Rr. 177 Erstes viatt 180. Jahrgang Donnerstag, 51. Juli 1930 Erscheint täglich,sicher Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Dlonats Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. 5ernfprechanfchlüffe ttnterSamme(rtummer2251. «nschrist für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: gtenffurt am Main 11686. Gieheim Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen vn«k vnd Verlag: vrühl'fche UitfoerfitäU-Bndf» und Steinörudcrei H. Lange in Sieden. Zchristleitung und SefchSstrftelle: Zchulftrade 7. Annahme von Anzeige« für die Tagesnummer ois zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Ne» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Playvorfchrift 20* , mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wich. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wich. Lange: für Feuilleton Dr.H.Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Max FiUe^ sämtlich in Gießen. Fortschritte der Sammlungsbewegung. Das Ergebnis der Scholz-Aktion. — Zwar kein Zusammenschluß, aber Aussichten für einen gemeinsamen Wahlaufruf der Parteien von Westarp bis Koch-Weser und eine spätere Fraktionsgemeinschast im kommenden Reichstag. Das Ergebnis der Parteienbesprechung. Die Regierung im Wahlkampf. Wenn die Zentrumsführcr Kaas, Heß und Reichskanzler Brüning sich mit solcher Scharfe gegen die Sozialdemokratie' wenden, wie cs in der DorstandSsitzung der Zentrumspartei am Dienstag geschehen ist, dann können nicht nur persönliche Verstimmungen.oder Rücksichten der Wahlagitation dafür maßgebend fein. Es scheint uns deshalb auch salsch, wenn auf der einen und der anderen Seite der Versuch gemacht wird, die Bedeutung diese- Vorganges zu bagatellisieren. Das Zentrum hat zweifellos den ernsten Willen, die Regierung Brüning und ihren staat-politischen Kurs im Reich durchzuhalten. Es trachtete gleichzeitig danach, in Preußen die .bewährte" Weimarer Koalition weiter zu führen, da sie angeblich allein eine Stabilisierung der Regierungsverhaltnisfe in diesem größten deutschen Lande gewährleiste. Wahrscheinlich wollte sich das Zentrum darauf berufen, daß man auch während der Regierung Marx-Hcrgt-v. Keudell im Iahre 1927 genau f o verfahren fei und damit, wenigstens vom Zentrumsstandpunkte aus gute Erfahrungen gemacht habe. Run liegen die Dinge aber heute grundsätzlich anders. Denn das Rechtskabinett Marx' war, wie man rückschauend feststellen muß, eine genau so schlechte parlamentarische Regierung wie viele seiner Vorgänger und Rachfolger. Es hat praktisch so gut wie nichts geleistet und auch an seinem Teil dazu beigetragen, die Finanzkrise herauf- zuführen. mit der sich jetzt das Kabinett Brüning herumzufchlagen hat. Inzwischen sind die Verhältnisse so weit gediehen, daß ein längeres Zuwarten im Stile der entschlußunfähigen Parteiregierungen der Vergangenheit tödliche Gefahren für Staat und Wirtschaft heraufbeschwören mühte. Infolgedessen hat das Kabinett Brüning, wenn auch zögernd, damit angefangen, eine vorsichtige gesetzgeberische Leistung zu vollbringen. Diel zu langsam, aber doch immerhin praktisch spürbar wird ihm klar, daß es ganz allmählich in die große Aufgabe eines politischen Reform- k a b i n e t t e s hineinzuwachsen berufen ist. Gewiß ist schon unendlich viel Zeit versäumt worden, und zwar in erster Linie durch ein unnötig langes Hinausziehen der parlamentarischen Verhandlungen mit einem Reichstag, der seiner ganzen Ratur nach arbeitsunfähig war. Aber jetzt scheint die Regierung doch den notwendigen Anfang zu einer wirklichen Reformtätigkeit machen zu wollen. Wir haben nicht die geringste Besorgnis, daß allein das tatkräftige Anpacken dieser Probleme nicht nur eine Revolution unseres parteipolitischen Lebens von jetzt noch unbekannten Ausmaßen hervorbringen wird, sondern daß auch die besondere Stellung des Zentrums sich dadurch ganz von selbst ändern muß. Man braucht keine langen parteipolitischen Erörterungen über die Möglichkeit einer anderen Regierungsmehrheit in Preußen anzustellen. Eines Tages wird sich die fachliche Unmöglichkeit einer weiteren Zusammenarbeit mit der Sozialdemokratie für das Zentrum unweigerlich Herausstellen. Der Warnruf, den jetzt Kans, Heß und Brüning gegenüber der Sozialdemokratie ausgesprochen haben, ist ein Zeichen dafür, daß man die Lage im Zentrum überaus ernst beurteilt. Wer diese ssÄrtei kennt, der weih genau, daß nichts ihr schwerer fällt als das Hinaustreten aus dem allgemeinen parlamentarischen Rahmen, innerhalb dessen sie so erfolgreich in zehn Jahren Politik getrieben hat. Männern wie Kaas und Brüning darf man ohne weiteres die Erkenntnis zutrauen, daß Staat und Volk zugrunde- gehen müssen, wenn nicht jetzt schleunigst eine Politik getrieben wird, die von den bisherigen Korn- promiffen mit der Sozialdemokratie wegführen muß. Wenn nun jetzt die Sozialdemokratie mit den Mitteln einer wirklich rauhbeinigen Agitation das Zentrum bekämpft, dann entsteht dadurch eine Lage, die die Zentrumspartei auf die Dauer einfach nicht ertragen kann. Man mag die Schwierigkeiten einer anderweitigen Mehrheitsbildung in Preußen noch so hoch einschätzen, eines Tages ist der Augenblick da, in dem die Preuhenkoalition einfach auseinander f ä 111 Da das Zentrum in Preußen die Schlüsselstellung inne hat und im Reich gegenwärtig führend in der Regierung beteiligt ist, haben alle diese Dinge auch eine Bedeutung für die allgemeine Reichspoli - t i k. Aus der Rede des Reichskanzlers hat man neben diesen parteipolitischen Dingen auch noch das eine entnehmen können, daß die Regierung sich des Ernstes der Lage und ihrer Pflicht zu schnellem, verantwortlichen Handeln voll bewußt ist. Wenn sie den Wahlkampf erfolgreich bestehen will, dann muß sie der skeptisch gewordenen Oeffentlichkeit durch Taten beibringen, daß jetzt endlich der Anfang zu dem großen Innenpolitik schen Reformwerke gemacht werden soll. Sind aber einmal diese Dinge im Fluß, dann müssen sich ganz von selbst die Kräfte des Volkes zu gemeinsamem verantwortungsbewußten Handeln zusammenfinden, in denen das staatspoli- tische Gefühl für die Notwendigkeiten der Zeit leben- big ist. Erkenntnis der tatsächlichen Lage, das ist es, was vor allem not tut. Entschlüsse zur Durchführung der dringlichsten Reformen dürfen nicht hin- ausgeschoben werden. Die deutsche Oeffentlichkeit hat das Recht und die Pflicht, jetzt von ihrer Regierung Taten und nicht nur Wahlreden zu verlangen, denn sonst steht auch dieser Wahlkampf unter dem Unstern der inneren Zersplitterung, sonst werden verheißungsvolle Anfänge neuer politischer Entwicklungen unter dem Wust der parteipolitischen Zerfahrenheit begraben. Denn gerade in der kommen- den Zeit liegt eine besonders schwere Verantwortung bei der Regierung, die die Pflicht hat, das Volk aus der jetzigen Krise hinauszuführen. Berlin, 30.3uli. (BDZ.) Gegen 15 Uhr begann im Reichstag die vom Abg. Dr. SchoIz (DD.) angeregte Besprechung über ein eventuelles 3u - ammengchen der bürgerlichen Wille. An der Sitzung nahmen neben dem Abg. Dr. Scholz, Minister Treviranus von der fion- eroatioen Dolkspartci, die Abg. Drewitz und Sachfenberg von der wirtfchaftspartei sowie der Abg. koch-Weser teil. Außerdem waren zwei Bertrcfer der R e I ch s v c r e i n i g u n g junger Dolksparteiler anwesend, sowie al»Der- freter der inzwischen jur Staatspartei übergegangenen Gruppe junger Dolksparteiler Dr. Eschenburg. Die Besprechung währte etwa zwei Stunden. Die Aussprache erstreckte sich zunächst auf die Frage einer Fusion dieser Parteien im Wahlkamps, aber eine Einigung darüber kam nicht zustande. Dagegen verständigte man sich darüber, daß von allen diesen Parteigruppen ein gemeinsamer Wahlaufruf ergehen fall, In welchem sich diese Parteien verpflichten, fürdasAinanz- reformprogramm der Reichsregierung einzutreten. Der Wahlaufruf soll am Donnerstag von einem Redaktionskomitee entworfen werden. Heber die Besprechung teilt der parteiamtliche Pressedienst der Deutschen Dolkspartei folgendes mit: Getreu ihrer bereits aus dem Mannheimer Parteitag erklärten Bereitschaft, in eine große Partei aufzugehen, hat die Deutsche Volkspartei durch ihren Vorsitzenden. Dr. Scholz, den eingeladenen Parteien noch einmal die Frage vorgelegt, ob sie bereit seien, auch ihrerseits mit der Deutschen Dolkspartei gemeinsam in eine solch große einheitliche Partei des gesamten aktiven Staatsbürgertums aufzugehen. Dr. Scholz hat diesen Vorschlag, ebenso wie seine bisherigen, nach dieser Richtung zielenden Bemühungen, vor allem damit begründet, daß die wahlmüdeBür- g e r s ch a f t sich in dem Wirrwarr der Parteien nicht mehr zurechtfände und darum diese Vereinheitlichung und Zusammenfassung verlange. Die Deutsche Dolkspartei hat sich ja auch bisher nur gegen solche Reugründungen von Parteien gewehrt, die diesem Ziel der Der- einsachung entgegenstehen und also keine Der- minderung, sondern eine Vermehrung der Parteien bedeuten. Leider waren die befragten Parteien nicht geneigt, dem volksparteilichen Wunsch zu folgen. Die Frage gemeinsamer Wahllisten wurde damit ebenfalls abgelehnt. Die von den ablehnenden Parteien vorgebrachten Gründe entsprangen in erster Linie Zweckmäß igkei tserwägungen und taktischen Betrachtungen. Rach Ablehnung seines ersten Vorschlages hat Dr. Scholz den vertretenen Parteien darauf die Frage vorgelegt, ob sie nicht über einen selbst- verständlicAn Burgfrieden im Wahlkampf hinaus bereit seien, im kommenden Reichstag eine Fraktionsgemeinschaft zu bilden, die die gesammelte parlamentarische Kraft des Bürgertums gerade in entscheidenden Augenblicken gemeinsam und einheitlich ein- zusetzen vermag. Diese Frage wurde wenigstens grundsätzlich bejaht. Darüber sind die T^rhandlungen noch nicht endgültig abgeschlossen. Eie werden morgen fortgesetzt. Zunächst ist ein Redaktionskomitee beauftragt, einen gemeinsamen Wahlaufruf auszuarbeiten. Günstige Beurteilung Berlin 30. Juli. (ENB.) Die Sammlungsbe- roegung in der bürgerlichen Mitte hat am Dienstag erhebliche Fortschritte gemacht, und zwar einmal durch die Zustimmung des demokratischen Parteiausschusses zur Gründung der Deutschen Staatspartei und zum anderen mir der Be- sprechung, die Dr. Scholz in Fortsetzung feiner Sammlungsbemühungen mit den Führern der bürgerlichen Parteien abgehalten hat. Die Opposition gegen die Staatspartei war im Parteiausschuß nur sehr gering. Von besonderem Interesse ist aber, daß die zweite Entschließung des Parteiausschusies aus- drücklich die Vereinigung aller gefin- nungsoerwandter Kräfte fordert. Dafür wird nach Auffasiung politischer Streife auch die Scholz-Aktion angeführt. Man hält die Der- wirklichung des gemeinsamen Wohlauf- r u f 5 für das Sanierungsprogramm und der späteren Fraktionsgemeinschaft durchaus für möglich. Die größte praktische Bedeutung wird der Fraktionsgemeinschaft beigelegt; denn sie würde über eine Arbeitsgemeinschaft weit hinausgehen und z. B. eine einheitliche Vertretung in den Aus- schüssen herbeiführen, die nach dem bisher üblichen Schlüsiel für eine große Fraktion sehr viel günstiger ist als für kleinere Gruppen. So wird sich nach Auffasiung parlamentarischer Kreise der (Einfluß der Mitte oer ft arten. In Kreisen der DDP. bebäuert man, daß die ra» totalere Lösung eines sofortigen Zusam« mensch 1 usses zu einer Partei nicht angenommen worden ist, weil die übrigen Parteien gewich- tige Zweckmäßigkeitsgründe dagegen anführten. Sie wiesen z. B. daraus hin, daß es ihnen schwer fein werde, ihre Flügelleute im Wahlkampf mit den Gruppen zusammen auftreten zu lassen, die ihnen am entferntesten stehen. Immerhin sieht man in der grundsätzlichen Einigung, die dann über den zweiten Vorschlag des oolksparteilichen Führers erzielt wurde, eine erhebliche Annäherung, die nach den Wahlen unter Umständen noch über die Fraktionsgemeinschaft hinaus entwickelt werden kann. Am stärksten Haden sich heute die Vertreter der Konservativen Volkspartei für das Zufammengehen ausgesprochen. Das Vdz. Berlin, 30. 3uIL Der ParteiauS - schuß der Deutschen Demokratischen Partei hielt in Anwesenheit von etwa 200 Mitgliedern eine Tagung ab, die über die R e u - gründung der Deutschen Staatspar- t e i beraten sollte. Oer Parteiführer Koch-Weser führte aus, daß er und die anderen Parteimitglieder, die die Vorbereitungen getroffen hätten, sich bewußt gewesen feien, ein großes Wagnis zu unternehmen. Die Staatspartei wolle staatSpolitifch handeln, aber keine Interessenvertretung darstellen. Sie wolle unabhängig bleiben von Gewerkschaften und Kapitalisten. Aus Verhandlungen von Partei zu Partei lasse er sich nicht ein, sie führten nur zu gegenseitiger Entfremdung. Die neue Partei habe einen starken Reformwillen auf wirtschaftlichem, sozialem und finanziellem Gebiet. Die Partei woUe keinen Block gegen die Sozialdemokratie bilden. Sie stehe dieser ganz objektiv gegenüber und werde gegebenenfalls auch mit chr Zusammengehen. Anderseits fei die Partei gegen jede Vermischung der rechtsradikalen Gruppen. M a h r a u n habe ausdrücklich jeden Verdacht des Antisemitismus von sich abgewehrt und als Verleumdung bezeichnet. Die Volksnationalen legen großen Wert darauf, daß viele junge Männer in den Reichstag ein- ziehen, ferner fei erwünscht, daß mindestens an zweiter Stelle auf jeder Kandidatenliste eine Frau stehe. Das Vorgehen des Vorsitzenden der Deutschen Dolkspartei, Dr. Scholz, beweise, daß man auf dem althergebrachten Wege zu gar keinem Ergebnis komme. Die neue Partei sei sich einig in dem Ziele der Derteidigung der Republik gegenüber Angriffen der radikalen Parteien rechts und links. Es müsse eine Partei vorhanden fein, die mit jugendlichen Kräften diesem Radikalismus gegen- übertrete. Ein besonderer Erfolg sei es, daß Männer der Wirtschaft und Mitglieder der Hirsch-Dunckerschen und der Christlichen Gewerkschaften mit dem besten, klaren Bekenntnis zur he u t i gen P ri v a t wi r t- fchaftsordnung zusammengebracht worden seien. Ein starker Wille, die notwendigen Resor- men, insbesondere die Wahlreform und die Reichsreform zu vollziehen, beseele die neue Organisation. Er selbst werde es als eine der ersten Ausgaben der neuen Partei ansehen, zu gegebener Zeit Dolksbegehren für eine Wahl- reform und für die Reichsreform ins Leben zu rufen. 