Ä®lade - 18O.3ofrgaig Utontog, 50.3uni 1950 Sonntags unb Jeiertagk Mi» ▼ » M Ii«0«e ooe lijclecw -W- j| itlMAAy WM äS»s% vjlvllvllvl ^IIiiviUlI Sä« Reichspfennig für Träger. U M W ▼ ■ V B ®“tte 35 9itid)»pfennlg, lohn, auch bei Nichter- N M ” äD ▼ Platzvorschrift 20*/. mehr. scheinen einzelner Nummern MM Chefredakteur: «folge höherer Gewalt. < AW • M Dr. Friebr. Will). Lange. SSS General-Anzeiger für Oberheffen NZZ pstzschemonto: W ’ ’ Dlumschein unb für den mal1’11686- Pnl3) Die Vereinigten Ausschüsse deS Reichsrats hielten am Samstag« vormittag eine Sitzung ab, in welcher die Reichs- regierung ihnen ihre neuen Deckungs- vorlagen unterbreitete. Für die Auslührun- gen des Reichskanzler» und deS Reichsfinanz- Ministers Dietrich war die Sitzung öffentlich. Reichskanzler Or. Brüning erklärte narnen« der Reichsregierung: Man hat sich in der Oefsentlichkcit darüber gewundert, bah die ReichSregierung, nachdem im April ein Deckungsprogramm zur Sanierung der Kassenlage verabschiedet war, erneut nach zwei Monaten mit hohen Ansorderungen an die parlamentarischen Körperschaften herangetreten ist. Man hat vielfach den Vorwurf erhoben, alS ob die Reichsregierung im April die finanzielle und wirtfchaftltche Lage des Reiches nicht genügend sicher beurteilt habe. Als die neue Reichsregierung gebildet wurde, hat sie den Etat und die Ctatsschähungen des früheren Kabinetts übernommen. Diese Etatsschätzungen waren in einer 3eit aufgestellt, deren Merkmale auch noch gültig waren für ihre Verabschiedung, aber mit ganz anderen wirtschaftlichen Aussichten, als sie zur Seit bestehen. Die Schätzungen waren zunächst darauf ausgebaut, daß die Vounganleihe sehr viel früher zustande kommen würde und daß man damals von der Placierung der Voung- «nleihe unmittelbar einen erheblichen Aufschwung der Wirtschaft, namentlich in Deutschland erhoffte. Die Reichsregierung ist jedoch schon sehr früh zu einem anderen internen Ergebnis in der (Beurteilung der wirtschaftlichen Lage gekommen. AlS die Reichsregierung ihre internen Schätzungen aufstellte, herrschte noch ein gewisser Optimismus in den Vereinigten Staaten, auch bei den amtlichen Stellen. Es hat sich aber gezeigt, dah dieser Optimismus nicht begründet ist. und dah vielmehr damit zu rechnen ist. dah namentlich in den Vereinigten Staaten die Arbeitslosigkeit und die Erschütterung der Wirtschaft sehr viel längere Zeit dauern wird, als vorher selbst die Pessimisten angenommen haben. Die Krise der Wirtschaft hat sich aus die ganze Welt ausgedehnt. Ich darf gleichzeitig feststellen, dah im Vergleich zu anderen Ländern die Lage auf dem Arbeitsmarkt ir Deutschland nicht so ungünstig ist, wie vielfach angenommen wird. Trotzdem müssen wir bei der Veurteilung der Lage der Reichsanftalt für Arbeitslosenversicherung durchschnittlich zu einer höheren Arbeitslosenziffer kommen. Die Berechnungen beruhen jetzt auf der Durchschnittsziffer von 1,6 Millionen Arbeitslosen. Cs ist von entscheidender (Bebcutung, dah diese Ziffer durch die Mahnahmen der Reichsregierung im Laufe dieses Jahres tatsächlich durchgehalten wird. Mit der Weltwirtschaftskrise ist verbunden eine Internationale Veränderung de-s Preisniveaus auf der ganzen Linie, am wenigsten allerdings in den Einzelhandelspreisen, die zu einer vollkommen veränderten Beurteilung oer künftigen Entwicklung zwingt. Die Spanne zwischen Produktionspreisen, Roh- stosfpreisen und Agrarstoffen ist ganz auher- vrdentlich geworden. Wir sind dazu übergegan- gen, sofort neue Schätzungen aufzustellen und neue Deckungsvorlagen ein^ubringen. Wir glaubten dazu verpflichtet zu sein angesichts der Tatsache, dah in den vergangenen Jahren aus Mangel an Einsicht der Parteien oder aus a u h enpo l i t i sch e n Rücksichten nicht sofort dann, wenn sich eine veränderte finanzielle Situation ergab, die Initiative ergriffen und energisch an ein Sanierungsprogramm herangegangen wurde. Dah die Deckungs- Vorschläge der Reichsregierung nicht populär sind, darüber ist sich die Reichsregierung selbst klar gewesen. Eine Deckung durch Anleihen kam auch nach Ansicht des Reichsbankpräsidenten unter keinen Umständen in Frage. Ich bin der Lieberzeugung, dah die Beamtenschaft im Lande selbst einsehen wird, dah dieses Opfer, das sie bringen soll, im Rahmen oll der Opfer, die den verschiedensten Berufsständen zugemutet werden, notwendig ist, und dah sie sich diesem Opfer nicht versage. Zu- sammenfassend muh ich erklären, dah die Reichsregierung an diesem Deckungsprogramm feft» halten muß, auch an feiner schnellen Erledigung. ^eichsfinanzmimster Oieinch führte aus: Zur Deckung des Fehlbetrages ist einmal vorgesehen die Reichshilfe der Personen de» öffentlichen Dienstes. Darunter sind verstanden die Beamten nicht nur des Reiches, der Länder und Gemeinden, sondern auch der öffentlich-rechtlichen Körperschaften. Ferner die DaucrangcfteUten der öffentlich- rechtlichen Körperschaften, die penfionärc, aber nicht die Witwen und Waisen. Es ist eine Jrci- g r e n ] e gesetzt von 2000 Mark Jahreseinkommen, auch die Kinderzulagen (240 Mark) sind freigemacht. Bei den Dauerange ff eilten des Reichs unb bet öffentlichen Organisationen beginnt die Zahlungsverpflichtung erst bei 3600 Mark, weil biefe Angestellten der Arbeitslosenversicherung unterliegen. Vie höhe der Reichshilse ist auf 2,5 v. h. der Bezüge fcftgclegf. Dom 1. August 1930 bis zum 31. März 1931 soll diese Reichshilse einen Ertrag erbringen von 135 Millionen Reichsmark. Der 5 -v. h.-Zuschlag zur Einkommen st euer von allen Einkommen über 8000 Mark soll 58 Millionen Reichsmark, der Zuschlag für die Ledigen bedeutet den Wegfall der 25-v. H.-Lrmätzi- gung bei Einkommen bis zu 2640 Mark unb bei den darüber hinausgehenden Einkommen den Wegfall der (Ermäßigung von 36 Reichsmark unb einen Zuschlag von 10 v. h. Das soll 110 Millionen Mark erbringen. Bon den insgesamt 168 Millionen entfallen auf die Länder 5,5, auf das Reich 162,5 Millionen. Aus derBerkürzungderSteuer- friflen für bie Zigarettenbanberolen unb Berlängerung bet Kontingentierung ber Zigarettenfabriken erwartet man 48, aus Ltatserfparnifsen für 1929 35, für 1930 100 Millionen Reichsmark. Insgesamt ergeben sich 480,5 Millionen für bas Reich unb 5,5 Millionen für die Länder. Durch die einprozeptige Beitragserhöhung und die Res arm der Arbeits- losenverficherung sollen von dem Desizit der Reichsanstatt 269 Millionen bis zum 1. April nächsten Jahres abgetragen werden. Die Vorlagen, die den verbleibenden Rest des Reichsdesizits decken, dürfen auf keinen Fall verzögert werden, weil fie Voraussetzungen für eine endgültige Bereinigung unserer Schwierigkeiten schaffen müssen. A in Etat des Reiches kann man nicht unbeschränkt sparen. Die Sparmöglichkeit beschränkt sich auf 2140 Millionen, in denen 1 Milliarde für soziale Zwecke enthalten ist. Sparen kann man zunächst nur an den 166 Millionen für die sächlichen Verwaltungsausgaben des Reiches, ferner an Bauten unb Beschaffungen. Insgesamt beschränkt sich bie bewegliche Summe des Etats auf eine runbe Milliarde. .hiervon 10 0 Millionen einzuspa- ren, ist eine schwere Aufgabe. In der heutigen Sleuerbelaflung, besonders auch den Realsteuern und der hauszinssteuer, liegt eine große Gefahr, die dahin führen kann, daß zwar die Werkstätten in Deutschland bleiben, die Steuerzahler aber außerhalb unserer Grenzen sitzen. Selbstverständlich liegt es dem Mini- sterium fern, vor den Steuerflüchtigen zurückzuweichen. Ich glaube aber auch, daß bie jetzt oorgefdjlagene Zufahbelaftung der höheren Stufen abgetragen werden kann. Ferner ist beabsichtigt, im Rahmen der Einkommensteuer den Einzelkausleuten, offenen Handelsgesellschaften und Kommanditgesellschaften für ihre Reserven Erleichterungen zu gewähren, damit das deutsche Kapital ber brutschen Wirtschaft erhalten bleibt. 'Wie wird es weitergehen? Zunächst kann das Reich in nächster Zeit keine auch noch so geringfügigen Ausgaben, übernehmen, es muß sich im Gegenteil auf weiteren Abbau besinnen. Ferner muß d i e Arbeitslosigkeit bekärnpst werben durch Ordnung ber Finanzen und damit Wiederher st ellung des Vertrauens in die deutsche Wirtschast, durch Herstellung der deutschen Konkurrenzfähigkeit und durch Arbeitsbeschaffung. Das in die Wege geleitete Arbeitsbelchaffungsprogramm ist allerdings nur ein Notbehelf. Viel wichtiger ist die Sanierung der Preise und Produk- tionskosten, namentlich für die Bauten, die am stärksten überteuert sind. Am Weltmarkt scheint die Kaufkraft den Vorkriegsstand wieder zu erreichen. Die Rückwirkung auf unsere eigene Wirtschast kann nicht ausbleiben, wenn wir unsere Konkurrenzfähigkeit am Weltmarkt behaupten wollen. In diesem Falle gehen wir einen schweren Gang. Wir müssen damit rechnen, daß trotz aller Anstrengungen die Arbeitslosigkeit anhält und die Gemeinden durch die Ausgesteuerten vielleicht noch stärker als bisher belastet werden. Wenn wir in den nächsten Monaten die Frage lösen müssen, wie wir den Gemeinden Helsen können, so denke ich zunächst an die Einführung e i n e s_ Verwalt ungsko st cnbeitrages oder Schaffung einer Gemeindegetränke- oder Gemeindeverzehr st euer. Ein Entwurf über die Besteuerung der Öffentlichen Betriebe liegt dem Reichstage vor. Der Redner weist bann darauf hin, daß der Reichsarbeitsminifter nur noch für eine beschränkte Zeit in besonderen Härtefällen neue Kriegsbeschädigtenrenten bewilligen will. Jedes Jahr sei eine neue Armee von Kriegsinoaliden bin- zugekommen, heute, zwölf Jahre nach Beendigung des Krieges, werde jedoch in den wenigsten Fällen, die jetzt erst auftauchen, ein Ziifamm.n° Hang zwischen ber Invalidität und der Kriegsteilnahme festzustellen fein. Ferner habe der Reichs- arbeitsminister eine Reform der Krankenversicherung oorgelegt, die durch sie erzielten Ersparnisie hätten jedoch nur einen Zweck, wenn sie tatsächlich zur Verminderung ber Beiträge, also zur Entlastung der durch die Arbeitslosenversicherung wieder schwerer belasteten Arbeitgeber und Arbeitnehmer verwendet werden. Wenn sich der Index der Rohstoffe am Weltmarkt dauernd um 100 betrogen sollte, bann mürbe dasjenige Volk den größten schaden haben, das dem Preisabbau den längsten und entschlossensten Widerstand entgegensetzte. Mit Ersparnissen sei das Reichskabinett voran- gegangen, es hoffe auf Nachfolger in der Staats- wie in der Privatwirtschaft. Die Aussprache. Die Weiterverhondlungen der Aiisschüste waren vertraulich. Die Vertreter fast aller Lander beurteilten die Vorschläge Dietrichs freundlilb jedenfalls sehr viel freundlicher als diejenigen Molden- Hauers. Grundsätzliche Ablehnung fanden die Vorlagen von keiner Seite. Ihre endgültige Stellung- nähme behielten sich die Lander für die Einzel- beratung nor, die am Montag in den Ausschüssen beginnt. Einige Lander, namentlich Bayern, meldeten schon heute ihre Ansprüche auf Beteil i« gung an b e in erhöhten Steueraufkommen an. In Kreisen des Reichsrats rechnet man bei dieser Stimmung der Reichsratsmitglieder damit, baß die neuen Deckungsoorlagen, wenn auch nicht ganz unverändert, so doch oh ne hinder. Nisse den Reichsrat passieren werden. Die Einholung von Instruktionen wirb diesmal keine Verzögerung Hervorrufen, da die LÖnberchess selbst in Berlin sind und bie Vorlagen beute schon prüfen konnten Die neuen Steuern. Berlin, 28. Juni. Ium neuen Finanzprogramm erhalten wir folgende Interpretation: Der Reichshilfe unterliegen alle Beamten und Angestellte der ösfcntlichen Hand. Dazu gehören insbesondere auch die Kirchen, Handelskammern, Lanbwirtschaftskammern. Reichsbank und Deutsche ReichSbahngesellschast, Wehrmacht usw. Die Träger der Sozialversicherung, sowie die Unternehmen mit überwiegender Kapitalbeteiligung von Reich, Landern oder Gemeinden mit ihren Bruttobezügen. Befreit find die Kinderzuschläge sowie das Witwen- und Waisengeld. Bei den Angestellten bleiben die ersten 3600 Mk. frei weil davon Arbeitslosenversicherungsbeiträge entrichtet werden. Allgemein befreit sind Bezüge, wenn sie 2000 Mk. jährlich nicht übersteigen. Die Rcichshilse beträgt 2.5 v. H. Sie wirb für die Zeit vom 1. August bis 31. Mär- 1931 erhoben. Die Reichshilfe wird bei Berechnung des Einkommens abgezogen. Der Zuschlag von 5 Prozent zur Einkommensteuer für die Einkommen von mehr als 8000 Mk. wird nach der Veranlagung für 1 9 2 9 erhoben. Dem Zuschlag zur Einkommensteuer unterliegen alle Personen, die wegen eines Einkommens von mehr als 8000 Mk. veranlagt worden sind. Da bei den Lohnsteuerpflichtigen eine Veranlagung erst bei Einkommen von rneh» als 8720 Mk. ftattfinbet, ist eine Ueberschnei- dung mit den Arbeitslosem>erslcherungSbciträ- gen ausgeschlossen. Die Zuschläge sind gleichzeitig mit den lausenden Vorauszahlungen, also am 10. Oktober 1930 und 10. Januar 1931 (bei her Landwirtschaft am 15. Rovember 1930 und 15. Februar 1931) zu entrichten. Der Zuschlag zur Einkommensteuer ber Ledigen besteht 1. in einem Wegsall de- im 3ult 1928 eingeführten Abschlages, ber 25 Prozent, höchstens aber 36 Mk. jährlich betrug, 2. bei den Personen, bei denen nicht mehr der prozentuale, sondern nur der seste Abschlag von 36 Mk. sich auSwirkt. d. h. bei einem Arbeitslohn von mehr als 2640 Mk. jährlich tritt außerdem ein Zuschlag von 10 v. H zur Steuer hinzu. Bei den Lohnsteuerpflichtigen wird dieser Ledi^ienzuschlaa zugleich mit ber Lohnsteuer vom 1. August ab erhoben. Bei ber veranlagten Einkommensteuer werden die Zuschläge nach der Einkommensteuer für 19 2 9 be rechnet und an den oben genannten Vorauszahlungsterminen eingezahlt. Zu den Ledigen zählen nicht die Verwitweten und Geschiedenen. Befreit von der Ledigensteuer sind Unverheiratete, denen für uneheliche Kinder, Adoptivkinder usw. Kinderermäßigungen zustehen. Oie Haltung der Parteien. Berlin, 28. Juni. (Tel.