180. Jahrgang Montag, 29. Dezember 1930 vr. 303 Erster Statt GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Vrvck vnd Verlag: vrühl'lche Universirätr-Vuch. mö Stetaönuferei 8. Lange tn Gießen. Schttftlettung und Sefchastrftelle: Zchulittaße r. Annahme oon Anzeigen für die Tagesnummer Die zum Nachmittag vorher. Prell für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Ne« klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Rcichspfennig, Platzvorschrist 20" , mehr. Chefredakteur Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Max Filter, fümtlich tn Gießen Erich ciwi täglich,outzer Sonntag« und Feiertag» Beilagen vle DDaftrttrte Gießen« Famtlienblättei tzermat im Bild Die Scholle Monali Sezugsvreti: 2.20 Reichsmark und 30 Neichspfennlg für Träger» lohn, auch bet Nichter« Beinen mnzelnerNummern folge höhere! Gewalt. Zerafprechanlchlüße anterSammelmunmer22S1 »nschrist für Drahtnach« richten Anzeiger Oietze». poßscheckkonto: Kra-Nvrt am Main NS«. Grenz- und ausianddeuische Lahresschau. Don Dr Karl <£. von Loesch, Vorsitzendem des Deutschen Echutzvundes. I. Auf der ersten Tagung des Dölkerbundsrates Im neuen 2ahre steht die Klage zur Verhandlung, die daS Deuts cyeReich gegen Polen erhob: wegen Verletzung des (Senser Abkommens und des internationalen Minderheitenschutzver- tragcs durch brutale Terrorisierung der deutschen Minderheit Cs ist daS erstemal in der Geschichte des Völkerbundes, daß ein Staat den anderen unmittelbar zur Rechenschaft zieht — bisher lenkten Staaten nur die Aufmerksamkeit aus Petitionen der Minderheiten. ' Dieser Vorgang kennzeichnet die Gesamtlage der MinderhcitsvolkS- gruppen zehn Jahre nach Versailles! Roch immer Kamps gegenüber Willkür von Staat oder Staatsvoll, noch immer Verlust an volklichem, kulturellem und wirtschasllichem Gut! Der große Gewinn, der dem Gesamtvolke trotz Entrechtung und Bedrückung zufiel: die Selbstbesinnung auf die eigene Einheit und SchicksalSverbundcnheit — ist im Zeichen deS AotstandeS weiter gewachsen; doch an fast allen Grenzen drängt sremdeS DolkStum nach wie vor gegen deutsches Dolksgebiet und Besitztum vor. sucht es zu übersremden oder zu zersetzen. Es ist sestzustellen, daß auch das vergangene Jahr 1930 dem Grenz- und AuslandS- veutschtum keine Besserung gebracht hat. Der Druck von selten der „Staatsvölker" wurde stärker. Zum zehnten Wale jährte sich die Zeit der Volksabstimmungen. Mit Recht wurden diese AbstimmunaSgedenktage in Schleswig, Ost- und West Preußen und Kärnten festlich begangen, waren sie doch Siege deS deutschen Do Usbeken n tn iss eS über Machtansprüche der Gegner, wenn auch nur innerhalb eng- gezogener Grenzen. Wo Volksbefragungen zu- gelassen und wirklich durchgeführt wurden, ergaben sich (außer in dec ersten, freilich künstlich abgegrenzten nordschieSwigschen Zone, wo am 10. Februar 1920 die Mehrheit der Bevölkerung für Dänemark stimmte) unzweiselhaste deutsche Mehrheiten, so am 14. März 1920 in der zweiten Zone Rordschleswigs, wo sich 51724 deutsche gegen 12 800 dänische Stimmen für daS Verbleiben beim Reiche entschieden; so im östlichen Abstimmungsgebiet, wo sich die überwältigende Mehrheit zu Deutschland bekannte und Die Polen in den westpreußischen Kreisen nur 7,5 Prozent der Bevölkerung, im Bezirk Allen- ft ein, der nach polnischer Auffassung fast ausschließlich von Polen bewohnt wurde, gar nur 2,5 Prozent aufbringen konnten; so in Kärnten, wo in der Abstimmungszone A 37 304 Stimmen für Oesterreich und 22 025 für Südslawien abgegeben wurden und auf Grund dieses Endergebnisses die Abstimmung in der Zone B ausfallen mutzte. . Diese Abstimmungen bestätigten die Deutsch- he i t der umstrittenen Gebiete und rührten damit zugleich über die den einzelnen Volksbefragungen von den Pariser Machthabern gesetzten Grenzen hinweg an die Berechtigung der Gesamtbe- stimmunaen der Friedensdiktate. Die kommende Abstimmungsseier in Oberschlesien im März 1931 -- sie sollte als gesamtdeutsche Ab- fchlutzseier ousgestaltet werden — wird freilich im Zeichen des Schmerzes über die ungerechte Teilung Oberschlesiens stehen, wie überhaupt der Schmerz um die abstimmungslos entrissenen Gebiete als Wermutst^opfen in den Freudenbecher fiel. DaS Abstimmungsergebnis ist vor allem für den deutschen Anspruch auf diese den Polen ohne 2lbstimmung zugesprvchenen Gebiete im Osten wichtig. CS sollte in der deutschen Oeffent- lichkeit als Beweis für die Rotwendigkeit der Revision der O st grenze mehr als bisher genutzt werden. Warum wurde am ll.GuIt nicht auch im übrigen Westpreußen, im Eoldauer Zipfel und im Retzegau abgestimmt? Eine solche erweiterte Volksabstimmung hätte genau so unwiderleglich erwiesen, daß die Bevölkerung in den von Polen beanspruchten Gesamtgebieten in ihrer Mehrheit deutsch und deutschgesinnt war. Der deutsche Rechtsanspruch auf das Land. daS 1920 keinesfalls .von einer unbestritten polnischen Bevölkerung" bewohnt war, ist auch dadurch nicht zu beseitigen, daß Polen nachträglich mehr oder minder gewaltsam rund 750000 deutsche Menschen aus diesen Gebieten vertrieben hat. Die deutsche 'Forderung auf Revision der Ostgrenze besteht nicht nur wirtschaftlich und politisch sondern auch volkspolitisch zu Recht. Der Revisionsgedanke, die Erkenntnis der lln- haltbarkeit der Versailler Grenzziehung, hat sich in der internationalen Oesfentlichkeit, wenigstens Dort wo der Wille zur Wirllichkeit und Wahrheit vorhanden ist. weiter durchgesetzt. Wenn wir gleichzeitig feststellen, daß sich insbesondere in Polen der Druck auf die deutsche Minderheit verschärft hat. so hängt auch das mit der Der- breiterung des Revisionsgedankens, mit dem Unbehagen zusammen, das Polen vor den Stimmen des Rechtes verspürt. Wir brauchen im einzelnen nicht auf die ungeheuerlichen Mißhandlungen, welche die Deutschen in Polen während des Wahlkampfes erleiden mußten, einzugehen. Sie sind von de» deutschen und internationalen Presse Vorbereitungen für Gens. polens Verbündete. Der französische Außenminister B r i a n b hat die Stille der Weihnachtstage benutzt, um,mit den diplomatischen Vertretern befreundeter Mächte, namentlich aber mit dem polnischen Gesandten einige Unterhaltungen über die bevorstehende Ratstagung 3u führen. Man darf wohl annchmen, daß diese Besprechungen bereits zu einer vollen Verständigung über die von Frankreich und seinen Verbündeten in Genf einzuschlagende Taktik geführt hat. Zweierlei steht im Vordergrund des Interesses: Einmal die Abrüstung, von der die Herrschaften in Paris ebenso wenig wissen wollen wie in Warschau, Prag, Belgrad oder Brüssel; zum anderen liegen die deutschen Mindcrhe.i- tenbeschwerden vor, die besonders den Polen, aber auch einigen anderen östlichen und südöstlichen Freunden Frankreichs unangenehm sind, weil bei dieser Gelegenheit das Minderheitenproblem gründ- s ä tz l i ch angepackt werden kann. Das aber gilt es zu verhindern. Infolgedessen werden wir damit redp neu müssen, daß in Genf mit allen nur denkbaren Winkelzügen gearbeitet wird, um unsere Beschwerde ohne viel Geräusch zu den Akten legen zu. können. Die französische Presse hat sich ja durch Herrn Z a l c s k i, den polnischen Außenminister, dahin unterrichten lassen, daß die Reichsregierung völlig falsch informiert worden sei und daß das Wahlergebnis ja gezeigt habe, welche Fort- schritte die Entgerrnanisierung nach Ausschaltung der deutschen Propaganda in Ostoberschlesien und Posen gemacht habe. Mit derartigen Hinweisen und Behauptungen läßt sich natürlich unsere wohlbegründete Anklage nicht einfach beiseite schieben. Wir werden im Gegenteil nachdrücklichst verlangen, daß endlich für das Minderheitenproblem eine zufriedenstellende Lösung gefunden wird. Aus diesem Grunde ist es auch verständlich, daß der Reichsaußenminister auf den Ratsvorsitz verzichtet hat. Rur so kann er sich wirkungsvoll unserer Volksgenosien jenseits der deutschen Grenzen annehmen. Oberschlesien zum Zaleski-Interview. Deuthen. 28. Dez. (CAB.) Die oberschlesi- scheu Zeitungen befassen sich ausführlich mit dem Interview. daS der polnische Außenminister 3 a- leffi einem Mitarbeiter des Pariser „Malin" gewährt hat und in dem er sich in einer gegen Deutschland gerichteten aggressiven Form über die Zwischensälle bei den ost oberschlesischen Wahlen äußerte. Die oberschlesische Zentrumspresse erklärt u. a., es sei eine Herausforderung, wenn der polnische Außenminister sage. Deutschland rolle die Minderheitenfragen auf. Gerade das Gegenteil sei der Fall. Die brutale Knechtung und Mißhandlung der deutschen Minderheit, die systematischen Verletzungen eingegangener Verträge durch Polen sei die Tlrsache dafür, daß die Dölkerbundsratstagung im Januar sich mit der Frage des Minderheitenschutzes für die Deutschen im abgetrennten Gebiet belassen müsse. Wenn jetzt gesagt werde, Deutschland betreibe den Minderheitenschutz nur als Mittel zum Zweck der Grenz- revislon, so wisse jeder, daß hier nur die polnische Propaganda dahinterstecke. Sie wolle damit die öffentliche Meinung beunruhigen, als ob eine Behandlung des versagten Minderheitenschutzes die allergrößten Konsequenzen für den Frieden haben müßte. Demgegenüber müßte man klipp und klar erklären, daß es sich nur um die Frage handele, wie Polen das Recht verletzt habe und wie diesen Rechtsbrüc^n gegen die deutsche Minderheit wirksam ein Ende bereitet werden könne. pariser Angstpropaganda. Törichte Kommentare zu einem Artikel des Prälaten Kaas. Paris, 28. Dez. (ERB.) Ein Vorwort, das der Reichstagsabgeordnete K a a s für ein Werk über die Außenpolitik Deutschlands geschrieben hat, beunruhigt den „Temps" und das »Journal des Dsbats". Beide Blätter benutzen die Gelegenheit, um die politische Stimmung in Deutschland in überaus pessimistischem Sinne darzustellcn. So schreibt der „lemps": Alle deutschen Staatsmänner, ob eingehend behandelt worden. Die verdeutlichen genau so wie die zahlreichen Prozesse, die im vergangenen Jahre den deutschen Führern gemacht wurden, die allgemeine Rechts - Unsicherheit, die in Polen herrscht, die brutale Verletzung der Verträge in einem Lande, das aus Grund der von ihm angewandten Methoden kaum noch zum gesitteten Europa gerechnet werden kann. Durch die deutsche Beschwerde ist der Völkerbund erneut an die von ihm übernommene Verpflichtung gemahnt worden, den Schuh der Minderheiten endlich sicherzustellen. Letzten Endes aber unterstreicht die rechtswidrige Behandlung der deutschen Minderheit die Notwendigkeit der Revision .unhaltbarer Verhält niss c". Auch im Memelland erwies die Entwicklung. wie wenig der der Memelkonvention zu- grunbeliegcnbe Rechtsgedanke praktisch Boden gewonnen hat. Während der Döllerbundsrot sich im September in Genf mit dem fortgesetzten Bruch des Memelstatuts beschäftigte, gab die litauische Regierung ihren Gesetzen zur völligen Ausschaltung der vertragsmäßigen Autonomie sie rechts, in der Mitte oder links stehen, wollen die Wiederherstellung der deutschen Macht in der Welt. Sie sordcrn Revision der Verträge, Abänderung der Ostgrenzen, allgemeine Abrüstung oder das Recht filr Deutschland, sich ungehindert au bewafsnen, und endlich den Anschluß oder besser gesagt, die Annektion Oesterreichs. Die Meinungen weichen in der Frage der Mittel, die man zur Durchschrcitung der einzelnen Etappen anzuwenden habe, voneinander ab. Das Journal des Döbats", das Organ des Schwer- industriellen de Wendel, sieht schon eine neue Aufteilung Polens und auch die Annektion Oesterreichs, natürlich auch die Wiederaufrüstung Deutschlands voraus. Wenn das, so ruft das Blatt aus, realisiert würde, dann würde man sich einem stärkeren Deutschland gegenüber befinden, als dem von 1914. Man müßte besonders naiv sein, wenn man sich einbilden könnte, daß Deutschland, wenn es dieses Ergebnis batte, sich nicht in sehr aktiver Weise auch für seine W e st grenze interessieren würde. Rach dem Blatt müßte man von deutscher Seite der Welt den Glauben beibringen, daß die Stillung des deutschen Appetits das einzige Mittel fei, den Frieden zu bewahren. Kaas vergleiche Deutschland mit Sim so n. Er erkläre, daß der Tag kom- men werde, an dem es als Gefangener des Frie- densoertroges wie der biblische Held die Säulen seines Gefängnisses Niederreißen werde. Es fei nicht Hitler, der dies aussprach, sondern der Führer des Zentrums. Müsse Frankreich daraus die Schlußfolgerung ziehen, daß man Simfon nicht handeln lassen dürfe, sondern ihn bewachen und die Tragsäulen, die er umreiben wolle, verstärken müsse. Bei den erwähnten Auasührungen des Prälaten Kaas handelt es sich um sein Vorwort zu der in diesen Tagen erschienenen Schrift des Außenpoli- tikers der „©ermania", Hagemann. Der Zentrums- führer kennzeichnet in seinem Vorwort das Verhältnis zwischen Außen- und Wirtschaftspolitik, die Erscheinungen des Radikalismus als eines Nutznießers eines außenpolitischen Stillstandes oder Rückschritts und die Notwendigkeiten der deutschen Revisions. und Abrüstungsansprüche in durchaus gemäßigten Worten. Er gelangt dabei zu der Schlußfolgerung, daß eine friedliche Udo« lutionspolitik die unbedingte und einzige Möglichkeit nicht nur für Deutschland, sondern auch für die übrige Welt sei, hält aber mit seinen Besorgnissen nicht zurück. Die Hypothese von der Erreichung einer physischen und psychischen Belastungsgrenze und von den Folgen, die eintreten, wenn sich „die Simson- Tragödie im Politischen wiederholt", ist keineswegs in den Ausführungen des Zentrumsführers als ein erwünschtes oder drohendes Ereignis, sondern a l s die letzte tragische Konsequenz fortgesetzter Verbohrtheit und Verstand- nislosigkeit auf der Gegenseite erwähnt. Rur ein besonders schlechtes Gewißen kann bei verantwortungsbewußter Prüfung der tatsäch- lichen Ausführungen des Prälaten Kaas daraus deutsche Zielsetzungen entnehmen, wie sie vom „Temps" und vom „Journal des Döbats" behauptet werden. Der Reichskanzler zur Zahreswende. Berlin, 29. Dez. (TDTB. Funkspruch.) Reichs- kauzlcr Dr. Brüning hat dem Herausgeber der wohlsahrkskorrespondenz, Ernst Börschel, eine Zu- schrist zugehen lassen, in der cs heißl: Auch dieses Jahre» Ende trifft da» deutsche Volk bei der Er- kenntnls. daß es schwere Monate durchzumachen hat. Die Deltwirtschaftskrife, die alle Staaten ersaßt hat, trifft e» nach den Entbehrungen der Rachkriegs- und Znslationsjahre besonder» stark. Aber fester Wille, Selbstzucht und Bereitschaft zum gemeinsamen Tragen können und werden un» Helsen, wenn wir die schlimmen Zeiten benutzen, um Mißbräuche abju ff eilen, die sich in unser gesellschaftliche», soziale» und politische» Leben eingeschlichen hotten, wenn wir nötige Reformen heute unter dem Drucke der Rot kraftvoll oorantrelben. dann ziehen wir die rechten Lehren. And wenn wir jetzt, wo un» gemeinsame» Schicksal die engste Verbundenheit aller Schichten und Stände deutlich beweist, uns als ein Volk fühlen lernen, dann werden zugleich die seelischen fträfte lebendig, die die besten Bürgen einer schöneren Zukunft sind. Der VDA. an die deutsche Jugend. Ein Aufruf zur Jahreswende 1930/31. Berlin, 27. Dez. (TU.) Der Verein für bas Deutschtum im Ausland erläßt zur Jahres- wende den nachstehenden Ausruf: „Zehn Fahre eines neuen Europa liegen hinter uns. In diesen zehn Jahren hat man daran gearbeitet, die Verwüstungen des Weltkrieges zu beseitigen, eine neue Ordnung im Zusammenleben der Völker zu finden. Die Erörterungen und Vorverhandlungen über diese neue Ordnung der Friedensverträge standen unter dein Gedanken „S e l b st b e st i m m u n g s r e ch t" für alle Völker, Freiheit der Sprache und K u l t u r für jeden Menschen und jede Volksgruppe. Für unser deutsches Volk sind diese Hoffnungen noch nicht annähernd verwirklicht. In 21 Staaten Europas lebt es, zerrißen und zerstückelt, in staatlichen und kulturellen Ordnungen, die es nicht frei gewählt hat. Du, deutsche Jugend im Reich, bist ein Teil des deutschen Gesamt volkes. Du siehst Millionen deiner Kameraden, deiner Alters- und Volksgenossen, in der weiten Welt leben, in fremder Umgebung, unter fremden Fahnen, als Staatsbürger fremder Staaten, aber auch als Dolksbürger unseres weltweiten deutschen Volkes. Deine auslandsdeutschen Kameraden wollen und müßen nun ebenso wie du deutsche Bildung, Erziehung in der deutschen Slutter- spräche, Anteil an unserem deutschen des Wemelgebietes die letzte Form. Und wenn dann auch in direkter Aussprache zwischen dem reichsdeutschen und dem litauischen Außemninister die in Gens voraebrachte Memelbeschwerde insofern ..vorläufig' erledigt wurde, als Litauen sich verpflichtete, nunmehr für vertragsmäßige Zustände zu borgen — die gegebenen Versprechungen wurden nur unzureichend eingelöst, so daß die Mcmelsrage erneut vor den Völkerbund gebracht werden muß. Mit Recht hob der „Man- chestcr Guardian" hervor, daß die Verletzung der Wemelkonvention nicht nur den Völkerbund, sondern auch di« Signatarmächte dieser Konvention vom 8. Mai 1924 an ging« und diese veranlassen mühte, eine neue Lösung zu finden, ilnb wenn der „Manchester Guardian" hinzusügte. daß die beste Lösung darin bestehe, den Einwohnern das Recht zu geben, unter Leitung deS Völkerbundes durch Volksabstimmung über ihr« Zukunft zu entscheiden, so ist damit eine Lösung angedeutet, ohne die auch in diesem Dell des Ostens kein« dauernde Befriedung möglich ist. Kulturleben erhalten und behalten, wenn sie sich als Teile unseres Gesamlvolkes empfinden, als unsere Brüder und Schwestern an unserem gemeinsamen Schicksal mitwirken sollen. Dazu reichen die heutigen deutschen Kultureinrichtungen im Aus lande nicht aus. Eure Kameraden können oft kaum noch das notwendigste Deutsch lesen und schreibe» lernen! Künstlich erschwerte Priisungsvorschristen, Sperrung vieler Berufe, Ausschluß von Bildungsmöglichkeiten zeigen die Gefahren für sie: Herunter- sinken von der Höhe deutscher Bildung, Zurückbleiben im Kamps ums Dasein aus aMngel an geistiger Schulung, Verlust der starken, innigen Verbundenheit mit den Gütern unseres Volkstums, Rückgang des deutschen Kul- turbewußtseins! Deutsche Jugend im Mutterland! Vergiß sie nicht, die das Schicksal der Vergangenheit oder Gegenwart in die weite Welt geführt hat! Hilf dazu, sie beim Deutschtum zu erhol- ten als unsere besten Freunde draußen in der Welt! Schließe dich zusammen in den Gruppen des VDA., der eine planmäßige, tatkräftige Betreuung der ouslandsdeutschen Kultureinrichtungen seit vielen Jahren durchfuhrt! Diene damit dem Gesamtvolke jenseits des parteipolitischen Kampfplatzes auf dem großen Felde der Kulturarbeit! Rur bewußte Be schränkung auf diese Sonderaufgabe kann hierbei größtmögliche Erfolge bringen!" Teure Diplomatie. Kostspielige dcutscheBertrctungen in Nord- und Südamerika. Berlin, 27. Dez. lBD.) Die Aufwendungen der großen Staaten für die Pflege ihrer internationalen Beziehungen sind recht groß, da sie ihren Diplomaten ein Gehalt aussehen müff«n dos dem gehobensten Lebensstandard des betreffenden Landes entspricht. Die höchsten Aufwendungen macht Deutschland nicht für einen Botschasterposten, sondern für das Gehalt des Gesandten in Buenos Aires, der nach der bisherigen Regelung ein Jlahresgehalt von 127 000 QKarf bezieht. Der sehr teure Boden dieser füb- amerikamschen Hauptstadt und die Bedeutung de» Postens für Deutschland, um dessen Umwandlung in einen Botschasterposten seit langem ein Kampf geht, erklärt die Spitzenstellung des Gesandten in Buenos Aires. Es folgt dann der deutsche Botschafter in W a f h i n g to n mit einem Gehalt von rund 126 000 OHL Amerika ist für da« AuSwäi> tige Amt überhaupt «tn sehr kostspielige- Feld, denn unter den Generalkonsulaten steht daS von Reuyork yit 54 000 Mk. Gehalt für den Generalkonsul an erster Stelle, während der Generalkonsul in Chicago 46000 Mk., imd der Konsul in Boston 39 000 Mk. beziehen. In der Reihe der Botschaftergehälter folgt nach Washington Londo n mit 117000 Mk.. Madrid mit annähernd der gleichen Summe. Moskau mit 113000 Mk. Gehalt, und die beiden Botschafter in Rom mit je 104 000 Mk.. während der Botschafter in Tokio ein Gehalt von 100 000 Mk. erhält. 