Kr. 75 Erstes Matt 180. Jahrgang Zamstag, 29. März 1950 Eriche »n> loglich.autzer Sonntags und Feienag» Beilagen. Die 3Uu[tnerte (Siebener g-arrnlienblätter Heimat im Bild Die Scholle Dlonats Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Rcichspfennig für Träger# lohn, auch bet Richter» scheinen emzelnerNummern infolge höherer Gewalt. 5ernfvrechanfchlüste anter5ammelnummer2251 Anschrift für Drahtnach» richten. Anzeiger Eietzen. povscheckkonto: gronlfurt am Main 11686. GietzeimAnzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen Vrnckvnd Verlag: vrühl'fche Unlversilälr-Vuch- vnd Stdnörutferei tt. Lange in Stehen. Schristlettung und Geschastsftelle: Schullttahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer vis zum Rachmittag vorher. Preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig, für Rehlameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°, mehr. Chefredakteur: Dr Friedr Wilh Gange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Wilh Gange, für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Mar Filler, sämtlich tn (Biegen Der lebende Leichnam. Endlich eine Tat, endlich ein Entschluß! Es ist bezeichnend für den geringen Grad des Vertrauens, auf den sich das Kabinett Hermann Müller im Laufe der 1| Jahre seines Bestehens herunterge- wirtjchaftet hat, daß feine Dem.ffion, fein längst überfälliger Verzicht auf die Führung der Reichsgeschäfte, sein rühmloses Verschwinden von der politischen Bühne als befreiende Tat gewertet wer- Len muß, als endliche Erläfuna von einer aus der Hilflosigkeit und dem Treibenlassen der Verantwortlichen geborenen Depression, aus Mutlosigkeit und Verzweiflung, die unser Volk in feinen breitesten Schichten ersaßt und sich lähmend auf die Wirtschaft aelcgt hat. Mit dieser Regierungskrisis muß und kann endlich ein neuer Antrieb für Politik und Wirtschaft kommen. Mit neuen Männern unter einer frischen, entschlußsreudigen und selbstbewußten Führung kann der Kampf gegen den Pessimis- mus, den schlimmsten Feind jedes Fortschritts, jedes Vorankommens, mit Aussicht auf Erfolg aufgenommen werden. Der Start des neuen Kurses macht jedenfalls einen guten, zuversichtlichen Eindruck. Man scheint doch alle Anstrengungen zu machen, möglichst schnell ein neues handlungsfähiges Kabinett auf die Beine zu bringen und ihm von vornherein gegenüber den Aspirationen der Parteien hinreichend Bewegungsfreiheit zu sichern, damit wenigstens die dringendsten Ausgaben, Staffen» fenierung und Finanzreform ohne weitere Verschleppung, die bis heute schon Geld und Straft Übergang gekostet hat, erledigt werden. Hoffen wir nur, daß die neuen Männer die alten Sünden des Systems vermeiden und sich nicht an das Gängelband der Parteien legen lassen. „Die Reichsregierung bedarf des Vertrauens des Reichstags", dieser lapidare Satz der Reichsverfassung, aus dem für die politische Entwicklung des deutschen Volkes schon so viel Unheil entsprungen ist, bedeutet keineswegs, daß das Reichskabinett sich zum Vollzugsausschuß der Koalitionsparteien degradieren lassen soll und sich der Diktatur allmächtiger Fraktionsfunktionäre beugen muß. Die Führung der Reichsgeschäfte liegt beim Reichskanzler, und ein Staatsmann, dem das Wort „Führung" nicht Begriff ohne Inhalt geblieben ist, wird energisch und klug aus der Vertrauensfrage eine scharfe Waffe schmieden können, itüt der er das Parlament bei seiner Verantwortung jjrft und seine Gefolgschaft erzwingt. Aber es ist m Deutschland her Nachkriegszeit schon mancher Reichskanzler selbstbewußt und siegessicher gestartet, dcm schon bei der Auswahl seiner Mitarbeiter die Parteien unlösbare Fesseln überstreiften, der Gefangener der Fraktionen wurde, bevor er sein Kabinett beisammen hatte und das Vertrauen des Reichstags erbat. Bei der politischen Struktur des deutschen Volkes und der eigentümlichen Einstellung des Deutschen zur Politik schlechthin wird es auch in Zeiten schwerster Not nur einer starken Hand gelingen, den durch agitatorische Rücksichten und eigennützige Interessen vielfach gehemmten Parteien durchschlagende politische Erfolge ab.yutrofcen. Einem routinierten parlamentarischen „Taktiker" nie Marx oder Müller, mag es gelingen, sich unverhältnismäßig lange am Ruder zu halten, wenn er seine Politik nach dem Grundsatz des geringsten Widerstandes einrichtet und sich zufrieden gibt mit den Brosamen, die von der Parteien Tische fallen. Aber mag es ihm auch glücken, in stabileren Zeiten eine Politik ruhigen, stetigen Ausbaues zu gewährleisten, wie es dem letzten Kabinett Marx beschie- ben war, so muß doch eine ähnliche Methode auch bei gesicherten Mehrheitsverhältnissen in einer politisch wie wirtschaftlich krisenhaft zugespitzten Lage die politische Entwicklung unfehlbar zum Stagnieren, z..m Versacken, zur Versumpfung führen. Das Kabinett Hermann Müller war schon seit Monaten ein lebender Leichnam, der die politische Atmosphäre verpestete und spätestens hätte beseitigt werden müssen, als mit der Annahme der Pounggesetze die Epoche der außenpolitischen Konsolidierung wenigstens im Westen — man mag zu dem Resultat als solchem stehen, wie man will — zu einem gewissen Abschluß gebracht worden war imh ein neuer Abschnitt begonnen werden mußte, in dem d i e großen innerpolitischen Reformen den Vorrang beanspruchen werden. Vielleicht hatte der ehemalige badische Staatspräsident 2r. H e I p a ch , der in diesen Tagen dem Reichstag entmutigt den Rücken gekehrt hat, Recht mit feiner Behauptung, daß die Annahme der Poung- Gesetze mit den Sozialdemokraten erfolgen müßte, veil sie der Schlußstein einer von den Sozialdemo- i traten maßgeblich beeinflußten Politik waren, daß . 65 aber zu viel verlangt sei, nun auch mit ihnen tie inneren Reformen machen zu wollen, von denen | wesentliche mit der sozialistischen Parteidoktrin kaum 1 gu vereinbaren sind. Den Sozialdemokraten scheint selber ein ähnliches Gefühl aufgehämmert zu fein. ; Sie hätten sich sonst wohl kaum in dem Streitpunkt der Arbeitslosenversicherung ohne zwingende Not in eine Sage hineinmanövriert, in der sie sich einer geschlossenen Front der bürgerlichen Koalitionsparteien gegenüber sahen und aus der es nur durch Nach- . geben ober Auffliegenlassen her Regierungskoalition ein Entkommen gab. Die sozialdemokratische Fraktion hat sich im Gegensatz zu ihren Ministern Hermann Müller, Severing und Robert Schmidt und unter offenbarem Druck der wohl von dem bisherigen Arbeitsminister Wissell mobil gemachten freien Gewerkschaften für letzteres entschieden und damit eine schwere politische Niederlage in Kauf genommen, um sich, dem von Helpach empfohlenen R-zept folgend, rechtzeitig aus der Verantwor- tung zurückzuziehen. An sich hätten wir diese Erholung von der unbequemen und undankbaren Re- aierungsöerantmortung, die sich nun die Sozialdemo. Fratie verschrieben hat, eher der Deutschen ® o l f 6 p a r te i gegönnt, die der großen, ihr bevor- stehenden Ausgabe, der Sammlung der bürgerlichen Dr. Brüning bei -er Regierungsbildung. Ein Kabinett -er Mitte ohne koalitionsmäßige Bn-ung. - Unterstützung der Wirtfchasts- partei und der Volkrkonfervativen. - Verhandlungen mit dem Landbundführer Schiele. Der Auftrag des Reichspräsidenten. Ohne koalitionsmätzige Bindung. Berlin, 28. März. (IDID. Funkspruch.) Der Herr Reichsprüsid n t von Hindenburg empfing heule vormittag, wie schon kur; gemeldet, den Reichstagsabgeordncten Dr. Brüning (Zentrum) und erteilte ihm den Auftrag zur Neubildung der Reichsregierung, hierbei brachte der Herr Reichspräsident zum Ausdruck, daß es Ihm angesichts der Schwierigkeiten der parla- menlarifchen Lage nicht zweckmäßig erscheine, die künftige Reichsregierung auf einer koalitionsmäßigen Bindung aufzubauen. Dr. Brüning hat den ihm in tiefer Form erteilten Auftrag angenommen. — Außerdem empfing der Herr Reichspräsident heute vormittag den Reichstagspräsidenten L o e b e zu einer Besprechung der durch den Gesamlrücktritl der Reichsregierung entstandenen politischen Lage. Der Herr Reichspräsident empfing auch die deutschnationalen Reichstagsabgeordneten hugenberg und Schiele. Diese Tatsache wird in parlamentarischen Kreisen dahin gedeutet, daß auch der Reichspräsident versucht, den Abg. Schleie zu bewegen, in das Reichs- kabinettals Lrnährungsminister ein- z u t r e t e n. Brünings Verhandlungen Berlin, 28.März. (L.R.B.) Am Ende der langen Reihe der Besprechungen, die D r. Brüning den ganzen lag über mit Abgeordneten der ZHiltel- parteien hatte, empfing er gegen 20.30 Uhr noch einmal Herrn Schiele. Rian hatte angenommen, daß Schleie die Antwort auf die Frage mitbringen würde, ob er bereit sei, in das Kabinett einzutreten. Er hat seine grundsätzliche Bereitschaft erklärt, aber hinzugefügt, daß sie nut für feine eigene Person gelte. Damit sind die Hoffnungen der Mittelparleien auf einen starken Zuwachs aus den Reihen der Deutschnationalen nicht in Erfüllung gegangen. Allerdings nimmt man auch jetzt noch an, daß die Freunde des Herrn Schiele nicht gegen ihn stimmen würden. Außerdem hat Schiele zwei Garantien verlangt, 1. dafür, daß er auch wirklich die INöglichkelt habe, sein Agrarprogramm durchzusehen, und 2., daß das Kabinett Brüning fein außenpolitisches G e- sicht dem Osten zuwende. Auf diese zweite Forderung ist wohl das Gerücht zurückzuführen, Herr Schiele habe erklärt, er sei nicht in der Lage, mit Dr. Eurtius zusammenzuarbeiten. Lr hat diese Behauptung der Deutschen Doltspartei gegenüber entschieden b e ft r i t f e n. Rian kann nun an- nehmen, daß Dr. Brüning am Samstagvormittag die fachlichen Unterlagen für die Agrar- und die Ostpolitik feines Kabinetts klären und daß namentlich die O st p o li t l k zwischen Herrn Schiele und dem Reichsaußenminisler Dr. Lurtius besprochen werden wird. Damit hat allerdings der erste lag der Verhandlungen Dr. Brüning noch nicht zu einem Abschluß geführt. Reben der hauptschwierigkeit, die mit dem Ramen Schiele zusammenhängt, scheinen a u ch i m Zentrum noch Strömungen gegen Dr. Lurtius zu bestehen. Dr. Scholz hat Herrn Dr. Brüning abev auf das bestimmteste erklärt, daß die Deutsche volkspartei an ihren beiden bisherigen Ministern f e st h a l I e , und zwar den Personen wie den Aemtern nach. Dr. Brüning hat den Führer der Deutschen Volkspartei auch noch den Posten des Vizekanzlers angeboten. Dr. Scholz hat sich seine Entscheidung Vorbehalten, bis die Frage der beiden volksparleilichen Minister erledigt ist. Auf der anderen Seite bestehen in Kreisen der Deutschen Volkspartei offenbar Hemmungen gegen ein Innenmini st erlum 11$ i r l b. Dr. Wirth gilt aber als der aussichtsreichste Kandidat für dieses Ministerium. Auch im übrigen sind alle Fragen noch offen: Die Wirtschaftspartei hat sich nur qnfer der Bedingung bereit erklärt, Professor Bredt für den Posten des I u st i; m i n i st e r s zur Verfügung zu stellen, daß Herr Schiele mitmacht. Es scheint, daß die Minister G r o e n e r und Schätzet auch im neuen Kabinett verbleiben. Für das Reichsarbeitsministerium galt in den Abendstunden der bisherige Reichsmini- fter Stegerwald als sicher. Später verlautete aber, daß Herr Stegerwald a b g e l e h n t habe. Dr. Dietrich wird dem neuen Kabinett aller Wahrscheinlichkeit nach wieder angehören; man nennt ihn für das Verkehrs- oder für das Reichswirt- schaftsminifterlum. Ferner ist die Frage, in welcher Form die Lhristlichnat^onale Arbeitsgemeinschaft im Kabinett vertreten sein wird, noch keineswegs beantwortet, wie überhaupt alle Ministerlisten, die in Form von Gerüchten im Reichstag herumgereicht werden, als Kombinattonen zu werten find. Die Aussichten der Bemühungen Dr. Brünings werden auch weiterhin optimistisch beurteilt, wenn man auch am Ende des ersten Tages sestsiellen muh, daß sich mehr sachliche und personelle Schwierigkeiten gezeigt haben, als in politischen Kreisen heute früh noch erwartet wurde. Brünings Ziel. Sammlung dcr staatspvfitiven Kräfte. Berlin, 28. März. (E.N.B. Eigene Meldung.) Ziel der Bemühungen des Abgeordneten Brüning ist es, wie die „Germania" erklärt, die ft a a t s - positiven Kräfte zu einer Zusammenarbeit zu sammeln, wo immer sie zu finden sind. Die Parteien werden es verstehen müssen, daß der Wille zu dieser Sammlung im Volke wach ae- worden ist und vom Volke her gebieterisch nach Verwirklichung drängt. Sie werden auch den Ernst der Situation erkennen müssen und sich nicht täuschen dürfen über den Grad der politischen Müdigkeit, die das ewige Diskutieren draußen im Lande bereits hervorgerufen hat. Ob der große Versuch gelingt, das hängt nicht allein von dem Mut und der Selbstverleugnung ab, mit der eine junge und führend« Kraft der Zentrumspartei die Aufgabe übernommen hat; es wird vielmehr im höheren Maße noch davon ab« Ijängen, ob sie das Verständnis und die Unterstützung finden wird, deren sie bedarf. Um Schiele. Tie Haltung dcr Teutschnationalcn. Berlin, 29. März. (EBB.) Die „Deutsche Zeitung" meldete Der Abgeordnete Schiele hat — was angesichts dcr Haltung der Fraktion auch das einzig Mögliche ist-- bereits zu erkennen gegeben, daß er im Falle seines Eintritts in das Kabinett sein Mandat als deutschnationaler Abgeordneter niederlegen würde. Unter dieser Voraussetzung hat Dr. Schiele sich in den Abendstunden schließlich grundsätzlich zum Eintritt in das Kabinett und zur Llebernahmc des Aeichsernährungs- ministeriums bereit erklärt. — Lieber das Gerücht, daß eine Sezession der Gruppe Schiele zu erwarten sei, sind sichere Rachrich- ten nicht in Erfahrung zu bringen. Man spricht auch von der Möglichkeit, daß die Führung der Deutschnationalen Dolkspartei, um einer weiteren Absplitterung zu begegnen, das Kabinett Brüning zunächst tolerieren könnte. Oie deutschnationale Fraktion gegen den Eintritt Schieles. Berlin, 29. März. (VDZ.) In der deutschnationalen Fraktionssitzung berichtete der Parteivor- sitzende Dr. Hugenberg über die gegenwärtige politische Lage, ohne daß sich an seine theoretisch gehaltenen Darlegungen eine eigentliche Erörterung knüpfte. Ein formeller Beschluß ist nicht gefaßt worden, aber man kann es als allgemeine Meinung der Fraktion ansehen, daß sich di« Fraktion oder ein Mitglied derselben nicht an der Regierungsbildung beteiligen kann. Man hält deshalb in deutschnationalen Kreisen die Frage Schiele für erledigt. Auf jeden Fall wird von den Deutschnationalen allen Gerüchten, als ob es zu einer Spaltung der Fraktion kommen konnte, mit Entschiedenheit widersprochen. Man verspricht sich eine gedeihliche Losung der Krise nur dadurch, daß der R.eichstag und möglich st auch der Preußische Landtag a u f g e I ö ft wird. Die Sozialdemokrajen nach dem Mülritt des Kabinetts. Weitgehende Meinungsverschiedenheiten Berlin, 28. März. (EBB.) Bor dem sozialdemokratischen Parteiausschuh erstattete der bisherige Reichskanzler Müller einen Situationsbericht. Er gab seinem Bedauern über den Gang der Entwicklung im Reiche Ausdruck und erklärte, man dürfte eine Machtposition, tote sie die Sozialdemokraten durch ihre Teilnahme an der Regierung innegehabt hätten, nicht um verhältnismäßig kleiner Dinge Wil le, n auf geben. Der bisherige Reichsarbeitsminister Wissell vertrat gegenüber Müller seinen Standpunkt in der Arbeitslosenfrage und wurde darin von dem Gewerkschaftler Reichstagsabgeordneten Müller-Lichtenberg im Ramen des Gewerk- schaftsbundes unterstützt. Der dem linken Flügel der S.P.D. angehörendc sächsische Reichstagsabgeordnete Seydewih begrüßte das Ende der Großen Koalition, die schon lange brüchig gewesen sei. Er bedauert, daß die S.P.D. nicht schon früher aus der Regie- Mitte schneller und gründlicher in her Opposition hätte gerecht werden "tonnen. Es hätte auch parlamentarischer Gepflogenheit entsprochen, die Partei, die zur Regierungskrisis Veranlassung gab, in diesem Falle also bie Sozialdemokratie, mit der Verantwortung für das zu belasten, was nun werden soll. Dieser Weg hätte auch das für sich gehabt, daß endlich einmal die sozialistische Mißwirtschaft, die in der Aera Hilferding schon erstaunliche Blüten getrieben hat, nun aber ohne das Feigenblatt der Volkspartei bis zum Ende durchexerziert worden wäre. Vielleicht wären dann unverbesserlichen Optimisten, die erst aufwachen werden, wenn die Segnungen des Bolschewismus Deutschland beglücken, eiwas früher die Augen aufgegangen. Staatsminister Scholz, Strejemanns Nachfolger in der Führung der Deutschen Volkspartei hat auf dem Mannheimer Parteitag davon gesprochen, daß im heutigen Deutschland ohne die Sozialdemokratie ober gar gegen bie Sozialdemokratie nicht regiert werden könne. Wenn er damit sagen wollte, daß ohne ober gegen bie Arbeiterschaft nicht regiert werben könne, würde seine Sentenz ihre Richtigkeit haben, aber diese Gleichsetzung hieße verkennen, daß auch bie bürgerlichen Parteien, namentlich bas Zentrum unb die Christlich-Sozialen, einen großen Teil der deutschen Arbeiterschaft zu ihren Anhängern zählen. Richtig wäre es auch, wenn Scholz sagen wollte, daß die oielbercbete und agitatorisch ausgewertete „Sozialreaktion" im modernen Deutschland ein Ding der Unmöglichkeit märe. Aber die Arbeitslosenversicherung, der Schlußstein des großen, von Bismarck begonnenen sozialen Versicherungswerts, ist, wenn wir uns recht entsinnen, von einem unter maßgeblichem deutschnatio- isalem Einfluß stehenden Kabinett ohne Beteiligung der Sozialdemokraten geschaffen worden; und heißt das etwa Sozialreaktion, wenn die Arbeitslosenversicherung, an deren Grundsätzen niemand rütteln will, von den in der Praxis erst offen zu Tage getretenen schädlichen Auswüchsen bereinigt wird, um ihre Segnungen den wirklich Bedürftigen und Notleidenden und denen allein, wie es der Gesetzgeber gewollt hat, zuzuwenden? Heißt das etwa Sozialreaktion, wenn man versucht, die Arbeitslosenversicherung auf die eigene Beine zu stellen, um damit den Reichsetat von einem durch die Wirtschaftskonjunktur beeinflußten Faktor größter Unsicherheit zu befreien, der eine Gesundung der Reichs- sinanzen unmöglich macht? Wenn die Sozialdemokratie sich jeder Erörterung einer Reform der Arbeitslosenversicherung versagte und schon hinter den bedenklich abgeschwächten, weil alles wesentliche vertagenden Kompromißvorschlägen der bürgerlichen Koalitionspartner das Gespenst des Abbaus der Sozialpolitik witterte, so deshalb, weil sie die skrupellose Hetze ihrer kommunistischen Konkurrenz fürchtet unb der kommunistischen Zellenbilbung in Betrieben und Gewerkschaften nur durch eine starre Ablehnung aller sozialpolitischen Reformen begegnen zu können meint. So siegte der Gewerkschaftsflügel über die Politiker in her Partei, so siegte Herr Wissell über Hermann Müller im Kabinett. Unb bie sozialistischen Minister, von ihrer Partei im Stich gelassen, fühlten sich nicht unabhängig genug, ohne unb gegebenenfalls gegen ihre Fraktion in offener Feldschlacht dem Reichstag das Deckungsprogramm für den Reichsetat abzuzwingen, eine betrübliche Bestätigung von der Richttgkeit des neuesten von dem sozialistischen Kultusminister Grimme kreierten Schlagworts, das von dem neudeutschen Minister als „Exponenten einer Machtgruppe" spricht. Der Reichspräsident hat sich zu dem oben angebeuteten Experiment einer sozialistischen Alleinherrschaft nicht entschließen können. Er hat den jungen Führer der Zentrumsfraktion, Dr. Brüning, mit der Regierungsbildung beauftragt, einen Mann, der schon während der letzten Lebenswochen des nicht sterbenwollenden Kabinetts Müller mehr unb mehr sich bie gäben in bie Hand gespielt hat und nun offenbar mit überraschendem Elan daran geht, gemäß dem Auftrage des Reichspräsidenten, sich ohne koalitfonsmüßige Bindung die M.larbeiter zu suchen, die er für den bestimmten, durch die pMäre Lage der Reichsfinanzen und der Wirtschaft, namentlich der Landwirtschaft fest umgrenzten Aufgabenkreis braucht. Besonders begrüßen wir es, daß Reichspräsident und designierter Regierungschef sich um die Mitwirkung des Landbund- führers Dr. Schiele im neuen Kabinett bemühen. Wir hoffen, daß es Herrn Brüning gelingen möge, auch die anderen Ressorts mit Leuten von Rang mit Energie, Erfahrung und genügender politischer Robustheit zu besetzen. Ob er bann mit bem ohne den Segen der Parteien zustandegekommenen Kabinett versuchen wird, ein Deckungsprogramm unter Einschluß der Arbeitslosenversicherungsreform, der Steuersenkungen für 1931 unb der Ausgabenbrosse- lung im Reichstag burchzusetzen ober ob er vom Reichspräsibenlen bie ihm zweifellos in Aussicht gestellte Ermächtigung aus bem Artikel 48 her Reichsverfassung zur Durchführung der notwendigen Maßnahmen auf dem Derordnungsweg« mit anschließender Reichstagsauflosung erbitten wird, ist eine reine Zweckmäßigkeitsfrage, die heute iwch nicht entschieden werden kann, wo man die Zusammensetzung des Kabinetts unb die Einstellung der Parteien zu ihm noch nicht kennt. Aber schon wenn bie Regierungsbildung schnell erfolgt unb Dr. Brüning es oermeibet, sich in das Gezerr der Fraktionen hineinziehen zu lassen, wird ihm das in zwölf Jahren Parlamentsherrschaft genügsam gewordene deutsche-Volk ein Maß von Vertrauen entgegenbringen, das hinlänglich ausreichen dürfte, gegebenenfalls auch ohne Reichstag die dringendsten Aufgaben zu erledigen. rung ausgetreten sei. Ein Teil der Parteiausschuhmitglieder erklärte, er billige die Haltung der Mehrheit der Reichstagsfraktion nicht. Der V o r st a n d der Sozialdemokratischen Partei veröffentlicht in der heutigen Morgenausgabe des „Vorwärts" einen Aufruf, in dem er die Haltung der Sozialdemokratie in der Arbeitslosenversicherungsfrage, die zu dem Rücktritt des Kabinetts Hermann Müller beigetragen hat. zu rechtfertigen versucht und an den feierlichen Beschluß des Magdeburger Parteitages erinnert, an der Arbeitslosenversiche- rung nicht rütteln zu lassen. „Den Kampf, den die Sozialdemokratie in der Regierung geführt hat." heißt es zum Schluß des Aufrufe-, „wird sie außerhalb der Regierung f o r t s e h e n." Sin Moratorium für den Osten. DieDcutschnationaien fordern ein 9totgesetz Berlin, 26.März. (TU.) Die Abgeordneten Dr. Hugenberg, Dr. Schiele und Dr. Oberfohren haben im Reichstag eine Interpellation cinge- bracht, in der ein Moratorium für den Osten gefordert wird. In der Interpellation heißt es u. a.: Der Zus ammenbruch der Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse hat gan^ allgemein besonders aber in der Provinz Ostpreußen. Pommern, Grenzmark, Posen-West- preuhen, Brandenburg. Oberschlesien. Riederschlesien und Mecklenburg, sowie den angrenzenden Gebieten zu unhaltbaren Verhältnissen geführt. Die bisherigen Anforderungen von feiten der öffentlichen Hand an S teuern und anderen Lasten, haben die landwirtschaftlichen Betriebe r e st l o s erschöpft und besonders im Osten erheb- liche Eingriffe indieSubstanz in einem Umfange erforderlich gemacht, daß eine ordnungsmäßige Bewirtschaftung in der Mehrzahl der Fälle nicht mehr gegeben ist. Die Interpellation verlangt: 1. Vorlage eine- besonderen Rot- g e s e h e s, durch das dem Osten bis zur Wiedererlangung der immer wieder versprochenen Lebensgrundlage ein Zahlungsaufschub gewährt wird. 2. Vorlage eines besonderen Gesetze« über ein Vergleichsverfahren bei landwirtschaftlichen Betrieben, das im Falle von Zahlung-st ockungen vor Einleitung von Zwangsversteigerungen, Zwangsverwaltungen oder Maßnahmen der Zwangsvollstreckung in das bewegliche Vermögen ein außergerichtliches oder gerichtliches Vergleichsverfahren vorschreibt. Dazu 3. Bereitstellung von jährlich mindestens 200 Millionen Reichsmark für den Osten auf die Dauer von fünf Jahren zur Senkung der Zinsen auf Reichsbankdiskont zur Schaffung eines Betriebserhaltungsfonds für Betriebe aller Größen zur Fortsetzung der Umschuldung und zur Regulierung der Kreditverhältnisse. Unzulängliche Steuerpolitik. Kritik des demokratischen Abgeordneten Fischer. Berlin. 23. März. (TU.) Dor der „Bremer Gesellschaft von 1914* sprach der demokratische Reichstagsabgeordnete Dr. Hermann Fischer über die Reuorientierung unserer Wirtschaftsund Finanzpolitik. Dr. Fischer erklärte, die Steuerkompromißvorschläge der letzten Wochen feien gegenüber den Erfordernissen der Wirtschaft unzulänglich. Es bestehe die große Gefahr, daß nach den bisherigen finanzpolitischen Plä- •nen d i e Ersparnisse des Boungplans. statt Volk und Wirtschaft eine Entlastung zu bringen, in den Kaffen der öffentlichen Hand restlos verschwinden. Denn über die diesjährigen Ersparnisse des Voungplanes hinaus sollten noch insgesamt 6 0 0 Millionen neue Steuern für die Reichsfinanzen aufgebracht werden, während alle bisherigen Dparpläne für das Iahr 1931 nur Ersparnisse vorsehen, die in ihrer Höhe höchstens bis an die zusätzlichen Steuern des Iahres 1930 heranreichen, so daß im besten Fall eine Umgruppierung der Steuern erfolge, aber feine Senkung der G e s a m t st e u e r l a st. auf die es allein ankomme. Das sei insbesondere vom reparationspolitischen Standpunkt ans höchst gefährlich, weil eine eventuelle spätere Revision deS.Doungplancs nur dann durchführbar fei, wenn wir den Rachweis sparsamsten Wirtschaftens in unserem eigenen Hause erbringen können. Oer neue Skandal in der Berlmer Siadlverwaltnng. Lukrative Grundstiicksgeschäste. Berlin, 28.März. (WTB.) Die Untersu» chungen der Staatsanwaltschaft zur Klärung der gegen Mitglieder der städtischen Körperschaften erhobenen Beschuldigungen in Verbindung mit Erpressungsversuchen, An- und Verkäufen von Grundstücken usw., haben einen Umfang angenommen, daß mit einem baldigen Abschluß nicht gerechnet werden kann, zumal einige Beschuldigte und Zeugen im Auslande weilen ober nicht zu ermitteln waren. Belastet sind auch Personen, die schon in der Sklarek-Un- t e r s u ch u n g eine Rolle gespielt haben. Bemerkenswert erscheint, daß auch die Bürgermeister Kohl und Schneider sowie die Stadträte a. D. Gäbel und Segen«: bei den Grundstückstransaktionen eine noch ungeklärte Rolle gespielt haben sollen. Schneider hat lebhaftes 3 n te reffe an dem Erwerb der Grundstücke in der Strahlauer Straße und an anderen Objekten bekundet, und Kohl soll bei mehreren Käufen sekundiert haben. Roch unaufgeklärt ist, wer die hohen Kautionen für die Entlassung aus der Untersuchungshaft der beiden Stadträte Gäbel und Degener gestellt hat. Beide waren unvermögend, lebten aber auf großem Fuße und verfügten trotzdem über Mittel zur Anschaffung von Lurusgegenständen. Zwei andere Mitglieder der städtischen Körperschaften konnten fidj, wie Bürgermeister Kohl (Köpenick), in Dahlem und Rahnsdorf usw. luxerios eingerichtete Dillen erbauen. Auch die Rolle, die einige Herren, wie Stadtrat Busch, als Schiedsrichter gespielt haben, möchte man restlos aufklären. Es lind angeblich von der B.V.G. recht ansehnliche Honorare bis zu 2 5 0 0 0 Mark an einige Schiedsrichter gezahlt worden. Dazu kommt noch, daß zwei Herren, die noch vor nicht langer Zeit ein Verhältnis- | auch die Finanzämter an diesen Vorgängen ein laubig g i;ng€3 Einkommen versteuerten, g r o - lebhaftes Interesse haben. Wie weit die Stadt Here Summen nach England und der in erheblichem Umfange geschädigt worden ist, Schweiz überwiesen Haden sollen, so daß | steht noch nicht fest. Die Noiingdebatte in Paris, 28. März. (WTB.) Die Kammer setzte die Aussprache über die Ratifizierung des Voungplanes fort. Oberstleutnant Fabry (Fraktion Maginot) erklärte, daß feine Fraktion für den Voungplan stimmen werde. Dubois (Fraktion Marin) erflärt, der QJoung- plan gebe Frankreich nur e Ih Zehntel dessen, was ihm eigentlich zustehe, und die einzige Garantie sei die moralische Verpflichtung Deutsch- lands, die Klauseln des Poungplanes auszuführen. Die Kammer möge sich ihre Entscheidung reiflich überlegen. H e r r i o t übt Kritik an dem Voungplan, weil er die im Dawesplan enthaltenen Garantien aufgebe. Art. 430 des Versailler Vertrages und die Reparationskommission würden durch die Haager Abkommen hinfällig. Ministerpräsident T a r d i e u wirst ein: Die amerikanischen Sachverständigen haben erklärt, wenn die Revarationskommission beibehalten würde, gebe es keinen Voungplan. Herriot betont : Er sei für internationaleSanktio- n e n, die an die Stelle der nationalen Sanktionen treten müßten. Niemand könne befreiten, daß der Dawesplan vortrefflich gearbeitet habe. Er habe Frankreich in runden Ziffern 25 Milliarden Frank eingebracht, und zwar ohne eine diplomatische Schwierigkeit. Herriot vergleicht den Text des Versailler Vertrages mit dem Text des Doungplans hinsichtlich der A k t i o n S f r e i - heit Frankreichs und fragt, warum diese Aktionsfreiheit überhaupt geschaffen wurde, da ja keine Uebereinstimmung der Alliierten mehr vorhanden sei. Wir werden für die Gesamtheit der Abkommen stimmen, trotz der Haltung des Ministerpräsidenten und trotz der Lücken, die die Abkommen enthalten, weil wir diese Abkommen als eine Etappe zu dem Ziele ansehen, an dem das endgültige Statut des Friedens durch eine Verständigung der Demokratien verwirklicht sein wird. her pariser Kammer. Der sozialistische Abgeordnete Paul-Don- cour warf die Frage auf: Wer ist befugt, selbst Feststellungen in der RheInland z o n e zu machen, In welcher Form und in welcher Frist? Er glaube nicht, daß eine Kontrolle, die nur auf gewisse Rationen erstreckt werde, die notwendige Kraft haben würde, Frankreich die notwendigen Garantien zu geben. Man könne nicht eine Kontrolle ausführen, die sich auf einige europäische Rationen erstrecken würde, denn diese Kontrolle würde nicht die Durchschlagskraft einer Internationalen allgemeinen Kontrolle haben. Um eine allgemeine und internationale Kontrolle auszuüben, fei eine diplomatische Aktion notwendig. In dem Maße, in dem Frankreich feine einseitigen Sicherheiten aufgebe, fei es gezwungen, feine Sicherheit in der Weltgemeinschaft zu suchen. Abg. D e r g e r y erklärte: Eine Schuld, die über 'die Leistungssähigekit des Schuldners hinausgehe. schwäche die vertragsschließenden Teile, und die Druckmittel, die gegenüber dem Schul- ner zur Anwendung gebracht werden tonnten, seien in einem solchen Falle beschränkt. Die Annahme des Voungplanes sei das formellste Dementi einer nach vielen Mißerfolgen endlich auf- gegebenen Politik gewesen. Es sei zu befürchten, düß die übergroße Macht der Internationalen Dank ein Faktor der finanizellen, kommerziellen und wirtschaftlichen Rivalität zwischen den Staaten fein werde. Die Politik des VoungplaneS bestche darin, 18 Finanzleuten eine beträchtliche Macht in die Hand zu geben. Das fei mehr als die nationalistische Politik, die ins Ruhrgebiet geführt habe. Die Finanzsachverständigen hätten festen Fuß gefaßt. Es werde schwer fein, ihnen ihren großen Einfluß wieder aus der Hand zu nehmen. Die Internationale Zahlungsbank könne über Rächt zu einem Werkzeug der sozialen Unterdrückung werden. Irühjahrslagung des Hessischen Landtags. Darmstadt, 28. März. (WHP.) Präsident Delp eröffnet das im Saal und auf der Tribüne gut besetzte Haus. Zu Ehren des verstorbenen sozialdemokratischen Abgeordneten Schaub, dem der Präsident einen warmen Rachruf widmet, erhebt sich das Haus. Reu tritt ein der Gewerkschaftssekretär Leber (Heidesheim). Der Präsident gedenkt der 45jährigen teit des früheren Staatspräsidenten Ulrich. — Das Gesetz über die Erstreckung des Finanzgesehes 1 9 2 9 auf die ersten drei Monate des neuen Rechnungsjahres 19 30 wird in erster und zweiter Lesung gegen Landbund, Kommunisten und die Stimme des Abg. Dr. Werner verabschiedet; nur die Kommunisten hatten dagegen Widerspruch erhoben. — Heber die Vorlage betreffend den Uebergang der hessischen Kraftwerke Wölfersheim und der Braunkohlenwerke (hefrag) an die Preußen-Elektra erstattet Abg. Lux eingehend Bericht. Abg. Dr. Werner (wild) erhebt dagegen Einspruch, daß es ihm unmöglich gemacht wurde, an den betreffenden Ausschuhverhandlungen teilzunehmen und daß die Regierung auf seine Anfrage keine Antwort für notwendig gehalten habe. Das könne nur bei einer Mehrheit geschehen, die sich hier selbst Entlastung von einer falschen Finanzaktion des demokratischen Finanzministers Henrich erteile. Die Öffentlichkeit habe ein Interesse, zu erfahren, wie hoch die Belastung an Kapital und Zins sei. Der abgeschlossene Vertrag bedeute angesichts der ungeheueren hessischen Opfer für den Staat und die Volkswirtschaft eine schwere Schädigung; unverantwortlich sei es, daß der Landtag heute erst zu dieser Frage Stellung nehmen könne, wo nichts mehr zu ändern sei. Finanzmini st er Kirnberger erflärt, daß die Regierungsantwort auf die Anfrage des Vorredners bereits am 3. Februar erteilt worden sei. Ein finanzieller Verlust ist für die Staatskasse nicht eingetreten. Früher haben die Werke eine Rendite von 30 000 Mk. abgeworfen; jetzt rechnen wir aus unserer Aktienbeteiligung bei der Preußen-Elektra mit einer Rendite von 250 000 bis 300 000 Mk. jährlich. Die Entwicklung hat entgegen allen Erwartungen einen anderen Laus genommen: Zinserhöhung, beträchtliche Einkaufsschwierigkeiten, größere Kapazität als Absatzmöglichkeit. Der Vertrag sei für Ober- Hessen ein Gewinn, dem ein so bedeutendes Werk erhalten bleibe. Auch für die Beamten find keinerlei Schädigungen zu erwarten. Im Falle der nicht zu erwartenden Stillegung würden die Beamten in den Staatsdienst zurück- übernommen. Abg. Dr. R i e p o t h (D. V. P.) weist darauf hin, daß die oberhefsischen Braunkohlenwerke ft et« ein Schmerzenskind des Staates waren. Der Landtag habe früher einstimmig der Stromerzeugung zugestimmt; der Deutsch- nationale Kindt habe das erhoffte große Geschäft sogar für Hessen ohne Frankfurt a. M. machen wollen. Allerdings seien die Strom- erzeugungsfosten z u hoch geworden. Rach dem Gang der Entwicklung lasse sich der Abschluß mit der Preag rechtfertigen. Daß diese die Werke, in die 20 Millionen investiert seien, ohne dringende Rot ftillegen werde, glaube er daher nicht. Die zur Zeit durch die Preag von der Provinz Oberhessen geforderten Bedingungen müßten jedoch unbedingt gemildert werden. Abg. Lux (Soz.) erklärt die Zustimmung seiner Partei mit Rücksicht auf die Zukunft Ober- Hessens und seiner Bevölkerung. Finanzmini st er Kirnberger stellt erneut fest, daß Hessen keine Millionen verloren habe. Die investierten Kapitalien haben wir in Aktien der Preag zurücker hak ten. An den hohen Bankschulden der Hesrag ist Hessen nicht mehr beteiligt. An der ganzen Sache ist nichts, was verschwiegen werden müßte oder sollte. Wir haben alle Auskunft gegeben und sind immer dazu bereit Rach Erklärungen der Abgeordneten Dr. Werner, Böhm (Dnt) Lux (Soz.) wird die Vorlage gegen die Kommunisten und Deutschnationalen genehmigt Abg. Schul erstattet Bericht über die Ausschuß- Verhandlung, die einstimmig die Aushebung der Immunität de» kommunistischen Abg. Sumpf wegen dessen „hervorragender Beteiligung an den Vorgängen in den Opelwerken zu Rüsselsheim" (Landfriedensbruch als Rädelsführer, Hausfriedensbruch) ergeben hatte. Abg. von der Schmidt (Komm.) wendet sich gegen die Vorlage und den von der Regierung unterstützten „Lügenfeldzug gegen die Kommunisten", weswegen er zur Ordnung gerufen wird. Die Triebfeder zu diesem Vorgehen gegen den Abg. Sumps sei die blasse Angst um den Profit. Innenminister Leuschner tritt den Darlegungen des Vorredners entgegen. Der Abg. Sumpf ist nicht gerufen morden. Das Vorgehen der Polizei in Rüsselsheim war ausgezeichnet und tadellos. Es ist kein Gummiknüppel, kein Karabiner, kein Seiten- gcwehr gebraucht worden. Es tarn darauf an, 7 0 00 Arbeitern Arbeit' und Erwerb z u sichern und sie gegen wenige Leute zu schützen, deren Ideen nur noch als pathologisch betrachtet werden können. Die 7000 Arbeiter waren dankbar dafür, daß der republikanische Staat seine Machtmittel ausnützte, um wenigen hirnverbrannten Menschen ihre Grenzen zu zeigen, die lediglich dem Faszismus Vorschub leisteten. Heber das Gesetz zur Men dem ng der Verfassung erstattet Abg. Kaul Bericht. Gegen die Deutsche Volkspartei und die Kommunisten wird die Dringlichkeit der Vorlage beschlossen. Abg. Dr. Wolff (Volksrechtspart.) ist grundsätzlich mit der vorgeschlagenen vierjährigen Legislaturperiode einverstanden und stimmt der Vorlage zu, da von zuständiger Seite zugesagt sei, die kleineren Parteien brauchten keine Befürchtungen zu hegen. Abg. Galm (Komm.) wendet sich gegen die Verlängerung der Legislaturperiode und das gesamte Gesetz. Der Verminderung der Abgeordnetenzahl stimmte er zu. Abg. Dr. R i e p o t h (D. V. P.) lehnt die Durchpcitschung einer so wichtigen Vorlage ab. Wir stimmen durchaus zu, wenn man die Verfassungsänderungen nur an Zweidrittelmehrheiten bindet, die Legisla turpe- riode grundsätzlich auf vier Jahre verlängern und die Z,a h l der Abgeordneten- Mandate herabsehen will. Wir freuen uns, daß jetzt auch die Sozialdemokraten sich hierfür erklären. Wir haben im Ausschuß eine loyale Erklärung gefordert, daß nach unserer eventuellen Zustimmung nicht nach drei Wochen der gegenwärtige Landtag auf vier Jahre verlängert wird. Das ist nicht geschehen; daher lehnen wir die Vorlage ab. Hm so auffälliger ist es, daß der Landbund sich für diese Verfassungsänderung einsetzt, obwohl noch gar nicht fest- steht, tote die Sparmaßnahmen der *Re, gicrung aussehen und was sie bringen werden. Abg. Dr. Müller (Landbund) erklärt seine Z u st i m m u n g. Die Kombinationen des volks- parteiiichen Redners seien nicht begründet. Rach der Einzelabstimmung - beantragt Dr. Riepoth (D. Dp.) namentliche Abstimmung. Diese erfolgte jedoch nicht. Das Gesetz wird mit 52 gegen 10 Stimmen bei 62 Anwesenden angenommen und damit die verfassungsmäßige Mehrheit erreicht. Gegen das Gesetz ftimmten sechs Volksparteiler, drei Kommunisten und ein Deutschnationaler. In der Debatte über die Vorgänge bei Opel spricht dann Abg. Reuter (Soz.) zu denOpel- vorfällen und rechnet in schärfster Weise mit den Kommunisten ab. Auch Abg. Galm (Komm. Opp.) kennzeichnet den Charakter der Kommunisten die in ihren Zeitungen von einer kleinen Revolution bei Opel geschrieben hätten, während Abg. Sumpf jetzt erkläre, es sei nur ein Keiner Spaziergang gewesen. Diese Verwilderung der politischen Gesinnung müsse gekennzeichnet werben. Durch solche Putsche werde nur der Sache der Arbeiterschaft geschadet und solchen .Führern" müsse jede Führereigenschaft ab gesprochen werden. Innenminister Leuschner schließt sich dieser letzteren Auffassung an. Abg. Zinnkan (Soz.) stellt fest, daß der kommunistische Abgeordnete Hammann bei den Wormser Hnruhen beim Eingreifen der Polizei in die „Zwölf Apostel" geflüchtet und dort von der Polizei heraus geholt worden sei. Die Immunität des Abg. Sumpf wird dann gegen drei Stimmen aufgehoben. Aus öfter Welt. Freispruch wegen Vestimmungsmensur. Zehn Studenten der Berliner Burschenschaft „Teutonia" wurden vom Amtsgerichtsrat Bu r- kardt beim Schöffengericht Moabit von der Anklage des Zweikampfes mit tödlichen Waffen freigesprochen. Die Studenten hatten Destimmungsmensuren ausgefachten. Rach einer Entscheidung des Reichsgerichtes find solche Mensuren gemäß den Bestimmungen des Strafgesetzbuches als Zweikampf zu bestrafen Trotzdem kam das Schöffengericht unter Leitung des Amtsgerichtsrates Burkardt nach langet Beratung zu seinem freisprech e n d e n HtteiL In der Begründung wird u. a. ausgeführt, die Destimmu :gsmensuren seien nicht zwischen feindlichen Paaren, son- oern zwischen Freunden und Kameraden ausgefochten worden, konnten also nicht als ernsthafter Zweikampf angesehen werden. DaS Gericht sei sich bewußt, mit seinem Urteil gegen die Rechtsprechung des Reichsgerichts anzukämp- fen. Rach seiner Auffassung sei die DestimmungS- menfur eine s portliche Betätigung, durch die bet junge Student Mut und Unerschrockenheit erwerben und die Technik de- Fechtens erlernen solle. Der Boxkampf sei hn allgemeinen weit gefährlicher als die Mensur. — Der Staatsanwalt hatte in allen Fällen drei Monate Festung beantragt. Der Schmugglerkönig von Brooklyn ermordet Ein unrühmlich bekannter Angehöriger der Neu- Yorker Unterwelt namens Giuseppe Farano- wich, der wegen seiner verkrüppelten Hand den Spitznamen „K r a 11 e n h o n d" führte, hat den Tod gesunden. Drei Mitglieder einer Schmugglerbande lauerten ihm im italienischen Viertel auf und ftrerften i h n mit sechs Revoloerschüs- fen nieder. Er galt als der größte Schmuggler In Rohalkohol in Brooklyn. Eine Besonderheit von ihm war, daß er stets sehr elegant gekleidet ging. Seine Krawattenperle soll einen Wert von 10 000 Mark gehabt haben. Wäh- rend seiner „Laufbahn" war der Tote dreimal wegen Mordes angeklagt gewesen, aber jedesmal freigesprochen worden. Einer dieser Fälle war der des sog. „Tonnenmordes" im Jahre 1918, wo ein Mann mit dreiundzwanzig Messerstichen tot in einer Tonne aufgefunden worden war. Ein Zweikampf zwischen Schwestern. Ein Vorgang, wie er nicht alle Tage vorkommen dürfte, hat sich in Mexiko abgespielt. Wegen eines Mannes, in den sie beide verliebt waren, gerieten zwei Schwestern ernstlich aneinander, als sie bei einem Fest hinter ihr gegenseitiges Geheimnis gekommen waren. Das heiße Blut mag ihnen den Gedanken eingegeben haben, miteinander um den Geliebten zu kämpfen. Sie forderten sich zum Zwei- kam Pf heraus, der in der Küche ihres Wohnhauses ausgefochten wurde. Die beiden Duellantinnen richteten sich durch Messerstiche dabei gegenseitig derart zu, daß sie in lebensgefährlichem Zustande ins Krankenhaus geschafft werden mußten. Oie Deiiprlane. Freitaa, lar b 15 ~$\orunj - ?ss >76/ rtamöfl. '■J q. Io • V' 'r >6 G woDtenfos Q neuer. O naiB oedecn ® wolKlg. O oedecn • Reoei> sehnet aOraupem e"c6ti KQewn'/r .©windstille. se* «eichte» Osi 0 nassioe» Südsüdwest stürmische- nordwest tie Piene fliegen mit dem winde Die do den Stationen stenenoen Zahlen gehen die Temperatur an. Oie Limen verenden Orte OKI gleiche« ut neeresmreau umccrecnneten Luftdruck Wettervoraussage. Die Islandstörung Hat sich weiter vertieft und beträchtlich an Ausdehnung gewonnen, so daß sich ihre Südseite mit über Deutschland erstreckt. Infolgedessen kommt es zur Westströmung, welche zwar mildes Wetter verursacht, aber im ganzen eine leichte Abkühlung mit sich bringt. Dabei wechselt zeitweise Bewölkung mit Aufheiterung. Das Auftreten von Niederschlägen ist in unserem Bezirk wohl nur vereinzelt und in geringer Menge zu erwarten. Wettervoraussage für Sonntag: Bewölkt und aufheitemb, mild, keine ober nur vereinzelt geringe Riederschläge, westliche Winbe. Witterungsaussichten f ü rM o n t a g: Langsame Abkühlung, vorwiegend trocken, teil- wolkig und teils auf heiternd. Lufttemperaturen am 28. März: mittags 15 Grad Celsius; abends 6,8 Grad; am 29. März: morgens 5 Grad Celsius. Maximum 15 Grad, Minimum —02, Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 28. März: abends 10,7 Grad; am 29. März: morgen» 5,2 Grad. — Sonnenscheindauer 5% Stunden. retten mit Goldmu echtem Goldbek Entgleisung^orc I c> WM 7/w»7/* 'M67/VZ Weißkraut 8 bis 15, Rotkraut 15 bis 20, gelbe | fiofrat Professor Dr. Walter Koenia zu Gießen Rüben 10 bis 15, rote Rüben 10 bis 15, Spinal aus sein Nachsuchen mit Wirkung vorn 1 April 1930 30 bis 35 Unter-Kohlrabi 8 biS 10, Grünkohl ab. — Durch Entschließung des Ministers für Siul* tue und Bildungswesen wurde der Studienreferendar Anton Bayer zu Gießen zum Studienassessor TrotiZoHerhöhung- Jäckchen zu 40 Pf reicht 4 Wochen. rldflt ATIKAH // Kaffee wird dadurch kräftiger im Geschmack, voller im Aroma, schöner im Aussehen! Wichtig nur: Bohnen feiner mahlen und mit Hilfe von „Webers Carlsbader“ besser ausnutzen. 15 bis 20, Rosenkohl 35 bis 40, Feldsalat 150 bis 180, Tomaten 70 bis 80, Zwiebeln 10 bis 15, Meerrettich 50 bis 70, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Kartoffeln 4'/, bis 5 (der Zentner 3,80 bis 4 Mk.), Aepfel 10 bis 15, Dörrobst 30 bis 35, Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120, Rüsse 50 bi- 80 Pf. das Pfund. Tauben (Stück) 70 bis 80, Eier 9 bis 10, Blumenkohl 50 bis 100, Salat 25 bis 30, Endivien 20 bis 60, Lauch 5 bis 15, Rettich 10 bis 20. Sellerie 10 bis 40 Pf. das Stück: Radieschen Bd. 15 bis 20 Pf. Cigarettenfabrik DelTa"G.m.D.H. Dpesden-A.16. Deutschlands meistgeraachte oPfg. Cigarette ohne Md st. its“ im Jahre 1918, 1510 Messerstichen tot worden war. i Schwestern. die Tage Vorkommen abgespielt. Degen beide verliebt Iwestern ernstlich .em Fest hinter ihr Dntmen waren. Da- Jedonken eingegeben dm Geliebten zu V\ä) jum 3toei* ^üche ihres Wohn- )ie beiden Dnelian- Messerstiche dabei sie in lebensgesähr- -ans geschasst werden Würden Sie einen edlen Wieinwein. aus einem Wasserglas hinken ? \\ KsM, Der wirkliche Kenner, der Mensch von feinster Bert. a,Qn98men|ut W ben ^.^erichteg ÖS* »toifentVi /Qaren, |Dn, fU!? R“Ve. .S™4? also nicht /dien werden. Das Urteil gZ ^^Destimniung-, .5 Uampf fei Sucher als die E hatte in allen tfSS!5** ui» stSsagk» . u unb ch weiter " o sich gewonnen» | & u,^tauna &d,e.C (titroniunS. ine |eidl1( !r im 9an£[ zeitive" AO h 15 ®rfl6 am Minimum $ i in iWi fl au ef . -v Die weit überwiegende Mehrzahl der Raucher der Welf raucht Cigaretten ohne Mundstück. Warum nicht auch Sie? Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 29. März 1930. ,Manschen war allein zu Haus .. Z AIS jetzt die Frühlingssonne ihre Strahlen auch |]u mir In mein Zimmer sandte, öffnete ich beide Imster weit, um das Himmelslicht cinströmen zu «assen. Bor mir auf dem Schreibtisch lag eine nichtige Arbeit, aber die Sonne war mir ein neuer Helfer. Sie lockte zwar und schien zu rufen: temm doch herausI Aber ich blieb standhaft wie xrt Knabe In dem bekannten Gedicht und sagte: Lcst laß mich fertig sein! Die Kinder auf der »kaße freilich Hatten es besser. Sie lärmten und engen, spielten und genossen den schönen Früh- ingStag. 3hre Stimmen schallten allzulaut zu rir ins Zimmer, und ich mußte die Fenster Meßen, leider. Während ich noch schrieb, wurde für kurze Augenblicke ganz ruhig, dann aber Erklang Die getragene, uralte Kinderwelse: Mariechen war allein zu Hau- . " ' Da legte ich doch den Federhalter weg, öffnete MSN neuem die Fenster und schaute hinaus: denn i ) cf€ Melodie rüttelte Die eigene Jugendzeit m meinem Herzen wach, ließ mich alles vergessen [hmb nur schauen und lauschen auf Die froDluije s!