Nr. 176 Erster Blatt 180. Jahrgang Mittwoch, 30. Juli 1030 (Ereint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Vie Illustrierte Gießener FamilienblLtter Heimat im Bild Die Scholle. Senat frBeiugspreU: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger, lohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. zemfprechanfchlüffe nnterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Snjetger Gießen. psKfcheckkonto: gtanffnrt am Main 11686. GietzemrAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck vnd Verlag: vrühl'sche UniversitLIr-vuch' mb Stetaöruderd H. Lange ht Siehe«. 8chrtstlettrmg und SeschSstrftelle: Schulsttaße 7. Annahme von Anjeiaen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20*, mehr. Chefredakteur: Dr. Frtedr. Wilh. Lange. DerantwoNlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in (Biefjen. Der Kampf um die Sammlung der Mitte. Eine ernste Lektion. Der Deutsche hat zwei große Fehler, die feine gesamte Fortentwicklung behindern. Einmal sieht er in allem sofort das Negative und zum andern will er immer selber aktiv fein. Ins Praktische überfeht, heißt das: der Deutsche sieht immer nur die Nachteile und übersieht die Vorteile, weiter kann es der Deutsche nicht unterlassen, immer dann etwas anderes zu organisieren, wenn der andere etwas organisiert hat, weil er eben auch den Organisator spielen will. Zwei Deutsche gründen immer einen Verein, aber wenn vier Deutsche zusammen- kommen, existieren bestimmt drei Vereine. Diese Vorbemerkungen muß man machen, um unsere gegenwärtige Situation zu begreifen. Die Gründung d e r D e u t s ch e n S t a a t s o a r te i war fraglos ein schneidiger Husarenritt. Da aber andere Streife auch Parteien gründen wollten, sehen sie sich nun nicht etwa veranlaßt, dieser Neugründung zuzustimmen, sondern sie müssen irgendwie eine eigene Gründung vornehmen. Um bähet die eigene Gründung zu popularisieren, wird an der anderen Neugründung alles herabgesetzt, was nur einigermaßen nachteilig sein könnte. Dieser seit- tarne Eharakterzug zeichnet sich in der ganzen Presse aus, die jetzt zu der Gründung der Deutschen Staats- Partei Stellung nimmt. Das heißt, man muß aner- kennen, daß alle die Kreise, zu denen die Neu- gründung in Opposition steht, im Grunde genommen mit achtunosvoller Anerkennung von der Neugründung sprechen. Aber die Kreise, die eigentlich jetzt der Neugründung beitreten müßten, die aber nicht beitreten zu können glauben, weil sie vor einiger Zeit f e I b ft eine ähnliche Gründung vornehmen wollten, und nun in die Rolle des Imitatoren verfallen find, lassen einen Unmut erkennen, der einer Kritik Raum gibt, die alles andere als sinnvoll ist. Kritik ist immer berechtigt. Aber man ist nur bann zur Kritik berechtigt, wenn man selber in der Lage ist, etwas Besseres hervorzubringen. Ob die Neugründung der Deutschen Staatspartei in jeder Beziehung geschickt nxtr, das muß die Entwicklung lehren. Zunächst ist jedoch anzuerkennen, daß Männer den Mut sanden, ohne breit getretene Po- oularisation etwas au unternehmen, was in feiner Aufmachung immerhin wertvoll ist. Es wäre des- halb Sache der anderen, einmal darüber nochzu- denken, ob es nicht doch Wege gibt, die zu einer Gemeinschaft mit der Neugründung führen. Statt dessen wird aber in gewissen Kreisen der Ge- danke ventiliert, daß man nun ebenfalls et- was Neues gründen müsse. Es ist allerdings anzunehmen, daß diese Gedankenspiclerei nicht so ehr von den Kreisen unternommen wird, die eine ührende Rolle spielen, als vielmehr von den Kreien, die, was psychologisch durchaus verständlich ist, n ihrer sekundären Situation sehr gern mit großen Plänen operieren, um damit sich selbst und vielleicht manche andere über diese sekundäre Bedeutung ihrer Existenz hinwegzutäuschen. Es ist durchaus bedauerlich, daß das liberale deutsche Bürgertum zu keiner Einheitsfront kommen kann, denn bei objektiver Betrachtung gibt es überhaupt keine Gegen- fätze im liberalen Bürgertum, es fei denn, man betont Verschiedenheiten, die in ihrem Werte geradezu lächerlich sind. Noch ist e s Z e i t. Heute wollen sich die Führer der bürgerlichen Mittelparteien treffen. Es soll keines- falls dafür Stimmung gemacht werden, zu einer Verschmelzung mit der Staatspartei zu kommen. Es soll nur darauf hingewiesen werden, daß es notwendig ist, in dieser Besprechung auf irgendeine Weise eine Einheitsfront herzustellen, weil sich sonst das liberale deutsche Bürgertum gegenseitig ausfrißt Eine Erklärung des Kebruar-Klubs. Köln, 30. Juli. (WTB. Funkspruch.) Der ge- fchäftSsührende Ausschuß der Februar-Klub- Dewegung teilt mit: Der geschäftsführende Ausschuß und die Mitglieder des Kölner Aktions- auSfchuffes der Februar-Klubs begrüßen die unter maßgebender Mitwirkung ihres Der- trauenSmanneS in Berlin, Dr. Wins chuh, endlich zustande gekommene Gründung der Deutschen Staatspartei. Hiermit ist der e r st e Schritt zu jener Sammlung getan, welche die Februar-Klubs seit dem Tage ihrer Gründung zielbewußt verfolgen. Der vorläufige Aufruf der Staatspartei bedarf allerdings noch starker Hervorkehrung Der von uns aufgestellten und begründeten Forderungen. Deren Durchführung wird nur dadurch sicher gelingen, daß die Februar-Klubs der neuen Partei Anhänger zuführen und ihr dadurch Stoßkraft verleihen werden. Wir holfen und erwarten, daß die Deutsche Volkspartei, deren Führer die bürgerliche Sammlung mit ehrlichem Wollen anftrebt, durch geschlossenen Liebertritt zur Deutschen Staatspartei deren Grundlage erweitert und damit auch eine Zersplitternng ihrer eigenen Kräfte vermeidet. Lungdo und Giaatspariei. Berlin, 29. Juli. (ENB.) Der ,^ungbeutf4e* bringt folgende Mitteilung über das Verhältnis des Iungdeutfchen Ordens und der volksnationalen Reichsoereinigung zur Gründung der Deutschen Staatspartei: Am Samstag und Sonntag tagte in Berlin das Hochkapitel des Iungdeut- schen Ordens, in dem alle Reichsführer der Großballeien (Landesverbände) sitzen. Das Hoch- kapitel nahm den Bericht über den Aufruf zur Bildung der Staatspartei entgegen und stimmte voll und ganz diesem Schritt des Hochmeisters des Iungdeutfchen Ordens, Arthur Mah- raun, z u. Es erteilte ihm absolute Vollmacht für diesen Schritt und der sich daraus ergebenden. In der Nacht von Samstag zu Sonntag tagte der Reichsvorstand der Volksnationalen Reichsoereinigung, der gleichfalls dem Schritt des Reichsführers Arthur Mahraun voll z u st i m m t e und ihm ebenfalls absolute Vollmacht erteilte. Deutsche Dolkspartei und Staatspartei. Berlin, 29. 3uli. (ERD.) Don der Deutschen Dolkspartei wird zu Derichten über den Beitritt hervorragender volksparteilicher Parlamentarier zu der neugegründeten Deutschen Elaatspartei darauf hingewiesen, daß Geheimrat Kahl wohl dem Reichsminister a. D. Koch aus Anlaß der Gründung der Staatspartei ein Glückwunschtelegramm gesandt hat, das sich aber nur auf die Sammlung an sich bezog. Geheimrat Kahl hat der Dolkspartei ausdrücklich mitgeteilt, daß er sich nicht von ihr trennen werde. Reichstagsabgeordneter Dingeldeh hat telephonisch mitgeteilt, daß er nichts mit der Staatspartei zu t u n habe. Gegenüber den Behauptungen. daß Außenminister Dr. E u r t i u S sich für die Reugründung stark interessiere, wird erklärt, daß Dr. Eurttus, der sich zur Zeit im Schwarzwald aufhält, von der Gründung der Staatspartei überhaupt nur durch die Zeitungen erfahren habe. Die Dehauptung deS ^Iungdeutfchen", Dr. Scholz suche nunmehr als Gegenstück zur Etaatspartei eine sogenannte R e i ch s p a r t e i zu gründen, ist eine freie Erfindung. Gegenüber oer immer wiederkehrenden Dehauptung, daß namhafte junge DolkSparteiler zu der neugegründeten Etaatspartei übergetreten seien, wird festgestellt, daß die in diesem Zusammenhang genannten Herren Dr. Win sch uh und R v ch u S von Rheinbaben niemals der Reichsgemein- schaft junger Dolksparteiler als Mitglieder an* gehört haben. Dr. Eschenburg war zwar Mitglied der Reichsgemeinschaft junger Dolksparteiler, hat in ihr aber niemals eine führende Rolle ge spielt. Alle Türen offen. Eine Erklärung Hock s-Keser über die Gründung der Ltaatspartei. Berlin, 29. Juli. (ENB^) Reichsminister a. D. Koch-Weser übermittelt der Press« eine Erklärung, in der es heißt: Die Erfahrung eines Jahrzehnts hat mir bewiesen, daß es unmöglich ist, eine Einigung in öffentlich groß angekündig- t e n Verhandlungen zwischen den er- starrten Fraktionen herbeizuführen. Solche Verhandlungen sind immer wieder ergebnis- l o s verlaufen und haben in der Regel nur dazu gedient, dem Einberufer Gelegenheit zu geben, die Schuldfrage auf andere abzuwälzen. An führende Mitglieder der Deutschen Dolkspartei habe ich mich nicht gewandt, weil ich nicht erwarten durfte, daß sie sich auf den ersten Anstoß hin so plötzlich von ihrer Partei lösen würden, wie ge- handelt werden mußte, wenn der Plan nicht durch Quertreibereien erledigt werden sollte. Mitglieder der Reichsgemeinschaft junger Dolksparteiler, die nicht in enger fraktioneller Bindung stehen, sind von der Sachlage unterrichtet worden, und haben unter meiner vollen Zustimmung erklärt, daß sie ihren Dertretertag zusammenberufen und entscheiden lassen würden. Auf Gustav Stresemann habe ich mich niemals berufen. Die vertrauensvollen Erörterungen, die ich mit Stresemann wegen feiner Parieineu- gründung gehabt habe, und die nur wegen seiner außenpolitischen Inanspruchnahme und seiner Krankheit nicht zu Ende geführt worden find, haben sich niemals auf die Gründung von Arbeitsgemeinschaften oder auf die Zusammenfassung von bestehenden Parteien beschränkt. Bei dem Besuche, den ich Stresemann neun Tage vor feinem Tode in Ditznau gemacht habe, hat er mich gebeten, unmittelbar nach seiner Rückkehr eine Besprechung über diese Fragen mit Arthur Mahraun und mir herbeizu- führen. Mit Gustav Stresemann wäre ich sicherlich über das Gebot der Stunde auch heute genau s o rasch einig geworden, wie mit Arthur Mahraun. Ich betone nochmals, daß für weitere Verhandlungen in der bisherigen Weise, also von Person zu Person, auch in Zukunft auf dem B o - den voller Gleichberechtigung alle Türen offen stehen. Niemand ist in einer Vorzugsstellung etwa bei der Führung der neuen Partei oder bei der Vergebung der Reichstagsmandate. Solche kleinlichen Sorgen dürfen in schwerer Stunde keine Rolle spielen. Erkelenz triff zurSozialdeniokrafie über Berlin, 29. Juli. (TU.) Der bisherige demokra- tische Reichstagsabgeordnete Erkelenz hat seinen Austritt aus der Demokratischen Partei erklärt und gleichzeitig sein Amt als stellvertretender Vorsitzender des Parteiausschusies niedergelegt. Erkelenz ist der Sozialdemokratischen Partei beigetreten. Er begründet seinen Schritt in einem Schreiben an den Parteiführer. Es habe sich immer deutlicher aezeigt, daß die Streife, die nach ihrem inneren Wesen zur Demokratischen Partei gehören müssen, für die großen Aufgaben der Partei in der Außen- und Innenpolitik nicht das erforderliche Verständnis und die nötige Opferwilligkeit aufbringen. Sie seien immer mehr die Opfer nationalistischer und ontisozialistischer Schlagworte geworden und hätten ihre Mithilfe verweigert bei dem national so außerordentlich wichtigen Hineinwachsen der Arbeitnehmerschaft in den neuen Staat. Die Politik Brünings habe die Demokratische Partei in ihrem inneren Kern tödlich verletzt. Er habe es abgelehnt, für die Maßnahmen dieser Regierung je seine Stimme abzugeben und könne auch im Wahlkampf diese Politik nicht verteidigen. OieOeuffchnattonaleninHeffen-Aaffau Marburg, 29.3uIL (WTD.) Am Dienstag tagte in Marburg die deutschnationale Landesvertretung deS Wahlkreises Hesfen-Rafsau- Weylar-Waldeck. Rach mehreren Referaten wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, in der sich der Landesverband nach wie vor mit feinen Unterorganifationcn rückhaltlos zur Deutfchnationalen Dolkspartei bekennt. 3n festem Vertrauen auf die fachliche Richtigkeit der Grund- fätze und Ziele, für die die Deulfchnationals Dolkspartei über ein 3ahrzehnt gekämpft hat, geht der Landesverband des alten Helfferich- Wahlkreises auch in den neuen, zur Klärung de« politischen Krise unerläßlichen Kamps. AlS Spitzenkandidat für die kommenden Wahlen wurde der Landtagsabgeordnete Steuer, Kasfel, auf« gestellt. Gemeinsame Reichsliste Landvollpariei und Konservative Vollspariei. Berlin, 29. Juli. (WTB.) Der porlelausschuß der L a n d v o l k p a r t e l hat beschlossen, mH bet konservativen Dolkspartei eine gemeinsame Reichsliste unter dem Kennwort „Deutsches Landvolk" (Lhristlich-Rationale Bauern- und Landvolkpartei) aufzustellen. Hlinifter Schiele hat sich der Landvolkpartei angeschlossen, ebenso ist Oekonomlerat Bachmann, der ländliche vertretet Bayerns, der Landvolkpartei belgctreten. 9er Reichskanzler greift in den Wahlkampf ein. Eine Rede vor dem ZenfrumSparieivorstand. — Oie ReichSregierung kämpft um freie Bahn für das große Reformwerk. Berlin, 29.3uli. (WTD.) 3n einer Rede vor dem Reichsparteivorstand der Deutschen,Zentrumspartei führte Reichskanzler Dr. ‘Brüning u. a. aus: Wir haben unS tn Deutschland in den vergangenen3ahren in3llusivnen hineingewiegt. Man hat geglaubt, daß die wirtschaftliche Entwicklung nach dem englischen Dergarbeiterstreik und ein gewisses Rachholen der wahrend des Krieges und der Rachkriegszeit zurückgegangenen Konsumtion in den 3ahren 1927 und 1928 und die damit verbundene gute Beschäftigung der Industrie einen Dauerzustand darstellen. Das ist eine völlige 3Hufion gewesen. Als man anfing zu zweifeln, gab man sich wiederum der neuen Illusion hin darüber, daß die Revision des Dawesplane s mit einem Male eine gewaltige Erleichterung der Lage bringen könnte. Das hat dazu geführt, daß man diese Revision vorzeitig her- beigeführt hat au einem außenpolitisch nicht günstigen Augenblick und zu einem innenpolitisch denkbar ungünstigen Zeitpunkt. 3n der Öffentlichkeit stand im Dordergrund, um welchen Betrag man die Steuern senken könnte. Es wurde nicht überlegt, daß immer und immer wieder die Kassenlage, um die Gehälter auS- Auzahlen, und die sozialen Derpflichtungen erfüllen zu können, am Monatsende dazu zwang, daß das Reich bei den Großbanken he rumlaufen und um einen Kredit bitten mußte, um über den Augenblick hinweg- zukommen. Unterdessen hatte das deutsche Publikum im Stillen eine ganz andere Meinung von der Lage der deutschen Finanzen bekommen 3n fteigenbem Maße sind große und kleine und kleinste Kapitänen aus Deutschland a us gern a n d e r t. 3m Zusammenhang mit einer politischen Manipulation haben wir während der Pariser Verhandlungen vor Situationen gestanden, die zwar nicht die Währung, aber Die Wirtschaftslage gefährdeten Diese Situation konnte 1930 in jedem Augenblick wieder ein treten. Deshalb ging das Bestreben der Zentrumspartei dahin, rücksichtslos dem deutschen Dolke klar zu machen, daß mit der Uebemaljme des QJoung- Planes eineZäsur in der gesamten Finanz- und Wirtschaftspolitik des Reiches eintrete. Daher stellten wir die Forderung, die Finanzreform gleichzeitig mit den QJoung- Gesetzen zu verabschieden, die Sanierung der Kassenlage sicherzustellen und alle Maßnahmen zu treffen, um durch Ersparnisse und wirtschaftliche Reformen in Zukunft eine Wiederholung der finanzpolitischen Kalamitäten der Jahre 1926 30 unmöglich zu machen. Und nun die Angriffe gegen Artikel 48. Seit dem Besuch beim Reichspräsidenten in Neudeck haben alle Leute darüber diskutiert, wenn^eine parlamentarische Lösung nicht möglich fei, den Artikel 48 anzuwenden. Die Sozialdemokraten haben sogar einige Zeit vorher von einer „Diktatur" gesprochen Don einer Diktatur allerdings unter sozialdemokratischer Führung. Das die jetzige Regierung will, ist keine Diktatur, sondern etwas ganz anderes. Die Situation, wie sie uns im Reichstag klar geworden Ist, muß in allen konsegucnzen ein Anschauungsunterricht zur politischen Erziehung des deutschen Volkes sein. Jahrelang wurden notwendige Dinge aufgeschoben, hat man verhängnisvolle Dinge beschlossen, obwohl man überzeugt war, daß diese Entwicklung eine unmögliche Lage schaffen müsse. ZRan hat die Verantwortung wie beim Ballspiel von einer Partei zur anderen hinübergeworfen und sich vor der Verantwortung gedrückt, als man noch mit viel linderen Maßnahmen die Situation hätte retten können. Wird sich das deutsche Volk nicht restlos dieses fehlerhaften Parlamentarismus der Vergangenheit bewußt, bann steht es eines Tages vor Schwierigkeiten, die wir vom Zentrum bewußt und mit allen Kräften verhindern wollen, bei denen es eine normale Lösung überhaupt nicht mehr gibt. Der Artikel 48 ist im Laufe der letzten Jahre mehr als hundertmal angewendet worden! Am meisten vom früheren Reichspräsidenten Ebert. Auch in in Bagatellsachen und in Anwesenheit des Reichstages. Niemand hat sich damals darüber aufgeregt. Heute, da der Artikel 48 entscheidend an- gewendet werden sollte und angemenbet werden muß, wo es um Lebens- und Schicksalsfragen geht, da hat man auf einmal Bedenken. Das ist der Fehler der m a n g e l n d e n E r z i e h u n g der Wählermassen bei der Sozialdemokratie. Man kann nicht immer mit Panzerkreuzer und Kinder» s p e i f u n g Wahlen machen. Zumal nickt, wenn man mit Parolen nachträglich Schiffbruch erlitten hat. Das Kabinett Müller hat den Panzerkreuzer gebaut, und für die Kinderspeisung nichts in den Etat eingefetzt. Jn einem Augenblick, wo man im Relchselat die ungeheure Summe von nahezu einer Milliarde Mark zur Verfügung stellen muß. um die bisherige Sozialgesetzgebung zu retten, da ist es sozial, wenn man den Mut hat, diese Dinge zu sagen, und unsozial, wenn man sich aus agitatorischen Gründen an diesen Dingen oorbeibrürfL Wenn man alle Maßnahmen dieser Regierung, von der man ohne ilebertreibung sagen darf, daß in den drei Monaten ihres Bestehens allerhand geschaffen worden ist. herunterreißt und lächerlich macht, so hat das nur