Nr. 252 Erstes Blatt 180. Jahrgang Dienstag, 28. Oktober 1950 er|d)tini logl'ch.autzei Sonntag» und Feiertag» Btllaatn: Vie Illustriert, Vtehenei FamilienblLttei Heimat >m Bild Die Scholle Monat» Bejugsorets: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger- lohn, auch bei Nichterscheinen etnzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Zenrsvrechanschlüfse anterSammelnummer2251 Anschrift für Drahtnachrichten Snjtiger riestet». Postscheckkonto: Zrantsuri am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vr»S und Verlag: vrühl'lche UnwersitülrGuch. und Stetnönidcrel R. Lange in «letzen. Sdjriftlelhmg und Seschäsirftelle: Schnlftratze r. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re- Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig. Platzoorschrift 20°/, mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lang«: für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in (Rieften. Der Sieg der Revolution in Brasilien. Oie wirtschafilichen Hintergründe. Don (L. von Ungern-Sternberg. Ebenso wie in Bolivien, Peru und Argentinien ist die Revolution auch in Brasilien siegreich gewesen. Generale haben die RegierungS- gewalt übernommen und die Diktatur verhängt. 3m Grunde hat sich aber wenig dadurch geändert, daß nun in Rio de Janeiro Generale und Admirale den Präsidenten Washington Lutz und Dr. Julio Prestes verdrängt haben. Die Krisen in den südamerikanischen Staaten sind dadurch nicht behoben und die Krankheitsherde nicht ausgemerzt worden. Die revolutionäre Regierung Brasiliens begann ihre Tätigkeit mit dem Verbrechen, den deutschen Passagierdampfcr „Baden" unter Artillerie- feucr zu nehmen und mehrere Passagiere und Mitglieder der Besatzung zu töten. Es war eine Tat, die sich nicht durch die revolutionäre Psychose, durch die Rervosität und durch ein Versehen entschuldigen läßt, sie fordert ernste und vollständige Genugtuung, ausreichende Entschädigung und Bestrafung der Schuldigen, und zwar um so mehr, als sie in ihren Motiven unverständlich ist. Den Anstoß zum Umsturz, aber nicht den wirklichen Grund, gab die akute Wirtschaftskrise, und zwar in erster Linie a u f dem Kaffeemarkt. Obgleich der Staat Sao Paulo, d. h. das Zentrum der Kaffeeproduktion, nur etwa ein Dreißigstel der Gesamtfläche Brasiliens umschließt, so beherbergt er doch ein Fünftel der Gesamtbeoölke- rung und er entscheidet über die Export- und Kauf, kraft des Landes. Früher besaß Sao Paulo eine Weltmonopolstellung und deckte etwa ein Drittel des gesamten K a f f e e b e d a r f e s der Welt. Der Kurs des Milreis und die Kreditwirt- schakt Brasiliens hingen mit der Preisgestaltung des Kaffees eng zusammen, ein Schwanken und Sinken der Kaffeepreise bedingte nicht nur eine Labilität der Währung sondern auch der allgemeinen Der- hältnisse des Landes. Das Sinken der Kaffeepreise, das zuletzt nicht mehr aufgehalten werden konnte, bedrohte das wirtschaftliche Rückgrat Brasiliens und führte zu einer Währungskatastrophe. Seit 1923 hatte die Regierung versucht, dem Zusammen- bruch durch die sog. Kaffeeverteidigungspolitik vor- zubeugen, indem sie die überschüssigen Kaffeemengen auf kaufte, um die Lücken schlechter Fahres- ernten zu füllen, aber die Ueberproduktion hielt an, schließlich konnten von 25 Millionen Säcken nur 15 Millionen verkauft werden, die übrigen wurden verbrannt, um einem vollkommenen Preissturz vorzubeugen. Auch der Kautschuk und die Baumwolle, auf deren Anbau man große Hoffnungen gesetzt hatte, verfielen der Krise und die übrigen Weltmarktprodukte Brasiliens (Häute, Tabak, Paranüsse usw.) gaben der Wirtschaft keine genügend feste Stütze. Dazu kam, daß auch die Industrie mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Während des Weltkrieges Fjatte sich Brasilien mit nordamerikanischem Gelde eine umfangreiche Tex- tilindustrie geschaffen, die bald durch hohe Schutzzölle gestützt werden mußte Sie erwies sich aber als nicht lebensfähig. Arbeiter mußten entlassen werden Betriebsstockungen traten ein und zu den übrigen Leiden kam die Plage der Arbeitslosigkeit Unter der Wirtschaftskrise in Brasilien hatten nicht nur die Hauptinteressenten, die Bereinigten Staaten und England, die Milliarden in Brasilien investiert haben, sondern auch Deutschland schwer zu leiden. Die deutschen Kapitalanlagen im Lande betragen 400 Millionen Mark und sind auf alle Wirtschaftszweige verteilt. Der deutsche Import, der während des Weltkrieges auf Rull gefunden war, erreichte 1928 wieder seine Vorkriegs, hohe und zeigte eine steigende Tendenz. Die Revo- lution und die Wirren Der letzten Monate haben den deutschen Firmen schwere Verluste gebracht. Die siegreiche Revolution steht nun den gleichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten gegenüber, wie die gestürzte Regierung des Dr. Washington Luiz und Dr. Julio Prestes, sie kann kein Wunder vollbringen, die Kaffeepreise in die Höhe treiben und den Wohlstand wieder Herstellen. Das sind Dinge, die außerhalb ihrer Reichweite liegen, darum allein hätte sich die Revolution nicht gelohnt, und die Sieger von heute haben wohl auch kaum geglaubt, daß sie die Kraft und die Möglichkeiten dazu haben würden. Aber die allgemeine Llnrast und Unzufriedenheit kam ihnen zustatten und tonnte von ihnen geschickt ausgenuht werden. Es ist in Südamerika leicht, die leitenden Staatsmänner persönlich zum Eündenbock für alle Mißerfolge und für die Leiden der Bevölkerung zu stempeln. Der Durchschnittsbrasilianer kennt sich in Fragen der Weltwirtschaft nicht aus, er begreift nicht, daß der Kaffee, der früher allen ein Wohlleben garantierte, von der Weltwirt- schaftskoniunktur abhängt, er mißt einfach dem Präsidenten und der Kaffeeverteidigungspolitik die Schuld an der gegenwärtigen Krise bei und läßt sich von ehrgeizigen Generälen und Politikern aufputschen. Es kommt hinzu, daß in Südamerika jeder Revolution noch ein ‘Begriff von Romantik anhaftet, ja, dah eigentlich Revolutionen zum staatlichen Werdegang gehören und dah man sich, seit etwa hundert Jahren daran gewöhnen muhte, Die Bundeshauptstadt Rio de Janeiro. a den Präsidentensessel als eine Art von Despotenthron zu betrachten. Man hat den südamerikanischen Staaten nach dem Muster der Vereinigten Staaten eine demokratische Verfassung wie eine Zwangsjacke angezogen, in die sich die Länder nur mühsam, oder gar nicht hin- einfanben. Die Eigenart der politischen Mentalität des Lateinamerikaners, die politische Hemmungslosigkeit der dünnen Oberschicht der Intelligenz, und das noch aus der Konquistadorenzeit stammende Vorherrschen desMili- t ä r s brachten es mit sich dah das persönliche, autokratische Regime eines einzelnen und seines Anhanges fast die Regel bilden, während die Bedeutung des Parlaments verblaht. Der Präsident ist mit großen Machtbefugnissen ausgestattet, die er nach Gutdünken zu erweitern pflegt. Die Präsidentenwahlen bedeuten einen Machtkampf zwischen zwei oder mehr Oligarchien, in dem alle Mittel erlaubt erscheinen, angefangen vom Raub der Urnen und der Fälschung der Wahlzettel bis zu Sequestration und Mord unbequemer Wähler. Auch der gestürzte Präsident Dr. P re ste s war auf diese Art gewählt worden, und der Gegenkandidat, der jetzige Führer der Revolution, Dr. Getulio Vargas, hatte nicht Anrecht, wenn er die Wahl beanstandete. Luiz und Prestes waren das Haupt der Sao Poulistaner Oligarchie, Daraas und sein Anhang vertreten Minas Geraes und den Süden. Ob Brasilien durch diesen Wechsel gewinnen wird, kann erst die Zukunft lehren. 3n der Regierung haben sich die Personen geändert,- das System dürfte aber dasselbe geblieben fein. Da Brasilien im Gegensatz zu den meisten spanisch-amerikanischen Ländern kein zentralistisch regiertes Land ist, sondern in Bundes st aa- t e n mit eigenen Präsidenten und Kammern zerfällt, so ist es möglich, dah einige Staaten die neugebildete Zentralregierung in Rio de Janeiro nicht ohne weiteres anerkennen und ihrerseits die Revolution fortsetzen. Land und Volk Brasiliens. Ein Zlächenstaat von ungeahnten Ausmaßen, geringer Bevölkerungsdichte und großen wirtschaftlichen Mögt chkeiten. Man muh bedenken, dah Brasilien 8*/2 Millionen Quadratkilometer umfaßt, also fast einen Flächenraum bedeckt, der dem des ganzen Europa (10 Millionen Quadra t l^meter) g eichk)mmt und über das Siebzehnfache des Deutschen Reiches (470C00 Quadratti ometer) ausmacht. Riesige, noch vielfach uuersLlossene Arwäl- der und Steppen bedecken einen großen Teil des Landes, der, wenn er kultiviert würde, noch viele Millionen Menschen ernähren könnte. Ganz Brasilien wird heute von nur 30 1 s Millionen Menschen bewohnt, zählt also noch nicht einmal halb soviel Einwohner wie Deutschland. Rur 3,6 Menschen kommen durchschnitt ich auf den Quadratkilometer, in Deutschland 135. Rur eine einzige Stadt Brasiliens wird von mehr als einer Million Menschen bewohnt, die Hauptstadt Rio de Janeiro, die 1 835000 Einwohner hat. Die Bevölkerung Brasiliens seht sich aus allen möglichen Rassen und Stämmen zusammen; Weißen, in der Mehrzahl Portugiesen, Spanier und Italiener, ferner Regern, Indianern und vielen Mischlingen. Indianer gibt es in Brasilien noch etwa 2,5 Millionen. Die uns bekannte Geschichte Brasiliens reicht bis in das Jahr 1500 zurück, wo das Land von dem portugiesischen Seefahrer Pedro Alvarez E a b r a l entdeckt wurde. Im Jahre 1530 wurde das Gebiet portugiesische Kolonie und blieb es, bis aufs äufcerfte vom Mutterlande ausgebeutet, bis zum Anfang des vorigen Jahrhunderts. Erst 1822 schüttelte Brasil en die Herrschaft Portugals ab und wurde ein eigenes Kaiserreich. Don Pedro, der Sohn des Königs Johann VI. von Portu- gal wurde zum Kaiser ausgerufen, muhte aber schon 1831 zugunsten seines erst sechsjährigen Sohnes abdanken. Auch unter Kaiser Pedro 11., der 1840 für mündig erklärt wurde, hörten die Aufstände und Revolten nicht auf, bis endlich 1889 der Kaiser durch eine vom Marschall Fonseca geleitete M lüärrevclution gezwungen wurde, das Land zu verlassen. Brasilien wurde jetzt eine Bundesrepublik mit 22 Staaten und einem Bundesterritorium, mit einem Präsidenten an der Spitze, der auf vier Jahre gewählt wird und die Exekutive ausübt, während die Gesetzgebung in den Händen eines Abgeordnetenhauses und eines Senats liegt. Schon feit der Entdeckung Brasiliens hat das Deutschtum in der Entwicklung des Landes eine nicht unbedeutende Rolle gespielt. Bereits im Jahre 1530 werden zwei Deutsche, Peter Rössel und Paul Werner, als Leiter einer Zuckersiederei in Sao Vincente im heutigen Staate Sao Paulo genannt. Auch späterhin waren stets viele Deutsche in Brasilien ansässig. Die Haupteinwanderung der Deutschen erfolgte aber erst zu Anfang des vorigen Jahrhunderts. 1821 wurde in Rio de Janeiro die deutsche Gesellschaft Germania gegrüntet, die noch heute besteht. Hauptsächlich im Handel, im Straßenbau und im Binnenschisfahrtsverkehr waren die Deutschen führend. Auch das Heerwesen stand unter deutschem Einfluß. Gras Wilhelm zur Lippe, General Joseph Böhm, Major vdn Schäffer, sind Rainen der damaligen Zeit, die auch heute noch in Brasilien einen guten Klang haben. Ganze Bataillone und Regimenter bestanden aus Deutschen. Heute bevölkern Deutsche besonders die südlichen Staaten: Dlu- menau, Sao Leopoldo, Petropolis, Donna Fran- cisca sind fast rein deutsche Städte. Insgesamt wohnen etwa eine Million Deutsche im Lande. Brasilien, ist auch heute noch ein Land von fast unbegrenzten Entwicklungsmöglichkeiten. Zum weitaus größten Teile außerordentlich fruchtbar, produziert fein Boden fast alles, was es an Boden» Produkten gibt. Tabak, Kakao, Reis, Rohrzucker, Kautschuk, Häute, Wachs, Nutz, und Farbhölzer, Baumwolle, Früchte aller Art, Eisen und andere Mineralien werden in Massen exportiert: auch Gold und Edelsteine werden vielfach gefunden. Das Hauptprodukt des Landes ist aber, wie schon oben ausgeführt, der Kaffee. 3mmer noch Unruhen in Rio. Vargas wird in Der Bundeshauptstadt erwartet. Neuyork, 27. Ott (TU.) In Rio de Janeiro wird der Ausständischenführer im Süden Brasiliens Dargas erwartet, um die provisorische Präsidentschaft zu übernehmen. Dieser Beschluß der Militärjunta ist nicht nur auf die öffentliche Mei- nung zurückzuführen, ausschlaggebend mar vielmehr die Tatsache, daß Bargas mit einer gut ausgerüsteten Heeresmacht von annähernd 30 000 Mann nach der Uebergabe der Bundestruppen seinen Vormarsch auf das Handelszentrum Sao Paulo fortsetzte. Er wäre jederzeit in der Lage gewesen, mit Militärgewalt seinen Willen durchzusetzen. Die neue Regierung wird vermutlich die Nachzählung der bei der letzten Präsidentenwahl abgegebenen Stimmen anordnen. Falls, wie behauptet wird, Prestes durch betrügerische Manöver für gewählt erklärt worden ist, dürste die Amtseinführung seines Gegners Vargas ohne Neuwahl am 15. November erfolgen. In Rio de Janeiro brachen erneut Unruhen aus. Sie begannen mit der Revolte eines Militär-Polizei-Regiments, welches tn die Zentralpolizeistation eindrang. Als die Unruhe zunahm, wurde Feuerwehr und Stadtpolizei aufgeboten, die die Aufrührer bekämpften. Bewaffnete Bürger eilten zu Hilfe. Rach kurzer Zeit rückten dann reguläre Truppen im Eilschritt heran und warfen rasch um das Kriegsministerium, das Polizeiquartier und das Auswärtige Amt Barrikaden auf. während Schützengräben in den Gärten längs der Guanabucht in der Rahe des Gloriahotels angelegt wurden. Militärflugzeuge kreisten über der Stadt und bombardierten die Kaserne des revoltierenden Polizeiregiments. Rach knapp zwei Stunden war die normale Lage wiederherge stellt. Oer Kapitän der „Baden" berichtet: Alle Vorschriften sorgfältig ausgeführt. Hamburg, 27. vkl. (TU.) vom Kapitän de» Dampfer» „Baben“ Rodin ist der hamburg- Amerika-Linie folgendes Telegramm über die Beschießung zugegangen: „.Baben* auslausenb, alle Kriegsfahrzeuge und Forts durch Senken der Flagge grüßend, mit besonderer Aussahrterlaubnis des Hafenkapitäns versehen, vor Passieren des Fort» Santa Cruz Pfeisensignal gebend, wurde, nachdem bereits Insel Cotunduba passiert hatten, beschossen. Granatvoiltrefser, Hinte r m ast über Bord. 26 lote und 43 verwundete. Barnen deutscher Passagiere bereits abgefandt. Zweck» provisorischer Reparatur und Ablegen Verklarung ist verbleiben bis Montagmittag erforderlich.