Nr. 280 Erstes Blatt |80. Jahrgang Samstag, 29. November 1930 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Postscheckkonto: . „ Staniiutt am mein liess, vni-l und Verlag: vrüyl Ich- UnInerfttSIr-vuch. und Steinöraderei B. Lange in Siegen. Schriftleitung und SeschäfirfteN«: Schnlsttatze Z. Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher, preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspsennig, Platzvorschrift 20°, mehr. Chefredakteure Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Fitten sämtlich in Gießen. Eriche,n, täglich,autzer Sonntags und Feiertag» Vellage«: Die Ofluftrterte Gießener FamilienblLtter Heimat im Bild Die Scholle Olona!S‘Be$ug$prets: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Richter» scheinen «inzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Zernfprechanschlüste unterSammelnummer225L Anschrift für Drahtnachrichten. Anzeiger Siehe«. ■ Oberschlesiens Not. Der polnische Marschall-Diktator P i l s u d s k i hat mit Hilfe eines terroristischen Systems, das die Wahlen zur reinen Farce machten, zwar nicht alles erreicht, was er wollte. Der Block der seine Diktatur stützenden Parteien wird auch im neuen Reichstag nicht die Zweidrittelmehrheit haben, die der Marschall für die von ihm gewünschten Verfassungsänderungen braucht. Aber das zweierlei Maß, mit dem Rechts- und Linksopposition samt Minderheiten vor den Wahlen behandelt wurden, erlaubt schon einen Schluß, wohin die Reise gehen soll. Der Marschall wird vermutlich die Hilfe der Nationaldemokraten in Anspruch nehmen wollen, um die durch die Verfassungsänderungen legalisierte Diktatur zu konstituieren, die ihm vorschwebt. Das bedeutet natürlich nach außen und im Innern Konzessionen an den Chauvinismus der polnischen Rechten. Der gradezu beispiellose Terror, mit dem der Wahlkampf gegen die Minderheiten Weißrussen, Juden, Ukrainer und Deutsche geführt wurde, sollte wohl der erste Beweis für die nationalpolitische Zuverlässig- feit der Diktatur Pilsudski sein. Aber was sich die Polen an Unterdrückungs- und Einschüchterungsversuchen gegenüber der Minderheiten bei den Wahlen zum Warschauer Reichstag leisteten, wurde weit Überboten von den bestialischen Ausschreitungen und Verbrechen, mit denen man in Dftober» schlesien bei den Wahlen zum schlesischen Sejm die Deutschen mundtot zu machen suchte. Der frische Elan, mit dem Deutschland eine Revision der Verträge einleitct, die geschlossene Front, in der sich das deutsche Volk für die Forderung einer Neuregelung der deutschen Ostgrenze zusammenfindet, ist den Polen offenbar auf die Nerven gegangen. Die Wahlen zum Warschauer Reichstag und zum schlesischen Sejm sollten vor der Welt den Beweis erbringen, daß die deutsche Minderheit in den vom Reich losgerissenen Provinzen im Verschwinden sei, daß das Deutschtum im Korridor, in Posen und Oberschlesien nicht mehr stark genug sei, um überhaupt eine eigene Vertretung in den Parlamenten beanspruchen zu können. Die gründliche Arbeit der von den Provinzbehörden geschickt angesetzten, von der Polizei verständnisvoll geduldeten Aufständischenverbände ist weit über das Ziel geschossen. Die Deutschen sind nicht verstummt. Die Grausamkeiten und Roheiten polnischer Banditen haben es fertig gebracht, daß nun der Aufschrei eines bis aufs Blut gequälten und gepeinigten Volkes, das sich in feinen primitivsten staatsbürgerlichen Rechten auf das schwerste beeinträchtigt fühlt, laut durch die Welt schallt. Die Berichte, die über den Verlauf der Wahlen in Ostoberschlesien trotz aller polnischen Vertuschungsmanöver tropfenweise durchsickern, geben uns annähernd ein Bild von den furchtbaren Leiden, denen unsere deutschen Volksgenossen in den letzten Wochen schutzlos ausgeliefert waren. Nicht einen Finger krümmte die Polizei, um dem wüsten Treiben der Aufständischenoerbände, die sich namentlich auf dem flachen Lande jede Brutalität erlauben durften, Einhalt zu gebieten. Nichts als höhnisch- kalte Abweisung hatten die polnischen Behörden, allen voran der selbst den Aufttändischen angehörende Kattowitzer Woiwode G r a s z i n s k i, für die Wortführer der gepeinigten Deutschen, die um hinreichende Sicherheitsmaßnahmen für ihre dem Toben der polnischen Chauvinisten preisgegebenen Landsleute baten. Selbst den Vorstellungen des hochangesehenen neutralen Präsidenten der „Gemischten Kommission", des Schweizers C a l o n d e r, gelang es nicht, die polnischen Behörden zu einer anderen Haltung zu veranlassen. Der chauvinistische Sturm gegen alles, was deutsch ist, geht weiter, greift sogar noch nach Posen und Pommerellen Über, neu angefacht durch die Hetze der polnischen Presse, die in feiger Verlogenheit die unerhörten Vorgänge in Ostoberschlesien einfach abzustreiten sich müht ober sie durch unglaubliche Verdrehungen so hinzustellen versucht, als ob Angriffe der Deutschen die polnischen Aufständischen zur Verteidigung ihres bedrohten Lebens gezwungen hätten. Wogeaen es Tatsache ist, daß polnische Banden auf Lastkraftwagen das flache Land durchstreiften, unter Führung von Ortsgendarmen und Duldung polnischer Gemeindevorsteher deutsche Dörfer systematisch überfielen, in Schulen, Gemeindehäusern und Wohnungen zerschlugen, was nicht niet- und nagelfest war und die deutschen Einwohner körperlichen Marterungen aussetzten, die an die Greuel des Dreißigjährigen Krieges erinnern. Darf man sich da wundern, wenn die deutschen Bauern, von Polizei und Obrigkeit im Stich gelassen, zur Selbsthilfe griffen und sich mit Dreschflegeln und Mistgabeln ihrer Unterdrücker zu erwehren suchten, um dem Schicksal ihrer Brüder zu entgehen, die während der polnischen Aufstände in den Jahren 1919 21 von denselben Banden brutal hingeschlachtet worden waren? Ist es nicht der reine Hohn auf natürlichste Menschenrechte, wenn nun diese Menschen, die zur Rettung des nackten Lebens sich zur Wehr setzten, zu Dutzenden ins Gefängnis fliegen und von denselben Behörden unter Anklage gestellt werden, die nicht einen Finger gerührt haben, als es ihre Aufgabe war, Ausschreitungen eines chauvinistischen Mobs zu verhindern, während die polnischen Bandenführer frei und unbehindert herumlaufen und nach neuen Opfern ihrer Schandtaten Ausschau halten? Die R e i ch s r e gi e r u n g hat ihren Generalkonsul in Kattowitz zur Berichterstattung nach Berlin kommen lassen. Das von ihm mitgebrachte Material übertrifft an Fülle und Beweiskraft alles, was bislang über die Scheußlichkeiten der polnischen Banden und die Wühlarbeit der polnischen Behörden in der Presse bekanntgeworden ist. Das Reichskabinett hat sich entschlossen, sich durch einen Schritt beim Völkerbund zum Anwalt der Oie Deckung des Defizits in Hessen. Finanzminister Kirnberger begründet die neuen Gteuervorlagen. WHP. Darmstadt. 28.OIdd. 3m Finanzausschuß erklärte Finanz Minister Kirnberger Au den ei..gebrachten Steuervorlagen: Die Maßnahmen des Reiches dienen naturgemäß in erster ßinic der Gesundung der eigenen Finanzen. Ruf die der Länder konnte bei der schwierigen Lage dabei im großen und ganzen nicht voll Rücksicht genommen werden, vielmehr bleibt diese Ausgabe den Ländern selbst überlassen. Dom 1. April 1931 ab sollen die Real steuern gesenkt werden, und zwar nach Möglichkeit die Grundsteuer um 10 Prozent und die Gewerbesteuer um 20 Prozent. Die Mittel dazu sollen aus der Hälfte des Anteils der Sondergebäude st euer entnommen werden, der für den Wohnungsbau bestimmt ist. Da der wohnungsbauanlell aus bet Sonder- gebäubeffeuer in Hessen nicht ben Ausfall aus der Senkung bet Realsteuern vollstänbig becken würbe, können bie vorgesehenen normalen Sen- kungssähe bes Reichs, wie in anberen Cänbern, so auch in Hessen nicht ganz innegehalten werben. Günstig für unsere Finanzen wirkt sich der Gesetzentwurf über die Gehaltskürzungen in Ländern und Gemeinden aus. Kinderzuschläge werden von der Kürzung nicht betroffen, desgleichen auch nicht Einkommen unter 1500 Mk. Die Ersparnisbeträgt4,8Millionen Mark für Hessen. Der Gesetzentwurf des Reichs über die T a b a k st e u e r berührt nicht unmittelbar die Landesfinanzen, sehr wohl aber unsere hessische Volkswirtschaft. Aus den Erträgnissen der Sondergebäudesteuer standen in Hessen bisher für den Woh- rrungsneubau 10 Millionen Mark zur Verfügung. Da die Hälfte davon künftig zur Senkung der Dealsteuern verwandt werden muß und von der für den Wvhnungsneubau verbleibenden Hälfte ein großer Teil für die Verzinsung und Tilgung der ausgenommenen Woßnu gsbauanleihen beansprucht wird, sowerden künftig ausSovdcrgebäude- steuermitteln nurnochrundl MillionMk. zur Reubautätigkeit zur Verfügung stehen. Der gemeinnützige Wohnungsbau wird also auf ganz neue Grundlagen gestellt und größtenteils mit Anleihen entsprechend den reichsrechtlichen Grundsätzen finanziert werden müssen. Der vorläufige erste Abschluß bes Bubgets ergab 7,8 Millionen Mk. Defizit. Dazu kommt der Ausfall an Reichs- und Landessteuern von etwa 5,5 Millionen, der Wegfall der Eisenbahn- abfindung von 0,9 Millionen, so daß also insgesamt mit einem Fehlbetrag von 14,2 Millionen Mk. zu rechnen wäre. Davon werden wieder eingebracht durch die Gehaltskürzung um 6 Prozent 5,3 Millionen und durch die Vorzugsaktien der Reichsbahn 0,62 Millionen, insgesamt 5,92 Millionen Mk., so daß noch ein Fehlbetrag von 8,2 M i l- lionenzu decken bleibt. Dazu wird an Maßnahmen auf dem Gebiete der Deamtenbe- s o l d u n g vorgeschlagen: eine Verminderung der Änwärtervergütung und des Wohnungsgeldes der Unverheirateten sowie eine Aenderung des Stellenplanes durch eine wesentliche Einschränkung der Aufrückungsstellen, was sich allerdings erst nach und nach voll auswirken wird. 3m ersten 3ahr können 0,75 Millionen Mk. erwartet werden. Die ohnedies schon niederen Tagegelder sollen um 20 Prozent gekürzt werden, was 0,1 Millionen Mk. ergeben wird. Aus den Rota- riatsgebühren sind Mehreinnahmen von 0,2 Millionen Mk. zu erwarten. Das macht zusammen 1,05 Millionen Mk. Die Vereinfachung der Verwaltung auf allen Gebieten kann im ersten 3ahr ebenfalls 1,5 bis 2 Millionen Mk. bringen, so daß dann immer noch'ein Fehlbetrag von 5,43 Millionen M k. sich ergibt Um diesen Fehlbetrag zu beseitigen, blieb nur der Weg der Steuer- erhöhung. Denn die an sich nach dem Dorbilde anderer Länder sehr wohl berechtigte Aenderung des Finanzausgleichs zwischen Land und Gemeinden, die dem Lande hätte Mittel bringen können, erschien im gegenwärtigen Zeitpunkt wo die Gemeinden ohnedies mit Wohlfahrtslasten überbürdet sind, nicht tunlich. Sie hätte auch nicht zu einer Entlastung des Steuerzahlers geführt, da die Ge- Derlin, 28.Rov. (ERD. Eigene Meldung.) Die Entscheidung darüber, ob das Sanierungsprogramm auf parlamentarische mW ege oder durch R o tve r o r dnun g in Kraft gesetzt werden soll, ist auch heute nicht gefallen. Die für heute abend in Aussicht genommene Zustimmung des Reichskabinetts ist auf morgen nachmittag verschoben worden. Aber auch am Samstag werden noch keine endgültigen Entschlüsse zu erwarten sein; vielmehr wird das Kabinett seine Deratungen voraussichtlich noch am Sonntagvormittag fortsehen. Der Grund der Derzögerung liegt einmal darin, daß derReichs- r a t heute erst noch über das Steuerverein- fachungsgeseh beraten hat, das bei den ganzen Verhandlungen mit den Parteiführern auch eine Rolle spielt. Es ist heute erneut mit den Sozialdemokraten verhandel t toor&en. Sie sind bereit, den Stegerwald- scheu Kompromißvorschlag in der Krankenscheinfrage im großen und ganzen anzunehmen. Auch die Deutsche Dolkspartei dürfte bereit fein, sich mit diesem Kompromiß abzufinden. Die Sozialdemokraten haben aber offenbar noch einige andere Einzelwünsche, die noch besprochen werden müssen. Unter diesen Um« meinden dann gezwungen worden wären, Ihrer- seits die Realsteuern zu erhöhen. Hessen Hal in feiner (Brunbgebäuöcfleuer auch nach Auffassung von Vertretern der Reichsregierung noch erhebliche Sleuerrescrven, denn der Gebäudesleuersah von 12 Rpf. auf 100 RM. Steuerwert in Hessen ist erheblich niedriger als in den Rachbarländern. Preußen, das 24 Rpf. erhob, hat seine Steuer auf 48 Rpf. im letzten Jahre erhöht. Hessen bleibt bei einer Erhöhung auf 36 Rpf. immer noch um ein viertel hinter der preußischen Steuer zurück. Wie weit die Steuer auf die Mieter ganz oder teilweise abgewälzt werden kann, ist zur Zeit noch unentschieden. Aber das kann zugesichert werden, daß eine Mieterhöhung nicht vor dem 1. April 1931 in Frage kommi. Auch bei einer vollständigen Abwälzung der Steuer auf die Mieter bleiben die Mieten in hessischen Gemeinden immer noch erheblich unter denen benachbarter preußischer Gemeinden. Der Minister wies ausdrücklich darauf hin, daß es sich bei dieser Erhöhung nicht um die Sonder- gebäudesteuer handele, sondern um die Hessin sche Grund-Gebäude st euer und daß sich ständen wird die vom Kanzler erbetene schriftliche Antwort erst für morgen erwartet. 3n unterrichteten politischen Kreisen glaubt man andern Gang der Deryandlungen folgern zu können, daß der Kanzler nicht zur Rotverordnung zu sch reiten braucht, um das Finanz- und Wirtschaftsprogramm durchzubringen. Wenn die Sozialdemokraten für das Finanz- und Wirtschaftsprogramm stimmen so verfügt das Kabinett rechnerisch über e ine Mehrheit von mindestens 294 Stimmen, die sich folgendermaßen zusammenseht: Sozialdemokraten 143, Zentrum 68, Deutsche Dolkspartei 30, Bahe- rische Dolkspartei 19, Dcnno traten 14, Christlich - Soziale 14, Dolksnationale 6. ®aau kommen noch einige kleinere Gruppen wie z. B. die Welfen Das Sanierungsprogramm hätte also eine zwar nicht große, aber ausreichende Mehrheit. Der Kanzler könnte sich dann darauf beschränken, auf dem Wege der Rotverordnung lediglich die agrarpolitischen Fragen zu regeln, die im Reichsernährungsmini- fterium vorbereitet werden und eventuell auch noch die Wünsche der Sozialdemokraten zum Krankenschein usw. in einer Abänderungsnotverordnung zusammenzufassen. Die SmWhnmg -cs Der Reichskanzler rechnet mit parlamentarischer Erledigung des Sanierungsprogramms. verfolgten deutschen Minderheit zu machen. Es hat das gesamte Material mit einer Begleitnotc dem Völkerbundssekretariat in Genf zugeleitet mit dem Ersuchen, die Drangsalierung Ostoberschlesiens durch das polnische „Staatsvolk" auf die Tagesordnung der nächsten, im Januar 1931 in Genf stattfindenden ordentlichen Zusammenkunft des Völkerbundsrats zu setzen. Gleichzeitig ist der Reichsinnenminister Dr. Wirth als Beauftragter der Reichsregierung nach Oppeln entsandt, um mit der Bevölkerung Deutschobcrschlesiens, wo die Wogen der Empörung naturgemäß besonders hoch gehen, Fühlung zu nehmen. Wenn das Kabinett davon Abstand genommen hat, die Einberufung einer außerordentlichen Tagung des Völkerbundsrats zu beantragen, wie es ursprünglich im ersten Gefühl der Entrüstung über die unerhörten Vorgänge in Ostoberschlesien und in der Erkenntnis ihrer grundsätzlichen Sebeutung für das deutsch-polnische Verhältnis und den Frieden in Osteuropa geplant war, so ist dafür der Gedanke maßgebend gewesen, daß diese Tagung bei dem komplizierten bürokratischen Apparat des Völkerbundes kaum vor Ende Dezember hätte zusammen- treten können und daß dann vermutlich die Rats- mächtc statt durch ihre Außenminister lediglich durch ihre Gesandten in Bern sich hätten vertreten lassen. Das wäre natürlich einer bloßen Kenntnisnahme der deutschen Beschwerde gleichgekommen. Einen Beschluß des Rats hätte man doch erst auf der Januartagung zustande gebracht. Es wäre also für den deutschen Außenminister nicht übermäßig verlockend gewesen, eine so bedeutungsvolle Angelegenheit vor einem sich unzuständig fühlenden Gremium, wie es die Berner Gesandten der Ratsmächte gewesen wären, zu verhandeln. Vom reinen Zweckmäßigkeits- standpunkt aus gesehen, haben diese Gedankengänge gewiß sehr viel für sich. Aber ob es psychologisch richtig war, sich die Gelegenheit entgehen zu lassen, durch das Außergewöhnliche und Aufsehenerregende der Einberufung einer außerordentlichen Ratstagung die besondere Bedeutung vor aller Welt zu unterstreichen, die die deutsche Regierung den Vor- gängen in Ostoberschlesien beilegt, mag dahingestellt bleiben. Daneben gibt die Vertagung der deutschen Beschwerde bis zum Januar Polen die Möglichkeit, eine propagandistische Gegenaktion in Szene zu setzen. Wie die polnische Presse und die polnischen Behörden sich jetzt schon mit wachsendem Eifer bemühen, die Wahrheit zu unterdrücken, die Tatsachen zu verfälschen und die Teilnehmer an den Greuel- taten weißzuwaschen, so wird nach bewährten Mustern ein regelrechter Derleumdungsfeldzug gegen die Deutschen eingeleitet werden, die man als die ewigen Friedensstörer hinstellen wird. Man muß auch mit der notorischen Vergeßlichkeit der öffentlichen Meinung rechnen, die heute noch für die deutsche Beschwerde ein aufmerksames Ohr hat, in zwei Monaten aber vermutlich sich kaum noch all der scheußlichen Einzelheiten erinnern wird, die zu dem deutschen Protest in Genf führten. Das Recht der deutschen Minderheit in Polen gründet sich materiell einmal auf den sog. Minderheitenvertrag, den Polen (wie analog auch die Tschechoslowakei als ein ebenfalls neu- gegründetes Staatswesen) in Dersailles mit den alliierten und assoziierten Staaten abschließen mußte. Für die Minderheit wurde ein Grundgesetz festgelegt und unter den Schuh des Dölkerbundes gestellt. Jedes Mitglied des Döllerbundsrats erhielt das Recht, die Aufmerksamkeit des Rats auf jede Verletzung oder Gefahr einer Verletzung der Destimmungen über den Minderheitenschutz zu lenken, und der Rat ist befugt, jene Weisungen zu geben, die, wie es in dem Vertrag heißt, „unter den gegebenen Hmftänben geeignet und wirksam erscheinen werden" Daraus resultiert also für Deutschland als Ratsmitglied das Recht, sich mit einer Veschwerde über die Verletzungen des Minderheitenvertrags durch Polen in Ostoberschlesien an den Rat zu wenden. Das Genfer Abkommen über Oberschlesien vom 22. Mai 1922 geht noch weiter. Es verpflichtet nämlich den Rat, auch direkt über Eingaben der Minderheiten zu beschließen, also ohne daß sich ein Ratsmitglied zum Fürsprecher der Minderheiten in Genf gemacht hätte. Damals wurde ferner als Schiedsstelle die sog „Gemischte Kommission" unter neutralem Vorsitz gebildet, die die Deachtung der Minderheitenverträge zu überwachen hat. Das Genfer Abkommen hat auch das materielle Recht der deutschen Minderheit in Ostoberschlesien genau festgelegt. Die betreffenden Artikel lauten: „Die zu einer Minderheit gehörenden Staatsangehörigen dürfen von Behörden und Beamten nicht unterschiedlich behandelt werden, sie sollen dieselben tatsächlichen Sicherheiten genießen wie die übrigen Staatsangehörigen. Insbesondere dürfen Behörden und Beamte sie nicht verächtllch machen und nicht unterlassen, einzuschreiten, wenn es zu ihrem Schutze gegen strafbare Handlungen notwendig ist." „Die Staatsangehörigen, die einer Minderheit angehören, dürfen beider Ausübung des Stimmrechts, insbesondere beim Volksentscheid oder Volksbegehren, und des aktiven und passiven Wahlrechts bei allen Wahlen zu den Vertretungsversammlungen des Staates und der öffentlich-rechtlichen Korporationen sowie bei den Wahlen zu den sozialen Vertretungskörpern nicht benachteiligt werden. Insbesondere darf hierbei, unbeschadet der Vorschriften über die Amtsund Verhandlungssprache, die Kenntnis oder die Beherrschung der Staatssprache von diesen Staatsangehörigen nicht verlangt werden." Diese klaren und eindeuttgen Destimmungen des Genfer Minderheitenabkommens sind von der polnischen Regierung und ihren Organen auf das schwerste verletzt worden. Das beweisen schon hinlänglich die Pressemeldungen über den Wahlterror in Ostoberschlesien, das wird noch eklatanter bewiesen durch das einschlägige Material des deutschen Generalkonsuls in Kattvwih, das die Reichsregierung dem Völkerbundsrat übersandt hat und das sie gleichzeitig dem Urteil der Öffentlichkeit unterbreiten wird. Der Völkerbund, der in dem einen Punkt seiner besonderen Obliegenheiten, der Abrüstungsfrage, bislang kläglich versagt hat, wird nun in dem andern, nicht minder bedeutungsvollen, dem wirksamen Minderheitenschutz, einer schweren Belastungsprobe ausgesetzt! Das angeklagte Polen hat in Genf starke Freunde. Werden sie es wagen, das Recht zu beugen, um ihrem Verbündeten aus der Klemme zu helfen? Soll der Gedanke der Gleichberechtigung, mit dem der Völkerbund steht und fällt, wie in der Ab- rüstungsfrage nun auch beim Schutz der Minderheiten zum alten Eisen geworfen werden? Die Entscheidung des Döllerbundsrats über die deutsche Beschwerde in der Angelegenheit Oft- oberschlesiens muh auf diese Frage eindeutig« Antwort geben. bei ihr die Erhöhung nur ganz mäßig für den einzelnen Steuerzahler auswirle. Einem vielfachen Wunsch der Mieter entsprechend ist allerdings auch eine gewisse Erhöhung bei der Sondcrgebäudestcuer vorgesehen, die sich aber nur auf diejenigen Gebäude erstreckt, deren Friedensmicte bereits mchr als 5 Prozent beträgt. Die Erhöhung der Gebäudesteuer soll 4 Millionen Mark ergeben, die der Sondcraebäudestcucr unter Berücksichtigung der Ausfälle eine halbe Million Mark. Diese Steuererhöhung wird um so eher tragbar fein, als ja im gleichen Augenblick für Die Senkung der Real steuern der Wirtschaft 5 Millionen Mark zugcführt werden. Bon dem oben festgestcllten Fehlbetrag von 5,43 Millionen Mark bleibt dann noch nach Erhöhung der Steuer ein Fehlbetrag von 9 3 0 000 Mark, demgegenüber sich der Finanz- minister anheischig machte, im Falle der Bewilligung der Stcuererhöhungen ihn ebenfalls selbst mit den radikalsten Mitteln zum Bcrschwin- d e n zu bringen. Das Ziel eines ausgeglichenen Budgets ist um so erstrebenswerter, als Hessen dann bei der kommenden Reichsreform volle Verhandlungsfreiheit haben wird. — Die Aussprache über die Erklärung des Finanzministers findet am Samstag statt. Industrie und Handel zum Ganierungsprogramm und zur Preissenkung. Berlin. 