Nr. 254 Erstes Blatt 180. Jahrgang Donnerstag, 50. Oktober 1930 Erscheint täglich,anher Sonntags und Feiertag». Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Schalle !RonaU«Be$ug$prets: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Tröget» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern mfolge höherer Gewalt. $em|pred)an|d)lü||t anterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Snjetger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzeiierAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Dnid und Verlag: vrühl'jche Univerfilälr-Vuch- und Steinöruderci H. Lange in Stehen. Schristteiwng und Geschäftsstelle: Zchulsttahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re- Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20° , mehr. Chefredakteur: Dr. 5riebt. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Der Auswärtige Ausschuß fordert die Abrüstung der andern. Keine Einigung über die Anträge zur Revisionsfrage. — Nie einseitige Erfüllung des Versailler Vertrags in der Abrüstung eine ernste Bedrohung von Neutschlands Sicherheit. Berlin, 29. Ott. (DdZ.) Der auswärtige Ausschuß des Reichstags trat unter dem Vorsitz des Abgeordneten Dr. F r i d (Nat.°Soz.) zusammen, um die Anträge zum Voungplan zu beraten. Außer dem Reichsauhenminister Dr. C u r - tiuS nahmen auch Reichsfinanzminister Dietrich und Reichsjustizminister Dr. B re d t an den Verhandlungen teil. Der Beratung des Ausschusses liegen Anträge der Rechtsparteien und der Kommunisten auf Einstellung der Reparationszahlungen, Aufhebung der Versailler Vertrage, Revision der Re- parationsvertrage, Erklärung eines Moratoriums usw. zugrunde. Aussicht auf Annahme hat jedoch nur der Antrag des Christlich-Sozialen Volksdienstes, der nach Ordnung der Reichs» finanxen die G i n l e i t u n g vonRevisions» verhandlungen verlangt. Dor Beginn der sachlichen Aussprache gedachte der Vorsitzende, Abg. Dr. Frick (Natsoz.) der Toten, die bei den letzten Bergwerksun- glüden zu beklagen sind. Er betonte, daß der Ausschuß in dem Gefühl herzlichsten Beileids für die beklagenswerten Opfer der Katastrophen und deren Angehörige einig sei, ebenso wie in dem Wunsche, daß d^i Unglüdsursachm mit aller erdenklichen Sorgfalt nachgegangen werden müsse, um — soweit cs in Menschenhand liege — die Wiederholung derartiger Katastrophen für die Zukunft unmöglich zu machen. Er glaube, im Sinne des Ausschusses zu sprechen, wenn er für die Hinterbliebenen jede mögliche Linderung materieller Vor fordere. — Zu diesen Worten hatten sich die Aus chuhmitglieder von ihren Hitzeß erhoben. Hierauf begann die vertrauliche Ausschußberatung über die Reparations, ragen. Wie die „Telegraphen-Union" hört, sprachen zu- nächst die Antragsteller zur Begründung ihrer Anträge. Dann nahm ReichSsinanzminister Dietrich das Wort. Der Reichskanzler Dr. Brüning beteiligte sich nicht an den Verhandlungen, er hatte aber Besprechungen mit den Führern der im Ausschuß vertretenen Parteien mit Ausnahme der Kommunisten. Der Grund dieser Besprechungen wird in parlamentarischen Kreisen darin gesehen, daß im Auswärtigen Ausschuß die Regierungsparteien, auch wenn man die Sozialdemokraten in diesem Falle dazu zählt, in der M Inder h ei t gegenüber den Oppositionsparteien sind. Da sowohl von der äußersten Rechten wie von den Kommunisten Anträge auf Einstellung der Zahlungen aus dem Boungplan Vorlagen, bestand also die Möglichkeit, daß der Auswärtige Ausschuß durch Mehrheitsbeschluß einen vollständigen Kurswechsel inder Außenpolitik verlangen konnte. Versuche, die Abstimmung über die zum Vungplan gestellten Anträge zu vertagen oder durch Abgabe von Erklärungen überflüssig zu machen, scheiterten an dem geschlossenen Widerstand der Oppositionellen von rechts und links. Als es dann aber nach eingehender Aussprache zu den Abstimmungen kam, fand sich für die Anträge gegen den Voungplan keine Mehrheit, weil die Rechte gegen die kommunistischen Anträge stimmte und die Kommunisten die Anträge der Rechtsopposition ablehnten. Der Antrag der Wirtschaftspartei auf Vorlegung einer Denkschrift über die bisher von Deutschland aufgebrachten Reparationsleistungen wurde mit Stimmengleichheit abgelehnt. Angenommen wurde schließlich ein Antrag des Abg. Saud) (DVP.) mit einem Zu- satzantrag des Abgeordneten Graf Westarp (Kons.) mit den Stimmen der Deutschen Volkspartei, der Rationalsozialisten, der Christlich- Sozialen, des Zentrums, der Bayrischen Volkspartei, der Wirtschaftspartei und des Landvolkes gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten bei Stimmenthaltung der Deutsch- nationalen. Der Antrag lautet: Der Auswärtige Ausschuß Hai aufgrund des Berichtes des Reichsminisiecs des Auswärtigen von dem gegenwärtigen Stand der Jrage der allgemeinen Abrüstung, insbesondere von dem Ergebnis der Verhandlungen der diesjährigen Bundesversammlung des Völkerbundes über diese Frage mit größter Enttäuschung Kenntnis genommen. Er muh danach feststellen, daß die Bemühungen um die allgemeine Abrüstung bisher keinerlei praktische Erfolge erzielt haben. Die Staaten, die mit der Erfüllung ihrer rechtlichen und moralischen Verpflichtung zur Abrüstung feit Jahren im Rückstand sind, haben bei den letzten Genfer Beratungen nicht einmal zu einem Beschluß veranlaßt werden können, der die schnelle (Einberufung der ersten allgemeinen Abrüstungskonferenz sichergestellt haben würde. Deutschland steht somit vor der Tatsache, daß es die ihm auferlegte Verpflichtung zu restloser Entwaffnung bis zum letzten Punkt hat durchführen müssen, daß ihm aber die vertraglich zugesicherte, längst fällige Gegenleistung immer noch in ihrem ganzen Umfange rechtswidrig oorenthalten wird. Darüber hinaus erfolgt in manchen Ländern sogar noch eine Verstärkung der Rüstungen. Der Auswärtige Ausschuß ist der Ansicht, daß dieser Zustand in großem Widerspruch zu dem Grundsatz der Gleichberechtigung steht, daß er eine ernste Bedrohung der Sicherheit Deutschlands und damit des Weltfriedens bedeutet und daß er aus diesen Gründen völlig unhaltbar ist. Der Auswärtige Ausschuß erwartet von der Reichsregierung, daß sie mit allen ihr zu Gebot stehenden Mitteln auf die schleunige Aenderung der gefahrvollen Lage hinwirkt und daß sie mit äußerstem Nachdruck daraus besteht, eine Abrüstung der anderen Staaten zu fordern, die nach Umfang und Art der Abrüstung Deutschlands dem Grundsatz paritätischer Sicherheit entspricht und daß sie Klarheit darüber herbeiführt, ob die auswärtigen Mächte gewillt sind, diese Forderung entsprechend den im Versailler Vertrag festgelegten Verpflichtungen zu erfüllen. Oie Meinung der presse. Warnung vor falschen Schlüssen. Berlin, 30. Ott. (TU.) Eine Reihe Berliner Blätter nimmt zu dem Ergebnis der Sitzung des Auswärtigen Ausschusses am Mittwoch Stellung. Allgemein wird es begrüßt, daß wenigstens ein Beschluß zustande gekommen ist, der die Abrüstung auch der anderen fordert. Die .Berliner Börsenzeitung" (Kons.) bedauert, daß es in der Reparationsfrage zu keinem Beschluß gekommen ist und sagt, man hätte durch Annahme eines der Anträge gemäßigterer Tendenz dem deutschen Außenminister auch gegen seinen Willen eine wirkungsvolle Kundgebung deutschen Selbstbe- h a u p t u ng s w i l l e n s zu weiterer diplomatischer Verwertung in die Hand geben sollen. Der „T a g" (Hugenberg) schreibt, es habe sich gezeigt, daß die Parteien nicht den Mut aufbrächten, das Reparationsproblem von neuem in Angriff zu nehmen. Die .D A Z." (Dolksp.) schreibt, wenn auch eine Bindung der Außenpolitik des Reiches, bestimmte Maßregeln zu einem bestimmten Zeitpunkt durchzuführen, unzweckmäßig gewesen wäre, so hätte sich dieses Bedenken sicher durch eine geeignete Formulierung umgehen lassen. Daß ein solcher Versuch nicht unternommen worden sei, müsse bedauert werden. Der „Vorwärts" (Soz.) stellt fest, daß der Schlüssel für die politische Bewertung der Ablehnung aller Anträge zur Reparationsfrage darin liege, daß siemitwechselndenMehr- heilen abgelehnt worden seien. Nichts aber wäre falscher als der Schluß, daß dies negative Ergebnis ein Ausdruck der Zufriedenheit des deutschen Volkes mit den QJoung- zahlungen sei. Die „Vossische Zeitung" (Dem.) meint, es werde allgemein begrüßt werden, daß der Regierung auf dem delikaten Gebiet der Voungfragen freie Hand sowohl in der Wahl des Vorgehens als auch des psychologisch richtigen Zeitpunktes gewährt worden fei. Seeckt fordert Rüstungsgleichheit. Ncvision der Abrüstungstlausel des Versailler Vertrags. ‘Serlin,29. Oft (211.) Die „5X213." veröffentlicht eine Unterredung Generals v. Seeckt mit der „United Preß", in der Seeckt unter Bezugnahme auf die kürzliche Rede Mussolinis betonte, daß der Tag gekommen sei, an dem Deutschland die Hoffnung aufgeben müsse, daß andere Mächte ihr Heer auf das gleiche Maß, wie die deutsche Reichswehr herabsehen würden. „Meiner Ansicht nach würde Die vorbereitende Abrüstungskonserenz im November eine passende Gelegenheit für die deut'che Regierung abgeben, um vor die anderen Mächte mit der Fo rde- runya u f Zurückschraubung allergroße n Armeen bis zu dem deutschen Standard hinzutreten. 3m Falle, daß Deutschland keine zusagende Antwort erhalten würde, solle auf der Revision der militärischen Klauseln des Versailler Vertrages bestehen und die Parität der Bewaffnung in Uebereinftimmimg mit der Gröhe der Bevölkerung und der geographischen Lage des Landes verlangen." 3n Anbetracht der wirtschaftlichen und finanziellen Notlage Deutsch- lands würde eine bedeutende Vergrößerung unserer Armee außer Frage fein, aber die Zeit unb die Methoden einer solchen Vergrößerung mühten der eigenen Entscheidung Deuts ch- lands überlassen werden. Zum Schluß wandte sich der General an die Vereinigten Staaten, die Reparationsbürden, unter denen Deutsch- land augenblicklich leide, zu erleichtern. Amerika müsse verstehen, dah die fortdauernden Tributzahlungen durch 5>eutfchland untragbar sind. Ein benscher Protest in Warschau. D e r l i n, 29. Oft. (WTD.) Die Verleumdungen eines Krakauer Blattes, des „Kourjer Cvdziennh", haben dem Auswärtigen Amt Veranlassung gegeben. den deutschen Gesandten in Warschau zu beauftragen, bei der polnischen Regierung nachdrücklichst gegen d i e sich häufenden Angriffe und Demonstrationen gegen das Deutschtum und deutsche Vertretungen in P»len zu protestieren, denen der oben erwähnte Artikel mit persönlich zugespihten Der- dächt gungen der deutschen Cescnutschaft d e Kivne aufgesetzt hat. Der Gesandte hat bei seinen Vorstellungen besonderen Nachdruck darauf gelegt, dah einzelne der unwahren Behauptungen des Artikels nur dadurch möglich geworden sind, daß die den Entstellungen zugrunde liegenden einwandfreien Vorgänge dem Blatt durch Indiskretionen amtlicher Stellen bekanntgeworden sind. Sie HochwafferkMrophe in Riederschlesien. Frankfurt a. b. D., 29. Ott. (TU.) Im Gebiete der Lausitzer Neiße und ihrer Nebenflüsse hat das Hochwasser im Laufe des Dienstags und am Mitt- wochvormittag katastrophale Ausmaße angenommen. In Guben hat die Polizei die tiefergelegenen Wohnungen räumen lassen, weil befürchtet wird, daß der Hochwasserstand von 1926 erreicht, wenn nicht gar überschritten wird. In Sommerfeld war für solche vorbeugenden Maßnahmen nicht mehr genügend Zeit. Früh gegen 5.30 Uhr stand das Wassersschon so hoch, daß die Tuch- m u n g des Dorfes begonnen. Diese Maßnahme war um so notwendiger, als bis Mittwochmorgen der vier Meter hohe Damm a n zehn St ellenüberflutet war. 3n Mednitz muhte man sich entschließen, die Landstraße zu durchstechen, um den ungeheuren Wassermasfen einen Abfluß zu schaffen. Die Strecke Haldau-Saatz gleicht einem riesigen See. Viele Landwirtschaften stehen unter Wasser. 3nHalbauhat das Hochwasser durch einen Brückeneinsturz ein Todesopfer gefordert. Der gerade auf der Brücke Bei Horka steht der Bahndamm unter Wasser. fabrif AG. Notsignale geben mußte, um die Feuerwehren aus der Umgebung zusammenzurufen. Etwa 300 Wohnungen wurden 1,50 Meter hoch unter Wasser gefetzt. Das Wasser ist i n die Gasleitungen eingedrungen, so daß das städti. sche Gaswerk die Belieferung einstellen mußte. Die Landstraßen sind von den Wassermasfen so stark beschädigt worden, daß mehrere der Hauptdurch- gangsstraßen vom Landratsamt Sorau gesperrt werden mußten. Auch im Kreise Sagan hat das Hochwasser große Verheerungen angerichtet. Am Dienstag- abend brach in der Nähe von Ober-Gorpe und Mednitz der Ober dämm in einer Breite von zehn Meter, so daß in kurzer Zeit etwa 3000 Morgen überflutet waren. Am späten Abend holte die Feuerwehr das Vieh aus den Ställen und es wurde gleichzeitig mit der R ä u - befindliche 64jährige Landwirt B. Molch wurde von den Fluten fortgerissen. Molch fand hierbei vermutlich den Tod in den Fluten. 3n der Nähe von Neuhammer hat die O u e i h einen Damm auf fünfzig Meter Breite durchbrochen und die Ufer volltommen überschwemmt. 3n Sagau muhten Brücken gesperrt und tiefer gelegene Stadtteile teilweise geräumt werden. Auch in Spremberg hat das Hochwasser einen katastrophalen Umfang angenommen. 3m Laufe der vergangenen Nacht trat die Spree über die Ufer und überflutete mehrere Straßen. 3n den tiefer gelegenen Häusern an der Spree reicht das Wasser bis zum ersten Stock. Heute um 13 Uhr betrug der Pegel stand bereits 3,70 Meter. Der Höchststand des Jahres 1927 ist bereits überschritten. Um den Wassermasfen einen Abfluß zu verschaffen, wurde heute vormittag 882 —-_ •. ■ » IBIS» ir d.’ti ?&z. --- ****** *•*. Das Görlitzer Domviertel von bett Wassern der Neiße überschwemmt, der Spreedamm zwischen Spremberg und Cant- dorf gesprengt, ilm 16 Mr zeigte der Pegel einen Stand von nur noch 3,50 Meter, es ist also ein Fallen der Wassers zu verzeichnen. In der Umgebung von Kottbus ist die Spree ebenfalls über die Ufer getreten. Die Gegend von Madlow gleicht einem großen See. Der Scheitel der Flutwelle dürfte wahrscheinlich heute abend Kottbus passieren, da im Oberlauf der Spree bereits ein Stillstand eingetreten ist. Der Waffenstillstand im Meiallarbeiterkonfliki. Urabstimmung in den Betrieben. Arbeitsaufnahme bei Siemens. Berlin, 29. Okt. (TU.) Die Obleute der Streikleitungen der dem Verband Berliner Metallindustrieller angeschlossenen Betriebe hatten sich am Mittwoch versammelt, um zu der am Dienstagabend erzielten Einigung Stellung zu nehmen. Der Bevollmächtigte LI ri ch erstattete zunächst einen Bericht über die Verbandlungen Reichsarbeitsminister a. D. Dr. Braun ». im Reichsarbeitsministerium. Hieran schloß sich «ine Aussprache, in der auf die Rotwendigkeit hingewiesen wurde, den Streikenden die Entscheidung darüber zu überlassen, ob der Streik weitergeführt werden solle oder nicht. Urich schloß sich dieser Anschauung an. Man kam überein, am Donnerstag eine Urabstimmung über die Fortführung oder Beendigung des Streikes durchzuführen. Das Ergebnis der Abstimmung soll dem Metallarbeiterverband noch im Laufe des Donnerstagnachmittags mitgeteilt werden, damit die Obleute der Streikleitungen noch am Donnerstagabend zu dem Ergebnis der Urabstimmung Stellung nehmen können. Die gestrige stark besuchte Dertrauensmänner- konferenz des Christlichen Metallarbeiterverbandes erklärte einstimmig zur Streiklage: Die offizielle Streikleitung der Siemenswerke hat beschlossen, daß für diese Werke mit einer Gesamtbelegschaft von 30 000 Arbeitern am Donnerstag d i e Arbeit wieder ausgenommen wird. Andere klein« Betriebe sind dem gefolgt. Unter diesen Umständen ist die vom Deutschen Metallarbeiter- verband für Donnerstag angesetzte Urabstimmung ein großer Unsinn. Der Christliche Wetall- arbeiterverband lehnt deshalb eine Beteiligung an',der Urabstimmung ab, erklärt den Streik für seine Mitglieder für beendet und empfiehlt, heute früh die Arbeit wieder aufzunehmen. Die Konstituierung des neuen Schiedsgerichts wird schon in diesen Tagen erfolgen, es steht fest, daß hierbei der frühere Reichsarbeitsminister Dr. Brauns die Rolle des Vertreters der Reichsregierung als Sonderschlichter spielen wird, so daß sein Spruch dann der maßgebende sein wird. Das Schiedsgericht wird neben Brauns noch aus einem Vertreter der Metallarbeiter und einem Vertreter der Metallindustriellen bestehen. Man darf annehmen, daß sein Spruch die gleiche Staffelung oorsehen wird, wie der seinerzeitige Schiedsspruch von S e v e r i n g , dergestalt, daß der Lohnabbau nach und nach vorgenommen werden wird, um ihn stärker von der Preissenkung abhängig zu- machen, die zwar allmählich in Erscheinung trete, aber noch nicht die täglichen Bedarfsartikel erfassen würde und somit bei einer rigorosen Anwendung des Lohnabbaus zur Einschränkung der Kaufkraft der Massen fuhren müßte. Oie Katastrophe des „R101" vor der Aniersuchungskommission. Sensationelle Feststellungen über eine unbefriedigt verlaufene Probefahrt. Das Lustschiff R 101 „nichts weiter als ein Experiment" sagt der Generalstaatsanwalt. Das Modell des „R 101" wird in das Londoner Ingenieurvereinshaus zur Untersuchung getragen. ■ "KM M London, 29.0kl. (XU.)