-An.) In den Mittagsstunden empfing der Reichskanzler die Führer der Regierungsparteien zu einer Besprechung. in der den Parteiführern das Dek- kungsprogramm der Regierung mitgeteilt wurde. Weitere Parteiführerbesprechungen sollen erst stattsinden, nachdem der Reichsrat die Deckungsvorlagen verabschiedet hat. Die ReichSratsaus- schüsse wollen ihre Arbeiten nach Möglichkeit beschleunigen, so baß die Vollsitzung des Reichsrats zur Verabschiedung der Vorlagen vielleicht schon am Mittwoch stattsinden kann. Die Besprechung beim Kanzler hatte nur informa- torischen Charakter. Es hat sich dabei erneut gezeigt, daß die Regierung unter allen Umständen an der Deckung des 480-Millionen- Fehlbetrages durch Einsparungen und Steuern festhält und daß sie auf die Verwirklichung ihrer Pläne noch in dieser Reichstagssession bringt. Der Aba. Dr. Scholz lMDP.) stellte die Frage, ob die Reichsregierung an dem Umfang der Einsparungen und der Steuererhöhungen sesthalte, ferner ob die Reichsregierung die Deckungsvorlagen unbedingt noch vor dem Sommer insgesamt verabschiedet wissen wolle. Reichskanzler Dr Brüning beantwortete die beiden Fragen mit einem entschiedenen Ja. Dr. Scholl fragte darauf, ob die Reichsregierung bereit fev auf das eine oder andere der Gesetze zu vernichten, wenn dafür ein Ersah vorgeschlagen werde, der das finanzielle Ergebnis nicht gefährde Hierauf antwortete der Reichskanzler, das sei völlig ausgeschlossen. Aus eine weitere Frage von Dr. Scholz, ob die Reichsregierung nach wie vor daran sesthalte. daß sie mit jedem Punkte der Vorlage stehe und falle, antwortete der Reichskanzler, diese Formulierung gehe zu weit. Die Reichsregierung sei bereit, Wünsche entgegenzunehmen und über sie zu verhandeln. Sie könne aber in keinem bedeutenden Punkte nachgeben. Der Vorsitzende der Demokratischen Reichstagsfraktion, Abg. Meyer, schloß sich, wenn auch in wesentlich vorsichtigerer Form der Fragestellung von Dr. Scholz an. Die Vertreter der Wirtschaftspartei, des Zentrums und der Bayerischen Dolkspartei äußerten sich nicht. Oie Demokraten zum neuen Oeckungsprogramm. Wo bleibt die Reichs- und Finanzreform. Berlin, 28. Juni. (XU.) Die Demokratische Reichstags!raktion eröterte die neuen Deckungsvorschläge der Regierung. Die Fraktion wird sich, dem Appell des Reichskanzlers und deS Frnanzministcrs^ aus parlamentarischen! Wege eine Mehrheit für daS Deckungsprogramm zu finden, nicht versagen. Sie wird bic Vorlage sorgfältig und unvoreingenommen prüfen Es fcl unverkennbar, so wird erklärt, daß bic Vorlage starke Verbesserungen im Sinne der Anregungen ber Demokratischen Fraktion erfahren hätte. Die Fraktion sieht biese Verbesserungen besonberS in den Einsparungen, in oer zeitlichen Begrenzung be» Gesetze«, die bahnbrechend sein soll, um ein enbgültiac« Finanzprogramm vorzulegen. Andererseits hat die Fraktion in einigen Punkten lebhafte Bebenken, in denen ihre Forderungen nur unzulänglich erfüllt worden sind. Sn müsse genau geprüft werben, ob der Ausgleich zwischen Beamtenhilse unb Einkommensteuerzu- schlag nach bem Grundsatz sozialer Gerechtigkeit erfolgt ist. Außerdem vertritt bie Fraktion auch weiterhin bie Fvrberung. baß Steuererhöhungen gegenwärtig nur tragbar finb, wenn gleichzeitig eine Reichs- und Finanzre- f o r m gesichert ist Jede Reform sei auch unzulänglich, wenn nicht gleichzeitig eine Sanierung der Gcmeindefinanzen erfolge. Oie Reform der Krankenversicherung. Tic Zustimmung des Rcichsrats. — Eine Toppclvorlage notwendig. B e r l i n , 28. Juni. (DDZZ Der Reichsrat beriet die Rovelle zur Krankenversicherung. Die Regierungsvorlage Iah vor, daß ber Versicherte für die Krankenhilfe einen Kranken schein zu lösen hat, der eine Mark kostet. Die Ausschüsse hatten diese Gebühr auf 5 0 Pfennig herabgesetzt. — Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald forberte Wiederherstellung ber Vorlage Der Reichsrat beschloß jedoch mit 34 gegen 31 Stimmen der preußischen Staatsregierung, der meisten preußischen Provinzen und einiger kleinerer Länder, die Gebühr auf 50 PI. zu ermäßigen. Minister Dr. Stegerwald kündigte infolgedessen eine Doppelvorlage an. In der Schlußabstimmung wurde bas Gesetz gegen bie Stimmen von Hamburg und Braunschweig bei Stimmenthaltung Thüringens angenommen. Die Rovelle zur Krankenversicherung sieht eine Reihe von Ersparnismaßnahmen vor, von denen die Reichsregierung als Ergebnis erhofft, daß bie Krankenkassen ihren durch- schnittlichenBeitragssatzvongegen- wärtig 6,3 Prozent auf etwa 5.5 Prozent senken können. Die wichtigsten Bestimmungen der Rovelle sind folgende: Die Ro- volle schreibt jetzt 50 Ps. Gebühr für die 2lus- fteHung des Krankenschein«- vpr. Zern« soll der Versicherte in Zukunft 50 Pf. Heil" Mittelkosten-Beteiligung, jedoch nicht mehr als die wirklichen Kosten, tragen. Das Krankengeld soll künftig er st vom 4. Werktag der Krankheit an, nicht wie bisher schon vom 4. Krankheitstag an, gezahlt werden. Der Anspruch auf Kranken - undHaus- geld soll ruhen, soweit der Versicherte Anspruch auf Arbeitsentgelt hat. Diesen Sparmaßnahmen steht auf der anderen Seite der Ausbau der Familienkrankenpflege gegenüber. Oie Regierungsbildung in Sachsen Ergebnislose Verhandlungen Dresden, 28. Sunt (TU.) Auf Einladung der Deutschnationalen Volkspartei und des Landvolkes hatten sich am Samstag Vertreter der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, der Wirt- schaftspartei, der Volksrechtspartei und des Chri st lichsvzialen Volks dienst es eingesunden, um zur Frage der Regierungsbildung Stellung zu nehmen. Die Demokratische Partei hatte die Beteiligung an den Besprechungen grundsätzlich abgelehnt, da sie nicht in der Lage sei, bei der Bildung einer Regierung mitzuwirken, die unter der Führung und unter dem entscheidenden Einfluh der Rationalsozialisten stehen würde. Die D e u t s ch e Volkspartei hielt die Beteiligung für unzulässig, weil die künftigen Mitglieder des sächsischen Landtages erst dann zu der Frage der Regierungsbildung Stellung nehmen könnten, wenn sie als Abgeordnete amtlich bestätigt sind. Die volksnationale Reichs ver- e i n i g u n g begründet ihr Fernbleiben mit den neuerlichen Angriffen der Rationalsozialisten. Infolge des Richterscheinens der genannten Parteien konnten die Besprechungen zu keinem Ergebnis führen. Die Anwesenden waren sich aber darüber einig, dah das Ziel der Bildung einer markenfreien Regierung weiter verfolgt werden müsse. Die bei den Besprechungen vertretenen Parteien werden deshalb gemeinsam die nichterschienenen Parteien zu einer weiteren Beratung einladen. Oie internationale Kohlenkonvention gescheitert. Deutschland wird die Schuld zugeschoben. Genf, 28.Juni. (WTB.) Der Konventionsent» rourf über die Regelung der Arbeitszeit im Kohlenbergbau ist heute von der Internationalen Arbeitskonferenz in der Schluhabstimmung abgelehnt worden. Die notwendige Zweidrittelmehrheit ist nicht zustande gekommen. Die deutschen Regierungsvertreter enthielten sich der Abstimmung. Ministerialdirektor Dr. Sitzler erklärte dazu: Der Grund, der uns hinderte, dem Entwurf einer Kohlenkonvention unsere Zustimmung zu geben, ist die Ablehnung der Ueberarbeit. Maßgebend war die ernste Besorgnis, daß die Konvention in der vorliegenden Gestalt die notwendigen Ratifizierungen nicht finden wird. Unter diesen Umständen wird Deutschland seine Haltung zu der Konvention einer neüen sorgfältigen Prüfung unterziehen müssen. Ich kann nicht sagen, wie diese Prüfung ausfallen wird, iAtb um nicht Hoffnungen zu erwecken, die sich vielleicht als trügerisch erweisen, werden wir uns der Stimme enthalten. Rach der Abstimmung erklärte der englische Regierungsvertreter Unterstaatssekretär Eh in well unter lebhaften Protestäuherungen der deutschen Delegation, daß Deutschland die Schuld für das Scheitern der Konvention trage. Ministerialdirektor Sitzler erwiderte, die Vorwürfe, die der englische Regierungsoertreter erhoben habe, seien unberechtigt und an die falsch« Adresse gerichtet. Deutschland wünsche eine Konvention und bei einigem Verständnis für die Frage der Ueberarbeit, die für D e u t s.ch l a n d l e b en s w i ch t i g sei, sei schon auf dieser Konferenz eine Konvention möglich gewesen. Die deutsche Regierung beantrage, di« Frage erneut auf die Tagesordnung der nächstjährigen Konferenz zu setzen. Der Konventionsentwurf wird die nächstjährige Konferenz nochmals beschäftigen. Es ist an- zunehmenzunehmen, daß dann die Verhandlungen der Konferenz auf den .Braunkohlenbergbau, der aus der jetzt gescheiterten Konventionen heraus- gelassen war, ausgedehnt werden. Oer Sieg der Revolution in Bolivien. General Kundt in die deutsche Gefandfchaft geflüchtet. Paris, 28. Iuni. (TU.) Wie aus Bolivien gemeldet wird, sollen in La Paz schwere Kämpfe stattfinden. Die Regierungstruppen sollen sich nur noch auf dem Hauptplah und in den großen Verkehrsstrahen halten, während alle übrigen Stadtteile in die Hände der Aufständischen gefallen sein sollen. Unter den Revolutionären soll sich besonders ein junges Mädchen hervorgetan haben, das durch seine Reden die Kämpfer begeisterte. Dieses Mädchen sei im ersten Strahenkampf, der vierzig Tote forderte, gefallen. 70 Kilometer von der Stadt soll es zu schweren Zusammenstößen gekommen sein, wobei 80 Personen auf beiden Seiten gefallen seien. Aufständische Offiziere haben ein Manifest veröffentlicht, in dem die Einsetzung eines aus sechs Mitgliedern bestehenden Militärdirektoriums bekanntgegeben wird. Dieses Direktorium soll erst dann zurücktreten, wenn die Ruhe im Lande wiederhergestellt ist und ein durch das Volk gewählter Präsident die Macht übernommen hat. Äeber Chile eintreffende Berichte melden, dah die bolivianischen Aufständischen den Präsidenten S i l e s und den deutschen General Kundt gefangengenommen hätten. 3n La Paz seien von dem Präfekten alle Gefängnisse aeöffnet worden. Hunderte von politischen Gefangenen seien in die Reihen der Aufständischen geströmt. Der größere Teil Boliviens soll ruhig sein. General Kundt soll in di e deutsche Gesandtschaft geflüchte t sein. Er lehnte es ab, sich über die Vorgänge zu äußern. Alle in Buenos Aires in Verbannung lebenden Politiker und Offiziere sind angewiesen worden, im Flugzeug nach Bolivien zurückzukehren. Auch der in Buenos Aires in Verbannung lebende bolivianische Vizepräsident Saavedra und eine Anzahl seiner Anhänger sind mit dem internationalen Zug nach La Paz zurückgereist. Die erste Tirard notifiziert das Ende der Besetzung. Die letzte Sitzung der Znterailierten Nheinlandkommission. WDR. Wiesbaden, 29. Juni. Die Interalliierte Rheinland! o m m i s s io n hat heute, am Vorabend der endgültigen Räumung des Rheinlandes von fremden Truppen, ihre letzte Sitzung abgehalten. Die Oberkommissare Frankreichs, Belgiens,der Vertreter der englischen Regierung und der Reichskommissar Frhr. Langwerth v. Simmern hielten Ansprachen, in denen sie noch einmal der gemeinsamen Tätigkeit in der Rheinlandkommission gedachten. Rach den Ausführungen des Vorsitzenden der Kommission, Tirard, der dabei entsprechend einem von ihm erlassenen Tagesbefehl dem schen der Rheinlandkommission und dem Reichskommissariat, obwohl die Ansichten bisweilen' im Widerspruch zueinander gestanden hätten und gab dann dem Wunsche Ausdruck, daß der 30. Juni 1930 den Beginn einer Periode völliger und endgültiger Aussöhnung unter den Völkern kennzeichnen werde und daß, was ihn selbst angehe, er fortfahren werde, an dieser Annäherung soweit wie möglich mitzuarbeiten. Arrogant bis zuletzt. Trier, 28. Juni. (ERB.) Der Oberkomman- dierende der französischen Besatzungsarmee, General ® uillaumat, hat beim Reichskommissar für die Letzte Parade der französischen Truppen in Trier vor der Einholung der Trikolore. Oberstkommandierenden der alliierten Truppen, General ©uillaumat, für die Unterstützung der Bemühungen der Kommission dankte, würdigte der belgische Oberkommissar Le Ieune de Munsbach die Tätigkeit Tirards. Ihr widmete auch der Vertreter der englischen Regierung, Herbertson, warme Worte. Er erinnerte an die Schwierigkeiten, die die Rheinlandkommission im vergangenen Iahre durchlebt habe und deren Ueberwindung zum größten Teile ihrem Präsidenten zu verdanken gewesen sei. Zum Schluß gab er feiner Meinung Ausdruck, daß die Rheinlandkommission zum Wohle der Versöhnung und des Friedens, wie es das Londoner Protokoll und die Locarnoverträge eingeleitet hätten, beigetragen habe. Alsdann nahm der Vorsitzende Tirard noch einmal das Wort und richtete an den Reichs- kommissar Frhr. Langwerth v. Simmern folgende Ansprache: „Herr Botschafter! 3m Jlamen der Ober- kommiffion habe ich die Ehre, Eurer Exzellenz das Schreiben zu überreichen, durch das Ihnen zur Kenntnis gebracht wird, daß die Besatzungsmächte beschlossen haben, dah die Besahungstruppen aus der letzten Besahungszone am 3 0. 3 uni 19 3 0 zurückgezogen sein werden und dah das Ordonanzenregime zu diesem Zeitpunkt um Mitternacht aufhört. 3n meinem Hamen und in dem meiner Kollegen, lege ich wert darauf, 3hnen für die große Höflichkeit zu danken, mit der Sie 3hre heikle Mission bei uns durchgeführt haben. Die Oberkommission rechnet damit, dah die vorzeitige Räumung des Rheinlandes als die Kundgebung unseres gegenseitigen willens erscheinen wird, eine Politik der Verständigung und des Friedens unter den Nationen fortzusehen." Reichskommissar Langwerth v. Simmern erinnerte in seiner Erwiderung an die Zusammenarbeit zwi- besetzten Gebiete Beschwerde dagegen eingelegt, daß am Donnerstag sofort nach Einholen der französischen Trikolore auf dem Re- gierungsgebäude in Trier eine deutsche Flagge auf der gegenüberliegenden Deooraschule gehißt worden ist. Der General betrachtet dies als eine Herausforderung. Der Reichskommissar hat erwidert, daß den deutschen Behörden von der His- sung der deutschen Flagge nichts bekannt sei, und sie diese auch nicht veranlaßt hätte. Der Reichskommissar sagte eine Untersuchung der Angelegenheit zu. Wie verlautet, ift die Hissung der deutschen Flagge von einem einzelnen Manne ganz spontan und ohne Wissen der Regierung erfolgt. Oer Avzug Oer Franzosen aus Mainz General GulilauniatsAbschiedsbefuch beim Landeslomnnssar Mainz, 28. Iuni. (TU. Funkspruch.) Am Samstagmorgen verabschiedete sich General Guillaumat vom Landeskommissar für die besetzten hessischen Gebiete, Geheimrat Dr. 11 f i n - ge r. Außerdem fanden die Abschlußbesprechungen zwischen dem Armeeoberkommando und dem deutschen Generaldelegierten beim Oberkommando statt. Die französische R h e i n f l o t t i l l e ist in den frühen Morgenstunden mit den Pionieren nach Straßburg abgefahren. Die Kasernen, die noch im Besitz der Franzosen waren, wurden ebenfalls zurückgegeben. Im Besitz der Franzosen bleibt bis Montag nur noch eine Kaserne, wo die Ehrenwachen untergebracht sind. Am Montag um 17 Uhr wird dann di« für Mainz bestimmte Schutzpolizei über die Rheinbrücke in Mainz einziehen. Zugleich soll an einzelnen militärischen Gebäuden dieReichs - flagge gehißt werden. Amtlich wird die deutsche Flagge nachts auf dem Halteplatz gehißt im Rahmen der großen Defreiungsfeier, wahrscheinlich durch den Reichsinnenminister