3n der Aussprache wurde bedauert, daß nicht versucht worden fei, durch Hinzuziehung von Mitgliedern des linken Flügels der Deutschen Dolkspartei eine neue Parteiorganisation zu bilden. Man fei nun aber vor vollendete Tatsachen gestellt und müsse die neue Partei unterstützen. Bemängelt wurde weiter die vor der Gründung der neuen Partei betriebene Heimlichkeit. DollkommeneKlarheit wurde verlangt, welche Persönlichkeiten die neue Sache führen sollen. Don einem Diskusf onsredner wurde erklärt, daß Minister Dietrich an die Spitze der neuen Bewegung gehöre. Es wurde weiter anerkannt, daß das Wahlprogramm der Staatspartei durchaus demokratische Grundsätze enthalte. Es gelte jetzt die Erhaltung der deutschen Republik. Don anderer Seite wurde daraus hinge- wiefen, daß das Wahlprogramm der neuen Staatspartei keinen neuen Geist enthalte, sondern nur die alten Forderungen auszähle. Mesich erörterte die Möglichkeiten, die Deutsche Dolkspartei in die Neuorientierung der Mitte mit einzubeziehen. Er forderte Ergänzungen zu dem Aufruf besonders in volkswirtlchasts- politischer Hinsicht. Der Redner empfahl schließlich, die neue Gründung zu unterstützen. Pros. H e l l p a ch (Heidelberg) trat dafür ein, daß den liberal gesinnten Wählern der Deutschen Volkspartei die Türen zur Deutschen Staatspartei geöffnet würden, wenn dann auch noch eine Erneuerung in der Aührer- roirb auch insofern als ein günstiges Zeichen für bte Sammelbestrebungen ausgelegt, als bereits auch d i e L a n d o o l k p a r t e i in die Kombination einbczogen werden kann. Ihre Antwort steht noch aus. Naturgemäß hört man bei den beteiligten Parteien auch skeptische Stimmen, die daraus Hinweisen, daß die eigentlichen Schwierigkeiten erst in der morgigen Arbeit des Redaktionsaus« schusies beginnen, und daß man deshalb abwarten müsse, ob aus den Bemühungen mehr als ein einfacher Burgfrieden herauskommt. Man glaubt aber doch, daß der Gedanke, Staat und Wirtschaft durch einen arbeitssreudigen Reichstag aus der gegenwärtigen Not zu retten, die Hemmungen zu über* winden helfen wird. schicht Dorgenommen sei, würden er und feine Freunde gern in der Deutschen Staatspartei mit* arbeiten. Oer preußische Finanzminister Or. Höpker-Aschoff äußerte den Wunsch, aus breitererGrund- läge eine Einigung herbeizuführen. Gr erörtert« in diesem Zusammenhang die Einladung des Führers der Deutschen Dolkspartei und fragte: Was wollte Herr Scholz? Wenn er nur einen Burg frieden oder eine Dämpfung des Wahlkampfes wollte, bann hätte er sich an alle Parteien wenden müssen, auch an die Soziale bemofraten und an das Zentrum. Wollte er einen Wahlblock für Brüning, dann durfte er an der Partei des Kanzler- nicht Vorbeigehen. WoUte er eine neue Partei, dann war fein Vorgehen falsch. Es kommt daraus an, die radikalen Elemente niederzuwerfen. Aber es besteht keine Möglichkeit, mit den Konservativen zu- sammenzugehen. Wenn die Einladung des Herrn Scholz wirklich eine neue Partei im Auge gehabt hat, dann ging sie über den Rahmen dessen, was möglich ist, weit hinaus. Der Ersolg der Deutschen Staatspartei hängt davon ab, ob eS gelingt, d i e politisch Heimatlosen zu begeistern, er hängt weiter davon ab, ob es gelingen wird, an die Herzen dev jungen Menschen heranzukommen. Gustav Stolper erklärte: Die Vertreter de« kapitalistischen Wirtschaftsauffaf- f u n g haben jetzt zu beweisen, daß der Kapitalismus sich in sozialer Gesinnung und in sozialer Resormarbeit nicht vom Sozialismus übertreffen läßt. Die neue Partei zeige den Sieg der demokratischen Gedanken. Der Parteiausschub faßte nach Abschluß de« Aussprache über die grundsätzlichen Fragen gegen vier Stimmen folgende Entschließung: Der parleiausschuh der Deutschen Demokralifchen Partei stimmt der Gründung der Deutschen Staatspartei j u und stellt die Parteiorganisationen für den Wahlkampf zur Derfügung. Der Parteiausschuß wünscht und erwartet, daß die Deutsche Staatspartei mit größtem Ern st bemüht fein wird, alle gefinnungsoerwandten Kräfte zu vereinigen und zu einheitlicher politischer Arbeit zusammenzofasfen. , Ein Aufruf Mahrauns. Tie Frontverlangcrung nach rechts. Berlin, 30. Iuli. (ERB.) Der Hochmeister des Iungdeutschen Ordens, Arthur Mahraun, hat an seine „jungdeutschen und volksnationalen" Freunde einen längeren Aufruf erlassen, dessen bemerkenswerteste Stellen lauten: Rach eingehenden Beratungen des Iungdeutschen Hochkapitels und des Reichsvorstandes der Dolksnationalen Reichsvereinigung haben wir den schweren Entschluß gefaßt, unsere Anhänger im kommenden Reichstagswahlkampf für eine junge Deutfche Staatspartei aufzurufen, weil wir in der gegenwärtigen politischen Verwirrung die Verantwortung nicht tragen können, durch ein alleiniges Vorgehen der Volksnationalen Reichsvereinigung die von weitesten Volkskreisen geforderte Sammlungsbewegung auf breiter Grundlage zunichte zu m a ch e n. Die unaufhörliche Zersplitterung der bürgerlichen Parteien kann so nicht weitergehen. Iener große Teil des Staatsbürgertums, der zwischen der Sozialdemokratie und dem Radikalismus des Rechten steht, fühlt fich von den alten Parteien verlassen und fordert mit unwiderstH- licher Gewalt eine grundlegende polr- tische Reugruppierung. 3a der jungen Deutschen Staakspartei. müssen sich deutsche Menschen aus dem schwor;weihrolen wie aus dem schwarzrotgoldenen Heerlager die Hände zum gemeinsamen Kampf für Reich und Demokraten und Gtaatspartei. Oer Parteiausschuß beschließt das Aufgehen in der neuen Deutschen Staatspartei Jan Mayen. Uorshafrr Mr ient.^1 Xiertnont O-BSrei /?■£/ *»15 15' Paris 2 Trankt. 22 e° Volk, für Einheit und Freiheit geben. Jede Sammlungsbewegung, die sich auf eines dieser beiden Heerlager beschränkt, wird keinen Erfolg erzielen können. Die junge Deutsche Staalspartei muh der jungen Generation die volle Gleichberechtigung in jeder Beziehung einräumen. Die junge Deutsche Staatspartei muh uns die Gewähr bieten, dah die skrupellose Selbstsucht von Klassen-, Interessenten- und Finanzgruppen einem hohen skaatspolitischen verantwortrmgs- gefühl Platz macht, wir wollen Staatsvolk sein, aber nicht Jnteressentenhaufen. An uns wird es in erster Linie liegen, die Front nach rechts zu erweitern. Die einmütige Geschlossenheit der jungdeutschen und volkvnationalen Bewegung, die Behauptung ihrer Schlüsselstellung innerhalb der jungen Deutschen Staalsparlei, bieten weiten Volkskreisen die Gewähr für die Ausschaltung der internationalen pazifistischen Schwärmer, die dem Deutschen Reiche so unermehlichen Schaden zugefügt haben. Die Stellung der Aeichsgemein- schast junger Volksparteiler. Düsseldorf. 30. Juli. (TU.) Der Dor- sitzende der Reichsgemeinschaft deutscher Volksparteiler, Frank G l a h e l, äußerte sich am Mittwoch im Zusammenhang mit der Stellung der Reichsgemeinschaft zur Deutschen Staatspartei auch über die Vorgeschichte der Reugründung. Die Reichsgemeinschaft habe sofort nach Auflösung des Reichstags die Frage des Zusammenschlusses der nationalen Mitte erneut aufgegriffen. Am Samstag voriger Woche habe in Verein eine Besprechung von Vertretern der jungen Gruppe stattgefunden, auf der der bekannte Vorschlag des Abgeordn e- t e n Scholz erörtert wurde und in der die Demokraten die Frage des Zusammenschlusses der Dolksportei, der Demokraten, der Wirtschaftspartei und der Volksnationalen aufwarfen, falls die Aktion Scholz' scheitern sollte. Sn dieser Sitzung habe der Abgeordnete Koch- Weser, der seine Vereinbarungen mit der Staatspartei schon getroffen hatte, diese Tatsache nicht erwähnt. Sn einer weiteren Sitzung am Samstagabend, an der u. a. Koch- Weser, Dornemann, Winschuh und der Vorsitzende der Reichsgemeinschaft junger Volksparteiler teilnahmen, deren Gegenstand an und für sich nicht die Frage der Staatspartei gewesen sei, habe dann Koch-Weser erklärt, dah die Gründung der Staatspartei erfolgt sei. An die Reichsgemeinschaft wurde die Aufforderung gerichtet, sich der Staatspartei anzuschlichen. Wenn auch für die Reichsgemeinschaft dadurch, dah die V o l k s n a t i o n a l e n sich für die Staatspartei erklärt hatten, und der linke Flügel der Demokraten nicht einbegriffen war. diese Aktion nicht unsympathisch war, sei das Angebot in dieser Form jedoch abgelehnt worden. Auch der Ausruf der Staatspartei sei insofern irreführend gewesen, als er den Eindruck zu erwecken versucht habe, es seien Teile der Dolkspartei abgesplittert. Tatsächlich sei kein führendes Mitglied der Reichsgemeinschaft junger Volksparteiler bei den Verhandlungen über die Gründung der Staatspartei zugegen gewesen. Das Ziel der Reichsgemeinschaft zur Sammlung der nationalen Mitte gehe jetzt dahin, etwas Drauchbares unter Ausschaltung von Parteiinteressen zu schaffen. Am kommenden Samstag und Sonntag findet in Kassel eine Reichsvertretertagung der Reichsgemeinschaft junger Volksparteiler statt, die sich mit der Beteiligung am Wahlkampf und der Stellungnahme zur Deutschen Staatspartei be- ». schäftigen wird. Die Lage in -er Berliner Metallindustrie. Berlin, 30. Juli. (CNB.) Bisher sind in der Berliner Metallindustrie bei den wenigsten Betrieben Kündigungen ausgesprochen worden, nur die Firma Flohr hat bereits gestern von 310 Angestellten 25 gekündigt. Die Lage ist durchaus nicht einheitlich. Bei der AEG. beispielsweise sollen 10 Prozent der Gehälter eingespart werden; ob dies durch Entlassung einiger höher bezahlter Angestellten oder durch einen generellen Abbau erfolgen wird, weiß man noch nicht. Bei Sie me n s, bei der A E G., bei B e r g m a n n und bei den Adler werk en sind bisher Entlassungen nur in Aussicht gestellt worden, falls sich die Angestellten nicht durch Unterschrift mit der Einführung von Kurzarbeit einverstanden erklären. Auch bei B o r s i g hat gestern eine große Betriebsversammlung stattgefunden, bei der von der Personalleitung Kündigungen in Aussicht gestellt worden sind, und zwar würden hier ungefähr 100 Angestellte betroffen werden. tallindustrieller erklärt auf Anfrage, daß die von den einzelnen Firmen angekündigten Entlassungen keineswegs einen Tarifbruch darstellten. Die Kündigungen seien nicht auf eine Anregung des Verbandes zurückzuführen, sondern entsprängen der eigenen Initiative der Betriebe selbst. Die Firmen hätten lange Zeit mit den Kündigungen zurückgehalten, da man gehofft habe, sie durch eine Vereinbarung über die Einführung von Kurzarbeit vermeiden zu können. Da diese Vereinbarung nicht zustande gekommen sei, müßten die Firmne fetzt die Entlassungen vornehmen, die durch den wirtschaftlichen Zwang und den Auftragsrückgang geboten seien. — Zur Beilegung des Konfliktes hat das Reich sarb eitsministerium die Angestelltenverbände zu einer Besprechung geladen, die am späten Nachmittag begann. Keine Einigung in derAordwestgnippe Essen, 30. Juli. (TU.) Die am Dienstag in den Verhandlungen zwischen dem Arbeitgeberverband der Nordwestlichen Gruppe der Metallindustrie und den Gewerkschaften formulierte Vereinbarung, die das Ziel hatte, eine Kündigung des Lohn, und Arbeits- zeitab kommens zu vermeiden, wurde von der Vertretertagung des Christlichen Metallarbeiterverbandes einstimmig a n g e n o m. m e n. Es wurde beschlossen, dar Lohn- und Arbeit«. Bei Bergmann ist inzwischen Kurzarbeit ein geführt worden, was aber von den Angestelltenorganisationen als T a r i f b r u ch angesehen wird. Man beabsichtigt deshalb, gegen denVer- band Berliner Metallindustrieller als Vertragskontrahenten, der für die Innehaltung des Vertrages durch die Mitglieder verantwortlich sei, gerichtliche Schritte im Wege einer Feststellunas- klage zu unternehmen. Der Verband Berliner Mi daß Den preußischen Universitäten wird ihr historischer Harne genommen. Zu der Meldung Berliner Abendblätter, Kommunistenterror in China. Eine Halbmillionenstadt dem Erdboden gleichgemacht. London, 30. SulL (TU.) Berichte aus China besagen, dah die von Kommunisten eroberte Stadt Tschangtscha in Flammen steht. Die Kommunisten, die zuerst eine Summe von 2,5 Millionen Mark für die Schonung der Stadt verlangt hatten, hoben nun sämtliche Regierungsgebäude und ausländisches Eigentum z e r st ö r t und in Brand gesteckt. Die Plünderungen bauern an. Verschiedene chinesische Geschäftsund Duveauräume, u. a. auch das Gebäude der Standard Oil imZ) der TexaS-Oil-Companh, Murin den neuen Statuten der Universität Königsberg der Rame „Albertina" auf Grund eines Erlasses des preußischen Kultusministers fortgelassen worden ist, erfahren wir von unterrichteter preußischer Seite, daß in Zukunft alle Universitäten, die neue Statuten erhalten, nur noch mit dem 21 am en ihrer Stadt bezeichnet werden und der Rame des Gründers fortfallen wird. — Man darf wohl erwarten, dah dieser Unfug, der an die Bilderstürmer vom Rovember 1918 erinnert, in den anderen deutschen Ländern nicht Schule machen wird. Attentat auf eine Fabrik. Ein mysteriöser Sprengstoffanschlag ereignete sich in Solingen: Als am Morgen des 30. Suli der Werkmeister der Firma Klopp die Fabrik betrat, die von einer zwei Meter hohen Mauer umgeben ist, fand er an der Fabrikmauer eine entsetzlich verstümmelte, noch warme Leiche vor. Reben der Leiche lag ein geladener Revolver. Die poli^ilichen Ermittlungen ergaben. dah auf die Äzetylenanlage der Es ist sonst nicht unsere Art, auch in der Abwehr die Grenze des unter gebildeten Leuten üblichen Verkehrstons zu überschreiten. Aber auf einen groben Klotz gehört nun einmal ein grober Keil. Und das, was sich Herr Poincare in diesem Wochenartikel leistet, ist kaum anders als eine Unverschämtheit zu bezeichnen. Er wagt es, schwereDorwürfe gegen den deutschen Reichspräsidenten zu erheben und ihn einer bewußten Störung der zeitabkommen nicht zu kündigen. Auch der Gewerkverein Hirsch-Duncker hat der Ver- einbarung z u g e st i m m t. Dagegen haben die Funktionäre des Deutschen Metallarbei. terverbandes sich gegen die Annahme der Vereinbarung ausgesprochen und die Kündigung des Lohnabkommens — nur diese war vom Deutschen Metallarbeiterverband angekündigt — be- schlossen. Die offizielle Zustimmung des Arbeitgeber- verbandes zu der Vereinbarung, an der nicht zu zweifeln ist, steht noch aus. poincare gegen Hindenburg. Unerhörte Kritik an den Rheinlan-befreiungöreden des Reichspräsidenten. Die Einführung der Sozialversicherung in Frankreich. Streikbewegung und Preiserhöhungen. Paris, 30. Juli. (WTB.) Während di« Lohn- abzüge für die neueingeführte Sozialversicherung auf der einen Seite in Nordfrankreich zu einer Streikbewegung geführt haben, sieht sich auf der anderen Seite der Handelsminister gezwungen, an die Vorsitzenden der großen Arbeitgeberverbände ein Rundschreiben zu richten, um gegen di e ungerechtfertigte Heraufsetzung der Preise unter Berufung auf die Sozialoersicherungsbeiträge Einspruch zu erheben. Der Handelsminister erklärt, daß gewisse Industriekreise den Sozialversicherungsbeitrag, der 5 v. H. der Umsatzziffer beträgt, Aum Anlaß zu einer Preissteigerung bis z u 40 v. H. nähmen. Diese Preiserhöhungen könnten nur zu einer künstlichen allgemeinen Steigerung der Lebenshal- tungskosten führen. Die Regierung könne nicht zulassen, daß ein Gesetz, das den arbeitenden Klassen eine Sicherheitsgarantie geben solle, indirekt durch Manöver wieder vereitelt werde, die zu einer allgemeinen Erhöhung der Lebenshaltungskosten führen würde. Das Rundschreiben weist darauf hin, daß verabredete Manöver zur Preissteigerung strafrechtlich verfolgt werden können. Wie aus Lille berichtet wird, hat sich die Streikbewegung weiter ausgedehnt. Die Zahl der Ausständigen beträgt bis jetzt 30 000; davon find 17 000 Textilarbeiter. Vertreter der sozialistischen Gewerkschaften von Roubaix und von Toureoing, sowie Vertreter der Arbeitgeber werden heute vom Arbeitsminister empfangen werden. Ge- ftern hat eine Fühlungnahme der Gewerkschaften aller Richtungen untereinander in Lille ftattgefun- den, um über die Ausarbeitung einheitlicher Forderung zu verhandeln. Vertreter der kommunistischen Gewerkschaft haben die Ausstellung einer einheitlichen Liste von Forderungen von vornherein ab- gelehnt, da sie sich ausdrücklich gegen die Sozialversicherung als solche aussprechen. Aus aller Wett. Das Luftschiff R 100 Hal den Ozean überquert. Montreal, 31. Juli. (WTB. Funkspruch.) Das Luftschiff R 100 hat Belle Jsle — Küste von Labrador — um 3 Uhr morgens MEZ. gesichtet. Es hatte 2760 Meilen zurückgelegt. Bis dahin hatte es nur den fünften Teil feines Brennstoffvorrates verbraucht. Die Fahrt verlief bisher ohne Schwierigkeiten und Motorstörungen. Die Berliner Schinkelwache als Gedächlnisställe. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst zur Umgestaltung des Schinkelschen Wachgebäudes Unter den Linden z u einer Gedächtnis st ätte für die Gefallenen mitteilt, haben die Reichsregierung und preußische Staatsregierung beschlossen, den Entwurf von Professor Heinrich Tessenow, den das Preisgericht an erster Stelle vorgeschlagen hat, $ur Ausführung zu bringen. Mit den Bauarbeiten ist begonnen worden. den niedergebrannt. Rach japanischen Meldungen soUen das japanische Konsulat und Krankenhaus, sowie zwölf Gebäude der Provinzialregierung und fast alle Missionshäufer und Kirchen demErdbodengleichgemacht sein. An den Plünderungen, die systematisch durchgesührt werden, nehmen 8000 Rote Soldaten teil. Die Beute wird unter die Menge als das unrechtmäßige Eigentum der Kapitalisten verteilt. 10 000 Einwohner haben bereits d i e Stadt verlassen. Die Anzahl der Toten ist noch nicht bekannt. Der Bruder des Gouverneurs und andere Beamte wurden enthauptet. Die ausländische Kolonie, bestehend aus 91 Personen, ist von englischen und amerikanischen Kanonenbooten gerettet worden. Das amerikanische K mentlich Sprengstoffabrik ein Attentat verübt werden sollte. Der Täter, der bei dem Versuch selbst ums Leben kam, hatte mit einer Leiter das Fabrikgebäude erstiegen und das eine Ende eines elektrischen Drahtes an eine über das Dach gespannte Hochspannungsleitung befestigt. Das Drahtende hatte er über das Dach bis zum Fuß der Fabrikmauer gelegt. Wahrscheinlich ist, als er mit einem Messer, dessen Griff isoliert war, von diesem Drahtende die Ssolicrung entfernen wollte, die vor ihm liegende Sprengladung zur Entzündung gelangt und hat ihn getötet. Bei der Leiche wurde außer dem Revolver und dem Ssolier- messer noch eine Ssolierzange gefunden. Der Täter muß das Verbrechen sorgfältig vorbereitet haben. Sein Rame ist noch nicht bekannt. Der Materialschaden ist gering. Amerikanischer Boykott gegen Marlene Dietrich. Aus Hollywood wird gemeldet, daß die Film- schauspielerin Marlene Dietrich, die nach ihrem großen Erfolg in dem Film „D e r b l a u e E n g e l" von der Paramount nach Hollywood engagiert worden war, vorzeitig Hollywood verlassen muß. Dies soll auf das Eingreifen der in Amerika sehr mächtigen Frauenorganisationen im Zusammenhang mit Ehestreitigkeiten des R e gisseurs des „Blauen Engels^- zuriickzu- fiihren fein. Wegen der Befürchtung, ' daß ihre Filme von den amerikanischen Frauenorganisationen boykottiert würden, habe die Paramount darauf verzichtet, Marlene Dietrich in dem Film „Die Paramount-Parade" zu beschäftigen, obwohl bereits mit Frau Dietrich Aufnahmen zu dem Film gemacht gewesen seien und ihr Name in-ben Voranzeigen als Mitwirkende groß angekündigt gewesen fei. Politik und Sport. Zu wilden Szenen kam es vor der uru« guahischen Gesandtschaft i n Buenos Aires, als bekannt wurde, daß Uruguay bei einem Fußballspiel Argentinien mit 4:2 geschlagen hatte. Eine nach Hunderten zählende Menschenmenge eröffnete einen Steinhagel auf das Gesandtschaftsgebäude, dessen Scheiben fast alle in Trümmer gingen. Die Polizei ging gegen die Demonstranten mit der blanken Waffe vor. Da die Menge trotzdem nicht weichen wollte, machte die Polizei von der Schußwaffe Gebrauch. Mehrere Personen, darunter zwei Frauen, wurden schwer verletzt. Siebzig Kinder in einer Sandgrube verschüttet. In St. Helens in der englischen Grafschaf ßanca» ffjire wurde eine Schar Kinller in einer Sandgrube verschüttet, wobei drei getötet wurden. Acht weitere Kinder wurden verletzt. Insgesamt waren 60 bis 70 Kinder in der Grube mit Spielen beschäftigt, als plötzlich die ganze Sandbank einstürzte und die Kinder unter hunderten Tonnen von Sand begrub. Einige Jungen konnten sich selbst befreien und andere verschüttete Kinder ausgraben, ehe Hilfe kam. Die Kinderlähmungen im Elsaß. Neun neue Fälle von spinaler Kinderlähmung sind " feftgefteUt worden, davon vier in Straßburg s e l b st. Vereinzelt ist auch ein Uebergreifen auf Er- wachsene zu verzeichnen. So ist in Straßburg ein Soldat an dieser Krankheit gestorben. Von den 561 Gemeinden des Departements Unterelsaß sind 70 von der Krankheit betroffen. Im ganzen zählt man 237 Fälle. Im Departement Oberelsaß sind nur 50 Fälle festgestellt worden, von denen einer tödlich verlaufen ist. Wieder ein Todesopfer in Lübeck. Die Ealmette-Fütterung hat abermals ein Opfer gefordert, nachdem in den letzten Tagen in der Sterblichkeits- und Krankheitsziffer bei den mit dem Antituberkulofepräparat gefütterten Säuglingen ein Stillstand eingetreten war. In der letzten Nacht ist abermals ein Säugling gestorben, wodurch sich die Zqhl der Todesfälle auf 63 erhöht. Erkrankt sind noch 37 Säuglinge, gebessert 73, gesund bzw. in ärztlicher Beobachtung befindlich 58. Oie Wetterlage. 0 woncenlos. © netter c» natö oedeext 9 woixip. O oedecxi • Kegelt * Schnee & Graupem e Neoei K 6-> sehr leichter O$i massiger Sudsuowesi Q stürmischer norgwesl Ole Pfeile fliegen mit dem winde Oie oeioen Stationen stenenden zahlen gehen die Temperatur an. Pie Linien vtrhindeo Orte mit gleichend «uf AeercsniVeau umgerechneten LuttdrucM Wettervoraussage. Die Luftdruckoerteilung hat sich feit gestern nur wenig verändert. Langsam zieht die Nordseestörung unter gleichzeitiger Abflachung nordostwärts nach dem Baltikum weiter. Jedoch gleichen sich die Druck- gegensätze allmählich mehr und mehr aus, so daß die Luftbewegung abflaut und die Wetterlage ruhiger wird. Dabei tritt aber immer noch zeitweise Bewölkung auf, wenn auch Schauer kaum mehr zu erwarten sind. Aussichten für Freitag: Bewölkt mit Aufheiterung, meist trocken, mäßig warm. Lufttemperaturen am 30. Juli: mittags 20,1 Grad Celsius, abends 12,8 Grad; am 31. Juli: morgens 14 Grad. Maximum 20,5 Grad, Minimum 9,9 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 30. Julir abends 20,6 Grad; am 31. Juli: morgens 16 Grad. — Niederschläge 1,8 nun. — Sonnenscheindauer 6% Stunden. Wien I 22V A Aus der Provinzialbauptstadt Sieben, den 31.3uli 1930. Adolf von HarnackS Anfang in Gießen Don Superintendent i. "5\ Lir. theol. Zoh Bornemann in Goslar. Der Gießener akademisch - thcolo - aische Verein begeht vom 30. 3uli bis -um 1 August sein fünfzigstes Stiftungsfest. DaS erste Stück der Festschrift stammt noch von Harnack« Hand. Beim Jubelfest können wir ihm feinen Trust nicht mehr erwidern. Einem Heimgegangenen gilt mehr dankbarer Trust um den mit uns Gottesgelchrten auch alle andere Wissenschaften, mit den Gebildeten Deutfchionds auch die de« Auslands trauern. Wir aber ganz befonderS. Denn er war unser in seiner Jugendarbeit. Gegründet hat er freilich unseren Verein nicht. Teilgenommen bat er mit seinen Arntsge- nossen im ersten Jahre nur an unsrer Weihnachtsfeier. Aber der Kreis, der fich damals bildete, stand doch wesentlich unter seinem Einfluß. Ich sehe ihn vor mir in dem alten bescheidenen AuditoriumSgebäude bei seiner ersten Vorlesung, die hohe, schlanke, jugendliche Gestalt mit dem begeisterten Vortrag in baltischer AuSsvrache, mit den freundlichen, fesselnden, ernsten Auge.u Fast noch ein Jünyling, 23 Jahre alt, ging ihm doch schon von Leipzig der Ruf eines hervorragenden Gelehrten, eines Meisters der Jugend, voraus. Roch sehe ich das erstaunte Gesicht der Wirtitz in einer Weinstube Wetzlars, — ich durste mit Harnack die alte Reichsstadt besuchen —: .Die Herren studieren wohl in Gießen?" — .Mein Degleiter wohl! ich bin Professor!" Oder das deS Studenten in vorgerückten Semestern, als Harnack beim Krankenbesuch im Zimmer des Bremer Schmidt, deS einzigen ausländischen Theologen austcr mir damals, freundlich mit am Dominospiel teilnahm und die Anwesenden nach ihren akademischen Fächern gefragt und dann auf die Gegenfrage schalkhaft antwortete: .Ich bin Theologe." .Ra, Sie scheinen mir aber auch schon in höheren Semestern -u sein?" — .Vin ich auch: ich bin. ordentlicher Professor!" Am Ludwigsplatz war seine Junggesellenwoh- irung. Dort hielt er auch sein erstes dogmen- geschichtliches Seminar über Tertullians Prä- skrlptionen ab. Uns Studenten ging eS lieblich ein, dast er zur Eröffnung eine Hand voll Zigarren auf den Tisch des Hauses streute: .Rauchen die Herren?" Sie taten eS gern. Es schadete dem Ernst der Arbeit nicht. Ihr Meister war damals ein leidenschaftlicher Zigarettenraucher. Auch die Zwischenzeit zwischen den Vorlesungen füllte eine Zigarette. Wie jugendlich Harnack sein Studium begonnen, wurde mir klar, als ich einmal im Seminar sein Exemplar von Tertullian in den Händen hatte und hinten aus dem inneren Buchdeckel des alten Kirchimvotcrs, der im schwersten Latein geschrieben, eine Mathematik-Aufgabe aus Sekunda fand: .Ja, gewist, ich habe in Sekunda schon den Ter- tullian gelesen!" Sein Vater, Theodosius Harnack, dessen Rame heute noch mit Ehren von den Theologen genannt wird, der Professor der praktischen Theologie in Dorpat und in Cr- lanaen, hat dem Sohne da- Tor zu seiner glän- zenoen Gelehrten-Laufbahn geöffnet. Dan,als, vor jetzt bald 51 Jahren, gründete Harnack sein eigenes, glückliches, echt evangelisches Haus. Die Großtochter des einstigen großen Gießener Liebig, die Tochter Amalie des weitbekannten Mediziners Thiersch, ward seine Gattin. HarnackS Leipziger Studenten hatten schon vor der Verlobung sie als seine künftige Braut uns genannt. Beim Umzug auf den Seltersweg durften wir ihm in seiner Bücherei hellen. GinS blieb mir davon in der Erinnerung: .Die Dogmatiken stellen wir zur schönen Literatur!" Im Sommer 1879 hörten ganze sechs Studenten HarnackS Kirchcngeschichte, ganze sechs seine Dogmengeschichte. Im ganzen gab es damals 14, oder mit Einrechnung der Einjährigen 16 Studenten der Theologie in Giesten. Rach wenig Jahren waren es 116. Unter Bernhard Stade, des AlttestamentlerS, (räf tiger Führung war die Fakultät völlig verjüngt. An die Stelle hervorragender verstorbener, oder alt gewordener Männer war ein unglaublich jugendliches Geschlecht getreten. Wir berechneten damals, die ganze Fakultät zählte zusammen 132 oder 135 Jahre! Aller Ramen stehen bei den Theologen heute noch in hohen Ehren: neben Bernhard Stade und Adols Harnack Emil Schirre r, der Verfasser der lneuzeitliche) neutesta- mentlichen Zeitgeschichte und Begründer und Her- Ausbildung technischer Assistentinnen an Medizinischen Instituten her Universität Gießen. Don der Pressestelle der Universität Giesten wird uns geschrieben: In der zweiten Hälfte de« Oktober wird eine Schul« zur Ausbildung technischer Assistentinnen an Mediz.» Nischen Instituten inGiesten eröffnet werden. Der Unterricht wird von Universitüt-dozenten in den Räumen der UniversitälSinftitute erteilt und umsoht sämtliche Auübildungsfächer. die in dem von der Regierung aufgestellten Lehrplan vorgesehen sind. Der Unterricht ist theoretisch und praktisch: Im einzelnen umfaht der Lehrplan folgende Fächer. 1. Chemie und Physik: Grundzüge der anorganischen und organischen Chemie und die für die Analyse wichtigen Reaktionen und Grundlagen der Physik, Technisches Rechnen, Erlernung der wichtigsten organischen Körper, insbesondere auch Herstellung und Prüfung der Reagenzien und der Lösungen zur Maßanalyse. 2. Anatomie, Physiologie, Biologie und mikroskopisch-anatomische Technik: Dau deS menschlichen SkelettS und das Wichtigste aus der MuSkel-, Qlenxn-, Desäst- und Eingeweidclehre, Handhabung deS Mikroskops, mikroskopische Untersuchungsmethoden. mikroskopischer Dau der Zellen und der Gewebe des menschlichen Körper-. 3. Parasitologie und Serologie: Grundzüge der Verbreitung und Dekämpsung übertragbarer Krankheiten und der Morphologie und Biologie der Kleinlebewesen. Herstellung der einfachen und komplizierten Rährböden für Dakterienkul« turen. Erlernung und Uebung der Verfahren zum mikroskopischen und kulturellen Rachweis der Krankheitserreger. Uebungen in der serologischen Diagnostik. 4. Klinisch« Chemie und Mikroskopie: Chemische und mikroskopische Untersuchungen von Harn, AuSwurf, Moaensaft, Stuhl, Zerebro- spinalslü fig «it und Blut. 5. Photographie: At.gemeine photographische Technik, Reproduktion von Zeichnungen, Herstellung von ProjcktronSbild^rn, Mlkropholo- araphie, Photographie in natürlichen Farben, Röntgenaufnahmen. 