Nr. 229 Erstes Blatt M. Jahrgang Donnerstag, L Oktober Ml Lrlch t tut täglich, außer Sonntags und geteriogs. Beilagen: Die Illustrierte Gießener FamilienblStter Heimat im Bild Die Scholle. Mvnatr-Bezugspreir: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger' lohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Zernfprechanschlüffe iinterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger Liehen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen VrvS und Verlag: vrühl'sche UnlverfilSlr Such« und Steindruckeret K Lange in Gletzen. Schriftleitung und Geschäftrstelle: Schulstraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20 °/# mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot,- für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Der Lohnschiedsspruch für den Ruhrkohlenbergbau wird durch Notverordnung für verbindlich erklärt. Notverordnung durch Rundfunk.—Verkürzung der Lauffnst. - Erleichterung durch Befreiung von -er Beitragspflicht zur Arbeitslosenversicherung. Berlin, 30. 5epi. (TU.) Nachdem der 2t c - beilszeitschiedsspruch für den Ruhr- bergbau für verbindlich erklärt worden ist, Hal der Reichsarbeitsminister auf Grund einer am Mittwochabend in Kraft gefetzten neuen Notverordnung nunmehr auch den Lahnschiedsspruch im Ruhrbergbau unter Verkürzung seiner Laufdauer bis zum 30. November b. 3. sü r verbindlich erklärt. schäft flur Morgenschicht nicht eingefahren. Auf Bereinigte W elheim fuhren von 255 Mann 130 nicht ein. Auf der Schachtanlage Friedrich Thyssen 4/8 blieben von 348 Mann 133 der Arbeit fern. Zeche Matthias I/II 66 von 864 Mann, Schachtanlage Norddeutschland der Zeche Friedrich Heinrich 296 von 309 Mann. In den übrigen Revieren find die Belegschaften fast vollzählig angefahren. In der Grube Eschweiler Reserve wurde der Obmann der kommunistischen Gewerkschaftsopposition fristlos entlassen, weil er die Frühschicht zur Arbeitsniederlegung aufforderte. Auf einer kommunistischen Belegschaftsversammlung wurde beschlossen, in den Streik zu treten. Da Belästigungen der Arbeitswilligen zu befürchten sind, wird die gesamte Polizei und Landjägerei des Bezirks alarmbereit gehalten. Auch in Alsdorf wurden im Laufe des Tages 13 Bergarbeiter fristlos entlassen, weil sie zum Streik aufforderten. Die Meinung -er presse. Die amtliche Mitteilung besagt: „wie der Oeftent- lichkeil bereits bekannt ist, hat der Reichsarbeitsminister den gestern ergangenen Schiedsspruch Über die Arbeitszeit im Ruhrbergbau für verbinduch erklärt. Die Verbindlichkeitserklärung des gleichzeitig ergangenen Lohnschiedsspruches begegnet insofern Schwierigkeiten, als die darin vorgesehene Laufdauer von vier Monaten unter den obwaltenden wirtschaftlichen Verhältnissen nicht möglich erschien. Bei dieser Sachlage Hal der Reichspräsident den Reichsarbeitsminister durch eine heute ergangene und durch den Ri'"dfunk verkündete neue Notverordnung ermächtigt, bei der Verbindlichkeitserklärung des auf Grund der Notverordnung vom 27. September 1931 ergangenen Schiedsspruches die Laufdauer abzuändern. Der Reichsarbeitsminister hat von dieser Ermächtigung Gebrauch gemacht und nunmehr auch den Lohnschiedsspruch unter Verkürzung seiner Laufdauer aufdie Zeit bis zum 3 0.November 19 31 für verbindlich erklärt. Die bereits genannte Verordnung des Reichspräsidenten ermächtigt weiter die Reichsregierung, die Untertagearbeiter des Steinkohlenbergbaues und ihre Arbeitgeber von der Beitragspflicht zur Arbeitslosenversicherung vom 1. Oktober bis 30.310- oetnber zu befreien, was eine wesentliche Entlastung beider Seiten ermöglicht." Durch die Befreiung von der Beitragspflicht wird das vcr- s i ch ernngs o e rh ä l tnis der Arbeitnehmer nicht berührt. Der Ausfall an Beiträgen wird der Reichsanstalt vom Reich erseht. Die Reichsregierung kann die Befreiung auch auf die unter Tage beschäftigten Angestellten und auf andere Steiokohlengebiete ausdehnen und ihre Geltungsdauer über den 30. November 1931 hinaus verlängern. * Die Notverordnung, auf Grund deren der Reichsarbeitsminister nunmehr auch den Lohnschiedsspruch mit seinem 7prozentigen Lohnabbau unter Abänderung der Laufdauer bis zum 30. November für verbindlich erklärt hat, wird dahin ausgelegt, dah die Reichsregierung einen Mittelweg zu gehen versucht hat, der es ihr ermöglicht, einer sonst über sie hereinbrechenden sofortigen Alternative im Hinblick auf die künftige Gestaltung des Tarifwesens aus dem Wege zu gehen. Gegenüber dem Programm einer elastischeren Tarisgelt a l t u n g hat sich also zunächst einmal die Reichsregierung selbst ein elastisches Instrument geschaffen, um von Fall zu Fall in die sich jetzt häufenden Schlichtungsstreitigkeiten möglichst individuell eingreifen zu können. Der neuen Notverordnung kommt um so größere Bedeutung zu, als der 1. Oktober der Stichtag für die Kündigung der Tarife in den meiften Schlüsselindustrien geworden ist, da zu diesem Zeitpunkt durchweg die Tarife erstmalig gekündigt werden können. Die Möglichkeit, Schlichtungsstreitigkeiten durch interimistische Verbind- lichkeitserklärungen vorläufig zu vertagen, um sie dann zu einem späteren Zeitpunkt erneut in Angriff zu nehmen, dürste aber auch politisch bedeutsam fein, da es der Regierung nunmehr möglich ist, die Stoßkraft der Gegensätze zwischen den Tarifparteien gerade während der bevorstehenden Reichstagstagung zu zersplittern und den Druck der Gewerkschaften zu mildern. Des- ungeachtet gehen die Verhandlungen über eine grundsätzliche Neugestaltung des Tarifwesens fort. Gegenwärtig verhandeln die gewerkschaftlichen Spitzenverbände hierüber mit dem Reichsarbeitsminister. Kommunistische Streikversvche im Ruhrgebiet. Essen, 30. Sept. (TU.) Der gestrige Lohnschiedsspruch im Ruhrbergbau hat unter der Bergarbeiterschaft ziemliche Erregung ausgelöst, die von der komm uni st Ischen Revolutionären Gewerkschafts - Opposition dazu ausgenutzt wird, eine wilde Streikbewegung zu entfachen. Eine Rundfrage bei den zuständigen Stellen ergibt jedoch, daß die am heutigen Morgen bereits umlaufenden Gerüchte von größeren Teilausständen stark übertrieben sind. Nach bisherigen Feststellungen sind die Belegschaften der einzelnen Schacht- anlagen durchweg der kommunistischen Streikparole nicht gefolgt. ' Lediglich auf der Gewerkschaft „Friedrich Ernestine" in Essen-Stoppenburg sind etwa 200 Mann, d. s. 50 v. H. der Beleg- Berlin, 1. Ott. (TTl.) Zu der Notverordnung für den Ruhrbergbau nehmen verschiedene Blätter ausführlich Stellung. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" schreibt, die amtliche Lösung des Ruhrkonflikts stelle eine Rechtfertigung der lohnpolitischen Forderungen des Ruhrbergbaues dar. Das Ziel sei allerdings auf Umwegen und unter Begleiterscheinungen erreicht worden, die in mehrfacher Beziehung bedenklich seien. Bor allem scheine die für den Ruhrbergbau angewandte Taktik als solche besonders angreifbar. Würde man diese Vorgänge als symptomatisch für künftige Lösungen ähnlicher Probleme betrachten, so müsse man mit schwersten Sorgen in die Zukunft blicken. Der „Vorwärts" bezeichnet die Regelung als eine unhaltbare Zwischenlösung, die. eine Senkung der Lohnkosten um 10,25 Prozent bedeute, wovon die Arbeiter 3,75 Prozent, das Reich, d. h. die Steuerzahler, 6,50 Prozent zu tragen Hütten. Die wirkliche Lohnsenkung beträgt 3,75 Prozent (7 Prozent minus 3,25 Prozent Beitrag zur Arbeitslosenversicherung). Da der Reichsarbeitsminister ermächtigt sei, dcese Subventionierung auch auf die anderen Steinkohlenreviere auszudehnen und von dieser Ermächtigung natürlich Gebrauch machen werde, bedeute das praktisch ein Geschenk des Reiches an die Grubenbesitzer von mindestens 25 Millionen, wozu noch die Lohnkürzung komme, die etwa ebensoviel betragen dürfte. Der Sturz des Pfundes und die Aufhebung der englischen Goldwährung hat mit dem Lohnniveau gar nichts zu tun. Völlig abwegig ist der Schluß, wir mühten nunmehr auf der ganzen Linie die Löhne abbauen, um d i e bedrohte Konkurrenzfähigkeit zu erhalten. Abwarten und beobachten, nicht aber überstürzen, ist gegenüber den Vorgängen in England die richtige Parole. Es läßt sich eine verhängnisvollere Politik nicht denken, als die eines Lohndumpings. Die Geschichte der letzten eineinhalb Zähre, die in Deutschland eine Periode des be- wüßten, von der Regierung propagierten und betriebenen Lohnabbaues war, hat den Beweis ge- liesert, daß damit weder die Arbeitslosigkeit behoben werden kann, noch auch nur der Beschäftigungsgrad der Industrie gesteigert wird. Der Berlin, 1. Oft. (111.) Die Beratungen des Reichskabinetts und feine Verhandlungen mit den maßgebenden finanz- und wirtschaftspolitischen Stellen sowie mit den Parteien sind so weit gediehen, daß sich von der bevorstehenden Notverordnung, die voraussichtlich am Samstag heraus- kommt, folgende Maßnahmen mitteilen lassen: Verlängerung des lausenden Haushaltsjahres vom 1. April bis zum 30. 3uni 1932, Kürzung einzelner Sachausgaben, soweit sich Kostensenkungen durch die eingetretenen Preisherabsetzungen vornehmen lassen, Ersparnisse am Personaletat in höhe von 50 bis 70 Millionen, wobei eine A u f r ü ck u n g s s p e r r e für die Beamten und die Herabsetzung der höch st - Pensionen auch weiterhin im Vordergrund stehen, einzelne Aenderungen des labatffeuer- gesehes in Form von Erleichterungen, die sich als notwendig erwiesen haben, Senkung der Hauszins st euer um ein viertel ihres jetzigen Satzes mit der Maßgabe, dah ein weiteres viertel in drei bis fünf Jahren absinken und der Re st als Hypothek mit 10- oder löjähriger Tilgungsfrist kapitalisiert wird, E r - Höhung des Fonds für notleidende Gemeinden von 60 auf 230 Millionen mit dem Ziel, die kommunalen Wohlfahrtslasten zu erleichtern. Einführung der Arbeitslosenlandsiedlung, Aenderung der früheren Notverordnung über die Arbeitslosenversicherung durch Erleichterung der Vorschriften für die Unter st ühung J u - genblidjcr Arbeitsloser. Zu diesen Maßnahmen finanzpolitischen Eharak- ters soll sich dann noch die angekündigte Einrichtung von Sondergerichten hinzugesellen, sowie die Neuregelung des Mulomobllfpebi- ungeheure Abbau der Löhne und Gehälter und der Abbau der Leistungen der Sozialversicherung hat eine derart starke Minderung derKauf- kraft nach sich gezogen, dah sich die Krise von Monat zu Monat verschärft hat. Ein neuer Lohnabbau kann aus der Krise nicht herausführen — nur noch helfen in sie hineinführen. Will die Reichsregierung die wirtschaftliche Krise sich soweit verschärfen lassen, dah sie in die politische Krise umschlägt? Das „B. T." äußert gleichfalls Bedenken gegen die „Subvention" für den Ruhrbergbau. Der Ruhrbergbau werde hierdurch in die Lage verseht, den englischen Tlntevbietungen mit größter Kraft entgegenzutreten. Wie es scheine, habe die Regierung an ihre Hilfsmaßnahme keinerlei Bedingungen in Bezug auf eine Senkung der Inlandpreise geknüpft. Es müsse also fraglich erscheinen, ob die Inlandverbraucher von dieser Regelung irgendwelche Vorteile hätten. — Der „Dörsencou- rier" bezeichnet es als verhängnisvoll, die mehr als bankrotte Arbeitslosenversicherung wieder anzumelken, um den Lohnabbau unnötig zu machen oder zu mildern. Subventionen seien unter diesen Umständen Bilanzverschleierungen. Die konservative Börsenzeitung ist der Auffassung, daß der von der Reichsregierung eingeschlagene Weg den Gedanken der A r - beitsgemeinschaftderTarifparteien noch mehr als bisher z e r st ö r e. Dadurch, dah der Staat einen Teil der Lasten übernehme, werde er die Hartnäckigkeit der Gewerkschaften im Bestehen auf ihren Forderungen nur noch verstärken. — Die „Deutsche Zeitung" nennt die Notverordnung einen neuen Beweis für den Widersinn unseres heutigen Schlichtungswesens, dessen Aufrechterhaltung in Zeiten der Not sich als unmöglich erweise. Tatsächlich könne ja aller Widerstand der Gewerkschaften nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dah dieses Schlichtungswesen bereits allenthalben durchlöchert sei. — Der „L o k a l a nz e i g e r" sieht die Notverordnung für den Ruhrbergbau als eine Abschlagszahlung des Reichskanzlers an die Wünsche der Sozialdemokratie an. lionsroefens im Zusammenwirken mit der Reichsbahn (Schenkervertrag). Soweit Maßnahmen auf dem Gebiete der Arbeitslosenversicherung in Betracht kommen, handelt es sich lediglich um Vorschriften, die das Präsidium der Reichs- anftalt für Arbeitslosenversicherung von s i ch aus erlassen kann, die Neuregelung der linterstühungs- dauer usw. Aus der Notverordnung werden in Abweichung von den ursprünglichen Plänen dagegen voraussichtlich sämtliche beabsichtigten Maßnahmen auf dem Gebiete der Kartell- und Tarifpolitik, evtl, auch die beabsichtigte Senkung der S p i h e n g e h ä l t e r in der Privatwirtschaft herausbleiben. Zu den vorläufig zurückgestellle.i wirtschaftspolitischen Maßnahmen gehört auch das Projekt einer reichsgesehlichen Regelung der Naturalversorgung von Arbeitslosen. Es haben sich in den Verhandlungen, die das Reichsarbeits- und Reichsernährungsministerium geführt haben, zahlreiche Schwierigkeiten für eine zentrale Regelung ergeben, so dah man g e - meinöeroeife vorgehen wird. Oie Sozialdemokraten beim Reichskanzler. Berlin, 30. Sept. (DDZ.) Die Absicht, die Tarifverträge für Löhne und Gehälter elastischer zu gestalten und damit einen neuen Lohnabbau einzuleiten, hat einen erheblichen Wider st and in den Gewerkschaften, selbst über die Freien Gewerkschaften hinaus, aus- gelöst. Heute vormittag haben die Vertreter der Freien Gewerkschaften ihren Protest offiziell bei der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion vorgftragen.DasMaterial, das dabei den Parlamentariern überWas die nächste HoteerorMmno bringen wirb. Neue Einsparungen. — Ansiedlung von Arbeitslosen. — Aber keine wirtschasts- politischen Maßnahmen auf dem Gebiet des Kartell- und Tarifrechts. reicht wurde, bildete die Llnterhandlungsgrund- läge für die Aussprachezwischensozial- demokratischer R e i ch s t a g s f r a k t i o n und Reichskanzler Dr. Brüning. Für die Sozialdemokratie waren die Abgeordneten Wels, Dr. Breitscheid und Dr. Hilferding beim Kanzler erschienen. Heber die Verhandlungen gibt die sozialdemokratische Reichstagsfraktion folgende Mitteilung heraus: Die sozialdemokratischen Vertreter unterrichteten den Reichskanzler nochmals eingehend über ihren Standpunkt, namentlich in Bezug auf die Frage der Neuregelung der Arbeitslosenversicherung und der restlosen Aufrechterhaltung des Tarifrechts. Sie legten insbesondere Gewicht darauf, daß eine weitere Herabsetzung der Unterstützungssätze in der Arbeitslosenversicherung nicht zu tragen sei. 2m Zusammenhang damit wurde nochmals betont, dah die zugesagte Beseitigung der schlimm st en sozialen Härten aus der I un i -N o tv er o r d - n u n g nunmehr in der kommenden Notverordnung erfolgen müsse. — Der Reichskanzler nahm diese Ausführungen zur Kenntnis und erklärte, dah das Reichskabinett sich bereits in den nächsten Tagen abschliehend mit dem Inhalt der neuen Notverordnung befassen werde. Im Verlauf der Aussprache erklärte der Reichskanzler, dah die Pressemeldungen, wonach sich die Reichsregierung mit dem Programm der Wirtschaftsverbände identifiziere und die daraus gezogenen Schluhfolgerungen der Begründung entbehren. Oie Opposition in der Sozialdemokratie. Bor der Gründung der Sozialistischen Arbefterpartei. Berlin, 30. Sept. (DDZ.) Aus Kreisen der gegen die Sozialdemokratische Partei opponierenden Gruppen wird mitgeteilt, daß die für Sonntag nach Berlin einberufene Reichskonferenz zur Gründung einer neuen Partei führen wird, als deren Name die Bezeichnung „S o z i a l i st i s ch e 21 r b e i t e r p a r t e i" in Aussicht genommen ist. Den ausgeschlossenen Abgeordneten Dr. Rosenfeld und Seydewitz sei bisher schon eine große Zahl von Sympathiekundgebungen, namentlich aus Kreisen der Jugend, zugegangen. Don den sozialdemokratischen Reichstags-Abgeordneten dürften sich zunächst nur die sieben Abgeordneten der neuen Bewegung anschließen, die neulich schon die Erklärung in der „Fackel" unterschrieben haben. In Kreisen der neuen Bewegung rechnet man aber damit, daß die neue Partei nach den entscheidenden Abstimmungen über die Notverordnung im Reichstag auch aus der Reichstagsfraktion noch weiteren Z u l a u f erhalten werde. Ein großer Teil von Fraktionsmitgliedern habe bereits erklärt, daß er unter allen Umständen gegen die Notverordnungen stimmen werde. Sobald die technischen Schwierigkeiten überwunden sind, will die neue Partei auch eine eigene Tageszeitung in Berlin herausgeben. Die neue Zeitung wird voraussichtlich am 1. November zum ersten Male erscheinen. * In Breslau hat der Bezirksvorstand der SPD. den Vorstand der Ortsgruppe Breslau einschließlich des Parteisekretärs Rausch vorläufig seiner Aemter enthoben. Der Vorsitzende der Breslauer Ortsgruppe, Rechtsanwalt Dr. E ck st e i n, hatte sich ebenso wie der Breslauer Reichstagsabgeordnete Ziegler und der Parteisekretär Rausch mit den ausgeschlossenen Oppositionellen solidarisch erklärt. Zum geschäftsführenden Bezirkssekretär ist Bretthorst (Breslau) ernannt worden. Oie Frankfurter GpO. gegen den Aus- schluß von Rosenfeld und Geydewih. Frankfurt a. M., 30. Sept. (MSN.) Die So- zialdemokratische Partei Groß-Frankfurts hielt eine Mitgliederversammlung ab, um zu den Beschlüssen des Parteiausschusses auf Ausschluß von Rosenfeld und Seydewitz Stellung zu nehmen. Stierte (Frankfurt a. M.) wandte sich scharf gegen d i e Maßnahmen des Parteiausschusses. Als ch e i l m a n n vom Bezirksausschuß in einem Gegenreferat den Standpunkt des