£ 3 ~ o> ' Ajy •» 3 ZL32.A »Z -.2- 3 ; •» r e~' 8» 8»" LLZ-8 Dienstag, 29. Juli 1930 180. Jahrgang Nr. 175 Erstes Blatt GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnick und Verlag: VrLHI'sche UniversitSlr-vuch. und Zteindruckerei «.Lange in Sieden. Zchristieitung und Seschäftzstelle: Zchnlfttaße 7. Annahme wn Anzeigen für die lagtsnummfr "bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breit« 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20*. mehr. Chefredakteur Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton l)r H.Ttzyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Ma? Filter, sämtlich in Diesten. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen. Die Illustrierte Giestener FamUienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüsie nnterSamm«lnummer2251. Anschrift für Drahtnach« richtens Anzeiger Siestea. pokscheckkonto: Krantfurtam Main 11686. Die Gründung der Deutschen Gtaatspartei. die wirtfchaftsnol und die nationale Bedrohung deutschen Bodens und volkstumcs bringen. Vie wirtschaftliche Stützung des Osten» ist eine nationale Notwendigkeit ersten Bange». Die Finanzreform muh durch planmäßige Herabsetzung und Begtenjung der Ausgaben die Wirtschaftskraft des deulschen Volke» wiederher- stellen, das Steuersystem eine gerechte Verteilung der Lasten und eine Hebung de» verank- wortung»bewuhtsein» der öffentlichen Körperschaften bewirten. Die Innenpolitik muh dem Ausbau der Republik zum Volksstaat und einer politisch und wirtschaftlich immer dringlicheren Reich» re form dienen. Der Auf- ruf schließt: Wir rufen die junge Generation, wir rufen die Staatsbürger, die des parteipolitischen Haders überdrüssig sind, in eine neue und junge Front. Aufgabe und Ziel der neuen Partei. Lleberraschung bei der Volkspartei. Wenig freundliche Beurteilung in parteiamtlichen Kreisen. werde, um eine Umtaufe der Demokratischen Par-« tei. Die Zusammensetzung der Wahlvorschläge werde beweisen, dah die 3 u g c n ö der Staats« Partei in der Front steht. Koch-Weser betonte weiter, dah die Gründung nicht ein Ende, son« dern ein Anfang sei. Unsere Tore, sagte er, stehen weit auf für alle, die mitarbeiten wollen. Die Zeiten sind zu ernst, um engherzig zu leim Wir werden jeden aufnehmen und jeden nach seiner Bedeutung an der Führung beteiligen. Aber auf Verhandlungen von Partei zu Partei lassen wir uns nicht ein. Zum Schluß betonte der Vorsitzende de» Februartlubs, Winschuh, die Staatspartei sei der erste Ansatz zu einest Evolution des Parteiwesens, das in seiner jetzigen Form von seinen Freunden al- überholt und überaltert angesehen werde. In dem Aaum zwischen der Sozialdemokratie und dem Zentrum aus der einen und deo reaktionären Rechten auf der anderen Seite sei nur Raum für zwei Parteien, nämlich für eine wirklich konservative Partei und für die Partei, die die Ziele vertritt, denen die Deutsche Staatspartei dienen will. Die nationalen und volkswirtschaftlich berechtigten Rotwendigkeiten könnten mit Erfolg nicht durch die eigene Partei erfüllt werden, weil sie Interessenbeschränkungen seien. Die Staatspartei wolle aber auch von den wirtschaftlichen Rvtwendigkeiten die Drücke schlagen zu den sozialen Erfordernissen. Winschuh gab zum Schluß der Erwartung Ausdruck, dah noch zahlreiche Kräfte auch aus dem volksparteilichen Lager zur Deutschen Staat-« Partei kommen würden. Die Anzeichen dafür seien bereits vorhanden. Verhandlungen mit offiziellen Führern der Deutschen Volkspartei seien gescheitert, weil diese Führer den Standpunkt vertraten, dah Reugruppierungen erst nach den Wahlen in Frage kommen. Der Aolhaushalt für 1930. Im Reich-gesetzblatt, au-gegeben am 27. Juli 1930, werden die Maßnahmen veröffentlicht,. die der Reich-Präsident auf Grund des Art. 48 der ReichSversassung zur Feststellung deS Reichshaushalts für 1930/31 verordnet hat. Wenn auch hi der Begründung gesagt wird, dah die Reichs- regierung- davon abgesehen habe, den Rot- hauShalt über den 31. Juli hinaus zu verlängern, so ist der Reich-Haushalt für 1930 trotzdem nichts weniger als ein Rothaushalt, da ja immer mit der Möglichkeit gerechnet werden muß, dah der neue Reichstag wiederum mit Mehrheit diese Verordnungen a uf« hebt. Es ist aber zuzugeben, dah angesichts der Verschärfung der Finanzlage des Reiches die Reichsregierung selbst nicht länger zuwarten konnte, da sonst der schon ausgewiesene Fehlbetrag sich immer weiter erhöht haben würde. . Rach dem Voranschlag sollten zur Deckung der festgesetzten Ausgaben insgesamt 10,1 Milliarden Mark an Steuern und Zöllen hereinkommen, eine Rechnung, die sich aber schon im Mai als unzulänglich herau-stellte. Vor allem von der Arbeitslosenversicherung her wurde ein Zuschuhbedarf angekündigt, der durch die Erhöhung der Beiträge allein nicht abgedeckt werden konnte. Daß an dieser Entwicklung die ungünstige Wirtschaftslage die Hauptschuld trägt, kann nicht bestritten werden, ebensowenig, dah eS die Pflicht der Reichsregierung ist, unter Berücksichtigung der Leistungskraft der Wirtschaft für die Ordnung des ReichshauShalts zu sorgen. Da der Reichstag sich dieser Ordnung versagt hat, so bleibt allerdings nichts andere- übrig, als zu auherordentlichen Mitteln zu greisen. Der Rot st and, den die Reichsverfassung für Anwendung des Art. 48 vorausseht, ist tatsächlich gegeben, denn wenn unmittelbar die Gefahr droht, dah Wirtschaft und Staat zufammen- b rech en, dann bleibt für verfassungsrechtliche Haarspaltereien kein Raum. Die Reichsregierung berechnet den Fehlbetrag, der zunächst unbedingt gedeckt werden muß, auf 760 Millionen. Die Ärbeitslosenversiche- rung beansprucht von dieser Summe 610 Millionen Mark, während der Rest von 150 Millionen Mark die Ausfälle bei den Steuern und Zolleinnahmen decken soll. Hier muh aber gleich eingewandt werden, dah diese Ausfallrechnung nur vorläufig ist, denn es hat gar keinen Zweck, sich einer Täuschung darüber hinzugeben, dah angesichts der ungünstigen Entwicklung der Steuern und Zolleinnahmen im ersten Viertel des Reichshaushaltsjahres 1930 sowie im Zusammenhang mit der noch ungeklärten Wirtschaftslage ein weit höherer Fehlbetrag herauskommen kann. Die Reichsregierung hat die seinerzeit dem Reichs- tag vorgelegten Gesetzentwürfe im wesentlichen aufrechterhalten mit der Begründung, dah sich bessere Dorfchläge nicht hätten finden lassen. Es bleibt also bei der Reichshilfe der Beamten und Angestellten der öffentlichen Hand, sowie bei dem Zuschlag der Einkommensteuer in Höhe von 5 v. H. auf alle Einkommen über 8000 Mark. Während aber die Reichshilfe nicht befristet ist, gilt dies von dem Einkommensteuerzuschlag, was den Schluß zu- läßt, dah die Reichsregierung mit dem großen Finanzumbau im Herbst wirklich Ernst machen will. Aus der Reichshilfe, sowie dem Einkommen- steuerzuschlag und der Ledigensteuer werden 274 Millionen Mark errechnet, was wohl stimmen kann, zumal es sich um rein steuertechnische Maßnahmen handelt. Die Erhöhung der Beiträge zur Arbeite- losenversicherung wird aber nur dann 269 Millionen Mark erbringen, wenn sich die Wirt- s ch a f t s l a g e nicht weiter verschlechtert. Weniger klar sind die Maßnahmen die den Gemeinden erhöhte Einnahmen beschaffen sollen, um der Krisenfürforge gewachsen zu sein. Die Bürgersteuer ist nunmehr stark g e st a f f e l t, denn der niedrigste Satz beträgt 6 Mark bei Einkommen bis zu 8000 Mark, der aber auf 3 Mark ermäßigt werden kann, während auf der anderen Seite die Einkommen über 8000 bis zu 1000 Mark je Kopf belastet werden können. Die Bürgersteuer soll aber nur wahlweise erhoben werden, denn den Gemeinden ist das Recht eingeräumt, sich auch für die Gemeindebier st euer zu entscheiden. Im übrigen bleibt die Erhebung dieser Steuern mit einer Erhöhung der Realsteuern verkoppelt, wenn auch nur bis zum Inkrafttreten des Gesetzes über die Steuervereinheitlichung. Die Maßnahmen bei der Arbeitslosenversicherung und der Krankenversicherung halten sich gleichfalls im Rahmen der früheren Vorschläge. Zu begrüßen ist, daß den Krankenoersicherungsanstalten größte Sparsamkeit zur Pflicht gemacht wird, vor allem, soweit es sich um die Errichtung und Erweiterung von Verwaltungsgebäuden handelt. Hieraus wird sich wohl eine Senkung der Ausgaben erzielen lassen, wenn sie auch kaum so beträchtlich ist, wie es auf der anderen Seite die Steuererhöhungen sind. Aufstand in Afghanistan? ß o n b o n , 28. Juli. Reisende aus Kabul berichten über einen neuen weitverzweigten Aufstand gegen König Nadir Schah. Landsleute Bacha-I-Sakaos, der letztes Jahr abgesetzt und hin- gerichtet wurde, marschierten gegendieHaupt- slad t. Die Aufständischen sollen plötzlich in der Nähe Kabuls eingetroffen fein, ohneaufWider- stand durch das Heer Nadir Khans zu stoßen, das sich geweigert habe, zu kämpfen, weil es infolge Geldknappheit keine Löhnung erhalten hätte. Nach einem anderen Bericht sollen die Aufständischen jedoch geschlagen worden sein. Oer große Gärungsprozeß. Die Reich-tagsauslösung hat unser gesamte- deutsches Parteiwesen in Bewegung gebracht. Die Parteibureaukratie, die noch vorn alten Reichstag gehütet werden konnte, ist von den aufsteigenden Kräften innerhalb der alten Parteien an die Wand gedrückt worden und muß nun übermächtig! zusehen, wie sich allmählich neue Parteisysteme herausbill>en, neue politische Ziele heranwachsen, die zunächst noch spontan, abrupt und zusammenhanglos, in tausendfältiger Zersplitterung erscheinen, um aber nach und nach einer zielsicheren Reugruppierung sich unterzuordnen. Es gärt im Lager der deutschen Parteien, oder besser gesagt, der schon jahrelange Gärungsprozeß ist jetzt zur Reise gekommen, die Bewegungen lassen sich nicht mehr halten, das sterile Bonzentum der Parteien wird ent- etzt, es wird Raum geschaffen für eine neue Aktivierung der deutschen Innenpolitik, die im Zeichen der deutschen Jugend steht, aber nicht einer Jugend, die in revolutionärem Drange das Alte rücksichtslos -erbrechen will, sondern einer Jugend, die in einer schweren Zeit herangewachsen ist und die an der schweren Zeit erstarkt, jetzt klare und reine Ziele vor Augen hat. Es wäre verfehlt, in dem gegenwärtigen Zustande schon Endgültiges zu sehen. Roch weiß man nicht, welche Wege die Deutsche Volkspartei einschlagen wird, die zunächst noch neben dem Zentrum allein in ihrer alten Verfassung existiert. Aber auch sie wird hinein- gerissen werden in den Strudel der neuen politischen Bewegung, auch sie wird den Erneue- rungsprozeh mitmachen müssen, der das Pariei- gchäuse zersprengt, und dafür neue freie große Staatsideen setzt. Die Sammlung der Mitte, das war das Schlagwort, das die ganze Aktion einleitete, zu der seinerzeit noch zu Lebzeiten von Gustav Stresemcrnn Dr. August Weber in fernem Aus- sehen erregenden Artikel: Die Stunde der Mitte auf rief. Damit wurden alte Pläne wieder wach, die seinerzeit in den Tagen der Revolution, in den Tagen der gesetzgebenden Rationalversammlung einmal an der Tagesordnung stankteiv da- mals als Stresernann und August Weber und die hinter ihnen stehenden Freunde die große Deutsche Liberale Partei gründen wollten, die aber am Ehrgeiz verschiedener Kronprätendenten scheiterte. Das war zu dieser Zeit ein schwerer Fehler. Unb diesen zu beheben, dort wieder anzuknüpfen, wo man sich seinerzeit verirrte, das ist der Sinn der großen Bewegung im Lager des Bürgertums. Wir müssen dorthin kommen, dah das Interessent en« tum ausgeschaltet wird, daß nur die großen politischen Gesichtspunkte maßgebend sind, die man für das Bürgertum in den drei Begriffen zusammenfassen kann: Konservativ^ liberal und klerikal. Erst dann wird man die Massen wieder gewinnen, weil sie einfache Linien vor Augen sehen. Erst dann wird es möglich sein, Staatspolitik zu treiben, denn dann lebt das Volk, lebt das Bürgertum in der Politik. Die Bewegung ist noch im Anfang, es sind zunächst nur kurze Risse vorhanden, Skizzen, die erst einmal endgültige Form annehmen müssen. Aber man hat begonnen, den Weg zu beschreiten, der uns aus der Derfahrenheit der letzten Jahre mit ihrer sterilisierten Parteipolitik sührt. ^Inb das bringt Hoffnung. Wenn die Wahlen des neuen Reichstages diese Ziele verwirklichen, dann ist wirklich einmal aktive Wahlpolitik im Sinne einer positiven Entwicklung getrieben worden. Oer Gründungsaufruf der Gtaatspartei. Berlin, 28. Juli. (OB.) Die neugegriinbete Deutsche Staatspartei stellt sich der Oeffentlichkeit mit einem Aufruf vor, in dem eingangs aus- geführt wird, welche Gründe bestimmend gewesen sind, die neue Partei ins Leben zu rufen. Unter Hinweis aus die Gefahr der parteipolitischen Zersplitterung heißt es dann: Die (Einigung muß weiter greifen als die bisherigen versuche zur Sammlung der IHitte. Unabhängig von veralteten politischen Formeln und sinnlos gewordenen Schranken, hinweg über den verhetzenden Kampf zwischen Schwarz - Weiß - Rot und Schwarz-Rot-Gold muß eine Gemeinschaft aller derer geschaffen werden, die au» dieser unfruchtbaren (Enge hinaus den Schacher der Jnter- essengruppen verdrängen und die deutschen Menschen als Staatsroolf einigen sollen. Die Deutsche Staatspartei steht auf dem Boden der ReichSversassung und ehrt die staatlichen Symbole. 3m Geiste der Selb st Verantwortung und Selbstverwaltung der Ration, der politischen Gleichheit und sozialen Gerechtigkeit für alle Staatsbürger will die deutsche Staatspartei die politischen Kräfte zum volks st aatllchen Ausbau der Republik sammeln: eine neue breitere Front, in der die junge ©eneratlon gleichberechtigt neben reformentschlossenen Persönlichkeiten der älteren Generation kämpft. Die Deutsche Staatspartei wird ihre nächste Aufgabe im Reichstag in der Unterstützung der Männer sehen, die der immer näher kommenden Finanz- k r i s e entschlossene und wirksame Maßnahmen entgegensetzen. Eingedenk der Tatsache, dah die Erhaltung des großen deutschen Volkes von einer gesunden, in der Weltfonturrenj sich krästig behauptenden volkswirt- chaft abhängt, wird die deutsche Staatspartei sich ü r d i e Entfaltung der Wirtschaft auf prioatwirtschastllcher Grundlage ebenso tatkräftig einsetzen wie für den sozialen Schuh der Bevölkerung gegen Uebergriffc der großen Wirtschastsmächte, insbesondere gegen Auswüchse de» Kartellwesens. Die beruf» st ändischen Organisationen aller Stände sind zu verantwortlicher Mitarbeit an Wirtschaft und Staat heranzuziehen. Die Agrarpolitik muh die schwere Krisi» der Landwirt- chast tatkräftig überwinden Helsen. Die Stärkung des deutschen Bauerntums bedeutet die Erhaltung deutscher Lebenskraft. Eine groh- zügige Siedlungspolitik muh die volle Ausnutzung des deutschen Raumes im Kampf gegen Berlin, 28. Juli. Die Gründer der Deutschen Staotspartei legten vor Vertretern der Presse ihre Ziele dar. Aus diesen Mitteilungen geht hervor, daß die Verhandlungen erst am Donnerstag b e • gönnen und bereits am Samstag zum Abschluß gekommen sind. Der Großmeister des Zungdeutschen Ordens, Mahraun, erklärte, daß die Gründung die ganz natürliche Folgeerscheinung der Entwicklung der letzten Jahre sei. Es handele sich um eine Sammelbewegung geaen den negativen Aktioismus der radikalen Flügel. Als die Vorbedingung einer solchen Sammlung bezeich- nete Mahraun 1. die Synthese zwischen Schwarzweißrot und Schwarzrotgold, die vom Volke lange ersehnt werde, 2. müsse die Jugend einbezogen sein, und 3. sei die Neugründung ebenso scharf gegen sozialistische Experimente wie gegen eine unsoziale Rechtseinstellung abgegrenzt. Im Gegensatz zu der Interessen- und Geldpolitik trete durch die Neugründung der Staatsgedanke wieder in den Vordergrund. Die Gründer betrachteten den Kreis aber noch keineswegs als abgeschlossen, sondern würden es begrüßen, wenn die Gruppen, die ähnliche Ziele verfolgen, noch zur Staatspartei stoßen würden. Der Führer der Demokratischen Partei, Reichsminister a. D. Koch-Weser, erklärte, er habe immer den Standpunkt vertreten, daß eine Sammlungsbewegung nicht über die Parteiorganisationen und nicht ohne die Jugend verwirklicht werden könne. Die Erfahrung habe gezeigt, daß die Entwicklung schon im Anfang zerschlagen worden sei, wenn die alten Parteien sie in die Hand nahmen. Deshalb habe man jetzt den Sprung gewagt, die Entwicklung ohne die Parteien in die Hand zu nehmen. Es handele sich bei der Deutschen Staatspartei nicht um eine Fusion, sondern um eine Reugründung, also auch nicht, wie von anderer Seite behauptet Berlin, 28. Juli. (Täl.) Wie die Tele- graphen-Llnion aus maßgebenden volksparteilichen Kreisen erfährt, wird dort die überraschende Gründung einer Deutschen Dolkspartei als eine Störung der Bestrebungen angesehen, die durch den Mittwoch voriger Woche an die Parteien gerichteten Sammclaufruf der Deutschen Volkspartei eingeleitet worden seien. _ Die Parteien, an die