Nr. 279 Erstes Blatt 180. Zahrgcmg ßreitag, 28. November 1930 Siebener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Dnid und Verlag: vrühl'sche Univerfitäts-Vuch- und Zteindruckerel «.Lange in Sietzen. Zchrlftleitung und Seschäftrstelle: §chulsttahe7. Annahme von Snjelgcn für die lagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re« klameanzcigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20", mehr. Thefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Bietzen. Erschein« täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beitagen: Tie Illustrierte Gießener FamUienblättei Heimat im Bild Die Scholle Monatr-Vezugrpretr: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Tröget» lohn, auch bei Richter, scheinen etnzelnerRummern infolge höherer Gewalt. ZernfprechanschlSsfe ttnterSammeInummer2251. Anschrift für Drahtnach. richten: Anzeiger Siehe». Postscheckfonto: Kranftnrt am Main 11686. Der Reichsinnetiminister in Oberschlefien. Fühlungnahme Dr. Wirths mit der oberschlesischen Bevölkerung. — Einmütiger Protest gegen den Polenterror. Abreise Dr. Wirths. Die Entscheidung des Kabinetts über daS Sanierungsprogramm verschoben. Berlin, 27. Roo. (<£JIB.) Reichsminisier des Innern Dr. Wirth ist in Begleitung des preuhi- fchen Staatssekretärs A b e g g heute mittag nach Oppeln abgereist. Dr Wirth wird durch Vermittlung des oberschlesischen Oberpräsidenten Dr. Lukoschek mit den führenden Kreisen der ober- schtesischen Bevölkerung in Fühlung treten, um die Bevölkerung über die Stellungnahme der Regierung zu den polnischen Wahlterrorhandlungen und die beabsichtigten Schritte aufzuklären. Das Reichskabinett wird nach Abfchluh der Besprechungen des Reichskanzlers mit den Parteiführern dieendgültigeLntfcheidungüber die weitere Erledigung des Sanierungsprogramms frühestens Freitag abend treffen, da erst bann Dr. Wirth von seiner Reise nach Oberschlefien zurückgekehrt sein kann. proiestkuudgebung in Oppeln. Die Aussprache mit dem Reichs- . inncnminister. Oppeln, 28. Koo. (TU.) 3n Oppeln hallen sich am Donnerstagabend Vertreter aller Berufsstände und Parteien, der wirtschaftlichen und kulturellen Verbände zusammengefunden, um zu den Gewalttaten gegen das Deutschtum in Ostoberschlesien Stellung zu nehmen. Die Beratungen sanden ihren Niederschlag in folgender Erklärung: „Die oberschlesische Bevölkerung Hot sich, wie in Ober- schlesiens schwerster eZil vor zehn Jahren, unter Zurückstellung aller politischen und wirtschaftlichen Gegensätze einmütig zusammengefunden. Sie lenkt die Aufmerksamkeit der Kulturwelt aus die unerhörten Vergewaltigungen unserer deutschen Brüder jenseits der Grenze. In Heller Empörung über die unmenschlichen Verletzungen des Genfer Abkommens, die eines Staates unwürdig sind, der als Kulturstaat gelten will, legt das oberschlesische Volk in ollen seinen Schichten schärfste Verwahrung ein. Das oberfchlesische Volk fordert von der Reichs- regierung, daß sie unverzüglich alle ihr als Vertragspartei des Genfer Abkommens zur Verfügung stehenden Wittel ergreift, um die deutschen Rechte zu wahren und unser Land vor den Gefahren zu schützen, die die Anwendung derartiger verwerflicher Methoden in Polen auch für unser Land bringen mutz." Die Erklärung wurde dem Reichsinnenminister Dr. Wirth überreicht, der am Donnerstag in Begleitung von Staatssekretär A b e g g vom preuhi- schen Innenministerium in Oppeln eintraf, um mit der oberschlesischen Bevölkerung Fühlung zu nehmen. Dr. Wirth legte die Auffassung des Reichskabinetts dar und wies insbesondere auf den bedeutsamen Schritt der Reichsregierung beim Völkerbund hin. Unter gor keinen Umständen dürfe bei der oberschlesischen Bevölkerung der Gedanke entstehen, doh das oberschlesische Land schutzlos dastehe. Die heutige Zusammenkunft beweise, dah das oberschlesische Volk einmütig zusammen st ehe und im Anschluh an die Führung durch Reich und Preußen in der Lage fei, die Grenzen gegen Störenfriede zu schützen. Der Minister gab seiner besonderen Freude darüber Ausdruck, daß trotz aller begreiflichen Erregung das oberschlesische Volk so m u st e r- haft Disziplin und Ruhe gewahrt habe und vor allem die Rechte der polnischen Minderheit auf deutschem Gebiet nicht im geringsten angetastet habe. Er nehme die lleberzeugung mit, dah die ober- schlesische Bevölkerung auch weiter besonnen und klug die Politik der Reichsregierung unterstützen wird. 3n der Aussprache wurden die Schritte der Reichsregierung begrüßt. Man war sich auch der Bedeutung dieser Maßnahmen bewußt, die geeignet sind, die oberschlesische Bevölkerung zu beruhigen. Man war sich auch darüber klar, dah es nunmehr Aufgabe der Bevölkerung sei, Unbefon- nenhel ten ; u vermeiden, die nur geeignet fein könnten, die von dec Reichsregierung eingeschla- gene Politik zu stören. Heue polnische Ausschreitungen. Ucberfall auf daS Deutsche Heim in Thorn. Thorn, 27. Aov. (TU.) Eine Anzahl von Polen überfielen am gestrigen Nachmittag das Deutsche Herrn in Thorn. Bereits vor acht Tagen waren einmal polnische Banditen im deutschen Klublokal erschienen und hatten eine Lampe zertrümmert. Sie hatten aber damals von weiteren Ausschreitungen abgesehen, da nur ein Deutscher anwesend war. Sie hatten gerufen: „Es lohnt uns nicht, wir kommen Wiede r, wenn mehr Deutsche hier sind." Am gestrigen Mittwoch gegen lV/2 Uhr drangen zunächst drei Polen in das Deutsche Heim ein. eie überfielen die darin befindlichen drei Deutschen mit Stühlen und Stocken. Fünf noch hinzukommende Polen warfen dann auf die Deutschen mit Bierflaschen und demolierten die gesamte Einrichtung des Lokals. Ein Oer Reichskanzler wünscht bis Berlin, 27. Aov. (CAD.) Wie wir erfahren, handelte es sich bei den Besprechungen des Reichs» arbeitsministers Dr. S t e g e r w a l d mit den Führern der Sozialdemokratie darum, in der Frage der 50-Pfennig-Gebühr für K r ankenschein und Rezept eine Verständigung herbeizuführen. Die Sozialdemokraten verlangen die re st lose Aufhebung der Gebühr. Der Reichsarbeitsminister hat einen Gegenvorschlag gemacht, demzufolge nicht nur die langfristig Erwerbslosen und die Tuberkulosekranken von der Gebühr b cf reit werden sollen, sondern alle ausgesteuerten Erwerbslosen und die Kategorien der unteren Unterstützungssätze. Dieser Vorschlag würde etwa der Hälfte der Erwerbslosen zugute kommen. Die sozialdemokratischen Unterhändler haben sich für ihre Entschließung Bedenkzeit ausgebeten. Ihre Entscheidung wird der Regierung aber bis Freitagabend mitgeteilt werden. da die Regelung dieser Frage ein wichtiger Teil der Gesamthaltung der Sozialdemokratie zur Politik des Reichskabinetts ist. Der Reichskanzler hat die Führung der Sozialdemokratie gebeten, ihm bis zu diesem Zeitpunkt schriftlich m i t z u t e i l c n. ob die sozialdemokratische Fraktion bereit ist, im Reichstag für das Finanz- und Wirtschaftsprogramm zu stimmen. Sollte die Antwort negativ ausfallen, so wird das Kabinett morgen abend zweifellos den Beschluß fassen, das Programm durch Aotverordnung in Kraft zu fetzen. In politischen Kreisen würde man aber auch, wenn dieser Weg eingeschlagen würde, keine wesentliche Zuspitzung des Verhältnisses zwischen dem Reichskabinett und der Sozialdemokratie sehen, da der Sozialdemokratie ja Gelegenheit gegeben werden konnte, die neue Aotverordnung nachträglich noch im Haupt- ausschuß zu beraten, wie es jetzt mit der Iuli- verordnung geschieht. Der Reichskanzler hat übrigens nicht die Absicht, auch den Reichsetat durch Aotverordnung in Kraft zu setzen. Berlin, 27. Aov. (WTD.) Der Reichsverband der Deutsch , n Industrie hielt unter dem Vorsitz Geheimrats Dr. C. Duisberg seine Hauptausschußsitzung ab. In seiner Begrüßungsansprache führt Geheimrat Dr. Duisberg u. a. aus: Entscheidend für den Umfang der gegenwärtigen Krise ist die immer wieder betonte Ueberlastung der De triebe auf steuerlichem. Lohn- und sozialpolitischem Gebiet sowie eine außerordentliche Kapitalvernichtung durch unproduktive Verwendung öffentlicher Mittel. Die Ueberschreitung der finanziellen Belastungsgrenze zeigt ferner, daß es mit einer Rückführung der öffentlichen Ausgaben auf das unbedingt notwendige Maß allein nicht getan ift Auch d ie Leistungen aus dem Reuen Plan müssen den veränderten wirtschaftlichen Verhältnissen angepaht werden. Allerdings mutz ine Ordnung der finanziellen Verhältnisse diesem Schritt vorangehen, wenn wir nicht noch einmal Ge ahr lau'en wollen, dah unsere Unterhändler wegen drohender Finanzkata- strvphengefahr im Inlande sich untragbaren Forderungen beugen müssen. Darauf erklärte Reichsbankprasident Dr. Luther: Wenn rwch jemand an der Festigkeit der deutschen Währung gezweifelt hat, dann mühte ihn die gegentoärtige Krise, in der die Wirtschaft notleibet und Politisches in Gärung ist, die Reichsmark aber fest steht, eines besseren belehrt haben. Viele von den nach Zahl und Kapitalbedeutung überschätzten Kapital- flüchtlingen in den kritischen Wochen nach der Reichstagswahl haben inzwischen festgestellt, wie schlecht sie spekuliert Hattern Die sieben Iahre alte Reichsmark hat die sieben wahrlich nicht fetten Iahre durchgehalten und sie wird noch viele Male sieben Iahre durchhalten. Es besteht die große Gefahr, daß heute so manche Politiker, glmch welcher Partei, keine genügende Vorstellung von der Abhängig- ältcrer deutscher Herr wurde schwer verletzt. zwei weitere Deutsche leichter. Das Lokal wurde vollkommen zertrümmert. Die herbei gerufene Polizei erschien erst nach längerer Zeit und nahm schließlich eine Verhaf tung vor. Don dem Vorfall wurde dem deutschen Konsul in Thorn sofort Mitteilung gemacht, der am Tatort erschien und Ermittlungen anstellte. Freitagabend schriftliche Antwort. [ Er hatte heute abend noch eine persönliche Aussprache mit einem der einflußreichsten Führer der Sozialdemokratie. Dabei ist der ganze Fragenkomplex noch einmal durchgegangen worden. WirWaflSpattei und Kabinett. Keine grundsätzliche Opposition. Berlin, 27. Aov. (DDZ.) Führende Kreise der Wirtschaftspartei erklären, die Zurückziehung des Ministers Dr. Bredt und die jüngste Erklärung der Wirtschaftspartei sei nicht etwa so a u. f z u f a s s e n, daß nun die Wirtschaftspartei in grundsätzliche Opposition zu allen Maßnahmen der Reichsregierung treten wolle. Es handele sich für die Wirtschaftspartei lediglich darum, die volle Freiheit der Entscheidung über alle einzelnen Matz - nahmen der Regierung zurückzugewinnen. Ganz falsch sei die Auffassung, als sei die Preissenkungsaktion der Regierung bestimmend gewesen für den Schritt der Wirtschaftspartei. An einem wirksamen Preisabbau habe gerade die Wirtschaftspartei das größte Interesse; sie wende sich aber gegen unzweckmäßige Metho den bei dieser Aktion. Der Sanierungsvorlage der Regierung könne die Wiartschastspartei in manchen Punkten zustimmen; sie fei aber gegen d ie Schankverzehrsteuer. Richt befriedigend seien auch die Formen, die die Regierung für Den Abbau der Wohnungszwangswirt f ch a f t und für den Abbau der Realsteuern gewählt habe. Der an sich begrüßenswerte Zweck tönne auf diese Weise nicht erreicht werden. Weiter wird betont, daß Reichsjustizminister Dr. D re d t bei dem Rücktritt von seinem Amt nicht etwa einem Diktat der Partei oder der Reichstagssraktion gefolgt sei. Minister Dr. Bredt habe vielmehr selbst erklärt, daß er bei einzelnen Stellen der LRegierung nicht die Unterstützung gefunden habe. Die er glaubte erwarten zu dürfen. feit haben, in der sich Deutschland wegen der kurzfristigen Auslandverschuldung befindet. Deswegen, und weil es noch nicht möglich ist, vom Ertrage der eigenen Scholle zu leben, find wir auf die Entwicklung eines großen Außenhandels und dadurch wieder auf das wirtschaftliche Vertrauen des Auslandes angewiesen. Es hat keinen Zweck und bringt nicht vorwärts, den Kopf hängen zu lassen. Wan muh versuchen, die wirksam stärkenden Kräfte lebendig zu machen und nach jeder Aufstiegsmöglichkeit zu spähen. Ein im Innern starkes Deutschland hat auch jetzt noch Erfolgsaussichten im außenpolitischen Ringen. Geschlossener nationaler Wille — die Rentenmark hat es gezeigt — erzwingt im Aus- lande Verständnis für deutsche Lebensfragen. Gelänge obendrein die ungeheure Kräftezusammen- faffung zu wirklich einer Reg i er ung sgern a l t i m R e i ch, gelänge die Reichsreform, so würde durch die Einsetzung dieser verstärkten Kraft des Reiches Deutschlands Lage sehr erleichtert werden, besonders auch zugunsten des deutschen Ostens. Mit steigendem Aachdruck muh deutscherseits daraus hingewiesen werden, daß zum Boung- Plan auch die von den anderen zu erfüllenden Voraussetzungen gehören. Die Reparationen sind auf die Dauer nur erfüllbar, wenn Deutschland genügend Märkte hat, in die es aussühren kann. Ebenso wird der Boung-Plan nur durchführbar fein, wenn Deutschland langfristiges Ausland» kapital zu billigen Sätzen erhalt. Erst wenn der Alpdruck der kurzfristigen Auslandverschuldung weicht, können sich die wirtschaftlichen Kräfte entfalten. Es erscheint unvorstellbar, dah die Tatsache der internationalen Goldaufwertung nicht Rückwirkungen auf die Höhe der Reparationen haben sollte. Der Leitgedanke schon des Dawes-Planes war der, Deutschland nur im Verhältnis feiner SeiftungS- fähigkeitzu belasten. Das mutz selbstverständlich auch für den Boung-Plan gelten. Auch die Aufrechterhaltung der sozialen Lebensbedingungen des deutschen Volkes muh unter dem Boung- Plan beachtet werden. Ie fester und entschlossener das deutsche Voll danach trachtet, durch Senkung der Produktionskosten und Preise möglichst vor den anderen die neuen User zu erreichen, desto besser werden seine wirtschaftlichen Zukunftsaussichten fein. Hier liegt, auch vom Standpunkt des inneren Marktes aus, der die Tragfläche jeder gesunden Ausfuhr ist, also auch für die Landwirtschaft, Deutschlands besondere Chance. 3c deutlicher wir die deutsche Unterschrift unter den Boung-Plan als uns bindend anerkennen, desto wirkungsvoller fönnen wir von den Verttagsgegncrn fordern, was ihnen vertragsmäßig obliegt. Man sollte darauf rechnen können, dah infolge wachsender Einsicht in die weltwirtschaftlichen Gefahren der jetzigen Reparationsregelung das, was nicht bestehen bleiben kann, geändert wird. 3m Anschluh an die bedeutsamen Ausführungen des Rcichsbankpräsidenten Dr. Luther legte Reichskanzler Or. Brüning dar, von welchen Tendenzen sich die Reichsregierung bei der Aufstellung ihres Reform- Programms habe leiten lassen. Das Programm bezwecke die Ordnung der deutschen Finanzen und die Wiederherstellung gesunder Grundlagen für die deutsche Wirtschaft mit dem Ziel, den Kredit Deutschlands und seine Weltgeltung zu erhöhen und die politische und wirtschaftliche Freiheit des deutschen Volkes zu erreichen. Es fei vor allem erforderlich, in das Bewußtsein aller Kreise des deutschen Volkes die Erkenntnis einzuhämmern, dah es nicht nur daraus ankomme, mit dem Reformprogramm die Grundlagen für eine vernünftige Gestaltung unserer Reparationsverpflichtungen zu schaffen, sondern dah es sich um Maßnahmen handele, die auch notwendig seien, wenn Deutschland keine Reparationen zu zahlen hätte. Die Gesamtheit des deutschen Volles müsse sich der Größe der Ausgabe bewußt werden und begreifen, daß die Rot der Zeit eine Zusammenarbeit und Opferwilligkeit aller Volksteile verlange. Die Regierung aber dürfe bei der Durchführung ihrer Maßnahmen auch eine monatelange Unpopularität nicht scheuen; m:t ihr zusammen mühten alle für das Wohl des Vaterlandes verantwortlichen Stellen den Mut zur Wahrheit und Verantwortung aufbringen. Die Industrie fordert Senkung der Verkehrstarife. Berlin, 28. Aov. (TU.) Der Vorstand des Reichsverbandes der Deutschen 3ndustrie nahm folgende Entschließung an: „Nachdem durch den sechsprozentigen Abbau der 1927 festgesetzten Bcamtengehälter bei der Deutschen Reichsbahn rund 84 Millionen Mark, bei der Deutschen Reichspost rund 62 Millionen Mark für Tarifermähigun- gen verfügbar werden, wird eine Anpassung der Arbeitslöhne bei beiden Derkchrsanstalten unabweisbar, um die gleiche Grundlage, wie bisher, herzustellen. Hierdurch werden bei der Deutschen Reichsbahn 107 Millionen Mark, bei der Deutschen Rcichspost 24 Millionen Mark, also insgesamt rund 191 Millionen Mark bzw. 8’ Millionen Mark verfügbar. Der Reichsverband der Deutschen Industrie fordert, dah diese Ersparungen auf dem Wege von Tarif ermähigungen der notleidenden Wirtschaft wieder zugeführt werden. 5>ie_ Tarifermähigungen müssen vor dem am 31. März 1931 erfolgenden Ablauf der Tarifverträge im Wege der Vorleistung spätestens bis zum 1. Februar 1931 erfolgen.“ Die Reichshauptstadt unter Vormundschaft. Zwei Staatskommissare für Berlin. Be r l in, 27. Aov.' (CAB.) Der Oberprä'ident hat die Oberregierungsräte Dr. v. Stein und Dr. Koppen zu Staatskommisfaren zur Verbesserung ter Haushalts- und Kassenlage der Reichshauptstadt bestellt. Dr. v. Stein ist die Ausübung der Rechte des Magistrates und Dr. Koppen die Ausübung der Rechte der Stadt- v c r o r d ne tenversammlung übertragen worden. Die beiden Staatskommßsare haben den Austtag erhalten, die Erhebung der Bürge r st c u e r für 1930 in Höhe des Landessatzes durchzuführen und die Einführung der Gern ei n ö e g e tr ä n fe ft eu c r nach der Muster- ordnung mit einem Satz von 10 Proz. ab 1. Dezem- o. 3. zu bestimmen. Da die Haushaltsjahre 1930 31 nicht zu trennen sind, werden die beiden Staatskommissare gleichzeitig auch für das nächste Haushaltsjahr bestellt mit dem Auftrage, die Grundvermögens st euer 312,5 Prozent für das Iahr 1931 zu erhöhen. 3n der Berliner Stadtverordnetenversammlung kam es zu Tumultszenen als Sozialdemokraten uni) Saniewngsprogramm. Reichsbankpräsident und Reichskanzler fordern Optimismus. Bedeutsame Kundgebungen auf der Tagung des Neichsverbands der Industrie. Die neuen Sleuerpläne der hessischen Regierung. der Vorsteher Hast den Vries des Oberpräsidenten verlas, in welchem die Einsetzung der Staatskommissare mitocteilt wird. Der Kommunist Kasper verlangte, vast das Haus sosort in eine C r - werbslosendebatte eintrete. Die Tribüne unterstützte dieses Verlangen durch laute Zuruse. Der Lärm aus der Tribüne nahm schliestiich eine derartige Ausdehnung an, dast der Vorsteher die Räumung der Tribüne anordnete. Die Tribünenbesucher tobten, lärmten und begannen mit den nichtkommunistischen Tribünenbesucl>ern Streit. Endlich erschien ein P o l i ze i a u f g e - b o t und unter großem Tumult, in den sich auch verschiedene aus die Tribüne geeilte kommunistische Stadtverordnete etnmischtcn, gelang es, die Tribünenbesucher zu entfernen. Aber die Kommunisten verursachten neue Lärmszenen. Unter gesteigertem Tumult wurde schliestlich die ge- samtekommunisttscheStadtverordne- tensraktion von der Polizei aus dem Sitzungssaal entfernt. Im Vorsaal de« Sitzungssaales hatten sich Erwerbslose eingefunden und auS Tischen und Stühlen eineVarri- tade errichtet, die von der Polizei auS- einandergcschoben werden mustte. Al« die Kommunisten hinausgebracht waren, betrat der Sprecher der Rationalsozialtsten die Rednertribüne und kündigte den AuSzug seiner Fraktion an, nicht etwa aus Sympathie für die Kommunisten oder auS Widerstand gegen da« Schassen von Ordnung, sondern als allgemeinen Protest gegen das ganze in den letzten Zügen liegende System. Hessens Anteil an derWeMe. AinanzauSschutz bc6 Hcss>!chc» Landtags WHP. Darmstadt. 