^Inderschar Da unten. Bor vielen, vielen Jahren ihing auch ich in Diesem Kreise, Jang auch ich i)i« einschmeichelnde Melodie mit, im Gleichschritt hnit meinen Kameradinnen. Ein Mädchen sah in Ker Mitte, die anderen gingen feierlich um es Kerum und fangen Zum Schluß wurde Dann ge- ^crnzt. Wenn Das CieD noch so traurig enDete, Lenn noch soviel MorDtaten Darin vorkamen, Lim Schluß wurde Doch getanzt! Sangen wir $),onalS nicht auch: Der Karl, Der war ein Räu- jber? ODer: Er stoch Mariechen in Das Herz? kNas lag uns an Der Deutschen Sprachlehre? ; Loch nein! Die KinDer spielten Das Lied zum Ijtixitenmal, aber sie fangen ja gar nichts von einem Mariechen. Las war ja ein ganz anderer j£ejt, aber diefelbe Melodie. Ich hörte: Dom- kköSchen war ein schönes Kind... Da kam der Ijunge Königssohn... Da feierten sie das Hoch- Izeitsfest... Ja, jetzt paßt Der Tanz zum Schluß. I Die kleinen Bübchen, die eben noch am Sandhau- Ifcn spielten, hörten auch aus und wurden von Den Lieberen Mädchen mit in den Kreis genommen. , Lieh! wie sie emsig mittrottelten, wie sie in Die Hände ■Hatschten I Und Die Knaben, die nebenan mit ihren Ml icke rn in die Kaute warfen, sie fangen den Schluß- j ie 1 von jeder Strophe mit, einer sogar Die zweite F Stimme! . Die Kinder scheinen unermüdlich zu sein. Nach Mein Dornröschen folgten: Ist die schwarze Köchin |bc?... Klein Eischen in der Mühle... Laßt uns Muis die Wiese gehn... Dort auf jenem hohen ■Berge ... Liebe Schwester tanz mit mir .. und noch L, ubere. Ich kenne sie alle, diese lieben Kindervolks- llirtcr. Wir fc-rnten sie einst von unfern größeren ■Geschwistern und gaben sie an die kleinen weiter. |6le pflanzen sich genau wie die Volkslieder von Ge- ■chlecht zu Geschlecht fort, Freude und Geben brin» ■hend. Sie sind unverwüstlich. Es kommen ja manch« ■ mal einige neue Liedchen dazu, aber M)ie uralten Melodien bleiben und werden weiter gesungen. Ich hatte eine Freundin, die einst viele Wochen in Norddeutschland gewesen war. Auch sie brachte uns neue Lieder mit Wir fangen sie und spielten danach. Aber unsere eigenen tarnen doch immer wieder obenauf. Was find gegen diese köstlichen Kinderlieber alle Schlager ober Operettenmelodien? Die Kinder hören sie von den Erwachsenen, fingen sie wohl mit, aber auf dem Spielplatz kehren sie zu Den alten vertrauten Weisen zurück. „Mariechen war allein zu Hau».. * fangen mir einst, langen unsere Mütter, und nun hören wir Die unschuldigen Liedchen von den Kleinsten auf der Straße. Die Mütter und Kindermädchen dort auf der Bant, die ihre Kinder auf dem Arm halten, schauen zu und summen mit. Das Kinderlied gehört mit zu den Frühlingsfreuden, genau so wie Lerchengesang und Deilchenduft. Und während ich meine Arbeit fortfetzte, ging un- willtürlich wie einst vor langen Jahren die Kinder- melodie mit mir: „Mariechen war allein zu Haus . ", ich sah mich mit fliegenden Zöpfen und turzen Röckchen im Kreise gehen, mit ernstem Gesicht und ganz dem Spiele hingegeben. ... Ich denke dies und denke das, ich sehne mich, und weiß nicht recht, nach was: Halb ist es Lust, halb ist es Klage, mein Herz, o sage, . «was webst du für Erinnerung in golden grüner Zweige Dämmerung? — Alte unnennbare Tage! (Mörike.) O. Schm. Karl Noack-Oormstadt t Am Nachmittag des 26. März starb Im Alter von nahezu 71 Jahren der Stadtbibliothekar i R. Karl N o a ck in Darmstadt. Der sich nicht nur um die Geschichte und das Geistesleben von Darmstadt, son- dem um die hessische Landes- und Volkskunde überhaupt sehr verdient gemacht hat. Am 12. April 1859 zu Fränkisch-Crumbach als Sohn des Revierförsters Friedrich Noack geboren, besuchte er in Darmstadt zunächst die Reinhardsche Prioatschule, von Herbst 1869 bis Herbst 1877 das Gymnasium und studierte dann in Leipzig Germanistik. Don März 1897 an leitete er in Darmstadt die neugegründete städtische Lese- und Bücherhalle bis zum Sommer 1924, wo er nach erreichter Altersgrenze in den Ruhestand trat. Aus kleinen Anfängen entwickelte er die Anstalt zu einer ansehnlichen Büchersammlung. Die gleiche Pflege ließ er auch dem von ihm verwalteten städtischen Museum angedeihen. Daneben entfaltete er eine vielseitige literarische Tätigkeit und oer- faßte zahlreiche Aufsätze für Zeitschriften, Zeitungen und Sammelwerke. Die Spezialgebiete seiner Stu- dien waren Namenforschung, Volkskunde, hessische Kunstgeschichte. Mit ihm ist nicht nur ein reiches Wissen dahingegangen, sondern auch ein guter, treuer, hilfsbereiter Mensch, dessen Schlichtheit und Bescheidenheit ihn oft im Schatten stehen und ihm nicht die gebührende Anerkennung zuteil werden ließen. Gießener Wochenmoffrktpretse. Es kosteten auf Dem heutigen Wochenmarkt: Butter 140. bis 170, Matte 30 bis 35. Käse (10 Stück) 60 biS 14fl. Wirsing 20 bis 35. iroontja ermoM ".gehöriger der Neu- seppe Parano. P rS ben 6 .führte, ha, den seiner Schmuggler, chen viertel aus und Reooioerschüs- lkL der g/ohte °h°l in Brooklyn. >r, daß er stets sehr Krawattenperle soll gehabt haben. Näh', er lote dreimal Taten für Lonntag 30 Mrz. Sonnenaufgang 5.42 Uhr. Sonnenuntergang 18.28 Uhr. - ÖKonDaufgang 6.01 Uhr. Mond- Untergang 18.54 Uhr. 1746: der spanische Maler und Radierer Fran- cisce De Goya y Lucientes in Fuente De Todes geboren (gestorben 1828); - 1862: Der Literar- Historiker Wilhelm Bode in Hornhausen geboren (gestorben 1922); - 1925: Der Anthroposoph Rudolf Steiner in Dörnach gestorben (geboren 1861). Daten für Montag, 31. März. Sonnenaufgang 5.40 Uhr, Sonnenuntergang 18.30 Uhr. - Mondaufgang 6.13 Uhr. Mond- Untergang 20.10 Uhr. 1596: Der Phito.oph RenS Descartes in La Hohe geboten (gestorben 1650); — 1727: Der englische Raturforscher Isaac Rewton In London gestorben (geboren 1643); — 1809: Der Schriftsteller Aikolaj Wassilij Gogol in Sorotschinzy geboten (gestorben 1852); — 1811: Der Chemiker Robert Wilhelm Bunsen in Göttingen geboren (gestorben 1899) H — , 1814: Einzug Der Verbündeten in Paris. Bornotizen. — Tageskalender für Samstag. Stauf- männifdjer Verein,'Ortsgewerbeverein: 6. Vortrag (Eine Wanderung durch den Schnelldampfer „Bremen"), 20 Uhr, Neue Aula. — Lichtspielhaus, Bahn- Hofstraße: ,Katharina Knie". — Astoria-Lichtfpiele: „Die Goldmine von Santa Pari" (mit Tom Mix) und „Varietö-Sterne". — Tageskalender für Sonntag. Stadt- theater: „Wie es euch gefällt", 8.30 bis 21 Uhr. — Bienenzüchtervsrein Gießen und Umgebung: Versammlung bei Straft, Frankfurter Straße 81. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Katharina Knie". — Astoria-Lichtspiele: „Die Goldmine oo'n Santa Pari" (mit Tom Mix) und „Variete-Sterne". Durch fremde Schuld. In der heutigen Ausgabe der Illustrierten des Gießener Anzeigers" wird zum 6. April der Beginn eines neuen großen Romans von A. von Panhags angekündigt. Das Werk ist betitelt „Durch fremde Schuld" Wir verweisen auch an dieser Stelle auf die Voranzeige. *• Personalien. In den Ruhestand versetzt wurde der ordentliche Professor in Der Philosophischen Fakultät der Landesuniversität Gießen Geh. ■'»bltuns-n N sMs * ernannt "DieMuseen sind am morgigen Sonntag zu gewöhnlichen Preisen geöffnet. *• Fahrplanänderungen der Reichsbahn. Der Personenzug 558 Mücke — Gießen kommt ab 1. April in Gießen um 7.10, anstatt seither 7.35 Uhr an. Der Personenzug 2559 Sonntags Gießen — Londorf fahrt ab 1. Avril in Gießen um 22.51 ab, anstatt seither 20.51 Uhr. ♦* Der Gießener Wochen markt findet vom 1. April ab in der Zeit von 7 bis 13 Uhr statt. Interessenten mögen die heutige Bekanntmachung der Stadtverwaltung beachten. Eine 21 u 9 ft e H u n g von Schülerinnen a r b e i te n der Goethe- und Schillerfchul« findet heute von 15 bis 18 Uhr und morgen von 11 bis 18 Uhr im Zeichenfaal der Goetheschule statt. Interessenten seien auf Die gestrige Anzeige hin- gewiesen. _ Ä = Vom hessischen Roten Kreuz. Der Hessische LanDesverein vom Roten Kreuz gibt bekannt, Daß Die Gruppen- und Zugsührcrprüfun- gen für Die Freiwilligen Sanitätskolonnen vom Roten Kreuz in Diesem Jahre wieder provinz- weise vorgenommen werden. Die Prüfung für Oberh essen findet am 18. Mai in Gießen statt. ** Der Verband mltteldeutfcher Rot- d 11 h 3 ü di t e r veranstaltet eine Ausstellung und Zuchtviehversteigerunfl für mitteldeutsches rotes Höhenvieh'am 4. April in Wetzlar. Näheres in der heutigen Anzeige._________________________________ Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr Samstag nachmittag geidjlofkn Für unverlangt eingefandte Manuskripte ohne beigefügte» Rückporto tdirD keine Gewähr übernommen _______________ Kaffee doch nicht teurer! Samenhaus Heinrich Hahn / Giefeen Blumen-, Gemüse- u. landwirtschaftliche Sämereien; Blumenzwiebeln und Knollen; Bedarfsartikel aller Art Jetzt können bei günstiger Witterung zur Aussaat kommen: Frühe Erbsen, Dicke Bohnen, Karotten, Teiefon3403 Porree, Sellerie, Melde, Zwiebeln, Spinat, Schwarzwurzeln, Früh-Lattich, Pflück- und Kopf-Salat ___________________________________________________________________________________________________________________________ 2222A Bekanntmachung. Der Wochenmarkt beginnt von Dien5- laa, den 1. April 1930 ab. vormittags um 7 Uhr und endigt um 13 Uhr. 2543C Gießen, den 29. März 1930. Der Oberbürgermeister. ___________I. B.: Klingspor.___________ Bekanntmachung. Die Rechnung der Israelitischen Religionsgemeinde Gießen für das Rechnungsjahr 1928 liegt zur Einsicht der Beteiligten acht Tage lang auf dem Bureau des Unterzeichneten, Alicenftraße 2, offen. 2586D Rur während dieser Frist können Einwendungen gegen die Richtigkeit erhoben werden. Gießen, den 28. März 1930. Der Vorstand der Israelitischen Religionsgemeind« Gießen. ______Louis Marcus._______ Holzsubmission Die Gemeinde Staufenberg vergibt im Wege schriftlichen Angebots nachstehend verzeichnetes Holz: 25460 Fichte, Langholz N. Is-Kl. 223 Stück, 39,37 fm lb- „ 221 „ 92,51 „ 2a= „ 137 „ 106,47 „ 2b- „ 32 „ 38,37 „ 3a° „ 12 „ 20,20 „ 3b- „ 2 „ 2,96 „ Das Holz ist mit Rinde gemessen, aber entrindet. Schriftliche Angebote sind, nach Klassen getrennt, bis zum TNiltwoch, dem 2. April, nachmittags 2 Uhr, auf hiesiger Bürgermeisterei einzureichen, woselbst die Bedingungen bekanntgegeben werden. Nähere Auskunft erteilt Förster Braun, Doubringen. Staufenberg, den 26. März 1930. Hessische Bürgermeisterei Staufenberg. ___________Meyer.___________ Nutzholzverkauf. Die Gemeinde Rodheim a. d. Bieber verkauft im Wege des schriftlichen Angebots folgendes Stammholz: 25540 Los 1. Fichtenstammholz Klaffe la bis 3b 118 Stück, 45,07 km. Los 2. Fichtenstammholz (mit Kiefern) Klasse la bis 3b 99 Stück, 40,89 km. Los 3. Lärchen (mit etwas Fichten und Kiefern) Klasse lb bis 3a 117 Stück, 52,22 fm. Los 4. Fichtenstammholz Klasse lb bis 2b 93 Stück, 38,26 fm. Los 5. Fichtenstammholz Klasse la bis 2b 76 Stück, 42 66 km. Kleine Aenderungcn vorbehalten. Angebote je Los und Klasse pro Fcstmeter bis zum 5. April 1930 unter der Aufschrift „Nutzholzverkauf" an das Bürgermeisteramt Rodhcim a. d. Bieber erbeten. Eröffnung der Angebote daselbst am 5. April 1930, nachmittags 3 Uhr. Zahlungsbedingungen x/a nach Zuschlag, % am 1. Mai 1930 und % am 1. August 1930. Rodheim a. d. Bieber, 28. März 1930. Der Bürgermeister. ________________Peppler.________________ Bullenverkauf. Die Gemeinde Hungen verkauft auf dem Submissionswege einen fetten Bullen. Angebote sind, mit entsprechender Aufschrift versehen, bis zum TNiltwoch, dem 2. April 1930, vormittags 10 Uhr, bei uns einzureichen, woselbst auch die Verkaufsbedin- gungen offenliegen. 25670 Hungen, den 27. März 1930. Bürgermeisterei Hungen. ____________Fendt.____________ Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Oberhörgern für Rj. 1930 liegt vom 29. TNär; bis 4. April 1930 zur Einsicht der Interessenten und etwaiger Erhebung von Einwendungen auf unserem Bureau offen. Es ist die Erhebung einer Umlage beschlossen, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. 25900 Ober-Hörgern, den 28. März 1930. Bürgermeisterei Ober-Hörgern. Müller. Bullenverkauf. Die Gemeinde Rodheim a. d. Bieber verkauft auf dem Wege des schriftlichen Angebots einen vollfleischigen, schlachtreifen Vogelsberger Bullen. Angebote auf pro Zentner Lebendgewicht sind verschlossen, mit entsprechender Aufschrift bis zum 1. April 1930, nachmittags 1 Uhr, bei dem Bürgermeisteramt Rodheim a. d. Bieber abzugeben, woselbst im Anschluß daran das Oeffnen der Angebote erfolgt. 25540 Der Bürgermeister. 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März (950 Das Ehrenbreitste n-Reichsehrenmal. Don Dipi.-Zng. K A. Zichner, Wiesbaden, Vorsitzendem der Mitlelrheinischen Gesellschaft zur pflege alter und neuer Kunst. Frei flattern die Fahnen auf dem Ehrenbrert- stein! Elf Jahre feindlicher Besatzung ertrug di« Stadt und die Länder am Zusammenfluß von Mosel und Rhein. Koblenz, „das Deutsche Eck", und gegenüber der wuchtige Fels mit seiner reichen geschichtlichen Vergangenheit: der Chrenbreitstein! Die vorzügliche Lage des Ehrenbreitstein wird schon von alten Chronisten, Matthias Merian, Sebastian Münster, Johannes Trithernius u. a. gepriesen, von landschaftlich seltener Schönheit erhebt sich steil der Fels gegenüber der Ein. mündung der Mosel in den Rhein, beherrscht nicht nur den Fluhlaus des Rheines auswärts und abwärts, sowie auch das Mündungsgebiet der Mosel mit den Ortschaften an den Ufern, sondern steht, weithin sichtbar, eine mächtige Wand, gewaltig und stark, dominierender Ao- schluh der weiten Ebene des Koblenzer Beckens Die alten Stiche und Bilder der früheren Jahrhunderte, insonderheit die beien Stiche in Merians Topographie, lassen die große Schön- heil des erhabenen Felsens, sowie auch feine besonders in fortisikatorischer Hinsicht vortreffliche Lage in überraschender Deutlichkeit erkennen. Während der bekannteste Feld im mittleren Rheinl^us. die Lorelei, an einer starken Krümmung des Stromes just an der schmälsten Stelle des Rheines steil aussteigt, hat der Ehrenbreit- stein die seltene freie Lage gegenüber der Ebene und der Moselmündung Ruch der Hammerstein und die Erpeler Leh nächst der Lorelei wohl die zwei bekanntesten und markantesten Felsen am Rhein, können sich in bezug auf die weithin sichtbare Lage nicht mit dem Ehrenbreitstein vergleichen Das Einzigartige dieser Felserhe- bung gegenüber der Moselmündung ist eben die seltene Bereinigung der markanten Gestalt der Bergformation mit der weithin sichtbaren Lage, die den Berg zu einem Kulminationspunkt der gesamten Landschaft macht, diese beherrschend und — gleichsam auch im Effekt für den Beschauer — das gesamte Landschaftsbild zu einem Höhepunkt steigernd und zusammensasfend. Es liegt daher nahe, diesen von der Ratur in seltener Schönheit geschaffenen Punkt der rheinischen Landschaft mit dem Gedanken der Errichtung des Reichsehrenmales am Rhein in Zusammenhang zu bringen Ist doch dieser Punkt nicht nur durch feine natürliche Auszeichnung dazu offenbar geradezu besonders geeignet, erfüllt er dank feiner Lage doch auch alle die an einen solchen Platz zu stellenden anderen Forderungen. Mit dem Begriff des Reichsehrenmales bedingungslos verknüpft ist der Gedanke an Feiern, die von einer sehr großen Menge Menschen hier an diesem Gedächtnisplatz stattfinden sollen und stattfinden werden Unterbringungsmöglichkeiten für große Menschenmasfen sind daher eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Geeignetheit eines Platzes zum Reichsehrenmal. Solche Unterbringungsmöglichkeiten sind nun aber nur in größeren Städten und nicht in kleinen Orten vorhanden. Die meisten anderen der in engerer Wohl stehenden projektierten Plätze für das Reichsehrcnmal bieten in den in der näheren und weiteren Umgebung gelegenen kleinen Ortschaften — erwähnt seien nur die zwei den Zeitungsnachrichten gemäß von den Kommissionen sehr bevorzugten Plätzen Bad Berka in Thüringen und Lorch am Rhein — keine irgendwie den zu erwartenden Anforderungen genügenden Unterbringungsmöqlichkeiten Hier dagegen Koblenz. Lützel-Koblenz. Ehren- breitstcin. Rieder- und Oberlahnstein, Ballendor und die sehr nahe gelegenen Städte Engers Sayn und Reuwicd garantieren geradezu eine reibungslose Unterbringung selbst sehr großer Massen ohne Errichtung non Zelten oder Baracken Alle diese Orte sind nicht nur durch Eisenbahn oder Schiss, sondern auch durch elektrische Straßenbahnen und mehrere große Strahenzüge, aus denen sich ein starker Automobilverkchr neben Fußgängerverkehr ermöglicht, auf das beste mit einander verbunden, da gemeinsame Interessen dieser Ortschaften hier ein gemeinsames Wirtschaftsgebiet geschaffen hat. Wie anders und geradezu erschwerend ungünstig in Berka oder Lorch! Schiff. Straßenbahn und Autostraße mögen für den Nahverkehr in Frage kommen, während für weitere Entfernung doch nur die Eisenbahn in Betracht kommen kann. Auch hier ist die Lage von Koblenz geradezu vorbildlich günstig wie kaum ein anderer Platz, außer vielleicht Berlin oder Leipzig, in Deutschland geeignet, bietet die Lage von Koblenz und Riederlahnstein als Eisenbahnknotenpunkte die beste Gewähr für den hemmungslosen Antransport großer Menschenmasfen von Westen münden die Woseltalbahn und 'die Eiselbahn, von Rorden die rechts- und linksrheinischen Eisenbahnlinien, denen entsprechend von Süden ebenfalls die beiden Rheintalstrecken aus Koblenz-Lahnstein zustreben, in die etwas oberhalb bei Boppard bzw. bei Braubach die Seitenlinien vom Hunsrück und vom Taunus einmünden: die Westerwaldbahn stößt bei Engers auf die Rheinstrecke und das Lahntal entlang führt die Dahn, welche das Gebiet um Koblenz mit den östlich gelegenen Teilen Deutschlands verbindet. Rur etwa zwei Stunden entfernt liegen Köln. Düsseldorf und das men- schenreiche Industriegebiet, dessen Bewohner den Rhein so sehr lieben und alljährlich ihre Er- holungs und Vergnügungsfahrten zu vielen Tausenden an den Rhein machen, und ebenfalls nach einer anderen Richtung, auch knapp zwei Stunden entfernt, liegt Frankfurt mit Mainz und Wiesbaden und Darmstadt Vorzüglichste Verbindungen nach allen Seiten werden schnellsten und größten An- und Abtransport stets gewährleisten und einen ständigen regen Besuch des Reichsehrenmales, der doch erwünscht ist und erstrebt wird, immer sichern. Dieses Verkehrs- Problem, das bei Berka und Lorch nie befriedigend gelöst werden kann, ist bei Koblenz bereits gelöst und von vornherein vorhanden In dieser Hins.ch. liegt Bad D^ika zwar wesentlich günstiger als Lorch, wo im engen Rheintal schon kleine Ansammlungen unbedingt erhebliche Störungen des gesamten Verkehrs Hervorrufen müssen, auch hat die Lage Berkas im Mitte.punkt Deutschlands natürlich den durch die geographische Lage gegebenen Vorteil, daß der Platz von den Grenzen des Reiches aus fast gleich weit entfernt liegt. WUl man aber — und so geht die Meinung der allermeisten — einen durch geschichtliche Hcbcr- lieferung gleichsani geweihten Platz für das Reichschrenmal, und will man dieses Gedächtnis- mal für die im Weltkriege Gefallenen mit dem Schickfalsstrom des Deutschen Reiches in Verbindung bringen, dann muß man auch einen Platz am Rhein wählen, der nicht nur diese historische Bedingung erfüllt, wie es neben Ko- blenz-Ehrenbreitstein auch Caub oder Hammerstein tun, sondern auch dieser wichtigen verkehrs- technischen Forderung gerecht wird. Die Lage des Ehrenbreitsteins ist also nicht nur landschaftlich und geschichtlich bevorzugt, sondern auch im Hinblick auf diese mit dem Problem des Reichsehrenmals unbedinat auls cnnftc nerbunb-’no ncrt-'Fr*- technische Seite außerordentlich günstig. Als Platz also erfüllt das Projekt „Koblenz-Ehrenbreit- stein" in jeder Beziehung alle Anforderungen. Was nun die Ausgestaltung des Ehrenbreitstein zum Reichsehrenmal anbetrifft, so finden sich auch hier unvergleichliche Vorteile gegenüber den anderen Projekten, auch gegenüber den beiden besonders bevorzugten. Berka und Lorch. Die verschiedenen Projekte haben saft alle ihre besonderen Vorteile, ein Spezialgedanke wird von diesem oder jenem besonders glücklich und günstig verwirklicht So ist sicherlich der Gedanke „Toteninsel" nirgends so vortrefflich zu lösen, wie auf einer Rheininfel, fei diese nun Lorch oder Hammerstein ober eine andere. Die Verbindung der beiden Lorcher Inseln, der größeren im Rorden und der kleineren im Süden, auf der ein sarkophagartiges Monument als eigentliches Ge- Üer neue Reichskanzler Dr. 'Brüning (Zentrum). Hinter ihm Staatssekretär Dr. Pünder. dächtnismal errichtet werden soll, hat viel De- stechendes, die zweite größere Insel soll dann zur Abhaltung von Kampfspielen zu Ehren der Gefallenen benutzt werden, ähnlich wie einst in Hellas die Kampsspiele $u Olympia veranstaltet wurden, ein Plan, der in Anbetracht der nicht allzugrohen Fläche der Insel nicht absolut einwandfrei gelöst werden kann. Heberhaupt widerspricht der Jnselcharakter in seiner Abgeschlossenheit, Zudringliche abwehrend, diesem Stadion- gedanken, wird es doch außerdem auch immerhin stets sehr erhebliche Schwierigkeiten bereiten, Menschenmassen mit Rachen undFäh bo'en zu der Insel überzusehen, die Gefahr des Ertrinkens sei hierbei nur beiläufig erwähnt. Daher können die meisten anderen Projekte, weil durch den Raum nicht beengt, diese Forderung nach Kampfbahnen für die Ehrcnfpiele weitaus besser erfüllen. Die großen Flächen auf dem Plateau hinter dem Ehrenbreitstein, der alte ehemalige Exerzierplatz und die weitere Umgebung würden hier eine geradezu ideale Lösung möglich machen. Ob die Idee ..Toteninsel", die antiter Vorstellung entlehnt ist, nun so überragend wichtig für den Reichsehrenmalgedanken ist. mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls wird diese Idee wohl nicht nur der Lage wegen, sondern wohl auch aus Inneren Motiven heraus von den meisten anderen Projekten durch die der germanischen Vorstellungswelt entnommene Ide« „Heiliger Hain" verdrängt. Schon Tacitus berichtet, daß die Germanen ihre Götter und Helden in Hainen verehrten. Und diesem Gedanken versucht die Anlage bei Bad Berka Gestalt zu geben. Wer das Derkaer Gelände kennt, das für das Reichs- ehrenmal auserfehen ist, wird sich des _ tiefen Eindruckes erinnern, den der aus etwa fünfzigjährigem Fichtenwald bestehende „Heilige Hain" auf ihn gemacht hat, durch den eine etwa 100 und mehr Meter lange Schneise zu einem Platz führt, wo das „Ewige Feuer" zum Gedächtnis der Gefallenen brennen soll. Der Gedanke, ein ewig brennendes Gedächtnisfeuer im heiligen Hain hat etwas unsagbar Ergreisendes Feierliche Stille und Andacht gewährende Waldesruhe, * nie erlöschendes Feuer, nie erlöschende Erinnerung an die Opfer des Krieges. Rur ist der Einwand erhoben worden, daß er gesüh's- mäßia nicht angängig sei, irgendeinen Walddistrikt durch Gesetz zu einem Heiligen Hain zu machen, ein Heiliger Hain müsse gepflanzt werden und seine Bäume müßten durch Pflege von Generationen erst gleichsam hoben- und erdverbunden geheiligt werden, ein Gedanke, der sicherlich tiefe Innerlichkeit bezeugt. Die Hochfläche hinter dem Ehrenbreitstein böte Raum genug zur Anpflanzung eines solchen Haines, wo jedes Regiment seine Eiche pflanzen könnte, Eichen statt der Derkaer Fichten wären als Kriegergedächtnisbäume außerdem auch noch zu bevorzugen. Das Projekt deS Weserberglandes will in der in dem betrefsenden Waldbezirk gelegenen alten Burg jedem Heeresverband ein Zimmer einräumen, in dem er besonders Erinnerungsgegenstände unterbringen und aufstellen kann, damit die Besucher, seien es nun Angehörige der betreffenden Heeresgruppe, der betreffenden Armee oder des betr. Regimentsverbandes oder auch Fernstehende anderer Verbände hier noch einmal sichtbar vor Augen was an Heldentaten geschehen ist. Dieser Gedanke der in etwas an Ruhmeshalle anklingt ist sicherlich sehr beachtenswert, da er doch mit der aus Tatsachen eingestellten Zeitauffassung rechnet und den Gedanken des Reichsehrenmales nicht lediglich gesühl mäßig auffaßt. Die Bauwerke aus dem Ehrenbreitstein und das alte Kurfürstliche Schloß, le^thin als Kaserne benutzt, bieten eine große Zahl von Räumen, die mühelos mit verhältnismäßig geringen Kosten zu einem Ruhmeshaus unseres Heeres und unseres kriegleidenden Volkes umgestaltet werden könnten. Also auch hier wieder erfüllt der Ehrenbreitstein, was selbst Lorch und Berka nicht erfüllen können. Dor allen Dingen aber sei noch Gießener Gtadttheater tocorq Büchner . „Woyzeck". — „Leoncc un Lena" Cs ist, wie schon im Ecnlührungsvortrage betont wurde, ein freudig anzuerkennendes Verdien! bei Thcaterleitung. daß man nun endlich einmal, nach jahrelangem vergeblichen Warten, eine Auslührung Georg Düchners erleben darf,. eines der wenigen großen und echten Dichter hessischer Herkunft, den überdies gerade mit Gießen mehr als zufällige und oberfläch- liche Beziehungen verbanden • Es ist jetzt bald ein rundes Jahrhundert vergangen, seit Büchner, noch nicht 24jährig. starb, und es ist nicht abzuschähen. was alles mit diesem viel zu frühen Tode zerbrochen, für immer verloren und ins Grab gesenkt wurde. Wie eine Meteorbahn steht, hell aufftcigenb und jählings in Rächt versinkend, die steile Lcbenskurve dieses Menschen über seiner Zeit. Ein im Kosmos versprengtes, vorausleuch- tendes Gestirn späterer Generationen, einsam über der kleinen und engen Welt, aus der es heraufstieg. Was lag hinter ihm und blieb zurück, als er starb? Die venia legendi in Zürich, der Steckbrief des großherzig ichen Hnl.r,uä)ungsrichters in Darmstadt die F.ucht vor politischer Verfolgung nach der trotz dem .Landboten" gescheiterten, hessischen Miniaturrevolution, die Liebe seiner trauernden Braut und seiner wenigen Freunde, ... und eine Handvoll Werke, die. damals fast ohne Vergleich, revolutionierend, prophetisch und wegweisend, den Stempel des Genies an sich tragen. Die Dantontragödie, ein Lustspiel, die fragmentarische Novelle „Lenz" und die genialischen Szenenfetzen eines Torso den mühselige Forschung erst wieder leserlich machen und in eine sinnvolle Ordnung zusam- menfügen mußte Das ist das Wichtigste in seiner Hinterlassenschaft. Wie jener ältere Jakob Michael Reinhold Lenz im Schatten Goethes.. und wie der unglückliche Zeitgenosse Christian Dietrich Grabbe aus Detmold steht auch Büchner eigentlich noch immer außerhalb der großen Entwick'ungslinien in der Geschichte der deutschen Literatur, m der Chronik des deutschen Theaters und Dramas abseitig und einsam, leuchtend nur Im Feuer seiner eigenen, verzehrenden Leidenschaftlichkeit, die erst spät den befreienden Ausdruck ins Dichterische fand,... und überstrahlt, wie jene beiden, vom großen Gestirn Shakespeares Dies verbindet die drei ein Funken seines Wesens sprang in sie über, an ihm muß man sie messen, einen Abg'anz seines künstlerischen Elementargeistes findet man immer wieder in den stürmischen Szenenfolgen ihrer dramatischen Visionen. Hart in die Linie hinein, die von Lenz zu Grabbe führt, und von Grabbe über Wedekind zum Expressionismus — unmittelbar in diese sprunghaft-abseitige Entwicklung stellen sich auch die Dramen Büchners, die beiden Trauerspiele zumal. Im , W o y z e d" beherrscht, ähnlich wie in den .Soldaten" von Lenz, ein atemraubendes Tempo die abgehackte j.h ings umspringende Szenerie, die wiederum in ihrer Verkürzung, ihrem ruck- haften Auftauchen und Verlöschen — kur; in der ganzen Unbekümmertheit ihrer Dramaturgie an die theatralischen Unmöglichkeiten bei Grabbe erinnert Doch wirkt der ..Woyzeck" noch gespenstiger und spukhafter als die . Soldaten" von Lenz, weil die Ereignisse im Fragment noch 'chärfer und unmittelbarer ans Tragische her- angerüd! sind Wie die Strophen einer grausamen Volksballade huschen die Bilder vorüber, hänfelfängerifd) fast, wie eine Moritat Uebri- gens beruht das Drama wirklich auf einer Der- führungs- und Eifersuchtsaffäre, die dann mit Mord und Totschlag endigte. Auch der „Woyzeck" ist ein Soldatenstück: fein allerdings sehr unheroifcher Held ist ..Friedrich Johann Franz Woyzed. Wehrmann. Füsilier im 2. Regiment, 2. Bataillon. 4. Kompagnie, geb. Mariä Verkündigung d 20. Juli —Aber während Lenz ein bürgerliches Trauerspiel getrieben hatte, schus Büchner hier, als sehr früher Vorläufer der Naturalisten, eine prole- taritc Tragödie, ein Nachtstück. einen Menschenuntergang auf der Schattenseite des Lebens, die Katastrophe eines armen Teufels, der ohne Tugend ist. eben weil er arm ist „Es ist keine Kunst ein ehrlicher Mann zu fein, wenn man täglich Suppe. Gemüse und Fleisch zu essen ha.t" Hier geht es um triebhafte Elementarkräfte, um das alte, ewig zwilchen Haß und Liebe ge- spannte Verhältnis der Geschlechter: und hier er- weist sich der Wonzeck" als eine motivische Umkehrung der »Soldaten", die ein junge- Mädel ins Verderben hetzen: Woyzeck dagegen geht am Weibe zugrund, an seinem eigenen Weib: freilich ist er schon reif dazu, mürbe gemacht, gequält und verhetzt durch die irrsinnigen Experimente einer verbohrten Mediziners, durch seinen apoplektischen Hauptmann und einen brutalen Tambourmajor. — Die Ausführung (Regie:T annert) war von starker, geschlossener Wirkung: ein kluger Einfall, die Szenen hinter einem Transparent spielen zu lassen, in grauem Dunstnebel, verwischt, fil- houettenhaft, mit tiefen Schlagschatten: so kam der balladeske Stil der Tragödie am besten zur Geltung Hebet die Reihenfolge der einzelnen Bilder kann — bei der auch heute wohl noch nicht völlig gesicherten Textsormulierung — gestritten werden. Wir stimmen, obwohl sie von der besten kritischen Ausgabe erheblich abweicht, der gewählten Fassung im allgemeinen zu: nur würden wir den unorganisch angehängten Epilog streichen und das Ganze am Teich beginnen lassen, so daß durch die Korrespondenz des ersten und letzten Bildes auch eine gewisse äußere Rundung zu erzielen wäre. Es wurde gut gespielt. Fasso11 war selten sv sicher, einfach und eindringlich wie hier in der Rolle des atmen, gedrückten, verhetzten, von allen primitiven Instinkten und bösen Geistern umgetriebenen Soldatenbarbiets Lieselotte Fuhrmann umtiß mit knappen, festen Strichen die zwischen Weibsteufel und Maria Magdalena schwankende Gestalt der roten Marie. Hais (Doktor), eine expressionistische Marionette, Bold (Hauptmann): Arzdorf (Tambour- major): Frau Prasch-Grevenbetg, die als großmütterliche Märchenerzählerin den Beschluß machte. — • Nach der Pause gab es „Leonce und Lena". Das schwächste der drei Dramen, romantisierendes Lustspiel, ein wenig aus dem eigentlichen Stil Büchners ausbiegend, wiewohl auch dieses Stüd manche shakespeaiesietenden Züge auf - weist melancholisch vergrübelt, in Wortspielereien verfangen, von satirischen Lichtem überblitzt. erinnert es in seinem oft ein wenig gequälten Humor an Grabbes infernalisch« Lite- raturfarce. • • Sv unscheinbar, dünn und unkompliziert die flüchtig abgehaspelten Fäden einer greifbaren Handlung laufen — Flucht, Begegnung und Bereinigung zweier märchenhaften Königskinder —, so zwiespältig und wechselnd sind Stimmung und Ton in der Szenenfolge: neben bürftigen Scherzen und derbem Narrenhumor findet sich die zarte, lyrisch verschwebende und verträumte Anmut kleiner Liebesszenen... und dann wieder eine bissig ausfallenLe, sozialrevolutionäre Satire, die im „Danton" oder im „Landboten" stehen könnte, wenn sie nicht durch eine groteske Ueberstürzung ins Possenhafte gemildert und verwässert würde. ♦ Die Schwierigkeiten der Inszenierung liegen auf der Hand. Die wiederum von T a n n e r t geleitete Ausführung war in Einzelheiten entzückend, litt aber unter der Behäbigkeit des Tempos und den schleppenden Verwandlungen, umsomehr als die Zwischenaktmusik, an sich sehr gefällig, in der eintönigen Wiederholung ermüdet. Die oben angedeuteten Wefensmerkmale von „Leonce und Lena', die zwiefpältige, unausgeglichene Instrumentierung des Lustspiels kamen in der Wiedergabe nicht recht heraus: hier waren alle Szenen von einer gleichmäßigen, mulitalifd) ahoroierten Heiterkeit erfüllt, die zwar liebenswürdig klang, aber vielfach doch eben weniger von Büchner als etwa aus den romantischen Bezirken Eichendorffs zu stammen schien Für den Leonce war W e s e n e r der gegebene Darsteller, hier ist eine Mischung aus Blasiertheit und Verliebtheit, aus Witz und loderet Phantasie zu spielen, die er sehr artig und amüsant zustande bringt, neben ihm war Hais als Valerio der beste Mann in der Ausführung, er gab im Sinne des Mottos zum ersten ?ltt einen wahrhaft shakefpeareschen Harren. Jn- geborg Scherer: anmutige Prinzessin Lena vom Reiche Pipi: 2 old. Serenissimus in Pluderhosen. König Peter vom Reiche Popo: Marianne Mewes (Rosetta) und Link- mann (Hofmeister) mögen noch erwähnt fein. Die Aufnahme der beiden Werke war geteilt; während der „Woyzeck" offenbar starken Eindruck machte, schien nur ein geringer Teil des Publikums an dem besonderen Humor des Lustspiels Gefallen zu finden. Da sich die Aufführung wider Erwarten bis gegen Halbzwölf hinzog. dürfte sich - um Störungen durch vorzeitigen Aufbruch zu vermeiden — ein früherer Anfang sehr empfehlen. _ _ hth. d erwähnt, was bei der Verarmung deS deutschen Volkes selbst bei Errichtung des Reichsehrenmals nicht unbeachtet werden darf, daß die Anlagen des Ehrenbreitstein in einem Mähe bereits vorhanden sind, also weitaus weniger Kosten verursachen, als dieses bei den meisten anderen Projekten der Fall ist. Die vielen Millionen, die die Verbreiterung des Steindammes zur Verbindung der beiden Inseln bet Lorch kosten würden, hat schon immer ernsteste Bedenken gegenüber diesem Projekt wachgerufen. Die Festplatzanlage an dem Derghange bei Berka würde zwar weniger Mittel beanspruchen, aber wo sind bei Berka die Anlagen für die Kampfbahnen oder gar die Bauwerke zur Sichtbarmachung der Ruhmestaten unseres Heeres? Alles trifft aus das günstigste bei dem Ehrenbreitstein zu: Billigkeit, Unterbringungsmöglich- keit groher Menschenmassen, günstige Lage sowohl vom verkehrstechnischen Standpunkt als auch in landschaftlicher Beziehung, unb dann eine Gruppe von Bauwerken, darunter kunstgeschichtlich höchstbedeutende, zur Aufstellung der Erinnerungszeichen des Heeres, Platz für den Heiligen Hain, Platz für die Kampfbahnen, auf denen die Wettkämpfe zu Ehren und zum Gedächtnis der gefallenen Helden ausgetragen werden sollen. Und neben diesen bedeutenden ausschlaggebenden Vorzügen noch manche andere von weniger Bedeutung. Alles vereinigt zudem auf diesem durch die Geschichte bekannten Platz, am Rhein. Welcher Platz Deutschlands kann sich rühmen, das alles auch nur annähernd aufzuweisen? Wo könnte daher das Reichsehrenmal besser sein, als am Rhein der Ehrenbreitstein! Zeitschriften. — Die Kunst. (Verlag F.Druckmann AG. München.) 3m Abonnement monatlich 2,35 Mk. — Ein unschätzbarer Vorzug dieser Monatsschrift ist die lebendige Art, mit der sie ohne einseitige Beleuchtung Ausblicke in das zeitgenössische Kunstschaffen erschließt. 3n großen schönen Abbildungen sehen wir in dem Aprilheft schwedisch« Malerei: in dem folgenden Aufsatz wird vom westlichen zum östlichen 3mpressionismus in fesselnder Gegenüberstellung bildlicher Beispiele hingewiesen. Des 60jährigen Bildhauers Barlach wird aus Anlaß der Ausstellung seiner Holz- bildwerke in der Preußischen Akademie der Künste gedacht. Deutsche, italienische und russisch« Malerei zeigen die folgenden Abbildungen Auch der Gestaltung von Wohnung und Garten dient baS Heft durch Vorführung geeigneter Veispiele. 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In d« Hauptsache ist aber die Rohkostbcwegung aus die Forschungs- ergebnisse der Rahrungsmittelchemie zuruckzu- führen, die allerdings noch heiß umstritten wo Mozart oorfpielte auf dem Claoestin. man opferte sogar die Jagd, um Brelan zu spielen, man schmückte und schminkte sich, kleidete sich festlich an, um am Spieltisch die Stunden zu verbringen, oft di? ganze Nacht. In den geistvollen Salons einer Julie de Lespinasse, einer Madame Genlis, einer Marquise du Dessand wurde nie oder nur ausnahmsweise gejeut. Das Spiel brauchten diese geistreichen Frauen nicht... In kritischen politischen Zeiten hat das Spiel meist eine große Rolle gespielt, wie die Wahrsagerinnen, die Horoskope und die Chiromantie. Jetzt beherrscht das Bridge unsere heutigen Salons, es ist aufgekommen in den letzten fünf Jahren, aber es hat in einer erstaunlichen Weise zugenommen. Es ist Mode geworden, viele behaupten, eine Krankheit... Vor Jahren, als es noch .Höfe" gab, war ein bekannter Gutsbesitzer einmal zur Treibjagd Im Winter beim Herzog von B. geladen. Nach der Jagd versammelte man sich im Schloß zum Abendessen, nachher, im Salon beim Kassee sieht der Gras, daß in den Nebensälen Tische ausgestellt werden. Er wird von dem Hosmarschall gefragt: Bridge. Don Liesbet Dill. Spielen Sie Bridge? ist die erste Frage, die in Enoland an mich gerichtet wird... Bedaure. ich K nicht Bridge... lind ich falle wie in einen und, man interessiert sich nicht mehr für mich... In einem Hotel in Paris setzten sich Abend für Abend die Gäste nach dem Essen zum Bndae im Salon zusammen. Es war das wundervollste Früh- lingsnxtter, sternenfunkelnder Himmel, die Parks In Blute, dustende Deilchenkorbe an allen Ecken, leuchtende Mimosen, Rioierablumen, Nelken, Reseden und Rosen, die Straßen waren davon bunt. Die Kinos lockten, die Theater waren geöffnet, die Engländerinnen. Amerikaner und Holländer sahen nichts von allem, sie saßen am Spieltisch in dem Dumpfen Salon nach dem Hof. wo der Garton die leeren Austernschalen hinschmiß und in dem die Autos parken, und wenn man aus dem Theater kam, spielten sie immer noch Bridge... Nichts konnte sie von ihrer Beschäftigung ablenken, die sie so ernst nahmen ... Ueberall spielt man jetzt Bridge... Es gibt Ehepaare, die nur zu diesem Zwecke auf der Welt zu fein scheinen, sie könnens gar nicht ab- warten, bis man den Nachmittagstee getrunken hat, sobald das Teegeschirr fortgeräumt ist, kommen die Karten. Es gibt Bridgetees. Dridgeabende. Bridge- salons Bridgefamilien. Im Nebenzimmer sitzen sie schweigsam, stumm, in ihre Karten vertieft, mit roten Kopsen ost... man kann beim Bridge viel verlieren, so viel, daß man Schulden und Anleihen machen muß, das Spiel hat also seinen Reiz und das Risiko des Verlustes. Es wäre verständlich, daß man In kleinen Städten oder auf dem Land, wo man Zeit hat, sich abends etwas vorzulesen und dem Lautsprecher zuzuhören. Bridge spielt... Aber das ist nicht der Fall. In den großen Städten ist s im Schwung. Alle anderen Zerstreuungen fallen bei einem echten Bridgespieler fort... Ich spiele mit einem Mörder, wenn er gut spielt, hat einmal ein berühmter Tennisspieler gesagt, als man ihn fragte, mit was für einem Abenteurer er denn gestern gelingen habe... Das Sondieren, woher kommt der Gegenspieler, hat er eine gute Kinderstube, einen Namen, ist er berühmt, bekannt, geachtet, beliebt? fällt weg, sobald man sich an den Bridgetisch setzt... Das Spiel ist eine Leidenschaft geworden, eine Beschäftigung, ein Bedürfnis... Zur Zeit Marie Antoinettes war das Spiel bei Hofe so beliebt, daß die Königin oft die Nächte durch am Spieltisch saß. Der Salon der Prinzessin Guenen6e und der berühmten Diane de Po- (ignac, der die Königin einen großen Teil ihrer Un- beliebtheit verdankte, wäre nicht so anziehend für die Gesellschaft gewesen, wenn man nicht allabendlich gejeut hätte. Ein Spiel, bei dem man Ellbogen an Ellbogen mit der buntgemischtesten Gesellschaft zu- fammensaß. die zweifelhaftesten Elemente der Pariser Gesellschaft hielten oft die Dank... Maria Theresia war sehr unglücklich über diese Leidenschaft ihrer Tochter und daß sogar bei Hofe öffentlich gespielt wurde. Herzog von O r 1 6 a n s , der Gatte der Pfälzerin Liselotte, ein leidenschaft- lidier Spieler, verbot seiner Gattin, sich ihm beim Spiel zu nähern, sonst verlor er... Vermögen wur- den oft an einem Abend verspielt, es galt für „chic , sein Vermögen beim Spiel zu verlieren, was der galante Herzog L a u z u n auch ehrlich tat. Don dem Salon Louis XV. sagt Gonco urt: „Es gab keine Paare mehr, nur Gruppen am Spieltisch . Am ve- liebtesten war das Tric-trac, oder Hazardspiele^ wie Brelan für das schon unter Karl IX. Spielhauser eingerichtet wurden, die sogenannten .-Drelans" wo jedermann mitfpielen konnte. Eme Gesellschaft ift lein Vergnügen mehr „Encore le societe, mais ce n'est le plaisir..Das Spiel ersetzt die Unterhaltung, den Esprit, das Vergnügen, den Flirt, die Tees ä l'anglaise kamen auf, beim Prinzen Eon 11, Ihr Mann wird Ihnen dankbar sein! Don Liselotte Hennoch. Als ein englischer Schriftsteller behauptete, man könne Dem Reicheren eines Mannes ablesen, ob er glücklich verheiratet sei, hatte er bestimmt allerlei Kleinigkeiten im Auge, die das beweisen. Cs sind in der Tat oft unbedeutende Dinge, doch die Ursachen liegen tiefer. Die Hausfrau, die bemüht ist, ihrem Manne das Leben angenehm zu machen, wird es nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch versuchen. Sie kann damit beginnen, seinen Anzug auf Tadellosigkeit hin zu betrachten. Cheviot wird leicht glänzend, und der Anzug hat dann an Ansehen verloren. Um ihn wieder in einen vorzüglichen Zustand zu versehen, behandele man Die glänzenden Stellen folgendermaßen: Ein Stück von dem gleichen Stoff oder von reinem Seinen wird in kaltem Wasser gut naßgemacht, ausgedrückt und auf die glänzenden Stellen gelegt. Run führe man ein heißes Bügeleisen darüber, wobei das nasse Tuch etwas hochgenommen wird, um den Dampf entweichen zu lassen. Das Tuch darf nicht trocken gebügelt werden, da sonst der Glanz sich nicht verliert. Der fettige Rockkragen wird durch eine Losung von zehn Teilen Wasser und einem Teil Salmiakgeist gereinigt. Eine saubere Dürste wird in diese Mischung getaucht und der Rockkragen so lange leicht überbürstet, bis das Fett gelost ist. Man darf jedoch nicht sehr reiben, weil sonst die Haare des Gewebes brüchig werden. Es kommt vor, daß der Mann zu irgendeiner Gelegenheit feinen Zylinderhut braucht, der bereits lange Zeit im Schrank gestanden hat. Obgleich er gut verwahrt schien, ist er rauh geworden, wahrscheinlich hatte er Regentropfen bekommen. Um dem Zylinderhut ein tadelloses Halsschmerzen sind gleichfalls bis zur Anlunft des Arztes durch heiße Kompressen zu lindern. Heber das feuchte und warme Tuch müssen Billroth- und Flanellbinde gelegt, und der Kranke vor jeder Zugluft geschützt werden. Oft verlieren sich die Halsschmerzen vollkommen. Daß heißes Wasser aber auch ein Schönheitsmittel ist, wissen die wenigsten. Die Engländerinnen verdanken dem täglichen heißen Bad ihren blühenden Teint. Wird es nicht zu lange ausgedehnt, so wirkt es erfrischend und nicht, wie man häufig annimmt, etwa schwächend. Die klare Gesichtshaut ohne Pusteln und ohne Mitesser ist das Zeichen einer guten Blutzirkulation und einer regelmäßigen Verdauung. Der Genuß des heißen Wassers — unmittelbar nach den Mahlzeiten — trägt dazu außerordentlich viel bei. Eine Tasse mit heißem Wasser ohne jeden Zusatz ist das beste Medikament, das es auf diesem Gebiete gibt. Fettansaham Leib und an den Hüften wird durch einen Umschlag mit heißem Wasser auf das erfolgreichste bekämpft. An diesem Schönheitsfehler leiden Frauen und Männer gleichmäßig, und alle Opfer an Zeit und Enthaltsamkeit haben meist nicht den gewünschten Erfolg. Eine Heißwasserkur hingegen wird schon nach einigen Wochen ununterbrochener Anwendung verblüffende Folgen zeitigen. Ein Handtuch, am besten ein Gerstenkorn- oder Frottiertuch, wird mit heißem Wasser übergossen, an den beiden Enden angefaßt (die bleiben trocken) und gründlich ausgewunden. Run wird es um den betreffenden Körperteil gelegt mit einem Billroth und mit einer breiten Flanellbinde, die man fertig kaufen kann, bedeckt. Der Umschlag bleibt über Rächt gut befestigt unter dem Nachthemd oder unter dem Pyjama. Der Schlaf ist ausgezeichnet, und durch die vermehrte Transpiration kann man nach vier bis sechs Wochen bereits eine Abnahme von fünf bis sechs Zentimeter an Umfang feststellen. Dieses Mittel ist der Gesundheit in keiner Weise abträglich. Man hat auch nicht mehr nötig, durch Hungern und Dursten eine ungeheure Energieverschwendung zur Körpergewichtsabnahme aufzuwenden. 2m allgemeinen ist heißes Wasser der Gesichtshaut nicht zuträglich, und von einem täglichen Waschen des Gesichtes mit heißem Wasser soll Das heiße Bad ist seit hunderten von Jahren den Japanern als Heilmittel gegen plötzlich auf- tretende Schmerzen wohlbekannt. Es wird von ihnen vorbeugend gegen Erkältungen angewandt, sie benützen es als Heilmittel gegen Rheumatis« mus und krampfartige Schmerzerscheinungen. Auch bei uns ist man sich in ärztlichen Kreisen über die gesundheitliche Wirkung des heißen Bades längst im klaren. Diele Aerzte, die ihren Patienten — infolge der wirtschaftlichen Notlage — das Heilbad, die heiße Thermalquelle nicht verordnen können, nehmen zu den regelmäßigen heißen Dädern ihre Zuflucht. Die Hausfrau wird das heiße Wasser oft lindernd reichen und gute Erfolge erzielen, wenn andere Heilmittel versagen, oder aber, wenn sie schmerzstillende Medikamente nicht bei der Hand hat. , Del Kopfschmerzen hilft ein heißes Fußbad, das eine Dauer von etwa fünf Minuten haben soll. Reben die Wanne wird eine Kanne mit kochendem Wasser gestellt, damit die Temperatur des Fußbades durch langsames Hinzu- fügen des heißen Wassers gleichbleiben soll. Unmittelbar danach erfolge ein kräftiges Frottieren der Füße und möglichst eine halbstündige Ruhepause. Auch ein Umschlag auf den Racken erweist sich als wundertätig, wenn ein Frottiertuch in heißes Wasser getaucht und auf den Racken gelegt wird. Schmerzende Füße, die sich sehr unangenehm bemerkbar machen und den Körper völlig ermüden lassen, können durch eine Behandlung mit heißem Wasser geheilt werden. 3n eine Wanne mit heißem Wasser kommt ein Viertel Liter Essig. Die Lösung wird gut verrührt, die Füße baden des Abends und des Morgens etwa zwei Minuten lang darin, und das Brennen, sowie die Müdigkeitserscheinungen hören auf. Zahnschmerzen machen, wenn sie sich des Abends plötzlich einstellen, Schlafen unmöglich. Da man den Zahnarzt zur späten Stunde leider nur selten auf suchen kann, muß ein schmerzstillendes Mittel gefunden werden: Eine Serviette wird mehrfach zusammengelegt, in heißes Wasser getaucht und ausgedrückt. So heiß wie möglich wird die feuchte Wärme auf die Wange gelegt. Schon nach kurzer Zeit beruhigen sich die bohrenden und ziehenden Schmerzen, und der Schlaf stellt sich ein.__ ist. muh in den ersten christlichen Jahrhunderten die Kochliteratur der Griechen sehr umfangreich gewesen sein. Unsere heutige fast unübersehbare diätetische Literatur steht also nicht einzig Da. Lassen wir den arg strapazierten Den Akiba ruhig schlafen und stellen einfach fest: die Aerzte der alten Griechen stellten diätetische Vorschrif- ten auf und belehrende Untersuchungen an über die Schädlichkeit oder Rützlichkeit einzelner Nah- rungsmittel, andere schrieben über die Kunst der zweckmäßigen Zubereitung und des wohlfeilen Einkaufs, und die Kochkünstler gaben in Ders und Prosa Anleitungen zur Herstellung kulinarischer Gerichte. Als der berühmteste von ihnen wird Archestratos aus Gela mSudsizilien angesprochen, der um 350 vor Christus lebte und eigens zur Erforschung von Eßsitten und Kochkünsten Reisen in alle damals bekannten Teile der Erde machte. Seine Kenntnisse legte er in dem Gedicht „Wohlbehagen" in Hexametern nieder. Auch die Römer begannen sehr bescheiden und einfach, entwickelten sich aber zu grandiosen Schlemmern, die den Satirikern reichlichen Stoff zu boshaften Schilderungen gaben. Der Satiriker Petronius schuf in Trimalchio den Typus eines Lebenskünstlers mit großem Magen und weitem Schlunde. Der Kaiser Vitellins soll ein Erzschlemmer gewesen sein, für Rabelais und Fischart war er das Urbild des Freß- riesen Gargantua. Ein im 3. Jahrhundert nach Christus verfaßtes Kochbuch, das griechische und römische Kochkunst zusammenfahte, kann als das Kochbuch aller Kochbücher betrachtet werden, denn aus diesem „Vom Kochen" betitelten Werke haben viele Jahrhunderte hindurch Franzosen. Italiener und Deutsche geschöpft. 2n Deutschland fand man etwas später Geschmack an der feineren Küche. ES wurde hier aber alles Versäumte schnell nachgeholt. Fehlte auch der Sinn für Schlemmereien, so war man doch eifrig bestrebt, neue Rezepte SU erfinden. Nicht nur die Hausfrauen in den wohlhabenden Kreisen sammelten bewährte Kochrezepte, auch Fürstinnen mit ihren Hofdamen beteiligten sich daran und kümmerten sich um die Küche. Die Maaenfrage war ein beliebtes Unterhaltungschema, an dem sich auch gern die Manner beteiligten, Denen man ja schon in alten Zeiten nachsagte, daß bei ihnen die Aebe durch den Magen gehe. Ihre Sorgen um die Küche hatten daher einen ganz vernünftigen Beweggrund, der von den Frauen viel mehr anerkannt wurde und wird als von den Dichtern, die sich von nr. Hon 50 50 Enorm billig! In allen Farben Rahmenarbeit i Entzückend! 