6. Zeichnen, auch nach mikroskopifchen Präparaten. Die Ausbildung dauert P/t 2ahre DaS Wintersemester beginnt In der zweiten Hälfte Oktober und endet Anfang März. DaS Sommcrsemeslcr beginnt zweite Hälfte April und dauert biS Anfang August. Zu Weihnachten und Pfingsten sind zehntägige Ferien, Aufnahme neuer Schülerinnen nur zu Deginn des Wintersemester-. Am Schluß der Ausbildung findet eine staatliche Prüfung statt, anschließend ist ein halbe- praktisches Jahr abzuleisten, darauf wird vom Ministerium die staatliche Anerkennung au-gesprochen, die für da- ganze Deutsche Reich güt. Die Ausbildungszeit verlängert sich um ein Jahr, falls Ausbildung als Laboratorium-- und Ront- genasfistcntin gewünscht wird. Technische Assistentinnen werden angcstellt an fast allen medizinischen älnivcriitätSinslituten und Kliniken, ferner an größeren Krankenhäusern, an den staatlichen und städtischen bakteriologischen älntersuchungsämtern, sowie auch in den privaten Laboratorien, welche bakteriologisch« und klinischchemische Untersuchungen auSführen. ferner bei den industriellen älnternehmungen. welche medizinische Präparate Herstellen. Prospekte können angefordert werden von der „Geltung der Schule zur Ausbildung Technischer Assistentinnen", Pharmakologisches Institut der älniversität, Frankfurter Straße 85. Die Landesversrcherungöanstatt Hessen. Der soeben erschienene Derwaltungs- bericht des Vorstandes der Landesversicherungsan st alt Hessen für das Jahr 1929 gibt ein Bild von der vielseitigen Tätigkeit der Anstalt. Aus dem umfangreichen Dericht sei folgendes hervorgehoben: An Quittungskarten gingen im Laufe des Jahres 320 343 bei der Anstalt ein. Die Zahl der Versicherten ist ungefähr die gleiche. An Renten wurden im Berichtsjahre 9703 bewilligt. Am Schlüsse des Berichtsjahres betrug die Gesamtzahl der Renten 67 195 10 180 Rentcnempsänger erhielten Kinderzuschüsse. Der Jahresbetrag, der an die Rentenempfänger zur Auszahlung tarn, betrug einschließlich des Reichs- Zuschusses 23 647 263 Mk. Der Gesamtiahresbetrag des Vorjahres belief sich auf 20 536 604 Mk. In Jnvalidenhauspslege befanden sich am Schlüsse des Jahres 33. Auf dem Gebiete der freiwilligen Leistungen ist an erster Stelle das Heilverfahren zu nennen, dessen Ausbau auch im abgelaufenen Geschäftsjahr gefordert tourue Die Zahl der zu bearbeitenden Heilversahcensanträge betrug 12 004, gegenüber 11 322 im Jahr« 1923. Die Zahl der Pflegetage betrug insgesamt 110 096. Auf Lungen- und Kehlkopf tuberkulo'e entfallen davon 50 481 Pflegetage. Der Ge^amlkostcnaufwand für die Durchführung deS Heilverfahrens belief sich auf 1 331 884 Rik. gegenüber 1 237 587 Mk. im Jahre 1928. Don den Krankenkassen tourten der Der icherungsanstalt 418 841 Mk Ersatz geleistet, so daß zu Lasten der Anstalt 913 040 Mk. verblieben. Mit gutem Erfolg wurde daS Heilverfahren bei 90 Prozent der Männer und 95 Proz. der Frauen durchgeführt. Auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege sind es vor allem die vorbeugenden Maßnahmen im Interesse der Gesundheitsfürsorge, deren Durchsührung die Landesveriicherungs- anstalt besondere Teachtung angedeihen läßt. Sie geht dabei von der Erwägung au«, daß Vorbeugen besser ist als Heilen. Im einzelnen sind da zu nennen: 1. Heilftättenkuren und chirurgische De- Handlung wegen Tubertulose aller Formen a) für Richtversicherte, b) Jnvalidenheimpflege für Richtversicherte, c) Kuren für tuberkulöse und tuberkulosegefährdete Kinder von 3n- validcnversicherten: 2. Heilverfahren wegen anderer Krankheiten als Tuberkulose a) für nicht- versicherte Ehefrauen von Derficherten, b) für Kinder, die Waisenrente beziehen, oder für die Kinderzuschuß zu zahlen ist: 3. Erholungskuren für Mütter kinderreicher Familien, wenn der Ehemann gegen Invalidität versichert ist: 4. Sol- und Seebadekuren für Kinder von Versicherten: 5. Heilmaßnohmen für nichtversicherte, körperlich behinderte Erwachsene und Kinder, 6. Heilmaß- nahmen für nichtverficherte, geschlechtskranke Erwachsene und Kinder. Die Landesversicherungsanstalt hat auch im Berichtsjahre wieder Mittel zur Verfügung gestellt, um die Tuberkulosefürsorge st eile n in H e s s e n weiter auszubauen. In Hessen bestehen 34 Fürsorge- und Beratungsstellen für Tuberkulöse, wovon elf unter fachärztlicher Leitung stehen. Im Jahre 1929 wurden an Für- sorge stellen Zuschüsse in Höh« von 41 764 Mark, gegenüber 31 219 Mark im Jahre 1928 geleistet. Von der Landesversicherungsanstalt werden acht Beratungsstellen für Geschlechtskranke betrieben. In Fürsorge genommen wurden im Berichtsjahre 1877 Kranke. Aus früheren Jahren standen noch in Beobachtung 2044, so daß im Berichtsjahre insgesamt 3921 Geschlechtskranke in gesundheitlicher Aeberwachung dec Beratungsstellen standen. Die Gesamtbeitragseinnahm« betrug im Berichtsjahr 23 793 845,50 Mark. Die Der- toaltungskosten betrugen 69 1 748,06 Mark, das sind 3,23 Prozent der DeitragSeinnahme. ausgeber der Theologischen Literaturzeitung, und Ferdinand Kattenbusch, der gründliche Erforscher des apostolischen Glaubensbekenntnisses, um von jedem nur ein Hauptwerk zu nennen. Welch glänzende Fakultät war das, trotz ihrer Jugend, oder gerade wegen ihrer Jugend, in zielbewußter unermüdlicher Gelehrten ar beit doch der Gegenwart und ihren sozialen Fragen aufgeschlossen, der Jugend allzeit offen, zu ihren Meistem berufen, fromm und frei. Der greife Geheimrat Kattenbusch in Halle ist der einzige von ihnen, der nun diese Jubeltage noch mit erlebt und an fein altes liebeS Gießen in Treue dieser Tage benlyr wird. Ihm und den beimgerufentn anderen Lehrern, vor allem aber Adolf HarnackS überragenden Gestalt, und dann der ganzen Reihe ihrer namhaften Rachfolger gilt in diesen Tagen der dankbare Gruß der Alten Herren des Gießener akademisch-theologischen Vereins in ungezählten Pfarrhäusern der hessischen Landeskirche, aber auch weit umher in Deutschland und im Au-land. Ihrer aller gedenke ich. wenn ich auf Adolk Harnack« frischem Grabhügel einen schlichten Kranz treuer Erinnerung, herzlicher Verehrung, inniger Dankbarkeit mit diesen Zeilen leg«. Oie preag und das lleberlandwerk Oberheffen. Die Preag (Preußische Elektrizität« AD.) zeigt, nachdem sie die Hefrag (SchwelkraftwerE Wölfer-heim> samt den Hessischen Draunkohlen- gruben und der Gewerkschaft Friedrich in ihren Besitz bekommen hat. natürlich auch da« Interesse. die mit dem obengenannten Kraftwerk zusammenhängenden Xlcbcrlanbanlagcn bet Provinz Oberhessen in ihr Tätigkeitsgebiet einzugliedern Dem 'Serncbmen nach ist Die Preußische Elektrizität« AG. in diesem Sinne bei her Provinz Oberes len vorstellig geworden. Daraufhin haben bisher unverbindlich« Besprechungen stattgefunden, die aber bi« jetzt schon deshalb zu keinem Ergebnis führen konnten, weil ein bestimmtc-Ängebot der Preußischen Elektrizität- AG. bislang n o ch n i ch t vorliegt. Vornotizc». — Tagevkalender für Donnerstag. Gießener Ferienkurse: Vortragsabend Isolde Kurz. 20 Uhr, Kunstwissenschaftliches Institut. — Heimatvereinigung „Schissenberg": Mitgliederversammlung, 20.30 Uhr, Hotel .Hindenburg — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Fundoogel" und „Sei gegrüßt, du mein schönes Sorrent "Der Wahlleiter in Hessen. Zum Kreis- wahlleiter des Wahlkreises 33 Hessen-Darmstadt wurde Ministerialrat B o r n e in a n n in Darmstadt und zu seinem Stellvertreter Legationsrat Dr. Heinemann (Darmstadt), Slaatsministcrium, Neckarstraße 7, ernannt. Wegen frist- und ordnung». gemäßer Einreichung der Äreiswahloorschläge, Ver- bindungS' und Anschlußerklärungen wird in der Bekanntmachung des hessischen Gesamtministeriuin, auf die Paragraphen 15, 16 und 19 de» Retchswahl- gesetzes verwiesen. •’ Der Neubau der Orthopädischen Klinik in Gießen kommt nunmehr in Gang. In unserem heutigen Anzeigenteil wird die Ausführung der Erd-. Maurer- und Betonarbeiten, ferner der Zimmerer., Klempner-, Dachdecker- und Grobschlosserarbeiten von dem bauleitenden städtischen Hochbauamt ausgeschrieben. Der Kostenooranschlag für den gesamten Bau beläuft sich aus 370 000 Mark. Die an dieser Bauausführung inler- effierten Firmen seien auf die heutige Bekanntmachung besonders hingewiesen. ' Straßensperrung in Großen- Linden. Wegen Ausführung von Walzarbeiten wird die Provinzialstraßen-Ortsburchsahrt Bahnhof- und Moltkestraße in Grosin-Linden vom 1. August ab für jeglichen Verkehr gesperrt. Di« Umleitung nach Leihgestern erfolgt über Gießen ober Lang-Göns ober umgekehrt. •• Die Erhöhung der Beiträge zur Arbeitslofenverstcherung betrifft eine Bekanntmachung des Arbeitsamtes in unserem heutigen Anzeigenteil, auf die wir besonders aufmerksam machen. lSchluß des rcdaklianellen Teils.)_________ 50 Zähre Kaiser s Kafsecgefchäft. Dieses goldene Jubiläum gibt ber Firma Anlaß, ihre Getreuen in Stadt und Land zur Mitsreude aufzurufen. Bezeichnet es doch einen Markstein auf dem Wege, ber das Unternehmen aus bescheidensten Anfängen zur Weltbedeutung geführt hat. Damals ein einfacher Kleinhandel — heute ein weltbekannter Riesenbetrieb — das ist gewiß eine Entwicklung, die der Firma die edle Pflicht auferlegt, auch derer dankbar zu gedenken, deren Anhänglichkeit einen guten Teil au ihrem Aufstiege beigetragen hat. Kaiser's Kaffeegeschäft kleidet dieses dankbare Gedenken an seine Kundschaft in die Form eines groß, zügigen Preisausschreibens, für dessen Lösung es Geld-, Waren- und Anerkennungsprcife im Gesamtwerte von 300 000 Mark zur Verfügung gestellt hat. ___________________________________________5351 Biidöm8,wz tiä Me AS für alle meialle MM « ») Was ist mit u"se.""|le Kaffeekanne ? Filiale: Gießen, Kirchenplatz 12 6351D KAISERS KAFFEE GESCHÄFTS Pfd. 240 Pf. Pfd. 260 Pf. RESTE Waschkleiderstoffe Wollmousseline Wäschestoffe Bettdamaste Gardinen Konsumverein fiie§enu.Umüeüend e. G. m. b. 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Preußen und Oesterreich die polni- schen Länder austeilten, kehrten Frieden und Ruhe ein. ES war eine historische Ungerechtigkeit möglich, aber wenn man in Betracht zieht, waS gerade Preußen für die einst unter polnischer Hoheit stehenden Landstriche getan, wieviel Kultur und Wohlstand eS ihnen geschenkt hat, so ist dos Unrecht damit ausgeglichen worden. Das nach dem Weltkriege wiederaus- erstandene Polen scheint aus den Lehren der Geschichte nichts gelernt zu haben. Mit keinem seiner Rachbarn versteht eS in Eintracht zu leben, es ist in seinem chauvinistischen Ehrgeiz und in seiner Großmannsucht wieder zum Gefahrenherd Europa- geworden. Wenn sich Polen früher darüber beklagte, daß seine Volksgenossen unterdrückt würden, so hat eS kn seiner Ländergier sich jetzt deutsche, litauische, weißrussische und ukrainische Gebiete einverleibt, und sträubt sich, seine Pslicht den Minderheiten gegenüber zu erfüllen. DaS Bündnis mit Frankreich ist der Eckstein der Innen- und Außenpolitik Polens, wobei Frankreich der gebende und Polen der nehmende Teil ist. 3m Weltkrieg waren es die Deutschen, die Polen befreiten. Später allerdings ließen sich die Polen von Frankreich ausrüsten, bezahlen und verpflegen, ohne jedoch einen ernsthaften Kampf an der Seite der Alliierten geführt zu haben. Die mit Frankreich- Hilfe aufgestellte Armee Hallers hat hauptsächlich dazu gedient, die Ukrainer zu unterdrücken und aus Polen ein Dölkergefängnis für die Fremdstämmigen zu machen. Das Verhältnis Polens zu Deutschland ist genug am bekannt, Polen strebt danach, die Ungerechugkeiten von Versailles au verewigen und möchte am liebsten auch noch Ostpreußen dem Reiche entreißen. Die Spionageaffären und Grenzzwischenfälle beweisen, daß die Warschauer Regierung noch weit davon entfernt ist, mit Deutschland zu einem erträglichen Zusammenleben zu kommen. Mit seinem litauischen Rachbar lebt Polen noch immer mehr oder weniger in einem Kriegszustand. Wohl haben der frühere litauische Ministerpräsident Prof. Woldemaras und Marschall Pilsudsky unter dem Druck der Verhältnisse in Genf einen Händedruck ausgetauscht. Die offizielle Fiktion des Kriegszustandes zwischen den beiden Rachbarländern wurde aufgehoben, aber an den tatsächlichen Verhältnissen hat der Händedruck nichts geändert. Roch immer liegen an der Wilnagrenze die Schützengräben ousgeschültet und die Schildwachen beschießen sich. Die direkten Verhandlungen, die auf Anregung des Völkerbundes zwischen Kowno und Warschau in Königsberg, Berlin usw. stattfanden, endeten wie dos Hornberger Schießen und der Konflikt blieb in seiner ganzen Schärfe bestehen. Zwischen Polen und Litauen sind dieGrenzen gesperrt, die diplomatischen Beziehungen sind nicht aufgenommen worden und die Wil- nafrage bleibt nach wie vor als Gefahren- komplex im nächsten Osten bestehen. 3n Kowno wurden kürzlich auf den Straßen antipolnische Demonstrationen veranstaltet, die Fenster der in polnischer Sprache erscheinenden örtlichen Zeitung wurden eingeworfen, und wie üblich wurde dem Völkerbundsrat eine Klage gegen Polen eingereicht, die aber, wie das bereits früher geschah, unbebachtet blieb. Man hat sich im Völkerbund immer gescheut, den litauisch-polnischen Konflikt so ernst zu nehmen wie er wirklich ist. Man will so tun, als ob es sich um örtliche Gegensätze handle und nicht um ein Problem von gefährlicher internationaler Bedeutung. Wenn Deutsch fein! Don Wilhelm Schäfer. »Deutsch sein heißt eine Sache um ihrer selbst willen tun I" Das soll zunächst wohl bedeuten, daß der Deutsche sich einer Sache hinzugeben bereit sei, auch wenn sie ihm keinen Ruhen oder gar Schaden brächte. Das wäre nun freilich eine Art Selbstruhm, dessen Begründung eine allgemeine menschliche Eigenschaft als seine besondere Tugend in Anspruch nähme: denn wenn es irgendeine Scheidung der Raturen gibt, so jene, wo die einen ihr stolzes: .Ich dien!" auf die Fahne geschrieben haben, und die andern ihr freches: »Ich genießeI" Wer aber das Wort über diese erste Bestürzung hinaus bedenkt, wird seinen verzwickteren Sinn finden. Eine Sache um ihrer felbft willen tun, heißt sich ihr unbedingt hingeben, also so, daß die eigenen Wünsche nicht mehr mitsprechen. Anscheinend wird alles Gute so getan; indessen, wer seinen Dingen auf die Finger zu sehen geübt ist, weiß von der Lust des Guten, die der Lust des Bösen nicht nachsteht. Schließlich wäre das Gute, das ich um seiner selbst willen täte, nur eine erfüllte Pflicht, nicht wirklich Gute, das meiner gleichwohl nicht entbehren kann. Rur der Gute kann Gutes tun, und gerade er weiß, wie bedenklich alle gute Tat an sich ist. Sie wirklich zu vollbringen, bedarf es ciher Freiheit, die mehr als Hingabe, vielmehr ihr Gegenteil, nämlich Einsatz ist. Hingabe heißt sein Selbst verlieren, Einsatz heißt, es gewinnen. Dos stolze .Ich dien!" als Einsatz meiner Persönlichkeit har seine Kehrseite in der Hingabe, die eben die Bedenklichkeit in dem .eine Sache um ihrer selbst willen tun“ ist. Die mächtige Herrin aller Hingabe ist bekanntlich die Liebe, in der Askese ist sie bis zur bewußten Opferung meines Selbst gekommen. Wenn diese Opferung Gott zu Liebe geschieht — also nicht etwa um himmlischen Lohn — ist die Entselbstung zugleich der ganze Einsatz meines Selbst. Aber außer Gott gibt es viele Dinge in der Welt, die ich lieben, in die ich verliebt sein kann; und jeder dieser Lieben steht der Weg von der Reigung zur Leidenschaft offen. Leidenschaftlich bedeutet in allen Fällen, sich an eine Sache verloren haben; ich besitze ihren Gegenstand nicht, sondern er besitzt mich, Und da keine Sache in der Welt Io töricht» ist. baß Donnerstag, 3s. Zull 1950 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Polen es auch in Abrede stellt, so wäre es doch, sollte sich die Möglichkeit bieten, nicht abgeneigt, auf Grund historischer und machtpolitischer Erwägungen sich Litauen wirtschaftlich und politisch einzufügen, hat doch Marschall Pilsudsky erklärt, daß et in einer schlaflosen Rächt daran gedacht habe, den Truppen den Befehl au geben. in Litauen einAurüdcn und ähnlich, wie es General Zeliegowsky getan hatte, als er nach dem Frieden von Suwalky Wilna überfiel, den Konflikt durch einen Gewaltstreich zu lösen. Sind die Beziehungen zwischen Polen und Litauen ausgesprochen feindliche, so sind auch die Beziehungen Polen- zu seinem großen Rachbar im Osten, zu Rußland, psychologisch und politisch belastet. Seit 3wan des Grausamen Zeiten haben Polen und Rußland nicht friedlich nebeneinander leben können. DaS Schicksal entschied sich gegen Polen. 