Nr. 178 Erstes Blatt 181. Jahrgang Samstag, 1. August 1951 Eriche»«' täglid), crafca öonwtog» und Feiertag» Beilagen: Du ODuftnert» VUtzener FamUienblLtter Heimat im Bild Die Scholle. ■onats»Bejug«prets: 2.20 Reichsmark und 30 Neichspfennig für Träge» lohn, and) bei Nichterscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. 5ernfprechanfchlLße enitr5ammclnummer225L Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Sieben. postlchecttonto: graeffartoni Main 1168t. GietzemrAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Dmd und Verlag: Vrühl'sche Univerfträir-Vuch- nnö Stctnönidcrd B. tauge ti Gieheru Schrrftleittmg und Seschästrftelle: Zchulsttahe T. Annahme ran Anzeigen für die Tagesnummer ois zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» Klarneanzeigen von 70 mix Breite 35 Neichspfennig, Platzvorschrift 20*,, mehr. Chefredakteur. Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Berantmortlid) für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max FiUer, sämtlich in (Bieben. r Dor neuen Ausgaben. Die Reichsregierung hat zu Anfang der Woche die ersten ausländischen Staatsmänner bei sich zu (Bafte gehabt. 6 t i m | o n, der amerikanische Staatssekretär des Auswärtigen, verbrachte den Sonntag in Berlin Daran schloß sich unmittelbar der Besuch des englischen Premiers Macdonald und seines Außenministers Henderson an. Daß für die uns unmittelbar auf den Nägeln brennenden Probleme der Finanznot und Kredithilfe bei diesen Berliner Besprechungen nicht viel herausspringen konnte, war so kurz nach der Londoner Konferenz, auf der ja diese Fragen mit den Franzosen erschöpfend diskutiert worden waren, von vornherein zu erwarten. Und doch können diese Besuche eine nicht geringe psychologische Bedeutung gehabt haben, wenn, wie wir hoffen, den fremden Staatsmännern Gelegenheit gegeben wurde, die deutsche Not aus unmittelbarer Nähe in Augenschein zu nehmen. Wir sind ja wohl jetzt endlich von der verhängnisvollen, aber leider Jahre hindurch kurzsichtig verfolgten Methode tariert, unseren ausländischen Gästen stets eine glän- zende Fassade zu präsentieren, das sich dahinter verbergende Elend aber schamhaft zu verhüllen. Sie hat bei Ausstellungen, Kongressen, (Empfängen den Ausländern eine Wohlhabenheit oorgetäuscht, die in Wahrheit gar nicht vorhanden war, und zusammen mit dem wenig erhebenden Auftreten gewisser deutscher NeHsnden im Auslande dort eine Mentalität verschuldet, die auf Grund dieser falschen Zeugnisse in einem gänzlich irrigen Optimismus der wirtschaftlichen Kraft Deutschlands Leistungen zugemutet, die jahrelang die Grenzen des Tragbaren weit überschritten und eben nur durch horrende Auslands- Verschuldung aufgebracht werden konnten, die uns jetzt zum Verhängnis geworden ist. Die nüchterne, sachlich klare Art des Reichskanzlers bürgt dafür, daß diesmal den angelsächsischen Staatsmännern reiner Wein eingeschenkt wurde, wenn auch die Zeit dafür vielleicht zu kurz war, ihnen mehr als ober- flächliche Einblicke in das überall knarrende und ächzende (Betriebe der komplizierten deutschen Wirt- schaftsmaschine zu verschaffen. Die Absicht, die sowohl Stimson wie auch Macdonald und Henderson zu ihrer Reise nach Deutschland bestimmt haben mag, war wohl in der Hauptsache, durch ihr persönliches Erscheinen in Berlin einmal den nervös gewordenen ausländischen Kreditgebern für die Wiederkehr des Bertrauens in Deutschlands Wirtschaftskraft Brücken zu bauen, zum andern dem deutschen Volke selber durch die Bekundung der internationalen Solidarität Muk zu machen, nicht vorzeitig die Flinte ins Korn zu werfen. Für den sich in Fieberträumen hin und her werfenden Patienten ist es indessen nur ein schwacher Trost, wenn ärztliche Kapazitäten sich mit Ermunterungssprüchen und gutgemeinten Ratschlägen um sein Bett versammeln, aber die Medizin zu Hause gelassen haben, von der er sich schnelle Heilung seines Leidens versprach. Gewiß ein an sich gesunder und robuster Körper wird aus sich heraus genügend Abwehrkräfte mobilmachen, um eine akute Krankheit zu überwinden und dem Arzt bleibt nur die Aufgabe, diese Abwehrkräfte in ausreichendem Maße in Marsch zu setzen. Ob der deutsche Wirtschatlskörper nach der jahrelangen Unterernährung und dem letzten starken Blutverlust noch dazu von sich aus in der Lage ist, werden die nächsten Monate lehren, der Versuch muß jedenfalls gemacht werden. Denn nur dann, wenn wir die nächsten Monate aus eigener .Kraft, wenn auch auf schmälerer Basis durchhalten, können wir den Anschluß an die nächste Phase internationaler Verhandlungen erreichen, bei denen es sich nicht mehr allein darum handeln kann, durch Gewährung neuer kurzfristiger Kredite dem Patienten eine Spritze zu geben, deren stimulierende Wirkung in kurzer Zeit wieder verraucht ist, sondern die vielmehr an das Moratorium des Hoo- verplans anknüpfen und das Zentralproblem der Reparationen in den Mittelpunkt rücken müssen. Bis dahin müssen wir uns wohl oder übel damit abfinden, daß statt der erwarteten fofortigen Hilfe des Aus- lands in Form einer langfristigen Anleihe, unsere ausländischen Gläubiger sich lediglich dazu bereitgefunden haben, ihre noch in Deutschland befindlichen Kredite weitere sechs Monate uns zu belassen. Das ist natürlich nicht mehr, als jeder Gläubiger einem Schuldner gewährt, den er nicht durch Ab- drosselung seiner Bewegungsfähigkeit zum Konkurs treiben will, wobei ihm dann zumeist nichts ande- res übrig bleibt, als fein Kapital in den Schornstein zu schreiben. Während wir auf dieser zwar stark geschmälerten, aber durch die Stillhalteaktion hoffentlich vor neuen Ueberraschungen ausreichend gesicherten finanziellen Basis unser Haus aus eigener Kraft wieder in Ordnung bringen, werden die für einen späteren Zeitpunkt in Aussicht genommenen Verhaukllungen über neue Kredite für Deutschland, die als Fortsetzung der Londoner Konseren,; gedacht sind, bereits durch Besprechungen internationaler Dank- und Wirtschaftssachverständiger vorbereitet. Dabei sind zwei verschiedene Gremien zu unterscheiden. Einmal tritt in Basel, am Sitz der Bank für internationale Zahlungen (BIZ ), am Montag ein Komitee von Vertrauensleuten der Notenbanken Uifammen, dessen Aufgabe cs fein wird, unter Berücksichtigung der Lage auf dem internationalen Geldmarkt die Möglichkeiten und Voraussetzungen für neue Kredite an Deutschland mit dem letzten Ziel einer großen langfristigen Anleihe zu prüfen. In öiefem Komitee ist Deutschland durch den Hamburger Bankier Melchior vertreten, der schon während der ersten 9)oungplanoerhandlungen in Paris neben schacht unt» Vogler eine Rolle spielte. Sein Gegen- spikler ist der ehemalige Gouverneur der Bank von Frankreich, Moreau, der ebenfalls schon damals 2. Paris ein gewichtiges Wort mitzufprcchen hatte. j=»r Walter Layton, Englands Vertreter in D’efem Ausschuß, ist als Herausgeber der-bekannten Erhöhung des Reichsbankdiökonis auf 15 Prozent. Llebergangsmaßnahme zur Erleichterung des normalen Zahlungsverkehrs. Zunahme der Devisenbestände der Beichsbank. Berlin, 31. Juli. (1DIB.) Amtlich. Bei der Beichsbank fand heule eine gemeinsame Sitzung des (Deneralrales der Beichsbank und des Beichsbankdirekloriums unter Vorsitz des Beichsbankpräsidenten Dr. Luther statt. Die Mitglieder des Generalrats benutzten die Gelegenheit, dem Präsidenten und dem gesamten Direktorium ihr volles vertrauen in die Führung Oer Bank- und Währungspolitik auszusprechen und ihre Anerkennung der Geschäftsführung und der schweren, von Verantwortungsgefühl getragenen Tätigkeit der Beichsbank zum Ausdruck zu bringen. Der Generalrat nahm von dem B e - fchIuh des Beichsbankdirekloriums Kenntnis, den Beichsbankdiskont von 10 auf 15 o. h., den Lombardfah von 15 auf 20 v. h. mit Wirkung ab Samstag zu erhöhen. Die Bücksicht auf die nachteiligen Auswirkungen solch hoher Zinssätze auf die ohnehin schwierige Lage der deutschen Wirtschaft, insbesondere auf die Landwirt sch all, haben die Beichsbank veranlaßt, solange als möglich an den zur Zeit geltenden Sähen festzuhalten, wenn die Beichsbank sich gleichwohl heute im Hinblick auf di? aus Anlaß der bevor stehenden Wiederaufnahme des vollen Zahlungsverkehrs zu erwartenden Ansprüche zur Vornahme der Erhöhung, und zwar gleich in dem erwähnten starken Ausmaße entschlossen hat, so tut sie dies im vertrauen darauf, daß der ll ebergang zum normalen Zahlungs - und Ueberweifungsoerkehr dadurch erleichtert und sie um fo schneller instand gesetzt wird, zu erträglichen Zinssätzen zurück- zu kehr en. Mit Bücksicht aus die Eilbedürftigkeit der Beschlußfassung konnten nur die in Berlin anwesenden und erreichbaren Mitglieder des Zentralausschusfes zur Beratung hinzugezogen werden. * Die wir erfahren, entwickelte sich in der Zentral- ausschußsihung über die Erhöhung des Diskontsatzes eine lebhafte Diskussion. Besonders die Vertreter der Landwirtschaft und einige Banken bezeichneten die heraufsehugg auf 15 o. h. als zu ho ch. Schließlich wurde jedoch zustimmend von der Diskontmaßnahme Kenntnis genommen, dieaIsVorbereitung für b i e Ingangsetzung des normalen Zahlung-oerkehrs am Mittwoch der kommenden Woche anzusehen ist. Die Beichsbank ist sich bewußt, daß der Wirtschaft neue schwere Lasten zugemutet werden, und sie hofft, sobald wie möglich ihre Diskontrate wieder ermäßigen zu können, wenn der Zahlungsverkehr sich wieder eingespielt hat, und die Kreditansprüche an die Beichsbank nachgelassen haben. Selbstverständlich werden die bisherigen Krediteinschränkungen seitens der Beichsbank jetzt weitgehend aufgehoben werden, wie wir noch erfahren, ist der Jlolf numl/iuf der Beichsbank Inzwischen auf 4.4 Milliarden BM. gestiegen. Man erwartet für den Ultimo eine Steigerung auf 4,6 Milliarden. Die Girogelder haben um 200 Millionen Belchsmark zugenommen, und die Dev i sende stände zeigen seit dem 24. Juli eine Z u - nähme von 80 Millionen Belchsmark. Wiederaufrlchfung her Darmstädter und Hationalbanf. Beteiligung der Industrie. — Ausdehnung der Ncichsbürgschast. Berlin, 31. Juli. (WTB) Amtlich. Die Darmstädter und Bationalbanf wird bei Wiederaufnahme des allgemeinen Zahlungsverkehrs ihre Schalter öffnen und alle Zahlungen unbeschränkt (ei ft en. Durch eine verstän- bigung mit der Industrie ist erreicht worden, daß diese die von der Bank und ihr nahestehenden Kreisen aufgenommenen Aktien, die unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden, im Nennwert von 35 Millionen Belchsmark zum Kurse von 125 v. h. übernimmt. Dadurch werden der Bank neue Mittel im Betrage von rund 43 Milllonet, Belchsmark zugeführt. Die 11 u s- fallbürgfchaft des BeIches für die allen und neuen Gläubigerforderungen besteht fort und wird auf alle Wechselverbindlichkeiten und Bürg- schaftsoerpsllchtungen der Bank ausgedehnt werden. Die LuffteUung des Status der Bank hat ergeben, daß die notwendig gewordenen Abschreibungen durch die offenen und stillen Beferoen voll abgedeckt sind. Für später ist eine Verbreiterung der Kapitalbasis der Bank vorgesehen. Die Ausführung dieser Absicht wird geschehen, sobald die Verhältnisse in der Wirtschaft eine klare Beurteilung zu- lassen. Durch die Besprechungen mit der Beichs- regierung und der Beichsbank ist die Gewißheit geschaffen, daß die Bank allen Anforderungen, die durch die volle Aufnahme des Zahlungsverkehrs an sie herantreten können, zu entsprechen vermag. Das der Danatbanf gewährte Sonbermoralorium, das am 31. Juli ablaufen würde, ist durch eine neue Notverordnung bis zum 4. August, dem letzten Tage der allgemeinen Bankfeiertage, ve.läugert worden. Wiederaufnahme des unbeschrankten Zahlungsverkehrs. Stufenweiser Abbau der Beschränkungen bis zum Mittwoch. — Sonder- regelung für Sparkonten. Berlin, 31. Juli. (WTB.) Amtlich. Entspre- chend der Ankündigung der Beichsregierung wird In der kommenden Woche die Aufnahme des normalen Zahlungsverkehrs erfolgen. Ls wird am Montag der unbeschränkte Ueberweifungsoerkehr innerhalb der zum Ueberweifungsverband gehörigen Institute, am Dienstag der unbefchränkte Ueber- weisungsverkehr unter Ausschluß der Ueberweifun- gen auf Postscheck, und Beichsbankgirokonten im übrigen ganz allgemein aufgenommen werden, vom Mittwoch ab werden auch die Ueberwei- fungen auf Postscheck- und Beichsbankgirokonten und die Barauszahlungen aus Kontokorrent. und Giroguthaben unbeschränkt zulässig sein, während Abhebungen von Sparkonten bei Banken, Sparkassen und Genossenschaften zunächst noch gewissen Beschrän- fangen unterworfen werden. Die Verordnung, die die Einzelheit regelt, wird im Laufe des Samstag erlassen werden. Ein wirischastspotiiisches Programm. Das Reichskabinctt geht an die nächste Ausgabe heran. Berlin, 31. Juli. (END.) Die amtliche Mitteilung über die Wiederherstellung des freien Zahlungsverkehrs in der nächsten Woche ist der Niederschlag des Hauptsächlichsten, was in der heutigen Abendsihung des ReichSkabi - netts beraten worden ift. Nachdem diese finanztechnischen Beschlüsse gefaßt worden waren, ift das Kabinett in Form einer MinistLrbesprc- chnng noch zusammen geblieben? um sich mit wirtschaftspolitischen Maßnahmen zu befassen, die in nächster Zeit ergriffen werden sollen. 3n Kreisen des Reichskabinetts ist man sich darüber klar, daß ein klares Wirtschaftsprogramm dringend erforder- l i ch ist. sobald wir über das rein Banktechnische wieder hinausgekommen sind. Es liegt aber auf der Hand, daß alle Entschlüsse gerade auf diesem Gebiet mit besonderer Sorgfalt vorbereitet und durchgeführt werden finanzwirtfchaftlichen Zeitschrift „CEconomifr seit langem Verfechter einer Lösung des Kriegsschulden- und Reparationsproblems, die die wirtschaftlichen Möglichkeiten und die weltwirtschaftliche Verbundenheit der Volker nicht außer acht läßt. Die andere Gruppe von Sachoerständiaen, von denen der schwedische Bankier Wallenberg und der amerikanische Berater der Bank von England, S p r a g u e, bereits ihre Tätigkeit aufgenommen haben, ift vom Reichskanzler nach Berlin gebeten worden, um auf Grund einer genauen Prüfung der deutschen Wirtschaftslage ein Gutachten zu erstatten, das der Reichskanzler bei der Fortführung der Kreditverhandlungen zu verwenden gedenkt, das er aber wohl besonders bei der Wiederausrollung des Reparations- Problems ins Treffen führen wird. Zumindest bei dem erstgenannten Ausschuß der BIZ. ist die Aus- sicht gering, daß auf rein banktechnischem Wege ohne Beruhruna politischer Punkte ein greifbares Ergebnis zustande kommt. Darüber dürfen wir uns heute schon keiner Täuschung bingeben. Die fortgesetzten schweren Angriffe französischer Finanzkreise aus das englische Pfund haben, mögen auch andere Motive mitspielen, in der Hauptsache doch hochpolitische Hintergründe. Daß die Reparationsfrage in allernächster Zeit wieder auf die Tagesordnung kommen wird, darüber ist man sich seit dem Hoovcrmoratorium im klaren. Dazu droht noch d e Abrüstungskonferenz, auf der die Franzosen von Amerika scharf bedrängt zu werden fürchten. So suchen sie von langer Hand England mütäe zu machen, wozu um so mehr Aussicht besteht, als im britischen Kabinett selber über die Stellung zu Frankreich keine ein- herrliche Meinung besteht. Während der Schahkanzler Snowden bereit ift. sich gegen die französischen Angriffe zu wehren und keine Der- quickung politischer Forderungen mit finanziellen Dingen zulassen möchte, neigt dcr Außenminister Henderson zum Rachgeben, weil er als designierter Präsident der Abrüstungskonferenz von einem neuen Desastre in Genf für sein Prestige fürchtet. 