27. Rov. Der Finanz- ausschust erörterte die Anträge des Landbun- de« und der Deutschen VolkSvartei über die Verwendung der Westhilfe. Don dem Landbund war gefordert worden, die Mittel auSschliestlich für l a n d w i r t f ch a f t- lt che Zwecke bereitzustellen, während die Volkspartei Verteilung auf die einzelnen Wirtschaftszweige verlangte. Staatspräsident Adelung wies darauf hin, dast es feinen Vemühungen im Reichsrat nicht gelungen fei, die Westhtlfe auf den Betrag von 20 Millionen Mark statt der jetzt bewilligten 5 Millionen Mark äu erhöhen. Der für 1930 auf Hessen entfallende Betrag von 3,1 Mill. Mark soll mit 1,3 Mill. Mark für die Mainzer Straßenbrücke und mit je 7—-800 000 Mk. für Landwirtschaft und Gewerbe, Handwerk und Industrie verwendet werden. Der volkSParteiltche Antrag fand daher in abgeänderter Form Annahme, während der Landbundantrag für erledigt ' erklärt wurde. Einstimmige Annahme fand das Ersuchen der Regierung, fürwertschaffendeArbeit«- losenf ürsorge einen Landesbritraa von einer Million Mark bereitzustellen, damit der gleiche Betrag von Reichsseite aus in Anspruch genommen werden kann. Die Aenderung de« Steuervoraus- zahlungsgesetzes wurde einstimmig gutge- heisten. Bisher waren alljährlich zweiSteuer- a u s s ch l ä g e notwendig: die vorläufige und die endgültige Steuerfestsetzung. Mm diese Doppelarbeit der Finanzbehörden zu vereinfachen, ist nun der Innenminister ermächtigt, für daS Jahr 1930 anzuordnen, dast die für die Gemeinden, Kreife und Provinzen zu entrichtende Grundsteuer, Son- dergebäudesteuer und Gewerbesteuer abgegolten find durch die Zahlungen, die vorläufig nach den Besteuerungsgrundlagen des Vorjahres zu entrichten waren. In der Praxi« gelten also für 1929 und 1930 die Besteuerungsgrundlagen von -1929 al« endgültige Grundlage. Der Rachteil, dast im Jahre 1930 sich die Verhältnisse de« Steuerpflichtigen grundlegend g e ä n b e r t haben können, kann im Wege des DilltgkeitS- erlasse« beteiligt werden. Einstimmig gebilligt wurde da« Ausführung«- gefetz zur Bürgersteuer. Es gelten als Lan- deSsatz die Mindestsätze der Rotverordnung (6 Mk. bzw. 3 Mk. für einkommen- steuerfreie Personen). Neue Vortagen im Hessischen Landtag. Dem Landtag ging eine Regierungsvorlage zu, in der zum Zwecke der verstärkten Förderung offen tlicherRot st andSarbei- ten (wertefchafsende Arbeitslosenfürsorge) ein weiterer Betrag von einer Million Mark angefordert wird. Die Deutsche Gesellschaft für öffentliche Arbeiten hat sich bereit erklärt, Helfen einen Betrag bis zu zwei Millionen Mark zur Verfügung zu stellen, der aber im Hinblick auf die bisherigen Leistungen de« Landes auf dem Gebiet der Arbeitsbeschaffung nur in Höhe von einer Millionen Mark in Anspruch genommen werden soll. Der nationalsozialistische Abg. Dr. Werner beantragt, in dem überwiegend evangelischen Hessen in FeiertagSangelegenheiten (Reforma tionssest) den evangelischen Belangen paritätischer Rechnung zu tragen und insbesondere den Beamten und Lehrern die Freinahme von Dienststunden zum Kirchgang zu gestatten. Er fordert ferner eine Verordnung zum Schutze bedrohter Pflanzen- und Tierarten. Die Deutsche Dolkspartel sordert Mn- tersuchung der Vorgänge, die zum Zusammenbruch der Wohnungsfürsorgegesellschaft in Hessen geführt haben. Die Deutschnationalen fordern Herab- fehung der Zahl der Landtagsabgeordneten von 70 auf 25, Schaffung einer berufsständischen Kammer, Heraufsetzung des Wahlalters, Filialsteuer, Warenhausgesetz, Beschränkung der BahnbosS- läben, Verbot der Einfuhr unnötiger Auslandware und Einschränkung der öffentlichen Feste. Oer Thüringische Landtag fordert Finanzhilfe der Kirche. Weimar, 27. Rov. (TM.) Der Thüringer Landtag nahm am Donnerstag einen nationalsozialistischen Antrag an, der die Regierung beauftragt, mit der Thüringer Landeskirche dahin zu verhandeln, daß die Kirche ein Drittel der Mittel, die sie in diesem Jahre vom Lande Thüringen erhält, für Linderung der sozialen Rot, für Rotstandsar^eiten und produktive ErwerbSlosen- fürforge verwendet. Der Antrag wurde angenommen mit den Stimmen der Rationalfozia- llsten und einiger Abgeordneten der Wirtschaftspartei gegen Teile der übrigen Regierungsparteien bei Enthaltung der Kommunisten, die die Einstellung fümtlicher Zahlungen an die Kirche verlangten. WHP. Darmstadt, 27. Rov. Die Vorlagen der hessischen Regierung zur Erhöhung ber Grundsteuer und der Sondergebäudesteuer sehen folgendes vor: Erhöhung der Grundsteuer. Der IahreSsah der staatlichen Grundsteuer von den Gebäuden nebst dein Zubehör, dem zugehörigen Hofreitengrund und den mit diesem zusammenhängenden Grab- und GraSgärten sowie von Bauplätzen wird mit Wirkung vom 1. April 1931 an von 12 aus 36 Reichspfennig je von vollen 100 Mark des festgesetzten Steuer- wertes erhöht iGrundsteuerzuschlag). Der Grundsteuerzuschlag bleibt unerhoben, wenn der Grundsteuerwert des zuschlagspflichtigen Vermögens für einen Steuerpflichtigen zusammen 4000 Mark nicht übersteigt. Der Grundsteuerzuschlag ist in dem gleichen Verhältnis wie die Sondergebäudesteuer zu ermäßigen: a) insoweit Mieträume ohne Verschulden de« Eigentümers länger als einen Monat leerslehen, b) Insoweit die Einziehung der Mieten dem Eigentümer nach Laae der Sache nicht möglich ist, c) insoweit gewerblich benutzte Räume durch Detriebseinschränkun- gen oder ungünstigen Geschästsgang nicht nur vorübergehend erbevlich geringer auSgenuht werden als in der Vorkriegszeit. Der Finanzminister soll ermächtigt werden, die Erhebung der erhöhten Vorauszahlungen auf Grund Öffentlicher Bekanntmachung anzuordnen. Da« Gesetz gilt nur für das Jahr 1931, weil c« nach Durchführung des Grundsteuer- rahmengesetze« wieder außer Kraft zu treten hat. Auch wird es nach Ansicht des Finanzministerium« bereit« vom 1. April 1930 ab in seiner Wirkung durch das Realsteuecsenkungsgesetz abgeschwächt werden. Erhöhung der Sondergebäudesteuer. Das Gesetz über die Sondergebäudrsteuer 1929 ist durch Verordnung des Gelamtministerium« vom 5. d. M. aus unbestimmte Zeit weiter erstreckt worden. Der neue Gesetzentwurf sieht vor: Der Steuer- pflichtige hat eine Erklärung über die Höhe der Friedensmiete abzugeben. Beträgt die Friedensmiete mehr als 5 Prozent des Friedens wertes, so erhöbt sich die Sondergebäudrsteuer in demselben Verhältnis. Die bisherige Steuerbercchnung bleibt unverändert bestehen. G« ist lediglich am Schlüsse der bisherigen Berechnung in den in Betracht kommenden Fällen noch eine Berechnung anzuhängen: 5 : m - s: x (m — Friebensmiete in Prozenten be« Werte« au«gedrückt, s = ©teuer nach bisherigem Recht, x — neue Steuer. Beispiel: Friebensmiete (m) 6,2 Prozent bc« Grundsteuer- wertes, Steuer nach bisherigem Recht (s) 100) Mk., bann ist die Berechnung: 5:6,2 — 1000: x ist 1240 Die Genfer Abrüstungsverhandlungen sind längst nicht mehr ernst zu nehmen, sie dienen ausschließlich den einseitigen InteTessen der Versailler Mächte, die auch bei der Ausarbeitung de« Abrüstungsvertrages bi« jetzt Punkt für Punkt durchgesetzt haben, daß an dem bisherigen Rüstungszustand nichts geändert wird, wohl aber alle Möglichkeiten offen bleiben, weiter z u rüsten. Das gilt selbstverständlich nicht sür Deutschland, da« am Donnerstag durch einen Meberrumpe- lungsversuch erneut auf die militärischen Verpflichtungen des Versailler Vertrage« fest gelegt werden sollte. Man wollte einen Passu« in den Konventionsentwurf einschmuggeln, wonach die Aufrechterhaltung der früherenVer- träge, also de« Versailler Diktate«, die Vorbedingung für das Inkrafttreten des Abrüstungsabkommens fei. Graf Bernstorfs hat die Konferenz nicht Im Mnflaren darüber gelassen, daß Deutschland ein zweites in al den Versailler Vertrag nicht unterzeichnet. Das mag der Gegenseite genügen, auch den Engländern und Franzosen, die trotz der Ableugnung von Geheimabkommen aller Art doch wieder die Alliierten des Jahres 1914 zu sein scheinen. Der Zusammenstoß in der Abrüstungskommiffion. Genf, 27. Rov. (WTB.) Im Vorbereitenden Abrüstungsausschuß begann die Aussprache Über den in erster Lesung angenommenen Artikel Ea, wonach die Abrüstungskonvention „nicht die früheren Entscheidungen berührt, durch die gewisse vertragschließende Staaten eine Begrenzung ihrer Land-, Flotten- und Luftrüstungen angenommen haben." Zu diesem Antrag lag ein französischer Zusatzantrag vor, der den in erster Lesung angenommenen Artikel noch verschärft und davon spricht, daß die Aufrechterhaltung der früheren Verträge die Vorbedingung für das Inkraftbleiben der Konvention bilde. In der heutigen Sihuna wurde der Antrag gestellt, den betreffenden QIrtifel mit dem vorliegenden Zusatzantrag zur Revidierung an einen M n t e r a u «f d) u f) zu überweisen. Graf Bernstorfs erhob gegen dieses Versahren sofort Einspruch und erklärte, die Mebertveifung an einen technischen Mnter- ausschuß, der in geheimer Sitzung tage, müsse den Eindruck erwecken, daß der Ausschuß Furcht habe, diese Frage in öffentlicher Sitzung zu diskutieren. Der französische Vertreter M a s f i g l i erwiderte ziemlich gereizt, daß er an sich für die Mcbertoeifung an einen Mnter* anSschuß fei, wenn aber Graf Dernstorff eine öffentliche Behandlung wünsche, so habe er keinen Anlaß, sich dem zu widersetzen. Graf Bernstorfs gab dann folgende Erklärung ab: Der Artikel Ea nimmt Bezug auf die Verträge von Washington und London. Insoweit habe ich dazu feine Bemerkungen zu machen. Andererseits handelt es sich um die FriedenS- verträge, durch die man uns gegenüber gewisse wohlbekannte Verpflichtungen ein gegangen ist. Der Konventions- entwurs hat mit Abrüstung, soweit es sich um die Landstreitkräfie handelt, nichts mehr gemeinsam als die Mcbcrfchrift. Gäbe unsere Kommission sich von diesem kläglichen Ende Mark. Diese BerechnunaSart gilt in gleicher Weise für die staatliche wie für die kommunale Steuer). Von dieser Steuererhöhung find nusgenom- in e n Fälle, wo die Sondergebäudesteuer bisher schon ermäßigt wurde, also bei der Halbierung für Neubauten, bei Steuerbefreiung bzw. Ermäßigung für Einfamilienhäuser bis zu 70 qm, bei Ermäßigungen für Objekte, die am 31. Dezember 1918 gering belastet waren, und ferner bei Objekten bis zu 6000 RM. Wert und für gewerbliche Räume, die infolge Betriebseinschränkung usw. nicht voll aus- genutzt werden. Die Steuererhöhung soll so lange gelten können, bis ein Reichsgeseü die Sondergebäudesteuer allgemein neu regelt. Wie wir hören, haben sich die Regierungsparteien bereits dahin geeinigt, daß die aus den Steuererhöhungen sich ergebende Mietpreis st eigerung zwischen Hausbesitzern und Mietern halbiert wird. Aenderung des hessischen Besoldungsgesetzes. In dem Entwurf zur Aenderung des Besoldungsgesetzes ist bestimmt, daß in Zukunft ledige B e - amte anstelle des Wohnungsgeldzuschus- s e s nach der nächstniedrigeren Tarisklasse, wie es das Besoldungsgesetz zur Zeit vorsieht, die Hälfte des Wohnungsgeldzuschusses erhalten, das sich nach Artikel 10 des Besoldungsgesetzes ergibt. Auch für die Staatsblcnftanroärter ist eine Verringerung der Vergütung vorgesehen. Das Gesetz soll am 1. Februar 1931 in Kraft treten und bis zum 31. Januar 1934 laufen. Außerdem wird die An- wärtervergütung bei der Polizei In der ersten Stufe auf etwa 60, Prozent des Anfangsgrundgehaltes der Stelle festgesetzt, in der die erste Einstellung des Anwärters ersolgt. Zur Zeit beträgt diese Anfangsvergütung über 80 Prozent. Aenderung des Stellenplanes In dem Entwurf zur Aenderung de« Stellenplanes wird bestimmt, daß von allen Stellen der gleichen Art, die auf mehrere Besoldungsgruppen verteilt sind, 40 Prozent in der höheren Gruppe abgesetzt und in der nächst niedrigeren Gruppe zuaesetzt werden. Die sich hiernach ergebende Gesamtzahl der Stellen bildet, wenn mehr al« zwei Besoldungsgruppen in Betracht kommen, die Grundlage für die Verminderung der Stellen um ebenfalls 40 Prozent dieser Gesamtzahl. Eine Aenderung der Besoldungslvrdnung tritt hierdurch nicht ein. Alle hiernach \n verschiedenen Besoldungsgruppen Wegsallenden Stellen gelten bi« zu ihrem Freiwerden in der jetzigen Besoldungsgruppe als auf den Inhaber gesetzt. Rach Inkrafttreten einer neuen RelchSbesoldung-s- ordnung wird eine Rachprüfung der Bestimmungen vorzunehmen sein. ihrer fünfjährigen Arbeit Rechenschaft, dann würde sie nicht auch noch durch den Artikel Ea dieses jetzt entstehende Scheinwerk den früheren Verträgen gegenüberstellen. Rimmt die Majorität den Artikel Ea an, so werden dadurch freilich nur die Stauten betroffen, die einen solchen Konventionsentwurf unterzeichnen wollen. Ich jedenfalls gehöre nicht zu ihnen. Im Gegentell, Ich werde die Gelegenheit des Artikels E a benutzen, um gegen den Konventionsentwurf in feiner Totalität zu stimmen, vielleicht gibt es Delegierte in unserer Kommission, die von dem Glauben beseelt sind, man könne meiner Regierung einen vertrag zur Mitzeichnung anbieten, der, statt eine wirkliche Abrüstung zu bringen, den wirklichen Rüftungsstand zu Lande verschleiert oder gar seine Erhöhung gebattet, und der für mich gleichzeitig eine Erneuerung der deutschen Unterschrift unter d i e Abrüstungsbe- stimmungen des Versailler Vertrages bedeuten würde. Ich muß Sie bitten, einer solchen Illusion endgültig zu entsagen. Deutschland kann einen ersten Abrüstnngsoer- trag nur dann als solchen anerkennen, wenn er eine gerechte, der Sicherheit aller Staaten Rechnung tragende Lösung bringt. Deutschland wird die Abrüstungskonvention danach beurteilen, ob sie als Gegenleistung für die deutsche Abrüstung endlich den Grundsatz paritätischer Sicherheit verwirklicht; der Entwurf, den Sie in den letzten fünf Jahren ausgearbeitet haben, tut das nicht. An die Erklärung des Grafen Bernftorff knüpfte sich eine längere bewegte Aussprache^ in der Lord Cecil (England) und Massigst (Frankreich) sich gegen die deutsche Auffassung wandten, während ihr de M a r i n l s (Italien) im wesentlichen zu • ftimrnte. Bei der Abstimmung wurde der Antrag, den Artikel Ea mit dem vorliegenden Zusatzantrage zu st r e i ch e n , und die ganze Frage bis zur Ab- rüstnngskonferenz offenzu lassen, gegen die Stimmen Deutschlands, Rußlands, Italiens, der Türkei und Bulgariens a b g e I e h n t. Die Formulierung des betreffenden 2Irtifels unter Berücksichtigung des französischen Zusatzantrages und eines ähnlichen Antrages Lord Cecils wurden einem Redaktionskomitee überwiesen. Die weitgehende Mnterstützung Frankreichs durch Lord Robert Cecil hat nickt überrascht. Es ist ein offene« Geheimnis, daß die englische Regierung vor und während der Genfer Verhandlungen der französischen Regierung weitgehende Mnterstützung in der Frage der Landrüstungen z u g e s a g t hat, falls Frankreich sein Flotte nbauprograrnm dem Londoner Flottenabkommen an Paßt und damit die Anwenbung der bekannten Klausel des Londoner Abkommens verhindert, die eine Aushebung der Londoner Vereinbarungen Vorsicht. wenn eine andere Macht zu neuen Flotten- rüftungen schreitet. DaS dringende Interesse der englischen Regierung an der Aufrechterhaltung des Londoner Abkommens hat die Haltung der englischen Regierung in den Genfer Abrüstungsverhandlungen entscheidend bestimmt und damit tn krassem Gegensatz zu der bisherigen Haltung der gegenwärtigen englischen Regierung unb ihres Vertreters Frankreich die Durchsetzung seiner Wünsche ermöglicht. In unterrichteten Kreisen verlautet ferner, daß die fortgesetzten vertraulichen Verhandlungen zwischen der englischen und französischen Abordnung über den Rahmen der Abrüstungsfrage hinaus Vereinbarungen weitgehender politischer Bindungen zum Gegenstand gehabt haben. Die Feststellung des Grafen Bernstorff, man habe die Landrüstungen den Deerüftungen geopfert, hat um fo mehr Verstimmung ausgelöst, als sie angesichts der englisch-französischen Svn- derverhandlungen tatsächlich den Ragel auf den Kopf traf. Aus oller Wett. Der Robel-Friedenspreis für Kellogg und SoeberMom. Da« Rvbel-Komitee des norwegischen Stor- things hat den Robelfriedenspreis für 1929 dem früheren amerikanischen Staatssekretär Kellogg und den Friedenspreis für 1930 denOIchwedischen Erzbischof Rathan Soederblom zuerkannt. Beide werden persönlich nach Oslo kommen, um am 10. Dezember d. I. die Friedenspreise entgegenzunehmen. Jeder der zuerkannten Friedenspreise beträgt rund 194 000 Mk. Begeisterter Empfang des Do X in Lissabon. Das Flugschiff Do X ist am Donnerstag um 16.20 Mhr auf dem Tajo gegenüber der portugiesischen Marineflugstation niedergegangen. Zu seinem Empfang hatten sich der deutsche Geschäftsträger, portugiesische Marineflicgerosfi- ziere, Vertreter der Lissabonner Behörden und zahlreiche Zuschauer eingefunden. Rach Aussagen der Besatzung ist der Flug von La Coruna nach Lissabon gut verlaufen. Das Flugschiff hatte abwechselnd gutes und schlechtes Wetter und muhte teilweise gegen heftigen Sturm ankämpsen. Vor dem Riedergehen auf den Tajo hatte der Do X Lissabon überflogen, wobei er von der Menge jubelnd begrüßt wurde. Lin Richter durch einen Geistesgestörten erschossen. Der Aufsichtsrichter des Amtsgerichts in Eberswalde, Amtsgerichtsrat Dr. G o r ck e, wurde von einem Geistesgestörten, dem Friseur Dornstein erschossen. Der Täter hatte Gorcke aufgelauert, als dieser sich auf dem Weg vom Amtsgericht zur Forstakademie, an der er Vorlesungen hielt, befand. Mmnittelbar vor der Forstakademie schoß Dornstein mit einer Pistole dem Amtsgerichtsrat in den Rücken. Der Schwerverletzte konnte trotz der sofort im Krankenhaus vorgenommenen Operation nicht am Geben erhalten! werden. Der schon einmal auf seinen Geisteszustand untersuchte, aber für nicht gemeingefährlich erklärte Dornstein hatte vor Jahren einen Prozeß verloren, der von Amtsgerichtsrat Gorcke in erster Instanz entschieden worden war. Seitdem hatte Dornstein den Amtsgerichtsrat mit Eingaben und Beschwerden dauernd verfolgt. Dornstein gab zu, daß er die feste Absicht hatte, den in Eberswalde allgemein hochgeschätzten Richter zu erschießen. Amtsgerichtsrat Gorcke, der neben feiner Tätigkeit als aufsichtsführender Richter des Eberswalder Amtsgerichts noch Dozent und Professor an der Forstlichen Hochschule war, war 65 Jahre alt. Tagung des Bundes der Viehhändler Deutschlands e. v. Unter zahlreicher Teilnahme aus dem ganzen Reich und in Anwesenheit von Vertretern der Reichs- und Staatsbehörden fand in Berlin die 30. Hauptversammlung des Bundes der Viehhändler Deutschlands e. V. statt. Nach Begrüßungsworten des Präsidenten Hermann Daniel (Koblenz) wurden die Anträge beraten, die insbesondere viehseuchenpolizeiliche Fragen zum Gegenstand hatten. Besondere Bedeutung dürften einem Antrag aus Schaffung eines Seuchenschutzgesetzes beizumesseu fein, durch das die Viehbesitzer gegen die Schäden, die ihnen durch Maul- und Klauenseuche sowie Wirch Schweineseuche und -pest entstehen, gesichert werden. Weiterhin wurde eine Vereinfachung der Seuchenüberwachung und Seuchengesetzgebung in ganz Deutschland beantragt. Weitere Anträge beschäftigten sich mit der Frage „Viehhandel und Reichsbahn", die im Augenblick insofern aktuell ist, als zur Zeit bei der Reichsbahn Beratungen schweben, die Tier-Tarife einer grundlegenden Aenderung zu unterziehen. Lohnsenkung in der Wuppertaler Metallindustrie. In Wuppertal (Barmen-Elberfeld) ist in der Metallindustrie eine Vereinbarung zwischen dem Arbeitgeberverband und den Metallarbeiter« gewerkschaftcn zustande gekommen, nach dem die Lohnsätze um 6 v.H. gesenkt werden. Explosionskatastrophe in einem mexikanischen Dorf. In dem Dorfe Guadelupe wurden bet einer Benzinexplosion 13 Mitglieder einer Zirkus- ge feilsch ast getötet und 16 verletzt. Infolge der Explosion entkam eine Anzahl wilder Tiere, darunter mehrere Löwen, die in dem Dorfe umherliefen, bis sie erschossen wurden. Ratten und Mäuse auf der Flucht vor dem Hochwasser. Als ein Paddelboot auf die im Rhein liegende Hammersteiner Insel bei Reuwied juftcuette, bemerkten die Paddler auf den aus bem Wasser ragenden Kronen der ,'Bäume und Sträucher eine gräuliche bewegliche Masse. Demi näheren Heransahren stellten sie fest, daß die Aeste und Sträucher zu Tausenden von Mäusen und Ratten, die sich vor dem Hochwasser geflüchtet hatten, bevölkert waren. Bei einem Schlag mit dem Paddel an einen Daumast stürzten gegen 100 Mäuse und Ratten in« Wasser und versuchten in wilder Hast auf dem Paddelboot Zuflucht zu nehmen. Rur durch eine schnelle Drehung deS Bootes konnte das Eindringen der ungebetenen Gäste verhindert werden, die abtrieben und ertranken. verschmähte Liebe aus Korsika. Ein Dors in unmittelbarer Rähe von Dastia auf Korsika war der Schauplatz eines blutigen Eifersuchtsdramas, wie es sich wohl selten abgespielt haben dürste. Ein junges Mädchen, daS von ihrem Liebhaber verlassen worden war, hatte ihn zu einem Revolverduell herausgefordert, das in den frühen Morgenstunden auf einem außerhalb des Dorfes gelegenen Felde ausgetragen wurde. Auf zwanzig Schritt Entfernung feuerten beide einige Schüsse ab. Während der junge Mann tödlich getroffen zusammenbrach, starb das junge Mädchen bereit« wenige Stunden später an den erlittenen Verletzungen. Englisch-französische Einheitsfront in Genf Graf Bernstorff lehnt mit aller Schärfe eine erneute Festlegung aus den Versailler Vertrag ab. Aus der Provinz,alhaupisiadt. Gießen, den 28. November 1930. Weihnachtsbesorgungen und Einzelhandel. Don Dr. Walter Elauß. Die unerfreulichen wirtschaftlichen Verhältnisse machen eS in diesem Iahre der Hausfrau besonders schwer, die Deschenkfrag« nach allen Seiten hin lösen, und manche Hinderungsgründe finanzieller und ökonomischer Art können wohl zum Verzögern und Hinausschieben der beabsichtigten Weihnachtsbesorgungen führen. Deshalb durfte ein besonderer Appell an alle Hausfrauen in diesem Jahre berechtigt und erfolgversprechend sein, ein