Dr. Wirth. Proklamation der neuen, vorläufig gus sechs höheren Offizieren bestehenden Reaierung Boliviens kündigt eine große Anzahl Reformen an. Die Ruhe soll soweit wiederhergestel^: sein, dah die baldige Aufhebung des Belagerungszustandes erwartet wird. Amerikanischer WirtschastsimoerialismusinNordafrika Washington, 28. Iuni. (WTB.) Das Staatsdepartement erwägt die Entsendung einer Sonderbotschaft zur Krönung des Kaisers von Abessinien Ras Safari am 2. November nach Addis Abeba. Ferner wird die Erhebung der amerikanischen Ministerresidenz in Addis Abeba zu einer Gesandtschaft in Betracht gezogen. In diesem Zusammenhang veröffentlicht die Baltimore Sun eine Mitteilung, wonach eine amerikanische Gesellschaft am Tanasee einen Stau dämm bauen werde, von dem aus Abessinien und der britische Sudan mit Wasser versorgt werden können. Der Regus von Abessinien hat, bereits 1927, als England und Italien sich um die Aufführung dieses Projektes bewarben, sich zunächst an den Völkerbund und dann an die Vereinigten Staaten gewandt und schließlich einer amerikanischen Firma den Bauauftrag gegeben. Der endgültige Vertrag soll demnächst unterzeichnet werden. Italien eihöhi die Rüstunqsauögaben Rom, 28. Iuni. (WTB.) Der Ministerrat beschloß auf Vorschlag Mussolinis eine Erhöhung der Börsenumsatzsteuer vom 1. Iuli ab, durch die es ermöglicht werden soll, die Mittel für die Landesverteidigung vom Rechnungsjahre 1930/31 ab um eine halbe Milliarde zu vermehren. Für das Rechnungsjahr 1930/31 werden die einzelnen Budgets der Landesverteidigung um folgende Summen erhöht: der Heereshaus- y a l t um 300^ Millionen und derjenige der Marine um 100 Millionen... Für die Luftfahrt werden 80 Millionen mehr ausgeworfen und für die Miliz 20 Millionen mehr. Für gemeinnützige Zwecke und für landwirtschaftliche Einrichtungen wurde ebenfalls eine Erhöhung der zur Verfügung stehenden Summen beschlossen. Oer Evangelische Kirchentag und dre Religionsverfolqungen in Rußland. Nürnberg, 28. Iuni. (CNB.) Der Deutsche Evangelische Kirchentag nahm eine Kundgebung zu den Christenverfolgungen in Rußland an, in der es u. a. heißt: Der Deutsche Evangelische Kirchentag ist weit davon entfernt, in die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse eines anderen Staates hineinreden zu wollen: er muß jedoch aus einem wachsenden Gefühl brüderlicher Gemeinschaft heraus die schwere religiöse Not im Osten als eigene tiefe Not empfinden. Er erhebt daher seine Stimme zum Protest, zur Fürbitte und zur Mahnung. — In der Debatte protestierte der Sprecher der religiösen Sozialisten Pfarrer Eckert aus Mannheim in temperamentvoller Rede, die von stürmischem Widerspruch und mannigfachen Zurufen der Versammlung unterbrochen wurde, gegen Form und Inhalt dieser Kundgebung. Er leugne zwar nicht die Tatsache der Christenverfolgungen in Rußland, aber er sehe in ihnen ein Gericht über dierussischeKirche. Deshalb solle die Evangelische Kirche, bevor sie solche Kundgebungen erlasse, selber Buße tun und zum mindesten auch ein Wort sagen zu der seelenzerrüttenden kapitalistischen Wirtschaftsordnung der abendländischen Kultur. Aus aller WeK. Entschließungen des 49. Deutschen Rerztctages. K o l b e r g , 28. Iuni. (Tel.-Un.) Der Deutsche Aerztetag hat eine Reihe von Entschließungen gefccht, in denen zu den wichtigsten Fragen, die der Aerzteschaft im Berufsleben entgegentreten, Stellung genommen wird. Zu der Frage der Gesundh eitsfür- sorge fordert der Aerztetag die baldige Schaffung einer dem Charakter des ärztlichen Berufs gerecht werdenden Reichsärzteordnung und die gesetzliche Aufhebung der Kurierfreiheit. Außerdem wird die Herausnahme der Aerzte aus der Gewerbe- orönung verlangt. In einer weiteren Entschließung erklärt der Aerztetag, dah er sich in der Frage der Reform der Krankenversiche r-un^ der Stellungnahme des Hartmann-Bundes anschließe. Die Möglichkeit von Eingriffen seitens der Verwaltungsbehörden in rechtsgültige kassenärztliche Verträge schaffe eine für einen freien Beruf unerträgliche Rechtsunsicherheit. Daher bittet der Aerztetag die gesetzgebenden Körperschaften, ihre Zustimmung zu der Vorlage zu versagen. Weiter hält der Deutsche Aerztetag eine baldige Aenderung der ärztlichen Ausbildung für dringend erforderlich und begrüßt die vorbereitenden Schritte, die das Reichsministerium des Innern in dieser Frage unternommen hat. Der Aerztetag^ hält es für dringend notwendig, dah die zuständigen Stellen die Einführung eines numerus clausus f ür das Studium der Medizin eingehendst und baldmöglichst prüfen, da die Heberfüllung des medizinischen Studiums und des ärztlichen Berufes zu schweren Mißständen führen müsse. Endlich lehnt der Aerztetag eine Gesetzgebung ab, die von der Gleichstellung des Arztes mit dem Gewerbetreibenden ausgeht. Er fordert für den freien Beruf des Arztes die Aufhebung der Gewerbesteuer, da sie dem Wesen des ärztlichen Berufes fremd ist und die stets hochgehaltene Auffassung wahren Arzttums zu vernichten droht. Erdrutsch in 3apan. Bei einem Erdrutsch 80 Kilometer nordöstlich von Schimonoseki wurden zwei Wagen eines Eisenbahnzuges verschüttet. Man fürchtet, dah dabei 15 Personen ums Leben gekommen sind. Zum Tode verurteilt. Das Schwurgericht Gleiwitz verurteilte den Arbeiter Schygulla wegen Mordes, begangen an der Fleischersfrau Siekiera zum Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte.Er hatte in der Nacht vom 15. zum 16. Mai in Hindenburg die Fleischersfrau Sie- kiera im Beisein ihrer drei Kinder mit einem Beil getötet. Oie Wetterlage. liyen. 6$t' Thors! 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CD z-,-37 g EUz E7 3 3 I o 5a3 5 = o-Z-yo ©="==’ Zcm 3 3 2. - 3 o co. r " 3-G'Zff'Z er-Z Sf«a-?t1,S»G- — “ 3S/oaui-"lT-« a o=a3 D. . -BfäsS“' exco S-'ZorX-" 3 ~ 3 2.© G G®ls o L g^5^**2=.-a "5:^1 _3 Zo a 3 «GACOCD ö-Q er ° e 5 ff E ä 2 * 5 = 2.* 3 Ui ,» u JP Q CD u D a n 0.3 ^ET-E. G '“=> 3®ZS3« I —, o —-. ^3 ri £5 _ y « CO O -_ — -Ö-L 2 E G xa 2. c 2"0a3; Zs §,5 r e*©55 a o: -— „.CD D 5 3 .. a -* ■ 5 3 CD aa-xR3 o J3 G— ° S T J* o 2. QTy“ 6 - g „ 5 D:g 3 « "2? « S CD 3 « < «» 3 CD ' 0 2.s.g az3s.cp°3 ^agSs-g "■cd’ 8 3 ex- S3I -’S «fS-älsl’S’CS «,8a3 3 o-j2, ■cd R 3 E "" 5* T« a «• 3 .5.« GA3 3 „ Jf§;§z3gs| a 41?83C »— <7 a . 3 ra U U 3 CM — ©5 3 2- WL^Z^Z zr- d R * a „.. s-aJ-g!.5'! x “ —'■ -G er O o 2. ry n « “•«"3y5'§Ä?g«8 0 Z3 sZ®:8~^^3~-.S«ooto3 a — o r» m CD •->'—< « a 2. .8 Z’‘' ’Z§- ” CD w sr§-ZZ °- §Z ... Jä'irrg ^Z-F3ffKZ33BHffff e o-a 3 ap o 5 „R ro E; az3 «3 2 "^gOzög . ' ' . . —« “1 r—• —» — ff. —4 CJ „ Zm 8 O 8-e % « Zm ■ s a » z 5 o z. ' GO M G3 ff'o 3» E ’ 5 5 5 8. 5 2. ■äfir;’ Nr. 150 Zweite; Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Montag, 50. Zuni 1950 Akademischer JesiaN der Theologischen ZakullA sburgischen B e mit allen keime und ein Stück freien Willens des Ulen- im Bekenntnis seiner Kirche zu vereinen Festakt wurde beschlossen, indem die Verdis 4 Mark: da- Pfund: Himbeeren 55 bis 60 Pfennig. Treue weih". Der darf die Dierhundertjahrfeier nicht ohne einen eigenen festlichen Mt vorübergehen. Er soll bestehen in einem Versuch deutender Vergegenwärtigung des DeRmntnisgehaltes der Augustana. Vicht die Betrachtung des Menschen von der Vergänglichkeit her, sondern von der Schuld her ist eigentümlich christlich. So sieht die Augustana den Menschen als ganze Person zunächst unter dem Verhängnis der Schuld in einem lückenlosen Zusammenhang, der nicht wie in der katholischen Lehre durch kaum verdorbene Vatur- Am Sonntag jedoch - da tauchen die Väter auf. Sie sind selbst ein bißchen verlegen, dah sie da sind und einen städtischen Park bevölkern, (tatt un Büro, oder in der Fabrik, oder im Laden nützliche Arbeit zu leisten. Aber sie sind nicht umsonst tüchtige und weltgewandte Leute, die ihren Mann im Leben stellen und sich in jeder Lage zurechtsinden.. . Sie sind bloh ein wenig vom Park überrascht. 1930 - ein Lemming-Zahn. DieS Jahr ist für Norwegen ein Fahr der Beun- ruhigung, denn es hat den Anschein, dah die Lemminge wieder auf eine ihrer gesürchteten Wanderungen gehen, Aot und Krankheit verbreiten. Diese kleinen Wühlmäuse, in der Gröhe zwischen Maus und Ratte, sind wieder einmal auf der Wanderschaft und bieten damit der Welt da- Schauspiel eines einzigartigen, noch nicht ganz aufgeklärten Raturereignisies. Die Rager, die sonst scheu in ihren Berghöhlen leben und wenig von sich reden machen, vermehren sich zu bestimmten Zeiten plötzlich saft wie der Sand am Meer und unternehmen dann eine Kile Wanderung, bis sie sich in den Meeresfluten kegraben. 3n normalen Zeiten haben die Lemminge jeden Sommqr zwei Würfe von etwa sechs Zungen, und von denen sterben dann viele durch Krankheiten und werden die Deute von Raubvögeln und andern Tieren, die ihnen nachstellen. Dann aber schwillt auf einmal die Fruchtbarkeit dieser Tierchen ins Ungeheure. Augenscheinlich ist die besonders reichliche Rahrung in fruchtbaren Zeiten, vielleicht auch klimatische Bedingungen, die die zahlreichen Würfe hervorbringen. Die Feinde der Lemminge halten nun reiche Mahlzeit, und auf unerklärliche Weise verbreitet sich die Aachricht, dah eS ein .Lern- ming-Zahr" gibt, über ganz Europa und einen Tell Asiens. Eulen, Geier und andere Tiere kommen nach Rorwegen. um sich an dem reichen Frah zu beteiligen. Die Wälder find voll von Wieseln, Hermelinen, Dachsen usw. Aber dieses feindliche Aufgebot kann dem einmal zu Riesenanstrengungen erwachten Lemming nichts anhaben. Sie vermehren sich zu Schwärmen, von denen die alten Norweger glaubten, dah sie von den Göttern aus dem Himmel herabgeschüttet wurden, drängen in die Täler und freflen das ganze Land kahl. Man mag noch so viele töten, Hunde und Katzen aus fie hetzen — es nützt nichts. 3m ersten Jahr macht fich nur als warnendes Zeichen eine gröhere Lebendigkeit der Tiere in den Gebirgsgegenden bemerkbar, aber im zweiten Sommer, wenn der Schnee schmilzt, dann ist die Flut der Lemming-Maflen nicht mehr zu halten, und die Spur, die fie hinterlaflen, ist Der- Wüstung und Oede- Verschiedene Gelehrte vertreten die Ansicht, dah die Wikinger durch solche Lemmingjahre zu ihren jtte etwa solgendes aus: An einer nach ihrer Stiftung auf die unveränderte Ausburgische Konfession gestellten Universität fammlung stehend die erste Strophe des Reformationsliedes »Gin feste Burg ist unser Gott' sang. — schen durchbrochen ist. Andererseits stellt sie den Menschen hinein in den Zusammenhang der Schöpfung, indem sie der Ehe und dein Beruf ihre volle Heiligkeit wiedergibt, die sie in der Un5rrordnung unter das mönchische 3deal verloren hatten. Erlösung aus diesem Gefängnis, das die Augustana nicht als Sinnenknechtschast, sondern als Gottesferne versteht, heiht den Menschen in einen neuen, schöpferischen Zusammenhang überführen. Sie vollzieht sich allein in dem klaren geistigen Akt: Verheißung Gottes — Glaube des Menschen und stellt den Menschen hinein in die wahre und lebendige Gemeinschaft der neu, nicht als Hierarchie und Anstalt verstandenen Kirche. Zugleich wird der protestantische Mensch damit übergeführt in völlige Freiheit, in der er nicht mehr nach einem äußeren Gesetz, sondern nach innerer Sicherheit handelt. Dieses Bild des ganz gefesselten und ganz befreiten Menschen muß Kirche und Theologie immer wie- 1646: der Philosoph Gottfried Wilhelm von Leib- niz in Leipzig geboren; — 1867: die Verfassung des Norddeutschen Bundes tritt in Kraft. Gictzener Wochcnmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 140 bis 160; Matte 30 bis 35; Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 10 bis 15; Weißkraut 10 bis 15; Römischkohl 8 bis 10; grüne Bohnen 30 bis 35; Spargel 40 bis 70; Erbsen 20 bis 25; Tomaten 40 bis 70; Zwiebeln 10 bis 15; Rhabarber 10 bis 15; Pilze 35 bis 40; alte Kartoffeln 4,5 bis 5; neue Kartoffeln 10 bis 12; Dörrobst 30 bis 35; Kirschen 20 bis 50; Heidelbeeren 40 bis 50; Stachelbeeren 20 bcs 25; Johannisbeeren 25 bis 30; Erdbeeren 50 bis 80; Aprikosen 50 bis 55; Pfirsiche 70 bis 80; Honig 40 bis 50; junge Hähne 120 bis 130; Suppenhühner 100 bis 120; Nüsse 60 bis 70; das Stück: Eier 10 bis 11; Tauben 70 bis 80; Blumenkohl 30 bis 70; Salat 8 bis 10; Salatgurken 20 bis 50; Ober-Kohlrabi 8 bis 10; Rettich 10 bis 15; das Bund: gelbe Rüben 8 bis 10; Radieschen 10 bis 15 Pfennig; der Zentner: Kartoffeln 3,80 Wenn sie aufmerksam sind, lernen sie einiges... Sie erfahren etwa, warum und zu welchem Ende ein Kind Kalzan bekommt; oder fie nehmen zur Kenntnis, welche Bewandtnis es mit der fiaubfreten Luft hat: und falls sie sehr anschlägige Kopfe find, begreifen sie auch, dah keine Mutter es gerne sieht, trenn ein Vater seinen Hut zwanglos auf den Km- derwagen legt. v _ .. , Anderes hingegen werden sie niemals erlernen. — Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei Ortsgruppe Gießen, und der Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund veranstalten am Mittwoch. 