| Der zweite Tag btr Verhandlungen über die Kaiaslrophe de» „R. 101" brachte die überraschende Mitteilung, daß d i e Probefahrten des „R. 101“ am 1. und 2. Oktober nicht zufrieden st eilend verlaufen sind. Ein Motor muhte infolge Undichtigkeit des Ocltanks bald nach der Abfahrt abgestellt werden. Ein anderer konnte nicht mit"voller Geschwindigkeit laufen. Da» Schiff hat daher niemals nad) bem Umbau versuche mH der höchslge - sch windigkeil gemacht und außerdem wurde auch die Jafjrf auf 16 Stunden abgekürzt, obwohl ausdrücklich festgelegt worden war, daß die probe- sahrt 24 Stunden dauern und zusricdenstellend verlaufen müsse. Ferner scheinen die Vorbereitungen zur Abreise nach Indien unter einem gewissen Drucke seitens des verunglückten Luftministers Lord Thomson gestanden zu haben, der die Erfahrungen mit dem „R. 101" auf der Indienreife b e - reits fürverhandlungen auf derweil- reichskonferen; ausnuhen wollte. Aller- ding» wurde es Lord Thomson verheimlicht, daß die Probefahrt nicht 24 Stunden gedauert hatte. Die Berichte und Berechnungen des Sachverständigen, Professor» C a I r fl o ro, zeigen, dah er von den veränderten Stabilität»- und Gewichtsverhältnissen an Bord nicht völlig unterrichtet war. Der Generalstaalsanwalt enthüllte, daß nicht nur die schweren Motoren die Tragfähigkeit de» Schiffes beeinflußt hätten, sondern daß auch da» Schwanzende des Schiffes und dann zum Gewichtsausgleich auch das Kopfende beschwert worden seien. Der Vorsitzende bemängelte das Fehlen jeglicher Berichte über die Probefahrt. Abschließend stellte der Generalslaatsonwalt fest, dah das Luftschiff noch nichts weiter als ein Experiment dargeslellt habe. Die Konstruktion sei we- seillich anders als die des Zeppelins gewesen. Aus der Aussage des inzwischen verstorbenen Mechaniker» Ehurch geht hervor, dah dieser den Beseht zum Abwerfen von einer halben Tonne Masser- ballast nicht mehr ausführen konnte, weil in demselben Augenblick die Katastrophe eintrat. Sachverständige vertreten die Auffassung, dah die Schisfs- konstruktion in der Luft keinen Schaden erlitten und dah das Riedergehen des Kopfendes das Schiff um höchstens 25 Grad aus der horizontale gebracht hat. Rach einem Berichte von Stimson, dem Direktor der Meteorologischen Ableitung im Luftministerium hat der Höhenmesser im Augenblick der Kalaslrophe richtig gearbeitet. Diese Ansicht steht jedoch im Gegensatz zu der von Dr. Eckener vertretenen. Die Theorie vom Entweichen de» Gase» aus den Behältern wird als unwahrscheinlich abgelehnt. Wohl aber wirft der Generalstaatsanwalt noch die Frage auf, ob die Explosion durch das Gas, bzw. ein Gemisch aus Gas und Lusl etwa dadurch entstanden sein könne, dah das Luftschiff zuerst auf den Boden stieh und undicht wurde und ein zweiter Aufprall auf den Erdboden dann die Explosion verursachte. Das Gespräch Herve-Hitler. Das Versailler Diktat der Keim zu neuen Kriegen. Paris, 29. Okt. (ERB.) Gustave Heros veröffentlicht in der „Victoire" den vollständigen Xe& der Antwort des „Völkischen Beobachters" auf seine Vorschläge. Heros erklärt, daß der ungekürzte Text so maßvoll, höflich und herzlich gehal- ten sei, dah er — Heros — trotz eines Mißverständnisses Hitlers über die Gründe seiner Intervention und trotz gewisser MeinungsverschiedenhLiten sich moralisch verpflichtet fühle, die Antwort sympathisch zu besprechen. Selbstverständlich würden die Vorschläge, die er der deutschen und der französischen öffentlichen Meinung unterbreite, nur dann ein wirksames Ergebnis haben, wenn sie eines la« g e s von einer französischen Regierung einer deutschen Regierung unterbreitet werden würden. Aber soweit sei man leider noch nicht. Die französische Regierung sei von einem solchen Programm noch sehr weit entfernt. Seine — hervss — Rolle sei es, seine Vorschläge der öffentlichen Meinung darzulegen: denn wenn die französischen Rationalisten ein solches Programm nicht annehmen, dann würde keine französische Regierung es wagen, es anzunehmen. Richt daß ihm, Heros, der Versailler Vertrag so ungerecht erscheine. Rach der Verletzung der belgischen Neutralität und nach der Derwüstuna Nordfrankreichs sei es natürlich gewesen, daß das Versailler Diktat hart ausgefallen sei, wie seinerzeit ja auch das Frankfurter Friedensdiktat. Aber das wiederum fei der Grund, daß das Versailler Diktat den Keim x u einem neuen Krieg enthalte, wie auch seinerzeit das Frankfurter Friedensdiktat. Deutschland und Frankreich, xroei der zivilisiertesten großen Nationen, würden sich von Reoanchekrieg zu Revanchekrieg schließlich aufreiben und beide in einer schrecklichen bolschewistischen Katastrophe untergehen. Es handele sich ferner weniger um den Gedanken eines Militärbündnisses, als um eine gegenseitige militärische Garantie, die sich gegen niemanden, auch nicht gegen Italien richte, dessen Bewunderer er stets bleibe. ------- J Nationalsozialistischer Antrag auf LandtagsauflSsung in Hessen. Darmstadl, 29.0kl. (whp.) Aehnllch wie der Landbund Hal jetzt der nalionalsozialislische Abgeord- nele Professor Werner (Butzbach) einen zwölf Positionen umfassenden Antrag aus Sparmaßnahmen in Hessen eingebracht. Rach seinen Forderungen soll in Hessen in Zukunft nur noch ein Minister amtieren. Die M i n i st e r i a l b e a m - t e n sollen aus den Stand von 1914 reduziert werden. Die Zahl der Abgeordneten soll von 70 auf 35 vermindert werden. Die Aufwandsentschädigungen der Landtagsabgeordneten sollen um 50 vom hundert, die sesten Gehälter der Beamten im entsprechenden Abstand (etwa 30, 20 und 10 o. h.) heruntergeseht werden. — In einem weiteren Antrag wird gegen die Maßnahmen des Innen- Gießener Gtavitheater. Wolfgang Goetz: „Neidhardi von Gneisenau". „Es ist immer ein winziges tödliches Beinahe in meinem Leben .. Wie der kleine Knabe Christian Dietrich Grabbe in der ärmlichen Stube seiner Detmolder Kinderzeit schon mit dicken Dohnen „Krieg" spielte und die napoleonischen Schlachten schlug, die er später, als Mann, in Szenenbildern von grandioser Unmöglichkeit aufs Theater zu bringen versuchte, ... so hat sich der kleine Knabe Wolfgang Goetz (der jetzt ein preußischer Regierunys- rat und im „Rebenberuf" auch ein Dichter ist) mit dreitausend Zinnsoldaten die Schlacht von Waterloo aufgebaut, die ihm viel später den weltgeschichtlichen Hintergrund für seinen Helden August Reidhardt von Gneisenau abgeben sollte. Der kostbarste Schatz seiner Autvgraphensamm- hing war ein Brief dieses Generals: als Schulbub findet Goetz zuerst in seinem Geschichtsbuch ein Bild von Gneisenau, und vielleicht ist schon diese früheste Begegnung entscheidend und ein winziger Keim zu dem Schauspiel gewesen: er „verliebte sich in diesen wunderlichen Offizier, der so gar nichts Bärbeißiges und Eisenfresse- risches an sich hatte, sondern der eher an die Köpfe der Musiker erinnerte, die in den Zimmern des Großvaters ... hingen". Lind dann fand er merkwürdigerweise im Subskribentenverzeichnis einer Mozartbiogravhie von bekannten Ramen außer Humboldt und Mendelssohn nur Gneisenau. Solche Erinnerungen im Verein mit der späteren Lektüre von Gneisenaus Briesen — in denen zwischen den Zeilen schwere seelische Konflikte sich anzudeuten schienen — sind wohl für die Konzeption und für das Verständnis des Schauspiels wesentlicher als die dicken Wälzer von Perh und Treitschke. Im Stück wird Gneisenau einmal „als Freund aller schönen Künste weltbekannter Generalmajor" genannt: er selber sagt: „Ein anderer --Wieder mal ein anderer ... Für diesmal heißt er Blücher er erkennt auch: „Es ist immer ein winziges tödliches Beinahe in meinem Leben." Lind Goetz bemerkt dazu, als Motto könne vor feinem Schauspiel em sonderbarer Ausspruch Gneisenaus über Schwarzenbergs Stabschef, den Grafen Radetzky, stehn: „Radetzky arbeitet gleich mir hinter der Gardine und verdient den Lorbeer, den man auf Schwarzenbergs Haupt setzt." Mit diesen Zitaten hält man den Schlüssel zum Drama in der Hand: wenn man sie kennt, wird man Mißverständnisse vermeiden, wird man das Werk so auffassen und einordnen, wie es ihm zukommt, wird man hinter dem bunten, vieltönigen und vielgestaltigen Außenbilde zum eigentlichen Sinn und Wesenskem der fünf Akte Vorstößen. Lind man wird finden, daß hinter diesem preußischen Stück in siebzehn Bildern zwischen Tauroggen und Belle Alliance, hinter diesem kriegerischen Schauspiel mit seinen vielfarbigen Monturen und wehenden Fahnen, mit seinem Schlachtlärm, seinen Trommelwirbeln, Trompetensignalen und Diwakfeuern ... sich ein menschliches Schicksal erfüllt, auf dessen Formulierung es dem Dichter ankam. Man wird den „Gneisenau" dann mit dem gleichen Recht neben den Grabbeschen „Hannibal" rücken wie neben den „Louis Ferdinand' von Linruh, der auf ähnlichem Hintergründe, aber von anderem Blickfelde aus ein verwandtes Geschick zu gestalten unternahm. • Es ist also der „Gneisenau" keine naiv-theatralische Schilderung, kein Bilderbuch und Bilderbogen preußischer Geschichte, die man aus der Schule kennt: er ist sicher nicht einmal allenthalben historisch im strengen Sinne, ... obwohl gewiß auch manche traditionell gewordene Verzeichnung populärer Lieberlieferung fo nebenbei zurecht- gerüdt und ins gebührende Licht gestellt wird. (Man denke etwa an Friedrich Wilhelm III. oder an Blücher.) Vielmehr handelt es sich hier um ein Gleichnis vor geschichtlichen Kulissen, — wobei es allerdings nebensächlich ist, ob die Szenerie in Karthago oder bei Waterloo aufgeschlagen wird. Belanglos bleibt am „Gneisenau" im letzten Grund das Historische. Wichtig ist, daß dieses klirrende Preußendrama im eigentlichen Kern ein Menschenschauspiel wurde, in welchem die vox humana den Schlachtenlärm nachhallend übertönt. • Gneisenau ist bei Goetz — wie bei Grabbe der Punier — der genialische Mensch, welcher Zeit seines Lebens am falschen Platze steht, immer im Schatten eines andern, immer zu spät kommend, an fremder Llnzulänglichkeit scheiternd, von seiner Limwelt verkannt, befeindet, mißverstanden, in den Hintergrund geschoben und in die Ecke gestellt. Immer fällt ihm die Tür vor der Rase ins Schloß, immer steht ein anderer vor ihm, erntet ein anderer die Frucht seiner überragenden Leistung. Immer wird er einsam sein — wie Hannibal. Lind wie der Louis Ferdinand, mit dessen Porträt sich das Bild Gneisenaus in seiner preußilchen Herkunft wie in feiner geistigen Haltung berührt. Gneisenau ist, obwohl er im Schauspiel als eine durchaus soldatische Erscheinung wirkt, für Goetz doch nie ein General wie alle andern, sondern er bleibt jener höchst rare und merkwürdige Offizier, der sich mit Humboldt und Mendelssohn für Mozart interessierte: ein Schöngeist wie der bei Saalfeld gefallene Prinz: ein Generalstäbler, der in feinem Feldquartier sitzt und Verse schreibt wie Fridericus. Gneisenau ist ehrgeizig, von einer brennenden Sehnsucht nach Ruhm und Größe verzehrt. Lind er ist ein Rebell aus preußischem Pflichtgefühl, den keiner versteht, der sie alle vor den Kops stößt und an sich irre werden läßt, — selbst die liebste Frau ... Cin einziges Mal im stürmischen Ablauf seiner Zeit ist auch ihm die entscheidende Weltminute geschenkt: wenn er unter der Windmühle bei Brye das Schicksal seines Volkes und die Zukunft Europas in Händen halten darf und wunderbar hält. Aber zuletzt, in den Tuilerien, ist er doch wieder nur der Mann aus Schildau, den als kleines Kind seine Mutter nach der Schlacht verlor ... Mensch mit dem brennenden Ehrgeiz und den getäuschten Hoffnungen, ewig auf falschem Posten, nirgends beliebt, angeschnarrt vom König übersehen, belächelt und stehen gelassen ... immer wieder ist dieses winzige, tödliche Beinahe in seinem Leben. — • Die dramaturgische Einrichtung und die Inszenierung besorgte Oberspielleiter Spalter Bäuerle: er bracht« eine Ausführung heraus, die, wenn man aufs Ganze sieht, eine sehr würdige und repräsentative Leistung darstellte. Man muh bedenken, dah das Schauspiel szenisch und personell an eine Bühne wie die unsere auhcrordentliche Anforderungen stellt. Vor allem in technischer Hinsicht sind ganz erhebliche Schwierigkeiten zu überwinden: sie lassen sich eigentlich nur mit Hilfe einer Drehbühne bewältigen, wie sie jetzt unter Löfflers vortrefflicher Oberleitung gebaut worden ist. Man kann dann bei offener Szene mit großer Schnelligkeit verwandeln und mit dem dauernden Schauplatzwechsel des Dramas Schritt halten. Leider ging die so gewonnene Zeit durch allzulange Pausen wieder verloren: vielleicht liegt das an der neugeschaffe- nen und noch nicht völlig ausprobierten Bühnenmaschinerie und wird sich (mit anderen kleinen Unebenheiten) später wohl reduzieren lassen. Cs ist aber — schon mit Rücksicht auf die auswärtigen Besucher — eine Vorverlegung der Anfangszeit auf jeden Fall zu empfehlen. • Der dramaturgischen Bearbeitung ist im allgemeinen -uzuftrmmeu. Gan- ohne Striche ist der „Gneisenau" mit seinen 250 Seiten Text kaum zu spielen: vor allem im dritten und fünften Akt war viel gekürzt. Das Biwakbild würden wir nach der Szene der Marketenderin abbrechen. Darstellerisch gelangen am reinsten und stärksten: die beiden ersten Akte und die beiden Schlußbill^r. Die große Fahnenszene (13) war räumlich etwas beengt; ein paar Takte Präsentiermarsch würden bte Wirkung noch steigern. Schwach war nur das Dreikaiserbild; im Tempo verschleppt und wie aus dem Wachsfigurenkabinett entliehen. Bäuerle trug außer der komplizierten Regie noch die große und schwierige Hauptrolle: man sah eine überall interessante, stellenweise (9. Bild) ausgezeichnete Darstellung. Man denkt sich den Gneisenau wohl etwas minder jugendlich, aber das schadet nicht viel, da man ihn sich ja so, wie er hier im Schauspiel gezeigt wird, überhaupt kaum vorgestellt hat. Gerade das, worauf Goetz den Rachdruck legte, das Geistige und oft Grüblerische im Wesen dieses Generals, kam in Bäuerles nobler Darstellung glücklich zur Geltung. Rur sehr teilweise befriedigte Wesen er (Friedrich Wilhelm HL); er trieb die gewiß nicht glänzende Gestalt von Anfang an zu nahe an die Parodie heran: die Gereiztheit im abrupten Sprechstil des Königs braucht sich nicht im Diskant zu äußern: auch er wirkt zu jugendlich und — trotz allem — zu wenig männlich. Ebenso verfehlte 2infmann — wohl vom ostpreuhi- scheu Dialekt des Buches verführt — den Zaren Alexander, der der schönste und eleganteste Mann seines Jahrhunderts gewesen sein soll. — Viel besser geriet der uralte Möllendo-rff, den er auch zu sprechen hat. • Gut an ihrem Platze standen Hauer (Scharnhorst) und Hub als der gemütliche und bierehrliche Blücher, der bei Goetz vielleicht doch ein wenig schlecht weggekommen ist: Zingel gab mit viel Verständnis den intriganten Knesebeck: dann — in kurzen Episoden — die beiden einzigen Damen: Hilde Schwend (Caroline) und Agathe Walther-Lederer (Marketenderin), mit Anerkennung *.i nennen; ebenso <5 a flott (Vorck), Volck, Schubert. Bruck und Sche 1 cher in kleineren Chargen. — • Stück und Aufführung erzielten (trotz der erheblichen Verzögerung) den entschiedenen Erfolg, den der „Gneisenau" bisher überall und mit großem Recht gefunden hat. hth. Die Beisetzung der Opfer von Grube Maybach g Oie Wetterlage. RE rnorsnavn1 • NLwva tM * Sehnet a Graupeln ■ leichter Oji y majjiger lang der Pensionen und die sofortige Auflösun de« Landtags verlangt. mraiyren gegen die naNono^sziaNstlsche Bewegung Stellung genommen, ferner werden eine Reurege- Neber K 0ewitier.©uinditiiie.«O' xhr lod$odwe$i C) jtürmtjcher "ordwesl Die Pfeile fliegen mit dem Windt Oie beiden Stationen stehenden Zar» len geben die Temperatur an. Oie timen verbinden Orte mit Qlalchco» auf Meeresniveau umgerechneten Luftdruck ©efoflentoio hefte*.»mm oedecn »wo neig. eoedeeti »Regen Gtegerwalds Programm zur Wiederbelebung der Wirischast Die Beseitigung der Arbeitslosigkeit durch eine richtige Preis- und Lohnpolitik. trennen töimle von der Lieb« Jesu Thristi" und an daS Dort des Propheten IeremiaS: „Sie kommen zu mir mit Weinen und Klagen, aber ich führe und leite sie auf ebenen Pfaden, daß fte nicht straucheln. Vater will ich jetzt sein in Israel." Der Bischof fuhr fort: .Vater will Gott euch sein, euch Müttern, die ihr den Sobn begrabet, euch Frauen, die ihr den Gatten verlöret, den Kindern, die den Vater nicht mehr sehen, Vater auch euch, den Toten, die wir heute begraben. Ist es nicht eigen, das; eure Männer und Brüder in den Stunden etnfuhren, als man in Msdors die toten Kameraden begrub? Ob nicht in dieser Stunde ihnen Gedanken in die Seele gekommen sind an Gott, Tod und Ewigkeit? Das wäre die letzte große Gnade gewesen, die Gott ihnen gab." Oie Totenfeier Im Anschluß an daS Pontifikal-Requiem begann kurz nach 10 Uhr die Totenfeier im großen Zechensaal der Maybachgrube. Die 95 Särge der toten Bergleute sind unter Blumen begraben. Die Totenfeier wird eingeleitet mit Wagners Pilgerchor aus .Tannhäuser". Hierauf nahm noch einmal der Bischof von Trier das Wort. Als Vertreter des evangelischen Oberkirchenrates Berlin sprach sodann der Generalsuperintendent der Rheinprvvinz D. Klingemann. Die deutschen Brüder, um die wir jetzt trauern, sind in unermüdlicher Pflichterfüllung vom Tode überrascht worden. Sie wurden hcrabgerissen von unbarmherzigen schlagenden Wettern. WaS sollen wir sagen, wir kurzsichtigen Menschen, die wir angesichts der Majestät des TodeS mit unseren kleinen Gedanken vollends zu Schande werden. Kann Gott erschütternder zu unS sprechen als in diesen Tagen ? 'Wann endlich werden die Völker, die ständig vom Frieden sprechen, aber noch keine entscheidend« Tat deS Friedens folgen ließen, wann werden sie die Stimme GotteS vernehmen, der in Sturm, Wetter und Erdbeben über die Welt schreitet? Der französische Arbeitsminister P c r n o t überbrachte das Beileid der französischen Republik Der Präsident der Regierungskommission des Saargebiete», Sir Ernest, dankte den Erschienenen, vor allem dem französischen Arbeitsminister und dem ReichSverkehrSministe- von Guörard für ihre Teilnahme an der Beisetzung. Reichelveflehrelminister v. Guerard sagte u. a.: An diesen Särgen steht trauernd das gesamte deutsche Volk. In Demut und Schmerz sind vereint mit ihnen der Herr Reichspräsident, die Reichsregierung und die preußische Staats» rcgicrung, für die ich hier spreche. Diese Stunde tief ft cn Ernstes zeigt aber auch die Verbundenheit deS deutschen Bergmannes an der Saar mit allen deutschen Bergknappen. 3m ganzen deutschen Tater» lanbc wehen heute die Fahnen aus Halbmast, vor diesen Särgen senkt sich des Reiches Panier. Innigstes Beileid und Hilfe allen denen, die hier weinen und in deren Hütte die Sorge eingczogen ist. Kapellen der Dergarbeitervereine geleiteten bann die Särge zu den Wagen, die sie in ihre Heimatgemeinde bringen, wo im Laufe deS Tages die Beerdigungen stattfanden. Friedrich«thal 29. Oft. (WTV.) Heute vormittag um 9.15 Uhr begann in der Zcchen- kapclle von Maybach der TrauergotteS- d lenst für die Opfer der Grubenkatastrophe. Die klelne Kapelle war ganz mit schwarzem Tuch auS- gcschlagen, der Altar mit Blumen geschmückt. Der Raum war dicht von Leidtragenden und Trauergästen gefüllt. Die Trauermeffe wurde vom Ortspfarrer zelebriert. Dann hielt derBischofvon Trier, 0. Vornewasfer. die Predigt. Er er- innerte an daS Wort des Heiligen Augustinus: .Es gwt kein Leid, das so groß ist. dah es uns Berlin, 29. Oft (TU.) Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald verwahrte sich in einer Aussprache mit dem Chefredakteur der „Germania" gegen Vorwürfe zu großer Rachgiebigkeit gegenüber dem Unternehmertum. Alle großen und entscheidenden Vorgänge im Wirtschafts- und Staatsleben müßten real und objektiv beurteilt werden. Wer heute noch bestreitet, dah die deutsche Wirtschaft in vielen Zweigen überlastet fei, betreibt unverantwortliche Illusionspoli- t i k. Die deutsche Wirtschaft könne keinen neuen Antrieb erhalten, wenn sie nicht auf Erleichterungen seitens der Staatsführung rechnen 'tönne. Da sich in steuer- und frachtpolitischer Hinsicht für den Augenblick keine Erleichterungen ergeben, gibt es keinen anderen Ausweg, als an verschiedenen Stellen auch in der Lohnfrage etwas nachzugeben. Von einem behördlichen Lohnabbau soll man nicht sprechen. Vielmehr liege die Frage zur Entscheidung vor, ob seitens der Staatsmacht auf der ganzen Linie Löhne stabilisiert werden können, di« unter völlig anderen wirtschaftlichen Voraussetzungen gebildet worden sind. Die deutsche Wirtschaftskrise kann nur auf zwei Wegen behoben werden: 1. durch eine vernünftige wirtschaftliche Regelung der Tribut- leistungssrage und 2. durch verstärkte Kaufkraft im Innern. Man soll den Streit darüber, ob die verstärkte Kaufkraft im Innern von der ProduktionS- oder von der Konsumseite her zu schaffen ist, aus den Erwägungen ausschalten. Sie ist nur zu erreichen: 1- . durch eine ertragbringende landwirtschaftliche Erzeugung und 2. von der Verbilligung der gewerblichen und industriellen Produktion sowie vom Massenverbrauch her. Fürs erste müssen in der Industrie die Gestehungskosten und in der Gesamtwirtschasl die Verteilungskosten gesenkt werden. Daraus ergibt sich, dah man nicht blind an der Lohnfrage Vorbeigehen kann, sondern gewisse Lohnminderungen in Kauf nehmen muh, um die Voraussetzung für neue Verbrauchserweiterung zu schaffen. Es läuft das auf die Frage heraus: Sollen in der Privatwirtschaft — ohne die verschiedenen Teamten- fategorien — etwa 18 Millionen Arbeitnehmer 32 bis 33 Milliarden Mark Löhne und Gehälter beziehen, um davon drei Millionen Arbeits- lose mit jährlich drei Milliarden Äark zu unterstützen, oder sollen 21 Millionen Arbeit- nehmer in den ProduktionSprozeh gebracht werden, um vorübergehend ebenfalls nur eine ähnliche Gesamtlohnfumme zu beziehen? Di« Antwort liegt auf der Hand. Darüber hinaus muh erreicht werden, daß i m Wege der Preissenkung die breiten Mas- fen in den Stand gesetzt werden, mit 31 bis 32 Milliarden Löhnen und Gehältern mindestens nicht weniger kaufen zu können, als es heute einschließlich der älnterstuhung der Arbeitslosen mit 33 bis 34 Milliarden Mark der Fall ist. Dr. Stegerwald stellt nun folgende Berechnung auf: Wenn in der Berliner Metallindustrie z. B. jährlich etwa 300 Millionen Mark Löhne gezahlt werden, die Gesamterzeugung einen Wert von 1,0 bis 1,25 Milliarden Mark beträgt — so bedeutet l v. H. Lohnsenkungetwa3 Millionen Mark Lohnersparnis, 1 v. H PreiS- senkung eine Verbilligung der Erzeugnisse von etwa 10 bis 12 Millionen Mark. 3m deutschen Bergbau bedeutet 1 v. H. Lohnsenkung 15 Millionen Mark, eine Preissenkung von 1 v. H mehr als das Doppelte. TeLbinigima der Kohle bedeutet Ermäßigung der Gisenpreise, Erleichterungen für Gas-, ElektrizitätS- und Verkehrstarife. Eine Milliarde Mark Lolm- senkung muß mit mindestens 2,5 bl» 3 Milliarden Mark Preissenkung einhergehen. Dem so verbilligten Warenangebot muß eine verstärkte Rachfrage folgen und hierdurch kann in absehbarer Zeit wieder mehr Arbeit s r a u m geschaffen werden. Alle Faktoren sind zu beteiligen, nicht bloß Löhne und Gehälter. Bei der Preissenkung werden alle Gestehungskosten zu beteiligen sein. Auch an einer Senkung der Güterverteilungskosten kann nicht Halt gemacht werden. Arbeiter und Angestellte haben im letzten 3ahre bereits di« größten Opfer gebracht. Daher darf die Preisumstellung keineswegs auf die Arbeiter und Angestellten abgestellt werden Wenn nicht eine Preissenkung für die Gegen st ände des täglichen Bedarfs beim Kleinverkaufspreis wichtiger Lebensmittel in absehbarer Zeit erreicht wird, können Schiedssprüche mit Lohnkürzungen seitens des ReichSarbeitSministe- riums nicht mehr für verbindlich erklärt werden. Richt nur von Kartellen und Preiskonventionen, sondern auch vom Lebens mittelhan- del und Verarbeitungsgewerbe muß Preissenkung gefordert werden, da die Reichsregierung jede Politik entschieden abkehnt, die eine einseitige und dauernde Senkung des Lebensstandards 6er Arbeitnehmer zur Folge haben würde. Aus aller Welt. Schwere Zugentgleisung in Güdfrankreich. Der v-ZugLyon — Bordeaux ist Dienstag tn den ersten Morgenstunden ungefähr 25 Kilometer nördlich von perigueux entgleist. BI» jetzt werden 1 6 I o t e gemeldet. Der v Zug, der au» Genf kam, beförderte 210 rumänische Auswanderer. Der Zug wurde von zwei Lokomotiven gezogen, die beide aus den Schienen gesprungen sind. Die Ursache de» Unfall» steht noch nicht sest. doch glaubt man, dah ein Fremdkörper auf den S ch i e n e n die Entgleisung verursacht habe. Mnber- seil» wird dem „Jniransigeanl" gemeldet, dah e» sich um eine durch Regengüsse verursachte Senkung de» Bahndammes gehandelt hat. 20 Minuten vor dem verunglückten Zug passierte der Schnellzug pari»—Agcn die Unfallstätte. Bei der Ankunft in Perigueux erklärten die Reisenden diese» Zuge», einen heftigen Stoh genau an der Stelle, an der der nachfolgende Zug entgleiste, verspürt zu haben. Auch ein Zugbeamter des gleichen Zuges hatte eine entsprechende Meldung beim Bahnhofsoorstand von Perigueux gemacht. Lin Bahnbeamter war sofort an Ort und Stelle entsandt worden, traf aber z u s p ä t ein und konnte nur noch das Unheil fest- stellen. Die meisten wagen sind völlig ineinandergeschoben, so dah die Bergung der Leichen und der verletzten grohe Schwierigkeiten bereitete. Die Unruhen auf Jotmofa. Die Aufständischen auf Formosa bestehen aus mehreren tausend malaiischen Kopfjägern. Sie haben ein Dutzend Polizeistationen erobert, die Polizisten niedergemacht und etwa hundert (9c- wehre erbeutet. Truppen sind nach dem Unruhen- gebiet unterwegs. Flugzeuge melden, dah sie hef- iiges Gewehrfeuer hörten und dah Rauchwolken aus den tiefen Gebirgswäldern aufsteigen. Infolge der Unzugänglichkeit des Gebiets, in dem die Ein- geborenen ihre Stützpunkte haben, dürfte aber einige Zeit vergehen bis zuverlässige Nachrichten eintref- fen. 2000 Wilde haben das Dorf Muscya angegrif- fen, wo sich hundert japanische Einwohner und eine kleine Anzahl Polizisten gegen sie verteidigen. Am Nachmittag meldete ein Flugzeug, dah die Feldzeichen der Wilden In dem Dorf aufgepflanzt seien, was daraüf hinzudeuten scheine, daß das Dorf genommen wurde und die Einwohner nieder- gemacht worden sind. Rettung von Schiffbrüchigen. Ter britisch« Dampfer „Henry Mallory" setzte sechs Schiffbrüchige an Land, die in letzter Bacht in einem Rettungsboot des Frachtdampfers „Barbados", der am ©onntagfrüb in einem Sturm gescheitert ist, aufgesischt worden waren. Mit der „Barbados" sind fünf Menschen untergegangen, drei andere kamen in einem Rettungsboot um, das fast 7>rei Tage lang auf den Wellen herumgeworfen wurde. Das bulgarische Königspaar hat die Dardanellen passiert. Die 3acht mit dem bulgarischen Königspaar an Bord hat Mittwoch abend die Daroanellen passiert. Schlägerei in der Königsberger Sladtverordnetenversammlung. In der Stadlverordne en'. er amn l.'.ng wurie die Magistraisvorlage über die Deckung des Fehlbetrages von vier Millionen Mark behandelt, die eine Erhöhung der Bier- ftcuer, die Einführung der Gemeindegetränke- und Bürgersteuer und eine Sonderabsührung von zwei Millionen der Königsberger Werte an die Stadtgemeinde beantragt. Der Ausschuß hatte alle vier Steuern abgelehnt. Der Oberbürgermeister gab von einem Schreiben des Regierungsprä identen Kenntnis, in Dem die er mitteilt, daß für den Fall, daß die Stadtgemeinde innerhalb der vorgeschriebenen Frist nicht die erhöhte Biersteuer und die Dürgersteuer einführen sollte, er die erhöhte Diersteuer anordnen werde. Bei der Abstimmung wurden sämtliche vier Vorlagen abgelehnt. 3rn weiteren Verlauf der Stadtverordnetenversammlung kam es bei der Beratung eines kommunistischen Antrags über die streikenden Fürsorgearbeiter zu wüsten Ausschreitungen- Der kommunistische Fraktionsführer Schütz sprang auf den Magistratsreferenten, Magistratsrat Schulz, der von der Magistratsbank zu der Versammlung sprach, zu und versetzte ihm mehrere Ohrfeigen. Oberbürgermeister Dr. Loymeher fotoi? andere auf Der Magistratsbank anwesende Mitglieder eilten Schulz zu Hilfe. Es entstand auf der Magistrats- bank ein allgemeines Handgemenge. Kohlenoxydgas'Äergtftung in Alien-Buseck. Gestern abend beizte die Ehefrau des Landwirt» Rabenau in «Iten-Buseck vor dem Schla- sengehen Den Ofen im Scktlaszimmer mit Kohlcn. Die Eheleute begaben sich Dann zur Ruhe, heule morgen erschienen sie jedoch nicht zur gewohnten Zeit, so dah man Nachforschungen anstellte. Dabet sand man beide Ehegatten durch Kohlenoxydgasvergiftet bewußtlos in den Bet t c n liegend vor. Die alsbald benachrichtigte Gießener Sanitätskolonne vom Roten Kreuz erschien mit Sauerstoffgeräten an Ort und Stelle und leistete den Verunglückten die erste Hilfe. Beide wurden dann nach Gießen in die Medizinische Kli- nlk verbracht. Die Frau hat mittlerweile das Bewußtsein wiedererlangt, Dagegen liegt der Ehemann noch schwerkrank bar- n!cörrlxr2 Jbm Kohlenoxydgasvergiftung ofensichtlich stärkere Form angenommen hatte. Ob die bedauernswerten Eheleute bald wieder von den Folgen ber Vergiftung genesen werden, läßt sich zur Zeit noch nicht sagen. Am 2. November startet „Do X". Da« Flugschiff Do X wird nach neueren Mitteilungen am kommenden Sonntag, 2. November von Altenrhein zu feiner ersten Etappe nach Amsterdam starten. Es wird auf diesem Fluge im allgemeinen dem Laufe des Rheins folgen wobei es nicht ausgeschlossen ist, daß es im ersten Teil der Etappe eine Abkürzung vornehmen wird um die Flugzeit von 5 bis 6 Stunden möglichst noch verringern zu können. Den Flug nach England wird auch Dr. Dornier mit seiner Gattin mitmachen. Auster Herrn Maurice Dornier wurden an dem Fluge nach Amerika für Die Hearst-Presse auch Lady Drummond Hay sowie Herr von Wiegand teilnehmen. Mit dem Start in Lissabon nach den Azoren rechnet man am 12. Rovember. Wettervoraussage. Das umfangreiche Tiefdruckgebiet mit den beiden Kernen über Skandinavien nimmt die Wetterlage Deutschlands mit In feinen Bereich. Mit der zugeführten Warmluftwelle hat in unserem Bezirk, wie auch in übrigen Teilen Des Reiches, Die Erwärmung weiter zugenommen. Allenthalben lagen die heiitigen Margentemperaturen über 10 Grad Celsius, auch die Niederschlagsoerteilung zeigt heute ein anderes Bild, wie seither. Namentlich im nördlichen Deutsch- lanb waren die Regensälle sehr ergiebig, so meldete Hamburg seit gestern abend 16, Berlin 10 mm Nie- 'erschlag. Die Südseite der Störung bedingt ent- prechend dem Laufe Der Isobaren vorerst eine Zu- uhr ozeanischer Luft, in Deren Bereich Die Wolkendecke durchbrochen wird und das Wetter sich mehr wechselhaft gestaltet, -wobei aber vorerst noch leichte Niederschläge auftreten. Aussichten für Freitag: Lebergang des diesigen Wetter« tn wechselnd wolkiges mit vorübergehendem Ausklaren, vorerst noch leichte schauerartige Riederschläge, allmählich etwas kühler um West drehende Winde Aussichten sür Samstag: 3m ganzen teils wolkige«, teils aufheiterndes Wetter kühler meist trocken. jan"NB»ttv Itfdtl v- -y- -yRost, rd~ \ \ - namoo. 1 führe"' Sunlicht Seife LUX seifenflocken Pfg., jetet 50 Pffl. DI« große Doppelpackung Der große Würfel •-40>fg., 30 Pfg. Pfg-, DieNormalpockung . Die Handpackung . SUMA das schonende Seifenpulver SUNLICHT GESELLSCHAFT A.G. 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Für die vielen Beweise herzlich erTeilnahme bei dem Heimgang unseres lieben Entschlafenen herzlichen Dank, besonders dem Herrn Pfarrer u. dem Kriegerverein Gießen für die ihm erwiesene letzte Ehre. M.G.Grode Frankfurter Straße Nr. 19 | Verkäufe Retnrass. Deutscher Schäferhund mit Stammt). 6 Mo- Die gegen die Beamten des BahnhosS Dollar geäußerten Beleidigungen nehmen tutr mit Bedauern zurück unb stiften 50 Mark dem Reichsbahnhort, «mi D L. K. S. ,33 250 g Frischgewicht Kernseife 0eib..........stock 24 300 g Frischgewicht [ Vermietungen | Reu erbautes WanMutzM zu vermieten, evtl, spät. z. verk 06713 I. Knorz Pobl - Göns. Altersvereinigung 1874-1924 Unsere Mitglieder setzen wir von dem Ableben unseres lieben Kameraden und Vorstandsmitgliedes Sally Rosenthal geziemend in Kenntnis. Seine der Vereinigung gehaltene Treue sichert ihm ein ehrendes Gedenken. Zur Beerdigung am Freitag, dem 31. d. M., nachmittags 2*/z Uhr auf dem Neuen Friedhof erwartet zahlreiche Beteiligung der Vorstand. __________________________ 7388D |Verschiedenes| Mscheita wird-«»genommen. Heinz Frosch Öen? Celterswcg 3 3-4-3ltnmer- WMU in ©leben, Klein- ob. Großen - Minden für Ende Dezember od. Anfang Januar von jungem Ehepaar gesucht. Schr. Angeb. unter 73580 a. d.Gb. Anz. SCHADEiFÜUßRABE 5% Rückvergütung Bekanntmachung. Der Hallen-Tennissport in der Volks- hall. ist für das Winterhalbjahr 1930/31 eröffnet. Freie Spielständen können noch vergeben werden. Interessenten erhalten Auskunft im Stadthaus, Bergstraße — Zimmer 14 —, Telephon 2851. 7329C Gießen, den 28. Oktober 1930. Volkshalleoerein E. D. _________gez.: Dr. Hamm._________ Lehrmädchen für Damenkonfettion und Modewaren Geschäft, aus guter Famtlte und nicht mehr sortbtldungSschul- pflichtig, bald gesucht. Schriftliche Angeb, um. 73781 an d. Gieß. Anz Carl Stückrath Asterweg 47 |Steilengesuche| Junger MMlele 20Jahre, m. 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Lebensjahre. tu den.»« A“ < Ä Ser 3» gab, m P -eimaN Wn Chor ift ein -w* unb polM Staatsmann die jemalsflUd’ Wnberu" die Mf überhaupt in dein M ober auch u. vanSerunS^ tourtic, zun> - so mag wj i'gkcit be, bei sein, H Nachdem \ Krieges von i toaltung fl« Dassour-Del IW W Kreisen ben die balbige tischen Wok trennun! eines eigen« praktisch die wann überh lande nix rung geüxl größeren F Zersehungsk in Palästina Ich kenn« AusenHalt im Auto au all ben Ial fam eine 2 brachte. §al unb bekomme bevölkerungs. unb nichtjüd Palästina in ein Tritt berg. Davo auf die drei bäa, Sam für die „2lc übrig blieben haben aber nicht tufti Menn Don l Altertum die meist aus die des Ivsephus Tempelopser schen in Jeru' auf einen Sa gung kaum «J 3n der Ebe stunden lang Jvsephus e haben! Md rung der Alt in ganz Polä unter Aero 2 Million wahrscheinlich Südsia^ Ä .Der Eüdfrai -SU Haus, öat er Jein“ L Hause- ist Es schreibe m'5n Danhuls Wwxtxv, wvh m dem schreibe! 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Wenn Lord Balfour jemals auch nur eine ungefähre Vorstellung von der Fassungskraft Palästinas für eine jüdische Einwanderung besah, und wenn er trotzdem die Deklaration ergehen lieh, so wäre der Akt überhaupt kaum wo anders unterzubringen, als in dem Riesenkapitel der Kriegslügen. Da ja aber auch von zionistischer Seite an die Einwanderungsmöglichkeit im großen geglaubt wuroe, zum Teil selbst heute noch geglaubt wird, so mag der Vorwurf der bewußten Unaufrichtigkeit bei der Deklaration vielleicht auszuschalten fein. Die Unüberlegtheit bliebe trotzdem groß. (Nachdem Palästina gegen Ende des Weltkrieges von den Engländern erobert und in Verwaltung genommen war, zielten nicht nur die Balfour-Deklaration, sondern auch andere englische Auslassungen offen dahin, in jüdischen Kreisen den Glauben zu erwecken, England werde die baldige Iudaisierung des ganzen alten israelitischen Wohngebietes befördern. Schon die Abtrennung des Ostjordanlandes als eines eigenen arabischen Emirats bedeutete aber praktisch die Verflüchtigung der Deklaration, denn wenn überhaupt, so wäre nurim Ostjordanlande noch Raum für eine stärkere Einwanderung gewesen. Dort liegen auch die einzigen größeren Flächen fruchtbaren Landes, vulkanische Zersehungsböden, die es außer der Iesreel-Cbene in Palästina gibt. Ich kenne Palästina von einem zweimaligen Aufenthalt her, zu einer Zeit, als man noch nicht im Auto auf guten Straßen fuhr, sondern, wie in all den Jahrtausenden vorher, zu Pferde langsam eine Tagereise nach der andern vor sich brachte. Dabei sieht man das Land wirklich und bekommt eine bessere Vorstellung von seiner bevölkerungspolitischen Fassungskraft, als jüdische und nichtjüdische Phantasten in Europa. Ganz Palästina im geschichtlichen Sinn ist nur um ein Drittel größer als Württemberg. Davon kommt etwas mehr als die Hälfte auf die drei westjordanischen Landschaften Judäa, Samaria und Galiläa, die ja allein für die „Rationale Heimstätte" Lord Balfours übrig blieben. Sie sind etwas größer als Baden, haben aber einen weit größeren Prozentsatz nicht kultursähigen Bodens. Wenn von der Bevölkerung Palästinas im Altertum die Rede ist, so pflegen sich Unkundige meist auf die ins Blaue übertriebenen Angaben des Ioscphus zu berufen, nach dem z. B. zum Tempelopfer am Passahfest drei Millionen Menschen in Jerusalem zusammengekommen sein sollen, auf einen Raum, der bei engster Zusammendrän- gung kaum Platz für den zehnten Teil davon hat. In der Ebene Genezareth, die ein paar Reitstunden lang und kaum eine breit ist, soll nach Iosephus eine Millionenbevölkerung gewohnt haben! Beloch, in seinem Werk über die Bevölkerung der Alten Welt, meint, die Volkszahl könne in ganz Palästina zur Zeit ihrer größten Dichte, unter Rero, einschließlich des Hauran, kaum 2 Millionen erreicht haben. Auch das ist wahrscheinlich noch zu hoch gegriffen. Südsranzösische Wirtshäuser. Don Hans Siemsen. Der Eüdfranzose ist auf der Straße ebenso sehr „zu Hause" wie zu Hause. Lind außerdem hat er „fein“ Cafe, in dem er manchmal mehr „zu Hause" ist als zu Hause. Wenn er z. D. einen Dries schreiben will, geht er ins Cafe. In Danyuls am Mittelmeer, am Ostabhang der Pyrenäen, wohnt der alte M a i l l o l, der große, berühmte Bildhauer, in dem bescheidenen Häuschen, in dem er geboren ist. Wenn er einen Dries schreiben will, steigt er hinunter ins Dorf und geht in das Cafe des Monsieur Löon. Da habe ich ihn oft gesehen. Was heißt „oft"? Sehr oft schreibt er keinen Brief. Er ließ sich Briefpapier geben und einen Kaffee und bohrte mit seinen schönen alten Bildhauerhänden einen Bries zurecht. Und dann ging er wieder bergaufwärts in sein Häuschen. Run sind solche Leute, die manchmal einen Brief schreiben müssen, schon „bessere" Leute. Der einfache Mann hat nicht „fein Cafe", sondern „seine Buvette", ein Wort, das mit „Kneipe" nicht schlecht überseht ist. Auch die Caf6s in Frankreich sind einfach. Einfache Bänke aus Leder oder xotem Plüsch die Wände entlang, einfache Tische (ohne Tischdecke) davor, Spiegel an den Wänden, die auch den kleinen Raum groß und hell machen. Keine „Aufmachung", keine kalte Pracht. Rur die große Orgel aus Likör-, Schnaps- und Llperitif-Flaschen hinter dem Büfett ist aufregend prächtig. Roch einfacher, ja manchmal ärmlich sind die Duvetten. Keine Polsterbänke, keine Spiegel. Ein paar Tische und Stühle aus Holz. Als einziger Schmuck ein paar Reklameplakate an den Wänden. Und selbst das Büfett ist hier bescheiden. Alles war (außer den Menschen) hier interessant oder schön fein könnte, ist ein Gebrauchsgegenstand. Weil hier nichts anderes zu sehen ist, sieht man hier mehr und genauer als anderswo die Flaschen, Gläser, Tische und Stühle. Und man sieht auch, wie schön sie sind! Die Hängelampe an der Decke, die Petroleumlampe auf dem Tisch sind beinahe schon Schmuckstücke. Und der Kaffee ist gut. Und es gibt den Wein des Landes zu trinken, der sozusagen vor der Tür wächst. Und es gibt selbst in diesen bescheidenen Duvetten immer noch ein Dutzend verschiedener Aperitifs, vom „Byrrh“ bis zum „Pernod". Und da wir in Frankreich sind, ist sogar der Kognak wirklicher Kognak und heißt nicht „Cognac", sondern „une fine". Siebener Anzeiger (General-Anzriger für Gberheflen) Donnerstag, 30. Oktober 1930 Das Westjordanland, also die jüdische Heimstätte im Sinne der Balfour-Deklaration, hat heute gegen 900 000 Bewohner, davon sind noch nicht der zehnte Teil eingewanderte Zionisten. Die Zionisten haben die neue Stadt Tel Awrw, etwas nördlich von Jaffa, und eine Anzahl sehr ordentlicher und gut bewirtschafteter Ackerbaukolonien gegründet, meist bei Jaffa, in der Ebene Iesreel, in Galiläa und in der Gegend des Sees Genezareth. Damit aber ist Pallistina, soweit Ackerbau, Orangen, Wein und Oel eingerechnet, und Viehzucht die wirtschaftliche Lebensgrundlage bilden sollen, annähernd voll. Für Industrie fehlen olle Voraussetzungen, wenn man nicht an die vielberufene Ausbeutung von Mineralien am Toten Meer denkt, und für industrielle Tätigkeit wollen ja auch die Zionisten gar nicht nach Palästina. Ich habe, wenn ick von zionistischer Seite befragt wurde, aus diesem Sachverhalt nie ein Hehl gemacht und habe, was speziell Iudäg angeht, meine Meinung dahin ausgesprochen, daß mit dem größten Teil dieses an Wasser und Ackerkrume gleich armen Kalkplateaus auch heute nichts anderes anzufangen ist, als man im Altertum mit dem noch sterileren Kalkgebirge südlich von Alepo gemacht hat: Bepflanzung mit Oelbäumen. Der Oelbaum wächst sehr langsam und liefert erst nach Jahrzehnten eine reichliche Ernte, aber er begnügt sich mit Felsboden, liebt den Kalk und erreicht ein sehr hohes Alter. Dazu gibt er, sobald er zu tragen angefangen hat, einen vollkommen sicheren Ertrag. Natürlich kann man nicht auf Olivenkultur eine Million Menschen nach Palästina einladen! Wahlfronten Don unserem Dr. Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Wien, Ende Oktober 1930. Die Parteien haben ihren Aufmarsch vollzogen. So beginnt man wohl einen Artikel, wenn der Termin für die Aufstellung der Kandidaten vorüber ist. Man denkt dabei an jenes oft gesehene militärische Bild der Kolonnen in Reih und Ordnung bis auf den letzten Mann, bis auf den letzten Knopf. So aber ist der österreichische Parteienausmarsch nicht: er gleicht vielmehr dem Bilde einer Abteilung, die — durch Alarm aufgescheucht — erst noch bemüht ist, die notwendige Ordnung herzustellen. Schließlich haben sich ja auch die politischen Ereignisse so abgespielt. Die Regierungskrise kam unerwartet, die Art ihrer Lösung nicht minder. Gerade das Eintreten der Heimwehren in die Regierung war geeignet, das ganze Wahlkonzept wesentlich zu beeinflussen Aber die Pläne' der Wahlarchitekten haben sich dann doch nicht so durchführen lassen wie dies wohl ursprünglich gedacht war, und so haftet den Fronten, wenigstens, soweit sie das bürgerliche Lager umfassen, irgendetwas Potemkinsches, etwas Dorgetäuschtes an. Die Christlichsozialen tragen auf ihrer Liste den Titel „Christlichsoziale und Heimwehren". Das war eben der ursprüngliche Gedanke: aber die Heimwehren wollten und konnten nicht, wenn sie als selbständige Organisation bestehen bleiben wollten, restlos dem Ruse der Christlichsozialen Partei folgen, sonst hätten sie ja ihre Anhänger aus den anderen bürgerlichen Lagern verloren. So war es den Christlichsozialen nur zum Teil möglich, den Titel ihrer Wahlliste wahrzumachen, indem sie in Wien und in Riederösterreich ihnen nahestehende Heimwehrleute aus die Liste brachten und sich dagegen sicherten, bei diesem Verfahren mit den Heimwehren selbst in Konflikt zu kommen. Auf Seiten der Heimwehren hat man wieder in allen Wahlb^ilcken eigene Listen unter dem Es kann fein, daß die Engländer sich vorgestellt haben, sie würden nach dem Siege die arabischen Bewohner, weitaus die Mehrzahl der Bevölkerung, irgendwie ausPalästinaaus- siedeln können. Daran ist aber nicht zu denken. Die gegen England gerichtete Spannung in der ganzen mohammedanischen Welt, von Indien über Arabien und Afghanistan bis nach Aegypten, ist fo groß, daß, wenn auch nur der leiseste Versuch gemacht würde, die palästinischen Araber in solchem Sinne zu kränken, gefährliche Bewegungen sofort die Folge wären. Wir haben das noch vor kurzem bei dem arabisch-jüdischen Streit um die Klagemauer in Jerusalem gesehen. Da Palästina englisches Mandatsgebiet ist, fo hat sich die Mandatskommission des Völkerbundes mit den Dortigen Dingen zu beschäftigen, und sie hat, merkwürdig genug, eine scharfe Kritik des englischen Verhaltens gegenüber Juden und Arabern, überhaupt der ganzen Mandatsführung, gegeben. Die Kassierung der Balfour-Deklaration ist jetzt die englische Antwort darauf. In Jerusalem soll eine Art Parlament unter einem englischen Ober- kommissar, eingesetzt werden, in dem Juden und Araber sich vertragen lernen sollen. Beide Teile sind unzufrieden. Der Dor- sehende der zionistischen Weltorganisation, Dr. W e i z m a n n, hat in einem scharfen (Brief an den englischen Kolonialminister sogleich seinen Rücktritt erklärt, und die Araber sagen: Das Jerusalemer Parlament wird auch kein Schutz gegen die jüdischen Ansprüche sein! So rächt sich die aus Unkenntnis oder Frivolität oder aus I beiden geborene Deklaration. in Oesterreich. O.-Derichterstatter. Titel Heimatblock aufgestellt, deren Führer fast überall die bekannten Ramen der HÄmwehrlei- tung: Starhemberg, Steidle, Pfriemer usw. sind. Aber auch hier ist durch die den Christlichsozialen in Wien und Riederösterreich gemachte Konzession die Durchführung der Praxis nicht ganz so einheitlich, wie sie im Konzept erscheint. Der Schöbe r b l o ck, der sich den Titel „Rationaler Wirtschaftsblock und Landbund" gewählt hat, hätte eine Zusammenfassung der gesamten bürgerlichen Mitte werden sollen. Geworden ist er es aber Doch nicht: nicht etwa, weil es nicht gelang, in Wien die Demokratische Mittelpartei unter jenen Bedingungen zu gewinnen, die die notwendige Rücksichtnahme auf die programmatische Einstellung der in Betracht kommenden Länder und Wähler erfordert. Das wäre der geringste Fehler, denn der große (Harne deckt dort nur ein kleines Häuflein von Anhängern, während die Kreise, die dieser Richtung gesinnungsverwandt sind, die taktischen Erwägungen wohl eingesehen haben. Die Lücke liegt vielmehr darin, daß der Landbund in Oberösterreich und Salzburg sich nicht entschließen konnte, von einem selbständigen Vorgehen abzugehen. Klar und einheitlich ist also Titel und Auftreten nur bei den (Nationalsozialisten und Sozialdemokraten. Alles, was sonst noch eigene Listen eingereicht hat, ist Splitterwerk und kann von dem Rechenstift des Wahlmathematikers vernachlässigt werden. Darüber hinaus gibt es aber noch Unstimmigkeiten genug. Und ähnlich wie im Reich ist es gerade die bürgerliche Mitte, die von ihnen betroffen wird. Den organisatorischen Kem des Schoberblocks bildet ja doch d i e Groß- deutsche Volkspartei, und die ist verstimmt, weil man ihren Kandidaten an manchen Stellen Männer vorgesetzt hat, die zwar in ihrem engeren wirtschaftlichen Te ätigungs eld einen guten Ramen haben, der Masse der Wähler aber fo gut wie unbekannt sind. In allen Listen gibt cs überdies, obschon bereits Wochen seit dem Äb- laus des Einreichungstermins vorüber sind, immer noch Unklarheiten genug. Die Kandidatur des einen oder des anberen in Oesterreich wohl bekannten Politikers steht noch nicht sicher fest und überhaupt kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, als ob diese Kandida.enlisten, die da der Hauptwahlbehörde überreicht tourten, doch eigentlich in vielen Teilen nurProvisorien wären, dazu bestimmt, in der Zeit, die noch für Abänderungen offen ist, einige Korrekturen zu erfahren. Dieser Termin läuft erst zehn Tage vor dem Wahltage ab und es mag fein, daß so knapp vor ihm vielleicht auch noch die eine oder die andere bisher selbständige Liste verschwindet. Alle diese Umstände geben eine eigenartige Mischung von Ungewißheit und Zuversicht, die eS noch schwerer macht als sonst, em Urteil über den Aus all der Wahlen zu fällen. Auf der einen Seite findet allerdings jeder bürgerliche Wähler die Liste, die seiner persönlichen Anschauung am meisten entsprechen kann, in guter Differenzierung. Es ist das insbesondere nach den letzten Jahren der intensiven Agitation der Heimwehren mit ihrem zwar nicht ganz scharf umrissenen, aber doch in den Gedanken ausdrucksvollen Staatöprogramrn von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit, ebenso wie das deloncn des Primats der Wirtschaft, die die politikmüden Kreise dieser Richtung gewiß anziehen wird. Und die Christlich- sozialen werden durch das Fehlen der Bindung mit einer anderen Partei die Möglichkeit haben, ihre weltanschauliche Besonderheit in der Wahlagitation bemerkbar zu machen. Technisch allerdings ist die Lage weitaus ungünstiger als sie bei der letzten Wahl gewesen ist. Die Einheitsliste von damals, trotz ihren unleugbaren stimmungsmäßigen Fehler, war die denkbar beste Wahlorganisation zur Ausnützung der Möglichkeiten der damals und auch heute geltenden Wahlordnung. Sie hat jede abgegebene Stimme bis auf den geringsten Rest ausgenützt, und gerade das wird vielleicht diesmal nicht der Fall sein. Es kann, aber es muß nicht sein, denn das endliche Ergebnis liegt vielfach an einem mathematischen Zufall, da eine Stimme mehr oder weniger genügt, um ein Restmandat zu gewinnen oder zu verlieren. Rur ist eben die Gefahr eines solchen Zufalls um so größer, je mehr Listen vorhanden sind. So groß ist aber auch diese Gefahr nicht, daß sie eine Verschiebung heraus beschwören könnte, welche die bisherige Richtung der österreichischen Politik grundstürzend veränderte. Mandatsver- schiebungem werden es nicht sein, nach denen man das Ergebnis der österreichischen Wahlen wird zu beurteilen haben. Maßgebend wird die Verschiebung sein, welche sich aus den Stimmen für oder gegen den Marxismus ergibt. Das Ergebnis ist kaum zweifelhaft zu gunften der antimarxistischen Seite. Damit ergibt sich die Aufgabe nach den Wahlen, die heute nur improvisierte und noch im Flusse befindliche Reuorganisation im bürgerlichen Lager so zu vervollständigen und zu sichern, daß sie diesem Stimmenverhältnis auch in ihrer tattischen Stoßkraft entspricht. Bischof Or. Kilian f. Limburg (Lahn), 30 Oft. (WTB. Funkspruch.) Bischof Dr. August Kilian ist heute früh im Alter von 74 Jahren nach langem scyweren Leiden g e ft o r b e n. Augustin Kilian wurde am 1. November 1856 zu Eltville im Rheingau als Sohn eines Handwerkers geboren und besuchte zuerst die Lateinschule seiner Vaterstadt. Dann absolvierte er das Gymnasium zu Hadamar und bezog darauf die Hochschule zu Münster in Westfalen. Seiner Militärpflicht genügte er zu München in einem bayerischen Infanterie- Regiment. Nach Vollendung seiner Studien empfing er, da in Preußen damals noch der Kulturkampf wütete, zu Freising in Bayern am Peter- und Paulsfeste 1882 die Priesterweihe. Darauf schickte Rur zu dem (Bier, das hier eine Delikatesse ist, möchte ich keinem Münchener raten! Cs steht in Literflaschen auf dem Büfett und wird in Weingläsern ausgeschänkt. Der Rest steht in der geöffneten Flasche dann wieder eine Woche auf dem Büfett. Und wenn er nun ausgeschänkt wird, hat er mit (Bier kaum noch die Farbe gemeinsam. Das hindert aber die Patronne nicht, sich noch etwas Wasser hineinzugießen. Sie ist eine schwache Frau. Rur Schnaps trinkt sie unverdünnt. Buvctte-Desitzer sein, das ist eine schöne, ruhige Beschäftigung. Aber viel kann man dabei wohl nicht verdienen? Alle Getränke sind hier so billig. Deshalb ist die Buvette sehr oft mit einem anderen Gewerbe verbunden. Oft ist der Wirt zugleich Friseur, und keine Tür trennt Friseur-Laden von Gaststube. Die Kunden, die rasiert sein wollen, warten dann bei einem Glas Wein, bis die Reihe an sie kommt. Ein Tabak- Laden ist fast immer mit der Buvette verbunden, oft auch eine Tankstelle für Automobile. Schuhmacher, Drogisten, Schneider, auch Bauern auf dem Lande haben „nebenbei“ eine Buvette. Da gibt es dann manchmal gar keine Gaststube, man sitzt mit der Familie zusammen in der einzigen Stube des Hauses, die zugleich die Küche ist. Die allerkleinste, allereinsamste Buvette traf ich in der Nähe von Perpignan. Sie lag nicht einmal an einer Landstraße, sondern an der Kreuzung zweier Feldwege. Das nächste Haus war eine halbe Stunde entfernt. Diese Buvette war das kleinste Wirtshaus, das ich je gesehen habe. Richt größer als eine kleine Garage. Das Dach war so niedrig, daß ich mit der Hand hinaufreichen konnte. Ich bin allerdings ziemlich groß. Das ganze „Haus“ hatte nicht ein einziges Fenster. Die dem Kreuzweg zugewandte Wand bestand aus einer großen Flügeltür. Die ließ Licht und Luft herein. Heber ihr stand: „Marechal, Buvettier“. In dem winzigen Zimmer gab es drei Tische, und vielleicht viermal so viele Stühle. Das Büfett war auch ein Tisch. Aus ihm standen viele dunkle Flaschen und ein paar nicht sehr viel hellere Gläser. Außerdem gab es noch eine Hängelampe, einen ganz kleinen Ofen und, hinter einem Verschlag, ein (Bett Ich kam ein paarmal vorbei, das Haus lag an einem der Wege, die ich täglich spazierenging. Ich sah dann manchmal einen alten Wann. Das war Herr Marechal, der Buvettier. Gäste sah ich nie. Vielleicht kommen sie abends? dachte ich. Und um es zu erfahren, machte ich mich eines Abends auf den Weg. "Es war dunkel, aber warm, obwohl es schon Dezember war. Die große Garagentür stand weit offen und lieh ein freundliches Licht auf den Weg. Mitten im Zimmer unter, der Hängelampe saß Herr Marechal und stopfte einen Strumpf, den er über ein Glas gezogen hatte. Außer ihm war niemanb da. Ich hätte mich fast nicht getraut hineinzugehen. Marechal schien auch nicht übermäßig erfreut, so spät einen Gast zu sehen. „Kann ich eine Flasche Wein haben?" Schweigend stellte er sie mir auf den Tisch und kehrte zu seinem Strumpf zurück. Der Wein war gut. Und ich nahm meinen Mut zusammen und sagte: „Sie haben wohl nicht viel Gäste hier?" „Das ist verschieden", sagte er und sah von seinem Strumpf nicht auf. Meine Frage, die nicht bös gemeint gewesen war, hatte ihn aber wohl geärgert. Rach einiger Zeit fügte er hinzu: ..Am letzten Sonntag waren so viele hier, daß wir nicht genug Stühle hatten." Ich zählte heimlich die Stühle. Es waren, fein Stuhl hinzugerechnet, elf Stühle. „Am Sonntag kommen wohl viel Jäger vorbei?" „Jäger, Passanten und Radfahrer!" Ich trank meinen Wein, und er stopfte feinen Strumpf. Ich machte meinem Herzen Mut und lud ihn ein, ein Glas mit mir zu trinken. Höflich nahm er an, legte seinen Strumpf beiseite und wurde beinahe gesprächig. „Man soll dem Geschäft nicht nachjagen!“ sagte er. „Andere wollen auch leben. Ich verabsch^ie die Reklame. Meine Tür steht offen. Wer eintreten will, ist willkommen. Aber man soll das Geschäft nicht übertreiben!“ Oer $ilm „Hai-Tang". Darüber soll man sich nicht täuschen: der Film ist eine durchaus europäische Angelegenheit. Der Schauplatz der Handlung ist das Rußland von vor dem Kriege, der Gegenstand der Handlung, das Schicksal eines Chinesenmädchens. Der Großfürst sieht die Sängerin und Tänzerin Hai-Tang in einem Theater, bittet, befiehlt sie vielmehr, in ein zweifelhaftes Lokal: der Großfürst wird aufdringlich, der Bruder der Bedrängten eilt herbei, schießt auf den Großfürsten und verwundet ihn. Seiner Verhaftung soll am nächsten Morgen die Todesstrafe folgen. So muß denn Hai-Tang um Gnade bitten und ein Opfer bringen. Der Bruder lebt, die Schwester aber will den Weg zur Schande nicht zu Ende gehen und nimmt Gift. Bevor sie die Auge« schließt, sagt ihr der Freund und Geliebte, in gutem Glauben dessen, er habe Vorsorge für die Flucht des zum Tode Verurteilten getroffen. Mit dem Bewußtsein, Leid und Leben vergeblich geopfert zu haben, scheidet Hai-Tang aus dem Leben. Noch nie sah man so traurig Los ... Die Handlung hat nicht den Vorzug des Neuen. Ludwig Wolff zeichnet verantwortlich dafür. Die Rettung des zum Tode verurteilten Wang-Hu im letzten Augenblick durch den verspätet überbrachten Begnadigungsart könnte bedenklich erscheinen; nicht weniger der Umstand, daß der junge Offizier nur um Sekunden zu spät kommt, um die Geliebte am Selbstmord zu verhindern. Diese etwas krampfhaft geschaffenen Zufälligkeiten vermögen jedoch den Eindruck des geschlossenen Ganzen nicht zu stören, schon deshalb nicht, weil das Ingenium einer überragenden darstellerischen Kraft über Unebenheiten der Handlung hinwegsehen läßt. Der Film steht und fällt aber mit Anna May-Wong. Die Schauspielerin vereinigt in knappster Geste eine Fülle der Empfindungen, eine Fähigkeit, über die nur wenige Schauspielerinnen verfügen. In ihrem wohl etwas mühsam angelernten Deutsch liegt noch so viel Aus- druck, daß es unmöglich ist, sich dieser Kraft zu entziehen. Im Gesang klingt ihre Stimme etwas hart, jedoch längst nicht unsympathisch. Daß sie an letzte Bezirke einer europäischen Seele nicht zu rühren vermag, ist nicht ihre Schuld. Der Erfolg des Films bleibt nichtsdestoweniger der ihre. Franz Lederer, als Offizier und Geliebter, behauptet sich nur mühsam neben dieser zarten und doch so persönlichen Künstlerin. Er macht lediglich eine gute Figur. Ernst Schnell als Großfürst sehr gut, Edith b’älmara als eifersüchtige und bösartige Nebenbuhlerin Hai-Tangs wirkt so überzeugend, daß es nicht schwer fällt, sie zu hassen. Die Nebenrollen sind verständnisvoll besetzt. Richard Eichbergs Regie arbeitet virtuos mit allen Mitteln sieht aber von allzubilligen Mätzchen ab. Daß der Photograph die Hauptdarstellerin in einigen Bildern besonders eindrucksvoll nahebringt, verdient die Erwähnung. Der Film, der in seiner Gesamtheit sehr wertvoll ist, ist englischer Herkunft. Er läuft seit gestern im Lichtspielhaus. —n. Hochschulnackm'chten. — Der durch das Ableben des Prof. W. Zangemeister an der Universität Königsberg erledigte Lehrstuhl