Nr. 203 Erstes Blast 181. Jahrgang Dienstag, 1. September 1931 Erscheint täglid), außer Sonntag» und Feiertag». Beilagen: Vie Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Dill» Die Scholle. ®onati:Bt$ugsprcis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger- lohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerRummem infolge höherer Gewalt, zernsprechanschlüste NNterSammelnummer2Bl. Anschrift für Drahtnach» richten: Hn$elger Liehen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzemrAnzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen « Drutf und Verlag: vrühl'sche Unioersilütr-Vuch- und Sleinörudcrei R. Lange in Sieben. Schristleitung und Geschäftrstelle: Schulftrahe 7. Annahme von Anzeigen für die logesnummer bi» zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite Örtlich 8, auswärts 10 Reich»pfenmg; für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20'. mehr. Chefredakteur: Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Dolttik Dr. Fr. Wilh. Lang«: für Feuilleton Dr.H.Tdyriot; für den übrigen letl Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Mar Filter, sämtlich in Gießen. Die deutsche Sozialpolitik in der Krisis. Reichsarbeitsminister Stegerwald spricht auf dem Frankfurter Gewerkschaftskongreß über die Aufgaben des kommenden Winters. *25601 Frankfurt a. TR., 31. Aug. Zum 14. Kongreß der Gewerkschaften Deutschlands (4. Bundestag dcS ADGB.) find 306 Delegierte erschienen, die insgesamt 4,7 Millionen Gewerk- fchaftSmitglieder vertreten. Als Ehrengäste find u. a. anwesend: Reichsarbeitsminister Dr. Stege r w a l d , WohIfahrtSminister Dr. Hirt- f i e f e r , der hessische Staatspräsident Dr. Ade» I u n g, Präsident Schäffer vom ReichSverfiche- rungsamt, Direktor Donau- Berlin vom Internationalen Arbeitsamt, ferner die Vertreter der Gewerkschaften von Holland, Frankreich, Belgien, Polen, Schweden, der Schweiz, der Tschechoslowakei und Ungarn, sowie die Vertreter der befreundeten Verbände und nahestehenden Organisationen. Bundesvorsitzender Leipart wieS auf den großen Aufschwung hin, den die Gewerkschaften seit ihrem ersten Kongreß in Frankfurt a. 1 im Jahre 1899 genommen Haven. Heute seien wieder Bestrebungen im Gange, die Arbeiterschaft in den Zustand jener Bedürfnislosigkeit zurückzustoßen, in der sie vor dreißig Jahren gelebt habe. Die große Aufgabe dieses Kongresses sei, einen Abwehrwall gegen diese Bestrebungen aufzurichten. Die Verhandlungen müßten eine nochmalige ernste Mahnung sein sowohl an die Regierung als auch an die Unternehmer. Die Gewerkschaften suchten nicht den Kampf, aber wenn es sein müßte, nähmen sie eine neue Kampfansage an und würden den Kampf führen für das Wohl und Wehe der deutschen Arbeiterklasse. Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald überbrachte dem Kongreß die Grüße der Reichs- und Staatsbehörden und führte dann u. a. aus: Wir ftcljen eben gegenwärtig in der größten Kofis feit den napoleonischen Kriegen. Daß in einer solchen Periode di« Gewerkschaften mehr wollen als die Regierenden durchführen können, liegt auf der Hand. Als derzeitiger Arbeitsminister habe ich im letzten Jahre den deutschen Arbeitern allerlei zumutcn müssen. Ich bin jedoch der festen Ueberzeugung, daß, wenn einer der Ihrigen gegenwärtig an meiner Stelle stände, er eine wesentlich andere Politik auch nicht hätte machen können. Reben Staat und Wirtschaft siebt gegenwärtig auch die deutsche Sozialpolitik vor der größten Krise seit ihrem Bestehen. Wir dürfen uns nicht der Illusion hingeben, als ob die Weltkrisis und mit ihr das deutsche Arbeitslosenproblem in kurzer Zeit bewältigt werden könnten. Die Gewerkschaften interessieren natürlich in erster Linie die Fragen der Lohnpolitik, de» Tarifwesen», der Sozialversicherung, der Arbeitszeit usw. All diese Dinge hängen jedoch in der Lust, solange nicht Staat und Wirtschaft und ihr Kredit auf festen Grundlagen beruhen. Alle Konferenzen und Verträge haben in den letzten dreizehn Jahren einen wahren Frieden nicht zu bringen vermocht. Deutschland ist das größte Ausfuhrland Europas und nebst Amerika das größte Ausfuhrland der Welt. Ein solches Land kann we» der durch Wirtschaftsautarkie noch in einem unbefriedeten Europa fein Arbeitslosenproblem bewältigen. Gegenseitiges Vertrauen zu schaffen ist die erste Aufgabe, an der gearbeitet werden muß. Unserem staatlichen Leben fehlt aber auch d i e Ausgeglichenheit im Innern: wir stehen In politischer, geistiger und organisatorischer Hin» sicht noch vor einem unfertigen Staat. Das ist gar nicht anders möglich. Den Arbeitern geht es nicht schnell genug vorwärts: die alten herr» sthenden Schichten möchten wieder zurück zu dem Zustand von 1914: die Jugend sieht keine Zukunft. Dazu kommen noch die gewaltigen Probleme der Wirtschafts, und Finanzpolitik sowie des Zahlungs- mittelverkehrs. Die erste Aufgabe der nächsten Monate bestehl darin, wie bei knapper Gold- und Devifenbasi» die wirtschaft aufrechlerhalten und ihr wenn auch nur ein langsamer Antrieb gegeben werden kann. Ich bin der festen Ueberzeugung, daß bas, was in den letzten Jahren von der deutschen Wirtschaft gefordert worden ist, von ihr nicht geleistet werden konnte. Die Siegerstaaten haben versucht, die deutschen politischen Tributzahlungen zu kommerzialisieren, was sich als undurchführbar herausgestellt hat. Durch den Krieg und seine Begleiterscheinungen sind uns zwischen 100 bis 150 Milliarden entzogen worden. Gegenwärtig stecken in der deutschen Wirtschaft 90 Milliarden Mark Kredite. Die deutsche Wirtschaft hatte in den letzten Jahren neben zwei Milliarden Mark Reparationen noch an brti Milliarden Mark überhöhte Zinsen aufzubringen. Dazu kommt ein ungeheuer aufgeblähter Derwaltungs» a p p a r a t. Der Zuschußbedarf zur allgemeinen Verwaltung und zur Finanzverwaltung in Reich, Ländern und Gemeinden betrug 1913 14 544 Millionen Mark, 1928 29 1473 Millionen Mark. 3n Rotzeiten sind Gehälter von 300 000 Mark in der Privatwirtschaft ein großes Dolksärger- n i S. Ich habe der Rominallohnsrage nie eine große Bedeutung beigemessen. Die Aussassung, die in dem Sturm auf die Löhne und Gehälter das Allheilmittel für die Gesundung der deutschen Wirtschaft ansieht, lehne ich nachdrücklichst ab. Sozialversicherung, Schlichtungswesen, Arbeitszeit. Reben der Sozialversicherung ist noch immer das Schlichtungswesen stark umstritten. Ein Verzicht auf die staatliche Schlichtung scheint mir ausgeschlossen. Gerade in Krisenzeiten scheint mir ein staatlicher Schuh der Lohn- und Gehaltsernp- fänger nach wie vor unentbehrlich. Eine gesetzliche Aenderung des Schlichtungswesens ist zur Zeit nicht beabsichtigt. Sehr ungünstig steht es gegenwärtig um die gesetzliche Sozialversicherung. Ich rechne damit, daß sie 1932 ohne die Arbeitslosenversicherung 1 bis 1,25 Milliarden Mark weniger Einnahmen haben wird als 1929. Ob mit den seitherigen Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung und mit der jetzt geltenden Krisensteuer die Arbeitslosen über den nächsten Winter hinübergebracht werden können, ist noch zweifel- hast. Wenn aber schon jetzt 20 v. H. deS Grundlohnes an Beiträgen zur Sozialversicherung und zur Krisensteuer erhoben werden, wenn die Steuerquellen fast alle bis auf den letzten Grund ausgeschöpft sind, wenn wir um eine Deflation-- oder Redeflationspolitik nicht herumkommen, da fragt sich der Arbeitsminister: Wie sollen die vier Milliarden Mark, die die alte Sozialversicherung jährlich kostet, wie sollen weiterhin die 3.5 Milliarden Mark, die notwendig sind zur Erhaltung der Arbeitslosen, aufgebracht werden? Die Arbeitszeitfrage greift tief in den deutschen Wirtschafts- und Kreditaufbau ein. Deutschland wird im Hinblick auf feine Gold- und Devisenbafis seine Ausfuhr stärker forderen müssen. Die 40-Stunden- ArbeitSwvche bedeutet aber für viele Betriebe eine inS Gewicht fallende Erhöhung der Selbstkosten und damit eine Erschwerung der Ausfuhr. Andererseits gibt es sicher Fälle, in denen die Verkürzung der Arbeitszeit ohne wesentliche Beeinträchtigung der Wirtschaftlichkeit nwglich ist. Hier muß sich endlich die irotwendige Rücksichtnahme auf die Arbeitsmarktlage durchsetzen. Auch die Gewerkschaften müssen aber die Arbeiter über die Rotwendigkeit einer gewissen Rationierung der Arbeit auf» Hären. Wie bringen wir die Arbeitslosen über den nächsten Winter? Zuverlässige Ziffern über den demnächstigen Umfang der Arbeitslosigkeit zu nennen, ist sehr schwer. 3m letzten Jahre sind der deutschen Wirtschaft durch Zurückziehung kurzfristiger ÄuSlandS- darlehen, dur chReparationen, an Zinsen für lang» und kurzfristige Auslandschulden und durch Kapitalflucht 6 bis 7 Milliarden entzogen worden.Troh- dem ist von März bis Juli die Arbeitslosigkeit in Deutschland ständig zurückgegangen. Die deutsche Wirtschaft Hal also eine größere Widerstandskraft gezeigt, als angenommen worden war. Ich rechne Damit, daß wir bis 31. März 1932 durch Arbeitslosenversicherung Reich und Gemeinden an 2 Milliarden Mark für die Arbeitslosen werden aufbringen müssen. Es wird vornehmlich zu prüfen fein: 1. Inwieweit Arbeitszeitverkürzungen ohne starke Gefährdung der Ausfuhr durchgeführt werden können. 2. Inwieweit periodische Auswechselungen einzelner Belegschaftsmitglieder mit Arbeitslosen möglich sind, um die Last der Arbeitslosigkeit gleichmäßiger zu verteilen, ohne daß dadurch allerdings d i e Winschastlichkeit der Betriebe gestört oder eine Vermehrung der Kosten der Arbeitslosenversicherung herbeigeführt werden dürfte. 