dieser Ruf gerichtet war, hätten z u g e f a g t, der Einladung der DVP. zu einer Besprechung am Mittwoch dieser Woche zu folgen. Die DVP. hält nach wie vor an dieser Besprechutzg fest und ist der Ansicht, daß auch trotz des Zwischenfalls der überraschenden Gründung der .Staatspartei" einer Zusammenfassung keine unüberwindlichen Schwierigkeiten entgegen st ehe n. Zur Vorgeschichte der Gründung der Staatspartei verlautet von volksparteilicher Seite, daß am Samstagnachmittag in einer unverbind- lichen Besprechung, an der u. a. auch Professor Kahl sowie Vertreter der Wirtschaftspartei teilnahmen, mehr theoretisch von volksparteilicher Seite bedeutet worden sei, daß die Gründung einer neuen Partei so kurz vor den Wahlen kaum in Frage komme. Am Samstagabend seien dann plötzlich die Führer der Deutschen Volkspartei vor die vollendete Tatsache der neuen Gründung gestellt worden. Die Rationalliberale Korrespondenz, der parteiamtliche Pressedienst der Deutschen Dolks- partei, stellt fest, daß die Tatsache der vollzogenen Gründung durch den demokratischen Parte ivorsitzenden Koch-Weser und den Iungdeut- schen Ordenskanzler Dornemann lediglich dem Vorsitzenden uni) einigen Mitgliedern der Reichs- gemeinschast Junger Dolksparteiler mit der Aufforderung zur Kenntnis gebracht worden sei, sich unverzüglich für oder wider das neue Parteigebilde zu entscheiden, was die Beteiligten selbstverständlich abgelehnt hätten. Die Deutsche Dolk-- Partei stehe nach wie vor auf dem Standpunkt, daß es nicht darauf ankomme, der kaum gegründeten Konservativen Rechten mit denkbarster Beschleunigung eine republikanische bürgerliche Linke entgegen^ustellen und das deutsche Staatsbürgertum auf dem Wege einer solch eigenartigen Sammlung wieder erneut in eine Rechte, eine Mitte und eine Linke mit allen möglichen Zwischenstufen aufzustellen, sondern es komme darauf an, die denkbar größte staatsbürger- liche Einheitsfront herzustellen. Sie halte deshalb an ihren umfassenden Sammlungsbestrebungen fest und werde auch Herrn Koch-Weser, wenn er, wie zugesagt, zu diesen Besprechungen erscheine, die erlorderlichen Fragen vorlegen. Die Deutsche Volkspartei habe nur ein staat-politisches Ziel. Don diesem übergeordneten Standpunkt gesehen, forme aber die erfolgte eilige Hm« taufe der Demokratischen Partei unter Mitwirkung der Iungdeutschen und die damit erfolgte Gründung einer neuen Partei nur als Zeichen einer weiterenZersplitterung betrachtet werden, denn gerade an neuen Parteien fehle es uns nicht. Es handele sich um eine Sonderaktion, deren Ziel nicht der Zusammenschluß de- Bürgertums sei, sondern zunächst eine Rettung und Sicherung demokratisc^r Mandate mit Hilfe des Iungdeutschen Ordens. Oie Organisation der Gtaatspartei. Berlin, 28.Juli. (ERB.) Die Gründung der Deutschen Staatspartei bedeutet die Auslö^ f ung der Demokratischen Partei. Zwar ist dieser Schlußakt formell bis nach den Wahles zurückgestellt, weil man nicht mitten im Wahlkampf die alte Organisation auflösen und eine neue bilden konnte. Die Ortsorganisatior» der Demokraten und ebenso der Volk-nativ« = 5' MM 'V' 1 2 n p° X 2,Eä* »»SsS? =* c o i ,-» 2 A*i"03 -"-HLZTT .ksmd 3 i» a ~ s - « = * 5$ 0 = o*ot: -UsA; Sn ^8^5 = 3 2.8^= „ 3 MM -xm» = 5 3 ‘8-0 o S " d 3 - 8- 5 1 8 -L •2.- ’K h1 3 -"8» L-- 3 »3* so, "o 5 * «SP -tt ■3h >c » 2, » o •«2 2 ■Sä’- 0 9 * *0.2. sührung: „Meister, dieses neue Werk ist wirklich unsterblich/ Brahms erwiderte mit feinem, ironischem Lächeln: „Ja, ja, es lommt nur darauf an, wie lange die Unsterblichkeit dauert." Die Relativität in der Existenz aller von Menschengeist geschaffenen Dinge wird hier klug und bescheiden anerkannt. Auch am Geniewerk nagt eben die unendliche Zeit, und schon die Kunstleistung, die nicht mehr unmittelbar zu den Menschen spricht, gilt uns als dem Tode versallen. Aus ihm gibt es eine Wiedererweckung nur in seltenen Fällen. Hat ein Kunstwerk, das neu dargestellt werden muß, und das deshalb, im Gegensatz etwa zur Architektur, seinen Platz immer wieder zu erobern hat, ein Menschenalter erfolgreich überdauert, so besitzt es schon ein wenig von der Eigenschaft, die Brahms so hübsch als „relative Unsterblichkeit" charakterisiert. Ueber einen größeren Zeitraum, als eine Generation noch nach dem Tode mit feiner Leistung zu wirken, wie wenigen Künstlern wird dieses Gnadengeschenk des Schicksals zuteil! Aber das Weltgeschehen ist weise und bedachtsam: vieles muh eben schnell wieder verschwinden, damit das Größte genug Raum hat, und damit zugleich Platz für das Reue frei wird. Diesem Gesetz sind auch die Großmeister der Musik unterworfen. Mit belonderer Rigorosität nimmt die Oper, wie überhaupt das Theater, denAusleleprozeh vor. Was kein ausgeprägtes Gesicht hat, versinkt schnell wieder snö Dunkle. Es wartet so vieles auf Erweckung zum Bühnenleben, daß es sich selten verlohnt, langwierige und zweifelhafte Experimente zu machen. Selbst über die künstlerisch gewiß berechtigten Versuche, Hugo Wolfs „Corregidor", den „Barbier von Bagdad" von Cornelius, neuerdings, mit noch größeren Grfolgschancen, Händels Opernwerk der Bühne zurückzugewinnen, ging das Publikum bald hinweg. Es findet nicht mehr die innere Brücke zu dieser .inaktuellen" Kunst. Das Bild vom Erscheinen der Oper hat sich in der Gegenwart geändert, da die Bereitwilligkeit der Bühnenleiter, das Werk auch eines unbekannten Autors herauszubringen, gestiegen ist. Ehrgeizig bemü- hen sich die Operntheater selbst der Mittelstädte, Uraufführungsstätten zu werden, ohne Furcht vor der Gefahr wochenlanger, unfruchtbarer Arbeit. Reue Probleme schrecken nicht ab, sondern sie reizen die Unternehmungslust einer vorurteilsloseren Generation von Theaterleuten. Diese Bereitwilligkeit hat aber im Gefolge, daß das neue Bühnenwerk - ein Zustand, der sich ja auch bei den Reuerscheinungen auf dem Büchermarkt herausgebildet hat - von der „Saison" abhängig ist. Hat es nicht sofort eingeschlagen, dann ist das Schicksal meistens besiegelt, denn zu getoiffen- haster Revision des einmal gefällten Urteils nimmt man sich nicht die Zeit. Es gibt kein Land, das auch nur annähernd so viele Opernbühnen auszuweisen hat wie Deutschland, und nirgend kann man natürlich mit den Uraufführungsziffern Deutschlands Schritt halten. Daher ist Deutschland jetzt, im Gegensatz zu früheren Jahrhunderten, entscheidend für den Weg einer Oper geworden. Die anderen .Musikländer haben überwiegend nur ein einziges Operntheater, das als Uraufsüh- rungsstätte in Betracht kommt: mit Paris, Wien, Mailand, Reuhork, Moskau, Petersburg, Prag und Brünn sind schon so ziemlich alle wichtigen Bühnen genannt. In Deutschland hingegen verteilt sich diese verantwortungsvolle Pionierarbeit auf mehrere Dutzend Institute. Aus dem Schaffen der Großmeister früherer Jahrhunderte hat die Opernbühne der Gegenwart, abgesehen von Mozart, besten Machtstellung ungemindert ist, meistens jeweils nur ein oder zwei Werke auf dem Repertoire gehalten. Von ihnen müsten sich manche wie Gluck, den zugebilligten Raum nach einer gewissen Zeitspanne immer wieder (bann aller- bings siegreich) erkämpfen. Mühelos noch behaupten sich aus bem 19. Iahrhunbert Beethoven,Weber, Lortzing, Ricolai, Rossini, Offenbach, Bizet, während Meyerbeers Weltruhm fast ganz verblaßt ist. Kein Opemfpielplan bes 20. Iahrhunberts ist jedoch ohne zwei Schöpfer denkbar: ohne Wagner und Verdi. Das Schaffen Wagners vom „Holländer" ab, allerdings mit steigender Bevorzugung des „Tristan" und vor allem der „Meistersinger" bildet einen Hauptteil jedes, wenn auch noch so modern angelegten Spielplans. Diese Machtposition wirb jetzt stark von ben Kernstücken im Opernwerk Derbis umstritten. Aller verkleinemben Einschätzung zum Trotz hat Puccini bisher noch nichts an Popularität ein- gebüht, besten „Boheme", „Butterfly", „Tosca", „Gianni Schicchi" mit an erster Stelle stehen. Unb ebensowenig hat sich zum alten Eisen, wie es manche Fortschrittler so gern möchten, Richarb Strauß werfen lasten, besten Weltgeltung ungeschwächt burch „Salome", „Elektra", „Rosenkavalier" unb neuerbings besonders burch „Ariabne" fortbesteht unb wohl noch um Generationen bleiben wirb. Die Werke, bie ihm ben Rang streitig machen können, sinb, wie uns jebe Spielzeit belehrt, sehr rat. Von seinen bebeutenben Zeitgenosten: Humperdinck, Schillings, Psihner, d'Albert, Schreker . von den italienischen Veristen hat sich wiederum meistens nur ein Werk im Spielplan gehalten. Der im Opernwesen seltene Vorgang einer Renaistance zeigt sich erfreulich bei Mussorgsky, besten herrlicher „Boris Godounow" ben Auftrieb hervoriief. Die ber jüngsten Generation günstige Tenbenz, bie auch auf bas große Theaterpublikum übergegriffen hat, bokumentiert sich in ber Häufigkeit von Uraufführungen, schlagenber noch in Aufführungsziffern, wie man sie früher nicht gekannt hat. K r e n e k s „Jonny spielt auf“ hielt ben wohl jemals erreichten Rekorb mit 421 Vorstellungen in einer Saison. Auch Hin- bemiths „Carbillac", ber begreiflicherweise nicht entfernt so „zugkräftig" ist, machte noch einen refpek- tablen Weg. 'Selben stehen natürlich viele bemer- kenswerteSchöpfungen begabter Tonseher gegenüber, bie sich mühsam über wenige, oft nur eine einzige Bühne geschleppt haben, ohne bah man oft genau fagen kann, woran bas Versagen lag. Das krasse Mißverhältnis zwischen bet riesigen Probuktion unb bem spärlichen Ergebnis ist für alle schaffenb, nachschaffenb oder kritisch Beteiligten nieber« brüdenb. Doch freuen wir uns Wieberum ber Tatsache, baß bie Oper, der von Reunmalklugen in jeder Epoche bie Existenzberechtigung unb bie Zukunft abgebrochen wirb, gerabe jetzt toieber frifche, kräftige Triebe zeigt. Sie geben uns bie Zuversicht, bah auch bie inneren Vorbedingungen zu einer neuen Hochblüte entstehen werben. Srauettorbeif in Südwestafnla. Der Frauenbund der Deutschen ft o« l o n i a l g e s e l l s ch a f t vermittelt für weibliche Hilfskräfte nach Südivestasrika Stellungen. Meist werden junge Mädchen gesucht, die sich willig den vorkommenden Arbeiten in Haus, Geflügelzucht und Garten unterwerfen unb die Kenntnisse im Nähen und Kochen besitzen. Die Altersgrenze zur Ausreise beträgt 36 Jahre. Wenn einer Bewerberin burch den Bund eine Stellung In Südwest vermittelt ist, wird ihr, falls sie über eigene Mittel nicht verfügt, zur Ausreise die freie Fahrt 3. Klasse von Hamburg bis zum afrikanischen Hafen gewährt. Zur Frage ber Arbeit-Möglichkeit für deutsche v i r a n u s — W e sta r p In der gleichen Reihenfolge stehen. In politischen Kreisen nimmt man an, daß beide Gruppen durch diese Verbindung voraussichtlich u n g e s ch w ä ch t aus dem Wahlkampf hervorgehen werden. Oie Arbeitsvergebung bei der Reichspost. Berlin, 28. 3uli. (Priv.-Tel.) Die Vergebung der Arbeiten im Rahmen des Arbeits- beschasfungsprogramms seitens der Deutschen Reichspost sind augenblicklich im vollen Gange. 3m Augenblick läßt es sich allerdings noch nicht übersehen, wie im einzelnen die Verteilung der Aufträge vorgenommen worden ist, da diese nicht zentral von Berlin aus, sondern durch die einzelnen Oberpostdirektionen erfolgt. Man geht aber Wohl kaum fehl in der Annahme, daß bis jetzt ein Betrag von 16 0 Millionen an Aufträgen für die in Frage kommende Industrie verteilt worden ist. Auf alle Fälle ist der Betrag wesentlich höher, als er heute verschiedentlich von privater Seite angegeben wurde, wobei mehrfach der Betrag von 100 Millionen genannt worden ist. 3m einzelnen verteilen sich bie Australe der Reichs- Post auf die Schwachstromindustrie, die Waggonbauindustrie, die Automobilindustrie und die Kabelindustrie. Unwesentlich sind die Anteile einiger anderer Industriezweige. Man darf annehmen, daß sich ber Anteil der einzelnen in Betracht kommenden 3ndustrien gleichmäßig verteilt. Wie wir hören, ist es übrigens der Reichs- Post gelungen, eine durchschnittliche Preis- senkungvon lOProzent nach langwierigen Verhandlungen durchzudrücken. Allgemeine Gchulpsticht in Gowjetrußland. Moskau, 28.3uli. (WTD.) Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei beschloß die Einführung der allgemeinen Schulpflicht, und zwar von Beginn des Rechnungsjahres 1930/31 ab für Kinder von 8, 9 und 10 Fahren und ab 1931/32 für Kinder von 11 Fahren. Außerdem soll im Rechnungsjahr 1930/31 eine ein» bis zweijährige Schulpflicht für Kinder von 11 bis 15 Fahren eingeführt werden, die die Rationalschule nicht absolviert ha^en. Fn Fndustriestäbten und Arbeitersiedlungen werden auf 1930'31 Pflichtschulen mit siebenjährigem Lehrgang für solche Sowjetbürger eingerichtet, welche die Elementarschule im gleichen Fahre beendet haben. Sämtliche Parteiorganisationen sind, so beftimrr/ das Zentralkomitee, aufzuforbern, die Einführung der allgemeinen Schulpflicht als die w i ch - tigste politische Kampagne der ganzen bevorstehenden Periode zu betrachten. * Fn Moskau sind jetzt auch Schuhe und Stiefel, die bisher noch im freien Handel erhältlich waren, rationiert worden. Der Rat der Volkskommissare hat eine Verordnung erlassen, nach der nur Fabrikarbeiter und ihre Kinder berechtigt sind, Schuhe zu kaufen, und zwar unter Vorweisung ihrer Lebensmittelkarte. Diese Verordnung bedeutet, daß auf unbestimmte Zeit nur etwa 300 000 von 2,2 Millionen Einwohnern Moskaus Erlaubnis haben, Schuhwerk zu kaufen. Der Preis eines Paar Schuhe beträgt etwa ein Drittel des monatlichen Arbeitslohnes eines Arbeiters. Aus aller Welt. Krebsbekämpfung. Die von verschiedenen Seiten ergangene Anregung zur Gründung eines Reichsausschusses für Krebsbekämpfung hat Veranlassung gegeben, die Angelegenheit in einer vorbereitenden Sitzung im Kaiserin-Friedrich-Haus in Berlin eingehend zu erörtern. Erschienen waren Vertreter von Reichsministerien, Ländern und Provinzen, Landesversicherungsanstalten, älniversitäten, der Aerzteschaft, des Deutschen Frauen in Südwestafrika äußert sich Frau (Emmi) Höhlbaum, Löhlein, die selbst jahrelang als Farmersfrau in Südwest gelebt hat, wie folgt: Es handelt sich für die Anstellungsmöglichkeiten deut- scher Frauen im ehemaligen deutschen Schutzgebiet Südwestafrika in erster Linie um zwei Arbeitsfelder: das der Stütze der Farmersfrau und das der Wirtschafterin des unverheirateten Farmers. Für ein gedeihliches und befriedigendes Leben und Arbeiten in Südwest dürfte für beide Posten eine gute Gesundheit, frohe Lebenseinstellung, Verständnis und Neigung für das Landleben und im besonderen Tierliebe neben gediegener und wirtschaftlicher Erziehung eines weitherzigen Elternhauses die beste Gewähr bieten. Unter diesen Voraussetzungen wird die „weiße Stütze" der Hausfrau in kurzer Zeit Glied der. Farmersfamilie und als solches handeln und behandelt werden. Unter diesen Voraussetzungen wird die junge Deutsche auch im Umgänge mit den Eingeborenen, die sie in der täglichen Hausarbeit anleiten muß, den rechten, einfachen und doch bestimmten Ton finden, den diese von ihr erwarten. Die beste Vorbildung für eine Stütze wird wohl in den meisten Fällen gutes bürgerliches Kochenlernen und Uebung im Flicken und Nähen sein. Ein Kursus in Kinder- und Säuglingspflege kann ihrem ganzen Wirkungskreise auf einsamer Farm von besonderem Segen werden. Die selbständige Wirtschafterin wird gut tun, sich über das einfache Kochen hinaus mit den verschiedenen Konser- oierungsmethoden, wie Einwecken usw., vertraut zu machen, denn sie wird häufig vor die Aufgabe gestellt werden, an einem einzigen Tage in der heißen Zeit ein großes Jagd- oder Schlachttier restlos zu verarbeiten. In der ganzen nördlichen Hälfte des ehemaligen Schutzgebietes, wo der Farmer hauptsächlich Rindviehzucht betreibt, wird es für sie außerdem von großem Nutzen fein, wenn sie sich schon hier mit der Milchwirtschaft vertraut macht. Die Mitnahme einer Nähmaschine ist ihr dringend zu empfehlen. Neben der praktischen Kleider- und Wäscheausrüstung ist gerade der Wirtschafterin, die viel- leicht mitten in der Einsamkeit in ein recht primitives Haus kommen wird, sehr zu raten, recht viel schmückende Kleinigkeiten, wie Bilder, Kissen, Decken, Lampenschirme usw., mitzubringen, die in geschmack- voller Art drüben nur sehr schwer zu haben sind, und die außerdem in der fremden Umwelt, als von hier mitgebracht, einen Heimatreiz gewinnen, von dessen Stärke man sich vorher gar keine Vorstellung machen kann. u im freien Handel r t worden. Da Rat ine Verordnung er- cikarbeiter und ib, Schuhe zu taufen, ihrer Lebensmittel- teiltet, daß auf un- lM von 2.2 MiTlio- Srlaubni« haöen, Wirt Akt H WnMchen rs. chchßicht ißlanl». A^Das Zen^, PEe, beschloß die 1 bchulpflich^ und Wahres 1930 31 w Jahren und ab fahren. Außerdem M eine ein- big Rinbet von 11 big t die die Rational. Xn Industriestädten rkn auf 1930 3 M Lehrgang für ■et, welche die Sle- )re beendet haben, n sind, so beftvmir* cdern, die Linsüh- iW Äs die wich, bagne der ganzen »etrachten. i&igä Wtor, Sebuna ’M. xCtbin9iJan9e- die nicht ’Äi”,';* Eichvon^Z Jt toorbcn ist. ?, PA 0 Anteile v? bars an. Welt. Pleiten ergangene An- inesReichsauö- pfung hat Veranlal. Unheil in einer vor- liserin-Friedrch-Haug erörtern. Erschienen ^Ministerien, Ländern vers ichcrungs ans! alten, schäft, des Deutschen rita äu&trt fid) in, bieielbfijüb* aeltbl hat, nm- folg . deutschen ^KMt e um zwei Arde ti- Sarmersfrauunh des unverhel ein gedeihlicher E . n in Südwefl dull-e Äf« WZ “lSÄsio* “nb hielu„9ti f-i”!h'r botThenb -*vin' ■ mUV Ä'ri’n ,onfinden.