der Geburtshilfe und Gynäkologie ist dem ordentlichen Professor und Direktor der Frauenklinik an der Universität Halle Dr. Ludwig Nürnberger angeboten worden. ihn sein Diözesanbischof zur Vervollständigung seiner theologischen und kanonistischen Studien nach Rom, woselbst er an der Gregoriana den ,uristischcn Doktorhut erwarb. ?n die Heimat zurückberufen, wirkte Kilian sechs Jahre lang als Kaplan an der Kathedralkirchc zu Limburg, worauf er Religionsund Oberlehrer am Königlichen Gymnasium au Montabaur wurde. Rach neunjähriger Tätigkeit in dieser Stellung wurde Dr. Kilian 1899 ins Domkapitel nach Limburg berufen, wo er als Geistlicher Rat und als Mitglied mehrerer bischöflicher Pru- fungskommissionen an der Verwaltung der Lim- burgcr Diözese regsten Anteil genommen hat. Im Jahre 1913 wurde er zum Bischof von Limburg als Nachfolger des verstorbenen Bischofs Dr. Dominicus Willi erwählt und am 8. September 1913 zum Bischof geweiht. Aus der provinzialhaupistadt. Gießen, den 30. Oktober 1930. Weil ich der kleine Bruder bin. Zwei Generationen find bereits in meinen Hosen aus- und eingestiegen. Besser sind sie dadurch nicht geworden, die Hosen. Hnb dennoch ist cs ein unabänderliches Gesetz: wenn meine älteren Binder ihre Hosen gegen ein paar neue tauschten, weil sre die alten wirtlich nicht mehr tragen tonnten, schon reagiert der sparsam ausgleichende Sinn der Eltern auf die brüderliche Schneiderrechnung mit dem klassischen Wort: »Die alten Hosen kann der Kleine austragen." So war's mit den Windeln, in die ich geknüpft wurde, so war's mit dem Kinderwagen, in den man mich einband, so ist es für und für: ich lebe in den leidlich erhaltenen Ruinen der Behältnisse, die meine Brüder wie Eierschalen, aus denen sie entschlüpften, am Wege ihrer stürmischen Entwicklung zurückließen. _ Ich spielte mit Holzpferdchen, denen meine Bruder bereits die Schwänze ausrissen, ich beschäftigte mich mit Eisenbahnen, an denen meine Brüder schon die Federn überdrehten, ich fahre auf einem Fahrrad, dem meine Brüder bereits die Felgen verbogen, und werde in der Schule auf die Finger geklopft für die Geschmiersel, mit denen meine Brüder die mir ausgefranst und -erlernt hinterlassene lateinische Grammatik dekoriert haben. Matz aller meiner Handlungen sind meine Brüder. Sie konnten bereits mit zweieinhalb Jahren bis Zehn zählen, sie hatten eine unheimliche Vorliebe für Lebertran: halbjährig klassifizierten sie bereits alles, was da kreucht und fleucht, mit „Wau-wau", „Piep-Piep" und „Onkel". Ich hatte kein Talent für solche Frühreife und bin seither das „Sorgenkind". Meine Brüder konnten in der Lateinstunde den 2lkkusativ°cum-Infinitiv nicht vom Ablativ-absolut unterscheiden. Schon denkt sich der Lehrer, ich sei gleichermaßen belastet und verfolgt mich mit Mißtrauen. Ich brauche mir nur einmal heftig die Rase zu schneuzen, schon bekomme ich einen Tadel vermerkt, weil mein Bruder einmal die Scheiben des Konserenzzimmers einwarf und man meine leiseste Räuspcrung darum auch als eine hämische Bosheit ausdeuten zu müssen meint. Ist mir dagegen zufällig entfallen, 6aß die Phorkyden die Tixhter des Meergottes PhorkyS und der Teto waren und die gorgoneischen Fluren von Kisthene bewohnten, schon wird mir die sagenhafte Tüchtigkeit meines zweiten Bruders unter die Rase gerieben und sein Interesse für den griechischen Unterricht: obwohl ich genau weih, daß er seine Liebersetzungen der Einfachheit und des runderen Eindruckes wegen nach einer »Klitsche" oder einer ^Eselsbrücke" ansertigte! Meine Brüder durften, als sie in das vierzehnte . Lebensjahr gekommen waren, auch noch nach dem Abendbrot eine halbe Stunde auf der Straße ' .Kaiser, König, Edelmann" spielen und durften im gleichen Alter einen Liebeskniff in die Mühe machen, weil sie ja schon „groß" waren! Ich muhte Der Mgerverein wieder in Tätigkeit. Gestern abend fand im „Postkeller" eine Bür aerversammlung statt, die sich in eingehender Beratung mit der Frage der Wiederbelebung des Gießener Bürgervereins beschäftigte. Der bisherige Vorsitzende des Bürgervereins, Rektor i. R. Müller, als Einberufer der Versamm- lung befürwortete unter Hinweis auf die bedeut- amen kommunalen Aufgaben in unserer Stadt die Wiederaufnahme der Tätigkeit des Bürgervereins. In der weiteren Aussprache, an der sich die Herren Val. Frey, Horst, Baer, Grünewald, Blumschein, Bremer und Schmieder beteiligten, wurden die verschiedensten Gesichtspunkte für diese Frage erörtert. In der Abstimmung wurde einstimmig die Wiederbelebung des Bürgervereins beschlossen und gleichzeitig der Jahresbeitrag auf eine Mark festgesetzt. Bei der anschließenden Beratung der von einem Ausschuß revidierten alten Satzun- gen, deren neuer Entwurf auf die umgestalteten Verhältnisse zugeschnitten ist, wurde e i n st i m m i g gutgeheißen, daß der Bürgerverein bei seiner künftigen Tätigkeit sich in keinerlei Wahlbeteiligung einlassen soll und daß er unbedingte Neutralität gegenüber allen Politiken Parteien und Konfessionen zu wahren hat. Er soll auf diese Weise ein Sammelbecken für alle Bürger unseres Gemeinwesens sein, in dem jedermann unbeschadet seiner parteipolitischen Einstellung oder konfessionellen Zugehörigkeit die Möglichkeit zu freier Aussprache und zur Mitarbeit an den Auf- gaben der Allgemeinheit unserer Stadt haben soll. Die neugestalteten Satzungen wurden nach gründ- lichor Prüfung jedes einzelnen Paragraphen ein- stimmig genehmigt. Von der Wahl des auf 15 Mitglieder vorgesehenen Gesamtvorstan- d e s des neu erstandenen Vereins wurde zunächst noch abgesehen, diese Entscheidung soll vielmehr erst in einigen Wochen in einer großen öffentlichen Bürgerversammlung getroffen werden, damit die Männer der künftigen vereinsleilung aus einer breiten Schicht von Bürgern unter Berücksichtigung der verschiedensten Stadtteile aus- gewählt werden können. Mit der Führung der engsten Vereinsgeschäfte wurde zunächst ein vorläufiger Ausschuß beauftragt, dem folgende Herren angeboren: Rektor i. R. Müller, Kaufmann Valentin Frey, Kaufmann Horst, Polizeiverwaltungs- oberassistent Di er lamm und Hofrat Grünewald. bis zum Sekundaneralter „rauftommen“, sobald I die Laternen angedreht wurden, damit mich nicht die Rachthere hole, und konnte erst als Primaner | den klippschülerhaften Drahtstreifen aus der Mütze entfernen, weil ich eben der Kleine war und blieb. Das war der Vorteil, den ich von meinen Brüdern hatte: wenn mir ein Rowdy den Peitschenstiel zerbrach, fielen sie aus Familienbewußtsein gemeinsam über ihn her. Das wiegt die Rachteile nicht auf, die ich durch sie erlebte. Ich werde der Kleine sein und bleiben. Lind wenn ich so alt werde wie Methusalems Ziegenbock und die Länge eines ausgewachsenen Laternenpfahls erreiche, — sobald ich ins Zimmer trete, wird man mich stets in zärtlich lieblichem Tone begrüßen: »Wer tommt denn da? Linser Tleiner?" I o b st Jupp. Taten für Freitag, 31. Oktober. Sonnenaufgang: 6.49 Llhr, Sonnenuntergang: 16.37 Llhr. — Mondaufgang: 15.02 Lihr, Monduntergang: —. 1517: Luther schlägt seine 95 Thesen gegen den Ablaßhandel an die Tür der Schlohkirche zu Wittenberg an. — 1835: der Chemiker Adolf v. Baeyer in Berlin geboren. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten aus dem heutigen Wvchenmarkt: Käse 10 Stück 60 bis 1,40; Kochbutter Pfund 1,20; Butter 1,50 bis 1,60; Matte 30 bis 35; Wirsing 8 bis 10; Weißkraut 5 bis 6; Rotkraut 8 bis 10; gelbe Rüben 8 bis 10; rote Rüben 8 bis 10; Spinat 15 bis 20; Llnter-Kohlrabi 5 bis 6; Rosenkohl 30 bis 35; Feldsalat 80 bis 1,00; Tomaten 25 bis 50; Zwiebeln 10 bis 12; Meerrettich 40 bis 60; Schwarzwurzeln 40 bis 60; Kürbis 8 bis 10; Kartoffeln 3V2 bis 4; Aepsel 25 bis 50; Dirnen 15 bis 40; Dörrobst 30 bis 35; Honig 40 bis 50; junge Hähne 1,00 bis 1,10; Suppenhühner 1,00 bis 1,10; Gänse 1,00 bis 1,10; Russe 40 bis 60; Tauben Stück 50 bis 70; Eier 15 bis 16; Blumenkohl 30 bis 70; Salat 10 bis 15; Salatgurken 20 bis 30; Endivien 10 bis 15; Ober-Kohlrabi 6 bis 10; Lauch 5 bis 10; Rettich 10 bis 15; Sellerie 10 bis 50; Radieschen Bund 10 bis 15; Kartoffeln Zentner 2,20 bis 2,50; Weißkraut 3,00; Wirsing 4,00; Rotkraut 5,00. Bornotizcn. — Tageskalender für Donnerstag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Hai-Tang". — Astoria-Lichtspiele: „Das grüne Monokel" und „Die falsche Zarentochter". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen, Freitag, Carl Zuckmayers Volksstück „Schinderhannes", unter der Reaie von Intendant Dr. Prasch in der Erstaufführungs- besetzung. — Sonntag einmalige Wiederholung als Fremdenvorstellung zu ermäßigten Dperettenprel« sen: Gastspiel der Vereinigten Operetten-Theater Bochum-Hamborn mit der Operette Lehärs „Das Land des Lächelns". Dielen Wünschen der Theaterbesucher entsprechend, hat die Intendanz eine einmalige Wiederholung veranlaßt. — Dienstag, 4. November, einmaliges Gastspiel des bekannten Filmdarstellers Harry Liedtke mit seinem Berliner Ensemble. Zur Aufführung gelangt das Schauspiel „Ein idealer Gatte" von Oskar Wilde. — Vom Konzertverein wird uns geschrieben: Der diesjährige Konzertwinter wird am Donnerstag, 6. Rovember, 19Va Llhr im Stadttheater durch ein Symphoniekonzert eingeleitet werden, zu welchem das Meininger Landestheater-Orchester gewonnen wurde. Die Leitung liegt wieder in den bewährten Händen unseres Llniversitätsmusikdirektors Dr. Stefan Temesväry. Rachdem es gelungen ist, Frau Eva Bruhn aus Berlin als Solistin zu verpflichten, hat das vorgesehene Programm insofern eine Aenderung erfahren, als statt der Ouvertüre zum Sommernachtstraum drei Mahlerlieder für Sopran mit Orchesterbegleitung eingesetzt worden sind. Eingeleitet wird das Konzert mit den Haydn-Variationen von Brahms, den Schluß bildet die 5. Symphonie von Tschaikowsky. Es dürfte allenthalben freudigen Widerhall erwecken, daß das seit Iahren hier so gern gehörte Meininger Orchester wieder mit einem so ausgewählten Programm zu uns kommen und daß ein so bedeutender Auftakt die Konzertsaison eröffnen wird. Räheres in den Anzeigen. — Kirchenkonzert. Man schreibt uns: Es sei nochmals hingewiesen aus das Kirchenkonzert in der Johanneskirche, das morgen zum Besten der Krippe von der Kapelle unseres Bataillons und von Frau Gertrud W e y l und Organist Habicht veranstaltet wird. (Näheres siehe Anzeige.) — Der Goethe-Bund gibt im heutigen Anzeigenteil bekannt, daß die für Sonntag vormittag vorgesehene Morgenveranstaltung der Weintraub-Syncopators verschoben werden muß. •• MandakSnlederlegung km Hessisch en Landtag. Landtogsabgeordneter Oberregierungsrat Ritzel, Giehen, hat nach seiner Wahl zum Reichstagsabgcordneten sein ßanb- tagsmanoat niedergelegt. Der auf der Liste an zweiter Stelle folgende Staatsrat im Innenministerium S ch w a m b hat wegen dienstlicher Belastung auf die Llebernahme des Mandats verzichtet, so daß Frau Steinhäuser, Offenbach, die bereits früher dem Landtag angehörte, wieder yt das Hessenparlament einziehen wird. ** D i e Akademischen Kurse für Kaufleute und Gewerbetreibende, die auf Anregung der Industrie- und Handelskammer Gie- ßen und der Gießener Hochschulgesellschaft auch in diesem Jahre wieder durchgesührt werden, beginnen mit dem heutigen Tage. Heute abend referiert im Rahmen der Volkswirtschaftlichen Vorlesungen Uni- versitätsprofessor Dr. Günther im großen Hör- saal des Vorlesungsgebäudes der Universität über das Thema: „Grundfragen der deutschen Sozial- Politik". ** Gerüchte über ein Familien- drama, in dessen Verlauf ein Vater seine Tochter erstochen haben sollte, wurden gestern abend in unserer Stadt verbreitet. Wie wir heute morgen auf Rückfrage bei der Polizei feststellen konnten, sind diese Erzählungen unzutrWrnd. An der ganzen Sache ist nur so viel wahr, daß der betrefsende Mann wegen hochgradiger Erregung nach einem Streit in der Familie in polizeilichen Gewahrsam genommen wurde. •• Gärtnerische Anlage im Schis- fenberger Tal. Durch die vor einigen wahren dorgenommene Verlegung des Dahnüber^ gangs am Schisfenberger Weg im Zuge der Goethestraße entstand östlich hiervon eine sog. Insel, für die damals schon eine gärtnerische Anlage vorgesehen wurde. Infolge Mangels an Mitteln unterblieb diese Anlage seither. Seit einigen Tagen ist man nun dabei, diese 3nfel umzugraben und in einfachster Weise gärtnerisch herzurichten. Wünschenswert erscheint jetzt noch die Herstellung der am Bahndamm entlang vorgesehenen Straße, die den Zugang zum Heegstrauchweg bildet. Da das Material zur Herstellung dieser Straße zum Teil dort lagert, dürfte sich die Ausführung dieser kleinen Strecke wohl mit geringen Mitteln ermöglichen lassen. Sollte diese Verbesserung aus irgendwelchen Gründen z. Z. nicht möglich sein, so muh mindestens ein Fußgängerweg angelegt werden, weil von hier aus täglich Verkehr nach d^m am Heegstvauch- weg liegenden Sportplatz des Männerturnvereins und über den Schreiberweg nach dem Schisfenberger Wald stattfindet. •• Grenzlandvortrag beim DHD.. Ortsgruppe Giehen. Im überfüllten Saal des Verbandsheiins der Ortsgruppe Giehen im Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Derband. sprach dieser Tage im Rahmen des Winter- bildungsplans Pros. Dr. König (Giehen) über „Grenzlandfragen: Der deutsche Osten". Rach eindeutigem Herausstellen des Llnterschiedes zwischen Staats- und Volksgrenze, gab der Redner an Hand einer Völkerkarte einen Lieberblick über die in Europa wohnenden Deutschen. Während wir im Westen klare und geschlossene Volks- grenzen haben, wenn man von Elsaß-Lothringen und Eupen-Malrnedy und den darin lebenden Minderheiten absieht, liegen die Dinge im Osten und Südosten wesentlich anders, so daß dort eine reinliche Scheidung der Völker nicht vorgenommen werden kann. Die nach dem Versailler Vertrag vorgenommene Grenzziehung hat die Folge gehabt, daß man sich mehr als zuvor der in fremden Ländern lebenden Deutschen annimmt. Die Lösung der Anschlußfrage Deuychland- Oesterreich würde im Südosten eine ziemlich klare Volksgrenze schaffen. Der Zusammenschluß Deutschlands mit Oesterreich würde auch für den gesamten Osten ungeahnte Wirtschaftsmöglich-- keiten bringen. Die Polen haben nach dem Versailler Vertrag mehr erhalten, als sie volklich MWn-eOTwn Roman von Hans Friedrich. Llrheber-Rechtsf^utz durch Verlag Oskar Meister, Werdau L Sa. 18 Fortsetzung. Nachdruck verboten 15. Die Seilschwebebahn hatte Trude Gutenberg und Franz Strobl auf die Rordkette befördert. Run faßen sie unweit der Station auf einem Felsen und genossen die Aussicht auf die Hauptstadt Tirols. Don hier oben sah man nicht die graue Färbung des Inns. Vielmehr blitzte der Dogen, den er beschrieb, wie edles Geschmeide in der Sonne. Häuserzeilen und Kirchen waren wie Riesenspielzeug in die grüne Talsenkung hingestellt. Lind dahinter, aufragend wie riesige Kulissen, die dunklen Silhouetten des Glungezer und Patsche rkofel. „Ach, wenn man hier bleiben könnte und nie mehr hinab in die verbrauchte Kafseehausluft müfcter dachte Gertrud, sich einer sehnsüchttgen und törichten Schwärmerei hingebend. Dies also war das Land, in das sich Heinz geflüchtet hatte, um Vorarbeit zu leisten für seinen neuen Roman. Oh, seine Wahl hatte er gut getroffen. In der reinen Gebirgsluft, auf den Höhen der Kogel und Kofel, mußten sich Kräfte in dem Dichter regen, die er bisher kaum kannte! Hier schien die Sonne intensiver, hier wehte ein anderer Wind, als in den Industrieniederungen daheim. Lind hier war auch der Menschenschlag ein anderer: Mit der Scholle verwachsen, wie aus Fels geboren, eins mit der erhabenen, gewaltigen Größe dieser Alpennatur. Die junge, Um- und Ausschau haltende Frau, die der Cellist Weißkugl immer noch für ein Mädchen hielt, dachte daran, daß der Segen dieser Fahrt ins Unbekannte groß war. Wenn Heinz immer die Landschaften besuchte, in die er den Schauplatz der zu schaffenden Handlung legte, mußte eine starke Lebensnahe aus seinen Werken sprechen. Und Wahrheit der Begebenheiten. Ganz schüchtern regte sich da auch ein Pflänzchen Hoffnung: Möglicherweise nimmt er dich künftig manchmal mit? „Warum so nachdenklich, liebe Trude?" störte Strobl die Kreise ihrer Gedanken. Der Klang seiner Stimme war nicht ganz rein. Rur so nebenbei und flüchtig mußte die junge Frau an eine gesprungene Glocke denken. Und weil sie schwieg, fragte ihr Gefährte mit kaum verhüllter Ungeduld. „Womit beschäftigt sich der Geist meiner Freundin?" Da gestand Gertrud offen und ehrlich: „Ich habe Sehnsucht nach Heinz... Ihr Blick hing immer noch mit einem schwermütigen, verlorenen Ausdruck an der duftig hin- gezeichneten weißen Linie schneeüberkrusteter Gipfel jenseits der Stadt. Strobl lieh die Mundwinkel sinken. 3n_ den feinen Vertiefungen, die von feinen Rafenflügeln abwärts führten, zitterte Spott. Es ist doch etwas Merkwürdiges um die Che... Ein paar Tage Trennung macht die Geketteten melancholisch..." Dabei dachte er: Ihr Haar erinnert mich an den tiefbraun geflammten Rußbaumschaft der Büchse meines Vaters. Es gibt auf der ganzen Welt fein Mädel, das diesen satten, funkelnden Ton im Haar trägt. Richt einmal die dunkle Maserung feiner Violine zeigte diese Farbe. „Wie du das sagst: Geketteten!" verwies ihn Trude. Er zerpflückte ein Steinbrechblümchen in lauter kleine Fetzen, die mit dem W-inde davon- flogen. Trude sah es. Und auf eine seltsame Art berührte sie flüchtig wie ein Hauch die Idee; So würde er mich zerpflücken und bann wegwerf en, wenn ich mich ihm ergäbe... „Gott ja —" gestand Strobl erzwungen unbefangen, „seid ihr denn nicht gefesselt? Ist es etwa ein schöner Zustand, hörig zu sein dem einen, nur dem einen — und das durch einen RlnA durch ein vor Jahren gegebenes Wort?" Run huschte es wie die Sonne über das Gesicht der jungen Frau. Llnd mit beiden Händen das nußbraune Haar zurückstrelchelnd (es war nutzlose Geste, der Wind zerzauste es in der nächsten Minute erneut), sagte sie mit einem großmütig verzeihenden Lächeln: „,Du bist unverbesserlich, Franz! Gott sei Dank denken nicht alle so wie du...