Nr. 504 Erstes Blatt 180. Jahrgang Dienstag, 30. Dezember 1930 Bietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Annahme van Anzeigen für die lagtsnumm« bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re« klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20“, mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Berantwortlich für Politik Dr. Fr. WUd. Lange; für Feuilleton DY H.TKyrwt,' für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter^ sämtlich in Gießen. Erich e in» loglich,nutzer Sonntags and Feiertag» Beilagen Dtt Illustriert, Eiehener Famtlienblättei Heimat im Bild Di, Scholle Monats Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 80 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Richter» Beinew einzelner Nummern folg, höherer Gewalt. zernfprechanfchlüste ■nter5ammelnummer2251 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Sieben. Postscheckkonto: 5ra"tf-riam Main >tk«s. vnuk und Verlag: vrühl'sche Universttälr-Vuch- anö Stetabnuferei B. £aitge ta Siehen. Schriftleitang unb Sefchäfirftelle: Schulfttaße r. Auch die »sechs Monate" jener Scheinabstirn- mung in E u p e n - Ma l m edy und der 20. September. an dem der Völkerbundsrat die Annektion dieses deutschen Grenzgebietes deckte, obschon die nur Klärung der Volksmeinung vorgesehenen Be- stimmungen des Versailler Diktats nicht durch- acführt worden toaren, jährten sich zum zehnten Male. Die Tatsache der Richterfüllung der Vertragsbestimmungen begründet die Forderung der Eupen-Walmedyer auf Erfüllung des Versailler Diktats, also auf eine unbeein^ußie objektive Feststellung, zu welchem Staate die Vevölkerung gehören wolle. So nahm die Heimattreue Presse des Grenzgebietes di< altbelgischen Jahrhundert- feiern nachdrücklich zum Anlast, ^belgische Freiheit" und eupen-malmedyer Unfreiheit zu vergleichen und dem belgischen Heber schwänge die eigene Grundforderung entgegenzustellen. Man täte Bel- flien Unrecht, wollte man ihm vorwerfen, es bediene sich polnischer Methoden. Olein, sie sind jarter, mittelbarer. Dast es sich aber gerade in Den letzten Monaten bemühte, in Eupen-Malmedh unb zwar hauptsächlich in der »Preußischen Wal- lonie", »L o h a l i t ä t s k u n d g e b u n g e n" zustande zu bringen, gehört auch in den größeren Zusammenhang der Versuche, deutsche Selbstbestimmungsforderungen abzuwehren. Diese »Treuekundgebungen" für Belgien sind kläglich m i st g l u ck t. .Sympathie läßt sich nicht erzwingen, Patriotismus ist nicht käuflich" — so umrih Der Malmedher .Landbote" Die Haltung der bodenständigen Bevölkerung. Als das wesentliche Ergebnis dieser altbelgischen Bemühungen wenigstens Malmedy zu erobern, sei die Stellungnahme des Stadtrats der Stadt Malmedy her- ^gehoben: klipp unh klar lehnte diese berufene Körperschaft die Beteiligung an der Iahrhundert- feter und ebenso auch die Ueberlassung des Rat- haussaales an das »Festkomitee" ab. Die Heimatbewegung in Elsaß- L o t h r ingen hat auch 1930 Frankreich nicht bon feinem Assimilationswillen abbringen können. Aach wie vor ist das Ziel der französischen Schul- und Sprachenpolitik die kulturelle Ueberfremdung, die Ausmerzung des volkhaft deutschen Charakters des Landes. 2ln irgendeine Lockerung der zentralistischen Bevomnmdung durch Die Pariser Grenz- und auslauddeuische Lahresschau. Don Dr Karl (5. von Loesch, Vorsitzendem des Deutschen Schutzbundes. 11. Wurden die Hoffnungen Der Deutschen in Rumänien auf Gewährung eine« ihrer Kultur angemessenen Mindarheitengesehes auch in Diesem uafyrc nicht erfüllt unD verschlechterte sich ihre wirtschaftliche Lage wegen Der katastrophalen Agrarkrise DauemD, so ist Da« Deutschtum in Süds la Wien nicht besser Daran. Diese 600 000 Deutschen gehören zu Den loyalsten Dür- aeni Des Staate«, genau wie Die in Rumänien. Die zufrieden zu stellen, wäre leicht, würde Der Staat ihnen nur gerechte BehanDlung, Sicherung ihre« kulturellen Lebens und den freien Gebrauch ihrer Sprache zuerkennen Ein solcher, ja auch in Den internationalen Verträgen niedergelegter Schuh Der Deutschen Minderheit in ©üDilatoicn läge nicht zuletzt im Interesse des Staate« selb st. Die verschiedenllichen Erklärungen südslawischer Minister stellten immer wieder bal- Dige »grundsätzliche Aenderung" des Kurses in Aussicht, ohne daß diese Versprechen bisher prak- ttsch eingelöst worden wären. Die OSertoaltung ist nodj immer Die alte. Es bleiben 10000 schulpflichtige Deutsche Kinder überhaupt ohne jeden deutschen Unterricht, ja, in schroffem Gegensatz zu obigen Versprechungen fand keineinziges der 98 Gesuche, die von deutschen Eltern aus Eröffnung deutscher Parallelklassen im neuen Schuljahr gestellt waren, eine positive Erledigung. Der Fall Der Isolde Leiter; die e Mißhandlung einer Deutschen Frau durch Polizeibeamte, zeigte, daß cs in Südslawien vor allem auch darauf ankam, die Uebergriffe der mit der Bevölkerung unmittelbar in Verbindung stehenden niederen Behörden zu verhindern. Die amtliche Zusage, hier rücksichtslos Durchzug reifen, konnte zunächst beruhigen. Aehn- liche Deutschenmihhandlungen aber, die kürzlich gemeldet wurden, und dazu die Verhaftung De« bekannten Rechtsanwalts IDalter Riebl inCilli lassen erkennen. Daß selbst Die balkanischen Methoden Der Einschüchterung von Der Belgrader Regierung noch immer geduldet werden. Die Erinnerung an die Abstimmung in Kärnten überschnitt sich mit der Erinnerung an das Schicksal eine« anderen deutschen Gebietes an der südlichen DolkSgrenze, an Südtirol. Am gleichen Tage, an Dem in Kärnten die Abstimmung stattfand und Damit diesem deutschen Gebiet die Möglichkeit gegeben war, sich zum Deutschtum und gegen Die südslawische Herrschaft zu erllurcn, vollzog Italien Die Annektion Südtirols. Das Grundziel Der italienischen Politik, Die Deutschen zwischen Brenner und Salurn zu assimilieren, wurde nicht aufgegeben, wenn auch seit dem 0)esuche des österreichischen Bundeskanzlers Schober in Rom die äußere Form Der Assimilationsmethoden etwas milder wurde. Daß die Kinder in der Schule kein Mort derMuttersprache mehr hören, um- reißt eindeutig den gc'entoärllgen Zustand. Auch Die Meldungen, die letzthin einen Teil der deutschen Presse durchliefen, und. im Zusammenhang mit Der behördlichen Bewilligung eines lokalen Trachtenzuges in Meran, von einer grundsätzlichen Aenderung des faschistische Standpunltes in Südtirol auf schulpolitischem Gebiet zu berich en wußten, erwiesen sich leider als unrichtig und mußten entsprechend dementiert werden. Wer kommt der Abrüstungsverpflichtung nach? Oie Bestimmungen des Versailler Vertrages. — Locarnoabkommen und belgisch- französisches Militärbündnis Belgien und die Abrüstung. Vandervelde über die Abrüstungsver. Pflichtung des Versailler Vertrags. Paris, 29.Dez. (WTD.) Der sozialistische Populaire" veröffentlicht heute Erklärungen des sozialistischen Führers Vandervelde über Die Stellung seiner Partei gegenüber Den Heeres- krediten. Vandervelde führt aus: Als ich nach mermonatiger Abwesenheit wieder nach Belgien tzurückgekehrt bin, hab? ich einen völlig veränderten Geisteszustand in Belgien vorgesunden. Die Reden Mussolinis, die faschistischen Intrigen auf dem Balkan, die Erfolge der Hitler» anbänger in Deutschland, Die bedauerlichen Wahlen in Polen unter Den Fußtritten De« Militärs und Die katastrophalen Voraussagen Der Bolschewisten bestärkten bei Dem Manne Der Straße den Eindruck, daß Europa vor einem Kriege stehe und daß dieser Krieg morgen mit Der gleichen Plötzlichkeit ausbrechen könnte wie 1914. Er, Vandervelde, habe die Lleberzcugung, daß auf Dem nächsten Kongreß Der Belgischen Arbeiterpartei, auf Dem Die Revision Des Parteiprogramms zur Erörterung steht, mit einer sehr großen Mehrheit Der Gedanke einer einseitigen Abrüstung, Der Die demokratischen Länder wehrlos machen und den politisch rückständigen Ländern unterwerfen würde, ab gelehnt werde. Aber Die belgischen Sozialisten seien entschlossen, auf nationalem wie auch auf internationalem Gebiete ihre Aktion zugunsten der gleichzeitigen und kontroll e ten Ab ü.iunj weiter z i cerfrlcen. Man würde Den Versailler Vertrag z u einem Fetzen Papier machen, wenn man Die Erfüllung Der moralischen und rechtlichenDerpflichtungen De « 03er- trage« nicht einhalten würde. Der Dem besiegten Deutschland die Entwaffnung aufzwang, um Die Abrüstung Der übrigen Länder im gleichen Maße vorzubereiten. Die gegenwärc.gv belgische Regierung tue aber das Gegenteil. Belgien sei vielleicht das einzige Land, dessen Heeresbudget höher als im Jahre 1914 sei. Die belgischen Sozialisten wollten nicht, daß unter Dem Vorwand Der Landesverteidigung Rüstungen für Die Aufrechterhaltung gewißer militärischer Hegemonien und für die unbedingte Verteidigung einer Durch den Versailler Vertrag und Die übrigen Verträge geschaffenen territorialen Reuregelung vorbereitet würden. Vandervelde befaßt sich dann mit Dem französisch-belgischen Mili tärab kommen oon 1919. Er betont, daß sich selbst in den Kreisen der belgischen Sozialisten, Die eine besonders lebhafte Sympathie für Frankreich empfänden, seit Dem letzten Kongreß eine Strömung gegen das belgisch-französische Militärabkommen geltend gemacht habe. Der Mann aus Dem Volke sei davon überzeugt, daß es außer Den veröffentlichten Texten nvch geheime Klauseln enthalte. Er, Vandervelde, habe neben Drei anderen Sozialisten zu der Regierung gehört. Die Das Abkommen im Jahre 1920 abschloß. Er könne beteuern, Daß Darin keine Verpflichtungen enthalten feien. Die Die volle Souveränität Frankreich« oder Belgiens beschränkten. Er glaube sagen zu können, daß Die belgischen Sozialisten sich immerhin fragten, ob es nicht vom französischen wie vom belgischen Standpunkt aus und vor allem vom Standpunkt bc Völkers riedens gesehen angebracht wäre, in freundschaftlicher ilebcrein- kunft sestzu stellen, daß Der Locarno vertrag das französisch-belgische Militärabkommen von 1919 .absorbiert" habe, und ob es nicht geraten sei, dem Abkommen jede Spitze gegen irgend ein anderes Land dadurch zu nehmen. Daß man es künftighin als hinfällig betrachte. Deutschland und Frankreich. Gibt es Möglichkeiten einer Verständigung? Pari», 30. Dez. (IDIB. Funkspruch.) Jacques Kayser, Redakteur der radikalen Zeitung „La Re- p u b l i q u e", des Organs Daladier», hat sich einige Wachen in Deutschland ausgehalten und berichtet jetzt über feine Eindrücke. 3n seinem heutigen Artikel führt er aus, daß er in Deutschland in der Frage der deutsch-französischen Einigung Den guten Willen sestgestellt, der bei den einen vom Gefühl, bei den anderen von ihren Interessen diktiert sei, und den man in Frankreich nicht entmutigen dürfe, lleberall in Deutschland erkläre man, daß man zur Annäherung bereit sei, aber Frankreich sei es, das sie nicht wolle. Deutschland könne sich die Annäherung nur in Form gewisser Abänderungen am gegenwärtigen Stand der Dinge vorstellen, und die Deutschen seien der Ansicht, daß das offizielle Frankreich lediglich bereit sei, die Annäherung unter de'm Gesichtspunkt der Erhaltung und Festigung de» Status quo zu betrachten. Deutschland sei der fordernde, Frankreich der ablehnende Teil. Lin Ausgleich, so schließt Kayser, könne also nur erfolgen, wenn Frankreich sich bereit finde, seine negative Haltung aufzugeben und Deutschland einen Schritt entgegen jufommen. „Die Geheimarmee Deutschlands" phantastische Märchen des pariser „Lournal." Paris, 29.Dez. (TU.) Unter der Ueberschrift „Die Geheimarmec Deutschlands" beginnt das „Jour, nal" eine Artikelserie über angebliche deutsche geheime Rüstungen. Die letzten (Ereigniffe, die sich in Deutschland abgespielt hatten, hätten von neuem die Bedeutung gezeigt, die in Deutschland die verschiedenen politischen Bereinigungen hätten, deren wahres Ziel die heimliche militärische Ausbildung der deutschen Jugend sei. Dem Sonderberichterstatter des Blattes sei es gelungen, in die der ausländischen Kontrolle unzugänglichen. Kreise oorzudringen und sich an der Quelle selbst zu überzeugen. Don dem Verbot des Filmes „Im Westen nichts Neues" ausgehend — ein Verbot, das nur dem Druck der Nationalsozialisten zuzuschreiben sei — betont das Blatt, daß die Reichsregierung vor der Rheinlandräumung vielleicht nicht so rasch vor den Rechtskreisen kapituliert hätte. Stahlhelm unb Nationalsozia- l ist e n stellten heute eine Macht dar, der man nicht widerstehen könne. Die Politik einer geheimen Wiederaufrichtung der Armee habe vorzügliche Erfolge gezeitigt und fei heute bereits eine vollendete Tatsache. Der Deutsche verfüge über einen methodischen Geist, der geradezu beneidenswert sei und habe außerdem ein gutes Gedächtnis. Die Organisierung des geheimen Heeres habe sich nach fast den gleichen Grundsätzen vollzogen, wie diejenige der preußischen Armee in den Jahren 1807 bla 18 13. Der Verfasser schildert bann noch ein mal die über 100 Jahre zurückliegenden Ereignisse unb geht sodann auf den VersaillerDertrag über, der Deutschland durch sein 100 000-Mann-Heer in die Unmöglichkeit versetzen wollte, das Experiment von 1807 zu wiederholen. Durch die militärische Organisier uny der Schupo unb die Schaffung der Geheimorganisationen sei es Deutschland aber dennoch gelungen, em mächtiges Heer auf die Füße zu stellen. Das Ziel, das es dabei verfolge, fei das gleiche wie vor hundert Jahren. Man wolle einmal dem Heere fein Ansehen wiedergeben unb b i e moralische Einheit ber Iugenb wiederherstellen, sowie den Geist ber Pflicht und der Aufopferung beleben. Aus diesem Gedanken heraus hätten sich dann die verschiedenen Organisationen geblldet, die eine Schule ber Disziplin unb des Patriotismus ersetzten unb Die frühere militärische Dienstpflicht barstellten. Aus allen bissen Gruppen ragten jedoch zwei ganz besonders hervor: Stahlhelm unb Nationalsozialisten. Diese beiben machten fein Hehl aus ihren wahren Zielen unb erklärten in aller Oeffentlichkeit, baß sie das Dorkriegsdeutschland mit der Militärdienstpflicht wieder her zu st eilen wünschten. Ministerien wurde nicht gedacht. Kammer und Senat verweigerten weiterhin Die schon im Sommer 1929 von Poincarö als dringlich bezeichnete und seither von jcDcr Regierung versprochene Amnestie für Die Verurteilten des Colmarer Prozesses und die anderen Opfer ihrer politischen Gesinnung. Um so wichtiger ist irn Hinvlick aus kommende politische Wahlen, daß alle Versuche, den Block Der Heimattreuen Parteien zu sprengen, lediglich zu einer immer geschlosseneren »Volksfront" geführt haben. Die französischen Hoffnungen aus Zermürbung des autonomistischen Widerstandes, die durch zwei Wahlerfolge am Jahresbeginn wach geworden waren, haben sich, wie Die jüngsten Wahlen in Straßburg und Colmar zeigten, nicht erfüllt. So schwer Die Elsaß-Lothringer um ihre Anerkennung als nationale Minderheit ringen, immer deutlicher wird, daß sich Frankreich der Auseinandersetzung mit den Lebensrechten feiner deutschsprachigen Ostprovinzen auf die Dauer nicht zu entziehen vermag. Wir sehen: überall wo Deutsche in fremden Staaten leben, müssen sie um ihr Lebensrecht ringen, schwerer hier, leichter dort, i n Den baltischen Staatenso gut wie in ber Tschechoslowakei, für Deren Methode die ebenfalls in der deutschen Presse ausführlich behandelte Durchführung Der Volkszählung charakteristisch war. Man sucht ob- jektive TatbestänDe, die eine Zählung ermitteln soll, zu fälschen, um später „auf Grund cr- niittelter Tatsachen" Deutsche, Ungarn. Juden ufw. ihrer Sprachenrechte zu berauben. Und dies im Herzen Mitteleuropas! Gerade Dort, wo in Der Hauptstadt Der Pöbel, aufgereizt durch maßgebende Kreise unb unter Duldung der städtischen Polizei Deutschenprogrome veranstalten Durfte. Ein trübes Bild. Tiefe Schatten malt hinein Die allgemeine Wirtschaftskrise, die das Deutschtum im Osten am härtesten trifft Der Raum verbietet, uns in Einzecheiten zu Verlierern Aber wir Dürfen diesen gedrängten Querschnitt durch volksdeuttche Rot nicht schlie- ben, ohne Der Ru ß l an d d e u t sche n zu gedenken. Sie leiden wohl am höchsten. Denn durch I Kollektivierung und Verschickung ist ihre Existenzgrundlage überhaupt vernichtet, ihr unmittelbares physisches Leben bedroht, durch Religionsverfolgung ihre Seele. So war das Geschehen des nun hinter uns liegenden Jahres in Dunkel gehüllt. Fern liegt das Ziel gesamtdeutscher Freiheit. Doch bleibt uns, trotz allem, die Hoffnung auf Die Lebenskraft unseres Volkes. UnD Der Wille, mit allen Kräften für ein besseres Aecht unD eine bessere Ordnung in Europa und Der Welt zu wirken. Oie Ostreise des Kanzlers. Berlin, 29. Dez. (ERB.) Reichskanzler Dr. Brüning, der sich gegenwärtig auf einem kurzen Weihnachtsurlaub im Schwarzwald befindet, wird am 4. Januar Die östlichen Grenzgebiete des Reiches besuchen, um sich über die Lage im Osten persönlich zu informieren. Die Reise wird gemeinsam mit Den beiden Ostkommissaren, dem preußischen Wohlfahrtsminister H i r t f i e f c r und dem Minister ohne Portefeuille Treviranus ftatt- finden. Es scheint als ob die Reise zunächst über Pommern geht unD in der ersten Etappe in Die Grenzmark