3n jedem Falle wäre es aber eine gefährliche Illusion. Arm in Arm mit England könnten wir Frankreich in die Schranken fordern. Der englische Besuch in Berlin hat diesem Gedanken neue Rahrung gegeben. Doch Macdonald hat stets unterstrichen, daß England nur die Rolle eines Mittlers übernehmen wolle, und selbst das sieht man in Paris nicht grade gerne. Mehr aber kann England heule fo wenig wie früher, seitdem es in Versailles mit der Knebelung Deutschlands die Trümpfe aus der Hand gab. die es gegen ein unbequemes Frankreich hatte ausspielen können. Wenn Macdonald vor der Berliner Presse die „Balance ot power". das Gleichgewicht der Mächte, als ein antiguierteS Mittel der Dortriegsdiplomatie abtat, so wird man den britischen Premier doch fragen müssen, ob er in der unbestrittenen finanziellen und politischen Hegemonie Frankreichs eine bessere Grundlage für das Zusammenleben der europäischen Böller sieht. Grade England hat ja diele einseitige Verlagerung der Kräfte auf dem europäischen Kontinent oft genug empfindlich zu spüren bekommen und es wird wiederum ohnmächtig zurückwe chen. wenn Frankreich wirklich alle Minen fpr.ngen läßt. Selbst Amerika spürt ja heute die Folgen feiner Politik ängstlicher Zurückhaltung, die die Rachfolger Willons gegenüber europäischen Dingen befolgt haben, mit dcr sic aber Frankreich so groß werden liehen. daß es sich erlauben kann, auch Reuhork unter Druck zu setzen. Um die Auseinandersetzung mit Frankreich kommen wir also nicht herum. Aber das in Paris begonnene Gespräch wird mit Nutzen erst dann fortgesetzt, wenn wir unsere finanzielle Position aus eigener Kraft wieder gefestigt Haden. Dazu gehört, daß wir nun endlich aus dcr schon viel zu lange dauernden Episode des Von-der-Hand-in-den- Mund-lebens wieder zu stabilen Verhältnissen kommen. Die Frage „Hat der Reichsbankpräsi- dent sich richtig verhallen?" ift in dielen Tagen viel erörtert worden und hat die verschiedensten AnNvorten gefunden. Aber darüber herrscht eine Meinung, daß es mit der bisher befolgten Methode nicht weiter geht, wenn nicht alle Zweige der Wirtschaft unwiederbringlichen Schaden erleiden Tollen. Bankfeiertage sind zwar schnell verordnet, aber der einmal gedrosselte Zahlungsverkehr ist nicht fo schnell wieder in Gang zu bringen. Und ein Teilmoratorium, das man den Banken mit der Einrichtung der Bankfeiertage gewährte, löst — psychologisch begreislich — Wirkungen aus. die das ganze Wirtschastsleben in Einordnung bringen und auch die Staatskassen nicht unberührt lassen. Man kann also nicht schnell genug mit einer Methode Schluß machen, die nur über Tage hinweghelfen sollte, mit der nun aber schon zwei Wochen operiert wird. Nachdem nun die Stillhalteverhandlungen mit den Auslandgläubigem zum Abschluß gekommen sind und der schwierige THonatdultimo vorüber ist, entfällt für die Reichsbank auch der letzte stichhaltige Grund, sich einer Oessnung der Bankhalter noch länger zu widersetzen. Das hat offenbar auch die Reichsbankleitung erkannt und als Vorbereitung für das Wiederingangsehen des unbeschränkten Zahlungsverkehrs eine weitere sehr beträchtliche Diskonterhöhung vorgenommen. Daß damit der Wirtschaft in schwerer Depressionszeit neue Lasten auferlegt werden, die die Oren^e des Erträglichen fast überschreiten, darüber ist man wohl einer Meinung. Anders ist es jedoch, ob eine Wiederingangsetzung des unbeschränkten Zahlungsverkehr mit dem dabei zweifellos zu erwartenden erhöhten Anspruch an den Rotenumlauf ohne die jetzt vorgenommene scharfe Diskonterhöhung möglich war. Daß diese in jedem Falle nur eine Llebergangsmaßnahme darstellen kann, die als Brems« gegen unberechtigte Inanspruchnahme des Reichs- bankkredits dient, hat auch die Reichsbankleitung in ihrem Kommunique klar zum Ausdruck gebracht. So wird man die Maßnahme der Reichsbank, die nur in engster Verbindung mit ben für die unbeschränkte Wiederaufnahme des Zahlungsverkehrs erfolgten Regieruiigsverord- nungen zu denken ist, begrüßen müssen als einen schon viel zu lange hinausgezöaerten Abschluß einer wenig zielsicheren Politik, die der ge- famten deutschen Wirtschaft schon in diesen beiden Wochen schweren Schaden zugefügt hat. Rur eine feste Hand und ein klares Programm bei Reichsbankleitung und Kabinett können eine Krisis überwinden, die zu einem guten Teil eine Krisis des Vertrauens ist. müssen. Man kann deshalb annehmen, daß noch eine Reihe von Beratungen notwendig sein wird, ehe das Kabinett zur definitiven Regelung kommt. Das ist um so eher zu erwarten, als man Natürlich zunächst einmal absehen muh, wie die bank- und zahlungsmähige Entwicklung nach der vollkommenen Wiedereröffnung der Schalter läuft. Aus politischen Kreisen erfahren wir, daß u. a. an ein Ausfuhrverbot der Reichsmark, ferner an ein Verbot, ausländische Wertpapiere zu handeln, und endlich an eine Zwangsbewirtschaftung für Devisen gedacht wird, für die ein R eich s ko mm is sa r bestellt werden soll. Man erwartet, dah noch im Laufe des Samstags eine entsprechende Rot- vervrkmung erlassen werden wird. Reichsbeteiligung an der Dresdner Bank. Kapitalerhöhung um 300 Millionen Mark. Berlin, 31. 3ull (TA.) Bereits seit Tagen schweben Verhandlungen zwischen dem Reich und der Dresdner Dank mit dem Ziele, die Kapitalkraft der Dresdner Dank ganz erheblich zu st ä r k e n. Es hat sich dies als notwendig erwiesen, weil durchaus unbegründete Gerüchte über eine besondere Illiquidität der Dresdner Dant.die seit Wochen in allen Teilen des Reiches umliefen, die Gefahr einer besonders starken Inanspruchnahme der Dank bei der Wiederherstellung des freien Verkehrs heraufbeschworen hatten. Wie der DHD. erfährt, sind die Verhandlungen hierüber jetzt im wesentlichen abgeschlossen. Es ist beabsichtigt, das Kapital der Dresdner Dank um 3 0 0 Millionen Mark z u erhöhen durch Ausgabe von 300 Millionen Mark Vorzugsaktien, die das Reich übernehmen soll. Die einzelnen Modalitäten der Aktienausgabe stehen noch nicht fest, doch ist, wie anderweitig vielfach behauptet wird, nicht beabsichtigt, die neuen Aktien zunächst nur mit 25 v. H. einzuzahlen. Die neuen Mittel sollen vielmehr von vornherein der Dresdner Dank voll zur Verfügung stehen. Der Status der Dresdner Dank wird durch diese Transaktion so außerordentlich gestärkt, dah die fälligen Verbindlichkeiten der Dank alsdann nureinenDruchteil der zur Verfügung stehenden flüssigen Mittel ausmachen. Ob die Reichskreditgesellschaft in die Transaktion eingeschaltet wird, steht noch nicht fest. Es soll die Möglichkeit vorgesehen sein, das Dorzugs- kapital schrittweise wiederabzubauen. Wie wir erfahren, steht die endgültige Regelung dieser Transaktion unmittelbar bevor. Der Aufsichtsrat der Dresdener Dank tritt im Laufe des Samstagnachmittag zusammen, um über die Transaktion Beschluß zu fassen. Wer wirdWirtschastskommissar? Das Handwerk bittet um Berücksichtigung des gewerblichen Mittelstandes. Berlin, 31. Iuli. (TA.) Der Deut sche Handwerks -undGewerbekammertag und der Reichsverband des Deutschen Handwerks haben an den Reichskanzler eine Eingabe gerichtet, in der es heißt: „Die Reichsregierung beabsichtigt nach Pressenachrichten die Bestellung einesReichs- kvmmissars für Finanz- und Wirtschaft. Die Ramen, die im Zusammenhang hiermit in der Presse genannt werden, lassen erkennen, dah dieser Kommissar wiederum aus den Kreisen der Grohwirtsch aft entnommen werden wird. Um so notwendiger erscheint uns die Herbeiführung einer unmittelbaren Füh- . lungnahme von Handwerk und Gewerbe mit der Reichsregierung. Wir halten es in diesen Aus- V nahmezeiten für eine staatspolitische Rotwendig- keit, dah dem gewerblichenMittelstand " das bittere Gefühl derDernachlässi- gung und Vereinsamung genommen wird, das in den letzten zehn Iahren mehr und mehr in diesen Schichten Platz gegriffen hat. Dem Herrn Reichskanzler unterbreiten wir daher in unserer ernsten und Wohl verständlichen Sorge um die Aufrechterhaltung der Wirtschaft des gewerblichen Mittelstandes die dringende Ditte, darauf bedacht zu sein, dah bei allen Maßnahmen, die in der Reichsregierung für die Aeberwindung der Wirtschaftskrise vorbereitet werden, ein s a ch - verständiger Vertrauensmann der mittel st ändischen Wirtschaft beteiligt wird." Ferner wird in der Eingabe darauf hingewiesen, daß wir vor allem in dem Gefühl der Masse und in der öffentlichen Meinung des Volkes eine Rehabilitierung des Erwerbsstrebens und der wirtschaftlichen Leistung sowie eine gerechtereDewertung derIni- tiative des persönlich schaffenden Anternehmers brauchen. Deutschland braucht Selbstvertrauen. Eine Unterredung mit Sprague. D e r l i n, 31. Iüli. (ERD.) Professor Sprague, der amerikanische Finanzsachverständige und Berater der Dank von England, der zur Zeit in Berlin weilt, gewährte einem Mitarbeiter des „Berliner Börsencouriers" eine An- terredung, in der er zur Frage der Still- halteaition erklärte, es sei nicht notwendig, daß jede kleine Dank in dem Stillhaltekonsor- tium vertreten sei. Es genüge, daß der Löwenanteil gesichert sei und daß 90 Prozent der Verpflichtungen eingehalten werden. Eine weitere Zusammenlegung deutscher Danken hält Sprague für nicht durchführbar. Auf die Frage, ob Deutschland genügend Sicherheiten für ein« langfristige Anleihe biete, antwortete Sprague, die deutsche Industrie befinde sich in zufriedenstellendem wirtschaftlichem Zustande. Die deutsche Export- und Jmportbilanz sei bei den jetzigen Verhältnissen sehr günstig. Auf der jetzigen Grundlage könne eine aktive Bilanz zwischen einer und zwei Milliarden erreicht werden. Das Wichtigste, dessen Deutschland gegenwärtig bedarf, ist, so erklärte Sprague, Selbstvertrauen, Vertrauen zu den eigenen Danken, zur Regierung und zur Finanz. Wenn die De- völkerung zu sich selbst kein Vertrauen hat, kann niemand helfen. Was augenblicklich getan werden muß, ist die sofortige Wiedereröffnung des Zahlungsverkehrsder Danken und die Aufhebung der Restriktion. Das Verhalten des deutschen Volkes würde dann der Prüfstein sein, ob es zu sich selbst Vertrauen hat. Es würde vernünftig sein, zu erwarten, Die Bildung des Basler Sachverständigen-Komitees. Ein amtliches Kommunique der BZJ. Dasel, 31. Iuli. (WTD.) Die Dank für Internationalen Zahlungsausgleich hat heute folgendes Kommunique ausgegeben: Die Londoner Konferenz vom Iuli 1931 hat die Dank für Internationalen Zahlungsausgleich aufgefordert, ohne Verzögerung ein Komitee von Fachleuten zu ernennen, um die notwendigen weiteren Kreditbedürfnisse Deutschlandszu prüfen und die Möglichkeit einer Konvertierung eines Teiles der kurzfristigen Kredite in langfristige zu versuchen. Gemäß dieser Einladung gibt die Dank für Internationalen Zahlungsausgleich bekannt, dah das im Verfolg dieser Resolution einzusehende Komitee, das heute gewählt wurde, aus folgenden zehn Mitgliedern besteht: Alberto Beneduce, Presidente del Consorcio Credito per le Opera pubbliche, Rom. Dr. R. B- B indsch edler, Präsident des Der. waltungsrates der Schweizerischen Kreditanstalt in Zürich. P. Hofstede de Groce, Generaldirektor der Amsterdamschen Bank. Emile F r a n c q u i, Bizegouverneur der 8oci6t6 g£n£rale de Belgique, Bruxelles. Sir Walther T. Sagten, Redakteur des „Economist" London. Dr. Karl Melchior, Teilhaber der Firma Warburg & Co., Hamburg. Emile Moreau, Präsident des Derwaltungs- rats der Banque de Paris et des Pays-Bas. Oskar Rydbeck, Direktor der Skandinavisk Creditaktiebolaget, Stockholm. T. Tanaka, Vertreter in London der Bank von Japan. Albert H. Wiggin Präsident des Verwaltungsrates der Chase National Bank, Reuyork. Datum und Ort der ersten Sitzung des Komitees wirb im Laufe der Sitzung der Gouverneure der Zentralbanken besprochen werden, welche am Sonntag, dem 2. August, in Dasel stattfindet. Das amerikanische Mitglied des Komitees wird Reuyork am 1. August verlassen. öer amerikanische Banksachverständige. Wallstreet begrüßt die Ernennung WigginS Reuyork, 31. Iuli. (TA.) In Wallstreet» kreisen betrachtet man di« Ernennung Albert W i g g i n s, des Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Chas« Rativnalbank, zum amerikanischen Mit- ?lied des in London vorgeschlagenen Fina nz- v m i t e e s aus zwei Gründen für «inen überaus glücklichen Griff: erstens sei Wiggins seit langem derwärmsteDefürwortereiner Aufrvllung des gesamten Schulden- Problems, zweitens dürften seine Empfehlungen unter den amerikanischen Kollegen am meisten gelten, da er der Leiter der größten Dank der Dere inig ten Staaten sei, die sich gleichzeitig auherordentlich stark für die deutsche Wirtschaft interessiere. Obgleich hervorgehoben wird, dah Wiggin keinerlei Vollmachten der Federal Reservebank mitnimmt, ist es doch beachtenswert, dah seine Ernennung von George Harrison, dem Gouverneur der Reu- Yorker Federal Reservebank bekanntgegeben wurde. Wiggin reist morgen mit dem Dampfer „Ile de France" nach Dasel. Wiggin erklärt, er könne Einzelheiten über die Aufgaben des Komitees nicht vor seiner Ankunft in Guropa erörtern. Heute konferiert« er den ganzen Tag über mit führenden Dankiers. Wallstreet erwartet schnelles Handeln. Reuyork, l.Aug. (WTD. Funkspruch.)Anter den Dankiers, die gestern mit Albert Wiggin eine Besprechung hatten, befanden sich Parker Gilbert, Dussel Lefsingwell, Thomas Coch r a n , sämtlich von I. P. Morgan & Co. sowie Paul Warburg. Wiggin wirb am Ende der Woche in Basel eintreffen. Die Morgenblätter, die sich eingehend mit den Aufgaben des DIZ.