“ Gr rückte einige Zentimeter näher an sie heran, ganz vorsichtig und unbemerkt. Aus seinem hübschen Iungengesicht kam eine Stimme, die nicht die seine war, so tief und fast heiser gefärbt durch eine törichte Leidenschaft: „Du irrst, Trude — ich bin nicht leichtsinnig — für eine möchte ich auch der Gefangene sein — für bufe eine würde ich selbst den Relf am Finger dulden „Jetzt wird er gleich wieder irgendeinen Blödsinn vom Stapel lassen!" dachte Trude, sich der Szene von neulich erinnernd. Ihr Schweigen reizte den Geiger zur Offensive. „Trude — Hebe, liebe Trude — ich könnte mir nichts Schöneres denken, als dich für ewig an mich zu fesseln!" Sein Temperament ging nun schon wieder mit ihm durch. Sie gab sich Mühe, die peinliche Situation durch Heiterkeit zu überbrücken. „Ewig! Laß dock diese Flausen, Franz, und verdirb mir den schönen Tag nicht!" Er aber fuhr nun erst recht in einer Art trotziger Verbissenheit fort: „Ich möchte dich nicht» kränken, Trude — aber: Was kann dir der Schriftsteller bieten? Wer in dieser Kunst nicht gleich als Genie zur Welt kommt, wird sich dauernd durch das Dasein quälen müssen..." Trude machte eine Gebärde, als wollte sie auf- springen. Sie sah aus dieser Stunde nichts Ersprießliches kommen. „Du verleidest mir den ganzen Tag!" zürnt« sie halb abgetoenbet. Aber gerade diese verhohlene Flucht brachte» Strobl um den letzten Rest seiner Vernunft. Gr sah die blendende Rackenlinie, den sauberen Schnitt des schimmernden Haares, den Schwung des Rückens. Dies alles hatte er schvn vor Jahren geliebt und war bis heute seinem Ziel um keinen Schritt nähergekommen. Seine Hände zuckten nach ihren nackten Armen, schlossen sich um sie mit ungestümem Druck. „Trude — liebe, Hebe Stube — sag' dich los von dem andern — geh mit mir! Fürchte nicht die Formalitäten, die--" Ein Blick aus ihren Augen brachte ihn zum Schweigen. Dieser Blick war eine Flamme. Trude erhob sich nun völlig. Die Hände des Mannes glitten ab von ihren Armen. Ich werde nun doch alle Grundsätze über Bord werfen und nach Sölden zu Heinz gehen müssen, dachte sie sorgenvoll. Bisher hatte sie die Ijeim* liche, erregende Hoffnung nicht aufgegeben, daß Heinz vielleicht einmal zufällig im Kaffeehaus, wo sie spielte, auftauchen könne... Strobl sah ihr nach mit einem Gesicht, in dem' nicht viel von Enttäuschung zu lesen war. Mehr als zwei Jahre hatte er ausgehalten in dem aussichtslosen Kampf um diese Frau. „Ich habe die Stunde 6er Entscheidung unglücklich gewählt", sagte er sich mit bitterem Lächeln. Lind nahm sich in derselben Minute vor: Rütze die Zeit! Rimm dir in günstiger Stunde mit Gewalt, was dir in Güte verwehrt wird! 16. Mit einer kochenden Wut ging Ludwig Schwai- hofer an diesem Morgen auf die Pirsch. Tlev Kuh, den Mute Hansen ihrem Retter und Führer droben in der „Hohen Oed" gab, hatte ihn laufgerüttelt. Sie ganze Rächt über hatte er daran gedacht. Unb die Quintessenz seines Sinnens lag in dem häßlichen Wort: »Man müßte ihm dafür die Frau verführen!" Ratürlich war dies nur ein ohnmächtiger Vorsatz, bet so leicht nicht in bic Tat umgeseht werden konnte. Für kurze Zeit hatte sich Schwaihofer sogar mit dem Gedanken abgefunben, Mute verachtungsvoll aufzugeben und künftig zu meiden. Doch diese verrückte Idee verwarf er bald wieder, weil er einsah, daß es diesmal nicht eine! der üblichen .Freundschaften" war, sondern eine echte und starke Liebe. Bisher hatte er nie mit seinen Gefühlen gerechnet. Das wurde nun plötzlich anders. Erdmute Hansen übte, ohne es zu wissen und zu wollen, eine suggestive Macht auf ihn aus. Das war eine Tatsache, die sich nicht mit einer geringschätzigen Geste aus der Melis schaffen Heß. Schwaihofer hatte so seine Sorgen. Auch Der glücklichste Mensch braucht Sorgen. Lind wer keine hat, macht sich welche. Aehnlich erging es feinem Jäger, dem ©meiner Sepp. Der war mit seiner Mied! auch noch nicht ins reine gekommen. Lind wenn das Deandt auch spindeldürr und keineswegs ein Ausbund von Schönheit war, so verstand sie es doch, den Sepp an der Rase herumzuführen. Seine Eifersucht stieg die Skala seines Temperaments hinauf, immer näher an den Siedepunkt heran. Denn die Mied! aus Silz liebäugelte mit den Fremden, daß der Sepp manchmal Stielaugen kriegte. Lind als gar einmal einer die kühne Bemerkung machte: „Dis Miedl ist das Ideal der schlanken Linie. Man müßte sie zur Schönheitskönigin des Oehtales fronen", da war der Sepp so hoffnungslos verliebt, wie der Birkhahn in der Balz! Lind diese beiden verliebten Jäger pirschten nun auf den Hirsch. Weil beide unglücklich liebten, war es kein Wunder, daß sich ihre innerliche, verheimlichte Wut auf das Iagdobjekt konzentrierte. Einen Lichtblick muß der Mensch auch in trostlosen Tagen haben. Der Sechzehnender sollte eine Freude für Herrn und Jäger werden... Er hat fei Lager iaht weiter drunten in den! Zi'rbeln", lispelte Sepp. Schwaihofer antwortete nicht und tappte dem Jäger nach. Manchmal rannte er in der Dunkelheit an einen Stamm, dann quittierte er mit einem verschluckten Fluch. Lind manchmal dachte et: Die Pirsch auf den Hirsch ist genau so dornenvoll, wie die Jagd auf das Su, mattier drunten bn Tal. Endlich wich die Dämmerung dem jungen Tag Lind mit zunehmendem Büchsenlicht sah man auch schon Fährten. Man war nun schon im Revier des Gesuchten und mußte doppelt vorsichtig sein. Roch ein paar hundert Meter, dann brach das Sonnenlicht durch das Gewirr der Stämme. Seppl zog das Glas hervor. Vom Maldrande aus suchte er die Blöße mit den Augen ab — reichte den Feldstecher mit hastiger Bewegung hinter sich, deutete stumm hinüber nach dem Zirbelsaum. Schwaihofer verstand und hob die Repetierbüchse. Der Hirsch sicherte vom jenseitigen Waldrande herüber, trat aus dem Holze und zog vertraut näher an feine Feinde heran. Zwischen denen war jetzt Schweigen. Der Sepp hockte am Boden im Schatten der Stämme und beobachtete die zu erhoffende Beute mit Kenneraugen. Fortsetzung folgt.) Luch nur annähernd beanspruchen konnten. Eine unmögliche Grenzziehung habe man hier vor- aenommen. Die Abtrennung Ostpreußens vom Reich fei ein unhaltbarer Zustand. Polen rechne offensichtlich stark damit, daß Ostpreußen sich ihm aus wirtschaftlichen Gründen eines Tages anschließen würde. Rein geschichtlich wäre ebenfalls kein Anrecht Polens auf die zugeteilten Teile begründet. Mit Recht nenne man die Ost- grenzc gegen Polen den europäischen TeufelS- gürtel, Denn hier habe man viel Konfliktsstoff angehäuft. Eine Grenzregulierung gegen Polen müsse aus jeden Fall kommen. Der Redner wies zum Schluß auf die Wichtigkeit der Minderheitenfrage hin und gab ein eindrucksvolles Bild von der Zusammenarbeit der Minderheiten aller Rationalitäten, die, von gemeinsamem Schicksal betroffen, schon wertvolle und wichtige Arbeit geleistet haben. Dem Redner wurde starker Bei- fall zuteil. •• Werbeabend für Seefischverbrauch. Die Propagandaabteilung des staatlichen Fischmarktes Cuxhaven veranstaltete in Verbindung mit der Elektrogemeinschaft und der HauSsrauenberatung Gießen am Dienstag einen Vortragsabend. Die Veranstaltung, die im Cafe Leib stattfand, war sehr gut besucht und nahm einen interessanten Verlauf. Frau Dr. Koeppe als Leiterin der Gießener Hausfrauenberatungs- sdelle begrüßte die Anwesenden und wies tn kurzen Zügen auf den Zweck des Abends hin, dankte zugleich allen, die sich zur Ausgestaltung der Vorführungen zur Verfügung gestellt hatten. Sodann sprach Herr Mühlhäuser als Beauftragter der Propagandaabteilung des staatlichen Fischmarktes Cuxhaven über den Wert des Seefisches. <3r schilderte zunächst die einzelnen Widerstände, die einer Erhöhung des Verbrauches von Seefischen int Wege stehen und bemühte sich, Vorurteile, denen man heute nur noch allzu oft begegnet, aufzuheben. Er wies auf England hin, das klassische Land des Seefischgenufses, und arbeitete sinnfällige Unterschiebe in dem Fischkonsum Englands und Deutschlands heraus. Zugleich betonte er, daß sich der deutsche Seefisch- konsum gewaltig steigern könne, wenn sich die Hausfrauen entschließen würden, Fisch in der verschiedensten Form auf den Tisch zu bringen. Der Redner ging dann auf die große volkswirtfchaft- liche Bedeutung des Seefischwnsums ein und wies auf die vielseitigen, hvchzuwertenden gesundheitlichen Vorteile hin, die regelmäßiger Seefisch- genuß im Gefolge habe. Der Vortrag war unterstützt durch Diele Beispiele aus dem praktischen Leben, durch Zahlenmaterial und durch Erörterungen wissenschaftlicher Art, hauptsächlich so weit sie die gesundheitlichen Auswirkungen des See- fischgenusses betraf. 'Die Hörer folgten dem Vortrag mit großer Aufmerksamkeit. 3m weiteren Verlaufe des Abends wurde ein Film gezeigt, der in interessanten Bildern den Fischfang und seinen Versand wiedergab. Den Hausfrauen wurde schließlich noch eine Reihe von Anregungen für die Zubereitung zuteil, zugleich wurden Kostproben gegeben, die durch die Art ihrer Herstellung zu einer wirksamen Reklame wurden. Die Kostproben wurden auf elektrischen Herden bereitet, die von der Elektrogemeinschaft zur Verfügung gestellt wurden. Verschiedene Gießener Fischfirmen bereicherten die Veranstaltung mit Ausstellungen ihrer Waren. ZreundschastSkampf Hessen-Hannover gegen Mittelrhein. Am kommenden Sonntag gelangt der seit einiger Zeit geplante Freundschaftskampf zwischen einer kombinierten Mannschaft von Hessen- Hannover gegen eine gleiche Mannschaft deS Gaues Mittelrhein zum Austrag. Aus- tragsort ist Glz (bei Limburg). Der Gau Hessen- Hannover nominiert für diesen Kamps folgende Mannschaft: Weyand (VfB. Marburg); Eusterger- ling (Germania Marburg), Schmitz (VfB. Marburg); Pfeil (VsB. Marburg), 3rrle (Spv. Wetzlar), Berndt (VfL. Marburg); Rueff (VfB. Marburg), Waldschmidt (Spv. Wetzlar), Zscholke (Germania Marburg), Adorf (VsB. Marburg), Wagner I. (Germania Marburg). Für den 16. Rovember werden voraussichtlich aus den Vereinen von Göttingen, Fulda und Kassel Spieler bestimmt, die gegen eine Mannschaft des Gaues Südwestfalen anzutreten haben. Der Verlierer aus diesem Kampfs hat dann noch ein Spiel gegen den Gau Mittelrhein und der Gewinner gegen den Gau Westfalen zu liefern. Die Kämpfe haben den Zweck, der Derbandslct- .tung eine Uebersicht über die fähigsten Spieler zu geben, aus denen die Repräsentativnsmann- schaft des WSV. nach Bedarf ergänzt werden soll. Deutschland-Norwegen. Fußball-Länderkampf In Breslau. Deutschlands Fußballelf, die am Sonntag zum fünften Male gegen Norwegen in Breslau im Länderkamps antreten wird, ist nach äleberwin- dung mehrfacher Schwierigkeiten wie folgt aufgestellt worden: 3acob (Regensburg); Stubb (Frankfurt), Weber (Kassel); Kauer (Berlin), Münzenberg (Aachen), Wendl (München); Albrecht (Düsseldorf), Lachner (München), Hohmann (Denrath), R. Hofmann (Dresden) und Straßburger (Duisburg). Bilanz des südwestdeutschen Turn-Verbandes. Das 3ahr 1930, für die Turner ein Jahr großer Erwartungen, reichlicher Arbeit und guten Erfolges. geht dem Abschluß entgegen. Von eifriger Arbeit legen die Gaufeste und das DerbandS- tumfeft beredtes Zeugnis ab. Aus den einzelnen Gauen ist viel Erfreuliches xu berichten. So rühmt der Main-Rodgau fein diesjähriges Gauturnfest als eines der erfolgreichsten der Nachkriegszeit, der Wetterau- Gau hat zwei Reuaufnahmen von Inheiden und Gichelsdorf zu verzeichnen, während sich im Lahn-Dünsberg-Gau die sichere Führung auch im letzten Jahre bewährte; ein Verein trat bei, der Bestand ist geblieben. AlS erste Derbandsver- anftaltung fand der Derbandswaldlauf statt. Dis Durchführung war dem Wetterau-Gau übertragen. Am 18. Mai wurden in Gießen auf dem Äniversitätssportplatz die Verbandsspielmeisterschaften ausgetragen, die einen schönen Verlauf nahmen. Das Derbairdsturnfest zu Steinbach am 20. Juli verlief auf das denkbar beste, da der Ort olles aufgeboten hatte, um den Turnerinnen und Turnern den Aufenthalt angenehm zu gestalten. Die Bundesveranstaltungen waren von feiten des STB. nur gering besucht. Von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die xum großen Teil der Main-Rodgau stellte, wurden einige sehr schöne Leistungen erzielt und Dundesmeisterfchaften errungen. Die erfolgreichste Teilnehmerin unseres LTV. war die Wetterau- Gau-Turnerin Marie Wagner aus Rieder- Florstadt, die in Remscheid nicht weniger als drei Meisterschaften erringen konnte. Don den Lehrkurfen wurden die für dos Handballspiel mit gutem Erfolg durchgsführt. Die Turnkurfe kamen bis jetzt leider nicht zur Durchführung. Wenn trotz ausgefallener Lehrgänge und erhöhter Zahl der Sportler und trotz starker Vermehrung der Spielmannschaften das Geräteturnen nicht zurückgegangen ist, so ist dos dem echten Turngeist der G«äteturner zuzuschreiben. Handball im Lahn-OünSberg-(Sau. Caunsbad) I — Wieselt I 11:6. Trotz schlechter Platzverhältnisse zeigten die beiden Mannschaften ein gefälliges und faires Spiel. Launsbach konnte bereits kurz nach Anpfiff in Führung gehen, Wieseck glich bald darauf aus; zur Halbzeit ergab sich ein Stand von 4:3 für Launsbach. In der zweiten Spielhälfte übernahm Launsbach endgültig die Führung und gewann hoch. Tv Londorf Jugend — To. Staufenberg Jugend 8:5. Bei einem Halbzeitstand von 4:4 entschied in der zweiten Hälfte das ausgebildetere Schuh- Vermögen der Londorfer den lebhaften Kampf. Die Londorfer Schüler gewannen in Allertshausen verdient mit 3:1. Kraftfahrer! Vorsichtan derBergstraße! Die Provinzialdirektion Starkenburg teilt mit: Zur Zeit wird die Kleinchfiaster-Fahrbahn der Strecke Frankfurt a. M. — Darmstadt — Heidelberg im hessischen Gebiet verbreitert. Die Dauarbeiten werden ohne Sperrung der Straße ausgeführt, um Umleitungen, die xum Teil beträchtliche Umtoege für den Kraft- fahrzeugverkehr mit sich bringen, zu vermeiden. Es handelt sich um die Verbreiterung auf einer Straßenseite, nach deren Fertigstellung der gesamte Strahenzug sechs Meter Fahrbahnbreite aufweisen wirb. Da zwecks Herstellung eines gleichmäßigen StraßenprofiiS auch ein Teil der derzeitigen Fahrbahn aufgebrochen und dem Verkehr entzogen werden muh, verbleibt an den Dausbellen, die jeweils einige hundert Meter lang sind, für den Verkehr nur einschmalerS ten, der vorsichtiges Befahren erforderlich macht. In Anbetracht des starken Verkehrs auf der Straße Frankfurt — Darmstadt — Bergstraße werden die Kraftsabrxeugfübrer auf diese Gefahrenstellen hingewiesen. Besonders zur Racht- zeit wird größere Vorsicht empfohlen. Hm die Arbeiten in wenigen Wochen bewältigen zu können, wird an drei Baustellen, die nachts durch Anbringung von roten und weißen Laternen ^Kenntlich gemacht sind, zugleich gearbeitet. Briefkasten der Redaktion. E. St. in Gießen. Nach hessischem Landesrecht (vergl. Verordnungsblatt Nr. 24 vom Jahre 1921) dürfen Kellnerinnen nur gegen festes Entgelt beschäftigt werden. Tischtennis. 3m Gießener Tennioklub wird auch Tischtennis gepflegt. Vorsitzender des Tennisklub» ist Herr Dr. Dönges, Heuchelheim, Sandweg 11, von dem Sie sicherlich den erwünschten Ausschluß erhalten werden. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Oesfenllichc Anfrage an die Strafocnbauoerroaltung. Auf der Landstraße zwischen Steinberg und Grüningen wurden vor ungefähr einem halben Jahre Klopfsteine und Kleinschlag in beträchtlicher Menge angefahren. Offenbar sollte dieses Material zur Ausbesserung der zahllosen kleineren und größeren Schlaglöcher verwendet werden. Im Lause des Sommers ist Gras und Unkraut aus den Haufen hervorgewachsen, das Material liegt unberührt. Soll etwa mit der Beseitigung der gröbsten Schäden gewartet werden, bis ein Unglück passiert ist? 31.91. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Freitag, den 31. Oktober. Stadtkirche. 9 Uhr: Pfarrer Mahr, besonders für die Jugend. — Johanneskirche. 9 Uhr: Pfarrer Ausfeld, besonders für die Jugend. — wieseck. 10: Jugendgottesdienst; Gustav-Adolf-Kindergabc für Salzerbad in Oesterreich. — Alten-Buseck. 10: Resor- mationsfestgottcsdienst. — Kirchberg. 10: Kirchberg. — Hausen-Garbentcich. Reformationsfcst. Jugend- gottesdienst; 9: Garbentcich; 10: Hausen. — Wahen- born-Steinberg. Rcformationsfeier; 10: Jugendgottesdienst. — Lich. Reformationsfcst. 9.30: Stifts- dcchant Kahn; 10.45: Kindergottcsdienst. Israelitische Gemeinden. Israelitische Bcligionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, 1. November. Vorabend 4.45 Uhr; morgens 9; abends 5.10 und 5.50 Uhr. Israelitische Rellgionsgelellschasl. Sabbatfeier den 1. November. Freitag abend 4.35 Uhr ; Samstag vormittag 8.30; nachmittags 3.30; Sabbatausgang 5.50. Wochengottesdienft: morgens 6.45; abends 4.30 Uhr. !2hoyiBDnsl ‘"""«nm vV * /c • s All JM '■TOLL das gute selbsttätige Waschmittel — erstklassig und unübertroffen. das Bleich- und Fleck- enlfernungsmittel für die Weifjwäsche, es wäscht und bleicht - unerreicht. die sparsame Qualitäfs- Haushaltseife vorzüglich für die Wäsche und alle Reinigungsarbeiten Drihompsons Seifen du Iver Ozonil Schwanseife Waschsamt-Beste 1.85 Bedruckte westfälische Wasch- p. m Mk samtreste ihfarnare Stoffspezialhaus / Plodsstrabe 16 6782 A Beste Lindener Ware 4 nF in neuen aparten Mustern, Wert bis I Mk 4, — , im Rest p. m Mk. 2,40 u. Mk. 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Inf.-Regts. unter Leitung von Hrn. Obermusikm. Löber Eintritt Mk. 1.00. Karten im Vorverkauf bei Ernst Challier und am Freitagabend an der Johanneskirche__________06671 Liebigshöhe Am Sonntag dem 2. November Großes Mililär Slreidilioniert ausgeführt vom Musikkorps I./15 06723 Leitung: Obermusikmeister Löber Anfang 4‘/4 Uhr! Anfang 4*/, Uhr! Heule am 3O.X.hf bei der 7093 D Bezirkssparkasse Gießen NOCH BESSER ■ PREISWERTER KAFFEE-GESCHÄFT Filiale in Gießen, Kirchenplatz 12 irrv JUBILÄUMS-ANGEBOT d.pfd.Mk.2?°3.-3.604.- Kakao Schokoladen RABATT in MARKEN aussch.1. ZUCKER T MK. 0.75 50gr. Paket Nr. 254 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Donnerstag, 30. Oktober (930 Wirtschaft. Konzentrationen. Oie deutsche Lokomotioindustrie befindet sich schon seit Jahren in einer wenig erfreulichen Vage, da es der Deutschen Reichsbahngesellschaft infolge der ungeheuren finanziellen Belastung nicht möglich ist. die Fabriken auch nur annähernd ausreichend zu beschäftigen. Der Inlandmarkt gewähr- leistet heute der gesamten Lokomotioindustrie kaum mehr Existenzmöglichkeit, so daß die Fabriken allenthalben zu bedeutenden Einschränkungen ,m Laufe der Jahre schreiten muhten. Aber auch der Aus- landabsoh bietet keine Ausglcichsmoolichkciten mehr, da infolge der Weltkrise Sluslandaufträge nur spärlich hereinfliehen, die zudem noch unter schwierigen Konkurrenzverhältnissen here-ngeholt werden müssen und oft so gut wie keinen Gewinn abwerfen. Der Ruf nach Konzentration innerhalb der Loko- motivindustrie hat sich deshalb immer mehr verstärkt, und die Rcichsbahngesellschaft selbst hat immer wieder darauf hingewiesen, daß cs ihr nicht möglich sei, die Lokomotioindustrie voll zu beschäftigen. Nicht nur unter ihrem Druck ist jetzt eine Zusammenfas. sung der bayerischen Lokomotioindustrie perfekt ge- worden, und zwar werden sich die beiden Münchener Lokomotiofabriken Maffei und Krauh fusio- nieren. Die DD.