Hr.ZZ Erstes viatt
18b Jahrgang
Mittwoch, April 193 (
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Die Scholle
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General-Anzeiger für Oberheffen
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Bismarck und unsere Zeit.
3tt V.SmarckS Geburtstag am 1. April.
Von Lans von (Scecf, Generaloberst a. O., Mitglied des Reichstags.
Himmt man heute DiSmarcks „Gedanken und Gr inne run gen" in die Hand in einer Feierstunde des^ politischen Tageslebens. so wirb man zuerst das bittere Gefühl verlorener nationaler Große ilberwinden muffen. 2e älter der Leser ist, je mehr die große Vergangenheit Teil seine« eigenen Erleben« wurde, um so tiefet empfindet er d ie Tragik, die dem Wcr.e Bismarcks und damit seiner Gestalt an» Haftei. Denn diese Tragik ist die unseres DollS- sch cksals. ist die des eigenen Lebens.
InS Riesengroße ebhebt sich BiSmarcks Gestalt, wenn man aus diesen seinen Erinnerungen und seinen Veden und Triefen das oft unbewußt Geherhafte heraus empfindet, das in ihnen verborgen ist. Ueoerblictt man heule sein Werk, das doch lebendig in unsere Tage hineinreicht, so er'che.nt seine Gestalt, die schon so viele Züge trägt, vergleichbar den Helden der griechischen Tragödie wie den Propheten des Alten Testaments. De Kafsandrallage: „Warum gibt du mir zu sehen, was ich doch nicht wenden kann" Ringt aus den Aeuherungen seiner alten Tage.
Eine müßige Frage ist die nach dem. was er jetzt ge'.an hätte, ein fruchtloses Beginnen, von ihm Rezepte der Tagespolitik zu fordern — und doch, alles weniger wollen wir heule, wenn die Feuer von den Höhen und Türmen im deutschen Lande zu seinem Gedächtnis lohen, al- verachten und verzweifeln. Unserer Zeit und uns selbst ist es nicht gegeben, nach Goethes g:ruhsarnen Worten zu leben:
Wohl dem. der seiner Väter gern gedenkt, D:r froh von ihren Taten, ihrer Größe Den Hörer unterhält und still sich freuend Ans Ende dieser schönen Reihe sich Geschloßen sieht.
Wir sind hineingestellt in eine Zeit des Kampfes, wie nie zuvor in deutscher Geschichte, v. wohl das mancher gar nicht sieht und sehen will. Sine schöne Sitte gläubiger Christen ist es. sich täglich aus der Tuet Losungsworte und mit ihnen 6t "r'img. Trost und Wegweiser für den Tag zu holen. Schlafen to t heute am Dtsmarck- Tag das große Buch seines Lehens und seiner Taten auf und sehen nach, ob wir nicht für uns einige Losungsworte finden, auch und vor allem für die Tugend. Sie muß nicht und will nicht allzuviel wissen von dem „alten" Bismarck und möchte lieber allein den unbekannten Göttern in der eigenen Brust folgen, aber trotzdem scheint c-8 unsere, der „auch Alten" Aufgabe zu fein, aus diesem er aßen Hcldenleben einige ewige nationale Wahrheiten herarrszuhr/en.
Ich schlage d e ..Gedanken und Erinnerungen" auf und finde ein Wort:
„Es liegt hier ein bedauerlicher Beweis, bis zu welchem Maße von rlnchr :d)Ieit und Vaterlandslosigkeit die politischen Parteien bei uns auf dem Wege d c s Parteihasses gelangen. Es mag Aehnl iches ander wo vorgekommen sein, doch weil; ich kein Land, wo das allgemeine Rat'onalgesühl und die Liebe zum gesamten Vatcrlande den Ausschreitungen der Parteileidenschaft so geringe Hindernisse bereitet wie bei uns." Ist eine Anwendung auf unsere Tage wirklich noch besonders zu begründen? Wir leben tn einer Zeit der größten wirtschaftlichen und politischen Kämpfe. Ich bin kein Pazistst und weiß, daß solche Kämpfe ausgefochten worden müssen, nnd weiß auch, daß im Kampf wenig Schonung gilt. A'er ich habe gelernt, daß es im Kampf zwei Seiten, zwei Var'eien gibt, nicht iwan'ig, und daß Uneinigkeit in den eigenen Re:hen der Anfang der Riederlage ist.
In nie gmhntem Maße hat seit Bismarcks Zeit die Zcrilüftung der staatserhaltenden Schichten des Volkes angenommen. Immer w.edcr ver- h'ndorn Parteigeist und Rechthaberet die Zusammenfassung in thron Motiven und ihren End'ielen gar nicht allzu verschiedener Kräfte. Die Unduldsamkeit gegen jede andere Meinung — und am meisten gegen die des innerlich Rahestehendon — wächst von Tag zu Tag. Wenn schon der Große nicht immer den Parteihader zu meistern vermochte, wie ist auf Einigkeit einer Ration zu hoffen, der solche Führer die Vorsehung nur in einer Feierstunde schenkt? Er anerlann'e kein Parteiprogramm, keinen Parteistempel für sich an; er arbeitete mit jedem, der mitheNen wollte beim Bau und Ausbau des Staates. Er gibt ein erschütterndes Bild der Fürsten in einer der letzten Reichs- tagSsihungen. der er beiwohnte. In seinem Aus- dr.:ck liegt die Erkenntnis, daß in dem gan’cn Haus nicht einer ist, der ihn gam versteht und ihm ganz treu ist. Er macht die Erfahrung Caesars, von der Mommsen in seiner römischen Geschichte spricht daß der große Führer sich sicherer auf die Masse der Ramenlosen als auf die ehrgeizigen Häuptlinge stützte.
Es zieht eine neue Zeit herauf. Wir werden sie nicht überstehen, sondern in ihr untergehen wenn es uns nicht gelingt, aus uns selbst heraus — ohne einen Bismarck, auf dessen Erscheinen wir nicht rechnen können — den Weg zur Einheit nationalen Wollens und nationalen Handelns zu finden •
3d) zitiere noch einmal ein Wort aus den „Gedanken und Erinnerungen":
„Trotz allem hoffe ich. daß in Kriegszeiten das Rationalgefühl stets zu der Höhe anschwcl- len wird, um das Lügengewebe zu zerreiHen,
ßuriius antwortet den Gegnern der Zollunion.
Der Zwang zur Erweiterung des Wütschafismarktes. — Die Idee regionaler Zusammenschlüsse. — Zweierlei Maß in der internationalen Wirtschaftspolitik.
Berlin. SI. März.
3m «eichsrnl hielt Reichsminister deS Auswärtigen Dr Cur- t i u s die angetünbigle Rede über die . utsch- ö st erreicht schen Zoll Vereinbarungen. Der M.nister führte aus: D.e internationale Diskussion des deutsch-österreichischen Vertrages zur Angleichung der zoll- und handelspolitischen Verhältnisse der beiden Länder ist an einem gewissen Abschnitt angelangt, insbesondere, seitdem feststeht, daß sich der Dölkerbundsrat demnächst mit der Angelegenheit befassen wird. Ich sehe meine Aufgabe darin, einmal die wirtschaftliche Bedeutung des Vertragswerkes klar her- auSzustellen und feine Einfügung in d ie Pläne einer besseren Organisation der europäischen G e s a m t w i r t s ch a f t zu betonen, sodann die hier und da aufgetauchten Zweifel an derEinhaltungderVerträge und an der Loyalität unseres Vorgehens zu xerftreuen. Wi r t sch af t s s o rg e n sind es, die Die österreichische und deutsche Regierung zu- sarnmengeführt haben.
Deutschland mit einer Arbeitslosigkeit von fünf Millionen Arbeitswilligen, mit drückenden politischen Verpflichtungen, mit gänzlich unzureichender Kapitaldecke bei tieser Rotlage seiner Landwirtscha'l ist von schweren wirtschaftlichen und sozialen Gefahren bedroht. Reben der Sanierung und Hebung des Binnenmarktes stehen w'.r unter dem Zwange der Markterweiterung, der Ausweitung unseres Außenhandels.
O e ft e r r e i rf>, das aus einer großen Wirtschaftseinheit ßcraudgeriifen ist, das eine zu schmale Grundlage für seinen Wirtschaftsapparat besitzt und dessen Bevölkerung seit einem Iahrzehnt unter ihrem Kulturniveau lebt, muß die gleichen Ziele verfolgen. Wir erwarten beide, durch Angleichung unserer zoll- und handelSpolttisch-n Verhältnisse, durch freien Wirtschas tsverkrhr, beide Vo.'kswirtschafien zu beleben, zu heben und zu erweitern, ilnfer Vorgehen bewegt sich in den Bahnen der gesamten europäischen Kooperation Wir halten an dieser gesamteuropäischen Kooperation fest. Aber zu der Beeinflussung der europäischen Wirtschaft durch Gesamtp'.äne und Richtlinien sowie Anstrengungen, die von der Zusammenarbeit aller, gewissermaßen von oben, ausgehen muß ein Aufbau von unten her, eine Zusammenfassung von Teilkrästen treten. Erst aus dem Zusammenwirken dieser beiden Tendenzen kann wirklicher Fortschritt entspringen
E» ist in den internationalen Diskussionen der letzten Jahre oft dargelegt und anerkannt worden, daß die wirtschaft Europas in erster Linie auf seine Zerstücklung zurückzuführen ist. was not tut, ist die Vereinigung zu größeren Wirtschaftsgebieten, die Riedcrlegung von Zollmauern, die Schaffung größerer widerstandsfähigerer Binnenmärkte. Das Ziel ist nicht der Abschluß solcher größeren Binnenmärkte nach außen. Ich bin vielmehr überzeugt, daß die Tendenz nach Erweiterung und freierem wirt- schastsverkehr über sie hinaus naturgesetzlich ist.
Die Idee regionaler Verständigungen und Zusammenschlüsse tritt immer mehr in den Vordergrund. Der Gedanke regionaler Wirt- schastsvereinbarungcm beherrschte die Zusammenkünfte der südo st europäischen Agrar- ft a a t c n. Er führte zu grundsätzlichem Einverständnis über gemeinschaftliches Vorgehen zwischen den skandinavischen Staaten, Holland und Belgien Ihm entspringt t>or Plan einer Zoll-LInion zwischen Iugosla- wien und Rumänien, wie auch ihm heraus schon vor Iahren Estland und Lettland eine Zoll-Union erwogen haben. In einer Linie liegen die Vorarbeiten wirtschaftspolitischer Organisationen, die im vorigen Herbst in Lüttich
eine sranzösisch-belgischeZvll-Union angeregt haben.
Alle diese Bestrebungen und Pläne erforderten Einfügung in die gesamteuropäische Solidarität und Gemeinschaftsarbeit. Die deutsche und österreichische Regierung sind sich bewußt, mit ihrem Plan in Der gleichen Richt ung vorwärts zu ftreben. Ihre Erklärung Der Bereitschaft zu Verhau, lungen mit
anderen Ländern über eine gleichartige Regelung entspringt Der Ueberzeugung. Damit den europäischen Wirtschaftsgesetzen zu folgen.
Ihre Pläne find weniger exklusiv al» d'.e de» tschechoslowakischen Außenminister», der unser Angebot im voraus ablehnte und eine Zoll- union der kleinen Lnlente mit Einbeziehung
Schwele ErdbedenkaWophe in Maram. LXe Hauptstadt Managua fast ganz zerstört. — Lieber tausend Tote. Viele Nordamerikaner umgekommen.
Lin schweres Erdbeben hat in Rikarogua großen Schaden angerichlet. Die 27 000 Einwohner zählende Hauptstadt des Landes, Managua, soll schwer gelitten haben. Das Ausmaß der Katastrophe ist noch nicht zu übersehen, da die dichten Rauchschwaden, die über der Stadt hängen, es unmöglich machen, einen Ueberblick zu gewinnen. Auch die Zahl der Toten und verletzten läßt sich nicht an- nähernd festskellen. Die in der Mitte der Stadl gelegene Markthalle, in der kur; nach dem Lrdslur; $ euer ausbrach und die m.t Frauen und Kindern überfüllt war, stürzte infolge des Brandes zum Teil ein, wobei 35 Personen unter den Trümmern begraben wurden und verbrannten. Auch auf den Straßen liegen zahlreiche Tote, und verletzte.^ Die in Managua stationierten amerikanischen Marinesoldaten tun ihr Möglichstes, um die verletzten zu retten. Der Erdstoß dauerte im ganzen nur vier bis fünf Sekunden, war jedoch von solcher Helligkeit, daß er fast alle Gebäude der Stadt in Trümmer legte, versuche, durch Dynamit- sprengungen den Brand einzudämmen, sind erfolglos geblieben, weil die Dynamitvorräle fast alle aufgebraucht waren. Auch die Löscharbeiten sind unmöglich, da die Wasserleitungen durch das Erdbeben zerstört wurden. Die Straßen sind mit Flüchtlingen angefüllt, d'.e, von
einer Panik ergriffen, aus der brennenden Stadt zu flüchten suchen. Infolge der Trümmermassen sind die Straßen jedoch kaum pafsierbar.
wie Asfocialed Preß meldet, befinden sich u n - le r den Toten, deren Zahl jetzt auf 10 0 0 geschäht wird, viele Amerikaner, darunter auch ein höherer amerikanischer Marineoffizier. Eine größere Anzahl Leichen amerikanifchee Frauen und Kinder ist noch nicht identifiziert. Dio Zahl der verletzten wird auf mehrere tausend geschätzt. D'.e Gesandtschaftsgebäude, Regierung»- gebäude, Banken, Geschäfte sind sämtlich zerstört und niedergebrannt. Ls herrscht ernster Mangel an Wasser und Rah- rungvmittel n. Am schlimmsten scheinen danach die großen Gebäude de» Stadtzentrum» gelitten zu haben. In dem völlig zerstörten Gcsängni» kamen allein 150 Menschen um. Bon dem größten Hotel steht nur noch eine Mauer. In den Trümmerhaufen sind überall Tote und verletzte sichtbar. Der Gesamtschaden wird auf 40 Millionen Dollar geschäht. Die Bahnlinien sind in einem Umkreis von 10 Meilen zerstört, was die Heranbringung der Lazarettzüge von Lorinto erschwert. Die Zahl der Opfer wäre wahrscheinlich noch größer gewesen, wenn nicht 40 v. h. der Bevölkerung d i e Stadt verlassen gehabt hätte, um da» Osler- sest am Meeresslrand zu verbringen.