- Komites beschäftigen, nehmen an, der Ausschuh werde bald zu Entscheidungen kommen, da ein erheblicher Teil der Vorarbeiten bereits durch Deutschland erledigt worden sei. Ein Blatt nimmt an, dah daS Programm des Komitös innerhalb eines Monats fertig ausgearbeitet fein werde. „Herald Tribüne" erklärt, in Bankkreisen erwarte man, dah das Kornits, da es aus führenden Bankwelten bestehe, großen Cinfluh aufdie DildungderöffentlichenMei- nung zu der Frage einer langfristigen Anleihe für Deutschland haben werde. Irn Zusammenhang damit wird in Dankkreisen erneut betont, daß es durchaus notwendig sei, eine baue rnde und nicht nur eine vorübergehende Losung der deutschen Probleme zu finden. Deutschland könne als ein durchaus guter Schuldner für langfristige Anleihen angesehen werden, wenigstens unter der Voraussetzung, dah die Reparationen wesentlich herabg «setzt würden. Für die jetzt dringende Frage der kurzfristigen Kredite wurde ein Ausschuß der Reuyorker Danken gewählt, in dem alle Danken mit größeren deutschen Kreditbeteiligungen vertreten sein werden. daß bann die DIZ. Wege find«, um einen Teil der kurzfristigen Kredite zu finanzieren. Die angebliche Pfändung deutscher Kunstwerte. Paris, 31. Iuli. (TA.) Rachforschungen über den von Havas gemeldeten angeblichen Plan, Deutschland eine Anlei he von einer Milliarde Franken gegen die Verpfän- dung deutscher Kunst werte zu gewahren, ergaben, daß in den hierfür in Frage kommenden Kreisen von einem solchen Plan nichts bekannt tft Man ist der Auffassung, daß die französischen Kunsthändlerkreise selbst viel zu wenig bemittelt wären, als baß sie überhaupt daran denken könnten, deutsche Kunstwerte zu beleihen. Englands Sparprogramm. Das Kabinett prüft die Borfchläge. L o n d o n, 31. Iuli. (WTD.) Der Dericht des Rationalen Wirtschaftskomitees wird, wie Premierminister Macdonald heute im Unterhaus« mitten te, einem von der Regierung eingesetzten „Fünf - Männer - Ausschuß" zum Studium während der Parlamentsferien überwiesen werden. Der Ausschuß besteht aus dem Premier- minister selbst, ferner aus Snowden, Henderson, dem Staatssekretär der Dominions Thomann und dem Präsidenten des Handelsamts Graham. Die wichtigste vorgeschlagene Sparmaßnahme ist die Herabsetzung der Arbeitslosenun- terstützungssäh« um 20 Prozent und die Erhöhung der wöchentlichen Beiträge um je 10 Pence. Gleichfalls um 20 Prozent sollen die Gehälter der Lehrer gekürzt werden, die der Polizisten um 12,5 Prozent. Di« Entlohnung der Truppen soll nach den Sähen des IahreS 1925 erfolgen. Auch die Pensionen der Offiziere zu kürzen wird vor» geschlagen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Anregung, die Kosten der Flottenver- tetbigung zu vermindern, ohne, wie der Bericht sagt, die nationale Sicherheit zu gefährden. Daneben werden noch eine Reihe von kleineren Einsparungen anempfohlen. An sozialen Lasten sollen 1,75 Milliarden Mk. eingespart werden. Die weiter vorgeschlagenen Einsparungen bringen die Gesamterspamis auf 9,17 Milliarden Mark. Der Bericht rechnet mit einem Fehlbetrag im laufenden Haushalt von 2,4 Milliarden Mark und glaubt, daß unter Amstän- den auch ein Anziehen der Steuerschraube notwendig ist, um den Haushalt zu balancieren, da sich die erwähnten Sparmaßnahmen zunächst nicht voll auswirken werden. Der Bericht hat in der englischen Öffentlichkeit ein erhebliches Aufsehen erregt. Die beiden Arbeitermitglieder des Sparkomitees haben in einem Mrn- derheitsbericht gegen verschiedene Punkt« Protest erhoben. Briand geht zur Erholung aufs Land. Paris, 31. Iuli. (TA.) Der Gesundheitszustand des französischen Außenministers Briand scheint trotz der beruhigenden Mitteilungen der behandelnden Aerzt« außerordentlich stark angegriffen zu sein. Briand, der von den Londoner Besprechungen schon krank zurückkehrte, fühlte sich bereits am Mittwoch viel zu schwach, um an dem Minister- rat teilzunehmen. Itz seiner Umgebung betont man, baß ber Außenminister seelisch und körperlich gebrochen sei unb es sich im Augenblick noch nicht voraussehen lasse, ob er an ber Septembertagung des Völkerbundes teit- nehmen können wird oder nicht. Die Aerzte haben ihm strengste Diät angeordnet und jeglichen Tabakgenuß untersagt. Briand wirb vorläufig fern von den politischen Wirren mehrere Wochen auf seinem Lanb- g u t verbleiben unb sich von dort an die Küste begeben, wo er eine Fischerbarke erstanden hat. Seine Rückreise nach Paris ist vorläufig noch ganz unbestimmt. Auch fein Besuch in Berlin dürfte unter diesen Amständen fraglich geworden sein. Während seiner Abwesenheit werden, da eine offizielle Vertretung nicht vorgesehen ist, die Geschäfte von Ministerpräsident Laval gemeinsam mit dem Generalsekretär Derthe- lv t geführt werden. Aufruf der Dolkspartei zum Volksentscheid in Preußen „Für ein kraftvoll regiertes Preußen als feste Stütze nationaler Politik im Reich." Berlin, 31.Iuli. (DDZ.) Der Vorstand der Deutschen Volkspartei hielt heute im Reichstag eine Sitzung ab, an ber auch Außenminister Dr. Curtius teilnahm. Rach einem Bericht des Parteiführers Dinge lbey über die politische Lage wurde beschlossen, einen Aufruf für den Volksentscheid herauszugeben, der folgenden Wortlaut hat: An unsere Freunde! Am 9. August 1931 findet in Preußen der Volksentscheid über die Frage der Aufhebung des Landtags statt. Die Deutsche Dolkspartei, die fast sieben Iahre gegen die Politik der herrschenden Parteigruppierung im Preußischen Landtag gekämpft unb deshalb von Anfang an dem Volksbegehren zugestimmt hat, erwartet von ihren Anhängern, daß sie ihrer Ablehnung gegen bi« bisherige Kvalitionspolitik durch ihre Stimmabgabe für die Auflösung des Landtags Ausdruck geben. Wir treten ein für ein sachlich und kraftvoll regiertes Preußen, das eine feste Stütze nationaler Politik im Reich« fein muß. Der Parteivorstand der DVP. Eine Llnterredung Oingeldey-Hiiler, Berlin, 31. Iuli. (VDZ.) Dem Nachrichtenbureau des VDZ. wird von maßgebenden Kreisen der DVP. bestätigt, daß eine Unterhaltung zwischen dem Vorsitzenden der DVP. Dinge ldey unb Adolf Hitler stattgefunden habe. Das Gespräch sei aber ohne Zeugen vor sich gegangen, so baß alle bisherigen Pressenachrichten über den Inhalt jeder Grundlage entbehrten. Es sei nicht über finanzielle Dinge verhandelt worden, sondern über rein politische Fragen mit dem Zweck, sich über die gegenseitige Auffassung zu den politischen Angelegenheiten zu unterrichten. Die Rationalliberale Korrespondenz erklärt, di« Unterredung habe weder etwas mit ber Stellung ber Deutschen Volkspartei zum Volksentscheid in Preußen, noch irgendetwas mit der grundsätzlichen Politik der Deutschen Volkspartei zu tun. Cs war eine al lgemeineAus- fprache über die politisch« Sage, wie sie in der Parlamentszeit im Reichstag oft täglich zwischen den Führern der verschiedensten Parteien vorkommt. Kleine politische Nachrichten. Der Herr Reichspräsident hat den Reichsminister a. D. Dr. Ge ßler zum Kommissar der freiwilligen Krankenpflege ernannt, nachdem der langjährige Inhaber dieses Ehrenamtes, Fürst v. Hatzfeld, wegen hohen Alters um Entbindung von seinen Diensten gebeten hatte. Reichskanzler Dr. Brüning hat dem Fürst» erzbischof von Breslau, Kardinal Dr. Bertram, anläßlich seines goldenen Priesterjubiläums und des 25jährigen Bischofsjubiläums, zugleich im Ramen ber Reichsregierung, telegraphisch die herzlichsten Glückwünsche ausgesprochen. * Vorstand unb Fraktion der Deutschen Staatspartei traten zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen, in ber ber Vorsitzende ber Reichstagsfraktion. Abg. Weber, die politische Lag« erörterte. Auch ber preußisch« Finanz- minister Dr. Hopker-Aschoff machte Ausführungen zur finanz- unb wirtschaftspolitischen Situation. Es würbe besonders der Wunsch nach einem klareren innen- unb außenpolitischen Kurs ber Reichsregierung laut. • Das Desinben Lloyd Georges hat nach einer ruhig verbrachten Rächt eine weitere Besserung erfahren. Man rechnet damit, daß er sich jetzt außerhalb ernstlicher Gefahr befindet, vorausgesetzt, baß keine unvorhergesehenen Komplikationen ein treten. Aus aller Welt. Elisabeth-Feier der Fuldaer Difchofskvnferenz. Heut«, Samstag, treffen bie bayrischen unb preußischen Bischofs -wie alljährlich, in Fulda zur Dischofskonferenz ein, bie am Montag ihre Beratungen aufnimmt. Am Sonntag, 2. August, wirb in Gegenwart bes Episkopats die 700-Iahrseier ber Heiligen Elisabeth. Landgräfin von Thüringen, begangen. Im Dom wirb unter Assistenz aller übrigen Bischöfe ber Vorsitzende der Fuldaer Dischoftskonferenz, Kar- dinalsürsterzbischoft Bertram von Breslau, «in feierliches Pontifikalamt zelebrieren. Rach dem Evangelium wird Kardinalerzbischof Faulhaber von München bie Festpredigt halten. Rachmittags folgt in dem Festsaal unter Teilnahme des gesamten zur Konferenz versammelten Episkopats die Festvcrsammlung. Sie Festrede hält der Universitätsprofessor unb Domprobst D. Donders aus Münster i. W. Goldenes Dofforjubiläum Professor kossinnas. Der Gründer der Gesellschaft für Deutsche Vorgeschichte, Geheimrat Profestor Dr. Gustaf Kos- s i n n a , feiert am 2. August sein goldenes Dok- torjubUäum. Kossinna ist als der Bahnbrecher der deutschen Archäologie anzusprechen, da er überhaupt erst den Anstoß zu vorgeschichtlichen Studien unb damit zu der Wissenschaft des Spatens in Deutschland gegeben hat. Diese Arbeit hat er systematisch organisiert. Lange Iahre leitete Kossinna den archäologischen und prähistorischen Apparat der Universität Berlin. Bekannt sind seine Werk« „Die deutsche Vorgeschichte" und „Indogermanen". Sie geben einen Ueberblick über bie in Deutschland bereits geleistete Forscherarbeit auf diesem Gebiet. Die Gesellschaft für Deutsche Vorgeschichte überreicht ihrem Gründer an feinem Ehrentage eine Adresse, die das Porträt des Iubilars zeigt, das von dem Berliner Maler Dusoni hergestellt ist. Ein italienischer Bewerber um bas Blaue Band. In Genua soll am Samstag ber neue große italienische Ueberfee-Schnellbampfer „R e x'^ der Ravigazione Generale Italiana vom Stapel laufen, ber für bie Linie Genua—Reuyork bestimmt ist. Der „Rex" soll bis 28 Knoten entwickeln können, wäre also ein gefährlicher Konkurrent um das Blaue Band für bie „Bremen" unb bie „Europa". Der auf ber Ansolda-Werft gebaute „Rex" ist seiner Wasserverdrängung von über 50 000 Tonnen nach etwa zwischen bie „Derengaria" unb bie „Bremen" zu setzen, wäre also baßer ber biertgrößte Ueberseedampfer ber Welt. In ber italienischen Handelsmarine wirb er mit seinem Schwesterschiff „Graf von Savoyen“, ben der Lloyd Sabando gebaut hat, den ersten Platz einnehmen. Der „Rex" war am 27. April 1930 auf Kiel gelegt, ist also sehr schnell bis zum Stapellauf gediehen. Das über 268 Meter lange Schiff wiegt zum Stapellauf mit allem Drum und iSran über 16 000 Tonnen. Oie Wetterlage. \irc n ’5U '5 narb bedeext. Q woixig, ® oewecxi w Schnee a Graupeln, e Mebel K Gewitter,(§)win«ttlie.O seh» «icnter Ost «lässiger Südsüdwest. <5 stürmische» nordwesl oie Pfeile fliegen mit dem winde Die beiden Stationen stehenden Zat> ten geben die Temperatur an. Pie Linien verbinden Orte mll gleichet* auf Meeresniveau umoercxhnele» Luftdruck Wettervoraussage. Flacher hoher Druck hat über Deutschland an Ausdehnung gewonnen, der in unserem Bezirk eine wesentliche Besserung verursachte. Obwohl über der Biscaya eine Storung lagert, so dürfte sie keinen nennenswerten Einfluß auf die Wetterlage gewinnen. Im wesentlichen bleibt für uns der gegenwärtige Witterungscharakter bestehen. Vorhersage für Sonntag: Stellenweise dunstia ober bewölkt, sonst vielfach aufheiternd, tagsüber warm und trocken. ßufttemperaturen am 31. Juli: mittags 23,5 Grad Celsius, abends 16,8 Grad: am 1. August: morgens 14,6 Grad. Maximum 23,5 Grad, Minimum 13,7 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 81. Juli: abends 23 Grad; am 1. August: morgen? 13,4 Grad. — Sonnenscheindauer 9% Stunden. Aus der Prvvinzialhaupifiodt Dießen, den 1. August 1931. Schwalben über der Stadt... G» find die kleinen Geschenke, die un- wahrhaft erfreuen — nein, innerlich glücklich machen. Die fleinen Geschenke, di« häufigen und al» solch« kaum noch beachteten, die den Alltag versonnen und den kleinen, zarten Anstoß -um Weiter- schaffen geben, wenn einmal wieder die Wut» losiakeit kommt und da» Wgleiien in stumvfe Resignation. Kleine Geschenke, wie sie oft da» Leben oder di« Ratur un» liebenswürdig-verschwenderisch in den Schoß wirft — man muh sie nur sehen und ihre glückhafte Bedeutung begreifen. Lieber die Großstadt ist viel geredet und viel gezetert worden. Sehr oft mit Recht Räm- lich dann, wenn der Gtadtmensch zum einseitigen Begriff geworden ist und nicht mehr daran denken kann, daß e» draußen, gar nicht foweit vom Jagen der Vteinstraßen und dem Brüllen der Hupen, weite, leuchtende Kornfelder gibt, in denen der Mohn flammend glüht und der warme Svmmerwind zärtlich wühlt Wenn der Mensch die Beziehung zu dem verliert, wa» Ursprüngliche» ist und an sich Kraft zur Schönheit und zur selbstverständlichen Gröhe oat — denn da» ist Ratur —. dann wird er seelisch sehr arm und verwechselt den Erfolg der Oberfläche mit dem tieferen Sinn' seine» Sein». Für ihn und deshalb schwingen sich Schwalben über der Stadt, jubelnd« Künder uralter Lebensfreude und schwereloser Lösung von dumpfer Grdgehundenheit. In ihrem schwebenden Schwung überwindet sich di« Ratur selbst mit ihrer körperlichen Begrenzuna ruhender Materie. Allen Gesetzen der Schwerkraft zum Hohn jagen die schlanken Segler de» Svmmerwind» um die steinernen Türme, die geduckten Dächer, Symbol de» Jen- seitsstrebenS alle» Bergänglichen, Verkörperung aller seelischen Sehnsüchte. Mittlern gleich zwischen Mensch und Unendlichkeit. Sie sind Geschenke der ursprünglichen Allnatur und Geschöpfe einer heroischen Laune, eigen» zu dem Zweck in die durchsichtige Bläue deS Himmel» geworsen, unfern technischen Größenwahn zu verspotten und in der Unerhörtheit schwebender Kurven, in der Eleganz ihrer Sicherheit stürmenden Fluge» die Unvollkommenheit der Maschine zu. verewigen. Jede ihrer Bewegungen, jede kleinste Phase ihre» leuchtenden Schwünge» ist schön und Überzeugend in ihrer Selbstverständlichkeit ... Ihr harter Schrei gellt in die vsfenen Fenster, e» ist gut und von Wert, ihm nachzulauschen und seine Sprache ewiger Ruhelosigkeit zu verstehen In diesem Schrei liegt Wildheit und Fernensehnsucht. Kampfruf de» nie verharrenden und Unermüdlichen, in ihm liegt unersättlicher Drang nach Sommer und Sonne und Lebens- hunger ohnegleichen ... Richt» Schönere» gibt e» al» den Flug der Schwalben über dem Abend der Stadt. Geschenk ist e». kleine» Geschenk, verschwenderisch hinge- worsen in den Alltag der Maschinen und Kontore. DaseinSbejahung und Unendlichkeit»glmlbe in ein». Schwalben sind wie Seelen werkmüder Menschen, sehnsüchtige Seelen, die ihre Schwingen in den abendblassen Rand des Himmel» tauchen. v.M. Zuschläge für Sieuerrückstände. Don der Stadtverwaltung wird un» geschrieben: Bekanntlich lind nach der Verordnung de» Herrn Reichspräsidenten vom 20. Juli 1931 für vor dem 1. August 1931 fällig gewordene oder fällig werdende Zahlungen, die nicht bi» zum Ablauf de» 31. Juli 1931 entrichtet werden, für jeden auf den Monat Juli 1931 folgenden angesanqenen halben Monat Zuschläge in Höhe von 5 v. H. de» Rückstände» zu bezahlen. Durch Verfügung de» hessischen Finanzministers sind die Bestimmungen Uber die Derzugs-uschläge kurzer Hand auch auf die Steuern des Lande» und der Gemeinden zu übernehmen. Da jedoch durch die etwas verspätete Au-gabe der Steuerbescheide über die endgültigen kommunalen Steuern für 1930 und diejenigen für 1931 die beiden ersten Ziele bis zum 25. Juli 1931 fällig waren, so können unter Berücksichtigung der bestehenden Schonfrist noch bis zum 5. August 1931 diese beiden ersten Ziele ohne Zuschläge bezahlt werden. Dom 6. August 1931 ab müssen jedoch Verzugszuschläge in Anrechnung gebracht werden. Soweit nicht nach der Verordnung Verzugszuschläge erhoben werden, sind, wenn eine nach den Steuergesetzen an den Steuergläubiger (Reich Länder, Gemeinden oder Gemeindeverbände) zu leistende Zahlung nicht rechtzeitig entrichtet wird, von der Fälligkeit an Verzugszinsen 2v. H. monatlich zu entrichten. Keine Faltunerung in Goldmarl oder Valuta. Don der Industrie- und Handelskammer Gießen wird un, geschrieben: Angesichts der gegenwärtigen unübersichtlichen Wirtschaftslage ist man vereinzelt im Geschäftsverkehr zu einer Fakturierung in Goldmork oder In Auslandwahrung übergegangen. Diese Maßnahme ist dazu geeignet, Unruhe und Derroirrung in die Wirtschaft zu tragen, denn der Rechnungsempfänger, der auf feinen Rechnungen nunmehr die Klausel findet, wird selbstverständlich in seinem Vertrauen zur Währung schwer erschüttert. Aus diesem Grunde hat auch der Rcichsverband der deutschen Industrie in seiner außerordentlichen Sitzung vom 29. Iuli beschlossen, die ihm angeschlossenen Wirtschaftsoerbände vor Mn- wendung der Goldmark- oder Devisenklausel eindringlichst zu warnen. Merkblatt für Konkursgläubiger. Der Steuersyndikus und Leiter der Steuer- beratungsstelle der Industrie- und Handelskammer Gießen. Hermann Will, veröffentlicht in feinem neuesten Rundschreiben über Aktuelle Steuerfragen ein Merkblatt für Konkursgläubiger. daS t*cr OberlandesgerichtSprüsident von Düsseldorf herauSgegeben hat und allgemeines Interesse beanspruchen darf. Das Merkblatt enthält folgende Richtlinien: 1 Die Anmeldung einer Forderung ist an das Amtsgericht, Abteilung für Konkurssachen, schriftlich zu richten oder zu Protokoll der Geschäftsstelle zu erklären. Bei schriftlicher Anmeldung empfiehlt sich die gleichzeitige tiebersendung einer Abschrift der Anmeldung an den Konkursverwalter. Die Anmeldung hat nach § 139 der Konkurs- vrdnung zu enthalten: a) den bestimmten Betrag der Forderung in Aeichswährung (bei nicht feststehender Höhe des Oie neue Giaöipost. Inbetriebnahme am Montag, 3. August. Seit längerer Zeit wurden die Verhältnisse in der Stadtpost an der Schulstrahe al» unzureichend, al» wenig zeitgemäß und zum Teil auch al» unzweckmäßig empfunden. 