-Bank, in deren fänden bereits das gesamte Masfeikapital von 8 Millionen Mark liegt, hat jetzt noch rund 3 Millionen Mark Krauh-Aktien von insgesamt 5 Millionen Mark erworben, so dah einer Rationalisierung nichts mehr im Wege stand. Auch im Hinblick auf den wohl demnächst zum Abschluß kommenden Lieferungsoertrag zwischen den Firmen Henschel, Schwarttkopff, Krupp, Borsig und Hanomag mit der Deutschen Rcichsbahngesellschaft, in den noch die Firma Schichau und eine süddeutsche Fabrik einbezogen werden sollen, dürfte diese Fusion von Bedeutung sein. Aber nicht nur in der Lokomotivindustrie ist man hinsichtlich des Zusammenschlusses einen Schritt vorwärts gekommen. Besonders aktiv ist man auch im Hypothekenbankwesen in letzter Zeit gewesen, wobei deutlich eine Zusammenfassung in verschiedene Gruppen w erkennen ist. So wurde innerhalb der Gemeinschaftsgruppe durch den Zusammenschluß der Centralboden- und Pfandbriefbank AG. mit der Preußischen Boden-Kredit und der Schlesischen Boden-Kredit eine zentrale Organisation in Berlin geschaffen. Die zweite Gruppe bildet nach der Aufnahme der Norddeutschen Grund-Kredit-Bank die Meininger Hypothekenbank in Thüringen, während in Sudwestdeutschland die dritte Gruppe durch Zusammenfassung der beiden Frankfurter Real- kreditinstitute gebildet wird. Recht schnell ist jetzt noch eine weitere Gruppe in Sachsen gefolgt, und zwar wird die sächsische Bodenkreditanstalt in Dresden die Leipziger Hypothekenbank im Wege der Fusion übernehmen. Das neue Institut wird über einen Darlehensbestand von 335 Mill. Mark verfügen Es darf wohl angenommen werben, dah damit die Rationalisierung innerhalb der Bodenkreditinstitute noch nicht abgeschlossen ist, wobei zunächst einmal an die Westdeutschen Institute gedacht werden tonnte. ' Jubiläum im deutschen Import- Hand e l. Kaiser s Kaffeegeschäft, dessen Stammhaus sich in Viersen im Rheinland befindet, begeht das Jubiläum seines 50jährigen Bestehens. Die Firma mit ihren 1500 Filialen zählt zu den größten deutschen Importfirmen. Kommerzienrat Kaiser, Sehn des Gründers und gegenwärtiger Chef des Hauses, hat zur Erinnerung an den 50. Jahrestag seines Unternehmens eine Stiftung zugunsten der Angestellten und Arbeiter seiner Firma errichtet, die mit einem Kapital von 200 000 Mark dotiert wurde. * Von der Frankfurter Börse. Zum Börsenhandcl sind 5 Millionen GM. 8proz. Gold- Hypothekenpfandbriefe Reihe 12 der Hessischen Landesbank — Staatsbank — Darmstadt zugelassen. Die Pfandbriefe werden vom 30. Oktober ab notiert. • Mehlpreiserhöhung. Die Süddeutsche Mühlenkonvention hat den Preis für Weizenmehl Spezial 0 um 1 RM. auf 41,50 RM. pro dz ab Mühlenstation erhöht. ' Vorläufig keine Preisermäßigung der schlesischen Steinkohle. Entgegen der ersten Zusage, nach den Vorschlägen des Reichswirtschaftsmirnsteriums eine KohlenPreissenkung um 6 Prozent ab 1. Dezember vornehmen zu toölten, hat, wie die .Vosfische Zeitung- meldet, das oberschtesische Steinkohlensyndikat beschlossen, die Preissenkung von der Gestaltung der Löhne abhängig zu machen. • Der Geschäftsgang im Linoleum- konzern. Rach Mitteilung der Deutschen Linoleumwerke AG. kann der Geschäftsgang im Gesamtkonzern den Zeitumständen entsprc^end als befriedigend angesehen werden. Auch der Finanzstatus sei günstig, lieber die Dividendeaussichten wird nichts gesagt. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 30. Oft. Tendenz: lustlos. — Durch die gestrige schwächere Reuyorker Börse und den sehr spärlichen Ordereingang wurde der heutigen Börse jede Widerstandskraft und Belebung entzogen. Anregungen waren nicht vorhanden, so daß sich Abgabeneigung bemerkbar machte. Die Tendenz neigte weiter zur Schwäche. Gegenüber der gestrigen Abendbörse war die Kursgestaltung nicht einheitlich: es überwogen jedoch Abschwächungen. Am Markte der Waldhof-Aktie war das Angebot etwas größer. Der erste Kurs wurde hier zirka 4 Prozent niedriger festgesetzt. Am Chemiemartt bestand für I.-G.-Farben mit 0,75 Prozent höherem Kurse Interesse. Auch am Elektromarkt waren AEG. leicht gebessert, während Siemens und Schuckert bis 1,5 Prozent verloren. Licht & Kraft minus 2 Prozent. Am Markte der Deutschen Linoleum-Aktie setzte sich das Angebot fort, doch war dies nicht dringend, und der Verlust betrug nur 1 Prozent. Am Montanmarkt waren nur Gelsenkirchen 1 Prozent schwächer. Otavi und Rheinstahl waren dagegen etwas erhöht. Banken büßten durchweg bis zu I Prozent ein. Danaibank verloren jedoch 2 Prozent. Zement Heidelberg minus 1 Prozent. Von Kunstseideaktien lagen Aku gehalten. Auch am Rentenmarkt war das Geschäft nur gering. Deutsche Anleihen ließen kaum eine Veränderung bemerken. Von Ausländern lagen Mexikaner uneinheitlich,' Rumänen etwas freundlicher. Am Psandbriefmarkt war das Geschäft unentwickelt. Goldpfandbriefe zum Teil etwas höher. Im Verlaufe war die Llmsatztätigkeit weiter eingeengt. Erneutes Angebot in Deutsche Linoleum und Zellstoff Waldyvf drückte auf die Stimmung. Die Tendenz neigte weiter zur Schwäche. Im allgeineinen waren jedoch nennenswerte Kursveränderungen gegen Anfang nicht zu bemerken. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 4 Prozent unverändert. Am Devisenmarkt konnte sich Madrid weiter befestigen. Man nannte Mark gegen Dollar 4.1970, gegen Pfund 20,39, London gegen Kabel 4,8583, gegen Paris 123,82, gegen Mailand 92,82, gegen Madrid 43,30, gegen Schweiz 25,0250, gegen Holland 12,0613. Berliner Börse. Berlin, 30. Oft. In den wenigen Stunden des heutigen Vormittogsverkehrs war die Effektentendenz schon mehrfachen Schwankungen ausgesetzt. Zunächst nannte man, im Anschluß an die gestrige Abendbörse und im Einklang mit dem matten Reuyork, niedrigere Kurse und rechnete mit einem schwächeren Börsenbeginn, dann wurde es vorbörslich plötzlich fester, wobei man die Ablehnung der Oppositionsanträge im Auswärtigen Ausschuß des Reichstags und die Hoffnungen auf eine heutige Diskontsenkung in London als anregendes Moment angab. Dann wurden die ersten Kurse aber zunächst wieder schwächer, so daß sich gegenüber dem gestrigen Schluß die Kurse nicht immer voll behaupten konnten. Diese Verstimmung soll von einer Pressemeldung ausgegangen sein, nach der, mit Ausnahme der Reichsbank, keine von den meist gehandelten deutschen Banken ihre Dividende ungekürzt lassen werde. Es kam aber nur wenig Ware ay den Markt, und mehr als 2prozentige Verluste traten in keinem Falle ein. Rur Aku waren 2,25 Prozent gedrückt. Anderseits waren Chadeaktien trotz der Meldung, daß neben einer wahrscheinlich 17prozentigen Dividende die Zuteilung eines Bonds nicht beabsichtigt sei, um 2 Proz. gebessert. Auch Reichsbankanteile konnten um 2 Proz. gewinnen, Harpener zogen um 1,5 Proz. an. Arn Schifsahrtsrnarkt sprach man wieder von tschechischen Verkäufen, Hapag und Lloyd lagen jedenfalls mit 76,75 Proz. recht schwach. Deutsche Linoleum eröffneten zwar auf gestriger Abendbasis, waren aber später auf Abgaben gedrückt. Auch Zellstoff Waldhof eröffneten */, Prvz. niedriger ziemlich widerstandsfähig, gaben aber dann um 3,75 Prvz. nach. Deutsche Anleihen lagen ruhig. Von Ausländern waren Rumänen, Türken und Ungarn überwiegend leicht gebessert. Pfandbriefe hatten noch keine einheitliche Tendenz. Am Geldmarkt zog der Satz zum Ultimo weiter an. Tagesgeld stellte sich auf 6 bis 7,75 und nur vereinzelt noch auf 5,5 Proz.; Geld über Ultimo nannte man mit 6 bis 7,5, Warenwechsel mit zirka 5,5 Proz. Im Verlaufe bröckelten die Kurse, ausgehend von der Schwäche der Zellstoffwerte (auch Feldmühle verloren im Verlaufe 3 Proz.) allgemein ab. Bei den schwereren Wertes wie Reichsbank, Salzdetfurth, Deutsche Linoleum usw., betrugen die Rückgänge bis zu 2,5 Proz; die übrigen Märkte waren gegen den Anfang bis 1,5 Proz .gedrückt. Frankfurter Schlachtvichrrrarkt. F r a n l s u r t a. M., 30. Oft. Auftrieb: Rinder 85, Kälber 700, Schafe 362, Schweine 399 Stück. Es notierten pro 100 Pfund Lebendgewicht: Kälber. Beste Mast- und Saugkälber 76 bis 80, mittlere Mast- und Saugkälber 70 bis 75, geringe Kälber 62 bis 69. Schafe. Mastlämmer und jüngere Masthämmel: Weidemast 45 bis 48, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 40 bis 44, fleischiges Schafvieh 35 bis 39. Schweine nicht notiert. Marktverlauf: Kälber und Schafe ruhig, ausverkauft. Schweine lebhaft, aus verkauft. Preußen. Kreis Wetzlar. > W i ß m a r, 26. Oft. In der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung beschäftigte man sich mit der diesjährigen Holzfällung. Der Hauplan sieht einen Gesamteinschlag von 2185 Festmeter bei einer Durchforstung von 84,1 Hektar vor. Die Bekanntmachung der Holzsubmission für HandelSnutzholz wird in einem gemeinsamen Angebot der Gemeinden des Amtes Krofdorf erfolgen. — Da bei der diesjährigen Verpachtung des Gemeindelandes auf die Wiesen in der sogenannten »Kuhbach" kein Gebot erfolgte, beschloß die Vertretung, dort Fichten Pflanzen zu lassen, die als Weihnachtsbäume Verwendung finden sollen. Der Gemeindevorsteher gab die Schlußabrechnung für den Umbau des elektrischen Ortsnetzes bekannt, der von der Firma Siemens-Schuckert-Wetzlar ausgeführt wurde. Da eine Reihe nicht vorgesehener Arbeiten vorgenommen wurde, ist der Voranschlag von 5696,94 Mk. um 3061,42 Mk. überschritten worden. Dafür ist aber das gesamte Ortsnetz in Kupfer ausgeführt. Der vor einiger Zeit gestellte Antrag, in Wißmar ein Stan- bekamt für Wißmar und Launsbach zu schaffen, wurde abgelehnt. Die Gemeindevertretung wird aber Schritte unternehmen, um eine bessere Regelung herbeizuführen. > Wißmar, 29. Olt. Bei der Per sonen- ft a n d s a u f n a h m e am 10. Oktober zählte unser Dorf 1871 Einwohner in 410 Haushaltungen und 300 bewohnten Häusern. (1925 ergab die Volkszählung 1697 Bewohner.) —$— Aus dem Hüttenberg, 27. Okt. Die Ferkelpreisc sind in der letzten Zeit erheb- sich gesunken. Ferkel im Alter von fünf bis sechs Wochen, die noch vor einiger Zeit nicht unter 28 Mark zu hoben waren, kosten jetzt 17 bis 20 Mark, für sechs bis acht Wochen alte Tiere werden 22 bis 26 Mark gefordert, während acht bis zehn Wochen alte Ferkel und Läuferschweine mit 30 Mark und höher, je nach Gewicht, verkauft werden. Trotzdem auch die Preise für fette Schweine seit kurzer Zeit einen beträchtlichen Rückgang erfahren hoben, ist die Nachfrage nach Ferkeln rege. Für Schlacht, schweine werden gegenwärtig 56 bis 58 Pf. pro Pfund Lebendgewicht bezahll. — Seit einigen Tagen hat in den Gemarkungen unserer Gegend ein F e l d . zug gegen d i e Mäuse eingesetzt. Nachdem die anhaltende Bekämpfung der Schädlinge mit Gift- kornern ohne nennenswerten Erfolg blieb, ist man jetzt zur Anwendung des „Hora -Gasverfahrens übergegangen. <> Münchholzhausen, 27.Okt. In seiner jüngsten Sitzung befaßte sich der Gemeinderat mit der Uebernohme der Turnhalle des hiesigen Turnvereins. Die Turnhalle ist in den Jnflations- johren vom Turnverein erbaut worden. Durch jahrelange Nichtbenutzung ist die Holle baufällig geworden, so daß sie polizeilich geschlossen werden mußte. Do dem Turnverein die Mittel zur Instandsetzung fehlen, ist er an die Gemeinde mit dem Antrag herongetreten, die Holle für Gcmeindczwecke käuflich zu erwerben. Der Gemeinderat beschloß den Kauf. Dem Turnverein wurde die Benutzung der Halle für Uebunaszwccke unentgeltlich gestattet. Der Turnverein bat sich demgegenüber verpflichtet, feine Turngeräte für das Schulturnen unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Die Gemeinde hofft, zur Bestreitung der hohen Reparaturkosten eine Stoots- deihilse, sowie ein verbilligtes Staotsdarlehcn zu erhalten, da sic bei ihrer finanziellen Notlage nicht imstande ist, diese Kosten selbst auszubringen. OO Lützellinden, 29. Okt. In der jünosten Gemei'nderatssitzung wurde dem Kulti- vicrungsplon des Markwaldes zugestimmt mit her Maßgabe, daß Ueberschreitungcn des dafür zur Verfügung gestellten Betrages keine Bewilligung finden werden, ferner wurde beschlossen, daß die Gemeinde die Anschlüsse an die elektrischen Lichtleitungen wie bisher ausführen soll. <> Niederkleen, 27.Okt. Der Gesangverein „Liederkranz" hielt jetzt eine außerordentliche Generalversammlung ab, in der einer Anzahl Mitglieder für langjährige Zugehörigkeit eine besondere Ehrung zuteil wurde. Nach einigen ßieboorträgen gedachte der Vereinsvorsitzende Wilhelm R ü h l l. in einer Ansprache der Viedienste der langjährigen Dcrcinsmitgliedcr Johs. Eisen- Hardt, Postbote a. D. Johs. Rühl III., Sdjreiner- meister Heinrich Rühl, Weißbindcrmcister Jo- Hannes H ö ch st, Landwirt Heinrich Schupp und Landwirt und Händler Heinrich Kr i ck II. und überreichte jedem ein Diplom. Die Gefeierten gehören dem Verein feit der Gründung an. Büchertisch. — Sieben neue Tänze nach alter Musik. Von Ilse Berthold-Baezynski. 32 S. Kart. 1,80. Verlag von D- G. Teubner. Leipzig, Berlin 1930. - 242 - Ilse Berthvld-Ba- czynski gibt in diesem Heft eine Auswahl der in ihrem Tanzkreis entstandenen Tänze, die eine Synthese von Volkstanz und Gesellschaftstanz darstellen und das Hindrängen unserer Zeit nach neuen Formen zum Ausdruck bringen. Die hier verwendete Musik besteht in einigen volkstümlichen Tanzstücken und solchen der Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts, die, in heutigen Tanz- kreisen praktisch erprobt, sich besonderer Schatzung erfreuen. — Reichls Zeitschrift »D e r L e u ch t c f‘. Reue- ster Band. 1930/31. Erstes Heft. Otto Reichl Verlag, Darmstadt. — Aus dem Vorwort des Herausgebers Otto Reichl: »Diese Zeitschrift ... hat nur durch die ihr eigentümliche Gesinnung und Leistung ihre Daseinsberechtigung zu erweisen. Ihr besonderes Merkmal mochte sein, daß sie sich nicht »an Alle" wendet, um so mehr aber an die unsichtbare Gemeinschaft der Wissenden, und daß die Wenigen, die sie schreiben und lesen, sich ihrer Verantwortung bewußt seien." — Die Mitarbeiter: Leopold Ziegler (»Ritus und Mythos"); Rudolf Pannwitz (»Der neue Mensch"); Ernst Krieck („5>ie Aufgabe der deutschen Bildung"); Friedrich Gogarten (»Die religiöse Aufgabe der Gegenwart'^); Victor von Weizsäcker (»Bilden und Helsen"); Eugen Diesel (»Die Entartung des Praktischen"); Hendrik de Man (»Die bürgerliche Erbmasse des Sozialismus"); Jakob Aeblh (»Astrologie als kosmische Symbolik und Periodik'). — Den durch das Inkrafttreten des Poung- Planes und die Räumung des Rheinlands erreichten Abschnitt in der deutschen Rachtriegs- politit nimmt Dr. Carl Melchior zum Anlaß wichtiger grundsätzlicher Betrachtungen zur Außenpolitik, die im Oktoberheft der Europäischen Gespräche (Verlag Dr. Walther Rothschild, Berlin-Grunewald) veröffentlicht werden. Er betont, daß es notwendig sei, gerade jetzt die Fragen offen in Angriff zu nehmen, die einer dauernden Befriedung Europas im Wege stehen: die unmögliche deutsche Ostgrenze und die einseitige Entwaffnung, die bei europäischen Verwicklungen Deutschland zum wehrlosen Kriegsschauplatz machen würde. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o. H., Lombardzinsfuß 6 v. H. Frankfurt a. Dl. 3er(ln Frankfurt a. Dl Serttn 5ranffurt a. M. Berlin Banknoten. Schluß- turd t-tlhr- Kurs Schluß-§ Ansang- turs | Kurs Gchluß-i t«Uhr» fürs 1 Kurs (Schluß- kurs Anfang- Kurs Schluß- kurs 1-Uhr- Kurs Schluß- für# Anfang- Kurs 25erlin, 29. Oktober ©elf Srief Lmenkanilche Noten...... Belgische Noten. ....... Dänische Roten ........ Englische Roten ........ granzchische Noten....... Holländische Roten ....... Italienische Roten........ Norwegische Roten....... Deutsch-Oesterreich, * 100 Schilling Rumänische Noten....... Schwedische Noten....... Schweizer Noten........ Spanische Rolen........ Tschechoslowakische Roten..... Ungarische Noten ...... Devisenmarkt Berlin 4.186 58,25 111,94 20,357 16.425 168,51 21,88 111,90 58,93 2.48 112,28 81,21 46,19 12,395 73,20 - Frankfurt 4,206 58,49 112,38 20,437 16,485 169,19 21,96 112,34 59,17 2,50 112,72 81,53 46,37 12,455 73,50 a. rn. /Datum 29 10 30 10 29 10. 30. 10 Datum 29. 10 30 10 29 10 30 10 Datum 29 10 30 10 29 10 30 10 6% ieutjefte Reichsanleihe von 1927 .......... <% teuft die RetchSanleihe von 1929 .......... teuft die Anl.-Ablös.-Schuld mtt AuSlos.-Rechien....... teiflL ohne AuSlos.-Rechfe . . 6% Heil. BolkSstaat von 1929 (rücfiüblb. 102%)...... 06eti)effcn Provin,. Anleihe mit LuSlol.-Rechten....... teullche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1 .... 8% Rtanlf. Hyp.-Bank Oolb&fe. XIII unkündbar bl# 1934 . . . 7% Franks. Hyp.-Bank »olbpfe unkündbar bis 1932 ..... 4W% Rheinische Hvv.-Bank 87 98,25 54,25 6,6 89 50,5 51,5 98,5 93,25 84,8 100 97 97 26,5 3 23,5 1,9 4,25 4,25 4,25 8,3 14,13 6,8 1 1 Äl 1 1 1 1 1 1 | 1 1 I II 1 1 1 1 1 1 II l IS 3 • 87,3 98,25 54,25 6,55 89,75 51,25 100 97 97 26,8 1,85 23,5 19 19,9 1,85 4,3 8,5 14 6,8 54,5 6,6 26,6 23,6 19,25 20 4,3 4,4 14,2 6,85 Hamburg-Ämerika Patel . . . < Hamburg-Südam. tampsschifs. 8 Hanta Tampsschiss.....10 Norddeutscher Lloyd.....8 Allgemeine Deutsche Creditanst. 10 Barmer Bankverein .... 10 Berliner Handelsgesellschaft . 12 Commerz, und Prioat-Bank . 11 Darmstädter und Nationalbank 12 Deutsche Bank und Disconto lSeseUschast, ... 10 Dresdner Bant......10 Reichsbank........13 A.S.S............t Bergmann.........9 Slettr. Lieserungkgesellschaft . 10 Licht und Krast......10 steifen & Guilleaume . . . 7K Gesellschaft sür Elekttische Unternehmungen .... 10 Hamburger ElektrizitätS-Werke 10 Rbemische E.cktrizität .... 9 Schlesische Elektrizität. ... 1C Schuden L Co.......11 Siemens & Halske.....ie Tran-radio.........k Labmeyer & So.......10 Buderus.....- - . b Deutsche Erdöl ..... k Essener Steinkohle......8 Gelsenkirchener ....... 8 Harpener. ........ O Hoeich Eisen. ....... 6^ gne Bergbau ....... 10 Söln-Rcuessen..... 7 Mannetmunn-Nöhrra .... 7 ManSselder Bergbau . .... 7 Lberschles. Eisenbcdarf . . . . 5 O-erschlej. Kokswerke.....7 Phönir Bergbau......6% Rheinische Braunkohlen . . 10 Rheinstahl.........6 Stieäed Mont» ...... 7,2 78 77,75 107,25 133 120 157 115 115,25 226 123,25 127 97,5 127 124 - 138,65 182,5 146,5 54,25 91 88,5 222 73,5 68 179 81 z 77,25 107 119 155 114,5 123,5 125 1 182 j 81 78 78,13 99,75 107,25 133,25 120 156,25 115 115 226,5 123,75 139 127 97,5 128,25 116 121 139 184 147 54,25 63,5 90,75 81,75 222 71 83,25 74,5 41,5 77,75 68,5 179,5 82 76,75 76,75 99.5 107 133,25 120 155,25 114,5 114,6. 228,5 123,75 139,5 127 128 115,9 137,25 182 68,25 91 90 81,75 220,5 71,25 83 73,75 40,25 78 82,25 Bereinigte Stahlwerke..... Otavi Minen......16*/, Kaliwerke flldtertleben ... 