Nr. 124 Erster vlatt 180. Jahrgang Mittwoch, 28. Mal 1950 Erscheint täglich,außer Sonntag» und Feiertag«. BeiUaei: Die Illustrierte Gießener Famllienblätter Heimat im Bild Die Scholle. BtenatsiBejngsprcls: 2.20 Reichsmark und 30 Reichepfennig für Träger, lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Zernfprechanfchlüsfe nnterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Lnzeiger Gießen, postfchecttonto: Zronlfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck und Verlag: vrühl*sche UniverlNSIr.vuch' und Zte^ldruckerei B. Lange in Sietzen. 5chriftlettung und Seschästrftelle: Zchlllftratze 7. Annahme von Anzeige« für die Tagesnummer btt zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20'/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friede. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Tla$ Filter, sämtlich in Gießen. t Heute [eoattoen stoh gegen das Kabinett unternommen. Die Konservativen haben bas Arbeitslosenproblem für ihr Dorgehen gegen die Regierung ausgesucht. Ein solcher Dorstoh wäre auch unter anderen Verhältnissen gefährlich und wie erinnerlich hat die Regierung schon lange vor der kürzlichen, beängstigend geringen Mehrheit von 15 Stimmen *X. bei Behandlung der Arbeitslosenfrage im Unter» Haus einen ziemlich harwn Stand gehabt. Heute liegen die .Dinge dah dia Konservativen ' Krise um das britische Labourkabinett. Macdonald dreifach bedroht. Don unserem L. ff.-Derichterstatter. 1 Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! L ondon. Ende Mai 1930. Macdonald kann in wenigen Tagen auf den Jahrestag der Bildung feiner zweiten Regierung zurückblicken. Er wird dieses Tages aber nicht sehr froh werden können, denn aerobe jetzt ist die feit langem bestehende n, ufrie - denheit im eigenen Lager zur offenen Revolte geworden. Die zunehmende Arbeitslosigkeit in Grobbritannien hat zu einer immer schärferen Entfremdung zwischen der Politik der Regierung und den Dollblutsozialisten auf dem linken Flügel der Partei geführt. Während deS ersten halben Jahres, vom 3uni bis Dczcm- der 1929, beschränkten sich die Extremisten darauf, Material zu sammeln und Groll gegen die Regierung zu säen. Anfang 3anuar trat dann ein entsc^idender Umschwung ein, als die drei Mitarbeiter des Arbeitslosenministers Thomas. Sir Oswald Mosley, der Staatssekretär für Schottland, Johnson, und der Kommissar für öffentliche Arbeiten, Lansbury, in offenem Gegensatz zu Thomas einen eigenen Plan für die Bekämpfung der Arbeits- losigkeit einbrachten. Die Auseinandersetzungen seit jener Zeit würden ein Buch füllen. Hier interessiert zunächst nur das Ergebnis bis zum heutigen Tage, ein unmibverständlicher Sieg der Mehrheitsgruppe, da sowohl die praktische Politik von Thomas in Form der Genehmigung von sogenannten produktiven Staatsausgaben für die Verminderung der Arbeitslosigkeit, wie die Finanzpolitik des Schatz- kamlerS Snowden einer vollkommenen Ablehnung des Programms der Linken, ^Sozialismus in unserer Zeit", gleichkamen. Mit dem Austritt Sir Oswald Mosleys aus der Regierung bat sich die Lage aber entscheidend geändert. Die Ertremisten können einmal darauf Hinweisen, dab mit ihrem Programm die letzten Parlamentswahlen gewonnen wurden. Sie haben weiter den Vorteil für sich dab es ihnen viel mehr um ihre endgültige Anerkennung al- die Träger des Sozialismus in England als um den Bestand der gegenwärtigen arbeiter- parteilichen Regierung gebt Sir Oswald MoSley ist der Regierung au6er- halb des Kabinetts weit gefährlicher als et es innerhalb der Regierung je fein konnte. Gr hat bereits den Kamps bis aufs Messer angesagt und in den Parteitagungen einen Antrag eingebracht, der von Außenminister Henderson ohne weiteres als Mibtrauensantrag ausgefaht wurde. Während aber Macdonald und mit ihm einige andere Führer der Mehrheitspartei nach den zermürbenden Ausgleichsverhandlungen der letzten sechs Monate nun dazu neigen, den radikalen linken Flügel einfach von der Partei abzutrennen, sucht Henderson, als der eigentliche Bauherr der Arbeiterpartei einen Ausgleich, der Partei und Regierung retten soll. Er will einen offenen Bruch vermeiden und den ganzen Konflikt zunächst durch ilebertoeifung bet Streitfragen an einen gemischten Ausschub deS Vollzugsrates der Mehrheitspartei und des Vollzugsrates der unabhängigen Arbeiterpartei vertagen. Ob ihm das gelingt, bleibt abzuwarten. Dab eS die einzige Möglichkeit ist, die Regierung zu retten, wird auch Macdonald sehr bald ein- sehen müssen. Während aber die Erkenntnis der Tatsache, dab es ohne die radikale Gruppe nicht geht, sehr bald Allgemeingut der Arbeiterpartei geworden sein wird, ist weit weniger sicher, ob die Linksradikalen nun unter Führung der beiden Heißsporne QU a f ton und Mosley überhaupt zum Ausgleich zu bewegen sind, beziehungsweise ob sie nicht einen Preis stellen werden, der für die Mehrheitspartei nichts anderes als die Unterordnung unter die Linke bedeuten würde. 3n jedem Fall bedarf es nicht nur größter Anstrengungen, sondern auch einer sehr wohlüberlegten Taktik, um einen Bruch im eigenen Lager zu verhindern. Das Für und Wider für den Standpunkt der Mehrheitsgruppe und der unabhängigen Arbeiterpartei in der Arbeitslosenfrage kann nur im Rahmen einer eingehenderen Betrachtung des ganzen Problems abgewogen werden, aber es besteht kein Zweifel, baß bic Unabhängigen nicht nur das eigentliche Wahlprogramm vertreten, sondern auch einen starken ftimmungdmäfoigcn Anhang im Lande besitzen, nachdem die Politik der Regierung und die Vcrcitftctlung von rund zwei Milliarden Mark für die pro- buftiue Arbeitslosenbekämpfung im Verlause eines Jahres mir dazu geführt hat, die Zahl der Arbeitslosen in der gleichen Zeit von 1,1 Millionen auf etwas mehr als 1,7 Millionen zu bringen. Selbst wenn es der Regierung gelingt, die Krise im eigenen Lager aufzuschieben oder, was weit unwahrscheinlicher ist, erneut zu beseitigen, so ist ihr Veftanb damit noch keineswegs gesichert. Gleichzeitig mit den Unabhängigen Hamm Liberale und Konservative einen Dor- Oie Griesheimer Klughallen werden zerstört. Staatspräsident Dr. Adelung macht dem Landtag Mitteilung von der Entscheidung der Boischasterkonferenz. D a r rn st ad t . 