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QtaL la Rasse u. Leistung, empfiehlt es sich, zwischen Die Kragenwände einen weihen Flanellstreifen zu legen. Dann ist das Bügeleisen nicht mehr imstande, den Kragen zu sehr zusammenzupressen. Das Einlaufen der wollenen Strümpfe ist sehr unangenehm. Die Hausfrau hat sich beim Waschen große Mühe gegeben, aber sie muhte zu ihrem Schrecken bemerken, dah die Füßlinge nach der Wäsche ganz klein geworden sind. Ungeduldig legt der Gatte die Socken zur Seite. Ein gutes Rezept gegen das Einlaufen oder das Filzigwerden wollener Socken ist folgendes: Dor dem ersten Anziehen werden die Füßlinge mit einem nassen Tuch bedeckt und dann mit dem heißen Plätteifen so lange gebügelt, bis das Tuch völlig trocken ist. Rach dieser Behandlung können sie jederzeit gewaschen werden, ohne einzulaufen. Paßt der Korken nicht in die Flasche, so kann man die größte Kraft anwenden, man bekommt ihn doch nicht hinein. Es hat auch keinen Sinn, ihn von außen zu schälen, sondern man schneide mit einem scharfen Messer ein keilförmiges Stück heraus. Dann wird er gut in die Flasche passen. Brillengläser laufen nicht nur an, wenn man von der Kälte in die Wärme kommt, sondern auch, wenn der Körper leicht transpiriert. Um das Anlaufen zu vermeiden, mache man eine Expedition folgende Teilnehmer an: Regierungsrat Dr. Georgi von der Deutschen Seewärts in Hamburg, Dr. Fritz Löwe, Dr. Holzapfel und Dr. Kopp, sämtlich vom preußischen aeronautischen Observatorium, Studienrat Dr. Ernst Sorge (Berlin), Dr. Eicken vom Geodätischen Institut Potsdam, Diplomingenieur Schiff von der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt Berlin und Ingenieur Herdemerten. Der dänischen Regierung, die der Expedition ein weitgehendes Entgegenkommen zeigte gebührt besonderer Dank. Der Rachfolger Troelischs in Berlin. Wie amtlich mitgeteilt wird, hat der Preußische Kultusminister den Ordinarius für Philosophie in Freiburg i. D., Prof. Martin Heidegger, an die Berliner Universität berufen. Heidegger ist Nachfolger auf dem seit vielen Jahren verwaisten Lehrstuhl des verstorbenen Ernst Troeltsch. Mit der Neuernennung sei der jahrelange Streit um die Neubesetzung des Lehrstuhles gelöst. Martin.Heidegger, ein Schüler Husserls, sei einer der markantesten Köpfe der jüngeren Philosophengeneration. Bei seiner Berufung sei der Gedanke maßgebend gewesen, daß der Kultusminister der neuen phänomenologischen Richtung in der Philosophie nun auch in der Reichshauptstadt Raum gewähren wolle. eeeehOtite Bild- u. Wortreiche* «.Pfeilring 3u| tön' eim läck Sai di? Q hal ..6i Dutzend RM. 4.-. Wilhelm Münster. Hattenrod. 01978 fürs*Frühjahr! ALLEINVERKAUF: ktm i D iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiininiiiiiiiiiiiiiiiii Linoleum Teppiche in verschiedenen Größen mit kleinen Fehlern sind wieder eingetroffen Tapetenhaus Ferd. 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Prosessor Dr. Alfred Wegener, Graz, der Leiter der deutschen Inland-Eisexpedition nach Grönland 1930/31 Berlin, ist nach Kopenhagen gereist. Dort wird sich die aus etwa 20 Teilnehmern bestehende Expedition zusammen- sinden und am 1. April mit dem dänischen Dampfer „Disko" nach Grönland abreisen. Die Expedition ist von der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft, der besondere Mittel durch den Stifter-Berband der Notgemeinschaft zur Verfügung gestellt worden waren, ausgerüstet worden. Sie wird während P/2 Jahren auf drei verschiedenenSta- t i ö n e n auf dem grönländischen Inland-Eis verweilen und bedeutsame meteorologische, aerologische und geophysikalische Forschungen durchzuführen haben. Es handelt sich um die größte deutsche arktische Unternehmung seit 20 Jahren. Außer Professor Alfred Wegener, der als Vater der Derschiebungstheorie der Kontinente und als Grönlandforscher bekannt ist, gehören der DuSsehen zu geben, falte man ein reines weißes Tuch handbreit zusammen, halte es über kochendes Wasser und bearbeite den Hut mit dem Tuch wie mit einer Bürste. Er wird sich nach sorgfältiger Behandlung dankbar erweisen und wie neu glänzen. Hat der Mann seinen Skatabend zu Hause, so wird er nicht erfreut sein, wenn er seinen Gästen schlechte und abgenützte Karten geben muß, weil man vergessen hatte, neue zu besorgen. Die Hausfrau wird das Reinigen der Spielkarten mit geschickter Hand schleunigst vornehmen. Sie befeuchte ein Stückchen Tuch mit einigen Tropfen Eau de Cologne und reibe die Karten leicht aus beiden Seiten ab. Nachdem sie trocken geworden sind, werden sie mit einem weichen anderen Tuch nachpoliert: sie haben den Glanz und das Aussehen völlig neuer Karten. Das seideneHalstuch bekommt schon nach kurzem Tragen häßliche Flecke. Will man es waschen, so reibe man einige rohe Kartoffeln, presse sie aus und tauche das Tuch in das Wasser. Die Farben erhalten ihre ursprüngliche Frische und ihren Glanz wieder. Das Plätten der Umlegekragen ist eine schwierige Angelegenheit. Meistens werden sie nämlich so fest aufeinandergebügelt, daß der Halsstreifen der Krawatte beim Einlegen beschädigt wird. Will man das vermeiden, so Geschäftsverlegung Meiner werten Kundschaft, sowie allen Freunden und Bekannten zur gefälligen Kenntnis, daß ich meine seit OberSO Jahren betriebene Metzgerei, WalltorstraBe 13, ab Montag, den 31. März, nach Walltorstraße 4 im Hause des Herrn E. L. Sack verlege. Ich bitte, das mir seither entgegengebrachte Vertrauen auch ferner bewahren zu wollen miae Adolf Hofmann, Metzgermeister lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllli Sperrholz ri’aS'S tn Eiche. Gaboon u. 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Alles Gute und Edle im Menschen wird nicht geweckt in Zeiten materiellen Wohlergehens und des Lieberflusses, sondern in den Lebensabschnitten, wo Not und Trübsal den Menschen in die Schule der Läuterung sandten, „Die Schule des Leids", sagt Hilta einmal, „ist die Zeit des größten inneren Fortschritts. Wer daher den seelisch-geistigen Fortschritt will, darf das Leid nicht scheuen". Wir leben in einer Zeit der politischen und wirtschaftlichen Auseinandersetzung. Der Dauer lebt in einer Zeit des Kampfes um die Existenz und er sührt einen bitteren Kamps um die Grundfesten, die ihn und seine Familie vielleicht jahrhundertelang getragen haben und weiter tragen sollen. Lind gaiu mit Recht stellen sich in diesem Kampf immer breitere Volksschichten ihm zur Seite, — man fängt an zu begreifen, daß es schon aus Gründen der Volkswirtschaft unmöglich ist. eine so große Volksschicht wurzellos zu machen. Langsam nur ist diese Erkenntnis ausgedämmert, langsam nur wird die Entwicklung zum Desseren gehn, nur langsam der Aufstieg sein. Aber diese Notzeit richtig verstanden, teil! auch etwas anderes: sie ist ein Mahnruf an den Dauern, , sich auf seine Sendung zu berufen. Alle Volksgesundung kommt vom Lande, eine VcEerneuerung kommt nicht aus der Großstadt. Hierin liegt eine der größten Aufgaben des deutschen Dauern. Denn dieses deutsche Schicksal fordert und zwingt die Dolks- erneuerung. Erneuerung des deutschen Gei st es bedeutet Erneuerung deutschen Volkstums. Das kann aber nur geschehen, wenn im Bauerntum die Kräfte ureigenster Erneuerung lebendig werden. Eins müssen wir klar erkennen: wir sollen am deutschen Schicksal wachsen, sollen diese Zeit begreifen als eine Zeit der Läuterung. 3n der keime und wachse ein neues Geschlecht, das dem deutschen Gedanken neue Form und neuen Inhalt gebe. Der deutsche Bauer war die Iahrhunderte hindurch der stolze Träger nationalen Denkens. In seinem Herzen ruhte und wurde mit jedem neuen Geschlecht neu geboren die Liebe zur Scholle, die Liebe zur Heimat, die Liebe zum Vaterland. Ans Vaterland, ans teure schließ' dich an, — wer hat sich treuer und inniger dazu bekannt als der deutsche Dauer? Lind heute? Gilt dies Wort weniger in Zeiten der äußeren und inneren Bedrängnis? Soll dem deutschen Gedanken in der Welt weniger Lebenskraft innewohnen in der Zeit der deutschen Not? Hier ist ein Bekenntnis aus deutschem Dauernmunde erforderlich, ein Dekenntnis zum Staat, getragen von dem Wissen „der Staat bin ich.," Iawohl du, jeder einzelne. Weißt du auch deutscher Dauer, daß in demselben Umfange, wie du dich zum Staat bekennst, feine Straft, fein Ansehen und feine Macht wachsen? Lind ein anderes ist erforderlich: das Bekenntnis und die Erkenntnis, daß der einzelne wie das Volk in der Führung steht. Daß dies deutsche Notschicksal kein Zufallsschicksal ist, sondern über uns allen eine Macht gebietet, die die Menschen und Dölkerschicksale nach ihrem Willen lenkt. ... ein Gott ist, ein heiliger Wille lebt, wie auch der menschliche wanke. Hoch über der Zeit und dem Raume webt, lebendig der höchste Gedanke. Lind ob alles in ewigem Wechsel kreist, es beharret im Wechsel ein ruhiger Geist. Dazu müssen wir uns bekennen. Für mich liegt die deutsche Mission vielmehr auf dem Gebiet des Seelisch-geistigen als irgendwo anders. Ein Volk, das der Welt so viel und mannigfaltige Kulturgüter geschenkt hat, soll dieses Schicksal für eine Zeit neuen geistigen Aufstiegs fruchtbar werden lassen, die aber von einer geistigen Wiedergeburt getragen sein muß. Ganz einfach und schlicht ausgedrückt: von einer Notzeit z urückgeleitet zu Gott. Auch der deutsche Bauer ist abgeirrt von göttlichen und sittlichen Lebensgesehen unb damit abgeirrt vom Glücksweg. Wir haben den festen Zusammenhang mit den inneren geistigen und gedanklichen Leben^gesetzen verloren. In demselben Umfange wie wir den Weg zu Gott und seinen Lebensgesehen wieder finden, treten wir in Verbindung mit der Kraft, die uns den Weg nach oben, den Weg zum Glück zeigt. Das Gesündeste, und was allein glücklich macht, ist ein einfaches Leben mit reinem Herzen in guten Gedanken und beständig nützlicher Arbeit. Um es auf eine kurze Formel zu bringen „ist ein Leben in Gott". Darin besteht die Sendung des deutschen Dauern. Hüter und Träger des nationalen Denkens zu sein und in enger Verbindung mit Gott zu leben, getragen von der Erkenntnis und dem Wissen, daß alle sittlichen Kräfte eines Volkes nur aus der einen Quelle fliehen, die Gott heißt. müssen im Rahmen bet parlamentarischen Demokratie scheitern. Angesichts dieser Schwierigkeiten eines zwar drin» gcnd wünschenswerten, aber allein unzureichenden und nur sehr schwer zu erwirkenden Aufgaben» und Ausgaben Abbaues. snuß die Möglichkeit erwogen werden, auf andere Weife innerhalb des Rahmens der parlamentarifchcn Demokratie eine durch» greifende und vor allem nachhaltige^Gcfundung de« Reichshaushalts durch unbedingte Sicherung eines Gleichgewichts zu fduffen. Denn dieses Gleichgewicht ist auch die unerläßliche Voraussetzung dafür, daß alle künftigen Ersparnisse wirklich zu einer E n t • laftung der Wirtschaft führen. Rach den bisherigen Erfahrungen haben alle Ersparnifse keine Ent- laftung, sondern nur weitere 'Belüftung im (Befolge gehabt, lleberdies hat die katastrophale Lage des Reichshaushaltplanes, den noch nicht einmal di« Ersparnisse durch den Poungplcm zu sanieren vermochten, unsere außenpolitische Lage auf beiden Haager Konferenzen in einer überaus bedauerlichen Weise verschlechtert. Unb ohne durchgreifende Ordnung des Reichshaushalts werden wir in absehbarer Zeit bei der zu erwartenden Anrufung des sogenannten Beratenden Sonderausschusses der Bank für internationalen Zahlungsausgleich wiederum in einer gleich ungünstigen Lage sein. Denn Empfehlungen dieses Ausschusses zur Abänderung der deutschen Leistungen werden nur möglich fein, wenn der Ausschuß feststellt, daß die deutsche Regierung alles in ihrer Macht Stehende zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen getan hat. Ohne Ordnung der Reichsfinanzen wird die Voraussetzung aber kaum bejaht werden können. Es ist nun innerhalb der parlamentarischen Demokratie, also ohne Beschränkung der politischen Befugnisse des Parlaments, eine Sicherung des Haushaltsgleichgewichts auf folgende neuartige aber wirksame Weise möglich: Die größte Gefahr bildet nicht die Bewilligung von Ausgaben überhaupt, sondern die durch Verabschiedung des Haushallsgesetzes ober burch Verabschiedung anberer Ausgaben ver- urfachenber Gesetze erfolgenbe Veranlassung von Ausgaben, welche nicht burch gleich hohe, gleich f i d) e r e unb mit ben Ausgaben gleichzeitig eingehenbe Einnahmen gebeeft find. Rotwenbig ist also eine Abänderung der Reichsverfassung und der Reichshaushalts» Ordnung mit dem Ziel, daß jede innerhalb ober außerhalb des Haushaltgesetzes erfolgende Bewilligung von 'Ausgaben nur dann vom Reichspräsidenten verkündet werden darf, wenn außer der Gegenzeichnung des für die fachliche Zweckmäßigkeit verantwortlichen '.Reidjs» Minister noch eine weitere Gegenzeichnung eines mit ridjterlidjer Unabhängigkeit ausgestatteten Ha u s b a 11 s- E o in m i f f a r 5 vorliegt, des Inhalts, daß die Bewilligung der neuen Ausgaben durch gleichzeitige Bewilligung entsprechender Einnahmen oder Herabsetz uitg entsprechender anderer Ausgaben gedeckt ist. Die Herabsetzung bestehender Einnahmen darf ebenfalls erst verkündet werden, wenn durch Gegenzeichnung entsprechend anderer Maßnahmen die Steigerung anderer Einnahmen oder die Verminderung bestehender Ausgaben sichergestellt ist. Man kann daran denken, das Amt dieses „Hous- haltskommissars" in Personalunion mit dem Amte des Präsidenten des Rechnungshofes des Deutschen Reiches zu verbinden, gleichwie soeben das Amt des Rotenkommifsars bei der Reichsbank ebenfalls mit dem des Präsidenten des Rechnungshofs in Personalunion verbunden ist. And) dieser Notenkommissar hat keinerlei sachlichen Einfluß auf die Geschäfte der Reichsbank, er hat nur die formale Innehaltung der bestehenden Deckungsvorschriften festzustellen, ehe sein Kontrollstempel die Ausgabe neuer Reichsbanknoten ermöglicht. Die Sicherung des Gleichgewichts im Reichshaushatt. Von Professor Dr. Friedrich JRaob, Dresden, Vor dem Kriege, während des Krieges und während der Inflation gab cs in Deutschland keinerlei allgemeine Anteilnahme an der Entwicklung der Reichsfinanzen, trotz steigender Verschuldung des Reiches während dieser ganzen Zeit. S t e u e r l a ft und Währungsverfall beanspruchten allein die Oefsentlichkeit. Das Schicksal des R e i ch s Haus- Ha 11 e s kümmerte nur wenige Eingeweihte. Die Wiederherstellung der Währung erzwang auch hierin einen Umschwung: Zunächst wurde weiteren Kreisen die vervielfachte Inanspruchnahme des Volkseinkommens für öffentliche Zwecke bewußt. Betrug sie vor dem Weltkriege etwa efti Zehntel, fo 1925 bereits ungefähr ein Viertel. Heute beträgt sie unter Einschluß der Sozial- lasten f a st ein Drittel. Stärker noch beunruhigte die unaufhörliche Steigerung der öffent- l i ch e n Ausgaben. Während der letzten fünf Iah?e machte sie im Reiche allein 4 Milliarden, das ist mehr als 50 v. H. der Ausgaben von 1924, aus. An dieser Steigerung sind die Reparationslasten nur mit fünfviertel Milliarden, die inneren Ausgaben aber mit rund zwei dreiviertel Milliarden beteiligt. Dagegen wurde kaum beachtet, daß seit 1925 die ordentlichen Einnahmen des Reidas in keinem Jahre zur Deckung seiner Ausgaben ausreichten. Denn die Ueberschüsse des Jahres 1924, die Aufnahme von Krediten auch für nichtwerbende Zwecke', die allmähliche Aufzehrung des Betriebs- fonds des Reiches, die Verwendung außerordent- sicher Einnahmen für lausende Ausgaben verbargen die immer gefährlichere Erschütterung des Reichshaushaltes. Sie wurde weiteren Kreisen erst im Dezember vorigen Jahres offenbar, als das Reich nur unter drückenden Bedingungen und unwürdigen Umständen seinen dringendsten Bedarf an Zahlungsmitteln zu- decken vermochte. Vollends enthüllte sich die katastrophale Lage der Reichsfinanzen, als sich bei der Vorlage des Nachtragshanshaltes für das laufende Rechnungsjahr 1929 30 ergab, daß trotz der bei Annahme des Poungplans für dieses Rechnungsjahr zu erwartenden Erleichterungen von 464 Millionen und trolv Inanspruchnahme einer Halbjahrsrate der Industriedelaftung für Zwecke des Reichs- Haushalts, statt des im Poungplan vorgesehenen Wegfalls der Jndustriebelaftung, dennoch ein ungedeckter Fehlbetrag von 2 37 Millionen vorhanden war. Und zwar weil infolge grundloser Ueberschätzung des erwarteten Aufkommens die Leiter der Arbeitsstätte für fachliche Politik. Steuereinnahmen des Reichs um 244 Millionen hinter dem Voranschläge zurückgeblieben und außerdem 611 Millionen Mehrausgaben entstanden waren, davon 433 Millionen für soziale Zwecke. Für das neue Rechnungsjahr 1930/31 ist vorläufig mit einem noch ungedeckten Fehlbeträge von rund 700 Millionen zu rechnen. Dabei hat die kurzfristige Verschuldung des Reichs eine solche Höhe erreicht, daß die Ueberwindung des Vierteljahrsletzten, Ende März 1930, nur unter besonders günstigen Umständen ohne erneute große Schwierigkeiten möglich fein wird. Nun find in den letzten Jahren von den verschie- schiedensten Seiten Besserungsvorschläge mit dem Ziel einer Herabsetzung der Ausgaben gemacht worden. Durch das vereinte Bemühen von Regierung, Reichssparkommiffar, Reichsrat und Reichstag sind auch gewisse Einsparungen, vor allem aber eine sehr viel genauere Kontrolle der Ausführung des Reichshaushaltsplanes erzielt. Eine Gesundung der Reichsfinanzen haben diese Maßnahmen aber nicht zu bewirken vermocht und werden sie alleine nicht herbeiführen können, vor allem aus zwei Gründen: Der größte Teil der Reichsausgaben, etwa neun Zehntel, sind in dem Sinne rechtlich gebunden, daß sie auf Grund völkerrechtlicher oder privatrechtlicher Verpflichtungen ober auf Grund von teilweise nur mit verfassungsändernder Mehrheit abzuändernden Reichsgesetzen erfolgen müssen, ob der Reichshaushaltsplan diese Ausgaben vorsieht oder nicht. Von den, Rest ist ein Teil in der Weise praktisch gebunden, daß er den zur Durchführung bestehender Gesetze erforderlichen Verwaltungsaufwand umfaßt, also ohne Aenderung der entsprechenden Reichsgesetze bei zu geringen Haus- Haltsansätzen zu überplanmäßigen Ausgaben oder unzureichender Erfüllung der gesetzlichen Ausgaben führt. Die Einsparungsmöglichkeiten durch bloße Herabsetzung der Haushaltsansätze sind also sehr gering. Die für weitere Ersparnisse erforderlichen Aendenlngen der Gesetzgebung des Reichs und der Länder führten zwar allmählich zu beträchtlicheren Ergebnissen, Helsen aber nicht sofort und sind vor allem mit sehr großen praktischen Schwierigkeiten verknüpft. Alle Versuche, das Bewilligungsrecht des Reichstages einzuschränken, sei es durch Erweiterung der Machtbefugnisse des Reichsfinanzministers, des Reichspräsidenten, des Reichssparkommissars oder auf andere Weise, sind bisher gescheitert und Die gefiederte Schlange. Vornan von Edgar Wallace. 12 Fortsetzung. Rochd'-uck verboten „Die gefiederte Schlange," begann er und sprach, als ob er auf der Lehrkanzel stände, „war nach der Meinung der alten Azteken der Schöpfer des Weltalls. Sie war das erste Wesen, das auf der Welt existierte. Wie die Alten erzählen, war sie schon vorhanden, ehe sich zwei Dinge berührten, mit anderen Worten, bevor es eine materieUe Existenz irgendwelcher Art gab. Die gefiederte Schlange war das Symbol der Herrschaft, auch war sie eine Art Rachegöttin bei den -Azteken. Sie mögen selbst ihr Alter beurteilen, wenn ich Ihnen sage, daß bei den späteren • Azteken, die mit Cortez kämpften und von ihm besiegt wurden, die gefiederte Schlange nur noch eine mythische Figur war, die nicht mehr in den Tempeln verehrt wurde. Damals war schon eine ganz neue Hierarchie von Göttern an ihre Stelle getreten — das heißt mit einer Ausnahme." Er hob den Finger, um die Bedeutung seiner Worte zu unterstreichen. „Es hat immer einen kleinen Kreis von Leuten gcgebest. selbst in jenen Tagen, jq sogar heute noch, die die Schlange verehrt haben. Sie werden erstaunt sein, von mir zu erfahren, daß es zu dieser Stunde in Mexiko, in Spanien, ja selbst in England noch Leute gibt, die die gefieberte Schlange verehren — das glänzende, goldene Licht, den Bringer des Lebens." „Eine Religion?" fragte Peter. Er war sehr überrascht, aber er glaubte, was der Gelehrte ihm sagte. „Es ist vermutlich weniger eine Religion als eine Geheimgesellschaft," sagte Mr. Deale und lächelte, geheimnisvoll. „Ich selbst weiß von der Sache nichts ynb gebe Ihnen nur eine Auskunft, die ich von anderen erhalten habe." Er klingelte dem Hausmeister wieder. „Bitte, machen Sie Miß Qlroyd mit der Haushälterin b fannt.“ Dann wandte er sich anDa hne. „Sie wird Ihnen sagen, wo Sie Ihre Sachen lassen können." Peter wartete gespannt. Es schien ihm-kein Zufall zu fein, daß der Gelehrte die junge Dime fortschickte. Er hatte sich darin nicht getäuscht. „Hat man noch etwas Neues von dem Mörder entdeckt?" fragte Mr. Beale interessiert, als seine Sekretärin das Zimmer verlassen hatte. „Nein. Haben Sie die Morgenzeitung gelesen?" Mr. Deale nickte. „Natürlich interessierte mich das, was über die gefieberte Schlange gesagt würbe. Sie ist für mich eine wirklich existierende Macht. Ich bin niemals mit Mitgliedern der Geheimgesellschaft zusammengekommen, und ich habe nicht die geringste Ahnung, wie sie arbeitet! Ich sagte nichts, solange Miß Qlroyd noch hier war, denn dies ist kein Thema, das man in ihrer Gegenwart erörtern sollte. In Mexiko ist das Ansehen der gefieberten Schlange so gesunken, daß sie das Geheimzeichen gewisser Verbindungen von Sträflingen im Gefängnis geworden ist, mit anderen Worten, sie ist eine Art Fetisch für bestimmte Arten von Verbrechern. Ich habe nicht gehört, ob es so etwas auch in England gibt, aber ich habe es in den verschiedensten Staaten von Südamerika nachweifen können." „Geheimgesellschaften im Gefängnis?" fragte Peter erstaunt. „Warum nicht?" lächelte der andere. „Geheim- gefellschaften sind im besten Sinne kindliche Vergnügungen, und der Himmel mag wissen — Gefangene brauchen Aufheiterung. In einigen amerikanischen Gefängnissen gibt es verschiedene Arten von Geheimbünden, die bisher noch wenig bekannt sind, aber wirklich existieren, und zwar mit Paßwörtern Handgriffen, Zeichen und allem anderen Zubehör. Ich dachte keinen Augenblick daran, daß es in England auch dergleichen gäbe, bis ich in den Zeitungen von diesem Verbrechen las. Sie wußten natürlich schon alles, als Sie mich gestern abend anläuteten. Ich muh gestehen, daß Ihr Wunsch, mit mir über gefiederte Schlangen zu sprechen, mich sehr in Erstaunen setzte." Peter nahm die Heine Tonfigur wieder in die Hand und betrachtete sie von allen Seiten. Wieviel tausend Iahre mochte es wohl her fein, daß irgendein längst verstorbener Azteke diese einfache Plastik gefertigt hatte? Wieviel Generationen bronzefarbener Menschen hatten sich wohl schon anbetend davor geneigt? Dieses winzige -Bildwerk hatte die gewaltigen Pyramiden der Azteken und ihre Heiligtümer gesehen. Als es modelliert wurde, troff der grüne Steinaltar von frischem, rotem, rauchendem Blut, unb bie Prozessionen blumengeschmückter Opfer stiegen täglid) zum Gipfel empor, um bort ihr Leben unter bem scharfen, gekrümmten Messer des Oberpriesters auszuhauchen. Er erschauerte, als er das Tonbild wieder auf die Tischplatte legte, und wischte seine Hände am Taschentuch ab, als ob er sich von einer Befleckung mit diesen gräßlichen Kulten reinigen müßte. „Glaubt man, daß solch ein Bild irgendwelchen bösen Einfluß hat?" Gregory Deale lachte. „Warum fragen Sie danach, Mr. Dewin? Sind Sie etwa abergläubisch?" sagte er scherzend zu dem Zeitungsreporter. „Vermutlich glauben Sie an unheilbringende Statuen mit bösen, vernichtenden Eigenschaften, die kein Museumsbeamter berühren darf, ohne zu sterben? Ich kann Ihnen versichern, daß solche Kräfte in dieser kleinen Tonfigur nicht vorhanden sind." „Dieses Ding kostet fünfhundert Pfund?" fragte Peter' etwas beschämt, um die Aufmerksamkeit von sich abzulenken. Deale nickte und schien sich darüber zu freuen, daß das Schlangenbild auf den anderen einen solchen Eindruck machte. „Ich habe keine Dedingungen an meine Mitteilung geknüpft. Was ich Ihnen erzählt habe, hätte Ihnen auch jeder andere Archäologe sagen können. Aber ich möchte Sie doch bitten, meinen Namen nicht zu erwähnen, wenn Sie hierüber in Ihrer Zeitung schreiben. Ich liebe die Oeffent» lichkeit nicht. Der SKurator irgendeines Museums hätte Ihnen wahrscheinlich mehr darüber berichten können." Peter tat es leid, daß er den berühmten Namen unterdrücken mußte, aber es bleibt einem Journalisten nichts anderes übrig, als einer solchen Ditte zuzustimmen und sich an sein Versprechen zu halten. „Ich hätte brennend gerne Ihren Namen gebracht, Mr. Deale, aber ich werde selbstverständlich Ihr Inkognito wahren." Der Gelehrte lachte. „Es wird Ihnen auch nicht viel nützen, wenn Sie meinen Namen erwähnen," sagte er trocken. „Als Archäologe bin ich nicht so bekannt — als einen etwas exzentrischen Philantropen kennt man mich besser." Peter zeigte auf das Bücherregal hinter Mr. Beales Sih. „Ich habe den Titel schon von hier aus gelesen, im ganzen habe ich drei Bücher geschrieben," sagte Mr. Beale, als er sich umwandte. Er zog drei Bände aus dem Regal und legte sie auf den Tisch. Peter nahm eines nach dem anderen in die Hand. Er las den Titel des ersten: „Der Grund der Armut. Eine nationalökonomische Unter» suchung." Das zweite handelte von der Urbar» machung von Sumpfland zu Siedelungszwecken. Das dritte erschien ihm am wenigsten interessant. Es trug den Titel: „Armut. Eine Studie." Gregory Deale seufzte traurig. „Wenn wir auch neun Monate lang Sonnenschein in unseren Gegenden hätten wie die alten Azteken, würden wir keine Sumpfgegenden mehr in England haben." Peter erinnerte sich an elende Hütten und trostlose Moorgegenden selbst im heißen Italien unb an die unbeschreiblich öden Sumpfgebiete Korsikas, auf die doch dauernd die Sonne niederbrannte, aber er widersprach nicht. Mr. Deale war im Augenblick nicht bei der Sache, und seine Gedanken schienen nicht die rosigsten zu fein. . „Die Urwälder Zentralamerikas und die unzugänglichen Dschungeln, die die Reliquien alter Kulturen bedecken, sind weniger erschütternd als das- Grohstadtelend Londons." Peter war aber nicht zu ihm gekommen, um soziale Fragen zu besprechen, und versuchte in taktvoller Weise, das Gespräch wieder auf die gefieberte Schlange zu bringen. „Glauben Sie im Ernst, daß hinter diesem Mord eine Geheimgesellschaft steckt, und daß die Karten, bie an verschiedene Personen in London geschickt wurden, irgendeine böse Vorbedeutung haben?" Gregory sah ihn nachdenklich an. „Wissen Sie etwas Genaueres über den ermordeten Farmer? Gibt es irgendwie Gefängnisakten von ihm? Das wäre das erste, wonach Sie sich umtun müßten. Auch andere Leute haben Karten mit bem Dilb ber gefieberten Schlange bekommen, soviel ich weih. Existieren auch von ihnen Strafakten? Wenn ich Zeitungsreporter wäre unb mich mit dieser Sache befassen müßte, würbe ich mich zuerst in dieser Richtung informieren." Peter schaute wieder auf bie kleine Tonfigur. „Könnte man wohl eine Photographie bavon Herstellen?" „Tie Mühe kann ich Ihnen sparen," lächelte ber Gelehrte unb ging zu einem Schrank, ber in ber Ecke des Raumes ftanb. „Ich habe verschiedene Photographien von gefieberten Schlangen unb gebe Ihnen gerne bie Erlaubnis, eine von biefen zu benützen — vorausgesetzt freilich, bah mein Name nicht erwähnt wirb. — Es ist nicht Descheidenheit," fuhr er fort, als er bie dicke Mappe öffnete, „aber vor einigen 3obren litt ich unter ber Einbildung, bah meine ver- schiebenen Streifzüge auf frembes Forschungsgebiet von bem Wunsch diktiert waren, meinen Namen bekannt zu machen!" Er lachte leise vor sich hin, als ob er sich jetzt über diesen Gedanken freute. „Oefsentlichkeit ist nicht meine... Spezialität... ich glaube, das ist das richtige Wort.' 9. Peter verlieh bas Haus, ohne Daphne noch einmal gesehen zu haben. Ein Autobus brachte ihn zum Zeitungsviertel. Cs waren keine weiteren wichtigen Meldungen über ben Morb eingelaufen. „Wie gewöhnlich hat eine ganze Anzahl von Leuten angerufen, bie uns auf bie Spur bringen wollte," sagte ber Nachrichtenredakteur. „Auch hat sich bie unvermeibliche Dame eingefunden, bie einen großen, buntkn Mann fünf Minuten nach ber Tat über Grosvenor Square kommen sah. Auherdem erzählte mir ber Portier, baß ein Dagabunb heute morgen zwischen sechs und acht dreimal vorgesprochen hat, um uns eine Geschichte anzubieten. Er heiht Lugg ober Mugg unb behauptete, bah der Mord von einem Gerst verübt wurde." (Fortsetzung folgt.) Die politischen Befugnisse des Parlaments bleiben unberührt. Es kann Ausgaben erhöhen und Einnahmen verringern, wie es ihm aus politischen Gründen gutdünkt. AbereskanndasGleich-- gewicht des R e i ch s h a u s h a l t s nicht mehr gefährden. Der Einwand, daß die hier einem besonderen unabhängigen Kommissar zuge- dachte Aufgabe eigentlich vom jeweiligen Reichsminister der Finanzen zu erfüllen sei. schlägt nicht durch. Die bisherigen Reichsminister der Finanzen haben diese Aufgabe meistens nicht erfüllt. Und die künftigen können sie oft nicht erfüllen, solange sie innerhalb der parlamentarischen Demokratie in allen entscheidenden Fragen vom Parlament abhängig sind und noch keine lange Tradition vor Beschlüssen schützt, welche das Gleichgewicht des Haushalts gefährden. Vor allem aber, solange die wirtschaftliche und politische Lage Deutschlands so bedroht ist, daß jeder unvorsichtige Beschluß das Gleichgewicht des Reichshaushalts und damit mehr oder minder auch das Schicksal Deutschlands gefährdet. Voraussetzung für die Durchführung des soeben entwickelten Vorschlages ist allerdings, daß der jeweilige Entwurf zum Reichshaushaltsplan nicht nur formal sondern tatsächlich ausgeglichen vorgelegt wird. Sein« Vorlage bedarf darum ebenfalls entsprechender Gegenzeichnung des Haushaltskommissars. Dieser muß betätigen, daß sämtliche auf Grund bestehender Verpflichtungen zu erwartenden Ausgaben in zu erwartender Höhe eingesetzt, die auf Grund bestehender oder neuvorgeschlagener Gesetze zu erwartenden Einnahmen nicht überschätzt, ordentliche Ausgaben nicht durch außerordentliche Einahme gedeckt und alsdann das Gleichgewicht des Haushalts rechnerisch gewahrt ist. Ein kluger Reichsfinanzminister wird sich selbstverständlich die Zustimmung des Haushaltskommissars vor der 93 er» öfefntlichung seines Haushaltsentwurfs sichern, überhaupt den 'Haushaltskommissar möglichst wenig in Aktion treten lassen, um ihn auf diese Weise mit der Zeit als überflüssig zu erweisen, — die günstigste Entwicklung, die möglich wäre. Wirksam kann dieser Vorschlag selbstverständlich nur werden, wenn gleichzeitig mit seiner Durchfüh- rung eine re st lose Sanierung des Reichshaushalts durch Fundierung alter schwebenden Verpflichtungen und Herstellung eines wirklichen Gleichgewichts im laufenden Rechnungsjahr erzielt ist. Dann aber wird uns die Berufung eines solchen Haushaltskommissars vor wirtschaftlichen und vor allem vor politischen Schäden bewahren, wie sie b:e letzten Jahre in immer steigendem Maße erzeugt haben. Ablchnen sollte diesen Vorschlag darum nur derjenige, der einen ebenso wirkungsvollen aber leichter zu verwirklichenden Weg zur Gesundung unserer Reichsfinanzen aufweisen kann! Oberheffen. Graf Friedrich zu Solms-Lauback t * Kloster Arnsburg, 29. März. Gestern verschied, 63 Jahre alt, im Arnsburger Schloß ^nach kurzer Krankheit der Graf Friedrich Ern st zu Solms-Laubach. Er war der dritte Sohn des 1900 verstorbenen Grafen Friedrich zu Solms-Laubach. Der Heimgegangene ist ,ein Onkel des Grafen Georg Friedrich von Solms-Laubach in Laubach und ein jüngerer Bruder des Grafen Wilhelm in Arnsburg. Landkreis Gießen. X Wieseck, 27. März. Der Evangelische Frauenverein, der im letzten Wint?rhalb- jahr wieder regelmäßig seine wöchentlichen Der- einsabende abhielt, veranstaltete am Dienstag bei starker Beteiligung seinen Schluhabend. Bei Ansprachen, Gedichten, geistlichen und heimatlichen Volksliedern verlief der Abend sehr anregend. Pfarrer Sattler zeigte und erläuterte 57 Bilder der Filmosto-Aci^ „Das schöne Dresden". Bei Kaffee und Kuchen * erfuhr die Reisekasse durch eine amerikanische Versteigerung eine weitere Stärkung. Bei Erörterung der Zeitsragen unseres Gemeindelebens wurde auch die Frage der Kriegerehrung in einmütigem Sinne behandelt. — 3n der gestrigen Schulvorstandssitzung unter dem Vorsitz von Bürgermeister Schomber gab die einstimmige Wahl von Rektor Petri und Schuhmachermeister Heinrich Weller XVI. in di«Kommission zur Schaffung einer Kriegerehrung Anlaß zu einer ausgiebigen Aussprache über Ort, Art und Weise einer solchen Gedächtnisstätte. Weiterhin wurde beschlossen, an den Gemeinderat heranzutreten mit dem Ersuchen, das am Derfassungstag (11. August) geplante Zuge n d f e st in der Weise der Vorkriegszeit zu ermöglichen. Für Lehrmittelbeschaffung erschien der Betrag von 50 Mark für jede Klasse, also von 600 Mark erwünscht; ebenso sollte bald eine Verdunkelungsvorrichtung für das Klassenzimmer der Oberklasse beschafft werden, da nur so der große Lichtbildwerfer auch für den Schulunterricht am Tage nutzbar gemacht werden kann. Der Vorschlag des Rektors, den Schulhof der „Weißen Schule" im Lichtenauer Weg mit Linden zu bepflanzen, fand einstimmige Annahme. a. Klein-Linden, 28. März. Der hiesige Handwerker- und Gewerbederein hielt am Mittwochabend im Gasthaus „Zur deutschen Eiche" seine diesjährige Gencralver- s a m m l u ng ab. Weihbindermeister Ludwig V i e h m a n n, der derzeitige erste Vorsitzende, eröffnete mit herzlichen Begrühungsworten die Versammlung und erstattete dann den Geschäftsbericht vom verflossenen Jahre. Während des letzten Jahres fanden fünf Vollversammlungen, vier Dorstandssihungen und 14 zwanglose Zusammenkünfte statt. Ein Ausflug führte die DM- glieder und ihre Familien an den Rhein. Der Verein zählt heute rund 50 Mitglieder. Der Rechnungsbericht, von dem Rechner, Schreiner- meister Valentin Kehl, erstattet, zeigte einen günstigen Stand und fand einstimmige Annahme. Der Vorsitzende dankte dem Rechner für seine Tätigkeit. Der Gesamtvorstand wurde durch Zuruf wiedergewählt; er seht sich aus folgenden Personen Zusammen: 1. Vorsitzender Weißbinder- meister Ludwig D i e h m a n n, 2. Vorsitzender und zugleich Schriftführer Elektroinstallateur Heinrich Bechtold, Rechner Schreinermcister Valentin Kehl, Beisitzer Bauunternehmer Heinrich Bernhard und Bäckermeister Friedr. Stein. Von der Veranstaltung eines Saalvergnügens wurde abgesehen und dafür eine Autofahrt mit Familien nach Heidelberg beschlossen. Die Fahrt soll am 25. Mai stattfinden. Unter Punkt „Verschiedenes" wurde auch xu der letzten Gemeinderatswahl Stellung genommen. Die Generalversammluna sprach die Hoffnung aus, daß der neugewählte Gemeinderat das Handwerk mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützt, zumal doch gerade di« Handwerker und Gewerbetreibenden in unserer Gemeinde mit die meisten Umlagen aufbringen müssen. LJ G r oßen-Linden, 24.März. Ein Licht- bildervortrag fand gestern abend auf Veranlassung des Turnvereins Grohen-Linden im Saale des Gastwirts Philipp Schaum statt. Gauvertreter Schneider (Butzbach) sprach über seine vorjährige Amerikareise, die er, wie bekannt, mit Turner Karl Reuter (Gießen), dem 1. Sieger des Deutschen Turnfestes in Kpln, ausgeführt hat. Der Vortragende wußte durch seine lebendige Vortragsweise die zahlreichen Zuhörer von Anfang bis zu Ende zu fesseln. Der Vorsitzende des Turnvereins, Dr. Ernst Römer, dankte für den überaus interessanten Vortrag, der starken Beifall fand. IU Lollar, 27. März. Heute vollendete der ehemalige Eisenbahnbedienstete Christian V i e h l, Alt- veteran von 1870/71. in guter Gesundheit -sein 8 3. Lebensjahr. Zahlreich waren die Glückwünsche. die ihm aus diesem Anlaß zuteil wurden. Besondere Freude bereitete dem hochbetagten Manne ein Glückwunschschreiben des Reichspräsidenten von Hindenburg, das ihm mit einem Bild Hindenburgs, das dessen eigenhändige Unterschrift trägt, zugestellt wurde. Der Veteranen- und Kriegerverein Lollar ließ sein Ehrenmitglied durch eine Abordnung bei Ueberreichung eines Geschenkes beglückwünschen. meter. — Die Bautätigkeit, die in den vergangenen Jahren in unserer Stadt sehr rege war, ist in diesem Jahre bis jetzt gering. Zur Zeit sind neben einigen Anbauten nur zwei Wohnhausneu bauten geplant. 5 Saasen, 28. März. Unser erster Lehrer und Organist Herber ist seit dem Tode seiner Gattin zu Anfang d. M. beurlaubt. Lehrer Krämer muß beide Klassen versehen, was bei der großen Zahl unverwendeter Schulamtsaspiranten eigentlich zu verwundern ist. Lehrer Krämer versieht auch den Organistendienst. Wie man hört, will Lehrer Her- der zum 1. Oktober in den Ruhestand treten, was in unserer Gemeinde allgemein bedauert wird. + Grünberg, 25. März. Am Sonntag- abend trat der hiesige Kirchengefangver- e i n nach langjähriger Pause zum ersten Male wieder mit einem Konzert in der Turnhalle vor die Oeffentlichkeit. Während dies vor dem Kriege eine alljährliche Gepflogenheit war, war der Verein nach dem Kriege durch mehrmaligen Dirigentenwechsel sogar einige Jahre ganz untätig, bis vor etwa 2 Jahren Lehrer Roth den Dirigentenstab, den er früher schon einmal hatte, wieder übernahm. Daß unter seiner ziel- bewußten Leitung der Verein bald wieder auf eine beachtenswerte Hohe gestiegen ist, zeigte das Konzert, das in reicher Auswahl geistliche und Was tretet der Gießener Anzeiger seinen Lesern? Werktäglich Das große Heimat- und Anzeigenblatt die führende Tageszeitung In dem Gebiet zwischen Frankfurt am Main - Kassel und Koblenz-Erfurt Wöchentlich zweimal Gießener Familienblätter Wöchentlich Die Illustrierte des Gießener Anzeigers Heimat Im Bild Die Scholle In ständigem Wechsel Sonderseiten de» Gießener Anzeigers: Turnen, Sport und Spiel Für den Büchertisch Aus dem Reiche der Frau Aus Natur und Technik Jugend und Hochschule Aus der Welt des Films Das Recht Im täglichen Leben Zeltfragen des Mittelstandes i Jährlich zweimal Taschenfahrplan in Heftform Jährlich Künstlerischer Wandkalender > Lollar, 22. März. Die Arbeitsgemeinschaft Grünberg der Junglehrer hielt heute unter Leitung von Lehrer B ö - ch e r in unserem Schulhaus ihre Tagung ab. Lehrer Keller von hier führte mit seiner Klosse vor, was von den Mineralien, im besonderen dem Quarz, der für unsere Gegend von hoher wirtschaftlicher Bedeutung ist, in der Volksschule durchgenommen werden kann, hielt dann noch eine Probelektion über die Schnecken. Als zweiten Punkt der Tagesordnung hörten die Teilnehmer einen Vortrag von Lehrer S e i p, Weitershain, über den Deutschunterricht in der Grundschule. An mitgebrachten Arbeiten seiner Schüler, wie Aufsätzen, Zeichnungen, Ausschneid- und Klebarbeiten zeigte der Referent, auf welch' hohe Stufe man die Kinder führen kann und wie all diese Ausdrucksmöglichkeiten dem Sprachunterricht förderlich sind. 3n der Aussprache betonten Dr. Balser und Herr Haas, daß die Schule dem Lehrplan und der heutigen Zeit nur noch gerecht wird, wenn mit dem reinen Klassenlehrerunterricht auch in den kleineren Landschulen gebrochen und auch dem Fachlehrersystem Eingang verschafft wird. Z Reinhardshain, 28. März. Bei großer Rüstigkeit feiern am 29. März Kaspar L ö ch e l und seine Ehefrau, Katharina geb. Graulich, das Fest der goldenen Hochzeit. Der Jubilar ist in ollen OrtSn der Umgegend wohlbekannt, da er als Versicherungsagent noch täglich tätig ist. i Allendorf a. d. Lda.. 28. März. Bei der im hiesigen Stadtwalde abgehaltenen letzten diesjährigen Brennholzoersteigerung wurden folgende Preise erzielt: für Scheitholz: Buche 21 bis 26 RM., Eiche 12 bis 18 RM.. Kiefer 8 ins 12 RM., Fichte 6 bis 9 RM. je zwei Raummeter; Knüppelholz: Buche 15 bis 20 RM., Eiche 10 bis 14 RM., Kiefer 7 bis 12 RM.. Fichte 5 bis 10 RM. je zwei Raummeter; Reisholz: Buche 6 bis 13 RM., Eiche 2 bis 5 RM., Kiefer 1 RM, Fichte 1 bis 10 RM. je fünf Raummeter; Stockholz: Buche 10 bis 15 RM., Eiche 6 bis 10 RM., Fichte 8 bis 7RM. je zwei Raumweltliche Chöre, untermischt mit Sologesängen und Duetten, bot. Der Verein verfügt über prächtiges Stimmenmaterial und die Solistinnen zeigten Leistungen, die über den Durchschnittsrahmen weit hinausgingen. Ein einaktiges Singspiel wurde von den Mitwirkenden gesanglich und schauspielerisch wirkungsvoll zur Darstellung gebracht. Jedenfalls kann gesagt werden, daß sowohl der Verein als auch besonders sein rühriger Dirigent den Abend als vollen Erfolg buchen können. * Hausen, 28. März. Hier fand eine öffentliche Versammlung statt, zu der die V o l k s n a t i o n o l e Reichsvereinigung eingeladen hatte. Lehrer Kr o u s ch aus Gießen legte in einstündigem Vortrag die wesentlichen Ziele der V. R. V. dar. Daran knüpfte sich eine ausgedehnte Aussprache, in der neben dem Redner die Herren Gebhardt und Klotz aus Gießen ebenfälls im Sinne der V. R. V. Ausführungen machten, während als Gegner Dr. G u m b e l aus Gießen für die Sozialdemokratische Partei zweimal in längeren Ausführungen zum Worte kam. * Garbenteich, 28. März. In einer überaus stark besuchten Versammlung der ö o 1 f s nationalen Reichsvereinigung sprach Herr Schwarzbach über die neue Bewegung und ging dabei auch vornehmlich auf die Gegner der sich bildenden Volksgemeinschaftsbewegung ein, als die er den Bolschewismus, die Plutokratie und die staats- bürgerliche Krise bezeichnete. In der Aussprache nahmen auch zwei Vertreter der Sozialdemokratie das Wort. Während der eine Redner in sachlicher Weise zu den angeschnittenen Fragen Stellung nahm, konnte der andere nur das Mißfallen der Versammlung Hervorrufen. Der Redner des Abends, sowie Studienrat Klotz aus Gießen, geben in befriedi- gender Weise Auskunft. Die wohlgelungene Versammlung hat der Volksnationalen Reichsoereini- gung erneut Freunde gebracht. * Röthges, 28. März. Am Samstag, 29. März, feiern unser ehemalige Bürgermeister Heinrich Metzger und seine Ehefrau ölt» sabeth geb. Emmerich das Fest der Goldenen Hochzeit. Das Jubelpaar erfreut sich noch besten Wohlbefindens. Der alte Herr stand von 1898 bis 1902 als Bürgermeister an der Spitze unseres Ortes. T Steinheim, 23. März. Am Freitag und Samstag dieser Woche sand die letzte große Holzversteigerung im hiesigen Gemeindewald statt. Obwohl große Holzmengen zum Ausgebot kamen, waren die Preise weiter rückgängig, so daß sie meistens den Vorkriegsstand erreichten, teilweise sogar darunter gingen. Am ersten Tage kam nur Ruhholz zur Versteigerung. Es kosteten Eichenstammholz 1. Klasse, zu Deichseln geeignet, 1,50 bis 4 Mk., Kirschbaumstämme je Festmeter 10 bis 12 Mk., Fichtenstammholz la-Klasse 14 bis 16 Mk., lb°Klasse 13 bis 15 Mk., 2. Klasse 12 bis 18 Mk., 3. Klasse 17 bis 21 Mk., der einzige Stamm der 4. Klasse mit über 2 Festmeter Inhalt erreichte einen Preis von 58 Mk. Fichten-Derbstanaen waren sehr begehrt und erreichten einen hohen Preis; solche 1. Klasse kamen auf 3 bis S. Mark, 2. Klasse 2 bis 4 Mk., 3. Klasse 0,50 bis 2 Mk. Kiefernstämme wurden in Klasse 1b mit 8 bis 10 Mk., Klasse 2a mit 10 bis 16 Mk., Klasse 3b mit durchschnittlich 25 Mk. bezahlt. Einige Rachfrage bestand nach Lärchenstammholz. Cs kostete Klasse la das Festmeter 10 bis 11 Mk., 2a-Kl. 12 bis 14 Mk., 2b-Kl. 16 bis 17 Mk. Der zweite Tag brachte ein Angebot von über 500 Raummetern Hartholz. Da der Bedarf der Käufer bereits bei den.Versteigerungen in den Etaats- waldungen gedeckt war, war die Rachfrage gering. Duchenscheitholz 1. Kl. kostete 9 bis 11 Mk., 2. Klasse 5 bis 6 Mk., Eichen-Scheitholz 5 bis 6 Mk., Eichen-Rundscheit 7 Mk., Kirschboum- rundscheit 5 Mk., Fichtenrundscheit 4 Mk., Buchenknüppel 6 bis 7 Mk., Kirschbaumknüppel 4 biS 5 Mk., Fichtenknüppel 2 bis 3 Mk., Buchen- reisig 2. Klasse 1,50 bis 2 Mk., solches 3. Klasse 0,75 bis 1,40 Mk., Fichtenreisig 50 Pf., Eichenreisig 20 bis 30 Pf., Duchenstöcke 4 bis 5 Mk., Eichenstöcke 3 bis 4 Mk., Fichtenstöcke 2 biS 3 Mk. Kreis Friedberg. <£ Bad-Nauheim, 28. März. Im Sprudelhof wehen seit wenigen Tagen wieder die Wasser- fahnen aller drei Sprudel. Während in der Winterkurzeit der an Schüttungsmenge, Kohlen- säure und Salzen überreiche Hauptsprudcl (Quelle 12) neben anderen Mineralquellen (für die Kurbrunnen- bäder) für die Herstellung der Bäder genügt, werden mit dem Beginn des Frühjahrs die beiden anderen Sprudel für den Badebetrieb mit heran- gezogen. Dieser hat in den ersten milden Tagen bereits lebhaft eingesetzt, da Bad-Nauheim zu den Heilbädern gehört, die infolge klimatischer Bevorzugung verhältnismäßig früh aufgesucht werden können. Kreis Büdingen. * Nidda, 28.März. Die Volksnationale Reichsvereinigung hat auch in unserem Städtchen festen Fuß gefaßt. Die Ortsgruppe zählt bis jetzt über 80 Mitglieder. In einer Versammlung wurde der vorläufige Vorstand gewählt. Er setzt sich aus folgenden Personen zusammen: Oberbahnmeister Struck, Vorsitzender; Apotheker Schuster und Zollsekretär Helfrich, stellvertretende Vorsitzende. Geschäftsführer ist Herr Beuler. In aller Kürze hofft man einen Bezirksausschuß bilden zu können, da die oolksgemeinschastliche Bewegung der V. R. D. in der Umgebung ebenfalls sehr gute Fortschritte macht. Kreis Schotten. I Ober-Lais, 26. März. Die hiesige Feld- bereinigungsgesellschaft wird nach Erhalt eines entsprechenden Darlehens demnächst eine Teilarbeit, die Drainage der Gewanne „3m Ruterts", durchführen. Bei dieser Arbeit werden eine Anzahl hiesiger Leute wenigstens für einige Zeit Beschäftigung finden. Es gibt hier eine ganze Anzahl von Bauhandwerkern, die dadurch, daß im laufenden Jahre fast keine Bauten zur Ausführung kommen werden, ohne diese Arbeitsmöglichkeit wohl den ganzen Sommer über ohne Arbeit sein würden. )—( Ruppertsburg, 28. März. Die Frühjahrsversammlung der hiesigen Ortsgruppe des Kreis-Ob st- und Gartenbauvereins sand dieser Tage statt. Der Vorsitzende erstattete zunächst den Tätigkeitsbericht über das abgelaufene Dereinsjahr, woraus hervorging, daß der Verein bemüht gewesen ist, den Obst- und Gartenbau in unserer Gemeinde zu fördern. Es wurden vier Versammlungen abgehalten. Auch Praktische Arbeit wurde geleistet, so z. B. die Schädlingsbekämpfung durch Spritzungen. mit Obst- baumkarbolineum und die planmäßige älm- pfropsung durchgesübrt. Verlosungen fanden im Frühjahr und Herbst statt. Zu letzterer hatte der Kreisverein Schotten 22 schöne Bäumchen gestiftet. Die Mitgliederzahl des Vereins ist im Jahre 1929 um neun gewachsen und betrug am 1. Januar 1930 53. Die Rechnungsablage hatte ebenfalls ein günstiges Ergebnis. Auch im Jahre 1930 will sich der Verein mit Reichs- zuschuh wieder an der planmäßigen Umpropfung beteiligen, wie das bereits in 1928 und 1929 geschah. Kreis Alsfeld. X Alsfeld, 25. März. Am Sonntag veranstaltete der hiesige Veteranen -und Kriegerverein einen Vortragsabend im kleinen Saale des „Deutschen Hauses", bei dem Kreisschulrat i.R. Huff (Alfeld) einen Vor- trag über „Die Schuld am Weltkriege und die französische Volksschule" hielt. Das Thema war dadurch besonders interessant, daß der Redner auf Grund einwandfreien Materials nachweisen konnte, daß der französische Haß- und Revanchegedanken syste- rnati.ch in der Volksschule in Frankreich, besonders seit den Jahren 1911, als Poincarö am Ruder war, großgezogen wurde, nachdem es in den früheren Jahren unter der syndikalistisch eingestellten französischen Lehrerschaft auch eine Periode des Pazifismus gegeben hatte. In den letzten Jahren fei das Hauptziel der französischen Volksschule die Erziehung für den Soldatenberuf gewesen mit dem Hintergedanken des Revanche- krieges gegen Deutschland. Im Anschluß an den recht interessanten und beifällig aufgenommor neu Vortrag wurden die vom Kyffhäuser-Ver- band zusammengestellten Lichtbilder über die Kriegsschuldlüge und der Kampf des deutschen Volkes gegen diese Lüge in sehr eindrucksvoller Weise vor Augen geführt. Der Redner wies am Schlüsse seiner Ausführungen daraufhin, daß der Kampf gegen den Artikel 231 des Versailler Vertrages von der Alleinschuld Deutschlands am Weltkriege auch nach Annahme des Boung-PlanS von dem deutschen Volke fortgeführt werden müsse, schon im 2n- Dieführende Kernseife NAUmQNNS EXTSfl ^L^t*****XL*A^^_ teresse der Ehre und des Ansehens der deutschen .Kation. xy '2119 f e l b, 25. März. Auf Einladung von OberftuöicnDiccLlor Dc. Rainer sand in der Aula der hiesigen Oberrealschule eine gut Aula der hiesigen Oberrealschule eine gut- besuchte Eltecnversammlung statt, die sich mit dec geplanten neuen Ferienordnung und der Verlegung des Schuljahrbeginns aus den Herbst befaßte, die auf einer Anregung des Reichsinnenministers beruht. Aach einem Aeferat von Studienrat Glaser über die Frage, der in objektiver Weise die Gründe für und gegen die bisherige Ordnung darlegte, beschloß die Elternversammlung einstimmig, daß die seitherige Ferienordnung beibehalten werden soll, da starke Bedenken gegen eine ununterbrochene Feriendauer von sechs bis acht Wochen geltend gemacht wurden, ebenso gegen den Schul- jahrschluß im Herbst. Weiter wurde zur Erörterung gestellt die Einführung des sechs st ün- digen Vormittagsunterrichts uo^urch der Aachmittagsunterricht in Wegfall kommen würde. Die Anregung wurde von den Eltern der auswärtigen Schüler lebhaft begrüßt, während andererseits aber auch Bedenken geäußert wurden, ob dadurch nicht der Unterricht in seinem Wert geschädigt werden würde. Auf Vorschlag von Oberstudiendirektor Dr. Hainer soll entweder vom Beginn des Winterhalbjahres ab oder vielleicht auch schon nach Pfingsten der sechsstündige Vormittagsunterricht versuchsweise eingeführt werden. Voraussetzung hierfür ist allerdings. daß sich die Eltern in ihrer großen Mehrzahl für den ausschließlichen Vormittagsunterricht aussprechen. *l* A u p p e r t e n r o d , 26. März. Dieser Tage wurde die G e m e i n d e j a g d auf sechs Jahre verpachtet. Der seitherige Pachtpreis betrug 905 Mark, eine Summe, die noch nie erreicht worden war. Es wurden jetzt 630 Mark erzielt. Pächter ist Bäckermeister Otto Philippi. Ober- Ohmen. Kreis Lauterbach. • Lauterbach, 18. Marz. Die Volks- nationale Reichsvereinigung hatte zu einer Versammlung in unserer Stadt eingeladen. Herr S t ö h n e r hielt einen Vortrag über „Weg und Ziele" dieser neuen, politischen Sammelbewegung. Aach einer Aussprache wurde eine Ortsgruppe gebildet, die sich einen geschäftsführenden Ortsausschuß wählte. preutzen. Kreis Wetzlar. T Wetzlar, 24. März. Der Verband für Leibesübungen im Kreise Weh- l a r hielt gestern hier seine Frühjahrshauptversammlung unter der Leitung des Vorsitzenden Gustav Fischer, Wetzlar, ab. Aus dem Geschäftsbericht des Vorsitzenden ging hervor, daß im verflossenen Jahre der Andrang zur Erwerbung des Turn- und Sportabzeichens nachgelassen hat. Bei den Reichsjugendwett- kämpfen konnten 267 Diplome verteilt werden. Im Hüttenberg kommt die Turnsache dank der Bemühungen des Turners Reitz. Hochelheim, neuerdings gut voran. Im neuen Arbeitsjahre soll vom 27. April ab an vier Sonntagen ein Kursus für Turnen und Sport in Wetzlar abgehalten werden. Lehrer Gaß, Dutenhofen, teilte interessante Zahlen von den letzten Reichsjugendwettkämpfen mit, bei denen ein bedeutender Fort- fchritt in den Leistungen zu verzeichnen war. Raa- dem Kassenbericht des Rechners Luft schloß das verflossene Vereinsjahr mit einem Kassenüberschuß von 395.22 Mk. ab Bei der sehr eingehenden Aussprache über die Tätigkeitsberichte wurde u. a. empfohlen, zur Wiederherstellung der baufälligen Turnhallen in Dornholzhausen und Münchholzhausen tatkräftig mitzu- wirken. Aachdem man noch die Vorstandswahlen erledigt hatte, bei denen der erste Vorsitzende Fischer einstimmig wiedergewählt wurde und Turner Reitz, Hochelheim, neu in den Vorstand eintrat, wurde die Tagung geschlossen. ♦ Launsbach, 28. März. Unser langjähriger Ortsdiener Hobadc, der schon jahrzehntelang in Gemeindedienstcn steht, tritt ab 1. April in den wohlverdienten Ruhestand. Als Nachfolger wurde Wilhelm Pfeiffer gewählt. der auch zugleich das Amt als Nachtwächter verficht. — Die Neubautätigkeit. die nach dem Kriege in unserem Orte gute Fortschritte gemacht hat — insgesamt sind 35 Rundfunkprogramm für 9 Schafe 208 Mark. Im ganzen wurden entschädigt 104 171,60 Mark, hiervon 51919,40 Mark im Kreis und 52 252,20 Mark in den übrigen Kreisen. Hieraus geht hervor, daß die Verluste in den auswärtigen Kreisen besonders stark waren. Die Ergebnisse in den einzelnen Viehgattungen waren folgende: Die Versicherung der Pferde brachte einen Ueberschuh von 10 420,01 Mark, die Versicherung des Rindviehs verlangte eine Überzahlung von 4472,02 Mark, die Versicherung der Schweine brachte einen Ueberschuh von 3582,77 Mark, die Versicherung der Ziegen verlangte eine Ueberzahlung von 44,66 Mark, die Versicherung der Schafe von 119,05 Mark. Die Verluste sind durch Rücklagen und den Stiftungsfonds gedeckt. Das Endergebnis des Geschäftsjahres 1929 war recht günstig. Das Vermögen des Vereins ist auf 151 966,75 Mark an- gewachsen. Die Versammlung genehmigte die Rechnung und entlastete den Vorstand und den Aufsichtsrat. Die ausgeschiedenen Aufsichtsratsmitglieder wurden wiedergewählt. Die am 31. Dezember 1913 gestiftete Auszeichnung erhält Orts- bevollmächtigter Landwirt Ludwig Schmidt II. in Breidenbach. Mittwoch, 2. April. 