das eine Ergebnis, daß der Parlamentarismus ins Wanken kommt, der Glaube an einen Wiederaufstieg Deutschlands aus dieser schweren Krise. Die neuen Rotverordnungen enthalten im wesentlichen genau dasselbe Deckungsprogramm, wie der Reichstag eS abgelehnt hat, weil nachhaltige Heberlegungen auch mit den maßgeblichen Finanzministern der Länder zur Zeit keine andere Deckungsmöglichkeit zeigten. Wenn wir gewartet hätten bis zum Wiederzufammentritt deS Reichstags mit der Schaffung neuer Einnahmen fürdie Gemei nden, dann würde aller Wahrscheinlichkeit nach im September eine große Anzahl von Gemeinden nicht mehr in der Lage sein, trotz Erhöhung der Realsteuern die Wohl- fahrtsunterstützungen auszuzahlen. Wir mußten deshalb Eteuerquellen erschließen, und wir haben eine Form gewählt, die den Gemeinden Freiheit läßt, welche von den beiden, Bier- oder 'Bürger* steuer, oder beide zusammen sie erheben wollen. Rach menschlichem Ermessen wird es den Gemeinden möglich fein, in diesem Winter durch- Aukommen. Die Verordnungen bieten gleichzeitig die Grundlage für die Reform, die wir im Herbst und Winter grundsätzlich durchzuführen haben. wenn wir die Finanzsanierung bis ans Ende durchführen wollen, müssen wir zu einer vollkommen klaren Scheidung zwischen den Aufgaben von Reich, Ländern und Gemeinden kommen und für die Bewältigung dieser Aufgaben der drei Jnslanzen sichtbar voneinander getrennte Einnahmequellen schaffen, die es dem Wähler erlauben, zu beurteilen, w o unnötig Geld ausgegeben wurde. Wir müssen ein Programm für die 2 au - Wirtschaft der nächsten 3ahre schon jetzt aufstellen, weil wir für die endgültige Finanzreform Klarheit darüber haben müssen: Was wird aus der Hauszins st euer, und wem soll fie zur Verfügung gestellt werden? Eine große Lllrs- gabe besteht darin, die Eisenbahn auS bei schwierigen finanziellen Lage herauszubringen. Wenn wir daS voraussichtliche Defizit der Reichsbahn durch Tariferhöhungen decken toolten, dann werden wir der Wirtschaft, vor allem tn beit Grenzgebieten, einen solchen Schlag versehen, von dem sie sich nicht mehr erholen würde. All' diese Dinge müssen in einem einheitlichen Ganzen ersaht werden. Wir müssen davon abkommen, daß bei dauernd wechselnden Koalitionen die eine Regierung diese Politik macht, die andere die entgegengesetzte. Eines nur ist notwendig: Richt die Parteien dürfen führend sein, sondern das Kabinett. Das hat in den letzten Jahren gefehlt. Das Kabinett muh die Verantwortung übernehmen und die Entscheidungen möglichst im Plenum des Reichstages selbst suchen. Rur so erzielen wir eine klare Verantwortung als Grundlage der Demokratie. Der Zeitpunkt ist erreicht, in dem man den letzten Versuch machen muh, um mit der gegenwärtigen Verfassung eine wirkliche verantwortungsvolle Demokratie zu retten und lebendig zu erhalten. Es geht aber weiter darum, unverzüglich die Maßnahmen zu sichern, die dem deutschen Volk den Ausweg aus der Rot erschließen. Ein Wahlaufruf -es Hansa-undes. Kür Gesundung der Wirtschaft und Ucberwindung der Arbeitslosigkeit. Verl irr, 29. Juli. (ERD.) Das Präsidium des Hansabundes veröffentlicht einen Wahlaufruf. in welchem es u. a. heißt: Es gibt für die gesetzgebenden Körperschaften nur eine Aufgabe: Den Weg zur Aeberwindung der Arbeitslosigkeit freizulegen. Es gibt nur einen Weg: der privaten individualistischen Wirtschaft möglichst weitgehende FreiheitihresHan- delns, möglichst große Sicherheit ihres Arbeitens zu bieten. Die gegenwärtigeReichs- regierung hat sich um die Freilegung dieses Weges bemüht. Die Mehrheit des Reichstages hat ihr die Gefolgschaft versagt. Es gilt jetzt, einen Reichstag zu wählen, der nur ein Ziel kennt: durch Ausgabensenkung zum Abbau der öffentlichen Lasten, zur Wiedergesundung der Wirtschaft, zur Lieberwindung der Arbeitslosigkeit von Millionen Menschen und Milliarden an Kapital! Die überwiegende Majorität des deutschen Volkes sehnt sich aus der wirtschaftlichen und politischen Rot und Zerfahrenheit heraus. Rur die Parteien werden die Mehrheit der Wähler hinter sich vereinigen können, die in unzweifelhafter und eindeutiger Form in diesem Wahlkampf sich zu einer Politik verpflichten, die der wesentlichen Arsache der deutschen Wirtschaftsnot: der Llebersteigerung der öffentlichen Ansprüche cm die Wirtschaft und dem Mißverhältnis zwischen Staat und Wirtschaft zu Leibe geht. Der Angestellten-Abbau in -er Metallindustrie. Einspruch der Reichspost? Berlin, 30.Juli. (ERD.) Die Lage in der Metallindustrie verschärft sich. Rach Dlättermel- dungen sind bei der Karl Flohr AG., bei der AEG. Jsolatorenfabrik und bei der AEG. Loko- motivfabrik, sowie in der Automobilfabrik Chrysler Bekanntmachungen erfolgt, daß etwa zehn Prozent der Angestellten entlassen werden sollen. Insgesamt sind nunmehr in der Berliner Metallindustrie rund 3000 Entlassungen von Angestellten angekündigt worden. Im Zusammenhang mit dem angekündigten • Personalabbau bei Siemens hat das Mitglied des Derwaltungsrats der Deutschen Reichspost Reichstagsabgeordneter Schuldt (Dem.) an den , Reichspostminister ein Schreiben gerichtet, in dem er erklärt: „Ich habe nicht nur ersucht, auf eine Preissenkung hinzuwirken, sondern auch darauf Bedacht zu nehmen daß diese Industrien, soweit sie von der Post Aufträge erhalten, die allgemeine Lage des Arbeitsmarktes und d i e Rückwirkung auf die i nne r p o li ti s che Lage berücksichtigen und insbesondere von Arbeiterentlassungen Ab st and nehmen. Das Vorgehen der Firma Siemens steht diesen Forderungen kraß gegenüber, und man ist geneigt zu fragen, ob sie der Reichsregierung, insbesondere im Hinblick auf die bevorstehenden Wahlen, absichtlich Schwierigkeitenzubereiten versucht. Jedenfalls wäre ich Ihnen, Herr Minister, dankbar für eine E i n- wirkung auf die Firma Siemens, daß sie unter Bezugnahme auf die von Ihnen in dankenswerter Weise in Angriff genommene Mitarbeit zur Behebung der Wirtschaftsschwierigkeiten veranlaßt wird, von ihren Maßnahmen abzusehen. Tarifverhandlungen bei der nordwestdeutschen Eisenindustrie Berlin, 29. Juli. (CNB.) Die Verhandlungen zwischen dem am Tarifvertrag für die nordwestliche Gruppe der Eisenindustrie beteiligten Arbeitgeberverband und den Vertretern der Gewerkschaften über die in Aussicht gestellte Kündigung der Tarife zur Lohn- und Arbeitsze i t frage wurden in Essen wieder ausgenommen. Bekanntlich hat der Oeynhausener Schiedsspruch den eigentlichen Lohn- und Arbeitszeittaris nicht betroffen. Die Lohn- und Arbeitszeitregelung ist noch seit dem Severing-Schiedsspruch vom Dezember 1929 u n - verändert in Kraft. Dieser Schiedsspruch enthält eine Klausel, nach der die Parteien verpflichtet sind, die Kündigungsabsichten vier Wochen vor dem Kündigungstermin bekanntzugeben. Die festgelegte Regelung läuft Ende September d. I. ab. Bei den heutigen Verhandlungen wurde nun eine Einigung erzielt, wonach die Kündigung des Lohn- und Arbeitszeitabkommens vom 21. Dezember 1928 n ichtausgesprochen wird. Es treten bei der in Kraft verbleibenden Arbeitszeitordnung verschiedene Aenderungen einzelner Vertragsparagraphen ein, jedoch ist diese Regelung noch nicht entschieden. Die Gewerkschaften werden sich in den nächsten Tagen über Zustimmung oder Ablehnung dieser Regelung entscheiden. Es ist noch nicht ganz klar, welche Zugeständnisse in der Frage der Arbeitszeit gemacht werden. Es besteht jedoch das Bestreben, zu einer Einigung zu kommen. Ozeanflug -es engüschenLuflschiffsRIOO. ' z -■ ---------- .. M KW 1 ' R-IOO Letzte Stan-ortmel-ung von R100. London, 30.Juli. (WTB. Funkspruch.) Nach einer Mitteilung des Luftfahrtministeriums gab das Luftschiff R 100 gestern 21 Ahr seine Position mit 53,40 Rord und 17,30 West an. Cs herrscht gutes klares Wetter^ bei mäßigem nördlichen Wind macht das Luftschiff gute Fortschritte. — Der gemeldete Standort liegt 300 Meilen westlich von Sleyne Head an der Küste von Galwah (Irland). Sentrum und Sozialdemokratie in Preußen. ‘Berlin, 29. Juli. (WTB.) Dor dem Zentrumsparteivorstand hielt der Parteivorsitzende, Professor Dr. K a a s, eine Rede über die Politik des Zentrums. Rach den Wahlen von!928, in denen die Sozialdemokratie einen demagogisch kleinlichen, aber staatspolitisch bedauerlichen Auftrieb erfahren haben, würde es an sich dem Gesetz der politischen und parlamentarischen Logik entsprochen haben, sich auch in sachlicher Arbeit als alleinige Trägerin der Regierungsverantwortung zu betätigen. Ich bin überzeugt, in kürzester Frist würde sich wohl ihre Unfähigkeit zu aufbauender Arbeit gezeigt haben. Das Zentrum begrüßt ausdrücklich jeden Ansatz zur Sammlung und zur Aeberwindung der parteipolitischen Zersplitterung, von welcher Seite er auch kommen möge. Es kann kein Zweifel darüber sein, daß nirgendswo die Konzen- tration der politischen Kräfte ein dringenderes und unaufhaltbareresGebotist, als innerhalb der bürgerlichen Mittelparteien. Das Rachlaufen hinter irgendwelchen Sonderinteressen muh ein Ende haben, wenn die Gesamtheit, wenn der Staat leben soll. Rur Sachlichkeit kann uns retten. Niemals hat die Sozialdemokratische Partei einen solchen Schlag gegen wahre Demokratie und gegen verantwortungsvolle Politik geführt, als an diesem schwarzen Freitag, wo sie zum ungewollten Fördertrupp der Tendenzen geworden ist, die letzten Endes ihre Aufgabe in dem Sturz des. republikanischen und demokratischen Gedankens sehen. Ich hoffe, daß die Sozialdemokratische Partei sich keinem Zweifel darüber hingibt, daß in Zukunft in Preußen die Koalitionspolitik zu einer psychologischen und politischen Unmöglichkeit wird, wenn innerhalb der Reichspolitik derartige Vorgänge sich wiederholen sollten. Sie würde die Statik der preußischen Koalition überschätzen, wenn sie glaubt, eine derartige Belastungsprobe noch einmal versuchen zu können. Wir denken nicht daran, der Sozialdemokratie die Möglichkeit zu lassen, eine derartige, für unsere Parteianhanger unerträgliche Schaukelpoli- lik zwischen Reich und Preußen weiterzuführen, hier im Reiche die Früchte der Agitation, drüben in Preußen die Vorteile des «Regierens zu genießen. Dr. Kaas behandelte sodann die Umgruppierung auf der Rechten. Es vollziehe sich hier ein Prozeß, der zu einem bedeutsamen Gesundungsfaktor des politischen und parlamentarischen Lebens werden könne. Alles werde davon abhängen, ob sich die neue Gruppe zu einer aufrichtig positiven und schöpferisch gestalteten Mitarbeit auf dem Boden des Dolks- staates bekenne oder ob man den Versuch mache, mit der Vergangenheit Kompromisse einzugehen, die die Gegenwartsarbeit lähme und zumindest hindere. Er sei davon überzeugt, daß eine ganze Reche der führenden Köpfe mit der Achtung vor dem achtenswerten Inhalt der Vergangenheit den unbedingten und endgültigen Willen verbänden, den Volksstaat zu bejahen. Oer Vorsitzende der preußischen Zentrumsfraltion Heß erklärte: „Die Ausführungen des Herrn Parteivorsitzenden über die intimen Wechselbeziehungen zwischen der deutschen und der preußischen Zentrumspartei decken sich vollständig mit meiner Auffassung. Ich möchte auch heute mit allem Ernst und allem Rachdruck darauf aufmerksam machen, daß es für die preußische ZentrumS- fraktion eins ach unerträglich ist, wenn der zumTeil ganz hemmungsloseund vor allem innerlich vollkommen unwahrhaftige Kampf so weitergehen soll, wie er jetzt seitens der Sozialdemokratie gegen das Zentrum und den Reichskanzler Dr. Drüning geführt wird. Darüber habe ich übrigens beim Herrn preußischen Ministerpräsidenten frühzeitig genug jeden Zweifel ausgeräumt. Wenn die Sozialdemokratie nicht endlich zu einer grundsätzlichen Aenderung ihrer Kampf esart nicht nur, lonoern auch ihrer ganzen politischen Arbeitsmethode zu kommen vermag, wird eine Zusammenarbeit mit ihr zur Anmög- lichkeit. Dann hat sie es aber auch nur sich selbst zuzuschreiben, toenrt jeder großgedachte demokratische Staatsgedanke für die Gegenwart zerschlagen und für die Zukunft in Frage gestellt wird." Breitscheids Antwort an das Zentrum. Berlin, 29. Juli. (TA.) Im „Sozialdemokratischen Pressedienst" erwidert Dr. Breitscheid auf die Ausführungen der Zentrums- sührer Kaas und Heß. Breitscheid spricht von einer Anmaßung des Zentrumsführers, wenn er einzelnen Sozialdemokraten Vorhaltungen wegen ihres politischen Verhaltens mache. Die Sozialdemokratie sei bis an die Grenze des Möglichen gegangen, um das Verlassen der geordneten parlamentarischen Bahnen zu verhindern. Die Aufgabe der Sozialdemokratie sei es, dafür zu sorgen, dah am 14. September aus der Minderheit Brüning keine Mehrheit werde. Rücksichten auf die Aufrechterhaltung derKoalition inPreußen könnten die S o z i aldemokratie dabei nicht hindern. Die Sozialdemokratie wünsche die Aufrechterhaltung der preußischen Koalition. Nie« mand könne aber von ihr erwarten, dah sie um dieses Zweckes willen den Kampf im Reiche dämpfen und sich so mitschuldig an der Weiterführung eines Systems machen werde, das sie aus staatsrechtlichen und allgemeinpvlitischrn Gründen für verhängnisvoll halte. Konservativer Wahlsieg in Kanada. London, 29. Juli. (TA.) Die kanadischen Parlamentswahlen haben mit der Riederlage der Liberalen, die mit Ausnahme von drei Monaten im Jahre 1926 in den letzten neun Jahren ununterbrochen die Regierung gestellt hatten, geendet. Von den 245 Sitzen des Parla- Oie Philosophie -es Reisens. Don Rudolph Lothar. Jetzt ist die Zeit gekommen, wo die Menschen einander fragen: „Wohin reisen Sie?" And der Gefragte gibt bereitwillig Antwort, denn beide, der Reugierige und der Reisende, sind der naiven Meinung, dah tatsächlich eine jede Reise ein Ziel haben müßte. Ist aber wirklich das Ziel die Hauptsache? Richt nur Hauptsache, sondern auch Ende, Erfüllung des Reisetraumes und der Sehnsucht? Der Philosoph des Reisens verneint es. Ich habe eben ein ungewöhnlich schönes Buch äu Ende gelesen. Eines jener Zauberbücher, die man darum Zauberbücher nennen mochte, weil sie den Leser verzaubern, ihn auf bem Wundermantel des Dichters weit hinwegführen aus dem Alltag und der Enge. Das Buch heißt „Das Arwaldschiff" und sein Verfasser ist Richard A. Dermann, der Wiener Schriftsteller, der den barocken Einfall hatte, sich Arnold Höllriegel zu nennen. Dermann gibt sich gar nicht als Dichter. Ich traf ihn zuletzt in Hollywood, wo ich sein« journalistische Agilität bewunderte. Er war überall, wurde mit allen Leuten bekannt, sah alles, beobachtete alles, schrieb alles auf, erschöpfte eine Landschaft mit allen ihren Menschen, eine Stadt in allen Veduten, so wie etwa ein Raupenschwarm einen Wald abfriht. Es blieb nach chm nichts mehr übrig. Ich bin in meinem Leben schon vielen reisenden Journalisten begegnet. Ich bin es selbst oft mit Leidenschaft gewesen. Ich konnte also als Fachmann di« Arbeit des Kollegen beurteilen, und ich sah ihm mit Vergnügen zu, wie man einem Schachspieler zusieht, der das Spiel mit immer neuen Varianten und neuen Finessen spielt. Aber aus seinem Buche spricht in keiner Zeile der Journalist, in keiner Zeile der sogenannte Reiseschriftsteller sondern aus jedem Worte sprich! der Dichter' And dieser Dichter schildert die unbeschreibliche Herrlichkeit der Tropenwelt mit einer Kraft und einem Farbenreichtum, wie vielleicht noch keiner vor ihm, ich nehme die berühmtesten Tropenschllderer nicht aus. Derrnanns Buch erzählt die Entdeckungsreisen des spanischen Abenteurers Francisco de Orellana, der den Amazonenstrom entdeckt hat. Er wollte das märchenhafte Goldland Paytiti finden, und er fand es cwch — im Fiebertraum. Traum und Wirklichkeit gehen ineinander über wie in jedem Dichtwerk. Francisco de Orellana, der spanische Hidalgo, der Genosse Pizarros, reist seiner Sehnsucht nach. Er reist aus der Wirklichkeit in die Welt des Traumes. And nun möchte ich den hübschesten Einfall des Dichters schildern. Er hat um die abenteuerliche Fahrt des Spaniers eine lleine Rahmenhandlung gelegt. Ein englischer Dampfer, der Dergnügungsreisende befördert und ihnen eine Reise von tausend Meilen den Amc^onen- ström hinauf versprochen hat, muh die Stromfahrt in Para ausgeben, weil eine jener kleinen Revolutionen ausgebrochen ist, di« in Südamerika an der Tagesordnung sind. Anter den Passagieren des Schiffes ist auch ein pensionierter Realschuldirektor Dr. Schwarz aus Leitmerih. Der Traum dieses Mannes war die phantastische Reise ben Amazonenstrom hinauf und dieser Traum zerrinnt am Eingang des Paradieses. Er kommt darüber nicht hinweg, er stirbt am unerfüllten Traum und doch hat er das schönste der Reise bereits hinter sich: die Erwartung. Er hat sich so unglaublich auf das Ankommen gefreut, sagt ein Arzt an Bord. „Er wäre niemals angekommen", antwortet Hilary, der Weltbummler, hinter dem sich Bermann wohl selbst versteckt, „verstehen Sie denn nicht, daß er nicht ankommen kann. Kommen Sie ans Ziel, wenn Ihr Ziel die Fata Morgana ist? Glauben Sie mir, ich verstehe etwas vom Reisen: man kommt niemals an. Der Ort, an den man kommt, ist niemals der Ort, an den man zu kommen meinte.“ Das ist die tiefe Weisheit des Reisens: das Reisen, nicht das Ziel ist der Zweck der Reise. Jede Reise geht so wie die Reise des Francisco de Orellana, aus der Wirklichkeit in den Traum. Was man erreicht, ist stets etwas Anreelles, etwas Anfahbares, eine FataMorgana. Wer das nicht weiß und das nicht fühlt, für den ist jede Reise eine Enttäuschung, denn niemals ist ein Ziel so, wie man es sich vorgestellt hat. Wer nach Rom fährt, muh enttäuscht sein, wenn er am Ende feiner Reise nichts anderes findet und sieht, als die aus Steinen erbaute Stadt Rom mit ihren Straßen und Plätzen. Auch für den echten Reifenden ist das Ziel nicht das wirkliche Rom, sondern ein erträumtes Rom, ein Traum, der freilich auch Rom heißt und doch so unwirklich ist wie ein Spiegelbild in den Wolken. Alle Menschen, die stets in ihren Reisen auf Erben bleiben, sind keine wahren Reisenden und wenn sie auch die ganze Welt umsegeln und dicke Bücher über ihre Reisen schreiben. Nur die Traumreisenden, die Phantasten und Anwirklichen, mit einem Wort diejenigen, die auf Faustens Wunde rmantel reifen ober, um es noch prägnanter zu sagen, die Dichter wissen, was des Reisens Zweck und Ziel ist. And darum ist Dermanns Reisebuch das Buch eines Dichters und wenn man es zu Ende gelesen hat, liest man es noch einmal Denin nur ein Dichterwerk kann man wiederholt lesen, um darin immer wieder neue Schönheiten zu finden. „Wohin reifen Sie?" fragt der Nüchterne den Dichter. „Ich reife in meinen Traum." Der Nüchterne versteht ihn nicht, denn niemals haben di« Nüchternen den Träumer verstanden. Bananen. 