Sie Smchsiihmng der liototrorbnung in Hessen.
Innenminister Leuschner lehnt jede kle
Darmstadt, 31.März. (MSR.) Der hessische Innenminister Leuschner erklärte der presse, aus außen- und innenpolitischen Gründen sei es notwendig geworden, gegen die sich immer mehr breitmachenden Balkansitlen radikaler Llemenle einzufchreiten. wenn auch in Hessen die bestehenden Maßnahmen in den meisten Fällen zur Sicherung Der Ordnung und Sicherheit von Leben und Eigentum ausreichend wären, so mache sich doch das Fehlen von gesehlichen Unterlagen für manche Delikte unangenehm bemerkbar, weil die Radikalen diese Lücke sofort verstärkt ausnuhten. Dazu käme, daß die Polizeibeamten beinahe unentwegt in Alarmbereitschaft ständen und zum Schutze von Versammlungen und Demonstrationen eingesetzt werden müßten. Sehr wahrscheinlich wird allem schon das Bestehen der Rotverordnung die Arbeit ter Polizei erleichtern. Eine Einsck)ränkung des politischen Ledens tritt nicht ein, soweit es sich sachlich und anständig vollzieht. Die Parteien müssen sich bewußt sein, daß sie im Interesse des Staates, des Volkes und der Wirtschaft gewisse Verpflichtungen haben und Zurückballung üben müssen. Dann haben sie auch keinerlei Maßnahmen aus der Rotverordnung zu gewärtigen.
Gliche und schikanöse Handhabung ab.
„Ls geschieht nichts gegen die Freiheit, sondern nur gegen den Mißbrauch der Freiheit. Hessen war stets so liberal und tolerant wie möglich und es wird auch in Zukunft fo tolerant wie möglich fein. Ich werde allen behördlichen Organen genaue Anweisungen erteilen, um von vornherein jede kleinliche und schikanöse Handhabung der Rotverordnung zu unterbinden. Ich bin allerdings fest entschlossen, die Verordnung überall da anzuwenden, wo es zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit notwendig ist; denn die Beruhigung unseres öffentlichen Lebens liegt gleicherweise im Interesse unseres Volkes wie unserer Wirtschaft."
Ministerialrat Baßhuysen gab Erläuterungen zu der Handhabung der Verordnung in Hessen. Da» verbot von Lastwagentransporten bleibt bestehen, ebenso das der Ankündigung von Versammlungen durch Sprechchöre von Lastwagen herunter usw. Das Verfahren vor dem Schnellrichter wird in verstärktem Maße durchgesührt werden. Für Plakate wird ein besonderer Stempel übet verbot oder Zulassung erteilt werden, so daß die Zeitungen bei Annahme von Anzeigen oder Hinweisen gesichert sind.
in dem Fraktionsführer, strebsame Redner und Parteibläi.er in Friedenszeiten die Massen zu halten wissen."
Diesem Zitat möchte ich gleich ein anderes anschl.eßen. Es stammt nicht von ihm selbst, sondern aus einem Dries, den der stcr.ende Kaiser Friedrich am 25. März 1858 an Bismarck zu seinem bdjähr gen Militärjubiläum richtet:
„Das eine muß ich hervorheben: daß. wo es gilt, das Wohl des Heeres, seine Wehrlraft und Schlagfertigkeit zu vervollkommnen, Sie nimmer fehlten, den Kampf auszusechlen und durckzuführen." Der Anfang von Bismarcks Ministerzeit steht unter Dem Zeichen der Konflikte mit der Volksvertretung um die Heeresorganisation. In dieser Zeit legte er Den Grund zu der Politik, die später Deutschland zum Kaisertum führte. Heute gilt es wieder, den Grund zu legen, auf dem sich Deutschlands 6 cTung in der Welt neu auf- bauen läßt. D e Wiederherstellung der Wehrkraft Deutschlands ist keine militärische, sondern eine eminent pi^itische Frage. Auf niemand Besseren können sich unsere Politiker berufen, wenn sie in den Kamps um b ie militärische Sicherheit Deutschlands eintreten als auf Den Mann, der es verstand, das Feuer zu
entfachen, an dem das Schwert geschmiedet wurde, dessen gluck.iche Führung feine Staatslunst ermöglichte.
Aus Der Fülle der Kraft und Hof'nung. Warnung und Mahnung bergenden B.smarckfchen Worte und Handlungen fei noch ein Ged an le heraus gegriffen, der heute besonders am Platze scheint. Ich finde für feine Wiedergabe kein erschöpfendes Zitat: denn durch Die Arbeit seines ganzen bebens zieht sich die Sorge um unsere Ost grenze. Diese verkörpert sich in seinen Bestrebungen um das Verhältnis zuRuß* land. Seit Bismarcks Zeit haben sich Die Voraussetzungen Der deutsch-russischen Beziehungen, die politischen wie die territorialen, fo gründlich geändert, daß es schwer fällt, aus jener Zeit Richtlinien für die Gegenwart und Die Zukunft abzuleiten, obwohl das Gewicht Der großen Östlichen Macht unD seine Einwirkung auf uns sich — wenn auch in veränderter Form — nicht gemildert, eher verstärkt hat. Rußland bleibt, wie zu Bismarcks Zeiten, in welchen Sinne es auch fei, von maßgebendem Einfluß auf die Wege unserer Politik und nicht nur Die Der äußeren. Von geradezu Divinatorischer Gabe ist feine Stellung zu Der polnischen Frage. Immer wieder taucht fie in feinen ileberlegun-
gen auf, balD in Den Beziehungen zu Petersburg, bald bei Der Beurteilung Oesterreichs, bald in den Verhandlungen mit Rapoleon III. Aich IS fürchtet er mehr, als Die Errichtung eines selb ständigen Polen: in ihm sieht er Die fchwerste Bedrohung des Bestandes Preußens: denn mit den Russen kann man sich verlragen, niemals mit Den Polen, Deren Länder gier an leinet Grenze Halt machen würde. So steht er stets im Kampf mit dem polnischen Einfluß am Hof und im Parlament, so sucht er das Deutschtum in den Grenzbezirken zu stärken und lehnt jeden Gedanken an eine Vermehrung slawischer Bevölkerung, wie sie Der Rikolsburger Friede bot, ab.
Die trüben Ahnungen Bismarcks haben sich in unseren Tagen zu trauriger Wirklichkeit erfüllt. Weit sind wir zurückgeworfen im Osten, und drohend steht Der FeinD zu einem neuen Raubzug an unseren offenen Grenzen. Wozu uns Das heute verheimlichen? Bismarck-Tage haben nur Wert, wenn sie nicht Der Erinnerung allein getoiDmet sind, sondern zur Mahnung Dienen. Fassen wir das ganze Bismatcksche Leben in die Worte zusammen, Die auch Die einzige Hoffnung für eine bessere Zukunft für unS in sich tragen: Durch Einheit zur Macht!
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Oesterreichs unter ausdrücklichem Ausschluß Deutschlands anstrebt.
Der rein wirtschaftliche Charakter des dcutsch- österrcichischen Planes steht nicht in Wider - spruchzuvölkerrechtlichen Verpflich- tungen und Bindungen. Wir habcm gehört, daß Frankreich den Abschluß des in Aussicht genommenen deutsch-österreichischen Vertrages als rechtswidrig ansehe, weil er insbesondere mit den Abmachungen in Widerspruch stehe, die England, Frankreich, Italien und die Tschechoslowakei im Jahre 1922 mit Oesterreich getroffe'n haben. Es versteht sich von selbst, daß wir auch unsererseits diesen Pakt nicht unberücksichtigt lassen konnten und ihn gemeinsam mit der österreichischen Regierung auf das Gewissenhafteste geprüft haben. Wir waren uns darüber klar, daß auch der bloße Anschein einer Verletzung der Llnabhängig- keit Oesterreichs vermieden werden müsse. Gerade das ist für den ganzen Aufbau des Paktes, wie er in den vereinbarten Richtlinien skizziert worden ist. maßgebend gewesen.
ES ist angesichts dieser Struktur der Vereinbarungen schwer, zu verstehen, inwiefern durch sie die ^Unabhängigkeit Oesterreichs angetastet werden konnte. Man behauptet zwar die Dertragswidrigkeit des Planes, hat aber bisher iroch niemals versucht, sie zu begründen. Wenn Luxemburgs Zollunion mit Belgien, die doch eine ungleich stärkere Bindung des kleinen Landes mit sich bringt, keine Schmälerung seiner Souveränität und älnabhän- gigkeit zur Folge hat, so kann dies unmöglich bei der deutsch-österreichischen Zoll-Anion der Fall sein, deren innerer Aufbau die politische, administrative und wirtschaftliche Selbständigkeit beider Länder gleichermaßen gewährleistet.
Man kann sich kaum der Befürchtung erwehren, als ob hier nicht mit dem gleichen Maße ge- messen würde, als ob die Konstruktion der ' Vertragsverletzung auf einer Auslegung der
Verträge und des Genfer Protokolls beruht, die nicht mehr auf die Wahrung der Unabhängigkeit Oesterreichs, sondern im Gegenteil auf seine Herabwürdigung zu einem Staatswesen zweiter Klasse hinausläuft. Es geht überhaupt nicht an. die Basis der Gleichberechtigung zu verschieben, ohne die ein konstruktiver Ausbau Europas undenkbar ist.
Sie wissen, daß die englische Regierung mit dem Vorschläge an uns herangetveten ist. vor weiterer Entschließung die rechtliche Seite der Frage im Völkerbundsrat zur Erörterung zu bringen. Es ist klar, daß wir unsererseits eine Erörterung der Rechtsfrage nicht für erforderlich erklären können, es versteht sich aber von selbst, daß wir uns einer solchen Behandlung der Sache im Völkerbundsrat seitens der Signatarmächte des Genfer Protokolls von 1922 nicht entziehen. Wir brauchen sie ja in keiner Weise zu scheuen, Linser politischer Einwand bezog sich darauf, daß im Völkerbunds- rat etwa unsere rein wirtschaftliche Vereinbarung als eine Gefährdung deS Friedens zur Diskussion gestellt würde. Eine solche A^umentation wäre unzulässig.
Ich komme zu dem zweiten Hauptpunkt der gegen unser Vorgehen geübten Kritik, nämlich der Beanstandung, unserer diplomatischen Schritte. Ich habe mir im vorliegenden! Falle nichts vorzuwersen. Erst am Donnerstag, dem 19. März, war die übereinstimmende Auffassung des Berliner und des Wiener Kabinetts gesichert, und schon am übernächsten Tage sind die Demarchen der deutschen und österreichischen Missionschefs in London, Paris und Rom erfolgt.
» Man kann vom internationalen Standpunkt .nicht loyaler handeln, als wenn man vor dem * Abschluß eines Vertrages die Absichten und Grundgedanken dieses Vertrages vor aller Welt sozusagen auf den Tisch des Hauses legt, wir wären froh, wenn man uns immer mit gleicher Loyalität und Offenheit behandelte.
Wir wollen im Rahmen der gel ten- den Verträge mit möglichster Beschleunigung unseren beiden in schwerer Rot befindlichen Ländern die Vorteile verschaffen, die sich aus der
Gießener Konzertverein.
Orgel-Konzert Günther Ramin: Bach-Abend
Bachs Orgelwerke bedeuten für jeden Organisten das Hauptgebiet seines Studiums. Mit Bach erreichte die Entwicklung des Orgelspiels einen Höhepunkt, der in der Folgezeit nicht Überboten werden konnte, und der erst, nachdem die moderne Musik aus neuen Ansätzen heraus zu neuen Ausdruckwerten und Ausdrucksmitteln gelangt war, zu einer Aeubelebung des Orgelschaffens durch Max Reger hinführen konnte.
Dach faßt die Entwicklungslinien in der Ausbildung der verschiedensten Formäußerungen für die Orgelmusik zusammen und meistert sie mit höchster Stufe der Vollendung und Vergeistigung. Wenn wir auch bei vielen seiner Orgelwerke feststellen können, an welches Vorbild er sich jeweils anlehnt, so bedeutet das doch keinesfalls, daß er sich in der Rachbildung der Vorlagen erschöpft, sondern er weiß das, was seinen Vorgängern und -Zeitgenossen als formale Errungenschaft gilt, mit dem Plus seiner Persönlichkeit zu erfüllen und jedem einzelnen Werk damit eine gesteigerte Bedeutung zu verleihen. Zumal in diesem Auswirken des Persönlichen liegt der überzeitliche Wert seiner Werke begründet.