Parteiausschusses barlegen wollte, kam es mehrmals zu stürmischen Mißsallenskundgebungen der Versammlung. In der Debatte erklärte sich der den neun Oppositionellen angehörende Reichstagsabgeordnete P o r t u n e mit den Ausgeschlossenen solidarisch; er werde den begonnenen Stampf so lange weiterführen, bis die Meinungsfreiheit innerhalb der Partei wiederhergestellt sei. Die Versammlung nahm eine Ent- schließung an, in der es u. a. heißt: Die Versammlung erblickt in den Maßnahmen des Parteivorstandes eine schwere Gefährdung der Einheit und Geschlossenheit der Partei und verlangt mit Entschiedenheit, daß diese Maßnahmen juriiif genommen werden. Geschieht das nicht, so fällt die volle Verantwortung für die eintretenden Folgen auf den Parteivorstand. Die Versammlung erblickt in dein Verhalten der 2lusgeschlossenen nichts Parteischädigendes. Die Einheit und Geschlossenheit der Partei, die heute notwendiger denn je ist, wird gestärkt durch eine Aenderung der Politik gegenüber Brüning und ferner durch eine Wiederherstellung der Meinungsfreiheit innerhalb der Partei. Ferner nahm die Versammlung eine Entschließung an, in der dem Reichstagsabgeordneten P o r t u n e das volle Vertrauen ausgesprochen wird. 1/ ----------------------- Wann wird England wählen? Verhandlungen über ein konservativ-liberales Wahlprogramm. London, 30. Seht. ($U.) Macdonald teilte am Mittwoch im Unterlaufe mit, daß das Haus sich am nächsten Mittwoch vertagen werde. Auf die Frage Hendersons, ob der Ministerpräsident anqcben könne, wann das Haus seine Sitzungen wieder aufnehmen werde, falls es am nächsten Mittwoch vertagt werde, antwortete Macdonald, wenn diese Frage am Mittwoch gestellt werde, so werde er in der Lage fein, das Unterhaus zu unterrichten. Der Abg. Kirkwood sagte: „Ich möchte den Ministerpräsidenten fragen, ob er nicht dadurch dem Haus eine La st abnehmen will, indem er uns sagt, ob eine Neuwahl stattfinden soll." (Lachen.) Macdonald antwortete: „Ich habe den Eindruck, dah die Art und Weise, in der ich die Frage meiner Freunde beantwortete, das Haus erheblich erleichtert ha t." (Lachen.) Diese Erklärung des Premierministers wird dahin ausgelegt, dah sich die Regierung über die Frage der Auflösung und Neuwahl des Parlaments noch nicht entschieden hat. Die Be- sprechunyen zwischen den Parteien werden auf das eifrigste fortgesetzt, und zwar versucht man, ein Wahlprogramm zu vereinbaren, das sowohl die Freihandelsforderung en der ejtrcmen Liberalen als auch die Schuh- zolltarifforderungen der extremen Konservativen a u s s ch a l t e t. Wie man zu wissen glaubt, werden die konservativen Mitglieder des Kabinetts nach einem Vorschläge Macdonalds ein Programm der „freien Hand" annehmen, in dem möglicherweife von einem Zolltarif die Rede sein wird, um den Wünschen öer Verfechter des Zolltarifgedankens entgegen- zukommen. Besonders eifrig erörtert wird daö Problem, wie verhindert werden kann, dah in einem Wahlkreis ein konservativer und ein liberaler Kandidat nebeneinander ausgestellt werden. Diese Frage kann aber nicht in der Downing Street erörtert werden, sondern muh den örtlichen Verbänden überlassen bleiben. Da ein Übereinkommen mit diesen Verbänden aber Zeit beansprucht, so erwartet man, dah die Regierung dem Könige keine Parlamentsauflösung empfehlen wird, ehe der Plan der liberal-konservativen Zusammenarbeit völlig feststeht. Macdonald aus der Labour- partei ausgeschlossen. Ein rad.kalcs Programm London, 30. Sept. (WTB.) Die Arbeiterpartei hat den Premierminister Macdonald und seine sämtlichen Anhänger aus der Partei formell ausgeschlossen. Der nationale Vollzugsausschuh der Partei hat nämlich eine Entschließung angenommen, wonach alle Mitglieder der nationalen Regierung und ihre sämtlichen Anhänger innerhalb und außerhalb beider Häuser des Parlaments automatisch und unverzüglich aufhören, Mitglieder der Arbeiterpartei zu sein. Es sind dies sämtliche sozialistischen Regierungsmitglieder und sieben älnterhausmitalieder, die nicht der Regierung angehören, aber auf der Regierungsseite sitzen und stimmen. — Der Vollzugsausschuß wird dem in nächster Woche in Scarborough stattfindenden Parteitag ein offizielles 'Programm jur Annahme unterbreiten, das folgende Hau, tp,n t: enthält Rü ging gmachung der Ab- striche in der Erwerbslosenversichcrung, sowie bei den Gehältern der Lehrer und anderen Beamten, Rückgängigmachung der Einsparungen an den sozialen Ausgaben, Opposition gegen Schutzzölle, einschließlich fiskalischer Zölle, Verstaatlichung der Bergwerke, des Grund und Bodens, sowie desDank - und Kreditsystems, staatliche Kontrolle über elektrische Kraft, das Transportwesen und die Eisen- und Stahlindustrie, durch Umwandlung dieser Industriezweige in öffentliche Körperschaften. Einsetzung von Kontrollbehörden für die Ein- und Ausfuhr. Verhandlungen zur Streichung aller Reparationen und Kriegschulden, Bildung eines staatlichen In» vestterungsboards, sowohl für die Heimat wie Aiisschiißmbciteil im Oer Finanzausschuß beschloß eine zehnprozentige Kür-s jung der Diäten. — Eine Eingabe des Hessischen Fürsorgeoereins für Krüppel um einen Staatszuschuß für das Krüppel- heim in Gießen wurde der Regierung zur tunlichsten Berücksichtigung überwiesen. Allerdings teilte die Regierung mit, daß im Augenblick keine Mittel zur Verfügung stehen. Zur Beamtenbesoldung lagen zwei sozialdemokratische Anträge vor, die von Zentrums- eite abgeändert wurden, so daß die Negierung „sich ü r eine neue Besoldungsordnung ein« efeen" — welchem Passus der Ausschuß einstimmig icitrat — und „dabei auf Herabsetzung der hohen Gehälter hinarbeiten soll". Der letzte Satz wurde der Regierung als Material über- wiesen, da der Staatspräsident darauf verwies, daß nach den letzten Notverordnungen von überhöhten Gehältern nicht mehr gesprochen werden könne. Die Volkspartei forderte die Schädigung der Beamten in den Ortsklassen B — D, wie sie durch die zweite Notverordnung des Reiches entstanden ist, zu beseitigen. Diesem Ersuchen schloß sich der Ausschuß einstimmig an. — Alle übrigen Anträge zur Besoldungsfrage (Antrag Weckler, Z., auf Versetzung der Stadt Friedberg nach Ortsklasse A, Antrag Birnbaum, DDP., wegen Einstufung des Heizers und Kafseninspektors an der Gießener Universität) sowie 60 Eingaben werden der Regierung als Material überwiesen. Oer Gesetzgebungsausschuß erklärte eine Eingabe des Deutschen Musikerverbandes Darmstadt um Maßnahmen gegen die Musikausübung durch Beamte als durch die entgegenkommende Regierungsantwort erledigt: ebenso eine Eingabe des Verbandes i Hessischen Landin«. I Hessischer Verwaltungsbeamten und des CBerban* des Hessischer Iustizbureaubeam'en gegen die Vor- I rechte für die mit Zeugnissen höherer Schulen versehenen Bewerber bei Stellenausschreibungen. In der Regierungsantwort wurde betont, daß ein Teil der Forderungen annehmbar erscheine, weil die Regierung das Derechtigungsunwesen ab st eilen wolle: mehrere Wunsche konnten allerdings aus sachlichen Gründen nicht erfüllt werden. Oer Petitionsausschuß ersucht auf eine Eingabe des Hessischen Anglerbundes hin die Regierung, es bei der bisher geübten Praxis bei Anträgen auf Gebührenermäßigung für Angelscheine zu belassen. — Eingaben des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten und der Krieger- k a m e r a d s ch a f t „H a s s i a" führten zu dem Ausschuhbefchluh. die Regierung möge bei der Reichsregierung mit allem Nachdruck für eine Milderung der Bestimmungen über die Ansprüche der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen eintreten und auf baldige Beseitigung der Beeinträchtigung der Kriegsopferversorgung hinwirken. Landesparteitag der Deutschen Staais- partei in Hessen. WSN. Darmstadt, 30. Sept. Der Landesparteitag der hessischen Staatspartei findet n i ch t. wie ursprünglich gemeldet, in Frankfurt a. M., sondern in O f f e n b a ch, Hotel „Goldener Engel", statt. Auf der Tagesordnung stehen u. a.: Politisches Referat des Reichstagsabgeordneten Dr. Hermann Fischer. Aufstellung der Kandidaten für die Landtagswahl. Neuwahl deS Vorstandes und Landcsausschusses. Oie höheren Beamten Hessens gegen die Notverordnung. für daS Ausland, Abschaffung deS Goldstandards, Weltkonferenz mit dem Ziele einer internationalen Währungspolitik und eines weitreichenden Rüstungsabbaus. Konjunkturumschwung Darmstadt, 1. Okt. Die Dertreterversamm- hing der höheren Beamtenschaft Hessens hat eine Entschließung gefaßt, in der sie, wie man uns Mitteln, schärfsten Protest gegen die in der hessischen Notverordnung enthaltenen unerhörten und nach Art und Maß in Deutschland einzig dastehenden Eingriffe in das Beamtenrecht und das Beamtengehalt erhebt. Die hessische Notverordnung legt wiederum die aewaltigen Opfer, die zum Ausgleich des Staatshaushaltes nötig sind, nicht der Gesamtheit der hessischen Staatsbürger im gerechten Verhältnis ihrer Leistungsfähigkeit, sondern einzig und allein den hessischen Beamten auf. Diese ungerechte Verteilung der Lasten muß die hessische Beamtenschaft in hellste Empörung versetzen und das Vertrauen auf die Wechselseitigkeit des Treuverhältnisses zwischen Beamten und Staat aufs schwerste erschüttern. Die hessische Notverordnung läßt die von der Beamtenschaft immer wieder erhobene Forderung auf Wahrung der Reichseinheitlichkeit völlig außer acht: sie schafft den unerträglichen und den hessischen Beamten degradierenden Zustand, daß an ein und demselben Ort Hessens der hessische Beamte und der im Dienst einer Reichsbehörde stehende Beamte nach verschiedenen Rechtsgrundsätzen behandelt, nach verschiedenen Gehaltsgrundsätzen besoldet werden: sie beschneidet die Rechtsansprüche und Einkommens- sähe der hessischen Beamten erneut stärker, als es bisher irgendwo in deutschen Ländern geschehen ist. Die Bezüge der hessisAn Beamten werden unbeschadet der schon von Reichs wegen erfolgten Kürzungen erneut so radikal herabgesetzt, daß angesichts der gescheiterten Preissenkungsaktion die hessischen Beamtenfamilien in schlimmste finanzielle Bedrängnis geraten müssen. Darüber hinaus setzt sich die hessische Notverordnung über unbestreitbare Rechts- ansprüche der Beamten hinweg: sie unterbindet zeitweilig das dem Beamten zustehende Aufrücken innerhalb seiner Besoldungsgruppe, sie ersetzt die Vorauszahlung der Gehälter durch das System der Nachzahlung: die Regierung erwägt dem Vernehmen nach für einzelne Beamtenkategorien eine sie schädigende Sonderbehandlung hinsichtlich der Alters- grenze. Das Pflicht- und Rechtbewußtsein zwingt die höhere Beamtenschaft dazu, die Rechtsgülligkeit dieser Maßnahmen auf dem Rechtsweg nachprüfen zu lassen. Aus dem bedenklichen Umstand, daß die Gültigkeit der Notverordnung nicht befristet ist, muß die Beamtenschaft schließen, daß in ihr nicht nur eine vorübergehende Maßnahme zur Linderung augenblicklicher Schwierigkeiten des Staates, sondern die verschleierte und ohne parlamentarische Sanktion vollzogene Ueberführung der hessischen Beamten in eine neue Besoldungsordnung zu erblicken ist. Die höhere Beamtenschaft bedauert ferner, daß die hessische Notverordnung im Gegensatz zu den Notverordnungen anderer Länder keine Milderungen und Schutzbestimmungen für die Fälle besonderer Härte enthält. Unbelehrt durch Warnungen und Erfahrungen schlägt die hessische Regierung in dieser Notverordnung, wieder den bequemen, aber staatsgefährlichen Weg ein, durch Zugriffe auf das Beamtengehalt die zerrütteten Staatsfinanzen zu ordnen. Demgegenüber betont die hessische höhere Beamtenschaft erneut, daß eine wirkungsvolle und nach allen Seiten hin gerechte Sanierung des Staatshaushaltes nur durch Maßnahmen zu bewerkstelligen ist, die das liebel an der Wurzel fassen: sie weist noch einmal vor aller Oesfentlichkeit auf die organischen Sanierungsmaßnahmen hin, die allein Erfolg versprechen und an denen mit Rat und Tat mitzuarbeiten sie sich wiederholt der Regierung gegenüber bereit erklärt hat: sinnvolle Durchführung der Serroaltungsre- form, Abbau der Staatsaufgaben, soweit eine sachlich nicht gerechtfertigte Ausweitung gegenüber dem früheren Zustand erfolgt ist, und vor allem und am dringlichsten Reform des inneren Finanzausgleichs, der den hessischen Staat mit jährlich 9 Millionen Mark Ausgaben stärker belastet, als es nötig ist. in der englischen Industrie. London 29. Sept. (TU.) Der Kursverlust des Pfundes macht sich bereits jetzt in verschiedenen englischen Industrien sehr stark bemerkbar. Werke der Wollindustrie, die Kurzarbeit eingeführt hatten, haben bereits in dieser Woche mit voller Belegschaft arbeiten können. Andere treffen für die nächste Woche dazu Vorbereitungen, da es sich für die Spinnereien nicht mehr lohnt, deutsche und französische Garne einzuführen. Die jetzt ein- setzende Hauste kann, wie die Presse behauptet, nur mit dem Jahre 1920 verglichen werden. Die E i s e n - und Stahlindustrie sowie die Seiden- i n i) u ft r i e meldet einlaufende Anfragen aus aller Welt sowie beträchtliche Kaufaufträge. Der Wechsel der Konjunktur in der Seidenindustrie ist hier so plötzlich erngetreten, daß mehrere Unternehmer ihre Angestellten telegraphisch zurückgerufen haben. Eine große Schuhfabrik erhielt eine Anfrage, ob sie bereit fei, einen Auftrag für 30 000 Paar Damenschuhe anzunehmen. Anderseits haben verschiedene Lebensmittelpreise im Groß- handel eine schnellere Steigerung erfahren, als die Regierung zunächst angenommen hat. ArbeitS!osendemonstrationeninLondon London, 30. Sept. (TU.) Gelegentlich der Verhandlung vor dem Schnellrichter über Ausschreitungen vor dem Parlament kam es vor dem Gerichtsgebäude zu Zusammen st öhen zwischen Demonstranten und der Poli-, z e i. bei denen die berittene Polizei gezwungen war, die angrenzenden Straßen mit Gewalt zu säubern. Hierbei sind mehrere Personen, darunter einige Frauen, verletzt worden. Auch im Hydepark trieb berittene Polizei einen De- monstrationszug von Arbeitslosen auseinander, die von dem Gerichtsgebäude in der Innenstadt nach dort marschiert waren, und ihren Unwillen über die neuen Sparmaßnahmen in der üblichen Weise durch Reden und Singen verbotener Lieder Ausdruck gaben. Es gelang der Polizei erst nach beträchtlicher Zeit, die Arbeitslosen, die eine Anzahl von Reitern und Passanten belästigten, zu zerstreuen. Oer mandschurische Konflikt. DerBökerbundsrat vertagt sein Verfahren Genf, 30. Sept. (TU.) Das seit dem 19.September vor dem Völkerbundsrat schwebende Verfahren über die Regelung des japanisch-chinesischen Streites ist mit einem offiziellen Vertagungsbeschluß abgeschlossen worden. In Punkt 1 bis 5 der angenommenen Entschließung nimmt der Rat u. a. Kenntnis von der Erklärung der japanischen Regierung, daß sie keinerlei territoriale Ziele in der Mandschurei verfolge und in dem Maße der Sicherheit des Lebens und Eigentums der Japaner ihre Truppen in die Eisenbahnzone zurück» ziehen werde. Ferner nimmt sie Kenntnis davon, dah die chinesische Regierung die Verantwortung für die Sicherheit der Japaner und ihres Eigentums im geräumten Teil der Konfliktszone übernimmt und daß China und Japan die notwendigen Maßnahmen ergreifen werden, um eine Verschärfung der Lage zu vermeiden. In Punkt 6 werden die beiden Parteien ersucht, unverzüglich die Wiederherstellung der normalen B e - ziehungen einzuleiten und die oben erwähnten Verpflichtungen durchzuführen. Sodann wird beschlossen, falls nicht eine frühere Einberufung des Rates notwendig sei, am 14. Oktober in Genf eine neue Sitzung zur Prüfung der Lage ab- zuhalten. Der chinesische Vertreter stellte die Notwendigeit für den Rat fest, sich laufend genaue Informationen über die Entwicklung im Fernen Osten einzuziehen.. Der Rat habe unbedingt die Zurückziehung der japanischen Truppen und die Wieder- herstestung des Status quo ante zu überwachen. China werde von allen Rechten aus dem Völkerbundspakt Gebrauch machen, um die notwendigen Reparationen festzustellen. Der japanische Vertreter lehnte diese Auslegung der Ratsentschließung ab und nahm nur die Ratsentschließung als solche an. Obwohl durch diese gegensätzliche Auslegung der Entschließung eine neue schwierige Lage geschaffen war, erklärte der Rats- Präsident offenbar in der Befürchtung, daß eine weitere Verlängerung des Verfahrens notwendig sein werde, die Sitzung für geschlossen. In unterrichteten Kreisen zweifelt man daran, daß eine neue Ratssitzung am 14. Oktober stattfindet, da bei den leitenden Ratsmächten die Absicht besteht, das Verfahren vor dem Rat mit der heutigen Entschließung abzuschließen. Oas Wohnheimfläitengesetz. Stegcrwaid über die Gestattung des Baumarkts. V e r l i n, 30. Sept. (TU.) Der WohnungSaus- schuß des Reichstages beschäftigte sich am Mittwoch mit einem sozialdemokratischen Antrag über einen Wohnheimstättengelehentwurf, der den Bau neuer Kleinwohnungen vorsieht. Dabei nahm Reichsarbeitsminister Stegerwald das Wort. Er sagte u. a.: Dem Ausschuß sei bisher noch kein bis ins einzelne ausgearbeiteter Regierungsentwurf unterbreitet worden, da das Wohnheimstättengesetz stark in die Zuständigkeit der Länder eingreife. Der Referentenentwurf seines Ministeriums sei deshalb den Ländern zugeleitet worden. Auf Grund der Abänderungsvorschläge der Länder müsse der Referentenentwurf neu bearbeitet werden. Er werde auf möglichst schnelle Vorlegung des Entwurfs im Kabinett und im Reichsrat drängen. Ueber die Neugestaltung der Hauszinssteuer und die zukünftige Gestaltung der Bau- wirtschaft könne er als Ressortminister noch keine Einzelheiten mitteilen, ohne der Entscheidung des Kabinetts vorzugreifen. Endgültiges könne überdies erst gesagt werden, wenn man die Rückwirkungen der englischen Wirtschaftskrise auf die deutsche Wirtschaft ganz übersehe. Von einem plötzlichen Abbau der Woh- nungsbauzwangswirtschast k nm? keine Rede sein. Allerdings könne man b e i den größe- renWohnungen weitereLockerungen vornehmen. Die Auswanderungaus den Städten nach dem Lande nehme heute immer mehr zu. Infolgedessen bedürfe es einer eingehenden Prüfung, damit Kapitalfchl- letiungen auf dem städtischen Ban- mar k t vermieden würden. Mi.