^ rpe bi|6un9,Krfl.'rhd)‘^ ölten Jn? !Kät)en im ^üglingspflege - n Vfluf einsamer igsltt-ie au ,^tün. ■JÄtiS • « -»--■ Diel" fct ,u rfl^n Detfen. E'haben l1^ bler ©iäbtetagtf, der jtrantcnlaffen usw. Lebhafte LttiSfprache ergab Einmütigkeit über die Rot- wendigteit. Behörden, Wissenschaft. Aerzteschaft. Sozialversicherung, öffentlich« und freie Wohl- sahrtspflege in einem zentralen Reichs ausfchuh zusammenzufassen, aber auch auf die Zu- fammenarbeit in den Ländern und Provinzen hinzuwirken, damit unter voller Ausnutzung der vorhandenen Einrichtungen mit ihrem technischen und wissenschastlichen Rüstzeug die Kräfte zu planmäßiger und sparsamer Zusammenarbeit verbunden werden. Es kommt daraus om, die an Krebs Er- krankten s r ü h z e i t i g zu erfassen, da die Heilbehandlung im Frühstadium aussichtsreicher und weniger kostspielig ist. Ferner ist dem Ausbau der nachgehenden Fürsorge entscheidender Wert beizulegen. Die wirt- schastliche Rotlage verbietet tue Schaffung neuer kostspieliger Einrichtungen. Hm so notwendiger ist es, durch schrittweises Borgehen und durch Ausbau deS Vorhandenen dieselben Grsolge an- zustreben, die dos Ausland mit größeren Mitteln erzielt. R 100 startet nach Kanada. London, 29. 3uli. (WTB. Funkspruch.) DaS britische Luftschiff R. 100 ist heute früh um 3.45 Hhr von Eardington zum Fluge nach Kanada g e st a r t et. An Bord befinden sich 44 Personen. Eeschwadersührer Booth hat da- Kommando. Die Flugstrecke beträgt 3242 Meilen und geht über Birmingham, die Irische See, Dublin, Roscommon, den Atlantischen Ozean nach Rord-Reusundland, über Anticosti und dann den 6t. Lorenzstrom hinaus an Quebeck vorbei nach Montreal. DaS Lustschisf R. 100 führt über 30 Tonnen Brennstoff mit fich. Man rechnet damit, daß die Fahrt nicht länger alS drei Tage dauern wird. ES befinden fich jedoch vorsichtshalber Lebensmittel für fünf Tage an Bord. Die Blätter betonen, daß R. 100 das fchnellste Luftschiff der Welt fei, weil eS bei Derfuchen eine Geschwindigkeit von 81,5 Meilen in der Stunde erreichte. Es ist 709 Fuß lang, der Höchstdurchmelfer beträgt 131 Fuß und die höchste Höhe 133 Fuß. Seine Ku- biktapazität beträgt über sünf Millionen Kubik- suh. LS hat eine (Sesamwerdrängung von 156 Tonnen und ist ausgerüstet mit sechs der leichten Roll-Royce-Condor-Motoren, die ihm insgesamt 3900 Pferdestärken verleihen. Hilfe für Jlcurobe. 3m RegierungSgebäude in Breslau fand eine Besprechung über die weiter zu trefsenden Maßnahmen zur Hntcrstühung von Witwen und sonstigen unterstützungsberechtigten Angehörigen tödlich verunglückter Bergleute im niederschlesischen Steinkohlenrevier statt. Die Der- hondlungen ergaben ein erschütterndes B i l d v o n de r R o t l a g e, in die die ohnedies schon wirtschastlich besonders bedrückte Bevölkerung des niederschlesischen Kohlenreviers durch daS Unglück geraten ist Wenn auch bereits namhafte Summen für die Rothilfe gezeichnet sind, so reichen doch diese Summen bei den Gröhe des HnglückS und der allgemeinen Rot. bei weitem nicht aus, das Elend zu beseitigen. ES ergeht hiermit nochmals der dringende Appell an alle Devölkerungskreise, weitere Spenden zur Verfügung zu stellen. Die Hilfsaktion im italienischen (Erbbebengebld. Nach einem amtlichen Bericht über die Hilfsaktion im Erdbebengebiet können nunmehr sämtliche zur Behebung der Notstände eingerichteten Hilfsdienste als vollständig durchorganisiert gelten. Die Arbeiten zur Bergung der Toten sind fast beendet. Die regelmäßige und ausreichende Verteilung von Lebensmitteln und anderem dringenden Bedarf ist gesichert. Der sofortige Bau von festen Wohnungen für die Obdachlosen soll in der kommenden Woche in Angriff genommen werden, sowie das nötige Baumaterial verfügbar ist. Die Wiederaufbauarbeiten werden von Privatunternehmungen durchgeführt. Die neuen Siedlungen werden in unmittelbarer Nähe der heimgcsuchten Ortschaften errichtet. Der König ist von seiner Reise ins Erdbebengebiet nach Rom zurückgekehrt und hat die Summe von 100 000 Lire zu Gunsten der vom Erdbeben heimgesuchten Bevölkerung gespendet. Der Finanzzminister hat verfügt, daß in 18 Gemeinden der Provinz Potenza die Eintreibung der Steuern unterbleiben soll. Don der deutschen Grönlandexpedition. Bon der deutschen Grönlandexpedition traf bei den „Hamburger Rachrichten" folgendes Telegramm ein: „Mit dem 10 000-Tonnen-Motor- schöner ..Hvidrifke" durchbrachen Wegener und der Schiffer Olfen in zweitägiger schwerer E i s a r b e i t die Packeisspcrre unter Anwendung von 65 Dynamitsprengungen. 3n zwei Fahrten gelang es. daS gesamte Expeditionsgepäck zum Kawarujukgletscher zu schassen. Der Transport des Gepäcks auf dem Gletscher mit Hilfe von 25 Islandponnys ist bereits im Gange. Wegener." Hierzu schreiben die „Hamburger Rachrichten": Rach dreimonatiger Arbeit hat die Expedition, die seit Anfang Mai nur wenige Kilometer von ihrem vorläufigen Ziel von einer undurchdringlichen Eisfperre aufgehalten wurde, den Ka- marujukgletfcher erreicht, über den sie den Aufstieg zum 3 s l a n d e i s versuchen will. Das Gepäck von 120 000 Kilogramm Gesamtgewicht muß nun in zahllosen Pserdclasten auf eine Höhe von mehr als 1 000 Meter gebracht werden. Wegener hofft, daß der Transport bei dem überall noch lagernden Winterschnee, der alle Spalten Überdeckt, reibungslos vonstatten geht, immerhin dürfte der größte Teil des Sommers mit dem Gepäcktransport vergehen. Dronlheim feiert die Einführung des Lhristentum». Mit großer Prachtentfaltung begannen die Olas-Festlichkeiten in Ridaros (Drontheim). Unter Teilnahme des norwegischen Königshauses wird die Einführung des Christentums und gleichzeitig das 900jährige Bestehen der Domkirche sowie die Einweihung des neuen gewaltigen Langschiffes des Domes, dessen Einrichtung 25 Sabre beansprucht hat, und das nunmehr die größte Orgel Europas und einen einzig dastehenden Kreuzaltar beherbergt, gefeiert. Eine Prozession von 400 norwegischen Geistlichen, sämtlichen Bischöfen des Landes und einer großen Reihe hoher Geistlicher aus Schweden, Dänemark und 3sland, sowie Vertretern der evangelischen Kirche und theologischen Fakultäten aus Deutschland, Frankreich und England leitete die Feier »in, die sich zu dem größten Kirchenfeft entwickelte, daS der Rorden je geseb»- Die Gießener Meierhöhung nicht genehmigt. Beim Kreisamt Gießen ist von dem hessischen Ministerium des Innern das nachstehende Schrei- ben zur Weitergabe an die Gießener Stadt- Verwaltung eingegangen und sofort der Stadl- Verwaltung zugeleitct worden: „Der Herr Minister für Arbeit und wirtschaft hat erklärt. In eine Erhöhung der gesetzlichen Miete in der Stadt Gießen nicht einwilligen ja können. Maßgebend für die Entschließung war die Tatsache, daß die Gebühren für S t r a h e n r e i n i g a n g und Müllabfuhr auf die Mieter abgewälzt sind. In den Städten Mainz und Offenbach, wo die eben genannten Gebühren allein den hausbefih treffen, ist eine Erhöhung der gesetzlichen Miete erst im Rechnungsjahr 1929 beantragt worden, al» der Beschluß gefaßt wurde, den Gebäudesteuerersah auf über 40 Rpf. je 100 Mark Steuerwert zu erhöhen. Auch die Stadt Worms, wo die Straßenreinigungskosten die Mieter treffen, hat im Rechnungsjahr 1930 eine Erhöhung der Gebäudesteuer auf 35,2 Rpf. Je 100 Mark Steuerwert beschlossen, ohne daß Antrag auf Erhöhung der gesetzlichen Miete gestellt worden wäre. 3d) empfehle Ihnen, den Oberbürgermeister der Stabt Gießen alsbald entsprechend zu beschcl- den und ihn zu ersuchen, diese Verfügung dem Stadtrat umgehend zur Kenntnis zu bringen. Der S t a b I r a t wird fich darüber schlüssig werden müffen, ob er angesichts der neuen Sachlage auf den beschlossenen Steuersätzen beharren, oder eine andere Steuerlastenoerteilung beschließen will." Wie wir hören, wird sich der Finanzaus- schuß des Gießener Stadtrats schon in den nächsten Tagen mit der neuen Sachlage beschäftigen. Gteuerausschlagssahe Hess. Gemeinden im Rechnungsjahr 1930. In den nachstehend verzeichneten Gemeinden werden, einer amtlichen Gewerbe st euer hoben: Mainz Offenbach Worms Gießen Darmstadt Bingen Friedberg Alzey Bensheim Bad-Nauheim Butzbach Heppenheim Zusammenstellung zusolge, und Grundsteuer Gewerbe st euer vom Ertrag vom Kapital Pf. Pf. 400 75 420 65 243,3 83,3 220 55 280 60 240 48 344 115 330 90 272 98 300 70 330 80 333 88 an er- Grund st euer für Gebäude f. sonst. Grundbesitz Pf. Pf. Mainz 70 50 Offenbach 65,5 60 Worms 35,26 35,62 Gießen 35 35 Darmstabt 42 60 Bingen 12 24 Friebberg 20 40 Alzey 40 62 Bensheim 27 53 Bab-Nauheim 14 30 Butzbach 20 40 Heppenheim 36 63 Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 29. 3ult 1930. Hessischer Städtetag und neue Kommunalsteuern. Der Hessische Städtetag ist von seinem Borsitzenden, Oberbürgermeister Dr. Kelle r (©ie- ßen), auf nächsten Dienstag nach Frankfurt a. M. zu einer dringendenSitzung einberufen worden. Die Beratungen werden den durch die Notverordnung des Reichspräsidenten fürbieOemeinben gegebenen Möglichkeiten auf steuerlich e m Gebiete (Bürgersteuer, Biersteuer, Getränkesteuer) gelten. 50 Jahre Akademisch-Theologischer Verein an der Universität Gießen. Dom Mittwoch, 30. Juli, bis Freitag, 1. August, feiert berAkabemisch - Theologische Verein an unserer Universität fein 50. Stiftungsfest. Der Verein würbe am 9. Januar 1880 auf Anregung von Abolf o. H a r n a rt, ber damals an ber hiesigen Universität orbentlicher Professor ber Kirchengeschichte war, gearünbet. Die ursprünglich ganz freie unb lose wissenschaftliche Vereinigung von Stubenten ber Theologie ent- wickelte sich halb zu einer schwarzen, nichtsarben- tragenben wissenschaftlichen Verbinbung, bie Fahne (Farben: Dunkelblau-weiß-hellblau) unb Zirkel an- nahm. Seit bem Jahre 1883 gehörte sie bem spä- teren Eisenacher Kartell Akabemisch-Theologischcr Vereine an. Dieses entwickelte sich burd) Verschmelzung mit bem Leipziger Kartell im Jahre 1929 zu bem Schmalkalbencr Kartell Theologischer Serbin- düngen an Deutschen Hochschulen. Wöchentlich einmal finden sich bie Mitglieber bes Vereins zur wissenschaftlichen Sitzung zusammen. Ziel tiefer ge- rüeinsamcn Arbeit ist „die Erziehung zur Wissen- schaftlichkeit unb bie Pflege ber Freundschaft in ernster christlicher Verantwortung vor bem Theologenberuf unb seinen Ausgaben". Diesen Geist eines regen unb wachen Verantwortungsgefühls für die theologische Wissenschaft unb bie Kirche bezeugen bie vielen hessischen Pfarrer unb Dozenten ber Theologie an beutschen unb auslänbischen Hochschulen. An seinem 50. Stiftungsfest möchte ber Verein für tiefen Geist in ber Oefsentlichkeit Zeugnis ablegen. Zwei öffentliche Veranstaltungen werben stattfin- ben, zu benen bie Gießener Bevölkerung eingelabcn ist. Am Donnerstag, 31. Juli, 9.30 Uhr, findet ein 5 e ft g o 11 e 3 b i e n ft in der Stabtkirche statt. Die Predigt wirb A. H. Superintenbent Lic. theol. Johannes Bornemann aus Goslar, bie Liturgie A. H. Repetent Mag. theol. Heinrich Falk aus Gießen halten. Darauf folgt um 10.30 Uhr ber F » st 3 ug zur Universität. Hier findet ein ebenfalls öffentlicher Festakt statt. Die Festwissenschaft hält Kartell-A.H. Privatdozent Pfarrer Dr. theol. Heinz Laag aus Greisswalb-Groß- Bünzow. Das Thema lautet: „Die altchristliche Plastik Spaniens im Lichte ber neuen Ausgrabungen von Tarragona". Beim Festakt wirb auch bie Fest- fchrift „Stromata, Festgabe bes Akabemijch-Theolo- gischen Vereins zu Gießen im Schmalkalbencr Kartell anläßlich seines 50. Stiftungsfestes" überreicht werden, bie unter Mitarbeit von Ehrenmitgliebern unb Alten Herren bes Vereins von A. H. Prof. Dr. theol. Geora Bertram herausgegeben ist. Sie ist ein Beweis für ben guten wissenschaftlichen Geist, ber bie theologischen Vereine an Deutschlands Hochschulen beseelt. Aus ber Reihe ber Arbeiten seien bie für bie hessische Kirchen- unb Volkskunbe bedeutsamen hervorgehoben: Archiodirektor Dr. theol. Fritz Herrmann: Aus ber Mainzer Schwebenzeit 1631—1636, Pfarrer Heinrich Bech- to l sheimer: Karl Friedrich Bahrdt in feiner Gießener Zeit (1771 bis 1775), Superintendent i. R. Dr. theol. et phil. Friedrich gl Öring: Liturgische Probleme in Hessen. Eingerahmt wird bie Festschrift burd) Beiträge zweier Ehrenmitglieber. E. M. Prof. Dr. theol. et phil., Dr. jur. et med. h. c. Abolf v. Harnack hat bem Verein eine Begrüßung geschrieben, bie burd) seinen Tob zu einem Abschiedsgruß würbe. Im Schlußbeitrag aber vermittelt Prof. Dr. theol. et phil. Gustav Krüger, ber Senior ber hiesigen theologischen Fakultät, einen Eindruck bes Erlebens seiner Amerikareise, inbem er bie Abschiedsrede bietet, bie er als Austauschprofessor an ber Universität Ehikago gehalten hat. Die letzten Worte bieser Ansprache, in benen bas Pauluswort aus 1. Kor. 13 vom Unioersitätsstand- punkt aus umgeformt ist, atmen ben Geist, ber in ben Akabemisch-Theologischen Vereinen gepflegt wird: „Nun aber bleibe Wissenschaft, Leben, Ehrfurcht, biefe brel; aber bie Ehrfurcht ist bie gröheste unter ihnen." Zum Schluß sei noch einmal bie evangelische Bevölkerung Gießens zu ben beiben öffentlichen Veranstaltungen bes Donnerstags eingelaben. J. H. K. Gictzcner Wochctrmarktp reise. Es kosteten auf dem heutigen Woche nm ar kt: Butter 160 bis 180, Matte 30 bis 35. Wirsing 10 bis 15, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 10 biS 15, Spinat 25 bis 30, Römischkohl 8 bis 10, grüne Bohnen 20 bis 25, gelbe Bohnen 25 bis 30, Unter-Kohlrabi 10 bis 12. Erbsen 20 bis 25, Tomaten 30 bis 50, Zwiebeln 10 bis 15. Pilze 30 bis 35, Kartoffeln 6 bis 7, Frühäpfel 20 biS 25, Falläpfel 5 bis 6, Birnen 20 bis 30, Dörrobst 30 bis 35, Sauerkirschen 40 bis 45. Heidelbeeren 30 bis 35, Stachelbeeren 15 bis 20. Johannisbeeren 20 bis 25, Pflaumen 30 bis 35, Mirabellen 40 bis 45, Reineclauden 50 bis 60. Himbeeren 40 bis 45, Brombeeren 45 bis 50, Aprikosen 50 bis 55, Pfirsiche 60 bis 80, Msse 60 bis 70, Honig 40 bis 50. junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 biS 120 Pf. das Pfund; Käse (10 Stück) 60 bis 140 Pf.; Tauben 70 biS 80, Eier 11 bis 12, Blumenkohl 30 bis 70, Salat 10 bis 20, Salatgurken 15 bis 40, Einmachgurken 2 bis 5, Endivien 10 bis 20, Ober-Kohlrabi 8 biS 10, Rettich 10 bis 15 Pf. das Stück; Radieschen 10 bis 15, gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 8 bis 10 Pf. das Bund; Kartoffeln 5,50 bis 6 Mark der Zentner. Äornotizen. — lagestalenber für Dienstag. Stabttheater: ,In ber Iohannisnacht", 19.30 bis 22.30 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Insel ber Verschollenen"; auf ber Bühne: ber internationale Tanzslar Matsera. — Stadttheater Gießen. Man schreibt uns: Heute, um 19.3 0 Uhr, einmalige und letzte Wiederholung der Operette „Sn der Iohannisnacht" von Jean Gilbert. Frau P r a s ch- Grevenberg (Ehrenmitglied des Meininger Landestheaters) verabschiedet sich für diese Spielzeit vom Gießener Publikum. Hans Hais tritt zum letztenmal in Gießen auf, da er aus dem Ensemble ausscheidet. Die Aufführung ist als Sondervorstellung in den Rahmen des Ferienkurses der Landesuniversität einbezogen. Musikalische Leitung Kapellmeister Fritz Cuj6; Spielleitung: der Intendant; Choreographie: Ewald Däulke; mitwirkende Damen: Döring, Hetz. Jahn, Mewes; Herren: Hais, Hub, Linkmann, Wahlen, Zingel. ** Militärisches Biwak bei Marburg. Das I. Datl. 15. Inf.