Die Einstellung des ausübenden Musikers zu Dachs Orgelwerken hat namentlich in den letzten Jahren eine bedeutungsvolle Wendung erfahren. Es gab eine Periode, wo man die moderne Orgel mit ihren orchestralen Klängen und differenzierten Klangnuancierungen, wie sie etwa den Regerschen Orgelkompositionen zu steht, auch für die Wiedergabe Dachscher Werke ausnuhen wollte. Gewiß ließen sich dadurch mannigfache Klangschattierungen und neuartige Wirkungen auch bei Bach erzielen: aber die Klarheit des thematischen Ausbaues und die charakteristische Eigenart der barocken architektonischen Struktur kam nicht zur vollen Geltung.
So ist es um so erfreulicher, daß man sich jetzt bei der Orgel wieder dem Klangideal der Barockzeit zuwenoet und durch die typisch ausgeprägten Register eine Wiedergabe Dachscher Orgelwerke mit den Klangfarben ermöglichen will, die Bach seinerzeit bei der Abfassung der Werke zur Verfügung standen.
Der denkende ausübende Künstler wird als Grundlage für die Wiedergabe Dachscher OrgelErweiterung des Wirtschaftsgebietes ergeben. Wir wollen zugleich den Demü- hungen um eine Reuorganisierung der europäischen Wirtschaft einen neuen Impuls geben. Wenn der deutsch-österreichische Plan Erregung verursacht hat, so geben die wirklichen Absichten Deutschlands und Oesterreichs dazu keinen Anlaß. Daß das deutsch-österreichische Vorgehen wirtschaftliche Fragen dieser oder jener Art aufwirft, läßt sich verstehen. Richt verständlich erscheint cs mir aber, dabei von einer Störung des guten Einvernehmens unter den Rationen oder wohl gar von einer Gefährdung des Friedens zu sprechen. Ich kann deshalb auch nicht zugeben, daß der deutsch- österreichische Plan zu einem Hemmnis für die Abrüstungskonferenz des nächsten Jahres werden könnte. Kein Land in der Welt ist an dem Frieden Europas und seinem gemeinsamen Wiederaufbau mehr interessiert als Deutschland und Oesterreich. Wird der den'.sch- österreichische Plan so verstanden und gewürdigt, wie er von beiden. Partnern gedacht ift; so wird sich die Erkenntnis durchsetzen, daß er sich in die allgemeinen europäischen Bestrebungen einordnet.
Erstes Presseecho.
Wo sind die wahren Friedensstörer?
D e r l i n, 31. März. (®lt) Ein Teil der Abendpresse sowie, der Reichsausgaben der Berliner Zeitungen nahmen bereits zu der Rede Eurtius Stellung. Die „Germania" (Zentr.) begr ßt es, daß sich der Außenminister nicht darauf geschränkt habe, in eine polemische Auseinandersetzung mit der Gegenseite einzutreten, sondern den Sinn und die letzten Ziele einer Zollunion in Europa umrissen habe. Mit seiner Erklärung, daß die Frage der Zollunion vor» den: Völkerbundsrat nur nach ihrer juristischen, nicht aber nach ihrer politischen Seite hin geprüft werden könne, weise er die Dlöglichkeit einer Einbringung auf Grund des Völkerbundspaktes ausdrücklich zurück. Von Friedensgefährdung könne nur jemand reden, für den ein Jahrzehnt der Vertragsentwicklung in Europa ein leeres Spiel mit Begriffen war, und heute noch genau so wie 1919 Gewehr bei Fuß den ungehemmten Ausbruch eines neuen europäischen Konfliktes erwarte. Daß in Europa mit ungleichem Maße gemessen werde, beweisen die Vorwürfe gegen die angebliche un- diplomattsche Handlungsweise der Regierungen in Berlin und Wien. — Die „Dorsen-Zei- tung" (Konserv.) halt es für erforderlich, noch deutlicher zu werden: Seit Monaten sei Frankreich, teilweise mit beachtlichem Erfolg, bemüht, in Verhandlungen, an denen Deutschland ebensowenig beteiligt sei, wie es über sie unterrichtet werde, eine Einheitsfront gegen den deutschen Wunsch nach Erfüllung de r Abrüstungsbedingungen deS Diktates von Versailles herzuftellen und die Abrüstungskonferenz vor vollendete Tatsachen zu stellen. — Der „T a g" (Hugenberg) pflichtet den Ausführungen Eurtius im wesentlichen bei. Man müsse draußen verstehen, daß es in der Frage des deutsch-österreichischen Zollbundes in Deutschland nur eine Meinung gebe und es dec größte Fehler wäre, in diesem Punkte auf deutsche Zwietracht zu zählen, oder den Versuch zu machen, Wien und Berlin gegeneinander auszuspielen. Ob allerdings der jetzige Außenminister unter Ausnutzung der für Deutschland sehr günstigen Rechtslage den deutschen Standpunkt in Genf mit Erfo.g durchfechlen werde, bleibe dahingestellt. Oie pariser presse hetzt weiter
Behauptungen ohne Beweise.
Paris, 1. April. (WTB. Funkspruch.) Zur Rede des Reichsaußenministers erklärt „Echo de Paris", wenn die Anregung des Ministers, die Angelegenheit rein juristisch zu untersuchen, angenommen werde, dann sei es nicht schwierig, vorauszusehen, was sich abspielen werde. Zunächst werde Deutschland oder irgendein unter seinem Einfluß stehendes Land Gelegenheit haben, die notwendige Einstimmigkeit des Völkerbundsrates zum Scheitern zu bringen. Roch beunruhigender sei, daß Deutschland und Oesterreich, indem sie in Genf rein formalen Abänderungen zustimmten, in der Lage seien, ihren
Willen mit Zustimmung der gesamten Welt durchzusehen. Was Dr. Eurtius auch sagen möge, die österreichisch-deutsche Zollunion sei ein Ereignis politischer Art. Deutschland wolle getreu seiner Tradition seine historische Kolonisation in Mittel- und Osteuropa wieder aufnehmen.
Der „Temps" schreibt, Dr. Eurtius habe das leichte Thema gewählt, von der Rotwendigkeit zu sprechen, unter dem Druck des wirt- schaftlichenElendszr han.e n. Kein Elend könne aber ein Vorgehen rechtsertigc.c, wie sie das Berliner und das Wiener Kabinett gewählt hätten, um unter Verletzung der Verträge die Zollunion zu verwirklichen. Die Argumente Dr. Eurtius' müßten sehr genau nach- geprüst werden; denn das Vertrauen zur Loyalität Deutschlands sei allzusehr erschüttert. Somit könne man sagen, daß die Beweisführung des deutschen Ministers,
daß das deutsch-österreichische Zollabkommen kak- sächlich die Zusammenarbeit in Europa anbahne, völlig irreführend sei. Gerade die Bedingungen, unter denen öaS Berliner und das Wiener Kabinett über ihre grundsätzliche Verständigung verhandelten und diese geschaffen, hätten hinreichend bewiesen, daß sie jeder europäischen Zusammenarbeit zuvorkommen wollten, um einen ausgesprochen österreichisch-deutschen Plan zu verwirklichen. — Auch das „Journal d e s D e b a t s" erklärt, die Rede von Dr. Eurtius zeige, daß Deutschland systcmattsch einen großen Plan we'ckewerfolgen und gleichzeittg zu allen Winkelzügen Zuflucht nehmen wolle, um durch geschickte Formeln diejenigen irrezuzuführen, die sich täuschen lassen wollten. Man müsse diese Opposition sogleich im Keime ersticken. Der größte Dienst, den Frankreich England leisten könne, sei, ihm nicht zu folgen.
Kamps um die Notverordnung.
Notverordnung nicht gegen das Volksbegehren des Stahlhelms. Rücknah l e dcöTortmunderPlakalverbo es
Berlin, 1. April. (ERB.) 3m Einklang mi( der am Montag verössenllichten Erklärung der Reichsregierung hat der preußische Innenminister Seoe- ring gegenüber Vertretern des Stahlhelm gestern in einer Besprechung ausdrücklich zum Ausdruck gebracht, daß sich die Rotoerordnung der Reichsregierung vorn 28. März nicht gegen das Volksbegehren des Stahlhelm richte. Gleichzeitig hat er mitgeleilt, daß er die Beschlagnahme eines Plakates durch den Dortmunder Polizeipräsidenten Lübbrlng nicht billigt. Es ist Anordnung getroffen, daß die Beschlagnahme zurückgezogen wird. Außerdem hat der preußische Innenminister zum Ausdruck gebracht, daß er gegen die bisher erschienenen Aufrufe und Plakate des Stahlhelm keine Einwendungen zu erheben habe.
Oie Nationalsozialisten klagen beim Staats erichtshof.
Adolf Hitler fordert strikte Befolgung der Notverordnung
M ü n ch e n, 31. März. (TU.) Wie Adolf Eitler im „Völkischen Beobachter" mitteilt, wird die RSDAP. durch Klage beim Staatsgerichtshof Gelegenheit geben, die rechtliche Un- haltbarkeit und Llnzulässigkeit der Rotverordnung vom 28. März 1931 festzustellen. Bis zur Aufhebung der Rvtverordnung im Rechtsverfahren hat die Reichsleitung der Partei verfügt, daß der gesamte Parteiapparat mit sofortiger Wirkung darauf eingestellt wird, jeder Verletzung der Rotverordnungsvorschriften mit allen Kräften vorzubeugen. Jeder Parteigenosse, der sich beikommen läßt, entweder bewußt gegen die Bestimmungen der Rotverordnung zu verstoßen, oder solche Verstöße zu dulden, l^w. zu billigen, wird ohne Rücksicht auf seine Parteistellung sofort aus der Partei ausgeschlossen. Jede Versammlung ist der zuständigen Polizeibehörde mindestens 24 Stunden vor Beginn der Veranstaltung anzumelden. Der für eine Versammlung verantwortliche Parteifunktionär hat vor Anmeldung eine schrif t- liche Bestätigung des Redners vorzulegen, ijt der der Redner anerkennt, daß er darauf hingewiesen wurde, seine Ausführungen im Rahmen der Rotverordnung zu halten und daß er dies auch erfüllen werde. Auch für die Lastwagenfahrten, Flugblätter, Plakate usw. ist die Anmeldepflicht genauestens einzuhalten. Adolf Hitler erläßt gleichzeittg einen Aufruf, in dem er fordert, daß die Rotver- ordnung von allen Parteigenossen und Parteifunktionären, SA- und SS.-Leuten auf das schärfste und genaue st e einzuhalten ist. Diese Festigkeit fei heute mehr denn je die
Grundlage der organisatorischen Sicherheit der Partei.
Kommunistisches Gpreü "stoss - tager beschlagnahmt.
Ter Vberreichsanwalt aus der Suche nach weiteren Funden.
Breslau, 31. März. (TU.) Die Breslauer Kriminalpolizei hat am Freitagabend in einer Garage in der Ottostraße, in der ein Auto der kommunistischen „Arbeiterzeitung" untergebracht ist, große Mengen Sprengstoffe mit Sprengkapseln und Zündschnuren beschlagnahmt. Die Sprengstoffe hätten, wie mitgeteilt wird, genügt, um größere Häuserblocks in die Luft zu sprengen. Ein Beamter der Breslauer Kriminalpolizei hat sich nach Berlin begeben, um mit dem dortigen Vertreter des Oberreichsanwalts über diese Angelegenheit Rücksprache zu nehmen. Auf Ersuchen des Oberreichsanwalts dürfen keinerlei nähere Angaben gemacht werden, da in einer ganzen Reihe von Städten ebenfalls kommunistische Sprengstofflager aufgedeckt worden sind und man annimmt, daß die Ermittlungen durch eingehende Veröffentlichungen gefährdet würden. Die Kriminalpolizei hat in Breslau erst jetzt nach längerer Beobachtung zugegriffen, da man im Interesse der Oeffentlichkeit nicht länger warten zu können glaubte. Wie bekannt wird, hätten auS dem vorhandenen Material ohne Schwierigkeit sofort verwendungsfähige Bomben hergestellt werden können. Der Autvführer, der offenbar mit der Verwaltung des Sprengstofflagers betraut war, ist verhaftet worden. Die polizeilichen Ermittlungen insbesondere darüber, woher das beschlagnahmte Material kommt, sind noch nicht abgeschlossen.
Keine Einigung in Thüringen. Die Bottspartei für die Mißtrauensantr ge gegen Frick und Marschler.
Weimar, 31.März. (TU.) Obwohl nach den bisherigen Erklärungen der Deutschen Volkspartei kaum noch an eine Beilegung des Koali- ttonsstreits zu denken war, haben doch am Dienstag nochmals eingehende Vermittlungsverhandlungen, die vom Vorsitzenden des Staatsministeriums, Minister Baum, geführt wurden, stattgefunden. Dieser letzte Versuch einer Einigung ist gescheitert. Die Deutsche Volkspartei wird am Mittwoch gemäß ben bereits gefaßten Beschlüssen den Mißtrauensanträgen gegen Staatsminister Frick und Staatsrat Mar schier ihre Zustimmung . geben. Damit ist das Schicksal der Thüringer Koalition besiegelt. Rachdrücklichst weist die Volkspartei abermals den Verdacht zurück, daß sie den Streit auf Anweisung Berliner Stellen mit Rücksicht auf die Reichspolitik der Deutschen Volkspartei heraufbeschworen habe. Die Frak- tton der thüringischen Volkspartei habe die Selbständigkeit ihrer Entschlüsse gegen andere Meinungen innerhalb und außerhalb der Partei immer auf das entschiedenste gewahrt. — Der
werke nicht zu den verschiedentlich vorliegenden Ausgaben greifen, in denen die Herausgeber je nach ihrem persönlichen Geschmack und ihrem Ermessen, die Dortragszeichen (ob zu Recht oder Utzrecht, soll hier nicht entschieden werden), hinzu gesetzt haben. Bach selber gibt nur wenige Hinweise über den musikalischen Vortrag. In seiner Zeit war die Vortragsart jedem gebildeten Musiker geläufig, und sie wird sich auch jedem jetzt noch in ihrer Gegebenheit erschließen, der durch eine gründliche Vertiefung und persönliches Studium zu einer eindringenden Erkenntnis des Wesensgrundes Dachscher Musik vorgeschritten ist. Alics also, was sich auf spieltechnische Einrichtung bzw. die musikalische Durcharbeitung und Auffassung der Werke bezieht, muß darum bei unfern prominenten Orgelspielern als besonderer Teil ihrer Arbeit und Auseinandersetzung mit dem Werk gewürdigt werden. Erst von diesem Gesichtspunkt aus wird man erkennen können, welch starkes Maß an Verantwortung gerade hier der ausübenden Musiker- Persönlichkeit zugeteilt ist.