11.15 bis 11.45: Schulfunk. 13.30 bis 14.30: Schallplattenkonzert: Giacomo Meyerbeer. 15 bis 15.50: Jugendstunde. 16: Aus dem Volksbildungs- Heim Frankfurt a. M.: Konzert. 18.35: Von Stuttgart: „Aus der guten alten Zeit: Eine Plauderei über das Bier", Vortrag von Ernst Franzseph. 19.05: Von Stuttgart: „Auf Tierfang für Hagenbeck in Senegambien", Vortrag von E. Wache, Graz. 19.30: Don Stuttgart: Genoveva. Oper in vier Akten nach Ludwig Tieck und Friedrich Hebbel von Robert Schumann. 21: Konzert. 22: Ein Kaufhaus gerüstet zur Frühjahrssaison. Donnerstag, 3. April. 12.30: Schallplattenkonzert: O^erettcnmu'ik. 15 bis 15.50. Stunde der Jugend. 16: Don Stuttgart Aachmittagskonz rl kns Rundfunkorchesters 18.05: Zeitfragen. 18.35: Leo Lania, Dorlesung aus eigenen Werken. 19.05 Französischer Sprachunterricht. 19.30: Opernkonzert des Rundfunkorchesters. 21. Don Stuttgart. Walter von Molo liest aus eigenen Werken. 21.30: Aus Freiburg: Unterhaltungskonzert des 1. Freiburger Mandolinen- und Gitarrenvereins. Freitag, 4. April. 12.30 Schallplattenkonzert 15 bis 15.30: Don Mainz Die Rot des deutschen Weins. Gespräch zwischen drei Weinbauern und Dr. Paul Laven. 16 bis 17.45 Aus dem Kurhaus Wiesbaden: Konzert des Städtischen Kurorchesters Wiesbaden. 18. Buch und Film. 18.35: Don Stuttgart Aerztevortrag „Vo kommen von Eingeweidewürmern bei Erwachsenen und Kindern" 19.05. Don Karlsruhe. Volkswirtschaftliche Reihe — .Volksgemeinschaft und Volkswirtschaft", Vortrag von Hermann Hagen. 19.30: Von Stuttgart: Volkslieder, Duette und Soli. 20: Aus dem Festsaal der Liederhalle Stuttgart: Deutsch- Oesterreichifcher Abend. 22: Von Stuttgart: Was haben Sie gegen Lyrik? Zwiegespräch zwischen Gina Mayer und Felix Holländer, Berlin. Samstag, 5. April. 11.15 bis 11.45. Schulfunk. 13: Schallplattenkonzert: Tanzmelodien aus Volks- und Kunstmusik. 14 bis 14.50: Stunde der Jugend: 1. „Die Jägersprache. — Hebungen im Raten und Ergänzen von Jagdausdrücken (nach Löns)", Vortrag von Studienassessor Dr. K. Kerber. 2. Aus der Technik des Alltags: .Eiserne Hände", Vortrag von Mittelschullehrer Hans Röhler. 16: Von Stuttgart: Aachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 17. Tanzmusik. 18.05. Stunde des Frankfurter Bundes für Volksbildung: .Die soziale Frage im Alten Testament", Vortrag von Else Zurhellen-Pfleiderer. 18.35 .Erlebnisse einer Hausangestellten", Vortrag von Josefine Junker. 19.05: Spanischer Sprachunterricht 19.30: Von Mannheim: Ernst Toch spielt eigene Kompositionen. 20.15: Lustige Reportagen von Egon Erwin Kisch. 21.15: Südwestdeutsche Amateur- Boxmeisterschaft. 21.30: Robert-Koppel-Abend. 22.30: Aus der Stadthalle Stuttgart: Reitturnier. 23.30 Tanzmusik. Wohnungsneubauten entstanden — ist jetzt ins Stocken geraten Kreis Biedenkopf. • Biedenkopf, 28. März. Dieser Tage fand hier die diesjährige ordentliche Mitgliederversammlung der Kreisviehkasse Biedenkopf V. a. G. statt. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, L. Balbach, leitete die Der- sammlung. Geschäftsführer P l i t t gab einen Ueberblick über das abgelaufene Geschäftsjahr. Die Dcreinstätigkeit hat im Jahre 1929 weitere Ausdehnung angenommen. Das Versicherungskapital hat sich auf 5 711 830 Mark erhöht, hier- von 3 025 830 Mark Im Kreis und 2 685 980 Mark in den übrigen Kreisen. Die Versicherungsbeiträge beliefen sich auf 121 052,40 Mark, hiervon 62 531.20 Mark im Kreis und 58 521,20 Mark in den übrigen Kreisen. Reuausgenommen wurden 317 Diehbesitzer. Versichert waren 1713 Pferde, 8674 Stück Rindvieh, 6681 Schweine, 1229 Ziegen, 28 Schafe. Entschädigt wurden für 77 Pferde und Fohlen 26 106 Mark, für 322 Stück Rindvieh und Kälber 56 350,20 Mark, für 223 Schweine 19 849 Mark, für 66 Ziegen 1658,40 Mark, und Sonntag, ?0. März. 7 bis 8.15: Don Hamburg: Hafenkonzert. 8.15: Morgenfeier, veranstaltet von der Baptisten- Gemeinde Frankfurt a. M. 10.15: Von Wiesbaden Mit dem Mikrophon In der Blindenschule. 11. Erziehung und Bildung: »Gespräch über das Abiturium zwischen einem Abiturienten und einer Abiturientin". 11.30: Eltern stunde: »Ins Leben hinaus I" Ein Wort an und für die Schulentlassenen von Rektor K. Wehrhan. 12 : Gedenkstunde für Wilhelm Holzamer anläßlich seines 60 Geburtstages. 12.30: Stunde des ChorgesangS. 14. Jugendstunde. Kcrsperlstunde: „Tischlein deck dich" 15. Stunde des Landes. 16: Don Stuttgart Unterhaltungskonzert des Rundfunkorchesters. 17.30: „Die Rätsel der Dölker", Dortrag von Dr. Karlfriedrich Daberadt. 18: Stunde deS Rhein- Mainischen Derbandes für Volksbildung „Die unverzeihliche Lüge, ein serbo-kroatisches Märchen und seine Deutung", vorgetragen von Professor Dr. Herbert Kranz, Frankfurt a. M. 19.10. Sportnachrichten. 19.30: Aus dem Großen Saal des Saalbaues Frankfurt a. 211.: Weltliche Kantaten für Chor, Soli und Orchester von Johann Sebastian Bach 21.15: Prozeß Sokrates, Sendespiel in vier Akten von Hans Kyser. 23 bis 0.30: Tanzmusik. Montag, 31. Mär;. 13,30 bis 14.30 Schallplattenkonzert: Vergleichen Sie ..! 15: Stunde der Jugend: „Wolfgang Amadäus Mozart, ein Lebens- und Schaf- sensbild". Vortrag von Albert Wiegel. 16 bis 17.45 Aus dem Kurhaus Bad Homburg Konzert der Kurhauskapelle Burkart. 18.05: „Kommunale Politik und Arbeitslosigkeit", Vortrag von Stadtrat Asch, Frankfurt a. M. 18.35: „Der Weltbund für Erneuerung der Erziehung", Vortrag von I. Becker. 19.05: Englischer Sprachunterricht. 19.30: Zeitberichte,- englische Unterhaus- debatte über parlamentarische Arbeitstechnik 20.10: Aus dem Großen Saal des Saalbaues Frankfurt a. M.. Strauß-Abend. 22.20: Schallplattenkonzert: Weiß-Blau. Dienstag, 1. April. 13: Schallplattenkonzert: Das haben Sie noch nicht gehörtl 15 bis 15.30: „In einem Silberbergwerk". Improvisation von Paul Laven. 16: Hausfrauen-Rachmittag. 16.50: Vortragszyklus des Frauenverbandes Hessen-Raslau und Waldeck . „Von den Frauen im Solor-Alor-Archipel", Vortrag von Hanna Vatter. 17.20 bis 17.45: Von Stuttgart: Rachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.05: „Museum und Industriestadt", Vortrag von Direktor Dr. Hildebrand Gurlitt. 18.35: Don Stuttgart: „Als deutscher Ingenieur in Afghanistan", Dortrag von Dipl.-Jng. Ernst Lebach, Heppenheim. 19.05: Don Stuttgart: „Reues über die Märcheninsel Atlantis", Dortrag von Franz Carl Endres. 19.30: Don Stuttgart: Häuptling Abendwind, Posse in einem Auszug von Joh. Restroy. 20.30: Aus dem Konzertsaal der Liederhalle Stuttgart: Klassische Klavierkonzerte. 21.10: Don Stuttgart: Rot der Jugend 22: Don Stuttgart: Aeltere Tänze. T Waldgirmes. 23 März. Gestern abend sand in der Weimerschen Wirtschaft die Generalversammlung des Spar - und Dar- lehnskassenvereins statt. Der Vorsitzende, Buchhalter August Schmitt, gab der Versammlung die Cinigungsverhandlungey in den ländlichen Genossenschaften bekannt und berichtete dann über den guten Geschäftsgang des Vereins. Der Dereinsrechner Schmitt erläuterte an Hand der Bilanz die einzelnen Posten, wonach die Spareinlagen im letzten Jahre um 17 000 Mark zugenommen und die Höhe von 84 000 DKL überschritten haben. Die festgelegten Gelder betragen 79 000 Mk., die Gelder in laufender Rechnung mit 18 Konten 24 000 Mk. Der Warenumsatz belief sich infolge der starken Konkurrenz am Orte nur auf 17 000 Mk. Bei einem Umsatz von 247 000 Mark betrug der Reingewinn 907 Mark, der dem Reservefonds überwiesen wurde, welcher damit 5000 Mk überschritten hat. Das AufsichtSratS- mitglied Heinrich Kraft IV. verlas den Revisionsbericht, wonach die Geschäftsführung des Vereins als mustergültig bezeichnet wird. Dem Rechner und Vorstand wurde Entlastung erteilt. Die Wiederwahl der ausscheidenden Mitglieder Buchhalter Schmitt und Ludwig Ferber vom Vorstand und Jakob Schäfer vom 2luf- sichtsrat geschah einstimmig. Der Verein zählt 122 Mitglieder und wirtschaftet nur mit eigenen Geldern. Spiclplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 30. März, lo bis 18 Uhr: Die Fledermaus, 19.30 bis gegen 22.30 Uhr Indigo. Montag, 31. März, 19 30 bis 22.15 Uhr. Amelia oder Ein Maskenball. Dienstag, 1 April, 20 bis nach 21.30 Uhr: Salome. Mittwoch, 2. April, 19.30 bis nach 22 Uhr: Das Land des Lächelns. Donnerstag, 3. April, 19 30 bis gegen 22.30 Uhr Der getreue Musikmeister: hierauf: Petrouschka, zum Schluß: Achtungl Aufnahme! Freitag, 4. April, 20 bis nach 22 Uhr: Orpheus und Eurydike. Samstag, 5. April, 19 bis nach 21.30 Uhr: Der Troubadour Sonntag, 6. April, 18 bis 22.30 Uhr: Lohengrin. Montag, 7. April, 19.30 bis gegen 22.30 Uhr: Don Juan. Schauspielhaus. Sonntag, 30.März, 1530 bis 17.45 Uhr: Wilhelm Teil, 20 bis gegen 22 Uhr. Die neue Sachlichkeit. Montag, 31. März, 20 bis gegen 22.30 Uhr: Straße. Diqnstag, 1. April, 20 bis gegen 22 Uhr: Schwingen über Europa. Mittwoch, 2. April, 20 bis gegen 22 Uhr: Schwingen über Europa. Donnerstag. 3. April, 20 bis gegen 23.30 Uhr: Seltsames ZwischenspieL Freitag, 4. April, 20 bis gegen 22.30 Uhr: Straße. Samstag, 5. April, 20 bis gegen 22 Uhr Zum ersten Male: Uraufführung: Mond von links. Sonntag, 6. April, 11 bis 13 Uhr: Tanz-Matinee, Gretl Hauck: 15.30 bis 17.45 Uhr: Marius ahoi!: 20 bis gegen 22.30 Uhr: Straße. Montag, 7. April, 20 bis gegen 22 Uhr: Die neue Sachlichkeit. Briefkasten Der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der f Schriftleitung.) A. A. in G. Ihre Rechtslage ist die ungünstigere. Da Sie die Untervermietung gestattet haben, kann sie nicht kurzerhand einseitig ohne ganz besondere Gründe zurückgezogen werden. Holen Sie sich vor- sorglich noch Auskunft beim Mietschöffengericht (Amtsgericht) ein. o VP Am 28. März 1930 morgens ist mein lieber Onkel Friedrich Ernst Graf in Solms Laubach sanft entschlafen. Georg Friedrich Graf zu Solms-Laubach. Laubach, den 29. März 1930. Gießen (Marktplatz 20), Hannover, den 29 März 1930. 02146 Zum Frühjahrs- und Osterputz im 79. Lebensjahr. 12460D Ploctstrakre 11. 6111 Stoffe Lollar, den 28. März 1930, Die Beerdigung findet am Sonntag, nachmittags um 2.30 Uhr statt. 26U0D I756A 251IA Herren Damen Serie 1: Mark 10-00 per Meter Serie II: Mark 12-50 per Meter Serie III: Mark 15-00 per Meter Die Frühjahrs Mode bringt I RM. 60- RM. 65- Die Beerdigung findet Montag, den 31. März, nachmittags 2% Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofes aus statt Luthe, In tiefem Schmerz: Elisabeth Schmalz geb. Gibb Marie Hefe geb. Gibb Fritz Schmalz Georg Hefe Louise Gibb geb. Hellmold und 4 Enkelkinder. In tiefer Trauer: Wilma Jung geb Drohne Heinrich Jung und Frau Elisabeth geb. 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März 1930. nachmKtags LV, Uhr. in Gambach statt. 257oD HERMANN „ STERN Anzug-Stoffe Reines Kammgarn hervorragende Qualitäten in den neuesten Mustern,auchin blau L. Bernard Stoffspezialhaus Plockstraße 16 Sichere Kapitalanlage warten,Gcorg'Pb.-Gail-Slras;e, urka 2000 Quadratmeter. 40 Mir. Slranen- from, ganz oder ncieilt 31t verkaufen. Selbüreslekmnteu wollen Ausk. iorb. durch den Gien. Linz, unter Vir. 24641) Gipfelleistungen in Bezug auf Qualität und Preiswürdigkeitl Heute morgen entschlief sanft nach schwerem Leiden unser liebes Söhnchen und Brüderchen Werner im Alter von tast 8 Monaten. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Hermann Schwalm. Achtung! Bitte Adresse notieren. Opel Auto Zubehör und Ersatzteile ferner: Autofedern, Kugellager, Bremsbelag, Lichtkabel, Schrauben, Kerzen, Werkzeuge, Dichtungsmaterialien. Autoreifen: Excelsior, Michelin, Kelly, Royal, Kelly Buckeye usw. liefert als anerkannter Händler, ab Lager Friedrich Weinern / Gießen Abtl. 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Tagesereignis organische ran Mitteln £ iörper neu 0 Die zur Äräfti lönnen, werde bringen, wenn begreift, daß Ander und En gründlich und Das im l ist die Insrag' schm Kolonist batte der 2ev ändert. Gegen vurde vom s maligen Zeit i zeit ongeseht. verlor dan Iorseldstellun Dorkiegsreich tigen Dingern tragbaren Gr im Osten fort; in dem ihm Hudflutei Osten Den! nimmt ein be nicht nur de sahrdet, nicht Ostpreußen", sehr ist D Wie cinstm die Wandern bat, Io muß des ganzen i jjalt gebo niste der Gesck seelische Vegi lechn Mittel begannen, da Leben und ! barten und ka nnd sich doch dvh diese wrn und ihre Jutöc. Der 7 ™en kann ni »A^nchthi -i?oö; Luther j | tvciteren Um i des IUt ^tunds das Frei rl^.ru seher . , er ni ! suchte £uf ' J F?1 Des ? tafST und t LAnddru I M lag dez | Sfr das 1JJ1W), die I bräunlich £ t Sm** 5 g'ltoon Ugt| lös? ■ k,xK'°° W7 ge b A'I Ä W 6 Am 26. März verschied nach langem Leiden unser Heber Vater, Schwiegervater und Großvater Herr Peter Gibb Lokomodvführer i. R. Am 27. März 1930, abends 9 Uhr. entschlief sanft nach langem, mit großer Geduld ertragenem Leiden, nach vollendetem 27 Lebensjahre mein lieber, herzensguter, hoffnungsvoller Gatte, unser Sohn, Schwiegersohn, Bruder und Schwager Wilhelm Wendelin Heinrich M Klaviere neue und gcbrauchfc, empfiehlt zu günstigen Zahlungsbedingungen Geo g Evett / MMttMel Etagengeschäft Hermann Stern - Gießen Bahnhofstraße 60 p • Eingang Grabenstraße durch Massenbezug lieferbar Ratenzahlg. wird gewährt Interessenten belieb.sich schriftl. zu wenden unter 2568D a.d. Gieß. Anzeiger Bruteier v. böcdltvramiiert. llibodclaiidern gibt ab C. Rttbsamea, »ernspr.3659. Gießen (Bismarckstraße 40). Lampertheim,Rh., den 29. März 1930. Die Einäscherung fand auf Wunsch des Entschlafenen in aller Stille statt 2561U Die besten Farben u. 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März (930 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffenf Nr. 75 Sünftes Blatt Voranschlag und Bürgerschaft nicht eine Feile gewesen, ein Schnitzmesser und I sah er die Bettstatt des Melanchthvn mit schmutz- Meißel am Evangelium?" haft angegrauten Linnen und seinem eisweißen ich. ♦ * / Sochschulnackrichten. Lind als ob eine Schaufel Aehren worfelte auf der Tenne, flogen die Worte, wie Körner aufprallend: „Hast du denn Josua nicht willfahrt, daß die Sonne still stand zu Gibeon? Hast du nicht den Elias gehört, welcher den Blitz herniederbetete auf den Holzstoß? Hast du ihm nicht Regen gesandt nach langer Dürre, um welchen er dir anlag auf dem Borgebirge Karmel? Hast du nicht verheißen zu erhören aber und abermals? So mußt du mich jetzt erhören, wo ich anders dir trauen soll inskünftig I Denn Rede ist Rede." Das Sagen rollte aus Luther immer dichter. Wie kleine Trümmer Hagels fielen Worte zur Diele nieder, wie Trümmer Hagels fuhren Worte von einem Wind geblasen zur Decke auf und schlugen nieder. Lind alle durcheinander rollten in weißlich grauem Leuchten am Estrich, 'und es donnerte in der sStube, und der lutherische Wille forderte Gott ins Gemach an die Krankheit des Melanchthvn. Schädel unter mürb verblichenem Haar. Da begann die Luft zu strömen. Aus dem gesamten Luther floh Gewalt auf das Lager des Welanch- thon und an seinen Leib, daß er sich endlich regte und die Lider lüpfte, wie ein fast erfrorener Spatz die Flügel rührt, wenn eine Handfläche ihn umwärmt. So starck» Luther, fast nicht atmend, gebärdelos, und indem er stand, ahnte ihm, warum Gott mit ihm gerungen hatte. Denn Gewalt unablässig zog von ihm in dichtem Strom und überhüllte das Bett des Melanchthvn als eine stärkende Luft bis unter die Deckenbalken. Da wandte Melanchthvn sein Angesicht Luther zu und klagte: „Da ich doch bereits auf der Fahrt war. was hältst du mich?" Da schlug großes Lachen, wie ein Blitz durch ein Haus vom First zum Keller, Luthern von oben nach unten steil senkrecht durch den ganzen Leib. Stand am Bett und faßte den Melanchthvn stark bei der Hand, welcher dieses Mal von dem Zugriff erschrak: „Mit Nichten wirst du abfahren, sagt dir Luther, du wirst bleiben und dienen." llnb riß die Tür auf und rief in den Hausgang: „Dringt stracks ein Süpplein. denn er wird genesen!" Bald ward ein Teller gebracht, dampfend von weißlich kräftiger Brühe, die aus einem Pfundstück Kalbfleisch gekocht war. Melanchthvn murrte und weigerte sich. Da zuckte froher Zorn über Luthers Antlitz: wie über eine Felswand im Mai, wenn es bei essen! Leben wirst du, Melanchthvn. leben! du und lebe du. sonst, ich warne dich, tue Luther, dich in den lutherischen Dann!" Da aß Melanchthvn. heinrrats M. Lidzbarski, der o. Professor Dr. Burckhardt H e l f e r i ch von der LIniversität Greifswald vom 1. April 1930 zum ordentlichen Professor der Chemie an der LIniversität Leipzig. Zum Rachfolger des verstorbenen Prof. Pirquet auf dem Lehrstuhl der Kinderheilkunde an der Wiener LIniversität ist Professor Dr. Franz Hamburger von der LIniversität Graz in Aussicht genommen. Deutschland ihn führt. Der Mensch an der Grenze muß wissen, daß er im Mittelpunkt des politischen und wirtschaftlichen Denkens seines Bolles steht, daß seines Landes volle Kraft bereit ist, sich hinter ihn und seine Selbstbehauptung zu stellen. Möchte uns zur „Wacht am Rhein" ein Lied von der „W acht an der Weichsel" geschenkt werden, das deutsche Herzen schwingen macht. Das deutsche Bolk hat als Gesamtheit Taten vollbracht, die die innere Festigung seines Zusammenhanges beweisen. Cs ist nach dem verlorenen Weltkrieg aus eigenem Entschluß und eigener Kraft zusammengebliebcn. Es hat die Schrecken des furchtbaren Währungsverfalls überstanden. ohne politisch auseinanderzuge^en. Die dritte große Prüfung für die weltgeschichtliche Reife des deutschen Bolkcs als Staatsvolk wird die sein, ob es versteht, sich den O st e n und damit die Wurzel seiner Reichskraft zu erhalten. Die Aufgabe ist schwer. Mit der verunstalteten Grenze, mit all den willkürlichen Teilungen und Trennungen sind die Lebensnerven abgeschnitten, die den Osten mit dem übrigen Deutschland verbinden. Helse uns Gott, daß an der Schwere dieser Aufgabe das deutsche Volk wächst und stärker wird! Kabellegupgen durch die Ostsee, Schiffahrtverbindungen an Stelle des früheren Landzufam- menhanges sind Rotwcndigkciten, aber doch nur Es sind ernannt worden: Professor Dr. Georg Hohmann von der LIniversität M ü n ch en zum ordentlichen Professor der orthopädischen Chirurgie an der LIniversität Frankfurt am Main als Nachfolger von Prof. K. Ludloff, Prof. Dr. Richard Hartmann von der LIni- versität Heidelberg zum ordentlichen Professor der orientalischen Philologie an der LIni- ---------- als Rachfolger des GeBehelfSmäßigcS. Eine Welle von Zusammengehör igkeitsgefühl muß aus dem Reich, namentlich über den Trennungsgraben des Korridors hinweg, aber auch nach allen anderen östlichen Grenzlandschaften den um ihr Dasein auf der alten Scholle Ringenden entgegenfluten. Lind dieses Zusammengehörigkeitsgefühl muß seinen Ausdruck in tatfrohem Handeln finden. Solches Handeln zugunsten deS deutschen Ostens, solche Erfüllung der Reichsvflichten gegenüber einem in besonderer Not befindlichen lebenswichtigen Teil des Ganzen ist jedoch nur möglich, wenn die Reichsmacht an einem ju- sam menge faßten und wirkungsvollen Eingre ifen nicht durch Fehler in der Staatsorganisation gehindert wird. Die Lage Ostpreußens hätte sich ganz gewiß nicht so entscheidend zu verschlechtern brauchen, wenn nicht der ewige Dualismus zwischen dem Reich und Preußen immer wieder Verzögerungen und Hemmungen aufgcrichtet hätte. Das Schicksal des deutschen Ostens ist davon abhängig und wird dauernd davon abhängig sein, daß der Staat der Deutschen die preußische Organisationskraft, verstärkt durch den zusammcngcschweißten Reichs- Willen und in Willenseinheit mit der Reichsmacht, für den Osten einseht. Das aber hat, so wie die Dinge jetzt liegen, eine durchgreifende Staatsreform zur Voraussetzung. Jetzt, nachdem die Flut der Raffke-Witze verebbt scheint, ist es an der Zeit, den vielleicht besten her- vorzuangeln. Frau Raffke erzählt ihrer Freundin: „Denken Sie, ich fahrss neulich mit der Sraßen- bahn 81, und wen treff ich im Wagen? Die Frau von P.! Aufgedonnert, sag ich Ihnen, ich töt’ mich schämen, so auffallend ... Und wissen Sie, was mir die P. erzählt? Sie sagt ganz patzig: „Ich fahre jetzt mit der 81 nach Halensee zum five o’clock beim berühmten Kunstmaler Rembrandt!"... Hab' ich gelacht, hab' ich gelacht —: die 81 fahrt gar nicht nach Halenseel" scheinender Sonne gewittert, blendete und leuchtete es über ihn. „Essen wirst du, Melanchthvn. ... — - -- " Ih Luther heilt Melanchthvn. Legende von Ernst Lissauer. Melanchthvn erkrankte zu Witten^ ?rg auf den Tod: Luther, welcher eben die P arreien der weiteren Llmgegend visitierte, ward auf Andrängen des kurfürstlichen Leibarztes, der für rede Stunde das Ableben voraussagte, heimgerufen, um den Freund vieler durchkämpfter Jahrzehnte noch zu sehen, und reiste in eiliger Fahrt herber. Als er nun eintrat, schlug ihm die aufge- Lrauchte Lust der Krankenstube vermufft ins Gesicht. Des Melanchthvn Frau. Schwester. Schwager und zwei oder drei Schüler wichen^ wie Dom Winddruck gepreßt, beiseite. Weiß wie 6>fch- fleisch lag des Melanchthons Antlitz, dre Zunge gebunden, das Gehör versperrt, bei offenen Augen nnsehend, die Glieder gänzlich ausgezehrt und bräunlich verrunzelt, wie von einer flamme cusgedöert. Auch hatte er seit zehn Tagen ver- veigert, Speise zu genießen. Da tone Luther auf: „Behüt Gott, wie hat mir der Teufel dieses Organon geschändet!" Sodann aber raffte er Kraft zusammen aus allen Böden und Winkeln seines Wesens und ergriff den Melanchthvn an der Linken, welche ledern und laß, als sei sie ous Werg gefertigt, sich nehmen lieh — und der Puls pochte von fern her wie durch Mauern —, abet er sprach getrost auf Lateinisch: „Philippus, du wirst nicht sterben! Dieses sagt dir Luther —' Darauf verwies er alle aus der Stube. Er trat abseits ins Eck, so daß er dem Melanch- thon den Rücken zukehrte. Der aber lag, nun- mehr geschlossenen Auges, die splhgrade Rase Die um die Hälfte größer als zu gesunder Zeit rnd steil gegen die Stubendecke aufgerichtet, und achtete seiner nicht. Da' aber ging ein Murren und Drohnen an. , das brach aus dem breiten Körper Luthers und schwoll unablässig heftiger. Die auf dem Gange erschraken und wußten nicht, was Luther beginne, wagten aber nicht zurückzukehren, denn sie fürchteten sich vor der Jachheit seines zorniges Willens. . ,. Luther redete mit Gott. Er warf die Satze hin. daß sie aufschlugen: wie ein Sack Nüsse klatschte es hin: „Was mag das für Sinn haben, dies Werkzeug zu zerbrachen vor der Zeit? Ist er dir Dilemma heißt es nun für den Stadtrat den neuen Voranschlag in einer Weise zustande zu bringen, die sowohl für die städtische Haushaltsführung, wie auch für die steuerzahlende Bürgerschaft annehmbar ist. Vor allem erscheint es uns dringend geboten, den Voranschlag nicht mit einem Fehlbetrag abschließen zu lassen, sondern ihn unter allen Llmständen auf gesunder Grundlage auszugleichen. Wenn auch am Donnerstag in der Stadtrats- sihung ein Redner beiläufig erwähnte, der neue Voranschlag schließe mit einem erheblichen Fehlbetrag ab, so möchten wir doch der bestimmten Erwartung Ausdruck geben, daß diese Aeuße- rung nicht etwa als das sog. letzte Wort auf- zick assen ist. Erfreulicherweise hat sich der Hessische Städtetag in seiner jüngsten Sitzung in Gießen auf den Standpunkt gestellt, daß jede Stadt ihren Haushalt unbedingt ausgleichen muß. Man kann nur wünschen, daß auch in Stadtratskreisen die gleiche Auffassung sich vollkommen durchsetzt. Daß unser Gießener Stadtrat eifrig und mit dem ernsten Willen zu weitgehenden Konsequenzen sich nach Ersparnissen im städtischen Haushalt umsehen wird, halten wir für selbstverständlich. Er wird mit diesem Bemühen sowohl der Bürgergesamtheit, wie auch dem einzelnen Steuerzahler gute Dienste leisten. Aber diese Sparsamteitsossensive wird ihre Grenze finden müssen an den unabweisbaren sachlichen Erfordernissen, und dann wird der Kamps um die Bemessung der kommunalen Steuern und sonstigen Abgaben beginnen. Wir möchten keinen Zweifel darüber aufkommen lassen, daß _ auch wir, wie übrigens jeder wirtschaftlich vernünftig denkende Bürger, für weitgehendste Sparsamkeit im städtischen Haushalt sind und daß wir alle dahinzielenden Bestrebungen nachdrücklich unterstützen werden. Wir möchten aber auch nicht den Glauben erwecken, daß wir mit Ersparnismaßnahmen einverstanden wären, die ausschließlich nach dem Gesichtspunkt der Herabdrückung der Steuersätze um jeden Preis auf Kosten eines gesunden wirtschaftlichen Fortschrittes beschlossen würden. Eine solche Sparpolitik würde letzten Endes nur auf Kosten der heimischen Wirtschaft, insbesondere des Handwerks und Gewerbes gehen. Wir haben in Gießen die außerordentlich bedauerliche Tatsache zu verzeichnen, daß durch die Stilllegung der städtischen Bautätigkeit im vorigen Herbst — die allerdings nicht auf kommunale Steuerfündcn, sondern auf den ungeheuren Kapitalmangel zurückzuführen war — das BauLuther, plötzlich, wandte sich um und sah in die Mitte der Stube, denn er spürte, Gott war gekommen und erfüllte die Stube mit seiner Last und lastete gegen Luther an, und Luther mit ausgebreiteten Armen lastete dawider, aber lieh zugleich nicht ab, Worte empor zu holen aus unterstem Leibe und vorzustohen nach der Mitte des Zimmers zu. Da geschah es Luther, daß er des Ortes rings vergaß. Sein Hals blutete schwer rot längs an allen Adern und Gefäßen und schwoll auf, die Schwere des Blutes stieg aufwärts über das fleischige Angesicht bis unter das Haar, und flutete abwärts in dickem Strom durch'den Rumpf in die Knie, die secht ereiferten Lind die Stärke des Blutes übertrat die Ufer deH Leibes, und er stand leiblos, völlig nur gänzlich cmstämmende Kraft, gewillt, zu bestehen. So ragten sie, Last wider Last. Dann aber ward es Luther, als ob der Himmel draußen sich ausklärte, so ward das Zimmer all- gemach heller, und entleerte sich, als habe Gott abgelassen. Luther aber stand, alle Kraft war in ihm geerntet. Er ragte starr und steil, wie das Weib des Lot. jedoch nicht salzen, sondern aus Kraft gebraut und gebrannt von unten bis oben in allen Gefäßen. Und nur wie ein t>er- schnelles Feld seitlich fern hinter Februardunsten I versllat ©Öllingen gewerbe und das damit verbundene Handwe^ schwere Einbußen erlitten haben und dadurch auch die übrigen Wirtschast'steile sehr empfindlich in Mitleidenschaft gezogen wurden. Erst am Donnerstag hat daS Stadt- ratsmitglicd Loeber in der Stadtratssitzung in sehr eindruck voller Weise darauf hinqewiesen, wie groß die Rot in Handwerkerkreisen infolge der monatelangen Arbeitsbeeinträchtigung geworden ist, und unter dem Drucke seiner Schilderung eines Einzelschicksals aus Handwerkerkreisen wurde dann auch ein von der Fraktion der Wirtschaftlichen Vereinigung gestellter Antrag. die Beschaffung von Schulhau.einrtotun- gen jetzt nicht in einem Zuge vorzunehmen, sondern sie auf mehrere Jahre zu verteilen, sofort zurückgezogen. Aber abgesehen von der von Herrn Loeber dem Hause vorgetragenen Schilderung möchten wir behaupten, daß jeder Bürger, der mit offenen Augen und Ohren die Vorgänge in der Stadt verfolgt, zugeben muß. daß die Einstellung der städtischen Baut tigleit einer großen Reihe von Handwerkern und Gewerbetreibenden tatsächlich schwerste Verluste zugesügt hat. Die Betrieb Inhaber leiden nicht nur selbst mit ihren Familien schwer unter dieser erzwungenen ArbeitZbeschränkung, sondern sie mußten zum Teil auch Arbeiterentlassungen vornehmen, wodurch dann die Rot noch in den Kreis vieler weiterer Familien Eingang fand. Während Handwerker und Gewerbetreibende bei dieser Lage nicht selten mit der Erfüllung ihrer steuer- Iid>en und sonstigen Verpflichtungen in Rückstand kamen, mußten die entlassenen Arbeiter durch die Erwerbslosen- oder Kri ensürsorge Und zum Teil auch durch Mittel des Wohl, ahrtsamtcs der Hilfe der Allgemeinheit teilhaftig werden, fo daß also die öffentlichen Finanzen selbst mit zu den Leidtragenden dieser schweren Krise hinzukamen. Das Ergebnis: Statt produktiver Arbeit auf allen Seiten — wirtschaftlicher Verfall. schlimme Not in den Familien und gesteigerte Belastung der ohnehin nicht allzu starken öffentlichen Finanzwirtschash Diese bedauerliche Entwicklung, an der — wie gesagt — unsere Stadtverwaltung schuldlos ist — da sie auch ein Opfer der Anleihepolitik des Reiches wurde, die einfach schematisierte, statt je nach Lage de; Cinzelfalles regulierend einzugreifen — dürste so lehrreich sein, daß weitere Worte darüber, wie es nicht gemacht werden soll, überflüssig erscheinen. Wenn auch unsere städtischen Körperschaften die Schäden nicht wiedergutmachen können, die durch jene Anleihepolitik unserem Handwerk und Gewerbe zugefügt wurden, so können sie doch ein erhebliches Teil dazu beitragen, daß diese Nachteile n i ch t n o ch länger andauern und noch tiefergreifenden Umfang annehmen. Der Finanzausschuß und der Stadtrat müssen sich, bei allem Willen zu weit- möglichster Sparsamkeit zum obersten Grundsatz für ihr Handeln die Wiederankurbelung des Baugewerbes machen. Dazu gehört, daß die Bemessung der Ziffern auf der Einnahmenseite des Voranschlags ausschließlich unter dem G e - sichtswinkel der Wirtschaftsbelebung vorgenommen wird. Wenn man der Stadtverwaltung ohne Kleinlichkeit — wobei man natürlich nicht nach der entgegengesetzten Seite hin über das Ziel hinausschießen soll — Einnahmequellen erschließt, die ihr die Wiederaufnahme und die ständigeAufrechterhaltungihrerBau- t ä t i g t e i t ermöglichen, so wird der Allgemeinheit, vornehmlich aber dem Gewerbe und Handwerk, am besten gebient. Es ist nun einmal so, daß bei dem gegenwärtigen geringen Umfang der privaten Bau- tätigteit die Kommune der Hauptarbeit- g e b e r für das Baugewerbe und alle mit diesem zusammenhängenden Unternehmungen ist. Stellt jnan der Stadt die nach Lage der Verhältnisse gebotenen Geldmittel zur Verfügung, fo werden alsbald Arbeitsmöglichkeiten erschlossen, die neuen Derdienstquellen bringen wieder Steuerzahlungen, stellen die Not in den Familien ab und entlasten auch den Wohlfahrtsetat. Manchem Handwerker, Gewerbetreibenden und Arbeitnehmer wird es dadurch möglich werden, allmählich wieder hochzukommen aus der gegenwärtigen wirtschaftlichen Niederung, und auch die übrigen Teile unserer Geschäftswelt werden danach eine Besserung ihrer Lage verspüren können. Es ist also n i ch t so, daß eine in den Gren- Der Gießener Stadtrat hat in seiner Sitzung vom Donnerstag, in der er eine große Reihe von Vorlagen erledigte, die Bahn frei gemacht für die Beratung des Gießener Voranschlags für 1 9 30. Der Finanzausschuß des Stadtparlaments wird sich in der nächsten Woche mit dem Voranschlag beschäftigen. Dann dürste etwa Mitte April das Plenum des Stadtrats in der Lage fein, die Beratung des Voranschlages vorzunehmen. Der Haushalt könnte unter diesen Llmständen, falls nicht irgendwelche unvorhergesehenen Hindernisse eintreten, noch im Lause des April Geltung erlangen und dadurch — etwa zwei Monate früher als im vorigen Jahre — zur Grundlage unserer kommunalen Finanzwirtschaft werden. Das würde bedeuten, daß auch die Steuerzahlungen wesentlich früher als im Vorjahre in Gang kämen und hierdurch den Steuerpflichtigen die Entrichtung mehrerer Steuerziele zu einem Termin erspart bliebe. Neben dieser besseren Verteilung der Steuerfälligkeiten würde für die Stadt selbst der Vorteil entstehen, daß sie zu einem früheren Zeitpunkt in den Besitz der Steuermittel käme und dann nicht — wie in den letzten Jahren — wieder kurzfristige Kredite unter entsprechenden Zinsbedingungen in Anspruch nehmen müßte. Man kann mithin sowohl als Steuerzahler, wie auch vom Standpunkt der städtischen Finanzwirtschaft aus die frühzeitigere Fertigstellung des Haushaltes nur begrüßen. Die verantwortlichen Personen der städtischen Körperfchaften stehen bei ihrer Arbeit am neuen Voranschlag in diesem Jahre vor einer besonders schwierigen Situation. Wie im Reiche und im Lande, so ist auch in der Kommune die Finanznot infolge der allgemeinen schweren Wirtschafts- depreffion außerordentlich drückend. Die Folge hiervon ist die allgemeine Forderung nach strengster Sparsamkeit, die in diesem Jahre mit besonderem Nachdruck erhoben wird. Diele Steuerzahler waren schon seit Monaten nicht mehr in der Lage, den steuerlichen Anforderungen in d e m Ausmaße gerecht zu werden, wie die Steuerbehörde es von ihnen forderte und wie sie selbst es bei besserem Geschäftsgang sicherlich gern getan hätten. Auf der anderen Selle mehren sich die Anforderungen an den öffentlichen Haushalt in einer geradezu beängstigenden Weise, wobei aber leider in Betracht gezogen werden muh, daß ein großer Teil der Ausgaben entweder zwangsläufig — z. D. durch Reichsgesehe — begründet, oder doch so zwingender Natur ist, daß man sich diesen Erfordernissen nicht oder wohl kaum entziehen kann. In diesem Kleine Scherze. Don Sigismund von Nadecki. Der alte Herr v. D. hatte eine brillante Methode erfunden, um Gäste, die zu lange dablieben, aus dem Hause zu befördern. Wenn es spät und immer später wurde, und doch keiner Miene zum Aufbruch machte, pflegte der alte Herr v. O. sich seiner Kandelaber-Uhr gegenüber zu setzen und ihr schalkhaft mit dem Finger zu drohen: „O du böse, böse Uhr!" sagte er leise, aber deutlich, „vertreibst mir meine liebsten Gäste!"... * * * Zwölf Uhr mittags. Die Straße ist zum Platzen angefüllt von Menschen, Autos und Benzinrauch. Ein sechsjähriges Knäbchen schreitet auf den Schupo zu und zupft ihn am Aermel. „Herr Schupo, haben Sie nicht einen Papa ohne einen kleinen Jungen gesehen?" Darauf, in Tränen ausbrechend: „Der kleine Junge, das bin ich!" i Die Macht an der Weichsel. Don Reichsdankprasident Dr. Hans Luch r, ehem. Reichskanzler. Politisch, wirtschaftlich, und als besonders kräf- tige Quelle deutscher Wehrhaftigkeit, aber auch kulturell ist ein Deutschland, das im echten Sinne wieder Großmacht werden will, ohne die Flächen des deutschen Ostens undenkbar. Cs ist undenkbar ohne den Crnährungs- z u s ch u ß , den aus inländischem Gebiet der Osten oen dichtbevölkerten Teilen des allen Stammes- landes zuführt. Auf den weiten Kornebenen des Ostens erwächst der geräumige Binnen» markt als gesichertes Absatzgebiet, das den Unterbau auch aller Ausfuhrindustrie blldet. Der Zustrom arbeitender Menschen in dem Westen, ohne den die große Entwicklung dort niemals vor sich gegangen wäre, stammt zu einem großen Teil aus den östlichen Provinzen. Lind allgemein verdankt die deutsche Volks- Verschmelzung ihre größten Fortschritte den psychischen Ergänzungen, die der westliche und der südliche Deutsche durch den östlichen Deutschen erfuhr. Deutschland ist undenkbar ohne die Eigenschaften der Menschen, die seit tausend Jahren, Geschlecht um Geschlecht, für das der Wildnis und Llnkultur abgerungene Land ihre Lebenskraft hingegeben haben. Wenn Goethe von Italien sagt: ..Ohne Sizilien macht es kein Bild in der Seele," so weiß niemand um die letzten Wurzeln deutscher Kraft, der nicht in sich ausgenommen hat, was Ostpreußen, was die deutsche L Deichsellandschaft, was Schlesien, was Pommern I für Deutschland bedeuten. Der Osten des Reiches hat dem Westen und Süden all seine großen kulturellen und wirtschaftlichen Gaben im Laufe der Jahrhunderte reichlich vergolten. Jetzt ist der O ft en in Not. ist in einer großen, jeden Tag schwerer und drängender wer» denden Not. Es ist eine Not, die nicht aus Tagesereignissen entsprungen ist, sondern eine organische Not, die nur durch Anwendung i von Mitteln zu heilen ist, die den ganzen Bolks- ; körper neu durchbluten. Alle Cinzelmah regeln, j die zur Kräftigung des Ostens ergriffen werden ! können, werden nur bann endgültigen Segen bringen, wenn das ganze deutsche Volk begreift, daß es jeden Deutschen und seiner Kinder und Enkel eigener Nutzen ist, dem Osten gründlich und bald zu helfen. Was im Osten Deutschlands sich vollzieht, ist die Infragestellung des tausendjährigen deutschen Kolonisationswerkes. Schon vor dem Kriege hatte der Bevölkerungsstrom seine Richtung verändert. Gegen die andrängenden Slawenscharen [ wurde vom starken preußischen Staat der damaligen Zeit das große Siedlungswerk der Neuzeit angesetzt. Durch die Folgen des Weltkrieges verlor dann das Deutschtum fast alle seine Vorfeldstellungen auf dem Gebiet des russischen Vorkriegsreiches. Jetzt, nach Beendigung des blu- I tigen Ringens, unter dem Druck der völlig un- I tragbaren Grenzziehungen, büßt das Deutschtum im Osten fortgesetzt an Widerstandskraft ein, auch in dem ihm verbliebenen Hoheitsbereich. Das Rückfluten der Menschen aus dem Osten Deutschlands nach dem Westen nimmt ein bedrohliches Ausmaß an. Damit ist nicht nur der Fortbestand einer Kolonie gefährdet, nicht nur der Fortbestand der „Insel Ostpreußen". Wer so sieht, sieht falsch, in ®c» fahr ist Deutschland. Wie einstmals aus innerem seelischen Trieb I die Wanderung nach dem Osten sich vollzogen hat, so muh jetzt aus innerem seelischen Trieb ! des ganzen deutschen Volkes der Rückflut Halt geboten werden. Die großen Ereignisse der Geschichte vollziehen sich nicht o';ne tiefe : seelische Begründungen. Als die Deutschen im . frühen Mittelalter das Siedlungswerk im Osten i begannen, da zogen sie hinein in den Kampf auf Leben und Tod, in das Ringen mit einer harten und kargen Erde, ihres Schicksals bewußt und fto doch beglückt fühlend, weil sie wußten, daß diese „Landnahme" ihnen und ihren Kindern und ihrem ganzen Volk zum Segen gereichen würde. Der neue Kampf im Osten und um den ; Osten kann nur gewonnen werden, wenn ganz zen des Erträglichen bleibende Steigerung der öffentlichen Einnahmen — wenn keine andere Bef- ferungsmaglichkeit zu finden ist — nur eine Mehrlast für die Bürgerschaft darstellt, sondern es werden sich daraus wieder wirtschaftliche Auftriebsmöglichkeiten ergeben, die sich letzten Endes zum Vorteil aller auswirken. Man darf wohl hoffen, daß der Finanzausschuß und der Stadtrat diesen bedeutsamen Gesichtspunkt bei ihren Beratungen des Voranschlags gebührend beachten. Amerikas Zollpolitik. Außenpolitische Umschau. Von Or. Otto Hoehsch, o. ö. Pros, der Geschichte an der Universität Berlin, M. d. A Wieder eine bedeutsame amerikanische Kundgebung: zum erstenmal hat sich der Vater des „Neuen Planes", Young, in Amerika öffentlich über diese Regelung der Kriegsschulden geäußert. Er bestätigt uns zunächst, obwohl das für uns nicht nötig war, daß die Verpflichtung Deutschlands nach dem neuen Plan „die Last der ganzen Verschuldung der in Paris vereinigten Viächte an Amerika samt einem beträchtlichen Zuschlag" sei. Er bestätigt somit se.oer, daß ec, dessen Namen der Plan trägt, die deutiche Leistungsfähigleit n i ch t zur Grundlage der Neuberechnung gemacht hat und daß er die Verbindung von deutscher Reparation und interalliierten Schulden durchführte, die man in Amerika immer auf das bestimmteste abgelehnt hat. Wir werden also zunächst sehr genau aufpaisen, wie diese Feststellung aus dem Munde eines so authentischen Beurteilers, wie es Young ist, aus die ösienürche Meinung Amerikas wirkt. Die Frage, ob Deutsch.and die Last tragen tonne, soll nach ihm nur die Zeit entscheiden. Er äußert großes Vertrauen in Deutschlands Zahlungskraft und predigt die erzieherische Wirkung harter Arbeit für ein Vo.k. Diese Sätze lassen immerhin vermuten, daß auch Young durchaus nicht von der Durchführbarkeit des nach ihm benannten Planes überzeugt ist. Und nun kommt wieder, wie in jener Rede des neuen amerikanischen Botschafters in Berlin, der Hinweis: „die wirtschaftliche und politische Isolierung Amerikas ist unmöglich. Die Welthaltung gegenüber Amerika wird durch den Geist Europas bestimmt. Wenn dieser Geist der des Eigennutzes und der Isolierung ist, so haben die Vereinigten Staaten ihre Verantwortung verfehlt." Damit wird von Young gesagt, was wir von ihm auch erwartet haben. Er weiß, daß Amerika sich nicht isolieren kann, daß es eine aktive Europa- Politik treiben und immer mehr auf ein wirtschaftliches Zusammenarbeiten mit Europa hin- arbeiten muß. Aber er weiß ebenso, daß die öffentliche Meinung und die maßgebenden Kreise in Amerika heute noch von dieser Einsicht weit entfernt sind. Wie weit der Weg noch von der Gegenwart bis zur Erfüllung der Mahnungen Youngs ist, wie sehr eine so maßgebende Körperschaft wie der Senat, im schroffen Gegensatz zu der Gedankenwelt Youngs und Sacketts, steht, tieigt der Kampf um das neue amerikanische Z o l l g e s e h, der jetzt seinem Ende ent- gegengcht. Am 24. März hat der Senat seinen Entwurf angenommen. Sehr bald wird die endgültige Vorlage angenommen sein. Was der Senat beschloß, ist schroffste und höchste Protektion. Eine schier unüberwindliche Schutzzoll- mauer, von der Young in jener Rede gesagt hat, daß dergleichen auf lange Sicht nur die Situation verschärfe. Aber weltwirtschaftliche Erwägungen oder der Gedanke, daß die Prosperität in Amerika ihre Grenzen haben könne, vielleicht schon erkennen lasse, alles das hat bei dieser Entscheidung nicht mitgespielt. Europa hat damit zu rechnen, daß die Wirtschaftspolitik Amerikas im höchsten Maße schuhzöllnerisch sein soll, wenn -nicht der Präsident dagegen einen Kampf beginnt, der für ihn durchaus nicht leicht und dessen Ausgang nicht sicher wäre. Eine solche Entscheidung muß zum Konflikt mit Europa, genauer gesagt mit den großen Ausfuhrstaaten Europas führen, die ja schon im vorigen Iahre einschließlich Deutschlands gegen solche Tendenzen protestiert haben. Er muh das um so mehr, als das jetzt verabschiedete amerikanische Zollgeseh mit der Behandlung der Zuckerzölle für Kuba dieses vor allen anderen Ländern bevorzugt und damit die Meistbegün- stigungsklausel, wenigstens nach der europäischen Auffassung dieses Begriffs, durchbricht. Dieser Konflikt wird noch schärfer dadurch, daß Amerika trotz der Meistbegünstigung ein Produkt aus einem Lande nicht in sein Land zollfrei herein- läßt, das in jenem Lande mit einem Einfuhrzoll belegt ist. Damit erscheint abermals der Konflikt um die Meistbegünstigung am Horizont, der vor 30 Iahren schon die Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika sehr beeinträchtigt hat. Wenn die Wirtschaftspolitik Amerikas endgültig zu dieser neuen Entscheidung kommt, so wird die Frage akut, ob nicht durch eine Kündigung der Meistbegünstigungsverträge überhaupt eine Revision der Handelsvertragspolitik in Europa zu beginnen wäre, die dann naturnotwendig die europäischen Staaten stärker aneinanderführen würde mit der gemeinsamen Richtung gegen Amerika. Das sind Tendenzen und Cntwicklungsmöglich- keiten, auf die man früh genug blicken muh. Sie haben auf die Genfer Zollfriedensverhandlungen, die zufälligerweise am Tage jenes Beschlusses im amerikanischen Senat nach fünf Wochen zu Ende kamen, nicht entscheidend eingewirkt. Bekanntlich sollte diese Genfer Konferenz einen „Zollfrieden" herbeiführen, eine Art Waffenstillstand auf dem Schlachtfelde der Handelspolitik und in den Kämpfen um die Erhöhungen der Zolltarife. Dieses Ergebnis ist nicht erreicht worden und zwar in erster Linie infolge der Ablehnung Frankreichs und Italiens. Zustandegekommen ist eine „Handelskonvention", die elf Staaten unterzeichnet haben, während zwölf Staaten, die an der Konferenz teilnahmen, nicht unterzeichneten. Unter den letzteren sind Polen, Ungarn, die Tschechoslowake» und Jugoslawien. Und auch die Staaten, die unterzeichneten, taten das zum Teil nur mit Teilen dieser Konvention, zum Tell mit ausdrücklichen, einschränkenden Vorbehalten verschiedener Art. Was dabei also schließlich her- auskam, ist schwach und wenig wirkungsvoll, kann auch erst im November in Kraft treten, so daß bis dahin trotzdem Zollerhöhungen u. dgl. durchaus möglich sind. Der Schritt ist sehp klein, den man damit zum Wirtschaftsfrieden in Europa gemacht hat, sehr