches Faktum wird, sobald wir Menschen nur durch unseren Glauben die Voraussetzüngen für die Möglichkeit dieses göttlichen Gnadenaktes geschaffen haben. Wir haben Sahrhunderte unseres menschlichen Denkens darauf verwendet, unsere Heiligen zu „vermenschlichen", all das, was von ihnen erzählt wird und was der Vermmft widerstrebt, als „Legende" zu nehmen. Wir haben vergessen, daß wir dadurch uns gegen ihren eigenen Glauben versündigen, ihren Glauben vor uns selbst verfälschen. Den Zeitgenossen war Elisabeth wie I der Franz von Assisi ein „Tor", ein „ausgemachter Tor", und trotzdem zwangen diese I „Toren" der Welt es ab, schon wenige Sahre nach ihrem irdischen Hinscheiden auf ine Altäre der Kirchen gestellt zu toerben. Kelix Holländer f. Felix Holländer, der bekannte Berliner Kritiker und Romanschriftsteller, ist, 64jährig, gestorben. Holländer war viele Jahre hindurch der vertrauteste Berater Max Reinhardts, an dessen Theatern er zuerst als Dramaturg, später als Direktor wirkte. Hochschulnachnchten. Ein Lehrstuhl für Baukonstruktionslehre an der Hochbauabteilung der Technischen Hochschule zu Dresden ist dem ao. Professor an der Technischen Hochschule in D a r m st a d t Dr.-Jng. ehrenhalber Georg Rüth angeboten worden. Professor Rüth, der aus Zwingenberg in Hessen gebürtig ist, erhielt 1925 die Ernennung zum außerplanmäßigen ao. Professor an der Darmstädter Hochschule die ihn auch zum Dr.-Jng. ehrenhalber ernannte in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste um die Einführung neuzeitlicher Sicherungsarbeiten an gefährdeten alten Bauwerken. Bundeskanzler Or. Ender die Vertreter des Vereins Deutscher Zeitungs- verleger. Vie seien, erklärte er, nicht nur_ als Gäste gekommen, sondern auch als Angehörige eines Berufes, dem für die Politik und das Wirtschaftsleben ganz besondere Bedeutung zu- komme. Wir freuen uns, Sie in so stattlicher Zahl bei uns versammelt zu sehen. Wir erblicken darin eine Bekundung der geistigen Verbundenheit. Sodann schilderte er die Entwicklung des Zeitungswesens und legte die innige Verbundenheu von Zeitung und Publikum dar, indem er u. a. erklärte, daß die Zeitung auch ein Werk derer sei, die sie lesen. Der Geschmack der Leser bestimme bis zu einem gewissen Grade den Inhalt der Zeitung. Darum müsse man bei den landläufigen Pauschalklagen gegen die Presse wohl beachten, daß sie zum Teil an die falsche Adresse gerichtet seien. An der Spitze des deutschen Dolksstaates, erklärte der Kanzler bei seinen weiteren Ausführungen, steht ein Mann, dem unsere ganze Hochachtung gilt. Ec ist ein ganzer Charakter in Lebens- anfchauung, mit klarer Meinung, in sich moralisch vollkommen gefestigt. Keine Zurückhaltung ist zu viel, kein Opfer zu groß, wenn es das Wohl des Vaterlandes gilt. Der Reichspräsident v. Hindenburg scheint mir auch so für ihren Kreis ein glänzendes Vorbild zu sein: aufgeschlossen Wahrheit suchend, duldsam und in der Gesamtrichtung auf das Wohl des Vaterlandes und des deutsche Volkes sehend. So must auch die gesamte deutsche Presse sein. Ihre Aufgabe ist der Verständigung und Einigung zu dienen. Der Bundeskanzler schlost mit einem dreifachen Hoch auf den Reichspräsidenten von Hindenburg, in das die Versammlung stehend einstimmte. Nachdem das Orchester die Nationalhymne gespielt hatte, nahm der deutsche Gesandte in Wien Or. Rieth das Wort zu einer Dankrede an den Bundeskanzler und die österreichischen Gastgeber. Sie, sehr verehrter Herr Bundeskanzler, erklärte er u. a., haben soeben des Herrn Reichspräsidenten mit Worten höchster Achtung und Verehrung gedacht. Ich bitte Sie, im Namen des Herrn Reichspräsidenten hierfür meinen wärmsten Dank entgegenzunehmen. Der Bundeskanzler habe die hohen Aufgaben der deutschen Zeitungsverleger in treffender Weise geschildert. Zn unserem staatlichen, sozialen und kulturellen Leben nehme die Zeitung einen immer größeren Platz ein als Verbindungsmittel zwischen den breiten Volksmassen und den