üsterialdi ek.or Z a r d e n vom Reiisfinanz» Ministerium erklärte, bei der Materie der Hauszinssteuer ständen nicht nur die Interessen der Hausbesitzer, sondern auch die der Mieter einschließlich der Neubaumieter aus dem Spiel, vor allem aber auch dieInteressenderLän- der und Gemeinden. Deshalb müsse das Problem sehr gehau geprüft werden. Die Beratung im Kabinett sei noch nicht abgeschlossen. Infolge der zunehmenden Versch'echterung der Wirtschaftslage b'.eibe das Aufkommen der Hauszinssteuer gegenüber 1929 schon um mehrere hundert Millionen zurück. Schließlich wurde die sozialdemokratische Entschließung zugunsten der Neubclebung des Wohnungsbaues mit den Stimmen der Antragsteller und der Kommunisten angenommen. Die Deutschnationalen und Nationalsozialisten nahmen an der Sitzung nicht teil. Aus aller Well. Die Führerschaft des Evangelischen Reichselternbundrs. Die Führerschaft des Evangelischen Reichselternbundes warnt in einer Entschließung die christlichen Eltern .vor Parteischule und standes- politischen Einflüssen, die den Kamps um die evangelische Schule auf Abwege führen". Für die Lösung der brennenden Fragen erheben die Gltern- sührer die folgenden Forderungen: .Es gilt nachdrücklich, auch unter wirtschaftlichen Opfern der Elternschaft einen berufsfreudigen evangelischen Lehrernachwuchs zu erhalten. Wir müssen ernstlich den Wert und die Wichtigkeit der Arbeitsweise unserer Schule prüfen und unsere Volksschule erhalten als eine Stätte gesunder, lebensnaher Erziehung. Die Derussbil- oung muß auf ein gesundes, auch für die Familie mit größter Kinderzahl wirtschaftlich tragbares Maß hingeführt werden. Staat, Kommune und Wirtschaft müssen mit dem unseligenDe- rechtigungsunwesen und mit den völ- ligungerechtfertigtenDorbildungS- ansprüchen an die männliche und weibliche Jugend aufräumen. Es gilt, die starken Glaubenskräfte in der christlichen Elternschaft lebendig zu erhalten, damit die evangelische Erziehung in Schule und Haus vor Schaden bewahrt werde. Das TBilHns-U-Boof „Nautilus" wird versenkt. Das amerikanische Schiffahrtsamt hat den Polarforscher Sir Hubert WilkinS ermächtigt, das U-Boot „Nautilus" zu versenken. Der amerikanische Konsul in Bergen wird wahrscheinlich offizieller Zeuge fein, wenn das berühmte Fahrzeug an einer tiefen Stelle der norwegischen Küste in den Fluten verschwindet. Edisons Gesundheitszustand verschlechtert. N e u y o r k, 30. Sept. (TU.) Der Gesundheitszustand Edisons, der seit einiger Zeit zu Besorgnissen Anlaß gibt, hat sich in der letzten Nacht wieder verschlechtert. Nach Feststellung seines Arztes hat Edison eine sehr unruhige Nacht verbracht und fühlte sich am Mütwochmorgen bedeutend schwächer. Die Wetterlage. Mi/twoch Bin .ßost ZRöiTi Tnorsru/j 10 t e oeoecit ®wornio ®oedecxi eRegen * Schnee a Griupci» * neoei K 6rwilter.@uinditiliL«O^ Sch» ickhter o$i y ma»'0«r Suasuowesi q iturmiscnei norgwest Die Pfene fliegen mit dem Winde Oie oenen Stationen Menende» Ze» len gehen die Temperatur an. Pie Urnen veromden Orte mit gleichem iuf neereimveau umgerechneten LultdrucM Wettervoraussage. Der hohe Druck ist weiter ostwärts gewandert und lagerte heute morgen über Polen. Durch die aus ihm ausströmenden kontinentalen Luftmassen hat sich das heitere Wetter noch erhalten. Dabei sind infolge der starken Ausstrahlung in der letzten Nacht die Temperaturen stellenweise bis unter den Gefrierpunkt zurückgegangen. Da jedoch die Sonnenstrahlung die Luft über dem Festlande erwärmt und auch Warmluft von Westen her oordrmgt, wird der Luftdruck fallende Tendenz erhalten und die Vorherrschaft des Hochdrucks zum Schwinden kommen. Die Islandstörung hat sich noch weiter vertieft, ein Ausläufer von ihr erstreckte sich heute morgen über ganz Frankreich. Der Störungscinfluß dürste sich allmäh. lich bei uns bemerkbar machen und Bcwölkungsauf« zug veranlassen, wobei auch Niederschläge auftreten können. Die Temperaturgegensätze zwischen Tag und Nacht gleichen sich wieder aus. Vorhersage für Freitag: Morgens dun- ftig und neblig, tagsüber bewölkt, aber auch auf- heiternd, Temperaturen zwischen Tag und Nacht mehr ausgeglichen, vorübergehend leichte Nieder» fd)Iäge. Vorhersage für Samstag: Weiterhin Frühnebel, sonst wechselnd bewölkt mit Aufheiterung. Lufttemperaturen am 30. September mittag- 13,9 Grad Eelfius, abends 6,0 Grad EelsiuS. Am 1. Oktober morgens 2,1 Grad Celsius. Maximum 14,1 Grad, Minimum 0,0 Grad Celsius. Niederschläge — Millimeter. Sonnenscheindauer 8'/. Stunden. — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 30. September abends 13,2 Grad Eelfius, am 1. Oktober morgens 8,2 Grad EelsiuS. 3 —r. heutige Anzeige.) •• Straßensperre. kommenden Ereignisse und lands" behandeln. (Siehe folgte eine lebhafte Aussprache, die den Vertreterinnen verschiedener Parteien, so des Zentrums, der Deutschnationalen, der Deutschen Volkspartei und der Staatspartei/ Gelegenheit zu sprechen gab. *• Zur Richtigstellung. Don der Firma Gustav 3. Kahn wird uns zu dem gestrigen Partei aufgestellt worden, die sich von dem Bund bürgerlicher Frauenvereine lossagte; die Trennung zwischen den bürgerlichen Frauenvereinen und den Arbeiterinnenvereinen vollzog sich 1894 bei der Gründung des Bundes. Die Dor- tragende bedauerte sodann, daß es heute so schwer sei, zwischen den Forderungen der Frauenbewegung und denen der politischen Parteien zu wählen. Jedoch habe die Frau in den Parteien eine besondere Mission zu erfüllen, indem sie in die Parteien ein belebendes Element hineintragen können. Man dürfe unseren Parteien den Dorwurf nicht ersparen, daß sie nach dem Kriege den starken politischen Arbeitswillen der Frau nicht zu idealen Zielen zu lenken verstanden haben. Auch sei von all den Versprechungen, die getan. Gießener Wochenmarktpreise. Ernieschäden uni) Landessteuern Verlängerung -er Steuerschonzeit für unwettergeschädigte Landwirte. wichtigsten Ereignisse der letzten Zeit vorausgesagt hat, wird als ein besonderes Kapitel „Die ' die Zukunft Deutsch- man den Frauen bei ihrem Eintritt in die politische Betätigung gemacht, nur ein Bruchteil erfüllt worden. Das habe entmutigend gewirkt, so daß man heute eine Dersandung des politischen Interesses der Frauenwelt feststellen müsse. Die Rednerin gab der Meinung Ausdruck, daß eS sich aus taktischen Gründen empfehlen dürfte, in Zukunft besondere Frauenlisten bei den Wahlen aufzustellen. Das sei durchaus nicht identisch mit einer eigenen Frauenpartei. Wenn auch heute die Frauen durch die schweren Anforderungen der Zeit stark in Anspruch genommen seien, so dürften sie doch nicht auf das verzichten, Waste errungen haben. Alle Kräfte müßten eingesetzt werden, um die Gefahren der bevorstehenden Monate zu meistern. Dem interessanten Dortrag ® Trinkt KAFFEE mit Coffein 3 Gramm dieTasse, stört nicht das Herz u. schont die Kasse aber aus 5—6 Gramm bereiten Sie das köstliche Mocca-Getränk Zu beziehen nur direkt aus der Eduscho-Großrösterei, Bremen, Sirt>prhPiRhafr>n - --- Film bringt einen Abriß der Geschichte der deutschen Reiterei und schildert deren Heldentaten im Weltkriege. Ein weiterer Abschnitt des Filmes gewährt einen Einblick in das deutsche Reitervereinswesen und soll dazu beitragen, in der Jugend die Freude am Sport der Reiterei zu wecken. Räheres ist aus dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich. — Seni in Gießen. Man schreibt uns: Wie vorauszusehen war, begegnet das Gastspiel des Psychologen und Telepathen Seni am Samstag im Katholischen Vereinshaus besonderem Interesse. Seni, der auch eine Reihe der Aus der provinzialhauptfiadt. Gießen, den 1. Oktober 1931. Zündstoff. In irgendeiner Weise hat er sich angesammelt, der Zündstoff. Das sind Worte des Derdrusses, die nicht gesprochen wurden, weil Klugheit gebot, ihnen zu wehren, daß sie über die Lippen kamen; es sind Worte berechtigter Kritik, die wünschenswert gewesen wäre, aber doch ausblieb, weil die Umstände das Schweigen zum Gebot machten. Kleinigkeiten sind es, deren man gar nicht acht hatte, Derdrießlichkeiten, die kaum über die Schwelle des Bewußtseins traten. Indem sie sich häuften, ihre Wirkung sammelten, liegen sie wie ein sprungbereites Tier, das nur auf den Augenblick wartet, in dem es sich auf das Opfer stürzen kann, weil sich eine Angriffsfläche bietet. Solange es merkt, daß der Blick achtsam ihm zugewandt ist, hat eS keine Gesahr; denn solange bleibt es in Angriffsstellung, und es wird vielleicht nie den Sprung auSführen. Aber die geringste Blöße, die sich bietet, wird es ausnützen. Da gehen wir tagelang, wochenlang verhältnismäßig unangefochten hin. Man scheint die Ruhe und Ausgeglichenheit selbst zu sein, gibt vielleicht gute Ratschläge an die andern, die ein wenig „aus dem Häuschen geraten", kann sich gar nicht vorstellen, daß man sich leicht aus der Ruhe bringen lassen kann, sondern läßt nur die Dernunft, die kluge Selbstbeherrschung, die Überlegenheit gelten — bis man sich ganz unvermittelt vor der nicht sehr angenehmen Lage sieht, daß man sich eingestehen muß: Die Rerven haben versagt. Es sind nicht immer, es sind sogar höchst selten die Rerven, sondern es war der Zündstofs, der sich angesammelt hatte und nun die Schuld daran trägt, daß einen Klugheit und Selbstbeherrschung im Stich ließen. Rur ein kleines, unbedeutendes Wörtchen kann es gewesen sein, daS „dem Faß den Boden ausschlug". Es braucht nicht bös gemeint gewesen zu sein, es braucht sich nicht gegen uns zu wenden, und doch lodern die Flammen unsers ZornS hoch empor. Unter ganz gleichen Umständen hätten wir an einem andern Tage dieses Wörtchen gar nicht beachtet, hätten vielleicht darüber gelocht; heute — oder auch nur in diesem Augenblick — läßt eS unS hochgehen. SS war nichts anderes als der zündende Funke, der in daS trockene Reisig der verschiedenartigen Derdrängungen seelischer Art fiel und es int Ru zu einem hohen Brande entflammen lieh. Keiner ist davor gefeit; jeder kommt dann und wann in solche Lage, daß er sich in ruhigerer Stunde sagen muß: Jetzt hast du eine Dummheit gemacht. Eine Dummheit deshalb, weil man Zeit und Kraft, vor allem Seelenkräste auf ein Nichts verschwendet hat. Denn es ist — bei Lickt besehen — meist so gut wie nichts, was den Anlaß zu solchen Entzündungen gibt. Wenn es immer dabei bleibt, daß man in solcher Lage nur kleine Dummheiten begeht, kann man noch froh sein. Nicht selten aber ist es wie eine Lawine, die wächst und wächst, dies und das mit fortreißt und zum Schluß ein recht beträchtliches Unglück herbeiführt. Nicht selten sind es die Kleinigkeiten, die das Reisig darstellen, und eine Kleinigkeit ist es auch, die als Funke In das Bündel fällt. Und das Ergebnis sind die kleinen und großen Tra gödien des Tages, die bei weitem nickt immer der äußeren Not oder besonders starken seelischen Bedrängnissen zuzuschreiben sind. Sich vor solchem Zündstoff iih acht zu nehmen, bedeutet nicht weniger, als sich zu bewahren vor Tragödien kleiner und großer Art. Aber es ist auch leicht gesagt: Du sollst dich in acht nehmen! Jedenfalls leichter gesagt als Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Kochbutter Pfund von 1,10 Mk. an; Butter 1,30 bis 1,50; Matte 30 bi« 35; Wirsing 8 bis 10; Weißkraut 6 bis 7; Rotkraut 8 bis 10; gelbe Rüben 8 bis 10; rote Rüben 8 bis 10; Spinat 20 bis 25; Römischkohl 8 bis 10; Bohnen 15 bis 25; Unter-Kohlrabi 9 bis 6; Feldsalat 8 bis 10; Tomaten 20 bis 25; Zwiebeln 8 bis 10; Meerrettich 35 bis 70; Pilze 20 bis 25; Kartoffeln 3'/, bis 4; Frühäpfel 8 bis 10; Falläpfel 3 bis 4; Aepfel 8 bis 10; Dirnen 8 bis 15; Dörrobst 30 bis 35; Pfirsiche 40 bis 60; Preihclbeeren 30 bis 35; Brombeeren 30 bis 35; Zwetschen 8 bis 10; Tauben 50 bis 60; Honig 40 bis 50; junge Hähne 90 bis 1,00; Suppenhühner 80 bis 1,00; Danse 1,00 bis 1,10; Rüsse 30 bis 35; Käse (10 Stück) 60 bis 1,40; Eier Stück 11 bis 12; Blumenkohl 30 bis 70; Salat 5 bis 10; Salatgurken 15 bis 25; Cinmachgurken 2 bis 4; Endivien 10 bis 15; Ober-Kohlrabi 8 bis 10; Lauch 5 bis 10; Rettich 10 bis 15; Sellerie 10 bis 40; Radieschen Bund 10 bis 15; Kartoffeln Zenter 2,80 bis 3,00; Aepfel 5,00 bis 6,00; Weißkraut 3,00 bis 4,00; Wirsing 6,00; Rotkraut 6,00 Mk. Bornotizen. — Tageskalender für Donnerstag: Christliche Versammlung Gießen, 20.15 Uhr, Lindenplatz 1, Evangelisationsvcrsammlung, „Wo ist das Paradies?"— Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Eine Freundin so goldig wie du ..." — Astoria- Lichtspiele, Seltersweg: „Der fliegende Pfeil" und „Die seltsame Rächt der Helga Wangen". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Die Eröffnung der Winterspielzeit 1931 32 erfolgt morgen mit der Erstaufführung des historischen Schauspiels .Elisabeth von England" von Krdinand Bruckner. Die Inszenierung hat der Intendant. Die Rolle der Elisabeth liegt bei Maria Koch, den Partner, König Philipp, spielt Karl He Yser. Die Dorstellung ist die erste im Freitagabonnement I Beginn 19.30 Uhr, Ende 22.30 Uhr. Als erste Fremdenvorstellung kommt am Sonntag, 4. Oktober, die Komödie „Der Garten Eden" von Dernauer und Oester- reicher unter der Spielleitung von Peter F a f s o t t als einmalige Wiederholung zur Aufführung. Beginn 18 Ahr, Ende gegen 20.45 Ahr. — Bruno Franks Komödie „Sturm im Wasserglas" gelangt am Dienstag, 6. Oktober, als nächste Premiere und erste Dorstellung un Dienstagabonnement der Winterspielzeit zur Ausführung. Die Spielleitung hat Heinrich Hub. — „A u f g e s e s s e n!" Am Sonntag 11.15 Ahr kommt im Lichtspielhaus Bahnhofstraße auf Der- anlassung des Kavallerie-Dereins Gießen der Reiterfilm „Aufgesessen" zur Aufführung. Der gesperrt. •* Don der Gießener Heer esfach - schule. Studienassessor Dr. Wolf wurde mit Wirkung vom 1. Juli von der Heeresfachschule für Verwaltung und Wirtschaft in Gießen an die Heeressachschüle in Schwerin i. M. versetzt. In die freigewordene Stelle in Gießen trat Studienrat Dr. Metz zurück, zuletzt im Reichswehrministerium Berlin, Abteilung für Hcercsfachschulen. •• Angestellten-Iubiläum. Am 1. Oktober sind es 25 Jahre, daß Fräulein Lina Ackermann im Hause Modehaus Salomon tätig ist. Die Jubilarin hat sich in den 25 Jahren ihrer Tätigkeit das Dertrauen weiter Kreise und Jbie Sympathien ihrer Kollegen erworben. Das Jubiläum Fräulein Ackermanns legt wieder Zeugnis davon ab, in welch gutem Einvernehmen im Hause Salomon Chef und Angestellte arbeiten. " Vorträge des Evangelisten Schwefel. Man schreibt uns: Im Saale des früheren Hotels Einhorn, Eingang Wetzsteingasse, finden in dieser Woche biblische Vorträge statt, auf die hiermit aufmerksam gemacht sei. Zeigten doch die ersten Vortragsabende, daß die Veranstalter in dem Evangelisten Schwefel aus Berlin, der in unserer Stadt übrigens kein Anbekannter ist, einen Redner gewonnen haben, der es in besonderer und volkstümlicher Weise versteht, seinen Zuhörern die Heilswahrheiten des Evangeliums nahezubringen und aus dem Schatze seiner im In- und Auslande reich gesammelten Erfahrungen anderen mitzuteilen. Es sind nicht Theorien, die von dem Evangelisten entwickelt werden, sondern tiefste Lebenswahrheiten, abgeklärte Urteile über religiöse Fragen, die den Zuhörern, die täglich in großer Zahl den Saal füllen, nahegebracht werden. In einer Zeit, wo alles anfängt ins Wanken zu geraten, steigt in vielen Menschenherzen die Sehnsucht nach etwas auf, das die Schwankungen der Zeit nicht rauben können. Die letzten Abende zeigten, wie die Zahl der Zuhörer beständig aunimmt, welche mit großem Interesse den Ausführungen des Evangelisten folgen. Die noch kommenden Vorträge sind besonders zeitgemäß und wichtig, Finanzminister K i r n b e r g e r hat an den Präsidenten des Londesfinanzamtes ein Schreiben gerichtet, in dem es u. a. heißt: Rlit Entschließung vom 26. August d. I. hatte ich mit Wirkung für das ganze Gebiet des Landes Hessen bestimmt, daß solchen Steuerpflichtigen, die im Hauptberuf die Landwirtschaft betreiben, von Amts wegen die rückständigen Vorauszahlungen auf Landessteuern 1931, erste und zweite Rate, bis zum 30. September d. I. zinslos gestundet werden, und daß für denselben Kreis von Steuerpflichtigen die Schonfrist für die Entrichtung der 3. Rate her Landessteuervorauszahlungen 1931 vom Amts wegen bis zum 30. September d. I. erstreckt wird. Mittlerweile sind die Schädigungen der Getreideernte festgestellt worden; im übrigen konnten die Ermittelungen noch nicht beendigt werden. Die bisherigen Ergebnisse erlauben aber die Folgerung, daß in etwa 700 Gemarkungen die Crnteschäden glücklicherweise nicht so groß sind, daß — in Berücksichtigung der Finanzlage des Landes und der Steuerleistung anderer Wirtschaftsgruppen — ein allgemeiner Erlaß an Landessteuern gerechtfertigt wäre. Anderseits sind in rund 300 Gemarkungen die bisherigen Ergebnisse der Schadensermittelungen so schwerwiegend, daß für diese Gemarkungen weiteres Entgegenkommen erforderlich erscheint. Ich habe mich daher entschlossen, für diese Gemarkungen zunächst die in Ziffer 1 und 2 meines Schreibens vom 26. August d. I. festgesetzten Fristen bis zum 15. Rovember d. I. zu e r st r e ck e n. Demgemäß gilt für diese Gemarkungen folgendes: 1. Die Schonfrist für die Entrichtung der 3. Rate