5Xe Post entschloß sich deshalb zu einer Aenderung. die nicht nur von den Beamten, sondern in der Hauptsache vom Publikum sehr angenehm empfunden werden wird. Zwar hat die neue Stadtpoft nicht den Vorzug jener unmittelbar zentralen Lage, die Vorzüge, die sich jedoch in anderer Hinsicht durch die voll- zogene Umsiedlung ergeben, wiegen diesen Rachteil bei weitem aui. Die neue Stadtpost wurde im ehemaligen 6af£ Ernst Ludwig untergebracht, da» dem neuen Zweck entsprechend umgestaltet wurde. Der Hauptzugang befindet sich an der Reuen Däue. Der: Hauptwert hat man bei der Einrichtung der neuen Poststelle auf die Au-stattuna de» Schalterraumes, als den wesentlichsten Teil de» Postamte», gelegt. Der Schalterraum weiht Vorzüge auf, die seinem Vorgänger so sehr fehlten: viel Licht, viel Luft und Geräumigkeit. sind ihm zu eigen. DaS Gedränge, das zuweilen in der Stadtpost herrschte, dürfte in diesem neuen Raume kaum mehr in Erscheinung treten, der Verkehr wird sich reibungslos abwcckeln können. Der Schalterraum ist mit sieben modernen Schalteranlagen versehen. Die Beamten sind durch den Fortfall von Glasschuhscheiben und Verschalungen. di« die Verständigung oft sehr behinderten, in engeren Kontakt mit dem Publikum gebracht. Der Raum ist in freundlichem, hellen Gelb gehalten, das in einem harmonischen Gegensatz zu dem dunkelgebeizten Holz der Einrichtungen steht. Moden« einfache Beleuchtungskörper unterstützen den sachlichen Charakter des Raume». Drei Schreibpulte, zwei Telephvnzellen und der selbstverständliche Drieskasten stehen dem Publikum zur Verfügung. Im Schaltervorraum ist die Schliehfachanlage untergebracht worden, die an dieser Stelle leicht zugänglich ist. Der Schliehsachschrank wurde auS der alten Post übernommen, so daß in der Einteilung der Fächer keinerlei Veränderung eingetreten ist. Ein kleiner Teil der Schließfächer ist direkt von außen zugänglich. Reben dem Haupteingang unterhalb de» ladenartigen Schaufenster» haben drei Automaten Platz gefunden, denen 15-Pfennig- und 8 Pfennigmarken, sowie auch 8-Pfenmg-Postkarten entnommen werden können. Der Briefkasten wird, da stch ein günftiger Platz nicht finden lieh, an der Frontseite der Mauer, di« den Vorgarten umschließt, angebracht werden. Jür den paketoerkehr steht ein besonderer Raum zur Derfügung, zu dem sich der Eingang am Reuenweg befindet. Die Paketaufgabe, die bisher in der alten Post im Schalterraum erledigt werden muhte, ist dadurch vom allgemeinen Schalterverkehr getrennt. Auch diese Aenderung wird das Publikum sehr angenehm empfinden. Der Abtransport der Pakete nach der Hauptpost und der Dahn geschieht von der Trillergasse au». Die Einrichtung der neuen Räume geschah unter der Maßgabe der größten Sparsamkeit. Für die Umbau- und Ausstattungsarbeiten waren fast durchweg hiesige Handwerker herangezogen worden. Das neue Stadtpostamt in seiner Gesamtheit macht einen sehr guten Eindruck. Man ging mit viel Geschmack zu Werke. SS ist erfreulich, daß die Post die Initiative ergriffen hat und diese längst fällige Tteuening nunmehr im eigenen und im allgemeinen Interesse durchführte. Die Reueinrichtung wird von der Gießener Bevölkerung, sicherlich begrüßt werden. Am kommenden Montag kann das neue Postamt in Betrieb genommen werden. Die Schließfachschalter stehen bereits am Sonntagvormittag zur Verfügung. Am Umbau der Stadtpoft waren folgende Firmen beteiligt: Die eigentlichen architektonischen Umbauarbeiten wurden durch die Firma Martin Abermann (Hoch-. Tief- und Gisen- betonbau AD ) ausgeführt. Die Tischlerarbeiten übernahm Balthasar R u h n, Lollar, die Schlosier- arbeiten Wilhelm Ziegenhain Rachf. (Inhaber Karl Zeller), die elektrische Installation Rudolf R ö d i g c r. die übrige Installation Dg. D a h m e r. die Malerarbeiten wurden von Malerund Weißbindermeister Ernst Petri und die verschiedenen Schilder ur-h Rek'amc'childer wurden durch Karl Ludwig Leib ausgeführt. Betrag», z. B. bei Schadenersahensprüchen: Angabe eine» geschätzten Pauschalbetrages, der später ermäßigt werden kann: bei mehreren Forderungen Angabe der Ginzelbeträge), b) den Grund der Forderung (z. B. Kauf, Darlehn, Miete, Lohn usw.), c) das für die Forderung beanspruchte Vorrecht (x. B. für Forderungen aus Dienstvertrag — Lohn, Gehalt, sonstige Dienstbezüge — der Personen, die Im Geschäft oder Haushalt de» Schuldners tätig sind oder waren: Forderungen der Aerzte, Apotheker, Hebammen, Krankenpfleger wegen Kur- und Pflegekosten). 2 Gehalts- und Lohnforderungen sowie Zinsen können nur für die Zeit bis zum Tage der Konkurseröffnung angemeldet werden. Der Zinsbetrag ist auSzurechnen unter Angabe von Zinszeit und Zinssatz und ist getrennt von der Hauptforderung anxugeben. Gehalts- und Lohnforderungen für Leistungen nach der Konkurseröffnung müssen au» der Masse bezahlt werden: diese Forderungen sind nur an den Konkursverwalter und nicht an das Gericht zu stellen. 3 Die urkundlichen Beweisstücke (Wechsel, Urteile, Schuldscheine, Bicchauszüge usw.) oder eine Abschrift derselben sind der Anmeldung beizufügen. Vtenn die Urschriften bis zum Prüfung»- termin nicht vorliegen, bestreitet der Konkursverwalter in der Regel die Forderung, woraus Weiterungen entstehen. Es ist daher dringend zu empfehlen, die Urschriften der Beweisstücke, namentlich die Wechselurschriften, schon vor dem Prüfungstermin zu den Konkursakten einzurecchen oder dem Konkursverwalter zu übergeben. Werden die urkundlichen Beweisstücke zu den Konkursakten eingereicht, so empfiehlt es sich, dem Konkursverwalter davon Mitteilung zu machen. Die Urschriften werden nach erfolgter Feststellung mit entsprechendem Vermerk versehen, dem Gläubiger zurückgereicht. 4. Anträge auf Aussonderung eines Gegenstandes aus der Konkursmasse (Konkursordnung § 43) • oder auf abgesonderte Befriedigung aus einer verpfändeten Sache usw. (Konkursordnung 8§ 47, 48) - sind nur an den Konkursverwalter (nicht an da» Gericht) zu richten: ebenso können alle Anfragen über den Stand des Konkursverfahrens, insbesondere auch über das Ergebnis des Prüfungstermins, an den Konkursverwalter gerichtet werden. Hessen in der Statistik. WSR Im Jahre 1929 gab es in Hessen 85 allgemeine Krankenhäuser mit zusammen 8622 Betten. Verpflegt wurden 89 444 Kranke, auf einen Kranken kommen 25 DerpflegungStage. Sieben Augenheilanstalten besahen 245 Betten, verpflegt wurden 2066 Kranke, auf einen Kranken kommen 21 DerpflegungStage. Es gab 1929 13 Heilanstalten für Geisteskranke usw., die 4416 Betten besahen und 7180 Kranke aufnahmen. Auf einen Kranken kamen rund 212 Derpflegungstage. In 23 hessischen Entbindungsanstalten mit 395 Betten wurden 1929 4734 Wöchnerinnen verpflegt ober pro Fall durchschnittlich 16 Derpslegungstage. Im Mai 1931 gab e» in Hessen 2 55 40 1 Arbeitsuchende (1930 181 695). Rach der Statistik der Krankenkassen wurden zu Beginn de» Monat» Mai 1931 in Hessen beschäftigt 1 012 000 (1930: 1 101 000) Personen. Die Spartätigkeit bei den öffentlichen Sparkassen ist in allen Monaten dieses Jahres gegen das Vorjahr zurückgegangen. Der Einlagenzuwachs betrug im Mai 1931 14890 000 (1930 im Mai 19 141 000), im Juni 1931 9 611 000 (20 741000) insgesamt seit Beginn des IahreS. DaS Auskommen an Umsatzsteuer betrug in Hessen im Mai 1931 436 600 (1930: 685 300). Konkurse wurden eröffnet im Mai 1931 9 (20), im Juni 1931 12 (9i. Vergleichsverfahren wurden eröffnet im Mai 1931 19 (10), im Juni 10 (9). 3m Mai 1931 wurden in Hessen 18 (283), im Juni 1931 238 (76) Wohnbauten fertiggeftcllt Bauernregeln im August. Für den August gibt es viele alte Bauernregeln, die das Wetter meist irgendwie mit dem Gedeihen von Brot und Wein ober mit dem mutmaßlichen Charakter des WinterS in Beziehung setzen. Wenn» im August stark tauen tut, bleibt da» Wetter meisten» gut. Ist S in der ersten Augustwoche heih, so bleibt der Winter lange weih. — Gibt » im August rechten Sonnenschein, so wird die Ernte besser fein. — August ohne Feuer, macht bas Brot teuer. — 3m August viel Regen, ist dem Wein fein Segen. — Bläst im August der Rord. so dauert gutes Wetter fort. — Der August muh Hitze haben, sonst wird der Früchte Zahl und Güte begraben. — 3e dichter der Regen im August, je dünner wird der Most. — Diel Hitze am Dominikus (4. August), ein strenger Winter kommen muh. — Zu Oswald (5. August) wachsen die Rüben bald. — Wenn's an Oswald regnet, wird teuer das Getteid', und wären alle Berge aus lauter Mehl bereit’. — Maria Himmelfahrt (15. August) Sonnenschein bringt viel Obst und guten Wein. — Hat untere Frau gut Wetter, wenn sie zum Himmel fährt, gewiß sie dann uns allen viel guten Wein beschert. — Hm die Zeit von Augustin (28. August) ziehn die warmen Tage hin. Taten für Sonntag, 2. August. Sonnenaufgang 4.50 Uhr, Sonnenuntergang 20.12 Uhr. — Mondaufgang 21.48 Uhr, Tlonbuntcrgang 8.45 Uhr. 1832: her Kunsthistoriker Karl Iusti In Marburg geboren; — 1914: Frankreich eröffnet die Feindseligkeiten gegen Deutschland; Ultimatum Deutschlands an Belgien. Vornotizen. — Tagest alenber für SamStag. Dollshalle, 20 tihr, Große» Marine-Konzert. — Kurzschriftverein von 1851, Dereinsabend, 20,30 ti&r, Karlsruhe. — 1875—1925, 20.30 Uhr, Zusammenkunft bei Sentier. Frankfurter Straße. — 1. RcichSkurzschrift-Geselsichaft Gießen, 20.30 Uhr, Dereinsabenb, Stadt Lich. — 1836/1931, 20 tibr, Hotel .Hindenburg'. — Artillerieverein, Monatsversammlung, 20.30 tihr. Hessischer Hof. — — Schützengesellschaft 1926 Gießen e. V., Hauptschiehen, Waldschiehstand. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: ^Kinder vor Gericht". — Tageskalender für Sonntag. DfD. 08, Familien- und Kinderfest, 15 tihr, Waldsportplah. — Schützengesellschaft 1926 Gießen c. D., Hauptschiehen .Waldschiehstand. — Lukas-Gemeinde, Familientag. 15 ilbr. auf der Liebigshvhe. — Lichtspielhaus; Bahnhofstraße: ,K nber vor Gericht". - Aus dem Stadttheater-Dureau wird uns geschrieben: Die 3ntendanz hat für DienStag, 4. August, den Chor der Kuban-Kosaken zu einem einmaligen Gastspiel verpflichten können. Die Sänger (28 Mann, da» größte Kon- zertuntemehmen dieser Art) bringen die schönsten russischen Volks- und Soldatenlieder zum Dorttag. außerdem werden die besten Stücke für Da- lalaika-Orchester Abwechslung in» Programm bringen. Die 3ntendanz hat denkbar niedrige Preise angesetzt, um allen Freunden russischer Ra- tionalmusik und Kunst den Desuch zu ermöglichen. /beginn des Konzerte» 20 Uhr. Ende 22 Mr. • LU. f) a b i l i Mo n e n. Don dcr Pressestelle der Universität Gießen wird mitgeteilt: Die venia legendi wurde erteilt: in der medizinischen Fakultät dem Professor Dr. Eberhard Koch, Abteilungsvor- stand am Kerckhoff-Institut in Bad-Nauheim für das Fach der fPtygfiologie und dem Assistenzarzt an der Medizinischen Klimk Dr. Günther Anton für das Fach der Inneren Medizin; in der philosophischen irafultät (1. Abt.) dem Dr.phil. Werner Meyer- Barkhausen für das Fach der mittleren und neueren Kunstgeschichte. Tie Museen und der Heidenturm sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Mr bei kleinen Preisen geöffnet. * Die städtische Kunstsammlung im Neuen Schloß, Eingang Senckenbergstraße, ist morgen, Sonntag, von 11 bis 13 Uhr, bei freiem Eintritt geöffnet. • • Die Reichsmark in der Schweiz, infolge Vereinbarung der Schweizerischen National- bank mit der Deutschen Reichsbank unterliegt die Annahme her deutschen Zahlungsmittel in der Schweiz keinerlei Beschränkungen. Deutsche Ferien- reisende können daher anstandslos ihre Reichsmark bei der Schweizerischen '.Uationalbanf oder deren Filialen in Franken umwechseln, es kommt zur Zeit ein Kurs von 1(0 RM. gleich 120 Franken zur Anwendung. _ _ „ • • Oe f fentlich« Bücherhalle 3m 3uN wurden 1366 Dände ausgeliehen. Davon kommen auf erzählende Literatur lOW. Zeitschriften 25. Iugendfchriften 68. Literaturgeschichte 2. Gedicht« und Dramen 10. Länder- und Völkerkunde 94, Kulturgeschichte 6, Geschichte und Biographien 93, Kunstgeschichte 2. Raturwis enfchast und Technologie 25. Hau»- und Landwirtschaft 1, Gesundheit»- lehre 2, Religion und Philosophie 9, Staat»- wisfenschaft 17, Sport 6, Fremdsprachlich?» sech» Bände. — Au-wahl aus dem Zugang neu ausgenommener (zum Teil gestifteter) Werke Romane A Gide: Schule der Frauen; Srw. Gros: Der Heimwanderer: 3. P. Jacobsen: MogenS: 3. Iegerlehncr: Bergführer Melchior: W. Jensen: Auf 6cm Vestenstein: R Kur pinn: Der Mutter (Blut; Sinclair Levi»: Der Srwerb (The Job); Adreßbuch der Stadt und des Kreises Gießen. Oer Abschnitt III mit den Einträgen der Buchstaben T bis 3 In das alphabetische Einwohner- und Firmenverzeichnis der (Stabt Sieben liegt 2 Tage, vom Montag, dem 3., bis einschließlich Dienstag, den 4. August zu jedermanns Einsichtnahme in unserer Geschäftsstelle offen. Oie zuständige Einwohnerschaft Gießens sowohl als die beteiligten Behörden unb öffentlichen Körperschaften usw. werben um Prüfung der Einträge auf Richtigkeit unb Vollständigkeit hiermit gebeten. Für Fehler unb Un- richtigketten kann keine Haftung übernommen werben. OberhessischerAdreßbuchverlagGießen Schulstrahe 7 Eingang von btr Kaplaneigaffe auf. _________________1111____SS Karin Michaeli»: Herr und Mädchen; G. Schräer: Flucht auS dem Alltag: Ina Seidel: DaSWunsch- kind; W. Speyer: Die goldene Horde: E. Stickelberger: Der graue Bischof; Auguste Supper: Der Gaukler; W. Weigand: Die Gärten Gotte»; St. Zweig „2Imor. Dramen: Klabund: Der Kreide- kreis. Reisen: O. Ehlers: Im Sattel durch Indo- China; K. Faber: Tausend und ein Abenteuer; Heinrich Hauser: Die letzten Segelschiffe; A. Heye: Filmjagd auf Kolibri» und Faultiere: E. v. Hüne- feld: Mein Ostasienflug; R. Katz: Funkelnder ferner Osten (China, Korea. Japan); G Plüschow: Silbertondor über Feuerland; W. Stesansson: Reuland im Rorden; H. Wagner: Don. Küste zu Küste (Bei deutschen Auswanderern in Kanada). Lebensbeschreibung: Georg Koch: Der, Freiherr vom Stein (Don Dolk. Staat unb Bildung); Fritz Wartenweiler: Fritjof Ransen. Geschichte: Thoma» Carlyle: Geschichte Friedrich» de» Großen; W. t?. Giescbrecht; Geschichte der deutschen Kaiserzeit (bis zum Tode Friedrich Barbarossas) 5 Bande; Herbert Wells: Geschichte unserer Welt (Acrs dem Englischen). Kulturgeschichte: Eugen Diesel: Die deutsche Wandlung; H. Rebensburg: Das deutsche Dorf; Die Kultur der Frau (de» 20. Jahrhunderts) HerauSgegeben von Ada Schmidt-Beil. Wirtschaft und Staat: Kapital unb Kapitalismus, Herausgegeben von Dernh. Harms, 2 Bände; H. Ford: Unb trotzbem vorwärts; G. DesscdowSky: 3m Dienste ber Sowjets; G. Grinkv: Der Fünfjahrplan ber UdSSR. Naturgeschichte: W. Deebe: Logbuch ber Sonne (Ein Jahr Tierleben in Walb unb Selb); Berge: Kleine» Schmetterlingsbuch; H. Schütz: Heimliche» Dolk (Tierbilder). Menschenkunde: H. Obermaler: Der Mensch der Dorzeit. Technik: DaS neue tim«* versum Dd. 51 (1930); Hans Dominik: lieber unb unter ber Erbe (Technische Rekorbe). — Außer- bem würben Iugendschristen erworben, illustrierte Ausgaben bes. Hendelschen DerlagS eingestellt und ber Bestand an englischen Texten ber Tauch- nih Edition durch ein willkommene» Geschenk ergänzt. Bücheriisch. — DaS Gelbe Sinmachbuch Don Sllh Petersen. 