Nr. 151 Erster Blatt 181 Jahrgang Mittwoch. 1. Juli 1931 Eriche «üglich.anher Bowwtags und Fei erlag» Bet legte Di» Dnuhriert« Gretzenei Fam'IiendläUei heim al im Bild Ttt Scholl« ®onais-8eie|sprtti; 2.20 Neichbmard und 30 Reichspfennlg für Träge» lohn, and) bei .Nichter» scheinen emzeiner stummere Infolge höhere, ©email .gerefprechonlchlüste enterSammeln ummer2251 Infdinfi Mr Vrohrnach- richten Lnzeiger tieften. Polfd)e(ftonto: gta^lfurtom Main 11686 Gietzemr Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Vrvck nnö Derlag: vrühl'sche Untversitütr-Vuch- nnö Steinöruderet K. Lange ta Sietzen. SchrisUettung und Geschästrfkelle: Zchulftratze 7. Annahme ow Anzeige» für di« Tagesnummer bt* zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Neichspscnnig; für Ne» klameanjeigen von 70 mne Brette 35 Neichspfennig, Plahvorfchrift 20* , mehr. Thefredalttear Dr Fnedr Wich. Lange. Derantwortlich sür Volttih Dr Fr Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Ttcq Filter, sämtlich in ©leben. Landnöten. Die Franzosen haben sich mit ihrem Widerstand gegen den Vorschlag Hoovers ineineSackgasse verrannt, so daß sie nicht den rechten Ausweg mehr finden. Für sie handelt es sich eben in erster Linie um eine politische Frage und für den Ministerpräsi. de nie n Laval um ein Stück Prestige. Die Art, wie er den ganzen Streitfall behandelt, ist angesichts der allgemeinen Wirtfchastsnot eigentlich mehr als zynisch. Er sieht nicht die Katastrophe, die kommen müD, wenn er weiterhin halsstarrig bleibt. Er sieht nur die Möglichkeit, sich „hinter feiner Kammer zu verschanzen" und spricht das auch öffentlich aus, in der Hoffnung vielleicht, daß Hoover dann nachgeben wird. Hoover kann aber nur bis zu einer gewissen Grenze nachgeben. Für ihn ist das Moratorium selbstverständlich nicht Selbstzweck, sondern e i n Stück in einem sehr txiel größeren Plan. Er geht davon aus. daß die Reparationen das Unglück der Welt sind und will den Nachweis führen, daß eine Besserung eintritt, sobald mit den Reparationen gestoppt wird. Daß eine Heilung innerhalb eines Fohres möglich sein sollte, ist natürlich ausgeschlossen. Die logische Folge De» Hoover-Planes ist daher, daß in einem Fahr ein neues Moratorium kommt und 1933 ein drittes, so daß dann die Welt drei Jahre Zeit hätte zur Erholung. Um nach dieser Zeit, wenn sich inzwischen herausgestellt hat, daß die Belebung kräftige Fortschritte macht, an eine Regelung der Kriegsentschädigung auf kaufmännischer Basis her- anzugehen. Die Franzosen sehen diese Gesahr sehr gut und wollen ihr entgegenarbeiten, indem sie einmal die beschleunigte Rücker st attung der uns in Form von Krediten wieder zur Der- fügung gestellten ungeschützten Zahlungen verlangen und indem sie außerdem von uns die Verpflichtung fordern, daß wir aus Grund dieses Feierjahres in absehbarer Zeit keine Revision des Voungplanes verlangen werden. Das sind beides U.nmöglichkeiten. Sollen wir nach einem Jahr ungefähr ^00 Millionen mehr aufbringen, dann bleibt von der ganzen Stundung nicht allzu viel mehr übrig. Sollen wir außerdem bei der Gelegenheit den Voungplan als etwas älnvtrletzllches anerkennen, dann hat die ganz« Aktion für uns keinen Sinn. Di« Franzosen wissen ganz genau, daß die deutsche Regierung gezwungen wäre, ein Lranssermoratorium für Mitte 3uli zu erklären, wenn nicht im letzten Augenblick Hoover einsprang. Sie wissen, daß wir mit unserer Kraft am Ende sind und so oder so eine Lösung suchen müssen. Eine Lösung aber, die daS französische Risiko eines Mora- wriumS auf unsere Schultern abwälzt, kann für uns gar nicht in Frage kommen. Dann lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Wir verkennen die Gefahr nicht, die in einem Scheitern der französisch-amerikanischen Verhandlungen liegt. Wir wissen, welche schweren Er> schütterungen unserer Wirtschaft daraus folgen müssen. Aber wir können nicht noch einmal unsere ganze Zukunft für ein Linsengericht verkaufen. Wenn es nicht anders geht, werden wir diese Kraftprobe durchhalten müssen, auf alle Folgen hin. Aber vorläufig dürfen wir immer noch hoffen, daß die Franzosen den Dogen nicht überspannen und im letzten Augenblick doch Angst vor den Auswirkungen ihrer Halsstarrigkeit haben werden. • Nach der englischen und französischen Regierung hat nun auch Italien den Reichskanzler und den Reichsaußenminister zu einem Besuch eingeladen. Es ist begreiflich, daß Rom den Wunsch hat, sich von den inNraational^n Besprechungen nicht ausschalten zu lassen und daher Wert darauf legt, die deutschen Staatsmänner zu einer Erörterung der politischen Lage bei sich zu sehen. Daß die deutsche Regierung die Einladung angenommen hat, war ein selbstverständliches Gebot der Höflichkeit. Auch in Berlin wünscht man, gute und freundschaftliche Beziehungen zu Italien zu unterhallen. Die deutschen Staatsmänner werden also von dem besten Wunsche beseelt nach Ftalien gehen. In Rom aber wird man sich darüber klar fein müssen, daß die Besprechungen nur dann von wirklichem Erfolg getränt fein werden. wenn man mehr als bisher Verständnis für die schwere Lage Deutschlands zeigt. Wir haben von italienischer Seite des öfteren unverbindliche freundliche Worte gehört, jedoch standen leider die Taten der italienischen Regierung keineswegs damit immer in Einklang. Sollte hier ein Wandel sich anbahnen, so würde das gewiß in Berlin aufrichtig begrüßt werden. Daß die deutsch-französischen Verständi- gungsversuche durch die römischen Besprechungen nicht beeinträchtigt werden, ist selbstverständlich. Die persönliche Fühlungnahme der Staatsmänner, in deren Zeichen jetzt die Außenpolitik steht, ist eine begrüßenswerte außenpolitische Initiative, auch wenn sofort greifbare Ergebnisse nicht zu verzeichnen sind. Gewiß kamen die Außenminister auch bisher schon in Gens in unmittelbare Berührung, aber die mit Arbeitsstoff reichlich oersebenen Tagungen ließen kaum Zeit zu ruhiger, freundschaftlicher Aussprache. Die so schnell modern gewordenen politischen Dochenendbesuche beseitigen' daher einen Mangel und Prüften zur Verständigung beitragen. Auch die Zusammenkunft führender Parlamentarier kann auf diesem Gebiete von Nutzen fein, sofern sie in dem gebotenen Rahmen bleibt. Entschieden abzulehnen ist es aber, wenn sie die Form privater Außenpolitik annimmt, die womöglich noch in Gegensatz zu der Arbeit der eigenen Regierung steht. Mit einigem Erstaunen hat man vernommen, daß während der Verhandlungen der französischen Kammer über den Hoooerplan Herr Breitscheid in Paris eine rege politische Tätigkeit entwickelt und sogar an den Fraktionssitzungen der französischen Roch immer feine Entscheidung in Paris Mellon hält in Washington Rückfrage. - Präsident Hoover will feinen plan nötigenfalls ohne Frankreich durchführen. pari», 1. Juli. (IDIB. Funkspruch.) Die fran- zösisch-amerikanischen Besprechungen sollten heule vormittag wieder ausgenommen werden. Nach dem „Echo de Paris“ sind sie jedoch a u f 15 Ahr verschoben worden, weil Schatzsekretär Mellon um diese Frist gebeten habe, damit er noch einmal mit Washington nach der gestrigen Senatsdebatte sich ins Benehmen sehen kann. Jm Staatsdepartement in Washington wurde heute erklärt, der Streit mit Frankreich drehe sich nur um folgende Punkte: 1. Amerika wolle, daß die deutsche Regierung den ungeschützten Teil alsbald in voller höhe zu Budgetzwecken zurückerhalte. 2. Daß bi? Rückzahlung dieses Kredites in 2 5 3 ahren erfolge. Man deutele zu diesem punkte an, daß man eventuell aus eine kürzere Feit, etwa 10 ober 15 3atjre heruntergehen werbe, nicht aber auf fünf 3ahre. 3. Die Frage bes Garantlefonbs gehe nicht Amerika an. Diese Angelegenheit müsse Frankreich mit ben übrigen Youngplan-Gläubihern regeln. Zu- fammenfaffenb wirb erklärt, man fei nicht entmutigt, sondern erhoffe eine baldige (Einigung, da ein Fehlschlag katastrophal rtäre. Hoover besprach die Lage heute in einer längeren Kabinettssihung, nachdem er vorher erneut mit Mellon telephoniert hatte. 3n parlamentarischen Kreisen umgehende Gerüchte, für die eine Bestätigung jedoch nicht zu erlangen ist, besagen, daß Hoover nicht nachgeben, aber auch Deutschland nicht Im Stich lassen werde, sondern schon jetzt mit feinen amtlichen und parlamentarischen Mitarbeitern berate, wie man Deutschland nötigenfalls ohne Frankreichs Mitwirkung Helsen könne. Als haltlos werden die Meldungen bezeichnet, wonach man hier eine direkte Verständigung zwischen pari» und Berlin wünsche. Man steht hier auf dem Standpunkt, daß Hoover die Rettungsaktion mit dem ganzen Gewicht seiner Stellung eingeleitet habe und sie auch durchführen werde. Die republikanische „Washington post“ und die demokratische „Baltimore Sun" vertreten den Standpunkt, bah man Frankreich Zeit geben müsse, unb eine (Einigung sich schließlich boch erzielen lassen werbe. Deutschland und das pariser Duett. Warum dieNcichsregicrung sich heraushiclt Verl in, 1. Juli. (ERD. Eigene Meldung.) Die .Germania", das Dlatt des Reichskanzlers, erörtert aus Anlaß der französischen Senats- dcbatte die Entwicklung der Verhandlungen über den Haoverplan. Das Dlatt beezichnet die plötzliche Einberufung des Senats als ein weiteres Mittel, die Haltung Frankreichs zu versteifen und begrüßt deshalb um so herzlicher den Schritt der italienischen Regierung, die soeben das Inkrafttreten des Hovverschen Vorschlages für Italiens Verpflichtungen und Forderungen notifiziert habe. Die Dosis, auf der Amerika Frankreichs Svnderwünschen entgegen- kommcn will, so schreibt das Dlatt weiter, nämlich das automatische Zurückfließen derungeschütztendeutschen Annuität als zinslose langfristige Anleihen nach Deutschland, würde, finanzpolitisch gesehen, den Zielen der Hooveroktion im wesentlichen entsprechen, tocim diese Transaktion auch unnötige und unvorhergesehene Komplikationen heraufbeschwort. Was Frankreich darüber hinaus fordern zu Em- nen glaubt, wird von den Amerikanern mit Recht als eine ^Interhöhlung des Hovverschen Planes betrachtet und bekämpft. ES ist bemerkenswert, daß in Paris selbst Leute wie Sauerwein Deutschland sein Fernbleiben auS diesem Zweikampf direkt zum Dorwurf machen. Man weiß in Paris sehr wohl, daß man mit einem deutschen Verhandlungspartner eher als mit einem amerikanischen Unterhändler fertig wird und hätte gar zu gerne Deutschlands Kapitulation als Argument gegen Hoovers Vorschlag ins Feld geführt. Die Pariser Entscheidung wird darüber entscheiden müf- fen, ob das Mißbehagen und der Mißmut über Frankreichs Unverständnis und Unnachgiebigkeit im Gedächtnis der anderen Rationen ewig 'haften bleiben soll. Richt als Dittflehender hat Drüning ferne Hand Frankreich entgegengestreckt, sondern als aufrichtiger Rachbar und Freund, der um loyale Zusarnnrenarbeit und weitherziges Der- Rom. 30. 3unL (I1L) Die Amtliche Italienische Telegraphen-Agentur berichtet: während man erwartet, baß bie gegenwärtig laufenben Der Handlungen fobalb als möglich ein enbgültiges Abkommen zwischen ben Interessierten Regierungen ergeben, hat bie italienische Regierung folgerichtig ihrer vollen unb herzlichen Zustimmung zum Vorschlag bes Prüft be n t e n Hoover entsprechen!» im voraus bafür gesorgt, mH bet Durchführung des amerikanischen planes zu beginnen. Zu biefera Zweck Hot bet Außenminister noch Vereinbarung mit bem Finanzminister bie Regierungen ber Schulbner st aalen Italiens ba- von oerftänbigt, bah die italienische Regierung bie Summen, bie man ihr in Anwenbung bes Houng- planes unb bes Haager Abkommens zum 1.3ull fchulbet, nicht einzuforbern beabsichtigt. Gleichzeitig hat bie italienische Regierung bie Regierungen ber Gläubiger st aaaten davon verständigt, bah bie Regierung in (Erwartung Lonbon, 1.3uli. sWTB. Funksprnch.) Die Sorge, mit ber bie politischen unb wirtschaftlichen kreise (Englanbs ber heute in pari» erwarteten (Entfärbung entgegensetzen, kommt in ber Morgenpresfe zum Ausbruck. „Daily her alb“ schreibt, präfi- benl Hoover habe Grohbritannien, Italien unb an- beren Staaten ben Vorschlag gemacht, dah sie auch, fall» Frankreich bie Mitarbeit verweigere, ben plan in Wirksamkeit setzen, wahrscheinlich würben in biefem Fall bie USA. bereit sein, Deutschlanb eine Anleihe für bie Bezahlung ber von F rankreich ge - f orberten Annuitäten zu gewähren. Frankreich mühte natürlich unter biefen Umftänben feine kriegsfchulben an Amerika weite r j a tj l e n, unb es fei möglich, bah biefe französischen Gelber von ber amerikanischen Regierung für bie Deutschlanb zu gewährenbe Anleihe benutzt würben. — Auch ber „Daily Telegraph“ schreibt, sollte Frankreich es unterlassen, Amerika auf halbem Wege entgegenzukommen, so bürste präfibent Hoover eine äufjerfte Anstrengung ständnis der deutschen Lage wirbt. Deutschland will keine Verträge zerreißen, sondern revidieren im Interesse der wirtschaftlichen Zukunft Europas und des amerifa» nifchen Volkes, dessen Präsident diese hochherzige Initiative unternommen hat. Die Übrige Morgenpresse bringt in ihren Ueber-chriften und in kurzen Kommentaren ihre Zustimmung zu der Haltung Italiens in der Frage des Hoovervorsch.ages zum Ausdruck. Der Dörsenkurier nennt den Schritt Italiens eine mutige Tat, der besonders beachtenswert In einem Augenblick sei, in dem Frankreich noch immer neue ÄonfLifte und Enttäuschungen her- aufbefchwöre. — Die D A Z. spricht von einer . hochersreulichen und spontanen Gest« Italiens. Das Dlatt glaubt, dah schließlich doch eine Einigung mit Frankreich so gut wie sicher sei. einer Entscheidung die von 3fallen zürn gleichen Termin geschuldeten Summen zurückhalten wird. • In Washington verlautet, daß das Angebot Italiens so zu verstehen ist, daß es durch das In-' krafttreten des Hoooerplanes bedingt wird. Tritt der Plan nicht in Kraft, so ist der Status q u o automatisch wieder hergeste11t und Italien wird von seinen Schuldnern die ihm zustehenben Summen beanspruchen. Wenn ber Hooverplan beispielsweise ohne Mitwirkung Frankreichs in Kraft träte, bann würde bas italienische Angebot zwischen seinen beiden Gläubigern, Großbritannien und Amerika einerseits unb Italien unb seinen Schuldnern anderseits aufrechterhalten bleiben. — Der Korrespondent des „Daily Telegraph“ in Rom nennt den italienischen Beschluß eine äußerste Anstrengung, um den Hooverplan zu retten, und sagt, Italien hat einen großen Schritt getan, um zur wirtschaftlichen Erholung Europas und der ganzen Welt mitzuhelfen. unternehmen, nm den plan zur Rettung Deutschlands und Mitteleuropas vom finanziellen und wirtschaftlichen Chaos ohne französische Mik- arbeit durchzuführen. Zu diesem Zwecke werde Washington vielleicht um die Mitarbeit von London, Rom und anderen ersuchen. Der Präsident könnte sogar seinen Aufruf mit dem Argument begründen, daß Staaten, die ihm nicht entsprechen, in Zukunft das Wohlwollen und die Mitarbeit Amerika« verlieren und überdies eine schwere Verantwortung für ben Zusammenbruch Deutschlanb» unb Mitteleuropa» auf sich laben würben. Washington hofft noch immer. Der Umweg über einen Kredit. Washington, 30.Juni. (WTB.) Von hoher amerikanischer Regierungsseite wurde mitgeteilt: Unserer Ansicht nach bedeutet der Aufschub aller Zahlungen auf ein Jahr keinen Angriff auf die internationalen Verträge. Jedenfalls werden sie dadurch nicht ungültig. Hoovers Men setzt den Hoover-Plan schon in firaff. Rom kündigt seinen Schuldnern bereits Zahlungsaufschub ab 1. Juli an. Eine Rettungsaktion für das Jeierjahr. Auch ohne Frankreichs Mitwirkung? Eine amerikanische Anleihe soll Deutschland in den Stand sehen, die von Frankreich geforderten Annuitäten zu zahlen. Sozialisten teilgenommen hat. Nicht minder verwunderlich ist es, daß der Parteiführer Wels mit dem englischen Außenminister Henderson in London eine Privatkonferenz abgehalten hat. Es ist nicht anzunchmen, daß diese Schritte auf Grund amtlicher Anregung erfolgt sind. Handelt es sich aber — und das darf man als sicher unterstellen — um private Unternehmungen, so muß darauf hingewiesen werben, daß schon einmal Herr Breitscheid in Genf Außenpolitik auf eigene Faust gemacht und damit keineswegs der deutschen Sache gedient hat. Vestigia terrent! • Bei ber Stein-Feier in ber Paulskirche in Frankfurt hat der Reichsinnenminister Dr. Wirth erneut angekündigt, daß die Reichsregierung an dem Gedanken der Reichsreform festhält und sich mit der Absicht trägt, in nächster Zeit dem Reichstag bereits einen formulierten Gesetzentwurf zugehen zu lassen. Wie dieser Gesetzentwurf aussehen wird, steht wohl im einzelnen noch nicht fest. Man wird aber annehmen dürfen, daß er sich in der Hauptsache zu dem Prinzip der differenzierten Endkösung bekennen wird, das praktisch ein Aufgehen Preußens i m R e i ch vorsieht, in Süddeutschland dagegen kaum etwas ändern würde und auch Sachsen in seiner gegenwärtigen Stellung beläßt. Damit wird erreicht. daß die Doppelregierungen in Bersin aufhören. Tatsächlich wird ja hier eine Fülle überflüssiger Bureau- arbeiten in reinem Ressortehrgeiz zwischen Reich und Preußen doppelt gemacht, oft genug