23. Rov. (LU.) Der Harrptausschuh des Deutschen Industrie- und Handelstages nahm nach einem Vortrag des Staatssekretärs Lrendelenburg zu dem Finanz- Programm der Reichs reg ierung und zur Frage der Preissenkung eine Entschließung an, in der der Wirtschafts- und Finanzplan der Regierung a I s Anfangsmahnahmebegrüßt und an den Reichstag der Appell zu rascher Tat gerichtet wird. Im einzelnen wird bedauert, daß der Gedanke der Realsteuersenkung im Rcichs- rat in einer Weise abgeq ue tscht worden sei, die dem Zweck, die gegenwärtige Heberlastung wirksam zu m i n d e r n und die Preissenkung zu untermauern, scharf widerspreche. An dem Entwurf des Steuervereinfachung s- g e f e h e s werden erhebliche Verbesserungen für notwendig erachtet, so insbesondere die Gleichmäßigkeit derDesteuerung der Wirtschaftsbetriebe der öffentlichen Hand und der der privaten Hand. Auch der Deutsche Industrie- und Handelstag hält eine weitere AnpassungderWarenpreise auf allen Stufen der Güiererzeugung und Verteilung an die veränderte Weltmarktlage für ein dringendes Gebot der Selbsterhaltung. Indes wird vor allem die Senkung der öffentlichen Lasten, die Ermöglichung von Kapitalbildung und eine beweglichere Anpassung der Löhne an Die Konjunkturlage für erforderlich gehalten. Wo Preis- vereinbarungen einer wirtschaftlich möglichen Preissenkung entgegenstehen, müssen die beteiligten Kreise sich freiwillig zu einer Anpassung entschließen, um das Kartellwesen in seinen gesunden Wirkungen zu erhalten. Gewarnt wird vor einer Schlagwortverwirrung der öffentlichen Meinung, insbesondere gehe es nicht an, von allgemeinen Heber-’ sehungen von Handelsspannen zu sprechen, zumal es im freien Großhandel wie im kaufmännischen Einzelhandel durchweg an den Voraussetzungen vereinbarter Preishaltungen fehle. Die Preis- abbaualtivn habe vielfach zu einer stärkeren Zurückhaltung de/ Käufer geführt, wie sie aus der Minderung der Einkommen zu erklären sei. Entschließung -es hessischen Lan-eslehrervereins. Frankfurt a.M., 28.Nov. (WSN.) Der Vorstand des Hessischen Landeslehrervereins tagte am Mittwoch in Frankfurt a. M. und nahm zwei Entschließungen an. Er erblickt in den vom Reiche in Aussicht genommenen Sanierungsmaßnahmen die Auswirkung der seit langem betriebenen Beamtenhetze. Er fordert seine Mitglieder auf, zur Abwehr der ungerechtfertigten Eingriffe zur Selbsthilfe zu greifen. Er ist entschlossen, dahin zu wir« ken, daß die inzwischen gelösten Verbindun- gen z u beamtenwirtschaftlichen Einrichtungen wieder neu geknüpft werden, wenn nicht eine durchgreifende Preissenkung und ausreichende Entlastung eintritt. In der zweiten Entschließung wird zu den neuesten hessischen Sparmaßnahmen Stellung genommen, die über das Maß hinausgehen würden, das man vom Reiche der Beamtenschaft auslade. Der Verein lehnt eine außergewöhnliche Verkürzung der Bezüge und eine Verschlechterung der Einstufungs- verhältnisse entschieden ab. Thüringen gegen das Reichsbanner. Ein Ersuchen Fricks an das Reichsinnenministerium. Weimar, 28. Nov. (WTB.) Dom thüringischen Ministerium des Innern wird folgendes mitgeteilt: Nach den polizeilichen Ermittlungen hat die Orts- gruppe Gera des Reichsban-ners Schwarzrotgold am Bußtag zwischen Kleinsaara und dem Waldrand „In der Käseschänk" bei ®era eine militärische Hebung abgehalten, an der etwa 260 Personen teilgenommen haben. Die militärische Hebung sah Marschsicherung, Serbin» dunasleute und anderes vor. Vor dem Waldrand wurden Schützenlinien auf freiem Felde entwickelt. Es erfolgte ein markierter Angriff auf den Waldrand, der durch Hornfignale, wie sie früher bei den Felddienstübungen der Infanterie abgegeben wurden, abgebrochen wurde. Aus dem Verhalten der Ortsgruppe Gera des Reichsbanners geht hervor, daß sich diese Ortsgruppe militärisch betätigt und durch ihre Betätigung und ihren Zweck im Widerspruch zu dem Gesetz zur Durchführung der Art. 177 und 178 des Friedensoertrages steht Das thüringische Ministerium des Innern hat daher pflichtgemäß nach § 1 des genannten Gesetzes den Herrn Reichsminister des Innern um feine Zustimmung zur Auslösung der Ortsgruppe Gera des Reichsbanners Schwarzrotgold aufgrund der erwähnten gesetzlichen Bestimmungen gebeten. Das Schreiben ist heute morgen im Reichsministerium des Innern etngegangen. Die Angelegenheit wird von der Reichsregierung geprüft Die deutsche Protestnote Berlin, 28. Rov. (III.) Die Belchsregie- r u n g hat ihre Befchwerdenote an den völkerbunds- rat nach längerer kabinetlssihung am Donnerstagabend endgültig formuliert und sie noch am späten Abend nach Genf abgesandt. Die Rote wird Samstagvormiltog in Genf einlreffen. Gleichzeitig find die diplomatischen Vertreter der Reichsregierung bei den Ratsmächten beauftragt worden, ihrerseits den Bcschwerdefchritt der Reichsregierung beim Völkerbund entsprechend vorzubereilen und den Ratsmächten den Wortlaut derproteft- note zu übergeben, wegen dieser diplomatischen Aktion, die in den nächsten Tagen überall durchgeführt werden wird, ist mit einer Veröffentlichung des Wortlautes der deutschen Bc- schwerdenote nicht vor Dienstag oder Mittwoch nächster Woche zu rechnen. Die deutsche Regierung verlangt in der Rote, daß der Völkerbund aufgrund der bestehenden Abkommen über die Behandlung der Minderheiten gegen die Verletzung der Rechte e i n g r e i f e, daß die durch polnische Terrorakte betroffenen Dentschen entschädigt und die politischen Rechte der deutschen Minderheit in Zukunft gewahrt werden. Das M a t e r i a l, auf das sich die Dcschwerde- note stützt, ist in zwei Gruppen behandelt: Politische Entrechtung der deutschen Minderheit und Terrorakte gegen einzelne Deutsche. Zu der ersten Gruppe gehört die Feststellung. daß zahlreiche polnische Staatsangehörige deutscher Rationalität nichtindieWähler- listen ausgenommen wurden mit der Begründung, sie besäßen nicht die polnische Staatsangehörigkeit. Allein in Kattowih und Königshütte ist 30 0 0 0 Wählern deutscher Rationalität die Ausnahme in die Wählerlisten verweigert worden. Der schlesische Woiwode ließ durch Anschlag erklären, daß die Wähler ösfentlich oder geheim stimmen können. Aber im Wahlbezirk Kattowih forderte die Bezirks- wahlkommission die Ausständischenverbände nachan den DölkerbnndM. drücklichst aus, zu beobachten, welche Wähler geheime Stimmzettel abgäben und dadurch deutscherGesinnung verdächtig seien. Zu den Terror-Akten in Oberschlesien wird festgestellt, daß die polnischen Behörden das Vorgehen des schlesischen Aus- ständischen-Verbandes wohlwollend gebilligt haben, daß der höchste Beamte ,in Polnisch-Oberschlesien, der W oiw o d'e, Ehrenvorsitzender des Ausständi- schenverbandes ist und daß der zu Gewalttaten aufsvrdernde Aufruf der Aufständi- schenvcrbände von z^lreichen Inhabern öffentlicher dfvmtcr unterzeichnet war. In Ricolai waren vier polnische Polizeibeamte Augenzeugen des Hebersalls von 25 Aufständischen auf eine deutsche Wahlversammlung, ohne einzugreifen. In Svh- rau wurden vier deutsche Stadtverordnete beim Verlassen des Rathauses überfallen und so schwer mißhandelt, daß einer von ihnen besinnungslos liegen blieb, ohne daß die Rathauspolizeiwache eingriff. Bei der Mißhandlung eines Deutschen in Kattowih v erwei- gerte die Polizei eine Untersuchung des Falles und verwies den Mißhandelten auf das Privatklageverfahren. Besonders schwerwiegend ist der mehrstündige Angriff auf eine deutsche Häusergruppe in Hohenbirken, der trotz seiner langen Dauer nicht zum Eingreifen der Polizei führte. Richt weniger ernst ist der Vorfall in Golaffowitz, wo es nicht gelang, die Polizei gegen den Heberfall polnischer Aufständischer auf das deutsche Gemeindehaus und die Minderheitenschule zu mobilisieren. Schließlich spielten bei den terroristischen Vorgängen Tausende von Briefen eine Rolle, die ganz offen mit dem Stempel der Aufständischenverbände Angehörigen der deutschen Minderheit zugestellt wurden mit der Drohung, daß sie ihr Testament machen müßten, wenn sie nicht Haus und Hof verließen. werden. Im übrigen wird vom Reichsinnenministerium darauf hingewiesen, daß schon gelegentlich andere Landesregierungen bei ähnlichen Anlässen sich mit der Reichsregierung in Verbindung gesetzt haben: aber noch niemals sei es vorgekommen, daß vor der Klarstellung des Sachverhaltes, und bevor die Reichsregierung Gelegenheit zur Prüfung hatte, eine Laichesregierung sich mit der Behauptung, daß ein Verstoß gegen den Versailler Vertrag vorgekom- men sei, unmittelbar an Die Oeffen11ich° feit gewandt habe. 0er (Streit um die polizeikostenzuschüffe. Minister Frick wird als Zeuge vernommen. Weimar? 28. Rov. (WTB.) Auf Anordnung des Reichsgerichts fand heute eine Vernehmung des thüringischen Innenministers Dr. Frick wegen der Polizeikostenzuschüsse in Weimar statt. Auf die Frage des Derhand» lungörichters, Reichsgerichtsrats Dr. Schmitz, gab Staatsminister Dr. Frick u. a. folgende Auskünfte: Er stehe auf dem Standpunkt, daß bei den Polizeibeamten die sozialdemokratischePar- teizugehörigkeit ein Boden sei, auf dem sich leicht persönliche Eigenschaften entwickelten, die mit den Aufgaben eines Polizeibeamten kaumvereinbar seien. Er denke dabei an extrempazifistische und klassenkämpferische Bestrebungen. Deshalb und weil er die thüringischen Verhältnisse nicht genau kannte, habe er sich an Vertrauensleute gewandt, besonders an den Abgeordneten Sauckel, dem er die Liste der Bewerber aushändigte für Einholung vertraulicher näherer Auskünfte über die Persönlichkeit des Bewerbers, seine Gesinnung, seinen Charakter, feinen Ruf im bürgerlichen Leben und seine politische Einstellung. Diese Auskünfte habe er bei seiner Entscheidung zwar verwertet, sich aber nicht unbedingt daran gehalten. Er müsse die Ansicht ablehnen, daß er die thüringische Landespolizei in eine nationalsozialistische Parteitruppe habe umwandeln wollen. Meist sei ü b e r - Haupt nicht bekannt gewesen, welcher Partei der einzelne Bewerber angehörte. Von nationalsozialistischen Parteigenossen seien zahlreiche Einstellungsgesuche an ihn gelangt, von denen nur ein verschwindend kleiner Bruchteil angenommen sei. Von Hunderten von Gesuchen früherer Offiziere sei nicht ein einziges angenommen. Bei der Genehmigung der Dewerberliste habe er sich von dem Gedanken leiten lassen, zersetzende Elemente von der Polizei fernzuhalten, da deutsche Gesinnung verlangt werden müßte, weil sonst die Gefahr eines Versagens der Polizei im Ernstfälle und ihrer allgemeinen Verseuchung bestehe. Hitler über den nationalsozialistischen Gedanken. Bremen, 28. Rov. (WTB. Funkspruch.) Im Rahmen des Wahlkampfes für die bremischen Türgerschaftswahlen sprach der Führer der Rationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei Adolf Hitler. Heute sähe, betonte Hitler, ein großer Teil der Politiker die Rettung in der Lösung von Tagesfragen, während derKeim desDerfalls aber bereits im deutschen Volkskörper arbeite. Die drohende Katastrophe liege in der Krankheit nicht nur der Wirtschaft, sondern des politischen Lebens. Rur unter den Fittichen politischer Kraft könne die Wirtschaft gedeihen. Im Kampf um die Begriffe Rationalsozialismus und Sozialismus fei das Reich zerrieben und gestürzt worden. Erst jetzt durch die große Rot lerne auch der Proletarier begreifen, daß fein Leben gebunden sei nicht an eine Klasse, sondern an das Leben der Ration. Ietzt sei wiederum der Zeitpunkt da, wo die Entscheidungsfrage gestellt werde: Sind wir noch ein Volk? Wollen wir als Volk wieder gemeinsam in Erscheinung treten oder uns auf ewig in Klasseninteressen spalten? Die Aufgabe der nationalsozialistischen Bewegung bestehe lediglich darin, daß wir aufhören, uns als Marxisten oder als patriotische Bürger zu fühlen, denn keine dieser beiden Reihen sei stark genug, die andere zu überwinden und in sich a. fzunehmen. Cs müsse eineBrückegefunden werden, die die beioen Lager, Rationalismus und Sozialismus miteinander verbindet. Wenn irgend jemand die neue Basis finden könne, so sei es der Frontsoldat. Wenn Geireräle und Offiziere versagten, damr werde der Musketier zum Träger des neuen Deutschtums werden. Hugenberg fordert Mstungöfreiheit oder Austritt aus dem Völkerbund. Berlin, 28. Rov. (TH.) Dr. Hugenberg hat namens der Deutschnationalen Volkspartei an Reichskanzler Dr. Brüning folgendes Telegramm gerichtet: „Die Vorgänge in der Genfer Abrüstungskonferenz entblößen kraß den bösen Willen Frankreichs und der feine Rüstungspolitik stützenden Staaten in der für die Erhaltung des europäischen Friedens entscheidenden Abrüstungsfrage. Sie widerlegen zugleich Kurs und Methoden der bisherigen deutschen Außenpolitik. Angesichts dieser Erfahrungen und angesichts der für die ungeschützte Ostmark durch Polens Terror drohenden Gefahren wiederholen wir heute nachdrücklichst unsere Forderung auf Erklärung des Selbsterhaltungsrechts der deutschen Rüstungsfreiheit. Bei Richtaner- fennung dieses Rechts durch die Versailler Der- tragSgcgner halten wir den Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund, in dem die Gleichberechtigung zur hohlen Phrase wurde, für unerläßlich. Keine Offenlegung des Rüstungsstandes. Französischer Abstimmungssieg in Genf. Genf, 28.Rov. (TH.) In der Freitagssihung des Abrüstungsausschusses, an der der tschechoslowakische Außenrnmister Dr. Denesch, vom Präsidenten mit einer begeisterten Ansprache begrüßt, teilnahm, wurde ein deutscher Antrag behandelt, als Ausgangspunkt und Grundlage der kommenden Abrüstungskonferenz eine umfassende Veröffentlichung der gesamten Rüstungen der einzelnen Länder vorzunehmen. Der Antrag wurde vom Ausschuß mit dem Anheimstellen an den Dölkerbundsrat verwiesen, die Regierungen aufzufordern, falls möglich, der Abrüstungskonferenz Angaben über ihre Rüstungen vorzulegen. Ein holländischer Antrag, im Abrüstungsabkommen die bindende Veröffentlichung des gesamten lagernden und aktiven Kriegsmaterials vorzunehmen, wurde a b- gelehnt. In einem von den militärischen Sachverständigen Englands, Frankreichs, Belgiens, Rumäniens und Südslawiens borgelegten Bericht wurde erklärt, die Veröffentlichung des Kriegsmaterials könne leicht die militärische Schwäche einiger Staaten allzu deutlich entschleiern, sei technisch undurchführbar und würde ferner die militärischen Operationen zur nationalen Verteidigung erschweren. Dagegen wurde in einem Sachverständigen bericht von Deutschland, Italien, Iapan, Holland, Rorwegen und Schweden darauf hingewiesen, daß das Kriegsmaterial bereits von dem direkten Material ausgenommen sei und deshalb die Der- öffentlichung des Kriegsmaterials unbedingt notwendig sei, insbesondere im Hinblick auf die großen Ziele des Abkommens, zu einer Sicherung des Friedens zu gelangen. Der Ausschuß nahm schließlich mit 12 Stimmen gegen Deutschland, Italien, Iapan, Amerika, Sowjetrußland, Holland und Schweden einen französischen Antrag an, nach dem im Abrüstungsabkommen von jeglicher Bekanntgabe des Kriegsmaterial abgesehen wird und lediglich die Gesamtsummen für den Ankauf, Aufrechterhaltung und Herstellung des Kriegsmaterials der Landrüstungen angegeben werden. Aus aller Welt. Ein Zwischenfall an der Universität Breslau. Wie in anderen Städten veranstaltete auch in Breslau die Freie Studentenschaft der Unioerfität und der Technischen Hochschule eine Protest - kundgebung gegen die Deutschenoerfolgung in Ostoberschlesien. U. a. nahmen die beiden Rektoren der Hochschulen sowie einige Professoren an der Kundgebung teil. Der Referent des Abends, der deutschnationale Reichstagsabgeordnete Dr. Kleiner (Beuthen) griff die Reichsregierung wegen ihres „langen Wartens" heftig an. Daraufhin verließen d i e beiden Rektoren sowie zwei weitere Professoren unter Protestrufen der Studenten den Saal. Als er dann in beleidigender Weise von dem preußischen Ministerpräsidenten Dr. Braun sprach, verließen weitere Professoren, diesmal von lauten Pfui-Rufen begleitet, den Saal. Verhaftung eines Baugenossenschaftsdirektors. In Nürnberg wurde Direktor Willi Steu- del wegen Betruges in Hntersuchungshaft genommen. Steudel gründete im Frühjahr 1929 die Rheinische Schnei.lbaugenossen- schäft m. b. H. in Köln und im Iuli 1929 eine Zweigstelle in Nürnberg, als deren Direktor er sich bezeichnete. Don den Genossenschaftsmitgliedern wurden zur Erbauung von Eigenheimen rund 1 90 000 Mark Bargeld einge* zahlt. Ausgeführt wurden aber nur zwei Häuser. Bereits angefangene Bauten muhten wegen Geldmangels eingestellt werden. Ein großer Teil der Genossenschaftsgelder soll von Steudel für eigene Zwecke verbraucht worden fein. -** — Ein schlechter Scherz. Zu stürmischen Austritten kam es im Budapester Rathaus. Mehrere hundert Arbeitslose erschienen mit Telegrammen in den Händen im Rathaus und verlangten einen Beamten zu sprechen. Die Telegramme enthielten durchweg die Aussorderung, ein „Parteisekretär" möchte sich im Rathaus melden, um einen Posten in der Abteilung für geistige Rotstandsarbeiten zu übernehmen. Als sich herausstellte, daß es sich um eine Irreführung handelte, gerieten die Arbeitslosen in Wut. Die Stimmung wurde so bedrohlich, daß Polizei geholt wurde, die das Rathaus räumte. „Schmuhregen" in Paris. In Paris war am Freitag ein seltenes Naturphä- nomen zu beobachten, ein „Schmutzregen", also mit Erde beschwerte Sß a Hertropfen, die nach dem Trocknen auf den Dächern eine rötliche Kruste hinterließen. Einige Meteorologen geben für dieses Phänomen in der Morgenpresse die Erklärung, es handle sich dabei um durch besondere atmosphärische Bedingungen hochgewirbelte Sandmassen aus Nordaspika, die in Wolken in 5000 oder 6000 Meter Höhe fortgetrieben werden. Wenn diese aufgewirbelten Staubmassen in Algier niedergehen, werden sie zum Schirokko, wenn sie aber Europa erreichen, so vermischen sie sich mit den Niederschlägen und werden zum „Schmutzregen". Die neue Telephonanlage der Vatikanstadt. Der P a p st weihte im Beisein des Kardinat- staatssekretärs P a c e 11 i die neue automatische Telephonanlage der Vatikanstadt ein. Der Papst besichtigte eingehend die gesamte Anlage und bedankte sich für das fürstliche Geschenk, das er gern annehme, da er auf demselben Standpunkt stehe, wie der Heilige Donbosco, der einmal von sich getagt habe, daß er dem Fortschritt immer vorangehe. Die Telephonanlage der Vatikanstadt, die von einer Neuyorker Firma geschenkt worden ist, verfügt über 800 Nummern, von denen vorläufig etwa 300 in Gebrauch genommen werden. Sie ist mit dem Römer Teiephonnetz durch 30 Leitungen und mit dem Fernamt durch sechs Leitungen verbunden. Auch auf dem Schreibtisch des Papstes befindet ich ein goldener Telephonapparat, so daß Pius XI. ich jederzeit mit allen Teilnehmern verbinden las en kann. Er kann jedoch nicht ohne weiteres angerufen werden, da die Glocken an seinem Apparat entfernt wurden. Oie Wetterlage. H5K Kost; Seydisljord' ■tot 'f\b.erd£tn- \oni w iurs L-ß Jvien | / I O p Q 1 niagtfot 75 S -1 'Thorshavn 'fej "X......-&&— Gwolkenlos. O neuer, onaib oeoecKt.® woikio. • oedeckt »Regen * Schnee es Graupeln. 5 MeDei K öfWilter.@Winostiile.«0-. sehr •eicnter Osi ^5 nassiger SUdsuciwesi stürmischer «ordwesl Oie Pfeile fliegen mit dem winde. Die oe, den Stationen stehenden iahten geoen die Temperatur an. Pie Linien verbinden Orte mit gleichen^ auf neeresniVeau umgererhnelen Luftdruck Wettervoraussage. Das Tiefdruckgebiet über Frankreich hat feine Lage kaum verändert, sich aber etwas abgeflacht. Auch ist sein Regengebiet zusammengeschrumpft. Im Norden und Osten baut sich hoher Druck auf, aus dem meist kontinentale Lustmassen nach Deutschland fließen, Eine wesentliche Umgestaltung der herrschenden Wetterlage findet somit auch nicht statt. Wohl wird durch die sich noch weiter vordrängende Warmluft der französischen Störung der Himmel sich zeitweise mit einem Wolkenschleier überziehen, wobei gelegent. lich auch Niederschläge, jedoch ganz bedeutungsloser Art, auftreten können. Aussichten für Sonntag: Teils wolkiges, teils aufheiterndes Wetter, ohne nennenswerte Niederschläge, Temperaturen zwischen Tag und Nacht sich etwas verschärfend. Aussichten für Montag: Keine wesentliche Aenderung der herrschenden Wetterlage. Lufttemperaturen am 28. November: mittags 8,7 Grad Celsius, abends 4,2 Grad; am 29. November: morgens 2,1 Grad. Maximum 9.2 Grad, Minimum 1,6 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 28. November: abends 7,9 Grad; am 29. November: morgens 4,3 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer % Stunde. führt ab, es wirkt sehr milde, versuch es, und vFfiJfJöu bist im Bilde Nervensystems' 11.15 Uhr, km Physiologischen In- sisUtt.— Obst» und Garlenbauoerein: Vortrag mit Lichtbildern über: „Moderne Pflanzen-Züchluna" von Unio.»Prof. Dr. Eesious, 15.30 Uhr, im Hör- soal des Landwirtschaftl. Instituts. — Hilfsbund für Elfah-Lothringer im Reich: Vortrag über: „Die Aufgaben und Ziele des .Hilfsbundes' in Gegenwart und Zukunft", 16 Uhr, im Hotel Köhler. — Licht- fplelhaus Bahnhofstraße: vorm. 11.15 Uhr: Mär« chcn-^estspiele, abends „Die vom Rummelplatz". — «^^'Lichtspiele: „Der Adjutant des Zaren" und „Weltmeister Mar Schmeling". Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute um 20 Ahr. Erstausführung de« musikalischen Lustspiels ..Meine Schwester und ich'' von Darr und Der- neuil. Musik von Ralph Denahky. Spielleitung Intendant Dr. P rasch. Musikalische Leitung Kapellmeister Fritz Cuje. Einstudierung der T^änze Ewald Däulke. Die Dorstellung findet im Freitagsabonnement statt. — Morgen. Sonn- tag 30„ als Fremdenvorstellung zum letzten Male ..Sektion Rahnstetten" von Curt Corrinth, unter der Spielleitung des Intendanten. — Weihnachtsmesse der Deutschen Frauenkultur. Die Deutsche Frauenkultur veranstaltet am 1. und 2. Dezember im Caf6 Amend eine Ausstellung, in der hiesige Geschäftsleute Produkte deutscher Wertarbeit aus allen Gebieten Handwerk- lichen Schaffens zur Schau stellen. Daneben werden Handarbeiten, Spitzen aus einer schlesischen Spitzenschule u. a. m. ausgestellt. Der „Dippelui" von Wieseck wird seine Kunst an der Drehscheibe zeigen. — Der Oberhessische Kun st verein und die Gesellschaft der Gießener Kunstfreunde veranstalten am Montag, 1. Dezember, 20.15 Ahr. im Hörsaal des Kunstwissenschaftlichen Institut«, Ludwigstraße 34, einen Lichtbildcrvortrog des Aniversitätsprvfessors Richard Hamann, Marburg, über „Mittelalter und Antike", zu der die Mitglieder der beiden Dereine mit ihren Familienangehörigen freien Eintritt haben. Näheres in der heuttgen Anzeige. — C in Wohltätigkeitskvnzert der Gesangsschule Heermann findet am SamStag, 6. Dezember, in der Reuen Aula der Aniversität statt. Der Ertrag soll zum Besten des Frauenbundes der Deutschen Kolonialgesellschaft Dcrwendung finden. Zur Aufführung gelangen Werke von Dach, Händel, Mozart, Schubert, Arien und Ensembles aus der Oper „Freischütz" von C. M. v. Weber. Das vorzügliche Programm dürfte einen recht genußreichen Abend in Aussicht stellen. (Räheres in der heuttgen Anzeige.) Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 29. November 1930. Advent. Das Volk Israel ist in alter Zeit ein Volk von Hirten und Bauern gewesen. Künstlerisch, politisch, auch im Handel und Verkehr hat es sich nicht über die anderen Völker Kleinasiens erhoben. Dennoch gebührt ihm in der Geschichte eine besondere Stellung, hervorragend war Israel durch seinen Gottesglauben. In einer Zeit, in der man in Rom die Zukunft noch aus dem Fluge der Vögel zu deuten glaubte, in der man in Hellas den sagenhaften Gott- heilen noch Tiere zum Opfer darbrachte, erkannte man am Flußlaufe des Jordans und im Berglande Iudas schon daß es nur einen wahren Golt gibt, und daß dieser Gott ein überweltliches, persönliches, lebendiges Wesen ist. ein Gott der Liebe, ein heiliger Gott, dem alles Sündige ein Greuel ist. Man preist mit Recht die griechische Dichtung, was ist aber der in ihr immer wiedertehrende Schicksalsgedanke gegen, über der jüdischen reinen und geistigen Gottesidee. Man findet in der germanischen Mythologie viel uralte Poesie, sie bedeutet nichts gegenüber den Worten, die uns aus dem Alten Testamente entgegentönen, etwa den Worten: „Israel hüt dennoch Gott zum Trost, wer nur reinen Herzens ist" oder: „Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachten so bist^du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil." Der Historiker Heinrich Leo hat gesagt: „Lieder, wie der 73., der 103., der 139. Psalm und so viele andere, werden die Herzen erheben und die Menschen zu Gott führen, wenn längst die schon- sten Dichtungen Griechenlands dem Strome der Vergessenheit anheimgegeben sein werden. Denn diese werden gelesen, und ihr Verständnis wird gepflegt nur in glücklichen, an äußerer Bildung reichen Zeiten; jene aber sind in unwandelbarer Schönheit dem edleren Menschen nahe und wert in allen Zeiten, und in Unglück, Trübsal und umgebender Barbarei am wertesten." Am höchsten erhebt sich der jüdische Gottesglaube in der messianischen Idee. Das Volk war im Kriege besiegt und gebemütigt worden, hart lastete auf ihm die Fremdherrschaft, Elend und Verarmung zogen durch das Land von Dan bis Berfaba, aber die Menschen, die in diesem Lande wohnten, behielten ihren Mut. Ihre geistigen Führer waren die Pro- pheten, sie waren die Bannerträger der Zukunft. Sie hörten nicht auf zu sagen: Einst werden wir wieder eine neue Blütezeit erleben, ein König wird kommen aus Davids Stamm, der wird die Feinde mit Heeres, macht vertreiben und ein neues herrliches Reich auf- richten. Diese ursprünglich politische und nationale Idee wandelte sich immer mehr in das Geistige. Der Messias wird Israel erlösen von seinen Sünden, er wird Frieden bringen und ein Reich der Gerechtigkeit aufrichten. In Jesus fand diese Erwartung ihre Erfüllung, er hat auf sich das Wort des Jefaia an- gewandt: „Der Geist des Herrn ist bei mir, darum, daß er mich gesalbt hat, er hat mich gesandt, zu ver. kündigen das Evangelium den Armen, zu heilen die zerstoßenen Herzen, zu predigen den Gefangenen, daß sie los sein sollen, und den Blinden das Gesicht, und den Zerschlagenen, daß sie frei und ledig sein sollen, und zu verkündigen das angenehme Jahr des Herrn." Seitdem Jesus in der Welt war, haben Millionen von Menschen in ihm den Retter und den Heilbringer gesehen, den Heiland, der ihre Herzen über den Alltag und seine Nöte erhebt und sie eines unvergänglichen, jenseitigen Lebens gewiß macht. Ohne diese Hoffnung wäre die Menschheit schon längst innerlich zugrunde gegangen. Auch wir in der Gegen, wart haben diese Hoffnung nötig. Wie November- nebel liegt es auf uns, unser Volk ist von stolzer Höhe herabgestürzt worden und seufzt unter dem Drucke seiner Gegner. Auch in früheren Zeiten ist Deutschland schon arm yewesen, aber die Menschen haben damals doch wenigstens Arbeit gehabt, heute stehen die Millionen arbeitslos auf der Straße, ihre beste Lebenszeit vergeht in erzwungener Untätigkeit, die die seelische Spannkraft erlahmen läßt. In Kunst, Philosophie, Dichtung fehlt es an großen Gedanken, in der Politik herrscht Zerrissenheit. Soll unter diesen Umständen Jesus unseren Zeitgenossen nichts mehr zu sagen haben? Die Adventsfeier der christlichen Kirchen preist Jesus als den Freudebringer und Friedensfürsten, den Seligmacher, der immer wieder von den Herzen Besitz ergeift. Alte große Worte aus der Vergangen- heit werden wach, wenn man an ihn denkt, die Worte: „Das Volk, fo im Finstern wandelt, siehst ein großes Licht", oder „Die Nacht ist vergangen, der Tag aber nahe herbeigekommen." Namentlich gewinnen in der Adventszeit Jesu Worte Bedeutung: „Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben!" und „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken." Advent feiern heißt, gestützt auf die Tatsache, daß Jesus neue Kräfte in die Welt gebracht hat und noch immer bringt, Hoffnung haben. Gewinnt unser Volk diese Hoffnung, dann wird es den Widerstand der stumpfen Welt besiegen und einer besseren Zukunft entgegengehen. H. B. Srauerfeier für Or. Modde. CMtern nachmittag versammelte sich eine außer» ordentlich große Trauergemeinde in der Ka- Friedhofes, um dort dem ver- ctoigten Sch.achthofdircktor, Stadt-Ob:rveterinär- otm &ie khte Ehre zu erweisen. -Am Sarge des Heimgegangenen hielten dieEhar- n V? tilgen Landsmannschaften mit den Fahnen die Totenwacht. Pfarrer Decker zeich- nete in seiner Gedenkrede ein eindrucksvolles Dlld von dem Leben und Dirken des Dahingegangenen den er als einen Mann von großer Treue, Descheidenheit, Frömmigkeit und Demut ehrte. Herzliche Nachrufe, verbunden mit Worten Tankes für fein Wirken, wurden dem entschlafenen gewidmet von Oberbürgermeister Dr. Keller namens der Stadt, Sr. Magni- ttzenz dem Rektor der Landesuniversität Prof. Dr. Eger, dem Dertreter der Deterinärmedi« zimschen Fakultät Pros. Dr. Z w i ck. Geheimrat 93rof. ®r. Olt als Dertreter der Deterinär- medizinischen Gesellschaft Eüddeutschlands und der Tierärztlichen ^Bereinigung. Ferner sprachen in gleicher Weise Rektor Schmidt für das Stadtschulamt und die Fortbildungsschule, ein Schüler der hiesigen Mehgerfachschule, ein Dertreter der praktischen Tierärzte Hessens, ein Der- treter der Alten Herren der Landsmannschaft Marchiae und der akttven Landsmannschaft, ein Dertreter des Vereins der städtischen 'Beamten, Oberstudiendirektor Dr. Kalbfleisch als Der- treter der Alten Herren der Landsmannschaft Merovingia, ein Dertreter der Aktivitas dieser Landsmannschaft, Obermeister Pirr für die Metzgcrinnung, ein Vertreter der Veterinärmedizinischen Fachschaft, ein Vertreter des Tierschutzvereins, Prof. Decker für die Vereinigung alter Landsmannschafler. Rektor Kling für die Altersvereinigung 1872/1922, Studienrat Freitag für das Kronbauer-Quartett, ein Vertreter des _ Fleischbeschauervereins, Landgerichtsrat Trümpert für die Freimaurerloge Ludewig zur Treue und ein Dertreter des Diehhändler- vereins für Gießen und Amgegend. Reiche Kranz- und Dlumenspenden waren die äußeren Zeichen des Dankes und der Derehrung, die dem Heimgegangenen allgemein entgegengebracht wurden. Daten für Sonntag, 30. November. Sonnenaufgang 7.40 Uhr, Sonnenuntergang 15.57 Uhr. — Tlonbaufganp 13.42 Uhr, Monduntergang 1 Uhr. 1667: der englische Satiriker Jonathan Swift geboren; — 1796: der Balladenkomponist Karl Löwe geboren; — 1817: der Geschichtsschreiber Theodor Mommsen geboren; — 1900: der englische Dichter Oscar Wilde in Paris gestorben. Daten für Montag, 1 Dezember. Sonnenaufgang 7.41 Uhr, Sonnenuntergang 15.56 Uhr. — Mondaufgang 13.52 Uhr, Monduntergang 1521: Papst Leo X. in Rom gestorben; — 1709: der Kanzelredner Abraham a Santa Clara in Wien gestorben; — 1893: der Dichter Ernst Toller geboren. Gießener Wochenmarttpreife. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Kochbutter von 130 Pf. an, ‘Butter 150 bis 160, Matte 30—35 Ps. das Pfund, Eier 16—18 Pf. das Stück, Käse 10 Stück 60—140 Pf., Wirsing 8—10, Weißkraut 5—6, Rotkraut 8—10, Gelbe Rüben 8—10, Rote Rüben 8—10, Spinat 15—20, Anter-Kohlrabi 5—6, Grünkohl 10—15, Rosenkohl 25—30, Feldsalat 80—100, Tomaten 50—70, Zwiebeln 8—10, Meerrettich 30—60, Schwarzwurzeln 30—50, Kürbis 8—10, Kartoffeln 3,5—4, Aepfel 25—40, Dirnen 20—30, Dörrobst 30—35, Honig 40—50, Nüsse 40—60 Pf. das Pfund, Tauben 50 bis 70 Pf. das Stück, Iunge Hahne 90—100, Suppenhühner 90—100, Gänse 80—100 Pf. das Pfd., Dlumenkohl 30—70. Salat 10—15, Endivien 10 bis 15, Ober-Kohlrabi 6—10, Lauch 5—10, Rettich 10—15, Sellerie 10—50 Pf. das Stück, Kartoffeln 2.20-2.50, Weißkraut 3,00, Wirsing 4,00, Rotkraut 5,00 Mk. per Zentner. Vornotizen. — Tageskalender für Samstag. Stabt» theater: „Meine Schwester und ich", 20 bis 22.30 Uhr. — Deutsche Bau- und Siedlungsgemeinschaft, Ortsgruppe Gießen: Aufklärungsvortrag, 20 Uhr, bei Faulstich, Bahnhofstraße. — Geflügel- und Vogelzuchtverein: Monatsversammlung, 20.30 Uhr, im „Hessischen Hof". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, nachmittags: Märchenfestspiele; abends „Die vom Rummelplatz". — Astoria Lichtspiele: „Der Adjutant des Zaren" und „Weltmeister Max Schmeling". — Tageskalender für Sonntag. Stadttheater: „Sektion Rahnstetten", 15 bis 17.15 Uhr; abends von 18 bis 20.15 Uhr. — Matthäus-Gemeinde: Gemeindeabend, 20 Uhr, im Cafä Leib. — Oberhessischer Kunstverein: Weihnachts-Ausstellung Künstlerhilfe 1930. — Gießener Konzertverein: Konzert (Prof. Adolf Busch), 19.30 Uhr, Universitäts- aula. — Sängerkranz Gießen: Konzert, 19.30 Uhr, im Saale des Gesellschaftsoereins. — Oeffentliche Vorträge über Physiologie: „Die Funktionen des ** Fahrplanerweiterung auf der Kraftpostlinie Gießen — Wißmar. Dom Postamt wird uns geschrieben: Dom 1. Dezember ab wird an Werktagen versuchsweise eine Kraftpost von Gießen nach Wißmar und zurück nach folgendem Plane eingerichtet: Gießen Bahnhof ab 18.20 Uhr, Gießen Neustädter Tor ab 18.24, Abzw. Krofdorf ab 18.30, Launsbach ab 18.35, Wißmar an 18.45; Wißmar ab 18.46, Launsbach ab 18.55, Abzw. Krof- darf ab 19.00, Gießen Neustädter Tor ab 19.05, Gießen Bahnhof an 19.08 Uhr. Oberhessischer Kunst verein. Die bereits angekündigte Weihnachts-Ausstellung Künftlerhilfe 1 930, die nur Werke hessischer, insbesondere vberhessischer Künstler zur Schau bringt, beginnt morgen vormittag 11 Ahr und dauert bis zum 22. Dezember bei freiem Eintritt für jedermann. Möge sie von einem Künstlerschaft und Publikum befriedigenden Ergebnis begleitet sein! Dezüglich der Besuchszeiten sei auf die Anzeige im vorgestrigen Gießener Anz? ger verwiesen. ** Sie Museen und der Heidenturm sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr bei ge- wöhnlichen Preisen geöffnet. ** Geschäftsjubiläum. Am 1. Dezember kann das Architekturbureau des Architekten S e u- ling auf ein 40jähriges Destchen zurückblicken. Es wurde von Architekt Ludwig Seuling gegründet und wird heute von Architett Aug. W. Seuling geführt. Eine reiche Anzahl von Dauwerken in Gießen und Umgebung zeugt von deren erfolgreicher Tätigkeit. •• Dienstjubiläum bel der Reichsbahn. Der Lokomotivführer Karl Göbel. Schützenstrabe 5, feiert am 1. Dezember sein 25. Fahrdienstjubiläum. Er erfreut sich der allgemeinen Wertschätzung feiner Dorgesetzten und Kollegen. " Wer macht den erblindeten Krisle r n eine Wethnachtsfreude? Wie all» ährlich, soll auch diesmal für die Kriegsblinden eine Weihnachtsfeier stattsinden. Es ist beabsichtigt, jedem der vierzig Dlinden, die der Anier- gruppe Gießen angehören, eine Weihnachtsgabe zu überreichen. Dies ist jedoch nur dann durch- ' ührbar, wenn die Seheirden den Dorstand der Anteraruppe durch Stiftung von Geldspenden oder Passende Gaben dazu in die Lage versehen. Gaben nimmt die städtische Oberfürsorgerin, Schwester Anita Hermannh, im Stadthaus, ®arten* ftrafjc 2, Zimmer 12, gern entgegen. Geldspenden können an die gleiche Adresse ober auf das Konto ■ der erblindeten Krieger bet der Dezirkssparkasse Gießen oder auf das Postscheckkonto von Konrad Diedenkopf, Kriegsblinder, Grünberg, Nummer 49 157 Frankfurt a. M., eingezahlt werden, älm Irrtümer zu vermeiden, macht man darauf aufmerksam, daß Sammellisten von den Kriegsblinden nicht herumgehen. ** Lebensbescheinigungen füe Auhe - und Wartestandsbeamte. Die Vordrucke für die Lebensbescheinigungen der Ruhe- und Wartestandsbeamten und der Hinter- bttebenen, _bie auch für das Iahr 1930 erfordere Uch sind, können in der Zeit vom 1.—3. Dezember bei der Reichsbahn st attonska ss« in Empfang genommen werden. "Manteldiebe an der Arbeit. In den letzten Tagen wurden aus verschiedenen hiesigen Gaststätten Mäntel gestohlen. Der Polizei wurden bisher drei Fälle gemeldet. Es dürfte sich empfehlen, daß Gäste ihr Augemnerk etwas auf ihre Garderobe richten, da zu vermuten ist, daß die Manteldiebe auch weiterhin versuchen werden, sich auf unsaubere Weise zu bereichern. " Politische Vortragsabende de « ASTA Der Allgemeine Etudenten-AuSschuß beabsichtigt, eine Reihe von politischen Vortragsabenden zu veranstalten, in denen Vertretern aller Parteien an je einen: Abend zu sprechen Gelegenheit gegeben fein soll. Der erste Dortrags- abenb, der in der Reuen Aula der Aniversität stattfand, war gut besucht. Als Redner deS Abends sprach per nationalsozialistische Reichstomsabgeordnete Oberst a. D. Hier! über das Thema: „Dehrpolitik". In grundsätzlichen Ausführungen behandelte der Redner zunächst den Krieg in seiner naturgegebenen Form, wieS auf fcie dem Kriege innewohnenden, unumstößlichen Gesetze hin, definierte die Kriegführung als staatspolitische Aktion und als eine Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln zum Zwecke der Existenzbehauptung und Geltung eines Volkes. Des wetteren ging er auf das Verhältnis zwischen Staatspolitik und der Art der Kriegführung als Mittel zum Zweck der Erreichung eines politischen Zieles sowie auf das korrespondierende Verhältnis deS Staatsmannes zum Feldherren als den Leiter der militärischen Streitkräfte ein. Breiten Raum widmete er auch den verschiedenen Formen des Militärs, ohne indes bestimmte Richtlinien aufzustellen, da hier die Verhältnisse, die augenblickliche Lage als bestimmende Faktoren auftreten und stets als solche aufgetreten feien. Zum Schluß seiner Ausführungen ging der Redner kurz auf die Situation zwischen Deutschland und den ehemaligen Feinbundmächten in Hinsicht auf die Wehrbereitschaft ein betonte jedoch, daß noch zu keiner Zeit die Freiheit erbettelt noch erkauft werden konnte, sondern immer erkämpft werden mußte. Die Studenten unterbrachen den Redner des öfteren durch Aeußerung der Zustimmung und dankten zum Schluß mit anhaltendem Dei- fall. Die Veranstaltung, die von etwa 600 Studenten besucht war, verlief ohne den geringsten Zwischenfall. " Konzert für Nervenkranke. Die Kapelle des 1. Datl. 15. Inf.-Deg. konzertterte wie man uns berichtet — am Mittwoch vormittag im Garten der Nervenheilanstalt an der Licher Straße. Die Darbietungen fanden sehr aufmerksame und dankbare Zuhörer. Auch denjenigen Pattenten, die nicht im Freien dem Konzert beiwohnen formten, war an den strahlenden Gesichtern abzulesen, daß sie für die Musik außerordentlich dankbar waren. Spielplan der frankfurter Theater. Opernhaus. Montag, l.Dez., 19.30 bis nach 22 Ahr: „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonnh". — Dienstag, 2., 19.30 bis 22 30- -Der Tenor der Herzogin". - Mittwoch, 3.. 19.30 bis 22.30: „Der Zigeunerbaron". — Donnerstag, 4., 20 bis 21.30: „Elektra". — Srel* las, 5., 19.30 bis nach 22: „Der Darbier von Sevilla . — Samstag, 6.. 19.30 bis gegen 22 30: „Simone Doccanegra". — Sonntag, 7., 15 bis 18: »Zar und Zimmermann". 19.30 bis nach 22: „Das Land des Lächelns". Schauspielhaus. Montag, l.Dez., 20 bis gegen 22 Ahr: „Hufnägel". — Dienstag, 2. 20 b^ gegen 23: „Wie werde ich reich und glück- 3., 20 bis gegen 22: „Sturm im Wasserglas . — Donnerstag, 4., 19 30 bis gegen 23: „Geschichte Gottfriedens von Derlichin- gen mit der eisernen Hand". — Freitag, 5. 20 bss gegen 22: „Hufnägel". — Samstag. 6., 16 30 bis gegen 19: „Kakadu-Kakada". 20.30 bis 22 30- „Der Wann, den sein Gewissen trieb“. — Sonntag, 7., 16 bis nach 18: „Kakadu-Kakada". 20 bis gegen 23: „Wie werde ich reich und glücklich?" 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Nachdruck, «uch mit Quellenangabe, verboten! Madrid. Ende November 1930. Düste Schießereien auf den Straßen der wichtigsten spanischen Städte, Brände, umgestürzte Trambahnen, angezündete Lastkrastwagen, Poli- -ci mit gezogenem Säbel und Karabiner. Arbeiter mit rauchenden Pistolen in der Faust, rote Fahnen auf den Universitäten, brüllende, fenstcrschriben- zertrümmernde Studentenhorden, hysterische Weiber, die zum Kampf aussordern — das ist der Film, der in den letzten acht Tagen in Spanien abgerollt wurde. Um die Entwicklung zu verstehen, must man auf den Ausgangspunkt zurückgehen. WaS war po'itiv geschehen? Ein Neubau in 'Madrid, einer jener üblen und berüchtigten Epekulationsbauten, bei denen Verantwortlichkeitsgcfühl und Gewistenhas- figfeit auf feiten der Unternehmer völlig fehlt, war einge stürzt und hatte vier brave Arbeiter unter sich begraben. Die Baupolizei ist in Spanien ein ziemlich unbekannter und eigentlich nur dclo> rativer Begriff. Sie tritt in Tätigkeit, wenn das HauS bereits bewohnt ist und die e Tatsache geturnt dann meisten- für ihre Genehmigung. Der Deoankengang ist einfach: ist das Haus schlecht gc-' baut, fällt es schon vor der Fertigstellung ein, kann man es aber beziehen, nun, dann wird es schon gut fein! Auf diese Weise haben in detr letzten fünf Jahren allein in Madrid über hundert Maurer ihr Leben eingebüßt. Es ist also nicht zu verwundern, daß diesmal die Arbeiterschaft eine mächtige Erregung befiel, die sich in einer gewaltigen Demonstration anläßlich der Beerdigung der Opfer Luft machte. Ordnung und Di ziplin des sich aus Über fünf- zigtausend Menschen zusammensetzenden Leichen» zuges war dank des sozialistischen Llebergewichts ansangs ausgezeichnet.— bis jene Hetzer aus dem anarchistischen Lager, die bei solchen Gelegenheiten hier nie fehlen, einen KonsliktSstoff dadurch schufen, daß sie den mit der Polizeidirektion t>cre;n- barten Weg verlassen und den Polizeikordon durchbrechen wollten. Steine und andere Wurfgeschosse sausten durch die Luft, ein unbeschreibliches Gebrüll hob an und dec Zug wurde zu einem fürchterlichen Menschenknäuel, das wie eine Woge gegen die Hüter der Ordnung brandete. Nun verfügt die Polizei unbegreiflichrrweisc in Spanien nur über den Säbel und d e Schußwaffe, und es liegt auf der Hand, daß sie diese gebraucht, wenn sie angegriffen wird. Schließlich kann man nicht verlangen, daß sie sich mit Pflastersteineni totwerfen läßt ohne einen Finger zu rühren. So krachte also auch in Madrid die Salve, die vier Menschenleben kostete und in ihrem weiteren Verlaus fünfzig Verwundete brachte. Nun kam die Volksseele ins Kochen, Nache wurde geschworen. Als lefles Mittel für eine Protestkundgebung gegen die „Polizeimörder" erschien ihnen der Generalstreik. Die sozialistische Leitung der Arbeiterorganisationen glaubte ihre Leute sest rn der Hand zu haben und hielt deshalo Weiterungen für unrnögl'.ch Obwohl nun die Sozialdemokraten in Madrid wie in ganz Kastilien, sehr im Gegensatz zu den übrigen spanisch.'» Provinzen, wo die anarchistischen Syndikate die Herrschaft über die Arbeiter an sich gerissen haben, in der großen Mehrheit sind, mußten sic wissen, daß die Durchdringung mit Syndika isten auch in Madrid schon weit genug fortgefch.it en ist. um sozialistisch-gemäßigte Demonstrationen zu Ruhestörun- gen schlimmster Art fortreißen au können. Die Negierung aber wußte, daß eS in der Verfassung festgelegte Streikgcsehe gibt, die die Anmeldung jeden Streiks vie.undztra i i ] 6 undei rorh.'r verschreibt, wenn er nicht als unge ehlich gelten soll. Trotzdem ließen beide Parteien die Hetzer gewähren und der ungesetzliche Generalstreik wurde ausgerufen. AIS die Provinz merkte, daß die Regierung diesem Treiben untätig zuschaute, wuchs auch dort der Mut und es dauerte nicht lange, bis auch in Katalonien, in der Levante und in Andalusien Schüsse krachten und die Arbeit niedergelegt wurde. Insbesondere zeichnet sich auf diesem Gebiet immer wieder Barcelona aus, die Hochburg des Syndikalismus und die Residenz der Oie weiße Scheibe über Rom. Dor. Or. Gustav W. Ebenem, ZRom. In den Abruzzen, irn November. Das Betreten des Rasens ist nirgends verboten, und so sitzen Kind und Kinderfräulein noch immer im Gras ohne sich zu verkälten. Sn einer Herrlichkeit, die immer unbeareiikicher wirkt, je öfter man das Schauspiel sieht, vollzieht sich vor der Pincioterrasse der zum Fremdenprogramm gehörige Sonnenuntergang. bei dem mau nie weiß, wo das Farbenwunder aufhört und der süße Kitsch beginnt. Man weiß nur, daß das alles unerklärlich schön ist wie die Erinnerung an die schönste Zeit deS Lebens, und daß einem in der Fremde die Augen feucht werden, wenn man davon lieft oder eine Abbildung sieht, sei es auch nur auf der flimmernden Leinwand. Es ist so viel Musik darinnen, das wird es sein. ilnö der Herbst, vor allem der römische Spätherbst, singt noch immer die Melodie des Sommers. Man kann sich gar nicht vorstellen, daß das jemals anders werden könnte. Eines Tages aber erscheint die weihe Scheibe über Rom. das Abfahrts.ignal deS Winters. Kalt und korrekt, wie der Sta ionsvorsteher es auf dem Bahnsteig handhabt, erscheint es im Blau hochgeh alten, daß jeder es sehen kann: die weiße Scheibe der Abruzzen über den vorgelagerten Ketten der Apenninen, der Sabinerberge. Man glaubt nicht recht daran, man geht ja noch ohne äleberzieher, und man kriegt auf cifimal, ein bißchen sommermude. wie man ist, das Verlangen, diesen Schnee auf Duelldistanz zu sehen. Schnee und Rom. das reimt sich so interessant schlecht. Schön müßte es sein, aus der sonnen- und etwas weintrunkenen Campagna direkt in diese blendcnd- falte Alpenscheibe hin-inzufahren. Fahren wirl Fahren wir im offenen Wagen. Die Tiburtina hinaus... grüne Weide und Weile ... rote Ruinen und silberne Oliven... schon spiralt sich die Asphaltdecke hinauf nach Sibur oder Tivoli. Schon geht es. dreißig Minuten nach der Abfahrt, hinein in die kahlen, rauh geschuppten Berge. Aber noch glühen diese Schuppen wie ein zu nah gerückter Ofenschirm und die weiße Scheibe ist dahinter verschwunden wie eine hinuntergeschluckte Kommunisten. Schon die ersten vierundzwanzig Stunden brachten dort Tote und zahlreiche Verwundete.^ Wie in Madrid wurde dort der Verkehr völlig lahmgele gt, die Brotversorgung unterbunden und daS Funktionieren von Elektrizität, Gas und Wasser nur mit Mühe dank militärischem Eingreifen aufrechterhalten. Heute noch dauern die ölnruhen dort fort, wenn auch in verminderter Stärke, und in ganz Spanien gibt eS kaum einen Sndustrieplatz von einiger Bedeutung, wo nicht irgendeine Gewerkschaft sich noch im Streik befände. Die Atmosphäre ist schwer mit Zündstoff geladen und der tlcinftc Funke kann neue Explosionen bringen. Spanien steht ohne jeden Zweifel vor einem entscheidenden Wendepunkt, die Frage ist nut, wann der große Schlag geführt werden wird. Hinderlich ist zunächst noch die Uneinigkeit unter den revolutionären Elementen. Die Sozialdemokratie fürchtet um ihre Organisation und will sich nur auf ganz sichere Unternehmungen einlassen. Ihre Hauptangst ist die Möglichkeit, daß die aktiveren und radikaleren Syndikalisten in dem Fall einer Revolution ihnen die Herrschaft über ihre Mitglieder entreißen. Die geistigen Führer aus dem nichtsozialistischen republikanischen Lager fürchten, daß die Kommunisten einen Umsturz über daS vorgesehene Ziel hinauStreiben könnten und daß es ihnen in einem solchen Falle selbst ans Leder ginge. Alle zusammen aber sind davon überzeugt, daß ohne die Mithilfe der Armee nicht viel zu machen ist. fürchten sich aber vor der Möglichkeit, daß dann diese wieder die Herrschaft im Lande an sich reißen und sie selbst aus dem Regen in die Traufe kommen könnten. Solange dieser Zustand berrfdjt, werden immer wieder Unruhen aller Art in Spanien auSbrechen, aber die gemeinsame Aktion wird nicht Zustandekommen. Aber — die Durchdringung der Armee mit republikanischen Gedanken schreitet täglich mehr und mehr fort und es wird nicht allzulange mehr dauern, bis der größere Teil der bewaffneten Macht fich vorn König abgewendet haben wird. Dann kann man eines Morgens in Madrid aufwachen — ebenso wie damals beim Staatsstreich Primo de RiveraS — und die Proklamation der Republik lesen, ohne daß auch nur ein Schuß gefallen wäre. Andererseits allerdings mehren sich täglich die Stimmen, die wieder eine Diktatur verlangen, aber selbst wenn diese zustande käme, würde sie nur eine Verzögerung bedeuten, nicht aber ein Heilmittel. Die Abneigung gegen die Monarchie hat zu sehr um sich gegriffen. Und außerdem kann man auch eine Diktatur nur mit der bewaffneten Macht inszenieren, und die wird niemals mehr sich so geschlossen hinter einen Diktator stellen wie damals bei Primo, eben weil die republikanischen Sbeen in ihr schon zu sehr Wurzel gefaßt haben. Die heutige Regierung aber ist zwar ohne Zweifel vom besten Willen beseelt und auS persönlich ehrenhaften Männern zusammengesetzt, aber eS fehlt ihr an Kraft und Energie, an dem eifernen Willen, sich daS Steuer nicht auS der Hand winden zu lassen. Eine enorme Nervosität scheint sie befallen zu haben. Dazu kommt daS Fehlen deS Kontaktes mit dem Volte, die Unfähigkeit, sich in dessen Gärungszustand bin- einversetzen zu können — alles Dinge, die zu dem Schluß berechtigen, daß diese Regierung nicht imstande sein wird, daS GtaatSschifs gegen die Böen zu halten, die es dauernd zum Kentern bringen wollen. Das Erwachen des Negers in USA. Die kommunistische Bewegung. - Folgen des Krieges. — Oie schwarze Völker- Wanderung von Süd nach Nord. Don unserem dl.-Korrespondenten. N e u y o r k. November. Ausgehend von Moskau ist kürzlich ein Sn- ter nationales Negerkommitee gebildet worden mit dem Zweck, engere Beziehungen zwischen den Negern der verschiedenen Erdteile her- zuftellen, die Grundsätze des KlassenkampseS auch unter ihnen zu verbreiten, dem „Chauvinismus" her weißen Rasse entgegenzuarbeiten, und bessere Grundlagen für die Weltrevolution auch unter der schwarzen Rasse zu schaffen. Bolschewistische Agenten haben in den letzten zwei Iahten sehr erfolgreich unter der schwarzen Bevölkerung gearbeitet, besonders in Nordamerika und Afrika, wir erinnern z. B. an die kommunistisch-revolutionären Strömungen, die sich in einigen afrikanischen Kolonien nach dem Kriege fühlbar machen. Damit haben fick die Bolschewisten sicherlich ein ganz besonders dankbares Feld der 'Tätigkeit ausgesucht, nicht deshalb, weil der Neger an sich kommunistischen Ideen besonders zugänglich wäre, die Propaganda wendet sich hier aber einer Gruppe der menschlichen Bevölkerung zu, die, so verschieden ihr Lebensstandard auf den einzelnen Kontinenten und besonders in Nordamerika auch zwischen den schwarzen Bewohnern desselben Landes ist, doch ein starkes Gefühl von Solidarität verbindet, und welche, das ist besonders beachtenswert, jetzt mehr als früher um Gleichberechtigung mit der Weißen Raffe kämpft. Diefer Kamps ist durch den Weltkrieg auS verschiedenen Gründen besonders gefördert worden. Daß der amerikanische Neger im Kampf gegen Völker der weißen Rasse fein Leben aufs Spiel ktyen mußte, wird er ohne weiteres verstanden haben, denn er ist ja amerikanischer Bürger und genießt — wenn auch teilweise nur auf dem Papier — gleiche Rechte mit ihr. CS ist ihm daher selbstverständlich 'gewesen, auch die gleichen Pflichten übernehmen zu müssen. Wenn aber schwarze Lüge. Ein Zug beult auf, bohrt sich in den Bauch dec Erde und bildet sich wunder waS darauf ein. well die Landstraßen mühsam drüber Wegkrabbeln müssen, Ülnd dann dreht er unS toici'cr eine Nase, weil die Schranke geschlossen ist. und die Reisenden schauen mit Sicgcnnienen auS den Fenstern. Zwischen Arsoli und Carsoli legt die Straße plötzlich ihr zivilisiertes We'en ab, häutet sich, schuppt sich, versteinert. In früheren Zeiten ist den Schotterhausen au beiden Seiten der Bart gewachsen, kein Mensch hat sich uu ihre pflanz- Uche Verwandlung gekümmert, jetzt aber benützt man den Schotter sonderbarerweise zum Schottern. An einem bestimmten Tage des Kalenders wird er ausgestreut, ob ihn die Straße braucht oder nicht. ES kann daher sehr wohl vorkomrne:i, daß ein Automobilist sie über den schwarzen Asphalt lobt und ein anderer über seine kaputten Reisen jammert — der Widerspruch erklärt sich sehr einfach daraus, daß der erste am 31. Oktober und der zweite am 1. November gefahren ist. Nun, jetzt schreibt man Nlitte November, da muß man halt Moränen mit in Kauf nehmen. Sie führen durch eine Mondlandschaft. Zwischen nackten Kraterlöchern und unbekleideten Felszacken, in einer sozusagen umgestülpten Tropfsteinhöhle gibt es ein Picknick. D e Sonne ist noch immer warm und die Leute im Zug staunen heraus. Ein Bauer, der auf einem Esel vorbeitrottet, kommt auS dem Kopfschütteln nicht heraus: Da haben sie ein Auto und essen auf der Straße! Ja, das hat er voll Verachtung über diese schnöde Welt gesagt. Darauf ist Faust dem Esel zwischen die Beine gefahren, daß sich der Bauer bekreuzigte. Faust ist ein Bulli und so ein Untier hat in den Abruzzen noch niemand zu Ge'icht bekommen. Faust fraß, bis zu den Hinterläufen über den Wagenschlag hinaus ängend, die Kurven in sich hinein wie endlose Wursthäute, versetzte Taglia- cozzo in Schrecken und brachte die Kinder von Abezzano in rasendes Entzücken. DaS darf man ihnen wohl gönnen, denn daS Erdbeben von 1915 hat von dieser Gegend, soweit sie mit Häusern besetzt war. wenig übriggelassen. Manche Ortschaften sehen noch immer so trostlos auSgeftorben auS und die neuen Häuser wagen nicht den Kopf zu heben, ducken sich erdgescholsig in diese trügerische. grausame und dennoch so geliebte Erde. Den großen See, den größten des Landes, wenn man von den oberitalienischen absieht, die geoKolonialtruppen auS Afrika gegen die weiße Rasse kämpfen mußten, so konnte man jenen Soldaten schwer klar machen, daß die Ehre. Kolonie einer weißen Nation zu sein, ihnen die Pflicht auferlegt, gegen andere weiße Nationen fern der eigenen Heimat zu Felde zu ziehen. Während in Nordamerika also weniger der Krieg als solcher, die Gleichstellung deS QlcgcrS mit dem Weißen im Schützengraben, die Emanzi- pationSbestrebungen gefördert bat, waren eS hier Folgeerscheinungen deS Krieges, welche indirekt dieselben Wirkungen hervorriefen. Der industrielle, bis zum Krieg nur schwach von schwarzer Bevölkerung bewohnte Norden brauchte Arbeiter, anfangs infolge der Expansion der Industrie, später, als Amerika in den Krieg eintrat, weil viele Industriearbeiler nach Europa gingen. Die große Gelegenheit für den Neger begann. Er verlieh den Süden, und die damals beginnende schwarze Völkerwanderung von Süd nach Nord hat bisher nicht auf- gehört. Die Ansicht über den Neger unter der weißen Bevölkerung änderte sich. Wurde der Neger früher als ein Hemmschuh für den Fortschritt deS Landes angesehen, als miiwertocrtig und außerhalb des eigentlichen amerikanischen LebenS stehend, so brauchte man ihn jetzt, und er füllte hier im Norden seinen Posten in der Regel nicht so schlecht auS, als man erwartet hatte. Hier lagen die Verhältnisse für ihn auch schon vorher etwas anders als im Süden. 