10 Kaliwerke Westeregeln ... 10 Kaliwerke Salzdetfurth ... 15 I. ®. Farben-Industrte ... 12 Dynamit Nobel ....... 6 Scheideanstalt........ 9 Goldschmidt........6 Sütgersmcrfe ........ 6 Metallgesellschaft.......8 Philipp Holzmann......7 Zementwerk Heidelberg . . 10 Cementwerk Karlstadt. ... 10 Waytz L Freytag......8 Schultheis Padenhoser ... 15 Cftmede.........12 Slku...........18 Bemberg...... 14 Zellstoff WaldKok .... IS'/, Zellstoss Aschaffenburg ... 12 Lbarlottenburger Wasser ... 8 Dessauer ....... 9 Daimler Motoren . ..... 0 Deutsche Linoleum ...... 91 oL automobil..... . O Lrenstein & Koppel . .... 6 Leonhard Tietz ...... 10 Frankfurter Maschine» .... 4 Gritzner....... . . . 6 HeyllgenNaedt ....... 0 ZuogbanS. . ........ 6 Lechwerke..........8 Mainkraftwerke Höchst a-M.. . 8 Miag...........10 Sebr. Roeder ....... 10 Bolgt & Haeffner ...... 9 Hüddemjche Zuck» • « • • 10 70 194.5 196 272,5 1- 136.5 50,75 86 80,5 54,4 72 74 84 24.5 130 118 285 18 29,5 26 86 93 150 141,25 lli ii3iiii i i i i is«ii£siaii i i s i I i iiia i II £i 70 34.25 196 197.5 272 1« 43,5 50,13 85,13 80,5 54 182,5 144,5 74,75 75,75 111,75 84 116.75 24.5 132 36 12,4 50,5 119 285 17,75 29,5 26 72^5 149,75 IM 70 34,4 270 143,25 ü 50,25 85,75 80 180,5 143,5 72,5 110,5 83,5 115,25 24,5 130 36,5 50,25 120 284 — z 28 Oktober 29 Oktober Amtliche Möllerung ©elf Srte> Amtliche Notierung Geld | Erie- Ämst.» Rott. Lnrn-AireS Brss.-Lvtw Christiama. -Kopenhagen Stockholm . Helling iotj- Italien. . . London. . . Nenpork . . Pari».... Schweiz .. Spanien. Japan . . . Rio de Jan- Wien in D-- Ceft. abgest Prag . . . . Belgrad . . Budapest. . Bulgarien. Lissabon . . Danzig. . . Konstanti» Sthcn. . . Tanada . . Utninat). Tatro .. . IC» HQ ICQ IC 168.86 1,432 58,435 112,13 112,17 112,50 10,548 21,955 20,37 4,1930 16,448 81,38 46,90 2,084 0,423 59,085 12,433 7.431 73,375 3,037 18,80 81,50 1,784 5,435 4,197 3,257 20,885 169.20 1,436 58,555 112,35 112,39 112,72 10,568 21,995 20.41 4.2010 16,489 81,54 47 00 2,088 0,425 59,205 12,453 7,445 73,515 3,043 18,84 81,66 1,789 5,445 4,205 3,263 80,925 8% Pr. LandeSplandbriesanstalt, Psandbrieke R. >9 ..... S% Pr Landetzpsan^brtesankaU, Komm^ebi-St- 20...... 7% Pr. Landeet'landbriesanstalf, Psandbriese R. 81...... A.E.V. abfl. L orrnegS- Obligatio» nen, ructtablbar 1932 ..... 4% Oeftenetd)i|die ©olDtenfe . . 4,20% Oesfcrreichilche Silberrente 4% Ceßerreidiitdie Einheitliche Rente........... 4% Ungarische Goldrente .... 4% Ungarische Staattrente v. 1910 4ft% de«gl. von 1913 . - - - 4% Ungarische Sroncnrenfe . . - 4% türkische Zoll anleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Ant. Serie 1......... 4% deögl. Serie 11....... 5% Rumänische vereinh. Rente von 1903 .......... 4ft% Rumänische vereinh. Rente von 1913 .......... 4% Rumänische vereinh. Rente . 1,426 58.435 112,13 112,14 112,48 10,548 21,94 20.364 4,1915 16,445 81,37 36.30 2,084 59,085 «r 12,432 7,431 73,37 3,038 18,80 81,47 1,784 5,43 4,197 3,247 20,88 1,430 58,555 112,35 112.36 112,70 10.560 21,98 20.404 4,1995 16,485 81,53 36.40 2,088 59,205 12,452 7,445 73.51 3,044 18,84 81,63 1,789 5,44 4,205 3,253 20,92 neuher \V^ߣi2. natürlich! Für nur 13 Pfennig 2 Teller gute Suppe l Teller Die neue T »fiele Tel. 2417 Marktstr. 23 in riesiger Auswahl empfiehlt 4.40 » 2J. 6786 A MlelewerkeA.G..Gtilersloh/Weslt Seltersweg 46t Telephon 2627 MAGGI5 SUPPEN I Zu beziehen durch die Fachgeschäfte. Umtausch von Schafwolle und Stricklumpen Großer Preisabschlag Bleiben Sie bei 3hrem Bohnenkaffee- auch wenn gefparl werden muß. 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Der Rechner einer ober- hessischen Gemeinde ist der 2l m t s Unterschlagung in Verbindung mit unrichtiger Führung der Bücher angeklagt. Es handelt sich um einen b ei der Kassenrevision fest gestellten Fehlbetrag in Höhe von fast 3000 Mark. Der Angeklagte hat das Geld eingenommen, auch den Zahlungspflichtigen Quittung erteilt die Beträge aber nicht gebucht. Sowohl der Amts- nachfolger wie der zuständige Bürgermeister trauen dem Beschuldigten nicht zu. daß er, der sich jahrelang in seinem Amte gut geführt habe, die vereinnahmten Beträge unterschlagen: habe. Es Habe in der Geschäftsführung ein solcher Wirrwarr geherrscht, dah er wohl selbst nicht mehr ein und aus wußte. Der medizinische Sachverständige erklärte, die Handlungen des Angeklagten seien auf seinen körperlichen und geistigen Rückgang in den letzten Zähren zurück- zusühren, ihm stehe der § 51 StGB, zur Seite, er sei nicht als verantwortlich anzusehen. Das Gericht erkannte hierauf, dem Antrag des Staatsanwalts gemäß, auf Freisprechung. Ein junger Posthelfer ist beschuldigt, einen ihm eingezahlten Betrag von etwa 20 Mark unterschlagen ju haben. Außerdem hat er einen vom Einzahlenden an den Empfänger gerichteten Brief unterdrückt, zwei Postkarten geschrieben und diese mit fremdem 71 amen unterzeichnet. Das Gericht billigte dem Angeklagten mit Rücksicht auf seine 3ugend und sein Geständnis mildernde Umstände zu und erkannte auf drei Monate zwei Wochen und vier Tage Gefängnis. Ein auswärtiger junger Korbmacher hat daS Datum einer Wochenfahrkarte abgeändert und diese dem diensttuenden Beamten vorgezeigt. Da eine Eisenbahnfahrkarte als öffentliche Urkunde anzusehen ist, muß erhöhte Bestrafung eintreten. Bei der 3ugend, der Hnbe straf theit und bei dem offenen Geständnis erkannte das Gericht auf die Minim alstrafe von drei Monaten Gefängnis. einer Gemeindebürgfchaf t für ein von der Hessischen Landesbank angebotenes Darlehen in Höhe von 70 000 Mark, daS ebenfalls für die Feldbereinigungsgesellschaft bestimmt wäre, wurde abgelehnt. Zur Stärkung des stäbttf?n Betrieb s k a p i t a l s wurde beschlossen, einer Regelung der Finanz- und Rechtskommission zur Aufnahme eines Darlehnsvon80 0 0 0 1 k. zuzustimmen. Die Anleihe soll während der 3ahre 1931 bis 1938 mit je 10 000 Mark amortisiert werden. Zur Deckung des dadurch entstehenden Fehlbetrages ist der Ertrag der Bürgerab- gabe und der Biersteuer, die kürzlich beschlossen wurden, zu verwenden. Gin Gesuch um Erstattung von Hochwasserschäden tourte abgelehnt. Die Hundesteuer soll im Rech- nungsjahr 1931 in Höhe des Vorjahres erhoben werden. Landkreis Gietzen. i, Wteseck, 29. Oft. Nachdem vom KreiSamt die endgültigen Steuersätze für 1 9 29 und die vorläufigen Steuersätze für 1930 festgesetzt waren, stimmte der Gemeinderat in seiner gestrigen Sitzung dieser Regelung wie folgt einstimmig zu: Cs werden erhoben: Grundsteuer von Ge- bäuden und Bauplätzen von 100 Mk. Steuerwerk 1930 = 28 Pf. wie 1929; Grundsteuer von lcrnd- und forstwirtschaftlich, oder gärtnerisch genutztem Grundbesitz 1930 = 69 Pf. wie 1929; Gewerbesteuer vom Gewerbekapital von 100 Mk. Steuerwert 92 Pf. wie 1929; Gewerbesteuer vom 'Ne- werbeertrag von 100 Mk. Ertragswert 270 Pf. wie 1929; Sondergebäudesteuer von den Steuerwerten bis 7000 Mk. = 45,75 Pf., über 7000 Tltt. = 39,93 Pf. — Die Aenderungen zu der Polizeiverordnung über Kanalbenuhung bzw. Gebühren wurden ebenfalls genehmigt. — Einem Wirtschaftsgesuch des Karl Koch wurde zugestimmt, da in diesem Hause schon langeeine Gastwirtschaft besteht. Verschiedene Gesuche (Miet- erlaß, Steuererlaß usw.) wurden an die betreffenden Ausschüsse überwiesen bzw. erledigt. — Einige Mieter von Gemeindewohnungen sind sehr stark mit ihren Mieten im Rückstand; es soll gegen die Säumigen mit aller Strenge vorgegangen werden. , X Wieseck. 29. Oft. Die goldene Hochzeit der Eheleute Heinrich Weller IX. und Maria geb. Taupert brachte dem Jubelpaar eine stattliche Reihe von Zeichen der Verehrung und des Gedenkens. Reichspräsident von Hindenburg sandte eine Glückwunschurkunde, der Ortsgeistliche verlas ein Glückwunschschreiben der Etaatsregierung und des Kreisdirektors. Ferner überreichte er ein künstlerisches Gedenkblatt des Landeskirchenamtes und einen Wandspruch als Gabe der Kirchengemeinde. Die Staatsregierung übersandte dem Jubelpaar eine Ehrengabe. ----Daubringen, 28. Ott. Am Samstagabend hielt im Gasthof Weimer Landwirtschaf Mehrer Dr. Orth vom Landwirtschaftsamt Grünberg einen Vortrag über die „Schädlingsbekämpfung in der Landwirtschaft". Der Vortrag löste eine lebhafte Aussprache aus. Bürgermeister Preis dankte dem Redner im Ramen der Besucher. — Grünberg, 27. Oft. Am Samstagabend hielt der Motorsport-Club Grünberg- Laubach, Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs „ADAC“ Gau 3b im „Wilden Mann" feine Generalversammlung ab. Aus dem vom seitherigen 1 Vorsitzenden Heinrich Kappes vorgetragenen Jahresbericht ist folgendes zu entnehmen: Die Gründung der Ortsgruppe Grünbera-Laubach und damit der Anschluß an den Allgemeinen Deutschen Auto- mobil-Club „ADAC“ erfolgte am 5. April b. 3. Die meisten Mitglieder des seit März 1929 schon bestehenden „Motorsport°Club 1929 Grünberg traten in die neue Ortsgruppe ein, so daß der Mitgliederbestand bei der Gründung 22 betrug. 3m Laufe des Jahves fanden 4 Austritte und 11 Reueintritte statt, so daß die jetzige Mitglie- derzahl 29 beträgt, außerdem sind noch 4 passive Mitglieder vorhanden. Die Beiträge wurden auf vierteljährlich 1 Mark festgesetzt. 3m Berichtsjahre wurden acht Fahrten unternommen. Der eifrigste Fahrer, Zahnarzt Dr. Weber, sowie der Sie- ger bei der Fuchsjagd, Hans Ranft, sollen je I einen Preis erhalten. Die Rechnungsablage ergab : feine Beanstandung, und es wurde dem Rechner : Entlastung erteilt. Bei der Vorstandswahl 4 Drtenb era, 29. Oft. Auch an dem heutigen dritten Markttag des „Kalten Mark- t e 8“ war der Besuch noch lebhaft, obwohl das Wetter zuerst nicht allzu schön war. Der übliche Krämermarkt ist wie immer verlausen. Kreis Schotten. d. Schotten, 28. Oft. Am SamSkag hielt die hiesige Freiwillige Feuerwehr ihre alljährlich im Oktober stattfindende Schlußübung ab. Die Hebungen, sowie der Brandangriff zeigten die Wehr auf ihrer alten Höhe. 3m Anschluß an die Hebungen fand im „Hessischen Haus“ eine besondere Feier statt. Es galt, die alten, noch lebenden vier Gründer zu ehren, die Kameraden Heinrich Weitz, 3oh. Hrch. Rühl, Adam H a u und Konrad S ch l ö r b VIII. Durch den Delegierten Kreisfeuerwehrinspektor Bechtold (Lauterbach), wurde den verdienten Feuerwehrveteranen das silberne Derdienstkreuz des Hessischen Freiw. Feuerwehrverbandes überbracht. Die Glückwünsche der Stadt übermittelte Bürgermeister Mengel, die der Freiw. Feuerwehr Schotten deren Kommandant O. Stang. Der Vertreter des Kreisamts Schotten, Regierungsrat Schwan, sprach der Wehr Anerkennung und Dank der Verwaltung In lobenden Worten aus, auch Kreisfeuerwehrinspektor Eber he im fand anerkennende Worte für die Wehr. Die Kapelle der Wehr trug wesentlich zur Hnterhaltung bet dem anschließenden gemütlichen Teil bei. -s- Gro ß-E i ch e n, 28. Oft. Am Sonntag feierte unsere Gemeinde ihr Erntedankfest. Der Gottesdienst wurde eingeleitet durch einen Schülerchor unter Leitung von Lehrer Bopf. Der Ortsgeistliche legte seiner Predigt Ps. 118, 28 u. 29 zugrunde. Der Gottesdienst war von der Gemeinde außerordentlich stark besucht. Die Kollekte für das schieden sahungsgemäß der erste Vorsitzende, der Rechner und der erste Sportleiter aus. 2lls 1. Vor- sitzender wurde Zahnarzt Dr. Weber gewählt, Rechner und 1. Sportleiter wurden in ihren Remtern bestätigt; als 2. Sportleiter, welches Amt seither der nunmehrige 1. Vorsitzende inne hatte, wurde Paul Büttel bestimmt. Der Vorstand seht sich demnach folgendermaßen zusammen: 1. Vors.: Zahnarzt Dr. Weber (Grünberg), 2.Vors.: Zigarrenfabrikant Ludwig Hohmann (Laubach), Schriftf.: Bankbeamter Ernst Appel (Lehnheim), Rechner: Kaufmann K. Raumann (Laubach), 1. Sportleiter: Schlossermeister Alvis Muth (Grünberg), 2. Sport!.: Buchhändler Paul Büttel (Grünberg), Beisitzer: Fabrikant Karl S ch l ö r b (Walkmühle bei Lauter). Kreis Büdingen. I! 'Bübingen, 28.Oft. 3n der Gewerbeschule sand am Sonntagvormittag die Schluhfeier der diesjährigen Herbstgesellenprüfung statt. Von 13 Prüflingen hatten 12 die Prüfung bestan- den. Rektor Müller ermahnte die jungen Gehilfen zu eifrigem Streben. Der Vertreter der Hessischen Handwerkskammer, Schlossermeister Heß, Friedberg, richtete Worte der Aufmunte- rung und der Ermahnung an die Prüflinge. 3m Anschluß daran verteilte Rektor Müller, der Leiter der Prüfungskommission, die Gesellenbriefe. — Am Sonntag hielt die hiesige Freiwillige Feuerwehr ihre diesjährige Haupt- und Schlußübung ab. Die Feuerwehr Düdelsheim erschien hierzu mit einer Motorspritze. Der im Anschluß an die allgemeinen Hebungen durchgeführte Brandangriff wurde zur Zufriedenheit erledigt. Die Leistungen der Düdelsheimer Klein- motorfpritze dürften den Büdinger Stadtrat in dem Wunsche bestärkt haben, ebenfalls eine Motorspritze anzuschaffen. I! Büdingen, 29.0h. Die Turngesell- schäft Büdingen hielt am Sonntagabend im „Fürstenhof" einen Werbeabend ab. Hebungen am Reck, am Barren und Pferd, Gemandtheits- Übungen und Freiübungen, ferner die Reigen der kleinen und kleinsten Turnerinnen und Turner füllten den Abend und fanden starken Beifall. Rach der Preisverteilung hielt der Vereinsvorfitzende, Oberinspektor Kärcher, eine Ansprache über die Ziele der Turnerei, in der er die Turnerinnen und Turner ermahnte, auf dem bisherigen Wege Im Geiste der Deutschen Turnerschast unbeirrt weiter- zuschreiten. Musikalische Darbietungen des Orchestervereins Büdingen umrahmten den Abend. Ceylon-Mischung 1 ® nur 6.— Ceylon-Or-Pecco 1 „ „ 7.— Darjeeling-Misch. 1 „ „ 8.— !! Büdingen, 29. Oft. 3n der jüngsten G e - meinderatssitzung wurde der Beschluß gefaßt, die Gebühren für Lagerplätze der Stadt in der von der Finanz- und Rechtskommission vorgeschlagenen Form zu genehmigen. Eine von der gleichen Kommission vorgeschlagene Reae- lung über die Beschaffung von Drenst- wohnungen für die G e m e i n de b e a m - ten fand ebenfalls Zustimmung. Ein Antrag der Bewohner des alten Schul^auies am Damm auf Ermäßigung des Mietzinses verfiel der Ablehnung. Weiter wurde beschlossen, die neuhergerichtete Herberge dem Kleintovh- nungsmarktzur Cterfügung zu stellen und die durchreisenden Handwerksburschen im Armenhaus unterzubringen. Der Beschluß soll jedoch erst am 1.3anuar 1931 in Kraft treten. Der Gemeinderat genehmigte außerdem die Aufnahme eines vom Ministerium für Arbeit und Wirtschaft angebotenen Meliorativns-Zwifchenkredites in Höhe von 23 000 Mark zur Weitergabe an die Felbbereinigungsgesellschaf t. Die Hebernahme Elisabethenstist in Darmstadt und den hessischen Diakonieverein ergab den Betrag von 18 Mark. Altar und Kirche waren von den Konfirmanden mit Früchten aller Art und Blumen schon geschmückt worden. 3m Filialort Klein-Eichen fand ebenfalls ein gutbesuchter Gottesdienst statt. -j- Sellnrod, 27. Oft. Gestern wurde hier das Erntedankfest gefeiert. Die Konfirmanden hatten den Altar mit Felbfrüchten geschmückt. Zwei sehr schön vorgetragene Schülerchvre unter Leitung von Lehrer Weimer halfen die Feier verschönern. Kreis Alsfeld. ~ Maulbach, 27. Oft. Zu einer erheben- ben Stunde gestaltete sich der gestrige Erntedankfestgottesdienst, den der Ortsgeistliche, Pfarrer Kalbhenn, unter Mitwirkung der Schulkinder abhielt. Der Geistliche predigte in anschaulicher, zu Herzen gehender Weise. Die Feier wurde umrahmt von Gedichten und Liedern der Schulkinder. Das Gotteshaus war prächtig und mit viel Liebe ausgeschmückt. Oberheffen. Kleingüierverlehr auf der Krastpost Gießen — Gambach? cP G r ü n i n g « n, 29. Oft. Wie die meisten Omnibuslinien, so dienen auch die Kraftposten auf der Strecke Gießen Steinberg — ©rüningen - Holzheim - Gambach hauptsächlich der Personenbeförderung. 3m Interesse der abseits der Bahn gelegenen Orte wäre es sehr wünschenswert, wenn außer der Personenbeförderung auch K le in gü t e rverkehr auf dieser Linie eingerichtet würde. Dies wurde eine große Erleichterung der Beförderung von Gu- lern nach den Landorten bedeuten. Durch die Ccn- richtung von Güterstellen bei denPost- agenturen könnten diese Orte für den Güter- verkehr erschlossen werden. Vielleicht ließe sich dies auf der Kraftpoststrecke Gießen—Gambach derart gestalten, daß die von auswärts kommenden Wa- rensendungen von den liefernden Firmen nach der Bahnstation Gambach, die zugleich Endstation der Omnibuslinie ist, geschickt würden. Von hier könnten die Kleingüter nach den Orten mit den am Rachmittag nach Gießen zurücksährenden Wagen besördert werden, zumal die Rückfahrten am Rachmittag erfahrungsgemäß keine allzu- starke Besetzung aufweisen. Die aus Gießen kommenden Waren könnten wohl auf dem dortigen Postamt nach den in Frage kommenden Orten abgefertigt werden. Giadiraissihnng in Bad-Nauheim. ^LDad-Rauheim, 29. Oft. 3n der gestrigen Stadtratssihung wurden für die Kan all s i e - rung der Gabelsberger Straße 10500 QKf., für 3nstandsehung städtischer Gebäude zusammen 4200 Mark bewilligt. Zugestimmt wurde dem Angebot der Provinz Oberheffen, nach dem von der Provinzial st raße Bad-Rau he im — Ock- st ad t ein Teil in Länge von 864 Meter als Eigentum und zur Unterhaltung an die Stadt übergeht. Die Provinz zahlt der Stadt als Ad- lösungsbetrag 10 039,68 Mk. Weiter wurde beschlossen, die Mäusevertilaung in der Gemarkung von der Stadt einheitlich durchzuführen. Die Stadt beschafft auf ihre Kosten die erforderlichen Giftmittel und stellt sie den Landwirten zur Verfügung, mit Ausnahme von solchenGrnnd- vefltzern mit einem Besitz von mehr als 100 Morgen. Für das städtische Konihkh stift wurde eine Satzungsänderung vorgelegt, der nach längerer Aussprache zugestimmt wurde. Wesentlich ist die Bestimmung, daß die an der Finanzierung des Erweiterungsbaues des Stifts beteiligten Landesversicherungsanstalten in Zukunft durch den Präsidenten der Landesversicherungsanstalt Hessen im Verwaltungsrat vertreten sind. Die Wirtschaftsrechnung über den Bau des 3solierhauses, des Wirtschaftsgebäudes und des 3nventars (erste Etappe zum neuen Krankenhaus am Hochwalde) lag vor. Die Gesamtkosten betragen 336 500 Mk. Ein Kredit von 293 000 Mk. war bewilligt. Der Rachtragskredit in Höhe von 43 500 Mk. fand nach längerer Aussprache Genehmigung. Gemeinderaissihung in Büdingen. N9100 Die ideale Maschine für den besseren Privat- Haushalt. pPQIQQ * Drehetrnm-Motor RM +10.- Wechselsfrom- • RM ++O- Gleißhsirom - • RM+56.- Kupferbottich blank oder vernickelt •Aluminium- Wäschebeweger • Schwenkbarer Wringen mit Aluminiumrahmen mit Vor-und Rücklauf und Mo- mentauslöeung-Vollkommen geräuschloser Gang. Gediegene Werkmannsarbeit. Geschäfts-Drucksachen SÄSS." 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