3e mehr der russische Koloß erstarkte, desto mehr schwand die Macht Polens, bis Warschau schließlich nicht mehr al« der Sitz eines russischen GeneralgouvemeurS war. Das wiederauferstandene Polen, das sich nach dem Frieden von Riga rein russischer Landstriche bemächtigte, weiß, daß früher oder später Rußland sich wieder ergeben und die geraubten Länder zurückf ordern wird. Es liegt deshalb im Interesse Polens, Rußland so schwach wie möglich zu sehen, es zerstückeln und im Bolschewismus verkommen zu sehen. Die .Gazeta Polska" spricht diesen Gedanken offen au«, sie meint, welche Regierung auch immer in Rußland die Bolschewiken ablösen würde, möge sie zaristisch, demokratisch oder sozialdemokratisch sein, sie werde sich doch niemals mit dem Verlust der in Riga abgetretenen Provinzen einverstanden er Hären, der Bestand Polen- müsse von einem erstarkenden Rußland bedroht fein. Dieser Auffassung widersprechen allein die Rationaldemo- traten, die den Erbfeind Polen« in Deutschland sehen und darauf bringen, mit jedem Rußland, auch mit dem bolschewistischen, in guten Beziehungen au leben und, selbst unter Opfern, eine volle Verständigung herbeizuführen. Auch von einer selbständigen 11 traine wollen die Rationaldemokraten nicht- wissen, da sie unter deutschen Einfluß geraten und für Polen eine Gefahr sein würde. Andererseits fühlt sich Polen gegenüber dem Vordringen de« Bolschewismus al- Dorposten der europäischen Zivilisation und Kultur. Dor Warschau wurde 1920 da- Andrängen der Roten Armee ausgehalten und Europa vor einer Katastrophe bewahrt. Seitdem ist die polnisch-russische Grenze ein ÄriegSlager geblieben, in dem sich nicht nur die Soldaten zweier Staaten, sondern auch zwei Weltanschauungen feindlich gegenüberstehen. Zwischen Polen und seinen Rachbarn im Osten gibt es keine stabilen Beziehungen. Für alle ileberrafdringen stehen die Tore offen, und hinter jedem Ereignis lauert die Gefahr einer Katastrophe. Alle die Korridore und Etaatengebilde. die teil« au« Haß und teil« aus Unkenntnis im Osten geschaffen wurden — der Korridor von Wilna nicht weniger als der Korridor, der Deutschland durchschnei- det —, haben keinen endgültigen Sinn. Die polnischen Grenzsteine liegen nicht an der richtigen Stelle. Weder daS Bündnis mit Frank- rcnch, noch der Besuch Grandis in Warschau, fall- er mehr als eine Höslichkeitsvisite ist, tonnen an dieser 'Tatsache etwas änbem. 3m Osten steht eine große Abrechnung bevor, die hoffentlich am Verhandlungstisch und nicht mit Kanonen erzwungen werden wird. Serbiens erste Königin als Bettlerin in Pans. Glanz und Elend der Königin Aaialie. — Oes ersten Gerbenkönigs Liebes» abenteuer. — Aus den Gpihelberichten des Wiener Staatsarchivs. Don Werner Falcte. 3n einem berüchtigten Lokal des Pariser Quartier Latin wurde soeben eine Bettlerin verhaftet; auf der Polizei stellte sich heraus, daß die einundsiebzigjährige Frau die ehemalige Königin Ratalie von Serbien, König MilanS Gemahlin und Mutter des ermordeten Königs Alexander ist. Wenn Ratalie Obrenowitsch Memoiren schreiben würde! Die Welt würde aufhorchen, die Historiker müßten ihre Bücher verbessern, weil ihnen vieles in der serbischen und der österreichischen Politik in einem anderen Licht erschiene. Der Lebensroman der greifen Bettlerin, die mehrmals die Pariser Gerichte beschäftigt hat, ist aber nicht allein politisch aufschlußreich. Gr beginnt in einer Zeit, in der Serbien türkisch war und die Belgrader Gesellschaft einen Grad von Verkommenheit erreicht hatte, wie man sie selbst auf dem Balkan nur selten antraf; er ist reich an Liebesabenteuern, enthält ein Kapitel Mutterliebe, das mit Kindesraub endet, erzählt von einem betrügerischen Ehemann und ist moralisch genug, zum Schluß Glanz und Glend. Schuld und Sühne einander gegenüberAustellen. QKit einem Wort: dieses Schicksal gleicht einem übertriebenen Filmmanuskript, vom Leben geschrieben. von Personen der Weltgeschichte aufgeführt. 3n der Mitte des vorigen Jahrhunderts waren die moldauischen Bojaren noch unumschränkte Herrscher in ihrem Gutsbereich, kleine Götter und große Autokraten. Einer von ihnen war Johann Keschko, der als slawischer Rationalist in russische Dienste trat und es dort bis zum Obersten brachte. Er heiratete eine Prinzessin Sturdza. Die Sturdzas sind ebenfalls alte moldauische Bojaren, die schon vor vielen Jahrhunderten in Urkunden erwähnt werden. Im Jahre 1822 wurde einer von ihnen von der Pforte zum Fürsten der Moldau ernannt, und später wurde ein anderes Mitglied der Familie in dieser Würde auch nach der LoSlösung der Moldau von der Türkei bestätigt. Ratalie, die am 14. Mai 1859 in Florenz als Tochter des Bojaren und russischen Obersten Keschko und der Prinzessin Sturdza geboren wurde, stammte also aus vornehmer Balkanfamilie. Sie war ein wunderschönes Mädchen, in das sich Fürst Milan von Serbien verliebte. Am 17. Oktober 1875 fand die Hochzeit statt, an der das ganze Land Anteil nahm, und als Ratalie ein Jahr daraus, am 14. Oktober 1676, einem Sohn das Leben schenkte, wuchs ihre Popularität außerordentlich. Ein glückliches Leben schien vor ihr zu liegen. Der Thron, den sie bestiegen hatte, war freilich mit Blut besudelt. Rach der Ermordung Michael Obreno» witschs am 10. Januar 1868, die Wohl auf die Verschwörung eines Karadjordjewitsch zurückzu- führen war, wurde der vierzehnjährige Milan Obrenowitsch von der Rationalversammlung zum Fürsten von Serbien gewählt. Zunächst regierte an seiner Stelle ein Regentschaftsrat. Als Fürst Milan dann, mündig geworden, selbst die Zügel der Regierung ergriff, verbesserte sich Serbiens politische Lage sehr schnell. In Awei Kriegen gegen die Türkei wurde die Unabhängigkeit erkämpft und das Gebiet vergrößert. Ratalie war nun keine Dasallenfürstin mehr, sondern die Gemahlin eines unabhängigen Herrschers. Sie wollte noch höher steigen. Am 6. März 1882 wurde Serbien zum Königreich erklärt, und aus der Fürstin Ratalie wurde eine Königin. Aber Serbiens erste Königin war nicht glücklich. Milan war kein guter Familienvater. Mätressen zogen in den Könrgspalast ein, das Geld wurde beim Glücksspiel durchgebracht, manches Schmuckstück muhte ins Ausland verkauft lverden. Es gibt eine eigenartige Skandalchronik, in der die Einzelheiten dieses unglücklichen Familienlebens ausgezeichnet sind; das sind die Spitzelberichte, die im Wiener Staatsarchiv liegen, und lelebt; Ratalie wohnte lange vorher getrennt gelebt; Ratalie wohnte meist in FlorenA oder in Wiesbaden und zog dort auch ihren Sohn auf. Einige Monate vor der zu bewahren. Die schöne Königin Natalie durfte Serbien nach der Scheidung nicht mehr betreten. Sie zog nach Bukarest, aber es dauerte nicht lange, bis auch der Scheidung, im Juli 1888, wurde ihr der Kronprinz Alexander auf diplomatisches Ersuchen der serbischen Regierung in Wiesbaden f o 11 genommen, sozusagen mit Hilfe der deutschen Polizei. Das war ein harter Schlag für die Königin, die in Belgrad mit Krämern und reich- getoorDenen kleinen Leuten verkehrte, nur um Die Stellung ihres Sohnes au festigen und die Dynastie auch in der Zukunst vor einem Sturz Exkönigin Natalie von Serbien in glücklicheren Tagen, auS denen hervorgeht, daß Milan zu einer bestimmten Zeit der Gemahlin PrvticS den Hof machte, dann wieder zur Gattin eine« Belgrader Kaufmanns überging und gelegentlich auch in anrüchigen Häusern Serbiens und des Auslandes gesehen wurde. Die Spitzel schilderten, welche Wucherer König Milan Geld liehen, wie hoch die Zinsen waren und waS als Sicherheit gegeben wurde. Denn ohne Pfand wurde diesem König nichts geborgt! Rur Kaiser Franz Joseph lieh dem benachbarten Herrscher größere Summen »auf sein ehrliches Gesicht hin". Er verfolgte habet politische Ziele, und Milan trieb tatsächlich eine der Donaumonarchie angenehme Politik, sehr zum Aerger der Königin, die alS Tochter eines russischen Obersten ihren Einfluß in russischem Sinne geltend zu machen suchte. Ilm König Milan die Peinlichkeit zu ersparen, bei seinen ständigen Geldverlegenheiten Bettelbriefe an Franz Joseph zu schreiben, schickten die Oester- reicher in gewissen Abständen einen gewissen Herrn von E. an den Belgrader Königshos, und dieser österreichische Aristokrat verstand es, dort mit heiterster Miene viele hunderttausend Kronen an Milan I. im Spiel zu verlieren. Ob Herr von C. wohl noch lebt? Er müßte Wunderdinge vom Belgrader Hofleben erzählen können, denn Milan pflegte seine Meinung nicht au verbergen und weidlich über seine Frau, deren Lebensführung und seinen mißratenen Sohn Alexander zu schimpfen. Die Königin verhielt sich übrigens nicht ander-; sie ließ kein gute« Haar an ihrem Mann, nannte ihn öffentlich einen Schürzenjäger, Spieler und Hochstapler, wollte sich aber dennoch nicht von ihm scheiden lassen. 3m Oktober 1888 sprach die serbische Synode, trotz dem Protest der Königin, d i e Scheidung aus. Das Königspaar hatte schon sie nicht ihre Liebhaber, ihre in Leidenschaft Hörige haben konnte, so kann meine Hingabe ebensowohl der Tugend wie dem Laster dienen, sie kann ebenso groß wie närrisch sein. Briefmarken sammeln oder Karten spielen um der Sache selbst willen ist nicht ohne die Bedenklichkeit, daß mein Selbst in dieser Hingabe vergeudet wird. Erst, wo ich mich einsetzen kann, liegt in der Sache ein Wert meines Tuns. 3n der größten Hingabe des deutschen Wescms lag auch sein stärkster Einsatz: die mittelalterliche Gläubigkeit und ihre Reformation sind so viel Deutschheit wie Christentum. Soll der Sah ein Ruhm sein, mühte er lauten: Deutsch sein, heißt eine Sache mit dem ganzen Einsatz feiner selbst, also auf Tod und Leben tun. Aber sich hingeben und sich verlieren an tausendundeins Dinge, ist die deutsche Gefahr. Eifersucht. Don Hans Webau. 1. »Guten Tag. Adolf, sagte Fedor. »3st deine Frau zu Hause?" »Aber natürlich", nickte Adolf. »Sie wartet schon auf dich. Wollt ihr musizieren oder Karten spielen?“ »Ich weih noch nicht", murmelte Fedor. »Willst du denn nicht bei uns bleiben?“ .Rein", sagte Adols. »Du muht mich entschuldigen. Ich gehe zu Bett. Doris meinte, es wäre für meinen Schnupfen besser." .Deine Frau ist rührend besorgt um dich“, lächelte Fedor. .Dann also auf Wiedersehen!“ .Auf Wiedersehen!“ II. .Ranu", fragte Adolf, als er die Haustür auf* schloß. »Was ist denn los?" .Ach“, sagte Frau Doris, »Fedor hat ein paar Bekannte cingclahen. Seine Wohnung ist reichlich eng. Du hast doch nichts Dagegen?" .Richt im geringsten", wehrte Adolf ab. .Ich Denke, wir gehen dann gleich zu Bett, wie?“ .Das ist natürlich nicht möglich", schüttelte Frau Doris Den Kopf, »ich habe die Haus- frauenpflichten übernommen.“ »Schön', nickte Adolf, »da werde ich also allein — — —“ .Das kß auch nicht gut möglich"» lächelt« Frau Doris. »Wir haben nämlich da- Schlafzimmer als Bar eingerichtet." .Als Dar eingerichtet?" staunte Adolf. »Aber wo soll ich denn —“ .Dielleicht gehst Du in- Hotel?“ schlug Frau Doris vor. »DaS ist ein Gedanke!“ nickte Adolf. Wiedersehen also. Unterhaltet euch gut.“ .Auf Wiedersehen!" III. .Aber liebes Kind", empfing Adolf Frau Doris, »wo warst du so lange? 3ch warte schon seit 8 Uhr auf dich, und letzt ist es drei Uhr nachts.“ .Ich war mit Fedor im Theater", sagte Frau Doris, .dann haben wir soupiert und dann —“ .Und bann?“ »Dann haben wir noch ein bihchen geplaudert.“ »Ich verstehe zwar nicht", schüttelte Adolf Den Kopf. »Dah ihr immer noch etwa- zu erzählen finDet, aber ich freue mich, dah Fedor dir so viel Zeit widmet.“ ,3ch finde Das auch sehr nett“, murmelte Frau Doris. .Er ist eine Ausnahme von Der Regel", fuhr Adolf nachdenllich fort. .Wenn jemand heiratet, wird er fast immer von den Freunden seiner 3unggesellenzeit verlassen. Fedor aber ist mir treu geblieben. Wir fühlen uns, muh ich schon sagen, inniger verbunden als je.“ .Gewiß“, sagte Frau Doris, »du hast ganz recht." IV. .Wo ist Fedor“, fragte Adolf und hing feinen Mantel an die Garderobe. »Fedor ist nicht da", sagte Frau Dori«. .Richt da?" wunderte sich Adolf. ,3ßt er Denn heute mittag nicht mit uns zusammen?“ .Rein", schüttelte Frau Doris Den Kopf. .ES wurde telephoniert, daß sein Onkel Eduard in Potsdam im Sterben liege. Er hat sich dein Motorrad auSgebeten und ist nach Potsdam gefahren.“ Adolf blickte feiner Frau starr ins Gesicht. »Was hat er sich ausgebeten?" flüsterte er. »Dein Motorrad“, sagte Frau Doris. .Das ist doch nicht dein Emst?“ »Aber natürlich.“ Da schoß Adolf das Blut ins Gesicht. »Mein M v t o r r a d?“ sagte er, und ferne Stimme fing an zu zittern. .Wein Motorrad? Das ich feinem Schlosser anvertraue, das ich selbst repariere, pflege, reinige? Das gibt es nicht. Fedor tut ja, als ob er hier Der Herr im Hause ist!" .Aber Liebling", lächelte Frau Doris, .wa« ist Denn schon Dabei?“ .Rein, bitte sehr!“ hob Adolf die Stimme. .Das lasse ich mir nicht gefallen. Haltet ihr mich für einen Esel? 3ch gebe dir mein Wort: Wenn Fedor heute abend kommt werde ich ihm mit aller Deutlichkeit zu versteyen geben, daß ich gegen eine Einschränkung seiner Besuche bei unS nicht daS geringste einzuwenden habe." Was ist Schikane? Zwar kann jeher Mensch grundsätzlich seine Rechte unbeschränkt ausüben, soweit dadurch nicht das Gesetz oder Rechte Dritter eingeschränkt werden; es gibt aber einen Fall, in Dem diese Ausübung nicht zulässtg ist, und zwar dann, wenn eine Schikane vorliegt. Dieses Schikaneverbot tritt in Straft, wie Dr.Mühlam in der Leipziger .Jllustrirten Zeitung" aussührt, wenn die Ausnützung eines Rechtes nur den Zweck haben kann, einem andern Schaden zuzufügen. Der Begriff der .Schikane" läßt sich am besten an einigen Beispielen erläutern: Em Grundstückseigentümer gräbt ohne eigenes 3ntereffe einen Brunnen ab, nur um dem Rachbarn Schaden zuzufügen. DaS darf er nicht. Oder: Fernand errichtet auf feinem Grund und Boden einen Bau, nur um dem Rach* bam Licht und Luft zu entziehen. Ein folcher.Reid* bau" ist verboten. Ein Dater gibt einem Kind einen Domamen, den feine Frau nicht leiden kann, nur um diese zu ärgern. Sie kann Abänderung verlangen. Jemand, der von feiner Frau Herausgabe de- Kindes fordern kann, tut dies erwiesenermaßen nur, um ihr Schmerz zuzufügen; dann braucht sie das Kind nicht herauSzugeben. Ein Fall, der vom Reichs- gerußt entschieden wurde, drehte sich um den Besuch des Grabes der Mutier durch den Sohn. Der Dater, ein Schlohherr, der mit dem Sohne in Feindschaft lebte, hatte ihm daS Betreten der Grabstätte verboten. AIS der Sohn im Klagewege den Besuch zu jeder beliebigen Zeit forderte, wandte der Dater ein, er sei herzlcidind, und es rege ihn auf, wenn er den Sohn sähe. Dieser Einwand wurde anerkannt, aber für Schikane erklärt, daß er dem Sohne überhaupt Den Besuch verbiete. Das Gericht setzte fest, daß der Sohn das Grab am Geburts- und Todestag der Mutter sowie am Ostersonntag und am Aller hei- ligentag zwischen 11 und 12 Uhr vormittags besuche» tonne. König das Ausland aufsuchen mußte. Die Scheidung hatte in Belgrad viel böses Blut gemacht, und Milan dankte am 6. März 1889 zugunsten seines Sohnes Alexander ab. Er lebte nun vorwiegend in Paris unter dem Namen eines Grafen von Takooo. Bon Paris aus beeinflußte Milan die Politik seines Sohnes, und um die Dynastie zu sichern, söhnte er sich im Jabre 1893 sogar mit seiner Frau aus. Freilich nur offiziell. Natalie war damals ena befreundet mit dem österreichischen Legationsrat Dumbo, der später österreichischer Botschafter in Washington gewesen ist. Vorübergehend hatte sie die Erlaubnis erhalten, sich in Serbien wieder aufzuhalten, aber dann hatte man sie erneut des Landes verwiesen. Noch der offiziellen Versöhnung des Königspaares fetzte Alexander seinen Vater und seine Mutter wieder in ihre Rechte als Mitglieder des königlichen Hauses ein. Aber die Eltern zogen vor, Belgrad vereint zu verlassen und getrennt imAuslandzu leben. Dann kam die Verlobung König Alexanders mit der wunderschönen Draga Maschin, einer srüheren Hofdame der Königin. Draga Maschin, die Witwe eines Ingenieurs, war russenfreundlich, und der Zarenhof förderte die Heirat, während Milon und Natalie, diesmal einig, heftig dagegen waren. Aber Milans Einfluß schwand. Am 11. Februar 1901 starb der erste König von Serbien, wie es sich für einen Abenteurer ziemt, im Wiener Jockey-Club. Nun brach die Königinwitwe alle Brücken zu ihrer Heimat ab; sie trat aus der griechisch-orthodoxen Kirche aus, wurde Katholikin. Die Heirat Alexanders mit der elf Jahre älteren Draga Maschin schuf die Stimmung, in der die Verschwörung der Karadjordjewitschs Erfolg haben konnte. In der Nacht vom 10. zum 11. Juni 1903 wurden Alexander und Draga Maschin ermordet, und Natalie verlor ihren Sohn, den Inhalt ihres Lebens. Bald darauf war Serbiens erste Königin verschollen. Im Jahre 1911 hörte man von einem Pro- zeß, den die Witwe eines Pariser Arztes gegen sie angestrengt hatte, weil der ermordete König Alexander seine Arztrechnungen nicht zu bezahlen pfleate. Vor einem halben Jahr wurde die Exkönigin Natalie durch Zufall in Paris entdeckt; sie trug die Tracht einer barmherzigen Schwester des Klosters Notre Dame de Somon. Die siebzigjährige Frau, die mit sechzehn Jahren eine gefeierte Schönheit und Fürstin von Serbic.