1865 brachte den Schwarzen auf dem Papier zwar die Freiheit, alle bisherigen Sklaven wurden Freie und amerikanische Bürger. In der PrariS trat aber bis in allerletzter Zeit keine wesentliche Aende- rung ein. Der Neger war zu unselbständig, zu wenig regsam, besah zu wenig Selbstvertrauen, um, besonders in den Südftaaien, von sich aus graphisch ja schon zu einer anderen Welt gehören. Den Lago Fucino, aber hat nicht die Erde i>cr- schluckt. sondern die nie au viel gepriesene Wirtschaftsweisheit unserer Zeit. Allerdings wollten ihn schon die Alten trockenlegen, zum Glück ist eS ihnen nicht gelungen. Jetzt ist baS kultivierte Seebecken von „ungeheurer Bedeutung". Alles ist heutzutage ungeheuer und bedeutend. Vielleicht verzinst er daS hineingesteckte Kapital von zweihundert Millionen Lire, mag sein, nur hat sich das Klima ringsum nicht zum Vorteil verändert und schließlich hat ein See als ein gewachsenes Stück Landschaft auch Anspruch auf ideelle ‘Beurteilung. Teilnahmslos flehen die Zweitausender um die erloschene Pracht, aas der jetzt als Berg hetauS- ragt, was früher eine Insel war. Vor den weißhaarigen Riesen steht der Wagen wie vor einer Wand, sogar Faust wundert sich, dah eS da hin- ausgehen soll. Aber wir fahren ihnen in den Nacken, daß plötzlich nur noch ihre Köpfe da- licgen, einer neben dem andern, alt und vetschat- tet. ilnb auf dieser Höhe, in einer Nackensalte, hat sich Oblnholl cingcniflcl, ein Haufen in- und übereinandergeschachtelter Häuser, die sich kaum abheben. Stein unter Steinen. Rauf und durch — da wackeln die Köpfe zurück und die Kessel schließen sich und kalkweiße Dinger treten zurück wie knixende Mädchen bei allerhöchstem Besuch, und ein alpines Wiesental öffnet sich, in dem, wie man uns sagt, die Wasser ver- sinken, um teils zur Adria, teils zum Tyrrhenischen Meer hinunterzukullem, meist unterirdisch. Ich habe den Eindruck, als sei das ganze Abruz- zenmassiv daS Gegenteil von massiv: hohl, unheimlich hohl. AbendS stand der Höchste deS Apennins vor uns, der Gran Dasso, und am Morgen wäre er gewiß auch noch bagcflanben, wenn ihn nicht ber Schneeschwamm auSgelöscht hätte. Dazwischen eine Nacht in Aqulla, eine eisige Hochgebirgsnacht. Wahrscheinlich nannte ber Hohenstaufe, der zweite Friedrich, alS er die Hauptstadt der Abruzzen gründete, sie nicht nach dem König der Lüfte, aber sie sieht so auS, sie könnte nicht treffenber heißen alS Stadt deS Adlers. Obwohl sie einen langen Corso hat, einen erstaunlich lebhaften Bummel auf Steinfließen kennt, ratternde Autobusse und fliehendes Wasser im Hotel. auf eine Aenderung der Dinge zu bringen. Noch vor zwei Jahrzehnten waren Lynchungen von Negern an der Tagesordnung. DaS 13., 14. und 15. Amendement der Verfassung wurde, und wird teilweise bis auf den heutigen Tag im Süden einfach nicht beachtet. Die Ceibelgenfcbaft blieb de facto bestehen. DaS Wahlrecht wird ihnen in den meisten Sübstaaten versagt, entweder durch beftinnntc Gesetzesklauseln. denen der Reger nicht gerecht werden kann, ober durch andere Mittel und Mittelchen. In den öffentlichen VerkehrSeinrichtungen stehen ihnen nur bestimmte Abteile zur Verfügung. Doch auch baS ändert sich. Die Lynchungen werden weniger, 1928 sind nur noch elf im ganzen Jahr gemeldet worden. Auch die Macht des Ku-Klux- Klan läßt in dieser Beziehung nach. Wan schätzt, daß seit 1915 1,5 Millionen Rege« vom Süden nach dem Norden abgewandert sind, wo seine soziale Stellung eine gaitz andere ist als in der südlichen Heimat. Mit dieser Ab- ivanbcning bcHcrtc sich aber auch die 9agc der zurückgebliebenen StammeSgenossen. Die QI a d) t r a g c Im Süden nach QlrbeitS* krästen stieg, der in der Landwirtschaft beschäftigte Qleger ging nicht selten in die Stabt und füllte dort die frei gewordenen Stellen au#. Heute lebt ein Viertel aller Qleger der Vereinigten Staaten im Norden, ein Drittel in den Städten. Qlucb hier beginnt er zwar in der Regel mit den niedrigsten Arbeiten, verschafft sich aber meist halb Zugang auch zu den besseren Stellungen, und so ist ber Qlegcj deute bereit# zu einem nicht zu unterschätzenden Faktor in der amerikanischen Industrie geworden. Ford beschäftigt etwa 17 000 Neger in seinen Fabriken, aber auch alS gelernter Arbeiter in ber Gisen- unb Stahlindustrie, selbst In chemischen Laboratorien ist der Schwarze keine Seltenheit. Die Ansicht, der Qleger sei für die Industrie nichts wert, bat sich gründlich gewandelt. Dazu ist er anspruchslos und sparsam, bald ist er in dec Lage, sich ein Bankkonto zu eröffnen und für seine Familie zu sorgen. Die Metropolitan Life Insurance Company hat allein 2.5 Millionen Schwarze versichert. ÖS ist daher nicht verwunderlich, daß der Qleger als Stadtbewohner auf gleicher Stus« mit seinen weißen Kollegen in Rede und Gedanken beweglicher wird, fein Selbstbewusttsein sich stärkt, s ei n R a s s e st o l z fich durchsetzt und sein Klasfenbewußtsein, baS sich gegen jede Diskriminierung auslehnt, in ihm wächst. DaS ebnet ihm auch ben Weg in bic Gewerks cha f- t e n. Währenb diese anfänglich ablehnend gegen schwarze Mitglieder waren, so konnten sie sich den Strömungen der Zeit auf die Dauer nicht widersetzen. Nur ganz wenige Gewerkschaften lehnen heute noch Qleger ab. Die bekannteste reiit- schwarze" Gewerkschast ber Schlaswagenschafsner. bic ja auf fast allen Eisenbahnlinien Qleger sind, ist von ber American Federation of Labouy angenommen worben. Die Entwicklung geht ober weiter. Dio geistige D u r ch b i l b u n g der schwarzen Bevölkerung macht weitere Fortschritte, Schriftsteller, Dichter und Künstler sind auS ihr hervorgegangen. 10 000 schwarze ©tubenten machen iährlich ihr Examen an den amerikanischen Universitäten, über 1000 schwarze Richter sprechen Recht auch über Weiße. Schwarze Netzte praktizieren und haben auch weiße Patienten Zeitungen, Schulen, Kirchen, Versicherungsgesellschaften sind mit CM* bem der schwarzen Bevölkerung errichtet worden, im Kongreß ist sie vertreten, in ber Kadetten» schule West Point gab cS kürzlich einen schwarzen OsiizierSanwärter. ber allerdings daS Schluß- examen nicht bestand. Wenngleich in den großen Städten die schwarze Bevölkerung in der Regel in bestimmten Stadtteilen wohnt, so hat doch der Supreme Court ebenfalls clngegrilfen. als einige Städte versuchten, auf dem Wege ber Gesetzgebung für diese Ghettos zu schassen. Wir sehen hier einen Wandlungsprozeß, der nicht ohne Ginslust auf baS amerikanische Staatswesen bleiben wird, und ber bedrohlich werben kann, wenn eS hier mal zu einer Ql u S e t n - anberschung mit bem internationalen Kommunismus kommen sollte. Von Aber ich wollte ja von bem Schnee sprechen, den man von Rom auS sieht. Daß der Winter hier oben seine Abfahrtsstation hat, erkennt man ohne weiteres. Er pfiff schon aus allen Ventilen. Rach jenem alpinen Wiesental folgte ein Paß mit so wenig einladenden Gebärden, dah eS Faust endlich vorzog, seine Freiluftübungeni auszugeben und die tiefer gelegene Region der Pedale aufzusuchen. Gr maulte sogar, als eS auf einmal nicht mehr weiterainq, weil ber Schotter sein Werk getan hatte. Und so erfüllte sich bic römische Sommersehnsucht: einmal bic Hände tauchen zu können in Schnee und blaue Backen und glühende Ohrläppchen zu kriegen, erfüllte sich beim unfrctlullligen Reifenwechsel. Die Wand deS Gran Sasso vermochte den pfeifenden Ewigkeit-* tpinb nicht abzuhalten. AlS die Sonne, dieselbe, die sie jetzt auf der Pincioterrasse bewunderten, bleich und unansehnlich in ihr Steinbett kroch, fing eS zu riefeln an, dünne, graupelige Flocken. Die Heimfahrt war ein einzige- (Bergab, ein Hinunter in- Ilcflanb, in den sonnigen Süden. Gab eS nicht einmal eine Zeit, in der ein Reisender der sich in die wilden Abruzzen wagte, voll Respekt angesiarrt wurde? Heute ist eS in dieser einsamen Gegend sicherer geworden als in manchen dichtbewohnten Gegenden 'Berlins. Welt reichen die Schwingen deS jungen Ablers in Rom. Schneegestöber um den Gran Sasso d'Italia, Aufheiterung Im Rajotal, Sonne über Antrodoco tief unten in ber Schlucht. Man kreist fömlich über ben Dächern, immer nichtiger, sinkt in die engen Straßen hinab. Hinaus inS Freie, in die Ebene von QUcti, dem mctcrgenaucn Mittelpunkt ber Halbinsel. Gin kurzer Halt an einem opali- ficrcnbcn, mabonncnblaucn, weißkochenben und herrlich nach Schwesel stinkenden Gewässer: eine etunbe hcrumgcllcttcd In einer bis auf bic Torbogen eingesunkenen, geborstenen Kirche, in her metetbod) baS saphitene, glasklare Wasser steht: an Wassern und Flüssen vorbei, die beim Wie- berauftauchen einen anberen Namen haben als beim Verschwinden - hohl, hohl sind die Berge und voller Geheimnisse. ES ist unvergleichlich reizvoll daran vorbeizuhuschen, daraus bic Mütze ab^uncpTncn, die wanne Sonne einzusaugen mit boller Brust und nach einer letzten Stunde schnurgerader Gbenefahrt wieder zu landen im letzten Abendscheine, bic weiße Signalscheibe im Rücken, auf bet Terrasse de- Pincio. größer Wichtigkeit wird auch die Vermeh- rungsfrage in den beiden Rassen sein. Zwar ist die zahlenmäßige Zunahme der Reger im Vergleich zu den Weihen noch nicht beunruhigend. Bei der Abdrosselung der weihen Einwanderung, dem Geburtenrückgang unter den reinen Amerikanern und dem Rückgang der Sterbefälle unter der schwarzen Bevölkerung kann aber eine Der- | schiebung auf die Dauer kaum ausbleiben. Gewiß ist es noch ein langer Weg bis zum Ziel, der Stein ist aber im Rollen, vielleicht wird man eines Tages Abraham Lincoln schwer dafür tadeln, daß er dieser anderen Rasse das Bürgerrecht gegeben hat. Llmnachlet - und doch von Liebe umgeben. OaS Heim der Geisteskranken, ein modernes Krankenhaus. Von Irrenarzt Or. meb. Behm Das Wort „Irrenanstalt" ruft noch heute bet dem größten Teil der Menschen eine Reihe unklarer und schrecklicher Empfindungen hervor. Roch heut begegnet man selbst bei gebildeten Menschen den abenteuerlichsten Vorstellungen über die Einrichtung und Behandlung in den Anstalten für Geisteskranke. Dah die bedauernswerten Kranken in gefängnis- artigen Zellen sitzen, zur Beruhigung kalte Duschen bekommen, dah in der Gummizelle die Irrsinnigen gegen die Wände rennen, dah rohe Wärter sie schlagen und mihhandeln — all das wird heute noch geglaubt. Es beruht auf der irrigen Annahme, dah die Mehrzahl der Kranken aus tobenden, völlig verwirrten Menschen besteht - und auf der Tatsache, dah in früheren, längst überholten Zeiten, die unglücklichen Geistes- kranken vielleicht wirklich einmal so behandelt wurden. Das war aber in einer Epoche, in der die Kenntnis vom Wesen der Geisteskrankheiten wie die moderne ärztliche Irrenfürsorge noch nicht vorhanden war, ebensowenig vorhanden, wie alle andern Methoden moderner Krankenhausbehandlung. Denn nichts anderes als ein Krankenhaus ist solch eine Irrenanstalt, ein gut geleitetes, modernes Haus, meist in schöner, stiller Lage, von weitem Park umgeben. Die Zimmer für die Kranken sind eingerichtet wie jedes andere Krankenhauszimmer, nur unter Fortlassung aller gefahrbringenden Einrichtungsgcgenstände, die Beleuchtungskörper unerreichbar an der Decke, und die Fenster aus unzerbrechlichem Glas und mit Sicherungskonstruktion »ersehen. Alle Kranken, die unruhig und erregt sind, die selbstmordverdächtig, Rahrungsaufnahme verweigern oder aus sonstigen Gründen steter Beobachtung bedürfen, kommen auf die W a ch a b t e i- I u n g. Dah es hier nicht immer ruhig und friedlich zugcht. ist verständlich. Hier redet oder singt ein erregter Kranker, dort sitzt ein anderer jammernd im Bett. Die Anforderungen an Geduld und Umsicht des Pflegepersonals sind gerade auf dieser Abteilung nicht klein. Immerhin herrscht auch auf der Wachabteilung oft lange Zeit hindurch Ruhe. Völlig falsch ist die Meinung, dah jetzt noch wie in früheren Zeiten allerlei Zwangsmit- t e l, wie Zwangsjacken usw. zur Bekämpfung heftiger Erregungszustände, zur Beruhigung der tobsüchtigen Kranken angewandt werden. R i ch t s von alledem ist der Fall. Kann man einen Kranken nicht durch längere Bettruhe, durch Anwendung der verschiedenen beruhigenden Arzneimittel oder durch langdauernde warme Bäder beruhigen, so muh man ihn eben in den Iso - lierraum verbringen, der auch nichts ist als ein Zimmer, das eben nur in der Einrichtung besonders vorsichtig gehalten ist. Oft beruhigen sich aufgeregte Kranke in der Ruhe des Einzelzimmers sehr schnell, da alle äußeren Einwirkungen und Reize fortfallen. Man kann auch -beobachten, wie weibliche Kranke, die unter den Zandern dauernd Zank und Streit erregen, in diesen Einzelzimmern ruhig und gleichmäßig wer- Öen, sich ihr Zimmer nach Frauenart so behaglich wie möglich einrichten, es ausschmücken und in ihrem kleinen Bereich zufriedener sind als in den Gemeinschaftsräumen. Trotzdem beschränkt man natürlich die Isolierung auf das Allernotwendigste. Alle gebrechlichen, alten, gelähmten und unsauberen Kranken sind in Siechensälen untergebracht, und die Pflege dieser oft völlig hilflosen Menschen ist nicht einfach. Viele Kranke haben innerhalb der Anstalt erhebliche Bewegungsfreiheit. Vor allen die. die sich in der Rekonvaleszenz befinden. Weiter die große Zahl der Schwachsinnigen, Trinker und harmlosen Verrückten, die außerhalb der Anstalt nicht existieren können, aber innerhalb der Anstaltsräume gesichert, ohne Sorge um das tägliche Brot, fern von den lebensschädigenden Einflüssen, sich hier oft als nützliche und fleißige Arbeiter in Haus und Garten, Werkstätten. Küche und Rähstuben erweisen. Die Arbeit fördert die Genesung der heilbaren, verhindert den völligen geistigen Zerfall der unheilbar Kranken. Sie lenkt ab von Sinnestäuschungen und Wahnideen und erneut das Interesse für das Leben. Sehr viele Kranke werden durch die Tätigkeit wieder soweit gebracht, daß sie später auch außerhalb der Anstalt existieren können. Außer für die Arbeit wird auch für die Unterhaltung durch Kegelbahnen, Turngeräte, Musik, Billard, Lautsprecher gesorgt, es stehen Zeitungen und Bücher zur Verfügung. Es gibt alljährlich mehrere Tanzvergnügungen, Maskenbälle, Musik- und Theateraufführungen, die meist ganz allein von den Insassen der Anstalt arrangiert und bestritten werden. Wenn heute noch Menschen glauben, daß man einen geistig Gesunden wider seinen Wille n in ein Irrenhaus verbringen kann, so spricht die einfache Tatsache dem entgegen, daß sehr scharfe Bestimmungen die Verbringung in eine Irrenanstalt regeln. Ieder Kranke, der in eine Privatirrenanstalt eingeliefert wird, (die öffentlichen unterstehen ja sowieso der Behörde), kann es nur auf Grund des Atteftes eines praktischen Arztes, demzufolge der Kranke auf Unterbringung in einer Anstalt angewiesen ist. Binnen drei Tagen muß solch ein Kranker vom zuständigen Kreisarzt untersucht werden. Außerdem wird jede Anstalt zweimal im Iahre vom Kreisarzt und einmal im Jahre von einer staatlichen Kommission besucht, der alle Kranken vorgeführt werden müssen. Es gehört also ins Reich der Fabel, wenn man heute noch behauptet, daß zum Beispiel mißliebige Angehörige von einflußreichen Verwandten so ohne weiteres in eine Irrenanstalt gesteckt werden können. In eine Anstalt verbracht werden können nur Menschen, die an Sinnestäuschungen leiden, an Wahnvorstellungen, an Depressionen, die sich selbst beschädigen, umbringen wollen, die gemeingefährlich, gewalttätig, epileptisch sind Morphinisten kann man bisher auf Grund der Gesetze noch nicht zwangsweise in eine Anstalt bringen* — doch ist ein solches Gesetz in Vorbereitung. Trunksüchtige nur soweit, als sie Geistesstörungen zeigen oder eine Ges aha für ihre Umgebung geworden sind. Die moderne Behandlung der Geisteskranken I hat sich alle Erfahrungen der neueren Medizin I nutzbar gemacht. Reben der Psychotherapie kennt man die Ruhebäder, die elektrischen Behandlungen. die neue Malariabehandlung bei Paralyse, die Fiebertherapie bei anderen Erkrankungen, und die medikamentöse Therapie. Das Pflegepersonal wird besonders für die Behandlung der Kranken geschult, Roheit gegen die Kranken wird sofort durch Entlassung geahndet. Außerdem wird ieder Beschwerde der Kranken nachgegangen. In jedem Saale sind zudem immer soviel halbwegs vernünftige, daß Mißhandlungen oder grobe Verstöße des Pflegepersonals fast unmöglich sind. Das Personal wieder ist gegen Unfallgefahren auch aus dem Umgang mit den Kranken durch eine Unfallversicherung geschützt, allerdings gehören die immer wiederkehrenden Rachrichten über lebensbedrohende Angriffe auf Wärter und Wärterinnen im allgemeinen auch zu den Phantasiegebilden. Auch der vielverbreiteten Ansicht, daß man ins Irrenhaus zwar leicht hineinkommt, aber kaum wieder heraus, muß widersprochen werden. Die gemeingefährlichen Geisteskranken werden im allgemeinen ja in öffentlichen Anstalten interniert und bleiben dort, solange wie der beamtete Kreisarzt sie für gemeingefährlich ansieht. Aber auch da ist durch Beschwerde an den Staatsanwalt durch die Angehörigen oder durch den Kranken selbst die Möglichkeit gegeben, eine Rachprü - fung des Falles herbeizuführen. In privaten Anstalten wird der Kranke dann entlassen, wenn der Arzt es für gerechtfertigt hält, oder wenn die Angehörigen es auch gegen den Wunsch des Arztes haben wollen. In diesem Falle läßt sich der leitende Arzt einen Revers unterschreiben, daß trotz seiner Vorstellungen Frau T. ober Herr "2J. darauf bestehen, ihren Angehörigen aus der Anstalt zu nehmen. Einen gemeingefährlichen Kranken wird aber auch der Privatirrenarzt nicht freigeben und nötigenfalls die Entscheidung der zuständigen Behörde einholen. Im allgemeinen soll man nicht fürchten, daß Menschen zu zeitig eingeliefert werden, sondern vielmehr, daß sie zu spät kommen. Die Internierung soll eine Vorbeugung sein gegen Selbstschädigungen der Geisteskranken und gegen Schädigungen anderer Menschen. Ie eher die Internierung und sachgemäße Behandlung einsetzt, um so großer ist die Hoffnung auf Teilung. Man braucht nur die täglichen Lokal- und Polizeinachrichten einer Großstadtzeitung zu lesen, um erschüttert zu sein, über die Summe von Verbrechen und Unglücksfällen, deren Urheber geisteskranke Personen sind. Sie geben ein schwaches Dild nur von bem Unglück und Jammer, der fortwährend durch Geisteskranke hervorgerufen wird, die sich in Freiheit befinden. Kranke vergeuden ihr Vermögen durch unsinnige Spekulationen und Projekte, vernachlässigen ihre Angehörigen, peinigen sie, drohen mit Selbstmord. — Glück und Friede ganzer Familien muß zerstört werden, bis sich endlich die Angehörigen zur Unterbringung des Kranken in einer Anstalt entschließen. Alles Unglück aber wäre vermieden worden, wenn man sich eher an den Irrenarzt wenden würde. Und wenn man vor allem die geistige Erkrankung nicht als eine Familienschande ansehen würde, sondern als eine Krankheit tote jede andere auch. Den Kranken vor sich selbst, den Gesunden vor dem Kranken zu schützen, und den Erkrankten so zeitig wie m o g l i j.) in s achgemäße Pflege und Fürsorge des Arztes zu geben, bas muß in gleicher Weise das Ziel der veranttoortungsbewußten Aerzteschast, wie das Ziel der Allgemeinheit sein. Oie Orthopädische Klinik in Gießen. Die Kliuik im Rohbau erstellt. Die Orthopädische Klinik ist nunmehr soweit fertiggestellt worden, daß gestern nachmittag das Richtfest gefeiert werden konnte. Es nahmen daran teil Se. Magnifizenz der Rektor der Landesuniversität Prof. Dr. Eger, Oberbürgermeister Mueller (Darmstadt) in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Hessischen Vereins für Krüppelfürsorge, der Geschäftsführer des Vereins, Herr Lang, Superintendent Oberkirchen- rat D. Wagner als Vertreter des Vereins für Innere Mission, Universitätspvvfessor Dr. 3 eß als Vertreter der Medizinischen Fakultät, Universitätsprofessor Dr. P i tz e n als künftiger Leiter der Orthopädischen Klinik, Geheimrat Balser (Darmstadt), Pfarrer G u y o t (Darmstadt) und Dr. Gail. Stadtbaurat G r a v e r t zeigte und erklärte den Gästen den Dau, der m seiner Form nicht nur in hohem Maße den Charakter der Zweckmäßigkett trägt, sondern auch Das Riesenflugzeug Do X in dem spanischen Kriegshafen La Coruna. MU Oer Dreizehnte. Vornan von Anny von ponhnys Copyright 1929 by Verlag Rechthold Braunschweig 15 Fortsetzung Nachdruck verboten Endlich war es 19 Uhr. und sie eilte sich, als erste das Geschäft zu verlas en Vor dem Schaufenster eines Rachbarladens wartete PrimoDuero bereits aui sie. Sie hatte eux scheues, ängstliches Gefühl, als wäre die Verabredung eine unrechte Handlung Aber sie machte sich selbst klar, es galt, einen Mörder zu finden, und das einzige Unrecht, das sie beging, bestand darin, daß sie Hans Felsen nichts von der Anwesenheit Primo Dueros in Berlin mitgeteilt hatte. Schon war der Mann ihrer anlichtig geworden und kam auf sie zu. Wie auf vorherige Abmachung entfernten sie sich eilig in der Richtung nach der Friedrichstraße. Primo Duero begriff, tote peinlich es für seine Begleiterin fein mußte, möglicherweise von Albert Goldener oder einem der Verkäufer mit ihm gesehen zu werden. Ein Weilchen schoben sie sich stumm durch den Menschenstrom, der sich um diese Zeit durch die Straßen ergoß Erst nach geraumer Zeit sagte der Mann erregt. „Es sind die Steine, die für die Marquesa de Palma bestimmt waren, Sennorita, ich halte eine Täuschung für gänzlich ausgeschlossen." Eva erwiderte lebhaft: „Die Prinzessin Monti- rossi muß also erklären, woher sie die Steine hat." Er fragte „Was ist sie für eine Dame, was halten Sie von ihr?" Sie bogen von der Friedrichstraße in eine Seitenstraße ein. Ein kleines Restaurant lockte zu kurzem Derweilen. Aber daran, etwas zu essen, dachten beide nicht, und die Getränke vor ihnen wurden schal, so tief waren sie in ihre Unterhaltung versponnen. Eva berichtete, was sie von der Prinzessin Mon- ttrvssi wußte. Es war sehr wenig. Sie schilderte sie als eine überaus elegant getleijete, hübsch? Frau mit dunklen Augen und hellvtondem, anscheinend gefärbtem Haar. Sie wohne in einer internationalen Pension am Savignhplatz, wie sie zufällig gehört hätte, Pension Lotos. „Ich möchte Sie natürlich in keiner Weise in die Angelegenheit mit hineinziehen", sagte Primo Duero, „und ich weiß auch selbst noch nicht, wie ich manöDerieren soll. Die Polizei wird wahrscheinlich auch nicht gerade mit Entzücken sofort die Prinzessin befragen, tote sie au den Steinen kommt. Man belästigt vornehme Ausländer nicht gern, und ich würde mir erst wohl von der Bar- ce Ionel er Polizei alles, was damals am Rosenmontag vor zwei Iahren geschah, bestätigen lassen müssen. Rur aus meine bloße Erklärung hin darf ich mit feiner besonderen Hilfe rechnen." Sie gab das zu und erwiderte: „Gehen Sie doch selbst zu der Prinzessin, erzählen Sie ihr. Sie hätten die Steine gesehen und wünchten sie zu laufen. Erklären Sie, ihren Ramen von Goldener gehört zu haben." „Das geht nicht, ohne Sie mit in die Sache zu verwickeln, Sennorita Eva, denn mir gegenüber hat Goldener den Ramen der Prinzessin nicht erwähnt." „Da Sie sicher sind, es handelt sich um die geraubten "Brillanten, mag ich meinetwegen mit hin- eingezogen werden", erwiderte Eva entschlossen. Die Angelegenheit war doch zu wichtig, da durfte man nicht kleinlich fein. „Ich danke Ihnen sehr, aber ich möchte den allzu geraden Weg nicht beschreiten. Wenn ich auch meiner Sache sicher bin, ist es doch vielleicht nicht leicht, zu beweisen, die Steine, die von der Prinzessin Montirossi verkauft wurden, find die gleichen, die an dem furchtbaren Tage aus meines Vaters Kassenschrank verschwanden. Es kann ähnliche geben. Ich bezweifle die Identität der Juwelen nicht, aber sollte die Prinzessin beweisen können, die Steine stammen ganz wo anders her, dann habe ich wenig Chan.en, auf die Spur des Mörders zu kommen. Ich werde zunächst sofort jemand beauftragen, herauszubringen, woher die Prinzessin stammt und in welchen Verhältnissen sie lebt. Außerdem möchte ich sie gern einmal sehen. Was nicht so schwer fein dürste Es kommt mir auf einige Tage längeren Aufenthalt hier nicht an, ich habe einen guten Vertreter in Barcelona Ich werde morgen früh in die Pension Lotos übersiedeln, wo die Prinzessin wohnt. Hoffentlich ist ein Zimmer dort frei.