wird auch gegeneinander regiert, so daß hier Hemmungen nicht nur politischer, sondern auch verwaltungstechnischer Natur entstehen. Schlagwortartig zugespitzt könnte man sagen, daß die Wilhelmstraße, an deren östlicher Seite das preußische Ministerpräsidium liegt, während an der westlichen Seite neben der Wohnung bes Reichspräsidenten auch eine ganze Anzahl von Reichsmini- ftcrien beheimatet sind, mehr als einmal zu einem Grenzfluß geworden ist, über den eine Verständigung nur unter Ueberroinounq großer Widerstände gesunden werden konnte. Es würde für den Anfang wenigstens schon einen ungeheuren Fortschritt bedeuten, wenn dieser Dualismus verschwände. Das Reich würde darüber hinaus, wenigstens in den ehemaligen preußischen Provinzen auch den Verwob tungsapparat in die Hand bekommen unb so nicht mehr, wie das gegenwärtig ber Fall ist, Gesetze im luftleeren Raum schaffen. Fragt sich nur, ob in Preußen, wo ja heute die Sozialdemokraten die schärfsten Partikularisten ge- worden sind, Neigung dazu besteht, auf die Eigenstaatlichkeit zu verzichten und die preußische Mission durch das Aufgehen im Reich als erfüllt anzusehen. Der Reichskanzler darf die Hindernisse, die sich ihm hier in den Weg stellen werden, nicht unterschätzen. Aus der anderen Seite ist aber bie Konstruktion de» Deutschen Reiches in ihrer gegenwärtigen Form unhaltbar; im großen wie im kleinen. Wir dürfen nur an das Beispiel von Mecklenburg-Strelitz erinnern, das den schweren Apparat einer eiaenen Verwaltung mit sich herumschleppt und unter seinen Schulden zusammenzubrechen droht, das trotzdem aber einen sehr günstigen Eingemeindungsoorschlag Preußens ablehnte, weil das Gefühl für die geschichtliche Entwicklung noch stärker war als das Gefühl für die Notwendigkeit des Tages. Wir verstehen es durchaus, wenn ein Land nicht spurlos von der deutschen Landkarte verschwinden möchte, um als Regierungsbezirk weiterzuleben. Aber die Not wird uns alle dazu zwingen, enger zusammenzurücken. Den Luxus einer so kostspieligen Verwaltungsrüstung, wie wir sie im Frieden getragen haben, können wir uns heute nicht mehr leisten. Seitdem aber sind an diese Rüstung noch zahllose Bleigewichte angehängt worden, durch die sie noch schwerer geworden ist. Und wenn nicht eine fürsorgliche Hand für ein reibungsloses Hinübergleiten in neue Verhältnisse sorgt, dann wird die Not eines Tages dazu zwingen, dann freilich ohne auf begreifliche Empfindlichkeiten Rücksicht zu nehmen. Proklamation hatte alsbald segensreiche Folgen in der ganzen Welt, und alle wichtigeren „Nationen außer Frankreich stimmten ihm vollinhaltlich oder prinzipiell zu. Frankreich hat nicht einmal p rinzipiell zugestimmt. Zuerst verlangten die Franzosen die doppelten deutschen Zahlungen im nächsten Jahre. Das war unannehmbar, und wir schlugen, um Frankreichs Wunsch nach Unver- leklichkeit der internationalen Verträge entgegenzukommen, vor, daß Deutschland zwar den unaufschiebbaren Teil zahle, das Geld aber sofort als Kreditzurückbekomme. Frankreich verlangte nun, daß der obige Kredit an Deutschland nicht der Reichsregierung, sondern gewissen deutschen I ndustrien aeliehen werde. Diese Forderung lief dem Hooverschen Vorschlag vollkommen zuwider, denn die Reichsregierung braucht den vollen Betrag um das Budget ausgleichen zu können. Dann kam die Frage des G a r a n t i e f o n d s. Frankreich verlangte, daß im Falle eines deutschen Moratoriums nicht es, sondern Deutschland diesen Fonds auszahlen soll. Wir würden es aber als entgegen dem Hoovervorschlag betrachten, wenn die gegenwärtige Hilfsaktion dazu benutzt würde, um Deutschland eine doppelte Last aufzubürden. Die Verhandlungen mit Frankreich sind nicht abgebrochen. Wir sind nicht entmutigt, sondern hoffen auf eine Einigung. Unsere Bedingungen sind nicht schwer. Wir haben in der Frage des Kredites nachgegeben, und wir verlangen nur, daß er i n seinem ganzen Umfange der Reichsregierung und für möglichst lange Zeit gegeben wird; aber fünf Jahre sind zu wenig. — Auf die Frage, ob Gefahr bestehe, daß Frankreich zur Erzwingung des Houngplanes in Deutschland einrücken würde, wurde geantwortet: „Dieses Schauspiel wird die Welt nicht wieder erleben . Ein neuer plan Hoovers. Wenn die Pariser Verhandlungen fehlschlagcn. London. 1. Juli. (WTB. Furrkspruch.) Der „Times"-Korrefpondent in Washington meldet: Aus bester Quelle höre ich, dah folgender Kurs für den Fall eines Zusammenbruchs ber Pariser Verhandlungen ernstlich erwogen wird: Es wird geplant, den ursprünglichen Hvo - verplan zurückzuzieh'en und das Angebot des Präsidenten jedem der einzelnen Schuldnerländer gegenüber besonders zu wiederholen; mit anderen Worten, die USA. würde das Angebot machen, jedes fremde Land v-on der Rückzahlung seiner Schulden an die USA. zu befreien, das als Gegenleistung! auf die ihm von Deutschland geschuldeten Reparationen verzichten würde. Dieser Plan befindet sich vorläufig noch im Rohentwurf, und es liegt auf der Hand, dah er sehr ernstliche finanzielle Komplikationen ein- schließen würde. Er würde es den Franzosen überlassen, selbst darüber zu entscheiden, ob sie bereit sind, ihn zu akzeptieren, ohne dadurch andere Rationen in Mitlewenschaft zu ziehen, wie es der ursprüngliche Plan Hoovers tat. Ferner würde der neue Plan die Rückwirkung eines Fehlschlages der Pariser Verhandlungen auf die Wirtschaft und besonders auf den deutschen Kredit zum mindesten abschwächen. In diesem Maße würde die Zustimmung der hiesigen Finanzkreise, die umfangreiche Beziehungen zu Deutschland haben, und Inhaber der deutschen Wertpapiere sind, finden. OerGenat billigt die poliiikLavals Die Achtung der Verträge. - Frankreichs Opfer für den Weltfrieden. Millerand fordert deutschen Verzicht auf die Zollunion und eine Grenzrevision im Osten als Gegenleistung für das Feierjahr. Paris, 30. Juni. (WTB.) Im Senat erklärte Senator Lemery, er sei erstaunt, dah heute die gleiche Atmosphäre festzustellen sei wie 1929, als man vom Senat verlangte, das Schuldenabkommen Mellon-Börenger zu ratifizieren. Damals habe man vergeblich von den Vereinigten Staaten Aufschub um einige Monate bis nach Annahme des Doung- Planes gefordert. Wie es scheine, wolle inan jetzt bis zum 1. Juli das Angebot Hoovers annehmen. Es hätte aber nicht viel gefehlt, daß der Senat nicht einmal Gelegenheit gehabt hätte, seine Meinung zu äußern. Die Vereinigten Staaten nähmen Frankreich an der Gurgel und verlangten heute, dah es nicht bezahlt werde. Die Antwort der französischen Regierung befriedige niemand, weder Präsident Hoover, noch die, di« sie abgefaßt hätten, noch die Kammer, noch das unersättliche Deutschland. Wenn die Vereinigten Staaten die Reparationen hätten retten wollen, dann hätten sie zum minsten den ungeschützten Teil ausnehmen müssen. Man könne französischerseits mit absoluter Deutlichkeit erklären, daß man Deutschland eine Schuld von 12 Milliarden nur stunden wolle, wenn Deutschland .sie nicht zum Rüsten gegen die Alliierten verwende. Aber es scheine, daß die Regierung nicht einmal auf diese Rüstungen hingewiesen habe. Finanzminister Flandin erläuterte den Unterschied zwischen den finanziellen Auswirkungen des Vorschlages und eines gewöhnlichen Boung-Moratoriums auf die französischen Staatsfinanzen. Frankreich habe nicht im Rahmen des Poung-Planes bleiben können, weil es sich einem festen Vorschlag gegenüber befand, dessen edelmütige Geste Frankreich nicht zurückweisen könnte. Aber trotzdem habe Frankreich es für notwendig erachtet, den Bo ung-Plan aufrechtzuerhalten und sich gegen die Rachteile zu schützen, die sich für das Land aus einem später von Deutschland vorgebrachten Mo- ratoriumsantrag ergeben könnten. Aus diesem Grunde habe Frankreich den Grundsatz der Entrichtung der ungeschützten Annuitäten durch Deutschland aufrechterhalten. Man verhandele mit Amerika und rechne damit, zu einer Lösung zu «gelangen, die die heiligsten Interessen Frankreichs schütze. Ministerpräsident Laval erklärte: Wenn die französische Regierung sich vor dem Parlament hätte beliebt machen sollen, hätte es ja genügt, wenn sie den Hooverschen Vorschlag abgelehnt hätte. Frankreich konnte den Vorschlag nicht ablehnen. Aber es müsse Vorbehalte machen. Bei Len Verhandlungen, die die französische Regierung fortsetzen werde, werde sie an die gerechte Sorge und die Würde Frankreichs denken. Sie werde daran erinnern, was Frankreich 1926 während der französischen Währungskrise getan habe, um eine ähnliche Krisis zu überwinden wie die, an der jetzt Deutschland leide. Die französische Regierung werde an die Leiden und Lasten erinnern, die sich für Frankreich aus den Rachwirkungen des Krieges ergäben. Man dürfe durch Kritik an der französischen Diplomatie unter den gegenwärtigen ernsten Umständen nicht das Vertrauen des Landes in seine diplomatischen Vertreter untergraben. Um Ueberraschungen, wie die jetzt nach Dekannt- werdon der Zollunionspläne und des Hoover- Vorschlags zu vermeiden, sei es gut, wenn zwischen der Reichsregierung und zwischen der französischen Regierung eingehende unö freimütige Aussprachen erfolgen. Die Regsierung. brauche eine große Autorität, und um diese zu bestärken, erwarte er eine entsprechende große und patriotische Vertrauensabstimmung des Senats. Senator Millerand betonte, daß er der Regierung das Vertrauen aussprechen werde, um die augenblicklichen Schwierigkeiten nicht noch durch eine innere Krise zu verstärken. Frankreich könne seine Schulden gegenüber Amerika nur unter der Bedingung anerkennen, daß auch Deutschland zahle. Er habe bereits 1929 auf die Ge fahren einer vorzeitigen Rheinlandräumung hingewiesen. Damals habe man beunruhigende Reden deutscherseits dadurch verteidigt, daß man sie Musik auf dem Wasser. Don Frank Thieß. Jetzt sind unruhige Tage, Nordwestwind, die großen Erlen rauschen den ganzen Tag. Wenn ich sie von meinem Tisch aus in immerwährender Bewegung sehe, ist es, als wären es riesige javanische Tänzer, deren stürmende Gebärden rätselhaft gebunden sind an den Ort, darauf sie stehen. Vielleicht liegt hier der Sinn ihrer Lebendigkeit, da doch auch Leben nichts anderes ist, als das, was sie in immerwährender Geste ausdrücken. Das sind die Erlen, und das sind die stürmischen Tage. Draußen aber braust der See, doch nicht wie die Bäume sich fesselnd und zugleich befreiend, sich lösend und doch unlösbar der Erde zugeteilt, sondern treibend und begehrlich, als habe er viel zu tun, habe die Fischerboote zu schieben, Schaum zu schlagen und undeutliches Zeug in meinen Hafen zu bringen, das ich dann mit Mühe wieder beseitigen muß. So stehe ich da und sehe den lieben lebendigen Dingen und Gesichten, den Bäumen und dem Wasser zu und finde es gut, daß sie miteinander in wech- selnden Stimmen, Formen und Rhythmen sich um- wn, während die Wolken ihnen zuschaun und keine Worte machen in der Stille ihrer Betrachtung Dies ist das Land und das Gesicht der Natur, ich kann nicht müde werden, es anzublicken. Doch siehe da, um die Abendstunde gibt es eine Aenderung des Programms. Es wird nicht mehr getanzt und gebraust, auch die Wolken ziehen ab, die Stare setzen sich auf die Zweige, eine große Ruhe kommt und streicht über die Landschaft. Nun tritt die Sonne aus dem Gewölk, der See glättet sich treibt nicht mehr, begehrt nichts mehr, sondern glitzert in einer opalenen Farbe. Und die jungen Enten kommen aus dem Schilf geschwommen Das ist die Stunde der Musik. Mein Garten hat weite grüne Rasenflächen, ich stelle mitten hinein das Grammophon und lege eine Bach-Platte auf. Nun strömt es wie silbernes Geäder über den schattigen Wiesenplan. Ich kann mich auf den Bootssteg setzen oder unter einen großen Weidenbaum oder auch ganz weit fort neben das Rosenbeet — immer bluJ?t ^e^QPbonie des großen Orchesters mir nach. Es blüht gleichsam von allen Seiten auf mich ein, wie singende unsichtbare Wellen wogt es wachsend rundum den kleinen rotierenden Teller Und hier steht ein Mensch und dort einer und lauscht und blickt zum leicht erglühenden Himmel empor oder in die farbige Verwirrung der vollen Beete, gleich als käme von dort und hier und überallher das Lied. Freilich, plötzlich ist es zu Ende, jeder ruckt mit dem Kopf auf; ein paar Schritte, als habe er den Gebrauch seiner Glieder wieder erhalten, aber geschickte Hände sind dabei, die Platte zu wenden und den Abend von neuem mit tönendem Goldglanz zu erfüllen. Am Ende aber will man es noch schöner haben. Man nimmt den schwarzen Koffer in die Hand, trägt ihn in ein Flachboot und fährt hinaus auf den kaum bewegten See. Und nun sehen wir mit Staunen, wie das Wasser Musik liebt. War schon im Garten die Illusion des fernen Orchesters vollkommen, so schwingen jetzt die Töne leichthin wie Geister über den abenolichen See. Wir haben das B-Dur-Trio von Schubert aufgelegt und damit das Wunder erreicht, daß Casals, Cortot und Thibaud in unserem Kahn sitzen und in herrlicher Einheit vor den Fischen und Schwalben musizieren. Welch ein Klang in dieser Nacht ihrer Instrumente! Uns ist's, als hätten wir sie nie so vollkommen das wunderbare Trio spielen hören, wie heute, ein wenig entfernt vom grünen Ufer, leicht bewegt von einem milden Winde, umspielt von Schwalben und springenden Fischen. Die Sonne ist gerade dabei, unterzugehen. Doch wie sie die Drei Schubert spielen hört, entschließt sie sich, noch eine kleine Zeit zu verweilen. Sie legt sich auf eine rote Wolke und lauscht und sinkt erst beim Adagio ganz langsam und kaum merklich auf ihr westliches Lager. Uns schien, als träumte sie hinweg. Em violetter Dunst hob sich aus dem fernen Gestade. Wildenten schwirrten hart gegen ihr Rot das sie zurückließ, damit es unsere Musik freundlich einhülle. Die Sonne und der Abendstern. Der stieg früh auf und glitzerte, derweil es überm Walde hell wurde und der Mond sich rüstete. Ach, das stürmende finale! Nun sehen wir am Ufer weiße Gestalten sitzen, rauchen und dem zuhören, was da vom See her zu ihnen schwebt. Und langsam gleitet ein Segelboot an uns vorüber, dicht Bord an Bord, lautlos, um die goldene Verflochtenheit von Viola, Geige und Klavier in ihrer Filigranarbeit nicht zu zerstören. So taucht ein Sommerabend farbig und klingend in die Nacht ein. Der Abend ist längst Musik ge- worden, und was vordem tanzte und wogte ruht nun und löst sich aus m Ton uud Melodie und' fühlt. als persönliche Ausfasung des Redners selbst hinsteAte. Heute sei es der Reichs auhen- minister, der persönlich darauf aufmerksam gemacht habe, daß fein Deutscher die augenblicklichen Ostgrenzen anerkennen könne. Gr sei mit einem Feiechahr für die Tribute einverstanden, wenn auf der anderen Seite die Anschluh- Politik sowie die RevisionSpolitik aufgegeben würden. Der Senat nahm am Schluss« der Debatte eine Entschließung des Senators Berard mit 197 gegen 5 Stimmen am, die lautet: Der Senat ist der Ansicht, daß die Achtung der Verträge und Abmachungen die einzig feste Grundlage der internationalen Beziehungen bildet; der Senat erinnert an die Opfer und Zugeständnisse aller Art, die Frankreich seit 13 Jahren zugunsten der Aufrechterhaltung des Weltfriedens und zugunsten der Wiederherstellung der Eintracht und der europäischen Wirtschaft gebracht hat. Der Senat billigt die Erklärungen der Regierung und geht zur Tagesordnung über. Brünings Reise nach Rom. Mussolinis Einladung. — Italienische Eifersucht. Rom, 30. Juni. Die amtliche italienische Rachrichtenagentur Agenzia Stefani teilt mit: Der deutsche Botschafter von Schubert hat der italienischen Regierung in der vergangenen Woche den Wunsch des deutschen Reichskanzlers und des Außenministers mitgeteilt, sich nach Rom Zu begeben, um mit dem Ches der saschisli- schen Regierung zusammenzukommen. Auf diese Mitteilung hin lieh Mussolini wissen, dah der Besuch Brünings und Lurtius' angenehm sein würde und beauftragte den italienischen Gesandten in Berlin, dem Reichskanzler und dem Auhenmini- ster Deutschlands seine herzliche Einladung zu übermitteln. Der Zeitpunkt des Besuches wird noch festgelegt werden. * Der faschistische „Tevare", der sich bekanntlich nach der Ankündigung des deutschen Besuches in Paris sehr kritisch über eine derartige „überstürzte Anbiederung an Paris" ausgesprochen hatte, nimmt als erstes italienisches Blatt zu dem deutschen Besuch in Rom Stellung. Seine Ausführungen sind deshalb besonders interessant. Riemanden, so schreibt das Blatt, werde öle hvchpoli tische B edeutung des angekün- digten Zusammentreffens zwischen den Reichsministern und Mussolini entgehen. Die deutsch- französische Zusammenkunft, die überstürzt vereinbart und im französischen Parlament viviseziert worden sei, habe ganz den Anschein gehabt, als sollte sie für einen Augenblick dem deutsch-französischen Gegensatz maskieren. Der Reichskanzler Brüning sei, wie der bessere Teil der deutschen Presse sofort festgestellt habe, zu schnell gelaufen. Die Illusionen seien dann durch die Kammeraussprache in Paris schnell geraubt worden. Die Rundfunkrede Brünings habe nicht ungeschehen