Ners irll 3 unaerg Schaufenele, llilils-Strümpfen n Ien dekoriert slndl jaran-daD Sie bei uns beo"-Strümpte finden. In Material hergestellt, esten Ansprüche zu» »EN »traße 4 33404 Jedes Paar eine Glanzleistung Buchten Sie bl«« Ss-S 8 Mittwoch. 30. April 1950 180. Jahrgang Nr. 100 Erstes Blatt Annahm« von Anzetaen für die Tayesnummer ois zum Nachmittag vorher. Preis für | mm HSHc für ?lnz«igen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspfennig: für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20“, mehr. Chefredakteur: Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Derantwonlich für Politik Dr Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in ©leben. Erscheint täglich, anher Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Siebener Familienblätter Heimat im Bild Die öcholle Monat,-vezugrprrtt: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspsennig für Träger» lohn, auch bei Richter- scheinen ein; ein er Nummern Infolge höherer Gewalt. Aernsvrechanschlüfie unter Sommelnummer2251. Anschrift |ür vrahtnach- richten Anzeiger Liehen. poftfcheckfonto: Sronffortam Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen vnick lind Verlag: vrühl'lcht UntvtrAittr.vllch- und sre'.ndrvckerel H. fange in «leben. Schrlstlettnng and Seschästrltelle: Schnlittabe 7. ‘H Oie Krise um Hugenberg und Koch-Weser Das kriegerische Italien kanzler in der Rcgierungserllärung vermerkt war» den ist. Ferner ist an anderer Stelle behauptet worden, daß das Ostgesetz zu allem anderen auch noch die Siedlungen zerschlagen werde. An unterrichteten Stellen herrscht im Gegen» teil die Ansicht, daß das Ostprogramm gerade die Siedlungen fördern werde. Oie Berliner Demokraten gegen das Kabinett Brünmg Berlin, 29 April. (ERB. Eigene Meldung.) Der Vorstand der Demokratischen Parte, B e r l i n - M i t t e hat folgenden Beschluß ge- JDcr Vorstand der Demokratischen Partei Berlin- Mitte bat mit Bedauern und Befremden Graf Westarp, oci ui stärkstem Gegensatz zu dem Vorstand der Deutschnationalen Dolkspartei steht und die Niederlegung seines Mandats erwägen soll Ein Junktim für die Osthilfe? Berlin. 30. April. Da im Mittelpunkt des Programms der neuen Regierung Brüning die Hilfe für den deutschen Osten steht, hängt chr Schicksal in hohem Wahr von der erfolgreichen Durchdringung der entsprechenden Gesetze im Reichstag ab. Wie wir hören, erwägt man in Regierungskreisen, das Gesetz für die O st b i l s e wiederum durch ein 3u nc tim mit einer anderen Vorlage zu verbinden, deren Ablehnung vom Reichstag ausgeschlossen erscheint. Wan denkt an eine Bindung zwischen dem Maßgabenefat und dem Oslhilfegeseh, die beide ja auch innerlich verwandt sind und sachlich ineinander übergreisen. Man hofft, auf diesem Wege eine größere Mehrheit und vor allem eine s i ch e r e r e zu gewinnen, da gegen das Ostgesetz als solchem bei den Demokraten und auch bei den Zentrumsgewerkschaftlern Bedenken vorhanden sind, die sich bei der Abstimmung möglicherweise ungünstig für die Regierung auswirken können. Die Opposition aus diesen Kreisen richtet sich im übrigen nicht gegen die Hilfe für den Osten, sondern gegen die Form, in der Schiele sie gestalten will. Endgültige Beschlüsse der Reichsregierung dürsten aber erst gefaßt werden, wenn die parlamentarisch« Lage sich klarer als heute übersehen läßt. Oae Kabinett der Reformen? 3n der Berliner „Germania", deren po» ! fitische Meinungsäußerungen man wohl weitgehend mit den Auffassungen deS Reichskanz- lcrs Dr. Brüning gleichsetzen kann, fand sich in diesen Tagen eine ganze Reihe von Artikeln, die in beachtlicher Weise die Ausgaben einer selbständigen Regierung gegenüber dem Parlament behandelten und mit Recht ausführten, daß durch die Bildung des Kabinetts Brüning der Versuch unternommen worden ist, die Regierung von den unsachlichen und versassungswidrigen Einflüssen der Fraktionswirtschast zu befreien. Hier ist zunächst die Anmerkung notwendig, daß schon bei der Bildung und auch bei der ersten Amtsführung der Brüning-Regierung sich Vorkommnisse gezeigt haben, die Bedenken erweckte. Richtig ist es. wie in dem Berliner Zentrumsorgan die künftigen Ausgaben des Kabinetts gekennzeichnet werden. Zunächst habe eS negativ die Pflicht, dafür zu sorgen, daß an die künftige Wirtschafts- und Finanzpolitik nicht rein interesse nm äßige Vor - a-ussetzungen und Wünsche berange- bracht werden Dann aber wird daraus hinge- wiesen, daß nach den jetzt dringenden Ausgaben: Ost Programm. Verabschiedung des Haushaltes und Reform der Arbeitslosenversicherung. bei denen es schwere Kämpse geben wird, die Reformpflicht der Regierung überhaupt erst beginnt Es ist zu begrüßen, daß dieses dem Reichskanzler nahestehende Blatt der Auffassung ist, eine wesentliche Besserung unserer inneren Lage werde erst dann eintreten, wenn Reichsresorm, Derwaltungsresorm und Finanzre- Daß innerhalb des deutschen Parteiwesens außerordentliche Gärungserscheinungcn am Werke sind, ist feit einiger Zeit selbst denjenigen klar geworden, die solche politischen Gebilde, wie die großen, seit 10 Jahren scheinbar unverändert Gebliebenen Parteien mindestens in ihrem Kern ür unantastbar gehalten hatten. Aber ob die Symptome, die wir zur Zeit beobachten, Sprengungserscheinungen sind, auf bte~ eine Atomisierung folgt, oder nur Uebergänge z u neuen größeren Zusammenschlüs- nen A uff affungen entspricht. Die weitere durch die Presse gehende Nachricht, daß am Donnerstag die deutschnationalen Fraktionsmitglieder, die den Steuergesetzcn zugestimmt haben, zu einer Vorbesprechung geladen sind, mag zutreffend sein, ist aber keine Sensation, die einer Indiskretion wert gewesen wäre Vorbesprechungen der^ Art zwischen Fraktionsmitgliedern, die denselben Standpunkt vertreten, finden häufiger statt. An dem Rätselraten über das voraussichtliche Ergebnis dieser Besprechuna beteiligen wir uns nicht Wir halten es für verfehlt, die Lage, die ernst und verantwortlich ist, zu verschärfen und warten den weiteren Verlauf ab. Eine rechte Föderativ Partei? Eigener Drahtbericht des „Gieß. Anz." Berlin, 30. April, wie wir von zuoerläsiig unterrichteter Seite hören, haben zwischen den seinerzeit abgefplitterten 12 Sezessionisten der Deutsch- nationalen, die jetzt in der Lhrlsllich-Ratlo- nalen Arbeitsgemeinschaft stehen, und dem w e st a r p - F l ü g e i auf Grund alter perfön- licher Beziehungen Besprechungen stattgefunden mit dem Ziel, eine große einheitliche oolks konservative Rechtspartei aus beiden Gruppen zu bilden. Die Initiative scheint von dem IZkftarp-Jlügel auszugehen, der rund 30 Abgeordnete mitbringen würde, während in der Arbeitsgemeinschaft mehr als 20 Abgeordnete zusammen- geschlossen sind. Line Zusage von Selten der Arbeitsgemeinschaft liegt aber noch nicht vor. Gegenüber diesen Tendenzen, der ßugenberg Gruppe eine geschlossene Partei aus neuen und alten Sezessio- nisten mit den Bauern gegenüberzusiellen, machen sich aber Bestrebungen geltend, auf jede feste Bindung untereinander zu verzichten und den Zusammenschluß unter Wahrung der relativen Unabhängigkeit der einzelnen Gruppen nur in Form einer großen Föderativ-Partei oorzu- nehmen. Diese Richtung hat ihre Anhänger nicht nur bei den Bauern des Landbundführers Hepp, sondern vor allem auch in der christlich-sozialen Gruppe, die besonderen süddeutschen, stark kirchlich bedingten Lln- slussen unterworfen ist. Die Vertreter eines engeren Zusammenschlusses begründen diesen weg mit der Notwendigkeit, rechtzeitig für die näch st en w a h - t e n einen brauchbaren organisatorischen Parteiunterbau zu schaffen. In parlamentarischen Kreisen rechnet man aber im Falle der Absonderung der Westarp-Gruppe im allgemeinen mit einem Sieg des föderativen Prinzips über feste Bindungen. Staatspräsident Dr. Tantzen der in einem sehr scharfen Schreiben seinen Austritt aus der Deut|d)en Demokratischen Partei bekanntgab und gleichzeitig sein Reichstagsmandat niederlegte. von den Vorkommnissen Kenntnis genommen, die sich bei der Bildung des Kabinetts Brüning abgespielt haben. Er erblickt In der Unterstützung dieser Regierung . durch die Demokratische Pariei einen Mangel an zielbewußter Führung und einen Bruch von Grundsätzen und Forderungen der Par- tei sowie eine Gefahr für ihren Fortbestand Er ersucht den Berliner Parteitag, die sofortige Einberufung eines außerordentlichen Reichsparteitages zu fordern mit der Parole, die Beziehungen der Partei zur Regierung zu lösen. Diese Forderung ist das Gebot der Stunde." Der demokratische Parteivorstand ist laut „Voss. Zig." auf Montag einberufen worden. Voraus- sichtlich wird, wie das Blatt berichtet, an diesem Tag beschlossen werden, daß der Parteiausschuß am 24 Mai in Berlin zusammentritt, um sich mit den Dem „Berliner Tageblatt" zufolge wird sich das Reichskabinett am Donnerstag mit dem Osthilfeproblem beschäftigen. Es wird, wie das Blatt erklärt, voraussichtlich nicht zu abschließenden Ergebnissen kommen, sondern lediglich bestimmen, welche Fragen in das Ost- Hilf ep r o g r a m m hereingenommen werden sollen, wiewett der Kreis der der Regierung vom Reichstag zu gebenden Ermächtigung zu ziehen ist und in welcher gesetzgeberischen Form, das Osthllseprogramm dem Reichsrat und Reichstag vorzulegen ist. Das Reichskabinett wird sich mit den konkreten Gesetzentwürfen bann noch einmal befassen, die auf Grund seiner Beratung am Donnerstag ausgearbeitet werden fallen. Mussolini grüßt die Jugendparade auf der Piazza del Popolo in Rom. Die Jugendparade fand anläßlich der großen Aushebungen für die faschistische Jugend- arme e statt, in die man dieses Jahr nicht weniger als 200 000 Jugendliche neu einreihte. form zu einem organischen Ganzen verbunden werden. 3m gleichen Zusammenhang w.rd auch die Wahlreform, an bie sich die Reichstagsparteien bisher nicht herangewagt haben, als eine derjeni- Scn Ausgaben bezeichnet, deren Dringlichkeit im interesse der innenpolitischen Gesundung nicht bestritten werden kann. Es braucht nicht nochmals gesagt zu werden, daß für die meisten Parteien die Wahlreform ein heißes Visen ist, das sie nicht gerne anfassen, um so stürm' her aber ist das Verlangen der gesamten Oe Sittlichkeit nach einer Beseitigung der Listenwirtschaft und dcs schematischen Proportionalwahlunrechtes, daS unsere Wahlgesetzgebung kennzeichnet. Das Volk hat nämlich ein Gefühl dafür, daß wirkliche Persönlichkeiten durch dieses System je länger, desto mehr von der aktiven Mitwirkung in der Politik abaestoßen werden. Das Programm des Kabinetts Brüning ist hiernach klar. Wenn es ihm gelingt d'e nächsten parlamentarischen Stürme zu überstehen, und die zunächst drängendsten Au gaäcn zu erledigen, kommt es überhaupt erst an das eigentliche Arbeitsgebiet heran, mit de n sich jede Reichsregierung. die nicht in den Schlendrian vergangener, politisch unfruchtbarer Kabinette verfallen will, in allem Ernst beschäftigen muß. Man sollte dem Kabinett Brüning bis dahin die Gelegenheit zum verantwortungsbewußten Handeln geben. Ml sen ist bisher den wenigsten klar. Denn die sichtbarste Wirkung der Reugruppierungen war zunächst tatsächlich die Sprengung der Deutsch- nationalen Partei. Damit ist es nun freilich noch nicht zu Ende, um ,n mehr, als man nur schwer entscheiden kann, inwieweit gerade diese Vorgänge die Wirkungen einer latenten geistigen Auseinandersetzung, ober der Un- gesch ckl.chteiten und Mißgriffe der Führung Hugen- bergs sind Sicherem Vernehmen nach wird die Spaltung in Kürze offen in Erscheinung treten Ob unter der Führung des früheren langjährigen und bewährten Parteichefs Grafen W e ft a r p . ober unter berjenigen bes Landbundführers Dr. S ch i e l e — ledenfalls werden sich alle oder doch die meisten Ja-Sager der jüngsten Reichstagsabstimmung menschlicher Voraussicht nach von der hugenberg. Gruppe lösen: ob sie sich mit den in der Regierung vertretenen Dolkslonservativen wieder vereinigen, oder eine neue selbständige Gruppe bilden, steht noch dahin, wie man ja auch mit Sicherheit erst diesen Vorgang in Rechnung stellen kann, sobald es klar ist, ob die Bemühungen z u r Erhaltung der deutschnationalen Partei in ihrem verantwortungsbewußten Handeln geben. Man I gegenwärtigen Umfang nicht durch entsprechende sollte ihm jetzt die Muße lassen, sich auf diese Konzessionen an die Westarp-Gruppe großen Aufgaben vorzubereite., and die Reform, nod) tzrfolg haben Die Frage der Verschmelzung die Deutschland für seine innere Gesundung drin- hängt aber auch weiter davon ab, wieweit die Be- gend braucht, in die Wege zu leiten. Allerdings ftrebungen zur Bildung einer großen mittel- hat bis dahin die Oeffentlichkeit die Pflicht, dar- parteilichen Fraktion erfolgreich weiter- übet zu wachen, daß die Regierung nicht in die betrieben werden. Der oolksparteiliche Führer Dr. früheren schlechten Gewohnheiten des bar la- 5^013 hat die Parole dazu in Mannheim aus- mentarischen Kuhhandels zurückfällt gegeben Die Kundgebungen des aus der demokra- und sich durch Sonderwünsche der Par- tifdjen Partei ausgetretenen Prof Dr. Hellpach t e i e n von dem geraden Wege der staatsbürger- uni) &cr ncue ostentative Austritt Tantzens lieben Pflichterfüllung zum Wohle des Ganzen ,#jgen die berjeitige Struktur der Kombination abbringen läßt. Diese positive Kritik ist biejenge , ^jtle dis rechts" von der ohnehin in einem fchwie- Haltung, die man in den kommenden Wochen der 'r'jgen Loslösungsprozeß von ihren bisherigen engen Regierung gegenüber einnehmen muh, und es Bindungen an die S.P.D. befindlichen demokra- wird sich zeigen müssen, ob sie den Mut und bie t i f d) e n Partei als eine erhebliche D e - Kraft zur wirklichen Führung der deutschen lastung empfunden wird. Tantzen und die Jung- Innenpolitik aufbringt. Programmatische 2ln!un- Demokraten fordern stürmisch den Austtttt aus der bigungen haben wir jetzt genug. Wir harren der g^gjerung wegen des Agrarprogramms, aber man Taten, von denen das Urteil über dieses Kabinett roirZ) vielleicht gerade bei der umstrittenen Osthilse abhängt, das selbst wohl gern einmal in der Mittel und Wege finden, um den Tendenzen des Geschichte das Kabinett der inneren Reform ge- Iinf€n Regierungsflügels entgegenzukommen, nannt werden möchte. __ _ e . Das Osthnfe-programm. Westarp Will solange wie Berlin, 29. April. (ERB. Eigene Meldung.) ItWQlld} OU0l)OlTCn. Dorn Reichsfinanzministerium wird Berlin 29.2lpril. (Eigene ENB.-Meldung.) folgende Erklärung ausgegeben: ,T)ie Tages- Ujüer ^ser Ueberfdirift erklärt die „Kreuzztg." presse hat sich in zungster Zett wiederholt, teils I Q . der Nachricht, Graf Westarp beabsich- unter eingehender Ztfsernangabe, mtt dem DU - . Mandat n ie b e r 3 u l c ge n und aus Programm beschäftigt. Als Unterlage biet- »' p0(iti(d)en Leben auszuscheiden, hat sich Graf für kann nur ein veralteter -RcJ.?erc,n* 9ßeffarö noch nicht geäußert Wie wir zu tenenttourf gebient haben. Das Oftbüfegefefc roinen glaub en. ist er entschlossen, auf seinem liegt dem Reichskabinett noch nicht vor. Die Res- a. Q .-t e ~ >u verharren, solange cs i h m sorts haben lediglich Entwürfe für eine mö' Iid) ,n einer Politik zu wirken, die fei- Vorlage niedergelegt, die^das Reichskavmell l ° ----- demnächst beschäftigen werden. Was die Belastung anbelangt, die aus den angeblich zur Verfügung gestellten Milliarden erwachsen sollen, so wird darauf hingewiesen, daß sich die Summe, die das Reichsfinanzministerium zur Verfügung stellt, durchaus im Rahmen des Etats hält und keine Sonderbelastung darstellt." Dazu hören wir noch von unterrichteter Seite, daß eine Mehrbelastung des Steuerzahlers durch dasOstprogrammnicht ein tret en wird, wie das auch vom Reichs- inneren Auseinandersetzungen zu befassen, die in der letzten Zeit schärfere Formen angenommen und zu der Forderung der Einberufung eines außerordentlichen Parteitages geführt haben. Oie demokratische preußen- fraktion für Blüning. Berlin, 30. April. (Eigene CNB.-Meldung.) Der Geschäftsführer der demokratischen Fraktion des preußischen Landtags erklärt im „Demokratischen Zeitungsdienst", daß die Landtagsfraktion durchaus hinter dem Parteivorstand und der Reichs- ta g s f r a k t i'o n stehe. Mit ihnen erstrebe und begrüße die Deutsche demokratische Landstagsfrak- tion jede Möglichkeit, den republikanischen Gedanken zu festigen und auszubreiten. Line scharfe Oppositionsslellung gegen die Reichsregierung und eine dadurch Herberge- führte. wenn auch unabsichtliche Unterstützung der Sozialdemokratie, die doch ganz allein den Anlaß zu der gegenwärtigen politischen Entwicklung gegeben habe, sei wegen der unausbleiblichen Rückwirkungen auf die anderen preußischen Koalilionsparteien nur geeignet, die bisherige feste republikanische Koalition in Preußen zu gefährden. Für die Deutsche demokratische Partei bestehe nicht der geringste Anlaß, durch unnötige Erregung besonderer Aufmerksamkeit die Auseinandersetzung zwischen Zentrum und Sozialdemokratie abzuschwächen. Oie hessischen Demokraten gegen den Panzerkreuzer B. WSN. Darmstadt, 29. April. Die hessische demokratische Landtagsfraktion hat beschloßen, die Reichstagsfraktion dringend zu ersuchen, den Panzerkreuzer B im Reichstag obzu lehnen. Gchiele energisch für die Trennung? Eigener Drahtbericht des „Gieß. Anz." (Berlin, 30. April. Wie wir aus gut unterrichteten Kreisen hören, seht sich der Reichsernährungsminister Schiele, nachdem er sich zunächst im letzten internen Kampf in der Deutschnationalen Dolkspartei augenscheinlich sehr zurückgehalten hat, jetzt energisch für die Trennung des Regierungsflügels von der Hu- genberg-Gruppe ein. Man betrachtet Schiele und W e st a r p als die k o m m e n d e n Führer der neuen Bewegung und spricht bereits von der kommenden Schiele-Partei. In diesen Kombinationen spielt auch die eigentliche Landbundpartei, die Christlichnationale Landvolkpartei, eine große Rolle. Oer deutsche Flottenbesuch in Italien. Berlin, 29. April. (WTD.) Die Linienschiffe .Schleswig-Holstein" und „Hessen" sind am 28. April, mittags, in P alermo eingelaufen. Rom, 29. April. (WTD. Agenzia Stefani.) Aus den sizilianischen Häfen eingetroffene Rachrichten besagen, daß das deutsche Geschwader, das im Mittelmeer eine Llebungsfahrt unternimmt, überall sowohl von den Behörden, wie auch von der Bevölkerung mit großer Herzlichkeit ausgenommen wurde. Einen überaus günstigen Eindruck habe bei der Bevölkerung die Aufmerksamkeit des Admirals F ö r st e r gemacht, der in Begleitung einer Offiziersabordnung und einer Marineabteilung sofort nach dem Eintreffen in Messina einen Kranz m der Kapelle der Kriegsgefallenen niederlegte. Oie Warenhaussteuer in Thüringen. Anlegungszwang der Sparkassen. Weimar, 29. April. (WTB. ) Bei Verhandlungen der Regierungsparteien hatte die Wirtschaftspartei vorgeschlagen, innerhalb des Thüringer Warenhausgesehes gewisse Warengruppen zusammenzufassen, um einzelne Betriebe von der Steuer auszunehmen. Run- mehr haben aber die Berhandlungen der Regierungsparteien ergeben, daß man von dieser Aen- derung vorläufig a b s e h e n will, da sonst ein deckungsloser Fehlbetrag von 140 000 Mk. entstehen würde. Man will zunächst die Steuer einführen und erst weitere Maßnahmen treffen, wenn die Auswirkungen des Gesetzes dies notwendig erscheinen lassen. Der Landtag nahm heute das Sparkassengesetz mit 26 Stimmen der Regierungsparteien gegen 18 Stimmen der Sozialdemokraten, Kommunisten und Demokraten an. Die Deutsche Bolkspartei erklärte, daß sie dem Gesetz nur unter gewissen Bedingungen zustimmen könne. Das Sparkassengesetz 'regele den Anlegungszwang der Sparkassen und bedeute im übrigen eine Angleichung der thüringischen Spar- kassengesehgebung an diejenige Preußens. Der dänische Außenminister in Berlin. B e r l i n , 29. April. (CNB. Eigene Meldung.) Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, kommt der dänische Außenmini st er Dr. Munch Don Genf auf der Durchreise nach Kopenhagen über Berlin. Er wird sich bis Donnerstag vormittag hier aufhallen und einige Höflichkeitsbesuche ab» statten. Politische Hintergründe hat der Besuch nicht. polnische Zusicherungen in Moskau. Moskau, 29. April. (WTB) Der polnische Gesandte Patek besuchte heute, wie die Tele- gradhen-Agentur der Sowjetunion meldet, den Volkskommissar des Aeußern Li t w i n o w und gab im Auftrage der polnischen Regierung der Freude über den Mißerfolg des Anschlags gegen die Sowjetgesandtschaft in Warschau Ausdruck. Bei dieser Ge^genheit versicherte Patek, daß die polnische Regierung all« Laßnahmen zur Feststellung d«r Schuldigen ergriffen habe. Die Koaliüonsvechandlungen in Hessen. Eine Erklärung des Landbundes. — Ein Zentrumskommeniar. WSR. Darmstadt, 29. April. Die Fraktion des Hessischen Landbundes teilt mit: „ Zwischen den Koalitionsparteien des Hessischen Landtags und dem Hessischen Landbund haben in der letzten Zeit Verhandlungen stattgefunden. Sie bezweckten durch den Eintritt des Landbundes in die Regierung eine Verbreiterung der Koalition herbeizuführen. Der Landbund wäre bereit gewesen, und er hat diese Bereitwilligkeit auch ausgesprochen, einen Vertreter in die hessi- sch« Regierung zu entsenden, wenn man ihm das Finanzministerium zugebilligt hätte. Dabei war sich der Landbund der Verantwortung voll bewußt, die er mit diesem Schritt auf sich zu nehmen hatte. Er glaubte aber, diese Verantwortung im Interesse des Landvolkes übernehmen zu müssen, wenn ihm durch die Tlebernahme des Finanzministeriums oder auf anderem Wege in Verbindung mit der Erfüllung einer Reihe sachlicher Bedingungen maßgeblicher Einfluß zugestanden worden wäre. Da die Regierungsparteien auf diese Forderungen nicht eingehen zu können glaubten, sind die Verhandlungen zwischen den Koalitionsparteien und dem Landbund nunmehr abgebrochen worden." Wie aus dieser Erklärung des Landbundes hervorgeht, sind die Verhandlungen „abgebrochen". Wir glauben aber zu wissen, daß die Fäden zwischen den Fr a k ti o ns f ü h - rem noch nicht abgerissen sind. Interessant ist eine Rotiz in der dem Zentrum nahestehenden Rhein-Mainischen Volkszeitung" von heute, in der es u. a. heißt: „Man hat den Eindruck, daß die bisherigen Regierungsparteien den Anregungen, die Regierungsbasis zu erweitern, aufrichtig cntgcaenkommen wollten. Die Hereinnahme des einstigen Gegners sollte das Bestreben dokumentieren, die Landespolitik noch stärker sachlich zu orientieren und von persönlicher und Überspitzt parteipolitischer Taktik loslösen. Zu diesem Standpunkt scheint sich aber der Landbund noch nicht durchgerungen zu haben. Schließlich dürften die Verhandlungen nicht an den sachlichen Gegensätzlichkeiten gescheitert sein. Indes wird die in vollem Gange befindliche Erstarkung der hessischen Finanzwirtschaft, die wohl dem Landbund als günstigster Zeitpunkt für seinen Eintritt erscheint, auch ohne ihn durchgeführt werden." Zweite Lesung des hessischen Staatsvoranschlags. D a r m st a d t, 29. April. (WSN^) Der Finanzausschuß des Hessischen Landtags begann heute mit der zweiten Lesung des Staatsooranschlages 193 0. Er beriet zunächst die in der ersten Lesung zurückgestellten Anträge des Landbundes und der Sozialdemokraten zur B e s o l d u n g s r e d u z i e r u n g. Die Debatte ergab nichts wesentlich Neues mehr. In der Abstimmung wurden die Landbundanträge auf Gehalts- reduzieruna und neue Besoldungs- und Beförde- rungsvorschrifton mit 11 gegen 2 Stimmen abgelehnt. Der Eventualantrag, in'desfen Auswirkung eine Ersparnis von etwa 8 v. H. der Personalkosten gefordert wird, ging der Regierung als Material zu. Mit 10 gegen 3 Stimmen angenommen wurde ein sozialdemokratischer Antrag, daß die geltende Reichsbesoldungsordnung spätestens mit Wirkung vom Rechnungsjahr 1931 an einer Revision mit dem Ziele einer wesentlichen Senkung der Beamtengeh älter in den oberen Gruppen unterzogen und Länder und Gemeinden auf diese neue Besoldungsordnung verpflichtet sein sollen. Zwischen dein Vertreter der demokratischen Fraktion und den sozialdemokratischen Ausschußmitgliedern kam es zu einem lebhaften Zusammenstoß, als von sozialdemokratischer Seite der Antrag eingebracht wurde, daß alle Beförderungen bis zum Jahre 19 31 unterbleiben sollen. Der demokratische Vertreter warf den Antragstellern gröbliche Außerachtlassung der Beamtenrechte vor und kritisierte auch die Haltung der Regierung, die sich gegenüber diesem Antrag einer Regierungspartei nicht genügend stark vor die Beamten gestellt habe. Da die Konsequenzen dieses Antrages sich nicht übersehen lassen, wurde er zunächst z u r ü ck g e st e ll t. Der Ausschuß ersuchte bann die Regierung, alle Maßnahmen zu ergreifen, die geeignet sind, möglichst schon den Staatsvoranschlag für 1931 in Einnahmen und Ausgaben auszugleichen. Schobers Besuch in Paris. Oie Unterredung mit Brianb. — „Anleihe gegen Garantie der politischen Selbständigkeit.^ Der österreichische Bundeskanzler Dr. Schober befindet sich zur Zeit auf einer ausgedehnten Be- suchsreise durch die europäischen Staaten, die ihn zuerst nach Prag und Rom, sowie nach B e r - I i n und jetzt auch nach Paris geführt hat. Dr. Schober ist bei seiner Ankunft in der französischen Hauptstadt außerordentlich aufmerksam empfangen worden. Eine ganze Reihe von Festlichkeiten sind zu seinen Ehren geplant, und auch die große Presse widmet dem österreichischen Staatsmann freundliche und anerkennende Worte. Besonders hervorgehoben wird fein taktisches Geschick, das ihm die innere Konsolidierung Oesterreichs ermöglicht habe. Für eine kleine Macht, wie sie Oesterreich seit Kriegsende darstellt, ist es sehr schwer, sich in der großen Politik Europas zu behaupten. Ein solches Land befindet sich in der wenig angenehmen Lage, von allen mög« lichen Elementen abzuhängen. In diesem Sinne sind die Reisen Dr. Schobers durch die europäischen Hauptstädte durchaus verständlich und waren bisher auch von Erfolg gekrönt. Offiziell wird der Besuch Schobers in Paris als ein Akt internationaler Höf. lichkeit interpretiert. Inoffiziell handelt es sich bei der Reise nach Frankreich aber noch um einen realeren Grund, denn die österreichische Republik braucht Geld, und dieses Geld soll Frankreich leihen. An sich ist die französische Regierung ohne weiteres bereit, Oesterreich eine größere Anleihe zu gewähren, aber man scheint in Pariser politischen Kreisen mit dieser finanziellen Frage auch eine politische verkoppeln zu wollen, und zwar soll die Gewährung der Gelder abhängig gemacht werden von der A n s ch l u ß s r a g e. Schon vor der Ankunst Dr. Schobers in Paris hat die große französische Presse die Anschlußfrage in den Brennpunkt ihrer Ausführungen über den bevorstehenden Besuch gestellt. Die Stimmung in den politischen Kreisen der französischen Hauptstadt läßt sich am besten auf die Formel bringen: Anleihe gegen G a - rantie der politischen Selbständig- feit. Man rechnet bestimmt damit, daß die An- leihefroge wenigstens in ihren allgemeinen Grundzügen bei dem Pariser Aufenthalt Schobers zur Sprache kommen wird, um so mehr, als die Bahn für die Aufnahme einer solchen Anleihe jetzt freigeworden ist, nachdem eine Regelung über 5te Ost- reparationen erzielt wurde und auch der ^oungplan in aller Kürze in Kraft treten wird. Inwieweit der außerordentlich freundschaftliche Ton der Pariser Presse darauf zurückzuführen ist, von Oesterreich das Versprechen seiner politischen Selbständigkeit zu erhalten, läßt sich im Augenblick noch nicht übersehen. Sicher ist aber, daß diese Erwägungen eine Rolle spielen, und daß man sich bemüht, von Dr. Schober eine deutliche Erklärung über die künftige österreichische Politik zu erhalten. Wie sich Oesterreich gegenüber Frankreich verhalten wird, geht im übrigen aus den gestrigen Erklärungen des österreichischen Gesandten in Berlin, Dr. Frank, hervor, der dem Berliner Korrespondenten des „Matin" ein Interview gewährte. Dabei betonte Dr. Frank, daß die österreichische Regierung im ureigensten Interesse Anhängerin einer klaren, loyalen, ehrlichen Politik des Friedens und der internationalen Annäherung sei, und deshalb nicht daran denken könne, sich in das Schlepptau eines bestimmten Staatenblocks, oder einer mit anderen Ländern in Antagonismus stehenden politischen Regierung zu begeben. Oer Besuch bei Briand. Paris, 29. April. (WTD.) Der österreichische Bundeskanzler Dr. Schober hatte heute mittag eine lange älnterredung mit dem Minister des Aeußeren, Briand. Heber die Unterredung wird folgendes Kommunique ausgegeben: Dr. Schober hatte Gelegenheit, Briand über die gegenwärtige Außen- und Innenpolitik Oesterreichs, sowie über dessen Wirtschaftslage zu informieren. Er erinnerte ihn vor allem an die Verpflichtungen. die Oesterreich durch seine geographische Lage in Mitteleuropa auferlegt werden, wo es ein Element der Ordnung im Dienste des europäischen Friede n -s bildet. Der Bundeskanzler hat ferner Briand feinen Dank für die Oesterreich in der Vergangenheit und namentlich auf der Haager Konferenz gewährte Unterstützung Frankreichs zum Ausdruck gebracht. Briand beglückwünschte den Bundeskanzler zu den für Oesterreich erfreulichen Ergebnissen und gab Dr. Schober die Versicherung, daß Frankreich weiterhin in seinen Beziehungen zu Oesterreich die gleiche w o h l - wollende Einstellung wie in der Vergangenheit zeigen werde. „Eine Ration, zwei Staaten/ Paris, 29. April. (WTB.) Der österreichische Bundeskanzler Dr. Schober hat die Vertreter einer Reihe von Pariser Blättern empfangen. Der Auhenpolitiker des „Iournal des Debats" richtete an ihn die Frage, wie er sich die künftigen Beziehungen zwischen Oesterreich und Deutschland denke, unter Hinweis auf die Befürchtungen, die bisweilen in dieser Frage in Frankreich auftauchen. Schober antwortete tXm Blatt zufolge, daß sich diese Beziehungen folgendermaßen definieren liehen: „Eine Ration, zwei Staaten". Der Außenpolitiker des „Iournol des Debats" nennt diese Formel gut; wenn sie derart ausgelegt werde, daß die beiden durch Sprache und Kultur verbundenen Staaten politisch unabhän- g i g und im Rahmen der Verträge souverän bleiben, sei sie beruhigend. polmscheMilitärfliegerüberOstpreußen Al len stein, 29. April. (WTB.) Wie die Flugüberwachungsstelle Allenstein der „Allen- steiner Zeitung" mitteilt, überflogen heute vormittag 9.50 Uhr drei p o ln i s che Militärflieger aus der Richtung Roggen im Kreise Reidenburg die Ortschaften Baranowen und Flaneberg (Kreis Ortelsburg). An der deutschpolnischen Zollstrahe bogen die Flieger rechts ab und verliehen den ostpreuhischen Boden in der Richtung nach Warschau. Oie Zensur in Indien. London. 30. April. (WTB. Funkspruch.) „Daily Expreß" schreibt: Bis gestern abend lagen hier außer der vorsichtig gehaltenen amtlichen fDZittei» (ung keine Nachrichten über die Schwierig« keitenmit den in Peschawar stehenden i n b t scheu Truppen vor. Es ist klar, daß alle Nachrichten aus Indien einer strengen Zensur unterworfen sind. Keine von den gestern nachmittag ausgegebenen Aqenturmeldungen enthält irgend etwas über den Zwischenfall. Unser Korrespondent in Lahore hat telegraphisch mitgeteilt, daß ein von ihm gesandter Bericht über die „u nbefriedigende Haltung" der fraglichen Truppen zensiert worden ist. Angriff auf britische Wachtposten. Kalku11a, 30. April. (WTB. Funkspruch.) Reuter. Unbekannte Männer unternahmen gestern früh einen Angriff auf drei britische Wacht- P o st e n am Eingang des Artilleriedepots von Barackpore. Die Männer kamen in einem Sedan- wagen und feuerten vier Revoloerschüfse aus die Posten. Diese erwidertendasFeuer, worauf die Angreifer schleunigst davonfuhren. Weder Angreifer, noch Angegriffene hatten Verluste. Die Nachricht von dem Angriff ist erst jetzt bekannt- gegeben worden^ Aus aller Wett. Schweizer Reife des „Graf Zeppelin" verschoben« Nach Wetterberichten aus der Schweiz ist mit einer Besserung des Wetters vorerst nicht zu rech« nen. Die Täler und Berge liegen völlig unter Wolken, so daß keinerlei Aussicht auf die Berge ist. Da sich die Wetterlage in den nächsten zwei Tagen vor« aussichtlich nicht ändert, wird die Fahrt des „Graf Zeppelin" verschoben werden. Englischer Luflschiffbesuch in Friedrichshafen. L o n d o n , 30. April. (WTB. Funkspruch.) „Daily Herold" zufolge wird erwartet, daß in ab ehbarcr Zeit britische und deutsche Luftschiffe in Deutschland Zusammentreffen werden. Dr. Eckener habe das Luftfahrtministerium eingelaben^ ein Luftschiff nach Friedrichshafen, zu entsenden, so- bald die im Bau befindliche neue große Halle fertig sei. Es sei zu erwarten, daß die TSintebung angenommen wird. Brüssel--Le Bourgel in 57 Minuten. In Le Bourget ist am Dienstagmittag der Flieger D 61royat an Bord eines Eindeckers aus Brussel eingetroffen. Er benötigte für die Strecke Brüssel- Le Bourget nur 57 Minuten, was einer Stundengeschwindigkeit von 311,5 km entspricht. Die Gebrüder Saß auf frischer Tal gefaßt. Berlin, 30. April. (TA. Funkspruch.) Am Dienstag spät abends wurde das Ueberfall- kommando nach einem Hause in der Flern- rningstrahe in Moabit gerufen. Dort hatte, toi« Berliner Blätter melden, der Inhaber eines Zigarrengeschäftes zwei Einbrecher entdeckt, die im Begriff standen, vom Keller des Hauses aus die Decke zu dem im Erdgeschoß liegenden Geschäft zu durchbrechen. Als die Polizei eintraf, flüchteten zwei Personen aus dem Keller heraus. Die Polizeibeamten aber sprangen auf einige Kraftdroschken, das Publikum nahm an der Verfolgung teil, aber die beiden fliehenden Leute wären im letzten Augenblick doch noch entkommen, wenn nicht der eine auf der Straße übeu eine Bananenschale ausgerutscht wäre, worauf beide zu Boden stürzten. Mit entsicherter Waffe nahmen die Beamten die Einbrecher nun f e st und brachten sie zur Wache. Als man die beiden Männer auf das Polizeirevier gebracht hatte, stellte sich heraus, daß man zwei der Gebrüder Saß verhaftet hatte, die noch immer in dem dringenden Verdacht stehen, den großen Einbruch bei der Diskont ogeselisch a f t am Wittenbergplatz im Ianuar 1929 verübt zu haben. Bei den beiden wurde zahlreiches und gutes Einbrecherwerkzeug gefunden. Ein Heuschreckenschwarm in Rumänien. Bukarest, 29.Avril. (WTB. Funkspruch.) Ein riesiger Heuschrecken schwärm hat die Um« gebuna des Dorfes Kujudschuk in der Do- brudscha heimgesucht. Die Heuschrecken, die eine Fläche von 200 000 Hektor bedecken, haben bereits die Weinberge des Dorfes zerstört und be- drohen die Donauebene. Gegenwärtig hat sich der Schwarm wegen der in dieser Gegend herrschenden Kälte in den Wäldern gelagert. Die Behörden haben Maßnahmen ergriffen, die Heuschrecken zu vernichten, bevor sie ihre Wanderung fortsetzen. Förderkorbunglück. — Elf Tote. Bulawayo (Rhodesia), 29. April. (WTB.) In einem Bergwerk in Antelope (Distrikt Ewanda) brach eine Stahlstange in der Bremsvorrichtung des Förderkorbes. Dadurch wurde zunächst der Bremser, ein Eingeborener, getötet. Außerdem stürzte der Förderkorb, der mit zehn Eingeborenen besetzt war, auf den Grund des 450 Meter tiefen Schachtes. Sämtliche zehn Insassen wurden getötet. Die Wetterlage. ~ta Coruna ö rfP'5eydlsfjoci Thor5hayiOJ,|ey itillyS Jan Mayen. Z5 5ZZ Norcjjya HamöQ. gt^z/ Oslo 10 1b Z&Bär' 2Q— -1fr Dienstaa. 29. April 1930,7" aMs. O/o * P o- Clermont (W . o ParivJ^ Tours 2X^0 iage/t. 5W G wotxentos. O neuer, c» halb vedeein. » wolkig. O vedeckl. • kkegeH * Sehnet graupeln. «Nebel K6f»Wer.(§)Wind5lilie.'A rS„-Ä felNp^Ä nds W t ra^ Au« der provinzialhaupifiadf. I Dietzen, den 30. April 1930. Der Braunkiitel Literarhistorisches vom Maikäfer. Nun ist 1« wieder da, die holde Zeit, der „wun- derschone Monat Mai", da der Jüngling .Liebe" reimt auf „Triebe", da „Blümlein blühen zu Kauf' die Studenten jubeln „Der Mai ist gekom. men",' und die Kinder fröhlich fingen: „Maikäfer flieg. Dein Bater ist im Krieg, Die Mutter ist in Pommerland, Pommerland ist abgebrannt, Maikäfer flieg!" 2a. dann ist er wieder da, der lustige Bursche im braunen Röcklein, nachdem schon im Winter vereinzelte vorwitzige Exemplare unglückliche Redak- teure zum Wahnsinn getrieben haben. Aber jetzt erscheint er nicht mehr einzeln, nein, in Gesellschaft guter Freunde burrt er lustig umher; nun — „Jeder weiß, was so ein Mal- Käfer für ein Bogel sei." Und nicht ie Fort- bildungsschulpslicht generell geregelt" habe. Die Meldung entspricht nicht den Tatsachen. Abgesehen davon, daß die Fortbildungsschulpflicht bereits im Jahre 1922 durch das Volksschul- gesetz und die dazu erlassenen Ausführungsbe- ftimmungen geregelt worden ist, enthält die erwähnte Mitteilung eine Unrichtigkeit, die geeignet ist, Verwirrung anzurichten- Die Besucher einer Lehranstalt mit Dollunterricht, die nach dem zehnten Schuljahre die Anstalt verlassen, sind nicht, wie behauptet wird, noch ein Jahr zum Besuche der Berufsschule (Fortbildungs- schule) verpflichtet, sie sind vielmehr auch weiterhin — wie bisher — vom Besuche der Fortbil- dungs- oder Berufsschule befreit. Daten fflr Domier-tag, 1. Ma!. 1862: der Schriftsteller Marcel Prevost in Paris geboten; — 1863: der Historiker Stephan Kekule v. Stradonitz in ®ent geboren; — 1872: Gründung ber Universität Straßburg; — 1873: der Forscher David Livingstone am Dangwcolo- see gestorben. Bornotizen. — TageSkalender für Mittwoch. Stabttheater: „In ber JohanniSnacht", 19.30 bis 22.30 Uhr. — Lutherische Tagung: Dortrag von Prosessot D. Sommerlath über das Thema: „Das Augsbutgischc Glaubensbekenntnis und die theologische Lage bet Gegenwart". 