Unter dem Eindruck des letzten Orgelkonzertes wie auch in Erinnerung an die starke Auswirkung des Orgelabends von Günther Ramin vor zwei Jahren verdient es ganz besonders hervor- gehoben zu werden, daß wir in diesem Künstler sicher eine der stärksten, wenn nicht gar die bedeutendste Organistenpersönlichkeit sehen müssen, die wir zur Zeit in Deutschland haben. Denken wir an Wolfgang Graeser, der Dachs „Kunst der Fuge" zu klanglichem Leben erweckt hat, so bestätigt es sich auch in Günther Ramin, daß unsere junge Musikergeneration dutch überaus starke Bindungen mit Bachs Werk verknüpft ist, und daß sie gerade berufen erscheint, unser Musikerleben mit größter Unmittelbarkeit an Bach heran- und hineinzuführen.
Bachs Partita (Variationen) über den Passionschoral „Sei aearüßet, Jesu gütig", die in einzelnen Teilen auf Georg Böhm, mit dem Bach in Lüneburg in Verbindung trat, und auf Dietrich Buxtehude hinweist, wurde von Günther R a ° min in den elf verschiedenen Sätzen jedesmal charakteristisch in Phrasierung und Registrierung und Tempoauffassung in vorbildlicher Art durch- gestaltet, sie gipfelte in der letzten Variation für polle Orgel. Welche Ausdruckswerte in dem Bach- ichen Orgelchoral ruhen, der nicht etwa Begleitung des Gememdegesanges fein, sondern mit musikalischen Mitteln dem geistigen Gehalt des Textes nahe- kommen will, das konnte man an den beiden Choralstrophen „D Haupt voll Blut und Wunden" ermessen. Die 6-Dur-Fantasie, umrahmt von kühnem Figurenwerk, entfaltet in ihrem großangelegten Mittelsatz eine Fülle klanglicher Prachk, die durch verkettete Vorhalte, Der- foppelun^en in der Stimmführung besonders intensiviert mrrb; überwältigend sind die Steigerungen gegen Ende des Grave, wo der Baß zwei Oktaven stufenweise durchschreitet und ein Orgelpunkt zu einer machtvollen Ballung fuhrt. Groß war der Aufbau des ODur-Prä Indiums zu nennen; üoer- aus eindringlich und klar wirkte sich die Fuge aus; das zwischen beiden stehende Largo führte m eine gegensätzliche Klangwelt. Als eines der reifsten Stücke unter den Bachfchcn Orgelkompofitionen muß man die Fantasie und Fuge in Q - M o l l bezeichnen. Die einleitende Fantasie gliedert sich in verschiedene Entwicklungsgruppen, die einander korrespondierend angeordnet sind; hier besonders bewies sich Ramins Gestaltungsfähigkeit, indem cr jeder einzelnen Episode ein besonderes klangliches Gepräge und charakteristisch disterenzierte Zeitmaße verlieh. Mit wuchtigen Akzenten leitete er die Fantasie zur Fuge hin, deren Thema, durch die charakteristische Vortragsart plastisch und scharf profiliert, wie ein goldener Faden in der Durchführung hervortrat. Wie Ramin die einzelnen thematischen Entwicklungen aufbaute und die einzelnen Zwischensätze in ihrer Bedeutung zum Gesamtaufbau heraus- ftevte, das wird jedem unvergeßlich bleiben.
Dr. H.
Sochschulnachrichten.
Der durch das Ableben von Professor A. Zimmermann an der Universität Kiel erledigte Lehrstuhl für Ohren-, Nasen- und Halskrankheiten ist dem ao.Professor Dr. Alfred Selffcrt an der Universität Berlin angeboten worden.
Ernannt wurden: Professor Dagobert Frey in Wien zum ordentlichen Professor der Kunstgeschichte an der Universität Breslau als Nachfolger von Professor A. Grisebach; Professor Dr. Max Baur von der Universität Kiel zum ordentlichen Professor der Pharmakologie in Marburg als Nachfolger von Professor 21. Gärber.
Der durch den Weggang von Professor R. Siebeck nach Heidelberg an der Universität Bonn erledigte
Lehrstuhl der Inneren Medizin, verbunden mit der Leitung der Medizinischen Poliklinik, ist dem Direktor der Inneren Abteilung des Stadtkrankenhauses in Osnabrück, ao. Professor in der Medizinischen Fakultät der Universität Kiel, Dr. Max Bürger, angeboten worden.
Zliegertaiein.
In einer Zeitschrift seines Faches erzählt ein englischer Flieger folgende Erlebnisse von Kollegen, die einmal „zu niedrig geflogen" sind:
Der eine, ein gebürtiger Deutscher, überfliegt in wenig Metern Höhe ein Wästengebiet in Nordafrika, um topographische Aufnahmen von Klippenstrichen und Dünenverwehungen zu machen. In der Nähe wandert eine Löwengruppe, deren Führer kaum das Flugzeug herannahen sieht, als er sich mit einem heiseren Gebrüll' daraus wsstürzt, mit einem mächtigen Satz es annimmt und mit feinem Sprunge auch den linken Flügel erreicht, an dem er sich festkrallt. Das schwere Gewicht des alten Burschen behindert natürlich das Flugzeug in feiner Manöve- rierfähigkeit, und um den armen Flieger wäre es geschehen gewesen wenn nicht zufällig (!) am selben Ort ein zweites Flugzeug aufgetaucht märe, dessen Insassen den Bedrängten durch einige wohlgezielte Schüsse von seinem Gegner befreit hätten —
*
Derselbe Flieger war eine Stunde später gezwungen, infolge der vom Wüstenkönig verursachten Schäden an seinem linken Flügel am Rande der Wüste in einer Art Oase zu notlanden. Dort wurde er von einem Rhinozeros angegriffen, das sich aber glücklicherweise an dem noch auslaufenden Propeller den Schädel einrannte —
*
Ebenfalls zu niedrig, dabei noch im Dunkel der Nacht, flog eine französische Fliegerin in der Nähe von Paris. Plötzlich geriet sie in eine wahre Wolke non Fledermäusen (!), die sich in ihren Schal und in ihre Kleidung festsetzten, während andere verwirrend ihren offenen Führerstand umflatterten, so daß die Heldin der Luft einer Ohnmacht nahe war, einen Fehlgriff machte und mit ihrem Apparat stürzte. Wie gesagt, war sie sehr niedrig geflogen, so daß sie selbst bei dem Sturz mit einem Armbruch davonkam —
So berichtet der englische Flieger. Das Jägerlatein hat einen Bruder bekommen!
©au Saale-Thüringen des Stahlhelm hat an die Fraktion der Deutschen Volkspartei und der NSDAP, folgendes Telegramm gerietet: „Der Thüringer Stahlhelm warn t in zwölfter Stunde vor U « berspitzung der Krise. DaS nationale Thüringen üd-r btc Parteien.
Kleine politische Nachrichten.
Reichstagvpräsident Lobe wird auf ®nmb deS Antrages der Kommunisten, auf Srnbc- rufuna des Reichstages denAe l te st en- r a t nach Ostern zu einer Sitzung einladen.
Auf Grund deS Paragraphen 1. Ziffer I. II uni» IV der Verordnung des Reichspräsidenten »ur Bekämpfung politischer Ausschreitungen vom 28. Würz 1931 ist in Berlin eine mit dem Witgliede dcS Reichstages Münchmetzer als Redner angekündigte Versammlung der Vat'onalsozialistischen Deutschen Arbeiter-Partri verboten worden.
*
Auf Grund deS Paragraphen 1, Ziffer 1/1V der Rotvervrdnung des Herrn Reichs präsidenten vom 28. März 1931 hot der Polizeipräsident sämtlich« von dem Kommunistisch cn3 u g e n b» verband anläßlich des ReichsjugendtageS in der Zeit vom 3. biS 7. April 1931 geplanten öffentlichen Kundgebungen und Versammlungen verboten.
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Zwischen der Reichsbahn uni> den Eisen- bahngewerkschas ten ist ein Feierschichten- abkommen auf die Dauer von drei Monaten für die Zeit vom 1. April biS L>. 3uni 1931 abgeschlossen worden, daS für die Reichsbahn- auSbesserungswerke und einige andere Arbeitsgebiete die Einlegung von Feierschichten regelt. 3m Viertesahr sollen durchschnittlich biS zu zwölf Feierschichten durchgeführt werden.
•
3m ReichSrat wurde gegen die Stimmen Württembergs und Hamburgs eine Verordnung über die Berechtigung der Berufsbezeichnung .D a u m c t ft € r“ angenommen. Die Neuregelung geht dahin, daß die Erlangung der De- rufsbezeichnung „Baumeister" grundsätzlich von einer besonderen Prüfung abhängt.
Aus oller Well.
Grvhseuer in Schladming (Steiermark).
Der kannte Luftkurort Schladming inOber- steier.nark wurde am QHon-bag von einer schweren Brandkatastroph- heimgesucht. Aus unbekannter Ursache entstand auf dem Kirchendach ein Brand. Der heftige Sturm trug die Funken über die Stickt, so dah zehn weitere Gebäude in Flammen gerieten. Die ganze S^rdt schien zu brennen uni) der Bewohner bemächtigte sich eine heftige Panik. Trotz der Ar» beiten von 17 Feuerwehren gelang es erst nach dreieinviertel Stunden, den Brand einzudämmen. D rch Funkenflug wurden 20 Mi- nirten von Schladming entfernt noch ein G a st - h a u S und das Anwesen eines Besitzers in Brand gesetzt und ebenfalls vernichtet.
Großfeuer in einem litauischen Städtchen.
Gegen 15 Uhr b rach in dem Städtchen P l u n g j a n v lzwischen Memel und Telschi) auS bisher unbekannter Ursache ein Brand
aus, der sich infolge des starken Windes schnell zum Grvhseuer entwickelte. Rach den bisherigen Meldungen sind bereits über 200 Häuser deSOrtcS in Flammen aufgegangen. Die sofort alarmierte Feuerwehr blieb infolge der verschneiten Wege stecken und konnte keine Hilfe bringen. Etwa 200 Familien sind obdachlos.
Die Ursache der Katastrophe des „R101“.
DaS Ergebnis der amtlichen Untersuchung über die Katastrophe deS Luftschiffes „R 101“ ist nunmehr veröffentlicht worden. Der sehr umfangreiche Bericht, der die einstimmig« Billigung der drei Mitglieder deS Untersuchungsausschusses gefunden hat, kommt zu den Feststellungen, daß das Unglück nicht auf einen Konstruktionsfehler, sondern auf den starken Gasverlust bei den Probefahrten und auf das ungünstige Wetter zurückzuiührcn sei. Es wird ausdrücklich betont, dah die Ent» scheidung darüber, ob die Experimente mit Luftschiffen dieses Systems fortgesetzt werden sollen, anderen überlassen bleiben müsse.
Sieben Todesopfer eine» Flugzeugabsturzes.
Ein zwischen Kansas City und Wichita verkehrendes Po st - undPassagierflugzeug stürzte über einer unweit Emporia getegenen Farm ab. Die zwei Piloten und fünf Passagiere waren auf der Stelle tot.
3m Lande der unbegrenzten Möglichkeiten.
3n Kanada könnte d i e er st« Geburt in einem Flugzeug v rz.ichnet werden. Von c.iur einsamen Station an der Hudson-Dai tonrbe durch Funkspruch c:n Kranken trans- portslugzeug angeforbert, das innerhalb kurzer Zeit zur Stelle war und sich bereits nach drei Stunden auf dem Rückflug zum Krankenhaus befand. Rach einer glatten Landung am Bestimmungsort war der Flugzeugführer jedoch nicht wenig darüber erstaunt, dah auf dem Fluge ein zweiter Passagier daS LichtderWelt erblickt hatte. Mutter und Kind befinden sich wohl.
Elli Beinhorn erhält ein neues Flugzeug.
Ein namhafter Berliner Verlag hat sich bereit erklärt, der Fliegerin Clli Beinhorn, die ihr Klemm-Flugzeug in der Wüste Sahara zurücklassen muhte, ein neues Flugzeug zu senden und eS ihr zum Rückflug nach Berlin zur Verfügung zu stellen. Der „Pour le QH^rite“- Flieger Osterkamp wird das neue Klemm- Flugzeug wahrscheinlich noch in dieser Woche nach Afrika überführen und dort der Fliegerin übergeben.
Ein Lastkraftwagen fährt gegen eine Brücke.