-, mit dreiundzwanzig Jahren Königin gewesen war, sah furchtbar heruntergekommen aus. Soeben wurde sie von der Pariser Polizei als Bettlerin aufgegriffen, weil sie mit einem Schankwirt in Streit geraten war. Wirtschaft. * Bevor st ehende Emission von Rei chs- bahnschakan Weisungen. Bei der zur Finanzierung Der großen Aufträge zur Ankurbelung der Wirtschaft von der Reichsbahn geplanten Beanspruchung des Geldmarktes im Ausmaße von 350 Millionen Mark soll es sich, nach Informationen des WTB.-Handelsdienstes, zunächst um die Unterbringung von 150 Millionen Mark Schatz- anweisungen handeln, von denen ein Konsortium unter Führung der Reichsbank 100 Millionen übernimmt. Die Laufzeit der Schatzanweisungen, die mit 6 v. H. verzinslich sind, soll Jünf Jahre betragen. Der Uebernahmekurs ist noch nicht festgesetzt, er dürfte zwischen 95 bis 95^ v. H. liegen. • Absatzkrise auf dem amerikanischen Automarkt. Wie dem WTB.-Han- delsdienst gemeldet wird, wird die Absahkrise auf dem LISA-Au iomarkt wesentlich erschwert durch die trotz aller Forcierung stark rückläufigen Exporte. Der Wert der Gesamtausfuhr einschließlich der Teile ist in den ersten fünf Monaten dieses Jahres gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres um 42 v. H. zurückgegangen, und zwar von 299 Mill, auf 173 Mill. Dollar. Zum ersten Male läßt sich ein beträchtlicher Rückgang des Absatzes der im Auslande befindlichen Montanwerkstätten erkennen. 3m Gegensatz zu der allgemeinen Entwicklung sind die Exporte nach Deutschland infolge der niedrigen deutschen Auto- zölle nur unwesentlich zurückgegangen. • AktiverMotorrad-Auhenhandel. 3m Gegensatz zu der rückläufigen Automobilausfuhr, die einen Rückgang des Absatzes von Ruh- fahrzeugen um 40 v. H. zu verzeichnen hat, konnte der deutsche Motorradexport im ersten Halbjahr erneut eine Steigerung um 20 v. H. auf- weisen, wobei besonders zu betonen ist, daß sich die Tendenz einer rückläufigen Einfuhr für 1930 weiter erheblich fortgesetzt hat. Hauptabnehmer ist neben der Tschechoslowakei Oesterreich. Aber auch auf nahezu allen Märkten der Rachbarländer und in China konnten Absatzsteigerungen erzielt werden. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 31.3uli. Tendenz: lustlos. — Der heutige Ultimo veranlaßte die, Kulisse zu weiterer Zurückhaltung, obwohl Schwierigkeiten nicht erwartet werden. Der Auftragseingang blieb weiterhin minimal, so daß das Geschäft fast vollkommen sta- f; n i e r t e. Vereinzelt kam noch zu Geldbeschaf- ungSzwecken Material an den Markt, so daß die Kurse gegenüber der etwas freundlicheren Abend- dürfe sich nicht ganz behaupten konnten. Die schwache gestrige Reuyorker Börse verstärkte die Lustlosigkeit weiter. Die Grund st immung war aber widerstandsfähig. Am Chemiemarkt eröffneten J.--G.-Farben 1 Prozent schwächer. Dagegen konnten sich Rütgerswerke, die in den letzten Tagen besonders stark unter Druck ftan&en, um 1,5 Prozent bessern. Auch am Elektro- markt war die Kursgestaltung nicht einheitlich. AEG. und Schlickert lagen um Bruchteile eines Prozentes niedriger, während Gesfürel höher lagen. Montanwerte lagen ebenfalls still. Buderus mit minus 1,25 Prozent stärker gedrückt. Von Autowerten zogen Daimler leicht an. Gut behauptet eröffneten Frankfurter Maschinen,Conti Gummi und Zement Heidelberg. Banken wenig verändert. Am Kunstseidemarkt waren Aku an- geboten und 2,5 Prozent niedriger. Am Rentenmarkt waren deutsche Anleihen schwach, aber etwa behauptet, während Reubesitz stärker nachgaben. 3m Verlaufe trat keine Belebung des Geschäftes ein. Gegen Anfang waren die Kurse nur wenig verändert, zumeist jedoch behauptet. Von Anleihen konnten sich Reubesih weiter bessern und erreichten den Stand der gestrigen Abendbörse. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 4,5 Prozent weiter angespannt. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1842, gegen Pfund 20,3760. London gegen Kabel 4,8695, gegen Paris 123,75, gegen Mailand 92,97, gegen Madrid 43,25, gegen Schweiz 25,0575, gegen Holland 12,0925. Berliner Börse. Berlin, 31.3uli. Unter dem Einfluß des schwachen Schlusses der gestrigen Reuyorker Börse war schon im heutigen Dormittagsverkehr eine, im Vergleich zu gestern, etwas schwächere Tendenz festzustellen.. Es fehlte, mit Ausnahme eines etwas besseren Eisenexportberichtes, an Anregungen. Eine gewisse Beruhigung ging von der Tatsacke aus, daß die älltimoregelungen bei der Liquioationskasse bisher einen glatten Verlauf genommen haben. Auch der Bericht der Commerz- und Privatbank fand Beachtung. DaS Kaufinteresse war aber heute immer noch sehr gering; besonders die Spekulation übte Zurüöchaltung, zumal das Ausland eher schwächere Kurse meldete. So eröffnete die Börse b e i fast vollkommener Geschäftsstille uneinheitlich und mit Abweichungen bis zu 1,5 Prozent nach beiden Seiten. Hoher lagen Harpener plus 1,5 Prozent; Salzdetfurth plus 4 Prozent, d. h. diese Papiere konnten ihre gestern abend in Frankfurt erzielten Gewinne voll behaupten. Oberkoks eröffneten 1,25 Prozent hoher, da die Gesellschaft angeblich ihren in Amerika laufenden Prozeß jetzt in allen 3n- stanzen gewonnen hat. Deutsche Eisenhandel (plus-plus) notierten bei einer Rachfrage von 8 bis 10 Millionen 3,75 Proz. hoher. Dagegen eröffneten Berliner Maschinen Schwarzkopf auf ein Baisseangebot von 6 Millionen mit Minus- Minus-Zeichen. Sonst waren Aku, Schubert L Salzer, Conti-Gurnrni, Oberbedarf, Braubank Danatbank und Reichsbank etwas stärker gedrückt. Einen größeren Verlust hatten Zement Heidelberg minus 3,5 Prozent aufzuweisen, was wohl darauf zurückzuführen ist, daß die bisher kursregu- Ilerenbe Firma, die Bankfirma 3arislowsky & Co., aus der Liquidationskasse ausgetreten ist und dadurch keine Terminengagements durchfuhren kann. Deutsche Anleihen ruhig; Reubesitz eher nachgebend. Don Ausländern bröckelten Mexikaner weiter ab. Am Pfandbriefmarkt wollte man wieder Angebot bei Goldpfandbriefen feststellen; das Geschäft war aber noch recht uneinheitlich Geld war zum Ultimo weiter anziehend. Tages- geld, d. h. heute auch Geld über Ultimo 5 bls 7 Prozent; Monatsgeld 4,5 bis 5,75 Prozent, Warenwechsel ohne Umsatz. Auch im Verlaufe blieb das Geschäft allgemein sehr ruhig. Es ergaben sich auf Grund der geringeren Umsätze überwiegend kleine Kursabbröckelungen bis zu 1 Prozent. Oer Wormser ünruhen-prozeß. Das Urteil der Berufungsinstanz. WSR. Darmstadt. 30.3uli. Heute vormittag fällte die Große Strafkammer als Berufungsinstanz im Wormser Unruhenprozeß nach mehrwöchiger Derhandlung folgendes Urteil: Freigesprochen werden die Angeklagten Haas (Urteil erster Instanz: neun Monate Gefängnis). Bayerbach (Urteil erster Instanz: sieben Monate). Fey (Urteil erster Instanz: sieben Monate). Lenz (Urteil erster Instanz: sieben Monate). L e i n h a a s (Urteil erster Instanz: sechs Monate), Schneioer (Urteil erster Instanz: sechs Monate), W. W i hier (Urteil erster Instanz: neun Monate), Ry11 (Urteil erster Instanz: sechs Monate Gefängnis). Die Berufung der Staatsanwaltschaft gegen das freisprechende Urteil hinsichtlich der Angeklagten Gräf, Zimmermann und Haber- m e h l wird verworfen. Die Berufung des Angeklagten Rossi, der in erster Instanz aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden war, verfiel gleichzeitig der Ablehnung. Auch die Berufung des Angeklagten 3 e cf, der sechs Monate Gefängnis bekommen hatte, wird verworfen. Das Urteil erster 3nstanz wird hinsichtlich des Angeklagten Landtagsabg. Müller, der erstinstanzlich ein 3ahr drei Monate Gefängnis erhalten hatte, auf neun Monate Gefängnis unter Anrechnung von einer Woche Untersuchungshaft abgeändert. Der Angeklagte De ho f f (Urteil erster Instanz: sieben Monate Gefängnis) erhält sechs Monate, abzüglich drei Monaten Untersuchungshaft; Reubauer (Urteil erster Instanz: drei Wochen Gefängnis) kommt mit 50 Mark Geldstrafe, eventuell fünf Tagen Gefängnis, davon. Karaschowski, der in erster Instanz ein 3ahr Gefängnis erhalten hatte, wird xu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, die durch die Untersuchungshaft als verbüßt gelten. Außerdem wird er sofort in die Erziehungsanstalt, aus der er entsprungen ist, zurückgebracht. 3m übrigen bleibt das Urteil erster Instanz bestehen, d. h. die Waffen bleiben eingezogen usw. Oie Llrieilöbegründung. 3n der sehr ausführlichen Urteilsbegründung wurde von dem Vorsitzenden u. a. darauf hingewiesen, daß das Berufungsgericht sich im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft und Derteidigung nicht auf eine besondere Gruppe von Zeugen gestützt habe, sondern die Aussagen aller Zeugen bewertete. Die Auflösung des Demonstrationszuges am 10. Januar sei polizeilich falsch gewesen. Auch die Uebergabe des Polizei- befehls in der „Rheingold"-Dersammlung gab zu Zweifeln Anlaß, ob es sich um den richtigen Polizeibefehl gehandelt habe. Außerdem war der Schriftsatz des Polizeidirektors K^l^p p r o t h so unklar gehalten, daß der Dersammlungsleiter nicht klar darüber war, was verboten war. In der Sprache der Arbeiterschaft wird unter „Demonstration" ein Umzug verstanden. Für das Gericht steht fest, daß der preußische kommunistische Landtagsabgeordnete Müller auf dem Markt gerufen hat: „Alles stehen bleiben" und „Rieder mit der Polizei". Er hat dadurch die Massen aufgewiegelt und ist als Rädelsführer zu bezeichnen und zu bestrafen. Es muß aber angenommen werden, daß die Menge sich nicht bewußt war, an einer „Zusammenrottung" beteiligt zu fein, zudem standen in der vordersten! Linie meist Psychopathen. Rur Rheinische Braunkohlen konnten 2 Proz., d. h. etwas über den Anfangsverlust, anziehen. Berliner Produttenmarkt. Berlin, 30. Juli. Auf Grund der erneut schwachen Auslandmeldungen blieben die Käufer im Vormittagsverkehr zurückhaltend. Da jedoch anderseits auch das Jnlandangebot, namentlich von Weizen zur sofortigen Lieferung, sich verringert hat und bei Dörsenbeginn wieder regnerisches Wetter eintrat, war die Grundstimmung nur für Weizen zur späteren Lieferung schwächer. Am Lieferungsmarkt zeigte sich in den Julisichten einige Deckungsnachfrage, so daß die Eröffnungs- preife 1,50 Mark über den gestrigen Dchluhpreisen tagen. Weizen auf spätere Lieferung verlor 1 bis 1,50 Mark, Roggen lag stetig, wobei allerdings wieder Interventionen zu beobachten waren. Das Promptgeschäft gestaltete sich bei wenig veränderten Preisen infolge des mäßigen Angebotes ziemlich schleppend. Am Mehlmarkte ist keine Belebung zu verzeichnen. Hafer scheint namentlich in feinen Qualitäten etwas besser gefragt. Winter- und Sommergerste ausreichend offeriert, auf älntergebote für feine Sorten erfolgen jedoch nur vereinzelt Zusagen. Es notierten für je 1000 kg: Weizen, märt., Juli 291 bis 293, Sept. 260 bis 259, Okt. 261 bis 232, Dez. 267,50 bis 269; Roggen, märt, 158 bis 161 (stetig), Juli 177, Sept. 174 bis 174,50, Okt. 179 bis 180, Dez. 188; Futter- und Jndustriegerste 174 bis 197 (stetig); Hafer, märt, 178 bis 185 (fester), Juli 189,50, Sept. 181,50 (Geld), Okt. 186,50 (Geld), Dez. 191 bis 191,50 (Geld); Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 31. Juli. Auftrieb: 114 Rinder, 757 Kälber, 212 Schafe, 1014 Schweine. Es wurden notiert: Kälber: beste Mast- und Saugkälber 74 bis 78 Mk., mittlere Mast- und Saugkälber 68 bis 73, geringe Kälber 62 bis 67. — Schafe: Mastlämmer und jüngere Mast- hämmel (Weidemast) 49 bis 53, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 42 bis 48 Mk. — Schweine: nicht notiert. — Marktverkauf: Kälber anfangs rege, zum Schluß stark abflauend. Schafe rege, Ueberftanb. Schweine ruhig, Heberftanb. Kirche uni» Schule. O Hochelheim, 30. Juli. Die Kreis- shnode Wetzlar feierte hier am Sonntag ihr Kreisshnodal-Gustav-Adolffest. Im Festgottesdienst hielt Pfarrer Müller (Alzey) bie Festprebigt. Er sprach von dem hohen Wert der Arbeit des Gustav-AdolfvereinS für die evangelische Kirche und das Deutschtum. Der Feft- gottesdienst wurde verschönt durch einen Gesangvortrag des Männergesangvereins von Hochm- heim unter Leitung des Dirigenten Köhler (Großen-Linden). Die Rachversammlung fand ebenfalls in der Kirche statt. Sie wurde eröffnet mit e«iem Posaunenvortrag des Hochelhelmer Posaunenchors. Der Ortsgeistliche, Pfarrer Schneider, hielt bie Begrüßungsansprache. Die zweite Ansprache hielt Pfarrer K u l k e von Rie- derkleen. Er forderte im Hinblick auf das 100- jährige Bestehen des Gustav-Abolfvereins auf zum opferfreudigen Geben für die Gustav-Adolf- Sache. In der dritten Ansprache berichtete Pfarrer Müller (Alzey) über die verschiedenen Gebiete der Diaspora, besonders von Böhmen und Mähren. Das Fest wurde umrahmt durch Gesangsvorträge des Gemischten Chors von Hochelheim unter Leitung von Albert Kuhl (Hörnsheim). In einem kurzen Schlußwort dankte dev Ortsgeistliche, Pfarrer Schneider, der Gemeinde. Hochelheim für bie gastliche Einstellung. Ferner sprach er den Chören, sowie allen bei dem Feste Mitwirkenden herzlichen Dank aus. Turnen, Sport und Spiel. Der Europa-Rundflug. 