-Regt,, Gießen, befindet sich vom Mittwoch, 30. Juli, bis 31. Juli zu einer gröberen Hebung autzerhalb des Standortes und wird am 30. Juli abends auf dem Eyriax-Weimar bei Marburg friedensmäßiges Biwak beziehen. Das Biwak findet feinen Abschluß in einem großen Zapfenstreich, der von der Giehener und Marburger Militärkapelle ausge- sührt wird. Der Gießener Bürgerschaft ist Gelegenheit gegeben, fich das Biwaklager anzusehen und den Zapfenstreich zu hören, da man noch mit dem Zuge von Marburg ab 23,20 Uhr zurückfahren kann. ** Tragischer Tod im Dienst. Heute früh gegen 8 Uhr erlitt der Reichsbahnsekretär Karl Christ, der seit langen Jahren bei der hiesigen Fahrkartenausgabe beschäftigt und nur die letzten Jahre infolge vorgeschrittenen Alters bei der «ta- tionskass« tätig war, einen Herzschlag unb verstarb kurz darauf. Der sofort herbeigerufene Reichsbahnarzt Dr. Neumann-Spengel konnte nur noch den Tod des bedauernswerten Mannes feststellen Herr Christ stand im 62 Lebensjahre und war über 40 Jahre im Reichsbahndienste. Seit seiner Jugend am Gießener Fahrkartenschalter beschäftigt, war er in der Stadt unb in der Umgegend «ine bekannte Eisenbahnpersönlichkeit. Die Reichsbahn verliert in dem Verstorbenen einen pflichttreuen und vorbildlichen Beamten. •• Gemeinsame Hebung ber Freiwilligen Feuerwehren. Gestern abenb fanb auf Oswalbsgarten eine gemeinsame Uebung ber hiesigen freiwilligen Feuerwehren unter Leitung von Branddirektor Braubach statt. Diese gemeinsame Uebung galt als Vorbereitung zu bem im September ftattfinbenben 75. Jubiläum beiber Wehren. Die einzelnen Bewegungen würben exakt burchgeführt. Dor Beginn ber Uebung erhielt Gastwirt Jean Amolb eine settene Auszeichnung des । Hessischen Feuerwehrverbanbes für 50jährige Zuge- Hörigkeit zur Freiwilligen Gallschen Feuerwehr in I Gegenwart bes Chefs ber Gailschen Feuerwehr. Herrn Generaldirettor Dr. jur. Gall, ausge« händigt. •• Hervorragender Erfolg des Oie« hener Schützenoereins. Beim 19. Deutschen Bundesschießen, das zur Zeit in Köln stattfindet, beteiligte sich der Gießener Schüpenverein am Schnellscucrschießen, ein Konkurrenzschießen der besten Schutzen Deutschlands. Bei diesem Schießen errang der Vertreter des hiesigen Schützcnverin^ Herr Heinrich Appel, ben 11 goldenen Konkurrenzbecher mit der sehr guten Leistung von 120 Punkten in der festgesetzten Zeit von 20 Minuten. •• A n ben Rhein! Das Hapagbureau 6. Loeb in Gießen hatte om vorigen Sonntag wiederum eine ber beliebten unb immer sehr abwechslungsreichen volkstümlichen Rheinfahrten veranstaltet, die auch biesmal wieder einen außerordentlich starken Zuspruch — an ber Fahrt nahmen etwa 600 Personen teil — fanb. Morgens um 6.30 Uhr ging es mittels Sonberzuges von Gießen ab über Lab-Nauheim, Friedberg Lab Homburg, Frankfurt a. M.-Höchft nad) Mainz Kastel. Wenn man auch in Mainz mit einem anftänbigen Regen empfangen würbe, so erfuhr badurch bie frohgemute Stimmung boch keine Beeinträchtigung. Aus dem bequemen unb mit guter RestaurationsmäAlichkelt versehenen Dampfer „Drachenfels" ging es, bei zwar trübem, aber doch wieder trockenem Wetter, während zwei Kapellen abwechselnd eifrig musizierten, unb ber Ab. Isheimsche Gesangverein aus Grüningen mit einigen schönen Gefangen erfreute, zunächst nad) Rübesheim, wo von vielen feuchtfröhliche Station gemacht würbe, währenb anbere einen leiber burd) Regen in Mitleibenschaft gezogenen Ausflug nach dem Niederwalddenkmal machten. Allmählich klärte sich bann aber zur Freube ber Fahrt- teilnehmer bas Wetter auf, fo daß man bei Sonnenschein unb heiterem Himmel in Aßmannshaufen ankam unb von hier aus nach etwa zweistündiger Mittagsraft bei schönem Sommerwetter ben Schluß- teil ber Fahrt burd) bas herrliche Rheintal bis Koblenz zurücklegen konnte. Das günstige Sommerwetter würbe bann in Koblenz noch zu Spaziergängen In ber Stadt und zu mancherlei Besichtigungen eifrig benutzt, bis man kurz nach 20 Uhr den «onderzug zur Heimfahrt nach Gießen wieder bestieg unb währenb ber Fahrt burd) bas herrliche Lahntal noch manche schöne Freube an ber Natur erleben konnte. Der gesamte Fahrtverlauf war bank ber vortrefflichen Organisation ber Reise unb bank ber umsichtigen Fürsorge burd) bie Reiseleituny ein Genuß für bie Fahrtteilnehmer, an ben biefe sicherlich noch lange gerne zurückbenken werben. •• Sommer-Sonbersahrten veranstaltet, wie aus dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich ist, die Verkehrsgesellschaft Siemer & C o. in München, deren Vertretung in Gießen bas Hapag-Reisebüro Loeb unb bie Firma Wilhelm Moeser haben, lieber bie verschiedenen Reifen gibt bie Anzeige näheren Ausschluß. Oie Wetterlage. -------u. Loi AXS 23 Uta o Wien <8 17 — Ingi /o " OG lUaOcnt 3d 7^ rtnmbg -»’-m ,0 V4X Oedlm W ur -Trinkt tß ------------------------------------' f 12 ® 17 Oslo . G ** © wolkenlos. O nenn, ornm oeoeett e vorna Ooeoeciv •Rege< < Sehnet c Oreupem • neoei X lewilter ©umdsbiiL -O sc*» iclchier Osi »nljjioer ^uflsoowes» Murmijchei norowe$| Oie Piene fliegen mit dem winde Oie oooen Stationen jtenenden la* len geben die Temperatur an. Pk Limen veromdco Ort« n" -«Ktic® lut neeruniveau urngtrecunetca Lvlldfutfc Wettervoraussage. Das neue Fallgebiet lagerte heute morgen über den britischen Inseln. Seine Ausläufer an der Südseite erstrecken sich dabei bis über Deutschland Im weiteren Bereich der Störung folgt etwas kühlere ozeanische Luft, welche vorerst den Witterungscharakter noch wechselhaft gestaltet und auch zu Regenschauern führt. Der gleichzeitig damit verbundene Barometeranftieg dürfte zur Geltung kommen, so baß eine leichte Besserung zu erwarten ist. Aussichten für Mittwoch: Wcchselnb be- wölkt mit Aufheiterung, noch Schauer, mäßig warm. Aussichten für Donnerstag: Meist trocken, teils wolkiges, teils ausheiternbes Wetter. Lufttemperaturen am 28. Juli: mittags 20,9 Grad Celsius, abends 15,5 Grad; am 29. Juli: morgens 16 Grad. Maximum 21.7 Grad, Minimum 15,7 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 28. Julu abends 22 6 Grad; am 29. Juli: morgens 17,6 Grad. — Niederschläge 0,8 mm. — Sonnenscheindauer drei Stunden. Keiferoetferbienft Garmisch-Partenkirchen: 15 Grad, Südwind, heiter bis halb bedeckt. Swinemünde: 17 Grad, Südwind, Nebel. Verantwortlich für bas Feuilleton 123.: Dr. Fr. W. Lang e. SHELL AUTOOELE • cuufutvdhten nachdem SHELL-FÜHRER • für dU Schmierung von Uraflfahr&ugcn Nessel 5317D Am 27. d. M. verschied unser langjähriger Arbeiter W & G. Schudiard 53180 von der Kapelle des Neuen Friedhofes aus statt. 04730 53150 Geilshausen, den 28. Juli 1930. ZulSlWelW! 5321 A In seiner mehr als 30jährigen Tätigkeit in unserem Hause hat er stets treu seine Pflicht erfüllt und werden wir sein Andenken in Ehren halten. Gießen, den 28. Juli 1930. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 30. Juli, nachmittags 21/, Uhr, Beff. GartMaus «Einfamilienhaus». 6Ztm^Küche,Badez., Heizg.. flieh. Wasser, ruh., schöne Vaoe, au verm. Schr. Angeb. u. 04733 a. b.@ft.8lnA. Im Namen aller trauernden Hinterbliebenen: Familie Hermann Ernst Hofmann. Die Beerdigung find et Mittwoch, 30. Juli, nachm. 2 Uhr statt ___________________ 53200 Heuchelheim, Atzbach, Albshausen, Wetzlar, Blasbach, den 27. Juli 1930. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 30. Juli, nachmittags 3% Uhr, vom Trauerhause Mühlstraße 4 aus statt. In tiefer Trauer: Werner Rüffer und Familie. Saaterbsen Senfsaat Stovvelvüben Lncavrratklee sseidefrei) Wlntev-Rübse« Nach einem arbeitsreichen Leben ist Sonntagabend 10 Uhr mein lieber Vater, unser guter Schwiegervater, Großvater und Onkel Karl Seybicke, Schreiner im 76. Lebensjahre von uns zur ewigen Ruhe heimgegangen. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Gustav Seybicke. empfiehlt zuverlässig und preiswert SMIIlW W. M BoflimofitraBe / Meutjon 3403. Herr Eduard Seibert aus Wiesede Heute morgen 7 Uhr entschlief sanft, jedoch plötzlich und unerwartet, unser guter Vater, Schwiegervater und Großvater Heinrich Spaar im Alter von 65 Jahren. Nachruf. Nach längerem Leiden verschied am 27. Juli 1930 unser Arbeiter Herr Karl Junker aus Watzenborn-Steinberg. Wir haben ihn in seiner mehrere Jahre betragenden Tätigkeit bei uns als einen tüchtigen, gewissenhaften Arbeiter kennengelernt und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Gießen, den 28. Juli 1930. Poppe & Co., Gießener“ Die Liebe höret nimmer auf! Am 27. 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Morgen Mittwoch, sowie Donnerstag und Freitag treffen MA in bekannter Güte Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgange unseres lieben Entschlafenen, besonders Herrn Pfarrer Stäuber, Hassenhausen für die tröstenden Worte, sowie den Kameraden des Eisenbahnvereins Londorf und Herrn Weber für die trostreichen Worte am Grabe, dem Kriegerverein Sichertshausen für die letzte Ehrung, sagen wir hiermit unseren innigsten Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Margretba Findt, geb. Schmitt. verreist bis Mitte August 5312V liemimr Mittwochabend Auerhahn Sonnenstrafte. [““V Wirksame erbe-Drucksachen bei Brühl, Schulstraße 7 Zahnarzt Dr. Petsch Mittwoch u. Donnerstag eintrefsend: ff, grobe Schellfische o. K. im Ausschnitt.......Ptund 60 im ganzen Fisch Pfund 50 Prima Kabeljau und Seelachs im Ausschnitt......Pfund 40 -) Feinste Angclschellfische m. K. ca. 2-pfündig.......Pfund 60 Frische Fischfilets und Coteletts Bratschellfische......Pfund 20 4 Aevinge Pr. boll. 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Legt leit de ttöftej Strahl Toter scher Oibbo alt t blemi Äegl inne1 polit1 Mil tnopl König fen öe hänge« Sie au lein d< Sah a ande Äugen losigke« Das K-ri! auch Sen e jetzige wird tneni< yilan stand Ses Llo und । tu Hör diesen Pasch erfolg: einen hatte: als 6 die ( einen M Spitze Tn ding? biti gern« Siel poli ägh Mis hin! weg nale sow< lich Alle Lide Hank Has 2h jiell Sfellu Mehrz sich j< Parla: len —, tvechsel Hoch arbeit Aun s Anhan droht vornhe Aahai der K tag\i den Wasl Pari mchei die . Reste Reste ESO Reste Reste Schmücker Schmückers bekannt preiswerte Reste-Tage ab 30. Juli 1930 ZUReste Seiden# ers "^vierte i 1930 sie Fs sh 'sh 'sh 'M sh ith WF U ule Fe ule t I2D cker «WA «enbeitS^ I Ä*» S^LÄ gSSÄfi* »Öwi SA-S :S»KK Ks- " Vereine^J MW ,N< ,.,AS" -KM M Wirksame erbe-Druckuch* btl 8rühLSchulM?J Nr. 175 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Dienstag, 29. Juli 1930 Oie Krise in Aegypten. Don E Mulden. Aegypten zieht wieder einmal die Aufmerksamkeit der Welt auf sich. Bewaffnete Zusammen- ftöße zwischen Polizei und Demonstranten in den Straßen Kairos und Alexandriens mit Hunderten Toter und Verwundeter, Entsendung zweier britischer Kriegsschiffe nach Port-Said. Gerüchte über Oibbünhinfl König Fuads — was ist der Grund oll dieser stürmischen Ereignisse? Drei Pro- bleme verleihen der gegenwärtigen Krise in Aegypten ihr charakteristisches Geprägen ein innerpolitisches, ein wirtschaftliches und ein auhen- politifches. Jede- dieser drei Probleme ist an sich schon schwerwiegend und verwickelt genug: sowohl das. heute gestörte, Derhältnis zwischen König und Parlament als das andauernde Sinken der Daumwollpreise und die damit zusammenhängende Finanzkrise des Staates, ebenso wie die außenpolitische Beziehung zu England. Allein das Fatale der ganzen Lage besteht darin, daß alle diese Probleme auch noch ineinandergreifen und fo die Situation, im Augenblick wenigstens, fast bis zur AuswegS- losigkeit erschweren. Das gilt schon von dem ersten Problem: den Kri.se des Parlamentarismus, die also auch Aegypten in seiner Art kennt, und die den ersten Anstoß zu der ganzen Reihe der jetzigen Konslikte gegeben hat. Gewiß, der Leser wird sich wohl daran erinnern, daß das parlamentarische Problem bereits einmal vor nicht all- xulanger Feit aus der Tagesordnung in Aegypten stand als Fuad, sicher nicht ohne Unterstützung des damaligen britischen OberkommissarS Lord Lloyd, das Parlament kurzerhand a u f l ö st e und ein Kabinett mit dem Führer der „Konstitutionell-Liberalen" (die Bezeichnung erscheint In diesem Zusammenhänge als Ironie) Mahmud- Pascha bildete. Man weiß, daß daS inzwischen ersolgte Regime-Wechsel in England selbst auch einen Wechsel des politischen Regimes zur Folge hatte: die Lobour-Regierung setzte Lord Lloyd als Scharfmacher ab, Mahmud-Pascha ging, und die ausgeschriebenen Neuwahlen brachten einen Triumphsieg der , national - ägyptischen ,.Wasd"-Partei mit Ra Has-Pascha an der Spitze. Trotz dieses Sieges aber brachte Rahas neuerdings im Parlament einen Gesetzentwurf ein, durch den die Diktatur für immer unmöglich gemacht werden sollte. Warum? Weil er seine Stellung erneut als bedroht empfand. Außenpolitisch endeten die in London geführten anglo- ägyptischcn Berhandlungen bekanntlich mit einem Mißerfolg. Run können ja die Wafdisten darauf Hinweisen, daß dies negative Resultat sich deswegen ergeben Hobe, weil Rahas in den nationalen Forderungen gegenüber England (vor allem soweit sie den Suez-Kanal betresfen) unerschütterlich blieb — und das trifft auch tatsächlich zu. Allein für die Gegenpartei — die ägyptischen Liberalen — bot der Abbruch der Londoner Berhandlungen willkommenen Stoff, um gegen Rahas einen innerpolitischen Feldzug zu eröffnen. Dazu kam noch die überaus bedrohliche finanzielle Krise. So brachte Rahas, um seine Stellung zu festigen, — denn bei der erdrückenden Mehrzahl der Wafdisten im Parlament ergibt fich ja allerdings eine Identität zwischen Parlamentarismus und Rationalpartei in Aegypten —, eine Gesetzesvorlage ein. die jeden Regimewechsel ohne Zustimmung des Parlaments als Hochverrat mit lebenslänglicher Zwangsarbeit und Geldstrafe bis 200 000 Mark bedroht. Run fühlte sich aber wieder Fuad (und dessen Anhang) in feinen königlichen Prärogativen bedroht und versagte dem Gesetzentwurf von vornherein seine Zustimmung. Die Antwort Rahas' darauf war seine Demission, auf die der König seinerseits mit einer plötzlichen Vertagung des Parlaments erwiderte, die den Stein ins Rollen brachte (Marsch der Wafdisten auf das von der Polizei abgesperrte Parlamentsgebäude Ende Juni dieses Jahres). So folgerichtig nun dieser ganze Hergang äußerlich sein mag, das Bedenkliche ist beiderseits die Unterschiebung geheimer Motive für die äußeren Entscheidungen, die uns ja da- gegenseitige Mißtrauen und den Grad der gegenseitigen Erbitterung in Aegypten anzeigt. Von ägyptisch- nationalistischer Seite wird die Behauptung ausgestellt. Fuad hätte aus die Entlassung von RahaS nur deswegen hingewirkt, um durch ein neues Beamtenkabinett einen Ausgleich mit England zu erzielen. Seiten- der Gegner von Rahas' aber wird behauptet, dieser habe einfach vor der Finanzkrise Reißaus genommen. Diese Finanzkrise grenzt allerdings hart an einen Bankerott. Als Rahas ans Ruder kam. verfügte die ägyptische Staatskasse über einen Reservesonds von rund 40 Millionen ägyptische Pfund. Heute schätzt man die Kassenmittel der Regierung auf kaum 2 Millionen Pfund. Die beiden Kanäle, die das Geld in fo katastrophaler der Europäer in Aegypten. Allein ist e- nicht kennzeichnend, daß „Manchester Guardian" schon am 2 7. Juni sMacdonaldS Erklärung erfolgte erst am 16. Juli) betonte, „der ver- fasfungswidrige Zustand in Aegypten könne leicht zu Unruhen Anlaß geben, die die Regierung nötigen könnten, zugunsten von König Fuad zu intervenieren"? Ist diese Erklärung nicht charakteristisch für das Gefühl engsten Zusammenhangs mit Aegypten, gleichgültig, ob eine Regierung Baldwin oder die eines Macdvnald am Ruder ist? WaS bedeutet demgegenüber die sensationelle Erklärung der „Times" bereits am Tage der Ernennung Sidhis: daß dessen Ausgabe die sei, der Wiederkehr eines Kabinetts Rahas' vorzubeugen. Zweifellos kommt darin die realpolitische Einsicht zum Ausdruck, daß der ägyptische Rationalismus eine Kraft ist. die aus die Vom 19. Deutschen Bundesschießen in Köln: Ein berittenes Trompeterkorps in Schützen- tracht im Feftzug. Weise weggeschwemmt haben, sind: erstens die Stützung der ägyptischen Landwirtschaft, die infolge des Sinkens der Baumwoll- Preise in dringender Rotlage ift; zweitens der Rückkauf der ägyptischen Anleihen. Den Ausweg aus dieser finanziellen Bedrängnis könnte nur die Hilfe eines Auslandstaates bieten. Und so mündet auch hier, auf finanziellem Gebiete, das Problem tn das Verhältnis zu England ein. Denn auch in dem Falle, tot? England sich zu einer solchen Hilfe nicht bereit finden sollte, würde doch, sagen wir Amerika, die Sicherheitsgarantie einer Anleihe für Aegypten vor allem in der Bereinigung des anglo- ägyptischen Problems erblicken. Doch soweit ist es noch nicht. Gegenwärtig steht mit im Vordergrund dieunmittelbareBe- Ziehung zu England. Denn obwohl England den geschilderten Verfassungskonflikt als innerägyptischen bezeichnet, und seine Reutrali- tät in Aussicht gestellt hat, fo sind doch die beiden nach Port-Said von Macdvnald entsandten Kriegsschiffe, milde gesagt, ein sehr greifbares Fragezeichen hinter dieser Neutralität, das selbst den Protest Sidhi-Paschas, des Rachfolgers Rahas' im Ministerrat, hervorrief. Die Entsendung der Kriegsschiffe motivierte Macdvnald dadurch, daß bei den Unruhen zwei hervorragende Ausländer (ein italienischer Konsul und ein britischer Kommandant) zu Schaden gekommen sind. Damit hat er wieder einen Punkt auf- gerührt, der bereits in den Verhandlungen zwischen Chamberlain und Sarwat-Pascha ein Stein des Anstoßes für Aegypten war: den Schutz Dauer aus dem Staatsleben nicht auszufchalten ist. Wohl aber auch die geheime Hoffnung, daß die ereignisreiche Zwischenzeit einen