zögernd, und mit wenig Steigender Roggenbrotkonsum in Gießen. Die Werbung zu verstärktem Roggenbrotverzehr, durch den der heimischen Landwirtschaft beim Absatz ihres Roggens geholfen werden soll, ist bisher auch in unserer Stadt von er« treulichem Erfolge gewesen. Noch zu Anfang dieses Jahres wurde, wie wir auf Erkundigung bei dem Vorsitzenden der Gießener Bäckerinnung, Obermeister L o e b e r, erfahren, in unserer Stadt sehr viel Weizenbrot und auch sog. aemischtes Brot vom Publikum gefordert. Die Aufklärung über den ge« sundheitlichen und wirtschaftlichen Vorteil des Rog« genbrotoerzehrs hat nun bewirkt, daß seit einigen Wochen in der Brotnachsrvge des Publikums ein bedeutender ll m s ch w u n g vor sich gegangen ist. Der Verzehr von Weizenbrot ist sehr stark zurückgegangen, dafür ist der Konsum von Roggenbrot sehr beträchtlich gestiegen. In den größeren Bäckereien unserer Stadt hat sich die Nachfrage nach Roggenbrot gegenüber dem Jahresanfang um etwa 60 bis 70 Prozent gesteigert, in den mittleren und kleineren Bäckereibetrieben beläuft sich diese Er- Höhung der Nachfrage auf etwa 40 bis 50 Prozent. Die Herstellung von Roggenbrot überwiegt in einigen Bäckereien so erheblich, daß an manchen Tagen das Backen von Weißbrot sogar völlig unterbleiben kann. Wer sich die Vorteile eines guten Roggenbrotes für die Ernährung vor Augen hält, wird diesen Umschwung, den die Gießener Bäckerinnung in an- erkennenswerter Weise fördert, nur begrüßen. In der Tat ist festzustellen, daß ein aus 95 Prozent Roggenmehl und 5 Prozent Weizenmehl hergestelltes Roggenbrot außerordentlich bekömmlich ist. Wird ein größerer Weizenmehlzusatz als 5 Prozent genommen, so wird dadurch dem Roggenbrot der charakteristische, von der Bevölkerung gesuchte Brot- geschmack genommen und das Kernige des Roggenbrotes oerschwammt. Das Roggenbrot verhält sich im Körper wesentlich anders als das Weizenbrot, es beansprucht in viel höherem Maße die Verdauungsorgane und hält diese in Tätigkeit und kräftiger Arbeit. Daher wird es auch vielfach von den Aerzten dort ausdrücklich angeordnet, wo durch dauernden Weißbrotgenuß eine Verweichlichung der Verdauungsorgane eingetreten ist. Man sollte das Roggenbrot vor allem auch den Kindern reichen, die darin eine kräftige Nahrung finden. Die Roggenmehlleige sind nicht zäh und schwammig, sondern kurz und fest, und die aus ihnen hergestellten Brote haben eine kernige Struktur mit schnittsähiger Krume, die eine gute Kauarbeit beanspruchen. (Gesunderhaltung der Zähne!) Das Roggenbrot hält sich lange frisch und ist wenig empfindlich gegen Pilze, die das Brot leicht zerstören. Haltbarkeit und Gebrauchsfähigkeit sind daher beim Roggenbrot weit besser als beim Weißbrot. Dunkelblau oder Hellblau - wer siegt? Ium kommenden Oxsord-Cambrivge-Rennen. Von einem alten „Blauen". Ein ehemaliger Oxford-Student, der selbst zweimal an dem berühmten O x - ford - Cambridge - Dootrennen teilnahm, gibt hier einige interessante Einzelheiten über dieses sportliche Ereignis. Das Rennen findet am 12. April statt. Die Sportwelt weih heute, daß die jährlichen Rennen der Oxford- und Cambridge-Rudermann- schäften meist ausgezeichnete sportliche Leistungen darstellen; aber erstens gehört nicht jeder zur Sportwelt, und zweitens wissen selbst die besten Kenner nicht, welche Umwälzungen der Tag des Rennens in der Seele des als phlegmatisch verschrienen Engländers bewirkt. Ich habe beim Derby einen oder zwei Menschen getroffen, die von Pferden keine blasse Ahnung hatten: die — man mag es glauben oder nicht — wahrhaftig nicht einmal den Namen des Favoriten wußten. Ich kenne auch Leute, die bei Fußball-Länderkämpfen nicht die Namen beider Mannschaften herzählen konnten. Aber am Tag des Oxford- Cambridge-Rennens ist jeder Engländer ein begeisterter Kämpfer für die eine oder andere Partei. Schon in der Wiege schwenken die Kinder blaue Fähnchen: Jungen aller Jahrgänge rotten sich zusammen und erörtern die Vorzüge der beiden Mannschaften — allerdings mehr eifrig als richtig: und ernste, grauhaarige Familienväter sind nicht weniger begeistert und können ihre Erregung nur schwer unter ihrer altgewohnten, unnahbaren Würde verstecken: die Strahenhändler verzeichnen «ine gute Konjunktur In dunkelblauen oder hellblauen Seidenbänd- chen und Papierfahnen: und noch Tage IjintÄ- her laufen die Unterlegenen trostlos und niedergeschlagen umher. Ganz England wartet am Entscheidung^ tage mit brennendem Interesse auf den Ausgang der rasenden Iagd. So angespannt, so atemlos must Rom auf die Ergebnisse der Wagenrennen gewartet habenl Zu meiner Zeit hatte der Ruderfanatismus in Oxford einen Höhepunkt erreicht. Damals wie heute versteht jedes Kind in England unter einem „•Blauen" nicht etwa einen alkoholisch befeuchteten Mitmenschen, sondern einen Oxford» oder Cambridge-Ruderer. Der „Frischling" wurde in Oxford. noch ehe er seine Koffer auspacken konnte, von dem Rudertrainer seines „College'/ aufgesucht und dann gehörig „geschaukelt": er mußte mit einem Leidensgenossen in einem Zweier rudern, bis ihm die Hände und alle andern Teile seines Körpers brannten und schmerzten: und dann wurde feierlich entschieden, ob er etwas taugte. Selten nur konnte sich ein Oxford- Ruderer auch in anderen Sportarten hervortun. Er war einfach ein Galeerensklave. Der Fußballer kann im Sommer Tennis oder Kricket spielen: der Ruderer rudert. Der Kricketspieler kann sich im Winter beim Fußball erholen: der Ruderer rudert. In den Osterferien muh das „Murmeltier-Rennen" (die „Torpids“ oder „Toggers", wie es in der eigenartigen Oxford- Sprache heißt) absolviert werden aus Achtung vor der geheiligten Tradition und aus übermütiger Verachtung für die Gebrechlichkeit der menschlichen Anatomie auf festen Sitzen! Die Sommerserien bringen die Achter-Woche mit ihren anstrengenden Vorbereitungen. Und in den Herbstserien ist es höchste Zeit, ernsthaft für das große Oxford-Cambridge-Rennen zu trainieren. Es mutet eigenartig an, daß die prachtvollen Achter-Mannschaften auf ganz engen, schon für zwei Boote nebeneinander zu schmalen Fluhläufen trainieren. Beim Achterrennen rudern die Boote der einzelnen Colleges mit kurzen Abständen in einer langen Schlange den Fluh entlang und gewinnen oder verlieren, indem sie ihren Nachbarn mehr oder minder glückllch an- rempeln. Ungezählte Scharen eifriger Sportsfreunde laufen auf dem Treidelpfad nebenher und flößen die In aller Welt gleichen, anfeuernden Beschwörungsrufe aus. Die besten Mannschaften sind dann bald herausgefunden: noch vor Weihnachten steht die Liste der acht Allerbesten fest, und das strikte Training beginnt unter strenger Rationierung des Tabaks. Heber die beste *Diät während des Trainings gibt es die verschiedensten Ansichten: am meisten läht sich wohl für die Theorie des Brasenose-College sagen: O Musensohn, bu1 iht Dünnbier und Beefsteak jeden Tag, zu trotzen fremder List! Die erste Anregung zu den Ruderwettkämpsen ging wohl von Charles Wordsworth aus, der nachmals Bischof in Schottland wurde. Sein Vater war der leitende Professor des Trinity- College in Cambridge und sandte, wie es sich gehört, seinen Sohn auf die andere Universität. In den Ferien pflegte Charlie Wordsworth in der Cambridge-Mannschaft zu rudern. Dabei muß Charlie Wohl ein bißchen zu sehr mit der Stärke der Oxford-Ruderer geprotzt haben, denn Cambridge lieh um diese Zeit dem Rivalen eine Herausforderung zum Achter-Rennen zukommen. Das Rennen fand am 10. Iuni 1829 in Henley auf einer Strecke von 3,5 Kilometer statt. Oxford gewann spielend. Die Revanche muhte wegen der damals ausbrechenden Choleraepidemie lange verschoben werden: erst sieben Iahre später konnte das zweite Rennen nahe der Themsemündung vor sich gehen. Diesmal war Cambridge eine Minute eher am Ziel als Oxford. — 1829 hatten die Cambridgeruderer noch scharlachrote Schärpen getragen, während Oxford bereits die dunkel- blaue Farbe gewählt hatte. Kurz vor dem Rennen im Iahre 1836 war Cambridge noch ohne eigene Farben. Schnell liefen ein paar Ctonschüler zum nächsten Kurzwarenhändler' und kauften alles, was an hellblauem Tuch zu haben war. Sie machten sich damit selbst ein Kompliment, denn Hellblau ist die Farbe der Eton-Knabenschule. Aber die Farbenwahl war nicht ohne Berechtigung, denn Eton stellte damals wie heut« noch das Hauptkontingent der UniversitätS-Ruder- mannschaften. Das erste Rennen auf der jetzigen Strecke Putneh—Mortlake, das Cambridge übrigens in 23,30 Minuten gewann, fand 1845 statt. Die Strecke wurde noch einigemal verlegt, aber seit 1864 ist Putneh—Mortlake der unveränderliche Kampfplatz. Damals muhte Cambridge die Führung endgültig abgeben. Der Oxforder Rudersport konnte in den nächsten Iahren eine Reihe glänzender Triumphe buchen, und Dunkelblau hat seitdem seinen Vorsprung behalten — bis 1929. 1876 hatte Oxford siebzehnmal, Cambridge sechzehnmal gewonnen Kritisch veranlagte Zeitgenossen meinten damals, dah ein Sieg von Hellblau die schönste Gelegenheit wäre, das Kriegsbeil zu vergraben: aber 1877 wurde ihnen ein Strich durch die Rechnung gemacht: dem Vormann der Oxford-Ruderer zerbrach kurz vor dem Ziel sein Ruder, er muhte über Bord springen, Cambridge schoß vor und ging Seite an Seite mit dem Oxfordboot durch die Zielpfosten. Das war das einzige tote Rennen In den hundert Jahren seit dem ersten Wettkampf. — Oxford setzte später seine Siegeslaufbahn fort und schien seinen großen Vorsprung für immer beizubehalten. 1914 hatte Oxford 39, Cambridge nur 31 Siege zu verzeichnen. Aber nach dem Kriege gewann Oxford nur einmal, Cambridge dagegen neunmal — und seit 1929 stehen vier- zig Siege auf jeder Seite, das dies- lährige Wettrudern muß also zu einem wirklich spannenden Kamps um die Vorherrschaft werden. Es war nicht mehr als recht und billig, daß Cambridge bei der vorjährigen Iahrhundertfeier den Gegner wieder einholen konnte. Aber ich glaube nicht, daß die Hellblauen jetzt die Führung übernehmen werden. Oxford verfügt über eine tadellose Mannschaft, die wahrscheinlich die traditionelle Vorherrschaft der Dunkelblauen sichern wird. Vertrauen wird man Verhandlungen, die für September und Dezember in Aussicht genommen sind, entgegensetzen. Die Konvention enthält die Verpflichtung, vor dem 1. April 1931 die gegenwärtig bestehenden zweiseitigen Handelsverträge nicht zu kündigen. Wenn diese Verpflichtung nicht bis 1. Februar 1931 zurückgenommen wird, bleibt sie wieder sechs Monate weiterbestehen und so immer.weiter von sechs zu sechs Monaten. Die Staaten, die keine Handelsverträge haben, die sogenannten Freihandels st aalen, wie England, Holland, Skandinavien, verpflichten sich gleichfalls, bis zum 1. April 1931 ihre Schutzzölle nicht zu erhöhen und keine neuen einzuführen. Das ist allerdings für Kontinentaleuropa wichtig, weil damit England sich bindet, in dem eine starke Dchutzzollliewegung vorhanden ist. Aber wird diese nicht stärker sein als die neue Genfer Konvention? Bei sehr gutem Willen also kann man das Ganze einen gewissen Fortschritt nennen, dahin, langfristige Handelsverträge, wie sie vor dem Kriege bestanden, auf diese Art wieder möglich zu machen, zwischen die Aen- berung der Zollsätze längere Spannen einzulegen. Der Gedanke eines einstweiligen Zollfrie- dens hat sich nicht durchgesetzt, war wohl auch zu starr dafür. Diese neue Konvention hält man für elastischer und daher wirkungsvoller. Aber die Hauptsache ist doch wieder, wie der Präsident der Konferenz in Genf am Schluß sagte, d i e moralische Bindung, die das Abkommen enthalte als ein Hindernis gegen Hochschuhzollbestrebungen. Damit ist es nun genau wie bei der Abrüstung. Alles spricht von moralischen Bindungen, vom neuen Geist, und alles handelt praktisch dagegen, sowohl in der Rüstungsfrage wie in der Handelspolitik. So ist auch diese Verhandlung in Genf höchsten- wird« eine Auseinandersetzung gewesen, in der man wenigstens überlegt, wie die einzelnen Glieder Europas einander annähern könnten. Die Gießener Kraflpostlinten. Kraftpostlinie Gießen—Gambach. Vom 1. April ab wird die Haltestelle Ludwigsplatz der in den Betrieb der Deutschen Reichspost über« gehenden Linie aufgehoben. Die Kraftomnibusse halten innerhalb der Stadt Gießen bei den Fahrten ? von Gambach: 1. am Schifsenberger Weg, Anfang Gnauthstraße: 2. in der Bleichstraße, Kreuzung Lud« wigstraße: 3. Südanlage zwischen Bleichstrahe und Selterstor: 4. am Bahnhof. — Bei den Fahrten • nach Gambach halten die Kraftwagen: 1. am Bahnhof: 2. Westanlage bei Tribus & Sundheim, gegenüber dem Torhäuschen: 3. Bleichstraße, Kreuzung Ludwigstraße: 4. Gnauthstraße, Ecke Schiffen- I berger Weg. Durch die Herstellung der Anschlüsse von und zu den Zügen am Bahnhof Gießen treten bei einigen Fahrten gegenüber dem bisherigen Fahrplan geringfügige Aenderungen ein, die aus den an den Haltestellen aushängenden Fahrplänen ersichtlich sind. Die Fahrpreise mußten ebenfalls teilweise umgestaltet werden. Während bei einzelnen : Teilstrecken die Reisegebühren eine geringe Erhöhung erfahren haben, ist durch die Einführung Oer Rückfahrkarten zwischen den Orten Gam- bach, Holzheim, ©rüningen und Steinberg einerseits und der Stadt Gießen anderseits eine An- gleichung an die bisher erhobenen Beträge geschafen worden. Eine Ermäßigung von 20 Prozent des Regelfahrgeldsahes wird gewährt bei Benutzung von sog. Zehnfahrtenkarten. Sie gelten zwei Monate vom Ausstellungstage ab und sind unpersönlich. Sie können bei - einer Fahrt' auch von mehreren Angehörigen derselben Familie, desselben Hausstandes oder desselben Betriebs gemeinsam benutzt werden. Kraftpostlinie Gießen—Lounsbach—Dlßmar. Für diese Linie, 'die am 1. April eröffnet wird, finb folgende Haltestellen vorgesehen: Gießen: Bahnhof und Oswaldsgarten: Launsbach: Schule und Gemeindebackhaus: Wißmar: Post- und Gasthaus Reeh, außerdem wird bei Bedarf an der Abzweigung des Launsbacher WegeS ia der Krosdorfer Straße gehalten. krastpostlinie Gießen—Hochelheim: Dem Anträge der an der Linie Gießen—« Hochelheim beteiligten Garantiegemeinden gemäß läßt die DRP. vom 1. April ab für einen Zeitraum von vier Wochen ihre Kraftwagen versuchsweise durch die Orte Groß - und Klein- Rechtenbach verkehren. Der Wager», der bisher vormittags um 10,30 Uhr vorn hiesigen Bahnhof nach Hochelheim abfuhr, verkehrt vom 1. April ab 20 Minuten später, damit bei dieser Fahrt über Klein-Linden, Lützellinden, Rechtenbach, Hochelheim, Hörnsheim nach Großen-Lin- den Dachnhof der bisherige Aufenthalt in Hochelheim vermieden wird. Die übrigen Fahrzeiten erfahren keine Aenderung. Veranstaltungen in Gießen. Wie beim stödtischen Verkehrsamt bis ’ jetzt bekannt wurde, finden im Iahre 1930 in Oie«, ßen folgende Veranstaltungen statt: 2. April: Tagung der Kaffeehausbesitzer. 30. März bis 6. April: Frühjahrsmesse. 4. Mai: Nationale FrauewWettkämpfe des V.f.B. I 20. bis 22. Mai: Tagung des Rhein-Maingau-! Gastwirte-Verbandes. • I 24. Mai: Generator rsammluna der Arbeitsgemein-1 schäft der Deutschen Nutz« und Zuchtviehmärkte. 29. Mai: Johann-Strauh-Gastspiel in der Volkshalle. 1. Juni: Wohltätigkeitsfest der Studentenhilfe in 5 der Dolkshalle. 1. Juni: Staffeltag der Deutschen Sportbehörde. 28./29. Juni: Regatta des Deutschen Ruderverban-l des, veranstaltet von der Gießener Rudergefell-1 schäft 1877. 29. Juni: Rotes-Kreuz-Kinderfest. 5.16. Juli: Schifsenbergfestspiele. 20. Juli: IX. Nationale Wettkämpfe der Spielvereinigung 1900. 21. Juli bis 2. August: Ferienkurse der Landesuniversität. 26./27. Juli: Regatta des Sübbeutfdjen Rudervev« bandes, veranstaltet vom Wassersportoerein Hellas 1920. Ende Juli/Anfang August: 30. Stiftungsfest der Spieloereinigung 1900. 11. August: Derfassungsfeier. 24. August: Nationale Jugend-Wettkämpfe des: B. f. B. 31. August: Herbstregatta des Lahn-Regatta-Der- bandes, ourchgeführt vom Verein Rudersport 1913. | 31. August und 7. September: Kleinkaliber-Preis-i schießen des Hassia-Derbandes. 6./7. September: 75. Stiftungsfest der beiden Gießener Feuerwehren. 14. bis 18. September: Gartenbauausstellung. September: Ausfahren des Städte-Achter-Wander- 4 Preises. 28. September bis 5. Oktober: Herbstmesse. 6.7. Dezember: ProvinziabGeslügelschau. Ob das für das erste Halbjahr vorgesehene Gast - spiel des Zirkus Sarrassani zur Durchführung kommt, steht infolge der Verkausspläne des | Eigentümers noch dahin. Kinderzuschüffe zur Invalidenrente. Gemäß § 1291 der Reichsversicherungsordnung in I der Fassung des Gesetzes vom 25. Juni 1926 besteht! ein Anspruch auf Kinderzuschuß zur In -1 validenrente für Kinder, die das 15.Lebens- I jahr bereits vollendet haben, nur dann, wenn sie sich I in Schul« oder Berufsausbildung befinden für die | Dauer der Ausbildung, längstens jedoch bis zum voll« I endeten 21. Lebensjahre, oder wenn sie infolge geifti» I ger oder körperlicher Gebrechen außerstande sind, j sich selbst zu erhalten, und solange sie von dem Rentenempfänger überwiegend unterhalten! werden. Leider wird dieser Zuschuß nach der seit- I herigen Rechtsprechung nicht gewährt in den Fällen, z! in denen das über 15 Jahre alte Kind infolge der ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse keine Lehr- I stelle erhalten kann. Man stellt also das in der Lehre I befindliche Kind, das in vielen Fällen eine kleine I Vergütung vom Lehrherrn erhält, besser, als das I voll und ganz auf den Unterhalt des Rentenemp« I fängers angewiesene Kind. Dies bedeutet zweifellos | eine Härte, deren baldige Beseitgung im Interesse I der Rentenempfänger dringend zu wünschen ist. ii in iiiiiii N Z IN AUTOOELE hw ,vXeX% IM -WM: MM ■r XvXv’v. w M /äNx x x M M XvXv.w.v. w LMäxxxx 1 •XwX*X*X*XvXva 1 xxxxxxxx. ’ .»X*X*X*XwXw’\ MM X MM X*< MMMM X' ■ ’*X‘Z MW XvX*X*X\ 1 ,v m *X' ■ .. . ■ XXXXX 1 S&Wi&wIr^ > A !»:».. .• V*5avaW*V*‘ xxxxiWäx r . . .*. . . .* » xxxx< i X'X'X'Xx. 3 Lxxxx: XWÄW.VA ®«K h,,Jn.c 9”mge $t, ,nn‘aZ5: Ä|[i,s ™ £ ^aunrbli , ADLER . FAVORIT/bQHK Der König der Zweiliierwagen. Die vieriünge, sedu- J fenilrige Limousine, 8/35 PS mil Öldruck-Vierradbrerme^ B E £ Zentral-Chassis-Schmierung usv* ADLER STANDARD 6Z/.AK Der Wagen, der die Well umkreiste. Dreiliter-Motor, J 12/50 PS. Die viertürige, vier- bis fünfsiljige Limousine, mil 6 J Öldruck-Vierradbremse. Zeniral-Chassis-Schmierung usw. 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Wie die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung | und Arbeitslosenverficherung mittcilt. hat sich die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung in der ersten Märzhälfte 1930 um über 120 000 Personen auf den Stand von 2 253 000 am 15. März verringert. Diese Verringerung in der Inanspruchnahme der Arbeitslosenversicherung beweist den Beginn der üblichen Frühjahrsentspannung aus dem Arbeitsmarkt der äußeren Berufe. Dagegen hat die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Krisen- unterstützung noch um etwa 9000 auf 236000 Personen am 15. März 1930 zugenommen. Die Zahl der A 0 t st a n d s a r b e i t e r konnte um 6500 auf 25 000 Personen am 15. März 1930 erhöht werden. Die Gesamtzahl der Arbeitslosen bei den Arbeitsämtern, die bekanntlich höher ist als die Unterstützungsempfänger, betrug am 15. März rund 3 278 000 Personen. Diese Ziffer hat gegenüber dem Höchststand am 28. Februar 1930 um rund 88 000 abgenommen. Wochenbericht vom Frankfurter Effektenmarkt. Die Derichtswoche eröffnete in freundlicher Haltung. Die Kursbewegung nach oben macht« weitere Fortschritte. Die Diskontsenkung der Dank von England machte einen guten Eindruck und regte die Kulisse allgemein an. Auch das Ausland. sowie daS Publikum zeigten vermehrtes Interesse. Die vorteilhaften internationalen Geld- marktverhältnisse trugen xur Besserung der Lage ebenfalls einen wesentlichen Teil dazu bei. Die Nachricht, daß zwischen Hapag und Nordlloyd eine Arbeitsgemeinschaft zustande gekommen sei, reget ebenfalls an. Das Geschäft wurde aber mit dem Fortschreiten der Zeit wieder etwas kleiner, obwohl die Reichsbank eine erneute Diskontsenkung um 0,5 Prozent vornahm. Die Spekulation schritt in Spezialaktien weiter zu Mei- nungskäusen, so daß die Kurse erneut anziehen konnten, wenn sich auch jetzt die Erhöhungen in kleinerem Rahmen bewegten. Das Interesse für die Aktienmärkte von Publikums- und Auslandseite hat beträchtlich nachgelassen, doch konzentrierte sich diese Seite jetzt stärker auf den Renten- und Pfandbriefmarkt, so daß man auf diesen Gebieten von einer Hausse sprechen konnte. Durch beabsichtigte Steuererleichterungen und durch die weitere Geldverbilligung haben sich die Gewinnchancen für diese Papiere beträchtlich vermehrt. Im Vordergründe standen neben deutschen Renten, türkische und österreichische Renten, die sprunghaft in die Hohe gingen. Bei Türken stimulierte das Kommunique, daß eine Zahlungseinstellung der Zinsen nicht in Frage komme. Das Geschäft zwischen Aktien- und Rentenmärkten war sehr unterschiedlich, man konnte vielfach bemerken. daß Aktien gegen festverzins- .liche Werte getauscht wurden. Aber trotzdem war die Stimmung fast die ganze Woche hindurch auch hier freundlich, da das herauskommende Material keinen größeren Umfang annahm, und soweit dies zutraf, wurden der Unterbringung keine Schwierigkeiten entgegengesetzt. Die Besserung der Tendenz an den Auslandmärkten und die fortschreitende Verbilligung der Geldsähe, sowie die Interessengemeinschaft in der Detriebsführung der beiden größten deutschen Schiffahrtsgesellschaften fanden in Börsenkreisen einen guten Widerhall, so daß die Aktivität der Kulisse doch über dem Niveau der sonstigen Zeiten stand. Renten standen weiter bei lebhafterer Nachfrage im Vordergründe, der Aktienmarkt konnte sich dieser Situation aber nicht anpassen Vereinzelt wurden Gewinnrealisationen vorgenommen, so daß die Börse öfters Schwankungen unterworfen war. Gegen Ende der Woche schränkte sich jedoch das Geschäft auch am Rentenmarkt erheblich ein. Dabei machte sich von der ungeklärten innerpolitischen Lage hinsichtlich der Finanzreform eine stärkere Zurückhaltung bemerkbar, so daß auf allen Märkten das Geschäft wieder viel zu wünschen übrig ließ. Aufträge trafen kaum mehr ein; dies war aber vielleicht auf den in nicht mehr in weiter Ferne stehenden Ultimo zurückzuführen. Die Kulisse schritt, veranlaßt dadurch, in manchen Werten zu Realisationen. und es traten jetzt eigentlich zum ersten Male Kursabschwächungen in etwas größerem ^lm» fange ein. Doch trat bald wieder ein Tendenz- umschwung ein und die Stimmung wurde wieder ausgesprochen freundlich. Größere Käufe von hol- ländckscher Seite in Kunstseideaktien waren in erster Linie dazu angetan, eine Besserung der Tendenz herbeizuführen, Aku, die in der ganzen Woche angeboten waren und etwa 7 Prozent einbüßten, konnten diesen Verlust daraufhin an einem Tag wieder ausgleichen. Die ungünstigen Gerüchte, die hierzu die Veranlassung boten, verstummten vollkommen. Ebenso erging es den Bembergaktien Mehr hervortreten konnten noch Dauunternehmungen. Besonders Wayh & Frey- tag standen an der Spitze, die auf das Herein- kommcn eines größeren Reparationsauftrages immer noch gesucht blieben Doch war an einem Tag hier ein größerer Kursverlust zu verbuchen, der aber nur auf Gewinnmitnahmen zurückzuführen war. Trotzdem ergab sich noch ein Gewinn von 5 Prozent gegenüber der vergangenen Woche. Selbstverständlich dürfen Schiffahrtswerte nicht vergessen werden, die aus dem bekannten Grund bis zu 5 Prozent höher lagen. Bei Nordd. Lloyd muh aber der Dividendenabzug berücksichtigt werden. Auch am Elektromarkt ergaben sich bei den meisten Werten recht ansehnliche Gewinne; Gesfürel besonders lagen 8 Proz. fester. Siemens, Schuckert und AEG. lagen bis 4 Proz. höher. Don Auslandwerten zogen Chad« 3 Mark und Svenska 6 Mark an. Am Kalimarkt traten noch Salzdetfurth mit plus 7,5 Prozent starker in Erscheinung. Sonst gingen die Besserungen bis zu 2 Prozent. I.-G^ Farben lagen 5 Prozent gebelfert Der Montanmarkt war auf den weiteren Rückgang des Ruhrkohlenabsatzes und der Arbeiterentlassungen bei verschiedenen Betrieben auch in dieser Woche vernachlässigt. Die Werte dieses Marktes lagen zumeist eher etwas schwächer. Die Börse schloß zuversichtlich und freundlich, und neue Aufwärtsbewegungen gaben der Börse eine feste Note. Renten lagen bis zu 3 Prozent fester. Am Geldmarkt war Geld flüssig und verschiedentlich schwer unterzubringen. Zum Ultimo trat jedoch eine Versteifung ein. Am Devisenmarkt waren kaum Veränderungen festzustellen. Wochenbericht vom Sronffurfer Schlachtviehmarkt. Der weitere Rückgang der Schweinepreise und die immer noch sehr gespannte Wirtschaftslage übten einen nachteiligen Einfluß aus, so daß auch in dieser Woche das Geschäft auf dem Frankfurter Schlachtviehmarkt wieder recht klein war. Nur der Export nahm wieder einige größere Käufe vor, während die Metzger nur den allernotwendigsten Bedarf deckten. Am Rindermarkt war der Auftrieb etwa der gleiche dcr Vorwoche. Das angetriebene Vieh war von mittlerer Qualität. Das Geschäft setzte zunächst ruhig ein, belebte sich später etwas, um aber zum Schluß des Marktes stark abzu- flauen. Es verblieb geringer Ueberstand. Die Ausfuhr nach auswärts betrug etwa 50 Proz., insbesondere nach Hessen (namentlich nach der Provinz Oberhessen), Rheinprovinz und Hessen- Nassau. Auf dem Schweinemarkt war die Beschickung etwas geringer, als in der Vorwoche. Das Geschäft setzte ebenfalls nur langsam ein und fiel gegen Schluß immer mehr ab. Der Markt konnte jedoch geräumt werden. Die Folge der nun von Markt zu Markt sinkenden Preise legt man insofern aus, daß sowohl die litauischen Schweine, als auch die holländischen und dänischen Schweinehälften dem Markte ferngeblieben sind. Bei dem Zoll und den höheren Spesen ist das Ausland bei niedrigeren inländischen Schweinepreisen nicht mehr konkurrenzfähig. In Händlerkreisen nimmt man an, daß sich die Preise um 70 Pf. herum halten werden und daß die vorjährigen hohen Preise, die durch eine starke Verminderung der Zucht künstlich herbeigeführt wurden, nicht mehr erreicht werden. Kälber und Schafe wurden nach ziemlich langsamem Handel ausverkauft. Schafe wurden nicht notiert. Der Gesamtauftrieb bestand aus 1418 Rindern, darunter befanden sich 327 Ochsen, 76 Bullen, 513 Kühe und 350 Färsen, ferner aus 1512 Kälbern, 350 Schafen und 5332 Schweinen. Verglichen mit dem Auftrieb der vergangenen Woche waren 27 Rinder 42 Kälber und 155 Schweine weniger angetrieben, während 118 Schafe mehr zum Verkauf standen. Bezahlt wurden per Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochfen: al) 55 bis 53, a2) 50 bis 54, bl) 46 bis 49, Bullen: a) 53 bis 55, b) 48 bis 52. Kühe: a) 45 bis 47, b) 41 bis 44, c- 35 bis 40, d) 28 bis 33. Färsen: a) 56 bis 59, b) 52 bis 55. c) 48 bis 51. Kälber: b) 76 bis 80, c) 70 bis 75, d) 62 bis 69. Schafe nicht notiert. Schweine: a) 65 bis 68, b) 66 bis 69, c) 66 bis 69, d) 66 bis 69, e) 63 bis 65. Im Vergleich mit den Preisen der vergangenen Woche lagen Schweine 3 Mark, Dullen und Kühe je 1 Mark niedriger. Kälber zogen um 2 Mark an, während Ochsen und Färsen behauptet blieben. • Darmstädter und Nationalbank K. -G. a. A., Berlin. Der Aufsichtsrat der Darmstädter und Nationalbank K.-G. a. QL, Berlin, schlägt der Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von wieder 12 Prozent auf das Aktienkapital von 60 (60) Mill. Mk. vor. 2m einzelnen erbrachten Einnahmen aus Provisionen (alle Zahlenangaben in Mill. Mk.) 38,04 (41,02), aus Zinsen 34,70 (34,32). Effekten- und Konsortialgewinne (i. D. 5,0) sind diesmal nicht ausgewiesen. Demgegenüber erforderten Derwal- tungskosten 56,71 (56,18) und Steuern mit 7,27 (10,04), rd. 2,75 weniger als im Vorjahre. Der Gewinn stellt sich einschl. des Gewinnvortrages von 3,03 (2,59) auf 11,80 (16,71), ist also um rd. 5,0 geringer als im Vorjahre. Dem Pen- fionsfonds für Beamte wird 1,0 (1,0) zugeführt und 3,12 (3,03) werden auf neue Rechnung vorgetragen. Im Vorjahre wurden noch der besonderen Reserve 5,0 zugeführt. * Preuhische Pf an dbr i ef -Dank. Berlin. Die G. V. der Preußischen Pfandbrief- Dank setzte die Dividende wieder auf 12 Prozent fest und genehmigte einstimmig den bekannten Fusionsvertrag mit der Centralboden, sowie die Erhöhung des Grundkapitals um 11 auf 236 Millionen Mark. Zur Begründung der Fusion betonte die Verwaltung, daß das Hypothekenbank- wesen unter der Einschränkung des Kapitalmarktes leide. Es sei nötig, größere Gruppen zu bilden, die den Pfandbriefmarkt rationeller als bisher bearbeiten. 2n ihrem Urteil über die Aussichten erscheint der Verwaltung Zurückhaltung geboten, da der Hypothekenmarkt stark beengt ist. Dor einem übertriebenen Optimismus in bezug auf die Auflockerung des Kapitalmarktes sei zu warnen. • Preußische Central-Dodenkredit A. - G., Berlin. Die Generalversammlung der Preußischen Central-Bodenkredit QI.-®., Berlin, setzte die Dividende auf 12 Prozent (im Dorjahre 10 Prozent) fest. Der Fusionsvertrag mit der Preußischen Pfandbrief-Bank, Berlin, wonach mit Wirkung ab 1. Januar 1930 die Central-Boden auf die Preußische Pfandbrief übergeht und die Stamm- und Dorzugsaktionäre der Central-Boden 18,2 Millionen Mark Aktien der neuen Gesellschaft mit der Firma „Preußische Central- Bodenkredit- und Pfandbrief-Dank" im Derhält- nis von 1:1 erhalten, wurde ohne weitere Debatte genehmigt. Heber die Geschäftslage wurde von der Verwaltung u. a. ausgeführt, daß in den ersten drei Monaten des neuen Geschäftsjahres rund 30 Millionen Mark Pfandbriefe und Kommunalobligationen verkauft worden seien, davon 20 Millionen Mark durch freihändige Begebung an der Börse. Als wesentlich für die weitere Entwicklung betrachtet die Verwaltung die Lösung des Kapitalertragssteuerproblems. Im allgemeinen sieht nach Ansicht der Verwaltung die Zukunft etwas günstiger aus. * Bayernwerk Mittlere Isar-Wal- chenseewerk-A. -G., München. Die bayrischen Großwasserkraftwerke Bayernwerk-A.-G., München, Mittlere Isar-A.-G., München, und Walchenseewerk-Ql.»G., München, legen ihre Abschlüsse für das Geschäftsjahr 1928/29 vor. Die Einnahmen zeigen bei allen drei Gesellschaften, namentlich aber beim Dahernwerk, eine beträchtliche Erhöhung. Trotz erhöhter Olbschreibungen weisen das Daycrnwerk und die Mittlere Isar eine fühlbare Steigerung des Reingewinns aus, wogegen der Reingewinn beim Walchenseewerk einen ziemlich bemerkenswerten Rückgang zeigt. DaS Dahernwerk verzeichnet einen Reingewinn von 370 674 Mark gegen 267 280 Mark, die Mittlere Isar einen solchen von 513 013 Mark gegen 383 321 Mark, und das Walchenseewerk endlich einen solchen von 261 999 Mark gegen 360 290 Mark. Die heute stattfindenden Generalversammlungen sollen die Dividendenvorschläge der Verwaltungen, die auf je 5 Prozent gegen 4 Prozent im Vorjahre lauten, genehmigen. Frankfurter Börse. Frankfurt a.M., 29. März. Tendenz: fest. — Trotz der immer noch ungeklärten innerpolitl|chen Lage eröffnete die Wochen|chlußbörse in freundlicherer Haltung. Auch sollen verschiedentlich Aufträge eingetroffen sein, so daß die Tendenz eher als fest zu bezeichnen war. Gegenüber den höheren Kursen an der gestrigen Abendbörse ergaben sich teilweise noch ganz beträdjtlidje Besserungen. Die feste gestrige Neuyvrkcr Börse sowie die immer noch günstige Geldmarttlage blieben nicht ohne Einfluß auf die Gcschäftsentwickluna. Auch wurden Käufe in etwas größerem Umfang für Ultimo April vorgenommen. Das Geschäft war gegen die sonstigen Samstagsbörsen in Spezialwerten zufrie. den st eilend. Lebhafteres Interesse bestand in erster Linie für Maschinenbauunternehmungen, die bis zu 3 0. H. gewannen. Im Zusammenhang mit der milden Witterung wurde mit einer Belebung der Bausaison gerechnet; höhere Dividendekombinationen gaben hier eine Anregung. Aber auch für Elektrowerte machte sich weitere Nachfrage bemerkbar. Chadeaktien standen mit plus 3 Mark an her Spitze. AEG., Licht & Kraft und Schuckert lagen bis 1,75 v. H. fester. Siemens gewannen 2 v. H., Felten sogar 3 v. H. Farbenwerte eröffneten durchweg bis 2 v. S). hoher. Etwas lebhafter gehandelt . wurden noch Kaliaktien, wobei die günstig verlaufenen Stickstoffoerhandlungen anregten. Salzdetfurth Sius 2,5 v. S). Banken waren trotz des vorteilhaften Schlusses der Danatbant wenig gefragt, doch lagen diese Papiere unter Führung von Reichsbank bis zu 1,5 v. $). fester. Montanwerte still, Renten freundlich. Am Geldmarkt war der Satz für Tagesgeld unverändert 6 v. H. Im Verlaufe war die Tendenz ausgesprochen fest. Die Kulisse schritt im Zusammenhang mit eintreffenden Aufträgen weiter zu Deckungen, so daß erneut unter Bevorzugung von Spezial- werten Besserungen bis zu 2 0. H. eintraten. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1872, gegen Pfund 20,3740, London gegen Kabel 4,8655, gegen Paris 124,26, gegen Mailand 92,81, gegen Madrid 39,1250, gegen Schweiz 25,1325, gegen Holland 12,1250. Berliner Börfe. Berlin, 29.März. Schon im heutigen Vor- mittagsoerkehr zeigte sich trotz der Zurückhaltung der Spekulation eine zuversichtlichere G r u n b-ft immung. Der feste Schluß der gestrigen Neuyorker Börse und günstige Nachrichten aus der Industrie ließen an der Vorbörse die freunblidjere Stimmung anhalten, wenn auch noch keine Umsätze getätigt wurden. Vor Beginn des offiziellen Verkehrs diskutierte man vor allem über den sehr optimistischen Geschäftsbericht der Danatbanf, hörte mit Befriedigung von einer weiteren Entspannung des Arbeitsmarttes, und die Beurteilung der Aussichten für die Regierungsbildung war recht günstig. Zu den ersten Kursen lagen infolge des frühen Samstagbeginns noch nicht auf allen Märkten Orders vor, so daß die Kursgestaltung sich zwar überwiegend freundlicher, doch nicht ganz einheitlich gestaltete. Lebhafter lagen I.-G. Farben, plus 1,5 v. 5)., wobei die günstig verlaufenen Stickstot'oerhandlungcn anregten. Holzmann, bei denen man auf eine Erhöhung der Dividende rechnet, gewannen 3,40 v. H. Etwas fester eröffneten Schubert & Salzer, Bem- berg, Berger, Kali Aschersleben, Braubank, Dessauer Gas, Svenska und Oberbedarf, die 2 bis 2,5 v. H. gewannen. Auch Karstadt, GHrlottenburger Wasser usw. hatten heute etwas mehr Geschäft. Auf der anderen Seite lagen Stöhr auf die sehr diplomatische Verwaltungserklärung in der Dividendenfrage 2 v. H. schwächer. Auch Rheinische Braunkohlen verloren 2 v. H. Deutsche Anleihen freundlich. Ausländer teilweise schwächer. Der Pfandbriefmarkt war vorläufig sehr ruhig Der Geldmarkt war unuer- ändert. Im Verlaufe traten besonders Sprit-, Kali-, Farben- und Elektrowerte hervor, für die Orders eintrafen, und bei denen es zu recht beachtlichen Gewinnen von 2 bis 3 v. H. kam. Für Schultheiß und Ostwerke gingen die Erhöhungen sogar bis 5 und 5,25 v. H. Auch Rütgerswerke, Reichsbank, Braubank, Maschinenbauuntern^hmungen, Polyphon, Allgem. Lokal- und Kraft und eine Reihe anderer Werte zogen kräftig an. Die Stimmung war allgemein fest. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 v. H., Lombardzinsfuß 6 v. H. Frankfurt a. M. | gtrlln Echluß-1 turd | 1-llhr- Kurs Schluß-> lurt ! Ansang» flurt Datum 28- i V9 3 z8 3. 29. 3. 6% Deutsche SielchsameWe von 1927 87 — 87 — 7% Deiufdx Retchkanleihe von 1929 . . . 99 99 — Deutsche Anl.-Ablöl.-Tchuld mit Auvlos.-Rechten 55,25 55 55.4 55,13 Dergl. ebne Auslos.-Rechte . 9,5 9.5 9.6 9.6 6% Heil. Bolkellaat von 1929 ,rück,ahlb 102%) 90,65 — 92 Oberhesjen Provinz. Anleihe mi! Aurtol.-Rechten 62 — — Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie i 53 53,4 — 6% fftanfl Hov.-Bank Koldvle XIII unkündbar die 1934 97,5 — * 7% ssranki Hyv.-Bank Soldvle unkündbar bi« 1932 88.5 — <%% Rheinische Hop.-Ban» Liau. «oldvle. 84,5 — _ — 8% Br. Londevvlandbrielan statt, Psanvbriele R. 17 97 97 8% Pr LandeevianbbrtekanNatt, Komm.-Lbl R. t« 94 94 — 7% Pr Landeovsandbriesanktatt. Psanvbriele R 10 69 — 89 _ A.E.cS abg. Borkriegs-Obltgatto- neu. rücUadlbar 1938 94,25 - — 4% Ceftenetdindir Goldrente — — 29.65 4,20% Oetterreichische Stlberrenkr 5,13 — 5 — 4% LeNerretchilche Einheitliche Rente 2,85 — 2,75 4% Ungarische ©olbtmte 26,6 26,6 26,6 4% Unflarilrfif Swowrrnte v. 1910 — — 23 47,% Mffll. von 1919 — —- 24 —- 4% Unnarildif Kronenrentk — — e,9 2,9 4% Sürfildie Zollanleihe von 1911 6.9 —- 7,1 — 4% lürtifdir Bagdadbabn-Ant Serie 1 — — 2.25 7 4% deogl Serie 0 '.95 7.1 — 6% Äumäniidif veretnb Rente von 1903 _ — 11,25 1l4% Rumänische verrtnb Rente von 1913 — * 17,65 i% Rumänische veretnb. Rente . 9,275 — 9,15 Sranlfun a. 2)1. Berlin tSch.uß« hird l-Uhr. K re Schluß-l lurd I Brisanz« Kurs Datum 28 3 29 3 28 3 29. 3. L'amvurg.Amenka Patei . . Hamburg-Südam. Dampfschtss Hansa Damvllchtfl ... Norddeutscher Lloyd .... Allgemeine TeuklcheEredttantt. Barmer Bankverein Berliner Handelsgesellschaft Commerz- und Prioat-Bank Darmstädter und Nationalbank Deutsche Bank und Disconto GeseUIchast, . . . Dresdner Bant...... Reichsbank 7 8 10 8 10 10 12 11 12 10 10 12 111,2b 105,25 117,5 ■ 33 172 158.5 235 150 152.5 285 111,25 133 159,25 152 5 286.5 110,5 166 104,75 117,75 133 172 158,5 235 149,b 152.5 284.25 111 105. 5 117,75 133 172 159 25 235.25 149.5 152.5 285.5 ASS........... Bergmann........ Sleklr. Lieserung-geleMchast. Licht und Krast Selten & Guilleaume . . GeseUschasi für Elektrische Unternehmungen . . . Homburger Eiektrizltäto-Werke Rheinische Elektrizität . . . Schlesische Elektrizität. . . . Schuckert L Co. ..... Siemen« & Halske..... Transrabio . ...... Labmeoer § Co.. • • • • . Buderus - » - Deutsche SrvSI . ..... Essener Steinkohle ..... Gelsenkirchener ...... Harpener ....... Hoesch Eisen........ I-ie Bergbau....... Mannesmann Röhren ... Mansselber Bergbau . . • • Lberschles Eisenoevart . • • Lberschles kokswerte . . . Phönir Berabau - » • Rhetnilch» Braunkohlen • • . 8 . 9 10 10 7K 10 10 . 9 10 11 16 . 8 IC . 6 . 6 . 8 . 8 . 0 6V, 10 . 7 . 7 . 7 . 6 . 7 6Vi 10 . 6 7,2 167 176,5 182 i93.25 255 166.5 79 141 130.5 104 106 102,5 100 167.75 177,75 132 194.5 257 79 25 104 107 25 166.5 • 69,5 176,13 129.25 182,5 135,4 168.25 192.75 255 165,5 78.75 102.4 141 130.25 110,5 252 105 108,4 105,9 106.5 71 '05 4 102,5 234 •17,25 100 167.25 204 75 170 175.75 131 183 169 192.5 254.5 79.75 103 141,5 130 110.75 105 25 108.13 107 106 5 73 106,4 103 5 232 117,25 Frankfurt a. M. Serlin cSchiuß- 1-Uhr- «Schluß-, Ansa.g» lurd «ur4 hin I flurt Datum 28 3 29 3 28 3 29 3 Bereinigte Stahlwerke . 95.7b — 95.75, 95.25 Olavi Minen ... 16'/, — | — 57 57,75 Kaliwerke Aschersleben . U 215 —— 214 216,5 Kaliwerke Westeregeln . 10 218 — 218.75 — Kaliwerke Salrdeksurth . 15 372 1 374 371-75 371.5 I. G. tzarben°Inbustrte. . 12 170.25 171.9 169.25] 170 Tvnamii dkobel .... . . 6 — — 80 — Schetdeanstatt..... • . 9 152.75 — -- Goldschmidt ..... . . 5 68 — 68.25 69 79.25 81 79,13 80.25 . . 8 109 110 108 — PHUwV Holzmann . . . • . 7 104 106.4 103.65 107 gemennverf Heidelberg . 10 131 — — — Ermentwerk Karlstadt. . . 10 143 — — — Wavb & firetjiag . . . . . 8 88 90 87 Schultdet« Patzeahcser . . 15 — - 277 277.5 Cfiroerfe....... . 12 — 221 221,75 Aku ........ . 1k 101 102 100.5 100 25 Bemberg....... . 14 152 — 149.5 152 Sellftolf Daldhos . . . 18'/. 211 5 214 213 5 212.6 Hellsloss Alchassenburg . . 12 156 — 155.25 155 75 Charlottenburger Wasser . . 8 — — 102 b 104 Dessauer ffla; . . . . 9 — 173,75 175.75 Daimler Motoren . • • . o 38 39.75 38 38,5 Deutsche Linoleum . • e e . 246 — 247.5 248.75 Maschinenbau A.^8. . . • . 0 — — 49 49.5 Rat. Automobil . . . • . o — — —- — Orenltein & Kovvel . • . . 6 — - 75 —* Leonhard Tietz .... . 10 — 154 154 —— Svenska .... 356 - 352 354 ixranthirtet Matchtne» . . . 4 33.5 34 — Grinner .... • . 6 39 39.25 HeoligenNaedt .... • . 0 — — Iungbans .... . . 6 38 37,5 —— Lechwerte...... . . 8 >06.13 — — Mainkrostwerke Hichn a. M. - 8 106 — — — Miag - . . . 10 133 — 131,5 131,5 Gebr. Roeder ... . 10 105 •— - Voigt & Haessner . . • . . 218 e—' 218 Süddeutsche Zucker • • . 10 159,5 1 158,25 1 - Bantnoten. Devisenmarkt Berlin—-Frankfurt a. 2H. Serlin, 28^M2r, Meld Brief Lmeritanitche Uiotcn..... 4.171 4,191 belgische 'IJofen . ....... 58,21 58,45 Dänische Noten ...... 111.85 112.29 Englische Noten........ 20,322 20,402 16,37 16,43 ftnllnnbifthe Noten ...... 167,53 168.21 ^t lienische «ttoten ...... 21.99 22,07 Norwegische Noten..... 111,90 112,34 Deuisch-Oesterr,4100 Kronen 58.90 59.14 Rumänische Noten...... 2,47 2,49 Schwedische Noten...... 112,23 112,67 Schweiler Noten....... 80.93 81.25 Evanische Noten....... 52,25 52.45 Tichechoslowakische Noten .. 12,37 12.43 Ungarische Noten 72.85 73.15 z8. »idn >9. uidn Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Aries Geld »ries 'TlnifL- Rott. 167.86 168.20 167.87 168.21 Buen.'Aires 1.589 1,593 1 599 1 603 Brss.-Antw. 58.355 58.475 58 375 58 495 Christiania - 112,03 112.25 112 03 112.25 -Kovrndag.'n 112.06 112.28 112 08 112 30 Stockholm - 112.44 112.66 112.46 112.68 HelüngforS. 10.523 10.543 10 517 10.537 Italien. . . 21 935 21.975 21.93 21 97 London. . . 20.349 20.389 20 355 20 395 Oieutjort . . 4.1835 4 1915 4 1830 4 1910 PoriS.... 16.375 16.415 16.375 16.415 Schweiz .. 80 995 81.155 80 965 81 125 Sva iea - 51.80 5190 52.15 52.25 Javan . . . •H|o de Jan 2 068 2,072 2.068 2.072 0.487 0.489 0 488 0.490 Wien in T-- Ceft. abfleft 59.96 59.08 58.97 59 09 Prag . . . 12.398 12.418 12.307 12,417 Äelirad • . 7.393 7,407 7.396 7.410 Dudav-'si. . 73.07 73.21 73.065 73 205 Bul arten 3,037 3 043 3.037 3.043 Lissabon 18.73 18 77 18.76 18 80 Danzig. . . Konst Nlill. 81.43 81.59 81.44 81 60 1 785 1.789 1.784 1.788 Athen. . . 5,425 5 435 5.425 5.435 Ennada 4 181 4.189 4.182 4.190 llru uav. . 3.746 3.754 3,776 3.784 Cairo ... 20,875 I 20,915 20,875 1 20,915 LMKVWMSN MV MSWVMMSNS-GKMMKK ^MMDDWWWWWWWWDWWWWMWWWW mit welchen Sie große Freude bereiten / Sie finden in meinem Geschäft eine große Auswahl Lederwaren aller Art in allen Preislagen 25810 BERTHOLD KÜHNE Reiseartikel- und Lederwarep-Spezialgeschäft O Gegründet 1798 O Seltersweg Nr. 26 STANDARD Ein neuer Erfolg Ein neuer Beweis mit „Standard" Heiz-OeL für die Qualität der „Standard" - Produkte, Auf den regelmäßigen Fahrten zwischen beiden Kontinenten verwenden die beiden schnellsten Schiffe der Welt, die Lloyd -Turbinendampfer „EUROPA" und „BREMEN" zur Befeuerung ihrer gewaltigen Kesselanlagen ausschließlich „Standard" Helz-Oel. 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März 1030 Erich, >n> iaglich,outzei Sonntags und Feieriag» Beilagen; Dl, Illustriert, Gießener Familienblätter Heimat 'm Bild Di, Scholle Monatr-Vezugrpreir: 2.20 ‘Beid)smarh und 30 Neichspfennig |ür Tröger- lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höhere» (Bemalt /fernfvrechanfchlüste anterSammelnummer2251 Anschrift lüt Drahtnachrichten Anzeiger Siefzen. Povfcheckkonto: Sranffurtam Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnick vnd verlos: vrühl'sche Universitül§-Vuch- und Stetnöruderet 8. Lange in Sietzen. Sd)riftkttung und GeschZftrftelle: rchuistraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 mra Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspfennig, für Ne- klameanzeigen von 70 mm Brette 35 Neichspfennig, Platzvorschttft 20“ . mehr. Chefredakteur Dr Friedt Wilh Gange. Verantwortlich für Politik Dr Ft Wilh Gange, für Feuilleton Dt H. Thyriot; für den übrigen Te»l Ernst. Blumfchein und für den Anzeigenteil Max Filier, fämtlich m (Biehen Der neue Mann Partei, sondern des ganzen Volkes maßgebend zu beeinflussen. Oröner mit seiner ganzen Dietrich (Demokrat) Gusrard (Zentrum) Stegerwald (Zentrum) Moldenhauer (Deutsche Volksp.) Wirth (Zentrum) Treviranus (Dolkskonfervativ) Schiele (Deutschnational) Dr Brüning (Zentrum) Bredt (Wirtsch.-Partei) ragenden K r i t i k e r d e s Etats, der sich in allen Steuerfragen auskannte, die einzelnen Posten des Reichshaushalts genau im Kopfe hatte und überhaupt in den Finanzfragen wie wenige andere zu Hause war. Die Denkschriften des Zentrums zur Finanzfrage trugen nicht nur seinen Namen, sondern waren tatsächlich in den wichtigsten Teilen von ihm vedfaßt. Hilferdings Haushaltsplan ist von Brü ning grundlegend umgearbeitet und in der veränderten Fassung dann von dem damaligen Reichs- finanzminister angenommen worden Eine der wich tigsten Lohnsteuernovellen ist nach ihm benannt worden. Die „L e x B r ü n i n g" bestimmt, daß die Lohnsteuer aus sozialen Rücksichten einen bestimmten Höchstbetrag nicht übersteigen darf, andernfalls soll sie gesenkt werden Aber noch wichtiger als seine Tätigkeit auf fachlichem Gebiet war Brünings Arbeit innerhalb der Zentrumsfraktion, die darin bestand, Gegensätze auszugleichen und bei bestehenden Streit punkten zu vermitteln Bald zeigte sich, daß dieser Abgeordnete ein bedeutendes diplomatisches Talent besaß dem es zuzuschreiben war. daß manche innere Krise beigelegt werden konnte, ehe ihr Höhepunkt erreicht mar. Oft schlug man Brüning zum Finanzminister vor, aber er lehnte dieses Amt immer wieder ab, weil er sich sagte, daß seine Zeit noch nicht gekommen sei, und drängte sich dabei ebenso wenig zu einem Amt, wie fein Freund, der Partei- an seinem Amte klebt, sich freiwillig zurückgezogen, aber auch für ihn war es jetzt ein Zwang geworden, sich nicht so rücksichtslos bei Seite schieden zu lassen Dr. Brüning hat zunächst geschwankt, wie er sein Kabinett orientieren sollte Er hatte dazu zwei Schätzet (Bayr. Volkspartei) führer Kaas, dem ebenfalls nichts daran lag, ein Amt anzunehmen. So wirkte Brüning meist hinter verschlossenen Türen, ein Mann der Stille, bis er am S.Dezember v I. zum Vorsitzenden der Zentrums- fr a f t i o n gewählt wurde. Dieser Führerposten zwang ihn, aus der Reserve herauszugehen, und stellte ihn so weit in die Oeffentlichkeit, daß er nun zum Reichskanzler vorgeschlagen werden konnte. Tatsächlich hat Brüning schon vor seiner Ernennung zum Fraktionsoorsitzenden die Zentrumspartei ausschlaggebend beeinflußt; als fein Vorgänger von Gusrard als Minister in das Kabinett Hermann Müller ein- trat, ging die Leitung der Fraktion fast automatisch auf Brüning über, obwohl die stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Dr. Perlitius und Esser waren. Man legte im Zentru mWert darauf, einen Mann an die Spitze der Fraktion zu stellen, der auch in den anderen Parteien ein großes Ansehen genoß, politisch nicht vorbelastet und mit den außenpolitischen Vorgängen ebenfalls gut vertraut war, da er als Beobachter der Zentrumspartei den Verhandlungen im Haag beigewohnt hatte. Dr Heinrich Brüning wird nun, da er aus der Stille der Beratungszimmer herausgerisien ist. auf dem gefähr lichen Schlachtfeld der hohen Politik seine Feuertaufe zu bestehen haben. ,t einmal I so sehr um dessen Politik willen, als um das Außen- | Ministerium für das Zentrum frei zu bekommen Das ist ihm mißlungen, weil die Dolkspartei sich einschaltete und aus dem Verbleiben von Dr Cur tius eine Prestigefrage machte. Vielleicht hätte unter anderen Umständen Dr. Curtius, der ja nicht Das Kabinett Brüning ist ernannt. Sch eie übernimmt das Ernahrungsministerium. - Waischastspariei und Volkskonservative machen mit. Möglichkeiten Er konnte sich auf die Mitte beschränken und mit wechselnden Mehrheiten zu regieren versuchen. Das hatte die Gefahr, daß er vielleicht über die Antrtttsoorstellung im Reichstag gar nicht hinweg kam, wenn die Sozialdemokraten und Deutschnationalen sich gegen ihn zusammenfanden Das hatte aber auch die Bedenken, ob der Reichspräsident einer Regierung, die sich auf weniger als ein Drittel des Reichstages stützte, überhaupt die Ermächtigung zur Auflösung und zur Anwendung des Artikels 48 geben würde Die Hoffnung auf eine wohlwollende Neutralität der Sozialdemokraten hat nur ganz kurz bestanden. Es blieb also Dr. Brüning kaum etwas anderes übrig, als feine .Front nach rechts zu verlängern. Das dürfte auch dem Auftrag entsprechen, den er vom Reichspräsidenten bekommen hat. Es ist ein öffentliches Geheimnis, daß Herr von Hindenburg in dem neuen Kabinett Herrn Schiele und einen Vertreter der oolkskonservativen Gruppe gern sehen wollte. Das ist bei Herrn Schiele nicht ganz leicht gewesen. Es ist schließlich nur dadurch gelungen, daß leine Forderungen auf agrarpolitischem und zollpolitischem Gebiet weitgehend erfüllt wurden, so daß jetzt außer den bisherigen bürgerlichen Re gicrungsparteien die Volkskonservativen Brünings Laufbahn ist nur dadurch bemerkens- wert, daß jein Ausstieg in den letzten Jahren m i t erstaunlicher Schnelligkeit vor sich ging. Heinrich Brüning wurde auf 26. November 1885 in Münster in Westfalen geboren, ist jetzt also knapp 45 Jc.hre alt Er studierte an den Universitäten in München. Straßburg und Bonn und widmete sich dort dem Studium der Geschichte, der Philosophie und der Staatswissenschaft Stets war es dabei sein Grundsatz, sich nicht weltfremd in die Horsale und die Bibliotheken einzuschließen, sondern das Volk, seine Sitten, seine Denkweise und Lebensart kennenzulernen Auf diese Weise hat er sich zum Beispiel mit den Strömungen der Elsässer während seines Straßburger Aufenthaltes ebenso vertraut gemacht wie mit der Lebensart der Bayern als Student m München Jin Jahre 1911 machte er bann sein Staatsexamen für das höhere Lehramt Die deiden folgenden Jahre benutzte er dazu, feinen Gesichtskreis im Ausland zu erweitern Er hielt sich von 1911 bis 1913 zu «tudienzwecken in England und in Frankreich auf und bemühte sich besonders, das Wesen der englischen Politik zu erforschen Es ist bekannt, daß in der englischen Aristokratie feit Jahrhunderten das staatspolitische Talent mit besonderer Sorgfalt gepflegt und entwickelt wird, Brüning hielt es für seine Aufgabe, die von ihm bewunderte realpolitische Denkweise der britischen Staatsmänner an den öueUen zu studieren Nach seiner Rückkehr wirkte er im höheren Lehrfach und promovierte dann ini Jahre 1915 zum Doktor der Staatswisien- schaften Der Krieg riß ihn aus der ruhigen Entwicklung seiner Laufbahn, die er sich wohl als Oberlehrer gedacht hatte Er wurde Soldat, stand von 1915 bis 1918 an der Westfront, zuerst beim Infanterieregiment Nr 30, dann bei der Maschinengewehr-Scharf- schützen-Abteilung Nr 12 Beim Heer erwarb er sich die "im Frontdienst verliehenen Auszeichnungen, das Eiserne Kreuz beider Klassen. Bei der Maschinen- gewehr Abteilung wurde er übrigens auch verwundet Sofort nach dem Kriege betätigte sich Dr Brüning in der sozialstudentischen Bewegung und trat in den Arbeitskreis Dr Sonnenscheins em In der Zusammenarbeit mit dem „Apostel der Weltstadt , wie man diesen katholischen Priester gern genannt hat, erhielt Brüning eine einzigartige Schulung: er wurde mit den sozialen Fragen unserer Zeit vertraut gemacht und iah- wie ein aktiver Mann, wenn er wirklich rührig ist und sich _ . Persönlichkeit in die soziale Hilfsarbeit hmeinknict, Außerordentliches leisten kann Diese Erfahrung wurde entscheidend für Brünings Leben Er trat als Referent in das Preußische Wohlfahrtsministerium em, um an zentraler Stelle sozial zu wirken. 