geistig führenden Persönlichkeiten. Wenn in dieser schweren Zeit, in der alle Teile des deutschen Volksganzcn um ihre Existenz ringen, die Vermittler des deutschen geistigen Lebens sich zusammenfinden, so kann nicht genug betont werden, von welch ungeheurer Bedeutung es ist, daß diese Beratungen auch den Willen zeigen, olle Kräfte zusammenzufassen zu entschlossener Arbeit für die Besserung des Schicksals des getarnten deutschen Volkes. Die tiefwurzelnde Ueberzeugung, daß Deutschland und Oesterreich nur Hand in Hand eine bessere Zukunft finden wurden, gebiete uns, die gleichen Mittel in harmonischer Zusammenarbeit anzuwenden, um dieses gemeinsame Ziel zu erreichen. Rur wenn Staatsmänner die Gewistheit haben, daß die Mitarbeit der Zeitungen ihnen in diesem Sinne gesichert sei, würden sie das hohe Ziel er- reichen, durch gemeinsame ernste Arbeit daS deutsche Volk einer besseren Zukunft entgegen- zu°ühren. Ter deutsche Gesandte brachte zum Schluß ein Hoch auf den österreichischen Bundes- Präsidenten Miklas aus, das von der Versammlung begeistert aufgenommen wurde. Kommerzienrat Or. Krumbhaar, der Vorsitzende des Vereins deutscher Zcitungs- verleger, sprach im Ramon des Vereins den herzlichen Dank aus für die Aufnahme, die die deutschen Zeitungsvc-tleger gesunden hätten. Wir wüßten, erklärte er, daß wir als Freunde zu Freunden kommen. Wir bewundern die ungeheure Leistung des österreichischen Volkes und seinen Aufbauwillen. Dieses gemeinsame Ringen um den Wiederaufstieg und die Erringung der Geltung verbindet uns im Reich mit den Oesterreichern zu einer Schicksalsgernein- sch af t. 3m weiteren Verlauf des Banketts sprach noch Generaldirektor Dr. Viktor Graes von der ausschlaggebenden Wichtigkeit der führenden Persönlichkeiten im wirtschaftlichen und kulturellen Leben. Der Chefredakteur der „Reichspost". Friedrich Funder, feierte Reichskanzler Dr. Brüning und den österreichischen Bundeskanzler Dr. Ender als wesensverwandte Staatsmänner. Der 1. stellvertretende Vorsitzende des Vereins Deutscher Zeitungsverleger, Professor Julius Ferdinand Wolff, dehnte den Dank der Gäste auf den Verband der Herausgeber der österreichischen Tageszeitungen aus und fuhr fort: Wenn wir Reichsdeutsche und Oesterreicher, was für uns eins ist, zusammen etwas unternehmen, um die Lage unserer Ration zu bessern, dann sagt man zwar, das sei gegen die Sicherheit. Wir aber besitzen die innere Sicherheit, daß niemand auf die Dauer es fertig bringen kann, das Deutschtum zu zerstückeln oder in der Zerstückelung zu erhalten. Dor dem Bankett hatte der österreichische Bundeskanzler Dr. Ender das Große Ehrenzeichen der österreichischen Republik dem Vorsitzenden des Vereins Deutscher Zeitungsverleger, Kommerzienrat Dr. Krumbhaar, und das Große Silberne Ehrenzeichen dem Direktor des Vereins Deutscher Zeitungsverleger v. Bvet- kicher überreicht. Abschaffung der Adelsverleihung in Spanien. Madrid, 2. Juni. (WTB. Funkspruch.) Der Iu- ftizminister hat bekanntgegeben, daß künftig Adels, titel und Adelsauszeichnungen in Spanien nicht mehr verliehen werden und daß die bestehenden Adelstitel keine Vorrechte irgendwelcher Art mehr zur Folge haben. Festkommers der Gießener Germania. Im Rahmen ihres 8 0. Stiftungsfestes Der. anftaltete die Gießener Burschenschaft Germania am Samstagabend im Saale des Ge- fellschaftsvereins einen Festkommers, der zu einem eindrucksvollen Erlebnis für die überaus zahlreichen Teilnehmer wurde. Der Einladung der Burschenschaft hatte eine große Reihe von Gästen, darunter Se. Magnifizenz der Rektor Professor Dr. Eger mit zahlreichen Herren des akademischen Lehrkörpers, Folge geleistet. Don der Burschenschaft selbst nahmen auch die ältesten Semester an dem festlichen Abend teil. Ferner waren viele Alte Herren und eine Anzahl Aktioitas der anderen Burschenschaften zugegen. Auf der Galerie des Saales wohn- ten die Damen der Bundesmitglieder der Feier bei. Der Kneipwart cand. korest. Karpf