Auf der ReichSürah« in Vinschgau (Tirol) ereignete sich bei der Drücke, die über den Schnalserbach führt, ein schweres Automvbilun- glück. 16 Teilnehmer eines militärischen Ausbildungskurses kehrten auf einem Lastkraftwagen von einer Schießübung zurück. An der genannten Drücke versagte die Steuerung. Durch den Anprall an einen Pfeiler wurden die Insassen bis auf drei in hohem Dogen h e r a u s ge s chl eu der t. Sie wurden sämtlich erheblich v rlctzt. D.ei Burschen muhten schwer verletzt ins Meraner Krankenhaus gebracht werden, wo zwei von ihnen ihren Verletzungen inzwischen erlegen sind. Der dritte Schwerverletzte ringt mit dem Tode. _________
Taten für Donnerstag, ?. April,
742: Kaiser Karl der Große geboren. — 1805: der Dichter ch. CH. Andersen in Odense geboren; — 1840: der Schriftsteller Emile Zola in Pari:- geboren; — 1914: der Dichter Paul cheyse in München gestorben.
Kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinden. Gründonnerstag, den 2. April.
Stadlkirchc. 19.45 Uhr: Pfr. Mahr; Beichte und hl. Abendmahl für Matthäus, und Markusgemeinde. — öohanneskirche. 19.45: Pfr Bechtotsheimer; Beichte und hl. Abendmahl für Luka», und Zohon- nesgcmeinde. — Kapelle dc» Alten Friedhof». 18: Pfr. Len;; Beichte und bl. Abendmahl für die Luther- gemeinde. — Elisabeth-Kleinkinderschule. 20: Pfr. L.ic. Waas; Beichte und hl. Abendmahl für Die Pc- trusgcmeinde. — Dicfeck. 9: Beichtgottesdienst. — Atten-Tuseck. 11: Beichtgottesdienst. — Kirchberg. 10: Kirchberg; Passionstindergottesdienst; Opfer Nir das Syrische Waisenhaus. — wahenborn-Stembcrg. 10: Pafsionslindergottesdienst. — Lich. 20: Stifts- dechant Kahn; Beichte; hl. Abendmahl. — klosler Arnsburg. 18: Stiftspfarrer 2)raubt; Beichte; hl. Abendmahl.
Karfreitag, den 3. April.
Stadttirche. 9.30 Uhr: Pfr. Becker; Beichte und hl. Abendmahl für Matthäus- und Markusgemeinde; 18: Pfarrassistent Seemann. — 3ohanne»kirchc. 9.30: Pfr. Ausfeld; Beichte und hl. Abendmahl für Lukas- und Iohannesgemeinde; 11.15: Kinderkirche für die Fohannesgemeindc; Pfr. Ausfeld; 18: Pfr. Bcchtols- Heimer; Liturgischer Gottesdienst. — Kapelle de» Allen Friedhos». 9.30: Pfr. Lenz; 11: Kindeekirche für die Luthergemeinde; Pfr. Lenz; 15: Karfreitagsvesper. — Elisabelh kleinkinderschule. 9.45: Pfr. Lic. Waas; Beichte und hl. Abendmahl für die Petrus- gemeinde; 20: Pfr. I-ic. Waas. — UUefeck. 9.30; im Anschluß Feier des hl. Abendmahls; Kollekte. — Alten-Luscck. 14; im Anschluß Feier des hl. Abend- mahls; Kollekte. — Kirchberg. 10: Kirchberg; 10: Lollar; hl. Abendmahl für die alten Gemeindeglieder. — hauseN'Garbenlelch. 10: Garbenteich; 13: Hausen; Kirchenmusikalische Passionsfeier: 14.15: Garbenteich; 16: Hausen. — Watzenborn-Steinberg. 9.15: Beichte; 9.30: Predigtgottesdienst; im Anschluß Feier des hl. Abendmahls (Alte). — Lich. 9.30: Stiftsdechant Kahn; 11: Andacht und hl Abendmahl im Spital; Stiftsdechant Kahn; 14: Stiftspfarrer Draudt; 17: Liturgische Karfreitagsfeier.
katholische Gemeinden.
Mittwoch, den 1. April.
Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. — Lich. 18 bis 19: Beichte.
Gründonnerstag, den 2. April.
Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 6.30, 7, 7.30 und 8: Kommunion; 9: Hochamt, darauf Anbetungsstunden; 18: Andacht. — Lich. 7: Hochamt; vorher Beichte, dann Betstunden. — Jlibba. 8.30: Hochamt.
Karfreitag, den 3. April.
Gießen. 7.30 Uhr: Beginn der Anbetungsstunden; 9: Verstörte Messe mit Predigt; 18: Andacht. — Hungen. 13.15: Predigt und Andacht. -- Laubach. 15.15: Predigt und Andacht. — Lich. 8.30: Verstörte Messe; 20: Andacht. — Nidda. 8.30: Verstörte Messe.
Karsamstag, den 4. April.
Gießen. 7 Uhr: hl. Weihen; 8.30: Hochamt. — Llch. 6 30: Weihen; 8.30: Hochamt; 20 bis 21: Beichte. — Nidda. 6.30: Weihen; 8.30: Hochamt.
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sagen wir auf diesem Wege herzlichsten Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen
Wieseck. den 31. März 1931.
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Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben unseres lieb.KoIlegen
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in Kenntnis zu setzen.
Die Beerdigung findet Samstag, den 4. April, vormittags 11'', Uhr statt.
Um zahlreiche Beteiligung bittet der Vorstand.
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Georg Naumann nach langem schweren, durch einen Unfall erlittenes Leiden, im Alter von 45 Jahren zu sich in die Ewigkeit abzurufen.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Line Naumann nebst Kindern und alle Angehörige.
Gießen (Schiffenberget Weg 33), den 1. April 1931.
Die Beerdigung findet Samstag, den 4. April, 11'/r Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt.
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Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei
dem Hinscheiden unserer lieben Entschlafenen sowie für die sehr trostreichen Worte des Herrn
Pfarrers Kalbhenn und für die aufopfernde Pflege
von Schwester Trina sagen innigsten Dank
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Danksagung.
Für die vielen Beweise heizlicher Teilnahme beim
Hinscheiden unseier lieben Entsch atenen sagen
wir aut diesem Wege unseren innigsten Dank.
Im Namen der trauernden Hinterb iebenen:
Moritz Rosenbaum
Rudi Rosenbaum.
Gießen, den 30. '1ärz 1931.
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DANKSAGUNG.
Für die vielen Beweise herzlicher Anteilnahme
bei dem mich durch das Hinscheiden meiner lieben
Frau so schwer betroffenen Verlust sage ich allen
für die zahlreichen Biumenspt-ndm. insbesondere
dem Herrn Piarrer lür seine trostreichen Worte
meinen tiefgetühlten Dank.
Der trauernde Gatte:
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Gießen, den 31. März 1931.
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Nr. 77 Zweiter Blatt
Mittwoch, 1. April tM
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Aus der Provinzialhaupistavi.
Gießen, den 1.April 1931.
Verwurzelt.
Olein, es ist nicht gleichgültig, ob die Ollen- schen im Boden wurzeln. der sie trägt, oder ob sie wirNich oder auch nur geistig freizügig sind. „Mensch bleibt Mensch!" Wenn dos so Ware so wäre der schlimmste Gauner dem Ehrenmann gleich, der in der Seele und bis m die Fingerspitzen Gentleman ist. Wenn es gleich wäre, dann wäre all das, was man Kultur und Adel der Menschheit nennt, eine Farce. Und adlige Menschen kann man auch im ärmlichsten Gewände finben; die Gesinnung entscheidet.
Ob einer verwurzelt ist mit seinem Volkstum, ist schtver zu entscheiden? O nein. Man braucht nur auf seine Taten zu sehen und zu hören, wie er sich zu schwierigen Fragen stellt. 3a, sogar die Entscheidungen des Alltags können beweisen.
Da gibt es Dinge, die Hand und Fuß haben. Angelegenheiten, die höchst einfach sind. Der Verwurzelte fragt nicht lang, überlegt nicht viel: für ihn gibt es da keine Unsicherheit. (Deine Entscheidung ist im Auganblick fertig. Wenn die Sache gut ist. tritt er fit» sie ein. Sein unbeirrbares Gefühl sagt ihm: Hier ist das Rechte, dazux stehe ich! Der Richt-Derwurzelte hat es nötig, sich lange Vegründungen für seine ent- fcheidung zurechtzulegen, und was dabei herauskommt. sind blasse Theorien, für die keiner einen roten Heller gibt. Ohne viel nach links und rechts zu blicken, geht der mit dem Volkstum Verbundene seinen Weg: der andere sieht bald dahin, bald dorthin, um eine Stühe für seine Anschauung zu finden.
Das Verwurzeltsein hat nicht immer etwas zu tun mit dem Boden. Cs kann von den Vorfahren her im Blute liegen und durch glückliche Umstände unvcrwischt geblieben fein, auch wenn das Schicksal den Menschen weit in die Ferne verschlagen bat. Allerdings — es kann verlorengehen, wenn Einflüsse wirken, die der Bewahrung des Echten abhold sind. Und es ist das Verhängnis unserer raschen, aufgeregten Zeit, daß es solcher Einflüsse sehr viele gibt. Wären sie nicht, hätten sie nicht gewirkt, das von den Vätern überkommene seelische Erbgut zu zerstören, wir hätten heute weit weniger Verworrenheit und Unsicher- beit in kulturellen Dingen. Aber meist glaubt man, es dem ..Fortschritt" schuldig zu sein, daß man die Grundlage festgegründeter Anschauungen verleugnet. Olur keine Rückständigkeit! Rur immer der moderne Mensch fein! Dabei merkt man gar nicht, dost der „Fortschritt" nur auf einem Mißverständnis beruht und im Grunde ein Rückschritt ist wie jede Verleugnung des solid Gegründeten. 3m besonderen ist „Fortschritt" ein Schlagwort seelisch blasser Aestheten. die den Boden unter den Füßen verloren haben, aus der Rot eine Tugend machen, sich aus Dürstigkeiten eine Art wettanschaulichen Boden schaffen, den sie morgen, wenn eine andere Moderichtung aufgekommen ist. mit der sich noch bessere Geschäfte machen lassen, schon wieder verleugnen. Der wurzel- starke Mensch braucht das nicht. Er hat seinen selten Boden unter den Füßen, und für ihn gilt das ganze Leben hindurch die eine Weltaus- sassung. die sich fester gründen, ausbauen läßt, die aber fertig dasteht, unwandelbar, weder der Mode noch einer andern Zeiterscheinung unterworfen. Es ist darum nicht nötig, stur und starr den Blick auf ein kleines Segment gerichtet zu halten. 3m Gegenteil, gerade die festgegründete Auffassung gibt großen Spielraum, weil f>e in den Grundlagen auch von großen Zugeständnissen unberührt bleibt.
Kreuzweg der Liebe.
Roman von Paul Grobem
Lrheberrcchtsschuh: Romandienft „Digo", Berlins 30.
15. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Einen Augenblick sahen die Beiden, anein- andergeschlniegt, und blickten vor sich hin in das Sonnengeflimmre des Gartens, da fuhr Fräulein Zindler plötzlich auf.
.Der Doktor!" Sie machte eine Handbewrgung nach dem unteren Ende des Gartens, und eine leichte Röte stieg in ihrem zarten Gesicht auf. 3n der Tat. dort unten kam Doktor Wigand gegangen, langsamen Schrittes, den Hut in der Hand, mit etwas nach vorn gebeugter Haltung, tote ein müder Mann, der nach angestrengter Arbeit sich nun unbeobachtet einmal ein paar Minuten gehen läßt.
..Ach Gott! Wie angegriffen er wieder ist!' Der ungewöhnlich herzliche Ton machte Ursula zu ihrer Begleiterin aufsehen, und nun nahm sie auch die Röte in deren Antlitz wahr, während ihre Blick mit heimlicher Zärtlichkeit an der Gestalt des dort unten schreitenden Mannes hingen. Kein Zweisel! Das junge Mädchen nahm an Wigand ein ernsteres Interesse. Ein plötzliches Weh stieg in Ursula auf: wenn ihre Begleiterin ahnte, was ihr dieser Mann einmal gewesen toarl
..Wieso soll Dr. Wiegand angegriffen sein, er macht doch sonst nicht den Eindruck?"
„Ob, er läßt sich natürlich nichts anmerken, toenn er unter Menschen ist", erklärte eifrig seine kleine Verehrerin. „Aber ich weiß es besser. Er arbeitet über seine Kräfte. Selbst sein Assistent gibt es zu. Sechzig Patienten im Hause, von denen er fast die Hälfte speziell mit Elektrizität, schwedischer Massage, Vibrationstherapie behandelt, das kann auf die Dauer auch der Stärkste nicht aushalten. Er gönnt sich ja nicht die geringste Erholung. Don morgens sechs an. wo er manche schon im Bett behandelt, bis abends elf und oft noch länger, ist er ständig in Tätigkeit. Sonntags nachmittags mal eine Stunde Spazierengehen — das ist alles. Ist das nicht ein trübseliges Leben? Und dazu noch den Aerger mit den verdrehten Menschen hier! Äamentlich mit den alten Frauenzimmern. Da ist zum Beispiel so eine alte, verdrehte Miß — wissen Sie? Die gräßliche, alte Vogelscheuche links unten an unserem Tisch, die immer mit Augen, so groß wie ein Teller, zu ihm hinschmachtetl Die Person ist ja ganz verrückt nach ihm. Jeden Tag fehlt ihr was anderes, bloß damit sie einen Grund hat, ihn zu sich holen zu lassen."