Druck ausüben mag, der den intransigenten Rahas zu größerer „Verhandlungsfähigkeit" auch in außenpolitischer Hinsicht wandeln werde. Ob diese Hoffnung berechtigt ist, kann erst die Zukunft — aber vielleicht schon die nächste Zukunft — erweisen. Oie bedrängte Justiz Seit vielen Jahren geht das nun: Ue6erall erwachsen der deutschen Justiz Scharen von Helfern, die mit Allheilmitteln kommen und ihre Quacksalberrezepte zur Anwendung bringen möchten, ohne wirkliche Hilfe zu bringen. Es wird herumkuriert an einer angeblich kranken Rechtspflege, aber da die Ansichten über Ursachen und Symptome der vermeintlichen Iustizkrise so weit auseinander gehen, ergibt sich als Resultat nur eine groteske Verzerrung des reinen Rechtsgedankens, der unbeeinflußt von politischem Geschehen und persönlicher Empsindelei die klare Linie dessen einhält, was Recht in seiner höchsten Auffassung zu bedeuten hat. Es wurden in der Rachkriegszeit sehr viele Vorwürfe gegen das Gesetz als Ausdruck des Dolkswillens erhoben, es mehrten sich aber auch die vorwurfsvollen Stimmen gegen die Hüter der Rechtspflege, gegen unsere Richter. Den einen sind sie zu hart in der Anwendung des vorgeschriebenen Rechts, den anderen scheinen sie zu nachgiebig, und ganz krasse Hüter des Gesetzes wollen sogar Wilhelm Teil im Kölner Festzug. mit Klein- Walther, der den durchschossenen Apfel trägt. Voreingenommenheit und Parteilichkeit bei einzelnen Richtern wahrgenommen haben. Eine beschämende Angelegenheit der Kritik unserer Tage, die nicht davor zurückschreckt, persönliche Beleidigungen da auszuteilen, wo eS sich doch um die Sache handelt. Es ist nicht so. daß alles von unS als gut hingenommen wird, waS besteht! wir denken nicht daran, von Verbesserungen Abstand zu nehmen, die dem Rechtsempfinden des deutschen Volke» notwendig erscheinen. Aber die vielen Kritiker und freiwilligen Helfer der Justiz sind von ihren vermeintlichen Ideen so besessen, daß sie in ihrer Kampsesweise alles einseitig Herausstellen, was geeignet ist, erst eine wirkliche Iustizkrise heraufzubeschwören. Seit nahezu drei Jahrzehnten ist eine Gruppe von juristischen Sachkennern, getragen von der Absicht, den Rechtsgedanken mit den Anschauungen unserer Tage zu vereinen und auszugleichen, an der Arbeit, das neue deutsche Strafgesetzbuch zum Gesetz werden zu lassen! als eine erste Stufe zu der großen Reform, die auch unser gesamtes bürgerliches Recht dem Gerechtigkeitsempfinden unserer und zukünftiger Generationen eingliedern will. Parlamente und Parlamentarier sind am Werke gewesen, um die große Ausgabe zu sör- dern. Aber dieselben angeblich so eifrigen Herren Reformatoren der Justiz ließen ihre Arbeit fallen, als wäre sie unbedeutend und klein, als der Reichstag auf gc 1*0 ft wurde. Das notwendige Ueberleltungsgesetz konnte nicht mehr geschaffen werden. Diese Verantwortungslosigkeit — milder kann man die Untätigkeit der Gesehesmacher nicht bezeichnen — wird sich ausdrücken in einer doppelten Arbeitsbelastung für die nächsten Jahre, jede Gesetzeserkenntnis muh noch einmal durchgearbeitet werden. Derweilen aber blüht unter dem Eindruck der herrschenden Unsicherheit in unserem bedrängten Iustizwesen das schematische Recht, das au Urteilen kommt, die von großen Teilen unserer Volksgemeinschaft nicht verstanden werden. Die Beispiele liegen so dicht am Wege, daß man sie hier gar nicht aufzuzählen braucht. Taten für Mittwoch, 30. Juli. Sonnenaufgang 4.20 Uhr, Sonnenuntergang! 19.52 Uhr. — Mondaufgang 10.25 Uhr, Mond- untergang 22.03 Uhr. 1838: der Politiker Eugen Richter In Düffeldorf geboren; — 1898: Fürst Otto von Bismarck in Friedrichsruh gestorben! — 1914: Mobilmachung in Rußland. Auf her pirsch. Bon Egon v. Kapherr. Schön durchwärmt ist all der Boden um die düsteren Niederwälder, in denen noch immer Mulmgeruch und feuchte Kuhle herrscht, als wäre Schncpfcnzeit und nicht der Bock schon rot. Besorgt hört der Jäger das harsche Moos unter seinen Füßen knirschen: ein Fünkchen, ein achtlos fortge- worfenes Zündholz — und die Heiden brennen wie Zunder. Aber es duftet prächtig nach Harz, allerhand Falter gaukeln über blumige Wiesen und der Kuckuck kann sich gar nicht genug tun mit Rufen und Gekicher. Buntspechte klettern munter an Brauwipfeln, der große Schwarzspecht läßt seinen Schrattruf klingen und hämmert gar kräftig am Mulmstock, Hohltauber rufen, Ringeltauben heulen und von der Secwiese schallt das zornige Pfeifen der wachsamen Kronschnepfen, die den Weih verfolgen und die plärrende, raubsüchtige Nebelkrähe. Hitzdunst liegt über dem Heidekraut, Ameisen laufen, munter jagen grün und braun schillernde Laufkäfer, Libellen schnurren und dicke Hummeln, und auf dem Waldwege buddeln rotschwarze Totenkäfer einen jüngst verstorbenen Maulwurf ein. Bussarde kreisen und pfeifen, der Pirol flötet sanft, und Finken lassen ihr schmetterndes Schlagen hören. Ich gehe ganz langsam den Weg am Schlage hinunter, komme in die Schonung, sehe dem Ameisenlöwen zu, der tückisch im Trichter lauert und Sandkörnchen nach harmlosen Ameisen wirst, freue mich über die kupserglönzende Blindschleiche, die sich auf oem Heidewege sonnt, und komme endlich an den Eichhorst, wo die Tauber rucksen und mit den Schwingen klatschen und wo der Häher unflätig über den Sperber schimpft, der gerade durch die Wipfel strolcht, um nach Kleinvögeln zu spähen. Zitternd leuchten die Sonnenstrahlen durch das flüsternde Laub. Endlich habe ich einen großen Kahlschlag erreicht, auf dem der neue Förster nicht nur militärisch auf- gerichtete Kiefernrcihen gepflanzt hat, sondern auch allerlei Laubholz. Ich setze mich auf einen alten Stumpf, rauche vorsichtig mein Iägerpfeifchen an und bin ganz Ohr und Auge, denn es ist allerhand los um mich herum, und die Dogelstimmen haben sich zu einer hübschen Adendsymphonie vereint. Die Sonne steht schon tief, die Schallen sind lang geworden und die Stämme der Föhren glühen im sinkenden Schein. Immer blauer und schattiger wird die Welt ringsum, aber auch immer musikalischer. Drosseln flöten, eine Amsel fällt ein, ein Fink schlägt noch, das Plärren und Pfeifen der Nachtschwalbe tönt und das dünne Zwitschern der Meisen. Da sehe ich auch schon die alte Ricke, die schon im vorigen Jahre ohne Kitze zog, ein Schmalreh ist auch da und weiterhin ein Spießböckchen. Auf der Wiese, die durch das Stangenholz schimmert, erkenne ich einen mausenden Fuchs. Wie ein schräger, rötlicher Strich steht er regungslos da und paßt auf — nur seine buschige Lunte zuckt. Hopp! Jetzt ist er vorn ganz hoch, springt zu so daß nun fein Hinterteil hochfahrt und feine Lunte weht — hat die Maus, hält sich nicht weiter auf, trabt fort. Lustiger Kerl. Wahrscheinlich kommt er vom Buschhügel drüben, hat dort fein Iunggesellenheim im kleinen Notbau. Jetzt ist er im Dickicht der Schonung — man hört die Drosseln schimpfen. Eine Maul- wurfsgrille plärrt, ein Reh schmält irgendwo in der alten Heide, mit weitschwingenden Flügelschlage kreuzt der Waldkautz über der Blänke. Jetzt sehe ich den Ziegenmelkern zu, den Nacht- schwalben, die platt, kaum sichtbar, auf dem schrägen Stamm sitzen, sich dann erheben, klatschenden Flügelschlages mich umkreisen, ihr „kruitt, truitt" hören lassen und ihr surrendes Spinnen. Im Grase zeigt sich nur das Altreh, jetzt — dort auch noch ein zweiter roter Fleck. Der Gabelbock ift's, ein älterer Herr, der eigentlich längst fortmußte. Den guten Böcken hier schenke ich gern das Leben bis nach der Hauptbrunst. Mögen sie sich und ihre Kraft gut vererben. Aber diesen alten Burschen hätte ich gern weggeputzt: nur kümmerlich ist das dünne, lange Gehörn eit jeher. Ein schlecht veranlagter Bock ist es, der sich nicht weitervererben darf, denn nichts vererbt ich so sicher wie gute oder schlechte Gehörne. Da ist der Dreijährige mit den dicken, hohen Sechserstangen auf der Flußwiese doch ein anderer Bursche! Der wird mal, wenn alles gut geht, kapital — und so in fünf, sechs Jahren kann ihn die Kugel holen — nicht eher. Aber dieser Kröpel ...? Deutlich erkenne ich ihn jetzt, den Gabler. Sein Kopf hat viel graues Haar, sein Hals ist dick, ständig wirst er auf und verhasst. Ein Erfahrener also, ein Alter. Der letzte Abendstrahl verglimmt. Nachtstimmen kreischen, Schattengetier huscht im Walde. Bald habe ich kein Licht mehr — es gilt zu handeln. Wie unangenehm die Schnaken und Mücken schwirren, krabbeln, stechen ... Jetzt bin ich an der Ecke des Stangenholzes — der Wind steht gut. Aber der mißtrauische Bursche da drüben hat schon wieder den Kopf hoch, äugt nach mir hin. Wie er windet, wie er den Kopf dreht, nickende Bewegungen macht... Jetzt wird er flüchtig, stürmt mitten auf den J)au, äugt stark gespannt nach dem Heidewege hin. Also war es etwas anderes, was ihn störte ... Richtig: da kommt auch schon ein Weid mit Kiepe und Kord daher. Wohl eine Marktgängerin, die nun heim- wärts schnürt. Der Bock ist beruhigt, äst, wirft wieder einmal auf, zieht ruhig weiter auf den Hau. Nun kann's gehen — vielleicht. Heber Korn und Visier ift's nicht mehr zu machen. Darum setze ich das Fernrohr auf — schaue durch, streiche an die Kiefer, stecke den Schneller ein — täng! Der Schuß ist draußen ... Einen Riesenfahrer hat er gemacht, der Bock, rast im Halbkreise — ist im Kraut verschwunden. Hat ihn schon! Wie ich herankomme, ist er verendet, der alte Bock. Mit smaragdgrünen Lichtern liegt er da, roter Schaum quillt ihm aus Aeser und kleinrundem Loch in der Flanke. Doch nicht so übel, wie ich dachte, das Gehörn: grabe zwar und steil, enggestellt und nur Gabeln, aber leidlich geperlt und gar nicht so dünn. Diesmal war's sicher kein Fehlgriff: das Gebiß weist auf höheres Alter, der dicke Hals, der graue Kopf, das fahle Rot der Flanken bestätigen den Bock von neun bis zehn Wintern. Ruhig breche ich den Bock auf, ständig gestört von den blutsaugenden Mücken, von kribbelnden Schnaken. Kruitt, kruitt machen die Nachtschwalben über mir und der Kauz greint Jetzt habe ich den Bock gut verschränkt im Rucksack, buckele ihn auf und marschiere. Heber Wurzeln stolpere ich, durch dunklen Fichtenwald muß ich tappen. Doch endlich bin ich an der Auwiese und schon auf dem Wege, der zum Dorf führt. Lichter blinken schon drüben. Hundeblaff tönt herüber. Es geht sich doppelt leicht mit solcher Last auf dem Rücken. später Reichtum. Als ein Deutsch-Amerikaner George B. Zirnple- man im Jahre 1878 ein Stück wüsten Landes für noch nicht 500 Mark in Texas erwarb, da ahnte er nicht, daß er damit eine Anlage schuf, die der Witwe eines feiner Enkel ein Riesenvermögen einbringen sollte. Das Gelände von 350 Hektar Ausdehnung konnte weder für Ackerbauzwecke noch zur Viehzucht verwendet werden und lag jahrzehntelang völlig ungenutzt da. Zimpleman zahlte aber sein ganzes Leben hindurch die Abgaben, und als er vor einigen. Jahren starb, ging das Land unverschuldet an feine Erben über. Schließlich kam eine Frau, Torberg nach dem Tode ihres Mannes, des Enkels von Zimpleman, in den Besitz des Terrains und überließ es einer Gesellschaft, um dort nach Petroleum zu bohren. Es war nämlich in der Rachbarschaft dies kostbare 0el gesunden worden. Sie erhielt einen Dollar für 40 Ar, und ihr wurde ein Achtel der etwaigen Gewinne zugesichert. Dies geschah 1925. 47 Jahre hat das Land brach gelegen, nun wurde es umzäunt, und die Bohrlöcher ergaben tatsächlich einen sehr reichen Petroleumgehalt. Frau Torberg erhält jetzt riesige Einnahmen aus diesem Stück Wüste. Pädagogik. Von Hans Uiebau. .Vater, es ist fo schönes Wetter draußen. Darf ich zum Sportplatz gehen?" Herr Schobaum guckt von der Zeitung auf. .Rein, mein Iun-e", sagt er dann, „mach nur erst deine Schularbeiten." Peter macht feine Schularbeiten. .Vater", fragt er, .die Mehrzahl Doncheval?" „Chevaux“ brummt Herr Schobaum und liest weiter. Fünf Minuten lang. .Vater", fragt Peter weiter, „a-s-bin Klammer zum Quadrat, wie heißt noch die Formel?" Herr Schobaum legt die Zeitung auf den Tisch» „a*4- 2ab b2“, sagt er und nimmt die Zeitung von neuem. .Vater" kaut Peter am Federhalter, „Fe CI 2 + CI = Fe CI 3, ist das die richtige Formel für die Rückbildung Ferrochlorid?" Herr Schobaum läßt die Zeitung sinken. .Wie?" fragt er. .Ist Fc CI 2 + CI = Fe CI 3 die Gleichung für die Rückbildung von Ferrochlorid?" Herr Schobaum guckt einen Augenblick aus dem Fenster. .Merkwürdig", sagt er dann, .es ist doch das schönste Wetter draußen: warum gehst du eigentlich nicht auf den Sportplatz?" ———— i Das mittelrheinische Kreisturnfest in Hanau. --- 3n Hanau, der alten Turnerstadt am Main, hat am Sonntag des 3 4. mi tt elrhe i- nifche Kreisturnfest mit dem Gauturnfest das Gaues Main-Offenbach-Hanau auf dem Fest- gelände am Wilhelrnsbad» einen vielversprechenden Auftakt begonnen. 3n den 25 Gauen des Kreises, auch in unserem Heimatgau Hessen, treffen zahlreiche Turner und Turnerinnen die letzten Vorbereitungen zur Fahrt nach Hanau, lvv in den Tagen vom 31. Juli bis 4. August das große Turnertreffen außer den vielseitigen Wettkämpfen auch erhebende Gemeinschaftsveranstaltungen bieten wird. Wie schon kurz mitgeteilt, liegt für die W e t t- kämpfe ein ganz vorzügliches Meldeergebnis vor. Die Zahlen der Kreisturnfeste in G ieh en (im Jahre 1925) und Darmstadt (1927) sind erheblich überschritten. Zu den Mehrkämpfen sind 2642 Teilnehmer gemeldet, darunter 600 Turnerinnen. Linser Heimatgau Hessen entsendet 132 Bewerber zu den Mehrkämpfen, die sich wie folgt verteilen: 12-Kampf-Ober- stufe 12, Zwölfkampf-Unterstufe 42, Zehnkampf der Männer 10, Fünfkampf der Männer 17, Altersturner 23, Siebenkampf-Frauen-Oberstufe 6, Siebenkampf-Frauen-Llnterstufe 13, Bierkampf- Frauen 9. Erfreulich stark ist die Beteiligung der drei Saargaue, die insgesamt über 400 Teilnehmer zu den Mehrkämpfen gemeldet haben. Das Dereinsriegenturnen derManner weist eine Beteiligung von 2446 Turnern auf. Dazu kommen die Sondervorführungen der Frauen mit rund 800 Teilnehmerinnen. Die Meisterschaftskämpfe im Fechten, Volksturnen, Schwimmen und Spielen werden von 710 Gemeldeten, darunter auch Teilnehmern des Gaues Hessen, beschickt. Unter Berücksichtigung der Tatsache, daß ein großer Teil der Mehrkämpfer auch wieder am Riegenturnen teilnimmt, darf man die Gesamtzahl der auf dem Kreisfest wirklich aktiv tätigen Turner und Turnerinnen mit 5000 ansetzen. —d. Leichtathletik der Sp.-Bg. 1900. 1900s Jugend belegt In Offenbach a. 2TL 5 erste, 4 zweite und 5 dritte Plätze. ö. Die von der Spielvereinigung 1900 zu den Nationalen Iugendwettkämpfen des Sportvereins 1902 Offenbach a. M. entsandten Vertreter waren dort in einem Maße erfolgreich, das selbst die kühnsten Erwartungen übertraf. Die 1900er bewiesen erneut, daß sie heute in keiner Weise den Iugendkräften der mainischen Grohvereine nachstehen. 3n den Sprintstrecken der Jugendklasse A dokumentierten sie sogar eine ganz klare Lleber- legenheit. Es verdient hier die Tatsache festgehalten zu werden, daß die Teilnehmer des 100- Meter-Errdlaufs KI. A, die durch Vor- und Zwischenläufe festgestellt werden mußten, vier 1900er warenI Nachstehend die Ergebnisse der Wettbewerbe, in denen die Spielvereinigungsleute siegten bzw. Plätze belegten: Jugendklasse A. 100 Meter: 1. Schickedanz, 1900, 12,1 Sek: 2. Koch, 1900, 12,2 Sek: 3. Heymann, 1900, 12,3 Sek: 4. Felsing, 1900. Bei der guten Form der 1900er war es ein vergebliches Bemühen der etwa '■ 20 übrigen Bewerber, in den Endlauf zu gelan- - gen. Der schlechte Zustand der Bahn ließ leider keine besseren Zeiten zu. 1 500 Meter: 1. Pfannebecker, B. C. 99 Offenbach, 4:34 Min.: 2. Lehmann, S.C. 80 Frankfurt a. M. 4:34,5 Min.: 3. llflootz, 1900, 4:44 Min. Der 1900er hatte einen schweren Stand, lief aber sehr tapfer. Weitsprung: 1. Steuerwald, V. f. D. Gießen, 6,26 Meter: 2. Witte, F. Sp. D. Frankfurt, 6,24 Meter: 3. Heymann, 1900, 6,02 Meter. Der Wirble ins Leben! Vornan von Anna Fink. Llrheber-Nechtsschuh durch Verlag Oskar Meister, Werdau, S.-A 7. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Was? — Auch noch leid tun? Geschieht ihm ganz recht!" so hatte Bernhard Much gesagt, und wie hatte er es gesagt. So hart, ohne jedes Mitgefühl. Es fror sie geradezu. Sie glaubte das erstemal in vollem Umfang die Kälte zu erkennen, die sich hinter dieser übergroßen Korrektheit ihres Mannes versteckte. Sie schlug die Hände vor das Gesicht. Wie war ihr Mann beschaffen, fragte sie sich das erstemal. Lind sie merkte, wie fern er ihr war, als sei er nur ein Schemen und nicht ein Mensch von Fleisch und Blut. Es war eine Leere, und ihr Gehirn schmerzte, wenn sie nur daran dachte. Sie fühlte sich hilflos wie noch nie in ihrem Leben. Waren alle Männer so wie er? Barbara hatte Zeiten, zu denen sie viel und wahllos las. Lind die gedankenlose Phrase, daß Mann und Frau sich feindlich gegenüberstehen müssen, fiel ihr wieder ein. Sie muhte an Reginald denken. Bei ihm fühlte sie sich wohl und geborgen. Barbara kam nicht weiter mit ihren Unter» fuchungen. Eine plötzliche Erschöpfung kam über sie. Sie ließ sich auf das Bett fallen und versank in einen tiefen Schlaf. Der Arzt hatte eine Pflegerin mitgebracht. „Frau Barbara eignet sich wenig dazu", meinte er gutmütig lächelnd. „Cs ist schon besser für Sie, Herr Much." Der Kranke erhob weiter keinen Einspruch dagegen. Die Pflegerin hieß Schwester Irene. Sie war kein ganz junges Mädchen mehr, und ihr Körper hatte schon etwas volle Formen angenommen. Der Arzt rühmte sie als sehr geschickt und vorsichtig, und sie hatte auch in ihren Bewegungen etwas katzenhaft Geschmeidiges. Sie begann sofort eine unhörbare, aber intensive Tätigkeit im Zimmer zu entfalten. Reginald sah eine Weile mit untergeschlagenen Armen zu und sagte dann unvermittelt: „Herr Much, ich möchte Ihnen jetzt nicht länger zur Last fallen. Meine Hilfe ist überflüssig geworden." Dabei verbeugte er sich leicht gegen Schwester Irene, was diese mit einem leichten Erröten quittierte. Turnen, Gpori und Spiel. sehr talentierte Heymann ist in dieser Disziplin noch stark verbesserungsfähig. Kugelstoßen: 1. Luh, D. f. D. Gießen, 13 Meter: 2. Wihel. Eintracht Frankfurt, 12,45 Meter: 3. Felsing, 1900, 12,21 Meter. Die 1900er hatten ihren besten Werfer, Will, nicht zur Stelle. Felsing überraschte. 4X 100-Meter-Staffel: 1. Spielvgg. 1900 Gießen (Koch II., Felsing, Heymann, Schickedanz) 48,5 Sek: 2. D. S. C. 99 Offenbach 50,5 Sek, 3. FußbaNsportv. Frankfurt 21 Sek. Mit etwa 20 Meter Vorsprung konnte 1900s ausgezeichnete Viererstaffel vor dem Wanderpreisverteidiger B. S. C. 99 Offenbach durchs Ziel gehen. Die wenig schnelle Dahn druckt sich auch hier wiederum in den Zeiten aus. Jugendklasse B. 100 Meter: 1. Guthardt, 1900, 12,3 Sek: 2. v. Carben, F.-Sp. V. Frankfurt, 12,3 Sek: 3. Rodriguez, 1900, 12,6 Sek. Ein Drust-an-Drust- Kampf bis ans Ziel, den Guthirdt mit Handbreite vor dem sieggewohnten Frankfurter für sich entscheiden konnte. 800 Meter: 1.Hohlbein, Fuhb.-Spv. Frankfurt, 2:15,2; 2. Daumstieger, 1900, 2:16 ; 3. Keller, Ver. ehem. Domschüler Frankfurt, 2: 20. Der veranlagte Spielvereinigungsmann hatte diesmal einen der besten Frankfurter Iugendmittelstreckler gegen sich, sein Endspurt war aber durch etwas zu frühes Antreten nicht mehr kraftvoll genug, um an dem Fuhballsportverein-Mann vorber- gehen zu können. Wertsprung: 1. Rodriguez, 1900, 5,69 Meter; 2. Lippert, 1900, 5,61; 3. Hohlbein, Fuß- ballspv. Frankfurt, 5,60. Für die ll-Iugend recht ansprechende Leistungen. 4xl00-Meter-Staffel: 1. Spielvgg. 1900 Gießen (Fritzges, Rodriguez, Guthardt, Lippert) 51 Sek; 2. D. I. K. Offenbach 51,4; 3. Fuh- ballspv. Frankfurt 59. 1900s Vertreter waren sowohl auf der Strecke, wie beim Wechseln gut und gewannen sicher vor den Iugendkraftleuten. Jugendklasse C. Ballweitwurf: 1. Schmidt, B. C. Oberrad, 73,50 Meter; 2. Herbert, 1900, 66,20 Meter; 3. Schuhmacher, D. ehem. Domschüler Frankfurt, 62,50. Hier war Massenbeteiligung. Herbert eroberte sich mit respektabler ßeiftimg einen schönen zweiten Platz. V.f.B. Leichtathletik. Zu den am Sonntag durchgeführten Iugend- Wettkämpfen des Sp. D. 1902 Offenbach konnte der D. f. D. Gießen nicht in der gemeldeten starken Besetzung an treten. So fehlte Der talentierte B-Jugendliche Schäfer, ferner Simon und Stroh, aus der S-Klasse Happ und Mattern. Die 4xl00-Meter°B-Klasse konnte deshalb nicht gelaufen werden. Trotzdem errang der V. f. D. durch feine A-Jugendlichen O. Luh und H. G. Steuerwald zwei „erste" Siege. Luh vollbrachte mit seinem Kugelstoß von genau 13 Meter die beste Tagesleistung. Nachstehend die Ergebnisse der D. f. Der: Klasse A, Weitsprung: 1. H. G. Steuerwald, V. f. D, 6,26 Meter; 2. Witte, F. Sp. V. Frankfurt, 6,24 Meter; 3. Heymann, Sp. Vg. 1900 Gießen, 6,02 Meter. Steuerwald sprang beim dritten Sprung in der Entscheidung 6,33 Meter mit leichtem Liebertreten. Seine Technik wurde allgemein bewundert. Klasse A, Kugelstoßen: 1. O. Luh, V. f. D., 13 Meter; 2. Witzel, Eintracht Frankfurt, 12,45 Meter: 3. Heymann, Sp. Vg. 1900 Gießen, 12,21 Meter. Luh, der jüngste unter den Teilnehmern, hat eine gute Technik und ist seinen älteren und stärkeren Konkurrenten überlegen. Die Leistung wurde ohne Stoßbalken erzielt. Ferner ist noch die gute Leistung des bekannten V. f. Ders M o h l im Schleuderballwerfen von 56,40 Meter, mit der er bei dem Sportfest der A. T. V. Rheinfranken siegte, zu erwähnen. Das Kugelstoßen gewann Mohl ebenfalls mit 12,51 Meter. Handball im T. V. Heuchelheim. To. Heuchelheim Jgd. — To. Wetzlar Jgd. 1:6. To. Heuchelheim I. — To. Wetzlar II. 4:1. Heuchelheim weilte am Sonntag mit zwei Mannschaften beim Tv. Wetzlar. Die Iugend- lichen konnten gegen die technisch bessere und körperlich etwas überlegenere Iugend des Gastgebers wenig ausrichten und mutzten sich mit obigem Resultat geschlagen bekennen. Die Erste war mit wenig Siegesaussichten nach Wetzlar gefahren, mutzte sie doch für rechten Verteidiger, Mittelläufer und Rechtsautzen Ersatz einstellen, der sich allerdings gut einspielte. Schon bei Halbzeit lautete das Ergebnis 2:0 für Heuchelheim. Rach Seitenwechsel kam der Gastgeber zunächst etwas mehr auf, errang auch sein Ehrentor, konnte aber trotzdem richt verhindern, daß Die Gäste noch zu zwei weiteren Toren tarnen. Der Schiedsrichter leitete yat. Handball im T. B. Großen-Buseck. Großen-Vuseck I. — Butzbach I. 8:1 (2:1). Arn Sonntag trafen sich beide Mannschaften zu einem Freundschaftsspiel in Großen-Buseck. Dutzbach stellte eine äußerst schnelle Mannschaft, die sich jedoch gegen die körperlich stärkeren Dusecker nicht durchsetzen konnte. Durch einen Zufallstreffer tarnen die Gäste zu ihrem einzigen Tor. Handball im T. V. Großen Linden. Tv. Lölbe I. — Tv. GrohenLinden I. 6:3 (5:2). Mit diesem Resultat mußten sich die Großen-Lin- dener in Cölbe geschlagen bekennen. Cölbe war in der ersten Halbzeit überlegen, was auch aus dem Halbzeitergebnis heroorgeht. Rach der Pause war Großen-Linden nicht nur gleichwertig, sondern zeitweise stark überlegen, trotzdem konnten sie nür noch einen Treffer erzielen. Erst kurz vor Schluß kam Cölbe nochmals zu einem Tor. Handball in Allendorf. To. Allendorf (Lahn) I — Tv. Krofdorf I 4:0 (3:0). Die Mannschaften trafen sich am vergangenen Sonntag zu einem Gesellschaftsspiel in Krofdorf. Allendorfs Mannschaft, die bis dahin nur wenige Spiele ausgetragen hat, war Dem Gegner wäh- rend des ganzen Spiels weit überlegen. Bei etwas besserem Zusammenspiel hätte Der Sieg noch Diel höher ausfallen tonnen. Durch Diesen Sieg haben die Allendörfer abermals bewiesen, daß sie ein nicht zu unterschätzender Gegner sind. Arbeiter-Tum- und Sportbund. Gießen I. — Wetzlar I. 7:2. Nicht Naunheim, wie irrtümlicherweise in der Vorschau berichtet wurde, sondern Wetzlar war am vergangenen Sonntag auf dem Trieb zu Gast. Beide Mannschaften stellten sich komplett dem Unparteiischen. Bereits bis Halbzeit konnte der schußfreudige Sturm Gießens fünfmal erfolgreich sein, während es bei Wetzlar zu keinem Erfolge reichte. Halbzeit 5:0. Nach Seitenwechsel kam Wetzlar mehr auf und konnte zwei Tore aufholen, dem aber Gießen zwei weitere Tore entgegensetzte. Gießen Ib. — Wetzlar IL 1:0. Zwei gleichwertige Mannschaften lieferten sich hier ein flottes, spannendes Spiel, in dem Gießen mit viel Glück das einzige Tor des Spieles erzielen konnte, während den vom Pech verfolgten Gästen der verdiente Erfolg versagt blieb. Wieseck I. — GrohenLinden I. 4:3. In Wieseck' trugen diese Mannschaften ein rückständiges Serienspiel aus. Bereits kurz nach Spielbeginn ging Wieseck in Führung, dem nach kurzer Zeit das zweite Tor folgte. Da der linke Verteidiger der Einheimischen vorübergehend ausschied, gelang es den Gästen, ein Tor aufzuholen. Kurz vor Halbzeit gelang es den Einheimischen, das Resultat auf 3:1 zu stellen. Nach Seitenwechsel war Wieseck wieder vollständig vertreten, mußte aber „Deshalb werden Sie gestatten, daß ich Ihr gastliches Haus verlasse." Bernhard Much schwieg eine Weile. Dann sagte er bestimmt: „Ich möchte gern noch etwas mit Ihnen sprechen, aber diese Llnterredung greift mich noch zu sehr an. Bitte, bleiben Sie noch ein paar Tage in meinem Hause, wenn Sie mir persönlich einen Gefallen tun wollen." „Gewiß, gern stehe ich Ihnen zu Diensten", gab Reginald freundlich zurück. „Ruhen auch Sie jetzt etwas, Herr Contius", bat Much, und Reginald zog sich in sein Zimmer zurück. — Es war ein grauer, trüber Regentag. Barbara hatte ihrer Zofe geklingelt, als sie gegen Mittag erwachte, und durch sie sagen lassen, sie fühle sich zu müde und angegriffen, um zum Essen erscheinen zu können. Much schlief. Die Pflegerin sah am Fenster und wickelte Binden. Im Hause war tiefe Ruhe. Reginald hatte sich auf dem Diwan ausgestreckt. Er war recht müde, und die Augen fielen ihm zu. Er hatte vielleicht eine Stunde fest geschlafen, als es leise und zaghaft an die Tür klopfte. Er wurde im Schlaf unruhig, richtete sich halb auf und horchte. Da hörte er wieder ein leises Klopfen, und auf fein „Herein" wurde die Tür geöffnet Barbara Much stand auf der Schwelle. „Komm herein", sagte Reginald und sprang auf. Doch bestürzt trat er zurück. Wie sah Barbara aus! Tiefe dunkle Ringe lagen um ihre Augen, ihr Haar war wirr, ihre Wangen waren ganz blaß. „3a, ja, Barbara — was ist denn schon wieder passiert?" fragte er unruhig. Sie preßte beide Hände auf die Brust. „Reginald, ich kann nicht mehr, ich kann wirklich nicht mehr", rief sie ganz gequält und fing hilflos an zu schluchzen. „Was hast du denn, Barbara? Run sag es mir doch. Komm, setz dich hin." Er zog sie neben sich auf den Diwan. „Red dir einmal alles vom Herzen herunter, was dich drückt." Seine Stimme hatte einen warmen, brüderlichen Klang. „Wir find doch alte Kameraden. Richt wahr, Bärbel?" Sie nickte nur unter Tränen, zu sprechen vermochte sie nicht. Reginald kam eine Ahnung, weshalb Barbara so außer sich war. Aber er wollte ihr Zeit lassen. „Ich glaube, Du hast dich ein wenig übernommen, Barbara. Es ist seit gestern so viel geschehen, und im Grunde bist Du wohl bislang immer von allen Harten verschont geblieben. Willst Du nicht auch lieber noch etwas ruhen?" redete er ihr zu. Doch Barbara schüttelte heftig den Kopf. „Ich habe mich ausruhen wollen, aber es geht nicht. Ich glaube, Reginald, ich fange an, zum ersten Male etwas nachzudenken, aber es geht schwer — ich finde mich nicht zurecht. — Hilf mir doch dabei", bat sie kindlich, ganz wie vor vielen Iahren, wenn sie von dem Kameraden und Spielgefährten etwas wollte. Lind dann kam wieder das Schluchzen über sie. Sie legte Den Kops auf Reginalds Knie und brachte mühsam heraus: „Ich bin ja so furchtbar einsam. Keinen Menschen habe ich, Reginald!" „Ich habe es mir gedacht, Bärbel", sagte Reginald in seiner ruhigen Art und strich ihr beruhigend über Die Haare. Eine Weile weinte sie, dann richtete sie sicht auf und trocknete ihre Augen. „Das tut gut, sich einmal ausweinen", meinte sie. „Es geht mir schon ein bißcben besser. Bernhard kann es nicht ausstehen. Ich solle mich nicht' so gehen lassen, sagt er mir immer. „Das ist Unfug", fuhr Reginald empört auf. „Gerade das hat Der Mensch zuweilen nötig, daß er sich ganz fallen läßt." „So, du meinst das auch?" sagte Barbara freudig erstaunt. „Siehst Du, alle haben immer von mir verlangt, ich müsse mich mehr beherrschen. Ach, Reginald, ich bin in Die Ehe mit Bernhard so hineingerutscht — und jetzt inerte ich erst, wie fern er mir steht, und was Das Schlimmste ist: Ich hasse ihn, ich kann ihn nicht mehr ertragen. Er ist kalt und gefühllos, Das weiß ich seit heute morgen. Ich mag nichts mehr mit ihm zu tun haben. Aber ich weiß mir keinen Rat, was ich machen soll. ReginalD." Er betrachtete sie sinnend. „So lasse dich von ihm scheiden, wenn du meinst, es nicht mehr ertragen zu können", riet er. „Er hat früher einmal bei einer anderen Gelegenheit gesagt, daß er nie in eine Scheidung eintoilligen würde, des Skandales und Geredes wegen. Er ist so korrekt, und außerdem liebt er mich ja", fügte sie bitter hinzu. „Und was sollte aus meinen Eltern werden, für Die er sorgt?" sagte Barbara verzweifelt. „Das ist es ja eben, weshalb ich nicht ein noch aus weiß. Was soll ich nur machen, Reginald?" Er schüttelte den Kopf. „Bärbel, du hast ein ungestümes Temperament. Es ist schwer, zu raten. Das liegt alles recht schwierig und läßt sich nicht mit ein paar Worten, nach kurzer Zeit abermals mit nur zehn Mann den Rest des Spieles bestreiten. Ein schlecht abgewehr« ter Eckball brachte den Gästen den zweiten Erfolg. Kurz darauf konnte der linke Verteidiger der Gäste in starker Bedrängnis den Ball nur ins eigene Tor lenken. Aus einem Gedränge gelang es dann Gro- ßcn-Linden, sein drittes Tor zu erzielen. Dabei blieb es bis zum Schluß. Wieseck 3. Jgd. — Staufenberg 3gb., 0:5. Vorher hatte die 3. Jugend Wiesecks die Jugend Staufenbergs zum Gegner. Hier mußten sich die kleinen Einheimischen durch die körperlich überlegenen Gäste eine 5:0-Niederlage gefallen lassen. Wieseck 2. Jgd. — Grohen Linden Jgd. 1:0. Im Spiel Wieseck 2. Jugend gegen Großen-Lin- den Jugend konnten die Einheimischen mit einem knappen 1:0°Siege das Feld als Sieger verlassen. Waldgirmes I. — Wieseck Ib. 1:2. Wieseck Ib war zu einem Freundschaftsspiel in Waldgirmes. Die Gäste, die sich mit ErsÄtz dem Unparteiischen stellten mußten sich vorerst stark gegen die forschen Angriffe der Einheimischen wehren. Allmählich kam dann Wieseck mehr zur Geltung und konnte bei Schluß mit einem knappen 2:1-Siege das Feld verlassen. Oer Stand des Europarundflugs. WTB. Berlin, 28. Juli. Ueber Den Stand Des Europarundflugs, wie er sich nach heute abend vorliegenden Meldungen Darstellt, ist zu berichten: Von Den 60 in Berlin gestarteten Ma- schinen befinDen sich noch 35 auf Der Rundflug- ftrecke. 16 sinD in Berlin gelanget, neun mußten ausscheiDen. Die 35 Maschinen verteilen sich zur Zeit auf folgende Landeplähe: Danzig: Oster- kamp, von Massenbach, Rotz und Peschke. Königsberg: Lusser, Röder, Risticz.Wcrrschau: Krüger, Richele. Breslau: Freiherr von Frey- berg, von Köppen, von Waldau, Döhning, Siedel, Dr. King, die Polen Gedgowd und Wieckowski. W i e.n: Stein, von Gravenreuth, Benz, der Pole Lewcniski. München: Dabinski (Polen). Bern: (Startverbot und Neutralisation) der Schweizer Kolp. Lausanne: Pierroz. Aimes: Dud- zinski (Polen). In Spanien: Herzog d'Estre- mera (Spanien), Muslewfki (Polen), Orlinski (Polen), Maus (Belgien), Cornez (Frankreich), de Mac Mahun (Frankreich), Zierko (Polen), Freiherr von Düngern. Amtsgericht Gießen. Bei Fahrten in der Dunkelheit müssen A u t o 8 beleuchtet sein. Die Vorschrift gilt auch dann, wenn eine Fahrt unterbrochen wird und das Fahrzeug zum Stillstand kommt, mag dieser von kürzerer oder längerer Dauer sein. Don einer Beleuchtung des Autos durch seine eigenen Lampen kann ausnahmsweise abgesehen werden, wenn sich in der Nähe eine andere Lichtquelle befindet, die das Auuto mit hinreichender Beleuchtung versieht. Im Fragefall wurde in der Westanlage nachts zwischen 11 und 12Uhr von einem Polizeibeamten wiederholt ein stehendes, unbeleuchtetes Auto wahrgenommen und der Führer zur Anzeige gebracht. Dieser gab zu, das Auto ohne Beleuchtung dort stehen gelassen zu haben, behauptete aber, die Straßenbeleuchtung habe hinreichendes Licht abgegeben. Dies mag richtig sein. Der Angellagte hatte aber nicht beachtet, daß das Licht gegen 11 Uhr ausgeschaltet wird, so daß mindestens von diesem Zeitpunkt an der Führer mit einer Nichtbeleuchtung des Autos rechnen mußte. Pflicht der Fahrer ist es, in derartigen Fällen sich von Zeit zu Zeit zu überzeugen, ob die Lichtquelle noch vorhanden ist, oder nicht. Die Verkehrsgefährdung war gering, deshalb erhielt Der Angellagte nur eine Geld strafe von 5 Mark. Drei Studenten begingen in der Liebigstraße in einer Nacht ruhe störenden Lärm durch lautes Singen. Es war dies kein auffallendes Ereignis, und sie gaben Die Ruhestörung auch abtun. Im Augenblick weih ich auch keine endgültige Lösung. Ob Du genug Energie hast, um von Dir aus einen Strich unter das alles zu machen unD Deiner Wege zu gehen, neu anzufangen, Das weiß ich nicht. Cs ist nicht einfach", schloß er mit einem Seufzer. „Dazu gehörte wohl auch, Daß ich mir Dem Lebensunterhalt selbst verdiene?" fragte Barbara unD schüttelte sich leicht. Er sah es unD muhte lächeln. „Unter Umständen kann sich Das schon nötig machen", bestätigte er. „Hu, Dann wühle ich nicht, wie ich Das anfangen sollte", rief Barbara etwas kläglich. „Lah es lieber ganz bleiben", riet ReginalD mit leichtem Spott. „Es ist wirllich nicht für jeDermann, am allerwenigsten für eine Frau Barbara Much, Gattin Des reichen Fabrikantem Much." Barbara tourDe bläh. Spott konnte sie nicht vertragen. „Und Du wirst schon sehen, Dah ich es fertig) bringe!" rief sie mit blitzenden Augen, stampfte mit Dem Fuß auf und wollte zur Tür hinauseilen. Reginald faßte ihre Hand und hielt sie fest. „Mach feine Lstunmheiten , bat er. „Verzeih, es ist mein schlimmster Fehler, dah ich immer Dann in Spott verfalle, wenn er am wenigsten angebracht ist. Und ich verspreche dir feierlich: Ich will dir nach besten Kräften helfen, soweit ich, es vermag." Barbara hatte Tränen in den Augen. Sie sah Reginald an, sah sein offenes lluges Gesicht, seinen herben Mund, und da kam es wie ein Rausch über sie: Sie stürzte auf ihn zu, hing an seinem Hals und kuhte ihn. „Reginald, ich glaube, ich habe dich lieb wie keinen sonst." Reginald stand wie erstarrt. Das hatte er nicht erwartet. Und er empfand Barbaras Gefühlsausdruck beinahe peinlich. Er löste behutsam Barbaras Hände von seinem Hals und schob sie von sich fort. Sie merkte es und stand mit gesenktem Kopfe da. „Verzeih mir, Barbara", sagte er und holte tief Atem. „Ich hab dich gern, sehr gern, wie einem guten Kameraden." „Aber du liebst mich nicht", ergänzte sie tonloS, „Ich weih es nicht", gab Reginald Contius zur Antwort. Nun drehte Barbara Much sich langsam um, ging, ohne Reginald anzusehen, hinaus und drückte leise die Türe hinter sich zu. (Fortsetzung folgt.) kurzweg zu. 64 war ihnen nur um die Fest- | ftellung zu tun. daß sie vor dem Kacholtschen Schwesternhaus aus naheliegenden Gründen in dem Gesänge innegehalten haben. Diese Fest- I Peilung gelang ihnen auch, nicht gelang e- ihnen aber, die Dehauptung der Polizei zu widerlegen, daß der Gesang in der Lähe der Frankfurter ©trape noch ein derartiger war, dah er in dem Schwesternhaus gehört werden konnte. Die Studenten hatten sich in der Entfernung geirrt. Der sonst gebotene Strafschärfungsgrund fiel aber weg, und da- Urteil lautete auf geringe Geldstrafe. Wirtschaft. ^indermorft in (Sieben. Auf dem heutigen Lindermarkt inGießen' waren 1087 Stück Drohvieh und 187 Kälber ausgetrieben. Es kosteten: a) Milchkühe oder hochtragende Kühe 1. Qualität 600 bi- 700 Mk., 2. Qual. 400 bi- 550. 