27. Mai. (DdZ) Bei der Fortsetzung der Steuerdebatte im Hessischen Landtag weist Abg. Dr. R i e p o t h (D. Dp.) darauf hin, bah früher die Auffassung allgemein war, b i c hessischen Real steuern seien bi s zur möglichen Grenze angespannt. Um so mehr wundert es uns, daß der sozialistische Sprecher eine weitere Erhöhung der direkten Steuern fordert und auch Abg. Reiber (Dem.) eine Prüfung wünschte, ob nicht durch Steuer- erböhungen einzelne Abbaumaßnahmen unterbleiben könnten. Trotz der Ausführungen des Ministerialdirektors Schäfer muh ich die Behauptung aufrechterhalten, die Regierung habe im Vorjahre indirekt eine Gewerbesteuererhöhung von 650 000 Mark vorgenom- men. Ünfere Behauptung, bah Hessen denReichs- beftimmungen zuwider keine 15 Prozent der Sondergebaudesteuer für den Wohnungsbau auf- wendet, wird durch die Denkschrift der Regierung zum 28er Etat gerechtfertigt. Hessen giot nach Den amtlichen Ziffern 7,1 Millionen wc - Tfi g e r a l s den Länderdurchschnitt für den Wohnung sbau aus. Ministerialdirektor Schäfer wiederholt seine gestrigen Erklärungen, dah Hessen durchaus korrekt verfahre. Abg. Lux (Soz.) stellt fest, bah die von ihm verlangten Steuercrhöhungen lediglich zurMil - derung der Arbeitslosigkeit bienen sollen. Finanzminister Kirnberger erklärt abschließend: Ich verstehe es, daß gerade das Kapitel über die Landessteuern Gelegenheit zu eingehender und dankbarer Kritik gibt. Es wird m. E. aber nicht genügend beachtet, daß wir Entscheidungsfreiheit doch nur im beschränkten Umfange haben. Unser Etat ist zum großen Teil zwangsläufig. Daß die hohen Steuern den einzelnen Steuerzahler, insbesondere wenn et die Zusammenhänge nicht klar übersieht, verbittern, verstehe ich. Die Schuld an den hohen Steuern trifft aber weniger den Staat, den man dafür gern verantwortlich macht, als die besonderen Verhältnisse unserer gärenden Zeit, die auch der größte Staatsmann nicht von heute auf morgen ändern Tonnte. Die Kapitel .Reste auS früheren Zähren". „Reichs steuern" und .Landessteuem" werden unter Ablehnung der 3ufat>anträge in der Aus- fchußfassung genehmigt. Das gleiche gilt von den Kapiteln .Lotterie" und .Landtag". Es bleibt also bei der Kürzung der Diäten der Abgeordneten. Staatspräsident Or. Adelung: Die Räumung der 3. Zone des besetzten Gebietes, zu der auch die hessischen Gebietsteile gehören, hat begonnen. Es unterliegt feinem Zweifel mehr, daß mit dem 30.3uni die Gesamträumung beendet sein wird. Die Freude über die Räumung ist bei der ganzen Bevölkerung allgemein. Den Höhepunkt wird für das besetzte Gebiet die Reise deS Herrn Reichspräsidenten bllden, der es sich nicht nehmen läßt, den befreiten Landen durch sein Kommen Hochachtung und Ehre zu erweisen. Wir danken dem greifen Re i ch S o be r h a u p t herzlich dafür. Große Feste sollen nicht gefeiert werden. 3n schlichtester Form werden Kundgebungen ftattfinöen, getragen von der Stimmung des ganzen Volkes. 3n Mainz wird die Hauptfeier fein, an der neben dem Herrn Reichspräsidenten auch der Herr Reichskanzler persönlich teilnehmen wird. Die fast 12jährige Besetzung durch fremde Truppen hat Wirtschaft und Verkehr erheblich behindert und verdrängt. Ich denke z. D. an die Stadt Mainz, die infolge des Friedensvertrages in ihrer zweitausendjährigen Geschichte zum ersten Wale keine Garnison- st a d t mehr ist, dadurch eine wesentliche Grundlage ihrer wirtschaftlichen Existenz verliert. Wir haben es deshalb begrüßt, daß der Herr Reichsarbeitsminister das Reichsversorgungs- amt in Mainz belassen hat. Das ist fein hessischer Sondervorteil, sondern eine selbstverständliche Rücksichtnahme des Reichs aus die Schwierigfeiten dieser Stadt. Die hessische Regierung wird sich daher auch mit allem Rachdruck zur Wehr sehen, dieReichsbahndirektivn von Mainz zu verlegen. Wir erleben in diesen Tagen, dah erhebliche wirtschaftliche Werte aus faum verständlichen militärischen Gründen vernichtet werden sollen. Die Flughallen aus dem Griesheimer Ucbungs- plah sollen zerstört werden, trotzdem der Luftschiffbau Zeppelin durch f)erm Dr. Lckener erklärt hat, daß die Hallen für den auf dem Griesheimer Platz geplanten transatlantischen Cuft- schisshasen dringend benötigt werden. Hundert- tausende würden gespart, wenn der Abbruch der hallen unterbleibt. Unseren nachhaltigen Bemühungen, die Zerstörung zu verhindern, war ein Erfolg nicht beschieden. Die votschas- lerkonserenz hat den Wunsch der deutschen Regierung aus Erhaltung der Griesheimer hallen abgelehnt. Damit hat der europäische Geist durch Frankreich eine neue schwere Niederlage erlitten. Es wird wohl um das Problem der Reichs« r e f o r m nirgends so heiß und so ehrlich gerungen wie in Hessen. Die Länder — und damit auch Heft Dor neuen Steuerbelastungen. OasOefizit imReichshaushalt Tas Tettungsprogramm des Reichskabinetts Berlin, 27.Mai. (DIB.) Unter dem Vorsitz des Reichskanzlers beschäftigte sich das R e i ch s k a b i n e t t mit der durch die nur langsam zurückgehende Arbeitslosigkeit und die f o n- junkturellen Ausfälle an Einnahmen des Reiches geschaffenen tage. Der Reichsfinanzminister und der Reichsarbettsminister legten die verschiedenen Möglichkeiten für den einstimmig als notwendig anerkannten sofortigen Ausgleich der Fehlbeträge dar. Das Reichs- kabinett beschloß, die Entscheidung über die Art der Deckung mit der Beschlußfassung über das Aus- gabenfenkungsgefeh zu verbinden. Die üabinettsentscheidung wird anfangs nächster Woche fallen. 3n den nächsten lagen werden Verhandlungen des Reichsfinanzministers Dr. Moldenhauer mit den Vertretern der hinter der Regierung stehenden Parteien über die Sanierungsmöglichkeiten stattfinden, von dem Gange dieser Elnzel- besprechungen wird es abhängen, welche endgültigen Vorschläge der Minister dem Kabinett vorlegl. Sie werden sich auf den Gesamtkomplex der Steuerfragen erstrecken müssen, da durch die Anträge einzelner Regierungparlcien zur Abänderung des bisherigen Steuerprogramms, beispielsweise zur wiederbeseiligung der Warenhaussteuer, die Basis des bisherigen Etalausgleichs auch von der politischen Seile angegriffen wird. 3m Mittelpunkt der außerordentlichen Maßregeln für die Deckung des Fehlbetrages steht das Rotopfer der Fe ft besoldeten. Es soll, wie die DAZ. wissen will, nicht auf die Beamten beschränkt bleiben, sondern auf alle ausgedehnt werden, die ein festes Einkommen oberhalb einer gewissen Grenze beziehen. Der Betrag werde voraussichtlich auf 1 0 v. h. der Steuersumme bemessen werden. Ls solle versucht werden, auch andere lausende Einnahmen, wie Tantiemen usw., zu erfassen. Die Stellung Der Parteien. Erhebliche Bedenken. Berlin, 27.Mai. Die Steuerpläne der Re-! gierung finden im Parlament eine recht geteilte Ausnahme. Wo man hinhört, werden gegen einzelne dieser Projekte s e h i, gewichtige Bedenken geltend gemacht. Besonders die Umsatzsteuer dürste im Mittel-« punkt der parlamentarischen Auseinandersetzung nach Pfingsten stehen. Eine weitere Erhöhung von 0,25 Prozent stößt auf den heftigen Widerstand mehrerer Parteien. Dabei ist zu bemerken, daß auch noch wegen der im April beschlossenen Sonderumsahsteuer für Warenhäuser und Konsumvereine lebhafte Auseinandersetzungen stattfinden werden, da bei der Mehrheit des Reichstages die Reigung besteht, diese Steuer noch vor ihrem Inkrafttreten wiederzubeseitigen. Bei dem geplanten Rotopfer für die Fe st besoldeten dürfte sich insofern eine Schwierigkeit ergeben, als eine Einbeziehung der Beamten eine Zweidrittelmehrheit erforderlich machen würde, da es sich um ein verfassungsänderndes Gesetz handeln würde. Wie hoch das Gesamtdefi- z i t ist, darüber gehen die Meinungen auch auseinander. Die Zahl des Reichsfinanzministers beträgt bekanntlich 737 Millionen Mark, wobei die Arbeitslosenversicherung mit einem Mehrbedarf von 450 Millionen Mark veranschlagt ist. Diese Summe dürfte aber den tatsächlichen Erfordernissen kaum entsprechen, da nach den letzten Berichten des Instituts für Konjunkturforschung auf Grund einer Durchschnittsziffer von 1,8 Millionen Arbeitslosen in diesem Jahr mit einem Mehrbedarf von 600 MillionenMark gerechnet werden soll. Beabsichtigt die ReichS- regierung etwa im Herbst mit einem dritten Finanzsanierungsprogramm zu kommen? die taktisch und sachlich gleich schwache Stellung der Regierung