gemacht werden können, aber die Sprache der französischen Kammer und der französischen Presse müsse die Temperatur in Deutschland wieder normal gemacht haben. ~ Der „Tevere" befaßt sich dann mit dem 'Z'e i t- punkt des deutschen Besuches in Rom. Die Wahrheit, so schreibt er, sei, dah Europa durchaus nicht die Eile einer deutsch-französischen Zusammenkunft einsehe, während es seinerzeit die Eile des Besuches in Chequers wohl verstanden: habe. Auch die beschleunigte Durchführung eines italienisch-deutschenZu- sammentreffens würde Europa wohl verstehen. Deutschland müsse sich daran erinnern, daß die beiden.Garanten der Lage am Rhein England und Italien seien und daß nur England und Italien im Rahmen des gegenwärtigen amerikanischen Vorschlages den deutschen Fragen den europäischen Rang sichern könnten, der ihnen unentbehrlich erscheine. Dieser Kommentar entspricht im wesentlichen dem, was man in unterrichteten Kreisen über den deutschen Ministerbesuch in Rom hört. Zu ergänzen ist, daß außer dem Abrüstungsprv- blem natürlich auch die Tributfrage und sicherlich auch die zollpolitischen Ding« behandelt werden sollen. Die „Tribuna" nennt# z. B. ausdrücklich die deutsch-österreichische Zollunion. An zuständiger Stelle verweist Man im übrigen darauf, daß der deutsche Besuch keine Blockbildung zur Folge habe, eine Feststellung, die wahrscheinlich den Zweck hat, unangebrachter Rervosität in anderen Ländern vorzubeugen. Die Vorgänge an der Llniversiiäi Berlin. Ein Aufruf des Rektors wendet sich gegen die politischen Tumulte. Oie llniversität heute wieder geöffnet. Berlin, 30. Juni. (WTB.) Der Rektor der Berliner Universität erläßt an die Studenten folgenden Aufruf: Kommilitonen! Die Vorfälle des 27. und 29. Juni mit ihren feigen Lieberfällen auf wehrlose Kommilitonen, verbunden mit tätlicherVergewaltigungmeinerDe- amten, rohen Sachbeschädigungen und schwerster Störung der arbeitswilligen Studenten zwingen Rektor und Senat dazu, etwaigen Wiederholungen solcher Ausschreitungen mit dem Eins atz aller staatlichen Machtmittel unnachsichtlich entgegenzutreten. Unsere alma mater ist eine Stätte geistiger Höchstleistung und darf nichtzumTummelplatzpolitischer Leidenschaften erniedrigt werden. Ich weih mich mit der erdrückenden Mehrheit der Berliner Studenten in dieser akademischen Gesinnung einig. Daher richt« ich an Sie alle den vertrauensvollen Appell mitzuhelfen, dah der letzte und vielen für den Abschluß ihrer Studien so entscheidende Monat des Sommersemesters nunmehr völlig ungestört den hohen Aufgaben gewidmet werden kann, deren Erfüllung Volk und Vaterland in harter Zeit von uns erwarten. Wegen der tätlichen Angriffe und Sachbeschädigungen haben Rektor und Senat strengeUn- tersuchung eingelRtet. Der Rektor: D. Adolf Deihmann. Wie die „Rachtausgabe" meldet, hat der Senat der Friedrich-Wilhelm-Universität am Dienstag- nachmjttag beschlossen, die Universität von Mittwoch ab wieder den Studierenden zugänglich zu machen. Das Gebäude der Universität wird am Mittwochmorgen wieder geöffnet sein. Ferner war der Senat der Auffassung, daß mit allen Mitteln dafür Sorg« getragen werden müsse, die Arbeitswilligen gegenüber den radaulustigen Elementen zu schützen. Es wird eine eingehende Untersuchung über die Unruhen eingeleitet und, soweit es möglich ist, sollen die Unruhestifter disziplinarisch bestraft werden. Auch die Münchener Llniversität geschloffen. München, 30. Juni. (TU.) Bei der Vorlesung des Universitätsprofessors Dr. R a w i a - sky am Dienstag kam es wieder zu größerem Lärmszenen in der Universität. Die na- wie dies erst das ganze Leben ist: Zuerst Gebraus und Trieb, dann abendliches Lied und tönende Ruhe, die auf wunderlichen Akkorden langsam in Traum und Schlaf hinübergleitet. Oer Kampf mit dem Tode. Wie der menschliche Wille imstande ist, dem Tode durch den elektrischen Strom zu entgehen, zeigt die hochdramatische Schilderung, die Ingenieur Unger^wn seinem „Kampf mit dem Tod" in der Frankfurter Wochenschrift über die Fortschritte in der Wissenschaft, „Die Umschau", gibt. Als er an einem Samstagabend sein Bad nehmen wollte, benutzte er die günstige Gelegenheit des warmen Wassers, um sich vorher zu rasieren und hatte dabei die elektrische Zuglampe heruntergezogen. Das Badezimmer hatte er von innen abgeschlossen und stand, nachdem er gebadet, aufrecht in der Wanne. Als er herauSstei- gen wollte, schob er die elektrische Lampe hoch, die ihm vor dem Gesicht hing, dabei ging das Licht aus und der Strom von 220 Volt ging durch seinen Körper. Dieser Lichtstrom ist bekanntlich ziemlich harmlos, führt aber bei starker Feuchttgkeit zu sofortiger Herzlähmung, und daraus sind die schweren Unglücksfälle zu erklären, die im Wasser durch die Elekttizität hervorgerufen werden. Unger spürte sofort, wie seine Kräfte schwanden, und sank mit dem Rücken gegen die Wand. Er behielt aber noch soviel Klarheit der Gedanken, daß er sich sagte: „Du stehst im Wasser, baS kann dein Tod sein. Der Strom hält meine Hand fest. Die Lampe wegwerfen!" Rach diesem Gedanken wurde er bewußtlos, und es mögen drei bis vier Sekunden vergangen sein, während deren ihm seine furchtbare Lage blitzschnell bewußt wurde. Seine Frau, die im Wohnzimmer sah, hörte seinen Aufschrei und den Fall, sie sah, dah kein Licht brannte, und vernahm, wie die Lampe im Badezimmer gegen die Wand flog, worauf das Licht sofort wieder aufflammte. Die Entfernung ihres Sitzplatzes bis zur Tür des Badezimmers beträgt 11,5 Meter. Danach läßt sich mit Sicherheit berechnen, dah der Strom mindestens 6 Sekunden lang durch den Körper des Verunglückten ging, bevor es ihm gelang, sich zu befreien. Sein Kampf mit dem Tod muh also noch während der Bewußtlosigkeit mindestens zwei Sekunden gedauert haben. Ehe die Frau Hilfe bringen konnte, vergingen etwa 5 bis 8 Minuten. Sein Erwachen aus der Bewußtlosigkeit schildert der Verfasser folgendermaßen: „Das erste, was ich bemerkte, war ein leises Ohrklingen — also keine himmlische Musik oder dergleichen. Dieses leise Ohrklingen hatte in dem Augenblick tatsächlich Beseligendes, das wohl In der gleichzeitigen, wenn auch noch nicht im Gedanken erfaßten Erkenntnis lag, diesmal dem Tode noch entronnen zu sein. Ich erwachte, wi« sonst, aus normalem Schlaf, in der Badetvann«, ohne alle Schmerzen, hörte meine Frau an der Tür klopfen und rufen, stand auf und schloß die Türe auf. Im ersten Augenblick sah ich noch die Kette mit dem Derschluhstopsen zur Badewanne, die ich mit dem oberen Ring an einem Zeh meines rechten Fuhes hängen hatte, für eine Schlange an; dann war ich wieder bei vollem Bewußtsein und konnte nun feststellen, dah ich doch nicht ohne kleine Andenken davongekommen war. Am Zeigefinger und Daumen, mit denen ich di« Lampe berührt hatte, waren starke Verbrennungen, an der Stirn hatte ich mir mit der Lampe eine blutende Wunde geschlagen, am rechten Oberschenkel war eine breite Rißwunde und meine linke Seite war in der Herzgegend „wie zerschlagen". Das kam teils von der Wirkung des elektrischen Stromes, teils davon, dah ich mit dieser Stelle auf den Rand der Badewanne gefallen war. Mein Herz arbeitete zunächst noch sehr langsam und kam erst nach etwa einer halben Stunde auf seine gewohnte Schlagzahl. Man wird mir glauben, dah es für einen gesundem Menschen von 40 Jahren nicht eben schön ist, wenn er plötzlich erkennt, dah der Tod ihn an der Hand hat. Trotzdem ist der Schrecken des plötzlichen Todes doch verhältnismäßig gering — weil die Zeit fehlt, ihn auf sich einwirken zu lassen. Besonders interesfant ist die Tatsache, dah die aktive heftige Form meines Kampfes mit dem Tode, die mir einige Verwundungen einbrachte, in meiner Bewußtlosigkeit stattaesunden hat und außerdem genau meinem mit dem letzten klarem Gedanken vor der Bewußtlosigkeit gefaßten Willen entsprochen hat. Man sieht daraus, dah der Wille den Körper noch beherrscht, wenn die Gedanken bereits ausgeschaltet sind. Hätte mein Wille zum Widerstand versagt, so wäre ich zusammengebrochen und heute tot. Mein Wille hat den Kampf entschieden und mich gerettet." tionalfoziakstifchen Studenten veranstalteten xnt dem Hörsaal «ine Kundgebung und stimmten das Deutschlandlied an. D'e Beamten der Universität versuchten vergeblich, die Demonstranten zu zerstreuen. Die herbcigerufene Polizei in Stärke von zwei Aufgeboten räumte gegen 13 Uhr die Universität. Die Polizei machte dabei Dom Gummiknüppel Gebrauch. Die Urriversität wurde nach diesen Auftritten bi« auf weite rege schloff en. Nie Spartakiade verboten. Ein Berliner Poii;cibeamtcr beim Zu» sammenstotz mit Kommunisten erschossen. Berlin. 30. 3uni. (WTB.) Bei einem Zu- sammenstoh mit Kommunisten wurde einPolizeioberwachtmeistererschos- s e n. Gegen 19 Uhr hatten in der Frank'urtev Allee sich etwa 800 Kommunisten angesammelt, die sich zu einem Zuge formierten und nach dem Ltadtinnern marschieren wollten. Eine Polizeistreife alarmierte sofort da- Ueberfallkommando. Als das Ueberfallkommando eintraf, wurde es von den Kommunisten mit Steinen beworfen. Au- fielen aus ihren Reihen etwa 30 bi- 40 Schüsse, die nun von den Polizeibeamten erwidert wurden. Eine Kugel traf den Führer deS Lieberfallkommandos, der sofort zulammenbroch. Ohne die Besinnung zu erlangen, ist er nach kurzer Zeit auf der Rettungsstelle gestorben. Sofort nach Bekanntwerden der kommunistischen Lieberfälle hat beim Minister des Innern eine Besprechung stattgesunden. Als Er- gebftiS dieser Besprechung hat der stellvertretende Polizeipräsident auf Grund der durch die kommunistischen Ucberfälle neu entstandenen Lage d i e Spartakiade verboten. Da- Verbot wird mit allem Rachdruck durchgeführt werden. Keine Lösung der Krisis in Oldenburg. Die Auflösung des Landtags abgclchnt. Oldenburg, 30.Juni. (MTB.) 3m Olden- burgischen Landtag kam der Auflösungsantrag der Rationalsozialisten zur Erledigung. Dor Eintritt in die Tagesordnung beantragten die Deutschnationalen, dass der Landtag sich cDentuctl einen Tag vertage, damit Gelegenheit gegeben sei, die Bildung einen politischen Regierung auS den Parteien zu versuchen. Der deutschnattonale Antrag wurde aber abgelehnt, auch von den RationaV- soziolisten, weil sie nicht bereit seien, mit dem Zentrum in irgendeiner Form zusammen- zuarbeiten und daS Zentrum zur Bildung jeder Regierung in Oldenburg zur Zeit nötig sei. Rach einet längeren Debatte wurde über den) Auslösungsanttag abgestimmt. Es stimmten 25 von 48 Abgeordneten für den Antrag, und zwar die Rattvnalsozialiften, die Deutschnarionalen, <*.n Landvolkabgeordneter und die drei Kommunisten. Da für die Annahme eines verfasfungsänderirden Beschlusses zwei Drittel aller Wgeordneten, also 32 Abgeordnete, notwendig waren, war der Antrag abgelehnt. Der Landtagspräsident vertagte daS Parlament dann auf unbestimmte Zeit. Damit führt die frühere Beamtenregierung jetzt als geschäftS- führendeS Direktorium ihr Amt weiter. Das neue badische Kabinett. Lozialdemolratie, Zentrum und Volks« Partei stellen die neuen Minister. Karlsruhe. 30. Juni. (WTB.) ImDadischen Landtag wurde die Wahl der neuen Regierung vorgenommen, nachdem die bisherigen Minister ihre Ämter zur Verfügung gestellt batten. Die Opposition nahm an der Wahl nicht teil. Er wurden folgende neuen Minister gewählt: als Innenminister der sozialdemokratische Abgeordnete und Staat-rat Mayer, der seitherige Innenminister Wittemann (Zentrum) als I u st i z m i n i st e r, der bisherige Iusttzminister Dr. Schmitt (Z.) als Minister für Kultus und Unterricht. der volksparteiliche FrattionSchef Dr. Mattes als Finanzminister. Ferner wurden gewählt als Staatsrat der Abgeordnete R ü cf e r t (Sozialdemokrat) und Abgeordneter Heurich (Zentrum). Die Wahl des Staatspräsidenten fiel wiederum auf Minister Wittemann. Aus aller Welt. Die Rordlandsahrl de« „Gras Zeppelin". Scheveningen, 1.3ult (WTB. Funkspr.) Rach einem vom „Graf Zeppelin" hier gegen 13.15 Uhr MEZ. cmfgenommenen Funkspruch hat das Luftschiff bisher bei schönem Welter eine ruhige Fahrt gehabt, die int 26 Stunden den Rhein abwärts über Rotterdam, die Ostküste Englands, Scapa Flow über die Färöer zur Ostküste Islands, wo die Rächt gegenwärtig nur ganz kurz dauert, führte, lieber Reykjawik wird das Luftschiff Post abwerfen. Die Passagiere sind begeistert. 3m Fahrstuhl überfallen und beraubt. In Hamburg wurde ein 23jähriger Handlungsgehilfe im Fahrstuhl von zwei unbekannten Mannern überfallen und seiner Aktentasche mit über 3000 Mark Inhalt beraubt. Einer der Täter hat dem Handlungsgehilfen Pfeffer in d i e Augen gestreut, während der zweite iffh mit einem Revolver bedrohte. Die Täter sind in Kraftwagen entkommen. A4. Bundestag des Reichsbundes der Zivildienstberechtigten. WSR. Mainz. 30. 3uni. Di« DundeSragung des Reichsbundes der Zwildienslberechtigten. die vom 28. 3unt biS 1. 3uLi in Mainz ab gehalten ward, wurde am Sonnlagvormittag mit einer öffentlichen Kundgebung im grossen Saal der Stadthalle eröffnet. Heber 1500 Mitglieder füllten den festlich geschmückten Saal. BundeSdirek- tvr Krüger, Berlin, eröffnete die Tagung mit einer Begrüssungsansprache, die in erster Linie dem befreiten Rheinland galt. Als leitenden Grundgedanken der Tagung stellte er die Sorge um die Erhaltung des BerufsbeamtentumS und insbesondere die Sorge um die Zivilverfor- gung heraus. Schweigend ehrte sodann die Versammlung durch Erheben von den Sitzen die im letzten Berichtsjahr verstorbenen mehr alS 1700 Kameraden deS Reichsbundes. Als Dertreter der hessischen Stoat-rogierung und des Deutschen LandkreiStageS begrüßte PrvvinziaDirektor Dr. Wehner den Bundestag. AlS Vertreter der Stadt Mainz sprach Bürgermeister ? r Krauss. Minifterialrat Dr. 3eh, Mecklenburg-Schwerin. hielt sodann daS Hauptreferat über ..Zivil- neforgung und AnsteltungSbehörden". Er betonte die Rvtwendigleit der Zivilverforgung, um dem Soldaten und dem Pvlizcibeamten die Derufs- freude zu erhalten und ihn nicht der politischen Beeinflussung radikaler Elernente auSzu- setzen. An die Zivi Dien st berechtigten selbst richtete der Redner die ernste Mahnung, die Bewerbung um Anstellung planmässig durchzuführen und forderte zum Schluss alle dazu Berufenen auf. mitzuhelfen, die Zivilversorgung so zu gefallen, dass den aus Wehrmacht und Polizei aus- scheidenden Staatsdienern ihr Recht werde. Der Vorsitzende des hessischen Verbundes, Dörr, schilderte eingehend die Verhältnisse in Hessen und führte an Hand reichhaltigen sta- tifttschen Materials aus, dass die gesetzlichen Bestimmungen zugunsten der ZivilverforgungS- berechtigten noch nicht überall zur Durchführung gekommen feien. Er richtete an Regierung und Parlament den dringenden Appell, die Versprechungen und Verpflichtungen einzulösen, die sie im 3nterefle der Dersorgungsanwärter eingegangen seien. Das Ergebnis der. Aussprache wurde in einer Reihe von Entschliessungen niedergelegt. Wettervoraussage. Das Hochdruckgebiet hat sich nunmehr nach dem Festlande hin verlagert und erstreckt sich in seinem geschlossenen Kern von der Nordsee über Ostsee und Norddeutschland bis nach Polen hin. Die an seiner Südseite ausfliessenden kontinentalen Ostwinde haben in unserem Gebiet vollkommen heiteres Wetter gebracht. Dabei verursacht die Sonnenstrahlung kräftige Erwärmung. Da bei den hohen Temperatu» ren der Luftdruck jedoch dauernd fallt, baut sich da« Hoch langsam ob; sodann dürsten durch die über Frankreich sich entwickelnden flachen Druckstörungen, sowie auch durch die Ausläufer des Islandticfs uni ter Zufluss kühlerer Ozeanluft lokale ©eroitterftörun« gen sich herausbilden, die zum Teil auch Nieder» schläge mit sich bringen. Jedoch wird die Storung«« taligkeit nur vorübergehend sein, denn ein neuer Vorstoss hoben Druckes von Westen her wird bald wieder Aufheiterung bringen. Au-sichten f ü r Donnerstag: Zunächst noch meist heiter und kräftige Erwärmung, später auskommende Bewölkung mit Gewitterneigung. Lufttemperaturen am 30. Juni mittags 19,5 Grad Celsius, abends 14,7 Grad; am 1 Juli morgen» 12,6 Grad. Marimum 21,7 Grad, Minimum 8,8 Grad. — Erdtemveraturen in 10 cm Tiefe am 30. Juni abends 26,2 Grad; am 1. Juli morgen» 18,8 Grad. — Sonnenscheindauer 15 Stunden. Oie Wetterlage. 16 Tour; laacnr GWoixtnlos. O nrnrr. Qnatb oteeext. ® wofXig. G orwrcxi • lehnet a Ortupcm. ■ NtPti X Gewitter (§)windstille.«o sc» «ichtc» Ost «ia$$igc» Südiodwest b stormschcr -tordwej» Oie Pfcne fliegen mn dem Winde. Die Beiden Stationen stellenden zalf 81 Sonnenstr. 1. Pink, Frankfurter Straße 36, Telpbon 2103 Anzusehen nach Gefchäftöfchluh. Reichhaltige Abendplatten Erdbeer-Bowle — Bier vom Faß Autobus: Ab 20.00 Uhr Ludwigsplatz Ab 23.15 Uhr Flugplatz Nachmittags Rund' u. Schulflüge Hessische Landesbank Staatsbank 3-4-Zimmer- Wohnung von kinderl. Beamt.