20.30 Uhr, im Johannessaal. — Reichspattei des deutschen Wenn Ihre Empfehlungsanzeige in der Freitags- oder in der Samstagsnummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung werben soll dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags in der Geschäftsstelle auf Mittelstandes (Wirtschastspartei): Oesfentliche Ptotestversammlung (Redner: Landtagsabgeord- neter Dr. Rhode aus Frankfurt am Main), 20.15 Uhr, im 6-afd Leib. —- Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Ich glaub' nie mehr an eine Stau“. — Stadttheater Gießen. Man schreibt uns: Heute abend 19.30 Uhr; Abschiedsvorstellung von Auguste Prasch-Grevenberg als Großmutter in der Operette „In der Johannisnacht". Mit dieser Ausführung wird dieses so erfolgreiche Lustspiel mit Gesarm zum letztenmal gegeben. — Am Freitag, 2. Mac, gastiert die Berliner Kammeroper mit Mozarts „Gärtnerin auS Liebe". Mozart hat das Werk ,das dreiaktig ist, damals mit 17 Jahren für München komponiert. Die Berliner Kammeroper gastiert mit eigenem Orchester unter Leitung des Kapellmeisters Knapstein, der auch die musikalische Bearbeitung der Kammeroper geschaffen hat. — Am Dienstag, 6. Mai, findet ein Gastspiel des Großrussischen Rationalorchesters statt. • ” Dienstjubiläum bei der Stadtverwaltung. Am morgigen 1. Mäi kann der Verwaltungsoberinspektor Karl Müller bei der ftaotischen Hauptverwaltung auf eine 25jäh- rige Tätigkeit im Dienste der Stadt Gießen zurückblicken. Herr Müller war bis zum Jahre 1919 bei dem Polizeiamt Gießen beschäftigt. Am 1. Oktober 1919 wurde er zur städtischen Hauptverwaltung verseht, in der er noch heute tätig ist. Seitdem die Stadt Gießen am 1. April 1929 deiz Dorsih im Hessischen Städtetag übernommen hak. versieht der Jubilar auch'noch baS Amt des GcschästSsührcr- des Hessischen StädtetageS. Bei seinen Vorgesetzten unb Mitarbeitern, aber auch in weiten Kreisen der Bürgerschaft erwarb sich Herr Müller durch fein allzeit gewissenhaftes Wirken unb durch sein liebenswürdiges unb hilfsbereites Verhalten im Dienste und im Privatleben größte Wertschätzung. DaS Dertrauen seiner Kollegen zu ihm kam im Jahre 1928 auch darin zum Ausdruck, daß man ihn xum 1. Vorsitzenden der Ortsgruppe Gießen der Berufsorganisation der hessischen Städtebeamten wählte. •• Volkstümliche Rheinfahrt. Man schreibt uns: Auf vielseitigen Wunsch veranstaltet bas Hapag Reisebureau Loeb, Gießen, am Sonntag, 25. Mairie ine erste biesjährige Rheinsahrt. Die Abfahrt ab Gießen erfolgt mit Conberzug gegen 6.30 Uhr mit Haltestellen in Großen-Linten, Langgöns, Butzbach, Bab'Nauhcim und Friedberg über Homburg nach Mainz-Kastell. Ab Mainz mit Son- berbampfer, begleitet von einer Musikkapelle, nach Rübesheim unb Aßmannshausen. An beiten Orten ein Aufenthalt von über zwei Stunten zur Besichtigung bcs Nieterwalb-Denkmals, Besuch ber Win- zerstuben usw. Rach abermaliger 2Kftünbigcr Dampferfahrt mit Unterhaltung unb Tanz an Borb wirb Koblenz erreicht, woselbst ein weiterer Aufent- halt von nal>ezu 2 Stunden zur Besichtigung ber Schcknswürdigkeiten, wie Deutsches Eck usw., vorgesehen ist. Die Rückfahrt erfolgt gegen 20 Uhr, Ankunft in Gießen 22.08 Uhr, fo baß auswärtige Teilnehmer rechtzeitig ihre Anschlußzüge erreichen. Bemerkt sei noch, daß nur so viel Karten ausgegeben werten. wie Plätze vorhanden sind. Man hat deshalb diesen frühen Termin dieses Jahr gewählt, um ben Teilnehmern ben Genuß tes herrlichen Frühlings am Rhein zuteil werben zu lassen unb außertem den Besuchern, die im Sommer verhindert sind, sich einen Tag freizumachen, jetzt bie Gelegenheit zu einer Rheinfahrt zu bieten. Näheres im heutigen Anzeigenteil. Verantwortlich für Politik: i. $.: Ernst Blumschein. NflUmflNN’s GRRa Jn diesem Punkt sind Jllle einig: Unersetzbar ■r für Wäsche ist NAUfiWNN’5 SEIFE ' Jnh. Gustav ßeng an S PEZ/AL- 7VOL L G ESC HA FF »UM Schuh weü die Ausstattung 4 modern SyeTem-ErklÄrung und y, Fußraessung kostenlos. ^///////////////////y///A IM Lahnkiesel M Perl kies Silberkies prompt und billig C.Rühsamen, Fernspr.3659 1 76 D Freude am 8rinmrungm- Ludwig Stern Bahnhofstraße 2 — 4 2761 A an unsere Kindheit werden von uns immer mit großer Freude aufgenommen. Schenken auch Sie Ihren Kindern diese Freude. Eine Kamera verhilft Ihnen leicht dazu. Wie oft bietet sich Ihnen ein aller liebstes Bild Ihrer Kleinen, das später, wenn die Kinderschuhe aus gezogen, eine stete Erinnerung bleibt. Holen Sie sich unseren fach männischen Rat, auch für Spezial fragen. (11514* Photo- Wlnterhott Kreuzplatz 9 Nachruf. Gießen, den 29. April 1930. 3389D Die Beerdigung findet Freitag, den 2. Mai, nachm. 3% Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. 3372 D Poppe 1) 5101- goMem Industrie MH. Sankel Neuen Baue 7. Tel. 2612. [170D KurzgeschnttieneS ImM __3055 A________ Sprall's Kückeo - Backloller NagiiMöitaÄ (fein und grob) Ceschälle Hirse sowie Hagel - Körortller für großes Geflügel empfiehlt billigst SiHtas |Stellengesuche| Gebild, unabhang. Junge Fran iucht vassenden WirkuuaSkreis ini Haushalt, Arzt- btlre, Pension oder Hotel. Eintritt aus Wunsch sofort. Schr. Angeb. unter 0281'3 an d. Giess. An», erb. AeltereS Mädchen Mit gut. Zeugnissen, in allen vvtk. häuSl. Arbeiten erfahren, auch Kochen, sucht für afabald Stellung in gutem Haufe. Schr. Angebote unt. 02880 a. d. Giess. Anz. Aelteres, solides Mädchen im Kochen und chllen Hausarbeiten Der» traut, fuchtStellung als Stütze od.HauS- hälterin tn Giessen für sofort ob. 15.5.80. Sckriftl.Angebote u. 02897 a. d. Giess. Anz. | Empfehlungen | EcbterKlee.Linde- Besseres Zimmer möbliert, m. 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Don Or. Gustav Wolost, o. ö. tzsofeffor der Geschichte an der Universität Gießen. In allen Untersuchungen zur Entstehung des Weltkriege« muh eine hervorragende Rolle die Frage nach dem Zusammenschluß zwischen Frankreich, England und Ruh- land spielen, zu dem der «rtze Schritt bekanntlich schon ein Jahrzehnt vor dem Kriege (8. April 1904) geschah. Wenn, wie früher einmal an dieser Stelle dargetan, die englisch-französische Entente eine deutliche Spitze gegen Deutschland enthielt, so -eigen neue englische und russische Quellen, daß auch die englisch-russische (31. August 1907) einen offensiven Charakter trug. Zwar enthielt das Abkommen nur Bestimmungen über »entralasiatische Fragen. Tibet. Afghanistan. Persien, d're die europäischen Mächte wenig berührten, aber ihre mittelbare Wirkung äußerte sich sofort am wichtigsten Brennpunkte der internationalen Politik, im Orient. Bis dahin hatten Oesterreich und Rußland danach getrachtet, jede Rivalität auszuschalten und gemeinsam den bestehenden Zustand aufrccht- zuerhalten, so daß ein internationaler Konflikt nicht entstehen konnte: im Iahre 1903 hatten sie im „Mürzsteger Programm" sich ausdrücklich auf diese Politik festgelegt. Seit dem Abkommen mit England ließ sich die russische Politik, geführt von Iswolski, verleiten, diese Richtung aufzugeben. In Asien hatte Rußland dem großen Rivalen erhebliche Zugeständnisse machen müssen — Afghanistan zum Beispiel, um das man viele Jahrzehnte lang einen lebhaften diplomatischen Kamps geführt hatte, hatte es völlig an England anSIiesern müssen — dafür stellte England in Aussicht, die Wünsche Rußlands nach der Durchfahrt seiner Kriegsschiffe durch die Dardanellen, je nach Beherrschung der Dalkanhalbinsel, unterstützen zu wollen. Man könne den Russen in dieser Hinsicht weit entgegenkommen, ohne die englische Stellung int Mittelmecr zu gefährden, sagte ein Gutachten der Admiralität. Die englische Regierung war sich dabei nicht im Zweifel, daß sie mit dieser Verheißung ein gefährliches Spiel trieb: die in der russischen Ration lebende panslawistische Idee, die ja nicht bloß die Herr- fchast über den Balkan, sondern auch die Bereinigung aller Slawen unter russischer Führung erstrebte, mußte hierdurch einen gewaltigen Antrieb erfahren. Und der Panslawismus war nicht allein der wirtschaftlichen Tätigkeit der Mittelmächte auf der Balkanhalbinsel feindlich, er be- driHte sogar direkt den Ländcrbestand Oesterreich- Ungarns. Die sriedensgefährliche Wirkung der neuen russisch-englischen Beziehungen zeigte fid^ sogleich bei einem durchaus legalen wirtschaftlichen Plan Oesterreich-Ungarns. Zu den Rechten, die der Wiener Regierung durch den Berliner Kongreß (1878) übertragen worden waren, gehörte die Befugnis. durch den Sandschak, das Land zwischen Serbien und Mazedonien, eine Eisenbahn nach Süden zu bauen, um dies zurückgebliebene Gebiet zu entwickeln und weiter Griechenland in bessere Verbindung mit Mitteleuropa zu bringen. Der Plan, der im Iahre 1907 entworfen wurde, entsprach dem Mürzsteger Programm, denn er sollte der Donaumonarchie nicht etwa einen politischen Machtzuwachs bringen, sondern den bestehenden Rechtszustand stärken, dadurch, daß er durch Schaffung wirtschaftlicher Werte die ewigen Unruhen in jenem Gebiete verminderte und der türkischen Regierung mit besseren Verkehrsbedingungen die Möglichkeit gab, eine geregeltere Verwaltung herzustellen. Um jeden Vorwurf, das Mürzsteger Programm verletzt zu haben, auszuschließen, teilte A e h r e n t h a l. der Minister des Auswärtigen, der Petersburger Regierung sein Vorhaben mit lIonuar 1908), und als er einen Widerspruch nicht erfuhr, versicherte er sich auch noch der Zustimmung Frankreichs, des russischen Bundesgenossen. Die französische Regierung versprach sogar, den Plan m Konstantinopel lebendig unterstützen zu wollen. Erst nach diesen Vorbereitungen trat Aehren- t h a l mit seinem Projekt an die Oeffentlichkeit, (27. Ianuar 1908), mußte aber zu seiner Ueber- raschung erfahren, daß Iswolski sich sofort dagegen aussprach, und daß die russische Presse es aufs heftigste angriff. Ia, wir wissen jetzt aus Veröffentlichungen der Sowjetregierung, daß er sogar die Möglichkeit erwogen hat. durch einen Krieg den österreichischen Bahnbau zu verhindern, aber diesen Gedanken vor dem kategorischen Widerspruch des Ministerpräsidenten Stolypin, der Rußland für unfähig zum Kriege erllärte, aufgcben mußte. Also nicht Rücksicht auf das internationale Recht, sondern die Schwäche Rußlands hat damals den europäischen Frieden gerettet. Der Grund für den Ge- finnungswechsel Iswolskis war die Einwirkung Englands: noch der Mitteilung eines Tellneh- mers an den entscheidenden russischen Beratungen hatte der englische Botschafter R i c o l - s o n Unterstützung in einem Konflikt mit Oesterreich in Aussicht gestellt und direkt zur Eroberung Konstantinopels aufgcmuntert. Diese Ratschläge veranlaßten Iswolski zu dem Entschluß, der Absicht Aehrenthals Steine in den Weg zu werfen, der ihm die voraussichtlich damit verbundene Erstarkung der Psorte nicht wlllkommen war. Der „Mechanismus der Entente" bewährte sich sofort: die französische Prelle erging sich trotz jener Zusage der Regierung, in scharten Angriffen gegen die Wiener Regierung, der die Wahrnehmung ihres guten Rechts als Illoyalität gegen Rußland ausgelegt wurde. Daß die englische Prelle in dasselbe Horn stieß, ist selbstverständlich. Damals bereits bewährte sich die große propagandistische Fähigkeit der publizistischen Wortführer der Entente, Recht als Unrecht erscheinen zu lassen. Wenn so Rußland daraus verzichten muhte, dem österreichischen Projekt, das allerdings infolge der späteren Balkanwirren nicht auSge- führt worden ist, gewaltsam in den Weg zu treten, so blieb die allgemeine Richtung der russischen, wie der englischen Politik unverändert. Unmittelbar nach dieser Episode drängte die englische Regierung in Petersburg darauf, daß Rußland seine Armee wiederherstelle, um bei dem in absehbarer Zeit bevorstehenden deutschenglischen Konflikt als Schiedsrichter auftreten zu können, und auf welchen fruchtbaren Boden diese Mahnungen gefallen sind, ist bekannt. Ungeheure Summen hat Rußland für militärisch« Zwecke geopfert und eine stehende Armee, größer als die Deutschlands und Oesterreichs zusammen, geschaffen, und daß diese Massen zum Angriff auf die Mittelmächte bestimmt waren, geht aus den gleichzeitigen Eisenbahnbauten hervor. Dis zum Iahre 1903 hatte Rußland entsprechend dem Vorherrschen der ostasiatischen Richtung in seine Politik in Europa nur wenig neue Bahnen geschaffen, dagegen in Asien eine große Tätigkeit entwickelt: nach dem japanischen Kriege und dem Anschluß an England kehrten sich die Derhältnisse um. Wie eine sorgfältige Untersuchung von Major Günther Frantz, dem wir schon mehrere tief eindringende Arbeiten über die militärischen Vorbereitungen Rußlands verdanken, nachweist, legte Europas größte Betonbogenbrücke. - MM Die Vetonvrucke von Eschetsbach vei Oberammergau, die von Kardinal Faulhaber (im Kreis) feierlich emgeweiht wurde. — Die Brücke, die sich in einer Breite von 130 m und einer Höhe von 75 m über die Ammer wölbt, ist die größte Betonbrücke Europas. Oer neue Präsident des Deutschen Gänaerbundes Geheimrat Dr. Hammers chmidt wurde bei den Neuwahlen auf dem Deutschen Sängertag in Leipzig zum Präsidenten des Deutschen Sängerbundes gewählt. Geheimrat Hammerschmidt war bisher der provisorische Präsident des Bundes. die russische Regierung seitdem den höchsten Wert darauf, daS europäische Eisenbahnnetz durch Verbindung des Ostens mit dem Westen auszugestalten 'Berliner Monatshefte für internationale Aufklärung, Märzheft). Ramentlich galt es, das riesige Wolga- und Kamagebiet, sowie Sibirien mit den Landschaften östlich der Weichsel und des Rarew, die als Aufmarschgebiet gegen Deutschland in Aussicht genommen waren, -m verbinden: mehrere neue Brücken über die Wolga, eine neue Strecke über den Ural, mehrere Verbindungsbahnen zwischen den großen, von Osten nach Westen laufenden Bahnen wurden geschaffen, mehrere eingleisige Bahnen in zweigleisige umgewandelt, und vieles andere, das 1914 noch nicht vollendet war, war noch geplant, ileberall dominierte nicht der wirtschastliche, sondern der strategische Zweck, was schon daraus hervorgeht, daß bei vielen Entwürfen der französische Generalstab zugezogen wurde und nicht selten das entscheidende Wort sprach. Mit besonderem Rachdruck geschah das im Iahre 1913, als Frankreich eine Anleihe von 2,5 Milliarden Franken bewilligte unter der ausdrücklichen Bedingung, daß binnen 4 Iahrcn bestimmte Bahnen von strategischer Wichtigkeit vollendet fein müßten: eine Verpflichtung, die die russische Politik bis zu gewissem Grade von der französischen abhängig machte. Bezeichnend ist auch die Eile, mit der die ftan- ?ösische Regierung den Bahnbau verlangte, hat ich doch Poincare als Präsident der Republik wiederholt persönlich nach dem Stand der Arbeiten erkundigt. Offenbar stand dies Drängen der französischen Regierung im engsten Zusammenhang mit ihrer eigenen Rustungspolitik. Soeben hatte Poincare gegen starken Widerstand die Wiedereinführung der dreijährigen Dienstzeit durchgeseht, und allgemein war die Lieberzeugung, daß Frankreich die- neue Last nur wenige Iahre tragen könne: der Argwohn drängt sich auf, daß Poincare die feste Zuversicht hegte, daß in dieser kurzen Frist der große Krieg ausbrechen werde. Damit vereinigte sich vortrefflich die Forderung, daß die russischen strategischen Dahnen bis 1917 vollendet fein mühten: bis dahin konnte Frankreich die dreijährige Dienstzeit schon ertragen, und so konnten Frankreich und Rußland voll gerüstet in den Krieg eintreten. S o Gießener Gtadttheaier. Goethe: „Clavigo" „Solch einen Quark mußt du mir künftig nicht mehr schreiben, das können die andern auch." Merck über „Elavigo" zu Goethe. Die Entstehung dieses bürgerlichen Trauerspieles ist, ähnlich wie später beim ,Zerbrochenen Krug" von Kleist, einem halben Zufall zu verdanken. Der äußere Anlaß jedenfalls zu einer fast spielerischen Diederschrift des Werkes innerhalb von acht Tagen im Mai des Iahres 1774 sand sich gelegentlich der Freitagsgeselllchasten im Goetheschen Hause zu Frankfurt. Der junge Dichter las eines Abends aus den Memoiren deS „avanturier fran^ois“ P. A. C. de Beau- marchais vor, der damals viel von sich reden machte. Hier fand sich ein „Fragment de mon voyage d'Espagne“, welches in Grundzügen die ganze Fabel zum „Clavigo" enthielt. e ® oct h e selbst fühlte sich zu einer dramatischen Bearbeitung des Stoffes sogleich angeregt. Viel- leicht schwebte ihm zunächst dabei nur eine günstige Gelegenheit vor, den Tadlern feines ersten Dramas, des »Götz von Berlichingen", wirksam -u begegnen, wofür eine aus jener Zeit ftam- m«nbc Bemerkung spricht, er möchte ein Drama Ausfuhren" schreiben, „damit die Kerls t a nur an mir liegt. Regeln zu beobachten und Sittlichkeit, Empfindsamkeit darzustellen.' . ton Clavigo-Stofs betraf, so bestärkte ihn :n tot Ausführung ein blutjunges, literarisch MleressterteS Fräulein namens Anna Sibylla x» o ’ Elches dreimal hintereinander durch rt.. zu Goethes Partnerin im damals beliebten Mariagespiel bestimmt worden war, und das sogar bet Frau Rat als wirlliche Schwie- ^rtochtcr nicht unwillkommen gewesen sein soll. unö gut: Goethe machte sich anheischig, oa» Theaterstück bis zur nächsten Zusammen- mnft geschrieben zu haben und brachte es wahr- tofhg auch zustande. * 3^3 die oben zitierte Kritik des Darm- IKWier freundes Merck angeht, so würden wir ha rmU* *e — ahne die offenbaren Schwächen 0 .®£rfe£ zu verkennen — immerhin etwas zurückhaltender ausdrücken: ja .wir könnten uns freuen, wenn heute einer in unserer, an guten Dramen armen Zeit ein solches Schauspiel leichten, gleichsam als Gesellschaftsspiel, in ein paar f !9c’}nictorfd)riebe. Herr Beaumarchais selbst vat den .Elavigo" übrigens in einer süddeutschen Aufführung gesehen und sich geradezu verletzend über das Stück und feinen Verfasser geäußert. Man muß versuchen, die Maßstäbe anzulegen, die Goethe hier zukommen. Unb wenn man auch sieht, daß das Werk, welches aus der stürmischsten, reichsten und genialsten Schaffensperiode Goethes hervorgegangen ist, künstlerisch nicht zum Reifsten gehört, was er hinterließ, — so muh man andererseits sich erinnern, daß das Stück doch wiederum nicht ganz so zufällig und spielerisch in die Welt gekommen ist, wie eS auf den ersten Blick scheinen mochte. Es standen auch innere, seelische Kräfte hinter der schier überstürzten Schöpfung, sie sollte nicht allein eine zuchtvolle Bewährung der Form und des handwerklichen Könnens über den viel genialer?! und bedeutenderen Götz" hinaus fein, fon- dcr z g eich au , w.sent id.ss n V i. >r'olu g eine zweite Deichte und celbftantlage in der Erinnerung an Friederike Brion. In der Gestalt des Elavigo sollte sich noch einmal der Weis- lingen wiederfinden, und aus beiden spricht Goethe selbst, der treulose Liebhaber, der das verlorene Glück von Sesenheim nicht vergessen konnte. Goethe hat ausdrücklich den Elavigo einmal einen unbestimmten, halb großen, halb kleinen Menschen genannt, „das Pendant zum Weislingen im Götz, vielmehr Weislingen selbst". Und in der eben berührten persönlichen Beziehung liegt schon fast alles beschlosfen, was das Werk noch heute für uns bedeutsam und wesentlich macht: es wird damit, wie so vieles andere bei Goethe, zum „Bruchstück einer großen Eonfession". Der innere Anlaß zur Fabel ist uns heute längst wichtiger geworden als die Fabel und ihre Gestalten selbst. Uns erscheint Elavigo gar nicht mehr als ein „halb großer" Mensch, sondern nur als ein sehr unbestimmter und Heiner, ein passiver, untätiger, schwächlicher „Held", scheiternd an feiner Liebe nicht fo sehr durch die „Kabale" der Umwelt als durch die Unzulänglichkeit feines Charakters, der wie ein schwankes Rohr im Winde hin und her geworfen wird und nicht die Kraft aufbringt, fein Schicksal aus eigenem Willen zu formen. Bei der Fragwürdigkeit der psychologischen Linienführung ist der eigentliche Äonflilt, der Goethe vorschwebte, minder herausgearbeitet: die Tragödie des ehrgeizigen „politischen" Menschen tritt zurück hinter der Marientragödie, dem bürgerlichen Trauerspiel vom doppelt verlassenen und verratenen Mädchen aus einfachem Stande: auch hinter der Intrigenhandlung. deren Träger. ein böser Geist wie der Schillersche Sekretarius Wurm, Clavigos Freund Carlos ist: für ihn hatte übrigens Merck Modell gestanden, der freilich mit dem Porträt so wenig zufrieden war wie mit dem ganzen „Quark". Der Wemoirenschreiber Beaumarchais hatte die Einführung des Zweikampfes (für den man auf shakespearesche Einflüsse aus dem „Hamlet" hin- Siefen hat) und des Degräbnisses mit groben rten getadelt und sachlich auch kaum gan- unrecht gehabt. Doch sollte man trotz allen