23 on Frih Müller, parienkirchen. Bananen reifen in Amerika. Dort find sie billiger und schmecken gut. Was zu uns kommt, wurde unreif abgenommen, reifte künstlich, ist sehr teuer und schmeckt fad. Ich kenne keine Früchte, die charakterloser schmecken als Bananen. Keine, die sich ähnlich teigig — süßlich in die Zähne hängen. Keine, welche auf gesunde Mägen ähnlich widerwärtig wirkten, wie auf die gesunde feste Hand der weiche Händedruck des Schwächlings. Turmhoch über den Bananen steht der deutsche Apfel. Gäbe es in Deutschland keine Aepfel, hei, wie schätzte sie der Deutsche, und wie müßte die Banane verschwinden. Ins verarmte Deutschland werden mehr Bananen eingeführt als in jedes andere Land Europas — der Bananentrust kennt seine Deutschen. Oder ist es, weil wir selber mürbe und charakterlos — bananengleich geworben sinb? Das reiche Deutschland hat Im Jahre vor dem Kriege 45 Millionen Kilogramm Bananen eingeführt, das besiegte Deutschland tat's im letzten Jahre nicht unter zweieinhalbmal diesem Quantum. * Jeder Deutsche, Säuglinge mit eingerechnet, hat Im Jahre drei bis vier Bananenpfund zu essen und ans Ausland zu bezahlen — der Dananen- truft hat'S so befohlen. Der Bananentrust schlägt die Reklametrommel auf Plakaten und in Inseraten, RiesenckUtos läßt er durch die Straßen rollen und bemüht die deutschen Aerzte mit Gesundheitshhmnen. Resultat: Wir zahlen jährlich für Bananen fünfzig Millionen Mark ans gleiche Ausland, dem wir ohnehin versllavt sind durch dieBoung- tribute. Denn wir könnens uns ja leisten. Fünftausend deutsche schuldenfreie Heime Kirnten wir für dieses Geld in jedem Jahre aus der Erde wachsen lassen, wenn — Ja, wenn gedankenlose Mütter ihren Kindern nicht die fade Frucht ins süße Mündchen schieben müßten. Aber die Gesundheit der Banane? Nun, der deutsche Apfel ist gesünder. Aber hat nicht der berühmte Metschnikosf vor zwanzig Jahren ausposaunt, er esse nur Bananen, weil sie unter ihrer Schale völlig keimfrei seien? Nun, dem Herrn Professor hat ein anderer Wissenschaftler nachgewiesen: a) dah es in Bananen, wie in anderen Aepfeln wimmle von Mikroben, b) dah solches gut sei, weil der Mensch sie zur Verdauung bitter nötig habe. Wann steht der Professor auf, der seinem Volke c) beweist, daß die Bananenesserei nichts weiter ist als eine 6) uns aufgeschwätzte Mode, e) nicht eine Mode nur — ein Anfug, f) nicht nur ein Anfug — nein, auch ein Verbrechen. Hochschulnachrichten. Dr. Karl Lothar Wolf in Karlsruhe ist -um Abteilungsvorsteher für physikalische Chemie am Chemischen Institut der Aniversität Kiel und zugleich zum ordentlichen Professor ernannt worden. — Kurz vor Vollendung des 81. Lebensjahres verschied in Berlin der frühere langjährig« Direktor der inneren Abteilung am Krankenhause Friedrichshain Geh. Medizinalrat Professor Dr. Paul Für bring er. Der bekannte Internist war Verfasser einer langen Reihe von Arbeiten vorwiegend klinischer und experimenteller Natur, war Assistent am Pathologischen Institut in Jena und später an der Friedreichschen medizinischen Klinik in Heidelberg. Hier habilitiert« er sich für Arzneimittellehre und medizinische Chemie. 1879 übernahm er den Lehrstuhl für Haut- und Kinberkrank- heiten in Jena. 1886 erfolgte feine Berufung nach Berlin. ments haben die Konservativen bisher 127 er* rungen (früher 90), die Liberalen 79 (129), fünf kleinere Gruppen 16 (32), 23 Ergebnisse stehen nod) auS. Ministerpräsident Macken-ieKing wird in den nächsten Tagen - u r ü ck t r « t e n. Die neue 'Regierung wird durch den konservativen Führer ‘Bennett gebildet werden. Bennett, der Kanada auf der Reichskonferenz im Herbst vertreten wird, findet in London eine günstige Aufnahme, da er für eine Erhöhung der kana* dischen Zolltarife gegenüber den Bereinigten Staaten dntritt. Oer Fall Isolde Reiter. Eine amtliche Mitteilung der serbischen Regierung. Belgrad, 29. Juli. (XcL-Un.) Amtlich wird mitgeteilt: Anläßlich der tendenziösen Mitteilungen eines Teiles der ausländischen Presse über den Fall Isolde Reiter wird erklärt: Sofort nach Eintreffen der Beschuldigungen seitens der Frau Isolde Reiter (die bekanntlich von der serbischen Polizei schwer misthandelt und gefoltert wurde), wurde von dem Ministerpräsidenten Sivkowitsch eine strenge Untersuchung deS Falles an« geortmet, die nun abgeschlossen ist. Die schuldigen Polizeibeamten wurden strafweise aus dem Dien st entlassen und dadurch Isolde Reiter volle Genugtuung gegeben. Isolde Reiter ist angeklogt, anonyme Briefe an verschiedene Persönlichkeiten in Groh-Detschkerek geschickt zu haben, worin sie sich über das gegenwärtige Regime abfällig äuhert und für den Anschluß der Woywodina an Ungarn eintritt. Isolde Reiter wäre auch in jedem anderen geordneten Staatswesen verhaftet und unter Anklage gestellt worden. Sie wurde jedoch aus der Untersuchungshaft entlassen, damit sie sich auf freiem Fuße verantworten könne. Schließlich sei nod» bemerkt, daß die Polizei in Groß-Betschkerek nicht staatlich, sondern städtisch ist, das aber denrroch die betreffenden Beamten zur Derantwortuna gezogen wurden. Ueberdies steht es Isolde Reiter frei, gegen diese Beamten Anklage zu erheben. Die Reichsbahn schafft Arbeit Berlin, 29. Juli. (MTB.) Die Deutsche Reichsbahngesellschaft hat mit dem Reich ein Abkommen getroffen, wonach sie zur Belebung der Wirtschaft und zur Linderung der Arbeitslosigkeit neue Bestellungen und Arbeiten bis zur Höhe von 3 5 0 Millionen Mark über das aus der betrieblichen Finanzlage sich ergebende Ausmaß im Einklang mit den dafür zu beschaffenden Mitteln in Auftrag geben wird. Entsprechend den allgemeinen Bestrebungen der Regierung wird sie ihre Aufträge nur zu Preisen vergeben, die hinter ben zur Zeit bestehenden Preisen erheblich z u - rückb leiben. Zunächst sollen für Oberbau- material die jetzt laufenden Lieferungen, die zuletzt auf monatlich 20 000 Tonnen gesenkt worden waren, auf 50 000 Tonnen erhöht werden. Für Reubeschaffung von Oberbaumaterial sind 80 Mill. Mark vorgesehen. Für die Durchführung des Gleisumbaues, soweit sie 1930 noch nötig ist, werden 20 Millionen Mark für Bettungsswsfe und Lohn aufgewendet werden. Ferner sollen für 80 Millionen Mark Fahrzeugbestellungen für daS erste Halbjahr 1931 schon jetzt herausgegeben werden. Außerdem sollen für 10 Millionen Mark Drückenbau- t e n und Sicherungsanlagen im Werte von 2 Millionen Mark noch in diesem Jahre bestellt werden. Für Neubauten ist ein Aufwand von etwa 50 Millionen Mark vorgesehen. Zur Auffüllung der Läger und Förderung der Sonderarbeiten an den Fahrzeugen sollen 30 Millionen Mark verwendet werden. Insgesamt wird die Reichsbahn durch Aufträge in Höhe von etwa 272 Millionen Mark die Wirtschaft befruchten, wodurch schätzungsweise 180 000 Menschen während der letzten Monate des Jahres 1930 beschäftigt werden. Die Finanzierung eines weitergehenden Arbeitsprogramms hängt von der Marktlage ab. Auch wird abzuwarten sein, ob mittel- oder langfristige Kredite aufgenommen werden fönnen. Aus aller Welt. Letzter Rettungsoersuch für den Weifenschah. Dos Schicksal des Welfenschatzes, der am 1. August zunächst in Frankfurt a. M. zur Ausstellung gelangen soll, ist noch immer nicht entschieden. Nach wie vor ist die Gefahr groß, daß er i n s Ausland gebracht wird, da weder von privater Seite ein Kaufangebot oorliegt, noch der Staat die notwendigen Mittel für seinen Ankauf aufbringen kann. Don zahlreichen kunstinteressierten Stellen wird infolgedessen in der letzten Zeit der Gedanke ventiliert, die Rettung des Welsenschatzes für Deutschland durch eine Volksspende herbeizuführen. Dieser Gedanke müßte dann allerdings sehr schnell zur Verwirklichung gebracht werden, da die jetzigen Besitzer des Weifenschatzes, drei Frankfurter Kunsthändler, erklärt hoben, daß sie nur noch bis zum Beginn der Ausstellung über das Kunstwerk in seiner Gesamtheit verfügen können. Für später liegen schon eine Reihe ausländischer Angebote vor. In welcher Form sich die interessierten Kreise die Durchführung einer Welsenschatz-Spende denken, steht noch nicht fest. Drei neue Meister des Kölner Dundesschiehens. Am Dienstag wurden auf dem 19. Deutschen Bun- desschießen drei neue Bundesmeisterschasten aus- geschoßen, und zwar von Fritz Kurz (Markiedwitz in Oberfranken) mit 902 Punkten, Gustav Ploß (Selb, Bayern) mit 904 Punkten und Fritz Wild (München) mit 911 Punkten. Schätzungsweise haben am Dienstag 800 Schützen geschoßen. In feiner Gesamtausschuß.Sitzung faßte der Deutsche Schützen- dos 20. Deutsche Bundesschießen 1933 in Leipzig abzuhalten. Das 21. Bundes- schlcßen im Jahre 1936 wird wahrscheinlich in Berlin ftattfinben. Das ilrfell im Nindorfer »Aufruhrprozeß". 3m sogenannten . Aufruhrprozeß" gegen die Nindorfer Dauern wurde das Urteil gefällt. Don Den zwölf angeklagten Dauern, die beschuldigt waren, am 3. Juli d. I. zwei in Rindvrf (Dez. Stade. Hannover) zur Vollstreckung erschienene Dollziehungsbeamte durch Sperrung der Zufahrtstrahen nach dem Dorfe an der Ausübung ihres Amtes gehindert zu haben, wurden die beiden Haupb- angeklagten, der Bäcker Tiedemann und der Landwirt Kackmann, wegen Deamtennötigung zu j, 100 Mark Geldstrafe verurteil^ während die übrigen Angeklagten freigesprochen wurden. Der Staatsanwalt hatte für jeden der zwölf Angeklagten sechs Monate Gefängnis wegen Aufruhrs beantragt vier Todesfälle durch Pilzvergiftung. In Crimmitschau erkrankten nach dem Genuß von Pilzen, die der 76 Jahre alte Arbeiter Heinrich Hahn und der Jäger Paul Lungwitz ge- sammelt und auch an andere Personen abgegeben hotten, außer den Sammlern mehrere Personen unter schweren Berglftunaserscheinungen und mußten dem Krankenhaus zugesührt werden. Bald nach feiner Einlieferung starb Hahn, In der folgenden Rocht das Ehepaar Flcssa, das mit Hahn im gleichen Hause wohnt: am Montagoormittag erlag auch Lungwitz der Vergiftung. Ein Gastwirt und sein Dienstmädchen liegen noch schwer erkrankt danieder. Spinale Kinderlähmung im Hanauer Land. Die auS dem Elsaß e i n g e s ch l e p p te spinale Kinderlähmung hat zu mehrfachen Erkrankungen im Hanauer Land (Kehl und Umgebung) geführt. Besonders im Bezirk Lichte n a u ist eine Reihe von Erkrankungen aufgetreten, weshalb die jetzt zu Ende gegangenen Serien der Landschulen in einigen Orten des Bezirks bis auf weiteres verlängert wurden. In ©reffern ist ein Krankheitsfall tödlich verlaufen. Fünfzehn Personen ertrunken. Auf dem Eriesee (Pennsylvanien) ist in Höhe der Stadt Dunkirk ein Lastkahn gesunken. 15 Mann der Besatzung sind ertrunken: sechs konnten gerettet werden. Den Großen Veit In einer Holztonne überquert. Der Seemann Sörensen aus Rordschleswig, der bereits früher durch seine Fahrten in einer selbst angefertigten Holztonne Staunen erregt hat, hat jetzt den ©rohen Belt zwischen den dänischen Inseln Fünen und Seeland überquert Zum Antrieb der Tonne benutzte er einen selbst erfundenen schwachen Apparat, der die Tonne in Drehungen versetzt. Er startete Montagnachmittag auf Fünen und landete Dienstagmittag in der Rähe von Kalundborg. Die mächtige Strömung deS Belts hatte ihn weit nach Borden abgetrieben. Er war bei der Landung völlig durchnäßt und stark erschöpft. Lin Kirchenschänder vor dem Schnellrlchier. Dor dem Schnellrichter hatte sich in Berlin ein Anhänger der K P. D. zu verantworten, der die Umfassungsmauer der Paulskirche am Wedding mit kirchenfeindlichen Plakaten beklebt und her Festnahme durch die Polizei Widerstand entgegengesetzt hatte. Das Schnellgericht erkannte gegen ihn auf eine Gefängnisstrafe von drei Wochen wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt. Die Kathedrale als IHilitärgarage. Wie aus Moskau amtlich gemeldet wird, ist die Kathedrale in Stalingrad in eine große M i • litärgaragc umgewandelt worden, in der der Kraftwagenpark der Roten Armee und der OGPU untergebracht ist. Die Kathedrale gilt als eine der schönsten Kirchen an den Ufern der Wolga und war bei der Bevölkerung besonders beliebt. Die Wetterlage. .i m'rtiyen. 10$1 M 18 18 21 wen । o o 17 > (ywonttolos-O etitr- ®n«ro etaetet ® vorxig. • ocoecKi • R48 VMMMMMW 6/25 Brennabor 4-Sitzer, m. Allwetterverdeck, in gutem, fahrbereit. Zustande, günstig a. verk. 04713 Ludwigstrake 40. Is. RoOmann, Echzell (Wetter.),Fernspr.36 Amt Keichelshelm. Kaufgesuche | Gebrauchtes, gut erhaltenes Berren-Fahrrad zu kaufen gesucht. Schr. Ang. mtt Preis u. 04741 a.d. G.Anz. lane Ingenieur* Schul e I MischinenoeeElettr»- fecnnUHociu. D eitue, BÖS Tonmaustrlfc ioireeere ■■HL w»rimeieter-Abtelleeee»\ SWllL. J/« <-<*««« fcirtrp/Jne frei \ Zuverlässiges das gut kochen kann, sucht Stelle. Näh. d. 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Don der blauen Adria her erreicht man dir südslawische Grenze bei dem grottenreichen AdelS berg, um das ein wilder Ramens- trieg entbrannt ist: Posturnia sagen die Italiener, Postojua die Slowenen: der deutsche Rame und daS Deutsche überhaupt sind zwischen beider Mühlsteine geraten. Durch schönen Mitteleuropai- schen. um nicht zu sagen deutschen Wald, rollt der Zug nach Rakel, wo diese« Mal die Süd- slawen alles auf Haut und Rieren prüfen. Dald kommt dir krainische Landeshauptstadt Laibach, 1880 noch deutsch, heute unter der Bezeichnung .Ljubljana" einer der deutschfeind- lichsten politischen Unruhherde Europas, von dem die italienische Jugend laut verkündet, daß cS bald wieder ein .Lubiana" sein werde, das es zu Beginn unserer Zeitrechnung schon einmal gewesen sei. Hoch ragt die von Deutschen errichtete Burg aus dem Lchlohberg, friedlich und stimmungsvoll wie in Graz oder Salzburg, und dahinter grüßt, erhaben Über allen Völkcrstrcit die Felsengruppe der Steirer Alpen. Save- abwärtS fährt der Speisewagen, und während ich nach der französischen Speisekarte Wiener Schnitzel und Salzburger Rockerin bestelle, kommen wir zu den Verladerampen von T r i f a i l, dem ersten untersteicrischen Orte. Hier ist ein- der größten Kohlenbergwerke des ehemaligen Oesterreich: mit raschem Griff haben die neuen slowenischen Herren hier das Deutsche auSgetilgt und finden eS fehr unhöflich von den Italienern, das, diese von einer Rotwendigkeit sprechen, Adriaschissahrt und Trifailer Kohle wieder »einander zu nähern". Kurz hinter Trifail hält der Zug in Stein- b r ü ck an der Save oder Sau. Während daS Wiener Schnitzel sich als überaus wohlschmeckend herauSstellt, dem eine Flasche Llntcrsteirer aus der von Rudolf Hans Bartsch besungenen KolloS-Hügcllandschast bei Pettau erst die rechte Würze gibt, must ich an die Schuljungenfrage nach dem vierfach »Paradoxen" denken: »Paradox ist es, wenn ein Oberlehrer der Mathematik im untersteierischen Dreieck bei Steinbrück in einem Holzkahn ein Schaf über die Sau bringt". Der Lehrer, der uns den Vinn für solche Wortspiele schärfte, ruht jetzt schon 15 Iahre an eben dieser Save, ganz unten an ihrer Mündung. wo man bei Belgrad »eine Brucken" schlagen wollte. Lind hier in Steinbrück stehen heute — 12 Iahre nach dem Weltkrieg — auf den Rebengleisen 30 nagelneue achtachsige Lokomotiven aus Kassel und Berlin-Tegel auf — ,R e - parationskont o". Im tief eingeschnittenen Tal des raschen ©am- flüstchens, daS stellenweise an die Saarwindungen erinnert, grüßen die deutschsprachigen Kurorte Tüsser und Römerbad mit ihren warmen Quellen, die jetzt auch stärkeren reichS» deutschen Zuspruch finden. Aus steilem Felsen grüstt die Ruine Ober-Eilli mit dem Fried- richSturm, dem Wahrzeichen der Untersteiermark, von dein einst der Schwiegersohn eineS deutschen Kaisers seine ausgedehnten Länder beherrschte. Heute schenkt Frau Wirtin oben einen milden Wein und je mehr man sich ihm widmet, um so klarer werden einem die vielfältigen Geschichten von Liebe, Bölkerstreit und Tod. die sich seit Iahrhunderten um dieses Gemäuer ranken. Während der Mond sein Antlitz hinter Wolken birgt, schreiten wir nach untersteirischer Sitte mit einer großen Lampe gruppenweise zu Tal. Gin böses Erwachen gibt es am nächsten Morgen. In ein schnatterndes Dölklein von Schülerinnen fährt eine keifende Stimme, so daß die Kleinen jäh verstummen. Ohrfeigen seht es links und rechts. Die Kinder haben gewagt, während des Schulspazierganges deutsch zu sprechen! Wir werden erinnert, daß die bisher stets deutsch geleitete und steirisch fühlende -Urtterfteicr- mark jetzt ein Land ofjne deutsche Schulen ist, Wirble ins Leben! Vornan von Anna Fink. älrheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau, 6.-2L 8 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Reginald stand unbeweglich da und hörte ihren leichten Schritt verklingen. Unten an der Haustüre wurde geläutet Karl lief, um zu offnen. Es war der Arzt, der kam, um sich nach dem Befinden von Bernhard Much zu erkundigen. Karl führte ihn in das Krankenzimmer. Schwester Irene erhob sich, als der Doktor eintrat, und ging ihm geräuschlos entgegen. »Was macht unser Patient?" erkundigte sich der alte Herr liebenswürdig und schüttelte der Schwester die Hand. 