der Landessteuervorauszahlungen für 1931 wird für solche Steuerpflichtigen, die im Hauptberuf die Landwirtschaft betreiben, von Amts wegen erstreckt bis zum 15. November 1931; 2. rückständige Vorauszahlungen auf Landes» steuern 1931 1. und 2. Rate, geltend bei solchen Steuerpflichtigen, die im Hauptberuf die Landwirtschaft betreiben, als von Amts wegen zinslos weitergestundet vom 1. Oktober bis 15. Rovember 1931. Ich nehme an, daß bis zum letztgenannten Zeitpunkt die Schadensfeststellungen beendigt sein werden. Weitere Entschließung, auch wegen endgültigen Erlasses von Landessteuern, bleibt deshalb Vorbehalten. Für die hier nicht aufgeführten Gemarkungen kommt ein allgemeiner Steuererlaß nicht mehr in Frage, ebenso wenig eine allgemeine weitere Stundung. Als Aebergangsmahnahme für diese Gemarkungen ersuche ich, von dem Ansatz von Verzugszuschlägen und Zinsen Abstand zu nehmen, wenn die Rückstände an Landessteuervorauszahlungen 1931 1. und 2. Rate bis zum 15. Oktober d. I., und die 3. Rate bis zum 31. Oktober d. 3. bezahlt werden. Mit Wirkung vom 16. Oktober bzw. 1. Rovember d. 2. an müssen die verordnungsmäßigen Verzugszuschläge berechnet werden, es sei denn, daß die Finanzämter auf Antrag im Einzelfalle weitere Stundung bewilligen. Rach Ablauf der genannten Schonfristen kann auch im allgemeinen die Beitreibung eingeleitet bzw. fortgesetzt werden. Jedoch ersuche ich, durch ver - Das Polizeiamt teilt mit: Wegen Vornahme von Straßenbauarbeiten wird von heute, Donnerstag, ab bis auf weiteres der Hohleichweg zwischen der Rodheimer Straße und dem nächsten Feldweg südwestlich des Schlachthofes für Fahrzeuge aller Art polizeilich st ändnisvolle Behandln ng etwaiger S'tundungsanträge und Gewährung von Teilzahlungen den Pflichtigen den Aebergang zur geregelten und fristgerechten Steuerzahlung zu erleichtern. , . , „ „ , ,, , . . . Hinweis auf die Anzeige ergänzend mitgeteilt. Die unweiiergeschädlgien Gemeinden. daß Schuhe nach wie vor nur an Wiederverkäu- Aach einer Anlage ju die,em Schreiben de- I°r abgegeben alle anderen Arlilel jedach stet- Sinan,Ministers gelten die nachstehend verzeich. °»ch tm einzelnen verlang werden. neten Gemeinden in Oberhessen als un- jTMtprhpffpn wettergeschädigt: Finanzamt Alsfeld: Drauerschwenb, Landkreis GietzkN. »»B Mn. «l - i n.Lln denAachdem di. boulen, ^artshauftn. Münster weit fertiggestellt ist, mußte sich der G e m e i n ö e - ninm t r FJmAr n ■ ARnrfi rat in seiner jüngsten Sitzung mit dem Aus- Aiede»E,chbach. Ober.Erlenbach, Aieder-Erlen: (AlnL. anVdi? schlechten wirttchalttichen Der! bad). Petterweil, Klappenheim, Dortelweil, Holz- W ÄS Semen 3UM. Jübc Änfien »® SschfaL fir S S » VS’ ÄIein"$at&en’ Nieder-Woll- gGfZ) vielmehr nach Berechnungen pro Kopf der ta£i ♦ (Vii »fi »n - «ttm.fonfiorn «riohoi. Familien und des Viehes zu bestimmen. Wasser- Srnanz amt Gieß en. Staufenberg, Friedel. ge(ö fo[[ ab i. Oktober erhoben werden. - Die eil»«»t Vergebung der Arbeiten zur Her- F l n a n z a m t G r ü n b e r g_ $of Oluöblng«- stellung einer Brücke am Lahnweg stieß hausen Hof Odenhausen, Hof Appenborn, Rem- fluf Schwierigkeiten, da der in Frage kommende harosyarn. I Unternehmer die Arbeiten für den Voranschlags^ , ® 1 V 8 ° r b-- (Seemen 5\irxenhnin herrlich von Rabenauschen Obstes wurden ansehn- sTnünza'mtSchotten: Breungeshain, « ' Burkhards, Busenborn, Eschenrod, Feldkrücken, f ™ Hartmannshain, Helpershain, Herchenhain. Kaul- ’onL* ?gJ \ stoß, Kölzenhain Ober-Seibertenrod, Rebges- ^zahlt wurdenAuch für W^en und Zwetschen M-ichst-in, n^l aTt Der erwachsene Sohn des Schneidermeisters R a u ■ ■■ - - stürzte beim Pflücken fo unglücklich von einem darum fei auf diese Vorträge besonder« hin- Daum, daß er später von seinem Vater bewuht- gewiesen. Io6 ausgefunden wurde. Der herbeigerufene Arzt •• Qlrbelt am Webstuhl. Im „HauS der stellte einen Beinbruch und eine leichte Ge- Handarbeit" (Seltersweg) hat man in diesen b i r ne r sch ü t t erung fest Tagen Gelegenheit, einen Arbeitsprozeß kennen- I t $rel« a. d. Ld a., 30.Sept. Die Obstzulernen, der den meisten Mensch fremd und nur «mte in Aepfeln und Dirnen ist auch hier sehr vom Hörensagen her bekannt sein dürfte: die We- gut gewesen. Zwetschen sind seltener zumal vor berei am Maschinen- und am Hand-Webstuhl. -ehn wahren nach Beendigung der FeldbereiNi- Deides Ist gleichermaßen interessant. Während die gung, eine Unmenge Zwetschenbaume von den Webmaschine in eifriger Geschäftigkeit einen Faden seitherigen Eigentümern umgehauen worden nach dem anderen (immer den gleichen Faden) an- waren, weil diesen die dafi^ gezahlten Entschädi- einanderreiht und so das einfache Leinen entstehen gingen zu gering schienen., Dirnen sind zurHomg- läßt, ist die Arbeit am Handwebstuhl rnannig- bereitung sehr gesucht, für Aepfel ist noch keine faltiger und komplizierter. Die Maschine vermag Nachfrage. - Unser mit einen Kostenaufwand in der Stunde 2,50 Meter Leinen anzufertigen, von etwa 8000 Mark in diesem Sommer erbaute« während der Handweber, der naturgemäß auch elektrisches P u m p werk, das den in Muster in verschiedenen Farben in das Tuch zu trockenen Sommern vorkommenden Mangel in un- toeben vermag, oft nur 2,50 Meter ani Tage her- f«er Wasserleitung beheben soll, brauchte diesen stellen kann. Die Arbeit des Handwebers ist, wie Sommer noch nicht in Tätigkeit zu treten. man sich durch Augenschein überzeugen kann, nicht ürpiä 'Kithitinen leicht. Mit Händen und Füßen, nicht weniger aber I , , „ ö ’ auch mit dem Kopf, muh er zu gleicher Zeit ar- + Ibenhain 30. Sept. Der neugewahkte beiten. Während die Hände das Schiffchen mit Bürgermeister Hch- Dilmeter wurde gestern den farbigen Fäden hin und her werfen, schalten durch.Kreisdirekt Dr. ® a 6 n e r im Beisein der die Füße die verschiedenen Kämme, aus deren un- Mitglieder des Gememderats verpflichtet und tn terschiedlicher Stellung sich das Muster ergibt. I ’cin -"wt elngefuhrt. - Während so das Schiffchen mit großer Geschwin- Kreis Schotten. -USt n , r h , H t>ro Stück etwa 20 Mark bezahlt; ältere Tiere hör biL PoVnäimrkosteten mehr. Es verblieb Ueberstand. — Gestern or vormittag erlegte in den hiesigen gräflichen Wal- wSä“ SFSSS WB SSiSSSB» LWKLWsW-L nc?.% r J m JA ST« ♦ n trieb des Altersheimszu übernehmen. Somit h nC ?>itÄnrn,htilßiLhlnUiit»rt C— tst die Möglichkeit geschaffen, eine weitere Anzahl unVtoreiBt - am S«i®gÜein; Tetfammhlng a6 ”°L^rflnbncrn t>ei billi9cn auf,u. die als überparteilicher Auftakt zu der bevor- 1 n stehenden Landtagswahl gedacht war. Frau Dr. I preutzen. phil. Magnus-v. Hausen behandelte das Thema I „Frau und Politik im Wechsel der Zelt". Die I MtCt« Wetzlar. Rednerin hat eingehende Studien über die ®e- ch Gleiberg, 29.Sept. Der 3 0. Septem- schichte der Frauenbewegung gemacht und gab ber 1721 — also vor 210 Jahren — war ein einleitend einen interessanten Abriß ihrer Ent- schwarzerTag in ber Geschichte unseres Dor- Wicklung. Sie betonte vor allein, wie bedauerlich fes. Cs brach eine Feuersbrunst aus, die fast es sei, daß der bürgerliche Teil der führenden den halben Ort heimsuchte. Richt weniger als 30 Frauen stets die kulturellen Aufgaben über die Gebäude brannten nieder, darunter politischen gestellt habe. Die Forderung des manches alte Durgmannenhaus. Die Bewohner Frauenstimmrechtes sei zuerst, von, der radikalen | waren nicht imstande, dem Brande Einhalt äu tun, da es an Wasser mangelte. Acht Jahre später, am 9. September 1729, schlug der Blitz in ein HauS, zündete und legte abermals zehn Häuser in Asche. > W ißmar, 30. Sept. Auf der Fahrt zur Arbeitslosenmeldestelle in Krofdorf verunglückten zwei Arbeitslose aus Salzböden mit ihrem Motorrad, als sie auf der Straße Ruttershausen—Wißmar am Teufelsberg vorschriftsmäßig ein Fuhrwerk Überholen wollten. Dabei scheute eine Kuh und brachte die Motorradfahrer zum Stur). Der Beifahrer wurde so erheblich verletzt, daß er in die Klinik verbracht werden mußte. Der Besitzer des Fuhrperks ist nicht in der Haftpflichtversicherung. — Durch Obst verkauf erzielte in diesem Jahre die Gemeinde eine Bareinnah nie von 800 Mark. D onnersiag,Freitag und Samstag gibt es etwas Aussergewöhnliches; Hbf* Beachten Sie unsere S«hänfenster! 3enxjelnten.il Kaffee*Gescltäfi Gießen, Seltersweg 6 6493 A gen Ruhe gebracht Gießen (Plockstraße 16), den 30. September 1931. In tiefer Trauer: 05636 Altersvereinigung 1863—1913 Gießen (Schillerstraße 17), den 1. Oktober 1931. Die Beerdigung findet Freitag, den 2 Oktober 1931, nachmittags 2'/, Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt 6523D Gießen, den 30. September 1931. 6470 r.l 056U| Klein-Linden, den 30. September 1931. 05631 um 14.30 Uhr statt «51» U We. lanrptangirtL verkauft 6503 U Schöne geräumige IÄ/F O RP DRUCKSACHEN If Cs IX D t Brühl’sehe Druckerei Doppelprogramm Lieh, den 30. September 1931. I. Ken Meynard 6178 Dl -uneben. 05638 in WWW Siidanlaae 14 1. in Zu halten in allen Apotheken. 6467 V Gebrauch. Fleschs RM. 4.80. Prospskt kostenlos. 5756 V Drogerie 0. Winterhoff, Gießen, Kreuzplatz 9/10 Konradi, Lauter bet Grünberg (Hess) ist am 25. September im Alter von 80 Jahren sanft eingeschlafen. Wir haben sie in aller Stille zur ewi- Kurz vor Vollendung seines 68. Lebensjahres wurde uns heute mein herzensguter Mann, mein stets treubesorgter Vater, unser lieber Bruder, Schwager und Onkel Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgange unsrer lieben Entschlafenen danken wir herzlich. Frau Margarethe Wahl, geb. Zeih und Kinder. Olga Bachenheimer, geb. Grünewald Dr. Wilhelm Bachenheimer Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgang unseres Heben Entschlafenen sagen wir allen auf diesem Wege unseren tiefgefühltesten Dank. II. Lee Parry Um zahlreiche Bet eiligunff bittet der Vorstand. Die trauernden Hinterbliebenen. In deren Namen. Frau Marg. Adolph, Wwe. Groge,Helle,nockene mit Parietiboden versehene Lager- räumlichkeiien im Zentrum d. Stadt -u vermieten. Schr. Anfragen unt. Wilton den Gien. An-. Die trauernden Hinterbliebenen. In deren Namen: Karl Textor. Der fliegende Pfeil Ein unerhört spannender Wild-Westfilm in 6 Akten Literatur mit ärztlichen Gutachten, klinischen Berichten und Probe-Tabletten kostenlos durch: Radlosclerin-Gesellschaft m. b. H., Berlin SW 68/28. I n Wetzlar ist per sof. ein schön. Laden osgss groheö Schaufenster mit Hellem Hinter- -immer au günstigen Bedingungen-u vermieten. Oneri. um. 9Zr. E. B. 1082 an Mitleid. Annoncen» Erpedilion. Gtenen Danksagung. 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Unseren Mitgliedern die traurige Nachricht, daß unser lieber Altersbruder Max Bachenheimer sanft entschlafen ist. Die Beerdigung fi det Freitagnachmittag. 2*/2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet der Vorstand. __652> I) Herr Max Bachenheimer Lehrer i R Am 29. September verschied nach kurzem schweren Leiden mein lieber Mann, unser treusorgender Vater, Schwiegervater, Großvater, Urgroßvater und Bruder Peter August Steger I. Eisenbahn-Schaffner LR. im Alter von 85 Jahren. Unser geliebtes treues Mütterchen Frau Amalie Vetter, geb. Seiler QraueJfaare nicht färben! ^47 Dss seit Jahren bewihrte biologische Hearstlrkunge- Zej weeeer ENTRUPAL gee. ge«ch.führt den geechwlch- len Haarwurzeln die verbrauchten Pigmente (Farbstoffe) zu, aodaB graue Haare und Nachwuchs auf natürliche Welse die ehemalige Farbe wiedererhalten, daher Fehlfarben auageachloesen. Kopfechu ppe n [Vermietungen | eschlaanahmefrete kl. 2-Zlnuner-Wohng. mit Küche iSenenb > sof. An ver m. 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Oktober, in Klein-Linden Die seltsame Nacht der Helga Wangen Ein Gesellschaftsschnuspiel nach dem gleichnamigen Roman .Pan 5509 C Wichtig! Wir suchen allerorts fleißige Personen für deren Wohnort mit größerem Umkreis sofort eine Filiale (kein Laden) errichtet wird. Beruf und Wohnort einerlei Oe; enwlrtiger Beruf kann beibehalten werden. Dauerndes Einkommen bis Mk. 600.— monatlich. Bewerbung unter „Filiale Nr 220“ an Ala Haasenstein & Vogler, Köln. Bekanntmachung. Auf Grund des Artikels 43 der Hessischen Gemeindeordnung vom 10. Juli 1931 heißt die von mir vertretene Behörde vom 1. Oktober 1931 an nicht mehr: „Der Oberbürgermeister der Stadt Gießen", sondern „Bürgermeisterei Gießen". 6514C Gießen, den 30. September 1931. Der Oberbürgermeister. Dr. Keller. An einem Nachmittag- u. Abendkursus können noch einige Mädchen feilnehmen. Unterricht im Anfertigen von Wäsche, Garderobe und Handarbeit. en, o Plockstraße 11 N. junget $oi billig ab-iifleb. 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Vttober 193( ie in Nriimngslinden politif gemacht wurde. Mit den französischen Ministern an den Havelseen. - Als einziger Journalist beim intimen Minister-Frühstück. Copyright by Verlag Presse-Tagesdienst, Berlin W 35. Unser Berliner Mitarbeiter Dr. Richard Dyck mar der einzige Journalist, der bei den Unterhaltungen und dem intimen Minister- Frühstück in Brüningslinden bei Cladow zugegen war. Im folgenden schildert er ein paar interessante Episoden. Das eine kann ich versichern: Leicht war es nicht, als einziger Journalist bei dieser intimen Zusammenkunft der Regierungshäupter Deutschlands und Frankreichs sich Eingang zu verschafsen. Aber es wurde geschasst — getarnt und unter entsprechendem „Rollentausch". In Cladow also fand diese Zusammenkunft in einem Rahmen statt, wie ihn die Natur nicht schöner hätte ausbauen können. Der Park von Brüningslin- den hat bei aller Gepflegtheit doch den Zauber der Unberührtheit und völliger Entrücktheit vom Lärm und Trubel der großen Stadt. Bon der breiten Terrasse an der Gartenfront schweift der Blick hinüber zu den zartgeschwungenen Ufern der Havel, und durch einen gradezu raffiniert geschnittenen Baumdurchblick sieht man die Silhouette Potsdams wie von einem feinen Silberstift gezeichnet herüber- schimmern. Vor der Terrasse dehnt sich eine Fläche üppigen englischen Rasens. Im dunklen Grün der Wälder vom jenseitigen User lugt kokett das Schloß auf der Psaueninsel, wo einst Dinkel Gold machte, hervor. Diesem wirklich köstlichen Ruhepunkt im Park von Brüningslinden hat man als dekorative Folie des Hintergrundes ein echtes japanisches Teehaus gegeben, und japanisch sind auch die Pflanzen und Bäume, die Bildwerke von Tieren und Göttern, die es umgeben. Hierin also führte Reichskanzler Dr. Brüning, der als erster mit Ministerpräsident Laval im Ciadower Schlößchen vorfuhr, sofort feinen Gast. Der Reichskanzler machte Laval, vor dem Teehaus stehend, auf die besondere Schönheit der Landschaft aufmerksam und gab im einzelnen Erklärungen dazu. Der französische Ministerpräsident, der den Charakter des Ausflugs dadurch noch unterstrich, daß er im legeren Straßenanzug und im weichen Hut gekommen war, sog an seiner Zigarette, blies genießerisch den blauen Rauch vor sich her und blickte unverwandt zu dem versonnenen, träumenden See hinüber. Dann gab er, zum Kanzler sich wendend, seinem unverhohlenen Entzücke über den Frieden und die Ruhe dieser Landschaft mit dem Ausruf Ausdruck: „Tres beau! Trfcs beau! Mittlerweile hatte sich auch der einige Minuten später angekommene B r i a n d in Begleitung des neuen Botschafters Francois - Voncet den beiden Regierungshäuptern zugesellt. Briand, der am ersten Tage des Berliner Besuchs einen — auffallend müden Eindruck gemacht hatte, schien ganz verwandelt. Sein Gesicht hatte eine frische rote Farbe, seine Augen blitzten lebhaft, und fein Gang wgr schneller und elastischer. Als letzter erschien Reichsaußenminister Dr. Curtius auf dem Platz vor dem Teehaus. Hier blieben die deutschen und französischen Minister einige Minuten im Geplauder allein. Ein Beamter des Geheimdienstes wachte mit Argusaugen darüber, daß kein anderer sich näherte. Die Herren waren ganz unter sich, nicht einmal ihre Begleiter und Mitarbeiter dursten sie stören. Plötzlich begannen. Regentropfen zu fallen, erst nur wenige, dann immer mehr. Ein folider Landregen rieselte herunter und verscheuchte die Minister unter das schützende Dach der großen Gartenterrasse. Das Regenintermezzo konnte die glänzende Laune der Franzosen und der Deutschen nicht beeinträchti- gen. Lachend sah man den Kanzler mit Laval, Dr. Curtius mit Briand zur Terrasse eilen, um nicht bis auf die Haut naß zu werden. Auf der fäulengeschmückten Parkterrasse hatten sich inzwischen die übrigen Teilnehmer des Frühstücks versammelt. UeberaÜ sah man lose angeregt plaudernde Gruppen. Philippe Bert Helot, der Generalsekretär des Quai d'Orsay, tauschte mit dem Botschafter von H o e s ch Meinungen aus, Fran- cois-Poncet stand im Gespräch mit Staatssekretär von Bülow, Herr von Friedberg, der Frankreich-Referent des Auswärtigen Amtes redete besonders lebhaft auf einen französischen Kollegen ein. Redete man von Politik? Es schien mir eigentlich nicht so! Denn in allen Gruppen wurde viel und herzlich gelacht, man sah vergnügte Gesichter und keine Amtsmienen! Das Krühstück. So war etwa eine halbe Stunde nach der Ankunft in Schloß Brüningslinden vergangen. Die Tafel, die im oberen Stock gedeckt war, stand bereit. Da die Zeit für das Cladower Frühstück sehr knapp bemessen war, stieg man jetzt das vornehme Treppenhaus mit seinen reichen Holzschnitzereien und chinesischen Seidenstickereien hinauf. In der Mitte der Treppe steht auf marmornem Sockel ein Bronze- standbild des fitzenden Julius Caesar, den Lorbeer- kianz um das Haupt gewunden. Mit einem recht vielsagenden Blick streifte Briand den großen Römer und lächelte dann seinen Kollegen Curtius mit einem bedeutungsvollen Blick an. An zwei runden Tischen wurde gespeist. Der Raum, der zu dem Frühstück von Brüningslinden auserkoren war, wirlt ungemein intim und behaglich: Kristall und Silber und Herbstblumen, dazu das gedämpfte Licht der Wandbeleuchtungen und das Knistern der Buchenscheite im Kamin des anstoßenden Bibliothekzimmers schufen rasch eine behagliche Stimmung. Die glänzend geschulten Diener des Automobil-Clubs von Deutschland trugen unter der Aufsicht des Hausmeisters die Speisen auf. Es war kein prunkvolles Festessen mit vielen Gängen. Man wollte wohl den Magen nicht allzu sehr belasten, wenn es nachher an die hohe Politik ging. Am Fenstertisch saßen die deutschen und französischen Minister. Dazu hatten an diesem Tisch noch ihren Platz Generalsekretär Berthelot, Staatssekretär von Bülow, die Botschafter von Hoesch und Francois-Poncet, und Ministerialdirektor Köpke. Am Nebentisch speisten Staatssekretär Pünder, der französische Botschaftsrat Guerlet, vortragender Le- gationsrat von Friedberg, der Kabinettschef Lavals, Herr Monier, der Chef des Protokolls, Graf Tat- tenbach, Legationsfekretär von Mumm, Professor Hesnard, ferner Lavals wirtschaftlicher Berater, Handelsgerichtspräsident Buissvn, Gesandtschaftsrat Waermann, Konsul Arnal und der Dolmetscher Dr. Schmidt. Plauderei im Rauchsalon. Kurz vor 14 Uhr wurde die Tafel aufgehoben, und man zog sich in den gemütlichen Rauchsalon zurück. Philippe Berthelot betrachtete mit Kennermiene die in elektrisch erleuchteten Glasoitrinen ausgestellten Kunstwerke japanischer Kleinkunst. Sie schienen ihn viel mehr zu interessieren als die ganze Politik, die jetzt gemacht werden sollte... In der behaglichen Kaminecke lassen sich in Sesseln von grünem und rotem Samt die Regierungschefs und die Außen- „C&im! — Barn! — Dirn! — 'Sam! Sie fingen f ah nach Gu'.do im Grafe lag. Lächeln um den wie Horvaths Geige." „Wie Horvaths Geige?" „Sa!