“ Oie Untersuchung. Ter FestungstonimanDant soll Befehle mißverstanden haben. Berlin, 27. Oft. (WTB.) Die deutsche Gesandtschaft in Rio de Janeiro hat sofort nach Bekanntwerden der Beschießung des HapagdampferS „Baden" eine Untersuchung eingeleitet und zu diesem Zwecke eine deutsche Kommission an Bord des Dampfers geschickt. Zugleich hat sie sich mit den zuständigen brasilianischen Stellen in Verbindung gesetzt. Die brasilianischen Behörden haben ohne weiteres zugesichert, alles zuy Aufklärung des Falles Rotwendige einzuleiten und schuldige Personen zur Rechenschaft zu ziehen. Die Gesandtschaft ist angewiesen worden, auf Grund des sestzustellenden Sachverhalts angemessene Genugtuung und vollen Schadenersatz zu fordern. Entgegen den Meldungen, die über Reuyork nach Deutschland gekommen sind, ist festzustellen, daß der Kapitän der „Baden", Rolli n, nicht verhaftet worden ist. Gr ist ständig auf freiem Fuß gewesen. Der Dampfer hat unter seiner Führung bereits die Ausfahrt angetreten, nachdem die notwendige Reparatur ourchgeführt worden ist Wie Associated Preß berichtet, stellt das von der deutschen Gesandtschaft und vom Kapitän der „Baden" gesammelte Beweismaterial ein Verschulden des Festungskommandanten sest, der den verhängnisvollen Schuß abgeben lieh. Diesem Offizier wird vorgeworfen, daß er die militärischen Besehle sowie die schriftlichen Instruktionen des Hafenkapitäns bezüglich der Regelung der Dampferausfahrten mißverstanden habe. Em gutes Beispiel. Tie Reichsregierung für die Einschränkung öffentlicher Festlichkeiten. Berlin, 27.Oft (TU.) Amtlich. Bei der großen wirtschaftlichen Rot, mit der weiteste kreise des deutschen Volkes zu kämpfen haben, muh jedes Ueber maß an Feiern und Vergnügungen vermieden werden. Aus diesem Grunde haben die Reichs- und die preußische Sloalsregierung beschlossen, Einladungen gesellschaftlicher Arl nur beim vorliegen von besonderen Anlässen Folge zu leisten und ihre eigenen gesellschaftlichen Veranstaltungen auf da» Mindestmaß dessen zu beschränken, was mit pflichtgemäßer Repräsentation vereinbar ist. Der Herr Reichspräsident hat diesen Beschluß ausdrücklich gutgeheißen Die Reichsregierung und die preußische Staatsreglerung richten angesichts des Ernstes der Zeit an ölte kreise die dringende Aufforderung, auch ihrerseits die gesellschaftlichen Veranstaltungen einzuschränken und insbesondere von öffentlich en Fe st li chkeiten möglich st abzusehen. * Frühere Reichsregierungen haben wiederholt den Versuch gemacht, die Flut der Festlichkeiten einzudämmen. Denn es war unerträglich, daß nicht nur die Mitglieder der Negierung, sondern das gesamte öffentliche Berlin im Winter sozusagen aus dem Smoking nicht mehr herauskam. Bon großem Erfolg find diese Bestredungen bisher nicht gekrönt gewesen, denn eigentlich ist cs mit den offiziellen Abfütterungen immer schlimmer ge- worden Wenn nun die Reichsregicrung und die preußische Slaatsrcgierung neuerdings beschlossen haben, Einladungen gesellschaftlicher Art nur bei besonderen Anlässen anzunehmen und ihrer eigenen gesellschaftlichen Bcrpflichtungen auf ein Mindestmaß einzuschränken, so darf man hoffen, daß jetzt endlich der Anfang zu einer Beschränkung der offiziellen Geselligkeit gemacht wird, wie cs dem Ernst der Zett und der wirtschaftlichen Lage entspricht. Hoffentlich richten sich auch die übrigen Kreise, die es angeht, nach diesem Vorbild. Oie Städte fordern Aufgabenabbau. Kommunalfinanzen und Sanierungs» Programm. Berlin, 27. Ott. ('XU.) Dor Gesamtvorstand des Reichsstädtebundes tagte in Berlin unter Vorsitz des Bundespräsidenten Oberbürgermeister Dr. Dell an, um zu der durch das Sanierungs- Programm der Reichsregierung geschaffenen Lage eingehend Stellung zu nehmen. Der Gesamtvor- stand begrüßt grundsätzlich den Finanzplan der Reichsregierung als einen wichtigen Schritt zur Gesundung der öffentlichen Finanzen. Er stellt jedoch mit großer Besorgnis fest, daß das Programm für die durch die Wohlfahrts- erwerbslosenfürsorge schwer bedrängten Gemeinden im laufenden Rechnungsiahr keine Hilfe vorsieht. Die. neuen Steuer- Möglichkeiten der Rotverordnung können im günstigsten Falle einen Bruchteil des gemeindlichen Mehrbedarfs decken. Ruch die R e u r e g e - lung der Krisenfürsorge bringt keine E n t l a st u n g für die Gesamtheit der Gemeinden, sondern bedeutet für viele, besonders für die unter 10 000 Einwohnern, eine D e r s ch l e ch - terung ihrer Lage. Staats- und finanzpolitisch ist es nicht vertretbar, die Gemeinden zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Verpflichtung gegenüber dem Heer der Wohlfahrtserwerbslosen aus den gefährlichen Weg erneuter kurzfristiger Verschuldung abzudrängen, der überdies für die Mehrheit der mittleren und kleinen Städte nicht mehr gangbar ist. Sofortige Rotmahnahmen des Reiches für die Gemeinden sind daher ein dringendes Gebot der Stunde. Dazu gehört auch wcitgehendcArbeitsbeschasfung durch günstige Finanzierung von Rotstandsarbeiten in den mittleren und kleinen Städten. Schwere Gefahren drohen den Gemeinden auch für 1931, da nach dem Finanzplan der Reichsregierung der Rückgang an Reichs- stcuerüberweisungen für 1931 erheblich höher sein wird, als die Ersparnis infolge der Besoldungskürzung. Auf der anderen Seite ist mit einer Minderung der Ausgaben für Wohlfahrtserwerbslose im Rechnungsjahr 1931 kaum zu rechnen. Daraus ergibt sich die Verpflichtung des Reiches, auch für 1931 die Gemeinden knirch einen Aufgabenabbau als besten Ausgabenabbau zu entlasten. Joseph Wirth auf dem Kriegspfade. Sperrung der Polizcizufchüfsc für Braunschweig. Berlin, 27. Oft. (WTB.) Der Reichsminister des Innern hat an die braunschwei- gische Staatsregierung ein Schreiben gerichtet, in dem er darauf aufmerksam macht, daß er sich eine Entscheidung hinsichtlich der Auszahlung weiterer Zuschüsse aus R e i ch s m i t t e l n z u m Z w e cke des po li- zeilichen Schuhes an die braunschweigische Staatsregierung vorbehält. Ueber die Begründung zu diesem Schritt war Räheres noch nicht zu erfahren, doch wird man in der Auffassung nicht fehlgehen, daß er in unmittelbarem Zusammenhang mit der Entwicklung steht, die der Fall Franzen in den letzten Tagen genommen hat. Der preußische Iustizminister hat beim Reichsminister des Innern beantragt, daß beim Reichstag die Genehmigung zur st r a f r e ch t l i - chen Verfolgung Dr. Franzens in seiner Eigenschaft als Mitglied des Reichstages wegen des Vergehens der Begünstigung eingeholt wird. Wie dre „Vossische Zeitung" erfährt, bedeutet das Schreiben Dr. Wirths praktisch schon d i e Sperre der Zuschüsse: es sei lediglich eine höflicher^ Form für diese Anordnung gewählt worden. Zu der Maßnahme habe sich Dr. Wirth veranlaßt gesehen, weil der braunschweigische Iustizminister Franzen, der als Innenminister gleichzeitig die Polizeiverwoltung unter sich habe, in Berlin Polizeibeamten gegenüber in einem Ermittlungsverfahren unzutreffende Angaben gemacht habe. Cs müsse Bedenken auslösen, wenn ein Minister des Innern, der ja in dieser Eigenschaft der oberste Träger der Polizeigewalt in seinem Amtsbezirk ist, in eine Angelegenheit verwickelt erscheint, in der es sich um den Versuch der unrechtmäßigen Haftbefreiung eines wegen Verletzung der Bannmeile Inhaftierten handelt. Oer Reichspräsident an General Heye. Zum Ausscheiden des Chefs der Heeresleitung. Berlin, 27. Okt. (CNB.) Reichspräsident von Hindenburg hat an den Generaloberst Heye folgendes Schreiben gerichtet: Sehr geehrter Herr Generaloberst! Euer Hochwohlgeboren habe ich durch, Verfügung vom heutigen Tage mit dem 31. Oktober 1930 den Abschied aus dem Heeresdienst unter Gewährung der gesetzlichen Versorgung und mit der Berechti- flung zum Tragen der Uniform des 1. (preußischen) Infanterieregimentes mit den Abzeichen des Generalobersten bewilligt. Bei Ihrem Ausscheiden können Sie auf eine mehr als 40jährige, an Erfolgen reiche Laufbahn in der ruhmreichen alten Armee und dem Reichshecr zurückblicken. Die hohen Verdienste, die sie sich — im Krieg und Frieden au verantwortungsvollen Posten berufen — erworben haben, sichern Ihnen einen ehrenvollen Platz in her Geschichte der Armee, wie auch ganz besonders Ihr Wirken als Chef der Heeresleitung, das von dem Gedanken getragen war, die stetige Aufwärtsenwicklung des jungen .Reichsheeres auf der von Ihren Vorgängern geschaffenen Grundlage trotz schwerer Zeiten zu sichern und auszubauen. Rehmen Sie hierfür den Dank des Vaterlandes und des Heeres entgegen. Im Gedenken Ihrer verdienstvollen Tätigkeit als Kommandeur der Ersten Division will ich durch dieVerleihungderUnisormdesErsten (preußischen) Infanterie-Regiments auch für die Zukunft Ihre Verbundenheit mit unserer schwer ringenden, abgetrennten Provinz O st - preußen und ihren Truppen zum Ausdruck bringen. Als äußeres Zeichen meiner Anerkennung werde ich Ihnen meinBildmitUnterschrift zugehen lassen. Mit kameradschaftlichem Gruß Ihr (gez.) Hindenburg. Am neunten Jahrestage des Faschismus. Mussolini fordert Revision der Verträge und Gleichberechtigung der Völker. Ztalren als Vorbild für ein faschistisches Europa. Rom, 27. Oft. (TU.) Das neunte Iahr faschistischer Zeitrechnung, bas mit dem 28. Oktober, dem Iahrestag des Marsches auf Rom beginnt, leitete Mussolini mit einer großen Rede vor den Führern des Faschismus ein. Mussolini erinnerte an seine im Mai in Florenz und Mailand gehaltenen Reden, in denen er „jenem alten heuchlerischen Europa, das in Gens vom Frieden stammele und überall zum Krieg rüste", die Maske habe her unterreiß en wollen. Diese Reden seien dann als eine Kriegserklärung ausgesaßt worden, während man vergessen habe, daß der Krieg gegen das faschistische Regime seit acht Iahren von den Männern, Gruppen, Parteien und Sekten geführt werde, auf die er in Florenz angespielt habe. Faschisten töten, weil sie Faschisten sind, das faschistische Regime verleumden, um ihm jeden Kredit zu nehmen, ist das nicht eine Kriegshandlung, fragte Mussolini. Dieser geistige Krieg bereite den militärischen Krieg gegen das saschistiichr Regime vor. Bald werden wir auch Kindern die Hände abgehackt haben, wie dies den Deutschen im Jahre 1914 nachgesagt wurde, was nicht ausschloß, daß sich jede Spur dieser verstümmelten Kinder verlor. So sind auch die Argumente, die gegen den Faschismus geschleudert werden, um den haß gegen das faschistische Italien, der von Millionen und Abermillionen gezündet wird, zu schüren. Wir kämpfen gegen eine untergehende Welt. Es ist zwangsläufig, daß dieser geistige Kriegszustand besteht und sich verschärft: denn wenn es nicht so wäre, wäre der Faschismus heute überwunden. Indessen werde neben dem geistigen Krieg die Vorbereitung des materiellen Kriegs an den Grenzen Italiens beschleunigt. In den Akten, die Sie hier sehen, sagte Mussolini, sind die militärischen Vorbereitungen ausgezeichnet, die seit 1927, also lange vor den Reden von Livorno, Florenz und Mailand, gegen Italien unternommen worden sind. Hier ist die Liste der aufgefteUten Batterien, der errichteten Forts, der vorbereiteten und angelegten Armierungen. Konnte ich noch länger warten, um das italienische Volk wachzurütteln? Natürlich haben diejenigen, denen die Maske herunlergerissen wurde, versucht, Italien als die einzige Gefahr für den europäischen Frieden hinzuslellen, als den einzigen Mols unter einer Herde friedlicher Lämmer. Dieses Spiel ist zuLnde. Das faschistische Italien wird in dem Maße rüsten, wie olle rüsten. Ls wird abrüsten, wenn olle abrüsten. Ls soll durchaus klar sein, daß wir materiell und geistig rüsten, um uns zu verteidigen, nicht um anzugreifen. Das faschistische Italien wird niemals die Initiative zu einem Kriege ergreifen. Auch unsere Politik der Revision der Verträge ist darauf gerichtet, einen Krieg zu verhüten, eine ungeheure Ersparnis, diejenige eines Krieges, zu machen. Die Revision der Friedensverträge liegt nicht im hauptsächlich italienischen Interesse, sondern im Interesse Europas und der Welt^ Das ist nicht sinnlos oder undurchführbar, da diese Revisionsmöglichkeit auch im Bölkerbunds- paft vorgesehen ist. Sinnlos ist nur die Behauptung der Unbeweglichkeit der Verträge. Wer verläßt den Völkerbundspakt? Diejenigen, die in Gens zwei Kategorien von Staa - t e n geschaffen haben und für alle Ewigkeit ausrechterhalten wollen, nämlich bewaffnete und waffenlose. Welche jur.Wche und moralische Gleichberechtigung kann zwischen einem Bewaffneten und einem Waffenlosen bestehen? Wie kann man wollen, daß diese Komödie endlos weitergeht, wenn die Hauptdarsteller selbst anfangen, ihrer müde zu werben? Der Sah, daß der Faschismus kein Ausfuhrartikel fei, bedarf der Korrektur. Denn der Faschismus als Idee und Doktrin der Leistung ist universell, italienisch in seinen Einrichtungen, universell dem Geiste nach. Man kann also an ein faschistisches Europa Öen-1 ken, ein Europa, das seine Einrichtungen auf der Doktrin und der Praxis des Faschismus aufbaut, d. h. ein Europa, das im faschistischen Sinne bas Problem des modernen Staates löst, des Staates des 20. Jahrhunderts, ber ganz verschieden ist von den Staaten, die vor 1789 bestanden! oder sich später bildeten. Mussolini gab dann den Faschisten die Kampfparole für das neunte Iahr desFaschismus.in dem er Glaube, Manneszucht, Eintracht, Opferbereitschaft und Brüderlichkeit forderte, und sagte weiter: Das faschistische Italien ist eine ungeheuer große Legion, die im Zeichen des Liktorenbündels einem Morgen entgegenmarschiert, das größer sein wird. Riemand vermag sie auf^uhalten. Riemand wird sie aufhalten. Sie ist die Botschaft für das morgen beginnende neunte Iahr der faschistischen Aera. Oie pariser presse zur Muffotim-Rede. Paris, 28. Oft. (WTB. Funfspruch.) Die Morgenpresse beschäftigt sich eingehend mit der Rede Mussolinis. „C ch o d e P a r i s" meint, das Wesentliche an der Rede Mussolinis sei die Forderung Italiens nach Vertragsrevision. Alles andere sei nur rednerisches Beiwerk, auch die Bemerkung, daß Italien niemals die Initiative zum Kriege ergreifen würde, den es doch vorbereite. Zwischen Frankreich und Italien sei seit langem ein Abgrund entstanden, den die Diplomaten nicht leicht überbrücken würden. — „Petit I o u r n a l“ schreibt, Mussolini wolle eine Revision der Verträge zugunsten der Besiegten, vor allem aber auch zugunsten Italiens. Richt nur in Frankreich, sondern in den meisten Ländern sei man der Ansicht, daß Europa bei einem solchen Abenteuer nichts zu gewinnen hätte, sondern im Gegenteil vieles aufs Spiel sehen würbe. Uebrigens biete der Versailler Vertrag oder vielmehr das Völkerbundsstatut das Mittel zu einer Rachprüfung einer politischen Lage, die sich zu einer Bedrohung sür den Frieden auswachscn könnte. „Mpubliquc" führt aus, Mussolini habe, bevor er gedroht habe, mit allen demagogischen Mitteln versucht, von der französischen Regierung finanziellen B e i st a n d zu erlangen. Die französische Regierung sei auf seine Avancen nicht eingegangen. Deshalb wende sich Mussolini jetzt mit besonderer Heftigkeit gegen Frankreich. — „Avenir" schreibt, wenn Italien glaube, daß es bei Friedensschluß nicht den ihm gebührenden Lohn erhalten habe, müsse es doch eigentlich das übertriebene Wohlwollen bedauern, mit dem die Alliierten Deutschland behandelt hätten. Statt dessen wende sich Italien gegen Frankreich. Man müsse Mussolini mit gleicher Klarheit antworten. Frankreich wolle keine Revision. Schwere Ausschreitungen gegen Deutsche in Ostoberschlesien. Unerhörte Gewalttaten der Aufständischen. Ka tt o wi tz, 27. Okt. (TU.) Die Ausschreitungen der polnischen Aufständischen gegen die Deutschen'in Ostoberschlesien nehmen immer weitere Ausmaße an. Heute werden wiederum ganz unerhörte Vorfälle bekannt, die sich am Samstagabend in der Ortschaft 9! i t o l a i zugetragen ^haben. Dort veranstaltete die Ortsgruppe Rikolai der Gewerkschaft der Ange st eilten eine stark besuchte Generalversammlung. Während der Sitzung erschien mit Gesang ein Trupp Aufständischer und umstellte sämtliche Eingänge des Versammlungslokals. Mehrere Aufständische in Uniform drangen in das Versammlungszimmer ein und schleuder- tenStühleindendichtbesetztenRaum. Der Versammlungsteilnehmer bemächtigte sich eine unbeschreibliche Erregung. Zahlreiche Frauen verfielen in Schreikrämpfe, als sich die Aufständischen auf die Versammlungsteilnehmer stürzten und unbarmherzig a u f s i e e i n s ch 1 u g e n. Ein Teil versuchte, sich durch die Fenster in Sicherheit zu bringen, während die übrigen Versammlungsteilnehmer durch die rechts und links am Ausgang postierten Aufständischen, die mit Knüppeln b c w a f f - n e t waren, regelrecht Spießruten laufen mußten. Unbarmherzig wurde auf wehrlose Frauen und ältere Männer eingeschlagen. Einzelnen Teilnehmern sind dabei auch noch die Brieftaschen geraubt worden. Auch die zurückgelassenen Mäntel, Aktentaschen und Hüte sind zum Teil verschwunden. Rach ihrer „Heldentat" veranstalteten die Aufständischen in demselben Lokal eine Kneiperei. Ein P o 1 i z e i k o m m i s s a r, der mit zwei weiteren Beamten in einem Nebenzimmer desselben Lokals gesessen und von den UeberfaUenen auf die Gewalttaten der Aufständischen aufmerksam gemacht wurde, tat sehr verwundert und verlangte zu» nächst von dem Versammlungsleiter die Prüsung der A n w e s e n h e i t s l i st e. An demselben Abend wurde der Buchhalter G a l k a auf dem Heimweg von mehreren Aufständischen überfallen und derart geschlagen, daß er bewußtlos liegen blieb. Als seine ihn begleitende Ehefrau die Banditen um Rücksicht bat, wurde auch fie niedergeknüppelt. Ebenso wurden zwei Mitglieder der Korfanty- Partei verprügelt. Auch aus anderen Orten werden zahlreiche UeberfäHe auf Deutsche gemeldet, die zum Abschluß der antideutschen Woche statt- gesunden haben. Ein Märtyrer der deutschen Minderheit. Clf Jahre schweren Kerkers für Jude. In aller Stille ist in G r a u d e n z der deutsche Landwirt F u d e wegen Spionage z u elf Iahren schweren Kerkers bei zehnjährigem Ehrverlust und zu einer Geldstrafe von 55 600 Zloty verurteilt worden. Wenn nicht dem kurzen Telegramm, das dieses Urteil meldet, die Erklärung beigegeben wäre, daß Fude in dem Reu- höfener Grenzzwischenfall eine, wenn nicht gar die Hauptrolle gespielt hat, würde man bei uns Wohl kaum von der Verurteilung Kenntnis genommen haben. Aber Fude verdient es doch, daß man sich mit ihm und seiner Rolle im Reu- hösener Zwischenfall etwas näher befaßt, weil sich in ihm das Schicksal unserer Minderheiten auf polnischem Boden verkörpert. Fude ist mehrere Monate vor der Schießerei bei Reuhöfen durch die polnischen Behörden gezwungen worden, sich a n r e i chs deutscheBe- anite heranzumachen und dafür zu sorgen, daß dem polnischen Spionagedienst Material verschafft wird. Rur weil er die Leiden nicht mehr länger ertragen konnte, denen er ausgesetzt war, entschloß er sich endlich, dem polnischen Drängen nachzugeben. Gr stellte die gc- wünsch'en Verbindungen her, ließ aber die deut- schon Behörden nicht im Unklaren über seine Mission. So kam es denn zu der Zusammenkunft