3m ganzen sind es sieben Posten des auswärtigen Dienstes, die mit 100 000 Mk. und mehr dotiert sind. Selbstverständlich müssen auch die Gehälter des übrigen Dotschafterpersonals denen des Botschafters angepaht sein. So erhält der B o t s ch a f t s - r a t in Washington 47 000 Mk.. also damit wesentlich mehr als z. D. der deutsche Gesandte in Kowno. der mit 33 000 Mk. durchkommen mutz. So hoch die Gehälter im einzelnen erscheinen mögen. so darf man nicht vergessen, datz die Diplomaten gezwungen sind, sich in gewissen Grenzen den Aufwendungen der führenden Oberschicht des betreffenden Landes in ihrem gesellschaftlichen Leben anzupassen. Die innerpolitische Lage. Parteien und Nationalsozialismus. Das Programm des Reichskanzlers. Berlin, 27. Dez. Es war schon seit langem anzunehmen, daß die innerparteilichen Auseinandersetzungen bei bester Gelegenheit wieder aufflackern würden. Manche Auslassungen führender Partei- Vertreter zum Weihnachtsfeste lassen nun darauf schließen, daß im Zusammenhang mit der Stellung zum Nationalsozialismus bald nach Neujahr neue Spannungen aufkommen werden, die nach mancher Richtung hin für die weitere Entwicklung der Parteien von entscheidender Bedeutung sein dürften. In politischen Kreisen rechnet man jedenfalls damit, daß nach Beendigung der Genfer Ratstagung vor allem im Streite um die Außenpolitik eine neue innerparteiliche Spannung aufkommen wird, die vor allem b e i der Bolkspartei eine große Rolle spielen dürfte, insofern, als in dieser Partei bestimmte Kreise auf eine Annäherung an den N a - tionalsoziali smus drängen, und in diesem Zusammenhänge auch eine Veränderung im Reichsaußen mini st erium verlangen. Weihnachtsauslassungen des Generals von Seeckt, in denen er ohne Einschränkung für eine Zusammenarbeit- mit den Nationalsozialisten eintritt, werden aber nicht als Ansicht der ganzen Dolkspartei gewertet. Die Nationalsozialisten selbst lehnen jedoch eine Regierungsbeteiligung ab, sie wollen zunächst auf Neuwahlen hinarbeiten, von denen sie sich ein weiteres Anwachsen versprechen, wobei sie auch einen großen Wert auf das angekundigte Volksbegehren in Preußen legen. Der Reichskanzler ist entschlossen, unabhängig von allen Parteien sein Sachprogramm durchzuführen. Er wird im Februar die Etatsberatungen des Reichstages abwarten, dem zu gleicher Zeit verschiedene weitere Gesetze vorgelegt werden, die das Reichskabinett zur Ergänzung seines Sanierungsprogramms in der zweiten Hälfte des Januar verabschieden will. Die Inkraftsetzung dieser Gesetze soll unter allen Um st an den durchgesetzt werden, doch wird die Entscheidung darüber, ob auch diesmal wieder außergewöhnliche Mittel in Anwendung gebracht werden müssen, erst dann fallen, wenn sich die Lage im Reichstage einigermaßen überblicken läßt. Das personal der Sozialversicherungen. Berlin. 27. Dez. (BD.) Die vielseitigen Aufgaben der deutschen Sozialversicherung zwingen den Staat für diese Zwecke einen ausgedehnten Beamten- und Angestelltenstab »-> erhalten, der nach einer Feststellung des Deuts hm Beamtenbundes insgesamt etwa 50 000 Personen ausmacht. Die Arbeitslosenversicherung verfügt Gießener Stadttheater. Maurice Rostand: „Der Mann, den sein (Gewissen trieb". Dieses Schauspiel* von Rostand, dessen Urform eine schon dor mehreren Jahren erschienene Novelle ist, muß zu den wertvollsten und ernsthaftesten Bühnenwerken gezählt werden, die in letzter Zeit aus Frankreich bei uns einaeführt worden und auf dem Theater erschienen sind. Hier haben wir die Kundgebung eines wirklichen Dichters und eines vorbildlich gütigen und reinen Menschen, dem kein anständig denkender, ehrlich und vernünftig empfindender Zuhörer Achtung und Anerkennung wird versagen dürfen. Dieses Drama entstand aus einer leidenschaftlichen und lauteren Gesinnung, die in klarer Erkenntnis der politischen und kulturellen Nöte unserer zerrissenen und aufgewühlten Zeit den starken Willen bekundet, zu helfen, zu bessern, zur gegenseitigen Verständigung und Annäherung beizutragen und einen Weg zu weisen in eine befriedete Zukunft. Es ist kein Zweifel, daß gerade heute viel Mut zu einer derartigen Kundgebung gehört — in einer Zeit, wo man weniger denn je bereit scheint, Meinungsverschiedenheiten politischer oder weltanschaulicher Art mit friedlichen und ritterlichen Mitteln, in anständiger und geistiger Form auszutragen und beizulegen. Zu solchem Mut gesellt sich — bei aller Hinge- gebenheit an die Idee, die hier vorgebracht und verteidigt wird — eine geradezu vorbildliche Objektivität, welche leidenschaftslos bemüht ist, beiden „Parteien" gerecht zu werden, die sich hier gegen- übertreten. Was das bedeutet, wird jeder einsehen der sich klarmacht, daß die „Parteien", in diesem Falle Deutsche auf der einen und Franzosen auf der anderen Seite sind. Und obwohl Rostand Fran- zose ist, hat er es verstanden, die Sache des Friedens und der Verständigung feindlicher Völker so zu führen, daß hüben wie drüben die (selbstver- ständliche) Haltung nationaler Würde nirgends ver- letzt wirb. Der Mann, den fein Gewisien trieb, ist em junger Franzose Marcel, der im Kriege (bewußt * in einem Vorspiel und drei Akten; für die Bühne bearbeitet von Karl Lerb s; Drei-Masken- verlag A.-G„ «Berlin N24. — (397 ) über 15 000 Arbeitskräfte bei 17,5 Millionen Versicherten. Die Angestelltenversicherung zählt 900 Beamte bei 3.4 Millionen Versicherten und die Invalidenversicherung rund 5000 Beamte, die 18 Millionen Versicherte zu betreuen haben. In derKrankenversiche- rung sind 22 000 Beamte beschäftigt, während 22 Millionen Versicherte erfaßt werden. Man hat ausgerechnet, datz von 20 Beamten im Iahr 160 000 Personen abgesertigt werden. Es folgt dann schließlich noch die Llnfallversiche- rung, die 5700 Personen zählt und annähernd 26 Millionen Versicherte aufweist. Die Trauerfeier für Eduard David. Berlin, 28.Dez. (WTD.) In der Halle des Parkfriedhvses zu Lichterfelde fand die Trau-r- feier für den verstorbenen Reichsminister a. D. Dr. David statt. Reichskanzler a. D. Muller zeichnete das Lebensbild des Verewigten als eines Kämpfers, Politikers, Staatsmannes, eines lauteren und ehrenhaften Menschen, verläßlichen Freundes und treuen Kampfgefährten. Reichs- wehrminister Dr. G r o e n e r widmete dem Verstorbenen namens der Reichsregierung einen letzten Gruß und legte einen Kranz am Sarge nieder. Dr. Groener unterstrich die vaterländische Gesinnung, die der Verstorbene mit der Wahrung seiner parteipolitischen Lleberzeugungen in vollkommener Einheit zu verschmelzen wußte. Reichstagspräsident Lobe sprach im 21 amen des Reichstags, der Interparlamentarischen Union und des Verbandes für europäische Verständigung. Der hessische Reichsratsbevollmächtigte Ruß sprach für den Freistaat Hessen und den Reichsrat. Er gab eine Darstellung der unermüdlichen Wirksamkeit Dr. Davids. Zum Schluß sprach der preußische Innenminister Dr. Seve- ring als Freund des Verstorbenen. Chorgesang beschloß die Feier. Die Beisetzung findet am Dienstag in Mainz statt. beschriebene — lückeickoser Aufbau durch coro! delicti. Ieder von den Angeklagten hat ein bißchen dazu beigetragen, Beihiye geleistet, jede Haussuchung hat eine Kleinigkeit zutage gefördert. Einer nach dem andern muh jetzt aus dem Käfig heraus, dor Seine Exzellenz hintreten und sich verantworten. Iammervolle Gestalten. Gewiß, gefoltert sehen sie nicht aus, aber beileibe auch nicht wie Verschwörer. Iournalistchen letzter Ordnung. Provinzschulmeisterchen mit verschwommenen Ideen, die sie einmal in „Politik" umzusehen glaubten. 2kibe Frauen harmlos bis zur Peinlichkeit. Die alte Dame hat einen Brief voll des Dankes und der Bewunderung an Mussolini geschrieben, weil er ihr die Hast durch Uebersühren in eine Klinik ersparte, sie bekennt sich darin als leidenschaftliche Italienerin und versichert ihn der unauslöschlichen Zuneigung ihrer ganzen Familie, wenn er Gnade walten lasse. Ein edler Bries, meint der Vorsitzende, ein Brief nobi- lissima, meint der Staatsanwalt und beantragt Freisprechung. Aufatmen. Keiner der Männer bekennt sich schuldig. Was baben sie schon getan? Ihre Gedanken zu Papier gebracht und in ein paar Durchschlägen an Gleichgesinnte verschickt. Essällt der 2lame des Kardinals Schuster von Mailand, an "Ven-einer als fanatischer Katholik geschrieben hat, er könne es nicht verstehen, wie die Kirche die faschistischen Fahnen segnen möge, nachdem doch Mussolini kirchenfeindlich sei. ($8 fällt der Rame einer linksstehenden Berliner Zeitschrift, aus der einer etwas überseht hat. Der letzte der Fünf, ein Telegraphist weint und grüßt faschistisch, ein Lehrer auch. Peinlich, peinlich. Wenn so Verschwörer aussehen, dann kann der Faschismus ruhig schlafen. 2lber der Herr Staatsanwalt! Der erste, der reden kann. Furchtbar fallen seine Worte, wie Schwerthiebe. Die Regierung sei eine Schande, so stehe es in dem Flugblatt. Dis Krone sei gegen die Regierung, das Heer von der faschistischen Miliz kontrolliert, auch der Vatikan warte nur auf den Tag der Befreiung. Alles in den Flugblättern zu lesen. Und dann: dis ausländische Politik! Frankreich werde gelobt, Frankreich! Dagegen sei die faschistisch« Regierung an allem schuld. Rie sei so viel Gs* meinbeit auf einmal zusammengeballt worden, wie in diesem Stinkblatt da. Und das ominöss Blatt fliegt auf den Tisch und die Männer im Käfig bergen den Kops in den Händen. Rui; einer ist bleich, gleichgültig, tuberkulös anscheinend. Sein kurzsichtiger Rachbar putzt die Brille. 15 Iahre! Roch einmal 15 Iahre! 5 Jahre l Hieb auf Hieb. Die Frauen — freizusprechen. Den Telegraphisten und den „Professor" auch, wegen Mangels an genügenden Beweisen. Ungläubig schaut et auf und ringt dann die Hände wie ein weih- nachtsseliaes Kind. Seine' tapfere kleine Frau hat für ihn gesprochen, sie lächelt. Das war die moderne Zeit. Jetzt kommt das alte Rom. Wie komisch, daß man dis Museumsdiener oder Fremdenführer Cicerons nennt, statt den römischen Anwalt. Für jeden Angeklagten reitet jetzt einer heran mit eingelegter Lanze. Ein Schauspiel, ein herrliches Schauspiel. Es sind von Gericht gestellte Q3er- leidiger, sie kennen die Angeklagten kaum, abea sie sprühen vor Feuer, sie geben den letzten Atemrest aus vor Leidenschaft. So muß Demosthenes gesprochen haben, denkt man. Sie donnern und beschwören und schluchzen, sie rufen die ausländische Presse und die italienischen Meere an, sie beneiden die Richter um ihre Möglichkeit, göttergleich Gnade und Freude zu spenden. Ieht braucht es keinen Ofen mehr, alles ist heiß unö hingerissen. Rur nicht das Gericht. Cs verkündet nach siebenstündiger Prozeßdauer seins 3, 15 und noch einmal 15 Iahre. Kettenklirren. Aus. Gespenstisch quadert det Justizpalast in die Rächt. Majors Pabsts Ausscheiden aus der Heimwehrbewegung. Wien, 27. Dez. (WTB.) Die Pressestelle der Tiroler Heimwehr schreibt: Infolge der innerpolitischen Verhältnisse hat sich Major Pabst gezwungen Vor dem römischen Sondergericht. Oie Ovra entdeckt eine Verschwörung. — Käfig und Ketten. — Oer Bries an &ep Ouce. — Gchwarzhemden als dichter. Von unserem römischen ^-Korrespondenten. Rom, Ende Dezember. Rote Eintrittskarte: ausländische Presse. Qln» dernsalls stößt man gegen Karabiner und Bajonette. Ist aber nicht so schlimm wie bei eines Reichstagseröffnung. Der wunderliche Quaderhaufen des Iustizpalastes, den manche grandios finden und das Volk weniger höflich den „Palaz- zacciv" heißt, liegt friedlich im ewigen Blau, das auch heute so lächeln muß und so gleichgültig ist wie die Sterne, die wir besingen. Was schert den Himmel unsere Menschlichkeit? Ich darf mich durch Carabinieri und Milizsoldaten hindurchzwängen, nach Prüfung und Protokollierung der Karte am langen Tisch gegenüber dem Käfig Platz nehmen. So sitze ich neben dem Staatsanwalt und vor den feierlichen Herren, die Verschwörer zu verteidigen haben. Ein guter Platz. Cs sind noch 10 Minuten bis zum Beginn, der auf 3 Llhr angeseht ist, und der ausländischen Pressevertreter sind schon mehr als der einheimischen. Heute soll es Journalisten an den Kragen gehen. Sie haben doch kürzlich von der Ovra gelesen? Wir wußten vorher auch nichts davon. Also, das ist eine Organizzazione Vigilanza Reati Antinazionali, der äieberwachungsaus- schuh für antinationale Vergehen, manche behaupten: antifaschistische müsse es heißen. Rach der Doktrin ist der Faschismus allerdings die Ration. Folglich kein Llnterschied. Die Ovra hat eine im Lande verzweigte Verschwörung gegen das Regime aufgedeckt, die Gruppen Rom und 2krona hatten die Aufgabe, durch Verbreitung von Flugblättern und Aufrufen die bewaffnete Erhebung in die Wege zu leiten. Alleanza Nazionalc nennt sich die Bande, Rationalverband, und die Rädelsführer werden wir gleich sehen. Sie müssen sich darüber klar sein, daß Freund Hein jetzt den menagerieartigen, durch doppelte Gittertüren gesicherten QBagen kutschiert, der sie vor das Tribunale Speciale, das Sondergericht zum Schutze des Staates, bringt. Gesetze zum Schutz einer Staatsform lassen nicht mit sich spaßen. Richts Reues in Italien, aber immer wieder auffallend und bedrückend: der Käfig. Ein mächtiges Gitterwerk, die Stäbe als Hellebarden stilisiert. Darin müssen die AngeNagten Platz nehmen, ganz gleich, ob es sich um gemeingefährliche Rowdies oder ausgezehrte Buchhalter handelt, die man umblasen könnte. Denn es ist nicht bloß wegen des Ausbrechens, sondern auch wegen des hitzigen Publikums. Der Angeklagte darf keinen anderen Schaden leiden als den, den ihm die Justiz an tut, kraft des Gesetzes. Richt lange, klirrt es. Kettenklirren. Fünf Mann sind an eine Kette geschmiedet und trotten im Gänsemarsch an mir vorbei, von sechs Carabinieri in den Käsig geleitet, wo ihnen die Handschellen abgenommen werden. Dann pflanzt sich je ein Carabiniere vor je einem Angeklagten auf, ein Offizier verliest die Ramen, stimmt alles, es kann angehen. Inzwischen hat sich auch Publikum eingestellt, das den Raum an der Türe füllt. Die Tribünen sind durch Anschläge besonderen Kategorien Vorbehalten. Zwei Kronleuchter brennen inmitten steinerner, kalter Pracht. Im Gefängnis, denkt man, muh es jetzt schrecklich kalt sein. Ader auch der Justiz- Palast ist nicht geheizt. Auch die Schulen nicht. 2ttan darf keine nordischen Vergleichs- mahstäbe anlegen. Lastendes Schweigen. Rur zwei Anwälte sind aufgeregt. Die Männer im Käfig — lächeln. Weiß Gott warum. Denken sie an Weihnachten? Ringsum sieht es nicht nach Mitleid und Erlösung aus. Die Carabinieri mit ihrem Festbusch auf dem Rapolevnshut Pflanzen die Bajonette auf, die faschistische Miliz folgt ihrem Beispiel. Ach, sieh da, eine Frau. Gibt es denn so etwas noch? Sie ist klein, rot und unscheinbar. Sie nimmt neben dem Käfig Platz, einer von denen da drinnen ist ihr 2Kann. Natürlich, ja, das ist ja auch eine Angeklagte. Lind es kommt noch eine Frau in diese Versammlung von Männern, eine gebürtige Amerikanerin, die Gattin des Dichters De B o sis. Sieben Söhne hat sie ihrer neuen Heimat geschenkt, einer ist — gefallen, das heißt, er hat ein Flugblatt gegen den Faschismus verfaßt und sollte daher eigentlich unter den Angeklagten fein. Flüchtete aber noch rechtzeitig ins Ausland. Vater geftorben. Die Mutter darf auch neben dem Käfig Platz nehmen. Man merkt: gentilezza. Glockenzeichen. 