“ Eva nickte. „3a hoffentlich. Sie werden sich schon die größte Mühe geben, die Wahrheit herauszubringen. 3edenfalls wünsche ich Ihnen viel Glück." Er blickte sie betroffen an. „Das klingt so abschließend. Wollen Sie mich nun nicht mehr sehen? Ich meine, es interessiert Sie doch, was ich herausbringe. Und dann —“ Sie wartete ein Weilchen, und als er nicht weitersprach, fragte sie leise: „Und dann?" Er lächelte ein bißchen traurig. „Dann möchte ich Sie auch noch gern Wiedersehen, ehe ich wieder abreife. Gönnen Sie es mir, Eva. Der andere Mann wird fein ganzes Leben mit Ihnen beisammen sein dürfen, schenken Sie mir noch ein paar Stunden." «Oh, wüßtest du. wie weh du mir tust!" dachte fte, und ihr Herz schlua schmerzhaft. Die erwiderte aber so ruhig wie möglich: Sie fünfte nicht jeden Abend so spät nach Hause fahren. und sie habe ihrem Verlobten nichts von dem Brief, den sie ihm nach Barcelona geschrieben, erzählt, weil sie geglaubt, die Angelegenheit möglichst diskret behandeln zu müssen. Er schwieg und sagte erst nach geraumer Zeit: „Ich hätte Ihren Verlobten gern kennengelernt, ich hätte gern gewußt, wie der Mann aussieht, der mit Ihnen glücklich werden darf." „Glücklich!" dachte sie, „glücklich werde ich nun sicher nicht, nachdem ich weiß, das Glück ist nahe an mir vorbeigeschritten, und ich habe es nicht gewußt." Sie erwiderte mit gequältem Gleichmut und einer Uebermutsnote in der Stimme, die ihr Gott weiß wie schwer wurde: „Hans Felsen ist sehr eifersüchtig, er hat es mir erst letzthin gestanden. Er toill auch, ich soll möglichst bald meine Stellung bei Goldener aufgeben. Von einem Tag zum anderen, wenn Goldener darauf eingeht." Er sah sie groß an, und seine Augen hafteten fest auf dem reizvollen Gesicht vor sich. „Er hat recht, wenn er eifersüchtig ist, ich wäre es auch an seiner Stelle." Er seufzte. „Also wollen Sie mich nicht mehr sehen ? Wirklich nicht? Auch nicht, wenn ich Ihnen die Versicherung gebe, ich verspreche mir mehr Erfolg, wenn ich mit Ihnen noch einmal über alles sprechen darf, nachdem ich mir die Prinzessin betrach.el habe ? Bitte, machen Sie das Maß ihrer Güte voll, schenken Sie mir noch ein drittes, und wenn es denn fein muß, letztes Wiedersehen." „Rein, es geht nicht!" wollte Eva entgegnen, aber unter seinem zwingend bittenden Blick ward ein leises Ia daraus. Am dritten Abend von heute an gerechnet, sollte Primo Duero die blonde Eva Hirtoerg wieder erwarten, so wie heute. Er strahlte sie an, als hätte sie ihm königliche Gnade gespendet mit ihrem Zugeständnis, und sie empfand starke Verwirrung vor feinem dunklen, heißen Blick Er brachte sie wieder an den Bahnhof, und sie war froy, sich allein im Wagenabteil zu befinden, ihren Zügen keinen Zwang mehr zumuten zu brauchen. Mit grausamer Klarheit ward sie sich ihrer Liebe zu Primo Duero bewußt, und sie dachte erschreckt, weshalb hatte sie ihm geschrieben. Hatte sie nicht selbst Qualen in ihr Leben geschafft? Sie war froh, daß sie Hans Felsen heute nicht am Bahnhof erwartete und sie allein nach Hause gehen konnte. Sie nahm sich vor, morgen ihren Ches um die Entlassung zu bitten. Und das nächste Zusammentreffen mit Primo Duero sollte und mußte wirklich das letzte sein. Er schien nicht das geringste davon zu ahnen, daß sie den Blick seiner öunflen Augen fürchtete, weil sie ihn in ihrem Herzen fühlte, und daß sie der Klang seiner Stimme schmerzte, weil er für sie einer Liebkosung gleichkam. „Du bist so verändert", klagte am nächsten Abend Hans Felsen, als er Eva bat, mit hinüberzukommen zu den Eltern. Sie schüttelte den Kopf. „Du irrst dich, Hans, ich bin nicht verändert, ich bin nur abends so abgespannt, verspüre zu nichts mehr Lust. Aber ich brauche ja nun auch nur noch eine Woche in meiner Stellung auszuhalten. Mein Chef hat mich, von heute ab in einer Woche, frei- gegeben.“ Das stimmte ihn froh. „Von da an soll es schön werden, ©Datein“, jubelte er, „bann habe ich doch mehr von dir und brauche mir nicht mehr den Kopf damit belasten, daß jeder dumme Mensch, der etwas in eurem Goldladen kaust, dabei meiner schönen Eva den Hof machen darf.“ Sie lachte gezwungen. Sie wußte ja, von den Käufern ward ihr keiner gefährlich, die Gefahr kam von einer ganz anderen Seite. Einmal würde sie nun Primo Duero noch Wiedersehen, einmal, zum allerletztenmal. Und war er erst wieder ihrem Gejichtskreis entschwunden, würde sie bestimmt ruhiger werden innerlich Damit tröstete sie sich und dachte an den anderen, als sie Hans Felsen küßte. 10. Die Pension „Lotos" am Savignhplatz war das verkörperte Kosmopolis. Aus aller Herren Ländern hatten sich hier Gäste zusammengefunden, denen Baronin Wesierska, geborene Elise Dauer, ihr Heim zur Verfügung stellte. Da gab es ein russisches Ehepaar, das von dem langsamen Verkauf der Schmuckstücke der Frau auf irgendein unsicheres Ziel loslebte, und eine sehr vergnügte Witwe aus Luxemburg, die sich von einer öden Ehe erholte, mit dem reellen Hintergrund von Kohlengruben, die ihr der Gatte hinterlassen. Da gab es eine amerikanisch? Pianistin, die eine große Künstlerin zu sein wähnte und mühsam ab und zu ein Konzert arrangierte, zu dem sie die Einlaßkarten verschenkte, die sich in Dohemekreisen amüsierte und von einem ergebenen Vater einen reichlichen Kreditbrief mitgebracht hatte. In der Pension Lotvs gab es den Bukarester Lebemann und den verarmten österreichischen Grafen, der hier in Berlin eine reich? Partie suchte, und es gab eine heimatlose Spielerin, die von einer Verwandtenrente lebte, und hier ein paar Monate verbrachte, ehe sie wieder wie alljährlich Monte Carlo beglückte. Alle möglichen Typen fand Primo Duero hier, der in der Pension für kurze Zeit Aufenthalt gesucht. Er lernte schon am ersten Tage bei Tische fast alle kennen, die in der Pension Lotos wohnten. (Fortsetzung folgt) arHttektvickfch o® sehr schLn bezeichnet totrten muh. Wenn man die Klinik st rahe heraufkommt, sieht man den brellgelagerlen hauptteil der Gesamlanlage. den Behandlungsbnu, vor sich liegen. Durch die hochgestapelten Grdmassen auf dem vorderen Gelände wird vorerst noch der dreigeschossige Dan zum Teil verdeckt. Erst dann, wenn diese Grdmassen abgefahren sind und das ganze Gelände terrassenförmig angelegt ist, wird die volle Front in Erscheinung treten. 3m Kellergeschoß liegen der gesamte Wirtschaftsbetrieb, die Heizungsanlage und einige Werkstätten mit den erforderlichen ebenräumen. 3m Erdgeschoß, hinter den Fenstern mit der schmalen Pfeilerstellung liegen die älntersuchungs- räume und nach rechts anschließend die Operationsräume, das Laboratorium, ein Teil der Werkstätten, und auf der Rückseite die Räume für den Chefarzt und die Verwaltung. Wenn man dann in die Körnerstr aß- etnbiegt, die zur Heilstätte Scltersberg führt, erscheint der eingeschossige Langflügel des Dettenbaues, in dem sich die Raume für 60 Kranke und 10 Privatpatienten befinden. Hinter den kleinen hochliegenden Fenstern, nach der Rordwestfeite zu, liegen die Wasch-, Bade- und Toilettenräume für tnc* Kranken. Die Verbindung zwischen beiden Flügeln bildet der Turnhallenbau mit seinen nach Süden gelegenen, bis zum Fußboden herabreichenden Fenstern. Der Hof, der von diesen drei Flügeln eingcschlossen wird, ist der große Grünhof für gymnastische Hebungen. Die Gartenanlagen nach der Gafskhstraße zu, terrassenförmig abgestuft, find vorgesehen für große Zwrrgobstkulturen. Eine dichte Hainbuchenhecke soll das gcmze Grundstück nach den Straßen zu abschließen. Vor den Krankenräumen breitet sich eine große Obstwiese aus, auf der die bewegungsfähigen Kranken spazierengehen und spielen können, äleterall in den Gartenanlagen verteilt stehen Vänke, die nicht allein den Kranken, sondern auch dem Personal dienen sollen. So wird die Ge- famtanlage, wenn erst der geplante Daumwuchs feine volle Hohe erreicht hat, mitten ineiner großen Grünanlage liegen, abstt's vom Verkehr, und den Kranken nicht allein die Heilung ihres Leidens durch ärztliche Behandlung, sondern auch durch Liegen unZ> Bewegen in frischer Luft bringen können. Die..Klinik im Park" ist das Endziel, das sich der Hessische Fürsorge- dercin für Krüppel gestellt hat. Der Bau, der in allen seinen Teilen schon überdeckt ist, hat bis jetzt insgesamt 100 000 Mk. gekostet, so daß ein Drittel der veranschlagten Bansumme verbraucht ist. Der umbaute Raum faßt 117C0 Kubikmeter. Die Rußensassaden sämtlicher Bauteile sind mit den wnßgelben Steinen der Gailschen Tonwerke verkleidet, und wenn sie auch zur Zeit noch durch den infolge des häufigen Regens ausgcspülten Mörtel beschmutzt find, werden sie, nachdem die Fugen weiß ausgefugt find, in ihrer Weißen Farbe der ganzen Dau- an'age den beabsichtigten Eindruck der Sauberkeit geben. Wenn das Wetter weiterhin günstig bleibt und nicht zu bald Frost eintritt, soll im Anschluß an die endgültige Fertigstellung des Rohbaues mit den Hcizungs- und 3nstallation8orbeiten begonnen werden. Auf jeden Fall ist beabsichtigt, bei günstiger Winterwitterung die Arbeiten am Beu so zu beschleunigen, daß im Sommer nächsten Jahres die Klinik fertig- gestellt und ihrem Zwecke zugeführt sein kann. kleben iW mm nd> »u einem 'cht.'elt'3mblß un Gasthaus Faul» 1X16 Daste und sämtliche Ar« ^^st^anahmen. Oberbürgermeister Müller, m feiner Eigenschaft als Vor- Sefkf4en Fürsorgcvereins seiner O^väl^b" Abdruck, daß der Bau einer ^en Ä[tmtV der schon vor 20 3ahren c Wirklichkeit geworden Milt-»? besonders darauf hin. daß die unter der 3nitiative des anwesenden Geschäftsführers des Vereins. Herrn ang, Pfennig- und markweise gesammelt wor- n Ranfte besonders Daurat ©ra- x rL r. ,c 'Hone und zweckmäßige Gestaltung den Arbeitern für die fleißige Arteit und allen übrigen Herren für die zuteil gewordene Förderung des Werkes. Rach ihm sprach Professor ^en der Medizinischen Fakultät uus daß mit der Errichtung der Orthopädischen Klimt eine Lücke geschlossen wor- den fet, tne sich stets unangenehm bemerkbar gemocht habe. Universitätsprofessor Dr. P i tz e n fand ebenfalls Worte der Anerkennung für die große Tat des Hessischen Fürsorgevereins. Daurat Gravert sprach in humorvoller Weise über das Werden des Daues. und der Dau- unternehmer Abermonn jun. betonte die durch den Enllchluß zum Dau der Klinik geäußerte soziale Tat im Hinblick auf die augenblickliche große Arbeitslosigkeit. Das Richtfest stand im Zeichen herzlichen Einvernehmens zwischen Arbeitgebern und Arbeitern und verlies auf das denkbar beste. Oberheffen. Landkreis Gießen. gck. Groß en-Bus eck, 28. Rov. Am Don- nerstag. 4. Dezember, beginnt die Volks- Hochschule Oberheffen hier ihre diesjäh- Nge Vortragsreihe. Privatdvzent Dr. Rissen aus Frankfurt a. M. wird als erster ' über ^Wichtige Fragen des Genossenschafts, wesens" reden. 1° T r e i s a. d. L d a., 29. Rov. Hier sprach im Gasthaus Lemp II. der Landwirtschaftsschuldirektor Trautmann vom Landwirtschaftsamt Grünberg über die Rotwendigkeit der Kalkung von Aeckern und Wiesen. Der Redner gab in seinem Dortrag eine Reihe von Anregungen, die eine lebhafte Aussprache hervorriefen. Die Dersamm- lung war sehr gut besucht. + Grünberg, 28. Rod. Der hiesige Küfermeister und Landwirt Georg Möller feierte am Donnerstag seinen 8 0. Geburtstag in geistiger und körperlicher Frische. Seit über 50 Jahren gehört er dem Mannergesangverein an, ter ihm zu Ehren eine kleine Feier veranstaltete. Dabei wurde dem 3ubilar die Goldene Ehrennadel des Lahntalsängerbundes und die des Hessischen Sängerbundes zuteil. Der 3ubilor gehört außerdem seit 30 3ahren dem Ortsgericht an und versieht zur Zeit dos Amt des Vorsitzenden. Zahlreiche Ehrungen warten dem hochbetagten, allgemein geschätzten Manne erwiesen. Kreis .vrlcdbcrg. $ Steinfurth, 28. Rov. Die Orts- b ü ch e r e i, die seit zwei 3ahren nicht mehr benutzt werten konnte, nahm jetzt den Verleihbetrieb wieder auf. Die Bücherei wurde neu geordnet und zugleich mit einer Reihe von neue» ren Büchern ergänzt, die auf das sorgfältigste ausgewählt sind. Mit einem Gesamtbestand von rund 300 Büchern bietet sie allen Orts'inwoh- nern Gelegenheit, gegen ein geringes Entgelt wirklich gute Bücher zu lesen. Durch eine zu erwartende Spende soll die Bücherei übrigens eine weitere Bereicherung erfahren. 3oter Ein- wohner, ter den guten Willen hat, den Kitsch aus feinem Hause zu verbannen, wird nicht versäumen, die Leihbibliothek in Anspruch zu nehmen. Kreis Schotten. * ® ch o 11 e n, 29. Noo. Hier wurde, oermullich von zwei Dieben, in der Nacht zum Freitag ein Einbruch in das Stationsgebäude versucht. Die Diebe hatten die Stäbe eines vergitterten Fensters ausgebrochen, stiegen ein und bemühten sich, eine eiserne Kiste, die als Kassenschrank Verwendung findet, und in der die Diebe Geld vermuteten, zu erbrechen. Den Dieben gelang es jedoch nicht, die Kiste zu öffnen. Sie versuchten dann weiter, einen Po st wagen aufzubrechen. Das Dor- Hängeschloß bot ihnen aber ebenfalls kräftigen Wider- stand, und so mußten sic auch hier unverrichteter Sache wieder abziehen. Die Ermittlungen sind im Gange. V Gedern, 28. Rov. Für die Beamten, An- gestellten und Arbeiter ter Reichsbahnstrecke Stockheim—Getern—Lauterbach hielt ter Rcichs- bahnarzt Dr. Bach (Getern) einen Lichtbild er v o r tr a g über das Thema _5kr Krebs und feine Bekämpfung". An Hand einer großen Anzahl Bilder führte er die Zuhörer in die schwierige Materie ein. — 3n ter Bezirks- lehrerkonferenz, die hier sta tfand, sprach Lehrer Messerschmidt (Heldenbergen) über das Thema »Das Rechnen in ter Grundschule". An den Vortrag schloß sich eine längere Aussprache an. ± Sellnrod, 28. Rov. Hier wurde ein Rotopfer für notleiden de Offen» bacher Familien durchgeführt, das ein sehr ansprechendes Ergebnis zeitigte. Die Konfirman- den sammelten im ganzen etwa 50 Zentner Kartoffeln. die nach ter Station Mücke gebracht und zusammen mit dem Ergebnis der in zwei anderen Gemeinden durchgeführten Sammlung nach dem Bestimmungsort verladen wurden. Kreis Alsfeld. -er. Homberg, 27. Rov. Mit den Holz- hauerarbeiten soll am nächsten Montag in den dem Forstamt Homberg unterstellten Waldungen begonnen werden. Die hiesige Rebenstelle des Arbeitsamtes Gießen hat hierzu 14 Ausgesteuerte und Krifenunterstützungsempsänger als Arbeiter in Vorschlag gebracht. KrciS Lauterbach. Lauterbach, 28.Noo. (WSN.) In dem Dorfe Nösberts kam die in der Werkstatt ihres Man- nes mit Brennholzschneiden an der Bandsäge arbeitende Frau des Wagnermeisters Klein bei dem Bemühen, die angelaufene Fensterscheibe abzuwischen, wozu sie auf die Hobelbank gestiegen war, mit ihren Haaren der Transmission zu nahe. Die Frau wurde von dem Getriebe ersaßt und ihr die Kopfhaut v o l l st ä n d i g ab- g e rissen. 9n schwer verletztem Zustand kam die Bedauernswerte in die Gießener Klinik. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Die Wasserversorgung von Sarbentelch. Der Einsender (C^meinderatsmitglled) im Eingesandt im »Gießener Anzeiger" Rr. 278 tetr. Wasserversorgung der Gemeinte Gartenteich scheint sich seiner Sache doch nicht recht bewußt zu sein. Es ist nicht berechtigt, dem alten Ge- meinterat einen Vorwurf dahin zu machen, er hätte sich damals um verbilligte Darlehen kümmern sollen.Er hat jedenfalls den Ragel auf den Kopf getrof.en, intern er damals den Beschluß faßte, keine Brunnen mehr zu graben, sondern demnächst zum Bau einer Wasserleitung zu schreiten. Die Ausführung des BoscAuffeS war doch nicht Sache des Gemeinderats, sondern lag lediglich in den Händen des Bürgermeisters. Oder hätten Sie vielleicht als Gemeinteverlreter tem» selben vorgegrissen? Mag sein, daß die Wähler damals etwas verfehlt haben: Sie hätten sich früher um 3hr Mandat kümmern sollen, dann wäre ter Gemeinde vielleicht auS tem Schlamassel und der Geldkalamität geholfen Worten. Oder was meinen Sie? Wir allerdings zweifeln sehr, oder sind Sie sich eines anderen bewußt. (Badeanstalt.) Siner für alle. Berliner Börse. B c r l i n, 29. Noo. (WTB. Funkspruch.) Trotzdem Ncuyork gestern ziemlich matt schloß, war die Stimmung im heutigen Frühoerkehr zum Wochenschluß kaum schwacher. Man taxierte gegen gestern abend wenig veränderte Kurse, glaubt aber, daß die Deckun- gen noch nicht beendet sind, zumal immer noch nicht geklärt ist, wie die Lage im englischen Bergarbeiterkonflikt steht. An Kursen hörte man nur I.-G.-Farben 133,5 (eher Geld). Am Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 123,60, London gegen Mailand 92,80, London gegen Spanien 43,75, London gegen Kobel 4,8555, London gegen Berlin 20,3690, Kabel gegen Berlin 4,1950. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 30. November 1. Advent. Skadttttche. 9.30 Uhr: Pfr. Becker: Beichte und hl. Abendmahl für Matthäus- und Markusgemeinde; 11.15: Kinderkirche für die Markusgemeinde: Pfr. Becker; 17: Pfr. Mahr. — Johanncskirche. 9.30: Pfr. Ausfeld: Beichte und hl. Abendmahl für Lukas- und Iohannesgemeinde: 11.15: Kinderkirchc für die Jo- hannesgemeinde: Pfr. Ausfeld: 17: Pfarrer Bech. tolsheimer: 20: Bibelbesprechung im Iohannessaal; Pfr. Lic. Waas. — Kapelle des Alten Friedhof». 9.30: Pfarrer Lenz: 11: Kinderkirchc für die Luther- gemeinde; Pfr. Lenz. — Elisabeth-Kleinkinderschule. 9.45: Pfr. Ute. Waas; Beichte und hl. Abendmahl für die Petrusgemeinde: 18: Pfr. hie. Waas. — wicseck. 9.30: Gottesdienst; ÄoUeftejür den Verband eoangeL Frauenoereine. — Allen-Buseck. 14: Gottesdienst; I Kollekte für den Verband evangelischer Frauenoer- | eine — Trohe. 15.30: Gottesdienst. — Kirchberg. 10: Kirchberg; 11: hl. Abendmahl für die Jugend von Ruttershausen; Pfarrassistent Bremmer, Klein-Linden: 13.30: Lollar.— Haufcn-Garbenteich. 10: Garbenteich; 13: Hausen. — Watzenborn-Steinberg. 13: Hauptgottesdienst; 14: Kinderkirche. — Llch. 9.30: Stiftsdcchant Kahn; Posaunen- und Frauenchor; 10.45: Gottesdienst und hl. Abendmahl im Spital; 13: Kindergottesdienst: 20: Pfarrvikar Draudt (Licht- bilderandacht; Posaunenchor). katholische Gemeinden. Samstag, den 29. November. Gießen. 16.30 und 19 Uhr. Beichte. Sonntag, den 30. November. 1. Adventssonntag. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Pre- digt; 17.30: Christenlehre und Andacht. — Grünberg. 9.45: Messe mit Predigt. — Hungen. 8: Hochamt mit Predigt. — Llch. 10: Hochamt mit Predigt; 20: Christenlehre und Andacht — Ridda. 8.30: Hochamt mit Predigt. — Schotten. 10.30: Hochamt mit Predigt. Montag, den 1. Dezember, caubach. 7.30 Uhr: hl. Messe. Donnerstag, den 4. Dezember. Gießen. 17.30 Uhr: Beichte. Freitag, den 5. Dezember. Gießen. 7 Uhr: Segensamt. «onntaaetbicnit MlctAtc u.'2luntbctcn mn30 11 30 Ur. W Klein. S.-R. vr.Schlievdake. Engelapotlrcke. ______ tabnnriU: i »r Metz. ‘D Friedhofes aas statt 0/37 < 8070 D 07111 8035D 1930. (Sfäbt Gas- und Wasserwerk Gießen Steding. 80/30 Das Begräbnis findet am Montag, dem 1. Dezember vormittags 11 Uhr von der Kapelle des Neuen einen cbm d. 3- ab zum Gaspreis Finanzzuschlag von 1 Rpf. je zu erheben. Gießen, den 29. November Pianos zur Miete Bekanntmachung. 3n der gestrigen Stadtraissihung ist beschlossen worden, vom 1. Dez. Unsere liebe Mutter Frau Mathilde von MoeUendorll-Budnvald ist am Donnerstagabend in fast vollendetem 81 Lebensjahre sanft entschlafen. Familie von Moellendorff-Buchwald Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meinen lieben Mann, unseren guten Vater. Schwiegervater, Großvater. Bruder Schwager und Onkel Herrn Johannes Jung II. im Alter von 65 fahren heute nacht 12*/, Uhr, infolge eines am 2 September 1930 zugezogenen schweren Unfalles, in die obere Heimat abzuruien. In tiefer Trauer: Frau Katharine Jung, geb. Müller Familie Karl Zeib Familie Wilhelm Euler Katharine Jung. Lang^Göns, Hörnsheim, den 29. November 1930. Die Beerdigung findet Montag, den 1. Dezember 1930, mittags 1.30 Uhr, vom Sterbehause aus statt Der C.C. der Starkenburgia I. A.: Dietz (F.M.) x Nach langem, schwerem, mit großer Geduld getragenem Leiden entschlief gestern abend V,11 Uhr mein lieber guter Gatte, unser Vater, Sohn, Schwiegersohn. Schwager. Onkel und Pate Heinrich Schwalm im 31. Lebensjahr. Die trauernden Hinterbliebenen. Wlesedr. den 29. November 1930. Die Beerdigung findet Sonntag, den 30. November, mittags 128/« Uhr. vom Sterbebaus Ecke 3 aus statt 8075 D Danksagung. Für die vielen Beweise herrlicher Teilnahme, besonders für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers, sowie für die zahlreichen Kranz- und Blumenspenden bei dem Hinscheiden unserer lieben Entschlafenen Frau Käte Schmidt, geb. Breinig sagen wir aut diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: J. Schmidt, Polizeimeister L R. Gießen, Donaueschingen. Schlitz, Mainz, Mannheim, Wetzlar, den 29 November 1930. BeispäteremAnkauf wtrdd.gezahlt.Miete voll angerechnet it Vertrag. — Stimmungen und Reparaturen durch eigene Techniker. [7477A Pianohaus Schönau Seltersweg 91 > Gestern abend verschied nach kurzer Krankheit plötzlich und unerwartet meine Hebe Schwester, Schwägerin und Tante Fräulein Emilie Schmidt im Alter von 68 Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Eliese Pimper, geb Schmidt Gießen, den 28. November 1930. Die Beerdigung findet Montag, den 1. Dez. 30, 14 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt 8058D Wejhnachfsbescherung der K einlinderbewahranstalf. Wie früher, so bitten wir auch in diesem Jahre die Freunde und Wohltäter unserer Anstalt um Gaben zur Weihnachtsbescherung der uns anvertrauten Kinder. 140 Kinder, deren Väter zum weitaus größten Telle erwerbslos sind, sind von uns zu beschenken. Zur Entgegennahme von Gaben sind berechtigt die Vorstandsmitglieder: Frau Giese, Ludwigstraße 5, Frau Schwan, Wllhelmstraße 41, Frau Schmieder, Moltkestraße 1, Frau Schulze, Seltersweg 1, Frau Störcko, Nordanlage 27, Frau Walther, Neuen Baue 29, Fräulein Wolfs, Am Nahrungsberg 47, Pfarrer Ausseld, Südanlage 8, sowre die Schwestern der Kleinkinderbewahranstalt und der Unterzeichnete. 7906D Gießen, den 21. November 1930. Für den Vorstand der Kleinkinderbewahranstatt: ______Bechtolsheimer, Psarrer. Zwangsversteigerung S Am Donnerstag, dem 4. Dezember 1930, vormittags 9 Uhr, wird im Amtsgerichts- gebaude zu Gießen, Zimmer 112, das im Grundbuche von Gießen, Band 79, Blatt 4588, der Katharine Zick, geb. Wehrum, Ehefrau des Fron§ Taoer Zick in Frankfurt a. M., zugeschriebene Anwesen Ko- Plansgasse 19, 7242V Flur I, Nr. 680 = 116 qm Hofreite, Flur I, Nr. 681 = 19 qm Grabgarten, geschätzt auf 8550 Reichsmark, versteigert. Die omtsgerichlliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, zur Einsicht ausgehängt. Gießen, den 22. Oktober 1930. I. A. des Hess. Amtsgerichts Gießen. Leo, Ortsgerichtsvorsteher. Unterfertigter C C betrauert aufs tiefste das zu Hamburg erfolgte Ableben seines lieben A.H. Dr. med. Ludwig Pauly rez. 1894, fr. Altmärker. Prma Spelle- p. 5 olüt- SfliloReln W. Hankel Neuen Baue 7.'"O Televbon 2612 MehrLicht «mebrlach gefcbüvil S 6 mal hellere Tlsehi beleucht ang, oder 4 s Snoinerlocnnir. Baht auf jede Glüh- lainve. B5.2.U.1.59. Georg Appel, Seitenweg 66. 