'Doch ehe sie noch berichten konnte, erklang vom Bett her Muchs Stimme, schon frischer als am Morgen: Oh. lieber Doktor, schon viel besser: Kommen Sie her, schen Sie sich, und bitte, Schwester, holen Sie ein Glas Burgunder für meinen lieben Doktor", wandte sich der Kranke an die Pflegerin. Cie fah ihn mit leichtverschleierten Augen an und sagte höflich: »Gewiß, gern" und glitt mit ihren kahenhaften Schritten aus dem Zimmer. »Sind die Schmerzen noch arg?“ fragte der Arzt. »Danke, Doktorchen. eS ist schon ganz erträglich". lautete die Antwort. -Die sind Sie mit der Schwester zufrieden?“ erkundigte sich der Arzt. - Ausgezeichnet", erwiderte Much. »Sie ist vorsichtig und gewandt, dabei hat sie die Gabe, so vollkommen zu verschwinden, als sei sie überhaupt nicht vorhanden. Ich bin Ihnen sehr dankbar. daß Sie mir diese besorgt haben." Der Arzt nickte zufrieden und begann mit Der cdmxfter Hilfe den Verband zu wechseln. »Sie können von Glück sagen, Herr Much, daß der Schuh nicht weiter nach unten gegangen ist. Dann war s aus gewesen. Wenn Sie hübsch vernünftig sind und sich gut pflegen lassen, dann, denke ich, werden wir die Sache bald haben." Als alles erledigt war, fragte der Arzt nach Barbara. »Ich hätte gern auch mal nach ihr gesehen. Sie ist ein zartes Geschöpf, und die Ereignisse werden fte angegriffen haben." daß dort vom vierten Lebensjahr ab durch fremde Kindergärten, fremden Schulzwang, fremde Fortbildungsschulen, fremden Sokol- und fremden Militärdrill dem deutschen Rachwuchs seine deutsche Seele geraubt wird. Am Eillier Bahnhof, am Anfang der Bismarckstrahe, die heute einen zischlautreichen Ramen trägt, steht das Deutsche Haus, weggenommen seinen rechtmäßigen Besitzern, überantwortet einem SlowenisierungSver- ein, bestätigt durch ein »Urteil“ deS königlichen Obergerichts in Laibach mit der .Begründung", auf slowenischer Erde deutsche Geselligkeit zu pflegen, verstoße gegen die guten Sitten... So hat man auch die deutschen Schulen toeggenommen, die deutschen Schülerheime, Büchereien, Turnhallen, Theater. Berghütten. Alle deutschen Inschriften sind übertüncht. Selbst in den Wohnungen wird nach deutschen Aufschriften »gefahndet". Und über all dieses Leid wölbt sich der strahlend blaue untersteirische Himmel, ragt der unzugänglich steile Wotschberg, auf den Wolfram von Eschenbach in seinem .Parsifal" die Gralsburg verlegt. Den Schienenweg kreuzt eine Starkstromleitung Sie kommt vom Draukraftwerk F a a l, das im Kriege für die Versorgung der steirischen Landeshauptstadt Graz erbaut wurde. Kaum war eS fertig, so wurde in St. Germain zwischen Faal und ®ra* die neue Staatsgrenze gelegt Graz mußte sich nach anderem Strom umsehen, und die Südslawen wußten nichts Besseres, als die Kraft der Drau in schier endloser Leitung nach dem Tal der Save zu lenken, die selbst eine treffliche Kraftquelle sein könnte. Auf der Drau selbst erleben wir bei der Stadt Marburg eine kleine Sensation. Zum ersten Male wagt es jemand — bezeichnenderweise ein unter- Ueber Bernhards Gesicht ging ein Schatten. »Barbara habe ich lange nicht gesehen. Zum Essen hat sie sich nicht blicken lassen. Sie ließ sich wegen Müdigkeit entschuldigen, nicht wahr, Schwester?" wandte er sich an Irene. »Jawohl, Herr Much", antwortete sie. und ein spöttisches Lächeln schien dabei ihren Mund zu umspielen. 2ll>er keiner der beiden Männer bemerkte eS. »Run gut, ich werde nach ihr sehen, wenn Sie einverstanden sind", sagte der Arzt und schritt zur Tür. Er ging die Treppe hinaus und klopfte an Barbaras Schlafzimmer an. Keine Antwort. Er klopfte an die Wohnzimmertür. Auch da rührte sich nichts. Die Zofe kam vom Korridor her und berichtete auf fein Befragen: j,Die gnädige Frau ist fort- gefähren: sie habe etwas in der Stadt zu besorgen und danach noch einen Besuch erledigen wollen." »Ist sie wieder allein gefahren?" fragte der Doktor. »Iawohl", entgegnete das Mädchen. »Gnädige Frau hat ausdrücklich befohlen, daß der Chauffeur zu Haufe bleiben soll." Kopfschüttelnd ging der alte Herr wieder hinunter zu Bernhard Much. »Ihre Frau ist fortgegangen, sagte mir die Zofe", berichtete er etwas zögernd. »Allein oder nicht?" fragte Much so hastig, daß ihn der Arzt überrascht und prüfend ansah. »Sie ist ganz allein fort“, war die Antwort. Bernhard Much holte tief Atem. »Run, es wird wieder einmal eine Extravaganz von ihr fein.“ Dem Doktor gefiel etwas nicht. Er glaubte au bemerken, daß da nicht alles ganz in Ordnung fei. »Hören Eie, Herr Much: Ich werde mich auf jeden Fall etwas um Frau Barbaras Gesundheit kümmern. Diese Extravaganzen haben schon beinahe etwas von einer Krankheit an sich. Das geht zu weit." »Meinen Sie, Doktorchen?“ fragte der Kranke unruhig, »ach ja, nehmen Sie das doch mal in die Hand. Es wird mit Barbaras Launen und unüberlegten Handlungen immer schlimmer. Ich werde schon gar nicht mehr damit fertig.“ »Run, lieber Much, Sie dürfen sich das nicht so zu Herzen nehmen. Dor allem keine Aufregung. Ich denke, ein Luftwechsel, eine kleine Kur wäre ganz gut und würde Frau Barbara wieder erholen Das gibt sich schon alles wieder.“ Much drückte ihm die Hand. »Manchmal quält es mich, Doktor, ob eS auch recht war, daß ich Oie Auswirkungen des veränderten Lotteriespielplans. AIS bekannt wurde, daß in Zukunst daS Achtel- loS der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie bei jeder Ziehung statt 3 Mark 5 Mark kosten werde, liefen von allen Seiten Beschwerden ein, denn gerade bte minderbemittelten Kreise spielen ßottene, und für sie ist ein Mehr von 2 Mark eine ganze Menge. Besonders wenn man bedenkt, daß man fünf Klassen durchspielen muß, um seine Chancen voll auszunutzen, und in fünf Klassen kostet ein Achtel jetzt nicht mehr 15, sondern 25 Mark. DaS ist an sich eine ganz bedeutende Erhöhung: doch wenn man sich die Verbesserungen ansieht, die vorgenommen wurden und die alle vestloS den Spielenden zugute kommen, so wird man der Lieberzeugung sein, daß die neue Methode doch besser ist als die alte. Wie sieht nun die neue Klassenlotterie aus? In. den vier Dorklassen gab es bisher 20 Gewinne zu je 1000 Mark, von jetzt ab werden es nicht mehr 20, sondern 100 Gewinne zu 1000 Mark sein. Doch den besten Beweis für die Verbesserungen gibt ein Lieberblick über die fünfte, die entscheidende Klasse, in der die großen Gewinne und die Prämie gezogen toerben. Es gibt statt 2 Gewinnen zu 100 000 Mk. jetzt deren 4 4 „ ,, 75 000 t« h »• 6 6 „ „ 50 000 „ „ „ 12 14 „ „ 25 000 „ „ 30 90 „ „ 10 000 „ „ „ 200 170 „ „ 5 000 „ „ „ 500 450 „ „ 3 000 ..... 1000 800 „ „ 2 000 „ „ „ 3 000 2100 „ „ 1000 „ „ „ 6 000 4 600 „ „ 500 „ „ „ 10 000 12 000 ,, „ 300 „ „ „ 30 000 Die Einsahgewinne sind von 238 158 auf 217 242 verringert worden, weil sich mit Recht viele Leute beschwert haben, daß man so oft mit dem Einsatz herauskomme, statt endlich ein paar notwendige Mark zu gewinnen. Die Prämie von 500 000 Mark sowie die Hauptgewinne von 500 000 Mark, 300 000 Mark und 200 000 Mark sind geblieben. Rur die Zahl Der Lose ist um 17 600 vermehrt worden Bisher gdb es 800 003 Lose, woraus 33 403 entfielen Die Zahl der Lose ist die gleiche geblieben, doch werden jetzt 348 000 Gewinne au-geschüttet. DaS war aber nur möglich, wenn wie eS ja auch geschah, daS Epieikapital von 63 Millionen auf 114 Millionen erhöht wurde, wenn also die Lospreise teurer wurden. Sin ganzes LoS kostet 200 Mark, daS heißt also in jeder Klasse 40 Mark. Mit anderen Lotterien verglichen, ist daS nicht viel. Die Sächsische Klassenlotterie hat bi-her 200 Mark gefordert und erhöht den LoSpreiS auf 250 Mark, die Hamburger Lotterie, deren Ganz- loS bisher 168 Mark rottete, geht ebenfalls auf 205 Mark hinauf. Sämtliche wichtigen ausländischen Lotterien sind teurer als die deutschen und geben dem Spielenden nicht die Chancen, die er bei unS hat. Bisher entfielen auf je zwei bis drei Lose ein Gewinn Rach der Reuregelung wird fast jedeS zweite Los einen Gewinn ziehen! LlebrigenS muß Darauf hingewiesen werden, daß bereits vor dem Kriege d e Preußisch-Süddeutsche Klassenlotterie schon einmal 200 Mark für daS ganze LoS gefordert hat, und damals waren 5 Mark für ein Achtel ein ganz bedeutender Betrag. Die Lotterieeinnehmer find sich darüber im Klaren, daß eine ganze Reihe von Leuten die bisher gespielt haben, infolge der Erhöhung der Lospreise abspringen werden. Aber sie sagen sich, daß die meisten von ihnen nach einiger Zeit wiederkommen und daß neue Kreise bestimmt für die Lotterie gewonnen werden, weil jeder bei der Reuregelung ganz andere Aussichten hat zu gewinnen, und zwar wird gerade ber ilm- stand, daß die mittleren Gewinne von 3000 biS 10 000 Mark an Zahl zugenommen haben, der Lotterie neue Kunden zuführen flieger seine Kreise zieht. Ein Schlagbaum. Grenze. Deutsch sprechen de Beamte. Vor uns össnet sich — ein Paradies deS Friedens — Deutschöskerreich. Oer Ieppelinschreck. Don einem sich zur Zeit in Dijon aushaltenden Gießener Studenten wird unS geschriebene Al« nach der Rordlandsahrt bet »Gras Zeppelin" daS letztemal Frankreich überflog, gerieten die Einwohner von Chenove, einem größeren Dorfe in der Räbe von Dijon, in Helle Aufregung. Sie veröffentlichten am nächsten Tage folgende«: »Während man noch unter dem Eindruck Der jüngst vergangenen und traurigen Räumung deS RheinlandeS kribbelige Rerven hat, hat der ununterbrochene Marsch deS .Boche" unS ein unbestimmtes Unbehagen verursacht. Wir haben gehört, wie ein Greis diesen AuSruf hervorstieß: „Oh mon pauvre pays bien aim£!“ »Oh mein arrneS geliebte« Dater- land!“ Wogegen eine sonst tapfere und heldenmütige Frau heiße Tränen weinte in der Erinnerung an ihren im Kriege gefallenen Sohn. Daß man den Deutschen erlaubt, unser Land zu überfliegen, geht noch an, könnten sie eS aber nicht mit mehr Zurückhaltung und Stillfchweigen tun?“ Dazu muß man aber wissen, daß der Gras Zeppelin nur mit zwei oder Drei Motoren flog und daher so wenig außergewöhnlichen Lärm verursachte, daß Die meisten Menschen den unerwarteten Gast gar nicht gesehen haben, in der Meinung, eS sei vielleicht eines der tagtäglichen Fliegergeschwader. Auch daß man hier im allgemeinen der Ansicht ist, der »Gras Zeppelin" sei ganz auS Metall und so gut wie unverletzlich und daß man sich nicht eine- besseren be ehren lassen will, zeigt deutlich ihre Einstellung Deutschland gegenüber. Mieterhöhung in Darmstadt. WSR. Darmstadt. 29. Iuli. DaS Desamtministerium hat die gesetzliche Miete in der Stadt Darmstadt mit Rückwirkung ab 1. Ahril aus 124 b. H. der FrtedenSmtete festgesetzt. steirischer Deutscher — den wilden Strom mit einem Motorboot zu befahren. Auf dem benachbarten Hauptplatz läuft ein nicht minder seltenes Schauspiel ab, hören wir doch — wir trauen kaum unseren Ohren — vielstimmigen deutschen Chorgesang im Wechsel mit deutschen Ansprachen. Es reden Slowenen, die so einen durchreisenden Züricher Gesangverein begrüßen. Ein Lichtblick in duldsamere Zukunst? Wer könnte eS zu hoffen wagen unter dem RathauSerker, auf dem am 27. Ianuar 1919 der Vorsitzende des interalliierten Grenzsestsehungs- auSschusseS und spätere Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, C o o 1 i d g e, ftanb, während in die friedlich ihr Deutschtum bekennenden Marburger Männer. Frauen und Kinder slowenische Banden hineinschossen, ein Blutbad, daS heute noch, trotz Kenntnis der Täter, ungesühnt ist. Wie heute die »Freiheit" aussieht, zeigt die erzwungene Hebung vieler, gerade auch deutscher Gastwirte, bei jeder Rechnung laut Quittungsaufdruck vorweg eine .freiwillige" Spende für den südslawischen Sokol »einzuheben". Der Weg von Marburg nordwärts führt an einem Kirchhof vorbei, dessen Grabhügel man eingeebnet, Die Steine zerschlagen. Die Bäumchen umgebrochen hat, weil es — »bloß deutsche Gräber" waren. Lind der letzte Bahnhof auf südslawhch gewordenem Boden steht neben dem Anwesen des Arztes Morocutti, Der von Amts wegen brotlos gemacht würbe, weil er es gewagt hatte, ein Buch über deutsch-südslaSische Verständigung zu schreiben und dabei die heutigen Zustände im untersteirischen Dreieck zu streifen. Hart an Der Grenze stürmen ein paar mazedonische Kompanien durch Die Weingärten, während hoch oben ein südslawischer MilitärOer Kommunistenputsch bei Opel vor Gericht. WEN. Darmstadt. 29. Juli. Am 25. August wird vor Dem Bezirksschöffengericht Darmstadt Der Prozeß wegen Des Kommu- nistenputsches in Den Opelwerken beginnen. Es ist eine Woche für Den Prozeß vorgesehen; 11 Angeklagte und 70 Zeugen werDen auftreten. Um Störungen zu verhinDern, wirD ein starkes Polizeiaufgebot für DrDnung sorgen. Für Die Zuhörer werDen Karten ausgegeben. Heimatforscher Hermann Oiehl f. WSR. Groß-Gerau, 29. Iuli. Der Heimatforscher und Ehrenbürger derStadt Groß-Gerau Wilhelm Hermann Diehl ist heute nacht an den Folgen einer Krankheit, Die er sich in Den letzten Tagen zugezogen hatte, geworben. Die Stadt Groß-Gerau verliert mit ihm den bedeutendsten Bürger und den verdienstvollen Heimatforscher, der sein ganze- Leben der Arbeit für Die Geltung des Gerauer Lande- gewidmet hat. Gr war Der Gründer de- Heimatmuseum- und der Verfasser der Heimatchronik. Taten für Donnerstag, 31. Juli. Sonnenaufgang 4.21 Llhr: Sonnenuntergang 19.50 Llhr. — Mondaufgang 11.47 Llhr: Monduntergang 22.16 Llhr. 1843: Der Schriftsteller Peter Rosegger in Alpl bei Krieglach geboren: — 1914: Der französische Politiker Iean Iaurö- in Paris ermorDeL Barbara heiratete, wo ich Doch wußte, daß sie ■ nur die Ehe einging, um den Eltern das Leben zu erleichtern." »Hören Eie mal, mein lieber Much: Run machen Eie aber gefälligst einen Punkt", polterte Der alte Herr los. »Sie haben Ihre Frau lieb, Barbara hat alles, was sie will, keine Sorgen, Wohlleben in Hülle und Fülle, ja. du Hebe Zeit, was fehlt denn noch? Welche Frau hat es so gut wie sie? Ree, nee, lassen Sie sich doch von dem modernen Gedudel nicht anstecken. Ich kenne sie schon, die kleinen Frauen mit ihrem modernen Fimmel!" »Meinen Sie?" fragte Much schon halb beruhigt. »Allerdings — das meine ich Ach, lieber Freund, ich bin ein alter Praktikus, das können Eie mir glauben. Zeigen Sie mir die Frau, die sich nicht mehr oder weniger unverstanden und leidend vorkommt. Lassen Sie mal einer Frau ihre absolute Selbständigkeit — Sie erleben ihr himmelblaue- Wunder. Es überlegt sich eine jede sehr wohl, ob sie den sicheren Herd aufgeben soll, wenn sie vor die Rotwendigkeit einer Entscheidung gestellt wird. Lind jetzt: Ruhe. Ruhe, mein Bester. Schlafen Sie ein wenig, essen Sie etwas Gutes. — Schwester Irene", wandte er sich an die Eintretende, »sorgen Sie gut für Herrn Much, ich empfehle ihn Ihrer Sorgfalt ganz besonders an." Schwester Irene war an daS Fußende des Bettes getreten. .Herr Doktor können versichert sein, daß ich mein Bestes tun werde", erwiderte sie mit ihrer tiefen, leise vibrierenden Altstimme. »Auf Wiedersehen denn." Der Arzt schüttelte Muchs Hand, nickte Der Schwester väterlich zu und verließ das Zimmer; Much schloß ermüdet die Augen, daS Sprechen strengte ihn doch noch recht an. Schwester Irene sah in eine Handarbeit vertieft am Fenster. Ein verstohlener Blick glitt hin und wieder zu Dem Kranken hinüber. Als fte bemerkte, daß er eingeschlasen war, ging sie behutsam aus dem Zimmer. Sie trat auf die Deraicha und schaute in den Garten. Die Dämmerung begann. Auf einmal kam es ihr so vor, als ginge jemand den Gartenweg entlang. Scheinbar unabsichtlich und in tiefe Gedanken versunken, wanderte sie gleichfalls denselben Weg hinunter. Sie hatte richtig geahnt: es war Reginald Eontius, Der Da langsam auf und ab schritt. Eie ging so leise hinter ihm her, daß er sie gar nicht bemerkte, und blieb bann, scheinbar in die Betrachtung eines Strauche« vertieft, so dicht hinter ihm stehen, daß er, al« er sich umwandte. mit ihr zusammenprallte. Reginald fuhr aus seinem Sinnen empor, unangenehm berührt, in seiner Versunkenheit so plötzlich gestört zu werden. »Verzeihung, Schwester, ich hatte Sie wirklich nicht bemerkt , entschuldigte er sich kühl. »Ich gleichfalls nicht, Herr ContiuS", gab fie zurück. Sie war ftehengeblieben und sah iyn von unten heraus mit einem leicht spöttischen Lächeln an. Reginald bemerkte e« und ärgerte sich. Ihm war die Schwester unsympathisch, ihre lautlose Art irritierte ihn. .Wie geht es Herrn Much?" fragte er kurz. »Danke, viel besser", erwiderte sie. »Ich hätte ihn gern gesprochen. Vielleicht fragen Sie ihn bitte, ob es ihm jetzt recht ist", sagte Reginald, und seine Worte klangen fast wie ein Befehl. »Gedulden Sie sich doch noch ein wenig: er schläft augenblicklich. Er soll viel Ruhe haben, sagt der Arzt. Ich denke, in einer Stunde wird er wieder wach sein. Hat's nicht noch so lange Zeit?" fragte sie und lächelte zu Reginald hinauf. »Aber natürlich", versetzte dieser. »Lassen Sie uns noch einen kleinen Gang durch den Garten machen", bat die Schwester mit ihrer weichen Stimme, »ich habe Angst, allein durch den dämmrigen Garten zu gehen. Lind ich bin noch nicht an die Luft gekommen.“ Reginald war durchaus nicht in Der Verfassung, mit einem fremden Menschen über gleichgültige Dinge zu sprechen. Aber er war zu höflich, um einer Frau eine direkte Ditte rund abzu« fd)lagen. Außerdem konnte er Much im Augenblick doch nicht sprechen. So machte er nur eine kurze Verbeugung, unb beibe gingen nebeneinander durch den ©arten. Reginald schwieg beharrlich. Aber bald fragte die Schwester: »Sie find offenbar von Ihren Gedanken sehr in Anspruch genommen. Herr Contius?“ »O ja", versetzte er abweisend, »es gibt genug in diesem Hause, worüber man nach denken rann.8 »Sie sollten nicht so viel denken. Sie sehen schon ganz angegriffen aus. Man muß das Leben nehmen, wie es sich einem bietet“ . „■ " ' (Fortsetzung folgt) - Zettfragen des Mittelstandes. Oie Bausparkasse als soziale Notwendigkeit. Don Or. jur. Krüger, Stuttgart. Die sich stark wandelnden wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnisse wandeln auch zusehends die rechtlichen Formen des Wohnungsbaues. Dis zum Weltkrieg war es in Deutschland und den angrenzenden Ländern selbstverständlich, daß der kleinere, oder auch größere Kapitalist als Eigentümer oder als Hypotheken- und Grundschuldinhaber sein Geld auf Grundstücken anlegte. Auf dieser Grundlage sind fast alle Stadtgemeinden entstanden. 