1921 übernahm er dann die Geschäftsführung des Deutschen Gewerkjchaftsbundes. die er erst im Januar dieses Jahres niedergelegt hat. Es war ganz natürlich, daß Dr Brüning als hervorragender Vertreter der christlichen Gewerkschaften im Jahre 1924 in den Reichstag einzog. Da- Gebiet, dem er sich besonders widmete, war die Finanzpolitik Er nahm Erzbergers Gedankengänge auf und setzte sich für eine Stärkung des Reiches auf finanziellem Gebiet ein. Bei feinen Reden im Plenum vermied er jeden rhetorischen Effekt, aber man war sich doch bald darüber klar, daß die man* gelnde Rednergabe seinem Dolititoen Aufstieg nicht gefährlich werden konnte Das Zentrum hat auf solche Aeußerlichkeiten nie entscheidenden Wen ae- legt Schließlich war auch der alte Spahn kein rhetorisches Talent: n>enn dieser Zentrumsfuhrer sprach, mußten die Abgeordneten, die ihm zuhören wollten, die Rednerkanzel umlagern, denn.auf drei Schritt Entfernung war kein Wort zu verstehen. Dennoch war Spahn- ein gefürchteter Politiker. Brüning entwickelte sich bald zu einem hervor- Seine Absichten sind vermutlich zunächst nach an- und die W i r t s ch a f t s p a r t e i hinter dem Kabi- de r e r Richtung gegangen Gar kein Zweifel, daß | nett stehen er es gern gesehen hätte, wenn er Dr Curtius. Herr Schiele freilich kommt ohne Mit- als Außenminister loswurde. Vielleicht nicht einmal | gift. Wenn man geglaubt hat, daß er die deutschnationale Fraktion zerbrechen und den größeren Teil zu sich hinüberziehen würde, so ist das offenbar ein Irrtum gewesen. Aber der Kanzler rechnet offenbar darauf, daß bei diesem Agrarprogramm die Deutschnationalen wenigstens nicht gegen das Kabinett stimmen und so zu einer Ablehnung der Mihkrauensanträge helfen werden. Inwieweit diese Rechnung richtig ist, muh sich erst zeigen. Die Deutschnationalen haben bisher das ganze Problem der Regierungsumbildung rein politisch aufgefaßt. Und es ist nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen, daß auch landwirtschaftliche Zugeständnisse ihnen nicht genügen werden, trotz Herrn Schiele, der dadurch in einen häßlichen Gegensatz zu seiner Partei tarne. Dr. Brüning selbst vertraut allerdings daraus, daß es so weit nicht kommen wird, daß vielmehr am kommenden Mittwoch im Reichstag nach seiner Regierungserklärung alle Wihtrauensanträge ab gelehnt werden und er damit eine Startmöglichkeit hat, während gleichzeitig die Steuergesehe mit Hilfe des Artikels 48 in Kraft gesetzt werden. Die Basis, auf der er arbeitet, bleibt aber nach wie vor sehr schmal. Es kann nur eine Frage der Zeit fein, bis die Regierung sich im Reichstag eine Riederlage holt und dann doch an die Wähler appellieren muh; ein Unternehmen, das auch keineswegs aussichtslos ist, wenn erst einmal die Wähler merken, daß e i n neuer Wind weht und wir aus der Stagnation herauskommen. Die Sozialdemokraten dagegen stellen sich jetzt bereits darauf ein, daß sich am kommenden Mittwoch eine Mehrheit gegen das Kabinett zusammenfindet. 3n vielem Falle würde dann schon am Mittwoch die Auflösung des Reichstags erfolgen. Der jüngste Fraktionsoorfitzende, den das Zentrum jemals gehabt hat. D r Heinrich Brüning, hat vom Reichspräsidenten den Austrag erhalten, die neue Regierung zu bilden Sein Name stand bisher nicht in der Liste jener deutschen Politiker, die jedermann kennt und deren Bild von Zeit zu Zeit in den Zeitungen und Zeitschristen erscheint. Er ist ein Mann, der es oorgezogen hat, in der Ulllliy v l. Stille zu wirken, ein wortkarger Sonderling, der Herrn Dr. Brüning ist es gelungen, die seine Person so wenig wie möglich in das Schein- Kabinettskrise in wenig mehr als oierundzwan- werferlicht der Oeffentlichkeit treten ließ Es ist da- zig Stunden zu lösen. Er hat damit em für her zu verstehen daß in diesem Augenblick alles deutsche Verhältnisse geradezu bewunderungs- bemüht ist, etwas über den Charakter und die Denk- würdiges Beispiel autgeftetlt. Allerdings mehr weise dieser oerfchlosienen Persönlichkeit zu erfahren, als einmal sah es so aus, als ob er doch noch die dazu ausersehen ist. nicht nur die Geschicke einer scheitern würde, wofür er freilich selbst die Hauptverantwortung trug. Er hat sich doch nicht ganz von der schiefen Ebene frei machen können, die auf dem Wege zu den Fraktionszimmern liegt. Seine Aufgabe wäre am einfachsten gewesen, wenn et wirklich einmal streng nach der Bersassung handelte und ohne stundenlange Beratungen sich einfach an diejenigen Kandidaten wandte, die er zum Eintritt in fein Kabinett auffordern wollte, um dann mit feiner Liste zum Reichspräsidenten zu gehen und vor den Reichstag zu treten. Der Reichstag hätte dann die Verantwortung dafür getragen, ob er dieses neue Kabinett stürzen sollte oder nicht, und wir sind fest überzeugt, daß trotz aller Entrüstung, die dann bei sämtlichen Fraktionen I Platz gegriffen hätte, niemand die Verantwortung dafür hätte auf sich genommen. Zu einer solchen Taktik gehörte allerdings eine gute Portion Rücksichtslosigkeit, Herr Dr. Brüning, der selbst Fraktionsvorsitzender ist, hat sie nicht auf- bringen können Er hat deshalb die Fraktions- i vorfitzenden der Regierungsparteien bei sich ge- ............ sehen, die sich nun begreiflicherweise nach dem In der Wandelhalle des Reichstages haben sich die Schicksal ihrer Minister erkundigten und sich für Journalisten oft bemüht, aus den Mienen Dr Hein- ihre Fraktion mit ihren Parteiministern sott- rich Brünings zu lesen, was aus seinem Mund nie darisch erklärten Dadurch war ihm dte Mogttch- zy erfahren war Welche Taktik die Zentrumspartei feit genommen, frisches Blut in sein Kabinett hm- einjchlagen würde und welche Pläne der einsluß- einzubringen Er war zuletzt fo eingeengt, baß reiche Ülann für d,e zukünftige Politik hegte Aber er eigentlich nur die vier Plätze zur Ver- Brunmg schrill stets mit lehr schnellem, sehr straf- fugung hatte, die durch das Ausscheiden fein Schrill durch die Wandelhalle, ohne sein nm- der Sozialdemokraten freigetoorben ger wirkendes, blasses Gesicht zu verziehen Stets waren, ist er sehr ernst, und unter den vielen, recht wohlgenährten Parlamentariern fällt er durch sein asketisches Aeußere auf Die Augen, die die Stimmung, die Wünsche und den Grad der Erregung am leichtesten verraten, sind durch dicke scharfe Brillengläser wie durch em Visier geschützt: der Blick, der kühl durch diese Glaswand hindurchdringt, ist abweisend und ermuntert keineswegs dazu, vertrauliche Auskünste zu erlangen. So gelang es dem verschlossenen Westfalen fast stets, sich den Aussragern zu entziehen, ohne etwas anderes als eine verbindliche Redensart geäußert zu haben Auch als Redner enthüllte er im Reichstag nicht, was in seinem In nern vorging Seine Ausführungen waren stets sachlich beinahe trocken, und er verschmähte es, die Wir kun'g durch Pathos, schauspielerisches Talent, retho- rischen Schmuck zu erhöhen Wenn man den leicht angegrauten aber unter den Parlamentariern ju gendiich wirkenden Mann die Rednerkanzel des Reichstags besteigen sah, wußte man, daß unter Umständen eine sachlich scharfe Auseinandersetzung, aber keine parlamentarische Sensation bevorstand Das Ernennung«^ e'rei. Berlin. 30. Mär;. (WIB Amtlich.) Der Reichspräsident hat den Rcichstagsabgeord- ncten Dr. Brüning jum Reichskanzler ernannt. Auf Vorschlag des Reichskanzlers hat der Herr Reichspräsident den Reichsmlnister Generalleutnant o. D. Dr. b. c. Groener als Reichsivehr- mlnifter, den Reichsmlnister Dr. L u r t l u s als Reichsmlnister de» Auswärtigen, den Reichsmlnister Dr. Schätzei als Reichvpostmlnlsler und den Rcichsminlster Prof. Dr. Molden Hauer als Reichsmlnister der Finanzen bestätigt; ferner Hot der Herr Reichspräsident auf Vorschlag de» Reichskanzlers den Relchvmlnisler Dr. Wirth zum Rcichsminister des Innern, den Reichsmlnister v i e l r l 6) zum Reichswlrtschastsmlnister, den Reichsmlnister Dr. Stegerwald zum Relchs- arbellsminlsler, den Reichsminister v. GuLrard zum Reichsverkehrominister. den Reichsmlnister a. D. Dr. Schiele zum Reichvminister für Ernährung und Landwirtschaft, das Mitglied des Reichvlags Prof. D. Dr. B r e b I zum Reichsmlnister der Justiz und dos Rillglled des Reichslags Trevlranus zum Reichsmlnister für das befehle Gebiet ernannt. Zum Stellvertreter des Reichskanzler» gemäß 81 der Geschäftsordnung der Relchs- reglcrung hat der Herr Reichspräsident auf Vorschlag des Relchvkanzlerv den Relchvwlrischaftv- mlnlfter Dietrich bestellt. Englisches Echo. Hindenburstü Nolle bei der Mnbinvüdtrifid London. 31. März. (WTB. Funkspruch). „Daily Telegraph" sagt: Deuischland hat die seit Monaten in Sicht gewesene, aber ganz plötzlich ein» getretene Kabinettskrise mit n och nicht dage» wesener Schnelligkeit überwunden. Der neue Reichskanzler Dr. Brüning hat die Aufgabe der Bildung des neuen Ministeriums in wenigen Tagen beendet, während sonst infolae der Hartnäckigkeit des Parteistreites im Reichstag Wochen dazu nötig gewesen sind. Die Kurze des Interregnums ist auf den persönlichen Einfluß des Präsidenten von Hindenburg zurückzuführen, der entschlossen war, in den notwendigen finanziellen Reformen keine B e r • zögeruna eintreten zu lassen. Sein Erfolg ist ein weiterer und nicht unbeträchtlicher Beweis der gc- funben Vernunft. Dao Verbleiben von Dr. Curtius im Auswärtigen Amt bietet die Sicherheit, daß die Politik des verstorbenen Dr. Stresemann fortgesetzt werden wird. Aber in inneren Angelegenheiten sind genua Schwierigkeiten in Sicht, obwohl die Ver- wirklichung zweier Hauptziele der nationalen Politik. die Erleichterung der Reparotionslast und die Räumung des Rheinlandes bevorsteht. — In der „Times" heißt es: Die politische Krisis in Deutschland, die durch den Sturz des Kabinetts Müller verursacht wurde, ist durch die sichere Leitung des F e l d >n a r s ch a l l s von Hindenburg mit großer Schnelligkeit beigelegt worden. Der Reichspräsident hat gestern das Kabinett des cnerglfdien und fähigen Führers der Zen» trumspartei Dr. Brüning ofsiziell gebilligt. Auf den beiden wichtigsten Posten des Kabinetts befinden sich ihre bisherigen Inhaber, Dr. C u r t i u ö als Außen- Minister und Dr. Molden Hauer als Finanz. Minister. Ihre Anwesenheit ist eine Gewähr dafür, daß die Monitor, die bei der jetzigen Lage die Beziehungen Deutschlands mit den anderen Ländern am meisten berühren, auch weiterhin entsprechend der Stresemannschen Tradition geleitet werden. Dao Blatt würdigt im einzelnen die vorbildliche Haltung des Reichspräsidenten, der sich in glücklicher Weise bemühe, die Parlamentarier mit dem Geist der Zusammenarbeit in Innern und In auswärtigen Fragen zu erfüllen. Gchielcs Programm. Wiederherstellung der Rentabilität der Landwirtschaft. Berlin, 30. März. (TU.) Zur Ernennung de» Landbundführer» Schiele zum Relä-sernährung»- mlnlsler schreibt die „Landwirtschaftliche Wochenschau". sie fei zü der Erklärung ermächllgl, Schiele boirachle sich In feiner neuen Eigenschaft als Er- »ährnugvminlslor als der Sachwalter der gesamten deutschen Landwirtschaft, der gegenüber er In der Führung der „Grünen Fron t“ gemeinsam mit den drei anderen Baucrn- führern die Verpflichtung zur Durchsetzung eines ausreichenden und alle Interessen der Landwlrt- schast umfassenden Renlabllitätvpro- g r a m m a Übernommen habe, eines Programms, da» zugleich das beste Verbraucherprogramm darflelle. well die wioderaufrichlung der Landwirlschast auch der ganzen deutschen Volkv- wirlschasl neuen Austrieb geben werde. Schiele habe sich erst dann zur Annahme seines neuen Amtes entschlossen, als er alle Bürgschaften gehabt habe, daß seine Bedingungen auch mit aller erdenklichen Beschleunignng erfüllt würden. Soweit die landwirtschaftlichen Fragen Im engeren Sinne in Betracht kämen, sei Schieles Programm unverändert das Programm der Grünen Front, wenn Schiele In dieser Slunde und in diesem Kabinett das Lrnährungvnilnisterinm übernommen habe, so bedeute das zugleich, daß der Reichspräsident In feinen Erklärungen bei den landwirtschaftlichen Forderungen sich auch selbst die Forderungen der Grünen Front zu eigen gemacht habe. In mehr- stündigen Verhandlungen mit Schiele hat sich gezeigt, daß die vlsferenzon zwischen dem Programm Schieles und den Ausfassungen von Dr. Brüning und Dr. Curtlue keineswegs so groß waren, wie es zuerst schien. Dav Agrarprogramm Dr Schielos sieht die Verwirklichung der Preise sür Weizen von 260 Mark, für Roggen von 230 Mark, ferner einen Schweinepreis von 75 Mark und ein Gerstenmonopol vor. O e Bauernvereine zur neu n Zo'lattion. Gin Schrill vorwärts, bcr noch Lücken für Obst, Gemüse, Wein, rabak und Hopfen. Berlin, • > Der Vorstand der Bereinigung der Deutschen Bauernvereine hat sich eingehend mit der gegenwärtigen Lage der Landwirlschast und den dringlichsten Aufgaben der Agrarpolitik befaßt. Der Präsident der (Bereinigung, Reichsmlnister a®. Dr. Hermes. erörterte die Entwicklung und die Bedeutung der letzten Agrarzollaktiou. Er wertete die Leuten Entscheidungen des Reichstages als einen Fortschritt zur Lieberwindung der Agrarkrise. Der Borstand sprach Minister H"rrncs volle Anerkennung und warmen Dank aus für feine großen Berdieuste um die Berw,r^.^ung der landwirtschaftlichen Rotforderungen. In einer Entschließung stellte der Borstand einmütig fest, daß die neue Zollaktion einen© d) ritt vorwärts auf dem Wege zur Zurückgewinnung der Lebensund Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft bringen könne. Allerdings enthielten auch die neuen Zollgesetze wieder bedenkliche Lücken. Ob und in welchem Umfange die neuen Zollgesetze eine wirksame und ausreichende Hilfe für die Landwirtschaft bräch. ten, hänge wesentlich davon ab, welchen Gebrauch die Regierung von den ihr in die Hand gegebenen Ermächtigungen mache. Als besonders bedauerlicher Mangel sei festzustellen, daß die gerade für die bäuerlichen Betriebe besonder wichtigen Spezialzweige des O b st -. Gemüse- und Weinbaues, des Tabak- und HopfeNbaueS ohne wirksamen Z o l l s ch u h seien und auch bei den letzten agrarpolitischen Maßnahmen keinerlei Berücksichtigung erfahren hätten. So sehr eine Befriedung der europäischen Wirtschaftsverhältnisse erwünscht sei, könne doch die deutsche Landwirtschaft eine Internationale Bindung des bestehenden zoll- und handelspolitischen Systems, das sich einseitig zu ihrem U n g u n ft e n entwickelt habe, nicht gutheißen; sie lehne daher alle Bindungen ab, die den notwendigen Ausbau des Schuhes ihrer Produktion behinderten. Mit ober ohne Reichstag sofort an die sachliche Arbeit. — Nene Wege zur Behebung der Arbeitslosigkeit: Förderung der Landwirtschaft. — Hebung der Kaufkraft. — Wiederbelebung der Produktion. Berlin. 30. März. ERB. (Eigene Meldung.) Wie wir erfahren, erfolgt am Montaavormittag 11 Uhr die U ebernah in e der Arntsge- schäfte durch die neue Regierung. Das Kabinett wird dann nachmittags 5 Uhr zu seiner ersten Sitzung zusammentreten, um sich au konstituieren und die Regierungserklärung auszuarbeiten, die Reichskanzler Dr. Brüning am DienLtagnachmittag vor dem Reichstage abgeben wird. Das Kabinett wird ferner sofort mit der Ausarbeitung eines Rahmengesetzes beginnen, das die Regelung der Finanzen, der Agrarfragen und des O st p r o b l e m s umfaßt. Dieses Gesetz soll sobald wie möglich dem Reichstage zugehen, so daß es noch im Laufe der neuen Woche in den Ausschüssen zur Beratung kommt. In Kreisen, die dem Kabinett nahestehen, wird betont, daß die meisten Mitglieder der neuen Regierung bereit« dem alten Kabinett angehörten. Das habe den Vorteil, daß die Minister sich nicht erst in die Probleme einzuarbeiten brauchen, sondern die fachliche Arbeit sofort beginnen können. Diese Arbeit gehl von der Auffassung aus, daß In erster Linie die ungeheuere Arbeitsto- f I g k e 11 bekämpft werden muß. Das Arbelts- tosenprobtem sei mit den bisher angewandten Mitteln nicht zu lösen. Die Regierung will deshalb andere Wege beschreiten, In dm sie alleAnstrenglingen zur hebungder Kaufkraft der Bevölkerung, namentlich ihres großen landwirtschaftlichen Telles, macht. Die Verwirklichung dieses Gedankens soll durch das Agrarprogramm eingeleitet und durch das Offprogrnmin unterstützt werden. Hebung der Kaufkraft bedeutet vermehrten Bedarf und Wiederbelebung der Produktion, also Verminderung der Arbeitslosigkeit. Damit würde auch die Belastung des Relchshauvhaltes aufhören, die schließlich den Rücktritt des letzten Kabinetts verursacht hat. Das Rahmengesetz, das das Kabinett vorlegt, wird stark von diesen Gedankengängen beherrscht sein. Für die Lösung dieses Kernproblems unserer augenblicklichen Lage wird die Zeit bis Ende deS IahreS für erforderlich erachtet. Soweit der gegenwärtige Status des Arbeitslosenproblems lurzfristige Zwischenmaßnahmen erforderlich macht, wird das Reichskabinett sie treffen. Das Regierungsprogramm zeigt, daß das Kabinett Brüning sich durchaus auf eine längere Amtsdauer einftcllt. Es hat die Absicht, seine Aufgabe in Zusammenarbeit mit dem Reichstag zu lösen. Schematisch gerechnet seh len dem Kabinett 26 Stimmen an der Mehrheit. Bei der Annahme eines Mißtrauensvotums wird der Reichstag aber unter allen Llmständen aufgelöst werden. Der Reichskanzler dürfte in seiner Erklärung am Dienstag keinen Zweifel darüber lassen, daß ec entschlossen ist, alle verfassungsmäßigen Ermächtigungen anzuwenden, wenn der Reichstag nicht bereit sei, sich dem Kabinett zur Beseitigung des augenblicklichen schweren Rotstandes zur Verfügung zu stellen. In politischen Kreisen verlautet, daß gegebenenfalls auch vor einer zweiten Auslösung nicht zurückgeschreckt werden würde. Es wird darauf hingcwiefen. daß die Berfaffungemäßlg- ke 11 des Artikels 48 und der Auflöfungsermäch- tigung auch von der Sozlaldemokra- tle nicht bestritten worden fei. solange sie selbst zur Regierung gehörte. Daran vermöge auch der Sonnlagsartikel des „vorwärts" nichts zu ändern, In dem an den Relchsinnenminister Dr. Wirth appelliert wird, zu verhindern, daß der Artikel 48 angewendet werde, um einen Ausweg aus den parlamentarischen Schwierigkeiten zu eröffnen. IedenfaUs hat die Reichsregierung nach unseren Informationen die Absicht, die Aufgabe, die Reichspräsident von Hindenburg ivt gestellt hat, mit allen verfassungs- mäßigen Mitteln durchzusühren. Ob das allerdings ohne ReichstagZauflösung möglich ist, das hängt wesentlich von der Haltung der D e n t s ch n a t i o n a le n ab. Für sie betrachtet man es als symptomatisch, daß der Reichsemäh- rungsminister Schiele zur Riederlegung feines Reich Stags Mandat« gezwungen wurde, die übrigens voraussichtlich am morgigen Montag erfolgen wird. In Regierungskreisen bezeichnet man die Auslösung aber als eine Frage zweiter Ordnung. Das Wesentlichste sei, daß die Regierung mit aller Energie an die fachliche Arbeit her- angeßt Den entschiedenen Willen dazu und zu einer st raffen u n b sparsamen Führung derReich sgefchäfte wird der Kanzler in seiner kurzen Erklärung am Dienstag deutlich bekunden. Tardieus erster Abstimmungssieg in der ^oungdebaiie. Paris, 29. März. (WTB.) In der Kammer wurde sofort nach Eröffnung der Sitzung die Aussprache über die Ratifizierung des Poung- Plaiies geschlossen. M i n i ft e r p r ä s i d e n t Tardieu ergriff sodann das Wort zu Art. I der Vorlage. Rach elfjährigem ilnißertaften komme man zur Kommerzialisierung einer S ch u l d , die ursprünglich eine politische Schuld gewesen sei. Diese Lösung sei nicht nur vom finanziellen, sondern auch vom politischen Standpunkt aus zu begrüßen, da sie die politische Verständigung unter den Völkern vorbereite. Tardieu geht dann auf die SanktlonSfrage ein und setzt auseinander, warum die R e p a r a t i o n s k o in m t s f i o n verschwinden könne, die ja nie etwas anderes habe tun können, als die Beschlüsse der Regierungen zu bestätigen. Letzten Endes hätten die Sachverständigen des DaweS-Planes die nach der Ruhrbesetzung in der Schwebe gebliebenen Fragen geregelt und die Sachverständigen des Boung-Planes die Haager Konferenz vorbereitet ohne die Reparation.lommission zu befragen. Die Kommission sei auch nicht erst im Haag beseitigt worden; denn bereits Ende Iuni 1929 habe die französische Regierung mitgeteilt, daß sie mit dem Poung-Plan und daher auch mit der Beseitigung der Reparation kommijsion e i n - verstanden sei. Artikel 430 deS Versailler Vertrages sei ebenfalls beseitigt worden, well sämtliche vorgesehenen Sanktionen von der Reparationskommission erlassen worden seien. Für die Anwendung de» öoungplanc» komme nur da» im Houngplan selbst vorgesehene verfahren In Frage, wenn der Plan angcwendcl sei, gebe cv keine Möglichkeit mehr, zu Mitteln zu greifen, die im Pouiigplan felbfl nicht vorgesehen seien, wenn aber der Plan vernichtet werde, werde Frankreich seine A k 11 o n v s r c l h c 11 wieder erhalten. Ein Unglück komme aber schnell. Er habe zu Dr. Eurtlu« gesagt: Rehmen Sie an, Hugenberg oder Hitler würden Reichskanzler und lehnten eö ab. den Voungplan anzuwenden. Ich glaube, fo erklärte Tardieu, nicht an diese Möglichkeit. Aber in diesem Falle kommt zweierlei In firagc, Feststellung und Sanktion. Für die Feststellung haben wir den Ständigen Gerichtshof Im Haag. Wir können durch Ihn eine schnellere Entscheidung erlangen, als wenn wir unS an die erledigte Reparationskommiffion wänden. Der Gerichtshof im Haag spricht sich darüber aus, ob die deutsche Regierung Hugenberg oder Hitler (Zwischenruf: Oder eine kommunistische.) oder eine kommunistische, das kommt auf das gleiche hinaus, den Willen hat, den Voungplan zu zerstören. Frankreich findet dann seine Ak.ionSfreiheit wieder. Worin besteht diese Aktionsfreiheit'? Der hierüber ausgetauschte Schristwechsel gibt uns das Recht, die freien Maßnahmen zu ergreifen, die sämtliche Bücher des internationalen Rechtes Zwangsmaßnahmen nennen. Die französische Regierung wird in diesem Fall, der, wie ich hoffe, nicht eintreten wird, sämtliche Zwangsmaßnahmen ergreifen können. Der Abg. Grum- bach (Soz.) wirft ein: Ausgenommen den Krieg I Tardieu: Sie find recht geistesgegenwärtig! Ich wollte eben sagen: ausgenommen den Krieg. (Beifall links.) Ich habe zu Dr. Cur- tius gesagt: Aktionsfreiheit ist die Freiheit, Krieg zu führen. Sie geben mir die Freiheit, Krieg gegen Deutschland zu fuhren. Ich will aber keinen Krieg führen (lebhafter Beifall). Ich habe deshalb zur Aktionsfreiheit drei oder vier kleine Worte hinzugesügt. Ich habe acht Tage gebraucht, um sie zu erhalten. Sie lauten: Die deutsche Regierung erklärt, öle Aktlonvmlttel der Gläubiger- macht ober der Gläubigermächte aIo rechtmäßig anzusehen. In dieser etwas aggerfstven Farm Ist es der g l e I ch e Hut, wie der des Versailler vertrage». In dem erklärt wird, daß Deutschland derartige Handlungen nicht als elnenAkt der Feindseligkeit ansehen dürfte. Ich habe vorgefchlagen, daß Deutschland diese Handlungen als rechtmäßig ansiehl. Deshalb erkläre Ich, daß der Krieg nicht In Frage kommt. Selbstverständlich wird diese Aktionsfreiheit nur im Rahmen des Völkerbundes und als eine ergänzende Vorsichtsmaßnahme eine Rolle spielen. Tardieu schließt, indem er die Kammer auffor- dert, einer Lösung zuzustimmen, d.e da» Problem entgifte. Rach bcr R:de des Ministerpräsibenten erklärte der sozialistische Abgeordnete G r u m b a ch, daß er und seine Freunde für den Poungvlan st i in m e n würde ti, da er ja vor allem die Rheinlandräumung bringt. Diese Abstimmung bedeute keineswegs eine Aufgabe der Kampfeseinstelltma Segen die Regierung Tardieu. Als (3rumbad) auf ie Ocflnnungsänberung der Rechtsparteien hinweist, greift Tardieu ein und erklärt: Es ist ein armseliger Standpunkt in der Politik, wenn man niemals seine Ansicht ändern wolle. Riemand hat seine Haltung mehr geändert als Stresemann, der zunächst eine imperialistische Politik vertrat und alsdann die Leitung der Versöhnungspolitit übernahm, in deren Diensten er gestorben ist. Ob wir links oder rechts stehen: unsere Pflicht ist es, der Entwicklung der Dinge Rechnung zu tragen. Der sozialistische Abgeordnete Leon Blum erklärte, bei der Diskussion über den Dawesplan habe man viel Zeit mit der Frage verloren, ob es möglich sei, im Faste einer deutschen Verfehlung gegen den Dawesplan wieder in das Ruhrgeb t e t einzurücken. Diese Hypothese sei damals in bezug auf den Dawesplan verneint worden und man müsse sie auch für den Poungplan ausschal- t c n. Frankreich müsse klar befaryitgeben, baß es niemals zum Kriege schreiten werde. Wenn Deutschland den Poungplan zerreißen wollte, bann würde Frankreich beim Internationalen Gerichtshof im Haag uno automatisch beim Völkerbundsrat vor- stcllig werden. Wenn Deutschland sich dann weigern würde, dem getroffenen Beschluß nachzukommen, bann wäre eine internationale Lage geschaffen, deren Auswirkungen man heute schwerlich übersehen könne. Aber selbst in einem solchen Falle würde Frankreich seinen Willen bekunden, nicht zum Kriege zu schreiten ober zu Zwangsmaßnahmen, die in irgendeiner Weise an den Krieg erinnern. Selbstverständlich könne vom Artikel 430 bes Ver- sailler Vertrages nicht mehr die Rede sein, der die Wiederbesetzung bes Rheinlandes als Sanktion vorsehe. In diesem äußersten Falle würde die Aktionsfreiheit Frankreichs im Rahmen des Kellogg.Paktes bleiben und jede militärische Aktion ausschließen. Er bitte den Minister- Präsidenten, zu sagen, ob er in diesem Punkte mit ihm einig gehe. Minifterprusident Tardieu beantwortet die Frage bejahend. Angesicht« der Männer, die an der Spitze der deutschen Regierung stehen, Curtius, Moldenhauer und Wirth, habe er, Tardieu, die Lieberzeugung, daß alles, was getan werden könne, um die Verpflichtungen einzuhalten, auch getan werde. Er glaube, daß diese Männer den Willen hätten, zwischen den beiden größten Völkern der Welk' einen Zustand der Beziehungen zu beendigen, der beiden sehr viel Unheil gebracht habe. Er habe diese Männer kennengelernt, als sie die Interessen Ihres Landes vertraten, und er habe gefunden, daß sie loyal seien. Der Abgeordnete Franklin-Bouillon lehnte die Ratifizierung mit der Behauptung ab. Deutschland sei nicht aufrichtig, niemand in Deutschland wolle die Verpflichtungen einhalten .— Artikel 1 des Haager Abkommens wurde daraus in der Kammer mit 530 gegen 55 Stimmen angenommen. Die Militärdiktatur in Polen. Ein Kabinett Slawck. W a r f d) a it, 30. März. (Tel.-Un.) Der polnische Staatspräsident hat beji Vorsitzenden des Regierungsblocks, Oberst Slawek, am Samstagnach- mittag mit bcr Kabinettsbildung beauftragt unb bereits am gleichen Tage bas Kabinett ernannt. 9m Anschluß baran unterzeichnete er bas Schlußbekret ber Sejmsession. Von bat bisherigen Ministern verbleiben fast alle im Kabinett, so Marsd)all Pilsubski, Zaleski, Maluszewski usw. Rur Professor Bartels unb Juftizminisler Dutkiewlcz scheiden aus. An die Stelle des letz, teren tritt der ehemalige Iuftizminister Car. Han- belsminister Kwiatkowski bleibt vorläufiger Leiter feines Ministeriums. Die entscheidende Schluß- be|pred)img sand gegen 17 Uhr bei Marschall Pil- subski statt, woraus sich Oberst Slawek zum Staatspräsidenten begab. Die Betrauung des diktatorisch eingestellten Oberst Slawek, Führers der Oberstengruppe. mit der Kabinettsbildung wenige Stunden nach Abschluß der Haushaltstagung läßt deutlich erkennen, daß die in den letzten 14 Tagen ftatt- gesundenen Konferenzen mit den Fraktionssüh- tern nur taktischen Erwägungen entsprangen. Um über die letzten Wochen der ordentlichen Sejmtagung ohne größere Schwierigkeiten hin- wegzukomrnen, wurde die Opposition gezwungen, das Spiel der Betrauungen und Verhandlungen mitzumachen. Rebenbei wurde natürlich auch der Zweck verfolgt, den Der- ständigungSwillen des Pilsudski-LagerS in den verschiedensten Erklärungen darzutun und gleich- gcltlfl die Opposition mit dem Odium der iln- versöhnlichkeit zu belasten. Fest steht schon heute, daß die demokratisch-parlamentarische Bartel- Richtung gleichzeitig mit der Verabschiedung des Haushaltes einer Dikta tu r Platz macht. — Oberst Slawek ist 51 Iahre alt. Er trat politisch zuerst alS Terroristischer Revolutionär im Kampfe gegen den Zarismus hervor. Während des Weltkrieges war er als Unterführer und engster Vertrauensmann Pi sudskiS Leiter der politischen Rachrichtenabteilung des Legionärkommandos. Der KyMuser-Vund stellt sich vor Hindenburg. Berlin, 29. März. (ERB.) Der Vorstand des 'Deutschen ReichSkrwaerbundeS ..KysfHäuser", der drei Millionen Mitglieder umfaßt, veröffentlicht folgende Kundgebung: Der RetchSpräsi- d e n t, Herr Gencralscldrnarfchall von Hindenburg, Ist in den letzten Wochen, in denen die politische Erregung auf das höchste stieg, daS Ziel verletzender und maßloser persönlicher Angriffe gewesen. Wer nicht von Parteihaß verblendet ist, kann im Interesse des deutschen Ansehens in der Welt solche Schmähungen nur auf das tief ft e bedauern. Der Kyffhäuser-Bund hat nicht die Entschlüsse des Reichspräsidenten in den politischen Wirren der letzten Zeit zu verteidigen, wohl aber ist er entschlossen, sich vor feinen hochverehrten Ghrenpräsi- benten und Feldmarschall zu stellen, wenn man es wagt, ihn persönlich her- unterzureißen und seine hohen Verdienste für daS Vaterland zu bestreiten. Wo Partei- baß krankhaft verzerrter Ehrgeiz und Selbstüberhebung die Feder fuhren, da kann ein gerechtes Urteil über eine geschichtliche Persönlichkeit nicht entstehen. Der Feldmarschall steht schon durch seine menschlichen Eigenschaften hoch über denen, die Ihn jetzt schmähen. Sein« ?ydis fjortf nami Wien 5onntaa, 30, März. 1930,8 "jnas Pyis To5rsT\! LE links 2 ^til gen. °"°lung «öSW" ** W ?ÄÄ «rbi. E' N es tw?ObesAer. Ä.rd/eRedt ^ Wmianbes Salle müde Ra^rn deg Ke,. n iw btnmNi«f n "esem M M e“ beantwortet die Männer, die Regierung flehen. M. habe er, Tor« > alles, was getan Pslichtungen einzu« c glaube, daß diese zwischen den beiden einen Zustand der er beiden sehr Diel labe diese Männer teressen ihres Lan. gesunden, daß sie 'Iin»tßouUlon :t Dehau-tmg ab, aufrichtig, nie- >ie Ter-slichtungen )aager Ab'mmens ter mit 530 gegen n. tl in polen. Stalvct ?L>lln.) Der polnische sitzenden des Ncgie- , am Samstagnach- j beauftragt unb be> Kabinett er- MrxeMte« Vie- \\e\\\oit Don kn en säst alle im Ka- Zalesli, Matutzewsti l s und Justizmmister An die Stille des letz- izminister Car. fan* i bleibt vorläusiger ^entscheidende SM- hr bei Marschall Pil- Slawe! zum Staats- atorisch eingestellten der Oberstengruppe, >eniae Stunden nach 'n M d°u.li^ ton 14 Tagen W t den FrMNssck vagungcn entsma« chen der oM* Echwierigke'len J» pposition gezM ungenundtver- 3o6« «,]*«« ' «Ä *» s£* * Ad Dl „ Sii"' e« E - « il das y^Vio et t ««L’«»*1 f e 0eB*^ jnter^e Ä^ba^politi" -hkge'ö w ‘iw Oie Wetierlaae. Urteil. daS (mmtridter / Seiiersweg 39 ab Werk ab Werk -'471 A.-G., Verkaufstelle Giefeeil, Bahnhofstraße90/92 Daimler-Benz Typ Stuttgart 200 (8/38 PS) viersitziger Innenlenker . Typ Stuttgart 260 (10/50 PS) viersitziger Innenlenker . .km. 5980 .rm.78SO. In dem Dachstuhl eines fünfstöckigen Miet- Hauses am Iosephring, Ecke Rakoczh-Straße, einer der belebtesten Gegenden der Stadt, brach ein Brand aus, der rasch einen so großen Umfang annahm, daß in kurzer Zeit em großer Teil des Dachstuhles in Hellen Flammen stand. Die Feuerwehr, die mit einem großen -Aufgebot an der Brandstelle erschienen ist, war eifrig bemüht, das Feuer zu lokalisieren. Drei Monteure, die auf dem Dache arbeiteten, fanden in den Flammen den Tod. Zwei Personen wurden schwer verletzt. Der Verkehr an der Straßenkreuzung war vollständig lahmgclcgt, da die Polizei umfangreiche Absperrungen vornehmen mußte. Zwei Kinder in den flammen umgetommen. In einem Bauernhof in der Bähe von Leibnih (Steiermark) brach in der Rächt ein Großfeuer aus das in kurzer Zeit vier Gebäude vernrch- tete' Zwei Kinder, ein sechsjähriger Knabe und ein elfjähriges Mädchen, die beide schon schUe- fen, blieben in dem brennendenWohn- h a u s Die Eltern hatten die Kinder vergessen da sie, als das Feuer die Stallungen er- griff' die Feuerwehrleute baten, zuerst das Vieh zu retten. Als das Dach des Wohnhauses zusammenstürzte, erinnerten sich die Eltern, daß in der Schlafkammcr d i e beiden Kmder zurückgeblieben waren. Die Feuerwehrleute drangen in das zusammenstürzende Haus, doch konnten sic nicht mehr in die Kammer gelangen. Vach Beendigung der Löscharbeiten fand man die beiden Kinder als verkohlte Leichen auf. Das verfahren gegen die Wirtschafterin Neumann. In der Strafsache wegen Ermordung des Breslauer Professor 3 Aos en und des Schuhmachers Stock lautet ba3 abschließende amtsärzt- licheGutachten folgendermaßen: Wenn man alles zusammenfaht, was die bisherigen ärztlichen Erweitertes Schöffengericht Gießen. • Gießen, 28. März. Die heutige Sitzung wurde durch die Verhandlung einer einzigen umfangreichen Betrugs- und Wechselfälschungssache ausgefüllt. Ein oberhessischer Schweinehändler wurde beschuldigt, in sechs selbständigen Fällen sich des Betrugs, sowie in zwei Fällen der Urkunden- bzw. Wechselfälschung schuldig gemacht zu haben. Die Beweisaufnahme ergab, dah der Angeklagte eine ganze Anzahl von Personen, darunter namentlich Landwirte und auch eine Frau, je um mehrere hundert Mark dadurch geschädigt hat, daß er ihnen falsche Vorspiegelungen gemacht und sie hierdurch veranlaßt hat, ihm an sich nur gegen bar verkaufte Schweine ohne Zahlung zu liefern. rfin GI«tkffl!L.. Prachtvoller | [Miller Mrkalltt vor Iahren eine öffentlich-rechtliche Wassergenossenschaft Oberwald hier gebildet, Die alle Interessenten, den Hess. Forst- fiskus, die Triebwerksbesiher, die Wässerungs- berechtigten und die Gemeinden zusammenschloß. Die Satzung der Genossenschaft wurde 1925 ministeriell genehmigt. Die Genossenschaft hat schon mancheVerbesserungen in der Zeit ihres Bestehen- durchgeführt. Diele Wehre wurden erneuert, der Landgrafenborn, die Viddaquelle und der sog. Miesgraben wurden aufgeräumt und vertieft, manche versumpfte Wiesen wurden entwässert. Die Vorarbeiten für die Wiederherstellung der früheren Forellenteiche im Oberwald sind geleistet worden. Man hofft, die Teiche wieder spannen zu können, um in der Trockenheitsperiode das Viddawasser besser zu regulieren. Auch wäre eine wesentliche Verschönerung de- Landschaftsbildes erzielt, wenn die Teiche wieder gespannt werden könnten. Auch eine Fischzucht ist darin vorgesehen. Die Genossenschaft wird diese Spannung stets im Auge behalten. Eine Verstärkung der Staumauern und Staudämme würde notwendig sein. Dieser Tage hielt die Genossenschaft ihre Hauptversammlung ab, in der im Beisein des Vertreters des Forstamtes Schotten und des Kulturbauamtes Gießen alle Fragen näher besprochen wurden. Der Tätigkeitsbericht über das seither Geleistete wurde vorgetragen, ebenso die Rechnung. Die Satzung wurde ergänzt, zwei weitere Beisitzer wurden ernannt. Der Vorstand wurde wiedergewählt, dem außer den Vertretern des Forstamtes und des Kulturbauamtes angehören: Th. Cellarius (Schotten) als Vorsitzender, K. Weih (Schotten) als stellvertretender Vorsitzender, die Bürgermeister Hartmann (Rudingshain) und D e ch e r t (Rainrod), Direktor Schanz (Ober-Schmitten). Ferner wurden noch Stellvertreter ernannt. Eine Ortsbesichtigung fand im Anschluß an die Versammlung statt. Strafkammer Gießen. • Gießen. 28. März. Zwei Brüder von Gießen waren von dem Amtsgericht wegen Diebstahls zu Gefängnisstrafen von sechs Monaten und einem Iahr verurteilt worden. Ihre Berufung hatte Erfolg. Die Beweisaufnahme ergab folgendes: Ende Oktober 1929 war in einer hiesigen Wirtschaft Metzel- suppe. Als gegen 2 Uhr nachts verschiedene Gäste Weggehen wollten, fehlten insgesamt drei Mäntel. Die Angeklagten waren auch in der Wirtschaft gewesen und hatten sich kurz vor der Entdeckung des Diebstah's entfernt. Mit Rücksicht auf ihr etwas auffälliges Verhalten und aus sonstigen Gründen lenkte sich der Verdacht auf sie. Dieser Verdacht wurde verstärkt, weil sie bei der Polizei widersprechende Angaben machten und insbesondere leugneten, gegen 2 Uhr von der Wirtschaft zusammen von einem Polizeibeamten gesehen worden zu sein. Eine Haussuchung war ohne Erfolg: auch sonst konnte nicht festgestellt werden, daß sie im Besitz der gestohlenen Mäntel gewesen waren. Ihre nicht unerheb'ichen Vorstrafen wegen Diebstahls liegen sieben Iahre und länger zurück. Unter diesen Umständen hielt die Strafkammer die Täterschaft der Angeklagten für nicht ausreichend er» wiefen und sprach sie f r c i. Die Krankenschwester eines Taunusdorfes hatte Dritten gegenüber von dem Bürgermeister als einem verlogenen Menschen gesprochen und ihm selbst bei anderer Gelegenheit vorgeworfen, er habe in einem Prozeß nut ihr den Richter angelogen. Das Amtsgericht hatte sie wegen der ersten Beleidigung zu 2 0 M k. Geldstrafe verurteilt, im zweiten Fall freigesprochen, da sie insoweit berechtigte Interessen wahrgenommen habe. Die Strafkammer bestätigte er Wert einer Marke kann nur durch wirkliche Leistungen und Erfolge bestimmt werden. Vier Jahrzehnte lang hat MERCEDES-BENZ durch Teilnahme an internationalen Wettbewerben der Öffentlichkeit Gelegenheit gegeben, sich von der überragenden Qualität seiner Wagen zu überzeugen. 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Dagegen wurde die Fälschung von vier Wechseln nachgewiesen. Der Staatsanwalt wollte dem Angeklagten, der bereits wegen Urkundenfälschung bestraft ist, noch einmal mildernde Umstände zu- billigen; er forderte jedoch mit Rücksicht arf die Gemeingefährlich.eit des Treibens des Angeklagten und die dadurch hervorgerusene Beunruhigung in ländlichen Kreisen höhere Gefängnisstrafen. Das Gericht schloß sich diesen Ausführungen an und erkannte auf eine Gesamtstrafe von 1 Iahr 6 Monaten Gefängnis, abzüglich 3 Monate Untersuchungshaft. Es bezeichnete ebenfalls das Tun des Angeklagten als im höchsten Maße gegen Treu und Glauben im Verkehr gerichtet und lehnte die beantragte Haftentlassung ab. ©wofXenios ® "euer. 3 naih Bedecm. 9 wolkig, ch oedtem • ♦ Schnee graupeln e Hebel K0ew;it*«.(§)Wind5tillt. -O-* 5 nissige» Südsüdwest q stürmische' nordwest fcie Piene fliegen mit dem winde. Oie oeiden Stationen stenenden Zahlen geben die Temperatur an. Pie Linien verbinden Orte w't gleichet* uf Meeresniveau umoereenneteo Luftdruck. Wettervoraussage. Ruhiges Wetter hat unter dem Einfluß hohen Druckes entsetzt, wobei die nächtliche Wärmeausstrahlung vielfach einen Temperaturrückgang bis zum Gefrierpunkt verursacht. Mit dem Herannahen neuer Störungen vom Ozean her wird wieder ein Witterungsumschlag einsehen. Bereits im Laufe des morgigen Tages dürfte Bewölkung aufziehen und später auch Riederschläge folgen. Dabei gleichen sich später die Temperaturen zwischen Tag und Rächt mehr aus, jedoch bleibt es im ganzen frühjahrlich warm. Wettervoraussage für DienStag: Meist beiter, später aufkommende Dewölkurtg mit Riederschlagsneigung, nachts kühl, tagsüber kräftige Erwärmung. Lufttemperaturen am 30. März: mittags 13,2 Grad Celsius, abends 5,2 Grad; am 31. März: morgens 2,1 Grad. Maximum 13,6 Grad, Minimum —1,7 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 30. März: abends 12 Grad: am 31. März: morgens 4,4 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 91 Stunden. Neufestsetzung der Bad-Nauheimer Strompreise. 4 Bad-Nauheim, 30.März. Bürgermeister Dr. Ahl eröffnete die jüngste Stadtrat s- f t h u n g mit einem warmen Nachruf für den verstorbenen Bürgermeister i. N. Dr. Kayser. Die Versammlung hörte die ehrenden Worte stehend an. Als Hauptpunkt stand dann die N e u f e st s e tz u n g des Elektrizitätsstromtarifs zur Beratung. Die vom Lerwaltungsrat des Ltchtwerks vorgeschlagenen Abänderungen zum seither bestehen- den Tarif, die eine weitere Verbilligung des Lichipreises bringen, wurden mit großer Mehr- heit angenommen. Danach beträgt der Preis für den elektrischen Lichtstrom in dem für Kleinab- nehmer bestimmten Tarif für die ersten 200 Kilo- Wattstunden Monatsoerbrauch im Sommer 40 Pf. je Kilowattstunde und im Winter 28 Pf. je Kilowatt- stunde. Bei Mehrverbrauch ermäßigt sich der Preis bei je 200 weiteren Kilowattstunden je um einen Pfennig. Für Großabnehmer mit dem Drei- Phasen-Zähler tritt ebenfalls eine Vergünstigung ein, indem die Sperrzeit (Lichtspitze), die sich seither noch dem Sonnenuntergang richtete, für das ganze Jahr einheitlich auf die Zeit von 19 bis 23 Uhr festgesetzt wird. Der Höchstpreis (40 bzw. 28 Pf.) gilt für die Sperrstunden, während von 23 bis 7 Uhr 15 Pf. und für die Zeit von 7 bis. 19 Uhr der mittlere Satz von 22 Pf. gezahlt werden. Der An- trag des demokratischen Stadtrats Apotheker Heß, den Lichtpreis im Sommer auf 40, im Winter auf 35 Pf. festzusetzen und von dem errechneten lieber- schuß von 40 000 Mark 20 000 Mark zurückzustellen und 20 000 Mark zur Senkung der Gewerbesteuer im kommenden Etatsjahr zu benutzen, verfiel der Ablehnung. Die Stadt bezieht ihr Licht (Gleichstrom) vom hiesigen staatlichen Elektrizitätswerk. Die Wassergenossenschost Oberwald. y. Schotten, 30. März. Um das auS dem QueUengebiet der R i d d a kommende Wasser wirtschaftlich besser auszunuhen, hat sich schon Untersuchungen über den Geiste'zustand der Wirtschasierm Reumann zutage gefördert haben, so ergibt sich ein Gesamtbild geistiger Abnormität bei der Angeschuldigten, auS welchem sich nicht mit Bestimmtheit der Beweis der Zurechnungsfähigkeit zurzeit der Tat ableiten läßt. Auf Grund dieses Gutachtens ist die Staatsanwaltschaft gegenwärtig mit der Durcharbeitung des Aktenmaterials für die nunmehr zu stellenden, daS Gesamtverfahren betreffenden Anträge befaßt. Begnadigung des Deutschamerikaners Edel. Der Gouverneur des Staates Neuyork Roosevelt hat die Todesstrafe, die über den deutschen Staatsangehörigen Edel wegen Ermordung der Schauspielerin Harrington verhängt worden Ist, in eine lebenslängliche Oe« fängnisftrafe umgewandelt. Der Gouverneur erklärte, die Begnadigung erfolgte, weil dis Prü- fung der Akten ihn nicht davon überzeugt habe, daß der Nachweis von der Schuld Edels g e • nügenb frei von Zweifelsmomenten fei. Edel, der während des gegen ihn geführten Pro- zesses fortwährend feine Unschuld beteuerte, wurde auf Grund eines Indizienbeweises verurteilt. Tetzners Opfer identifiziert? Bisher konnten die Personalien des Wanderburschen, der von dem DersicherungS- betrüger und Mörder Erich Tetzner aus Leipzig lebendig verbrannt wurde, noch nicht festgestellt werden. In dem Augsburg benachbarten Schrobenhausen meldete sich nun eine Familie namens Gnonsala, die seit Rovember ihren 22jährigen Sohn, den Bergarbeiter Erich Gnonsala, vermißt. Der junge Mann, der sich auf der Wanderschaft befand, hat seinen Angehörigen seit der fraglichen Zeit, in der Tetzner sein Opfer verbrannte, k e i n e R a ch- r i ch t mehr zukommen lassen. Rach Tetzners Aussagen handelt eS sich bei seinem Opfer um einen Deutsch-Böhmen, was bei Gnonsala der Fall ist. ein folgenschwerer vummerjungenstreich. Der 18jährige Kassenlehrlino Heinz Riegel beim Magistrat in Strehlitz (Schlesien) und einer sei- ner Freunde fanden auf dem Boden des Rathauses eine Stielhandgranate, die sie in das Bureau des Magistratsangestellten Reinett trugen, u m diesen zu erschrecken. Beim Hantieren an der Granate explodierte diese. Riegel wurde sa schwer verletzt, daß er noch am selben Tage v e r • starb. Auch Reinelt erhielt bedenkliche Derletzun- gen, während der Freund mit dem Schrecken davon- kam. Ehrfurcht gebührende Persönlichkeit sollte jedem wahrhaften Deutschen zu wertvoll sein, um den 82jährigen wegen politischer Meinungsversch.e- denheiten in so unwürdiger Weise anzugreifen. Interessante Stadlverordnetenwahlen in Münster. Münster, 31. Älärz. (WTD.) Am gestrigen Sonntag fanden in Münster Stadtverordneten- wählen statt, da die Wahlen vom 17. Rovember 1929 durch Spruch des Bezirksausschusses Münster für ungültig erklärt worden waren. Die Wahl am Sonntag hatte folgendes Erge^iiS: Reichspartei des Deutschen Mittelstandes 3 Mandate (im alten Stadtparlament gleichfalls 3), Zentrum 28 (27), Evangelischer Volksbund 5 (0 , Sozialdemokraten 5 (5), Rationalsozialisten 1 (1), Kommunisten 2 (1), Deutsche Dolksparlci 3, Deutschnationale 1 (Deutsche VolkSpartet und Deutschnationale bildeten im alten Stadtparlament eine bürgerliche Einheitsliste und hatten 8 Mandate), Dolkswirtschaftspartei 0 (3), Demokraten 0 (0). Aus aller Wett. Schiedsspruch Im larifftrcU der Reichsbahnangestellten. Im Tarifstreit der Deutschen Reichsbahngesellschaft mit den Angestelltengewerkschaften hat unter dem Vorsitz des vom Reichsarbeitsminister bestellten Schlichters, Vortragenden Rates Dr. D v 1 ck e r s, eine Schlichtungsverhandlung in Berlin stattgefunden. Da eine Einigung der Parteien nicht zu erzielen war, fällte Die Schlichterkammer einen Schiedsspruch, nach dem der Reichsangestelltentarifvertrag unverändert wieder in Kraft gesetzt wird. Neun Todesopfer eines Vootsunglücks. Ein furchtbares Unglück ereignete sich auf bem Ochridasee, der teils zu Jugoslawien, teils zu Albanien gehört. Während eines plötzlichen eturmes versagte die Maschine eines Motorbootes, in dem eine Anzahl ausländischer Konsuln und Konsulatsbeamte aus Koritza einen Ausflug unternommen hatten. Es entstand große Verwirrung und die Passagiere sprangen über Bord, um womöglich die 200 Meter entfernte Küste schwimmend zu erreichen. Neun von ihnen ertranken, darunter der griechische Konsul und seine Frau, ferner die Frau des tschechischen Kon- suis und die Frau eines Sekretärs des jugoflarot- jchen Konsuls. Der jugoslawische Konsul und einer seiner Sekretäre waren, trotzdem sie Verletzungen erlitten hatten, imstande, schwimmend die Küste zu erreichen. Großfeuer in Budapest. uns geschieden ist 2622U 022 )? Familie Lenz Atzenhain, Groß-Eichen, Weickartshain, 30 3 1930. Die Beerdigung findet am 1.4., nachm. /»3 Uhr statt Londorf, den 30. März 1930. Gärtoerlehrling sucht. 