- Ehepaar für sofort oder später zu miet, gesucht. Mietberech- ligungSschein vorhd. Schr. Ang. unt. 03/89 a. d. Mich. Anzeiger. rrrriTnnrnrrrsnnrrrTn 12 34 PS. Adler Lieferwagen m. Pritsche und Plan, maschinell erstklassig, Bereifung sehr gut, Tragkraft 25 Zentner, für 600 RM. abzug.Auf Wunsch Zahlungs- | Mietgesuche | Große, komfortable S-6-Zimmer- Wohnung in nuter ruhig. Lage znm 1. Okt. gesucht. Schriftl. Angev. unt. 03798 a. d. Gien. Anz. ■■■ Filialleiter(innen) ■■■ ges. lauch nebenberufl.). Einerlei welch: Berufs. Nur Schreibarb.t.Haufe. Kein Kapital, keiner!. Borkenntn. erforderl. Mon.Mk. 170.-. Bdm.Ang.u. F.M.617 Exp. Heinrich Eisler, Frankfurt-Main. Laden mit Nebcnräumen auch als Aus stell- raum verwendbar, billig zu vermieten. Schrift!. Angeb. unt. 03758 a. d. Gies?. Anz. | Vermietungen | Schubertftr. 10 II. ist eine LoosD 4-Zimm.-Wohng. mit Bad und Warm- wasserheizg. ver sok. oder später zu verm. Näh LichcrStr.Sv. auf 2 CCC CCC GLU. 3% verchsmüttdeMchevev Gold - L-vvothekenpsanvbvrese, Reibe 43 unkündbar bis 31. Dezember 1935 Sorrzussknvs Oie Zeichnung ist offen bis 20. Zuli 1931, früherer Schluß vor- behalten. Anmeldungen bei den Sanken und Sparkassen. Donnerstag, den 2. Juli d. J., 20.15 Uhr; KONZERT Unser 3-Zimmer-Mn. gesucht (3 Personen) 2-Zimm.-Wodng. kann tnTauichgegeb. werden. Schr. Ang. u. 03786 n. d Gä. Anz. | Stellenangebote| Kevv Berkaus von Zigarren an Wirte und Private. H. Jürgensen & Co., Hamburg 22. 4336V Lehrling ober Volontär mögl. foribildungs- fchulfrei. für amo- technifche Branche sofort gesucht. Schr. Angebote unt. 43060 an den Giest. Anz. Tüchtig., erfahren. MW das kochen kann, in kleinen Haushalt (2 Personen« per 15. Juli 1931 gesucht. Schrift!. Angeb. unt. 43380 an d. Gs?. Anz. Verkäufe WM wenig gefahr.. Umstände halber bill.zu verk. Schr. Angeb u. 03799 an b. GH. Anz. Viktoria- Sport 350 ccm, mit komvl. Ausrüstung verkauft billig [03802 Kratz, OWIim Telephon Mücke 65. BMW. [o8SO7 Limousine sowie Zweisitzer, 3/15 PS, zu verkauf. 0. Faber, Mühl sfr. 22. Radio- Netzempfänger für Wechselstrom, 3 Röhren, 220 Bolt, mit eingeb. Lautspr^ ganz vorzügl. Gerät, wegen Wohnungswechsel bill. zu verk. Hilz,Giehen, Frank- furlerStr.29v. ,1WI Ein Acker Mee lLuzernei am Wth- marer Weg «rechts ber Lahn» verkauft Fritz Euler, Hammsirane 16, Telephon 2095. UmzugSH. grohe, fast neue guheiserne em. Badewanne ebenso einen eleftr. Warm wasser speich. tProf.Junker>80Ltr. zu verkaufen. 03793 Heffenttraste 2 L Kaufgesuche Kinderbett zu kaufen ges. Schr. Angeb. mit Preis u. 03809 an b. GH. Anz ■a*A***^s1 Sie können sich mit unsern besten, schönsten Waren so richtig eindecken. Sie brauchen nur einen Bruchteil des Wertes anzulegen. Schuhhaus Neumeier . Lw Das Haus der guten Qualitäten — 4342 D Gut erhaltenes (Einfamilien- Haus in guter Lage bis zu 10000 Mk. geg. Bar- zahlung zu kaufen gesucht. Schriftliche Angebote unt. 03796 an ben Giest. Anzeig. Suche 6infomilieniioö5 ob. Etagenhaus geg. bar zu kaufen. Vermittler unerwünscht. Schriftl. Angeb. unt. 03792 an b. Gir. Anz. Suche einen gebt. Badeofen mit Hols- ob Kohlen- fenernng. Schr. Angebote unter 03795 an ben Gisst. Anz. Für getragene Senevkleidel zahlt bte höchsten Preise [2979A L.Rofenzmelg.Gietzen Seltersweg 58 1. | Verschiedenes! Frische Seelische tn strammer EiS- packung: 4344D 8 Lebende Aale ,, Karpfen Blaufelchen vom Bobensee engL Matjes- Heringe,besteQual. oer. Bücklinge empfiehlt Ito Hl. Mäusburgl5,Te!.3612 Bäckerei zu pachten gesucht Schriftl. Angeb. unt. 03800 an b. Gst. Anz. Saison-Ausverkauf Nur reguläre und gute Ware kommt zum Verkauf zu unglaublich billigen PreisenI in®/"-6-" lu/OwZi Spezialgeschäft in Strümpfen / Wäsche Lassen Sie sich die Ware unverbindliche! vorlegen und Sie werden sehen, daß Sie nirgends so gut und noch billiger kaufen können I M.B. Grude Frankfurter Straße 4333 A Wirksame erbe-Drucksachen bei Brühl, Scbulstraße 7 Noch zwei Kinder finben ibealen MMsenWll pro Tag 1.90 Mk. Frau E. Petzold, Bad-Naubeirn, Gickelsburg. lE, Wllmskl deutscher Schäfer bund auf denNamen Arno hörend. Gegen Belohnung abzugeb. 0379.1 Neustadt 321. IK3H Machen Sie bitte einen Versuch mit meinen hervorragenden gebrannten Kaffees Mocca-Mischung... 4 40 Eigene Mischung... 3.60 Spezial-Mischung ..4.00 Haushalt-Mischung, 3.00 Konsum-Mischung, 2 80 5°/0 Edeka-Rabatt 5°/0 Edeka-Rabatt Heinrich Driesch Seltersweg 70 Fernsprecher Nr. 2481 4320 A iiäBMe Seme liefert 1490D u- Damplsägewerk Lollar B..Nubn, A. G. Babnbofstr.61 [4340D] Tclevbon 386« Saison-Ausverkauf beginnt erst Dienstag, den 7. Juli 1931 Schuhqes. m. b. H. Seltersweg 91 4239 D Die Preisreduzierungen sind diesmal derart enorm, unsere Vorbereitungen derart umfangreich, daß der Beginn des Ausverkaufs bis zum Dienstag, 7. Juli, hinausgeschoben werden muß. Aber dann......... Warten Sie, es lohnt sich! Wir sind bestimmt billiger! Mittwoch, 1. Zuli 1931 Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffenf Ur. 151 Zwettes Blatt Aus dem Reiche der Krau. Kleines Rezept für eine kurze, aber glückliche Reife. Don Hella Kopp. Wissen Sie Ihre Reise und Ihre Reiseroute schon Wochen oder Tage im voraus, so treffen Sie einige Zeit vor der Abfahrt Ihre Anordnungen, — und nicht erst im letzten Augenblick. Erkundigen Sie sich nach den, Ihren Wünschen und Vermögens Verhältnissen entsprechenden Hotels oder Pensionen, stellen Sie einen losen Tagesplan der sehenswerten Dinge auf und verteilen Sie in Gedanken einmal die verfügbaren Gelder auf die einzelnen Reisetage, damit Eie wissen, mit welchen Ausgaben Sie täglich zu rechnen haben. Improvisieren können Eie immer noch innerhalb dieses Planes, aber es bleiben Ihnen bei solch einem kleinen Reiseprogramm Zeitverschwen- düng, Ermüdung und unnötige Geld ausgaben erspart. Rehmen wir an, Eie verreisen für drei oder vier Tage, so beschränken Eie die Auswahl Ihrer Kleiner, Hüte und Schuhe aus die Mindestzahl. Es genügen ein biS zwei dieser praktischen, immer eleganten Tweed- o&r kleingemusterten Wollkleider, ein dunkleS Seidenkleid für den Rachmittag und vielleicht ein kleines Abendkleid. Schuhe: zwei Paar. Zum Herumlaufen und Besichtigen bequeme Sportschuhe mit flachen Absätzen, für den Rachmittag und Abend schwarze Sandaletten oder PumpS. Eie brauchen nur einen Hut, der neutral in seiner Farbe, zu ollen Kleidern patzt. Daneben legen Sie in den Koffer noch eine dieser fleinen, flotten Stroh- oder Ehenillekappen. Steht diese Ihnen besonders gut, so genügt sie als einzige Kopfbedeckung vollkommen. Kommen Eie in eine fremde Stadt, so nehmen Sie, allen Vorurteilen Ihrer Bekannten zum Trotz, an einer der zu Unrecht belächelten Rundfahrten teil. Lausen Die zu Fuß, so können Sie immer nur Bruchteile sehen und die Uebersicht geht Ihnen verloren. Bei einer Rundfahrt jedoch sehen Sie Gebäude, Galerien, Stadtteile und werden angeregt, sich noch einmal näher zu betrachten. Aus der Gesamtansicht und dem Eindruck einer Stadt heraus werden Sie die Schichten ihrer Bewohner viel tiefer, gründlicher erkennen und verstehen. Vermeiden Sie eS, besonders im Ausland, Ihr Rkittogessen im .ersten Hotel", Ihren Tee im »elegantesten Kafseehaus", Ihr Abendessen in der „berühmtesten Dar" einzunehmen. Sie wollen doch Land und Leute kennenlernen, also besuchen Eie die Lokale der Einheimischen, die Theater des Volkes, — Sie werden dann den Atem eines Landes und seiner Menschen spüren und an den Gebräuchen, an der Sprache Gefallen finden. Besuchen Sie nicht olle Galerien, um .dagewesen" zu sein. Laufen Sie nicht vier Stunden erschöpft darum herum, um »alles gesehen" zu haben. Gehen Sie das erstemal durch eine Galerie möglichst ohne Katalog und sehen Eie sich nur die Bilder an, die Ihnen im Vorbeigehen gefallen, — ohne gleich den Wert des Bildes und Meisters vor die eigene Wertung an erste Stelle zu sehen. Bleiben Sie nur so lange Sie aufnahmefähig und interessiert sind, auch wenn Sie einige bedeutende Gemälde noch nicht gesehen haben. Lieberhaupt ist es nicht nötig, bei viertägigem Aufenthalt seinen Kopf mit dem Anblick vieler Galerien. Museen, Gebäude, Denkmäler und Kirchen vollzupsropfen. Die menschliche Spannkraft läßt schnell noch und kehren Sie müde und abgespannt von der Reise zurück, so werden die unklaren, verwischten Eindrücke Sie kaum noch an die Reisetage erinnern. Rein, — schlendern Sie in aller Rrche durch die ©traben, sehen Sie sich auSgeruht und frisch ein, zwei, drei Dinge an, die Eie besonders stark interessieren und machen Eie sich vielleicht einige kurze Rvtlzen darüber. So werden Sie vielmehr Freude, vielmehr nachzudenken haben als wenn Sie vor lauter Eindrücken nicht mehr wissen: WaS war nun eigentlich daS Schönste auf meiner Reife? Aengstliche Kinder. Don Margot Earstens. Das Kind hat Angst vor Hunden, Katzen, Insekten. Es hat Angst, am Abend allein durch das dunkle Zimmer zu gehen, es kann nicht ohne die brennende Lampe einschlafen, sieht regelmäßig unter dem Bett, dem Schranke nach, ob nicht etwa verborgene Machte seiner lauern. Das Kind hat Angst, — nicht aus einer Vorsicht, einer Behutsamkeit, sondern meist aus einer Erziehung heraus, die mit unbekannten Dingen schreckte. Die Eltern sind ratlos. Das Kind hat alles was es braucht, — Möbel, Arbeitsgeräte in postender Größe, Bälle in den buntesten Farben, einen Roller, einen Indianeranzug mit wallender Feder, und trotz, dem wird es mit zunehmendem Aller scheuer, ver- schlossener mißtrauisch. Woher kommt die Furcht? Hat die Mutter vergessen, daß sie, selbst ängstlich, dem zwei, und dreijährigen Kinde die Mücken und Fliegen von dem Deckbett, von dem bloßen Aermchen schlug, und mit den Worten: „Pfui, die scheußlichen Tiere stechen und saugen das Blut aus", die Insekten auf dem Boden zertrat. Erinnert sich der Vater nicht mehr seines vergnügten Spiels mit Baby und Hund, da er das Kind lachend in die Höhe schwang und Freude hotte, wenn der Hund noch dem wehenden Es ist für die Hausfrau immer eine besondere Freude, wenn sie ihrem Galten und den Kindern einen Leckerbissen, ein« Abwechslung bei den täglichen Mahlzeiten reichen kann. 2e nach der Iahreszett sucht sie ihre Speisen wärmespendend oder kühlend-erfrischend zu gestalten! und bereitet eine kräftig-sättigende oder eine leicht verdauliche, nicht bäastende Kost. In den heißen Tagen, wo der Durst meist das Hungergefühl überwiegt, ist sie erfinderisch in der Zubereitung von erfrischenden Obstkaltschalen und nimmt, wenn das frische Obst nicht ausreicht, nicht genug Abwechslung bietet. Selbsteingemachtes oder getrocknete Früchte hinzu. Der „Herr der Schöpfung" ist meistens zu bequem, einen Apfel oder eine Apfelsine zu schälen, eine Grapefruit zu zerschneiden und greift viel lieber zu einem fertigen Obstsalat, einer Ob st kaltschale. — Wir geben im Folgenden eine Anzahl erprobter Rezepte: Kirschkauschale von frischen Kirschen. Ein Pfund Kirschen werden durch die Hackmaschine gedreht, mit einem Liter Wasser und Zucker eine Viertelstunde lang bei kleinem Feuer weich gekocht, durch ein Haarsieb gegeben und koltgestellt. Man schmort nach Belieben gesondert einige Kirschen weich, die man nach dem Kleidchen schnappte? Damals hatte das Kind ge- I jauchzt, heute geht cs mit großen Augen/Und angst lichen Bogen um jedes Tier herum Unerschrocken I ging has kleine Kmd an jeden Gegenstand heran, befühlte ihn und mochte ihn sich, seiner körperlichen Kraft und seinem Denkvermögen entsprechend, zu eigen. Es konnte die Gefahr noch nicht und meisterte sie unbewußt. Heute hat es durch elterliche Drohungen Angst — Angst vor dem Unbekannten. Dem schwarzen Mann, Butzemann, dem Kater und der Hexe, Drohungen sind ja das bequemste Erziehungs- mittel, — nur werden ihre Folgen oft nicht bedacht. Das Kind wird im Sprechen und Bewegungen scheu, befangen und mißtrauisch Je empfindlicher cs ist, um so tiefer erfassen es Zurückhaltung, Furchtsamkeit, Abwehr und schwere Nervenstörungen, und Zwangsvorstellungen können bei dem Heranwachsenden Men. schen die Fehler seiner Erziehung zeigen. Es nützt nichts, durch Zwang ober Gebot den Kindern die Furcht auszutreiben, nein, das Fordern und Befehlen, gerade die furchteinflößenden Dinge zu tun, wird nur die Angst vertiefen, nie beseitigen. Hier Helsen nur Güte und Beispiel. Gehen Sie einmal, mit Ihrem Kinde an ^ber Hanb, in ben so furchtbar bunklen Keller, unb zeigen Sie ihm klar unb lächelnb, baß in bem Schrank wohl Butter unb Gemüse steht, aber nicht ber schwarze Monn: ftrei* cheln Sie einmal gemeinsam mit bem Kinbe ben Hunb, ber es beschützen, aber nicht beißen will, — unb bas Kinb wirb Ihren Schutz fühlen, wirb seine I Umwelt mit anberen, angstloseren Augen betrachten. Unsere Zeit braucht keine Duckmauser, — sie braucht eine wiberstonbsfähige unb gefunbe Iugenb, bie imftanbe ist, ihren Lebenskampf aofzunehmen unb zu bestehen. Es sollte Pflicht aller Eltern sein, ohne übertriebene unb verlogene Drohungen, ohne furchterregende Vorstellungen ihre Kinber zu freien, starken Menschen zu erziehen. Erkalten als Emlage in die Suppe gibt, oder man durchzieht die Kaltschale mit steifem Eier- fchnee und reicht kleine geröstete Zwiebäcke dazu. Kirf chkaltschale von eingemachten Früchten Diels Hausfrauen hoben im vergangenen Iah re Schattenmorellen oder Rotten eingeweckt. Diese Sauerkirschen geben eine besonders fchmackhafle Obstsuppe. Die Kirschen werden mit Wasser ausgekocht und durch ein Haarsieb gestrichen. Nochmals zum Kochen gebracht, werden sie mit Zucker und Zitronenzucker gesüßt und das Ganze mit etwas Kartoffelmehl oder Mondamin gebunden. Himbeer- und Erdbeerkaltschale. Man bereitet einen Zuckcrsyrup (vgl. Apfelkalischale mit Apfelsinen). Himbeeren und Erdbeeren werden gut verlesen, die Erdbeeren Halbert in eine Porzellanschüsfel oder Glasschale gelegt und mit der obigen Flüssigkeit übergossen lall gestellt. Apfelkaltschale I. Man schäle zehn sehr schöne Aepsel, schneide drei davon in feine Scheiben und dämpfe sie vorfichtig, damit sie ganz bleiben, in einer flachen Kasserolle weich, unter Hinzuführung von einem Keinen Glase Weißwein. dem Saft einer halben Zitrone und Zucker. Die übrigen Aepsel schneidet man ebenfalls klein, Allerlei Obstkalischalen. Eine willkommene Erfrischung an heißen Tagen. Don Grete Brinkmann. Oie Hausfrau Hai Urlaub. Don Ilse Renz. Dor kurzem ging durch unser Bureau die Urlaubsliste, und jeder Angestellte vom Höchst- bis Riedrigstbezahlten malte mit frohen Hoffnungen und Reisegedanken seinen Ramen und die Zeit seines Urlaubs auf das weiße Papier. Wir wissen nun das Datum unserer Abfahrt, wir kennen den Monat unserer Reise und die Ferientage und Wochen nach einer anstrengenden Iahresarbeit winken in freudig erregender Rahe. Und die Hausfrau? Sie hat keine Urlaubslifte, ja sie bekommt vom Haushalt aus kaum eine Reiseerlaubnis. Wird sie wieder wie alljährlich mit Monn und Kindern an die See reifen oder erfüllt sich endlich einmal ihre stille Sehnsucht, ganz allein, in aller Rühe 14 Ferientage zu verbringen? Schon lange hat das Vorurteil: Hausarbeit ist keine Arbeit, keine Gültigkeit mehr, denn jeder sieht selbst, wieviel eine Hausfrau in unserer finanziell so schweren Zeit zu bewältigen hat. Reben der ermüdenden Hausarbeit, neben der Erziehung der Kinder hat die Frau eine ausgezeichnete, weitblickende Organisatorin, eine fluge Kassenverwal- terin, eine anregende, immer lebendige, interessierte und verständnisvolle Gattin zu sein, die den Beruf ihres Mannes ebenso gut versteht wie das ABC- der Küche und die Pflege der Kinder. Aber welcher Konzentration eS bedarf, neben der zermürbenden, häuslichen Arbeit eigene geistige Kräfte zu entwickeln und der Umgebung nutzbar zu machen, das weih nur die Hausfrau selbst, und sie sehnt sich nach Ruhe, Entspantrung und Erholung ebenso sehr wie der beruflich tätige Mann. Stehen der Familie Geldmittel zur Verfügung, so ist es nicht schwer, einen geeigneten Platz, ein Hotel oder eine Pension für den Ferienaufenthalt zu finden. Schwerer für die Hausfrauen, die, da sie kein Hilfspersonal hatten, doppelt erholungsbedürftig sind und nun mit der ganzen Familie und einem knapp bemessenen Geldbeutel in ein klernes billiges Bad oder Gebirgsort zum »eigenen Wirtschaftsführen" fahren müffen. Denn trotz Luftveränderung und mancher freier Stunde bieten diese Ferientage der Frau kaum eine Erholung. Die Hausfrauentätigkeit bedingt ja nicht nur Handarbeit, sondern vor allen Dingen Kvps- arbeit. Unb der Kopf findet bei dieser Reise, die lediglich einen Ortswechsel darstellt, keine Ruhe — hat genau wie daheim zu denken, für das Essen, den Gatten, die Kinder zu sorgen, während der Mann, fern vom Geschäft, unbelüftet und frei seine Ferien genießt. Ist ein Urlaub nur in diesem Rahmen möglich so sollte die Frau am Ferienschluh wenigstens für eine bis zwei Wochen von den Haushaltssorgen befreit werden und, wenn sie Reigung dazu hat, diese Zeit allein in dem Badeort zurück- bleiben. Solch ein mehrtägiges Alleinsein, gedankliches und körperliches Zum-Bewußtsein- kommen und Ausruhen wird ihr mehr Erholung bringen, als die ganze vorangehende Ferienzeit mit Mann und Kindern, Ist die seelische Einstellung zum Alleinsein nicht so stark, so sollten die beiden Gatten, wenn es finanziell möglich ist, einige Sage ohne Kinder verreisen. In den gemeinsamen