3n beiderlei Rechtsgestalt, als Eigentümer und als Hypotheken» bzw. Grundschuldinhaber, bezog der Privatmann, in wenigen Fällen eine Privatgesellschaft, die Kapitalrente aus dem Mietzins, oder aus dem Hypotheken- bzw. Grundschuld^ins. Die öffentliche Hand — Reich, Staat, Gemeinde usw. — war so gut wir gar nicht beteiligt. Diese Rente als Kapitalertrag bestimmte in rein finanzieller Hinsicht, das aufgezeigte Rechtsverhältnis bestimmte in rechtlicher Hinsicht das Verhältnis des Rentners und Eigentümers zu den Mietern. Deide Beziehungen waren durch den Mietsvertrag der Veteiligten geregelt, dessen mehr oder minder starke Bindung rechtlicher Art sich nach dem sogenannten „Wohnungsmarkt", d. h. nach Rachfrage und Angebot der verfügbaren Wohnungen richtete. Waren weniger verfügbare Wohnungen da, überwogen die Anforderungen des Eigentümers, anderenfalls die des Mieters die mietsvertraglichen Bindungen. Das Wohnen zur Miete wurde auf diesem Wege abhängig von der Persönlichkeit des Eigentümers und der rein wirtschaftlichen Lage des „Wohnungsmarktes". Diese Abhängigkeit wurde im Laufe der weiteren Entwicklung als unerträglich nur von wenigen empfunden. 3m allgemeinen fanden sich die Menschen aus der Macht der Gewohnheit mit diesen Verhältnissen ab. Rur wer sich finanziell heraufwirtschaftete, suchte für sich den Weg heraus durch Bau eines eigenen Hauses. Da aber zeigte sich das Merkwürdige, dah nur wenige in der eigenen „Villa" sich zufrieden fühlten. Aus hauswirtschaftlich-finanzieller Unkenntnis ■ kam das Haus schon bei der Herstellung oder im Verwaltungsbetrieb zu teuer, weil das Grundstück zu groß, oder der Bau zu großartig „herrschaftlich" war. Oder es wurde auf die Dauer im Betrieb zu teuer, weil die Räume, wirtschaftlich gesprochen, zu wenig aus» genüht wurden. Diese ganze Entwicklung wurde durch die Kriegszeit und Rachkriegszeit jäh durchbrochen. Und heute wird man bereits feststellen müssen, daß eine irgendwie geartete Rückkehr in die eben charakterisierten Rechts» und Wirtschafts» Verhältnisse ausgeschlossen ist. Aus der objektiven Wohnungsnot heraus, dann aber auch aus sozialpolitischen und sozial-finanziellen Gründen haben die Gemeinden, von Staat und Reich unterstützt, den Ginzelkapitalisten abgelöst und durch ihre eigenen Organe auf Grund der Kapitalbildung in der öffentlichen Hand den Wohnhausbau in größerem Maße ausgenommen. Damit ist an die Stelle des Privateigentümers die juristische Person, meist die Staotgemeinde, getreten. Der Eigentums- gedanke mit allen oben besprochenen Auswirkungen ist hinübergewandelt in die Verwal- -tungs frage. Denn im Vordergrund dieses ^.öffentlichen" Bauens steht die Frage der Ver- "waltungsorgäne. Von ihnen wird wie selbstverständlich gefordert, daß das Rechtsverhältnis zwischen Mieter und Eigentümer, d. h. der öffentlichen juristischen Person, „sozial" gestaltet wurde, indem vor allem der Mietzins möglichst niedrig fei. Diese Rechtsform, äußerlich wenig, innerlich stark gewandelt, birgt zwei Gefahren in sich, die nun auch in verschiedener Art auftreten. Einmal ist das Verhältnis der Mieter zu den Verwaltungsorganen infolge des nur zu oft herrschenden Mechanismus und Schematismus ein gan^ unpersönliches. Lind die öffentliche Hand selbst ist in Gefahr, die sozialen 3nteressen der Mieter mit denen ihrer eigenen Angehörigen, d. L der Steuerzahler, in Konflikt zu bringen. Als Folge tritt dann ein, daß statt der HauL- rente ein Haus zu schuh aus den öffentlichen Mitteln herauskonnnt. Aus beiden Erfahrungen heraus beginnen manche Gemeinden zu erwägen, diese Art öffentlichen Bauens einzuschränken, oder gar einzustellen. Dazu kommt noch, dah die allgemein schärfer werdende wirtschaftlich-finanzielle Krisis die Finanzmittel der öffentlichen Hand zunehmend für solches Bauen einschränkt, weshalb die erwähnte Einschränkung bis zur Einstellung nur noch eine Frage der Zeit sein wird. Als weitere Form rechtlicher und wirtschaftlicher Art des Wohnhausbaues hat sich die der Wohnhausbaugenossenschaften gebildet. Hier vereinen die Mitglieder in relativ gesunder sozialer Weise in sich den Zusammenhang und Zusammenklang von Genossen, in ganzen Unternehmen und Mieter in bezug auf die eigene Wohnung, ja bei gesunder Organisation sogar Anteilnahme an der Selbstverwaltung des Haus- betriebes. Diese Genossenschaften sind in der Regel angewiesen auf die finanzielle Unterstützung der öffentlichen Hand, Stadtgemeinde und (oder) Staat, die als Hypotheken- oder Grundschuldinhaber .fungieren. Auch hier zeigt die weitere Entwicklung aus verschiedenen Gründen zunehmende Schwierigkeit, ob die öffentliche Hand die letztgenannte Funktion ausbauen oder aufrechterhalten kann bzw. will. Denn mit der Vergröberung solcher Genossenschaften entsteht die Gefahr des Zusammenprallens der Unternehmerinteressen, die mit Hilfe des Genossenschaft^ kapttals im eigenen privatwirtschaftlichen 3nter- efse immer fort bauen wollen, und der Mietergenossenschaft, die sich nicht mit dem Risiko weiterer Dausinanzierungen belasten wollen. Dabei kommt es ganz auf die „genossenschaftliche" Gesinnung der Beteiligten an. Die Rechtsform der Genossenschaft an sich schlicht nicht aus dah private Machtinteressen einzelner, z. B. der Dau- Unternehmer, wenn sie als Genossen aktiv beteiligt sind, oder einzelner Genossen, die Der» waltungsposten erstreben, im Kleide der „Genossenschaft" sich höchst unsozial betätigen. Rur wenn es gelingt, die 3nteressen der Dauhand- werker in gesunder Weise mit denen als Genossen, die Wohnungen benötigen, zu vereinen, wenn allerseits in diesem Sinne „genossenschaftliche Gesinnung" herrscht, wird diese Rechtsform der Genossenschaft, über die noch viel zu sagen wäre, sich durchsetzen. Stets aber wird sie sich auf Kleinwohnungen beschränken. Fast gleichzeitig mit diesen Rechtsformen hat sich ganz aus den wirklichen Lebensnotwendigkeiten, man möchte sagen, mit elementarer Ursprünglichkeit, die „D a u s p ar k a s s e n g e me in» schaft für das Eigenheim" gebildet. Sie ist die lebendigste Rechtsform, die alle Möglichkeiten des Bauens in sich schlicht, die sich allen wirtschaftlich-finanziellen Verhältnissen anpaffen, ja darüber hinaus selbst diese von sich aus gestalten kann. Sie ist es deshalb, weil sie das Verhältnis von Individualität zur Gemeinschaft und umgekehrt wechselartig derart zu gestalten vermag, dah die beiderseitigen 3nteressen nicht nur wechselseitig gewürdigt und gewahrt, sondern befruchtet, bekräftigt werden, so dah die Gemeinschaft durch die 3ndividualität und diese wieder durch die Gemeinschaft gefördert wird. Und damit wird ja der Kernpunkt der sozialen Frage berührt. 3n der Bausparkasse wird angestrebt, daß alle für einen und einer für alle mitsparen, um Kapitalbildung in der Art zu ermöglichen, daß sie wirklich jedem der ©e- meinschafter, seinem eigenen Sparwillen und Sparkräften gemäß, anteilig zugute kommt. Sie ist eine Rechtsform, in der Kapitalbildung so erfolgt, dah sie die 3nteressen des einzelnen durch die Gemeinschaft in gesunder Weise finanziell fördert und im übrigen ihm, dem Einzelnen, völlig freie 3nitiative wahrt. Cs bestehen bei den einzelnen Bausparkassen die verschiedenartigsten Tarife, und die Gelehrten sind sich heute noch nicht darüber einig, welcher dieser Tarife der „alleinseligmachende" ist. Es wird auch hier so herauskommen, dah man durch die Kombination, aller Tarife den richtigen Mittelweg finden wird. Die Bausparkasse ist die freieste und gerechteste Form des Bauens. Sie bringt den Menschen mit seinem Wohnrecht in keinerlei Abhängigkeit. Sie kann in die sozialen Schwierigkeiten nicht verfallen, die für das Bauen der öffentlichen Hand, ja selbst für die Baugenossenschaft da, wo sie deren Charakter nicht zu wahren verstehen, möglich sind. Schließlich wirkt das indv- viduelle Sparen für ein Eigenheim in entscheidendem Sinne als eine soziale Rotwendigkeit, als diese Dausparkapitalien bestimmt und ausschließlich dem werbenden und Werte schaffenden Zweck zukommen, für den sie gegeben sind. Dies ist besonders wichtig in einer Zeit finanziell-wirtschaftlicher Unsicherheit, die die so stark im deutschen Volke auf diesem Gebiet immer noch wirksamen Sparkräfte immer wieder beeinträchtigen. Die Dausparkasse wird in diesem Sinne nicht eine vorübergehende Rechtsform und Organisation bleiben, aus der Zeit der Wohnungsnot geboren; sie wird — in der gekennzeichneten Richtung entwickelt — ein Grundstein für gesundes Dänen stets bleiben. Damit ist sie eine soziale CZlofr Wendigkeit für die Gesundung von Land und Volk, für die Erstarkung des Vaterlands. Das Handwerk in Zeitalter der Maschine. Don Frie» rich Oerlien, Hannover, Vorsitzendem des Reichsverbandes des deutschen Handwerks. Das Handwerk ist unstreitig der typische Ver- feinen internationalen Znsammenschluh plant, beweist nicht nur, dah es im Zeitalter der fort» schrei tun den Technik und der zunehmenden 3n» dustrialisierung noch ein Handwerk gibt, sondern zeigt zugleich, daß es auch noch unbeugsame Kraft besitzt, sich wie die übrigen Berufsstände auf internationaler Grundlage zur Geltung zu bringen. Das LHandwerk ist der typische Vertreter individualistischer Wirtschaftsführung. Seine Erhaltung und Behauptung gegenüber der vielfach zutage tretenden Ueberschätzung der kollektiven Mächte ist eine große und wichtige Aufgabe, die durch den internationalen Zusammenschluß eine sehr wesentliche Förderung erfahren kann. Das Handwerk als eine breite, gütererzeugende Schicht gewerblicher Menschen, hat trotz der vornehmlich um die Wende des 3ahrhun- derts vorherrschenden wissenschaftlichen ßeljr- meinung von seiner vollständigen Aussaugung durch die 3ndustrie vom Beginn des 20. 3ahr- Hunderts an eine ständige Aufwärtsentwicklung genommen. Allerdings ist auch das Handwerk von heute ein anderes als das der 80er und 90er 3ahre. Die wirtschaftliche Entwicklung hat auch im Handwerk einen großen Umwandlungs- Prozeß vollzogen, der zum Teil noch nicht ganz zum Abschluß gekommen ist. Heute bedienen sich auch die handwerklichen Betriebe mehr und mehr neuzeitlicher technischer und kaufmännischer Hilfsmittel. Das Zeitalter der Maschinen hat nicht den Untergang des Handwerks gebracht, vielmehr hat sich das Handwerk die Maschine zu seiner eigenen Erstarkung und Kräftigung in seinen Dienst gestellt, eine Anwendung, die durchaus nicht gleichbedeutend ist mit einer Mechanisierung des Arbeitsvorganges, sondern vielmehr lediglich der Erleichterung und Verbesserung der handwerklichen Tätigkeit dient. Rach der Betriebszählung vom 3uni 1925 zählt das deutsche Handwerk rund 200 000 Motorenbetriebe mit zwei Millionen PS. 50,8 v. H. der durch die Betriebszählung erfaßten Handwerksbetriebe (Betriebe bis zu fünf beschäftigten Personen) im Fleischergewerbe, 49 v. H. dieser Betriebe im Wagenbau und 40 v. H. der Bäckereien bis zu fünf beschäftigten Personen sind zur Motorenverwendung übergegangen. Auch für die Zukunft wird das Handwerk weiterbestehen. Zu seinen Ausgaben zählt in erster Linie die Herstellung von Erzeugnissen, an die hinsichtlich der Güte erhöhte Ansprüche gestellt werden und die einem individuellen Bedürfnis dienen. Auch die Bedarfsdeckung eines lokal umgrenzten Absatzgebietes wird, wie z. B. beim Rahrungsmittelgewerbe und dem größten Teil des Baugewerbes, immer auf das Handwerk angewiesen sein. Schließlich gewährt auch das Gebiet der Reparaturenarbeiten dem Handwerker immer wieder Arbeitsmöglichkeit. Rach den vom Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertag für den 1.3anuar 1927 durchgeführten neueren Erhebungen zählt das deutsche Handwerk 1 300 000 selbständige Detriebsinhaber, 1 373 000 Gesellen, 693 000 Lehrlinge und 110 000 Angestellte. Heute leben in Deutschland rund 8 Millionen Menschen von der Tätigkeit im Handwerk. Bei der Zerstreuung der einzelnen handwerklichen Betriebe bedarf der gesamte Berufsstand des starken Schuhes einer geschlossenen einheitlichen Organisation, eine Aufgabe, die der deutsche Gesetzgeber früher als andere erkannt hat. So hat gerade das sog. Handwerkerschuhgeseh vom 26.3uli 1897 durch Einführung der Handwerkskammern und durch die Möglichkeit der Errichtung von Zwangsinnungen wesentlich dazu beigetragen, vorhandene Lauheit gegenüber dem berufsständischen Zusammenschluß zu beseitigen und den einzelnen Handwerker vor 3solierung $u bewahren. Gestärkt durch gemeinsame Arbeit in den 3nnungcn und Kammern konnte die Eingliederung des Handwerks in die moderne Wirtschaftsentwicklung leichter vollzogen werden. Wir zählen heute 67 deutsche Handwerks- und Gewerbekammern und hatten 1926 17 318 3nnungen mit 934 900 Mitgliedern, davon allein 10 816 Zwangsinnungen mit 734 843 Mitgliedern. Die Spitzenorganisation des deutschen Handwerks stellt der Reichsverband des deutschen Handwerks mit Sih in Hannover dar, der mit dem deutschen Handwerks- und Gewerbekammertag, der Spihen- organifation der deutschen Handwerks- und Gewerbekammern, eine gemeinsame Geschäftsstelle unterhält. Wenn oben von der wirtschaftlichen Bedeutung des Handwerks gesprochen wurde, so erwächst hieraus dem Gesetzgeber die Pflicht, im Widerstreit vornehmlich der 3nteressen der Vertreter des Greßkahitals und der Arbeitnehmer die Auswirkung feiner Maßnahmen auch auf das Handwerk zu beachten. Gerade darüber muh der handwerkliche Berufsstand schwerste Klagen führen, daß die gesamte Gesetzgebung zu wenig Rücksicht nimmt auf die Eigenarten und Sonderheiten der handwerklichen Betriebe. Das Handwerk erwartet keine Mittelstandspolitik, die ihm eine besondere Vorzugsstellung einräumt. Die mit der Gesetzgebung beauftragten Faktoren sollen aber Vorsorge dafür treffen, daß auch dem Handwerk im Zeitalter der Maschinen ein ausreichendes Feld zur Betätigung überlassen bleibt, das seiner äußeren Stärke und feiner inneren Leistungsfähigkeit entspricht. Der Gesetzgeber trägt damit zugleich zur Erhaltung eines Standes bei, dessen vermittelnde Rolle bei dem großen Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit unschwer entbehrt werden kann und dessen kulturelle Bedeutung den Berufsstand gleichfalls unentbehrlich macht. Aattonalwirlschast oder Weltwirtschaft? Don Or. Oskar Aust, Charlottenburg. Zwar hat in dem großen, nun schon mehrere I Jahrhunderte andauernden sozialen Umschichtungs- ' prozeß vor allem der Kern des Mittelstandes, das Handwerk, der gewerbliche Mittelstand, seiner technischen Besiegung durch den Kapitalismus, den Jndustriealismus, wie sie hauptsächlich mit der gewaltigen Entwicklung der Naturwissenschaften und deren einseitiger Ausnutzung vor sich ging — rein äußerlich und insbesondere zahlenmäßig betrachtet —, in weit stärkerem Maße Widerstand geleistet, als gemeinhin angenommen wird. Wenn auch die gegenwärtige Gewerbeverfassung Deutschlands dank der einseitigen staats- und geldfinanzpolitisch begünstigten Ausnutzung der verschiedensten Errungenschaften des letzten Jahrhunderts als industriell-kapitalistisch gekennzeichnet werden muß, so trat das Handwerk doch noch als ein achtunggebietender Faktor in das zwanzigste Jahrhundert ein, als ein Faktor, der sich zahlenmäßig auf nahezu die Hälfte sämtlicher Erwerbstätigen, mit Ausnahme der Landwirtschaft, stützt. Jedoch liegt in der Richtung, die die Entwicklung der sozialen Struktur hauptsächlich nach Beendigung des Weltkrieges eingeschlagen hat, eine Gefahr für das Handwerk gleichwie für die Landwirtschaft, also für die mehr oder we- Niger organisch gebundenen Berufszweige, der nicht etwa schon die Millionenstärke der hier in Betracht kommenden Berufsgruppen hinreichend entgegen- wirkt, die vielmehr in ihrer vollen, in ihrer un- heimlichen Schwere erkannt werden muß, damit sie bewußt bekämpft werden kann. Um die Tendenz zur Oligarchie und um die Gefahr der Proletarisierung auch der noch wesentlich organisch gebundenen Berufs- zweige handelt es sich, ganz kurz gesagt. Es han- beit sich um die jedem Unverblendeten deutlich erkennbare, mit ungeheuren nationalen und sozialen Gefahren verbundene Tendenz des Ueberganges der tatsächlichen wirtschaftlichen und staatlichen Macht an eine kleine Oberschicht unter der Form der Demokratie als Deckmantel. Nicht der jeden „demokratisch" Denkenden viel- leicht beruhigende Umstand, daß im Jahre 1907 allein die gewerblichen Kleinbetriebe (ganz abgesehen von den zum großen Teil handwerksmäßigen Mittelbetrieben) 5 383 283 Personen beschäftigten und die Großbetriebe nur 5 363 851, vermag die Bedeutung des soeben Gesagten in milderem Lichte erscheinen lassen. Vermochte doch auch der Umstand, daß im Jahre 1925 fast zehn Millionen (9 762 426) Erwerbstätige in der Land- und Forstwirtschaft gezählt wurden, nicht deren Niedergang und vor allem die Verelendung des Bauerntums aufzuhalten. Diese Tatsachen vermögen bekanntlich gegenüber einer „zwangsläufigen" Entwicklung nicht mit Erfolg ins Feld geführt zu werden. Die Politik ver- sagt gegenüber „wirtschaftlichen Gegebenheiten", gegenüber „Zwangsläufigkeiten". Unsere Andeutungen — mehr wie Andeutungen können schon aus Raumrücksichten hier nicht gegeben werden — lassen sich auf die Formel bringen: N a - tionalwirtschast oder Weltwirtschaft, aus eine Formel, die mit absoluter Sicherheit immer schärfer in den Vordergrund treten wird (man denke an die zunehmenden Exportschwierigkeiten mit dem Fortschreiten der Industrialisierung der Welt). Es unterliegt gar keinem Zweifel, auf welcher Seite die hier in Betracht gezogenen Berufsstände zu stehen haben, ja, richtig gesehen, alle deutschen Wirtschaftszweige. Deutsches Verhängnis ist es, daß, zumindest in der Nachkriegszeit, dieser Standort nicht gewählt worden ist! Selbstverständlich ist