3 Albr. Türe auf, schmetternde Ankündigung: der hohe Gerichtshof. Seine Exzellenz, der Herr Präsident, Generalleutnant. Sechs faschistische Uniformen, alte, kahle oder weißhaarige Soldaten zumeist. Hohe Orden. Ein martialischer Halbkreis. Schneidende Aufrufe. Der Herr Staatsanwalt in Schwarz,- gelassen und sicher. Anklageschrift und Dernehmungsprotokolle werden deutlich verlesen. Richts fehlt. Wer die Schreibmaschine Hergellehen hat, wieviele Flugblätter verteilt wurden, die auf gefundene Tube Tinte, soundsoviel adressierte Limschläge, 36 un- unb ohne eine zwingende militärische Notwendigkeit) einen jungen Deutschen, Hermann von Hölderlin, getötet hat. Im quälenden Bewußtsein dieser Blut- schuld, von der ihn niemand freizusprechen vermag, reist Marcel nach dem Kriege nach Deutschland, um die Angehörigen des Getöteten (de fen Namen er zufällig erfuhr) aufzusuchen, ihnen ein Geständnis abzulegen, und von ihnen sein urteil zu empfangen. Die Braut und die Ellern des gefallenen Deutschen leben feit dem Tage, da die Trauernachricht eintraf, in strenger Zurückgezogenheit und Abgeschlossenheit von der Welt, ganz hingegeben der Trauer um den unvergeßlich Geliebten, dessen Andenken wie ein Heiligtum von ihnen gehütet wird. Nachdem sie erfahren haben, daß ein Fremder Hermanns Grab mit Blumen schmückte, gelingt es Marcel, als ein Freund des Toten, das stille Haus der Trauernden zu betreten. Die entdecken alsbald in Marcels Wesen nicht allein eine merkwürdige Ähnlichkeit mit dem Gefallenen, sondern empfinden auch, im Wechselgespräch und Gedankenaustausch, eine schnell sich steigernde, wärmer und herzlicher werdende Zuneigung zu dem Fremden, — und es ist bald, als ob seit seinem Eintritt die schmerzliche Lücke sich zum erstenmal ein wenig zu schließen begänne. Marcel findet nicht die Kraft zu dem entscheidenden Geständnis; aber er verrät sich der Braut des Gefallenen, indem er, wider Willen, das Datum des Tages nennt, an dem Hermann fiel. Angelika, Hermanns Verlobte, spricht nach einem heftigen inneren Kampf das Urteil, das Marcel In Deutscl)- land gesucht hat: er soll, ohne daß die Eltern die bittere Wahrheit erfahren, die Stelle des Gefallenen einnehmen, soll den Eltern und der Braut mit feinem Leben jenen Toten zu ersetzen suchen. Indem also Marcel, der keine Angehörigen mehr hat und allein in der Welt steht, nach Deutschland kommt, um für immer in Deutschland zu bleiben, wie vor Jahren Hermann nach Frankreich zog und in Frankreich „geblieben" ist, — erfüllt sich in einer wunderbar selbstverständlichen Vertauschung die große und zukunftsträchtige Idee des persönlichen Opfers, einer menfchli ch-tatb ereiten Wiedergutmachung und des Friedens, welche in unserer aufgeregten, verstörten und ratlosen Gegenwart weithin gehört, verstanden und beherzigt werden sollte, wett sie einer Gesinnung und geistigen Haltung entspringt, die sich, allen Widerständen zum Trotz, eine nahe oder fernere Zukunft erobern wird. — * Die schöne und würdige Aufführung hinterließ einen tiefen und erschütternden Eindruck. Die Spiel- leitung von Peter Fasso11 hatte das Werk durchaus so empfunden, wie es allein verstanden und vermittelt werden muß: als ein überzeitliches, menschliches Dokument, — nicht etwa als ein zufällig aktuelles, politisches Nachkriegsstück. Die Regie hatte das Vorspiel aus der Kirche vor ein Gefallenendenkmal verlegt und übrigens mit einigen begrüßenswerten Streichungen zur szenischen Geschlossenheit der vier Bilder beigetragen. Nach dem leidenschaftlich anklagenden Geständnis und Bekenntnis des Vorspiels waren die folgenden Sitte auf den gedämpften, beherrschten Ton des Kammerspiels gestimmt, dem gleichwohl die innere Spannung nirgends verloren ging, und aus dem sich die entscheidenden Sätze mit einer nicht zu überhörenden und nicht mißzuverstehenden Eindringlichkeit hervorhoben. — (Eine einzige kleine Sius- stellung: vielleicht läßt sich das störende Nebengeräusch des Sprechapparates im zweiten Akt beseitigen.) * Den Franzosen Marcel spielte W e s e n e r mit einem jugendlichen Ernst, der dieser Gestalt sehr wohl ansteht, auch mit aller verhaltenen Leidenschaftlichkeit seiner verzweifelten Erkenntnis und dem niederschmetternden Bewußtsein seiner schweren Schuld. Hilde Schwend umgab die ungemein zart empfundene Figur der Verlobten Angelika mit einer bewegenden Kraft echten und ganz weiblichen Gefühls. Fasfott hatte neben der Spielführung noch die Rolle des Vaters, des deutschen Professors von Hölderlin übernommen und er fand die nicht ganz einfachen Uebergänge von verbitterter und verbissener Starrheit zu verstehender Milde und weitherziger Bereitschaft zur Versöhnung. Maria Koch sprach mit wohltuender Wärme und mütterliche Uebcrlegenfjeit die schönen und sehr gewichtigen Worte der Luise von Hölderlin. — In zwei Episodenrollen wirkten Karl V o 1 ck (Fraulieb) und Raimund Scheicher (Eitel) zurückhaltend und verständnisvoll. * Es ist zu hoffen, daß der Besuch dieses ernsten und wertvollen Schauspiels in späteren Aufführungen minder zu wünschen übrig läßt. hth. Barometer des Zilmerfolges. Für die Abschätzung der Beliebtheit eines Filnkstars ist nichts so wichtig wie die Brief* post, die er erhält. Richt nur die amerifani* sch en Filmverehrer, sondern Kinobesucher auS aller Welt schreiben an ihre Idole auf der Lein« wand, und so treffen Briefe aus jedem Lands und in jeder Sprache in einer Anzahl von mehr als 500 000 im Monat in den Ateliers von Holly-« Wood ein. Der Inhalt ist so bunt wie die Welt. Da wechseln Heiratsanträge mit Betteleien, Poe« tische Ergüsse der Schwärmerei stehen neben tadelnden Kritiken; hier bittet jemand um dis beste und schnellste Anweisung, wie man Stav wird, dort fragt eine an, ob sie nicht die ab* gelegten Kleider bekommen könne, in denen dis Diva so wunderbar aussehe; sie hoffe, darin et* was von dem Erfolg ihrer Göttin auf sich zu lenken. Selten aber verabsäumt ein Briefschrei* her, um eine Photographie mit äinterschrist zu bitten. Diese 2tad)frage nach Bildern ist so groß, daß die Ateliers sich entschlossen haben, derartige Sendungen nur gegen vorherige Einsendung von 50 Pfennig zu besorgen. Die Filmfabrikanten wollen keineswegs diese Sitte des Driefschreibens behindern, denn sie ist ihnen ein wichtiger An* Haltspunkt für die Beliebtheit ihrer Künstler und hat daher starken Einfluß auf die Auswahl und das Honorar. QI6er es ist ja ganz unmöglich, diese Riesenmengen von Schreiben irgendwie individuell zu beantworten. Clara Dow, deren Filmpost im Mai dieses Jahres mit 33 72? Briefen einen Rekord erreichte, ist nicht imstande, auch nur einen kleinen Teil dieser Schreiben zu lesen, wenn sie sich auch mit einem Hausen davon, in eifrige Lektüre vertieft, photographieren läßt. Die Stars sehen gewöhnlich überhaupt nicht die Briefe, sondern diese kommen sofort in eine be* stimmte Qtbteilung, von der aus sie beantwortet und, wenn 50 Pfennig beigefügt sind, die Photographien geschickt werden. Dabei passierte kürzlich eine komische Geschichte. Der englische Schriftsteller A. E. W. Mason schrieb an Richard Arien einen Dries, in dem er ihm seine Anerkennung für die Darstellung des Helden in Masons Film „Die vier Federn" aussprach. Das Schreiben kam wie alle anderen in die betreffende Abteilung, und nicht lange danach erhielt Mason aus dem Paramount-Ateller in Hollywood ein gedrucktes Dankschreiben mit Ariers gestempelter llnterfdjrift und mit der Bitte, 50 Pfennig einzusenden, worauf ihm eine Photographie des Schauspielers zugehen würde. Die Geschichte kam in die Zeitungen, und nun beeilte sich Arien, einen Entschuldigungsbrief an Mason zu richten. gesehen, von einer weiteren Mitarbeit in der Tiroler Heimwehr und in der ganzen österreichischen Heimwehrbewegung Abstand zu nehmen. Landesführer Dr. Sie idle hat aus diesem Anlaß an ihn ein Schreiben gerichtet, worin er sagt, sein Entschluß sei aus der Erkennt- nis entstanden, daß die Zersplitterung in den Reihen des Bürgertums die im Interesse des gesamten deutschen Volkes bon ihm angestrebte Neugestaltung des Staates unter den gegenwärtigen Verhältnissen aussichtslos erscheinen lasse. Daß der mächtige Aufschwung dieser Volksbewegung nicht in entsprechender Weise im Interesse des Staates ausgenutzt wurde, sei nicht seine Schuld. Lord Melchett f. Der englische Chcmickönig, dessen Pater aus Darmstadt cinwandertc. London, 27. Dez. (TU ) Der britische Wirt- schaftsführer Lord Melchett, der frühere S i r Alfred Mond, ist heute im Alter von 62 Jahren gestorben. Der Vater Lord Melchetts, Ludwig Mond, wanderte aus Darmstadt nach England aus, gründete dort mit dem Deutschen Brunner die Firma Brunner, Mond & Co., die aus kleinsten Ansängen zu dem größten englischen Chemiewerk und schließlich zum Mittelpunkt der 1927 erfolgten Fusion aller bedeutenden chemischen Fabriken Englands in der Imperial Chemical Industries Ltd. geworden ist. Die Errichtung dieses englischen Chemietrusts ist das Werk Lord Melchetts, dem zweifelsohne das Vorbild der deutschen IG.-Farben-Industrie vorgeschwebt hat. Er hat damit auch die schärf st e Konkurrenz zur deutschcnFarbenindustrie geschaffen. Politisch hielt Lord Melchett ursprünglich zu den Liberalen und war seit 1906 im Unterhaus. 1910 wurde ihm der Barontitel verliehen. Im Juni 1928 wurde er Peer und trat in das Oberhaus ein. Im Jahre 1926 trat er, bisher Führer der Liberalen, zu den Konservativen über, weil er Lloyd Georges Politik nicht billigte und auch dessen Ruß- landpolitik nicht mehr zu folgen glaubte. Lord Melchett setzte sich dann zunächst für einen Zoll- zusammen sch luß des englischen Weltreiches als Gegengewicht gegen die wirtschaflliche Unabhängigkeit der USA. und der in Bildung begriffenen wirtschaftlichen . Konzentrationsbewegung in den westlichen Industriestaaten des Kontinents ein. Melchett ist gewählter Führer der Zionisten in England und Präsident der Expertenkommission zur Erforschung Palästinas. Marschall Zoffte schwer erkrankt. Paris, 28. Dez. (SU.) Der Gesundheitszustand deS MarschÄls Iloffre, über den bereits während der Krisentag« Poincarös die beunruhigendsten Gerüchte verbreitet waren, hat sich in den letzten Tagen derart verschlimmert, daß man von Stunde zu Stunde mit seinem Ableben rechnet. Llyffre, der seit einigen Tagen an einer Entzündung der unteren Gliedmaßen leidet, mußte operiert werden. Es handelt sich bei dem operativen Eingriff um die Abnahme des rechten Fußes. Die Aerzte befürchten, daß eine zweite Operation notwendig wird. Die Krankheit des Marschalls, die zunächst in einer Art T r o m b o s e bestand, und der man dadurch beizukommen suchte, daß man die um die erkrankten Adern liegenden Nervengewebe entfernte, hat insofern eine Verschlimmerung erfahren, als nach der Operation Wundbrand eintrat. Die letzten ärztlichen Berichte lassen deutlich erkennen, daß jede Hoffnung aufge- ?leben worden ist und stündlich mit dem Abeben des Marschalls gerechnet werden muß. Marschall Iloffre war bekanntlich der erste französische Generalissimus im Weltkriege, der die französische Armee in der Marneschlacht kommandierte. Der ,2lntransigeant" bemerkt, daß ganz Frankreich von dem gleichen Gefühl für einen Mann beseelt sei, der es an der Marne gerettet habe. Llcberall in der Welt, besonders in England und Amerika werde man für den berühmten Feldherrn beten, der im Jahre 1914 die Schlacht geschlagen habe, die die Völker vor der Knechtschaft rettete. England und der Friede im Mittelmeer. Der französisch-italienifcheZlottcngcgensatz London, 28. Dez. (TU.) Der Marinekorrespondent des „Daily Telegraph'' vertritt die Ansicht, daß die gegenwärtigen Bemühungen der englischen Regierung, Frankreich und Italien zu einem Flottenbau-Feiertag zu bewegen, vollständig hoffnungslos sei. England müsse aber trotzdem alle Mittel versuchen, da es den größten Wert auf die Erhaltung des Friedens im Mittelmeer lege, durch das eine der wichtig st en englischen Handels st raßen führe. Ein Krieg zwischen Italien und Frankreich würde das völlige Verschwinden der neutralen Schiffahrt im Mittelmeer bedeuten, was zu schweren Schädigungen der englischen Schiffahrt führen müßte. Daher berühre der augenblickliche Gegensatz in der Flottenfrage zwischen Italien und . Frankreich die englischen Lebensintercssen auf das empfindlichste und bereite ernsteste Sorge. Besonders beängstigend sei die Tatsache, daß sowohl Italien wie Frankreich die Bauzeiten beschleunige. Italien baue Kreuzer jetzt in weniger als zwei Jahren und Torpedobootzerstörer und Unterseeboote in 18 Monaten. Frankreichs Bauzeiten seien ungefähr die gleichen. Die fieberhafte Tätigkeit auf den Wersten im Mittelmeer verstärke die Besorgnisse über eine Lage, die an sich schon zu ernster Beunruhigung Anlaß gebe. Es wird die Ansicht angedeutet, man solle Frankreich im Hinblick auf die Verteidigung seiner atlantischen Küste eine gewisse Ueberlegenheit über die italienische Flotte zugestehen. Aus aller Welt. Der Mannheimer Nachtragsetat zwangsweise eingeführt. Der Landeskommissar und sein Beirat haben nach mehrstündiger Verhandlung den vom Mannheimer Stadtrat zweimal abgelehnten Nach- trogsetat genehmigt, so daß ab 1. Januar k.I die G e m e i n d e b i e r st e u e r um 10 o. H. erhöht, eine Gemeindegetränkesteuer von 10 v.H. und die gestaffelte Bürger st euer erhoben und die Umlage von 158 auf 170 v.H. erhöht wird. Dadurch sollen Mehreinnahmen von 1285 000 Mk. craielt werden. Die noch fehlenden 1,1 Mill. Mark sollen durch Kürzungen an den Zuführungen zum (Erneuerung^, und Sammelfonds eingespart werden. Zwangsetat in Heidelberg. Auch der Aachtragshaushalt der Stadt Heidelberg, dessen Fehlbetrag zur Hälfte durch die Anträge deS Oberbürgermeisters gedeckt werden sollte, die aber der 6t ab trat dann wiederholt ablehnte, ist jetzt vom Landeskvmmis- fat in Kraft gesetzt worden. Der Gottesdienst durch Steinwürfe gestört. In Finow (Mark) wurde am Heiligen Abend der Gottesdienst auf empörende Weise gestört. Die festlich geschmückte Kirche war dicht gefüllt. Plötzlich flog ein halber Ziegel- ftein, der mit großer Kraft geschleudert sein muhte, durch ein Kirchenfenster, daS vollkommen zertrümmert wurde, und traf die Witwe Brenecke an der Schläfe. Die Frau brach bewußtlos zusammen. Im Augenblick bemächtigte sich der Kirchenbesucher ungeheure Erregung. Dem Pfarrer gelang es, die Aufgeregten zu beschwichtigen. Frau Brenecke, die man nach dem Krankenhaus brachte, hat eine schwere Gehirnerschütterung und eine sehr gefährliche Schädelwunde davongetragen. Die Fahndung nach dem Täter dürfte bald zu seiner Verhaftung führen. Auf der Lokomotive tödlich verunglückt. Der Lokomotivführer Messen ist am ersten Weihnachtsfeiertag auf der Strecke Urmitz — Weißenthurm einem bedauerlichen Unglücksfall zum Opfer gefallen. Als er auf der Lokomo- tive des Schnellzugs, der mittags von Koblenz nach Köln fährt, die Feuerung bediente, wurde die zum Schüren des Feuers benutzte Stange von dem Ausfahrtoorsignal erfaßt und zurückgeschlagen. Der Heizer wurde hierbei so unglücklich getroffen, daß er mit einem Halswirbel- bruch tot zusammenbrach. Auf dem Bahnhof Weißenthurm wurde der Tote von der Lokomotive genommen und diese selbst in Andernach abgehängt. Der Schnellzug fuhr mit größerer Verspätung nach Köln weiter. Tragödie auf dem Bahnsteig. Auf dem alten Düsseldorfer Bahnhof Derendorf kam eine 21jährige Stütze aus Düsseldorf auf tragische Weise ums Leben. Sie hatte sich a u f d e m Bahnsteig von ihrem Bräutigam verabschiedet. Als dieser kurz darauf die Seren» dorfcr Brücke betrat, die über den Bahnkörper, führt, winkte ihm seine Braut vom Bahnsteig aus noch einmal zu. In diesem Augenblick brauste der Rheingold-Expreß heran. Er erfaßte die Winkende und überfuhr sie. Entsetzlich zugerichtet, konnte sie nur a l» Leiche geborgen werden. Schwere Sporluusälle. In Schlesien ereignete sich an den Feiertagen eine Reihe schwerer Unfälle. In Krummhübel stürzte beim Dobrennen in einer Kurve, wahrscheinlich infolge Versagens der Bremsen, ein besetzter Schlitten um. Drei Schüler erlitten Beinbrüche und leichte Gehirnerschütterungen. Der vierte indessen wurde so schwer verletzt, daß er an innerer Verblutung verstarb. In Hermsdorf fuhr der Wagenarbeiter Leder beim Rodeln mit voller Wucht in ein Auto hinein. Er selbst, feine Frau und ein Enkelkind wurden hoch durch die Luft geschleudert. Die Frau wurde so schwer im Gesicht verletzt, daß sie auf einem Auge erblindete. Der Mann erlitt einen doppelten Beinbruch. Das Kind trug nur Hautabschürfungen davon. Im Eulengebirge stürzten drei Skifahrerinnen so unglücklich, daß sie Arm - und Beinbrüche davontrugen. Drei Skifahrer von einer Lawine verschüttet. 