33 Europaflieger haben bis zum Mittwochabend den ersten Teil des Europa-Rund- fluges beendet und sind wohlbehalten in 2er- l i n angekommen. Am Mittwoch trafen weitere acht Flieger ein, und zwar: v. Koppen, Giebel, v. Waldau, Frhr. v. Frehberg, Spengler, Benz und die Polen Gedgowd und Wieckowski. Aus- ge schieden sind inzwischen 20 Teilnehmer, darunter alle noch in Spanien und Südfrankreich befindlichen Flieger. Kurz vor dem Ziel erlitt der deutsche Pilot Dr. King noch ein arges Mißgeschick. Bei einer Rotlandung in Freienwalde a. O. zertrümmerte er seinen BFW.-Tief- decker, blieb aber selbst unverletzt. Daten für Freitag, 1. August. Sonnenaufgang 4.23 Uhr, Sonnenuntergang 19.49 Uhr. — Mondaufgang 13.09 Uhr, Monduntergang 22.32 Uhr. 1221: Gründung der Schweizer Eidgenossenschaft; — 1911: der Sprachforscher Konrad Duden in Sonnenberg gestorben; — 1914: Mobilmachung in Deutschland und Frankreich. Kriegserklärung Deutschlands an Rußland. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lornbardzinsfuß 5 o. H. Frankfurt a. Dl. I Berlin Frankfuri a. Dl. Berlin Schluß« hjr< 1 l«Uhr« 1 Schluß-1 flurd | für« । 'Anfang, flurd «Schlug, fürs l'Uhr. Kurs Schlußkur- Anfang» KurS Datum 30. 7. 31. 7. 30. 7. 31. 7. Datum 30. 1. 31. 7. 30- L 31. /. «% Deunche uttidjeameuje von 1927 ......... 7% Deutsche Retchlanleihe es 101,75 60 8,1 58,75 59,25 101,5 96 87,9 101,25 98 97 26,5 23,75 = 1,75 4,75 9,2 15,25 7,25 r i ss i i l 1 1 1 1 1 i 1 ii i 1 M i i II 01 88,25 102,1 59,3 101,25 98 97 26,65 2,15 23,8 20,75 2,15 1.85 4,9 4,9 9,2 15,4 7,25 1 1 S£ 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 II 1181^5 Ji 1 is vauibutfl.VUneitla Pale! . . . . Hamburg-Güdam, Dampfschiff. 8 Hansa Tampfschiss.....10 Norddeutscher Lloyd.....8 Allgemeine Deutsche Credltanst. 10 Barmer Bankverein .... 10 Berliner Handelsgesellschaft . 12 ilommerz. unb Privat-Bank. 11 Darmstädter unb Nationalbant 12 Deutsche Bant unb DtSconto-Gesellschaft, ... 10 Dretbner Bank.....* 10 Reichsbank........12 a.@.®........ 8 Bergmann.........9 lileltt. Lieferung«gelellschaft. 10 Licht unb Kraft......10 Felten & (BuUleaume . . . 7% Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen .... 10 Hamburger ElektrizitätS-Werke 10 Rheinische Elektrizität .... 0 Schlesische Elektrizität. ... 10 Schuckert L Co.......11 Siemens & Halske ..... 16 ItanotaDlo . ........ 8 Lahmeyer L Co..... . 10 Deutsche Erdöl.......6 Gelsenkirchener.......k Harpener.......... 0 Hoesch Eisen..... 6^ Fise Bergbau..... . 10 Rlötfnerroerie . .••••••< KSln-Neuessen..... 7 in an n et mann-816 fiten .... 7 DianSselder Bergbau.....7 Oberschles. Crilcnbcbarf .... 6 Oberschles. KokSwerke.....' i'fiöntr Bergbau......6Vt Rheinische Braunkohlen . . 10 Rhetnstahl ......... 6 Riebeck Montan ...... 7,2 91,25 91,5 108,25 115,5 132 187 126,75 127 247 140,25 138 100 137,5 194,65 155 62,5 109 99,5 86 /8,25 214,5 92,25 87 91 115,5 132 126,75 139,5 137,75 154 193 61,25 100,25 84 84,75 78,25 92 91,4 151,25 126 91 108,75 115,5 147,5 132 186,5 127,25 127 247 140,5 173,5 129,5 138 99,75 137,5 131,5 126,75 132,5 154,5 194,25 109,25 155 62 73,25 109 100,5 87,5 83,5 83,5 85 61,5 53 85,5 78,25 214,75 92,25 91 151,25 91,25 108,5 115,5 146,5 132 185 126,75 126,5 244,9 139,5 128,4 99,25 148 131,25 132 193,5 154,75 62,5 73,25 108,75 102 87 83,75 83,6 85,6 61,13 51 86,75 213 91,25 96 Deutiche SnI.-ÄblSI.-Lchuld mit AuSlos.-Rechten....... Deflgl. ohne Autlos^Rechte . . 8% He«, fiolteftaat von 192» (tudiablb. 102%) .... Oberhessen Provinz • Anleihe ml' BuSIos.-Rechten...... Deutsche komm. SammelabL Anleihe Serie 1....... 6% firantf. Hyp^Bank Goldpse Xlfl unfünbbar M« 1934 . . . 7% yranks. php^Bank Goldpse unkündbar 61« 1932 ..... Wi% Rheinische Hüp.-Bank 6% Pr. £anbe4ptanbbrie|anfialt, Pfandbriefe R. 17...... 8% $r. LandeSplandbriesanstalt, Äomm^Cbl. 81. 80...... 7% Pr. 8anbe«p|anbbrtefcmftall, Psandbriese R. 10...... A.S.«. abg. VorkriegS-Obligatto ne«, rückzahlbar 1932 ..... 4% OefteneWidje «olbtente . . 4,80% vesterreichtsche Hilberrente 4% Oekterrrichilche Einheitliche Rente ......... «% Ungarische «olbrente .... 4% Ungarische Staatlrente v, 1010 beMfil. von 1913 4% Ungarische flTonenrente 4% DürNsche gollanleihe von 1911 4% Türkische Vagbabbahn-Anl Serie 1 ......... 4% beflßl. Serie II....... 5% Rumänische vereinh. Rente von 1903 ........ 4y,% RumLnIiche oerelnh. Rente von 1913 . . . ... - - • • • Rumänische verein». Rente . $ranlfun a. Dl. Berlin Banknoten. Echluß- furd l'Uhr» ffurt Schluß» kurS Anfang- KurS Berlin, 30. Juli Gelb Srlef Amerikanische Noten...... Belgische Noten, ....... Dänische Noten ........ Englische Noten ........ französische Noten ....... Holländische Noten ....... Italienische Noten........ Norwegische Noten....... Deutsch-Oesterreich, 6 100 Schilling Rumänische Noten....... Schweizer Noten ....... Spanische Noten ........ Tschechoslowakische Roten..... Ungarische Noten ....... veotstninarkt Berlin 4,166 58,40 111,85 20,322 •, 16,44 168,01 21,96 111,80 59,11 2,46 112,18 81,20 46,71 12,375 73.13 - Frankfurt 4,186 58,64 112,29 20,402 16,50 168,69 22,04 112,24 59,35 2,48 112,62 81,52 46,89 12,435 73.43 a. M Datum 30. 1. 31. 1. 30. /. 31. ». Beremigie Siahiwerte .... Olavi Minen......16'/. Kaliwerke Aschersleben ... 10 Kaliwerke Westeregeln ... 10 Kaliwerke Salzdetfurth ... 15 I. ®. starben-Industrie ... 12 Dnnamtl Nobel.......6 Ccheibeanslalt........fi Golbschmibt ........6 maigerswerie........6 Metallgrlellschaft.......8 Philipp Holzmann......? Zementwerk Heidelberg . . 10 Cementwerk Karlstadt, ... 10 Wayh & ssreytag......8 Schultheis Patzenhofer ... 15 Ostwerke.........12 Aku...........18 Bemberg...... 14 Bellftoff TOalbfief .... 18'/. Zellstofs Aschaffenburg ... 12 Charlottenburger Wasser ... 8 Dessauer (Ma6........v Daimler Motoren ...... 0 Deutsche Linoleum ...... Maschinenbau A.«G. ..... 0 Mal. Automobil.......0 Crenflcln & Koppel . .... 6 Leonhard Dietz ...... 10 Svenika ........ frankfurter Maschinen .... 4 chrihner....... 6 Heyligenstaedt ....... 0 Junghan«..........6 Lechwerke..........8 Matnkraftwerke HSchst a. M.. . 8 M!ag 10 Bebr. Roeder ....... 10 Boigt & Haessner......v Süddeutsche Hu da .... 10 78,5 41 188 196 326 152 139 57 49,5 105 77 102 70 94 95 100 -77. 186,25 130 71,5 34 94 41,25 100 154 150,25 IHM 21 l^l | Illi 1 l^l^SM l"S1 1111 31 11 ist IIS UD O co CM 78.75 41 188 195,75 321 152 72,5 58 50 105,4 76 70 266 213,5 93,75 94,25 133 101 94,75 130,5 28 186,5 41,75 11 61,5 133 306 71,5 32 32,5 88 154,75 150,25 78,25 40,75 188,5 195,25 325 151 58,13 50,13 75,75 265 212 91,5 92,5 132 98,5 94,13 130,6 28,13 186 41,5 11 61,6 132,5 304,5 88 30. 3uh 31. Juli Amtliche (»elf Notierung »riet Amtliche Geld Notierung Srlei rimit.-Notk. Bukn.-Slire« Brss.'Antw. Chrislianta ■ Kopenhagen Stockholm . HelimgforS. Italien. . . London. . . Neuyork . . Pari«.... Schweiz .. Spanten . Yapcm - . . -ttio be Ian Wien in D-» Cefl. abgcst Prag ... Belgrad . . Budapest. . Bulgarien. Lissabon Danrig. . . Konst nrill. Athen. . . Canada . . Urnjuat). . Cairo . . . 168,35 1,502 58,505 112,06 112,11 112,46 10,52 21,905 20,357 4,1805 16,445 81,265 47,05 2,063 0,489 59,095 12,395 7,419 73,31 3,032 18,79 81,42 1,784 5,43 4,185 3,445 20,865 168,69 1,506 58,626 112,28 112,33 112,68 10,54 21,945 20,397 4,1885 16,485 81,425 47,15 2,067 0,491 59,215 12,415 7,423 73,45 3,038 18,83 81,58 1,789 5,44 4,193 3,453 20,905 168,32 1,505 58,495 112,05 112,10 112,46 10,52 21,905 20,355 4,180 16,45 81,235 47,05 2,063 0,435 59,105 12,393 7,418 73,30 2,032 18,79 81,42 1,784 5,435 4,185 3,418 20,865 168,66 1,509 58,615 112,27 112,32 112,68 10,54 21,945 20,394 4,188 16.49 81,395 47,15 2,067 0,437 59,225 12,413 7,432 73,44 3,038 18,83 81,58 1,789 5,445 4,193 3,425 20,905 5°naten n bi» ^r er Endung S“fB|un#aftn lei’WU &I«Ö ZS 'K-L'Lr Sä“ « » Ä“4 W' hftte e ®engt sitz TKtunfl" K?. ,n ber voi-er-«, UN- 6pies. *8. ibro b\4 M W* de- Suxova^unb« galten in 2ei« iwoch trafen Weitere •, v. Koppen, Siebes, rg, Spengler, Benz b Mckovski. 21 ui* hen 20 Teilnehmer, en und öübsrankreich vor dem Ziel erlitt ing noch ein arges tlandung in Fmen* : seinen DFD.'Tief« ersetzt. I, l.Hw* Sonnenuntergang IMj Ufjr, Monduntergang ■her Wenchnschast: onrab Kuben in eon* . Mobilmachung f iegscrklärung Deutsch- ff lür>wan* J14tum. Der Fest* ^urch einen Belang, kretni von Hochel. mgenten A-hs„ »Versammlung sand v>e Würbe eröffnet Hochelheimer Muhe. Pfarrer öungsanfprachc Die t Kulke von 2?ie» Wirf auf das 100- 'Advlsvereini auf dir Buftat.-'lbolf. che berichtete Psar- ■t verschiedenen ®t* i von Dvhmen und Mrahmt durch De* t Chors von Hochel. xrt Kuhl (ftömi. »luhwort danke bet' neider, der Se- gastliche Einstellung. , sowie allen bei dem m Dan! aus, "TJ66 58,« 111,85 20,322 16,U 168,01 21,86 1*1,80 59,11 2,46 112,18 81.20 (6,71 12,375 ?3.H Tm 58.6» Hl.» ®l Ill'g II.» «.» 12,435 73.83 58,225 73,U ,038 18-fi 81.58 1,789 (»5 4,193 3,;A 20,905 168-32 1,505 58.495 112,05 112,0 112.46 10.52 21.90 20,355 4,'fi 16- 8b$ 47Z 2,g 0,435 Ä 'S ,Ä 8I-? 1,78* 5,(35 185 3,41« 20,865 amtW 58$ ü.z 112.3 1l2fi l0,5< 21-8 »i 'S S to#LiS- —iS« On'tter Gießener Ferienkurs. 3m Rahmen des Dritten Siebener Ferienkurse- sprach Prof. Dr. D u n de l Sieben über Sternglaube und Steradeutuag Im modernen Deutschland. 3n bem modernen Sternglauben und der modernen Sterndeutung sind -unächst die volkstümlichen Ideen vom Wesen und Wirken der Sterne zu beleuchten. Sie lassen sich schwer in bestimmte Rönnen und Leitsätze spannen, zumal dem modernen Menschen der Sestirnte^Himmei ziemlich belanglos geworden ist. 2ll>^ Märchen^ Sagen und Dichtung zeigen reiche Formen des volkstümlichen SternglaubenS, der uralte Formen eine- primitiven Weltbildes unAwußt weiter, gibt; dabei spielen eine besondere Rolle die Ideen vom inneren Zusammenhang der menschlichen Seele mit der Welt der Sterne. Die Weltanschauung der Pa-ibabylomsten und der Astralmythologie bildet eine zweite Srschei- nung des modernen SternglaubenS und der mo- derncn Sterndeutung. Die Idee, dah die instinktive Erkenntnis des wahren Urwissens der Altbabylonier alle Gegebenheiten der wissenfchqft- lichen Astronomie vorau-bestimmt habe, hat den Glauben erzeugt, dah im 3. bi- 6. Jahrtausend p 65r. von Babylon aus eine astralmythologische Welle sich über den Erdkreis verbreitet hat. Don ihr follenx alle religiösen und epischen Borstel- langen ersaht und durchtränkt worden sein. Dem- nach lösen sich alle Götter und Heroen, alle Mythen und Märchen als alte Sonnen- und Mondgottheiten aus dem mythischen Untergrund ab. Am stärksten ist DrewS hervorgetreten durch seine Liebertragung der Postulat« deS Panbabh- loniSmuS auf die Gestalt Ehristi und die Evangelien. DrewS will nachweisen, dah EhristuS und die ganzen Gestalten der Evangelien erst durch die Dahn der Sonne, durch die TierkreiSbilder und andere Sternbilder von einem astralmythv- logischen Dichter ersonnen worden sind. Die dritte Form ist die orakelnde Astrologie. Während auf Grund einer sehr intensiven Erforschung der Quellen die Sprachforscher, Historiker, Kulturhistoriker und Astronomen die Leitsätze und Motive der Sterndeutung aus rein wissenschaftlichen Gründen ablehnen müssen, erhebt die Astrologie wieder mit zunehmender Stärke ihr Haupt. Die niedere Geschäftsastrologie. die Astro- magic und eine wissenschaftlich sich gebärdende Astrologie schafft sich beute immer gröhere Anerkennung. Die Wissenschaft kann den scheinbaren statistischen, empirischen, philosophischen und astro- physikalifchen Argumenten nicht recht geben und muh mit aller Schärf« «in Wiederaufleben der Sterndeuterci ablehnen. Provinzialrabbiner Dr. Sander (Gießen) sprach über da- Thema: DaS deutsche Judentum der Gegenwart. DaS deutsche Judentum der Gegenwart reicht weit über die Grenzen deS Deutschen Reiche- hinaus, ist in allen Ländern der Welt anxu- treffen, denn überall sprechen die Juden die deutsche Sprache und sind sie von der deutschen Kultur durchtränkt. In Deutschland ist die Historisch-Kritische Wissenschaft vom Judentum begründet worden und hat überall ihre Rachahmung und Fortsetzung gesunden. In der Iudenheit besteht der Streit, ob die Zugehörigkeit wm Judentum mit dem Bekenntnis zur jüdischen Religion verbunden sein muh, oder ob allein Abstammung und Will« bestimmt seien, wie «S Zionisten und Liberale behaupten. Unzweifelhaft muh im Judentum der Religion der wichtigste Platz eingeräumt werden und dies« sich auf eine Dogmatik berufen, wenn auch deren einzelne Lehrsätze nicht allgemeine Anerkennung finden. DaS Grundbuch deS Judentums blldet der Pentateuch, dessen Wertschätzung im Kultus die aller anderen biblischen Bücher weit übertrifft wegen der darin vollzogenen Bereinigung von Glaubenslehren in Form von geschichtlichen Darstellungen mit Sittengesetzen und KultuSvorschriften. OrthodoreS und liberales Judentum unterscheiden sich wohl durch die Auffassung von der Entstehung der Bibel, Beränderung deS ursprünglichen Textes und der Fortentwicklung de« DlaubenSinhalteS und der Vorschriften im Talmud und den späteren Sodice», die befteben- den Parteien aber, soweit die organisierten Reli« gionsgemeinden daran beteiligt sind, unterscheiden sich im wesentlichen voneinander nur in der Form de« Gottesdienste- und der Beibehaltung oder Preisgabe einzelner ritueller Handlungen und Institutionen. Der Wille zur Einheit der Religionsgemeinden herrscht in der Tleberzahl der deutschen Juden. AlS unerläßlich gelten bei allen Richtungen die gesetzlichen Festesfeiern, verbunden mit Symbolen und KultuShandlungen, toobei der Unterschied zwischen biblischen, talmu- bischen und nachtalmudischen Bestimmungen verwischt wird. Die StaatSgesehe haben in den deutschen Ländern Gründung von örtlichen ReligionS- gemeinden gefordert, in den kleineren und süddeutschen Staaten auch Zusammenschluß zu Lande-Verbänden, In ®teuften und Helfen sind diese erst vor wenigen Jähren durch freiwilligen önt- schluft erfolgt. Srstredt wird ein Reichsverband, um den Bestand der kleinsten RelioionSgemeinden zu sichern, die Lehrstätten zur Ausbildung von Rabbinern und Lehrern zu erhalten und sozial« WohlsahrtSeinrichtungen zu schaffen. AuS Gründen der Gleichstellung mit den christlichen Konfessionen und wegen Mangels an verfügbaren Mitteln werden die Beihilfen von den Staaten verlangt. Geburtenrückgang, Mischehen, wirtschaftliche Rot, die Flucht aus den Dörfern und Kleinstädten nach den Großstädten bedrohen den Bestand des Judentums und fordern Abhilfe. Den Religionsgemeinden erwachsen daraus weitreichende Aufgaben. Ein Regtr-Mbenb sand am vorigen Freitag im Rahmen des Ferien» kurfes statt. Da man uns mitgeteilt hatte, daß diese Veranstaltung nur in geschlossenem Kreise ftaltfinbe, können wir über den Verlauf dieses Abends nicht berichten. Das Reit- und Fahrtumier in Londorf