damit, daß das unbedingte Bekenntnis zur National- und Binnen- wirtschaft hier als notwendig erklärt wird, nichts gegen die „Weltwirtschaft an sich" gesagt. Betont muß es nur werden, daß die Idee der Nationpl- und der deutschen Binnenwirtschaft bis in ihre letzten Konsequenzen hätte praktisch durchgeführt werden müssen, und gerade aus reparationspolitischen Erwägungen! Die „Weltwirtschaft" würde dann nur eine Funktion unserer Nationalwirtschaft barg^estellt haben, während es hertte^— umge- Hier haben Deutschlands Führer bisher versagt! Und hier ist der Punkt, wo Deutschland selbst zu seinem Verhängnis die Maschen des Versailler Dik- tats verengerte! Diese Dinge bedürfen zur Ergreifung entsprechen- der Maßnahmen — von Rettungsmaßnahmen: man blicke nach dem deutschen Osten! — der sorg- samsten und vorurteilslosesten Untersuchung und Aufklärung. Verhängnisvolle Irrtümer malten hier ob. Wodurch wird unsere Wirtschaft, werden nach der Reihe alle Schaffenden stranguliert? Durch untragbare Zahlungsverpflichtungen, und nicht allein infolge der Tributlast, nein auch aus anderen Gründen, nicht zuletzt aus Auslandkrediten, über die und über deren unheimliche Gefahren eine unglaubliche Verblendung besteht. Was soll man beispielsweise dazu sagen, wenn man in dem im Jahre 1928 erschienenen Werk „Agrarpolitik" von Friedrich Aereboe, ordentlicher Professor an der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin, vr. phil., Dr. rer. pol. h. c.. Preußischem Landesökonomierat und Geheimen Regierungsrat, über Auslandkredite u. a. das Folgende lieft: „Die Auslandanleihen find daher für uns beute nicht nur das notwendige Mittel, um unsere Wirtschaft wieder in Ordnung zu bringen, sondern auch die beste Gewähr dafür, daß man diese Wirtschaft nicht durch übermäßige Reparationen taput macht." Diese Sätze bringen die Verhängnis- vollsten Irrtümer zum Ausdruck von denen sowohl die herrschende Richtung der Nationalökonomie, als auch unsere gesamte Politik, vor allem die Nachkriegspolitik, besessen ist. Inzwischen wird es immer weiteren Kreisen klar, daß Auslandanleihen mit dem hölzernen Pferd von Troja vergleichbar sind. Von 32 000 Kleinbetrieben haben in Pommern mehr als die Hälfte ihre Gesellen entlassen müssen; nur noch 800 beschäftigen mehr als zehn Hilfskräfte. Die Klein- und Mittelbetriebe kämpfen einen schweren Kampf um die Existenz! Monatlich eine Million Wechselproteste, täglich 90 000 Zahlungsbefehle, täglich 35 000 Pfändungen, davon 12 000 fruchtlos, täglich 10 000 Offenbarungseide — und so fort. In einem Aufrufe lese ich dies, der mir zuflog. Pflicht aller derjenigen, die heute irgendwie eine Verantwortung für das Gemeinwohl haben, ist es, die Ursachen der heutigen Not klar zu erkennen, um ihr erfolgreich entgegewirken zu können. Es ist nicht wahr — so heißt es nicht mit Unrecht in dem zuletzt erwähnten Aufruf — daß die jetzige Not durch höhere Gewalt verursacht ist; sie läßt sich beseitigen, in kurzer Zeit. Erleichterungen bei der Sonder-Gebciudesieuer. Don ph. Modrow, Bücherrevisor in Alsfeld. Die Sonder - Gebäude st euer wird allgemein als eine der drückendsten empfunden. Dies liegt in erster Linie daran, daß die E r m ä ß i * gungsmöglichkeiten den Steuerpflichtigen größtenteils so gut wie unbekannt sind. Sucht man die steuerbegünstigten Tatbestände des hessischen Gesetzes vom 11. Dezember 1928 systematisch zu ordnen, so ergibt sich ungefähr folgendes Bild: 1. Don dem bebauten Grundbesitz Hessens waren ganz und von vornherein von Amts wegen freigestellt: gewisse öffentliche Gebäude und reine landwirtschaftliche Oekonomiegebäude (Art. 4); diese Befreiungen stimmten überein mit denen der Grundsteuer); ferner Reubauten, die nach dem 1.3uli 1918 bezugsfertig wurden und entweder ohne Beihilfen aus öffentlichen Mitteln, oder mit solchen Beihilfen aus öffentlichen Mitteln ausgeführt find, über die der Eigentümer erst nach befn 13. Februar 1924 verfügen konnte (Art. 5). Derartigen Reubauten sind durch Einoder Umbau neugeschaffene Gebäudeteile gleichgestellt. Die steuerpflichtigen Beihilfebauten sind nur mit der Hälfte des Werts anzusehen, der für die Gemeindegrundsteuer für das Rj. 1914 festgesetzt worden wäre. Was als Beihilfen aus öffentlichen Mitteln anzusehen ist, wird durch das Gesetz näher bestimmt. 2. Der Tarif zeigt eine Digression für Objekte Heineren Friedenswertes. Gebäude im Werte bis 7000 Mark werden nach einem niedrigeren Satz (1,2750 v. H. statt 1,6065 v. H.) versteuert (Art. 10,1). Außerdem tritt eine weitere Ermäßigung ein für Steuerpflichtige mit Wohnzwecken dienenden Gebäudeteilen bis insgesamt 4000 Mark Friedenswert um 40 v. H., bis insgesamt 6000 Mark Friedenswert um 20 v. H. der berechneten Steuer (Art. 9,1). Ausnahmsweise finden hierbei auch die persönlichen Verhältnisse eine Berücksichtigung; nicht vermietete Eigenhäuser von 7000 bis 10 000 Mark Friedenswert werden mit dem niedrigeren Sah belegt, falls der Eigentümer 1927 nur bis zu 100 Mk. Einkommensteuer bezahlt und zu Beginn des Rj. 1929 sonstigen Grundbesitz von nicht mehr als 10 000 Mark hat (Art. 10,2). Einfamilienhäuser mit einer Wohnfläche bis zu 70 Quadratmeter (bei kinderreichen Familien auch entsprechend mehr), die bis zum 1. 3uli 1918 einschl. bezugsfertig waren, die ausschließlich vom Eigentümer und seiner Familie bewohnt werden und die mit nicht mehr als 20 v. H. des Friedenswertes belastet waren, sind freizustellen (Artikel 6,1a). Solche, die mit mehr als 20 v. H. belastet waren, sind durch Herabsetzung der Steuer um ein Viertel, jedoch nicht auf weniger als 0,50 v. H. des Friedenswertes zu begün- ren und einen ;ine Verwechslung ist bei anderseyung bis zu gewissem Grade, Hypothek fcn, die nachweiSoar zur Zeichnung von Kriegs" armseliger Vorteil. TL gewissenhafte und treue sicht nicht schwerfallen wird. asprogramm zur Verfügung gestellten billigten Kredit von 15 Millionen ihrung seines verantwor- öge es dem allseits hoch- f u n ver Pilzgericht gegenüber haben, nicht unberechtigt ist, wenn die Zuverlässigkeit des Sammler- Zweifel aufkommen läßt, ober die Speisepilze bereit- )3&3ept; zur Hälfst öoppelftarker Kathreiner zur Hälfte Milch/ durchweg nur aus Antrag gewährt. gearbeitet wurde. Die Strafte ist mit einer sehr starken Asphaltdecke versehen, die Kurven sind besonder- geebnet und erhöht, die Strafte ist flacher geworden. Von Den Autofahrern wird die Ferttgstellung freudig begrübt, war doch die Llmleitung-strafte von Lang-Dön- nach Leihgestern so verfahren und voller Schlaglöcher, daß Autofederbrüche an der Tagesordnung waren. ch E b e r st a d t, 29. Juli. Am 27. Juli beging der Gcmcinderechner Wilhelm Löbrich HI. sein 2 5. Dienstjubiläum. In Gegenwart des Ortsvorstands und der Gemeindebeamten überreichte Bürgermeister G ö r l a ch dem Jubilar eine Ehren- urkunde und sprach ihm vollste Anerkennung für die er er neuervohrien u u < an den HauptstGng der Wasserleitung ist jetzl folgt. Die Erdarbeiten gestalteten sich schwierig, da ein ungemein wasserreiches Gebiet zu durchbrechen war und zentnerschwere Findlingsblöcke, die sich in den Weg stellten, gesprengt werden muhten. Auch die Pumpstation ist soweit ausgebaut, dah nach dem Einbau der elektrisch betriebenen Pumpe die Zuführung des Wassers erfolgen kann. Berücksichtigt man die Ergiebigkeit der Quelle, so dürfte der seitherige Wassermangel für alle Zeiten beseitigt sein. ± Glashütten. 29. Juli. Die Ehefrau Lina Stock aus dem benachbarten Weiler lässig vermeiden lassen. Sie lauten: 1. Man sammle nur bas. wa- man selbst al- Speisepilz ganz genau kennt und lasse alle- andere stehen. Ebenso beachte man die ganz jungen und unentwickelten, sowie die alten Pi^e nicht. Die ersteren besitzen die Kennzeichn der Art noch nicht, können darum etwas ganz anderes fein, als da-, wofür man sie angesehen hat, die alten sind in der Regel schon madig. Madige Pilze aber sind, auch von den allerbesten Arten, bereit- schädlich. 2. Man sammle nicht mehr. alS man für den sofortigen Bedarf braucht. Da- Aufheben von einem zum anderen Tage ist besonder- bei feucht- warmem, zu Gewittern nc genbem Wetter bedenklich. Reste von Pilzgerich.en kann man von Mittag bi- -um Abend zwar kühl aufbewahren, aber auch nicht länger. Bei der Zubereitung beachte man, baft jedes Pilzgericht durch übermäßig langes Kochen zäh und unverdaulich wird. Da- Mitkochen einer Zwiebel, eine- silbernen Löffels oder Geldstückes, um an deren Schwarzwerden ein Kennzeichen für da- Vorhandensein von giftigen Pilzen zu haben, ist irreführend. Verwechselungen mit ähnlich aussehen» den Pilzen sind möglich: 1. beim Champignon mit Knollenblätter- einen Betrag anzufordem. Die vom Beigeordneten in dieser Angelegenheit unternommenen Schritte sind leider erfolglos geblieben, da nach einer Mitteilung des Ministers für Arbeit und Wirtschaft der vorgesehene Staatskredit nur den notleidendsten Gemeinden, die große Zahlen von ausgesteuerten Erwerbslosen aufzuweisen haben, zur Verfügung gestellt wird. Vom Beigeordneten wurde nun vorgeschlagen, d i e Kanalisation der Gießener Strafte vorxunehmen. Hierzu lag ein Voranschlag aus Dem vorigen Jahre in Höhe von 6900 Mark vor, der die Kanalisation dieser Strafte von der Färbgrabengasse bis *ur Einmündung in die Londorfer Strafte vorsieht. Es entspann sich hierüber eine längere Aussprache. Einige Gemeinderäte wünschten die Fortführung der Kanalisation bis zur Gartenstrafte. von anderer Seite wurde die Kanalisation eines Teiles des Marktplatzes und der vorderen Alsfelder Strafte mit Weiterführung in die Schloftgasse befürwortet, um die dortigen, tiefgelegenen Keller der Anlieger anschlieften zu können und dadurch deren Beschwerden wegen des Wassers in ihren Kellern abzuhelfen. Auch die Chaussierung eines Waldweges am Ludwigsplatz und das Drechen der Steine hierzu im städtischen Steinbruch an der Weickartshainer Strafte wurde angeregt. Schließlich kam es zu folgendem Beschluß: .Die Kanalisation Der Gießener Straße nach dem Voranschlag vom 9. Februar 1929 durch das Kulturbauamt Gießen ausschreiben zu lassen. Zur Bedingung wird gemacht, baft bei Der Ausführung ber Arbeiten nurOrünberger Arbeitslose, insbesonbere Ausgesteuerte eingestellt werden müssen." Bei der Beschlußfassung ging man von der Erwägung au-, dah e- jedenfalls für die Gemeinde besser sei, das Geld für Produktive Arbeiten zu Dertoenben, als eS für Unterstützungen auszugeben. Von einer Seite wurde noch angeregt, das Kreisamt zu bitten. anleihe ausgenommen finb. Deim Dorliegen wertbeständiger Lasten ist dem Grundbesitzer der dem Werte der aus der Last sich ergebenden laufenden Geldverpflichtung entsprechende Detrag auf Antrag zu erstatten lArt. 7,1). Auch laufende Geldverpflichtungen aus Hypotheken, die mit mehr als 25 v H ausgewertet wurden, find, soweit sie Über die normalen Aufwertungszinsen hinaus- geften, von der Steuer in Abzug zu bringen (Artikel SL). 4. Weiter kommen Ermäßigungen in De- tracht, wenn die Steuer im Mißverhältnis zu der Rentabilität steht. Ist die Friedensmiete geringer als 5 v. H deS Frieden-werte-, so ist dieser auf das Zwanzigsache derselben ßerab- zusehen lArt. 2,2). Ermäßigung tritt ein bei Mictausfall, z. B. leim Leerstehen ohne Verschulden bed Eigentümer-, beim Richteingang von Mieten, bei nicht nur vorübergehender erheblich geringerer Ausnutzung von gewerblichen Räumen gegenüber der Vorkriegszeit, bei geringerem Mieteingana infolge Umbaus gewerblicher Räume in Wohnräume (Art. 9,3 u. 4) 5. Bedeutete die Einziehung der Steuer nach Lage der Sache eine Unbilligkeit, so kann der Minister der Finanzen die Steuer ganz oder teilweise erlassen ober erstatten, wenn die Gründe in dem Steuergegenstand selbst liegen (Art. 12). Diese Bestimmung, die aus älteren Fassungen des Gesetze- übernommen ist, hat heute wohl nur noch geringeren praktischen Wert, da die Mehrzahl der dafür in Frage kommenden Fälle in der neuen Fassung bindend geregelt unter Rümmer 4 mit auf geführt sind. 6. Endlich finden noch persönliche Verhältnisse eine Berücksichtigung dadurch, baft in den Fällen, wo die Erhebung der Steuer eine besondere Härte bedeuten würde, die Bezirksfürsorge einzuspringen hat (Art. 15). Dies wird angenommen, wenn der Steuerpflichtige ein Einkommen unter dem Existenzminimum bezieht, wenn er Sozialrentner, Kleinrentner, Kriegsbeschädigter oder Kriegerhinterbliebener ist und Unterstützung oder Zusatzrente erhält, ferner bei Erwerbslosen und bei kinderreichen Familien. Auch der Mieter kann in diesen Fällen für den in seiner Miete enthaltenen Anteil an der Sonder- Gebäudesteuer unterstützt werden. Die genannten Ermäßigungen, Befreiungen und Unterstützungen werden, soweit sie sich nicht auf die allgemeinen Freistellungen und die Di- gression des Tarifs, sondern auf die besonderen Tatbestandsmerkmale des Einzelfalles stützen. Oberheffen. Arbeitsbeschaffung in Grünberg. — Grünberg, 29. Juli. Zur jüngsten De- meinderat-fttzung waren zehn Gemeinderäte erschienen. Schon vor einiger Zeit regte der Beigeordnete an, seitens der Stadt in der Frage der produktiven Beschäftigung derausgesteuer- ten Erwerbslosen etwas zu tun, da andernfalls diese Leute dem Stadtsäckel als ilnter- stützungsempsänger zur Last fallen würden. Man war damals der Meinung, notwendige Straßenherstellungen und Kanalisation ausführen au lassen, und solle versuchen, von dem vom hessischen Staat für das Arbeitsbefchaf- so alt sind, dah eine Zersetzung der Eiweißstosfe im Bereich der Möglichkeit liegt. GS sollen deshalb hier einige allgemein gültige Regeln mitgeteilt werden, wie sich Verwechslungen mit gesundheitsschädlichen und giftigen Pilzen zuver- dah ein Teil der Gelder deS Grunderwerb-- fondS, der bei dem demnächstigen Verkauf des Färbgrabens über 10 000 Mark anfteige. für diesen Zweck verwendet werden dürste^ da eine anderweitige Geldbeschaffung, die wohl auf keine Schwierigkeiten stoße, immerhin noch 8,75 Prozent Zinsen erfordere. Schloffermeister Schäfer, der eine Interessent für den Färbgraben, beanstandete die eine Derkaufsbedingung, die ihm die Entwässerung überläßt. Man ist der Meinung, daß durch die beschlossene Kanalisation der anliegenden Gießener Straße cs ihm leicht möglich ist, sich anzuschließen. Daher beschloß der Gemeinderat. es bei den am 16. Juli beschlossenen Verkaufsbedingungen zu belassen. Außerdem wurde den beiden Käufern — Schmidt und Schäfer — eine Frist bis 15. August gesetzt, andernfalls geht der Verkauf zurück. Eine Windhose. Ulfa, 29. Juli. Eine seltene Ratur- erscheinung schreckte gestern einen Teil der Bewohner von Rabertshausen und von unserem Dorfe. Zwifchen 11 und 12 Uhr entwickelte sich in der Gegend des erstgenannten Ortes in Verbindung mit einem Kugelblitz eine Windhose, die sich in östlicher Richtung fort- bewegte. Auf ihrem schmalen. langen Wege wurden entwurzelte Dickwurzpslanzen, Getreidebündel und -garben und alles Bewegliche auf» gewirbelt und oft haushoch in die Luft gehoben. In dem Trichter der Wettersäule waren ununterbrochene elektrische Entladungen zu beobachten. Landkreis Gietzcn. co Klein-Linden, 28. Juli. Am Sonntag feierte die hiesige Christliche Gemeinschaft in unserer Kirche ihr diesjährige- J a h - ressest. Rach einem Vorspiel der vereinigten Posaunenchöre von Leihgestern und Klein-Linden und gemeinsamem Gesang sprach der Ortßgeist- liche, Pfarrer Bremmer, über die Verantwortung des Christen und die Freude des Christen. Missionar Heinze von der Abessinischen Mission erzählte von dem Volk der Abessinier, das sich infolge seiner abgeschlossenen Lage und seiner Selbständigkeit fein schon im vierten Jahrhundert angenommenes Christentum bewahrt hat. Der Frauenchor der hiesigen, Gemeinschaft und der gemischte Chor der Gemeinschaft von Großen- Linden, beide unter der Führung von Prediger Meng, Großen-Linden, bereicherten die Feier durch passende Chorvorträge. Mit Gebet, gemeinsamem Gelang und Rachspiel der vereinigten Posaunenchöre schloß die schön verlaufene Feier. LI Großen-Linden. 29. Juli. In der I jüngsten öffentlichen Gemeinderatssitz u n g befaßte sich der Gemeinderat u. a. mit der Aufstellung des Stellenplanes. SS wurden folgende Beamtenstellen in der Gemeinde feftgelegt: Gemeinde rechner, Polizeidiener. Rachtwächter, Flurschütze. Ratschreiber. Faselwärter und Schuldiener. - Die Materiallieferung für die Herstellung des FriedhofswegeS wurde den Wenigstfordemden übertragen: es kommen in Betracht: die Gemeinde Holzheim für Stüdfteine (Dafalt) pro Kubikmeter 120 Mark und die Firma Launspach in Annerod für Bordsteine für den lsd. Meier frei Verwendung-- stelle 1,65 Mk. Die Arbeitsausführung soll durch hiesige ausgesteuerte Erwerbslose erfolgen. ßeißgeftern, 29.Juli. Am vorigen Sam- tagabend feierte der Gesangverein „(Ein- tracht"' in schlichter Weise sein 69. Stiftungsfest, dos gut besucht war. Nach einem Begrüßungs- chor eröffnete der 1. Vorsitzende W. Seipp mit einer Ansprache die Tagesordnung: Entgegennahme der Iahresrechnung, (Entlüftung des Rechners, Dor- I standswahl, Ernennung von Ehrenmitgliedern und Aussprache über die Feier des 70. Stiftungsfestes im Jahre 1931. Mit großer Mehrheit wurde ein Gesangswettstreit beschlossen, unter Berücksichtigung der schlechten Wirtschaftslage, jedoch in Erwägung gezogen, falls sich diese noch verschlechtern sollte, das Fest in kleinerem Rahmen zu feiern. I Die Ausschüsse für die Vorarbeiten wurden einft- I weilen gewählt. Beim Dortrag einer Anzahl Män- I nerchöre verliefen die Stunden allzu schnell. —r. Lang-Göns, 29. Juli. Mit Dem heutigen Tage ist das Teilstück der Provinzial- strahe Großen-Linden — Lang-Göns dem Verkehr übergeben worden. Rahezu ein | Vierteljahr hat die Herstellung diese- Strahen- 1 teile- gedauert, trotzdem in zwei TageSsHichten tungsvollen Amtes aus. verehrten Jubilar, der auch zualcich die Unter- erheberstelle, das Amt eines Kirchenrechners und Anstalt im Verlauf de- letzten Winter- wesentlich erweitert werden. Die Dettenzahi ist auf £K) gestiegen, und man ist jetzt in der Lage, rund 850 Kurbedürftige tm Jahre aukunebmen. Mit der Erweiterung ging Hand in Hand eine Verbesserung der hygienischen und sanitären Ausstattung. so daß daS Heim heute in allem einem modernen Sanatorium gleicht. Vor einigen Tagen konnte mit der Aufnahme von Kranken in dem neuhergerichteten Hause begonnen werden. — Sin neues Ä r a/Tc nftau #. da- den besonderen Bedürfnissen Der Dadestadt Rechnung trägt, ist eine dringende Rotwendigkeit. Die Pläne dazu liegen vor. Mit Errichtung de- vor einigen Wochen in Betrieb genommenen Ifolierhause-, dessen Errichtung 400 (X» Mk. kostete, ist der erste Schritt zur Verwirklichung de- großen Projekt e- letan. Für den Hauptbau find rund 1 Million Mark notwendig. Der Baufond- der Stadt beträgt 200 003 Mk. Run hat sich unter dem Vorsitz von Sanität-rat Dr. Hahn ein Äranfen- »ausbau-Derein gebildet, der sich die Aufgabe stellt, an der Ausbringung der noch sehlen- xm 800 000 OHL mitzuarbeiten. Äme Büdingen. # Ridda . 