Appell des gesamten Einzelhandels für die kommenden Wochen, der in der Aufforderung gipfelt: Tätigt frühzeitig eure Einkäufe! Kauft überhaupt vor Weihnachten ein! Der erste Wunsch will besagen, daß die notwendigen Fest- und Geschenkeinkäufe nicht erst in den letzten Tagen vor Weihnachten ausgeführt werden sollen. Cs gibt sicher Dinge, die bis zuletzt zurückgestellt werden müssen, oder über deren Anschaffung noch Zweifel bestehen. Indessen 196t sich das Meiste schon spätestens Anfang Dezember besorgen. Und es wäre aus verschiedenen Gründen gut, wenn in diesem Iahre von den Hausfrauen von solcher Möglichkeit Gebrauch gemacht wurde. Denn die wirtschaftliche Depression, in der wir heute leben und die nicht zuletzt den gesamten Einzelhandel gefährdet, macht es erforderlich, daß der Kaufmann alle Un- kosten zu senken und zu vermeiden versuchen muß. Dei diesem Bestreben bedeutet für ihn der frühzeitige Verkauf seiner Weihnachtsartikel eine wesentliche finanzielle Entlastung. Er tarnt, ohne neue Krfedite aufzunehmen, Nachbestellungen vor- trehmen, kann die Kosten der Lagerhaltung sparen, kann Zinsersparnisse zu einer Preisherabsetzung bei schwerer absetzbaren, aber um deswillen nicht weniger begehrten Gegenständen verwenden u. a. m. Zum andern bietet die frühzeitige Erledigung der Weihnachtseinkäufe für die Hausfrau eine Zeit der Besinnung, ob das Nichtige erstanden ist, oder ob man es nicht besser umtauscht, ändern läßt oder ergänzt, bzw. ob man nicht noch dieses oder jenes Stück hinzukaufen muh, um die Wirkung des Geschenkes zu erhöhen. In der Hast der letzten Weihnachtswoche besteht die Gefahr, Dinge einzukaufen, die sich zu spät als ein Mißgriff Herausstellen und die Freude am Geschenk nehmen. Der frühzeitige Weihnachtseinkauf bedeutet endlich auch eine anerkennens- iverte Rücksichtnahme auf die im Einzelhandel Beschäftigten, für die nicht selten die Dielarbeit der Hochbetriebstage vor Weihnachten ein die Festfreude beeinträchtigendes Abgespanntsein nach sich zieht. Nach dringender ist der zweite Wunsch des Geschäftsmannes: Kaust überhaupt vor Weihnachten ein! Hiergegen gibt die Hausfrau zwei Gründe an: Erstens, die Bequemlichkeit und die Vorteile des Bargeschenks, zweitens, die Aussicht auf einen allgemeinen Preisabbau. Das Bargeschenk ist zum Leidwesen des Einzelhändlers verbreiteter, als man annimmt. Es hat verschiedene, zugegebenermaßen auch berechtigte Gründe, z. B. Gaben an Notleidende usw. Vielfach aber entspringt es der Bequemlichkeit des Schenkenden, oder der Wunschträgheit desjenigen, für den der Betrag bestimmt ist. Auch spricht oft mit die Aussicht auf den bald nach Weihnachten folgenden Inventurausverkauf, wo man billiger einzukaufen hofft. Ein Dargeschenk ist doch aber reinster Materialismus, wenn es in solcher Erwägung um weniger Pfennige willen, die nur für einige Warengruppen gelten kann, und zudem nicht sicher ist, seinen Ursprung hat. Das paßt gar nicht zum Weihnachtsfest, welches noch ein wenig Idealismus in unsere materielle Zeit hineinträgt. Was die Aussicht auf einen Preisabbau betrifft, so ist der Hausfrau einzuräumen, daß sie nach allem, was sie über die Maßnahmen der Reichsregierung in den letzten Monaten gelesen und gehört hat, wohl auf den Gedanken kommen mußte, _ daß ein allgemeiner Preisabbau nahe bevorstünde. Eine allgemeine Senkung des Preisniveaus kann sich jedoch nur allmählich durchsetzen, und es wäre daher ganz falsch, mit der Deckung seines Bedarfs zurüc^uhalten in der Erwartung, daß nun gerade auf dem in Betracht kommenden Warengebiet in nächster Zeit ein Preisabschlag eintreten würde. Dies gilt besonders für die Weihnachtseinkäufe der Hausfrauen. Cs wäre im gegenwärtigen Zustand unserer Wirtschaft verfehlt, den Einzelhandel in größte Gefahr zu bringen, zumal es sich nicht um gegenteilige Interessen, sondern um das gemeinsame Ziel, dem Volksganzen zu helfen, handelt. Die Bedeutung gerade des Weihnachtsgeschäfts ist für viele Einzelhantelsbetriebe weit großer, als die Konsumenten annehmen. Mit seinem Erfolg oder Nichterfolg steht und fällt unzähliger Spezialgeschäfte Existenz. Alle Kategorien sind darauf eingestellt, mit einem guten Weihnachtsgeschäft rechnen zu müssen. Die Folgen des Gegenteils würden weitere Arbeits- Forderungen der Wirffchast. Mitgliederversammlung des Mittelrheinischen Fabrikanten-DereinS. Die in Mainz abgehaltene Mitglieder- ve r s am ml un g wurde von dem Vorsitzenden, $ a '" ser (Höchst) geleitet. Der Geschäftsführer, Dr. MeeSmann, gab einen kurzen Ueterblick über die Wirtschaftslage. Er besprach zunächst das SanierungSprv- aramm der Reichsregierung, das zwar in be^ug auf die von der Wirtschaft seit Iahren geforderte Einschränkung der Ausgaben erste Ansätze enthalte und zur Dereitrfachung des Steuersystems, Aenterung der Arbeitslosenversicherung, Senkung der Realsteuern usw. dankenswerte Reformen in Aussicht nehme, das aber angesichts der seit Anfang des Iahres eingetretenen weiteren Derfchlechlerung der Wirtschaftslage durchgreifenden Erfolg nicht verspreche. Es fehle vor allem noch die Verwaltungs- und Verfassungsreform, die Verminderung ter fozia- Lasten durch Abbau ter nicht unbedingt nötigen Leistungen und die Senkung ter den wichtigsten Anteil an den Produktionskosten bildenden Löhne, die Hand in Hand mit ter teilweise bereits eingetretenen Preissenkung erfolgen müsse. Lebhafte Anerkennung zollte er dann Dr. Sch acht, ter auf feiner Amerikareise einmal mit Energie die Forderung auf Beseitigung des Deutschland auferlegten Tributsystems auf gestellt habe. Ohne Beseitigung dieses Systems sei es aber ausgeschlossen, daß die deutsche Wirtschaft wieder gesunden könne. Im übrigen sei die Beurteilung ter Lage eine Sache des Ver- trauens und hänge außerdem von dem Gesamtbild ab, das man sich von dem Zusammenhang nationaler, politischer und wirtschaftlicher Fragen mache. Der Redner erwähnte sodann die Auflösung des Wirtschaftsaus- schusses des besetzten Gebietes und hob besonders hervor, daß unter ter Leitung des Herrn Dr. Kalle das Wirken des Ausschusses sich als sehr ersprießlich erwiesen habe. Der Vorsitzende dankte auch den übrigen Mitarbeitern im Wirtschaftsausschuß, insbesondere Dr. Mee s m a n n, ter als Vertreter ter Wirtschaft des Bezirks von Anfang an in ihm tätig gewesen ist. Oberbürgermeister Dr. K ü l b. Mainz, bestätigte namens des Ausschusses ter Stadt- und Landgemeinden das einige Zusammenarbeiten ter verschiedenen Ausschüsse und machte sodann Ausführungen über die Notlage ter Finanzen ter Gemeinten, die hauptsächlich durch die ihnen vom Reich auf erlegten Wohlfahrtslasten verursacht sei. Geh. Rat Dr. H a e u f e r wies demgegenüber darauf hin, daß eine Besserung auch dieser kommunalen Verhältnisse nur durch eine Wiederbelebung der Wirtschaft eintreten könne und daß die Steuerpolitik und andere öffentliche Maßnahmen nur dem einen Ziele, einer Wieterankurbelung ter Wirtschaft, zu dienen hätten. Als Hauptreferent des Tages sprach alsterm Oberbürgermeister Professor Dr. Mo st über das Thema „Eisenbahn und Kraftwagen". Der Referent behandelte diese umstrittene Frage von unparteiischer Warte unter den Gesichtspunkten sowohl des Erfordernisses einer Verbilligung des Verkehrswesens, wie auch ter Erhaltung volkswirtschaftlich bedeutungsvoller Werte, wie sie in der Reichsbahn investiert sind. Kommende gesetzliche Bestimmungen dürften unter keinen Umständen von einseitigen Gesichtspunkten diktiert fein. Die bisher gemachten Vorschläge, den gewerbsmäßigen Kraftwagenverkehr zwangsweise an die Tarife ter Reichsbahn zu hinten, oder die Einführung von Mintesttarifen, oder ter Beförterungszwang erscheinen teils undurchführbar, zum Teil verstoßen sie gegen den Grundsatz eines gesunden Wettbewerbs. Eine Lösung sei vielmehr nur darin zu erblicken, daß die Reichsbahn sich in ihrer Tarifgestaltung bezüglich ter besonders umkämpf ten Gütergruppen zu Senkungen entschließe und daß das Kraftwagengewerbe auf Grund einwandfreier Untersuchungen zu den Straherrunterhaltungskosten herangezogen werte. Die anschließende Aussprache, an ter sich Vertreter ter beiden Derkehrsgruppen beteiligten und in ter eingehend auf die besonderen Verhältnisse ter Reichsbahn durch Reichsbahnpräsident Lochte, die Verhältnisse ter Automobil- Industrie durch Assessor Machenheimer bei Opel und auf die Bedürfnisse des Personen- Kraftwagenverkehrs durch Ober-Regierungsrat Dr. Der n he i m (Darmstadts eingegangen warte* brachte zahlreiche wertvolle Anregungen zu dieser Frage, die demnächst auch die zuständigen Organe des Aeichsverbantes ter Deutschen Industrie und des Deutschen Industrie- und Hantelstages beschäftigen wird. Im weiteren Verlauf berichtete ter stellvertretende Geschäftsführer Dr. Heger über die Frage ter Kalender-Reform. Vach anschließender Diskussion entschied sich die Versammlung, bei dem deutschen Studienkomitee für Kalender-Reform vor allem eine Festlegung des Osterterrnins zu befürworten und für den Fall einer weiteren Kalender-Reform für den Plan b des Völkerbundes mit gewissen Aente- rungen einzutreten. Rach diesem Plan wird das Iahr in vier gleiche Vierteljahre zu je drei Monaten bzw. 91 Tagen eingeteilt und ein besonderer Dlanko-Tag ohne Wochentagsbezeichnung eingeschoben, so daß ein immerwährender Kalender geschaffen wird. Ietes Datum fällt danach jährlich auf ten gleichen Wochentag. losigkeit und Fortschreiten des wirtschaftlichen Niederganges sein. Deshalb möge die Hausfrau dem dringenden Rufe des Einzelhandels jetzt besonders folgen und in der Vorweihnachtszeit frühzeitig ihre Einkäufe vornehmen im Bewußtsein, damit einen Dienst nicht nur sich und dem Einzelhandel, sondern darüber hinaus ter notleidenden deutschen Wirtschaft zu leisten. Neuregelung des Steuerabzuges vom Kapitalertrag. In den von Steuersyndikus Hermann Will zu Gießen herausgegebenen „Aktuellen Steuerfragen" (Rundschreiben Nr. 22) lesen wir folgendes: „Alle Kapitalerträge, die nach dem 2. Ianuar 1931 aus festverzinslichen Wertpapieren, als den Reichs-, Staats- und Gemeinteanleihen, den Hypotheken- und Landschaftsbriefen, den Kommunalobligationen, fällig werden, sind vom zehnprozentigen Steuerabzug vom Kapitalertrag befreit. Die Neuregelung hat ihre wesentliche Bedeutung für diejenigen Personen, die in Deutschland weder W^uiih noch länger als sechs Monate Aufenthalt haben. Diese bekommen die Kapitalerträge in jeder Beziehung steuerfrei. Der Inländer mit Wohnsitz und Aufenthalt in Deutschland muß jedoch auch diese Kapitalerttäge in seiner jeweiligen Einkommensteuererklärung angeben. Sie werden bann zusammen mit feinem übrigen Einkommen zur Einkommensteuer herangezogen. Die übrigen Bestimmungen des Steuerabzugs vom Steuerertrag sind unverändert. In ter Hauptsache wird also in der Zukunft ter Steuerabzug vom Kapitalertrag noch erhoben von den Aktien-Dividenden und von ten Einkünften aus der Beteiligung als stiller Gesellschafter. Die bisher schon bestehenden Befreiungen: Dividenden aus ®. m. b. H.«Anteilen, Darlehens- und Hypothekenzinsen unterliegen dem Steuerabzug vom Kapitalertrag nicht, bleiben auch weiterhin bestehen." ** Fremdenvorsteklung im Gießener Stadttheater. Man schreibt uns auS dem Stadttheaterbuveau: Aus Grund zahlreicher Nachfragen und um vor Mem ten auswärtigen Besuchern die Möglichkeit zu bieten, ein politisches Zeitstück kennenzulernen, hat die Intendanz sich entschlossen, Curt Corrinths Werk „Sektion Rahnstetten" am nächsten Sonntag einmalig als Fremden Vorstellung und zugleich auch zum letzten Male in dieser Spielzeit zu geben. Es ist der Spielleitung (Intendant Dr. Prasch) hauptsächlich darum zu tun, unter der Rubrik „Zeittheater" ein aktuelles Stück eines modernen Autors zur Diskussion zu stellen. Beginn ter Vorstellung 18 Uhr, Ende 20.15 Uhr. ** Das Heim der alten Leute. Eine Heimstätte zahlreicher alter Leute ist die Provinzial- Pflegeanstalt der Provinz Oberhessen in Gießen. In diesem Heim wohnen zur Zeit ein Mann im Alter von 90 Jahren, drei Manner im Alter von 85 bis 90 Jahren, zwei Frauen in dem gleichen Akter, sechs Männer und zwölf Frauen im Alter von 80 bis 85 Jahren und 14 Männer und 12 Frauen im Alter von 75 bis 80 Jahren. Insgesamt verleben also 50 Personen im Alter von über 75 Jahren in diesem Heim ihren Lebensabend. ** Der zweite Bundesführer des Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, Oberst- leutnant a. D. Düster berg, weilt Mitte De- zember in Hessen. Er wird am Samstag, 13. Dezember, in einer öffentlichen Versammlung in Gießen sprechen. ” Der stummeSchreil Man schreibt uns: Während ter Ueberschwemmungen sind nicht nur Scharen von Feldmäusen ertrunken, auch Feldhasen sind viele umgekommen. Hierbei hat man in der Nähe der Dörfer mehrfach beobachtet, wie Hasen, die schwimmend sich zu retten versuchten, von Kindern mit Geschrei wieder in die lehmige Flut zurückgetrieben Worten sind, wo die schon halb ermatteten Tiere ertranken. Wir fragen: Wo sind ältere Geschwister und Erwachsene, die ter Iugend die Roheit ihrer Handlungsweise klarmacht und sie lehrt, daß ter durch menschliche Grausamkeit verschuldete Tod ter hilflosen Kreatur Anklage erhebt? Erweitertes Schöffengericht Gießen. * Gießen, 26. Nov. In ter heutigen Sitzung des Erweiterten Schöffengerichts tourte nur eine umfangreiche Strafsache verhandelt. Vor längerer Zeit fand in ter Marburger Straße in Gießen ein Automobilunfall statt, bei dem ter Chauffeur, ter das Auto allerdings nicht steuerte, sondern nur im Wagen saß, fein Geben verlor. Das Auto kam vom Walltor in scharfer Fahrt. In ter Nähe des Wiefecker Wegs platzte ter Reifen an dem einen Hinterrad, so daß das Auto auf ter vom Vegen nassen und schlüpfrigen Straße zu schleu- tern begann; plötzlich wandte sich ter Wagen nach links, rannte über ten Straßenrand und mit großer Gewalt wider einen Baurn. Dabei flog ter im hinteren Teil sitzende Chauffeur G. aus Frankfurt auS dem Wagen und wurde mit dem Hinterkopf gegen eine Mauer geschleudert. Er verstarb an Bruch der Schädelbasis. Der fahrlässigen Tötung waren nun angeklagt ein in Frankfurt wohnhafter Architekt als Eigentümer des WagenS und eine Frau, welcher er die Führung des Autos überlassen hatte. Die umfangreiche Beweisaufnahme, die sich unter Zuziehung von vier Sachverständigen abspielte, ergab, daß die Führerin mit übermäßiger Geschwindigkeit fuhr und daß sie nach dem Platzen des Pneumatiks nicht, wie sie mußte, auskuppelte. Hätte sie dieS getan, so wäre nach dem Urteil ter Sachverständigen der Wagen zum Stehen gebracht und das Unheil vermieden worden. Und gerate dadurch, daß der neben ter Autoführerin sitzende Eigentümer auf deren Zuruf in das Steuerrad eingriff, wurde die plötzliche Linksbewegung teS Autos herbeigeführt. Das Gericht sprach dem Antrag des Staatsanwalts gemäß beite Angeklagten schuldig und verurteilte beide an Stells einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe von sechs Wochen zu einer Geldstrafe von je 10 0 0 M k. und in die Kosten. Wegen Vergehens gegen das Kraftfahrverkehrsgesetz wurde auf je 20 Mk. Geldstrafe erkannt. Nur ter Umstand, daß ter Wagenreifen geplatzt war, bewog das Gericht, von einer Freiheitsstrafe abzusehen. Oie Wettei-lage. .Mrtn- ißost üo ito< "7 \Aw Q wolkenlos. <3 neuer. t> nait> oedecxL e wolkig • oedecki • Rege» • Schnee Graupeln b neoei KGewitier,^)wina$iiilco^ sehr «enter Osi Tiasjiger Südsüdwest Q stürmischer Hordwesl Ort »feut fliegen mit dem Winde. Pie oeidtn Stationen stehenden Zai» ten gehen die Temperatur an. Pie Linien verOmden Orte mit gleiches! auf necresrnveau umgerechnelen Luftdruck Wettervoraussage. Da sich die Luftdruckgegensätze ziemlich ausgeglichen hatten und die Zufuhr ozeanischer Luftmassen unterbunden war, ist in der Wetterlage eine Beruhigung eingetreten, und die rege Niederschlags- tatigkeit der letzten Zeit hat einen Stillstand erfahren, lleber Westfrankreich lagert ein neues Störungs- gebiet, das dort bei verhältnismäßig hohen Tempera- turen schon Niederschläge hervorruft. Da der Wirbel in nordöstlicher Richtung weiterziehen wird, so ist damit eine erneute Gefährdung unserer Witterung verbunden. Seine Warmluft wird auch unser Gebiet überqueren und wieder zum Auftreten von Niederschlägen führen. AussichtenfürSamstag: Erneute Eintrü- bung und Erwärmung, zeitweise Niederschläge. Aussich ten für Sonntag: Teils wolkiges, teils aufklarendes Wetter, wieder etwas kühler Lufttemperaturen am 27. November: mittags 11,2' Grad Celsius, abends 8,3 Grad; am 28. November- morgens 5,2 Grad. Maximum 12,2 Grad, Minimum 3,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 27. November: abends 8,2 Grad; am 28. November: morgens 5,8 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer % Stunde. jetzt 36 Pfg jetzt 18 Pfg Große Packung halbe Packung Wer gern wirklich guten Kaffee trinkt und trotzdem sparen will braucht ..Weber’s“. Weil es die Bohnen besser ausnutzt Für Malz-und Mischkaffee ist „Weber’s“ erst recht unentbehrlich durch Preissenkung von AUSNAHME-PREISE Kinder- Kleide». 3“ Kinder- Mäntel9” G/ESSEN*MXUäßUR GIG ____________ 7b45A Frau Ernestine laue, geb. Grunwald Frieda im 84. Lebensjahre. im blühenden Alter von 14 Jahren. In tiefer Trauer: Gießen, Berlin, den 26. November 1930. Die Beisetzung findet in Berlin statt. Wieseck, Alten-Buseck, Heuchelheim, Darmstadt, den 28. November 1930. 8013D 8025D Alters Vereinigung 1861 — 1911 Altersvereinigung 1874 — 1924. Aulweg 36 8015D Klein&Stiefel 48D 8028 D Kaufmann Theodor Weinert von uns gegangen. Gießen (Brandplatz), den 27. November 1930. 07337 C Q fr 11 la 11 Nodenledev K Haupt wacht meist er Preis. ^Zevtveter 8021 V B , 24.12. 29 Bin mit der Uhr sehr zufrieden und heute noch erstaunt aber den billigen welche bei Schuhmachern in der Provinz gut eingeführt sind, zum Verkauf meiner Bodenleder gesucht. Offerten unter E. Z. 889 befördert Rudolf Moffe,Hannover. Heute entschlief nach kurzem Krankenlager unsere geliebte teure Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwägerin und Tante Wilh. Schäfer IV. u. Frau, geb. Wacker Heinrich Schneider u. Frau, geb. Schäfer Minna Schäfer nebst allen Angehörigen. Maschinenfabrik, Fulda Unsere Maschinen Am 26. November ist unerwartet mein innigstgellebter Mann, mein treuer Lebenskamerad, unser treusorgender Vater, Schwiegervater und Sohn Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Emma Weinert, geb. Müller. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Hofrat Jacob Grünewald und Frau Isabella, geb. Jaffe. Für die vielen Beweise wohltuender Teilnahme bei den) Heimgange ihres teuren Entschlafenen danken herzlichst Johanna Meyer, geb. Malkomesius Heinz Meyer Gießen, Groß-Gerau, im November 1930. Gestern vormittag gegen 6 Uhr verschied nach kurzer schwerer Krankheit in der Klinik zu Gießen unsere hoffnungsvolle, innigstgeliebte Tochter, Schwester, Schwägerin, Tante, Gote und Nichte Sonntag. 30. noo.. m d. (Soctbeictule 10 Uhr vormittag- Vereins- Wettschreiberr. Die Beerdigung findet Samstag, den 29. November, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause Rabenauer Straße 52 aus statt. Laden mit 1 oder 2 Schau- fenfter, nur beste Vage, von altem Spezialgeschäft z. 1. Lob. 1. II. 1931 zu mieten gesucht. Preis zirka 150 Mk. Schriftliche An geb. unter 07352 an den Gieß. Anz. (rrnixncnnoQOOQffi Auio- GelegenheiiSkauf 8/40-PS- Opel-Limouslne falt fabrikneu, billig zu verkaufen. Schr. Ang. u. 7846D an den Gieh.Anzetg. Ml. Zimmer mitKüchenbenutzung zu mieten gesucht. Schr. Angeb. unter 07331 a. b. G'est. Anz. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Adolf Frank nebst Angehörigen. Wieseck, den 28. November 1930. IM- Der heutigen Ausgabe des Gießener Anzetg. liegt ein Werbeblatt der Uleßener i Boläiohmleäe bet. [8007D machen Sie leistungsfähig Fragen Sie bei Bedarf bei uns an Danksagung. Für die überaus zahlreichen Beweise inniger Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres Heben Vaters sagen wir auf diesem Wege herzlichen Dank. Besonders danken wir dem Herrn Pfarrer für die trostreichen Worte und dem Eisenbahn- Fahrbeamten-Verein für die erwiesene Ehre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Geschwister Weller Familie Wilhelm Schmitz Familie A. Schmitt. Gießen (Neustadt 4), den 27. November 1930. 8009 D Sonntag. 0. 