3. Inwieweit eine noch stärkere Betreuung der jugendlichen Arbeitslosen möglich ist. 4. Ob in den größeren Städten Volksküchen einzurichten sind. 5. Inwieweit eine Raturalverpflegung zur Einführung gelangen kann. Don den 2 Milliarden Mark für die Arbeitslosen, die bis 31. März 1932 verfügbar sein müssen, dürften ungefähr 500 Millionen Mark an Mieten verausgabt und die restlichen 1500 Millionen Mark zu 80 v.H. für Lebensmittel und Kohlen benötigt werden. Gegenwärtig steht die Sache fo, daß der Verbraucher häufig doppelt soviel für Lebensmittel bezahlt, als der Erzeuger erhält. Diese Praxis kann im nächsten Winter gegenüber den Arbeitslosen nicht durchgehalten werden. Die Städte werden Vorkehrungen treffen müssen, wonach für die Arbeitslosen die Gegenstände des täglichen Bedarfs zu verbilligten Preisen erhältlich sind. Das deutsche Volk müßte sich schämen, wenn es sich nicht die Kraft zur Bewältigung des nächsten Winters zutraute. Wir haben schon schlimmere Zeiten überstanden. Es ist nicht wahr, daß in Deutschland alles düster ist. Wir besitzen einen guten Produktionsapparat und eine hochdisziplinierte Arbeiterschaft, die gewillt ist. auch große Opfer zu bringen, wenn sie sieht, daß alle Volksgenossen sich daran beteiligen. Bundesvorsitzender Leipart dankte dem Reichsarbeitsminister, bedauerte aber, daß der Minister keine Gelegenheit genommen habe, zu der Frage der 40-Stundenwvche Stellung zu nehmen. Diele in unfern Reihen, sagte Leipari, haben den Eindruck, daß Vie, Herr Minister, zwar ein starker Mann sind, aber immer wieder vor den Forderungen der Arbeitgeber zurückweichen. Wir wünschen aber daß Sie, der starke Reichsarbeitsminister, endlich vorwärts stürmen, vor allem hinsichtlich der Frage der Kürzung der Arbeitszeit, denen in allen sozial denkenden Kreisen besteht Einigkeit in bezug auf die 40-Stundenwoche. In seinem anderthalbstündigen Bericht faßte Leipart dann daS Ergebnis der Lvhnkämpfe der letzten Jahre u. a. in der Feststellung zusammen, daß es 1928 29 gelungen sei, den Tariflohn um etwa 13 Prozent zu verbessern: im Jahre 1930 mußten die übertariflichen Verdienste geopfert werden, und 1931 wurden auch die Tariflöhne um etwa sechs Prozent gekürzt. Gegenwärtig bewegen sich die effektiven Dtunden- löhne auf derselben Höhe wie im Jahre 1928, die Wochenverdienste der Beschäftigten sind aber infolge der verkürzten Arbeitszeit fühlbar gesunken. Die Entwicklung des Arbeitsmarktes habe zu Angriffen auf das Prinzip der Arbeitslosenversicherung geführt. Die Rotverord- Roch immer keine Entscheidung. Berlin, 31. Qtug. (TU.) Der Wir tsch af trau s s ch u ß des Reichskabinetts wird in dieser Woche die Beratungen über daS wirtschaftliche und finanzielle Winter Programm fortsetzen. Wie dieses Programm im einzelnen ausseyen wird, läßt sich zur Stunde noch nicht sagen, da die entscheidenden Beratungen, die die verschiedenen Pläne kabinettreif machen sollen, noch nicht abgeschlossen sind. ÄuS diesem Grunde müssen auch die Gerüchte, die bereits von einer Erhöhung der Umsatzsteuer bzw. einer Senkung der Hauszinssteuer und von anderen Dingen wissen wollen, zur Zeit noch als durchaus verfrüht bzw. den Tatsachen nicht entsprechend bezeichnet werden. Was die Frage der Bankenaufsicht angeht, so dürste dem Reuner-Ausschuß bereits in Kürze ein Rcferentenentwurs zugestellt werden, über den dann endgültig Beschluß gefaßt wird. Mit Interesse sieht man den kommenden Verhandlungen zwischen der Sozialdemokratie und dem Kanzler hinsichtlich der Arbeitslosenversicherung usw. entgegen. Bekanntlich hatte der Kanzler der Sozialdemokratie zugesagt, über bestimmte Abänderungen von Härten dieser Verordnung noch vor dem Zu- Gens, 31. Aug. (TU. Funkspruch.) hier liegt eine haoas-Depesche vor, wonach da» Gutachten de» Haager Gerichtshöfe» über den plan einer deutsch-österreichischen Zollunion zugunsten Deutschland», jedoch zu ungun ft en Oe st erreich», ausgefallen fei. Ls werde fest- gestellt, daß der plan zwar nicht gegen d ie vertrüge von Versailles und St. Germain, wohl aber gegen da» Genfer Protokoll vom Jahre 1922 verstoße. Der amtliche Wortlaut des Haager Gutachtens liegt zwar noch nicht vor, doch wird in unterrichteten Kreisen versichert, daß das Havas-Tetegramm das Haager Urteil in großen Zügen richtig wiedergebe. Mas dem Haag wird hierzu mitgeteilt, daß eine endgültige .Entscheidung des Gerichtshofes noch nicht gefallen ist. Am Dienstagvormittag soll sich der Gerichtshof vielmehr erst mit einem Dören frourf der Entscheidung beschäftigen, fo daß die Havas-Meldung zumindest zeitlich denTatfachen oorausellt Eine baldige Entscheidung des Gerichtshofes dürfte aber zu erwarten fein. 3n Haager unterrichteten Kreisen herrscht die Meinung vor, daß der Gerichtshof einen Mehrheit»- und einen Minderheitsbericht veröffentlichen and der Havas-Lericht im wesentlichen dem Inhalt des Mehrheitsberichts entfpre- eßen durfte. mmg vorn 5. Juni habe einen gewaltigen Abbaa der Leistungen gebracht. Zur Beseitigung der Ungerechtigkeiten dieser Rotverordnung werbe der Bundesvorstand den Kongreß zu Hilfe rufen. Es Werbe verlangt, daß die Krisenfürsorge und die gemeindliche Unterstützung der WohlsahriS- crwerblofen zu einer allgemeinen ReichSarbeitS- lofcnfürforge zusammen gefaßt werben. Der Kongreß erblicke m ber Verkürzung der Arbeitszeit daS sofort wirksame Mittel, die jetzige Zahl der Arbeitslosen zu verringern und Weitere neue Entlassungen zu verhüten. Die Aussprache über den Bericht des Bundesvorstandes füllte den Nachmittag. In der temperamentvollen Diskussion wurden größtenteils die Anskchten und Forderungen des Bundesvorstandes unterstrichen. Darüber hinaus übte Reichstagsabgcordnetcr Schmidt, Vorsitzender des Landarbeiterverbandes, scharfe Kritif an der Politik des Rcichsernährungsministeriums. Thomas» Berlin (Baugewerksbunds wandte sich scharf gegen den Abbau der Sozialpolitik und gegen den Rcichsarbeitsminister. Der Minister baue die Löhne ab, während Schiele die Preise aufbaue. Ferner polemisierte er dagegen, daß das Reichsarbeitsministerium die Löhne nicht für verbindlich erkläre, wenn sie seiner Meinung nach zu hoch seien. Auf der anderen Seite wage man nicht, an die hoben Pensionen und an die Großverdiener Heranzugeyen. Schleich er» Berlin (Holzarbeiter-Verband) betonte, durch die Politik des Reichsarbeitsministeriums habe der Tarifvertrag jeden Sinn verloren. Auch Hufe« mann» Bochum (Bergarbeiter-Verband) polemisierte lebhaft gegen das Rcichsarbcitsministerium. Die Arbeiter hatten heute die Schäden der Kapital« fehlinvestierungen des Bergbaues zu tragen. Nachdem noch Frau Hanna» Berlin sich gegen die Nachtarbeit der Frauen gewandt hatte, wurde die weitere Aussprache auf Dienstag vertagt. fammcntrilt deS RcichStagsplenumS zu verhandeln. Der Empfang der Sozialdemokraten ist füt Dienstag oder Mittwoch dieser Woche vorgesehen. Die preußischen SparvorMge. Berlin, 31. Aug. (TU.) DaS preußische Kabinett wird sich am DienStag mit Sparvorschlägen befassen, über die ein demokratische- Berliner Blatt u. a. zu berichten weiß: Die Regierung werde keine Gehaltssenkung für die Beamten und Angestellten des Staates durchführen. Vielmehr stehe im Vordergrund de- Interesses ein allgemeiner Abbau der Funktionszulagen, die ganze Besoldungsgruppen bisher erhielten (z. B. Hochschullehrer m Form der Kolleggeldgarantie, ferner VolkS- schullehrer und andere Deamtengruppen). Ebenso werde eS zu einer Einstellung- - und Beförderungssperre und einer Verringerung der Beamten st eklen auf allen Gebieten der Staatsverwaltung kommen. Bezüglich der Gemeindebeamten sähen die Vorschläge Richtlinien für die Besoldung der leitenden Kommunalbeamten vor, deren untere und obere Grenze nicht überschritten werden dürfte. In die Gehälter der übrigen Gemeindebeamten werde man voraussichtlich nicht dngreifen. Oie weitere Entwicklung. Verzicht zu (Hunstcn einer Eingliederung in den Europaplan? Berlin, 31. Aug. (TU.) Im Zusammenhang mit den seit einigen Tagen von französischer Seite verbreiteten Gerüchten über einen angeblichen Verzicht Oesterreichs aus die Zollunion wird in unterrichteten Kreisen in Berlin nochmals ausdrücklich daraus hingewiesen, daß zwischen der deutschen und der österreichischen Abordnung in Genf völlige Einmütigkeit über diese Frage herrsche. Die Weitere Entwicklung wird nach hiesiger Auffassung in der Richtung der Aeußerungen liegen, die Reichskanzler Brüning vor einigen Tagen gegenüber dem Vertreter einet amerikanischen -Nachrichtenagentur abgegeben hat. Brüning hat in dieser Unterredung wörtlich folgendes ausgeführt: .Wenn das Haager Urteil für uns günstig au«* fällt, so wird die Welt erkennen, daß Deutschland das Weltproblem der Zölle der Lösung einen Schritt näher brachte. Rachdem Deutschland seine Bereitschaft erklärt hat, mit anderen Ländern über ähnliche Zollunionen zu verhandeln. Würden Wir dann erwarten, daß uns die anderen Regierungen eine konstruktive Lösung Vorschlägen." In Sens Wurde die bereits am Sonntag begonnene Fühlungnahme zwischen Dr. Eurtius und Schober am Montag fortgesetzt. In unterrichteten Kreisen hat man den Das Winterprogramm des Aeichskabinetls. Das Schicksal der deutsch-österreichischen Zollunion. 3n Erwartung des Haager Gutachtens. — Oer Bericht der Mehrheit des Internationalen Gerichtshofs soll angeblich einen Verstoß gegen das Genfer Protokoll festgestellt haben. Eindruck, daß versucht werden wird, den Zollunionsplan in die Vorschläge auf eine wirtschaftliche Einigung und Zollangleichung Europas e i n- zu gliedern, die in allen Einzelheiten in dem Plan des wirtschaftlichen Ausschusses des Europaausschusses behandelt werden. Praktisch wurde das eine vorläufige Z u r ü ck st e l l u n g des deutsch-österreichischen Zollunionsplans bedeuten. Der Zollunionsplan wird nach den gegenwärtigen Dispositionen amDonnerstagimRatzur Sprache kommen. Das Eintreffen des Haager Gutachtens erwartet man in Kreisen der österreichischen Abordnung am Dienstag. Schober beabsichtigt, am 8. September Genf zu verlassen, wird jedoch gleich nach Beginn der Vollversammlung in einer Rede auf die gegenwärtige Lage Oesterreichs eingehen. Oie Finanzhilfe für Oesterreich Genf, 3^. Aug. (ERB.) Der ehemalige österreichische Buiodesminister für Finanzen, Dr. Juch, wird als Mitglied der österreichischen Delegation an den Verhandlungen über den Antrag teil* nehmen, den die österreichische Regierung in der Frage einer Finanzhilfsaktion durch Vermittlung des Völkerbundes an den Völkerbundsrat gerichtet hat. Es handelt sich hier einmal um die K o n f o l i d i e r u n g der von England seinerzeit gewährten kurzfristigen Vorschusse in Höhe von 4 Millionen Pfund und die Begebung der zweiten Tranche der In- vestierungsanleihe. 3n beiden Fällen erhofft sich die österreichische Regierung von einem Gutachten des Völkerbundes eine gute Wirkung auf die K r e d it w il li g k e i t des internationalen Kapitalmarktes, die augenblicklich nicht vorhanden ist. Der Völkerbundsrat wird das österreichische Gesuch, zu dessen vorläufiger Behandlung bekanntlich zwei Mitglieder des Volker- bundssekretariats vor einiger Zeit in Wien gewesen sind, dem Finanzkomitee überweis e n, das sich noch in dieser Woche materiell mit der Frage befassen dürfte. Oer deutschnationale Reichspapieiiag. B e r l i n. 31. Aug. ($11.) Vom 18. bis 20. September wird die Deutschnationale Dolkspartei ihren diesjährigen Reichsparteitag in Stettin abhalten. 3n der Hauptsache wird sich der Parteitag mit der Frage des deutschen Ostens und mit dem Kampf umPreutzen befassen. Daneben wird er sich mit der deutschen Wirtschaftskatastrophe und ihren Auswirkungen auf Steuerzahler, Gehaltsempfänger und Beamte beschäftigen. 3m einzelnen werden sodann die Beamtenschaft, der Arbeitsausschuß deutschnationaler 3ndustrieller, der deutschnationale Lehrerbund und der deutschnationale Arbeiterbund in Sonderberatungen zu diesen Fragen Stellung nehmen. Reben einer Beamten - Rotkundgebung zu Beginn des Parteitages sind auch Arbeitstagungen der Frauen, des Evang. Reichsausschusses, des Reichskatholikenausschusses sowie der Studentenschaft und eine Führertagung des Bismarckbundes vorgesehen. Die Hauptkundgebung findet am Sonntag, dem 20. September statt. Auf ihr wird der Parteiführer. Dr. Hugenberg, eine große Rede halten. Eine Stahlhelmtagung in Konstanz. Friedrichshafen. 