ausnutzen und vom parteipolitischen Gesichtspunkt aus gesehen ausnützen müssen, wenn sie Aussicht haben wollen, in absehbarer Zeit ihre vorjährige Wahlniederlage wett zu machen. Die Konservativen verbinden damit noch ein positives Ziel, die Einführung von sehr u m f an g reichen Sch u tz z ö l le n. Bis vor einiger Zeit waren die Aussichten für die Durchführung dieser Politik sehr schwach, aber hierin ist nun mit dem innerpolitischen Umschwung gleichfalls eine Aenderung eingetreten. Die Hn- abhängigen werden außerdem sehr wenige Q5e- denken zu überwinden haben, wenn es gilt, in der Arbeitslosenirage mit den Konservativen gegen die Regierung zu stimmen. Dann aber hängt das Schicksal des Kabinetts nur von den L i be r a le n ab. Die zahlenmäßige Stärke im Unterhaus wäre dann sogar etwa so, dah die Regierung nur gerettet werden könnte, wenn der größte Teil der Liberalen mit ihr stimmen würde. Die Stimmenthaltung war aber bisher das meiste, was Lloyd George in der Unterstützung des Kabinetts in dieser dornigen Frage aufzubringen gewillt war. Die Liberalen fino gleichfalls unruhig geworden. Lloyd George hat in diesen Tagen einen neuen Dorsloh wegen Abänderung des neuen Wahlrechtes in der Richtung einer gerechteren Verteilung der älnterhausmandate nach den aufgebrachten Stimmen unternommen. Diese Verhandlungen sind nicht sehr befriedigend verlaufen und ihre weiteren Aussichten sind durch die Revolte im arbeiterpartcilichen Lager gleichfalls ernstlich gefährdet. Lloyd George wird sich sagen müssen, daß selbst befriedigende Versprechungen der arbeiterparteilichen Regierung in der Wahlresormsrage stark an QBert verlieren, sobald die Möglichkeit besteht, daß Konservative und die linke Gruppe der Arbeiterpartei über ausreichende Stimmen verfügen, um das Kabinett trotz der liberalen Unterstützung stürzen zu können. Dah diese Gefahr akut ist, weih Lloyd George sehr wohl, denn die Ereignisse der letzten Monate haben immer wieder bewiesen, dah der liberale Führer im besten Fall eine Art negative Einheitsfront der Liberalen schaffen kann in Form von Stimmenthaltung bei gefährlichen Abstimmungen, dah er aber a uh erstände ist, die Liberale Partei geschlossen für die Regierung einzusetzen. Etwa die Hälste verweigerte ihm in einem solchen Fall einfach die Gefolgschaft und die geschickte Taktik und Führung Lloyd Georges haben nicht verhindern können, dah seine eigenen Dündnisneigungen mit der Arbeiterpartei von einer starken Gruppe der Liberalen nicht geteilt werden. Lloyd George selbst ist wohl etwas unsicher geworden, und wenn vor einigen Monaten noch eine gute Wahrscheinlichkeit sür einen auf Jahre hinaus gegründeten arbeiterparteilich-liberalen Block vorhanden war, so ist heute nicht mehr sicher, ob auch Lloyd George nicht eines Tages wieder die Rettung der Liberalen Partei durch Annäherung an die Konservativen versuchen wird. In dieser Richtung ist alles in Fluh. Für den Augenblick ist nur die Tatsache wesentlich, daß die Regierung auch auf die Liberalen nicht mehr so felsenfest bauen kann, wie das vor einiger Monaten noch der Fall war. Die dreifache Bedrohung des Kabinetts Macdonald ist daher nicht zu unterschätzen. Trotzdem ist unter Berücksichtigung aller Umstände eine stärkere Wahrscheinlichkeit dafür vorhanden, dah auch diese Krise von der Vegierung noch überstanden wird. Ein Sturz in nächster Zeit würde eine außerordentlich peinliche Lage schaffen, in erster Linie im Hinblick auf die Reichskonferenz und die englisch-indische Konferenz im Herbst dieses Jahres. Beide sind von fundamentaler Bedeutung für die Entwicklung des britischen Weltreichs und für beide ist es erwünscht, die gegenwärtige Regierung im Amt z» behalten. Auch die konservativen Hitzköpfe sind sich der Vorteile sehr wohl bewußt, die damit verbunden sind, dah dank der arbeiterparteilichen Gebundenheit im Amt England auf der Herbstkonferenz Indien geschlossen gegenüb et treten wird. Konservative und Liberale in der Opposition werden gerade in der indischen Frage allc3_ vermeiden, was diese Geschlossenheit beeinträchtigen könnte. Die Arbeiterpartei als verantwortliche Trägerin der Regierung kann sich nicht länger von den Sympathien für Indien leiten lassen, die sie vor der llebemahme der Regierungsgewalt stets bewies. Sie ist daher in diesem Augenblick vom Standpunkt der Reichspolitik tatsächlich ein wertvolles Plus — weil sie. so paradox es klingen mag. als Trägerin der Regierungsgewalt die Durchführung einet hoch bedeutsamen nationalen Ausgabe erleichtert. Der frühere Ministerpräsident Baldwin wird sich trotz eines zunehmenden Druckes eine- Teiles seiner etwas unruhigen Anhänger kaum von dem bisherigen geraden Wege abbringen lassen und aller Voraussicht nach Jebem Regierungssturz vor der Klärung der indischen und vielleicht auch ägyptischen Frage abgeneigt fein. In der Zwischenzeit aber geht der Kampf weiter. Erst die Zukunst wird lehren, ob Macdonald etwas zu gewinnen hat, wenn sich seins eigenen Parteigenossen auf dem linken Flügel für den Sturz als zu schwach erweisen und big Konservativen auS taktischen Gründen den vernichtenden Dorstoh noch etwas zurückstellen. Bereits heute sind die schweren Verluste der Partei unverkennbar. Weder die Flottenkonserenz noch irgendwelche anderen vielleicht der nächsten Zukunft vorbehaltenen außenpolitischen Erfolge vermögen etwas daran zu ändern, daß die Arbeiterpartei an der Arbeitslvsenfrage zerschellt, wenn sie nicht in sehr naher Zukunft eine wirkliche tatkräftige Initiative entfaltet Ohne etwas wirtschaftliches Glück wird auch dieser Versuch zttm Scheitern verurteilt sein. sen — in ihrer jetzigen Form als Staaten sind nicht notwendig. Notwendig oder zwischen Reich und Gemeinden sind leistungsfähige Mittelglieder, die alle die Zuständigkeiten haben müssen, die das Reich nicht braucht, und die die Gemeinden nicht haben können. Die „Organisation dieser Mitte" ist von einem der besten Kenner der Materie, dem sächsischen Reichsratsbevollmächtigten Ministerialdirektor Dr. Pötzsch-Heffter, sehr treffend als das Zentralproblem der ganzen Reichsreform be- bezeichnet worden. Die Vereinigung Hessens mit Preußen ist unter diesem Gesichtspunkt kein Fortschritt. Ganz abwegig wäre es, wenn man dem Gedanken Raum geben wollte, als ob Hessen aus finanziellen Gründen den Anschluß an ein anderes Land suchen müsse. Wir müssen den Gedanken der Vereinheitlichung des Reiches hochhalten, darüber aber den Gedanken der dezentralisierten Selbstverwaltung nicht vergessen. Glücklicherweise bestehen keine Schlagbäume mehr, die die Länder voneinander trennen; und wie die wirtschaftliche Verbundenheit die Landergrenzen überbrückt, so muß es bei gutem Willen auch möglich sein, auf zahlreichen Gebieten des öffentlichen Lebens, die bisher gesondert behandelt worden sind, gemeinsam vorzugehen. Damit wird nicht nur manche Vereinfachung und Verbilligung erzielt werden können, sondern es werden dadurch auch Uebergänge geschaffen, die späteren Lösungen die Wege bereiten. Oie Räumung von Ludwigshafen. Ludwigshafen, 27. Mai. Die Stadt ist heute früh von dem Hauptteil der französischen Desatzungstruppen geräumt worden. Um 5 Uhr nachmittags wurden die letzten Wacht- posten auf der Rheinbrücke einge- zogen. Gegen 7,30 Uhr abends wurde die Trikolore auf dem Drückenhaus am Rheinbrückenzugang in Ludwigshafen unter den Klängen der Marseillaise eingeholt, während eine Militärabteilung salutierte. Dann marschierte die ganze Desatzung nach dem Dahnhvf. 