3m Säntis-Gebiet ist am Samstagabend eine Gruppe von Skifahrern aus Winterthur von einer Lawine überrascht worden. Fünf Personen wurden m i t g e r i f f e n. Während zwei sich herausarbeiten konnten, blieben die anderen, darunter eine Dame, verschüttet. Als man sie nach längeren Bemühungen ausgegraben hatte, war der Tod bereits eingetreten. Die drei Leichen konnten infolge der starken Lawinengefahr bisher noch nicht geborgen werden. Aus der Entenjagd ertrunken. In Göhren auf Rügen fuhr der Reedereibesitzer Wittmih mit seinem Kapitän Koos in einem Ruderboot auf die Entenjagd. Da beide nicht zurückgekehrt sind, wird angenommen, daß sie in der Ostsee ertrunken sind, um so mehr, als inzwischen schwerer Rebel und heftiger Wind aufgekommen waren. Die Rach- forschungen sind bisher ergebnislos verlaufen. Todesstur; in die Aare. In Bern geriet beim Einfahren auf die über die Aare führende Kirchenfeldbrücke ein Automobil ins Schleudern, riß das Geländer der Brücke weg und stürzte ab. Die beiden In- fassen des Autos ertranken. Zwei Kinder durch Gas getötet. Als in Mannheim die Ehefrau eines Bahnarbeiters von der Arbeit zurückkehrte, war die Küchentür von innen verschlossen. Nachdem die Tür aufgebrochen worden war, fand man in der mit Gas gefüllten Küche die beiden Kinder im Alter von vier und sieben Jahren, am Boden liegend, tot vor. Die Kinder hatten vermutlich mit dem Gashahn gespielt und waren von dem ausströmenden Gas betäubt worden. Trotz aller ärztlichen Bemühungen sind beide Kinder gestorben. Eine große Kirche in Ottawa niedergebrannt. Die katholische St. Josephs-Kirche, eines der größten Gotteshäuser der kanadischen Hauptstadt Ottawa, ist durch eine Feuersbrunst vollkommen zerstört worden. Der Schaden wird auf eine halbe Million Dollars geschätzt. Der Brand entstand dadurch, daß ein Kind eine brennende Kerze umwarf. Die Elektrizitätswerke von Bristol durch Feuer vernichtet. Am Weihnachtsabend zerstörte ein Grobfeuer bie neuen Elektrizitätswerke in Portishead fast vollständig, so daß die Stadt Bristol zeitweilig völlig ohne jede Beleuchtung war. Annähernd 4000 Liter Oel gingen in Flammen auf, die 25 Meter hoch aufschofsen. Etwa eine halbe Stunde lang bildete das ganze Werk ein einziges Flammenmeer. Erst nach vier Stunden gelang es den Feuerwehren aus Bristol des Feuers einigermaßen Herr zu werden. Alle Juweliere in Bristol schlossen wegen der Dunkelheit ihre Läden. Die Lichtspieltheater muhten zunächst ihren Betrieb einstelten, bis es möglich war, bei behelfsmäßiger Beleuchtung bie Vorführungen fortzusetzen. Vor 23 Jahren war das Elettrizitätswerk von Bristol vollständig nieder- gebrannt, unb zwar auch am Weihnach trabe n d. Schwere Einsturzkatastrophe in Algier. Im Eingeborenenviertel von Algier wurden zwei Hauser, die an einem Abhang standen, durch einen Erdrutsch verschüttet. Rach Aussagen eines Eingeborenen sollen sich unter den Trümmern der eingestürzten Häuter noch die Lei- chenvvnetwa40 FrauenundKindern befinden. Die Villa des deutschen Generalkonsuls Windeis befindet sich in der Rähe der Lln- glücksstätte. Rach Ansicht des deutschen Generalkonsuls ist das Terrain, wo der Hauseinfturz erfolgte, dadurch unterhöhlt worden, daß die Eingeborenen dort Kalk st eine zum Dau ihrer Behausungen aus der Erde entnahmen. ein Hirsch tötet den Tierpfleger. 3m Tierpark der Stadt Stralsund wurde der Tierpfleger 3onas von einem Hirsch angegangen und so zugerichtet, baß der Schwerverletzte seinenWundenerlag. Der Hirsch mußte erschossen werden. keine Betragensnote mehr In Preußen. Der preußische Kultusminister läßt an die Pro- vinzialschulkollegien einen Erlaß über die Ausgestaltung der allgemeinen Urteile in den Schulzeugnissen hinausgehcn, nach dem künftig die Prädikate über Betragen und Aufmerksamkeit auch in den regelmäßigen Schulzeugnissen in Fortfall kommen sollen, während sie bis jetzt nur in den Zensuren über die bestandenen Schlusz- und Reifeprüfungen beseitigt waren. Ausdrücklich aber wird in der Verordnung darauf hingewiesen, daß der Ernst der Erziehung und die Strenge der Förderung, die sich in diesen Urteilen auesprechcn, damit nicht beseitigt, sondern umgekehrt gestei- g e r t werden, zugleich aber den Ergebnissen der Iugendkunde besser angepaßt wer- den sollen. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 29. Dezember 1930. Herzenstakt und Höflichkeit. .Die Höflichkeit fängt dort an, wo die Liebe auf hört", sagt Goethe. Er will damit darauf Hinweisen, dah dort, wo bie wohlwollende Freundlichkeit der Umgangdformen nicht aus dem Herzen quillt, also Menschen gegenüber, die uns gleichgültig oder gar unsympathisch sind, die Pflicht der Höflichkeit in ihre Rechte tritt. In der Tat ist die Höflichkeit der äußeren Formen, wenn sie nicht aus der Seele entspringt, ein Surrogat der Rächftenliebe, der Achtung des Rebenmenschen. Sie muh gelernt werden, und wie alles Angelernte läßt sie in manchen Momenten der Heber* raschung ober heftiger Gemütserrcgung uns leicht im Stiche, während der in der Liebe wurzelnde natürliche Herzenstakt auch in den schwierigsten Augenblicken das äußere Betragen richtig zu lenken weiß. Allerdings ist der Herzenstakt eine nicht erwerbbare, sondern eine angeborene Raturanlage, die sich aber, wie jede andere naturgegebene Eigenschaft in bet Erziehung entwickeln ober ersticken läßt. Alnb so paradox es auch Bingen mag, so kann man doch behaupten, dah gerade eine solche Erziehung, die darauf ausgeht, das äußere Betragen des Zöglings nach den glatten Formen der Konvenienz zu drillen, besonders dazu angetan ist. den natürlichen Takt lahm zu legen, anstatt ihn zur trollen, schönen Entwicklung zu bringen. Cs gibt kein äußeres Zeichen der Höflichkeit, das nicht einen tiefen sittlichen Grund hätte, unb bie rechte Erziehung barf sich nicht darauf beschränken, allein das äußere Zeichen zu überliefern, sondern sie muh auch die Erkenntnis von dessen Grund wecken. Ein fein entwickeltes Taktgefühl wird niemals gegen die Höflichkeitsformen verstehen und und auch bei heftigen Gemütserregungen als sichere Richtschnur dienen. Es ist das Ergebnis einer feinen Gemütsbildung und ganz unabhängig von den Regeln der konventionellen Etikette. Daher kann mancher mit feinem natürlichen Takt begabte Mensch gegen diese Regeln, wenn er sie nicht gelernt hat, verstoßen, aber anderseits gibt es viele Leute, die nach diesen Regeln so fest geschult sind, daß sie den Eindruck eines personifizierten Zeremonien-Kodex machen und doch des wahren Herzenstaktes entbehren. Wie frei unb warm wirb uns ums Herz im Verkehr mit jenen, wie frostig unb unbehaglich mit biefen. Die sorg- fältigft aufgetragene Tünche^eremvnieller Höflichkeit vermag nie die weiche Milde des natürlichen Feingefühls zu ersehen. Run zeigen sich im Leben die Menschen stets von ihrer besten Seite, wenn ihnen an der Meinung anderer Menschen etwas gelegen ist. Da sollte man in logischer Folgerung annehmen, dah die Menschen denjenigen stets die beste Seite zeigten, welche ihnen das Liebste auf Erden ist, dah also die Angehörigen, die Familienmitglieder sich gegenseitig möglichst liebevoll, zart, freundlich unb schonend entgegenkämen. Leider ist das aber nicht immer so. 3m Hause läßt man sich häufig gehen; man ist ja der Zuneigung seiner Angehörigen so sicher, da kann man ruhig einmal unliebenswürdig und verstimmt sein; es hat keine Gefahr, man erleidet dadurch keinerlei Einbuße. Geht man aber in Gesellschaft, bann wird mit dem besseren Kleide auch die beste Seite des Charakters gezeigt. Ist's nicht eigentlich widersinnig, daß wir so leicht diejenigen verletzen. für welche unser Leben hinzugeben wir keinen Augenblick zögern würden — aber im täglichen Leben? Das ist eben eine so ganz andere Sache, da glauben wir, uns im .Schlafrock" zeigen zu dürfen. Rein, unseren Lieben sollten wir uns immer von der besten Seite zeigen. Eine Verstimmung, ein kleiner Aerger mag manchmal bie älrfache des ersten bitteren Wortes fein. Gewiß, es ist gar nicht böse gemeint, aber die Wirkung ist oft erschreckend. Eine sekundenlange Selbstbeherrschung würde das herbe Wort von der Lippe zurückdrängen, der bittere Zank wäre vermieden, der Friede gewahrt. Möchte doch das Dichterwort im. Verkehr von Herz zu Herz, von Mund zu Mund stets Gesetzeskraft haben: „ilnb hüte deine Zunge wohl. Bald ist ein böses Wort gesagt; O Gott, es war nicht bös gemeint — Der andre aber geht und klagt." Gr. Borrrotizerr. — Tageskalender für Montag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die drei von der Tankstelle". — Astoria-Lichtspiele: „Saxophon-Susi". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen, Dienstag, infolge Erkrankung im Personal statt: .Die erste Frau Selbh* daS Schauspiel: „Der Wann, den sein Gewissen trieb“; Anfang 20 älhr. — Die Intendanz bereitet auch in diesem Jahre für Silvester wieder eine launige älcberralchung vor. Heinrich Hub inszeniert die Posse „Robert und Bertram^ von Raeder völlig neu und aktualisiert sie karikaturistisch. Musik und Text sind entsprechend modemistert. Ende gegen 22.30 Uhr. — Am Reujahrstage gastiert das Vereinigte Operetten* theater Dochum-Hambom mit der großen Operettenrevue: „Die drei Musketiere". Dieses Werk war im Großen Schauspielhaus Berlin der große Erfolg deS letzten Winters. Uebcrall fand dies« Operette begeisterte Zustimmung. Ralph Benatzky („Meine Schwester und ich") hat die Musik geschrieben. Die Vorstellung fmbet außer Abonnement statt zu ermäßigten Operettenpreisen; 'Beginn 18.30 Uhr. Ende 21.30 älhr. *• Universitätspersonalie. Ernannt wurde der Prioatdozent Dr. Melchior W e st h n e s zu Gießen zum außerplanmäßigen außerordentlichen Professor an der Landesuniversität Gießen. *• EtneReihe von städtischen Steuer« undAbgaben werden zur Zahlung bis spätestens 6. Januar gemahnt. Näheres in der heutigen amtlichen Bekanntmachung. ** Spielplanänderung im Stadt« theater. Die Intendanz teilt mit, daß infolge plötz. kicher Erkrankung im Personal am Dienstag als Abonnementsoorstellung statt „Die erste Frau Sclby* das Schauspiel von Rostand „Der Mann den sein Gewissen trieb“ gegeben wird. Anfang 20 Uhr, Ende 22 Uhr. •• Gastspiel des Stadttheaters in Heuchelheim. Das Stadttheater Gießen wird am Donnerstag, 1. Januar, mit der Jazz-Operette „Meine Schwester und ich“ (Ralph Benatzky) in Heuchelheim gastieren. Die Vorstellung findet in der Turnhalle statt und beginnt um 20 Uhr. * Di e Auszahlung der Unfall., Invaliden-, Altersrenten usw. für den Monat Januar 1931 erfolgt, wie uns vom Postamt mitgeteilt wird, am Dienstag, 30. Dezember, in der Zeit von 8 bis 12 und 14 bis 18 Uhr, im Gasthaus „Zum Lamm", Westanlage 7. * • Vom Wochenmarkt. In dieser Woche finden die Wochenmärkre am Dienstag, Mittwoch und Samstag statt. * • Konzert in der Chirurgischen Kli - n i k. Die Mitglieder des Quartettvercins 1920 Gießen bereiteten am Vormittag des zweiten Weihnachtsfeiertags den Patienten und dem Personal der Chirurgischen Klinik eine Weihnachtsfreude, indem sie unter der Leitung von Musiklehrer Leib einige Chorlieder zum Vortrag brachten. Die Sänger fanden dankbare Zuhörer. • * 5 r e i c <5 d) u l ft c U e. Erledigt ist eine Schulstelle für eine evangelische Lehrerin an der Volksschule zu Heuchelheim, Kreis Gießen. Die Wetterlage. 0s Uni Sto Hfl । n voixcmos. o neuer, o naiti oeflect l » vonug. • Denen den Stationen stenenden Za> «en gehen die Temperatur an. Pie Linien verhindeo Orte mit gicicbcfl auf neeresniveau umgercchnele» Luftdruck Wettervoraussage. Ein Ausläufer des Rordmeertiefs greift weit südlich vor und hat über Frankreich starken Barometerfall verursacht. Auch haben an der West-- küste bei lebhaften Winden und Temperaturen? um plus 10 Grad Riederschläge eingesetzt. Da auch bei uns das Barometer stärker fallende Tendenz zeigt, so ist damit zu rechnen, dah die Warmluftwelte unseren Bezirk überqueren wird. Dabei wird das Wetter zunächst etwas milder und zeitweise kommt es zu Riederschlägen. Aussichten für Dienstag: Vielfach bewölktes Wetter mit einzelnen Riederschlägen, vorerst etwas milder, lebhafte Luftbeweaung. Aussichten für Mittwoch: Wechselnd bewölkt, dabei auch aus klarend, vereinzelte Schauer, Temperaturen wieder sinkend. Lufttemperaturen am 28. Dezember: mittags 3,1 Grad Celsius, abends 0,9 Grad; am 29. Dezember: morgens 1,5 Grad. Maximum 5,1 Grad, Minimum 0,8 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 28. Dezember: abends — 0,2 Grad; am 29. Dezember: morgens —0,2 Grad Celsius. — Sonnenschcindauer % Stunde. Amtliche Wintersportnachrichten. Vogelsberg, Hoherodskopf: Bedeckt. 0 Grad, 5 cm Schnee, Pulverschnee; Sportmöglichkeit im Walde stellenweise möglich. Taunus, Feldberg: Nebel, 0 Grad, geringe Schneedecke, vereist, nur Rodeln möglich. Sauer land; Winterberg: Rebel, minuÄ 0 Grad, geringe Schneedecke, 1 bis 2 Zentimeter Schnee, Ski und Rodeln mäßig. Rhön, Wasferkuppe: Rebel, 0 Grad, 15 Zentimeter Schnee, feine Sportmöglichkeit. Schwarzwald, Feldberg: Heiter^ 0 Grad, 20 Zentimeter Schnee, verharscht; für Ski und Rodeln Sportmögllchkeit gut Sprechstunden der Ncoaktion. 11-30 bis 1230 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag pachmittag geschlossen. :dei und daß diese Wahl 8793V er- Rechtsanwalt Eugen Rothenberger normt Gießen, den 27. Dezember 1930. Der Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinde Gießen. I.V.: Meyerfeld. 6i)ci„ saub. möüdien 21 alt, das schon tn Ltellung war, sucht für 15. Januar Stellung, evtl, auch nur lür tagsüber. »Motte Erscheinung, überall verwendbar. Schr. Angeb. u.07046 an d.Gteh. Anz. erb. Sonntag, den 4. Januar 1931 im Sitzungssaal des Gemeindehauses in Xber Lonystraße, dahier, stattsinden soll. 7 Alle nach § 2 und 6 der Wahlordnung ^Stimmberechtigten werden zu dieser Wohl mit dem Bemerken eingeladen, daß die Abstimmung in den Stunden von 10 bis 13 Uhr stattfindet. Zum Wahlkommissar wurde Herr Tuche für meine Ibjäbrioc Tochter, die 1 Jahr die Küche erlernt hat, paffende Stelle tn nur gutem Hause. Es wird mehr auf gute Behandlung als auf Vobn gesehen. Gest. Buichritten u. ,,G. 100“ an „Wetzlarer Anzeiger", Wetzlar. I8823D Oeffentliche Mahnung. Folgende Steuern und Abgaben werden hierdurch zur Zahlung bis spätestens 6. Januar 1931 einschließlich gemahnt. 8767C 1. das 4. Ziel der vorläufigen Gemeinde-, Kreis, und Prooinzialumlage einschl. der vorläufigen Sondergebäudesteuer 1930; 2. Schulgeld für die Hessische Studienanstalt für November 1930; 3. Wohnungsmiete aus städtischen Häusern für November 1930. Nach Ablauf dieser Frist erfolgt Einzug der rückständigen Beträge auf Kosten der Schuldner. Bei Zahlung des 4. Zieles Steuer 1930 nach dem 25. d. M. sind außerdem Verzugszinsen zu entrichten. Gießen, den 29. Dezember 1930. Stadtkasse Gießen. Einladung zur Ergänzungswahl des Vorstandes der Israelitischen Religionsgemeinde Gießen. Es wird zur Kenntnis der Interessenten gebracht, daß in Gemäßheit der Bestimmungen der Wahlordnung für die Wahl des Vorstandes der Israelitischen Religions- gemeinde Gießen vom 4. August 1871 infolge Ablaufs der Wahlzeit des Mitgliedes Herrn Kaufmann Sally Meyerfeld eine Ergänzungswahl notwendig geworden ist. Geschäftsdrucksachen Rechnungen Briefblätter Briefumschläge Postkarten Geschäftskarten bei Brühl, Schulstraße 1 [Stellenangebote) OrdentUIungcals Schuhmacher- Lehrling f. sofort gesucht. L. Bernhardt Gieße», Scbulftr. 10. Junges MB sofort gesucht. 07949 Lletmslratze 66 [Stellengesuche] 5üHÜ. WWW nimmt noch Wasch- stelle an. Zu erfr. in d.Geichn.d G. A. ,7^, Statt Karten. Danksagung. Für die uns in so reichem Maße erwiesene Liebe und Teilnahme beim Heimgang unseres teueren Entschlafenen Herrn Wilhelm Moeser danken herzlichst Frau Antonie Moeser und Kinder Gießen, den 29. Dezember 1930. 358-' Siir Silvester Zur Bowle und zum Glühwein: Preiswerte Mosel-, Rhein- und Rotweine in Literflaschen Zum Grog: Rum und Arrak der Fa. Pott Flensburg, Original Düsseldorfer Punsche Qualitäts-Weine aller Weinbaugebiete aus eigener Weingroßhandlung Liköre u.Weinbrände aller führenden Firmen Schaumweine sämtlicher erster Kellereien Scherzartikel — Silvesterblei JJted.-5>ro£erie Staus Jtindenbu r£ Hermann Elges / Seltersweg 68 A 8827d Bekanntmachung. StadfthealerAbonnement. Die Einlösung des vierten Abschnitts der Abonnements für Dienstag, Mittwoch und Freitag hat an der Theaterkasse, Johannes^ straße 3, zu erfolgen, und zwar: 8767C Mittwoch, den 31. Dezember, für die Freitags-Abonnenten, Freitag, den 2. Januar 1931, für die Dienstags-Abonnenten, Samstag, den 3. Januar 1931, für die Mittwochs-Abonnenten in der Zeit von 10 bis 13 Uhr und von 16 bis 18 Uhr. Nach Einzahlung auf Postscheckkonto Frankfurt am Main Nr. 37210 Kasse des Stadtheaters Gießen erfolgt Uebersendung der Abonnementskarten. Die zu zahlende vierte Rate beträgt für: Proszeniumsloge, Rangloge und RM. 1. Rang (Reihe 1 und 2) 18 1. Rang (Reihe 3 und 4), Sperrsitz (Reihe 1 bis 11) 12 Logen-Rückplatz, 1. Rang (Reihe 5 und 6), Sperrsitz (Reihe 12 und 14) 10 Sperrsitz (Reihe 15 bis 18), 2. Rang (Reihe 1) 8 2. Rang (Reihe 2 bis 3) 5 2 Rang (Reihe 4 bis 5) 4 Die Einlösung muß vor dec 13. Abonne- mentsvorsteuung erfolgt fein. Gießen, den 27. Dezemoer 1930. Der Oberbürgermeister. I. V.: vr. Hamm. Ser Aachtragsvoranschlag der Gemeinde Trais-Horloff für 1930 liegt von Dienstag, den 30. Dezember 1930 ab eine Woche lang auf dem Geschäftszimmer der Bürgermeisterei zur Einsicht und Erhebung von Einwände offen. Bemerkt wird, daß die Erhebung einer Umlage beschlossen wurde, die auf die Einwohner und Ausmärker zum Ausschlag kommt. Trais-Horloff, den 27. Dezember 1930. Bürgermeisterei Trais-Horloff. 3. V.: R o d b. 8824V Bekanntmachung. Der vom Gemeinderat durchberatene Nachtragsvoranschlag der Gemeinde Lon- darf für 1930 Rj. liegt vom 31. Dezember l. I. ab eine Woche lang auf dem Amtszimmer des Bürgermeisters zur Einsicht der Beteiligten offen, woselbst innerhalb dieser Frist Einwendungen schriftlich oder zu Protokoll vorgebracht werden können. Es ist die Erhebung einer Nachtrags- Umlage beschlossen, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. 