Nr. 24 Erstes Blatt 180. Jahrgang Mittwoch, 29. Januar 1930 Ertchelni täglich, außer Sonntags und feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener FamilienblLtter Heimat im Bild Die Scholle Monatr-Vezugspretr: 2.20 Reichsmark und 30 Reichsplennrg für Träger, lohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. zernsprechanschlüste unterSammelnummer225L Anschrift für Drahtnachrichten: Hnjetger Eiehen. Postscheckkonto: gronffurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vn'ck und Verlag: vrühl'sche Univerfilätr-Vuch- und Stelnöruderei H. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstraße 7. Annahme von Nnzelgen für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von r< mm Breite örtlich 8. auswärts 10 Reichspfennig, für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20“ , mehr. Chefredakteur: Dr Friedr Will) Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr Wilh. Lange, für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich tn Gießen. Sturz der Diktatur in Spanien. General primo de Rivera tritt mit dem Kabinett zurück. —Ueberraschung in Madrid. —General Berenguer soll ein Lleber- gangskabinett für die Rückkehr zu einem verfassungsmäßigen Regime bilden. Madrid. 29. Dan. (TU.) Der König Hai das Rücktrittsgesuch Primo de Riveras und der G e s a m t r e g i e r u n g angenommen und der Regierung für ihre unübertrefflichen Verdienste um Spanien seine höchste Anerkennung ausgesprochen. Gleichzeitig ernannte der König den Ches des Militärkablnetts, General Damaso B e - renguer, Graf von lauen, zum Minister- Präsidenten und bat Primo de Rivera und die Minister, bis zur Neubildung des Kabinetts die Geschäfte weilerzuführen. was diese auch zugesichert haben. Mit der Ernennung der neuen Minister ist noch in der Nacht oder Mittwoch früh zu rechnen, wahrscheinlich werden ein oder zwei Minister der bisherigen Regierung vom König gebeten werden, in die neue Regierung einzutreten. Diese wird als Ucbergangsdiktatur betrachtet, die möglichst bald den weg zu gesetzmässigen Verhältnissen zu ebnen habe. Sollten die Gerüchte über republikanische Machenschaften in einem Teil der Armee auf Wahrheit beruhen, dann würde der wechsel in der Regierung natürlich in keiner weise hemmend auf die weitere Ausbreitung dieser Bewegung fich auswirken können. 3m ganzen betrachtet, scheint es sich um eine Notlösung zur Sicherung der Monarchie zu handeln. * Beim Verlassen des königlichen Palais übermittelte Primo dr Rivera der Presse eine Rote, in der er fich von der Oessentlichkeit verabschiedet. Primo erklärte, der König hat General Berenguer mit der Kabinettsbildung beauftragt. Diese Wahl hat auf mich einen guten Eindruck gemacht, denn es handelt fich um einen ruhigen, zurückhaltenden Mann. 3n der Rote heisst es: Die Mitglieder der Regierung haben, nachdem sie davon Kermtnis erhalten hatten, dass persönliche und Gesundheitsgründe mich veranlassten, drm Könige unwiderruflich mein Demissionsgesuch zu unterbreiten, mir erklärt, dass öiifc Demission auch die ihrige im Gefolge hat, und haben mich gebeten, dem Könige die Demission der gesamten Regierung zu unterbreiten. Der König hat meine Demission sowie die aller Minister angenommen. Er hat eines jeden mit herzlichen Worten gedacht und jeden gelobt. Er hat mich gebeten, alle Beamten, Körperschaften usw. wissen zu lassen, dass er wünscht, dass sie ihre Posten weiter ausfüllen, bis eine neue Regierung gebildet ist. Heute abend oder morgen werde ich meine letzte offiziöse Rote veröffentlichen, in der ich die G r ü n d e d e r K r i s i s auseinandersehe und mich vom Lande und vom Heere verabschiede. Och werde, um mit gutem Be.spiel voranzugehen, auf meinem Posten bleiben, bis der neue Ministerpräsident sein Amt übernommen hat. Wie es zum Rücktritt kam. Tie Bewegung gegen die Diktatur. Hendaye, 28. San. (Havas. Funkspruch.) Aus Madrid wird berichtet, dass eine starke Abteilung Studenten und junger Leute die Strassen der Hauptstadt durchzog und gegen General Primo de Rivera und die Diktatur manifestiert hätte. Sn einer der Hauptstrassen von Madrid sei von den Studenten ein Kiosk der Zeitung „El Debate" zerstört und in Brand gesteckt worden. Die Schaufenster der Cafes und Kasinos im Zentrum der Stadt seien von den Manifestanten durch Steinwürfe zerstört worden. Es sei der Polizei gelungen, die Manifestanten zu vertreiben. Dem „Journal" wird aus Madrid gemeldet, dass bereits in den ö^niversitätskreifen von Sevilla, Barcelona, Granada und Salamanca eine gewisse Erregung herrschte und an Ausdehnung gewann. Es seien auch pessimistische Gerüchte über das Ergebnis der beim Heere von Primo de Rivera angestellten Umfrage ausgetaucht. Die Antwort der Generalkapitäne sei vom Ministerpräsi- deuten als wenig befriedigend für seine Eigenliebe bezeichnet worden. Die aus verschiedenen Provinzen eintreffenden Rachrichten hätten dahin gedeutet, dass sich eine weitgehende Bewegung gegen das Direktorium abzeichne. An dieser Bewegung seien die Führer des Dolkshauscs mitbeteiligt gewesen. Der Flieger- major Franco sei in Cadiz gelandet und habe dem Generalkapitän von Andalusien Anweisung für einen Aufstand der Garnison gegen die Diktatur überbracht. General Primo de Rivera habe sich im letzten Augenblick davon überzeugt, dass er nicht länger eine so ernste Verantwortung übernehmen könne und dass sein weiteres Verbleiben in der Regierung sehr ernste Folgen haben könnte. Darum sei er zurückgetreten. Bei Ueberreichung seiner Demission soll Primo de Rivera erklärt haben: „Sch bin mir klar, dass ich einen Fehler begangen habe, die militärischen Führer aufzufordern, mit einem Sa oder Rein auf die Frage zu antworten, ob ich meine Tätigkeit fortsehen soll." Sn einer Havas- Meldung aus Madrid heisst es, dass General Primo de Rivera dem König zwei Dekrete unterbreitet hatte, durch die der Snfant Don Carlos als Generalkapitän von Andalusien und General G o d e d als Militärgouverneur von Cadiz a b g e s e h t werden sollten. Der König habe die Unterzeichnung jedoch abgelehnt. Daraufhin sei Pr-w-, de Rivera zurückgetreten. Andererseits scheine General Primo de Rivera durch den ^^chluh der Marine zu der von ihm gestellten Umfrage beeinflusst worden zu fein. Dieser Beschluss habe sich gegen die weitere Führung der Regierungsgeschäfte durch Primo de Rivera ausgesprochen. Der neue Mann. Tic Ausgabe des Kabinetts Berenguer. Paris, 29. 3an. (WTB. Funkspruch.) Die Nachricht von der Demifsion Primo de Riveras wurde, wie havas aus Madrid meldet, von den Zeitungen spät abends in grosser Aufmachung veröffentlicht und löste bei der Bevölkerung grosse Erregung aus. 3n sämtlichen Madrider Kreisen werde der Rücktritt stark kommentiert, ebenso die Betrauung des Generals Berenguer mit der Kabinettsbildung. Obwohl man mit Hern Rücktritt rechnete, wurde er nicht so bald erwa rtet. Als General Berenguer das königliche Palais verlieh, wurde er von den auf ihn wartenden Pressevertretern beglückwünscht. Er teilte ihnen mit, dass er sich um 11 Ahr nachts ins Kriegsministerium begeben wolle, um sich mit Primo de Rivera zu besprechen. Die Nachricht von seiner Designierung sei ihm tatsächlich überraschend gekommen. Auf Anfragen von Pressevertretern nach der Orientierung der neuen Regierung erwiderte General Berenguer: „3ch gehorche als Soldat und werde als Bürger handeln". Als die Pressevertreter wissen wollten, ob das neue Kabinett militärischen Lharakter haben werde, antwortete Berenguer, es werde ganz einfach eine Regierung sein. Das Kabinett Berenguer wird vor allem die Aufgabe haben, durch eine Uebergangstegierung öle Rück- kehr z u einet verfassungsmässigen Regierung vorzubereiten, der gewisse ehemalige Politiker angehören werden, die sich geweigert hatten, von Primo de Riviera ein Portefeuille anzunehmen. Unter den eventuellen künftigen Ministern werden genannt: Leopolds Matos für das Innenministerium, General S a r o für das Kriegs- minifterium und B e n t o s a für die Finanzen. Uebet die Persönlichkeit des Generals Berenguer wird gemeldet: Berenguer, der 1873 geboren ist, gilt als ausgezeichneter Politiker und grosser Heerführer. Nach der Niederlage des Generals Sil- vestre bei Melilla im 3ahre 1921 durch die Rifleule hat Berenguer Marokko gerettet und sein Werk durch die Einnahme von Tetuan gekrönt. Sechs Jahre Diktatur. Tie Regierung Primo de Niveras. Der gestürzte Diktator hat eine rasche militärische Laufbahn hinter sich. Schon im Alter. von 30 Jahren war er General. Von 1917 bis 1921 war er Senator und vertrat damals den Standpunkt der Aufgabe Marokkos. Gleichzeitig war er einer der Führer der Offi- ziers-Suntas. Zuletzt war er Generalkapitän in V a r c e l v na , als er i'm September 1923 an die Spitze der Militärrevolution trat, die die bestehende parlamentarische Regierung verjagte und eine Militärregierung einsehte. Infolge des Austretens von Abdel Krim sah er sich gezwungen, den Marokkokrieg entgegen seiner ursprünglichen Absicht zusammen mit den Franzosen kräftiger als je zu führen und dort im Sommer 1925 sogar selbst den Oberbefehl zu übernehmen. Er erzielte dabei einen gewissen Erfolg. Sm Dezember 1925 bildete Primo de Rivera das nur aus Generalen bestehende Direktorium in ein Kabinett um, in dem er selbst den Vorsitz führte. Das Parlament und die Verfassung blieben weiter ausgeschaltet. 1926 kam es zu einer Krise der Diktatur Primos, als das Offizierkorps der Artillerie offen in Gegensatz zu ihm trat. Primo blieb Herr der Lage, da die übrigen Teile der Armee ihm treu blieben. Er erliess dann einen Aufruf, in dem er ankündigte, dass er nunmehr eine Rationalversammlung mit beratender Stimme vorberciten werde. Ein zweiter Aufruf im August 1927 forderte zur Bildung einer „Union Patriotica" auf und kündigte ein königliches Dekret über die Einberufung der Rationalversammlung an. Es gelang Primo de Rivera, dem kostspieligen Maroltokrieg durch Zusammenarbeit mit Frankreich im Jahre 1926 ein Ende zu bereiten. Trotz seiner unbestreitbaren Verdienste um die materielle Entwicklung und die wirtschaftliche Wohlfahrt des Landes verstand es der Diktator nicht, in der durch die rücksichtslose Pressezensur verärgerten Oessentlichkeit Sympathien zu gewinnen. Auch glückte ihm die Schaffung einer eigenen politischen Organisation, die an die Stelle der alten Parteien hätte treten können, nicht in dem erwünschten Masse. Die Opposition äußerte sich in wiederholten Putschen. Auch die Armee, auf die sich die Diktatur stützte, verband sich zeitweilig mit liberalen Politikern wie Sanchez Guerra im Kampfe gegen Primo de Rivera. Der hauptsächlich auf politischem Grunde beruhende Sturz der Peseta hat die letzten Monate des Regimes verdüstert und dem Diktator selbst den Entschluss zur Liquidierung seines Unternehmens nahegelegt. Allerdings hatte er gehofft, die Rückkehr zu verfassungsmässigen Zuständen, insbesondere die Reuwahlen noch selbst veranstalten zu können. Der Eindruck in Paris. Erste Presscstimmcn znm Rücktritt des Diktators. Paris, 29. San. (WTB. Funkspruch.) Zum Rücktritt General Primo de Rivera schreibt der „Petit P a r i s i e n": General Berenguer ist ein persönlicher Gegner Primo de Riveras. Seine Wahl ist also bezeichnend. Er genoss das Ver- Mit 240 gegen 445 Stimmen. Berlin, 28. San. lVdz.) Auf der Tagesordnung steht die dritte Beratung des Zünd- waremnonopolgesehes. Abg. H e r g t (Dn.) erklärte, mit den vorn Minister angeführten Zahlen sei noch immer keine volle Aufklärung geschaffen. Der Minister hätte mehr darüber sagen sollen, ob nach seiner Auffassung die vorher versprochenen Steuersenkungen möglich sein werden. Klarheit haben die Ausführungen des Ministers nur darüber gebracht, dass f ü r das Ctatsjahr 1 9 3 0 mit keinerlei steuerlichen Erleichterungen für die Wirtschaft gerechnet werden kann. Wir begrüßen die Erklärung des Ministers, daß er endlich Ordnung im Kassenwesen des Reichs schaffen will. Das ist aber nicht als ein Vertrauensvotum aufzufassen, wir werden vielmehr abwarten, wieweit er seine Zusage erfüllt. Ein Anleihcbedürfnis läßt sich nicht leugnen, aber gegen die mit einem Monopol verbundene Kreu- geranlcihe haben wir die s ch w e r st e n Bedenken. Wir werden deshalb in der Schluß- abstimmung die Vorlage ab lehn en. Der Re- Die erste Kundgebung. Berlin, 28. San. (WB.) Sm ehemaligen Preußischen Herrenhause trat die eben gegründete Dolkskonservative Vereinigung" zum ersten Male mit einer Kundgebung an die Oeffentlichkeit. Don den aus der Deutschnationalen Dolkspartei ausgetretenen Abgeordneten gehören der Dolkskonservativen Vereinigung an: Treviranus, Lambach, Lindeiner-Wildau, Schlange, von Keudell, Klönne, Hoetzsch, Lejeune-Sung. Reichstagsabgeordneter Treviranus führte u. a. aus: Wir sind entschlossen, die Haager Ergebnisse abzulehnen, weil sie keine Gewähr dafür bieten, daß Deutschland in Ruhe und Frieden auch nur den Versuch machen kann, sich von der Tributlast in mühseliger Arbeit zu befreien. Cs ist unsere besondere Aufgabe, aus der Parteienge heraus einer größeren Sammlung konservativer Kräfte und einer stärkeren Autorität den Weg zu bereiten, auf den Wegen, die die geltende Verfassung freiläht. Wir suchen nach neuen Formen der politischen Arbeit. Wir glauben: Unser Volk hat genug von Programmen und Enttäuschungen über unerfüllbare Versprechungen. Reichstagsabgeord. Schlange-Schöningen sagte u. a.: Wir sind der Meinung, daß An- leihen mit ihren unerträglichen Zinsen nach Möglichkeit vermieden wcrden müssen und statt dessen durch großzügige Reichsund Verwaltungsreformen eineEnt- lastung der Wirtschaft geschaffen werden muh, damit innere Kapitalbildung ermöglicht wird. Diese Aufgabe wird besonders dringend, wenn man auf das gefährdete Grenz- land im Osten blickt, wo sich eine verzweifelte Bevölkerung geradezu im Aufbruch befindet. Wir sind der Meinung, daß die Rettung des Ostens und der Landwirtschaft nicht durch radikale Parteidogmen erreicht werden kann, sondern nur durch die Gewinnung der Dundesgenossenschaft trauen des Königs. Wird König Alfons unter dem Ramen des Generals Berenguer eine stärkere Regierungsgewalt ausüben ober ist der Wechsel ein Anzeichen für die Rückkehr zur norm al en Lage? Das wird man bald erfahren. — Das „Sournal" nennt den gestrigen Tag einen Tag von geschichtlicher Bedeutung, dessen Folgen für Spanien beträchtlich seien. — „E ch o de P a r i s" erklärt, die Beunruhigung, die durch den ständigen Sturz der Peseta verursacht wurde, hätte den Diktator bestimmt, das Vertrauen der Heerführer aufs neue anzufordern. Da es ihm nicht gewährt wurde, sei er gegangen. Es wäre zu früh, die Bilanz seiner Tätigkeit zu ziehen. Sedenfalls aber habe er Spanien, wenn er auch das Marokkoproblem nicht endgültig liquidieren konnte, aus einer sehr schwierigen Lage ehrenvoll herausgezogen. Er sei zu einer Verständigung mit Frankreich gelangt. Er habe sich als Freund Frankreichs bewährt. Das habe ihm die Lösung der dornigen Tangerfrage gestattet, ohne die französischen und englischen Snteref en anzutasten und ohne die spanische Empfindlichkeit zu verletzen. gierung und dem Amtsvorgänger Moldenhauers ist der schwere Vorwurf zu machen, daß sie der schon immer vorhandenen furchtbaren F.nanznot gegenüber öie Hände in den Schoß gelegt und auch bei den Boungverhandlungen nicht mit dem nötigen Rachdruck diese Rotlage den Derhandlungsgegnern gezeigt haben. Abg. Schlack (Zentr.) verteidigt die in der Vorlage enthaltenen Bestimmungen für die Konsumgenossenschaften. Diese Genossenschaften haben weder das Sperrgesetz von 1927 gewollt, noch das jetzige Monopol. Wenn chnen nicht eine gewisse Bewegungsfreiheit gelassen wird, dann mühte die gesamte Arbeitnehmerschaft sich gegen das Monopol wenden. Von einer Vorzugsstellung der Konsumgenossenschaften kann man überhaupt nicht sprechen. Der Finanzminister hat vielmehr an diesen Bestimmungen ein großes Interesse, weil beim Fortfall der Sonderabgabe der Genossenschaften ein Ausfall von 1 bis 1,2 Millionen eintreten würde. Damit ist die Aussprache geschlossen. Alle vorliegenden Aenderungsanträge werden abgelehnt. In der namentlichen Schlußabftimmung wird das Zündwarenmonopolgesetz in der Fassung der zweiten Lesung mit 240 gegen 145 Stimmen bei 7 Stimmenthaltungen angenommen. all > derer aus allen Schichten und Ständen, die guten Willens sind zum schrittweisen, zähen Kampf im Sinne der Grünen Front, zu der wir uns bekennen. Aeichttagsabgeordneler Walter Lambach erklärte u. a.: Volkskonservatio cheiht in wörtlicher Uebersetzung „volkserhaltend". Volkskonservatives Wollen heißt fortwirkende Lebenskraft erhalten wollen, und nicht einen bestimmten Zustand konservieren. Weil wir die Lebenskraft unseres Volkes erhalten wollen, sehen wir in dem Kampf um den Schutz derFa milien, um die Bewahrung der Kinderseele vor der gottlosen, zynischen Vergiftung der Schule und durch die Auswirkungen unseres öffentlichen Lebens eine vordringliche Aufgabe unserer politischen Tätigkeit. Weil wir die Zukunft unseres Volkes sichern wollen, kämpfen wir um die Erhaltung bodenwüchsigen Bauerntums. Bauer und Arbeiter gehören Schulter an Schulter in die vorderste Front dieses Kampfes. Wir erkennen die aus eigener Kraft gewachsenen Gemeinschaften der Berufsstände, Gewerkschaften und andere Berufsvereinigungen als ihre gegebenen Vertretungen an. Wir wollen das Volk erhalten in seiner Eigenart, die Gott geschaffen hat, frei und ohne Knechtschaft. In dieser Gesinnung stehen wir in Ehrfurcht vor dem Großen und Getreuen, der das Beste verkörpert, was in uns lebt: vor Hindenburg. Als letzter Redner führte ReichstaaSabg-ordnettr Prof. Dr.Hoetzsch u. a. aus: Mit Absicht nenne ich das, was uns vorschwebte, Tory-Demokratie. Denn nicht nur äußerlich sind die Konservativen unter uns mit den Christlich-Sozialen verbunden. Wir stehen zusammen in der Ueberzeugung eng st er Gesinnung s g e m e i n s ch a f t, die die Notwendigkeiten der sozialen Politik und Reform, ausgehend von der absoluten Gleichberechtigung der Arbeiterschaft, der nichtmarxistischen Arbeiterschaft, mit den anderen Schichten bejaht. Auch ich bekenne mich, wie wir alle, die wir zu Ihnen gesprochen haben, zu dem unerreichbar großartigen Vorbilde unferer Arbeit, zu dem Manne, der, tief in Der Reichstag nimmt Oie Gründung der „Volkskonservativen Vereinigung". der Vergangenheit wurzelnd, doch die Brücke z u m N e u e n schlug als militärischer Führer seines Volkes, wie als der bürgerliche Präsident des Deutschen Reiches, der in wahrhaft konserva- tiverGesinnung seinem Volke dient, dem auch heute alle unsere Grüße und Wünsche gelten, mit der Bitte an den Herrgott, daß er in den kommenden Kämpfen und Krisen Hindenburg feinem Volke noch lang, lang erhalte. Das Programm der neuen Partei. Berlin, 28. San. (WTB.) Der der Volkskonservativen Vereinigung nahestehende Politisch- Gewerkschaftliche Zeitungsdienst veröffentlicht einen Aufruf dieser Vereinigung, in dem es u. a. heißt: Weite Kreise bekämpfen das parlamentarische System, ohne daß aus solcher Kritik die Kraft zur Bildung neuer Autorität entstanden wäre. Darum bleibt der Ansatz für unsere Arbeit die Erneuerung des Parteiwesens selbst. Mit solcher Erneuerungsarbeit wollen wir beginnen. Wir stellen das politische Handeln wieder unter die unbedingte Verantwortung des eigenen Gewissens. Wir wollen in staatspolitischer Gemeinschaft und Aufgabenteilung mit wesensverwandten Parteien und Gruppen zusammenarbeiten. Wir werden in Ehrfurcht vor dem Gewordenen und Werdenden eintreten für den Schuh der Familie, für die Bewahrung der Kindesseele, für den im Hei- matboden verwurzelten und ihm verbundenen Menschen. Selb st Verwaltung durch die am nächsten Berufenen soll den Staat von der tätlichen Einmischung in die Rechte und Pflichten der Staatsbürger entlasten. Beschränkung auf lebensnotwendige Maßnahmen soll die Autorität des Staates wiederherstellen, ünfer Staat soll ein wehrhafter Staat werden. Für ihn arbeiten wir auf derGrund- lage der geltenden Verfassung, für deren Fortentwicklung in christlich- konservativem Gei st wir uns einsehen. Um den Einsatz der überall lebendigen, aber noch zerstreuten und politisch heimatlosen Kräfte für diese Ziele zu sichern, haben wir uns mit unseren Freunden zusammengeschlossen zur „Volkskonservativen Vereinigung" und fordern alle, die unsere Ziele billigen, auf, sich uns anzuschließen. — Der Aufruf trägt 450 Unterschriften aus allen Teilen des Reiches und aus allen Devölkerungsschichten. Oie Volksnationale Reichs- Vereinigung. Ein Aufruf des Jungdculschen Ordens. Berlin, 28.Jan. (Tel.