2 Juli, 20.15 Uhr, in der Turnhalle am Oswatdsgarten eine ossentliche Versammlung; Reichstagsabgeordneter Dreher spricht über das Thema: „Der Nationalsozialismus marschiert!" An Wochentagen ist der Etadtpark eine Idylle. Und wenn der Seidenhimmel der Paradiese über ihm blaut, fitzen die jungen Mütter unter den schimmernden Kastanienkerzen so unschuldig da, ouu ne nicht einmal zu wißen brauchen, wie ihre tägliche Nachbarin heißt: es genügt ihnen vollauf, daß fie die Mutter von Hannelore, Brigitte oder Herbertchen 3n einem Stadtpark kommt man damit schon aus. der ganz frei dem Denken und Fragen der Zeiten abgewinnen, um nicht nur ein geschriebenes, sondern auch ein lebendiges Bekenntnis zu behalten. Nach der mit lebhaftem Beifall auf genommenen Festrede Prof. Dornkamms und einem Zwischenspiel auf der Orgel betrat Professor D. Dertram als derzeitiger Dekan da» Podium, um die Ehrenpromotionen der Theologischen Fakultät anläßlich der Augu- stana-Iubelseier vorzunehmen und durch Verlesung der Diplome zu verkünden. Die Theologische Fakultät hat zum Doktor der Theologie ehrenhalber ernannt: 1. den Psarrer i. R. Otto W i s s i g, Dad-Rau- heim, .den langbewährten Prediger und Seelsorger, den sinnigen Dichter kirchlicher Schauspiele, den Gelehrten, der seine Altersmuhe unermüdet zu eindringlichen geschichtlichen Studien nutzt und besonders die DonisatiuSsorschung gefördert hat." 2. den Studienrat Professor Dr. Eduard Edwin Decker. Darmstadt, .den verdienten Erforscher der Stadt- und Adelsgeschichte Oberhessens. den gelehrten Kenner und feinsinnigen Deuter der hessischen Kirchengeschichte, den eindrucksvollen Lehrer und verantwortungsbewußten Erzieher"; 3. den Präsidenten des Evangelischen Landes- kirchenrateS zu Frankfurt a. M. und vormaligen Konsistonalpräsidenten zu Wiesbaden und Frankfurt a. M. Philipp Richard Friedrich Schulin, .bewährt als Sachwalter der deutschen Schule in der Westmark, ausgezeichnet als Kirchenleiter an der Spitze zweier evangelischer Landeskirchen, erprobt als feinsinniger Schöpfer und Pfleger kirchlicher Ordnungen und als ein aufrechter Charakter, der Sachlichkeit und Gerechtigkeit in der Führung der Kirche walten zu lassen versteht"; 4. den Superintendenten von Oberhessen zu Gießen, Oberkirchenrat Karl Wagner, .den vorbildlichen Seelsorger, der seinen Gemeinden in allen Lagen sich als ein sicherer, geistlicher Führer bewies, den bewährten Sachwalter christlicher Liebestätigkeit. der mit geschickter Hand die Werke der 3nneten Million in Hessen durch die Klippen der Zeit steuerte, den ausgezeichneten Kirchenleiter. der hervorragendes praktisches Geschick der Leitung mit Weisheit und Nun, die Mütter wißen es um so besser: vom Zufall zu winzigen Gruppenzufammengewurfelt. hocken fie auf ihren Klappstühlchen unter den stellen, Weißen Flammen der Kastanienblute , unö mit fröhlich stiller Würde schweift ihr erfahrenes Auge über die kleine Wagenburg der blauen, grauen gvrmen Gefährte, in denen es schläft oder kräht oder sonst- wie sein einjähriges Leben bezeugt. Sanft und glücklich lächeln fie vor fich hm. Und weil sie glücklich, sind sie auch mttterlsam, fie lächeln einander ermunternd zu und geben durch ein lobendes Nicken zu verstehen, daß icnes zarte Etwas, das im nachbarlichen Kiß^r ruht, em hübsches, nettes, wohlgeratenes Kindchen sei. Woraus dann die Angelächelten ebenso ermunternd und nickend zurücklächeln und das freigebig gezollte mit Wucherzinsen begleichen. Auf diese Weise entstehen ihre Freundschaften^ ... Das find dann Freundschaften, die täglichfeff« werden. Denn sie gründen ihren Bestand auf be allgemein mütterlichen Wißen, daß für ^"der mch so gesund sein kann als staubfreie Luft. sie vahr fich von der Meinung, daß es ein wahrer Segen für Herbertchen war, dah er Ka^an ^am. und s wärmen sich an der Erkenntnis, daß Hannelore und Drigittchen durch Zemalt gedeihen. Väter im Gtadtpark. Von Harry Schreck. Am Wochentage sind die Väter meist unsichtbar. Denn vom Montag bis zum Samstag verrichten fie irgendeine nützliche Arbeit, die uil einem^Duro, ober in einer Fabrik, ober m einem Laden erledigt werden will. Und darum wißen fie nichts von der paradiesischen Unschuld eines Stadtparkes in den die jungen Mütter morgens ihren Kinderwagen 1<6l6ton'toiffen nicht, daß er ein Garten Eden ist. bal^auch^ettiDü^7der e?ne Fabrik, o^ein Laden- npfchäft Und die sanften, freundlichen jungen WLt«wir-nmw°r1ch°ns i« einem .AeichSveeb-nL protestantischeMensch nach demDer ständnis des Aua k e n n t n i s s e s" und süh: •• Evangelische Kirche und Rhein- lanbbefreiung DaS Evangelische LandeS- kirchenamt gibt bekannt, daß auS Anlaß der Rheinlandbefreiung in Mainz am 20.3ufi ein Festgottesdienst stattfindet, an dem auch Reichspräsident von Hindenburg teil nehmen wird. Den einzelnen Gemeinden deS besetzten Gebietes bleibt e» über!allen, den Termin ihrer Defrei- ungSf eiern einer etwaigen Sonderfeier der Gemeinde zeitlich anzupasien Am Sonntag, dem 6. 3uli, soll in allen Gottesdiensten des Ereignisses der ‘Befreiung gedacht werden. Aus Ersuchen der Reichsregierung und der hessischen Regierung wird am 1. 3uh, dem Tage, da daS besetzte Gebiet vollständig von den B.-fatzungS- tnippen geräumt fein wird, im ganzen Deutschen Reiche mittags von 12 bis 12.10 Uhr Aus der provinzialhaupifiadt. Gießen, den 30.3uni 1930. Gruß des Hessischen Slädtetages an die befreiten hessischen Städte. Der Vorsitzende des hessischen Slädke- lages, Oberbürgermeister Dr. Keller (Gießen), Hai am Tage der Befreiung namens des hessischen Slädtelages an die befreiten hessischen Städte Mainz, Worms, Bingen, Alzey und Oppenheim folgendes Telegramm gerichtet: „Am Tage der Befreiung grüße ich namens des hessischen Städtetages mit herzlichen wünschen die von fremdem Joch befreiten Schwesterstädte. Dank und Anerkennung für Opfermut und Treue! Möge die wiedergewonnene Freiheit erlittene Schäden rasch heilen und die Städte glücklicher Zukunft entgegen sühren." LiedertagdesOeutschenSängerbundeö Aus Anlaß des deutschen Liedertages fand gestern, Sonntagvormittag, auf dem Canbgraf- Philipps-Plah eine von der Arbeit sge- meinschaftGießenerMännergesang- vereine veranstaltete Kundgebung für das deutsche Lied statt. Eine stattliche Sängerschar hatte sich einge- funden. um unter der bewährten Leitung von Ehormeister Görlach Zeugnis abzulegen von dem gemeinsamen Bestreben, das deutsche Lied, als Kraftquelle des deutschen Volkes, zu pflegen und zu fördern. Dies kam auch in dem „ länger - grüß", wie in den einzelnen Chören »Wem Gott will rechte Gunst erweisen", »Wer hat dich, du schöner Wald" und »Wo gen Himmel Eichen ragen" in bester Weise zum Ausdruck. Erfreulicherweise hatte sich auch der Orchesterverein in den Dienst der Sache gestellt, um einesteils zu beweisen, daß Musik und Gesang eng verbunden sind, anderseits aber, um durch Unterstützung der Bestrebungen der Gießener Männergesangvereine der Veranstaltung eine besondere Weihe zu geben. Es darf mit Recht gesagt werden, daß sowohl die gesanglichen wie auch die musikalischen Darbietungen allen Beteiligten, nicht zuletzt aber auch der Stadt Gießen zur Ehre gereichten. Gauvorsihender E. Koch sprach nach einer kurzen Begrüßung über die Bedeutung des deutschen Liedes. An dem Tage, an dem zu der gleichen Stunde in allen Gauen das deutsche Lied erklinge. seien sich die Sänger nicht nur seiner hohen Reinheit und sittlichen Kraft bewußt sie seien auch davon durchdrungen, dah die Pflege des deutschen Männergesangs dazu beitrage, die deutsche Kultur zu heben und den Gedanken der Volksgemeinschaft zu fördern. Darüber hinaus sei das deutsche Lied geeignet, unsere Auslanddeutschen mit der Heimat eng zu verbinden. Möchte diese Kundgebung unseren Volksgenossen im besetzten Gebiet die so lange ersehnte Freiheit verkünden und zu gleicher Zeit ein Herold der erstrebten deutschen Volksgemeinschaft sein. Er schloß mit einem Hoch auf das deutsche Cieo. Cs folgte der gemeinsame Gesang des ^utsch- landliedes, worauf Obcrregierungsrat Ritzel als Vertreter des Kreisamtes und der Prvvrn- zialdirektion darauf hinwies, daß der Manner- gelang das beste Stück der deutschen Volksseele sei. Der Männergesang stehe heute auf beachtenswerter Höhe. Mit dem Hinweis auf die Rheinlandbefreiung gab der Redner demWunsche Ausdruck, daß diese ein Auftakt fein möge für die baldige Befreiung des deutschen Volkes. Die außerordentlich zahlreiche Beteiligung der Bevölkerung bewies das besondere 3nteresse. das man dem deutschen Männergesang entgegenbringt. Daten für Dienstag, 1. Juli. Sonnenaufgang 3.47 Uhr, Sonnenuntergang 20.20 Uhr. — Mondaufgang 9.55 Uhr, Monduntergang 23.30 Uhr. __________ __ Dor allem werden fie es nie verstehen, was Park-' freundschaften sind: nicht ohne Mißtrauen und De- fremden nämlich gewahren sie daß Mutter anderen Kindern mit ermunterndem Lob zunicken und anderen Müttern plötzlich mitteilen. wie ungemein reizend und niedlich doch heute wieder der nachbarliche Nachwuchs ausfehe . - . was doch ganz offensicht- lich eine grobe Unaufrichtigkeit bedeutet. _ ( Wo bas eigene Kinb zehnmal hübscher ist ' ) Unb noch viel weniger können sie sich damit ad- finben, bah ihre Frauen mit anderen Stauen be- lannt zu fein scheinen und nicht einmal vnßA. was üÄ 7lam“n öiefe N-gm «--b si° l-,ch»«i, aenua find um harmlos zu äußern. dah die Dame mtt dem andgrauen Mantel doch Herbertchens Mutter wäre unb bah ber stattliche schwarze Herr neben ihr wohl Herbertchens Vater sein .muhte:.... Damit nämlich beruhigen fich Da ter keineswegs Denn bann wißen fie auf einmal, was Ne zu tun haben; während die Mutter in paradiesischer Un. febulb wie immer miteinanber plaudern, ^cken fie sich auf und gehen mit vollendeter Höflichkeit °uf den nächsten Vater zu, um dem zu sagen, wie sie heißen. Und bann freut sich ber nächste Vater ebenso, daß enblich einmal Otbnung in ben Park kommt, her eben noch ein Garten Eben war. Glocken geläutet werden. "Militärgottesdienst. Au»' Anlaß der Befreiung des belegten Gebiets findet morgen, Dienstag, um 10 Uhr in der Iohanneskirche ein Militärgottesdienst statt, wo zu auch die Gemeinde eingeladen ist Die Predigt halt Pfarrer Lenz. ’* Heimatvereinigung Schis senke rg. 3m Rahmen der 800-3abrfeier auf dem Schis sende rg wird am Samstag, 5. 3uli, 19 Uhr, am Hauptgebäude deS Dchifsenl>erqs eine Ge- denktasel für den Kulturhistoriker Wilhelm Heinrich Riehl enthüllt, der im Sommer 1843 und 1844 als Gießener Student dort gewohnt hat. •• GeschäftSjubiläum. Schneidermeister Euler. Nordanlage 3, feiert heute fein ^jähriges Geschäftsjubiläum. "Jubiläum. Gerichtsinsvektor Scharmann wohnt morgen 25 Jahre bei Geschwister Helsen- dein, Ederstroße 7, in Pension. " OessentlicheDücherhalle. 3m 3unl wurden 1049 Bände ausgeliehen. Davon kommen aus: Erzählende Literatur 764, 3ugend- schrisien 41. Gedichte und Dramen 10, Länder- unb Völkerkunde 64. Kulturgeschichte 9, Geschichte und Biographien 80. Kunstgeschichte 1. Naturwissenschaft und Technologie 19. Heer- und Seewesen 3. Haus- und Landwirtschaft 5. Delund- heitslehre 4, Religion und Philosophie 4. Staats- Wissenschaft 10, Sport 3. Fremdsprachliche» zwei Bände. Rach auswärts kamen 6 Bände. " Schützt die Sensen! ErsahrungSgemäh werden in jedem 3ahre eine ganze Anzahl Menschen durch ungeschützte Sensen verletzt. Mäher, die ihre Sensen abend» im Felde liegen lassen, um gleich am nächsten Tage weiterarbeiten au können, müssen unbedingt die Schneide umwickeln. Unvorsichtig unb gefährlich ist efl auch, die un* K"' Itjtc Sense in einen Daum zu hängen. Spie- Kinder oder ein kleiner Windstoß lassen die scharfe Sense herunterfallen unb große» Unheil anrichten. Annahme ber Hekoga-Verträge durch den rheinheisischen provinzialiag. WSR. Mainz, 29. Juni. Der Provinzial- tag der Provinz Rheinhessen war am SamS- tagoormittag zur endgültigen Deschluhsassung über die neuen Ferngasverträge der Hekoga zusammengetreten. Provinzialdirektor Dr. Wehner erklärte, daß alle Forderungen und Bedenken der sozialdemokratischen Fraktion und des Zentrums nahezu restlos erfüllt und geklärt wurden. Unrichtig sei eS, wenn behauptet werde, daß durch die Annahme der Verträge der Hekoga die Tarifhoheit der Kommunen in Frage gestellt sei. Die Städte könnten nach wie vor die Gaspreise von sich au» sest- sehen. Landtagsabgeordneter Späth (Ztr.) meinte, dah die Frage, wie hoch der Ga-prei» kühnen Raubfahrten an die Küsten Europas getrieben wurden, als sie fich der Hungersnot gegenüber sahen. Weder Flüßenoch Gebirge vermögen ben Wan- bertrieb ber Tiere auszuhalten. Wenn Menschen (ober feindliche Tiere) in ihre Reihen einbringen, bann stoßen sie einen seltsamen bellenden Laut au», richten sich auf ihren Hinterfüßen auf unb zeigen wütend ihre Schneidezähne. Aber wenn sie auch in baS Schuh- werk beißen, io finb fie boch nicht gefährlich unb können mit Knütteln totgeschlagen werben. DeS Nacht«, wenn sie Rast machen unb ihre andern Feinde fie nicht mehr verfolgen, dann kommen große Schwärme von Nachteulen und hatten unter ihnen lautlo» ihr Mahl Die Raubvögel und Aaubfiere bevorzugen besonder- die vorderen Reihen der Lemminge, weil sie dort die fettesten und stärlsten Tiere finden. Selbst Dor einer Stabt machen die Scharen nicht Halt, sondern ziehen durch die Straßen, bellen Menschen unb Kraftwagen an unb marschieren durch offene Türen, wenn sie in ihrer Richtung liegen. Während der großen Wanderung von 1862 liefen sie die Granittreppen der Universität von Ehristiania herauf unb bräng» ten fich in bie Hörsäle. 3m Jahre 1876 waren sie so zahlreich, bah in manchen Küstenstäbten da« erste, was man jeben Morgen tun mußte, war, bie burch bie Katzen getöteten Lemminge au« ben Straßen unb Holen sortzuräumen. Sie kennen keine Furcht unb kein Hatten, wenn ganze Reihen in große Löcher ober Gräben fallen, so klettern bie folgenben über fie weg unb drücken fie tot. Die einzelnen Trupp» sind nicht groß; nur an den See- unb Zlußu'ern sammeln fie fich zu großen Massen unb liefern sich in bem Gebränge gegenseitig Schlachten. Sie befinden sich in einer toilben Aufregung. so bah man sie für »toll" unb »wahnsinnig erklärt hat. Durch ba« Verwesen bet Leichen, die am Wege liegen bleiben, werben ganze Gebiete vergiftet unb viele Menschen vom .Lemmingfieber" ergriffen. besten Ausbreitung auch jetzt wieber gemelbet wirb. Schließlich kommen sie in ihrem dunllen Drang an bie Meeresküsten unb bort stürzen fie in Scharen in bie Fluten unb werben von ben Fischen verspeist, bie sich in großen Schwärmen sammeln- Was fie in bas Wasser treibt, ist noch nicht genügenb geklärt. In bem Zahr, bas einer solchen Riesenwanberung ber Lemminge folgt, hält e» schwer, ein lebendes Tier in ganz Skanbinaoien zu finben. Man sollte glauben, bah fie fich selbst ausgerottet haben, aber einige wenige haben sich in ben Bergen erhalten, pflanzen sich fort und führen Ihr unscheinbares Dasein, biS schließlich wieder einmal bie geheime Macht, bie in biesem Tierchen wohnt, zu einem neuen riesigen Ausbruch ihrer Fruchtbarkeit führt. Gestern, Sonntagvormittag, veranstaltete bie Theologische Fakultät der Hessischen Landesuni- Perfität anläßlich ber Auguftana-3ubelseier 1930 einen Akabe m i schen Festakt in ber Neuen Aula, zu bem bie evangelische Bevölkerung ein- geladen war unb bem außer ber Theologenschast 6e. Magnifizenz ber Rektor. Vertreter bes übrigen Lehrkörpers, ber Studentenschaft. insbesondere ber Korporationen, Vertreter ber staatlichen unb stab fischen Behörden unb zahlreiche namhafte Persönlichkeiten aus ber Bürgerschaft beiwohnten. ®ie Feier würbe eingeleitet durch ein Orgelvorspiel und den seierlichen Einzug der Theologischen Fakultät in die stark besetzte Aula. Alba- Vorspiel beendet war, erhob sich der Kirchen- Historiker der Landesuniversität, Professor D. Bornkamm, zu feiner Festrede über daS Thema »Der Bornotizen. — Tageskalender für Montag. Stabt- thectter: „Flieg, roter Adler von Tirol", 19.30 Uhr. — Zapfenstreich aus Aniah ber Befreiung der Rheinlande, 22 Uhr, 22.30 Uhr auf dem Landgraf-Philipp- Platz. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Gedächtnisfeier für Hermann Löns, 20 Uhr. — Stadttheater Gießen. Man schreibt uns: Die heute stattfindende Dorstellung von Anger- mayers Grenzlandtragödie „Flieg, roter Adler von Tirol" für die Gießener Militäroereine findet wegen des Zapfenstreiches bereits u m 19.30 Uhr statt. Da die heutige Vorstellung „Flieg, roter A d l e r v o n Tirol" für die G i e ß e n e r M i 1 i - tärvereine nahezu ausverkauft ist, besteht die Möglichkeit, daß später eingereichte Karten keine Be- rücksichtigung mehr finben können. Für diese Be- facher besteht die Möglichkeit, die Vorstellung am Freitag, 4. Juli, gegen Ausweis zu denselben Be- dingungen, wie sie für die heutige Vorstellung angesetzt waren, zu besuchen. der parkenden Mütter Deutschland»' zusammenge- geschloßen . .. An den Vätern liegt e» nicht, wenn ber noch fehlt- c:- n 2-„