nach Schneidemühl führt Don Da aus würde sie Dann durch Den Korridor nach Ostpreußen, und zwar nach Königsberg wei- terlausen. Don Königsberg soll sie nach Marien- burg zurück und durch den Korridor unmittelbar nach Schlesien führen. Die Hauptbrennpunkte für Schlesien sind Oppeln, Gleiwitz und Breslau. Am 11. Januar erfolgt dann Die Rückkehr nach Berlin. Oie Oeutschnalionalen fordern weitere Lastensenkung für die Landwirtschaft. Berlin, 29.Dez. (CNB.) Die Abgeordneten Dr. H u g e n b c r g unb Dr. Oberfohren haben in Ergänzung ihres großen Antrages auf Entschuldung ber Landwirtschaft namens ber deutschnatio nölen Reichstagsfraktion einen weiteren Antrag ein- | gebracht im Interesse Der notleidenden Landwirt- I schäft, insbesondere des Ostens, als eventuelle Uebergangsmaßnahme die laufenden Reichs- steuern in den landwirtschafUichen Betrieben be sonders gefährdeter Gebiete ganz ober zum Teil nichtzu erheben, sowie Mittel bereit zu stellen, um eine Senkung ber kommunalen Realsteuern unb ber U n f a l l v e r s i ch e - rungslaften herbeizuführen. Radikale dauernnolbewegung in Bayern. Berlin, 30. Dez. (CNB.) In Südbayern, im ■onntal, im Chiemgau, im Mangfallgau und in den angrenzenden Gebieten ist eine neue, radikale Bauernbewegung unter Führung des Bauern Altenburger aus Henkwes entstanden, die bereits starken Anhang in kleinbäuerllchen Kreisen gefunden hat Die Parole ist: „Die bisherigen Standesoraanisationen, die allen politischen Parteien haben versagt. Es kann nicht mehr so weitergehen. Wir greifen zur Selbsthilfe, um nicht Haus unb Hof zu verlieren." In Rosenheim, Alpling unb Miesbach fanden große Kundgebungen der neuen Bewegung statt. Zahlreiche Diskussionsredner traten für die neue Bewegung ein und erklärten, die Bauernbewegung wäre der Notschrei eines zu Tode getroffenen Standes. Komme keine Hilfe, dann sei der Zusammenbruch unaufhaltsam. Die Schutzzölle wären viel zu spät gekommen. Nur ein Abgeordneter der Bayerischen Volkspartei stellte sich der Bewegung entgegen und sprach sich für die alten Organisationen aus. Beamtenschaft und Handwerk. Berlin, 29.Dez. (CAD.) 2m Bundeshaus De« Deutschen Beamtendundes sand auf Dermn- lassung Des AeichsverbanDes Des Deutschen Handwerkes Dieser Tage eine Aussprache statt zwischen Den Vertretern Des Deutschen Beamlen- bundes und Der SpitzenverbänDe Des HanDwerks. Die Vertreter des Handwerks verurteilten jede uiwerantwortliche Hetze gegen das Beamtentum. Sie wiesen ferner auf Die außerordentlich schwierige Lage des Handwerkes hin, die durch die Konkurrenz Verbeamte n- wirtschaftlichen Einrichtungen eine weitere Erlchwerung erfahre. Trotz aller Schwierigkeiten sei das Handwerk bereit, die Maßnahmen der Reichsregierung zur Senkung der Preise weitestgehend zu unterstützen. Die Vertreter des Beamtenbundes erklärten, daß die deutsche Beamtenschaft dem Handwerk durchaus Verständnis entgegenbringe. Das Ab- rüden von der Hetze gegen die Beamten werde von der Beamtenschaft lebhaft begrüßt. Die besonderen Opfer der Beamten zwängen diese zu Maßnahmen zur Erhaltung ihrer Kaufkraft. Bezüglich der beomtenwirtschaft- lichen Einrichtungen wurde betont, daß der Deutsche Deamtenbund das Recht auf wirtschaftliche Selbsthilfe gruirdsätzlich bejahe, indessen sich mit derartigen wirtschaftlichen Einrichtungen nicht befasse. Als Ergebnis der Aussprache wurde festgestellt, daß sie ihren Zweck, Klarheit über das Verhältnis beider Derufs- gruppen zueinander zu schaffen, vollkommen erreichte. Oer Krankenschein. Gesundheitsgefährdende Auswirkungen der Notverordnung. Berlin, 29. Dez. (BD.) Die Auswirkungen der Krankenkassennotverordnung, die allerdings inzwischen wesentlich obgeändert worden ist, sind von dem Verband der Aerzte Deutschlands, der Spihenorganisation der deutschen Aerzteschast, zusammengestellt worden und zeigen im allgemeinen, daß sich in der kurzen Zeit des Bestehens der Rotverordnung bereits schwere gesund hei t l iche S ch 5 d ig un- gen eines Tells der deutschen Bevölkerung ergeben haben. Die Berichte stützen sich auf die Mitteilungen von Aerzten und Aerztevereinen und stellen im großen und ganzen fest, daß sich ein Ausfall der Inanspruchnahme der Aerzte um 30 bis 50 Prozent bemerkbar machte, daß weiter total vernachlässigte Fälle in Behandlung kommen, die sich auf die 50°Ps.-Gebühr zurückführen lassen. Ebenso wird festgestellt, daß viele notwendige Arzneibe- schafsungen aus Geldmangel unterbleiben. Hierzu kommt, daß die Kranken versuchen, auf ein Rezept möglich st viel verschrieben zu erhalten. Die Tatsache, daß in der Hauptsache Erwerbslose der Behandlung fernblieben, hat sich allerdings durch die Aufhebung der Rotverordnung für diesen Fall ab - ändern lassen. Immerhin werden zahlreiche Fälle nachgewiesen, in denen keine Besserung der Krankheit eintrat, well es unmöglich War, die Gebühr für das Rezept aufzubringen. Oer Konflikt bei der Wirffchaflspartei. Berlin, 29. Dez. (TA.) Der Parteivorstand der Wirtschaf ts Part ei, der am Montagnachmittag in Berlin tagte, teilte als Ergebnis seiner Verhandlungen folgendes mit: „Der Vorstand der Reichspartei des Deutschen Mittelstandes (Wirtschaflspartei) tagte am Montagnachmittag unter dem Vorsitz des Vorstandsmitgliedes F r e i b e l, Hildesheim. Er beschäftigte sich nochmals eingehend mit den Anschuldigungen gegen den Parteivorsitzenden Drewitz. Es wurde beschlossen, das Parteischiedsgericht einzuberufen und bei diesem zu beantragen, die Parteimitglieder Colo s s e r und Dannenberg aus der Partei auszuschliehen. Weiter soll der Reichs- a u s s ch u ß am 4. Januar nach Berlin einberufen ^verden. 'Der Parteivorsitzende Drewitz sah sich veranlaßt, auf Grund der erneut gegen ihn gerichteten Angriffe in der Presse, die der Vorstand nach Prüfung der Verhältnisse als völlig unberechtigt ansieht, von der Ausübung seines Vorstandsamtes bis zum Spruche des Schiedsgerichtes Ab st and zu nehmen." Das Parteischiedsgericht wird am gleichen Tage, wie der Reichsausschuh, also am 4. Januar, zusammentreten. 3m einzelnen erklärte der Abg. Drewitz dem Rachrichtenbureau des Vdz., daß die in einer Denkschrift Colosse rs enthaltenen Vorwürfe unwahr feien. Er, Drewitz, hätte gar nichts mit der Parteikasse zu tun und bekäme keine Gelder von der Partei in die Hände: er sei auch gar nicht zeichnungsberechtigt für die Parteikasse gewesen, sondern nur der Bureausekretär der Partei und der Kassierer. Drewitz bestreitet weiterhin, seinem Schwiegervater oder sich selbst für einen 'Wohnungsbau Kredite aus der Mittel- standsbank verschafft zu haben. Er sagt, die Mittelstandsbank sei keine Parteibank: im Aufsichtsrat wären vielmehr auch Deutschnationale. Zwar befinde sich unter den tausenden Kreditnehmern der Mit elstandsba.ik auch d.r Schwiegervater des Herrn Drewitz, er hätte aber nicht 40 000, sondern nur 6000 Mark Kredit erhalten, das Besitztum des Schwiegervaters sei auch nicht zwangsversteigert. Richtig sei dagegen, daß C o - losser selber bei der Mittelstandsbank einen Kredit von 26 000 Mark entnommen habe, obwohl er selbst Vorstand der Schöneberger Bank sei. Diesen Kredit habe Colosser erst jetzt abgedeckt. Oer Islam in Indien. Die Mohammedaner fordern einen eigenen Staat. London, 29. Dez. (Reuter.) 3n Allahabad hielt die Mohammedanische Liga für Gesamtindien eine Tagung ab. Der Vorsitzende Sir Muhammed Igbal vertrat folgende Gedankengänge: Die künftige Verfassung Indiens auf der Auffassung zu begründen, daß es ein homogener Körper sei, oder Prinzipien auf Indien anzuwenden, die von britisch-demokratischen Gefühlen diktiert seien, würden in Indien, ohne es zu wollen, die Saat des Bürgerkrieges ausstreuen. Cs sei vollkommen gerechtfertigt, wenn die Mohammedaner e i nM oslem- Indien innerhalb des indischen Gesamtkörpers verlangten. Weiterhin setzte sich der Redner für die Verschmelzung des Pundjab, des Gebietes der Rordwestgrenze, sowie von Sind und Belutschistan zu einem einzigen Moslem- Staat ein. Die Zentralisierung des lebendigsten Teiles der indischen Mohammedaner werde nicht nur das indische Problem, sondern auch das zentralasiatische lösen. Wenn man den Mohammedanern volle Freiheit der Entwicklung innerhalb des indischen Gesamtreichs einräume, so würden die im Rordwesten wohnenden Moslems sich als die besten Der- Nationalsozialisten und Regierung. Oer „Völkische Beobachter" fordert Auflösung des Reichstags. Berlin, 29. Dez. (TU.) Zu der kürzlich von der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" angeschnittenen Frage einer etwaigen Regierungsbeteiligung Hitlers äußert sich nunmehr der „Völkische Beobachter" grundsätzlich. Das Blatt schreibt u. a.: In verschiedenen Gemächern herrscht eine immer heftigere Aufregung, da man die kommende unvermeidliche Abrechnung deutlich herannahen sieht. Daher jetzt verschiedene Bemühungen, die .Hitlerpartei" „e i n z u f ü g e n", etwa in die sogenannte „nationale Front" (so als zweitletzte), oder sie vernunftgemäß zu leiten, und was dergleichen Ausdrücke für die Bemühungen, uns unschädlich zu machen, mehr sind. Da mir unbefangen sind und das Wohl der deutschen Gesamtheit im Auge haben, so werden wir jeden Ratschlag prüfen, jeden guten Rat beherzigen, gleich von welcher deutschen Persönlichkeit er stammt. Aber mit dem „Einfügen" und mit dem „Beteiligen" ist es vorüber. Gewisse Leute und Gruppen meinen noch immer, sie müßten regieren, wenn, es mit rechts nicht ginge, so eben mit links. Diesen sagen wir, Druckfehler zu korrigieren, ist nicht eine Sendung der NSDAP., denn diese Herren müssen gar nicht regieren, vielmehr sind sie schon lange abbaurcif, ja mehr als das. Es steht für die Zukunft nicht zur Debatte, ob man Hitler sich mitbeteiligen lasse, sondern mit wem Hitler oiifft regieren wird. Also genau umgekehrt verteilte Rollen. Deshalb kommt auch eine Koalition auf Grund des jetzigen Reichstages nicht mehr in Frage. Die Herren wollten im Herbst nicht, in der Hoffnung, die „nationalsozialistische Fieberkurve" würde wieder zurückgehen. Das Gegenteil ist der Fall. Die national- sozialistische Gesundungskurve ist weiter im Ansteigen. Wir fordern deshalb als erste Tat des Jahres 1931 die Auflösung des Reichstages und des Preußischen Landtages. Dreister Bankraub in Köln. Mit vorgehaliener Pistole in eine Oeposiienkaffe. — Oie Räuber bereits gestellt. Am Montagvormittag wurde auf die Depositenlasse der Deutschen Bank in der Dü- rener Straße in Köln-Lindenthal ein dreister Raubübersall verübt. Drei junge Burschen im Alter von etwa 20 Jahren fuhren in einem Kraftwagen vor. Als sie in die Depositenkasse eingetreten waren, blieb einer der drei Burschen an der Eingangstür stehen, der zweite stellte sich in der Mitte des Vorraums auf, der dritte trat dicht an den Zahltisch heran und forderte den Kassierer und einen anwesenden Kunden auf, die Hände hochzuheben. Gleichzeitig richteten die Banditen ihre Pistolen auf den Kassierer und den Kunden. Der Bursche, der an den Zahltisch getreten war, sprang über diesen hinweg und entnahm dem Geldschrank etwa 1 3 0 0 0 b is 15 000 Mark in neuen Zehnmark- Rentenbankscheinen, außerdem Silbergeld im Betrage von 300 Mark und für etwa 25 Mark Kupfergeld. Rach der Beschreibung der Täter sind zwei von ihnen 18 bis 19, einer etwa 25 bis 27 Jahre alt Rach der Tat fuhren die Burschen in einer dunklen Sechssitzer-Limousine, vermutlich einem alten Adlerwagen mit gefälschtem Kennzeichen, in Richtung Köln davon. Der Kriminalpolizei gelang es gegen 19 Uhr einen ihr bekannten Autodieb fe st zunehme n , der im Verdacht stand, an dem UeberfaU beteiligt gewesen zu sein. Der Feftgenommene stellte seine Beteiligung an dem Ueberfall in Abrede, räumte jedoch ein, gegen Zahlung einer erheblichen Geldsumme für die Verbrecher beim Domhotel einen DKW.= 9B a g e n gestoh - le n zu haben, mit dessen Hilfe bann der Raub ausgeführt wurde. Im Besitze des Festgenommenen, der vermutlich als vierter Täter im Auto gewartet hat, wurden etwas über 700 Mark, die aus dem Raube stammen, sowie eine geladene Pistole vorgefunden. Daß es sich um Geld aus dem Raube handelt, geht daraus hervor, daß das Geld aus lauter neuen Scheinen bestand, die fortlaufend benummert waren, wie sie direkt aus der Reichsdänk geliefert werden. Die Polizei ist mit der weiteren Klärung der Angelegenheit beschäftigt. Auf der Fahrt nach Trier wurde am Dienstag von Landjägern ein Automobil mit drei Insassen angehalten. Rach der Nummer des Autos und der sonstigen Beschreibung handelt es sich um die Räuber. Die Festgenommenen wurden nach Pruen übergeführt. Sie leugnen bisher die Tat. Schwieriges Rettungswerk in Algier. < ■ ■ ■ Äs - < . ,, 1A ■ Bei dem schweren Einsturzunglück in Algier, bei dem eine Hochzeitsgesellschaft verschüttet wurde, handelt es sich um eine Katastrophe größeren Ausmaßes, wenn auch dis zur Stunde nicht feststeht, wie viele Opfer unter den Trümmern begraben liegen. Es scheint festzustehen, daß ihre Zahl mehr als 3 0 beträgt. Die Auf- räumungsarbeiten sind am Sonntag unter Beteiligung von Truppen wieder aufgenommen worden. Bis zum späten Abend des Sonntag wurden 7 Leichen geborgen. Während der Bergungsarbeiten ereignete sich ein weiterer Erdstoß, dem beinahe die Retter zum Opfer gefallen wären. Glücklicherweise kündigte sich der Erdrutsch durch Gedröhne an, so daß sich die Hilfsmannschaften in Sicherheit bringen konnten. Als einer der ersten wurde der Bräutigam aus den Trümmern gezogen, der nur leichte Hautabschürfungen davongetragen hat. Schon wenige Minuten später wurde eine 17jährige Bäuerin als Leiche geborgen, die als die Braut erkannt wurde. Ihr Körper, vor allem das Gesicht, war bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. In der Nacht zum Montag wurden die Auf- räumungsarbeiten eingestellt, da man weitere Erdrutsche befürchtete. Die Untersuchung hat ergeben, daß die Bewohner der umliegenden Gegend selbst einen großen Teil der Schuld an dem Unglück trägt. Seit Jahren hatten sie den Berg unterhöhlt und mit der Zeit eine Grotte geschaffen. teidiger Indiens gegen die Invasion fremder Ideen erweisen. Deutlicher denn je habe sich bei den Besprechungen cm runden Tisch in London gezeigt, wie grundlegend die Verschiedenheit zwischen den beiden großen kulturellen Gruppen Indiens sei. Der Plan eines indischen Staatenbundes in der Gestalt, wie er von der Konferenz am runden Tisch erörtert werde, stelle eine Gefährdung des Islams dar. Es handele sich dabei augemcheinlich um eine Art von Verständigung zwischen Hindu-Indien und dem britischen Imperialismus. • Zwischen Tschintschcur und Tschcwhang brachten Räuber einen Eifenbahnzug zur Entgleisung, der 20 Meter tief in ein Flußbett stürzte. Mehrere Personen sanden den Tod, 40 wurden verletzt. Sie Räuber plünderten die Lieberlebenden aus und entflohen beim Heran- nahen von Soldaten, Aus aller Wett. General a. D. von ploeh f. Der frühere Kommandierende General des achten Rheinischen Armeekorps in Koblenz Paul von Ploetz, der von 1906 bis 1913 das Korps befehligte, starb im 84. Lebensjahr in Wiesbaden. General der Infanterie a. D. von Ploetz stand ä la suite des ehemaligen Köni- ain-Elifabeth-Garde-Grenadier-Regiments Nr. 3 und hatte bei diesem Regiment als junger Offizier im Krieg 1870/71 das Eiserne Kreuz 1. und 2. Klasse erworben. Er war Mitglied des ehemaligen Herrenhauses. Die Beisetzung des Generals findet am Dienstag in Mainz statt. 