8821V Londorf, den 27. Dezember 1930. Bürgermeisterei Londorf: A u m a n n. Dienstag, den 30. Dezember 1930, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im „Löwen", Neuenweg Nr. 28, dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 1. einen Schreibtisch, einen Pflug, einen Vorderwagen für Binder, einen Krupper, zwei Ladentheken, vier Schreibmaschinen, vier Diwane, drei Warenschränke, ein Klavier, ein Harmonium, einen Dixi-Wagen, einen Ausziehtisch, zwes Bücherschränke, einen Kleiderschrank, eine Flurgarderobe, eine Geige, fünf Büfetts, eine elektrische Eisenbahn, eine elektrische Lokomoblle, zwei Projektionsapparate, eine Dampfmaschine, drei Kredenzen, ein Sofa, zwei Sessel, eine Kaffeemaschine, einen Eiskonservator, eine Partie Damenhosen und -rocke, vier Bettbezüge, acht Kopfkissen, drei Bettücher, eine Tischdecke, eine Tafeldecke, sechs Handtücher, sechs Pferde, ein Bild. 2. An Ort und Stelle (Bekanntgabe erfolgt in obigem Lokale): einen Opel-Personenwagen (Fahr- gestell-Nr. 17705). 8817V Hebbel, Gerichtsvollzieher in Gießen IDammstraße 24 T — Telephon 4039 5 Proz. Edeka-Rabatt! Wissen fie? 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Der vom Gemeinderat durchberatene Nachtragsvoranschlag für Rj. 1930 liegt von heute an acht Tage auf unterzeichneter Bürgermeisterei zur Einsicht der Beteiligten offen. Einwendungen können während dieser Zeit mündlich oder schriftlich gemacht werden. Es wird eine Umlage erhoben, zu der auch Ausmärker beizutragen haben. Treis a. d. Lda., den 29. Dezember 1930. Hessische Bürgermeisterei. Mich e l.8825V Heute friich von der See: MWö.8. Pfund iS Pf. Schade HWgrabe Filialen in allen Stadtteilen. 8132C Welcher Landmehger kann wöchenil. Lieferung von Kalb- und Schweinefleisch an größeren Gasi- wirtschaffsbeirieb übernehmen? Schriftliche Angebote unter ssrrD an den Gießener Anzeiger.____ Silvesterkarpfen Sa m. Flußfische 8101A ff. Seefische und Filets Besteilunyen frühzeitig! 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Die Sitzung nahm einen außerordentlich spannenden Verlauf, ja sic wurde im Augenblick der Abstimmung in geradezu dramatischer Weise spannend, wie man es bisher im Gietzcner Stadthaus noch nicht erlebt hatte. Und das Ergebnis? Eine vollkommen verlorene Schlacht, in unserer Kommunalpolitik, ein schwarzer Tag in unserer Zlommunalgeschichte! Die Selbstverwaltung in Gießen erlitt eine schwere Einbuße, denn jetzt sieht man leider keinen anderen Ausweg, als — den Staatskommissar Im Hinblick auf die außerordentliche Wichtigkeit dieser Beratungen haben wir über die Reden der verschiedenen Sprecher eingehender als sonst berichtet. Jedermann kann sich anhand dieses Berichtes selbst ein Urteil bilden, so daß wir wohl davon absehcn können, uns mit den Ausführungen dieses oder jenes Redners hier zu beschäftigen. Wir möchten auch nicht auf den Streit darüber cingehen, was während der letzten Jahre von den Parteien des Stadtrates da oder dort vielleicht anders, oder besser hätte gemacht werden können. Derartige rück- schouende Betrachtungen haben heute schließlich keinen besonderen Wert mehr. Wichtiger erscheint es uns aber, die Stellungnahme der einzelnen Fraktionen in der heutigen Sitzung näher zu betrachten. Vor allem muß man anerkennen, daß die Arbeitsgemeinschaft der Mitte — obwohl bei der Abstimmung ein Riß durch diese Arbeitsgemeinschaft ging, da die drei Demokraten und ein Zcntrumsoertretcr sich von dem Wege der Mehrheit in der Arbeitsgemeinschaft, der Deutschen Volkspartei, trennten — sich in außerordentlich ernster Weise um das Zustandekommen einer Verständigung mit der Stadtverwaltung auf der mittleren Linie und damit um die Ausschaltung eines Staatskommissars bemüht hat. Eine derartige Verständigung war heute vormittag einige Zeit vor der Sitzung noch vorhanden. Da platzte wie eine Bombe eine neue Notverordnung der Reichsregie, rung dazwischen, die alle Steuerbewilligungen durch reichsrechtlick)e Vorschrift zwingend rückwirkend bis 1. April 1 9 3 0 vorschreibt, während die Mitte des Stadtrats und die Stadtverwaltung sich dahin geeinigt hatten, die Real- steuererhöyung ab 1. Dezember in Kraft zu setzen. Durch den leidigen Zwang von Berlin war das in mühseliger und aufreibender Verhandlungs- arbeit geschaffene Verständigungswerk sofort zerschlagen worden. Wenn nunmehr die Mehrheit der Arbeitsgemeinschaft sich nicht zur Rückwirkung der Steuern bis 1. April entschließen konnte, so sollte man darin nicht einen Mangel an Derantwortungsbcwußtsein für die Geschicke unserer Stadt erblicken, man sollte deswegen auch keinen Vorwurf erheben, denn hier handelte es sich um den ganz grundsätzlichen Standpunkt, daß man nach Recht und Gerechtigkeit niemand eine Steuer mit neunmonatiger Rück- Wirkung auf zwingen kann, auch nicht durch ein wirtschaftlich völlig unsinniges Diktat der Reichsregierung, wenn man nicht gleichzeitig b i c Möglichkeit aufzeigt, wie eine solche rückwirkende Belastung heute noch auszugleichen ist. Man wird auch den vier Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft, die bei der Abstimmung von ihrer Fraktion absprangen und mit der Verwaltung zugunsten des Verwaltungsantrags stimmten, deswegen keinen Vorwurf machen können, weil man feststellen konnte, daß auch hierbei jedes dieser Mitglieder des Hauses nur unter schwersten inneren Kämpfen zu diesem Ergebnis gekommen war. Zu bedauern ist aber, daß die Stadtverwaltung trotz wiederholter Aufforderung aus dem Hause, sich zu der Sachlage zu äußern, beharrlich schwieg. Wenn man auch den Standpunkt der Verwaltung im Finanzausschuß wiederholt zum Ausdruck gebracht hatte, so konnte hiervon doch die Oesfentlich- feit nichts misten, und schließlich darf doch wohl die Bürgerschaft erwarten, daß bei einer so weittragenden Angelegenheit und bei einer derart völlig veränderten Sachlage in letzter Stunde mitqeteilt wird, wie die Verwaltung sich zu der Sache stellt. Sehr einfach machte sich die Fraktion der Wirtschaftspartei die ganze Sache. Durch zwei Sprecher ließ sie kurz und bündig erklären, daß sie jede Steuererhöhung, ob rückwirkend oder nicht, ablehne, weil eben nichts mehr da sei. Wenn auch zuzugeben ist. daß breiteste Schichten des Mittelstandes heute sehr schwer au ringen haben, so muh man aber doch sagen, daß die Lage in ihrer Gesamtheit nicht so beschaffen ist, wie man sie von der Fraktion der Wirtschaftspartei darstellte. Ob diese Fraktion angesichts der außerordentlichen Kompliziertheit der Dinge, die sich noch in allerletzter Stunde einstellte, vielleicht anders entschieden hätte, wenn ihr Fraktionssührer Nicolaus oder dessen Ltellrertreter Kurtz nicht gerade in dieser Sitzung gefehlt hätten? Es wäre wohl doch richtiger gewesen, sich an der Suche nach irgendeinem annehmbaren Ausweg aus der schweren Lage mit zu beteiligen — da gerade für den gewerblichen und den handwerklichen Mittelstand von dieser Sache so außerordentlich viel abhängt —, als mit einer kurzen Formulierung von der Angelegenheit wcgzugehen. Lind nun die sozialdemokratische Fraktion. Sie hatte die Schlüsselstellung bei dem Kampfe inne und wurde bei der Abstimmung ein vollkommener Versager. Nach den Worten ihres Fraktionsführers war für sie der Antrag der Arbeitsgemeinschaft nicht annehmbar, weil diesem Antrag die neue Notverordnung der Reichsregierung entgegenstünde. Die sozialdemokratische Fraktion konnte aber mit dem Einsatz ihrer Stimmen dem Antrag derStadtver- w a l t u n g zur Annahme verhelfen, wenn sie sich nicht auf eine Abstimmung _Satz für Satz" verbissen und die von der Arbeit^emeinschaft beantragte geschlossene Abstimmung kurz übers Knie gebrochen abgelehnt hätte. Allerdings verfolgte die sozialdemokratische Fraktion mit dieser .Taktik" einen besonderen Zweck. Sie war bereit, für die Erhöhung der Realsteuern nach dem Vorschläge der Stadtverwaltung zu stimmen, wenn dabei die bürgerliche Mitte mitgegangen und in- folgedessen eine Mehrheit zustandcgekommen wäre. Dagegen hatte die sozialdemokratische Fraktion, wie ihr Mitglied Dr. Gum bei kurz vor Schluß der Debatte anscheinend vorichristswidrig ausplauderte, n i ch t die Absicht, für die von der Verwaltung gleichzeitig mit der Realsteuererhöhung beantragte Heraufsetzung der Mieten einzutreten, so daß bann hinsichtlich der Miete die bürgerliche Mitte und die Verwaltung auf sich allein angewiesen gewesen wären. Wenn dann vom Mittelstand Vorwürfe wegen der Realsteuererhöhung erhoben worden wären, hätte die sozialdemokratische Fraktion zu ihrer Entlastung daraus Hinweisen können, daß ja die bürgerliche Mitte mit für diese Erhöhung gestimmt habe, der Mieterschaft aber hätte d e sozialdemokratische Fraktion erklären können, daß sie allein gegen eine Verteuerung der Miete gewesen sei und die bürgerliche Mitte mit der Verwaltung zusammen für diese Erhöhung verantwortlich seien. Dieser Plan wurde jedoch durch Dr. Gumbels Aeußernng vorzeitig bekannt, und sofort erfolgte von der Mitte des Hauses der Gegenzug, bei dem geschlossene Abstimmung über den Verwaltungsantrag gefordert wurde, wodurch man die sozialdemokratische Fraktion zum Farbebekennen zwingen wollte. Das Ergebnis: Nunmehr erklärte sich die s o z i a l d e m o- Oer Verlauf Anwesend: Oberbürgermeister Dr. Keller, Bürgermeister Dr. Seid, die Beigeordneten Dr. Hamm und Justizrat Dr. Rosenberg sowie 37 Stadt- ratsmitglicder: es fehlen die Stadtratsmitglieder Nicolaus, Kurtz, Becker und R a h n e f c l d von der Wirtschaftspartei, Grade von der Arbcits- gemeinschaft der Mitte. Der Zuhörerraum ist stark besetzt. Als erster und wichtigster Punkt steht auf der Tagesordnung der Verwaltungsantrag auf Bewilligung weiterer Oeckungsmittel für das iRj.1930. Der AntragderStadtverwaltung.den wir mit eingehender Begründung in unserer Nr. 295 vom 17. Dezember schon mitteilten, sei hier noch einmal wiederholt: er lautet: Der Finanzausschuß wolle beschließen: „Der in der Bclriebrechnung für das Rechnungsjahr 1930 sich ergebende Ausfall von 1 2 7 0 0 0 M k. (Holz, und Grasgeld = 24 000 Mk., Wcniger-Ueber- weisung von Reichssteueranteilen = 92 000 Mark, Fehlbetrag der Betriebsrechnung des Wohnungsbau- kontos = 11 000 Mark wird wie folgt gedeckt: 1. Mit Wirkung vom 1. April 1930 werden erhöht: a) die Gewerbe ft euer vom Ertrag von 220 Rpf. auf 280 Rpf. RM. Mehreinnahme = 52 200 b) die Gewerbe ft euer vom Kapital von 55 auf 60 Rpf. Mehreinnahme = 14 900 c) die Grund st euer von Gebäuden und Bauplätzen von 27 auf 33 Rpf. Mehreinnahme = 60 000 2. Das Wassergeld wird vom 1. Januar 1931 ab von 25 auf 28 Rpf. je Kubikmeter erhöht. Me hreinnahme-- 9 000 3. der Hundertsatz der gesetzlichen Miete wird vom 1. Januar 1931 ab um 2 v. H. erhöht. 4 Der Stadtratsbeschluß vom 28. Novem der 1930 über die Erhebung einer Wasseranschlußgebühr wird aufgehoben." Da die Fraktion der Arbeitsgemeinschaft der Mitte im Anschluß an eine nochmalige Finanz- ausschußsihung eine längere Beratung abhält, beginnt die auf 11 älhr einberufene Sitzung erst um 11.30 ilfjr. Als erster Redner spricht Stadtratömitgl. Mann (Soz.) Er wendet sich gegen die bisherige Stellungnahme der beiden bürgerlichen Fraktionen in der Steuerpolitik und macht deren Beschlüsse für die jetzige Lage verantwortlich. Dis 1927 habe die Stadt von den Erübrigungen früherer Jahre gelebt Dann sei die Wirtschaftspartei im Stadtparlament ausgetreten, und von da ab habe sich die Arbeitsgemeinschaft der Mitte dem Vorgehen der Wirtschaftspartei meist gefügt, während der Oberbürgermeister sich habe zurückdrängen lassen und mit der bürgerlichen Mehrheit gestimmt habe. Nun Müsse man sich in der Zeit der schlimmsten Not zu Steuern entschließen, die drückend empfunden würden, anstatt bei einer anderen Politik der Stadtratsmehr- heit in den letzten Jahren jetzt auf frühere äleber'chüsse zurückgreifen zu können. Wenn die Stadtvatsmehrheit jetzt die Anträge der Verwaltung ablehne, werde sie wahrsagen, sie habe feine Schuld an dem, was bann der Staats- kommissar verfügen werde. 3m nächsten und vielleicht auch im folgenden 3ahre, wenn der Staatslommissar bestimme, werde man aber damit rechnen können, daß beispielsweise die Ausgaben für Verlehrszwecke glatt gestrichen würden. Man solle nicht glauben, daß b:r Staatskommissar größere Abstriche am Wohlfahrtsctat werde machen können, aber eine ganze Reihe anderer Leistungen der Stadt werde dabei in Betracht kommen. Wenn die Anträge der Verwaltung angenommen würden, könne der Fehlbetrag für das laufende Jahr gedeckt werden: damit würde auch die Voraussetzung geschaffen, daß man am 1. April 1931 in einer einigermaßen tragbaren Lage in das neue Haushaltsjahr hineingehen könne. Andernfalls könne man aber nur erwarten, daß auch im nächsten 3ahre der Staatskommissar die Arbeit wieder werde leisten müssen Darrn werde der Stadtrat Wünsche äußern können aber nichts mehr zu sagen haben Die Sozialdemokratie sei bereit, den Steuererhohungsanträgen ihre Zustimmung zu geben. Das sei die letzte Möglichkeit, um in Zukunft die Selbständigkeit der Stadtverwaltung und des Stadtrates aufrecht- kratische Fraktion geschlossen gegen den Derwaltungsantrag. für den mit Unterstützung der Sozialeemokrarie angesichts der Besetzung des Hauses (37 Stadtratsmi'.glieder und vier Mitglieder der Verwaltung) eine Mehrheit vorhanden gewesen wäre, die sich aus den 14 Sozialdemokraten, vier Verwaltungsvertretern und den vier abgesplitterten Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft zu ammengeseht Hütte. Das Scheitern des Verwaltungsantrages bei der Abstimmung ist also der „Taktik" der sozialdemokratischen Frak.ion zuzuschreiben. Und nun dürste der Staatskommissar in Funktion treten. Wir haben bereits vor einigen Tagen in diesen Spalten zum Ausdruck gebracht, daß wir von dessen Eingreifen nur Schlimmeres befürchten, als der Etadtrat hätte beschließen können. Wir haben heute, angesichts des tief bedauerlichen Ausgangs der Sitzung, nur den einen Wunsch, daß unsere Befürchtungen nicht in vollem Ausmaß in Erfüllung gehen möchten und daß der Staatskommissar nicht etwa komme, sehe und — einfach dekretiere, sondern sich die Lage der Derhältnisie sehr genau ansehe und auch mit den Vertretern der Bürgerschaft eingehend berate, ehe er seine Entscheidung fällt. Auf ein Pendant zum Frankfurter Gastspiel des Staatskommissars möchten wir in Gießen verzichten. der Sitzung. erhalten zu können. Seine Fraktion werde ihre Stellungnahme danach cinridjten, wie die Mehrheit stimmen werde. Hinsichtlich des Wasser- geldes werde nach Aeußerungen im Ministerium in absehbarer Zeit eine Neuregelung zu erwarten sein, nach der es dem Hausbesitzer freistehen werde, ob er das Wassergeld umlegen und dabei eine dreiprozentige Senkung der Miete in Kauf nehmen wolle, oder ob er die gesetzliche Miete beanspruche. Der Redner polemisiert dann gegen Eingaben der Handwerkskammer und der Handelskammer, in denen eine Erhöhung der Gewerbesteuer als untragbar bezeichnet wird. Er bemerkt in diesem Zusammenhänge, daß für 1930 bei der Gewerbeertragssteuer-Veranlagung 981 Posten mit einem Gewerbeertrag bis 3000 Mk. und einem Steueraufkommen von insgesamt 18 242 Mk., durchschnittlich also 18,58 Mk. ©tclicr je Posten vorhanden seien: 167 Posten versteuerten einen Gewerbeertrag von 3)01 Mk. bis 5000 Mk. - insgesamt 14 420 Mk., je Posten durchschnittlich 86,36 Mk.: 168 Posten versteuerten einen Gewerbeertrag von 5001 Mk. bis 10 000 Mk. 26 080 Mk. Steuer, ic Posten durchschnittlich 155,24 Mk.: 104 Posten versteuerten einen Gewerbeertrag von 10 001 Mk. bis 20 000 Mark 31 597 Mk. Steuer, je Posten durchschnittlich 303,82 Mk.: 55 Posten versteuerten einen Gewerbeertrag von 20 001 Mk. bis 50 000 Mk. - 36 683 Mk., je Posten durchschnittlich 666,97 Mk.: 22 Posten versteuerten tinen Gewerbeertrag von 50 000 Mk. bis über 500 000 Mk. 61 148 Mk. Steuer, je Posten durchschnittlich 2779,45 Mk. Er glaube nicht, daß bei dem größten Teil der Steuerpflichtigen (981 Posten) mit einem 3ahres- satz von durchschnittlich 18,58 Mk. eine Gewerbesteuererhöhung auf jährlich rund 24 Mk. die Betriebe unrentabel würden. Wenn man diese Sätze in Vergleich stelle mit den Sähen in anderen Städten, müsse es möglich sein, Gießen vor dem Staatskommissar zu bewahren. Weiter beschäftigt sich der Redner mit den Elektrizitätstarifen und bemerkt unter Hinweis auf die Ausdehnung des Einflußes der großen Konzerne, daß auch für Gießen in nicht allzu ferner Zeit eine wesentliche Herabsetzung der Elektrizitätspreise durch die Einwirkung der großen Konkurrenz erforderlich sein werde, womit dann aber auch die starke Entnahme aus dem Elektrizitätswerk aufhöre. Ferner macht der Redner oie in eingeweihten Kreisen schon bekannte Mitteilung, daß mit Ferngasversorgung nicht zu rechnen fei, da die Ruhrgas AG. nicht mehr an diese Sache denke. Damit werde nun auch die Gaswerkfrage wieder akut: dabei seien die Rücklagen für ein neues Gaswerk zur Niedrighaltung der Steuern verwendet worden. Wenn diese Aufgabe gelöst werden müsse, werde man noch mehr dem großen Finanzkapital tributpflichtig. Wer jetzt die Anträge der Verwaltung ablehne, trage die Verantwortung dafür, daß die Stadt einen Vormund bekomme. Stadifatömiigl. Hom (Arbg. d. Mitte) beschäftigt sich zunächst mit der Begründung des Vcrwaltungsantrages, die von der Stadtverwaltung in der Presse veröffentlicht wurde. Wenn die Stadt- Verwaltung in dieser Begründung öffentlich erkläre, sie habe immer darauf hingewicsen, daß die Steuersätze unzulänglich seien und die heutige Lage nicht da wäre, wenn die Stadtratsmehrheit seinen Vorschlägen gesolgt sei, so weise er namens seiner Fraktion diese Aeußerung mit aller Schärfe als unzu- treffend zurück. Nur durch die Maßnahmen des Reiches fei die Stadt in neue Verlegenheit gebracht worden. Wenn das Reich der Stadt weniger Steuern überweise und an Holz- und Grasgeld weniger einging, so liege doch klar zutage, welches die Ursachen des Fehlbetrages seien. Diese Lage der Verhältnisse habe man im April und Mai bei der Beratung des Voranschlages nicht wissen können. Damals bei der Verabschiedung des Haushalts habe man nach Recht und Gerechtigkeit alles Erforderliche getan, und niemand von der Stadtratsmehrheit müsse sich deshalb einen Vorwurf machen: jeder von der Mehrheit sei der Ansicht, seine Schuldigkeit gegenüber der Stadl getan zu haben. Er weise deshalb die Vorwürfe in der Antragsbegründung in öffentlicher Sitzung zurück. Herr Mann habe heute wieder das Lied gesungen, das er schon seit Jahren im Stadtrat finge. Leider seien die Aeußerungen der Stadtoerwaltund ganz nach der Einstellung des Herrn Mann. Es fei eine alte Tatsache, daß sich die Mehrheit des Hauses niemals mit der Linken in Uebereinftimmung befinden könne, wenn es um die Belange der Stadt gehe. Die Sozialdemokratie habe immer höhere Steuersätze gefordert, sie habe aber auch noch manches andere mehr verlangt, was der Mehrheit die Augen geöffnet habe. Wenn die Stadt- ratsmehrheit die Wunsche der Sozialdemokratie erfüllt hatte, stünde die Stadt heute in einer noch schlimmeren Lage. Er erinnere z. B. nur an die oft verlangte Erhöhung der Sätze für die Wohlfahrtsempfänger, an die stets wiederkehrende Forderung der völligen Lernmittelfreiheit, an die- wiederholt geforderte kostenlose Bestattung. Wo die Gelder für diese und noch andere Forderungen Herkommen sollten, danach habe die Sozialdemokratie nicht gefragt, und das habe der Mehrheit doch auch zu denken gegeben.