Erholungstagen sollten sie über den Alltag hinaus den Weg zu einander finden, sich ihrer kameradschaftlichen Gemeinschaft bewußt werden und gemeinsam nicht nur arbeiten, sondern die Schönheiten des Lebens genießen und sich auch hier die Hände reichen. So werden beide erholt, mit neuer Spannkraft für die Forderungen des täglichen Lebens — der Mann in seinen Beruf, die Frau in ihren Haushalt — zu ihren Kindern zurückkehren. Kofferpacken. Don Gertrud Reinsch. Reifen ist eine sehr schöne Angelegenheit — wenn nur das böse Kofferpacken nicht wäre! Die Entschuldigung, daß während der Ferien ge* nürgend Zeit zur Erhollmg fei, wird meistenteils angel rächt — aber fie stimmt nicht. Auch di« Fcchrl soll Erholung sein. Wird sie müde und abgespannt angetreten, bleibt nur wenig In- K-reffe, die Gegend zu bewundern und die An- flDengung des Stillsitzens gut zu überstehen. Wozu in Hast und Eile di« Reisevorbereitungon treffen oder sich um die Frag« zu streiten, wer bie Koffer packt? Meistenteils wird ja der Hausfrau das Los in die Hand gedrückt werden, die'« Arbeit zu er- ledigen. Wird, an Ort und Stell« angelommen, etwas vermißt, hat sie etwas vergessen einzupacken, dann bekommt sie obendrein noch Vorwürfe. Besorgt der Mann dies« Arbeit, dann besteht in ben meisten Fällen schon von Anfang an die Gewißheit, daß ar es nicht ordentlich macht und — noch mehr einzupacken vergißt als b:« Frau. An sich ist die Arbeit des Einpackens keine leichte, obwohl sie fast immer vom starken Geschlecht unterschätzt wird. Wo ist ein guter Ausweg? Run, sehen wir einmal nach RuUand! Dort führte man für die Eheleute die Arbeitsteilung ein. Ich will hier durchaus nicht russischen Einrichtungen das Wort reden, aber m gewisser Hinsicht hat die Arbeitsteilung in der EH« viel für sich. So auch beim Kofferpacken! Falls es sich um «inen längeren Aufenthalt handelt, werden mehrer« Koffer mitgenommen. In den einen kommen bi« Sachen der Frau, in den anderen die des Mannes. Wenden wir also di« Arbeitsteilung an: jeder packt seinen Koffer! Vielfach liegt es an ber Hausfrau, wenn ihr Mann zum Kofferpacken zu ungeschickt ist. Sie möge ihm zeigen, wie man bie Sachen zusammen- Legt unb verstaut, fo daß recht viel hineingeht. Das nächste Mai wirb er es belfer können. Packen wir ihn vielleicht bei feinem Ehrgeiz unb halten ihm vor. baß ein Mann eigentlich alles können müffe, zumal er fich dessen immer rühmt. Um nichts zu vergessen, macht jeder schon Sage vorher seine Aufstellung, was alles mitgenommen werden soll. So wird feiten ber Fall ein treten, baß etwas vergessen wirb. Am letzten Sage gibt es noch viel Arbeit für die Hausfrau, also sollte das Kofferpacken nie bis zum letzten Sage bleiben. Was entbehrlich ist, wird immer verstaut, und für den Abreisetag bleiben höchstens einige Solletteutensllien. die Hausschuhe und einige andere täglich benötigte Sachen. Erweist sich jedoch die absolute Unfähigkeit des Mannes zum Kofferpacken. dann bediene man sich seiner wenigstens in der Weise, baß er die einzelnen Sachen zureicht, einzelne Ding« einwickelt unb mit nachdenken hilft, was noch mit genommen werden mutz. In dieser Weife kann die Arbeit gut geteilt werden unb niemanb von beiden empfindet di« Last des Kofferpackens und ist abgefbannt Auch der Vorwurf, etwas bergeff en zu haben, trifft bann beide gleich. Wozu alfo die Freud« auf ben Urlaub unb auf die Erholungsreise berg ' «m, wenn «S auch anders geht? praktische Winke. Zitronensastgegen Rostflecke. Soweit bie Rostflecke in der Wäsche noch frisch sind, lassen sie sich mit Zitronensaft ganz leicht befeitigen. Man träufelt ben Saft behutsam auf ben Fleck, unb zwar so lange, bis ber Fleck verschwindet. Hernach wirb bie Stelle gewässert unb mit Seifenwasser gründlich nachgewaschen. Das Schärfen von stumpfen Scheren. Stumpfe Scheren schärft man, indem man beide Schneiden kräftig über den Hals einer Glasflasche streicht: man verfahre dabei so, als wolle man den Hals der Flasche abschneiden. Ist die Schraube lose geworden, die bie Scherenflächen zusammenhält, so ist es gut, gegen beide Seiten ein glühendes Stück Eisen zu preßen. Das heiße Eisen verursacht, daß sich bie Schraube dehnt. Dabei werden bie Schnittflächen ber Schere roieber enger zusammengczogen. Bügeln von Manschetten. Beim Bügeln lege man ein Lineal an die Manschette unb fahre daran mit bem Eisen entlang, so daß bie Kante heraustritt. Dadurch verleiht man ben Manschetten ein gutes Aussehen. kocht he mit V< Liter Wasier weich, streicht ft» durch ^in fefcr seines Haarsieb, fügt Zucker, den Saft einer Zitrone unS eine halb« Flasche leichten Weines hinzu. 100 Gramm Korinthen und 100 Gramm Sultaninen hat man unterdessen mit frischem Wasser ausgekocht und nach dem "Ad- tropfen auf einem Sied mit den gedampften Aepfelfcheiden in eine Terrine gegeben unb mit bet Ka.tschale übergossen. D.S zum Gebrauch auf Ers oder in einen lüb-cn Raum stellen. Apfelkaltschale II. Aepsel werden nut Zitronenschale im Wasser weich gekocht, durch ein Haarsieb gestrichen und mit Wasser, Zucker unb Starkem«!), ausgekocht. Auf einen Liter Flüssigkett 25 Gramm Stärkemehl. Apfelkaltschale mit Apfelsinen. Man locht 90 biS 100 Gramm Zucker mit 1 * ßiter Walser unb 1/4 Liter Weißwein einige Minuten zu einer leicht leimigen Flüssigleit und läßt sie erkalten. Unterdessen werden zwei Aepsel und drei Apfelsinen geschält, in feine Streifen geschnitten und nach Entfernung der Kerne lagen- toe;re in eine G.asschale gelegt, mit dem Syrup übergossen unb nach 15 Minuten gereicht. Aprikosen- unb P s I a u m e n k a l 1- schale von getrockneten Früchten. Aprikosen unb Pflaumen wäscht man gründlich unb läßt sie zwölf Stunden in Wasser weichen. Hetzt sie aus- Feuer mit dem durchgesiebten Weichwasser unter Hinzufügung von frischem unb läßt die Früchte langsam weich kochen, gibt sie burch ein Haarsieb, kocht sie mit Zucker auf, bindet fie mit wenig Stärkemehl und stellt sie kalt. Dor dem Anrichten streut man kleine Suppenmakronen in bie Kaltschale. Run kann die Hausfrau, wenn sie beabsichtigt, mit ber Obft- kallschale nicht nur ein erfrischendes, sondern auch ein sättigendes Gericht zu reichen, ben verschiedenen Obstsuppen, je nach Reigung, Grieß- ober Semmelklößchen hinzufügen. Ober sie gießt bie nicht gebundene Obstsuppe über Hafer», Weizen- oder Reissivcken. Zum Schluß soll auch noch das bekömmttcha, erfrischende und sättigende Bircher-Müsli, nach Dr. Bircher-Denner (Zürich), erwähnt werden, dessen Rezept lautet: 1 Kinderlöffel Hafcr- flocken wird mit 3 Eßlöffeln Wasser mindestens 12 Stunden vorgeweicht. Die erweichten Fldcken werden tüchtig verrührt und mit dem Saft einer halben Zitrone, einem Eßlöffel gezuckerter kondensierter Milch ober einem Lössel süßen Rahm unb etwas Honig, unter Hinzufügung von 150 Gramm rohen zerkleinerten ObsteS, vermischt. Die fertige Speis« wirb mit einem Eßlöffel sein verriebener Manbeln oder Rüsfe bestreut unb sofort nach bet Zubereitung roh verabreicht. Es läßt sich so ziemlich febe Obstsorte zu dieser Speise Verwendern Aepsel werden samt Schale unb Kerngehäuse auf einer Apfelraffel gerieben, Bananen fein geschabt. Himbeeren. Erdbeeren und Brombeeren werden mit einem Silber » lvffel zerdrückt unb bie Kirschen, Aprllosen, Pfirsiche unb Pflaumen gibt man zur Zerkleinerung am besten durch eine Hackmaschine. „Eßt Obst unb bleibt gefunb!" — Dieser Spruch, der uns überall ins Auge springt, hat schon etwas für sich. Allen Hausfrauen unb Müttern möchte man es immer tobeber sagen, scheut keine Mühe des Derlesens unb ZubereitenS, macht tüchtig Gebrauch von den Früchten, die die Ratur bald in überreicher Fülle ausschütten wird, erfreut und erfrischt die nach Hause heim- kehrenden arbeitenden Familienmitglieder burch das Bereitstellen köstlicher Obstkaltschalen. Können Sie das Kursbuch lesen? Eine für viele Frauen peinliche Frage. Man mühte mal einen Fragebogen verschicken an all die Frauen, die im Leben stehen, bie berufstätig sind, di« mit bem gleichgültigsten Gesicht der Welt bie schwierigsten Geschäftsbriefe schreiben — an all die Frauen, bie dasselbe leisten wie der Mann. Und auf diesem Fragebogen müßte die schlichte Frage stehen: »Können Sie eigentlich daS Kursbuch lesen?" Werm diese Frauen ganz ehrlich sind, werden 80 Prozent den Fragebogen mit einem glatten: Rein! zurücksenden. Und wenn man diese Frage Hausfrauen vorlegt, so werden sicher 90 Prozent antworten: Aber warum soll ich denn das Kursbuch lesen — das macht immer mein Mann! 3a, so ein Kursbuch ist ein sonderbares Ding. Auf den ersten Blick sieht es aus, als würde man nie hinter seine Geheimnisse kommen. Lauter Zahlen und Sternchen und Striche, ganz zu schweigen von den vielen Pünktchen, — das ist ja beinahe eine Codeschrift, irgendeine Geheimschrift, die furchtbar schwer zu lernen ist. So etwas lehnen Frauen gerne ab. Und doch ist fo ein Kursbuch eine riesig amüsante Sache. Cs besteht gar nicht nur aus nüchternen, langweiligen Zahlen. Wenn man in ihm zu lesen versteht, dann wird die ganze Welt auf einmal nah. Dann verlieren bie Worte: Zuganschluß, Sommer- unb Winterfahrplan, Sonberzüge ufto. auf einmal alle Schrecken, Man kann mit bem Kursbuch um die ganze Welt reifen, man glaubt gar nicht, wieviel Spatz es macht, die Anschlüsse selbst herauszusinden, den Fahrpreis zu errechnen und so vor allen Ueberraschungen gefeit zu fein. Kursbuch lesen ist gar nicht schwer, man muh es sich einmal zeigen lassen, oder man lieft sich das Vorwort einmal recht genau durch, da steht nämlich alles drin. Und intelligent genug zum Kursbuchlesen sind bie Frauen sicher, sie können doch sonst alles... Warum wollen sie sich gerade in diesem Punkt auf einmal vom Mann abhängig machen. Diele Frauen reifen heute allein — warum muh der Mann da erst die Angüsse heraussuchen! Heute sucht sich die Frau doch auch sonst selbständig den Anschluß ... Wieso nicht im Kursbuch? Es ist wirklich nicht langweilig, dieses Buch aus Strichen und Zahlen. Warum soll es für die Frau ein Buch mit sieben Siegeln bleiben? Die Reisezeit ist da — lernen Sie das Kursbuch lesen, meine Damen, erst dann find sie wirklich frei und unabhängig! Ellinor. Aus der provlnzialhaupistadi. Gießen, den 1.3uli 1931. Oie (Siebener Studentenschaft gegen die Kriegsschuldlüge. Die Gießener Studentenschaft na Ijm — wie man uns berichtet — in einer Kundgebung in der Neuen Aula am vorigen Sonntag Stellung gegen die Kriegsschuldlüge. Außer sämtlichen Korporationen waren Se. Magnifizenz der Rektor Pvvf. Dr. Eger und ein großer Teil der Professoren schäft anwesend. Cand. jur. Ludwig Jung eröffnete die Kundgebung. Prof. Dr. Rvlo s f brachte einen streng wissenschaftlichen Bericht, aus dem hervorging, daß von einer Schuld Deutschlands am Kriege nicht die Rede sein kann. Das Deutschlandlied beschloß die Feier. Zum erstenmal trat die Studentenschaft an die Oeffentlichkeit mit einem P r o te st z ug , der sich durch die Anlagen zum Oswaldsgarten bewegte. Dort gab stud. theol. Oskar Wendnagel in kurzen, prägnanten Worten dem Recht der deutschen Jugend auf Freiheit und Leben Ausdruck. Ein Dasein in Knechtschaft und Fron sei kein Dasein, und ein Leben in Ketten und Fesseln des Versailler Vertrags sei kein Leben! Rach dieser eindrucksvollen Ansprache erklang das Lied „Burschen heraus". Dann brachte der Vorsitzende der Gießener Studentenschaft, Jung, die Entschließung der Studentenschaft zur Verlesung: „Wissenschaftliche- Forscher in allen Ländern sind zu der Lleberzeugung gelangt, daß die Versailler Kriegsschuldthese heutigen Tages nicht mehr zu halten ist, da sie auf lückenhaftem, entstelltem, falschem und teilweise gefälschtem Material beruht. Die Beseitigung dieser Versailler Krieasschuld- lüge dient der Verständigung der Völker und dem wahren Frieden. Solange sie bestehen bleibt, werden die fremden Völker, namentlich soweit sie durch den Krieg gelitten haben, in dem falschen Glauben erhalten, daß die Zerstörung, die der Krieg mit sich gebracht hat, nur durch die Deutschen verursacht worden ist, während die Geschichte sie lehren müßte, daß die Zerstörungen eine Folge des Krieges waren, für den sie in erster Linie die Verantwortung tragen. Eine Beseitigung der Versailler Kriegsschuldlüge, an deren enger Verbundenheit mit dem Versailler Vertrag kein Zweifel besteht, ist notwendig. um moralisch eine Revision des Frie- densvcrtrages vorzubereilen. Gegenüber dem Waffenstillstandsabkommen bildet der Versailler Fr edensvertrag einen Dechtsbruch, drn der Feindbund mit der falschen These von der Verantwortlichkeit am Krieg zu begründen versucht hat. Don der deutschen Regierung muh erwartet werden, daß sie das Recht des deutschen Volkes, die Versailler Kriegsschuldlüge zu beseitigen, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln der Wissenschaft und Politik zu erreichen versucht." Bornotizen. — Tageskalender für Dienstag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Drei Tage Miltelarrest"'. — Ein Konzert im Flughafen durch Telefunken-Großanlage findet morgen, Donnerstag, 20.15 Ufjr, statt. Näheres in der heutigen Anzeige. — Der D e u ts ch n a t i o n al e Hand- lungsgehilfen-Verband veranstaltet am morgigen Donnerstag, 20.30 Uhr, in seinem Dereinsheim einen Vortragsabend über das Thema „Notverordnung und Arbeitslosenversicherung". Näheres in der heutigen Anzeige. * "Die Platzeinteilung au f dem W.o chenma rkt ab 1. Juli betrifft eine Be- kareytmachung der Stadtverwaltung im heutigen Ai^eigenteil. Die Hausfrauen, deren Zeit ja Mtgliederversammtung Arn Montag fand im Sitzungssaals des Stadthauses an der Bergstraße die diesjährige Mitgliederversammlung des Dolkshalle-Vereins statt. Der Geschäftsbericht, der als erster Punkt der Tagesordnung verzeichnet stand, gab den Mitgliedern einen Ueberblick über das Wirken des Vereins und über das Maß der Inanspruchnahme der Dolkshalle zu den verschiedenen Veranstaltungen. So wurde die Dolkshalle und das dazugehörige Gelände im verflossenen Geschäftsjahr für neun größere Veranstaltungen (Johann Strauß-Konzert, Fest der Studentenhilfe, Universitäts-Stiftungsfest, Militär-Großkvnzert. Dersassungsfeier, Feuerwehrfest, Wahlversammlung der SPD., Gastspiel des Zirkus Sarasani, Landes-Geflügelausstellung) zur Verfügung gestellt. Außerdem wurde die Halle während des ganzen Jahres zu Radsahrübungen, zum Tennis spielen, Rollschuhlaufen, Faustballspiel, Lauftraining usw. benutzt. Das mehrtägige Gastspiel des großen Zirkusunternehmens Darrasani hat der Stadt Gießen einen außerordentlich starken Fremdenbesuch gebracht. Reben einem Platzgeld für den Dolkshalle-Verein in Höhe von 1000 Mark konnte die Stadtverwaltung an Vergnügungssteuern den Betrag von 5600 Mark aus dem viertägigen Gastspiel vereinnahmen. Die Straßenbahn hatte eine Mehreinnahme an diesen Tagen von über 7600 Mark zu verzeichnen. Auch die Geschäftswelt hatte einige gute Derkaufstage. An der Halle wurden im Geschäftsjahre besondere Aus- und Umbauten nicht vorgenommen. Die Fragen der Beheizung und Abteilbarkeit sowie des äußeren Verputzes werden auch weiterhin Im Auge behalten. Dem Mangel an einer Garderobeanlage ist abgeholsen worden. Mit Ausnahme der Beschaffung ber Eisengestänge, der erforderlichen Hölzer und der Garderobehaken wurden die Arbeiten durch den Verein selbst ausgeführt und die Theken und Abtrennungswände aus vorhandenen, überflüssig gewordenen Jnventarstücken hergestellt. 