2624 U sucht 2603D 2631 i empfiehlt billlist [02194 sucht 02181 Zroalfulker Str. 29 hl 2 • U) II können. 26291) 25-90 Geld! L WA- Zigarren u. n. v. a. 2621D Bahnhofstraße 60 p - Eingang Grabenstraße 25 HA Strickkleidung cd per Meter per Meter per Meter Serie I: Mark 10-00 Serie II: Mark 12-50 Serie III: Mark 15-00 44W1»* M«* lOom «WS W4t {•♦. dk» Die Beerdigung findet Dienstag, den 1. April 1930, nachmittags 4 Uhr statt. Dienstag, öen 1. April, nach mittags ab 2 Uhr, versteigere ich im Löwen, Neuenweg 28: ein Schlafzimmer mit Spiegelschrank (Eiche), drei Büfetts (Eiche und Nußbaum), einen Waschtisch, zwei Betten, einen Kleiderschrank, einen Ausziehtisch, einen runden Tisch, einen Tisch (oval), eine Nähmaschine, zwei gut erhaltene Sofa^ zwei Sessel, zwei Spiegel, ein Vertiko, mehrere kleine Tische, acht Pol- stcrstühle, einen Aktcn-Rollenschrank, Zwei Herrenräder, zwei Eisschränke, 25 Dosen Rollmöpse, Gasherde, eine Wurst- Füllmaschine, eine Kommode, sechs gute Stühle, einen Kastenwagen, eine Dickwurzmühle, eine Kanne Fußbodenöl, eine Schreibmaschine (Torpedo), zwei Nachttischlampen, mehrere Herrenuhren, eine goldene Brosche mit sechs echten Perlen und Diamanten, einige Mille Mietqesuche | Jg Eben. — Akad. — suctil elegantes Herren und Schlafzimmer nut Bad u. Klavier. Schr.Angeb. u 02204 an bni Giest. An3. Versteigerung bestimmt. 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Nä. eres Weinberg, Rod- beimer ©tr.5L Aetteres, ordenti. Mädchen zum 15. April ge- im 79. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Markus Kares Altersvereimgung 1874—1924 W ir setzen die Mitglieder der Vereinigung \ on dem plötzlichen Ableben unseres lieben Kameraden Jean Stecker geziemend in Kenntnis. Seine der Vereinigung gehaltene Treue sichert ihm ein ehrendes Gedenken. Zur Beerdig mg am 1 ienstag. 1. Avril, nachmittag-; 2.3U Uhr auf dem Neuen Friedhof, wird zahlreiche Beteiligung erwartet. Der Vorstand. Schöne 3 3immernoiin:.no gegen ante 6-ZlNHMM!MNg au tauschen gesucht. Zu erfragen in der GeichäiiSsteUe des Giea. Anz. 02201 Damen-Verewigung 1877/78 Donnerstag, OJ^Dtii nach,». 3 llbr Versammlung a. d. Schiitzcnhaus VoUzähl.BetelUgung erwüntchi. 02205 Der Vorstand. Stadttheate Dienstag, 1. Avril, von 19 bis 22 Uhr ZS.öiensmq Ub.-ütft. Overn-Gastspiel des Mainzer Stadt- theaterS. Eininallge Aufführung! Warne Bulletin) Javanische Tragödie in 3 Akten. Musik o. Giacomo ‘Lniccini. Gärtnerei R-rib Schmitz, Kroidorier Str. 44. Junges Mädchen für vormittags ge- K nnz. Bleichste. 29. Ehrliches, znverlasf. Mädchen nicht unt. 18 Jahren, für tagsüber gesucht. Iran Bahn, Wilsonstr. 5 I. reisD Vereine | 1.1.1.18 Leichtathletik Bahniraining Waldsvortplao T enstagS ab5Uhr Schüfe , Jugend, Akiive. MiltwochsabüUbr Jraucn. Donnerstags ab 5 Uhr Schüler, Jagend, Aktive. Sonntagvormitt. ab 9 Uhr alle Abieiinngen. Regelmäglger Besuch ist Psficht, damit den gestrigen Wald- laufexlolflcn wettere angeieihl werden I Dienstag, den 1. April 1930,x nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im „Löwen", Neuenweg Nr. 28, dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 18 Büfetts, elf Kredenzen, einen Flurgarderobenschrank, sechs Vitrinen, neun Bücherschränke, sieben Schreibtische, sieben Tische, ein Ledersofa, vier Sessel, ein vollständiges Fremdenzimmer, drei vollständige Schlafzimmer, ein vollständiges Speisezimmer, zwei Spiegelschränke, fünf Ladentheken, vier Nähmaschinen, ein Fahrrad, vier Flurgarderoben, sechs Diwane, vier Schreibmaschinen, einen Waschtisch, einen Amboß, ein Sofa, einen Sekretär (Schreibpult), sechs Stühle, drei Vertikos, einen Spiegel, zwei Teppiche, zw? Chaiselongues, vier Kleiderschränke, einen Eisschrank, .ein Kinderkarussell mit Motor, einen Dreh- und Wechselstrommotor (1 SP), eine Registrierkasse, zwei Märklinbaukasten, vier Steppdecken, zwei Bettücher, zwei große Bettbezüge, zwei Kopfkissenbezüge, drei Klaviere, einen Schrank, einen Iagdwagen, ein braunes Glasschränkchen, ein Harmonium, einen Küchenschrank, eine Schärfmaschine, einen Warenschrank, zwei Sprechmaschinen, einen Läufer, einen Rauchtisch. 2612D Gießen, den 31. März 1930. Hebbel Gerichtsvollzieher in Gießen Dammstraß^ 24 — Telephon Rr. 4039 Zwangsversteigerung. Am 2 , 3. und 4. April 1930 versteigere ich Neuenweg 28 (im Löwen) zwangsweise gegen Barzahlung und zwar: Am 2. April 1930 von 2 Llhk nachm. ab. einen eintürigen Kleiderschrank (fast neu), eine versenkbare Nähmaschine, eine Chaiselongue, 500 Zigarren (zu 30, 40 und 50 Rpf. banderoliert), ein Damen- strickkleid, Damenjacken und »westen, Herrenstrickwesten, Damenstrümpfe, Herrensocken, Sportstrümpfe, Hemdhosen, seidene Damenunterkleider u. v. a., eine gut erhaltene Schreibmaschine (Continental), einen Schreibmaschinentisch, einen Herrenschreibtisch (Diplomat), ein Grammophon mit 38 Platten, eine Stehleiter, eine Dezimalwaage mit Gewichten (bis 200 kg Tragkraft), eine Tischwaage, Spezereiwaareu aller Art, Schokolade, Pralinen, Keks, Tee, Dein und Liköre, Zigarren und Tabak. Donnerst.3.April von 2 Ahr nachm.ab. Fortsetzung der Versteigerung von Spezereiwaren, Kinder- und Damenstrümpfen, Tennissocken für Herren, Sommerhandschuhen für Damen in großer Auswahl, Haferlsocken und Svorttrikots. Freitag 4. Avril von 2 Ahr nachm.ab. Fortsetzung der Versteigerung der Spezerei- und Wollwaren sowie Damenhandschuhen usw. 2626D Versteigerungen bestimmt. Lunker Gerichtsvollzieher in Gießen Wiesecker Weg 16 — Telephon 3383 gestern morgen ,9 Uhr plötzlich und unerwartet im 61. Lebensjahre infolge eines Unglückstalles von Hierdurch die traurige Nachricht daß mein lieber Mann, unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater, Schwager und Onkel Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Heinrich Lenz III Rechner des Spar- und Vorschubvereins Atzenhain Am 29. März entschlief plötzlich und unerwartet mein lieber, guter Mann, unser allzeit treusorgender Vater, Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel Jean Stecker im 5i. Lebensjahr. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Margarete Stecker geb. Wagner. Gießen (Tfefenweg 4 II), den 31. März 1930. Die Beerdigung findet Dienstag, den 1 April, nachm. 2.30 Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofes aus statt. Montag, 3t. März 1930 Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien) Ur.76 Zweites Blatt Em Phänomen im Gießener Stadtwald Winter 1928,29 durch die einen Meter Dicke Erdschicht den Schnee zu schmelzen. 3m Frühjahr bewirkte die Wärme ein schnelles und üppiges Wachstum, während sie in dem trockenen vorigen So nmer dem Boden die Feuchtigkeit entzog und die Pflanzen dadurch ver- Die Zermürbungssch acht im Hessischen Finanzausschuss Don Or. Otto Keller, Dberflubienbiretfor in Büdingen, M d. L Man wird dem 1. Ausschuß unseres Land- tagcs das Zeugnis lobenswerten Fleißes nicht wohl versagen können. Seit dem 20. Februar bemüht er sich unausgesetzt, der Schwierigkeiten Herr zu werden, die sich einer Ausbalancierung unserer LandeSsinanz e n ent- gcgcnstellen, und hat wider allen Brauch seine Arbeit sogar schon aujgenommen, ehe noch der gedruckte Staatsvoranschiag in den Händen der Mitglieder war Bis zum Ende des Marz hat er trotzdem er st knapp zwei Drittel der umfangreichen Materie in erster Lesung bewal- tigen können und wird an die zweite schwerlich vor dem Osterfeste kommen, zumal ,zwischen den Schlachten" gewöhnlich zunächst eine Generalbereinigung großer und k einer Zwistiglltten zwischen Regierung und Rcgicrungspartci.n einer- seits, aber auch zwischen den letzteren selbst anderseits im verschwiegenen Kämmerlein stattzufinden pflegt. Es dürfte also Mai werden, ehe der Landtag sich mit dem Boranschlag für 1930 zu befassen hat, und bis zur Berabschie- düng wird der Sommer vor der Tür stehen oder vielleicht auch schon die Zeit der Hundstage. Borläusig hat sich daher unsere Regierung eine Erstreckung des Finanzgcsehes von 1929 aus drei Monate am letzten Freitag genehmigen lassen und kann so mit dem alten Mahlgange wcitermahlen. bis der neue sein erstes Mehl liefert. Roch steht eine Beratung der Ministerien für Arbeit und Wirtschaft, für Justiz und für Fr- nanzen aus. dazu auch die der Steuerkapitel. Trotzdem zeichnet sich heute schon deutlich die Linie ab, mit der unsere Mehrheitsparteien künftig Ausgaben und Einnahmen des Hessenlandes zu begrenzen gedenken, und so mag es einem, der nicht zur verantwortlichen Firma gehört und deshalb auch keinen Grund hat, jeden Rcgicrungsvorschlag als der Wahrheit letzten Schluß anzusehen, erlaubt sein, schon dem unfertigen Werke gegenüber seine Meinung zu äußern. Da wär edcnn demnächst ein Doppeltes festzu- ftcllen: es ist unverkennbar, freilich auch nur zu begreiflich, daß eine der Koalitionsparteien, die demokratische, nur mit äußerstem Widerstreben an einem „Sparprogramm" mit- arbeitet, das überall dort zu schmerzlichsten Abstrichen zwingt, wo der demokratische Finanzminister Henrich einst mit vollen Händen gespendet hatte. - man denke nur an die Schule, äänd nicht weniger begreiflich ist es. wenn plötzlich bei der gleichen Aktion der Weimarer Trias ein Heiser ersteht, von dem sie sich früher nicht träumen ließ, den sie aber auch schamhaft verleugnet hätte den Landbund unter Führung des bienenfleißigen, indes nicht immer bequemen Dr. LeuchtgenS. den vor nicht allzulanger Zeit noch die Sozialdemokratie höchst unfreundlich als iistgabclbolschewisten" abzutun Pf egte, obg'eich er nie in seinem Leben jenes wichtige landwirtschaftliche Gerät, wohl aber die Waffen des 3ugendcrzichers beruflich gehandhabt hat. Jedoch sparen ist nun einmal seine Leidenschaft, und nun er der Regierung aus gleichem Wege begegnet, bildet sich ungezwungen eine 3n ter- essengemeinschaft, die sicher bis zu dem Augenblicke hält, in dem das bekannte Schiller-, wort vom ..Mohr, der seine Arbeit getan hat wieder zeitgemäß wird. Vorläufig freilich fuhrt dieses .Stühlchen vertauschen" gel gentlich zu merkwürdigen M.hrheitsbildungcn. die für alle Teile gleich beachtsam sind, und denen wenigstens die eine Seite ohne Zweifel auch mehr als Augenblicksbedcutung beil'gt. Run aber das rein Sachliche! Es dürfte sich an dieser Stelle erübrigen, daran zu erinnern, vaß der Finanzminister in der Zwickmühle zwischen Fehlbetrag im hessischen Staats'aus- Astronomische Briefmarten ($ine Sammlerplauderei von M. Bi'ttner. Sonne, Mond und Sterne - auf der Brief- marke? Mancher w.rd geneigt sein, Fragezeichen zuzustimmen und dieses unwahrscheinliche Bündnis zwischen Post und Himmelskundc ;u bezweifeln. Er hätte dann aber die allseitig un- begrenzte Flugweite der men chl.ch-posta.ischen Phantasie unterschätzt. Wie von so mancher an- deren Er cheinung des Kosmos ist auf den kleinen Hilfswerkzeugen des Verkehrs, den Briefmarken auch ein Abglanz jener leuchtenden Ge° heimni se über unseren Häuptern zu finden. Die Gestirne, die ein aufmerk ames Auge auch ohne Fernrohr auf Postwertzeichen entdecken kann, haben vielfach symbolische Ausgabey Romanow-3ubiläumsausgabel Abergläubische Gemüter, die Kometen oder anderen seltenen Raturerscheinungen prophetische Eigenschaften zuschreiben, könnten hier in ihrer Meinung bestärkt werden. Auch in den transkaukasischen Republiken Armenien. Georgien usw.. die bald nach dem Zerfall des Zarenreiches entstanden waren, trieb der Sowjetplanet fein politisches Spiel und ist oft genug auf damaligen Postmarken - sei es halbversteckt in Ornamenten, sei es als Aufdruck auf Wertzeichen der früheren Staatsform — als problema tisch es Sinnbild einer neuen Zeit anzutreffen. Auf den Marken der kurzlebigen ungarischen Räterepublik von 1919 erschien ebenfalls vorübergehend der Sowjetstern, um nach wenigen Wochen wieder zu erlöschen. Als besonders hübsch seien noch die älteren Marken der Schweiz erwähnt, auf denen ein Kranz von 22 Sternen die politische Gliederung des Landes in die verschiedenen Kantone andeutete. , Während bei den bisher gegebenen Beispielen — die durchaus nicht vollständig sein sollen - die Gestirne sozusagen getrennt marschierten, findet sich schließlich in einigen Markenbildern sogar die ganze astronomische Familie, Sonne, Mond Stern getreulich begleitet. Das später bulgarische I Ostrumelien wurde von 1880—1886 po.itisch und I philakelistttch ebenfalls vom türkischen Halbmond | beherrscht. Portugal, das sich in allen Zeiten oft mit ungebetenen mohammedanischen Gästen her» um'chlagen mußte, verausgabte 1927 Marken mit der Darstellung eines Kampfes gegen Mauren. auf Fahne und Sch ld der Feinde sind winzige Halbmonde und Sterne zu bemerken. 3n Afrika selbst begegnet man ihnen bei Tunis und Aegypten (wo Mond und Sterne auch als Wa serzeichen erscheinen), in Asien bei kleinen ost.ndl- 'chen Postgebieten, w.e Pahang, Perak und Se- langor. Für viele Marken Ungarns hat merkwürdigerweise die Sichel des Halbmondes als Randverzierung herhalten müssen. 3m, Wappen von Salvador — und damit auf vielen seiner Postwertzeichen - umkreisen Mond und Sterne einen feuerspeienden Berg. Auf die Frage des Volksliedes., wieviel S t e r n l e i n am Himmelszelt stehen, müßte man wie in der Ratur auch in der Philatelie Die Antwort schuldig bleibe i 3hre große Zahl ist bisher von keiner Statist.! leiden, naftlich-gründ- licher Sammler erfaßt worden. Sozusagen ein Sternbild in Reinkultur hat Brasilien auf meh reren seiner Briefmarken wieder gegeben: das sogenannte Kreuz des Südens. Ein richtiges Stückchen Sternenhimmel flimmert auf Marken der früheren englischen Postgebiete Viktoria und Westaustralien Besonders poetisch wirkt auf Den Luftpostmarken Uruguays von 1929 der reich gestirnte Himmel, an dem das Mu.enroß Pegasus zwischen Wolken dahinstürmt. Eine Art klas- ischer Astronomie kann man bei Griechenland treiben zu den Olympischen Spielen von 1906 erschienen dort Marken mit der Szene wie Herkules mal für ein Viertelstündchen den Atlas beim Tragen des Himmelsgewölbes abgelost hat, auf dem hier in drollig naiver Darstellung Mond und Sterne zu sehen sind! Ein ©icben- gestirn schimmert auf den deutschen Wohltatig- keitsmarken von 1926 als Wappen von Thüringen, in ähnliche" Weise wie die Sterngruppen ?e- Kantone Wcllis und Aa.gau a.s denShwcr »er Wappenmarken, die ihrer bunten Schönheit wegen in der Sammlerwelt besonders beliebt sind. Auf Postwertzeichen von Fiume hat sich eine eitle Freiheitsgöttin mit einem öhrnreif gefchmückt, der einen großen Stern tragt man könnte also von einem Stirn-Stern sprechen, Hochschulnachnchten. Das wachsende 3nteresse für Serienreifen und für Ferienstudium in Deutschland findet einen wertvollen Ratgeber zur Ausgestaltung solcher Ferienpläne in der von der Zentrale für akademischen Auslanddienst, der „Deutschen Akademischen Auslandstelle" herausgegedenen Schrift „Ferienkurse in Deutschland 1 9 30", die die Programme sämtlicher Ferienkurse dieses 3ahres enthält. Danach bietet Deutschland in diesem 3ahre mannigfachste Gelegenheit zum akademischen Studium in Sommerkursen. 3n 20 Städten (Darunter Gießen) finden 36 Ferienkurse statt. Die Programme Der Kurse kommen den verschiedenen 3nteressen Der ausländischen Studierenden und Akademiker entgegen. Sie bieten in verschiedenen Städten ein ausgezeichnetes Programm zur Einführung in das geistige Leben des heutigen Deutschland. 3m Anhang dec Schrift werden kurze Hinweise für diejenigen gegeben, die ihre akademischen Studien durch Aufenthalt in einer deutschen Familie oder ihre Berufsstudien durch Volontärdienste in einem deutschen Betrieb ergänzen wollen. Ferner sind an dieser Stelle wertvolle Mitteilungen über Studienreisen nach Deutschland, Reisekosten und Reisewege Kongresse, Ausstellungen und Literatur zum Studium in Deutschland gegeben. 3n Der Philosophischen Fakultät Der älniver- sität Marburg ist die Privatdozenttn für deutsche Philologie, Dr. Luise Berthold, zum nichtbeamteten außerordentlichen Professor ernannt worden. Frl. Professor Berthold ist Mitarbeiterin an der Zentralstelle für den Sprachatlas des Deutschen Reiches und deutsche Mundartenforschung in Marburg.- 1916 bis 1923 war sie vorwiegend Assistentin am ..Hessen-Rassau- ischen Wörterbuch" in Marburg und erhielt ein I 3ahr später die venia legendi in der Marburger Philosophischen Fakultät. halt und Spargutachten, in dem betrübenden Zeitpunkt, wo bei wachsenden Ausgaben die Steuerüberweisungen zurückgehen, während gleichzeitig die Hilfsquelle der Berliner Borschüsfe rettungslos rer iegt. zwar nicht einen organisch Durchgcarbeiteten Spar«llan, wogt aber einen Voranschlag zur Beratung gestellt hat, der mit sansten und unsanften Mitteln das 12- Millionen-Defizit (es kann auch ein Milliönchen mehr sein) um die Hälfte vermindern will. Die Rotwendigkeit dazu wird von keiner Seite bestritten: im Gegenteil! Die Opposition hat ja schon feit 3ahren für eine Ausgaben- und Lastendeckung verzweifelt, nur immer erfolglos gekämpft. Die Meinungsverschiedenheiten beginnen erst bei Der Frage, w o der Hebel anzusehen sei, aber auch da ist wenigstens meinem Punkte eine überraschende 2 nnähc.ung eingetreten, auch Die Regierung erkennt heute an, was bei Dem Volksentscheid 1926 entschieden von ihr bestritten wurde, nämlich die Tatsache, daß der heslische Staat in den Brau e ahren der jungen Republik mehr und größe.reLa- sten sich aufgebürdet habe,als seinen Kräften entspricht. 3a, es ist gar nicht zu verkennen, daß inehr als ein Wink ver Ov-v- sition das neue Regierungsprogramm beeinfußt hat, das an allen möglichen Stellen Anläufe nimmt, voreilig von den Gemeinden her übergenommene Aufgaben diesen wieder zuzuschiebcn, freilich nur stückweise und ohne die unbedingt dafür notwendige Aenderung des inneren Lastenausgleiches. Kann deshalb gerade die Partei, die immer eine Zurückführung der neuen Staatserrungenschasten auf I die früheren Träger an sich gewünscht hat. Die | Deutsche Dolkspartei, Den Weg Der Regierung nicht ohne weiteres mitgehen, so erst recht nicht aus einem anderen Grunde, nämlich weil der Forderung einer Dezentralisation Der Verwaltungsaufgaben weder vom neuen Voranschlag, noch von Den Koalitionsparteien in irgendeiner Weise Rechnung getragen wird. Die vom Finanzminister geplanten Maßregeln belasten die Provinzen, die Kreise, die Gemeinden. sie verlangen Einbußen schwerer und schwerster Art von breiten Schichten Der Bevölkerung wie von Gewerbe und Beamten, sie bedrohen mit Niedergang eine Anzahl von Städtchen, deren Aemter abgebaut werden sollen: sie bedeuten eine Gefährdung unserer verschiedensten Bildungsstätten, sie legen vielleicht mit ihrer Be- schränkung der Daudarlehen den Arbcitsmarkt noch mehr lahm, als es die Rot der Zeit ohnehin getan hat, und wenn man ehrlich sein will, wird man zugestehen müssen, daß vieles, daß vielleicht das meiste von all dem gar nicht zu vermeiden sein wird, - aber eine V oraus- sehung muh dann gegeben fein, und Die vermissen wir in vollem Umfange: daß nämlich d l e 3n stanz, die von anderen Opfer verlangt, selber mit utem Beispieie vorangeht, und das wäre eben unsere Zentralverwaltung in Den Minist e r i e n. Es hanDelt sich da vor allem um Die moralische Forderung, um das Dorangehen auf schwierigem Wege, wie es Den Führern geziemt, um das gute Beispiel! Es handelt sich zum zweiten auch um nicht unbeträchtliche E r - sparnismöglichkeiten; denn rund 300 Be- amte, darunter die mit Einzelgehalten und 70 hoch eingestufte Reseren:e . betreuen vom Bannkreise des Darmstädter Luisenplahes aus das ..hessische Reich". Es geh. aber zum dritten - und das zu betonen, wollen wir nicht müde wer- den! — Darum, daß zahllose Arbeiten von Der Zentrale auf anDere Stellen. Die lokalen, übertragen toerDen können. Die sie rascher, besser unD billiger zu erledigen im- 3n dem harten Winter 1'28'29 erzählte nur der Gastwirt „Zur Krone" in Annerod von einer Stelle beim Gießener Steinbruch im Stadt- toalD zwischen Annerod und der ..Hohen Warte", die vollständig eis- und schneefrei sei. Auf dem Heimweg nach Gießen sand ich diese Angaben bestätigt. Gin Platz von etwa 20 Meter Länge und 4 Meter Breite war ohne Cis und Schnee, eine merkwürdige, mir unerklärliche Erscheinung. Wie im ganzen Walde, mußte auch hier hoher Schnee gelegen haben: er war aber nicht mehr da. 3m Frühjahr kam ich wieder dort vorbei, der Platz zeigte jetzt einen üppigeren Pflanzenwuchs als die Umgebung. Bei einem Besuche im vorigen Sommer war die Solche umgekehrt, der Platz sah wie v e t ö o r r t aus, während die Umgebung im sastigen Grün prangte. 3ch weihte nun meinen Freund und Wandergenossen M. in diese geheimnisvolle Erscheinung ein. der meinte, der Anneröder Aepselwein habe wohl bei diesen Feststellungen mitgewirkt. Als der erste Schnee im letzten Winter fiel, ging M. mit mir dort hinaus. Wir hatten Gluck es schneite tüchtig. Während der Schnee überall liegen blieb, schmolz er auf Dem Platze sofort. Wir sahen uns an; hier war ein Rätsel, wenigstens für uns. Wir beschlossen, der Sache auf den Grund zu gehen, und am nächsten Samstagnachmiltag rückten wir, mit einem Spaten bewaffnet, in den Wald hinaus. An Der tiefsten Stelle jenes rätselhaften Waldstückes, am Rande des Platzes, der außerdem den Vorteil hatte, daß er gut gegen Sicht deckte - totr wollten uns bei der wissenschaftlichen Unter- suchung nicht sehen lassen — gruben wir em Loch von einem Meter Durchmesser. Der Anfang war schwer, Der Spaten ging kaum durch den Rasen. Aber je tiefer wir kamen, desto leichter war das Graben. Bei etwa 70 Zentimeter Tiefe fanden wir feinen Sand, so fein und so | trocken, daß Der größte Teil immer toieDer von Dem Spaten riefelte. Bei ungefähr einem Meter Tiefe stießen wir auf harten Stein. Den letzten SanD machte ich mit Den HänDen von dem Stein weg und stellte zu meiner nicht geringen Überraschung fest, daß Der Sand sowohl, als auch Der Stein sehr warm waren. Der aus Der Grube geworfene SanD kühlte langsam^ ab, Der silbergraue Stein — ober ist es Metall, oder eine Verbindung von beiden, oder ein Meteor - blieb gleichmäßig warm. 3eht sah ich klar: der Stein strahlte Wärme aus. die stark genug war. auch in dem strengen tert. Denen Winisterialdirelloren unD -röte gleich sehr am Herzen liegen wie Der letzte ^jyTtcrial- amtsgehille. Ärckänuer, Forstämter und Amtsgerichte werden über die Klinge springen muffen, 20o Voltsfchulllasfen werden abgeaaut. und Otu- Dknaffefforcn von über' 30 Jahren fliegen auf die Straße; Untcrbcamte mit halb erwachsenen Kindern werden über Rächt ihrer nötigsten Zulagen beraubt. — aber, um mit Heinrich yeme zu reden: ..Die Katz, Die Katz ist gerettet! Und das ist es. was wohl nicht nur den Schreiber dieser Zeilen, sondern Hunderttausende im Lande tiefinnerst empört, dieser blinde unbelehrbare Glaube der Herren all. die früh in die Ministerien hinein- und nie wieder herausgekomn^n sind, an ihre eigene Unentbehrlich- {e i t, wogegen sie alles andere für entbehrlich halten, „was da kreucht und flcugt“. Schier unfaßbar aber scheint es, daß Die Mehrheit Der Volksvertretung so willig unD restlos mitzugehen bereit ist, wenn im vielgelobten Volksstaat, Der längst totgeglaubte HerrenstanDpunkt des „L’etat c’est moi!" in der Ministerialhierarchie welterlebt, und wenn er mit die Ursache bildet, Das) Die Sanierung des Landes ein frommer Wunsch bleibt, bis Die Flut über uns zu- sammensch'.ägt. stände sind. 3e größer Die Ausgaben, Desto größer Das Amt, pfleg! man zu lagen. Aber Das Wort läßt auch eine Umkehrung zu 3e größer ein Amt aufgcöva..i wird, desto umfangreicher wirD auch Die Tätigkeit, mit Der es seine Rotwendigteit nachweist. 3ch bestreite keinem Der Herren sein gerüttelt Maß an Arbeit. 3ch bezweifele nur in vielen Fällen, daß Diese Arbeit '■‘unbeDingt notwenDig ist, sowohl die, die Der Betreffende selbst fein Tagewerk widmet, wie auch die, mit der er anderen draußen in den Lokalstellen wieder das Leben sauer macht. Ein Abbau in den Zentralen führt ganz von selbst auch zu Ersparnissen im Lande draußen. Und wie ist es nun im Ausschuß gegangen? Richt nur. daß jeder Vorschlag der Regierung, der die oben aufgezählten Opfer von der Bevölkerung erheischt, die Billigung der Mehrheit gefunden hat. — diese selbe Mehrheit hat auch keine Bedenken getragen, in einzelnen Fällen noch schlimmere Opfer neu zu beschließen, wie das der gestrichenen Kinderzuichläge. 3eder Versuch der Opposition aber, in die Dreimal heilige Feste Der 3 c n t r a l D e r to a 11 u n g auch nur Die kleinste Bresche zu schlagen, i st an bet gemeinsamen Abwehr Der Minister und Der Koalitionsparteien geschei- dorren ließ. Mein Freund und ich befanden uns begreiflicherweise in n.cht geringer Erregung. Wie gesagt, hatten wir die Grube am Rande des Platzes angelegt und hatten Damit unbewußt auch das Ende des Steines gefunden. Freund M. machte fid) mit fieber» Haftern Eifer daran, die Seite des Steines freizu legen, ich half ihm getreulich. Als wir einen Meter tief waren — es dunkelte bereits — entkleidete sich plötzlich Freund M. Der sonst so zurückhaltende Mann mit seinen 365 Krankheiten im Jahre — jeden lag eine andere — entwickelte auf einmal ungeahnte Energie: er setzte sich nackt in die Grube und ich mußte Wache stehen. Jetzt Dämmerte mir, was er wollte. Rach einer kurzen Viertelstunde — ich dachte, er wolle überhaupt nicht mehr heraus — schlüpfte er schnell in die Kleider und ich mußte in das Loch. So komisch es sich anhoren mag, wenn zwei, zusammen genau 100 Jahre alte Knaben solche „Späße" machen, ick, machte mit. Eine überaus wohltuende Wärme umfing mich. Es war nicht die Wärme der künstlichen Heizung, nein, Sonnenwärme. Es war mir wie bei einem Sonnenbad an einem heißen Sommertage, gegen 4 Uhr nachmittags, wenn die Sonne nicht mehr sticht. Das Wunder war da, wir hatten das Glück erhascht. Rur schnell in die Kleider. In die Grube steckten wir zwei dürre Fichtenbaumchen und füllten mit Acsten aus, . welche die Holzmacher liegen ließen, damit niemand hineinfällt. Etwas ernüchtert, wagte idj die Frage: „Wird die Wärme anhalten, oder kühlt der Stein ab?" Am nächsten Samstag traten wir mit einem Thermometer an! Der Stein war noch gerade so warm, 21 i Grad, nach drei Wochen aud) noch. Mein Genosse, der vier Bäder genommen, behauptet, gesund geworden zu sein; er klagte auch tatsächlich über nichts mehr. Ich will hier nicht behaupten, daß der Stein Krankheiten heilt, weitere Versuche müssen abgewartet werden. Aber warum soll die gütige Natur, die für jede Krankheit eine Heilquelle sprudeln läßt, nicht der leidenden Menschheit einen heilenden Stein schenken? Auf jeden Fall bekommt ein Bad gut, das habe ich am eigenen Leibe verspürt. Mein Freund sieht schon ein Sanatorium dort entstehen. Auf jeder Seite des offenbar 20 Meter langen Steines je ■ 20 Badezellen auf den Breitseiten je vier, zusammen 48. Ich aber muß Wasser in den Wein gießen. Ja, unD Sterne, traulich vereint, fei es mit Absicht oder aus Zufall. Aus Den ersten Marken Geor- qiens von 1919 umschwebten sie gemeinsam Den heiligen Georg; in Der Türkei unD in Aserbeidschan gab cs Briefmarken, Die im Mittelstück Die aufgehen De Sonne und im Rahmen HalbmonD unD Stern zeigen. Industrie- und Handelskammer Gießen. wenn der Stein auf einem Acker bei Gießen läge! Wir würden nichts verraten und den Acker sofort kaufen. Aber er liegt im Walde. Und wenn wir Geldleute interessieren könnten, die Forstbehörde würde ihn ja doch nicht hergeben. Aber wenn wir auch die Sache nicht ausbeuten können, sie braucht deshalb nicht liegen zu bleiben. Tatsache ist, daß der Stein dauernd eine Wärme von 21 l/t Grad ausstrahlt! Wie ist dies zu erklären? Ist er radiumhaltig oder birgt er einen noch wertvolleren Stoff? Das dürfte bei dem heutigen Stand der Wissenschaft und der Technik nicht allzuschwer zu ermitteln fein. Die Tatsache haben wir festgestellt, -Ursache und Wirkung mag die Wissenschaft ergründen. H. R. Zu obiger Darstellung schreibt uns ein eifriger Waldgänger, mit dem wir über diese merkwürdige Erscheinung sprachen: Die Wahrnehmung, daß es an der bezeichneten Stelle sehr warm ist, habe auch ich gemacht. 3(6 ging ebenfalls der Sach« auf den „Grund", und zwar ein Meter tiefer. Die Wärme stieg, je tiefer ich schürfte, bis zu 2 9 1/2 Grad. Dies bringt mich zu der Vermutung, daß es sich hier um eine heiße Quelle handelt. Zur Weiterforschung hat sich aber bereits ein Konsortium Sachverständiger gebildet, das morgen nachmittag gegen 3 Uhr zu weiteren Nachgrabungen schreiten wird. Eine Kommission, die mit feinsten wissenschaftlichen Apparaten ausgerüstet ist, wird morgen mittag gegen 1 Uhr vom Uni- versitätsgebäude aus sich zu Fuß in den Wald hinaus begeben: für solche, die weniger gut zu Fuß sind, steht um 2.30 Uhr ein Kraftomnibus an der Ostanlage beim Gericht zur Fahrt bereit. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 31. März 1930. Beam'enjubiläen bei der Gießener Stadtverwaltung. Am morgigen 1. April können vier Beamte unserer Gießener Stadtverwaltung auf eine 25jährige Tätigkeit im Dienste unserer Stadt zurückblicken. Der eine Jubilar ist der Verwaltungsdirektor Karl Kolb. Direktor Kolb, ein geborener Gießener, der nach dem Besuche der Oberrealschule am 1. April 1896 bei der Gießener Stadtverwaltung eintrat, zunächst V/3 Jahre lang auf der Stadtkasse beschäftigt wurde und vom Oktober 1903 ab auf dem Sekretariat tätig war, wurde am 1. April 1905 als Beamter angestellt. 3n rastlosem Vorwärtsstreben arbeitete sich der Jubilar weiter empor, bis er im Dezember 1919 Bureaudirektor wurde und dann den Titel Verwaltungsdirektor erhielt. Als Direktor der städtischen Hauptverwaltung steht der Jubilar im Brennpunkte unserer kommunalen Arbeit. Sein schwieriges und einflußreiches Amt bringt ihn nicht nur mit den verschiedenen städtischen Dienststellen und mit anderen Behörden, sondern auch mit weitesten Kreisen der Bürgerschaft in Berührung. Durch seine große und für unser Gemeinwesen außerordentlich schätzenswerte Arbeitskraft, durch sein umfangreiches kommunales Wissen, seine gründliche Kenntnis des Werdens der Gießener Verhältnisse und durch seine allezeit liebenswürdige, hilfsbereite Wesensart hat er sich in seinen bisherigen Dienstjahren nicht nur das Vertrauen und Wohlwollen seiner Vorgesetzten, sondern auch die grüßte Wertschätzung seiner Kollegen und der ihm dienstlich Nachgeordneten Beamtenschaft erworben. Aber auch in unserer Gießener Stadtverordnetenversammlung, dem heutigen Stadtrat, und darüber hinaus in den weitesten Kreisen der Bürgerschaft erfreut sich Direktor Kolb großer Beliebtheit und höchster beruflicher Wertschätzung, durch die er nicht nur als Beamter, sondern auch als Mensch mit zahlreichen Bürgern eng- stens verbunden ist. 3n richtiger Einstellung zu den Erfordernissen einer gedeihlichen Kommunalpolitik hat Direktor Kolb stets auch Gewicht gefegt aus eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Presse, deren Tätigkeit er durch immer bereitwillige und sorgsame Unterstützung in dankenswerter Weise förderte. Zu seinem morgigen Jubiläum werden die Glückwünsche weiter Bürgerkreise dem verdienten Beamten zugleich auch den Dank zum Ausdruck bringen, den ihm unser Gemeinwesen für seine hingebungsvolle Arbeit im ersten Dierteljahrhundert seiner städtischen Beamtenlaufbahn schuldig ist. Möge es dem Jubilar,.der infolge einer Erkrankung zur Zeit fein Amt nicht wahrnehmen kann, vergönnt sein, bald wieder in voller Frische und mit dem alten Cchaffenseiser seinen verantwortungsvollen Posten auszufüllen und auf ihm noch viele Jahre in der gleichen Weise wie bisher erfolgreich zu arbeiten. Der andere Jubilar ist der Vermessungsrat Julius Karle, der, aus Zeilbach (Kreis Alsfeld) stammend, am 19. September 1904 als Geometergehilfe beim städtischen VermessungsaMt eintrat und am l.Aprll 1905 durch seine Anstellung als Assistent des städtischen Vermessungsamtes die Deamteneigenschaft erhielt. Vermessungsrat Karle, als Vorsteher des städtischen Vermessungsamtes, zählt ebenfalls zu dem Kreise unserer städtischen Beamten, deren Aufgabe ein hohes Maß von beruflichen Fähigkeiten- und bester menschlicher Ocfimoing erfordert. Auch dieser Jubilar kommt durch sein dienstliches Wirken mit einem großen Teile unserer Bürgerschaft immer wieder in enge Berührung, wobei es für ihn erforderlich ist, einerseits die städtischen Interessen als die der Bürgergesamtheit in vollem Maße zu wahren, andererseits aber auch den berechtigten Belangen des einzelnen Bürgers di« gebührende Berücksichtigung zutell werden zu lassen. Daß der Jubilar in den bisherigen zweieinhalb Jahrzehnten seiner Gießener Beamtentätigkeit dieser Doppelaufgabe in allgemein zufriedenstellender Weise entsprochen hat, beweisen die hohe Wertschätzung und das weitgehende Vertrauen, die ihm seine Vorgesetzten und die übrigen städtischen Beamten entgegenbringen, ferner aber auch die große Beliebtheit und die autoritative fachliche Geltung, der sich Herr Karle weithin in der Bürgerschaft erfreuen darf. Auch diesem um das Allgemeinwohl sehr verdienten Beamten gelten zu seinem morgigen Beamtenjubiläum die herzlichen Wünsche der Bürgerschaft, denen sich die Presse, mit der Herr Karle ebenfalls immer beste Beziehungen gepflegt hat, in gleicher Weise anschließt. Weitere Jubilare sind am morgigen Tage der Oberwerkmeister W t lhelm Löffert im Städtischen Gaswerk und der Hallenmeister Karl Malkomesius im Städtischen Schlachthof. Auch diese beiden Beamten haben in den verflossenen 25 Jahren sich mit ihrer ganzen Kraft Die Industrie - und Handelskammer Gießen hielt dieser Tage unter dem Vorsitz ihres Präsidenten, Kommerzienrat Schirmer, Gießen, in Gießen eine Sitzung ab. Lieber die Tagung wird uns folgendes berichtet: Die Versammlung nimmt ein Referat des Syndikus über das Gutachten des Reichssparkommlssars betreffend die Staatsverwaltung des Dolks- staates Hessen entgegen. Im Hinblick auf die gemeinsame Beratung dieser Angelegenheit durch den Industrie- und Handelskammertag wird vorerst von der Fassung bindender Beschlüsse abgesehen. Die Konsumgenossenschaften sind von der Kör- perfchaftssteuer befreit, wenn sich ihr Warenverkehr auf den Kreis der Mitglieder beschränkt und die betreffende Konsumgenossenschaft einem Revisionsverbande angehört. Andernfalls ist die Konsumgenossenschaft mit ihrem Gesamteinkommen steuerpflichtig. Von den Konsumvereinen wird aber immer bestritten, daß sie an Richtmitglieder verkaufen, und erklärt, daß sie ein Handelsgewerbe überhaupt nicht betreiben, weil es nicht auf Gewinnerzielung gerichtet sei. Aus diesem Grunde haben es daher auch die Handelskammern bei den zuständigen Ministerien bisher nicht erreichen können, daß die Konsumvereine zu den Kosten der amtlichen Berufsvertretung herangezogen werden dürfen. Run ist aber jüngst festgestellt worden, daß einzelne Konsumvereine weit über den Kreis ihrer Mitglieder hinaus Waren abgegeben haben. Dies trifft u. a. auch auf den Konsumverein von Gießen und Umgegend zu, der seinerzeit vom Rcichssinanzhof zur Rach- zahlung eines bedeutenden Körperschaftssteuerbetrages — man spricht von mehr als 60 000 Mark — verurtellt worden ist, weil er sich ebenfalls in der angedeuteten Weise betätigt hat. Der frühere Reichsfinanzminister hat jedoch, wie allen übrigen Konsumvereinen in der gleichen Lage, auch dem Konsumverein Gießen durch allgemeine Verfügung diesen geschuldeten Steuerbetrag erlassen. Die Kammer kann es sich nicht versagen, ihrem stärksten Befremden über diesen neuen Beweis einseitiger, durch nichts begründeter Bevorzugung der Konsumvereine auch an dieser Stelle lebhaften Ausdruck zu geben. In letzter Zeit häufen sich wieder die Fälle, in denen namentlich die Einzelhändler von Beauftragten zur Aufgabe von Geschaflsanzeigen in Werbeschriften und Werken mancherlei Art ausgefordert werden, um auf diese Weise zu deren Finanzierung beizutragen. Wenn diese Beauftragten nun gar noch ein Empfehlungsschreiben der Behörde vorlegen, von welcher das Werk herausgegeben wird oder von der cs bandelt, dann wird dies von den Geschäftsinhabern oft genug als ein Druck empfunden, dem sie sich nicht gut entziehen können, wenn sie nicht Gefahr laufen wollen, bei öffentlichen Ausschreibungen der betreffenden Behörden übergangen zu werden. Sie geben also in solchen Fällen wider ihren Willen ein teures Inserat auf, von dessen unzulänglicher Wirksamkeit sie von vornherein überzeugt sind, weil solche Werke und Schriften erfahrungsgemäß nur einen kleinen und ganz bestimmten Leserkreis finden. Die Kammer glaubt deshalb, der Erwartung Ausdruck geben zu sollen, daß man der Lage, in welche der Geschäftsmann durch derartige Anerbieten gebracht wird, volles Verständnis entgegenbringt und es würdigt, wenn er in der gegenwärtigen Rotzeit es sich versagen muh, der an ihn ergangenen Aufforderung Folge zu leisten. Zu der dringend abänderungsbedürftigen Dergleichsordnung haben die hessischen Kammern folgende Vorschläge gemacht: Die Mindestquote füt den Vergleich ist auf 50 Prozent zu erhöhen. Wenn das Gericht der Stellungnahme der befragten Handelskammer entgegen entscheidet, soll der Kammer eine Begründung des Gerichtsbeschlusses gegeben werden. Der Vergleichsschuldner hat für die Erfüllung des Vergleichs Sicherheit zu leisten: kann diese nicht gegeben werden, dann ist ein Zahlungsplan aufzustellen, der nicht länger als ein Jahr seit Eröffnung des Vergleichsverfahrens laufen darf. ihren Obliegenheiten gewidmet und sich dadurch um unser Gemeinwesen verdient gemacht. prov nzialausschuß'Sitzuna. Am Samstag fand im Regierungsgebäude zu Gießen unter dem Vorsitz des Prooinzialdirektors G r a e f eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen statt. Als erster Punkt der Tagesordnung wurde verhandelt die Klage des Arthur Leopold in Nidda gegen den Bescheid des Kreisamts Büdingen vom 23. Januar 1930 wegen Versagung einer Gewerbe-Legitimationskarte für das Jahr 1930. Der Prooinzialausschuß erkannte nach mündlicher Verhandlung zu Recht, die Klage als unbegründet kostenpflichtig abzuwei- f e n und den Streitwert auf 100 Mark festzusetzen. Als zweiter Punkt wurde verhandelt das Gesuch der Else Goratzka in Butzbach um Erlaubnis zum Betriebe einer Gastwirtschaft mit Branntweinausschank im Hause Kasernenstraße Rr. 6 in Butzbach. Der Stadtrat in Butzbach hatte die Be° dürsnisfraae bejaht: dagegen glaubte die Ortspolizei- behörde Butzbach, daß hinsichtlich der Bedürfnisfrage, sowie auch der Person der Gesuchstellerin Bedenken bestunden. Der Prooinzialausschuß gab dem Gesuch statt und erteilte die Erlaubnis zum Betriebe der Gastwirtschaft. Die Kosten des Verfahrens wurden der Gesuchstellerin zur Last gelegt und der Streitwert auf 3000 Mark festgesetzt. Als dritter Punkt wurde verhandelt die B e a n - standung der Burgermci st erwähl in Ei^a (Kreis Alsfeld): hier: die Berufung des Kreisdirektors des Kreises Alsfeld gegen das Urteil des Kreisausfchuffes des Kreises Alsfeld vom 10 Februar 1930. Der Kreisdirektor des Kreises Alsfeld erhob gegen das Urteil des Kreisausschusses Alsfeld, wonach die von diesem nachträglich er- hobene Beanstandung für unbegründet und die Bürgermeisterwahl für gültia erklärt wurde, Bc- rufung an den Prooinzialausschuß mit dem Antrag, das genannte Urteil aufzuheben und die Bürger- mcisterwahl in Eifa am 9. und 16. Juni 1929 für ungültig zu erklären. Zur Begründung dieses Antrages wurde angeführt, daß die Vorgänge bei der Wahl zweifellos geeignet waren, das Wahlergebnis Der Schuldner hat die Richtigkeit feiner Angaben bei Einreichung des Antrags dem Gericht an Eidesstatt zu versichern. Der Vergleichs - schuldner ist zur Vorlage der Bilanzen t>er drei letzten Jahre zu verpflichten. Der dem Reichstag zugeleitete Entwurf eines Gesetzes zur Aenderung des Tabaksteuergesehes sieht eine Verkürzung der Zahlungsfrist für die Tabaksteuerzeichen, sowie eine Aufhebung der Zigarrensteuerläger vor. Da die praktische Durchführung solcher Maßnahmen für das Tabakgewerbe die schwersten Folgen nach sich ziehen würde, hat die Kammer bei der hessischen Regierung und beim Deutschen Industrie- und Han- delstag die erforderlichen Schritte getan, damit die vom Reichsrat bereits angenommenen Vorschläge nicht Gesetzeskraft erlangen. Ei .em von der Kammer vorgetragenen Wunsche auf Verlängerung der Fristen für die Einreichung von Angeboten bei öffentlichen Ausschreibungen soll nach Möglichkeit entsprochen Werdern Durch Gesetz vom 10. Dezember 1925 sind die Gebühren für die Erlaubniserteilung zum handel mit Waffen und Munition ermäßigt worden: damit hat man einem diesbezüglichen Antrag der hessischen Kammern entsprochen. Die hessischen Kammern haben eine Aenderung der hessisches Vollzugsordnung zur Rcichsgewerbe- ordnung dahingehend beantragt, daß der Absatz von geringen Mengen von Spirituosen, sofern der Verkauf in Flaschen, etikettiert, versiegelt oder verkapselt erfolgt, in Zukunft nicht mehr von einer besonderen Ausschankkonzession abhängig gemacht wird. Im Interesse des privaten S lellenoermittelungsgewerbes, welches sich lediglich mit der Vermittlung von Hausangestellten, Land-, Gastwirtschafts- und Saisonpersonal befaßt, haben sich die hessischen Kammern gegen die geplante Aufhebung des § 55 des Gesetzes über Arbeitsvermittlung, der ein Verbot der gewerbsmäßigen Stellenvermittelung vorsieht, ausgesprochen, da die öffentlichen Arbeitsnachweise nicht in der Lage feien, die private Stellenvermittlung vollkommen zu ersetzen Die hessischen Kammern haben bei dem Deutschen Industrie- und Handelstag die Vereinheitlichung des Gebührenwesens im ganzen Reich, besonders der Rotariatsge- bühren, der Gebühren für die Ausfertigung von Reiselegitimationskarten, der Gerichtskosten für die Eintragung ins Handelsregister, sowie eine einheitliche Regelung der Einsichtnahme in die Grundbücher für das Reichsgebiet in Anregung gebracht. Der hessische Justizminister hat die beantragte Einführung der Slaalshoftung für die Gerichtsvollzieher mit der Begründung abgelehnt, daß sie sich mit dem in Hessen gegenwärtig geltenden Gerichts- vollziehersystem nicht vertrage und auch im Hinblick auf die Finanzlage des Staates nicht vertreten werden könne. Eine Reihe von Beschlüssen des volkswirtschaftlichen Ausschusses des Reichstags zum Entwurf« eines Schankstöttengesehes. ■ welche für das Gastwirtsgewerbe im besonderen und für die Wirtschaft im allgemeinen von nachteiligen Folgen begleitet sein würden, haben den Deutschen Industrie- und Handelstag veranlaßt, sich für die Aufhebung dieser Beschlüsse einzusehen. Den gemeinsamen Bemühungen der beteiligten Handelskammern und Verkehrsvereine ist es gelungen, auch im Reichsbahn-Sommerfahrplan 1930 eine ganze Reihe wichtiger Verkehrsverbesserungen auf den Strecken Frankfurt a. M.—Gießen, Dillenburg — Siegen — Betzdorf, Gießen — Hai- ger-Siegen—Betzdorf, Gießen—Haiger—Siegen, Gießen—Marburg—Kassel, Gießen—Gelnhausen, Gießen—Koblenz zu erreichen. in unlauterer Weise zu beeinflussen. Der Provinzialausschuß erkannte nach mündlicher Verhandlung, in der eine Reihe von Zeugen vernommen wurden, zu Recht, die Berufung des Kreisdirektors auf Kosten der Staatskasse zurückzuweisen und den Streitwert auf 1000 Mark festzusetzen. Sollte gegen dieses Urteil eine Revision nicht eingelegt werden, so ist Heinrich Reibling I. in Eifa als Bürgermeister dieser Gemeinde gewählt. provinzialiag am 12. April. Der Provinzialtag der Provinz Oberhessen wird am 12. April zu seiner diesjährigen ordentlichen Tagung in Gießen zusammentreten. Die Sitzung gilt, neben der Ent- scheidung über eine Anzahl anderer Vorlagen, vor allem der Beratung und Genehmigung des Haushaltsvoranschlagsder Provinz Oberhessen für 1 9 30/31. Taten für Dienstag, 1. April. Sonnenaufgang 5.38 Uhr, Sonnenuntergang 18.31 21^30 Ul) M°ndaufgang 6.27 Uhr, Monduntergang 1732: der Komponist Joseph Haydn in Rohrau geboren (gestorben 1809); — 1815: Fürst Otto von Bismarck in Schönhausen geboren (gestorben 1898). Bornotizcn. — Tageskalender f ü r Montag. Tierschuhvercin Gießen: Oeffentltcher Vortrag mit Lichtbildern (Vortragsthema: Tierpsychologie und Tierschutz), 20 Uhr, im Singsaal des Realgymnasiums. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: .Der weiße Harem" und „Riff und Raff die Frauenhelden". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Als Theaterereignis dieser Woche muß am Dienstag, 1. April, das Opern- gastspiel des Mainzer Stadlchcaters angesehen werden. Die japanische Tragödie in drei Akten „Madame Butterfly" von Puccini wird einmalig aufgeführt. Das Haus ist schon nahezu ausverkauft. Am Mittwoch, 2. April, findet die erste Wiederholung des Büchner-Abends „Woyzeck" und „Lconce und Lena" statt. Freitag, 4. April, -um letztenmal .Der letzte Lord". Am Sonntag, 4. April, ist der vierte Tag des KainmerzhlluS (Morgenfeier) „Der Tor und 'der Tod" angesetzt, als Gedenkfeier für Hugo von Hofmannsthal. Spielleitung hat Dramaturg Dr. Karl Ritter, der auch vorher die Gedenkworte sprechen wird. Abends ist zum letztenmal das Lustspiel „Die Sache, die sich 2ie6e nennt" (Spielleitung Karl Dolck). _** Bon der Stadtverwaltung. Oberbürgermeister Dr. Keller hat einen mehrwöchigen Urlaub angetreten. * Trude Heß, Mitglied des StadttheaterS Gießen, wurde für die nächste Spielzeit als erste Salondame und Liebhaberin an das Stadttheater Zwickau (Kurtheater Bad Kvlberg) verpflichtet. .** Dienstjubiläum. Herr August W e i d ig, hicrselbst. Sicher Straße 15 wohnhaft, kann morgen, April, auf eine 25jährige Tätigkeit bei der Firma Stück A.-G., Weinbrennereien und Likörfabriken, Hagnau a. M., zurückblicken. ’• Sängerehrungen. Für -- 40jährige aktive Sangestätigkeit wurden vom Hessischen Sängerbund mit der Silbernen Ehrennadel ausgezeichnet: Konrad Rühl vom „Sängerkranz" in Merlau, August Eder vom Rothschen Männerchor in Lich, Hermann Schimpf II. vom Gesangverein „Germania" in Osthciin und Andreas Schäfer II. vom Gesangverein „Harmonie" in Gambach. ** Vorübergehende Sperrung der Klrchstraße am Oswaldsgarten. Aus sicherheits- und verkehrspolizeilichen Gründen ist die Kirch st raße zwischen Reustadt und Wehsteingasse während der Frühjahrsmesse (30 März bis einschließlich 6. April) fvx allen Fährverkehr polizeilich gesperrt. Den Anliegern ist die Zu- und Abfahrt gestattet. ** Bom Botanischen Garten. Dom 1. April ab wirb der Botanisch« Garten wieder allgemein zugänglich sein (Sonntags nur vormittags von 9 bis 12 Uhr. Die Gießener Frühjahrsmeffe hat gestern einen ausgezeichneten Auftakt genommen. Bei dem wunderbaren Frühlingswetter war der Oswaldsgarten von einer gewaltigen Menschenmenge besucht, die den verschiedenen Schau» stellunternehmungen und den sonstigen Vergnügungsstätten eine starke Frequenz brachte. Bei dem voraussichtlich noch weiter anhaltenden schönen Wetter dürften auch die folgenden Messetage zu einem Erfolg der Schausteller werden. ** Tödlicher Unfall eines Gießener Po st beamten. Am gestrigen Sonntag früh verunglückte der Oberpostschaffner R. Eisenacher von hier, Hammstrahe 14 wohnhaft, auf dem Bahnhof in Gelnhausen tödlich. Der bedauernswerte Mann hatte am Samstagabend einen Postzug von Gießen nach Gelnhausen begleitet, übernachtete dort und sollt« gestern früh den um 7.18 Uhr in Gelnhausen ab- fährenden Postzug nach Gießen begleiten. Während er sich in der Fimhe anscheinend auf dem Wege zum Zuge befand, wurde er von dem in Gelnhausen durchfahrenden Berliner Schnellzug angefahren und so schwer verletzt, daß er bereits auf dem Transport zum Krankenhause seinen schweren Verletzungen erlag. Um den Bedauernswerten trauern seine h. An». Gutgehende Gastwirtschaft in Marburg mit grtBer. Rlumen and schön.tart., In verkehrar. Lage, krankheltah. sofort preiswert zu verpachten. Einige Tausend RM. Be- trlebskaplt erforderlich. Sehr. Angeb. f. nur tücht Fachleuten unt 269BD an den Bleßener Anzeiger. Gut gepflegter Garten m. Cb ft bä um, Beerenstrauch.,Brunnen und Äarienbau» »u verkaufen. Schrillt Angebote unt. 02183 an den Gies,. Anieig. wobnhous mH Scheune StaUunau.anHegen- dem Bauvlav in gut. Geschäftslage tri gröber. Borort GlenenS ist au verkauf, ©dir. Anqeboie unt. 02195 an den Gieb.AnAeig. Wohnhaus beAiebbar.m. Warten in tretet fonnlo.Vafle au verkaufen. Scht. Angeb. unt. 02209 an den Gteb. 