-Un.) Der Hochmeister des Jungdeutschen Ordens, Artur Mahraun, wendet sich in einem Aufruf an die „Deutschen Volksgenossen aller Stände, Arbeiter, Bauern, Bürger" und fordert auf zum Beitritt zur „Volks- nationalen Reichsoereinigung", als deren Ziele u. a. angegeben werden: „Die D.R. erstrebt die Bildung einer großen Partei der nationalen Erneuerung. Diese Partei soll unabhängig sein von anonymen Finanzgewalten. Durch Klarheit und Offenheit, auch in der Finanzierung, soll der Man- datschacher unmöglich gemacht werden. Die B.R. fordert von dieser Partei ferner Lockerung des Fraktionszwanges, so daß ehrlich und offen im Parlament zu der jeweiligen Vorlage Stellung genommen werden kann, und eine Knebelung der Gewissen unmöglich ist. Die Partei soll der deutschen Volksgemeinschaft dienen sowie gegen Marxismus, p l u t o k ra t i s ch e Vergewaltigung und antisoziale Gesinnung kämpfen. Die V.R. fordert eine durchgreifende Reichsreform, die an Stelle überholter Lä nde rg re nzen die organische Stammesgliederung sehen, und eine Wahlreform, welche die Wahl wieder zu einer Dertrauenserklärung des Wählers gegenüber der Person des Gewählten machen soll." Der Aufruf «nchält eine große Anzahl von Namensunterschriften von Politikern der verschiedensten Parteien, vom Landbund bis zu den Demokraten. Böß will zurückireien. Ein Schreiben des Berliner Oberbürgermeisters Berlin, 28. Jan. (WB.) Beim Vorsteher der Berliner Stadtverordnetenversammlung ist ein Brief eingegangen, in dem es heißt: „Die schwierigen sachlichen und persönlichen Verhältnisse, in welche die Stadt Berlin geraten ist, haben in der Oeffentlich- keit vielfach das Verlangen nach einer schleunigen Lösung der Oberbürgermeister- frage laut werden lassen. Wann das auf meinen Antrag gegen mich eingeleitete Disziplinarverfahren abgeschlossen sein wird, läßt sich nicht übersehen. Selbstverständlich vermag ich nicht darauf zu verzichten, dieses Verfahren solange durchgeführt zu sehen, bis jeder Schatten von meiner Ehre entfernt ist. Ich bin mir bewußt daß auch nach dem von mir erwarteten günstigen Ausgang des Disziplinarverfahrens dieWiederaufnahmemeiner Tätigkeit im Hiniblick auf die ungeheuerlichen Angriffe, denen ich wehrlos als Abwesender ausgesetzt war, käu m möglich sein wird. Ich erkläre mich deshalb bereit, vor dem Abschluß des Disziplinarverfahrens und vor dem Ende meiner laufenden Amtsperiode in den Ruhe st and zu treten. Natürlich ist die Voraussetzung hierfür die Auf- rechterhaltuna meiner wohlerworbenen Rechte auf Ruhegehalt. Diese Rechte kann ich um so weniger preisgeben, als ich nach 35jähriger Tätigkeit im Staats, und Stadtdienst ohne Vermögen und mit geschwächter Gesundheit aus meinem Amte scheide. (gez.) Böß, Oberbürgermeister. Das Verbot deutscher Gebete in Südtirol. Berlin, 28. San. (Privat.) Sn einer Meldung aus Innsbruck heißt es, in Südtirol sei den Kindern bei den Leichenbegängnissen das B e t e n i n deutscher Sprache verboten. Hierüber liegen den zuständigen Stellen Rach- richten noch nicht vor. Es ist aber durchaus möglich, daß die Meldung zutrifft, da der Unterricht nur in italienischer Sprache erteilt wird und den Kindern daher eine solche Vorschrift leicht erteilt worden sein kann. Weiter sollen die deutschen Snschriften auf Grabsteinen geändert werden und durch solche in italienischer Sprache ersetzt werden müssen. Davon ist cm zuständiger Stelle nichts bekannt. Man weih hier nur, daß neue Grab- Wirrwarr um die Große Koalition in Preußen. Festgefahren. Von unserer Berliner Redaktion. Diesmal, so versicherten die Wissenden, sollte die Reubildung der Koalition in Preußen sehr rasch über die Bühne gehen, ehe die Parteien zur Besinnung gekommen wären, sollte eigentlich das neue Kabinett schon stehen. Daraus aber ist auch jetzt wieder nichts geworden. Cs ist sicherlich richtig, daß bei dem starken gegenseitigen Mißtrauen der Parteien derartige Verhandlungen nur ganz inoffiziell sogar an den Fraktionen vorbeigeführt werden können. Denn wenn erst einmal etwas durchsickert, türmen sich von allen Seiten die sachlichen und persönlichen Schwierigkeiten, aus Bedenken und Eitelkeit geboren, riesen- hoch auf. Der Start, den der Ministerpräsident genommen hat, war ja auch richtig, aber r hat es nicht verhindern können, daß sehr sch,.ll an der demokratischen Seite, die ja die Hauptopfer zu bringen hat, Rebenluft entstand und nun die Begleitmusik der öffentlichen Meinung ein- sehte. Die Demokraten haben die schwache Stelle der Crweiterungspläne sehr schnell erkannt und eigentlich nach allen Seiten mit vergüteten P'ellrn geschossen. Sie haben der Volkspartei einen Stein in den Weg gelegt, indem sie dem Minister ohne Portefeuille das Gehalt strichen: sie haben der Sozialdemokratie ein Dein gestellt, indem sie einen katholischen Dissidenten als Kultusminister ablehnken, nachdem die Sntereffen des Katholizismus durch einen eigenen Staatssekretär des Zentrums innerhalb des Kultusministeriums mehr als hinreichend vertreten waren. Das Ergebnis dieser geschickten Taktik ist nun, daß im Augenblick eigentlich von der Dolkspartei niemand mehr redet, sondern daß Zentrum und Sozialdemokraten sich in die Haare geraten sind. Die Sozialdemokraten haben sich wirllich ehrlich Mühe gegeben, das Kultusministerium zu ver- ldienen. Sie haben dem Zentrum dafür das Konkordat bewilligt, und der sozialdemokratische Anwärter König ist seit Monaten auf den großen Augenblick vertröstet worden, wo er in das Amt einziehen sollte. Seht ist ihm das von den Demokraten aus evangelischen Paritätsgründen zerschlagen worden, denen das Zentrum sofort zustimmte. Herr Heilmann hat nun die schwierige Aufgabe, seiner Fraktion das plausibel zu machen; woht verstanden, wenn er will, vorläufig will er aber noch nicht. Er will, daß Herr König Kultusminister wird, und das will nun wieder das Zentrum nicht. Die Volkspartei aber ist mit dem mageren Angebot eines Fachressorts und eines Ministers ohne Portefeuille und ohne Portemonnaie sehr wenig zufrieden, wenn sie auch grundsätzlich an ihrer Bereitwilligkeit zum Eintritt in die Regierung festhält. Der Ministerpräsident Braun hat also vorläufig nach allen Seiten Unzufriedenheit geweckt, und er wäre gewiß schon froh, wenn er aus dieser unerfreulichen Zwickmühle heraus wäre. Wir würden uns deshalb nicht Wundern, falls er die Lust sehr rasch wieder verliert und in wenigen Tagen schon den Versuch der Umbildung für gescheitert erklärt, nur um wenigstens den Bestand der augenblicklichen Koalition zu retten. Was allerdings schwierig wird in dem Augenblick, wo die Demokraten agressiv werden und nach dem württembergischen Muster m i t der Volkspartei eine Arbeitsgemeinschaft schließen, die sich zu gemeinsamem Handeln verpflichtet. Denn dann sind Zentrum und Sozialdemokraten auf diese Arbeitsgemeinschaft angewiesen. Lim die Kandidatur Königs. Geben die Sozialdemokraten nach? Berlin, 28. Jan. (v.D.Z.) Die sozialdemokratische Landlagsfraktion hielt eine Sitzung ab, die im Zeichen einer außerordentlich starken Entrüstung über das verhalten der Demokratischen Partei stand. Die Fraktion billigte das bisherige vorgehen des Ministerpräsidenten Otto Braun und beauftragte ihn, die Verhandlungen in dem bisherigen Sinne weite rzuführen. Ministerpräsident Otto Braun dürfte die nächste Aussprache mit den Fraktionsführern wahrscheinlich am Mittwoch haben. Rach anderen Meldungen soll im Verlaufe der Besprechungen zwischen der Volkspartei und den Sozialdemokraten gewisse Wendung zum Besseren eingetreten sein. Von sozialdemokratischer Seite wurde, laut Börsenkurier, erklärt, daß man an der Person des Abgeordneten König für den Posten des Kultusministers nicht f e st h a 11 e. Man denkt jetzt an einen evange tischen Universitätsprofessor, der der Sozialdemokratischen Partei angehörte. steininschriften in deutscher Sprache der Genehmigung unterliegen, die allerdings in keinem Falle erteilt wird. Kein Abbau -er Beamien- gehälier in Hessen. Eine Erklärung des Staatspräsidenten. Darmstadt, 28. Jan (ÖIB.) Jn der Oeffent- tichkeit ist wiederholt behauptet worden, daß in dem sogenannten Sosort-Programm der Regierung unter bat Sparmaßnahmen auch eine schematische prozentuale Kürzung der Beamtengehätter enthalten sei. Die Vertreter der hessischen Beamtengewerkschasten nahmen deshalb Gelegenheit, beim hessischen Staatspräsidenten vorstellig zu werden. Der Staatspräsident erklärte, daß eine Gehaltskürzung nicht mehr in Frage kommen könne, da sie selbst nicht mit Zweidrittelmehrheit vom Landtag beschlossen werden kann. Gehallsänderungen könnten nurdurcheinReichsbesoldu ngs- g e s e h veranlaßt werden. Eine Entschließung der Zentrumsbeamten. Darmstadt, 28. San. (WTD.) Der Beamtenbeirat der Hessischen Zentrumspartei hat zu dem Sparprogramm folgende Entschließung gefaßt: Der Deamtenbeirat der Hessischen Zentrumspartei stimmt, um das Land Hessen in seinen Finanzen zu sanieren, einem allgemeinen Sparprogramm z u. Er ist bereit, Vorschläge für ein solches Programm der Zentrumsfraktion des Landtags zu unterbreiten. Ganz besonderer Wert wird darauf gelegt, daß die Aufgaben bei der hessischen Volksschule nicht geschmälert und ebenso die Sicherheitsorgane des hessischen Staates, soweit diese im Staatsinteresse als notwendig betrachtet werden, nach der personellen Seite hin erhalten bleiben. Zu beachten ist, daß die sich ergebenden Härten nicht in erster Linie auf die Schultern der sozial schwachen Schichten gelegt werden. Sn einem Sparprogramm ist in erster Linie eine Verwaltungsreform mit einem gesunden, modernen Organisationsaufbau der Staatsverwaltung ins Auge zu fassen. Aus aller Wett. Der Untergang der „Monte Cervantes". Das Motorschiff „Monte Sarmiento" ist im Hafen von Ushuaia eingetroffen und hat sofort damit begonnen, Passagiere und Besatzung ihres untergegangenen Schwestersch'.fses „Monte Cervantes" an Bord zu nehmen. Zwei Berliner auf der Charlesinsel aufgefunden. Don der Eugene Macdonald-Expedition, die einige Snseln in der Rähe des Aequa- tors erforscht, liegt ein Funkbericht vor, wonach sie auf der zur Gruppe der Galapagos gehörenden Charles - Snsel zwei ^Berliner, Dr. Ritte und Frau, auffanden. Das Ehepaar strandete vor fünf Monaten bei der genannten Snsel. Die Macdonald-Cxpedition verproviantierte das Ehepaar für die Dauer eines Sahres. Schwierige Rettung Schiffbrüchiger bei Biarritz. Der englische Dampfer „Kn e p wor th" (6000 Tonnen), der vor Biarritz auf einen Fel- s e n a u f g e l a u f e n i st, ist infolge des herrschen- den Sturmes auseinandergebrochen. Die 21 Mann starke Besatzung sowie zwei an Bord be- stndliche Frauen haben sich auf das Vorderteil des Schiffes gefluchtet. Nach zwölfstündigen Bemühun- gen ist es gelungen, mit den Schiffbrüchigen eine Kabeloerbindung herzustellen. Mit Hilfe einer an diesem Kabel entlang laufenden Ret.» tun asb oje konnten bereits einige Schiffbrüchige das Land erreichen. Der erste Gerettete teilte mit, daß sein Bruder über Bord gespült worden sei. Die Bemühungen zur Rettung der Schiffbrüchigen sind zunächst unterbrochen worden dadurch, daß das Kabel, auf dem die Rettungsboje lief, sich an den Küstenfelsen scheuerte und zerriß. Bis dahin hatte man acht Mann von 23 noch an Bord befindlichen an Land geholt. 20 000 Personen befanden sich am Strand und verfolgten die Rettungsarbeiten. Um 19 Uhr setzte man die Bemühungen fort und hofft, im Laufe der Nacht noch die an Bord befindlichen 15 Mann zu retten. Das Schiff selbst muß als verloren angesehen werden, ebenso die Ladung. Die Sammlung „Brüder In Rot“. Die Sammlung „CBrüber in Rot" zugunsten der aus Rußland ab gew and er ten deutsch stämmigen Dauern hat bisher ein durchaus befriedigendes Ergebnis gehabt Außer der großen Zuwendung des Herrn Reichspräsidenten in Höhe von 200000 Mark seht sich die Summe der eingegangenen Gelder aus überwiegend kleinen und kleinsten Spenden zusammen, die aus allen Kreisen fließen; namentlich aus Süddeutschland sind die Eingänge sehr zahlreich. Die allgemeine öffentliche Sammlung hat bisher rund 300 000 Mk. ergeben. Das Sammlungsergebnis kommt restlos den geflüchteten deutschen Dauemfamilien zugute. Lieber die Verwendung und Verteilung der Mittel entscheidet ein von den Spihenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege gebildeter besonderer Ausschuß. Bundeskanzler Schober Ehrendoktor von Wien. Der akademische Senat der Hnibcrfität Wien hat dem Dundeskanzler Schober das Chrendok- torat der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät verliehen. Zweiter Kongreß der internationalen Advokatenvereinigung. Der zweite Kongreß der internationalen Vereinigung der Advokaten hat in Paris in Anwesenheit des Sustizministers Lucien Hubert seine Tagung eröffnet. Deutschland ist vertreten durch Dr. Emst Wolf ("Berlin), Sustizrat Magnus (Berlin), Dr. Alfred Kaufmann (Hamburg), Dr. Drucker (Leipzig), Dr.Di tken- ber ger (Leipzig) und SustizratProf.Dr. Hamme r b a ch (Köln). Auf der Tagesordnung stehen u. a. Bekanntgabe des Ergebnisses der internationalen En q uete über den Advokatenberuf, Schaffung gemischter internationaler Gerichtshöfe für Handelsstreitigkeiten, Kampf gegen Delikte, die dje internationalen Beziehungen hemmen, sowie schließlich die Frage der Schaffung eines Statuts für internationale Vereinigungen und die Organisation einer Pensionskasse für Advokaten. Aufhebung eines Zuchlhausurleils nach 16 Jahren. Die Strafkammer Oldenburg hat in der Strafsache gegen Adolf Lehing, Engelbert Schmidt unö Louis Schm idt im Wiederauf- nahmeversahren ohne erneute Hauptverhandlung das Urteil des Schwurgerichts Oldenburg vom 27. Suni 1914 aufgehoben und die Angeklagten freigesprochen. 71/2 Sahre Strafe haben sie verbüßt. Die Strafkammer hat angenommen, daß die Angeklagten die Tat nicht begangen habens un) daß sie in feiner Weise daran beteiligt gewesen sind. Ferner ist durch Beschluß die Staatskasse verpflichtet worden, den Angeklagten eine Entschädigung zu zahlen. Wo die Millionen der Bramfenbant blieben. Der Skandal der Bank für Deutsche Beamte hat eine sensationelle Wendung genommen. Cs ist nämlich gelungen, dieHerkunft derBil - der, mit denen die Betrügereien begangen worden sind, völlig aufzuklären. Vor allem aber hat die Polizei neue Anhaltspunkte dafür bekommen, wo das von dem Konsortium Piehler-Treumann- v.Buchwald erschwindelte Gelb der De - amtenbanf geblieben ist, eine Feststellung, die namentlich für die geschädigten Kunden der Dank von größtem Snteresse fein dürfte. Auf der Kriminalpolizei meldete sich ein Zeuge, bet bekundete, daß ein großer Teil der Bilder, die durch die Beamtenbank lombardiert worden sind, durch den Kaufmann Piehler von der Gattin einer hochgestellten Münchener Persönlichkeit erworben wurden. Von noch größerer Bedeutung ist, was die Kriminalpolizei über den Verbleib der Riesenfummen, mit denen die Bilder lombardiert wurden, in Erfahrung bringen konnte. Piehler hat die Gelder in einem von ihm ins Leben gerufenen Verbände, dem Mitteldeutschen Automobilverband, investiert. Den größten Teil des Bankkredits aber soll er zur Sanierung eines großen Gutes in der Rähe von Pasewalk benutzt haben. Ein Lehrer mit drei Schülern ertrunken. Beim Beschreiten der Eisdecke des DorsteicheS in der Rähe der pommerschen Ortschaft W o - b r o to brach der Dorfschullehrer mit seinen Schülern ein. Der Lehrer und drei Schüler im Alter von acht bis zehn Sahren sind ertrunken, die übrigen Schüler konnten sich retten. Der Lehrer stand im 48. Lebensjahre und ist Vater von zwei Kindern. Unerhörte Bedrohung eines Berliner'Gerichts. Unglaubliche Szenen spielten, sich vor dem Erweiterten Schöffengericht Reu- f o 11 n ab, wo zwei Mitglieder der Berliner Untertoelt, die ein langes Vorstrafenregister haben, über das Gericht Verfielen und ihre im Saale anwesenden Freunde aufforberten, sich an den Ausschreitungen zu beteiligen. An- geklagt waren die beiden „Gelegenheitsarbeiter'" Lettow und Brauer wegen Betruges und ilr* kundenfälschung. Brauer sprang über die Angeklagtenbank und schlug auf den Vorsitzenden ein, den er mit der Faust mehrmals ins Gesicht traf, wobei auch der eine Beisitzer etwas abbekam. Der wie rasend tobende Mann wandte sich dann gegen den Justiz- Wachtmeister, der dem Richter zu Hilfe eilte und schlug gemeinsam mit feinem Mitangeklagten Lettow derartig auf den Beamten ein, daß dieser den Gummiknüppel ziehen und Lettow einige Schläge über den Kopf geben mußte. Auf ein Alarmsignal waren inzwischen mehrere Sustizwachtmeister zu Hilfe geeilt. Sie kamen gerade rechtzeitig, da die beiden Angeklagten ihreimZuhörerraum anwesenden Freunde aufgehetzt hatten, ebenfalls gegen das Gericht vorzugehen. Die Sustizbeamten mußten den Saal räumen, was nur möglich war, indem sie die johlenden Angehörigen der ilntertoelt mit dem Gummiknüppel in Schach hielten. Snzwischen war es auch gelungen, Lettow zu fesseln und in das Untersuchungsgefängnis zurückzusühren. Auf der Straße rotteten sich die Freunde der beiden Angeklagten nochmals zusammen und versuchten, in das Gericht einzudringen. Erst das Üeberfallkom- m a n d o vermochte die randalierenden Burschen abzudrängen. Oie Wetterlaqe. Dienstad, 28. Januar. 