entbot in einer Begrüßungsansprache der großen Schar der Gaste mit herzlichen Worten den Willkommengruß der Burschenschaft und betonte, daß die Germania mit Stolz auf ihr 80jähriges Bestehen an der alma maler Ludoviciana zurückblicke. Den starken Besuch des Festkommerses bezeichnete er als sichtbares Merkmal der engen Verbundenheit nicht nur zwi- scheu jung und alt in der Burschenschaft, sondern auch von Burschenschaft zu Burschenschaft und von biebn zu den Gäste des Abends. Die eindrucksvolle F e st r e d e hielt Alter Herr Pfarrer Bürst lein lOsfenbach) über den Wahl- sprach der Germanen „Gott, Ehre, Freiheit, Vaterland!", den er in tiefschürfender Weise unter Bezugnahme auf das Ringen und Kämpfen der Gegenwart und der Aufgaben für Volk und Vaterland, wie für den einzelnen Deutschen deutete. Die Festrede, erfüllt von den hohen Idealen der Germania und dem Geiste des opferwilligen Dienens und verantwortungsbewußten Handelns nach dem Wahlspruch der Burschenschaft zum Besten von Volk und Vaterland, war ein starker Appell an alle Hörer, sich mit voller Hingabe zu jeder Zeit und an jeder Stelle einzusetzen für die Ziele, die ein neu- gestaltetes, besseres und freies Deutschland verheißen. Den packenden Worten des Redners wurde lang- anhaltender stürmischer Beifall zuteil. Don den Gästen sprach zunächst im Namen der Landesuniversität und des Lehrkörpers Se. Magnifizenz der Rektor Professor Dr. Eger, der nach herzlichen Glückwunschworten an die Germania u. a. das gute Verhältnis zwischen Universität und Studentenschaft betonte, ferner auf die Gemeinsamkeit des Eintretenden für die Freiheit der Wissenschaft, der Lehre und Forschung hinwies, zugleich auch aus- forderte zu weiterem festem Zusammengehen in der Arbeit an den Ausgaben der deutschen Akademiker. Stadtratsmitglied Oberingenieur Kurtz überbrachte die Grüße und Glückwünsche der Stadwerwoltung, des Stadtrates und der Bürgerschaft und wünschte der Germania weiteres Gedeihen des Bundes in enger Verbundenheit und Freundschaft mit der Bürgerschaft. Oberstleutnant K l e p k e übermittelte die Glückwünsche des Offizierkorps unseres Bataillons, wobei er mit Genugtuung das gute Verhältnis zwischen Studentenschaft und Garnison, um das sich auch die Germania stets verdienstvoll und erfolgreich bemühte, hervorhob. Weiter sprachen Universitätsbibliothekar Dr. W a l b r a ch als Vertreter der Alten Burschenschafter von Gießen, Bad-Nauheim, Butzbach, Friedberg und Kassel, die nach seinen Glückwunschworten die guten Beziehungen der Germania zu den anderen Burschenschaften feierte; Landgerichtsrat Dr. Wodaege als Vertreter der Arminia a. d. B. Jena, ferner noch Vertreter der Arminia Marburg, des Altburschenschaftlichen Rin- ges, der Gießener Alemannen und Franken, sowie Vertreter auswärtiger Burschenschaften. Die Ansprachen waren umrahmt von dem gemeinsamen Gesang studentischer Kommerslieder, die ebenso wie die gesprochenen Worte ganz auf den hohen Wahlspruch der Germania eingestellt waren. Flotte musikalische Darbietungen bereicherten weiterhin den Abend. Mit dem feierlichen Landesvater sand der offizielle Teil des Kommerses feinen Abschluß. Frohgestimmte Geselligkeit vereinigte dann die alten und jungen Burschen und die Gäste noch längere Zeit in schön- fter Harmonie. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 2. 3uni 1931. Veranstaltungen in Gießen. Dem städtischen Verkehrsamt sind folgende Veranstaltungen, Tagungen und Kongresse in Gießen ab 1. 3imi zur Kenntnis gebracht worden: 6./Z. 3xmi: Gautag des Gaues Riederwald des Bundes Deutscher Marine-Vereine. 7.3uni: Wvf.l ä ig eitsfest der Studentenhilfe in der Volkshalle. 13. 3uni: Wohltätigkeitssest des Roten Kreuzes über See auf der Liebigshöhe. 13./14. 3uni: Regatta des Süddeutschen Ruderverbandes (Verein Hellas). 20. 3unt: Großes Instrument alkonzert des Kon» zertvereins unter Leitung des Universitäts-Musikdirektors Dr. Temesvarh in der Volkshalle. 