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Hessisches Hochbauamt Gießen. __________________Berih._________________ Zwangsversteigerung. Am 15. April 1930, vormittags 10 >4 Uhr. wird an Gerichtsstelle versteigert zum Zwecke der Auseinandersetzung das An. wesen der Lrben Friedrich Wichel, Gastwirtschaft mit Nebengebäuden in Gladenbach. 2618D Amtsgericht Gladenbach, Bekanntmachung Die Voranschläge der Gemeinde und Mark Birklar für Rj. 1930 liegen vom 1. bis einschließlich 7. April auf unseren Bureaus zur Einsicht der Interessenten und evtl. Erhebung von Einwendungen offen. Es ist bei dem Gemeindevoranschlag die Erhebung einer Umlage beschlossen, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. Birklar, den 29. März 1930. 26270 Bürgermeisterei Birklar: Müller. Der Markmeister: Seibert. Bekanntmachung. Die Voranschläge der Gemeinde und Mark Muschenheim für Ri. 1930 liegen vom 1. bis einschl. «. April auf unserem Bureau zur Einsicht der Interessenten und entL Erhebung von Einwendungen offen. Es ist bei dem Gemeindeooranschlag die Erhebung einer Umlage beschlossen, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. Muschenheim, den 29. März 1930. Bürgermeisterei Muschenheim. 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E Bevorzug! achtet mit seine 2Iug Metern t das Sülli Greuel se Schaudern dern verl Entstehung ausgesührt 5ifmhin ff ii (teile her. darstellt, e das Kino j sührungsra japanischen epi!oben si einzigen § der auslä Film Dori päische Ki schöpft ur lassen hat sehen über anderen. ( daß man l Küsser Hal Hingabe ' einmütig, Küssens . beherrschen ist der "5 abteilung wo er al stand der ruht. Flan In Lond das--"^ teilufid 9er, M-?o M.lütz Altona, c SS Schreiben Du hast n recht habe wenn Du Die erst Auf der. wehrarme. Don Flan und gesrä Ak« 5 13 Fvrtsest .Er wa ohne zu ! heit tarn. , -Eicher hing des vuü uet wurde - . -Die? oer Por Der A -Eie I ^leffung "°ch nichi D'enst ve, m dem 2 urch dem m, »ur buch. 68 ?et Porß mad ^ureaupk ging ab i ?"sonals öanbcln re6afkut "Achen. Aet t P der p ^nttQeui -Eechz benot *2? alk Arte. ( , °nn • a; d.Deter , war mln ^ilbefio Wnl Montag, 31. März 1930 Gieheiw Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen) M. 76 Drittes Blatt Geschichten aus aller Welt. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! »Fünf Frauen find meiner unwürdig" ... (f) London. 3n London ist man beim Sortieren alter Briefschaften auf ein amüsantes Schreiben geflohen, das im Britischen Museum in eine falsche Abteilung geraten war — und doch mehr als viele andere Dokumente einen Ehrenplatz verdient. Der Brief führt zurück in die Zeit der Königin Viktoria, die schnell bei der Hand war, Könige im heißen Afrika ihres Thrones zu entsetzen und auszuweisen. So hatte auch der Befehl einen alten Aegerhäuptling getroffen, dem man groß» zügigerweise die Mitnahme von fünf Frauen erlaubte. Darauf richtete der Aegrr das folgende Schreiben an Viktoria: „Du hast mich verbannt, Du hast mich ausgewiesen. In allem magst Du recht haben. Unrecht aber hast Du bestimmt, wenn Du mir nur fünf Frauen zubilligen willst. Diese Zahl ist unwürdig eines Königs. Ich bitte deshalb, dah mir allerwenigstens ein Dutzend mitgegeben werden. Stelle Dir, o Königin, einmal Dor, Du würdest nur fünf Männer für Dich haben..In einem Kommentar zu diesem Schreiben wird bemerkt, dah auf königlichen Befehl die Zahl der Frauen, die dem Neger zuzusprechen feien, — zwölf betragen dürfe. Seitdem steht für Afrika-Könige der Minimalsatz für Polygamie eindeutig fest. Ter Kußfilm von Tokio. (o) Tokio. Der erste Film der Welt, der nur aus Küssen besteht I Er wird sorgfältig gehütet und ist nur Bevorzugten zugänglich. Der japanische Staat achtet mit Sorge darauf, daß kein Unberufener seine Augen an diesem Kuhmeisterwerk von 3000 Metern blendet. Dem Japaner allerdings, der das Küssen verabscheut, wird dieser Film ein Greuel sein, ein Schrecken, von dem er sich mit Schaudern abwendet. Aber eben diesem Schaudern verdankt der merkwürdige Kuhsilm seine Entstehung! Denn aus jedem Film, der in Japan aufgeführt werden soll, und sei er das größte Filmkunstwerk dieser Erde — muß sorgfältig jede Stelle herousgcschnitten werden, die einen Kuh darstellt Sonst riskiert man, dah die Japaner das Kino zerschlagen oder demonstrativ den Vorführungsraum verlassen. Der Mann mit der japanischen Zensurschere hat nun alle diese Kuhepisoden sorgfältig auf bewahrt und nun zu einem einzigen Kuhfilmwerk zusammengeklebt. Man hat der ausländischen und japanischen Presse diesen Film vorgeführt. Aber selbst abgebrühte europäische Kriegskorrespondenten sollen nachher erschöpft und zerschlagen den Theaterraum verlassen haben. Teils vor Lachen, teils vor Entsetzen über diesen Taumel von einem Kuh zum anderen. In einer Abstimmung hat sich ergeben, dah man John Gilbert für den vollendetsten Küsser hält, während L i l i Damit« die größte Hingabe bezeugen soll. Die Zuschauer betonen einmütig, dah sie jetzt alle Sonderheiten des Küssens „aus dem ff", wenigstens theoretisch, beherrschen... Aach dieser einen Vorführung ist der Film wieder in die Safes der Filmabteilung der Tokioer Stadtpolizei gewandert, wo er als Dokument für den schrecklichen Tiefstand der europäischen und amerikanischen Moral ruht. Flammenwerfer gegen Heuschrecken. (g) Kairo. Die ersten Gefechte haben bereits stattgefunden. Auf der Halbinsel Sinai wurden durch die Ab- Wehrarmeen 300 Tonnen Heuschrecken mit Hilfe von Flammenwerfern vernichtet. Aber langsam und gefräßig rücken die ekelhaften, summenden. schnurrenden, zirpenden, klappernden Tiere weiter vor. Ganze Wolken, ganze Hügel, die aus nichts anderem bestehen als aus Heuschrecken. Eine der sieben furchtbaren Plagen Aegyptens ist wieder am Werk. Die Gefechtslage im Ailtal mu6_ als sehr günstig bezeichnet werden. Cs ist nämlich gelungen, die Heuschreckenschwärme vom Niltal abzudrängen. In Kantara schlug man einen anderen Schwarm zurück und drängte ihn, etwa 11 Tonnen dieser Tiere, in das Bote Meer. Jetzt kommt es darauf an, auf dem Posten zu bleiben, denn es ist möglich, daß die Heuschrecken auf Sinai sich vermehrt haben und dah die junge Generation der Gefräßigen dort heranwächst. Sie mühten bald ausgekrochen und fähig sein, ihrerseits die Wanderung aufzunehmen. An den Grenzen der Sinaigebiete stehen Kompanien von Soldaten, die vom Ackerbauministerium bestellt wurden, vollkommen in Kriegsbereitschaft sind und mit 18 Batterien in den Kampf rücken können. Jede Batterie besteht aus vier Flammenwerfern: ferner sind einige Tanks herangezogen worden, sowie Dampfwalzen, die ebenfalls gegen die Heuschrecken eingesetzt werden Die Flammenwerfergruppen verfügen über Kamele, die eine größere Beweglichkeit in gebirgigem Gelände ermöglichen, als die Automobile. Die Gefahr der Heuschrecken soll seit 15 Jahren nicht mehr so groß gewesen sein wie heute. Daher auch der große Einsatz an Menschen und Maschinen. Die Dauern hoffen auf die „Kriegstruppen", aber zur Sicherheit bringen sie Allah Opfer dar: denn wenn die Plage über sie kommt, sind sie alle bettelarm auf Jahre hinaus. In wenigen Stunden sind ganze Kulturen kahl gefressen, nur noch Baumstümpfe ragen aus der Erde. Die große Aot Aegyptens ist dann über alle hereingebrochen. Um dies zu verhüten, kämpfen jetzt Kriegsbatterien gegen die kleinen gefräßigen Bestien von Sinai. Generalprobe im v 3pg. (g) Rom. v.Zug Venedig—Genua. Raucherabteil erster Klasse. Fünf Herren kämpfen gegen die Langeweile. Jeder auf seine Art. Zwei schlafen den Schlaf der Gerechten. Der dritte Fahrgast gibt sich alle Mühe, bald einzuschlafen und übt sich zu diesem Zweck im Dauergähnen. Der vierte Herr liest eine Zeitung, der fünfte, ein Marineoffizier, vertieft sich in die Lektüre eines Kriminalschmökers In Mailand bringt aber das Erscheinen einer entzückenden jungen Dame, die vor der Tür austaucht, angenehme Abwechselung in die eintönige, endlose Fahrt. Auf ihre hingehauchte Frage: „Ist da noch ein Platz frei?" wird die fremde Schöne von Kennerblicken aus zehn Männeraugen durchbohrt. Es ertönt ein fünf- stimmiges „Ja". Die fünf Herren stutzen sich eilig zurecht, die Dame nimmt in ihrer Mitte Platz, beschenkt ihre fünf Mitreisenden einzeln mit einem dankbaren Lächeln und fühlt sich in der Folge von interessierten Blicken beobachtet. Nach wenigen Minuten richtet sie sodann die zweite Frage an die Fünf: „Dürfte ich vielleicht erfahren, wieviel Uhr wir haben?" Eine nichtssagende Frage, doch macht bekanntlich der Ton die Musik, und fünf goldene Uhren fliegen wie auf Kommando aus den Taschen, auf daß man der eleganten Reisegefährtin ja die richtige Zeit angäbe. Sie dankt mit einem kaum merkbaren Ricken ihres blonden Lockenkopfes und denkt sich wohl nichts dabei. Anders die Herren, die sich I nunmehr anschicken, Madame nach Kräften zu unterhalten. Gar kein Zweifel: die Blondine hat die Herzen der fünf Kavaliere im Fluge erobert. Alle fünf Don Juans laden die Dame später ein, ihnen im Speisewagen Gesellschaft zu leisten und geleiten sie wie im Siegeszuge dahin. Und alle fünf bemühen sich redlich, das Versprechen auf ein baldiges Wiedersehen von ihr zu erpressen. Doch sie scheint hartnäckig zu fein, beschränkt sich auf nichtssagende Andeutungen und erklärt plötzlich, sie müsse leider schon vor Genua den Zug verlassen, da sie erwartet werde. Eine Haltestelle vor dem Reiseziel der enttäuschten Fünf verläßt sie denn auch die Gesellschaft: das Abenteuer ist zu Ende. Doch nein: Fünf Minuten vor Genua erscheint der Zugbegleiter im Abteil, hält eine Kartonschachtel in der Hand und meldet: „Die Dame, die mit Ihnen fuhr, Signori, läßt Sie vielmals grüßen und sendet Ihnen diese kleine Aufmerksamkeit!" Man wechselt verständnislose Blicke, öffnet den Karton und entnimmt ihm fünf goldene Herrenuhren. Die Uhren der fünf Reisegefährten! Ein kleiner Zettel, nicht von zarter Frauenhand geschrieben, sondern gedruckt, bringt des Rätsels Lösung: „Versäumen Sie nicht, in Genua das Variete Maxim zu besuchen. Der Schlager des neuen Programms ist die Zauberkünstlerin Dianka Tonzetti. die sich erlaubte, den Herren eine kleine Kostprobe ihrer Kunst darzubieten!" Tolstoi-Telegramme. (n) Moskau. Jetzt, zwanzig Jahre nach dem Tode Leo T o l st o i s . veröffentlicht die Rational-Biblio- thek von Moskau einen Band mit den Telegrammen, die in den letzten Stunden bei dem sterbenden Tolstoi eintrafen. 1080 Drahtungen gingen damals nach Astapowa, der Stadt, in der der Dichter starb. Diese Sammlung erinnert an jene Tage im November 1910, in denen die Welt ängstlich auf jede Nachricht wartete, die über den großen Menschenfreund ihren Weg in die Oef» fentlichkeit fand. In einem kleinen Hause, in der Wohnung eines Eisenbahners, lag Tolstoi und rang mit dem Tode. Er hatte sein Haus in Iasnaia Poliana und seine Frau und seine Kinder verlassen, um eine große Wanderung als Pilger zu unternehmen. Wenige Tage später brach er in Astapowa zusammen. Die Welt begann nach seinem Zustand zu fragen. Auf Geheiß Tolstois wurden nur spärliche Auskünfte gegeben. Seine letzten Worte, die in der neuen, interessanten Veröffentlichung wieder in die Erinnerung gerufen werden, waren: ..Cs ist unnütz, über einen Mann zu klagen, wenn Millionen leiden!" — Am 6. November 1910 war er tot. Turnen, Sport und Spiel. Westdeutscher Fußball. Zugendopfertag in Westdeutschland.. Die Entspiele um die Fußball-Meisterschaft des Westdeutschen Spielverbandes erfuhren am letzten Märzsonnlag eine Unterbrechung. Unter der Bezeichnung „Iugendopfertag" fanden zugunsten des Verbandsjugendheimes R e prüfe n t a t i v s p i e l e aus allen Plätzen statt. Durchweg waren diese von gutem Wetter begünstigt und nahmen einen entsprechenden Verlauf. Die wichtigsten Spiele waren folgende Städtespiele: Köln — Düsseldorf 2:1, Duisburg — Düsseldorf (B) 7:0, Rheydt — Krefeld 5: 4, Schalke 04 — Westfalen 5:1, Dortmund — Essen 2:2, Bielefeld — Schwarz-Weih Essen 4:5, Marburg — Kurhessen Kassel 22, Marburg — Gießen Wetzlar 3:3. Die Endspiele um die süddeutsche Fußballmeisterschast. Eintracht Frankfurt erstmalig süddeutscher Fußball-Meister. Das Interesse für die Endspiele um die Süddeutsche Fußball-Meisterschaft wird sich in der Runde der Meister der Suche nach dem Tabellenzweiten zuwenden. Die Meisterschaftsfrage ist endgültig entschieden, und zwar zugunsten der Frank f u r • ter Eintracht, die durch einen nicht allzu überzeugenden, dennoch aber sicher errungenen Sieg von 2:0 Toren über den S.B. Waldhof Mannheim endgültig als Meister ermittelt wurde. Gleichzeitig wurde der vorübergehende Tabellenzweite, der F. C. Pirmasens, in Fürth von der Sp. Vgg. mit dem vernichtenden 0:10 geschlagen. Durch diesen Spielausgang setzten sich die Fürther wieder an den 2. Tabellenplatz, aber es bleibt abzuwarten, ob sie ihn namentlich gegen die Münchener Bayern, gegen die sie noch am kommenden Sonntag in München zu spielen haben, behaupten werden. Bayern München sicherte sich auf alle Fälle den weiteren Anschluß durch ein 5:1, das sie sich in Freiburg beim dortigen F. C holten. Mit dem gleichen Ergebnis von 5:1 schlug der V. f. B. Stuttgart auf eigenem Platze die Wormser W o r m a t i a, mit der er gleichzeitig den Tabellenplatz tauschte. Runde der Zweiten und Dritten. Hier ist namentlich in der Gruppe N o r d w c st die Lage noch völlig ungeklärt. Der erste Anwärter auf die Gruppenmeisterschaft, Phönix Ludwigshafen, siegte über den F. D. Saarbrücken mit 3:2 Toren nur sehr knapp. S. V. Wiesbaden sandte den F. Sp. B. Frankfurt mit einem 2:1 nach Hause. Hierdurch haben die Frankfurter vorläufig wieder wichtigen Boden verloren, aber den Ludwigshafenern ist gleichzeitig in dem Gewinner dieses Treffens, dem S. 23. Wiesbaden, ein zur Zeit mit ihm punktgleicher Nebenbuhler erwachsen. Allerdings hat Phönix bis jetzt ein Spiel weniger ausgetragen. In Mannheim standen sich V. f. L. Neckarau und Rotweiß Frankfurt, die beiden Letzten der Liste, gegenüber. Die Platzbesitzer siegten mit 3:1 Toren. Der V f. L. Neu-Isenburg erfocht ebenfalls auf eigenem Platze mit 3:2 Toren einen knappen, aber trotzdem beachtlichen Sieg über Sportfreunde Saarbrücken. Die Frage nach dem Abteilungssieger der Gruppe Südost darf mit dem Hinweis auf den 1. F. C. Nürnberg als beantwortet gelten. Die endgültige Klärung wird vermutlich am kommenden Sonntag in dem Treffen mit dem S. B. 1860 München erzielt werden. Die Nürnberger gewannen diesmal gegen PhönlxKarlsruhemlt7:0 fast nach Belieben. Auch <5. 23. 18 6 0 München Ian- bete einen sicheren Sieg von 4:1 Toren gegen den V. f. R. Heilbronn. Die beiden restlichen Spiele dieser Gruppe erbrachten beide mit 2:1 Toren knappe Siege der Platzbesitzer. Es handelte sich um die Spiele K. F. B. Karlsruhe gegen Union Bückingen, die überhaupt noch keinen Punkt erringen konnte, und Jahn Regensburg gegen den 21. <5.23. Nürnberg, der also erneut stark enttäuschte. (Stuttgarter Kickers siegen in Paris. Club Francais 2:0 (1:0) geschlagen. (Einen recht schönen Erfolg konnten auf ihrer Frankreichreise die Stuttgarter Kickers erzielen, indem sie den Pariser Meister Club Die gefiederte Schlange. Vornan von Edgar Wallace. 13 Fortsetzung. Nachdruck verboten Er war wahrscheinlich betrunken", sagte Peter, ohne zu wissen, wie nahe er barmt der Wahrheit kam. , r „ _ .., „Sicher sprach er im Rausch noch der Crzay- lung des Portiers. Auch berichtete der Mann, 'vu0 uer Mord von einem Sträfling begangen wurde —" „Wie?" fragte Peter plötzlich interessiert. „Ist der Portier noch im Dienst?" Der Redakteur sah ihn mißbilligend an. „Eie sind nun schon sechs Jahre in dieser Stellung und kennen die Hausordnung immer noch nicht! Rein, er hat um zehn Uhr seinen Dienst verlassen, aber Sie werden seinen Bericht in dem Buch finden. Wenn Sie mich nun noch nach dem Buch fragen wollen —" Aber Peter fragte nicht, er fuhr in dem Lift zur Eingangshalle und nahm sich das Racht- buch. Es war bei dem „Postkurier" üblich, daß der Portier eine kurze Rotiz von all den Leuten machte, die vorsprachen, nachdem das Bureaupcrsonal gegangen war. Der Rachtredak- teur ging morgens um halb fünf fort, und von da ab war bis zum Erscheinen des Tagespersonals niemand da, der mit Besuchern verhandeln konnte. Ratürlich war der Rachrichten- redaktcur in dringenden Fällen telephonisch zu erreichen. Peter wandte die Seiten des Meldebuches um. In der vergangenen Rächt war nur eine einzige Eintragung erfolgt. ..Sechs Uhr früh. Ein Mann namens Lugg meldet sich in bezug auf den Mord am Gros- venor Square. Betrunken. Behauptet, Mord sei von altem Sträfling verübt, der einen Wagen führte. Sagte, der Mann fei ein Geist. Der Mann war auherordent.ich betrunken. Verlangte tausend Pfund für die Geschichte. Seine Adresse ist Rowton House, King's Croß. Legte sich auf die Bank in der Halle, um dort zu schlafen. Mußte Polizisten holen, der ihn wegbrachte." Peter merkte sich die Adresse und fuhr mit dem List wieder nach oben. Es war nichts Ungewöhnliches, daß sich alle möglichen verantwortungslosen Leute bei der Redaktion meldeten, wenn ein aussehenerregender Mord geschehen war. Gewöhnlich waren ihre Rachrichten von wildester und unglaubwürdigster Art, und Peter hatte allen Grund, anzunehmen, daß der betrunkene Lugg in diese Kategorie gehörte. Cs waren aber zwei Punkte in der kurzen Rotiz des Rachtportiers, die trotzdem seine Aufmerksamkeit auf sich zogen: erstens sollte der Mörder ein früherer Verbrecher fein — das stimmte ja mit der Theorie Gregory Beales überein, zweitens wurde als Täter der Chauffeur eines Mietautos bezeichnet. Rach Ansicht der Polizei war der Schuh von dem Wagen aus abgegeben, auch Peter hatte es in der Zeitung so dargestellt. Der Vagabund hatte aber zu einer solchen Zeit und in solcher Verfassung vorgesprochen, daß er unmöglich diese Geschichte aus einem Zeitungsartikel haben konnte. Mr. Lugg von Rowton House war deshalb eine Persönlichkeit, die man so schnell wie möglich interviewen mußte, und eine halbe Stunde später wartete Peter schon in dem geräumigen Tageszimmer von Rowton House an -einem ungeheuren Kamin aus glasierten Ziegeln, um den wie gewöhnlich eine Menge bankerotter Existenzen lagerte, die sich in solchen Heimen herum« trieben. Es gab hier, wie ihm ein Beamter mitteilte, keinen ,2ugg*. sondern nur einen ,Hugg'. Der Mann war spät am Morgen heimgekommen und schlief jetzt. Erst nach geraumer Zeit erschien der kleine Wann. Er hatte rote, entzündete Augen, und sein bleiches Gesicht trug unverkennbare Spuren übermäßigen Trunkes während der letzten Nacht. Als er in die Halle trat, schaute er mißtrauisch auf Peter. „Oh, ein Reporter?" fragte er dann sichtlich erleichtert. . „Dachten Sie, ich sei ein Detektiv c Der kleine Mann lachte verlegen und fuhr mit der Hand über den kahlen Schädel. „Ach nein, ich habe von der Polizei nichts zu fürchten. Mas wünschen Sie, mein Herr?" Augenscheinlich erinnerte er sich nicht an seinen Besuch auf der Redaktion des ,Postkurier'. »Die Sache ist so: ich muhte zwei oder drei Tage krumm liegen, weil ich nichts hatte. Letzten Abend gab mir ein Herr etwas Geld für Gelegenheitsarbeit, und da habe ich ein wenig über den Durst geturnten.“ Sie waren doch früher Sträfling?" fragte Peter. Hugg sah ihn wieder argwöhnisch von der Seite an. 3a“, entgegnete er kurz. „Aber das ist doch nicht Ihre Sache? Was wollen Sie also von mir?" „Gestern abend haben Sie einen Mann gesehen, der Ihrer Meinung nach Mr. Farmer getötet hat. Und Sie behaupteten, daß der Mörder der Chauffeur eines Mietautos wäre." Hugg machte ein dummes Gesicht. „Woher wollen Sie das wissen?" fragte er schnell. „Na, Sie haben es doch selbst erzählt," sagte Peter lächelnd, „wenigstens haben Sie das dem Rachtportier beim ,Postkurier' angegeben." Hugg fuhr sich verwirrt mit der Hand über den Kopf. „Habe ich das getan?" fragte er bestürzt. „Ja, ja, wenn ich eins über den Durst getrunken habe, dann schwätze ich immer alles aus. Und trotzdem kann er das nicht gewesen sein — er ist gestorben — ich habe doch seinen Totenschein gestern einem Herrn gegeben. Aber er sah genau so aus, er trug für gewöhnlich einen kleinen, grauen Schnurrbart... aber er ist tot. Vor meinen eigenen Augen ist er in Thatcham tot umgefallen, als ich und er —“ Plötzlich brach er ab. „Wie hieh er denn?" Aber Mr. Hugg schüttelte heftig den Kopf. „Ich gebe Ihnen keine Auskunft mehr, wenn ich nichts dafür bekomme", sagte er energisch. „Aber Sie haben mir ja schon etwas gesagt", bemerkte Peter belustigt. „Sie erzählten doch eben, dah ein Mann in Thatcham tot umge- sallen ist. Thatcham ist ein kleines Dorf in der Nähe von Newbury, das stimmt doch? Dort finden die großen Rennen statt, und ich glaube, daß gerade nicht allzu viele Leute im Lauf der letzten zehn Jahre in Thatcham tot umgefallen sind." Mr. Hugg rutschte unruhig auf seinem Holzstuhl hin und her und vermied es, Peter in die Augen zu schauen. „Er fiel tot um — das ist alles, was ich Ihnen sagen kann. Und der Kerl, der daran schuld ist, hätte zehn Jahre kriegen müssen." Mr. Hugg war ein wenig verwirrt, aber die Widersprüche in seinen Angaben schienen ihm gar nicht bewußt zu fein. Peter kannte solche Verbrecher genau, die stets eine Neigung haben, alles falsch darzustellen. Die Verschlagenheit kleiner Gauner findet ihren Ausdruck in unzähligen nutzlosen Lügen. Diese Menschen suchen unwichtige Einzelheiten mit einer Sorgfalt zu verbergen, die eines Mocchiavell würdig wäre, der große Staatsgeheimnisse zu hüten hat. Soviel war Peter jedenfalls klar: dieser iln» bekannte in Thatcham war keines natürlichen Todes gestorben. Es war möglich, dah die näheren Umstände nicht gerade ehrenwert für den Toten waren, sie konnten aber auch recht belastend für Mr. Hugg fein. Sicherlich war er nicht ermordet worden, sondern infolge eines Unfalls ums Leben gekommen. Das überlegte sich Peter während eines kurzen Schweigens. „Was hatten Sie in Thatcham zu tun?“ fragte er dann. „Sehen Sie, mein Herr —" begann Hugg. Aber Peter, der feinen Mann kannte, unterbrach ihn und führte jetzt eine etwas schärfere Sprache. „Es ist nur zu Ihrem eigenen Vorteil, wenn Sie es mir sagen — sonst muh ich zur Polizei gehen, um die Sache herauszubringen. Heute morgen sind Sie zu meinem Bureau gekommen und haben dort ein Ammenmärchen erzählt, daß der tote Chauffeur eines Mietautos den Mord an Farmer begangen haben full. Jetzt muß ich die Wahrheit erfahren — entweder erzählen Sie mir nun die Geschichte, oder ich telephoniere sofort dem Oberinspektor Clarke." Der kleine Mann wurde plötzlich sehr lebendig. „Clarke?" fragte er erstaunt. „Der Schuft mühte doch längst tot sein wegen der Lügen, die er über mich in die Welt gesetzt hat! Der hat mich ins Zuchthaus gebracht!" Ein armer Kerl, scheinbar ein Freund Huggs, brachte ihm eine dampfende Tasse, die Hugg geräuschvoll ausschlürste. Der Kaffee schien sein Gedächtnis wieder etwas zu beleben. „Also, ich werde Ihnen das erzählen, mein Herr, und wenn ich damit irgend etwas verdienen kann, dann möchte ich das Geld auch haben. Der Mensch, den ich gestern nacht zu sehen glaubte, heiht Lane. Er sah in demselben Gefängnis in Dartmoor wie ich, und dort kamen wir zusammen. Ich nahm ihn mit mir nach Roa- ding zu meinen Verwandten, aber die waren nicht mehr da —" et machte eine Pause — „nun ja, die waren nicht fortgezogen, aber sie konnten uns drei — ich meine zwei — nicht gebrauchen." „Also drei?" sagte Peter. „Run erzählen Die doch einmal die Geschichte, wie sie wirklich war!" Mr. Hugg schwieg eine Weile. „Ja, wir waren drei," gab er dann zu. „Aber ich weih nicht, was aus dem andern geworden ist — nach dem —" „Nach dem Unfall,“ ergänzte Peter, als Hugg wieder eine Pause machte. Der Mann schaute verlegen vor sich hin. „Nun ja," sagte er schließlich zögernd. „Also, wie war das mit dem Unfall? Sie waren zusammen mit zwei anderen früheren Sträflingen auf der Walze. Wohin seid ihr denn gegangen?“ „Nach Newbury.“ Hugg wurde aufgeregt. „Aber Sie sind doch keiner von der Polizei? Sie sind doch Zeitungsmann — zeigen Sie mir doch einmal, wer Sie sind." Peter holte eine Visitenkarte hervor, die sich der Mann nahe vor die Augen hielt. Er schien kurzsichtig zu sein. (Fortsetzung folgt) ;4 <;* iEvu'4 'M' T- Francais mit 2:0 schlagen konnten. Das Treffen, das überaus interessant und spannend verlief, stand bei Halbzeit schon mit 1:0 zu Gunsten der Schwaben, die damit als erste deutsche Mannschaft diesem Klub auf eigenem Platze eine Niederlage beibringen konnten. Sie Arbeitsgemeinschast DT., DES., DIS. Die Arbeitsgemeinschaft der Turner und Sportler kann nunmehr als gesichert angesvrochen iverden. Der Ausschuß der Deutschen Turnerschaft genehmigte den Vertragsentwurf mit der Deutschen Sportbehörde und dem Deutschen Fußballbund. Die gemeinsame Durchführung der Meisterschaft der D.S.B. und der Volksturnerschaft ist nur möglich, wenn sich die Sportler zu einer Verlegung ihrer Meisterschaft vom 2. und 3. August auf den 16. und 17. August bereit erklären. Irhön - (Segelflug - Wettbewerb. Der diesjährige 11. Rhön - Segelflug- Wettbewerb, den die Rhön-Rositten Gesellschaft wieder als internationalen Wettbewerb ausschreibt, wird voraussichllich in der Zeit vom 9 b i s 2 4. A u- g u st auf der Wasserkuppe stattfinden. wicht von 70 Kilogramm, gesund und trocken: Hektolitergewicht von 72 Kilogramm, gut, gesund und trocken: Hektolitergewicht von 63 Kilogramm, trocken, für Müllereizwecke gut verwendbar. Die Preise verstehen sich je Tonne, Frachtverrechnung (Parität) Frankfurt o. M., für alsbaldige Lieferung. Soweit Abschlüsse ermittelt werden in anderen Qualitäten als denjenigen der drei ständigen Notierungen, werden diese unter Angabe des Naturalgewichts und der Beschaffenheitsmerkmale besonders notiert. * Bilanzsitzung der I. - G. - Farbenindustrie. Gegenüber einer Pressemitteilung, wonach die Bilanzsitzung der J.-G.-Farbenindustrie A.-G., Frankfurt a. M., auf den 26. April anberaumt sein soll, erfährt der WTB.-Handelsdienst, daß die Bilanzsitzung erst anfangs Mai stattfindet. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 31. März. Tendenz: freundlich. — Hinsichtlich der Neubildung des Reichskabinetts war man im heutigen Vorrnit- tagsverkehr ziemlich zurückhaltend und die Meinung hierüber war geteilt. Zu Beginn des offiziellen Marktes kam jedoch eine freundliche Stimmung und eine Belebung des Geschäftes zum Durchbruch. 3n erster Linie wirkte anregend, daß wieder Kaufaufträge eingetroffen sein sollen. Der heutige Ultimo dürfte keine Schwierigkeiten bieten. Die Kulisse schritt in Verbindung damit und infolge einer regeren Beteiligung des Auslandes am Börsengeschäft zu Weinungskäufen. Der Geldmarkt war wohl angespannter, doch besteht die Hoffnung auf eine baldige weitere Erleichterung. Einige Wirtschaftsnachrichten lauten immer noch etwas zurückhaltend, doch wurde auch hierin eine bessere Entwickelung der Wirtschaft prophezeit. Mehr in den Vordergrund treten konnten noch vor allem am Elektromarkt Chadeaktien mit plus 9 Mark. AEG. mit plus 1,5 Prozent, Licht & Kraft, Gesfürel und Schuckert je plus 1 Prozent höher. Siemens eröffneten unverändert. Autzerd«n bestand noch für Deutsche Linoleum mit plus 5,25 Prozent, für Kaliwerte, bei dem gesteigerten Kaliabsatz im Monat März, bei einer Besserung bis zu 4,5 Prozent lebhafteres Interesse. Montanwerte lagen nach wie vor still, doch ergaben sich auch hier Besserungen bis zu 2,5 Prozent. Am Chemiemarkt traten Goldschmidt mit Aus 3 Prozent mehr hervor, aber auch Farben waren mit plus 2 Prozent gesuchter. Dauunternehmungen bis zu 1,5 Prozent fester. Wayß & Freitag lagen auf Gewinnmitnahmen bis 1 Prozent gedrückt. Danken eröffneten bis zu 1 Prozent höher. Rcichsbank l'-cht nachgebend. Schiffahrtswerte hatten besonderes Geschäft. Hapag und Nordeutscher Lloyd gut behauptet. A.-G. für Verkehrswesen leicht nachgebend. Conti-Gummi waren ebenfalls stärker bevorzugt und konnten 4,5 Prozent gewinnen. Zellstoffaktien bis 1 Prozent höher. 3m Verlaufe war das Geschäft still, doch blieb die Tendenz freundlich. Auf Gewinnmitnahmen ergaben sich vereinzelt kleine Kursrückgänge. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 6 Prozent un- verändert. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1875, gegen Pfund 20,372, London gegen Kabel 4,8655, gegen Paris 124,30, gegen Mailand 92,93, gegen Madrid 39,09, gegen Holland 12,12, gegen Schweiz 25,13. Berliner Börse. Berlin. 31.März. Der erste Vormittagsverkehr der neuen Woche zeigte trotz der von der Spekulation geübten Zurückhaltung ein freundliches Aussehen. Auch an der Vorbörse hielt die zuversichtlichere Stimmung an. und man hörte allgemein höhere Kurse. Die Unsicherheit hinsichtlich der Neubildung der Regierung wurde gegenüber den aus der Wirtschaft vorliegenden günstigen Momenten etwas in den Hintergrund gedrängt. Der befriedigende Kaliabsatz im ersten Quartal, die ziemlich bestimmten 12-v. H.-Dividendeerwartungen bei .- G.-Farben, die Nachrichten von der beabsichtigten Bildung eines Elektrofinanzierungstrustes, die Gewährung der Reich ltelephonkonzession an Siemens & Halske, der Fortschritt in der Entlastung des Arbeitsmarktes und endlich der sehr feste Schluß der Neuhorker Börse, waren solche anregende Momente. Besonders lebhaftes Geschäft hatten heute Farben, die schon vorbörslich mit 174,5 v. H. umgingen. Zu den ersten Notierungen wurden von der Spekulation die vorhandenen Nachfragen von Publikumsseite vielfach zu Glattstellungen benutzt, so daß die Eröffnung zwar freundlich, die Kursentwickelung aber nicht auf allen Märkten einheitlich war. Illeber den üblichen Rahmen von 2 v. H. gewannen Polyphon und Nordseefischerei je 3v. Chadeaktien 5 Mark. Auf der anderen eite verloren Bergmann, Rhein. Braunkohlen, Bemberg, Schultheis und Sarotti etwa 2 bis 5 v. H. Kaliwerte lagen allgemein etwas schwächer. Nur Westeregeln konnten sich im Kurse gut behaupten. Deutsche Anleihen ruhig. Ausländer bei kleinem Geschäft eher leichter. Der Pfandbriesmarlt war noch unentwickelt. Der Geldmarkt war etwas angespannter. Lagesgeld, d. h. heute auch Geld über Ultimo, 6 vis 8,5 v. H.; Monat'geld 6 bis 7,5 v. H., Warenwechsel etwa 5,5 v. H. Nach den ersten Kursen wurde es lebhafter und fester, wobei die Hoffnung auf Wiede rverflüssigung des Geldmarktes nach überwundenem Ultimo anregte. Schultheiß die anfangs etwas schwächer lagen, und Conti Gununi zogen etwa 3,5 v. H. an. Auch an den übrigen Märkten kam es zu Besserungen bis zu 2 v. H. Ostwerke besserten sich um 3 v. H. Farben, Elektro« werte, und Montanpapiere hattet neben den genannten Werten recht lebhaftes Geschäft. Frankfurter Eiermarkt. Tendenz: sehr ruhig. (Auslandeier unverzollt ab Grenzstation, Jnlandeier ab Station.) Preise in Pfennig per Stück: Italiener 8,5 bis 9. bulgarische 6,5 bis 6,75, jugoslawische 6,75 bis 7, rumänische 6 bis 6,25, polnische 5.75 bis 6, holländische 8 bis 10, dänische 8 bis 10. belgischflandrische 8 bis 8,5, schlesische 6.75 bis 7, bayerische 7.25 bis 7,5, norddeutsche 7,5 bis 7,75. Frarter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 31. März. Der Produktenmarkt verkehrte in fester Haltung. Das Angebot war sehr gering; da die Auslandnotierungen höher lauteten, schritt die Händlerschaft zu Deckungen, so daß Preisbesserungen bis zu 0,75 Mark eintraten. Am Mehlmarkt war Weizen- mehl und Roggenmehl bis 1,25 Mk. infolge der Hinaufsetzung der Mehlpreise durch die Müh- lenkonvention teurer. Am Futtermittelmarkt machte sich besonders für Mais für Futterzwecke Interesse bei einem Gewinn von 1,75 Wb bemerkbar. Es wurden notiert: Weizen 27,75—28, Roggen 17,75, Sommergerste für Drauzwecke 18, Hafer, inländischer, 16,50—16,75, Mais (gelb) für andere Zwecke 17,50—18,50. Weizenmehl, süddeutsches, Spezial 0, 40,50—41,25, Roggenmehl 25,25-26,50, Weizenkleie 8,25-8,50, Roggenkleie 9,00—9,25, Erbsen, je nach Qualität für Speisezwecke, 22—33, Linsen, je nach Qualität für Speisezwecke, 35—80, Heu, süddeutsches, gut, gesund, trocken, 8,50—8,75. Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt, 5, Weizen- und Roggenstroh, gebündelt, 5, Treber, getrocknet, 11,50—12. Tendenz: fest. Frankfurter Schtachtviehmartt. Frankfirrt a.M., 31.März. Auftrieb: 1321 Rinder, darunter 340 Ochsen, 77 Bullen. 504 Kühe, 358 Färsen: 462 Kälber: 77 Schafe; 4849 Schweine. Es notierten: Rinder: Ochsen: vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts (jüngere) 55 bis 58 Wk., (ältere) 50 bis 54. sonstige vollfleischige (jüngere) 46 bis 49; Bullen: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 53 bis 56, sonstige vollfleischige ober ausgemästete 48 bis 52; Kühe: jüngere, vottfleischige, höchsten Schlachtwerts 46 bis 49, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 42 bis 45, fleischige 35 bis 41, gering genährte 28 bis 34; Färsen (Kalbinnen, Iungrinder): vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 56 bis 59, vollfleischige 52 bis 55, fleischige 43 bis 51. — Kälber: beste Mast- und Saugkälber 76 bis 80, mittlere Mast- und Saugkä b:r 70 bis 75, ce.irge Käl er 53 bis (9. — Schweine: Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 66 bis 69, vollfleischige Schweine von etwa 160 bis 300 Pfund 67, bis 70, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund 66 bis 69 Mk. — Marktverkauf: Rinder ruhig, geringer äleberstand. Schweine ruhig, geringer llebtzrstand. Kälber und Schafe mittelmäßig, geräumt. Letzte Nachrichten. Manda sniederlegunq des ^eichsminiflers Schiele. Berlin, 31. Mär;. (MTB. Funkspruch.) Reichs- emährungsminister Schiele Hal in einem Schrei- ben vom heutigen Tage an den Präsidenten des Reichstages fein Mandat als deutschnationaler Reichstagsabgeordneter nledergelegt. Wizamlmänner-Tagung in Gießen. Der Provinzialverband Oberhessen des Vereins hessischer Iusttzamt- männer hielt am Samstagnachmittag im „Hindenburg" zu Gießen seine diesjährige Provin - zialversammlung ab. Justizinspektor Bayersdorf (Gießen) begrüßte Die zahlreich Erschienenen und gab zunächst einen kurzen Ueberblicf über die einzelnen Der- handlungsgegenstände. Er wies in diesem Zusammenhang auf die finanzielle Not im hessischen Staatshaushalt hin und vertrat die Auffassung, daß bei restloser Durchführung des bereits im Iahre 1921 in Kraft getretenen Reichsspargesehes zur Entlastung der Gerichte („Kleine Iustiz- teform“) eine wesentliche Vereinfachung, Verbilligung und Beschleunigung des Geschäftsganges bei den Gerichten möglich sei. Durch die Erweiterung der Aufgaben des Rechts- Pflegers könne die vom Reichssparkommissar vorgeschlagene Aufhebung bzw. Zusammenlegung kleinerer Amtsgerichte vermieden werden. Weiter müsse die Amtsanwaltslaufbahn wie in Preußen auch in Hessen den mittleren Be - am ten zugänglich fein. Die in Preußen eingeführte Dreiteilung des Bureaudienstes müsse auch in der hessischen Iustizverwal- tung Eingang finden. Der Redner machte dann noch eine Reche von Sparvorschlägen zum hessischen Staatshaushalt. Iustizobersekretär G l e n z (Büdingen) referierte sodann über: „Die kleine Justiz- reform vom Iahre 1921 und ihre Durchführung in Hessen." Der Redner brachte zunächst zum Ausdruck, daß durch den Abbau bzw. die Zusammenlegung kleinerer Amtsgerichte die erwartete Ersparnis nicht eintreten werde, dagegen bedeuteten derartige Maßnahmen eine weitere wirtschaftliche Betastung der Rechtsuchenden. Außerdem seien solche Maßnahmen auch unzweckmäßig. Dagegen sei durch die Schaffung des Reiserichters und durch die Erweiterung der Befugnisse des Rechtpflegers eine Verminderung der Kosten der Justizverwaltung sehr wohl möglich. Es fei bedauerlich, daß die im Amtsblatt Nr. 4 von 1921 vom Hess. Iustizministerium erlassenen E n 11 a ft u n g s b e st i m m u n g e n, besonders bezüglich der freiwilligen Gerichtsbarkeit, nur bei neun Amtsgerichten zur Durchführung gekommen seien. Die mittlere Beamtenschaft in bet Justizverwaltung forbere bie restloseDurch- führ ung biefer Entlastungsbestim- m u n g e n um so mehr, als dadurch die Mög- lichkeit zur Erhaltung der kleinen Amtsgerichte gegeben sei. Der Redner zeigte dann bie finan» gielle Auswirkung bet Entlastungsbestimmungen, um zum Schluß noch darauf hinzuweifen, daß die Frage der Justizreform eine Frage der Ersparnis von Mitteln sei. Hierbei müßten von allen Seiten Opfer gebracht werden, denn über dem Schicksal des einzelnen stehe das Schicksal unseres Volkes. Nach kurzer Begrüßung der inzwischen erschienenen Mitglieder des Gesamtvorstandes des Vereins hielt der Vorsitzende der ©efamtorgani- fation, Justizinspektor Schröder (Darmstadt) em kurzes Referat über das Gutachten des -Reichssparkommissars hinsichtlich der Landesjustizverwaltung. Nach einer einleitenden wirtschaftspolitischen Betrachtung behandelte der Redner die vom Reichsfparkommifsat vorgeschlagenen, sowie die von der Hessischen Regierung geplanten Sparmaßnahmen, zu denen er eingehend Stellung nahm. Der Redner vertrat die Auffassung, daß auch in der Justizverwaltung gespart werden muß und kann. Er sieht die vornehmste Aufgabe in dem Ausbau der Obliegenheiten des Rech tspf legers. Weiter hält er dieDreiteil ung des Bureaudien- stes (wie in Preußen) für notwendig. Er zeigte die Auswirkungen der Zusammenlegung von Amtsgerichten und die dadurch eintretende weitere Belastung der Wirtschaft, um sich dann mit der geplanten Zusammenlegung der beiden hessischen Strasan st alten Butzbach und Marienfchloh zu beschäftigen. Als letzter Referent sprach Iustizobersekretär Hardt (Butzbach) über: „Oie Reform des Geschäftsbetriebs bei den hessischen Justizbehörden nach preußischem M list e r". Er erläuterte in eingehender Weise die in Preußen eingeführte Dreiteilung des Bureaudienstes (schwieriger Bureaudienst, einfacher Bureaudienst und Kanzleidienft), zeigte die Ausbildung, Prüfung und Zulassung der einzelnen Berufsgruppen, um sich dann mit der Tätigkeit der verschiedenen Beamtenkategorien zu beschäftigen. Er wies auf die Un- schiede hinsichtlich der Zulassung, Prüfung und Tätigkeit in Preußen und Hessen hin und vertrat die Auffassung, daß man in Hessen auch in der Justizverwaltung mit der Zeit gehen müsse, nur verantwortungsvolle Qualitätsarbeit in der Verwaltung könne uns retten. In der anschließenden Aussprache wurde von einem Strafanstaltsbeamten, Oberkassentnspektor Eidracher (Butzbach), die Hallung des Beamten- bunbes zur Frage der Zusammenlegung der Straf» anftaüen gerügt, sowie die Auswirkung einer derartigen Maßnahme erläutert. Justizinspektor S ch r ö- der begründete die Stellungnahme des Beamtenbundes zu dieser Frage. Justizobersekretär G le n z wies im Schlußwort auf die Stimmung der Bevölkerung gegen die Aufhebung von Amtsgerichten und Kreis- ämtern hin, nahm Stellung gegen das geplante Ermächtigungsgesetz und vertrat die Auffassung, daß an einen Abbau der Amtsgerichte erst gedacht werden könne, wenn die Verkehrsverhältnisse dies zulasten. Justizinspektor Schröder betonte in feinen Schlußausführungen, daß die Bestrebungen auf Ausbau der Tätigkeit der mittleren Beamten keine Stellungnahme gegen das Richtertum bedeuten, sondern das Herausheben des'deutschen Richterstandes aus feinem seitherigen formellen Arbeitsgebiet hinüber zur größeren Konzentration und zur Befrei- unß von Arbeiten, die — wesentlich nur Rechtskennt- nif|e formeller Art ooraussetzend — nicht eine volle akademische Vorbildung erforderten. Als Ergebnis der Verhandlungen wurde sodann einstimmig nachstehende Entschließung gefaßt: „Die am 29. März 1930 in Gießen tagende Provinzialversammlung des Verbandes Hessischer Justizamtmänner ersucht den Vorstand des Vereins, umgehend eine außerordentliche Landesversammlung all er hessischen Kollegen in Frankfurt a. M. einzuberufen, in deren Mittelpunkt die Frage der Justizreform behandelt werden sblle. Es soll versucht werden, zu dieser Kundgebung den Herrn Reichsjustizminister a.D. Schiffer als Redner zu gewinnen. Die hessische Regierung und der Landtag sind hierzu einzuladen." Wirtschaft. Oie Getteicenotierunqen an der Frankfurter Börse. Auf Grund eines Erlasses des preußischen Ministers für Handel und Gewerbe vom 23. Januar 1930 wird die Frankfurter Börse, Abteilung Getreide, ab 1. April 1930 für die Ernte 1929/30 Weizen und Roggen wie folgt notieren: Weizen (Hessen und Provinz Hessen-Nassau) Durchsainittsgualität, Hekto'llergewicht von 76 Kilogramm, gesund und trocken; Hektolitergewicht von 78 Kilogramm, gut, gesund und trocken; Hek- tolltergewicht von 74 Kilogramm, trocken, für Müllereizwccke gut verwendbar. Doggen (Hessen, Provinz Hessen-Nassau und Tlnterfranken) Durchschnittsqualität, Hellollterge- Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse — Reichsbankdiskont 5 v. H., Lombardzinsfuß 6 o. H. Banknoten. Datum Datum Deolsenm-rt Berlin — Frankfurt a. M. 169.5 205.5 173 178 ■32.75 io '84,5 185 Hamburg« tEleftrtjttiitMBerte 10 '46 '66.25 165.5 ,13 1.75 4,5 -6.75 26,5 26,6 2,8 -.85 <4 109.25 7.13 38 7.13 H.13 104 •33.75 133,5 119,5 Oie hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlostenen Dividende an. io 10 12 35,25 39.75 218 160 82.5 105,5 80.65 105.25 142,25 131,5 112 0 0 6 10 80 106 178.5 176 132 172 194 258 . S 9 10 10 'Vi 196 258 196.5 258 10 io 81 12 6 9 5 6 8 8 10 8 10 10 12 11 12 174 176.5 132.5 2.8 '6.75 '52.5 106 184.25 137 170,75 208 •84.25 137 147,5 171,5 195.5 258 ■34,5 166 OtavI Minen Kaliwerke Aschersleben . Kaliwerke Westeregeln . Kaliwerke ®al*betfuetb . >07 25 ■09.65 ■08.4 109 74.5 107,13 '03 65 237 118.9 102,5 82 105.4 143,13 142 130 111.75 251 106,9 110.5 109 109 /3 75 107 25 • 03 75 235 118 75 103,5 '03.75 234 119 Rhemiiche Elektrizität Schlesische Elektrizität. Schuckert L Co. . . Siemen» & Halske . • Transrabio . . . . Vabmeoer L Co.. . . •71.(2.®......... Bergmann....... Elektr. LieferungSgesellschaft Licht unv Krall Selten & Guilleaume Geielllchast für Elektriiche Unternehmungen Schultheis Patzenhofer . Cfimede ..... Aku ...... Bemberg....... Zellstoff Daldvof . . . flellfloff Aschaffenburg . Charlottenburger Wasser Dessauer Ga» . . Daimler Motoren . , Deutsche Linoleum . . Maschinenbau A.,®. . . Nat. Automobil . . . Crcnffetn & Koppel . . Leonhard Tietz . • • Sventzko . . . 4% DefterreidUKbr Goldreine 4,20% Oefterreichische Silberrente 4% Oefterreichische Einheitliche Rente 4% Ungarische Goldrente 4% Ungarische Staarsrcnte v. 1910 454% orofll. von 1913 4% Ungarische Kronenrente i% Türkische Bollanleibe von ifln 4% Türkische Bagvadbabn-Anl Serie I 4% oeefll Serie N 5% Rumänische vereinb Rente von 1003 IY}% Rumänische vereinb Rente von 1918 t% Rumänische vereint,. Harte . 9 io 11 16 8 10 ■4,,75 130 16’/, 10 10 16 pumburg-Amenka Palet . . Hamburg.Südam Dampfschiff Hansa Tampsschiss -Norddeutscher Lloyd . . 'Allgemeine Deutsche Creditanfi. Barmer Bankverein Berliner Handelsgesellschaft Commerz. unv Prioat-Banf Darmstädter und Nationalbank Deutsche Bank und Disconto-GeseUIchast, . . Dresdner Bank...... Reichsbank ...... SJ. ®. »Zarben.InvuftNe . . Dynamit Nobel..... ScheideanstaU. . . . . , Goldschmidt . . . • • . RütgerSwerke . . . • • • MetallgeieNIchaft. . . . . 7 . 6 . 7 6Y. 10 . 6 7,2 ,25 40 17.3 9,1 38 >06 106 33,5 105 2181 160,51 . ö . 6 . 8 . 8 . O 6V, 10 . 7 "18 25 '08,25 69,5 Philipp Holzmann . . Zementwerk Heidelberg Cementwerk Karlstadt. Wavtz & Ureotag 73.13 7.85 6.9 15 12 18 14 13*/, 12 . 8 . 9 . O Buverue . . Deutsche Erdöl . . » Essener Steinkohle . • Gelsenkirchener . . • Harpener . • • Hoeich Eilen. . • • • 3‘le Bergbau . • • fildrfnerroede . . . Köln-Neuefsen . . . Manneemann-Röbren Mansseldet Bergbau Lberschlei Eiienbevarf Cberldilel KokSwerke Phönir Bergbau Rbeinische Braunkohle» Rbeinftahi . . . Rieüeck MotU« ... finntfturter Maichmen .... 4 Gritzner .......6 Hevligenfiaedt ...... 0 Iunghand ...... 6 Lechwerke ..... 8 Mainkraftwerte tzüchü a. M. 8 Miag 10 ®ebr Roeder ..... 10 Böig' & Haefsner ...... 9 Lüddemiche Buda • • • • 10 169.25 ' 169.25 208 T’ ' '1.25 17,4 1 9,151 Frankfurt a. M. Berlin <.-7chtuß- lurs t-Uhr- Kur todiluB* Ansa q» lur- Kurs Datum 29 , 3,, 29 $ 31 d 6% Deutsche Reichsanieihe von 1927 87 87 '<% Deutsche ReichSanleiüe von 1929 98,7 99 Deutsche Lul.-Ablöl.-Schuld mit Ausios.-Rechten 55 25 _ 55,25 55.3 Dergl. ohne Auoloi.-Rechte 9.75 9.9 9.8 9.9 8% Hess. Bolksftaat von 1929 (rüdtahlb 102%) 93 Oberhessen Provinz - Anleihe mit Auslos.-Rechten 51.75 Deutsche Komm. Eammelabl Anleihe Serie i _ 53,65 _ 8% Franks Hnv.-Bank Goldpfe XIII unkündbar bis 1934 47,5 _ 7% Krankl Lwv.-Bank tSoldpfe unkündbar bis 1932 4%% Rheinische tznp.-Bmrk Liau. Goidofe. 44,2 6% Pr. Landespfandbriefanfialt, Pfandbriefe R. 17 97 97 6% Pr Lanbesofanddriefanftalt. Komm.-Lbi R. ifl 94 44 7% Pr. LandeevfandbriefanNall. Pfandbriefe R. 10 89 89 CI.®.® abg. Borkriegs-Obligatio. nen. rücktablbar 1932 84,5 — - iVonttun a JJl. Serlin Gch.Uß«' 1-Uhr- Schluß- Anfang. nif< , K re fürs Kurs 29 i 31 4 29 d 31. i HT 112 '11.4 111.25 — — 167 - '55 — 106 106 105,75 105.75 "7 25 —— '17,75 118 133 134,5 134.5 134,5 '73 5 174 '73.25 173,25 160 161,25 '60.5 160.75 239 — 237 238 — — 151.25 151.5 153 5 155 154 154 289 288,5 289 288,5 Frankfurt a. | Berlin Schluß- iur< 18 375 58.493 58 365 58 485 (Ebrifttnnla. ■ 12 03 H2.25 112.02 112 24 Kov.-nbag.'n '12.08 112.3( 112 46 112 68 Stockholm . 112,46 H2.61 112 46 112 68 HeliinaiorS. '0.517 10.537 10 525 10 545 Italicit. . . 21.93 21.97 21 925 21 965 London. . . 20.355 20.395 20 353 20 393 •Jieunort . . 1.1830 4.1910 4 184 4 197 Varis.... Schwei; . . 16.375 16.415 1637 16 41 -10.965 81.125 80 985 81.145 Sva un. 52,15 52,25 52.10 52 20 Japan . . . 2.068 2.072 2 069 2.073 Hio de Jan ) 48k 9.496 0 492 0 494 Wien In D-- Cefi. QbQcft 58.97 59 09 58.975 59 095 Prag . . . '2.307 12.41/ 12 396 12 416 Bel irad 7.396 7.410 7 391 7.405 Bndav.fl. . 73.063 73 205 73 04 73.18 Bul arten 3.037 3.043 3.037 3 043 "■ssabon . 18.76 18.80 18.73 18 82 Tanna - - - Konst ntin. 31,44 81.60 81.42 81 58 1.784 1.786 1 785 1 789 Athen. . . 5.425 5 435 5.405 5 416 Canada 1.182 4.190 4 182 4.190 Uni uan . 3,776 3.784 3.778 3.784 ttairo . . . 20.875 20.915 20.875 20.915 £ tilj) ir u C a' e» o ' $ : ft a o-e L- E = he äl V ” 5. 3 t 2 t 535 Q * -k O to? AE« - C V . JU t* c o Im z £5 e Vs * E 8 = 4 öS- = e § ®pg a 82 iS -s -»Efts eM 8.L- Sri* s e g = e C7-R SÄ 2 E I E A ■n i” S fi o bs c S H A A AO9 © A Q KT §öfo % « s© SB Ae ö 28Bi A s S S 2 = ft gö hS 5 S- 2 hajc^ 3 19 IS LZ ft E -’s = 5 c 2? sr-E ee1 E E 2 S> ft 3 = 53 x>uE”j AU S len. E.2 E Ä cH oHCQtoi) c © 3 s *_ E ■°19 Kä © L e 2 © = e a •eg. 5=) E = A ■e ft ER cd » os/=**c •es säe IS 2 0 (9 -o =.3 E-B e c 55? 2 ft y e © 2 q 9£?« 2Ä*o e B e« E = =5 q £S L-ffx-b .£© öLD L 2 E>b>2 B FZ EÄAE 2 S s ögE N 2 E E y K •E c E — s - S-o c E © t L © E E = c o E*Ö e = e ww;?gÄ © 8 2^3 -c o Q S 5 N e 19 en e Z E Z 3 s t t i 6 i j N- E &■ E E <3 Q ^3 LÄ E E s « ?Ä «OS-SÄO -Z E* E S s Ei2 oA nO c •g E§ = ^E Eg LZ S8K ■c o 2 "c 53 o U Z E B Z HL E = 19§ B£S — 811 L" § 9 «. E = Bi E Sb = 1ä w 1$> S.£Ä '53^ = A 2 i» Q A .2* E ■ ss- 'S 2 w a&ß E £• § “ «i 3 3 3t htviehmartt. März. 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