2m laufenden Geschäftsjahr fanden bis jetzt in der Dolkshalle fünf größere DeranstaLtun»- gen statt (Kundgebung der Nationalsozialistischen Partei, Johann Strauß-Konzert, Fest der Stu- dentenhilse, Konzert des Konzertvereins, Jahres- meist sehr knapp bemessen ist, mögen diese Bekanntmachung beachten, damit sie sich unnötig« Wege ersparen. " S ch u l p e r s o n a l i e. In den Ruhestand verseht wurde auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. Juli ab der Lehrer Andreas Sitz ler in Wetterfeld, Kreis Schotten. (Sin Betrüger treibt seit einigen Tagen hier unö in benachbarten Städten sein Unwefeir. Er sucht sich, offenbar an Hand des AdreM- buches, die Adressen von Beamten (bisher hat er vornehmlich Studienräte für seine Zwecke als geeignet angesehen) heraus, begibt sich dann meist in der stillen Geschäftszeit im irgendein Geschäft, wo er sich als Studienrat ausgibt und dabei stets einen anderen Namen nennt, die aber sämtlich in der Stadl vorhanden find. Stets hat dieser „Herr Studienrat" sein Portemonnaie vergessen und bittet deshalb den jeweiligen Geschäftsinhaber um ein kleines Darlehen, das er am Nachmittag zurückbringen wolle. In verschiedenen Fällen hat der Schwindler mit diesem Trick Glück gehabt, die Geschädigten haben natürlich das Nachsehen. Dor dem Betrüger, nach dem noch gefahndet wird, sei gewarnt. ** Der schwere Derkehrsunfall bei L i ch am Sonntagabend, über den wir am Montag berichteten, stellt sich nach dem jetzt vorliegenden Ergebnis der polizeilichen Ermittelungen als die Folge einer unglaublichen Motorradraserei dar, an der neben dem tödlich verunglückten K a u h aus Burkhardsfelden noch ein Motor- des Volkskalle-Vereins. fest der Gießener Schulen) stattgefunden; ferner sind vorgesehen: das Llniversitäts-Stiftungsfest, das Konzert des Heimatvereins der Hessen von Wilhelmshaven mit der Flottenkapelle, die Der- fassungsfeler, der Gauwettkampf im Kunstturnen und der Kongreß der Bereinigung für Krüppelfürsorge. Vie vielseitige Verwendung der Volkshalle beweist am besten, wie notwendig ein derartiges Gebäude für unsere Stadt ist. Daß heute nur wenige große, länger dauernd« Veranstaltungen abgehalten werden, hat seinen Grund in der überaus schlechten Wirtschaftslage. Vereine, Gesellschaften, Landwirtschaftskammer usw. scheuen das Risiko, das durch das Ausziehen größerer Veranstaltungen und Ausstellungen ein- gegangen werden muh. Das Vorhandensein der Dolkshalle gibt jedoch in Gießen die Möglichkeit zu billigster Durchführung von Veranstaltungen, was bei der Aufstellung kostspieliger Zelte ausgeschlossen ist. Da alle Veranstaltungen, die in der Volkshalle stattfinden, eine mehr oder minder große Zahl von Fremden nach Gießen bringen, und gerade in der Jetztzeit überall die größten Anstrengungen zur Hebung des Fremdenverkehrs gemacht werden, liegt es im Hinblick auf die dadurch geschaffenen Einnahmequellen im Interesse der Stadt, der Geschäftswelt, der Vereine und Einwohner selbst, bei Beschlüssen über Tagungsorte mit allen Kräften dafür einzutreten, "daß Gießen gewählt wird. Im weiteren Verlauf der Versammlung wurde die Rechnung für das Rechnungsjahr 1930 abgelegt. Die Rechnung schließt bei einem Rechnungsrest von 5801,22 Mark in Einnahme und Ausgabe mit einem Betrag von 28 374,72 Mark ab. Als Rechnungsprüfer für die Rechnung 1931 wurden die Herren S ch w i e d e r und Beckmann wiedergewählt; im Anschluß daran gelangten die Anteilscheine zur Auslosung. Folgende Nummern wurden gezogen: 3, 30, 59, 60, 66, 81, 139, 159, 193, 228, 240, 330, 343, 346, 382, 410, 416, 453, 454, 468, 486, 517, 518, 542, 575, 583, 603, 615, 616, 666, 676, 692, 1510, 1563, 1566, 1647, 1690, 1700, 1720, 1748, 1808, 1830, 1839, 1843, 1844, 1867, 1868, 1939, 1952 und 1994. radier F. aus Münster beteiligt war. Die beiden Motorradler überholten sich zwischen Eberstadt und Lich in hoher Geschwinoigkeit gegenseittg mehrmals, wobei in einem Tempo von etwa 80 Stundenkilometer gefahren wurde, älnmittel- bar vor Lich befanden sich vor den beiden rasenden Mo oeradlern die Radfahrerin Marie Fuchs und der Radfahrer Emil Schultheis aus Göbelnrod, im gleichen Augenblick kam von Lich her ein Auto heran. Zwischen dem Kraftwagen und den Radlern koirnte der Motorradfahrer F. aus Münster gerade noch hindurchfahren. K a u h jedoch, der mit seiner Maschine etwas weiter zurück war, bremste sein Kraftrad scharf und kam dadurch mit der Maschine ins Schleudern und zum Sturz, als er gerade auf der Höhe der beiden Radfahrer war, die von ihm mit umgerissen wurden. Der Führer des Autos war in diesem Augenblick gerade an der Gruppe vorbeigekommen und hat anscheinend von dem ganzen Vorfall nichts bemerkt. Offenbar hat Kauh, der bekanntlich am Montagfrüh seinen schweren Verletzungen erlag, die beiden Radfahrer nicht umrennen wollen, ist aber dann selbst mit seiner Braut, wie auch mit den Radlern das Opfer des durch die Wettfahrerei entstandenen Anglücksfalles geworden. Wie wir heute früh auf Anfrage in der Chirurgischen Klinik hören, ist das Befinden der drei Schwerverletzten, Anna Gundel von Lich, Marie Fuchs und Emil Schultheis von । Göbelnrod befriedigend, Lebensgefahr besteht für I sie erfreulicherweise zur Zeit nicht mehr. Hamburger Polizisten in ihren neuen weißen Drillich, uniformen, die die Beamten für ihren schweren Dienst in den großen Hitzetagen erhielten. Auch die Tschakos erhalten weiße Ueberzüge. Oberheffen. Landkreis Gießen. I Lollar, 30.Juni. Anläßlich des 2.Deuffchen Liedertages brachte der hiesige Turn- und Gesangverein unter Leitung von Berufsschullehrer Eberle bei der Kirche eine Anzahl Volkslieder zum Vortrag. Zum ersten Male wirkte hierbei auch der Frauenchor des Vereins mit. Der Vorsitzende, Reichsbahnsekretär Har- b u s ch, wies in kurzen Worten auf den Zweck der Veranstaltung hin. Die Darbietungen fanden bei den Zuhörern dankbaren Beifall. Kreis Büdingen. A H i b b a, 30. Juni. Die zu Beginn ber dieS- jährigen Bauperiod« geringen Aussichten für G r- rich tung von Neubauten in unserer Stadt haben sich in den letzten Wochen erfteulicherweise günstig gestaltet. Die beiden Deamtenwohnhäuser für die hierher versetzten Feldbereinigungsbeamten kommen bestimmt in die Beundestrahe auf einen Bauplatz, den die Stadt von dem Verein Krankenpflege eingetauscht hat. Die Häuser werden von den Bauunternehmern Drott und L u p p hier gebaut und bleiben ihr Eigentum. Das Baugelände gibt die Stadt unentgeltlich. Ferner hat Oberlandmeffer E i ch einen Bauplatz in der Ludwigstrahe vom Staate zum Preis von 4 Mk. für den Quadratmeter erworben und die Arbeiten zur Errichtung eines Wohnhauses bereits ausgeschrieben. Weiter hat die Stadtverwaltung den Maurern für Arbeitsgelegenheit gesorgt, indem sie am rechten Niddaufer von der neuen Brücke bis zum Johanniterturm eine Stützmauer von 6 Meter Höhe errichten läßt. i. Dobenhausen I, 30. Juni. Heute vormittag ereignete sich auf der abschüssigen Straße am Ortsausgang nach Nidda ein äl ng l ü ck s f a 1 l. Der Arbeitslose Heinrich Dechert von hier stürzte so unglücklich von feinem Fahrrad, daß er schwere Verletzungen erlitt. Sanitäts- rat Dr. Hahn (Ortenberg) leistete die erste ärztliche Hiffe und stellte neben tiefen Kopfwunden auch einen Schlüsselbeinbruch fest. Das Fahrrad wurde völlig zertrümmert. IrandungdesLebens Vornan von Käte Lindner. (Copyright 1931 by Verlag Alfred Bechthold in Braunschweig.) 26 Fortsetzung Nachdruck verboten Von der Bühne aus konnte man den Tisch, an dem er mit dem Inder Platz genommen, nicht sehen. Do konnte er ruhig sie beobachten, als sie wiederkam. Diesmal in einem Kostüm aus weißem Sammet, ganz zeitlos, mit weißem Schwanenpelz besetzt. Es hüllte ihre schlanke Gestalt bis zu den Füßen ein, wunderschön war Tatiana in diesem königlichen Gewände. Wohl mochte es aus den Tagen ihres Glanzes gerettet worden sein... aber wie kam sie hierher, in diese obskure Umgebung? Leid stand in den großen, schwarzen Sternen geschrieben, die das bleiche Gesicht belebten, ein Schmerzenszug lag um den Mund. Sie lebte... und doch hatte Sascha Semjonow im Ton der innersten Ueberzeugung gesagt: „Tatiana Iwanow ist tot..." Endlich war die Vorstellung zu Ende. Schon kurz vorher hatte Sevigne sich hastig von seinem Begleiter verabschiedet: „Wir sehen uns wohl morgen früh beim Frühstück wieder im Hotel, Monsieur Magore... ich möchte das Ende hier nicht mehr abwarten." Jetzt stand er draußen am hinteren Ausgang des Lokals, der in eine menschenleere Gasse mündete, hatte seinen Rockkragen hochgeschlagen und wartete fieberhaft. Wenn sie nun nicht kam? Wenn er hier vergeblich stehen und warten sollte? Wie würde sie die Nachricht aufnehmen, daß Alexander Semjonow gar nicht so weit entfernt von ihr lebte unter den gleichen Lebensumständen wie sie...? Arme verlorene Kinder, die das Schicksal hin» ausgetrieben hatte aus Glanz und Herrlichkeit auf die breiten Landstraßen des Lebens... Gin ttefes Mitleid erfüllte S6vign6s Brust. Irgendwie mußte ihnen zu helfen sein, er hatte so viele Beziehungen in Paris, einflußreiche Persönlichkeiten, die man interessieren konnte für diese armen beiden. Plötzlich durchzuckte ein Gedanke sein fieberhaft arbeitendes Hirn. Wie, wenn diese Frau aus Lebensnot und Angst heraus sich gebunden hätte an einen dieser Gesellen, die jetzt Kollegen waren von ihr? Wenn sie durch eine Ehe hierher und zum Theater gekommen wäre? Möglich wäre alles. Und er sah das schwermütige Gesicht des Freundes deutlich vor seinen Augen stehen... „meine Seele ist tot, liegt in Rußland begraben, zerbrochen ist alles in mir..." 3eht klappte hinter dem Marquis eine Tür. (Sr trat hinter einen Mauervorsprung, um nicht gesehen zu werden. Die Chansonsängerin trat heraus in Begleitung des Komikers, sie gingen eilend untergehakt davon und verschwanden in der Gasse. Dann kamen kurz hintereinander die anderen Mitglieder der Truppe und gingen davon. Von Tattana keine Spur. Schon wollte Sevigne das Innere des Lokals wieder aufsuchen, als ec eine alte Frau gewahrte, die mit einem Mantel auf dem Arm sich neben dem Ausgang aufgestellt hatte und augenscheinlich auch wartete auf jemanden. Die stand gebückt vom Alter, und ihr Anzug war sehr ärmlich. Aber helle, scharfe Augen hatten jetzt wohl die dunkle Gestalt hinter dem Mauervorsprung wahrgenommen. Sie trat gleichfalls in den Schatten zurück und beobachtete ihn scharf. Ta klappte abermals die Tür, und Tatiana Semjonow schlüpfte heraus. Hell bestrahlte das Licht des Eingangs ihr schönes Gesicht, die entblößten Schultern, sie trug noch das schwarze Seidenkleid, das sie bei ihrer letzten Rezitatton getragen. „Bist du da, Lisanka", sagte eine klare Stimme. „Komm, gib her den Mantel, lange hast, du wohl warten müssen heute. Aber ich wollte die andern erst fortlassen, sie hatten eine Einladung erhalten von einem der Gäste, bestürmten mich, ich sollte durchaus mitgehen. Und du weißt doch, Lisanka, wie zuwider mir ist, nach Beendigung der Vorstellung noch mit ihnen auszugehen. Mögen sie es ruhig meinem Hochmut zugute rechnen... mögen sie. Cs erschwert mir meine Stellung, ich weiß, aber..." Jetzt trat die dunkle Gestalt heraus aus ihrem Versteck und kam auf sie zu. „Geben Sie acht, Herrin, wir wollen doch weitergehen", flüsterte die Sttmme der Alten. Sie vermutete einen ber Verehrer Estrella Mosjou- kins, aus bem Tingel-Tangel, bie oft hier am hinteren Ausgang standen und mit mehr oder weniger Treistigkeit ihr Heil versuchten. „Kommen Sie, Herrin." Da trat Sövignö an Tatjanas Seite, lüftete den Hut und sagte: „Darf ich ber Gräfin Tattana Iwanowna bie Hand küssen? Ein alter Bekannter aus früheren Tagen..." Ein Schrei hallte in die stille Gaffe hinein. Zwei halten ihn ausgestoßen. Ein forschender Blick... And Tatiana ergriff mit beiden Händen die Rechte Sevignös. „Marquis S6vign6... Sie schickt Gott auf meinen Weg ... Lisanka, es ist ein alter Bekannter aus den goldenen Tagen von Petersburg und Moskau ... es ist ein Freund meines Gatten... Marquis, welche Aeberraschungl" Er bot ihr den Arm. Vor El Azar hob er sie in ein Auto, half auch ber Alten einsteigen unb I fragte: „Wohin darf ich Sie fahren. Gnädigste? 1 wohne im Hotel Continental, vielleicht dorthin? Wir werden dort eine ungestörte Unterhaltung führen können, es ist vielleicht das beste." Sie nickte. „Wir müssen Lisanka mitnehmen, sie läßt sich, wenn es ihr irgend möglich ist, nicht abhalten, den weiten Weg von unserem Domizil bis nach dem Theater zu Fuß zu machen, nur um mich abzuholen. Nach unserer Wohnung hier können wir Sie nicht gut einlaben, Marquis, Sie würden einen Schrecken bekommen vor so viel Primittvität und Aermlichkeit. Also wollen wir nach Ihrem Hotel fahren." Er sah sie an. Sprechen konnte er nicht vor Innerer Erregung. Sie aber nahm seine Hand und drückte sie mit ber Freude eines Kindes. „Welcher Zufall führte Sie hierher, War- Siis... ? Ach, lassen Sie uns diese goldene tunbe nützen, lassen Sie uns plaubem von vergangenen seligen Tagen, wo Saschenka unb ich so Aücklich waren. Sie waren ja oft unser Gast in Petersburg... o sprechen Sie mir von Sascha, Sie, der ihn gekonnt unb geliebt hat. Ein grausames Geschick riß uns voneinanber. Nur manchmal im Traum kommt er des Nachts zu mir unb nimmt mich wieber in seine Arme, und alles ist gut. Nach Sibirien ist sein Weg gegangen... ber meine hat mich hierher geführt in Armut und Ekel hinein. Warum ward uns dies Leben geschenkt von Gott, Marquis, warum...? Nur baß wir baran verzweifeln, nur daß wir irre werden an allem, was uns einmal heilig war, was uns Führung schien. O, ich...“ Ihre kleinen Hände kämpften sich um bie seinen, ein trockenes Schluchzen schüttelte ihren Körper. „Wenn ber Schlaf mich in seine Arme nimmt, wenn ein mitleibiger Traum mir bas geliebte Antlitz wieber vorzaubert, bleich, entstellt so oft... Sibirien, Minen unb Jammerhöhlen martern bie Menschen langsam bem Tode entgegen .... bann weine ich, wenn ich bes Morgens auf- wache, unb ein neuer Tag beginnt mit seinen Leiden. Dann bete ich, daß mein Saschenka ein rasches Ende gefunden haben möge, daß dieses Leben voller Qual ihn nicht mehr bedrückt. Nirwana.. Da beugte sich Dövlgns nieder zu ihr, bie das Gesicht in beiden Händen geborgen hatte: „Gr lebt... und er ist nicht in (Sibirien... unb Sie werden ihn Wiedersehen, Tatiana Iwanowna ... bald, bald. Ich sah ihn, ich sprach ihn vor gar nicht langer Zeit... und er betrauert Sie als eine Tote, Gräfin." Ein bleiches Gesicht verzerrte sich. Sin Schrei rang sich aus ihrer Brust: „Er lebt... Saschenka lebt... unb nicht in Sibirien, sagen Sie...? Hörst bu, Lisanka... nicht in Sibirien, nicht in ber Hölle. Er lebt.. 3hr Kopf fiel nach hinten. Sie war ohnmächttg geworden. Lisanka zog eine Flasche Riechsalz aus ihrer Tasche unb hielt sie ihr vor bas Gesicht. „Sie hat oft Ohnmachtsanfälle, bie Herrin", sagte sie zu Sevigns gewanbt, — ber sich besorgt um Tatiana bemühte. „Schon als Kind litt sie baran, wenn sie starke Erregungen hatte, llnb so ist es gekommen, daß ich bem Grafen Semjonow bie Nachricht ins Gefängnis schmuggelte, baß die Herrin tot sei... Die Madonna verzeihe mir meine Sünde. Ich habe es nicht belfer verstanden. Ihm nachher noch eine Nachricht zukommen zu lassen, war nicht möglich. Da hatten ihn die Hunde schon fortgebracht, er'toar auf bem Wege nach Sibirien." Tatiana hatte bie Augen wieber ausgeschlagene Langsam kam sie wieder zur Besinnung. „Wo... wo ist Sascha...?" sagte sie und ergriff S6vignös Hände, „sagen Sie mir, wo ist er?" SevignS erzählte nun von feiner Begegnung mit Semjonow, nannte den Namen, den er jetzt trug, seine Beschäftigung. Tatiana preßte bie Lippen aufeinanber, um ihre heraufsteigenben Tränen nieberzukämpfen. „Wir hatten nichts gelernt, Marquis", sagte sie jetzt unb sah ihn traurig an. „Wir waren weiter nichts als glänzende, schUfernde Paradiesvögel, als das Schicksal kam unb uns hinwegfegte ... Aber er ist in meiner Nähe, ich werde ihn Wiedersehen, halb... bald." Hub als käme ihr bas erst' jetzt zum vollen Bewußtsein, fiel sie Lisanka um ben Hals und schluchzte: „Sascha lebt... Anka, hast bu es gehört? Und trauert um mich unb denkt, ich bin gestorben. Ein Wunder... horst du, Anka, ein Wunder ist geschehen! Die Gottesmutter horte deine Gebete." Die Alte nahm Tatiana in den Arm unb wiegte sie, als wärt sie ein Kind. „Lisanka darf gutmachen, was sie äfebfes getan hat, als sie schrieb: „Tot ist bie Herrin, die weihe Blume ist verblüht, unb über ihr Grab weht ber Winb." Dienen will ich euch bis zum letzten Atemzug, wenn erst wieder vereinigt fein werden, bie das Schicksal so hart getrennt hat.“ Das Auto hielt mit einem Ruck vor dem hell- erleuchteten Vestibüle bes Continental-Hotels. Lisanka zog sich in den Garderoberaum zurück, Sevignä aber führte feine Begleiterin nach einem ber Reineren Nebenräume, wo sie ungestört sitzen konnten. Er ließ ein gewähltes Abendessen servieren, nachdein er einen bequemen Nischenplatz für Tatiana ausgesucht hatte. „Unb nun erzählen Sie mir wohl, wie dieses . Mißverständnis, das Lisanka Ihrem Gemahl ins Gefängnis berichtete, seine Aufklärung fand", sagte Sövigne, als sie beim Mokka saßen. „Ich bin so gespannt darauf, zu hören, wie Sie aus Rußland entkamen, wie Sie hierher zum Brettel gekommen sind. Ditte, erzählen Sie." (Fortjetzung folgt.) Krauengruppe Gießen des VOA. 3m Coole des Hotels Hindenburg fand dieser Tage die Gründungsfeier derFrauengruppe der Ortsgruppe Sieben deS Vereins für das Deutschtum im Ausland statt. Frau Prof. Eger begrüßte die Erschienenen, die den Saal bis Aum letzten Platz füllten, und führte ihnen vor Augen, daß der VDA. wohl keiner Mutter mehr untefomü sein dürfte, sind doch die meisten Mütter schon durch ihre Kinder, die den 3ugendgruppen des DDA. angeboren, mit ihm und seinem Wirten vertraut. Sodann dankte der Vorsitzende der DDL. Ortsgruppe Gießen. Prof. Dr. Th. Mayer, der Vorrednerin, daß sie die Leitung der neuen Gruppe übernommen habe, und ermahnte die Zuhörer, stets der großen Schwierigkeiten der Ausländsdeutschen eingedenk zu sein, die nur zu bestehen seien, wenn sie die Gewißheit hätten, daß die Brüter im Reich fest zu ihnen stehen. Deswegen müßten die Ceitgc- danken de« DDA. Gemeingut aller DolkSschich- ten werden. Hierauf sprach die Vorsitzende der Frauenortsgruppen des Landesverbandes Hessen des DDA.. Frau Dr. Koepke (Darmstadt), die Hoffnung aus. daß die neue Gruppe bald der älteren Darmstädter und der Mainzer Frauenortsgruppe an Wirksamkeit und Erfolg gleichkommen möchte. Dem D o r ft a n d der neuen Ortsgruppe gehören an: 1. Vorsitzende Frau Prof. Eger, 2. Vorsitzende Frau Dr. Hamm. Stellvertreterinnen Frau Dir. Kalbfleisch und Frau Fabrikant^ K r e u t e r, Schriftführerinnen Frau Prof. Mayer und Frau Prof. Frölich, Schatzmeisterinnen Frau Dr. S z u b i n s k i und Frau Will. Weiter brachte Frau Dr. Koepke der Versammlung noch ein Begrüßungsschreiben des Staatsrates Block zur Kenntnis, der verhindert war. persönlich anwesend au sein. Runmehr schilderte Frau Stadtverordnete PleimeS-Lülemeher (Frankfurt) die große Rot, das unendliche heimatweh des Ausländsdeutschen imb wieS auf da« Denkmal in Döberih hin, das nicht Menschen gilt, sondern dem .deutschen Land in fremder Hand". 