sts = 5 = 3 2: £2. e3 O Io: ^0^ 3. 5 2 2."®1 = WM 2 ö* 13 =• eigentlich fei, immer noch nicht geklärt sei. Seine Fraktion sei der Ansicht, daß nochmals ein neutrales Gutachten eingeholt werden solle. Bei der Abstimmung werde das Zentrum Stimmenthaltung üben. Die Abstimmung ergab die Annahme der Verträge der Hekoga mit 25 Stimmen bei 11 Stimmenthaltungen. Wildmarkierung zur Altersbestimmung Dom Allgemeinen Deutschen Iagdschutzverein, Landesverein Hessen, wird uns geschrieben: Zur genauen Bestimmung des Alters, sowie zur Feststellung etwaiger Wanderungen des Wildes hat der Allgemeine Deutsche Iaadschutz- verein (AVIV.) im Jahre 1904 die Graf Bernstorfs schen Wildmark.n, besonders für Rehwild, eingeführt. Die Altersfeststcllung des Wildes nach dem Gebiß fußt ausschließlich auf den Ergebnissen dieser Wildmarkensorschung. Die Zahnalterslehre ist, im Gegensatz zu anderen Behauptungen, noch nicht abgeschlossen. Auch für die Wanderungen und Wechselverhältnisse des Wildes bedarf es noch weiterer einwandfreier Beweise, die nur durch die Wildmarkensorschung gewonnen werden können. Dies alles ist aber naturgemäß nur dann möglich, wenn sich zahlreiche Revierinhaber an dem Markieren des Wildes beteiligen, also Jungwild und etwa auszusehendes Wild mit ADJD-Marken zeichnen und die Ergebnisse an die alleinige auswertende Zentralstelle, das Generalsekretariat des ADJD., Berlin SW. 11, mitteilen. An alle Jäger, Jagdbesiher, Forst- und Jagdschutzbeamte ergeht daher erneut die dringende Ditte, für derartige Wildmarkierungen Sorge zu tragen, bei erlegten, verendeten oder eingelieferten Stücken auf das Borhandensein von ADJD.-Wildmarten zu achten und jede ADJB.- Wildmarkennummer, die ihnen zu Gesicht kommt, unverzüglich dem Generalsekretariat des AD2B. anzuzeigen. Hierbei wird um solgende Mitteilung gebeten: Datum der Erlegung, das Revier, in dem das Stück zur Strecke kam, sein Gewicht, bei männlichen Stücken die Stärke des Geweihes oder Gehörns, etwaige besondere Llmstände, wie z. D. ob verendet aufgefunden, usw. Auch die Herren Wildhändler werden um entsprechende Angaben gebeten. Die LIrsprungscheine geben bekanntlich Auskunft darüber, wo das Wild erlegt worden ist. Jeder Jäger, der den ADJD. in dieser Hinsicht unterstützt, leistet der Wildmarkensorschung uni) damit der Jagdwissenschaft einen namhaften Dienst. Gemeinderaissihung in Wieseck. ±. Wieseck, 27. Juni. Der Gemeinde rat bechsäftigte sich in seiner letzten Sitzung mit dem Rechnungsabschluß des Rechnungsjahres 192 8. Wie aus dem Bericht des Gemeinderechners zu ersehen ist, verblieb aus 1927 ein Rechnungsrest von 28 241,87 Mk. Aus Gebäuden ergab sich eine Einnahme von 7339 Mk. und eine Ausgabe von 6930,01 Mk. Die Grundstücke brachten 15 005,86 Mk. ein, während die Ausgaben 4188,26 Mk. betrugen. Die Einnahmen auL Waldungen betrugen 62 258,46 Mk., während sich die Ausgaben aus 18 936,65 Mk. belesen. Die Jagd und Fischerei brachte 50 Mk. ein. Bei Schäfereien ergaben die Annahmen 1731,60 Mk., die Ausgaben 2721,67 . art Die Gemeindeschäferei ist inzwischen auf» oben. Messen und Märkte brachten 180 art ein. Bei Rubrik 12, Waag - und Eich- n st a l t e n betrugen die Einnahmen 880,26 Mk.. Ausgaben 528,60 Mk. Die Wasserver- । ^rgung ergab in Einnahme 27 307,80 Mk. und in Ausgabe 29 829,88 Mk., also eine Mehrausgabe, was auf die Instandsetzung und Erweiterung der Leitung zurückzusühren ist. Die Erwerbslosensürsorge betrug in Einnahme und Ausgabe je 25 570,66 Mk. Rubrik Allgemeine Verwaltung ergab in Einnahme 1407,97 Mk., während die Ausgaben 29 34108 Mk. betrugen. Oeffentliche Sicherheit: Einnahme 78 Mk., Ausgabe 9222,39 Mark. Oeffentliche Gesundheitspflege: Einnahme 786,10 Mk., Ausgabe 6611,59 Mk. Feuerlöschwesen: Einnahmen 242 Mk., Ausgaben 281 Mk. Armenpf lege: Einnahmen 5293,27 Mk., Ausgaben 12 584,85 Mk. Schulen: Einnahmen 1019,81 Mk.. Ausgaben 12 634,84 Mark. Evangelische Kirche: Einnahmen 0,78 Mk., Ausgaben 2769,63 Mk. Gemeindefriedhöfe: Einnahmen 809,38 Mk., Ausgaben 3224,98 Mk. Straßen: Einnahmen (aufgenommene Kapitalien) 17 485,75 Mk.. Ausgaben 28 598,51 Mk. Kanäle: Einnahmen 823.70 Mk.. Ausgaben 3524,19 Mk. Für Landwirtschaftszwecke wurden 4420,11 Mk. vereinnahmt und 13 049,39 Mk. verausgabt. Die Grenzvcrhältnisse ergaben in Einnahme 33 501,21 Mk. und in Ausgabe 25 620,94 Mk. Für den Turnhallenfonds wurden 3000 Mark verausgabt. Flüsse undDäche ergaben in Ausgabe 111,42 Mk. Die Einnahme bei Rubrik Soziale Fürsorge betrugen 13829,83 Mk., die Ausgaben 23 805 Mk. Wohnungsfürsorge: Einnahme 59 010,06 Mk., Ausgaben 67 459,85 Mk. Die von der Gemeinde zu zahlenden Steuern betrugen 11 402,42 Mk. Sondersteuern: Einnahmen 4016,90 Mk., Ausgaben 192,15 Mark. An Reichssteuern erhielt die Gemeinde 26 018,33 Mk. Mobiliarerneuerungsfonds: Einnahme und Ausgabe 3.70 Mk. Die Kapitalzinsen ergaben in Einnahme 784,37 Mk. und in Ausgabe 6056,41 Mk. Die Gemeindeumlagen betrugen in Einnahme 60 688,18 Mk. und in Ausgabe 4498,63 Mk. Rubrik 61 a, Ausgleichs- fonds, weist in Ausgabe 15 782,28 Mk. auf. Die Gesamteinnahmen für 1928 betragen 400 284,96 Mark, die Gesamtausgaben 369 480,98 Mk., so daß ein Einnahmenrest von 30 803,98 Mk. verbleibt, der sich wie folgt zusammenseht: barer Vorrat 29 994,44 Mk., liquidierte Ausstände 809,54 Mk. Die Vermögensrechnung stellt sich wie folgt: Grundstücke: Einnahme 1416,13 Mk., Ausgabe 3489,91 Mk. Kapitalien und Er- neuerungssonds: Einnahme 58 472,18 Mk., Ausgaben 41 850,42 Mt Rubrik 70 Schulden: Ausgaben 3791,34 Mk., Autobetrieb: Einnahmen 89 547,57 Mk., Ausgaben 100 304,21 Mk. Die Gesamteinnahmen und -ausgaben betragen 149 435,88 Mk. Die aufgenommenen Kapitalien weisen einen Dernwgensstand von 239 403,91 QKT. und einen Schuldenstand von 414 199,76 Mk. auf. Im Anschluß an die Rechnungsprüfung befaßte sich der Gemeinderat auf Antrag von Schneider mit der Festplahinstand- s e tz u n g und Beleuchtung, sowie der Instandsetzung der Orts st raßen, besonders der Philosophenstratze zum Radfahrerfest. Bürgermeister S ch o m b e r versprach Abhilfe bis zum Fest. Kehler kam noch auf die Wasserversorgung des höher gelegenen Ortsteiles sowie der Erweiterung des Wasserbehälters zu sprechen und verlangt der Gemeinderat einstimmig, daß das Kulturbauamt nun endlich die Vorarbeiten fertigstellt, so daß die Erweiterung bis spätestens August durchgeführt ist. Die Badegelegenheit an der Lahn soll den Einwohnern erhalten bleiben, die Gemeinde will die entstehenden Kosten übernehmen. Die Badegelegenheit an der Wieseck erfordert, daß das schlechte Wasser aus dem Ilnterdorf zur Klärung erst in einen Schacht abgeleitet wird, damit die Verunreinigung des Wassers an der Wieseck vermieden wird. Abhilfe wird hier zugesagt. Zur Vorbereitung der Der- sassungsfeier, verbunden mit dem Jugendfest, wird eine Kommission, bestehend aus sechs Gemeindevertretern und den Lehrern, gewählt. Wirtschaft. * Großhandelsindex. Die auf den Stichtag des 25. Juni gerechnete Großhandelsindex- Ziffer des Statistischen Reichsamtes ist mit 124,2 gegenüber der Vorwoche unverändert. Von den Hauptgruppen hat die Indexziffer für Agrarstoffe um 1,2 Proz. auf 110,4 (109,1) angezogen. Die Indexziffer für industrielle Rohstoffe und Halbwaren ist weiter um 0,8 Proz. auf^ 120,9 (121,9) zurückgegangen. Die Indexziffer für industrielle Fertigwaren weist mit 151,1 keine Veränderung auf. * Rückzahlung der 6proz. hessischen Braunkohlen-Roggen-Anleihe. Die hessische Staatsschuldenverwaltung hat bei Anwendung der Anleihebedingungen für die zum 1. August 1930 rückzahlbare gekündigte 6pro^. hessische Braunkohlen-Roggen-Anleihe den Rückzahlungspreis — einschließlich Zinsen für ein Vierteljahr, aber abzüglich der Kapitalertragssteuer — für eine Einheit auf 7,30 Mark festgesetzt. * Landwirtschaftliche An- und Der- kaufsgesellschaft „Hessenland" GmbH. Kassel. Die Gesellschaft, die für die landwirtschaftlichen Genossenschaften in Kurhessen und Waldeck Handelsgeschäfte mit Dünger und Futtermittel mit Saatgut und landwirtschaftlichen Erzeugnissen aller Art betreibt, erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 24 275 460 (i. V. 25 957 422) Mk. Der Rohgewinn beträgt 1002 924 (i. V. 1 112 437) Mk. Es ergibt sich nach Abzug der Handlungsunkosten und der Aufwendungen für Zinsen und Abschreibungen ein Verlust von 64 932 (i. D. 4457 Mk. Gewinn), der mit Hilfe eines Rationalisierungskredites bei der Preußischen Zentralgenossenschaftskasse in Berlin ausgeglichen werden soll. * Chemische Werke, norm. $). & E. A l - bert Amöneburg bei Main 3. Dor Eintritt in die Tagesordnung wurde vom Aufsichtsratsoorsitzenden mitgeteilt, daß die GD. nicht abgehalten werden könne, da bei ihrer Einberufung ein Formfehler unterlaufen sei. Die chinterlegungsfrist für die Aktien war in der Einladung mit 5 Tagen angegeben worden, trotzdem durch Satzungsänderung diese Frist auf drei Tage abgekürzt worden ist. Infolgedessen wurde ein Teil der von einer Oppositionsgruppe zur GV. angemeldeten Aktien nicht mehr angenommen. Obwohl sich die Verwaltung nunmehr bereit erklärte, diese Aktien nachträglich zuzulassen, bestand die Opposition darauf, daß die Generalversammlung nicht abgehalten wurde. Die Oppositionsgruppe will die Zwischenzeit bis zur Einberufung der neuen Generalversammlung benutzen, um die freien Aktionäre zum Anschluß aufzufordern. * Preußische Central-Bodenkredit- und Pfandbrief-Bank AG., Ber- l i n. Die Zeichnung auf oie neue Emission von 7,5pro^entigen Gold-Pfandbriefen Emission I ist nach äleberzeichnung des aufgelegten Betrages geschlossen worden. Das Amtauschangebot an die Besitzer der zum 1. Juli gekündigten 10» prozentigen Gold-Pfandbriefe Em. 37 der Preu- hiscyen Pfandbrief-Bank bleibt jedoch bis 5. Juli noch in Kraft. * AG. für Federstahlindustrie vorm. A. Hirsch & C o., Kassel. Die ordentliche Generalversammlung genehmigte ohne Widerspruch die Regularien. Direktor Willemer führte aus, daß zahlreiche Verwechslungen im Exportgeschäft die Verwaltung veranlaßt hätten, eine Aenderung der Firma in „Federstahl AG., Kassel" bei der Generalversammlung zu beantragen. Die Firmenänderung wurde genehmigt. — Lieber die Geschäftslage gab Direktor Willemer bekannt, daß die Munitionsabteilung schlecht beschäftigt war und nach und nach in eine Abteilung für Elektromaterial umgewandelt werden muhte, die in ziemliche Abhängigkeit vom Baumarkt gekommen fei, da das Ausland sich immer mehr durch Schutzzölle gegen deutsche Erzeugnisse wehre. Dennoch sei es gelungen, einen ziemlich großen Absatzmarkt im Ausland zu schaffen. Im neuen Geschäftsjahr hat sich der älmsatz bisher auf der Höhe des Vorjahres gehalten. * Porphyr-Werk Weinheim-Schries- heim AG., Weinheim a. d. B. Die Generalversammlung genehmigte einstimmig die Regularien und beschloß, aus dem im Geschäftsjahr 1929 erzielten Reingewinn von 70 326 (50 807) Mark eine von 4 auf 7 v. H. erhöhte Dividende auf das 648 000 Mark betragende Aktienkapital zu verteilen. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 30. Juni. 'Tendenz befestigt. — Im Vormittagsverkehr kamen zu Beginn der neuen Woche Umsätze kaum zustande. Die Spekulation verhielt sich abwartend. Da wieder Orders an den Markt kamen, machte sich zu Beginn des offiziellen Verkehrs eine Befestigung bemerkbar. Anregende Momente von wirtschaftlicher Bedeutung waren nicht vorhanden, doch schritt die Spekulation in Spezialwerten, bei etwas größerem Geschäft, zu Deckungen Im allgemeinen konnte sich aber das Geschäft nur vorübergehend etwas beleben, da auf der anderen Seite von einem Auftragseingang kaum die Rede sein konnte. Die Reuhorker Börse vom Samstag schloß unregelmäßig, doch blieb dieser Tlmstand ohne Wirkung auf die Tendenz. Gegenüber den Schlußkursen vom Samstag ergaben sich teilweise ganz beträchtliche Gewinne. Etwas mehr hervortreten konnten am Elektro- markt Gesfürel mit 4, Schuckert und Siemens, die bis zu 2,5 v. H. gewannen. Mehr Beachtung fanden noch Deutsche Linoleum, die in den letzten Tagen stärker unter Druck standen, mit plus 3,5 v. H. K a l i a k t i e n eröffneten bis zu 2 v. H. höher. Am Chemiemarkt lagen F a r b: n bei minimalem Geschäft nur leicht erhöht: Holzverkohlung gewannen 1 v.H Am Montanmarkt traten unter Führung von Buderus Besserungen bis 2*5 v. H. ein Rennenswerte Amsähe kamen auch auf dem Kalimarkte nicht zustande, doch traten Erholungen bis zu 4 v. H. ein. Etwas Interesse bestand auch noch für Schiff ahrtsaktien mit plus 2 Proz., Banken bis zu 1 Proz. fester. Renten lagen still. Deutsche Anleihen anziehend. Im Verlaufe stagnierte das Geschäft fast vollkommen, wobei die Kurse gegen Anfang bis zu 1 v. H. nachgaben. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 5 v. H. weiter versteift. Am Devisenmarkt war die Mark etwas gebessert. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1970, gegen Pfund 20,401, London gegen Kabel 4,8604, gegen Paris 123,73, gegen Mailand 92,74, gegen Madrid 43,95, gegen Holland 12,0913. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 30. Juni. Auftrieb: 1260 Stück Rinder: darunter 295 Ochsen, 98 Bullen. 