zwischen Angehörigen der polnischen Spionage und deutschen Beamten, die damit endigte, daß die beiden polnischen Unterhändler nach einer Schießerei verhaftet werden konnten. Fude, der natürlich vorher in feinen Heimatsort zurückkehren mußte, wurde daraufhin verhaftet und ist jetzt zu einer schweren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Man macht ihm den Vorwurf der Spionage, in Wirklichkeit ist er aber ausgeschickt worden, um die Interessen der polnischen Spionageorganisation zu vertreten. Fude hätte sich zu dieser Handlung niemals hergegeben, wenn er nicht unerhörten Drangsalierungen ausgesetzt gewesen wäre, die ihn seelisch und körperlich zermürbten. In diesem Urteil spiegeln sich die Leiden wider, denen das Deutschtum in Polen ausgesetzt ist, auf dessen Angehörige eben erst wieder in Oberschlesien die sogenannten Aufständischen mit Knüppeln und Revolvern Jagd machen. Aus aller Welt. 19. Verbandslag des Reichsverbands^deulscher poff- und Idegrapl)enbeamf?r. ■** Der 19. Verbandstag des Reichsverbandes deutscher Post- und Telegraphenbeamter, der jetzt 147 000 Mitglieder zählt, nahm am Sonntag im Zoo seinen Anfang. Der Verbandsvorsigende Kugler wies darauf hin, daß der Großteil der Postbeamtenschaft noch immer gehaltlich schlechter gestellt sei, als 1913. Der Verband wende sich daher gegen den Plan einer einseitigen Belastung der Beamtenschaft. Es sei notwendig, sich gegen den vom sozialdemokratischen Allgemeinen Deutschen Beamtenbund aus- geübten Terror zu wenden. Die Mitglieder des Reichsverbandes sollten sich noch mehr als bisher um die politischen Vorgänge kümmern und sich auch parteipolitisch organisieren. In der Aussprache wandte man sich u. a. gegen den Abbau der Berufs- beamten bei der Post, gegen die geplanten Urlaubs- kürzungen, gegen die Überschreitung der 48-Stun- den-Woche, sowie gegen die Praxis von Postleitern, die amtlich angeschafften Bilder der Reichspräsidenten Ebert und von Hindenburg aus politischen Gründen wieder aus den Diensträumen zu entfernen. In einer Entschließung wurde die geplante Gehaltskürzung in der voryeschlagenen Form a b « gelehnt, da sie jede soziale Rücksichtnahme auf die geringer besoldeten Beamten vermissen ließe. Die Freigrenze müsse beträchtlich erhöht und ferner ein Weg gefunden werden, auch die hohen Prioat- einkommen zur 2lufbringung der Lasten heranzuziehen. Von der Reichsregierung wird erwartet, daß sie nichts unversucht lasse, um die notwendige Preissenkung herbeizuführen. Schwere Sturmschäden in der Türkei. Smyrna wurde von einem Orkan heimgesucht, den Wolkenbrüche begleiteten. 42 Personen haben dabei den Tod gefunden, 14 werden noch vermißt. 387 Häuser sind vollständig, 90 zum' Teil zerstört. Mehrere Eisenbahnbrücken sind eingestürzt. In Konstantinopel sind zwei Häuser im Galataviertel, die von griechischen Arbeitern und ihren Familien bewohnt waren, infolge der kürzlichen schweren Regengüsse e i n g e st ü r z t. 15 Personen sind bereits aus den Trümmern ausgegraben worden, die mehr oder weniger ernstlich verletzt waren. Es besteht Grund zur Annahme, daß sich etwa 10 Leichen in den Ruinen befinden. Bei Smyrna hat sich das Ueberschwemmungsgebiet sehr ausgedehnt. Die elektrische Kraftstation steht zum Teil unter Wasser, und die dadurch entstandene Dunkelheit erhöhte die Bestürzung der Einwohner. 60 Einwohner sind ertrunken, und viele hundert haben Verletzungen erlitten. 855 Häuser sind teilweise ober ganz zusammengestürzt. Die landwirtschaftlichen Bezirke um Smyrna herum sind ebenfalls heimgesucht worden, und eine große Anzahl Vieh ist ertrunken und weggeschwemmt worden. Friedensakademie Dr. Siresemann. Die Carnegie - Stiftung veröffentlicht die Liste der amerikanischen Persönlichkeiten, die die Vereinigten Staaten in der Friedensakademie, die den Rainen Dr. Stresemann tragen werde, vertreten würden. Man finde darin u. a. Murray Butler, Präsident der Columbia-Universität: die früheren Staatssekretäre Kellogg, Colby und Elihu Root,; die früheren Botschafter Hill, Gerard und H o u g h t o n : Oberst House und Owen D. Boung. Line siebenköpfige Familie oerbeannt Ein furchtbares Brandunglück auf einem Gut in Soberbina in der Rähe von Olivares (Spanien) forderte das Leben einer siebenköpfigen Familie. Auf dem Gut brach Feuer aus und dehnte sich mit ungeheurer Geschwindigkeit auf die Rebengebäude des Gutes aus. Das Dach des Wirtschaftshauses, in dem ein Angestellter mit seiner Frau und seinen fünf Kindern wohnte, stürzte zusammen und begrub die Bewohner unter den Trümmern. Rach mehrstündigen Bemühungen konnten die Unglücklichen nur noch als verkohlte Leichen geborgen werden. Lin amerikanischer Zionislen-hilfsfonds. Die 250 reichsten Iuden der Stadt Reuyork beschlossen, einen zionistischen Hilfsfonds zum Schuhe der jüdischen Rechte in Palästina unter dem britischen Mandat zu bilden. Gleichzeitig wurde der Plan gefaßt, an die Juden und die Richtjuden einen Appell zu richten, sich für die Innehaltung heiliger Versprechungen und internationaler Verpflichtungen einzusehen. die sich aus der Balfour-Deklaration ergeben. 25 000 Dollar wurden bereits für den Fonds gezeichnet. Arbeitslosenfürsorge im reichen Amerika. Die Lage der Arbeitslosen in Reuyork ist so ernst, daß die Polizisten von Reuyork eine Sammlung zu ihren Gunsten veranstaltet haben, um sie in die Lage zu sehen, sich Lebensrnittel zu kaufen. Die Beiträge der Polizisten gehen von einem halben bis zu fünf Dollar. Man nimmt an, daß diese Sammlung in drei Monaten 35 000 Dollar ergeben wird. Spenden für die Opfer von Alsdorf und Maybach. Der Herr Reichspräsident hat als Hilfe für die Opfer der Bergwerkskatastrophe auf Grube Maybach einen Betrag von 10 000 Mk. aus seinem Dispositionsfonds bewilligt. S. H. P a p st Pius XI. hat durch den apostolischen Runtius in Berlin den Familien der verunglückten Bergleute von Aachen eine Spende ton 10 000 Mi. überweisen lassen. Aus ber Provinzialbauptstadt Dießen, den 28. Oktober 1930. Anleihegläubiger des Reiches Achtung! Die Ziehung, der am 31. Dezember 1930 zur Rückzahlung gelangenden Auslosungsrechte der deutschen Anleihe-Ablös.« Schuld hat am 6. d. 1 stattgefunden. Aach Mitteilung eines führenden Berliner Börsenblattes sind aus früheren Verlosungen Deutsche Anleihe-Ablös.-Schuld + Auslos.-Aechte im Rückzahlungswert von insgesamt über 2 0 Millionen Mark bisher noch nicht zur Einlösung gebracht worden. Gs ist au^u- nehmen, bah cs sich dabei um Stücke handelt, die von den Besitzern selbst verwaltet werden, wodurch die erfolgte Verlosung bisher nicht zu ihrer Kenntnis gelangte. Wie wir erfahren, find die hiesigen Banken und Sparkassen bereit, die Berlosungskontrolle kostenlos vvr- zunehmen. Es empfiehlt sich daher für die Besitzer, ihre Stücke alsbald zur Prüfung vorzulegen, zumal die Verzinsung mit dem Tage der Verlosung aufhört. Das gleiche dürfte für alle übrigen Aufwertungsanleihen, mit denen Auslosungsrechte verbunden sind, zu empfehlen sein. Gichcner Wochcnrnarktpreise. Gs kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 150 bis 160, Kochbutter von 120 an, Matte 30 bis 35, Weihkraut 5 bis 6, Wirsing, Rotkraut, Selbe und rote Rüben 8 bis 10, Spinat 15 bis 20, Inter-Kohlrabi 5 bis 6, Rosenkohl 30 biS 35, Feldsalat 80 bis 100, Tomaten 25 bis 50, Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich und Schwarzwurzeln 40 bis 60, Kürbis 8 bis 10, Kartoffeln 3,5 bis 4, Aepfel 25 biS 50, Birnen 15 bis 40, Dörrobst 30 bis 35, Aüsse 40 bis 60, Honig 40 bis 50, junge Hähne, Suppenhühner und Gänse 100 bis 110 Pf. da« Pfund: Käfe (10 Stück) 60 bis 140 Pf.: Tauben 50 bis 70, Gier 15 bis 16, Blumenkohl 30 biS 70, Salat 10 bis 15, Salatgurken 20 b:s 30, Endivien 10 bis 15, Ober-Kohlraäi 6 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 50 Pf. das Stück: Radieschen 10 bis 15 Pf. das Bund: Kartoffeln 2,20 bis 2,50, Weißkraut 3, Wirsing 4, Rotkraut 5 Mark der Zentner. vornotizcn. — Tageskalender f ü r Dienstag. Ltadttheater: „Die Prinzessin und der Eintänzer", 20 bis 22 älhr. — Filmvortrag: „Die deutsche Hochseefischerei", 20 älhr, im Saale des Eas^ Leib. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Spielereien einer Kaiserin". — Astoria-Licht- spiele: „Polizei-Spionin 77" und „Der Grenzreiter von Texas". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute, 20 älhr, findet die Aufführung von „Die Prinzessin und der Eintänzer" (Lustspiel von Engel und Grünwalds statt. Spielleiter ist Peter Fassott. Sn den Hauptrollen sehen wir Loni Leutholf. Eduard Wesener, Maria Koch und Walter Bäuerle. — Morgen, Mittwoch, geht die Erstaufführung des Schauspiels: „Reid- hardt von Gneisenaü' von Wolfgang Goetz über die Bühne. Das Schauspiel errang bisher einen außergewöhnlich großen Erfolg und hinterließ einen tiefen Eindruck. Oberspielwiter Bäuerle hat das Stück zusammenaezvgen und läßt es in 15 Bildern abrollen. Technische Vervollkommnung der Bühne ermöglicht es, die Bilder zum größten Teil bei offener Szene zu wechseln. Beginn 19.30 ülhr. — Volkshochschule. Man schreibt und: Heute beginnen die Kurse „Eharakterbildung", „Kann die Bibel dem heutigen Menschen noch etwas sein" und „Englisch für Anfänger" in der ilnitXTfität, „Rhythmische Körperschulung" Grabenstraße 11 Hinterhaus: die Uebungsstunde des Kammerorchesters findet in der Oberreal- fchule, Singsaal, statt. Räheres siehe heutige Anzeige. — Der Mandolinen - und Gitarrenverein „A e a p o l i t a" veranstaltet am Sonntag, 9. Aovember, in der Reuen Aula der Uni- versität unter der Leitung des Dirigenten Hans Sonntag sein diesjähriges Herbstkonzert. Als Solistin wurde Frl. Luise Walker auS Wien (Gitarre) gewonnen. Räheres in der heutigen Anzeige. * *• Bereicherung der städtischen Gemäldegalerie. Eine wertvolle Bereicherung hat die städtische Gemäldegalerie zu verzeichnen. Als Leihgabe ist ihr von Professor Dr. E K ü st e r die vorzüglich gelungene Kopie eines die Kunst des Meisters vortrefflich darstellenden Bildes von A. Böcklin zugewiesen worden, das „Heiligtum des Herakles". Das Original des Bildes befindet sich im Museum für bildende Künste zu Breslau: es stammt aus den fruchtbaren florentinischen Jahren Böcklins (1879). Das Entgegenkommen des Herrn Professors Dr. Küster ist um so höher zu bewerten, als die städtische Gemäldegalerie kein Bild besitzt, das von der Kunst Böcklins eine Vorstellung gibt. Besichtigung kann am ersten Sonntag ■eine« jeden Monats, zum ersten Male am ersten Sonntag des Monats Rovember. erfolgen. ** Straßensperrung, mitgeteilt vom Ober- hessischen Automobilklub E. V. (21. v. D.) Gießen: Wegen Ausführung von Kanalisationsarbeiten wird die Ortsdurchfahrt Grünberg im Zuge der Straße Gießen-Alsfeld vom 29. Oktober ab für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung über Göbcln- rod—Beltershain—Lehnheim. " Die Wiederbelebung de-Bürger- verein« soll in einer Dersammlung am morgigen Mittwochabend im „Postkcller* erfolgen. Sn einer Sitzung des Ausschusses für die Reu- gestaltung der Satzungen ist die politische Reu- tralctät des Vereins in einwandfreier und klarer Weise vorgesehen worden, und wenn die morgige Versammlung diesem Beschlüsse beitritt, dürfte der Dürgerverein in seiner neuen Schaffenszeit zu einem Sammelbecken sämtlicher Kreise der Bürgerschaft werden. Die Versammlung sei zu starkem Besuche angelegentlich empfohlen. ’* Keine Sonntagsrückfahrkarten am Reformationsfest! Zu unserer Notiz vom vorigen Samstag über die Gültigkeit von Sonntagsrückfahrkarten anläßlich des Reformationsfestes, die uns von dem TU.-Dienst übermittelt worden war, wird uns von der Pressestelle der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. folgendes mit- geteilt: „Zur Ausschaltung von Zweifeln macht die Reichsbahndirektion darauf aufmerksam, daß die Gültigkeitsdauer der Sonntagsrückfahrkarten anläßlich des Reformationsfestes nur dort verlängert ist, wo das Reformotionsfest als gesetzlicher Feiertag anerkannt ist. Im Bezirk der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. ist dies nicht der Fall." (Die Vergünstigung gelte, wie uns vom Bahnhof Gießen erläuternd hinzugefügt wird, nur in Sachsen als einem rein protestantischen Gebiete. D. Red.) Das Haus der Burschenschaft „Germania" am Wetzlarer Weg wird zur Zeit durch Umbau wesentlich erweitert, da die Räume den Bedürfnissen des HauSbetriebe« schon lange nicht mehr genügten. Durch die Opferwilligkeit der Alte-Herren-Dereinigung gelang es, die Mittel in langjähriger Sammelarbeit aufzubringen. Der Umbau wird nach dem Plan de« Architekten Ern st Schmidt unter dessen Bauleitung ausgeführt und umfaßt einep Anbau der Rückseite des Gebäudes durch alle Stockwerke, den Ausbau der seither offenen Veranda an der Straße und innere bauliche Veränderungen. Rach dem jetzt fertigen Rohbau kann man bereits fest- steUen, in welch vorteilhafter Weise neue Räume geschaffen und alte diesen angegliedert worden sind. Das Haus soll zum Sommersemester 1931 wieder in Betrieb genommen werden. "* Wohltätigkeitskonzert zu m Besten der Kleinkinderkrippe. Man schreibt uns: Da die Räume für die seit Satyr- zehnten im Evangelischen Schwesternhaus unter» gcbrachte Kleinkinderkrippe nicht mehr ausreichten, hat der Allgemeine Verein für Armen- und Krankenpflege im Garten des Schwesternhauses einen Äeubau errichtet, der nun für 40 bis 50 Kinder ausreichen wird. Zum Besten der Einrichtung dieses Reubaues wird am Freitag, 31. Oktober, 20 Uhr, in der Sohanneskirche ein Konzert stattfinden, bei dem Frau Gertrud Weyl (Gesang), Organist Habicht (Orgel) und die Kapelle unseres Bataillons mitwirken werden. Der Besuch sei, auch im Hinblick auf den gemeinnützigen Zweck der 'Veranstaltung, angelegentlich empfohlen. RähereS in der heutigen Anzeige. '*5 0. Geschäftsjubiläum. Der Friseurmeister PH. Stier, Wilhelmstraße 1, begeht heute sein 50. Geschäftsjubiläum. Durch Syndikus Röhr von der Handwerkskammemeben- stelle Gießen, sowie einer Abordnung der Friseurinnung wurde dem Subilar der Ehrenmeisterbrief überreicht. Es ist das eine Auszeichnung, die nur wenigen Handwerksmeistern -uteil toirb._ Herr Stier ist der einzige noch lebende Gründer der Friseurinnunq. ' Arbeitsjubiläum. Am heutigen 28. Oktober kann der erste Kabelmvnteur beim städtischen Elektrizitätswerk, Heinrich Leid- ner, Rordanlage 7 wohnhaft, auf eine 25- jährige Tätigkeit beim Elektrizitätswerk zurückblicken. Durch seine berufliche Tüchtigkeit uni Zuverlässigkeit, sowie durch seine ausgezeichneten persönlichen Eigenschaften hat sich der Subilar große Wertschätzung 'bei der Werkdirektion, seinen Vorgesetzten und Mitarbeitern erworben. An seinem heutigen Subiläumstage wurden ihm daher von der Werkleitung und den Mitarbeitern herzliche Ehrungen bereitet. Geburtstage und diamantene Hochzeit. Am 1. Oktober konnte der Rentner So bann Rickel, wohnhaft Großer Steinweg, seinen 83. Geburtstag feiern. Deine Ehefrau kann am 29. Oktober den 82. Geburtstag begehen. Das greife Ehepaar wird am 29. Rovember die diamantene Hochzeit feiern. "EineFünfundsiebzigjährige. Ihren 75. Geburtstag kann am morgigen Mittwoch, 29. Oktober, in körperlicher und geistiger Frische Frau Katharina Kimmel Witwe, geb. Weisenbach, Schillerstraße 27 wohnhaft, begehen. " Der Münzendiebstahl im Pfarrhaus zu Groß-Felda, über den wir gestern schon kurz berichteten, stellt sich als die Tat eines Einbrechers dar, der anscheinend auf Reisen ist und an den verschiedensten Orten kurze nächtliche Gastspiele gibt. Die an den Spuren festgestellte Arbeitsweise ist nämlich die gleiche wie bei dem Einbruch, der vor einigen Tagen in der Villa des Freiherrn v. Berlepsch in Büdingen ausgeführt wurde. Bei dem Münzendiebstahl wurden etwa 150 Münzen der verschiedensten Art im Werte von rund 1500 Mark gestohlen. Die Polizei hat die Spuren de« Einbrechers gesichert und auch Fingerabdrücke genommen. Die weiteren Rachforschungen sind zur Zeit im Gange. " Der Goethebund erfreute am Sonntagabend seine Mitglieder und Freunde mit einem Vortrage, den die j)örer noch lange in guter (Erinnerung behalten werden. Es sprach vor einer zahlreichen Zuhörerschaft der Professor Roy aus Lahore (Indien), der zur Zeit an der Universität Berlin wirkt, an Hand sehr guter Lichtbilder über „Das Wunderland Indien". Zunächst wies er auf die vielfachen geistigen und kulturellen Verbindun- gen zwischen Deutschland und Indien hin und erörterte dann die Beziehungen der germanischen Lande zu Indien auf dem Gebiete der indo-germanischen Sprache, wobei er gleichfalls mancherlei innige Berührungspunkt- hervorhob. Sodann ließ er seine Zuhörer im Geiste eine Rundfahrt durch die bedeutendsten indischen Städte und Landschaften unternehmen, die durch wundervolle Lichtbilder zu einem einzigartig schönen Erlebnis wurde. Der Vortragende beschränkte sich dabei nicht nur auf die Vorführung der vielfachen baukünstlerischen Schönheiten, die das Wunderland Indien in so über- reicher Zahl aufzuweisen hat, sondern machte seine Hörer auch in sehr aufschlußreichem Vortrage — nebenbei bemerkt spricht Professor Roy ein geradezu vortreffliches Deutsch — mit den Eigenschaften der indischen Volksstämme und ihren Sitten und Gebräuchen näher bekannt. Man gewann dadurch ein umfassendes Bild von der indischen Kultur und dem indischen Volkstum, das eine schätzenswerte geistige Bereicherung für jeden der Zuhörer bedeuten wird. Am Schlüsse seines gut zweistündigen Vortrages sprach der Redner über das Verhältnis zwischen den Indern und den Engländern, wobei er interessante Ausschlüsse über die indische Freiheitsbewegung und die bedeutsame Rolle Gandhis gab. Er zog dabei u. a. gewisse Parallelen zwischen der Arbeit der englischen Diplomatie zur Zeit des Welt- Krieges gegen Deutschland und dem Wirken der Eng- länder in dem Freiheitsringen der Inder gegen deren berechtigte Wünsche. Daß der Vortragende durch seine eindrucksvollen Darlegungen ein starkes Echo bei den Hörern gefunden hatte, bewies die überaus herzliche Dankeskundgebung, die Professor Roy von der zahlreichen Zuhörerschaft bereitet wurde und die zugleich als eine herzliche Kundgebung deutscher Sympathie mit dem um seine nationale Freiheit ringenden indischen Volke bezeichnet werden kann. " Scherber-Ga st spiel. Am Samstag- unb Sonntagabend gab der Artist KarlScher- b e r, ein älniversalkünstler und Vielseitigkeits- Phänomen auf dem Gebiete der Zauberei, im Saale des Cafö Leib vor einem sehr interessierten Publikum Darbietungen aus dem Gebiete seiner Kunst, die man als wohlabgerundete Spitzenleistungen von geradezu verblüffender Vielseitigkeit bezeichnen muh. Der Künstler erfreute zunächst mit Hand Zaubereien, die zwar nicht in allen Teilen Reues brachten, jedoch immer wieder als Ergebnisse meisterhafter Fingerfertigkeit gern gesehen werden und viel Vergnügen bereiten. Ramentlich die Münzenbeschwörung (der Künstler vermochte einen wahren Talersegen herbeizu- sühren) dürfte wohl bei manchem Besucher den Wunsch nach der Ausbildung gleicher Fähigkeiten geweckt haben. -Rach einer ganzen Anzahl weiterer fesselnder Zauberkunststücke überraschte der Künstler durch fein Können auf dem Gebiete der Schnellmalerei, ferner als Songleur und Gedächtniskünstler. 