“ „Dann ist es schön." Qtaja Horvath, der lang ausgestreckt Er hatte ein beleidigendes toten Mund und schielte mit der Aeberlcgenheit seiner siebzehn Jahre zu ihr hinüber. Raja merkte es nicht. Sie dehnte die nackten Atme und sagte mit Heberzeugung: „Wenn ich erst groß bin, will ich eine Glocke werden, die singt wie Horvaths Geige. Dann werden die Menschen kommen und mir lauschen." „Hier in der Steppe hört dich niemand", sagte Horvath abfällig. „Dann nimmst du mich eben mit in die große Stadt." „Olein." Horvath sah mit offenen Augen nach dec Kuppel des Himmels, darin die ersten Sterne glänzten. „Warum willst du mich nicht mitnehmen, Guido?" Die schwarzen Augen Rajas flehten ihn bettelnd an. „Was soll ein Künstler mit einem Werbe! Du wärst mir nur hinderlich." Dela Szengeryi hatte seinen Stock fertig geschnitzt. Er ließ ihn surrend durch die Lust tanzen und lachte: „Ich schenk ihn dir, Rosmarie. Mir ist er nicht schön genug.“ Der Kindermund verzog sich. Die nackten Füße aufgestemmt, bog sie den Stock über den Knien. Es glückte nicht, ihn entzweizubrechen. Sie sprang auf, dehnte die Arme und schleuderte ihn weit in die Steppe. . Dela verfärbte sich leicht. Aber er sagte kein Wort. Eine Weile war es ganz still zwischen den Bieren. Dann schwang sich Horvaths Stimme vom Grase auf: „Raja will eine singende Glocke werden! Ich ein großer Künstler. Dela wird ferne Länder entdecken, von denen die Menschen noch nichts wissen, ilnö du, Rosmarie?" Die Kleine lag nun dicht neben ihm und hielt die Arme unter dem Dlondhaar verschränkt. Es sah aus, als quelle Gold aus der schwarzen Erde. „Ich werde Dela heiraten." Das Jungengesicht flammte auf. „Ich will dich aber nicht! Ich kann dich nicht brauchen. Was soll ich mit einer Frau? Ich reife den Pol hinauf und dann den anderen hinunter, bei den Japsen werde ich Tee trinken und mit den Regern im Dusche schlafen. Ich will Tiger fangen und Leoparden und die Rätsel der indischen Fakire losen. Später vielleicht, wenn ich sehr alt und müde bin — du kannst ja auf mich warten, wenn du willst." „ „Dann warte ich eben", kam es geduldig zuruck. ''Aber, wenn du graue Haare hast, nehm ich dich nicht mehr." Wenn SHttttoett auseinandeegevn Boman von I. Schnewer-Foerstl Urheberrechtsschutz V e r l a g O. M e i st e r, Werdau. Rachdruck verboten! Glutrot brannte die Steppe. Die sinkende Sonne warf kupferne Drände über die schwarzbraune Erde, die in diesem Glanz wie dunkles Gold zum Himmel lohte. Raschflüssig schob die Theiß ihre Wasser nach Süden. Weit drüben, wo sich die Pappeln in den Reiher streckten, rannen die Wellen des Horto- bagy, träge, schleppend, ohne jede Eile, als sei jegliche Minute Aufenthaltes hier in der Steppe voll glückverheißender Seligkeit. Allmählich verblaßten die satten Farben. Die Schatten begannen ineinander zu fließen, die Formen verschwommen. Dlauschwarz wölbte sich die Riesenkuppel des Himmels darüber, spielte erst in Lila und gedämpftem Rot, um weiter unten, wo die Wolkenzacken sich wie auf Schultern auf die Erde stützten, in mattem Diolett zu verhauchen. Heber den weihen, schwellenden Wassertümpeln lagen scharf abgegrenzte Schatten. Wie Dorweltriesen kauerten sie in der Endlosigkeit der Abeno- ftille. ä „ Hoch oben zogen ein paar Kraniche noch -aor- den, ein Pirol flötete im Schilf, und drüben wo die schlanken Pappeln standen, rief em Hoher- weibchen nach seiner Brut. „ , Run läuten in Wien die Glocken. Rosmarie Török, die am Rande des Maisfeldes sah, hob das schmale Gesicht und lauschte. Kein Ton klang über die Steppe. „Was sind Glocken?" Raja Bosanhi, die Zwölfjährige, saß mit hochgezogenen Änien auf dem Rain, der zwischen den Feldern lief, .lieber der gebräunten Stirn spielte blauschwarzes Haar im gleichen Düster to; die Augen in dem mattweißen Gesicht. r .... „Glocken?" Dela Szengeryi, der Funfzehmah- rige hörte auf, Runen in feinen dicken Stock zu schnitzen. Er nahm das Ende des Stockes und grub eine Zeichnung in den sonnverbrannten Rosen. „Das hier ist eine Glocke. Im inneren hängt ein Schwengel mit einem großen Knopf. Wenn der an die Wandung schlägt, macht es: Dirn! - Dam! - Bim! - Dam!" „Wie eintönig“, sagte Raia enttäuscht „Ich habe mir's schöner gedacht. Glocken! Ihre Stimme jauchzte in den Abend. Was bist du für ein dummes Gor! Dela Szengeryi erhob sich, wiegte die Hüften und ließ den Körper langsam von links nach rechts und dann wieder zurück schwingen und summte dazu: minister häuslich nieder. Freiherr von Brandenstein, der Hausherr von Brüningslinden, wird von den Herren ins Gespräch gezogen. Die Diener tragen Kaffee, Liköre, Zigarren und Zigaretten auf. Bald ist der warme Raum in Wolken blauen Rauches gehüllt. Dr. Brüning lehnt sich mit feiner Zigarre gut gelaunt zurück. Laval, der ihm schräg gegenüber sitzt, steckt nicht minder zufrieden eine neue Zigarette — die wievielte an diesem Tage? — an. Ganz besonders lebhaft führt an diesem Tisch Briand das Gespräch. Aus der in gedämpftem Tone geführten Unterhaltung kann ich leider nur hier und da ein paar Bruchstücke aufschnappen. Einmal sagt Briand, indem er den Satz mit einer lebhaften Gebärde der Hand unterstreicht: „Tout ^a va changer!“ („Das wird sich alles ändern!"), und wiederholt diesen Satz noch einmal. Hoffen wir, daß er damit gemeint hat, jetzt werde sich in Europa einiges zum Besseren ändern! Zeit wäre es! Nur in der hintersten Ecke des Rauchsalons wird offenbar angestrengt politisch gearbeitet. Dort sitzen, über Blätter in Maschinenschrift gebeugt, Botschafter Francois-Poncet, Staatssekretär von Bülow, Ministerialdirektor Köpke mit zwei oder drei ihrer Mitarbeiter. Bleistifte und Füllfederhalter rascheln über die Bogen, und es gehört keine große Kombinationsgabe für mich dazu, zu erraten, daß hier d a s amtliche Kommunique über das Ergebnis des französischen Ministerbesuchs in Berlin fertiggestellt wird. Francois-Poncet zieht nachdenklich an seiner Zigarre und stützt dabei den Kopf auf die Hand. Offenbar denkt er über eine geschickte diplomatische Formulierung nach, die alles und doch — nichts sagen soll. Staatssekretär von Bülow meint: „Dann nehmen wir hier eben einen anderen Ausdruck!", und streicht in seinem Manuskript herum. Gott sei Dank — nach weiteren zehn Minuten ist das Communiquö, das offenbar fo viel Kopfzerbrechen verursachte, glücklich geboren. Brüning hat es eilig. Er sieht wiederholt auf die Uhr, und um punkt 15 Uhr erhebt er sich aus dem Sessel und verabschiedet sich von seinen Gästen. Ganz unprogrammäßig steht a u ch L a v a l mit auf, der eigentlich noch eine halbe Stunde hätte bleiben sollen und begibt sich mit dem Reichskanzler zum Wagen. Die Außenminister haben noch Zeit zum gemütlichen Plaudern. Briand winkt den schon in der Tür stehenden Herren Brüning und Laval mit der Hand zu und ruft: „A tout ä l’heure!“ Um 15 Uhr ist das Frühstück von Brüningslinden vorbei. Die beiden Botschafter Frankreichs und Deutschlands sind die letzten, die das Schloß gemeinsam verlassen. Oben an der Tafel räumen die Diener ab. Speisekarten und Tischkarten verschwinden als Erinnerungen an die denkwürdige Begegnung von Cladow in ihren Fracktaschen. Der Potsdamer Polizeipräsident von Zitzewitz, der sich persönlich um die Durchführung der Sicherheitsmaßnahmen bekümmerte, atmet erleichtert auf und klopft feinem Schupo-Komman- dcur zufrieden auf die Schulter. Am glücklichsten sieht der Clubdirektor, Herr von Z., drein, dem s e i n Gästebuch zur kostbaren Trophäe geworden ist, die er um keinen Preis der Welt mehr hergeben würde. Denn sämtliche Teilnehmer des Frühstücks in Brüningslinden haben sich im Gästebuch des Schlosses eingetragen ... Schöffengericht Wetzlar. WER. Wetzlar, 29. Sept. Das Wetzlarer Schöffengericht fällte eine empfindliche Strafe gegen einen Reichsbannermann, der bei einem Zusammenstoß nach einer Severing-Ber- fammlung zum Messer gegriffen und einen politischen Gegner schwer verletzt hatte. Es verurteilte ihn zu einem Jahr Gefäng- n i s und erließ sofort Haftbefehl, da Flucht- verdacht vorlag. ______ Dela Szengeryi neigte sich über Rosmaries flimmerndes Haupt. „Ach! Meines wird lange nicht weiß, sagt die Aga, weil es ganz blond ist." Horvath streckte die Hand aus und ließ die Finger durch das seidige Haargespinnst des Kindes gleiten. „Wie Gold", lobte er. „Du bekommst sicher einen Mann, wenn es auch nicht Bela ist." Hinter ihnen lachte eine Stimme. Ein schwarzer Schalten stand groß und hager wie eine Spuk- gestalt am Rain. „Kinder, die Schwalben kreuzen nicht mehr, und meine Schafe schlafen aUI Die Aga ruft sich die Lunge heiser nach euch, und deine Großmutter, ©idöo, steht unter der Tür im Garten und wartet auf dich — und dein Datcr, Raja, hat schon ein duhendmal gepfiffen." „Woher weißt du das?" fragte Rosmarie und sah den Sprecher bewundernd an. „Die Tanjen liegen doch so weit voneinander." „Er weiß alles", sagte Dela ärgerlich. „Als ich mir damals den Fuß brach, hat er mir's schon eine Woche vorher angekündet." „Aber es hat nichts genützt." Der Alte lachte. „Geht jetzt, sonst gibt es Zank." Er sah den vier jungen Gestalten nach, die sich im Dämmer verloren. Eine blonde Gestalt wandte sich und warf eine Kußhand zurück, dann eine schwarze, ein nackter Arm winkte, vier Gesichter leuchteten in matten Umrissen auf. So war das immer! So lange man Janos erblicken konnte, sah man nach ihm zurück. Der Hirt lächelte, stand noch eine Weile, machte kehrt und ging dann in die Steppe hinein. Auf dem Wege fand er Delas Stock. Er hob ihn auf, hielt ihn dicht vor die Augen und nickte: „Genau solche Runen schneidet das Leben." * Jahre gingen dahin. Im Lenz lag die Steppe von Blüten übersät, im Sommer verkohlte sie zu dunklem Braun, um dann zu ruhen, bis Herbst- und Winterstürme ausgebraust und der Frühling sie wieder blühend küßte. Run brütete die Julisonne über der weiten Ebene. Die Erde klaffte in tiefen Rissen. Der Doden war ausgesaugt von Hitze und fühlte sich wie Stein. Es war, als sei alles Leben in ihm erstorben. Erst als das Dämmer kam, erwachte die Steppe. Die Erde tat gleichsam ihre Drüste auf, alles, was sie gezeugt und zur Reise gebracht hatte, trank sich in gierigen Zügen satt am Taue, der ihr aus tausend Poren zugeströmt kam. Hinter den verstaubten Heckenzäunen leuchtete das Gold der Rapsfelder, und auf den langen, schwarzen Ackerbeeten lagen Kürbisse wie zur Erde gefallene Sonnen. Dela Szengeryi ging mit gesenktem Kopfe ein Maisfeld entlang und lauschte in die Ebene OberhessischerMissionsverem für Basel. )( L a n g s d o r f, 29. Sept. Unter starker Beteiligung der Gemeindeglieder und einer großen Anzahl auswärtiger Gäste konnte der Ober- hessische Berein für Baseler Mission am Sonntag und am Montag in unserer Gemeinde sein Jahresfest feiern. Der Sonntag wurde durch einen Missionskindergottesdienst am Bormittag eingeleitet. Rachmittags fand in der geschmückten Kirche F e st g o 11 e s d i e n st statt. Pfarrer Mahr (Gießen), der frühere langjährige Seelsorger der Gemeinde, hielt die Festpredigt. Anknüpfend an den seit Jahrzehnten in der Gemeinde lebendigen Missionssinn wußte ec eindringlich zur Missionsarbeit in der Gegenwart aufzurusen. Missionar Maurer, der Ende 1929 fast zwei Monate in China in kommunistischer Gefangenschaft gehalten wurde, sprach von der Kraft und dem Segen der Missionsarbeit. Dekan Guß - mann grüßte als Borsitzender des Oberhessischen Bereins für Baseler Mission die Festgemeinde und dankte ihr für die gastliche Ausnahme. Den Altardienst versah der Ortsgeistliche. Missionslieder verbanden die einzelnen Ansprachen. Im Mittelpunkt des ebenfalls in der Kirche gehaltenen G e - meindeabends standen die Ansprachen der Chinamissionare Lauk, Maurer und Schmoll, die von ihren ehemaligen Missions- feldern und ihrer Arbeit anschauliche Schilderungen gaben. Am Montagvormittag folgte unter dem Borsih von Dekan G u ß m a n n (Kirchberg) im Rathaussaal die Jahresversammlung des Bereins. Rach einer ABdacht, gehalten von Psarrer G u ß m a n n (Ober-Ohmen), gab der Vorsitzende den von eifriger Missionsarbeit des Bereins Zeugnis ablegenden Jahresbericht. Aus der Bersammlung heraus erfolgten mehrere Reuanmeldungen,' so traten die Gemeinden Bönstadt. Lang-Göns, Münzenberg, sowie der Frauenmissionsverein in Dad-Rauheim dem Oberhessischen Verein bei. Zur Deckung des Fehlbetrags der Baseler Missionsgesellschaft wurde ein Betrag von 400 Mark bewilligt. Dem Rechner, Pfarrer S t a u b a ch (Watzenborn), wurde nach der Rechnungsablage Entlastung erteilt. Den Höhepunkt der Versammlung bildete der Vortrag von Missionar Maurer über das Thema „Die Begegnung der Mission mit dem chinesischen Kommunismus“. Der Vortragende bot in interessanten Ausführungen zunächst die geschichtliche Entwicklung des Kommunismus in Südchina, zeigte, wie die Zeit der Gefangenschaft der Missionare die schwerste, aber auch die gesegnetste Begegnung der Mission mit der kommunistischen Bewegung geworden fei, und gab in sehr beachtenswerten Ausführungen ein Zukunftsbild der Bewegung in China. Der Vortrag hinterließ einen tiefen Eindruck. Mit Lied und Gebet und einer Sitzung des Vorstands wurde die Veranstaltung geschlossen. Hessischer Landesverband der Ostasien-M ssion. Die 19. Hauptversammlung des Hessischen Landesverbandes der Oftasien-Mission wurde eingeleitet durch Festgottesdienste in Rheindürkheim und Osthofen. Die Festpredigt hielt in beiden Gemeinden Missionsdirektor De v a r a n n e (Berlin). Der Kirchenchor, sowie in Osthofen die Choralsynode verschönten die Festgottesdienste. Oberkirchenrat Zentgraf (Mainz) überbrachte in beiden Gottesdiensten die Grüße des Landeskirchenamtes. Anschließend an den Festgottesdienst in Osthofen hielt Missionsdirektor Devaranne Kindergottesdienst. Am Nachmittag fand die Hauptversammlung im Bahnhofshotel statt. In Vertretung des Vorsitzenden, Pfarrer Marx (Darmstadt) begrüßte der Schriftführer, Pfarrer Laut (Nidda), die Verfamm- hinaus und dann in sich hinein. Bald hob er das Gesicht und horchte nach den Tönen eines Liedes, das von weither aus einem der Gärten kam. Als die Geige aufs neue zu fingen anhub, summte er mit: „Heute Rächt, lieber Schatz, wenn die Sterne , am Himmel stehn. Dann muß ich fort — vom Heimatort. Heute Rächt, lieber Schah, wirst du traurig am Fenster stehn. StiU liegt das Tal, wo die Lust u cd die Qual Sich ins Herz mir stahl. Leb wohl, schwarzbraunes Mägdelein, Leb wohl und lasse nicht von mir. Denn bald wird wieder Sommer fein. Wenn die Rosen erblühn, bin ich bei dir. Morgen früh, lieber Schatz, wenn die Mädchen zur Kirche gehn. Zur Messezeit, bin ich schon weit. Morgen früh, lieber Schatz, wirst du traurig am Fenster stehn. Am Gartentor steh ich nicht, Doch spricht dir der Wind ins Ohr: Leb wohl und lasse nicht von mir, Denn bald wird wieder Sommer fein. Wenn die Rosen erblühn, bin ich bei dir. Das Lied verklang. Delas Hände drückten sich gegen die Augen. Seine Drust wölbte sich unter einem wehen Seufzen. Bon irgendwo rief eine Stimme nach ihm. Er gab keine Antwort und hörte nicht, daß sich hinter ihm das Maisfeld teilte. Erst als sich ihm eine Hand auf die Schulter legte, fuhr er auf. „Run, mein Lieber?" Professor Török. Rosmaries Vater, hob Delas Gesicht. „Abschiedsschmerz? Wie? — In ein paar Tagen ist es überwunden! Alles schon gepackt und geordnet? Die Besuche erledigt? — Wie viele Mädchenherzen hast du denn zu trösten gehabt?" „Keines, Herr Prosessor." „Möglich? Aber wenn auch — man geht nur um so leichter, falls nichts zurückbleibt, woran das Herz bis zur letzten Faser hängt. Sieh mich an! Es ist das drittemal, daß ich mich zu einer solch langen Fahrt rüste. Was wird sein, wenn ich wiederkomine? — Als ich das letztemal zurück- kehrte, fand ich meine Frau unter einem Hügel von Kränzen schlafen. — Wenn ich wiederkomme, werde ich in Rosmarie kein Kind mehr finden, sondern ein junges Weib. — Ich wollte, sie wäre ein Sohn. Es wäre leichter, tausendmal leichter für mich zu gehen. So muß ich sie fremden Menschen überlassen und fürchten, ob nicht einer, während ich fort bin, die Hände nach ihr streckt, daß ich den Platz in ihrem Herzen, der jetzt voll und ungeschmälert noch mir gehört, mit einem anderen teilen muß, der ihrer vielleicht nicht einmal wert ist." (Fortsetzung folgt.) hing, erstatete dann den Jahresbericht und trug auch die Rechnung des JohreL 1930 vor. Die Einnahmen betrugen 5187,45 Mark. Auf die drei Provinzen Hessens verteilt wurden vereinnahmt in Starkenburg: 3160,39 Mark, in Oberhessen 1249,44 Mark, in Rheinhessen 777,57 Mark. Die Gesamtausgabe betrug 5101,77 Mark, so daß für 1931 ein Rest von 81,68 Mark blieb. Dem Rechner wurde Ent- lastung erteilt An die Besprechung des Jahresberichts schloß sich eine rege Aussprache an. Am Abend fand die Hauptversammlung ihren Abschluß mit einem M i s s i o n sa b e n d. Der Ortsgeistliche, Pfarrer Weidner, begrüßte die Gaste, die Grüße des Landesverbandes überbrachte Pfarrer Laut. Einen interessanten Vortrag hielt Studienrat Böhner (Kaiserslautern) über: „Eine Wallfahrt zu den 88 heiligen Stätten von Schikoku". Missionsdirektor Devaranne sprach über die Arbeit der Ostasien- Mission in Japan. Die Kollekten und sonstigen Gaben beliefen sich auf 230 Mark. Gießener Herbst-pferdemarkt. Oie Ergebnisse der Prämiierung auf dem gestrigen Gießener Herbst- Pferdemarkt. über dessen Handelsverlauf wir gestern schon berichteteen, sind folgende: Reitpferde (unter dem Reiter gezeigt): l.Pr. L. Schömbs-Gießen und H. Hofmann-Bergermühle; 2. Pr. W. Eiser-Muschenheim und H. Müller XI. = Oberhörgern; Anerkennungen: P. Buß-Gambach, Ph. Schudl-Londorf, K. Pfannmüller-Dorf-Gill und L. Schömbs-Gießen. Wagenschläge (paarweise zu prämiieren): 1. Pr. I. Kaufmann-Riederweisel; 2. Pr. A. Frensdorf-Gießen; 3. Pr. Gebr. Isenberg-Gießen. Schwere Arbeitsschläge (paarweise): 2. Pr. A. Frensdorf-Gießen; 3. Pr. I. Kaufmann- Niederweisel. Leichte Arbeitsschläge (paarweise): 2. Pr. I. Kaufmann-Niederweisel; 3. Pr. A. Frensdorf- Gießen; Anerkennung: S. Michel-Gießen. Schwere Arbeits schlüge (einzeln): 2. Pr. I. Kaufmann-Niederw»isel; 3. Pr. A. Frensdorf- Gießen und I. Kaufmann-Niederweisel. Leichte Arbeitsschläge (einzeln): 1. Pr. I. Kaufmann-Niederweisel; 2. Pr. A. Frensdorf- Gießen; 3. Pr. S. Michel-Gießen. Schwere Arbeitsschläge (einzeln): 1. Pr. H. Dreut II.