562 Kühe, 305 Färsen: Kälber 630; Schafe 35, Schweine 4981 Stück. Rinder. Ochsen: vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts: jüngere 58 bis 61, ältere 54 bis 57, sonstige vollfleischige: 48 bis 53; Bullen: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 52 bis 56. sonstige vollfleischige oder ausgemästete 48 bis 51; Kühe: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 46 bls 49, sonstige vollfleischige oder aus- gemästete 42 bis 45, fleischige 36 bis 41, gering genährte 30 bis 35; Färsen (Kalbinnen, Jungrinder): vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 59 bis 62, vollfleischige 54 bis 58 fleischige 50 bis 53. Kälber. Beste Mast» und Saugkälber 70 bis 74, mittlere Mast- und Saugkälber 64 bis 69, geringe Kälber 50 bis 63. Schweine. Vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 57 bis 60, von etwa 200 bis 240 Pfund 61 bis 64, von etwa 160 bis 200 Pfund 61 bis 64, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 60 bis 62. Marktverlauf: Rinder mäßigrege, ausvertauft. Schweine schleppend. Heber» stand. Fettschweine schwer verkäuflich Kälber schleppend, Tleberstcmd. Frankfurter Eiermarkt. Frankfurt a. M, 28. Juni. Marktlage: Dos Geschäft war in dieser Woche zufriedenstellend, das Angebot ist Wetter geringer geworden, und die Preise waren weiter anziehend. Es notierten in Pfennig per Stück: Bulgaren 7,25 bis 7,50; Jugoslawen 7,50 bis 7,75; Rumänen 7,25 bis 7,50; Russen 7 bis 7,50; Holländer 8 bis 10,25; Dänen 8,25 bis 10,25; Belgier 9 bis 9,50; Schlesier 8,50 bis 9; Bayern 7,50 bis 7,75; Norddeutsche 8,90 bis 9. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 30. 3 uni. Am Produktenmarkt war auch zu Beginn dieser Woche das Geschäft sehr ruhig; infolge der niedrigeren Auslandnotierungen waren die Händler zurückhaltend. Die Preise waren im allgemeinen jedoch gut behauptet. Roggen konnte sich leicht bessern. Für Hafer machte sich ebenfalls etwas Rachfrage bemerkbar, bei einem Gewinn bis zu 2,50 Mark. Das Mehlgeschäft war weiter schleppend. Eine Ausnahme machten Futtermittel, für die lebhafteres Geschäft hatten, bei bis zu 0,50 Mark höheren Kursen. Es wurden notiert: Weizen. Hektolitergewicht von 78 kg, 305 bis 307,50; Roggen, Hektolitergewicht von 72 kg, 164 bis 166; inl. Hafer 167,50; Weizenmehl, südd. Spezial 0, 43,50 bis 44,25; Roggenmehl 24,50 bis 25,50; Weizenkleie 7 bis 7,25, Roggenkleie 7 bis 7,25; Erbsen 26 bis 35; Linsen 38 bis 38,80; Heu 7; Heu, neue Ernte, 5; Weizen- und Roggenstroh, draht- gepreßt, 4,50; Weizen- und Roggenstroh, gebündelt, 4,50; Treber, getrocknet, 9,50 bis 10,50. Tendenz: Getreide und Mehle ruhig. Futtermittel fester. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Dienstag, den I.Juli. Johanneskirche. 10 Uhr: Militärgottesdienst; Pfarrer Lenz. katholische Gemeinden. Dienstag, den 1. Juli. Gießen. 10 Uhr: Feierlicher Dankgottesdienst anläßlich der Räumung des besetzten Gebietes. Freitag, den 4. Juli. Lich. 6.15 Uhr: Herz-Jesu-Mefse mit Segen; vorher Beichtgelegenheit; 20.30: Herz-Jesu-Andacht mit Segen. Kurszettel her Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Frankfun a. 21. Berlin Schluß« 1«Uhr« Schluß« Anfang« fu re! Kurs kürS Kurs Datum 28. 6. 30. 6. 28- 6. 30. 6. b% Deunche vteuysamelhe von 1927 ......... 7% Deutsche Reichsanleihe 87,9 — 88,6 — von 1929 .......... Deutsche Anl.-Tblüs^Schuld mit 104 — 103,75 — Auslos.-Rechten....... 58,75 59 58,75 59 DeSgl. ohne AuSIos ^Rechte . . 8% Heil. Volksstaat von 1929 (rüchaMb. 102%)...... 8,9 9,175 8,945 9,1 — — 94,5 — Oberheilen Provinz - Anleihe mli AuSlot.-Rechten...... 57 — — —— Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Gerte 1...... 8% Frankt. Hyp^Bank Goldpse 57,4 — 57,75 — XI ll unkündbar bis 1934 . . - 100,75 —— — — 7% Franks. Hyp^Bank Goldpse mufinbbat bis 1932 ..... *%% Rheinische Hyp.«Bank Liqu. Goldpse......... 95,5 — — — 89,75 — — 8% Pr. Landespfandbrief anstatt. Pfandbriefe R. 17...... 8% Pr. LandeSpIandbriefanstalt, 101 — 101,25 — Komm^Lbl. 81. 20...... 96,5 —_ — _ 7% Pr. LandeSpsandbriesanstalt, Pfandbriefe R. 10...... S.E.G. abg. BorkrtegS-Obligatio 95,5 — 94,5 — nen, rückzahlbar 1932 ..... 97 — — — <% Oesterreichifche Goldrente . . 26,8 — 26,8 — 4,20% Oesterreichische Gilberrente 4% Oesterreichische Einheitliche — — Rente........... — — 1,9 — «% Ungarische Goldrenie .... 23 — 23,13 23,13 4% Ungarische StaatSrente V. 1910 — — 20,75 Wi% deSgl. von 1913..... — — — 4% Ungarische Kronenrente . . . 1,95 — 1,95 1,95 4% Türkische Zollanleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anl 5,25 5,25 5,25 5,2 5,2 Serie I........... — 5,25 5,4 4% deigl. Serie II....... 6% Rumänische vereinh. Rente 5,25 — 5,3 5,3 von 1903 .......... — 9,5 — iyt% Rumänische Vereinh. Rente von 1913 .......... •— — —w 4% Rumänische vereinh. Rente 7,65 — 7,6 7,8 Frankfurt a. M. 23erlln Schlußkurs l«Uhr» Kurs Schluß« kurs Anfang» Kurs Datum 28 .6. 30. 6. 28. 6. 30. 6. Hamburg-Amerika Pate, . . 103,5 104,5 103,5 104,5 Hamburg-Südam. Dampfschiff 8 — — 163,5 Hansa Dampsschtss..... 10 —— —— —— —« Norddeutscher Lloyd .... 8 103 105,6 103,75 105,25 Allgemeine DeutscheCredttanst. 10 113 — 113 113 Barmer Bankverein .... 10 122,5 122,5 122,5 122,5 Berliner Handelsgesellschaft . 12 158,5 —- 160 160,25 Commerz, und Privat-Bank . 11 142 142,25 142 142,25 Darmstävter und Nationalbank Deutsche Bank und 12 209,5 — 208,75 206,5 Disconto-Gesellschaft, . . . 10 133,5 — 133 134 Dresdner Bank...... 10 133 134 133,5 134 RetchSbank.....• • • 12 259 — 260 261 A.EG........... . 8 151 — 151 153 Bergmann........ . 9 — —— 180 — Eleklr. LteserungSgesellschast. 10 — — 140,25 142,25 Licht und Krast...... 10 146,5 147 146.5 146,5 Felten & Guilleaume . . . Gesellschaft für Elektrische iy, 109 — 110,25 — Unternehmungen .... 10 — 146,75 144,5 147,4 Hamburger ElektrizitätL-Werke Rheinische Elektrizität . . . 10 — 133 — . 9 142,5 — 143 144 Schlesische Elektrizität. . . . 10 — — 149,25 151,25 Schuckert L Co. . ..... 11 167,75 170,5 167,25 170,5 Siemens & Halske ..... 16 217 219,25 215,13 218,5 Transradio ........ . 8 — — 116 — Lahmeyer L Co.. . . • . • 10 160,5 — 159,9 — Buderus......... . b 74,5 — 75 76,9 Deutsche Erdöl...... . b 88 — 87,75 88,6 Essener Steinkohle ..... . 8 —— — — — Gelsenkirchener...... . 8 127 —- 127,75 129 . 0 121 121,75 122 122,13 Hoesch Eisen. ....... 6 H — 97 — Ilse Bergbau....... 10 239 242,5 — Klöcknerwerke....... . 7 —— 97,75 98,25 Köln«Neuessen..... . . 7 — — 94,5 — ManneSmann-Röhren . . . . 7 14,13 95,9 95.25 95 Mansselder Bergbau . . . . . 7 66 —— 68 — Oberschlei. Eisenbedarf . . . . 5 —— — — —- Oberichles. Kokswerke.... . 7 — — 103 104,5 Phönix Bergbau...... 6% 87 89 87,5 — Rheinische Braunkohlen . . 10 217 —— 216,5 216,5 Rhetnstahl........ . 6 110,5 112 110,5 111,5 Rtebeck Montan...... 7/2 Frankfurt a. Ul. Berlin Schluß« lurS t-tlhr« KurS Schluß- kurS Anfang- Kurs Datum 28. 6. 30. 6. 28. 6. 30. 6. . Bereinlgre Stahlwerke . Ottavi Minen..... 87 — 87,25 87,75 167. 46 — 46 46,25 -Kaliwerke Aschersleben . . 10 204 — 203,25 207,75 Kaliwerke Westeregeln . . IC 207 —- 208 212,25 Kaliwerke Salzdetfurth . • . 16 371,5 375,5 370,5 374 I. G. Farben-Industrte . * . 12 161,5 161,9 160,751 162,13 Dynamit Siobel .... . . 6 — — 83 —— Schetdeanstalt..... . . V 145 —- — — Goldschmidt..... . . 6 57,25 — 58 58,5 Rülgerswerke..... . . 6 60 — 59,5 59,75 Metallgelellschast. . . . . . 8 113 114 113,25 — Phstlpp Holzmann . . . Zementwerk Heidelberg Cementwerk Karlstadt. . . . 7 91,5 — — 92,5 . 10 . 10 112 — — — Wayb & Freytag . . . . . 8 74 75,25 74 — Schultheis Patzenhofer . - . 16 — 293,5 292,5 Lstwecke....... . 12 — —— 238 241,5 Aku......... . 18 87 88,75 87 87,75 Bemberg....... . 14 92 —- 89 94,75 Zellstoff Waldhof . . . • 187. 152 152,75 150 153 Zellstoff Aschaffenburg . • . 12 —— 114,5 116 — Charlottenburger Wasser ■ . . 8 —— — 99,5 100 Dessmier Gas..... . . 9 — — 154 148,75 Daimler Motoren . . . . . 0 — — 31,5 33 Deutsche Linoleum . . 202,5 206 202,75 205 . . o — 46,75 46,75 Rat. Automobil . . . . . . v — — — — Orenstetn & Koppel . . e . . 6 —— — 69 69,75 Leonhard Tietz .... . 10 149,5 — 150 150 Svenska....... 305 — 304 303 Frankfurter Maschinen . ■ . . 4 — — 25,5 — Gritzner....... . . 6 34 —— 32,5 — Heyllgenstaedt . . . IunghanS....... Lechwerke....... . . v . . 6 39 — 39,25 — . . f ’ 96,5 •— - — — Mainkraftwerke Höchst a. M.. . k 80 — — — Mag......... . 10 — — 113 113,5 Gebr. Roeder..... . 10 105 — — — Botgt & Haesfner . . . . . t 150 — 150 — Süddeutsche Zucker . . • . 10 155,5 1 154,75 — Banknoten. Berlin, 28. ßuni Geld Briefs Amerikanische Noten...... 4,179 4,199 Belgische Noten ....... 58,55 58,79 Dänische Noten ....... 111,98 112,42 20,35 20,43 Französische Noten ....... 16,435 16,495 168,26 168,94 Italienische Noten........ 22,03 22,11 Norwegische Noten....... 112,03 112,47 Deutsch-Oesterreich, ä 100 Schilling 59,18 59,42 Rumänische Noten....... 2,47 2,49 Schwedische Noten....... 112,38 112,82 Schweizer Noten ........ 81,33 81,65 Spanische Noten........ 46,11 46,29 Tschechoslowakische Noten..... 12,43 12,49 Ungarische Noten ....... 73,17 73,47 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a M 28. Juni 30. Juni Amittchc Geld Nolierung »rie AmMche Geld Notierung Srlei Amit.» Rott. 168,58 168,92 168,42 168,76 1,487 Buen.-AireS 1,500 58,52 1,504 1,483 Brss.-Antw. 58,64 58,475 58,595 Christianta - 112,26 112,48 112,19 112,41 Kopenhagen 112,25 112,47 112,17 112,39 Stockholm - 112,62 10,553 112,84 112,57 112,79 Helsingfors- 10,573 10,547 10,567 Italien. . . 21,975 22,050 21,95 21.99 London. . . 20,381 20,421 20,367 ' 20,402 Reuhork . . 1,1935 4,2015 4,1905 4,1985 Paris. . . . 16,465 16,505 16,455 16,495 Schweiz ». 81,27 81,43 81,22 81,38 Spanten - 46,25 46,35 45,65 45,75 Japan . . . 2,073 2,077 2,071 0,470 2,075 Rio de Ran- 0,473 0,475 0,473 Wien in D-> Oest. abgest. 59,185 59,305 59,165 59,285 Prag . . . - 12,437 12,457 12,43 12,45 Belzrad . . 7,416 7,430 7,413 7,427 Budapest. . Bulgarien. 73,35 73,49 73,295 73,435 3,037 18,82 3,043 3,037 3,043 Lissabon - 18,86 18,80 18,84 Danzig. . . Konstantin. 81,50 81,66 81,49 81,65 1,784 1,789 1,785 1,789 Athen. . 5,425 4,190 5,435 5,425 5,435 Canada . 4,198 4,188 4,196 Um mat). 3,606 3,614 3,566 3,594 Cairo • • 20,89 20,93 20,885 20,925 iöN1 öp- gS"‘ rWchM Abendstag der SS- sitzenden N® Msrttetcr Stellung sowie aus du ivies. Ser 3 leistungen, i° und Spiel zr Deraulagung schätzen zu Ie> verlange geh Er begruytk Brock niett psleger des 5 Anzenbach. Ter Aden turnerische, t sangswrtrag, trommlerkorp gen geboten, sind, was au ders sind z Barren und die Freiübur die Iolkstän ren des Arbc Übungen der Ereignis des H Sonaut» 6er ( Am vergär anstaltete die schatt 18?' wurde von d Mithilfe Fra fest in Gießen Äegattaplatz Pionieren dei schieden, denn Siege wandc diesen Mißei dem einmal galten ;u tt Lahre später 18 u wiederu sentlichkeit. 5 sentliche Ersi wurde es ei rudersportlich Gießen durchs Die diesjä! setzung ;u bei düngen noch l Acgatten in Duder-Gesells haben, g mit diesem Ei ^einzelnen genügen rennen ton getragen. Der durch seinen ledvch mit ei' .und für das ^asseloner ai Mensah JU1 Ware den Usern ^trennen Monte D Ä”? Anrrch §o< ^menitoort fei QQtin .Und b Dorrte c n n e SljS. Us^Utag salzen. D-6le Mnte h; °eai k«. «> NAl Turnen, Sport und Spiel. IS.BezirlSfest des Arbeiter-Tum- und S)pvltbundes in Wißmar. Da« diesjährige Bezirks fest des Ar- beiter-Turn- und Sportbundes. 3 Bezirk 9. Kreis, fand am Samstag und Sonntag in Wißmar statt. Bereits am Samstagnachmittag begannen die Einzelkämpfe der Sportler und Sportlerinnen, denen die Karnpf- richtersihung für Leichtathletik vorausging. Abends tagte der technische Ausschuß mit den Kampsrichtern für Geräte. 20.30 Uhr begann der Kommers auf dem Festplah. Aach dem Erösfnungsmarsch sangen die beiden Gesangvereine. Arbeiter-Gesangverein und Gesangverein Germania, den Begrühungschor Frühlingsrus. Es folgte nun die Begrüßung durch den Dor- sihenden des Festausschusses, Kümmel. De- zirksvertreter Kuntzemüller , Gießen, hielt die Ansprache, in der er besonders auf die Stellung des Arbeiter-Turn- und Sportbundes, sowie auf die Ziele dieser Sportbewegung hin- wies. Der Zweck sei nicht Erzielung von Höchstleistungen, sondern die große Masse dem Sport und Spiel zuzuführen, um so jeden nach seiner Beranlagung den Wert der Leibesübungen schätzen zu lehren. Der heutige Wirtschaftskampf verlange gesunde Menschen mit gesundem Geist. Er begrüßte besonders den Bürgermeister Drockmeier, Krofdorf, und den Kreisjugendpfleger des Kreises Wetzlar. Lehrer A m b r e ch t. Kinzenbach. Der Abend brachte ein Programm, in dem turnerische und sportliche Borführungen, Ge- sangSvorträge und Darbietungen des Bezirkstrommlerkorps abwechselten. Es wurden Leistungen geboten, die als das Beste zu bezeichnen sind, was auf diesem Gebiete möglich ist. Besonders sind zu erwähnen die Dczirksriege an Barren und Beck, die Flachturner von Wieseck, die Freiübungen der Launsbacher Turnerinnen, die Volkstänze der Launsbacher. das Kunstfahren des Arbeiter-Aadsahrervereins und die Freiübungen der Bezirkstechniker. Als besonderes Ereignis des Abends ist wohl die Vorführung des Donauwalzers durch die Turnerinnen Heuchelheims unter Mitwirkung des Mufikchors und deS Arbeiter-Gesangvereins anzusprechen. Am Sonntag früh wurden die Teilnehmer und Ortseinwohner durch einen Weckruf auf die Bedeutung des Tages aufmerksam gemacht. Bereits um 7 2hr traten Leichtathleten. Sportler. Sportlerinnen und Fußballer zu ihren Wettkämpfen an. Turner und Turnerinnen folgten um 8 llhr. Es wurden auf allen Gebieten schöne Leistungen gezeigt, wobei zu erwähnen ist, daß das Geräteturnen ganz besonders gepflegt ist und so der Hauptanziehungspunkt der Gäste war. Mittags bewegte sich ein Festzug durch den Ort. Fast jedes Haus hatte Flaggen- und Girlandenschmuck angelegt. Vach dem Eintreffen auf dem Festplatz begannen sofort die Massenfrei- übungen. die sehr gut vorgeführt wurden. Es folgte die Ansprache des Bezirksjugendleiters Schneider (Krofdorf), sowie die Begrüßung durch Landrat Mies (Wetzlar), der die Grüße des Kreises überbrachte. Einige Sondervorführungen füllten den Vachmittag aus. Den Sanitätsdienst hatten die Arbeiter-Samariter übernommen: es wurde in 26 leichten Fällen Hilfe geleistet. Die Ergebnisse aus den sportlichen und turnerischen Wettkämpfen, an denen sich rund 500 Personen beteiligten, werden wir morgen bekanntgegeben. Alba gewinnt das Deutsche Derby. Am Sonntag wurde zum 62. Male das Deutsche Derby, das größte Pferdesportereignis in Deutschland, in Hamburg-Horn gelaufen. Die mit 100 000 Mark angeseyte Prüfung hatte auch in diesem Jahre ihre Anziehungskraft nicht vermissen lassen: Lausende von Zuschauern waren gekommen, um Zeuge dieses großen Rennens zu sein. Wie zu erwarten war, siegte der in einer ganz großen Form laufende Alba aus dem Stalle des Freiherrn S. 21. von Oppenheim mit einer halben Länge Dor- spruIig vor dem zweiten Favoriten L a d r o aus dem Stalle Weinberg und dessen Stallgefährten Gregor. Jubiläums -Regatta der Gießener ^uder-Gesellschast 1877. Am vergangenen Samstag und Sonntag veranstaltete die Gießener Ruder-Gesell- schäft 1 87 7 ihre 25. Regatta. 