3m felbflgebaulen Segelflugzeug abgestüczk. Der 20jährige Pilot M ä tz k e der Segelfliegergruppe Eisenach unternahm an den Hängen des großen Hörsewerges einen Flug mit einem selbstgebauten Flugzeugtyp, mit dem er bereits erfolgreiche Probeflüge ausgeführt hatte. Kurz nach dein Aufstieg st ü r z t e e r am Südhang des Berges Aus beträchtlicher Höhe ab. Er wurde tot unter den Trümmern des Apparates hervorgezogen. Seine Eltern waren Zeugen des- Absturzes. ~ . Explofionsunglück bei einem Arzt. Von einem eigenartigen Unfall wurde in Berlin der Sanitätsrat Dr. Richard S k u t s ch betroffen. Während der Staatssekretär in der Reichskanzlei Dr. P ü n d e r zur Untersuchung im Sprechzimmer weilte, wollte Dr. Skutsch ein Instrument erwärmen. Er stieß dabei versehentlich eine Flasche, die Aether oder Säure enthielt, um. Im gleichen Augenblick entzündete sich die Flüssigkeit und die Flasche explodierte mit lautem Knall. Die emporschlagende Stichflamme schlug Sanitätsrat Dr. Skutsch ins Gesicht und setzte auch seine Kleidung in Brand. Staatssekretär Dr Pünder und seine Gattin, die sich ebenfalls im Sprechzimmer befand, griffen sofort die im Zimmer liegenden Teppiche und Decken auf und erstickten damit die Flammen. Dann schaffte der Staatssekretär Dr. Skutsch im Auto sofort zum Stubenrauch-Krankenhause in Lichterfelde. Hier wurde festgestellt, daß Dr. Skutsch sehr schwereVerbrennungen im Gesicht, am Kops, an den Händen und auch am Rücken davongetragen hatte. ' Schachweltmeister Aljechin beinahe verbrannt. Schachweltmeister Aljechin, der sich zur Zeit auf einer Tournee durch Südslawien befindet, ist in E s s e g mit knapper Rot dem Tode entronnen. Dr. Aljechin war nach einem ihm zu Ehren gegebenen Bankett gegen 5 Uhr früh in sein Hotel zurückgekehrt und in feinem Zimmer mit der brennenden Zigarette im Mundeeirüge sch l a f en. Die Zigarette setzte die Bettwäsche in Brand, und bald war der ganze Raum in Rauch und Flammen gehüllt. Das ein* dringende Hotelpersonal fand den Schachmeister mit einer schweren Rauchvergiftung bewutzlos vor dem Bette liegend auf. Glücklicherweise hat Dr. Aljechin nur leichte Brandwunden erlitten, so dah er nach der ersten Hilfeleistung in häuslicher Pflege gelassen werden konnte. Massen-Gasvergistung in einer Berliner Wäschefabrik. In der Berliner Wäschefabrik AG. brachen plötzlich in einem Plättraum, in dem 40 Arbeiterinnen beschäftigt waren, zahlreiche Plätterinnen unter Vergiftungserscheinungen an ihren Arbeitsplätzen ohnmächtig zu-, lammen. Der alarmierten Feuerwehr und den Samaritern gelang es, 27 der verunglückten Frauen, nachdem man sie ins Freie geschafft hatte, wieder nach kurzer Zeit ins Bewußtsein zurückzurufen. Bei weiteren sieben waren die Vergiftungen jedoch so schwerer Rater, daß die Feuerwehr über eine Stunde lang Sauerstoff verabreichen mußte, ehe sich bei ihnen wieder Lebenszeichen bemerkbar machten. Die Feuerwehr unter uchte sofort alle Gasleitungen, konnte jedoch nirgendswo einen schweren Defekt feft- stellen. Die Plätterei ist modern ausgestattet und verfügt über mehrere große E^haustoren, die unausgesetzt Luft aus dem Raum herauspumpen, während durch Oeffnungen in der Mauer Frischluft in den Saal strömt. Die Exhaustoren scheinen in Ordnung gewesen zu fein. Bei einem Versagen dieser Anlage wäre es möglich, daß verbrannte Gase sich an dem Saal angesammelt haben und bah diese die Vergiftungserscheinungen hervor- gerufen haben. Schwere lleberschwemmungsgefahr bei Jiatnm. Dei Narwa ist die Rarwe in den letzten Tagen auf 3,15 Meter über Rorrnal gestiegen. Da der Fluh unterhalb der Stadt auf einer Länge von 6—8 Kilometern fast bis auf den Grund mit Eis verstopft ist und nur enge Kanäle für das abwärtsströmende QDaifer vorhanden sind, droht der Stadt große Ueberschwem- mungsgefahr. Die Bewohner der niedrig- gelegenen Ortschaften am Flußufer beginnen bereits, ihre Wohnungen zu räumen. Die mit Dynamit vorgenommenen Eissprengungen haben nur wenig genutzt. Die unmittelbare Ursache der Eisstauung unterhalb der Stadt ist, daß der Fluß dort früher gefroren war als oberhalb, wo die Wasserfälle und Stromschnellen liegen. Eifenbahnunglück in Südslawien. Auf der Strecke Serajewo-Visegrad — Belgrad ereignete sich ein Eisenbahnunglück, durch das eine Person getötet, sechs schwer und vier leicht verletzt wurden. Durch einen Erdrutsch, der die Strecke bedeckte, entgleiste die Maschine eines Personenzuges und riß einen Salon- und zwei Personenwagen mit sich. Die Maschine überschlug sich und wurde schwer beschädigt. Die zwei Personenwagen wurden zertrümmert. Der Tote ist ein Ingenieur der Eisenbahndirektion in Serajewo. Unter den Schwerverletzten befinden sich der Lokomotivführer und der Heizer. Auf der Landstraße ermordet und beraubt. Auf der Chaussee Seehausen—Werben wurde der Händler Schmock aus Magdeburg von dem Führer eines Verkehrsautos blutüberströmt aufgefunden. Schmock, der schwere Schädelver- letzungen aufwies und nur noch schwache Sehens- Zeichen von sich gab, wurde iijp «eehäuser Krankenhaus gebracht. Dort ist er gestorben, ohne die Besinnung wiedererlangt zu haben. Während man erst annahm, daß Schmock in der Dunkelheit von einem Auto angefahren wurde, ist man nach den neuesten Feststellunaen zu der Auffassung gekommen, daß er das Opfer eines Raub über« faIles geworden ist. Schmock war seiner Wertsachen und Papiere beraubt worden. U. a. soll er 600 Mark in Bargeld bei sich gehabt haben. Auch die Uhr fand man nicht mehr bei dem Toten. Don den Tätern sand man bisher keine Spur. * 01 '"Auch der Le: Lächle, und zv len Der «ich 1 nächsten 3ahre ' Aus Tirol lvm ; eine Leck erho verliert. Dan n ; das Dach des 1 die Sense ju i cpuIgdtM 6 schrecken vmer weiter klopfen. Person herbei, daß sie nie tob Eine landtvi lassen der Ac Atoölf Nächten feuriger Drach ' flucht die 2Ied Alle Wdä Harten, könne • flächte Rat & f sollen die S | weissagen. Di temacht ganz l Wenn der Hi : es sicher im j beginnen aber . dann ist alte Derköndet i die Ditternach der hin. Die Weissagung, l ; verschwinden, draußen in 2 ligen Mchte c . sondere Heilwr 3** dl* unsere NrerMtiK unserer j A Dauer ein iE- schenke! * 1 im nächst^ Alle Haustier aut gepfleg) L ins Lchadcn bringen flamen E Nächten ihr übernatürliches Daß da die L den alten Fenu ganz rmturlrch. nugund rüste nut im Scherz, Jahre sicherlich Untier“ oder Vo Eine Hochflu in diesen Tag« geht man nicht • rcn, wo man j mit dem man Beziehung ftan leit nur noch i MI daran. _ Das nun di bWt, |o ist t Jill man denn Z°ch Wohl ©Luc Nr. Das liec man den ®lüd’ dringt ober gc neue 3ahr- toi Jna noch so r ?.n.M zur 5 zweiten bezieht sich d'e unmeßbar >04 vollzieh Sememt. Däne das in der % Anen. erschau 3*..beim LL'V L Niesen o verwirft ÖfetÄbi R'K LZL Unfei “Mer unsder 6t ,0Nen h ei ^rte 0. J am Müqt Ming(n ■ ® berdii L *4 äbb 6r ^arafcj ^gen H tll S.kttolfen. ^itäulei Minna lirument «ntlli eine "'M. 2m /ich die Wette ^Stich. lt'?) ms Te- 2r die genannten und ähnliche Fälle ist nicht geradezu unlogisch oder sprachwidrig. O. D. LlnterstühmlgSbeLhilfen aus der Städtischen Rothilfe. Don Der Städtischen Nothilfe wird uns mitgeteill: -Aus Den bisher zugunsten Der StäDtischen Nothilfe eingegangenen Geldspenden konnten heute rund 220 Familien und alleinstehenden Personen einmalige Anfechtung derAnordnung desSlaMommiffars? Don Bürgermeister Dr. Dölsing, Alsfeld. Das Gesetz zur Sicherung der Haushaltsführung der Gemeinden, Kreise und Provinzen vom 11. Dezember 1930, das auch in Hessen die Einrichtung des Staatskommissars geschaffen hat. enthalt keinerlei Bestimmungen darüber, ob und in welcher Form eine Anfechtung der Anordnungen des Staatskommissars seitens der betroffenen Gemeinden, oder Streife und Provinzen möglich ift Aus der Fassung des Gesetzes kann gefolgert werden, daß seitens der Regierung bei Borlage des Entwurfs nicht beabsichtigt gewesen ist, ein Rechtsmittel gegen die Maßnahmen des Staatskommissars zuzulassen. Ob indessen diese Auf- affung rechtlich haltbar ist, darf bezweifelt werden. Wenn man annimmt, daß die Maßnahmen des Staatskommissars den Charakter einer „Verfügung der Aufsichtsbehörde"' haben, so wäre an und für sich seitens der davon betroffenen Gemeinde Beschwerde im Dienstaufsichts- wege an den Minister des Innern denkbar. Wenn man hingegen den Standpunkt vertritt, daß die Maßnahmen des Staatskommissars den betreffenden Stadtratsbeschluß (Gemeinderatsbeschluß) ersetzen ollen, wie es nach dem Wortlaut des Art. 1 des Gesetzes beabsichtigt ist, so käme nach Den Grundätzen der hessischen Verwaltungsrechtspflege das Derwaltungs st reitverfahren in Betracht. Es ist anzunehmen, daß über diese Frage in Kürze eine Entscheidung herbeigeführt werden wird. In dem speziellen Falle Der zwangsweisen Einführung Der GemeinDebiersteuer und Der Bürger ft euer bestimmt Der Artikel 3 Des des- fischen Ausführungsgesetzes vom 11. Dezember 1930 zu Dem 2. Abschnitt Der Verordnung Des Reichspräsidenten zur Behebung finanzieller, wirsichaft- sicher und sozialer Notstände vom 26. Juli 1930, Daß im Falle Der Weigerung Des StaDtrots (Gemeinderats) zur Einführung der Steuern Die Aufsichtsbehörden diese durch „Verfügungen" einzufuhren haben. In dem Ausschreiben des Ministers des In- nern vom 17. Dezember 1930 zu Nr. M. D. 1.51566 wird Die Auffassung vertreten, Daß Diese „Verfügungen Der Aufsichtsbehörden" das Verfahren ersetzen sollen, das sonst nach Den bestehenden landesrecht- sichen Bestimmungen für Die Einführung Der be- trcffenDen Steuer vorgesehen ist. Wenn man analog Die Auffassung vertritt, Daß Demgemäß auch alle Maßnahmen Des Staatskommissars auf Grund Des Gesetzes zur Sicherung Der Haushaltsführung Der GemeinDen „Verfügungen Der Aufsichtsbehörde" sind, [o muß logischer Weise zum mindesteneinBeschwerderechtaufdem Dienstaufsichtswege zugelassen werden. Die Regierung vertritt allerdings den entgegengesetzten Standpunkt, wie aus dem Wortlaut der Verfügung des Kreisamts Offenbach a. M. an den Oberbürgermeister Der Stadt Offenbach hinsichtlich der zwangsweisen Einführung der Biersteuer und der 'Bürger steuer hervorgeht, indem dort bemerkt ist, daß die Verfügung endgültig und unanfechtbar ist. Unterstützungen gewährt werden. Die ‘Bei» Hilfe wird in Form von Gutscheinen für Lebensmittel und Brennstoffe ausgcgeben. Sie soll dazu Dienen, Die in Den Kreisen der Bedachten herrschende besondere Not zu lindern. taten für Mittwoch, 31. Dezember Sonnenaufgang 8.06 Ahr, (Sonnenuntergang 16.01 Uhr. Mondaufgang 12 38 Ahr, Mvndunter- gang 3.34 Ahr. 1747: Der Dichter Gottfried A. Bürger geboren; — 1877: Der französische Maler ®. Eourbet gestorben. Gießener Wochcnmarktpreife. Es kosteten auf Dem heutigen Wochenmarkt: Butter 130 bis 140, Kochbutrer von 110 an, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 10 bis 15, Weißkraut 8 bis 10. Rotkraut 10 bis 12, gelbe Rüben 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 15 bis 20, Llnter-Kohl- rabi 5 bis 6, Grünkohl 10 bis 15, Rosenkohl 25 bis 30, FelDsalat 80 bis 100, Tomaten 70 bis 80, Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 30 bis 50, Kartoffeln 3Vz bis 4, Aepfel 25 bt8 45, Birnen 20 bis 40, Dörrobst 30 bis 35, Honig 40 bis 50, junge Hähne 80 bis 100, Suppenhühner 80 bis 100, Gänse 80 bis 110, Nüsse 50 bis 60 Pf. Das Pfund; Tauben (Stück) 50 bis 70, Eier 16 bis 17, Blumenkohl 30 bis 70, Salat 20 bis 30. Endivien 10 bis 15, Ober-Kohl- rabi 8 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 50 Pf. Das Stück; Kartoffeln Der Zentner 2,20 bis 2,50, Weißkraut 4, Wirsing 6, Rotkraut 5 Qltt. Bornotizen. — Tageskalender für Dienstag. Stadttheatcr Gießen: „Die erste Frau Selby", 20 bis 22.15 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die drei von Der Tankstelle". — Astoria-Licht- spiele: „Saxophon-Susi". — Aus Dem ©taDttßeaterbureau toirD uns geschrieben: Heute im Dienstag- Abonnement statt .Die erste Frau Selby" das Schauspiel von Rostand „Der Mann, Den fein Gewissen trieb". — Für Den SilvesterabenD hat Die Intendanz große Vorbereitungen für Silvesterüberraschungen getroffen. Der Jahresausklang soll ein fröhlicher werden und das Vergangene aus Der Perspektive Des Humors vor Jahresschluß nochmals Revue passieren. Die In- tenDan) läßt Daher unter Heinrich Hubs Regie Raeders Vagabundenposie „Robert unb ‘Bertram“ musikalisch und textlich völlig neu inszenieren und aktualisieren, wobei Löffler, Keim und Huber für Bühnenbild und Kostüme verantwortlich zeichnen. Solotänze des Ehepaares Bä ulte, Gcscmgs- und Tanzeinlagen sind vorgesehen. Bis gegen 22.30 Ahr werden Robert und ‘Bertram (Hub und Linkmann) Führer sein für einen fröhlichen Eintritt ins neue Jahr. — Am Neujahrstage gastiert das Bereinigte Operettentheater Bochum- Hamborn mit der großen Operettenrevue „Die drei Muskettere", einem „Spiel aus romantischer Zeit von gestern und heute". Die Handlung wurde von Schanzer und Welisch aus dem bekannten Roman Alexander Dumrs' übernommen und revuemäßig bearbeitet. Ralph Benatzky (Komponist von „Meine Schwester und ich") setzte die Musik für „Die drei Muskettere". Direktor Bachenheimer hat dieses Werk mit allen Mitteln moderner Regie einftubiert. Das gesamte Personal Der Bereinigten Operetten- bübnen ist beschäftigt. Heber 200 Kostüme verleihen Dem Werk, das in Berlin über ein Jahr ununterbrochen geradezu fenfationelle Erfolge erzielte, ein farbenprächtiges Bild. Die Borstel» lung findet außer Abonnement statt zu ermäßigten Operettenpreisen; Beginn 18.30 Llhr, Ende 21.30 Ahr. •• Bischöfliche Auszeichnung des katholischen Pfarrers von Gießen. Geistticher Rai Dekan Bayer, Pfarrer Der katholischen Gemeinde zu Gießen, wurde an Weihnachten vom Hochwürdigsten Bischof von Mainz Dr. Ludwig Maria Hugo zum Ehren-Domkapitular ernannt. " Auszeichnung eines Gießener Gelehrten. Von Der Pressestelle Der Landes- ilnioerfität wird mitgeteilt: Dem ordentlichen Professor Dr. Rudolf Herzog an Der Landes-Universität Gießen wurde vom Präsidium der Notgemeinschaft Der deutschen Wissenschaft Die zur Erinnerung an ihr zehnjähriges Bestehen geschaffene Medaille verliehen, die den um die Notgemeinschaftsarbeit besonders verdienten Männern als Ausdruck des Dankes und zugleich als Gemeinschafts- und Erinnerungszeichen Dienen soll. " Einmaliges Gastspiel des Stadttheaters Gießen in Heuchelheim. Aus dem Sladtcheateröureau wird uns geschrieben: Das Stadtthvater Gießen wird am Neujcchrstag I ein einmaliges Gastspiel mit Dem Schlager Der Saison „Meine Schwester und ich" geben. Diese Jazzoperette wird in der Besetzung der Gießener Erstcncksühnmg in Szene gehen. Für das plötzlich erkrankte Fräulein Jahn wurde als Gast in Der Rolle Der Irma Fräulein Hertha G r e e f f vom Stadttheater Mainz verpflichtet, die diese Rolle dort mit großem Erfolg gespielt hat. Die Bor» stellung findet in der Tumchalle statt und beginnt um 20 ilßr. Vorverkaufsstellen: Turnhalle (Burg), Friseure Volkmann, Sack, Reuchlin und Firma Schleenbecker. •• Früherer Kassenschluß Der Geldinstitute. Die hiesigen GelDinstitute geben bekannt, Daß ihre Geschäftsräume am Nachmittag Des 31. Dezember geschloffen sind. KassenstunDen sind lediglich von 8 bis 13 Uhr. Näheres in Der heutigen Anzeige. " Oeffentliche Bücherhalle. Im Dezember wurden 1257 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 860, Zeitschriften 70, Jugendschriften 62, Literaturgeschichte 3, Gedichte und Dramen 6, Länder- und Völkerkunde 76, Kulturgeschichte 1, Geschichte und Biographien 100, Kunstgeschichte 22, Naturwissenschaft und Technologie 24, Haus- und Landwirtschaft 5, Gesundhei tslehre 5, Religion und Philosophie 10, Staatswissenschaft 6, Sport 1, Fremdsprachliches 6 Bände. ' Landkrankenkasse Gießen-Land. Die 'Bureauräume dieser Kasse, Die sie bisher gemeinsam mit Der Allgemeinen Ortskrankenkasse Gießen-Land in Dem Hause Kaiserallee 3 innc- hatte, werden am 31. Januar nach dem ersten Stock des Gebäudes der Commerz- und Privatbank (früher Mitteldeutsche Kreditbank), Ecke Goethe- und Johannesstraßc, verlegt. ‘Wegendes Umzugs bleibt Die Geschäftsstelle an diesem Tage und am 2. Januar 1931 geschlossen. (Siehe heutige Anzeige.) Gteuerbeschlüsse in Wieseck. £ Wiese ck, 30.Dez. Nachdem sich der Gern e i n d e r a t bereits in seiner Sitzung vom 22. Dezember mit der E rs ch l i e ß u n g neuerSteuer- quellen befaßte, damals aber Die Angelegenheit der Finanzkommission zur Bearbeitung überwies, stand diese Angelegenheit gestern abend erneut zur Beratung. Bürgermeister Schomber teilte einleitend mit. Daß Durch Den Ausfall von verschiedenen Einnahmen aus Sandabgabe, Pferch-, Obst- und Grasgeldern im laufenden Rechnungsjahr eine Mindereinnahme von 5950 Mark, ferner ein Mehrbedarf für Wohlfahrtsupterstützungen notwendig sei, das Gesamtdefizit im laufenden Rech- nungsjahr vorausfichtsich 15 500 Mark betrage und die Erschließung neuer Steuerquellen unbedingt er- forderlich erscheine. Wenn auch die Gemeinde in der Lage fei^ 3000 Mark aus Schuldverschreibungen, die dieser Taye ausgelost wurden, zu verwenden und darüber hinaus 4400 Mark, die in diesem Jahr für Feldbereinigungskosten vorgesehen waren, aber durch Nichtfertigstellung Der Feldbereinigung noch zurückgestellt werben können, ferner 1200 Mark an vorgesehenen Derpflegungskosten nicht gebraucht würden, so müße doch mit einem ungedeckten Fehlbetrag von rund 7000 Hart geregnet werden, der durch Erschließung neuer Steuerquellen aus der Welt geschafft werden müsse. Er schlug vor, den Vorschlag der- Finanzkommission anzunehmen, der besagt. Die Grundsteuer von Gebäuden und Bauplätzen von 28 auf 35 Pf. für 100 Mark Steuerwerk zu erhöhen. Ferner sollen erhöht werden: die Grundsteuer vom land- und forstwirtschaft- l i ch oder gärtnerisch genutzten Gelände von 69 auf 75 Pf. für 100 Mark Steuerwert; die Gewerbesteuer vom Gewerbekapital von 92 auf 100 Pf. für 100 Mark Steuerwerk und die Gewerbesteuer vom Gewerbeertrag von 270 auf 280 Pf. Die Bier st euer wolle Der Gemeinderat ab 1. Februar beschließen, während die ersteren Steuern ab 1. April 1930 zu erheben seien. Die Annahme dieser Steuern sei trotz aller Bedenken, Die Durch diesen Beschluß ja jedem bekannt seien, notwendig, um den Gemeindehaushalt in Ordnung zu halten. Lehne der Gemeinderat diese Steuern ab, so sehe er auf Grund Der Notverordnung keine Möglichkeit ■ mehr, für einen Ausgleich im Haushalt zu sorgen. Gemeinde- rat Erb (Komm.) lehnt alle Steuererhöhungen und neue Steuern ab. Gemeinderat Seibert will durch Sparmaßnahmen beim Wasserbezug, Streichung Der Zinszuschüsse, Die früher zur Behebung Der Wohnungsnot bewilligt würben, an nichtbedürftige Bauherren, sowie durch Erhöhung Der Mieten von zahlungsfähigen Mietern in Gemeindewohnungen, Beseitigung des kostenlosen Bestat-- tungswesens für Nichtbedürftige, Den Ausgleich herbeigeführt haben. GemeinDerat Benner, empfiehlt in Anbetracht Der großen Notlage, in Der sich sehr viele Ottseinwvhner befinden, für Die Erhöhung Der obenangeführten Steuern zu stimmen. Wenn auch Wieseck in Hessen mit noch anderen 3 0 Gemeinden an Der Spitze Der Realsteuern marschiere, o sei doch zu berüdfttigen. Daß die Wirtschaftskrise ich in einer reinen zltbeiiergemetnbe besonders tark auswirke. Nachdem Der Finanzausschuß nochmals kurz beraten hatte und Die Beschlußfassung über die Biersteuer ab gesetzt wurde, entspann sich nochmals eine lange Aussprache, in Der von allen Seiten Die Not anerkannt und auch Hllfe zugesagt wurde. Die Abstimmung, Die geheim oorgenommen wurde. ergab Die Annahme Der oben berichteten Steuererhöhung. Dafür stimmten 9 Mitglieder Der (BcmeinDcDcrtretung, Dagegen 8 Oe- mcinDeocrtrctcr. — Ein Gesuch Der Schützenabteilung Des FreienTurn-u. Sportvereins um Ueberlasfung Des SchicßstanDes soll Der Baukommission überwiesen werden. Die Aussprache mit Dem Verein soll baldigst stattfinDen. Kommunisten belästigen den Bischof von Mainz. Mainz, 30. Doz. (*£11. Funkspruch.) Wie erst jetzt bekannt wird, wurde der Mainzer Bischof Dr. Ludwig Maria Hugo nach der Heimdrhir von der ‘Deihnachtsnteife unterwegs von Kommunisten belästigt. Ein in seiner Begleitung befindlicher junger Geistlicher konnte die Angreifer vom Bischof fernhalten. Auf Hisierufe suchten die Kommunisten das Bkitc. Der Mainzer Bischof hat in den letzten Tagen eine Reihe von Drohbriefen erhalten, so an einem Tage über 50 Stück. Der Vorfall beschäfttgt Die Polizeibehörden 90000 Mark auf offener Straße geraubt. Main;. 