3 Qual. 250 bi- 350; b; Schlachtkühe 150 bis 450, c) Linder. 1 ,- bi« 3 «jährig 140 bi- 240, s/4- bi- zweijährig 220 bi« 430 Mk.; d) Kälber das Psd Lebendgewicht 50 bis 60 Pf. Ausgesuchte Tiere brachten über Lotiz. Marktverkauf: Lebhaft, später abflauend. ES verblieb geringer Lieberstand. e • Erntevorschätzung für Getreide im Deutschen Leich zu Anfang Juli. Lach den nunmehr für das ganz« Leich vorliegenden Erntevorschätzungen der Saatenstands- berichterstatter wäre nach dem Stande zu Anfang Juli «ine Gesamternt« bei Roggen von 8,5 Millionen Tonnen lgegen 8,2 Mill. Tonnen im Dorjahre), bei Weizen von 3,8 Millionen Tonnen (3.4 Mill. Tonnen), bei Wintergerste von 473 000 Tonnen (381 000 Tonnen), bei Sommergerste von 2.5 Millionen Tonnen (2.8 Mill. Tonnen) und bet Hafer von 6 Millionen Tonnen (7,4 Mill. Tonnen) zu erwarten gewesen. Inzwischen haben sich allerdings die Aussichten für die diesjährige Getreideernte sowohl durch die Anfang 3uli noch anhaltende Dürre, als auch durch da« jetzige Regenwetter in verschiedenen Teilen Deutschlands verändert. * Frankfurter Hypothekenbank, Frankfurt a. M.. Lach Mitteilung der Aufsichtsbehörde hat da- Abfindungsangebot für die Kommunalobligationen alter Währung nunmehr LechtSwirksamkeit erlangt. Danach erhalten jetzt die Gläubiger der DorkriegSkommunal-Obligatio- nen Serie 1 und 2 20 Proz. ihre- Nennbeträge«, und zwar 5 Proz. in bar und 15 Proz. in 4^/,pro- zentigen LiquidationS-Goldpfandbriefen bzw. Zertifikaten mit Zin«lauf ab 1. Januar 1930, die Gläubiger der Inflationsserien 3 und 5 25 Proz. des GoldmarkwerteS in bar unter Aufrundung nach oben. Um den Empfängern der Darbe träge eine besonders günstige Anlagemöglichkeit zu schaffen, bietet die Dank diesen bis auf weiteres unter DorauSsehung dauernder Kapitalanlage freibleibend ihre 7proz. Goldpfandbriefe Leihe 16 (nicht rückzahlbar vor 1. Januar 1936) zum DorzugSkurse von 98 Proz. gegenüber dem oer- zeitigen Abgabekurs von 98'/, Proz. an. ’ PensionSkafsenverschmelzung im Dankgewerbe. Wie WTD.-HandelSdienst berichtet, hat da« Reichsarbeitsministerium seine Zustimmung zu dem Zusammenschluß des De- amtenfürsorgevereins der Deutschen Dank mit der gropen neutralen Pensionskasse im Dank- gewerbe erteilt, nachdem das ReichSaufsichtS- amt für Privatversicherung feine Genehmigung au der von den beiderseitigen Generalversammlungen beschlossenen Zusammenlegung gegeben hat. Damit ist die Derschmelzung der beiden Kassen in Kraft getreten. Die Einheitskasse beginnt ihre Tätigkeit mit einem Kapital von über 120 Millionen Mark. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M.. 29. Juli. Tendenz: lustlos. — Auch heute fehlte der Dorfe jegliche Anregung, so dab. bei kaum bestehender Unternehmungslust, das Geschäft nur langsam in Gang kam. Die festere gestrige Leuyorker Dürfe machte keinen Eindruck auf die Spekulation. Lachdem aber der Liquidationstag, obwohl erhebliche Kursverluste eingetreten waren, reibungslos überwunden toorben war und Material kaum mehr an den Markt kam, war im Grundton der Dürfe eine gewisse Wider st ands- fähigkcit zu erkennen. Gegenüber der gestrigen Abendbörse blieben die Eröffnungskurse meist behauptet. Der Auftragseingang von Publikumsseite war weiterhin sehr spärlich, doch schritt die SMgmg der siidwefldeiilschen Großmühlen? WSL. Frankfurt a.M., 28.3uIL Die süd- westdeutfchen Grobmühlen in Frankfurt a. W-, Mannheim, Ludwigshafen, Heidelberg und Worms haben den Antrag auf StiIlle gung ihrer Detriebe gestellt. 24 handelt sich um 14 Detriebe mit einer Arbeiterzahl von etwa 2000 Wann. Die Wühlenindustrie begründet die Lotwendigkeit der Stillegung damit, dab ihr auS der alten Ernte für August kein Inland- weizen mehr zur Derfügung stehe, Inlandweizen neuer Ernte sei noch nicht in ausreichender Wenge in vermahlungSfähigem Zustand am Markt. Sie sei deshalb gezwungen, im August nur AuSland- weizen zu vermahlen, könne aber in der kurzen Zeit vom September bis Lovember die Durch- schnittSquote deS beizumahlenden InlandweizenS nicht mehr ausholen. ES sei bei so kurzer Lachmahlungsfrist so hoher Zusatz von Inlandweizen nötig, dab sich die Güte ihre« Mehles erheblich verschlechtern müsse und Absatzschwierigkeiten aufträten. Die Industrie- und Handelskammer Frankfurt a. M.-Hanau erklärt diese Ausführungen für zutreffend. SS dürfe Wohl ohne weiteres unterstellt werden, dab bie Grohmühlen die sie selbst schwer schädigende Stillegung nicht beschlossen hätten, wenn die Aufrechterhaltung des DetriebeS wirtschaftlich möglich wäre. Die Stillegung der Grobmühlenbetriebe müsse sich aber weit über den KreiS der zunächst betroffenen Mühlen und ihrer Delegschgst auSwirken. Eine nachhaltige Deunruhigung des Getreide- und Mehlmarktes müsse die Folge fein. Die Handelskammer schlägt daher folgcnbc Regelung vor, mit der sich auch die Mühlenindustrie des Dezirks einverstanden erklären würde: Für den Monat August wird für die Grobmühlen der Deimahlungszwang für Inlandwei- zen insoweit aufgehoben, als die vermahlen« Menge des Auslandweizens den Monatsdurchschnitt des letzten Jahres nicht übersteigt. Die hiernach im August nicht beigemahlene Quote ist int Lause deS Erntejahr cS nachzuholen. Soweit die Grobmühlen im August mehr mahlen, al« dem Monatsdurchschnitt entspricht, ist sofort die der Mehrmenge entsprechende Quote Inlandweizen beizumahlen. Dieser Dorschlag werde von den Mühlen akzeptiert, von den Dcrtretem der Stadt und de- Landesarbeitsamte« befürwortet, und die Der- tretet der Landwirtschaft würden ihn ihren Epitzenorganisationen zur Annahme empfehlen. In einer entsprechenden Eingabe an Len Reichs- ernährung-minister bittet die Industrie- und Handelskammer, diesen Dorschlägen entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, damit eine Stillegung der Grobmühlen und die damit verbundenen schweren wirtschaftlichen Schädigungen vermieden werden. Weizenemte und DennahlungSzwang. WTD. D c r I i n, 28. Juli. Mit Rücksicht auf die Derxögerung der Weizenernte in maßgeblichen Anbaugebieten hat der ReichSmini- ster für Ernährung und Landwirtschaft zunächst von der Festsetzung einer starren De r - mahlungsquote für den Monat 21 u g u ft abgesehen. Damit tritt der in Artikel I § 1 de« DermahlunaSzwangsgesetzes vor- ?esehene Zustand ein, daß in der Zeit vom . August bis zum 30. Lovember 1930 mindestens 40 v. H. Inlandweizen zu vermahlen find. Der Reich-minister für Ernährung und Landwirtschaft wird aber den weiteren Derlauf der Erntebewegung und der Marktentwicklung ständig beobachten. und. sobald sich das Ernteergebnis klar übersehen läpt, eine neue Entscheidung treffen. Es bleibt dabei Vorbehalten, bereit« im Laufe des Monat« August einen höheren Der* mahlungSsah festzusehen, wobei die für di« ersten beiden Augustwochen geltende Quote zu verrechnen sein wird. Kulisse vereinzelt zu Deckungen, so daß sich in einigen Werten geringfügige Erholungen durchsetzen konnten. Leicht gebessert eröffneten I.-G- Farben, plus 0,75 Prozent. Don Elektrowerien waren Siemens und Licht & Kraft leicht gebessert. während AEG. unverändert blieben. Die Llmsatztätigkeit blieb auch am Montanmarkt sehr gering. Die Kurse waren unverändert. Mehr unter Druck standen Zellstoffwerte, von denen Aschaffenburg 0,5 Prozent und Waldhof 1,5 Prozent nachgaben. Don Lokalwerten waren Metallgesellschaft 1 Prozent schwächer. Schiffahrtswerte konnten sich um Druchteile eines Prozentes befestigen. Die Mehrzahl der Dankaktien lag bis zu 1 Prozent niedriger. Darmcr Dank lagen aber gut gehalten. Renten still. Don deutschen Anleihen zogen Altbesih leicht an. Don Ausländern waren Anatolier wieder etwas fester. Im Der- laufe besserte sich die Tendenz etwas. Auf Dek- tun gen der Spekulation gingen die Spitzenwerte gegen Anfang bis zu 2 Prozent höher um. Im übrigen betrugen die Erholungen bis zu 1 Prozent. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 3,5 Prozent unverändert. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,184 250, gegen Pfund 20,3790, London gegen Kabel 4,8705, gegen Paris 123,76, gegen Mailand 92,95, gegen Madrid 43,65 (etwas schwächer), gegen Schweiz 25,0550, gegen Holland 12,0913. Berliner Börse. De r I i n . 29. Juli. Den Erwartungen des heutigen Dormittagsverkehrs entsprechend, eröffnete die heutige Dorfe in überwiegend schwächerer Haltung. Die auf den Kursen per Ultimo August im Vergleich zum Vortage liegenden Reports waren schon gestern abend größtenteils wieder verlorengegangen. Aber darüber hinaus waren die ersten Dotierungen heute erneut noch mehrprozentig rückgängig. Reue Meldungen von Arbeiterentlassungen, vie 25er- schlechterung der Lage in der Metallindustrie, weitere unkontrollierbare Insolvenzgerüchte usw. waren Momente, die auf die Stimmung drückten. Das Fehlen neuer Limite zum Monatsanfang wirkte geschäftshemmend. Die Dildung einiger neuer Parteien gab nur einen Grund zur Deunruhigung. Es kam weiteres Material heraus. Man wollte von Glattstellungen zum Zahltage wissen. Die 25anfen wurden hierdurch zu Interventionen veranlaßt. Das Ausland zeigte auf niedrigerer Vasis eher Kaufneigung. Während zu den ersten Kurzen Salzdetfurth, Miag, Schubert & Salzer und Julius Derger besonders schwach lagen, zeigten Schuckert, Deutsche ßino- leum und Conti Gummi ziemlich widerstandsfähige Haltung. Ausländer nur teilweise fester. Deutsche Anleihen lagen behauptet. Pfandbriefe eher weiter zur Schwäche neigend. Der Geldmarkt war zum Ultimo steifer. Tagesgeld 3,5 bis 5,5 v. H ; die übrigen Sätze waren unverändert. Irn Verlause waren die Kurse bei kleinern Geschäft nur geringfügig verändert. Teilweise setzten sich Erholungen durch. AKU. plus 2L5v. H., Karstadt, Siemens, Schultheiß 1 bis 1,5 v. H. höher. Berliner Prodnktcnmarkt. Der lin, 28. Juli. Der Produktenmarkt eröffnete den neuen DerichtSabschnitt in stetiger Haltung. Don Uebcrfee lagen besondere Anregungen nicht vor. Tie 2Bettermelbungen aus den einzelnen Laüdesteilen Deutschlands lauten unterschiedlich und die Landwirtschaft hält mit Angebot etwas zurück, da man erst abwarten will, inwieweit die Liederfchläge der letzten Zeit die EmteauS- sichten beeinträchtigt haben. Da anderseits die Lachfrage nur mäßig war, ergaben sich im Prompt- und Lieferungsgeschäft nur unbedeutende Preisverschiebungen. Weizen- und Roggenmehle haben kleines Dedarfsgeschäst in Lokoware bei unveränderten Preisen. Hafer ist in feinen Qualitäten etwas beachtet, der Konsum greift jedoch nur zögernd ein. Wintergerste in unveränderter Marktlage. Für neue Sommergerste gehen die Preisspannen der 23ertäufer und Käufer zumeist noch weit auseinander. Es notierten für je 1000 kg: Weizen, märf., Juli 291,50 (ruhig), Sept. 264, Oft. 265, Dez. 270,50; Roggen, märt, 160 bis 163 (ruhig), Juli 177,50, Sept. 177, Oft. 182, Dez. 191; Futter- und Industrie- gerfte 174 bis 197 (stetig); Hafer, märt, 176 Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Oesfentliche Ditte an die Studenten, die e« angeht. Es liegt durchaus nicht in meiner Absicht, die studentische Fröhlichkeit unterbinden zu wollen; auch nicht das Vedürfnis, die während des Semesters sich ungeeigneten gesanglichen Kenntnisse an die breite Öffentlichkeit bringen zu wollen. Aber muß dieses gerade in der Vahn- hosstraße und ausgerechnet nachts oder früh morgen« fein? 9« wohnen dort schließlich auch Leute, die tagsüber arbeiten müssen und dec Lachtruhe dringend bedürfen, während dessen die Herren Sänger vollauf Gelegenheit haben, sich am nächsten Tag von diesen stimmlichen Strapazen auSzuruhen. 2Mre eigentlich nicht dec Philvsophenwald der geeignete Ort für derartige conbergcnüHe, an denen sich die Vöglein tm Walde besonder« ergötzen dürsten? Ditte beherzigen! Sin Anwohner der Dahnhosstraße für viele. | Oberbeffen. /Runö um Schotten." ♦ Scho11en. 28. Juli. Anläßlich des Motor- rad-Rennens „Rund um Schotten" ließ am Samstagabend die Stadt Schotten in ihrem festlich geschmückten Rathaussaal den Teilnehmern an dem Rennen und den Ehrengästen einen Ehren» trunf reichen. Bürgermeister Menge! sprach in herzlichen Worten den Dank und Willkommengruß der Stadt aus. Der Vorsitzende des hiesigen Klub». Dr. Dambmann, begrüßte namens der hiesigen Ortsgruppe. Den Dank der Fahrer und der obersten Sportleitung übermittelten der Vorsitzende der Can- dcsgruppc Hesfen-Hefsen-Rassau, E W. Becker (Frankfurt) und Fr. Wiese (Hannover). Am gestrigen Sonntagabend fand In der festlich geschmückten Turnhalle die feierliche Ueberreichung der Preise statt. Leben den hohen Geldpreisen, die den einzelnen Fahrern in ihren Klassen zufallen, erhielten die besten Fahrer noch wertvolle Ehrenpreise. Der hesiisch« Staat hatte einen Staat«prei«. einen schönen silbernen Decher geschenkt, Krei« und Stadt Schotten, 25ezirksfparkasse Schotten, Sparund Skibfaffe Ulrichstein, Turn« und Gesangverein Schotten und viele andere Private hatten Preise bewilligt. Der Deutsche Motorradfahrerverband. der Vorsitzende Decker, Frankfurt, u.a., gaben ebenfalls wertvolle Ehrenpreise. Lach Degrüfoung durch den Klubvorsitzenden Dr. Dambmann, Schotten, wurden die Preise den Fahrern durch den Vorsitzenden der Lande«- gruppe, Herrn Decker, überreicht. Letzterer sprach auch dem Klub, der Stadt und der ganzen Dürgerschaft besten Dank aus. Ihm schloß sich der Sportpräsident de« Deutschen Motorrad- fahrerverbande«, Schwabe, Hamburg, an. Er sprach sich außerordentlich lobenb über die ganze Durchführung der Veranstaltung und die wohl- gelungene Organisation aus, besonder« dankte er der Staat«-, Provinzial- und Kreisverwaltung für da- Entgegenkommen, daS der Sport hier finde. Kreisdirektor Dr. I a n n überbrachte die Glückwünsche des Kreises Schotten an den Klub und die Fahrer. Er fand treffliche Worte auf unser deutsches Vaterland und die Heimat. Damen« der Stadt beglückwünschte und dankte Dür- germetfter Menget. Er gedachte insbesondere auch des Gründers des Klub« und des Rennen«, des leider so früh verstorbenen W. E. Engler, für den ein Gektenkstein an der schönsten Stelle der Rennstrecke errichtet werden folL Dem schnellsten Fahrer de« Tages, S. Klein, Frankfurt, wurde der Wanderpreis der Stadt überreicht. Mit dem Rennen war auch eine Strahlenstern f a h r t verbunden. Don weither, Friedrichshafen, Glogau u. a. m. waren Auto- und Motorradfahrer gestartet. Den besten und weitesten Cinzelleistungen wurden Preise zugesprochen. Alle Teilnehmer an der Sternfahrt erhielten die geschmackvolle Plakette. Landkreis Gießen. • Reiskirchen, 28. Juli. 3m Saale de« Gastwirts Ferd. Guntrum (Reiskirchen) fand gestern eine sehr stark besuchte Derfamm- lung der Versicherun gsnehmer der Orte Reiskirchen, Saasen, Lindenstruth, Harbach, Hattenrod, Vurkhardsfelden, Oppenrod und Dersrod statt, di« sich mit der Zulassung von Dr. med. Schlierbach als Krankenkasse n a r z t beschäftigte. Lachdem einer Eingabe einer großen Anzahl Kassenmitaljeder nicht statt- gegeben worden war, und die Einwohner o6igec Gemeinden sich feit Atoei 3ahren um die Schaffung einer Arztstelle bemühen, sehen sich dje Versicherten veranlaßt, die Angelegenheit öffentlich zu behandeln. Es waren zu dieser Dcrfamm- lung sämtliche Krankenkassenvorstände, daS Oberversicherungsamt, die Presse usw. geladen. Lach Erklärungen des KraftwagensührerS Dalser nahm Herr Hohn (Frankfurt a. M.) zu längeren Ausführungen das Wort und sprach sich Dafür aus, dah es bei geschlossenem Willen der 23er- sicherten möglich sein müsse, die Zulassung de« Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe der zuletzt beichlosienen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o H., Lombardzinsfuß 5 o H • ;Vranfhin a. Ul. Berlin Schluß-, kur« | t-Uhr- Nur« Schluß« kur« Anfang» Nur« Votum 28. 