3m 3ahre 1882 wurde von den Gründern der Gesellschaft unter Mithilfe Frankfurter Ruderer das erste Ruderfest in Gießen aufgezogen und damit Gießen zum Regattaplah gestempelt. Wenig Glück war den Pionieren des Gießener Rudersports damals be- schieden, denn das erste Fest verregnete und die Siege wanderten alle nach auswärts. Durch diesen Mißerfolg ließ man sich jedoch nicht von dem einmal gefaßten Entschluß, in Gießen Re- Sa'fcn zu veranstalten, abbringen und einige ahre später trat die Gießener Ruder-Gesellschaft 18 n wiederum mit einer Regatta vor die Oef- sentlichkeit. Das zweite Fest brachte schon wesentliche Ersolgc. und in den weiteren Jahren wurde es eine Selbstverständlichkeit, daß man rudersportliche Veranstaltungen regelmäßig in Gießen durchführte. Die diesjährige Regatta hotte eine gute De» setzung zu verzeichnen. Vielleicht wären die Meldungen noch besser ausgefallen, wenn nicht andere Regatten in Deutschland, an denen auch der Ruder-Gesellschaft befreundete Vereine teilgenom- men haben, gewesen wären. Doch kann man auch mit diesem Ergebnis vollauf zufrieden sein, denn die einzelnen Wettkämpfe hatten zum großen Teil genügende Besetzung. Die ersten D o r» rennen wurden am Samstagvormittag ausgetragen. Der festgebende Verein war hier bereits durch seinen Iungmann-Dierer • beteiligt, der jedoch mit einem starken Gegner kämpfen mußte und für das Hauptrennen durch den Sieg der 'Kasselancr ausschied. Am Vachmittag, der im Gegensatz zum Dormittag rednerisches Wetter brachte, waren verhältnismäßig viel Zuschauer an den Ufern der Lahn erschienen, um die ersten Hauptrennen anzusehen. Es wurden wirklich interessante Wettkämpfe geboten, die als beachtliche Leistungen gewertet werden können. Besonders sind die drer ersten Siege der Mannschaften der Gießener Ruder-Gesellschaft 1 8 7 7 hervorzuheben, die alle unter Einsatz des ganzen Könnens errungen wurden. Am Samstagabend versammelten sich die Mitglieder der Gießener Ruder-Gesellschaft 1877 und thre Gäste im Bootshaus zu einem Begrü- ßungsabend. Der 1. Vorsitzende der GRG.. Heinrich H o ch st ä t t e r, richtete herzliche Willkommensworte an alle, die dem Ruf der Gießener Ruder-Gesellschaft 1877 gefolgt waren und damit zu der Durchführung der Regatta besonders beigetragen haben. Christian Reiber. Ehrenmitglied und Mitgründcr der Gießener Ruder- Gesellschaft 1877, gedachte in einer schönen Rede der allerersten Anfänge des Gießener Rudersports und vor allem der ersten Gießener Regatta im Jahre 1882. Verschönert wurde der 2lbend durch den Männerchor des Vereins „Sängerkranz", der zahlreiche Lieder zum Vortrag brachte. Weitere gute Gesangsdarbietungen zeigte Karl Luft jr. Damit fand der erste Regattatag seinen Abschluß. Der zweite Tag (Sonntag) wurde durch drei Dorrennen am Dormittag begonnen. Hellster Sonnenschein ließ eine freudige Wettkampfftim- mung aufkommen und trug dazu bei, daß sich am Vachmittag zu Beginn der Hauptrennen an den Ufern der Lahn, längs der Retmstrecke, eine stattliche Zuschauerzahl eingefunden hatte, um mit 3nteresse die sportlichen Darbietungen zu verfolgen. Die Pausen zwischen den einzelnen Rennen wurden durch eine gute Unterhaltungsmusik der Kapelle Topp ausgefüllt. Die Gießener Ruder-Gesellschaft 1877 kann mit dem Verlauf ihrer Veranstaltung vollauf zufrieden sein. Auch in sportlicher Hinsicht erzielte sie durch ihre gut trainierten Mannschaften besonders beachtenswerte Erfolge. Insgesamt konnte die Gießener Rudergesellschaft 1877 vier erste Siege uni) drei zweite Plätze belegen. Hoffentlich werden diese Siege dazu beitragen, daß sich die Mannschaften auch weiterhin einem eifrigen Training widmen, um auf den noch in Aussicht stehenden "Regatten die Gießener Farben zum Siege gelangen zu lassen. Vachstehend die Ergebnisse der Dvr- und Hauptrennen (Dahnlänge etwa 2000 Meter): I. Tag: Lamstag. vorrennen. 8.-Vierer (Ehrenpreis). 1. Lauf: 1. Cochemer R.-G. 7:18 Win.: 2. Limburger R.-G. 1920 7:19.2Min. 2.Laus: 1. Wafsersportverein Beuel 7:08 Min.: 2. Akad. Ruder-Verb. Borussia, Köln, 7:22,4 Min. Das Hauptrennen bestreiten somit die beiden ersten aus den zwei Läufen. Zweiter 3ungmann-Vierer (Ehrenpreis). 1. Laus: 1. R.-V. Kassel 7:02,4 Min.: 2. Gießener R.-G. (Wilhelm Knobeloch. 2ldols Möhl, Willi Schneider, Georg Hartmann: Steuer: Heinz Loh) 7:05 Min. 2. Laus: 1. Frankfurter R.°G. Sachsenhausen 1879 7:19.4 Min.: 2. Wetzlarer R.-Cl. 1880 7:27,4 Min. Am Hauptrennen beteiligen sich demnach die zwei ersten aus den beiden Vorläufen. hauplrennen. Jean - Kirch-Gedächtnis - Rennen (Vierer, Herausforderungspreis). 1. Gießener R.-G. 1877 (Walter Heussel, Heinz Hochstätter. Werner Flimm, Wilhelm Köhler: Steuer Heinz Loh) 6:44 Min.: 2. Limburger R.-Cl. 1907 6:46 Minuten. Bei etwa 1000 Meter setzt sich Gießen an die Spitze und gewinnt das Rennen, trotz einem scharfen Endkampf, mit einer Bootslänge Vorsprung sicher. Er st er Iungmann-Dtcrer (Gefalle- nen-Gedächtnis-Rennen, Herausforderungspreis). 1. Kölner R.-G. 1891 6:43 Mm.: 2. R.-V. Kassel 6:44,1 Min.: 3. Wetzlarer R.-Cl. 1880 7:04.3 Mm. Kassel übernimmt die Führung, muh sie aber bald an Köln abgcben, die stark aufgekommen sind und den Sieg für sich buchen können. 2D eit zurück die Wetzlarer, die in dem Rennen nichts zu bestellen haben. , „„ Jugend-Gig-Vierer (Dahnlänge 1002 Meter. Ehrenpreis). 1. Gießener Ruder-Gesellschaft 1877. 1. Boot (Erich Weidig. „Hans Rub- famen, Heinrich Meister, Fritz Götz: ®tcuer. Heinz Loh) 4:12,2 Mm.: 2. Gießener W-G. 1877, 2. Boot (Karl-Heinz Schlüter. Arnold Bencham- mer, Lothar Stein, Ernst Blumschcin: Steuer. Vorbert Breitenbach) 4:19 Min.: 3. Hanauer R -G 1879 4:25 Min. Die Gießener Jugend hat in diesem Wettkampf ein Zeugnis abgelegt von ihrem eifrigen Training und sich von der besten Seite gezeigt. Der Erfolg wird sicherlich den Ansporn dazu geben, auch weiterhin die Farben der G. R.-G. zum Sieg zu führen: wir wünschen es ihnen. Hanau konnte sich nicht behaupten und erreichte zwei Bootslängen hinter dem zweiten Boot der Gießener das Ziel. . - _ Iungmann-Einer (Ehrenpreis). 1.A.-V. Kassel (Wolfgang Fahrenberg) Mm.; 2. Offenbacher R.-D. 1874 (Erwin Waier» 8.132 Minuten. Fahrenberg, Kassel, hat in dem Offenbacher Maier keinen ihm gleichwertigen Gegner und kann deshalb das Rennen nach Beheben ge- Winnen. Universität Frankfurt (Alfred Steup) schied bereits bei etwa 1020 Meter aus. ö »Vierer (Ehrenpreis): 1. Wassersportverein Beuel 6:59 Win. 2. C^hemerR-G. 7 07.4 Min. Beuel wird unangefochten Lieger 3unior-Achter (Herau^orderungsprers): 1. R.-V. Kassel 6:09.2 Min. 2. Offenbacher R.-v. 1874 6:09.4 Min. Offenbach legt sich E Anfana des Kampfes mächtig ins Zeug und holt bis zirka 1000 Meter einen Dorsprung von etwa einer Bootslängc heraus: die Äaflclaner laufen jedoch wieder auf und liegen ms kurz vor Dem Siel auf gleicher $>ö6c. De.de Mannschaften haben sich vollkommen verausgabt: dw Kasselaner erwiesen sich als die Besseren und nahmen einen schönen, wohlverdienten Sieg mit nach H^nse. Zweiter Vierer (Ehrenpreis). 1. 2LZB Kassel 6:54 Mm. 2. Limburger 2L-6L 1907 6:57 4. 3. Akad. Ruder-Derb. Borussia Köln 7 15 Win. Kassel nimmt den vordersten Platz ein unb liegt bei jirta 1000 Meter eine vor Limburg. 3n diesem Abstand entscheidet sich auch das Rennen: weit zurück Köln. Anfänger-Dierer (Ehrenpreis, offen für Mitglieder des Lahn-Regatta»Derbandcs>. 1.2L- V. Bad Ems 6:56 Win. 2. Verein Ruder- fport 1913 Gießen, etwa 103 Meter vor dem Ziel aufgegeben. Die Emfer sind die lieber» kgenen und gewinnen leicht. Gießen lag kurz vor dem Ziel etwa eine BootSlängc zurück und gab das Rennen auf. Zweiter Einer (Ehrenpreis): 1. R.-V. Kassel (Wolsgang Fahrenberg) 7:30 Min. 2. Hanauer R.-Cl. .Hassia" (Jean Jüngling) 7:35 Min. Jüngling, Hanau, geht vom Start ab langsam in Führung, die er jedoch bei etwa 1600 Meter an Fahrenberg, Kassel, abgeben muh. Beide ziehen einen prachtvollen Endspurt, der Fahrenberg, obwohl er von seinem Gegner stark nach dem linken Lahnufer gedrückt wird, zu einem sicheren und verdienten Sieg verhilft. Zweiter Iungmann-Dierer (Ehrenpreis): 1. Frankfurter R.-G. Sachsenhausen 1879 7.13 Min. 2. R.-V. Kassel. 200 Meter nach dem Start infolge einer Rollsihbeschädigung aufgegeben Erster Junior-Vierer (Herausforderungspreis): 1. Gießener Ruder-Gesellschaft 1 8 7 7 (Walter Heussel, Heinz Hochstätter, Werner Flimm, Wilhelm Köhler: Steuer. Heinz Loh). 6:44,8 Min. 2. Offenbacher R.-V. 1874. Beide Mannschaften geben alles her, um den Sieg für ihre Farben zu sichern. Gießen ist in guter Form und führt mit wenig Vorsprung, jedoch immer stark bedrängt von den Offenbachern. die sich nicht so leicht abschütteln lassen. Schließlich ereilt Offenbach kurz vor dem Ziel das Pech, infolge Fehlzuges eines Ruderers, aufgeben zu müssen. Der Sieg der Gießener ist lobenswert: sie haben ein schönes Rennen gefahren. Zweiter Achter (Ehrenpreis): 1. Offenbacher R.-D. 1874 6 05 Min. 2. Kölner R.-G. 1891 6:05,2 Min. Die Offenbacher müssen sich auf der ganzen Strecke anstrengen, um den kleinen Dorsprung, den sie sich gesichert haben, nicht an Köln zu verlieren. Köln ist doch etwas aufgekommen, und der kurz vor dem Ziel von beiden Mannschaften einsetzende Spurt läßt Offenbach mit nur V* Meter voraus Sieger werden. 2. Tag: Lonntagvormittag. Borrennen. Zweiter Iunior-Dierer (Ehrenpreis). 1. Lauf: 1. Kölner R.-G. 1891 6:49,6 Min.: 2. Hanauer R.-G. 1879 6:54,2 Min. 2. Lauf: 1. Offenbacher R.-D. 1874 6:57 Min.: 2. Frankfurter R.-G. Sachsenhausen 7:05,6 Min. Das Hauptrennen wird nach diesem Ergebnis von den beiden Ersten aus den zwei "Rotläufen bestritten. Die Mannschaft der Gießener D.-G. 1877, die auch zu diesem Wettkampf gemeldet war, konnte nicht mehr teilnehmen, weil sie tag« zuvor in dem Ersten Junior-Dieter als Sieger hervorgegangen ist. Dritter Dicret (Ehrenpreis). 1 Lauf: 1. Kölner R.-G. 1891 6:17 Min., 2. R.-V. Kassel 6:59,4 Min.: 3. Hanauer R.^S. 1879 7:05,2 Min. 2. 2 auf: 1. Wasserspottverein Beuel 7:07 Min.: 2. Rudervetbindung „Borussia" Köln 7:13,2 Min. 3n dem Hauptrennen sieht man demnach die Kölner R.-G. 1891, den Wasser- sportverein Beuel und den Ruder-Verein Kassel. Dritter Achter (Ehrenpreis). 1 Laus: 1. Köln erR-G. 1891 6:17 Min.: 2 Limburger R.-Cl. 1907 6:18,2 Min. 2. Lauf: 1. Offenbarer R.-V. 1874 6: 19,4 Min.: 2. Universität Frankfurt 6:25,2 Min. Am Haupttennen beteiligen sich Kölner R.-G. 1891 und Offenbacher R.-V. 1874. Lonntagnachrnittag. hauplrennen. Vierer (W anderpreis der Stadt Gießen): 1. Ruder-Verein Kassel 6: 57,4 Min.: 2. Universität Frankfurt 7:24 Min. Ein Rennen, in dem die Kasselaner weitaus die Besseren sind und ohne viel Anstrengung als Sieger hervorgehen. Frankfurter Ruder-Verein 1865 hat bei etwa 1200 Meter aufgegeben. Zweiter I un i o r- D i e re t (Ehrenpreis): 1. Kölner R.-G 1891 6:57 Min.: 2. Offenbarer R.-D. 1874 6:57,1 Min. Aus der ganzen Strecke ein scharfer Dord-an-Dord-Kampf, Der bis ins Ziel anhält und schließlich von den Kölnern mit einem kaum merklichen Vorsprung gewonnen wird. Iungmann-Achter (Herausforderung Spreis): 1. Ruder-Verein Kassel 6:18 Min.: 2. Universität Frankfurt 6:25 Min-: 3. Verein Rudersport 1913 Gießen (Georg Haas, Karl Höpfner, Walter Löb. Horst Gerstenhauer, Heinrich Kotell, Karl Franz, Arthur Heinz. Heinrich Seipp: Steuer: L. Foerstet) 6:56 Min. Die zwei ersten machen den Sieger unter sich aus. Ruderverein Kassel läuft der Frankfurter Uni- versitätsmannschaft bald davon und wird mit einem Vorsprung von einer Dootslänge sicherer Sieger. Weit zurück folgt die Mannschaft des Vereins Rudersport Gießen. Einer (Lahn-Pokal, Hetausfotderungs- preis): 1. Wassersportverein Godesberg 1809 (Leonhard Atenz) 7: 39 Min.: 2. Gießener Ruder- Gesellschaft 1877 (Willi Müller) 7:57 Min. Der Godes berget Aren» läßt den Gießener Müller bald hinter sich und siegt ohne sich merklich auszugeben. Vierer ohne Steuermann (Herausforderungspreis): 1. Offenbacher Ruder-Verein 1874 6:47,4 Min.: 2. Universität Frankfurt 6: 57 Win. Offenbach fährt einen leichten Sieg nach Hause. Adolf -Fischer»Gedächtnisrennen, Iungmann-Dierer (Herausforderungspreis): 1. Gießener Ruder-Gesellschaft 1877 (Wilhelm Knobeloch, Wolf Wöhl, Willi Schneider, Georg Hartmann. Steuer: Leinz Loh) 7:15 Min.. 2 Wetzlarer Ruder-Club 1880 7:25 Win. Die Gießener Mannschaft gab den Wetzlarern bald das Rachsehen und fuhr einen sicheren Sieg nach Hause. Damit hat sich der G. R.-G.-Hartmann- Vierer in die Siegerinannfchaften, die am Samstag so erfolgreich abgeschnitten haben, würdig eingereiht. , _ . Junior-Siner (Ehrenpreis): 1. Was- sersportverein Godesberg 1909.11 (Georg Arenz) 7:25 Min.: 2. Ruder-Verein Kassel (Wolfgang Fahrenberg) 7:27,2 Min: 3. Hanauer Ruder- Club „Hassia" (Jean Iüngllng) bei 500 Meter versteuert und auf gegeben. Zu Anfang des Rennens übernimmt Fahrenberg (Kastel) die Führung. muh sie jedoch an den Godesberger Arenz abgeben, 6er in feinem Endspurt ganz knapp gewinnt. Dritter Vierer (Shrcndreis): 1. Waste r- sportverriu Beuel: 2. Luder-Verem Kassel; L Kölner Ruder-Gesellschaft 1891. Beuel setzt sich vom Start ab langsam an die Spitze, um bei den 1000 Metern Har in Front zu liegen: in einem Abstand von etwa einer BootSlänge voraus gewinnt Beuel sicher, gefolgt von Kastel; weitere zwei Bootslängen zurück Köln. Achter (HeraussorderungSpreis). 1. Limburger Ruder-Club 1907 6:15,4. 2 Gießener Ruder-Gesellschaft 1 877 (Walter Heussel. Heinz Hochstätter. Wilhelm Knobeloch. Adolf Möhl, Willi Schneider. Georg Hartmann. Werner Flimm. Wilhelm Köhler. Steuer: Heinz Loh) 6:22 Min. Der Sieger hat vom Start weg die Führung übernommen und seinen Vorsprung langsam vergrößert, den die Gießener nicht mehr ausholen konnten. Im Ziel lag Limburg etwa zwei Bootslängen vor. B. Iungmann-Vierer (Ehrenpreis). 1. Ruder-Verein Bad Ems 6:59,2 Min. 2. Verein Rudersport 19 13 Gießen (Walter Loeb. Horst Gerstenhauer. Arthur Heinz, Karl Höpsner: Steuer: Wllli Lotz) 7:03,6 Min. 3. Cochemer R.-D. 7:10 Min. BiS zu den 1000 Metern lagen der Ruderverein Bad Sm» und der Gießener Rudersport auf gleicher Höhe; Atoei Bootslängen zurück folgt Cochem. Die Emser laufen den Gießenern bald davon und gewinnen das Rennen mit etwa einer Bootsläng« Vorsprung. Ermunterung- - Vierer (Ehrenpreis). 