11. a. brachte er es auch fertig, lebende Tauben, Hühner, einen Gockelhahn und sogar eine ganze Entensamilie auf die Bühne „heraufzuzaubern", eine Tat, die natürlich mit lebhaftem Beifall der Besucher quittiert wurde. Ferner zeigte sich der Künstler als vollendeter Darsteller von Persönlichkeiten, die in der Welt eine bedeutende Rolle spielen: u. a. kopierte er durch Maske und Haltung Bismarck, Menzel, den Turnvater Sahn, Hindenburg, den Bundes- kanzler Schober usw. in sehr guter Weise. Mit erheiternden Handschatten-Pantomimen fand das von musikalischen Darbietungen umrahmte, wohlgelungene Programm feinen Abschluß. Die Besucher dieses amüsanten Abends dürften wohl sämtlich auf ihre Kosten gekommen sein. Wettervoraussage. Die Wetterlage liegt im Grenzbereich der sich ausbreitenden abflachenden Störung über Polen und dem von Südwesten her ausgebreiteten hohen Druck. Während im nördlichen und östlichen Deutschland die Rückseite der Störung unbeständig ist, wolkiges und vielfach regnerisches Wetter verursacht, herrscht in unserem Bezirk durch den hohen Druck aufheiterndes Wetter. Die neue Islandstörung, welche sich mehr südwärts über die britischen Snseln ausbreitet und bereits anfängt, den hohen Druck zu verdrängen, dürfte somit unter milder Westluftzufuhr Bewölkung und auch Niederschläge nach dem Festlande bringen. Dabei steigen im allgemeinen die Temperaturen vorerst etwas an. Aussichten fürMitt wvch: Meist tooTfifl, etwa- wärmer, zeitweise Riederschläge. Aussichten sürDonnerstag: Roch ver- einz.'lte Riederschläge. Temperaturen wenig verändert, bewölkt mit Aufklaren. Lufttemperaturen am 27. Oktober: mittags 8,5 Grad Celsius, abends 6,1 Grad: am 28. Oktober: morgens 3,8 Grad. Maximum 8,8 Grad, Minimum 3,7 Grad. — Erdtempcraturen in 10 an Tiefe am 27 Oktober: abends 7,2 Grad: am 28. Oktober: morgens 5,4 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer fünf Stunden. — Niederschläge 0,3 mm. Oie Wetterlage. Qwoixtnios O neuer. (> nait> Bedeckt. » woiKig, < oedeewu eltcgc^ * Schnee olreupein * Hebel "KOewit-er.^)Wind5tillc-O» ld» leichte» Ost £ oaisige» SOdsudwesi b stürmuche» *ordwe$l Oie Heue fliegen Gründei 1929'? d'° 'm 2. Viert« 29. Dttober t der Registra «"läge 33 zi Gießen, b ""dzwor in i. "limeldun SNtsämt ^"dwirtschgf, ^ich an Gründe« Tri .„^nannte j •te W9tal Ä-KZ ßulcno iu unserer 8 5o Mt' Drand. Di 6üdung. y Perugia^ u Monte au Llmbrie hatten an bündel ent Es war. al Abendhimr grämig zog Eine so! Heiligen m gens" noch flutete die rampenart«! und es wa Händen. lhi die dreißigi übernachtete Umkreis wo Die Autvm Minister m Watts zu k Mönchen i leuchteten fnhfo J i - :fi« -N Nur solange Vorrat relchtl Pfund 35 Pfennig e. G. m. b. 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Oktober starb unser Alterskamerad Heinrich Wilhelm Hahn Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 29. Oktober, nachmittags 2 Uhr statt Um zahlreiche Beteiligung bittet der Voratand.^ Konsumverein Gießen u.Umg. EISU-Betten (Stahl u. Holz) Polster. Scblafzimm^Siahlmair. Kinderb.Chaisel. a-Pri- rate. Ratenzl. Katal.fr Eisenmöbelfabrik Suhl Else Dittmar Gießen, Löwengasse 20 Vom 28. Oktober bis 6. November 1930 sehen Sie in unseren Fenstern Jlibeits- und Berufs-tfdnifiirerft Während 40 Jahren haben wir die von uns gewählten Fabrikate ausprobiert Auf Grund dieser Erfahrung bürgen wir für einwandfreie Qualitäten, so daß diese Schuhe in höchstem Maße die Ansprüche erfüllen, die an sie ge- Emvteble Kölner Schwarzbrot aeicbntif.,niiö reinem .'HonnenfdnoL wohlschmeckend und letdn verdaulich bei Stoffwechsel, Darm-, Dia» gen-u.Zuckerkranken ätAil.empiobl. 7293D Bäckerei Carl Haas Bleichstraßo 21 Weltspartag 1930 73261' erhalten Sie nach kurzer Wartezeit von der ältesten mitteldeutschen Bausparkasse ThurinSia A.G., Eisenach Kommen Sie zum VORTH AG am Donnerstag. 30. Okt., 8 Unr aoend-i, ins Rest. Hindenburg, Gießen. Landesgesch.äftsstelle: Hessen - Frankfurt a.M., Hochstraße 19p. Telephon 28260. Bezirks-Vertretung: Gießen, Rodheimer Str.42. 7323 V ständiges Schlafzimmer, zwei Betten, eine Waschkommode, eine Registrierkasse, zwei komplette Eisenbahnen. 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Unsere Verteilungsstellen in Gießen haben einen Posten afei-Äpfel Bullen- u. Eberverkauf. Die Gemeinde Watzenborn-Steinberg verkauft auf dem Wege des schriftlichen Angebots einen jungen, zum Sprung nicht tauglichen Simmentaler Bullen. 7333D Ebenso verkauft die Gemeinde einen zum Sprung nicht mehr tauglichen Eber. Angebote pro Zentner Lebendgewicht für die beiden abzuschaffenden Tiere sind bis zum Freitag, dem 31. Oktober 1930, mittags 12 Uhr, auf hiesiger Bürgermeisterei einzureichen. Die Verkaufsbedingungen können vorher eingesehen werden. Watzenborn-Steinberg, 27. Oktober 1930. Hessische Bürgermeisterei. Schäfer.___________ Reserven u Geschäftsguthab. 125 000 RM. Haftsummen.............. 300000 „ Gesamtgarantiesumme..... 425 000 RM. 430 Mitglieder Arbeitsvergebung. Auf Grund der Reichsverdingungsord- nung sollen in der Gemeinde wieseck fta- uaiisierungs- und Lhaussierungsarbeilen owie das Liefern von 440 cbm Kleinschlag auf dem Submissionswege vergeben werden. 7334D Die Bedingungen liegen auf hiesiger Bürgermeisterei offen, woselbst auch die Angebote bis zum Freitag, dem 31. Oktober 1930 vormittags 10 Yi Uhr eingereicht werden müssen. Freie Wahl unter den Bewerbern bleibt Vorbehalten. Wieseck, den 28. Oktober 1930. Hessische Bürgermeisterei Wieseck. S ch o m b e r, Bürgermeister. ■ütt) u.che zum Eintritt am L Dluöemuer »Mtjliogerelertitrii Mit guten Facbkenniniffen und Umgangs- mrmen. Schriftliche Bewerbungen mit ZeugntSablchrinen erbeten. <><*668 Robert Haas Nadii. Volksbank Giefeen e. G. m. b. H. Westanlage 33 | Kaufgesuche | Gute MW« zu kaufen gesucht. 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Es war, als ob der beizende Rauch den glasklaren Abendhimmel zerfressen hätte — grau und griesgrämig zog der Hochzeitsmorgen auf. Eine solche Rächt hatte das Felsennest des Heiligen noch nicht erlebt, die „Stadt des Schweigens" noch nie einen solchen Verkehr. Er überflutete die engen mittelalterlichen Straßen und rampenartigen Berggassen wie ein Wolkenbruch und es war keine genügende Kanalisation vor- hmrden, ihn aufzunehmen und abzuleibm. Wo die dreißigtauseno oder fünfzigtausend Fremden übernachteten, wer will das sagen. In toeitem Umkreis war kein Hotelzimmer mehr aufzutreiben. Die Automobile folgten sich Gummi an Gummi. Minister mußten die Ellbogen brauchen, um vorwärts zu kommen, die Soldaten schlugen bei den Mönchen ihr Biwak auf. Und hinter allen beleuchteten Fenstern bückten sich dunkle Mädchen- köpse und rotgearbeitete Augen über Stickereien für die Aussteuer. Hundert Presseleute fragten mehr, als ein Heiliger antworten tonnte, dreißig durften im Brautzüge mitmarsch eren. Mussolini war erst am Rachmittag in Rom abgefahren, steuerte wie üblich seinen Wagen selber und kam schon am Abend angerast. Die drei Hofzüge setzten sich in Pisa in Bewegung imt> punkt 9 Uhr kam endlich durch bk schürfe Absperrung Ruhe in das unfranziskanische Treiben, in die Stadt der Grauen Brüder, wo sonst eine hohe Uniform Aufsehen erregt und jetzt Fürsten sich drängten wie arme Pilger. Ihrer fünfzig oder mehr zogen mit Gefolge zu der oberen Basilika hinauf, geführt von einem offenen Wagen, in dem ein bleiches, junges Mädchen in mystischer Versunkenheit saß, die königliche Braut. Es regnete, es regnete stark, aber es regnete Blumen. Vor Jahren verfiel Johanna von Savoyen dem geheimnisvollen Zauber von Assisi, wo der Aermste der Armen gelehrt. Sie hatte nur den einen Wunsch, über dem Grabe des Heiligen zum Altäre schreiten und an seinem Sarkophage beten zu können, bevor sie als Königin eines fernen Landes die Heimat verließ. Schon lag das Schiff unter Dampf, das sie noch am gleichen Tage von Brindisi toegtragen sollte ... Jedem theatralischen Pomp abhold, bangte sie um ihr Heiligtum. „Verschandelt mir bloß mein Assisi nicht!" mahnte sie die Zeremonienmeister und Präfekten. Keine schweren Portieren, nicht Purpur und Fransen! Keine Tribünen für die Gäste und fein sogenanntes Festkleid für die altehrwürdigen Paläste und Klöster und Kirchen! Aber als sie sich der Stadt näherte und ihr Blick auf ein einziges Meer von Grün und Weiß und Rot fiel — denn die bulgarischen Farben sind auch die italienischen —, da mußte sie doch lächeln. Das Völkchen, das sonst nur ärmliche Pilger und neugierige Fremde zu sehen getommt, wollte halt auch was haben von dem historischen Ereignis. Alle, wie wir kamen und standen, alle waren übernächtigt, aber selbst von den Zuschauern, die sich schon nachts angestellt hatten, wankte und- wich nicht einer, als die aufgeschwollenen Wolken JA 51 MW - ♦ o Links: Das Brautpaar verläßt nach der Trauung das Kloster von Assisi. — Rechts: Die königlichen Hochzeitsgäste im Brautzug: Vorn: Zar Ferdinand von Bulgarien mit Königin Helena von Italien, dahinter der König von Italien mit Königin Sofia von Griechenland. in dem Augenblick, wo die Braut am Arme chres Vaters die Kirchenschwelle überschritten hatte, zerbrachen wie Flaschen. Drinnen im Tempel wiederholte sich die von der römischen Kronprinzenhochzeit her bekannte Zeremonie. Rote Kissen vor dem Altar, sechs Dronzeleuchter und Blumen in alten umbrischea Keramikschalen, sonst kein Schmuck. Sicheren Schritts unbeweg ich die Züge, gcht d ieD r a u t durch das doppeltgetürmte Spalier mitfühlender oder kritisierender Augen. Ihr folgt König Doris, der die Königin von Italien führt. Darauf Zar Ferdinand mit der Kronprinzessin Maria I o s €, dann der Kronprinz Humbert mit seiner Schwester Mafalda, der Prinz von Hessen mit dem letzten, noch un° vermählten italienischen Königstöchterlein — ein Diadem nach dem andern. Schließlich der Duce, der Außenminister G r a n d i, Uniformen, Fräcke. Stilecht, das heißt franziskanisch Messe und Trauung. Kein Kirchenfürst und kein Prälat zelebriert, sondern der Kustodus der Kirche, Pater R i s s o. Er richtet die entscheidende Frage auf Italienisch an den Bräutigam, und der König antwortet militärisch: Si! Die Braut muß zuerst die väterliche Einwilligung einholen. Erst als Viktor Emanuel ihren fragenden Blick mit Kops- ikicken beantwortet, sagt sie gleichfalls mit fester Stimme ihr Ja. Aber dann geht es chr doch nicht anders als einem tiefveranlagten bürgerlichen Mädchen auch, sie führt das Spihentuch an die Augen. Die Ringe find gewechselt. Pater Risso hält, das ist wieder das kleine Assisi, eine Ansprache und versäumt nicht, nach den Vorschriften des lateranischen Versöhnungsvertrages dem jungen Ehepaar seine Pflichten vorzulesen, wie zum Beispiel Artikel 132, der die Ehefrau zur Unterstützung des Mannes verpflichtet, wenn dieser keine Mittel mehr hat. Als Königin von Bulgarien verläßt Johanna von Savoyen die Basilika. Als Brautgeschenk der Franziskaner hat sie ein winziges Stückchen vom Dettelgewand des Priesters der Armut erhalten — ergreifender konnte kein Symbol fein. Run schreitet sie am Arme ihresMannes, vom ersten Sonnenstrahl angelächelt, den Weg der Päpste hinunter zur unteren Kirche, steigt hinab — das sehen wir nicht — in die rauhe kalte Gruft, in die düster wuchtenden Gewölbe, Abschied zu nehmen von Franz von Assisi. Damit ist das Mysterium, wie sie es erträumt, zu Ende. Was noch folgt, ist nichts anderes als eine höfische Hochzeitsfeier. Evviva! Evviva! Gin Orkan von Stimmen, ein Sturm von Hüten und Tüchern und Fahnen. Dreihundert weihe Mädchen ebben vor und zurück wie Brandungswellen. Königsmarsch und Faschistenhymne. Fahrt zum Rathaus, Ziviltrauung, Erscheinen auf dem Balkon. In einer zwei Stunden entfernt liegendem Privatvilla warten dreihundert Gedecke und die ganze Straße ist mit Blumen übersät. Die kleine Maria hat der Schwester die lange Schleppe in der Kirche zurechtgelegt, die Edelleute verstanden das nicht. Jetzt fährt sie versonnen über die Blumen Sie ist die letzte — wer wird der Ritter sein, der sie holt? Oer „Kalte Markt" zu Homberg. = Homberg, 27. Oft. Der bedeutendste Markt Hombergs ist der Kalte Markt. Er hieß ursprünglich Simon- und Iubae-Markt. Zum erstenmal findet sich die Benennung „Kalter Ma.kt" in den Stadtakten vom 5. September 1756. Roch im Jahre 1554 war ein Viehmarkt für den „Warmen" und den „Kalten" Markt verboten. Mehr als hundert Jahre später, am 13. Januar 1681, wurde der Stadt durch landgräfliche Huld das Recht verliehen, zwei weitere Krämermärkte in Verbindung mit Viehmärkten abzuhalten, nämlich im Monat Januar Sebastianis- markt und im April Oftermartt. Es läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, wann der Kalte Markt erstmalig als Krämer- und Viehmarkt abgehalten wurde. Landgraf Georg II. erließ im Jahre 1645 ein Verbot, Jahrmärkte an Sonn- unb Feiertagen abzuhalten. Deswegen fielen bie Markttage in bet Regel auf Mittwoch. Daß heute noch bic Bewohner ber Umgegend so stark sich am Marktleben beteiligen, hat feinen Ursprung in der Hauptsache in ber Gröhe des ausgedehnten Postbezirks Homberg. Ferner wgr hier ein Kasten- rechner für die Kirchengemeinden der weitesten Umgegend angestellt, und der Kaminfegerbezirk erstreckte sich auf den Landgerichtsbezirk Homberg. Auch gefta-tete die nahe Landesgrenze jeglichen Verkehr mit den preußischen Rachdarn, so dah Homberg der Mittelpunkt für Hande l und Ver keh r ber ganzen Umgebung wurde. Schon im Jahre 1065 war Hohunburch in Urkunden verzeichnet und wird dort als älteste Stadt im Kreise Als.eld erwähnt. Die hohe Burg hielt nämlich die Feinde ab. Dort fanden die Bürger Schuh bei stürmischen Zeiten. Im Jahre 1360 wird Homberg uf ber Ohm als Stabt genannt unb gehörte halb zu ben angesehensten bes Hessen!andes. Damals war fein Reichtum bedeutender als heute. Die Wohlhabenheit wurde durch den regen Fleiß der Bürger vermehrt, besonders durch die sechs Zünfte, die es im Jahre 1587 gab. Das handwerkslose Land war auf bie Erzeugnisse ber Zünfte angewiesen. Die Preise hierfür setzte ber verewigte Zunftmeister fest, wodurch freilich ber freie Wettbewerb unterbunden toutbe. Durch bie „freien" Märkte sollte ein Wettbewerb im Können unb Vollbringen angebahnt werden, so bah Bürger und Bauer bei größter Auswahl preiswert kaufen konnten. Der diesjährige Kalte Markt war vom besten Wetter begünstigt unb erfreute sich eines guten Besuches. Zahlreiche Stände hatten auf dem Marktplätze Aufstellung gefunden. Kleidungsstücke, Gebrauchsgegenftände aller Art, Zuckerfachen waren ausgestellt. Die „wahren Jakobs" hielten durch ihre marktschreierischen Redensarten die Käufer im Banne und fanden Absatz. Aber es dürfte dem aufmerksamen Besucher nicht entgangen fein, daß das Geschäft doch unter der schlechten wirtschaftlichen Lage litt. Das Karussell, die Schießbude und sonstige Schaubuden sehl.en in diesem Jahre. Der Auftrieb an Ferkeln betrug 436 Stück. Für 6 bis 8 Wochen alte Ferkst wurden pro Kopf 15 bis 20 Mk. unb für 8 bis 12 Wochen alte 20 bis 32 Mk. gezahlt. Taten für Mittwoch, 29. Oktober. Sonnenaufgang 6.46 Uhr, Sonnenuntergang 16.41 Uhr. — Mondausgang 14.29 Uhr, Monduntergang 22.30 Uhr. 1790: der Pädagoge Adolf Diesterweg in Siegen geboren; — 1918: Auflösung der österreichisch- ungarischen Monarchie. 