20./22.3uni: Tagung des Mitteldeutschen Küferverbandes. 24. 3uni: Jahresfeier der Gießener Schulen in der Dolkshalle. 1. Juli: Universitäts-Stiftungsfest in der Volks- Halle. Anfang 3uli: Vortrag der Afrika-Fliegerin Elli Beinhorn in der Volkshalle. 11./12. 3uli: Regatta des Deutschen Ruderverbandes (Gießener Rudergesellschaft 1877). 19. 3uli: X. Rationale leichtathletische Wettkampfe (Svielvereinigung 1900). 20. 3uli bis 1. August: 4. Ferienkurs für Deutsche und Ausländer der Hessischen Landesuniversität. 1. August: Konzert der Kapelle des Linienschiffs »Hessen" in der Volkshalle. 2. August: Schiffenbergfest. 11. August: Derfassunasfeier in der Dolkshalle. 29./30. August: Herbstreaatta des Lahn-Re- gatta-Derbandes (Verein Rudersport). 30. August: II. Rationale leichtathletische Jugend-Wettkampfe (VfB. 08). Anfang September: Ausfahren des Städte- Achter-Wandervreises Gießen-Wetzlar. 4. Oktober: Gauwettkampf von drei Turn- gauen im Kunstturnen in der Dolkshalle. 9./11. Oktober: Kongreß der Deutschen Vereinigung für Krüvbclfürso-ge mit Einweihung der neuen Orthopädischen Klinik und Vorträgen in der Dolkshalle. 11717. Oktober: Medirin-FortbildungskursuS der Hessischen Landesuniversität. Gießener Wochenmarktpreise. Cs kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter Pfund 1,40 bis 1.50; Matte 30 bis 35; Wirsing (neue) 20 bis 25; Weißkraut 15 bis 25; Rotkraut 25 bis 40; rote Rüben 15 bis 20; Spinat 15 bis 20; Romischkohl 20 bis 25; Spargel 30 bis 55; Tomaten 60 bis 90; Zwiebeln (neue) 15 bis 20; Meerrettich 30 bis 60; Schwarzwurzeln 35 bis 40; Rhabarber 10 bis 15; Kartoffeln 5 bis 6; Aepfel (ausländische) 50 bis 60; Dörrobst 30 bis 35; Kirschen (ausländische) 70 bis 90; Erdbeeren 1,60 bis 2,40; Aprikosen 80 bis 90; Honig 40 bis 50; Rüsse 60 bis 70; junge Hähne 90 bis 1,00; Suppenhühner 90 bis 1,00; Käse (10 Stück) 60 bis 1.40; Tauben Stück 50 bis 70; Eier 8 bis 9; Blumenkohl 40 bis 70; Salat 10 bis 15; Salatguicken 40 bis 70; Ober- Kohlrabi 20 bis 25; Lauch 5 bis 10; Rettich 20 bis 25; Sellerie 10 bis 50; gelbe Rüben (neue) Bund 20 bis 25; Radieschen 10 bis 15; Kartoffeln Zentner 4,00 bis 5,00 Mk. Bornotizen. — Tageskalender für Dienstag. Dor- tragsabend von Edu Wesener, 20.30 Uhr, Neues Studentenheim. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Schrecken der Garnison". • LU. Von der Landes-Universität. Dr. phil. Herbert Grötzsch, der sich für das Fach der reinen Mathematik zu habilitieren wünscht, wird nm Freitag, 5. Juni, 17 Uhr, in der Kleinen Aula, Ludwigstraße 23, über das Thema: „Der Grundbegriff und einige seiner Anwendungen in den mathematischen Wissenschaften" eine Probevorlesung halten. * Straßensperrung. Vom Oberhessischen Automobil-Club e. V. (A. v. D.) wird mitgeteilt: Die Prooinzialstraße Friedberg — Dorheim im Zuge der Straße Friedberg— Hungen wird ab 4. Juni bis auf weiteres für jeglichen Verkehr gesperrt. Die Umleitung erfolgt über Schwalheim oder Fauerbach bei Friedberg. * Todes fälle in Gießen. 3n Gießen verstorben in der Zeit vom 16. bis 31. Mai: 16. Mai: Friedrich Rosenbaum, Schreinermeister, 83 3ohre, Dammstraße 46; Konrad Hohl, ohne Beruf, 58 Jahre, Licher Straße 9. 18.: Karoline Textor, geb. Brück, 58 Jahre, Alter Rödger Weg 41. 20.: Marie Luise Spengler, geb. Dauern- heim, 59 3ahre, Am Riegelpfad 50. 22.: Georg Lamberth, ohne Beruf, 72 Jahre, Liebigstr. 24. 23.: Anton Dellnhöfer, ohne Beruf, 72 Jahre, Crednerstraße 32. 25.: Wilhelmine Konrad, geb. Schäufler, 54 Jahre, Reustadt 57; Amalie Katharina Enkirch, geb. Burck, 51 3ahre, Frankfurter Straße 150; Margarete Werner, geb. Maus, ohne Beruf, 82 Jahre, Aulweg 36. 29.: Gerhard Willi Plitt, 9 Monate, Seltersweg 9. 