Einwänden, die früher und später gegen den „Ela- vigo" gemacht worden sind, nicht verkennen, wie groß tatsächlich in der Form der Fortschritt über den „Götz" hinaus gewesen ist, und ein wie blendendes und wirksames Theaterstück doch in der lächerlich geringen Zeit zustande gebracht worden ist: ein Stück für Schauspieler und Publikum, und mit einem zweiten Akt vor allem, der rein bühnenmäßig zum Stärksten gehört, was der junge Goethe als Dramatiker geschaffen hat. — e Die Aufführung, die sehr gute Eindrücke hinterlieh, trug den nicht alltäglichen Charakter einer Abschiedsfeier Trude Heß, die Marie Beaumarchais, Franz Arzdorf, der Clavigo, und Hans T a n n e r t, der die Aufführung leitete und den Beaumarchais spielte, werden uns verlassen. Rach den Leistungen, die sie gestern gezeigt haben, steht man sie doppelt ungern scheinen, wir wissen, daß sie alle drei hier in Gießen eine gute Schule gehabt haben, wir wünschen ihnen Glück und sind überzeugt, daß sie ihren Weg machen werden. Die Regie war auf strenge Stilisierung gerichtet und trug mit der eindringlich betonten Raumgliederung ein visuelles Gepräge. Es war eine Szenengestaltung fürs Auge: im Bildhaften waren die Grundelemente des Dramas sinnfällig angedeutet. Die horizontale Zweigliederung der Bühne in Oben und Unten charakterisiert die soziale Schichtung im Spiel und Gegenspiel, die Trennung der „gemeinen“ und der höfischen Sphäre, symbolisiert das bürgerliche Trauerspiel „Elavigo". Die steil hochgeführte Treppe wiederum ist hier mehr als ein beliebt gewordener Regieeinfall: in der vertikalen Aleberfdynei- dung ist die politisch« Linie des Dramas angedeutet, der Weg zur Höhe, den Elavigo nach des Carlos Willen Vollender sollte und nicht bezwingen kann. Im Einzelnen waren der Stil und die genialische Gebärd« des jungen Goethe sehr wohl getroffen; die theatralischen Qualitäten des Werkes wurden zu starker Wirkung gebracht: in diesem Sinne erschienen der zweite und vor allem der vierte Akt nicht nur dramaturgisch, sondern auch darstellerisch als entscheidend« Höhepunkte der durchdachten und innerlich abgewogenen Aufführung. • In der Titelrolle sah man Arzdorf, und es war erstaunlich, was er aus der ganz passiven, schwankenden, unklaren (und im Grunde auch unsympathischen) Gestall dieses merkwürdig unmännlichen Helden heraushvlte; er spielle den Clavigo als einen elegant-geschmeidigen Höfling, aber mit gutem Instinkt weniger auf den politischen Prätendenten als auf den reuevollen Liebhaber hin, womit er zugleich die Rolle von ihrer ergiebigsten Seite her anpackte und auch die sehr persönliche Beziehung des Werkes zu seinem Schöpfer wenigstens andeutete. Arzdorf hat- sich mit dem Clavigo einen vortrefflichen Abgang gesichert. * Tannert gab dein Beaumarchais eine ernste, ehrenhafte Männlichkeit und soviel Zurückhaltung, wie es diese (traditionell nicht gerade glücklich fest» gelegte) Rolle zuläßt, und ohne in die allemal peinlichen, wenn nicht lächerlichen Allüren eines los- gelasienen Rachegeiftes zu verfallen. Ausgezeichnet gelang ihm die ganz von feiner verhallenen Energie bestimmte, innerlich schwingende Diktatszene tm zweiten Akt. e Trude Heß spielle die Rolle der jungen Marie, deren Gretchencharakler durch die mangelnde Aktivität noch mehr beeinträchtigt wird als die Titelpartie. Sie spielte sie untadelig, aber man hätte gewünscht, die Schauspielerin zum Abschied vor eine Ausgabe gestellt zu sehen, die ihr mehr Spielraum un^ Entfaltung geboten hätte als die rührende, „sentimentalische", sanfte und blasse Liebhaberin in Seufzern und Tränen, in Schwache und jähem Verloschen. • Sine große Leistung zeigte an diesem erfreulichen zlfaenb Hans H a i s, der den Carlos gab und mit ihm vor allem den vierten Akt nicht nur zu einem blendenden Schauspiel steigerte, sprühend vom Geiste des Sturmes und Dranges, — sondern auch ZU einer ideellen Deutung des Liebesdramas entwickelte, als das der „Clavigo" ja doch immer zunächst empfunden und verstanden werden wird. In den Nebenrollen wirkten Maria Koch (Sophie), Hans H a e f e r (Buenco) und Friedrich Zingel (Gullbert) korrekt und angemesien. — Das nährend der Ausführung recht unruhige J)aus bereitete zum Schluß den ausscheidenden Dar, stellerg eine herzliche Ovation, htk fand die politische Offensive der Entente ihre Ergänzung in den militärischen Vorbereitungen. Zur vollen Reife sind die französisch-russischen Pläne nicht gekommen, da der Krieg von den serbischen Schützlingen Rußlands vorzeitig entfesselt wurde, aber immerhin hatte die Tätigkeit seit 1907 doch bewirkt, daß die Mobilmachungszeit beträchtlich verkürzt war und insbesondere, wie Frantz hervorhebt, schon Anfang September sibirische und Anfang Oktober turkestanische Truppen in Ostpreußen auftreten konnten. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 30. April 1930. Eine graphische Bildausstellung. Eine graphische Ausstellung der Gesellschaft für Volksbildung in Berlin veranstaltet "der Oberhessische Kunstver« ein vom 4. bis 25. Mai im Turmhaus am Drandplah. Die Gesellschaft pflegt Kunst als Volksbildungsarbeit. Sie will das deutsche Volk mit dem heutigen Kunstschaffen volkstümlicher Art bekanntmachen und durch sehr niedrige Preise für die Verbreitung guter Kunstwerke im Bürgerhaus werben. Aus den Erlösen werden notleidende deutsche Künstler unterstützt. Mit dieser Ausstellung beweisen die Künstler, daß sie für das Volk zeichnen und malen, und sie hoffen, daß das Volk ihr Streben anerkennt und fördert. Die Sammlung umfaßt Radierungen, Holzschnitte und Steinzeichnungen bekannter zeitgenössischer Künstler Deutschland und Oesterreichs, ergänzt durch eine kleine Sammlung guter Stein-, Handkupfer- und Farbenlichtdrucke nach berühmten Gemälden heutiger Zeit. Die Ausstellung, welche unter Förderung von selten einer Anzahl hiesiger Vereine statt- findet, deren Mitglieder freien Eintritt haben, wird Sonntag, 4. Mai, vormittags 11 Uhr, mit einer Einführung durch Universitätsprofessor Dr. Rauch eröffnet tottetn und mit einem Lichtbildervortrag verbunden sein, den Professor Rauch am 8. Mai, abends 8 Uhr im Kunstwissenschaftlichen Institut der Universität über „die Geheimnisse der Schwarz-Weih- Ku n st, ein Besuch in der Werkstatt eines Künstlers", halten wird. Die Besuchszeiten dieser Ausstellung sind auf besondere Wünsche etwas geändert worden. Die Ausstellung soll auch Sonntagsnachmi'ttags von 15 bis 19 Uhr geöffnet und an den bisher üblichen Wochentagen: Montags, Mittwochs, Freitags nicht vormittags, sondern nachmittags von 17 bis 19 Uhr zugänglich sein. Geschlossene Gesellschaftsgruppen, insbesondere Schulklassen, können noch vorheriger Anmeldung die Ausstellung auch zu anderen Zeiten besuchen. An bestimmten Tagen werden Führungen durch hiesige Künstler veranstaltet werden. Näheres wird durch Anzeige bekanntgegeben. Es ist zu hoffen, daß außer den Mitgliedern der Vereine und den Schulen die gesamte Bürgerschaft der Stadt Gießen diese so selten- gebotene Gelegenheit gerne wahrnehmen und die Ausstellung zahlreich besuchen wird. Schadenfeuer und Volksvermögen. . In Deutschland werden jährlich über 400 Millionen Mark "Sachwerte durch Feuer zerstört, für , dieses Geld könnten viele tausend Wohnhäuser gebaut werden. In der Kriegszeit und noch mehr in ' der Inflationszeit, wo jeder auf die Erhaltung von Sachwerten besonders bedacht war, waren die Schadenfeuer wesentlich zurückgegangen, oder sie wurden im Keime erstickt, ein wichtiges Zeichen dafür, daß sich ein großer Teil der Brände bei größter Sorgfalt vermeiden läßt. Der Feuerwehr- arundsatz: „Schadenfeueroerhütung ist besser als Feuerschadenvergütung" sollte Gemeingut des gan- zen Volkes sein und von jedermann beherzigt werden. Die Vorsorge der Behörden und die Hinweise der Feuerbesichtiger und der Feuerwehrleute blei- beii wirkungslos, wenn sich das Publikum die Gefahrenquellen nicht selbst einprägt. Wenn glühende Asche in Pappschachteln oder Holzkisten unter der Treppe aufbewahrt wird, wenn elektrische Lichtsicherungen durch stärkere Drähte oder Stanniol überbrückt, Lichtleitungen von Pfuschern ausgeführt, wenn die Mahnungen der Feuerbesichtiger, die Feuerungsanlagen in Ordnung zu bringen nicht befolgt werden, so nützen alle gesetzlichen Vorschriften nichts. Die gesiedelte Schlange. Vornan von Edgar Wallace. 37 Fortsetzung. *Jlad)brud verboten. 21. Er war ein Mann, der sein Wort hielt. Als er seine Wohnung erreichte, waren die Reinigungsarbeiten in' vollem Gang. Aber eine Unterredung mit seiner Aufwartefrau hatte den Erfolg, daß man seine Räume verschonte. Nachdem er in seinen Schlafanzug geschlüpft war und die Vorhänge zugezogen hatte, rief er die Zentrale an und bat, bis fünf Llhr abends keine telephonische Verbindung mit seinem Zimmer herzustellen. Mit sorglosem Gemüt und dem frohen Gedanken, daß ihn nicht einmal ein wahnsinniger Zeitungsredakteur stören könne, legte er sich zur Ruhe und schlief schon halb, als er tice Decke über sich zog. Es war dunkel, als er durch ein Pochen an seiner Tür erwachte. Gin Mädchen bsach4e den Tee und eine Abendzeitung herein. Er setzte sich im Bett auf und las. Das Mädchen bestellte ihm, daß Mr. Clarke im Laufe des Rachmittags schon zweimal angerufen hätte. Peter klingelte die Zentrale an und sprach gleich daraus mit Scotland Pard. „Cs entgeht Ihnen eine gute Geschichte, toenn Sie mich nicht besuchen," sagte Clarke. „Was hat sich denn ereignet?" . Kommen oie hierher — ich kann es Ihnen am ' Telephon nicht sagen. Ich weiß überhaupt nicht, ob ich es Ihnen sagen soll." Peter zog sich gemächlich an und machte sich dann erfrischt und neu gestärkt auf den Weg. Ein feiner Rebel lag über den Straßen. Er fand Distriktsinspektor Clarke allein. „Ditte, schließen Sie die Tür," grollte er. „Ich habe den ganzen Rachmittag versucht Sie zu erreichen. Sie verdienen es wirklich nicht, einen Freund in Scotland Vard zu haben." „Ich mußte schlafen und war für niemand zu sprechen", erklärte Peter. „Ein oder zwei Dinge werden Sie interessieren. Das Sensationellste — ich nehme an, Sie werden Ein jeder Hausbesitzer, jeder Wohnungsinhaber müßte ständig seinen Bereich auf Feuersicherheit prüfen. Dazu gehört auch, daß elektrische Bügeleisen rechtzeitig ausgeschaltet werden, daß mit Benzin, Bohnerwachs und dergleichen nicht fahrlässig umgegangen, und daß kein brennendes Streichholz, kein brennender Zigarettenstummel dorthin geworfen wird, wo feuergefährliche Flüssigkeiten lagern oder verarbeitet werden. Wird im Brandfalle nach- gewiesen, daß Vorschriften übertreten worden sind, so leisten entweder die Versicherungsgesellschaften keine Entschädigung oder sie machen den Uebertreter schadenersatzpflichtig. Möchten diese Hinweise weitestgehende Beachtung finden und zur Verminderung der Schadenfeuer, zur Erhaltung unseres Volksvermögens, besonders aber zum Schutze unseres liebgewordenen Heims und seiner Einrichtung beitragen. * •• Schulpersonalien. Ernannt wurden die Lehrer Karl Roth zu Kestrich (Kreis Alsfeld) zum Lehrer an der Volksschule zu Rabertshausen (Kreis Gießen): Otto O e st r e i ch zu Bös- Gesäß (Kreis Büdingen) zum Lehrer an der Volksschule zu Berstadt (Kreis Büdingen): Johann D ö s a n d zu Petterweil (Kreis Friedberg) zum Lehrer an der Volksschule zu Rierstein (Kreis Oppenheim): Friedrich Braun zu Holzhausen (Kreis Friedberg) zum Lehrer an der Volksschule zu Rodheim v. d. H. (Kreis Friedberg): Heinrich Fink zu Schwalheim (Kreis Friedberg) zum Lehrer an der Volksschule zu Dorheim (Kreis Friedberg): Johann Gerl ach zu Viernheim (Kreis Heppenheim) zum Lehrer an der Volksschule zu Ober-Mörlen (Kreis Friedberg): Robert H e i h zu Reichelsheim (Kreis Erbach), zur Zeit kommissarisch an der Volksschule in Rüddingshausen (Kreis Gießen), zum Lehrer an der Volksschule zu Bersrod (Kreis Gießen): Karl Hetz zu Büdesheim (Kreis Friedberg) zum Lehrer an der Volksschule zu Wölfersheim (Kreis Friedberg): Heinrich Keller zu Bersrod (Kreis Gietzen) zum Lehrer an der Volksschule zu Odenhausen (Kreis Gietzen): Hans Ziegler zu Altenschlirf (Kreis Lauterbach) zum Lehrer an der Volksschule zu Ober-Florstadt (Kreis Friedberg): Georg Wahl zu Freiensteinau (Kreis Lauterbach) zum Lehrer an der Volksschule zu Trais-Horloff (Kreis Gietzen): die Lehrerin Else Schweitzer zu Angersbach (Kreis Lauterbach) zur Lehrerin an der Volksschule zu Lauterbach. — In den Ruhestand verseht wurde: der Lehrer an der Volksschule zu Vilbel (Kreis Friedberg) Dr. Erich Muschke aus sein Nachsuchen, vom l.Mai 1930 an. •• Feuerschuhvortrag im industriellen Betriebe. Am Montagnachmittag hielt Kreisfeuerwehrinspektor D i ck o r 6 in der Fabrik von Schunk & Ebe vor den Beamten und Arbeitern der Firma einen Vortrag über das Thema „Feuerschutz in gewerblichen Betrieben". Der Redner verstand es vortrefflich, seine Zuhörer mit den Feuerschutzmahnahmen im industriellen Betriebe bekanntzumachen. " Bevorzugte Abfertigung von Schwerkriegsbeschädigten. Die Kriegerkameradschaft Hassia, Verband der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen, teiltuns mit: Bekanntlich werden an Schwerbeschädigte zur bevorzugten Abfertigung bei persönlicher Erledigung eigener Angelegenheiten von Amtsstellen Ausweise erteilt. Auch die Sch wer- besahungsbcschädigten und Schwerunfallverletzten können solche Ausweise erhalten. Nunmehr hat der Arbeitsminister empfohlen, auch den Schwerbeschädigten, die nach dem Altrentner-, dem Wehrmachtsversorgungs- und Kr'.cgsper'o-enschädengeseh versorgt werden, durch eine Sensation daraus machen — ist, daß die Kugel, die der Arzt aus Crewes' Leiche nahm, aus — nun woraus war sie wohl?" „Sie war aus Gold," sagte Peter gelassen. Clarke fiel in seinen Sessel zurück. „Hat Ihnen Sweeney das. erzählt?" „Nein, das vermutete ich. Also patzte auch die Hülse nicht, die Sie in dem Garten fanden." Clarke schüttelte den Kopf. „Natürlich haben Sie Sweeney gesehen!" rief er vorwurfsvoll. „Flunkern Sie mir nichts vorl Ich wußte nicht, daß Sie ihn getroffen haben — aber sie war aus Gold und patzte nicht in die Hülse." „Ich sage Ihnen, datz ich Sweeney nicht gesehen habe. Ich weih das alles von mir selbst," sagte Peter. „Was ist Ihre zweite Sensation?" „Ella Creed ist verschwunden. Die Theaterverwaltung ist in großer Unruhe, obwohl ich glaube, daß es nur ein Reklametrick ist." Peter lächelt«. „Das ist auch nichts Besonderes. Ich wußte, daß sie letzte Nacht verschwand, und kann mir gut denken, wo sie ist. In dem Augenblick, in dem ich eine Generalstabskarte von Essex habe, habe ich darüber Gewißheit." Er begegnete ClarkeS finsterem Blick, ohne sich abschrecken zu lassen. „Bitte — Ihre dritte Sensation?" „Cs gibt keine dritte Sensation," knurrte der Beamte. „Nun heraus damit, Peter. Wie ist die Geschichte?" „Ich glaube nicht, daß ich sie Ihnen ohne die Erlaubnis Mr. Gregory Deales erzählen darf —" „Den können Sie augenblicklich nicht erreichen," sagte Clarke. „Es ist aufs Land gegangen, er fuhr heute nachmittag ab, ich brachte ihn selbst zum Bahnhof." „Reiste er mit oder ohne seinen Hausmeister?" „Der Hausmeister ging mit ihm." Peter nickte. „Ich dachte es mir — der Hausmeister stand seit vielen Jahren in seinen Diensten. Ich glaube, er ist der einzige treue Anhänger, den er in England zurücklietz. Wohin ist Mr. Deale gegangen?" »Er hat ein Haus in Devonshire," sagte Clarke die Nachgeordneten Dienststellen diese Ausweise zuzubilligen, da sie nach § 3 des Schwerbeschä- digtengesehes unter denselben Personenkreis wie die vorhin genannten Schwerbeschädigten fallen. Die Ausweisvergünstigung für Friedensblinde und andere Schwererwerbsbeschränkte, die nach § 6 des Schwerbeschädigtengesetzes geschützt sind, bleibt auch weiterhin in Geltung. Oberheffen. Oer Haushaltsvoranschlag des Kreises Alsfeld für 1930. Den Abgeordneten des Alsfelder Kreistages, der am 5. Mai zu seiner diesjährigen ordentlichen Tagung zusammentreten wird, ist in den letzten Tagen der Voranschlag über die Einnahmen und Ausgaben des Kreises Alsfeld im Rechnungsjahre 1930 zu- gegangen. In der Sitzung vom 5. Mai steht der neue Voranschlag im Mittelpunkt der (Beratung. Der Voranschlag schließt in der De - triebsrechnung mit den Einnahmen und Ausgaben mit 338 161,23 Mk. ab. Davon entfallen auf die allgemeine Verwaltung in Einnahme 1900 Mk., in Ausgabe 12 377,60 Mk., auf das Polizeiwefen in Einnahme 7650 Mk., in Ausgabe 8850 Mk., Schulwesen keine Einnahmen, 8000 Mk. Ausgaben: Kunst und Wissenschaft keine Einnahmen, 200 Mk. Ausgaben: Dau- Wesen 3643,65 Mk. Einnahmen, 10 697 Mk. Ausgaben: allgemeine Förderung der Wirtschaft keine Einnahmen, 4668 Mk. Ausgaben, Wohlfahrtspflege und Gesundheitswesen 87 069 Mk. Einnahmen, 204 919 Mk. Ausgaben, Anstalten und Einrichtungen 23 900 Mk. Einnahmen, 41 360 Mk. Ausgaben, Finanz- und Steuerwesen 212 698,58 Mk. Einnahmen, 44 419,63 Mk. Ausgaben: Grundstücksverwaltung 945 Mk. Einnahmen, 500 Mk. Ausgaben: Kapitalvermögen und Kapitalschulden 355 Mk. Einnahmen und 2170 Mark Ausgaben. Im Kapitel Steuerwesen sind als Reichssteueranteil 33 000 Mk. veranschlagt. Die Kreisumlagen sind in dem Voranschlag mit 150 000 Mk. vorgesehen. Die Dermögensrechnung verzeichnet in Einnahme und Ausgabe nichts. • Nach dem Verwaltungsbericht des Kreisausschusses für 1928 schließt die Betriebsrechnung des Jahres 1928 wie folgt ab: Einnahmen 342 066,05 Mk., Ausgaben 318 913,99 Mark, mithin verbleibt ein Rest von 23 152,06 Mk. Dieser Lieberschuß verteilte sich am Ende des Rechnungsjahres 1928 wie folgt: Barmittel des Kreises 19119,33 Mk., liquidierte Außenstände 557,65 Mk., Lieberschuh der Gebühren für Fleischbeschau 3475,08 Mk. Aus dem Licher Gemeinderai. D Lieh, 26. April. Die städtischen Tagelohnfahrten für das Rechnungsjahr 1930 sind nach den Ausführungen des Bürgermeisters öffentlich vergeben worden. Wenigstfordernder war Frau Elise Alach, und zwar für ein Fuhrwerk mit zwei Pferden 1,48 Mk. und für ein Fuhrwerk mit einem Pferd 1,08 Mk. je Arbeitsstunde. Ihr wurde der Zuschlag erteilt. Eine längere Debatte entspann sich über die Vergebung von Chaussierungsarbeiten im Stadtwalde. Der Bürgermeister teilte hierzu mit, daß die Ausführung von Chaussierungsarbeiten in der Försterei Lieh I auf Vorschlag des hiesigen Forstamts an zwei hiesige Waldarbeiter durch ihn aus der Hand vergeben worden fei, während Chaussierungsarbeiten in ungeduldig. „Ich habe seine Adresse, wenn Sie sich mit ihm in Verbindung sehen wollen." Peter schüttelte den Kopf. „Ich möchte es nicht tun. Aber es wäre mir sehr lieb, wenn Sie mich zu seinem Haus begleiten wollten. Ich möchte Ihnen verschiedene sonderbare Exemplare dieses merkwürdigen Tieres, der gefiederten Schlange, zeigen, die Sie sicherlich interessieren werden." Sweeney kam gerade, als sie ausbrachen, und die drei fuhren zusammen zu Beales Haus. Die Unterhaltung wurde unterwegs nur von den beiden Polizeibeamten bestritten. Peter beobachtete große Zurückhaltung und schwieg. „Ich kann nicht verstehen," sagte Sweeney, „datz man gar keinen Knall oder Schutz gehört hat. Auch auf der Straße ist nichts gehört worden, und doch verursacht eine Pistole, auch wenn sie mit einem Schalldämpfer versehen ist, ein ziemliches Geräusch." Peter mischte sich jetzt in das Gespräch. „Crewe ist auch nicht mit einer automatischen Pistole mit oder ohne Schalldämpfer erschossen