31. Aug. Die Pressestelle des Stahlhelms berichtet über eine in Konstanz abgehaltene Fühvertagung des Landesverbandes Baden-Württemberg. Sie wurde eingeleitet durch ein Frühstück mit Dr. Eckener kn Friedrichshafen. Am Abend fand in Konstanz eine Kundgebung statt, bei der der erste Dundes- führer Franz Seldte sprach Das Ziel des -Bundes sei ein wehrhafter und starker Staat, ' in dem ebenso wie auf den Bergen der Schweiz Die Freiheit wohne. 3m Anschluß an die Rede kreuzte das Luftschiff »Graf Zeppelin" über dem Konzilgebäude — wo die Kundgebung stattfand — um dann seine Fahrt nach Südamerika anzutreten. Es fuhrt Stahlhelmpost und einenKranz des Stahlhelms mit. den Dr. Eckener zu Ehren des Falklandgeschwaders über dem Düdatlantik abwe^en wird. 3n den programmatischen Reden führte der Bundeskanzler Major Wagner aus, der Stahlhelm sei durch seinen Kampf gegen, den Bolschewismus von Anbeginn an politisch gewesen, sein 3deal aber sei das standegegliederte durch Wehrhaftigkeit umfriedete Reich. Generaldirektor Dr. Lübbert forderte zur Gesundung der deutschen Wirtschaft weitgehende Selbstversorgung. um mit den Devisen, die durch Drosselung der Einfuhr gewonnen würden, eine Bezahlung der privaten Schulden zu ermöglichen. Oie Südamerikafahrt -es „Graf Zeppelin". Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ging auf seinem Südamerikaflug am Montagmittag über den Kapverdischen Inseln zur Erforschung der Wärmeausstrahlung auf eine Höhe von 1000 Meter, von wo ein herrlicher Rundblick auf das Wolken« mcer war. lieber Sao Thiago auf den Kapverd/fchen Inseln wurde P o st abgemorfen. Die Funkstelle des Luftschiffbaues Zeppelin trat am Montag gegen Mitternacht wieder in direkte Funkverbindung mit dem Luftschiff „Graf Zeppelin" und bekam dabei folgende Standortmeldungen: 20 Uhr: 10,15 Grad Nord, 26,50 Grad West. Wetter immer gut. „Graf Zeppelin". Nach einer bei der Hamburg-Amerika- Linie eingegangenen Meldung befand sich das Luftschiff Dienstag früh um 6 Uhr auf 3 Grad 51 Mi- nuten nördlicher Breite und 29 Grad 52 Minuten westlicher Länge. Der Katholikentag an den Reichspräsidenten. Der Präsident des Deutschen Katholikentages hat an den Herrn Reichspräsidenten das nachstehende Telegramm gerichtet: „Biele tausende deutscher katholischer Männer und Frauen, die zur 70. Generalversammluno der Katholiken Deutschlands in Nürnberg versammelt sind, entbieten dem hochverehrten Herrn Reichspräsidenten ihre wärmsten Grüße und versichern ihn ihrer opfertreuen Mitarbeitin dieser schweren Zeit, (gez.): Joos, Präsident." Der Herr Reichspräsident hat mit nach, stehendem Telegramm geantwortet: „Den Teilney. mern am 70. Katholikentag in Nürnberg danke ich für das freundliche Meingedenken und das Gelöbnis opfertreuer Mitarbeit. Ich erwidere die Grüß« mit dem herzlichen Wunsch, daß Ihre Arbeiten dazu beitragen mögen, Zuversicht und Gvttoer- trauen in unserem Balke zu stärken und den Geist brüderlicher Eintracht und treuen Zusammenhaltens zu fördern, v. Hindenburg, Reichspräsident." Oie Bezüge der Kriegsbeschädigten. Eine amtliche Darstellung über die Auswirkungen der Notverordnung. Berlin. 28. Aug. (TU.) (Amtlich.) .Sn der letzten Zeit finden sich häufig in den Zeitungen Aufsätze, die sich mit der Lage der KnegS- vpfer befassen. Sehr oft enthalten die einzelnen Darstellungen unrichtige und übertriebene Angaben und verkennen die Grunde, warum die Rotperordnung vom 5.3uni 1931 auch die Bezüge der Kriegsbeschädigten kürzen mußte, so unerwünscht der Reichsregierung eine olche Maßnahme aus sozialen und politischen Gründen auch war. Dieser Entschluß war aber nicht' zu umgehen. Der Haushalt für Versorgung und Ruhegehälter oyne Zi- vilversorgung umfaßt 1,5 Milliarden RM., also einen sehr erheblichen Bruchteil des Reichs- nettohaushaltes. Wenn daher wesentliche Beträge durch Einsparungen gedeckt werden muhten, so konnte dieser große Posten der Haushaltsausgaben trotz aller gebotenen Rücksicht auf die Kriegsopfer nicht unangetastet bleiben. Die Reichsregierung hat stets den Standpunkt vertreten, daß zur Deckung der Fehlbeträge im Reichshaushalt die Reichsversorgung erst in letzter Linie, d. h. nur in Verbindung mit sehr erheblichen Einsparungen auf anderen Gebieten herangezogen werden dürfe. Dieser Gedanke ist in der Rotverordnung vom 5.3uni 1931 auch zum Ausdruck gekommen. Die durch die Aenderung der Reichsversorgung erzielten Ersparnisse betragen für das Rechnungsjahr 1931 85 Millionen RM.. während die durch die Rotverordnung bewirkten gesamten Minderausgaben und Mehreinnahmen sich auf rund 1260 Millionen RM. belaufen. Aus diesen Zahlen ergibt sich, daß die Reichsversorgung, für die im Haushalt 1,5 Milliarden RM. vorgesehen sind, zur Deckung des Fehlbetrages in einem Verhältnis beiträgt, das angesichts der Rotlage des Reiches wohl kaum als unangemessen bezeichnet werden kann. Die Verteilung der einzusparenden 85 Millionen RM. wäre sehr einfach gewesen, wenn man alle Renten um einen entsprechenden Prozentsatz gekürzt hätte. Das hätte aber allzu große wirtschaftliche und soziale Härte n jur Folge gehabt. Die Rotverordnung vom 5.3unl 1931 ist daher andere Wege gegangen. Sie hat neben einer geringeren allgemeinen Kürzung, die als Ausgleich für eine allgemeine Senkung der Löhne und der Lebenshaltungskosten aufgefaßt werden kann, Kürzungen dort vorgenommen, wo der Berechtigte entweder weniger schonungsbedürftig ist oder nach der bisherigen Regelung im Verhältnis günstiger gestellt war als andere Berechtigte gleicher Art. Auch konnte die Kürzung für die schonungsbedürftigen Kreise niedriggrhalten oder gar fast ganz vermieden werden. Demgemäß sind die völlig erwerbsunfähig Beschädigten fast ganz frei geblieben, und die sonsttgen Schwerbeschädigten und Hinterbliebenen geschont, dagegen die Leichtbeschädigten durch den Wegfall der ersten Kinderzulage, die Berechtigten mit sonstigem Einkommen aus öffentlichen Mitteln durch Verschärfung der Ruhensvorschriften und die Berechtigten in den unteren Ortsklassen durch stärkere Kürzung der Ortszulagen besonders herangezogen worden. Zu berücksichtigen ist hierbei, daß die erhebliche Erhöhung der Renten im 3ahre 1927 besonders den LeiHtbefchädigten und den Berechtigten in den unteren Ortsklassen zugute gekommen war. Daß die notwendigen Kürzungen Härten mit sich brachten und bringen muhten, steht außer Zweifel. Inwieweit eine Milderung möglich ist. wird geprüft. Die Finanzlage des Reichs macht es aber unmöglich, von einein Eingriff in die Versorgung überhaupt ab- zusehen, wenn diese in ihren wesentlichen Grundlagen aufrechterhalten werden soll." • Der Bundesvorstand deS Reichsbundes der Kriegsbeschädigten ist erneut mit dem Reichsarbeitsministerium in . Verbindung getreten zwecks Aufhebung eines Sperrerlasses vom April d.3., der die Kannleistungen der Reichsversorgung fast illusorisch macht. Es steht zu hoffen, daß durch die Vorsprache des Reichsbundes in allernächster Zeit wieder Waisenrenten und Kinderzulagen an Schwerbeschädigte dann gezahlt werden dürfen, wenn die Dersorgungsberechtig- ten bei Vollendung des 18. Lebensjahres die Berufsausbildung noch nicht beendet haben und ein dringendes Bedürfnis für die Weiterzahlung vorliegt. Es wird voraussichtlich auch wieder möglich werden. Er- ziehunasbeihilfen, wenn auch im geringeren Ausmaße als bisher, zahlbar zu machen, ebenso Elternbeihilfen. Das Erwachen Arabiens. Ein Volk taucht wieder auf. - Oie Beduinen. Von unserem 6. Q.-Derichterstatter. (Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) 3 e r u s a l e m, August 1931. Seit einigen 3ahren beginnt sich aus dem Dunkel nur in großen Umrissen ausgezeichneter Historie ein Volk neuerlich in die Weltgeschichte vorzuschieben, aus dessen Schoß schon einmal eine Bewegung aufgebrochen ist, welche die halbe Welt umfaßte. Die Beduinen der arabischen Halbinsel, dieses für den Europäer mit Romantik umgebene Hirtenvolk, beginnt aus dem Mittelalter, mit dem es sich in den Einöden der bis vor kurzem unzugänglichen Wüsten Arabiens umgeben hatte, in das helle Tageslicht dieser unserer Zeit emporzusteigen. Als England durch seinen genialen Abenteurer, den Oberst Lawrence, einen Großteil der Stämme, die dem Scherif von Mekka Gefolgschaft leisteten, in den Weltkrieg einzubeziehen wußte, war diesem Reitervolk kaum noch eine wesentliche Rolle für die Zeit nach dem Krieg zugedacht. Als dann aber 3 b n Saud, der größte Führer des gegenwärtigen 3slam, wie ein Fanal am östlichen Himmel aufging, war die Stunde des Erwachens für die Wüste gekommen, jenes einzigartigen Erwachens in einer Zeit, die Religion, Puritanismus und ähnliche geistig-seelische Antriebe als politische Faktoren längst nicht mehr kannte. 3bn Saud, der die Heiligen Stätten des 3slam mit seinen Beduinen eroberte, warf mit dieser Tat ein außerhalb ernsthafter politischer Kalkulation stehendes Volk in die politische Arena, in der England und Frankreich und vielleicht auch Rußland und 3talien agieren. Die jahrhundertalten Raubkriege der Stämme untereinander wurden plötzlich zu Tatsachen, die fallweise, immer häufiger, aus einer rein lokalen Sphäre in das 3nteressengebiet der Großmächte der Welt gerückt wurden. Bedienten sich diese auch gelegentlich früher der Stämme, so hatte es stets nichts anderem gegolten, als dem Zweck, der kranken Türkei an einer schwachen Stelle neue Schwierigkeiten zu bereiten. Run aber, da plötzlich in Arabien ein Rationalismus erwacht, die leisen Anzeichen efner sozialen Frage sich bemerkbar machen und vor allem Arabien zu einem Lebensraum von größter Wichtigkeit wurde für die Besitzer 3ndiens und für die 3nteressenten an den Oelbrunnen von Mossul — in diesem Augenblick hebt ein neues Kapitel der Geschichte Arabiens an. Die Beduinen, bestehend aus so und so vielen Stämmen, die eigentlich mehr Völker als Stämme sind, drängen aus Gesehen der Selbsterhaltung, aus ökonomischen Dewegungsgesetzen. allmählich in Gebiete, die ihnen ihr außerordentlich ärmliches und beschwerliches Leben erleichtern können. Die Bewegung nach demRorden ist uralt. Ebenso uralt sind die aus dieser Dewegungs- tendenz sich ergebenden Kämpfe um die Weideplätze. Run aber, da zwei europäische Mächte am nördlichen Teil Arabiens außerordentlich interessiert sind, wird die Beduinenfrage zu einem Problem von bedeutender Wichtigkeit, das, besonders durch das Projekt einer Trans wüstenbahn, tagtäglich an Aktualität gewinnt und dem seinerzeitigen Indianerproblem Amerikas nicht unähnlich ist. Die zu allem entschlossenen, stets kriegsbereiten, durch die europäischen Mächte in weitgehender Weise mit modernsten Waffen ausgerüsteten Stämme sind eine Gefahr für die künftige Dahn und ebenso stete Gefahr für die besiedelten Bezirke am Rand der Wüste. Diese Gefahr muß gebannt werden. Din Krieg aber in den wasserlosen, unermeßlichen Gebieten