1930,/ abds. * Kim 3ö: 0 Aöerdeen- 2 Wien Tour1 >6 La Coruna' >7, ienf Pans G wolKemos O neuer. Q naiD oedtcut, ® woiKig. • oedecid • negei^ * Schnee a Graupeln ■ NeDel KGrwlt'rr.(§)wind$tille.O^$chf leichte« Osi £ massige« Südsüdwest q stürmische« «fordWest die Piene fliegen mii dem winde. Die oeiden Stationen stenenoen Zahlen gehen die Temperatur an. Die Linien verbinden Orte m>t gleichem tu< necresmveau umaertenneten Luftdruck Wettervoraussage. Der Ausläufer des südlichen Tiefs, welcher sich gestern über Deutschland erstreckte, hat sich zu einer selbständigen Störung entwickelt, die heute morgen über der Ostsee lag. An ihrer Rückseite hat die kühlere Luft zu Barometeranstieg geführt, so daß zurzeit sich keilförmig höherer Druck zwischen das neue atlantische Tief und die Ostsee, sowie die Mittelmeerstörung schiebt. Sn seinem Bereich herrscht bei uns zurzeit ruhiges und vielfach nebeliges Wetter. An der Vorderseite der neuen Störung bringt Warmluft nach dem Festlande vor. Sie wird uns leichten Temperaturanstieg bringen und zu nebeligem und wolkigem Wetter führen. Riederschläge sind zunächst noch nicht oder nur vereinzelt und dann mehr in Form von Sprühregen zu erwarten. Wettervoraussage für Donnerstag: Etwas milder, meist nebelig und wolkig, Reigung zu leichtem Sprühregen. W i tter ungsaussichten für Frei- tag: Meist wolkiges, vorübergehend auch auf» heiterndes Wetter, Temperaturen über Rull. Lufttemperaturen am 28. Januar: mittags 0,6 Grad Celsius, abends —0,7 Grad: am 29. Januar: morgens —0,9 Grad. Maximum 0,7 Grad, Mini- mum —1,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe: am 28. Januar: abends 0,2 Grad; am 29. Januar: morgens 0,4 Grad Celsius. — Sonnenschein- dauer X Stunde. Amtliche Dinlersporlnachrichteu. Schwarzwald. Feld berg: Wetter: Klar, minus 3 Grad, 20 Zentimeter Schnee, gekörnt, Ski- und Rodelmöglichkeit gut. Alpen. Berchtesgaden: Rebel,0Grad, 4 Zentimeter Schnee, vereist, Sportmöglichkeii nur stellenweise. DK “»»«ÄS 1 lon -Ä8 tn 'fünfen. > -«K'S-» PLrtz 111 “"Mn%ta '"Mnl*,. «Äi'W fc1« äL ^lenregistn^. ^jHelen unb 'beteiligen. An- ^enheitsarbeiter» Einiges und Ar« g über die An. den Ior, - W mehrmals Wer t smem Mange, den ^Beamten ein upel ziehen V« Kopf geben toaren inzwischen Me geeilt. Sie ue beiden Ange« um anlvesen. ■ hatten, eben, vorzugehen. Sie räumen, was nur den Angehörigen nüppel in Lchach auch geiungen, in bai Unter- n. Aus der Straße eiden Angeklagten ien. in das Gericht iebersallkvm. lierenden Burschen age. 0 fff io * “JSSS58« ■aut: ssagk. §jefs. welcher äs 'L ’S Sw®1' Ofti«. >5 !. r,n stimm Wtitd u«d f’CL -n der x dem )armW S s^^^und öol* erwarten- regen-... Frei' ten Jnb ’sSS» SM Lsltz-sch^ tnochti^ fetter- Aus der Provinzialhauptstavt. Gießen, den 29. Januar 1930. ABE Wenn nicht seit dem entscheidenden Gebürts- tag so doch mindestens seit Weihnachten und dem neuen Wandkalender hat srch rm Hause der Sechsjährigen die Kurve nach der Dichtung ABC verschärft. Hoffnungen umspielen die langsam aufbrechende Menschenknospe, und in berechtig, tem Stolz hat der Großvater es sich nicht neh. inen lassen, einen feinen Schulranzen unter den Christbaum zu legen. Brauchübungen mit diesem neuen Weggenossen sind sicherlich gut, nützlich unb — possierlich-, aber bei der Ausrüstung, so wichtig sie auch sonst im Leben bei jeder neuen Betätigung ist, bleibt es nicht. Man unternimmt es, auch in den Kern der Sache vorzustoßen. Leten. Rechnen und Schreiben ziehen als unausweichliche Forderung des Tages langsam, aber sicher herauf, und man möchte schon einmal sehen, wie sich Hans und Liefet dabei anstellen. Gelegenheiten ergeben sich ja im Familienkreis auf mancherlei Weise. Uni) doch sind solche Einführungen in die Geheimnisse des ABE. eher schädlich als fördernd. Gewiß lernen die Kinder im ersten Schuljahr mit den Grundlagen im Lesen, Rechnen und Schreiben viel, sehr viel, aber sie kommen leichter und sicherer dazu unter der Führung des geübten Lehrers. Denn fürs erste ist die Spannung des Kindes noch nicht verbraucht. und zum andern ist Umlernen immer schwerer als Lernen. Schließlich aber ist aller Anfangsunterricht, sei es auf welchem Gebiete, schwer, trotzdem oder vielleicht grade weil er sich mit dem Einfachen beschäftigt und damit die Grundlagen legt auf Jahre hinaus. Aehnlich ist es nach der erziehlichen Seite. Auch hier wird der Lehrer nicht selten vorweggenommen: „Warte nur, wenn du in die Schule kommst I" ruft manche Mutter, wenn sie mit ihrem Dreikäsehoch nicht recht fertig werden kann. Damit aber wird eine Spannung in das kindliche Innenleben gelegt, die das notwendige Vertrauensverhältnis zum Lehrer vielfach stark gc- sährdet und auch nicht immer durch die große Brezel beseitigt wird, die der Lehrer am ersten Schultag mit nach Hause geben kann. „Weis' mer emol dein Stecke!" preßte ein Kleiner unter würgenden Tränen hervor, bis es dem Lehrer noch Tagen nur mühsam gelang, durch beruht» gende Erklärungen eine beiderseits erträgliche Lage zu schaffen. Unvorbereitet und unbefangen gelingt der an sich doch mit Stolz empfundene Schritt in die Schule am besten. Dabei bleibt immer noch genug, was das Elternhaus an körperlichen, geistigen und erziehlichen Werten in die Zusammenarbeit mit der Schule einbringen kann. R. B. Hüttendirektor Or. Zanhen t- Infolge eines Herzschlages ist am Sonntagfrüh in Lollar der frühere Hüttendirektor der Bu- derusschen Eisenwerke, Dr.-Jng. e. h. Georg I a n h e n, im 82. Lebensjahre plötzlich verstorben. Der Verewigte war 28 Jahre lang in den Buderusschen Eisenwerken an hervorragender Stelle tätig, und zwar zunächst als Drtriebschef, dann als Betriebsdirektor und schließlich Hüttendirektor und zugleich Vorstandsmitglied der ihm in erster Linie anvertrauten Sophienhütte.^ In seinen Stellungen hat er sich um die Aufwärtsentwicklung der Buderusschen Eisenwerke hohe Verdienste erworben, aber auch für die deutsche Volkswirtschaft wirkte er auf dem Gebiete des Eisenhüttenwesens — erinnert sei hier an seine bemerkenswerte Erfindung der Luftgrcrnulation von Hochofenschlacke — segensvoll. Seine Arbeit wurde von der Praxis durch Verleihung der Carl-Lueg-Medaille durch den Verein deutscher Eisenhüttenleute im Jahre 1919 und von der Wissenschaft im Jahre 1923 durch die Ernennung Janhens zum Dr.-Jng. e. h. ehrenhalber der Bergakademie Clausthal anerkannt. Während seiner langjährigen Tätigkeit erwarb sich der Heimgegangene die hohe Wertschätzung und Achtung seiner Vorgesetzten, Mitarbeiter und Untergebenen, insbesondere war es ihm auch vergönnt, sich durch sein vornehmes und gerechtes Denken und Handeln das Vertrauen und die Zuneigung der Angestellten und Arbeiter zu sichern. Am 30. Juni 1916 trat er nach einem arbeits- und erfolgreichen Leben in den Ruhestand, den er zunächst in Gießen verlebte. Später verlegte er feinen Wohnsitz nach Lollar in die Familie seines ältesten Sohnes, des heutigen Direktors der Main-Weser-Hütte in Lollar, und ließ von hier aus sein starkes Interesse noch immer der Weiterentwickelung der Buderusschen Werke zuteil werden. Durch seine hervorragenden Eigenschaften als Mensch und als Wirtschaftsführer wird der Heimgegangene weiten Kreisen in ehrendem Gedächtnis bleiben. Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater: „Du wirst mich heiraten" 20 bis 22 30 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Charlie Chaplin in „The Pilgrim" (Der Pilger) und in „Feine Leute". — Astoria-Lichtspiele: „Zirkus Trom- boli" und „Rivalen in Alaska". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Die heutige Premiere „Du wirft mich heiraten" beginnt um 20 Uhr. — Morgen, Donnerstag, einmaliges Gastspiel Paul Wegener in Andrejews „Der Gedanke". Wegener hat in Südamerika erst jüngst in dieser Rolle triumphale Erfolge erlebt. — Freitag. 31. Januar, erste Wiederholung von „Du wirst mich heiraten!". — Sonntag. 2. Februar, zum letzten Male „Katharina Knie", zu ermäßigten Preisen. — Dienstag, 4. Februar, zum letzten Male „Die lustige Witwe", Operettengastspiele Frankfurt am Main. — Mittwoch. 5. Februar. „Kyrih-Pyrih". — Bühnenmaskenball „Gagita". Man schreibt uns: Für den diesjährigen Bühnenmaskenball „Gagita" stehen viele Tombolagewinne zur Verfügung. Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht das Kabarett. Mehrere Tanzkapellen konzertieren. — Ein Lehrfilm für Kraftfahrer und Autobesitzer wird am Sonntagvormittag im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, vorgeführt. Näheres in der heutigen Anzeige. ** Steuern bezahlen! Die Gießener Stadtkasse veröffentlicht im heutigen Anzeigenteil eine öffentliche Mahnung zur Bezahlung der Steuern und Gebühren bis spätestens zum 6. Februar. Auf die Bekanntmachung sei besonders hingewiesen. ** Von der Studentenschaft. Wie uns mitgeteilt wird, finden nach Beschluß des engeren Ausschusses der Studentenschaft von gestern die Mahlen zum allgemeinen Studentenausschuß (Astawahlen) am 12. Februar statt. Reben der grohdeutschen Liste werden die Rationalsozialisten und die Republikaner Kandidaten aufstellen. ** Die oorbe st eilten Karten zum W e - g e n c r - G a st s p i e l. Die Stadttheaterintendanz weist im heutigen Anzeigenteil darauf hin, daß die vorbestellten Karten zu dem Wegener-Gastspiel „Der Gedanke" bis Donnerstag, mittags 12 Uhr, abgeholt ein müssen, andernfalls ein Anspruch daraus nicht mehr erhoben werden kann. Auswärtige Besteller können ihre Karten noch eine halbe Stunde vor der Vorstellung in Empfang nehmen. *• D i e Schüleranmeldungen an den hiesigen höheren Lehranstalten. Wir verweisen die interessierten Eltern aus die im heutigen Anzeigenteil enthaltene Bekanntmachung der Direktionen des hiesigen Gymnasiums, Realgymna- iums, der Oberrealschule und der Studienanstalt über den Termin der 'Anmeldung der im kommenden Schuljahr neu aufzunehmenden Schüler und Schülerinnen. ** Aus der evang. Petrusgemeinde. Man schreibt üns: Die Zustände beim Gottesdienst in der Elisabeth-Kleinkinderschule werden immer unhaltbarer. Immer wieder kommt es vor, daß Leute den Saal verlassen müssen, weil es ihnen in dem überfüllten Raum schlecht wird: und an den Festtagen haben wiederholt Kirchenbesucher vor dem Eingang kehrtgemacht, weil sie keinen Platz mehr fanden. Die möglichst baldige Erbauung eines Gemeindehauses mit einem würdigen gottesdienstlichen Raum ist deshalb eine zwingende Rotwendiakeit. Die Kirchengemeinde hat dafür in dankenswerter Weise den Platz neben der Kleinkinderschule erworben, aber der Gesamt-Kirchenvorstand hat aus Mangel an Mitteln die Inangriffnahme des Baues bis auf weiteres zurückgestellt. Es ist deshalb notwendig, daß Mittel zusammengebracht werden, die für den Dau verwandt werden können. Ein Anfang ist ja bereits gemacht. Der Derkaufstag des Frauenvereins im vorigen Herbst hat einen sehr schönen Erfolg gehabt, durch freiwillige Gaben sind einige Gelder zusammengekommen, außerdem sind in den Voranschlägen der Kirche für 1928 und 1929 Mittel vorgesehen, die füt den Bau zu verwenden sind. Aber das alles reicht noch nicht. Der Kirchenvorstand der Petrus- gemeinde hat deshalb beschlossen, einen Gemeindehaus-Bauverein zu gründen, dessen Mitglieder sich zu monatlichen oder vierteljährlichen Beiträgen in beliebiger Höhe ver- * pflichten. Zur Mitgliedschaft in diesem Dauverein werden in erster Linie die Glieder der Petrus- gemeinde aufgefordert, die ja das erste Interesse an der baldigen Herstellung würdiger Räume für Gottesdienst und Gemeindearbeit haben; und es werden deshalb in den nächsten Wochen Mitglieder des Frauenvereins in der Gemeinde he rum gehen, um für den Dauverein zu werben. Aber auch die Glieder anderer Gemeinden, die die Rot der Petrusgemeinde kennen und mit- helfen wollen, ihr zu steuern, werden gebeten, sich dem Dauverein anzuschließen. Anmeldungen zur Mitgliedschaft, sowie freiwillige Gaben für das Gemeindehaus der Petrusgemeinde nehmen der Pfarrer dieser Gemeinde, Lic. Waas, Gnauthstr. 17, und die Mitglieder des Kirchenvorstandes, der Gemeindevertretung und des Frauenvereins der Petrusgemeinde entgegen. ,e Die Heimatvereinigung Schis - fenberg hatte am Montagabend die Dürger- meifter der Umgegend, sowie die hiesigen Gesang-, Musik-, Sport-, Militär- und Wander- vereine zu einer Besprechung über die am 6. Juli stattsindende 800-Jahrftier des Schifsenbergs in das Hotel Köhler eingeladen. Zunächst fand eine Vorbesprechung mit den erschienenen Bürgermeistern von Großen-Linden, Klein-Linden, Leihgestern und Watzenborn-Steinberg statt, wöbet Herr G g. Heß (Leihgestern) Erläuterungen über das geplante Festspiel gab, bei welchem auch eine weitgehende Mitwirkung der Vereine aus der Umgegend vorgesehen ist. Sämtliche Bürgermeister erklärten sich grundsätzlich zur Mitarbeit bereit und versprachen, auf eine weitgehende Beteiligung sowohl bei dem geplanten Festspiel, wie auch bei dem Fest selbst hinzu- wirlen. Rachdem inzwischen die Vertreter der eingeladenen hiesigen Vereine erschienen waren, besprach der Vorsitzende der Heimatvereinigung Schisfenberg, Forstrat R i e o l a u s, kurz den Zweck der Zusammenkunft und gab der Hoffnung Ausdruck, daß auch die Gießener Vereine sich in weitgehendem Maße zur Verfügung stellen. In der eingehenden Aussprache wurde von allen Rednern die prinzipielle Zustimmung zu den Ausführungen des Vorsitzenden zum Ausdruck gebracht. Von der Bildung von Ausschüssen wurde vorerst noch abgesehen, doch sollen die Vereine geeignete Persönlichkeiten namhaft machen. Zum Schluß wurde noch zur weitgehenden Förderung der Bestrebungen der Heimatvereinigung ausgefordert und gleichzeifg angeregt, zu Werbezwecken demnächst einen Heimatabend hier zu veranstalten. ** Vorträge über Hölderlin und N o - valis. Am zweiten Vortragsabend erweiterte —• wie man uns berichtet — Lic. Robert Goebel die Betrachtungen über Hölderlins Sch.ckfalsauffassung dadurch, daß er den Inhalt des Fragments „Empe- dokles" besonders berücksichtigte. Empedokles ist für Hölderlin der zum Eigenselbst erwachte Mensch, der sich damit auch von Natur und Göttern entfernt hat. Ein Fluch legt sich auf seine Seele und seine Verbannung ist nur die äußere Bestätigung für seine Lage. Diesen Zustand anerkannt aber Empe- rokles als selbstverschuldet und wohlverdient. Dadurch gewinnt er eine neue innere Sicherheit und ahnt, daß durch das freiwillig vollzogene Opfer seines Vöefens eine sinnvolle Erfüllung seines tragischen Menschenschicksals gefunden wird. Dies leitete unmittelbar über zu einem Ausblick auf die innerste Sehnsucht Hölderlins nach einem umfassenden Christentum, das ein erlösendes Wort zu sagen vermöchte über den religiös-christlichen Sinn von Natur und Erde. Zn einem ganz weiten und freien Sinn geht Hölderlins Sehnsucht auf „die neue Kirche". • Ein Mantekdieb gefaßt. Ein junger Gelegenheitsarbeiter aus einem Orte des Dill- kreises, der wegen Schwindeleien und Diebstahls schon mit dem Gericht Bekanntschaft machte, stahl kürzlich hier im Katholischen Vereinshaus einen neuen Lieberzieher. Den polizeilichen Ermittelungen gelang es, den Dieb ausfindig zu machen und ihn jetzt zu verhaften. Im Gefängnis in Herborn teertet er nun auf seine erneute gerichtliche Verurteilung. Die Vereinigung der M aler - und Weihbindermeister zu Gießen veranstaltet, wie man uns mitteilt, für ihre Mitglieder einen Kursus für Freihandmalerei, besonders in der Modlertechnik. Es ist erstaunlich, mit welch' einfachen Mitteln und großer Geschwindigkeit der Leiter des Kursus, Herr G rösch o p p aus Wattenscheid, geschmackvolle Ornamente, stilisierte Blumen und Pfanzen entwirft und große Flächen ohne Schablonen freihändig i bemalt. Für die Dereinigungsmitglieder ist der Kursus sehr wertvoll, denn er befreit die Maler I von allen Schablonen und Hilfsmethoden. ’• Die diesjährigen Fünfziger hatten sich dieser Tage im Saale des Restaurants Faulstich Bahnhofstraße, zu ihrer Dereinsgrün- düng zusammengefunden, nachdem man sich in I einer Besprechung am 28. Dezember des alten Jahres über diese Vereinigung schlüssig geworden war. In der Gründungsversammlung mit über 100 Teilnehmern wurde vor allem die Spitze des Vereins, der Vorstand und die Ausschüsse, gewählt und der ganzen Idee, wie feit 1865 in Gießen üblich, den fünfzigsten Geburtstag mit den gleichaltrigen Ortseinwohnem festlich zu begehen, das feste Gesüge gegeben. Der Leitgedanke der -diesjährigen Altersvereinigung 1880 1830 soll I außerdem noch sein: einmal die althergebrachte Tradition aufrcchtzuerhalten und we'terzuführen, dann aber auch — gerade weil es in der heutigen stürmischen Zeit nirgends durchzubrechen scheint — ohne Ansehung der Person, des Standes und der Anschauungen, man sich gegenseitig näherstehen tbill. Das Ganze soll den Charakter echt bürgerlichen Gemeinsinns und der Rächstenliebe tragen. Bedrängten und Rotleidenden aus dem Jahrgang soll geholfen werden, nur müssen alle Alters- genossen den Weg zu der Vereinigung finden, d. h. sie brauchen nur dem Vorsitzemden, Glasermeister Marx oder dem Schatzmeister Willy Muhl ihren Willen zum Beitritt zum Ausdruck zu bringen. Von 200 Fünfzigern des Jahrgangs 1880/1930 gehören bis heute 125 der Vereinigung an. •* Bund für christliche Erziehung in Haus und Schule. Am Freitag sprach, wie man uns berichtet, in der Monatsversamm- lung des Bundes Pfarrer Müller, Gießen, über „Epiphaniasgedanken in bezug auf die heutige Zeit". Der Johannessaal war voll beseht. Einleitend wurde von dem Redner die Entwicklung des Epiphaniafestes geschildert und danach in klarer Weise vor Augen geführt, wie mit der Erscheinung Jesus eine neue Kultur von ihm ausgehend einsehte. Der Redner führte dazu weiter aus: die Frau gilt bis dahin als Untergebene des Mannes, ihres Herrn und Gebieters, und das Kind fand nicht die ihm gebührende Beachtung. Durch Jesus kam wieder die wahre Liebe in die Welt, die die Frau dem Manne gleichstellte, ihm ebenbürtig machte und die dem Kinde zu seinen Rechten verhalf. Wo Jesus' Geist in der Familie wirkt, ist alles wohlbestellt, er bringt Glück ins Haus, Zufriedenheit, die viel vermag, auch Kummer und Sorgen leichter tragen läßt. Das christliche Haus, in dem das Tischgebet, Morgen» und Abend-Andacht, wenn auch in schlichtester Form, und die Kinder- erziehung durch gutes Beispiel und in Jesus Geist gepflegt wird, müsse seinen Einfluß auf die Schule geltend machen. Zuviel Bescheidenheit herrsche leider in der Beziehung, man solle laut fordern, danach schreien, daß christliche Erziehung in der Schule mehr geübt werde, statt Religivns- abbau, der zum Riedergang unseres Volkes beitrage. Leichtsinn, Anzucht und Verbrechen hätten in unserem deutschen Vaterland in erschreckendem Maße zugenommen, die Krankenhäuser, Rerven» und Irrenanstalten zeigten trostlose Bilder, wohin leichtfertig aus Gefallsucht, Habsucht und Muß geschlossene Chen führen, wie die Kindererziehung sich in solchen Fällen auswirke und Rot wie Elend eine Familie zermürbe. Das Gelübde am Traualtar, Jesus mit aufzunehmen, werde von vielen zu bald vergessen, und daraus resultierten die dunklen Gewalten, die abwärts führen. Pflicht ernst gesinnter Christen sei es, hervorzutreten, mit Gleichgesinnten offene Gemeinschaft zu pflegen und in der Gesamtheit durch Vorbild, treues Rachgehen usw. auf die gefährdeten Mitmenschen aller Kreise so einzuwirken, daß Jesus' Geist wieder bei ihnen Eingang finde, und in Familie, Haus und Schule walte züm Ruhen und Segen unseres ganzen Volkes. Der Vorsitzende. Landgcr'.chtsratKn auf), sprach Pfarrer Müller für seine zu Herzen gehenden Ausführungen besten Dank aus, von dem alle Teilnehmer erfüllt waren. Gemeinsame Gesänge und Schlußgebet umrahmten den Vortrag. $ __________ Amtsgericht Gießen. * Gießen, 24. Januar 1930. Ein auswärtiger Viehhändler war des Betrugs im Diehhandel beschuldigt und wurde dessen auch überführt. Er hatte eine Kuh, über deren Herkunft er wirre Angaben machte, als zugfest verkauft, obwohl et wußte, daß sie durchaus nicht zugfest war. Der Preis, den er infolge der betrügerischen Zusicherung der Zugfähigkeit der Kuh erzielte, war bedeutend höher als ihr wirklicher Wert, und der Käufer kam zu nicht unerheblichem Schaden. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 10 0 Mark, die an Stelle einer an sich verwirkten 20tägigen Gefängnisstrafe trat, da es annahm, der Strafzweck werde im Fragesall auch durch eine Geldstrafe erreicht. — In den Oktobernächten des vergangenen Jahres wurden auf Grundstücken in der Hohleich größere Mengen von Meerrettich gestohlen. Als Täter entpuppte sich ein hiesiger, fast 60 Jahre alter, schon oft vorbestrafter Fuhrmann. Derartige Diebstähle, die unter den obwaltenden Amständen als sog. Felddiebstähle nicht angesehen werden können, häuften sich zur öanalig-.n Ze.t. Der Angeklagte leugnete, wurde aber überfuhrt. Am Tatorte fand sich sein Hut. Zur fraglichen Zeit war er auch mit einem Handwagen, auf dem gebündelter Meerrettich lag, gesehen worden: auch hat er solchen in einer Menge verkauft, die der gestohlenen Menge entsprach. Richt entsprach diese aber der Menge, die auf seinem eigenen Grundstück gezogen wurde: sie war bedeutend größer. Schließlich war er zur fraglichen Zeit in aller Frühe von einem Polizeibeamten mit einem Spaten gesehen worden. Befragt, was er vorhabe, antwortete er, häusliche Verhältnisse hätten ihn zu einem Morgenspaziergang veranlaßt, den Spaten habe er zu seinem Schuhe mitgenommen. Er erhielt eine Gefängnisstrafe von zwei Wochen. — Die nämliche Strafe erhielt der Einwohner eines Rachbarorts und zwar wegen Beleidigung. Diese war derartig schwer, daß sie mit einer Geldstrafe nicht geahndet werden konnte. Er hat einer. Zeugen, der in einer Strafsache zu seinen Angunsten aussagte, in gemeiner Weise öffentlich des Meineids beschuldigt, indem er zahlreiche tote und weiße Zettel im Ort und dessen Amgegend an allen möglichen Stellen, u. a. an Telegraphenstangen, Maschinen u. bgL anklebte, und ihren Inhalt so zu jedermanns Kenntnis brachte. Auch spielte er auf ehrenrührige Dinge, die in seiner gamihc vorgekommen sein sollen, in versteckter Weise in den Zetteln an. Die Beleidigung war eine öffentliche: deshalb wurde dem Beleidigten auch die Publikationsbefugnis zugesprochen. * Gießen, 28.Qanuar. Hausfriedensbruch, Widerstand gegen die Staatsgewalt, Beamtenbeleid.gung in zwei Fällen und Bedrohung mit einem Verbrechen beging in der Nacht zum 11. August vorigen Jahres ein älterer Mann aus Wetzlar im hiesigen Bahnhofs- roartefaal. Die gesamten Vergehen trugen ihm eine Kesamtgefängnisstrafe von einem Monat ein. Das Gericht ließ Milde walten, da der Angeklagte angetrunken war und vom Kriege her neroenleidend und infolgedessen leicht erregbar ist. Doch ist er wegen schwerer Körperverletzung schon vorbestraft. In der fraglichen Nacht wurden die Karten kontrolliert, worüber der Angeklagte sehr ungehalten war. Er beleidigte die diensttuenden Beamten nicht allein, indem er sie „Faulenzer, die nichts zu sagen hätten", nannte, sondern bedrohte auch einen Assistenten, der zu Hilfe gerufen worden war, mit einem offenen Messer und gleichzeitig mit den Worten, jetzt werde mit ihm abgerechnet. Den Wartesaal verließ er trotz Aufforderung nicht und mußte mit Gewalt daraus entfernt werden. Seine Personalien gab er nicht an. Er wurde desl-alb festgenommen und leistete dann dem Polizeibeamten heftigen Widerstand. Auf dem Transport verhielt der Angeklagte sich völlig passiv, so daß er zur Wache teils geschoben, teils gezogen werden mußte. Er erkannte das Urteil an. Auf der Straße zwischen Londorf und Allcndorf begegneten sich eines Abends ein Auto- und ein Mos torradfahrer. Ersterer hatte seine stark wirkenden Scheinwerfer nicht abgeblendet; der letztere geriet in den Lichtkegel des Autos und wurde stark geblendet. Er stieg vorsichtshalber ab und rief jenem zu, er solle doch abblenden, aber ohne Erfolg. Das Kennzeichen vermochte er nicht feftjuftellen, da es unbeleuchtet war. Deshalb und wegen Nichtabbien- dens erhielt der Angeklagte eine (Belbftrafe von insgesamt 35 Mark. Mit seinem Einwand, er habe zwar einen Lichtschein gesehen, aber infolge des schlechten Wetters geglaubt, daß er aus einem । an der Straße liegenden Garten komme, konnte er nicht gehört werden. Eine Fahrlässigkeit lag fraglos vor. Strafkammer Gießen. • Gießen, 28. Jan. Ein Kraftwagensührer wollte am 5. September v. I. abends gegen 8 Ahr in Bad-Rauheim von der Frankfurter Straße in die Lindenstraße einbiegen. Gr fuhr vorschriftswidrig auf der Mitte der Straße und schnitt unvorschriftsmäßig die Straßenkreuzung. Daher kam es. daß ein ihm entgegenkommender Motorradfahrer auf das Auto a u f f u h r und an den schweren Verletzungen alsbald v e r st a r b. Das Schöffengericht erkannte auf 6WochenGefängnis. Die lediglich eine Geldstrafe bezweckende Berufung des Angeklagten hatte Erfolg. Es lag eine ganze Reihe von Strafmilderungsgründen vor: insbesondere kam in Betracht, daß der Motorradfahrer im wesentlichen den Anfall durch sein sehr schnelles Fahren selbst verschuldet hatte. Die Strafkammer wan- , beite daher die Gefängnisstrafe in eine Geldstrafe von 4 2 0 M k. um. Im Frühjahr 1929 hatten mehrere Studierende des Technikums in Friedberg dort junge Strahen- bäume umgeknickt. Laternen eingeworfen und Verkehrsschilder beschädigt. Das Amtsgericht hatte gegen sie wegen der Rachbeschädigung der Bäume auf Gefängnisstrafen von 2 — 5 Wochen und im übrigen auf erhebliche Geldstrafen erkannt. Die Strafkammer bestätigte das Urteil Auch sie hielt das Amknicken der Bäumen für eine so rohe und gemeine Handlungsweise, daß eine Geldstrafe zur Sühne nicht aus reiche. Kunst und Wissenschaft. Lyrik im Rundfunk. Die Schlesische Funkstunde, Breslau, hat Anton Schnack beauftragt, eine Hörfolge — „Gedichte angeboten, eine lyrische Zeitung" — zu schreiben. Die Ocnbung erfolgt am 17. Februar auf den Sendern Breslau und Leipzig. Aus dem Amtsverkündiguugsblait. * Das Am tsverkündigungsblatt Rr. 6 vom 21. Januar enthält: Die Einfuhr von Papageien und Sittichen. — Die Einfuhr von getrocknetem Fleisch. — Die Wahlen zum Pro- vinziallag. — Die Wahl des Kreisausschusses.— Durchführung der Reichsverordnung über die Fürsorgepflicht. — Die Ablieferung von Leichen. — Sommerserien 1930. — Feldbereinigung Harbach und Großen-Linden. — Dienstnachrichten. * Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 7 vom 24. Januar enthält: Obstbau. — Faselwesen. — Kriegergräbersürsorge 1931. — Heimatdienst-Abonnement. * * Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 8 vom 28. Januar enthält: Die Wahlen der Mitglieder und Stellvertreter des Provinzial- ausschufses. — Fcl^bercinigung Lauter. — Dienstnachrichten. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung) Krofdorfer Straße, Gießen. Mangels anderweitiger schriftlicher Vereinbarung lief die Pachtzeit mit Ende des Jahres 1929 ab, da nach §566 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB.) nur ein Mietvertrag über ein Grundstück, der für länger als ein Jahr aeschlossen ist, der schriftlichen Form bedarf. § 583 BGB. wonach der Pächter eines landwirtschaftlichen Grundstückes nicht ohne die Erlaubnis des Verpächters Aenderungen in der wirtschaftlichen Bestimmung des Grundstücks vornehmen darf, die auf die Art derBewirtschaftungüberdie Pachtzeit hinaus von Einfluß ist (z. B. Umwandlung einer Wiese in Ackerland), schlägt hier nicht ein, ebensowenig § 592 BGB., da dieser nur von den Früchten handelt, die noch vor dem Ende, des Pachtjahres zu trennen sind und für die Ersatz von Kosten stattfinden müßte. Es besteht unseres Dafürhaltens im Fragefalle zwar kein Rechtsanspruch des bisherigen Pächters; vielleicht findet aber doch eine Einigung aus Billigkeitsgründen statt. Heber die Höhe eines etwaigen Ersatzes vermögen wir kein Urteil abzugeben. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. Gestern abend 7 Uhr wurde uns unser lieber Heinz Albert Herrn Dr.-Inti. e. b. Georg Jantzen Familie Steinmann. Wer übernimmt nebenbei den Vertrieb in Lollar (Kreis Gienen) eines erstklassischen 0625 Kassel, den 28 Januar 1930. Zeugnisse nefudn. 792 d Bedingung. Gießen, den 29. Januar 1930. |Verschiedenes| 0620 Statt Karten Fräulein Luise Foelling nach arbeitsreichem Leben. |Stellengesuche| Gießen, den 29. Januar 1930. 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Eigene Maßschneiderei. Soeben erhalten wir die schmerzliche Nachricht von dem Ableben unseres langjährigen Aufsichtsratsmitgldedes Der Aufsiditsrat und Vorstand der Maschinenbau-Aktiengesellschaft vorm. Beck & Henkel, Kassel. Gießen (Rödgener Straße 18), den 28. Januar 1930 Die Beerdigung findet Donnerstag, den 30. Jan., nachm. 2 Uhr. auf dem Neuen Friedhöfe statt. Beileidsbesuche dankend verbeten. SulU Der Verstorbene hat uns als Mitglied unseres Aufsichtsrates während vieler Jahre mit seinen reichen Kenntnissen und Erfahrungen zur Seite gestanden. Wir beklagen tief den Heimgang dieses Mannes von lauterstem Charakter und werden seiner stets in Dankbarkeit und Treue gedenken. 8 >20 808D Kommen Sie zu uns, wir sind gerüstetl Suchen Sie Masken-Stoffe, Suchen Sie Masken-Kostüme, Dies unser Maskenfenster... , Schauen Sie es anl in unserer Spezial-Abteilung für Masken-Kostüme finden Sie bei einer Auswahl von 100 Stück bestimmt das Richtige. — so ist es unsere riesige Auswahl, unsere 100 Masken- Modejournale zur eigenen oder Anfertigung in unserem Atelier, vor allen Dingen unsere sachgemäße Beratung, die Ihnen das Wählen angenehm macht. — „Masken-Ball mit Jazz-Musik“ s- Modehaus Nowack NowackÄ ___________________________________ _____________ tiA imzchdees Karneval 4‘5 r 5” 650 J25 850 IO00 Vereine DM ö. 31. M «■* öxüntt Abend. WD U^üchel L '*>» Ni« »'S *S4S ÄLKr “ftfe ^■Slhm-h6 LQl|ll *0/üO S^te-N- JletejÄnröi Lünens hr^kn'! «^uneben SWc,t '"Äfe L"°" IM 'Nntibli Geflügelzucht UmL'»tz '1 ^gmtbfimFs. _ icfttn'rri, Ze am 6. 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Ist der Stern Mussolinis im Sinken und steigt aus das Gestirn Savoyens? 3n der Schar der Hunderttausende von Fremden, die zu den Hochzeits- fcierlichkeiten nach Rom strömten, waren auch einige nachdenkliche Leute, die sich angesichts gewisser Erscheinungen die Frage vorlegten, me für Italien eine Schicksalsfrage ist und folglich auch im Volke eifrig erörtert wird. Denn wo die Zeitungen schwiegen, redeten die Kronen, und wo kühle Deamtenstirnen sich senkten, sprachen die Diademe. Um es nüchtern zu sagen: Mussolini trat hinter dem Kronprinzen zurück und dies so gründlich, daß er kaum mehr auffiel. Rus dem mächtigen Duce schien ein Ministerpräsident geworden zu sem. Schien. Bei der eigenartigen Machtverteilung und Machtteilung in Rom. wie sie in der Herrschaft von Tiara, Zepter und Liktorenbündel zum Ausdruck kommt, in dem Dreigcstirn von Papst, König und Duce, konnte dem politisch denkenden Beobachter nichts willkommener sein als der große Brautzug, der sich nach dem strengen, kürzlich aber von Mussolini korrigierten Hofzeremoniell bilden mußte. Da hatte man einmal die richtige Rangordnung plastisch vor Augen! Aber gerade da zeigte sich, daß die monarchische Etikette durchaus nicht im Einklang mit den tatsächlichen Kräfteverhältnissen, ja, daß diese Rangordnung geeignet war, in manchen Köpfen eine gefährliche Verwirrung anzurichtcn. Die Tete hielten, das ist so üblich, die ausländischen Militäratt ach c s, Offiziere in gleißenden Uniformen als die Vertreter der schimmernden Wehr. Aehnlich wie ein Dutzend blendender Kürassiere dem königlichen Wagen auf der Straße vorauszupreschen pflegt. Ihnen folgten die A n n u n z i a t e n r i t t e r als „Vettern des Königs" auf dem Fuße. Den Annun- ziatenorden haben die meisten Ministerpräsidenten erhalten, von Ritti bis Mussolini. Hier spürt man schon den seinen politischen Witz. Denn Ritti marschierte natürlich nicht mit, er ist des-Landes verbannt, und Mussolini auch nicht, denn sonst wäre er das vierte Kleeblatt neben Orlando, Salandra und B o n o m i gewesen, den wie aus dem Grabe auferstiegenen Führern der gewesenen Opposition. Bonomi ist sogar jener Ministerpräsident gerieten, der acht Jahre früher den Befehl gab, auch auf die Faszisten zu schießen, und damit die Bewegung der Schwarzhemden in eine Revolution verwandelte. Es mußte also die Gruppe der Annunziaten zerschnitten, Mussolini davon getrennt werden, was ohne weiteres ging, da ja der Duce als Regierungschef sozusagen eine andere Ab- teilung des Zuges eröffnen konnte, und es heißt auch, daß zwischen Hof und Regierung eine Respektslücke cingeschoben war, die sich aber schon beim Eintritt in den Rüstungssaal vor der Traukapclle verflüchtigt hatte, Und so kam es, daß Mussolini nur wie irgendein Edelmann oder Hochzeitsgast weit hinter denen marschierte, die in der Macht — einmal gewesen waren. Weit hinter Amanullah zum Beispiel, der schon an fünfter Stelle schritt, hinter dem König von Bulgarien, dem nur der König von Italien, der Kronprinz und der König der Belgier vorausgingen. Allerdings war dem entthronten Exoten nur die Rolle eines Prinzgemahls sozusagen zugefallen, indem er die Großherzogin von Luxemburg führte. Ja — aber hätte das nicht ebensogut Mussolini tun können? Mag sein, aber ihn verlangte nicht danach. Vom Kronprinzen Rupprecht von Bayern hingegen erzählt man sich, daß er als Bedingung für die Annahme der römischen Einladung verlangte, als regierender Fürst betrachtet zu werden. 3m Brautzüge kam die Erfüllung dieser Forderung jedenfalls zum Ausdruck. Mussolini schritt also geduldig mit, eine große grüne Schärpe um, seinen Leibadjutanten, um im Bilde zu bleiben, zur Seite. Aber als dos bedeutsame Ja des Kronprinzen gefallen war und der Zug sich für den Rückweg formierte, da suchten viele Augen vergeblich nach dem Duce. Er machte nicht mehr mit. Es gibt eine ganz undramatische Erklärung dafür: Als Kronnotar muhte er das junge Paar in einem entfernten Saale zur Ziviltrauung erwarten, konnte also nicht hinterherschreiten und damit zu spät kommen. 3mmerhin, auch andere Beweggründe hätte man verstanden. Diese höfische Rangordnung entsprach weder einem besonders tiefen Verständnis für die innenpolitische Lage, noch dem Geiste der Zeit. Mussolini, der „Tyrann", verkörperte jedenfalls in diesen sieben Tagen eines ungewöhnlichen monarchischen Gepräges das demokratische Prinzip. Er wollte nicht einmal Vollstribun scheinen, et trat mit einer Bescheidenheit zurück, die schon mehr Selbstverleugnung war. Die Art, wie er freundlich und lächelnd, mit vollem Verständnis für ihre harte Arbeit, die Journalisten bei der Hoftrauung begrüßte, während die gekrönten Häuvter keinen Blick für sie hatten und der italienische Kronprinz auf ihren stillen Gruß hin wegschaute, als habe er nichts gesehen, wird uns unvergeßlich bleiben, Und das war, wenn auch eine bezeichnende, so doch nur wenigen auffallende Episode. Dann der Abend des großen Empfangs auf dem Kapitol. Mussolini ist nicht unter den Gästen. Das Volk füllt die Tiberufer und die Dächer, um das Feuerwerk auf dem Gianicolo zu genießen. 3n einem neuen Stadtviertel ist eine mächtige Turmgarage entstanden, deren Terrasse Hunderten Platz bietet. 