120 Seiten, mit 300 Rezepten. Zeichnungen unb Buchschmuck. (Derlag Knorr & Hirth G. m. b. H., Münchens. Preis 2 50 Mk. 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Aufl. 1.60 Mk.. Chr. Belfer AD., Derlagsbuch- handlung Stuttgart. (165). — Dieser Dortrag läßt die politischen unb militärischen Führer, sowie die Ereignisse wahr unb klar hervortreten unb zieht eine packenbe Abrechnung bes Krieges. — Dr. Han» Schanze: „21 Ile» und Dicht».“ (.Eine Frühlingsfahrt ins Franken- lanb.") Derlag Rordheimsche Buchhandlung Zel- la-Mcchlis. (116.) In einer Reihe von Gedichten — manchmal etwas eigenwilligen Gedichten — ist eine Fülle von Gläubigkeit enthalten, die sich in ber Schilderung des Landschaftlichen äußert unb ben Leser zu eigenen Gebauten anregt. Der Leser lernt zugleich das Frankenland kennen unlieben und wird dabei an eine Philosophie her- angeführt, bie eine feine Lebenskunst bebeutet Der Freund ber Ratur wird gerne nach diesem Büchlein greifen. Verantwortlich für Lokales: t. 23. H. L. Neuner. Ltuhlderstopfung. 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Drei Länder baden diele Wasfe im Verlaus weniger Svmmer- wochen zu spüren bekommen, zunächst O e st erreich. dann Deutschland und in den letzten Tagen das früher so finanzstarke und geldstolze Großbritannien Woher rührt nun die französische Kapitalmacht? Wie kommt eS. dast Frankreich als einzige kapitalistische Groß- macht nicht in die Kredit- und Kapitalkrise verwickelt ist? Wo liegen die Ursachen des französischen Reichtums? Und wie ist daS System beschossen, das heute zur politischen Vorherrschaft Frankreichs auf dem Kontinent auch die Vorherrschaft des französischen Dolde« nicht nur in Suropa. sondern auch in der Welt fügt? Denn darüber besteht kein Zweifel Selbst die Position von Wallstreet erscheint zur Zeit zweitrangig gegenüber der französischen Finanzkrast. Man erinnert sich bei dieser Gelegenheit. wie eindrucksvoll Frankreich nach dem Kriege mit seiner Armut hausieren ging und wie sehr der finanzielle Teil der Friedensdikta ie auf das h'.lssbedürs- tiae Kriegsopfer Frankreich zugeschnitten wurde. MiNiardenersparnisse im bolschewistischen Ruß- land verloren, vier Iahre Kriegssinaruierung, ein zerstörter DebietSstreifen — musste in der Tat das früher so reiche Frankreich nicht arm geworden fein? 3n Wirklichkeit ist der franzö- fische Wohlstand durch den Krieg wohl vermin- dert, aber nicht erschüttert worden. Auch die Inflation. die übrigens von Poincare mufterhält. mit einer imponierenden Rücksicht auf die soziale Struktur Frankreich« liquidiert worden ist, hat nicht zu einer nennen«toerten Kapitalzerrüt- tung geführt. Heute ist eine jahrlang ausgestellte Kulisse weggezogen: Frankreich präsentiert sich als eine - der reich st en Länder der Erde, und unter diesen unbestritten als da« Land mit dem solidesten, bodenständigsten und am konservativsten organisierten Reichtum. Man wird sich diese Feststellung für die zukünftige politische Propaganda merken müssen. Zunächst ein'ge Zahlen D.r französische Goldbestand beträgt rund 9 Milliarden Reichsmark. 32 Millionen Pfund sind in den letzten Wochen au« England abgezogen worden. Die gesamten französischen Anlagen in ® roh Britannien werden aber von den Franzosen auf 25 Milliarden Franken geschaht. Man bedenke, dast das halb so viel ist wie die Kredite Frankreich« an das zaristische Rußland. Der Rotenumlauf der Bank von Frankreich beträgt 79 Milliarden Franken. Das ist dreimal so viel wie unser Notenumlauf, doppelt soviel wie die Notenausgabe der Vank von England, zweineinhalb mal so viel wie die Noten- menge der amerikanischen Bundesrcservebank. Vei diesem Notenumlauf müßte Frankreich eigentlich eine inflationistische Entwicklung haben. Die Warenpreise müßten stark gestiegen sein. Aber hier zeigt sich das Zusammenspiel von Notenmenge und Umlaufstempo. ferner der Unterschied zwischen Sparen und Verbrauchen. Das Tempo der französischen Geldzirkulation ist viel geringer als unser Geldumschlag. Der Franzose liebt das Bargeld. Vargeldloser Zahlungsverkehr ist noch wenig entwickelt. Hinzu tritt die große Rolle de« Sparstrumpfs. Die Spar- taffen haben wenig Zulauf. Auch reizt der niedrige Zinsfuß nicht gerade zur Geldanlage. Der Fran- zvle entgeht auch gern der Steuer und der kleine Mann besonders gern der Erbschaftssteuer. Das sind einige Gründe für den Umstand, daß heute etwa 9 Milliarden Goldmark von den französischen Rentnern gehamstert sind. Hinzu kommt, daß der Franzose ein Muster von Sparsamkeit ist. Sr versagt sich viele«, was der nach- kriegSdeutschen Bevölkerung selbstverständlich geworden ist. Er kennt keine Konsumthevrie. Er folgt nicht der Aufforderung, in den großen Kuchen zu beißen. Daher letzt sich der größer« Notenumlauf nicht in mobilisierte Kaufkraft um, daher ziehen die Preise nicht wesentlich an. D« Kehrseite ist. daß in Frankreich die Konjunkturkurven flacher sind, die AdsayauSweitung nicht sprunghaft, infolgedessen auch die Investierung zurückhaltender. die Rationalisierung bedächtiger ist. Können wir auS dieser Haltung nicht nur sozial, sondern auch wirtschaftlich nicht einige« lernen? Wir haben schon oft festgestellt, daß Frankreich sich der Solidarität des internationalen Kapitalismus versagt. Nun gibt eS eine solche Solidarität nur aus aufgeklärtem SgoiSmuS herau«. Der fran- Aöfltoe WrrtlchaftsegvismuS ist nicht rein kapitalistisch orientiert. S>er französische Kapitalismus ist ganz anderer Art als der deutsche und der angelläck'sische. Daher auch das Kuriosum, daß das französische Kapital sich weigert, dem besseren Zins zuzufliehen. Hier stößt man auf die Fundamente des französischen DolkScharakrerS. auf ein altes Dauern- und Kleinbürgertum. Dem ist Delitz und Sicherheit das wichtigste. dann erst folgt der SrwerbStrieb, da« Erfassen der spekulativen Ehance Derselbe Zug wie in der Politik Daher auch die starke Politisierung der französischen Kapitalanlagen. Der Franzose, sonst Individualist, ist als Kapitalanleger fast rin Kollektivwesen. Er wagt sich ungern auf eigene Faust auf das Meer der internationalen Chancen und Risiken, wie das der Amerikaner, der Brite, der Deutsche tut. Er sucht in erster Linie Sicherheit. Die verbürgt ihm dasBotum be r Regierung. So gibt bie befonbere kapitalistische Haltung bes kleinbürgerlichen Franzo'en die Grundlage für eine Politisierung der nationalen Kapitalmacht, wie sie anderswo in dieser Geschlossenheit unbekannt ist. Hinzu tritt natürlich das jahrzehntelange Training der französischen Banken in internationalen, mit politischen Garantien aus- geftatteten Anleihen. Der heutige Reichtum Frankreichs hat einige Hauptquellen: ein starker Bestand alten Reichtums. erhalten durch eine äuhcrst vorsichtige, sparsame Besi h p o l i t i k, gemehrt durch die wirtschaftlich.' Harmonie des Landes mit seiner gesunden Mischung von Landwirtschaft, Gewerbe und Industrie, gemehrt d-irch die Reparationen, gemehrt auch in letzter Zeit durch die Reserven der Kolonien. Frankreich bezieht heute 80 v. H. bet Reiseinfuhr. 66 v. H. der Weineinfuhr. 38 v. H der Kolonialprodukte aus seinen eigenen Kolonien. Hinzu kommt eine aktive Zahlungsbila nz. in welcher ber Frembenverlehr eine große Rolle spielt, während ber Franzose ungern reist unb wenig Geld ins Ausland trägt. Wir haben allen Anlaß, die Ursachen der französischen Kapitalmacht aufmerksam zu studieren. Wir bilden uns oft ein, den Franzosen wirtschaftlich überlegen zu sein. Zweifellos sind wir die moderneren Kapitalisten, mit einem starken Drang zum Experimentieren, zum Fort schreiten. Aber sind wir mit unserer Wirtschaftshaltung auch nicht mehr Krisen ausgesetzt, neigen wir nicht zu sehr zum Optimismus unb bazu, den zweiten Schritt vor dem ersten zu tun? Haben wir uns nicht in ber Wirtschaft allzu stark vom Inbivibualismus entfernt unb uns stellenweise einen fatalen Hang zu einer Mammutpvlitik anerzogen? Die französische Art mag altmodischer sein. Kurz vor dem Kriege war es bei uns Mobe, bie französische Dolkskraft für begeneriert zu halten. Wir haben im Selbe Enttäuschung erlebt. Das französische Heer schlug sich gut. Haben wir nicht auch Anlaß. unsere ökonomischen unb sozialen Ansichten angesichts ber jetzigen Leistungsprobe französischer Kapitalpolitik einmal zu überprüfen? SoriO3a6ren flarb berwe Opernsänger Larnso. Don zehn Jahren, am 2. August 1921, starb ber Opernsänger Enrico Caruso, den man als den größten Sänger aller Zelten bezeichnen darf Caruso stammte aus Neapel und erlangte In kurzer Zeit durch seine herrliche Stimme Weltberühmtheit. Er starb, noch nicht SOjätjrig, in seiner Heimatstadt, der er sein ganzes Leben hindurch die größte Liebe bewahrt hatte. — Eine der letzten Ausnahmen Carusos mit seiner Gattin und seiner Tochter. „Geh durch dieWett undsprich miijedem!" Don Dr. Paul Rohrbach. Der unseren Lesern durch zahlreiche im G. A. veröffentlichte Aufsätze bekannte Politiker, dessen Bücher „Der deutsche Gedanke in der Welt" und ..Weltpolitisches Wanderbuch" zu den meist besprochenen Büchern ber politischen Literatur gehören, kr.cht soeben zu einer neuen Weltreise auf, bie ihn u. a. nach Kanaba, USA., Iapan. China, Indien, Aegypten, Syrien unb Kleinasien führen wirb unb von ber er irft Gießener Anzeiger laufenb berichten wirb. Wilhelm D i b e l i u s . ber leiber Verstorbene, sagt in ber Vorrede zu seinem Meisterbuch über England: „Der preußische Schulmeister hatte den Krieg von 1866 gewonnen, aber ber preußische Schulmeister, namentlich ber Schulmeister auf Gymnasium unb Universität, hat den Weltkrieg verloren: benn die politischen Eigenschaften, bie zu einem Weltvolke nötig finb, hat er dem Geschlecht nach 1870 nicht einpflanzen können." Di- belius meint bamit, daß bie geistige Schicht, bie vor dem Kriege bei uns führend war, keine Vorstellung batxm hatte, wieviel für bie Dil- bung ber Heranwachsenden Generation auf eine gute Auslandke.nntnis anlam. Man sagt heute wenn wir 1914 beiAmerika schon soviel Schulden gehabt hätten, wie 1931, so hätten to t den Weltkrieg nicht verloren. Mag sein, wir hätten ihn aber, von andern wichtigen Faktoren hier abgesehen, auch nicht verloren. wenn unsre damals Maßgeblichen und Verantwortlichen das amerikanische Volk besser gekannt hätten. Nicht minder hätte eine bessere Kenntnis über Rußland uns beizeiten darüber unterrichtet, bah bie wirklichen Lenker bet russischen Politik seit Iaht unb Tag den Krieg mit Deutschland wollten Das zu spüren, beburfte es keines Geheimwissens, sondern nur ber Fähigkeit, zu beobachten, was jedem Kenner der russischen Verhältnisse zugänglich war. Wir Deutsche sind geographisch, politisch, wirtschaftlich, kulturell mit den Zuständen anderer Länder und Völker, nah und fern wohnender, so verslochten, daß im Grunde wenig Dinge aus der Welt geschehen können, die nicht irgendwo aus u n S zurückwirkten. So ausgesprochen, mag ber Sah fast schon banal Hingen, aber in einem bestimmten, „auslanbkundlichen" Sinn wirb er bei uns noch keineswegs überall nach seinem vollen Inhalt verstanden, ßanbläufig ausgedrückt, handelt es sich um das. was man öffentliche Meinung nennt, was aber im AuSlande in bet Regel mehr bedeutet, al« bei un«. ViSmarck hat einmal, in einer ärgerlichen Stimmung, als in ber beutschen Oessentlichkeit bie He.tat zwischen bem Vatlenberger in 'Bulgarien und einer Schwester Wilhelm« 11. populär war, bie „öffentliche“ Meinung in Deutsch- lanb der „öffentlichen Dummheit" gleichgefetzt, weil sie kein Gefühl für politische Vernunft und Unvernunft hätte. Man braucht sich daS Wort in seiner Schroffheit nicht anzueignen, aber e« rührt doch an einen tiefgehenden Unterschied zwischen deutscher unb angelsächsischer oder französischer, überhaupt nichtdeutscher „ös- fentlicher Meinung". Die deutsche bedeutet, auch in der Politik, je nachdem, mehr Stimmung, oder mehr Räsonnement: bie anderer Völker bedeutet mehr politischen AktiviSmu«, und außerdem — wieder im Unterschiede zu Deutschland — national« Konzen tra tion auf be stmmte Ziele Wir Deutsche sind auch in den wichtigsten nationalen Fragen an eine uneinheitliche öffentliche Meinung gewöhnt. Draußen ist dies Vilb unbekannt, es gibt kein« sogenannten „Verzichtler". unb bas hat zur Folge, bah die Regierungen sich allesamt als Er- Caruso-Anekdoten. 3um 10. Todestage des großen Sängers. Von Fred Haqenmeyer. Subito lente. Als Carusoals junget Mann in Neapel beim Militär biente, pflegte er, wenn niemanb dort war. ins Zeughaus zu gehen. Er versuchte dann, so laut zu fingen, daß seine Stimme den ganzen Raum erfüllte. Sines Tages hört« ihn sein Sergeant und erbot sich, ihn zu D e r g i n e , einem der berühmtesten Ge'anglehrer des damalig.'n 3ta- liens zu bringen. Tatsächlich fang dann Enrico vor dem Maestro. Als er seinen Vortrag beendet hatte, meinte Vergine: .Sie können nicht fingen. Sie haben ja überhaupt keine Stimme! Das tut, wie wenn der Wind durch die Läden pfeift l" Als Caruso dann bat. wenigstens beim Unterricht des Meisters zuhören zu dürfen, schüttelte dieser gleichgültig die Schultern. Ein so unbegabter Mensch mochte tun, was er wollte, was ging es ihn an? Subito presto. Als unbekannter junger Mqnn durchzog Caruso dann mit einer kleinen Truppe die italienischen Städte. Da er doch keine Aussicht hatte, auf treten zu dürfen, suchte er über diese Situation durch ein Trinkgelage mit Freunden wegzukommen. Plötzlich riß einer die Tür auf: .Caruso, komm! Subito, subito! Der Tenor ist krank. Du muht fingen. Hörst du. Carusito? Du darfst singen!" Fassungslos und halb betrunken folgte Caruso dem Boten. Ohne zu wissen was er tat, lieh er sich umkleiden und betrat bann bie Bühne. Die erste Arie absolvierte er mit Glück. Dann aber wußte er kaum mehr, was er tat Er verwechselte die Ausgänge, stolperte anberen Schauspielern in den Weg. bas Publikum pf iff unb heult«. Alles war restlos verloren. Nach ber Vorstellung wurde Caruso fristlos entlassen. In der Strahe riefen ihm die kleinen Iungen nach: „Ubbriaco! Ubbriaco! ... Trunkenbold!" Nach diesem Erfolg glaubte Caruso, sich das Leben nehmen zu müssen. Da er indessen nicht genug Geld für Gift hatte, wohl aber genug für «ine Flasche Wein, machte er sich zunächst an diese. Da wurde es ihm besser. Leise begann er vor sich hinzusingen. Und wieder ging die Tür auf: .Caruso, komml ... Du sollst fingen. Sie wollen den Tenor nicht hören! ... Sie pfeifen ihn aus! ... Eie rufen nach dir!" Und wieder betrat Caruso die Bühne: Heulend begrüßte ihn das Publikum. „Ubbriaco! Ubbriaco!“ DaNn fang Caruso zum zweiten Male jene Arie. Plötzlich wurde alles still. Darm brach frenetischer Beifall los. Gerettet. Auf diesen Erfolg hin erklärte sich der Impresario bereit, Carusos Gage auf zehn Lire pro Abend zu erhöhen. Gon brio. Als Caruso auf der Höhe seines Ruhmes in Berlin fang, gehörten bie Studenten zu seinen glühendsten Verehrern. Als er eines Abends von der Bühne in leinen Ankleideraum ging, fand er ein Riesenbukett: .Dem größten Sänger von den Studenten." .Schön", meinte Caruso, und wollte weiter gehen Da hörte er jemand sagen: .Schade, die Studenten horten ihn nicht einmal.