der Wüste, den keine Regierung der Welt ihren Steuerzahlern populär machen könnte, kommt nicht in Frage. Also muß die Diplomatie, wieder in den Vordergrund geschoben werden. Von der diplo- malifchen Einkreisung über das alte Spiel, die Fürsten gegeneinander auszuspielen, bis zum Ankauf ganzer Stämme müssen alle unblutigen Hilfsmittel, die man unter der Bezeichnung »Kalter Krieg" zusammenfafsen kann, eingesetzt werden, um vor allem die Starnrnesfehden in der Rähe Syriens und Palästinas auszugleichen. So häufen sich in der allerletzten Zeit die Verhandlungen und Konferenzen zwischen Regierungen und Stammeschefs, wobei ein Handinhandarbeiten Frankreichs und Englands immer klarer wird — (und auch notwendiger, da die Anzeichen vom Auftreten bolschewistischer Agenten unter den Beduinen sich gleichfalls häufen); — eine englisch.beduinische Wüstenpolizei unter der Führung eines neuen Colonel Lawrence macht sich bemerkbar und der diplomatische Druck auf die beiden alten Widersacher, QLb du bl ah vonTrans- jordanien undIbnSaud, den Wahhabiten, verdichtet sich derart, daß die beiden am gleichen Tage ein Manifest an ihre Beduinen erlassen, das alle Arten von Grenzüberfällen verbietet. Die neue beduinische Bewegung ist nicht allein ein Kampf um die Weideplätze, ist nicht allein das sichtbare Zeichen des Streites arabischer Fürsten um die Hegemonie und nicht allein der Kampf der Primittven gegen die sich vorarbeitende Zivilisatton des Westens. Sie ist mehr: sie ist der teils bewußte, teils unbewußte Ausdruck einer völligen Umwandlung der Lebens- g e f e tj e, vielleicht auch des Lebensstils eines Volkes, das angesichts von Fliegern und Dynamomaschinen noch in patriarchalisch-feudaler Lebensweise existiert. Und sie ist mehr: sie ist der Beginn einer religiösen Erneuerung eines Weltteils, die über kurz oder lang sich im Zusammenstoß zwischen dem Puritanismus der wahhabitischen Beduinen des Erneuerers Ibn Saud mit dem offiziellen Islam manifestieren wird. Schon aus diesem Grunde ist das, was in Arabien geschieht, von größtem Interesse für eine Welt, die fern und abseits von Religion, im Zeichen des Gegensatzes von Kapitalismus und Antikapitalismus, auch Arabien in ihren Wirtschaftskreis einbeziehen muh, weil es in dieser Welt keine unbekannten Inseln mehr geben kann. Es ist schwer zu sagen, welche Gestalt ein Arabien der Zukunft aufweisen wird, aber es ist klar, daß das Schicksal der Indianer Amerikas sich im Schicksal der Beduinen nicht wird wiederholen können. Die Zeiten haben sich feit dem Bau der Pazifikbahn der Buffalo Bills geändert, Und hinter den Rittern der Wüste zwischen Koweit am Persischen Golf und dem Roten SKeer steht nicht nur eine religiöse Idee, sondern auch der beginnende Rationalismus des ganzen arabischen Volkes. Dieser Rattonalismus ist Solidarität einer Jugend, die — instinktiv — (soweit sie nicht beriet)antiniert ist) — in König Ibn Saud nicht allein den heroischen Beduinenführer sieht, sondern auch den Erneuerer Arabiens. Es scheint, als würde diese Erneuerung — trotz Petroleum und Dagdadbahn — in eine Richtung gehen, die nicht die Bewegungsrichtung des Westens ist. Aus aller Well. Belm Fallschirmabsprung getötet. In Gegenwart von 6000 Zuschauern verunglückte bei einem Fallschirmabsprung in Gre - naa (Jütland) die einst unter dem Rainen Mille bekannte Filmschauspielerin Amalie Sannom. Sie war mit dem bekannten dänischen Flieger Clauson Kaas aufgestiegen und sprang aus 600 Meter Höhe ab. Zum Entsetzen des Publikums öffnete sich der Fallschirm nicht. Der Körper wurde völlig zerschmettert aufgefunden. Mille war in den Jahren 1913—1916 in der Zilmwelt Europas belaimt als Mitglied d« dänischen Filmgesellschaft Danmark. 3n der 3n- flationszeit machte sie in Deutschland verschiedene Vorführungen, auch Absprünge mit dem Fallschirm, wobei sie einmal in Deutschland vom Wind abgetrieben und in einen See geworfen wurde. Kommunistenausschreitungen gegen einen Geistlichen. Als sich in Erden an der Mosel der Dekan am Montag zur Kirche begab um Deichte zu hören, versuchten ihn auswärtige Kommunisten an der Ausübung seines Amtes zu hindern. Mit „Heil-Moskau"-Rufen drangen sie in die Kirche ein und gingen tätlich gegen den Priester vor. Als die Kommunisten die Kirche verließen, wurden sie von verschiedenen Einwohnern in Empfang genommen und verprügelt. Die Polizei verhaftete die Ruhestörer. Ein Zugschaffner tödlich verunglückt. Diesseits der Haltestelle Mannheim- Rangier- bahnhof wurde der 53 Jahre alte Oberzugschaffner Ries auf dem Bahnkörper tot aufgefunden. Der Beamte hatte den kurz vorher die Stelle passierenden Personenzug Heidelberg-Mannheim begleitet. Es muß angenommen werden, daß der Schaffner während der Fahrt von einem Wcfgen zum andern über ft eigen wollte und dabei a b • ft ü r 31 e. Der Tod muß auf der Stelle eingetreten jein. Schrecklicher Tod in den Bergen. Ein schreckliches Ende im Hochgebirge sand ein lbjähriger Schüler des Polytechnikums in Bordeaux. Der junge Mann wollte allein die Besteigung einer als äußerst schwierig bekannten Bergspihe in den Pyrenäen unternehmen. Kurz vor dem Gipfel stürzte er ab und geriet 200 Meter tiefer zwischen zwei Felsblöcke, zwischen denen er mit zerschmetterten Gliedern hilflos liegen blieb. Erst nach fünf Tagen entdeckte ihn eine Rettungsmannschaft in der abgelegenen Schlucht. Trotz aller Bemühungen gelang es nicht, den Abgestürzten, der bei der Auffindung noch atmete, am Leben zu erhalten. Belm Edelweißpflücken verunglückt. Beim Edelweißsuchen auf den Hängen des Horn- taler Joches beiLüsenzimSellrain stürzte der 26 Jahre alte in Innsbruck bedienstete Schmied Hubert R a i n e r aus St. Beit an der Glan hundert Meter tief ab. Er war sofort tot. Die Ueberschwemmungen am Hanglsefluß. Reuter meldet, daß der Vangtse in der Provinz Kiangsu den größten Teil der chinesischen Daumwollkulturenüberflutet hat.Die Regierung entsandte Flugzeuge in die Heber« schwemmungsgebiete, die feststellten, daß rund 3600 Quadratmeilen Land unter Wasser stehen. Das heimgesuchie Gebiet hat die Form eines Dreiecks, dessen Basis im Norden der Vangtsefluh in einer Länge von 120 Meilen bildet, die beiden Schenkel sind 32 und 34 Meilen lang. Der Katastrophe sind lediglich die am großen Kanal gelegenen Städte, die mit Dämmen geschützt sind, entgangen. Die offiziellen chinesischen Schätzungen geben die Zahl der Toten bereits mit 200 000 bis 300 000 an. Oie Wetterlage. Ing0 \1O :kh \16 Ul Ciermonl & 3L.Ö1 ZYb\ T _ '56 ~7W\' Pans '■•rrankt 15 O yy» 14 Montag, - den Ä August igiit fguh* — qWolkenlos.® neuer, onaro gedeckt. »wolkig, •oedeexx «Regoi * Schnee Graupeln e Neoei "K Gewitter.® Windstille «O» 5d» tekhter Ost. massiger "Südsüdwest Q stürmischer nordwest Ole Pfeile fliegen mit dem winde Oie oeioen Stationen stehenden Zahlen geben die Temperatur an. Die Urnen veromden Orte mit gleiche® auf neeresniveau umgereermeten Luftdruck Wettervoraussage. Tie Wetterlage geht allmählich wieder einer Verschlechterung entgegen. Tie flach zur Zeit über Deutschland liegende Störung verursacht bereits vereinzelte Riederschläge und dunstiges, meist trübes Wetter. Wieder hat sich ein neues Tief bis nach den britischen Inseln vorgeschoben. Luftdruckfall sowie Zurückdrehen der Winde auf Süden zu und Riederschläge, welche Über den Kanal bis zur Küste Frankreichs vorgreifen, charakterisieren dort die Wetterlage. Wohl wird zunächst die kühle Luft an der Rückseite der jetzigen Störung bei uns noch zu wechselnd wolkigem Wetter mit Aufheiterung führen. Doch werden sich im Lause des morgigen Tages dieselben Witterungserscheinungen wie über den britischen Inseln bemerkbar machen, d. h., es erfolgt Bewölkungszunahme, Temperaturenanstieg und später setzen auch Rie- derschläge ein. Vorhersage für Mittwoch. Anfänglich bewölkt mit Aufheiterung, dann stärkere Eintrübung, wärmer und einsetzende Riederschläge. Vorhersage fürDonnerstag. Regnerisch und wechselnd wolkig, Temperaturen vorerst wenig verändert. Lufttemperaturen am 31. August: mittags 21,4 Grad Celsius, am 31. August: abends 16,3 Grad: am 1. September: morgens 15,3 Grad. Maximum 21,6 Grad, Minimum 14,1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 31. August: abends 19,8 Grad; am 1. September: morgens 16,4 Grad Celsius. — Son* nenscyetndauer zwei Stunden. -----------* \ Das neue Kreisa-reß-uch in der Stadt Sieben; JUdi^hp gesdüddder'jmnd stein* 4 Bände. Nach auswärts kamen 2 Bände. uho ddß f>ez eldstrase verurteilt. Unter den gegebenen Umständen wäre e# feine Pflicht gewesen, zu halten. Das Amtsgericht Butzbach hatte einen Kraftfahrer wegen Körperverletzung zweier Landwirt« zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Die Deweis- aufnähme vor der Strafkammer «gab, daß der stark angetrunkene Angeklagte von den Qkrlefctcn und einem Freunde derselben nachts auf dem Heimweg von einem Rachbardorf in recht erheblicher Weife gehäufelt und sicherlich auch geschlagen und getreten worden war, so daß er in berechtigter oder mindesten# vermeintlich erlaubter Abwehr mit einem kleinen Taschenmessei sich gegen die drei zur Wehr setzte. Die Straf- farnm« sprach ihn deshalb frei. Gin Kaufmann von Büdingen war zu einer kleinen Geldstrafe verurteilt worden, weil et eine beschlagnahmte Wohnung ohne ZuweisunmS- befchluß vermietet hatte. Auf Grund ber Ermittelungen nahm die Strafkammer an, baß es sich hier um einen Reubau handele, ber nicht bet Wohnungszwangsbewirtschaftung unterliege, und sprach deshalb aus RechtS^ninden ben Kaufmann frei. '• Finanz am tspersonalie. Der Vorsteher des Finanzamts Srünb«g, Regierungsrat August Klingelhöffep, wurde auf fein Rachsuchen in den Ruhestand versetzt. •• Forstperfonalien. Auf sein Rachsuchen tritt der Forstrat Ferdinand Günther zu Duhbach mit Wirkung vom 1. Oktober an in den Ruhestand. Auf Grund de« Altersgrenze- gcsctzeS ist fern« der Först« Otto Klö# zu Ober-WIdderSheim vom 1. Oktober ab in den Ruhestand versetzt worden. "KeineleichtfertlgenSchwatzereien! Seit einiger Zeit hört man in der Stadt Gerüchte über hiesige Finnen, die nach den Behauptungen der tuschelnden Gerüchtemacher angeblich in geschäftlichen Schwierigkeiten stehen sollen, unb deren Ende bald AU erwarten sei. Von den Verbreitern dieser Schwatzereien wird anscheinend gar nicht bedacht, daß ihr Gerede geschäftsschädigend ist und die betroffenen Geschäftsinhaber zu Schaoenersatzforde- runaen berechtigt. Wie uns aus den Kreisen der Gießener Geschäftswelt mitgeteilt wird, sind jene Er- Zahlungen durchaus unbegründet. Die betroffenen Geschäftsleute wollen sich künftig diese schädigenden Schwätzereien nicht mehr gefallen lassen unb iebermann gerichtlich zur Verantwortung ziehen, ben sie als Urheber ober Verbreiter ber uiyutreffen- ben Gerüchte fassen können. Leichtfertige Schwätzer, deren Verantwortlichkeitsgefühl nicht von selbst zur Zurückhaltung mahnt, seien also gewarnt! •• Der Todesfall