3n dieser dunklen Schar anspruchsloser Römer steht auch ein Mann, der feinen Kindern das fröhliche Geknall und Gezische zeigt. Er freut sich mit ihnen, freut sich wohl mehr als die erlauchten Herrschaften auf dcm Kapitol. E s ist Mussolini. Erst nach geraumer Zeit wird er erkannt und nun gehört ihm der 3rbel des ganzen Daches, Uebrigens eine hübsche 3llustra- tion zu den Schauerberichten gewisser Grenzberichterstatter über die hermetischen Absperrungen in Rom. Der Duce erscheint still und mit einer unverkennbaren Pflichtsmiene zur Galavorstellung im Opernhaus und läßt die Huldigungen, die dem jungen Adler gelten, nicht ihm, lächelnd an sich vorbeirauschen. Er bietet sechzigtausend Faszisten auf, dem Kronprinzenpaar Reverenz zu machen, schreibt ihnen aber, ein unerhörter Vorgang für die Schwarzhemden, bürgerliche Kleidung vor. Er kommt zur großen Parade nicht wie sonst als der oberste Feldherr, sondern nur als Regierungschef. Unö so weiter. Was hat das alles zu bedeuten? Wollte man ihn sichtbar auf die zweite Stelle drücken? Doch wohl kaum, denn wie jedermann in 3talien, so wußten auch die hohen Gäste, daß es schließlich Mussolini zu danken ist, wenn die große Hochzeit so ungestört verlaufen konnte. Die Wahrheit ist die, daß Mussolini freiwillig von der bengalisch beleuchteten Bühne abtrat, daß er selber der Volksbegeisterung für den Kronprinzen die Wege öffnete, er und kein anderer den Befehl gab, immer und überall den Königsmarsch vor der Faszistenhymne zu spielen, während es im Rundfunk, wie auch der Hörer in Trippsdrill ferstellen kann, lauft umgekehrt ist. Es bleibt nur die Frage, warum der mächtigste Mann des Landes so und nicht anders handelte, wo sein „Rivale" zum erstenmal mit gleichen Ansprüchen hervortrat. Mag jeder nach seinen psychologischen Fähigkeiten oder Liebhabereien nach der richtigen Antwort suchen. Ein Fingerzeig für die Lösung des Rätsels? Run, man könnte daran erinnern, daß Mussolini schon einmal vor dem Parlament erklärte, wenn sein König es wolle, dann würde er die Hacken zusammenschlagen, salutieren und abtreten. Aber kurz daraus handelte er umgekehrt, denn er merkte, daß der angebliche Volkswille, der im Ramen der Verfassung auftrat, nichts anderes war als der Witte seiner politischen Gegner. Mussolini trennte mit einem Hiebe des Liktoren- beils den Thron von der Verfassung und schob dazwischen den faszistischen Groß rat, der sich bei jedem Thronwechsel sein Mitsprachrecht vorbehielt. Bevor Kronprinz Humbert den Thron besteigen kann, muß der Duce gehört werden. Das ist Gesetz, und ein Gesetz, mit dem der Faszismus stehen und fallen kann. Wer übrigens von den „Eingeweihten", die tagtäglich von dem Gegensatz Kronprinz- Mussolini tuscheln, wer will wissen, ob der junge Adler, wenn er heute faszistenfeindlich gesinnt sein sollte, seine Haltung auch in reiferen 3ah- ren beibehält? Eines nur ist sicher: über Mussolini ist, schon geraume Zeit vor der Quirinals- feier, ein Geist der Mäßigung gekom- men. Er hält die radikalen Feuerköpfe seiner Schwarzhemden, die Dauerrevolutionäre, mit eiserner Faust nieder. Aber mit derselben unerschütterlichen Faust hält er nach wie vor die Zügel der Regierung in der Hand. Oer Reichsverkehr. Aus Anlaß der Zehnjahrfeier des Reichsverkehrsministeriums gewinnt die Frage der Entwickelung des deutschen Reichsverkehrs an Bedeutung. Leider sind wir trotz der Schaffung eines Reichsverkehrsministeriums immer noch weit von einem wirklich einheitlich organisierten Reichsverkehr entfernt, was naturgemäß zu zahllosen Schwierigkeiten für das deutsche Wirtschaftsleben führen muß. Dabei läßt sich allerdings nicht leugnen, daß nicht mangelndes Organisationstalent an dieser Tatsache die Schuld trägt, sondern vor allem und in erster Linie die außerordentlich schwierige finanzielle Gage, in der sich das Rach- kciegsdeutschland befindet. Denn die Reichsverkehrspolitik beruht an und für sich auf Plänen, die schon sehr alt sind, und bis weit in das vergangene Jahrhundert zurückreichen, insofern, als bereits im Vertragsentwurf der Paulskirche vom Jahre 1848 ein genaues System vorgesehen war, nach dem der deutsche Reichsverkehr organisiert werden sollte. Wir haben heute die Reichseisenbahn und wir haben die R e i ch s p o st. Wir haben zwar eine Reichswasser- strahenverwaltung, aber wir haben leider noch keinen einheitlichen Reichswasserstraßenverkehr. Gerade hierbei kommt die Finanznot ganz besonders zur Geltung. Denn von den K a n a l p 1 ä n e n, die Projektiert worden sind, ist bis heute so gut wie noch nichts in Erfüllung gegangen. Der Mittellandkanal, die Rhein-Main- und Donauverbin- dung, die Reckarkanalisierung, der Ihle-Plauer- Kanal, der Kanal Wesel-Datteln-Hamm-Lipp- stadt, der Küstenkanal, der Aachen-Rheinkanal, Der Hansakanal, der Klodnitz-Kanal und die Mosel-Kanalisierung, all das sind Projekte, die für eine einheitliche Reichsverkehrspolitik unumgänglich sind, die aber leider kaum und zum großen Teil überhaupt nicht in Angriff genommen werden konnten. Vollkommen ungeklärt ist noch die Frage der Schaffung einer einheitlichen deutschen Reichsstraßenorganisation, die durch die Verabschiedung eines Wegegesetzes angebahnt werden sott. Leider wird hierbei vielfach dadurch eine mißverständliche Auffassung gezeigt, daß gewisse Länder in einer Reichsverkehrspolitik einen versteckten Unitarismus sehen zu müssen glauben. Daß dem nicht so ist, bedarf wohl keines besonderen Hinweises. Gerade die Verreichlichung der Reichsbahn hat gezeigt, tote groß die Erleichterungen sind die sich dadurch für die Wirtschaft ergeben. Unö diese Erleichterungen kommen doch in erster Linie wiederum den Ländern zugute, die von einer prosperierenden Wirtschaft doch größere Vorteile haben als von einer Wirtschaft, die sich schon aus technischen Gründen nicht entwickeln kann. Roch besser hat der R e i ch s P o st v e r k e h r bewiesen, daß die Vereinheitlichung erst überhaupt eine Vcrkehrspolitik zu ermöglichen in der Lage ist. Die Kämpfe, um die Reichswasferstraßen- verwaltung werden aus diesem Grunde hoffentlich ebenfalls zu überwinden sein, damit wir endlich in Deutschland au einem einheitlichen Wasser st raßen netz kommen, das gerade durch die billigen Frachtsätze des Schifs- fahrtverkehrs von unerhörtem Vorteile für die Gesamtwirtfchaft ist. Wenn im Rahmen der Feier des R.eichsverkehrsministeriums mit aller Klarheit betont wurde, daß eine einheitliche Verkehrspolitik getrieben werden müsse, so darf man diese Willensäußerung nur mit großer Genugtuung entgegennehmen. Hoffentlich werden allmählich auch die finanziellen Kräfte zunehmen, damit dieser Wille in die Tat umgeseht totrö. Kein Rücktritt des Wormser Oberbürgermeisters? WSN. Worms, 28.Jan. Nach einer noch unbestätigten Meldung hat Oberbürgermeister Rahn fein Rücktrittsgef uch zurückgezogen. Oie Mainzer Hausangestelltensteuer rechtsgültig. Mainz, 28.Jan. (WSN.) Die Stadt Mainz hatte vor einem halben Jahr zum Ausgleich ihres Budgets eine Hausange ft eilten st euer ein geführt. Gegen diese Steuer wurde Rechtsbeschwerde eingelegt. Der Provinzialausschuß von Rheinhessen lehnte diese Steuer als ungesetzmäßig ob. Nun wurde von dem Berwaltungsgerichtshof in Darmstadt das Urteil gefällt, daß diese Steuer zu Recht bestehe. Die Klageoertretung betonte, daß 1. die Steuer dem Landessteuer- und Finanzausgleichsgesetz widerspreche, 2. daß die Steuer im Gegensatz stünde zu den Ortssatzungen der Städte, 3. daß laut Verfassung die Städte nicht berechtigt wären, direkte Steuern zu erheben: die Hausangeftelltenfteuer sei jedoch eine direkte Steuer. 21 Ile diese Einwände wurden vom Obersten Verwaltungsgerichtshof nicht anerkannt und somit bestimmt, daß eine Stadt berechtigt ist, eine ijausangeftelltenfteuer zu erheben. Einbruch in das Oieburger Amtsgericht. WSR. Dieburg, 28.3an. 3n das hiesige Amtsgerichtsgebäude wurde nachts wiederum eingcbrochen, seit einigen 3ahren der vierte Fall. Der Täter muß mit der Oertlichkeit genau vertraut gewesen sein, denn er kam von der Rückseite des Gebäudes zu einer Tür, die mit einem Sicherheitsschloß versehen ist: er schlug an dieser Tür eine kleine Scheibe ein, griff durch das dadurch entstandene Loch ins Innere und öffnete das Sicherheitsschloß. Hierauf wurde eine Anzahl Amtszimmer und in diesen die Schreibtischschubladen geöffnet oder auch erbrochen. Entwendet wurde nichts, da in den Schubladen keine Gelder oder Werte aufbewahrt werden. Talen für Donnerstag, 30. Januar. Sonnenaufgang 7.42 Uhr, Sonnenuntergang 16.46 Uhr. — Mondaufgang 8.38 Uhr, Mond- untcrganz 17.15 Uhr. 1781: der Dichter Adalbert von Chamisso in Boncourt in der Champagne geboren; — 1815: der Dichter Karl Gerock in Vaihingen a. d. Enz geboren. Aachtschnellzug Lharkow-Tiflis Don Sigismund v. Radecki. Zur Station fuhr ich mit vier Pferden: Weih- füßchen, Sekretär, Waldteufel und Hektor — alle in einer Reihe angespannt, und mit einer großen Glocke, die zu unbekannten Zwecken durch die ungeheure Steppe bimmelte. Der dickgepolsterte Kutscher war mit seinem langen Bart wie aus weichem Lindenholz geschnitzt — ein russischer Kutscher wie er sein soll, ein Präsident des Pferdeparlaments, der ununterbrochen auf seine vier „Täubchen" einredete. Bald munterte er Weihfüßchen auf, bald entzog er Sekretär das Wort, bald fragte er Waldteufels was eigentlich mit ihm los fei, bald zeigte er Hektor mit wildem Gesichtsausdruck den Peitschenstiel — so daß die klapprige Quadriga weit weniger auf Öen Weg, als zurück auf Öen Kutscher blickte: was ihm jetzt toieöcr Reues einfallen würbe ... Die Straße war 75 Meter breit unö wurde dabei noch ständig verbreitert, weil jeder natürlich Öen Schwarzerde-Drei verschmähte unö lieber auf dem festen Grasboden daneben fuhr. Auf der Station gab es eine asthmatische Rangierlokomotive, einen Telegraphisten, der seine Pickel im Spiegel betrachtete, drei oder vier herumlungernde Schafpelze, die sich beim Gähnen mit der Handfläche auf den Mund klopften, und außerdem einen „Preiscourant", wo alles verzeichnet stand, was noch nie auf einer russischen Bahnstation zu haben gewesen: sogar irgendein „Glint-Wein" zu 65 Kopeken, von dem der Buffettier die allervagesten Vorstellungen hatte. Die einzige Realität bestand aus einem Käsebutterbrot und einer dicken, blauschwarzen Fliege, die beide seit Gründung der Bahnlinie unter einem staubigen Glassturz eingeschlossen lagen. Plötzlich hörte man ein unterirdisches Rollen, die Fensterscheiben zitterten, eine Glocke wurde dröhnend angeschlagen, und der Kurierzug mit mächtigem Kuhfängcr schob sich herein und machte alles dunkel. Schon sah ich im Kupee, schon brausten wir unter rasendem Trillergepfeife ab, unö schon war die Station samt Schafspelzen und der ungeheuren Steppe ein Etwas, das man gelegentlich zerstreut durch die Kristallscheiben betrachtet. Ein erfttiaffiger Komfort! Der leise zitternde Korridor aus pollertem Mahagoni: ein endloses Riesenteleskop, in dem man selber drinstand und den Duft nach Leder und Samt einsog. Auf dem Reklamebild stehen drei Holländer in Pumphosen und gucken auf einen Steamer, der am Horizont vorüberdampft. „Rotterdam—Reuyork" — was sott man da noch sagen?! „Messageries Maritimes", „Tokio via Siberia", „Riviera Palace Hotel" — ganz wie im Kino, wo man auch nie sieht, wie die Leute das Geld verdienen, sondern nur, wie sie es ausgeben. Es war fabelhaft: besonders, dah alle diese Sachen mit mir durch den Raum stürmten, wie ein Projektil auf die Berge zu: Tiflis, mein Lieber, Tiflis! — und vorher keine Atempause. Das türkisblaue Samt-Kupee hatte jemand unter angestrengtem Rachdenken so ausgetüftelt, wie es für mich am bequemsten sein muht" 3ch erschauerte unter dem Strom mütterlicher Li.be, der aus jedem unerhört praktischen Gegenstände auf mich einörang! Willst du Tee haben, mein Lieber? — Bitte, hier ist ein Knopf, du brauchst nur zu drücken. Oder brauchst du einen Tisch? — Da, sogar mit einem Aschenbecher! Stört er dich, Armer? — Klapp ihn herunter, dann ist er wie nie gewesen. Händchen waschen? — Bitte, nebenbei, ein extra Waschraum für dich, Handtuch, Eau de Cologne, alles ... 3ft das Kindchen müde? — Hoppla, da ist schon ein Bett, ganz frisch bezogen. Achachach, aber wer wird denn Angst vorm dunklen Zimmer haben?! So ein großer 3unge! — Ra, also gut, weil du es bist: hier, der Schalthebel: eine Rachllampe, ein mildes blaues Licht wie ein Madonnenauge ... 3ch entkleidete mich und besah vor dem Einschlafen meinen neuen, herrlichen Aagan-Revol- Der. Eine gefährliche Maschine, schwer, vernickelt, mit schwarzer Wut in der Mündung. 3m Kaukasus kann man nie wissen. 3cht keuchte der Zug schon durch die Dorberge, schon war draußen Wald und Wind und Wasserrauschen. Dann lieh ich mich von 60 Kilometern in der Stunde in den Schlaf wiegen. 3ch erwachte vom Anrucken des Zuges beim Verlassen einer Station. 3ch knipste das Licht an: alle Metalltelle erglänzten und die Mahagoni-Maserung spiette in rötlichen Fontänen. 3etzt hörte ich tappende Schritte im Korridor, die vor meiner Tür Halt machen. 3ch lehnte den Kopf bequem an das Kissen und schaute unbeweglich auf die Tür. Die Messingklinke bewegte sich hin unö her: dann wurde die Tür langsam zur Seite geschoben. Ein riesiger Mann stand im Korridor unö blickte mich unbeweglich an. Er war zerlumpt, hatte eine hohe Lammfellmühe, ein dunkles Gesicht, unö öazu ein langes, silberbeschlagenes Dolchmesser im Gürtel stecken. 3m Waggon war alles stlll; er sauste mit 60 Stundenkilometern durch die Rächt. 3etzt schaute mich der Mann aus seinen kohlschwarzen Augen mehr durch die Stirn an, so daß man das Weihe sehen konnte, und lieh mit seiner rechten Hand langsam die Türklinke los ... Dann fuhr er ebenso langsam mit der Hand zum Dolch und umspannte den Dolchgriff. Er schaute mich noch immer durch die Stirn an, deren Adern zu schwellen schienen. Und mit diesem Dlick begann er nun langsam den Dolch herauszuziehen — Zentimeter um Zentimeter. 3eht erst merkte ich, was mir drohte. 3ch lag noch immer mit schlaffen Armen da und sah starr auf ihn hin. Da fühlte ich etwas Hartes unter der Hand. Der Ragan-Revolver. Ohne Öen Arm zu regen, umfahte ich ihn mit der Hanö. Der Kaukasier hatte den Dolch schon fast ganz her- ausgezogcn. Man sah fast nur noch das Weihe der Augen. Mit einer leichten Handdrehung — der übrige Körper blieb unbeweglich — hielt ich ihm plötzlich das nickelblitzende Ding entgegen! Schweigend. Den Finger am Drücker. Der Kaukasier war einen Moment starr. Dann schob er seine Klinge ebenso langsam wie vorhin, Zentimeter um Zentimeter, in die Scheide zurück. 3eht zielte ich genauer (der Ragan war übrigens ungeladen) ... Da murmelte er mit einer tiefen Stimme, wie aus einer Tonne ... „Rä buddu ... Rä b u d d u ..." (3ch wärrd ni—cht ... 3ch wärrd nicht ...") Und schob den Dolch endgültig hinein. Dann duckte er sich, und machte plötzlich einen Sah zum Ende des Korridors! Gleich darauf hörte man Glas zersplittern. Und wieder einen Moment darauf hielt der Zug mit einem heftigen Ruck! Aha, die Westinahouse-Dremse: soweit wuhte der Sohn der Wiwnis doch Bescheid. Einige Sekunden war alles stlll. Dieser ganze Apparat mit Dampfkessel und Etahlachsen sah plötzlich regungslos im Dergwalde, als wäre er woanders gewesen. Während ich mir eiligst etwas überwarf und den Revolver lud, hörte man bereits hastiges Rufen und Schaffnerschritte. 3ch lief mit dem Revolver zum Waggonende: richtig, die Türe stand offen, der Dursche war hinaus- gesprungen! Draußen schien der Mond durch die Zweige. Es war, als ob man mit der Luft etwas vom Mond einatmete. 3ch lief mit den Schaffnern ein paar Schritte vorwärts und knallte ganz unnötig zweimal meinen neuen Ragan ab. Das Echo rollte von Schlucht zu Schlucht; tiefer in der Ferne sah man weiße Schleier von den Tannenspihen aufsteigen: offenbar ein Wasserfall. 3eht schrillte eine Trillerpfeife, und der Oberkondukteur verlangte energisch die Weiterfahrt. Türen klappten, unö öer Wald zog immer schneller hinter Öen Kristattscheiben vorbei. Der Mond rollte über die Walözacken, immer neben uns her. 3ch zog Öen Vorhang herunter: mit einem Messingknopf unten, sehr praktisch. Dann legte ich mich zu Dett unö knipste das blaue Licht, das milde Madonnenauge, an. Aber der Komfort schien mir nicht mehr sv erstklassig wie zu Anfang. Vom Hahn. Unter den Redensarten, die wir dem Hahn verdanken, ist nur eine umstritten: einem den roten Hahn aufs Dach sehen, ihm das Haus in Drand stecken. Man benötigt dazu immer nur einen Hahn, von roten Hähnen spricht man nicht. Da der Hahn die anbrechende Morgendämmerung veriündet, hat man ihn als Sinnbild des heraufkommenden Lichts, auch des auf» lodernden, flackernden Feuers gedeutet. Seit dem 16. Jahrhundert meint man, öer Hahn fliege bei einem Schaöenfeuer von einem Dache auf— gesehen hat es niemanö. ©temeöer, Wunder- avostel 181, läßt den roten Hahn auf den Dächern sich blähen. Ursprünglich, ö. h. nach den frühesten Belegen der Redensart, ist sie den MorÖ- brennem eigen. Diese hatten wie die Diebe und Bettler ihre befonöere Zeichenschrift, die sog. Zinken: eines davon, das die Brandstiftung bedeutet, hat Ähnlichkeit mit einem Hahn, und da die Gaunerzinken meist mit Rötel an Kirchen, Straßenecken, einsamen Kreuzen angebracht wurden, ergab sich die Bezeichnung roter Hahn. 3n Frankreich wurde der Hahn, genauer der Hahnen- kamm, zu einem kriegerischen Abzeichen verwendet, ein bannet a la cocarde war eine Mühe mit einer hahnenkammarligen Schleife. W.r haben dann die Kokarde übernommen, die uns aber nicht an den Hahn erinnert Eher ist dies der Fall bei dem Beiwort kokett, ö. i. hahnenhaft nach Gang und Gebaren: trotz der Ableitung von le coq, der Hahn, gebrauchen wir es nicht von Männern, sondern von gefallsüchtigen Frauen, ebenso das Zeitwort kokettieren, sich kokett gebaren, zu gefallen, Eroberungen zu machen suchen. Da das meist mit Hilfe der Augen geschieht, wäre äugeln eine passende Verdeutschung (Dgl. liebäugeln). Spitteler, Olympischer Frühling 2, 135, hat dafür: Sieh, wie sie mit den Aeuglein neckt. C.M. Oberhessen. Landkreis Gietzen. 00 Klein-Linden, 27.Jan. Dieser Tage fand die erste Sitzung des neugewählten Gemeinderats statt. Bürgermeister Jung forderte die neugewählten Mitglieder $ur_ tatkräftigen Mitarbeit auf. Größere Fragen würden in der nächsten Zeit den Gemeinderat beschäftigen, wie Schaffung der 'Wasserleitung, Erweiterung der Friedhofsanlagen, Neubau von Straßen. Sodann nahm der Bürgermeister die Verpflichtung der neuen Gemeinderatsmitglieder Phil. G e r - m er III., Hch. Reuschli ng. Jakob H ofmann, Friedr. Weigel II., Otto Steinmüller, Aug. Schmidt, Wilhelm Erle uni) Wilhelm Rinn vor. Der Antrag der Sozialdemokraten, vor jeglichen Verhandlungen die Wahlen zu den einzelnen Kommissionen vorzunehmen, wurde zurückgestellt bis zur nächsten Sitzung Auf die im Dezember v. 3. ausgeschriebene Stelle eines P o l i z e i d i e n e r s für unsere Gemeinde hatten sich drei Kandidaten gemeldet. Nachdem in der Sitzung vom 19. Dez. 1929 die Stelle probeweise dem ehemaligen Schupobeamten Horst G röh ke (Breslau) ab 1.Jan 1930 übertragen worden ist, stellte sich jetzt heraus, daß auch bei dem Kreisamt Gießen fünf Meldungen für die Polizeidienerstelle ernaelaufen sind. Der Gemeinderat beharrte indessen auf den Beschluß vom 19. Dez. v. 3., Der Anschaffung einer .Uniform für den Polizeidiener soll später nähergetreten werden. 3n längerer Besprechung wurde über den Einspruch des Gemeinderats- mitgliedes Philipp Klein gegen den schon in voriger Sitzung genehmigten Gemeindevoranschlag für das Rj. 1 9 2 9 beraten. Nachdem auch von sozialdemokratischer Seite weitere Gründe gegen die Genehmigung des Voranschlags vorgebracht waren, wurde mit acht gegen eine Stimme bei vier Stimmenthaltungen der Einspruch gegen den Voranschlag gutgeheißen. Ein weiterer Antrag von Phil. Germer III., den Gesamtvoranschlag f ü r 1929 noch einmal durchzuberaten, fand mit acht Stimmen bei vier Stimmenthaltungen die Annahme des Gemeinderats. Infolge der angenommenen Revision des Voranschlags konnte die vorgesehene Festlegung der Ausschlagsähe der Gemeindeumlagen für das Rj. 1929 noch nicht vorgenommen werden und wurde vertagt. Da im kommenden Herbst die Pachtzeit für die südlich des Friedhofs liegenden Grundstücke abläuft, kann an die Erweiterung der Friedhofsanlagen gedacht werden. Das Hochbau- amt Gießen soll beauftragt werden, Pläne in diesem Sinne auszuarbeiten und dabei auch die Erweiterung der Friedhofshalle und die Errichtung des noch zu schaffenden Ehrenmals für unsere gefallenen Krieger ins Auge zu fassen. Für die Volksschule wurde die Anschaffung eines Crperimentierlisches gutgeheißen und die Mittel dazu bewilligt. Aus dem Verlauf der ersten Sitzung, die von Zuhörern stark besucht war, und aus persönlichen Anfragen und deren Beantwortungen ist zu schließen, daß die Hnstirn - ni i g k e i t e n, die zwischen dem früheren Gemeinderat und dem Bürgermeister herrschten, nicht behoben sind, sie treten vielmehr im neugewählten ^emeinderat in verschärfter Form auf. al. A l l e n d o r f (Lahn), 26. 