1) Tlchib t. Schaufenst. Bekanntmachung. In unser Handelsregister, Abteilung B, wurde am 24. November 1930 bei der Firma Deutsche Dank und Disconto-Ge- fellfchaft, Zweigstelle Gießen, in Gießen wlgendes eingetragen: Hans Rummel, Bankdirektor, Berlin-Charlottenburg, ist zum stellvertretenden Vorstandsmitglied bestellt. 8042D Gießen, den 25. November 1930. Hessisches Amtsgericht. Deutsche Frauenkultur Verlobte im November 1930 07356 8036 D glieder 50 Pfennig, Studenten 30 Pfennig. i ii Ortsgruppe Gießen Ihre Vermählung geben bekannt 8044D Gießen, den 30. November 1930 Keplerstraße 9 Liebigstraße 83 I 8029D 07367 Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde zeigen ihre Vermählung an Es ladet frdl. ein Arau Erb, acb. Paulus Wein! Wein! 80'60 :mV 8033 D und 8027D 8068 D 8050 t MehrWare haus gegen Ausweis. 78851) für weniger Geld Der Vorstand $ 8076D Aufruf! Die Eintrittskarten sehr ermätzigten Preisen sind au haben . LU 8005V holt werden. 8057D Gießen, den 28. November 1930. Meine Läger umfassen m.120. bring« 7457 A Stragula L. BERNARD in sehr großer Auswahl Stoffspezialhaus, PlockstraBe Nr. 16 l 7939 A n' I ' Nach dem Vortrag freie Aussprache über alle die verdrängten Elsaß-Lothi Inger interess. Fragen am 1. und 2. Dezember 1930, im Billardsaal des Caf£ Amend Eintritt: Mitglieder frei, Nichtmitglieder 1 RM-, Studenten, Schüler und Militär 50 Rpt. 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Schudt Uhren / Schmuck / Bestecke Trauringe____________I Weihnachts- Messe Earl Weimar und Frau Käte, geb. Möhl Für die uns anläßlich unserer Vermahlung erwiesene Aufmerksamkeit herzlichen Oavk Karl Ludwig Keil und Frau Käthe, geb. Dogt Gießen, 29. November 1930 und '/.Stunde vocBeginn der Vorstellung a. d.Tlreaterkaffe Alles Nähere ist bei den bezeichneten Stellen zu erlahren. WIIIIIIIIIWII!!Iii!IIIIIIIIIIIIII!I!IIIIIlII!II!IIIIIII!IIIIIII!i!IIIIIIIIIIIIIIII,I!I!IIIIIIIIIIWIIII lIIIII!I!IIIIIIIIIiIiIIIIiIIII!IIII!!II!IIIII!IIIIIIIIIIIIIIIIIIIII!IIIIIII!IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII!IIIIIIIIIIIIIII Theater-Vorstellungen 1930/31 der Gewerkschaften im Stadtthealer Gießen. Es sind folgende Spieltage und Theaterstücke vorgesehen: 15 15 15 15 15 15 15 15 muß es sein! ..niotlonen. areUeenlcwnn genOgen «hon Amohlung und Morewotee D batst anzu nur scheu und selbst aus Test Lar jun! gern bitii Pai bess ML dun' die Goli den begu sch ten. daz kW hier oder Hern lotst ftän als Spr fäo; Der Ans schtv sei, t deru: F, "iQnc Gle S - St s s Sonntag, 14. Dezember, Sonntag, 28. Dezember, Sonntag. 18. Januar, Sonntag, 1. Februar, Sonntag, 15. Februar, Sonntag, L stllärz, Sonntag, 15. März, Sonntag, 29. Marr, Heute abend ab 8 Uhr Gesells diafts-T anz Sonntag, 30. November, Beginn 15 Uhr: Sektion Rabnstetten Samstag, 6. Dezember, Beginn 19.30 Uhr: Schinderbannes alh 6nt Öen 6ad Tt VOI viels und kom ger Folg schlu, eine und zusch Otüd toet1 leih der Las L rduj bet stllt den; Aos Äirklar Hofgut Londorf 29. November 1930 Iillsbund für die Elsaß-Lothrioger im Reicli DerGelEhäflsfölirerHeiTGilg ans Berlin hält am Sonntag, dem 30. November, nachmittags 4 Uhr, im „Hotel Köhler“, Westanlage 35, einen Vortiag über Die Aufgaben und Ziele des „Hilfsbundes“ in Gegenwart und Zukunft Deutsche Demokratische Partei Montag, den 1. Dezember, 20 Uhr, im Aquarium Außerordentl. Generalversammlung Tagesordnung:!. Auflösung des Ortsvereins 2. Landtagsabgeordneter Reiber: Ziele u.Aufgaben der Deutschen Staatspartei 3. Gründung des Ortsvereins der Deutschen Staatspartei Webrahmen C. Röhr & Co. 7470 A Lichtbilder ^Vortrag Prot Dr. C. Troll, Berlin: „Forschungsfahrten in den tropischen Anden Südamerikas" M4ik gehört Zum (T> Weihnaclit^feli electOla Zum Weihnachtsfest direkt vom Besitzer SU herabgesetzten Preisen la Weine in jedem Quantum in Flaschen Oberhessischer Kunstverein und Gesellschaft der Gießener Kunstfreunde (Gesellschaft der Freunde des Kunstwissenschafti. Instituts) Montag, den 1. Dezember, 81/, Uhr abends hn Hörsaal des Kunstwissenschaftlichen Instituts, Ludwigstraöe 34 Vortrag mit Lichtbildern: Mittelalter und Antike von Richard Hamann Professor der Kunstgeschichte an der Universität Marburg. Eintritt für die Mitglieder obiger Vereine und deren Familienangehörige frei (Ausweis durch Mitgliedskarte.) Nichtmit- Die neue Brille m. besten punktuell abbildend.Gläsern korrekt u. fachmännisch anaepasst von x Optiker Geiler to1d Am Bahnhof — Fernruf 4208 yKrankenkassenllelerant / Separat, billigst UNITED STATES ^UNES (Vereinigte Staaten Linien) Hamburg nach New York mll den amerikanischen Dampfern i LEVIATHAN* — AMERICA — REPU8LIC GEORGE WASHINGTON - PRESIDENT HARDING PRESIDENT ROOSEVELT •Ox» von Souinampio* und Cheroo^e, Deetacbsprechende» Personal an Bord Auskünfte und Fahrkarten durch Wilhelm Moeser, Gießen United Sta e* Lines, Hamburg Ecke AI Stertor u n d Ferdinands! ra Ile. Multurweiden «zirka 100 Zentner pr>ma amerikanische! biüiß zu verkanten. Näheres (07354 Krofdorker Strafe 5, parterre. Mnl'Mer Samstag n. Sonn tag, 2». u. 30. Nov. SWMI- 295- Musik-Challier jetzt Neuenweg 10 Noten / Musikinstrumente / Sprechapparate „10% Das ist der Wunsch jeder Hausfrau, wenn sie an ihre Weihnachtseinkäufe denkt Ich erfülle diesen Wunsch, denn trotzdem ich mein gesamtes Lager den allerniedrigsten Preisstellungen angepaßt habe, gewähre ich während meines großen Weihnachtsverkaufs vom 1.-24. Dezember 1930 auf alle reguläre Waren einen Sonder-Rabatt GiefeenerKonzertverein 9. Konzert Sonntag, den 30 November, 1730 Uhr, Universitätsaula Professor 1 Adolf Busen Violine Am FiügeL Rudolf Serkin Brahms: Sonate In G-Dur op. 78 — Beethoven: Sonate in • C-Moll op. 30, Nr. 2 - Schubert: Rondo brillant op. 70. Der Beckstein-Konzertflügel ist vom Pianohaus Schönau, Seltersweg 91 gestellt Eintrittskarten: RM. 5.—, 4,— und 2.50 bei Ernst Cballier (Fernruf 2671) und abends an der Kasse. Studentenkarten RM. 1.50 bei Herrn Sekretär Ritter und im Neuen Studenten- Alice-Fräuen-Verein Allgem. Deutsch. Frauen- vom Roten Kreuz verein (Ortsgr. Dießen) Wilhelmine Kramer Paula Seib 13.20 9.90 fl w de» berie MeslklnitrvmwW le Mi J *\ IM, Hel» n bringe«. H Qfe»? M\ Verlangen Sie umgehend kostenlos meine reichhaltige Preisliste W. Wolkewitz, Weinbergsbesitzer ____Oppenheim am Rhein. Schlanker-oher ohne Qualen! Wag tun manche Leute nickt alles, um scblankerzu werden. Sie schwitzen, hungern, turnen, ja sie nehmen sogarGifte, die den Körper ruinieren können. Mit dem ärztlich empfohlenen Dr. fc.rnst Richters Frühstackskräutertee geht es viel angenehmer und bequemer. Eine Tasse Tee jeden Morgen macht schlank und elastisch, erneut das Blut und ist dabei sehr bekömmlich und wohlschmeckend. Paket Mk ii.—, Kurpackung (6lach. Inh.) Mk 10.-, extrastark Mk 2.5j u. Mk 12.50. In Apotheken und Drogerien. Or«,R KHTI »'S FROHSTOCKS KRÄUTERTEE „Hermes* Fabrik pharm. kosm. Präparate München . . . Güllstrafje 7 Nr. 280 Drittes Blatt (Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen) Samstag, 20. November 1930 Nachiragskredii für die Gießener Wohlfahrtspflege. Zur Deckung der Mehrausgabe von 130000 Mk. Erhöhung der Werttarife und stärkere Inanspruchnahme von Betriebs- , rucklagen. — Gewährung einer Winterbeihilfe. • ® t c 6 e n, 28. November 1930. Der Stadtrat hatte sich in seiner heutigen Sitzung — wohl der letzten in diesem Jahre - noch mit einer großen Aufgabe zu beschäftigen Cs lag ihm ob. für die weitere Durchführung der Wohlfahrtspflege einen Nachtrags! re ditin Hohe von 1 30 000 Mark zu bewilligen und gleichzeitig über die erforderliche Deckung zu be- schließen Gewiß eine Aufgabe, die in den Tagen allgemeiner Preissenkungsbestrebungen an die Entschlußkraft des Stadtparlaments, hohe Anforderungen stellte, ilnö doch war nach der ganzen Sachlage kein anderer Ausweg gegeben, wenn die Erwählten unserer Bürgerschaft nicht ln dre gleiche Flucht aus der Berant- °rcr Lu n 8 drallen wollten, die matt heutzutage vielfach in anderen Gemeinwesen beobachten kann und die dann das Eingreifen eines Staats- kommissars und damit die Preisgabe wichti- ger kommunaler Selbstverwaltungsrechte zur Folge hat. Stadtverwaltung und Finanzausschuß schlugen xur Beschaffung der erforderlichen Mittel eine E r h o h u n g d e r T a r i f e für Gas. Wasser in der Form von sog. Finanz- zufchlagen. ferner stärkere Entnahmen aus den Auflagen des Elektrizitätswerks und des Wasserwerks sowie eine andere Regelung bei der Anleiheablosungsschuld der Straßenbahn vor. Bei der Erhöhung des Wafserpreises soll die r-ast dadurch auf die breitesten Schultern delegt werden, daß dem Hausbesitzer das Recht der Umlage auf den Mieter € ingeraum tift. Dagegen halten die Verwaltung und der Finanzausschuß eine weitere Bela - itung durch Realsteuererhohung unter den gegenwärtigen Llmständen fürvölligaus- ae schlossen. Es soll also nicht eine einzelne Burgerschicht, oder ein besonderer Berufsstand allem zu der Mehrlast herangezogen werden, son- oern die Gesamtheit der Bürgerschaft soll auf dein Wege der indirekten Inanspruchnahme für etwa die Sjalfte der Mehrausgabe auf komm en. Wohl mancher Mitbürger wird angesichts dieser Deckungsoorschläge, wie überhaupt der Vach- tragskreditforderung der Meinung sein, daß diese Neuerscheinung in unserer Kommunalwirtschaft EJit Öen auf allgemeine Preissenkung gerichteten Bestrebungen unvereinbar sei. weil sie in ihrer Auswirkung hemmend sein werde für eine mög- 'lchtt nachhaltige Senkung des allgemeinen Preisniveaus. Es wird zuzugeben sein, daß hier ein gewisser Widerspruch zutage tritt, aber man darf dabei doch nicht übersehen, daß die Mehrlast für unseren Haushalt beim Wohlfahrtsamt en standen ift und auch hier nur die Auswirkung der gewaltigen Verschlechterung in unterem Wir.schaftsleben darstellt. Weiter darf man nicht außer Betracht lassen, daß einordnungsgemähgedeckter Haushaltsplan die unbedingte Voraussetzung für eine solide Finanz- w t r t scha f t i st. auf deren Grund allein die Angelegenheiten der Stadt in gedeih- Iier Weise erledigt werden können. Wenn man sich diese Gesichtspunkte vor Augen hält, so wird man doch zugeben müssen, daß die Mehrheit für die heutigen Stadtratsbeschlüsse richtig gehandelt hat. als sie den Vorschlägen des Finanzausschusses zustimmte und dabei auch den Grundsatz gelten ließ, daß eine finanzielle Ausgabelast der vorliegenden Art in gerechter Weise nur durch Inanspruchnahme der Bürgergesamtheit gedeckt werden kann. Es wäre nur Su wünschen, daß eine baldmöglichste Verbesserst der allgemeinen Wirtschaftslage uns von dieser Mehrbelastung wieder befreit. , 2" Erkenntnis der Notwendigkeiten bewilligte der Etadtrat weiter einen Betrag von runb 50 000 Mk. für die Gewährung einer Wuterbeihi l f e an fürforgebebürf- 11 g e Bürger. Man wird diesem Beschluß nur zu stimmen können. Sitzungsbericht. Anwesend. Oberbürgermeister Dr. Keller, Bürgermeister Dr. Eeib, Beigeordneter Dr. Hamm und 40 Stadtratsmitglieder. Der Zu- horerraum ist dicht beseht. Rachtragsetat und Neckungsvoriagen. Zunächst beschäftigt man sich mit einer Vorlage über Krediterwei terung f ü r den Voranschlag 1 9 3 0, sowie Bereitstellung Der erforderlichen Deckungsmittel. Ws Berichterstatter teilt Etadtratsmitglied Goerz mit, es handle sich um die Nachtrags- bettilligung weiterer Mittel f ü r Wohlfahrtszwecke. Bisher seien für die Wohlfahrtspflege 863 000 Mk. bewilligt worden, die aber nicht ausreichend seien. Im vorigen Iahre seien durchschnittlich 200 Parteien in der Für- sorge des Wohlfahrtsamtes gewesen, bis zum Oktober d. I. seien daraus 469 Parteien geworden. Die Zahl der betreuten Einzelpersonen fei von 524 auf 1228 gestiegen. Früher seien monatlich durchschnittlich 13 000 Mk. aufzuwenden gewesen, jetzt sei diese Summe aus 30 000 Mk. monatlich (25 000 Mk. für Barunterstühungen und 5000 Mk. für Sachleistungen) angewachsen. Für die zweite Hälfte des Rechnungsjahres fehle ein Betrag _ bon 180 000 Mk. Daß den Unterstützungsbedürftigen geholfen werden müsse, sei klar, und deshalb werde auch der Nachtragskredit beantragt. Ein für Notstandsarbeiten im Sommer bewilligter Kredit von 50 000 Mk. solle jetzt so behandelt werden, daß 25 000 Mk. auf die Vermögensrechnung und 25 000 Mk. auf die De- triebsrechnung kämen. Auf diese Weise könne der Nachtragskredit auf 130 000 M k. bemessen werden. Lv solle also der Zuschuß zur Wohlfahrtspflege von 863 000 Mark um 130 000 Mark auf 993 000 Mark erhöht werden. Die Deckung dieses Nachtraaskrebits solle auf Vorschlag des Finanzausschusses wie folgt vorgenommen werden. 1. Erhöhung des Flnanzzufchlags zum elektrischen Strompreis mit Wirkung vom 1. Dezember 1930 ab um 2 Pf., also von 3 auf 5 pf. je Kilowattstunde für L i ch t st r o m und von 2 auf 4 pf. je Kilowattstunde für Kraftstrom = Mehreinnahme 20000 Mark; 2. Erhebung eines 3 i n a n z; u s ch l a g s von 1 pf. je Kubikmeter Gas mit Wirkung vom 1. Dezember 1930 ab = Mehreinnahme 9000 Mark; 3. Erhebung einer 2l n s ch l v ß g e b ü h r von 5 pf. je Kubikmeter Wasser mit Wirkung vom 1. Januar 1931 ab. die von jedem Wohnungsinhaber erhoben, vom Hausbesitzer eingezogen wird und durch eine Ortssahung näher zu regeln ist = Mehreinnahme 17 000 Mark; 4. Entnahme der von der Straßenbahn für die Jahre 1926 bis 1929 auszubringenden Beträge für Anleiheablösung nebst Zinsen in höhe von zusammen 21 370,60 Mark aus dem Rücklagefonds für Anleiheaufwertung = Wenigerausgabe 21 370,60 Mark; 5. Erhöhung des von dem Städtischen Lleklrizilälswerk abzuliefernden B e - lriebsüberschussesum 40 000 Mark, also von 338 000 Mark auf 378 000 Mark = Mehr- einnahme 40 000 Mark; 6. Erhöhung des von dem Städtischen Wasserwerke als Betriebsüberschuß abzuliesernden Betrags um 22 629,40 Mark, also von 157 706,95 Mark aus 180 336,35 Mark = Mehreinnahme 22 629,40 Mark. (Die von der Stadtverwaltung beantragte Bier st euer war bereits im Finanzausschuß abgelehnt, d. h. bis zum nächsten Iahre z u - rück gestellt worden. D. Red.) Die vorstehenden Anträge, so führt der Berichterstatter weiter aus, brächten den Betrag von 130 000 Mk., der aber nur für das laufende Rechnungsjahr bewilligt werde, um der gewaltigen Rot entgegenwirkcn zu können. Im Finanzausschuß habe keine Freude bei der Verabschiedung dieser Anträge geherrscht, aber die Rot zwinge dazu. Der Beschluß des Finanzausschusses sei mit Mehrheit gefaßt worden, das Haus möge zustimmen. Oberbürgermeister Dr. Keller teilt sodann mit, daß folgende Anträge von den Fraktionen der Arbeitsgemeinschaft der Mitte und der Wirtschaftspartei eingegangen sind: Die in den Anträgen 1, 2 und 3 beantragten Zinanzzuschläge bzw. Erhöhung werden nur insoweit bewilligt, als sie zu dem bei dem Wohlfahrtsamt entstehenden Fehlbetrag als Deckung notwendig sind. Die für 1931 erforderlichen Tarifpreise für Elektrizität, Gas und Wasser sollen bei der Beratung des Boranschlags für 1931 neu festgesetzt werden. Der Preis für elektrischen Lichtstrom wird nur um 1 pf., also von 48 pf. auf 49 pf. erhöht, der Restbetrag wird auf die übrigen Tarife einschließlich des Kochstroms gleichmäßig verteilt. Oie Aussprache. Stadtratsmitgl. Mann (Loz.) weist zunächst daraus hin, dah er bereits bei der Beratung des Voranschlags b;c damals bewilligten Beträge als unzureichend bezeichnet habe. Er polemisiert sodann gegen die beiden bürgerlichen Fraktionen, denen er vorwirft, daß sie bei der Bewilligung von Steuermitteln bisher immer unzulängliche Realsteuersätze beschlossen hätten. Sodann betont er, daß aus den städtischen Werken heute einschl. der Zuschläge ein Betrag von rund 1 Million Mark jährlich herausgeholt werde, and er beanstandet die neue Belastung, die sich aus den vorstehenden Anträgen ergebe. Er weist weiter darauf hin, daß mit diesen Beschlüssen der Preisabbau nicht gcsördert werde, und er erklärt schließlich, daß seine Fraktion den Deckungsvorschlägen! nicht zustimmen werde Zum Schluß fordert er die Erhöhung der Realsteuersätze aus den Durch- schnittssatz der zwölf wichtigeren hessischen Städte. Ltadkratc-milstl. Horn (Arbgcm b. Mitte) legt den grundsätzlichen Standpunkt seiner Frak- tion zu diesen Vorlagen dar. Er erklärt zunächst, für ihn sei es kein« Llebcrraschung. daß er sich in einem völligen grundsätzlichen Gegensatz zu Herrn Mann befinde. Bei der Beratung der Vorlage habe seine Fraktion seststellen müssen, daß die sozialdemokratische Zustimmung nur dann zu erreichen gewesen sei, wenn feine Fraktion zugestimmt hatte, daß die Realstcu?rn aus den Durch- schnittssatz der hessischen Städte gebracht werde, die Sozialdemokratie ha'e dann auch für die Biersteuer usw. stimmen wollen. Schon dadurch sei es zu der grundverschiedenen Auffassung gekommen. Heute müsse ein anderer Standpunkt vertreten werden. Der Redner fragt Herrn M a n n, ob er überzeugt sei, daß der Gewerbestand heute noch eine Steuererhöhung vertragen könne, ob nicht daS Höchstmaß an Steuern schon erreicht sei, daß Leute aus Verzweiflung! über Öen furchtbaren Steuerdruck sogar in den Tod gingen. So wie bisher könne cs nicht mehr weitergehen. <5eiiu Fraktion stehe vollkommen auf dem Standpunkt, daß die Realsteuern das Ausmaß des Zulässigen überschritten hätten. Zur Sozialdemokratie gewandt sagt der Redner: Haben Sie von Ihrer Seite etwas dafür getan, daß der Mittelstand gestärkt und kaufkräftiger wurde; das haben Sie nicht getan. Sie haben den Mittelstand nur bekämpft, Sie wollen mit Ihren Genossenschaften auch nur Verdienst machen. DaS muh hier offen gesagt werden, wenn man uns vorwirft, daß wir bei der Realsteuer versagt hätten. Sie haben den Mittelstand nicht geschützt, er ist von Ihnen seit Iahrzehnten verlassen und bekämpft worden. — Der Redner begründet dann den vorstehenden Antrag der beiden bürgerlichen Fraktionen und hebt dabei hinsichtlich der Erhöhung des Strompreises für Licht hervor, daß die geforderte Beschränkung der Erhöhung auf 1 Pf. je Kilowattstunde einen triftigen Grund habe. Don den Geschäftsleuten sei erklärt worden, wenn der Lichtstrom bei der jetzigen Lage um 2 Pf. verteuert werde, würden sie vom 1. 3a- nuar ab in den Schaufenstern schon von 6 Llhr ab die Lichter bis auf eine Lampe löschen. Dadurch würde die Stadt nur Schaden haben. An Stelle der Minderung um 1 Pf. sollten alle anderen Tarife, auch der Kochstrom, zu der Mehrbelastung mit herangezogen werden. Dadurch werde der Betrag von 20 000 Mk. auf kommen. Sämtliche neuen Belastungen dürften nur für daS Rechnungsjahr 1930 Gültigkeit haben. Seine Fraktion sei bereit, beim Sparen mitzuhelfen, aber sie fordere auch, daß man keinen Stand von den Opfern ausnehme. Gas, Wasser und Elektrizität seien für die Allgemeinheit geschaffen, deshalb müsse hier auch die Allgemeinheit herangezogen werden. Lladtratsmilgl. Nicolaus (Wirtsch. Bgg.) betont, die Nachforderung von 130 000 Mk. für die Wohlfahrtspflege sei begründet in der Entwicklung der Arbeitslosigkeit, die m solchem Ausmaß niemand bei der Etatsberatung habe voraussehen können. Wäre diese Entwicklung nicht eingetreten, so wäre man mit den damaligen Berlin. Eine Buchbesprechung. Die Reichshauptstadt, der ,Wasserkopf Berlin" hatte schon vor dem Kriege gegen viele Vorurteile anzukämpfen. Ueberall in der weiten Welt, nicht nur in den deutschen Modebädern, fielen Menschen durch ihr lautes Wesen, durch Protzentum und Aeberheblichkeit unangenehm auf, die sich selbstbewußt als .Berliner" ausgaben, aber meist aus Schlesien, der Neumark oder einem anderen Teil des Reiches nach Berlin verschlagen worden waren, dort in der großen wirtschaftlichen Konjunkturzeit des jungen Bismarckschen Reiches Geld gemacht hatten und nun durch ihre betonte Tra- ditionslosigkeit Öen falschen Ruf Berlins als Parvenüs mit all dessen peinlichen Eigenschaften begründeten. Der Krieg und die ersten Nach- kriegsjahre, die in Politik und Wirtschaft alle dunklen Elemente an die Oberfläche schwemmten, die in ihrer Umwertung aller Werte geschäftliche Solidität als Spießbürgertum bezeichneten und den ehrlichen Kaufmann unzeitgemäß nannten, begünstigten noch mehr das falsche Bild, das sich oberflächliche Beurteiler von Berlin machten. Die stürmische Entwicklung zur Weltstadt, daS Zusammenströmen einer internationalen Gesellschaft, die geflissentliche Betonung aller radikalen, extravaganten Tendenzen in der Kunst oder in dem, was man für Kunst ausgab, der hemmungslose Trieb zum Supermodernen, Sensationellen und die laute Verachtung aller bodenständigen Tradition haben den Eindruck verstärkt, als ob Berlin, das moderne ^Sündenbabel an der Spree , wie amerikanische Großstädte emporgeschossen, ohne den starken Fundus einer großen Vergangenheit in wenigen Iahren unter dem Einfluß des politischen und wirtschaftlichen Umschwungs der letzten Iahrzehnte zu dem geworden sei, was wir heute mit mehr Grauen, als Bewunderung schauen. Friedrich Freksa, unseren Lesern aus manchen Veröffentlichungen als feinsinniger Erzähler bekannt, hat in seinem neuen Roman* eine Art Ehrenrettung für Berlin unternommen, dem er sich durch seine Familie und eigene Studien besonders verbunden fühlt. Aus den zu Unrecht vergessenen Romanen von Alexis kennen wir das alte Berlin als Residenz der brandenburgischen Markgrafen und Kurfürsten, schon damals ein bedeutender Mittelpunkt des grossen binnenländischen Handels. Die starke Initiative * Friedrich Freksa. Kausmannskinder, Roman aus der Wende Berliner Bürgertums 1895—1925, Sieben-Stäbe-Derlag Berlin NW 6 (491). des großen Friedrich galt nach den furchtbaren Kriegsjahren vor allem der Förderung von bodenständiger Wirtschaft, dem Aufschwung des Handels. Wie Wien in der Zeit Maria Theresias seine letzte große Dauperiode hatte, die neben wenigen Denkmälern früherer Zeit, der Kaiser- stadt ihren Stempel aufdrückte, so gab Friedrich der Große der norddeutschen Metropole recht eigentlich ihr Gesicht. Damals formte sich auch die Berliner Gesellschaft, das Bürgertum, das in der Biedermeierzeit und den folgenden Iahrzehnten Berlin weit stärker seinen eigentlichen Charakter gab, als man bei oberflächlichen Betrachtung würde annehmen können. Damals war der Hof der Hohenzollem, das Beamtentum, der märkische Landadel und das Bürgertum der Hauptstadt trotz strenger Gliederung und starkem Klassen- bewußtsein doch die gesellschaftliche Einheit, die erst zersprang, als gerade Berlin, die Hauptstadt des neuen Deutschen Reiches, Mittelpunkt des neuen Reichtums wurde, als echte Kultur und ge- sellfchaftliche Assimilierung mit dem stürmischm Fortschreiten materieller Wohlfahrt nicht mehr Schritt zu halten vermoch.en. Und doch kämpfte auch in dieser Zeit der Surrogate auf allen Gebieten, in der Talmi und Kitsch das Feld beherrschten, das alte Berliner Bürgertum, der bodenständige Kaufmannsstand in seinen verschiedenen Schichten und Spielarten unter der glänzenden Fassade, die so falsch war, wie die Stuckarchitektur des Kurfürstendammes, zäh und energisch um sein eigenstes Wesen, sein Ich. Tradi- tionsbewuht an Öen Werten öer Vergangenheit hängend, aber auch nüchtern und kühl dem Modernen weit aufgeschlosien, suchte es beides zu verknüpfen, um oie Einheit von gediegenem Wohlstände und echter Kultur auch unter Öen weiter gesteckten Penpckllven w l.w.rt^chaf.li^ en Den- kens zu retten. Das ist der Hintergrund von Frek- fas KaufmanTisroman, öer in frischer unö bewegter Handlung, in der psychologisch interessanten unö auf scharfen Beobachtungen ruhenden Gestaltung verschiedener Typen Berliner Kauf- mannSlebens die eben gezeichnete Entwicklung Berlins schildert. Unersättliche Arbeitslust war unö ist öas Symbol Berlins, vielleicht wuröe öie Losung „Arbeit um öer Arbeit willen" dem alten Berliner Bürgertum zum Schicksal. Romane der Flaschenpost. Alltäglich werben Hunderte von Flaschen von den Kapitänen der die Meere befafjrenöen Schisse über Bord geworfen. Es handelt sich dabei nicht etwa darum, sich geleerter Flaschen als nutzlos zu entledigen, sondern diese mit großer Genauigkeit vorgenommene Handlung gehört zu einem umfassenden Plan, der von den verschiedenen Marineinstituten zum Studium der Meeresströmungen durchgeführt wird. Die Flasche, die gewöhnlich zur Mittagszeit über Bord geworfen wird, enthält einen Zettel in sieben verschiedenen Sprachen, durch den der Finder gebeten wird, ifjn mit genauer Angabe des Fundortes nach dem Marineamt in Washington ober Lonbon ober nach einer andern Zentralstelle zu senden. Tausende dieser in den Meeren treibenden Flaschen werden niemals wiedergesehen; sie sinken unter, werden im Sturm an steinigen Küsten zerschmettert oder dort angespült, wo kein Mensch sie finden tonn. Aber ein kleiner Prozentsatz wird aufgefunden, und die darüber gemachten Angaben liefern ein wertvolles und