In Leihgestern auf- Geklärt. Die Landeskriminalpolizei Gießen ist [eit eute früh im Besitze des Revolvers, aus dem der zehn Jahre alte Hans Drücket von Leihgestern den tödlichen Schuß in den Kopf erhielt. Die Schußwaffe wurde von Angehörigen ber Estern bes Kinbes ber Polizei zugestellt. Die Waffe soll sich in einem Versteck befunben Haden, wohin sie in ber ersten Aufregung über ben Vorfall gelegt worben war. Damit finbet bie Annahme, baß ber bebauernsroerte Junge mit ber Waffe gespielt unb hierbei ben Tob gefunben hat, ihre Bestätigung, ba etwas anberes nicht in Betracht kommt. " D i e n ft j u b i l ä u m. He« HeinrlchLoh, Goethestrahc. feiert heute, 1. September, fein 25. Dienstjubiläum bei der Firma 6. Leih-Wetzlar. •• Mieterjubiläum. Am 1. September find e« 30 Jahre, daß Frau Lina Z u I a u f Witwe, eine alte Siehenerin, im Hause Moltke- strahe 28 wohnhaft ist. •* Wildgänse auf dem Zug nach dem Süden. Gestern morgen wurden über dem Allen Friedhof ein paar Wildgänse gesichtet, die, von Norden kommend, in südlicher Richtung verschwanden. Die Tiere flogen unter lautem Geschrei in geringer Höhe, das zweite Tier folgte dem ersten in etwa 100 Meter Abstand. Die Beobachtung von Wildgänsen auf ihrem Flug nach dem Süden ist zur jetzigen Zeit (Ende August) eine große Seltenheit und kann wohl mit als das Zeichen eines frühen Gießen", von Bürgermeister Dr. jur. Ernst Selb in Gießen; „Was der Laie vom Grundbuch wissen soll", ein Wegweis« von AmtSgerichtSrat Franz S r o # in Gießen. In ein« Abteilung .Kulturelle#“ wird berichtet über die Lage und Ausdehnung der Stadt Gießen, üb« die Sieben« Bevölkerungsstatistik, über den Besuch ber Gießener Unter» richtsanstalten, über Stiftungen der Stadt Gießen, den Gießen« Lesehallenverein und die Landes» universität. Ein Kapitel .Wirtschaftliche Bedeutung von Stadt und Krei# Gießen" berichtet im Anschluß an die vorgenannten Aussätze von Syndikus Dr. Zeidl« •• Don ber Landesunioersität. Der neue Rektor unserer Universität Professor Dr. Dan- selow hat heute die Amtsgeschäste übernommen. •• Aus städtischen Dien ft en entlassen. 3m Zusammenhang mit den Unredlichkeiten bei der Etadtoerwaltuna, über die in den letzten Tagen berichtet wurde, ist nach der seinerzeitigen sofortigen Entlastung des einen Beschuldigten (eines Beamtenonwärters), die sogleich nach Aufdeckung seiner Taten erfolgte, nunmehr auch gegen den anderen Täter, der Beamter ist und sofort vom Dienst suspendiert worden war, die Entfernung aus dem Amt in die Dege geleitet worden. Nach den gesetzlichen Bestimmungen ist im letzteren Falle eine dreimonatige Kündigungsfrist einzuhallen, jedoch wird während dieser Zeit kein Gehalt gezahlt. ** Der Schiedsspruch für bie Metallindustrie in Oberhessen-Lahngau, ber am 26. August vom Schlichtungsausschuß für Ober- Hessen gefallt wurde und eine Ermäßigung ber bpitzenlöhne von 74 Pf. auf 71 Pf. brachte, ist von der Arbeitnehmerseite angenommen worben. Die Arbeitnehmer haben zugleich ben Antrag gestellt, den Schiebsspruch für verdinblich zu erklären. Don den Arbeitgebern ist ber Schiebsspruch bekanntlich abgelehnt worben. D« Oberhessische Abrehbuchverlag Brühlfche U n i v e r f i t L t #-B u ch - unb Steinbruckerel A. Lange In Gießen bat in den letzten Tagen ba« Adreßbuch ber Stabt unb de« Kreise« Stehen 1931 herauSgebracht. ES ist ba« dritte Mal in einem Zeiträume von fünf Jahren, dah diese# bedeutsame Rachschlagewerk in erweitert« unb nach jed« Richtung hin erfchöpfenber Ausgestaltung b« Oeffentlichkeit übergeben wirb. Gegenüber ben früheren Ausgaben in ben Jahren 1927 unb 1929 weist ba# neue Adrehbuchwerk eine Erweiterung de# Inhalte# auf. woburch cs weit über ben Rahmen d« Personen- unb WohnungS- verzeichnisse hinau# zu einem wichtigen Rachschlagewerk auf geschichtlichem, wirtschaftlichem, sozialem, kulturellem. verkehr#technlschem unb öffentlich-rechtlichem Gebiet geworden ifL Au# dem allgemein unte«lchtenden Teile diese« Spitzenwerkes im KreiSadrehbuchwcsen seien hier folgende Veröffentlichungen hervorgehoben: „Alte Siebener Flurnamen', von Prof. Dr. S b e l, Stehen; „Da# Historische Sieben", von Pros. Dr. Ebel, Sichen; „Kurze Chronik der Stadt Sichen“, zusammenaestellt von Pros. Dr. Ebel, Stehen; „Die Museen unb Galerien von Sichen“, von Museumsdirektor Prof. Dr. Helmke; „Siebener Dau- unb Kunstdenkmälcr", von Christ. Rauch, Sieben; „Erinnerungstafeln unb Inschriften an Siebener Häusern unb Denkmälern“, von Mu- seum-assistent stuck, phil. HanS Szczech; „Wirtschaft uno Verkehr in der Stadt und im Kreise Sieben", von HandelSkammersyndtku« Dr. Zeidler, Sieben; „Handwerk unb Sewerbe in Stabt unb Krei« Sieben“, von Syndikus Rudolf Röhr, Sieben; „Die Betriebe H« Stadt Sieben“: 1. Elektrizitätswerk und Strahenbahn, von Bürgermeister Dr. Selb, Sieben; 2. GaS- unb Wasserwerk. DolkSbad, von Bürgermeister Dr.-Ing. Ernst Hamm, Sieben; „Waldungen unb Waldwirtschaft im Kreise Sieben“, von Oberforstmeister Dr. Schüz, Sieben; „Die Landwirtschaft im Kreise Sieben", von Oekonomierat Dr. Wagner, Sieben; „Die Bodenschätze deS Kreise# Sieben“, von Prof. Dr. Harrassowitz, Sieben; „Devölk«ung und Wirtschaft in Stadt unb Krei# Sieben nach der amtlichen Statistik", von Direktor Dr. E. Lind, Darmstadt; „Da# Sc» sundheitSwesen in Stadt und Krei« Sieben“, mitgeteilt vom KreiSgesundheitSamt Sieben; ..Da« Deterinärwesen in Stadt und Kreis Sieben“, von Oberveterinärrat Dr. Dr. I. R o b k o p f, Winters angesehen werden. •• Ocffentliche Bücherhalle. Im August wurden 1481 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 1080, Zeitschriften 10, Iu- gendschristen 69, Gedichte und Dramen 6, Literatur- ge chichte 4, Länder- und Völkerkunde 106, Kultur- ge chichte 4, Geschichte und Biographien 107, Kunst- ge chichte 6, Naturwissenschaft und Technologie 37, Heer, und Seewesen 1, Haus- und Landwirtschaft 1, Gesundheitslehre 8, Religion unb Philosophie 11, Staatswissenschaft 21, Sport 4. Fremdsprachliches 6 rund • dick • ohne Mundstück Nachdruck verboten. 20. Fortsetzung. Von der Reise zurück! im 70. Lebensjahre. anlage 6, Telephon 2265. 5693 D DEUTSCHE 5699 £) Lese täglich irisch gekeltert. 2. derltch. ImmD holt euch, nicht an- Kein» Auswaschung Keine Versäuerung Die trauernden Hinterbliebenen: Melchior Ofewald Familie Karl Ofcwald Familie Ludwig Obwald Familie Adolf Obwald FrauHerthaMeyer Gesangspädagogin MeittstubeNaafsASttstbett Walltorstrabe 32, Telephon 3520. Mittwoch, den 2. September 1931, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich dahier, Neuenweg 28, „Ium Löwen", zwangsweise gegen Barzahlung: Wirtschaft evtl, mit Metzgerei a. pachten oder zu kauf, gesucht, auch auberh. Giebens. Schr. Eil- angebote unter 04906 an den Gieß. Anz. Wieseck, Dortmund, Alten-Buseck, den L September 193L Die Beerdigung findet Mittwoch, den 2. September, mittags 3 Uhr, vorn Trauerhause Alicestraße 12 aus statt. _______________________________________5701 D Försterhause stehen, und der Deuwel wenn die Rappen in zehn Minuten geschirrt sind" ... „Zu Befehl, Herr Graft' ... Slrumpfwarengrob» handln, vergibt lauf. Helnravbett nur noch a.etntge re- elleTamenu.Herren. Klein. Anschaffungskapital erfordert.0"" Nertreterz. sprechen Frankfurt. Srr. 3111 b.Felber,Dienstag u. Mtttw ochv.2—8Uhr. einen Bestrahlungsapparat. 3. Verkauf aus freier Hand: ein Grammophon. Die Versteigerung zu 1 findet bestimmt statt. Junker. Gerichtsvollzieher in Gießen Wiesecker Weg 16 — Telephon 3383 Der Finder, der am Samstag a. d. Wege Ludwtgspl.-Marbg. Strabe verlorenen Brieftasche wird gebet, dieselbe an d. ersichtl.Adresse oder Firma geg. Belohnung abzugeb.^ Zur Einstellung u. Verkauf Ihres Autos bietet sich in mein. Groß-Garage die beste Gelegenheit! Groß- Garage am Aalweg. 6mD Beginn des Unterrichts der Schule für Sologesang, Sprach- und Atemtechnik Dienstag, den 1. September. Neuanmeldungen erbeten West- SaubereFrau sucht Stellung tagsüber oder für halbe Tage, auch stundenweise. Schr. Ang. u. 04989 an d. Gb. Anz. schlug ihm in dem langen Gange entgegen, an dem zu beiden Seiten die Gäule standen. Ein Schütteln erklang bei seinem Eintritte und das Klirren von Halfterketten. „Wotan", rief er, und ein Aufwiehern antwortete ihm. Ein paar Minuten später jagte er zum Hoftor hinaus, nachdem er mit einem fluchtigen Blicke gesehen hatte, daß zwei barbemlge Knechte die Kalesche aus dem Wagenschuppen zogen. Gott sei Dank, man gehorchte ihm noch in Bellahn. Richt mal die Zeit zum Anziehen der Hosen hatten sich die Kerle gelassen ... Hinter dem Dorfe versammelte er die Zügel in der Hand und lenkte den Gaul auf den hartgetretenen Fuhsteg, der neben dem Wege am Feldraine lief. Da war er sicher vor den heimtückischen Karnickellöchern, ünb unwillkürlich schoß es ihm durch den Kopf, nun ritt er doch nach Alten-Krakow. Aber seine Gedanken galten einer andern als der, die die Frau Förster bei ihrem Ratschlag gemeint hatte---- Großes Zimmer mit Küche zu verm. Schristl. Ansr. unt. 05002 an d. Gtz. Anz. '/, Fl. RM. 2.50, */i Fl. RM. 4.50, Ltr.-Fl. RM. 7.50. Zu haben: nur in der Engel- Apotheke am Marktplatz. 4258V Wohnung 3 Zimmer u. Küche f. Mansarde per sofort zu vermiet. Berechtigungsschein erfor- HMWHWH Honig u. Brot macht Wangen rot! JungS echter Bienenhonig Mittwochs Sonderpreis, Md. 1.35 M. Versand nach ausw. 5- u. lO-Pfd.-Etmer. Das richtige oberh. Landbrot verbess. lDienötagS und Freitags). 0W!n KräuterbauöJung vollw. Lebensmittel in der Schulstratte. [Verschiedenes | 10000 RM. auf 1. Hypothek, Ge- schäftöhausneubau Mrandkasfenwert 25000 Mk.s gesucht. Schristl. Angeb. unt. 04969 an d. Gb. Anz. Frische Fische u.Filets Lebende Karpfen und Scbleien Fischhaus Cuxhaven Marktstr. 23 5694 a Telef. 2417 1-3000 M. ges.Jnh.d.Betr.tiicht. Fachm.GuteSicherb. Schristl. Angeb. unt. 04992 a. d. Gieb. Anz. Das bißchen Erde. ZRoman von Richard SkovRonnet. Copyright by I. Engelhorns Nachf., Stuttgart. Tausende von Menschen verdanken ihren gesunden, tiefen Schlaf und ihre gek räftigten Nerven unserem Mtan „Ra also" ... In der Knechtekammer flammte Licht auf, begann ein hastiges Rumoren. Malte aber lief zum Stalle hinüber, öffnete das breite Tor. Aus der Eeschirrkammer holte er einen Sattel, den Weg kannte er im Dunkeln. Ein warmer Brodem Traubenmost Versäumen Sie nicht. Ihre Gesundheit zu erhalten. Fragen Sie Ihren Arzt, was eine Traubenkur bedeuiel. Ab Mittwoch während der Owöchigen Gestern nachmittag 6Vi Uhr entschlief nach kurzem schweren Leiden meine gute Frau, unsere herzensgute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Schwester Fran Elisahelhe OWfl, gel. Wagner Freitagabend Monats-Versammlung bei Hopfeld. [6mO Schallvlaltenvor- iührung von V.H.C.- Bruder Kraft. Kyffhäuffer-Technikum Bad Frankenhauion, Kyffh. Programm aolordern.. Elektrotechnik, Maschinen-, Lanamaech.-.Auto- a. Flugzeugbau, Flugbetrieb. Stahlbau, Eisen-1 Wasserbau. Für Kaufleute einsem. techn. Kurse. | 3/15 PS BMW. Motorrad, 200 ccm, führerscheinfret, zu verkaufen. 