30. Dez. (TU. Drahtbcricht.) Heute vormittag 9 Ahr wurde in der Rahe des Reichsbankge- baudcs auf ffartbdebter Straße ein äußerst verwegener Straßenraub ausgeführt. Zwei Angestellte der Mainzer Volksbank hatten von bet Reichsbank Ultimogelber in höhe von 90 000 Bl L erhoben, vor dem 3ufti$gcbäube sprangen aus einem Personenauto 1. Y. 23 529, das längere Zeit vor der Reichsbank gehalten hatte und wahrschein- sich gestohlen ist, zwei mit Revolvern bewaffnete Männer und raubten blitzschnell die Aktenmappen mit sämtlichen Geldern. Als in Der Röhe befindliche Passanten hinzusprangen, gab einer der Räuber Schüsse ab. Die Täter entkamen In Der Richtung Frankfurt, werden aber von mehreren Personenautos verfolgt. ,btrd en- ■an kl Tours 'M Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Mittwoch, Den 31. Dezember. Silvesterabend. Stadtkirche. 20 Uhr: Pfr. Becker. — Zohanneskirche. 20: Pfr. Ausfeld. — Kapelle des Asien Friedhofs. 18: Pfr. Lenz; Beichte und hl. Abendmahl für Die Luchergemeinde. — Esisabeth-üleinkinderschule. 20j Pfr. Lic. Waas. — wieseck. 19.30: Liturgische Jahreschlußfeier.— Alten-Vuseck. 17.30: Liturgische Jahres. schlußseier. — Kirchberg. 20: Lollar. — Leihgestern. 19: Silvestergottesdienst. — Housen-Garbenteich^ 17.15: Garbenteich, 18.30: Hausen. — Watzenborn- Steinberg. 20: Silvesterfeier. — Lich. 20: Pfarrvikar DrauDt; Beichte; hl. AbenDmahl; Posaunenchor; Kol« lekte. katholische Gemeinden. Mittwoch, Den 31. Dezember. Gießen. 16.30 Uhr: Beichte; 17.30: Silvesternndacht mit IcDeum; 19: Beichte. — Laubach. 17: Silvester« predigt unb Andacht. — Hungen. 18.30: Silvester« predigt und Andacht. — Lich. 20.15: Silvesterpredigl und Andacht. Oie Wetterlage. Owoixenios. neiter. ® naib bedtett 9 wenig. • oeirecxi tWe#» • lehnte 6 Graupeln. - KtDtl K 6cwitt;r.(g)Wind5tiUe.-o~ sehr «itnte- O$1 ■nisj-ge» SDdiuflwejt stürmische» noriJwtjl Oie Pfene fliegen mit gern wmde. pie oei gen Stationen Menenden Zal> ttn gehen die Temperatur an. Pie lin.en «ferpmatn Orte mit gleiche® Meeresniveau uogcrerhoeteu Luftdruck Wettervoraussage. Nachdem der gestern über Frankreich gelegene Tiefauslauser bis in unseren Bezirk vorgedrungen ist und uns neben Erwärmung auch einzelne Regens falle gebracht hat, ist über Irland bereits ein neuer Wirbel erschienen. Er führt an seiner Dorderseits wieder ein ausgedehntes Regengebiet mit sich. Wenn auch nach dem Abzug der Teilstörung sich der Hirn« mel vorübergehend aufklart, wobei nachts die lern« peraturen einen Rückgang bis in Gefrierpunktsnähs erfahren können, so wird doch mit dem Herannahen Des neuen atlantischen Tiefs wieder stärkere Bewöl« kung aufkommen und veränderliches, für Die Jahreszeit milDes Wetter mit einzelnen NieDerschlägen eintreten. Aussichten für Mittwoch: Nach vorübergehendem Aut klaren wieder stärker bewölkt, für die Jahreszeit mildes Wetter, vereinzelte Niederschläge. Aussichten für Donnerstag: VZeitrr- hin veränderliches Weiter mit einzelnen Niederschlägen. Amtliche Dmtersportaachrlchten. Vogelsberg: Nebel, 0 Grad, geringe Schneedecke. keine Sporttnöglichkeit mehr. Taunus, Feldberg: Nebel. — 1 Grad, geringe Schneedecke, vereist; nur Rodeln möglich. Rhön, Wasserkuppe: Nebel, minrrS 1 Grad, 15 cm Schnee, 1 bis 2 cm_ Neuschnee, Schneedecke vereist; Ski und Rodeln mäßig. Schwarzwald, Feldberg: Bewölkt, minus 2 Grad, 35 cm Schnee, 11 bis 15 cm Neuschnee, Pulverschnee; Ski und Rodeln sehr gut ’N Gießen, den 30. Dezember 1930, Ludwigsplatz 8II. Die Trauerfeier findet in aller Stille statt. 8870 PI 888211 Weifokraut 079i 8871 D bei Prosit Neujahr! Ptund Mk. 0 40 Pfd. 0.30, 0.40 Gießen, den 29. Dezember 1930 KiesO Hausfrauen,Gastwirte 079! 8878D 1931 geschlossen. wie Der C.C. der Hassia offen. 8903D LA.: CellariuspZ# düngen erbeten 07977 849 qn 346 qn 88861 8881D 89061 8902D 8777V Ruh I das Liter das Liter das Liter :330 qn 336 qn Süd weine »Trauben * Aepfe Nüsse * Feigen * Datteli Garantiert frische Trinkeiei Marie Sack / Goethestr. 31 Atelier feiner Maßanfertigung Montag früh wurde meine liebe Frau, unsere herzens- gute Mutter,Tochter, Schwester, Schwägerin, Schwiegertochter und Tante Herst. Emil Bihler.Geislingen/Steige Vertretung und Auslieferungslager; W. Lindertau, Gießen, Frankf.Str. 34. Unterfertigter CG betrauert aufs tiefste das Ableben seines lieben AH Bel den neuesten Beugeidzuteilungen vom 6. und 10. Dez. wurden wiederum 10,8 Millionen RM. für 764 deutsche und österreichische G. d. 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Dez. 1930, nachmittags 3 Uhr statt. 8874 D] l Grabgarten im Altenfeld Acker zwiicken Wetzlarer Weg und valm Scheuer mit Hofraum im Altenfeld links auf dem Weg Nabr inasbcrg Nr. 30 beizutragen haben. Hausen, den 30. Dezember 1930. Bürgermeisterei Hausen. Happel. Geh. Med -Rat Universitätsprofessor Dr.med. Karl Hirsch Thuringiae (X X • X X X), rez. 1891 (XX X X) 8904D Einwendungen gegen den Voranschlag können während dieser Zeit schriftlich oder zu Protokoll vorgebracht werden. Es ist die Erhebung einer Umlage beschlossen, wozu auch die Ausmärker herangezogen werden. Rüddingshausen, den 30. Dezember 1930. Bürgermeisterei Rüddingshausen. ___________Mu fJjj.___________ Mittwoch, den 31. Dezember 1930, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich dahier, Neuenweg Nr. 28, im „Löwen" zwangsweise gegen Barzahlung: Teppiche, Chaiselongues, einen Radioapparat, Schreibtische, Büfetts, Kredenzen, ein Eßservice, ein Kaffeeservice, zehn Mobs, Teppichbürsten, Schuh- und Kleiderbürsten, Fensterleder, Schwämme, Schreibmaschinen, Ladentheken, einen Kassenschrank, 50 eiserne Mistbeetfenster, Sofas, Nähmaschinen, ein Vertiko, ein Grammophon, einen ovalen Ausziehtisch, zwei Kommoden, 20 Gummibälle, einen Kleiderschrank, zwei Klubsessel, eine Truhe, einen Bilderschrank, ein Oelgemälde, einen Gasheizofen, ein Pianino, einen Küchenherd, einen Dauerwellenapparat, 600 m Kleiderstoffe, 40 m Damast, einen Ballen Paletotstoffe, zehn Ballen Anzugstoffe, 70 m Tuch, 25 m Samt, zwölf Bettücher, einen Herrenanzug, einen Herrenmantel, Bekanntmachung. Der vom Gemeinderat durchberatene Nachtragsooranschlag der Gemeinde Rüddingshausen für 1930 Rj. liegt vom 30. Dezember 1930 ab eine Woche auf dem Amtszimmer des Bürgermeisters zur Einsicht Beschlaanahmefreie nroüe IwnL) verwendet werden Es kostet Frostschutz bis -10° = RM. 0.70 bis -15° = RM. 0.90 bis -20° = RM. 1.20 Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Albert Nees 14 m Buckskin. Funker Gerichtsvollzieher in Gießen BahnhoFstrl5 .Tel.2818 i Bekanntmachung. Der Nachtragsooranschlag der Gemeind, Heuchelheim für das Jahr 1930 liegt von 31. Dezember 1930 ab eine Woche lang au dem Bureau der Bürgermeisterei währenl der Geschäftsstunden zur Einsicht offen. Er ist eine Umlage vorgesehen, zu der auch dii Ausmärker beizutragen haben. 8875E Heuchelheim, den 28. Dezember 1930. Bürgermeisterei. Kreiling. Neujaiirswunsch I Zwei Herren von au erbalb, 25 und 32 Ciabre, letzterer selbständiger Handwerker, suchen auf diesem Wege zwei Damen entsprechenden Alters zwecks späterer Heirat kennenzuleinen. Ernstgemeinte Zuschriften unter S860D an den Gießener Anzeiger erbeten. Acker, Wieie, Leibgestcrner Weg 7161 + 8108 qa Grasgarfen, Obsfbaumstück bafelbit In tiefer Trauer: Heinrich Lang Laubach, den 28. Dezember 1930. | Empfehlungen) iiiiiiiiiiiiimmiiiiiiiiiiiiniii Sh Siloetter hö Stelios empfehlen wir leb. SDiegellorolen. lü 5d)leien,5eilüult L'tofM.aonöer. SluMedjte.alieSor ten seeiifffle. ziiets A.Koch Nacht MttuRbnrg 15 Tel.3ßlf6e»s*D|m iniHllllllllllilllllllllllllllllll1Z Ihr Kühler ist in Gelahr! Nur keine Sorge, ich verwende schon seit Jahren den Frostsdiutz -Bilorid denn er ist preiswert und beständig wirksam, verbraucht sich nicht und kann im nächsten Winter wieder Wiesecker Weg 16 — Telephon 3383 «eil- unöWlluö «en uno limg. A.ittwock,:r i.Tez., u,3O Ube MksleM nach dem Schiffen- berg. Am 1. Januar fällt Klubabend aus. 9WDJ Dor Vorstand. Hirz Seltersweg 22 Todesanzeige. Heute nacht entschlief nach kurzem schweren Krankenlager meine Hebe gute Frau, unser liebe gute Schwiegertochter, Schwester, Schwägerin und Tante Lina Laag, geb. Sämann Fr. Brücker, Großschleifere Gießen, Bismarckstraße 10 Telephon 209 Schellfische u. Bratschellfische Ptd. 25 Seelachs ohne Stouf 'L'fh. 30 Goldbarsch ohne Kops 'i'lb. 35 Rum Vl Flasche 4.00 '/- AL 2.25 Arrak V. Flasche 5.00 Punsch >/t Fl. 6.50 V2 Fl. 3.50 Sekt ’/i Fl. 4.50 u. 4.00 Obstsekt Vt Fl. 2.00 Weifowein Vifer 7 . Rotwein Fl. 1.00 Flaschenweine n allen Preislagen von 1.00—3.50 Kognak V, 3.50, 2.25 ich. Kalblleisch L,e*’igstr.G6. Tel.36L5 Acker und Cbitbaumitürf, das. 1197 qa sofort zu verpachten. Auskunft erteilt Elsoffer, Rechtsanwalt Nach langem schweren Leiden verschied mein geliebter Mann, unser Vater, Bruder, Onkel und Schwager Hugo Bromm im Alter von 51 Jahren Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Berta Bromm, geb. Sperling und Söhne Sichere Kapitalanlage mit guter Verzinsung gewährleisten unsere Gold-Vfandbviefe und Gold-GchuldverMvewungeu die bei allen Banken und Sparkassen erhältlich sind. Gestern abend 8*/< Uhr entschlief plötzlich und unerwartet unser inniustgeliebtes, braves Söhnchen, Enkelcben und Pate RUDOLF im zarten Alter von l‘/? Jahren. Familie Lndwig Schmidt , .. , m Famil c Johannes kichmidl In tiefer Ti au er: yamjlle Heinrich Schmidt und alle Angehörigen Rödgen, Reiskirchen, den 30. Dezember 1930. Die Beerdigung findet Mittwoch. 3L Dezember 1930, nachmittags 2*/2Uhr statt. Holzversteigerung. Die Gemeinde Wißmar versteigert ani Samstag, dem 3. Januar 1931, von 9.30 Uhr vormittags an, bei wirt Reh aus Distrikt 6, Eschbach: Eiche: 81 rm Nutzrollen, 2 m lang, 138 rm Scheit und Knüppel, 70 rm Reiser. Buche: 371 rm Scheit und Knüppel, 498 rm Reiser. Distrikt 14a, Ken nelsheck: Eiche: 1 Stamm, 0,71 fm, 2 rm Scheit und Knüppel, 5 rm Reiser. Buche: 400 rm Scheit und Knüppel, 664 rm Reiser Das Holz aus Distrikt Kennelsheck komm! nachmittags nicht vor 1 Uhr zum Aus- gebot. 8898D Wißmar, den 29. Dezember 1930. Der Gemeindevorsteher. Bittendorf. 1600 Ml. als 1. Hnvothet auf Wohnhaus gesucht. Schr. Äng. unt. 079/3 an den Giest.Anzeio. 'i extilfirma lucht Berichts- Vertreter inAbzahliinoöforde- rungeu betmtnes.Ge- richt. Schr. Ang. unt. 07975 a. d. ®tk Arn. Trauring (M, D. 11.3.28) Lonn- tanabenh verloren. Abzug. geg. Belohn. Llebhstr. 97 8. 07960 Bekanntmachung. Der vom Gemeinderat beratene Nachtragsvoranschlag der Gemeinde Hausen für Ri-1930 liegt vom 2. Januar 1931 ab eine Woche lang auf der Bürgermeisterei offen. Es ist die Erhebung einer Nachtragsumlage beschlossen, zu der auch die Ausmärker Frachtsclilitten zu verkaufen. [8788D Braugasse 6. Zwei transportable hWklWsek Gröde; 2'/^x3'/.> und l'/rX2 Met, preic-w. zu verkaufen. W. Hassclbach .Krofdorf___ | Kaufgesuche | Saus nt. gumeh. Svezeret- ncfdiäft b. aröd.Anz. z.k. ges. Schr.Angeb um. 07968 a d. G. A. ANANAS Irisch Ptund Mk. 1.80 in Dosen zu Mk. 0.75, 1.10, 1.40, 2.0 Mandarinen * Orangei Pahrner ■ der Mode- Schmuck Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 31. Dezember 1930, vom Neuen Friedhof aus statt. Beileidsbesuche dankend verbeten. 07961 | Mietgesuche | Freunot. möbliert. Zimmer von Herrn z. 1. Jan 1931 gesucht. Schr. Angel), unter 8879 D an den Gien. Anzeig. ßeljöare Süilofsl. lle iür totort von Erwerbslosem gesucht. Dckr. Attgeb. unter 07979 a. d. GH. Anz. {Stellenangebote) SAME! Verkäuferin für sofort gesucht. Nur wirklich erste Sßerfanfßfrflite woll. sich melden. Schrtitl. Angeb. unter 07962 an den Kien. Anz. Stellengesuche| Suche für meine Ißiäbr. Tochter nut Atueliäbr. Handels- schulbitdg. Stelle als Haustochter mit etwas Betgiitg. in besserem Hause. Lchr. Ang. unt.07955 an d. Gteh An«, erb. Familien-Drucksachen Verlobungsanzeigen Vermählungsanzeigen Geburtsanzeigen bei Brühl. SchulstraBo 7 Stadttheater Mittwoch, 31. Dez. Ltlvener - Bo»stetig, von I9l/2bld22l aUbr 12.!liltirooMö. Brff. Gewöhnliche Preise BoDertunöBertrom Bosse nut Gesängen und Tänzen tn vier Abteilungen von Gustav Raeder. 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April 1931 statt. Die Plätze für erstklassige Fohr- und Schaugeschäfte, Schieß- und Verkaufsbuden (letztere in beschränktem Umfange) sind im Wege schriftlichen Angebots zu vergeben. Bedingungen und Angebotsscheine sind bei der Stadtverwaltung (Stadthaus, Bergstraße 20, Zimmer Nr. 12) erhältlich; dort sind auch die Angebote unter Verwendung des vorgeschriebenen Angebotsscheins bis spätestens 31. Januar 1931 (einschließlich) einzureichen. Der Frühjahrsmarkt ist in der Zulassung von Geschäften fein offener, sondern ein beschränkter Markt. Grundsätzlich werden nur solche Geschäfte (auch (Spezialisten) zugelassen, die sich rechtzeitig um Plätze beworben haben und denen die Zulassungsbescheinigung vor Beginn des Marktes schriftlich zugegangen ist. Die Vergebung der Plätze geschieht nur durch die Stadtverwaltung. Glücksspielunternehmen jeglicher Art sind verboten. Eine Verlängerung des Marktes aus irgendwelchen Gründen findet auf keinen Fall statt. Gießen, den 30. Dezember 1930. Der Oberbürgermeister. (8767E I. V.: Dr, Rosenberg. 0 % Nr. 304 Zweites Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Dienstag, 30. Dezember (930 WeihnMundMjahlimmodernenGnechcnland Don unserem C. ^.-Berichterstatter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Athen, Dezember 1930. 3m schönen Griechenland ist der heilige Basi- lius, der von weit her, aus Täsarea in Kleinasien. kommt, der Freudenspender sür die Kinderwelt und nicht das Christkind. Somit hat daS Weihnachtsfest nicht die große und tiefe Bedeutung, wie brt uns in der Heimat. Die Kleinen schreiben keine Wunschzettel, die das Christkind heimlich abholt, die Großen kennen ulcht die geheimnisvollen, monatelangen Vor- "berci hingen der Geschenke, kein Christ bäum ziert das Heim der Griechen, kein sreudiges Erwarten des von uns so sehnlichst herbeigewünschten Festes. Kein Wunder, wenn das Weidnachtsfest in den Hintergrund gedrängt wird: für ben Griechen ist das größte aller Feste das Fest der Aus- erstehung. das O st e r f e st. Als Fest der Geschenke, als Austauschtag der Liebe und Ablösung von Verpflichtungen feiert man in Griechenland das Neujahrsfest. Selbst die breitesten Straßen Athens sind zu eng und schmal, um die wogende Menge zu fassen, die da alltäglich an der Neige des alten Jahres von Geschäft zu Geschäft und von Laden zu Laden zieht, noch schnell die letzten Besorgungen erledigt, denn am Neujahrstage müssen die Spenden und Gaben ausgeteilt fein, mit denen sich jung und alt, groß und klein gegenseitig überrascht. Grüne, silberne und goldene Sonntage sind der griechischen Geschäftwelt unbekannt, allein amSonntagvor Neujahr ist es den Kaufleuten gestattet, ihre Läden offenzuhalten. Dieses Recht wird dann aber auch weidlich ausgenuht. Die an sich schon so schmale, für den jetzt so umfangreichen Verkehr viel zu enge Aiolus- straße hat einen jahrmarktähnlichen Charakter angenommen, Buden und Stände find in ihr errichtet worden, einer am anderen, zu Hunderten ziehen sie sich zu beiden Seiten der Straße entlang. Hier kann man allerhand Kleinigkeiten — rneist Made in Germ any — bewundern, die die Derkäuser unter Anstrengung ihrer beiden Lungenflügel, oft unter Mithilfe von Pfeifen und Trompeten und sonstigen Radau-Instrumenten airpreisen, so daß man in der poetisch bezeichneten Aiolusstraße sicherlich jeden Begriff für Aeols- harfenmusik verliert. Kühne Behauptungen werden dreist in die kauflustige Menge gerufen »Teuer habe ichS eingekauft, umsonst wird hier verschenkt". Die ganze Ausmachung erinnert an unseren Christmarkt, dem nur der weiße Schnee und der wandernde Wald der duftenden Tannenbäume fehlen. Jahrmärkte und Schützenwiesen, fahrende Leute und Karussels, Schaukeln und Zirkus sind in Griechenland unbekannte Dinge, das leichte, überschäumende Leben fehlt, ein Heraus- gehen der Menschen aus sich in ausbrechender Freude ist dem ruhigen Wesen des Griechen zu- der und in der TleujahrSnacht, wenn bei uns das Prost Neujahr durch die Straßen dröhnt, wenn sich die Fenster öffnen und die Leute sich Glückliches Neujahr gegenseitig zurufen, ist es hier st i l l und ruhig, kaum daß man in den Straßen Athens einen einsamen Wanderer sichtet, den der Dienst vom Hause semhielt und der dem heimischen Herde zusteuert. Andere Länder, andere Sitten. Hier ziehen a in Sivestertage die Kinder durch die Straßen oder große Musikkapellen und spielen die Weisen „Der Heilige Basilius kommt, kommt von weit her, Don Cäsarea", wandern dabei von Tür zu Tür und bitten um eine Gabe, llnb dann die Neujahrsgeschenke in Athen! 