3n der Stadt bleibt ein Abwickelungskvmmando von 200 Mann, das am 30. 3uni abrücken wird. Eine Pfälzer Befreiungsfeier im Heidelberger Schloß. WSR. R e u st a d t a. d. Haardt, 27. Mai. 3m Scheffelsaal zu Reustadt a. d. H. tagten am 21. Mai d. 3. die Vertreter von Dürgermeister- ämtern, Derkehrsvereinen usw. aus der Pfalz und Vertreter von Heidelberg. Einstimmig wurde beschlossen, am 22. 3uni d. 3., beginnend nachmittags 6 Uhr, im Schloßhof zu Heidelberg eine Vorfeier zur Befreiung der Pfalz abzuhalten. Mit prunkvoll geschmückten Weinwagen werden die Pfälzer zum Zeichen des Dankes an das unbesetzte Gebiet an den Reckar nach Heidelberg ziehen. Pfälzer Trachten- und Winzergruppen werden in Verbindung mit diesen Weinwagen einen imposanten Festzug durch Alt-Heidelbergs Straßen führen, und droben im Schloßhof wird eine machtvolle Kundgebung der Öffentlichkeit dieenge Verbundenheit der Pfalz mit der ehemaligen Kurpfalz zeigen. Der 3äger aus Kurpfalz und der Schloyzwerg Perkev werden mit ihren Getreuen zu dieser Pfalzfeier erscheinen und' in einem Festspiel, das der Schriftsteller Leopold Reih eigens für diesen Tag geschrieben hckt, in den Mittelpunkt der Feier treten. Rach diesem offiziellen Festakt wird im Schloßhof, im Dändhaus und im Schlohkeller sich ein fröhliches Winzer- und Weinfest entwickeln. Oie Universität Jena protestiert gegen die Berufung Or. Günthers. Wie der Rektor der Universität 3ena mitteilt, haben Rektor und Senat gegen die Berufung des Schriftstellers und Rassenforschers Dr. Hans Günther zum ordentlichen Professor durch das Thüringische Volksbildungsministerium, das dem national-sozialistischen 3nnenminister Dr. Frick untersteht, einstimmig Protest eingelegt, da das in der Universitätssatzung verbriefte alte Recht der Universität, bei 6er Berufung auf die Lehrstühle durch ihre Vorschläge sachkundig mitzuwirken, im vorliegenden Falle durchbrochen worden ist. Besuch beim Hellseher. Protokolle und (Lrlebn.ffe. Von Georg Biesenthal. Der Reporter nahm Platz. Wie üblich, kramte er in allen Taschen, um einen Bleistift hervorzuholen. „Bemühen Sie sich nicht", sagte der Hellseher. „Sie haben Ähren Bleistift — einen silbernen, zum Drehen — in Ihrem Bureau vergessen. Er liegt auf einem Schreibtisch, über dem eine Soffittenlampe angebracht ist. Auf der rechten Seite des Tisches, an der Wand, steht ein Briefkorb. Er ist angefüllt mit herausgerissenen Zeitungsblättern." Pause. — „2ch sehe das Zimmer jetzt deutlich vor mir. Es hat zwei Türen, die eine führt in «in noch größeres Bureau. Die andere in ein Schlafzimmer. Ein Ofen. Neben dem Ofen an der Wand, ein geschnitzter russischer Teller. Sehr hübsch — offenbar eine alte Arbeit. Da, ein Telephon läutet." Aus. Nach dieser Einleitung, di« ich hier wörtlich wie- dergebe, war ich auf alles gefaßt. Sämtliche Angaben stimmten aufs Haar. Der Hellseher rief: „Hal- soh! Gine Dame mit großer Hornbrille erschien ^nd überreichte ihm stumm ein Glas Wasser. Wie sah er aus? Klein, blaß und blond, breiter Brustkasten und gar nicht ätherisch. Seine Augen- °^uen schienen zu dünnen Strichen rasiert. Eine flotte Krawatte zierte sein Sporthemd — wie bei ^nemtm9eroöf)nn$en Sterblichen. Sein Name ist Max M o e ck e. Vor wenigen Tagen war er nach Berlin gekommen und hatte in einem Luxushotel mehrere Zrmmer belegt. * einzelne Hellseher vor der Oeffentllchkeit verbuchen durften, können auf zweier» ler Grunde zurückzuführen sein. Einmal natürlich auf die hellseherischen Fähigkeiten. Zweitens aber auf eine gewisse Bereitwilligkeit des heutigen Publikums, jenseits der exakten Wissenschaften neue Wahr- hecken zu suchen. Der hier macht keine Mätzchen. Seine Fähigkeit ist, sagt er, eine ganz natürliche — nur geschult und gesteigert durch Willenskraft und Selbsterziehung. Er stehe fern von aller Geheimniskrämerei und glaube, daß die Mystik um das Hellsehen verschwinden müsse zu Gunsten allgemein verständlicher Erklärungen. Solche Erklärungen hat «r an der Hand — er hat selbst Medizin und Phi- losophie studiert und behauptet, daß es von der Der deutsch-polnische Grenzzwischenfall. Polens Protest wird zurück- gewiesen. Die deutsche Regierung stimmt einer Untersuchung zu. Berlin, 27.Mai. (BJIB.) Der polnische Gesandte Hal beim Auswärtigen Amt wegen der Vorgänge, die sich anläßlich des Grenzzwischenfalls bei Reuhöfen abgespielt haben, Vorstellungen erhoben. (Er hat den Tatbestand entsprechend dem polnischen (Kommunique vorn 26. Mai geschildert, wonach es sich um einen U eb ergriff deutscher Amtspersonen gehandelt haben soll. 3m Auftrage seiner Regierung hat er gegen die Vorgänge protestiert und Dirschau Neuen1^, . Graudenz ' V l! vVO s t- Marienburg *Christbg. »PREUSSEN £ Marienwerder IO® Neuhofen Rosenberg Deutsch-polnisches Grenzgebiet am Zollhaus Neuhöfen bei Marienwerder. gleichzeitig die Einsehung einer deutsch- polnischen Kommission angeregt, die durch gemeinsame Feststellungen an Ort und Stelle den Sachverhalt anfklären soll. Dem polnischen Gesandten ist erwiderl worden, daß fein Protest zurückgewiesen werden mässe. Der polnische Schritt sei schon in sich widerspruchsvoll, da er die Einsehung einer gemischten Kommission zur Aufklärung des Tatbestandes anrege, andererseits aber ein für p o - len günstiges (Ergebnis der Feststellungen i der Kommission dadurch bereits vorweg-I nehme, daß gegen ein angebliches Verschulden I deutscher Beamter prolestiert werde. Außerdem handele es sich aber nach dem bisherigen (Ergebnis der von den deutschen Stellen eingeleiteten Untersuchung nicht um einen Uebergriff deutscher Beamter, sondern um eine polnische Grenzverletzung und um Gewalthandlungen, die v o n polnischen Beamten auf deutschem Territorium begangen worden seien. 3m übrigen Halle es die deutsche Regierung auch von sich aus für angebracht, den Sachverhalt durch eine gemeinsame Untersuchung aufzuklären und diese Aufgabe einer gemischten deutsch-polnischen Kommission zu überfragen. Der deutsche Gesandte in Warschau ist beauftragt worden, den deutschen Standpunkt in vorstehendem Sinne bei der polnischen Regierung zur Geltung zu bringen. Weitere Ermittlungen. S- were polnische Grenzverletzungen einwandfrei festgestellt. Marienwerder, 27.Mai. (WTB.) Die weiteren Ermittlungen über den Grenzzwischen- fall bei Reuhöfen, Kreis Marienwerder, haben, wie von maßgebender Seite mitgeteilt wird, ergeben, daß kein de utscher Beamter polnisches Gebiet betreten oder auch nur über die Grenze Schüsse abgegeben hat. Den entstellenden Meldungen der polnische,: Presse gegenüber muß festgesiellt werden, daß polnische Beamte die Grenze unbefugt überschritten haben. Zwei dieser Beamten, die im Besitz von Pistolen und Handgranaten waren und die aus bisher noch unbekannten Gründen in die etwa 25 Meter von der Grenze entfernt stehende deutsche Paßkontroll- baracke eingedrungen waren, wurden bekanntlich festgenommen. Sie haben den ersten deutschen Beamten, der sie dort überraschte, sofort mit Schüssen empfangen und ihm die linke Hand durchschossen, so daß er zu seiner Verteidigung ebenfalls die Waffe gebrauchen mußte. Außerdem haben, wie von mehreren unbeteiligten Zeugen beobachtet worden ist, mehrere bewaffnete polnische Beamte die Grenze unbefugt bis zu 25 Meter in deutsches Gebiet hinein überschritten und von der Höhe des Deiches aus den mit den beiden festgenommenen Polen abziehenden deutschen Beamten zahlreiche Schüsse aus Kqrabinern und Pisto- l e n n a ch g e s.a n o t. Der Deich verläuft an der fraglichen Stelle ganz auf deutschem Gebiet, und zwar etwa 20 Meter von der Grenze entfernt. 