worden — man hat ihn mit einer Deloraine getötet." „Was, zum Teufel, ist denn eine Deloraine?" fragte Clarke. „Warum diese Waffe so heißt, weiß ich nicht. Es ist eine belgische Luftpistole, die kurze Zeit im Weltkrieg an der Front bei Patrouillengängen gebraucht wurde. Man kam aber bald wieder davon ab, weil die Tragweite und die Durchschlagskraft zu gering waren. Aber auf ein halb Dutzend Schritte kann man damit ein Geschoß durch eine zollstarke Plank« jagen, und aus unmittelbarer Nähe kann man einen Mann damit sicher erschießen." „Aber der tödliche Schutz auf Crewe wurde doch von drauhen abgefeuert!" protestierte Sweeney. „Der beste Beweis ist doch der Einschuß in der Fensterscheibe —" »Eine goldene Kugel ist weich," sagte Peter höflich. „Sie würde sich sofort deformieren, wenn sie auf einen Widerstand stößt. Das Loch in dem Glas war so glatt durchgeschlagen, daß es nur von einem Stahlmantelgeschoß herrühren kann. Selbst das vollkommenste nichtsplitternde Großer Roman von Karl Heinz Voigt KONSTANZE vom 1. Mai an im Gießener Anzeiger bcr Försterei Lich II zur öffentlichen Ausschreibung gelangt und dem Wenigstfordernden zugeschlagen worden seien. Gegen die freihändige Vergebung sei von mehreren Interessenten Verwahrung eingelegt worden. Nach eingehender Begründung der besonderen äimstände, die für die Vergebung der Chaussierungsarbeiten aus der Hand maßgebend waren, erteilte der Gemeinderat trotz der Opposition seitens der Vertreter der SPD. nachträglich entsprechend den Vorschriften der Landgemeindeordnung seine Genehmigung. Im Anschluß hieran gab der Bürgermeister bekannt, daß die Aufsichtsbehörde dem Beschluß des Gemeinderates vom 19. Dezember v. I> auf Sperrung der Ki r ch h o f s g as s e für Kraftfahrzeuge aller Art nur insoweit stattgegeben habe, als sie für Kraftfahrzeuge von mehr als 2,5 Tonnen Gesamtgewicht gesperrt sein soll. Der Gemeinderat beauftragte den Bürgermeister, gegen die beabsichtigte Offenhaltung der Kirchhofsgasse für den KraftwagVnverkehr nachdrücklichst Verwahrung einzulegen und begründete seine Stellungnahme damit, daß die Kirchhofsgasse heute nur ein etwa vier Meter breiter chauffierter Feldweg mit äußerst schwachem Unterbau sei und in der Hauptsache nur dem landwirtschaftlichen Verkehr Rechnung tragen solle. Wenn auch der Weg in die Ortsbauplanerweiterung als Umgehungsstraße ausgenommen sei, so könne von einer Umgehungsstraße erst bann gesprochen werden, toenn sie als solche auch ausgebaut sei. Zur Zeit seien jedenfalls die Verhältnisse so, daß ein vollbeladener Heuoder Erntewagen in die Strastenrinne fahren müsse, um einem Kraftwagen überhaupt aus- weichen zu können. Für die Benutzer des Weges läge durch die große Fahrgeschwindigkeit der Kraftwagen ein Gefahrenmoment, der nicht verantwortet werden könne. Alsdann beschloß der Gemeinderat, die Pflegegeldsätze im städtischen Krankenhaus entsprechend dem Vorgehen anderer Verwaltungen vom 1. April dieses Jahres in folgender Weise festzusehen: 2. Klasse 6 Mk.. 3. Klasse (Einzelzimmer- 4 Mk., 3. Klasse (Saal für Selbstzahler) 3 Mk., 3. Klasse (©aal für Krankenkassen) 2,50 Mk. Kinder unter 14 Jahren zahlen 9/io dieser Sähe. Arzt und Apotheke sowie die vom Krankenhaus gestellten Heilmittel und Verbandstoffe sind besonders zu bezahlen. Der Tag des Zugangs und der Tag des Abgangs sind beide als volle Tage zu berechnen. Gleichzeitig wurde der Bürgermeister ermächtigt, in ganz besonderen Fällen Abweichungen von diesen Pflegegeldsähen zu vereinbaren. — Der Radfahrerverein „Edelweiß" hier hat anläßlich seines am 28. und 29. Juni d. 2. stattsindenden 10jährigen Stiftungsfestes und des damit verbundenen Bundesfestes des Radfahrerbundes Oberhessen Erlaß der Vergnügungssteuer, Ueberlassung des städtischen Tanzbodens, Stellung eines Garantiefonds seitens der Stadt in Höhe von 500 Mk. i^nb Stiftung eines städtischen Geldpreises beantragt. Rach den Ausführungen des Bürgermeisters kann die Vergnügungssteuer nicht erlassen werden. Der Gemeinderat beschloß entsprechend. Der Tanzboden soll der Gesuchstellerin gegen eine Leihgebühr von 20 Mk. überlassen werden. Lieber die beantragte Stellung eines Garantiefonds entspann sich eine längere Aussprache. Dem Antrag wurde alsdann vorbehaltlich einer ordnungsmäßigen Rechnungslegung stattgegeben. Als Geldpreis wurde ein Betrag von 100 Mk. zur Verfügung gestellt. Sodann gab der Bürgermeister bekannt, daß für die Herstellung einer Planskizze des beabsichtigten Schulhausneubaues und Veranschlagung der ungefähren Baukosten seitens der städtischen Bauleitung, des staatlichen Hochbauamtes Gießen, ein Betrag von 1144 Mk. angefordert worden sei. Die Herstellung dieser Unterlagen sei auf einen früheren Gemeinderats- beschluh hin in Auftrag gegeben worden. Ein Versuch, eine zinslose Stundung dieses Betrages bis zur Herstellung des für eine spätere Zeit beabsichtigten Schulhausneubaues zu erlangen, sei mißlungen. Der Gemeinderat erklärte sich auf Vorschlag des Bürgermeisters damit einverstanden, daß die angeforderten Gebühren aus dem angefammelten Schulhausneubaufonds bestritten werden. Für vier verbilligte Baudarlehen zur Errichtung von Wohnhausneubauten wurde die Gemeindebürgschaft vorbehaltlich der Stellung von je zwei tauglichen Rückbürgen für die Zeit, in Patentglas würde dem Aufschlag eines goldenen Geschosses nicht standhalten, das auf kurze Entfernung abgefeuert wird. Run möchte ich aber doch einmal die Tür genauer besichtigen." „Welche Tür?" fragte Clarke, der sich nicht darauf besinnen konnte, wofür sich Peter in der vergangenen Rächt so stark interessiert hatte. „Ach, er meint das angemalte Ding in dem Schuppen," sagte Sweeney belustigt. „Was wollen Sie denn da entdecken, Peter?" „Das Stahlmantelgeschoß, das das Fenster durchschlug," antwortete Peter kühl. „Ich nehme an, daß es nicht weit über dem Fußboden in die Tür eingeschlagen ist. Der Widerstand, den die Glasscheibe entgegensetzte, hat feine Flugkrast stark vermindert. ... Cs wird vielleicht gerade noch in Fußhöhe eingeschlagen fein. Gestern nacht habe ich es leider noch nicht entdecken können." Peter ging durch den Garten zu dem kleinen Schuppen. Sweeney hielt das Licht, und der Reporter untersuchte mit seinem Taschenmesser wieder den unteren Teil der Tür. ..Hier ist es," rief er plötzlich. Die Spitze seines Messers war auf einen harten Gegenstand gestoßen. „Das wird ein Nagel sein," meinte Clarke. Peter antwortete nicht, er schnitt das Holz beiseite und hielt gleich daraus ein blitzendes Stahlmantelgeschoß in der Hand. „Das paßt aber nicht in die Patronenhülse hinein,“ sagte Sweeney, der das Geschoß genau betrachtete. Peter schüttelte den Kopf. „Nein, aber Sie werden finden, daß es genau dasselbe Kaliber hat wie die goldene Kugel." „Nun, Peter," sagte Clarke, als sie wieder in dem Arbeitszimmer waren, „wir wollen noch einige Tatsachen von Ihnen hören. Wer feuerte den Schuß ab, der Crewi tötete?“ Peter atmete tief. »Der einzige Mann, der überhaupt geschossen haben kann — der Einzige, der nahe genug war, um ihn mit einer Luftpistole zu töten — war Gregory Beale!" Ein langes Schweigen folgte diesen Wprten. , (Fortsetzung folgt.), ; > f der die Darlehen als Zwischenkedite behandelt werden, übernommen. Die Stadt Lich hat bei der Provinz Oberhessen »um 3wede der H m p f l a ste r u n g der Ortsdurchfahrt Lich Im 3ahrc 1926 ein Darlehen in Höhe von 32 000 Wk. aufgenommen Aach dem DarlehnSvertraz ist daS Darlehen mit 1 Prozent über Reichsbankdiskont zu verzinsen und mit 1,5 Prozent zu tilgen. Die 3ahrcslei- ftung soll 7,5 Prozent nicht übersteigen. Da der Reich-bankdisfont längere Zeit 7 Prozent und höher mar, konnte eine Tilgung nicht erfolgen. Die Provinzialdircktion hat daher beantragt, den Darlehessvertrag dahin abzuändcrn, daß die Derzinsung 1 Prozent über Reichsbankdiskont und die Tilgung 1,5 Prozent ohne jede Einschränkung betrage. Der Gemeinderat beschloß mit Rücksicht daraus, dah inzwischen der Reichsbankdiskont wieder auf 5 Prozent gesunken ist, eine Abänderung deS Darlehen-Vertrages als nicht mehr geboten ak»ulehnen. Beschlossen wurde der Erwerb zweier S r u n d st ü ck e in der Gemarkung Lich Flur X Rr. 1 und 2 zum Preise von zusammen 5000 Mk. DaS Gelände soll teilweise für den Bau einer TranSformatorenstation und für Kleinwohnungen Verwendung finden. — Weitere Gesuche sanden antragsgemäße Erledigung. Landkreis Gießen. • Klein-Linden. 29. April. Bei der Hebung der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr am vorigen Samstag überreichte Kreisfeuerwehrinspektor D i ck o r e im Ramen des Ministers deS Innern den Feuerwehrmitgliedern Ludw. Jung, Ludw. Lenz und Friedr. Müller die Ehrenzeichen für 25jährige Dienstzeit in der Feuerwehr. % Alten-Bufeck, 29. April. Mit Beginn des neuen Schuljahres wurde unferm seitherigen Schulverwalter Erb, seinem Wunsche entsprechend, eine Lehrer stelle in Ettingshausen bei Drünberg übertragen. Der Weggang des allseitig beliebten und sehr geschätzten Lehrers wird hier lebhaft bedauert. Mit bet Verwaltung der betr. Klasse wurde Schulverwalter Z l a u a u s aus Kranichstein bei Darmstadt. der feither in Mühlheim bei Offenbach stand, betraut. * Vrohen-Duseck, 29. April. Am Sonntag hielt die hiesige Spar- und Leihkasse c. G. m. b. H. ihre ordentliche Generalversammlung für 1929 im Saale des Mitglieds Wagner ab. Rach der Eröffnungsansprache durch den Vorsitzenden des Aufsichtsrats, Rektor Inderthal, sprach der Verbands-Oberrevisor Hartmann, Giehen, als Vertreter des Verbands hessischer landwirtschaftlicher Genossenschaften. Ec gab sehr interessante Aufklärungen Über die derzeitigen Geldverhältnisse und besprach eingehend die am 11., 12. und 15. April vorgenommenen Revisionen der Kasse. Ferner sprach er sich sehr zufrieden über die Geschäftsführung und den Geschäftsgang der Kasse aus. 3m 3ahre 1929 wurden 21 neue Mitglieder aufgenommen, so daß der Mitgliederbestand auf 247 gestiegen ist. Die Spareinlagen haben sich bei etwa 800 Sparern auf rund 300 000 Mk. erhöht. Außerdem hat die Kasse noch etwa 800 Aufwertunas- varer, welche noch ein aufgewertetes Guthaben . on in-gesamt 110 000 Mk. besitzen. Die Aufwertungs-Einlagen wurden auch im Jahre 1929 mit 4 Prozent verzinst. Die Kasse arbeitet mit einem Eigenkapital von über einer halben Mil- kivn und ohne jegliche Bankschulden, so daß die Kasse voll liquid ist. Der Umsatz Betrug für 1929 = 4 279 278,20 Mk. Der Reingewinn beläuft sich auf 7454,86 Mk. ES werden auch in diesem Jahre wieder 10 Prozent Dividende verteilt.__ + Grünberg, 29. April. Am Sonntag nach Ostern fand hier die Einsegnung derKon- f i r m a n d e n statt. Die Zahl der Konfirmierten war dieses 3ahr geringer als sonst, sie betrug nur 40. Davon waren 10 Knaben und 9 Mädchen auS Drünberg, von den drei Filialdörfern entfielen auf Lehnheim 2 Knaben und 5 Mädchen, auf Stangenrod 3 Knaben und 2 Mädchen, auf Lumda 4 Knaben, 3 Mädchen: außerdem waren noch je ein Mädchen aus Geilshausen und Riedcr- Gemundcn dabei. Durch die Mitwirkung des Musikvercins, unter dessen Klängen der Eintritt der Konfirmanden, geleitet von den beiden Geistlichen und dem Kirchenvorstand, in die ge* fchmückte Kirche erfolgte, sowie durch zwei Ehöre deS Männergesangvercins gestaltete sich der Gottesdienst sehr feierlich. Auch die Konfirmanden fangen zwei Lieder. Die Konfirmationshandlung wurde geleitet von Dekan Schmidt. — Aus Anlaß der Feuerschutzwoche veranstaltete die hiesige Freiwillige Feuerwehr am gestrigen Montag eine größere Hebung. Ausgeführt wurde ein Brandangriff auf baä hiesige Rathaus. Rach beendigter Hebung zog die Wehr, die über 100 Mann stark war, unter Dorantritt der Kapelle durch die Stadt, um dann auf dem Marktplatz Aufstellung zu nehmen Hier übergab der Kreisfeuerwehrinspektor D i ck o r 6 (Gießen) Ehrenzeichen an verdiente langjährige Mitglieder Es wurden ausgezeichnet: Schmiedemeistcr Wilh. Schomber und Spenglcrmeister Jakob Don-Eiff für 40jührige Mitgliedschaft und Glasermeister Friedrich Feldmann für 25- ja&rige Mitgliedschaft. Bei der anschließenden Versammlung im „Hotel Hirsch" hielt Kreis- feuerwehrinspektor D i d o r e einen Vortrag über „ Feuerverhütung im Haushalte und Derhaltungs- maßnahmen bei Bränden". Beigeordneter Kel - l e r übermittelte den Geehrten für ihre vorbildliche Tätigkeit im 3nteresse der Allgemeinheit den Dank der Stadt. 3n gleichem Sinne fproch auch der Kommandant der Wehr, Seiler- meister Seif art, der die Tätigkeit der 3ubi- lare den jüngeren Kameraden als Vorbild hinstellte und der Behörde für die verliehenen Aus- zetchnungen dankte. Schmiedemeister Schorn- ber dankte im Ramen der Ausgezeichneten. Steinbach. 30. April. Gestern mittag gin- g«n dem Landwirt Haas von hier, der mit feinem Wagen aufs Feld fahren wollte, die Pferde durch. Er stürzte vom Wagen und kam unter die Räder, wobei er einen komplizierten Hnterschenkelbruch erlitt. Rach erster Hilfeleistung mußte er durch die Freiwillige vanitätskolonne vom Roten Kreuz nach der Chi- rurgischen Klinik in Gießen gebracht werden. > ( L t ch. 29. April. Am Sonntag sand in der Östlich geschmückten Kirche die Konfirmation von 12 Knaben, 14 Mädchen und 5 Arns- butger Kindern statt. Die Konfirmationsan- sprache hielt Pfarrer ® raubt über das 3c- suswort: ., Folge mir nach." Allgemein fiel die kleine Zahl der Konfirmanden auf; während in ben letzten 3ahrzehnten immer 60 bis 70 Kinder eingesegnet würben, waren es in diesem 3ahr nur die Hälfte; man muh in der Geschichte unserer Gemeinde schon über 100 3ahre zurück- Eisenbahn und Kraftwagen. Die Stellungnahme der Hessischen Industrie' und Handelskammer. Darmstadt, 29. April. (WSR) Heute hielt die Hessische 3nbufttie- und Handelskammer Darmstadt eine Vollversammlung ab, in der nach einem Referat über die Frage „Eisenbahn und Kraftwagen", das sich hauptsächlich auf die Denkschrift der Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahn „Reichsbahn und Kraftwagenverkehr" sowie auf die Denkschrift des beim Deutschen 3nbuftrie- und Handelstag gebildeten StudienausschusseS „Eisenbahn und Kraftwagen" stützte, folgende Entfchließung einstimmig gefaßt wurde: „Die Tatsache, daß sowohl die Reichsbahn wie ein zu diesem Zwede beim Deutschen Industrie- und Handelstag eingesetzter Sonderausschuß in eingehenden Darlegungen da- Problem „Eisenbahn und Kraftwagen" zur öffentlichen Erörterung gestellt haben, wird im 3n t et e f f c der Klärung der Sachlage lebhaft begrüßt. Mit dem Vorwort zum Gutachten deS StudienauSschusseS ist die Kammer der Auffassung, dah sich in der Tat „ein unbedingt ab- schlicchendeS Hrteil noch nicht sinken" läßt. Die Zwedmäßigkeit der in der Denkschrift deS Studienausschusses angeregten Genehmigung Spf li ch t für den Kraf twagen- aüteroerkehr auf weitere Entfernungen muh fraglich erscheinen, weil hierdurch mit Mitteln des Zwanges Entwidlungen verbaut werden könnten, die im wohlverstandenen Interesse der Volkswirtschaft liegen. So sehr die deutsche Gesamtwirtschaft ein Interesse an nachhaltig leistungsfähigen Eisenbahnen besitzt, so müßte es doch in einer Hebergangszeit wie der unfrigen bedenklich erscheinen, wenn gegenüber dem freien Spiel der Kräfte auf dem Gebiete der Verkehrswirtschaft noch weitergehende gesetzliche und verwaltungsmäßige Schranken aufgerichtet würden. Die bisherige Entwidlung deS Wettbewerbs zwischen Eisenbahn und Kraftwagen hat jedenfalls den Beweis erbracht, daß die Eisenbahn, durch den Wettbewerber angespornt, ihrerseits vielfältige und wefentliche Verkchrsvcr- befferungen durchgeführt hat. die. wie auch die Denkschrift des StudienauSschusseS fcftftellt, ohne den Kraftwagenwettbewerb nicht in gleichem Maße eingetreten wären. Bei einem Wegfall des gefunden Wettbewerb- wäre die Gefahr einer Erstarrung deS deutschen Verkehrswesens nach den bisherigen Erfahrungen nicht von der Hand zu weisen. Bevor eine endgültige Entscheidung über die Frage möglich ist, ob und bejahendenfalls in welchem Umfange cs vom volkswirtfchas tlichen Standpunkt aus verantwortet werden kann, den Eifenbahnen unter Hintansetzung der in gleicher Weise berüdsichtigenswerten Interessen des Kraft- wagenverlehrs durch gesetzgeberische Maßnahmen einseitig Hilfsstellung zu leisten, müssen noch eingebende weitere Erhebungen getroffen werden, insbesondere in der Richtung, daß der in der Denkschrift der Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahn behauptete und von anderer Veite bestrittene Einnahmeausfall nach Grund und an Hand des bisher der Oefsentlichkeit noch nicht zugänglich gemachten Materials einer unparteiischen Rachprüfung unterzogen wird; dies um so mehr, als dem Studienausschuß beim Deutschen Industrie- und Handelstag die wichttgen Unterlagen der von der Reichsbahn errechneten Ausfallsziffern bedauerlicherweifc nicht zur Verfügung gestanden haben. geben, um eine solch kleine Schar Konfirmanden anzutreffen. Im Iahre 1808 waren eS 30, im Iahre 1809 nur 15. Im nächsten Iahr wird die Zahl jedenfalls noch kleiner werden. D D o r f g ü 11, 29. April. Dieses Iahr haben wir den seltenen Fall, daß in unserem Orte keine Konfirmation stattfindet. Ein Mädchen, daS in Betracht gekommen wäre, wurde mit Genehmigung der Kirchenbehörde bereits vorige Ostern eingesegnet, da eS sonft den Weg zur Konfirmandenstunde nach Holzheim hätte allein zurüdlegen müssen. s. Q3i Hingen, 26. April. Gestern wurde hier wieder der MarkuStag, der im DolkS- mund hier der „Kalte Tag" genannt wird, gefeiert. Dieser örtliche Feiertag erinnert an große Brände in Dillingen, die sich auf denselben Tag wiederholt haben. Der Feiertag war schon einmal abgeschafft worden, wurde aber, als die Gemeinde wieder von einem großen Brande heimgesucht wurde, wieder eingeführt und bis auf den heutigen Tag am 25. Apml gefeiert. In einem Gottesdienst wird der Teil der Dillinger Chronik verlesen, der die verschiedenen Brände schildert. — In dankenswerter Weise benutzte der Schularzt, Medizinalrat Dr. Bin-, fad, den Tag, um über „Gesundheitspflege unserer Iugend" zu den Eltern zu sprechen. Der zweistündige Vortrag in volkstümlicher und eindringlicher Sprache wurde durch gute Lichtbilder unterstützt. Ausgehend von den vier Hntersuchungen des Iahres wies der Redner darauf hin, dah ein hoher Prozentsatz der Schüler sich in schlechtem Gesundheitszustand befinde, obwohl die Gemeinde in opferbereiter Fürsorge die Schulhäuser mustergültig ausgestattet habe und die Eltern alles täten, was in ihren Kräften stünde. Die Wurmuntersuchung habe gezeigt, dah fast alle Kinder damit behaftet seien, bei manchen seien sogar drei Arten Würmer festgestellt worden. Es wurden Abwehrmittel besprochen, die aber nur dann Erfolg hätten, wenn alle Eltern mithelfen. Dann sprach ' der Redner über Körperhaltung und -pflege, wobei er besonders den Wert des Turnens hervorhob. Es dürfe aber kein Preis- turnen, sondern Gesundheitstumcn gepflegt werden. Don besonderer Bedeutung fei das auch in Dillingen eingeführte Mädchenturnen, da viele spätere Frauenleiden von fehlerhafter Körperhaltung in den Entwidlungsjahrcn herrührten. Schließlich wurde noch über die Fußpflege und die Tuberkulose gesprochen. Reicher Beifall wurde dem Dvrttagenden von der großen Zuhörerschaft gezollt. Da derartige Der- anftaltungen vorzüglich geeignet sind, Schule und Elternhaus durch gemeinsames Wirken immer näher zu bringen, wäre ihre Wiederholung in anderen Gemeinden sehr begrüfyenStoert. O Holzheim, 29. April. Am Sonntag fand unter Teilnahme der ganzen Gemeinde die Konfirmation statt. Es wurden nur zehn Kinder (fünf Buben und fünf Mädchen) eingesegnet. In früheren 3obren betrug diese Durchschnittszahl einige 20. Rächstes 3ahr wird der schwächste Kriegsjahrgang, bestehend aus vier Kindern, aus der Schule entlassen. — Seither war unser elektrisches Ortsnetz dadurch überlastet, daß zu viele gewerbliche Motore an- geschlossen waren. 