7. 29. 7. 28. 7. 29- 7. 6% i.ruqa« »eiCD-amemt von 1927 ........ 87.75 88,25 7% ÄeldHanlelbe von 1929 ........ 102 102,1 a - Trutfd« ilnl..Jlbld( -Sdjulb mt 8UitioLten....... 59,9 60,15 60 60,1 ebne AuUol.-Rechie . . B% Odl. i^olttflaat von 1929 / 75 7,8 7.75 (rüdtflblb 108%)..... Cberbetten Provinz • anleibe mi — — 96,75 — Au,.»' -Rechten ...... 59 _ — _ Leurlche flomm. SammelabL 59,5 _ 59,1 6% Rtantl. Hvv.-Vank Holbpfe XIII unkündbar bi« 1931 . . 7% Rtanlf. Hvv.-Vank OJoIbpfe 101,5 — — — unkündbar bi« 1932 .... e ®oibrente . . 26,5 26,6 3.4 4,20% OellerreichÜche Gilbecrent» 4% Oesterreich,iche LinbeilUch- 3,4 — — Sentt ..... 2 «% Ungarische Soldrente .... 24 _ 24 23,8 4% Ungarische Gtaaiirente v. 1910 _ 20J Ie Bergbau....... 10 — * 228 79 79 SSln-Reuessen....... — — >0,13 80.75 Mannelmann-Röbren . • • . 7 3,5 — 83 81,6 — 61,9 62,5 Cberitblei. «iienbe&arf . . . . 6 — >0,5 — Cbetidilel. ÄoUmerte . . . . — — 32,9 83.25 Pdöni^ Bergbau...... '6,5 76.4 '6,25 76,6 Sbeinlldie Braun ko hl en . • 10 213 213 212 210.25 .................. . 6 SO — 9,65 69,5 Ätebed Montan...... 7,2 — — — - Zronttun a. Ul. Berlin Sch-uß-l für« | 1-Uhr- Kur« Schluß- kur« 8nfeny Kur« Votum 2 9 7. 28. 1. 29- 1. Bereinigie Lioblwcrte Ctaoi Minen .... 77 — 76,5 76.5 IS'/, — — 39.5 39,75 Kaliwerke Bscherlleben ■ • . 10 180 —— 180 179,25 Kaliwerke Sefteregeln Kaliwerke Salzbenurth » . 10 187 — 187 185,5 • . 15 314 — 316 312 I. ®. slarben Inboktrie Tvnomti Nobel . . . - . ir 149,5 149,9 150 149.75 a . . f — - aaaa Lcheideanklall.... ■ . . e 138 — — «oldschmidf .... • a . . 6 54 — 54 55,5 Sütfletiroerte .... . . 6 48 — 49 47.75 MetollgeleOlchask. . . . . k 105,5 104,5 105,5 104 74 — 74 73 Zementwerk Heidelberg . 10 102 — - Cemennverk Karlslobt. • . 10 127,5 — waob 1 Rtcbiofl . . - - .. f 70 — 70 — Gdmltbeü $Q6e «betet . 15 — — 258 257 Cftroerfe ..... a . 12 — 208 207 Aku ....... . 1t i9.75 89.75 19.5 89.75 »emberg...... . 14 90 90,5 ■0,75 90.5 ZellstofI TSaldbol . . 13*;, • 127,5 129 126.5 Zellltokl SUchos'enbura ■ . 12 — 98,5 100 98,25 Cbarlottenburger kSalser • . . fr — — 94.5 93,6 Teliauer ... a . . 9 — — 126.75 127,25 Taimier Tictoren . . . . 0 28 — 28 27 Deutsche Linoleum . . • . >81 181 ■ 80 181,5 Mchchinenbau ?! -0. . . . 0 — — 18,5 39,5 Nai. Automobil . . . . v * • • 0.65 10,25 Ctenheir & Koppel . • • . . 6 — — 61,5 61,25 Leonbaro Ties . . . . 10 <28 — 130 $ oenito . . » — 106 306 .trankkurrer Tloidinira _ 4 71,5 — 20 - (Sn^nei ..... . . f 32 — 32 . . 0 — — — —- Lechwerie...... 36 — 35 — . . 8 — — Timnkrostwerke HSchii M . . 8 <9,25 — — SHOfl . . . 10 88 — 90 86 C*tbx. Roeder ... . 10 99 — Borgt & Hoessner . . a ■ . . 9 152 152.* —— süddeutsche Zucker . • e . 10 150,25 150,25 150 — Banknoten. Berlin, 28. Zull k^elb W ” Amerikanische 91 ölen...... 4J6? 4,185 Belgische Noten ....... 58.46 58,70 Dänische Noien ........ 111,78 112,22 Sng:ische Noten ....... 20,325 20.405 stranzosilckw Noten..... . 16,435 16,495 Holländische Noten ....... 168.01 168.69 tztalll-nische Noien........ 21,88 21.96 Norwegische Noten....... 111,78 112,22 Leuksch-Lefterretch, 4 100 Schilling 59,08 59,32 Rumänische Noten....... 2,46 2,41 Schwedische Noten ....... 112,18 112,62 Schweizer Noten ........ 81,19 81.51 Spanische Noien ........ 47,12 47.32 lichechollowokische Noien..... 12,385 12,445 Ungarische Noten . ...... 73.13 73,43 veoi cnmartl Berlin — Frankfurt a. ZU. 78. Juli 29. Zoll Amtliche Neuerung Amtliche Xohenmfl Geld rwe> Geld »rie. AmkU-NoN. 168,37 168,71 168,35 168.69 Buen-, AireS 1,515 1.519 1.505 1,509 Brss.-Antw- 58.49 58,61 58.505 58.625 ffbriftianm 112,06 112,28 112,06 112,28 KooendogkN 112,11 112,33 112,10 112,32 Stockdolm . 112,46 112,68 112,45 112,67 HelitnaforS- Htolien . . . London. . . Neunort . . 10,524 21.905 10,554 21,945 10,519 21.895 10,539 21,935 20,355 20,395 20,354 20,394 4,181 4,189 4,180 4,188 PoriS.... 16,45 16,49 16,445 16,485 Schweiz . . <1,245 47,35 81.405 81,235 81,395 Sva en . 47.45 46,70 46,80 Japan • . . 2.066 2,070 2.063 2.067 tt'0 de gan- Dien in D-- 0.446 0,448 0,435 0,437 Ceft. obaefi 59,12 59,24 59.10 59.22 Prag . . . 12,407 12,422 12.395 12.415 Bei irad . . 7,422 7,436 7,418 7.432 Vndavrii. . 73,31 73,45 73,31 73,45 8u('arten 3,033 3,039 3,032 3,038 Lissabon 18,81 18.85 18,79 18,83 lonua. . . Äonft nrm. 81,40 81,56 81.40 81,56 1.784 1,789 1,784 1,789 Alben. . 5,43 5.44 5.43 5,44 Canada 4,186 4,196 3,519 4,185 4,193 Uru uav. 3,511 3,477 3,483 Cairo - - 20,87 20,19 20,85 20,83 Herrn Dr. Schlierbach zur Krankenkasfenpraxrs zu erreichen. Nachdem sich noch verschiedene Redner in ähnlichem Sinne ausgesprochen hatten, wobei auch zum Ausdruck kam, dah die Kassen in den Städten nicht so engherzig handeln würden, ferner die Mitglieder, sowie auch die Kasse kehr viel Geld sparen könnten, da Weg- und Dahnkosten nach Großcn-Buseck Wegfällen würden, wurde eine Entschließung einstimmig angenommen, die besagt, dah die Versicherten obiger Gemeinden, die eine Gesamteinwohnerschaft von rund 4000 Personen besitzen, die sofortige Zulassung des Herrn Dr. med. Schlierbach als Kassenarzt verlangen. Die Entschließung soll dem Dersicherungsamt Gießen übermittelt werden, und es wäre zu hoffen, dah dem Wunsche Rechnung getragen wird. Eine persönliche Angelegenheit, die noch behandelt wurde, soll im Hessischen Landtag zur Sprache gebracht werden. § Daubringcn, 26. Juli. Die Provinzialstraße nach Mainzlar, die erst im vergangenen Jahre eine umfangreiche Erneuerung erfuhr, wird gegenwärtig zwecks verstärkter Haltbarkeit geteert. Es handelt sich um eine Teerart, die außerordentlich rasch trocknet und sofort abbindet, so dah der Durchgangsverkehr keinerlei Hemmnisse erleidet. Dieselbe Oberslächenbehand- lung erfährt im Anschluß daran die Provinzial- strahe durch das mittlere Lumdatal bis nach Treis. — Der ungemein starke Durchgangsverkehr an Krafträdern und Autos, infolge der Umleitung Lollar—Daubringen—Gießen, der nun fast über einen Monat anhält, hat unsere Dorf st raße und die Gießener Straße in einen derart schlechten Zustand verseht, dah selbst bei gemäßigter Geschwindigkeit alle Fahrzeuge jederzeit in Gefahr schweben, verunglücken zu können. In den letzten Tagen brach an zwei die Straße passierenden Autos je eine Achse, so dah die Kraftwagen abgeschleppt werden muhten. Die Provinzialstrahenverwaltung wird nicht umhin können, nach Schluß des Llmleitungsverkehrs auch die obengenannte Straße einer durchgreifenden Erneuerung zu unterziehen. -o- O b e r - V e s s i n g e n , 28. Juli. Welch' gewaltiger Verkehr gestern die Straße Lich — Laubach anläßlich des Rennens „Rund um Schotten" belastete, zeigen nachstehende Zahlen: Von nachmittags 2.30 bis 6.30 41hr fuhren an unserem Dorfe, von Schotten kommend, nach genauer Zählung 590 Motorräder vorüber. Vorher hatte aber schon eine ganze Anzahl die Straße passiert. Die jungen Leute, die von 4 bis 6.30 Mr die vorübereilenden Fahrräder und Autos genau zählten, stellten von ersteren 350 und letzteren 82 fest. Zieht man die verschiedenen Zugangsstrahen nach Schotten in Betracht, so kann man sich ungefähr ein Bild davon machen, wie groß die Zahl der Fahrzeuge gewesen ist, die in Schotten sich ansammelten, zumal die obengenannte Straße doch wohl diejenige ist, die den geringsten Verkehr nach Schotten aufzuweisen hatte. Dritter Gießener Ferienkurs. Im weiteren Verlaufe des Dritten Gießener Ferienkurses sprach Professor Dr. M o m b e r t über das Thema „Kultur und Wirtschaft". Der Redner sagte u. a.: Kultur und Wirtschaft bedingen sich in mancher Hinsicht, in anderer können sie starke Gegensätze enthalten. Das erste ist der Fall, wenn man an die Kultur im materiellen oder objektiven Sinne denkt, das letztere, wenn man diejenige im subjektiven oder geistigen Sinne im Auge hat. Die Wirtschaft ist nicht Selbstzweck. Sie hat vielmehr die Aufgabe, die Mittel für andere, höhere Zwecke zu schaffen. Die Entwicklung ging jedoch dahin, daß die Wirtschaft über die Aufgabe, Dienerin des Menschen zu sein, hinausgewachsen und zu seiner Herrin geworden ist, und damit der Kultur gefährlich werden kann. Es handelt sich hierbei vor allem darum, dah derjenige, der heute im Wirtschaftsleben steht, immer mehr bei seinem Handeln zwangsläufigen Einflüssen unterliegt, oder darum, dah das Vordringen der Maschine den Menschen immer mehr zu ihrem Diener herabdrückt, dah damit die Zerlegung der Arbeit in immer mehr mechanische und geistlose Teilprozesse zunimmt und so die Arbeitsfreude und das Interesse an der Arbeit zurückgeht. Die Wirtschaft, die der Bedarfsdeckung des Menschen dienen soll, macht sich immer selbständiger: diese Aufgabe der Bedarfsdeckung tritt immer mehr hinter anderen Motiven, namentlich hinter dem Erwerbsstreben, zurück. Wer ein Glied der heutigen Wirtschaft ist, muh sich deren Zwang unterwerfen, mag auch sein so bedingtes Handeln durchaus im Widerspruch mit dem stehen, was der Mensch selbst innerlich für richtig und gut empfindet. In diesem Gegensatz liegt heute der wichtigste Zusammenhang von Kultur und Wirtschaft, dessen Problematik gerade in neuerer Zeit uns besonders zum Bewußtsein gekommen ist. Damit hängt es zusammen, dah gerade in den letzten Jahren diese Seite der wirtschaftlichen Entwicklung einer besonders, scharfen Kritik von den verschiedensten Seiten unterworfen worden ist. Freilich darf man über dieser negativen Seite unserer wirtschaftlichen Entwicklung auch nicht ihre positiven Leistungen außer acht lassen: die Tatsache nämlich, daß sie mit der Schaffung so gewaltiger wirtschaftlicher Energien die Voraussetzung dafür war, dah Volkszahl und Lebenshaltung in einem Ausmaße ansteigen konnten, wie niemals zuvor in der Vergangenheit. Bei allen Reformvorschlägen der heutigen Art der Wirtschaft gegenüber darf man die Frage nicht vernachlässigen, ob es möglich ist, ihre Bedeutung in unserem Leben zurückzudrängen, ohne daß dabei diese positiven Leistungen der Wirtschaft für uns Menschen eine Einbuße erfahren. Weiter hielt Professor Dr. Messer Vorlesungen über: „Pädagogische Probleme der Gegenwart". Der Vortragende behandelte dabei folgende Gebiete: 1. Pädagogik und Philos o- phie: Die in der Herbartschen Schule herrschende Auffassung des Verhältnisses von Philosophie und Pädagogik. Die Bekämpfung dieser Auffassung. Die Forderung der Autonomie der Pädagogik. Das relative Recht dieser Forderung. Ihr Versagen hinsichtlich des Erziehungsziels. Weltanschauung und Erziehungsziel. Die Aufgabe der Philosophie, insbesondere der Wertphilosophie bezüglich dieses Problems. — 2. Auf- bau des Bildungswesens: A. Der Streit um das Reichsschulgeseh. Die Gründe für~ die Konsessionalisierung des Schulwesens. (Die päpstliche Enzyklika.) Die Gründe gegen die Konfessionsschule. B. Das Derechtigungswesen. Die äkeberfüllung der höheren Schulen und der Hochschulen. Ursachen und voraussichtliche Wirkungen. C. Das Volkshochschulwesen. Wandlungen in seiner Zielsetzung. Allgemeines über Vorbildung und Fortbildung. — 3. Der Geist unserer Erziehung: Die Forderung der Verfassung. Die Verwirklichung dieser Forderung. Die Kernfrage der staatsbürgerlichen Erziehung: Erziehung zu allgemeiner Staatsgesinnung oder für die bestehende Staatsform. Die Haltung der Jugend und die dadurch sich ergebende pädagogische Aufgabe. * Privatdozent Dr. Gerber sprach in Verbindung mit praktischen Demonstrationen über: „Die Wege der neuen Tonkunst". Die große Stilwandlung, die sich in der modernen Musik der beiden letzten Jahrzehnte vollzogen hat, ist durch die Entwicklung der romantischen und impressionistischen Tonkunst des 19. Jahrhunderts bedingt. Deren charakteristische Merkmale sind: 1. Weitung und Sprengung der klassischen Formenwelt (Bruckner, Mahler): 2. Verdrängung des rein musikalischen Gestaltungs- Prinzips durch die formbildende Kraft eines „Programms" (Sins. Dichtung: Derlioz, Liszt, R. Strauß): 3. Vorherrschaft des Literarischen im allgemeinen (R. Wagner, H. Wolf, R. Strauß); 4. Auflösung der klassischen Tonalität mit dem Endstadium der Atonalität (franz. Impressionismus, M. Reger). — Der Wendepunkt und gleichzeitige Beginn der eigentlichen Musikrevolution wird gekennzeichnet durch die Werke Arnold Schönbergs feit 1909. Sein Tonsatz ist atonal, antiharmonisch, linear-melodisch, seine Tonsprache inliterarisch, fein Gestaltungsideal expressionistisch. Eine Reaktion gegen den überspitzten Individualismus Schönbergs erfolgte in den Rachkriegsjahren mit dem elementaren Durchbruch der musikalischen Substanzen (Klang und Rhythmus). Eindringen exotischer Element« (Jazz), Parodie der klassisch-romantischen Musik. Die Hauptvertreter sind: Stravinski, Hindemith. Bela Bartok, Krenek. Die gewollte Primitivität dieser Musik wird etwa seit 1923 durch ein Streben zur „neuen Sachlichkeit" gemildert. Atonalität und lineare Polyphonie, die Haupterrungenschaften der modernen Musik, werden zu neuen Gestaltungen gebunden, wobei der Anschluß an die mittelalterliche und barocke Tonkunst sichtbar zutage tritt. Die jüngsten Bestrebungen (namentlich Hindemiths im Verein mit der musikalischen Jugendbewegung- beziehen sich auf die Popularisierung der modernen Tonsprache. Kirche unö Schule. WSR. Bad-Rauheim, 28.Juli. Der in der hiesigen katholischen Kirche befindliche Hochaltar, von der Künstlerhand des Professors Schnell in Ravensburg geschaffen, hat jetzt in harmonischer Ergänzung einen vom gleichenKünstler hergestelltenMuttergottesaltar erhalten. Dieser Altar ist der Stiftung eines holländischen Kurgastes zu danken. Seine Weihe erfolgte ^ynter großen Anteilnahme der Kirchengemeinde, sowie zahlreicher Kurgäste. Gegen das Wundlaufen der Füsse und gegen Fußschweiß ist KAISER- BORAX das zuverlässigste und beste antiseptische Heil- und Vorbeugungsmittel. Tägliche Fussbäder mit Zusatz von KAISER-BORAX (2—3 Kaffeelöffel auf ca. 3 Liter Wasser) wirken nicht nur reinigend und erfrischend, sondern besonders auch schweissverhindernd, heilend und kräftigend; sie verhüten das schmerzhafte Wundwerden und Brennen der Füsse und beseitigen den lästigen Schweissgeruch. Bei besonders starkem Fußschweiss empfiehlt es sich, nach dem Baden die Fußsohlen (nach gutem Trockenreiben) mit KAISER- BORAX-Wuudpuder zu bestreuen. Beim Einkauf verlange man ausdrücklich die Marke KAISER-BORAX in den roten Originalpackungen mit ausführlicher Gebrauchsanweisung. Heinrich Mack Nach!.,Ulm a.D. . und bis zum 10. Jahre dürfen Sie als besorgte Mutter für die zarte, empfindliche Haut Ihres Kindes nur die milde, reine NIVEA KINDERSEIFE verwenden. 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Der OberbürgermeistM Betr.: Vergleichsverfahren über das Ver-1 Geburts-Anzeigen mögen der Georg Appel Witwe, Hefe^rühl^leßen Johannette Marie geb. Moll, allei- I Theater Cafe Ernit Ludwig Morgen Mittwoch, 4 Uhr: Tanz-Tee 04732 Abends 8 Uhr: Gefellfchafts-Tanz Vergleichsverfahren. lieber das Vermögen des Richard Loewenthal, alleinigen Inhabers der Firma Richard Loewenthal & Co. in Gießen, Bahnhofstraße 1, ist am 28. Juli 1930, 16'A Uhr, das Vergleichsverfahren zur Abwendung des Konkurses eröffnet worden. Der Geschäftsführer Hermann Kirchner in Gießen, Am Nahrungsberg 16, ist zur Vertrauensperson ernannt. Termin zur Verhandlung über den Vergleichsvorschlag ist auf 5324D Donnerstag, den 21. August 1930 15 Uhr vor dem hessischen Amtsgericht in Gießen, Saal 204, 2. Obergeschoß, anberaumt. Der Antrag auf Eröffnung des Verfahrens nebst seinen Anlagen und das Ergebnis der weiteren Ermittlungen sind auf der Geschäftsstelle zur Einsicht der Beteiligten niedergelegt. Gießen, den 28. Juli 1930. 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