31.: Heinrich Erb, ohne Beruf, 61 3ahre, 3n Löbers Hof 9; Robert Wolfgang Oberstes, 5 3ahre, Plockstraße 12. ** Wohltätigkeitskonzert in der S t a d t k i r ch e. Am Samstagabend fand in der Stadtkivche ein Wohl tätigfeit skon zert statt, dessen Ertrag zugunsten des Evangelischen Schwesternhauses Verwendung finden soll. Für die musikalische Feierstunde, die dieses Konzert darstellte, hatten sich das Kammerorchester der Dolkshoch- schule unter der Leitung von Musiklehrer Franz Dauer jr., außerdem Schüler und Schülerinnen der Gesangsschule Heermann, Frau E. Fischer (Cembalo), sowie Herr Peter Kehrmannn und Fräulein Käte Kehrmann (Flöte) zur Derfügung gestellt. Das sorgfältig ausgewählte Programm brachte in der Hauptsache Kompositionen von Ioh. Seb. Bach. Eine Fantasie in OMoll für die Orgel (Stadtorganist Heinz Simon) eröffnete den Abend. Die Wiedergabe der Ouvertüre zu „Esther" (G. Fr. Händel) für zwei Flöten, für Streichorchester und Cembalo wurde zu einem schölten Erlebnis. Richt weniger eindrucksvoll gelangten zwei Dachsche Kantaten zur Ausführung. Die Kantate „Mein Gott, wie lang, ach lange" — die Damen Gustl Kühn, Maria Peter (Sopran), Minna Stoll (Alt), die Herren Heinrich Dietrich (Terror) und Erwin Tank (Bariton), Herr Theiß am Cello — bemühten sich um die Wiedergabe mit großem Erfolg. Die zweite Kantate „Sie werden euch rn den Dann tun" — die Damen Emilye Horst (Sopran), Hanna Kellner (Alt), die Herren Herbert Kruger (Tenor) und Erwin Tank (Bariton), Solobratschen: die Herren Bahers- d o r f und Rau — löste ebenfalls in den Zuhörern dankbare Freude aus. ** Die Fünfziger-Vereinigung 1878 —19 2 8 hatte ihre Mitglieder und deren Angehörige am Sonntagnachmittag zu einem Familien- a u s f l u g auf die „Liebigshöhe" eingeladen. Dort wurden die zahlreich Erschienenen mit gutem Kaffee bewirtet, während Herr Nika E g g m e i e r aus Frankfurt a. M. durch humoristische Vorträge und Mitglieder der Musikkapelle Krengel die Gäste unterhielten. Ein Tänzchen, an dem sich auch die älteren Semester beteiligten, beschloß die Seron- ftaltung. Oberheffen. Bürgermeisterwahl in Wieseck. £ © i e { e cf, 2. Juni. Bei der gestern abend vom Gemeinderat vorgenommenen Sürgermeifter- wähl wurde der seitherige Bürgermeister S ch o m- b e r mit sieben Stimmen wiedergewählt. Gemeinderatsmitglied Karl Benner, Kandidat der SPD., erhielt sechs Stimmen. Landkreis Gießen. $ Wirberg, 1. Juni. Bei einem Gewitter, bas am Donnerstag über Wirberg zog, schlug der Blitz, wie man deutlich wahrnahm, in den Blitzableiter auf dem Kirchturm. Erst nach dem Gewitter stellte sich heraus, daß auch die beiden Kastanienbäume am Kirchweg nach Göbelnrod getroffen waren, ohne jedoch großen Schaden zu erleiden. Die Ruhebank dagegen, die zwischen beiden Bäumen sich befindet, wurde vom Blitz stark be- schädigt. — Am 7. Juni, dem Tage, wo vor fünfzig Jahren die Konfirmation der Konfirmanden aus dem Jahre 1867 ftattgefunben hatte, soll in ber Kirche zu Wirberg eine solche Konfirmationsfeier ftattfinben. Kreis Friedberg. Friedberg, 1. Juni (WSN.) Gestern gegen 13 Uhr wurde das drei Jahre alte Töchterchen eines hiesigen Geschäftsmannes auf ber Kaiserstraße von einem La st wagen überfahren. Das Kind erlitt am Hals so schwere Verletzungen, baß es unmittelbar nach bem Unfall verstarb. Den Wagenführer trifft an bem Unfall keine Schuld. Kreis Alsfeld. •!* Kirschgarten, 31. Mai. Am Freitagabend geriet zwischen hier und Nieber-Ohmen ein neues Auto in Branb. Als bie Insassen die Flammen gewahrten sprangen sie aus bem im etwa 40-Kilometer- Tempo fabrenben Wagen heraus. Der schöne Wagen würbe von ben Flammen völlig zerstört. Die Insassen erlitten keinerlei Verletzungen. Preußen. Kreis Wetzlar. ch Krofdorf-Gleiberg, 1. 