40 Millionen Deutsche leben jenseits der Reichsgrenzew davon 10 Millionen erst seit dem Friedensschluh. Diese verstreuten Volksteile zu stärken und zu halten, ist die Ausgabe des DDA. Wehe der deutschen Minderheit, deren Kinder durch fremdsprachige Schulen gegangen sind, die nicht mehr deutsche Bücher, deutsche Zeitungen lesen können, denen aus fremder Literatur, fremden Zeitungen ein verzerrtes Weltbild entgcgengrinst. Dann tut sich ein Riß auf zwischen Ellern, die noch deutsch, undKindern. die nicht mehr deutsch bewußt sind und bald haltlos und würdelos im fremden Dolkstum untersinken. Ganze Dörfer und Städte sind schon unter äußerem Druck verlorengegangen. Das deutsche Wort wird verfolgt, die deutsche Aufschrift auch dort, wo jeder Stein von deutscher Vergangenheit redet, getilgt. Deutsche Advents- und Weihnachtsfeiern müssen hinter verschlossenen Türen gehalten. in ständiger Sorge vor Lauschern muß jedes Wort gehütet werden. Zwang überall. 3n Pommerellen müssen 20 000 deutsche Kinder in polnische Schulen gehen, Tausende gehen ihrem Volke verloren. Wenn in einer Gemeinde nicht 40 deutsche Schüler sind, werden die deutschen Schulen gesperrt. Damit aber weniger Schüler sind, werden die Gemeinden selbst geteilt, und wo keine deutschen Klassen bestehen, ist es verboten, deutschen Unterricht zu erteilen. Eine Lehrerin, die im Kindergottesdienst in der deutschen Sprache unterweist, kommt ins Gefängnis. Hier ist die einzige Rettung bei den deutschen Müttern selber, ihnen kann auch die grausamste Gesetzgebung nicht verwehren, ihre Kinder in der eigenen Sprache zu unterweisen, ilnb so müssen diese Mütter zu aller Not und Sorge, zu allem Kampf tum des Lebens Rotdurst noch die große Mühe auf sich nehmen, ihren Kindern wenigstens einen Teil dessen zu geben, was unseren glücklichen Kindern die Schule gibt. Ebenso und noch ärger ist es in Südtir o l. Italienische Schulen für deutsche Kinder, die in der fremden Sprache dem Unterricht nicht folgen können, nichts lernen können, wo begabte, aufgeweckte Kinder zu Analphabeten erniedrigt werden. wo auf Sem Schulhof, in den Pausen und sogar im Spiel jedes deutsche Wort verboten ist und das ganze Land so von Spionen wimmelt, daß die gequälte Bevölkerung sich nicht einmal dem deutschen Gast aufzuschließen wagt. Aber nirgends auch wächst so zähes und bewußtes Deutschtum als in solcher Bedrängnis, nur der, der um jedes deutsche Wort kämpfen muß, weiß erst, was es heißt, deutsch zu fein. Aber Unter- stühung braucht er in jeter ftorm, nicht nur materiell, sondern in gleichem Maße auch moralisch. Die Deutschen draußen müssen wissen, daß man sie Im Reich nicht vergißt. Alle, alle Deutschen im Reich gehören in den DDA^ der nicht ein verein, sondern eine volksorganisotion ist. wie ja auch olle draußen gleich leiden müssen. Hier ist die Arbeit für die Frau auf ihrem ureigensten Gebiet gegeben, sie soll ihren Kindern die richtige Einstellung zu diesen Dingen geben und den bedrängten Müttern im Feindes! .-.d in ihrem Kampfe Helsen. Ausländsdeutschen Mädchen aller Stände muß der Aufenthalt im Reich, in beutfchen Familien, die Ausbildung in Fachschulen, Dauernhochschulen. Kindergärten ufw. möglich gemacht werden, sie sollen als klare, ^ielbewuhte Iugendfüh- rerinnen wieder zurückgehen in die bedrängte Heimat. Bücher sind nötig, Zeitschriften, der Ausländsdeutsche hungert nach deutschem Schrifttum, persönliche Beziehungen müssen geschassen werden. Die Sprachinseln unserer Ausländsdeutschen sind wie die Halligen im Meer, ständig von der Flut bedroht, und doch ein Bollwerk für die Küste selbst, und wenn wir sie schützen, schützen wir uns selbst! — Ties ergriffen und im Innersten gepackt, lauschten alle Zuhörerinnen der Rednerin. Rach ihr schilderte noch Dir. T r e u t das Der- * 'S) i e Reichsindexziffer f ü r die Lebenshaltungskosten im Juni. Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten (Ernährung, Wohnung, Heizung. Beleuchtung, Bekleidung und „sonstiger Bedarf") beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichs- amt« für den Durchschnitt des Monats Juni auf 137,8 gegenüber 137,3 im Vormonat. Sie ist somit um 0,4 v. H. gestiegen. Die Indexziffer für Ernährung hat sich um 0,8 v. H. auf 130,9 erhöht, die Indexziffer für Wohnung ist mit 131,6 unverändert geblieben. Zurückgegangen find di: Indexziffern für Heizung und Beleuchtung um 0,3 v. H. auf 145,4, für Bekleidung um 0,4 v. H. auf 139.9, für „sonstiger Bedarf" um 0,3 v. H auf 184,4. • Der Aktienindex. Der vom Statistischen Reichsamt errechnete Aktienindex (1924/26 = 100) stellt sich für die Woche vom 22. bi« 27. Juni auf 79,1 gegenüber 73,1 in der Vorwoche, und zwar in der Gruppe» Bergbau und Schwerindustrie auf 74,1 (66,2), Gruppe verarbeitende Industrie auf 69,2 (63,5), und Gruppe Handel und Verkehr auf 100,8 (96,1). • 40-Stundenwoche bet den Adler- werken. Die Adlerwerke in Frankfurt a. M. haben etwa 130 Angestellten vorsorglich zum 1. August gekündigt. Außerdem ist beabsichtigt, die Arbeitszeit durch Ausfall der Samstagsarbeit auf 40 Stunden wöchentlich zu verringern. Die Verwaltung der Adlerwerke hat sich zu diesen- Maßnahmen veranlaßt gesehen, da der Absatz unter dem Druck der allgemeinen Wirtschaftskrise zurückgegangen ist. • AG. für Zellstoff- und Papier- fabrikativn Aschaffenburg^ Die GV. genehmigte einstimmig den Abschluß für 1930 und beschloß die Ausschüttung einer Dividende von 6 (12) Prozent aus dem erzielten Reingewinn von 1.58 Mill. Mk. Heber die Aussichten für das laufende Geschäftsjahr könnten, so wurde erklärt, noch keine genauen Angaben gemacht werden, da die Weltmarktlage vollkommen undurchsichtig sei. Das Werk sei in Papier sehr gut beschäftigt, auch hätten sich die Papierpreise etwas erhöht. In Zellulose werde jedoch nach den Bestimmungen des Zellstoff-Syndikats eingeschränkt gearbeitet. - Zell stoss- Fabrik A.G. Wald Hof. Mannheim-Waldhof. 3n der gestrigen Generalversammlung wurden die Anträge der Verwaltung genehmigt und beschlossen, aus dem Reingewinn von 2 654 311 Marl 6 Prozent Dividende auf die Stammaktien und 7 bzw. 6 Prozent auf die Vorzugsaktien zu verteilen, sowie 385 811 Mark auf neue Rechnung vorzutragen. • Rheinische Elektrizitäts-A. -G., Mannheim. Die G -V. genehmigte einstimmig die Bilanz unb beschloß, aus dem Reingewinn von 1 372 286 (1 504 506) Mark eine von 10 auf 9 Prozent ermäßigte Dividende auf die Stammaktien zu verteilen. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M.. 1. 3uli. (WTB. Draht- bericht.) Tendenz: schwächer. Die Hartnäckigkeit Frankreichs in den amerikanisch-sran- | zösischcn Verhandlungen bildete auch an ter hältni« der Deutschamerikaner zu ihrem Mutterland, wie sehr sie dafür tätig find, wieviel wir ihnen zu verdanken haben, wenn allmählich in der öffentlichen Meinung Amerikas ein Um- fchwung zu unteren Gunsten eingetrefen ist. wieviel Pionier- und Propagandaarbeit sie für unsere Industrie, unteren Handel leisten. Sie haben tapfer den Kamps gegen die Kriegsschuldlüge ausgenommen. in mühsamer Aufbauarbeit das deutsche Ansehen wieder hergestellt. Sie find stark und bedürfen nicht unterer Hilfe, wohl aber unterer Freundschaft, die ihnen die Verbindung mH dem Mutterland sein und in ihnen die Liebe zur allen Heimat ivochhatlen soll. Rach diesen eindrucksvollen Worten schloß der Dorsihente die Versammlung, in welcher sich unter dem Eindruck des Gehörten alle anwesen- denFrauenalSMitgliederderneuen Gruppe c in trugen. Damit ist ein Anfang gemacht, ein vielversprechender, aber doch eben nur ein Anfang, und viel bleibt noch zu tun, viele müssen noch geworben werden Mögen alle Besucherinnen dieser Rotwendigkeit eingedenk bleiben und die Worte im Harzen behalten, mit welchen Frau PleimeS-Cülemeyer ihre Ausführungen beendigte und mit welchen die Fahne der Frankfurter Iugendgruppe in Aachen geweiht wurde: „Wir glauben daran, daß ein Volk nie vergeht. Solange der Bruder zum Bruder steht. Solange wir einig, zu n Schutze bereit. Ist unfer das Leben, ist unser die Zeit." heutigen Börse das HauptverstimmungS- m o m e n t. Hinzu kam die abermal« matte gestrige Reuyorker Börse und die immer noch angespannte Situation am Geldmarkt. Die Tendenz neigte infolgedessen weiter zur Schwäche, zumal es an Anregungen sehUe. Die Melduiig. daß Hoover evtl, einen neuen Plan Vorleger, will, wirkte keinesfalls günstig, da man sich damit keine internationale Verständigung verspricht. besonders im Hinblick auf Frankreich. DaS Geschäft war ziemlich gering, da einerseits infolge der Kreditsperre der Banken von der Kundschaft keine Orders Vorlagen und anderseits die Spekulation im Zusammenhang mit den heute wieder beginnenden Pariser Verhandlungen eine abwartende Haltung einnahm. Da jedoch von der Baissepartei einige Abgaben erfolgten und die Aufnahmeneigung nur gering war. ergaben sich durchweg Kursabschwächungen von 1 chis 2 Prozent. Eine gewisse Widerstandskraft war indessen nicht zu verkennen, da anderseits auch etwas Rachfrage bestand. Es eröffneten I.-G -Farben 2 Prozent. Elektrowerte 1.75 bis 2,5 Prozent, Demberg 2.25 Prozent, Salzdetfurth 2,5 und Reichsbank 3 Proz. schwächer. Am Montanmarkt ergaben sich Kursverluste bis 1,25 Proz. Von Schiffahrtswerten büßten Rordd. Lloyd 1,75 und Hapag etwa 2,5 Proz. ein. Bankaktien neigten um Bruchteile eines Prozentes nach unten. Von Einzelwerten blieben Scheideanstall, Daimler und Chemische Industrie Mainz gut behauptet. Karstadt zogen erneut um etwa 1 Proz. an. Der Anleihemarkt lag zu Beginn der Börse vollkommen geschäflslos. Psandbrie e ziemlich unverändert. Reichsschuldbuchsorderungen 1 Proz. schwächer. Im Verlaufe herrschte starke Lustlosigkeit, da wenig Reigung zum Eingehen von Reuengagements bestand. Die Kurse wiesen geringfügige Schwankungen auf. Am Geldmarkt war noch keine Entspannung festzustellen. Die Rachfrage für Tagesgeld hielt unverändert an, so daß der Satz auf 8 Proz. belassen wurde. Am Devisenmarkt war eine Befestigung für Auslanddevi sen zu verzeichnen. Es sollen wieder stärkere Devisenanforderun- g e n eingetreten sein. Man nannte Mark gegen Dollar 4,2140, gegen Pfund 20,4960, London gegen Reuyork 4,8637, gegen Paris 124,26, gegen Mailand 92,91, gegen Madrid 50,25, gegen Schweiz 25,1175 fester, gegen Holland 12,09. Berliner Börse. Berlin, 1. Juli. Die heutige Börse eröffnete bei ziemlich ruhigem Geschäft wieder in etwas schwächerer Haltung. Die Hngewißheit hinsichtlich der Pariser Verhandlungen, die auf heute 15 Hhr vertagt wurden, drückte natürlich auf die (Stimmung, und eine Meldung aus Washington, wonach Präsident Hoover im Falle einer Richteinigung mit den Franzosen sich mit dem Gedanken trägt, für Deutschland eine Sonder- a f t i o n einzuleiten, konnte nicht anregend wirken. Das schwache Reuyork, die Lage des Dividendenmarktes und die diesbezüglichen Auslassungen an der Börse wurden lebhaft diskutiert, da nach dem Hltimo die Dividendenabschläge noch nicht nachgelassen haben. Hinzu kommen auch heute wenig Wirtschaft. günstige Abschlüsse von Gesellschaften, unb auch die meisten Auslandsbörsen eröffneten eher zu nichtigeren Kursen, konnten fich aber im Verlaufe etwa« erholen. Die ersten Kurse wiesen Rückgänge von 1 bi» 2.5 Prozent auf. Die Spekulation nahm in geringem Umfange Deckungen vor, zumal auch von außen her verschiedentlich Kaus- orders ringetroffen waren. Stärker abgeschwächt waren Aschersleben auf die mitgeteilte Stillegung eine» Werkes, ebenso Schubert fr Salzer auf Meldungen über stärkere Hmsahrückgänge. Erstere verloren 4.5 Prozent, letztere 6.5 Prozent bet Minus-Minus-Rotiz. Etwa» fester lagen nur Konti Gummi, Ilse, Rheinstahl, Harpener, di« b>» 1.5 Prozent anzrehen konnten. Exklusive Dividende notiert wurden Dynamit Röbel und Oberkoks Deutsche Anleihen neigten zur Schwäche. Reubesitz aber etwa» fester. Von Ausländem, die kaum verändert waren, schwächten sich 4,5prvzen- tige Mexikaner bei Minus-MinuS-Rotiz ab. Die Geldiätze blieben unverändert. ReichSschuldbuch- forberungen waren bi» 1 Prozent schwächer. Renten ebenfalls eher nachgebend. Im Verlause war die Tendenz zunächst weiter schwächer, dann konnte sich eine leichte Erholung durchsetzen, die Stimmung blieb aber nervös. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M . l.Iuli. S» wurden notiert: Weizen 295 Mk.. Roggen 260, Hafer (int) 195 bis 200 pro Tonne: Weizenmehl (füvd. Spezial 0 ) 39.25 bi« 40.50. Roggenmehl 33,50 biS 35. Weizenkleie 10 bi« 10,10. Roggenkleie 11,25 bi« 11,50 Mk. pro Doppelzentner. — Tendenz: Roggen und 'Roggenmehl fest, sonst» ruhig Schweinemarlt in Gießen. Aus dem heutigen SchweinemloI.-2ckuld ml! 69.5 — 69.5 51,1 Slutiol.-Scditcn....... 51,75 — 51.9 THfll. ohne Äuolof.-Rechte . . 8% Hell, yolliftaat von 1929 5,4 — 5,35 89 5,3 . 102%)...... Lberhefien Provinz-Anleihe mii 89 Auslos.-Rechlcn....... Deutsche Äomm. Lammetabl. 49,5 — — Anleihe Lene 1...... 8% Srantf. Hvv.-Bank Soldpfe 49.8 — 49,5 — 15 unkündbar bi» r.‘35 .... 7% ,"rran!f. Hvo.-Bank «oldpfe 98 — — — unkündbar bl» 1936 Lene 16 4S% irranff. Hyp.-Bank Ciqu.. 92 — - — Pfandbriefe......... 4%% Rheinische Hyp^Bank-Liqu. 87,975 — — — _ — 8% Pr. Land, rpfandbriefan stall. Pfandbriefe?H. 19...... 100 100 7% Pr. Landerpfandbriefanstalt, Pfandbriefe R. 10...... 95,5 —- 95,5 1 4% Oeverreichffchc Soidrente . . 4.20% cesterreichifche Lilbcrrente — ■— I9J 1,2 4% Ungarische «oldrente .... 4% Ungarische Ttaatsrentc v. 1910 — — 17,1 — 14 14,75 4V-% deSgl. von 1913..... — — 14,65 —— 6% abgest. Soldmexikaner von SS 9,75 — 9,75 9,75 4% Türkische Zollanleibe von 1911 2,65 —— 2,8 2,7 4% Türkische Bagdadbahn-Änleih, Serie l........... — — —> 2,8 4% deSgl. Serie 11...... 2,8 2.8 2,75 — 5% Rumün. vereint«. Rente v. 1903 7,3 — 7.45 — 4>r°öRamLn.vcrctnh.Renicv.lS13 — — — 15,25 4% Rumänische vercinh. Rente 5,9 — 6.05 — 234% L Slnawliet....... 13,9 — 13,9 13,8 ;tranrnin a. 271. Dertin Sranfrun a. »i. Berlin Banknoten. «.-chluß» !ur< i^chluß- lur« Anfang» mur# 1-Ubr- Slnfanq, ftur« Serlin, 30 3unl «eld -Brief____ Rur« tut» Rur» lurd .lmerikanische Noten . . . 4,214 4,234 Belgtsche Noten..... 58,55 58.79 Datum 30.6. 1.7. 30-6- 1.7. Datum 30.6. 1.7. 30.6. 1.7. TSnische Noten..... Englische Roten ..... 112,48 20,49 112.92 20,57 Hamburg-Amerika Pake, • 52 —— 49.75 48.5 Riedeck Montan...... — — — - — irranzösische Noten.... 16/47 16,53 Hamburg.Lüdam. Dampfschiff Vdnja Dampfschiff .... . 0 . (1 — 105 80 79 Bereinigte Stahlwerke .... 4 Ctatri yiinen......16', 45,5 20 — 45,9 20,9 45 19,4 Holländische Noten.... jialienütht Noten .... 169,31 22,10 169.99 22.18 Norddeutscher Llovd .... Ha», für Bertebriwesen fflt 53 51,25 52 ,13 47,75 50,75 48,5 Sollwerte Aschereleben . . . flaltrorrtv tifflertgtln . . . Kaliwerke Salzdetfurth . . . I. G. Yarben-Indufkrte . . . Beretn. chem. Industrie Iran!» 10 10 128 131 130,5 127 132 122,75 129.5 txorwegiiwe oroien........ Teuifch-cesterreich, i 100 Schilling 112,48 59,07 112.92 59.31 Berliner HandelSgeicllfchaft . 8 Commerz, und Privat-Bank . 7 Tarmftäbttr und Nanonaldanl 8 Deutsche Bank und Dtrconto^stesellschaft... 6 106,5 101 110,5 101 100,75 106.75 101 110,13 101 106.25 103.75 108,5 101 15 12 202 136,25 199,5 134,25 200,5 135,4 198,5 135,9 mumanume oralen .... Lchwrdtfche Noten.... Lchwetzer Noten..... Lvanische Noten..... Ungarische Noten . . . ., 2,49 112,88 81,47 40,72 73,25 2,51 113.32 81,79 40.88 73,55 Dresdner Bank...... Rcichtbank........ 6 12 101 100.5 135 101 138 101 135,5 furi O.YQ.. -...... S chei de anstatt r. ...... Aoldschmidt........ 10 . 0 125,5 40,5 51,5 >25.5 40,5 40,25 Deal enmartt Berlin — Frankfurt a. M. a.tt.a........... Bergmann........ Glrtir. LieferungtgeseAchast. Licht und straft...... . 7 95,75 94 94 68,5 110,75 114.5 94^5 Rülgerswerte....... Metallgesellschaft...... 42 61,75 — 43 60 43 30. Juni I.Jull 10 10 — 114 109,75 113,4 Philipp Heizmann ..... Zementwerk Heidelberg. . . Zementwerk starltzabk. . . . Vaytz & Frey rag..... SchulthetS Pahenhvfer . . . K!a (Mge meine stunstfeide) tzemberg......... Zellstoff Waldhös..... Zellstoff ÄfchasfenLurg . . . Tessaucr Olas....... Taimler Motoren..... Deutsche Linoleum .... Lrenstein & stoppel .... Leonhard Lieg...... Lvenska......... . 8 78.5 — 79 77,75 Amtlich« Meld Notierung »de? Amtlich« Geld Notierung »rief Fellen & CMuiHeaumc.... Gesellschaft für Elektrische Unremedmunaen .... Slbemische Llcktchiläl . . . Set liefert & Co....... Llernens & Collie..... Lahmeoer S Lo....... Buderus......... TcutlGe ErdSI ...... Gelsenkirchener...... Harvencr....... . Hoesch Eisen........ alle Bergbau....... Llücknerwerke....... 6H 9 . 9 11 14 12 . 4 . 6 . 8 . 0 . 6 10 . 6 75 109,5 128 158 112,5 67,5 73 60 151 52,5 107,25 124,75 156 72,5 75,75 108,13 109 126 157 112,75 43 66 72,75 59 55.9 148 52,5 107 107,25 124,75 155.75 42,25 65,75 72 59,5 55 149,5 51,5 . 7 . 0 15 0 0 . 9 ; 6 . 0 . 8 57 85 25,4 80 90,5 25^5 87 240 III 111Sl1111 S S 133 80,25 91 71 66 121,25 25 65 40,75 87,5 Illi 1 1 1 1 1 Helstngsorß . Wien. . . . Prag . . . Budapest. . Sofia . . . Holland . . CMo . . . . stop endogen. Stockholm . London. . . Buenos Sire« Neuvork . . Brüste! . . . Italien. . . Pari« . . . 10,591 59,175 12.473 73.42 3.050 169,33 112,69 112,71 112.86 20.472 1,355 4.209 58,61 22,025 16,474 10,611 59,295 12,493 73,56 3,056 169,67 112,91 112,93 113.08 20,512 1,359 4,217 58.73 22,065 16,514 10,593 59,18 12,471 73,42 3,047 169,33 112,69 112,70 112,86 20,474 1,342 4.209 58,63 22.04 16,474 10,613 59,30 12,491 73,56 3,053 169,67 112,91 112,92 113,08 20,514 1,34« 4.217 58,75 22,08 16,514 Soln-Neuelsen....... 6K — —— — 261 10 30,25 108,5 Schweiz . . 81,48 81,64 81,515 81.675 Mannes mann-Röbren ... ManSfelder Bergbau .... Lbcrschlef. SoUwerke . . . Pdöntr Bergbau...... Rheinrsch« Braunkohlen. . . .................. . 6 . 0 . 8 4V, 10 • 6 66,75 47,5 77,5 65 46.25 76,5 65,65 29,5 67.25 47.4 157 75,5 65 28,75 62 46.25 155,5 76 frankfurter Maschinen . . . Grinner......... Öafafraftwerfe Höchst a. SDL. Luddeupcher Zuck« ... . 9,75 32 66,13 IS 1 1 1 Lvanieü . . T anj tg. . . Japan . . . Siro de Ian.. Iuooslawi«. Lissabon , . 41,01 81,86 2.097 0,324 7,431 18,61 41,64 82,02 2,083 0,326 7,445 18,65 40,81 81,86 2,079 0,324 7,431 18,61 40,89 82,02 2,083 0,326 7,445 18,68 9Jl.-$pott Handball der Stadtmannschast. Wetzlar 7:4 (3:2) geschlagen. Ein Muhender Erfolg war der Stadtelf beim Rückspiel in Wetzlar beschieden; konnte sic doch die Domstädter in überzeugender Welse verdient schlagen. Die Mannschaft, die außer Salz, für den alL linker Läufer Schorrkopf ewsprang. in der vorgesehenen Aufstellung spreite, war ihrem Gegner während des ganzen Spieles glatt überlegen und hätte leicht hoher gewinnen können. Erst kurz vor Schluß, als es schon 7:2 für Die Hiesigen lautete, raffte sich Wetzlar etwas auf und schoß mit viel Glück 2 Tore. Trotz der aroßen Hitze sah man ein schnelles Spiel. Die Gießener enttäuschten nach der angenehmen Seite: sic spielten wie aus einem Guß und waren m Abwehr und Aufbau gleich gut. Der Sturm war sehr schußfreudig und mir viel Schußpech verhinderte vor der Pause einen höheren Torstand. Die Läuferreihe, in der Gehard als Mittelläufer einen ganz großen Tag hatte, zerstörte gut und unterstützte den Sturm in jeder ^lsc. Die Verteidigung mit Valser im Tor ließ die Wetzlarer kaum eine Schuhmöglichkeit ausnutzen.' D^n guten Zusammenspiel waren die Gastgeber nicht gewachsen. Der sonst so gefährliche Sturm kam nicht zur Entfaltung und muhte ost mit verteidigen helfen. Dein Gießener Ansturm konnte die Hmter- Mannschaft auf die 'Dauer nicht standhalten. Ein Glück, daß Müller im Tor gut hielt unö viele Schüsse schlecht placiert wurden: was besonders vor der Pause der Fall war. Der 7:4°Sieg war vollauf verdient. Schiedsrichter Schauermann von Frankfurt leitete einwandfrei. Die Stadtmannschaft wird die nächsten Spiele in gleicher Aufstellung bestleiten. Das nächste Spiel findet am 15. Juli gegen die Univcrsitätsrnannschaft statt. Oie Ergebnisse der leichiaihletischenZugendwetikämpfe i. 2. Sek. 800 Meter: 1. Goldschmidt. VfB.. 2.25': 2. St- Simon, VfB.. 2,28-: 3. Salzberg, 1900, 2,32^ Win. Hochsprung: 1. Hermann, 1900, 1,50 ; 2. Radon. VfB.. 1,45; 3. Weimer, VfL. Wetzlar, 1,43 Meter. «Meter. 4xl00-Meter-Staffel: 1. 1900, '48,2; 2. VfB.. 50,1; 3. 1900, II, 52,3 Sek. Jugend-Klasse B; Jugend-Klasse A: 100 Meter: 1. Koch II., 1900, 11.9; 2. Kirch- Heimer, VsB.. 12,1; 3. W. Paulus, VfB., 12,2 200 Meter: 1. Koch II., 1900, 24,1; 2. Paul, 1900, 25,3; 3. W. Paulus, VfB., 25,8 Sek. 800 Meter: 1. Baumstieger, 1900, 2,13 ; 2. Mootz, 1900, 2,17; 3. Wörenkäinper, 1900, Hochsprung: 1. Schlarb, 1900, 1,50 ; 2. Auer, 1900, 1 50 (durch Stechen entschieden); 3. Keul, VsB. Aßlar, 1,48 Meter. , wA Weitsprung: 1. Lippert. 1900, 5,73 ; 2. Koch II., 1900, 5,37; 3. Kirchheimer, VfB., 5,04 Meter. Kugelstoßen: 1. Luh. 2- Schlarb, 1900, 10,86; 3. Keul, VfB. Aßlar, 9,99 Meter. _ „ Diskuswerfen: 1. Luh, VfB.. 38,10; 2. Paul. 1900, 28,89; 3. Schlarb, 1900, 26,55 Meter. Speerwerfen: 1. Lippert, 1900, 45,30; 2. Auer, 1900, 44,30 ; 3. Wittich, 1900, 27,50 100 Meter: 1. Wagner, VfB., 12,7; Hermann, 1900, 12,8 ; 3. Goldschmidt, VfB., 13,6 Kugelstoßen: 1. Laudon, VfB., 10,47; 2. Weimer, VfL. Wetzlar, 9,92; 3. Schemel, 1900, 9,11 Meter. - Diskuswerfen: 1. Laudon, VfB.. 29; 2. K. Simon, VfB., 24,94; 3. Goldschmidt, VfB., 22,10 Vieler. 4X100-Meter-Staffel: 1. BsB., 52,5; 2. 1900, 55,1 Sek. Jugend-Klasse C: 5 0 Meter: 1. Volk, 1900, 7,4; 2. Schmitz, 1900, 8; 3. Härder. VfB., 8,1 Sek. W eitsprung: 1. Volk, 1900, 4,25; 2. Härder VfB.. 4,15; 3. Schmitz. 1900, 3,75 Meter. Kugelstoßen: 1. Volk, 1900, 6,85; 2. Baum, VfB.. 6,18; 3. Schmitz. 1900, 5,46 Meter. 4x50°Meter°Staffel: 1. 1900, I, 302; 2. 1900, II, 30t 3. 1900, III, 345 Sek. Dre i kampf (50 Meter, Weitsprung, Kugelstoßen) : 1. Volk, 1900, 1622; 2. Härder, VfB., 1347; 3. Schmitz. 1900. 1285; 4 .Koch HI., 1900, 1216; 5. H. Fischer, VfB., 1145 Punkte. Jugendklasse D: Dreikampf (50 Meter, Wcitsprung a. d. St.. Ballweitwurf): 1. Goß. 1900, 1360; 2. Baum, VfB., 1280; 3. Schreier, 1900, 1255; 4. Theiß, VfB., 1125; 4. Eisenhuth, 1900, 1125 Punkte. Die erzielten Ergebnisse dürfen als sehr gut bezeichnet werden. Besonders drei Leistungen verdienen hervorgehoben zu werden. Der Diskuswurf von Luh über 38,10 Meter, und die Leistung im Kugelstoßen mit 13,22 Meter stellen die besten Leistungen des Tages dar. Mit diesen beiden Leistungen riß der talentierte Sportler wenigstens zwei 1. Plätze in der A-Klosse für den VfB. an sich, während die übrigen 1. Siege den 1900ern überlassen bleiben muhten. In der A- Klassc erzielte Koch II. (1900), der sich in sehr guter Form befand, eine vorzügliche Zeit über 100 Meter, die er in 11.9 Sek. lief. In den Jugendklassen C und D fielen die ersten Siege ebenfalls sämtlich an die überaus starke leicht- achletische Jugendabteilung der Spielvereinigung 1900. Etwa 100 Wettkämpfer beteiligten sich insgesamt an den Wettbewerben. Kegelsporiwoche in Bad-Nauheim. Der seit 1923 bestehende hiesige Keglerverbond. der zur Zeit in 11 Klubs 160 Mitglieder zählt, hat unter der Bauleitung von Architekt Rausch (Friedberg) in der Frankfurter Straße ein modernes Kegelsporthaus erstehen lassen. Die neue Sporthalle umfaßt vier Bahnanlagen, nach den neuesten Vorschriften erbaut. Reben drei Asphaltbahnen ist eine internationale Parkettbahn geschaffen worden. Die letztere wird von besonderer Bedeutung für den heimischen Kegelsport werden, findet sich diese Dahn- art zur Zeit doch erst in 14 deutschen Städten. Ursprünglich als „schwäbische Lattenbahn" nach Amerika gekommen, ist sie von dort wieder in die alte Welt zurückgekehrt und hat ihren Siegeszug angetreten. Diese internationale Kegelbahn ist es auch, auf der der Kegelsport bei der nächsten Olympiade vertreten sein wird. Man hat hier den Zehnkegelstand im Gegensatz zu dem Reuner- stand der anderen deutschen Systeme. In Amerika ist das Kegeln auf dieser Bahngattung Volkssport geworden. Am Sonntag wurde die neue Sporthalle mit einer Eröffnungsfeier ihrer Bestimmung übergeben. Rach wirkungsvollen Liedvorträgen des Gesangvereins „Liedertafel" konnte der Vorsitzende des hiesigen Keglerverbandes. Stadtrat Stoll, zahlreiche Vertreter der Behörden und Sportverbände als Gäste begrüßen. Den Willkommengruß der Stadt Dad-Rauheim entbot Bürgermeister Dr. Ahl. Die Weihe der Halle nahm der Vorsitzende des Süddeutschen Kegler- Gaues, Hartmann (Frankfurt a. M.) vor. Die Einweihung bildete den Auftakt zu einer großen K c g e l f p o r t - W o ch e, in deren Der- lauf sich Süddeutschlands Keglerelite hier ein Stelldichein geben wird. Das Sportprogramm der Woche weist eine Fülle von Wettbewerben auf. Besondere Bedeutung haben die Großkämpfe auf der internationalen Bohn. Gemeldet sind 9 Stadtverbände des Süddeutschen Gaues mit Zehner- Mannschaften. Ferner liegen vor 50 Meldungen von Bundesvereinen des DKB. Mm das Sportabzeichen werden sich 70 Kegler bewerben. 2m ganzen werden etwa 500 Kegler, darunter auch solche aus dem Saargebiet, im Laufe der Woche in Bad-Rauheim zu Gast sein. Arbeiter-Turn und Sportbund. wehlar I — Lich I 5:2. Trotz der großen Hitze entwickelte sich ein flottes Spiel. Wehlar war den Gästen technisch überlegen. Die Licher konnten zunächst zu keinem Erfolg kommen. Die Einheimischen waren fünfmal erfolgreich, während sich Lich mit zwei Treffern begnügen mußte. Großen-Buseck I — Heuchelheim I 2:1. Heuchelheim war am Sonntag zu einem Freundschaftsspiel in Großen-Duseck zu Gast. Die Einheimischen strengten sich mächtig an und gingen bald in Führung. Heuchelheim ließ viel von seinen sonstigen Leistungen vermissen. Halbzeit 1:0. Rach dem iScitenwechsel kamen die Einheimischen zum zweiten Erfolg. Sodann drängten die Gäste mit aller Macht, konnten aber nur ein Tor aufholen und mußten die erste Riederlage als Spitzenführer der ersten Dezirksklasse hinnehmen. Vorher spielten die zweiten Mannschaften beider Vereine. Hier konnten die Gäste nur einen knappen 0:1- Sieg landen. Klein-Linden I — Launsbach l 0:3. Launsbach war in Klein-Linden zu Gast. Die Plahbesitzer brachten nur neun Mann auf das Feld, die nur wenig zu bestellen hatten. Launsbach blieb stets überlegen. Wieseck Jugend (tomb.) — Rödgen II 15:0. Rödgen II stand auf dem Wiesecker Platz einer kombinierten Jugend der Plahbesitzer gegenüber. Die Einheimischen waren den Gästen technisch weit überlegen und erzielten Tor auf Tor. Handball im T. V. Klein-Linden. Die erste Handballmannschaft des Tv. Klein- Landen weilte am Sonntag in Lich, um gegen die erste Mannschaft des Tv. Lich ein Wettspiel auszutragen. Das Spiel endete 7:7 unentschieden. Die zweite Mannschaft spielte auf eigenem Platze gegen die zweite des Tv. Lützellinden und konnte infolge größerer Beweglichkeit das Spiel init^4:3 für sich entscheiden. Bootslaufe und Bootshausweihe der akademischen Ruderer. Vor dem Bootshaus des Ruderklubs „Hassia" fand gestern abend die Dootstaufe und zugleich die Einweihung des Bootshauses der akademischen Ruderergruppe der Landesuniversität statt. Bei dem prächtigen Wetter hatten sich, viele Gäste hierzu eingefunden. Die drei neuen Boote, denen an diesem Abend die Taufe galt, waren mit grünen, blumendurchflochkenen Girlanden geschmückt und die Studentinnen und Studenten im kleidsamen blauweißen Sportdreß und mit dem Wappen der Universität auf der Brust warteten darauf, die Boote dem Wasser und ihrem Zwecke übergeben zu können. An der Feierlichkeit nahmen außerdem die Vertreter der hiesigen Rudervereine teil und bekundeten damit die sportliche Verbundenheit mit den akademischen Ruderern. Auf dem Platze gegenüber, auf dem anderen Ufer der Lahn, rüsteten die Ruderer der Gießener Rudergesellschaft von 1877 zur Dootsauffohrt und auch beim Rudersportverein traf man die notwendigen Vorbereitungen. Die Abendsonne glänzte in den lackierten Flächen der Riemen, die Studenten hatten sich um die Boote gruppiert, als Prof. Dr. Lehmann das Wort zu einer Ansprache ergriff, in der er die Bedeutung des Tages für die Universität darlegte. Er bezeichnete die Bootstaufe und die Uebernahme des Bootshauses als einen Markstein in der Geschichte der Entwicklung der Universität, dem erhöhte Bedeutung deshalb beizumessen sei, weil man oft der Meinung gewesen sei, die Universität Gießen könne den Vorsprung, den andere Universitäten Deutschlands auf dem Gebiete der Leibesübung unserer alma mater voraus hätten, nicht aufholen. Run aber sehe- man aber mit etwas mehr Zuversicht in die Zukunft. Wenn man heute mit Vertrauen auch in dieser Hinsicht in die Zukunft blicken könne, dann sei daS in erster Linie ein Verdienst der hessischen Staatsregierung, die die Anschaffung der Boote und des Hauses ermöglicht habe. Dank müsse man besonders dem Staatspräsidenten Dr. h. c. Adelung wissen, der sich dafür eingesetzt habe, daß heute auch die Gießener Universität über ein Bootshaus und die dazugehörigen Boote verfüge. Ebenso sei man Prof. Dr. Sommer zu Dank verpflichtet und den Studenten, die durch ihre Opferwilligkeit ihr Teil dazu beigetragen hätten . Zugleich dürfe man nicht vergessen, Dr. Möckelmann für seine vielseitige Arbeit, die er für die akademische Rudergruppe geleistet habe, zu danken. Der Redner ermahnte weiterhin die Studenten, neben der Ausbildung des Geistes auch die des Körpers zu pflegen und die freien Stunden zum Rüdem zu benützen. Die Studenten hätten nun auch Gelegenheit, auf der Lahn die Kräfte in edlem Wettstreit zu messen und so ein Teil dazu beizutragen, an der Ertüchtigung unseres Volkes zum Rutzen unseres Vaterlandes. Sodann wurden die drei Boote, zwei Gigvierer und ein Doppelzweier von drei jungen Damen auf die Ramen „Oberhessen". „Rheinhessen" „ und „Starkenburg" getauft. Prof. Dr. Lehmann übergab sodann dem Leiter des Instituts für Leibesübungen Bootshaus und Boote. Dr. Möckelmann gelobte, alles in treuer Obhut zu behalten. Sodann wurden die Boote zu Wasser gebracht und im Anschluß daran fand die Auffahrt statt, an der sich auch die Gießener Rudervereine GRG., Rudersportverein und „Hassia" mit je einigen Booten beteiligten, so daß geraume Zeit ein frisches Leben und Treiben auf der Lahn herrschte, das den Teilnehmern an dieser Feier zugleich ein prächtiges Bild bot. Den Schluß der Veranstaltung bildete ein Rennen um einen vom Institut für Lclbesübung an der ilnfejerfität Marburg gestifteten Wanderpreis, der aus Anlaß der Bootstaufe zum ersten Male ausgefahren wurde. In den Wettbewerb traten je eine Mannschaft der Universitäten Marburg und Gießen, die in den neuen Gigviercm über eine Strecke von 1200 Meter starteten. Das Rennen entschied die Mannschaft der Universität Marburg in der Zeit von 4:08,6 Minuten vor den Gießener Studenten (4:15,0 Min.) für sich Taten für Mittwoch, l.Juli. Sonnenaufgang 4.13 Uhr, Sonnenuntergang 20.44 Uhr. — Mondausgang 22.30 Uhr, Monduntergang 5.08 Uhr. 1646: der Philosoph Gottfried Wilhelm v. Leibniz in Leipzig geboren; — 1867: die Verfassung des Norddeutschen Bundes tritt in Kraft. Marie preis Wilh. H. Vingleb Architekt Verlobte Daubringen Dollar 2. 3uli 1931 4339 D Lilli Eller Albert Lang Verlobte Oorf-Gill Garbenteich 3uli 1931 03762 j Für die anläßlich unserer Vermahlung erwiesmen Aufmerksamkeiten sagen wir auf diesemWege unfern herzlichsten Dank Karl Dem und Frau Ida, geb. Daß Lang-Göns, den 1.3uli 1931 Männer-Bade verein 1836 e. V. Sonntag, den 5. Juli 43260 Strand-Fest! Aufgepaßt! - Jetzt zugefaßt! Unser großer —Ausverkauf hat begonnen! Sensationelle Angebote haben wir Ihnen zu unterbreiten Feinfarbig Chevreau, Lack und braun Boxkalf, in neuen, mod. Farben und Modellen, nur hochwertige Fabrikate ...12.50,10.50, 9.50, 650 Braun u. schwarz Boxkalf-Halbschuhe, z. T. beste Rahmenware aus letzter Saison, zu den Ausnahmepreisen von... 14.50,12.50, 9.50, Als besonders günstige Gelegenheit bieten wir Ihnen wegen Aufgabe dieses Artikels ein Posten Iltis-Reformschuhe allererste Rahmenware......zum Einheitspreis von U° Schenken Sie Ihre besondere Aufmerksamkeit unseren Fenstern, die mehr sagen, als dieses Angebot! 4323 A Deutscher Abend veranstaltet von hiesigen Schulgruppen und einer Jungschar des Deutschen Ostbundes, Frankfurt am Main am Samstag, dem 4. Juli d.J.. abends 7'12 Uhr, im Caf6 Leib. Walltorstraße Ansprachen (Pfarr. Pelz-Kassel. Dr. König- Gießen), Musik, Gesang usw., ein Bühnenstück aus der Ostmark, Geselligkeit Eintritt für Erwachsene 50 Pfennig, für Jugendliche und Studierende 30 Pfennig. — Es laden herzlich ein: 4325D Verein für das Deutscher Deutschtum im Ausland Ostbund Ortsgr. fließen. Ortsgr. fließen. Schwaabs Weinstuben 4321 D Garten-Restauration Im Ausschank: 1929er Guntersblumer................ 0.30 1929er Geisenheimer Steinacker, natur. 0.55 1929er Nitteler Geisberg.............. 0 40 1929er Cröver Steffensberg, natur......0.60 1929er Dürkheimer Feuerberg.........0.35 1924er Calderon...................... 0.60 Erdbeer- und Pfirsich-Bowle Pilsener Urquell *^7 ebewohl wenn Sie Hühneraugen haben! Hühneraugen-Lebewohl und Lebewohl-Ballenscheiben, Blechdose (8 Pflaster) 75 Pf., Lebewohl-Fußbad gegen empfindliche Füße und Fußschweiß, Schachtel (2 Bäder) 50 Pf., erhältlich in Apotheken und Drogerien. Sicher zu haben: Medlz -Drogerie Haus Hindenburg H. Elges, Seitenweg 68a; Löwen-Drog. W. Kilblnger Hachf., Seltersweg 79a; H. Noll, Ludwlgspiatz-Drog. und Neustadt-Drog.; Germania- Drog. C. Seidel, Frankfurter Str. 39, 0. Wlnterhoff, Drog., Kreuzpl. 9-10.