04996 C. Faber Müblftratte 22 Malte fühlte einen Knäuel des Ekels im Halse aufsteigen, aber er erwiderte nichts. Wortlos ritt er in stuckerndem Trab neben dem Wagenschlag her, und die mit dem kleinen Lodenhut auf dem blonden Haar zog den dicken Mantel fester um ihre schlanken Glieder. Lind Malte wunderte sich. Bor dem Wiedersehen hatte er sich zuweilen gefürchtet da drüben, wenn er überdachte, was werden sollte, wenn er wieder heimkehrte. Lind jetzt ging es ganz ohne Erschütterung vorüber ... Der Doktor Harkenschmidt aus Moltzahn war mit den Frauen im Schlafzimmer. Die Unter* suchung dauerte lange. Der Förster Schwarz stand drömelnd in einer Ecke der Wohnstube. Seine Schlafenszeit war längst schon gekommen, und im Dunkeln überfiel ihn die Müdigkeit. Da drückte er sich still hinaus. Wenn man ihn brauchen sollte, würde man schon rufen ... Die Lampe wurde drüben gebraucht. Malte fast am Schreibtische, rauchte eine Zigarette nach der andern, der dicke Bankdirektor aber schritt ruhelos auf und ab, strich sich mit einer zur Gewohnheit gewordenen Bewegung von rückwärts über den kahlen Schädel. Lind stoßweise entlud er seinen Aerger. Daß er diese mecklenburgische Pachtung bis an den Hals satt hätte ... Daß er den Sagbagenten, der ihn mit falschen Vorspiegelungen getäuscht, verklagen würde, und nicht der kleinste Teil seines Ingrimmes ging gegen die zierliche kleine Frau, um die sich da drüben hinter der braungestrichenen Tür der Doktor mühte. Weil sie aus unerklärlichen Gründen einen plötzlichen Ekel gegen das Getriebe der Großstadt empfunden, hätte er ihr den Gefallen getan. Lind jetzt sähe er da mit der Bescherung. Die Iagd gleich Rull, und von irgendwelchem Verkehr mit der Rachbarschaft keine Rede. Rur mit dem Auto immer hin und her kutschieren zwischen Berlin und Alten-Krakow, denn die Geschäfte könnte man doch nicht vernachlässigen... Malte hörte schweigend zu, warf den letzten Zigarettenstummel durch das offene Fenster. Lind etwas wie ingrimmige Schadenfreude regte sich in seiner Brust. „Sie hätten nicht in Mecklenburg pachten sollen, Herr Direktor. Wir sind eine rückständige Ration. Bei uns geht's noch zu wie vor fünfhundert Fahren. Vor dem Geldbeutel keinen Respekt. Zehn Scheffel Salz und ritterbürtige Herkunft sind hier so unsere Bedingungen: bis auf die Knochen muh man sich gegenseitig als richtig befunden haben" ... Er brach ab, denn plötzlich war ihm durch den Sinn geflogen, daß er ja auch draußen stand, weil er in dem letzten, feinsten Sieb als untaugliche Spreu durch die Maschen gefallen war ... Danach schwiegen sie beide in der dunkeln Stube, die nur von ein paar Lurch die Fenster kommenden Mondstrahlen erhellt war. Lind Malte VMM her «ufgtberö. ©täte»* angeboren Ist t4, die ein» gegangen JBtipertmng* kilver schnellstem! wrMwf. Die Stellung- suchen»en sind banfbar bafür, wenn man ihre 2kmühnngen jur (Erlangung ein. geeigneten aus diese Weise unterstützt und sind auf diese seldstversizndliche Pflicht auch angewiesen. Sistzene» Anreise«! ©Höchste Erträge von bester Beschaffenheit SPHAT-INDUSTRIE ERUNW.15 EMSER STR.42 1. einen Rohrsessel, Damenhandtaschen, einen Waschkorb, Fahrradkörbe, einen Kindertisch, Brotkörbe (Bast), Besen (Fiber), Handarbeitskörbe, Henkelkörbe, Brötchenkörbe, Zeitungshalter, Toilettengarnituren, Waschleinen, Kleiderbürsten, Möbelbürsten, ein Klubsofa (Stoffbezug), einen Kücyenschrank (hell), einen Küchentisch, zwei Stühle, zwei dreiteilige Ka° pokmatratzen mit Keil, eine Marmor- platte für Waschtisch, eine Kontaktplatte (zweiteilig), Serienschalter, sechs Kontakt, platten (einteilig), Klingelschalter, Fort- schaltkontakte, Schleifkontakte, ein Meßinstrument, Elferautomaten, ein Radio- Netzgerät (Schneider-Oppel, ohne Röhren), Radioapparate, Lautsprecher, Drehkondensatoren, ein Hochleistungsgerät, Kopfhörer, Photographie-Albums, einen Karton Briefpapier, zwei Kartothekkasten, ein Bilderalbum (Kunstleder), Bilderrahmen (alles noch neu), eine Holzladenkasse, einen Koffersprechapparat, ein Gewehr (Pirschbüchse), einen Kar- toffelausmachepflug, eine Ladentheke mit Marmorplatte. 5698D * Büfetts, Kredenzen, Vertikos, Warenschränke, Ladentheken, Nähmaschinen, Grammophone, Sofas, Schreibtische, Schreibmaschinen, Kleiderschränke, Zimmerteppiche, Chaiselongues, Trumeau- spiegel, Kommoden, Diwans, 100 Mistbeetfenster, Kassenschränke, Registrierkasse, sieben Schiffskoffer, sechs Puppenwagen, eine Rolle Gummieinlage, zwölf Meter Kühlerduck, Rucksäcke, Ledermarkttaschen, Aktenmappen, einen Schreibmaschinentisch, Handkoffer, Schulranzen, Biegelkoffer, Rohrtruhen, Rohrsessel, Damenhandtaschen, Gummiverdeckstoff, Portemonnaie, zehn Meter Kunstleder, einen Photoapparat, Bücherschränke, eine Wanduhr, eine Kuh, Oelgemälde, einen Bilderschrank mit 95 Bildern, einen Flü- gel, einen Küchenherd, Frisiertoiletten, Klubsessel, einen Regulator, eine Klebe- presse, vier Bände „Denkmäler des Theaters" zwölf Deckbettenbezüge, einen Elsschrank, Küchenschränke, einen Aus- stellungsschrank, Tortenplatten, eine Flurgarderobe, einen Tisch, vier Stühle, ebewohl wenn Sie Hühneraugen haben! Hühneraugen-Lebewohl und Lebewohl-Ballenscheiben. Blechdose (8 Pflaster) 75 Pf., Lebewohl-Fußbad gegen empfindliche Fuße und Fußschweiß, Schachtel (2 Bäder) 50 Pf., erhältlich in Apotheken und Drogerien. Sicher zu haben: Medlz.-Drogerie Haus Hindenburg H. Eine», Seitenweg 68a; Löwen-Drog. W. Kllblnger Nacht, Seltersweg 79a; H. Noll, Ludwlgspiatz-Drog. und Neustadt-Drog.; Germania- Drog. C. Salbei, Frankfurter Str. 39, 0. Wlnterhoff, Drog., Kreuzpl. 9-10. Studentin sucht ab 15. Okt. schön möbl. Simnrev Nähe der StlinlEen. Schristl. Anaeb. unt. 04974 an d. GH. Anz. | Stellenangebote [ Ein dröhnender Schuß zerriß die schweigsame Rächt, vom Seeufer kam hallend das Echo zurück. Der Förster trat wieder ins Zimmer, ging zum Gewehrschranke und reinigte mit einem Wischstocke den abgeschossenen Lauf. „Ekelhaft", brummte er in den buschigen Schnurrbart, „und bei 'nem Hirsch fällt einem nichts drüber ein. Aber bei so einem Tier, das mit den Menschen zusammenlebt ... er hat mich verstanden, Herr Graf, als ich ihm den schlanken Hals klopfte: Schimmelchen, es ist Halali! Lind wie ich das Gewehr hob, sah er mir fest in die Augen" ... „Es ging wohl nicht anders", sagte Malte und steckte sich eine neue Zigarette an. Aber die Hand bebte ihm, als er nach dem Streichholz griff... Die Frau Förster kam aus dem Schlafzimmer, zuckte mit sorgenvollem Gesicht die rundlichen Schultern. „Sie will nicht zu sich kommen. Wie ein Zuckerengelchen liegt sie in den weißen Kissen, ich kann deutlich ihren Atem hören, aber sie will nicht zu sich kommen. Lind auch das Blut steht nicht aus der kleinen Wunde hinter dem Ohr ... Also vorwärts, Alter, nach Moltzahn zum Doktor, und Sie, Herr Graf, vielleicht nach Alten-Krakow hinüber. Die Herrschaften da werden doch sicher schon in heller Sorge fein“ ... Malte sprang auf. So war es recht. Rur nicht so untätig dasitzen und grübeln ... Er eilte mit langen Schritten die Dorfstrahe entlang, quer über den weiten Wirtschaftshof. Lind mit dröhnender Faust schlug er gegen die Tür der Knechtekammer: „Holla, ihr Kerls, rasch auf, und die vier Rappen vor den Kaleschwagen!" Eine verschlafene Stimme kam zurück: „Was, Herr Graf?" Da wiederholte er zornig den Befehl, fügte hinzu: „Es geht um ein Menschenleben! Sn einer Stunde muß der Doktor im Achtung! Sol., gute Existenz durch Einrichtung v. Beißmangel- Stuhen. Günstige Zahlungsbedingungen, erstki. Fabrikat 101979 Vertreter W. Janien, Battenfeld (Eder). [Stellengesuche) Junger, flecht ehrt. Mann, gel. Küfer, s. Beschäftigung. Schristl. Angeb. unt. 04980 an d. Gb. Anz. Ich bringe la Vollmilch per Liter 23 Pf. frei Haus und suche noch Abnehmer. Adressen von Interessenten erbitte unt. 04999 a. d. Gleb. Anz. Bill. Milch Liter 24 Pf. Suche noch einige Abnebmer.Lieferung frei Haus. Schristl. Angebote unt. 04981 an den Gies;. Anzeig. SelterSwea 22. Neubergericht., sonn, gut möbliertes Zimmer näheKlinik. zu verm. Schristl. Angeb. unt. 04976 an d. Gb. Anz. Schön möbl. Zimmer mit voll. Pension, el. Licht u. Schreibtisch sehr billig zu verm. wn Walltorttr.27. Auf halbem Wege, noch ein ganzes Ende vor dem ragenden Galgenberge, begegnete ihm ein raschfahrender Wagen. Ein Herr sah darin in hellgrauem Mantel und eine Dame mit kleinem Lodenhut und Schleier. Er brauchte kaum hinzusehen, um zu wissen, wer es war ... Das schmale Gesicht mit der feinen geraden Rase unter den dunkeln Augenbrauen kannte er gar wohl ... Er hob die Hand, weil der Kutscher auf dem Docke parieren wollte. „Weiterfahren!" Llnd mit kurzem Bogen schloß er sich an den Wagenschlag. Die junge Dame auf dem Rücksitze machte eine vorstellende Bewegung: „Herr Graf Römnitz — Herr Direktor Steinfeld aus Berlin" ... „Angenehm" ... „Angenehm" ... Malte mußte unwillkürlich auflachen. So ging es schon zu in der lieben Heimat. Erst mußten die Formalitäten erledigt werden, ehe das Wichtigere an die Reihe kam. Lind er berichtete kurz, was geschehen war. Seine Mitwirkung bei dem Abenteuer verschwieg er. Rur daß die junge Frau in seinem Försterhause läge und mit den gewöhnlichen Hausmitteln nach dem schweren Sturze nicht zum Bewußtsein zu bringen wäre. Eine fettige Stimme im Wageninnern antwortete ihm. „Das hat sie nun, und so muhte es kommen! Ich hab' ihr so dringend abgeraten, aber sie wollte nicht hören. Durchaus im Mondschein einen romantischen Spazierritt machen! Llnd wie, sagen Sie, Herr Graf? Das Pferd hat man erschießen müssen? Vielleicht wäre es doch besser gewesen, vorher einen Tierarzt zu fragen! Fünftausend Mark habe ich bezahlt bei Beermann in Berlin, und wer weiß, ob mir die Versicherung einen Pfennig wiedergibt" ... $tip(?rpbo$pW Schnelle Aufnahme ^ÄSimmer mit sep. Elng. z. vrm. Nah. L d. Geschästöst. des Gieh. Anz. Lwt Näbc Bahn sofort 1—2 große seh. möbl. Zimmer bill. z. verm. »Ei Crednerstr. 18 I. Schön möbl. Zimmer mit 2 Betten u. voll, guter Pension billig zu vermieten. MflM Walltorttr.27. Zimmer mit 2 Bett, auch a.berufst.Ebep. ober vorüberg. Nähe Bahnb. z. verm. O40M Franks. Str. 31 II. | Mietgesuche | Akadem.