3uni. Die Spar- und Kreditkasse Krofdorf- Gleiberg hielt am Samstag ihre ordentliche Generalversammlung ab. Dorstandsmitglied Lehrer Praß gab den Jahresbericht, aus dem hervorging, daß sich die Ka'se trotz der schlechten wirtschaftlichen Derhältnisse günstig weiter entwickelt hat. Der Redner würdigte die im Laufe des Geschäftsjahrs 1930 erreichten Rationalisierungen im ländlichen Genossenschaftswesen und wies auf die im Dorf noch notwendigen *23er» schmelzungen von nebeneinander bestehenden Kassen hin. Rendant Wilh. W a gne r erläuterte die Bilanz von 1930. Danach betrug der Gesamtumsatz ungefähr 3,5 Millionen Mark. Die Spareinlagen!, einschl. Aufwertungs'pareinlagen, zeigten einen Stand von 306 668,54 Mark. Der Reingewinn in Höhe von 1330,08 Mark ermöglichte eine Der- zinsung der Geschäftsanteile mit 10 Prozent. Der Gesamtbetrag der Geschäftsguthaben ist auf 4316,80 Mark angewachsen. Die Mitgliederzahl stieg von 256 auf 271. Der Dorstand besteht au8 folgenden Herren: W. Leib, Direktor; E. Praß, Stellvertreter; K. Daubertshäuser und K. Drescher, Beisitzer; W. Wagner. Rechner. Der Aufsichtsrat setzt sich aus folgenden Herren zusammen: K. Feufer, Dorsihender; ferner K. Dender (64), Herrn. Dender, Ferd. Jochem, K. Dender f39) und O. Decker. Direktor Dr. Strub von der genossenschaftlichen Zentralkasse (Frankfurt a.M.) hielt ein Referat über die derzeitigen Derhältnisse am Geldmarkt. Derbandsrevisor Iolk (Gießen) beglückwünschte die Kasse zu ihrem großen Umsatz. Eine rege Aussprache beendete die Tagung. Wettervoraussage. Das Tiefdruckgebiet, das uns das unfreundliche Wetter brachte, zieht nordöstlich ab. Dabei wird an feiner Rückseite immer noch Kaltluft nach bem Fest- lanbe vorgeschoben, so baß bas Wetter weiter etwas wechselhaft ist. Allerbings ist mit bem Zustrom kalter Luft auch Luftbruckanstieg oerbunben, wodurch sich bas süböftliche Hochbruckgebiet bis über Deutschland ausbreiten kann, was eine Wetterberuhigung zur Folge hat. Die Bewölkung wirb bann mehr nachassen. Beim Umbrehen ber Winbe nach ©üben zu, was burch bie neue bei Jrlanb erkennbare Strömung veranlaßt wirb, steigen bie Temperaturen, begünstigt burch bie Einstrahlung, allmählich an. Vorhersage für Mittwoch: Vorübergehend bewölkt, jedoch mehr aufbeiternbes Wetter, vereinzelt noch kühl, allmählich aber wärmer, keine ober ganz vereinzelt gewitterartige Schauer. Vorhersage für Donnerstag: Weitere Erwärmung, zunächst vielfach heiter und trocken, später wieber auftommenbe Bewölkung. Keiferoetlerbienff der amtlichen Wetterdienststelle Gießen. Garmisch-Partenkirchen: Heute morgen 7 Grab, Temperatur seit gestern vorherrschenb kühl, Sübwestwinb. Heute morgen leichter Regen. ®e ft erlaub auf Sylt: Heute morgen 13 Grad. Temperatur ber Jahreszeit angemessen. West- winb. Heute morgen halb bis ganz bebeckt. Borkum: Heute morgen 15 Grab. Temperatur der Jahreszeit angemessen. Westwind. Heute morgen leichtes Gewitter. Konstanz: Heute morgen 11 Grad. Verlauf seit gestern: Vorherrschend kühl. Südwestwind. Heute morgen leichte Regenschauer. Verantwortlich für Politik: i. D. Ernst Blumschein. WARUM STANDARD BENZIN IDEE der völlig unschädliche, echte Bohnenkaffee J. J. DARBOVEN, Hamburg 15 1095 V Das große 200 g Paket kostet nur noch Rm. 1.35 Lichtspielhaus Gießen im 61. Lebensjahre. In tiefer Trauer: Frische Fische 3758 D besuchen zu wollen, da abends großer Andrang. 3762 C Gießen, den 2. Juni 1931. Fr.Fischeu.Filets Wilbelmstratze 14. 03216 Ei« Jung^ gesund., saub. Lehrling 13763D gesucht. Gr.-Linden,Ludwigstr.1O. J&M. uxA. ? 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Lda.; „Germania", Steinbach: Männergesangverein Mainzlar: „Viktoria", Garbenteich: sowie „Arion", Klein-Linden. Der Bauersche Gesangverein, Gießen, nahm infolge des erst kürzlich eingetretenen Dirigentenwechsels nicht am Wertungssingen teil. Jeder Verein sang zwei selbstgewählte Chöre, und zwar war oorgescyrieben ein Volkslied im weiteren Sinne, sowie ein Chor nach eigener Wahl. Als Wertungsrichter fungierte Obermusiklehrer Hubert Samper, Darmstadt. Es wurden durchweg gute gesangliche Darbietungen zu Gehör gebracht. Anschließend an das Wertungssingen fand an der Südanlage (Ecke Plockstraße) eine Kundgebung der Sänger statt, zu der sich eine große Menge Zuhörer einge- funbcn hatte. Aus mehreren hundert Kehlen erscholl zunächst der „Deutsche Sängergrß". Der Gauvor- sitzende E. Koch, Gießen, gedachte sodann des kürzlich