3an. Aus den st andesamtlichen Eintragungen uw ferer Gemeinde im 3ahre 1929 ist zu berichten: Geboren wurden 16 Kinder, davon zwei in Gießen, gestorben sind 15 Personen, davon drei in Gießen: Eheschließungen fanden 9 statt, gegen 5 im 3ahre 1928. — Bei der Haussammlung für die Schmückung der Friedhöfe und Grabstätten unserer Gefallenen im Auslande kamen hier insgesamt 50 Mark zusammen. Der Traum vom Siiitf. Roman von E. Lovett und M. v. Weißenthurn. Copyright by Marie Brügmann, München. 23 Fortsetzung. Raddruck verboten. Sabine lag noch immer in tiefer Ohnmacht auf dem Diwan, und Doris war die einzige, die sich bemühte, sie zum Bewußtsein zurückzubringen. Sie benetzte ihre Stirn mit Eau de Cologne und hielt ihr ein Fläschchen mit Riechsalz unter die Nase, welche Delebungsmittel sie in Eile aus Tante Hannas kleinem Boudoir geholt hatte. Endlich schienen ihre Bemühungen Erfolg zu haben: denn bei Sabine begann allmählich das Bewußtsein zurückzukehren. Auf die erneute Frage seiner Gattin machte sich Herr von Wildhofen von dem noch immer an seinem Arme hängenden unglücklichen Schützen los und wischte sich ganz ermattet den Schweiß von der Stirn. „3ch habe nicht den geringsten Anhalt, wer das Opfer dieses unseligen Tages sein mag," berichtete er endlich. „Der Mann trieb sich im Walde umher, und jever junge Herr dort — hätte ich nur gewußt, daß er kurzsichtig ist — hielt ihn, wie es scheint, für irgendein kurioses Wild, das an einem Baum lehnte — und schoß ihn tot wie einen Zaunpfahl. Das ist das einzige, was er heute geleistet hat!" fügte er leiser, mit halb unterdrücktem Groll hinzu. „Mein Gott, wie entsetzlich!" rief Frau von Wildhosen. „Wer ist aber der arme Mensch? Vielleicht ein Wilddieb?" „Anscheinend nicht: denn er hatte kein Gewehr bei sich. Einer der Leute, die den Toten transportieren halfen, sagte mir, daß er ihn für den Fremden hielte, der sich seit ein paar Tagen beim Pächter Heiß eingemietet hätte. 3ch schickte den Mann sogleich zurück in die Meierei, um Heiß zu holen. Vielleicht kann er uns Aufklärung über den Toten geben. — Sagten Sie etwas Frau von Rechten?" „Nein, nein, ich sagte nichts!" versicherte diese nun in augenscheinlicher Verwirrung, die aber bei der allgemeinen Aufregung nicht bemerkt wurde. 3eht kam Sabine völlig zum Bewußtsein und richtete sich hastig vom Diwan in die Höhe. Zunächst warf sie einen erschreckten Blick um sich' dann aber kam ihr die volle Erinnerung an das unmittelbar Dorhergegangene. „Kurt?" flüsterte sie in höchster Seelenangst. „Still, still!" Doris legte schnell die Finger an die Lippen. „Kurt ist ganz unversehrt!" suchte sie Sabine leise zu beruhigen. ltz L o l l a r, 27.Jan. Der V e t e r a n e n - und Kriegerverein Lollar hatte sein diesjähriges Winterfest zu einem Militärkonzert ausgestaltet, das am Samstagabend im Saale „Zum Schwanen" stattfand und einen starken Besuch aufwies. Ausgesührt wurde das Konzert vom Musikkorps des Ausbildungsbatl. 3nf.°Reg. 15 Marburg unter Leitung von Musikmeister Große. 3m ersten Teil des Programms herrschte die Streichmusik, im zweiten Teile kamen die Blasinstrumente zur Geltung. Neben Werken großer Meister fehlte auch volkstümliche Musik nicht. Die Zuhörer nahmen die Darbietungen der Kapelle mit stürmischem Beifall auf. Der Vorsitzende des Kriegervereins, Martin Taubert, dankte dem Musikkorps in herzlicher Ansprache für die künstlerisch vollendeten Leistungen. 3m Anschluß an die Wiedergabe von „Historische Märsche" fand Rektor a. D. Da ab ergreifende Worte zum einmütigen Zusammenstehen, damit Deutschland wieder den alten Platz in der Welt einnehmen könne und führend in kultureller, sittlicher und wirtschaftlicher Hinsicht sein werde. Gemeinsam wurde hierauf unter Musikbegleitung das Deutschlandlied gesungen. Als Vertreter des Bezirksvorstandes des Hassiabezirks Gießen hatten sich Bezirksfürsorgeobmann Döhn und Dezirksschießwart Klein aus Gießen eingefuw den, die die Grüße des Bezirkes überbrachten und auf die hohen Aufgaben der Kriegervereine hinwiesen. v. Londorf, 28. Jan. Auf Anregung von Pfarrer Bühler wurde für die hiesige Pfarrei, bestehend aus den Orten Londorf, Kesselbach, Allertshausen und Climbach, ein P o s a u n e n ch o r gegründet, dem zahlreiche Mitglieder beigetreten sind. — Bei der Vorstandswahl derJsraeliti- schen Religionsgemeinde Londorf und Filialen wurde das seitherige Vorstandsmitglied Julius Jonas von Londorf wiedcrgewählt und an Stelle des verstorbenen Vorstandsmitgliedes Leopold Stern (Kesselbach) Leopold Eckstein (Kesselbach) gewählt. — Steinhauermeister K r e u d e r, dahier, beabsichtigt, in seinem Anwesen eine öffentliche Badeanstalt zu errichten. Es wird damit einem schon längst empfundenen Bedürfnis entsprochen werden. — Am Samstagabend hielt der Arbeitergesangverein „Union4 seinen Familienabend ab. Der Verein, der unter der bewährten Leitung des Musikers S ch o m b e r aus Beuern steht, zeigte durch den Vortrag einiger ernster und heiterer Lieder, daß er recht güte Fortschritte gemacht hat. Der Vortrag einiger Sololieder, Couplets und Gedichte in oberhessischer Mundart, vorgetragen von zwei Damen, fanden wohlverdienten und starken Beifall. Tanz hielt die Teilnehmer noch einige Stunden froh beisammen. gck. G r o ß e n - B u s e ck, 28. 3an. 3n der Volkshochschule hielt Tlniversitäts-Garten- inspektor a. D. R e h n e l t aus Gießen einen Vortrag über Züchtung und Vererbung bei Kulturpflanzen. Der Redner verstand es, seine Hörer in etwa zweistündigen Ausführungen in dieses hochinteressante, weitverzweigte Gebiet einzuführen und sie anzuregen, sich selbst mit diesen Fragen zu beschäftigen. Besonderem 3nteresse begegneten die Ausführungen über die Kreuzungen, die Mendelschen Gesetze, die Mutasion und die 3nzucht. Sie wurden an zahlreichen Beispielen aus dem Pflanzen-, Tier- und Menschenreich erläutert. Leider war der Vortrag so schwach besucht, daß der Vortragende sich gezwungen sah, seinen auf zwei Abende berechneten Stoff stark zusammenzustreichen, um ihn an einem Abend bewältigen zu können. Voraussichtlich wird die Volkshochschule nun noch einen Vortrag über das gesamte Genossenschaftswesen bringen. + Grünberg, 26. Jan. Am Donnerstagabend hielt die hiesige Freiwillige Feuerwehr im Gasthaus „Zum Rappen" ihre Hauptversammlung ab, zu der 108 Kameraden erschienen waren. Nach einem Eröffnungsmarsch der Feuerwehrkapelle begrüßte der 1. Hauptmann Seifart die erschienenen Wehrleute und ge- „Er, schwor, daß er ihn erschießen wollte!" murmelte sie wie geistesabwesend. „Er hat mir aber bis morgen Zeit gelassen, das Geld zu besorgen. Das muß er vergessen haben und —I Oh, er lebt — er ist unverletzt!" rief sie plötzlich wie elektrisiert, als ihr Blick über die Gestalt der Freundin hinweg zur Tür der Halle ging. Kurt von Wildhofen hatte soeben die Schwelle überschritten. Bei seinem Eintritt fiel Sabine auf die Lehne des Diwans zurück und brach in- krampfhaftes Schluchzen aus. Es war nicht möglich, ihre Aufregung vor den anderen zu verbergen, und auch die Blicke des zuletzt Eingetretenen wurden sofort auf die Stelle gelenkt, von der krampfartige Töne ihm entgegendrangen. Als er die Weinende erblickte, wurde sein Gesicht hart und starr wie Eis. Es ist also ihr Liebhaber — dieser gänzlich heruntergekommene Mensch — für den sie das Geld von mir haben wollte! dachte er in blindem, eifersüchtigem Groll: denn Hagenau hatte bei dem so unerwarteten Schluß der heutigen 3agd keine Gelegenheit mehr gefunden, seinen Freund über die Haltlosigkeit seines Verdachts aufzuklären. Es kann nicht anders sein, es ist ihr Liebhaber — jener Mann, der getötet worden ist und jetzt weint sie sich die Augen aus um ihn! Ec empfand in diesem Augenblick ein Gefühl gegen sie, das dem Haß gleichkam. Ohne zu zögern, schritt er auf seinen Vater zu. „3ener Bursche war anscheinend kein so harmloser Strolch wie wir dachten. Sieh her, Vater, was wir bei ihm gefunden haben! Gib acht, er ist geladen!" Bei diesen Worten legte er auf den eichenen Tisch inmitten der Halle, vor dem sein Vater stand, einen Revolver nieder. Herr von Wildhofen stieß einen Ruf des Erstaunens aus. „Das verändert die Sachlage allerdings bedeutend. Ohne 3hren Schuß, Herr Bertram," fuhr er, zu dem noch immer fassungslosen Albert Dertram gewendet, fort, „hätte jener Geselle vielleicht einen von uns vom Leben zum Tode befördert. Ein ehrlicher, harmloser Mensch schleicht kaum mit einem geladenen, Revolver in der Tasche in den Wäldem umher." Inzwischen war Frau von Rechten liebevoll um ihre Tochter bemüht, so daß Doris sie in deren Händen zurücklassen konnte. Diesmal war -Nulter im höchsten Grade zufrieden mit ihrem Kinde, dem sie nach allem Dorangegange- nen nimmermehr so viel Schlauheit und diplomatische Derstellungsgabe zugetraut hätte. Daß der Ohnmachtsanfall und das heftige Weinen ihrer Tochter wirklich echt gewesen fein könne, kam ihr bei ihrer durch und durch unwahren Natur gar nicht in den Sinn: denn dann dachte zunächst der beiden im letzten Jahre verstorbenen Kameraden Georg D o n - E i f s und Heinrich Bausch, deren Andenken durch Erheben von den Sitzen geehrt wurde. Alsdann erstattete er den Jahresbericht. Daraus ist zu entnehmen, daß einschließlich einer Nachtübung fieben Hebungen im abgelaufenen 3ahre abgehalten wurden: vier Vertreter nahmen am Frühjahrsverbandstag in Gießen teil, am Herbstverbandstag in Birklar war die Wehr mit der Kapelle vertreten, der Landesverbandstag der hessischen Wehren in Frankfurt wurde vom 1. Hauptmann besucht. Die Wehr wurde in 1929 zweimal bei Nachtbränden alarmiert: beim Brand in der Weberei Schmidt und dann im Sägewerk der Firma Haas. Durch ihr rasches Eingreifen konnten beide Brände im Keime erstickt werden, bei zwei kleineren Zimmerbränden brauchte sie nicht in Tätigkeit zu treten. Don der Stadt wurden ihr 12 neue Helme und 130 Meter Schläuche überwiesen, außerdem wird die Stadt in diesem Jahre ein neues Spritzenhaus bauen, wodurch ein langgehegter Wunsch der Wehr in Erfüllung geht, und die in sehr beengtem Raume untergebrachten Geräte bequemer Unterkunft finden und rasch herausbefördert werden können. Der Hauptmann spricht der Stadt für ihre Unterstützung den Dank der Wehr aus, ebenso dankt er der Kapelle für ihre Mitwirkung bei den Hebungen. Die Jahresrechnung schloß mit einem kleinen Heberschuh ab. Bei dem Punkte Dekorierung konnte der 1. Hauptmann mitteilen, daß Dattlermeister Karl Mehl mit dem Ehrenzeichen für 25jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet wurde, weiterhin konnte er an folgende zehn Kameraden das Abzeichen für zehnjährige Mitgliedschaft verteilen: Studienrat Julius Walter, Buch» druckereibesitzer Heinrich Robert, Fabrikant Otto Allmendinger, Mehgermeister Ludwig Heidt, Kaufmann August Schlosser, Metzgermeister Karl Jungmann, Hhrmacher Rich. I ö ck e l, Spenglermeister Friedrich Schröder, Bierverleger Christian Gebauer und Landwirt und Metzger Heinrich Schon hals. Dor- geschlagen werden zur Dekorierung die Kameraden Spenglermeister I. D o n - E i f f, Schmiede- meister Wilhelm S ch o m b e r und Glasermeister Friedrich Feldmann, von denen die beiden ersten eine 40jährige, der letztere eine 25jährige Mitgliedschaft bei der Wehr zu verzeichnen haben. Die Gründung einer Sanitätsabteilung wurde beschlossen, das benötigte Verbandszeug stellen die Kameraden Karl Schott und August Röhm unentgeltlich zur Verfügung. Unter den Klängen der Kapelle, der für ihre Mitwirkung gedankt wurde, nahm die Hauptversammlung einen harmonischen Verlauf. -/- Lich, 28. Jan. Auf Anregung der Fürstin zu Solms-Hohensolms-Lich führten der hiesige Alice-Frauenverein in Verbindung mit den beiden evgl. Frauenvereinen eine Sammlung von Kleidern und Lebensmitteln für die ausgewanderten Wolgadeutschen durch.Sechs große Kisten konnten an „die Brüder in Not" abgeschickt werden. Außerdem unterstützten der Zweigverein vom Noten Kreuz und der Alice- Frauenverein die Sammlung mit einer größeren Geldgabe. — Die Stelle des Amtsvorstan- des des hiesigen Postamts wurde Post- sekretär Heiß aus Rheinheim übertragen. )( Lich, 27. Jan. Dieser Tage trat dieKirchen - gemeinbebertretung im hiesigen Stiftischen Gemeindesaal zur ^Beratung des Voranschlags der evangelischen Kirchengemeinde und des M a r i e n st i f t s für 1930 zusammen. Der Voranschlag, den der Kirchen- unb Stiftsvorstand bereits in voriger Woche einer gründlichen Vorberatung unterzogen hatten, schließt in Einnahme und Ausgabe mit einem Betrag von 12 713 Mk. ab und ist den Zeitverhältnissen entsprechend mit größter Sparsamkeit aufgestellt. Die örtliche Kirchensteuer, die bereits in vorigem Jahre um 2 Prozent auf 5 Prozent gesenkt war, wird in derselben Hohe erhoben werden. Bei dem Mangel an Mitteln mußten auch in diesem Jahre dringende Arbeiten, wie die Wiederherstellung der Marienstiftskirche im Innern, aufgeschoben werden. An größeren Arbeiten wurden nur eine gründliche Reinigung der Orgel und Ersah der wurmstichigen Pfeifen, die noch von der alten Orgel vorhanden sind und seinerzeit wiederverwandt waren, durch neue Pfeisen beschlossen, um das vortreffliche Orgelwerk vor weiterem Schaden zu bewahren. Ferner wurde beschlos en, ein weiteres Stück des zum Tell sehr schadhaften Kirchendachs neu zu beschiefern, um größeren Schäden im Innern der Kirche vorzubeugen. Auch das Türmchen, in dem die Kirchenglocken hängen, soll wiederhergestellt werden. Nach Beratung des Voranschlags trug der Vorsitzende den Bericht des Kirchenvor- standes über den religiös-sittlichen Zu st and der evangelischen Gemeinde vor. 62 Haupt- und 53 Nebengottesdienste wurden von 4712 Männern und 7205 Frauen, bzw. 1513 Männern und 3533 Frauen besucht. Die Kinderkirche wies 'eine Besuchszahl von 4002 Kindern auf. Am heiligen Abendmahl nahmen 357 Männer und 646 Frauen teil. An Liebesgaben gingen 4434 Mk. oder 2,35 Mk. auf den Kops der Erwachsenen ein. Aus einstimmigen Wunsch der Versammlung wurde beschlossen, am Gründonnerstagabend einen Abendmahlsgottesdienst einzuführen, der besonders als Familienabendmahl gedacht ist. In eingehender und einmütiger Aussprache wurden noch andere Wünsche besprochen und mancherlei Anregungen zur Förderung des kirchlichen Lebens in unserer Gemeinde vorgebracht. r Obbornhofen, 27. Jan. Am Samstagabend hielt der hiesige Gesangverein „Frohsinn" seine diesjährige Jahresschlußfeier im Saalbau Henzel ab. Nach den üblichen Begrühungsworten durch den Vorsitzenden Wilh. Bommer sheim wurde der Jahresbericht erstattet, aus dem folgendes zu entnehmen ist: Die Mitgliederzahl hat sich ungefähr auf derselben Höhe gehalten, wie im Vorjahre: von 72 Mitgliedern werden 35 als aktive Sänger geführt. Der Kassenbestand weist ein Guthaben von 162,50 Mk. auf. Bei der Dorstandswahl wurden die Vereinsämter durch Zuruf in Öen seitherigen bewährten Hängen bel s en. zum St.ll- vertreter des Vorsitzenden wurde ein 2. Präsident in der Person von Richard Hahn I. bestimmt. Weitere Beschlüsse gingen dahin, einheitliche neue Abzeichen für alle Vereinsmitglieder zu beschaffen. Hm die gesanglichen Leistungen zu heben, wurde bestimmt, den Besuch der Singstunden zu regeln und Strafgelder für Hnpünkt- lichkeit oder Versäumnis einzusühren. Mehrere Chore, die unter Leitung des Dirigenten Heinrich Glockengießer gut vorgetragen wurden, umrahmten die Feier. Die Vorbereitungen für die50. Iubels eie r des Gesangvereins, (ine vom 28. bis 30. Juni stattfindet, sind im Gange. Auf die Einladungen sind jetzt schon zahlreiche Anmeldungen eingelaufen, so daß mit einer Festlichkeit in größerem Ausmaße zu rechnen ist. Kreis Büdingen. △ Nidda, 26. Jan. Einer der stärksten Vereine unserer Stadt, der Eisenbahner- Verein für Nidda und Hmgegend, hielt hier im „Gambrinus" sein diesjähriges Wintervergnügen ab, das bei sehr gutem Besuch einen harmonischen Verlaus nahm. Dabei kam u. a. Hnterhaltungen auch ein Schwank durch Derelns- mitglieder in vorzüglicher Weise zur Ausführung und erntet? außerordentlichen Beifall. Auf vielseitigen Wunsch der hiesigen Einwohner wurde dasselbe Stück gestern abend nochmals aufgeführt. Wieder war der Saal bis auf den letzten Platz beseht und abermals wurde den Darstellern stürmischer Beifall gezollt. 