reichhaltiges Material. Diese modernen Flaschenposten dienen nur noch der Wissenschaft. Aber in den Tagen, da noch nicht der Funkdienst die Kunde von einem Schiffsunglück überallhin verbreitete, wurden solche Flaschen dazu benutzt, um letzte Kunde oon einem sinkenden Schiff den Wogen anzuvertrauen. Man findet solche Flaschenposten ab und SU in Museen aufbewahrt, es sind Nachrichten, manchmal mit Kohle ober sogar mit Blut auf Hembenstücke ober auf ein mit Salzwasser voll- gesogenes Papier geschrieben. Die verzweifelten Männer, bie mit Aufbietung ihrer letzten Kräfte biete Worte hinkritzelten und in der Flasche verschlossen, wußten. bah nur eine schwache Möglichkeit dafür beftanb, bah gnäbige Strömungen durch die ungeheure Weite der Ozeane die Botschaften nach Monaten an eine bewohnte Küste befördern würden. Man weih auch heut noch nicht, wie weit eine solche Flaschen reifen kann. Eine wurde bei Kapstadt ins Meer geworfen und viereinhalb Iahr später an einer Shetland- 3nfel aufgesischt. Reisen dieser Flaschenposten aus Strecken bis zu 20 000 Kilometer sind berichtet worden, und man schätzt, bah bie burch. schnittliche Geschwinbigleit einet solchen Flasche etwa 8 Kilometer in bet Stunde ist. Einige Romane, bie mit Flaschenposten verknüpft sind leben m bet Geschichte öer Schiffahrt fort, so z. B. öer des Ostindienfahrers ,.Kent", der im Marz 1825 in der Bai von Biscaya in Brand geriet. Es waren Truppen an Bord, die nach Indien bestimmt waren; im letzten Augenblick tom noch Hilfe. Aber vorher hatten schon ein Major Mc. Gregor fein letztes Lebewohl in feine Familie einer Flasche anvertraut. Die Botschaft wurde im Herbst des folgenden Iahres in der 2tohe von Barbados in Westindien aufgefischt Es war eine Flaschenpost, die die Welt über das Schicksal des Dampfers „Präsident" unterrichtete. Das Schiss hatte im Marz 1841 in ßa>erpool eintreffen müssen, war aber längst überfällig. Schließlich wurde von einem Schift auf dem Meer eine Flasche aufgefunden, die eine Botschaft des einst bekannten Schauspielers Throne Power enthielt; sie teilte mit, dah daS Schiff in einem Sturm untergehe. Vor vielen Iahren ermordete der schwarze Koch an Bord des englischen Schiffes „Buckingham" ben Kapitän. Das Schiff befanb sich in der Nähe der Küste von Bermuda, und ein Matrose setzte einen ■Bericht des Verbrechers auf und verschloß ihn in einer Flasche; diese wurde 8000 Kilometer weit entfernt an einer der Shetland-Inseln fast drei Iahre später aufgefundcn. Man berichtet, dah ColumbuS auf seiner Entdeckungsfahrt, als er fürchtete, dah feine kleinen Karawellen vom Meere verschlungen werden würden, einen Bericht feiner Reise auf Pergament niederschrieb und in einem Kasten über Bord warf. Cs besteht freilich wenig Aussicht, daß dieses kostbare Dokument noch irgendwo ausgefunden werden könnte. Was kostet ein Alpdruck? Da bekanntlich für den Amerikaner sogar der Wert der Zeit nur in Geld ausgedrückt werden tonn, — warum bann nicht auch ein Traum? — 3n einer der belebtesten Straßen Brooklyns ereignete sich ein Autozusammenstoß, ein Vorfall, der an sich keines weg; aufregend ist. da es derer in einer amerikanischen Großstadt täglich zu Dutzenden gibt. Er verlief auch noch glimpflich. Denn keiner öer beiden Insas en wurde verletzt, so dah man sogar daraus verzichtete, bie ®e- vylchte Überhaupt noch durch eine Gerichtsverhandlung breitzutreten. - Aber bann kamen die rtolgeu Unö diese bestanden darin, daß einer d.r beiben Lenker in der nächsten Nacht von bie,em Zusammenstoß träumte. Hier aber nahm sich baS xinglud schon ganz anbers aus. &r fühlte sich von bem anderen verfolgt, er sah diesen direkt auf lid) zusausen, sein Leben war gefährdet - und so prang er in der höchsten Not aus dem Bett und lief zum Fenster, um das Freie zu gewinnen. Dabei fuhr er mit der Faust durch die Scheibe und zertrümmerte diese nicht nur sondern zog sich auch noch eine Verletzung zu, die feine Ücberiübrung in ein Krankenhaus notwendig machte, älnd jetzt klagte er. .Hätte ich nicht den durch die Schuld deS anderen entstandenen Zusammenstoß gehabt, dann nicht in die Lage gekommen, einen L-' Alpdruck im Traum zu erleiden und mir die Verletzung zuzuziehen." So argumentierte er als Schadenersatz nicht weniger als Dollar. — Die er auch bekam. Denn das Gericht folgte seiner Beweisführung, dah der andere die Schuld am Zusammenstoß, also am Traum QUo an der Verletzung trage. — Demnach lostet em Alpdruck rund 1000 Dollar, Bewilligungen ausgekommen. Seine Fraktion habe volles Verständnis dafür, daß die Tariferhöhung in der gegenwärtigen wirtschaftlichen Notlage für die gesamte Bevölkerung eine Härte bedeute. Cs sei aber auch klar, dah bei einer solchen Lage nur eine Deckung in Betracht komme, an der möglichst alle Bolkskreise beteiligt würden. Es sei ein Anrecht, heute nur die Realsteuern erhöhen zu wollen. Der Mittelstand habe schon so schwer zu kämpfen, dah man solche Realsteueranträge nicht bringen solle. Bon etwa 20 Firmen der Geschäftswelt seien bei der Polizei Anträge auf Genehmigung von Ausverkäufen eingereicht worden, weil sie Zwangsverpflichtungen zu erfüllen hätten, die Geschäfte unrentabel geworden seien und Ausverkäufe durchgeführt werden mühten, um Bergleichsverfahren durchführen zu können. Das sei die andere Seite der Lage. Bei dieser Sachlage habe man eine Realsteuererhöhung nicht beschließen können. Aus dieser Sachlage heraus seien die vorliegenden Ausschuhbeschlüsse entstanden. Für die Geschäftswelt sei aber eine Berteuerung des Lichtstrompreises um 2 Pf. schon nicht mehr tragbar, deshalb sei der Antrag der beiden bürgerlichen Fraktionen auf 1 Pf. Lichtstromerhöhung eingereicht worden. Diese Erhöhungen seien aber nur für das Rechnungsjahr 1930 beabsichtigt. Die Zustimmung zu dieser Berteuerung sei sehr schwer, aber sie könne nur erfolgen angesichts der Zwangslage. 2m nächsten Jahre müsse eine erhebliche Herabsetzung der Ausgaben durchgeführt werden. Stadtratsmitstl. Diener (Loz.) erklärt, dem Gewerbe gehe es nicht besser und nicht schlechter, als es anderen Berufsständen auch gehe. Er nimmt dann Stellung gegen Behauptungen, dah die Genossenschaften und Konsumvereine überhaupt keine steuerlichen Berpflich- tungen zu tragen hätten. Der Konsumverein Gießen habe bei einem Umsatz von 3157 000 Mk. im verflossenen Geschäftsjahr eine Rettoerübri - gung von 5954 Mk. gehabt und eine Steuersumme von 54 092 Mk. gezahlt. Der Redner gibt weiter ziffernmähige Darlegungen von zwei Privatbetrieben, die ihm bekannt geworden seien, um damit darzutun, dah diese Uetriebe in ihrem wirtschaftlichen Ergebnis und hinsichtlich der Steuer, gemessen an ihrem Geschäftsumsatz, günstiger gestellt seien als der Konsumverein. Die deutschen Konsumvereine hätten im letzten Jahre 19 Millionen Mk. Steuern bezahlt. Der Redner behauptet sodann, die genossenschaftliche Wirtschaftsführung sei besser als die privatwirtschaftliche und legt nochmals Verwahrung dagegen ein, dah behauptet werde, die Konsumvereine täten ihre Pflicht und Schuldigkeit nicht. 3m übrigen beschäftigt er sich noch kurz mit der Entlohnung von Bäckergesellen und nimmt gegen eine weitere Verteuerung der Lebenshaltungskosten Stellung. Stadtratsmitgl. Lotz (Natl.-So;.) bezeichnet es als völlig unmöglich, dem Volke noch mehr Lasten aufzuerlegen. Er, spricht sich in seiner kurzen Erklärung gegen jede Tariferhöhung aus. Stadtratsmitgl. Mann (Soz.) betont nochmals seinen Standpunkt zu der Real- steuer-Frage und erklärt, in der Zeit der Preissenkung dürfe man nicht die Tarife der Werke erhöhen. Stadtratsmitgl. Horn (Arbgem. d. Mitte) wendet sich gegen die Ausführungen des Herrn Diener, mit dem er wegen der gründ ätzlich anderen Einstellung ebenfalls nicht einig werde. Er erklärt u. a weiter, die Umsatz- und Steuerbeträge des Konsumvereins bedeuteten viele pri- vätwirtschaftliche Einzelexistenzen, die aber durch das Grohunternehmen des Kon umvereins nicht da seien. Sodann legt er dar, dah der Staat das gröhte Interesse an möglichst vielen selbständigen Existenzen habe und hebt hervor, dah der Staut und die Kommunen aus der Privatwirtschaft viel mehr Steuern herausholen, als aus den Genossenschaften. Deshalb müsse auch ter Staat die Privatwirtschaft als den besseren Steuerzahler ansehen. Stadtratsmitgl. Fischer (Arbgern. d. Mitte) polemisiert zunächst kurz gegen das nationalsozialistische Mitglied und bekennt sich dann als Gegner der indirekten Steuern. Trotzdem könne er in der gegenwärtigen Rot und Zwangslage sich nicht zur Ablehnung der Tariferhöhung verstehen. Gegenwärtig halte auch er eine Erhöhung der Rcalsteuern nicht für möglich Cs sei eine schwere Gewissensbelastung, wenn man den vorliegenden Anträgen zustimme, aber ec sehe im Augenblick keinen anderen Weg. Ltadtratsmitgl.Ad.Lchmidt(Wirtsch Bgg.) wendet sich gegen die Sprecher der Sozialdemokratie und erklärt u. a. nachdrücklich, seine Fraktion werde nicht bereit sein, auch nur einen Pfennig mehr Realsteuern zu bewilligen, wenn man nicht die Möglichkeit schaffe, diese Realsteuer nach Recht und Gerechtigkeit umzulegen. Die Ausgaben mühten herabgesetzt werden. An Stelle der 26 Konsumbetriebe und Filialgeschäfte in Giehen könnten etwa 30 Einzelhändler ihre Geschäfte betreiben. Stadtratsmitgl. Löber (Arbgem. d. Mitte) nimmt entschieden Stellung gegen die Darlegungen des Herrn Diener über den Konsumverein, bezeichnet dessen Steuerleistung bei einem Amsatz von 3 157 000 Mk. als zu gering und erklärt u. a. weiter, die Konsumvereine bezahlten keine Kör- perschastssteuer, weil Hilferding als Reichsfinan^- minister sie davon befreit habe, während die privaten Geschäftsleute sehr stark mit Steuern belastet seien. Das Großkapital sei heute auch bei den Konsumvereinen, das selbständige Handwerk und Gewerbe aber liege darnieder. Die Real- steuer, die Sonderbelastung für das Gewerbe, noch erhöhen zu wollen, sei unsozial. Wer das Gewerbe und Handwerk nicht unterstütze, auch mit seinen Cinkäusen, tue Anrecht. Wenn man jetzt die Realsteuern erhöhen wolle, sei an einen Preisabbau nicht zu denken. Sladlratsmitgl. Lenz (Wirssch.-Bgg.) fordert bessere Berücksichtigung der Interessen der kleinen Handwerker bei der Berechnung der Kraftstrompreise und behält sich für seine Fraktion einen dahingehenden Antrag an den städtischen De- triebsausschuh vor. Rach kurzen Erklärungen der Stadtratsmitglieder Vetters (Soz.), Lotz (Rat.-Soz.) und Lepper (Komm.), die nichts Reues mehr bringen, kommt das Haus zur Abstimmung. Der Nachtragskredit von 130 000 Mark wird einstimmig bewilligt und die rechnerische Verteilung der im Sommer bewilligten Summe von 50 000 Mk. Die Träger des Medens-Aobchreises. Der ehemalige amerikanische Staatssekretär NathanSöderblom, Erzbischof von Upsala, Frank B. Kellogg. Primas der schwedisch-lutherischen Kirche. zu gleichen Teilen auf die vermögens- und die ve- triebsrechnung genehmigt. Heber die obenftehenden Anträge des Finanzausschusses wird wie folgt entschieden: Antrag 1 wird abgelehnt; die Anträge 2 und 3 »werden gegen Sozialdemokraten, Kommunisten und den Nationalsozialisten angenommen; Antrag 4 wird einstimmig angenommen; die Anträge 5 und 6 werden wieder gegen die Sozialdemokraten, Kommunisten und den Nationalsozialisten angenommen. Ein sozialdemokratischer Antrag, den obenstehen- den Antrag der Arbeitsgemeinschaft und der 2Did- schaftspartel dem Finanzausschuß zu überweisen, wird a b g e l e h n t, der Antrag der Arbeitsgemeinschaft und der Dirlschaftspartei darauf angenommen. Keine Hundesteuer-Erhöhung Ein Antrag der Stadtverwaltung, die H u n d e- st e u e r vorn Kalenderjahr 1931 ab zu erhöhen (für einen Hund von 24 Mk. auf 30 Mk. und dann in entsprechender Staffelung weiter) wird einstimmig abgelehnt. Bei der Beratung spricht Stadtratsmitglied S ch w i e d e r (Arbgem. d. Mitte) entschieden gegen diesen Derwaltungsantrag. Winierbeihilfe 1930/31. Rach kurzem Referat des Bürgermeisters Dr. S e i b und kurzer Stellungnahme der Fraktionsführer, sowie nach Ablehnung eines weitergehenden Antrages der Sozialdemokraten gegen eine Minderheit aus Sozialdemo- kraten, Kommunisten und dem Rationalsozialisten (ein weitergehender Antrag einer Erwerbs- losen-Kommisfion kommt nicht zur Abstimmung) wird e i n st i m m i g folgender Antrag des Wohlfahrts-Ausschusses und des Finanzausschusses angenom men: a) Den Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen, Kriegselterngeldempfängern, Sozialrentnern, Kapitalrentnern, Empfängern der Arbeitslosen- und Krisenunterstützung, sowie solchen Bedürftigen, die nicht in laufender Fürsorge des Wohlfahrtsamtes stehen, und Armenunterstützungsempfängern einschl. Wohls ah rtserwerbs- losen und Fürsorgearbeitern, wird zur Beschaffung von Winterbedars eine besondere Anter» stühung unter Berücksichtigung der unter b) angeführten Sonderregelung gewährt, und zwar dem Alleinstehenden 16,00 Mk., dem Ehepaar ohne Kinder 23,60 „ jedem unversorgten Kind im Haushalt des Unterstützungsempfängers 3,20 „ Dollwaisen 12,00 „ Halbwaisen 6,00 „ b) 1. Bon den Kriegsbeschädigten, Kriegerhinterbliebenen und Kriegselterngeldempfängern erhalten nur solche die Beihilfe, die wegen Bedürftigkeit Anspruch aus Zusahrente durch das Reich haben. 2. Diese Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen erhalten nur die Hälfte der unter a) angegebenen Sähe. 3. Empfänger der Arbeitslosen- und Krisen- unterstühung, Fürsorgearbeiter und sonstige Bedürftige erhalten die Beihilfe nur dann, wenn ihr Gesamteinkommen den Richtsatz der gehobenen Fürsorge nicht übersteigt und sie Anspruch auf ben Erlaß der Gebäudesondersteuer nach den ministeriellen Bestimmungen haben. 4. Bezugsberechtigten, die im Haushalt ihrer Eltern oder anderer leben, form die Beihilfe nach Lage der Verhältnisse bis auf die Hälfte des Vollsohes ermäßigt werden. 5. Den nicht unter die Winterbeihilfe fallenden Empfängern der Arbeitslosen- und Krisenunterstützung, deren Gesar ‘ ' nkommen in der Familie 30 Prozent des Riä lhes der gehobenen Fürsorge nicht übersteigt, kann ein einmaliger Betrag als Winterbeihilfe gewährt werden. Generelle Verteilung soll nicht stattfinden; die Verteilung soll ohne Bindung an die Hohe des Betrages in jedem Einzelfalle nach dem Grade der Bedürftigkeit durch den Armenfürsorgeausschuß erfolgen. Für diesen Zweck werden 1500 Mk. zur Verfügung gestellt. c) Die Beihilfe ist in mehreren Raten an die Empfangsberechtigten auszuschütten. d) Die für die Durchführung der Maßnahme erforderlichen Mittel sind aus Titel 8 mit 5000 Mark und aus Titel 29 mit 35 000 Mk. zu entnehmen. Die bei Titel 8 mehr erforderlichen 10 000 Mk. sind bei der Anforderung des Rach- tragskredits für das Wohlfahrtsamt für Rechnungsjahr 1930 zu berücksichtigen. Die Gesamtausgabe für die Beihilfe beläuft sich nach einer Mitteilung des Bürgermeisters Dr. Seib auf rund 50000 M k. Heber die weiteren Verhandlungsgegenstände des Stadtrates werden wir am Montag berichten. DfB. Gießen. Am Sonntag trägt die Ligamannschaft das erste Verbandsspiel der Rachrunde aus. Sie hat auf eigenem Platz die Liga der Sportgemeindr „Hessen" Hersfeld zum Gegner. In dein erst vor drei Wochen in Hersfeld stattge'undenen Vorspiel mußte die VfB.-Elf eine O:4-Aiederlage hinnehmen. Die Gäste, die ebenso wie VfB. in diesem Jahre zur Dezirksliga aufgestiegen sind, haben sich in der Vorrunde über Erwarten gut geschlagen und nehmen den dritten Platz der Tabelle ein. Die Mannschaft verfügt über eine starke Verteidigung. Die Läuferreihe und der Sturm weisen alle Eigenschaften einer typischen Kampfmannschaft aus. Mit ihrer Schnelligkeit, Wendigkeit und ihrem Elan stellen sie jeden Gegner vor eine schwere Aufgabe. Die Einheimischen werden gut tun, sich von vornherein auf das System der Hers- felder einzustellen. Sie sollten auf eigenem Platz Gelegenheit nehmen, die in den letzten vier Spielen erlittenen Riederlagen wenigstens zum Teil wieder wettzumachen, und mit aller Energie um den Sieg kämpfen. Die Mannschaft steht in derselben Aufstellung wie Im Treffen gegen Spiel- ver'ein Ka sel. Der Ausgang des Kampfes ist für beide Teile sehr bedeutungsvoll. Die Ligareserve beginnt ebenfalls m t der Austragung dec Rachrunie Verbands P ele Sie empfängt die erste Mannschaft Rieder-Weisels, gegen die sie im Vorspiel nur knapp mit 2:1 gewinnen konnte. Anter normalen Voraussetzungen sollte es den VfBem auch möglich sein, das Treffen für sich zu entscheiden. Die dritte Mannschaft ist spielfrei. — Von den Iugendmannschaften ist lediglich die A l°Elf auf dem Plan. Sie tritt auf hiesigem Platz gegen die gleiche des DfR. Lich zum fälligen Pflicht! piel an. Spielvereiniguug 1900 Gießen. Am Sonntag beginnt die erste Dezirksklasse die Rückrunde der Derbandsspiele 1930/31. Gleich das erste Spiel.führt die 1900er zu einem Spiel nach Breidenbach (Kr. B eienkopf». Der dortige Platz ist wegen seines fallenden Geländes gefürchtet. Für die Spielvereinigung ist der Gang keineswegs leicht, unter Berück,ichtigung de.sen, daß die Ligamannschaft des Fuhballvereins Breide nbach beim Vorspiel in Giehen eine ganz ausgezeichnete Partie lieferte und sich auch bei einem Stand von 4:0 für Giehen nicht aus dem Konzept bringen ließ. Die Breidenbacher ,ind äußerst flink und spielen dabei einen sehr brauchbaren auf Erfolg eingestellten Fußball. Lediglich dem Sturm fehlte dieSchuh- und Treffsicherheit. 1900 wird bis auf den gesperrten rechten Läufer höchstwahrscheinlich in kompletter Aufstellung antre en und das sollte Gewähr dafür sein, daß sich die Gießener in Breidenbach ncht so ohne weiteres die Punkte abnehmen lajen. Man erwartet einen fairen Kampf unter der Leitung des Sch edsrichters Heinrich Engel- t e r, Dreihausen. Der Ausgang des Spieles ist offen. Die Ligareserve der S)>ielvereinigung 1900 Gießen empfängt auf dem Sportplatz an dec Liebigs- höhe die erste Mannschaft der Sportabteilung des Tv. Lollar im Rückspiel. Die Gießener werden alles daran setzen, für die im Vorspiel erlittene hohe Riederlage Revanche zu nehmen. Ein Sieg würde die Spitzenstellung der Gießener bedeutend festigen. Die dritte Mannschaft dürste in der Begegnung auf eigenem Platz gegen Garbenteichs zweite Mannschaft sicher und auch leicht Sieger werden. Schwerer dürste es die vierte Mannschaft haben, die Garbenteichs erste Mannschaft zum Rückspiel empfängt. Eine knappe Riederlage der Hiesigen liegt im Bereiche der Möglichkeit. Iugendpflichtspiele: Die erste Jugend empfängt die erste Jugend Heuchelheims, die zweite Jugend die erste äugend Rieder-Weisels und die erste Schülermannschaft die erste Schülermannschaft Garbenteichs. Man rechnet mit knappen Siegen der Einheimischen, wenn auch das Können der Gegner keinesfalls unterschätzt werden soll. Handball im Gau Hessen (O.T.) Mtv. I — Tv. Alsfeld I. Die Handballverbandsspiele im Gau Hessen gehen nun ihrem Ende entgegen. Am Sonntag fährt die erste Mannschaft des Mannerturnver- eins nach Alsfeld, um gegen die gleiche des dortigen Turnvereins das Rückspiel auszutragen. Wohl konnten die Einheimischen das Vorspiel glatt für sich entscheiden, doch haben die, von der Alsfelder Mannschaft in der Rückrunde erzielten Resultate gezeigt, daß sie ein ernsthafter Gegner geworden ist. Die Mtver können also nicht genug davor gewarnt werden, das Spiel zu leicht zu nehmen, wenn sie auf dem gefährlichen Alsfelder Platz Lorbeeren ernten wollen. Die zweite Mannschaft des Männerturnvereins fährt, ebenfalls zum Verbandsspiel, zu der ersten Mannschaft des Turnvereins Grohen-Linden. Zeigt die Mfv.-Mannschaft ähnliche Leistungen wie in den letzten Spielen, so wird sie ihren Gastgebern den Sieg nicht leicht machen. Die erste Iugendinannschaft empfängt auf eigenem Platze die erste Jugend des Turnvereins Wetzlar. Der Sieger aus diesem Spiel dürfte als Gaumeister angesehen werden. Zrauen-Werbeturnen in Lich. Die Turnerinnen-Abteilung des Turnvereins 1860 Lich hatte am Donnerstag die Frauen und Mädchen von Lich zu einem Werbeabend eingeladen. Der Abend stand im Zeichen der „Anmut und Freude an der Leibesübung" und fand eine große Anzahl Interessenten und Zuschauer. Die Turnstunde brachte den Formenreichtum, der dem Frauenturnen so zu eigen sein kann, zu voller Geltung. Die Schülerinnen zeigten -LM-- und Schrittübungen einfacherer Form, führtenReigen- spiele mit Gesang aus, leichte Geräteübungen bildeten den Abschluß des ersten Teiles des Abends. Sodann gab der Sprecher Hermann Schmidt einige Erläuterungen über das Frauenturnen und dessen gesundheitlichen Wert, und über die Bedeutung des Turnens für die Frauen im allgemeinen. Die Turnerinnen der fortgeschrittenen Abteilungen zeigten im Anschluß daran ebenfalls Lauf-, Schritt- und Atemübungen in schwieriger Ausführung, denen einige gymnastische, rhythmische und Geräteübungen folgten. Einige Ballspiele gefielen sehr gut. Die gesamten Darbietungen waren ein lebendiges Zeichen einer guten Vorarbeit und einer zielbewußten Leitung. Reicher Beifall belohnte die Turnerinnen für ihre Leistungen, die unter der Leitung von Turnwart Richard Volz vorzüglich klappten. Die Zuschauer erhielten zugleich einen vollkommenen Eindruck von der Art der Arbeit im Turnverein, und der Abend dürfte Wohl dazu beigetragen haben, dem Turnverein neue Freunde zu werben. In diesem Zusammenhang wurde der Wunsch laut, dah auch die Turnerabteilung in ähnlicher Weise an die Oefssntlichkeit treten möchte. Abschied her deutschen Reiter von USA» Die deutschen Reiteroffiziere verabschiedeten sich von Amerika mit einem schönen Erfolg, den am Schluhtag des Turniers in Toronto Objt Hasse auf Derby mit einem fehlerlosen Ritt im Armee-Jagdspringen errang. An vierter Stelle endete Oblt. Momm auf Fridericus hinter Major Timmis (Kanada) und Capt. Bradford (Amerika). Die deutsche Mannschaft hat bei ihren zahlreichen Starts in Boston, Reuyork und Toronto einen ausgezeichneten Eindruck hinterlassen und kann auf eine Siegesserie zurückblicken, wie sie bisher von keiner Ration erzielt worden ist. Kurze Gportnotizen. Ein Handball-Hochschul kämpf zwischen der Aniversität Köln und der Technischen Hochschule Charlottenburg endete am Freitag in Berlin mit 9:1 für Köln. Kretz, der internationale Frankfurter Futz- balltorwächter, gibt bei den Eröffnungsrennen der Frankfurter Winterbahn am Sonntag den Startschuß ab. Der deutsche Wasserballmeister Hellas Magdeburg trägt sein fälliges Rückspiel gegen die Wasserfreunde Hannover am 11. Januar im Goseriedebad in Hannover aus. Nationales Tanz-Tumier in Gießen. Den Tanz, den Gesellschaftstanz, In jeder Form zu veredeln, ist das Bestreben aller, die Sinn für Grazie und Körperkultur haben. An der Spitze dieser Be- wegung steht der Reichsverband zur Pflege des Gesellschaftstanzes, dem alle deutschen Tanzklubs und alle größeren Kurverwaltungen angeschlossen sind. Alljährlich finden in allen größeren Städten und Badeorten Tanzturniere statt. Diese Turniere stellen einen sportlichen Kampf schönster Art bar, in dem die Paare sich messen, und eine berufene Jury entscheiden muß, wer eben am stilreinsten und schönsten tanzt. Es sind genaue Regeln aufgestellt, die in einer langen Reihe von Jahren ausprobiert und verbessert wurden. Allen Freunden und Anhängern des modernen Gesellschaftstanzes bietet sich nun auch in Gießen Ge- legenheit, sich ein solches Turnier anzusehen. Da aber erfahrungsgemäß die reizvollsten Turnierrunden auf die Dauer den Wunsch nach eigener Betätigung nicht unterdrücken lassen, findet in den Turnierpausen und nach dem Turnier ein Ball statt. Für das Turnier wurde das hervorragende Tanzorchester Schilkin g e r vom Kurhaus Wiesbaden verpflichtet. E.T. Strong, Präsident der Buick Motor Company, sagt aus: „Es scheint in unserer fortschreitenden Epoche nahezu überflüssig zu sein, eine Lobeshymne über Insertion auszusprechen. Wir alle kennen sie als die eine große Macht im Wirtschaftsmechanismus, von der jedes Element des Wirtschaftsprozesses abhängt. UHREN «HO In solider, guter Ausführung dabei in den Preisen durchaus zeitgemäß! 7425D trägt man nicht herum und bezieht sie nicht von unbekannter Stelle, sondern vom Fachgeschäft am Platze, wo man die persönliche Auswahl bat. der Einhaltung der Garantie sicher ist und reell und preiswert bedient wird. Freie Innung der Uhrmacher und Goldschmiede Giefaen und Umgegend. 1*611)WäSCh6 für Damen, Herren und Kinder, von einfacher bis eleganter Ausführung Bettwäsche — denn auch wir gehören einem Einkaufskonzern großer —• — Kaufhäuser an,mitseinenVortellen desGroßeinkaufs,die — ■ unsere Kunden restlos genießen!* bieten wir an: (ftadiO'Jlnla^e Tischwäsche Kolter Küchenwäsche/Daunendecken 7470 A gabranchifertlg, bes ehend aus: 8-Röhren- Fernempfänger 29.50 Teilzahlung, direkt ab Fabrik, daher 50% billiger. Fabrik Cyk/op, Berlin, Hoist. Ufer25126. 