4 500 Bauern spielen Schach. Besuch im Schachdorf Ströbeck. Bon Hans Brückner. Wie ich von ber kleinen Eisenbahnstation frühmorgens durch bic Hauptstraße bes Dörfchens Ströbeck schlenbere, sehe ich vor ber Warnungstafel „Schule" zwei kleine Jungen. Wie Kampfhähne gehen sie aufeinander los unb beide find mit großen Brettern bewaffnet. „Vorspiel des Zeichenunterrichts", vermute ich. Aber bie angeblichen Reißbretter haben weihe unb schwarze Quadrate. „Wozu habt chr benn die Bretter hier, Jungens". erkundigte ich mich. „Schach", erklärt einsilbig der ältere der Raufbolde. „Aber jetzt braucht ihr doch keine Schachbretter!" „Doch, wir haben Schachstunde." Die Sache macht mich neugierig. Dis jetzt habe ich noch nicht gewußt, bah Schach ein Schulfach ist. Vielleicht hat man es aber in ben letzten Jahren bazu gemacht. Ober haben mich am Enbe diese Rangen beschwindelt? Während ich so vor der Schule stehe, merke ich. daß auch die anderen ankommenden Jungens unb Mabels Schachbretter bei sich tragen. Manche klemmen sie unter den Arm; die Kleinen, für die das Drett länger ist als der Arm, müssen sie hoch halten. Ueberall sieht man die 64 Felder. Die Schachstunde, das neueste Unterrichtsfach der deutschen Volksschule, muh ich mit ansehen. Der Lehrer lächelt. Höflich meint er: „Sie sind im Irrtum, mein Herr. Das hat mit dem Lehrplan der Schulen nichts zu tun. Es ist lediglich eine Besonderheit unseres Ortes." Er lädt mich ein, einer Schachstunde beizuwohnen. Es ist eine Stunde für bie Fortgeschrittenen. „Es wirb nicht so interessant werben wie sonst", entschuldigt er sich. „Aber, wenn Sie morgen wiederkommen wollen, ba nehmen wir bie ganz Kleinen vor; das ist bann bebeüTcnb unterhaltender. Die Abc- schützen erhalten nämlich die Grundlagen des Spiels praktisch und theoretisch erklärt, und es ist sehr interessant zu beobachten, wie überlegen bie meisten lächeln, wenn man anfängt, ihnen bie Grunbzüge beizubringen. Dauernd» greifen sie selbst vor, benn sie haben ihre Kenntnisse schon in der Familie erlangt" Ich setze meinen Spaziergang fort. An einem Haus auf der Dorfstraße macht mich ein Schild aufmerksam: „Gasthof zum Schachspiel." Auf der Straße vor dem Gasthof steht ein Bauernwagen. Die Pferde fressen gerade ihren Hafer aus den umgehängten Säcken, und der Kutscher sitzt quer auf dem Bock mit einem Bauern. Beide neigen sich zueinander. Eine Frau, mit einem Kind auf dem Arm steht daneben, ein Radfahrer auf der anderen Seite. Was geht da vor? Ich stelle mich dazu. Riemand scheint mich zu bemerken; bie beiben auf bem Bock finb in eine Schachpartie vertieft. Der Kutscher hat gerabc mit ber Dame einen vorteilhaften Zug gemacht, unb fein Partner kratzt sich verlegen hinter ben Ohren. Da flüstert ihm bie Frau mit bem Kinb auf dem Arm etwas zu und macht ihm einen Zug vor, wie er mit Dem Turm ben Verlust toicber wettmachen kann. Der Rabsahrer ist auf bes Kutschers Seite unb weiß noch besseren Rat. In fünf Minuten ist bic Schlacht entfliehen. Der Kutscher sagt: „Schach matt.“ Cs ist höchste Zeil. Die Pferbe finb mit Fressen fertig, bie Fuhre mutz weitergehen. Die Figuren werden zusammengetafft und unter ben Sitzkasten geschoben. Der Bauer verabschiebct sich mit ben Worten: „Morgen Revanche!" Ein sonberbares Dorf! Ich gehe in bie Wirtsstube bes Gasthofes. Ich sehe mich zum Frühstück und verlange eine Karte. Es ist eine Ansichtskarte von diesem kleinen Dörfchen: Hauptstraße in Ströbeck mit Schachturm. Als Motto ist ein kleiner Vers darauf zu lesen: Bei Halberstadt im Westen und zwischen Harz und Huy, Da liegt das Dorschen Ströbeck mit seiner Schachpartie. Wie ich erfahre, stammt dieser Vers aus einer uralten Chronik, denn dieses Ströbeck ist bereits seit Hunderten von Jahren in seiner Umgebung als das Schachdorf bekannt. Wer der erste war, der das Brett mit den 64 Feldern hierherbrachte unb das königliche Spiel einführte, wissen sogar die alten Chroniken nicht mehr, Rur eins weiß man bestimmt: es ist schon sehr, sehr lange her. In diesem „Gasthof zum Schachspiel" zeigt man mir stolz ein Schach- brett, das in die Wand des großen Saales eingelassen ist und hinter einer Glasvitrine die silbernen Figuren. Der Große Kurfürst war es, der es vor fast 300 Jahren dem Dorfe als Wahrzeichen schenke. Und durch das Fenster der Gaststube zeigte man mir den alten Turm, den „©eß ad) türm“, in dem bereits bie Wcn- benfürsten ihre Mußestunden mit bem * scharfsinnigen Spiel verbrachten. Man zeigt mir auch einen großen Saal, heute als Tanzsaal benutzt, dessen Parkett in 64 scharze und weiße Felber cingetcilt ist. Cs ist ber Schachsaal für Spiele mit lebenben Figuren. Minbestens einmal jährlich finbet hier das große Turnier statt. Die besten Spieler bes Dorfes rücken ihre kostümierten Figuren nach allen Regeln ber Schachkunst, bis bas „Schach matt" ertönt. Wie man mir erzählt, bauert eine solche Partie oft mehrere Stunden, manchmal bis spät in bie Nacht hinein, unb bie Zuschauer verlieren keine Minute bie Gebulb, zuzusehen. Denn es gibt in Ströbeck fein aufregenderes Ereignis, als wenn bie Schach- großen, bic Aljechins und Bogoljubows von Ströbeck, ihre Kräfte im Schachwettstreit messen. Das Dors hat kaum 1500 Einwohner, aber nicht ein einziger ist unter ihnen, ber nicht ein Schachspieler wäre. Schon bie kleinen Kinder in ber Wiege spielen nicht mit Puppen unb Rasseln, sondern mit bem König, ber Dame, dem Turm unb ben übrigen Figuren. Wenn wirklich einmal eine Figur verschwinbet, bann ist gleich reichlich Ersah zur Stelle.' Der Dorsbrechsler kann seinen ganzen Betrieb mit dem Anfertigen von Schachbrettern und Figuren aufrechterhalten; auch in feiner Werkstatt wirb nach Feierabenb noch rasch eine Partie Schach heruntergespielt. Die Familien werben hier danach eingeteilt, wer mit wem im Echachverhältnis steht. Es gibt alte Veteranen, bie feit einem Menschenalter miteinanber spielen. Auch sie haben nur bie Partie übernommen, bie ihre Väter anfingen unb finb wie ihre Ahnen von ber Wiege bis zum Grabe Partner einet Remispartic. Im Dereinszimmer des Gasthofes sieht man keine anderen Spiele, nur Schach. Alte Bauern sitzen einander gegenüber mit bem weisen Schweigen unb ben Denker- micnen von „Schachverstänbigen“. Wenn man sich biefe Dorfbewohner etwas genauer betrachtet, so haben sie alle etwas Seltsames in ben Zügen. Sie sehen klüger und überlegender aus als bie Einwohner anderer Dörfer. Sogar bie Frauen, bie boch mit ihren Haus- unb Gartenarbeiten beschäftigt finb, tragen diese Miene zur Schau. Oft sieht man sie auf den Höfen inmitten eines gackernden Schwarmes Hühner auf einer Küchentreppe mit Nachbarinnen eine Partie Schach spielen. Der Mann scheint auch gar nicht böse zu fein, wenn er nach Hause kommt unb die Suppe etwas angebrannt ist. Er hat es nicht viel besser gemacht, denn inzwischen hat er in ber Schmiede- Werkstatt auf dem Amboß mit bem ersten Gesellen seine Schachkenntnisse verwertet. Ja, sogar bie Mobe bieses kleinen Dorfes erinnert an bie schone Leibenschaft. Die Frauen unb bie kleinen Jungens, bic zukünftigen Schachmeister, gehen in tarierte Stoffe gekleidet. Alles erinnert an bas schwarz-weiße Brett. Unb wenn bas Wetter schön ist, liegen bie Jungens nicht mit Murmeln unb Kreiseln auf ber Straße, sondern mit dem Brett und zweimal 16 Figuren. Die Ströbecker sind überzeugt, daß sie nur eine Nachahmung der persischen Dörfer find. Sie stellen sich vor, daß in der Heimat des Schachs jedes Dorf ein Ströbeck ist. Mir scheint aber, bah sie irren. Ich habe noch nie etwas bavon gehört, baß irgenbein persisches Dors sich um bas Schachbrett gruppiert hätte wie gerade dieses Dörfchen zwischen Harz und Huy. Cs ist das einzige dieser Art in der ganzen Welt. Cs träte gar nicht zu verwundern, wenn dieses kleine Dors eines Tages den Weltschachmeister hervorbrächte. Doch haben die Ströbecker nicht den Ehrgeiz, mit ihrem Können in bie große Welt hinauszutreten. Sie verrichten ihre tägliche Arbeit in ber Werkstatt, im Gaben, im Garten, auf bem gelb genau fo wie ihre Väter unb Großväter cs taten, unb nach der Arbeit sehen sie sich zu einer Partie, damit sie die Tradition erfüllen, die Freude am Spiel und am scharfen Nachdenken genießen. Wink mit dem Zaunpfahl. Ein reicher Herr in Leipzig kam einmal zu dem hervorragenden Chirurgen Thiersch, ber übrigens ber Schwiegervater Adolf von Harnacks war. Er wollte sich operieren lassen, aber Thiersch nur fragen, wen er ihm wohl in Paris empfehlen könne. „Der beste Chirurg dort dürfte Doyen fein", erwiderte Thiersch etwas verstimmt. Doch der andere Nagte weiter, ob er wohl einer besonderen Empfehlung bedürfe, wenn er die Dienste dieses berühmten Arztes in Anspruch nehmen wolle. „Nein, das ist nicht nötig", sagte Thiersch. „Sie gehen einfach hin, und Doyen wird Sie dann gewiß fragen, wo Sie wohnen. Wenn Sie ihm dann antworten: In Leipzig, dann wird er Ihnen sicher sagen: „Sie Rindvieh, wenn Sie in Leipzig wohnen, warum kommen Sie dann zu mir und lassen sich nicht lieber von Thiersch operieren. B. Wirtschaft Rindermartt in Gießen. nur Bruchteile eines Prozentes, sonst waren die Kurse behauptet. Banknoten. Berlin ^ranffuri a. M. Datum 139,75 139,9 41,9 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. 52 26,7 23,6 4,3 4,3 4,3 14,2 14,13 6,85 43 50 88,25 Die Wirtschaftslage führte weiter zu Besorgnissen. Auch im Metallarbeiterkonflikt konnte eine Einigung noch nicht erzielt werden. Der heutige 54,15 6,55 100 97 97 42.5 49,75 88 87,65 97,75 54.4 6,55 89 50.5 52 98,5 93,25 85,13 100 97 97 94 42,25 49,5 7 10 io , 8 193,5 270 140,5 140,75 I. G. Farben-Industrie. Dynamit Nobel . . . . Cckeideansialt..... Goldschmidt RütgerSwerke . . . Metailgeiellschoft. - - . Letzte Nachrichten. Schwerer Dammbruch in Rieder-Schlesien L l e g n l h. 28. Oft (TU. Drahtbericht.) Infolge der schweren Ueberschwemmungen der Liahbach bei Alt-Beckern ist am Dienslagvormitlag der große kahdamm losgebrochen. Die Fluten setzten im Jlu die in der Nähe gelegenen Gehöfte unter Wasser. Das Vieh konnte noch rechtzeitig gerettet werden. Der Schaden, den das Wasser angerichlet hat und noch anrichten wird, übersteigt alle Befürchtungen. Der Damm hinter der Schleuse, der den gewöhnlichen Wasserspiegel der kahbach mit etwa 6 Meter überragt, war bereits in der Nacht zum Dienstag überspült worden. Das Wasser halte in den Dammrand tief eingerissen. Noch in der Nacht wurden die umliegenden Feuerwehren alarmiert. Die Risse wurden mit Sandsäcken anfgefüllt. Das Wasser spülte die Decke jedoch rasch hinweg. Das niedergelegene Klein- Beckern stand schon vorher fast d o iTjl ä n b i g unter Wafser. Noch bis zur letzten Stunde fetzte man alles daran, um die katastrophalen Folgen eines Dammsturzes zu verhindern. Man befürchtet jetzt den Einsturz der kahbach- brücke bei Pfaffenberg. 23,5 18,9 19,75 1,8 4,3 54,25 6,6 69,25 29,5 193,25 194,5 269 87,8 98,1 54,4 6,5 12 , 6 V , 6 , 6 . k 1,8 23,5 18,8 1,8 4,5 4,5 4,5 8,35 14,25 । 6,85 i • Opel nimmt den Betrieb wieder auf. Wie die Adam Opel 21®., Rüsselsheim, mitteilt, wird der seit dem 15. Oktober wegen Inventur eingeschränkte Betrieb in vollem fange wieder aufgenommen. Es werden täglich Reueinstellungen vorgenommen. Rückfluß deutschen Kapitals aus der Schweiz. Wie die „Boss. Ztg." aus Zürich berichtet, ist am Schweizer K a P i t a l m a rk t cm kräftiger Tendenzumschwung eingetreten 2Iuf Grund umfangreicher Verkaufe haben die Kurse, die eine Zeitlang im wesentlichen durch große deutsche Privatkäufe in die Hohe getrieben worden waren, Prozentwelse nach- aegoben. Die 3,5proz. Dundesobligationen, die Ende September 94,25 Prozent notierten, tour» den beispielsweise auf 93 zurückgeworfen. Die 4proz. Anleihe des Kantons Bern, die vor etwa drei Wochen mit etwa 99,1 Prozent euntiert wurde, und ihren Kurs anfänglich auf 100,25 Prozent verbessern konnte, ist jetzt bereits zu 98 Prozent erhältlich. Das Blatt kennzeichnet diese Bewegung als eine Auswirkung des Zu- rück fließe ns deutschen Kapitals von der Schweiz nach Deutsch!and, die eine Folge der Konsolidierung des Kabinetts Brüning und der damit eingeleiteten inner- politischen Beruhigung sei. 4% Oesterretchische Ooioiente . . 4,20% Oeslerreichische Silberreate 4% CefierretotW Einheitliche Rente........... 4% Ungarildie Goldrente . ... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 *y,% DelflLDOn 1913 . - 4% Ungarische «ronenrente . . 40/ Türkische Zollanleibe von 1911 4% Türkische Bogdadbahn-Anl Serie I 4% deSgl. Serie N . • - - - - - 6% Rumänische verrinh. Rente von 1903 ... ■ • • • • 4%% Rumänische vereinh. Rente von 1913 . . . ... - - - • • 4% Rumänische vereinh. Rente . tieretntflte Stahlwerke . Dtaöl 9Jlinen . . . Kaliwerke irische, 'leben . Kaliwerke Melleregeln . Kaliwerke Salzdetfurth . *16’/. . . io . . 10 . . 15 Büchertisch. — Albrecht.Prof. Dr. Gerhard,Ablehnung oder Erneuerung der Bis- marckschen Sozialversicherung? Schriften zur politischen Bildung. Herausgegeben von der Gesellschaft „Deutscher Staat", Langensalza, Hermann Beyer & Söhne (Beyer & Mann). Preis 0,75 AN. (182). — Der Verfasser bekennt Liquidationstag und die eher schwächere gestrige Reuhorker Börse haben ebenfalls zur Zurück - Haltung und Lustlosigkeit beigetragen. Umsätze kamen nur in ganz geringem Umfange zustande. Arn Elektromarkt ergaben sich Abschwächungen bis zu 1,25 Prozent; nur AEG. lagen unverändert. Am Chemiemarkt lagen Farben leicht gebessert, Deutsche Erdöl und Goldschmidt gaben um bis zu 1 Prozent nach. Auch der Montanmarkt lag meist niedriger. Von Danken waren Bayrische Hypothekenbank etwas höher. Schiffahrtswerte notierten bis zu 1,5 Prozent niedriger. Eine Ausnahme machten am Kunstseidemarkt 2llu., die gesucht waren und 2,5 Prozent fester eröffneten. Don Kaliaktren besserten sich Salzdetfurth um 1 Prozent, Westeregeln waren gut behauptet. Am Anleihemarkt waren Altbesih nachgebend, während Reubesitz behauptet blieben. Von Ausländern waren Zoll- türken unverändert. Im Verlaufe kam weiter etwas Material an den Markt, so daß bei schwächer werdender Tendenz nochmals Abschwächungen um bis zu 1,5 Prozent eintraten. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 4,5 Prozent angespannter; Geld über Ultimo 6 bis 1 Prozent. Am Devisenmarkt lagen Devisen wieder etwas fester. Man nannte Mark gegen Dollar 4,198250, gegen Pfund 20,3960, London gegen Kabel 4,858250, gegen Paris 123,81, gegen Madrid 44,70, gegen Schweiz 25,02, gegen Amster- dam 12,0590. Berliner Börse. Philipp Holzmann . . . Zementwerk Heidelberg Eementwerk Karlstadt. . WayhL Frevtag . . . Schultheis Patzenhoser . Lstwcrke....... Alu Bemberg...... Zellstoff Waldhof . . . Zellstoff Aschaffenburg . Charlottenburger Wasser sich zu denen, die den Grundgedanken der Sozialversicherung, so wie sie ihren Begründern vorgeschwebt hat, bejahen. Er verkennt allerdings keineswegs, daß unser heutiges Bersicherungs- shstem von dem Geiste dec Bismarckschen Sozialversicherung sich weit entfernt hat. Er übt im einzelnen scharfe Kritik an den Auswüchsen unserer heutigen Sozialpolitik, die zur Versorgung entartet und den Gedanken der Selbstverantwor- tung zu untergraben geeignet ist. Er tritt nachdrücklich für eine Milderung der Versicherungslasten ein, um einen Spielraum für individuelle Spartätigkeit zu schaffen. In eine Zurückführung unserer Sozialpolitik in die früheren aesunden Bahnen sieht Prof. Albrecht die nächste Aufgabe. — Rumänische Etappe, der Weltkrieg, wie ich ihn sah. Von Gerhard Velburg. (Verlag Wilh. Köhler, Minden i. Wests. Preis 6 Mk. 149) — Das Buch bringt die Erinnerungen eines deutschen Akademikers, der als ungedienter Landsturmmann der Besahungsarmee in Rumänien angehörte. Ein Ausschnitt aus dem gewaltigen Geschehen des Weltkrieges, aber ein Ausschnitt, der so angefüllt ist mit fremdartigem, halborientalischen Volksleben, mit ernsten und heiteren, romantisches und idyllischen Szenen, daß man der fesselnden Tagebuchschilderung des Verfassers mit Spannung und CBergnügen folgt. Auf rumänischen Bauerndörfern und in der halb- ^ariserischen Metropole Bukarest, immer bringt Yen Verfasser seine Tätigkeit bei Meldeämtern, die die rumänische Einwohnerschaft registrieren, und bei Kriegsgerichten in enge Verbindung mit der Bevölkerung des Landes. Sehr bald der Landessprache kundig, hat er ein offenes Auge und ein feines Gefühl für die Art dieses aus den verschiedensten Rassen gemischten Volkes. Frisch und anschaulich wirkt das Buch, weil es in einer Tagebuchform aus unmittelbarstem Gr- eben heraus entstanden ist und nicht erst zehn Jahre später niedergeschrieben wurde. — Meyers Reisebücher: Donauland (Passau—Wien—Budapest). Mit 11 Karten, acht Plänen und 11 Grundrissen. 