3n einer Entfernung von acht bis zehn Meter von der Grenze auf deutschem Boden wurde eine Anzahl Hülsen von Karabinermunition gefunden. Diese können schon deshalb nicht von deutschen Beamten stammen, weil die deutschen Beamten nur mit Pistolen bewaffnet sind. Der Düsseldorfer Massenmörder Vorläufige Feststellungen. — Ein Komplize verhaftet? D ü s f e l d o r f, 27. Mai. (WTB.) Die bisherigen Ermittlungen in Düsseldorf haben zu der Feststellung geführt, daß Kürten mit Bestimmtheit den Lieberfall im Gräfenberger Wald am 14. Mai 1930 und den Lieberfall auf Gertrud Schulte am 25. August 1929 ausgeführt hat. Die beiden überfallenen Mädchen haben Kürten mit Bestimmtheit als Täter wiedererkannt. Kürten hat die Vorgänge in diesen beiden Fällen in voller Liebereinstimmung mit der Darstellung der beiden Mädchen geschildert, und zwar mit zahlreichen Einzelheiten, die nur der Täter wissen konnte. Ferner ist mit Sicherheit anzunehmen, daß Kürten den Mord an der Maria Hahn am 11. August, 1929 in Papenöell begangen hat. Auch in diesem Falle ist die Täterschaft des Kürten durch eine Fülle von Einzelheiten erwiesen, die nur dem Täter bekannt sein konnten. Besonders belastend ist seine genaue Beschreibung der Sch au- f e l, die er zur Bestattung der Leiche Ler Maria Hahn im Walde bei Papendell benutzt hatte. Diese Schaufel wurde später unweit des Tatortes in einem Wasserlauf unter einem Gebüsch versteckt gefunden. Auch die Täterschaft Kürtens in dem Mord- fall Gertrud Älbermann kann als bewiesen gelten. Es wurde der Presse schon bekanntgegeben, daß die Arbeiten des Schriftsachverständigen Dr. Schneickert den einwandfreien Nachweis dafür erbracht haben, daß Kürten auch der Schreiber der fotz. Mörderbriefe ist. Schon des- halb ist an seiner Täterschaft im Falle Älbermann nicht zu zweifeln. Zudem hat Kürten auch in diesem Falle die Tat mit sehr zahlreichen Einzelheiten geschildert, die sich mit dem objektiven Tatbestand, wie ihn die Mordkommission seinerzeit festgestellt hat, decken. Die Vernehmung Peter Kürtens wird heute fortgesetzt. Die bisher stattgefundenen Gegenüberstellungen ergaben daß Kürten als Täter sowohl von der Ehefrau Meurer als auch von der Karo- line H erstraß, die er seinerzeit in die Düffel geworfen hat, bestimmt wiedererkannt wurde. Er selbst erkannte auch ohne weiteres diese beiden Zeuginnen als seine Opfer an und wieder- holie in deren Gegenwart in großen Zügen den Diagnose eines guten Arztes — oder vom „Gedankenlesen" zwischen Verliebten — nicht weit sei bis zum Hellgesicht des Hellsehers. Aber zwischen diesen Worten zeigt er Leistungen, die so nüchtern doch nicht zu erklären sind. Ich fasse meinen Puls, Moecke stellt sich abgewandt in eine andere Ecke des Zimmers und gibt durch Klopfbewegungen mit erhobener Hand vollkommen exakt meine (sehr unregelmäßigen) Pulsschläge an. Nach einer ganzen Weile — wir hatten inzwischen über andere Dinge gesprochen — sagt er plötzlich; „Ihr Puls ist jetzt viel ruhiger geworden — so." — und er wiederholt das Experiment erfolgreich noch einmal. Einige meiner privaten Erlebnisse schildert er mir gesprächsweise ohne Mätzchen. Seine Gesichte sind selten unrichtig, aber selbst dann noch erstaunlich. Z. B.: „Sie haben da in Ihrem Notizbuch einen kleinen Zettel von fremder Hand, mit dieser Schrift —" (er schreibt sie nach). Ich sehe nach, es stimmt nicht, aber — ein Zettel mit dieser Handschrift lag vor einigen Tagen tatsächlich in diesem Notizbuch. Die Entdeckung seiner Fähigkeiten liegt weit zurück, fällt noch in seine Kindheit. Um ganz gewissenhaft oorzugehen, stütze ich mich auf vorliegende Gutachten und Protokolle. Eines davon stammt von einem hohen katholischen Geistlichen, ein anderes von einem durchaus seriösen Schriftsteller und ein drittes von einem Arzt, der sich in letzter Zeit als Dramatiker einen Namen gemacht hat. Alle drei sind zweifellos glaubwürdig. Die folgenden Mitteilungen find diesen Gutachten entnommen. Während einer „Sitzung" (das Wort ist Moecke viel zu pathetisch) gibt man ihm ein winziges graues Steinchen. Er betastet es und hat zunächst die Vision eines Mosaiks, in dem ein Steinchen fehlt — offenbar jenes, das er in der Hand hält. Dann steht er den Masaikfußbaden in einem römischen Tempel, Frauen in wallenden Gewändern schreiten um einen Brandopfer-Altar. — Und man kann dem Hellseher erklären, daß ein Wissenschaftler dieses Steinchen aus Rom mitgebracht hat — aus der Ruine des Tempels der Vestalinnen. Ein Ordenspater und ein Arzt kommen zu Moecke und drücken ihm ein Papierknäuel in die Hand. Moedepeift sich an den Kehlkopf und meint, in bem Knäuel sei etwas zum Zubinden — eine Frau hätte es unter dem Kinn getragen. Im Wachzustand schildert er dann seltsame Visionen aus der biblischen Geschichte — die notiert und wiedererkannt werden als die Visionen der Katharina Emmerich, der „Seherin von Dülmen". Der Vapierknäuel wird geöffnet und enthält: ein zwei Zentimeter langes Stückchen von dem Band, mit dem die Emmerich ihre Ordenshaube zuzubinden pflegte. Zur Heiligsprechung der Katharina Emmerich haben diese Hell- gesichte dann wesentlich beigetragen. Moecke liegt totkrank im belgischen Lazarett. Die Aerzte haben ihn bereits aufgegeben, er ift abgemagert zum Skelett und hat hohes Fieber. Da plötz- lich an einem hellerlichten Tage — Sanne scheint auf fein Bett — springt er auf, schleppt sich unter ungeheurer Willensanspannung zurück an die Front — und trifft gerade noch rechtzeitig ein, um seiner Kompagnie das^Leben zu retten. Zehn Minuten später war die Stelle, von der er feine Kameraden zurückgezogen hatte, nur noch ein Trümmerfeld. Gerade dieses Ereignis zeigt, daß Hellgefichte sich auch cinfteUen, ohne daß er es wünscht — und, wie er erzählt, mehr als ihm lieb ift. Mit vielen Menschen im Hotel zu wohnen,. sei meistens für ihn eine Qual: er höre, rieche, fühle oft durch das ganze Haus hindurch. Kapitän H. vom „Luftschiffbau Zeppelin" bestätigt, daß Moecke schon 1927 — als mit dem Bau des Zeppelins gerade begonnen wurde —7 Fahrten, Beschädigungen, Passagiere des Luftschiffes bis auf feinste Einzelheiten genau oorausgefagt hatte. Ebenso richtig prophezeite er den Ausgang des „Bremen"°Fluges und das Schicksal des Fliegers Edzard. Für Mediziner interessant ist ein Experiment, das Dr. Bastanier, der erste Dozent für Homöopathie an der Universität Berlin, in meiner Gegenwart mit Moecke vornahm. Es fei hier als letztes geschildert. Acht Fläschchen, die sich äußerlich durch nichts unterschieden und überdies noch in dickes Papier fest verpackt waren, hatte der Arzt mit verschiedenen Medikamenten gefüllt. Moecke nahm die Fläschchen der Reihe nach in die Hand — und ohne also die Medikamente gesehen, gerochen oder