3n uneigennütziger, dankenswerter Weise hatten sich die Vorstandsmitglieder und die Rolleninhaber zu hätte sie sich ja Sabines Verhalten nicht zu erklären vermocht. „Komm hinauf in dein Zimmer, mein liebes Kind!" sagte sie jetzt mit vernehmbarer Stimme. „Der Schreck war zu heftig für dich: darum ist es am besten, du ziehst dich ein wenig zurück. Jetzt, wo wir wissen, daß alles wohlauf ist —" „Oh, wie kannst du das sagen?" fiel Sabine ihr hier ins Wort. Doch ihre Mutter nahm keine Notiz von dieser Bemerkung, sondern legte den Arm um sie und geleitete sie schweigend zur Treppe. Dabei mußten beide dicht an der Stelle vorbei, wo Kurt stand und starr vor sich hinblickte. Als das noch immer leise schluchzende Mädchen mit abgewendetem Gesicht an ihm vorbeischreiten wollte, trat ein unbeschreiblicher Ausdruck, in dem Haß und Liebe, Verachtung und Mitleid um die Oberhand stritten, in seine männlich-schönen Züge. Frau von Rechten blickte lächelnd zu ihm auf und sagte wie erklärend: „Dies liebe Kind hatte es sich in den dummen Kopf gesetzt, daß nur Sie es sein konnten, Herr von Wildhofen, der verwundet war: darum wurde sie vor Schreck ohnmächtig. Nie hätte ich es für möglich gehalten, daß mein taktvolles Kind die Selbstbeherrschung so plötzlich verlieren könnte. Da sehen Sie, was die Liebe vermag," fügte sie lispelnd hinzu, indem sie ihm wie scherzend mit dem Finger drohte. Kurt stieg es heiß in die Wangen: er suchte sich Sabine zu nähern. Die Hand leicht auf ihren Arm legend, beugte er sich etwas herab, um ihr leise eine Frage zu stellen. Frau von Rechten war so erregt, daß ihr Herz wie ein Hammer schlug. Schnell trat sie ein wenig zurück, um beide einen Augenblick ungestört zu lassen. „Ist es wahr, Sabine," flüsterte Kurt in leidenschaftlicher Erregung, „daß Sie aus Angst um mich ohnmächtig geworden sind?" Sie bewegte nut ihre Lippen, um ihm zuzustimmen. „Hnd jener andere, unglückliche Mann, der getötet worden ist? — So wissen Sie also nicht, wer es ist?" Angsterfüllt schien er die Antwort von ihren Lippen lesen zu wollen: doch gab sie ihm keine. — wenigstens nicht in Worten —, sondern hob nur ihre Augen zu ihm empor, und darin stand die höchste Seelenpein, gepaart mit einer stummen Bitte. Sie war abermals bis in die Lippen erblaßt, als wäre sie einer neuen Ohnmacht nahe. Bei diesem stummen und doch so beredten Blick schwand der erwartungsvolle Ausdruck aus dem Antlitz des jungen Mannes. „Ah!" stieß er gepreßt heraus. „Ich verstehe Sie! Sie kannten den Erschossenen also doch und — — er war es, um den Sie weinten! — Er ist der Mann, für den Sie das Geld von mit verlangten! Ich danke Ihnen, Fräulein von Rechten! Jetzt bin ich vollkommen orientiert!" Sabines Mutter hatte nut feine letzten Worte auf gefangen; sie sah aber an den bleichen, verstörten Gesichtern der beiden jungen Leute, daß es schlecht zwischen ihnen stand. Sie trat heran und schob ihre Tochter fast unsanft der Treppe zu. „Du dummes Geschöpf! Was hast du nun wieder angerichtet? Warum hast du denn nicht jede Bekanntschaft mit dem — mit ihm abgeleugnet?" flüsterte sie ihr mit heiserer Stimme zu, als sie außer Hörweite waren. Sabine schwieg, bis sie ihr Zimmer erreicht hatten. Dort fiel sie vor ihrer Mutter auf die Knie und rief auf stöhn end: „Mama, Mama, wie hätte ich reden können, ohne dich dabei bloßzustellen! An dir ist es, jetzt alles zu gestehen. Ich flehe dich an — um Gottes willen —, jetzt sofort zu Kurt von Wildhofen zu gehen und ihm die ganze Wahrheit zu sagen: dann aber laß uns diesen Ort auf Nimmerwiederkehr verlassen." „Haha, das wäre nicht übel! Diese krankhafte Idee mußt du dir schon aus dem Kopse schlagen. Ihm alles sagen — jetzt, wo ich endlich frei geworden bin, wo alle Gefahr vor Entdeckung ein Ende genommen hat! Ihm alles sagen! Was denn zum Beispiel? Etwa, daß jener erschossene Strolch, der frühere Sträfling, mein Gatte und dein lieber Vater war? Ich danke schon — warum in aller Welt sollte ich so dumm sein? Ah, von jenem entsetzlichen Alp bin ich nun, dank der gesegneten Kurzsichtigkeit jenes Sonntagsschühen, für immer befreit! Niemand kann mich mehr auf Schritt und Tritt belauern und immer von neuem Geld von mir erpressen! Ich brauche das ganze, unsägliche Elend meines vergangenen Lebens nicht länger mit mir herumzuschleppen." -Oh, Mutter!" schluchzte Sabine, tief verletzt und abgestoßen. „Es war doch immer dein Gatte, Öen du einst, bevor er jener entsetzlichen Versuchung unterlag — gewiß geliebt hast. Wie ist es dir möglich, jene Tage gänzlich aus deinem Leben auszulöschen? Für mich freilich ist fein Rame immer mit Schrecken und Schmach verbunden gewesen, aber trotzdem kann ich es nicht vergessen. daß es mein Vater ist, der hier, während wir die größte Achtung genießen, im Kutscher- Hause neben den Stallungen als Leiche liegt. O ©ott, wie entsetzlich traurig! Mutter. Mutter, ich beschwöre dich, ich flehe dich an, geh' morgen zum gerichtlichen Verhör und gib seine traurige Lebensgeschichte an. Laß es nicht zu, daß er wie ein Selbstmörder begraben wird." (Fortsetzung folgt.) Wochentags 4,6,8.30 Uhr, Sonntags ab 3 Uhr 3m Verleih der Terra-United Artists I217D empfiehlt C. G. Kleinhenn 2. Tel. 3^06. Babnbofftrahc 59 3. 8540 1930. 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Weiter wurde mitgeteilt, daß das Reichspostministerium die Einrichtung der Kraftpost Alsfeld — Ginge I b a d> nunmehr endgültig genehmigt habe unter der Bedingung, dah die Gemeinde Gingelbach vorläufig einen geeigneten Untcrftellraum für einen Kraftomnibus zur Verfügung stellt, später ist eine den polizeilichen Vorschriften entsprechende Halle im Herbst 1930 zu errichten. Die Gemeinden gewährleisten eine Einnahme von 75 Pfennig pro Kilometer. Der Wert der Postsachenbeförderung wird darauf anzercchnet. Mit dieser Ginie werden insgesamt sechs Post- kraftwagenlinien von Alsfeld aus betrieben, womit das Postamt Alsfeld hinsichtlich des Kraftwagenverkehrs an der Spitze aller kleineren hessischen Städte steht. betröge; das 4. Ziel Kanal-, Straßenreini- gungs- und Müllabfuhrgebühren 1929. Nach Ablauf dieser Frist werden die rückständigen Beträge auf Kosten der Brandoberndorf, den 29. Januar Der Bürgermeister. Stahl. J. B. Häuser* Gießen Neustadt 56 • Fernsprecher 2145/46 815V DerVerkauf erfolgt zu Fabrikpreisen gen. inet bet stärksten Eisenbahner- ng.'gend, hielt hier Origes Dmterver- tem einen 9abei tarn u. a. nl dartz M Tu'st'h- iidjen Drisall. Aus n Einwohn'rwurie ) nochmals ausge« bis auf den letzten wurde den Tor- 3n uneigen- se hatten sich die Dolleninhabw: zu der zweiten Aufführung zum Vesten des Vereins ^Krankenpflege Aidda" bereiterklärt. Ihnen sprach hierfür Pfarrer Gaut im (Hamen des Vorstandes des Vereins Krankenpflege herzlichen Dank aus. Trotz des mäßigen Eintrittspreises von 80 Pfennig konnte dem Verein Krankenpflege ein recht beträchtlicher Betrag als Unterstützung überwiesen werden. Kreis Schotten. )—( Ruppertsburg, 24. Ian. Der erste Etternabend in diesem Winter fand am Montag im hiesigen Gemeindesaale statt. Fast alle Eltern und auch manche andere Erwachsene hatten der Einladung des Schulvorstandes Folge geleistet, so dah der Saal gefüllt war. Rach einem gemeinsam gesungenen Giebe und einem kurzen Gebet, gesprochen von Pfarrer v. Fritsch, begrüßte der Vorsitzende des Schulvorstandes die Erschienenen und klärte über den Zweck derartiger Veranstaltungen auf, der darin besteht, dahin zu wirken, dah Schule und Elternhaus in engster Harmonie miteinander an dem großen Werk der Erziehung arbeiten zum Wohle der Familien, Gemeinden und des gesamten Volkes. Darauf sprach Gehrer Süden in anschaulicher Wetse, an zahlreichen Beispielen erläuternd, über „Erziehung zur Wahrheitsliebe". Anschließend fanb eine längere Aussprache statt. □ Gaubach, 26. Ian. Der hiesige Krieger- und Militärverein hielt im Saale des Hotel wurde genehmigt. Es handelt sich hierbei um die durch Anlage von fließendem Wasser in allen Hotelzimmern frei gewordenen seitherigen Waschtische, welche im Eigentum der Stadt stehen. Die Verpachtung der S t a d t b l e i ch e muh infolge beS Todes des seitherigen Pächters neu erfolgen. Der darüber vorgelegte Pachtvertrag mit H. Falkenhainer, dem Sohne des seitherigen Stadtbleichers, wurde auf neun Iahre abgeschlossen gegen eine jährliche Pachtsumme von 500 Mark und dementsprechend genehmigt. Für die Heimatblätter des Kreises Alsfeld wurde vom Rj. 1930 ab ein jährlicher Beitrag von 10 Mark bewilligt. Für den Verein für Hessen und die Provinz Hessen-Rassau zur Beschäftigung Arbeitsloser, Arbeiterkolonie Reu-Alrichstein, wurde vom Rj. 1930 ab ein Jahresbeitrag von 20 Mark bewilligt. Für den Verband deutscher Iugendher- bergen, Gau Main-Rhcin-Gcchn-Fulda, bewilligte man einen Jahresbeitrag von 20 Mk. Die Auszahlung erfolgt an die Ortsgruppe Alsfeld. Unter Mitteilungen gab der Vorsitzende ein Schreiben des Ministers für Arbeit und Wirtschaft bekannt, wonach der Antrag der Stadt Oeffeniliche Mahnung. Folgende Steuern und Gebühren werden hierdurch zur Zahlung bis spätestens 6. Februar 1930 gemahnt: 804C ' 1. das 5. Ziel der vorläufigen Gemeinde-, Kreis- und Provinzialumlagen einschließlich der vorläufigen Sondergebäudesteuer 1929; die für frühere Rechnungsjahre nachträglich veranlagten und bis Ende dieses Mona s zu zahlenden Steuer- Bullen-Gubmission. Freitag, den 31. Januar 1930, nachmittags 4 Uhr, soll einen schwerer, abgängiger Vogelsberger Bulle verkauft werden. 8031) Schriftliche Angebote müssen bis dahin auf der Bürgermeisterei abgegeben werden, wo auch die Bedingungen zu erfahren sind. Treis a. d. Lda., den 28. Januar 1930. Hessische Bürgermeisterei. Schuldner eingezogen. Bei Zahlung des 5. Zieles Steuer 1929 nach dem 5. Februar 1930 sind außerdem Verzugszinsen zu entrichten. Gießen, den 29. Januar 1930. Stadtkasse Gießen. Aus den Waldungen der Stab! Gießen sollen am Freitag, dem 31. 3anuar 1930, 9% Uhr, aus den Abteilungen 55a, 57b, 58a, 59a, 60a, 61a und 62a (Försterei Gießen) versteigert werden: 642C 39,4 rm Buchen- und Eichenscheiter 1. Kl. 61,6 rm Kiefernscheiter 1. Kl. 6,6 rm Kiefernscheiter 2. Kl. 153,0 rm Kiefernknüppel 26,8 rm Buchen-, Eichen- und Erlen- knüppel 1050 Wellen Buchen- und Eichenreistg Wellen Kiefernreisig Charlie Chaplin in seinen Filmen „The Pilgrim“ (Der Pilger) und „Feine Leute“, deren deutsche Ur- aufführung erst vor wenigen Wochen in Berlin stattfand, mit einem unbeschreiblichen Erfolg bei Publikum und Presse. B.Z. am Mittag schreibt: ...Endlich wieder Chaplinl Endlich wieder 2 Stunden ungetrübten Genusses, endlich wiederein Abend, an dem man aus vollem Herzen lachen kannl Und man bog sich vor Vergnügen, hielt sich die Seiten und lachte Tränen... - 8-Uhr-Abendblatt:... Herrlicher Chaplinl Wie leicht ist es dem Darsteller die Menschen zum Weinen zu bringen, und wie schwer ist es, sie lachen zu lehrenl Und w i e verstehst D u das? > Dom Ohmtal, 27. Ian. Durch die letzten milden Wintertage haben die Hühner früher als sonst mit dem Gegen begonnen. Dadurch sind die C i e r p r e i s e von 17 Pf. im Dezember v. I. auf 11 Pf. pro Stück jetzt gesunken. Die Dutterpreife sind von 1,70 bis 1,80 Mk. vor Weihnachten auf 1,20 bis 1,30 Mk. pro Pfund, die Milch preise von 18 Pf. auf 15 Pf. pro Giter zurückgegangen. »Schühenhoses" unter großer Beteiligung der Mitglieder fein diesjähriges Wintervergnügen ab. Rach einigen Musikstücken, von der Oberhessischen Orchestervereinigung gespielt, begrüßte der Vorsitzende, Kam. Hermann Stotz, die Anwesenden mit herzlichen Worten, wobei er auch der im Weltkriege gefallenen Kameraden gedachte. Ein anschließend zur Aufführung gelangtes Theaterstück fand großen Beifall, ebenso ein von dem Realschüler Hans Wahl vorgetragenes Melodram „Die Geschichte eines deutschen Helden im Weltkriege". Rach dem offiziellen Programm vergnügten sich die Teilnehmer bei frohem Tanz. — Der hiesige G e s lü geIz u ch t vere in hält am 1. und 2. Februar anläßlich seines 25jährigen Bestehens im „Solmserhof" eine Iubiläums» schau ab. Rach den vorliegenden Anmeldungen verspricht die Ausstellung gut beschickt zu werden. Kreis Alsfeld. H QI 18 f e I b , 22. Ian. Stadtvorstands- sitzung. In der am Dienstag abgehaltenen Sitzung wurde die Verpachtung der Wiesen im seither gemeinschaftlichen Wald Homberg, die nach der Teilung des Waldes zwischen Staat und Stadt auf letztere übergegangen sind, auf Grund der nachträglich mit den einzelnen Steigerern getroffenen Vereinbarungen genehmigt. Gegenüber der seitherigen Pachtsumme von 352 Mark ergab die neue Verpachtung einen bo^anöÄ iren, dw-er schon in dem Moment, da er ein auffallend hell erleuchtetes Kraftfahrzeug auf sich zukommend erkennt, mit der Möglichkeit rechnen, daß er geblendet wird, unö infolgedessen seine Fahrgeschwindigkeit auf diese Möglichkeit einstellen. Diel* leicht auch ganz anhalten. Die Richtbeachtung der Bestimmungen über ba8 Abblenden der Scheinwerfer kann oft sehr üble Folgen haben. Es liegt eine Verletzung des Paragraph 17 Absatz 3 KDO. und des Paragraph 21 KFG. vor. Wegen eines durch diese Richt- beachtung eventuell herbeigeführten Unfalles harrt bie strafrechtliche Haltbarmachung, der in den meisten Fällen auch dis zivilrechtliche Haftbar in achung auf dem Fuße folgt. Es wird dem in Betracht kommenden Kraftfahrzeugführer nicht möglich fein, das Verschulden aus der Welt zu schaffen, das darin liegt, daß er ein entgegenkommendes Fahrzeug herannahen sah und dennoch das vorgeschriebene Abblenden unterließ. Bei Anwendung der ihm auferlegten Sorgfalt mußte er sich unter allen Umständen sagen, daß der Führer des entgegenkommenden Fahrzeugs in die Lichtkegel seiner Scheinwerfer gelangen und dadurch die Dlendung herbeigeführt werden mußte. Dr. B. Vom Miet- und Wohnrecht. Die Ausnahme von Sohn und verheirateter Tochter nebst Ehemann in die Wohnung ist keine unbefugte Ueberlaffung. So hat das Landgericht 1 Berlin In einem Urteil vom 20. April 1929 entschieden. Im vorliegenden Falle hatten die Mieter ihren Sohn und ihre verheiratete Tochter nebst dem Ehemann und Kind in ihre aus drei Zimmern, Küche und Zubehör bestehende Wohnung ausgenommen« Die Vermieterin hatte dagegen Klage erhoben« Auszugrhen ist von der im § 549 des Bürgerlichen Gesetzbuches getroffene Bestimmung, daß der Mieter ohne Erlaubnis des Vermieters nicht berechtigt ist, den Gebrauch der gemieteten Sache einem Dritten zu überlassen. Hiernach ist also die Ueberlaffung. und zwar auch die unentgeltliche Ueberlaffung, des Gebrauchs des Mietraums mangels gegenteiliger vertraglicher Dor- schriften ohne weiteres schon dann unbefugt, wenn der Dermieter die Erlaubnis zur Ueber- lassung an den Dritten versagt hat. Anderseits ist aber der Vermieter nach den Paragraphen 535, 536 B.G.D. dem Mieter gegenüber verpflichtet. ihm den vertragsmäßigen Gebrauch der Mietsache zu gewähren. Auf Grund des Rechts, die Mietsache vertragsmäßig zu gebrauchen, ist der Mieter u. a. berechtigt, in feiner Mietwohnung Gäste aufzunehmen, Dienstboten zu halten und so auch überhaupt Familienmitglieder bei sich aufzunehmen. Rur darf die Ausübung dieses auf dcm Mietvertrag als solchem beruhenden Rechts nicht zu einem Mißbrauch ausarten. Einer mißbräuchlichen Ausübung des Rechts kann der Dermieter auf Grund der Paragraphen 242. 157, 133, 550 B.G.D. entgegentreten. Diese rechtlichen Erwägungen müssen im vorliegenden Rechtsstreit zu dcm Ergebnis führen, daß den Beklagten eine unbefugte Gebrauchsüberlassung nicht aut Last gelegt werden kann. „Die Ueberlaffung des Gebrauchs im Sinne des § 549 B.G.B. umfaßt nicht den unselbständigen Mitgebrauch der Mietsache durch Familienmitglieder, Gäste ufw. es gehört vielmehr zum vertragsmäßigen Gebrauch Der Mietsache selbst.“ (R.G.R.-Kommentar zum B.G.B. 6. Aufl. § 594, Anmerkung 1 und 2.) Dah in der Gestaltung des unselbständigen Wit- gebrauchs der Mieträume an die verheiratete Tochter, deren Ehemann und Kind ein Mißbrauch des Dertragsrechts zu erblicken sei, ging aus dem Dorbringen der Dermieterin nicht hervor. Sie beschränkte sich im wesentlichen auf den Hinweis, es liege eine Ueberbelcgung der Wohnung vor. Mit diesem Hinweis kann sie jedoch in der heutigen Zeit der großen Wohnungsnot nicht gehört werden. (Gramse, Rechtsprechung in Miet- und Wohnungsfragen, Band 9, Seite 40.) Dr. D. Keine Konzessionspflicht für Bahnhofswirtschaften. Durch § 16 des Reichsbahngesetzes vom 30. August 1924 ist die Anwendbarkeit der Dorschriften der Gewerbeordnung auf den Betrieb der Deutschen Reichsbahn ausgeschlossen. Es fragt sich nun, ob Rebenbetriebe der Reichsbahn (Bahnhofswirtschaften, Dahn- hofsbuchhandlungen) im Sinne dieser Vorschrift zum Betrieb der Reichsbahn geboren. Hiervon hängt auch die Entscheidung der Frage ab, ob die Bahnhofswirtschaften einer Konzes fion bedürfen oder nicht. Das Thüringische Oberverwaltangsgericht hat durch Urteil vom 17. Juli 1929 (siche „Juristische Wochenschrift" Heft 40 S. 2846) dahin entschieden, daß Bahnhofswirtschaften zum Betrieb des Eisenbahnunternehmens gehören, wenn sie vorwiegend den Bedürfnissen des Reiseverkehrs zu dienen bestimmt sind und tatsächlich auch dienen. Wenn dies der Fall ist. hängt die Wirtschaft, da sie auf bahneigenem Gelände, in den Räumen des Personenbahnhofs betrieben wird, derart mit dem Betrieb des Eifenbahnuntemehmens wfammen, daß sie wirtschaftlich eine Einheit mit chm bildet, ein Bestandteil des Eisenbahnbetriebs selbst ist. Dah der Inhaber sie als Pächter betreibt, ändert daran nichts, denn als solcher ist er zwar selbständiger Gewerbetreibender (Unternehmer), abee et betreibt nicht eine Tchankwirtschaft gewöhnlicher Art. sondern ein Llnternchmen, das sich wirtschastlich als einen Bestandteil eines Eisenbahnbetriebs darstellt, und ist daher ebenso Unternehmen eines Eisenbahnbetriebs, wie dies der Pächter einer ganzen Eisenbahnuntsrnehmung ist. Wenn sich ein Betrieb nach seiner objektiven Deschassenheit und Zweckbestimmung als ein Bestandteil eines Eisenbahnbetriebes darstellt, so bleibt er dies auch, wenn der ihn ausübende Gewerbetreibende nicht Eigentümer des Unternehmens. sondern Pächter ist. Dagegen ist eine Schanlwirtschaft, die ein selbständiger Unternehmer auf eigenem Grund und Boden in unmittelbarer Bähe des Bahnhofs betreibt, selbst dann nicht ein Teil des Eisenbahnbetriebs, wenn sie ausschließlich den Bedürfnissen des Reiseverkehrs dient, da ihr jeder wirtschaftliche Zusammenhang mit dem Eiscn-ahnunternehmen fehlt. Eine solche Schankwirtschaft unterliegt daher der Kon- zessionspflicht. Auch das Reichsgericht hat Bahnhofswirtschaften als Hilfsbetriebe des Eisenbahnunterneh- menS angesehen, soweit sie auf Anordnung der Gisenbahnverwaltung innerhalb der Betriebsräume eingerichtet werden. Ist aber die Bahnhofswirtschaft als zum Betrieb des Eisenbahnunternehmens zugehörig anzusehen, so findet die Borschrift deS § 33 der Gewerbeordnung nach der oben angegebenen Bestimmung des Reichs» bahngcsehes keine Anwendung und es besteht dann auch tetne Konzefsionspflicht. Dr. V. Wirtschaft. L.G.Farbenindustrie A.-G. Keine wesentlichen Veränderungen im letzten Quartal 1929. Im letzten Viertel des Geschäftsjahres 1929 der I.. G.. F a r b e n i n d u st r i e - A. - G. waren wesentliche Veränderungen gegenüber dem Vorquartal nicht zu verzeichnen. Das gilt insbesondere für Farbstoffe und Färbereihilfsprodukte, in denen das Inlandgeschäft in den letzten Vlonaten leicht gesteigert und der Auslandabsatz im ganzen gut war. Chemikalien liegen gegenüber den ersten drei Vierteljahren bei ungefähr gleichem Preisniveau fast unverändert. Ende des Jahres führten die Verhandlungen mit der Ruhc-Industrie in Stickstoff zu einer Verständigung in den grundsätzlichen Fragen. Der Absatz verläuft normal Die aus dem bekannten Abkommen mit der Standard Oil Co. of Rew Jersey sich ergebenden Schritte zur weiteren Anwendung des Hydrier- versahrens sind von der Standard I. G. Co. in die Wege geleitet. Pharmazeutische Produkte hatten ungeachtet der auch hier bemerkbaren allgemeinen wirtschaftlichen Schwierigkeiten gegenüber dem Vorjahre gesteigerten Absatz. Die Spezialprodukte Sera und Pflanzenschutzmittel befriedigen. Photographische Artikel und Kinofilme sind etwas zurückgegangen. Kunstseide ist voll beschäftigt bei unbefriedigenden Preisen. Distrafaser ist in erfreulichem Ansteigen, desgleichen das Riechstoffgeschäft. Trotz der gespannten wirtschaftlichen Lage kann der Geschäftsgang im ganzen als befriedigend bezeichnet werden. * * Subventionen für den Sieg-, Dill - und Lahnbergbau. Bei den gestern im Preußischen Landtag vorgenommenen Abstimmungen zum Derghaushalt wurde u. a. ein Antrag angenommen, nach dem die dem Erzbergbau im Sieg-. Dill- und Lahngebiet gewährten Subventionen für längere Zeit erhalten bleiben sollen. * Getreide-Kredit-Bank A.