7. M. 3*/, Uhr nachmittag- in den Räumen der „Karlsrub" Nikolaaskränzchen mit Vrelsoertetluvg. KnrzschrlHverein von 1861 mit Damen- abtellung, e.V. Verschiedenes! M ItUOl die Adresse von gört Sanöan? Unkosten werd, ver« gütet. Nachricht erb. Helnrieh HoHmann, Schönebeck a.d.Elbe Wilhelmstr.lSa Danksagung. Für die überaus zahlreichen Beweise aufrichtiger Teilnahme bei dem Heimgang unserer lieben Entschlafenen sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Heimgange unseres lieben Alterskollegen und Vorstandsmitgliedes Herrn Josef Weinert Buchdrudkereibesitzer geziemend in Kenntnis zu setzen. Die Beerdigung findet Samstag, den 29. November. vormittags 11'/, Uhr auf dem Neuen Friedhof statt Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. Der Vorstand. 80>8v Todes-Anzeige. Gestern nachmittag entschlief sanft nach schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater und Bruder Leonhard Weber im Alter von 68 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen. Gießen, den 27. November 1930. Die Beerdigung findet Samstag, den 29. November, mittags 12V. 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Die So | richte über die । die Empfänge die Treuegelöb die Svwjetunioi namens .,Aot 1 klart hätten, u Kohlensör! i dern sogar in 1 Allies schtvamm . Ein praktische deutsche Berga gesamt gegen 5 Der Zug war 1 katuren (u. a. I N dem CBabi i Der Warte,aal Sperrt! Ami ' Undings ztv'< Ha 5c X .Gedruckte Ei i ^.dos Teil fegH aber Lände ! Remark) ko ”5 sieben : | Gelegenheit KL" KrZ I EH? i-Ss bif'Mu „’S zreitag, 28. November (950 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Nr. 279 Zweites Blatt ?Gj(y hiedenes Oer 20 jährige Schöpfer der Welieislehre. Hans Hörbiger, der Schöpfer der vielumstrittenen Welteislehre, feiert am 29. November seinen 70. Geburtstag. fahren erwägend, welche die innen- und außen- politische Lage Deutschlands birgt. Ich gehe uni) gehe, die menschenleere Avenue de l’Opera hinauf, betrachte manchmal, halb abwesend, ein schönes Schaufenster, frage mich immer wieder, warum — in ganz Europa — jedes zehnte Geschäft heute ein Schuhgeschäft ist und mit was sich die Riesenmieten bezahlt machen... Als ich an der Oper anlomme, strömen gerade die Besucher die breiten Treppen herunter. Ich bleibe einen Augenblick stehen und bewundere die Kleider der Frauen. Cs fällt mir auf, wieviel Weih man sieht. Cs scheint wieder Mode zu sein, im benachbarten „Cafd de la Paix“ nach dem Theater noch einen Sandwich zu essen und einen Wermut zu trinken... Ich schlendere weiter, nach Montmartre hinauf. In der Rue Blanche finde ich mich plötzlich einer matterleuchteten Bar gegenüber, in der ich im letzten Sommer einen unvergeßlichen Abend mit sehr exotischen Menschen verbrachte... Eine dünne, javanische Musik dringt leise durch die dichtverhängte Tür. Ich trete ein. Goldbraunes, von blauem, übersüßem Rauch durchzogenes Licht. Ein paar Herren am rotlackierten Bartisch. An einem anderen Tisch zwei Damen mit jungen Leuten im Abendanzug... Weiter hinten wird von einigen Paaren getanzt (sofern man dieses Schritte-machen auf engstem Raum noch so nennen kann). An einem winzigen, vom Borhang der Cingangstür halb verborgenen Tisch — — mir bleibt der Atem eine Sekunde lang stehen: meine Tischnachbarin von heute abend, dicht neben — Georges im Frack. Georges wird dunkelrot, faßt sich an die weiße Krawatte und zieht die Piqueweste tiefer... Die junge Frau streckt mir die ringbeladene Hand entgegen und ruft: ..Das ist ja charmant, kommen Sie doch etwas zu uns. sofern Sie nichts Besseres zu tun haben oder verabredet sind... Darf ich Sie mit einem Iu- gendfreund bekannt machen, der gerade ein paar Tage in Paris ist?..." Georges steht auf. verzieht keine Miene, ich verziehe auch keine: „Enchante, monsieur“, — „Enchante, monsieur", — wir reichen uns die Hand, verneigen uns leicht, der Boy nimmt mir Mantel, Hut und Stock ab — ich sehe mich... llnb das entzückendste aller Spiele beginnt. Georges spielt vorzüglich, Angele spielt mit der ganzen Raffiniertheit überraschter if, DOd W- ZI* L BMJ mm m8 ag, ««0 29. b. M.. bj 8l/t Uhr, MchrnHos dann die Waldszenen... Wohin drehen dre Iahre? Ein Mensch unserer Zeiten macht so romantische Musik? Ein Liebhaber, Regierungs- beamtet von Beruf? Er spielt noch dre Pavane von Ravel — und kommt in den Salon zurück: nein, er wird von uns allen eigentlich zurückgeholt. Das war unendlich mehr als irgendein Konzert in großem Saal, vor Hunderten von Menschen... Es war fast ein Wunder... Dann liest der Hausherr Verse von Valery, lind er liest nicht weniger vollendet, als der andere spielte Verse, vor deren Durchleuchtung das Herz stockt. Wieder ist der Dank groß und ehrlich... lind dann beginnt von neuem das Gespräch. Diesmal politisch: in einer Gehalten- heit, Gehobenheit. die nur da möglich ist. wo das Wort gewußt und beherrscht wird. Cs totrb ohne Leidenschaft gesprochen, aus dem ehrlichen Bemühen heraus, der Lage gerecht zu werden. Wir holen die Karte des neuen Europa hervor, das der Vertrag von Versailles geschaffen hat, wir ziehen Linien, besprechen die angebliche Gruppierung der Mächte in zwei Lager, vonder gerade jetzt soviel geredet wird. — — Was wir auch erwägen: es bleibt eine einzige Losung des europäischen Problems und damit der Friedensfrage: die Einigung Paris-Berlin, lind wir schließen die lange und sorgenvolle Debatte: Mehr als je ist es heute nötig, kaltes Blut zu bewahren, einen festen Willen zu bekunden, sich auch durch Schwierigkeiten nicht einschüchtern zu lassen und unbeirrt auf dem einzigen Wege weiter voranzuschreiten, welcher nicht in das Chaos führt, nicht ein völlig vernichtetes Europa dem wartenden Amerika oder Rußland als willenlose Beute vorwirft... Es ist halb Zwölf geworden. Der Diener meldet einer alten englischen Dame, daß ihr Wagen vorgefahren sei. Das Zeichen zum Au^ruch ist gegeben. Bremont schlägt mir vor, noch ein Cocktail im „Boeuf sur le toit" zu trrnkem.. Ich habe keine Lust, noch zu plaudern, und lehne unter einem Vorwand ab. Dasselbe tut m^ne Tischnachbarin, eine schlanke, hochgezüchtete Baskin, deren Gatte einer der berühmtesten Anwälte von Paris ist. Sie geht noch zu Freunden in das Hotel Continental... ~ _ Ich schlendere langsam unter den Arkaden der Rue de Rivoli dahin, müde, gedrückt, alle Ge- iocibt'chuü vormittag» rremS' id)i* r natmiuagi Minder larlMb MM [Moeiteiwo- uebrlW18. ing, e.y-jst- Frauen: aber am besten spiele ich. Denn ich behaupte, daß Georges eine „geradezu phantastische" Aehnlichkeit mit einem meiner Freunde hat und daß ich, beim Eintreten, in der Freude eines so unverhofften Wiedersehens, chn fast angeredet hätte. „Da hast du die Konkurrenz, mein Neber", sagt Angele mit der ganzen iln* verfrorenheit, welche Frauen eigen ist, die, nach tödlichem Schrecken, ihre Sicherheit wiedergewonnen zu haben glauben... „Da hast du siel Also sei etwas freundlicher mit mir, als du es heute abend bist, tanze etwas mehr mit mir, loh die nicht jedes Wort abkaufen — — fönst lasse ich mich zur Konkurrenz führen! Wissen Sie", wendet sie sich zu mir: „man kann doch niemals die Ratur eines Menschen ändern! So war er als Kind, so war er als junger Mensch, so ist er heute noch! Eigentlich sollte man böse sein. Aber waS Will man machen?" 3a, ja, Angele, was will man machen? Ein jeder ist, wie er ist. Ein jeder tut nur, was er kann — — und Ihre traurige, unerfüllte, unerwiderte Liebe zu Georges ist vielleicht daS einzige, was Ihr pariserisches Leben ein wenig — erfüllt. Ich würde Ihnen ja so gerne ein paar ganz aufrichtige Worte sagen (denn Sie sind ein« bezaubernde Frau) — doch ich darf es ja nicht. Qlber ich werde Ihnen auf einem Umweg ein wenig helfen, ohne daß Sie es je erfahren... „Wollen Sie mit mir tanzen?" fragt Angele... „Aber ich warte darauf, es zu dürfen..." Sie lächelt ein wenig... Wir gehen nach hinten. Die Musik spielt einen sehr langsamen, monotonen Tango. Wir tanzen noch zwei, dreimal zusammen... Dann bricht Angele mit Georges auf. Wie ich mich von ihm verabschiede, fühle ich, daß er mir einen dicht zusammengefalteten Zettel in die Hand drückt. Ich zünde eine neue Zigarette an und lese. „Helfen Sie mir, da Sie nun durch einen Zufall hinter diese Da-che tarnen. Ich finde mich nicht mehr ganz aus. Glauben Sie, daß eine Schönheit, zu der man doch nichts kann, zu mehr verpflichtet als man möchte? Und verpflichtet die Bewunderung der Bewundernden, wenn man sie hinnimmt? Ich werde morgen abend gegen sechs vorbeikommen. . — Ende.— Alles schwamm in Wonne. Ein praktisches Beispiel: Am 9. August kamen deutsche Bergarbeiter mit ihren Familien ms- gesamt gegen 500 Personen, i n C h a r k o w an. Der Zug war mit Tannenreisern und Karikaturen (u. a. von Hindenburg) „geschmuck^. Auf dem Bahnhof wurden sie festlich^ bewirtet. Der Wartesaal war für das übrige Publikuin abgesperrt! Run, gerade, ebenfalls m ^arfoto, allerdings zwei Monate spater, habe ich Moskau, im November. AIS Deutschland um dieTotenvon Als- borf trauerte, fehlte es in den S^wietzeitungen nicht an gehässigen Bemerkungen, die dieses Un- 'glück als „Folge der kapitalistischen (Raubgier" auszuwerten versuchten. Es zeugt gewiß von wenig Takt und einem zumindest sehr sonderbaren Geschmack, Katastrophen politisch auszunutzen. Bemerkenswert ist, daß die in Kutscher Sprache erscheinenden bolschewistischen Zeitungen der Sowjetunion im Ton wieder einmal am peinlichsten berühren! Ich will nur ein Beispiel anführen: ■ « Der in Charkow erscheinende „Iungfturm („Allukrainische deutsche Jugendzeitung — Organ des Zentralkomitees des Lenistischen Kommunistischen Iugendverbandes der Ukraine") schrieb am 27. Oktober (Rr. 101/297): „Große Gruben- katastrophe in Deutschland. 400 neue Opfer der kapitalistischen Rationalisierung und Raubwirt- schäft. Bor einigen Tagen ereignete sich in der Grube „Wilhelm" eine schreckliche Katastrophe. Trotz der Warnungen des komm uni - stischen Abgeordneten schon vier Wochen vor dem großen Unheil, wurde nichts unternommen. Durch die starke Explosion kamen über 400 Arbeiter ums Leben. Heber 100 sind schwer verletzt. Iede weitere Suche bringt neue Opfer ans Licht. Hunderte neue in Hunger und Elend gestürzte Witwen und Waisen — das sind d i e Folgen des kapitalistischen Ingens nach neuen Profiten. Laut Meldungen ausländischer Zeitungen soll das die größte Katastrophe der Welt in den letzten etlichen zehn Jahren gewesen sein." Abgesehen davon, daß die Alsdorfer Katastrophe nicht die größte der „letzten etlichen zehn Iahre" gewesen ist. gab die Zeitung stark übertrieben die Zahl mit über 400 an. obwohl am 27. Oktober auch in der Sowjetunion die annähernd richtige Zahl durch den amtlichen sowjetischen Bericht bekannt war! Als der Berliner Metallarbeiterstreik _ ausbrach. wurden Geldsammlungen zur Unterstützung der Streikenden organisiert (ganz nebenbei bemerkt: für die Opfer der Gruvenkatastrophen wurde nicht gesammelt), um sie im „Kampf gegen das kapitalistische System" zu unterstützen. Die Freiheit kann ja nur der Kommunismus bringen! Seit Iahren singen „Ruhrecho", „Sozialistische Republik" und ähnliche Zeitungen in Deutschland Lobeshymnen auf die Errungenschaften der Arbeiter im kommunistischen Vaterlande. Wie kann man sich bann wundern, daß vor einigen Monaten zahlreiche beut s ch e Bergleute den Sirenenrufen des sozialistischen Vaterlandes folgten und s ich für die sowjetischen Bergwerke anwerben liehen. In verschiedenen Trupps zu je einigen hundert Personen fuhren sie nach Rußland. Mehrere Familien waren sogar so optimistisch, ihren gesamten Haushalt in Deutschlands aufzulosen, die Wohnungen aufzugeben, die Möbel zu verkaufen. Die Sowjetzeitungen brachten lange Berichte über die Ankunft der Ruhrkumpel, über die Empfänge in den verschiedenen Orten, über die Treuegelöbnisse der deutschen Arbeiter für die Sowjetunion, daß sie sich zu ..Stoßbrigaden namens „Rot Front", „Karl Marx usw. erklärt hätten, um den Fünfjahrplan der Kohlenförderung nicht uur in vier sondern sogar in drei Iahren durchzuführen. schiedenen Seiten wurde mir dies bestätigt. Alle^ I dings waren alle diese Schilderungen für mich I nichts Neues, denn dieser Zustand ist nun Eirunal I seit vielen, vielen Monaten m den sowjetischen Bergwerks- und Industriezentren allgemein. Das Fleisch war meistens ungenießbar. Eier, die angeblich nur 2 Kopeken kosten sollten — wie me Anwerber in Deutschland erzählt hatten — mußten sie mit 30—40 Kopeken und darüber das Stück bezahlen und konnten sie meistens auch für diesen Phantasiepreis nicht auftreiben. Einige deutsche Arbeitergruppen im Donbecken hatten Pferde gekauft und geschlachtet, um wenigstens einmal Frischfleisch zu bekommen. Durch unzureichende und schlechte Ernährung wurden viele deutsche Arbeiter krank, vielfach aber trotzdem von Aerzten oder Kommissionen für arbeitsfähig erklärt. Die Mittagstische waren ausgesprochen schlecht. Selbstverständlich hatten die Frauen und Kinder noch mehr darunter zu leiden, von denen auch mehrere starben. Besonders machte sich der große Mangel an sanitärer Hilfe, vor allem daS fast völlige Fehlen irgendwelcher Medikamente fühlbar. DeWohnungsfrage brachte dieselbe Ent- täuschung. Statt der in Deutschland gewohnten Bergarbeiterwohnungen mit 2 bis 3 Zimmern, die auch von den Anwerbern in der Sowjetunion versprochen waren, wurden die Ruhrkumpel zwar in neuerbauten Häusern untergebracht, die aber bereits von Schmutz und Ungeziefer starrten, und zu je vier bis sechs und mehr Personen in einem 3immer zusammengefercht! Auch der wichtigste Punkt der Versprechungen, nämlich die Mindefllvhnsätze, sind nicht erfüllt worden. Verschiedene deutsche Bergarbeiter erklärten mir, daß es ganz unmöglich fei, btc versprochenen 140 bis 150 Rubel Mindestlohn im Gedinge bei sechsstündiger Arbeitszeit zu verdienen. Der tatsächliche Lohn, der bei normaler Arbeitszeit ausgezahlt wurde, betrug auch nur 80 bis 90 Rubel. Eine ganze An- zahl deutscher Bergarbeiter (auch Kommunisten) nahmen die deutschen Vertretungen in Anspruch, um mit deren Hllfe eine Besserung ihrer Lage zu erzielen oder nach Deutschland zurückzukehren. Die russischen Instanzen stellten die kühne Behauptung auf, die deutschen Bergarbeiter wür- den 2 0 Prozent weniger leisten als die russischen. Dies läge daran, daß die meisten längere Zeit in Deutschland arbeitslos gewesen seien, sowie nicht an die neuen Schrämm-Maschi- ffponkt »,LaE J Ubt out‘ eher M isM A» ivaria Das Wrock der L°°nh°r dl- in der Elbmünduog beim Sr°b°n L°g-llond. Di. ZI Monn stork- B-I°song »ond Sen Tod in d°n Stuten. Erfahrungen deutscher Bergarbeiter in der Sowjetunion. Don unserem ständigen Korrespondenten KarUHans Görbing. nen gewöhnt und nicht mit dem Abbau hochwertiger Anchrazitgruben vertraut waren, ferner wären unter den Angeworbenen ®pile|>tuet gewesen. Zugegeben wurde, daß die deutschen Bergarbeiter allerdings nicht immer zweckmäßig verwandt worden seien, beispielsweise tn den Tulaer Draunkvhlenlagern. Soweit die russischen Entschuldigungen. Mir wurde von verschiedener Seite versichert daß die meisten Ruhrtumpel in Deutschland bis zuletzt Arbeit gehabt hatten. Wie die ^deutschen Bergarbeiter bei ihren russischen und schcn Kollegen, die im Donbecken feit fünf Jahren und mehr arbeiten, feststellten, verdien dte russischen Bergarbeiter täglich 3 bi« höch- stens 4 Kubel, bei Spitzenleistungen monatlich HO bis 120 Rubel, im allgemeinen aber bet 24 Arbeitstagen 90 bis 95, nach anderen Angaben 60 bis 70 Rubel. Demnach mußte der 'reffe von w i werd, vrr- lawrlchi «b, i Hoflimt, ieck i.d. Elb utr.lii -°"0 lunger und n. (Hegen abjugeben fMHtr.2? ireine deutsche Bergarbeiter (Kommunisten) gesprochen, die im Donbassin gearbeitet hatten und — nach Deutschland zurückkehren wollten. Sie waren nicht die einzigen Heimkehrer. Bereits bis Mitte Oktober haben über dreihundert Personen die Sowjetunion wieder verlassen. In einem Rayon blieben von etwa 500 deutschen Bergleuten bis Anfang Oktober nur noch 280! In den Berechnungen konnte also etwas nicht timmen. Die sowjetischen Anwärter in Essen usw. hatten den deutschen Bergarbeitern Miwdest- löhne von 140 und 150 Rubel monatlich ver- prochen und ihnen erzählt, daß sie ohne Schwierigkeiten auch bis 250 Rubel verdienen könnten. Da nach dem offiziellen Zwangskurs der Rubel mit 2,16 Mark berechnet wird, sahen die Angebote sehr verlockend aus, denn die deutschen Arbeiter konnten ja nicht ahnen, daß der innere Kaufwert eines Rubels bedeutend geringer ist und für manche Waren nicht einmal dern Kaufwert einer halben Mark entspricht! Ferner wurde von den Anwerbern die mehr als kühne Behauptung ausgestellt, daß ein gutes bürgerliches Mittagessen für 35 Kopeken erhältlich sei. Außerdem sollten die Deutschen Arbeiter- Wohnungen erhalten, wie sie sie in Deutschland gewohnt waren. Nachdem die Degrühungsseste mit reichgedeckten Tischen verflogen und die Ruhrkumpel an ihren Arbeitsstätten angekommen waren, kam sehr bald die Ernüchterung und die unausbleibliche Enttäuschung, obwohl es sich ja in der Mehrheit um Mitglieder der kommunistischen Partei handelte. Zunächst revoltierte der Magen. Bei der Anwerbung hatte man ihnen täglich 800 Gramm Brot und 400 Gramm Fleisch, sowie monatlich je 3 Kilogramm Butter und Zucker und 120 Eier versprochen. Don allen diesen schönen Sachen blieb nur die Erinnerung. Bon dem gutbürgerlichen Mittagstisch für 35 Kopeken ganz zu schweigen. Die Deutschen in Charkow erzählten mir, daß sie nichts außer Salzfleisch und Heringen erhielten. Von Der» Hauch von Paris. Bon Alber» Ö Rausch. XII. Diner. — Roman. Gedruckte Einladungskarten. Keine Einladung durch das Telephon. Also Stad. Alles aristokratisches aber durch Verwandtschaft in drei euro Sen ßSm (Deutschland, England und Dänemark) kosmopolitisches Hau^ Sieben Da- LomS XV19C— mit schweren gelben Damastvor- Stn q’toei alte ergraute Diener tn weißen öiÄnh?