-Ehepaar s. 4-gimmer- Wohnung Mietschein Vorhand. Schristl. Anaeb. unt. 04982 an d. GH. Anz. Kleiner bis mittler. Laden zu mieten gesucht. Schristl, Angeb. unt. 04986 an d. Gb. Anz. biß sich auf die Lippen. Hochtrabende Worte hatte er gesprochen, die ihm nicht zukamen. Der andre wollte hinein in den festgeschlossenen Kreis, und er stand draußen. Fede zufällige Begegnung konnte ihn Lügen strafen, wenn er sich so benahm, als wenn er noch ein Zugehöriger wäre... Der Doktor kam mit der Lampe aus dem Schlafzimmer, gefolgt von der jungen Baronin Perkwald. „Gott sei Dank", sagte er, „Herr Direktor, die Gefahr ist vorbei. Eine nicht ganz leichte Gehirnerschütterung, aber unter der Pflege der Frau Försterin wird sich's bald zum Guten wenden. Ich habe sie genügend instruiert. Wenn Sie jetzt Ihre Frau Gemahlin sehen wollten, tch habe nichts dagegen. Rur natürlich keine leidenschaftlichen Schmcrzensäußerungen, das könnte ihr schaden. Höchstens eine mäßig, temperierte Freude, daß der böse Unfall so glimpflich ab- gelaufen ist" ... So sprach der freundliche alte Doktor, rieb sich die Hände. Ein fetter Bissen war es in der sonst kärglichen Praxis, und da gehörte es sich wohl, daß man in Ansehung des Honorars den Fall ein wenig schwerer darstellte, als er in Wirklichkeit war. Der Ehemann aber Brummte etwas zwischen den Zähnen, was wie „unnötiges Ge- rudere" klang, strich sich mit seiner--gewohnheitsmäßigen Bewegung über den kahlen Kopf und ging mit dem Arzt ins Rebenzimmer. Malte sah ihm ingrimmig nach. Würgen hätte er den Kerl mögen wegen seiner gefühllosen Gleichgültigkeit ... Llnd die junge Baronin Perkwald hatte den Blick aufgefangen. Sie zuckte mit den Achseln. „Er gibt sich schlimmer, als er eigentlich ist. Er tut alles, was er ihr an den' Augen absehen kann. Sie aber ist so ziemlich das launenhafteste Persönchen, das mir je vorgekommen ist. Alle Viertelstunde irgend etwas andres. Diese Pachtung hier hat sie ihm auch eingeredet, und da kann man's ihm eigentlich nicht verdenken wenn er unmutig wird. Allzu viel Takt freilich scheint ihn nicht zu drücken" ... „Kannst M ja aus dem Pachtvertrags Wiede» 'rauslassen", erwiderte er fast feindselig. Sie aber schüttelte den Kopf: „Kann ich leider nicht. Ich werde erst in anderthalb Iahren mündig, und mein Vormund hat den Vertrag beschlossen. Ein Vetter meines verstorbenen Mannes. Er verwaltet mir mein Vermögen und Hohen-Krakow. Hinrichswalde war ja Majorat, es ist an Gottfried Perkwald gefallen, der früher bei den Wandsbecker Husaren stand." „2a richtig", sagte Malte zerstreut, „er war ja der Rächste dran." Sein Blick hing an der braungestrichenen Tür, die zum Rebenzimmer führte ... (Fortsetzung folgt.) _____ Pinscherhündin entlaufen. Wieder» bringet erhält Belohnung. 57100 Heinr. Henkel Walltorttratte 27, EISU-Betten (Stahl u. Holz) Polster, S di 1 a f z i n> na^S«ah 1m ®1 f• Kinderb.ChaiseL a.rri- vate-Ratenzl. Katd.fr. Eisenmöbelfabrik Suhl | Vereine | Gebr. Möbel Kommode, Sofa, oval. Tisch, Veritko, Bett, Trumeau und Schränkchen als Überzählig abzugeb. 05008 Marktplatz 2 Hustenbonbon nurs.Wiederverkäus. Eucalyptus-Menthol, extrastark, und C. K. Brustkaramellen. Versand nach ausw. C. Kuhn.Gießen „497B Kaiserallee 20 part , Gute Birnen au verkaufen, Ecke Hofmann- u. Frankfurter Slr^ Eingang Frankfurter Slr.°"°" | Kaufgesuche \ Katts in guter Lage, auch Einf.-H., au kaufen gesucht. Schr. Ang. u. 04984 a. d. Gieß. Anz. Kleineres K^aus z. kauf. ges.Schr.Ang. u.04983a.d.Giest.An». j Empfehlungen) Iwlebel- Suchen Mittwoch nachmitt, von 5.30 Uhr ab Hofbäckerei Noll, Mttusburg 12. moiD Mädchen, 23 Jahre, s. z. 1 10. Stetig, als Alleinmädchen Langjäbr.guteZeug- nisse sind vorhanden. Schristl. Angeb. unt. 04971 an d. Gn. Anz. Aeltercä Mädchen suchtStellg.i.einsach. ruhigem Haushalt b. geringem Lohn. Schristl. Angeb. unt. 04970 q. d. Gieß. Anz. s Verkäufe f Garten am Rodberg leingezäunt) 680 qm, in gutem Zustand, m. Obstbäumen ufro. preiswert zu verkaufen. Schrift!. Angebote unter 04985 an den Giest. Anzeig. flIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIID Auto-Gelegenheitskaiil: 1,1 Str. 4-20 PS OpelVorlühr.-Liraouslne ganz wenig gefghr^ volle Fabrikgarant., weit unter Katalogpreis abzugeb. Zah- lungserleichterung. Ovelauto Metten, Frankfurter Str. 52 Tel. 2847. 5529A llllllllllllllllllllllllllllllllllll gweisitzer- Opel I 4-20 P8, Modell 1931, erst 9000 km gesahr., günstig zu verkaufen. Pfarrer Grämdler, Königsberg, sachm. Auskunft bei Ad. Haeselbach, Rodheim. [Vermietungen | 6-Zimmer- Wohnung mit Küche. Badezim. und Mansarde per 1 Okt. zu verm. [osooi Müblttratte 34, Ecke Westanlage. 4-5-Zimni.-Wohn. beschlagnahmefrei, mit Bad u. Zubehör, in Klmiksnähe zu verm. Schr. Ansrag. u.5697Oa d.Gs; Anz. Nr. 205 Zweites Blatt Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen) Dienstag, 1. September (951 9Jixfpott V. f. Ä. DfB. Liga — Iv. Hora, Liga 3:1 (1:1). Dem zweiten DerbandSspiel der Ligamannschaft deS DsD. sah man mit gemischten Gefühlen entgegen, ba einerseits der sonntägliche Gegner als äußerst kamps- und durchschlagSlräsiig bekannt war und andererseits Dingel und Haupt in der Mannschaft fehlten. Die Mannschaft schlug sich jedoch sehr tapfer. DaS Spiel war von Anfang bis Ende spannend, der Gesamtcindruck wurde jedoch durch die zahlreichen Strafstöße etwas beeintrach- tigt. Die Grünweihen zeigten eine geschlossene Zusammenarbeit, der Sieg hätte höher ausfallen können. HoraS stellte eine hart und wuchtig kämpfende Elf, die auf eigenem Platz wohl kaum zu schlagen sein dürste. Die Flügel sind sehr schnell und die Verteidigung schlagsicher. Zum Spielverlauf : Zu Beginn deS Kampfes sah man auf beiden Seiten -erfahrene-Spiel. Hora- fand sich zuerst und Dalser muhte einen scharfen Schuh im Fallen passieren lassen. Durch diesen Erfolg anyespornt, kämpften die Gäste mit Rachdruck, doch d.e DfD.-Derteidigung wehrte mit Ruhe und Geschick ob. Der Au-gleich lieh nicht lange auf sich warten, ein Eckball wurde »um Ausgleichstreffer verwandelt. Gegen Schluh der ersten Halbzeit verlchoh Ritter eine sichere Sache. Die zweite Spielhälfte stand im Zeichen der DsDer, die sich überraschend gut sanden und den Gegner kaum zu Durchbrüchen kommen liehen. Trotzdem gelang es VfD. vorerst nicht, in Führung zu gehen. Ein für den VfD. gegebener Elfmeter wurde von dem Torwart der Gäste gehalten. VfD. machte die gröhten Anstrengungen, aber nicht- wollte gelingen, bi- durch einen zweiten Elfmeter, durch Ritter verwandelt, die hiesigen in Führung gingen. Richt lange danach siel auch das dritte Tor für den VfB. durch Schmidt auf Vorlage von Därenfänger. Runmehr kam Hora- etwas mehr aus, aber es wurde nichts zählbare- mehr erreicht. Beim VfB. leisteten Torwart und Verteidigung sichere Arbeit, ebenso die Läuferreihe, in der Post, wie schon so oft, in sportlicher Manier einsprang, da Leuthäuser in der Verteidigung spielte Auch der Sturm konnte gefallen, gut waren die Flügel. Unermüdlich arbeitete da- Jnnentrio unter der Führung Därenfänger-. Der Schiedsrichter leitete korrekt. Handball der Sp.-Dg. 1900. 1900 II — To. Münchholzhausen I 4:6 (1:5). Wenn die Mannschaft des Turnvereins Münchholzhausen von vornherein als gefährlicher Gegner eingeschäht worden war, so wurde das durch den Spielverlaus bestätigt. Allerdings hielten die 1900er nicht das von ihnen Erwartete. Erst eine Umbesetzung deS MittelläuserpostenS in der zweiten Lpielhälfte brachte eine Wendung zum Besseren. Da aber hier die Gäste bereits 5:1 in Führung lagen — auch 1900 s Hüter hatte sich bi- dahin der Situation nicht immer gewachsen gezeigt — war an einer Riederlage nicht mehr vorbeizukommen. Zattboot-Kreismeisterschasten. Am Sonntag wurde die KreiSmeisterschaft im Einer- und Zweier-Faltboot aus der 11 Kilometer langen Mainstrecke Rumpenheim- Frankfurt a. M. auSgetragen. Die Paddlergilde Gießen ED. hatte ihren besten Rennmann, 3. Kaphingst, entsandt. Kaphingst konnte unter den fünf Teilnehmern aus Karlsruhe, Trier und Stuttgart den zweiten Platz belegen in der Zeit von 43 Minuten. B. Eberle (Stuttgart), der dieses 3ahr ernster Bewerber um die Deutsche Langstrecken-Meisterschaft im Faltboot war, übernahm sehr bald die Führung und gewann in großartigem Stile. Europameisterschaften der Schwimmer Ungarn gewinnt den Europa pokal. Am Sonntag fanden, wie gestern bereits kurz berichtet, im Pariser Schwimmstadion die Kämpfe um die Europameisterschaften ihren Abschluß. Roch einmal hatten sich zahlreiche Zuschauer eingefunden, die verschiedene lleberraschungen zu sehen bekamen. AIS erfolgreichste Ration fchnitt bei dem diesjährigen Wettbewerb Ungarn ab, das auch mit großem Punktvorsprung vor Deutschland erstmalig den Europa-Pokal gewann. Die erste Entscheidung fiel im Turmspringen der Herren, da- überraschenderweise der Oesterreicher Staudinger mit 111,83 P. vor Raumann-Deutschland und Riebschläger gewann. War diese» Ergebnis schon unerwartet gekommen, um so bedauerlicher w.rkte die Riederlage, die die favorisierten deutschen Vertreter Wittenberg und SietaS im 200-Meter-Brust- schwimmen einstecken mußten. Hier holte sich der Finne Reingold in 2:52,2 Min. knapp vor Wittenberg den Titel. Sietas landete in 2:55 Minuten auf dem dritten Platz. Aber auch Frankreich blieb von Enttäuschungen nicht verschont. Deutschland-England. Rach den großen Erfolgen, die England in seinen jüngsten Leichtathletik-Länderkämpfen gegen Italien und Frankreich erftritt, blickte man in Deutschland der neuen Begegnung mit den Briten besorgt entgegen, denn angesichts der gegenwärtigen Form der Mannschaften und der verschiedenen Absagen sür die deutsche Mannschaft (u. a. von Dr. Peltzer, Büchner und Wegener) schien ein deutscher Erfolg zweifelhaft geworden zu sein. Aber allen Befürchtungen zum Trotz gewann Deutschland auch diesen Länderkamps, und zwar mit dem verhältnismäßig glatten Ergebnis von 7,5 zu 4,5 Punkten. Der Länderkampf wurde bei einwandfreiem Wetter und vor 15000 begeisterten Zuschauern im Kölner Stadion aus- getragen. Ergebnisse. 4X100 Meter Hürden: 1. Deutschland (Troßbach, Wegener, Welscher, Deschehnik) 59,2 Sek.: 2. England (Lord Burghley, Finley, Harper, Tubbs) 59,9 Sek. 4X100 Meter: 1. Deutschland 41,1 Sek. (Körnig, Mölke, Dorchmeyer, 3o- nath): 2. England 41,8 Sek. (Dr. Reid, Engelhart, Eohen, London). 4x40 0 Meter: 1. England 3:15 Min. (Vangwin, Green, Hanlon, Ramp- ling); 2. Deutschland 3:15,2 Min. (Münzinger, Bergmann, Röller, Mehner). 4x800 Meter: 1. Deutschland (Zimmermann, Lefebre, Dahlmann, Kaufmann) 7:45,8 Min.: 2. England 7:46,4 Min. (Scrimshay, Powell, Hampson, Gutterdige). Diskuswerfen: 1. Deutschland 90,37 Meter: 2. England 72,93 Meter. 1. Hirschfeld 45,35 Meter: 2. Hoffmeister 44,52 Meter, 3. Priedie-E. 40,35 Meter: 4. Best 32,58 Meter.H o ch s p r u n g: Alle vier Teilnehmer, Köpke-D, Bornhöft-D., Land-E. und Turner-E., erreichen je 1,87 Meter, so daß hier der Punkt für den Sieger in je Vj Punkt geteilt wird. Stabhochsprung: 1. Deutschland 7,50 Meter: 2. England 7 Meter. Einzelergebnis: 1. Müller-D. 3,80 Meter, 2. Rittcr-D. 3,70 Meter: 3. Bond-E. und Ford-E. je 3,50 Meter. Kugelstoßen: 1. Deutschland 30,23 Meter: 2. England 26,91 Meter. Einzelergebnis: 1. Hirschseld-D. 15,63 Meter: 2. Schnei- der-D. 14,60 Meter: 3. Howland-E. 13,93 Meter: 4. Pridie-E. 12,95 Meter. Deitsprung: 1. Deutschland 14,40 Meter: 2. England 13,13 Meter. Einzelergebnis: 1. Mölle-D. und Köchermann-D. je 7,20 Meter: 3. Eohen-E. 6,72 Meter: 4. Eden- dorough-E. 6,41 Meter. 