3a, die Athener Hausfrau weiß davon ein Lied zu fingen, allerhand Gestalten präsentieren sich am Neujahrstage mit Karten und Gedichten, die im Jahre irgendwie mit dem Hause in nützlicher Beziehung gestanden zu haben behaupten: Briefträger, Telegrammbote, Zeitungsjunge, Straßenkehrer, Müllkutscher, Wassermann, jedenfalls Legion ist die Zahl derer, die da glauben, Ansprüche auf den Geldbeutel der forgenden Hausfrau machen zu können. Die Freude der griechischen Silvesternacht sind nicht Punsch und Bowlen, sondern — — — Kartenspiel, denn wem in jener Nacht die Göttin des Spieles hold ist, dem heftet sich das Glück das ganze 3ahr an die Fersen. Diele verlieren in der Silvesternacht, in der sogar das Glücksspiel für eine Nacht Polizei- l i ch erlaubt ist, ihre Neujahrsgeschenke, denn die Banken und • großen Geschäfte geben ihren Angestellten doppeltes Gehalt, den sog. dreizehnten Monat. Die Familie versammelt sich des Nachts vor einem besonders gebackenen Kuchen, der ..Pita", in der heimlich ein Geldstück, von der kupfernen bis zur goldenen Münze hinauf, je nach dem Wenn Chammurabi, der große König der Babylonier, der um 2000 vor Christo regierte, zur Nachtzeit in seinen Staatsakten lesen wollte, so mußte er sich eines Oellämpchens bedienen. Wenn Goethe, der 1832 starb, nach Einbruch der Dunkelheit arbeiten wollte, so mutzte er, obwohl inzwischen nahezu vier Jahrtausende vergangen waren, genau so wie Babylons großer Herrscher die Oellampe anzünden. Gewiß, sie war inzwischen etwas verbessert worden, hatte eine andere Form erhalten, aber es war doch immer noch eine nach unseren heutigen Begriffen kümmerliche Beleuchtung. Goethe hat sich über diesen Lichtspender weidlich geärgert, dessen Docht schnell kohlte und immer wieder gesäubert werden mußte; das ersehen wir deutlich aus dem poetischen Stoßseufzer: „Wüßt nichts, was sie besseres erfinden könnten, als daß die Lampen ohne Putzen brennten.“ — Aber unser Beispiel von der Oellampe ließe sich verhundertfachen! Chammurabi wie Goethe, obwohl durch 4000 Jahre voneinander getrennt, hatten fein anderes Mittel, um eine Botschaft schnell 50 Meilen weit zu tragen, als einen reitenden Boten, und für beide hatten die Worte Raum und Zeit einen Wert, einen 'Begriff, der uns abhanden gekommen ist, weil tausend technische Möglichkeiten es uns erlauben, weite Räume in schneller Zeit zu Überbrüden, in einem Tage das aus- zusühren, was man früher nicht in einer Woche erledigen konnte. Hier liegt der Schlüssel zu den zahllosen Merkwürdigkeiten und Schwierigkeiten unseres Zeitalters. Es ist eben nicht wahr, daß wir heute Lebenden eine Epoche der Menschheitsgeschichte durchwandern wie andere auch. Don den Zeiten Goethes bis zu uns, also in einem einzigen Jahrhundert, hat sich das Gesicht der Welt, haben sich die Lebcnsräume, die Lebensmöglichkeiten und Bedingungen vollkommen gewandelt, während sie in den vier Jahrtausenden von Chammurabi bis zum Weisen von Weimar in den Hauptzügcn gleich blieben. Gewiß, man wußte zur Zeit Goethes, daß die Erde ein kleiner Stern ist, der um die Sonne läuft, man hatte manchen alten Aberglauben abgetan und einen neuen Glauben angenommen; alte Reiche waren inzwischen zugrunde gegangen und neue blühten, aber das Leben der großen Massen hatte sich wenig gewandelt, die Lebensformen sich nicht von Grund auf verändert, wie es eben in diesem einen Jahrhundert bis zu uns geschehen ist. Man ist immer geneigt, die Leistungen der alten Kulturen zu unterschätzen und unsere zu überschätzen, weil die Zeit reich ist an sinnlichen Ne ich turne des Familienoberhauptes, eingebaden wurde. Um diese Pita nehmen alle Familienmitglieder, bis zum armen Hascheri, dem Dienstmädchen. Ausstellung, und der Kuchen, wird in soviele Stüde verteilt, als Gelichter erwartungsvoll auf ihn gerichtet find. Wem das Geldstüd zufiel. der ist der Glüdspilz für das ganze kommende Jahr; er wird mit großem Hallo gefeiert. Der Neujahrstag selbst gilt den Besuchen und der Ucbctbringung der Geschenke. Gabentische sind unbekannt, man beschenkt sich von Hand zu Hand. Und wieder herrscht eine unbeschreibliche Lebendigkeit in den Straßen, Autos und Taris haben vollau' zu tun, schwirren hin und her. um alle die mit Paketen beladenen Besucher von Haus zu Haus zu bringen, wo die Schätze hinter den Türen verschwinden und man sich gegenseitig das Beste für das kommende Jahr wünscht. Ein Wunsch, der meist ausklingt in einem „Chronia polis!“ (Diele 3ahrel). Aeußerlichkeiten, die uns eben die Technik geschenkt hat, die Massenbetrieb und Maschinentempo allen zugänglich machen. Und doch gab es auch damals weise Gesetze mit sehr vernünftigen und humanen Bestimmungen, gab es eine hohe Kunst, gab es ein altes reiches Wissen um viele Erscheinungen der Natur und der Menschenwelt, gab es auch damals tiefes religiöses Empfinden und Suchen. Vergessen wir ja doch nicht, daß eS vor 100 Jahren noch vielfach auch in der abendländischen Welt recht dunkel aussah, so dunkel, daß wir es kaum noch verstehen. Erinnern wir uns, daß noch vor 7 5 Jahren in unserem Vaterland „Hexe n" durch das Volk abgeurteilt und erschlagen wurden, daß ein ordentlicher Gerichtshof in Glarus eine junge Dienstmagd wegen Hexerei enthaupten liefe, als Goethe schon 33 Jahre alt war! 1813 brannte in Berlin der letzte Scheiterhaufen! 1809 wurde die Leibeigenschaft in Preufeen offiziell aufgehoben. Noch vor hundert Jahren mufeten alle chirurgischen Operationen ohne Betäubung vorgenommen werden und selbst e n so altes Kulturland wie Frankreich hat erst seit 50 Jahren die allgemeine Volksschule I Solche Betrachtungen können uns lehren, in welchem rasenden Tempo die Entwidlung in den letzten hundert Jahren verlief. Fügen wir noch einige Daten hinzu, die das unterstreichen: Dor genau hundert Saferen wurden in Berlin die ersten (Straften mit Gasbeleuchtung versehen, vor 90 Jahren fuhr in Deutschland der erste Eisenbahnzug ab, vor 85 Jahren wurde bei uns die erste Telegraphenlinie eingerichtet. Seit 60 Jahren gibt es eine Dynamomaschine, vor noch nicht 50 Jahren kam das Telefon auf und ebensolange gibt es Glühlampen. Den Kine- matographen kennt man seit knapp 30 Jahren und erst zweieinhalb Jahrzehnte sind es her, daft Dumont und die Gebrüder Wright die ersten gelungenen Flüge machten. Wir haben in einem einzigen Jahrhundert eine Umgestaltung der Welt erlebt. Die Umwandlung der Staaten Europas von Agrar- in Industrieländer, mit all ihren schwierigen wirtschaftlichen, sozialen und tulturcllcn Problemen. Ja, auch kulturelle Probleme knüpfen sich an diesen Umsturz einer Welt, und sie sind für den geistig orientierten Menschen vielleicht noch wichtiger als tausend Aeußerlichkeiten! Oswald Spengler hat einmal die geistvolle Bemerkung gemacht, daß Plato, bet große griechische Philosoph, und Goethe Zeitgenossen waren, obwohl der eine zweiundzwanzig Jahrhunderte vor dem an- UnÖ das alles in 400Iahren! 1813 der letzte Scheiterhaufen in Berlin. — Dor 99 Zähren die erste Gasbeleuchtung. — Vor 50 Zähren Telephon und Glühlampe. — Vor 20 Zähren die ersten gelungenen Zlüge. Von Bruno H. Bürgel. „Hierher, Amphitrite!" Weiteres vom Si vester-Karpsen. Von K. Lennarh. Auf welche Weise bereiten Sie eigentlich ihren Silvester-Karpfen zu? Blau? — in Jbieinjauce? — polnisch — farciert? — Ich möchte Sie nicht beeinflussen — ich bitte Sie, so ein Silvester-Karpfen ist doch wirklich Geschmadjache — aber falls keine dieser Zubereitungsarten ihnen zusagt, würde ich ihnen raten, in der Geschichte der Gastronomie etwas zurückzugrcifen. Das niedersächsische Kochbuch vom Jahre 1750 ist weitaus freigebiger und bringt sieben verschiedene Rezepte. Das Hamburgische Koch, buch aus der gleichen Zeit verrät sogar 15 unterschiedliche 'Arten der Zubereitung und die „feine französische Küche" aus dem Jahre 1739 weiß es natürlich am besten und gibt 18 verschiedene Rezepte an, den Silvester-Karpfen anzurichten. Run mag es ja gewisse Leute geben, die den Karpfen in jeglicher, auch der raffiniertesten Zubereitung aus grundsätzlichen Erwägungen ableh- nen. Den Leuten ist natürlich nicht zu helfen. Was aber die objektivere Bewertung dieses voluminösen Fisches betrifft, fo dürfte doch wohl die Anerkennung, die er als topisches Silvester-Gericht noch beute genießt, ausschlaggebend für seine Bedeutung sein, ganz zu schweigen von den Umständen, die man früher nicht scheute, um so eines kostbaren Tieres habhaft zu werden. Paris bezog ehemals seine Karpfen aus Deutsch- Lothringen und lieft sich solch einen Fisch gut 30 Louisdors kosten. Dafür reifte das vornehme Tier aber auch in einem eigens für ihn erbauten Kasten der „Extrapost" und wurde mit Weiftbrotbroden gefüttert, die in Wein getränkt worden waren. Und ein holländisä)er Koch erfand überdies ein wenig tierfreundlich erscheinendes Mittel, die Karpfen recht wohlschmeckend und fett zu machen. Er empfahl, sie in kühlen Kellern in kleinen, mit feuchtem Moos gefütterten Retzen aufzuhängen und mit in Milch aufgeweichtem Brot zu nähren. Aber Karpfen haben ja, wie das Sprichwort sagt, ein jäfees Leben ... Dabei befand man sich zu jener Zeit durchaus schon in einem fortschrittlichen Jahrhundert, was die Ein- stellung zum Karpfen betrifft Denn zuvor wußten gelehrte Bücher mit beredten Worten Gesunde sowie Kranke eindringlich vor dem Genuß dieser Fische zu warnen, „weil dadurch der Magen leichthin erkältet, der Stein im Geblüt aemehret, Verstopfung unb ein tägliches Fieber erfolgen kann, sonderlich werden sie denen, die zum Stein und Colik neigen, gar verboten". Jedoch wurde auch in jener geftren- aen Zeit der Karpfen nicht gänzlich verdammt. In feinem Rückgrat befindet sich nämlich ein Stein, „welcher ist gut gegen die fallende Sucht und gegen Sodbrennen", auch soll die gleiche Kraft den kleinen halbmondförmigen Knorpelstückchen, die im Kopf des Fisches zu finden sind, innewohnen. Bor 150 Jahren aber hatte der Karpfen sich bereits in breiten Volksschichten, sogar an den Fürstenhöfen durchgesetzt. Die Geschichte rühmt noch heute die schönen Karpfen, die die gepflegten Gräben des Schloßes Ponchantrain, nahe Versailles, bevölkerten. Es nuiffen unheimlich kluge, gute und gelehrige Tiere gewesen sein — vielleicht erklärt ihr hohes Alter diese Eigenschaften, denn keines der sonder- baren Tiere soll den Altersrekord von hundert Jahren unterboten haben. Die Karpfen waren außerordentlich musikliebend — spielte jemand am Rande der Teiche das Flageolet, so eilten sie ans Ufer und lauschten mit emporgehobenen Köpfen. Auch Heinen Kindern waren sie gewogen: sie wußten wohl, daß ein Kindergemut noch frei von Bosheit ist. Am meisten aber schätzten sie ihre Wärter, denen sie aufs Wort gehorchten. Denn — o Wunder — die Karp- fen von Ponchantrain trugen schöne, klassische Namen, Rais, Doris, Cleo. Es brauchte nur einer der Wärter einen der genäschigen Karpfen anrufen: „Sei nicht so gefräßig, Amphitrite", so tauchte schon das alte gescholtene 120jährige Tier beschämt in den Schlamm. Und erst auf einen freundlichen Zuruf: „Komm herauf, Amphitrite, mein Töchterchen", erschien der kluge Fisch wieder, vor Freude mit dem Schwanz schlagend... So berichtet die Ueberliefe- rung. Eines der schönsten chinesischen Märchen weiß von einem Karpfen zu erzählen. — Karpfen? In China? Aller Wahrscheinlichkeit nach stammt der Karpfen, oder besser einer seiner Urahnen tatsächlich aus China. Seine europäische Heimat ist das Schwarze Meer, von wo aus er die Donau und die anderen Fsüsie bevölkerte. — Das Märchen stammt aus dem Jahre 350 vor Christi und erzählt, daß ein junger Kaiser, der auf Abwege geriet, durch ein höchst raffiniert zubereitetes Karpsengericht wieder auf den Pfad der Tugend zurückgeführt wurde. Das alte Märchenbuch verrät die zweitausendjährige alte Weisheit des wundersamen Rezeptes vom glück- und heil- bringenden Karpfengericht. Vielleicht ist wirklich etwas Wahres daran — und wenn Sie schon an nichts, an gar nichts von alledem glauben wollen, so vergeßen Sie wenigstens nicht, in der Silvesternacht ein paar Schuppen in die Geldbörse zu stecken, damit Sie das ganze Jahr Geld haben. Ich meine, daran zu glauben, und mit Erfolg zu glauben, könnte uns allen gefallen... „Oie Drei von der Tankstelle" — eine Tonfilmoperette. Seit dem berühmt gewordenen „Liebeswalzer" (aus dem ein paar Takte im Finale der „Tankstelle" flüchtig antlingen) gehören Willy Fritsch und Lilian Harvey zur prominentesten Prominenz der deutschen Tonfilmoperette. Das bestätigt der große Erfolg dieses neuen (oder vielmehr schon nicht mehr neuen) Werkes, welches wochenlang in Berlin und später in der Provinz auf den Spielplänen stand. Seine Zugkraft hat sich auch bei uns eklatant bewährt: seit der denkwürdigen „Anna Karenina" haben wir das Lichtspielhaus in der Bahnhofstraße nicht mehr so ausverkauft gesehen wie gestern abend. Dieser Publikumserfolg scheint uns auch durchaus verständlich und in der Qualität des bei aller Harmlosigkeit wirklich heiteren und einfallsreichen Werkes gerechtfertigt. Die Operette von Franz Schulz und Paul Frank — Erich Pommer- Produktion der Ufa — weicht in Handlung und Drehbuch erfreulich von ausgeleierten Klischee der hinlänglich bekannten Operettentradition ab, während die Musik von Werner R. Heymann ihre unmittelbar sinnfällige Wirkung aus der sehr geschickten Verbindung einer eingängigen Schlagermelodik und einer neuzeitlich instrumentierten Tanzrhythmik bezieht. Was für den „Liebeswalzer" der Liebeswalzer, ist für die „Tankstelle" das Chanson „ßiebling, mein Herz läßt dich grüßen": schon das Duett (Harvey und Fritsch) ist nahezu unwiderstehlich, und wenn es hernach von den Comedian Harmonists füyfstimmig wiederholt wird, da bleibt gerechterweise kein Auge trocken. Sonst aber ist dieser Film „von Kops bis Fuß" auf ausgelassene Heiterkeit eingestellt, und die drei lustigen Kavaliere von der Tankstelle — Fritsch, Rührnann, Karlweis — bilden in der Tat ein drolliges, brillant eingespieltes Operettenterzett. Auch die übrige CBefefeung ist unter Wilhelm Thieles schmissiger, mit großen Mitteln arbeitende Regie mit sicherem Griff ausgewählt. Im Mittelpunkt natürlich die Harvey, scharmantes Persönchen, das allen Leuten gefällt, das mit seinen gutgewachsenen Deinen verschwenderisch umgeht und in einigen Tanznummern deren gelebt hat Wie richtig ist da- gesehen! Beide hätten sich durchaus verstandcir, hätten sie miteinander sprechen können, denn beide waren durchaus geistige Menschen, immer Herz und Sinn den ewigen großen Fragen und dem Schönen zu- wendend. Dagegen würde Goethe mit sehr vielen bedeutenden Leuten von heute, die nur um ein Jahrhundert von ihm getrennt find, nicht die geringsten geistigen und weltanschaulichen Berührungspunkte haben. Weltwirtschaftliche und technische Probleme stehen beute im Vordergrund des Interesses und des Bedürfnisses; die großen Männer von heute, die sie beherrschen, sind von einer vollkommen anderen geistigen Struktur, sind aus einem völlig anderen Holz geschnitzt als Menschen wie Plato unb Goethe; sie unterscheiden sich von ihnen, wie sich ein zum Spinett gelungenes Lied aus der Biedermeierzeit unterscheidet von einem Jazzband-Song Die ganze Seele deS abendländischen Menschen mußte sich in diesen hundert Jahren ändern, sonst wäre er zugrunde gegangen unter dem Wogenprall des Zeitgeschehens, im rasenden Umschwung de» Zeitenrades. Bfelthandel, Großindustrie, Weltverkehr, wirtschaftliche Rivalität der Völker, Grofestadt-Zivilisalion, Lösung von der Scholle, von der Natur, moderne Arbeiterbewegung, Tempo des Maschinenzeitalters in der Arbeit wie im Vergnügen, all das und vieles andere kommt jetzt, stellt Probleme, die riesengroß find und in einem wilden Strudel, in dem sich alles fortwährend verändert, schnellstens gelöst werden müssen. Welche Aufgaben sind in diesen hundert Jahren an den Menschen herangetreten! Fürwahr, wir leben in einer schweren Zeit, aber auch in einer Menschheitsepoche, die so interessant ist, daß kommende Geschlechter uirs beneiden werden, sie durchkämpft zu haben. — Im Winter friert das Polarmeer, es wird zu einer toten starren Fläche; wohl kann man sie getrost überschreiten, aber sie ist von tötender Langweiligkeit und Einsamkeit. Aber wenn der Sommer kommt, dann brechen donnernd die Schollen; sich überschiebend, zerstampfend, kommt alles in Bewegung, grandios und voller Gefahren. In einer solchen Epoche leben wir, Kämpfer einer neuen Welt und neuer Weltanschauung. Oie Staatskommiffare marschieren auf. WSN. Darmstadt, 29. Dez. Nachdem bereits für Worms und Osthofen je ein Staatskommissar bestellt ist, wurden jetzt für die Stadt Bensheim Regierungsrat Wolf vom Kreisamt Groß-Gerau und für die Gemeinden Lampertheim und Bürstadt Regierungsrat Bohnhardt vom Kreisamt Worms zu Staatskommtssaren ernannt. Keine Nachtragsumlage im Kreise Wetzlar. WSN. Wetzlar, 29. Dez. Der Kreistag hat heute nach mehrstündiger Beratung die Erhebung einer Nachtragsumlage zur Deckung eines voraussichtlichen Fehlbetrags von 206 000 Mk. abgelehnt. Auch die von sozialdemokratischer Seite angeregte teilweise Deckung des Fehlbetrages durch Nachtragsumlage wurde nicht beschlossen. Da die laufenden Mittel der Kreisverwaltung erschöpft sind, mußte ein Kassenkredit tn Höhe von 200 000 Mk. bewilligt werden. Dieser Beschluß erfolgte einstimmig. Die wachsende Zahl der Erwerbslosen und die hohen Fürsorgelosten machten erhebliche Kürzungen im Straßenbaupro- g ramm erforderlich. Interessant war die Mitteilung des Landrats, daß infolge des Wahlergebnisses vom 14. September die Rheinprovinz eine größere Ausländsanleihe nicht mehr hereinbekommen und daß sie mehrere größere Deihllsen zu Straftenbauprojelten des Kreises Wetzlar für dieses Jahr abgesagt hat. Daten für Dienstag, 3V. Dezember. 