- Infolgedessen könne man sich auch nie so leicht mit der Sozialdemokratie verständigen, |o wünschenswert das an sich auch sein möchte. Um zu Steuern zu kommen, weise die Sozialdemo, kratie immer nur aus die Realsteuern, aus die Gewerbesteuer hin, die doch nur Sondersteuern für eine bestimmte Bürgerschicht seien. Die Linke solle doch einmal in ihren Kreisen fragen, wie man dort Sondersteuern empfinde: sie werde dort das Wort „ungerecht" hören. Das habe man z. B. auch bei der Bürgersteuer gehört, die aber doch tatsächlich nur der Forderung gerecht werde, daß endlich wieder jeder Bürger nach Recht und Gerechtigkeit zu den Lasten der otabt beitrage. Es sei zugegeben, daß Gießen die niedrigsten Realsteuersatze habe, aber das habe man auch vertreten können und brauchte es hier nicht zu machen wie Dffenbad) und andere Städte. Er glaube, daß ein Staatskommt f f a r in anderen Städten eine schwierigere Lage vorsinden werde, als in Gießen. Seine Fraktion werde ruhig zusehen, wie sich die Verhältnisse ent- wickeln, wenn man nicht zu einer Einigung kommen könne. Seine Fraktion habe die Anträge der Verwaltung ablehnen müssen, weil sie nicht anerkennen könne, die Steuern rückwirkend ob 1. April erhoben würden. Auf diesen Boden könne seine Fraktion nicht treten, denn es sei ungerecht, heute noch Steuern rückwirkend zu machen. Die Steuern könnten nur von einem Datum ab erhoben werden, bei dem man sich jetzt befinde, und das sei der 1. Dezember. Die Kreise, die die Steuern zu zahlen hätten, müßten auch wissen, woher sie nunmehr genommen werden könnten. Wenn seine Fraktion sich trotz schwerster Bedenken in einem Antrag (der weiter unten abgedruckt wird) bereit erklärte, auf dieser Grundlage neuen Lasten zuzuftirnmen, so geschehe das, um der Stadt trotz der Not der Zeit gerecht zu werden, soweit das möglich sei. Er fordere Mstimmung über diesen Antrag, wenn seine Fraktion den Verwaltungsantrag ablehne. Das Reich und die Länder machten es sich bei ihren Maßnahmen allzu leicht, sie verfügten einfach und bestraften die Städte. Dagegen müsse protestiert werden. Man solle doch einmal die Verwaltungen des Reiches und der Länder untersuchen. Es müsse Um- kehr von der bisherigen Politik gefordert werden. Die Wirtschaft lasse sich nicht in die enge Form pressen, die Herr Mann von seinem Standpunkt aus wünsche. Seine Fraktion habe unter A b - lehnung der Rückwirkung der Steuern noch einmal bis zum allerletzten mitgehen wollen. Von dieser Stellungnahme sei auch der Oberbürgermeister, bis auf einige Schönheitsfehler in der Formulierung des Beschlusses, befriedigt gewesen. Nun sei aber heute morgen eine neue Verordnung der Reichsregierung vom 24. Dezember bekannt und den Fraktionen von der Verwaltung mitgcteilt worden, wonach die Steuererhöhungen durch Beschlüsse bis zum 31. Dezember gültig für das ganze Rechnungsjahr, also rückwirkend ab 1. April sein müßten. Durch diese , reichsrechtliche Vorschrift werde der Fraktion der Arbeitsgemeinschaft der Mitte die Zustimmung unmöglich gemacht. Siadiraismitgi. Schmidt (Mrtschpt.) erklärt, seine Fraktion seigegenjedeSteuer- er Höhung, ob rückwirkend oder nicht, weil sie der Ansicht fei. daß die Wirtschaft nicht mehr mit Steuern belastet werden könne. Mit Herrn Mann stimme er nicht überein: wenn er (Mann) aber seinen Einfluß geltend machen wolle, daß wir im Reich und im Land zu einer gerechten Steuergesetzgebung kämen, dann werde auch Herr Mann sich manchmal auf der Seite dec Steuer- ablehner finden. Cs sei leicht. Steuern zu bewilligen, die man nicht zu tragen habe. Bei der Bür- gersteuer habe die Sozialdemokratie auch abgelehnt: sie überlasse die Stadt ruhig ihrem Schicksal, wenn sie mittragen solle an den Steuern. Der Redner macht auch für das Handwerk geltend, daß man es nicht mehr mit Steuern belasten könne, und er weist in diesem Zusammenhänge auf die Eingaben der Handwerkskammer und der Handelskammer hin. DieW assergelder Höhung lehne seine Fraktion gleichfalls ab, weil diese Last den Hausbelitzer einseitig treffe, auch toerm die Miete erhöht werde. Wenn eine Mieterhöhung eintrete, werde auch wieder die Wirtschaft belastet, da bann die Geschäftsinhaber zu den anderen erhöhten Lasten auch noch mit stärkeren! Ausgaben für ihre Geschäftsräume, wenn diese gemietet seien, zu rechnen hätten. Der Redner erinnert daran, Dafj bei der Verabschiedung des Voranschlages ein Antrag seiner Fraktion angenommen worden sei, nach dem die Verwaltung 50 000 Mark einsparen und Pis zum November dem Hau'e darüber Vorlage machen solle: bis jetzt sei daraufhin kein Nachweis, ja noch nicht einmal eine Antwort erfolgt. Cs gehe nicht so weiter, daß man auf der Einnahmeseite immer nur Erhöhungen Eintreten lasse, man müsse auch aus der Ausgabenseite zu Senkungen kommen. So wie bisher könne es mit Steuererhöhungen nicht weitergehen. Der Staatskommissar könne auch in der Republik nichts holen, wenn nichts da sei. Stadtraismiigl.§ischer(Arbg.d.Mitte) bezeichnet die neueste Verordnung der Reichsregierung vom 24. Dezember über die Rückwirkung der Steuern als bedauerlich, daß sie die weitgehende Mehrheit für eine Steuergenehmigung nun nicht mehr wahrscheinlich mache. Rückschauende Betrachtungen über die Finanzgebarung der Stadt in den letzten Jahren hätten jetzt keinen Zweck mehr. Cs sei bereits eine älebereinstim- mung mit der Verwaltung erzielt gewesen, die Eteuererhöhung ab 1. Dezember durchzuführen. Durch die neue Notverordnung der Reichsregierung fei diese Regelung hinfällig geworden. Angesichts der jetzigen Sachlage und im Hinblick auf die großen Erfordernisse des nächsten 3ahves ircröc er für den 21 ntvag der Stadtverwaltung stimmen. Wer gegen eine solche Entscheidung Dorwürfe erheben wolle, müsse sich doch selbst einmal die Frage vorlegen, was kommen werde, wenn das Haus ablehne. Wenn die Steuercrhöhung abgelehnt werde, seien noch die Werktarise da, bei denen dann zur Deckung des Fehlbetrags die Preise wie folgt steigen würden: Elektrizität von 49 Pf. auf 63 Pf. je Kilowattstunde, Das von 21 Pf. aus 30 Pf. je Kubikmeter. Messer von 25 Pf. auf 40 Pf. je Kubikmeter. Eine solche Tariferhöhung könne man nicht mit- machen, beute werde der Elektrizitätsstrom in Wieseck billiger abgegeben als in Diesten. Wenn alle diese Wege nicht gegangen würden, werde totsicher der S t a a t s k o m m i f s a r kommen, und dieser werde ein hundertprozentiger Finanz- diktawr sein. Er solle aber nicht nur die Einnahme-, sondern auch die Ausgabeseite prüfen. Gr werde die Steuersätze und vielleicht auch die Höhe der Werktarife vorfchreiben. Wenn er womöglich aus der Ausgabenseite nichts zu streichen finden werde, dürste er die Ginnahmeseite ganz anders gestalten als der Stadtrat. Das werde nicht besser, sondern sicher schlimmer werden. Das Handwerk hungere nach Qlrbci., und die Aufträge kämen nur spärlich. Für gröbere Arbeiten fei jetzt nur die Stadt der größte Arbeitgeber, der Aufträge zu vergeben habe. Bei dieser Lage sei es denkbar, dast man im Handwerk lieber eine Erhöhung der Gewerbesteuer in Kauf nehme, als eine Stillegung der Betriebe. Furchtbar sei nicht die S t e u e r e r h ö h u n g, sondern dast sie in diesem Augenblick komme. Unter diesen Umständen sei es zu verantworten, was die Verwaltung wolle. Wenn heute der Antrag der Verwaltung angenommen werde, dürfte es wohl heftige Kritik in der Stadi geben, aber nach einem halben Jahr dürften dieselben Bürger dem Hanse schwere Vorwürse machen, wenn henke abgelehnt werde. Ans diesen Erwägungen heraus sei er für ben DerwaltungSantrag. Gtabiraismitgl. Goerz (ArbeitSgem. der Mitte) nimmt zunächst Stellung gegen die von Herrn Horn schon kritisierte Begründung des Verwaltungsantrages, gegen die auch er sich verwahrt, und erinnert daran, dast der Stadtrat in diesem Jahre schon rund 700 000 Mk. Aus- gleichsmittel bewilligte, die noch nie in diesem Ausmaß angesordert wurden. Wenn dieser hohe Betrag zur Verfügung gestellt wurde, so sei damit erwiesen, dast der Stadtrat fick seiner Verantwortung bewußt sei. Es sei daher sehr bedauerlich, daß die Stadtverwaltung in der Antragsbegründung unhaltbare Angriffe gegen den Stadtrat erhoben habe. Auch in den früheren Jahren habe der Stadtrat immer in ausreichender Weise Mittel zur Verfügung gestellt: so seien nach den Rechnungsabschlüssen allein beim Wohlfahrtsamt folgende Beträge gegenüber den Bewilligungen übrig geblieben: 1925 -- 262 000 Mk., 1926 96 000 Mk.. 1927 245000 Mk., 1928 - 120 000 Mk. Diese Beträge seien inzwischen für andere Etatspositionen verausgabt worden, die man nicht hätte ein« halten können. Wenn man zur Zeit der Bewilligung diese Zisfern erwartet hätte, wäre man noch nicht einmal auf die bisherigen Ausschlags- sätze gekommen. Der Stadtrat sei also seiner Verpflichtung für die Stadt nachgekommen. Der Redner kritisiert dann eingehend die von der Verwaltung in der Begründung ihres Antrages veröffentlichte Gegenüberstellung der Sähe in den verschiedensten hessischen Städten und, zieht dabei einen Vergleich zwischen den Grundsteuersähen für Gebäude in Gießen und in Mainz, wobei er zu dem Ergebnis kommt, daß Gießen unter Berücksichtigung von Rebenleistun- gen. die in Mainz in dem Ausschlagssatz ent- halten sind, auf den gleichen Satz von 70 Pf. wie in ganz Hessen kommt. Der Redner erklärt mit Rachdruck, die Zahlen der Verwaltung seien Die kleine Aicolette. Vornan von Paul Hain 5. Fortsetzung. Nachdruck verboten. 2lber Wördehofs stand aus, lachte kurz, und wandte sich ab. ..Ich sehe, wir verstehen uns wirklich nicht", sagte er nur und ging hinaus. Rorma blickte ihm nach. Stampfte mit dem Fuß auf. Wie stolz er davonfchritt! Den Kops in den Racken geworfen. Sich verächtlich von ihrer sieghaften Schönheit abwendend! Gr blieb ein Rarr. Er lieh sich nicht bekehren. Er änderte nichts oh dem Stück. Und sie hattL so grohe Hoffnungen gehabt! Was sollte sie nun Hollmann sagen? Die Tür fiel ins Schlost. Sie war wieder allein. Aergerlich ging sie auf und ab. Betrachtete in dem hohen Spiegel ihr Bild. Und diese Frau, die ihr da entgegenblickte, sollte keinen Zauber mehr auf — Hubert ausüben? Hatte er sie wirklich — so gut durchschaut? Lebte er doch im Innersten in einer anderen Well als sie? Hatte ihn nur ihr Ruhm, ihre Persönlichkeit berauscht? Und war der Rausch vorbei? Mißmutig lehrte sie sich ab. llcbcrlcgtc eine kurze Weile. Dann schritt sie zum Telephon und nahm den Hörer aus der Gabel. ..Hallo —" Die Verbindung war hergestellt. „Duchholh. Sie selbst? — Danke, wie soll's gehen? Einen Tip? Hm, andermal. Ihr letzter Tip war eine so fette Pleite, dast ich genug davon habe. Wie? Richt vorauszusehen gewesen, daß sich das Pferd die Sehne zerreißt? Ra ja. 2llso, hören Sie mal. Ich bin heute schlechter Laune, und Im Theater hab' Ich nichts zu tun. Wollen Sie mitkommen zum Spielllub? Sie wissen doch „Rouge et noir." Schön, abgemacht! Wie? Var- nowsky macht mit, der Maler? Auch gut. Retter Mann. Die silberne Medaille gekriegt? Der junge Mensch? Sein, fein, ich werd' Ihm heute persönlich gratulieren. Scheint ja eine große Zukunft zu haben, der Barnowsky! (Sin Maler unserer Zeit, natürlich! DaS gefällt mir an ihm. Wie?" Sie lachte klingend auf. ..Lassen Sie ihn doch schwärmen, Buchholtz. Es schwärmen ja so viele für mich. Vielleicht schwärme ich auch noch für ihn! Aber dann muß er schon die goldne Medaille kriegen. Eher nicht. Oder — ab, Sie Frechdachs.' Also im Irreführend, er wünsche, oaß das zur Veröffentlichung kommende Material hieb- und stichfest sei. Die Vorwürfe der Verwaltung seien durchaus unangebracht, auch frühere Stadtratsmitglieder seien empört über diese Vorwürse. Der Redner fordert zum Schluffe von der Aeichs- gesetzgebung andere, gerechtere Grundlagen für die Steuern der Kommunen zur wirksamen Aus- rech ter Haltung der kommunalen Selbstverwaltung: z. V. Dchasung einer Gemeindeeinkommensteuer. Wenn heute, nachdem die Aeichsregle- rung durch ihre Rotverordnung vom 24. Dezember die Rückwirkung der Steuer ab 1. April fordere, der Antrag der Verwaltung angenommen werde, sei vielleicht später manches auszugleichen. Der Stadtrat habe die Möglichkeit, die Sache in seinem Sinne au führen und Härten zu beseitigen, wenn er sich den Beschluß nicht aus der Hand nehmen lasse. Wenn aber der Staatskommissar komme, werde diese Möglichkeit nicht gegeben fein. Bei dieser Erwägung entscheide er sich, wenn auch schweren Herzens, für den Antrag der Stadtverwaltung. Stadtratömiigl.Launsipach(Wirtschpt.) betont, feine Fraktion könne die Verantwortung nicht auf sich nehmen, einer Steuererhöhung zuzu- stlmmen, weil sie heute schon wisse, daß die meisten nicht mehr zahlen könnten. Handel und Gewerbe sollten weiter belastet werden, während die Stadt uneingeschränkt leben wolle. Die Stadt müsse ihre Ausgaben nach den Einnahinen richten, nicht umgekehrt. Mit der Drohung des Staatskom- missars möge es kommen, wie es wolle, auch der Staatskommissar könne nur Brot essen, wenn er welches habe. Von ' den kleinen Handwerksmeistern habe ein großer Teil nicht das Einkommen, das heute ein Wohlfahrtsempfänger bekomme. Seine Fraktion wehre sich gegen diese Steuern, wie sich die Sozialdemokratie gegen die 6 Mk. Bürgersteuer gewehrt habe. ötobfratemitgL Kästner (Komm.) und Loh (Nats.) sprechen sich gegen die Vorlage aus, wobei Herr Loh von einer „Ausplünderung der Armen" in Reich, Staat und Kommunen f pricht, den Abbau der oberen Gehälter fordert und fragt, wo die Besteuerung der Konsumvereine bleibe. Stadtraismitgl. Horn (Arbg. d. Mitte) weist die 'Behauptung des Herrn QH a n n entschieden zurück, dast die Arbeitsgemeinschaft der Mitte in Abhängigkeit von der Wirtschaftspartei geraten fei, seitdem diese im Stadtrat weile. Diese Behauptung sei unzutrefsend. Sehr oft habe sich gezeigt, daß die 2lrbeitsgeineinschaft folgerichtig ihren Weg allein gegangen fei und ihre Anträge zur Annahme gebracht habe. DieDeutsche Vo kspartei mache jetzt im Reich und Staat allenthalben Front dagegen, dast noch in zwölfter Stunde Steuern erhöht würden: wenn sie hier trotz allerschwerster Bedenken und trotz der Haltung der Partei im Reich und Staat bereit sei, unter Ablehnung der Rückwirkung ab 1. April mit Geltung vom 1. Dezember ab weitere Lasten zu beschließen, so beweise das, in welch hohem Maste sie sich verantwortlich fiir die Entwicklung der Stadt fühle. Stadttaismitgl.Loeber(Arbg.d.Mitte) erklärt als Vertreter des Handwerks, daß der Antrag der Stadtverwaltung in der jetzigen schweren Zelt ihm im ersten Augenblick unverständlich gewesen sei. Wenn man sich ober bei diesem Dilemma von heute in die Lage der Stadtverwaltung versetze, dürfe man der Stadtverwaltung nickst allein die Schuld geben. Schuld daran feien auch viele Mitglieder des Stadtrats. Der ÖDcrbürgcrmciftcr habe oft darauf aufmerksam aemacht, daß die mancherlei Projekte auch Geld kosten und die Zinsen dafür nur durch Steuern hcreingeholt werden könnten. Aber in der letzten Zeit habe der Oberbürgermeister zu sehr der ümten nachgegeben und sich von Herrn Mann beeinflussen lassen, und das sei mit Schuld an dem Dilemma. Nachdem von der Zentrale der Sozialdemokratischen Partei den sozialdemokratischen Parteivertretern in den Stadtparlamenten die Real, stenererhöhung noch vor dem 31. Dezember dringend nahegeleat worden sei, habe Herr Mann auch hier sein Möglichstes in diesem Sinne getan. Es sei leicht, Steuern zu bewilligen, wenn man selbst nicht dazu beitrage. Wie gehe es heute den meisten Ge- schästsleuten? Man könne noch nicht einmal sein Haus renovieren lassen, weil man das Geld dazu nicht habe, weil man zu sehr mit Steuern überlastet sei. Sei es denn kein Unrecht, ein Haus, das im Jahre 1913 einen Steuerwert von 20 000 Mark hatte, heute aber nur noch einen Wert von 10 000 Mark darstelle, für die Steuer mit 20 000 Mark zu bewerten? Wo sei da noch Gerechitgkelt? Auf solchem Unrecht sei das ganze Steuerwesen aufgebaut. Dieses Unrecht hätte schon längst beseitigt werden müssen. Richtig wäre die Einführung der progressiven Ein- fommcnftcuer. Für den Grundbesitz an Gebäuden solle jetzt 2 v. H. mehr Miete gewährt werden, aber für den Besitzer von Bauplätzen schaffe man noch nicht einmal einen Groschen Erleichterung. Auf dem unbebauten Grundbesitz lasteten heute sieben Steuern, das sei die kalte Sozialisierung. Das könne nicht als gerecht angesehen werden. Die Gewerbesteuererhöhung allein mache es nicht, sondern die g c • f a m t e Steuerlast erdrossele den Handwerker. Mancher Handwerker habe noch einen gewissen Stolz, daß er nicht stempeln gehe, obwohl es ihm immer schlechter gehe, vielleicht noch schlechter als manchem Arbeitslosen. Der Redner fordert zum Schluß Gerechtigkeit auch für das Handwerk und Gewerbe, damit es wieder hochkomme, Gerechtigkeit für jeden Stand. Stadttaiöniitgl. Lepper (Komm.) spricht gleichfalls gegen die Vorlage, wobei er er« klärt, die Verwaltung gehe darauf aus, die Klein» ften auszupowern. Beigeordneter Or. Hamm bemerkt zu diesem Vorwurf des Vorredners, Herr Lepper habe allen Anlast, zu schweige n, nachdem er als Stadtratsmitglied einen Erwerbslosen veranlastt habe, der Stadtverwaltung bei einer Unterstühungssache bewußt unwahre Angaben zu machen. (Hört! Hört!) Diese Erklärung des Erwerbslosen sei portokollicrt und befinde sich bei den Akten. Der Mann habe angeben sollen, seine Frau befinde sich hier In der Klinik, obwohl seine Familie gar nicht hier wohne. Stadttaismiigl. Mann (Soz.) spricht gegen den Antrag der Arbeitsgemeinschaft der Mitte, den er als gesetzlich nicht zulässig bezeichnet. Siadttaismiigl. Or. Gumbel (Soz.) vertritt in längeren Ausführungen nochmals den sozialdemokratischen Standpunkt und fordert Annahme des Antrages der Stadtverwaltung mit Ausnahme der Mieterhöhung. Hierauf gelangt ein Antrag der Wirtschaftspartei auf Schluß der Debatte zur Annahme. Nie Abstimmung. Zur Entscheidung steht zunächst der oben abgedruckte Antrag der Stadtverwaltung. Ferner liegt der folgende 21 n t r a g de r Arbeitsgemeinschaft der Mitte vor: Anträge der Fraktion Arbeitsgemeinschaft der Mitte. l. 1 Der Hundertsatz der gesetzlichen Miete wird ab 1. 