%ier’aDcine und Champagner. Die Timbuktu, oder im Hoggatgebirge . Kleiner Toast auf eine Verwandte des Hauses^ die gc Ns-buLwg bat Schw°Z°r Kaffee und Liköre un Salon. Zwei sehr alte Herren bekommen ihren Kamillentee. DerSalon in lichtblauer Seide, cremefarbiger Srnyrna- teppich, goldne Sesselgestell^_ Herrliche blau- getönte Aubussons an den Wanden. Erlöge dem Äerraott sei gedankt und der Dame des Hauses noch mehr - ist streng verpönt. Man fommt hier nicht zusammen, um zu verblodem Man will und soll zusammen sprechen. „Die Menschen können sich ja des Wortes nicht mehr bebienen“ sagt die Gastgeberin, übertreibend ..Sagen Sie selbst! Welches Franzosi ch sprechen denn diese jungen Menschen von heute! Welche Saloperie! Welches Verbrechen an dieser Sprache, um die uns die Welt beneidet._ 2^lche grauenhafte Entstellung durch die unmöglichenfremden die sich jetzt bei uns breitmachen! Die sogar den Ton angeben wollen.. " Im Musiksalon ist der Flügel geöffnet worden. Der Hausherr nimmt einen jungen Menschen am Arm und führt ihn hinüber: „Monsieur de Bremont wird uns die große Freude machen, Chopin und Schumann zu spielen... Bremont spielt so hinreißend schon, tote ich lange nicht spielen hörte. Zwei Preludes unb 3D Lohn gegenüber Oktober des Vorjahres In der Sowjetunion heruntergegangen sein, denn damals wurde amtlich die Lohnzifter mit 133,2a Rubel angegeben. Inzwischen sind keine amtlichen Ziffern mehr veröffentlicht worden. Von den deutschen Arbeitern wurden 20 Wagen Kohle verlangt, während in der Sechsstundenschicht tatsächlich nur 10 Wagen erreicht wurden. Die veranstalteten „sozialistischen Wettbewerbe" liehen den Eindruck bei den Deutschen entstehen, daß man die russischen und deutschen Arbeiter gegeneinander ausspielen wollte. Während die deutschen Bergarbeiter nur etwa 81 Rubel monatlich verdienten, erreichten die deutschen Häuer allerdings einen höheren Betrag von etwa 100 Rubel. Rur bei Spitzenleistungen mit besten deutschen Schrämmaschinen wurden 110 bis 115 Rubel monatlich erzielt. In Deutschland erhalten Häuer nach amtlicher deutscher Statistik täglich 8,32 Mk., monatlich 210 bis 220 Mk., bei 25 bis 26 Arbeitstagen. Auch die S ch a ch t b a u e r, die in Deutschland 360 Mk. verdient haben sollen und denen in Deutschland 200 bis 240 Rubel von den sowjetischen Anwerbern zugesagt worden waren, verdienen in der Sowjetunion tatsächlich nur 150 Rubel. Lind hierbei muh man noch den geringen inneren Kaufwert des Rubels in Rechnung stellen! Wiederholt wurde auch von den Ruhrtumpel über die unzulänglichen Sicherheitsmaßnahmen in den sowjetischen Schächten geklagt. Soviel mir bekannt ist, sind zwei deutsche Bergarbeiter töd- lich verunglückt. Schwierigkeiten stellten sich auch in der Valutafrage ein. Vertraglich konnten die Lln- verheirateten bis 15, die verheirateten Arbeiter 30 Prozent ihres Lohnes an ihre Angehörigen in Deutschland überweisen. Run hatten sie allerdings einen Punkt in ihrem Vertrage übersehen, wonach diese Summen auch für mehrere Monate nachträglich zusammen überwiesen weroen konnten. Es kam also öfters vor, daß die zurückgebliebenen Familien, die doch auf pünktliches Eintreffen der Unterstützungen dringend angewiesen waren, mittellos durch diese Verzögerungen blieben. Auch war den deutschen Arbeitern mitgeteilt worden, daß diese Lieberweisungen von Markbeträgen nur für die er st en drei Monate bewilligt werden könnten und daß sie bis zum Ablauf dieser Zeit ihre Angehörigen nach Rußland nehmen müßten. Alle diese Llmstände führten dahin, daß sich ein Teil der Ruhrtumpel entschloß, nach Deutschland zurückzukehren. Aber auch hier waren viele Schwierigkeiten zu überwinden. Bei Eintreffen auf der Arbeitsstelle hatte man ihnen die Pässe abgenommen und trotz wiederholten Ersuchens nicht wieder ausgehändigt, besonders denjenigen nicht, die ihre Pässe für die Heimreise verlangten. In den Charkower Hotels warteten zeitweise bis zu 70 Bergleute auf die Ausreise, da sich die Rachsendung ihrer Pässe verzögerte. Sehr peinlich muß es aber berühren, daß gerade vor den deutschen Wahlen diese sonderbaren Verzögerungen eintraten. Arbeitergruppen wurden beispielsweise zehn bis zwölf Tage bis zum 13. Oktober hingehalten. Einige, die kurz vor dem deutschen Wahltag ihre Reise antraten, wurden nicht etwa auf dem nächsten Wege über Schepetowka (auf dem sie nach der Sowjetunion gekommen waren) hinausgelassen, sondern muhten den großen Llmweg über Minsk, Regoreloje machen. Die Rückfahrt wurde ihnen nicht bezahlt, worauf sie allerdings guch erst nach dem ersten Arbeitsjahr Anspruch gehabt hätten. Ratürlich ergaben sich wieder Valutaschwierigkeiten, denn der sowjetische Kohlentrust wechselte ihnen nur 10 bis 20 Dollar ein. * Auf der anderen Seite ist es aber auch verboten, russisches Geld ins Ausland zu nehmen. Die deutschen Heimkehrer befanden sich aber im Besitz größerer Summen, da ihnen das versprochene Liebergangsgeld von 150 Rubel in den meisten Fällen beim Antritt der Arbeit gezaht» worden war und sie in vielen Gegenden auch für Geld keine Waren auftreiben und daher auch wenig Geld ausgeben konnten. Diese erarbeiteten Summen wurden ihnen nicht überwiesen. Aus der Provmzialtzauptstad» Höger über die Baukunst. Im vollbesetzten Hörsaal des Kunstwissenschaftlichen Instituts sprach am Mittwochabend der bekannte Hamburger Architekt Fritz H ö - g e r in schlichter Form über den werdenden Baustil des 2 0. Iahrhunderts. Er führte ungefähr aus, wir befänden uns an einem Zeitpunkt kultureller Wende, der dadurch eingetreten sei. dah aus dem Llnglück des Krieges und seiner Folgeerscheinungen eine Art Selbsterkenntnis erwachsen sei, die zur Selbstbesinnung geführt habe. Der Stil bilde sich als das wahre Erlebnis einer breiten Masse, aus dec der schöpferische Künstler als sublimster Träger des Zeitgeist herauswachse und im Sinne jenes Zeitgeistes schaffe. Der Stil sei der Gradmesser der Kultur eines Volkes. Es müsse jedoch betont werden, dah ein internationaler Stil unmöglich sei, da die Mentalität der Völker stets verschieden und von mannigfachen Llmständen abhängig sei, die einen einheitlichen Geist ausschlössen. Ein neuer Stil könne sich jedoch erst dann zur Blüte enlwicke.n, wenn die Deutschen aufhörten, sich selbst zu verleugnen und wenn sie sich mehr auf ihre eigenen Kräfte besinnen würden. E i n Llmstand habe die neuere Entwicklung gefördert, so betonte der Redner u. a., die Armut habe uns die Wahrheit aufgezwungen und dazu beigetragen, den Bauwerken und allen Dingen schöpferischen Gestaltung den Stempel einer Selbstverständlichkeit aufzudrücken. Der Vortragende sprach dann noch eingehend über die materialistische Auffassung von Stilentwicklung, nach der das Werdende lediglich als ein Geschehen gedeutet werde, während der Idealismus im Werdenden das Produkt der Entwicklung geistiger Kräfte sieht. Er ging weiter auf das Verhältnis der Struktur zur Tektur ein und wies auf die notwendige organische Verbundenheit hin, in der beide befangen sein mühten. Im Zusammenhang damit forderte er, dah immer das naturgegebene Material des Landes der Baustoff sein müsse. In einer langen Reihe von prächtigen Lichtbildern zeigte der Vortragende die norddeutsche Backsteingotik in ihren vielfältigen und gereiften Formen, er zeigte die Schöpfungen einiger Architekten unserer Zeit, und gab dann einen Lieberblick über sein eigenes Schaffen, seine eigene Entwicklung, wie sie zum Teil schon aus der Ausstellung, die man im Besuch im Gießener Bahnhof. Der Bahnhof Gießen ist in dem gewaltigen Betriebe der Reichsbahn, diesem größten wirtschaftlichen Llnternehmen der Welt, zwar nur ein kleines Glied, nichtsdestoweniger für unsere Stadt aber ein Faktor von großer volkswirtschaftlicher, industrieller, sozialpolitischer und naturgemäh vcrkehrspolitischer Bedeutung. Gibt doch die Reichsbahn in Gießen und seinen Vororten allein 1500 Menschen Arbeit und Brot. Für den Personen- und Güterbahnhof stehen allein rund 500 Arbeitskräfte im Dienst. Ausgedehnte Werkstätten im Betriebswerk und das Betriebswerk selbst beschäftigen rund 500 Menschen; auf die anderen Betriebe im Bahnhof Gießen, wie fünf Bahnmeistereien, Cilgut- und Güterabfertigung, Fahrkartenausgabe und Gepäckabfertigung, entfallen wiederum etwa 500 Angestellte, Arbeiter und Hilfspersonal. Kein Werk der Privatindustrie in Gießen verfügt über so viele Arbeitskräfte. Lind alle, mehr oder weniger, haben Anteil an der großen Verantwortung, die den Betrieb der Reichsbahn in allen Teilen kennzeichnet, Verantwortung für Leben und Eigentum der Menschen, die dieser Einrichtung vorbehaltlos anvertraut werden. Allen, die berufen sind, mitzuarbeiten das riesige Getriebe in Gang zu halten, gibt die Reichsbahn Gelegenheit, sich das Wissen zu erwerben, das notwendig ist für ihre Pflichterfüllung. Die Beamten und Arbeiter, die Angestellten und das Hilfspersonal sind angehalten, regelmäßig einmal im Monat den einschlägigen Llnterricht zu besuchen. Dieser Fortbildungsunterricht ist gut organisiert und wird zu Zeiten abgehalten, die jedem leicht den Besuch ermöglichen. Daß gerade in Gießen ein großes Maß an Arbeit anfällt, ist leicht erklärlich. Richt überall auf den Bahnhöfen gleichgroßer Städte herrschr so vielseitiger und lebhafter Betrieb. Man braucht sich nur vor Augen zu halten, dah auf dem Bahnhof Gießen aus acht verschiedenen Richtungen Züge ein- und auslaufen. 2 FD-3üge, 22 D-Züge, 9 Eil- und beschleunigte Pcrsonen- züge und schließlich 112 Personenzüge müssen täglich abgefertigt werden. Daneben bringt der Güterbahnhof noch eine sehr starke Belastung. 109 Gütcrzüge gehen täglich ein und aus. Richt weniger als 200 Stückgut-Waggons werden täglich um geladen, die entsprechenden Züge zu- sannnengestellt und abgefertigt. Dazu kommt an den Gießener Viehmarkttagen noch die Abfertigung von durchschnittlich 300 Viehwagen im Ein- und Ausgang. Allerdings ist auch auf dem Gießener Bahnhof die wirtschaftliche Depression nicht weniger bemerkbar als an irgendeiner anderen Stelle des Wirtschaftslebens. Viele Güterwagen, die zu früheren Zeiten ständig in Betrieb waren, stehen zur Zeit unbenutzt auf den Abstellgleisen. Ein Teil des Lokomotivpersonals kann ebenfalls keine Verwendung finden. Trotzdem laufen täglich im Betriebswerk etwa 100 Lokomotiven aus und ein. Die beiden halbrunden Lokomotivschuppen, die von der Frankfurter Straße aus gut zu sehen sind, vermögen rund 60 Lokomotiven zu beherbergen. Dort werden die Lokomotiven immer wieder Prüfungen unterzogen und die festgestellten Schäden behoben. Der Dienstbezirk des Gießener Bahnhofes umfaßt eine Strecke von etwa 4 Kilometer. Auf diesem Raum liegen insgesamt etwa 80 Gleiskilometer. Dringt man die naturgemäh sehr unterschiedlichen Längen auf eine einfache Formel, so ergibt sich, daß im Dienstbezirk des Bahnhofes auf einer Strecke von 4 Kilometern 20 Gleis-sührungen nebeneinander liegen mühten. 13 Stellwerke beherrschen diese Schienenwege. Die Stellwerke sind die Zentralen der Verantwortung. Im Hauptstellwerk, das sich in unmittelbarer Rähe des Personenbahnhofes befindet, wirken im dreischichtigen Wechsel von je acht Stunden vier Beamte: zwei Fahrdienstleiter und zwei Dtellwerksmeister. Dieses Stellwerk ist zugleich Befehlsstelle und in dieser Eigenschaft maßgebend für die anderen Stellwerie. Die Handhabungen in dieser Zentrale (mit zwei Ausnahmen auch in den anderen Stellwerken) geschehen allerdings nicht mehr ausschließlich mit der Hand, vielmehr hat auch hier — und zwar nicht zuletzt — die Rationalisierung Platz gegriffen. Das Stellen der Weichen und Signale geschieht im elektrischen Verfahren durch einen einfachen Handgriff, Motore sehen sich in Bewegung und automatisch werben die Weichen und vielfachen Signale betätigt. Elektrische Kraft erseht auch hier die Kraft der menschlichen Hand. Die gesamte Tätigkeit im Stellwerk vollzieht sich auf eine sehr sinnreiche und bis in das Letzte durchorganisierte Weise. Keine Weichen- und Signalstellung wird ausgeführt ohne Rücksicherung, ohne vorhergehende Erkundigung und Zustimmung der leteiligten Stellen. Charakteristisch sind in diesem Zusammenhang die sogenannten „Feindlichen Weichen". Durch einen einzigen Handgriff werden nach Richtigstellen alle Weichen, die auf ein Hauptgleis münden, von diesem Hauptgleis abgeschaltet, so daß keine Möglichkeit besteht, einen ein- oder auSfahvenden Zug zu gefährden. Die Verständigung zwischen den einzelnen Stellwerken, die in fast allen Fällen in gegenseitiger Liebereinstimmung zu handeln haben, geschieht telephonisch oder durch elektrische Klingelzeichen. In unmittelbarer Rähe eines der großen Stellwerke des Güterbahnhofs befindet sich der sogenannte Rangierberg. Dieser ist ein künstlich aufgetragener Hügel, den der Güterzug befährt. Die Wagen werden, sobald der Zug oben angelangt ist und zum Stehen kommt, abgekuppelt. die Maschine schiebt dann den ganzen Zug zurück und schließlich rollt ein Wogen nach dem anderen den Hügel hinunter. Die Wagen werden vom Stellwerk aus, auf Grund vorhergehender Verständigung, auf jene Gleise rangiert, auf denen sie Verwendung finden sollen und zu abfahrbereiten Zügen formiert werden. Das einfache Verfahren hat sich insofern als praktisch erwiesen, als viel Zeit gespart wird , und außerdem Materialschaden, der im Abstoßrangieren leicht verursacht weroen kann, erheblich gemindert wird. In diesem Zusammenhang wurde kürzlich eine Reuerung geschaffen, die sonst nur an drei Bahnhöfen in Deutschland existiert. Cs wurden auch hier große Windschuhgatter gebaut, die die Aufgabe haben, Len Rordwind. der gegen den Rangicrberg zu den freien Ablauf der Wagen sehr zu hemmen vermag, abzuhalten. Zum Bereich des Gießener Bahnhofes gehört auch ein Ll m g e h u n g s g l e i s, auf dem Züge, die den Bahnhof nicht zu passieren brauchen, die Station „links liegen lassen". Der Damm zwischen Klein-Linden und Gießen, der unmittelbar vor Klein-Linden die Frankfurter Straße überquert, wird zur Zeit allerdings hauptsächlich nur von Kohlenzügen (Ruhrgebiet — Süddeutschland- befahren, denn er besitzt nicht mehr die nötige Stabilität, die zum Befahren in schnellem Tempo die Voraussetzung ist. Der Personenverkehr, insbesondere aber der Durchgangsverkehr, ist außerordentlich stark. Das ist ohne weiteres mit den maßgeblichen Rord-Süd- und Osi-West- verbindungen zu erklären. Lieber Gießen werden auch viele Kindertransporte geführt. In regelmäßigen Abständen werden aus dem rheinischen Industriegebiet und aus Großstädten Kinder zum Zwecke der Erholung durch unseren Bahnhof nach Erholungsorten gebracht. Außerdem passieren Kindertransporte aus dem Balkan (aus (Bulgarien, Jugoslawien, Rumänien) unsere Stadt. Diese Züge, die nach Holland und Belgien geführt werden, bergen oft bis zu 1000 Kinder, die in besonders hergerichteten Schlafwagen un- tergebracht, denen stets ein Arzt mit ausgerüstetem Sanitätswagen und eine Reihe von beaufsichtigenden Pflegerinnen beigeaeben sind. Der Dienst bei der Bahn ist, im großen und ganzen betrachtet, außerordentlich vielseitig. An der Spitze müssen Männer stehen, dir nicht nur über ein gründliches Wissen und über eine jahrelange Praxis, sondern auch über organisatorische Fähigkeiten verfügen. Denn der Betrieb der Reichsbahn ist nicht nur ein großes Feld körperlicher Arbeit, sondern auch ein einziges Rechenexempel. das allerdings im Laufe der Iahrzehnte, in der Zusammenarbeit vieler Köpfe — bereits gelost wurde. Die Aufrechterhaltung der Ordnung im Reichsbahnbetrieb ist heute nur mehr eine Frage der ständigen Sorgfalt, des Verantwortungsbe- wußtseins und der Finanzen. „Einhorn" zu sehen Gelegenheit hatte, entgegentrat. Der Redner, der seine Ausführungen humorvoll auszugestalten wußte, fand anhaltenden Beifall. Die Höger-Ausstellung, die am Mittwoch geschlossen wurde, fand in breiten Kreisen der Bevölkerung größtes Interesse; sie war insgesamt von rund 1300 Personen besucht. Arbeitslosigkeit und Reparationszahlungen. Die Deutschnationale Vvlkspartei veranstaltete am Mittwochabend im Saale des Cafe Leib eine öffentliche Versammlung, in der vor einer sehr zahlreichen Zuhörerschaft der Reichstagsabgeordnete Dr. Schiele, ein Vetter des Reichsernätzrungsministers, sprach. Er wies zunächst auf die Gefahren hin, die mit der gegenwärtigen starken Arbeitslosigkeit verbunden seien und bei denen die Bolsche- wisierung der Massen am Ende der Entwicklung stehe. Rachdrücklich betonte er, daß alle geeigneten Mittel benutzt werden müßten, um die Arbeitslosigkeit zu vermindern. Eingehend beschäftigte sich der Redner dann mit der schweren Last der Reparationsverpflichtungen, die unser Volk in ständig wachsendem Maße bedrücke, und die jetzt sogar dahin geführt habe, daß sie in Verbindung mit den schwerwiegenden Auswirkungen einer verfehlten Innenpolitik zu den unsozialsten Maßnahmen zwinge, die sich z. B. bei der Senkung der Beamtengehälter, der Einführung von bezahlten Krankenkassenscheinen usw. bemerkbar machen. Dazu komme als ernsteste aller Krisenerscheinungen die gewaltige Einengung des Weltmarkt- raumes für uns, wodurch unsere wirtschaftliche Betätigungsmöglichkeit nach dem Auslande hin in schlimmster Weise beeinträchtigt sei. Alles in allem zeige sich immer mehr, dah die Reparationserfüllung, Die man in den letzten Iahren durch Aufnahme von Anleihen im Aus lande oorge- » nommen habe, nunmehr auf Kosten der Lebenshaltung des deutschen Volles gehe, eine Tatsache, gegen die von der Deutschnationalen Volkspartei bisher immer mit aller Entschiedenheit angekämpft worden sei. Nachdem der Redner die außerordentlichen Schwierigkeiten eines Moratoriums oder einer Revision des Boungplanes näher dargelegt hatte, betonte er, daß die Deutschnationalen an Stelle der bisherigen Repacationspvlitik eine neue Regelung setzen wollten, die nach dem Vorschläge ihres Parteiführers Hugenberg darin bestehe, daß auf die in Betracht kommende Einfuhr vom Auslände ein Reparationszuschlag gelegt werde, womit man erreiche, daß das Ausland je länger je mehr davon überzeugt werde, daß bie Reparationslast eine absolute Llnmöglichkeit darstelle. Anschließend kam er noch auf das Problem der Lohn - und Preissenkung zu sprechen, das er als den brennendsten und schwierigsten Punkt der deutschen Volkswirtschaft bezeichnete. Er kam bei dieser Besprechung zu dem Ergebnis, daß auch durch die Senkung der Löhne und Preise die Ersüllungspolitik nicht tragbar werde und daß unserem Volke nur mit einer ganz großzügigen Revision aller Kriegsschulden zu Helsen sei. Am Schlüsse seines Referates hob er hervor, daß die Deutschnationale Volkspartei unter Hu- genbergs Führung von der Gewißheit beseelt sei. daß sie sich mit ihrer Politik auf dem rich- tigen Wege zum Erfolg befinde. Anschließend beantwortete der Redner noch einige Fragen, wobei er u. a. den Austritt von Prof. Dr. B r e d t aus der Regierung dahin deutete, daß Bredt sich wohl von der Llndurch- führbarkeit einer weitgehenden Lohn- und Preissenkung überzeugt habe, weil diese zum Ruin des Mittelstandes führen müsse. Berufskundlicher Vortragsabend. Man berichtet uns: Dec letzte der in diesem Iahre von dec Berufsberatung des Arbeitsamts Gießen ue~anftalfeten Vortragsabende brachte vier Dorttäge, zu denen jeweils entsprechende Lichtbllder eine anschauliche Ergänzung boten. Herr W. Decker, Fachvermittler beim Arbeitsamt Frankfurt a. M, behandelte den Berus des Friseurs und dec Friseurin. Seine Ausführungen ließen erkennen, daß das Arbeitsgebiet des Friseurs bzw. der Friseurin weit verzweigt ist und die an den jungen Gehilfen, oder die Gehilfin gestellten Anforderungen groß sind. Der Referent warnte vor allem davor, daß der Berus als Rotbehelf für solche angesehen wird, die zu keinem anderen geeignet find. In den letzten Iahren hat die Arbeitslosigkeit auch bei den Friseuren und Friseurinnen in starkem Maße zugenommen. Es werden deshalb nur biejenigen in dem Beruf vorwärtskommen können, die außer der Lust und Liebe auch die körperliche und geistige Eignung dazu mitbringen. Herr A. Ruhl jun., Klein-Linden, schilderte den Beruf des Feinmechanikers und ging speziell auf die körperlichen und geistigen Anforderungen ein, die in diesem Berufe gestellt werden Schweihfinger bilden ein absolutes Berufshindernis, das selbst den in technischer Beziehung Tüchtigsten nicht zum gewünschten Ziele kommen läßt. Ein Berufsbild des Schneiders wurde den! Zuhörern durch Schneidermeister Pfeiffer, Gießen, vermittelt. Der Schneider muß gute Maßarbeit leisten, um sich gegen die immer stärker werdende Konkurrenz behaupten zu können. Lim dazu imstande zu fein, sind handwerkliche Tüchtigkeit sowie geistige Beweglichkeit und Aufgeschlossenheit notwendig. Elektroingenieur Gantz. Gießen, hielt ein eingehendes Referat über Len Beruf des Elektrikers und ging speziell auf das Arbeitsgebiet des Elektroinstallateurs ein, dessen mannigfaltige Tätigkeiten er gut zu schildern wußte. Gute Beobachtungs- und rasche Auffassungsgabe, gesunder, leistungsfähiger Körper sind für den Berus unerläßliche Voraussetzungen Bornotizen. — Tageskalender für Freitag. Gern- hardtscher Schülerkreis: Familienabend, 19.30 Uhr, im Saale des Eafs Leib. — DHL.: Hauptversamm- lung 20.30 Uhr, bei Hopfeld. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Korvettenkapitän". — 2Iftoria=.°id)t- spiele: „Adjutant des Zaren"-und „Weltmeister Max Schmeling". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Wegen Vorbereitung der Erstaufführung von „Meine Schwester und ich" fMt die heutige Vorstellung aus und wird auf morgen verschoben (Freitagabonnement). Die beiden Textdichter Derr und Verneull haben ein Lustspist versaht, zu dem Rälph Benatzky Gesangstexte und Musik geschrieben hat. Dieses Lustspiel „Meine Schwester und ich" hat mit die größten Kassen- und Serienerfolge erzielt und dürste auch im Gießener Spiellplan zu den ansprechendsten Reuerungen zählen. Die Spielleitung hat Intendant Dr. P r a s ch. Kapellmeister C u j 6 leitet das Orchester, während Ewald Däulke die Einstudierung der Tänze übernommen hat. — Arn 2. Dezember gastiert die Exv-Dühne einmalig in Gießen; die Exl-Dühne hat ihren ständigen Sitz im Wiener Raimundtheater und zählt mit zu den bedeutendsten Dollsbühnen Oesterreichs. Ihre Ausgabe ist es, Werke österreichischer Dramatiker der Gegenwart auszuführen. Die Exll- Leute gastieren in Gießen mit Schönherrs Komödie „Erde". — Gemeindeabend der Matthäus- gemeinde. Man schreibt uns: Am nächsten Sonntag, 30. November (1. Advent), 20 Uhr, veranstaltet im Eafs Leib die Männer- und Frauenvereinigung der Matthäus-Gemeinde den alljährlichen Gemeindeabend der Matthäus-Gemeinde. Das Kammerorche- fter der Volkshochschule hat seine Mitwirkung zugesagt. Es bringt ausgewählte Stücke aus Händel, Ad. Hasse, E. F. vAlbaur, Joh. Seb. Bach zu Gehör. Frau G. W e y l und Herr H. Simon (Gießen) fingen Lieder von Jh. Wolfg. Frank (17. Jahrh.) u. a. Auch die bewährte Spielschar der Jugendvereinigung wirkt mit. Der Eintritt ist frei. Die ganze Gemeinde ist herzlich eingeladen. Programme sind am Saaleingang zu haben. (Siehe gestrige Anzeige.) — Obst- und Gartenbauverein Gießen. Am nächsten Sonn'tag findet im Hörsaal des Landwirtschaftlichen Instituts ein Lichtbildervortrag von Universitätsprofessor Dr. Sessous über „Moderne Pflanzen-Züchtung" statt. (Siehe heutige Anzeige.) — Märchen im Lichtspielhaus Bahn- hofft raße. Am Samstagnachmittag und Sonntagvormittag gelangen im Lichtspielhaus Bahnhofstraße einige Märchenfilme zur Borführung, die durch ihre leichtfaßliche Behandlung den Kindern gewiß einige frohe Stunden bereiten werden. Die Eintrittspreise sind niedrig gehalten, und schließen zugleich eine besondere Überraschung der kleinen Gäste in sich. (Siehe Anzeige.) * * Fachgruppenversammlung Tabakgewerbe im D.H.V. Man berichtet uns: Der Deutschnationale Handlungsgehilfen-Verband, Ortsgruppe Gießen, hatte seine Mitglieder aus dem Tabakgewerbe zu einer Versammlung in das Ver- bandsheim eingeladen, um mit ihnen die Lage im Tabakgewerbe, die durch das von der Reichsregierung geplante Gesetz zur Tabakbesteuerung geschaffen ist, zu besprechen. Der gute Besuch zeigte, daß auch die beteiligten Kreise dec Angestellten erkannt haben, um was es für sie bei diesem Vorhaben der Regierung geht. In einem kurzen Referat umriß Kreisgeschaftsführer Schroeder die Entwicklung dec Vorschläge der Reichsregierung bis zu dem Reichsratsbeschluß und legte den Standpunkt des Verbandes in dieser Frage dar. Er erklärte, gegen die Begünstigung der Zigarette gegenüber der Zigarre müsse man sich scharf wenden, zumal sich die Zigarettenindustrie zum großen Teil in ausländischem Besitz befinde. Die anschließende lebhafte Aussprache gab zunächst ein Bild über die aus Anlaß der Steuervorlage erfolgten Kündigungen in den Gießener Betrieben der Zigarrenindustrie. Kleinere Unternehmen haben der gesamten Belegschaft, eine Reihe mittlerer und größerer Betriebe einem Teil der Belegschaft das Arbeitsvertragsverhältnis gekündigt, wobei es sich zum großen Teil um ältere Angestellte handelt, die jahrelang, oft ein Menschenalter hindurch dem Unternehmen gedient haben. Man war einstimmig der Auffassung, daß das geplante Steuergeseh eine erhebliche Herabminderung der Arbeitsmöglichkeiten in der Zigarrenindustrie bringen werde, und selbst die in der Vorlage vorgesehene Entschädigung bleibe, vornehmlich für die älteren Angestellten, nur ein schwacher Trost. Die durch die Besteuerung der Zigarre erhoffte Mehr- einnahme werde in keinem Verhältnis zu den Fol- gen stehen, die die Besteuerung für die zahlreichen Arbeitnehmer in der Zigarrenindustrie habe. Geschichten aus aller Welt. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Tie Ritter vom Hosenband. (I. r.) London. Die Sankt-Georgs-Kapelle in Schloß Windsor an der Themse war kürzlich der Schauplatz einer seltenen Zeremonie, die eine mittelalLerlichePracht zur Entfaltung brachte. Es war die feierliche Wiedereröffnung der Kapelle, die nach zehnjährigen RestaurationSarberten wieder dem Orden der Hosenbandritter zurücktzegeben wurde. Die hohen Mitglieder des OxöenB waren unter ihrem Oberherrn, dem König von England, vollzählig versammelt, und ihre prächtige alte Festtracht verlieh der Feier ein besonderes Gepräge. Die Sankt-Georgs-Kapelle ist eines der schönsten Denkmäler gotischer Baukunst in England. 3m merkwürdigen Gegensatz zu den wuchtigen, festungsartigen Mauern deS KönigSschlosses sind seine Pfeiler und die hochgeschwungene Decke mit einer an Waghalsigkeit grenzenden Kühnheit aus- Seführt worden. Der älteste Teil stammt aus dem ahre 1240, aber hundert Jahre später, als Edward III. die Kirche dem neuen Hosenbandorden widmete, war der letzte Ausbau noch nicht beendet. Schon im siebzehnten Jahrhundert stellten sich die ersten Folgen des verwegenen Baues ein, ein berühmter englischer Baumeister wurde zu Rate gezogen, und nachdem man viel herum- gebastelt und geflickt hatte, um die Schäden zu verdecken, kam während des Krieges der katastrophale Rist in die Decke, so daß die Kapelle als lebensgefährlich geschlossen werden muhte. Rach zehn 3ahren der Arbeit und einer Ausgabe von vier Millionen Mark hofft man den Schaden endgültig behoben zu haben. Rachdem die Kirche des Goldenen Vlieses in Brüssel aufgehoben wurde, ist die Sankt-Georgs- Kapelle die einzige, welche noch einem Ritterorden gehört. Ein Platz in der Kirche, über den, das Danner, Schild und Helm des Mitgliedes aufgehängt werden, ist eines der größten Privilegien, das sich die Ritter des Hosenbandordens seit Jahrhunderten erhalten haben. Auch ihre anderen Bräuche sind treu bewahrt worden. Bei den Versammlungen erscheinen die Ritter noch heute in der malerischen Tracht, im dunkelblauen Samtwams, weihen Kniehosen, weihen Sei den- strümpsen und Schuhen mit roten Stöcken. Sin schwarzes Barett mit Feder und ein rotes Samt- kape vervollständigen die Ausrüstung. Der Orden, ein dunkelblaues Samtband, wird unter dem rechten Knie um das Dein getragen. Er trägt in Silberstickerei die Worte „Honny soit qui mal y pcnse“, mit welchen angeblich Edward UI. seiner Tänzerin bei einem Hofball ein verlorenes Strumpfband zurückgab. Eine andere Legende behauptet, daß Richard Löwenherz im heiligen Lande seine Getreuen durch ein solches Dand von den anderen unterschied und nach einer dritten Wendung soll der Orden als Auszeich- | irung für eine Reihe Adeliger nach der Schlacht • von Tröcy gegründet worden sein Wie dem auch sein mag, die Auszeichnung ist heute noch die größte Ehre, die der englische König zu vergeben vat und der Orden gilt als der angesehenste und höchste in der englischen Welt. Zu den weiteren 3nslgnlen des Ritters gehört ein silberner Stern mit dem Kreuz des heiligen Georg, das auf der Irnken Brust getragen wird und eine Halskette aus purem Gold, die sich aus Miniaturen des Ordens und goldenen Rosen zusammenseht. Während die Anzüge Eigentum des Ritters sind und vererbt werden, müssen die Insignien bei dem Tod eines Ritters dem König zurückgegeben werden, der sie dann dem neuen Ritter verleiht. Die feierliche althergebrachte Formel bei der Einweihung des neuen Ritters lautet: „Dind um dein Dein dieses edle Strumpfband und trage es unablässig als Symbol dieses hohen Ordens. Lege um deinen Hals die Kette mit dem Dildnis des heiligen Georg und trage es, damit du Angenehmes und LInangenehmes in seinem Sinne überstehst und nach äleberwindung deiner Feinde der Palme des ewigen Sieges teilhaftig werdest!" Manche der Ritter haben den Spruch wörtlich genommen und das Dand bei Lebzeiten nicht abgelegt. Ein Ausschluß aus dem Orden ist nur sehr selten vorgekommen. Rach den alten Vorschriften war er mit Oer Schmach einer Zerreißung des Danners, das mit den Fühen getreten wurde, und dem Zerstören des Sterns verbunden. 3m 3ahre 1915, als die Ramen einiger europäischer Monarchen als Feinde Englands aus der Liste der Ritter gestrichen und des Hosenbandordens verlustig erklärt wurden, begnügte man sich damit, ihre Banner stillschweigend zu entfernen. Clcveland Anekdote. (a) Reuhork. Amerikanische Blätter geben aus einer soeben erschienenen neuen Biographie des früheren Präsidenten Eleveland folgende Anekdote wieder: Als Schuljunge hatte Cleveland etwas „aus- gefressen". Der Lehrer war während einer Pause dahintergekommen und beschloß, den Sünder nach Beginn des Unterrichts in der üblichen Weise zu strafen, indem er ihm einige Rutenstreiche über die 3nnenfläche der ausgestreckten rechten Hand gab. Der kleine älebeltäter, der keine Ahnung von dem älnheil hatte, das sich da gegen ihn zusammenbraute, spielte inzwischen lustig aus dem Schulhofe, und zwar buk er Kuchen aus Lehm, eine Beschäftigung, aus der die Hände nicht gerade in vorbildlicher Sauberkeit hervorgehen. Als zu Wiederbeginn des Unterrichts der Lehrer nun dem 3ungen die ihm gebührende Strafpredigt hielt und ihn dann aufforderte, die rechte Hand auszustrecken, wischte sie der kleine Schmierfink schnell vorher am Hosenbein oberflächlich ab, — ohne weiteren Erfolg, als daß der Lehrer entsetzt beim Anblick dieser ..schwarzen Hand" zurückfuhr und dann kopfschüttelnd sprach: ..Du bist doch der größte Schmierfink in der ganzen Schule! Mit solch verschmutzten Pfoten wagst du es, in den Unterricht zu kommen? Wenn du mir hier in der Klasse eine Hand zeigen kannst, die auch nur annähernd so schmutzig und verdreckt ist wie die da, erlasse ich dir die verdiente Strafe!" Da zog Cleveland hinterm Rücken hervor, wo er sie bisher vor den strengen Blicken seines Erziehers verborgen hatte, sein« — linke Hand. Die hatte er vorher nicht an den Hosen ab gewischt. Sie war, was Schwärze anbetrifft, die rechte in erhöhter Potenz. Der Lehrer lachte laut auf und erließ dem schlagfertigen Dengel die Strafe. Wenn sich doch, so kommentieren die amerikanischen Zeitungen diese Anekdote, unsere heuttgen Politiker nach dem Vorbilde dieleS ihres großen Vorgängers stets zu ihren schmutzigen Händen bekennen würden! Was eine tüchtige Hausfrau leistet. (8) P r a g. Frau Anna Daloun, Ehefrau. Hausfrau und Statisttkerin von großem Format, wohnhaft in Kosolup (Tschechoslowakei) hat genau ausgerechnet, daß sie während ihrer rund vierzigjährigen hausfraulichen Tätigkeit 240 000 Mahlzeiten gekocht, 33 000 Brote gebacken, 318 000 Knödel zubereitet und 1500 Kilo Dunstobst eingelegt hat. Sie verbrachte 36 000 Stunden mit Groß- und Kleinreinemachen. zog 8000 Hühner auf und wandelte 5500 Liter Milch mit Meisterhand in Butter um. Sie meint, ihre Arbeit sei etwa eine halbe Million — Goldmark wert. Die Aermste wurde jedoch niemals „entlohnt" und mußte sich zeitlebens damit begnügen, freie Station in ihrem bzw. in ihres Mannes Hause zu genießen. Frau Anna Daloun ist außer allem Zweifel eine tüchtige Hausfrau. Daß sie aber nebenbei Zeit genug hatte, vierzig 3ahre hindurch auch noch ihre epochemachende Statistik aufzustellen, das ist vielleicht ihre beachtlichste Leistung. Der Brief an Zar-Bätcrchen. (n) Moskau. Die Weltfremdheit der russischen Dauern, deren Dörfer nicht selten in einer Entfernung von mehreren hundert Kilometer von der nächsten Eisenbahnstation gelegen sind, ist bekannt. Ein Vorfall, der jetzt von den offiziellen Moskauer Dlättern bekanntgegeben wird, wird dennoch überraschen. — Da schreibt eines Tages ein biederes Bäuerlein in einem Dorf im Kasanschen, weit draußen in vergessener Einsamkeit, einen Brief, in dem er sich bitter über das Schicksal beklagt, das ihn nach dem Kriege getroffen hat. Erst jetzt hat er authentisch erfahren, daß seine beiden Söhne im großen Kriege für Väterchen-Zar gefallen sind. Er ist nun ohne Schuh geblieben und kann sein Landstück nicht mehr allein bewirtschaften. Er bittet also um Hilfe. — Aber der Brief ist nicht angekommen. Obgleich er ordnungsgemäß adressiert war: „An Zar-Väterchen. Petrograd. Winterpalais". Preußen. Kreis Wetzlar. ch K r o f d o r f, 28. Rov. Ein Saal unserer Schule ist seit einiger Zeit mit einer modernen VerdunkclungSanlage ausgestattet. Durch ein paar einfache Handgriffe ist sofort der Raum verdunkelt, wodurch sich die Möglichkeit ergibt, den Lichtbildwerscr jederzeit im Schulunterricht zur Veranschaulichung des Lehrstoffes heranzuziehen. c>oLützellinden,27. Nov. Bei einer in einem Teil des hiesigen Jagdbezirks abgcbaltencn Treib« j 6 g d wurden 25 Hasen und ein Reh geschossen. * Hörnsheim, 27. Nov. Der hiesige G e f l ü « gelzuchtoerein veranstaltet am nächsten Sonntag seine dritteLokalschau im Sagte des Gast- wirts Bepler. 120 Tiere wurden für diese Schau gemeldet. Als Preisrichter fugicrt Herr May aus Lang-Göns. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Derantwottung.) Abbau der Steuern! Auch Preisabbau der Steuern ist notwendig, wenn die Wittschaft wieder in Gang kommen soll. Eine ganze Reihe von Betrieben: sind durch die hohen Steuersätze zum Erliegen gebracht worden. Man vergleiche die Konkurs- anzeigen im „Gießener Anzeiger", an einer ©teile in summa 14 Konkurse, ein andrer Teil hat seinen Betrieb beizeiten sttllgelegt, um nicht zusammenzubrechen, und wieder andere halten zurück, sich auszudehnen oder anzufangen, denn in diesem Moment lauem schon über ein Dutzend Steuerarten, um sich eine Einnahmequelle zu sichern, nicht nur vom Ertrag, sondern schon vom Vorhandensein des Dettiebs, einerlei, ob derselbe etwas abwirft oder nicht. DaS ist, gerade herauS- gesagt, Kapitalvernichtung. Kapital und Arbeit sind im Wirtschaftsprozeß unlöslich verbunden. Wer das Kapital vernichtet, vernichtet auch die Arbeit, und wir erleben es heute, daß letztere keinen ihr zustehenden Anteil zugeschoben bekommt, sondern Almosen. Aus dieser Kalamität herauszukommen, muß das Bestreben aller sein. Die Wirtschaft darf nicht in Steuern ertrinken, sondern sie muß durch Steuererleichterungen gefördert werden, weil sie die einzige Quelle des Staatshaushalts, wie der Einzelexistenzen ist. Sie muß Vertrauen zu ihrer eigenen Existenz wiedergewinnen, dann wird die Arbeitslosigkeit zurückgehen und jede Existenz durch ihrer Hände Arbeit lebensfähig werden. Wir dürfen uns nicht damit trösten, daß die heutige Krisis die ganze Welt beherrscht: wir können behaupten, daß sie durch unsere Sttllegung begonnen hat, denn es fällt für dis ganze Welt schwer ins Gewicht, wenn ein 60- Millionen-Dolk, wie das deutsche, infolge Riedergangs seiner Wirtschaft schon seit 3cchren nicht mehr Käufer im Ausland ist. H.G. Preis 70 Pfg NK 520 . und bis zum 10. Jahre dürfen Sie für die zarte und empfindliche Haut Ihres Kindes nur die milde, reine NIVEA KINDERSEIFE verwenden. 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März, Beginn 15 Uhr: Marius Beginn 15 Uhr: Vorn Neben Augustin Beginn 15 Uhr: Nachtasyl Beginn 15 Uhr: Feurio Beginn 15 Uhr: Der Mann, den sein Gewissen trieb. Sonntag, 30. November, Beginn 15 Uhr: Sektion Rabnsteiten Samstag, 6. Dezember. Beginn 19.30 Uhr: Schinderbannes Sonntag, 14. Dezember, Beginn 15 Uhr: Weekend im Paradies Sonntag, 28. Dezember, Beginn 15 Uhr: Die Freier Beginn 15 Uhr: Rose Bernd Die Verlobung ihrer Tochter Orica mit Herrn Rudolf Brendel zeigen an Ober-Sng. Fritz Heicher undFrauLina,geb.Schmidt Frankfurt am Main Leerbachstraße 112 Erica Heicher pol.'Major Rudolf Brendel Verlobte Offenbach am Main Ihre Verlobung zeigen an £illi Fourier Hermann Oi'rksmöller, Architekt Gießen (Hessen) Avenwedde (Wests.) Ludwlgstraße 12 z. Z. Gießen 1. 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Ob Deutschland in der Echte de utsche periment pr pslichtung n Ätt vestig- 9( 7-n ö' 8tn, t0 He chr 561,16 E öaÄöeftetr )tomdr Copyright I92< I4- Sortierung. Eva lachte ^olte, Anecht. getDefen. !ub mehr Interesse für blonde Weiblichkeit zu haben, als für die Ohrgehänge!" Eva fühlte, wie sie rot wurde. Aber sie schob gewaltsam alle persönlichen Gedanken beiseite. Viel wichtiger war es, sich jetzt völlig darüber ttar zu werden, was es bedeutete, daß Primo Duero die Steine als die bei dem Mord seines Vaters geraubten Mauen Brillanten erkannt hatte. Run bestand wirklich wieder die Möglichkeit, den Mörder zu finden. Sie faim den ganzen Tag immer über dasselbe nad> und auch darüber, auf welche Weise Primo Duero feine Rachforschungen wohl betreiben würde. (Fortsetzung folgt), 0 Um tt* SJL-^poit MkWk! Wegen Erii IV \Vw |!l IV'"- • ab Uc j ur Ntemanl Bebriuchte Uli inncbte Anzäj auch für forpul Cnlaway-ÄMüt holen sowie (Mit der vorstehenden Erklärung schließen wir die Aussprache über diesen Gegenstand in unseren Spalten. D. Red.) Fußballklub 1926 Großen-Buseck. In Ehringshausen treffen sich am Sonntag die Mannschaften des Spiel- und Sportvereins Ehringshausen und des Fußballklubs Grohen- Duseck. Der Plahbesiher stellt eine spielerfahrene Kampftnannschaft, die in der 2. Bezirksklasse eine achtbare Form bewies. Die junge Mannschaft der Großen-Dusecker darf jedoch nicht unterschätzt werden, da auch sie über eminenten Kampfgeist und recht zuverlässige technische Fertigkeit verfügt. Der Ausgang des Kampfes kann unter diesen Umständen nicht vorhergesagt werden, vielmehr liegen ^leberraschunaen durchaus im Bereich der Möglichkeit. Dor diesem Spiele stehen sich die zweiten Mannschaften ber_ beiden Vereine gegenüber. Dem Platzbesiher dürfte in diesem Spiele aus Grund seiner größeren Spielerfahrung ein Plus zuzuschreiben sein. Handball im Gau Hessen (O.T.) Zum letzten Verbandsspiel erwartet die erste Mannschaft des Tv. Großen-Vuseck die gleiche guten Sport versprechen. Der Damen-Clubkampf zwischen Nixe Charlottenburg und dem 1. Magdeburger DSC. im Charlottenburger Stadtbad, der Städtekampf Dortmund gegen Duisburg, das Düsseldorfer Wasserballturnier, die Wettkämpfe der Breslauer Schwimmer und der Gegenbesuch des Pariser Schwimm-Clubs bei den Bonner Wasserfreunden sind die beachtenswertesten Veranstaltungen. Bei den Turnern steht der Kunstturnwettkampf Westfalen-Rheinland in der Halle Münster- land als größtes Ereignis bevor. Weiterhin sei auf das Geräteturnen und das Hindenburg- Florettfechten in Leipzig hingewiesen. Die Berufsboxer entwickeln wieder größere Betriebsamkeit. Die Eishockeysaison eröffnet der Berliner Schlittschuh-Club am Samstag im Sportpalast mit einem Wettspiel gegen den Wiener Eislaufverein, dein am Sonntag der Rückkampf folgt. Der Radsport wartet mit zahlreichen Hallenrennen auf. Das Kölner Sechstagerennen ist bereits seit Freitag int Gange. In der Frankfurter Festhalle gehen die Erösfnungsrennen von- statten, während in Stuttgart die Amateure zu Wort kommen. Die Breslauer Sportpresse feiert ihr alljährliches Fest in der Iahrhunderthalle, bei dem die Vertreter all« Leibesübungen aufmarschieren werden. HC ■■ O * Der Sport im Reiche Wir brini rB Ver ... aber Süddeutschland will mehr zahlen. In der Sitzung der süddeutschen Grotzvevein« mit ihrem Verbands-Vorstand in Frankfurt a. M. wurde bezüglich der Spesensätze ein über die DFB.-Grcnze hinausgehender Beschluß gefaßt. Der süddeutsche Verbands-Vorstand wird auf der Bundes-Vorstandssihung am 14. Dezember in Berlin die Wünsche seiner Vereine vorbringen: und den Antrag stellen, bei Spielern am Orte 10 Mk. und bei Spielen auswärts 2u Mk. zahlen zu dürfen. Auch das in Eisenach beantragte Ar- beitslosenproblem werden die süddeutschen Führer vertreten. Reitturnier in Toronto. Die Deutschen nur placiert. Das Internationale Reitturnier in Toronto erreichte am Mittwochabend mit der Entscheidung der Herausforderungstrophäe für Offiziersmann- schäften, die etwa gleichbedeutend mit den Militär-Trophäen in Boston und Äeuyork ist, seinen Höhepunkt. Der dritte Erfolg in dieser Prüfung war den Deutschen nicht vergönnt, mit nur einem Fehler mußten sie sich von der amerikanischen Equipe, die sämtliche Sprünge fehlerlos absolvierte, knapp geschlagen bekennen. Die nächsten Plätze fielen an Irland und Kanada mit 5VX bzw. 10V2 Fehlern vor Schweden und Ungarn. In den Rahmenkonkurrenzen hatten unsere Offiziere wiederum großes Pech. Elan unter Oblt. Hasse startete noch zweimal und mußte sich mit je einem zweiten und dritten Platz begnügen, wahrend Dedo (v. Ragel). Fridericus (Oblt.Momm) und Derby (Oblt. Hasse) jedesmal das letzte Hindernis zum Verhängnis wurde und ihnen so jede Aussicht auf Erfolg nahm. Rund um Deutschland 1931. Die deutsche Vertretung. Deutschlands Mannschaft für die zum erstenmal international ausgeschriebene Deutschland-Rundfahrt 1931 wurde bereits aufgestellt. Geyer. Thierbach, Metze, Siegel, Buse und Dumm werden unsere Farben vertreten. Die ersten Vier wurden gleichzeitig für die nächstjährige Tour de France verpflichtet. Eishockeysieg über Schottland. Zum Abschluß seiner vierzehntägigen Trainingsreise in England trug der Berliner Schlitt- schich-Klub in Glasgow einen Eishockey-Wettkampf gegen die schottische Nationalmannschaft aus. Die Berliner legten im ersten Spieldrittel zwei Tore vor, während die Schotten im zweiten Spielabschnitt nur einen Treffer aufzuholen vermochten. Da das Schlußdrittel tvrlvs endete, blieb der BSC. mit dem knappen Ergebnis von 2:1 erfolgreich. Kurze Sportnotizen. Ludwig Haymann. der frühere deutsche Schwergewichtsmeister, will sich nicht mehr als Berufsboxer betätigen und wird versuchen, als Sportlehrer einen neuen Wirkungskreis zu finden. Argentinische Fußballspieler wollen auf ihrer Europareife auch in Süddeutsch- land spielen. Der FSV. Frankfurt hat die Südamerikaner am 15. Februar zu Gast, nachdem sie vorher in München antreten werden. Hungaria-Dudapest wurde zum Neu- jahrstage vom südostdeutschen Fuhvallmeister Beuthen 09 verpflichtet. Slavia Prag folgt am 14. Dezember einer Einladung von Altona 93. Das Berliner Turnerhallenfest findet nun doch, und zwar am 11. Ianuar, in den Ausstellungshallen am Kaiserdamm statt. Die Berliner Zeitungsfahrer haben ihr Meisterschastsrennen, das am Sonntag geplant war, wegen der schlechten Witterung auf das Frühjahr verschoben. Hinter Motorschrittmachern wird im nächsten Iahr die Gesamtstrecke des französischen Straßenrennens Bordeaux—Paris ausgetragen. Blinkwunder pirtzl Fenster ohne Wasser blank wie ein Spiegel Kreis Büdingen. S. Berstadt. 