“ Caruso drehte sich um: .Warum, fang ich nicht laut genug?" .Doch. Aber sie bekamen keine Entrittskarten." Als Caruso dann durch starken Lärm aufmerksam gemacht, ein Fenster öffnete, sah er Tausende von Studenten auf der Strahe auf ihn warten Sin Gebrüll erhob sich. Er streckte den Arm aus und kurz darauf ertönte seine gewaltig« Stimme in die Nacht. Er fang ihnen eine Arie aus der Oper, in der er eben gespielt hatte. Nachher spannten sich die begeisterten Studenten vor seinen Wagen und zogen ihn so unter Iubelge- schrei vor sein Hotel. Con moto. Eine der Glanzrollen Carusos war der Canio in .Daja^o". Strahlend schmetterte et eines Abends das „Kidi Pagliaca“ hinaus in ein atemlos lauschendes Publikum. Aber die Tränen des verratenen und verlassenen Bajazzo waren echt. Caruso sang fein eigenes Schicksal. Während das ahnungslose Publikum vor Begeisterung tobte, blutete dem Sänget selbst das Herz. Er hatte die Nachricht bekommen, daß seine Frau ihn verlassen und seine Abwesenheit dazu benutzt hatte, nach Südamerika zu entfliehen. „Ridi Pagliacd ..." Con passione. Als Caruso zum zweitenmal heiraten wollte, stieß er beim Vater seiner Braut auf ernsthaften Widerstand. Verzweifelte Stimmungen suchten die Liebenden heim. Sic fühlten, irgendwie muhte der jetzigen unglücklichen Situation ein Ende gemacht werden. Als sie eines Tages vor dem Abschied standen unb ihnen von Minute zu Minute beklommener ums Herz würbe, ging Caruso plötzlich in ein Grammophongefchäst. Kurz daraus erklang jene schaurig-schöne Arie aus Aida, eine von Caruso« Meisterleistungen. Rasch wollte sich Caruso entfernen. Als feine Braut ihn bei den Händen nahm, sah sie, daß er weinte wie ein unglückliches Kind. Während sie ihn mit tröstenden Worten zu beruhigen suchte, erklang losgelöst und strahlend immer weiter jene mächtige Stimme, der eine ganze Welt huldigte: „Celeste Aida — Celeste Aida, forma divina!" Staccato. Bald heirateten Enrico Caruso und Dorothy Benjamin, ohne die Einwilligung des Schwiegervaters zu haben. Alles ging höchst einfach vor sich. Dom Hotel Knickerbocker in Neuhork begab sich das Brautpaar mit den Trauzeugen zum Standesamt. Der Schreiber Sully kannte Caruso nicht ober hatte den Namen schlecht verstanden. Er fragte darum: .Was ist Ihr Beruf?“ Caruso war verdutzt: .Beruf?" fragte er etwas beOommen. ,3a, von was leben Sie?" »Oh" — erleichtert schaute Caruso auf — .von was ich lebe? Nun, ich finge, das ist alle«“ Vivace. Caruso war ein begeisterter Vater. Als ihm sein Töchterchen Gloria geboren wurde, kannte sein Glück keine Grenzen. Im übrigen machte er es wie alle Väter Wohlgefällig betrachtete er sein Baby: „Sieh, wie sie mir ähnlich ist! Siehst du bie Ohren? Ganz wie bie meinen. Und ihre Augen und ihren Mund. Gon; wie die meinen. Unb siehst du — ihre stehle! Ist sie nicht genau wie die meine geformt?“ Dos große Publikum aber, bas ihm am Abend in ber Neuyorker Oper lauschte, feierte ihn mit dem einstimmigen Rus: „Viva papa, viva papa!“ Piano. Wenn sich Caruso nach seinem Auftreten in ber Metropolitan-Oper in Neuyork abgeschminkt hatte unb zum Weggehen fertig gemacht hatte, stand am Ausgang immer ein kleiner deutscher Mr Scholl, tagsüber seines Zeichens ein Schirmmacher, nachts aber ber Führer ber (Slaquc Obwohl Caruso ihn niemals als Schirmmacher beschäftigte unb sich auch nicht in Unkosten stürzte, um die Resonanz seiner Stimme zu erhöhen, kannte doch bie Bewunderung bes Mr. Scholl keine Grenzen. Er versäumte nie, auf ben großen Sänger zu warten unb sich schüchtern zu melben: „Gute Nacht, Mr. Caruso.“ Worauf Caruso regelmäßig erroiberte: „Ah, Scholl, guten Abenb. Sehr nett, baß Sie gekommen fmb.“ Um biefe Worte zu hören, konnte der kleine Scholl stundenlang in Nacht unb Nebel stehen. Als bie Nachricht von Carusos Tob bekannt würbe, war unter ben ersten Telegrammen, bie bie Witwe in Neapel erhielt, auch eins mit ber kurzen Nachricht: ,Hch komme! Scholl.“ Das Testament auf der Schallplatte. Major Christopher Stone, ber englische Gram- mophonsachverftänbige, hat sein Testament in der ungewöhnlichen Form einer Grammophonaufnahme gemacht. Der auf bie Platte gesprochenen letztwilligen Verfügung hat er eine feierliche Erklärung folgen lassen, daß die Stimme, die die Platte roiebergibt, wirklich seine eigene ist Zwei Zeugen haben biefe Erklärung mit bem Hinweis bestätigt, baß sie bei ber Besprechung ber Platte persönlich anroefenb gewesen und Major Stones Erklärungen mit eigenen Lhren gehört haben. Zu diesem Zweck haben sie die Wachsplatte mit ihren Namen unterschrieben, so daß diese Unterschriften auf allen Abzügen der Platte sichtbar werden. Major Stone will damit die für die Abfassung eines Testaments oorgeschriebenen Formen erfüllen, legt aber Wert daraus, feinem Testament bas Gepräge einer roürbigen, intimen persönlichen Erinnerung zu geben. Es brängt sich dabei die Frage auf, ob eine so zustande gekommene letztwillige Verfügung rechtskräftig ist. Nach den Ausführungen eines hervorragenden englischen Juristen ist es das Haupterfordernis eines Testaments, daß es sichtbar ist. es ist aber durchaus zweifelhaft, ob ein ins Grammophon gesprochener letzter Wille im Sinne des Gesetzes als „sichtbar“ zu gelten hat. ponenten des nationalen Ak11vis - mus fühlen, denen da- Getragenwerden von einer so eingestellten öffentlichen Meinung eine stete und selbstverständliche politische Kraftquelle ist. , , Wir wollen hier nicht untersuchen, was im Einzelfalle Recht und was Unrecht bei dieser Sinnesart ist. die sich so weit steigern kann, daß z. D. der amerikanische Präsident Toolidge einmal sagen konnte, wenn seine persönliche Ueberzeugung im Widerspruch mit der öffentlichen Meinung des Landes stünbe, so halte er eS für seine moralische Pflicht, nicht sich selbst zu folgen, sondern der öffentlichen Meinung. Wo aber ein solches Prinzip als politische Sittlichkeit gilt, da ist es ein Faktor von gewaltigem Einfluß auf die Entscheidungen der Staatsführer, und dieser andauernde, fordernde, drängende, geschlossene Aktivismus in der öffentlichen Meinung so vieler Völker, der bald als eine Erprobung ihres Selbstgefühls, bald als der Wille zur Durchsetzung realer Interessen, bald als Erweis ihres Charakters und ihrer Sinnesart erscheint — er ist es, der von unsrer Seite das ernsthafteste Studium verdient. Ie mehr jemand von der Welt außerhalb Deutschlands kennengelcrnt hat, desto einleuchtender muß ihm ein Vorwurf erscheinen, wie Dibelius ihn erhebt. Jene ..Auslandkunde", die der alle Homer beim Dulder Odysseus in die klassischen Worte faßt: „Vieler Menschen Wohnsitze hat er besucht und ihren Sinn ergründet" — sie ist bei uns zu wenig gepflegt worden. Schon lange vor dem Kriege habe ich für meinen Teil es für einen der wichtigsten Bestandteile deutscher politischer Bildung gehalten, die bewegenden Kräfte in der öffentlichen Meinung des Auslandes. so wie sich dies eigentümliche Organ, vielfach abweichend von dem, was bei uns öffentliche Meinung ist, entwickelt hat, zu erkennen und die daraus kommenden politischen Wirkungen abzuschätzen. Wenn auch dcr einzelne nicht viel dazu tun kann, ein besseres Wissen über diese Dinge zu verbreiten, so soll er doch tun, was er kann, und wenn er auf seinem Lebensweg so geführt worden ist. daß seine Beobachtung in der Fremde sich geschärft hat. so mag er es doppeft als Pflicht empfinden, wenigstens zu sagen, wovon er glaubt, daß es seinem Volk nützen kann. Deshalb habe ich mich noch einmal auf eine Reise gemacht, die mich über Amerika nach Ostasien und Indien und von dort über die europäischen Mandatsgebiete im Orient nach Hause führen soll, nach dem Rat des alten Persers Firdusi: Geh durch die Welt und sprich mit jedem — dem ich hinzufügen: und berichte den Deinen, was ihnen zu hören nützen mag! Daten für Samstag. 1. August. Sonnenaufgang 4.48 Uhr, Sonnenuntergang 20.13 Uhr. — Mondaufgang 21.38 llljr, Monduntergang 7.34 Hfjr. 1798: Der englische Admiral Relson vernichtet die französische Flotte bei Abukir; — 1914: Mobilmachung Deutschlands und Frankreichs. — Kriegserklärung Deutschlands an Rußland. Spielyran der Frankfurter Theater. Opernhaus. Von Sonntag, 2. August, bis Sonntag, 9. August, täglich von 20 bis gegen 23 Uhr: Der Soldat der Marie. Operette in drei Akten von Leo Ascher. Gastspiel der Berliner Rotterbühnen. Schauspielhaus. Sonntag, 2. August, 20.15 bis gegen 23 Uhr: Meine Schwester und ich. — Von Montag, 3. August, bis einschl. Donnerstag, 13. August, bleibt das Schauspielhaus geschlossen. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. i * Das Amtsverkündigungsblatt Rr 53 vom 28. Iuli enthält: Die Erhebung von 'Deckgeld für Bedecken'der Stuten. — Die Erhebung einer Biersteuer. Eva am Strand Vornan von Hermann Weick. 24. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Wortlos wandte Elsbeth Iason sich ab. Sie trat zum Fenster und sah hinaus. Dann kleidete sie sich an: Iason bemerkte, dah ihre Hände dabei zitterten. „Komm!" sagte sie, als sie ihren Anzug beendet hatte. „Wohin?" „Wir können doch nicht untätig hier sitzen!" erwiderte sie ungekwldig. „Wir müssen etwas unternehmen!" Dor dem Hotel blieb sie unschlüssig stehen. „Wenn wir nur ungefähr wüßten, wohin Lotte gegangen ist! Weit kann sie ja noch nicht gekommen fein!“ „Wir wollen einmal am Strand entlanggehen ..." „Warum gerade am Strand?“ unterbrach sie ihn bestürzt. „Irgendwo müssen wir zu suchen anfangen. Wenn wir da keine Spur von ihr finden, suchen wir im Ort selbst: vielleicht hat jemand sie gesehen." Zwei Stunden lang waren sie unterwegs: kreuz und quer gingen sie. Auf Elsbeths Vorschlag suchten sie auch die Landungsstellen der Dampfer und Segelboote auf; nirgends wußte man etwas von Lotte. „Ietzt weih ich mir keinen Rat mehr!" sagte Fritz Iason dumpf. Elsbeth Iason, die in bedrücktem Schweigen neben ihm hergegangen war, fuhr herum: „Vielleicht kann Herr Bertram uns Auskunft geben! Vielleicht weih er NäheresI" Iason gebärdete sich hoffnungsvoll. „Dah ich nicht selbst schon auf diesen Gedanken gekommen bin! Ganz sicher hat Lotte ihn von ihrem Vorhaben unterrichtet!" „Viehlleicht steckt er mit ihr unter einer Decke!" entfuhr es Frau Iason in neu aufrauschender Abneigung gegen den Schauspieler. „Du wirst sehen, dah er sich mit ihr von hier entfernt hat!" Eilig legten sie den Weg zum Hotel zurück. Von der Straße aus erblickten sie in der Halle Paul Bertram, der in einem Klubsessel sah und Zeitungen las. „Dort ist er!“ sprach Iason. „Er ist anscheinend ganz ahnungslos! Warte hier draußen, Elsbeth: sobald ich mit ihm gesprochen habe, komme ich und berichte dir." „Meinst du, ich brächte e- fertig, hier zu warten? Ich gehe mit hinein." „Wenn es dir aber peinlich ist, Elsbeth ..." Hauö-esih und Lastenverteilung. Von einem Gießener Hausbesitzer erhalten wir die nachstehende beachtenswerte Zuschrift. D. Red. In den Augen der Nichthausbesitzer, insbesondere mancher Mieter und der heutigen Regierungen, gilt der Hausbesitzer immer noch als der wohlhabende Mann, den man immer noch schröpfen kann. Man hat längst vergessen, daß schon vor Dem Kriege die Bauunternehmer als Eigentümer von Miethäusern in einer sehr schwierigen Situation waren; es wurde schon damals an Hand eines umfangreichen Gießener Bauunternehmerhausbesitzes nachgewiesen, daß eine Verzinsung des Eigenkapitals nicht ftattfanb, der Besitzer vielmehr froh sein mußte, wenn er nicht immer tiefer in Schulden hineingeriet. Nur einzelne Objekte standen etwas günstiger da. Immer aber wohnte man im eigenen Hause, alles in allem betrachtet, viel teurer als irgendein Mieter. Man ließ sich die Annehmlichkeit Herr im Hause zu fein, nicht umziehen zu müssen, und das Gefühl des eigenen Besitzes schon etwas kosten. Heute find wir nun glücklich dahin gekommen, daß das Eigenkapital im Hausbefitz vollkommen hinweg- gesteuert ist. Es bleibt davon nichts mehr übrig, auch nicht im günstigen Falle. Es mag dies hier an einem besseren Mietwohngrundstück gezeigt werden, das nur mit einer ersten Hypothek in Friedenszeiten belastet war, und von dem Eigentümer stets gut instandgehalten werden konnte, wobei er freilich darauf verzichten muhte, fein eigenes Kapital auch nur annähernd normal zu verzinsen. Das Anwesen, um das es sich hier handelt, hat den Eigentümer per 1. Juli 1914 gekostet ... 142 500,— Mk. Darauf hatte er eine erste Hypo. thek im Betrage von .... 50000,— „ Blieb ein Eigenkapital von . . 92 500,— Mk. Der Steuerwert des Anwesens war veranschlagt mit insgesamt 110 000,— Mk. An diesem Steuerwert hält die Behörde bekanntlich heute noch als Grund- läge für Abgaben und Steuern fest, obwohl die Einheitswerte längst herabgesetzt sind. Die erste Hypo- thek des Anwesens ist infolge der Aufwertungsgesetzgebung nach vorübergehender Rückzahlung mit 12 025 RM. aufgewertet. Brandkassenwert 91 300,— Reichsmark. Der Besitzer dieses Anwesens hat Mietausfälle bisher nicht gehabt. Die Wohnungen waren stets besetzt, und die Mieten sind stets regelmäßig ein- gegangen. Es handelt sich also auch insofern um ein Anwesen, das keine besonderen Schäden und Verluste gebracht hat, zumal es noch vor dem Kriege sehr gründlich und umfangreich instandgesetzt worden war. Es ist nun sehr lehrreich, zu vergleichen, wie sich die Wirtschaftsrechnung für dieses Haus früher tim Wirtschaftsjahr 1914 auf 15) und jetzt zueinander verhält. Ich gebe daher hierunter die Vergleichszahlen unter Zugrundelegung der neuesten Steuer- sätze: Gegen ft andswert: Gesamt-Iahresmieteinnahme Steigerung der Miete gegen Prozentsatz im Verhältnis zum Hauswert, wobei der Haus- wert angenommen wird............. (Es wird also dem Gestehungswert ein heutiger Wert ent- gegengesetzt nach Abzug der durch die Aufwertung ein» getretenen Hypothekentlastung.) Prozentsatz der Mieteinnahmen........... Es stehen gegenüber an Ausgaben: (Die Prozentsätze hinter den Zahlen geben den Prozentsatz im Verhältnis zur Friedensmiete an.) 1. Hypothekzinsen 2. Steuern und Abgaben 3. Instandhaltungskosten 4. Allgemeine Unkosten (Wassergeld, Schornsteinfeger, Versicherungen, Hausbeleuchtung und dergleichen) . . . . 5. Abschreibungen (Amortisationen), gerechnet zu 1 ’/o des Brandversicherungswertes, der 91 300,— Mark beträgt . 