12. 1930 um 2 Prozent erhöht. 2. Das Wassergeld wird vom 1. 1. 1931 ab von 25 auf 28 Pf. je Kubrkiyeter erhöht. 3. Der Stadtratsbeschluß vom 28. 11. 1930 über die Erhebung einer Wasseranschluh. gebühr wird aufgehoben. Oer 70jährige Bölfche. V 1 1 WilhelrnBölsche.der Autor zahlreicher naturphilosophischer Werke über Kosmos und Erde, über Werden und Leben von Tier und Mensch, wird am 2. Januar 70 Jahre alt. In Bölsches Büchern vereint sich in einzigartiger Weise wissenschaftlicher Wert mit dichterischer Form. 4. Mit Wirkung vom 1. 12. 1930 werden erhöht: a) die Gewerbesteuer vom Ertrag von 220 auf 280 Ps. b)Die Grundsteuer von Gebäuden von 27 auf 33 Pf.; der Satz für Bauplätze bleibt mit 27 Pst bestehen. Diese Anträge werden unter der Voraussetzung vorgelegt, daß bei Beratung des Qtor* anschlags 1931 über eine mögliche Senkung des Wassergeldes sowie der Realsteuersätze erneut beraten werden soll. II. Anter der Voraussetzung, daß der Finanzausschuß ermächtigt wird, bei vorliegend den Härten a) bei Veranlagung von Bguplätzen, b) bei der Gewerbesteuer vom Kapital von dem Milderungsparagraphen (aus Dilligkeitsgründen) Gebrauch zu machen, wird auch dein Antrag der Verwaltung zu- g e stimmt, allerdings nur, wenn die erhöhte,» Sätze ab 1. 12. 1930 in Kraft treten, um hierdurch zu der Einigung mit der Verwaltung zu kommen» Anträge über denAbstimmungHnwdttö Die sozialdemokratische Fraktion beantragt, über den obenstehenden Verwaltungsantrag Satz für Sah ab st im men zu lassen. Stadtratsmitgl. Goerz (Arbgem. d. Mitte» beantragt demgegenüber g e s ch l o s s e n e A b st i m- mung über den Verwaltungsantrag, worauf Herr Mann (Soz.) erklärt, daß seine Fraktion in diesem Falle geschlossen gegen den Verwaltungsantrag stimmen werde. Oberbürgermeister Dr. Keller empfiehlt geschlossene Abstimmung. Das Haus lehnt den sozialdemokratischen Antrag auf getrennte Abstimmung gegen die Stimmen der Linken a b und entscheidet sich für die geschlossene Abstimmung. Oie Entscheidung. Für den Antrag der Stadtverwaltung (f. oben) stimmen die oben genannten Mitglieder der Verwaltung und die Stadtratsmitglieder Fischer, Goerz, Jrau Dr. Marx und £eop. Mayer; dagegen stimmen 17 Mitglieder, die Bild? Um neun Uhr, ja. Und schön wie eine Königin. Addio — auf Wiedersehen!" Sie legte den Hörer zurück. Ihr Gesicht hatte sich mit einer seinen Röte überzogen. Mit langsamen, wiegenden Schritten ging sie in ihr Boudoir hinüber. 4. Während einige ©tunben später Rorma im Auto davonfuhr, um sich mit Buchholtz und Barnowsky zu treffen und in einem mondänen Spielklub der prickelnden Rervensensation der Karten oder der glückbringenden roten Kugel hinzugeben, wanderte Wördehofs in seinem Studio auf und ab. Die Hände in die Taschen vergraben. Dunkelheit war um ihn. Gr hatte kein Verlangen danach, das elektrische Licht anspringen zu lassen. Erinnerung war in ihm wach geworden, von Rormas spottvollen Worten geweckt. Ricolette Kinna! Hut) der Professor! Hatte Qlorma doch recht gehabt? llnfinn! Sv nicht, wie sie es meinte. llnö dennoch! Er wußte es jetzt mit einem Schlage selbst. Die Helge in seinem Stück — sie trug Ricoleties Züge. Unbewußt hatte er da etwas von dem Wesen dieses jungen Mädchens hineingetragen — und es war schon so: Seit damals, da er die Belanntschast des Professors und seiner Tochter machte, war der alte Wörde- hoff in ihm, der ohne gesellschastlichen Ehrgeiz war, ohne Großtuerei, wieder lebendig geworden. Seit damals, da er ein paarmal die reine Aähe dieses Mädchens, ihre zarte Ratürlichkeit geatmet hatte, war ihm wieder der Blick für die geschminkte, gekünstelte Umwelt, in der er lebte, geschärft worden. 3a, jetzt wußte er es. Damals hatte fein Erwachen begonnen. Und hatte das wirklich Qilcolcltc bewirkt? War es nicht einfach die Klarheit und Reinheit eines Menschenwesens gewesen, das für wenige Wochen in seine Kreise getreten war? Schicksal! 'Daß er bewußt ihr nachgeträumt hätte, nachher, nein, darin hatte Rorma nicht recht! Es war alles so unbewußt und ohne Ziel gewesen. Run aber wurde alles lebendig in ihm. Professor Kinna! Ein alter Herr, deutlich sah er das Gesicht vor sich, der als Liederkonrponist bedeutend war und viele Jahre lang die Breslauer Oper leitete. Wördehofs hatte ihn persönlich nie gekannt. Dann hieß es in Theaterkreisen, daß Kinna, dessen Gattin schon lange tot war, sich ins Privatleben zurückziehen wolle. Hier und da versuchte inan, ihn noch für einige Gastspiele als Dirigent vor- übergehend zu gewinnen. Und so hatte er auch hier an HollmannS Bühne im Herbst einige. Wochen lang gewirkt. Es war sein letztes Engagement. Hollmann hatte bei dieser schnell improvisierten Opernepisode fein schlechtes Geschäft gemacht. So wurde Wördehofs mit ihm bekannt. Es war eine flüchtige Bekanntschaft, die sich eigentlich nur auf die Begegnungen im Theater beschränkte. Einmal kam man auf einer größeren Geselligkeit zusammen, aber Kinna liebte die Buntheit und die laute Lebendigkeit solcher Feste nicht mehr. Und Ricolette? O ja, Wördehofs entsann sich deutlich ihres liebreizenden, immer etwas scheuen Wesens, und wenn er einige Worte mit ihr sprach, so fühlte er sich seltsam froh. Sie war ein letztes, spätes, kostbares Vermächtnis der toten Mutter, so hatte sich einmal Kinna ausgedrückt. Und es war ein schöner Qlnblid, Vater und Tochter zusammenzusehen. Sie mußte mit einer innigen Zärtlichkeit an ihm hängen. Rorma schien nicht sonderlich viel von Kinna zu halten, und sie sagte damals einmal zu ihrem Gatten — auch dessen erinnerte er sich nun: „Ex ist ein alter Mann. Man sieht ihm an, daß ihm der Taktstock schon zu schwer wird. Er tut gut daran, daß er.den Platz Jüngeren räumt und sich nur noch der Liederkomposition widmen will." Mit Ricolette hatte sie kaum einige Worte gesprochen — sie, die große Rorma 2kelson! Wahrhastig, er hatte nicht einmal Gelegenheit gehabt, sie als seine Frau vorzustellen. Sie war eben die Relson. 3a — so flüchtig war diese Bekanntschaft gewesen. Und dennoch! Sie mußte doch zutiefst in ihm nachgeklungen haben! 3etzt — wie deutlich sah er Ricoleties helle Augen schimmern! Qiicolcttci Ein absonderlicher Rame! — Hatte er ihn wirklich eben laut gesprochen? — Er lächelte in sich hinein. Aber wie kam nun Rorma darauf — ihn mit diesem Mädchen in Verbindung zu bringen? Also mußte sie doch — schärfer auf ihn geachtet haben, damals, auf ihn und Ricolette Kinna. Ganz heimlich! 3a — warum? Und plötzlich dämmerte Ahnung In ihm. _ Das war eben ganz — Rorma Relson, die Salondame, die feine Beobachterin, Künstlerin, Schauspielerin auch im Privatleben. Sie hatte beobachtet — sich verbohrt in ben Gebauten - er könnte mit Ricolette Kinna - irgendwie — harmonieren. DaS Wesen des Mädchens, ihre liebliche Anmut, die so ganz anders als ihre eigene starke Schönheit war, hatte sie wohl selbst mehr ergriffen, als sie erkennen lieh. Dann aber war jene Episode vorbei. Kinna und seine Tochter verschwanden aii8 dem Gesichtskreis — Rorma hielt es damals nicht für nötig, von ihrer vermeintlichen Beobachtung zu sprechen. Sie - hatte das CBkrben seines neuen Stückes mitcrlcbt — hatte gemerkt, viel besser ja als er, wie darin die Gestalt jenes Mädchens irgendwie weiterlebte. 3a doch — er gab es selbst zu — die Erinnerung mochte ihn hier inspiriert haben. Aber Qiorma schwieg. Schwieg und amüsierte sich und zeigte immer deutlicher ihre wahre, kleine, menschliche Persönlichkeit. 2lus Zorn? Gleichgültigkeit! Mußte er der kleinen 2licolette nicht dankbar sein, daß — es war doch nicht anders — sie so unbewußt, ahnungslos. Rorma Relson sich in ihrer wahren Gestalt zeigen lieh? Daher ihre Abneigung gegen dieses Stück! Sie glaubte — es enthielte ein Geheimnis, daS Geheimnis seiner stillen Liebe zu einer andern. Und heute, da sie sich von ihm durch seine Vorwürfe gebemütigt fühlte, glaubte sie, einen Trumpf auszuspielen, wenn sie ihm zurief: ,3ch kenne dein Geheimnis! So sieht es aus!" O — wie sie irrte! Wördehofs schüttelte unwillkürlich den Kopf. „Rein, so ist das nicht, Rorma", dachte er, „so nicht! 3ch hatte Qlicolettc vergessen — nur etwas von ihrem Wesen war in mir zurückgeblieben, von der Sehnsucht ihrer reinen, klaren Augen und von der leisen Musik ihrer Stimme. DaS erinnerte mich wohl wieder an mich selbst — an meine Seele, die du nicht verstanden hast. 2iorma. Aber nun — nun weiß ich, daß ich mich nicht mehr von deinen Lockungen werde beirren lassen. 3ch verrate meine Kunst nicht. 3cne Augen leuchten aus unbekannter Ferne zu mir und warnen mich. Einmal wirst du das doch verstehen, Rorma, ich will dir jetzt nicht zürnen." Und weiter wanderte er durch daS dunkle Zimmer auf und ab. Wie einer, der in einem Käfig ist. Und plötzlich blieb er stehen, legte die Hande auf die Stirn und murmelte: „Olein — ich habe dich doch nicht vergessen, Ricolette! Rein, nein, sic hat recht! 3ch habe dich im tiefsten nicht vergessen, obwohl wir nur wenige Worte miteinander gesprochen haben. Wo bist du? Aus meinem — Käfig grüße ich dich, du Ferne. 9Bo du auch seiest!" Er sank in einen Sessel. „3dj habe mich selbst gefangen", dachte er mühsam. „3d) habe geglaubt, ich müßte einen bunten, schillernden Schmetterling besitzen, und da ich ihn habe, erkenne ich, daß seine Farben nicht echt sind. Ollan soll nicht sangen wollen, was nur zum Gaukeln bestimmt ist!" Lange saß er so. Die Zeit verrann. Gr merkte cS nicht. Er war mählich in Träume eingesponnen, eingeschlafen. (Fortsetzung folgt.) übrigen enthalten sich der Stimme. Der Antrag ist somit abgelehnl. 5 n r den Antrag derArbeitsgemeinschaft der Mitte stimmen 13 Mitglieder; Oberbürgermeister Dr. Keller erklärt für sich Slimmenenl- hallung, die übrigen 24 Mitglieder sind gegen den Antrag. Las Ergebnis: Lämtliche Teckungsanträge sind abgelehnt. Oberbürgermeister Dr. Keller verläßt sofort nach oer Abstimmung die Sitzung. Einschränkungen bei der Straßenbahn in Sicht. Bürgermeister Dr. Seid sucht noch um die E r - machtigung für die Betriebsdeputat i o n nach, über gewisse EinschränkungS- mahnahmen bei der Straßenbahn selbständig beschließen zu dürfen Durch die Ungunft der wirtschaftlichen Verhältnisse sei auch die Frequenz bei der Straßenbahn so stark zurückgegangen, daß für dieses Iahr mit einem Jayres-Fchlbetrag der Straßenbahn von 60 COO Mk. zu rechnen sein werde, während nur 45 000 QHL bewilligt seien Die restlichen 15000 HIL könnten unmöglich noch herein- gcbolt werden, auch nicht durch die jetzt eingeführte Derteuerung der Fahrscheinhesichen, Die zum alten Preis von 80 Pf. statt visher 6 nur noch 5 Fahrscheine enthalten. Wenn rechtzeitig das Erforderliche getan werde, bestehe die Hoffnung, die Straßenbahn zu erhalten. Die Betrieb-Deputation erhält die nachgesuchte Ermächtigung. 3n einer persönlichen Bemerkung wendet sich Etadtratsmitgl. Lepper (Komm.) gegen den Beigeordneten Dr. Hamm, ohne aber dessen Behauptung, wie oben berichtet, entkräften zu können. Es folgt eine nichtöffentliche Sitzung. SJ.-fporl Fußball her Gießener Mannschaften. DaS Privatspiel der Spielvereinigung (Ligamannschaft) gegen die Germania 94 Frankfurt endete mit einem 2:0-Sieg Der Gäste, ein Sieg, der jedoch nicht sehr überzeugend errungen wurde. Vielmehr hätte ein 2:1 oder ein Unentschieden dem Spielverlauf entsprochen. Eine kombinierte Iugendmannschaft Der 1900er weilte in Wiesbaden zu Gast und gewann gegen den Gastgeber mit 3:0. Die zweite Mannschaft spielte gegen Daubringen unentschieden 2:2. Unglücklicher war das Auftreten Der VsDer am gestrigen Sonntag. Kehrte schon Die Liga, wenn auch knapp, so doch geschlagen von Fulda zurück, so wurde auch die zweite Mannschaft von Watzenborn-Steinberg mit 5:3 niedergehalten Di« dritte Mannschaft verlor gegen Garbenteich mit 4:1, das Spiel der Iugendmannschaft gegen Heuchelheim, das auf dem VfB.-Plah stattsand, wurde beim Stande von 1:0 für VfB. abgebrochen. Fußball in Hessen-Hannover. Erwartete Ergebnisse. Die Spiele des letzten Sonntags im alten Iahrc in Hessen-Hannover litten sehr unter den schlechten Bodenverhältnissen. In Marburg ließ man daS vorgesehene Treffen Kurhessen Marburg gegen Ockershausen wegen des grundlosen Platzes aussallen. Alle anderen Spiele nahmen Den erwarteten Ausgang. Sport Kassel hatte nicht viel Mühe, Hessen Hersfeld mit 4:0 zu schlagen. Die Kasie'cr übernehmen vorerst durch diesen Sieg Die Führung Der Tabelle in der Südgruppe, von Der sie Kurhessen Marburg verdrängt hatte, wobei jedoch zu berücksichtigen ist, daß die Marburger Kurhessen mit 3 Verlustpunkten weniger und die Fuldaer Borussen mit 2 Verlustpunkten weniger relativ günstiger dastehen. Germania Fulda schlug Den VfB. Gießen in einem mäßigen Spiel 2:1. In Der Rord gruppe fanD nur ein Treffen statt. Hier sicherte sich Hessen 09 Kassel mit einem 4: 2-Sieg über Den FE. Grone die Punkte. Um die süddeusscbe Fußballmeifterschast In der Gruppe Württemberg hatte die Punktgleichheit Der Vereine Stuttgarter Kickers, VfB. Stuttgart unD FC. Pforzheim Entscheidungsspiele um Den zweiten unD Dritten Platz notwendig gemacht. Am ersten Feiertag schlug der FC. Pforzheim den VfB. Stuttgart in der Verlängerung mit 3."2 und hat damit hinter Union Böckingen den zweiten Tabellenplatz erobert. Um den dritten Platz tragen am Sonntag noch VfB. und Kickers Stuttgart einen weiteren Cnlscheidungskampf aus. Das entscheidende Spiel um den dritten Platz der Gruppe Rordbaycrn findet am 4. 3a- nuar zwischen den beiden punktgleichen Mannschaften von BfA. Fürth und Bayern Hof in Würzburg statt. Köln-Sülz muß Lohnsteuer bezahlen. Dem westdeutschen Fußballverein Köln Sülz 07, der bekanntlich nach einer Klage des internationalen Spielers Swa losch diesem noch rückständige Spesen zahlen mußte, werden jetzt von der Steuerbehörde insgesamt 5000 Mark rückständige Lohnsteuer abverlangt. Dem Kölner Verein wird wohl nichts anderes übrig bleiben. als diesen Betrag zu zahlen. Er kann dabei noch froh fein, wenn er nicht noch mit einer entsprechenden Ordnungsstrafe beleg: wird. Oer süddeutsche Verband „verbietet^. Der süddeutsche Fußball- und Leichtathletik- Verband hat zu einem großen Schlage ausgeholt, der die in letzter Zeit aufgetretenen .Interessengemeinschaften" betritt. 3n einer längeren amtlichen Erklärung verbietet der Verband mit sofortiger Wirkung alle sogenannten Interessen- gemeinschaften, wenn ihre Ziele und Zwecke anderer Aatur sind, als das Epielsystem zu betreffen. Auch die Erhebung von Umlagen zum Zwecke Der Finanzierung von Zusammenkünften usw. wird von dem Verbot berührt. 3n erster Linie richtet sich dieser Schritt natürlich gegen die „Großvereine" und wird wahrscheinlich in engster Fühlung mit Dem DFB. geschehen sein. Die große Aktion Der Großvereine Durfte Damit wirkungslos verpufft fein und Der VerbanD bzw. Der Bund sind toieDer Herren Der Situation. Es bleibt alles beim alten und wird weiter gewurschtelt. Ladoumögue gegen Or. pelher auch in Frankfurt? Das am 24. 3anuar in Der Frankfurter Fest- Halle stattfindende Hallen voctfest scheint ein sportliches Ereignis allerersten Banges zu werden. Cs ist wahrscheinlich, daß Dr. Pelher und Der französische WeltrekorDmann Ladournögue einen Lauf über KOO Meter bestreiten. 