1. Ruder-Verein Kassel 7:11 Min. 2. Wetzlarer Ruder-Club 1880 7:26 Min. Bereits bei den 1000 Metern ist das Rennen durch die Kasselaner entschieden. Wetzlar kann sich gegen die weitaus bessere Siegermannschaft nicht behaupten. Kassel siegte mit einem Vorsprung von zirka vier Bootslängen. Akademischer Vierer (Herausforderungspreis). 1. Universität. Frankfurt. 6:56 Min. 2. Akademischer Ruder-Verband.Borussia" Köln 7:03.6 Min. Die Frankfurter Mannschaft gewinnt mit gut zwei Bootslängen Vorsprung. Dritter Achter (Ehrenpreis). 1 Offenbarer Ruder-Verein 1874 6:08 Min. 2 Kölner Ruder-Defellschaft 1891 6:10,4 Min. Ostenbach gibt schon auf Der Strecke den Kölnern das Rach- fehen, wird jedoch wieder stark bedrängt und kann mit nur einer halben Bootslänge das Rennen gewinnen. Die Kölner haben dem Sieger gegen Ende des Kampfes viel zu fchasten gemacht. Großer Achter (Ehrenwanderpreis). 1. Ruder-Verein Kastel 6:15 Win. 2. Gießener Ruder-Gefellichaft 1877 (Walter Heussel, Heinz Hochstätter, Wilhelm Knobeloch, Adolf Möhl, Willi Schneider. Georg Hartmann, Werner Flimm. Wilhelm Köhler; Steuer: Heinz Loh) 6:20,8 Min Die Kafieler Mannschaft ist gut und kann bald die Spitze einnehmen: sie gewinnt daS Rennen mit etwa einer Bootslänge Vorsprung Gießen machte einen überanstrengten Eindruck infolge der vorher gefahrenen Rennen. Letzte Nachrichten. Abzug her Aheinlanhkomniission aus Wiesbaden. Miesbaden, 30. Juni. (IU.) heute mittag hak dertetzteBesatzungssoldatwicsbaden o e r l a f f e n. Schon am vormittag drängte die Menge nach dem Hotel „Mil Helma", dem Sih der Rhcinlandkommission, doch der Platz war in weitem Umkreis abgcfperrt. Dav Publikum verharrte in Ruhe und beobachtete das letzte mlU- tärifche Schauspiel der fremdländischen Besatzung mit Genugtuung. Unter den klängen der Rationalhymnen wurden dann die drei Fahnen, die die Truppen präsentierten, eingeholt, erst die belgische, dann die englische und zuletzt die französische. Rach- dem die Mitglieder der Rheinlandkommission die letzte Stätte ihrer Wirksamkeit aus Deutschland» Boden verlassen hatten, marschierten die Soldaten mit klingendem Spiet nach dem Hauptbahnhof. Abzug her letzten Besatzungstruppen aus Mainz. Mainz, 30. 3unl. (WTv.) heute vormittag hatten die noch hier verbliebenen französischen Truppen, ein Bataillon Infanterie und eine Abteilung Gendarmerie vor dem Schloß, dem Hauptquartier de» französischen Oberbefehlshabers, Aufstellung genommen, fiurj nach 11 Uhr erschien der General und schritt die Front ab. Die Musik stimmte die Marsaillaise an, und unter den längen sank die Trikolore nieder. Unmittelbar daraus marschierten die Truppen bei klingendem Spiel und mit auf- gepslanzten Bajonetten zum Bahnhof. Die volk»- menge, die in dichten Scharen versammelt war, brach in Jreubenrufe aus, woraus die Truppen mit einem Sonderzuge um 12.10 Uhr die Stobt verließen. Verantwortlich für Lokales: 3. 23.: Dr. T h y r i o t. WVTV Dr. Lahmanns Hausgetränk. ■ >, Pfundpaket 55 Pfennig, wenn Sie als Familiengetränk Seelig’s kandierten Kornkaffee einführen. Dr. S. in H. sagt: „Seeligs kandierter Kornkaffee stellt an Geschmack und Bekömmlichkeit eine Spitzenleistung dar." Nachdruck verboten. 7. Fortsetzung. ' Griebenvw sah an dem weihen Fliedertisch. Cr führte keine Dame. Neben ihm Hämerling, der Sih zur Linken war noch leer. Durch diesen Stuhl von ihm getrennt sah ein Herr mit kurz- gestuhtem Spihbart und Monokel, Landgerichtsrat von Piloth. , , „Wo ist denn die Dame, die Sre heute fuhren sollen?" rief Frau Major von Haine zu Piloty. „Hat man Sie verseht?" „Man verseht mich immer", sagte der zuruck. „Neulich Sie bei Schilling, gestern meine Frau beim Mittag, weil sie Sie getroffen hatte. Heute habe ich das Glück, die allerschönste Frau Berllns zu Tisch zu führen, die verseht mich auch. Mir kommt allmählich der Gedanke, daß ich für die Damen allzu kostbar und gefährlich bin, um sich mit mir zu zeigen. Solche Möglichkeiten gibt es." . .. „Sagen Sie, Piloth, wer ist denn nun die schönste Frau Berlins, auf die Sie heute warten müssen?" , < An Stelle einer Antwort stand der Landgerichtsrat auf. Er begrüßte eine Dame, die den Saal betreten hatte, kühte ihr die Hand und führte sie zum Tisch. __ Frau Professor Doktor Mercandin. Eine Welle schwülen Bangens überrauschte Griebenvw. Cr erhob sich. Sah sekundenlang in Augen, die von abgrundtiefer Sühe waren. Eine Frauenstimme, die sich wie aus träumefernem Märchen in die Wirklichkeit verirrte, sagte zu Piloty: „Man entgeht dem Schicksal nicht. Wir sind pünktlich von zu Hause aufgebrochen. Aber als wir schon im Auto saßen,„ist mein Mann noch einmal abgernfen worden." Don allen Seiten wurde nunmehr auf sie em- gesprochen. Man scherzte, machte Komplimente. Sie lächelte, sah zurückgelehnt, gab Antwort in der sicheren, distanzierten Art der großen Dame. Einmal ging ihr Blick nach rechts, da senkten sich die großen Augen für Sekunden in die Griebenows, halb voll Neugier, halb gelangweilt. r „Ist der Unfall glücklich überstanden? fragte Griebenvw mit leichter Neigung. Jetzt erkannte sie ihn erst. Interessiert, fast prüfend blickte sie ihn am . _ r „Ach, Sie sind mein Ritter und mein Helfer", sagte sie. „Derzeihen Sie, ich habe vorhin Ihren Namen nicht verstanden. Darf ich ihn noch einmal hören?" Die Sünde -er Renate Mercandin Vornan von Fred Arttus. „Doktor Griebenvw. , , e . Sie dachte flüchtig nach. Schüttelte den Kopf. Wandte sich herum und sprach jetzt nur zu Griebenvw, zum Aerger von Piloth, der nervös sein Sektglas in den Fingern drehte. Sie erzählte von dem Unfall, wie ein Schwindel sie erfaßte und sie ausgeglitten sei. Ihr Gesicht veränderte deii Ausdruck, wenn sie sprach. Wieder war es schmerzhaft bleich. In dem Dlaugrund ihrer Augen war ein Leuchten, das sich immer mehr von innen her verstärkte. Sie hatte blonde Haare in dem seltenen Glanz von mattem Gold; Hals und Schultern leuchteten das sanfte, blütenzarte Weiß von Rosenblättern. Perlenschnüre wanden sich um ihre Büste, bildeten das Mieder, Ketten großer Perlen hielten dieses über jeder Schulter. Riesige Perlentränen, mit Brillanten eingefaßt, fielen von den Ohren auf den Hals. Perlen glänzten an den Fingern und am Arm. . I em and, der das Monopol auf Damentoaste hatte, schlug jetzt an sein Glas. Cr sprach pointiert und witzig, oft von Lachen unterbrochen. Die Dainen zupften während dieser Rede Trauben oder schälten ihren Herren Aepfel. Dann erscholl das Hoch, die Kelche klirrten aneinander, und Griebenow verneigte sich vor Frau Professor Mercandin. Sie lächelte ihm zu und sagte: „Also nochmals Dank, Herr Doktor Griebenow." Bald stand man auf, verteilte sich in Nebenräumen. In der großen Halle, wo man tanzen sollte, stimmten Musikanten ihre Instrumente. Griebenvw war in dem Herrenzimmer von Landgerichtsrat von Piloty angesprochen worden. Piloty, der dem Anschein nach sehr stark getrunken hatte, wollte wissen, wie Griebenow mit Frau Professor Mercandin bekannt geworden sei. Griebenow erzählte von dem Unfall und von seiner Hilfe. Piloth lachte, schwenkte die Importe vor der Nase hin und her und sagte: „Deubel auch, das ist ein Dusel, den Sie Gott auf den Knien danken müssen, Doktor. Andere laufen jahrelang umher, um die schönste Frau Berlins einmal von Angesicht zu Angesicht zu sehen. Unö Sie---Sie sind eben angekommen und dürfen ihr sofort Hilfe leisten. Na, ich sag' ja, Arzt, Arzt--“ Griebenow verzog die Lippen. „Der Fall ist hoffnungslos. Sie ist beherrscht bis in die kleinste Fingerspitze. Gletscherhaft. In ihrem Herzen ist es eisig wie in einem Fjord. Stammt übrigens Frau Mercandin aus Deutschland?" „Aber na, aus Wean, mein Lieber. Herkunft prima prima. Ein Komtesserl Armansperg und Wagrain. Sie war früher leidend und war wohl ein paar Wochen in der Klinik ihres Mannes. Mercandin ist Millionär aus seiner ersten Ehe. Ah, Verzeihung---" Piloth winkte lachend und ging zu einem! Herrn hinüber, der ihm seine Hand entgegenstreckte. Griebenow blieb stehen und blickte entrückt ins Leere. Disionengleich umspielten ihn die Bilder des Geschehens dieser letzten Wochen: von dem Abend im Restaurant Paris bis heute. Das ist ein Schicksal in zwei Wochen, dessen Kurve so bizarr ist, dah man an Bestimmung glauben könnte, dachte Griebenow. Dann entriß er sich dem Grübeln, steckte eine Zigarette an und schlenderte umher. Eben mochte wohl der Tanz begonnen haben. Von der Halle her erklang der kurze und energisch abgehackte Rhythmus eines Siow-Fox. Man vernahm von dort aus Lachen, Rufen und das Scharren vieler Füße. Plötzlich hatte er das unklare Empfinden, als ob ihn jemand ansah, als ob die Augen eines Menschen auf ihm ruhten. Was ist das? dachte Griebenow. Er drehte sich herum. In dem Rahmen einer Tür stand Mercandin. Sein Körper hob sich scharf und schwarz wie ein Schattenriß ab. Cr war im Frack, dem Modekunstwerk eines ersten Schneiders. Blütenweihe steife Hemdbrust. Große Weiße Chrysantheme in dem Seidenaufschlag. Der Professor lachte. Griebenow machte ein paar Schritte auf ihn zu. Nur ein Meter trennte beide voneinander. Beinahe schien es, als ob er Mercandin im nächsten Augenblick berühren würde. Griebenow hob seine Hand wie zu einem Schlag. Er nahm seine Zigarette aus dem Munde, machte dann eine scharfe Wendung links und betrat die Schwelle, um das Zimmer zu verlassen. „Haiti" rief Mercandin. Scharf klang seine Stimme. Sie verriet nicht mehr das mindeste von jener guten Laune, die er eben noch zur Schau getragen hatte. Dem Knurren eines Hundes war sie ähnlich, auch seine Züge hatten etwas von dem Zähnefletschen eines Raubtieres. „Wollen Sie jetzt tanzen, lieber Doktor? Das ist unvorsichtig. Ich bitte zu bedenken, dah der Hausherr Sie eine Viertelstunde später vor die Tür setzen lassen wird. Es wird sich leider nicht vermeiden lassen, ihm zu sagen, daß er einen Räuber und Erpresser unter seinen Gästen duldet. Oder wollen Sie mir vorerst etwas sagen? Also gut — ich will die Gnade haben, Sie noch einmal anzuhören." Griebenow versuchte der Erregung und des Willens Herr zu werden. Er zuckte die Achseln. Er schob die Hände in die Hosentaschen. „Darf ich bitten, Platz zu machen." Langsam färbten sich nun die Schläfenadern Mercandins. Sein Gesicht verzog sich. Eine ganze Welt von Verachtung sprach aus seinen Augen. Er blickte nach der Armbanduhr. „Es ist jetzt elf. Sie haben eine halbe Stunde Zeit. In dieser halben Stunde wird sich folgen- bes ereignen: Entweder werden Sie mich um Verzeihung bitten, daß Sie mich betrogen und Ihr Wort gebrochen haben, oder der Geheimrat Neugereuth erfährt, wes Geistes Kind Sie, sind. Ziehen Sie die Konsequenzen. Lind in jedem Falle, Doktor Griebenow: Sie entschlüpfen mir nicht wieder. Merken Sie sich das." Eine Handbewegung Griebenows schob Mercandin zur Seite. Griebenow verlieh das Zimmer. Sein Gesicht war grau geworden und von Scham zerrissen. Was nun? Was nun? Der Schuft! Der Schuft! Plötzlich blieb er stehen. Ein Diener, ein Tablett mit Bowle in den Händen, war an ihn heran- getreten. Griebenow ergriff ein Glas und tränt es leer. Er hatte das Empfinden, dah die Kehle und die Eingeweide ihm verdorrten. Plötzlich legte sich von hinten eine Hand auf feine Schulter. Er drehte sich herum. Ls war Geheimrat Neugereuth. „Also hier sind Sie, mein Freund!" rief er. „Ich suchte Sie. Cs fehlt an Tänzern in der Halle. Deshalb, wenn ich herzlich bitten dürfte." Cr nahm Griebenow am Arm und zog ihn mit sich fort. In einer halben Stunde wird er dir die Tür weisen, dachte Griebenow. Deichte! schrie es in ihm. Erzähle ihm das Häßliche und Dunkle deines Lebens. Sage ihm, wie alles kam. Er setzte an. Wollte seine Lippen öffnen: „Herr Geheimrat „Kommen Sie. Sie können mir nachher erzählen." Griebenow empfand den festen Griff von Neugereuth an seinem Arm. Der Geheimrat schob ihn lachend und energisch in die Halle, drückte ihn nach vorn. Dicht vor Griebenow stand — Frau Professor Mercandin. Er trat zurück, wollte weiter weg von ihr, den Saal verlassen. Der Geheimrat schob ihn vorwärts. Griebenow blieb stehen. Er war so nahe an Frau Mercandin, dah er den Duft der zarten Frauenhaut spüren konnte. Lind wieder schwankte er nach vorn. Fast berührte er Frau Mercandin. Gewaltsam riß er sich zurück. Um Gottes willen! dachte er. Um Gottes willen! Wenn sie jetzt den Kopf dreht und dich ansieht, bin ich ihr verfallen, dann wird alles um mich her versinken, und ich werde sie zum Tanze bitten. Und als ob ein Spuk ihn narre, wandte fast im gleichen Atemzuge, wie dies alles fein Gehirn durchzuckte, Frau Professor Mercandin den Kopf. Sie sah ihn an, und über ihre Lippen lief em Lächeln. Er fühlte sich versinken und erwiderte den Blick. Wie eine Ewigkeit war das Gebundensein der beiden Augenpaare, peinvoll lange, unerträglich süß. Dann tat er den Schritt, der beide trennte, verneigte sich, sah, wie sie nickte, den linken Arm ein wenig hob, und fühlte einen Herzschlag später ihren schlanken, weichen Leib an feiner Schulter. (Fortsetzung folgt.) Lichtspielhaus Gießen Nur Montag, den 30. Juni, 4 und 8 Uhr. und Dienstag, den 1. Juli, 4 und 8% Uhr Die Abendvorstellung am Montag beginnt bereits um 8 Uhr und endet 9% Uhr vor Beginn des Zapfensteichsl Anläßlich der Befreiungsfeiern am Rhein Gedächtnisfeier für Hermann Lons Ein fesselndes Film werk aus der Welt des Jägers und Heidedichters. (Herrn. Löns fiel 1914 als Kriegsfreiwilliger in Frankreich.) Karl Blume der Komponist der Lönslieder,* singt persönlich zur Laute u. a.: „Grün ist die Heide---“ Jugendliche haben Zutritt - Keine erhöhten Eintrittspreise Was die Zeitungen sagen: Berliner Lokal-Anzeiger. Es ist erfreulich, daß diese Lönsveranstaltung, die bereits im Reiche mit großem Beifall geboten wurde, nun auch nach Berlin gekommen ist. 12 Uhr-Blatt, Berlin. Man dankte zum Schluß so stürmisch, daß sich die Ufa (Kammerlichtspiele) zu einer Wiederholung entschlossen hat Essener Anzeiger. 5000 Menschen hören Löns im Ufa-Palast in drei Veranstaltungen, trotz Schneegestöbers ununterbrochenes Strömen der Menschen. Köln, Stadtanzeiger. Im Ufa-Palast kein Sessel mehr frei. — Karl Blume erntete brausenden Beifall. Dortmunder Zeitung. Die Bilder waren von hervorragender Schönheit — Karl Blume erntete reichen Beifall. 4440 c Kaufen Sie nren Pelzmantel im Sommer ZEIL 109 FRANKFURT AM MAIN 111V liegen die Hitze das ärmellose Sport-Kleid Unerschöpflich ist unsere Auswahl! 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