Ursula hatte schweigend den Wisbruch warmherziger Entrüstung mit angehört: ihr Auge
Oie Stillegung der Hefrag.
Katastrophales Sinken der Teerpreise. - Das Oumping der Muffen aus dem Denzinmarkt. — Oie reichen Erdölquellen in der Lüneburger Heide.
Zu unserer gestrigen Meldung über bie Stilllegung des Draunkohlen-Schwel- kraftwerks Hessen-Frankfurt. AG.. (Hefrag) in Wölfersheim rnb die daraus zu erwartende Entlassung von rund 1300 Arbeitern und Angestellten erfahren wir folgendes:
Die Stillegung der Hefrag, mit der zum 1. Juli zu rechnen ist. hat drei bedeutsame Gründe. Zunächst ist es der
allgemeine Zusammenbruch der internationalen Oelwirischafl,
in der auf der einen Seite eine ständig anwach - sende Ueberproduktion an Erdöl herrscht, während auf der anderen Seite die Absatzmärkte immer mehr einschrumpfen.
Als zweites kommt hinzu das Dumpingder Russen, die ihre Benzinvorräte zu jedem Preis auf den deutschen Markt werfen, um hier Absatzgebiete zu erobern. Infolgedessen ist eS zu einem
riesigen Preiskampf auf dem Benzinmarkt gekommen, den die Russen durch ihr von den Konkurrenten abgelehntes Verlangen auf eine Quote von jährlich 400 000 Tonnen Benzin besonders verschärft haben. Die Konkurrenzunter- nehmungen der Russen auf dem Denzinmarkt bemühen sich, dem unbequemen russischen Rivalen nur ein wesentlich geringeres Absatzfeld in Deutschland zu überlassen, fo daß nun infolge des Quotenvcrlangens der Russen der Kampf um den Benzin absah auf der ganzen Linie in vollem Umfange entbrannt ist. Weiter ist in diesem Zusammenhänge zu beachten, daß die Denzin- preise international sehr schwach liegen. weil es allen ausländischen Denzinsirmen infolge der Ueberproduktion und des Absatzmangels nicht gut geht. Da der weitaus größte Teil des in Wölfersheim erzeugten Teers und Leichtöls als Ausgangsprodukt für die Denzinerzeugung verwandt wird, sind die Zusammenhänge zwischen dem Kampf auf dem Denzinmarkt und den Schwierigkeiten des Wölfersheimer Derks ohne tveiteres ersichtlich.
Als drittes Moment für die Beurteilung des Wölfersheimer Entschlusses kommt das
überaus reichliche Erdölvorkommen in der Lüneburger Heide seit September v. 3.
in Betracht, für das die Möglichkeiten zur Ausarbeitung zur Zeit in Deutschland nur in beschränktem Umfange vorhanden sind, weil entsprechend der bisherigen geringen Urproduktion nur wenige deutsche Raffinerien bestehen. Infolgedessen haben sich die Erdölbetriebe in der Lüneburger Heide mit ihrer Produktion zum Teil auch auf den Rohteermarkt geworfen und damit dort zu der Preis-Revolutionierung ebenfalls beigetragen, während gleichzeitig die Benzinkonvention zusammengebrochen ist und die Preise z. Z. völlig in der Luft hängen.
Durch diese Umstände ist die Preisgestaltung für Wölfersheimer Braunkohlen-Schwelteer, die in enger Abhängigkeit vom Benzinpreis steht, unter ungeheuren Druck geraten. So kam es. daß der Preis für das Wölfersheimer Teerprodukt um nicht weniger als drei fünftel gegenüber den Erlösen von 1929 bis Ende 1930 gefallen ist.
Was das bedeutet, sagt die Tatsache, daß die Wölfersheim crSchwelteer - Produktion die größte von sämtlichen Betrieben in Deutschland ist. Hinzu kommt aber noch, daß auch die Preise für Leichtöle, die auch in Wölfersheim hergestellt werden und in engem Zusammenhang mit den vorerwähnten Verhältnissen auf dem Benzinmarkt stehen, in ähnlicher Weise gefallen sind.
Bei dieser Sachlage müssen leider die Betriebsaussichten des Schwelkrastwerks in Wölfersheim als so trübe bezeichnet werden, daß
die Stillegung zwangsläufig wurde.
Es ist außerordentlich bedauerlich, sowohl für die Wirtschaftsgesamtheit unserer Provinz, wie auch für den Arbeitsmarkt und nicht zuletzt für das Unternehmen selbst, daß dieser mit großen Hoffnungen begleitete Betrieb jetzt in derartige Schwierigkeiten geraten ist. Man darf wohl als selbstverständlich annehmen, daß alle Möglichkeiten zur Behebung dieses Rotstan- d e s, soweit sie noch irgendwie gegeben sind, unverzüglich angewandt werden, um den Wölfersheimer Betrieb in Gang zu erhalten und damit auch dem Arbeitsmarkt die außerordentlich unerwünschte Reubelastung mit rund 1300 Erwerbslosen zu ersparen.
Daß es noch solche wurzelstarken Menschen unter uns gibt, das ist eine Hoffnung. Und es ist zu wünschen, daß sie nicht nur nicht aussterben, sondern daß ihre Gemeinde noch mehr Zufluß erlangt durch jene üebcrläufcr, die nach einer Zeit, in der vieles wankt, wieder zurückfinden zu dem soliden Quaderoau einer natur» und erdverbundenen Denkweise. —r.
Bornotizcn.
— Lageskalender für Mittwoch. Etadttheater: „X Y Z“, 20 bis 22 Uhr. — Rationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei»: Vortrag von Madel. Braunschweig, 20.30 Uhr, Safe Leib. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Wiener Liebschaften".
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute 20 Uhr unter der Spielleitung von Dr. Karl Ritter „X Y Z“, ein Spiel zu Dreien von Klabund. — Freitag bleibt das Theater geschlossen. — Die Intendanz hat für
Samstag Arthur Schnitzlers jüngstes Werk „Im Spiel der Sommerlüfte" zur Uraufführung angenommen. Die Uraufführung findet unter der Spielleitung von Walter Bäuerle im Freitag- Abonnement statt. Beginn 19.30 Uhr. — Am Ostersonntag wird Frau Auguste Prasch-Greven- berg, Ehrenmitglied b«6 Meininger Landestheaters, in der Rolle der Herzogin in der Gesellschaftskomödie von Oskar Wilde „Lady Windermeres Fächer" gastieren: Spielleitung Walter Bäuerle. Die Vorstellung findet als Fremdenvorstellung zu ermäßigten Preisen statt und beginnt 18.30 Uhr. — Am Ostermontag beginnt die Fremdenvorstellung bereits 15 Uhr, um auch den Bewohnern der weiteren Umgebung Gelegenheit zum Theaterbesuch zu bieten. Zur Aufführung gelangt unter der Spielleitung von Dr. Karl Ritter zum letzten Male das Spiel zu Dreien: „X Y Z“, von Klabund. Die 3n- tendanz hat für diese Fremdenvorstellung kleine Preise festgesetzt. — Am Mittwoch, 8. April (im
Mittwoch-Abonnement) und Donnerstag. 9. April (im Dienstag- Abonnements sindet ein zweimaliges Operettengastspiel der Vereinigten Operettentheater Bochum-Hamborn statt. Zur Ausführung gelangt die Schlageroperette ..Viktoria und ihr Husar", von Grünwald u. Löhner-Beda, Musik von Paul Abraham. Die Wiedergabe der Operette verlangt ein Personal von 70 Personen: das Vereinigte Operettentheater Bochum-Harn- dorn wird mit seinem sämtlichen Solo- und Chor- personal sowie verstärktem Orchester gastieren.
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Von unwahrscheinlichen Dingen.
Ion Or. Franz Riffier.
Wo sich chx Körper befindet, da kann sich nicht gleichzeitig ein zweiter befinden. Das ist allgemein bekannt, bedarf also keiner weiteren Erläuterung. Darum fährt in den hohen Schächten unserer Fahrstühle auch stets nur ein einziger Behälter aus und nieder, der Güter und Personen noch oben wie noch unten befördert. Entweder es geht noch oben oder es geht nach unten. Beide Bia)- tungcn zur gleichen Zeit im gleichen Schacht ist eine Unmöglichkeit. Wo gleichzeitig hinauf- und hinuntcrgcsahren werden soll, da braucht man zwei Schächte. Jeder Paternosteraufzug hat also einen Doppelschacht.
Zwei Schächte oder viele einzelne Schächte benötigen Baum. Raum aber ist in unseren Großstädten sehr kostbar geworden. Auch sonstwo, wie z. B. auf Schiffen, hat man nicht allzuviel davor^ übrig. In den hohen schmalen Wolken- kratzern und Hochhäusern, wie sie jetzt überall in stets wachsender Zahl entstehen, ist der Raum besonders knapp. Ein solches Haus nimmt aber Tausende von Personen auf. Tausende strömen fortwährend ein und aus. Es stellt eine Geschäftsstadt für sich dar. Die Unmenge von Personen, die hier dauernd zu befördern sind, macht große und macht viele Fahrstühle nötig. Also unwirtschaftliche Raumverschwendung, verursacht doch der Fahrstuhl nur Betriebskosten, ohne Erträgnisse zu bringen. Würde man die Hälfte des von den Schächten eingenommenen Raums vermieten können, so würde sich der Ertrag der Anlage steigern.
Diese Derhältnisse veranlaßten einen Inge- nieur, darüber nachzudenken, pb denn der eingangs angeführte Satz unter allen Umständen gelten müsse, ob es dicht vielleicht doch möglich sein könnte, in einem einzigen Schacht zwei Förderkörbe auf und nieder steigen zu lassen. Bei näherer Ueberlegung kam er zu der Erkenntnis, daß hier alles vom Worte ^gleichzeitig'' abhängt. Zwei Körper können sich nicht gleichzeitig an derselben Stelle befinden. Wenn man alfo die Gleichzeitigkeit vermeidet, so läßt sich unter Umständen dennoch das Kunststück fertig bringen, mit zwei Kasten im selben Schacht zu fahren. Eie können sogar gleichzeitig fahren, dürfen nur nicht gleichzeitig an ein- und dieselbe Stelle kommen. *
Das, was wohl jeder für unmöglich gehalten hätte, ist nunmehr verwirklicht worden. Seit kurzem gibt es in einem Gebäude von zwanzig Stockwerken Höhe einen Fahrstuhl, in dem zwei Förderkasten für Personen im gleichen Schacht gleichzeitig hinaus- und hinunterfahren. Das geht in folgender Weise vor sich. Der obere Kasten dient dem Schnellverkehr. Er beginnt seine Fahrt vom Erdgeschoß aus und steigt, ohne anzuhalten, bi- zum elften Stockwerk empor. Don hier aus geht er writer in die Höhe, hält jedoch an jedem einzelnen Stockwerk an. Besondere Brems-, Si- cherheits- und Aussangvorrichtungen sorgen dafür, daß er nicht nach unten gehen kann, während sich der untere Fahrstuhl auf dem Weg nach oben befindet. Sobald der obere Fahrstuhl sich aufwärts in Bewegung gefetzt hat, tritt der untere in Tätigkeit, der bis dahin unterhalb des Erdgeschosses gewartet hat. Er beginnt seine Auswärtssahrt. wobei er an jedem der unteren zehn Stockwerke anhält. Auch hier wieder Einrichtungen, die bewirken, daß er sich dem oberen Kasten nur bis auf eine gewisse Entfernung nähern kann. Die beiden Fahrkörbe sind zwangsläufig derart miteinander verbunden, daß sie zur gleichen Zeit an ihrem oberen Ziel, d. h. am zwanzigsten bzw. zehnten Stockwerk ankommen. Der Korb für den Schnellverkehr kann die Ab- wärtSsahrt erst antreten, wenn auch der untere sie begonnen hat. In jedem der beiden Kasten rst eine elektrische Einrichtung angebracht, an der der Führer erkennen kann, wo sich der andere befindet, ob er fährt und ob, sowie wo er anhält. Die Technik hat mit dieser sinnreichen
Oer neue Ausnahmeraum.
Was al eü zur Verbefserun der Aundfunksen unq geschiehf.
Von Frank Warschauer.
Vorbei ist die Zeit, in der die Funksendestel- Icn in irgendeinem gerade leerstehenden Gebäude eingerichtet wurden. Man hat zwar bald, nachdem der Rundfunk ins Leben trat, allerhand Versuche gemacht, um die Qualität der Sendung durch Gröhe und sonstige Beschaffenheit des Aufnahme- raumes zu beeinflussen. Lange Zeit tobte ein heftiger Streit zwischen der Partei der Gedämpften und der Partei der Rachhaller. Die Gedämpften wattierten ihre Aufnahmeräume mit allen möglichen Mitten, vor allem mit Filz und Teppichen, um aus diese Weise jeden Rachhall zu vermeiden: der Effekt war, daß der Ton stumpf unb tot klang. Und die Rachhaller stellten sich schon frühzeitig auf den Standpunkt, man müsse im Senderaum dieselben akustischen Derhältnisse schaffen wie sonst: und die seien eben charakterisiert durch eine gewisse leichte Echowirkung, die jedem nicht besonders vorbereiteten Raum eigentümlich sei.
Aber das waren Theorien. Inzwischen ist man nun in der praktischen Erprobung von Senderäumen sehr viel weiter gekommen. Dor allem begnügt man sich nicht mehr mit Surrogaten. Heute bauen trotz der Ungunst der Zeit die verschiedenen Sendestellen ihre eigenen Häuser, die sie so zweckmäßig wie möglich gestalten: und, wo das nicht geht, da werden wenigstens die wichtigsten Teile des betreffenden Gebäudes, also vor allem die Aufnahmeräume, so umgestaltet, wie es die neuzeitliche Sendetechnik erfordert.