3m Kugelstoßen werden H i r s ch f e l D und Altmeister Geo Drechenmacher teilnehmen, zu Dem Sprinter- Dreikampf ist auch BeigbeDer-Frankreich verpflichtet worden. An Dem Hürdenlauf werden sich u. a. Der deutsche Weister Welscher, Der Turnermeister Prieh - Kreuznach unD Der Frankfurter Dtadionlehrer Zohlen beteiligen. Finnland und Schweden auch in Oberhof. Europameisterschaften im Skilauf. Zu Den vom 13. bis 16. Februar in Oberhof (Thüringen) stattfindenden Europameisterschaften im Skilauf wird wahrscheinlich auch Finnland nach Behebung der finanziellen Schwierigkeiten Drei Teilnehmer melden, und zwar die Gebrüder Lappalainen und den Springer Iärvinen, ein Mitglied Der bekannten Sportfamilie. Schweden erwägt ebenfalls die Entsendung einiger Teilnehmer, und zwar der Gebrüder Lindgren und Untterström. Kurze Sportnotizen. Bei den Verbandsspielen in Süddeutschland am letzten Dezember sonnt ag fielen noch einige weitere Entscheidungen. Stuttgarter Kickers wurden Dritter der Gruppe Württemberg, Fußball-Club Idar Dritter Der Gruppe Saar. Der Freiburger FC. muß in Die Kreisliga absteigen. In Der Gruppe Rhein wird es wahrscheinlich zu einem Entscheidungsspiel um Die Meisterschaft zwischen Phönix Ludwigshafen und SV. Waldhvf kommen. • Der Spanier Paolino will sich demnächst verheiraten. Anfang Ianuar reist er nach Amerika, kehrt jedoch schon im Februar nach Europa zurück, um in Paris gegen 3im Moloney zu boxen. Poseidon Köln trägt am 7. Februar in Paris einen Mannschaftskampf gegen den dortigen Club des RageurS auS. Der deutscheFußballmeisterHertha, DES. ließ sich vor 20 000 Zuschauern von Hun- gatia Budapest 0:7 schlagen, ohne nennenswerten Widerstand zu leisten. Der 9. Allgäuer Ski-Staffellauf wurde von Resselwang IV gewonnen. — 3m Harz fielen alle angesetzten Winter Port-Veranstaltungen dem Tauwetter zum Opfer. Cilly Auhem ist zur Riviera abgereist, um dort an Turnieren teilzunehmen. Die Kölnerin wird im Gemischten Doppel wieder mit dem Amerikaner Tilden zusammenspielen. Der Wiener Leichtgewichtler Haß stellte im einarmigen Reißen mit 85 Kilogramm einen neuen Welt.ewrd auf. Beim Darmstädter Hallen-Hand- baU turnier gab es folgende Rangfolge der teilnehmenden Mannschaften: 1. SD. 98 Darmstadt; 2. Pol. SV. Darmstadt; 3. Eintracht Frankfurt; 4. WAC. Wien. Wirtschaft Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 29. Dez. Tendenz uneinheitlich. Die erste Börse der neuen Woche eröffnete in eher etwassreundlichererHal- tung, obgleich von dem unsicheren Reuyorker Schluß voni Samstag (die übrigen Auslandbörsen waren geschlossen) keine Anr?gung auSging. Da man aber allgemein mit einer reibungslosen Ucbcrtoinbung des Ultimos im Zusammenhang mit Dem flüssigen Geldmarkt rechnet, schritt Die Spekulation auf einzelnen Märkten zu kleinen Deckungen, wobei die Danken zwecks Kurspflege zum 3ahresultimo etwas intervenierten. Die Kursgestaltung war gegenüber den Schlußkursen vom Samstag recht uneinheitlich. An einzelnen Märkten schien noch etwas Material herausgekommen zu sein, so daß teilweise Verluste bis au 2 Proz. Eingenommen werden mußten. Ebenso traten aber auch Gewinne im gleichen Ausmaße ein. Das Geschäft war etwas reger als an den Vortagen, doch dürften größere Posten kaum umgesetzt worden sein. Regere Rachfrage bestand am Chemiemarkt für Scheideanstalt, die 2 Proz. höher eröffneten. Farben und Rütgerswcrke gewannen je 1 Proz. Von Elektrowerten waren AEG., Siemens und Schuckert und Licht und Kraft bis zu 1.5 Proz. höher. Lahmeyer gaben geringfügig nach. Am Montanmartt setzten Phönix 1,75 Prozent höher ein, während Mannesmann nur behauptet blieben. Schwacher eröffneten Dauunternehmun- gen, Schiffahrtswerte und Kunstseideaktien, die Kursabschläge von 1 bis 1,75 Prozent zu verzeichnen hatten. Bei letzteren verstimmte Der neue Derlustabschluh der Dritisch-Demberg. Am Dantenmarkt gaben Reichsbankanteile 2 Prozent und Danatöank 1 Proz. nach, während DD.-Dank und Commerzbank von 1 bis 1,75 Prozent gewannen. Etwas höher lagen außerdem Deutsche Linoleum und Karstadt. Weiter fest lagen erneut Svenska, Die 8 Mk. höher taxiert wurden. Am Anleihemarkt zogen Altbesih 1,25 Prozent an, Dagegen lagen Schutzgebiete und Reubesitzanleihe nur knapp behauptet. Ausländer lagen geschäftslos. Rach Den ersten Kursen war es eher etwas schwächer, so Daß die erzielten Rotierungen nicht immer behauptet blieben. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 4,5 Prozent leicht. Monatsgeld war unverändert gesucht. Am Devisenmarkt lag Madrid wieder etwas schwächer. Im übrigen war das Geschäft nicht groß. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1975, gegen Pfund 20.3950, London gegen Kabel 4,8587, gegen Paris 123,60, gegen Mailand 93,76, gegen Madrid 46,20, gegen Schweiz 25,0150, gegen Amsterdam 12,0575. Berliner Börse. "Berlin, 29. Dez. Die erste Börse der neuen Woche eröffnete in allgemein wenig veränderter Haltung. Man hatte zwar vorbörslich eher schwächere Kurse taxiert und mit Abgaben des Auslandes gerechnet, ohne daß hierfür besondere Gründe Vorgelegen hätten. Die ersten Rotierungen lagen dann aber ganz uneinheitlich und basierten mehr auf Zufallsorders. Das Geschäft bewegte sich in engen Grenzen. Die Tatsache, daß die befürchteten Abgaben aber ausgeblieben waren, genügte, um bei Der Spekulation Deckungen für Die heutige Liquidation auszulösen. Von Stückemcmget war jedoch kaum noch die Rede. Eine ge Anregung ging von Den leichten Kursoefest.gu gen Der Rutschen Werte an Der Reuyorker Dcr .• tagborfc aus. Auch Die Meldungen auS Lon. ?n über die Verhandlungen im englischen Kohlen bergbau. Die eine Streikbewegung immer nr v nicht auSschlichen, wurden beachtet. Vollkommen aus dem Rahmen fielen Svenska, die ihre Aufwärtsbewegung um weitere 7 Mark fortseyten Dci Siemens & Halske betrug der AnfangSgeu 2.5 Prozent, bei AEG. 1,25 Prozent und b?t Farben 0,75 Prozent. Bemerkenswert schwach <-* öffneten Schiff ah rtSaklien, Die bis 1,5 Prvzen! erkoren, Kali Aschersleben mit minus 2.60 Pro zent, Sarotti minus 3 Prozent; Conti Gumrn Schubert & Salzer. Deutsche Erdöl und Rheinische Braunkohlen büßten bis 2 Prozent ein. Deutsche Anleihen lagen uneinheitlich. Reubesitz abbröt» BelnD. Don Ausländem gingen DoSnier um 0,5 Prozent zurück. Pfandbriefe uneinheillich. Reichs schuldbuchforderungen gut gehalten. Am Geld markt versteifte sich Der Satz für TageSgeld vor dem Ultimo auf 5.5 bis 7.5 Prozents nur vereinzelt hörte man einen Satz von 5,25 Prozent. Die übrigen Satze blieben unverändert: MoncllS- gclb 7 bis 8.5 Prozent und Warenwechsel etwa 5.5 Prozent. Auch nach den ersten Kursen herrsch te Geschäftslosigkeit vor. Verschiedentlich konnte man aber doch leichte Besserungen feststellen, die in der Hauptsache mit Deckungen zusammenhingen. Später konnten sich Die Erholungen aber nicht behaupten. Da von Den schwachen Kunstseidenotierungen eine gewisse Verstimmung ausging. Aku verloren im Verlause 2,25 Prozent und Demberg etwa 1,5 Prozent, wobei eine Pressemeldung über neue Preiskämpfe, die in Der europäischen Kunstseideindustrie bevorstünden. verstimmte. Auch Der gemeldete Derlustabschluh Der Dritisch-Demberg blieb in diesem Zusammenhang nicht ohne Einfluß. Kali Westeregeln wurden 3.5 Prozent niedriger festgesetzt, und fünfprozentige Mexikaner wurden 1 Prozent niedriger mit 13 nach 14 Prozent zur Rotiz gebracht. Frankfurter Lchlachtvicl,markt Frankfurt a. M.. 29. Dez. Auftrieb: 1128 Rinder, darunter 257 Ochsen, 66 Bullen, 410 Kühe. 320 Färsen; ferner 870 Kälber, 101 Schafe, 5186 Schweine. Es kosteten: Ochsen, vollsleischige. ausgemästete, höchsten Schlachtwerts, jüngere 53 bis 56, ältere 48 bis 52. sonstige vollfleischige, jüngere 42 bis 47; jüngere, vollfleischige Bullen, höchsten Schlachtwerts 51 bis 55, sonstige voll- Äige oder ausgemästete 46 bis 50; jüngere, rischige Kühe, höchsten Schlachtwerts 42 bis 45, onftige vollfleischige oder ausgemästete 35 bis 41, leischige 30 bis 34; vollfleischige, ausgemästete Färsen (Kalbinnen, Iungrinder), höchsten Schlacht- Werts 53 bis 56, vollfleischige 48 bis 52, fleischige 42 bis 47; beste Mast- und Saugkälber 73 bis 77, mittlere Mast- und Saugkälber 68 bis 72, geringe Kälber 60 bis 67; Wastlämmer und jüngere Mast- hämmel, Weidemast 45 bis 48, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 38 bis 44; Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 63 bis 66, vollfleischige Schweine von 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 64 bis 67. von 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 65 bis 67, von 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 65 bis 67. fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund Leben^ewicht 64 bis 66. Marktverlauf: Rinder ruhig, nahezu ausverkauft; Kälber und Schafe mittelmäßig, geräumt; Schweine rege, später ab- flauend, ausverkauft. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M, 29. Dez. Am Produktenmarkt war die Stimmung eher freundlich. DaS Geschäft war jedoch im allgemeinen sehr mäßig. Die Händler nahmen vereinzelt Käufe vor, so daß kleine Preisgewinne zu verzeichnen waren. Hafer und Gerste hatten zu säst unveränderten Prellen kleines Geschäft. Feinste Braugerste war etwas besser gefragt, da die Brauereien als Käufer auftraten. Das Mehlgeschäft war weiterhin schleppend. Futtermittel vernachlässigt und eher etwas leichter. Im allgemeinen bestand Zurückhaltung. Es wurden notiert (Die Prelle verstehen sich, für Getreide je Tonne, für Die übrigen Waren je 100 Kilo): Weizen (Hessen unD Provinz Hes en- Rassau,' Hektolitergewicht von 74 Kilo 265 bis 266; Roggen (Hessen, Prov. Hessen Ras au und Unter- fr anf en) 175 bis 176; Sommergerste für Brauzwecke 212,50 bis 217,50; Hafer, inländischer 155 bis 160; Weizenmehl: süddeutsches Spezial 0 40,50 bis 41,75; Roggenmehl 26,50 bis 27,50; Weizenkleie 9; Roggenkleie 8,75; Erbsen 25 bis 31; Linsen 25 bis 60; Heu, süddeutsches, 6 bis 6,50; Weizen - und Aoggenstroh, Drahtgepreßt 3 b.s 3,25; gebündelt 2,75 bis 3; Treber, getrocknet 10,50 bis 10,75. Tendenz: geschäftslos. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben Die Höhe Der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 6 v S)., Lombardzinsfuß 6 o Sj. Frankfurt a. M Berlin Schluß«! fürs | 1-übr- flure Schluß- für# tänfang» Nurs Datum 27 12 29 12 27 12 29 12 o% Deuttdx Reichrantekbe von 1927 85,75 — 85,75 _ 7% Teuriebe Reicbsanleide von 1929 100,5 100 Leu richt Ünl.-SHblöl.-GdiuIb mit Au »lot. Rechten 51,55 51,75 •I./5 51,75 Seifll. obne «u41ol.-Rechte 5,4 5,25 5.4 5,25 6% Ml. Bolll'taat von 1929 (rildiablb 102%) - - 87,75 - 88 — Oberbeilen Troolnt - Lnleide mit Ausloi.-Neckten 50 — _ _ Teuildic komm GautmelabL Anleihe Gerte 1 — _ 50 _ 6% irranll fap.-Sanl Öolbfle XIII unkündbar bk 1934 98,25 _ 7% Rrantl Pyp-Banl Dolbvle unlünbbai bt» 1933 92 _ _ 4J4% Rbetniiche dvp.-Banl Lian, tiolbvfe. 87,5 _ _ 6% Pr. (’anbeflb'i-nt'brtefanftaU. $fanbbriefe R. t V 100 100 _ 6% Pr eanbcfrianobrtrfanftalt »omm.-Cbl. t)l. 20. 97 — 97 7% Pi Lande»»'an vbrtesanstall, Sfanbbriefe R 21 97 97 abg. !8cuneg4.Cb:iflatü>- nen. rüdiablbai 1933 92 - I - - 4% Celteaeirbntüe tSoiDtente 4,80% Oesterreich« cke Gilberten« 4% Cefterreidtiidte üinbelUidy Wen« 4% UngarW ©olbrente . . 4% UngarW GtaatSreute v 1910 4K% btifll. von 1913 4% Unaariidte »ronenrentt 4% türftldw Zollanleibe von 1911 4% lürfiidx vagdadbadn-SiU Gerte ' 4% beifll Gerte II 5% «umihitfdw oeretab. tfiente von 1903 NumLnitche doeM Äentr von ISIS ....... 1% StamärrKSe Vereins. «arte — 2,1 1,25 __ 21,8 _ 17,4 — 18,25 — 1,35 1,35 3 —■ 3,05 — — — — 8,9 9 12.8 12.9 6,8 6,9 vranHurt a. V Serlln Schluß- rure 1-Uhr- Nur» SchluS- fur4 Anfang* Äurl Datum V. 12 29 12 27 12 29 12 bamburg.Smertta ‘Batet . . 61.5 60.5 62 60.5 Pamburg.Siidam Sampfidjifl 8 — — 159 160 Hanta Tatnr-fidiifi 10 — —— 122 121,5 NorbdeuNcker Llovb . . . S 64 62.6 64 62.9 Allgemeine $euH.tedtebllanfL 10 96 — 96,75 97 Barmer Bankvetctn 10 100,13 100 100.25 100 Berliner tzanbeiogeieUickast 12 118 — 119 119,25 Commerz uno Bnvar-Bant . 11 110,5 111.25 110.65 111.25 Tarmftlbter unD 9tettona!i>anl 12 149 148 148,5 148 Teutlche Ban! und Tteconto GeicUIchalt, . . . 10 108 109,75 109,13 109.75 Treedner Bant...... 10 108.5 108.25 109.5 Reichsbanl........ 12 229 227 228,5 227,25 91,75 93,25 92,75 94 Bergmann........ . 9 - — 113,25 111,75 Wein Lieienntg-geielllchasi. 10 93 — 92,5 93.25 Bicht und Rieft ... 10 109 109,5 108,5 109.25 gelten S ©uiHeaume . . . 79 — 79 78,75 Seieütchau für Clcttrfidte Unternebmungen . . . 10 88 — 88.25 89 Hamburger (HeftritttäU-Sede 10 — — 100 — Rbciniiche Ciehryttäf . . . . 9 — — 112 112 Schictiiche (rtettnju&i. . . . 10 — — 99.25 99,5 Lckudeu & (So. . ..... 11 109.75 110.5 110 110.4 oienten» & Halo le..... 16 143,5 144,5 143,5 146 IraneraDto . ...... . t — — 125,5 — i-abm-oer & Co...... . 1< 116,5 116 116 115 ©uötnie ...... . b 47 — 46,75 46,75 Teuddte (trböl ...... . 6 58,5 — 60 58 Wiener GteintoMe . • • • • . 8 — —— — Gclienlirckener ..... . 8 81,5 — 82.13 82,13 (tarrenet ...... . 0 74,5 — 74 75 • Vi — — 62 61 Hi je Bergbau ...... 10 167,5 — 167.5 167 ßlödncrroerte - • • • • . / 54,5 — 54,75 53,75 . 7 — — 67,75 66.6 Mannermann-Stebtev . . . . 7 60,5 60,5 61 61 JNanelelber Bergbau . • • . 7 33 — 32.65 33 Cb.rtdtlel CiienLvoarl . . . . 5 — — 32.5 Lberichlci floleroette . • . 7 — — 64,13 64.25 $bön:r Bergbau .... es — 55,75 56 56,4 Aheiniiche S3rannlo6len . . 10 149 — 148,5 146,5 -ttzeinüahl ...... . 6 65,5 — 67 66,6 i Rtebed Stert»...... 74 — — 72 — Jranfhirf a. M Sellin Ech,uß»; 1-Ubr- Schluß- Anfang« kur« | R r< für« | Nurs Datum 27. 12 1 29 12 27 12 29 12 verewigte Ctablwerke .... 57 — 58 58,75 Ctaol Minen . . . IS'/, — | — 31 Ji 31,13 fialiroerle AlSte eben . . . io 134 , — 133 130,4 Sollwerte Weitere.,ein ... 10 140 139,5 140,5 •— Kaliwerke Galibetfurtb ... 16 206 ■— 207,5 206 g. ®. iraiben-3nDuftete ... 12 123,5 124,5 120 124,75 fcnnamü Nobel . ...... 6 — 59,25 59 Scheide an stall . ....... 8 124,75 126,4 - — cSolbfchmivt ........ 6 — — 35 — Rütgeriwerke........6 —— 42 41 40,75 Melallaeiellfchatl. ...... 8 77,5 — 77,75 69,75 fihtltDP potzmann......7 69,5 69 69,75 Zementwerl Heidelberg . . 10 — — — — Gement®et! Satlftatl. ... 10 — — — — 8Bau6 * Rrentafl .....8 40,25 38,5 39,5 ■— Cckuiwets Pagenvoser ... 15 _ — 161,5 162.4 Cftmerte ........12 —— — 127 128 Sku ........18 46.5 45 45,25 45.25 Bemberg.........14 46,75 45 44,75 45,13 ßellftoH Salbbol .... IS'/. 91 — 92 93 P.eUitoff Lichafrenburg ... 12 72,5 — 73.5 72.5 Gvariollenburger Soff« ... 8 — — 73 78 Deiiauet Sa! ..... 9 — — 98,5 100,25 Taimler Motoren . . . . . O — — 22 21,9 Teuticke Linoleum ...... 100.25 99,25 100,25 99,75 Maschinenbau 8L-®. . . • . • O — — 30 30 9?al. Cutomobi! . ..... O — —— — —— Crcnfretn & Koppel . .... 6 — —— 42.75 41,6 Leonharv Tie- ..... 10 — — 102.25 102 Svenska ....... 275 — 275 282 nranfturter Matchme» .... 4 13,5 — 13,5 — »rinnet . ..... 6 — — 32 — Hevligenllaed: ....... v — — — — äunobans ........ 6 28 — 28,25 — Leckwerte ........8 74,5 — — Matnitallwerte HSchtz a. M.. . 8 62,5 — — — Mtag ......10 — 64 — Bebe. Steeb«.......10 82,75 —— — Loigr & Haelln«......S — 148 — ELd den kicke Rittet .... 10 136 — 136,5 — Vanknolen. Sellin, 27 Z) )tmber «eld Stiel - amenianiidte Noten..... 4.165 4,185 Belgllche Noten ....... 58,40 58,64 Launche Noten ....... 111,88 112,32 Eng'iicke Noten ........ 20,34 20,42 Ytanjoiiicke Roten ....... 16,447 16,507 168,56 169,24 Ztalienüche Noten........ 21,94 22,02 Norwegische Noten....... 111,88 112,32 Deutick'Oeüerreich, t 100 Lchilling 58.88 59,12 Rumöniicke Noten....... 2,48 2,50 Lchwevnche Noten ....... 112,15 112,59 Lchweiter Noten ........ 81,29 81,61 Lpanilche Noten . ....... r'chechoüowakiicke Noten..... 44,01 44.19 12,40 16,46 Ungorilche Roten ..... 73,25 73,55 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt o. M 27 Deumbei <9 Dezemdei Amtlich Gelb • Fl. m. Gl. 2.25 4.15 2.40 •/. Fl. m. Gl. .4.25 .7.80 .4.60 Südwein Auch Im neuen Jahre Nur S & F-Kaffee % Pfd. 1.10, 0.95, 0.85, 0.75, 0.65 Liter 0.75 „ 0.70 „ 1.20 SProzentRückvergütung FULLGRABE ML.____ 8132C iiiniiiHHiHnniniNHniHniHiHiiiiiiniHHiiniNiinnHinnHinniniiNHniHiinnHHinnHNHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Astoria-Lichtspiele i 8828D llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllilllllLlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Lichtspielhaus 8792 V i—etM——HeeeeeeeeeeeeeeeeeeHew Schiffenberger Wes 32. 8394D ALLEN THA-GA-KUNDEN EiN$ NEUES JAHR! 8316 C INGENIEURSCHULE WEIMAR % Des Landes Not muß uns verpflichten, Auf Tschechen-Biere zu verzichten I Bitburger Pilsenerl Unerreicht! Macht uns die Pflichterfüllung leicht! Spezial-Ausschank Gießen, FrankfurterStraße Nr,1 /z. Ein Ereignis für Gießenl Die süßeste Tonfilm-Operette der Welt! Die Ingenieurschule Altenburg (Thür.) verlest zu Beginn des 38. 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GL i 7» erkeit iele Komödie I Tempo. tfl s E ä q in g s- ■ ■ js- E E E '*) G C? 8 a «6-5=2 g u E iole Weimar 2.-2 s 2 L-2 äs c B -E A A 19 in A ieHwene E L L-4 sr-B 5 Ä E A B SE oA 3 - •S?-C oQ «SiB 3 E A 56* B B^S ■R ’■*■' o A •n - = A ■gß ÄÄ4 ■c ■E-5 - :- Q G E fi A »» i» E -S.--6 u€g? (ö ü « 39 ID 4 E« 2^^ltO = E » e 4®89=r R cy ein eaS 2h «19 5-b B 3 j= ■E 3® = Ü woch, dem >8 A E 5= BA±lE B ä Bois B5L q-6? 3 2 e z c R E.6 E - •e-e las n E *± g B 5 -b o 51 R äu«A € reeß® ■b £ ciy o c - H E Sin •eiD idü CS 19 SA «* LA H ° ä ß-e g t: A 2- 3 p€£ E ä b ER Q e= = -e C SR = .-es e. « zL, EQ *= £ (9 oA 2 ° LA C7 c:5? g A 4 ki ö A L S 3 CH «ft E 3*^- L B le April 1631. bau, Elektro- Flugzeugbau B3 Vereins Fabrikanten! neisterabteil. 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