eingenommen zu haben, beschrieb er genau deren Wirkung. Darüber hinaus produzierte er die Wirkung dieser Medikamente an sich selbst — bekam Schweißausbrüche Schwellungen am Halse, Beschleunigungen der Herztätigkeit, Krämpfe, Brechreiz, tränende Augen, Trockenheit der Mundhöhle, Ohnmachts- anfälle —, Krankheitsbilder, die mit der Wirkung der betreffenden Medikamente exakt übereinftimm- ten. Es ist bedeutungsvoll, daß der Hellseher nur I Hergang seiner Taten. Dke ihm von den Zeuginnett gestellten Fragen beantwortete er sicher und zutreffend. Der am 26. August 1929 in Lierenfeld mit einem Messer gestochene Heinrich Kornblum erkannte Kürten bei der Gegenüberstellung nicht wieder. Dagegen bezeichnete Kürten den Kornblum, dessen Namen er allerdings nur aus der Zeitung kenne, als eines der drei Opfer, die er am 26. August 1929 unmittelbar hintereinander durch blindes Drauflosstechen verletzt hat. Die Ehefrau Mantel und die Anna G 0 l d h a u f e n, die am gleichen Tage durch Stiche verletzt wurden, haben Kürten bei der Gegenüberstellung nicht wieder ertönt, weil sie ihn bei der Tat nur ganz flüchtig gesehen hatten. Inzwischen sind verschiedene Lichtbilder des Kürten amtlich veröffentlicht worden. Die Polizei fordert alle Personen, insbesondere- Frauen und junge Mädchen, die mit Kürten in Berührung gekommen und von ihm tätlich angegriffen oder mißhandelt worden sind, auf. sich unverzüglich zu melden. Kürten hat verschiedene Lieberfälle auf Mädchen gestanden, von denen der Polizei nichts bekannt war. weil die Opfer bedauerlicherweise es unterlassen haben, sofort Anzeige bei der Kriminalpolizei zu erstatten. Mit ihrer Hilfe wäre es möglich gewesen, Kürten schon früher unschädlich zu machen. 3m Zusammenhang mit den Vernehmungen des Kürten ist, nach einer Meldung der D. A. Z.. gestern vormittag ein Arbeitskollege von ihm mit Ramen Meurer verhaftet worden. Er steht im Verdacht, dem Kürten die Opfer zugetrieben zu haben. Bekanntlich hat auch ein anderer Mann am 14. Mai die Hausange- steUte nachts zum Volkspark geführt, wo dann plötzlich Kürten auf den Plan trat, die Hausangestellte mit in seine Wohnung nahm und später vergewaltigte. „Graf Zeppelin" vor dem Start nach Havanna. Ne uy o r k, 28. Mai. (WTB. Funkspruch.) Der Start des Luftschiffes „Graf Zeppelin" in Pernam- buco nach Havanna ift nach einer neuerlichen Mitteilung Dr. Eckeners auf heute früh 7 Uhr festgesetzt. Je nach der Wetterlage wird das Luftschiff inHavannazweibis vierStun» den bleiben. Für Lakehurst ist ein Aufenthalt von zwei Tagen vorgesehen. Die Einzelheiten der Havannaroute find noch nicht bekannt, jedoch nimmt man an, daß das Luftschiff, um die Sturm- und Hitzezone in der Gegend der Amazonasmündung zu vermeiden, die Küste bei Natal verlassen und bis zu 200 Meilen obermärts 6er Mündung auf nördlichem Kurs fahren wird. Mit der Ankunft in Lakehurst wird am Samstag gerechnet. Auf dem Landungsplatz bei Pernambuco herrschte während der kühleren Abendstunden eine sehr lebhafte Tätigkeit. Brennstoff, Ballast, Le- bensmittel und Post wurden an Bord gebracht und das Gas frisch aufgefüllt. Die Gasauffüllung bean- fvruchte infolge der örtlichen Verhältnisse längere Zeit. Zu Ehren der Offiziere und der Fahrgäste des „Graf Zeppelin" fanden eine Reihe von gesellschaftlichen Veranstaltungen statt. Etwa 100 Personen nahmen an einem von dem höchsten Stadtbeamten veranstalteten Frühstück teil. Äm Deutschen Klub fand ein Gartenfest zu Ehren der Gäste statt, bei dem die einheimischen Gesellschaftskreise stark vertreten waren. Der deutsche Konsul überreichte bei dieser Gelegenheit Dr. Eckener eine silberne Denkmünze, die zur Erinnerung an den Besuch des Luftschiffes geprägt wurde. Völkerbund und Haneuropa. London, 28. Mai. (WTB. Funkspruch.) Wie der diplomatische Korrespondent des „Daily Tele- graph" berichtet, ist man in Völkerbundskreisen wegen der eventuellen Wirkung der Denkschrift B r iands auf den-Völkerbund besorgt, da bei einer übertriebenen Europäisierung die südamerikanischen und asiatischen Mitglieder i h r Interesse an dem Bund verlieren konnten. Infolgedessen ist nach Behauptung des Korrespondenten ein schon früher einmal von Sir Eric D r u m m 0 n t ausgestellter Plan wieder in den Ge- sichtskreis der Betrachtungen gerückt. Er sah im webet jenem Medikament versagte, das speziell für den weiblichen Organismus bestimmt ift. Hier konnte sich also die Wirkung nicht auf ihn übertragen. Mehr als die vielen Treffer verblüfft die Leichtigkeit, mit der er feine Aussagen macht. Seine Hell- gesichte teilte er mir in einem Tone mit, in dem unsereiner vom Wetter spricht, — so ganz nebenbei. Jetzt wird er versuchen, ob Hellsehen lehrbar ist. Die Kraft dazu fei in jedem — hinderlich sei das feindliche Mißtrauen der Umwelt. Auch er gibt zu, daß er dagegen kämpfen muß, — und er zeichnet sich als einen Menschen, der wie alle Menschen ist. Amerikanische Stn-enienscherze. Wenn die amerikanischen Studenten sich ihren Spaß machen wollen, geht es oft recht wild her. In jedem Frühling veranstalten die Studenten der Universität Pennsylvanien einen kleinen Krieg. Es gibt eine Partei, die das Universitätsgebäude angreift, wahrend eine andere es verteidigt. Als Geschosse dienen in diesem Krieg Flaschen, Schachteln, Sar- dinenbüchsen und alles Mögliche, was geworfen werden kann, wenn es nur keine Sprengmasse in sich pat. Im allgemeinen ist es bisher bei diesem Krieg im Frieden leidlich abgegangen. In diesem Jahre scheint es aber, als ob eine besonders temperamentvolle Generation die Universität bezogen habe; denn der Kampf nahm derart erbitterte Formen an, daß großer Schaden angerichtet wurde. Alle Fenster- scheiben des Gebäudes wurden zerbrochen, die Türen eingeschlagen und die Möbel in Stücken ins Freie geworfen, als die Belagerer in dem Kampf den Sieg davongetragen hatten. Die aufgeregten Gemüter konnten nicht anders beschwichtigt werden als 6a- man bie Polizei zur Hilfe herbeirief und die Kämpfer verhaften ließ. 500 Studenten wanderten ins Gefängnis, wo man ihnen Gelegenheit gab, sich zu beruhigen. Der Friedensrichter schien geneigt, bie aufgeregten jungen Herren bald wieder zu entlassen, aber das Haupt der Polizei weigerte sich energisch, sie sobald wieder in Freiheit zu geben. Hochschulnachnchken. Professor Dr. Alfred Hu eck in Jena hat den an 'hn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl für beut- sches und bürgerliches Recht, Handels, und Wechselrecht an der Universität Heidelberg als 9tacb« folger von Prof. Heinsheüner avgeletznt. Oie Kölner Ausstellung der Deutschen Landwirtschasts« Gesellschaft. Reichsminifler Or. Schiele spricht über die Hilfsmaßnahmen für die Landwirtschaft. Köln. 27. Mai. (TU.) DienStag mittag wurde in Köln die grobe landwirtschaftliche Ausstellung der Deutschen Landwirtschafts- gescllschaft im Beisein von Vertretern deS Reichs, Preußens, der Rheinprovinz und der Stadt Köln, sowie zahlreicher landwirtschaftlicher Verbände feierlich eröffnet. Reichsernäh- rungSrninister Dr. Schiele nahm die Gelegenheit wahr, in längeren programmatischen Ausführungen sich über die Gegenwart und die Zukunstsausgaben der deutschen Landwirtschaft zu verbreiten. Gr erinnerte daran, daß die D. L. G.