Da gibt es gegenwärtig allerhand Merkwürdigkeiten. Der Hörer, der am Lautsprecher sitzt und einen Sender empfängt, freut sich vielleicht über die gute Qualität der Sendung oder ist verärgert darüber, daß er sich durch den Wellenwirrwarr Europas immer noch nicht durchfinden kann: aber selten hat er einen Begriff davon, was heute alles geschieht, um die feinsten Rpancen der natürlichen Klangwirkung wiederzugeben. Em
Gießener Anzeiger lSeneral-Anzeiger für Gberhefsen)
Mittwoch, l. April p)3j
Aus Rafur und Technik.
Arwrdnung scheinbar Unmögliches möglich gemacht. Iedensall^ wird durch sie viel Raum und auch für olle die, die in dem Gebäude verkehren, Zeit gespart werden.
Richt minder unwahrscheinlich als zwei Fahrkasten in einem Schacht erscheint diese Ange- legenhett. Gummi leitet bekanntlich den elektrischen Strom nicht. Er wird deshalb als Isolator verwendet. Kohle hingegen leitet ihn. Daraus läßt sich ohne weiteres schließen, daß die Leitfähigkeit des Gummis beeinträchtigt werden muß, sobald man ihm Kohle zuseht. Reuerdings ist dieses Thema eingehend von Dr. Wiegand und Dr. B o g g s bearbeitet worden, wobei sich das merkwürdige Ergebnis herausgestellt hat, daß die Leitfähigkeit von verschiedenen Umständen abhängt. Fügt man zu 100 Gewichtsteilen Gummi 10 Gewichtsteile bestimmter Kohlenarten hinzu, so erhöht sich die Ifolations- sähigkeit des Gummis noch um ein Beträchtliches. Es wird Sache der E ektrotechnik sein, aus diesen Beobachtungen die nötigen Schlußfolgerungen und praktischen Anwendungen zu ziehen.
Ruß und Rauch, die den Schornsteinen entströmen, sind immer ein Zeichen für schlechtes Heizen oder für ungenügendes Arbeiten der
Feuerung. Sie find aufierbem der Gesundheit wenig zuträglich. Deshalb hat man bereits verschiedentlich selbsttätige Heizungen geschaffen, die einen Ueberdlick über die Rauchentwicklung an Schornsteinen ermöglichen. Eine sehr einfache und äußerst zuverlässige derartige Einrichtung ist in einer amerikanischen Stadt ausgestellt worden. Eie besteht aus einer Kamera, die aus die Mündiing des zu beobachtenden Schornstein- eingestellt wird. Sie ist mit einem besonderen Verschluß ausgestattet, der eine elektrische Auslösung besitzt und durch <*inc Leitung mit einem Uhrwerk verbunden ist. Das Uhrwerk schließt von Minute zu Minute den Strom, der den Der- schluß auslöst. Es wird alfo jede Minute eine Ausnahme gemacht, wobei gleichzeitig daS Filmband weiter geschaltet wird. Auf diese Weise arbeitet der Rauchbeobachter stundenlang. Rach der Entwicklung des Films läßt sich genau erkennen, wie zu jeder Minute der Beobachtungs- zeit die Rauchentwicklung war. An das Uhrwerk können auch mehrere in weiter Entfernung voneinander stehende Kameras mit selbsttätigem Verschluß und ebensolcher Filmschaltung an- geschlossen werden, wodurch eine Ueberwachung ganzer Stadtgegenden, ja sogar ganzer großer Städte möglich wird. Sie dient der Ersparnis an Brennmaterial und der allgemeinen Hygiene.
3m Schatten -er Erde.
Achtung! Am Donnerstag sehen wir eine Mondfinfie:nis! - Ein Schattenkegel von 1380000 Kilomeier. — Mondfarbe und Vulkanstoub.
Von Bruno H. Bürgel.
Rachdruck verboten!
Morgen abend findet eine bei uns sichtbare totale Mondfinsternis statt. Um 19,23 Uhr tritt der Mond in den Kernschatten der Erde ein; von 23,22 Uhr bis
21.53 Uhr ist der Trabant der Erde total verfinstert. Um 22.52 Uhr verläßt bet Mond den Kernschatten. Etwa bei Beginn der Finsternis geht der Mond auf.
Bei Ausgrabungen an der Stätte, die einst die Stadt Rinive trug, fand man die Trümmer und Grundmauern des Palastes, den vor grauen Zeiten Babylons großer König Assurbanipal bewohnte. Man hatte das Glück, auch Tontafeln und Tonzylinder zu entdecken, Reste der köninglichen Bibliothek, die in Keilschrift den Urtext der biblischen Sintflut-Erzählung enthielten. Aber auch astronomische Berechnungen fanden sich vor, die beweisen, daß man schon damals genau den Lauf der Gestirne verfolgte und selbst Mondfinsternisse mit einiger Genauigkeit Voraussagen konnte. So darf es uns nicht Wunder nehmen, daß der Astronom unserer Tage Sonnen- und Mondfinsternisse bis auf ein paar Sekunden genau auf Iahthunbette, ja selbst Iahrtausende voraus oder auch zurück berechnen kann, daß wir z. B. wissen, daß die berühmte, viel umstrittene Finsternis, bie am Kreuzigungsiaze Christi eintrat, nicht eine Sonnen- sondern eine Mondfinsternis gewesen ist, daß der Mond bereits verfinstert um 18 Uhr am 3. April des Iahres 33 über Ierusalem emporstieg.
Für uns moderne Menschen, die wir schon in der Schule lernen, daß Erde und Mond zwei frei im Raume schwebende Kugeln sind, die (gn sich völlig dunkel) ihr Licht erst von der Sonne empfangen, sind solche Finsternisse zu gänzlich un- romantischen Ereignissen geworden. Wir begreifen, daß die Sonne verfinstert werden muh, wenn sich der Mond bei seiner Wanderung um die Erde vor die große Weltleuchte schiebt, und es ist uns klar, daß der Trabant bet ©r.c i s D nke l taucht, wenn er in den mächtigen Schattenkegel einbringt, ben bie runbliche Mutter Erde hinter sich in ben Raum wirst, wie jebe von ber Sonne beleuchtete Kugel. Dennoch ist bas Schauspiel
immer wieber interessant, das sich da auf dem großen Welttheater abspielt, schon deswegen, weil uns gerade bann baS räumliche astronomische Sehen leichter wirb. Trotz all unseren Schulkenntnissen will es uns boch eigentlich nicht so recht gelingen, um diese mächtige Erbe mit ihren Ländern, Meeren, Reichen mit 1930 Millionen Menschen als eine frei schwebende Kugel vorzustellen, bie mit ber breißigfachen Geschwinbigkeit einer Granate um die Sonne fliegt, ihrerseits wieber umtanzt vom Monde. Aber bei einer Mondfinsternis sehen wir plötzlich ben Schatten ber Erde, wir erkennen, bah er wirklich von einer Kugel herrührt: ber Monb Ist die „Wand" im Raum, auf die dieser Schatten nun fällt und deutlich wird. Ia selbst die Existenz der irdischen Lufthülle wirb uns bann klar, beim ber Monb beginnt bei einer solchen Finsternis in einem gespenstischen, kupferroten Licht aufzuleuchten, das von den Sonnenstrahlen herrührt, die noch die Crbatmosphäre durchdringen und, durch Beugung von ihrem Wege ablenkt, ben Monb erreichen. Die rote Färbung stammt daher, daß die blauen Strahlen des Sonnenlichtes von der Lufthülle ber Erde verschluckt werden und nur die roten übrigbleiben. So leuchtet der Mond, der auf feiner öden, einsamen FelsenwildniS sonst nur die Farben des Todes kennt, schwarz und weih, plötzlich in rötlichem Schein.
Ueberhaupt würde sich eine solche totale Mondfinsternis viel romantischer ausnehmen, wenn wir sie vom Monde aus betrachten könnten. Am Himmel des Mondes hängt unsere Erde als eine riesige Scheibe inmitten eines Sternenheeres, das viel reicher ist als das des irdischen Himmels, weil ja auf dem Monde die Lufthülle fehlt, die das Licht der Sterne schwächt. Tiefschwarz ist der Himmel des Mondes auch am hellsten Tage. Am Tage einer Mondfinsternis würden wir beim Besuch des Mondes mit der Raumrakete sehen, wie die Sonne langsam hinter der riesigen Etb- scheibe verschwindet, denn was auf Erden eine Mondfinsternis ist, ist auf dem Monde naturgemäß eine Sonnenfinsternis. Die Erde verdeckt, vom Monde aus gefeiert, die Sonne. Endlich wäre die mächtige Weltleuchte ganz hinter der Erde verschwunden, ober nun sähe man aus ben schon
genannten Gründen die Lufthülle ber Erde als einen bellen rötlichen Ring erstrahlen, ja ec allem zeigte noch den Ort unserer Erde an, denn sie ist >a in diesen: Moment, wo die Sonne hinter ihr steht und die dem Monde zugcwandle Haldlugel nicht erleuchten kann, naturgemäß völlig dunkel. Da Sonne. Erde, Mond nun auf einer geraden Linie im Raum stehen, muß brr Kem- schatten unserer Erde auf den Mond fallen und ihn verfinstern.
Dieser Schattenkegel unseres Wodnsternes hat eine Länge von etwa 1 330 000 Kilometer. Da der Mond in mittlerer Entfernung nur 384 000
Wie eine Mondfinsternis entsteht:
Erde
Sonne
Oben
Oer Mond geht durch den Schatten der Erde
Unsere schematische Darstellung zeigt da- Zustandekommen und den Verlaus einer totalen Mondfinsternis, wie sie bei uns morgen, am 2. April, zu beobachten ist.
Kilometer von uns absteht, ist dieser Schatten dort, wo sich der Mond befindet, noch sehr breit; könnte man ihn neben dem Monde sichtbar machen, so wäre er als eine dunkle Scheibe erkennbar, die 22/3mal größer ist als die Scheibe des Vollmondes. Der Mond braucht daher auch eine erhebliche Zeit, um diesen Schattenkegel zu durchwandern, natürlich kommt es daraus an, ob er ihn in seiner vollen Breite durchläust oder nur ein kleines Stück des Schattens durchmißt. Im äußersten Fall kann eine totale ^Mondfinsternis 4V- Stunden dauern. Es kommt bann zuweilen vor, daß der Mond völlig unsichtbar wirb, daß selbst das erwähnte kupferrote Licht ihn uns nicht mehr erkennen läßt. K e p l e r, ber große Himmels, orscher, erlebte des bei der Mondfinsternis vom 9. Dezember 1601. Der Grund dieser Erscheinung ist darin zu sehen, daß zu manchen Zeiten die Lufthülle der Erde ringsum mit enormen Wolkenmaisen angefüllt ist, die kein Sonnenlicht mehr hindurchlassen, daS sonst eben noch auf Umwegen den verfinsterten Mond erreicht und ihn zart rötlich aufschimmern läßt. Uebrigens hängt dieses Licht auch davon ab, ob die Lufthülle ber Erbe durch Dulkanstaub verunreinigt ist. Bei dem gewaltigen Ausbruch des Vulkans Krakatao in ber Sundastraße im Iahre 1883, ber bie ganze Insel umgestaltete, würben viele Millionen Kubikmeter Asche in die Lusthülle emporgeblasen, bie noch, durch Luftströmungen verteilt, viele Iahre nach der Katastrophe in großen Höhen nachweisbar waren. All das ist für bie Stärke des KupferlichteS bei einer totalen Mondfinsternis von Bedeutung und wir erkennen hier, daß eine Fülle interessanter Fragen sellist bei einem so scheinbar nebensächlichen Phä- nomen auf tritt.
Cenberaum ist heute das reinste Kunstwerk; ein allgemein gültiges Schema für die Einrichtung des Senderaumeö hat man noch nicht gefunden — so hängt noch alles von ber Intuition, dem Wissen und den Erfahrungen ber einzelnen Sendeleiter ab. Und so findet man, wenn man auf Studienreisen durch Europa fährt, bie allerverschiedensten Eigentümlichkeiten beim Dau der Senderäume.
Da ist zum Beispiel ber Sender Budapest, über dessen ausgezeichnete Klangqualität sich bestimmt schon viele Hörer in ganz Europa und darüber hinaus gefreut haben. Hier ist ein Prinzip ver- wirllicht, das schon oft vergeblich von Sachverständigen als wesentlich bezeichnet wurde. Die große Schwierigkeit des Sendebetriebs liegt besonders bei ber Wiedergabe musikalischer Werke daran, daß der Dirigent fein Orchester nicht so hören kann wie sein unsichtbares Funkpublikum, sondern so, wie es im ©enberaum erklingt. Gewiß kann er feine eigene Phantasie unb seine funkischen Erfahrungen zu Hilfe nehmen, um die orchestrale Gesamtgestaltung so zu korrigieren, wie es auch den Erfordernissen des Mikrophons nottoenbig ist. Das ist und bleibt ein Rotbehelf.
Um dem abzuhelfen, hat man nun in Budapest einen ganz eigenartigen Weg gewählt. Dort befindet sich zwischen dem Dirigenten und seinem Orchester eine feste Glaswand. Durch diese hindurch kann er sich zwar optisch mit den Musikern verständigen, aber er hört auf dem direkten Wege nicht das geringste von ber Musik, die sie spielen. Diese wird ihm vielmehr indirekt vermittelt, nämlich mit Hilfe eines Lautsprechers. Da kann er denn nun ganz genau beurteilen, wie die von ihm an'uftrebenbe Endwirtung beschaffen ist; unb er hat bann die besten Unterlagen dafür, um nun alle die Korrekturen anzubringen, die er danach für notwendig hält.