27. Rov. Hier wurde nach uraltem Brauch gestern „M a r k t a b e n d" gehalten. Am 26. November fand früher, als Berstadt vor dein Ausbau der Bahnlinien nvch von größerer Bedeutung für die llmgegenb war, ein großer Krämer- und Viehmarkt, ähnlich dem Ortenberge r „Kalten Markt", statt. Der Markt ist längst geschwunden, aber der Tag wird bis heute gefeiert. Die hiesigen Bäcker backen die sog. „Kuloppe", kleine Formkuchen, die auch in die Rachbarorte gefahren werden. Die Spinnstubengesellschaften halten den Marktabend im Hause eines Mädchens, wobei die Burschen g^nze Körbe voll Kuloppe stellen müssen. Dafür werden sie beim „Reujahr", das wieder im Hause eines anderen Mädchens gefeiert wird, reichlich mit Tabak und Zigarren beschenkt. Wer auf diesen Taageboren wird, heißt im Bolksmund „Maatsteck" (Marktstück). Kreis Schotten. V Lißberg, 27. Rov. Ein schrecklicher Un- gl ü ck s f a l l. der ein blühendes Menschenleben forderte, ereignete sich heute nachmittag in der Rähe des hiesigen Bahnhofs. Als der 15.38 Uhr abfahrende Personenzug die Station verlieh und an den ersten Liebergang nach Hirzenhain zu kam, lief der sechsjährige Helmut Biermann von hier, der den Zug an t>iefer. Stelle in etwa 6 bis 7 Meter Entfernung an sich vorüberfahren ließ, plötzlich auf den letzten Wagen zu, direkt in die Räder hinein. Die in diesem Wagen am Fenster stehende Mutter mußte mitansehen, wie ihr eigenes Kind überfahren wurde. Der Tod trat auf der Stelle ein. acht Tagen ist das Gesalleneneh renmal ertiagestellt. Die Einweihung soll am 7. Dezem- >er erfolgen. Bürgermeister Schmidt wird die Weiherede halten, dec sich Kranzniederlegungen anschließen werden. Anträge auf Hinzuziehung der Geistlichkeit und der Vereine zu der Feier wurden durch Mehrheitsbeschluß nach reger Aussprache abaelehnt. „ ! Steinheim, 27. Roo. Der hiesige Bauern, und Landjugendbund hielt hier eine Der- ammlung ab, in der der Landtagsabgeordnete Dr. L e u ch t g e n s iber das Thema „Wirtschaft, Politik und Parteien" sprach. Der Vortrag wurde mit großem Beifall aufgenommen. Die Vorstands, wähl brachte folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender Wilhelm Eckel, 2. Vorsitzender Friedrich Keil, Rechner und Schriftführer Karl D e s ch. I R 0 d h e i m a. d. Horloff, 27. Rov. Der ,Hassi a". Bezirk Hungen hielt hier seine H e r b st b e z i r k so e r s a m m l u n g ab. Der Leiter des Kriegervereins begrüßte die Kameraden, der Vorsitzende des Bezirks, Förster Büttner (Langd), eröffnete die Tagung. Der Jahresbericht bot ein Bild rühriger Vereinsarbeit wahrend des vergangenen Jahres. Der Rechner Koch (Inheiden) erstattete den Kassenbericht, für den ihm Entlastung zuteil wurde. Als Vertrauensmann der Kriegsbeschädigten wurde Wilhelm S e i p (Bellersheim) in den Vorstand gewählt. — Die Holzhauerarbeiten sollen demnächst in Angriff genommen werden. Es sollen im ganzen nur 470 Festmeter aefäUt werden. Für diese Arbeiten haben sich 20 Arbeitslose gemeldet. Eine von den Schulkindern durchgeführte Sammlung für das Deutschtum im Auslande erbrachte 15,70 Mark. des Tv. Marburg. Die Marburger, die in den letzten Spielen beachtliches Können bewiesen haben, dürften aus diesem Spiel als Sieger hervorgehen, sofern die Busecker Mannschaft nicht mehr Eifer wie im letzten Spiel zeigt. To. Heuchelheim I — Tv. Friedberg II Die erste Mannschaft des Tv. Heuchelheim empfängt am Sonntag die zweite Mannschaft der Tgm. Friedberg. Das Vorspiel gewannen die Hiesigen 7:0. Ob der Sieg auch diesmal hoch ausfallen wird, ist sehr fraglich. Vorher spielt die Iugend gegen die gleiche vom Tv. Butzbach. Tv. 1846 Gießen — Tv. Lauterbach. DaS letzte Spiel der Verbandsrunde trägt die 1. Mannschaft am kommenden Sonntag in Lauterbach aus. Die gute Form, in der sich die 1846er befinden, dürfte sie auch auf fremdem Boden ehrenvoll abschneiden lassen. To. Großen-Linden I — Mio. Gießen IL In Großen-Linden steht die 2. Mannschaft der Gießener Männerturner der 1. Elf des Tv. Gro- hen-Linden im Verbandsspiel gegenüber. Bei ungefähr gleichen Kräften ist der Sieger kaum im voraus zu nennen. SpielersihungimLahn-Oünsberg-Gau Kommenden Sonntag findet in Gießen eine Spielersitzung statt, in der in der Hauptsache die verflossenen Spiele der Vorrunde und Festsetzung der Nachrunde zur Sprache kommen. Gleichzeitig findet am Sonntag das letzte Der- bandsspiel zwischen Launsbach und Atzbach - statt. Handball im Lahn-Oünsberg-Gau. Londorf II — 1. Kompanie 3.-H. 15 II. Am Sonntag treffen sich in Londorf die 2. Mann- djaft 1. Kompanie I.-R. 15 und die 2. Mannschaft des Turnvereins Londorf zu einem Gefellfchaftsrück- piel. In dem Vorspiel in Gießen konnte die Reichs- wehrmaniifchaft hoch gewinnen. Die Londorfer werden sich auch jetzt anstrengen müssen, wenn sie ehren« voll abschneiden wollen. Schwerathletik. Am kommenden Sonntag tritt die 1. Mannschaft des „Gießener Kraft- und Sportklubs 1893" dem VfK. Alsfeld in Alsfeld zum fälligen Verbands- kämpf um die Gaumeisterschaft im Mannschafts- ringen gegenüber. Die Gießener Mannschaft tritt in folgender Aufstellung an: Bantamgewicht: A. Götz: Federgewicht: A. Funk; Leichtgewicht: A. Klotz; Weltergewicht: W. Meininger; Mittelgewicht: W. Bellofs; Halbschwergewicht: A. For- bach; Schwergewicht: A. Schepers. Der VfK. Alsfeld stellt ebenfalls eine achtbare Mannschaft, so daß sich ein harter Kampf um Sieg und Titel entwickeln wird. Arbeiier-Turn- und Sportbund. Am Sonntag werden sich Gießen Iugend und Wieseck zweite Jugend im Entscheidungsspiel um die Bezirksmeisterschaft der Jugendklasse, auf dem | Trieb gegenüberstehen. Im Vorspiel siegte Gießen mit 4:1 Toren. Auch das zweite Spiel dürfte die | Mannschaft für sich entscheiden. Alle Prophezeiungen der Wettermacher deuten auf einen frühzeitigen und strengen Winter hin, aber noch Enoe Rovember weht ein Mailüfterl. Das Voraussagen ist eben eine schwierige Sache. 2m Fußball ist die milde Witterung recht willkommen, fördert sie doch die Abwicklung der Spiele, zumal in allen Landesverbänden die Punktekämpfe zur Entscheidung herangereift sind. In Süddeutschland, wo die Endkämpfe schon am 4. Januar beginnen, werden zu den bereits feststehenden vier Gruppenmeistern voraussichtlich noch weitere Tabellenerste ermittelt werden. In Berlin stehen alle 20 Bezirksligavereine im Kampf. Das bedeutendste Spiel des Tages geht am Bahnhof Gesundbrunnen vor sich, wo der deutsche Meister Hertha/BSC. mit dem Tabellenführer der Abteilung A, Union Obersck)öneweide, zusammentrifft. Die Magdeburger Städteelf erwartet die Spielvereinigung Fürth. Der geschäftsführende Ausschuß des DFB. kommt in Münster zusammen, um das Berufsspielerstatut zu beraten. Im Hockey trägt die deutsche Damenelf ihr erstes Länderspiel am Sonntag in Köln gegen die Australierinnen aus. Für die Spielstärke der Gegnerinnen unserer Mannschaft hat man trotz der Niederlagen in England keinen zuverlässigen Maßstab. Im Schwimmen stehen mehrere kleinere Veranstaltungen auf dem Programm, die aber Oberbeffen. Stadtrais-Sihung in Buhbach. pb. Butzbach, 26. Nov. In der gestrigen Stadtratssitzung wurde hinsichtlich der Winterbeihilfe an W 0 h l f a h r t S u n - terstühungsempfänger folgendes beschlossen: Falls Staat und Kreis in diesem Iahre für eine Winterbeihilfe Zuschüsse in gleicher Höhe wie im Voriahre gewähren, wird seitens der Stadt in gleicher Weise und in gleichem Maße wie im Vorjahre eine Winterbeihilfe bewilligt unter der Bedingung, daß die Beteiligung der Stadt an 1 der Mittelaufbringung prozentual nicht höher ist wie im Vorjahre. Sollten keine sonstigen Mittel zur Verfügung gestellt werden, so bewilligt der Stadtrat Mittel in gleicher Höhe wie im Vorjahre zur Linderung besonderer Notstände nach individueller Prüfung durch eine besondere Kommission. Im Rechnungsjahr 1930 ist nach dem vorliegenden Rachtragsetat mit einem Fehlbetrag von 20 000 M k. zu rechnen. Dies ist darauf zurückzuführen, daß die Anteile an Reichssteuern infolge nachträglicher Kürzung etwa 5000 Mk. weniger erbringen, und daß im Wohlfahrtsetat für Unterstützung an Ortsarme 10 000 Rlk. und für Erlässe an Gemeindesteuern 5000 Mk. mehr erforderlich sein werden. Zur Deckung der Fehlbeträge soll auf Grund der Notverordnung die gesetzlich vorgeschriebene Gemeindebier- st eue r und die B ür ge r ste ue r eingeführt werden, damit die sonst nötige Erhöhung der Realsteuerv vermieden wird. Für das laufende Rechnungsjahr dürsten aus der Bürgersteuer ettrm 11000 Mk., aus der Biersteuer ca. 2000 QHt. aufkommen, der noch verbleibende Fehlbetrag von 7000 Mk. soll durch weitgehendste Ausgabeersparnisse gedeckt werden. Der Stadtrat beschloß die Einführung der Bürgersteuer nach bem Landessah, ferner mit Wirkung vom 1. Dezember ab die Einführung der Gemeindebiersteuer mit einem Satz von 3,75 Mk. pro Hektoliter. Gemeinderai in Schotten. y. Schockten, 26.Rov. Der Gemeinderat bestimmte in seiner gestrigen Sitzung unter Berücksichtigung der der Stadt zur Last fallenden ausgesteuerten Erwerbslosen die Personen, die als Holzhauer Verwendung finden. Es werden zwei Rotten gebildet. Die staatlichen Tarife werden gezahlt, Anfänger in der Holzhauerei erhalten zunächst nur 80 Prozent des Tariflohnes. Rach eingehender Aussprache wurde die Einführung der Bürger st euer, deren Ertrag auf etwa 4000 bis 5000 Mk. veranschlagt war, mit acht gegen sechs Stimmen ab gelehnt. Ebenso sprach sich der Gemeinderat gegen die Einführung einer Bier st euer aus. Die Hundesteuer soll in 1931 in gleicher Höhe wie in den vergangenen Jahren mit 10 Mk. pro Hund zur Erhebung kommen. Gemeinderai in Laubach. □ Laubach, 26. Rov. In der jüngsten Ge- meinderatssihung wurde unter Punkt 1 »Holzh auerei" zunächst die Liste der zum Holzfällen gemeldeten Personen (1041 verlesen. Benötigt werden etwa 70 Holzmacher, die durch das hiesige Forstamt im Einvernehmen mit der Bürgermeisterei ausgewählt werden, wobei in erster Linie die Arbeitslosen zu berücksichtigen sind. Mit der Holzfällung wird am ^Dezember begonnen. Die staatlichen Holzhauerlöhne, mit deren Herabsetzung man rechnet, sollen auch in diesem Jahre für die Gemeinde maßgebend fein. Zwecks Arbeitsstreckung soll nur an fünf Tagen wöchentlich gearbeitet werden. — Aus dem vorigen Jahre sind noch 178 Festmeter Buchenstammholz an die Fahholzsabrik Goldbach zu liefern, die der Firma zu 13,50 Mark pro Festmeter zugesprochen werden. Die Beschaffung von Chri st bäumen macht in diesem Jahre — wie das hiesige Forstamt mitteilt — Schwierigkeiten, da nur eine geringe Anzahl vorhanden sei. Es soll vorerst der Bedarf festgestellt werden, bevor man sich über weitere Maßnahmen schlüssig wird. Weiter wurde beschlossen, für das Rechnungsjahr 1931 dieselben Hunde st euersätze wie im Vorjahre (12 Mk. für den Staat und 4 Mk. für die Gemeinde) zu erheben. Wegen Verbreiterung der Kurve an der Ruppertsburger Straße vor dem Friedhof soll mit der Provinzialdirektion Ober- Hessen in Gießen in Verhandlung getreten werden. Landkreis Gießen. $ Alten - Buseck, 27. Rov. Für das durch Tod ausgeschiedene Gemeinderatsmitglied Wilhelm Rabenau tritt Landwirt Otto Kahl in den Gemeinderat ein. — Am Totensonntag hielt Pfarrer K a l b h e n n (Großen-Duseck) hier einen Abendgottesdienst ab, der dem besonderen Andenken unseres verstorbenen Pfarrers Hartmann gewidmet war. Der Frauenchor trug durch Vortrag einiger Lieder zur Verschönerung der Feier bei. Vier Konfirmandinnen brachten eines der letzten Gedichte des Verstorbenen, „Die Wieseck I ist zu einem Freundschaftsspiel nach Naunheim verpflichtet. Die dortige erste Mannschaft, als Gruppenmeister, hat in ihren letzten Spielen wieder beachtliches Können gezeigt. Es besteht die Möglichkeit, die gegen Wieseck erlittene 3:0-Nieder- läge auszugleichen. Auf dem Wiesecker Sportplatz stehen sich Marburg I und Wieseck Ib im Freundschaftsspiel gegenüber. Die Gäste haben in den wenigen, bis jetzt gezeigten Spielen eine gute Entwicklung gezeigt und treten in diesem Spiel zum erstenmal gegen eine Mannschaft der ersten Klasse an. Vorher tragen Wieseck 1. Inaend und Marburg 2. Mannschaft ein Freundschaftsspiel aus. Handball. In Wißmar werden sich Wieseck I und Wißmar! ein Freundschaftsspiel liefern, in dem die Gäste wohl als die besseren zu betrachten sein durften. Leichtathletik. Die Kampfrichter der Leichtathletik kommen am Sonntagvormittag zu ihrer H e r b st l e h r st u n d e in Krofdorf zusammen um eine durchgreifende Beratung der neuen Wettkampfordnuirg-vorzunehmen, und den Obmann der Vereinigung für das kommende Jahr zu wählen. BMBV. lehnt höhere Spesenforderungen ab. Der Verband Mitteldeutscher Dallspielvereine gibt bekannt, daß laut einem im Rainen von 17 Vereinen an ihn gerichteten Schreiben es deren Führer nicht mit ihrer Ehrlichkeit vereinbar halten, zu den Beschlüssen des Verbands-Vorstandes über Einschränkung der Auslagenerstattung an die Spieler zu stehen und bitten daher um Genehmigung, Auslagen bis zur Höhe der DFB.-Grenze erstatten zu dürfen. Ferner beantragen diese Vereine, bei unverschuldeter Arbeitslosigkeit in angemessener Weise helfen zu dürfen. — Der Verbandsvorstand hat alle diese Wünsche abgelehnt. Da die^ mitteldeutschen ermäßigten Sähe von der überwiegenden: Mehrheit der Verbandsvereine schon als zu hoch und untragbar angesehen werden, hält er es für gänzlich unangebracht, zur Zeit Ausnahmebestimmungen zuzulassen, die noch höhere Sätze vorsehen. Die beteiligten 17 Vereine sind: Dresdner SC., Guts, Ring/Greiling, Brandenburg und Spiel- Vgg. Dresden, SV. 08 Meißen, Fortuna, VfD^ Wacker, Sportfreunde und Spiel-Vgg. Leipzig, Chemnitzer BC., Polizei-SV. und Preußen Chemnitz, Wacker und Borussia Halle und S.- u. BC. Plauen. letzte Stunde", zum Vortrag, das durch seinen Inhalt besonders für diesen Tag geeignet war. Man beabsichtigt, dieses Gedicht zum Druck zu bringen und in der Gemeinde zu verkaufen. Der Erlös soll dem Fonds für den Erweiterungsbau der Kleinkinderschule zufliehen. s. B e u e r n , 27. Rov. In unseren Waldungen wurde jetzt mit dem Holzfällen begonnen. Zu den Arbeiten wurden nur Ausgesteuerte, und zwar einige fünfzig Mann, eingestellt. Um die Arbeitsperiode zu verlängern, wird nur an vier Tagen wöchentlich gearbeitet. — Unsere Gemeinde hat mehrfach für bessere Abzugsverhältnisse des unseren Ort durchfließenden Krebs- b a ch e s gesorgt. Infolgedessen konnte di« Ueber- schwemmung, die durch die letzten starken Regengüsse verursacht wurde, nicht den Umfang früherer ileberflutungen erreichen, die sogar zeitweilig die Räumung tiefgelegener Häuser erforderlich machten. tS) Lollar, 27. Rov. In der jüngsten Gemeindevertretersitzung wurde Bürgermeister Schmidt als Vertreter der Gemeinde bei der Dezirkssparkasse Gießen besttmmt. Im Nebengebäude der kürzlich erworbenen ehemaligen Zigarrenfabrik soll eine Notwohnung, bezugsfertig Per 31. Dezember, eingebaut werden, die mit 1400 Mark Kosten veranschlagt ist. Den Zuschlag zu den Arbeiten soll der Wenigstfordernde erhalten. Weiter will man im Dachgeschoß zu einem späteren Zeitpunkt eine zweite Wohnung schaffen Der ehemalige Fabriksaal soll in ein Do lksb ad (Schülerbaderaum, fünf Brausen und sechs Duschen) umgewandelt werden. Die Kosten hierfür dürften sich einschließlich tet Heizanlage auf 8 bis 10 000 Mark belaufen. Seit ungefähr Amtliche Gpieltermme für Sonntag, 30. November. Liga. Sport Kassel — VfB. Kurhessen Marburg; Borussia Fulda — Hermannia Kassel; VfB. Gießen — Hessen Hersfeld. 1. Bezirksklasse. Germania Marburg — Wiesenbach; Breidenbach — 1900 Gießen; Wetzlar — Wallau. Wer hat recht? (Erwiderung auf die Artikel des Herrn Durgeleit in Nr. 47 der AHSZ. Gießen und des Herrn Friedrich Dötz in Nr. 278 des G. A.) Recht hat der Schiedsrichter, Herr Gerhard Rabe. Er hat seine Kritik In Nr.274 des G. A. aus reiner Lleberzeuguna geschrieben und vollkommen sachlich gehalten. Die von ihm behandelten Fälle sind Tatsachen, und seine Anregungen und Feststellungen gründen sich auf die Satzungen des WSV. Die beiden obenerwähnten Artikel, welche Entgegnungen auf den Artikel des Herrn Rabe sein sollen, betreten das Gebiet des Persönlichen und entstammen offensichtlich einer vereinsfanattschen Animosität, wodurch sie sich selbst den Anspruch auf Berechtigung nehmen. Da sie aber zwischendurch das gesamte Schiedsrichterwesen angreifen, sehe ich mich veranlaßt, die vorstehende Erklärung abzugeben und öffentlich festzustellen, daß Herr Schiedsrichter Rabe nach wie vor das Vertrauen seiner Kollegen genießt und ohne Rücksicht auf die gegen ihn gerichteten Machenschaften seine Spiele gemäß seinem Standpunkte leiten wird. Damit ist für mich die öffentliche Behandlung der Angelegenheit erledigt. Fritz Sveckhard, Gau-Schiedsrichter-Obmann im ©au Gießen- Wehlar. Iiti elegante He • yobernen »1 ’iilols mit Sa il30- an. Lo lei von Mk. 1 und ohne . ü-ulk Herren SIS-an. Sh Iiochester - Ana iiotlng-Anrige ■urschen and JJ kosten Binder-A Joppen und leit Steilen. Loden- oon M. 9- a Schwarte Bote an. Hosen 14 fflinebesier-Hfl jeder Art, vor niedrig. 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Der Außenhandelsumsatz von 48 Ländern, auf die zusammen sieben Achtel des gesamten Welthandels entfallen, verminderte sich laut „Wirtschaft und Statistik' um 9 Prozent, und zwar von 56,8 Milliarden Mark auf 51,7 Milliarden Mark gegenüber 63,7 im zweiten Vierteljahr 1929. Dieser Rückgang der Wertzahlen ist indessen nur zum Teil durch eine Minderung der umgeseh en Mengen verursacht. Zum Teil erklärt er sich daraus, daß die meisten wichtigen Welthandelswarcn weiter stark im Preis gefallen sind. So sank vom ersten zum zweiten Vierteljahr 1930 die Großhandelsindexziffer des 'Bureau of Labor (Vereinigte Staaten) um 3,5 Prozent, die des Voard of Trode (Groß-Vritan- nien) uln 4,4 Prozent. Soweit es sich um den Rückgang von Mengen handelt, ist dieser wiederum zum Teil als Saisonerscheinung zu werten. Die konjunkturell bedingte Minderung der umgesehten Mengen ist demnach verhältnismäßig gering; sie dürfte sich gegenüber dem Vorvierteljahr verringert haben. Indes ist zu berücksichtigen, daß der Welthandel sich gegenwärtig auf einem verhältnismäßig niedrigen Stand bewegt. Jin zweiten Vierteljahr 1930 war der Außenhandelsumsatz der 48 Länder um 18,9 Prozent geringer als im zweiten Vierteljahr 1929. Während der gleichen Zeit betrug der Rückgang der oben genannten Großhandelsindexziffern aber nur 8,8 bzw. 10,7 Prozent, die Senkung der Umsätze des Welthandels ist für diese Zeit nur zum Teil auf den allgemeinen Preisrückgang zurückzuführen. An dem Rückgang find die europäischen Länder in erheblich geringerem Masie beteiligt als die außereuropäischen Länder. Der Anteil der europäischen Länder am Welthandel, der bereits im vergangenen Jahre namentlich infolge des stärkeren Rückganges der überseeischen Außenhandelsumsätze eine steigende Tendenz zeigte, hat sich weiter erhöht. Den absolut größten Rückgang des Außenhandels verzeichnen die drei großen europäischen Welthandelsländer Großbritannien, Deutschland und Frankreich. Auf diese drei Länder zusammen entfallen annähernd zwei Drittel des Rückganges in Einfuhr und Ausfuhr der europäischen Länder (minus 15,8 Prozent). Bei der Einfuhr dieser drei Länder handelt cs sich in der Hauptsache um einen verminderten Import von Rohstoffen und Lebensrnitteln; daneben sind aber auch von allen drei Ländern Fertigwaren, bei denen der Preisrückgang von geringer Bedeutung war, in nicht unbeträchtlichem Umfange weniger eingeführt worden als im Vorjahre. Der Rückgang der Ausfuhr der drei Länder, der bei Großbritannien sowohl dem Werte nach (565 Millionen Mark) als auch verhältnismäßig (20 Prozent) am größten war, entfällt vorwiegend auf industrielle Fertigwaren, in erster Linie Textilwaren, sodann hauptsächlich bei Deutschland auf Eisen- waren usw. Bei den außereuropäischen Ländern beläuft sich der erneute Rückgang des Außenhandels gegenüber dem Vorjahre auf 23.2 Prozent. Dabei ist die Einfuhr im ganzen noch stärker zurückgegangen als die Ausfuhr, worin die Schwächung der Kaufkraft der überseeischen Länder stark zum Ausdruck kommt. Die Ausfuhr hat unter allen außereuropäischen Ländern am meisten (um 1,1 Milliarde Mark) in den Vereinigten Staaten abgenommen, wobei die Hälfte des Rückganges auf industrielle Fertig- tvaren (drei Fünftel auf Automobile) entfällt. 