1930. Leinen 6,50 Mark. Verlag Bibliographisches Institut AG., Leipzig (310). — Der vorliegende Führer behandelt das schönste und meistbereiste Donaugebiet von Passau bis Budapest als geschlossenes Reiseland. Die Donaufahrt selbst, die Wachau und die anderen ülfergegenden der Donau mit den höchst sehenswerten Großstädten sind ausführlich behandelt, ferner das Wald- und Mühlviertel, schöne Wander- und Sommerfrischengefilde nördlich der mittleren Donau, die sich auch heute noch durch Billigkeit des Aufenthaltes auszeichnen. Das Burgenland und das Platten- feegebict sind ausführlich dargestellt. Wiederum sind die praktischen Angaben, besonders für Wien, äußerst sorgfältig behandelt, ebenso die Bedürfnisse der mit eigenem Auto Reisenden in weitgehender Weise berücksichtigt. Das Kartenmaterial ergänzt den Text in wünschenswerter Form. antragen, jedoch muß der Antrag von der Gemeinde ausgehen. Der Stadtrat beschloß, dieses Bodenverbesserungsdarlehen anzufordern. — Der zunehmende Automobil- und Fahrzeugverkehr macht den Erlaß einer neuen Polizeiverordnung nötig, die bestehende Ordnung vom 7. Juni 1926 wird aufgehoben. Der Stadt- rat nahm Kenntnis von der Verordnung. — Einzelnen Motorenbesitzern ist es nicht möglich, für die infolge der Drehstromumstellung erforderlich gewordene Reuanschaffung von Motoren zur Zeit das nötige Geld aufzubringen. Sie haben um entsprechende Darlehen gebeten. Der Stadtrat bewilligte zur Finanzierung der Motorenbeschaffung einen Kredit bis zu 8000 Mark. — Gegen die Llnterführungsprojekte der Reichsbahnverwaltung im neuen Ortsbauplan wurde jetzt auch aus Kreiser? der Einwohnerschaft Stellung genommen. Auch der Stadtrat lehnte das ülnterführungsprojekt in der Dadborngasse ab, weil diese ülnterführung keine zweckmäßige Losung eines Ersatzes der jetzt vorhandenen Planübergänge ist. Der Reichsbahndirektion soll empfohlen werden, geeignetere Vorschläge zu machen. Gemeinderai in Laubach. ßaubadj, 27. Oft. In der jüngsten G e - meinderatssitzung gab Bürgermeister Högy . vor Eintritt in die Tagesordnung bekannt, daß das seitherige Gemeinderatsmitglied Oberbahnmeister I. Pülcher ab 1. November nach Bebra versetzt worden sei. An seine Stelle tritt Postassistent $). Ermel in den Stadtoorstand ein. Weiterhin wurde das Dankesschreiben des Dekans Volp für die ihm anläßlich feiner Versetzung in den wohlverdienten Ruhestand erwiesenen Ehrung verlesen. Als erster Punkt der Tagesordnung wurde über die gegen die W a s s e r g e l d e r h o h u n g erhobenen Einwendungen einiger Bewohner verhandelt. Sämtliche Einsprüche wurden mit der Begründung zurückgewiesen, daß auch diejenigen Hausbesitzer die Wassergelberhöhung bezahlen müßten, deren Gebäude nicht an die Kanalisation angeschlossen sind. Die seither erhobenen Kanalbenutzungsgebühren sollen dafür in Wegfall kommen. Die von der Provinzialdirektion Oberhessen (Abteilung Tiefbau) in Gießen übersandte Abrechnung über die Herstellung der Ortsdurchfahrt Lauba > wurde vorgelegt und festgestellt, daß die Kosten dieser Arbeiten etwa 1000 Mark unter dem Voranschlag geblieben sind. Da die den Ausgesteuerten von der Gemeinde zu- gewiesenen Arbeiten immer größeren Umfang annehmen, wurde eine Wohlfahrtskommis- ■f i o n gewählt, bestehend aus den Gemeinderatsmitgliedern Frank, Reidt und Warner, die sich mit der Zuweisung und Beaufsichtigung der auszuführenden Gemeindearbeiten zu beschäftigen hat. Der Vorsitzende berichtete ferner über den Stand des von der Stadt gegen Diplom-Ingenieur Schmidt in Potsdam anhängig gemachten Prozesses auf Rückübertragung des im Jahre 1924 an letzteren verkauften Gemeindegeländes am Froschloch (etwa 4 Morgen). Der angeregte Vergleichs- Berlin, 27. Oktober________ Mmenianbdie ffioten..... Rklpiidie Noten ...... Säniidie Noten ....... Endliche Noten Rroiijöiiidie Noten . ...... Holländische Noten ..... Ilalirnildie Noten. . * Norwegische Noten . . . ... • Deutsch-Oesterreich, i 100 Schilling Rumänische Noten....... Schwedische Noten Schweizer Noten Spanische Noten...... • T>checho,iowakiscke Noten..... Ungoii'che Noten .... * Preissenkung f ü r Basalt-Stra» ße nbaustoffe. Eine Sitzung der Arbetts- gcmeinschaft der Dasaltindustrie (Großabnehmer und Erzeuger) befaßte sich, wie WTB.-Handels- dienst erfährt, mit der Preisfestsetzung für Stra- ßenbaustosfe. Es wurde eine Einigung über die Senkung aller Preise um 5 bis 10 Prozent er- zielt. Sen Erzeugern fiel, wie die Arbeitsgemeinschaft erllärt, die Zustimmung zu dieser Maßnahme um so schwerer, als sie an d:e Lohntarnfe vorläufig gebunden sind, doch glauben sie, daß die Herabsetzung der Preise einen Anreiz zu Wmter- aus trägen bieten wird, durch deren Ausführung der zunehmenden Arbeitslosigkeit der Steinindustrie begegnet werden könnte. • Rheinischer Braun kohlenhandel geht über Syndikatspreissenkung hinaus. Sofort bei Bekanntgabe der Drikett- preisermäßiguna durch das Rheinische Braun- kvhlensyniiwt hat der Verband rheinisch-west- fälrscher Kohlenhändler, Essen, seine 120 Mitgliedsvereine aufgesordert, umgehend eine entsprechende Senkung der Kleinverkaufspreise für Braunkohlenbriketts vorzunehmen. Der Kohlenhandel im gesamten Absatzgebiet der rheinischen Braunkohle hat sich unverzüglich der Senkung der Biicettpreise angepaht, ist sogar an mehreren Plätzen — wo es tu örtlichen Verhältnisse zu- liehen — über das Ausmaß der Syndikats- Preisermäßigung hinausgegangen. Oberheffen. Siadtrais-Sitzung in Butzbach. pb. B u tz b a ch , 27. Oft. Dor Eintritt in die Tagesordnung der jüngsten Stadtratssihung brachte Schneider (Soz.) eine Beschwerde über die un# gesunden Preisverhältnisse bei den Fleisch- und Wurstwaren in unserer Stadt vor. Der Bürgermeister versprach eine diesbezügliche Anfrage an die zuständige Innung zu richten. — Dem gemeinnützigen Bauverein werden vier- Bauplätze zum Preise von 3 Mark für das Quadratmeter verkauft. Im Rahmen des zusätzlichen Wohnungsbauprogramms des Reichs für 1930 hat der hiesige gemeinnützige Bauverein die Ausführung eines Bauvorhabens für vier . Doppel-Wohnhäuser in der Schubertstraße übernommen. Dem Bauverein ist vom Hess. Ministerium ein Baudarlehen in Höhe von 46 800 Mark unter der Bedingung bewilligt worden, daß die Stadt die Ausbietungsgarantie übernimmt. Der Stadtrat beschloß, die A u s b i c t u n g s g a r a n t i e zu übernehmen, verlangt jedoch R ü ck bürg* schäft vom Bauverein. — Für Meliorationszwecke stehen dem Hess. Ministerium aus einer Reichsauslandanleihe 244 000 Mark zur Verfügung, für die die Meliorationsunternehmer fünf Jahre lang keine höheren Effektivzinsen als 4,5 Prozent zu zahlen haben. Für die Arbeiten kommt die Beschäftigung von Erwerbslosen in Frage. Die hiesige Feldbereinigungsgesellschaft kann für die bei der Bereinigung auszuführenden Drainagearbeiten für etwa 35 Hektar ein verbilligtes Darlehen in Höhe von 20 000 Mark bc- 6% Deutsche RetchSanlethe von 1927 .......... 7% Deutsche Reichsanleihe von 1929 .......... Deutsche Anl.-Ablöl.-Schuid mit Auslos.-Rechten DeSgl. ohne AuSlos.-Rechte . . 8% He». Bolküslaa, von 1929 uMatilb. 102%)...... Cberf)d|cn Provinz • Anleihe mit Auslos.-Rcchieo..... Deutsche Komm. ©ommelabL Anleihe Serie 1 .... 8% Franks. Hyv.-Bank Aoldpfe XIII unlfinBbar bis 1934 . . . 7% ßranll. Hyp.-Vant Goldpie uniünbbat bis 1932 ..... 4%% Rheinticke Hyp.-Bank £lqu. Goldpie......... 8% Pr. Landespiandbrielansialt, Plandbriese R. iS, . - 6% Pr LandeSPianebriesanitalt, Komm^Lbl.LI. 20...... 7% Pr. ßanbtvi'ianöbttelanllQU, Pfandbriefe R 21 ..... L.E.G. abg. Bor.rregS-Obligatio- neu. rückzahlbar 1932 . - . Schluß« Iure 27 10 69" 192.5 193.5 269 Anfcu-g- fturd 28 10 69,25 29.75 193,5 195 269 1«Uhr« Kur' 28 10 (Schluß- lur- 27 10 Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 v H-, Lombardzinsfuß 6 v. H. 15 12 18 11 13'/, , 12 , . 8 Dessauer GaS..... 9 Daimler Motoren ..... O Deuiicke Linoleum Maickinenbau A.-G, . . • • • 0 Nat. Automobil ......0 Crenflcln & Koppel 6 Leonhard Tiey . . . . • • 10 Svenvka ...... « grankfurter Maschine» .... 4 Gritzner 6 Heyligenslaedt ...••••0 Iunghan«.........6 Lechwerke. Moinkraftwerke Höchst a. M.. . 8 Mlag...........W Gebr. Roeder 10 Botgt & Haeffner 9 Suddeutsche Zucker .... 10 Berlin, 28. Oft. Rachdem an der gestrigen Abendbörse von der Schwäche des Linoleum- Marktes eine stärkere Verstimmung ausgegangen war und auch der heutige Vormittag ziemlich stark unter dem Eindruck dieser Bewegung gestanden hatte, eröffnete die heutige Börse eigentlich in überraschend wider standsfähi- gerHaltung. Der Liquidationstag hatte zwar ein Fehlen neuer Orders zur Folge, anderseits war aber von Prämienware nicht viel zu merken, so daß die Umsätze sich in allerengsten Grenzen hielten. Anregungen besonderer Art fehlten. Die gestrige Rede Mussolinis über die Ziele seiner Außenpolitik, in der er auch eine Re- visionsmöglichkeit der Friedens- verträge behandelte, wurde besprochen; auch die widerstandsfähige Haltung der Auslandbörsen sand Beachtung. Jedenfalls konnte sich die Börse zu Beginn von den Vorgängen am Linoleum- Markt ziemlich frei machen; während Deutsche Linoleuin nach anfänglicher Minus-Minus-Rotiz mit 134 Prozent sehr schwach eröffneten, waren die übrigen Märkte relativ gehalten. Rur SHiff- fahrtsaktien lagen etwas stärker gedrückt. Auch Conti Gummi, Stolberger Zink, Thüringer Gas, Schubert & Salzer waren bis 2,5 Prozent schwä- cher; Polyphon verloren sogar 4 Prozent. Dagegen zeichneten sich Julius Berger, Kunstsei^- werte. einige Montanaktien und Rheinische Elektrizität durch Festigkeit aus. Hackethal gingen trotz einer Meldung von einer Geschäftsbelebung, , Die in der letzten Zeit eingetreten sei, um 1,75 Auf dem heutigen Rindvieh- (Ruhvieh-) Markt Prozent zurück; Krauß L Co lagen nach anfang, in Gießen standen 968 Stück Großvieh und 110 kicher Minus-Minus-Rotiz fbater mit 75 Prozent Stück Kälber zum Verkauf. Cs kosteten: Milch- ziemlich matt. Am Rentenmarkt verloren Qllt- fübc oder hochtragende Kühe 1. Qualität 550 besitz 0,25 Prozent. Von Ausländern g"gen Dos- bis 600 Mk 2 Qualität 300 bis 500 Mk., nier etwas zuruck. Pfandbriefe lagen bet kleinstem 3 Qualität 200 bis 350 Mk., SchlachMhe 150 Geschäft uneinheitlich. Liquidattons- und In- bis 400 Mk (aerinae Rachfrage, wenig begehrt); dustrieobligationen eher schwacher, dagegen konn- Rinder '// bis »fahrig 125 bis 225 Mk., 3/<- ten sich Reichsschuldbuchforderungen bis 0^50 Pro- 'bis zweijährig 200 bis 300 Mk., tragend 350 bis £ent bessern. Am Geldmarkt zog der Satz für 500 Mk.; Kälber das Pfund Lebendgewicht 50 Tagesgeld Wetter auf 4,75 bis 6,75 Prozent an, ' bis 60 Pf Ausgesuchte Tiere erbrachten Preise die übrigen Sähe blieben unverändert. x5m -ver- - über Rotiz. Marktverlauf lebhaft, sMer ab- laufe setzten sich ve re tnze lt kl et ne Ku rs- ilnuenb I befferungen durch. Etwas Rachfrage machte ' sich für Kunstseideaktien von Amsterdam her (Ulffllttct Börst. I p^merkbar, wobei man von günstigen Abschluß- Frankfurt a.M., 28. Oft. Tendenz: ge- ziffern wissen wollte. Auch einige Elektrowerte schäftslos. — Unter dem Druck der noch immer hatten lebhafteres Geschäft; tm allgemeinen be- nicht geklärten Linoleum-Angelegenheit eröffnete trugen die Kursabweichungen gegen den Anfang die heutige Börse erneut in schwächerer Haltung. Deutsche Linoleum waren stark an- geboten und notierten nochmals 7,5 Prozent schwächer. Auch die übrigen Märkte wurden, hiervon ausgehend, ungünstig beeinflußt. Das Angebot war im allgemeinen nicht groß, doch genügte es bei der anhaltenden Geschäftslosigkeit und der sehr geringen Aufnahmelust, um Abschläge bis zu 1,5 Prozent herbeizuführen. Anregungen fehlten der Börse heute vollkommen. Sranffurl a. 2H Serlin öchwß.! Iure | Rurt Schiuß- fur< Anfang« Kurs Datum 27 10 28 10 27 10 ?8 10 Hamdurg-Amertta Patet . . 1 78,5 77,i5 78,4 78 Hamburg-Südam. Dampfichili 8 — •— — 162 Han>a Damp|ick»s..... 10 —— —— 123,25 —— Norvdeuncker Lloyd .... 8 78,5 77 79,4 77,25 Allgemeine DcutlckeCreditansi. 10 99,75 — 99,75 100 Barmer Bankverein .... 10 108,5 106,5 106,5 106,5 Berliner Handelegeielllckast . 12 133 —— 133,5 133 Commerz- und Priva«>Bank . 11 120,25 120 120 120 Darmstädter und Nattonalbank 12 158,25 — 157,25 156,5 Deutsche Bank und Dtöconlo-GeseUschast, . . . 10 115 114 114,65 114,25 Dresdner Bank...... 10 114,5 114,5 114,25 114,25 ReickSbank........ 12 226 — 226,65 227 E (8 ....... 121,25 121,25 121,5 121,6 Bergmann........ 9 138 Eiektr Lteserungsgeselllchaft. 10 — 116 117 —— Licht und Straft...... 10 123,5 — 124 125 Fellen & Guilleaume . . . lYt 97 96,5 96 Geieiischalt für Elektrische Unternehmungen .... 10 124 *—■ 124,5 123,25 Lamburger Elektrizitäts-Werte Rheinische Elektrizität . . . 10 9 •— 113,75 124 Sd>lcsische Elektrizität. . . . 10 — —— 118,5 118,75 Schuckert & (io....... 11 135,5 —- 136 135,5 Siemens« Halske..... 16 180,25 179,5 180,75 179 . fc —- — 127 — 146,75 - 145,5 — 52,5 52,25 52 53 Deutsche Erdöl...... . 6 — 65,75 66,75 65,75 Essener Steinkohle . . . . . *— — — Gelsenkirchener ...... . 91,25 — 90,5 90 Horpcner ....... . C 88,5 — 88 Hoeick Eisen. . ...... 6 V, — — — —— I,Ic Bergbau....... 11 —— 220,25 221,5 Klöcknerwerke . ...... 70,5 — 71 70 Köln-Ncucssen....... 80,5 81 ManneSmunn-Röbreu . • • W 74 73 73,65 73,5 Manöselder Bergbau . . . . 38 — 38,25 38,25 Obcrichles. Eiienbedarf . . . —- 42 40.5 Oberschlcs. Kokswerke . . . . — — 76,5 76,25 Pbönlr Bergbau...... 6V 67,5 67,5 68,13 68 Rhcinisdie Braunkohle« . . 1( 18C 180,’ 179 Rheinstahi..... . • 79.75 8( 73,25 Riebeck Manta» ...... 1, — — — Frankfurt o. M. Berlin Schluß« l 1-llhr« furd 1 tturs S<^luß» | Änfang« Iur4 | Kurs Votum 27 10 1 28 10 27 10 * 28. 10 Geld Zrles 4,186 4,206 58,30 58,54 111,93 112,37 20,38 20.46 16,43 16,49 168,61 169,29 21,86 21,94 111,96 112,40 59,06 59,30 2,48 2,50 112,28 112,72 81,29 81,61 45,46 45,64 12,40 12,46 73,20 73,50 80 90,5 90 । 80,5 80,75 27 Oktober '8 Oktober amilich. Geld | io lerung /'ne amtlich, Geld liontrunu ?r„ 54 54 55 2lmft.«:Hott. 168,83 169,17 168,93 169,27 179,5 Buen.°AireS Brss-'AntW- 1,419 1,423 1.419 1,423 — — 182 58,435 58,555 58,46 58,58 — — 143,5 142,5 b'briftiania • 112,15 112,37 112,16 112,38 64,5 67 63,5 65 ztöp:nhgg:n 112,1? 112,51 112,39 112,18 112,40 67,5 — 66 67 ©tödbolm - Hcisingsors. 112,73 112,51 112,73 — 111 112 111,75 10,549 10,569 10,55 10,57 84 —— 84 -— Italien. . . 21,95 21,99 21,95 21,99 —- — 63 83 London. . . 20,364 20,404 20,373 20,413 — —— 115 114 \Keunort . . 4,1920 4,2000 4,1935 4,2015 —— 23,75 23,65 23,9 Boris.... 16,447 16,487 16,452 16,492 >41 133,5 145 134 Schweiz • . 01.355 81,575 81,395 81,555 — — 36 35,75 Sva ’hit . 45,50 45,60 56,20 56.30 — — 50,5 12 49,6 Hapan .. . -Kio dr Fan 2,084 2,088 2,084 0,424 2,088 0,426 284 — 118,5 283 118 283 Wie» In D-« Oest. abgest 59,125 59,245 59,115 59,235 Prag - . . 12,44 12,46 12,436 12,456 18 — 18 — Belirad . 7.435 7,449 7,33 7,47 30,25 — 29,75 _ Budapest. 73,39 73,53 73,39 73,53 - ■ — Bul arten 3,039 3.045 3,039 3,045 26 — 26 25 Viffabon 18,80 13,84 18,80 18,84 —— Danzig. . | Koust ntitt- 81.46 81,62 81,48 81,64 — — 1,784 1,789 1,784 1,789 _ 71 — Silbe». . 5.435 5.445 5,43 5,44 93,4 — 1 Tanada - 4.196 4,204 4.198 4,206 150 — 149,75 — | Uru uay - 3.247 3,253 3,247 3,253 140,5 — 142 —- 1 Cairo - • 20,88 20,92 20,89 20,93 Vorschlag auf Zahlung von 300 Mark für die auf . dem fraglichen Grundstück vorgenommene Wert- Verbesserung wurde genehmigt. Zum Schlüsse wurde noch eine Entschließung über die Einschränkung von Festlichkei- t e n im kommenden Winter e l n st i m m i g angenommen, die an sämtliche Laubacher Vereine gerichtet wird. Gemeinderat in Büdingen. h Büdingen. 