-Griedel; 2. Pr. L. Häuser-Niederweisel; 3. Preis I. Wild-Rockenberg; 4. Pr. K. Gebhard- Ziegenberg; Anerkennungen: W. Maas Wwe.-Niederweisel, G. Huber-Niederweisel; A. Hofmann- Langsdorf, A. I. Bill-Niederweisel, W. Wagner II- Kirchgöns, W. Ries-Niederweisel; O. Bück-Lanas- dorf, I. Hch. Hildebrand-Niederweisel; Hch. Dreut II.- Griedel, F. Diehl II.-Dorn-Assenheim. Leichte Arbeitsschläge (einzeln): 1. Pr. G. H. Bender-Dorf-Gill und O. Velten-Lana-Göns; 2. Pr. W. Eiser-Muschenheim; 3. Pr. O Walter- Trois-Münzenberg; 4. Pr. Hch. Müller XI. - Oberhörgern; Anerkennungen: Hch. Hofmann - Bergermühle, Hch. Fenchel-Griedel. K. Burk-Trais-Mün- zenberg. Schwere Arbeitsschläge (paarweise): 1. Pr. Louis Häuser-Niederweisel und Hch. Dreut II.- Griedel; 3. Pr. F. Diel II.-Dorn-Assenheim; 4. Pr. A. Hofmann-Langsdorf. Leichte Akbeitsschläge (paarweise): 1. Pr. W. Eiser-Muschenheim; 2. Pr. E. Strasheim- Griedel; 3. Pr. K. Pfannmüller-Dorf-Gill; Anerkennung W. K. Faber-Leihgestern und Eugen Dietz- Griedel. Dreijährige Fohlen (Arbeitsschläge): 1. Pr. F. Diel II.. Dorn-Assenheim; 2. Pr. W. Wagner, Kirchgöns. Dreijährige Fohlen (Wagenschläge): 1. Pr. O. Velten, Lang-Göns; 2. Pr. R. Schmidt, Steinheim; 3. Pr. E. Dietz, Griedel; 4. Pr. K. Peil, Mölln; Anerkennung: E. Walter, Lanosdorf. Zweijährige Fohlen (Arbeitsschläge): 1. Pr. W. Ehr. Haub, Rieder-Weisel; 2. Pr. H. Decker, Muschenheim. Zweijährige Fohlen (Wagenschläge): 1. Pr. C. Strasheim, Griedel; 2. Pr. O. Velten, Lang-Göns; 3. Pr. Hch. Hofmann, Dergermühle; 4. Pr. W. 1 Müller, Ober-Hörgern; Anerkennung: R. Koch, Trais-Münzenberg. Zucht st uten mitSaugfohlen (Arbeitsschläge): 1. Pr. 3. Will,Rockenberg; 2. Pr. W. Wagner 11., Kirch-Göns; 3. Pr. A. Hofmann, Langsdorf; 4. Pr. Gg. Ph. Krausgrill, Rieder- Weisel; Anerkennung Hch. Wallbott Xil., Garbenteich. Zuchtstjlten mit Saugsohlen (Wagenschläge): 1. Pr. E. Strasheim, Griedel; 2. Pr. K. Vopf II., Lang-Göns; 3. Pr. K. Pfannmül- ler, Dorf-Gill; 4. Pr. P. Duh, Gambach. Z u ch t st u t e n (erkennbar tragend), Arbeitsschläge: 1. Pr. Hch. Dreut 11., Griedel; 2. Pr. L. Häuser, Rieder-Weisel; 3. Pr. 3. Will, Rockenberg; 4. Pr. K. Gebhard, Ziegenberg; Anerkennungen: H. Walbott XIL, Garbenteich, G. Huber, Rieder-Weisel; G. Ph. Krausgrill, Rieder- Weisel; G. Rühl, Lgngsdorf; W. Maas Wwe., Rieder^Deisel; A. Hofmann, Langsdorf; Hch. Seipp III., Muschenheim; W. Ries, Rieder-Weisel; W. Ohly, Rieder-Weisel: A. 3. Dill, Rieder- Weisel; O. Duck, Langsdorf; 3. Hch. Hildebrand, Rieder-Weisel; Hch. Dreut II., Griedel; F. Diel II., Dorn-Assenheim. Zuchtstuten (erkennbar tragend), Wagenschläge: 1. Pr. G. H. Dender, Dorf-Gill; 2. Pr. K. Rühl, Eberstadt; 3. Pr. Hch. Müller XL, Ober- Hörgern; 4. Pr. O. Walter, Trais-Münzenberg; 5. Pr. Hch. Fenchel, Griedel; Anerkennung: W. Ciser, Muschenheim und K. Burk, Trais-Mün- zenberg. Wirtschaft. Oer Frankfurter Effektenfreiverkehr. 3m Frankfurter Cfsektenfreiverkehr von Dureau zu Dureau war das Geschäft gestern kaumnen- nenswert. Die schwachen Meldungen von den Auslandbörsen wirkten verstimmend, und auch die innenpolitische Situation wird keineswegs günstig beurteilt, da man befürchtet, daß das Wirtschaftsprogramm der Regierung zu einer weiteren Verschärfung der Lage zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern führen wird. Außerdem kamen die verschiedenen Zahlungseinstellungen bei deutschen Prvvinzbanken stärker zur Auswirkung, was die älnternehmungslust so gut wie brach legte. Am Aktienmarkt waren Kurse zu hören, die genüber vorgestern um 2 bis 4 Prozent niedriger lagen. So nannte man: 3G.-Farben 93.50, Siemens 103, AEG. 41, Gelsenkirchen 32, Reichsbank 102, Dedi- bank etwa 57,50. Mit Rücksicht auf die anhaltende Festigkeit der Reichsmark bestand für Renten einiges 3nteresse, so daß auf diesem Marktgebiet Kurserholungen um 0,5 bis 1 Prozent zu bemerken waren. Reichsschuldbuchforderungen in späten Fälligkeiten waren auf vorgestriger Dosis etwas gesucht. BerschärfungderOevisenbestimmungen in Sicht. Berlin, 30. Sept. (ERD.) Die Devisenabzüge bei der Reichsbank haben in den letzten Tagen ziemlich stark zugenommen, was vor allem auf die Ablösung der Markguthaben auf Grund des Stillhalteabkommens zurückzuführen ist. Mm die Devisenanforderungen einer genauen Kontrolle zu unterwerfen, will man eine entsprechende Verschärfung der Devisenbestimmungen vornehmen. Die Veröffentlichung der verschärften Bestimmungen steht in Kürze bevor. Oas böse Beispiel des Staates. Die Rückwirkung auf die dänische wirtschaft. Kopenhagen, 30. S-pt. (TU.) Das Folketing hat einen aus vier Mitgliedern bestehenden Valuta-Ausschuß eingesetzt. Ministerpräsident Stau- ning erklärte, daß er die Kaufmannschaft und die Industrie vor Preissteigerungen eindringlich warnen müsse. Im Gegensatz hierzu veröffentlicht die dänische Post- und Telegraphendirektion die Mitteilung, daß in zwei bis drei Tagen die Telephon- und Telegrammgebühren nach dem Auslande um 25 o. H. erhöht würden. Die Preise für Eisenbahnfahrten nach dem Auslande sind bereits um 20 v. H. erhöht worden. Wie man sieht, gehen also die Behörden bei der Preissteigerung voran. Die Bedrohung der dänischen Industrie geht daraus hervor, daß die größte Schiffswerft, Burmeister8-Weyn, am Mittwoch 120 Angestellten gekündigt hat. In der letzten Zeit sind etwa 3000 Arbeiter entlassen worden. Italienischer Währungsschuh. Rom, 30. Sept. (TM.) Durch einen in Vorbereitung befindlichen Erlaß wird der italienische Finanzmini st er die Befugnis erhalten, aus dem Verordnungswcge den Handel mit Devisen und Valuten zu regeln. Auch die Strafen für die Meberschreitung dieser Anordnungen wird der Minister bestimmen. Vorgesehen sind Gefängnisstrafen und Zwangsverschickung. Die Maßnahmen bestätigen den Willen der Regierung, an der Stabilisierungsquote (100 Lire gleich 7,919 Gramm Gold) und am Goldstandard f e st z u h a l t e n. Einschränkung der Kohleneinfuhr in Llngorn. B u d a p e st, 30. Sept. (WTB.) Der 33er-Landes- ausschuß behandelte heute den Regierungsentwurf über die Kohlenversorgung, der bestimmt, daß die Kohleneinfuhr fortan nur mit Bewilligung des Handelsministers gestattet wird. Der Handelsminister führte aus, Ungarn habe im vergangenen Jahre 88 000 Waggons Auslandskohle und 38 000 Waggons ausländischen Koks eingeführt. Dies fei unhaltbar. Anstelle der teuren Auslandskohle könne man auch ungarische Braunkohle verwenden. Der Regierungsentwurf wurde mit der Ergänzung angenommen, daß seine Bestimmungen nur solange in Kraft bleiben, wie eine Notwendigkeit der Beschränkung im Devisenverkehr besteht. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2TL 30. September 1 .Okiober Amtliche Notierung Seid | Brief Amtliche Geld Notierung Brlel Heifingsor« . Wien. . . . Prag . . . Budapest . . Sofia . . . Holland . . Oslo.... Kopenhagen. Stockholm . London. . . Buenos Aires Nenyork . . Brüssel. . . Italien. . . «Baris . . . Schweiz . . Spanien . . Danzig. . . Japan . . . Nw de Ian.. Jugoslawien. Lissabon . . 10,09 59,13 12,48 73,28 3,047 169,83 92,41 92,41 96,90 16,38 0,988 4,209 58,73 21,03 16,68 82,37 37,91 81,99 2,078 0,231 7,455 14,79 10,11 59,25 12,50 73,42 3,053 170,17 92,59 92,59 97,10 16,42 0,992 4,217 58,91 21,07 16,72 82,53 37,99 82,15 2,082 0,233 7,469 14,81 Banknoten 10,29 58,84 12,48 73,20 3,052 169,83 92,91 92,91 96,90 16.48 0,988 4,209 58,84 21,48 16,68 82,47 37,91 81,92 2,078 0,236 7,453 15,08 10,31 58,96 12,50 73,42 3,058 170,17 93,09 93,09 97,10 16,72 0,992 4,217 58,96 21,52 16,72 82,63 37,99 82,08 2,082 0,238 7,467 15,12 Berlin, 30. September Geld »nef Amcrilanische Noten....... Belgische Noten......... Dänische Noten......... Englische Noten......... Französische «Noten........ Holländische Noten........ Italienische Noten........ Norwegische Noten........ Deutsch-Oesterreich, * 100 Schilling Rumänische Noten . ....... Schwedische Noten........ Schweizer Noten......... Spanische Noten......... Ungarische Noten...... . 4,20 58,68 92,22 16,34 16,67 169,46 21,11 92,22 59,01 2,49 96,66 82,19 37,47 72,75 4,22 58,92 92,58 16,40 16,73 170,14 21,19 92,58 59,25 2,51 • 97,04 82,51 37,63 73,15 Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 1. Okt. Auftrieb: 107 Rinder, 904 Kälber, 486 Schafe, 632 Schweine. Es notierten: Kälber: beste Mast- und Saugkälber 46 bis 50 Das bißchen Erde. Vornan von Richard Skorvronnek. Copyright by I. Engelhorns Nachf., Stuttgart. (Schluß.) „So geht das nicht, Herr Rägelein, mit Kraftbrühe und sonstigen Stärkungsmitteln kriegen wir ihn nicht hoch. Lachen muß er wieder, Sie müssen ihm nichts als lustige Geschichten erzählen, damit er wieder blanke Augen kriegt." „Hm", sagte der'Maler, „daß ihm inzwischen die kleine Konkurrenz um das Majorat weg- gestorben ist, ist das vielleicht lustig genug?“ „Für den Anfang gewiß", erwiderte der Professor, „aber es muß noch viel dicker kommen. Mnb sagen Sie mal, da war hier doch immer eine reizende junge Dame zur Pflege, die verwitwete Frau Baronin Perkwald?! ... Weshalb ist die eigentlich nicht mchr da?" „Das erzähle ich Ihnen ein andermal. Das sind, wie man hierzulande sagt, ,olle Kamellen'. 3ch glaube, sie genieren sich voreinander. Mnd ich trage vom medizinischen Standpunkte aus ebenfalls Bedenken, sie wieder zusammenzubringen. Die Frau Baronin würde es ja wohl aushalten, er aber hat doch einen immerhin noch der Schonung bedürftigen Lungenflügel" ... Der Herr Professor lachte. „Wenn es weiter nichts ist? So eine ausgeheilte Lunge hält viel aus. Ramentlich Freude. Da verträgt sie eine ganze Masse!" „Vielleicht schon morgen?" -Auch heute! Setzen Sie ihn in einen Rollstuhl ... Das Wetter ist wie geschaffen dazu. Ra und wenn es so weit ist. vergessen Sie mich nicht mit der Verlobungsanzeige!" ... Der Herr Professor fuhr in guter Laune davon, Peter Rägelein aber sah ihm, in Gedanken verloren, nach. Er war ein ehrlicher Makler, aufs Mngetoiffe hin unternahm er nichts. Dazu war die junge Baronin zu schade ... Mnd danach beschloß er zu handeln ... Er ging in das Krankenzimmer zurück. „Holla, ©räflcin, jetzt hat's mit dem Faulenzen geschnappt! Der Professor hat 'ne Luftkur verordnet. Mnd sehen Sie mal. wie draußen die Sonne lacht! Das Herz kann einem aufgehen dabei" ... Malte hob mit müder Abwehr die Hand, aber es half ihm nichts, er wurde warm angekleidet, in einen Rollstuhl gesetzt und in den blühenden Park gefahren. Hilflos wie ein Kind mußte- er sich's gefallen lassen. Die Arme und Beine, an denen die straffen Muskeln gestanden hatten in stolzer Pracht, waren wie Zaunstecken so dünn, nichts als Haut und Knochen ... Der alte Lenh schob den Rollstuhl, Miken tappte hinterdrein, wie ein mit Speck abgeriebenes Osterei glänzte ihr Gesicht vor Freude. „Herrgott, himmlischer Vater", murmelte sie zwischen Den welken Lippen, „daß du mich das noch erleben läßt?!" ... An einem sonnigen Platze vor blühenden Fliederbüschen ließ Peter Rägelein halten. Mnten am Mfer trieben leise blaue Wellen an den Sand, durch eine Lücke zwischen den Parkbäumen bot sich eine schöne Aussicht auf den Hohen- römniher Burgfried und eine lange Stange, an der die leicht sich blähende Fahne immer noch halbmast hing zum Zeichen der Trauer ... Er lehnte sich mit dem Arme leicht auf den Rollstuhl und beschloß, vorsichtig zu Werke zu gehen, mit Mnwichtigem anzufangen, die großen Kanonen aber zuletzt anzufahren ... „Sagen Sie mal, Gräflein", begann er, „Sie haben in diesen Wochen öfter den (Hamen des Herrn von Lewenitz genannt. Darf ich fragen, in welchem Sinne?" Malte hob matt die Hand. „Sie waren doch dabei im Strelitzer Hof. Er hat noch ein Recht an mich. Sagen Sie ihm, wenn ich wieder auf meinen Füßen stehen könnte, würde ich mich ihm stellen. Aber er sollte besser treffen als dieser Stümper von Dragoner" ... „Ra na na“, sagte der kleine Maler, „vielleicht gibt es da etwas, wobei es ohne Knallen abgeht. 3ch habe inzwischen Euren Ehrenkodex gewälzt, weiß mächtig Bescheid darin. Cs ist ein arg verwickelter Fall ... ich war doch Augenzeuge und weiß beim besten Willen nicht zu sagen, bei wem der letzte Hieb sitzen geblieben ist! ... Wohingegen bombensicher feststeht, daß der lange Tüschower bloß durch einen Zufall dazwischengeriet, als Sie sich mit dem Leutnant so gröblich auseinandersetzten. Da hat also nach meiner bestimmten Zeugenaussage das hochwohlweise Ehrengericht entschieden, es käme jetzt nur noch auf Sie an. Wenn Sie erklären, Sie hätten eigentlich den Herrn Bredow gemeint, als Sie Herrn von Lewenitz nach dem Ofen beförderten, kann dieser letztere auch weiterhin am Königsgeburtstag einen bunten Rock tragen, ohne 3hnen vorher ein Loch in den Bauch schießen zu müssen" ... „Meinetwegen", gab Malte gleichgültig zurück. „Wenn er es wünscht, bitte ich sogar ab ... es ist ja so egal" ... „Schön", sagte Peter Rägelein, „Punkt eins meiner Sorgen wäre erledigt! ... 3eht zum zweiten! Entsinnen Sie sich vielleicht, daß Sie in 3hren Fieberphantasien erhebliche Kämpfe mit einem alten Herrn ausfochten, der 3hnen durchaus Vellahn wegnehmen wollte und ein Wort, von dem Sie hartnäckig behaupteten, es wäre verbrannt? ... Richt? ... Ra denn sehen Sie mal da über den See ... wie hängt wohl drüben über dem alten Turm die Flagge?" ... Malte versuchte sich aufzurichten. „Mm Gottes willen, mein Onkel Christoph" ... „Ree, zuerst mal bloß sein kleiner Sohn", versetzte der Maler herzlos und in gesundem Egoismus ... „Wat dem een fien MHI, bat is bem annern fien (Nachtigall — es ist, Gott fei Dank, niemanb mehr ba, bet uns hier 'rausjagen kann! Mnb entschulbigen Sie, wenn ich mich mit erwähne, aber ich habe es Ihnen ja schon vor langen Wochen gesagt: ehe ich nicht Akabemiepräsibent bin, kriegen Sie mich hier nicht los" ... Malte hatte geraume Zeit schweigend gesessen, jetzt machte er eine müde Handbewegung. „Es ist gut! ... Meine Ehre habe ich wieder... mein Recht an dem bißchen Erde" ... „3ch verstehe schon", sagte Peter Rägelein lächelnd, „es fehlt noch etwas! Bei 3hrer Trauung werde ich dem Pastor einen Tip geben, daß er das betreffende Kapitel aus dem Korintherbrief zum Text seiner Rede nimmt! ... Aber ehe ich 3hnen jetzt die Lichter an dem Weihnachtsbaum anstecke, möchte ich eine ganz reelle Auskunft haben. Welche von den beiden jungen Damen meinten Sie eben, als Sie das Wort .Liebe' nicht aussprachen? Die Berlinerin oder die Baronin Perkwald?" Der andre sah wirr um sich, machte eine gewaltige Anstrengung, sich auf die Füße zu stellen. „3ch hab' nicht bloß geträumt, sie ist wirklich hier?" „Ree", versetzte der kleine Maler, „so rasch geht das nun nicht. Aber sie ist erreichbar ... Telephonieren Sie mal nach Alten-Krakow, Herr Lentz. Sagen Sie der Frau Baronin einen schönen Gruß von mir und ich ließe sie bitten, hier jetzt wieder die Pflege zu übernehmen! 