1819: der Dichter Theodor Fontane in Neuruppin geboren. ernstlich bemüht ist, der dunklen Josephine Baker Konkurrenz zu machen. Gut wie immer ist ®er- ron, während Kämpers und die Tschechowa nichts Rechtes zu spielen haben. Bemerkenswert sauber und ftangrein, besonder- in den Gesangspartien, war diesmal die Heber» tragung. — Vorher: die groteske Micky Maus und eine tönende Wochenschau, die stellenweise allerdings schon ein bißchen antiquiert wirkt; so erscheinen z. D. Bilder vom Berliner Advent und der Londoner Einstein-Feier heute auch für die Filmreportage kaum noch aktuell. — 3m übrigen aber war's ein angeregter Absud und ein vergnügter Film-Abgesang des alten 3ahres. -r- Geschichien gibt es ... Der Schriftsteller H. S. war im Krieg Ordon- nan$ eines vielgenannten höheren Offiziers. Einmal war ein nicht ganz vorichristsmäßig verpacktes Paket auf die Post zu bringen. Der Postmeister wollte es nicht annehmen. Als S. eS daraus zurückbrachte, schnaubte der Offizier: „Ja, zum Soimertoettcr, haben Sie dem Mann nicht gesagt, daß Krieg ist?" „Das wußte der Mann schon", antwortete die Ordonnanz. • Willy Prager, der Kabarettist, ist ein berühmter Geschichtenerzähler. Seine Erzählungen sind so märchenhaft und unwahrscheinlich, daß sie hart ans Gebiet der schöpferischen Kunst ftreifen. Eines Tages erzählte er seinen Kollegen folgendes lehrhafte und schöne Erlebnis: „Sitze ich da neulich im Forsthaus zu Liegnitz bei einem Glase Milch. Plötzlich höre ich brauften einen Schuh. Und richtig, eine Minute später kommt ein Jägersmann mit Bart herein. In der Hand hält er eine geschossene Möve. Da sehe ich mich zu ihm und schimpfe ihn gründlich aus. Wie schändlich, wie geradezu unproduttiv es fei, auf diese Tiere zu schießen, sage ich ihm. Der Mann setzt sich denn auch ganz still in einen Winkel und denkt über das nach, was ich ihm gesagt habe. Nach einet Weile steht er auf, ohne ein Wort zu sagen und geht hinaus. Draußen ertönte ein zweiter Schuß — „Na, und?" bestürmt man ihn. „Ob ihr es glaubt oder nicht — da hat sich der große starke Mann mit dem Dollbart aus Reue erschossen." Vom Absender zum Empfänger. Der Weg -es Briefes durch das Gießener Postamt. In einem grenzenlosen Vertrauen zu den Institutionen der Post und den Veamten in der schlich- ren blauen Montur wandern täglich im Gebiete unserer Stadt etwa 55 000 Briese, Postkarten und Drucksachen in 50 Briefkästen. Die Post, die nimmermüde fcen Empfängern diese Briefe zuleitet, hat das Vertrauen, das die Menschen ihr entgegenbringen, auch stets gerechtfertigt. Das darf man wohl mit Fug und Recht behaupten, denn daß ein Dries, der ordnungsgemäß m t der Adresse und dem Absender versehen und außerdem frankiert ist, verloren geht, gehört heute zu den Seltenheiten. Drei Beamte haben täglich zu ganz bestimmten -Zeiten die Aufgabe, im Bezirk unserer Stadt die 50 Briefkästen zu leeren und ihren Inhalt zur Post zu bringen. Oft bis zu 60 Pfund sind jene Taschen schwer. Im Postamt haben 18 Beamte zu tun, um alle ein- und ausgehenden Briefe in sinnvoller Ordnung in die richtigen Wege zu leiten. Etwa 125 000 Briefsachen nehmen täglich ihren Weg durch das große Gebäude an der Bahnhofstraße. Im Gießener Postamt ist besonders der Briefdurchgangsverkehr außerordentlich stark. 70 000 Briefe werden täglich gesichtet, eingeordnet und weitergeleitet. Von den unsere Stadt berührenden Eisenbahnen werden daher täglich viele Briefsäcke gebracht, die geöffnet und auf andere Eisenbahnlinien verteilt werden müssen, wenn sie ihren Bestimmungsort erreichen sollen. Die Briefe, die aus unserem Stadtgebiet und den dem Gießener Postamt unmittelbar angeschlossenen Landpoststellen gesammelt worden sind, gelangen zunächst auf einen großen Aus- s ch ü t t e t l s ch, werden hier do/i einigen Beamten grob sortiert und zunächst ge.eilt, in Briefe, die mit der Maschine gestempelt werden können und solche, die mit der Hand gestempelt werden müssen. Die Stempelmaschine kann nur jene Briefe bearbeiten, die von etwa gleicher Gröhe sind, die Freimarke an der gleichen Stelle (der rechten oberen Eckei tragen und nichts enthalten, was den Lauf der Maschine stören könnte. 2800 Briefe und Postkarten können mit diesem Apparat innerhalb einer Stunde mit dem Poststempel versehen werden. Sind die Briefe gestempelt, so gelangen sie zunächst in den Vorverteilerspind, in dem die Stadtpost von der übrigen getrennt wird, die ihrerseits in diesem Vorverteilerspind gleich nach den hauptsächlichen Richtungen, in denen die Briefe befördert werden sollen, sortiert wird. In einem sogenannten Feinverteiler-Spind, der entsprechend mehr Fächer aufweist, werden die Briefe sodann gleich in der Folge geordnet, in der der Zug, welcher die Briefe aufzunehmen hat, die einzelnen Orte passiert. Auf eine einfache Weise verschnürt, mit einem besonderen Zettel versehen. der den Bestimmungsort des Driefpäckchens genau kennzeichnet, wandern die vielen kleineren und größeren Päckchen in den Postsack und werden zur Bahn gebracht. Dieser ganze Arbeitsgang muh in einer möglichst kurzen Zeit bewältigt werden, da die Zeitspanne zwischen der Driefkastenentleerurg und dem Abgang der Züge möglichst gering sein soll. Die Post ist dabei stets bestrebt, auf dem schnellsten Tsöege die Briese zu befördern und zugleich jede Zugverbindung auszunühen. ^-Genaue Fahrplankenntnis ist hierfür die Doraus- -setzung. Ein Brief, der zum Beispiel nach München gelangen soll, wird dabei nicht mit einem Per- .sonenzug nach Frankfurt befördert, wenn vielleicht eine halbe Stunde später ein Schnellzug nach Frankfurt in Gießen abgeht, der eine halbe Stunde früher in Frankfurt ankommt als der Personenzug und dadurch der Brief den Anschluß an den Münchener Schnellzug erreicht, den der Personenzug in keinem Falle erreichen könnte. Andere Brie,e wieder werden über andere Stationen umgeleitet (nicht auf dem evtl, möglichen direkten Weg beförl^rt) weil sie — so paradox das klingen mag — auf dem Limweg ihr Ziel schneller zu erreichen vermögen. Die Auffindung der schnellsten Beförderungsmöglichkeit ist also ein Rechenexempel mit den Ziffern des Eisenbahnfahrplans. Die schnelle Beförderung jeglicher Postsendung kann aber auch der Absender nicht unwesentlich beeinflussen. Eine deutlich geschriebene Adresse erleichtert die Arbeit, die V e r w e n - düng möglichst weniger Freimarken (horizontal nebeneinandergeklebt) macht das Stempeln in der Maschine und damit schnellere Abfertigung möglich; Briefkästen, die von irgendeinem Geschäftsbetrieb aus mit allzuvielen und umfangreichen Briefschaften u. dgl. überfüllt werden, verzögern die Leerung anderer B r i e f k ä st e n, da der Beamte die Last aus drei oder vier überfüllten Briefkästen zuerst zum Postamt bringen muß und der Inhalt der anderen Kästen die der Abholezeit entsprechenden Zuganschlüsse nicht mehr erreicht. Die Abhvlzei- t e n sind den hauptsächlichsten Zuganschlüssen entsprechend festgelegt, denn dadurch wird die schnelle Beförderung überhaupt erst möglich. Die Verteilung der Postsachen an die einzelnen Empfänger im Stadtgebie.' und an die Empfänger auf dem Lande bildet das zweite Arbeitsgebiet der hiesigen Post. Jeden Tag verlassen etwa 30 Briefträger das Postgebäude (in den Morgenstunden besonders schwer belastet), gehen treppauf und treppab, um bald darauf den gleichen Gang ein zweites- und schließlich ein drittesmal anzutreten. Die Post für die Landbewohner wird in Kraftwagen befördert, nach den einzelnen Poststellen gebracht und dort von deren Leitern an die Empfänger verteilt. Reben der Erledigung der Driefpost geht die Bearbeitung von Scheckbriefen und Wertsendungen, von Zeitschriften und Zeitungen im Ein- und Ausgang in ebenso sinnvoller Ordnung und wvhldurchdachter Organisation einher. Richt unerwähnt soll bleiben, daß ein weiteres großes Maß an Arbeit durch den Paketdienst anfällt. Richt weniger als 15 000 Pakete müssen auf dem Postamt täglich bearbeitet, weitergeleitet und verteilt werden. Bon den 15 000 Paketen bleibt aber nur ein verhältnismäßig Heiner Teil in «Ziehen. Durchschnittlich werden am Tage in unserer Stadt 1300 Pakete an Empfänger gegeben, während 1100 Pakete von hier aus versandt werden. Daneben werden 700 „Päckchen" im Eingang und 600 im Ausgang erledigt. Diese Ziffern, sowie die der Brie schäften, entsprechen der Dezemberzählung 1930, eine statistische Zahlung, die in jedem Monat einmal durchgeführt wird. Die Belastung bzw. das Mah an anfallender Arbeit ist je nach der Tageszeit verschieden. Die am Morgen in Gießen und Hingebung zur Verteilung gelangende Post muh in kurzen Morgenstunden, und die Postsachen, die am Abend in Stadt und Land Gießen aufgeliefert werden, in wenigen Spätabendstunden erledigt werden. Aus all dem geht hervor, daß die Post und die Eisenbahn eng miteinander verkettet sind. In diesem Zusammenhang darf wohl eine Tatsache das Interesse beanspruchen, nämlich jene, daß die Deutsche Reichspost der beste Kunde der Deutschen Reichsbahn ist. Oberbeffen. Landkreis Gießen. § A l t e n ° D u s e ck, 28. Dez. Die Weihnachtsfeier des Gesangvereins „Germania" war gut besucht. Der Verein beging das Fest in einfachster Form und verwandte die dadurch ersparten Mittel zu einer Weihnachtsbescherung für die Kinder. Der Bescherung ging ein Märchenspiel, von Kindern der Mitglieder aufgeführt, voraus. Der abendliche Teil der Veranstaltung wurde durch Thea teraufführungen und Gesangsvorträge ausgefüllt. 4 Burkhardsfelden, 28. Dez. Der Kirch engesangoerein unter Leitung von Bürgermeister A l b a ch führte am ersten Weihnachtstage in der Kirche ein Weihnachtsoratorium auf. In Männer-, Frauen- und Gemischten Chören, sowie in Duetten und Solostimmen wurde die Geschichte von der Geburt Jesu behandelt. Die Orgelbegleitung des Oratoriums hatte unser Organist, Lehrer Hofmann, übernommen. — Am vierten Adventssonntag hielt die Kleinkinder schule eine Weihnachtsfeier in der Kirche ab, die einen sehr guten Verlauf nahm. 5 Wirberg, 28. Dez. Die Weihnachtsfeiern im Kirchspiel nahmen überall besten Verlauf. Auf dem Wirberg veranstaltete die Jugend von Göbelnrod die Christvesper für Göbelnrod und Reinhardshain. In Beltershain fand ebenfalls eine Christvesper unter Mitwirkung der Kinder statt. In Harbach wirkte bei der Feier neben der Schulklasse auch der Gesangverein mit. In Reinhardshain fand am zweiten Feiertag Gottesdienst statt, bei dem der Gesangverein mitwirkte. Auf dem Veitsberg wurde ebenfalls Christvesper abgehalten. 4 Cid), 29. Dez. Der Männergesangver- ein „Cäcilia" Lich veranstaltete am zweiten Weihnachtsfeiertag in der Turnhalle feine Abend- unterhaltung. Reben ausgezeichneten Gesangsvorträgen des Vereins, geleitet von Chormeister Lehrer Ilge (Butzbach), seien die mit viel Beifall aufgenommenen Musikvorträge der gesamten Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr Lich unter Leitung des Kapellmeisters A. F r e i t a g erwähnt. Zwei flotte Theaterstücke ernteten viel Beifall. Tanz schloß sich an die Feier an. 00 Klein-Linden, 28. Dez. Den Vormittagsgottesdienst des ersten Weihnachtsfeiertags verschönerte der Kirchengesang verein durch Gesangsoorträge, während im Nachmittagsgottes- dienst der P o s a u n e n ch o r und der Schüler- ch o r der Obertlasse unserer Volksschule mitwirkten. — Am ersten Feiertagabend hielt der Männer- g e s a n g o e r e i n „Eintracht" im Saale ,Lur deutschen Eiche" seine Weihnachtsfeier ab. Gute Ehorvorträge des Vereins, geleitet von Chormeister H. Köhler (Großen-Linden) wechselten mit Vorträgen einer Musikkapelle. Ein gutes Theaterstück fand vortreffliche Wiedergabe. Die übliche Verlosung beschloß die harmonisch verlaufene Feier. ^Leihgestern, 28. Dez. Den 'Auftakt der Weihnachtsfeiern bildete der liturgische Gottesdienst am Heiligen Abend, der durch einige Weihnachtslieder der Schulkinder verschönt wurde. Rachdem am ersten Feiertag ein gut besuchter Vormittagsgottesdienst stattgefunden hatte, fand nachmittags die Bescherung der Kleinkinderschüler statt. Jedes der etwa 80 Kleinen wurde beschenkt. Pfarrer R e u s ch dankte der Kleinkinderschulschwester Elfriede in warmen Worten für ihre Arbeit an den Kleinen unH. überreichte ihr ein Weihnachtsgeschenk. Auch der^Kranken- schwester Anna überreichte er ein Geschenk und dankte ihr für ihre bereitwillige Llnterstühung, die sie der Kleinkinderschulschwester zuteil werden lieh. — Am zweiten Weihnachtstage hatten sich etwa 800 Besucher in der Kirche eingesunden, um die Weihnachtskantate anzuhoren, die vom hiesigen Evangelischen Kirchenchor, begleitet von der Orgel und vier Violinen, unter Leitung seines rührigen Dirigenten Köhler aus Groden-Linden, zum Vortrag kam. Die dazu gehörende Weihnachtsgeschichte wurde von Pfarrer i. R. Schulte, Großen-Linden, gesprochen. Hn'er Pfar. er Reusch hielt eine e nd rucksvolle Predigt. Die Kollekte war für den Evangelischen Kirchenchor bestimmt. — Auch in den Vereinen wurde das Weihnachtsfest mit Bescherung oder Verlosung gefeiert Am ersten Feiertag fanden die Feiern des Turnvereins „Frisch Auf" gemeinsam mit dem Gesangverein „Liederkranz" und die des Turnvereins 1893 gemeinsam mit der des Gesangvereins „Eintracht" in ihren Vereinslokalen statt. Auch der Qlrbeitergefang- verein „Harmonie" hatte seine Mitglieder zu einer Weihnachtsfeier in seinem Dereinslokal eingeladen. SJL-tfpott Spielvereinigung 1900 Gießen. 1900 Liga — Germania 94 Ffm. 0:2 (0:1). Am ersten Feiertag stellte sich die alte Frankfurter Germania 94 dem Gießener Fußballpublikum vor. Das Spiel brachte insofern eine angenehme Enttäuschung, als 1900 eine sehr ansprechende Partie lieferte, obwohl Adelberger, Brambach und Henrich ersetzt waren. Die Gießener verstanden es, das Treffen vom Anfang bis zum Ende ausgeglichen zu gestalten. Das um ein weniges bessere Stellungsspiel der Frankfurter glichen die Blauweißen durch größeren Eifer aus. Dem einwandfrei amtierenden Schiedsrichter, (Sauobmann Klier- Wetzlar, machten beide Kontrahenten vor 500 bis 600 Zuschauern das Amt sehr leicht. Ein schönes Spiel hielt die Zuschauer, trotz der starken Kälte, stets in höchster Spannung, da der Ausgang fast bis zum Schlußpfiff eine offene Angelegenheit war. Die Gäste buchten schon bald nach Beginn den ersten Treffer. Oftmals bot sich Gelegenheit zum Ausgleich, besonders im letzten Viertel des Spieles, in dem die Gießener, angefeuert burd) das Publikum, zur Energieleistung ausliefen. Das ständige Mißverstehen im einheimischen Sturm ließ keinen Erfolg zu. Kurz vor Spielende kamen die Süddeutschen bei einem schnellen Durchbruch zu einem zweiten Tor, das aus Abseitsstellung fiel. Die dritte Mannsd-aft spielte am 2. Feiertag in Bieber gegen die dortige erste Elf und konnte 6:2 siegreich bleiben. Die Lrgareserve hat nunmehr auch die gefährliche Klippe in Saubringen glücklich überwunden und mit einer stark ersatzgeschwächten Mannschaft ein ehrenvolles Unentschieden (2:2) erzielt. Bereits nach fünf Spielminuten führte Saubringen 2:0. 