so jäh aus dem Leben geschiedenen Gauchor- Meisters Otto G ö r l a ch , um dann nach Begrüßung der Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden, der Presse, des Hess. Sängerbundes, der Nach- bargaue und benachbarten Sängerbünde in einer Ansprache u. a. etwa folgendes auszuführen: Zum zweitenmal ist heute unser Heimatgau Gießen-Stadt und -Land zu seinem Gauliedertag zusammengekommen, um Zeugnis abzulegen von dem Fortschritt und der Weiterentwicklung unseres edlen Strebens. Daß unsere Ideale, das deutsche Volkslied zu pflegen, in der Volksseele tief wurzelt, beweist das große Interesse weiter Volkskreise an unseren Bestrebungen. Sie alle, die Sie an unserer schlichten Feier Anteil nehmen, mögen sich ein Urteil bilden über die Leistungen der Männeraesangvereine unserer engsten Heimat in Stadt und Land. Sie mögen sich weiter davon überzeugen, daß in unserem Heimatgau ein lebendiger Geist herrscht und daß gerade hier für unser deutsches Volkslied eine gute Pflegestätte gegeben ist. Wenn auch die Zeiten heute ernst und nicht dazu angetan sind, große Feste zu feiern, so soll die heu- tige Veranstaltung den Beweis erbringen, daß die deutschen Männergesangvereine ein hohes Ziel verfolgen, und daß wir uns in dem deutschen Lied über die Sorgen des Alltags hinwegzusetzen versuchen. Möchte der Geist des deutschen Liedes, der die deutschen Sänger ohne Unterschied des Standes, der Politik und der Konfession zu einer großen Volks- Gemeinschaft von Hundcrttausenden zusammengeführt at, sich weiter in unserem Volke fortpslanzen und so sein Teil dazu beitragen, unser deutsches Vaterland durch Einigkeit wieder mächtig und stark zu machen. Anschließend sang der Massenchor unter Leitung von Musiklehrer S ch ä t t l e r „Mein Deutschland^ und „Das Mägdlein und der Reuter". Im Namen der Provinzialdirektion, des Kreisamts und der Stadtverwaltung (letztere vertreten durch Stadtratsmitglied S ch w i e d e r) sprach Regierungsrat Schmidt. Er zollte den Leistungen des Gaues Gießen-Stadt und -Land besondere Anerkennung und betonte, daß man die Seele eines Volkes an dem Inhalt seiner Lieder erkenne. Der deutsche Männergesang trage zur Ueberbrückung der Gegensätze bei, er pflege die Liebe zur Heimat und zum deutschen Vaterland. Geschäftsführer Roth, Darm- stadt, überbrachte die Grüße des Gesamtvorstandes des Hessischen Sängerbundes, der sich dank der regen Tätigkeit der einzelnen Gcküe prächtig entwickelt habe. Er beglückwünschte den Gau Gießen-Stadt und -Land zu den Leistungen des Tages und betonte, es sei Zeit, daß sich die Männergesangvereine ihrer Aufgabe bewußt würden. Es gelte zu erreichen, daß wieder innere Verbundenheit zwischen den Trägern des deutschen Liedes und der Gesamtheit des Volkes eintrete, die wesentlich zur Einigung DfB.-Giehen. Borussia Fulda — VfB. Gießen 5:2 (5:0). Die Grün-Weißen schlugen sich in Fulda besser, als man anzunehmen wagte. Das Ergebnis darf man als sehr ehrenvoll bezeichnen. Zwar stellte Fulda die bessere Mannschaft, deren Sturm der stärkste Teil war unb die Verteidigung vor schwere Aufgaben stellte, aber auch die Gießener lieferten eine Partie, die sich wohl sehen lassen konnte. Die Fuldaer waren schneller, spielten ideenreicher, planmäßiger, waren außerdem verstärkt durch den westdeutschen Repräsentativen Leugers von Borussia Rheine, der als Mittelstürmer eine ganz große Partie lieferte. Die Hiesigen litten ursprünglich unter einer wenig günstigen Mannschaftsaufstellung. Feuster als Halblinker war der Situation nicht gewachsen. Kreß in der Verteidigung war zu langsam, im Rahkampf nicht energisch genug, außerdem ließ er die notwendige Liebersicht vermissen. Ein Handicap erlitt die Mannschaft durch die Verletzung Haupts, die ihn für die zweite Halbzeit auf den Flügel verwies. Fehling ersetzte ihn in der Mitte nicht ungeschickt. Wesentliche Fortschritte machte Sauer auf dem Posten des Halbrechten. Mit dem Spiel der Läuferreihe konnte man zufrieden fein, die Verteidigung arbeitete exakt, Vingel besonders lief in der zweiten Halbzeit zu ganz großer Form auf. Der Spielverlauf brachte sofort nach Beginn einige schnelle Vorstöße der Plahbesiher. Das Tor der Gießener kam oft in Gefahr. Der linke Flügel ließ sich des öfteren einfach überlaufen, die Gastgeber arbeiteten bald eine klare Lleber- legenheit heraus und brachten sie dadurch zum Ausdruck.