2l"ch am Rückgang der Einfuhr der außereuropäischen Länder sind die Vereinigten Staaten am meisten beteiligt; ihre Einfuhr sank gegenüber dem Vorjahr um 1,26 Milliarden Mark. Preußen-Elektra zur Frage der Strompreissenkung. Tie Preußische Elek- trizitäts-AG. erklärt dem Amtlichen Preußischen Pressedienst zur Frage der Strompreissenkung, daß bereits bei der bisherigen Zusammenfassung der Verteilungsnehe die Gesellschaft eine Herabsetzung überhöhter Tarife durchgeführt habe, und zwar zum großen Teil erst im Laufe des vergangenen Sommers. Die Preuhrnelektra würde aber bei den ihr nahestehenden Derteilungsge- fellfchaften für einen neuen Tarif eintreten, der fo aufgebaut ist, daß er den mittleren Strompreis der versorgten Gebiete weiterhin herabscht. Bei Anwendung des geplanten Haushaltstarifes, der z. B. für Koch- und Heizstrom einen Preis von 10 Pfennig je Kilowattstunde vorsieht, werde sich für die Abnehmer im Mittel eine Senkung des Strompreises um 5 bis 10 Prozent und darüber hinaus ergeben. Anschließend solle eine entsprechende Reuregelung der ötromtarise für landwirtschaftliche Betriebe, das Kleingewerbe und sonstige mittelständische Erwerbsgruppen, insbesondere auch die Einführung eines Sondertarifs für elektrifches Kochen und Heizen bei diesen erfolgen. Weiter wird hervorgehoben, daß alle Lieferungsverträge der Preuhenelektra an industrielle Großverbraucher und Kommunen eine Kohlenklausel enthalten, die bei einer Senkung der Kohlenpreise automatisch eine Strompreissenkung herbeiführt. * Don der Frankfurter Börse. Am 24. Dezember findet die Börse wie an Samstagen von 11 bis 13 Uhr statt. Die Abendbörse fällt an diesem Tage aus. * Heinrich Lanz AG., Mannheim. Wie früher schon angekündigt, soll der Betrieb der Heinrich Lanz AG., Mannheim, nunmehr endgültig während der Monate Dezember und Januar stillgelegt werden. Daö Unternehmen beschäftigt zur Zeit etwa 2000 Arbeiter und 660 Angestellte. Sollte jedoch schon vor Ablauf dieser Zeit eine Geschäftsbelebung eintreten, so wird die Betriebsaufnahme entsprechend früher erfolgen. Don der Belegschaft werden etwa 700 bis 800 Arbeiter, wenn auch stark verkürzt, in den Stillegungsmonaten beschäftigt. Die Beamten und Angestellten werden bei einer 15- bis 20prozentigen Gehaltskürzung weiterbeschäftigt. * Mafchinenbaugesellschaft Karlsruhe. Die Generalversammlung genehmigte den Abschluß für 1929 und beschloß Dortrag des Derlustes von 1 488 654 Mk. Rach dem Bericht des Aufsichtsrates sind die Bemühungen, das Werk zu erhalten oder zu verkaufen, auch im Laufe dieses Jahres fortgesetzt worden, jedoch bisher vergebens. In Durchführung des Derglciches vom Juli d. I. sind inzwischen die Gläubiger bis zu 300 Mk. voll befriedigt worden, ebenso ist eine Quote bis zu 5 Proz. auf die anerkannten Forderungen zur Auszahlung gelangt. Inzwischen hätten sich die Derhältnisse weiter verschlechtert, so daß mit dem Verlust des ganzen Aktienkapitals gerechnet werden müsse. Welche Quote die Gläubiger erhalten werden, sei noch ungewiß. Marburger Lchweincmarkt. J [ Marburg, 27. Rov. Der heutige letzte Schweinemarkt in diesem Jahre zeigte eine Anfuhr von 615 Ferkeln und 30 Läufern. Es kosteten 6 Wochen alte Ferkel 15—18 Mk., 6—8 Wochen alte 18-25 Mk., 8-13 Wochen alte 25 bis 35 Mk. und Läufer 40 bis 60 Mk. das Stück. Bei starker Rachfrage wurde der Markt fast geräumt. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M, 28. Rov. Tendenz: fester. Die heutige Börse eröffnete in festerer Haltung. Die Kulisse schritt in Anbetracht der Geringfügigkeit^ des Engagementsumfanges wieder in etwas ftärlerem Umfange zu Rück^ckungen. Aber auch der neue Monat mit seiner langen Zeit bis zum kommenden Ultimo gab der Händlerschaft einen Ansporn. Die gestrige Rede des Reichsbankpräsidenten Dr. Luther wirkte vorteilhaft, anderseits war man beruhigt darüber, daß das Ausland seine Abgaben eingestellt hat. In Spe- zialwertcn war das Geschäft ziemlich lebhaft, zumal auch von Großbankseite größere Kauforders vorgelegen haben sollen. Für den heutigen Ultimo erwartet man keine Schwierigkeiten mehr. Gegenüber der gestrigen Abendbörse ergaben sich für Spezialwerte Gewinne bis zu 4 Prozent. Im übrigen gingen die Erholungen bis zu 1,5 Prozent. Etwas mehr Rachfrage bestand nach Kaliaktien; Salzdetfurth eröffneten 5 Prozent höher, Aschersleben und Westeregeln lagen bis 4 Prozent gebessert. Lebhafter war das Geschäft am Elektromarkt. Siemens standen mit plus 4 Prozent im Vordergründe. AEG., Licht & Kraft und Bergmann konnten um 2 bis 3 Prozent anziehen. Am Montanmarkt fielen Rheinstahl mit einem dreiprozentigen Gewinn auf. 3m übrigen war hier die Umsatztätigkcit gering. Farben gewannen bei. größerer Rachfrage 2,13 Prozent, Metallgesellschaft und Scheideanstalt eröffneten 1,13 Prozent erholt. Deutsche Linoleum setzten bis 2 Prozent höher ein. Dis zu 1,5 Prozent höher lagen noch Karstadt, Rorddeutscher Lloyd und Bankaktien. Schwächer eröffneten noch Dauuntemchmungen, von denen Wayh & Frey- tag und Zement Heidelberg bis 1 Prozent verloren. Am Anleihemarkt konnten sich Reubesitz kräftig erholen. Don ausländischen Werten gewannen Gold-Mexikaner 0,75 Prozent. Auch im Verlaufe bestand weiter etwas Deckungsneigung, und die Kurse konnten erneut etwa 1 Prozent anziehen. Am Psandbriefmarlt war das Geschäft zunächst noch klein, doch war der Markt naturgemäß ebenfalls etwas freundlicher. Am Geldmarkt bestand für Tagesgeld mit 5 Prozent etwas Rachfragc. Am Devisenmarkt lagen Devisen gegen Reichsmark etwas schwächer. Man nannte Mark gegen Dollar 4,195 150, gegen Pfund 20.37, London gegen Kabel 4,8555, gegen Paris 123,61, gegen Mailand 92,85, gegen Madrid 43,60, gegen Schweiz 25,0725, gegen Holland 12,0625. Berliner Börse. Berlin, 28. Rov. Das Dekuvert, das. wie ja schon seit Tagen bekannt, in einigen Werten in größerem Umfange besteht, löste heute an den Märkten keine nennenswerten Derkaussorders aus. Schon za Beginn der Börse zeigte die Spekulation Deckungsneigung, auf die Reden in der gestrigen Hauptausschuhsitzung des Reichsverbandes der Deutschen 3ndustrie, die eine freundliche Beurteilung erfuhren, und auch hinsichtlich der innerpolitischen Situation war man etwas optimistischer gestimmt. Obwohl die Reuyorkor Meldungen von gestern fehlten und auch sonst wenig neue Anregungen Vorlagen, konnten die ersten Kurse ziemlich einheitlich, allerdings bei verhältnismäßig geringen Umsätzen, um 1 bis 3 Prozent anziehen. Darüber hinaus waren Feldmühle, Polyphon und Thüringer Gas bis zu 5 Prozent gebessert. Weiler notierten fast 1 Prozent höher, wobei die Fusion Bosch und Rag dem Markte eine Anregung bot. Am Montanmarkt wollte man rheinische Kausorders beobachten. Anscheinend hofft man die gemeldete Zunahme der Haldenbestände bei einem eventuellen englischen Bergarbei- terstreik schnell ausgleichen zu können. Für die Kaliwerte war sicherlich anregend, daß die französischen Kalipreise entgegen anders lautenden Meldungen keine Ermäßigung erfahren werden. Deutsche Anleihen zogen leicht an. Ausländer ziemlich geschäftslos. Pfandbriefe ohne erkennbare Tendenz, da der Ordereingang bisher noch sehr minimal ist. Rcichsschuldbuchforderungen lagen naturgemäß etwas freundlicher. Zum heutigen Ultimo, der im übrigen einen glatten Verlauf zu nehmen schien, zog der Sah für Tagesgeld auf 5,75 bis 7,75 Prozent an; auch Monatsgeld erhöhte sich auf 6,5 bis 8 Prozent; nur Warenwechsel waren ziemlich nominell unverändert 5,5 Prozent. Aber auch diese an und für sich ja normale Geldversteifung hinderte die Spekulation nicht, weitere bedangen vorzunehmen, zumal auch kleine Kauforders zur Ausführung kamen. Die Kurse besserten sich im Derlause um weitere 1 bis 2 Prozent im Durchschnitt. Lebhafter war das Geschäft aber besonders in Sie- mans, Farben und Julius Berger. Siemens und Berger zogen gegen den Anfang um zirka 4 Prozent an. Auch BMW. gewannen im Verlaufe, veranlaßt durch die Zusammenschlußbestrebungen in der Autoindustrie, 3 Prozent. Für Thörls Oel, die anfangs wieder mit Minus-Minus-Zeichen an der Mallertafel erschienen, kam zunächst keine Rotiz zustande, später wurde der Kurs mit 22 nach 24 Prozent gestern festgesetzt. Rachdem das Geschäft vorübergehend etwas nachgelassen hatte, setzte sich gegen 12.45 Uhr eine neue Aufwärtsbewegung durch. Gießener Jugendgericht. 3n der jüngsten Sitzung des 3ugendgerichts wirkten als 3ugendschöffen mit Frau Margarete Schreine r, Witwe, von Alten-Buseck und Lehrer Philipp Hofmann von Lang-Göns. Am 28. August d. 3. fand in der Wehsteingasse unter Jugendlichen eine Schlägerei statt, bei der ein sremder Bursche von hiesigen körperlich verletzt wurde. Rachdem die Täter der Polizei namhaft gemacht worden waren, sollten sie zur Polizeiwache gebracht werden. Einer von ihnen war jetzt, wegen Wider st ands gegen d i e Staats-' g c to a 11 angeklagt. Da der Wachtmeister, dein gegenüber der Angeklagte sich tätlich widersetzt haben soll, zur Zeit erkrankt ist und die übrigen \ Zeugen keine ausreichende Auskunft geben konnten, mußte die Hauptverhandlung bis zur Genesung des Hauptzeugen ausgesetzt werden. Ein anderer Jugendlicher bzw. sein Vater hat gegen einen Strasbefehl Einspruch eingelegt, durch den er wegen FahrensinderDunkelheit mit einem unbeleuchteten Rade in eine Geldstrafe genommen worden war. Er erzielte eine geringe Herabsetzung seiner Strafe, nicht jedoch die gewünschte Freisprechung, weil das Gericht den Angaben des bett. Rachtschuhmannes, daß um die betreffende Zeit noch Dunkelheit geherrscht habe, vollen Glauben beimaß. Büchertisch. — Frank Matzke: Jugend bekennt: So s i n d w i r I Ganzleinen 6,50, kart. 4.50 Mk. Verlag Philipp Reclamjun., Leipzig. (481.) Die Probleme der jungen Generation stehen jeht im Mittelpunkt der Erörterung. Das vorliegende Buch stößt zum erstenmal radikal bis ins Zentrum der neuen Jugend vor. Sein Autor entstammt der Generation zwischen zwanzig und dreißig. Er versucht nicht, an Einzelheiten des Reuen herumzudeuten — ihnt geht es um das Ganze. Er legt das innerste Wesen der neuen Jugend frei. Dadurch, daß das Wesen der neuen Generation in ihrer Form erkannt ist, sind alle Feststellungen über den üblichen Streit der Meinungen hin- ausgehoben in eine allgemeinere Gültigkeit. Was dem Reuen im Wege steht, wird leidenschaftlich angegriffen. Dabei ist die Haltung des Autors durchaus sachlich. Sein Buch ist das Bekenntnis einer Generation. — Edmund Kih: Das gläserne Meer. Roman aus Urtagen. Leipzig 1930. Koehler & knielang, Verlag. Ganzleinen 6 Mark. (388.) — Die Geschichte der Sintflut, des auf die Erde nieber» brechenden Mondes — in der Offenbarung Johannis als das „gläserne Meer" geheimnisvoll angedeutet—, läßt der Dichter in einem spannenden Roman erstehen. Die gewaltsamen Veränderungen des Erdkörpers zerstören alles Leben, ganze Völker sterben in Nacht und Eis — wohin die Menschen fliehen, sie laufen dem Tod in die Arme. Zochaan, dem Erwählten des Geistes, ist es gegeben, die Sintflut zu meistern, aus dem Zusammenbruch Trümmer der Menschheit zu neuem Leben zu retten. Zn Leben und Lieben, Denken und Handeln vermochte der, Verfasser sich in eine vor Jahrtausenden versunkene, Zeit hineinzufühlen, um Menschen zu schildern, die • das furchtbare Schicksal dieser Erdumwälzung getragen haben. — Gustav Renkcr: Bcrgkri stall. Roman. 227 Seiten 8". Leinen 6 Mk. Verlag von Friedrich Reinhardt in Basel. (383) — Das Buch ist nur eine Schilderung des Hochgebirges mit seinen stillen, arbeitsamen Bewohnern, es ist zugleich eine Auseinandersetzung eines kraftvollen Menschen mit unserer Ueberzivilisation. Aus der Großstadt rettet sich ein junger Maler in die Reinheit der Bergnatur. Auf einer verlassenen Alp läßt er sich nieder und sucht sich innerlich von der Großstadt und ihren Menschen zu lösen. Die einzelnen Personen sind durchdacht und erlebt. — Abriß der Sozialpolitik. Von Professor Dr. Ludwig Heyde. 6. überarbeitete Auflage. Gebunden 1.80 Mk. 3n Sammlung Wissenschaft und Bildung, Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. (202) — Der Verfasser bringt das ganze Gebiet der Sozialpolitik leicht faßlich, aber doch wissenschaftlich, unparteiisch zur Darstellung und ermöglicht so einen raschen Ueberblick. Deutscher Bierkalender 1931. Ein künstlerischer Wandabreißkalenker. zweifarbig gedruckt, mit 120 Bildern. Verlag Kno-r & Hirth, G. m. b. H. München. Preis 2.75 Mk. (477.) — Zum viertenmal erscheint der „Deutsche Bierlalen- der" als unterhaltsamer Beitrag zur Kulturgeschichte des deutschen Brau- und Gastwesens und seiner Rebenindustrie. Seine Ausstattung ist gediegen. Sämtliche 120 Blätter sind zweifarbig auf Kunstdruckpapier gedruckt. Künstlerisch besonders wertvoll sind das vierfarbige Titelbild von Prof. Ludwig Hohlwein und die für das Werk eigen- gezeichneten Monatsblätter von Prof. Hermann Stockmann. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse Banknoten. Sranffud a. M Berlin Datum 27 11 28 11 63.5 229 131,13 133.25 131,25 132.4 128,5 69 27 Jloptmber 68,5 71 28 Jlopembtf 74,5 45,25 ! 45 ; 44,25 75 101 112 28 27 27 62 । Ganaba . 78 150: 135 I 150 134 I Ote hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloßenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o. H^ Lombardzinsfuß 6 o.H. 24 99 45,75 83,5 45 83 142 143.5 224 11 | 28 170,5 134,25 61.25 64,25 103,5 80,75 108,5 24,75 99,5 168,71 1,436 58,445 112,05 112,10 112,51 10,546 21,92 20,351 4,1915 16,462 81,155 46,65 2,076 0,399 58.995 12,431 7.408 73.26 3.035 18,80 81,39 1,784 5,431 4.193 3,277 20,87 169,05 1,440 58,565 112,27 112,32 112,73 10,566 21,96 20,391 4,1995 16,502 81,315 46,75 2.080 0,401 168.65 1,432 58,43 112,03 112,08 112.48 10,545 21.92 20.347 4,1905 16,453 81,155 46.59 2,076 0,395 58.98 12.43 7.408 73.25 3.035 13.80 81.39 1,784 5,431 4,193 3,257 20,87 59,10 12,45 7,422 73,39 3,041 18,84 81.55 1,789 5.441 4,201 3,263 20,91 63.5 32.13 144 146.5 226 59,115 12,451 7,422 73,40 3,041 13,84 81,55 1.789 5,441 4,201 3,283 20,91 168,99 1,436 58,55 112,25 112.30 112,70 10,565 21,96 20,387 4,1985 16,498 81,315 46,69 2,080 0,397 8 9 O 42 44 84,25 42,5 112.25 269 I 168 133 61,75 64 101,5 75 30 107 23,5 98 30,75 128 42 44,65 83,5 15 12 18 14 13'/, , 0 , 6 8 8 10 10 s 10 43 112,25 272 , 0 0 f II 1" 10 k 16’/, 10 10 15 Schluß« für« i Philipp Hol,mann . . ßementroetf Heidelberg (Eementroctf Äarlfia6t. Wavb & irrentafl . . Bereinigte Stahlwerke . Otavi Minen..... Kaliwerke Aschersleben . Kaliwerke Westeregeln . Kaliwerke GaUbetfurtb . 63,5 । 31,5 I 141,25 ; 143,5 223 I 11 I 28 1 I. G. Farben.Invuftrte. Dynamit Nobel . . . . EcheideonstaU. . » . . Goldschmidt . . . . . RüigerSwerke..... Metallgelelllchaft. . . . IW fl"r * Danzig. . Aonit.ntin. Arden. . 11 ru uäv. Cairo . . 9 5 6 B Schluß«. Anfang« fürs | Nur« Amtlich, Kotierung Geld vrie 27 11 28. 11 yirnft.« Ron. Buen.-AireS Bris.'Anlw. Christiania. Roprndagrn Stockholm - Heisingfors. ytalten. . . London. . . Weunoct . . Poris.... Schweiz .. Spanten. ?, apan . . . Aio be Jan. Wien In D-- £ eft. abgeil Prag - . . . Bcirrad . . Budapest. . Bulgarien Lissabon Amnichr lionerung Weid »ne Frankfurter Maschine« . Griyner....... Helsliaenstaedl .... Äungbans....... Lechwerke....... Mainkraftwerke Höchst a. Miag. ....... Gebe. Roeder ..... Boigl & Haefsner . . . Süddeutsche Zucker . . 23 61,75 । Echulldels Patzenhofer . Lstwerke....... Bfu......... Lemberg....... Zellstoss Saldbol . . . Zellstoss Aschossenburg . Charlottenburger Waller Dessauer Gas . Daimler Motoren . . . Teutlche Linoleum . . Mchchinenbau A.-S. . . Rat. Auwmobil . . . Lrcnstein & Koppel . . Leonharv Tietz . . • • Evenska ...... 60.13 64.5 101.75 75 Frankfurt a. WI. Serif' Frankfurt a. Ti. «Berlin Schluß- hirt l'Uhr- Kurs Schluß« kure Anfang« Kurs (Schluß, turs 1 «Uhr- Kurs Schluß, kurs Anfang- Kurs Datum 27 11 28 11 27 11 28 11 Datum 28 11 27 11 28 11 27 11 6% Deutsche Reich-anleihe 86,5 Hamdurg-Amettla Pakei . . . < 68 67,75 66,75 67.5 von 1927 .......... 7% Deullche Reichsanleihe — 86,9 — Hamburg-Südam. Dampfschiff. 8 Hansa Dampslchiss.....10 - 143,5 121,5 144 122 von 1929 .......... Deutsche Anl.-AblSl.-SchuId mit 98,25 — 98,5 Norddeutscher Lloyd.....8 Allgemeine TeutscheCreditanst. 10 68,25 69,25 68 96,25 69 97 Auelos.-Rechten ..... 51,9 — 52 52,25 Barmer Bankverein .... 10 100 —— 100 100,13 DeSgl. ohne AuSIol.-Rechie . . . 5,6 6 5,6 5,75 Berliner Handelsgesellschaft . 12 — 124,5 124,75 8% Hell. Bolkvstaat von 1929 88,5 Commerz- und Privat-Bank. 11 109,5 110 109,5 110 irückzohlb. 102%)...... — 88,25 — Darmstädter und Nattonalbank 12 145,5 145,5 146,5 Lberhessen Provinz • Anleihe mit Deutsche Bank und Auslos.Rechten....... Deutlckre Komm. Sammelabl. 50 — — — Lisconto-Gelellschast, ... 10 Dresdner Bank......10 107,25 107 108,25 107,4 107,4 108,13 109 Anleihe Serie 1 .... 8% Franks. Hnp.-Bank Goldpfe 49,25 — 49,6 — Reichebank........12 212 — 212 214 XIII unkündbar bis 1934 . . . 7% Franks. Hnp.-Bank Goldpse unkündbar bU 1932 ..... Rheinische Hyp.-Bank Ciqu. Goldpse......... 98,5 92,5 85,3 1 I I 1 I I AEG............o Bergmann.........9 Elektr. Lieferungrgelellschaft. 10 Licht und Kraft......10 Felten & Guilleaume . . . 7 y, Gesellschast für Elektrische 103 106,5 117,25 106,25 123 119,5 103 121 106,5 117,5 87,25 105 118,25 8% Pr. Londespicmdbriesanstall, Psondbriese iü. 19..... 8% Pr Landesplansbriefanstalt, 100 — 100 — Unternehmungen .... 10 Hamburger Elektrizilätt-Werke 10 109,5 - 109 102,9 110,5 102,75 Komm.-Lbl. R. SO...... 7% Pr. Lander-ptandbriesanstaU, 97 — 97 — Rbcmilche Elektrizität .... 9 Schlesische Elektrizität. ... 10 114 — 106.5 108 Pfandbriefe 81...... A S B. dbg. Bor>rregS-ObIigatio- nen. rückzahlbar 1932 97 95 f 1 97 1 1 Echucken & (Io.......11 Siemens & Halske.....16 Dransradto ......... t 117,5 157 — 161 118,25 157 120 119 159,25 Labmeper & Co....... 1< 121 — 121 — 4% Oesterretchtlchc iSolvrrnle . . 26 26 • 49,5 49,75 4,20% Oesterreichische SUberrenle — Buderus........ • 6 ■ — <% Oesterreichische Einheitliche Deutsche Erdöl ...... 6 Essener Steinkohle ...... 8 — 58,5 <% Ungarische Goldrente .... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4%% desgl. von 1913 .... 4% Ungarische Kronenrenle . . • <°9 Türkische Zollanleibe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anl Serie 1..... 4% desgl. Serie N....... 6% Rumänische vereinb. Rente von 1903 ....... X? A t E 5s4 ,(D c B1C' F ’5§ 5 4^ B ?5 £4^2 4Z 53 E B ■»; e-e 4^ Q L G -- E E L o E « E E -re-o - ’E.-S' r — a i o TT.2 ccßöt^S^B n.3?® B 5^2 j O)g o N s ®° E n E ,-E *-a 3 5 (9 o 13 E •e, 5 EN 2 iS e § 4 ® =o Bi 4 € 2 4 7 LZ 2N L.N- to q m = © -O % H Z.S 2 o.. 9 E« iä K ZN ■e s iS 4Q in tou to £ iS-N 6 Öo ö-Q £ 35 t>~ c u sauo s^-tSZ FZZA ?e io KS53Z3 Z-b ■S".2 o v.HÄ *■ 2ti>SSSo^ N 3 c E“ MI E-p^ « ■E s 2 2 E E-b ^g?C «J Sa H E S o_® eto'^ (5 §E E E 4s? ^7§ *• -*- ‘ff * *“ ZL © E to ® M Er E E <= E HS-Pj °s 8S * •e ZK *G ss Lis ■E'c7 2^1S-§ Ö? " B '6'_’S 2 2« *E'c*. S ES toi ewg^E c? c-e as 2 S« “ •J E toi'S €3E? -b.E iS L 2, >-18 = E ff 3 ’C toc ^E E «0 w = ©5?^® a^ to to a ■g^edo: ff?— >-. a -gE = €€ = '6': E 4 p“ g E 4> _O «l « g ■es E--€ E E E.E c •e<£? €e E« E c 4 q s E ßÄ -JA - 2. O -b 2 iS R S s 'S € = to B = U B c? E •e a tz iS 2 S •ti 3 5 gA :®s s I ••3 1C B -e 3 2 to73 E o# o o C3 sv ri o B § g o> 2 ZsZ £ o e° £ 3e re a 2 ®^ E 5 L E c? 8 L CX t E •%«£ K c e? m v -2Z C7 e E s gr B c Q _o — U. u. V ZAAZ -Z c-. re — -s?f S ® Ä 53.5 &5 s Ä S E E 2 ® Eä B g '® D u- k- äto^> e 5« Se^2 •«Ö» e %5-e ,^ff? ■e ®5 So o o «> - E 2 O LL5 *■ “ c 4 5QU>8KäQ LZ-Ö EA BQR e = 8 .o i X- o o ■te',2 A S E 5gSe g ® 3 a "E c B^ S »g| = Vs. E « I E.B E ol.'n c*iff. -Z-L ’E^X ■e° c >-- re E o K — E «C- ■sl^: R to a/’c V® »B E « z 5 O CD K W E §i 5 = - Z°s -,to 5g?B« 4 ^ £ bZ = X'T’io ° ö S c . 3Ss^=Ä = : ^e=i^=2 j-. in — o. a£5h e-o c-gff>8 ZiS^ .5'4 o L, ^'Sö: °.L- :— a< r- ZHZV e®U)Si= § Z Z ä? £> c £ 5 e c r ■42s X"~€ .'Lv ff § 2 .X §S !r »wS 2 -o B O.E C M — k- "E e» ,.>= «©£■“« .toc® 5 3 O -HZ IK' ■SEs E" 3toi o S® 4> ** Z gez »S«- °Z^4 L. — gi€B ä B E « "3 6? C e Ei A 5 C O E .Z toi =to°@l D e N E C7 p o 8 3 2© £«■' 9 i" ® — to -3^5 Eai„> c-2 c o 9-x> se?« =4° E «e=° gC7 =2 ^- c c rös-SoSsgöST; S^e ■seS-SSäE ■5 t Ei — BZN ’E'^Tx» E E *53.E c 3 .© sj,e c4EZlB4 L'LZD r *ö e ER in - 2 © BN-Z 8öRct2.-S® Sg e 8 i — E ® M°° 9*2* * i — c E u'E'* e i 2 g § €±» ß^ß°H IUZ^AZZZ 'o-h4sä=E' - = €e E _ „ s LZ «Bo E _« c-U)-^ p i - o) c ZL.§ZZ .c —s * B 'S" Z P X67 «- C- C ■& t. Q - -G ® >0 — _ © 5 3 q 2 S 3 " -bis 4 § i^N " oD c ** tfi E o O •— *2 aÄ-© 2 -° 3 3, E «u 3 i flgto lö=2«| »-e -s Ü 2 ® — c ZKLZSLL -w -53 ss O — “2cö 54°'*°^ 5sl=®=:=«= ■= 5 _ 45. x e 2 ZN 4§SeSö 4E-ff.'9:S o L-E^LGI 45 Z 4 - * ff ff 05— * 2 «.-e , *N e .5 c o _ s8l u E®^~ jx .5 .. ° p in 3 «_ ff 9 r- o ff «= c * 9 . "c °N B ff 3tS E» u“~ = A E c 2- i e-ö 3i £ K 3iv r®to- 2 .Q S fSg 5 61 S tSy ä ro 2 w w - o 3 er T 3 2 3 S' 2 a gö- 3. aZ-Z a o a E= 3 D er8 Ö8 5 2.8 dfls. Ö s isl ■ v> öS «> 2 ö3ro er» 35i.§ m -3-5 ro 2. 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