1900 glich aber nach zähem Kampfe auf grundlosem Boden aus und hielt auch das Unentschieden. Durch diesen Punktgewinn setzte sich 1900s 2. Elf an die Spitze der Tabelle. (Gesamtpunktzahl 15.) Mit einem Punkt Abstand folgt die 2. Elf des hiesigen Lokalgegners, gegen die 1900 am 11. Januar das Schluß- spiel liefert. Die vierte Mannschaft der Spielvereinigung wartete auf den Gegner, Biebers erste Mannschaft, vergeblich. Die Jugend in Wiesbaden. Die beiden Weihnachtsfeiertage weilte die 2. Jugend, verstärkt durch einzelne Spieler der 1. Jugend in Wiesbaden bei dem Sportverein Rassau zu Gast. Der erste Tag war, da das Spiel Die kleine Motette. Vornan von Paul Hain. 6. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Ser quakende Laut einer Autohupe riß ihn plötzlich aus dem Schlummer. Er blickte um sich. Rächt — Dunkelheit ringsum. Rur durch das breite Fenster schimmerte Mondlicht und erhellte die Platte des Schreibtischs, der in seiner massigen Wucht mitten im Zimmer stand. Wieder das Hupengeheul. Die Entreetür klirrte. Aus der Straße eine Stimme. Da sprang Wördehoff aus dem Sessel. Blickte flüchtig nach der LIHr. Zwei LIHr nachts! Herrgott — so lange hatte er hier geschlafen? Er trat ans Fenster. Eben schritt Rorma durch den Lichtstreifen der Laterne, die am Vorgarten brannte. Am Schlag des Autos stand ein Herr, den Hut in der Hand, verneigte sich noch einmal, grüßte etwas sehr kameradschaftlich mit der Hand. Rorma nickte ihm zu. Jener stieg ein und das Auto ratterte wieder los. Sie Schauspielerin stützte sich leicht auf den Arm der Zofe, die auf das Hupensignal hin wohl nach unten gekommen war. Wördehoff trat vom Fenster zurück. Er drehte das elektrische Licht an. Oeffnete die Tür zum Flur. Rorma und die Zofe stiegen die Treppe herauf. Erstaunt sah sie ihren Gatten in der Tür zu seinem Arbeitszimmer stehen. Sie blickte etwas verwirrt. Ihr Gesicht war erhitzt. Sie Augen glänzten stark. „Ah, du bist noch auf? Ich sah doch kein Licht von unten. Ich muh meinen Hausschlüssel verloren haben —" Sie lächelte leicht. Sie Zofe verschwand diskret im Dunkel des Korridors. „Wo warst du denn Rorma?" Sie legte ihm leicht die Hand auf die Schulter. Aus ihrem seidenen Abendmantel wehte ein Suft von Parfüm, Weingeruch, Zigarettenrauch. „Hast du etwa — gewacht?" Sie legte den Kopf kokett zur Seite. Ein seltsames Flirren im Blick. „Ich habe geschlafen — das Hupengeheul weckte mich —" „Ah so Sie trat in das Arbeitszimmer. Küßte ihn schnell und überraschend. „Ich hab' mich — unterhalten, Hubert." Sie lachte leicht und warf die kleine, saffian- lederne Handtasche achtlos auf einen Stuhl. Das Seidencape raschelte auf die Erde. Hell blühte die weiße Haut aus dem Ausschnitt des eleganten Abendkleides. „Du bist doch nicht böse?" Die Handtasche rutschte vom Stuhl herunter. „Und — wer war der Herr, der dich nach Hause begleitete?“ Rorma lachte lauter. „Ah — sieh an! Also gelauscht?" Er spürte, daß sie Wein getrunken hatte. Ihre Stimme flatterte. „Das war Herr Barnowskv, der Kunstmaler. Du wirst den Ramen ja kennen, mußt ihn überhaupt schon gesehen haben. Er hat auf der diesjährigen Ausstellung im Kunstpalast die silberne Medaille erhalten. Ein kommender Mann! Ich traf ihn —" Sie stockte. Fand nicht gleich eine passende Lüge. Wördehofss Augen blickten so seltsam. Der deutete nach der Handtasche neben dem Stuhl. Sie hatte fich geöffnet. Ein, zwei der elfenbeinernen Chips, wie man sie beim „Roulette" verwendet, lagen auf der Erde, ilnö daneben die silberne Börse — leer. Er bückte sich danach. Hob alles auf — und indem er Chips und Börse wieder in die Tasche schob, ohne ein Wort zu sagen, sah er mit plötzlich geweiteten Augen ein kleines, in der Mitte gefaltetes Echeckformular, dessen Schrift er sekundenschnell las. Ein Scheck über eine größere Summe, unterzeichnet von — Darnowsky. 2n diesem Augenblick riß ihm Rorma die Tasche aus der Hand. „Du —1“ Er wich zurück. Seine Stimme klang gepreßt, als er sagte: „Also — gespielt hast du?" Sie wußte nicht gleich, was sie antworten sollte, aber dann stieß sie leidenschaftlich und wild hervor: „Ja — wenn's gestattet ist! Allerdings!" „Unö — verspielt!" „Auch das — “ antwortete sie entschlossen. Er straffte sich. „And nachher — was — war dann?!" Er fühlte plötzlich, wie sich Rebel vor seinen Blick legten. Fühlte Heiserkeit in der Stimme. Aber da stieß Rorma hervor: „Du! Keinen Schimpf! Den Scheck gab mir Darnowsky, weil ich — ihn darum bat! Weil ich — kein Geld mehr hatte und du erst beute meine Rechnungen bezahltest! So, nun weißt du's!" Stolz stand sie vor ihm. And Wördehoff sah: Das war keine Lüge! Eine Rorma Relson — er preßte die Lippen zusammen — nein, so log sie nicht! „Ich werde die Summe natürlich zurückgeben, wenn ich meine Gage erhalte." Da öffnete er den Mund. Schüttelte langsam den Kopf. „Rein! Gib' her —" „Wie?!" „Ober — laß! Gut. Ich werde Herrn Bar- nowfky das Geld selbst schicken und ihm für seine freundliche Aushilfe danken." Rorma sah ihn einen Augenblick fast hilflos an. „Du bist meine Frau —" Sie raffte das Cape an sich. Sie konnte nichts sprechen. Rur ein Lächeln kräuselte plötzlich und seltsam ihre Lippen. „Unb du wirst dir nichts mehr borgen, Rorma", fuhr er mit der gleichen, kühlen Stimme fort. „Es schadet dir — und mir." „Du nimmst es zu tragisch, Hubert. Aber — ich danke dir —“ Sie zögerte noch. Diese Situation war ihr neu, und sie wußte nicht, sollte sie lächeln oder — bereuen. Wördehoff streckte ihr die Hand entgegen. „Gute Rächt, du wirst müde sein — Küßte kaum ihre Fingerspitzen. Da sagte sie herb: „Gute Rächt." Aber als sie in ihrem Zimmer war und die Zofe ihr beim Auskleiden half, trällerte sie leise vor sich hin. Der Qlerger über ihre Verluste beim Spiel war überwunden. Wördehoff stand mitten im Raum, unter der elektrisch erhellten Schale der Deckenbeleuchtung, und er murmelte: „Rein, man soll nicht fangen, was zum Gaukeln bestimmt ist. Es ist ein allzu kühner Leichtsinn. Aber wer wußte das vorher?" 5. Es gab ein heimliches Fragen und Tuscheln in ber Gesellschaft, als die Zeitungen unter den kurzen Mitteilungen des Feuilletons auch die Rachricht brachten, daß das neue Stück des bekannten Dichters Hubert Wördehoff, dessen Proben bereits begonnen hatten, in dieser Saison nicht mehr herauskäme. Der Verfasser habe sich der baldigen Aufführung widersetzt. Cs sei auch fraglich, ob das Stück überhaupt in der nächsten Saison zur Darstellung kommen würde. Das gab in den Salons eine kleine Sensation. Man war ja hier gewohnt, über die bloße Tatsachennachricht oft zwischen den Zeilen mehr zu lesen, als es der Laie und der diesen Kreisen Fernstehende vermochten. Es war nur selbstverständlich, daß man sofort zu erfahren suchte: Was war vorangegangen, bevor diese Mitteilung in die Zeitung tarn! Hnd — wer hatte sie lanciert? Run — man kam diesmal nicht ganz auf seine Kosten, denn Wördehoff verhielt sich schweigsam und das Theaterbureau verriet auch nichts. Direktor Holtmann zuckte nur die Achseln und meinte dunkel: „Es ist heute schwer, Theaterdirektor zu fein.“ Run — daraus konnte man wirklich nicht diel entnehmen. Welcher Beruf hatte es denn nicht schwer? In Wirllichkeit war die Sache so: Wörde^ hoff selbst hatte die Rotiz in die Presse lanciert? Ohne vorher dem Direktor Mitteilung davon zu machen. Er hatte es einfach satt, fortwährend ange" läutet zu werden, ob er sich nun schon die bewußte Angelegenheit überlegt habe, sich von Sr. Römer oder von anderen Mittelsmännern „bearbeiten“ und „gut zureden“ zu lassen. Er kam auf diese Weise allen Versuchen, ihn umzustimmen, zuvor, und Hollmann wußte nun endgültig, woran er war. Lind ebenso Rorma! Es war klar, daß es an dem Tage, da bei Sekretär Krüger seinem Direktor die Zeitung mit der fatalen Rotiz auf den Schreibtisch tagte, einen gewaltigen Krach im Bureau gab. Holtmann drohte vor Wut zu platzen. Er ließ Doktor Römer kommen — der konnte nur die Schultern Hochziehen, und Rorma, die ebenfalls telephonisch herbeigerusen wurde, ballte die kleinen Fäuste, daß die Drillantringe blitzten: „Das — das soll er büßen! Direktor — ich gebe die Rotte nicht auf! Sie wollen doch nicht etwa zu Kreuze kriechen?“ Ser rang die Hände. „Lind Sie versprachen mir doch so fest, ihn zur Vernunft zu bringen und mit ihm einig zu werden. Das nun ist der Erfolg! Haben Sie denn gar keine Macht mehr über ihn?“ „Ich habe genug versucht", stieß sie hervor. Lind bann: „Aber ich will sehen, daß ich ihn dennoch zwinge. Ich habe Macht über ihn!" „Es wäre seltsam, wenn es nicht so toure, Frau Relson." Rorma dachte daran, wie stark Wördehoff innerlich erregt gewesen war, als er den fatalen Scheck in ihrer Handtasche fand. Cs war ja erst wenige Tage her. Wie er gezittert hatte! Also — mußte er doch noch ihr gehören! Denn — um sie hatte er doch gezittert! So dachte sie und ahnte in ihrer Eitelkeit nicht, daß er nicht um ihren Besitz, sondern um feine Ehre gezittert hatte, die durch ihren Leichtsinn bedroht war. Der Stolz des Mannes war in ihm, der sich in jedem Fall verantworllich fühlte für alle Torheiten seiner Frau, auch wenn er sie nicht liebte. — (Fortsetzung folgt.) Den Sporurerem ‘Shcsbaocn nicht zustande- fam, mit Defuhtigungen ter vielen ee&eru>touttig- keiten auÄgefullL 21m zweiten Feiertag stieg dann da- Wettspiel, daS die Siebener im sorschen Endkamps in der zweiten Halbzeit mit 3:0 gewinnen konnten. 21m Sonntag muhten die 3uaenb- und Schüler - sptele wegen der schlechten Verfassung des Platzes an der Liebigshö^ auSfallen. Die 1. Jugend weilte zum fälligen Pslichtspiel in Großen-Vukeck und konnte dieses nach überlegenem Spiel 4 0 gewinnen. DfB.-Gießen. Der Sonntag Dar für die DfD.-Mannschaften ein Tag der Stiebet lagen. Für die Liga scheint es Destimmung zu sein, in den auswärtigen Spielen der dieSjächrigen DerbandS^pieliaison die Punkte der Platzmannschaft überlassen zu muffen. Sie verlor auch U;r Tres en gegen .Cer .icnia F (ja w.e- oerum knapp mit 12. Während die Ursache ihrer übrigen Diederlagen auf den Plätzen d:r Gegner in erster Linie in einem Mangel an Selbstvertrauen zu suchen ist, war eS diesmal auSge'proche- nes Pech, da- sie um den sicheren Sieg brachte, infolge plötzlicher Erkrankung muhten der Mi leb ftürmer und rechte Läufer ersetzt werden. Für diese sprangen zwei Spieler der A.-H - und dritte.-. Mannschaft ein, die zwar ihr Testes Vergaben, jedoch den Anforderungen nicht gewach'en waren — Anfänglich hatte Gi:ßen etwa- mehr von Spiel und konnte auch nach zchn Minuten durch eine glänze, de Leistung bei Halb c t > H up i Fü - rung gehen. Fulda e zielte eine V.er.elitun e spä- tcr ben Au-gleich unb begann seinerseits za brän- gen. Dicht lange vor brr Pause gelingt ihm burch Verwandlung eines Straf hohes ber zweite unb oo^it der Siege.tres,er. Dach Wiederbeginn liegt -^'D. meistenteils im A griff, dennoch e al er nich , dem Spiel eine Wendung z i geben. Die Ligaveferve trug am 1. Weihnachtsfeier tag gegen die erste Fußballmannschast des Turnvereins Wieseck auf dortigem Platz ein Gesell» schaftsrückspiel aus. Sie trat nur mit neun Mann an unb mufUe eine 1 :d-2liederlage hinnehmen. Am Sonntag war die Ligareserve Terbands- spielgegner der ersten Mannschaft Steinbergs. Dach dem sie bei der Pause noch mit 3:2 in Füh. rung gelegen hatte, lautete das Schluhre'ultat 6:3 für Steinberg. □Han hatte ber dritten Mannschaft zu ihrem Verbandsspiel gegen die erste Garbenteichs ein kleines Plus zugesprochen, wurde aber sehr ent- i^uschi Die mit reichlich viel Ersatz spielende DfD.-Slf lieh nach flottem Beginn mehr unb mehr nach unb verlor schließlich mit 1:4. Das Pflichtspiel der A l-3ugenb gegen die gleiche des Sportvereins Heuchecheim wurde in der ersten Halbzeit abgebrochen. Tagung der süddeutschen Gpielsystem- komm ssion. Die Spielsystem-Karnrnission des Süddeutschen Fußball, und Leichtathletik-Verbandes wird am Samstag, 10. Januar in Mannheim erstmals zusammentreten, um über eine eventuelle Aende- rung des süddeutschen Spielsystems zu beraten. Steuern erdrosseln Berufs-Zußball. Unteresfante Zahlen werden aus dem Jahresbericht des tschechischen Fußballmeisters Slavia (Prag) bekannt. Die Gefamtspieleinnahme betrug Bei 62 Spielen 17h 000 Mark. An Steuern wurden von diesem Betrag 57 000 Mark abgeführt, Reifespesen verschlangen 47 000 Mark und die Bezahlung der Spieler kostete 64 500 Mark. Trotz bet großen Einnahmen bleibt also nur ein geringer äleberschuß. Weitaus schlechter hat der Witropacupsieger Rapid (Wien) finanziell abgeschnitten, dessen Kasse einen Fehlbetrag von 12 000 Mark aufweist Obwohl für das Profishstem im Fußball diese Zahlen nicht gerade ermuntern, ist damit noch nichts gegen das Berufsspieler tum an sich gesagt, Denn in erster Linie untergraben die hohen Steuern und sonstigen Abgaben die sonst gesunde Entwicklung des Derufsfußballsports. Um die Handballmeisterschast im Turngau Hessen. 3n Wetzlar-Dieder-GirrneS trafen sich am Sonntag die beiden Bezirksmeister, Tv. 1866 Bad-Dauheim und Tv. Wetzlar-Dieder-Girmes, zum zweiten Entscheidungsspiel. Auf grundlosem Boden errangen die Playbrsiher einen knappen 2: 1 (2: l)»Sieg. Ein Unentschieden wäre dem Spielverlauf nach gerecht gewesen. Kommenden Sonntag findet in Bad-Dauheim das Wiederholungsspiel statt, da im ersten Treffen Wctzlar- Dieder-GirmeS. das feinerzeit 3:2 verdient gewann, einen nichtfpi licr.igen Spielcr mitwirken ließ. 3m Falle eines Sieges von Bad-Dauheim ist ein Entfcheidungsf iel auf neutralem Platz notwendig. Gewinnt Di:der-GirmeS oder bebt das Spiel unentschieden, bann ist Diedcr-Girmcs Gau- meister. Wintersport in Nöten. Die wintersportlichen Deranstaltungen des Sonntags hatten größtenteils unter dem in der Sonntagnacht ei. geke.enen Witterungsumschlag -u leiten, sofern fie wie die Dobrennen in Oberhof und Friedrichroda nicht ganz vom Programm gelte chrn werten muß en. Gering war ter Sport- bet rieb im Harz und in Thüringen. Beim Skispringen in Brotterode unter lokaler Beteiligung trug Rudolf Lesser einen leichten Sieg davon 3m Harz konnte lediglich ein SH-Staffellauf in St.Andreasberg ausgetragen werten, den die Staffel Schärf über 10 Kilometer In 52 15 gewann. Der Dauer 1 auf „Dund um den Deerberg" über nicht ganz 30 Kilometer sah nach hartem Kampf Spürer. Zella-Mehlis, in 2:27:20 vor feinem 35 Sekunden zurückfolgenden Landsmann Wahle siegreich und im Allgäu stellte der Ski- k.'ub Desselwang in seiner vierten Garnitur den S.eger im 42-K.lometer»Stas,ellauf. 3n u^r Schweiz wurde an der Maloja-Schanze ein Springen durchgeführt. Der Schweizer Badrutt vollf^hne mit 68 Meter den besten Spruog des Tages. 3m Eishockehlager fielen ebenfalls verschiedene Spiele der Witterung zum Opfer. 3n Davos begann der Wettbewerb um den Spengler- Pokal. Der Berteidiger LTC. Prag besiegte den Akad. EHE. Zürich 12:0 und die erste Mannschaft des Davoser HT. schlug Osford 1:0. Der ST. Diesserfee greift erst später, als einziger Vertreter Deutschlands, in die Ereignisse ein. 3n Klosters bl;eb der DAT. Wien 3:0 über den r cher Schiittschuhklub erfolgreich und in S.. Moritz mußte der dortige Hockeyklub mit 7 2 die ilebcrlcgcnbcit der englischen Dational- mann'chaft anerkennen. Zu einem schönen Erfolge kam in Chamonix die Berliner Mannschaft „Brandenburg", die mit dem Ergebnis von 4: 1 sowohl Cambridge, als auch den EHL. Chamonix abfertigen konnte. Deutsch-französische Tenniskämpfe. Auf der Rückreise von ihrer Tournee durch Skandinavien werden die französischen Tennisspieler DoussuS, Drugnon und du Piaik am 28. Dezember noch ein Gastspiel in Köln geben, die berühmten Franzosen treten den rheinischen Spitzenspielern Dourneh, Kuhlmann und Statz gegenüber. Arbeiter-Turn- und Gportbund. Marburg I — Gießen Ib 0:2. Gießen weilte am ersten Weihnachtsfeiertag in Marburg. Im Spiel der ersten Mannschaften konnte Gießen die Einheimischen nach schönem Kampfe mit 2:0 abfertigen. Das Spiel der zweiten Mannschaften, sah ebenfalls die Gäste stark überlegen, die mit 5:2 Toren den Platz als Sieger verliehen. Garhcn-Lindcn I — Hungen I 2:1. Die Grohen-Lindener, die nach einer längeren Ruhepause wieder auf dem Spielseide erschienen, erwiesen sich als achtbarer Gegner. Bei Halbzeit führten die Einheimischen bereits 1:0. Rach Seitenwechsel gelang cs ihnen, auf 2:0 zu erhöhen. Hungen vermochte nur ein Tor auf- zuholen. Haufen I — Jfm.-Bornfjeim 3ugenb 2:1. 3n Hausen lieferten sich beide Mannschaften ein Freundschaftsspiel. Die Gäste gingen bald in Führung. Erst kurz vor Halbzeit gelang es Hausen durch Elfmeter den Ausgleich herzustellen. Rach Halbzeit konnten die Einheimischen noch ein Tor erzielen. Die Gäste vermochten den verdienten Ausgleich nicht herzustellen. Caunsbad) I — Frankcnbach 1 3:1. 