-AuSstellung jetzt in Köln wieder an den Platz zurückgekehrt sei, von dem sie in den Acht- zigerjcchren deS vorigen Jahrhunderts ihre Wanderung durch die deutschen Gaue unternommen habe. Damals habe sich zum erstenmal der Druck überseeischer Konkurrenz auf unsere Landwirtschaft kritisch ausgewirkt. Verglichen mit jenen Zeiten seien aber die heutigen ungleich kritischer. Der Minister erklärte: Wir müssen systematisch und zielbewuht, um der ungeheuren Verlustwirtschast Herr zu werden, jeden einzelnen Betriebszweig der Landwirtschaft neu ausbauen und unter Wahrung des organischen Zusammenhangs der einzelnen Produktionszweige die Grundlage der Ertragsfähigkeit der Landwirtschaft handelspolitisch und innerwirtschaftlich wiedergewinnen. Hier harren insbesondere des endlich gegründeten Einheitsgenossen- schaftsverbandeS grobe Aufgaben. Die Noggenfrage, die Kernfrage des deutschen Osten», ist nur zu lösen, wenn man sie in den groben Zusammenhang der nationalen und internationalen Futtermittelfragen hineinstellt. Andernfalls bleibt unS nur die Radikallösung: Drosselung jeglicher Weizeneinfuhr. Begreift man die Getreidefrage als Einheit, so müssen wir über alle agrarpolitischen Dogmen der Vergangenheit hinweg durch Fernhaltung aller überflüssiger Futtergetreideeinfuhr den Absatz sür den Aoggcnüberschub im eigenen Lande erreichen. Diesen Weg zur Lösung des Roggen- problcms hat die Rcichsregit^ung mit dem Gesetze zum Schutze der Landwirtschaft bereits beschritten. Mit besonder» schwerer Sorge must un» die Lage der Milchwirtschaft erfüllen, die in Deutschland bei dem unzulänglichen Zvll- schutz unter dem stärksten Drucke einer allgemeinen internationalen Aeberproduktion steht. Die Regelung der milchwirtschaftlichen Zölle wird deshalb von der Regierung vordringlich und mit allem Rachdruck betrieben. 3n Ergänzung hierzu werden die innerwirtschaftlichen Marktverhältnisse auf der Grundlage des neuen MilchgesetzcS bereinigt werden müssen. DaS gilt insbesondere für die Frischmilchversorgung der gro- b cn 6 tä b te. Besonders schwierig wird e» sein, dem schwer leidenden Wein-, 0 b ft - und Gemüsebau die notwendige schnelle Hilfe )u bringen, da unS auf diesem Gebiete zollpvlitisch die Hände durch mehrere Handelsverträge vorläufig, d. h. bis zum Ablauf der Zollbindungen, noch gebunden sind. Es verbleibt daher alS So- fortmabnahme zunächst nur der Ausweg, durch organisatorische Maßnahmen die Absatzverhältnisse des Wein- und Gartenbaues zu bessern. Hier in Westdeutschland, wo neben einer hoch entwickelten Landwirtschaft der Mittelpunkt der deutschen (Industrie liegt, darf ich besondere- Verständnis dafür voraussehen, daß die Agrarkrisis und die Agrarpolitik nicht nur als eine rein berufsständische Angelegenheit der Landwirtschaft gewertet wird. Die Erkenntnis der Zusammenhänge zwischen Agrarpolitik und dem Leben der Ration ist heute erfreulicherweise zum Gemeingut aller Berufsstände und Devölkerungs- kreise geworden. sentlichen vor, daß entsprechend der Anzahl der Kontinente, eine Anzahl ftänbiger Ausschüsse der Dölkerbundsversommlung geschaffen wird, d. h. besondere Ausschüsse für europäische, asiatische und amerikanische Fragen. Diese Ausschüsse würden die Aufgabe haben, solche Fragen zu regeln, die nur die Staaten eines bestimmten Kontinents interessieren. Lohn- und Preissenkung. Ein InlurbclungHverfuch in der nord oft« dcntfchcu Eisenindustrie. B a b Oeynhausen, 27. Mai. (WIB.) 3n den unter dem Vorsitz von Professor B r a h n geführten Schlichtungsoerhandlungen über den Bahmentarif für die Gruppe 7! ordwest der deutfchen Eisenindustrie wurde eine Reihe v er bef- ferungen für die Arbeitnehmer eingeführt. So wurde für die jugendlichen Arbeiter der Urlaub von drei auf acht Tage erhöht. Auch den erwachsenen Arbeitern wurden Verbesserungen im Urlaubswesen und in den sozialen Zulagen zuge- ftandcn. Dagegen wurde die von Minister Seve- ring bei Abschluß der Aussperrung eingeführte Formel nutzer Kraft gesetzt, nach welcher die Arbeitgeber die Akkorde, wie sic im Augen- blick der Entscheidung durch Scvering standen, nicht abbauen dürfen. Die Arbeitgeber verpflichteten sich Professor Brahn gegenüber schriftlich, die Senkung der Akkordlöhne nur in einem Matze vorzunehmen, datz die Löhne höchsten» um 10 Prozent herabgesetzt werden, und zwar nur für die Arbeiter, die mindesten» 1 5 Prozent über Tariflohn verdienen. Die nordwesldculsche Eifenindustrie vcr pflichlet sich, die Gesamt summe, die sie bei dem Lohnabbau erspart, mindestens in voller t,öhe 3u m Abbau der Cisenpreise in Deutschland zu verwenden. E» ist damil der erste versuch gemacht, auf diese Weise in Deutschland eine Senkung karlellierter Preise zu erzielen. Heidelberger Tagung der Kaiser-Wilhelm-GeseUschast. Eröffnung beo Anise. - .Wilhelm-Instituts für medizinische Fol s.i unn,. Heidelberg, 27.Mai. (WLR.) Bei der heute in ber Aula der AlniDcrfität Heidelberg in Gegenwart von Vertretern der Reichs- und der badischen Staatsregierung tagenden 18. Hauptversammlung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften erstattete an Stelle des gestern in Heidelberg erkrankten Präsidenten Erzeilenz v. Harnack der erste Vizepräsident der Gesellschaft, Dr. Krupp von Bohlen und Halbach, den Jahresbericht über Entwicklung und Tätigkeit der jetzt auf rund 900 Mitglieder angewachfenen Gescllschast und verwies auf die Vollendung des gelegentlich der Hauptversammlung seiner Bestimmung übergebenen Heidelberger Baues des Kaiser-Wilhelm- Instituts für medizinischeForschung. Der Rektor der UniDcrfität Heidelberg, Prozessor Dr. G o 11 s ch l i ch. teilte unter Verlesung der Ehrenurkunden die Ernennung des Staatssekretärs a.D. ErzeUenz Dr. Lew al d. des Mimstcrialdircktors im Auswärtigen Amt auster- ordentlichen Gesandten Dr. Hans Donncvert und des Generaldirektors der Kaiser-Wilhelm» Gesellschaft und Privatdozentcn an der llnincrfi- tät Berlin Dr. Dr. Friedrich Glum zu Ehren- senatoren der Aniversität mit. Den Hauptvortrag hielt Geheimrat Professor Dr. v. Krehl, der Direktor des Instituts für Pathologie, über die Stellung der Medizin in der Raturwissenschast und bezeichnete darin als Zweck der Gründung des jetzt seiner Bestimmung übergebenen Heidelberger Kaiser-Wilhelm-Insti- tuts für medizinische Forschung alle Seiten des normalen und des krankhaft veränderten Lebens zu erforschen Das Kaiser-WilhelmInstitut für medizinische Forschung wurde dann mit einem Festakt seiner Bestimmung übergeben Für den erkrankten Präsidenten Exzellenz Harnack richtete der erste Vizepräsident KruppvonBohlen- Halbach an die Erschienenen herzliche Grüste und dankte allen die zum Gelingen des neuen Instituts bei getragen haben, so dem früheren Reichsfinanzminister Köhler und dem Prälaten Dr. Schreiber. Staatssekretär G e i b überbrachte die Grüße und Glückwünsche der Rcichsreaierung. Seine Ausfüh- rungen klangen in dem Wunsche aus, daß die in dem neuen Forschungsinstitut vorgesehene G e - m e i n s ch a s t s a r b e i t, die sich im Blick auf ein höheres Ziel über den Streit des Tages hinausgeht, sich in unserem ganzen Volke immer mehr in allen seinen Gliedern durchsetzen möchte. Der Rektor, Prof. Dr. G o 11 s ch l ich, sprach im Namen der Universität Heidelberg über das Wesen der Forschung. Der Redner schloß seine geistvollen Ausführunaen mit dem Lessingwort, nach dem das göttliche Geschenk des Irrens und Forschens für den Menschen größer ist, als das göttliche Geschenk der vollen Wahrheit. Wie uns mitgeteilt wird, war die hessische Landes- Universität Gießen bei dem Festakt durch ihren Rektor, Professor Dr. Brüggemann, vertreten. Oie Wetterlage. 