5000-Meter-MannschaftSlauf: 1. England, 2. Deutschland. Einzelergebnis: 1. Even- son-E. 14,54,8 Min.: 2. Winsield-E. 14,55 Min.: 3. BurnS-E. 14,56 Min.: 4. Syring-D. 15Min. 4X 1 500 Meter: 1. England 15:55,6 Min. (Harris, Ellis, Cornes, ThomaS): 2. Deutschland 16,06 Min. (Wichmann, Schilgen, Schaumburg, Seine große Hoffnung 3can TariS wurde im 1500-Weter-Erawlschwimmen nur Vierter. Den ersten Platz belegte der Ungar Halafsy in 20,49 Min. vor dem jungen Italiener Perentin. Aehnlich erging eS den Franzosen im 400-Meter-Erawlfchwimmen der Damen, daS von der Holländerin Marie Braun in der neuen europäischen Rekordzeit von 5:42 vor E o o p e r - England und der französischen Meisterin Vvonne G o d a r d gewonnen wurde. Die abschliestendcnDasserballkämpse brachten Deutschland einen verdienten 4:2-Sieg gegen Schweden. Deutschland rangiert damit im Wafserballturnier mit einem Punkt weniger hinter dem Sieger Ungarn. Ferner kam Belgien ebenfalls zu einem 4 :2-Ersolg gegen Frankreich, während Oesterreich mit viel Glück die Tschechoslowakei mit 3:2 schlagen konnte. 3m Gesamt-Klassement der Rationen ergab sich nach Abschluß der Kämpfe folgende- Bild: 1. Ungarn 101 P: 2. Deutschland 84 P.: 3 Frankreich 31 P: 4. Italien 29 P.: 5. Oesterreich 21 P: 6. Schweden 11 P.: 7. Tschechoslowakei 10 P.: 8. Belgien 2 P. Krause). Olympische Staffel: 1. England 3:27 Min. (Hampson, Dr. Reid, Hanlon, Ramp- ling): 2. Deutschland 3:27,2 Min. (Danz, Körnig, Ionath, Mehner). Deutschland —Schweiz. Bei schönem Wetter, guten Dahnverhältnissen und vor 3000 Zuschauern wurde am Samstag «n Bern der Leichtathletik-Länderkampf Deutschland gegen die Schweiz (wir berichteten bereits gestern kurz darüber) ausgetragen. Obwohl Deutschland nur mit seiner zweiten Garnitur antrat, die zudem noch durch weitere Umstellungen noch mehr geschwächt war, konnte der Kampf doch ganz überlegen mit 79,5 zu 57,5 Punkten gewonnen werden. Don den 15 Wettbewerben gewann die deutsche Mannschaft, die sich in der Hauptsache aus süddeutschen Athleten zusammensehte, allein elf, während nur viermal ein Schweizer siegreich blieb. Der Deutsche Zehnkampfmeister Sievert kam zu einem Doppelerfolg, er gewann daS Diskuswerfen und auch das Kugelstoßen. Dieses mit der vorzüglichen Leistung von 15,12 Meter. Die 4x400»MeterEtasfel ging verloren. Die 4x100- Meter-Staffel konnte erst durch das famose Laufen von Geerling (Frankfurt) gewonnen werden. Ergebnisse. 100 Meter: 1. Eldracher-D. 10,7 Sek.: 2. Gecrling-D. Handbreite zurück: 3. Dogel-Sch. 11,0 Sek. 200 Meter: 1. Geerling-D. 21,6 Sek.: 2. Eldracher-D. 22,0 Sek.: 3. Vogel-Sch. 22,2 Sek. 4 00 Meter: 1. Rehb-D. 49 Sek.; 2. Mertens-D. 50,7 Sek.: 3. Goldfarb-Sch. Handbreit zurück. 800 Meter: 1. Dr. Martin-Sch. 1:59,4 Min.: 2. Abel-D. und Steb-D. je 2 Min. 1 500 Me- ter: 1. Rath-D. 4:06,4 Min.: 2. Fink-D. 4:10,4 Min.: 3. Rydecker-Sch. 4:11,2 Min. 5000 Me- ter: 1. Eardineaum-Sch. 15:35,1 Min.: 2. Wehrle-Sch. 15:35,3 Min.: 3. Kraft-D. 15:42,1 Min. 110 Meter Hürden: 1. Barth-D. 15,9 Sek.: 2. Mägli-Sch. 16 Sek.? 3. Eunz-Sch. 16,3 Sek. 4x100 Meter: 1. Deutschland (Barth, Eidracher, Mährlein, Geerling) 42,9 Sek.: 2. Schweiz 43,3 Sek. 4x400 Meter: 1. Schweiz 3:26,2 Min.: 2. Deutschland (Pöschl, Mertens, Ionas Rehb) 3:27,8 Min. Hochsprung: 1. Riesen-Sch. 1,86 Meter: 2 Haag-D. 1,80 Meter: 3. Guhl-Sch. 1,75 Meter. Weitsprung: 1. Dürr-D. 6,94 Meter: 2. Meier-Sch. 6,92 Meter: 3. Keller-Sch. 6,91 Meter. Stabhochsprung. 1. Reeg-D. 3,70 Meter: 2. Hubcr-D. und Adolf Meier-Sch. je 3,60 Meter. Kugel st oßen: 1. Sievert-D. 15,12 Meter, 2. Kulzer-D. 13,97 Meter: 3. Dr. Zchli-Sch. 13.67 Meter. Diskuswerfen: 1. Sievert-D. 43,13 Meter: 2. Conturbia-Sch. 39,72 Meter: 3. Duch- geister-D. 39,61 Meter. Speerwerfen: 1. Barth-D. 58,13 Meter: 2. Dinkler-D. 58,05 Meter: 3. Schumacher-Sch. 55,02 Meter. Zwei Leichiaihleiik-Länderkämpfe. Tiere spielen Theater. Don Emil pirchan, Ausstattungsleiter am Staatstheater, Lettin. Verschiedene Rollen spielen die Tiere am Theater. Sogar Titelrollen, wie bei Aristo- pHanes in den Komödien »Die Vögel" und »Die Frösche". Kohebue hat einen »Hyperboreischen Esel" und einen .Rehbock" getrieben, Sardou nennt ein Lustspiel .Das Krokodil", Wildenbruchs .Haubenlerche' ist noch in Erinnerung wie Birch» Pfeifsers „©rille". IbsenS „Wildente" ist allerdings nur im übertragenen Sinn gemeint, ebenso wie Anzengrubers „G wifsenSwurm", der doch gar nichts mit der Zoologie »u tun hat. Mnb mngft hat Zuckrnaier ein Kinderstück .Kakadu" benannt. Groß ist der Bedarf an ausgestopften Tieren am Theater: Der Stier Apis wird in .Aida" auf den Schultern hereingetragen, in der „Zauberflöte" hat Papagcno eine Heine Sammlung von buntgefiederten Vögeln in seinem goldenen Korb: mehr oder minder komisch wälzt sich in der gleichen Oper die Schlange auf die Bühne, vor der Tarnino höllische Angst hat. Der Wurm, in den sich Alberich in Wagners .Rheingold" verzaubert, ist aus aufblasbarem Gummi gefertigt, und aus Pappmache stellt man das Ungetüm Fafner her, daS Siegfried mit seinem Schwert unter viel brausendem Dampfgefauche erlegt. Auch Menschen müssen sich oft auf der Bühne als Tiere Dcrflcibcn. So wird die Wildsau in der Wolfsschlucht des . Freischütz" gewöhnlich von einem Ballettkind gemimt. Einmal frage ich eine solche Tanzelevin: „Du bist doch neu bei uns, ich habe dich noch nicht gesehen." Prompt antwortet die Kleine: .Sie kennen mich, ich bin doch die Wildsau." Auch der Bär im .Siegfried" ist ein in Bärenfell eingenähter Statist, ja ein Akrobat, der für diese besondere Leistung auch eine besondere Gage ftibert Wir hatten in Berlin bei der Qleuein- ftubicrung von „Kyritz-Pyritz" im letzten Akt, der im Berliner Zoo spielt, einen sehr prominenten Schauspieler im Affenkäfig sitzen, der sich selbst für diese .Rolle" angetragen hatte, denn es machte ihm einen heillosen Spaß, vom Publikum unerkannt hier affige Gebärden und Grimassen zu schneiden. In München verwendeten wir in der Oper „Undine" kaschierte Schwäne, die in dem Schloh- teich hin und hergezogen wurden. In jedem Schwan sah ein kleiner Junge, der die Stahl- spirale für die Kopfbewegungen des weihen Vogels zu ziehen hatte. Diese Lausejungens hatten sich nun verabredet: wie sie in der Mitte der Bühne aneinander vorbeigondelten, nickten sie einander wohlgefällig zu, so daß das Publikum darüber in lautes Lachen auSbrach. Seit jenem Theatertag fahren die Schwäne unbeweglich, „unbemannt", von Kulisse zu Kulisse. Manche von den wirklichen Tieren sind außer Mode gekommen, so z. D. Grane, das Roh, in Wagners „Walküre" weil es sich nicht immer musikalisch einwandfrei, stubenrein und lautlos zu benehmen wußte. Die anderen Pferde, auf die ein Heldentenor xu steigen hat, sind gewöhnlich recht lammfromme Eremplare, die weder vor Musik noch vor Applaus (noch vor Zischen oder Pfeifen) zurück- schrecken und die nur recht merkwürdig gehen, wenn man ihre Hufe in Filzpantoffeln steckt, damit sie nicht zu laut über die Bretter trampeln. Der Maulesel, der in .Bajazzo" mitspielt, steht gewöhnlich in festem Engagement-Verhältnis für diese oft aufgeführte Oper. In München, hatte der Requisiteur neben allerhand angeforderten Kaninchen, Kanarien und Papageien auch einen allerliebsten Affen in voller Verpflegung. Er wurde zum „Grand Lever" der Marschallin im .Rosenkavalier" auf die Bühne gebracht. 3m Lause der Zeit hatte dies gescheite Der gemerft, daß sich die Mitglieder des Schauspiels und die der Oper nicht gerade hold gesinnt waren. Er zog hieraus seine Konsequenzen, glühte huldvoll- tofiegial die Opernkräfte, indessen er gegen da- Schauspielpersonal in hohem Dogen spuckte. 3m .Rosenkavalier" sah er nun, wie der Ochs von Lerchenau, der chn zu gern auf der Bühne stichelte, nach seinem Austritt sich die ominöse heiße Perücke rasch vom Kopf nahm. Als bei der nächsten Aufführung dieser Sttauh-Oper ihn jener Sänger wieder nicht in Ruhe lieh, ritz Der Affe mit einer hastigen Bewegung dem Sänger die Glatze ab, und der arme Bahbuffo mußte unter dem Gelächter des Publikums mit eigenem Lockenschädel die Szene verlassen... Ein Versatzstück, das mit dem giftigen Schweinfurter- grün schön bepinselt war, hatte dieser Affe ab- geleckt und starb so an dem intensiven 3ntevesse für die Theaterdekoration. Bei seinem bedauernswerten Hingang bemerkte pointiert der DerusS- komiker: .Ein Aff' weniger am Theater..." Bei einer Dorstellung von „AllHeidelberg" kam ein Schauspieler mit seinem Dackel an und versicherte hoch und teuer, daß dies der allerbravste aller braven Hunde sei, und er wolle mit diesem dekorativen Tierchen als Student dir Bühne betreten. Der Köter besah sich zuerst wohlgefällig schweifwedelnd das Publikum: dann aber gewahrte er den Souffleur. Das war so etwas wie ein Mensch unter einem Bett. Er zog den soeben noch lustwedelnden Dackelschwanz blitzschnell zwischen die krummen Deine und knurrte. Bellte dann laut, daß das liebe Publikum zu lachen begann. Dieses Benehmen forderte seine empfindliche Hundeseele noch mehr heraus Zu allem ilnglüd war der Souffleur eine Souffleuse, die außerdem arge Angst vor diesen treuen HauStierchen hatte. Sie stöhnte daher verhalten auf. Das war für „Waldmann" das Stichwort für den Beweis eines bösen Gewissens. Mit einem erbosten Satz sprang der lammfromme Dackel jählings in den Souffleurkasten ... Der Dorhang mußte fallen. Ein Feuerwehrmann zog vor dem brüllenden Publikum zuerst die fassungslose Souffleuse und dann den vierbeinigen Mitspieler an die Rampe. Zu mancherlei Ulf müssen Tiere am Theater herhalten. So hatten einmal die Kollegen dem Falstaff eine niedliche Kollektion Goldfischlein in den mittelalterlichen Krug gestiftet, ilnb als man ihn immer wieder zum Trinken aufforberte, mußte er das Wasser deS Bechers vorsichtig durch die Zähne filtrieren. Schon auf den Proben fügen sich die Tiere nicht immer den Anordnungen der Regle 3n der Oper „Kolumbus", die im vorigen 3ah re an der Berliner Staatsoper urausgefuhrt wurde, hatte eine Taube, dem silbernen Käsig enthuschend, zum Schnürboden aufzusteigen. Aber daS verscheuchte Tierchen flog bei der ersten Probe gegen den Zuschauerraum, setzte sich dort auf die ungangbarsten Gesimse hin, flatterte endlich ganz oben hinauf an den Kronleuchter. Lind fast hätte dieser lose Dogel die Abendvorstellung getährdet: denn man kann doch wirklich nicht das Publikum in den Zuschauerraum einlassen, wo eine Taube herum- flattert. Man setzte ihren ständigen Käfig in den Schnürboden, und dort wird sie bis heute gehalten, ■'«mit sie während der DvrstÄlung mit Oberheffen. Landpoft'Beschwerden im Grünberger Bezirk. ♦ Queckborn, 31. Aug. Durch die 3er- kraftung der Landpost im Bezirk G r ü n b c r g haben die Landgemeinden gewch den Dorteil gegen früher, daß sie xwelmal täglich, und auch Sonntag- einmal, ihre Post et* halten. Aber für unfere ®emcinbe ist doch auch ein nicht geringer Rachteil erwachsen. Während früher die Driesbestellung etwa um 9 Llhr vormittag- begann, verzögert he fi