Regen den Richtern einen gewissen Lieberblick ermöglichten, so dah die Hauptprüfungen am Rachmittag beschleunigt abgewickelt werden konnten. Die Vielseitigkeitsprüfung für ländliche Reiter, bestehend au8 Gelände- ritt und Reiterprüfung — die Fahrerprüfung mutzte mit Rücksicht auf die begrenzte Zeit leider im letzten Moment abgesagt werden — zeigte allgemein gute Leistungen. Der Geländeritt hätte gern etwa- schwerer sein können, zumal alle 'Teilnehmer iyn ohne nennenswerte Strafpunkte absolvieren konnten. Auch hier war eine Teilung für Kalt- und Warmblutpferde vorgenommen worden. Bei den Kaltblütern konnte Ad. Sofft (Weitershain). bei den Warmblütern Heinrich S ch u b t (Londorf), sich mit bet goldenen Schleife schmücken. In beiden Abteilungen wurden weitere zahlreiche Ehrenpreise vergeben; leider verbietet uns der Raummangel, die nachfolgenden Placierten einzeln aufzuführen. Die Dielfeitigkeitsprüfung für städtische Reifer und Offiziere der Reichswehr war durch «ine Dressurprüfung und ein Jagdspringen Klass« L komplettiert worden. Hier siegte Rittmeister von Bennigsen vom Reiter-Regt. 16 (HofgeiSmar). — Eine Dressurprüfung der Klaffe A sah Major Alfvafet- M a ck e n s e n (Marburg) an der Spitze. Viel amüsant« Bilder boten die Ja gd- springen, besonders dasjenige für Belgier erschien uns humoristisch, auf einsamer Höhe stehend. An sich ist es schon reichlich viel verlangt, wenn schwere Kaltblüter über Hindernisse im Iagdgalopp gehen sollen, aber da- dies bei entsprechenden Anforderungen absolut mcalieft ist, bewies di« diesbezügliche Prüfung in Londorf. Mit nur drei Fehlern konnte A Weder (Geilshausen) übet die zehn Sprünge umfassende Dahn kommen und sich somit an erster Stelle placieren. Bei den Warmblutpferben siegte 0. S ch m i d t (Grotzen-Buseck) nach fehlerlosem Riff, während in einem weiteren Jagdspringen der Klasse L Adolf Röck« r (Weitershain) zu einem schönen Erfolge tarn. Das Jagdspringen für städtische Reifer und Offiziere konnte Oberleutnant Doigtsberger (Dietzen) mit sieben Fehlern an sich bringen. Die Reiterprüfungen für ländliche Reifer teilten sich in Unterabteilungen für Anfänger und fortgeschrittene Reifet. Bei den Ansängern langte eS für R Theiß, (Weiters- Hain), bei den Fortgeschrittenen wiederum für Hch Schudt (Londorf) zum Siege. Den Reichswehrunteroffizieren und -Mannschaften waren ebenfalls einige Prüfungen Vorbehalten. Die Vielseitigkeitsprüfung brachte Feldwebel Hafner, 3./X. 15 Gieften, den Geländeriff Geft. Treiber desselben Regiments. die Dtellurprüfung Gefr. Dieckmann vom R.-Rgf. 16 HofgeiSmar, sowie da- Jagdspringen erneut Feldwebel Hafner, Gieften an die Spitze. Die Abteilungsweffbewerbe d er oberhessischen R ei f e r v e r e i nS a b fei- lungen legten beredtes Zeugnis davon ab, datz innerhalb der Vereine tatsächlich auch geritten wird. Man sah zum Teil recht gute Leistungen, die den Reitlehrern Ehre machten. Unter den sechs auswärtigen Reifabfeilungen, die zum Lon- borfer Turnier gekommen waren, wurde die Reif- abteilunfl 03 ü ft f e I b an bie Spitz« yfttHt, wäh- Der leitende Gedanke der Bewegung der länb- lidxn Reitervereine, nämlich die Betätigung der deutschen Jugend im Reifen und Fahren zum 3bKcfc ihrer weiteren Erziehung und Ertüchtigung. ist in Oberftessen richtig ersaht. Das hat erneut das Londorser Turnier am Samstag und Sonntag, 26. und 27. Juli, unter Beweis gestellt. Die Tatsache, dah hier insgesamt elf R e i t a b t e i l u n g e n zusam- menströmten, um in friedlichem Wettkampf um die Siegespalme zu ringen, gibt beredten Aufschluss über die vorbildliche Organisation innerhalb des Provinzialverbandes der oberhessischen Reitervereine. Obcrfteflen ist In bet Gestaltung des ländlichen Reiteroereinswefens vielen anderen Canbesteilen ein gutes Stück voraus. 3ft es auch hier nicht in allen Fällen möglich, Spitzenleistungen der ländlichen Reiter anzu- streben, in den meisten Fällen mit Rücksicht auf das zur Verfügung stehende Pferbematerial, so wirkt die Gesamtleistung und da- Erscheinen einer solchen Anzahl von ländlichen Reitern doch imponierend und mützte manchem Hochzucht- gebiet zu denken geben. Der Aufmarsch her ländlichen Vereine in Londorf könnte fast mit einem Aufmarsch der Rationen en miniature, wie dieser alljährlich beim Aachener Turnier stattfindet, verglichen werden, und zur Komplettierung fehlt« eigentlich nur das Spielen der verschiedensten »Rationalhymnen" derjenigen Ortschaften, wo die erschienenen Vereine beheimatet find. Die Seele des ganzen Turnier-, wie überhaupt der gesamten Bewegung der ländlichen Reiter- vereine in Oberftessen, wenn nicht überhaupt in ganz Hessen, ist Frhr. Roeder v. Siersburg, der Geschäftsführer des Landesverbandes hessischer Reif- und Fahrvereine, der durch den Vorsitzenden, Landstallmeister S ch ö r k e , in vorbildlichster Weise unterstützt wird. Rur durch die große Tatkraft der genannten Herren erscheint es möglich, datz di« OSewegung der ländlichen Reiter in Hessen, und speziell in Oberhessen, derartig festen Fuß gefaftt hat und innerhalb der Okrciniguug ländlicher Reit- und Fahrvereine Deutschlands ein« besonders geachtet« Stellung einnimmt. Das will heute viel heihen, besonders im Hinblick daraus, dah Hessen kein eigentliches Pferbehochzuchtgebiet ist und Kaltblut, wi« schwerste- Warmblut allein den Iungreifern zu ihrer 03e- tätigung zur Verfügung stehen. Produktiv nutzbringend für die Allgemeinheit kann die OSewe- gung der ländlichen Reitervereine in allen Gauen Deutschlands nur bann bleiben, wenn — von einzelnen Spitzenleistungen abgesehen — es allen Iungreifern unter Berücksichtigung des ihnen jur Verfügung stehenden Pferbematerials ennöglcchf wird, sich in den CBereinen zu betätigen. Di« Anforderungen müssen sich daher stets innerhalb der natürlichen ®rennen halten, Die dies in Londorf in jeder Beziehung der Fall war. Das Turnier bot eine Fülle ton sportlich interessanten Momenten, und das reichhaltige Programm konnte froh anfangs schlechter Witterung glatt erledigt wer- d^n- Während am Samstag sich der Gelände- r r f t der einzelnen Klassen abwickelte, stand der Vormittag des Sonntag den Vorprüfungen «ur 03erfug ung, die trotz wollenbruchartigem renb innerhalb der Reifabteilungen des 'Verein- Rabenau unter fünf teilnehmenden Abteilungen diejenige von Weiter-Hain siegte und damit den Grünberger Wanderprei- erringen konnte. Man kann die gezeigten Leistungen im richtigen Rahmen erst dann würdigen, wenn man die autzerordenllichen Schwierigkeiten voll berücksich- tigt, die darin begründet sind, daft ein graftet Teil der Reifer auf schwersten Kaltblutpferden und nur ein geringer Teil der Teilnehmer auf geeigneten Warmblutpferden beritten ist. Fest- steht, daft sehr viele Iungreiter bereif- recht ansprechend hingeseyt sind und bei natürlicher Anlage in der weiteren Ausbildung unbedingt gute Fortschritte machen werden. Auch die Zahrwetfbewerbe standen auf guter Höh«. Ucberall ist hierbei zu erkennen, daft da- Fahren nach den Grundsätzen B. v. Achenbach- bereit, dank der unermüdlichen Tatkraft der leitenden Persönlichkeiten, in den einzelnen Vereinen erfreuliche Fortschritte gezeitigt hat. Die Anspannung war bei allen Gespannen korrekt und zweckmäftig. wie dies leider in vielen anderen Fällen noch lange nicht überall der Fall ist. O3ei den Einspännern kam Wilh. Schmidt (Groften- Buseck) zum Erfolge, bei den Zweispännern war eine Prüfung auf Her§ und Olleren erforderlich. um den Sieger ausfindig zu machen. Schlieft- lich konnte hier Aug. Weber (Droften-Bufeck) die goldene Schleife erhalten. Auch daS Fahren der übrigen Teilnehmer stand auf guter Höhe. Die Erkenntnis der groften Vorteile richtiger Fahrkunst nach den Achenbachschen Grundsätzen wird sich in Oberfteffcn immer mehr durchsetzen; dies beweist die grofte Anzahl der hier ausgebildeten sog. Achenbachsahrer, die daS hessische Fahrerabzeichen deS Landesverbandes tragen. Das Vorfahrenvon ArbeitSgespan- nen im Oekonvmiewag«n brachte prächtige Belgiergespanne an den Start. Der gut zu- fammcngcftcllte Belgierviererzug von Hch S ch u d t (Londorf), hervorragend herauSgebracht, in gutem Puy- und Frisierzustand der Pferde, erhielt oerbientermaften den ersten Preis. Auch an Schaunummern für da- Du- blikurn fehlte eS bei diesem Turnier nicht. Sol Vorfahren eines historischen ReisewagenS, Äut- scher und Insassen in alter Tracht, erregte beim Publikum viel Heiterkeit. Die Reichswehr zeigt« zwei sehr wirkungsvolle Schaunummern, einmal ein Vorererzieren eine- Rlafchinengewebrzug«- ber 4. (M. D.» Komp, de- I.-Rat. 15 Gieften. weiter eine gut zusammengestellte Quadrille, die Angehörige der 5. Schwadron OL Rgt. 16. ber TradittonSeSkadron des ehern, hessischen Garde- dragoner-RegimentS Darmstadt, ritten. Beide Schau nummern sanden beim Publikum viel Anklang und wurden stürmisch gefeiert. ES ist ein« gute Sache, wenn sich die Reich-Wehr gelegentlich bei ländlichen Turnierveranstaltungen beteiligt. Die Truppe ist namentlich auf bem Land« besonders gern gesehen, und die alten De- zieftungen, die sie mit einem groften Teil der ländlichen Bevölkerung verbindet, wecken bei vielen alte Erinnerungen auf, die dem guten Verhältnis zwischen Reichswehr einerseits und bem übrigen Teil der beutschen Bevölkerung nur zuträglich sind. So endete die- In jeder Beziehung vorbildliche ländliche Turnier in Londorf, daS allen Teilnehmern und Zuschauern erneut neue Anregungen gab und stet- als eine ber Hauptveranstaltungen innerhalb der Tätigkeit der ländlichen Vereine ganz Hessen- bezeichnet werden mutz. H. A. 9er Hessische HeiMenverein im Zähre 1929. Der Hessische Landesverband zur Bekämpfung der Tuberkulose (Heilst ätfenverein) legt jetzt seinen Geschäftsbericht für das Jahr 1929 vor. Der Landesverband befitzt, nachdem di« neue Heilstätte für Tuberkulose der oberen Luftweg« (Heilstätte Seltersberg) in Gieften in Betrieb genommen ist, nunmehr folgende Heilstätten alS Eigentum: die Sleonorenheilstätte für Frauen bei Winterkasten i. O.. die K i n d e r h e i l st ä t t e A l m f r i e d c n bei Winterkasten L O.. die LupuSheil st ätte in Gieften und die Heilstätte für Tuberkulose der oberen Luftwege (Heilstätte Selters- berg) in Gieften. Ferner hat der Landesverband die Möglichkeit, das St. Bonifatius-Kranlenhaus in Hirschhorn a. Ol. und das Katholische Schwesternhaus in Wald-Michetbach i. O. mit Kindern zu belegen, wenn die Kinderheilstätte Almsrieden nicht ausreichen sollte. Aus den umfangreichen Einzelheiten deS Geschäftsberichts entnehmen wir folgendes: Eleonorenheilstatte und Almfrieden. DaS Jahr 1929 brachte ebenso wie daS ver- ?;angene in der Eleonorenheilstätte einige bannte Veränderungen. Die Zahl der OZerpfleyungs- tage betrug in 1929 in ber Sleonorenheilstätte 35189, in ber Kinberheilstätte 28 781. Die Zahl der im Lause des Geschäftsjahres entlassenen Frauen beträgt 329, die der Kinder 194. Die der Heilstätte angeschlossene Fürsorgestelle für Tuberkulöse wurde im Jahre 1929 von 177 Personen in Anspruch genommen. 39 davon waren aus dem Vorjahr übernommen, während die anderen neu überwiesen waren, darunter 62 durch Aerzte. Aus der Umgebung kranker Personen waren von der Fürsorgestelle selbst 36 Personen bestellt. Es wurden aufgefunden 6 offene Lungentuberkulöse, 8 geschlossene und 13 anderweitig Tuberkulöse. Für diese Kranken wurden insgesamt 13 Kuren durch den betreffenden HauSarzt beantragt SS wurden 202 Untersuchungen und 196 Röntgendurchleuchtungen auSgeführt Außerdem wurde eine systematische Untersuchung der Schule in Lindenfels durchgeführt Die Lupusheilstätte in Gieften wurde im Jahre 1929 in gleicher Weise wie im Vorjahre beansprucht. Im Berichtsjahre waren 384 gegen 379 Kranke in 1928 anwesend. Pflegetage wurden genau 45 000 gegen 44 031 in 1928 gezählt. Im Berichtsjahre 1929 wurde in der Lupusheilstätte die von Dauerbruch-Herrmanns- dorfer-Gerson modifizierte Diät bei allen Kranken zur Anwendung gebracht. Diese allgemeine Einführung der Diätbehandlung hatte im Dezember 1928 ihren Anfang genommen, nachdem durch eingehende Versuche an einem größeren Lupusmaterial die große Wirksamkeit dieser Behandlung auf Krankheitsherde von Hauttuberkulose, besonders auf Lupus vulgaris-^erbe fest- gkstellt worden war. Bis jetzt ist diese Vehand- mng bei etwa 350 Lupuskranken zur Anwendung gekommen, und wenn auch einige wenige Versager dabei zu beobachten waren, so ist bei der überwiegenden Mehrzahl der behandelten Kranken der Grsolg der Behandlung so gut, daß deren Wirksamkeit heute über allen Zweifel erhaben ist. Der Andrang jjur Lupusheilstätte ist im Laufe des Berichtsjahres immer stärker geworden, so daft es immer weniger möglich ist, die in die Anstalt drängenden Kranken auszu- neftmen. Dieselben müssen heute nach erfolgter Anmeldung monatelang auf ihre Aufnahme warten. Dabei ist die Anstalt selbst biS zum letzten verfügbaren Platz überbelegt, und es sind außerdem noch eine Anzahl von Kranken in der Hautklinik untergebracht — Während deS Sommer- 1929 wurde in der Oläfte der vorhandenen Stallungen im Freigelände ein großer Obstkeller gebaut, der eS ermöglichte, das für die Durchführung der Diät in den Wintermvnaten notwendige Obst in geeigneter Weise und.in ausreichenden Mengen einzukellerti. Die Errichtung der schon seit einiger Zeit dringend notwendig gewordenen Kinderabteilung stößt leider auf Schwierigkeiten, da die Mittel hierfür in absehbarer Zeit nicht zu beschaffen find. Die Pläne für dies« Abteilung liegen bereits fix und fettig vor und die Platzfrage ist einwandfrei geregelt. Sobald wieder bessere Zeiten kommen und die Mittel beschafft werden können, muß der Errichtung dieser Wteilung unbedingt näher getreten werden. Die Anzahl der in der Lupus- Heilstätte untergebrachten Kinder bewegt sich ständig in den Zahlen von 40 bis 50. Ein Hofgut zu erwerben, auf dem eine Anzahl ungeheilter Lupuskranker beschäftigt werden könnte, ist leider wegen der üngunft der Zeiten ebenfalls noch nicht möglich. Die Heilstätte für Tuberkulose der oberen Luftwege (ftellftätte Seltersberg) in Gieften wurde am 6. April 1930 in Betrieb genommen. Die Heilstätte ist mit den modernsten Heilfaktoren aus- gestattet und ist die erste ihrer Art in Deutschland. Sie zählt zunächst 83 Krankenbetten. Die Kosten der Errichtung dieser Heilstätte berechnen sich auf rund 1 250 000 Mark. Das Reich zahlte dazu 500 000 Mark, der hessische Staat 210000 Mark, die Can- desversicherungsanstalt Hessen 50 000 Mark, das Reichsarbeitsministerium (Versorgungsamt Gieften) 20 000 Mark, das Deutsche Zentralkomitee zur Be- färnpfung der Tuberkulose 18 000 Mark, das Reichsministerium des Innern 4000 Mark, die Darmstadter Volksbank 2000 Mark, die Firma (Sehr. Nikolaus in Gießen 1200 Mark, die Firma Schafsstaedt In Gieften 1000 Mark, ferner noch 130 Mark. Der Restbetrag in höhe von rund 445 000 Mark wird im hypo- thekenweg; beschafft. Die Kinderheilstationen in Hirschhorn