Ein anderes Moment, das vielfach eine sehr wichtige Rolle spielt, ist das der Größe des Aufnahmeraumes. Hiervon hängt in der Tat ungeheuer viel ab. Wenn zum Beispiel ein großes Orchester in einem relativ kleinen Raum spielt, so helfen die schönsten Künste des Dirigenten unb des Orchesters nichts, es wirb immer stumpf, beengt unb armselig Hingen müssen. Der Klang wird sich bann eben nicht richtig enthalten, so wie er es
gewöhnlich in bem bebeutenb größeren Konzertsaal tut.
Auch bas Umgekehrte ist manchmal zu konsta- tieren. Wenn man etwa ein Streichquartett in einen sehr großen Raum bringt — bann geht nicht nur die Intimität ber Wirkung verloren, sondern auch der Klangcharakter der Instrumentengruppe verändert sich sehr zu seinen Ungun- sten. Wer einmal Gelegenheit gehabt hat. ein Streichquartett zum Beispiel in privatem kleinen Raum zu hören unb bann später in einem großen, vielleicht nicht völlig gefüllten Konzertsaal — ber wirb die gleiche Beobachtung gemacht haben. Man braucht also eigentlich für jebe Kategorie von Senbungen Aufnahmeräume von be- ftimmter Gröhe.
Früher hat man sich in biefem Dilemma ba- durch geholfen, daß man sich ganze Sammlungen von Aufnahmeräumen ber verschiebenen Größen anlegte — oft in verschiebenen Stabtieilen. Desonbers London war für die Zahl feiner Aufnahmeräume berühmt. Reuerdings geht man aber einen anderen Weg, und zwar ist es der Sender Hamburg, der dabei die interessanteste Methode der Lötung gefunden hat.
Der dort gebaute schöne neue Aufnahmeraum erinnert an die geheimnisvollen Szenen aus verschollenen Opern unb Detektivromanen. Zunächst sieht man ihm nichts Desonberes an, außer daß er architektonisch überaus klar burchgebilbet ist, ein großer Saal, erhöhtes Podium, ein kleiner Dorhang, dann der Platz für bas Orchester und Sei- tenwände, die von fern an die dennoch ganz anders geartete Logenglieberung eines Theaters erinnert. Und während Sie nun in der Mitte stehen und sich alles genau betrachten, seht sich plötzlich die Hinterwand in Bewegung unb kommt ganz ruhig auf Sie zu. Unb Sie müssen sich nun vor ber unheimlichen Wand in das Orchester flüchten, -solange, bis es bem Maschinenmeister gut dünkt, sie wieder rückwärts wandern zu lassen. Eine englische Iournalistin, der diese Merkwürdigkeit vorgeführt wurde, ohne daß man sie vorher davon unterrichtet hatte, soll darüber so erschreckt getreten fein, daß sie beinahe in Ohnmacht fiel. Aber imponiert hat ihr die Sache doch, und sie hat sehr günstig darüber berichtet...
Diese verschiebbare Wand, die so hoch ist wie der ganze Raum und auS einem mit Zuckerrohr überdeckten Metallgerüst besteht, hat den Zweck, den Raum für die verschiedenen Sendungen zu vergrößern und zu verkleinern. Und da sie sich so lautlos bewegt, so kann sie diese Funktion auch mitten während einer Sendung vollführen. Und so wandert sie denn hin und her — und der auf-1 merksame Hörer hat den Dorteil davon.
Auch sonst ist dort alles beweglich und versenkbar. Das Orchester 3um Beispiel kann ebenfalls in seiner Gesamtheit lautlos versinken. Die Seitenwände bestehen aus auswechselbaren Holzplatten, die durch Filzplatten ersetzt werden können. um so ebenfalls die Dämpfung des Raumes unb damit den Charakter der Schallwirkung zu verändern. Und an der Seite ist eine kleine, glasgeschühte Koje untergebracht, von der auS ein Regisseur die Aufführungen überwachen kann. Auch sie ist vom Ausnahmeraum schalldicht getrennt, was dort draußen vorgeht, kann er zwar mit den Augen direkt sehen, aber mit den Ohren nur indirekt durch den Lautsprecher hören. Und die Decke des Aufnahmeraumes ist eine Merkwürdigkeit für sich. Sie besteht nämlich aus Stalaktiten, die dort oben herunterbaumeln- ähnlich wie die einer Tropfsteinhöhle, nur kürzer unb regelmäßiger. Hebet ihnen befindet sich noch ein Glasdach, durch aas Licht von verschiedener Fatb»hin- durchgeichickt werden kann. Die Stalaktiten sollen die Akustik des Raumes verbessern unb bas farbige Licht, das von oben einbringt, ist dazu bestimmt, die Stimmung des Raumes zu verändern, was unter Umständen für die Leistung bet mit- witkenden Künstler von Einfluß sein kan 1.
Cs ist anzunehmen, baß die von dem Intendanten Boden st edt durchge führte Methode, Gröhe und akustischen Charakter eines Aufnahmetau- mcs beliebig zu vetändern, allmählich Schule machen wird. Iedenfalls ist hier ein interessanter Beitrag zur Lösung des Sendetaumptoblems gegeben, und die Höret, denen das alles zugute kommen soll, mögen sich auch einmal damit beschäftigen. was alles für raffinierte technische Mittel unb Kniffe angetoenbet werden, um den durch den Rundfunk übertragenen Klang nur ja recht natürlich und wirksam zu ihnen gelangen zu Taffen,
Kreistag des Kreises Schotten.
+ Schütten, 31. März. Im Rathaussaale zu Schotten tagte heute der Kreistag, dessen Mit- olieder vollzählig erschienen waren. Kreisdirektor Dr. I a n n begrüßte die Abgeordneten und stellte mit Befriedigung fest, daß der Kreis Schotten erhalten bleibt. Der Kreistag nahm mit .großer Freude auch davon Kenntnis, daß auch das Kreisgesundheitsamt wieder besetzt wird. Ferner wies der Kreisdirektor auf die Notzeit hin und auf die . sparsame Wirtschaft, die man im Kreis Schotten und in den Gemeinden betrieben habe. Das Selbstverwaltungsrecht sei im Kreise gewahrt worden.
An Stelle des ausgeschiedenen Herrn Z i h e l s - b e r g e r wurde Herr Weber- Steinberg in den Kreistag eingeführt.
Die Rechnung der Kreiskasse für Rj. 1929 wurde genehmigt. Im Jahre 1930 hatte durch die Oberrecbnungskammer eine genaue Prüfung der Kreiskasse mit sehr gutem Resultat stattgefunden.
Der Vermalt ungsbericht des Kreis- ausschu sses für Rj. 1929 wurde zur Kenntnis genommen. Mit Befriedigung stellte Mitglied Direktor Schanz fest, daß 17 000 Mark weniger als in Ausgabe vorgesehen ausgegeben wurden. Sodann begann
die Beratung des Kreisvoranschlags für das Rechnungsjahr 1931.
Die allgemeine Verwaltung erfordert 19 159 Mk. Ausgaben, denen 3283 Mk. Einnahmen gegenüber- ftehen. Das Kapitel Polizeiwesen erfordert 2500 Mark Einnahmen und 3720 Mark Ausgaben. Für Schulwesen werden 2100 Mark ausgegeben, 1300 Mark Beiträge an die gewerblichen Schulen, 500 Mark an die landwirtschaftliche Schule, für Kunst und Wissenschaft 570 Mark. Die Bauverwalturg erfordert 7145 Mark Ausgaben (Personal der früheren Kreisstraßen). Für die Landwirtschaft gibt der Kreis 3600 Mark aus, darunter 1000 Mark für Viehzucht, Zuschüße für Prämiierung 400 Mark, 1000 Mark Zuschüsse für Feldbereinigung. Für Verkehr. Hebung (Motorradrennen, Flugverkehr, Autolinien) sind 1700 Mark vorgesehen. Die größte Ausgabe 112 778 Mark, von denen 45130 Mark zurückerstattet werden, verursacht das Kapitel Wohlfahrtspflege und Gesundheitswesen. Die drei Krankenhäusern Gedern, Laubach, Schotten erhalten 1000 Mark Zuschuß. Für Feuerlöschwesen sind 154) Mark in Ausgabe gestellt. Die Kadaoeroer- wcrtungsanstalt bringt 1746 Mark ein und verursacht 3516 Mark Ausgaben. Als Betriebsmittel find 16 000 Mark vorgesehen, im Reservefonds 7373 Mark, im gesamten Kapitel Finanz- und Eteuerwesen 43 786 Mark Ausgaben und 155 625 Mark Einnahmen. Unter letzteren sind die Um- lagen des Kreises enthalten, diese sind um 5100 Mark gesenkt und mit 92 200 Mark Umlagen- bedarf eingestellt. Für Verzinsung und Tilgung alter Schulden werden 8303 Mark benötigt.
D r Voranschlag wurde ohne weitere De> ba. e angenommen. Er schließt mit 266874 M r; (im Vorjahre 259 590 Marl) in Einnahme und 2luöga5e a5; davon kommen auf die De- t.r e'srechnung 211 477 Mark (i. V. 214137 M it ), auf d e V'rmogenSrechnung 55 397 Mark (i. V. 45 452 QR ur«l 1
t«Uhr« Kurs
Schluß-
Ansanq. Kurri
Berlin, Zs.Mörz
Kcib
Brief
Smerikaniiche Noten......
4,184
58,08
111,93 "
20,34
16.40
167,81
22,05
111,83
58,79
2,482
111,98
80,49
46,11
12,395
72,95
4,204
58,32
112,37
20,42
16,46
168,49
22,13
112,27
59,03
2,502
112,42
80,81
46,29
12,455
73,25
Datum
31-3.
1.4.
31.3.
1.4.
Dalum
31.3.
14.
31.3.
1.4
Datum
31.3.
1.4.
1.4.
Belgische Noi Daniiche Note Lnglische Nod firaitAöiiidio s. Holländische Italienische 9i Norwegische Deutich-Oeste Rumänische 9" Schwedische 9" Schweizer Ne Spanische Ro T'chechoslowa Ungarische N
Devi
en ......
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6% Deutsche Reicheanleihe non 1827
7% Deutsche Retch-anlrihe von 1920 . .......
teiitfdie vln!..MlSi.-Tckuld mfi ilu#loi.»9icrfiten . .
Desgl. ohne Vin«loz.-Nechte . ■ 8% Heil, «olfzfiaal von 1929 (rüdtafilb. 102%) . .
CberMfcn Provinz - Anleihe ml1 Suelos^Nechicn . ...
tcutfdH1 Rumm. Sammelabl.
Anleihe Gerte 1 ...
6% Aranff. Onö.-Sant Goldpfe XIII unkündbar bl» 1934 . . .
7% itiantf. Hvv-Bank Loldpfe unfünObar bi« 1933
'ank>brielanNaIt, $|oncbne|e 01. tl .....
R.($.(D. abg. BonnegfrDbllQattfl- nen, rückzahlbar 1932 . .
4% vesterreichlsche Soldrente . . 4,20% Ocsterreichtsche GUbtrrentt 4% Lesterreichilche Einheitliche Rente
4% UnnatW choldrente ....
4% Ungarische Ctoatorente V. 1910
4Vt% oebfli. t>on 1913 1% Ungartjche Kronenrente 4% Türkische Zollanleibe von 1911 4% Türkische Bagdadbabn.Anl
Serie l
4% OC661. Serie n . -
5% Rumänische vereinh. Rente
von I9V3 . - •
iy,% OiumtoMe vereinh. Rente ton 1918 ..........
t% Rumänische vereinh. Rente .
84,75
100,13
58,25
6,2
93,5
53,75
56,13
100,75
95,73
92,9
100,5
96,5
23,5
2,4
19,1
16,5
4,1
4,15
15,75
7,85
58,65
-
.1
4,25
Z
85,1
100,25
58,9 6,2
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19,4
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• J
ramDutfl-'jimenta 'Datei ... 7
Hamburg-Südam. Dampfschiff. 8
Hama Dampfschiff .... 10
Norddeutscher Livyb.....8
Allgemeine Deutsche Creditanst. 10
Barmer Bankverein ... 10
Berliner Handelsgesellschaft . 12
Uommerj' und Privat-Bank. 11
Darmstädter und Nalionaibank 12
Deutsche Bank und
Dtsconto GeseUschaft,. . . 10
Dresdner Bank......10
Reichsbank...... , 12
ß ffl .........5
72,5
74,75
114,5
148
111,75
111,5
108,5
135,5
123,25
90,5
131-
123
136,5
184
126,5
56,5
74
84
75,5
187,5
71,75
81,4
37,5
62.5
188
87
75,25
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111,5
108,5
185,25
57
73
86
72,5
121
97 74,5
132 114,4 147,5
111,5
111.4
260
108
102
134.25
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131
123
136.25
183
126,13
56,5
73
84,25
74,5
73
193 71,13
80,5
81,5 37,75
80,5
62 187,5 87.25
72.75
121
97
74,9
127,25
114,5
148
117,75
111,5
108Ji
135,25
126.5
90,75
132,13
123,5
138
185,25
-
57,65
73
84,25
75,5
73,5
199,5
71,13
80,65
82,13
38
81,75
186.5
85,9
Bereinigte Stahlwerke . ...
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