27. Ott Der Bürgermeister gab in der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung zunächst Kenntnis von den Revi- sionsbemerkungen zum Gemeindevoranschlag 1931. Der Gemeinderat beschloß u. a., für die Bekämpfung der Mäuseplage einen Kredit von 500 Mk. zur Verfügung zu stellen und sich die Forderung der Zückzahlung vorzubehalten. Zwei Gesuck^n um käufliche Hebet» lassung städtischer Grundstücke zum Preise von 1 Mark pro Quadratmeter konnte unter gewissem Vorbehalt entsprochen werden. Don der Auflage des Ministers für Arbeit und Wirtschaft über die Schlußabrechnung der aus der Sonderst euer gezahlten M ie t Unterst ü h u n g wurde dem Gemeinderat Kenntnis gegeben. Aus dem nicht verbrauchten Betrage wurden 488,50 Mk. und 577,90 Mk. zur Auszahlung genehmigt. Für die Schulkinderspei- sung stellte der Gemeinderat 100 Mark zur Verfügung unter der Voraussetzung, daß sich auch der Landesausschuh an dem Hilfswerk beteiligt. Die Regelung der Schulkinderspeisung soll einer Kommission überlassen bleiben. Unter der Bedingung, daß Büdinger Handwerker berücksichtigt werden, war der Oberpostdirektion ein Zuschuß zum Bau von Deamtenwohnungen in der Hindenburgstraße versprochen worden. Die Oberpostdirektion trat nunmehr an die Gemeinde mit dem Ansinnen heran, für ein verbilligtes Darlehen die Bürgschaft zu übernehmen. Der Gemcinderat beschloß, dies Ersuchen obzulehnen mit der Begründung, daß die Oberpostdirektion den seinerzeit gestellten Bedingungen nicht entsprach. Einen wesentlichen Beschluß faßte der Gemeinderat, indem er die Einführung der Bier- und Bürgersteuer genehmigte. Landkreis Gießen. X Klein-Linden, 27. Okt. Der Krieger- verein hielt am Sonntag im Saale der Wirt- schoft „Zur Burg" eine Mitgliederversammlung ab, die gut besucht war. Der 1. Vorsitzende, Fr. Schim - mel, gedachte einleitend der Opfer des BergPerks- unglücks in Alsdorf. Sodann berichtete er über den Bezirkstag in Gießen. Das 50. Stiftungs- f c ft des Vereins im Jahre 1931 soll mit dem B e - zirkskriegerfest verbunden werden. Die Veranstaltungen sollen am 5. Juli 1931 stattfinden. Zur Erledigung der Vorarbeiten wurde ein Ausschuß gc- wählt. Weiter wurde beschlossen, den Altveteranen alljährlich auf Kosten des Vereins ein Geburtstagsgeschenk zu überreichen. Bei Beerdigungen von Käme, raden |oll in Zukunft von einer Kranzspende abgesehen werden, an deren Stelle aber militärische Ehrenbezeugungen treten. Gefallenen-Ehrungen sollen am Totensonntag gemeinsam mit den übrigen hiesigen Vereinen abgehalten werden. In Anbetracht der ungünstigen Wirtschaftsverhältnisse wurde für diesen Winter von jeder Feier abgesehen. Q Lollar, 27. Oft. In der jüngsten Gemeinde- raissitzung wurde u. a. beschlossen, die dem Turnverein gehörige Schuhhütte am Sportplatz zum Preise von 225 Mark zu erwerben, um sie allen Vereinen zugänglich zu machen. Die Beseitioung der Verkehrshindernisse, Treppen in der mittleren Hauptstraße, stand alsdann wieder zur Aussprache, der Gegenstand verfiel jedoch abermals der Vertagung. — Die Errichtung einer elektrischen Heizung für die Kirche in Lollar wurde auf erneutes Ersuchen des Pfarramtes einstimmig beschlossen. Die Kosten mit 500 Mark wurden bewilligt. Ein Antrag, die Stromkosten auf die Gemeinde zu übernehmen, wurde abgelehnt. — Auf ein Gesuch des Zugendherbergeverbandes wurde ein einmaliger Betrag von 20 Mark genehmigt. — Als Ersatzmann für den verstorbenen Landwirt Heinrich Schadeck VII. wurde der Landwirt Heinrich Schwarz als Feldgeschworener bestellt. — Zum Kommissionsmilglied für die Was ergenossenschaft „Glück auf" wurde als Rachfolger für den verstorbenen Johannes Schupp das Gemeinderatsmitglied Georg W i s s e m a n n bestimmt. — 3n dem kürzlich erworbenen ehemaligen Fabrikgebäude soll im Erdgeschoß eine Wohnung eingerichtet werden. Die Kosten sind auf 700 Mark veranschlagt. Die Arbeiten sollen sofort ausgeschrieben werden. — Gemäß einer Forderung des Kreisamtes wurde der Tilgungssah für die Gemeindebaudarlehen von 1 Prozent auf 2 Prozent erhöht. — Dem Gesuch um Genehmigung zur Errichtung einer Tankstelle bei Wilhelm Schieferstein wurde stattgegeben. : Beuern, 27. Okt. Die hiesige Gemeinde feierte am Sonntag ihr E r n t e d a n k f e st. Die Konfirmanden hatten den Altar geschmückt. Die Gemeinde lauschte in Andacht der Predigt des Ortsgeistlichen, Pfarrer Schmitt, die im Ausdruck der Dankbarkeit gegen Gott gipfelte. Die Feier wurde verschont durch Gesang des hiesigen Kirchengesangvereins und der Schulkinder unter ßeüung von Lehrer Edelmann, O ® r •" n b e r g, 27. Oft. Am Samstag hat der Winter seine ersten Boten oorausgeschickt. Gegen 11 Uhr ging der Regen allmählich in Schneefall über, es schneite etwa eine Stunde. Aus den Höhen bildete sich allmählich eine weiße Decke, die natürlich nach kurzer Zeit wieder verschwand. Kreis Buvtngen. --- Ridda, 27. Okt. 3m Rahmen der monatlichen Bezirkslehrerkonferenzen aus der „Treppe" sprach am Samstag Lehrer Sauer (Ober-Lais) über „'Sie Eiseng ewinnung im Ridda-und Riddertale". Ausgehend von der primitiven Art der Eisengewinnung in der Frühzeit, wo in entlegenen Waldtälem die Hüttenmanner, Köhler und Waldschmiede ihrem geheimnisvollen Gewerbe nachgingen, zeigte der Redner die technischen Fortschritte im Lause der 3ahrhunderte. Die Eisenhämmer vergrößerten sich, wurden gn Dachläufen angelegt, wo die Wasserkraft die Blasbälge bewegte und das Hammerwerk trieb. Der Riedergang der Eisenindustrie fällt in den Anfang des 17.3ahrhunderts. Rur die Eisenhütte' zu Hirzenhain mochte sich durch günstige Umstände in einen zeitgemäßen Großbetrieb zu entwickeln. Obmann Ganz (Ober- Widdersheim) brachte dem Redner den Dank der Versammlung zum Ausdruck. N i d d a, 27. Okt. Im Straßenbaubezirk Nidda sind eben fünf Damofstraßenwalzen damit beschäftigt, Straßendecken zu erneuern und auszu- bestem. Die Straße zwischen Ortenberg und Hirzenhain erfährt eine Verbreiterung und wird neu hergerichtet, die Strecke Salzhausen — Grund-Schwalheim wird gleichfalls gewalzt und geteert. Bei den Arbeiten kommen fast aus» schließlich Arbeitslose zur Verwendung. Kreis Schotten. 4 Babenhausen II, 27. Okt. Die Gemeinde Babenhausen hat eine P r o t e st e i n g a b e an die Fraktionen des Hessischen Landtags gerichtet, in der die Bitte ausgesprochen wird, dafür zu sorgen, daß der Verkraftungsplan der Oberpost, b i r e f t i o n , der demnächst in Kraft gesetzt werden soll, nicht zur Durchführung gelangt. Die Einführung des neuen Planes würde für die Gemeinde Babenhausen und für die anderen Gemeinden der Um- Sine neue Bereicherung der lluiverW. Oie Kurse zur Ausbildung technischer Assistentinnen an Medizinischen Instituten. gebung eine große Verschlechterung der an sich schon ungünstigen Verkehrsoerhältnisse bedeuten. ö Rudingshain, 27. Okt. Die Gemeinde feierte am gestrigen Sonntag das Erntedank- f c ft. Der Altar war mit den Früchten des Feldes geschmückt, die Schüler fangen ein Danklied, Verse, die dem Charakter des Tages entsprachen, gelangten zum Vortrag. Der Geistliche sprach herzliche Worte des Dankes an Gott für den reichen Erntesegen. Für die alteren Mitglieder der Gemeinde war mit dem Erntefest das Abendmahl verbunden. — Am Sonntagnachmittag fiel hier der erste Schnee, der sich jedoch nicht lange zu halten vermochte. Im Hörsaal des Pharmakologischen Instituts fand am gestrigen Montagoormittag in Anwesenheit von Vertretern der Regierung, des Landtags, der Universität, der Stadt Gießen und in Gegenwart der Schülerinnen die Eröffnung der Kurse zur Ausbildung technischer Assistentin» nen an Medizinischen Instituten in Gießen statt. Professor Dr. Hildebrandt, der Direktor des Pharmakologischen Instituts und Dekan der Medizinischen Fakultät, hieß die Gäste im Namen des Kuratoriums der Kurse willkommen. Er begrüßte besonders Ministerialrat S ch r o h e als Vertreter des Ministeriums des Innern, Abteilung für Gesundheitswesen, der sich um die Gründung der Schule besonders verdient gemacht hatte; ferner den Vertreter des Ministeriums für Kultus und Bildungswesen Ministerialdirektor U r st a d t, den Vertreter der Gießener Stadtverwaltung, Beigeordneten Dr. Hamm, die Landtagsabgeordnete Frau Birnbaum und die Mitglieder des Lehrkörpers der Universität. Der Redner gab sodann einen kurzen Rückblick auf die Bemühungen um die Einführung der Ausbildungskurse für technische Assistentinnen, und stattete in diesem Zusammenhangs den Dank an das Ministerium des Innern ab für Anregung und tatkräftige Förderung, ferner dem Finanzminister und dem Finanzausschuß des Landtages, sowie dem Landtage selbst für die der neuen Einrichtung bereitwilligst gewährte finanzielle Unterstützung. Das Ministerium habe in sorgfältiger Arbeit die gesetzlichen Grundlagen für die Aus» bilbung und für die Prüfung der Kursistinnen, sowie für die staatliche Anerkennung ihrer Aus» bildungsreife geschaffen. Der Redner ging sodann kurz auf den Sinn und Zweck der Kurse ein, in denen Assistentinnen herangebildet werden sollen, die über einen bestimmten Standard von Kenntnissen verfügen, der für ihre zukünftige Tätigkeit Voraussetzung sei. Mehr und mehr mache sich bei der Kompliziertheit der gesamten medizinischen For- schungs. und Untersuchungsmethoden, sei es der chemischen oder der physikalischen, die Notwendigkeit bemerkbar, geschulte Hilfskräfte mit einem sicheren Fundus von fachlichem Wissen zu haben. Der Unter» richt soll in drei Semestern durchgeführt und durch eine halbjährige praktische Tätigkeit ergänzt werden; in diesem Rahmen will die Kursleitung die Schülerinnen zu Röntgenassistentinnen oder zu La» boratoriumsassistentinnen heranbilden. Im ersten Semester werden beide Fachgruppen gemeinsam unterrichtet, im zweiten Semester wird getrennt nach den Erfordernisten des gewählten Gebietes aufgebaut. Das erste Semester gilt gewistermaßen als Probesemester, in dem sich die Eignung der Teilnehmerinnen erweisen muß. Der Assistentin liegt es ob, dem Arzt als Wissenschaftler und Forscher tatkräftig zur Seite zu stehen. Ihr Arbeitsgebiet ist außerordentlich vielseitig, anregend, aber auch in hohem Maße verantwortungsvoll. Die ausgebildete Assistentin hat die Möglichkeit, im Betriebe einer Klinik, in Krankenhäusern, in privaten Laboratorien, oder bei einem vielbeschäftigten Arzte ihren Wirkungskreis zu finden. Den Abschluß der Kurse soll ein Examen bilden, durch das die entsprechende staatliche Anerkennung erworben wird. In seinen weiteren Ausführungen erläuterte der Redner dann noch Einzelheiten des Unterrichtsplans. — Hierauf sprach Ministerialrat Schrohe als Vertreter des Ministeriums des Innern, Abteilung für Gesundheitswesen, und wies auf die Be- deutung und die Art der Arbeit hin, die den Beruf der technischen Assistentin an Medizinischen Instituten kennzeichnen. An Hand einiger Beispiele aus seiner eigenen praktischen Tätigkeit in früheren Jahren totes er eindringlich auf die große Verantwortung hin, die mit dem Beruf einer solchen Assistentin verbunden ist, und gab einige Erklärungen über die Arbeit im einzelnen, die von einer Assistentin zu leisten ist. Er sprach aber auch von der hohen ideellen Genugtuung, die mit diesem Berufe verbunden sei und die darin liege, daß die Assistentin Wertvolles für die leidende Menschheit zu leisten imstande sei und ersten Anteil habe an den neuen Errungenschaften auf dem Gebiete der medizinischen Forschung und Wissenschaft. Der Redner betonte, daß man sich bei der Gründung der Schule bewußt von dem Gedanken habe leiten lassen, nur weibliche Kräfte ausbilden zu lassen, aus der Erkenntnis heraus, daß die weibliche Natur für die Aufgaben, die im Laboratorium erfüllt werden müssen, in erster Linie die Voraussetzungen erfülle. Zum Schluß gab er der Hoffnung Ausdruck, daß die Schülerinnen in diesen Kursen die Erwartungen, die man in sie setzt, auch erfüllen möchten. Eine eigene Note erhielt die Eröffnung des Kur- ses dadurch, daß die Feier in dem Hörsaal des Phar» makologischen Instituts als einer Stätte ernster Ar- beit stattfand und sichtlich unter diesem Eindruck stand. Im Anschluß an die Eröffnung wurde mit der theoretischen Arbeit begonnen. SJixfpott Ende des „wilden^ Professionalismus. Der vor acht Tauen in Köln gegründete „Deutsche Professional-Fußballverband" ist inzwischen wieder aufgelöst worden. Begründet wird die Auflösung des Verbandes damit, daß der Verband, nachdem der DFB. den Berufssport in eigene Regie nehmen wolle, „seine Mission als erfüllt“ ansieht. Es blieb den Vätern her Kölner Bewegung allerdings auch kaum ein anderer Weg, nachdem der DFB. die angezogene Erklärung abgegeben hat. Mit dem Ende des Kölner Verbandes ist es auch hoffentlich mit den von verschiedenen „Geschäftemachern“ in süddeutschen und anderen deutschen Städten unternommenen Versuchen zur Bildung von Professional-Mannschaften vorbei. — Man wird aber nun gespannt sein dürfen, was der DFB. 4n der allernächsten Zeit tut. Oie ersten punkte. Spieloereinigung 1900 gegen Jufjbaüoetein Breidenbach 4:2. Die Ligamannschast der Spielv:reinigung 1900 konnte am Sonntag im Verbandsspiel gegen den Futzballverein Breidenbach ihren Anhängern sehr gut gefallen. Die Mannschaft fand sich über Erwarten schneU zusammen und vermochte in rascher Folge zu Toren zu kommen. Der Sturm zeigte ein flüssiges Kombinationsspiel, wurde gut unterstützt von der Läuferreihe, die Verteidigung war auf dem Posten und der Tormann voll aus der Höhe. Demgegenüber führten die Gäste ein sehr zerfahrenes, ungenaues Spiel vor, vermochten sich zu keiner einheitlichen Aktion aufzuraffen; dec Kontakt zwischen den einzelnen Mann- schaftsreihen fehlte völlig, der Tormann spielte reichlich leichtsinnig. Angenehm berührte, daß die Mannschaft, trotzdem sie doch bis Halbzeit vier Tore über sich ergehen lassen muhte, sich des fairsten Spieles bemühte. Der Schiedsrichter Dörr (Grünberg) war dem Spiel ein sicherer Leiter. Der Spielverlauf: 1900 hatte Anstoß und schuf sofort vor dem Gästetor eine kritische Situation. 3n der sechsten Minute vermochten die Hiesigen nach flüssiger Kombination des 3mun- sturms und ohne daß der Gegner an den Ball kam, das erste Tor vorzulegen. Bereits in der achten Minute fiel durch den Halblinken der zweite Erfolg. Die Gäste wurden dadurch sichtlich aus dem Konzept gebracht imb 1900 beherrschte das Spielfeld einige Zeit souverän. So fiel auch in der 16. Minute abermals nach einer sauberen Leistung des 3nnenfturm8 das dritte Tor. Zwei Minuten später hatte allerdings Brambach Gelegenheit, einen sehr gut situierten Schuß in bestechender Manier zu halten. 3n der 25. Minute konnten die Hiesigen ein viertes Mal erfolgreich sein, währenddem sich die Gäste etwas aufrafften, ohne daß ihnen jedoch ein verdienter Erfolg be- schieden war. Die zweite Halbzeit stand im Zeichen eines gleichverteilten Spieles. Die Gäste brachten verschiedentlich das Tor des Platzbesitzers in ernste Gefahr, jedoch erst gegen Mitte der zweiten Halbzeit konnten sie den ersten Treffer für sich buchen, dem bald darauf ein zweiter folgte, während sich die 1900er sichtlich im Ruhme des guten Halbzeitergebnisses sonnten und die Angriffe nicht mehr mit dem Elan der ersten Spielhälfte angelegt wurden. Das Ergebnis entspricht dem Spielverlauf. Spiele des VfB. Der Spielausschuß hatte den verbandsspiel- freien Sonntag der Ligamannschaft dazu verwandt, auf verschiedenen Posten der Els neue Kräfte auszuprobieren. Zu diesem Zweck hatte man die Ligaelf des Wetzlarer Sportvereins zu einem Gesellschaftsspiel verpflichtet und betrachtete die Begegnung als ein älebungsspiel. Daraus erklärt sich auch das etwas lustlose Spiel und die schwachen Leistungen der BfB.-Mannschaft. 3m Gegensatz dazu zeigten die Gäste vorbildlichen Kampfgeist. Sportverein Wetzlar gewann das Treffen mit 3:2. Ohne die Riederlage der Ein» heimischen entschuldigen zu wollen, beroinberte doch dreimal die Torlatte einen naheliegenden Erfolg. Von Beginn an merkte man schon, daß die DfB.er nicht mit dem richtigen Ernst bei der Sache waren. 