3nfolgcdessen muhte es von 110 auf 220 Dolt umgestellt werden, waS kurz vor Ostern geschah. Muhten wir auch lange warten — seit mehr als Iahresfrist waren alle Dorarbeiten beendet —, so erfreuen wir uns jetzt um so mehr eines ruhigen, angenehmen Lichtes. Leider verursacht die Beschaffung der neuen Dirnen in der wirtschaftlich schlechten Zeit beträchtliche Ausgaben. Mancher elektrische Apparat (Staubsauger usw. mit 220 Dolt), der jahrelang unaenutjt in der Ecke stehen mußte, kann nun endlich seinen Zweck erfüllen. • Rod heim a. d. Horloff, 29. April. Kreisfeuerwehrinfpektor D i d o r e von Gießen besichtigte am Sonntag die Feuerwehren in Rodheim und in Langd. Bei dieser Gelegenheit hielt er, veranlaßt durch die Feuerschutzwoche, einen interessanten Dortrag über Feuerschutz auf dem Lande", Kreis Friedberg. WSR. Dad-Rauheim. 29. April. Montagvormittag stürzte in der Hauptstraße ein an einem Dach arbeitender Sprenglergeselle aus Ober-Rohbach aus etwa zwölf Meter Höhe ab. Mit schweren Derlctzungen wurde er in das hiesige Krankenhaus eingeliefert. Er hat inzwischen das Bewuhtsein wiedererlangt, doch gilt sein Zustand 7wch als lebensgefährlich. 4 Ober-Mörlen, 28. April. Gestern brach im benachbarten Wintersteingebiet ein Wald- brand aus, der erste in diesem Jahre. Das Feuer hätte reiche Nahrung gefunden, wenn es nicht von oorbeikommenden Sägern unter großen Anstrengungen teilweise gelöscht worden wäre. Ein Jagd- Pächter holte bann im Auto eine Anzahl Feuerwehrleute aus Langenhain, die den Brand völlig löschten. Aller Wahrscheinlichkeit nach haben Ausflügler den Waldbrand verursacht. — Jagdpächter Reitz aus Frankfurt schoß vorgestern einen starken Kei - ler im Gesamtgewicht von rund 250 Pfund. Die Wildschweine, die in unserer Gegend in den letzten Jahren stark zugenommen haben, richten auch jetzt schon wieder großen Schaden an den in nächster Nähe der Wälder gelegenen Felder an. Kreis Büdingen. △ Ridda, 29. April. Der Dorstcher der hiesigen Finanzkasse, Obersteuerinspektor Pfeiffer, ist nach zehnjähriger hiesiger Amtstätigkeit nach Giehen versetzt worden und hat gestern unsere Stadt verlassen. Durch sein stets freundliches Wesen und das Entgegenkommen beim Derkehr mit den Bewohnern erfreute er sich in dem ganzen Bezirk Ridda großer Hochachtung und Beliebtheit. Sein Weggang wird daher allgemein bedauert. Als sein Rachfolaer ist Oberst euerinspeklor Diehl aus Heppenheim a. d. D. hierher versetzt worden. — Der hiesige F r i e d- y o f am Kisselberg, der seit 40 3ahren in Benutzung steht, ist bedeutend erweitert worden. Die terrassenartigen Anlagen wurden nach den Plänen des Stadtverordneten H. Bitt, des Rektors der hiesigen Gewerbeschule, geschmackvoll und praktisch ausgeführt. Die Weihe des neuen Friedhofsteils vollzog vor der Bestattung der ersten Leiche, der Frau Deristessungsrat Planz aus Lauterbach, am Sonntag Pfarrer Laut von hier. Für den neuen Friedhofsteil wurde ein besonderer Zusahrtweg angelegt. △ Nidda, 30. April. Die hiestge Feuerwehr veranstaltete in der Turnhalle zur Feuerschutzwoche einen sehr gut besuchten Werbe- abend, wobei von Mitgliedern der Wehr drei Borträge über die Verhütung von Bränden gehalten wurden. Während der Pause tonjertierte die Feuerwehrkapelle. Auch die hiesigen Gesangvereine trugen einige Lieder vor, und die Turner und Turnerinnen führten musterhafte Hebungen aus. * Wallernhausen, 30. April. Infolge eines Schwindelansalls stürzte die Ehefrau des Landwirts Heinrich Schmidt hier beim Strohholen von der Lei ter in die Scheuertenne. Sie trug außer einem doppelten Armbruch auch schwere innere Verletzungen davon und mußte in die Klinik nach Gießen gebracht werden. i). Gettenau, 30. April. Hier entbedtc der Feldschütz Herzberger unter einer Didwurz- miete im Felde einen Fuchsbau, vor dem ein junger Fuchs gemächlich einen Hasen benagte. Er erstattete dem Iagdpächter Meldung. Dieser ließ den Bau ausgraben, wobei im ganzen elf junge lebende Füchse erbeutet wurden. Eine so große Zahl Nachkommenschaft von Reinede in einem Wurf ist äußerst selten. Doch ist kaum anzunehmen, daß der Bau von zwei Paaren bewohnt war. Die jungen Füchse sanden in 3ägerfamilien, die sie groß- ziehen wollen, Aufnahme. i. Bobcnhausen I., 29. April. Am Sonntag fand die feierliche Einsegnung der diesjährigen Konfirmanden in der Kirche zu Schwidartshausen statt. Die sog Kriegsjahrgänge traten zahlenmäßig in Erscheinung, wurden doch im ganzen Kirchspiel Schwidartshausen mit Dodenhausen I., Bellmuth und Eckartsborn nur zehn Kinder konfirmiert. Kreis Schotten. iE Sellnrod, 29. April. Am Sonntag fand in unserer Kirche die feierliche Konfirmation unsere- Kirchspiels statt. Es wurden diesmal 11 Konfirmanden eingesegnet, 4 Knaben und 7 Mädchen, darunter 2 Mädchen aus Altenhain. Pfarrer König, Groh-Eichen, der die Kinder konfirmierte, hatte seiner Ansprache Tobias 5, 23 zugrunde gelegt. — Wie in früheren 3ahren machten die Konfirmanden in der Woche nach Ostern einen gemeinsamen Ausflug, und zwar diesmal zusammen mit den Konfirmanden aus Groh-Eichen. Die Fahrt ging nach Wetzlar und Braunfels und befriedigte die Kinder sehr. Kreis Alsfelv. X Alsfeld, 30. April. Am vergangenen Sonntag fand auf Deranlasfung des Bezirks Alsfeld des Hessischen Handwerks- und Gewerbeverbandes unter dem Dorsitz von Gewerbelehrer Rohrbach, Alsfeld, im Saale des Gasthauses »Zur Erholung" h.er e.neSteuernot-Kundgebung des Handwerks und Gewerbes statt, die gut besucht war. Redner war Syndikus Röhr von der Handwerkskammer-Reben- stelle Giehen. Er befaßte sich eingehend mit dem Finanzprogramm des Reiches und des hessischen Staates unb nahm zu den einzelnen für das Handwerk in Betracht kommenden Steuerarren Stellung. Auch daS Handwerk müsse die Forderung nach einer Ausgaben- und Steuersenkung erheben. Die steuerliche Leistungsfähigkeit deS Handwerk- fei überschritten, die mit der sozialen Versicherung verbundenen Auswüchse müßten zum Ruin führen. Auch eine Revision der ArbeitS- tosenverNcherung müsse vorgenommen werden. Die vom Reiche in Aussicht gestellte Senkung der Gewerbesteuer um 20 Prozent genüge nicht. Der Redner schloh seine Ausführungen mit dem Hinweis, daß jeder Handwerker Mitglied der Berufsorganisation werden müsse, die im heutigen Wirtschaftskampf ein großer Machtfaktor sei. Die überzeugenden, klar durchdachten Ausführungen fanden lebhaften Beifall, den der Vorsitzende, Gewerbelehrer Rohrbach, in einer Ansprache zum Ausdruck brachte. Ain Schlüsse der recht anregend verlaufenen Versammlung wurde einstimmig eine Entschließung gesaßt, die folgenden 3nhalt hat: Die in AlSfeld versammelten Handwerker und Gewerbetreibenden haben mit großer Enttäuschung die letzten 'Veröffentlichungen der Preise, wonach die versprochene baldige Steuersenkung in Frage gestellt ist, gelesen. 5>ie verzweifelte wirtschaftliche Lage des Handwerk- und Gewerbes läßt jedoch einen weiteren Aufschub nicht zu. Sie fordert mit allem Rachdrukk, dah in Bälde eine Steuerentlastung, insbesondere die vollständige Aushebung der für daS Handwerk und Gewerbe untragbaren Sondersteuern, wie Gewerbe- und Sondergebäudesteuer, eintritt. -er. Homberg, 29. April. Der älteste Bürger Hombergs, Semincrrdirektor i. R. Dr. Qu en teil, feierte am verflossenen Samstag seinen 8 3. Geburtstag in verhältnismäßig großer Rüstigkeit und in bester geistiger Frische. Don vielen Seiten wurden ihm Glückwünsche dargebvacht. Der Verschöne rungS- und Derkehrsverein übermittelte ebenfalls seinem ältesten aktiven Mitgliede und fleißigen Wanderer seine besten Glückwünsche. — Am Sonntag fand in unserer altehrwürdigen Stadt- kirchc die Konfirmation der diesjährigen Konfirmanden statt. Diesmal tourben nur 14 Kinder eingesegnet, und zwar 7 Knaben und 7 Mädchen. Preußen. Kreis Biedenkopf. ± Waldgirmes, 29. April. Auf Veranlassung des hiesigen KriegervereinS fand hier im Weimerschcn Saale ein Militärkonzert der Militärkapelle aus Giehen unter persönlicher Leitung von Obermusikmeister ß ober statt. Der Saal war gut besetzt. Die Darbietungen der Kapelle fanden auherordent- lich ft ort en Anklang. Verfehlungen bei der Zinanzbehörde. WSR. 5 r an t für t a. M., 29. April. Wir kürzlich berichtet wurde, ist man bei den Finanzkassen Frankfurt a. M.-Ost und -West unlauteren Manipulationen zweier Beamten auf die Spur gekommen, wobei eS^ sich ergab, dah in dem einen Fall recht erhebliche Beträge von den Beamten beseitigt worden sind. Die Finanzbehörde hat die Akten in diesen beiden Fällen der Staatsanwaltschaft zur weiteren Derfvlgung zugeleitet. Leider beschränken sich die von Beamten begangenen Hnterschleife nicht auf diese beiden Fälle, sondern cs sind allein in Frankfurt a.M. gegen fünf Steuerbeamte augenblidlich 3er« fahren anhängig und die Zahl der Fälle im Landesfinanzbezirk Kassel, der etwa das Gebiet von Hessen-Aassau umfaßt, summiert sich damit auf etwa fünfzehn. 3n den meisten Fällen dreht es sich um die Veruntreuung nicht bedeutender Summen. Wenn auch nicht in allen Fällen Rot die Triebfeder gewesen sein mag, dah sich die Leute an sremden Geldern vergriffen, so ist doch bei der Mehrzahl wirtschaftliche Bedrängnis die Hrsache zu strafbaren Handlungen gewesen. Es hat kürzlich von Kassel aus eine außerordentliche Revision der Kassen eingesetzt, bei der sich dann die Verfehlungen herauSstellten. Zehnprozentige Ausgabensperre in Kassel. WSR. Kassel, 29. April. Hm zu vermeiden, dah das Rechnungsjahr 1 9 30 mit einem Fehlbetrag abschließt, hat der Oberbürgermeister sofort nach Feststellung des Haushaltsplanes an sämtliche städtischen Dienststellen eine Verfügung erlassen, nach der im ersten Vierteljahr 25 Prozent, im zweiten 25 Prozent, im dritten nur 20 Prozent und im vierten ebenfalls nur 20 Prozent der EtatSmittel zur Derwendung freigegeben werden. Die restlichen 10 Prozent werden vorläufig gesperrt. Erst wenn im 3anuar 1931 nachgewiesen werden farm, daß bei Verwendung der restlichen 10 Prozent ein neuer Fehlbetrag nicht eintritt, werden sie zur Verwendung freigegeben. Soweit Einnahmen und Ausgaben in Verbindung stehen, wird der durch den Haushaltsplan für die betreffende Position bereitgestellte Zuschuß in Höhe von 10 Prozent gesperrt. Die Dienststellenvorsteher sind für strengste Einhaltung dieser Anordnung verantwortlich gemacht worden. 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Dr. Benz hat den Vortrag dieser tage gehalten und auf alle Fragen der Mit- , alieder bereitwillig Auskunft erteilt. Aus dem Dortrage geht folgendes hervor: Der jährliche Derbrauch an Roherdöl in Deutschland beträgt rund 2 500 000 Tonnen. Die Eigenerzeugung war im letzten Jahre 103 000 Tonnen, betrag also rund den fünfundzwanzig- sten Teil des Verbrauches. Wir verfügen im ganzen über 761 Bohrlöcher, während die Vereinigten Staaten 782 000 Bohrlöcher im Betrieb haben, also mehr als tausendmal so viele wie wir. Allein im Jahre 1929 haben sie 23 463 neue Bohrungen niedergebracht, darunter die tiefste Bohrung der Welt mit 2850 Meter Tiefe. Aus diesen Zahlen geht deutlich hervor, daß tie Amerikaner über Erfahrungen in einem Umfang verfügen, wie sie uns Deutschen auch nicht annähernd zur Verfügung stehen. Durch die große Zahl der Bohrungen ist auch in Amerika eine Bohrindustrie entstanden, mit der wir nicht in Wettbewerb treten können. Es kommt hinzu, daß eine einzige Bohrung von 800 Meter Tiefe 200 000 bis 500 000 Mark kostet, daß aber mit einer einzelnen Bohrung nichts getan ist, dah man vielmehr etwa 40 Bohrungen niederbringen muh, um ein Oellaqer einwandfrei festeu- flellen. Dazu sind Anlagekosten erforderlich, die uns Deutschen, besonders in der jetzigen Zeit, einfach nicht zur Verfügung stehen: es leuchtet ja ohne weiteres ein, daß zur Zeit kaum jemand in Deutschland das Wagnis unternehmen kann, Millionen in die Erde zu verbohren, auf die Gefahr hin, nichts zu finden. Ein Bohrloch kann im allgemeinen dann als lohnend angesehen werden, wenn es täglich 1 Tonne Oel liefert. Freilich geht das Dohren nach Erdöl nicht planlos vor sich. Man weih heute, dah sich das Erdöl in der Umgebung von Salzstöcken findet, die wie unterirdische hohe Berge in das Erdreich eingelagert und über der Erde nicht sichtbar sind. Die schräg auf ihrem Hang liegenden Sand- schichten sind es, die das Oel enthalten, dagegen findet sich in lehmigem Boden kein Del. In Deutschland sind bisher ungefähr 50 solche Salzstöcke bekannt, von denen 10 bisher aufgeschlossen sind. Die Amerikaner haben sich im wesentlichen Gebiete gesichert, wo sie aus den angeführten Gründen keinen deutschen Wettbewerb zu fürchten haben, z. D. in Oldenburg und in Mecklenburg. Ob dort tatsächlich Oel vorhanden ist, weih man noch nicht. Wir Deutschen haben in Mecklenburg jedenfalls vergeblich gebohrt. Die Verträge mit ihnen sind sehr günstig. Sie müssen nämlich bohren, und zwar müssen sie in fünf Jahren fünf Tiefbohrungen bis 1000 Meter herunterbringcn. Finken sie etwas, so ist eine deutsche Beteiligung sichergestellt. Im übrigen führte Dr. Benz aus, die Amerikaner hätten sich bisher durchaus einwandfrei verhalten, sie hätten auch sehr viel in Deutschland gekauft. Insbesondere bringen die Arbeiten der Amerikaner. die wir selbst wegen Kapitalmangels nicht durchführen könnten, zahlreichen deutschen Arbeitern Arbeitsgelegenheit. Die deutschen Erdölvorkommen sind schon lange bekannt. In der Lüneburger Heide hat man schon vor langer Zeit aus kleinen Oelaus- flüssen in der Rähe von Salzstöcken Wagen- Probleme im Automobilbau. Von Dr. Hellmut ThomasiuS. Das Auto scheint jetzt eine Art von zweiter Jugend zu erleben. Wenigstens tauchen Fragen wieder auf. die man nach feiner ersten Jugend für abgetan, für vollkommen erledigt hielt. Als es erschien, wußte man nicht so recht, wie man es eigentlich bauen sollte. War es günstiger, die Vorderräder niedriger und die Hinterräder höher zu machen oder sollten alle vier Räder gleich grob fein? Sollte der Motor vorne oder sollte er hinten fitzen, sollte er also ziehen oder schieben? Derartiger Fragen gab es ein Einzahl. Es vergingen Jahre, bis sie gelöst waren und bis sich das Auto von heute herausbildete, das in der ganzen Welt die gleichen Züge aufweist. Es hat vier gleich hohe Räder. Motor und Kühler fitzen vorne. Die Kraft des Motors wird auf die Hinterräder übertragen, so dah trotz des vorne angebrachten Motors eine schiebende Wirkung zustande kommt. Die Unterschiede der einzelnen Autos beziehen sich auf allerlei Einzelheiten und vielfach nur auf Kleinigkeiten. Die großen Linien der Bauart stehen fest. Es schien, als wollte man auch für alle Zukunft an ihnen fcsthalten. Plötzlich aber gewinnt es den Anschein, als ob nunmehr eine zweite Jugend beginnen sollte. 2llte längst vergessene Dinge gewinnen von neuem Bedeutung. Vielleicht war die endgültige Gestalt dieses so beliebten Verkehrsmittels überhaupt ^v.och nicht gefunden. Vielleicht wurden diese Fragen durch den Krieg und durch die r-ach ihm einsehende Rationalisierung der Arbeit nur in den Hintergrund gedrängt. Vielleicht ste'lt die erneute Erörterung der alten Fragen nur eine vorübergehende Erscheinung dar. Vielleicht aber bahnt sich eine neue Entwicklung an. Das vermag im gegenwärtigen Augenblick wohl niemand vorauszusehen. Es läßt sich nichts sicheres sagen. Aber jedenfalls ist das, was sich abspielt, bemerkenswert genug, um in einem Heber* blick zusammengesetzt zu werden. Wiederum handelt es sich, wie schon vor Jahrzehnten, um den alten Streitpunkt, ob der bisherige Hinterradantrieb bestehen bleiben oder ob er durch den Vorderradantrieb ersetzt werden schmiere gemacht: nach 1856 hat man gebohrt, hat aber keinen Erfolg gehabt. Erst feit 1880 sind kleinere Erfolge erzielt toorben. Eine größere Zahl von Bohrungen zeigte dann, daß die Lager in der Rähe der Erdoberfläche sehr beschränkt waren. Anfang dieses Jahrhunderts fand man bei 200 bis 300 Meter tiefen Bohrungen mehr Oel, kam aber bei mehr als 300 Meter tiefen Bohrungen in Salzwasser. In der Rachkriegszeit setzte dann eine neue große Dohrtätigkeit insbesondere bei Hänigsen, etwa 15 Kilometer südlich von Celle und 25 Kilometer nordöstlich von Hannover ein; man fand ein neues Oetlager, das sich als das ergiebigste erwies, und erbohrte auch bis 800 Meter Tiefe ausreichend Oel. Don den 23 dort niedergebrachten Bohrungen war nur eine nicht ergiebig^ während einzelne 12 bis 15 Tonnen lieferten. Bohrungen aus dem Herbst des Jahres 1929 bis Januar 1930 waren noch besser und lieferten bei 800 bis 850 Meter Tiefe 80 bis 90 Tonnen täglich. Auch sonst sind dort in der Gegend gute Erfolge erzielt worden, z. D. hat man bei Oelheim, südöstlich von Hänigsen, bei 800 bis 1000 Meter Tiefe viel Oel gefunden, besonders hat man bei Wietze, westlich Celle, Oel erbohrt. Dort wird es übrigens auch in einem Schacht gewonnen. Diese Art der Oel- getoinnung hat den Vorteil, daß man das Oel bis auf 5 vom Hundert gewinnen kann, während beim Dohren und Herauspumpen des Oeles */s davon im Boden bleiben. Läßt man im Bohrloch Gefäße herunter, in die das Oel allmählich hineinsickert, so kann man das Oel bis zur Hälfte herausholen; aber diese GewinnungS- art ist natürlich sehr umständlich. Am bequemsten sind die Oelquellen, die unter dem Druck der im Boden befindlichen Oclgafe von selbst springen. Auch in Baden und bei Tegernsee in Bayern sind Oelfelder bekannt. Die ergiebigen Oelfel- der bei Pechelbronn im ^Alsaß haben wir leider an die Franzosen abgeben müssen. Zur Zeit ist die Lage so, daß wir nur etwa die Hälfte des Oeles tatsäc^ich fördern können, die wir mit den vorhandenen Anlagen gewinnen könnten. Dies liegt daran, daß das deutsche Rohöl sehr paraffinhaltig ist, und daß wir mit der Errichtung von EntparaffinierungSanla- gen — ebenfalls wegen Kapitalmangels — der in den letzten Jahren sprunghaft angewachse- nen Förderungsmöglichkeit nicht folgen konnten. Dies ist aber ein Mangel, der wohl in absehbarer Zeit behoben werden dürfte, da sich das Geld dafür sicher finden wird. Es sind ja auch noch andere Anlagen zu errichten, so z. D. solche zur Verarbeitung minderwertiger Schweröle in hochwertiges Benzin usw. Ratürlich ist es bedauerlich, daß wir die Ausbeutung eines so wichtigen Bodenschahes, wie es das Oel ist, den Amerikanern überlassen müssen; augenblicklich bleibt uns aber kein anderer Weg, wenn wir sie überhaupt ausnuhen wollen. Zweifellos werden wir aber von den Amerikanern auf diesem Gebiete sehr viel lernen, und hoffentlich kommen dann einmal bessere Zeiten, wo wir die Kenntnisse, die sie uns vermitteln, selbst verwerten können. Dies wird freilich erst dann geschehen können, wenn eine Der- mögensbildung in Deutschland wieder möglich sein wird. Dann wird sich der erforderliche, jetzt gedrosselte Unternehmungsgeist von selbst wiederfinden. Mn muß sich seinen Rundfunk bequem einnchien! Von Karl Ammon. Zunächst muß ich ein Geständnis oblegen: Bis vor einiger Zeit habe ich immer noch mit dem Detektor gehört, weil mir das Laden der Sammler und das unvermeidliche Nachlassen der Anodenbat» terie zu umständlich war. Allerdings habe ich mir meinen Detektorapparat selbst gebaut, und zwar so, daß zwei Apparate stets gleichzeitig auf die Leitung arbeiteten, die durch sämtliche Zimmer geführt war und dort an Steckdosen lag. An jedem Bett, an jedem bequemen Stuhl, an jedem Sofa und selbst» verständlich auch in der Kemmenate der Köchin befinden sich solche Steckdosen. Da sich meine Detektoren nie verstellten, brauchte man nur einen Kopffernhörer an eine der Steckdosen anzustöpseln und konnte hören. Das war sehr bequem. Jetzt ist aber der Netzanschluß erfunden, und daraus habe ich gewartet. 