3n Rodheim standen sich diese Gegner in einem Wiederholungsspiele gegenüber. Frankenbach trat nur mit 10 Mann an, lieferte aber trotzdem dem Gegner ein gleichwertiges Spiel. Bis kurz vor Schluß stand die Partie 1:1. Dann erst gelang es Launsbach in wenigen Minuten noch zweimal erfolgreich zu sein. Wirtschast. Oer Getreideanbau in Deutschland. Dach Mitteilung des Statistischen Reichsamtes läßt die diesjährige Schätzung deS Winter- aetreideanbaueS bereits deutlich eine 11 m st e l - lung deS Roggenanbaues auf Weizenanbau erkennen. Während sich beim Win- terroggen für das Deich im ganzen eine Verringerung der Anbaufläche um 9.6 Prozent ergibt, weist der Anbau von Winterweizen eine Zunahme um 6,9 Prozent gegenüber der vorjährigen Einsaatfläche auf. 3n unbedeutendem Maße hat sich auch ter Anbau bei Wintergerste (um 1,6 Prozent) erhöht. Unter Zugrundelegung der prozentualen Schatzungen über Zu- und Abnahme der WintergetreiLeeinsaat würde sich eine Abnahme des Winterroggenanbaues von rd. 450 000 Hektar, dagegen eine Zunahme bei Winterweizen um rund 110 000 Hektar und bei Wintergerste um 3000 Hek.ar ergeben. Dementsprechend wäre — nach dem Stande zu Anfang Dezember 1930 — ein Gesamtanbau an Winterroggen von etwa 42 Millionen Hektar, an Winterweizen von 1,75 Millionen Hektar und an Wintergerste von 0.2 Millionen Hektar anzunehmen. • 'Die3ndexzifferderGroßhandelS- preise. Die auf den Stichtag des 23. D z-ember berechnete Grvßha dels.nd'ixzi, er ceL S a istischen Reichsamtes ist mit 117,1 gegenüber 117,9 in der Vorwoche um 0,4 Proz. zurückgegangen. Die 3n- dexziffem der Hauptgruppen stellten sich wie so'gt: Agrarstofse 110,0 (minus 0,8 Proz.l, Kolonialwaren 10',2 (minus 1,1 Proz.', industrielle Rohstoffe und Halbwaren 10?,3 iminuS 0,3 Proz.) und industrielle Fertigwaren 14?,1 (minus 0,3 Proz.). 'Schöfferhof - Dinding - Bürger- bräu A G., Frankfurt a. M Die Brauerei berichtet für 1929 30 ohne Ziffernangabe trotz billiger Aepselwein- und Weinpreise über einen günstigen Tierabsatz b s Ende April. Ein Absatz- rückgang trat erst mit dem Inkrafttreten der neuen Tierstcuer, dem 1. Mai, ein. Der Ertrag aus Tier- und Debenprodukten hat sich auf (alles in Millionen Mark) 11 ,*565 (L 03. 15,361) ermäßigt. Dagegen weist das Konto »Sonstige älnkosten" 4,742 gegenüber 5,357 im Vorjahre auf. Dach Zuweisung von 0,250 an die Sonderrücklage und Abschreibungen von 0,224 verbleibt ein Reingewinn von 1,541 (1,584). Hieraus werden wieder 20 Proz. Dividende auf das Aktienkapital von 6 Mlllionen Mark verteilt. Auf neue Rechnung vorgetragen werden 0,111 Mill. Mk. Frankfurter Börse. F r a n k f u r t a. M., 30. Dez. Tendenz: schwach. — Die heutige Börse eröffnete trotz der reibungslosen Ueberwindung des Zahltages in schwächerer Haltung. Die überwiegend schwächeren Auslandbörfen trugen zur erneuten Verschlechterung der Lage bei. Außerdem wollte man wieder einige Auslandaufträge beobachtet haben. Da auch die Spekulation im Hinblick auf den Jahresabschluß zu Glattstellungen schritt, traten gegenüber der gestrigen Abendbörse wieder recht umfangreiche Verluste ein. Am stärksten gedrückt waren die Werte, auf die gestern noch Neportbesse- rungen kamen. Daß man auch für den Beginn des neuen Jahres keine Besserung der allgemeinen Wirt- schaftslage erhofft, vielmehr mit einer weiteren Verschlechterung rechnet, drückte besonders stark auf die Stimmung. Die Umsatztätigkeit war im allgemeinen nicht groß, doch genügten schon geringe Abgaben, um Kursrückgänge von 1,5 bis 3 v. h. herbeizuführen. Mehr Angebot bestand am Kalimarkt, an dem Verluste bis zu 6 v. h. eintraten. Von Bankaktien lagen Danatbank stärker im Angebot, so daß ein Verlust von nahezu 4 v. h. zu verzeichnen war. Commerz- bank und Reichsbank lagen bis 1,5 v. h. niedriger. Etwas höher eröffneten Bayerische Hypothekenbank: Elektrowerte hatten nur kleines Geschäft. Immerhin büßten Siemens 3 v. h. und AEG. 1,5 o. h. ein, Licht & Kraft relativ behauptet. Am Chemiemarkt fetzten Farben 1.6 v. h., Metallgesellschaft 2,5 v. h. niedriger ein, Goldschmidt und Rütgerswerke verloren bis 1 v. h. Montanpapiere lagen bis zu 1,75 o. h. abgeschwächt. Don Warenhausaktien lagen Karstadt erneut im Angebot und 1,75 v. h. schwächer. Zellstoff Waldhof verloren 2,5 v. h. höher eröffneten dagegen von variablen Werten Iunghans plus 2 v. h., Frankfurter Maschinen plus 1,5 v. h. Deutsche Anleihen neigten gleichfalls nach unten. Von fremden Werten bestand für Zolltürken etwas Interesse. Auch im Verlaufe hielt die schwächere Stimmung an, und die Spekulation nahm meist weitere Ab- gaben vor, so daß neue Kursabschläge zu verzeichnen waren. Die Rückgänge betrugen erneut 1 bis 2 o. h. Im allgemeinen herrschte Zurückhaltung. — tim Geldmarkt war Tagesgeld zunächst noch sehr leid i . » Der offizielle Satz von 5,5 o h. wurde aber später um 1 v h. erhöht, als plötzlich starke Nachfrage her vortrat. Monatsgeld blieb dagegen unverändert — Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1970, gegen Pfund 20,39, London gegen Jfr.el . 4,8590, gegen Paris 123,60, gegen Mailand 9.'.76, gegen Madrid 46, gegen Schweiz (schwach) 25,0440. gegen Holland 12,0575. Berliner Börse. Berlin , 30. Dez. Rach der Liquidation zeigte sich bereits heute vormittag eine außerordentlich stark, Zurückhaltung, die auch an der Vorbörse anhielt, an der man bereits schwächere Kurse taxierte. Der ossi Aicüe Beginn brachte bann überwiegend Rückgänge In kaum einem Falle wurden die Reports eingeholt, und darüber hinaus waren Verluste bis 6,5 v. h. fest- zustellen. An einigen Märkten, so in Salzdetfurth, Bankaktien, AEG., Hamburg-Süd u|ro., kam stärker Material heraus, also besonders in den Werten, nach denen zur Liquidation starke Nachfrage bestand, hatte. Verstimmend wirkten heute die Schwierigkeit n bei den Lohnverhandlungen im Ruhrbergbau, d e schwächere Haltung der gestrigen Neuyorker Börje und das Anziehen des Tagesgeldsatzes dort auf 4 v. h., ferner eine Nachricht aus Neuyork, der zufolge Senator Smoot sich scharf gegen eine Verminderung der internationalen Kriegsschulden an Amerika wandte. Gut gehalten waren lediglich Svenska, da die Gerüchte über eine bevorstehende Kapitalerhöhung sich zu befestigen schienen. Kunstseideaktien waren wieder schwächer, hier verstimmte der Verlustabkchluß der Barmer Maschinenfabrik im Akukonzern, ferner die wahrscheinliche Herabsetzung des amerikanischen Kunstseidepreises. Durch die her absetzung des amerikanischen Kupferpreises wurden Olavi und Mansfeld angeregt und konnten leicht an- ziehen. Sehr schwach lagen noch Westeregeln, Ilse Bergbau, Thüringer Gas, Berger, Danatbank: Poly- vhon (da man mit einer niedrigeren Dividende als in den beiden letzten Jahren — 20 v. h. — rechnen zu müssen glaubt) lagen ebenfalls niedriger. Deutsche Anleihen behauptet. Ausländer waren eher schwächer. Bosnier und besonders Mexikaner. letztere auf die neuen Nachrichten über die Schuldenzahlungen, zeigten rückgängige Tendenz. Der Pfandbriefmarkt schien gehalten zu sein. Reichsschuldbuchforderungen waren durchweg bis 0,25 v. h. höher Geld zum Ultimo leicht befestigt. Tagesgeld 5,75 bis 7,25 v. h.: Monatsgeld 7 bis 8,5 v. h, Warenwechsel etwa 5 v. h. Kurz nach den ersten Kursen nahm die Spekulation verschiedentlich kleine Deckungen vor, schritt aber im weiteren Verlause wieder an fast allen Märkten zu Abgaben, durch die sich neue Verluste von 1 bis 3 v. h. ergaben. Aus aller Well. 96 v. h. vermögenslos. Von den 65 Millionen Deutschen besitzen nur 2,5 Millionen ein Vermögen von mehr ols5000Mark Die überwiegende Mehrzahl der Bevölkerung, nämlich 96 Prozent, ist also so gut wie vermögenslos. Mehrals 1 0 0 000 Mark Vermögen haben in Deutschland nur 7900 Personen, die insgesamt über ein Vermögen von rund 22 Milliarden Mark verfügen. Das ist ungefähr, wie die „TAT" errechnet hat, ein Drittel des gesamten in Deutschland erfaßten steuerlichen Vermögens. Schwerer Raubüberfall auf ein Geschwisterpaar. Auf den Landwirt Wilhelm Schmidt wurde im Duisburger Stadtteil Hückingen in den Morgenstunden ein schwerer Raubübeifall verübt. Als der Landwirt sich in der Frühe auf den Hof begeben wollte, wurde er auf dem Flur seines hau- s e s von einem etwa 30jährigen Mann m i t einem schweren Gegen st and niedergeschlagen. Bei der Durchsuchung des Hauses traf der Räuber im Schlafzimmer auf d i e Schwe- ft e r des Landwirtes, die er, als sie um Hilfe rufen wollte, ebenfalls durch einen hieb nie- verstreckte. Die Frau raffle sich wieder auf und händigte dem Verbrecher einen Geldbetrag von 5,50 Mark aus, den sie im Küchenfchronk verwahrt hatte. Der Verbrecher entfernte sich unbehelligt. Die beiden Verletzten mußten dem Krankenhaus zugeführt werden, wo der Bruder, ehe er Angaben machen konnte, inzwischen verstorben ist. Die Schwester, die nur leichtere Verletzungen hat, konnte eine genaue Beschreibung des Täters geben. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die höhe ber zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbonkdiskont 5 o h., Lombardzlnsfuß 6 o h ^renfhirl a. TI Berlin Frankfurt a. Dl. 8erlln e*a>lu8» tue« 1-Uhr» fluro Schluß, tue« Anfa g» Rur« Schluß- tur« t-Uhr. ftur« Schluß- Anfang- tur« flur« Datum 29 12 30 12 29 12 30 12 Votum 29 12 30 12 29 12 30 12 u% Den ticke iReldteknUettie <>amvurg.Amenta 4?a!ei . . . , Hamburg-Südam DamplIcktfI 8 panta Tomrl'ckill . 10 61,75 _ 60.5 60.6 von 1927 7% Deutsche Reich«anleide 85 — — — 160 121,5 154,25 120.5 von 1029 100,25 — — Rorddeuncker Ü'.cnb ... 8 __ 62,9 97 62 97.5 Deuticke iirn.-Sblül.-Sdiulb urit 51,9 51,8 Allgemeine DeutickeSrebilanll. io 97 _ Suelot.-Reckten 51,75 51,9 Äarmer Bankverein 10 100 _ 100 100 Desgl. ohne SiuSlot.-Rechte 5,3 — 5,25 5,25 Berliner PankelegeielllckaN 12 _ 119,25 118,5 *% bell. $olt«fiaai von 1929 (rfidtoblb 102%) Lotnmerz- und Pnoat-Banl . 11 112 109,5 111,25 109.5 88 — — TcrmhäBtrr und?lancnati>ant 12 147 143,5 148 144,25 Oderdeilen Provinz - Anleid« Bl' Teuticke Boni und Rurlol.-Reckten 50 — — — Tie^onto-VelcUlchaN, . . 10 109.75 109,75 109 TfutldK flomm Gammelabl Tresdner Bant......io 110 _ 109,5 109 Snlcibe Serie t s% Rranff Pnv.-Bant Loldvlr 50,5 — — — «eich^baul........12 228 226,5 227,25 226 XIII unkündbar die 1934 98,25 — — — .'I v G........... 91,25 90 94 gn ?% Rranff Pov-Bant Soldvlr unkündbar bi» 1932 92 — _ Bergmann.........9 Llekte Lieferung«geletllckatt. 10 - - 111,75 93,25 113,65 91 1K% Rdcmlicke Hvv.-Banl unb Rrch 10 106 109,25 105,13 Vlau. lÄolBpfe. 87,75 — _ _ «gelten & OuUltaume 79 78,75 7 . 25 <% Pc. LanvesvianvbrielanüaU. G -Ielückalt ffti Cifttrtidw Plandbrieie R i • 100 — — Untemedmangen . . io 33,5 _ 89 £9 ■>% Pr VanBWan :brt#fanflalt Hamburger ltietin,itH% veisit. von 1913 i% Ungarilche Dronenrente 1,35 1,35 1,4 Iife Bergbau ....... 10 Lläcku rwerke ,..««•■ 1 54 170.5 53,75 164 53.5 t% rartilck, fiollanieide von 1911 3 3,2 3,05 3,25 Kilo Renetten ..... 7 66,5 4% lürttidx Cagbcbbübn.Onl Manneswonn-R-firen . ' 1.5 — 61 60 Serie 1 —— — —• 3,2 MaNeleider Bergdou .... 7 — 32,75 33,25 4% Oe-Jgl Serie II 3,1 — — 3,25 Cbrr'rtilel chiu'nd, varl .... 6 — __ 32 5% RumSnilch, vereind Rente Cbfrirblcl gotswerte — — 64,65 64,25 von 1903 ■— — 9 —— IbPnir Bergbau ... 6*-i 55 53,75 55 54,5 SiumSnilch» vereinb Renk' Rbelnlicke Braunlodleo . . l( 147 146.75 145,5 von 1913 ■■ — 12,9 — Abemtuäl .......6 65 65,25 65,25 65,25 1% Runi-niiche oerrtah. Steet» 7 — 6,9 — «iebeck .....7.2 72,75 Sronffun a. Dl Berlin Banfnc (en i«ilhr» Äcklub- Anfang» Berlin, 29 v jembtr ck.elb Äriel für« ft re fort । flur« Bmeriiani-cke Roten..... vrlgiicke Roten ....... t5nu*f Roten ....... ftng'lldir Roten . ....... tzronickilcke Roten ....... polionbiicke Roten ....... Atalteniicke Roten........ Rorwegi>cke Roten....... Dkuitck-Oesterreich, i 100 Schilling -iumanilche Roten ....... Sckwebiick' Roten....... Sckwetier Roten ........ Spanttcke Roten........ t'dx-d oi.oroülilthe Roten..... Ungarilche Roten ..... Devisenmarkt Berlin 47175 58,41 111,88 20,335 16,447 163,56 21,91 111,88 58,88 2,48 112,18 81,34 43,61 12,40 73,25 - Frankfurt 4,195 58,65 112,32 20,415 16.507 169.24 21,99 112,32 59,10 2.50 112,62 81,66 43,79 16.46 73,55 a zn Datum 29 12 [ 30 12 29 12 30 12 vereinigte Stahlwerke . ... Ctaol Minen . . . 16*/, saliwerte SlckeKleben . . . io Kaliwerke Westeregeln ... 10 Kaliwerke kalidetiurtb ... V> n. a. riaiben-Inouftoe ... 12 Tvnamit Nobel.......6 Sckeide anstall........ 9 Kolbickmid! ...eeee.5 Rütgerswerke ........ 6 Metallgelellsckakt. ...... 5 Bdlltrv poitmarui......7 Zewentweri Lxidelberg . . 10 Crircniipfrf karilladt. ... 10 Baa6 & ntentag .....k S ckultdet» Patzerchoser ... 15 Cftmtde.........12 «ku 18 vewberg...... 14 ßeUOcfl Daldbol .... 18'/, flfllfloH Älckaslenbury ... ix Cbariottenburger Ballet ... 8 Teliauer ®a« ..... 9 Taimler Motoren . ..... 0 Teoncke Ltnoleuw ...... Matckinenbau 2.-A. ..... 0 Rat. Automobil . ..... 0 CtrnOeln & fiogpd . .... 6 Socniko ....... .'rantnrner Mckcktne» . . . . 4 HedUgensiaedl ....... V ^ungbane 6 Leckwerk« ........8 Mainkrattwerle HLchü a.SL . . 8 «tag ......io «edr Roeder ...... 10 Voigt 8 Haeisner ...... 9 Süb derui cke findet .... 10 58,5 | 131 i - 137 ! — 204 198 123,13 ' 121,5 125 । 36.5 36 42 41 76,75 74,25 70 - 40 ! — 41,5 - 41,5 - 92* 90 72 - 21,5 ' - - 100,- — 1 — 14,51 - 32,5 1 - 30 32 74,5 1 - 62,5 — 83 i — 147,75 — 135 - 58,25 31 130 136 204,65 123 59 l? 76,4 70^ 56,5 31,75 127 198 122.25 41 76,5 - - 29 Oczemdei 30 Dezemdei «mtiick. "o erung (selb I Urir ämiutfr Koi'iruny (Reit' ! »nr 160,13 159 128 1 29,5 42,25 41,25 42,25 , 42,5 92,5 91 72,25 72,25 78 78 99,13 98 21,9 21,5 98,5 97,75 29,65 — 42 - 102 101 283 284 14,251 - 32 । - 28^5 Z ? z 148 - 134,5! - flmft.- Sion. Eiun..Aires Bril.-Antw ttbdfltnnta. Qopenbna’n Stockholm . HelstngtorS- Italien. . . London. . . •Jiennorf . . •Band. . • . Schweiz . . Sva i:n ■ Japan . - . Hto dc Jan Wien In CefL obgeft Pro« . tief trab • . Vabavril. . Bul arten isiffabon Danzig . Rcnft ntia. fltben- . Canaba Um aav • uLafro 168,94 1,334 58,63 112,18 112,18 112,50 10,551 21,97 20,375 4,1935 16,477 81,45 44.06 2,081 0,392 59,02 12,445 7,430 73,42 3,041 18,81 81,47 1,784 5,435 4,187 3,027 20,90 169,28 1,338 58,75 112,40 112,40 112,72 10,571 22,01 20,415 4,2015 16,517 81,61 44,14 2,085 0,394 59,14 12,465 7,444 73,56 3,047 18,85 81,63 1,789 5,445 4,195 3,033 20,94 168,90 1,298 58,575 112,16 112,16 112,43 10,55 21,97 20,37 4,1945 16,473 81,345 44,06 2,081 0,384 59,03 12,437 7,426 73,42 3,039 18,83 81,47 1,784 5,433 4,187 3,017 20,99 169,24 1,302 58.695 112,38 112,38 112,65 10,57 22,01 20,41 4.2025 15,513 81,505 44,14 2,085 0,386 59,15 12,457 7,440 73,46 3,045 13,87 «1,63 1,789 5,443 4,195 3,023 20,93 Kräftiger Sonntagsjunge angekommen! am Mittwoch, 31. Dezember, nachmittags, 07976 geschlossen sind. 8880 D Kassenstunden nur von 8—1 Uhr Bezirkssparkasse Gießen Handels- und Gewerbebank e. 6. m. b. H., Gießen Cafe Astoria Für Silvester empfiehlt: Große Silvester- und Neujahrs-Feier Tanz Ameod Böll Geihner Heiller Huber Keil Schwarz 07970 8900 D 88631» Jür Silvester DrogerieWinterhoff Kreuzplatz 10 8783 A 8885 der Universität, Hörsaai 38: 8870V Für Silvester bietet der Konsumverein seinen Mitgliedern an: willkommen. Der Vorsitzende. 7, Fl. 8873V Wir bedauern Prima Weine n Zur Silvesterfeier Süd- und Dessertweine: Ihnen 8862 A iteoSielMcMiHdiliie dem Fachmann 8049D Gießen - Marktstraße 27 8400Ä 'S' n n n Feinste Kreppei und Berliner Pfannkuchen Die unterzeichneten Konditoreien empfehlen ab Silvester täglich 4.50 5.60 1.30 1.60 1.30 1.60 2.30 0.55 1.20 1.35 1.50 n » n Geburt»-Anzeigen liefert Brühl, Gießen Gießen (Hänbelstr. 4), den 28. Dezember 1930 z. Z. Kath. Schwesternhaus Frau Erna Schmidt, geb. Weber Dr. Karl Schmidt daß wir trotz größter Anstrengung nicht in der Lage waren, während des Monats Dezember alle Kunden zu bedienen. Der große Andrang beweist, daß wir uns einer Immer wachsenden Beliebtheit erfreuen und durch unsere Preispolitik das Vertrauen weitester Kreise erworben haben. Im neuen Jahre wird es unsere vornehmste Aufgabe sein, unserer werten Kundschaft durch billigen Einkauf von Qualitätswaren über die schwierigen Zeiten hinwegzuhelfen. Ein frohes neues Jahr wünscht Tarragona, vom Faß Samos Tarragona Malaga............ Douro-Portwein .... la Aepfelwein Punsch-Essenzen, Bowlenweine Rum, Arrak, Liköre, Weinbrand Preiswerte Marken empfehlen Bowlen in Blas, Steinzeug Kristall, Messing, Nickel Bowlengläser Weingläser Likörgläser in allen Preislagen Weinbrand: Scharlachberg Meisterbrand.... Scharlachberg Gold . Weinbrand GEG, 38% . Weinbrand Winkelhausen, 38% Weinbrand-Verschnitt, 38% ... Rum, Jamaika............ Rum -Verschnitt.......... Arrak, echt . Arrak-Verschnitt . 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GjMkeli \ 1930 istein' ®an widi lebend, die Westens vcr ftu^pen? 9' bin nach chestenland r das cs so ' Und ich low Freuden all Aber bereits das Ende fr habe ich die diese befreit wir haben s« sein. Was a Wechsel, die tann? Und Desreiung b Aach ande Jahres schau licher biäty auf, die uns und von der ist, ja deren entfernt abzr wir alle lois in einem bii sen der Arbk fionen; völlü Äfftems im des Dolksi 1 jur Siedehi regiment; ' Jentsche Re regieren. 2 genommen, Vielleicht sinmmg, da iunbigunger inentarismr Reichsregie Haupt gefa erfreulicher Politischer lenlvs c-pt in den Can in den Str deutlich gel nicht toeitet daß Deutse jenseitige \ Wendungen, hört? 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