3ch garantiere ihr dafür, sie darf es wieder tun" ... Mark, mittlere Most- und Saugkälber 40 bis 45 Mark, geringe .Kälber 35 bis 39 Mark; Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthämmel (Weibemast) 32 bis 35 Mark, mittlere Mastlämmer, ältere Mast- hämmel und gut genährte Schafe 27 bis 31 Mark, fleischiges Schafoieh 20 bis 26 Mark. — Marktverlauf: Kälber und Schafe schleppend, Schweine ruhig, geräumt. Berliner Prodnktenmartt. Berlin, 30. Sept. Das Geschäft an bet Produktenbörse gestaltete sich heute recht ruhig. Rack den gestrigen Preisrückgängen war das ersthändige Offertenmaterial in Brotgetreide und Hafer wieder geringer; auf die abgegebenen Mntergebotc sind nur vereinzelt Zusagen erfolgt und auch heute hielt sich die Mmfahtätigfeit in engen Grenzen, da Forderungen und Gebote schwer in Einklang zu bringen waren. Angesichts des schleppenden Mehlabsahes nahmen die Mühlen nur vorsichtig Material auf und die Gebote waren erneut um etwa eine Mark ermäßigt. 3m handelsrechtlichen Lieferungsgeschäft waren die Septemberfichten ziemlich behauptet, dagegen gaben die späteren Eichten bei Weizen um 2,50 Mark, bei Roggen um 2 Mark nach. Weizen- und Roggenmehle werden nur für den notwendigsten Bedarf gekauft. bei Geboten waren die Verkäufer zu Preiskonzessionen bereit. Hafer lag ruhig aber ziemlich» stetig, gute Qualitäten finden weiter Beachtung. Gerste in unveränderter Marktlage. Die Preise für Weizen- und Roggenexportscheine bröckelten weiter ab. Es notierten (1000 Kilo): Weizen, märt.. 208 bis 211. Sept. 227 bis 226,50, Oft. 223,50 bis 223,25, Dez. 226 (Dries) (matter); Roggen, märt., 183 bis 185, Sept. 198, Okt. 194,50 bis 194, Okt. 195,50 bis 195 ((Brief) (matter). Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik flehenden Artikel übernimmt die Redaktion bem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) „Cine Frage an die Tarifkommission der Reichsbahn." Zu dem Eingesandt unter dieser Meber» schrist im „Gieß. Anz." vom 25. September erhalten wir von der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. die nachstehende Zuschrift: „3n Rr. 224 des „Gießener Anzeigers" vom 25. September d. 3. wurde der Reichsbahn der Vorwurf gemacht, daß sie durch Tarifermähigun- gen bis zu 30 v. H. für die Einfuhr von Bananen über deutsche Rordseehäfen die Einfuhr fremdländischer Erzeugnifse besonders begünstige zu einer Zeit, in der deutsches Obst in Hülle und Fülle auf den Markt komme. Hierzu bemerkt die Reichsbahndirektion FrankfuH folgendes: Während bis vor einem 3ahr die Einfuhr von Bananen nach Deutschland in den deutschen Seehäfen Hamburg, Bremen, Dremerhaven-We- fcrmünöe konzentriert war, üfar dieser (Verkehr in letzter Zeit durch Konkurrenzmahnahmen der holländischen Eisenbahnen bis zu 50 v. H. auf holländische Bahnen und Häfen abgewandert. Mit den nunmehr verkündeten Tarifmaßnahmen verfolgt die Reichsbahn den Zweck, im 3ntercffe der deutschen Seehäfen und Dahnen den abgewanderten Verkehr wieder zurückzugewinnen. Dabei ändert sich an der Preislage für die (Beförderung der Bananen von den Seehäfen zum Empfangsgebiet nichts, da die neuen Frachtsätze etwa in der gleichen Höhe liegen, wie die Beförderungskosten des seinerzeit über Holland abgewandertcn Verkehrs. Es ist also weder eine Verbilligung der Transportkosten für die Bananen, noch eine Vergrößerung des Cinfuhrvolumens zu erwarten. Damit entfällt auch der Vorwurf einer besonderen Begünstigung der Dananeneinfuhr. dBenn die Reichsbahn verlorengegangenen Verkehr, der sich ohnehin nach Deutschland erstreckt, über Deut* fche Mmschlaasstellen und deutfche Bahnstrecken durch einen Wettbewerbstarif zurückgewinnt, so erfüllt sie mit dieser Maßnahme nur ihre deutsche volkswirtschaftliche Aufgabe. Don einer Begünstigung von Südfrüchten kann um fo weniger die Rede fein, als die Reichsbahn gerade in diesen Tagen zur Förderung der deutschen Kernobst ernte Tarifermäßigungen gewährt hat, die gegenüber dem (Normaltarif Verbilligungen bis zu 44 v. H. darstellen." „Aber gern, Herr Rägelein". sagte der Alte, setzte sich in Trab, um auch nicht eine einzige Minute zu versäumen ... Malte ließ sich in den Stuhl xurüdf allen, schlug die Hände vors Gesicht, die hellen Tränen quollen ihm zwischen den Fingern hindurch: „Lieber Vater im Himmel, das hab' ich nicht verdient"... Mnd der Kleine ließ ihn ruhig gewähren. Freude war ja gesund, hatte der Herr Professor gesagt! ... Erst nach einer Weile spann er den Faden weiter. „Ree, weiß Gott, verdient haben Sie's nicht, Gräflein. Aber der Herr gibt'8 den Seinen im Schlaf ... ich hab' 3hnen ja schon einmal aud- einanbergefetjt, daß er wohl ganz was Besonderes mit Ihnen vor hat. Mnb wenn ich ihn recht verstehe, hat er mich hier als eine Art von Hofhund eingesetzt. Damit ich aufpasse — der De«i- wel holt Sie nämlich, wenn Sie jetzt nicht ein Musterexemplar werden von Herr und Ehe- gemahl?" ... Der andre nickte nur, sprechen konnte er nicht... Mnd Peter Rägelein begann zu erzählen, was sich alles in diesen langen Wochen zugetragen hatte. Erzählte möglichst genau und ausführlich, denn es galt, eine ganze lange Zeit der Erwartung auszufüllen. Selbst bei raschem Zufahren brauchte man von Alten-Krakow bis Vellahn reichlich dreiviertel Stunden ... Aber schon nach wenigen Minuten kam ihm die laue FrühlinaS- luft zu Hilfe: ein gleichmäßiges Schnarchen begleitete den geläufigen Fluh seiner Rede — der im Rollstuhl neben ihm war sanft eingeschlafen! . . . Da schwieg er natürlich, und unwillkürlich stahl sich ihm ein wenig Reid in die lautere Seele. E r hatte es nicht so gut getroffen, daß ihm eine die Treue hielt . .. Die junge Dame fern im Thüringischen hatte sich gar rasch mit einem andern getröstet ... Aus dem gelben Kies des Parkweges erklang ein leichter Schritt, der kleine Maler rüttelte den Schlafenden an der Schulter. „Holla, aufgeschaut, da kommt wer "... Mnb er trat rückwärts durch die Fliederbüsche ... Malte Römnitz blickte wirr um sich ... „Gertrud!" schrie er auf, breitete die Arme. Eie eilte zu ihm, drückte ihn sanft in den Etuhl zurück. Mnd sie küßte ihn nicht auf den Mund, sondern auf die kleine (Narbe, die wie ein weißer Fleck sich auf seiner linken Wange abzeichnete. Sc verstand sie ... Die letzte Spur alten Hasses war ausgelöscht ... der Frühling war um sie und Liebe--- Zur 0 W v Donnerstag punkt 9 Uhr 7. 1 I wunderbar. PW.-28 a aber von geübten Fach- nlcht das Teuerste leuten ausgesucht gute Qualitäten. 42°° Geschäfts-Eröffnung 3900 3 2 00 24°° 7600 6800 56°° 4800 11200 10500 9600 8800 6800 4800 3900 2900 Neuheiten, apartesten 11600 9600 Buchacker Flimm 6700 5900 42°o 3600 Teppidte 2900 3500 2450 1650 eile für den mod. 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(Ditober (951 Zeitfragen des Mittelstandes. Die Vereinheitlichung auf dem Gewerbesteuergebiet. Von Steuerinspektor Frees, Geßen. Der jahrelange Kampf, die Besteuerung der Gewerbebetriebe im ganzen Deutschen Reiche nach einheitlichen Richtlinien durchzuführen, ist durch die Notverordnung vom 1. Dezember 1930 zu einem gewissen Abschluß gekommen, zumal inzwischen die Klage beim Staatsgerichtshof wegen der in der Notverordnung vom 1. Dezember 1930 enthaltenen Bestimmungen über die Steuervereinheitlichung durch Bayern zurückgezogen worden ist. Allerdings hat dafür die Reichsregierung in der Notverordnung vom 5. Juni 1931 die Bestimmungen über die Steuervereinheitlichung gelockert und den Ländern in gewissem Umfang eine größere Bewegungsfreiheit in der Freistellung von Steuergegenständen, sowie in der anderweiten Feststellung von Steuermeßbeträgen gegeben. Die Gesetzgebung des Jahres 1925 versuchte bereits durch das Reichsbewertungsgesetz eine Einheitlichkeit der Besteuerungsgrundlagen zu erreichen, indem es vorschrieb, daß die Länder und Gemeinden, die Steuern nach den Merkmalen des Wertes einzelner Vermögensarten erhoben, diesen Steuern die nach den Vorschriften des Reichsbewertungsgesehes sestgestellten Werte zu Grunde au legen hatten. Diese Gesetzesbestimmung ist jedoch niemals zwingend geworden, da die Bindung einzelner Länder und Gemeinden an die nach dem Reichsbewertungsgesetz festgestellten Einheitswerte immer wieder hinaus- geschoben wurde. Weiterhin überließ das Reichsbewertungsgesetz der Gesetzgebung der Länder noch vollkommen die Ausgestaltung der Gewerbesteuern. So konnten die Länder a. D. die Gewerbesteuern nach dem Ertrag, n dem Kapital, nach der Lohnsumme, oder tu einer Kombination verschiedener Grundlagen bemessen. Das Land konnte bestimmen, daß gewisse Teile des Cinheitswertes nicht der Gewerbesteuer unterlagen, sondern der Grundsteuer und umgekehrt, oder es konnte zu dem Einbeitswert bestimmte Werte, die an und für sich nicht in dem Einheitswert enthalten waren, zurechnen, oder Schulden nur im beschränkten Umfange zum Abzug zulassen, oder dergleichen mehr. Dies führte dazu, daß in jedem Lande die Gewerbesteuer anders geregelt war und daß Betriebe, die in mehreren Ländern Detriebsstätten unterhielten, sich mit der Gesetzgebung eines jeden des in Frage kommenden Landes vertraut machen muhten. Weiterhin war es bis jetzt unmöglich, einen Vergleich über die Belastung der Gewerbebetriebe durch die Gewerbesteuern in den einzelnen Ländern zu ziehen, weil die Unterlagen für den Steuerausschlag ganz verschieden waren. Für die Zeit vom 1. April 1932 ab wird nach der Notverordnung vom 1. Dezember 1930 die Gewerbe st euer nunmehr vereinheitlicht und im ganzen Deutschen Reich nach dem gleichen Gesetz veranlagt. Die Gewerbesteuer wird als Landes st euer vom stehenden Gewerbe erhoben. Inwieweit den Gemeinden die Gewerbesteuer überlassen wird, bestimmt sich nach Landesrecht. Erstreckt sich ein Gewerbe auf mehrere Länder, oder auf mehrere Gemeinden, so unterliegt es in jedem Lande bzw. in jeder Gemeinde insoweit der Gewerbesteuer, als dort eine Detriebsstätte unterhalten wird. Als Detriebsstätte ist jede feste örtliche Anlage oder Einrichtung, die der Ausübung eines stehenden Gewerbes dient, anzusehen (z. D. Ort der Leitung, Zweigniederlassungen, Fabrikationsstätten, Kontore, Ein- und Verkaufsstellen usw.). Als Gewerbe im Sinne des Gesetzes gilt auch die freie und ähnliche selbständige Berufstätigkeit (Aerzte, Rechtsanwälte, Bücherrevisoren u. dergl.) einschließlich der Notare, sofern sie nicht als Beamte besoldet werden. Ausgenommen von der Gewerbesteuer sind u. a. die Landwirtschaft, die Forstwirtschaft und der Gartenbau, sofern sie den Hauptzweck der Unternehmung bilden, sowie die Ausübung eines der reinen Kunst, oder der reinen Wissenschaft gewidmeten freien Beruls. Als Gewerbe gilt jedoch stets die Tätigkeit z. D. einer Aktiengesellschaft, einer Kommanditgesellschaft auf. Aktien, einer G. m. b. H., Genossenschaft oder eines Vereins, einer Stiftung, einer Anstalt, sowie andere Zweckvermögen und Körperschaften des bürgerlichen Rechts, sofern diese einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb unterhalten und vorwiegend die Erzielung wirtschaftlicher Vorteile für sich, oder ihre Mitglieder bezwecken. Auch die Tätigkeit der offenen Handelsgesellschaften, der Kommanditgesellschaften oder ähnlicher Gesellschaften des Handelsrechts ist ohne Rücksicht auf die Art immer als Gewerbe an- zusprechen. Derartige Unternehmen sind nur von der Gewerbesteuer befreit, wenn sie nach der Satzung, der Stiftung oder sonstigen Verfassung ausschließlich oder unmittelbar kirchlichen, gemeinnützigen oder mildtätigen Zwecken dienen und keinen über eine Vermögensverwaltung hinausgehenden Geschäftsbetrieb unterhalten. Eine Heranziehung zur Gewerbesteuer von Vereinigungen findet nicht statt, wenn sie die gemeinschaftliche Benutzung landwirtschaftlicher, forstwirtschaftlicher, gärtnerischer Betriebseinrichtungen oder -gegenstände, oder die Bearbeitung und Verwertung der von den Mitgliedern selbst gewonnenen landwirtschaftlichen und gärtnerischen Erzeugnisse zum Gegenstand haben (Dreschgenossenschaften, Viehverwertungsgenossenschaften, Molkereigenossenschaften u. berg. Die Auswahl der Besteuerungsmerk- male ist jetzt nicht mehr der Landesgesetzgebung überlassen. Grundsätzlich bildet der Gewerbeertrag die Desteuerungsgrundlage. Das in dem 'Betrieb investierte Kapital ist nur noch in Ausnahmefällen heranzuziehen, und zwar bann, wenn ber an unb für sich maßgebende Gewerbeertrag hinter 6 v. H. bes Gewerbekapitals (ohne Detriebsgrundstücke) zurückbleibt. In biefem Falle sink) als fiktiver steuerpflichtiger Gewerbeertrag 6 v. H. bieses Gewerbekapitals anzusehen. Diese gesetzliche Regelung hat in Kreisen ber Kleingewerbetreibenben und Handwerker große Bedenken hervorgerufen, da hierdurch eine Verschiebung der Belastung gegenüber der seitherigen Regelung befürchtet wird. Neben der Besteuerung des Gewerbeertrags kann zusätzlich eine Besteuerung nach ber 2 o hnsumme erfolgen. Ob unb unter welchen Voraussetzungen neben ber Gewerbeertragssteuer eine Lohnsummensteuer zu erheben ist, bestimmt bie Lanbesgesehgebung, hierbei barf jeboch bie Lohnfummensteuer nicht auf bestimmte Arten von Betrieben beschränkt werben. Zur Ermittelung bes Gewerbeertrags ist bei Steuerpflichtigen, bie über ihren Betrieb formell unb fachlich ordnungsmäßige Bücher führen, von den Reineinkünften (Gewinn im Sinne des Einkommensteuer- bzw. Kö.perschaf tssleuergeseh) auszugehen. Diesen Reineinkünften sind bestimmte Beträge hinzuzurechnen, bzw. abzurechnen. An Hinzurechnungen kommen hauptsächlich in Betracht: 1. Zinsen für die nicht aus laufenden Verbindlichkeiten bestehenden Schulden, Renten, sowie Gewinnbeträge, die an stille Gesellschafter, ober anbere nicht als Mitunternehmer Beteiligte entrichtet werben. 2. Gehälter, Tantiemen ober unter sonstiger ‘Benennung gewährte Vergütungen, bie von einer steuerpflichtigen Körperschaft an ihre an ber Unternehmung wesentlich (b. h. zu mehr als V4) beteiligten Gesellschafter für geleistete Dienste unb Arbeiten entrichtet worben finb. Bei ber Ermittelung bes Gewerbeertrags scheiben insbesonbere aus: ' 1. Der auf auslänbische Betriebsstätten entfal- lenbe Teil ber Reineinkünfte, 2. bei buchführenden Unternehmungen die Fehlbeträge, die sich bei der Ermittelung des Gewerbeertrags für die beiden vorausgegangenen Rechnungsjahre ergeben haben (Gewerbeverlust). Ist dieser Gewerbeverlust bei ber letzten Veranlagung bereits in Anrechnung gekommen, so finbet jeboch eine nochmalige Kürzung nicht statt, 3. bie bei Veräußerung eines Gewerbebetriebes ober eines felbftänbigen Betriebsteils erzielten Gewinne (Deräußerungsgewinne im Sinne bes § 30 EStG.), 4.4 v. H. bes Sinheitswertes der dem Steuerschuldner eigentümlich gehörenden Detriebsgrundstücke, für die er zur Grundsteuer herangezogen ist. Bei Steuerpflichtigen, die über ihren Betrieb formell unb sachlich ordnungsmäßige Bücher nicht führen, ober auf Grunb einer jährlichen Bestandsaufnahme regelmäßige Jahresabschlüsse nicht machen, ist der Gewerbeertrag zu schätzen. Als Hilfsmittel für die Ertragsschätzung dienen insbesondere der Umsatz, der daraus in dem betreffenden Gewerbezweig erfahrungsgemäß zu erzielende Gewinn, der Wert der angeschafften Rohstoffe ober Waren, der Wert der geleisteten Arbeit des Betriebsinhabers und der im Betrieb tätigen Arbeitskräfte. Alle besonderen Umstände, die die Höhe des Gewerbeertrages beeinflussen, sind in jedem einzelnen Falle zu berücksichtigen. Die Höhe ber Gewerbesteuer wirb von ben Länbern bzw. von ben Gemeinben nach Maßgabe der landesrechtlichen Vorschriften bestimmt. Der Berechnung der Steuer werden Steuermeßbeträge zu Grunde gelegt. Für die Ge- werbeertragsteuerberechnung sind ähnlich wie bei Der Neuregelung der Einkommensteuer Stufen gebildet. Ist z. B. der Gewerbeertrag auf 4150 Mk. festgestellt, so kommt die Stufe von 3800 bis 4250 Mk. in Frage. Der Gewerbeertrag wird auf 4000 Mk. abgerundet, und als Steuermeßbetrag kommen 110 Mk. in Frage. Die Steuer errechnet sich nach dem durch das Land bzw. durch die Gemeinde festgelegten Hundertsatz (älrnlagesatz). Wäre dieser z. B. auf 20 v. H. festgesetzt, so würde die Gewerbeertragsteuer 22 Mk. betragen. Die Besteuerungsgrundlage für die Lohnsummensteuer ist die in einem Kalender- Vierteljahr an die Arbeitnehmer der in der Gemeinde gelegenen Detriebsstätte gezahlte Lohn» summe, äleoersteigt die Lohnsumme in einem Kalendervierteljahr nicht den Betrag von 5000 Mark, so wird von ihr ein Betrag von 1500 Mk. abgezogen. Der Steuermeßbetrag bei der Lohnsummensteuer beträgt 7,5 vom Tausend der aus volle Tausend Mark nach unten abgerundeten Lohnsumme. Eine Staffelung des älmlagesahes ist grundsätzlich ausgeschlossen. Bei Der- sicherungs-, Bank-, Kredit- unb Warenhanbels- unternehmungen, die in einer Gemeinde eine Detriebsstätte unterhalten, ohne in dieser Gemeinde ihre 'Betriebsleitung zu haben, kann ber Ilmlagesatz bis zu 20 v. H höher sein, als für bie übrigen Gewerbe (F i l i a l st e u e r). Eine berartige, von einem Lande bzw. einer Gemeinde getroffenen Regelung muß für alle in dem Lande bzw. der Gemeinde vorhandenen Unternehmungen gleich sein. Werben Detriebsstätten zur Ausübung bes Gewerbes in mehreren Gemeinben unterhalten, so ist vom Steuermeßbetrag für bie Gewerbeertragsteuer ber auf die einzelnen Gemeinden entfallende Teilbetrag durch Zerlegung zu ermitteln. Als Zerlegungsmahstab kommen im allgemeinen die in den Detriebsstätten gezahlten Löhne und Gehälter an die Arbeitnehmer in De tracht. Dei Dersicherungs-, Dank- und Kreditunternehmungen sind die Einnahmen der einzelnen Detriebsstätten für die Zerlegung maßgebend. Bei Warenhandelsunternehmungen erfolgt die Zerlegung zur Hälfte nach den gezahlten Löhnen und Gehältern, unb zur Hälfte nach ben Einnahmen. Für ben Fall ber Erhebung einer Lohnfummensteuer erfolgt sinngemäße Zerlegung wie bei der Gewerbeertragsteuer. Die allgemeine Veranlagung erfolgt für das Rechnungsjahr vom 1. April bis 31. März, hierbei wird ber Gewerbeertrag bes für die