29. Juli. Der Krei-rinder- zuchtverein Büdingen unternahm bieder Tage eine Besichtigungssahrt nach dem Versuch-gut der Landwirtfchastskammer, Selgenhof, und der Arbeiterkolonie Reu- Ulrichstein. Ts beteiligten sich an der Lehrfahrt 56 Mitglieder aus zehn Ortsgruppen. Der Leiter der Deran''''''t'ina. Oekonomierat Dr. Wagner vom Lanhwirtschaft-kammerau-- schuh in Gießen, gab au Dem Selgenhof Erläuterungen über dre Bewirtschaftung des Gute-. Die mustergültigen Wirtschaftsanlagen mit den modernen technischen Einrichtungen gefielen allgemein. In Reu-Ülrichstein hatte Oekonomierat Ritte, der Leiter des GukeS. die Führung und machte die Teilnehmer mit der Bewirtschaftung-weise. sowohl hinsichtlich des Feldbau-, al- auch der Fleckviehzucht, bekannt. HAusdemNibdatal, 29. Juli. Die D u r ch- gonge ft raße Nidda — Scho11en , der Anmarschweg für das Rennen „Rund um Schotten", wies am Samstag und Sonntag einen nie gesehenen Verkehr auf. War auch an den Vortagen die Straße schon stärker durch Motorräder und Autos belebt, so steigerte sich ihre Zahl am Samstagnachmittag unheimlich Ein ununterbrochenes Kommen und Gehen, das bis tief in die Nacht anhielt. In den srühen Morgenstunden des Sonntags wuchs der Verkehr noch an. Motorräder, Autos und Fahrräder zogen, wie nacheinander ab- gelassen, dem Vogelsberg zu. Nach Beendigung des Rennens setzte eine Abwanderung ein, die oft be- ängstigende Formen annahm. Glücklicherweise war kaum ein ernstlicher Unfall zu verzeichnen. Kreis Schotten. • Schotten, 30. Juli. Der bekannte Schot- tener Sommermarkt findet in altberge- Deachtung diese- Kennzeichen- so gut wie ausgeschlossen: 3. beim Reizker. Auch in diesem Falle läßt sich jede Verwechselung leicht vermeiden, wenn man beachtet, daß der ähnliche Birken- oder Giftreizker am Rande zottig gcwimpert ifL einen weihen Stiel und Weiße Milch hat, während der echte Reizker orangcgelbe Milch au-fliehen läßt Man beachte die zahlreichen Täublinge, von denen eS etwa zwanzig verschiedene Arten gibt, überhaupt nicht. Von den roten, sind die mit gelben Lamellen zwar eßbar, aber die Täublinge stnd fast immer madig, meist schon von Insekten betonen, bevor sie aus der Erde kommen, auch sind sie wenig ergiebig. Man beschränke sich auf die allbekannten Champignon, den Steinpilz, Eierpilz oder Pfifferling, Birkenpilz und Rothäubchen, auch Kapuziner genannt. Wer andere Pilze genau kennt, wie Krempling, Hallimasch. Stoppelpilz, Parasol. Totentrompete, Ziegenbart. Ritterlinge und die verschiedenen Röhrlinge wie Kuh- und Butterpilz, Ziegenlippe usw. mag auch diese mitnehmen, in Zweifelsfällen aber fragen, ober die ihm nicht ganz zuverläffige Ware aus- scheiden. Die Gesundheit steht höher, als ein von ihm mit zubereitet werden, daS ganze Gericht durch den ihm eigentümlichen, gallebitteren Geschmack. Der giftige Satan-Pilz von der Gestalt de- Steinpilze- hat rote Röh roten, biden Stiel. E vertretungsweise das Rechneramt in Dorf-Gill versieht, vergönnt fein, noch lange Jahre feine erprobten Kräfte in den Dienst der Gemeinde zu stellen. • Eberstadt, 29. Juli. Der Landwirt August Gorr II. von hier kam am Sonntag, al- er sich mit seinem Motorrad unterwegs auf der Fahrt nach Schotten zum Besuche de- dortigen Rennens befand, zwischen Laubach und Schotten in einer Kurve in der Rähe des Jägerhauses mit seiner Maschine ins Rutschen, so dah er das Fahrzeug zum Stehen bringen muhte. In diesem Augenblick wurde er von einem entgegenkommenden Auto angefahren und so erheblich verletzt, dah er dem Laubacher Krankenhaus zugeführt werden muhte. Der Bedauernswerte soll eine Gehirnerschütterung und einige Rippenbrüche erlitten haben. Lich, 29. Juli. Der Kriegerverein hielt am Sonntag bei guter Beteiligung auf den Schiehständen an der Hardt sein diesjähriges Preisschiehen ab. Die Preisverteilung, die ber Vorsitzende, Stadtrechner L. Häuser, abend- im „Holländischen Hof" mit einer inhaltreichen Ansprache einleitete, zeigte folgende Ergebnisse: 1. Preis Karl Müller, 88 Ringe: 2. Erbprinz Hermann Otto zu Solms, 86; 3. Hrch. Müller, 85; 4. Jean Eise, 85; 5. Christian Rau, 85; 6. Willi Hahn, 84; 7. Fritz Zimmer, 84; 8. Hrch. Textor. 82; 9. Adam Friedrich. 81; 10. Wilh. Kraus. 81; 11. Karl Kambeitz; 12. IuliuS 3 bring: 13. Ludwig Häuser; 14. Hrch. G r o t e f e n t> t; 15. Hrch Kempf; 16. Gustav Löhr; 17. Herrn. ®ie feier; 18. Hrch. Vater; 19. Christian Eise; 20. Friedr. Schmidt; 21. Herrn. Keil. Ferner wurden mehrere Ehrenscheiben gefchossen. Die Hasfia-Ehrenscheibe gewann Julius I h - ring. Rach der Preisverteilung hielt Mufik und Tanz die Kameraden noch in bester Stimmung beisammen. Die Mufik wurde auSgeführt von Mitgliedern der Kapelle Topp. — Am 31. August findet hier das Dezirksschiehen des Hafsiabezirks Lich statt. )( Lich. 29. Juli. Die F r a u e n v e r e i n e von hier und Rieder-Bessingen und der Posaunen- ch o r L i ch unternahmen am Sonntag unter Führung der beiden Pfarrer in drei großen Auto» omnibuffen einen Tagesausflug, an dem sich 160 Personen beteiligten. In schöner Fahrt ging es frühmorgens über Butzbach biß Ufingen, sodann hinauf nach der S a a l b u r g. die kurz besichtigt wurde.. In Bad-Homburgs Erlöserkirche nahmen die Ausflügler am HauptgotteSdienst unter Mitwirkung des PosaunenchorS teil und besichtigten später die Kirche, den Schlohpark und die Kuranlagen. Rach dem Mittagsmahl in Ober - Eschbach, währenddessen Stiftsdechant Kahn eine Begrüßungsansprache hielt, ging eß nach Rieder-Erlenbach. Hier wurde dem Er - ziehungßheim Glauburg ein Besuch ab» gestattet. Pfarrer Draudt grüßte und dankte als Pfarrer von Lich und Rieder-Bessingen, sowie als Borstandsmitglied der Glauburg, und lud zur eingehenden Besichtigung des Hause- und seiner Einrichtungen ein. In flotter Fahrt brachten gegen Abend die Wagen die Ausflügler nach Bad-Rauheim. wo noch einmal zur Besichtigung der Sprudel kurze Raft gemacht wurde. Um 20.30 Uhr trafen die Vereine hier wieder ein. Kreis Friedberg. 2$. Dad-Dauheim, 29. Juli. Die hiesige Versorgungskuranstalt, die aus dem 1903 gegründeten Militärkurhauß hervorgegangen ist unb ehemaligen Angehörigen des Heeres und der Marine Kuraufenthalt gewährt, ist seit April 1926 in einem städtischen Gebäude in der Luisen-- fttaße untergebracht. Nachdem das Reich die danebenliegende Villa angekauft hat, konnte die brachter Form statt. Montag, 4. August, Pferde-, Dullen-, Rindvieh- und Krämermarkt; Dienstag. 5. August, Rindvieh-, Schweine-, Ziegen- und Krämermarkt; Mittwoch, 6. August, Krämermarkt, Volksfest. Rach den Anfragen und Bestellungen zu urteilen, wird der Markt sehr besucht werden und seine alte Anziehungskraft erneut außüben. O ß a u b a d), 29. Juli. Mit der H e r st e 11 u n g der mehr als 1400 Meter langen Ort sdurch- f a h r t L a u b a ch ist in den letzten Tagen begonnen worden. Don den Basaltwerken Nickel (Ober-Wid- dersheim) und Braun (Laubach) werden mittels Lastkraftwagens Schottersteine angefahren, so daß noch im Laufe dieser Woche zum Walzen und Teeren der Straße geschritten werden kann. - Ober-Schmitten, 29.Juli. Der An- schluß unserer neuerbohrten Quelle ‘ ....... ’-'lt er- I schwämmen, von Denen eß mehrere Arten gibt I Sie sind zu vermeiden, wenn man jeden Champignon ausscheidet. helfen Lamellen oder Blätter nicht rötlich, sondern weift sind. Jeden Pilz. Der dem Champignon ähnlich und kein Parasol ist und einen verdickten, unten knolligen Stiel hat schließe man auß; 2. beim Steinpilz mit Gallen- und Satanspilz. Die Röhren des erstgenannten Doppelgängers besitzen einen rötlichen Schimmer. Der Fuß »st in der Regel stärker genetzt 6r ist zwar nicht giftig, verbi rot aber, wenn auch nur Spuren S t r e i t ft a i n wurde, als sie sich in Begleitung ihreS 12 Jahre alten Sohnes auf Dem Rückwege von Gedern nach hier befanb, in der Rähe deS Gederner Sees von einem Schlaganfall betroffen, der den alsbaldigen Tod der bedauernswerten Frau herbeiführte. Der kleine Junge holte auf schnellstem Wege Hilfe von zu Haufe zu Der auf der Landstraße liegenden Frau herbei, der Tod war jedoch schon eingetreten. Die auf so tragische Weise auS dem Leben abberufene Frau hatte in Gedern einen im dortigen Krankenhaus«! liegenden Sohn besucht Derantworttich für das Feuilleton i. D.: ____Dr. Fr. W. Lang e. ?/ MetmöasKinö keine Mlch mehr will, öann geben Sie ihm •Wüchkathr einer*? Der wird dreimal so leicht verdaut wie Mlch allein/ ... und viel.viel lieber gnrunken/ Minke für Vikfammler Rücksicht auf die Größe der Wohnfläche alle, SWJIlllV I Ml W IIj) I M III MlIVI < deren Frieden-wert 4000 Mark nicht über- steigt (Art 6,3). 3n diesem Sommer sind die Ditlerung-ver- 3. Dle Befreiung mit weniger al- 20 o. Ä be- hältnisfe für eine ergiebige Pilzernte ästeten Einfarnilienwohnhäufer bildet den lieber- besonders günstig Es wäre zu bedauern, wenn gang zu der Gruppe Der Befreiungen aus Grund der überreichliche Ertrag unserer nahen Wälder b<14 Richtvorliegens von Entfchuldungsgewinnen an diesem angenehmen und bekömmlichen Dah- bzw. des VorliegenS beweiben in geringerem als rung-mittel nicht au-genüht würde. SS muß aber normalem Maße. Bei Grundstücken, die am gesagt werden, daß das unbehagliche Gefühl 31. Dezember 1918 unbelastet, ober nur biß zu | deß Mißtrauens, weiche- viele Menschen jedem 30 v. H. belastet waren, ist die Steuer auf einen bestimmten, nach ber Höhe ber Belastung gestaffelten Prozentsatz beS Friebenswertes herab- zuseyen (Art. 7,3). Bei ber Berechnung ber Belastung werben etwaige nach bem 31. Dezember 1918 erfolgte Rückzahlungen mit ihrem Goldmarkwert in Abzug gebracht, falls dieser mehr als 25 v. H. des Goldmarkbetrag- der Belastung auß- macht Als Belastungen im Sinne dieser Bestimmung gelten u. a. nicht: Sicherungshypotheken. Derwandtenhypothe'.en aus Erbaußein- anderfehung bis zu gewissem Grade, Hypothe- Sleuerpslichtige, die sich vor Schaden bewahren wollen, werden also gut tun, ihre Verhältnisse eingehend daraufhin zu prüfen, ob nicht diese oder jene ErmäßigungZmöglichkeit bei ihnen vorliegt, was an Hand Der oben gegebenen Heber« IL» »' VmfieC3en$i ma lich fcn jtim Mt mit war, cher. besk Auf der ein» mar dem Am lat Kob laut 25,0 F- Jaup: leit rin{ Umfc Oleut] tion maf)T ober IW Hon' die tel flCT me' As Pr 3,1 net Erl ma wa große und (Heine ZKraft- Omnißusse üöerallfjin, vermietet 6ei niedrigster Zßeredjnung G. SKoos, fflnnevod 6. gießen Telepfjon gießen 3646 04746 Saison-Ausverkauf' Häüs" Handarbeit 5251A Haus der Handarbeit • Gießen • Seltersweg81 Werbe-Woche EinVersntiHflhrl zu ständigem Verbrauch Von Donnerstag, den 31. Juli bis einschL Mittwoch, den 6. 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Der vom Statistischen Reichsomt berechnete Aktienindex (1924 26 = 100) stellt sich für die Woche oom 21. bis 26.3u(i 1930 aus 108,0 gegenüber 112,0 in der Vorwoche, und zwar In der Gruppe Bergbau und Schwerindustrie aus 105,4 (110,4), Gruppe verarbeitende Industrie aus 97,2* (100,9) und Gruppe Handel und Verkehr aus 129,1 (132,4). • Adlerwerke norm. H e i n r. Sieger AG. Frankfurt a. M Durch die Sanierung und tatkräftige Reorganisation haben sich die Verhältnisse bei der Adlerwerke oorm. Heinrich Sieger AG., Frankfurt a. M. wesentlich gebessert. Die Umsatz» steigerung betrug 35 vH. gegenüber dem ersten Halbjahr des Vorjahres. Der Jahresumsatz betrug 80 Millionen Mark, aber trotz eines größeren Bruttogewinnes wird keine Dividende ausgeschüttet, vielmehr wurden Abschreibungen und Rückstellungen in größerem Umfange oorgenommen, um dem Werk für die jetzige schwere Zeit eine gesunde Grunolage zu geben. Bankschulden sind kaum vorhanden Der Rechnungsabschluß für das Geschäftsjahr 1928 29 schließt mit einem Bruttogewinn von 9 790 000 Mk. Rach Abzug der Handlungsunkosten, Steuern und sozialen Abgaben, Zinsen, Provisionen und Skonto und Zuweisung eines Betrages von 2 483 000 Mark an das Konto Wertberichtigung verbleibt ein Retto- überschuh von 255 000 Mark, der auf neue Rechnung übertragen wird. Im Geschäftsjahr 1930 sei der Umsatz weiter gestiegen. Die Gesellschaft konnte trotz der schwierigen allgemeinen Wirtschaftslage im ersten Halbjahr 1930 stückrnaßig 25 Prozent Automobile mehr absetzen, als im selben Zeitraum des Dor« jahres. Das Fahrradgeschäft hat an Bedeutung verloren. (GB. 12. Augu.) Frankfurter Börse. Frankfurt a.HL, 30.3uIL Tendenz: behauptet. — Auch heute war die 11 m f a g t a t i g * fett infolge der Order!osigkeit weiter sehr gering. Auch die Kulisse schritt in beschränktem Umfange zu Deckungen, da die schwache gestrige Reuyorker Abendbörse und die ungünstige Situation in der Metallindustrie zur Zurückhaltung mahnten. Die Grundstimmung der Börse war aber nicht unfreundlich. Das Arbeitsbe- schasfunaSprogramm der Reichsbahn fand Anklang Gegenüber der gestrigen Abendbörse war die Mehrzahl der Kurse gut behauptet. Teilweise ergaben sich leichte Kurserholungen: schon kleinste Rachsrage führte dazu. Etwas mehr in den Vordergrund traten am Kalimarkt Aschersleben und Salzdetfurth, die bis zu 1,5 Prozent gewannen, wahrend Westeregeln sogar 3,75 Prozent gewannen. Am Ehemiemarkt eröffneten Z.-G.-Farben behauptet, während Deutsche Erdöl 1,5 Prozent fester lagen. Auch am Elektromarkt war die Umsatztätigkeit nicht erheblich. Etwas höher waren AGG. und Siemens. Gesfürel lagen im Angebot und 1 Prozent schwächer. Scyuckert waren knapp behauptet. Am Montanmarkt war die KurSgcstaltung nicht ganz einheitlich. Buderus traten mit pluS 1,25 Prozent etwas hervor Bankaktien waren unverändert. Von Kunstseidewaren bestand für Demberg pluS 2 Prozent etwas mehr Interesse, dagegen lagen Aku mit minus 1 Prozent gedrückt. Am Rentenmarkt waren Schutzgebiete angeboten und etwas schwächer. Don Ausländern waren Türken leicht gebessert. 3m Verlaufe blieb das Geschäft klein. Auf vereinzelte Abgaben und unter dem Druck der Orderlosigkeit gaben die Kurse um Bruchteile eineS Prozentes gegen Anfang nach. Am Geldmarkt war Tagesgeld im Zusammenhang mit dem Monatsende mit 4 Prozent angespannter. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1844, gegen Pfund 20,3775, London gegen Kabel 4,8696, gegen Paris 123,75, gegen Mailand 92,94, gegen Madrid 43,35, gegen Schweiz 25,0525, gegen Holland 12,0913. Berliner Börse. Berlin, 30.3uli. Wie schon im heutigen Dormittagsverkehr, so herrscht auch zu Beginn der heutigen Börse stärkere Zurückhaltung. Das Geschäft bewegte sich in stillen Bahnen. Den schwachen Meldungen vom Ausland, der verschärften Lage in der Metallindustrie, der Unsicherheit hinsichtlich des Wahlkampfes und eventuellen Befürchtungen für den Zahltag stand das Arbeitsbeschaffungspro- Stamm der Reichsbahn gegenüber, so daß ie Kursentwicklung zwar nicht ganz einheitlich war, aber die ersten Kurse Im allg em einen gut behauptet lagen. Es kam nur unbedeutend Ware heraus. Bei den Banken überwog das Kaufinteresse. Auch das Ausland trat eher als Käufer auf, so daß sich in den S p e - zialpapierenKurserholungenbiSzu 3 Prozent ergaben. Montanwerte, Westeregeln, Deutsche Linoleum. Rheag. Zellstoff Wald- Hof, Schubert L Salzer und Sarotti sind hierbei besonders zu erwähnen. Auch Zahlberg List lagen im Derhältnis zu den niedrigen Kursen ausgesprochen fest. Reichsbankanteile hatten bei gröye- rem Angebot einen Derlust von 3,25 Prozent aufzuweisen. Deutsche Anleihen konnten sich behaupten. Don Ausländem gaben die in den letzten Tagen gesteigerten Werte cttoaS nach. Der Pfandbriefmarkt war noch unentwickelt, aber in der Grundstimmung etwas beruhigter. Geld zum Ultimo weiter anziehend. Tagesgeld 4 bis 6 Prozent. Monatsgeld 4,25 bis 5,75 Prozent, Warenwechsel und Geld über Ultimo ohne Umsatz, da keine Rachsrage bestand. Auch im Derlause war das Geschäft äußerst ruhig. Rachdem schon das Kursniveau ziemlich stabil war und sich zumeist sogar noch weiter kleine Gewinne ergeben hatten, überwog später wieder die Abgabeneigung, zumal man von Arbeiterentlassungen in der Warenbranche wissen wollte, ohne daß genaueres über dieses Gerücht zu erfahren war. Teilweise gaben die Kurse noch unter das Anfangsniveau nach. Frankfurlc Getreidebörse. F r a n k f u r t a. W., 30. 3uIL Am Produktenmarkt war das Angebot von 3nlandware sehr gering, doch machte sich auch nur_ geringe Rachfrage bemerkbar, so daß das Geschäft nur kleinsten Umfang annehmen konnte. Weizen war jedoch später etwas bevorzugter. 3m Zusammenhang mit einsetzender Material kn appheit ergaben sich einige Preiserhöhungen. Weizenmehl lag jedoch dagegen schwächer auf schleppenden Absatz. Roggenmehl gab bis zu 0,50 Mark nach. Auch für Kleie hielt sich das 3nteresse. Es wurden notiert: Weizen, Hektolitergewicht von 76 Kilo, 275 bis 276,50; Roggen, Hektolitergewicht von 70 Kilo, 175, Hektolitergewicht von 72 Kilo, 185; Hafer, inländischer 182,50 bis 185; Weizenmehl, südd., Spez. 0 43,50 bis 44,25; Roggenmehl 26.50 bis 27,50; Weizenkleie 8; Roggenkleie 8,25 bis 8,50. Tendenz: ruhig. Berliner Produktcnmarkt. Berlin, 29. 