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Durch solche Bänder verschlimmert sich das Leiden und kann zur Todesursache werden. (Es entsteht Brucheinklemmung, die operiert werden muß und den Tod zur Folge haben kann.) Fragen Sie Ihren Arzt Hat dieser eine Bandage verordnet, dann muß es in Ihrem Interesse liegen, sich meine äußerst bequeme, unverwüstliche Spezial-Bandage anfertigen zu lassen. Durch Pag- und Nachttragen meiner Bandagen haben sich nachweislich Bruchleidende selbst gehellt Werkmstr A. B. schreibt u. a.: .Mein schwerer Leistenbruch Ist geheilt leb bin wieder in meinem 66. Lebensjahre ein ganzer und glücklicher Mensch I" Landwirt Fr. St schreibt u. a. i .Ich sehe mich genötigt Ihnen nach 2 fahren meinen innigen Dank auszusprecheu . wurde ich ganz befreit von meinem Leiden." Bandagen von RM. 15 — an. Für Bruch- und Vorfall-Leidende kostenlos zu sprechen in, Gießen, 2. Dezember, von 2—6 Uhr, Im Bahnhofshotel „Lenz", Nidda, 2. Dezember, von 8—11 Uhr, im Hotel zur Traube; Marburg, 3. Dezember, von 8—1 Uhr, Im Hotel Waldecker Hof, Alaleld/Oberh. 5. Dezember, von 2'/, bis 7 Uhr, im Hotel Deutsches Haus. 8032 V Außerdem Lfi I Ö H III (I R H ““k M,aß„inA RTlnflert LUIUUIII19U8I unübertroff. Ausfuhrunff K. Ruffing, Spezialbandagist, Köln, Ricbard-Wagoer Str. 16, Nr. 280 viertes Blatt Samstag, 29. November 1930 Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Wirtschaft. Wochenbericht vom Frankfurter Effektenmarkt. Die Tendenz neigte auch in dieser Woche, zumeist unter dem Druck der starken Zuruckhal- hing der Spekulation und des teils in gröberem Umfange an den Markt kommenden Materials, zur Schwäche. Ferner drückten die überwiegend schwächeren Auslandbörfen und neue Bankinsolvenzen in Frankreich, aber auch in anderen Ländern, stark auf die Stimmung. Das De- schäft war zeitweise gleich Null. Das herauskommende Material konnte in der Hauptsache nur mit Kursverlusten ausgenommen wer- den. Die zwischendurch vorgenommenen Inter- ventionskäuse der Grobbanken, denen sich auch verschiedentlich die Kulisse angeschlossen hatte, konnten nie eine Besserung von längerer Dauer herbciführen. Ausschlaggebend war noch der e r - hebliche Rückgang derPounganleihe, der verschiedentlich zur Besorgnis Anlab bot. Dazu kam das Monatsende, da in Agbetracht des Liquidationstages die Händler aus Borsichtigkeits- gründen jedes verfügbare Material Herausgaben. Besonders stark war das Angebot in erster Linie in K a l i a k t i e n. Mitbestimmend war hier rwch, und sogar ausschlaggebend, die Erzeugungseinschränkung in der Wintershallgruppe. Auch nach Berücksichtigung des Reportgeldauf- fchlages verloren Aschersleben 32 Proz., Salzdetfurth 25 Proz. und Westeregeln 33 Proz. Das Angebot hat jedoch gegen Wochenschluß nachgelassen. Die stark ermäßigten Kurse blieben dann gehalten. Gröber war das Angebot noch in I.-G.-F o r b e n, das auf eine Betriebseinschränkung Im Leunawerk, die nur vorübergehend sein soll, zurückzuführen war. Man hatte sich aber an diesem Markt bald wieder beruhigt, und der Verlust der Farbenaktie war nur ganz minimal. Da- zum Stillstand gekommene Angebot in Deutsche Linoleum hatte auch nicht lange angehalten. Es ergab sich nochmals eine Einbuße, bei Unterschreitung der Parität, von 10 Proz. Im übrigen war das Angebot nicht sehr dringend, da der Engagementsumfang doch in letzter Zeit stark zusammengeschrumpft war. Im wesentlichen hatten die Großabgoben bald ausgehört, wodurch eine merkliche Beruhigung der Stimmung zu verzeichnen war. Die allgemeine Lage lautete, abgesehen von zu- meit erneut schwächeren Auslandbörsen und der weiteren Zunahme der Arbeitslosigkeit im Reiche, wieder günstiger, zumal die Zukunftsprognose, wenigstens von höherer Stelle, etwas zuversichtlicher hingestellt wurde. Die Kulisse hatte in Verbindung mit Bankkäufen den Mit zu Deckungen zu schreiten, so daß sich das Kursniveau bei einstellendem Stückemangel wieder etwas heben konnte. Die Stimmung war zum Wochenschluß freundlicher. Am Geldmarkt war Tagesgcld mit 5 Prozent gesuchter. Am Rentenmarkt lagen Deutsche Anleihen, sowie Ausländer meist schwächer. , Wochenbericht vom Frankfurter Produktenmarkt. Die Preisschwankungen an den amerikanischen und kanadischen Getreidemärkten waren in den letzten Tagen wiederum lebhaft. So setzte am Montag eine kräftige Erholung ein, gestützt auf Käufe der Stabilisierungsgesellschaft und auf einen Bericht hin, demzufolge die Regierungen der Prärieprovinzen nun alle Hebel in Bewegung sehen, um eine umfangreiche und durchgreifende Stützungsaktion in die Wege zu leiten. Der Frankfurter Markt wurde von den Erholungen ebenfalls leicht beeinflußt, so daß zu Beginn der Woche in Weizen das Geschäft recht lebhaft war. Der Preis konnte sich um etwa 2,50 Mark per Tonne erholen. Die Deihaltung des Vermahlungszwanges für Inlandweizen für Dezember wirkte auch etwas nach. Am Roggenmarkt bewegte sich die Umsatztätigkeit mir in engen Grenzen, doch konnte sich zunächst, im Einklang mit der festeren Haltung des Weizenmarktes, eine kleine Erholung durchsetzen, die iedoch gegen Ende des Derichts- abschnittes wieder verloren ging, da etwas mehr Angebot auf den Markt drückte. Mehl hatte stillen Markt, da der Konsum mit genügend Ware versehen sein soll. Die Käufe blieben auf den dringendsten Bedarf beschränkt. Die Preise blieben gegen die Vorwoche vollkommen unverändert. Hafer und Gerste hatten zu weiter unveränderten Preisen etwas besseres Geschäst. Besonders Industricgerste war mehr gefragt, auch für gute Brauqualitäten hielt die Nachfrage an. Die Woche schloß zu folgenden Notierungen in Mark (für Getreide je Tonne, für die übrigen Waren je 100 Kilogramm): Weizen 265—266,50, Roggen 167,50—170, Gerste 205—210, Hafer 152,50 bis 157,50; Weizenmehl, füdd., 41,00-42,25, Weizenmehl, niederrheinifches, 41.00— 42,00, Roggenmehl 26,50—27,50, Weizenkleie 8,25—8,35, Roggenkleie 8,25. Kartoffeln per Zentner Industrie hiesiger Gegend 1,90—2,10 Mk. Wochenbericht vom Frankfurter Schlachtviehmarkt. Arn Frankfurter Schlachtviehmarkt setzten sich in dieser Woche die Preisrückgänge in verschärftem Tempo fort. Der Handel war in allen Diehgattungen ziemlich schleppend, da die Metzger auf keinen Fall die Preise anlegen wollten, die von den Händlern verlangt wurden. Der Auftrieb war in Rindern und Kälbern wieder größer, sonst aber nur wenig verändert. Das Angebot in Rindern war auch in dieser Woche für die schwache Nachfrage zu groß, so daß die Preise bei sehr ruhigem Handel und größerem Ueoerstand 1 bis 2 Mark nachgaben. Arn Kälber markt war der Preisrückgang mit 7 Mark am größten. Nur für beste Tiere wurden zuweilen noch Preise über Notiz bezahlt. Die anhaltende Konkurrenz von billigem Wild und Geflügel machte sich weiter stark fühlbar. In geringeren Qualitäten war der Verlust meist noch viel stärker. Auf dem Schaf markt nehmen die Zufuhren immer mehr ab. Trotzdem war das Geschäft auch hier nur klein, und nur mit Verlusten von 1 bis 3 Mark konnte man die Ware an den Mann bringen. Die festere Tendenz auf den Schweine markten hat ihr Ende ziemlich schnell erreicht, doch ist die Lage zur Zeit ziemlich stabil. Wenn auch das Geschäft sehr langsam vonstatten ging, so blieben die Preise gegen die Vorwoche doch vollkommen unverändert, was gegen die Rückgänge auf den anderen Märkten immerhin bemerkenswert ist. Gute, mittlere Fleischschweine bleiben am meisten begehrt; weniger dagegen Fettschweine und ganz leichte Schweine unter 160 Pfund, sie sehr vernachlässigt sind. Der Gesamtauftrieb bestand aus 1451 (1405) Rindern, darunter befanden sich 324 Ochsen, 100 Bullen, 485 Kühe und 415 Färsen, ferner aus 1493 (1045) Kälbern, 455 (547) Schafen und 5350 (5393) Schweinen. Bezahlt wurden pro Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen Al 54 bis 56, A2 48 bis 53, Bl 42 bis 47; Bullen A 52 bis 55, B 47 bis 51; Kühe A 43 bis 46, b 38 bis 42, C 33 bis 37, D 28 bis 32; Färsen A 54 bis 57, b 49 bis 53, C 43 bis 48; Kälber B 65 bis 70, C 59 bis 64, D 48 bis 58, Schafe Al 44 bis 47. b 38 bis 43, C 30 bis 37; Schweine A 62 bis 65, B 62 bis 65, C 64 bis 66, D 63 bis 65, E 58 bis 63. frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 29. Nov. Tendenz: nach- gebend. Die Wochenschlußbörse eröffnete unter dem Druck der gestrigen matten Neuyorker Börse und des wieder geringer gewordenen Ordereingangs in l u st - loserchaltung. Den Markten fehlte heute jegliche Anregung, so daß bei der bestehenden Zurückhaltung der Kulisse etwas Material herauskam. Die Abgaben waren jedoch in keinem Falle dringend, und die Verluste gingen nur in Ausnahmefällen über 1 v. H. hinaus. Es ist immer noch fraglich, ob mit einem englischen Bergarbeilerstreik zu rechnen ist, so daß auch dem Montanmarkt die Möglichkeit einer Geschäftsbelebung vorläufig genommen war. Innerpolitisch hofft man, die neuen Gesetze auch ohne Notverordnung durchzubringen. Die Tendenz war daher auf dem etwas ermäßigten Niveau recht widerstandsfähig. Etwas mehr gedrückt eröffneten jedoch von Elektrowerten Siemens und Licht & Kraft, die je 1,5 v. Sy nachgaben. AEG. und Schlickert büßten je 0,75 v. Sy ein. Am Farbenmarkt lagen Farben, nachdem dieses Papier an der gestrigen Abendbörse zum Schluß schon etwas nachgegeben hatte, knapp gehalten, Metallgesellschaft und Rütgerswerke gaben bis zu 3 v. H. nach. Am Montanmarkt waren die Umsätze ebenfalls minimal. Rheinstahl lagen zur Erstnotiz gut behauptet, während Mannesmann etwas nachgaben. Gut behauptet eröffneten noch Deutfcye Linoleum, Karstadt, Iunghans, Dresdner Bank und Barmer Bank, während Conti Gummi 1 vH. schwächer waren. Am Rentenmarkt lag das Geschäft ebenfalls sehr still. Deutsche Anleihen waren leicht nachgebend. Auch Ausländer gaben etwas nach. Im Verlaufe fetzten sich auf Wochenschlußdeckungen kleine Besserungen durch. Im Vordergründe standen Elektroaktien, die bis 1,5 v. H. anziehen konnten. Zum Teil ergaben sich aber auch Wochenschlußglattstellungen. Das Geschäft war jedoch weiter- hin klein. Am Geldmarkt war der Satz für Tagesgeld mit 5,5 v. H. festgesetzt, Tagesgeld war weiter gesucht. Der Devisenmarkt lag nur still. Die Mark war jedoch weiter leicht befestigt. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1950, gegen Pfund 20,3650, London gegen Kabel 4,8550, gegen Paris 123,61, gegen Mailand 92,79, gegen Madrid 43,75, gegen Schweiz 25,0725, gegen Holland 12,0680. Berliner Börse. Berlin, 29. Nov. Zum Wochenschluß eröffnete die Börse in eher schwächerer Haltung. Schon vormittags taxierte man leicht abbröckelnde Kurse, da man immer noch Schwierigkeiten von dem Pariser Ultimo befürchtet; und der schwache Schluß bet gestrigen Neuyorker Börse verstimmte ebenfalls. Anderseits lauteten die Nachrichten über den voraussichtlichen Beginn des englischen '-Bergarbeiter* streiks am Montag für die deutschen Montanaktien etwas günstiger, denn cs ist zum mindesten mit leib streiks zu rechnen. Bei geringem Ordereingang war die Umsatztätigkeit nur klein, und die Spekulation nahm, wenigstens im Moment, von weiteren Deckungen Abstand. Die Kursentwicklung war keine einheitliche. Die gestern besonders stark erholten Werte mußten sich kleine Rückgänge gefallen lassen. Kaliwerte waren auf die gemeldeten Feierschichten besonders stark gedrückt und bis 4,90 v. H. schwächer. Durch feste Haltung zeichneten sich Julius Berger, plus 1,5 v. Sy, Gebrüder Körting (plus-plus), plus 3,13, und Harpener und Mannesmann, die je 1,5 v.H. höher lagen aus. Deutsche Anleihen neigten zur Schwäche. Ausländer lagen geschäftslos. Rumänen bröckelten etwas ab. Der Pfandbriefmarkt war sehr ruhig. Reichsschuldbuchforderungen auf Deckungen und besonders in späteren Fälligkeiten kräftig bis zu 1,5 v. H. erholt. Geld war zum Ultimo stark gefragt. Tagesgcld, d. h. heule auch Geld über Ultimo, 6 bis 8 v. Sy, Monatsgeld 6,5 bis 8 v. H. und Warenwechsel 5,5 v. Sy Nach den ersten Kursen war die Stimmung uneinheitlich, neigte aber überwiegend zur Schwäche. Zumeist konnte man Rückgänge von 0,5 bis 1 vH. feststellen. Salzdetfurth lagen um weitere 2,5 v. H. gedrückt. Später erholten sich die Kurse aber meist wieder, da Verkaufsorders von Auslandseite nicht mehr eingetroffen waren. Polyphon zogen um 2,5 d. Sy an. Licht & Kraft wurden verspätet mit 118,5 d. Sy um 2 d. Sy niedriger gegen gestern festgesetzt. Philipp Holzmann gewannen im Verlaufe der Börse 2 o. Sy Letzte Nachrichten. Nun doch Notverordnung? Berlin, 29. Nov. (IDIB. Drahlmcldung.) wie wir erfahren, liegt die endgültige Antwort der Sozialdemokratie, in der ihre Stellungnahme zum Sinan,Programm präzisiert ist, vor. Die Formulierung hak die ovtimiktifche Austallung über die Aussichten einer parlamentarischen Erledigung, die an den unterrichteten Stellen gestern abend noch vorherrschte, zerstört. Man betrachtet dieNotvcr- orbnung nunmehr als s o gut ro i e f i d) c r. Das Kabinett wird sie voraussichtlich am Sonntagvormittag so weit fcrtigffellen, daß sie dem Neichs- präsidenten zur Unterschriftvorgelegt und am Montag, spätestens am Dienstag, veröffentlicht werden kann. Die Verhandlungen, die der Kanzler heute mit den Parteiführern führt, Haden den Zweck, eine Mehrheit für Sie Aufhebung der Notverordnung zu verhindern. Rundfunkprogramm. Sonntag, 30. November. 7.15 (von Hamburg): Hafenkonzert. 8.15: Morgenfeier, veranstaltet von der Cvangel. Landeskirche Frankfurt a. M. 10.30 (von Kassel): Stunde des Chorgesangs. 11.30: „Die Bedeutung der ersten Blätter der Bibel im Lichte der Wissenschaft und des Glaubens", Vortrag von Kirchen- rat Christian Eisenberg, Kassel. 12 (von Leipzig): Märchen-Musik. 14: Stunde der Iugend. 15: Stunde des Landes: „Die Zusammenarbeit der öffentlichen und privaten Fürsorge auf dem Lande", Vortrag von Regierungsrat Dertsche, Niederlahnstein. 15.20 (von Köln): Damenländer- spiel im Hockey, Deutschland—Australien. 15.40: Standes des Landes II. — „Theaterspiel in der Weihnachtszeit", Gespräch zwischen A. Keller und H. Iunggeburth. Altenhain. 16: Nachmittags- Konzert des Rundfunkorchesters. 18: „Rheinische Charakterbilder: Hildegard von Dingen", Vortrag von Dr. I. M. Nielen, Fran^urt a. M. 18.30: Novellen von Carl Dreyfuß, gelesen vom Verfasser. 19.30 (vom Landestheater Karlsruhe): Falstaff, Lyrische Komödie in 3 Akten von Arrigo Doitv. 22.20: Tanzmusik. Montag, 1. Dezember. 7.30: Frühkonzert. 12.20: Schallplattenkonzert: Lieder von Mozart, Beethoven, Schubert, Brahms, Schumann, Mahler, Richard Strauß. 15 (von Kassel): Iubiläum der Landesbibliothek. 16 (von Gießen): Konzert des Musikkorps des 1. Hess. Grenadier-Bataillons 15. Inf.-Rgts. Gießen. 18.05: „Kriegsbeschädigte". — Gespräch zwischen Vertretern des Reichsverbandes und des Zentralverbandes deutscher Kriegsbeschädigter. 18.35: „Rundfunk und Hausmusik", Vortrag von Artur Holde, Frankfurt. 19.05: Englischer Sprachunterricht. 19.30: Besuch beim Dichter. 20.10: Schubert-Lieder! 21: Konkurssache Wormbach. Ein Hörspiel von Auditor. 22.45: Tanzunterricht. 23.15: Tanzmusik. Dienstag, 2. Dezember. 7.30: Frühkonzert des Rundfunkquintetts. 12.20: Tlnterhaltungs-Konzert. 15: Hausfrauen-Äach- mittag. 16: Nachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.05: „Aus der Urgeschichte des Menschen: Ihre Bedeutung für die Abstammung des Menschen und die Rassenkunde", Vortrag von Professor Weidenreich, Frankfurt. 18.35: „Landschaft und Mensch in der Nordmark", Vortrag von Dr. Karl Klingenfuß. 19.05: „Der Atlas in der deutschen Völkerkunde, ein wissenschaftliches Nationalunternehmen", Vortrag von Geh. Rat Prof. Dr. Friedrich Panzer, Heidelberg. 19.30: Klavierwerke von Felix Petyrek. 20 (aus der Stadtholle Hanau): Berenys ungarische Zigeuner- Sinfoniker. 22.30 (von Köln): Reportage vom Sechstage-Rennen. 0.30 (nur für Frankfurt und den Kurzwellensender Königswusterhausen): Nachtkonzert des Rundfunkorchesters. Mittwoch, 3. Dezember. 7.30: Frühkonzdrt. 10.20: Schulfunk. 12 20: Schallplattenkonzert: Alt-Oesterreichische Militär- märsche. 15: Stunde der Iugend. 16: Nachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.05: „Vom Weihnachtseinkauf", Vortrag von Hildegard Neumann. 18.35: Esperanto-Anterricht. 19.05: „Erlebte Novellen", vorgetragen von Harms Iohst. 19.30: Nationale Tanzweisen, gespielt vom Philharmonischen Orchester, Stuttgart. 20: Konzert des Salzburger Domchors. (Madrigal-Vereinigung.) 21: Der Vogelfrieder. Schwäbisches Horsviel in sechs Bildern von Gerhard Beitter. 22: Kammermusik. Donnerstag, 4. Dezember. 7.30: Frühkonzert des Rundfunkquintetts. 12.20: Schallplattenkonzert. 15: Stunde der Iugend: „Eindrücke eines deutschen Schülers auf einem französischen Gymnasium", verfaßt und vorgetragen von Felix Hartlaub. 16: Konzert des Rundfunkorchesters. 18.05: Zeitfragen. 18.35: „Die Verflechtung des Saargebiets mit der rheinischen Wirtschaft", Vortrag von Dr. Hermann Overbeck. 19.05: Französischer Sprachunterricht. 19.30: Die Instrumente des Orchesters. 20 (aus dem Landestheater Darmstadt): Simone Doccanegra. Oper in einem Vorspiel und drei Akten (5 Bildern). Musik von Giuseppe Verdi. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Retchsbankdiskont 5 o Sy, Lombardzinsfuß 6 o. Sy Frankfurt a. Ul. 2$er1ln (Schluß- i-Uhr- Schluß- Ansa. g- für« flur# für# fiurei Datum 28 11 29 11 28 11 29 11 6% Deutsche Reichsanleibe von 1927 ......... 7% »eutfifie Reichsanlethe 86,5 — 86,75 — von 1929 ...... 98,25 — 98,4 —— teufidje «nl.-Ablöi.-Schulb mit Suslos.-Rechten ■ ■ 52,25 52,1 52,25 52,1 Te«flL ebne AuSlos.-Rechte . . 8% Hesl. PolUftaal von 1929 6,05 6,05 6,15 88,25 6 trihhabib.102%) .... Cberbeficn Provinz • Anleihe mit — — — Ausloi.-Rechten..... — —- — Deutlche flamm. Sammelabk. Anleihe Serie 1 .... 8% Rranll. Hnv.-Bank Goldpfe — — 49,5 — XIII unkündbar bh 1934 . . 97 —— — - 7% Rranlf. Hyp.-Bank Loldpse unkündbar bl« 1932 . . . 4fc% Rheinische HvV^Ban! 92,5 — — — 185,9 8% Pr. Landesvkandbriesanfialt, Pkandbrieie R. 1» . . 8% Pr LandeSpiandbriesanfiall, 100 — 100 — flomm.-Cbl.iR. 20. . . 97 - 97 _ 7% Pr. 8anbeeiifant)briefanfialt, Pfandbriefe R 81 ..... 97 _ 97 _ L.E.G abfl. 8 ounegS-ebHgatio- neu. rückzahlbar 1932 ..... 95 — — — 4% Oefierrerchtlche Toldrente . . 26,13 4,20% Oefierreichiiche Silberrente 4% Oefierreichiiche Einheitliche 2,4 — 2,4 — Rente — __ _ _ 4% Ungarifche Golbrentr .... 22,75 — 22,7 22,7 4% Ungarifche Staatsrente V. 1910 — , — 18 4V,% Beugt, von 1913 — — 18,9 4% Ungarifche Kronenrenie 1,5 — 1,5 _ 4% Türkfiche Zofianleihe von 1911 4% Türkfiche Bagdadbahn-Anl 3,1 — 3,1 — Serie 1 . - a,1 — 3,1 — 4% desgl. Serie N....... 6% Rumänische vereinb. Rente 3,1 — 3,1 — von 1903 ... 4H% Rumänische vereinb- Rente 8 — R 7,75 von 1913 ......... — — 12,75 12,4 4% Rumänische vereinb- Rente . 6,4 — 6,4 6,4 Jranffurt a. v" Berlin Schluß-s rurt ! 1-Uhr- Kurs Schluß-1 hir< | Anfang- Kurs Oatutn 28 11 29 11 28 11 29 11 x>amvurg-Amerika Paket . . . 1 70,25 — 69,25 68,k Hamburg-Südam. Dampfschiff . 8 — — 148,5 148 Hania Tampsichiss . . . 10 — — 124 124 Norddeutscher Lloyd .... . 8 70,65 69,75 70,25 70 Allgemeine Deutsche Ereditanfi. 10 98 98 97.5 «armer Bankverein . . . 10 100,13 100,25 100,13 100,25 Berliner Handelsgesellschaft . 12 125 — 125,5 126,5 Sommer,- und Privat-Bank . 11 111 110,5 111 130,5 Darmstädter und Nationalbanl 12 149,25 — 148,75 148 Deutlche Bank und DiSconto-GeseUschaft, . . . 10 109 — 109 109 Dresdner Bank...... 10 109 109,5 109 109.5 Reichöbank...... . 12 219 — 219,5 217 A.ir.S........... . 0 106,5 105,75 107 105,25 Bergmann........ . 9 125,5 — 125,25 — Elektr. LieierungLgelelllchaft. 10 — 109 112 111 Licht und Kraft...... 10 — — 120,5 — Reiten & Guilleaume . . . 7 y> 69 -— 90,25 90,25 Gefeifichaft für Elektrische Unternehmungen .... 10 115 — 115.5 113 Hamburger ElekirftttStS-Werke 10 — 106 105 Rbcmfiche Elektrizität . . . . 9 — — — — Lchieiifche Elektrizität. . . . 10 - — 111,5 110,25 Schütten S Eo..... . 11 — 121,5 122,25 122 Siemens & Halske ..... 16 163,5 162 164 162,5 DranSiadio . ....... . 5 — — — —- ]i 126 125,75 _ • 6 53 52 53 52,75 Deutsche Erdöl ...... . 6 — — 60,9 61 Essener Steinkohle..... . 8 — — — —— Geilenkirchener...... . 8 85,5 — 85 85,5 Harpener . ...... . 0 76,5 —- 76,5 78 Hoeich Eisen. ....... 6Vi — — 69,5 69,5 Ii!e Bergbau ...... 10 —— — 161,5 160 «locknerwerke . ...... 68 — 68,5 67,5 ttöln-Neuellen....... . 7 — —— 77,75 78 ManneSmann-Röbre» ... e « 68,75 68,25 67,5 69 PlanSselder Bergbau .... 7 — — 38 — Oberschles. Eisende parf . . . . b — —- 38,5 — cberschies. Kokawerke. . . . — — 69,5 69,13 Phönix Bergbau .... *Vi 61 — 61,5 60,75 Rheinische Braunkohlen • • 10 158 — 157,75 155,75 . 6 73 73 72,5 73,5 Riebe <1 ............ u — —— — Frankfurt a. M Berlin (5o)iu6»i l'Ubr« Schluß-! Anfang- kurs | flrre kurS | Kurs Datum 28 11 29 11 28 11 29 11 vereinigte Stahlwerke . 85 —- 65 63,75 Otavi Minen .... 6'/. — 32,65 32,25 Kaliwerke Aschersleben . . . 10 154 — 150.5 148,25 Kaliwerke Westeregeln . . . 10 156 — 152,9 150.5 Kaliwerke Salzdetfurth . . . 15 232 — 232,9 228 9. G. Farben-Indufirle . . . 12 133,25 133 134 133,75 Dynamit Nobel ...... . C — —— 63.25 — Echeideanfialt....... . 9 128 128,75 _ Goldschmidt ....... . 5 43 — — — Rbtgerewerke ...... . 6 <6,5 45,6 46.25 46 MetallgeieUickaft...... . 8 84 83,5 83,5 83,5 Philipp Holzmann..... . 7 74 _ 73,5 73 Zementwerk Heidelberg . . 10 76 — Cementwerk Karlstadt. . . . 10 —— Wavß & Frevtag..... . 8 - 45 45,5 — EchuirbeiS Patzenhoser . . . 15 - - 172 170 Cftroerfe......... 12 — —— 136,25 — atu........... 18 65 — 65 63.5 Bemberg......... 14 66,5 — 66,5 64.75 Zellfiosf Waldbos .... IS'/, 104,5 104 103,5 103.75 Zellstoff Aschaffenburg . . . 12 — 74,5 75,25 75,25 Charlottenburger Waller . . . 8 — 81 81 Deiiauer GaS . ..... . S — -— 109,75 109.4 Daimler Motoren..... . ü — — 24,25 24.75 Deutsche Linoleum .... • . 101 101 102 103,5 Maschinenbau A.-S. .... . 0 — — 32 32,4 Nat. Automobil ..... . 0 — —— — — Crenftem & Koppel .... . 6 — — 44,65 44.25 Leonhard Tietz ...... 10 113 — 113,75 112,5 Svenska ........ • - — - 272 270 frankfurter Maichine» . . . . 4 10 11 10,5 — Gritzner......... . 6 28 — •— Heyligenfiaedl ...... . v — — — — Iunghans......... . 6 28 28 27 26,5 Lechwerke......... . 8 — 77,5 — —— Mmnkraftwerke Höchst a. M.. . 8 62 — — »tag ......... 10 — 62 — Sebr. Roeder....... 10 82 — — — Boigt & Haeffner..... . S 150 _ 150 Süddeutsche Zucker .... 10 135 - 134 — Banknoten. Serlln, 28. November ffielb »riet Amerikanische Noten..... 4,181 4,201 Belgische Noten ....... 58,25 58,49 Dänische Noten ....... 111,85 112.29 Englische Noten ........ 20,315 20,395 Französische Noten ....... 16,436 16.496 Holländische Noten ....... 168,28 168,96 Italienische Noten........ 21,86 21,94 Norwegische Noten....... 111,83 112,27 Deutsch-Oesterreich, * 100 Schilling 58,85 59.09 Rumänische Noten....... 2.472 2,492 Schwedische Noten ....... 112,23 112,67 Schweizer Noten........ 81,07 81.39 Spanische Noten...... . 46,31 46.49 Tschechoslowakische Noten..... 12,385 12,445 Ungariidje Noten ..... 73,10 73,40 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. 28 November 29 Novembei Amwch. Gelb iioncrung /'ne AmiOch« Xpnerung Geld »ne 168.65 168,99 168.60 168,94 Buen-ÄireS 1,432 1,436 1,439 1 .442 Brss.-Antw 58,43 58,55 58,425 58.545 (£briftiania. 112,03 112,25 112,02 112.24 Kopenhagen 112.08 112,30 112.06 112,28 Stockholm - 112.48 112,70 112.45 112.67 Helsmgfors. 10,545 10,565 10,543 10.563 Italien. . . 21,92 21,96 21,92 21,96 London- . . 20,347 20,387 20,344 20,384 Neunork . . 4,1905 4,1985 4.1905 4,1985 Poris.... 16,458 16,493 16,457 16,497 Schwei; . . 81,155 81,315 81.135 81.295 Spanien . 46,59 46,69 46,62 46,72 Fapan . . . 2,076 2.080 2,076 2,080 •üio de Ian Wien in T - 0,395 0,397 0,398 0,400 £tft- abgeft 58,98 59,10 58.98 59,10 Prag . .. . Belirad . 12,43 12.45 12,428 12,448 7.408 7.422 7.410 7.424 Budapest. . 73,25 73.39 73,25 73,39 Bulearieu . 3,035 3,041 3,038 3.044 Lissabon 18,80 18,84 18,80 18,84 Dantig. . flonft ntüi. 81.39 81.55 81.38 81.54 1,784 1,789 1.784 1,789 Athen- . 5,431 5,441 5,426 5,436 Canada - 4.193 4,201 4.192 4,200 Urn uat). 3,257 3.263 3,257 3,263 Cairo . . 20,87 20,91 20,87 20,91 Kein Ra ach, kein Raß. keinejch/acken Ruhe! von bleibendem Wert ... r? ;■ IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIOIIIIII 07382 Zu Weihnachten eine Pfaff-Nähmaschine 7897 A H. Kraft, Neuenweg 46 7438A Gegründet 1879 Große Auswahl: zu wirklich billigen Preisen 7639 A UW zu bedeutend herabgesetzten Preisen Fehlerhafte Stücke äußerst billig 7939 Brühl’schen Druckerei Drum scnen uruuserm Bullenverkaui und Etagenheizung ist der 7 67X5 D Lager. 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