9leuerbings find nun die Neyanschlußgeräte so stark im Preis herabgesetzt worden, daß sie auch für den erschwinglich sind, der kein Krösus ist, zumal ja auch ihr Betrieb bei ihrem außerordentlich geringen Stromverbrauch wesentlich billiger ist als das Laden der Sammler und der Ersatz der Anodenbatterie. Nun kann man natürlich ein solches Netzanschluß- aerät nicht immer Herumschleppen und es da auf« stellen, wo man gerade hören will. Es war schon beim Detektorapparat der Gipfel der Ungemütlichkeit, wenn man ihn zum Hören auf den Tisch setzte und die ganze Familie darum herum saß. Man muß also den Apparat irgendwo fest einbauen, so daß Antenne, Erde und der Lichtstromanschluß dauernd daran liegen bleiben können. Das habe ich dann auch so gemacht und statt der Hörer natürlich die durch alle Zimmer führende, an den Steckdosen liegende Doppelleitung angeschlossen. Damit aber wurde die Einrichtung unbequem, denn es mußte jedesmal, wenn man hören wollte, jemand in das Schlafzimmer gehen und den Strom einschalten. Da man aber auch Lautsprecherempfang haben will, wenn man schon ein Netzanschlußgerät hat, so ergab sich die weitere Unbequemlichkeit, daß man auch die Ein» fteüung des Empfängers jedesmal ändern mußte, je nachdem, ob man mit dem Lautsprecher oder dem soll. Es ist neuerdings wieder der Vorderradantrieb aufgetaucht, für den verschiedene Gründe geltend gemacht werden. Die Erbauer derartiger Wagen behaupten, daß der Hinterradantrieb jeder Logik entbehre. Auch das Pferd ziehe vorne und schiebe nicht hinten. Es sei doch das natürlichste, daß der Motor, der vorne sitzt, nicht auf die Hinterräder arbeite. Bis zu diesen ist es eine weite Strecke, und man benötigt deshalb ziemlich weitläufige Einrichtungen, um die Kraft nach hinten zu übertragen. Das einfachste sei es doch, ihn auf die Vorderräder wirken zu lassen, die sich unmittelbar unter ihm befinden. Dadurch werde eine Vereinheitlichung des Antriebs geschaffen, der auf den engsten Raum zusammengedrängt sei. Beim Vorderradantrieb wäre es auch möglich, den Schwerpunkt tiefer zu legen und dadurch die Standfestigkeit des Wagens zu erhöhen. Es trete eine Gcwichts- ersparnis ein. da die Debertragungsorgane Wegfällen. Die Herstellung der für den Antrieb eingerichteten Vorderachse sei einfacher als die der verhältnismäßig umständlich gebauten Hinterachse. Die durch den langen älebertragungsweg hervorgebrachten Erschütterungen fielen weg. Das Kurvenfahren werde erleichtert. Der Dau des Rahmens vereinfache sich. Infolge der niedrigen Lage des Wagens werde mehr Platz für den Aufbau gewonnen. Das käme den darin Sitzenden zugute, die es bequemer hätten. Kein einziger dieser Gründe, gegen den nicht die Vertreter des alten Hinterradantriebs etwas zu sagen hätten. Für sie ist das alles unrichtig. Für sie gibt es eben nur die Tlebertragung der Kraft des vorne sitzenden Motors auf die Hinterachse. Also ganz das alte Bild, wie in der ersten Jugend des Autos. Hier heißt es wirklich „Grau. Freund, ist alle Theorie". Mit Worten, mit denen sich so trefflich streiten läßt, kann eine derartige Frage nicht erledigt werden. Deshalb ist es schon vom Standpunkt der Klärung dieser für die weitere Entwicklung so wichttgen Angelegenheit sehr erfreulich, daß in Amerika mit frischem Wagemut bereits eine Anzahl von Wagen gebaut wurde, die mit Vorderradantrieb aus- gestattet sind. Jetzt sollen sie sich weiter vermehren. Sie sollen ein paar Jahre laufen, damit man Erfahrungen sammeln kann. Erst dann wird man sich ein Urteil bilden können. Kopfsemhörer hören wollte; denn man muß ihn zum Hören mit dem Kopffernhörer etwas verstimmen, sonst tönt der Kopfhörer unerträglich laut. Durch diese Verstimmung ergeben sich aber zwei andere Nachteile, nämlich einmal der, daß man durch die Verstimmung leicht andere Sender mit hineinbekommt und bann immer zwei oder drei Darbietungen gleichzeitig hört, dann aber der, daß man nicht gleichzeitig Lautsprecher und Kopffernhörer hören kann. Diese Notwendigkeit tritt aber häufig ein, z. B. wenn im Eßzimmer der Lautsprecher geht und die Köchin in ihrem Zimmer hören will. Alle diese Nachteile kann man auf verhältnismäßig einfache Weise vermeiden, und das habe ich in meiner Wohnung auch getan. Zunächst habe ich mir an die Stellen, die für Lautsprecherempfang in Betracht kommen, eine besondere Doppelleitung gezogen und sie an Steckdosen für Lautsprecherempfang gelegt. Diese Dosen können mit einem daneben befindlichen Schalter, einem Druckknopfschalter, aus« und eingeschaltet werden, so daß man den Lautsprecher ohne Ziehen seines Stöpsels ausschalten kann, wenn die Lampen im Empfänger brennen, weil in einem anderen Zimmer ein Lautsprecher geht ober weil jemanb mit bem Kopffernhörer hören will. Die Leitung zu den Kopffernhörersteckdosen habe ich so an bic Lautsprecherleitung angeschlossen, daß der barin fließende Strom auf eine Stärke geschwächt wird, die gerade einen angenehmen Kops, fcrnhörerempsang — nicht zu laut und nicht zu leise — gestattet, und zwar dadurch, daß ich die Kopffernhörerleitung über zwei Kondensatoren angeschlossen habe. Als zweckmäßig haben sich dabei zwei kleine Blockkondensatoren ergeben, die das Stück für 50 Pfennig in jedem Funklaben zu haben sind. Dies hat ben weiteren Vorteil, baß man neben bem Funkempfänger eine Kopffernhörersteckbose anbringen kann, in die man beim Einstellen des Empfängers einen Kopffernhörer einftöpfelt. Da- durch kann man den Empfänger mit bem Kopffern. Hörer auch für Lautsprecherempfang sauber und ganz genau einstellen, ohne durch zu große Laut- Wer aber vermöchte schon zu sagen, ob dieser Streit überhaupt jemals zum endgültigen Austrag kommt und ob der Schwerpunkt der ganzen Frage nicht ganz woanders liegt? Wir befinden uns wieder in der Jugendzeit des Autos. Wir wissen immer noch nicht, was werden soll. Muh denn der Motor überhaupt vorne sitzen? Ebensogut wie er vorne sitzt und die Vorderachse an« treibt, kann er doch auch hinten sitzen und di« Hinterachse antreiben. Daß sich der Kühler am besten an der Stirnseite des Magens befindet, wo die Luft am bequemsten Zuttitt hat, ist eine Sache für sich. Er kann ruhig dort bleiben. Deswegen kann man den Motor doch hinten anbringen. Eine lange Kühlwasserlcitung hat auch ihre Vorteile. 3n ihr kühlt sich das Wasser schon auf dem Weg zum Kühler ab. Baut also Amerika seine Wagen mit Dorderantrieb, so ist man in England zum hinten sitzenden Motor übergegangen. Er befindet sich da, wo wir bisher den aufgeschnallten Koffer zu sehen gewohnt waren. Hier liegt er in einem Kasten, der von hinten und von oben geöffnet werden karm, sodaß er leicht zugängig ist. Bei dieser Bauart allerdings hat man auch den Kühler an diesem Kasten angebracht, und zwar oben in einem Ausschnitt des Deckels. Die hauptsächlichsten Vortelle dieser Art von Antrieb sollen in der Einfachheit der Kraftübertragung und bor allem in wesentlichen Gewichtsersparnissen liegen. Auch hier wäre es verfehlt, aus theoretischen Erwägungen heraus ein Urteil abgeben zu wollen. Dieses wird gleichfalls erst bann möglich sein, wenn derarttge Wagen jahrelang gelaufen sind und man übet genügende Detriebserfahrungen verfügt. Die Jugend, die goldene 3ugenb, sie ist bekanntlich reich an älebertafchungen. Deshalb darf es uns nicht wundern, dah man nunmehr bereits beim 16-Zhlinder-Motor angelangt ist. Welches Aufsehen erregte es doch, als die Zylinderzahl des Motors auf sechs gesteigert wurde! Bald kam der Achtzylinder. Der Zwölfzhlinder tauchte auf und schon ist der Sechzehnzylinder da. Ratürlich an einem amerikanischen Wagen, aber nicht etwa an einem Rennwagen. Der Motor foll vielmehr in Wassenanfertigung für hochwertige Personenwagen hergestellt werden. Es sei dazu bemerkt, baß das neueste Wunder an stärke belästigt zu werben. Außerdem wirb durch die Kondensatoren auch der letzte Rest von Brummen aus dem Lichtnetz beseitigt. Alle diese Fragen sind also in befriedigender Weise gelöst. Es mußte nun nur noch die Fern- schaltung des Empfängers, also die Ein- und Ausschaltung der Lampen aus allen Zimmern möglich gemacht werden. Das könnte man nun so machen, baß man die Lichtsteckbose an eine Starkstromleitung anschlieht, bie burch alle Zimmer geführt ist unb in Anfenne Lichtleitung f 3' Klingelabspanner Erde 2 Z Steckdosen SlQ Schal ter ZimmerS ZO Q O 1 0 0 Druckknöpfe [-Empfänger ' 5(01 Zimmer 2 1 O Q~ O l 0 OQ o Zimmer 1 0 1 Ö O O 2 Ö ~~ö 2 Rundfunkempfangsanlage in einer Wohnung. 1. Schaltleitung. — 2. Kopffernhörerleitung. — 3. Lautsprecherleitung. — 4. Druckknopf neben dem Empfänger zum Ein- und Ausschalten beim Einstellen des Empfängers. — 5. Steckdose für einen Kopfernhörer zum geschwächten Mithören beim Einstellen des Empfängers. — Zimmer 3 ist etwa ein Schlafzimmer, bas nicht für Lautsprecherempfang eingerichtet ist. jebem Zimmer über einen sogenannten Wechselschalter läuft. Aber bas wäre eine sehr teuere unb wenig erfreuliche Angelegenheit, denn man müßte bic ganze Leitung in Rohr verlegen unb würde sich bamit, abgesehen von ben Kosten, seine Wohnung recht beträchtlich verunzieren. Ich habe deshalb einen anderen Weg gewählt: Ich habe neben bem Empfänger einen Quecksilberkippschllter eingebaut, bin man mit Schwachstrom bewegen kann. Ein solcher Schalter besteht aus einem mit einem Duccf* silbertropfen gefüllten luftleeren Glasröhrcl;en, in das zwei Kontakte zum Schließen des Lichtstromes durch den Empfänger eingeschmolzen sind. Liegt das Röhrchen wagerecht, so ist her Strom geschlossen, liegt es schräg, so ist er unterbrochen. Die Aenbe- rung ber Lage wirb burch einen Elektromagneten bewirkt, zu besten Erregung Schwachstrom genügt. Dann braucht man keine Starkstromleitung durch die Zimmer zu legen, es genügt vielmehr eine etwa auf ber Oberkante ber Scheuerleiste verlegte Leitung aus Klingelleitungsbraht mit gewöhnlichen hölzernen Druckknöpfen, bie man in beliebiger Zahl an diese Leitung anschliehen kann. Wenn man auf irgendeinen ber Knöpfe brückt, so brennen bie Lampen im Empfänger, brückt man roieber, so gehen sie aus. Als Schwachstromquelle für biete Fernschal- Schnelligkeit, bie „Silberkugel", ber Rennwagen von Kay Sone nur Zwölfzhlinder-Motorew besitzt. Allerdings zwei. Der Sechszehnzyllnder- Motor ist bestimmt, eine möglichst große Ruhe unb Sanftheit ber Fahrt zu gewährleisten. Die 16 Zhlinber sind V-förmig angcorbnet unb haben eine befonbere Dentileinrichtung, bei ber Ungleichheiten in bet Arbeit ber einzelnen Ventile selbsttätig ausgeglichen werden. Auch ber Lastkraftwagen von heute hat vielleicht noch nicht seine enbgültige Gestalt erhalten. Wir müssen uns immer vor Augen halten, bah seine Leistung von vornherein burch ben Zu- stanb ber für Pferbefuhrwerke gebauten Straßen beschränkt wurde. Seine Tragfähigkeit und seine Geschwindigkeit können gesteigert werden, sobald bie alten Landstraßen in Autostraßen umgetoanbelt sink). Mit welchen Steigerungen man habet zu rechnen haben wirb, geht daraus hervor, baß man bisher über ben Fünftonner im allgemeinen kaum hinausgegangen ist. Schwerere Belastungen hätten bie Straßen meist nicht ausgehalten. Wo aber neuzeitlich ausgestattete Autostraßen zur Verfügung stehen, ba sinb die Tore zu einer neuen Entwicklung geöffnet. 3n Amerika ist man beim Bau bes ersten Hundert- tonners angelangt. Das ist ein Wagen mit starkem eisernen Rahmen unb breiter Plattform, ber auf zwei starken Achsen ruht. Jede Achse trägt acht Räber, zusammen also sechzehn Räber. Die Räder sind sehr niedrig unb sehr breit. Sie sinb als Dollräber aus bestem Stahl ayge- ferligt, nochmals burch rabial verlausende Stahlrippen versteift und mit Luftreifen ausgestattet. Je zwei Räder sind unter sich besonders verbunden. Das Hunderttonnen-Lastaufo gleicht also einem niedrigen vielrädrigen Karren von ungewöhnlichen Ausmaßen, dessen Plattform wegen ihrer Lage leicht zu beladen unb zu entladen ist. Ein weiterer Lastwagen, ber als Kühlwagen ausgebildet ist, zeigt, wohin bie Entwicklung geht. Sein Motor seht eine Kühleinrichtung in Tätigkeit, bie bas Innere des Aufbaus ständig auf niederer Temperatur erhält, so dah in diesem Wagen leichtverderbliche Nahrungsmittel ohne jede Gefahr befördert werden können. Der Wettbewerb zwischen Eisenbahn und Lastkraftwagen wirb, wie auch dieses Beispiel erkennen lähi, immer schärfer. Der Abbruch der Georgshütte in Burgsolms an der Lahn. Auf der Georgshütte zu Burgsolms ist, wie uns von den Buderusschen Eisenwerken mitgeteUt wird, mit dem Abbruch des Hochofenwerks begonnen worden. Mit der Niederleaung der aufstrebenden Masten der Hochöfen und Winderhitzer, der charakteristisch ausgebildeten Fördertürme, verschwindet nicht nur ein bedeutsames Wahrzeichen des Solm- ser Landes, sondern auch einer Wirtschaftsepoche, die endgültig der Vergangenheit angeyört. Die Georgshütte erhielt ihren Namen nach ihrem Gründer, dem Prinzen und späteren Fürsten Georg zu Solms-Braunfels. Mit dem Bau wurde im Jahre 1873 nach den Plänen und unter Leitung des Zivilingenieurs Gregor aus Bonn begonnen. Die Betriebsanlage wurde für drei schottische Hochöfen eingerichtet, das Werk im übrigen großzügig angelegt und reichhaltig ausgestattet. Die Hochöfen waren damals die größten des Lahnbe- zirkcs, sie hatten einen Rauminl)alt von mehr als je 250 Kubikmeter und eine Leistungsfähigkeit von 60 bis 65 Tonnen pro Tag. Der erste Hochofen kam am 26. Januar 1875 in Betrieb. Der Bau des Hüttenwerkes erforderte einen Kostenaufwand von 2$ Millionen Mark. Die Georgshütte war ein sog. „reines" Hochofenwerk, „auf dem Erz gebaut". Ihr war die Aufgabe zugedacht, den in den fürstlichen Gruben des Solmsbachtalcs und um Braunfels gewonnenen Eisenstein auf Roheisen zu verhütten und damit seine Verwertung gewinnbringender zu gestalten. Erblasen wurde Puddel- bzw. Spiegelroheisen, das auf den Puddel- und Walzwerken an der Dill, in Westfalen und in Düsseldorf hauptsächlichen Absatz fand. 1882 wurde der zweite Hochofen in Betrieb genommen. Im gleichen Jahre errichtete die Firma S ch u ck e r t in Nürnberg die erste elektrische Lichtanlage auf der Hütte. Im Jahre 1883 verkaufte der Fürst von Braunfels die Georgshütte unter gleichzeitiger Tätigung eines langfristigen Erzlieferungsvertrages an die Buderusschen Eisenwerke für 1800 000 Mark. Damit vereinigte diese Firma die vier an der Lahn gelegenen Hochofenwerke mit zusammen sechs Hochöfen in ihrer Hand. 50 Jahre lang, bis 1925 ist die Georgshütte in Betrieb gewesen und hat in dieser Zeit rund 1,7 Millionen Tonnen Roheisen erblasen. Daneben gelangten außer großen Mengen Schlackensand und Schlackenmehl rund 125 Millionen Schlackensteine zum Versand. Die durch- schnitttiche Belegschaft betrug in den letzten Betriebsjahren 160 Mann. Der Betrieb kam zum Erliegen, weil die neuzeitliche Entwicklung nur noch die Erzeugung von Roheisen in größeren Ofeneinheiten und unter gleichzeitiger restloser Verwertung der Nebenerzeugnisse, der Schlacke und der Gichtgase, gestattet. Die Buderusschen Eisenwerke haben ihre Roheisenerzeugung auf der Sophienhütte vereinigt, wo diese Voraussetzungen gegeben sind. Don den Veteranen der Georgshütte, die schon zu fürstlichen Zeiten und unter Georg Buderus tätig waren und den ganzen Werdegang des Werkes mitgemacht haben, sei Herr Ferdinand Knopp, der langjährige Prokurist der Buderusschen Eisenwerke erwähnt. Bereits am 1. Dezember 1874, also während des Baues der Hütte, trat er, zunächst als Buchhalter, in die Dienste des Fürsten. Biele Zahre hindurch lag ihm später die Wahrnehmung der gesamten kaufmännischen Geschäfte ob, bis er dann im Oktober 1897 die Leitung der Zement-Derkaufsabtei- lung der Hauptverwaltung der Buderusschen Eisenwerke übernahm. Diesen Posten hat er bis zu seiner am 1. Januar 1926 erfolgten Versetzung in den Ruhestand versehen. lieber die künftige Ausnutzung des freiwerdenden Hüttengeländes zu Burgsolms liegen zur Zeit noch keine Pläne vor. Wir wollen die Hoffnung nicht aufgeben, daß die Krisenzustände, unter welchen unsere Wirtschaft seit langem leidet, in nicht zu ferner Zukunft einer gesunden Aufwärtsentwicklung Platz machen. Dann wird sich sicherlich auch neues industrielles Leben an einer Stätte alten Gewerbe- fleihes regen und arbeitswilligen Händen Brot bringen. lung kann man einen Klingeltransformator verwenden, wenn man ein ganz feiner Hund ist; man kann aber auch einfach eine Taschenlampenbatterie dazu benutzen. Ich habe den letzteren Weg gewählt, denn er ist fabelhaft billig, da eine solche Taschenlampenbatterie bei dieser Verwendung mehrere Monate aushält. Eine solche Anlage ist nicht teuer, da sie ja durchweg aus Klingelleitungsdraht hergestellt werden kann und da auch Druckknöpfe und Steckdosen — man nimmt natürlich solche ohne Sicherung, die etwa 20 bis 25 Pfennig das Stück kosten — billig sind. Ntan kann die Anlage auch allmählich aus- bauen, wenn man nicht zu Diel Geld auf einmal ausgeben will, indem man die Zahl der angeschlos- jenen Zimmer und die Zahl der Steckdosen und Druckknöpfe in den Zimmern jeden Monat etwas erhöht; dann braucht man nicht zu stottern. Eines muß ich aber noch sagen: Man kann nicht an jeden Netzanschlußempfanger Leitungen aus Klingelleitungsdraht anschließen, sondern nur an solche, bei denen dafür gesorgt ist, daß der Strom aus dem Lichtnetz unter keinen Umständen in die aus Zimmerleitungsdraht hergestellten Leitungen eintreten kann. Beachtet man dies nicht, so kann man einen Brand verursachen und Menschenleben gefährden. Nun gehen Sie hin und tun Sie desgleichen: Dann wird Ihr Rundfunkempfang wirklich bequem sein und Sie werden Freude daran haben! Wirtschaft. * Aktienindex. Der vom Statistischen Reichs- omt errechnete Aktienindex (1924-26 - 100) stellt sich für die Woche vom 21. bis 26. April 1930 auf 121,7 gegen 122,8 in der Vorwoche, und zwar in der Gruppe Bergbau und Schwerindustrie auf 120,0 (121,3), in der Gruppe verarbeitende Industrie auf 110,9 (112,1) und in der Gruppe Handel und Verkehr auf 141,8 (142,8). * Ausdehnung der Favag - Voruntersuchung. Die Voruntersuchung in der Favag-Angelegenheit wird auf den Generaldirektor M a e d j e von der Vereinigte Berlinische und Preußische Lebens-Versicherungs-A.