3uli. Trotz des allgemein als ungünstig erachteten Wetters und der wenig einheitlichen Cmteertragsschähungen nahm die Produktenoörse bei ruhigem Geschäft einen schwächeren Derlauf. Die scharfen Preisrückgänge an den überseeischen Terminmärkten lösten im handelsrechtlichen Lieferungsgeschäft verschiedentlich Realisationen aus, so daß Weizen und Roggen mit 1,50 bis 2,50 Mark niedrigeren Preisen eröffneten Weizen neuer Ernte war auf Grund des die Stuf (bar beiten verzögernden Wetters nur wenig angeboten, die Umsatztätigkeit blieb gering, das herauskommende Material wurde in der Hauptsache von Provinzmühlen ausgenommen. Roggen ist auch nur mäßig offeriert, die Rachfrage der Mühlen bleibt angesichts des unbefriedigenden Mehlgeschäftes gering, dagegen wird die Ware von Reporteuren mit 1 bis 1,50 Mark nichtigeren Preisen erworben. Weizen- und Roggenmehle werden zu toenig veränderten Preisen nach wie vor nur für den laufenden Bedarf gekauft. Hafer hat bei stetigen Preisen ruhiges Geschäft. Don Gersten finden nur feinste Qualitäten Beachtung. Es notierten (1000 Kilo): Weizen, märkischer, 3uli 292 bis 289,50 (matter), Sept. 261,50 bis 260,50, Oft. 263 bis 262, Dez. 269; Roggen, märkischer, 158 bis 161 (matter), 3uli 175,50, Sept. 175,50 bis 174,50, Oft. 179,50 bis 179, Dez. 189 bis 188; Gerste 174 bis 197 (stetig), Hafer, märkischer, 176 bis 183 (fester), 3uli 188, Sept. 180 bis 181 (Geld), Dez. 189,50 bis 189,75; (100 Kilo): Weizenmehl 31,75 bis 39,25 (ruhig); Roggenmehl 22,50 bis 25,50 (matter); Weizenfleie 10 bis 10,50 (still); Roggenkleie 10 bis 10,60, Diktoriaerbfen 27 bis 32; kleine Speiseerbsen 24 bis 27,50; Futtererbsen 19 bis 20, Peluschken 22 bis 25; Ackerbohnen 17 bis 18,50; Wicken 21 bis 23,50, Rapskuchen 10,60 bis 11,60; Leinkuchen 16,20 bis 16,60; Trockenschnitzel 8,60 bis 9,40; Sojaschrot 14,10 bis 15,10. Amtsgericht Giehen. Am 12. Mai passierte die Frankfurter Straße, Richtung Klein-Linden, ein A u t o, das eine starke Rauchfahne hinterließ, durch die sich Fußgänger belästigt fühlten. Der Führer wurde teSbalb auf Grund der Paragraphen 17 II und 50 11 der KDO. zur Anzeige gebracht, die er al- richtig anerkannte. Er bestritt aber jedes Verschulden. Auch das Gericht hielt ein solches für nicht erwiesen und sprach ihn frei Die Fahrt ging von Klein-Linden aus und der Angeklagte prulle vorher das Auto auf seine Fahrbereitschaft. Rach dem Oelmesser war da- vorhandene Del nicht ausreichend, und er beauftragte de-balb einen ihm als zuverlässig bekannten Mechaniker, dasselbe auszusullen. Bei der Abfahrt erklärte dieser auf Befragen, alles sei in Ordnung. Auf der Straße nach Gießen, die viel Gefälle hat, bemerkte der Angeklagte, der den Motor nur gering anzustrengen brauchte, kaum Rauch, wohl aber auf der Rückfahrt, als er nach kurzem Aufenthalt in Gießen die Frankfurter Straße wiederum befuhr. Sofort nach dieser Wahrnehmung begab er sich zur nahegelegenen Auto- reparaturwerkstätte 3äger, in der alsbald Abhilse geschaffen wurde, so daß er die Fahrt unbehelligt fortsetzen konnte. Rach Ansicht des Gerichtes war dem Angeklagten beizupflichten, wenn er behauptet, es könne ihm nach Lage der einschlägigen Derhältnisse, wenn ganz in der Rähe sich eine Autoreparaturwerkstätte befinde, nicht Augcmutet werden, den Fehler auf offener Straße au beheben, andernfalls hätte er mit der Möglichkeit neuer Hemmnisse rechnen müssen u. dgl. m. Auch bei der Abfahrt in Klein-Linden trifft nach Ansicht deS Gerichtes den Angeklagten kein Verschulden; er durste sich auf die Versicherung deS Autxrläfjigcn Mechanikers, der Wagen sei fahrbereit, verlassen. Auch die Errichtung von Treibhäusern in Gärten und der Dau eines Schornsteins dazu bedürfen baupolizeilicher Genehmig u n a. 3m Fragefall soll der Arg Magie einen solchen als Baumeister ohne diese Genehmigung errichtet haben. Die Verhandlung ergab aber, daß er nur bei Fertigstellung des Treibhauses etwas behilflich gewesen ist, daß aber die Errichtung des Schornsteines einem anderen zuzu- schreiben war. Deshalb erfolgte auch in diesem Falle Freisprechung. Preu&etL Raubüberfatt auf einen Wohlfahrtspflege!-. WGR. Frankfurt a. M., 29.3uli. Heute abend wurde der Wohlfahrtspfleger Richard S ureck in seiner Wohnung in der Hasen- straße 19 von einem bis jetzt noch unbekannten Täter überfallen und durch einen Schuß in die Brust schwer verletzt. Sureck hatte heute Wohlfahrtsgelder empfangen, die ihm geraubt wurden. Beim Eintreffen deS UeberfallkommandvS war der Täter bereits verschwunden. Sureck wurde ins Krankenhaus ein- gelicfcrt. Zu dem Raubüberfall teilt die Pressestelle deS Polizeipräsidiums mit: Der 57 3ahre alte Bezirksvorsteher Sureck wurde am 29. 3uli gegen 17 Uhr in seiner Wohnung, Hafenstrahe 19, von einem unbekannten Täter, der sich P. Kamler nannte, überfallen und durch einen Revolverschuh in die linke Brustseite verletzt. Der Täter erbeutete etwa 5500 Mark ©ilbergelb, bestehend aus Ein- und Zwei-Markstücken, und 10- und 20-Markscheine. Der flüchtige Täter wird wie folgt beschrieben: 28 bis 32 3ahre alt, 1,75 Meter groß, kräftig, längliches, kochigeS Gesicht, dunkles, gescheiteltes Haar, kleine Schnurrbartfliege, hohe, zurückliegende Stirn. Der Täter trug einen abgetragenen, dunkelbraunen Anzug, steifen Stehumlegekragen, dunkle, lange Krawatte über ein Drahtgestell gezogen, wie es von Straßenhändlem verkauft wird. Sachdienliche Angaben erbittet die Kriminalpolizei. Kreis Wetzlar. 0 Krofdorf, 28. 3uli. Dor 1 00 3 al) re n , am 31.3uli 1830, wurde unser Ort und feine Umgebung von einem schweren Unwetter heimgesucht. Rachmittags gegen 6 Uhr zog ein Gewitter von Westen heran. Da damals allgemein die Getreideernte später stattfand als heute, und dadurch an jenem Tage noch keine Frucht geschnitten war. zerschlug der Hagel das Korn- und Weizenfeld. Auch die Dbftbäume wurden stark in Mitleidenschaft gezogen. 3n dem Dori zeugten viele zerbrochene Fensterscheiben von Dem Toben des Unwetters Der Schaden belief sich auf 1918 Taler, 6 Silbergroschen und 2 Pfennig. Kreis Marburg. )[ Kirchvers, 29. 3ult Daß auch auf dem Lande daS Interesse für den gesunden Schwimmsport um sich greift, zeigt die Einrichtung eines Waldschwimmoades. da- am Sonntag bei unserem Orte eingeweiht werden konnte. Das schöne Bad hat verhältnismäßig wenig Mittel beansprucht, denn da- meiste haben die Ortsbewohner geschafft, und der Staat brauchte nur 4500 Mk. zuzusteuern. Das Bad saht 1300 Kubikmeter Wasser und ist 30x25 Meter grob. An den Feierlichkeiten beteiligten sich der Marburger Schwimmverein, sowie Gäste solcher Dereine aus Gießen und Wetzlar. Maingau. WSR. Frankfurt a. M., 29. Juli. In letzter Zeit sind mehrfach aus den Wartezimmern von Aerzten bzw. aus den angrenzenden Zimmern Gemälde entwendet worden. In einem Falle handelt es sich um eine Heidelandschaft mit untergehender Sonne von dem Maler Sari Meyer, in einem andern Falle um ein Gemälde von Heerdt, eine italienische Landschaft mit Herde und Hirten. 211« Täter kommt ein etwa 35 Jahre alter Mann in Betracht Turnen, Sport und Spiel. Ter Vuropa-Rundflug. 25 Europaflieger waren bis zum Dienstagabend in Berlin eingetroffen. Unter den am Dienstag angekommenen neun Maschinen befanden sich acht deutsche, und zwar v. Massenbach. Rotz. Pclchke, Osterkarnp. Lusscr, Roeder, RihticS und Krüger und der Pole Bajan. Der auf dem Wege nach Berlin befindlich« Deutsche Aichele mußte kurz vor erfolgreicher Beendigung in Schivelbein (Pommern) wegen Propellerbruchs notlanden. Rach einer vorläufigen Wertung führt der Engländer D r o a d mit einer reinen Flugzeit von 43:02:00 vor dem Deutschen Poh mit 50:43:00 und dem vorjährigen Sieger Morzik. Die Tabelle dürste sich aber noch wesentlich ändern, da die inzwischen eingetroffenen Teilnehmer evtl, noch bessere reine Flugzeiten erzielt haben können. Aus dem Amisverkündigungsblati. • DaS Arnt-verkündigungSblatt Rr. 5 7 vorn 29. 3uli enthält: Straßensperre. — Straßensperre-Aufhebung. — Steuerfreien Bienenzucker 1930. — DersaffungStag 1930. **» Büchertisch. — Klaus Groth: Quickborn. Eingeleitet und auSgewählt von Wilhelm Lobsien. Re- clamS Universal-Bibliothek. 3n Ganzleinen 2.— Mark. — (56.) — Klaus GrothS plattdeutsche Gedichtsammlung ist nicht nur daS bedeutendste Werk niederdeutscher Lyrik, sondern gehört zu dem besten und unvergänglichen Gut unserer ganzen deutschen DerSdichtung. Der .Quickborn" wird hier zum ersten Male in einer gut lesbaren Orthographie geboten, die der hochdeutschen Schreibweise angenähert ist. 3m Anhang befindet sich ein ausführliches Wörterbuch. — Siegfried Kallenberg: Max Reger. Musiker-Biographien 41. Band Reclams Universal-Bibliothek Rr. 7045. Geb. 80 Pf. — (57) — Der Dersasser hat den Stoff so gegliedert, daß sich Biographische- und AesthetischeS da- Gleichgewicht Haltern Das Werk Regers erscheint so, wie eS sich chronologisch dem äußeren LebenS- Sang einordnet. Raturgeinäh nimmt aber auch ie kritische Betrachtung der musikalischen Schöpfungen einen nicht unbeträchtlichen Raum ein. Kirchliche Nachrichten. Donnerstag, den 31. Juli. Giehen. 17.30 Uhr. Beichte. Freitag, den 1. August. Gießen. 6.30 Uhr: Segensamt. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Jranffun a. DL 1 Berlin IranFturt a. Dl Berlin Schluß-< l^lhe- tur« । flur« Schluß- für« Anfang» Hure Schluß»' furd । t-ilhr- Rur» Schluß- fur» Anfang» Datum 29. 1. 30. 30. 1. Datum 29. . 30 /. 29 - 30. i. 6% Dtunax Metaj«aiueuh von 1927 ....... 7% Leu Ütze Reichlanleche von 1929 ■ > - - - - • Deutlich« Anl.-LblSst-Schuld mit LuSlot-Rrchtrn...... Detgl. ohne Butlol-Rechte . . 8X Helt, vokttstaat von 1929 (rinfjablb. 108%) ■ ■ v; • Oberteilen Provinz. Anleihe mb «ullol-Rechten . . ... Deutsche komm. 6antmelabL Anleihe Serie 1 - - 9% Rrantl. -vv.-B-nk »olbtfe XIII unkündbar bi« 193« . ■ <•% Krankl. Pvv -Banl «ofopft unkündbar bl« 1932 . . \ 75,5 — 1 74,5 74 Zementwerk Heidelberg . . 101 102,5 1 02 1 — — Tementwerk Karlstadt. ... 101 128 —1 — — Oatifc & RreDtafl ...... 8| 70 70 1 70 — SchuUdeii Papentzofer ... 15 — - 262 1 263,25 c «werke.........12 - - 210,5 212 ..............18 94,25 94 93.5 94 vemberg.........U 94 96 94,5 95,5 Zellstoff Waldhof .... 18'/, 130 — 128,75 , 132 Zestst-st Alchastenbura . . . 12 - 98 100,25 Charlottenburger Wasser ... 8 — — 94,5 94,75 Daimler Motoren . ..... 0 27,5 — 27,5 27,6 Deutsche Linoleum ...... 183 1 86,5 183 1 86,5 Maschinenbau ü -B. . ••..<> ~ ~ 41 Sai. Automobil.......0 — — 10,25 11 c» nstein L Koppel.....6 “ — 61,25 61,5 Leonhard Die» ...... 10 — — 131,5 | 131 Svenska ........ — 306 306 frankfurter Maschinen ....4 21,51 — 20,51 — chri-ner .........6 33,5 — 30,25 — He v sta enstaed t ....... 0 — — — — Jung Hans. ......... 6 35,5 — 34 — Lech werke..........8 94.25 — ~ — Mamkraftwerke Höchst 0.3JL. . 8 80 — — — Mag 10 88 — 87 88 »ebr. Roeder.......10 100 - - — Boigt»Haesfner ...... 8 153 — 155 — tzüddeuuche Zucker .... 10 150,25 — 150,751 — ,9. Jul. 30. Juli Bmtliche Notierung Geld I vrie «tätliche Geld Notierung »riet Lmst^NoN. töuktt-.AireS Best--Antw Thristtania - Kopendogcn Stockholm . HeistnglorS. Italien. . . London. . . ‘fiennorf . . Paris.... Schweiz .. Spanien . Japan . . . »io de Jan. Bten In D-» Ctft. dbgeft Prag . . . Belgrad . . Vudavest. . Bnloarieu . ristadon Tavjig. . Konst nnn. Athsi. . Tanada Um nett). Tatro . . 168,35 1,505 58,505 112,06 112,10 112,45 10,519 21.895 20,354 4,180 16,445 81,235 46,70 2,063 0,435 59,10 12,395 7,418 73,31 3,032 18,79 81,40 1,784 5,43 4,185 3,477 20,85 168,63 1,509 58,625 112,28 112,32 112,67 10,539 21,935 20.394 4,188 16,485 81,395 46,80 2,067 0,437 59,22 12,415 7,432 73.45 3,038 18,83 81,56 1,789 5,44 4,193 3,483 ! 20,89 168,35 1,502 58,505 112,06 112,11 112,46 10,52 21,905 20.357 4.1805 16,445 81,265 47,05 2.063 0,489 59,095 12,395 7,419 73,31 3,032 18,79 81,42 1,784 5,43 4,185 3,445 20,865 168,69 * 1,506 58.626 112.28 112,33 112,68 10.54 21,945 20,397 4,1885 16,485 81,425 47,15 2,067 0,491 59,215 12,415 7,423 73,45 3,038 18,83 81,58 1,789 5,44 4,193 3,453 20,905 Oberheffen. Kreis -llsfeld. =er. Homberg a. d. Ohm, 29.3uIL Am Sonntagabend ereignete sich zwischen Homberg und Rieder-Gemünden bei der Dicknertsmühle ein Automobilunglück, das erfreulicherweise für die Insassen des Kraftwagens noch glimpflich verlief, sehr leicht aber schlimme Folgen hätte haben können. Das Auto des Homberger Arztes, Dr. Goetz, das voll besetzt war, wollte einem in rascher Fahrt daherkommenden Motorradfahrer ausweichen, geriet hierbei aber infolge der durch Regengüsse aufgeweichten Straße ins Rutschen und kam dem am Straßenrand befindlichen Geländer zu nahe, das dort an dem steilen Abhang zur Sicherung des Straßenverkehrs angebracht ist. Der Kraftwagen zertrümmerte das Geländer auf eine größere Strecke hin und rollte den an dieser Stelle st eilen und hohen Abhang ein S t ü ck hinab, wurde dann aber zum Glück für die Insassen durch den dichten Bestand an Lannenbäumen aufgehalten. Dadurch wurden die Autoinsassen vor dem Sturz in die Ohm bewahrt. Zum Glück wurden bei dem ganzen Vorfall keine Personen verletzt, jedoch wurde der Kraftwagen so erheblich beschädigt, daß er abgeschleppt werden mutzte. — Ober-Ohmen, 29. Iuli Da die Freiherren von Riedesel beabsichtigen, 2 80 Morgen Acker- und W i e s e n g e l ä n d e - r e i e n in der hiesigen Gemarkung abzu ° st o tz e n, beriet der E^meinderat über ein Angebot in dieser Sache Kaufpreis und Dedingun- | gen wären weniger Gegenstand der Beratung. Im Vordergründe stand die soziale Bedeutung des Problems für die hiesige Ortschaft, da befürchtet wurde, datz beim Richtzustandekommen des Vertrages sich Grundstücksspekulanten des Objektes annehmen und in Einzelparzellen mit unverhältnismäßig hohen Gewinnen an die Bevölkerung, die letzten Endes doch immer wieder in Frage kommt, verkauften. Aus dieser Erwägung heraus beschloß die Gemeindevertretung, trotz der nicht rosigen Finanzlage des Dorfes mit den Freiherren von Riedesel in Unterhandlungen einzutreten. Kleine Strafkammer Gießen. * Gietzen , 25. Iuli. Zunächst standen zwei Fälle der fahrlässigen Transportge- f ä h r d u n g zur Verhandlung. In dem einen hatte ein auswärtiger Mehgermeister mit seinem Auto den Betrieb der elektrischen Straßenbahn in Gießen am Lindenplatz zur Marktzeit gefährdet. Er wurde in erster Instanz zu einer Geldstrafe von dreißig Mark verurteilt. In der heutigen Derufungsverhandlung machte er ge'tend, er habe die angebrachten Warnungsschilder nicht gesehen, auch habe wenigstens das eine gefehlt. Da durch die Zeugen erwiesen wurde, daß alle Schilder in richtiger Höhe und gut sichtbar angebracht waren, wurde seine Berufung kostenfällig verworfen. — Denselben negativen Erfolg hatte die andere Berufung eines Autofahrers, der in erster Instanz zu 2 5 M a r k G e l d st r a f e evtl, fünf Tage Gefängnis verurteilt wurde. Er brachte an einem Bahnüberübergang in der Rähe von Lollar seinen Kraftwagen erst im letzten Moment zum Halten, so datz er ftodji Volt einem däherkommenden Zug erfaßt wurde. Der Angeklagte berief sich auf schlechte Sicht. Das Gericht steht auf dem Standpunkt, es sei Pflicht des Angeklagten, sich rechtzeitig zu vergewissern, ob ein Zug herannahe und evtl, vor den Gleisen zu halten. Mit Rücksicht darauf, daß im vorliegenden Falle die Schuld gering war, blieb es trotz der erheblichen Gefährdung des Zuges bei der früheren geringen Strafe. Ein auswärtiger Kaufmann hat aus Rachsucht in angetrunkenem Zustand die Reifen mehrerer Autos zerschnitten, so daß die Wagen unfahrbar wurden. Er wurde trotz Leugnens vom Amtsgericht zudreiMonaten Gefängnis verurteilt. Gegen dieses Urteil verfolgte der Angeklagte Berufung. Da das Gericht nach der eingehenden Beweisaufnahme nicht den geringsten Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten hegte, erfolgte Verwerfung der Berufung. Von der vom Staatsanwalt beantragten Erhöhung der Strafe wurde nur abgesehen, weil der Angeklagte noch nicht vorbestraft war. Die Berufung eines unentschuldigt ausgebliebenen Angeklagten wurde kostenfällig verworfen. Berliner Börse. Berlin, 31. Juli. (WTB. Funkspruch3 Nach dem freundlichen Verlauf der gestrigen Frankfurter Abendbörse schien die Tendenz im heutigen Früh- verkehr schon wieder etwas unsicher zu werden, nacy- dem Neuyork gestern abend sehr schwachen Schluß gemeldet hatte. Auch die Verfassung der Lage in der Metallindustrie mahnte zur Zurückhaltung, so daß sich noch kein Geschäft entwickeln konnte. Herr im Hause? Ich bin allein der Herr im Hause, ich tu und laß, was mir gefällt. Ich fühl das Glück der stillen Klause: Mein trautes Heim ist meine Welt. Ich rauch im Bett und streu die Asche gemütlich auf den Teppich hin, und wenn ich mich dann morgens wasche, so tu ich's mit vergnügtem Sinn. Ich ziehe meine Straßenschuhe getrost im Herrenzimmer aus und reiße aus der Wäschetruhe drei Hemden gar zugleich heraus. Ich esse, schlafe, lebe heiter nur wo und wann und wie's mir paßt. Mein Dasein rollt behaglich weiter ganz ohne Angst und ohne Hast. Und kehr ich von der Bummelreise vergnüglich heim zu später Stund, so pfeif ich laut die neuste Weise und klappre mit dem Schlüsselbund. Ich tue nichts, den Lärm zu mindern, der sich am Schlüsselloch erweist denn meine Frau ist mit -ei^Mndern zum Ferienaufenthalt verreist. _________________Puck. I^ufe^e u. frische Milch, das Ist die Nahrung für Dein Kln4 wenn Du nicht selbst stillen kannst. Die für eine Mahlzeit benötigte Menge .kXufeKe' kostet für ein Kind bis zum 6. Monat nur 34. Mittelrheinisches Kreisturnfest, Hanau 31. Juli bis 4. August 1930 Festgelände im herrlichen Wilhelmsbad Mittwoch, den 30. Juli: ERÖFFNUNGS-FEIER • Donnerstag, den 31. Juli, bis Samstag, den 2. 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