6. Verwaltungskosten.............. Gesamtsumme Saldo Verzinsung des Eigenkapitals hiernach 1914/15 6800,— 100 °/o 142500,— 1931/32 8296,— 122 ’/o 104525,— 4,8"/° 7,94"/o 4642,— Mk. 8399,— RM. :+2168,— (31,8°/°) — 103,— RM. 2,35 % nichts 2125,— 476,— 680,— (31,24 °/°) (7°/o) (10 °/o) 686,— 4172,— 1700,— (9 °/°) (61,4°/°) (25 °/°) 244,— (3,6’/o) 588,— (8,5 °/°) 913,— (13,46 °/°) 913,— (13,46 °/°) 204,— (3 °/°) 340,— (5’/o) Es fei ausdrücklich bemerkt, daß unter vorstehenden steuerlichen Belastungen keine umlagefähigen (Müllabfuhr usw) und keinerlei Gewerbesteuer enthalten sind. Bei Häusern, die gewerblich benutzt werden, ist die Belastung noch viel höher. Die letzten Steuererhöhungen für Grundsteuer und Sondersteuer von bebautem Grundbesitz ergeben eine Mehrbelastung von 877,26 RM. denen eine Mieterhöhung gegen- übersteht von 136,— „ Bleiben also am Hausbesitzer hängen 741,26 RM. Mehrlast gegenüber dem vergangenen Steuerjahr. Für die Zukunft steht aus Wassergeld und Hypothekzinserhöhung eine weitere Mehrbelastung von zusammen rund 300,— RM. bevor, die in vorstehen, den Zahlen noch nicht berücksichtigt ist. Daß alle vor der Inflationszeit dis zum 1. Januar 1924 gemachten Rücklagen aus Abschreibungen und Instandhaltung restlos verbraucht bzw. entwertet waren, bedarf keiner besonderen Nachweisung. Seit dem 1. Januar 1924 konnten aus Abschreibungen und Instandhaltungskosten wieder einige Rücklagen gemacht werden. Eine größere allgemeine Hausreparatur insbesondere Dachreparatur würde aber die aus den Abschreibungen und dengroßenInftandhaltungskostenzurDer. fügung stehenden Beträge schon überschreiten. Uebri- gen? mar es bereits notwendig, für die großen In- ftandhaltungskosten aus den Abschreibungen einen größeren Betrag in Anspruch zu nehmen. Für die Instandhaltung Der einzelnen Wohnguartiere stehen nur Beträge zur Verfügung, die für das einzelne Duartier nicht hinreichen würden, bei einem Mietwechsel die Instandsetzung zu bestreiten. Etwaige Mietausfälle verschlingen aber schnell alle Rücklagen. Das vorstehende Beispiel zeigt restlos, wie unmöglich die heutige Lage des Hausbesitzes geworden ist. Dabei ist dies hier an einem Falle aufgezeigt, der noch besonders günstig genannt werden darf. Don einer Verzinsung des Eigenkapitals ist trotzdem schon keine Rede mehr. Der Hausbesitzer legt noch regelmäßig darauf, er hat also nicht nur, wirtschaftlich betrachtet sein Eigenkapital gänzlich eingebüßt, während es sonst doch noch zu 25 v. H. erhalten blieb, er zahlt noch zu. So ist der Hausbesitzer heute im wesentlichen Steuererheber für den Fiskus geworden. Seine eingebildete Kapitalkraft besteht nur noch in Sie gab keine Antwort und ging Iafon voraus in die Halle. Bei ihrem Erscheinen erhob sich Bertram. Sichtlich überrascht sah er die beiden an. die ihre Aufgeregtheit nicht verbergen konnten. „Etwas Furchtbares ist geschehen, Herr Bertram! Lotte ist seit heute früh verschwunden! Wir wissen nicht wohin!" „Sie scherzen, Herr Iason!" „Es ist, wie ich sagte. Lotte hat einen Abschiedsbrief hinterlassen, der Schlimmes befürchten läßt!" Maßlose Erregung zeigte sich auf BertramS Schauspielergesicht. „Das ist ja nicht möglich!" stammelte er. „Seit zwei Stunden sind wir schon unterwegs: überall haben wir nach Lotte gesucht, uns überall nach ihr erkundigt. Sie ist wie vom Erdboden verschwunden!" Bertram schien seine Fassung wiedererlangt zu haben. „Man muh mit allen Mitteln nach Lotte recherchieren. Keine Minute darf verloren werden! Vor allem müssen wir sofort die Behörden mobil machen!" .Damit möchte ich noch etwas warten", erwiderte Iason. „Vielleicht hat Lotte sich nur in einer vorübergehenden nervösen Ueberreizung von hier entfernt, vielleicht kommt sie jeden Augenblick zurück: bedenken Sie den Skandal, wenn erst die Behörde ihre Hände in der Sache hat!" Bertram zeigte sich über Iasons Worte sehr aufgebracht. „Ich verstehe Sie nicht,' Herr Iason! Wie können Sie von Skandal sprechen, wo das Leben Lottes auf dem Spiele steht! Bedenken Sie. wenn ihr etwas zugestoßen wäre oder in diesem Augenblick zustoßen würde!" Elsbeth Iafon zuckte zusammen. Ihr Mann sagte beschwichtigend: „So schwarz braucht man doch nicht gleich zu sehen. Herr Bertram!" „Für mich steht das Glück meines Lebens auf dem Spiel! Sie wissen, wie sehr ich Lotte liebe! Und da sollte ich nicht das Letzte für sie tun?“ Er wandte sich an Elsbeth Iason: „Sagen Sie selbst, gnädige Frau, würden Sie an meiner Stelle nicht ebenso handeln?" Eine verfänglichere Frage hätte Bertram nicht stellen können. Cs durchfuhr Elsbeth Iason, daß, wenn dieser Schauspieler nicht gewesen wäre. Lotte auch keinen Grund zu ihrer Flucht gehabt hätte, daß er also schuld an all diesen Aufregungen sei: dennoch antwortete sie in hastiger Zustimmung: „Allerdings, ich würde ebenso handeln ...“ „Trotzdem möchte ich Sie bitten, Herr Bertram", ließ Iason sich wieder vernehmen, „mit der Zuhilfenahme der Behörden wenigstens solange zu warten, bis wir noch weitere Versuche, Lotte aufzufinden, unternommen haben!" Berttam zögerte: dann antwortete er widerstrebend: „Ich will natürlich nicht gegen Ihren Willen handeln. Wenn wir aber nicht bald Gewißheit über Lottes Schicksal bekommen, so werde ich auf eigene Faust vorgehen! Iedenfalls werde ich mich unverzüglich selbst auf die Suche nach Lotte begeben!" „Ich wäre Ihnen dankbar, Herr Bertram", sprach Elsbeth Iason leise. Der Kellner brachte ihnen das Frühstück auf ihr Zimmer. Während Iason, ttoh feiner zur Schau getragenen Verzweiflung kräftig ah, rührte Elsbeth Iafon kaum die Speisen an. „Bertram war ja wie von Sinnen!“ sagte Iason, während er sich ein neues Brötchen zurecht machte. „Wenn du jetzt noch daran zweifelst, daß er Lotte wirllich sehr gerne hat, dann kannst du mir leid tun!“ Ein Verdacht schien in Frau Iason auszu- blihen. Sie warf ihrem Gatten einen durchdringenden Blick zu. „Wenn das ganze nur ein Schreckschuß wäre? Wenn Lotte zu diesem Mittel gegriffen hätte, um mich ihren Wünschen gefügig zu machen?" Iafon erstarrte. Er kam sich durchschaut vor. 2m ersten Augenblick fand er keine Antwort- Dann polterte er los: „Wenn du das glaubst, warum jagst du mich dann stundenlang draußen umher? Dann können wir ja hier in aller Gemütsruhe abwarten, bis Lotte zurückkommt! Wenn sie aber nicht zu- rückkommt, dann verschone mich gefälligst mit Vorwürfen!" Frau Iason sank in sich zusammen. „Verzeih. Fritz! Es war ein törichter Gedanke. ich weiß es ...“ Iafon ging im Zimmer hin und her. Die Gefahr, die er soeben noch gefürchtet hatte, war abgeschlagen: nun kam er sich wieder sehr sicher und überlegen vor. Er griff nach Lottes Ab- schiedsbrief. der auf dem Tisch lag, und las ihn nochmals halblaut. ein Leben nicht ertrage ... gehe ich von euch", wiederholte er nachdenklich. Plötzlich fuhr er herum. „Klingt das nicht, als ob Lotte mit dem Gedanken umgegangen sei. sich ein Leid anzutun?" „Fritz!" schrie Elsbeth Iason entsetzt. Drohend blieb Iason vor ihr stehen. „Wenn so etwas geschehen würde, trügest d u die Schuld! Du hättest Lotte auf dem Gewissen! Warum hast du dich Lottes Wünschen kaltherzig entgegengestellt, warum hast du dem Kind das Glück, nach dem es sich gesehnt hat, verwehrt!“ Immer mehr steigerte sich Iafon in Wut hinein. Er vergaß ganz, dah die Dinge, um die es hier ging, sich ganz anders verhielten, als eS der Phantasie mancher Mieter und der heutigen Regierungen. Die Mieter aber mögen bedenken daß von den 122 v. H. Friedensmiete über die Hälfte auf Steuern und Abgaben entfallen, nämlich 61,4 v. Sy, sowie daß alle sonstigen Unkosten sich fast verdoppelt haben, so z. B. das Wassergeld von 15 Pf. je Kubikmeter auf 30 Pf. Wie ungerecht die Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz aber ist, die als Ausgleich für die 75prozentige Hypothekenentschuldung gedacht war, beleuchtet die Tatsachedaß der Hausbesitzer jahrelang so gut wie keine Miete erhielt, der Mieter vielmehr geradezu umsonst wohnte. Weiter möge der Mieter bedenken, daß die Mehrzahl der Hausbesitzer im Haus die letzte Substanz hat, von der sie leben muß. Das ist aber solchen Hausbesitzern nur möglich, wenn sie von Rücklagen und Abschreibungen gänzlich absehen und auch die lausenden Aus. gaben für Instandhaltung aufs äußerste beschränken. Der Verfall zahlreicher Häuser zeugt von dieser Not- läge. Daß es auch so verständige Mieter gibt, die selbst für Instandhaltung sorgen, oder beim Woh- nungswechsek einsehen, daß sie sich die Wohnung selbst instandsetzen müssen, soll nicht verkannt werden. Wohin der Weg der bisherigen Lastenverteilung, insbesondere auf steuerlichem Gebiete führt, zeigen jedem Einsichtigen die heutigen Verhältnisse. Oberheffen. Kreis Friedberg. WSN. Bad-Nauheim, 31.Juli. Der Kur- direktor Bruno v. Boehmer wird am 1.September d. I. wegen Erreichung der Altersgrenze in den Ruhestand treten. Kreis Büdingen. V Merkenfritz, 31. Iuli. Ein Wanderbursche, der sich auf der Durchreise befand, entwendete in einer hiesigen Hofreite einen kleinen Geldbetrag. Der Dieb konnte festgenommen werden. Bei seiner Llebrrführung in das Amtsgerichtsgefängnis versuchte der Verhaftete zu entfliehen, er konnte jedoch mit Hilfe von Erntearbeitern erneut festgenommen werden. Kreis Schotten. * Spotten, 1. Aug. Der Schotiener Sommer- markt findet am Montag, 10., und am Mittwoch, 13. August, in althergebrachter Form statt. Für den Montag ist der Pferde-, Bullen-, Rinder- und Krämermarkt und für den Mittwoch der Rindvieh-, Schweine-, Ziegen- und Krämermarkt sowie das Volksfest vorgesehen. Am Dienstag, 11. August, findet kein Markt statt, da der Tag gesetzlicher Feiertag (23er|affungstag) ist. Der Markt Dürfte sicherlich auch in diesem Jahre wieder seine Anziehungskraft auf Die LanDbevölkerung ausüben. Näheres in Der heutigen Anzeige. Preußen. Kreis Marburg. II Marbu'rg 31.Juli. An Der Ecke Biegen- straße-Deutschhausstraße rannte gestern abenD ein junger MotorraDfahrer, Der beim Nehmen Der Kurve Die Herrschaft über seine Maschine verloren hatte, mit großer Wucht gegen einen Baum. Man brachte ihn mit einer schweren Kopfverletzung in Die nahegelegene Klinik. Kreis Limburg. WSN. Limburg, 31.Juli. In einer Vollversammlung Der Industrie, und Handelskammer Limburg wurde der Haushaltsplan 1931/32 verabschiedet. Durch Einsparen bei verschiedenen Ausgabe- titeln wurde erreicht, daß die Kammerbeiträge, Die im Vorjahre in Höhe von 25 v. H. Der Gewerbe- fteuergrunDbeträge erhoben rourDen, für Das Geschäftsjahr 1931/32 auf 20 v. H. gesenkt rourDen. Maingau. WSN. Frankfurt a. TI., 31.Jull. BrandDirek- tor Schänker in Frankfurt a. TL kann am 15. August D. I. auf eine 25jährige Tätigkeit als BranDDirektor Der Stadt Frankfurt a. M. den Anschein hatte: die jahrelange Unterdrückung der eigenen Persönlichkeit, die er durch Glsbeth erduldet hatte, machte sich in zornigen Worten Lust. „Aber so war es immer! Immer hast du nur deinen eigenen Willen gekannt! Iedermann mußte sich nach dir richten! Hatte ich überhaupt einmal etwas zu bestimmen? Konnte Lotte sich, wie andere Kinder, entfalten, ihre Iugend genießen? Willenlose Kreaturen wolltest du um dich haben! Run hast du den Lohn!" Abwehrend hob Elsbeth Iason die Hände. „Run mach mir nicht noch Vorwürfe! Das andere ist wahrlich schlimm genug für mich!“ Sie unternahmen an diesem Tage noch vielerlei, um Lotte ausfindig zu machen: immer wieder trieb Elsbeth ihren Gatten zu weiterem Suchen an. Sie schien von schweren Vorwürfen gepeinigt zu werden: nirgends hatte sie Ruhe. Am Abend saßen sie in ihrem Zimmer; aus Iasons Ditte hatte sich auch Paul Bertram ein- gefunden. „Wenn morgen früh keine Rachricht von Lotte da ist, müssen wir unter allen Umständen die Polizei benachrichtigen!" sagte Elsbeth Iason plötzlich entschlossen. „Weiteres Zuwarten wäre unverantwortlich!" „Gewiß, gnädige Frau; ich bin ganz Ihrer Ansicht!" stimmte Bertram ihr bei. Elsbeths hagere Gestalt straffte sich, als habe sie soeben eine letzte Hemmung von sich abgeschüttelt. „Ich bin Ihnen für Ihre Sorge um Lotte sehr dankbar. Herr Bertram!" „Aber, gnädige Frau, meine Sorge um Lotte ist doch selbstverständlich! Lotte ist doch t>a& Liebste, was ich besitze!" * „Ich weiß, ich weih ...“ Dann, nach kurzem Zögern: „Ich wünschte auch .. . Ihretwegen, Herr Bertram, daß Lotte bald zurückkäme!" Die beiden Herren wechselten unauffällig einen Blick freudiger Genugtuung. „Das ist ein Wort, Elsbeth, das lasse ich gelten!" sagte Iason. „Hoffentlich kommt es nicht zu spät!" erwiderte Frau Iason leise, gequält. „Wir wollen die Zuversicht nicht verlieren, gnädige Frau!" tröstete Bertram sie. „Vielleicht bringt uns schon der kommende Morgen günstige Rachricht!" Er hatte sich nicht getäuscht. Iason, der sich sogleich nach dem Aufstehen zum Portier begeben hatte, um sich zu erkundigen, ob Rachricht von Lotte eingetroffen sei, kam gleich darauf freudestrahlend zurück. „Bertram hat eine Karte von Lotte bekomm men!" Frau Iason mußte sich setzen. „Gott sei Dank!" (Fortsetzung folgt.) zurückblicken. Als hernerrogenber Förderer der Freiwilligen Feuerwehr-Sache in Nassau Kat sich Branddirektor Schanker besondere Verdienste erworben, ebenso im 16. Kreisfeuerwehroerband Aroh Frank- Kleine Strafkammer Gießen. Gießen, 31. 3ulL Die beiden in der heutigen Sitzung verhandelten Fäll« tnbeten mit einer Freisprechung Im Januar d. 3. war ein Radfahrer. der die falsche Straßenseite benutzte, zwischen Ober-Florstadt und Staden von einem Auto angefahren und verletzt worden. Der Lenker des Wagen» erhielt deshalb von dem Amtsgericht Altenstadt eine Geldstrafe von 20 Ult Er focht dieses Urteil mit Erfolg an; die Strafkammer sprach ihn frei, da die alleinige Schuld den Radfahrer treffe, der kurz vor dem Auto noch die richtige Ctrafoenfcite zu gewinnen versucht hatte. Auf die Revision der Staatsanwaltschaft hob das Oberlandesgericht in Darmstadt dieses Urteil auf, so daß die Sache heute nochmals zur Verhandlung kam. Aber auch diesmal konnte sich die Strafkammer nicht von der Schuld des Angeklagten, überzeugen und erkannte wiederum, auf Freisprechung Denen einer. Wirt aus dem Amrsgerichtsbezirk Dilbel war Anklage erhoben toorben, weil er bei Abschluß eines Pachtvertrages über feine Wirtschaft den Dertragsgegner durch urrrichtige Angaben über den Umsatz betrogen habe. Da« den Angeklagten freisprechende Urteil des Amtsgerichts 33111x1 wurde von der Strafkammer bestätigt Rundfunkprogramm. Sonntag, 2. August. 7: Hamburg Hafenkonzert. 8.15: Aus der Weißfrauenkirche: Evangelische Morgenfeier, veranstaltet von der Zentralstelle für K.rchetzmülik der Evangelischen Landeskirche Frankfurt a. M. 11: Schloß Oranienstein bei Diez an der Lahn: Bunde »zelt lager Reudeutschland. Hvrbericht von Paul Laven. 12: Weilburg an der Lahn: Pro- menadepkonzert der Kapelle der Städtifchen Weilburger Bürgergarde. 13: Schallplattenkonzert. 14: Stunde de« Lande« 15: Stunde der Jugend 16: Bad L.ebenzell: Wilitärkonzert. 17: Stadion Waldenburg: Fußballkampf des Arbeiter-Turn- und Sportbundes: England Deutschland- Zweite Halbzeit. 18.30: ..Was Dichter in Frankfurt erlebten". Vortrag von Alfred Auerbach. 19.30: Alt« und neue Balladen de« Frei Herrn Börries von Münchhausen. Dorgetragen vom Derfasser. 20.15 Dem Andenken de« großen Sänger« Enrico Caruso. 21.45: Fahnen am Matterhorn. Hörspiel. 23 bi« 24: Tanzmusik. Montag, 3. August. 7: Frühkonzert auf Schallplatten. 12.05: Schall- Plattenkonzert. 15.15 bi« 15.45: ..Aus der Braut- zeit Johanna von Puttkammers", Bortrag von Dr Lilly Zarncke. Heidelberg 17: Baden-Baden: Konzert de« Städtischen Orchester«. 18: Tanz- mu>-k 18 40: ..Ein Tag aus dem Leben eines Diplomaten". Gespräch zwischen Diplomaticus und Dr Paul Laven. 19.05: Englischer Sprachunter, richt 19.45: Anekdoten. Gelesen von W. Duschhosf. 20. Dollsl.ederabend. Japanisch«, alt- und neu- ar echische. deutsch-österreichische Volksmusik. 20.45: Konzcriwalzer. gespielt vom Philharmonischen Orchester Stuttgart. 22: Wichtige Kleinigkeiten. Sine heitere Bortragssvlge. 22.40 bis 24: Zi- geunermusik. Dienetag, 4. August. 7 Frühkonzert auf Schallplatten. 12.05: Schallplattenkonzert 1515 bis 15.45: HauSfrauennach- miitag. 17: Wiesbaden: Rachmittagskonzcrt de« Städtischen Kurorchester« Wie«baden. 18: Tanzmusik. 18 40: „Deutsche in Pari«". Bortrag von Dr Göttling. Pari« 19.05: ..Die deutsche Romantik in der Malerei". Bortrag von Pros. Dr. H-ldenbrandt. 