-G., De r- l i n. Der Dividendenvorschlag beträgt nach erheblichen Abschreibungen 8 v. H. (i. D. 10 v. H.). * Brauerei Henninger - Kempff- Ster n A.-G., Frankfurt a.M. Die G.-B. genehmigte ohne Debatte den bekannten Abschluß für 1928'29 mit wieder *10 v. 5). Dividende. * Stillegungsantrag der Zigarettenfabrik Cckstein-Halpaus G. m. b. H. In einer Pressekonferenz gab die Verwaltung der Cckstein-Halpaus Zigarettenfabrik G. m. b. H. zur Kenntnis, daß es als aussichtslos erkannt werden mühte, den Breslauer Betrieb auf ein neues Rivcau zu stellen, daß er wenigstens ohne Verlust zu arbeiten in der Lage wäre. Die Gesellschaft sehe sich infolgedessen gezwungen, den bisher in Breslau unterhaltenen Zweigbetrieb am 28. Februar stillzulegen, und habe dies in einem Schreiben an den Regierungs- Die Generalversammlung der Hekoga. WSN. Darmstadt, 28. Jan. lieber den gestrigen Verlauf der Generalversammlung der Hekoga hören wir noch: Die Vertagung der endgültigen Verabschiedung der Vertragsentwürfe, die der Aufsichtsrat im Dezember zur Annahme empfahlen hatte, ist im ivesentlichen darauf zurückzu- führen, daß von Mainz und Worms noch keine Stellungnahme vorlag. Der Mainzer Stadtrat konnte sich wegen der Geschäftslage noch nicht mit der Angelegenheit befassen, dürste jedoch in absehbarer Zeit dazu kommen. In Worms ist die Verzögerung dadurch entstanden, daß bekanntlich die Stadtratswahl von kommunistischer Seite attgefoch- ten worden ist und eine Entscheidung über diesen Einspruch noch aussteht. Die Vertreter der andern Hekoga-Mitglieder brachten mit eingehender Be- gründung den Standpunkt ihrer Körperschaft zum Ausdruck. Er lautet für Oberhessen grundsätzlich zustimmend: dasselbe gilt für die Stadt Ki eßen. Die Provinz Rheinhessen verhält sich noch abwartend, offenbar im Hinblick auf die noch nicht erfolgte Stellungnahme der Stadt Mainz. Der Provinzialausschuß Startend rirg hat grundsätzliche Bedenken gegen das Vertragswert geltend gemacht. Der Vertreter von D a r m st a d t erklärte sich entsprechend dem Stadtratsdeschluß gegen die Verträge in vorliegender Form. Von oberhessischer Seite (Gießen) wurde auf das st a r k e unmittelbare Interesse hingewiesen, das dort an der Lösung besteht, und betont, daß Städte wie Darmstadt, die Bedenken haben, die Rückwirkung ihrer Haltung auf die übrigen Landesteile nicht übersehen durften. Es fei nach den Hekogaverträgen durchaus möglich, daß man dem Vertragswert z u • stimme, ohne praktisch in vollem Umfange mitzu machen, insbesondere was die Stillegung der einzelnen Gaswerke betrifft. Im übrigen wurde ausführlich über die Zweifel und Bedenken gesprochen, die noch gegen das Vertragswerk in der vorliegenden Form bestehen, und die bis zur endgültigen Stellungnahme der General- oersammluna gehört werden müssen. Man nimmt an, daß in späte st ens acht Wochen alle Mitgliedskörper chaften zu den neuformulierten Verträgen endgültig Stellung genommen haben, so daß dann die Generalversammlung zur Beschlußfassung zusammentreten kann. Dem diesmaligen Beschluß stimmten alle Mitgliedskörperschaften bis auf zwei zu, die sich der Stimme enthielten. Präsidenten in Breslau zur Anmeldung gebracht. Von dieser Maßnahme werden 532 Arbeiter und 49 Angestellte betroffen. • Der Aktienindex. Der vom Statistischen Reichsamt errechnete Aktienindex (1924 bis 1926 gleich 100) stellt sich für die Woche vom 20. bis 25. Januar auf 122,3 gegenüber »123,2 in der Vorwoche, und zwar in der Gruppe Bergbau und Schwerindustrie auf 121,2 (121,0), Gruppe verarbeitende Industrie auf 110 7 (112,5) und Gruppe Handel und Verkehr auf 141,1 (141,4). Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 29. Jan. Tendenz zurückhaltend. — Im Zusammenhang mit der ungeklärten innerpolitischen Lage eröffnete die Börse zurückhaltend. Die Grundstimmung war aber nicht unfreundlich, da der Farbenmarkt nach dem reibungslosen Verlauf des gestrigen Liquidationstages zu gewissen Hoffnungen Anlaß bot. Das Geschäft konnte aber im allgemeinen feine Belebung erfahren, da der Auftragseingang äußerst gering war. Rur für Montan- werte machte sich anschließend an die Aufwärtsbewegung von gestern nachmittag weiter regere Rachsrage geltend. Mannesmann lagen 1,5 Proz., Klöckner, Phönix und Rheinstahl bis zu 1 Proz. höher. Buderus, Harpener und Ilse Bergbau hatten dagegen etwas unter Angebot zu leiden und eröffneten etwas niedriger. Am Kalimarkt hatte das Auslandinterefse erheblich nachgelassen. Cs kam eher Material heraus, Salzdetfurth eröffneten sogar niedriger. Am Glektro- martt war die Stimmung ebenfalls beruhigter. Am Siemensmarkt hatte der Druck der Baisse- Partei nachgelassen, und dieses Papier konnte sich leicht bessern. Der Rücktritt Primo de Riveras wurde viel besprochen und in günstigem Sinne beurteilt. Am Elektromarkt machte sich für Chadeaktien recht lebhafte Rachfrage geltend, bei einer Besserung bis zu 9 Prozent. AEG., Gesfürel und Schuckert eröffneten bis 1,5 Prozent hoher. Mehr hervortreten konnten noch Deutsche Linoleum mit plus 3 Prozent. Am Chemiemarkt hielt die Verstimmung an. Farben lagen weiter niedriger. Kunstseideaktien eröffneten etwas fester. Banken leicht abgeschwächt. Renten still. Deutsche Anleihen etwas gebessert. Im Verlaufe war die Stimmung lustlos. Das Geschäft konnte keine Belebung erfahren. Es kam Material heraus, wobei eine gewisse Lln- sicherheit hervortrat. Farben lagen etwa 1,5 Prozent, AEG. 2 Prozent, Siemens etwa 3 Prozent und der Montanmarkt bis zu 1,5 Prozent gegen Anfang schwächer. Am Geldmarkt war der Sah für Tagesgeld auf 6 Prozent erhöht. Am Devisenmarkt war der Peseta leicht gebessert. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1859, gegen Pfund 20.366, London gegen Kabel 4,8650, gegen Paris 123,89, gegen Mailand 92,87, gegen Madrid 37,00, gegen Schweiz 25,1850, gegen Holland 12,11. Berliner Börse. 'Berlin, 29. Ian. 2m heutigen Vormittagsverkehr fehlte es an Anregungen, und das Geschäft war außerordentlich still. Rach dem glatten Verlauf der Liquidation erwartet man zu dem Zahltage keine Schwierigkeiten mehr. Die anwachsende Arbeitslosenziffer mahnte zur Zurückhaltung. So eröffnete die Börse ebenfalls uneinheitlich und ziemlich unsicher. Es ergaben sich jedoch nur geringe Abschwächungen. Etwas verstärktes Interesse für Montanwerte regte an. Es sollen angeblich vor allem rheinische und Hamburger (amerikanische) Käufe vorgenommen worden sein. Diesem lebhafteren Verkehr am Montanmarkt stand am Farbenmarkt erneut etwas größeres Angebot gegenüber, lieber das Rhein- stahlpaket der I.-G.-Farben konnte man nichts neues Horen. Die Verhandlungen um die Abgabe des Phönix-Pak.'tes der Otto-Wolf-Gruppe an die Gruppe Flick find noch nicht zum Abschluß gekommen. Bemerkenswert schwächer eröffneten Svenska und Braubank. Deutsche Anleihen ruhig. Auch Ausländer wenig verändert. Pfandbriefmarkt eher etwas freundlicher. Der Geldmarkt war unverändert. Tagesgeld 4,5 bis 6,5 Prozent, vereinzelt auch bis 4 Prozent. Monatsgeld 7,5 bis 9 Prozent; Warenwechsel etwa 6,5 Prozent. Auch international blieben die Geldsähe leicht. Beachtung fand übrigens auch der gestrige Goldkauf Deutschlands in London, der die Situation der Reichsbank weiter verändert hat und die Möglichkeit einer Diskontsenkung für Anfang Februar wieder naherückt. Im Verlaufe wurde die Stimmung unter leichten Schwankungen wieder freundlich und zuversichtlicher. Die vernachlässigten Farben fanden Beachtung. Am Montanmarkt lagen Erdöl, Rheinstahl und Gelsenkirchen weiter lebhaft. Polyphon zogen ebenfalls um 4 Prozent an und Schiffahrtswerte waren 1,5 Prozent gebessert. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a.M., 29.Ian. Am Produktenmarkt war die Grundstimmung nicht unfreundlich. Das Geschäft erfuhr jedoch keine Belebung, da die Händler sehr zurückhaltend waren. Das Angebot von Auslandware blieb gering, die Forderungen lauteten teilweise etwas höher. In Erwartung neuer Regierungsmaßnahmen hinsichtlich der Getreidepolitik wurde später die' Zurückhaltung vergrößert, so daß das Geschäft einen stockenden Verlauf nahm. Rur für Weizenmehl bestand bei leicht erhöhtem Preise einiges Interesse. Inländischer Hafer war etwas nachgebend, ebenso Sommergerste. Cs wurden notiert: Wei» den 26,75 bis 26,85 Mk., Roggen 18,25 bis 18,50, Sommergerste (für Brauzwecke) 19,50, Hafer (inländischer) 16,75 bis 17, Mais (gelb) 16,25 bis 16,50, Weizenmehl (süddeutsches, Spezial 0) 39,75 bi« <40.75, Roggenmehl 26.50 bis 27,50, Weizen- kleie 8,25 bis 8,35, Roggenkleie 9 Mk. — Tendenz: ruhig. Vermischtes. Strafanzeige wegen Selbstmordversuchs auf dem Bahngleise. Ein 38jähriger Musiker warf sich auf dem Bahnhof Alexanderplah in Berlin vor einen Dorortzug. Es gelang, den Zug zum Halten zu bringen und den Mann unverletzt hervorzuziehen. Die Eisenbahndirektion hat in Anbetracht der Tatsache, daß sich diese Selbstmordversuche in letzter Zeit häufen, gegen ihn Strafanzeige wegen unbefugten Betretens des "Vahngleises und wegen Transportgefährdung erstattet. Der Mann hatte eine Absperrkette überfliegen und war so auf den Bahnkörper gelangt. Aus der französischen Fremdenlegion desertiert. Das dänische Schiff ^Crik Boye" setzte in: Leith zwei Deutsch? und einen Dänen an Land, die aus der französische Fremdenlegion desertiert sind. Sie hatten sich im tunesischen Hafen Susa an Bord des Schiffes geschlichen und tauchten erst zwei Tagereisen vor Granton, dem Bestimmungshafen des Schisses, aus ihrem Versteck auf. Drr deutsche und der dänische Konsul in Leith lassen dir Flüchtlinge in ihre Heimat befördern. Eine ganze Familie verbrannt. Bei Frederick (Colorado) ist beim Brande einer kleinen Wohnhütte in der Nähe des Slopeline-Berg- werkes eine ganze Familie, bcftehend aus Mann, Frau und fünf Kinder, in den Flammen umgekommen. , Zeitschriften. — Eine streng sachliche Aufklärung über das Wesen der Strahlen geschieht in umfassender und allgemeinverständlicher Weise durch hervorragende Wissenschaftler in dem neuesten Sonderheft der Süddeutschen Monatshefte (München) „Die Welt der Strahlen". Da gibt zunächst Univ.-Prof. Dr. Rüchardt, München, einen umfassenden lleberblicf über die Strahlungen in der Physik. Den Menschen als Strahlen- empsänger und Strahlensender zeigt Privatdozent Dr. Aschner. Don besonderer Bedeutung ist, was wir hier über den Menschen als Strahlensender hören, vom animalischen Magnetismus bei den fernöstlichen Völkern bis zu den okkultistischen Strahlungen Reichenbachs. Dr. Laqueur, dirigierender Arzt am Rudolf-Virchow- Krankenhaus in Berlin, schildert moderne Methoden der elektromedizinischen Behandlung, und zwar mit galvanischen wie mit hochfrequenten Strömen. Prof. Dr. Doltz, Leiter der Strahlenabteilung der Universitätsfrauenklinik in München behandelt die moderne Krebsbehandlung mit Röntgen» und Radiumstrahlen. Die Ultraviolettbestrahlungen von Tieren und Rahrungsmitteln zeigt Geheimrat Dr. Bach, Weißer Hirsch, Dresden. Einen umfassenden Aufsatz widmet Dr. Huld- schinsky, Charlottenburg, der modernen Rachitis- behandlung, während Prof. Dr. Groedel, Bad- Rauheim, mit dem sehr wichtigen Kapitel über Schädigungen durch Strahlen den Hauptteil deS reichhaltigen Heftes schließt. Wenn dieses Heft in hohem Maße praktischer Aufklärung des Publikums dient, so erfüllt es außerdem noch die heute sehr wichtige Mission, auf den Wert deS naturwissenschaftlichen Wissens hinzuweisen. — i e Kun st". Verlag F. Bruckmann A.-G., München, Februarheft 1930. Das vorliegende Heft zeigt wieder einen überraschend großen Ausschnitt, von den Werken der Malerei unb Plastik bis zu spielerisch anmutenben kunstgewerblichen Dingen unb künstlerischen Kostümen. Malerische Werke von Fran.; Lenk, vornehmlich Lanbschaften mit lebendiger Empfindung und aufgeschlossenem Sinn für das Organische in der Ratur; dekorative Malereien August Dabbergers. Plastiken von Ludwig Kunstmann, malerische Werke von Ludwig Bock und Franz Masereel; Wohnhausbauten, neue Möbel-Cntwürse, kunstgewerbliche Dinge von der Handweberei bis zu kapriziösen Requisiten für die Vitrine und den Toilettentisch der Dame. Letzte Nachrichten. Gmmh Dcstinn f. Prag, 29. Ian. (WTB. Funkspruch.) Die bekannte tschechische Sängerin Emmy D e st i n n , die in letzter Zeit kränkelte, ist in der vergangenen Nacht in Budweis geworben. Die Künstlerin, die sich gestern zu einem Spezialisten begeben hatte, um sich bei ihm röntgen zu lassen, erlitt einen Schlaganfall. Emmy Destinn, die mit richtigem Namen Ki11l hieß, wurde am 27. Februar 1878 in Prag geboren. Sie trat bereits als 20jährige in „Cavalleria Rusti- cana* als Santuzza an der Berliner Hofoper auf, von der sie wegen ihres großen Erfolges sofort engagiert wurde. Dem Verband der Berliner Hofoper gehörte die Künstlerin 10 Jahre hindurch an; während dieser Zeit gastierte sie auch in Bayreuth, Paris und am Nationaltheater in Prag. In den Iah- ren 1905 und 1907 trat sie als Gast im Londoner Cooent-Garden-Theater auf, 1908 wurde sie von der Intendanz des Nationaltheaters in Prag zum ersten Ehrenmitglied dieses Theaters ernannt. Im gleichen Jahre wurde sie nach Amerika engagiert, wo sie eine Reihe von Jahren mit sensationellem Erfolg auftrat. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 6,5 v. H., Lombardzinsfuß 7,5 v. H. .itonlhm a M Berlin ctlnuB-l Kure I Ul) Jhtr Schlug | tiiiianfl» Kur« fiur? Damm 28. I. 29 1 28 1 29. 1 6% Leu iche ji id}»ünieigc ron ivn? ....... , 8.,5 — 87,5 7% Deutsche Reichsanleihe von 1929 ......... Li. Vnl^.'tbtös.-Schuld mU flut 96.4 — 96,7 — los.JWfrtitcn........ 50,9 51,15 50.9 51,3 Tc-ol rbni AuSlot Rechte 8% Helt. Bolttstaat von 1929 8,05 8,1 8.1 8 lruckjahlh. 102%) Oberbesscn Provinz - Anleihe mit 87,75 — — — Aueloj.-Rechten..... — — Tcmldic Komm. Sammclabl. Anleihe ecrir 1 . . 8% grants. Hnp.-Vant Goldpsr 49,3 — 49,25 — XIII utilütibb.it VIS 1934 . 96,5 — _ 7% grants. Hvv Bank (Holbple uiilunbbiit bk' 1032 ..... Obligation 88,5 — 89 — uictiablbar 1932 .... — — — — 4% Qesterretchische CBolbrte.. 26,75 _ 26.75 4.20% Crttftt silbern ■ 4% Oekterrrichilche Einheitliche 3.6 — 3,5 — Rente.......... 2,2 — 2,5 4% Unflartiche Sotdne.. . . 4% Ungarische Etaanir. v. 1910 24,13 24,1 23,0 22,1 22 4H% Ccbfll. von 1913 . . . 4% Ungars,che Kronenrte.. . 23,25 — 23,25 2,2 _ 2,2 4% tütt. Zvllanteihe v. 1911 . 7,9 8.05 4% Darmche Bagdadbohn-Ln! Serie 1...... 7,9 — 8,05 4% brtfll Seri- II 7,9 _ 8 05 6% Rumänische vereint) Rente von 1903 . . . . 4H% « im.lntldir vereint). Rente 10 — 10,1 — von 1913 ....... 15,5 _ 15,5 •% tKumanttAr vereint). Aen;c . 8 — 8 — ">ranIhm a M Berlin edbuy- ffnro -Üb' ffur Schluh Kure Arnanfl- Kur„ Saturn 28. 1 29- 1. 28. 1 29- 1. Hamdurg-Amerika Palet . « 104 104 103 103,75 Hamb Slldam. Dampssch. . . !- 169 Hanta Domrsschtss..... 10 —. _ 152 Norddeutscher Lloyd .... Allfl Deutsche Ercdtianst. . . . r 104,65 _ 104 104 123 126 184,75 156,75 241 151,25 151.25 152 292 li 122.75 _ 123.5 124 25 183 Barmer Bantvercin .... Berliner HandclsgeteUIch. . . 1< 125 _ n 183 _ Eooimerz- unb Prival-Bant . Darms), u. Narionawani . . Deuliche Bank...... Ditkonto-Äesellschap, Ant. . Drc»bncr Boni...... Retchrdam . ....... ii 1 1- 1< 1. 1 158 241 151,25 151,25 152,25 289 156.-5 152 157 239.25 150,5 150.5 151.5 291 «. Datum 28- 1. 29. 1 28. 1. 29. 1. Bereinigte Stahtw 103 104 102./5 104 CtoDi Minen ■ 16’/, — — 55,65 56 Cqi werke A'cherSIeben 1 221 — 221 221 Ka, werte Westeregeln e 10 224,25 — 223.5 223,5 ffalintut e SaUdenurth 15 372 367.5 368,5 371 9- ® IZarben-Invustrto Dvnamli Rodel . . . 12 166,75 166 166 166 . 6 — — 78.75 75 ScheideanstaU.... . V — — Golbichmibl .... . 6 69.75 — 69,65 — Rlligerowerte .... . 6 78 — '7,75 19,25 MeiällgeteUI chatt . . • 8 113 — 113 Phlltov s>ot,mann . ? 98 __ 97 — Lemen werk Heidelberg 10 — — — tietnrnirocrf Karltlabt 10 142 — — —- Waov » ,rr. Q ag - • . 8 — 84,25 — Schundet» Pagenyoser 15 — — 276 278 Ostwerte...... 12 — — 210 211,25 Bet. Glanz stoss . . . ■ • 18 — — — Bömberg...... 14 163 — 163.75 165.75 Hrimoh Walbdos . . ßcUfioii «ichair.nbnrg Eharlouendurgcr Wage • — — 197 198 • .t — 149,75 149.75 — • . 8 — — 101 101.9 Deuauer Ga» . . V — —■ 166 166 Daimler Motoren . . — — 39.4 40 Deutsche Linoleum . e e . 243 246,5 246 248,5 Maschinenbau . e • . 0 — — 45 25 45,75 4 rw ti - »rl n ' • • . 0 — — — — L'UOtD. Voero • e 10 ■■ — — — Rat Automobil . . . . r> — — — 21,25 Crrnftetn 4 Kopvcl . • e . 6 — — 76.5 V onharb lieg . . . • • 10 — 161.5 — Sventka . . . • • • • 337 — 340,5 338 »Zranki. Mmchme» . . ■ • . 4 48,25 — 47.75 _ Grinner ..... e • . 6 54.5 — 54,5 —— Heoilgenstae« . . . nungbait»..... Vrdtroede. • • . u . 6 . 8 7 47 106 47 — MaintrM twerle Höchst a. BL 8 107 107 — — «tag. 10 130.5 130 131 Gedr Roeder . . . ■ - 10 114 Boigt 4 Cartisa . . e • 9 220 — 220 — «Ob». Buda . • • • • • • 10 157,5 157,75 Banknoten. Devisenmarkt Berlin - Frankfurt a. M. Berlin, 28. Januar Geld Ml - tilmerikanische Noten .... 4.164 4,184 Belgische Noten ....... 58,13 58,37 Dänische Noten ........ 111,70 112.14 Englische Noten . ••••••• 20,332 20.412 ntanzosttche Noten ...... 16.435 16.495 Holländische Noten ....... 167,78 168.46 Italienische Noten........ Norwegische Noten....... 21.855 21,935 111.53 111 97 Deutsch-Oesterreich, 1 100 Schilling 58.70 58.94 Rumänische Noten....... 2.465 2,485 Schwedische Noten ....... 112.05 112.49 Schweizer Noten ...... 80.84 81.16 cixiniltbe Noten ....... 53.71 53 93 Tichechoiiowakische Roten ..... Ungarisch, Noten ..... 12,33 72,90 12,38 73 20 28 Januar 29- Januar AmtlidK Notierung Amtlich» Not,-runa Wflf Bries »vir «rt «mit.-'Jtou 167.95 178.29 167.98 168.32 Buen.-Airetz 1 .669 1,673 1,661 1,665 Brfl. Än,w 58.215 58.335 58.21h 58.335 E Kristiania 111,66 111.88 111,67 111.89 .Kopendagin 111,87 112.09 111,85 112,07 Stockholm . 112,24 112,46 112,23 112,45 HclsingiorS. 10 508 10,528 10.508 10,128 Italien. 21,875 21,915 21.87 21,91 London. . . 20.339 20,379 20.337 20-377 ’.'ifunorf . . 4,1815 4,1895 4.1810 4,1890 Paris. . . Stdwetz . . 16.415 16,455 16.415 16,415 80,76 80,92 80.7b 80 92 Sva ihn . 53.90 54,00 55.04 55.16 Japan . . . •Hlo dr Ian 2.057 2,061 2,055 2,059 0.477 . 0.479 0,477 0.479 Wien in D-> Ctfi. abflcfl 58.83 58.95 58.86 58,96 Prag . Belirad 12.37 7,375 12,39 7,389 12.367 7,375 12,387 7,389 Budapest. Bul arten 73,105 73,245 73,105 73.245 3,027 3 033 3.024 3,030 yifTabon Donjia 18.78 18.82 18.78 19,12 81,335 81,495 81.34 81.50 Konst..mtn. fltben. 1.963 1,967 1.973 1.977 5.435 5,445 5.435 5,445 Canoda 4.134 4,142 4.134 4142 Um naö . 3.796 3.804 3,376 3.784 Latro 20,86 20,90 20.86 20,90