3hre Akttonen waren oft plan- und energielos. Die erste Halbzeit verlies bei wechselnden Angriffen für beide Parteien erfolglos. Erst kurz vor der Pause gelang es dem Platzbesitzer, in Führung zu gehen. Fünf Minuten nach Wiederbeginn konnte Wetzlar gleichziehen und kurz darauf ein zweites Mal erfolgreich fein. Der Gastgeber wurde nun etwas ngressiver und drängte den Gegner für eine zeit- lang in seine Hälfte zurück, der sich den Ausgleich gefallen lassen mußte. Beide Mannschaften kämpften nun auf Sieg, und Wetzlar gelang es, zehn Minuten vor Schluß das Ergebnis auf 3:2 zu stellen. Schiedsrichter Spurk, Butzbach, leitete forrelt. Die Ligareserve weilte in Ettingshausen, um der ersten Mannschaft des dorttgen Sportvereins ein fälliges Gesellschaftsrückspiel zu liefern. Sie trat die Reise nur mit zehn Wann an und mußte sich nach scharfem Kampf knapp mit 4:5 geschlagen bekennen. — Eine knappe Riederlage bezog die Al-3ugenb. Sie war als Pflichtspielgegner in Butzbach und unterlag mit 1:2. Die dritte Mannschaft batte sich die erste Steinbachs zu einem Gesellschaftsspiel eingeladen. Die Gäste waren eifrig und schnell und lieferten auch im Übrigen ein recht ansprechendes Spiel, mußten sich aber trotzdem den technisch besseren und routinierteren Vf Dem mit 3:5 beugen. Siegesfeier im VfB. Die Leichtathletische Abteilung des Vereins für Bewegungsspiele vereinigte ihre Mitglieder und deren Angehörige zu einer Siegesfeier, die den Abschluß der diesjährigen Leichtathletensaison bildete. Die Veranstaltung war sehr gut besucht. Die Hauskapelle eröffnete den Abend mit guter Musik und sorgte für beste Unterhaltung. Der Leiter der Leichtathletenabteilung im VfB., Herr Ragel, begrüßte die Anwesenden und hieß besonders die Gäste aus Wetzlar herzlich willkommen. Er gab in feinen (Ausführungen einen gedrängten Rückblick auf das Erreichte und betonte, daß die vergangene Saison der Abteilung einen großen Fortschritt gebracht habe, auf den man mit Recht stolz sein könne. Er dankte zugleich allen jenen, die sich in nimmermüder Arbeit um die gute Sache zur Verfügung gestellt hatten. Der Redner unterzog die einzelnen hervorragenden Leistungen einer kurzen Betrach- tung und brachte im weiteren Verlauf de« Abends die Diplome, die sich die Teilnehmer des VfB. an den verschiedenen Konkurrenzen erringen konnten, zur Verteilung. Der Abend nahm einen überaus harmonischen Verlauf. Handball der Sp.-Dg. 1900. 1900 I — To. (Barbcnteid) I 3:3. Das Rückspiel, das der ADT.-Gruppenmeister To. Garbenteich am Sonntag den 1900cm lieferte, brachte den erwartet spannenden und hartnäckigen Kamps. Zunächst lagen die Einheimischen im Angriff, konnten aber nichts Zählbares erreichen. Dann gingen die Gäste zur Offensive über und warfen in kurzen Abständen drei Tore. Als dann sogleich 1900s Rechtsaußen einen Gegentreffer erzielte, änderte sich bis zur Pause nichts mehr. Nach dem Wechsel drehten die 1900er auf, um das Ergebnis günstiger zu gestalten.. Die planvollen Angriffe wurden zweimal von dem Linksaußen durch schöne Schrägwürfe abgeschlossen. Die Turner setzten aber ihrerseits der 1900er Hintermannschaft stark zu. Das Spiel wurde zwar hart, aber jederzeit fair durchge- führt. Die Entscheidungen des Schiedsrichters konnten nicht immer entsprechen. Die Schüler blieben ohne Spiel, da der VfL. Wetzlar noch in elfter Stunde absagte. Handball im Gau Hessen (O.T.) Io. vad-Nauhelm I — To. 1846 I 6:4 (3:2). Nach dem 6:l»Sieg der Einheimischen im Vorspiel kommt diese Niederlage etwas unerwartet. Sie war auch in keiner Weise verdient. 1846 lieferte ein gutes Spiel, kam jedoch durch einige Entscheidungen des Schiedsrichters ins Hintertreffen. Bei Halbzeit führte Nauheim 3:2. Kurz nad) der Pause wurde Gießens Mittelläufer herausgestellt. Trotzdem hielt eine aewisse Ueberlegenheit der 1846er im Feldspiel an. Beim Stande von 5:4 lag der Ausgleich nahe. Erst als die Platzbesitzer nach einem Durchbruch in den letzten Minuten ein sechstes Tor erzielten, war der Kampf entschieden. I. u. Spo. Buhbach I — Mtv. Gießen I 4:2 (1:2). Die 1. Mannschaft des Mtv. Gießen weilte als Gast bei der gleichen Mannschaft des Turn- und Sportvereins Butzbach. Wohl war man schon im voraus überzeugt, daß das Resultat nicht so hoch wie im Vorspiel (13:2 für Mtv.) werden würde; daß aber die Mtv.-Mannschaft von dem Tabellen-Letzten eine Niederlage einstecken mußte, lag daran, daß die Gießener den Gegner zu leicht nahmen und mit einer stark geschwächten Mannschaft antraten. Wohl konnten die Mtv. in der ersten Halbzeit stark drücken und mit 2:1 die Führung übernehmen. Nach der Herausstellung eines Gießener Stürmers glichen die Butzbacher aus und erzielten bis zum Schlußpfiff noch zwei weitere Tore. Io. Bab-Jtaufreim II — Io. 1846 II 1:10 (1:5). Die zweite Mannschaft überfuhr die gleiche der Nauheimer mit 10:1 Toren; die Hintermannschaft der Platzherren war dem Gästesturm gegenüber nicht gewachsen. Igm. Friedberg II — 2Hfo. Gießen II 1:1 (1:0). Die 2. Mannschaft des Männerturnvereins hielt sich mit nur 10 Mann in Friedberg sehr wacker 1. 3ugcnb I. u. Spo. Vuhbach — 1. Jugend ITC tu. Gießen 2:3 (1:2). Die 1. Jugendmannschaft hatte die gleiche des Turn- und Sportvereins Butzbach als Gast und konnte bei leichter Ueberlegenheit während des ganzen Spiels einen 3:2»6ieg erringen. Europa - Meisterschaften im Gewichtheben. Mühlberger (Frankfurt) Meister im Federgewicht. Bei den Europa-Meisterschaften im Gewichtheben, die in München zum Austrag kommen, konnten am Donnerstag die Meister im Feder-, Leicht- und Halbschwergewicht ermittelt .werden. 3m Federgewicht konnte der Frankfurter Wühlberger mit 280 Kilogramm überraschenderweise den Titel vor dem Münchener Wölperi und dem Franzosen Suvignh erringen. Der österreichische Wellrekordmann Hans Haas wurde wie erwartet Sieger in der Leichtgewichtsklasse mit der guten Leistung von 317,5 Kilogramm vor dem Franzosen Duverger und Fein, Wien. 3m Halbschwergewicht blieb der französische Favorit Hostin mit 350 Kilogramm vor Zemann (Oesterreich) und Vogt, Ochtendung, erfolgreich. • Die Europameisterschaften im Gewichtheben wurden am Freitag in München mit den Kämpfen im Mittel- und Schwergewicht beendet. Den zweiten Europatttel für Deutschland nach Mühlberger errang im Mittelgewicht Olympiasieger Helbig, Plauen, mit der ausgezeichneten Leistung von 337,5 Kilogramm vor Galimberti (3talien). 3m Schwergewicht siegte erwartungsgemäß der Aeghpter Rosseir mit 375 Kilogramm vor Schil- berg, Wien, und Straßberger, München, die es beide auf 370 Kilogramm brachten. 3m Länderklassement trug Deutschland mit 25 Punkten den Sieg vor Oesterreich (20 Punkte) und Frankreich (12 Punkte) davon. Abschaffung derRanglisten im Tennis. Am 1. und 2.Dovember treten in Berlin der Amateur-, Ball-, Ranglisten- sowie der Satzungs- und Regel-Ausschuß des Deutschen Tennis-Bundes zusammen. Das Schreiben einiger Ranglistenspielerinnen wegen Wschaffung der Rangliste wird wohl Gegenstand von Erörterun- gen innerhalb des dafür zuständigen Bundesvorstandes bilden. Ein Zusammentreten deS Bundesvorstandes ist aber zur Zeit nicht beab- srchttgt. vielmehr ist nur mit einem schriftlichen Gedankenaustausch zu rechnen. WMM-MVM Vornan von Hans Friedrich. Airheber-Rechts!-utz durch Jkrlag Oskar Meister. Werdau L Sa. 16 Fortsetzung. Nachdruck verboten .Hat Herr Gutenberg nicht hinterlassen, wohin er gegangen ist?" »Freili — auf den Grieskofel auffi —" Mute begriff nicht. „Olbec da waren wir doch erst vorgestern!" „@r hat doch sei Börsen da droben verloren." Hetzt dämmerte es. Mutes Hände machten ein paar fahrige Bewegungen, glitten an ihrem Körper auf und nieder. Ganz wirr war ihr im Kopfe. Gedanken muhten sich erst ordnen. Llnd ihr Herz klopfte unsinnig in der Brust. Heinz Gutenberg auf dem Grieskofel — und während der Nacht nicht zurück! Wie sagte Gstrein? Er habe die Börse verloren? Ah, nun sucht er sie unter Lebensgefahr! So leichtsinnig konnte auch nur der „Herr Schriftsetzer" sein! Vielleicht — nein, sicher — war er verunglückt! „Um Gottes willen —" Wie von einem Lanzenstich fühlte sich das Mädchen von diesem schlimmen Gedanken durchdrungen. Der Tiroler Bergbauer und Sommerfrischenwirt blieb ruhig und besonnen. „Da feit Sie nix — da müssen wir auffi. den« Herrn suchen. Bo is Zeit." Mute starrte auf den Sprecher. ..Sa, wir müssen sofort aufbrechen. Keine Minute dürfen wir verlieren." Sie griff schon zu ihrem Lodenmantel, stopfte etwas Eßbares in die Taschen. Hede ihrer Bewegungen war überhastet und von namenloser Angst diktiert. Und dann kam wieder Ratlosigkeit über sie. „Wir zwei allein im Hochgebirge — werden wir es schaffen?" Hn ihren Augen flackerte Besorgnis. Gstrein deutete mit der Hand über die Schulter. „Seil und Proviant hab i außen, und wir nehm' den Haimracher mit droben von der Alp, der kennt sich aus am Grieskofel." Das war Mute recht. Vorläufig wollte sie nicht den ganzen Ort alarmieren. Vielleicht stand es nicht schlimm um Gutenberg, und dann wäre es ihm sicherlich fatal gewesen, der Gegenstand allgemeiner Fragerei und des Bedauerns zu sein. Sie kannte ihn als sehr feinfühlig. Los ging es. Hinauf zur Haimrachalp. Was tat es, daß die Sonne heute wieder sengend herniederstach, daß der Schweiß aus allen Poren drang? Durst, höllischer Durst quälte Mute schon im Hochwalde. Richt daran denken! Ausharren? Die ersten paar hundert Meter waren Kinderspiel. „Wir brauchen nur genau denselben Weg zu gehen, den wir vorgestern verfolgten, dann müssen wir auf Gutenberg stoßen", versicherte das Mädchen. Gstrein nickte zustimmend. „Heut san S' mei Führer." Hn dem braun verwetterten Alm- und Wirtshaus Haimrach wurde ein eiliger Hmbih eingenommen. Dann ging es weiter. Man hatte Glück, der Bcrgbauer und Hochgebirgsführer war anwesend und sofort zum Anstieg bereit. Die Sonne stand schon im Zenit, als die drei das Trümmerfeld unterhalb der riesigen 'Felsformationen erreichten. Die Almmatten mit dem weidenden Vieh lagen tief unter ihnen. Doch dafür hatte man heute kein Auge. Diese Tour war keinem freien Willen entsprungen. Hartes Must zwang die Teilnehmer dazu. Und die heilige Pflicht, einem bedrängten Menschen in Bergnot zu Hilfe zu eilen. „Daß er mir nichts von dem Verlust gesagt hat!" wunderte sich Mute während des Anstiegs im Geiste immer wieder. Wie herzlich gern hätte sie ihm etwas geborgt! Aber Dann kam sie von selbst auf den Gedanken: Heinz wollte sie nicht um finanzielle Hilfe angehen. Dazu war er zu stolz. Wie töricht von ihm! Don Zeit zu Zeit blieben die Bergführer stehen und suchten das Gelände mit ihren Gläsern ab. „Nichts?" fragte Mute. „Rix ..wurde ihr regelmäßig zur Antwort. Weiter hinauf, höher, nahe heran an die Dreitausendmeter-Grenze. Links und rechts schwarz gähnende Tiefe und grausig gezackte Felsen. Nirgends ein Lebewesen. „Wir sind hier am Grat herauf." Mute wies mit gestrecktem Arm auf die schmale Schneide eines Felsrückens. „Ohne Führer?" fragte Gstrein. Das Mädchen bestätigte es. Die beiden Männer sahen sich an. Sie hatten ihre eigenen Gedanken. Zweifellos war es äußerst leichtsinnig gewesen, den Weg über den gefährlichen Ostgrat zu nehmen. Vorsichtshalber wurde- nun die Malerin an das Seil genommen. Der Haimracher ging voran, Gstrein folgte als letzter. Schritt um Schritt ging man Dem Berg zuleibe. Langsam aber sicher wurde der Grieswfel von den erfahrenen Bezwingern erobert. Und immer wieder Halt. Mute legte als erste die Hände trichterförmig an den Mund, rief den Namen Des Vermißten in alle Schluchten und Kare. Das Echo antwortete. Der Gesuchte blieb weiterhin verborgen und unsichtbar. Mute verlor fast alle Hoffnung. Run waren sie fünfzig Meter unterhalb des Felsengipfels und immer noch keine Spur von Gutenberg! Die Männer hielten Kriegsrat. Weiter hinauf zu steigen hatte wenig Zweck, weil Mute versicherte, Daß sie von hier aus südwärts abgestiegen seien. Der Sicherheit halber ließ sich Gstrein am Seil in die große Scharte rechts vom Grat hinab. Mute schauderte. Grauenhaft, zu denken, daß ein Mensch Da hinunter stürzte. Schon im Fall mühte er an den vorstehenden Felszacken zerschellen. Grauenhaft! Nach einer Stunde tauchte der Bergsteiger wieder auf, kräftig unterstützt von den beiden Zurückgebliebenen. Man konnte ihm das Ergebnis schon vom Gesicht ablesen. „Keine Spur von ihm." „Gott sei Dank!" atmete Mute auf. Nun blieb nur noch eine Hoffnung: Den Vermißten am Hohen Oed im Lösgebiet zu finden. „Dort is net gefährlich ..." beruhigte der Haimracher die Geängstigte. Die sah unmutig zur Seite. „Das ist aber paradox, wenn's nicht gefährlich ist, wird Gutenberg dort auch nicht verunglückt sein." Gstrein zuckte die Schultern, meinte tiefsinnig: „Mer kann's net wissen ..." Offenbar hatte er schon genug Fälle erlebt, daß ungeübte Touristen auch an scheinbar gefahrlosen Stellen gestrauchelt waren. Was die Einheimischen mit „bequemer Reitweg" bezeichneten, barg für den Bewohner der Ebene schon allerhand Schwierigkeiten in sich ... Der Haimracher stieg als erster abwärts. Die anderen 'folgten stumm in einiger Entfernung. Man mußte jetzt noch vorsichtiger sein als zuvor beim Anstieg. Mute standen die Tränen in den Augen. Die letzte Scheibe Brot hatte Heinz Gutenberg schon am Abend verzehrt. Und nun wollte es wieder Abend werden: die Sonne sah der Abgestürzte schon lange nicht mehr. Rur die obersten Zacken seines Felsverlietzes zeigten noch einen goldenen Abglanz vom Tagesgestirn. Von Stunde zu Stunde verlor Gutenberg an Hoffnung auf Rettung. Aus eigener Kraft kam er hier nimmer heraus. Mehr als ein Duhendmal hatte er versucht, den steilen Hang zu erklettern. Vergebens. Zuletzt hatte er sich die Hände blutig gerissen. Da gab er es auf. Wie er hierher gelangte in den Hungerturm der Natur? Ach, das war ein Trauerspiel. Gestern früh hatte er den Verlust seiner Brieftasche unten in Sölden bemerkt, als er sich etwas Mundvorrat kaufen wollte. Der Schreck, der ihn überfiel, war unbeschreiblich. Seine ganze Reisekasse, die Basis, auf die sich feine Studien kn Trrol gründeten, verloren! Und wie hatte er gedarbt Die Tage daher — bei jedem Viertel Roten, bei jeder kleinen Sonderleistung, Die er sich zu gönnen beabsichtigte, hatte er mit sich! gefeilscht. Alle Taschen wurden durchsucht, jedoch ohne Erfolg. Zurück ins Quartier. Alle Kästen auf. Nirgends war die kleine vermißte Safiantasche zu finden. Nun erst kam etwas Besinnung über den Bestürzten. Auf einem Stuhle sitzend, den Kopf in die Hände gestützt, grübelte er dem Verlust nach. Zug um Zug ging er die jüngste Vergangenheit durch. Und Da wurde ihm die traurige Gewißheit: Gestern — ja, nur so konnte es gewesen sein — bei der Kletterei auf dem Grieskofel hatte er die Brieftasche mit dem Gelde verloren! Er erinnerte sich, daß er sich mehrfach Mutes wegen gebückt hatte. Dabei war ihm das Täschchen entglitten und lag nun irgendwo auf einer Felskante droben zwischen Himmel und Erde. Ganz einfach, diese Lösung! Und doch niederschmetternd. Das nächste: „Hch muß hinauf, muß wenigstens den Versuch machen, mein Eigentum zurückzuerlangen." Glücklicherweise hatte er seinem^-Wirt Mitteilung von dem unangenehmen Vorfall gemacht. Dessen Warnung schlug er leichtfertig in den Wind. Unsinn, hatte er gestern in Mute Hansens Gesellschaft die Strapazen ertragen, würde- es ihm heute erst recht möglich sein. Wie von einer unsichtbar über ihm geschwungenen Peitsche vorwärtsgetrieben, hatte er den Berg genommen. Tatsächlich trieb üjn ein fast unbewußter Zwang hinauf. „Wenn ich das Geld nicht wiederfinde, muß ich von Dr. Berger erneut Vorschuß ansordern. Dann habe ich das zu erwartende Honorar bereits ausgebraucht, bevor ich nur eine Zeile zu dem damit bezahlten Werk geschrieben habe!" gestand er sich ganz logisch ein. Nein, das durfte nicht sein! Wie sollte er vor Trude bestehen? Die Gute blieb in der Hauptsache deswegen daheim, um die Reise nicht unnötig zu verteuern, und nun mußte ihm das passieren! Mehr als einmal verhielt er im Anstieg den Schritt und preßte sich in aufkommender Verzweiflung die Fäuste an die Stirn. Aber dann hetzte er weiter, seine Kräfte vorzeitig vergeudend. Und keinen Blick heute für die Schönheit der Alpenlandschaft: immer die Augen am Boden. Das Geld — das Geld — ' Die Almhütte lieh er unbeachtet, wollte schon vorüberhasten, da kam ihm ein Gedanke. Nun muhte er doch hinein! (Fortsetzung folgt.) Bei Blutarmut,Nervenschwäche und deren Folgeerscheinungen: Ferromaron Flasche Mk. 3.00. Fabrik: Engelapotheke. In allen Apotheken zu haben. /3. NovA ^Beginn neuer Kurs? Vogtsche Handelsschule Gießen V Goethestr. 32 1 Folgende Möbel sind wegen Auflösung eines Haushalts sofort abzugeben: 1 Schreibtisch mit Sessel, 2 Vertikos, 2 Tische, 2 Kleiderschränke, 1 Kommode, 2 Bettstellen mit Matratzen, 1 Waschtisch, 2 Nacht 06681 schränke. Ludwigstrafoe 14. Lichtspielhaus Gießen M Heute letzter Tag: Micky Maus 7335 C Kartenvorbestellungen unter Nr. 4077 erbeten Lil Dagover in: Spielereien einer Kaiserin Katharina I. von Rußland Morgen Mittwoch Premiere: Tönende Wochenschau u. a. Graf Zeppelin landet in Staaken, Windmühlenflugzeug,Truppenparade, in Brüssel, Internat. Motorradrennen auf der Avus Ein Ton- u. Sprechfilm. Regie: Richard Eichberg mit Franz Lederer - Georg Schnell - Edith d'Amara 50 Das große 2OO-g-Paket kostet nur Mk, Ueberall käuflich! 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