19 35: Don München: Unterhaltungskonzert. 20.50: Köpfe und Charaktere deutscher parlamentarischer Beredsamkeit. 21.15: Kla- v:er-Musik. 23 biS 24: Schlangenbad: Tanzmusik deS KurorchesterS. Mittwoch, 5. August. 7. Frühkonzert auf Schallplatten. 12.05: Schallplattenkonzert 12.20 Schloß platz Stuttgart: Prv- menadenkonzeri 1515 bis 16: Stund« der Jugend 17: Rachmttiagskonzert des Rundfunkorchesters. 18: Karlsruhe Tanzmusik. 19.05: E'peranto-Unterricht. 19 45. Oper auf Schall- piarten. Cavalleria rusticana. Oper in einem Auszug 21 15: Cannstatt: S.nsonie-Konzert deS Philharmonischen Orchesters Stuttgart. Donnerstag. 6. August. 7: Frühkonzert auf Schallplatten. 12.05: Schallplattenkonzert. 15.15 bis 16: Stunde der Jugend. 17: Freudenstadt: RachmittagSkonzert deS KurorchesterS. 18: Karlsruhe Tanzmusik der Kapelle Haas-Mahagonny. 18 40: Zeitfragen. 19.05: ..S'.edlungssragen". Bortrag von Stadtrak Rie- meyer. Frankfurt a. HL 19.45: Furtwangen: 3m Schwarzwälder Uhrenmuseum Furtwangen. Hör- berchi 20 30 Schweizer Volkslieder, gelungen vom Hängerllub des Turnverein- „Reue Sektion" St. Gallen. 21: Serenaden, gespielt vom Philharmonischen Orchester. Stuttgart. 2235 bis 24: Tanzmusik. Jreitag, 7. August. 7: Frühkonzert auf Schallplatten. 12.05: Schallplattenkonzert. 17: Wiesbaden: RachmittagS- konzer! deS Städtischen Kurvrchestcrs Wiesbaden. 18 Tanzmusik auf Schallplatten. 18.40: „Die Dichter arbeiten an der Zeitgeschichte". — Am Mikrophon: Hermann Kesser und Paul Laven. 19.45. Karlsruhe: Aelter« und neuere Tänze, gespielt von dcr Kapelle HaaS-Mahagonny. 20.30: D' Erdwe'lbla Gin Spiel im Sundgau von Ra- than Katz. 22 30 bis 24: Tanzmusik Samstag, S. August. 7: Frühkonzert auf Schallplatten. 12 05: Schallplattenkonzert. 15.15 biS 16: Stunde der Jugend. 17: Don Hamburg: Schaubericht von den Internationalen Deutschen TenniS-Meisterschaf- ten. 17 15: Rachmittagskonzert des Rundsunk- orchesters. 18 40: ..Eine arbeitsg^r chtlich« Sitzung". Gespräche zwischen Landgerschtsdirektor Dr. Aschaffenburg. Dr. Lenhard und Dr. Faatz. 19.05: Spanischer Sprachunterricht 19.45: Der Deutsche im Ausland. Ein kleiner Reiseknigge. 20.15: Bad Soden Kurhaus: Die Comcdian Harmonists singen. 21.30: Pfälzer Abend. 22.50 bis 24: Tanzmusik. •wriius Unter Führung von Sir Hubert Wilkins hat das U-Boot „Nautilus' jetzt aus dem Hafen von Plymouth feine Nordpolreifc angetreten. Ursprünglich war ein Zusammentreffen des „Nautilus mit dem „Graf Zeppelin" in der Arktis geplant, doch mußte dee „Nautilus" wegen schwerer Havarien seine Ausreise verschieben. Kunst unö Wissenschaft. Das Bud) von Deutschland. Eines der bedeutendsten Bilderwerke ist Kurl HicllcherS mit 280 ganzseitigen Bildern au- allen Teilen des deutschen Reiches versehenes Buch mit dem vielver'prechenden und verpflichtenden Titel .Deutschland". Der Untertitel ..Landschaft und Baukunst" besagt, welcher Art die Bilder Kurt Hielschers sind. Wie wir sr- fahren, veröffentlicht Hiellcher jetzt eine neu- bearbeitete Auslage feine- Buche- Gerhart Hauptmann hat ein von dichterischer Einfühlung getragenes Vorwort beigesteuert, und von Han« Thoma, dem das W.rk gewidmet ist, enthält es den letzten handschriftlichen Brief in Faksimile. Thoma ruft an einer Stelle feine« Briefe« dem Meister der Schwarz-Weiß-Kunst begeistert zu: ..Das ist ja das Bildnis meiner Herzlieben, meiner deutschen Heimat, über der die deutschen Seelen ihre cwiaen Reigen schwingens" Das Deutschlandbuch erscheint von jetzt ab im Verlag Drockhaus. Leipzig. Wir werden auf das Bilder werk in seiner neuen Form demnächst näher «ingehen. Mrcblicbe Jlothridifen Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 2. August. 9. Sonntag nach Trinitatis. Stadlkirche. 8 Uhr: Psr.Mahr; zugleich Christen, lehre für die Neukonfirmierten her Matthäus- gemeinde , 9.30: Pfr. Trabandt (Herbstein). — 3o- hanneskirche. 8: Pfr. Bechtolsheimcr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Lukas- gemeinbe; 9.30: Pfarrassistent Seemann; 20: Bibel- besprcchung im Iohannessaal; Psr. Lenz. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfr Lenz; zugleich (Thrb stenlehrc sur die Neukonsirmiertkn der Luther« gemeinde. - Elifabelh-Klclnklnderfchulc. 8 30 Pfr. fcetfer. — Aleln-Clnben. 9- Hauptgottesdienst; 10.30: Kindergottesdienst. — UUcferf. 9.30; Kollekte für Innere M.ssion; 10.45: Kinderkirche. — Alten-Buseck. 10: Gottesdienst; Kollekte für innere Mission; 13: Christenlehre für alle Christenlehrpflichtigen.— Kirch- berg. 10: Kirchberg; Gottesdienst; 11: Katechismus- lehre für die weibliche Jugend; 13.30: Mainzlar; Gottesdienst. — Haufen-Garbenteich. 9: Haufen, Pfr. Staubach (Watzenborn): 13.15: Karbenteich; Pfr. Kramer (Stembach). — Öahcnborn-Slcinbcrg. 10.30: Hauptgottesdienst mit Christenlehre. — Cid). 9.15: Beichte; 9.30: Stistsvfarrer Draubt; hl. Abendmahl; 14: Stiftsdechant Kayn. katholische Gemeinden. Samstag, den 1. August. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, den 2 August 10. Sonntag nach Pfingsten. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte, 7: Messe; Kommunion der Manner; R: Kommunion; 9. Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 14: Andacht. — (Brünberg. 9.45: Messe mit Predigt. — Hungen. 17 30: Vortrag und Andacht. — Caubadj. 10: Hochamt mit Predigt; 14 30: Christenlehre und Andacht. — Cid). 7.30- Hochamt mit Predigt; 20: Bortrag und Andacht. — Nidda. 8.30: Hochamt mit Predigt. — Schotten. 10.30: Hochamt mit Predigt. Mittwoch, den 5. August. Hungen. 6.15 Uhr: Messe. Zonntanöbicnfl b.*21crueu. Apotheken am 2. 8. 31. Dr. Mach. Dr. Geyer. Cngelavotdeke. BabnatAt: Dr. Jäger. *°°D Achtung! Achtung! | WIESECK | Sonntag, den 2. u. Montag, den 3. August | KIRMES wozu einladen die Wirte: Wilhelm Dorfeld Heinrich Hormann Adam Debus Richard Weller Aus Keller und Küche das Beste! sobtd Sonntag, den 2., und Montag, den 3. August Kirmes mWieseck im Gasthaus „Gambrinus“ Es ladet freundlichst ein Gastwirt Braun Wer sich trotz der Geldknappheit gut und billig amüsieren will, der komme zu Braun. riosv 2 Reichswehr-Kapellen! Eigene Metzgerei!Parkettboden! Achtung! Achtungl Auf nach Wieseckzur Missionsfest zu Fellingshausen am Sonntag, dem 2. August Festprediger: Pfarrer D. Fritsch, Ruppertsburg u. Missionar Blümer, Marburg (früher Ostafrlke) 5588d Festgottesdienst: 2 Uhr in der Kirche- Nachversammlung 4 Uhr bei günstiger Witterung im Freien. Alle Freunde der Mission sind herzlichst eingeladen. Der Kirchenvorstand: Vömel, Pfarrer. Kirmes In Waldgirmes Sonntag, den 2. August, Six d u. Montag, den 3. August Gasthof Karl Weimer. Kirmes Frische Mausschlachtung. Zum Ausschank gelangt gutes Mainzer Aktienbier „Doppelrad". Montag Frühschoppenkonzert mit Rippchen und Haspel mit Kraut Es ladet freundlichst ein: sind OttoHofmann Eichenröder Weg Was ifl Wehrosol? Wehrosol ist ein FukbodenglanzSl. da- ichari trocknet, aufaewaschen und gewachst werben kann ES kann mit allen Farben vermischt werden unb steht im Hochglanz Zu hoben bei 51 ur. Noll,Nreuz-Troocric, Badnbofttrafie 53. 4M6D Sum Borstreichen empfehle: Leinölfirnis la, harzfret- -Liter 75 Bk. Fuhdobenölfarbe.........Vfund 60 Pf. Ihre Verlobung geben bekannt Friedel Müller Philipp Mootz Gießen Gießen______ Ludwigsburg (Wttbg.) 1. August 1931 04324 Emmy Weber Otto Keller Verlobte Lich, Äuhbacher Siraße 23 IBerborf 2. August 1931 5089 D Der üHolteBetüooimemioill findet tn der althergebrachten Form statt am: Montag, dem 10. August: Pscrde-, Bullen-, Rindvieh- und Krämermarkt: Mittwoch, dem 12. August: Rindvieh-, Schweine-, Ziegen- und Krämermarkt, Polköfett. Der Auftrieb findet am 10. August 193L von 6' , bis 8 Uhr. und am 12. August 1931, von 7 bttz 8 Ubr statt. Der Austrieb von Tieren aus verseuchten Beob- achtungS- und gefabtbeicn Gebieten ist verboten. UrsvrungSzeugni'ie find vorzulegen. Ta am Dienstag, dem 11. August, BerkafiungS- unb geieylicher Feiertag lit findet der Schweinemarkt am Mittwoch, dcm 12. August, statt. 5091D Bür die See, w> zuheben." lugen W• l Hotels ube Oden tut und rouchl der Nordh und raufe Blöcken de glast oersii kreischend Grüße des Dom Mu promenade Deichkrone r ,jch buntgef den flaggen' den und sk" und entdeckt Reihe der hinein ins wundervoll der Nichkfch bespritzen, a Plötzlich ist Bodekabine lind dann flutende El Hinter de finken die 6 die Nordsee Sonnt im I Segel des K pocht, aus t Eanddanl b liegt. Langsam nimmt tim Kinderfilm schlafen. Stimme Augen. Di ist dar 2Bt Gibt, wo i nur bort br um tropfen. Die WaI da. Darauf dreien lause Das Tesch, Köpfen der Aögel auf gebliebenen Kühlend wärmten V der von ta kräuselte W Unterbrecher kleinen Mai ZU ein klei Slrandkrabb gürtete Krcb schwinden in So wände Himmel, do baden, um f: wohl durch brauhen fi chiebt. Di, uederrasch, Boden, die wohl hier 8i und plö Zwischen A vischerslotte aufkommend d'e.ersten n£ Wnetnfa^ Nun wirt brmgt seiner aus de» fischen die Itter sein Geld liebt, Itter sein Geld aifitet, kauft jetzt im (Räumungs -JlusDeiftaufä früher bis zu 63.00, jetzt 36.00 früher bis zu 126.00, jetzt 69.00 früher bis zu 48.00, jetzt 19.50 3 große Vorteile werden Ihnen geboten: 1. Sie kaufen altbewährte, gute Qualitäten (keine Ladenhüter) 2. Sie zahlen nur ein Bruchteil der bisherigen Preise 3 Sie erhalten volle Garantie für jedes Stück nzüge Einige Beispiele: aus guten Kammgarn- und Cheviot-Qualitäten Herren-Anzüge, ganz erstklassiger Ersatz für Maß Sport-Anzüge, teils mit zwei Hosen JKäntel Einige Beispiele: Gabardln-Mäntel, reines Kammgarn, uni und gemustert... 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Don HanS«Güncher Marek. ®ujum! — Du umschließt Erinnerungen an |on- nenerfullte Tage, Mondnächte über der ewig rauschenden Nordsee, Stunden der Ruhe, wortkarges Gespräch mit wetterharten Fischern Vor den alten, niedrig gemütlichen Fischerhäusern spielen braungebrannte Grohsladtjungen, lauschen den einheimischen zehnjährigen „Seebären", lernen, was Steuerbord und Backbord, was Kielwasser und Kielschweine sind, gucken begierig auf Krebse und Seesterne — und sind froh Grün weht der langgestreckte Deich die Sicht auf die See, wie um ihr Geschenk noch recht lange auszuheben, nur ihre Melodie hört man. Neugierig lugen die Veranden und Dächer der großen Strandhotels über die Deichkrone hinweg. Oden tut sich ein überwältigender Blick auf! Ruhig und wuchtig schiebt der Seewind die langen Wellen der Nordsee auf den Büsumer Strand zu, singend unb rauschend brechen sie sich an den klobigen Blocken der Strandpromenadenmauer. Im Sonnenglast versinkt am Horizont die Vogelinscl Irischen. Kreischend tragen Möwen und Seeschwalben die Grüße des einsamen Nordseeeilandes herüber. Dom Musikpavillon inmitten der breiten Strand- Promenade dringt die Musik der Kurkapclle zur Deichkrone hinauf, lockt zu den spazierenden, sommerlich buntgekleideten, froh gestimmten Menschen zu den flaggenüberslattertcn Strandkörben, den badenden und spielenden Kindern. Man geht auf und ab und entdeckt vor dem bauchigen Leuchtturm die lange Reihe der Badekabinen. Herunter mit den Sachen, hinein ins Wasser! Lange Schwimmstvhe in der wundervoll warmen Salzflut tragen durch die Schar der Nichtschwimmer hindurch, die sich mit Gekreisch bespritzen, auf Gummitieren reiten, auf Bälle stürzen. Plötzlich ist der Schwimmer so weit draußen, daß die Badekabinen zu einer langen Zeile verschwimmen, lind bann tragt ihn der langsam vom Lande abflutende Ebbestrom zurück. • Hinter den kühlen Wänden des Strandkorbes Der- sinken die Geräusche der Umwelt. Nur der Blick auf die Nordsee bleibt. Der Blick auf das Spiel der Sonne im Wasser, den blauen Himmel, das braune Segel des Kutters, dessen Motor ganz fern herüber- pocht, auf den Seehund, der sich dort neben der Sandbank tummelt, über der das Wasser so ruhig Langsam dämmert man hinein in diese Stille, nimmt einen Möwenruf mit in den Traum, eine Äinbcrftimme, ein Frauenlachen. Die See unb wir schlafen. Stimmen zerreißen ben Traum. Man reibt sich ble Augen. Die Sonne scheint noch immer, aber — wo ist das Wasser, wo ist bie See? Weit behnt sich bie Erde, wo vorher Wasser war. Ein weißer Streifen nur dort draußen laßt die See erkennen, sonst ringsum tropfen, unb rinnsalüberrieselte Erde. Die Watten? Eben unb ohne Priele liegen sie ba. Darauf bie Menschen. Allein ober zu zweien, breien lausen sie über die Watten, dem Wasser nach. Das Geschrei der Möwen gellt stärker über ben Köpfen brr Wattenläufer, wenn bie ewig hungrigen Vögel auf einen im seichten Wattwasser zurück- gebliebenen Fisch herabstoßen Kühlenb streicht der Wind über den sonnendurch- wärmten Boden. Prickelnd unb blutbelebcnb legt sich der von tausend zarten Wellen gefestete und geträufelte Wattboden unter den Fuß, winzige Hügel unterbrechen die Fläche, unter ihnen wohnen die kleinen Wattwürmer, aus deren Behausungen ab und zu ein kleiner, glitzernder Wasserstrahl aussteigt. Strandkrabben, die alle aussehen wie panzerum- gürtete Krebse, eilen um die Hügel herum und verschwinden in behende gegrabenen Löchern. So wandert man durch das Watt. Heber sich den Himmel, vor sich bie See, unter sich ben Meeres- boben, um sich die Ruhe der Natur. So wandert man wohl durch bas Watt, bis ber weiße Streifen bort draußen sich langsam unb kaum merklich näher schiebt Die Flut kommt. Ungefährlich unb ohne Ueberraschung ergreift sie wieder Besitz von ihrem Boden, die Menschen ziehen vor ihr her, verweilen wohl hier und da, schauen, wie die Fluten langsam an ihre Füße kommen, an ihnen sich hinauftasten. Unb plötzlich tauchen unzählige dunkle Segel zwischen Büsum unb ber Insel Irischen auf, die Fischerflotte kehrt vom Krabbenfang zurück mit ber aufkommenden Flut. Näher und näher kommen sie, die ersten verschwinden schon hinter Leuchtturm und Hafeneinfahrt. Nun wird Leben im Hafen. Kutter an Kutter bringt seinen Fang an Land, appetitlich düstet es aus ben Körben Unb wenn man schnell zwei Finger zwischen die frisch gekochten, ungeschälten Krabben steckt und eine kleine Handvoll herausholt, bann sehen bie scharfen Fischeraugen auch einmal nach dem Himmel oder dem Hafen und merken nichts... Wohlig müde und erfrischt vom Wasser, von der Lust unb vom Watt mit seiner beruhigenbcn Wirkung auf bie Nerven geht man burch den abendlichen Ort, in dem jetzt ba unb bort ein weicher Geigenton, ein schmeichelndes Saxophon aufklingt. Der will, geht tanzen. Wer nicht will, setzt sich hinter bie gebräunten lische ber ehrwürdigen „Alten Post", hinter einen kräftigen (Eiergrog. Ein anderer steigt hinab in die kühlen Gewölbe des Aquariums der Zoologischen Station Büsum, hinab auf den Meeresgrund, auf dem es grünbammtrnb schillert zwischen Seerosen und Hummern. Knurrhähnen unb Tintenfischen, Haien unb Einsieblerkrebsen, Schollen unb Seesternen. Er fängt vielleicht einen kleinen Plausch mit Bastl Müllegger, bem Leiter ber Station, besten Augsburger Mundart hier an ber Wasserkante so eigenartig anmutet. Und kommt ein alter Fischer dazu, gibt es einen merkwürdigen Disput in Plattdeutsch. Bayrisch und Hochdeutsch, wo dieser Hummer oder jener Hai wohl gefangen wurde, und welche (Erinnerungen mit dem kleinen, rundlichen Seehund verbunden sind, der ba hinten aus seinem Bassin mit kluaen. milben Augen zu uns hinblinzelt. Büsum, herrliche läge in Meer unb Watt! Deutschlands Herrgottswinkel. Urwüchsige Doralpen-Landschast. Don Richard (hiringer, (9DS. Mit dem 6