-daß sie in der 17. Minute bereits mit 3:0 führten. Allerdings hatte auch der Gießener Sturm einige zwingende Chancen, die jedoch in geradezu sträflich leichtsinniger Weise ausgelassen wurden. Bis zur Halbzeit schraubten die Borussen das Ergebnis auf 5:0, ohne daß es die Gießener Verteidigung oder der Tormann verhindern konnten. Rach der Pause ergab sich ein etwas anderes Bild. Die VfB.er hatten umgestellt, kamen nun mehr auf. schufen ein Gleichgewicht im Feldspiel, die Verteidigung, in der nun Henrichs mit- wirkte, arbeitete organischer, zuverlässiger, und aller Volkslieder beitrage. Den Schluß der eindrucks- vollen Kundgebung bildeten zwei weitere Massen- chöre: „Wo gen Himmel Eichen ragen“ und „Nur die Hoffnung festgehalten". Am Nachmittag fand zunächst eine kritische Besprechung des W e r t u n g s s i n g e n s durch die Dirigenten und Dereinsvorsitzenden statt. Anschließend kamen die Sänger mit ihren Ange- hörigen im Saale des Katholischen Vereinshauses zu einer Nachfeier zusammen. Bei dieser Gelegenheit wies der Gau- oorsitzende in einer kurzen Ansprache darauf hin, daß neben ernster Arbeit auch der Geselligkeit Raum gelassen werden müsse, die beide zusammen- gehörten. Geschäftsführer Roth, Darmstadt, zollte der regen Tätigkeit des Gaues Gießen alle Anerkennung, gleichzeitig aber auch seinem Vorsitzenden und dem Wertungsrichter. Im übrigen wurde der Nachmittag durch Gesangsvorträge der hiesigen Vereine „Concordia", „Cieberfrany' unb .Heiterkeit" ausgefüllt. die Angriffe £ 142,5 47 62,9 29 45 — — 181-81 1 1 1 1 1 1 I 1 1 1 I I 1 1 % 1 1 1 I £ 1 £ 1 I % 1 1 S 1 1 1 1 1 1 1 48,25 88,75 71 49,75 105 101 117,5 101 101 128,25 84,9 68 98,5 95,75 69 90,4 92,75 106,5 135,25 102,25 37,75 57,75 61,5 50,5 46,75 142,5 47,25 51 62,75 31 63,75 45,75 137,5 64,65 47,75 87,5 49,25 105 100,5 116,5 100,5 100,25 127,13 85 66 97,5 94,25 68,25 88,5 105 135,5 102,25 37,25 57,5 61 48,5 139,5 46 50,13 62,75 30,25 63,5 44,9 136,75 63 7% ieutfrfje Reichsanlethe Bon 1920 .......... teilt,dje Anl.-Ablöl.-Schuld mit Helgi. ohne Aullo1.-Recht- . . . B% He«. Bolltflaat Bon 1929 (rüdialitb. 102%) ...... DbfttjcHcn Provinz-Anleihe mit Ausloi.-Rechten....... Deutsche Äumm. Sainmelabl. 8% Frank,. Hyp.-Bank Goldpfe XIII unkündbar bis 1934 .. . 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe unkündbar 618 1932 ..... A.E.G............8 Bergmann.........9 Elektr. LlelerungSgesellschafk. 10 Licht und Kraft......10 Selten & Guilleaume . . . Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen .... 10 Hamburger ElektrizitätS-Werle 10 Rheinische Elektrizität .... 9 Schlesische Elektrizität. ... 10 Sdiudctt & Co.......11 Siemens & Halske.....16 Transravio ......... 8 Labmeyer & So.......10 Buderus...... .... 6 Deutsche Erdöl ....... * Essener Steinkohle ...... k Gelsenkirchener ....... 8 Harpener. . ........ 0 Hoesch Eilen........ey* 1 y,% Rheinische Hyp.-Vank Clqu. Goldple......... B% Br. LandeSpsandbries anstatt, Pfandbriefe R il...... 8% Pr LandeSpiandbriesaustatt, Komm^Lbi. R. 80...... 7% Br. Landeepiandbriesanstatt, Pfandbriese 91. 81...... 1-6.®. abg. BortriegS-ObUgatio- nen. rückzahlbar 1938 ..... 4% Oesterretchische ©olorente . . 1,20% Ocsterreichische Siiberrente i% 0esterreichilche Einheitliche Rente........... 1% Ungarische ©olbrente . . . . 1% Ungarische Staatsrente B. 1910 Wt% beigLBon 1913..... 1% Ungarische Kronenrente . . . 4% TürMche Zollanleihe Bon 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anl Serie 1........... Köln-Neuessen........ 7 ManncSmann-Rdhrr» .... 7