-G., Berlin, mit ausgedehnt werden. Der Aufsichtsrat der Gesellschaft wird sich mtt der Angelegenheit beschäftigen. Das Geschäftsergebnis 1929 ist im übrigen wieder günstig, so daß mit wieder 15 v.H. Dividende gerechnet werden kann. * Gesfürel — Ludwig Löwe. Die Generalversammlung setzte die Dividende wieder auf zehn Prozent fest. Es wurden die Gründe erörtert, die zu dem Scheitern des Zusammenschlustes mit Licht und Kraft führten. Heber die Geschäftslage wurde mitgeteilt, daß der Anfang d. I. einen Rückgang der Stromlieferung gebracht habe. Man hofft für die kommenden Monate auf einen Ausgleich. Im übrigen könne man eine unveränderte Dividende gewährleisten. * Der B o ch u mer Verein (Vereinigte Stahlwerke) hat Antrag auf Entlastung von 600 Arbeitern gestellt. Außerdem soll beim Röhrenwalzwerk nur vier Tage gearbeitet werden. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M.. 30. April. Tendenz: schwächer. — An der Börse setzte sich heute wieder verstärkte Lustlosigkeit und Zu - , rückhaltung durch. Die Umsätze blieben minimal, und auch am Anleihemarkt ging das Geschäft stark zurück. 3m ZusammenArng mit den schwächeren Auslandbörsen war die Haltung allgemein etwas abgeschwächt, wobei die neuen Betriebseinschränkungen im Konzern des Stahlvereins und die Ergebnislosigkeit der Pariser Stickstosfkonferenz die beste^nde Verstimmung verstärkten. Die Kursfestsetzung ging bei der großen Geschäftsstille nur zögernd vor sich. Cs ergaben sich auf fast allen Märkten Kurseinbuhen von 1 bis 2,5 Prozent. Aament- lich am Elektromarkt wurden Verkäufe vorge- .nommen; Licht & Kraft und Siemens gaben je 2,5 Prozent, AEG und Gesfürel je 1 Prozent nach. Farben und Schiffahrtswerte eröffneten 1 Prozent niedriger, während Deutsche Linoleum ihre Abwärtsbewegung um 2 Prozent fort* setzten. Größere Abgaben waren wieder in Mansfeld festzustellen, die erneut 3 Prozent nachgaben. Am variablen Markt gaben Iunghans von ihrem letzttägigen Kursgewinn über vier Prozent wieder her. Am Markte der Dauun- ternehmungen gewannen Holzmann erneut 1,5 Prozent, ebenso Zement Heidelberg leicht befestigt; Wayh & Freytag waren dagegen etwas schwächer. Zellstoff Aschaffenburg waren auf dem ermäßigten Aiveau des Vormittags behauptet. Bankwerte eröffneten wenig verändert, Reu- und Die hinter den Papieren Frankfurt a. DI. | Serlln Schluß- 1-llhr. Schluß- Anfang» (ur4 ftur« kurs Kurs Datum 29 » 30 29 1 30 4 6% Deutsche Reich« aulelhe von 1927 7% Deutsche RetchSanleihe - - 87,4 - von 1929 Deutsche Lnl..Abläi^Schuld mit 101,5 - 102 — Auslo>.71,25 170 Bergmann.........9 — — Elektr. LieferungSgesellschast. 10 — — 159 — Licht und Kraft ... 10 — 167,75 163 Felten & Guilleaume . IVs Gesellschaft für Elektrische 124 — 125,25 124,25 Unternehmungen .... 10 Hamburger ElektrizitätS-Werke 10 Rheinische Elektrizität .... 9 177 176 177 176,5 — — 137,65 137,25 — — — 14/ Schlesische Elektrizität. ... 10 — — — Schuckert & Co. .... . 11 — —- 187,5 187 Siemens & Malaie . • • • • 16 — 244 246,5 243 TranSradlo . . ....... 8 —- — 128 128 Lahwevrr L Co..... . 10 171 — 169,5 — Buderus . ...... ö 71 — — — — 101,75 100,75 —— — 143 Gelsenkirchener ....... 8 139 — 139 138 126 — 126 125 Hoesch Men........6VZ —- — — 108 Ilse Bergbau ...... 10 — —- - — 101 — 100,75 100 -- — 106,13 105,75 Mannesmann-Röhre« «... 7 — 105,25 105.75 105 Marisfelder Bergbau . .... 7 - 75,75 72 Oberschles. Eisendebarl . . . . 6 — — — Oberschiei. Kokswerle .... 7 — — 108,9 108,13 Phönix Bergbau . . . . S>4 Rheinische Braunkohlen . . 10 105 —— 105,13 105 226 —• 226 Rheinstahl . ....... 6 115 115.25 115 Riebeck Mont« ...... V — 104,0 -- länder lagen meist behauptet. Pfandbriefe zeigten immer noch eine bemerkenswerte Festigkeit. Der heutige Zahltag machte kaum noch Schwierigkeiten. Am Geldmarkt stellten sich die Sätze für Tagesgeld auf 5,5 bis 7,5 Proz.; für Geld über Ultimo 5,5 bis 6,5 Proz., für Monatsgeld ebenfalls 5,5 bis 6,5 Proz. Der Siemensmarkt litt unter Baifseangriffen, wobei man auf die schwache Veranlagung der Siemens-Debentures im Auslande hinwies. Deutsche Linoleum verloren 4, Mansfelder weitere 2 Proz. Es verstimmte für letztere, daß der Kupferpreis in Berlin heute mit 96 nach Hundert gegen gestern genannt wird. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 30. April. Am heutigen Produktenmarkt neigte die Tendenz allgemein zur Schwäche. Ramentlich Futtermittel waren an- geboten und etwas niedriger. Auch Weizenmehl erfuhr einen Preisrückgang um 50 Pfennig. Für Roggenmehl konnte der Preis bei kleinem Angebot anziehen. Die Preise verstehen sich für Getreide je Tonne, für die übrigen Waren je 100 Kilo. Es notierten: Weizen, Hektolitergewicht von 78 Kilo 302,50; Roggen', Hektolitergewicht von 72 Kilo 185 bis 187,50; Sommergerste für Brauzwecke 205 bis 210; Hafer, inländischer 185 bis 190; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0 43,50 bis 45; Roggenmehl 27 bis 28,50; Weizenkleie 8,50 bis 8,60; Roggenkleie 9,75 Mk. Tendenz: Weizen fest, sonst abgeschwächt. Berliner Produktenmarkt. Berlin, 29. April. Der Markt zeigte heute wiederum ein festes Aussehen, was insbesondere auf die Aufrechterhaltung des Vermahlungszwanges für 3nlandweizen bei nur sehr knappem Angebot zurückzuführen war. Ramentlich bekunden die Provinzmühlen sehr rege Rachfrage nach Weizen. Das Preisniveau für Effektivware und für die Sichten der alten Ernte lag um etwa 4 bis 4,50 Mark höher als gestern. Roggen ist mehr oder weniger von der Aufwärtsbewegung der Weizenpreise mitgezogen, bei ziemlich spärlichem Angebot von Waggonware und etwas reichlicherem Offertenmaterial für kahnverladenen Roggen lagen hier die Preise etwa 2 Mk. höher. Die Herbstsichten von Weizen und Roggen sind Frankfurt a. M. Berlin Schluß» kurs t'llhr. Kurs Schlußkurs Anfang- Kurs Datum 29- 4. 30 4. 29 a. 30 Bereinigte Stahlwerte..... 96,5 — 96,75 96 25 Otavi Minen ... 16'/» — — 51,13 49,5 Kaliwerke Aschersleben ... 10 228,5 — 228,5 228 Kaliwerke Westeregeln ... 10 233 — 232,5 230,25 Kaliwerke Salzdetfurth ... 15 399 — 398,5 395,5 I. G. Farben-Industrte . . . 12 177,5 176,75 177,75 176,75 Dvnamtr Nobel..... . 6 — — Scheideanstalt. ....... S — — — — 71 — 71.25 70,5 Rülgerswerte ........ 6 70,5 — 70.13 96,75 Metällgesellschast. ...... 8 103 — 108 — PHUWV Holzmann......1 110 111.5 110,5 111,13 Zementwerk Heidelberg . . 10 133,5 134 — — Cementwerk Karlstadt. ... 10 143 — — — Wavß & Frehtag......8 91 91 90,25 — Schultheis Payenhoser ... 15 — 306,5 303.5 Ostwerke..... 12 — —- 260 258 Aku ..........18 113 — 113,75 112,5 Eemderg...... 14 -- — 142,25 140,25 Zellstoff Waldkws .... 13’/, — 185 184 Zellstoff Aschaffenburg ... 12 142 142 145,5 — Charlottenburger Wasser ... 8 — — 104,65 104,25 Dessauer Mae . . .... 9 — — — — Daimler Motoren ..... O 41 — 41 41,13 Deutsche Linoleum ...... — 245 247 244 — 52,4 52 * — — — Orenstein & Koppel.....6 — — 79,5 78 Leonhard Tietz ■.•••• 10 — — 150.5 151 Svenöko ....... — — 349 348 frankfurter Maschmev .... 4 36 - 36 — Gritzner ...... . 6 38,5 — 38,5 —- HepIIgenftaedt .......O — - — IunghanS ....... 6 45 - 44 — Lechwelke ........8 105,13 — - — Maiukrastwerke Höchst a-M.. .8 — — Miag .....10 '32,75 — >32 131 Gebr. Roeder ..... 10 104,5 — —- — Boigt & Haessner ...... 9 Süddeutsche Zucker • . • • 10 - 159,5 — infolge deS weiterhin außerordentlich günstigen Wetters und der vorzüglichen Entwicklung Der Felder weniger fest veranlagt. Am Mehlmarkte will sich trotz der Brotgetreidehausse keine nennenswerte Belebung zeigen; die Mühlen versuchen für Weizenmehle 25 Pfennig höhere Forderungen durchzusetzen, was jedoch nur vereinzelt gelingt, Roggenmehle sind im Preise unverändert. Hafer in Erwartung einer höheren Bewertung des Ginfuhrscheines gleichfalls fester, namentlich in Küstenware. Gerste ruhig. Schweres ttnwetter in der Rhön. WSR. Fulda, 29. April. Ebenso wie verschiedene andere Gegenden Deutschlands ist auch die Rhön am Sonntag von einem schweren Unwetter heimgesucht worden. Ein schweres Gewitter hatte sich zwischen Steinwand. Maulkuppe, Stellberg und Milseburg festgesetzt. Kurz vor 12 Uhr setzte wolk^i^brucharti- ger Regen ein, der nach viertelstündiger Dauer in einen furchtbaren Hagelsturm überging und die Fluren weit und breit in Schneefelder verwandelte. Das von den Bergen strömende Wasser riß vielfach tiefe Furchen in di« bestellten Felder und warf Schlamm und Geröll auf die Wiesen. An manchen Stellen wurden soviel Hagelschlagkörner angeschwemmt, daß sie eine meterdicke Schicht bildeten. Die Wege und Straßen verwandelten sich in reißend« Däche. Stundenlang war auf ihnen kein Verkehr möglich. Das Unwetter dauerte etwa zwei Stunden. Die niedergegangenen Wasser- maffen richteten aber auch dort, wohin das Gewitter unmittelbar nicht gekommen war, großen Schaden an. 3n Poppenhausen, wohin das meiste Wasser abfloß, standen, ehe sich die Bewohner besinnen konnten, mehrere Häuser mitten in den Fluten. Die Lütter und Bieber führten Hochwasser, das auch noch in entfernterem Gegenden die Wiesen überschwemmte. Der Schaden, den das Unwetter auf den Feldern und Wiesen angerichtet hat, ist beträchtlich. Teilweise wurden sogar die Straßen von! den Fluten aufgeriffen. Kirche und Schule. Arbeitstagung des oberhessischen Vereins fff« Basler Mission. ) ( Hun gen, 29. April. Unter dem Vorsitz von Dekan G u h m a n n (Kirchberg) traten gestern nachmittag im Solrnser Hof hier die Vertrauensmänner der Basler Mission in den einzelnen Gemeinden und Dekanaten zu einer außerordentlich gut besuchten Arbeitstagung zusammen. Die Tagung wurde durch den Vorsitzenden mit Verlesung von Losung und Lehrtext des Tages und mit Gebet eröffnet. 3m Mittelpunkt der Tagesordnung stand ein überaus gut orientierender Vortrag von Missionar Lauf (Frankfurt a. M.) über „Die Mission in der gegenwärtigen Weltlage", der eine lebhafte Aussprache hervorrief. Als Vertreter Oberhessens in die Hei- matgemeinde-Vertretung (H. G. D.) der Basler Mission wurden Dekan Guß mann (Kirchberg), bzw. Pfarrer Staubach (Watzenborn) als Stellvertreter bestimmt. Zur diesjährigen Hauptversammlung in Basel wurden abgeordnet die Pfarrer Römer (Schotten) und Zeh fuß (Hopsmannsfeld) bzw. als Stellvertreter Pfarrer Mahr (Gießen) und Sieb eck (Echzell). Das 3ahressest des Oberhessischen Vereins für die Basler Mission am 21. September soll in Rieder-Weisel abgehalten werden. Die Haupttagung der Hessischen Wissionskonferenz findet am 16.3uni in Büdingen statt und bringt zwei Vorträge von Professor D. Dr. Frick (Marburg) und Missionsdirektor Witte (Berlin). Der Vorsitzende schloß die überaus anregend verlaufene Tagung mit herzlichen Dankesworten. Letzte Nachrichten. Llnruhen in Lodz. Warschau, 30. April. (wTv. Funkspruch.) 3n Lodz kam es gestern zu A r b e i k s l o s e n - Unruh e n , bei denen zwei kommunistische Sejmabgeorbnefe als Agitatoren hervor- traten. Liner von ihnen, Abgeordneter Zarski. soll nach den Aussagen von Zeugen bei einem Zusammenstoß der Demonstranten mit der Polizei mit einem Revolver auf die Polizisten geschossen haben. Mehrere Arbeitslose und zwei Polizeibeamte wurden während der Unruhen verwundet. Der Abgeordnete Zarski wurde verhaftet. Banknoten. Berlin, 29. April Geld Brief Amerikanische Noten . . . . . 4,164 4,184 Noten . • • . « 58,49 112,14 Dänische Noten..... < — A 111,70 Englische Noten..... Ä * A 20,31 20,39 Französische Noten . .. * M . 16,39 16,45 Holländische Noten. •. 168,01 166,69 sftalienische Noten . . . 21,95 111,68 22,03 112,12 Norwegische Noten . . . Deutsch-Oesterr.,äioo Kronen 58,90 59,14 Rumänische Noten . . . 2,46 2,48 Schwedische Noten . . . K Ä A 112,13 112,57 Schweizer Noten .... tSnnnifrfir Nnteii .... ... 81,02 51,75 12,375 81,34 51,95 12,435 Tschechoslowakische Noten . . ungarische Noten • • • 72,95 73,25 Denk enmartt Berlin - Frankfurt a. 2R. e9- April 30. April Amtliche Notieruno Amtliche Notierung Geld | Arie Geld »rief Ämft.»Rott. 168,41 168,75 168.38 168,72 Buen.-AireS 1,616 i,62C 1.600 1.604 Brss.-Antw- 58,405 58,525 58,42 58,54 Ehristiania. 111,98 112,20 111,97 112,19 Kopenhagen 1'2,01 112,23 112,00 112,22 Stockholm . 112.44 112.66 112,44 112,76 HelsingforS. 10,533 10,553 10,533 10,553 Italien. . . 21,92 21,96 21,92 21,96 London- . . 20,343 20.383 20,34 20,38 Neuhork .. 4,184 4,192 4,184 4,192 Paris.... 16,41 16,45 16,415 16,450 Schweiz .. 31,105 81,265 81,115 81,275 ©Danica . . 51,77 51,85 51.92 52,02 Japan . . . 2,067 2,071 2,066 2,070 Rio de Jan. 0,497 0,499 1,497 0.499 Wien in D-» Cefi. abgcst 58,995 59,117 59,005 59,125 Prag .... Bclirad . . 12.399 12,419 12,399 12,419 7,405 7,419 7,400 7,414 Budapest. . 73,15 73,29 73,13 73,27 Bulgarien . 3,036 3,042 3,036 3,042 Lissabon 18.78 18,92 18,78 18.82 Danzig. . . lÄonfLintüi. 81,38 81,54 81,11 81,27 1,784 5,445 1,788 1.785 1.789 Athen. . . 5,455 5,43 5,44 Canada 4,180 4,188 4.180 4.188 Uni uau. . 3,856 3.860 3.856 3.864 1 Cairo • • * 20,8- 20,90 20,86 20,90 Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloßenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o.H., Lombardzinsfuß 6 v.H. eine Fülle entzückender Sommer-Neuheiten ■ 5.50 5.50 7.20, 6.80 100 cm breit SO cm breit 6.80, 6.20 Gebr. Imheuser, am Markt finden Sie preiswert Im 3392D 0 0 Kleiderstoffe Seidenstoffe Wollmouseline Zephlr-Trikollne Gardinen jeder Art vom 1. bla 7. Mal 10% Sonder-Rabatt Seiden-Voile welches fließendes Gewebe für moderne Kleider, große eleg. 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Hessisches Polizeiamt. _________ Wolf._____________ Autzholzversteigerung. Montag, den 5. Mai, von vormittags 9 Uhr an, wird im „Frankfurter Hof" zu Homberg aus den Förstereien Homberg, Büßfeld, Schadenbach und Gontershausen folgendes Nutzholz versteigert: I. Stammholz. Eiche, Güteklasse N: 1. Kl. 5 St. = 0,88 fm, 2. Kl. 34 St. = 13,83 fm, 3. Kl. 21 St. = 14,69 fm, 4. Kl. 10 St. = 8,75 fm, 5. Kl. 1 St. = 1,15 fm, 6. Kl. 2 St. = 4,18 Im; Güteklasse F: 3. Kl. 2 St. = 1,03 fm, 4. Kl. 3 St. = 3,61 fm. —, Schwellenholz f.M. 8 St. = 4,52 fm. Buche, Güteklasse A: 3. Kl. 3 St. - 0,88 fm, 4. Kl. 1 St. = 0,37 fm; Güteklasse N: 3. Kl. 3 St. = 1,79 fm, 4. Kl. 15 St. = 13,90 fm, 5. Kl. 3 St. = 3,02 fm. — Schwellenholz 1. Kl. 12 St. = 8,67 fm. Birke, Güteklasse N: 3. Kl. 1 St. = 0,38 fm. Erle, Güteklasse N: 2. Kl. 6 St. = 2,63 fm, 3. Kl. 1 St. = 0,85 fm. Kiefer, Oütetl.N: la-Kl. 5 St. = 0,58 fm, Ib-Kl. 4 St. = 0,55 fm, 2a-Kl. 25 St.. = 12,43 fm, 2b-Kl. 29 St. = 23,95 fm, 3a-Kl. 13 St. = 15,92 fm, 3b-Kl. 3 St. = 6,33 fm, 4a-Kl. 1 St. = 2,46 fm, 5. Kl. 1 St. -- 2,16 fm; Gütekl. F: 2a-Kl. 8 St. = 3,95 fm, 2b-Kl. 7 St. = 4,93 fm, 3a-Kl. 9 St. - 8,72 fm, 3b-Kl. 2 St. = 1,04 fm, 4a--SL 1 St. = 0,57 fm. Lärche, ©ütetl.N: la-Kl. 2 St. = 0,35 fm, Ib-Kl. 4 St. = 1,14 fm, 2a-Kl. 3 St. = 1,04 fm, 2b-Kl. 1 St. = 1,33 fm, 3b-Kl. 1 St. = 2,61 fm; Gütekl. F: 2a-Kl. 1 St. = 0,31 fm. Fichte, Gütekl. N: la-Kl. 3 St. -- 0,55 fm, lb-Kl. 43 St. = 13,77 fm, 2a-Kl. 37 St. = 25,05 fm, 2b-Kl. 24 St. - 25,74 fm, 3a-Kl. 11 St. = 14,86 fm, 3b-Kl. 7 St. = 15,83 fm, 4a-Kl. 4 St. = 8,04 fm, 4b-Kl. 2 St. = 6,61 fm; Gütekl. F: lb-Kl. 1 St. = 0,25 fm, 2b-Kl. 3 St. = 3,50 fm, 4b-Kl. 1 St. = 1,75 fm. Douglasfichte, Güteklasse N: la-Kl. 17 St. - 1,86 fm, Ib-Kl. 5 St. = 1,21 fm, 2a-Kl. 1 St. - 0,42 fm. II. Derbstangen. Fichte: 1. Kl. = 20 St. und 2. Kl. - 45 St. (aus Forstort Schönberg 4a). 3386V Es wird gebeten, das Holz vor der 23er» steigerung zu besichtigen, da spätere Einwendungen nicht berücksichtigt werden. Stammholzauszüge sind ab Freitag, den 2. Mai, gegen Erstattung der Schreib- aebühr, beim Forstamt erhältlich. Nähere Auskunft durch die zuständigen Herren Förster und das unterzeichnete Amt. Homberg (Oberh.), den 29. April 1930. Hessisches Forstamt Homberg. Donnerstag, den 1. Mai 1930, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im „Löwen", Neuenweg, dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: einen Ofen, eine Registrierkasse, drei Kassenschränke, zwei Schreibmaschinen, einen Küchenschrank, ein Vertiko, drei Chaiselongues, einen Warenschrank, vier Büfetts, drei Diwane, einen Lederklubsessel, zwei Betten, einen Schrank, zwei Nachtschränkchen, eine'Friseurtoilette, ein Sofa, einen Schreibmaschinentisch, eine Truhe, eine Eismaschine, einen Schreibtisch, sechs Sessel, zwei Tische, drei Stühle, einen Spiegel, ein Schlafzimmerbild, drei Ladentheken, 500 Scheuertücher, 100 Kokosbesen, zwölf Roßhaarbesen, 27 Paar Damenhalbschuhe, 24 Paar Herrentourenstiefel, zehn Paar Herrenhalbschuhe, ein Rindchen. 3391D Bestimmt: einen Schweißapparat, fünf Blatt Sohlleder (29 kg). Nern Gerichtsvollzieher in Gießen. Versteigerung. Donnerstag, den 1. Mai. von 2 Uhr ab. versteigere ich Brandgasse 3: 02899 Litzen, Spitzen, Knöpfe, Monogramme, zwei Radioapparate, zwei Fahrräder, ein Damenrad, Schränke, Tische, Stühle, ein Sofa, zwei Küchen, einen Schlag- Hammer, eine Kettenwaage, einen Regulator, Wasch- und Nachttische usw. ö. Benner H, Monntot unö NM. Annahme von Dersteigerungsgut (Möbelstücke erwünscht). sohle und Hochferse 1.75 •Größe 1 la Trikot. Silberstempel 2.75 . Stahl Größe 1 kräftiger Trikot Größe 1 porös 0.75 3.50 3.15 2.75 2.35 1.95 Gießen Bahnhofstraße 14 Seltersweg 31 2719 A Damen-Sportstrümpfe besonders kräftige Qualität Damen-Taschentücher weiß Mako mit Hohlsaum •• Herren-Phantasie-Socken neust. Jacquardmuster, 1.45.0.95 Damen-Strümpfe feinste künstliche Seide, Doppel- Herren-Netzjacken kräftige Qualität Größe 4 bis 6........... jede weitere Größe 10 Pf. mehr Knaben-Sporthemden la Zephir, offen und geschlossen zu tragen Söckchen farbig, mit buntem Rand ... Gr. 3 jede weitere Größe 5 Pf. mehr jede weitere Größe 10 Pf. mehr Mfldchen-Leibchen Damen-Unterkleid passend zum Schlüpfer, feinste künstliche Seide, maschenfest..... Damen-Schlüpfer la Charmeuse, doppelter Schritt maschenfest...................... Damen-Unter kleid passend zum Schlüpfer, la Charmeuse, maschenfest mit Spitze.... jede weitere Größe 10 Pf. mehr Kinder-Schlüpfer feinste künstliche Seide, maschenfest, in schönen mod. Farben, Gr. 1 jede weitere Größe 15 Pf. mehr MAdchen-Unterkleider feinste künstliche Seide, maschenfest, in schönen mod. Farben, Gr.50 jede weitere Größe 20 Pf. mehr Kinder-Hemdhosen Selbstbinder Foulard, nur neueste Dessins. 2.25 Damen-Handschuhe Waschleder-Imitation Schlupfform....................... Damen-Handschuhe feinste künstliche Seide, in allen modernen Farben................. Damen-Schlüpfer feinst^ künstliche Seide, doppelter Schritt............................. Damen-Strümpfe laSeidenflor, Florseta,4fache Sohle besonders haltbar................. Damen-Strümpfe Orig. Bemberg.nurin den neuesten Modefarben, Goldsteropel 2.95, Damen-Strümpfe Mako - Ausrüstung, in modernen Farben............................. Kniestrümpfe, kräftige Qualität mit farbigem Umschlagrand, Gr. 3 jede weitere Größe 10 Pf. mehr Kinder-Strümpfe kräftige Qual., grau u. beige, Gr. 1 jede weitere Größe 5 Pf. mehr Kinder-Strümpfe echt ägypt.Mako, grauu-beige, Gr.l jede weitere Größe 10 Pf. mehr Kinder-Schlüpfer Sporthemden weiß Panama, offen u. geschlossen zu tragen.......................... Halbsteife Kragen Hefro. äußerst bequem, einfache Wäsche.....................0.75, Herren-Hosen porös, kräftige Qualität, weiß und gelb.................Größe 4 bis 6 Herren-Hemden weiß, kräftiger Trikot m. modern. Einsätzen...........Größe 4 bis 6 Oberhemden la Trikolette mit Kragen, nur in neuen Dessins.................... Sporthemden la Oxford mit festem Kragen und Krawatte.......................... 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