Einkommen- ober Körperschaftssteuer maßgebenben Steuerabschnittes zu Grunbe gelegt, ber in bem bem Rechnungsjahr unmittelbar borangegangenen Kalenberjahr geenbet hat. Die Zeit drängt Von Friedrich Oerlien, Hannover, Vorsitzendem des Das Reichskabinett hält fortlaufenb Besprechungen ab, um bas bevorstehende Winterprogramm, das die Not bannen und die Wirtschaft einer Belebung zuführen soll, in seinen Einzelheiten zu beraten. Es fehlt jedoch bislang das notwendige, nach einheitlichen Gesichtspunkten organisch aufgebaute Programm ber Reichsregierung, bas bie zwingenbe unb nicht mehr auf- zuschiebende Neuorbnung in Staat unb Wirtschaft enblich mit starker Hanb in Angriff nimmt. Von ben Maßnahmen bes Deichskabinetts erwartet bie Wirtschaft eine endliche grunb- sätzliche Abkehr von ben bisherigen Metho- ben ber gesamten Wirtschaftspolitik, bie weit mehr als bisher auf bas Handwerk, als bie oermit- telnbe Schicht zwischen bem besitzenben Unternehmertum unb ber besitzlosen Masse ber Arbeitnehmer, Rücksicht zu nehmen hat. Es wirb nottoen- big sein, bah sich bie Reichsregierung bei allen ihren Maßnahmen von ber Erkenntnis leiten läßt, baß bie auf verantwortungsbewußten Persönlichkeiten ruhenben Betriebe bes gewerblichen Mittel st anbes bem Staate bislang in jeher Hinsicht nur große Dienste geleistet haben unb ihnen nun weitgehenbe Berücksichtigung gesichert werben muh. Um ber Wirtschaft freie Entfaltungsmöglichleiten zu geben, wirb eine Beseitigung aller vorhanbenen Hemmnisse unbebingt geboten bleiben, mögen biefe nun von ber in Kartellen, Synbikaten usw. zusammengefaßten Macht bes Kapitals ausgehen, von schuhzöllnerischen Maßnahmen, von staats- kapitalistischen Betrieben, ober von bem starken Einfluß ber organisierten Arbeiterschaft. Nur biefe Aufhebung aller bestehenden Binbungen wirb die Befreiung der Wirtschaft aus der inneren Erstarrung ermöglichen. Auch das Handwerk muh sich dabei seiner Verantwortung bewußt bleiben, daß es bei den Teilen ber Preisbilbung, in bereu Festsetzung es selbstänbig ist, nur mit größter Gewissenhaftigkeit verfahren kann. Auf bem Gebiete ber Steuerpolitik muß burch bie zu ergreifenden Maßnahmen eine wesentliche Erleichterung ber unteren unb mittleren Cinkommenschichten erreicht werben, um gerabc bem Mittelstand die Voraussetzungen zu ber so lebensnotwendigen Kapitalbildung zu geben. Von großer Bedeutung bleibt bie Beseitigung ber Hauszins steuer, bie einer Belebung ber Wirtschaft Tür unb Tor öffnet. Erst mit bem Aufhören btefer unerträglichen Last wirb ber Hausbesitzer auch in ber Lage sein, ben für ben Hausbau unb seine Jnstanbsetzung in Frage fommenben Hanbwerkszweigcn — und welche fallen nicht hierunter! — neue Aufträge zu geben. Hand in Hand hiermit hat die völlige Aushebung der Wohnungszwangs- Wirtschaft zu erfolgen. Erst bie Möglichkeiten zu einer freien Entfaltung schaffen bie Voraussetzungen zur Lösung ber ganzen Wohnungsfrage. Die vielfach erwähnte Erhöhung ber Umsatzsteuer ist bebenklich, ba sie zu einem Rückgang Reichsverbandes des deutschen Handwerks des Umsatzes und zu einer Steigerung der Preise führen mühte. Auf sozialpolitischem Gebiet ist die einheitliche schematische Festlegung der Arbeitsbedingungen im Tarif unbedingt zu bekämpfen. Eine öde Gleichstellung ber Lohnverhältnisse kann nie ben Dorliegenben Unterschieben zwischen Stabt unb Lanb gerecht werden. CEDenn man so bie fast restlos burchgeführte Binbung ber Arbeitslöhne ablehnen muh, so wirb man sich auch auf ber anberen Seite mit bem vielfach geforderten Lohn- und Gehaltsabbau unter allen Umständen nicht einverstanden erklären können. Zweifellos werden Lohnbedingungen, die zu ganz anderen Zeiten und unter ganz anderen Voraussetzungen abgeschlossen wurden, heute in vielen Fällen keinen Anspruch mehr auf Dauergeltung erheben können. Einem schematischen Lohnabbau sind jedoch gewisse Schranken gezogen, und wenn das Institut für Konjunkturforschung feststellen konnte, daß im ersten Halbjahr d. I. ein Lohnausfall von etwa 3 Milliarden Mark eingetreten ist, so hat diese Kürzung eben auch zum Rückgang im deutschen Wirtschaftsleben beigetragen. Die gebotene Herabsetzung ber Gestehungskosten auf lohnpolitischem Gebiet barf nichtineineVer- nich tung ber Kaufkraft ber breiten Massen auSlaufen. Bei ber Sozialversicherung wirb es Ausgabe ber Reichsregierung fein, darauf bedacht au bleiben, diese wieder ihrer ursprünglichen Bestimmung zuzuführen. Jede weitere Ausbreitung der von der Versicherung erfaßten Kreise bedeutet eine Gefahr für ihr Bestehen. Fraglich erscheint es auch, ob bei der gegenwärtigen Krisis bie Aufrechterhaltung des V e r s i ch e r u n g s- gebankens bei der Arbeitslosenversicherung auf bie Dauer überhaupt burdjge- sührt werben kann. Die Beiträge zu ben einzelnen Versicherungen müssen eben mit ber Leistungsfähigkeit ber deutschen Wirtschaft in Einklang gebracht werben. Als wichtigstes Problem tritt uns heute die Arbeitslosigkeit entgegen. Einen Generalplan zu ihrer Lösung gibt es nicht. Der Einführung eines gesetzlichen Arbeitsdienstes stellen die damit verbundenen finanziellen Lasten größte Schwierigkeiten in ben 'Weg. Gegen ben Plan ber Naturalversorgung ber Arbeitslosen bestehen bie Bebenfen, bah toieber einmal große Gesellschaften aufgezogen werben, bie ihre Unfähigkeit schon in ber Kriegszeit bewiesen haben. Eine Naturalversorgung läßt sich eben nur i n Gemeinschaf t mit Hanbel und Handwerk und im Rahmen der bislang gewährten Unterstützungen durchführen. Der in jüngster Zeit im Vordergrund des Interesses stehende Plan einer Umsiedlung der Erwerbslosen aus den Städten heraus auf das flache Land verdient wohl eine ernstliche Überprüfung. Das Verwurzeln der Arbeitslosen mit der Scholle bleibt auf alle Fälle von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Oie dritte Amnestie. Von Steuersyndikus Or. Frch Vogt, Weimar Durch eine Notverordnung vorn 18. Juli 1931 hatte die Reichsregierung mit kurzen Worten in einem einzigen Paragraphen die „Steueramneftie" bekannt, gegeben. Dieser 18. Juli ist in der Folgezeit von besonderer Bedeutung geworden, weil später oer- ordnet wurde, daß die Wohltaten der Amnestie unter Umständen davon abhängen, daß das Finanzamt — wenn es bereits Kenntnis von den verschwiegenen Werten hatte — vor dem 18. Juli diese dem (Steuerpflichtigen (Pfl.) eröffnet haben muß. Zusammen mit dem Begriff der Eröffnung spielt also dieses Datum eine besondere Rolle bei der Amnestie. In einer zweiten Verordnung, der Steueramnestieoerordnung, wurden dann ausführliche Bestimmungen gegeben, weil sich sehr bald herausstellte, daß man eine so verwickelte Sache nicht in einem einzelnen Para, graphen abschlachten kann. Eine ganze Reihe von Zweifelsfragen sind so geklärt worden. Dazu sind auch noch umfangreiche Durchführungsbestimmungen erlassen, so daß damit aus dem einen Paragraphen schließlich 44 Paragraphen geworden sind. Leider ist auch damit noch nicht alles klargestellt. Es ist z. B. gar nicht so einfach, zu sagen, wann das Finanzamt dem Pfl. „eröffnet" hat, daß es Kenntnis von den Werten besitzt. 5)at das Finanzamt eröffnet, wenn vor dem 18. Juli der amtliche Buchprüfer beim Pfl. war und mit diesem über einzelne Punkte verhandelt hat? Oder muß eine formale und schriftliche Eröffnung vorliegen? Wenn man bedenkt, daß es sich hier um sehr einschneidende Vorschriften, nicht nur in strafrechtlicher Beziehung handelt, so wirb man zu dem Schluß kommen, daß eine formlose Besprechung irgendeines Tatbestandes keine Eroff- nung in diesem Sinne sein kann. Ehe diese immer noch vorhandenen Zweifelsfragen restlos geklärt waren, kam die dritte Amnestie-Verordnung: „Verordnung des Reichspräsidenten über Aktienrecht, Bankaufsicht und über eine ’ Steueramnestie vom 19. September 1931". Diese Verordnung brachte nicht nur eine weitere Verlängerung der Amnestiefrist bis zum 15. Oktober, sondern außerdem auch ganz neue Bestimmungen. Die Verlängerung bis zum 15. Oktober ijt gleich- zeitig für folgende vier Fristen ausgesprochen: 1. die Frist für die Anzeige von ausländischen Familienstiftungen, 2. die Frist für die Anzeige von ausländischen Beteiligungen, 3. die Frist für die Abgabe der Vermögenserklä- rungen 1931 und 4. die Amnestiesrist. In Einzelfällen ist auf Antrag eine weitere Verlängerung möglich. Wenn eine der Fristen, die unter Nummer 1 bis 3 aufgezählt sind, verlängert wird, so tritt ohne weiteres eine entsprechende Verlängerung der Amnestiefrist ein. Auf diese Weise hat also nun jeder Pfl. wirklich Zeit, um sich alle Unterlagen zu beschaffen und alle Berechnungen sorgfältig durchzuführen. Bis zum Ablauf des 15. Oktober 1931 können auch noch die Verpflichtungen erfüllt werden, die sich ergeben 1. aus der ersten und zweiten Verordnung zur Durchführung der Verordnung gegen die Kapi- tat- und Steuerflucht (Anmeldung von Forderungen in ausländischer Währung) und 2. aus der dritten und vierten Verordnung zur Durchführung der Devisenbewirtschaftung (ebenfalls Anmeldung ausländischer Zahlungsmittel; die Frist dazu war zuletzt bis 19. September gesetzt). Die Fristen sind also nachträglich verlängert, nachdem sie bereits abgelaufen waren. Neu ist, daß man jetzt Steueramnestie erlangen kann anstatt durch Selbstanzeige auch durch Erwerb einer Reichsbahnanleihe. Wer diese Anleihe bis zum 15. Oktober 1931 erwirbt, braucht also überhaupt keine Selbstanzeige an das Finanzamt zu richten. Damit er auch später diese Werte nicht anzugeben braucht ist die Anleihe außerdem steuerfrei. Diese Steuerfreiheit geht sehr weit. Es sind auch die Zinsen der Anleihe von der Einkommensteuer nebst Zuschlägen befreit, von der Korperschaftssteuer, der Krisensteuer, der Gewerbeertragssteuer der Kirchensteuer und der Bürgersteuer. Als Ausgleich für diese weitgehende Steuerbefreiung ist allerdings die Der- zinsung dieser Anleihe gering. Es handelt sich um eine 4,5prozentige Anleihe. Zu beachten ist aber, daß die Sache einen Haken hat. Wer die Reichsbahnanleihe erwirbt, um die Selbstanzeige zu umgehen, der darf vor dem 1. April 1937 die Anleihe weder entgeltlich noch unentgeltlich veräußern oder ins Ausland verbringen. Tut er es doch, so entfallen alle Vorteile der Amnestie. Er muß also doch noch die ganzen Steuern nachzahlen unb roirb außerdem bestraft. Wer also nicht so vermögend ist, daß er für die nächsten fünf Jahre bestimmt weiß, daß er auf diese Anlage nicht zurückzugreifen braucht, der wird gut daran tun, lieber die Selbstanzeige vorzunehmen. Dann ist er in der Verfügungsgewalt über sein Vermögen nicht beschränkt. Für die meisten Menschen muß es bei den heutigen unsicheren Zeiten geradezu als Leichtsinn bezeichnet werden, wenn sie an Stelle der Selbstanzeige die Zeichnung der Reichsbahnanleihe vornehmen und sich damit bis 1. April 1937 die Hände binden. Natürlich kann jemand diese steuerfreie Anleihe auch erwerben, ohne den Erwerb als Ersatz für die Selbstanzeige vorzunehmen. Dann kann er natürlich mit seiner Reichsbahnanleihe machen, was er will. Die Reichsbahnanleihe genießt auch Versteige- rungsschutz. Der Gerichtsvollzieher darf diese Anleihe nicht versteigern, wenn der Eigentümer nicht zu- stimmt. Verweigert er die Einwilligung so muß der Gerichtsvollzieher die Anleihestücke bis zum 1. April 1937 hinterlegen. Zum Nachweis für den Anspruch auf die Steueramnestie wird bei der Zeichnung eine besondere Bescheinigung ausgestellt. Auch eine notarielle Bescheinigung ist ausreichend. Zu beachten ist, daß diese Reichsbahnanleihe mit Amnestiewirkung, also kurz gesagt, Amnestieanleihe, nicht für einen sehr großen Kreis von Personen in Frage kommt. Da man ja die zweite Frist hat ver- streichen lassen, so liegt die Selbstanzeige zweifellos von der überwiegenden Mehrzahl aller derjenigen, die von der Amnestie Gebrauch machen wollten, be- reits vor. .Wer auch jetzt noch nach dem 15 Oktober Gegen- stände in der Vermögenserklärung 1931 verschwiegen hat, muß mit Gefängnis bestraft werden. In beson- -ers schweren Fällen kann auf Zuchthaus bis zu zehn Jahren erkannt werden. Neben dieser Freiheitsstrafe kommt noch Geldstrafe in unbeschränkter Höhe in Frage. Damit nicht wegen kleiner Irrtümer oder Ungenauigkeiten jemand ins Gefängnis wandern muh, tritt diese Bestrafung nur ein, wenn vorsätzlich mehr als 3000 RM. verschwieaen sind. Man beachte aber, daß der Vorsatz „strafrechtlich" in viel höherem Umfange angenommen wird, als der Laie oft glauben will. Es genügt z. B. auch bedinater Vorsatz, d. h. wenn jemand nur mit der Möglichkeit gerechnet hat, daß nicht alles angegeben sein könnte, und diese Möglichkeit bemüht in Kauf genommen Hot, so ist strafrechtlich schon die Voraussetzung des Vorsatzes erfüllt. Blohe Fahrlässigkeit genügt also nicht, um die Gefängnisstrafe herbeizuführen. Dagegen kann Fahrlässigkeit, genau wie bisher, nach den Vorschriften der Reichsabgabenordnung bestraft werden. Besonders festgesetzt ist auch noch, daß mit den obengenannten strengen Strafen derjenige belegt werden kann, der eine Dermögenserklärung 1931 überhaupt nicht abgibt, obwohl die maßgebende Frei, grenze, die im allgemeinen 20 000 RM. beträgt, überschritten wird. Für alle Pfl. ohne Ausnahme dürfte es hiernach notwendig sein, daß sie ihre Dermögenserklärung noch einmal genau nachprüfen, weil ein Versehen bei der Aufstellung schwerwiegendste Folgen haben kann. Sezirlsschöffengericht Gießen. * ® i e 6 e n, 30. Sept. Fünf verheiratete Frauen aus Bad-Rauheim, deren Männer zum Teil arbeitslos sind oder waren, haben sich der schweren Urkundenfälschung in einheitlichem Zusammentreffen mit Betrug schuldig gemacht. Sie haben bei Bezugsscheinen des Wohlfahrtsamtes Bad-Bauheim für Wohnungsmiete das Wort „Wohnungsmiete" ausradiert oder überklebt und die so verfälschten Scheine zum Bezug von Lebensmitteln verwendet. Eine der Angeklagten hat außerdem die in den Scheinen eingesetzten Zahlen erhöht. Da sich die Angeklagten in bedrängter Bermögenslage befanden, nahm das Gericht mildernde Umstände an und erkannte entsprechend der Zahl der gefälschten Urkunden — es wurden fortgesetzte Handlungen angenommen — auf Gefängnis st rafe von drei Mo - natenbisdrei Monaten zweiWochen; die Frau, die auch die Zahlen verändert hatte, wurde zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Sämtliche Verurteilten erhielten für einen Großteil der Strafe bedingten Strafaufschub unter der Bedingung mehrjähriger guter Führung. zurücktreten. Dafür tritt der ursprünglich als Ersatzmann vorgesehene Heinr. D e ch e n t von der Tgm. Friedberg in die Mannschaft ein. Große Erfolge Gießener Hassia-Schirhen. Seit mehreren Jahren ist innerhalb der Kri e ?erkameradschaft Hassia das Klein- aliberschiehen eingeführt. Alljährlich findet ein Verbandswettkampf statt, der in ein Bezirksmeisterschaftsschiehen und in ein Verbandsmeisterschaftsschießen gegliedert ist. Zum Verbands- meisterschaf tsschiehen werden die zwölf besten Altschützengruppen und die zwölf besten Jungschühen- gruppen (je vier Mann) der vorausgegangenen Bezirksmeisterschaftsschießen zugelassen. Dieses Wettschiehen fand am vergangenen Sonntag auf den Schießständen des Kriegervereins Dieburg unter Leitung des Derbandsschiehleiters Major a. D. P o h l (Büdingen) statt. Es traten elf 2llt- schühengruppen (je vier Mann) und elf 3ung- schühengruppen (je vier Mann) und noch neun Dezirkseinzelschühenmeister. im ganzen 97 hessische Schützen am Trotz einiger Witterungsschwierigkeiten hat die Altschützengruppe (Heinrich Appel, Wilhelm Hainbach, Heinrich Moots und Georg Schilling) der Kleinkaliber-Schießabteilung des Kriegervereins Gießen, die schon zweimal die Hassiameisterschaft im Kleinkaliberschießen errungen hatten, sich auch dieses Mal mit 564 Bingen die Verbandsmeisterschaft gesichert. Dazu kommt, daß auch die Jungschühen, deren vier beste (Fuhrig, Kinkel, Reiber und Schilling jr.) bei dem Hassia-Dezirksmeisterschaftsschie» ßen an erster SteUe standen, am Sonntag mit insgesamt 548 Ringen des Vogel abschossen. Dadurch, dah die Altschühengruppe zum dritten Male hintereinander den Titel „Verbandsmeister" errungen hat, ist der H a s s i a -Wanderpreis in den dauernden Besitz der KKS.« Abteilung .des Kriegervereins Gießen überge- gangen. Reben diesen Siegen innerhalb der Gruppen haben die Gießener Hassia-Schühen auch Einzelsiege errungen. Altschühe Wilhelm H a i n b a ch hat mit den abgegebenen 15 Schuß 163 Ringe erzielt, ein Resultat, das höchst selten erreicht wird' Wilhelm Hainbach, der 1929 schon einmal Verbandseinzelmeister war, ist dadurch wieder Hassia-Derbandseinzelmeister geworden. Altschühe Georg Schilling wurde mit 141 Ringen Sechsbester im Verband. Die Jungschühengruppe war in der Einzelbewertung noch erfolgreicher. Es errangen Schilling jr. mit 144 Ringen den 1. Preis (1931/32 Hassia-Iungschühenmeister), Fuhrig mit 136 den 3., Reiber mit 136 den 4. und Kinkel mit 132 den 6. Preis. Gpielvereinigung 1900 Gießen. Jugendspiele. Die erste Jugend war spielfrei. Die zweite Jugend erledigte ein Rückspiel in Klein-Linden und gewann dies 5:0 (2:0). Die Klein-Lindener spielten fair und eifrig, konnten sich aber gegen daS technisch bessere Spiel der 1900er nicht durchsetzen. — Die 111. Jugend und 1. Schüler machten einen Spaziergang nach Leihgestern. Da bdbt Mannschaften nur mit 8 Mann zur SteUe waren, vergaben sie sich selbst von vornherein jede Chance auf einen Erfolg. Einzelne Leute muhten daher zweimal spielen. Die 111. Jugend verlor 2:1, und die Schüler 3:1. In beiden Spielen blieben die zusammengewürfelten Mannschaften der 1900er weit hinter den sonst gezeigten Leistungen zurück. $. E Teutonia Steinberg. 3