1H Kost —44 ±3 L0 tz 16 ■f 0$io 12 3\ 0Woiitcnio$.O neuer ndc* Orte ®it flicicnci «uf nceresnivtau uMgerecnneien tvlldruCM Wettervoraussage. Die über Deutschland herrschenden Druckgegen- sähe haben sich ausgeglichen und allgemeiner Barometeranstieg hat eingesetzt. Dabei gelang durch die Südseite der Rordmeerströmung warme Lust nach dem Festlande, wodurch die heutige Morgentcmperaturen eine Zunahme von etwa 3 bis 4 Grad erfahren haben. Mit der nachfolgenden etwas kühleren ozeanischen Luft dürfte jedoch wieder später leichterer Temperaturrück- gang zu erwarten fein. Die Wetterlage erfährt keine Umgestaltung, jedoch nimmt die Reigung für Gewitterstörungen zu. Wettervorhersage für Donnerstag: Zeitweise bewölktes Wetter mit Gewitterneigung, sonst vielfach heiter ohne wesentliche Temperaturenänderungen. Lufttemperaturen am 27. Mai: mittags 20,2 Grad Celsius, abends 13,1 Grad; am 28. Mai: morgens 14 Grad. Maximum 21 Grad, Minimum 8.9 Grad.— Erdtemperaturen in 10 an Tiefe am 27. Mai: abends 20,8 Grad; am 28. Mai: morgens 13,4 Grad. — Sonnenfcheindauer 6-4 Stunden. Aus der Provinzialhauptstadi. ® leben, den 28. Mat 1930. Christi Himmelfahrt. Die Berichte der Bibel über Jesu Auferstehung, über die Erscheinungen deS Auf erstanden en und über seine Himmelfahrt gehören inhaltlich zusammen, sie wollen erweisen, daß IesuS einer nichtirdischen, mit den Sinnen nicht erfaßbaren, wie eS im christlichen Sprachgebrauch heißt, einer jenseitigen Welt angehbrt. Auch der, der dieser Deutung nicht zustimmt, wird, sofern er nur mit einem aufgeschlossenen Sinn begabt ist, in diesen Berichten etwa» ganz Außerordentliches sehen. Sie sind erfüllt von ungemein plastischer Kraft, stiller, unaufdringlicher Schönheit und haben einen weltenweiten Horizont. Die erhabenste Dichtung griechischer, italienischer oder deutscher Art hat nichts ersonnen, das dem Gang der drei Frauen zum Grabe Jesu in der Morgendämmerung des OstertageS zur Seite gesetzt werden kann. Wenn man die beiden Jünger, die mit Jesus auf dem Dergsteige nach Emmaus gehen, auf dieser ihrer Wanderung verfolgt, so sieht man nicht nur, wie die Abendschatten wachsen, man gewahrt auch, wie die Handlung immer wuchtiger wird und sich immer mehr steigernd ihrem Ziele zustrebt. Jesu Frage an seinen Jünger Petrus: .Hast du mich lieb?" und bann des trotzigen, dabei kindlichen Mannes Erwiderung: »Herr, du weißt alle Dinge, du weiht, daß ich dich lieb habe" bilden eins der erhabensten Zwiegespräche der Weltgeschichte. Lind wenn Jesu- bei seiner Himmelfahrt seinen Jüngern sagt: .Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker, indem ihr sie taufet“, so umspannt diese- Wort alle Völker und alle Zeiten. Jenseitiges Leben überall! Aber auch aus Jesu früheren Worten und Taten, aus seinem Leben und seinem Werk leuchtet eine jenseitige Welt hervor. Da gibt es keine irdische Gebundenheit, da fallen alle zeitlichen Maßstäbe, alle menschlichen Ordnungen dahin. Richt die Gewalttgen sind im Reiche Jesu die Herrscher, sondern die, die den anderen in selbstloser Liebe dienen. Wer sein Leben im Dienste Jesu verliert, wird eS behalten. Wer verläßt Häuser ober Brüder, ober Schwestern, ober Vater ober Mutter, ober Kinber um Jesu willen, der wirb es hundertfältig nehmen und das ewige Leben ererben. Einer unserer Volksgenossen hat vor nicht langer Zeit von den Reden der Bergpredigt als von den „Kleinodien" der Bergpredigt gesprochen. Dieser Bewertung stimmt jeder zu, der erfahren hat, daß die, die reinen Herzens sind, Gott schauen und daß die Friedfertigen Gottes Kinder heißen. Für IesuS ist der Tod und die leibliche Vernichtung nicht daS Ende, denn Gott ist nicht ein Gott der Zoten, sondern ein Gott der Lebendigen, und dem reumütigen Verbrecher, der neben ihm stirbt, ver- heißt der Heiland: »Heute wirst du mit mir im Paradiese sein." Jenseitige Welt erscheint auch denen, die in IesuS den Halt und Trost ihres Lebens gefunden haben. Man mag an der mittelalterlichen Frömmigkeit viel Schwärmerisches und Angesundes erblicken und wird doch die Menschen, die aus eigenem Entschluß heraus arm und klein wurden, um sich für andere einzusetzen, für wahre Jünger Jesu halten. Elisabeth von Thüringen, in der bei aller Wunderlichkeit eine liebevolle Seele wohnte, und Franz von Assisi, der aus tiefem Raturgefühl heraus den Felsblöcken und Vögeln in der Wüste predigte, der den Tod seinen Bruder nannte, aber auch sein ganzes Leben den Armen widmete, bezeugen, daß das ihnen eigentümliche Leben nicht von dieser Welt war. Luther, der in seinem Kampfe um die Seele und um Gott mit den Großen der Erde umging wie -mit Schulknaben, baute und traute niemals auf das, da- irdisch und menschlich war. Alle, die schweres Leid durch den Glauben überwunden haben, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum besten dienen, gehören auch in diese Reihe. Diese Menschen haben durch Jesu- auch die Gewißheit gewonnen, daß es eine ewige Heimat gibt, ein Vaterland der Frommen, in denen alle Erdenmängel aufgehoben sind, alle- Erdenleid abgetan, jede Disharmonie gelöst ist. Keiner hat diese Gewißheit schöner und inniger zum Ausdruck gebracht, als Matthias Claudius In seinen Worten: „Hier ist Vorplatz nur, spät ober frühe gehn wir alle weiter ein, und es lohnt sich wahrlich nicht die Mühe, lange hier zu fein. Wo im Dunklen wir unS freun und weinen und rund um uns, rund umher alles, alle-, mag es noch so scheinen, eitel ist und leer. O du Land des Wesens und der Wahrheit, unvergänglich sür und für, mich verlangt nach dir und deiner Klarheit, mich verlangt nach dir." H. B. Bornotizcn. — TaaeSkalender für Mittwoch. Verein Volkshochschule Gießen e. D.: Mitg.ieber- versammlung, 20 Ahr, Oberrealfchule. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Tongrohfilm „Der blaue Engel" (mit Emil Iannings). — TageSkalender für Donnerstag. Strauß-Konzert, 20 Ahr, in der Volkshalle. — l.Datl. IS. Inf.-Rgt.: Sportliche Wettkämpfe, 15,30 Ahr, auf dem V. s. B.-Spvrtplah. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Tongrohfilm „Der blaue Engel" (mit Emil Iannings). — Aftoria- Lichtspiele: „Menschen im Feuer" (mit Harry Piel), „Lupine Lane und die Seeräuber" und „Der verhinderte Arzt". — Kirchenmusikalische Psalmen- Feierstunde. Man schreibt uns: Am Freitag, 30. Mai, 20.15 Ahr, soll in der Alten Friedhofs- kapelle eine kirchenmusikalische Feierstunde abgehalten werden. Im Mittelpunkt soll das alte Psalmlied (Hugenottenpsalter- stehen. Für die Feierstunde ist die Elberfelder Organistin, Frl. Emilie Schild, gewonnen, der wir einige gute Reuausgaben bet alten Psalmsätze danken. Veranstalter des Abends ist bas Prait.-theol. Seminar ber Landes-Aniversität. Gs kommen zum Vortrag Werke von Bruckner, Pachelbel, Bach, Reger und Hubert Pfeiffer. Alle Freunde der evangelischen Kirchenmusik sind zu dieser Feierstunde. die unentgeltlich ist, eingeladen. Räheres im heutigen Anzeigenteil. — DaS Äoh a nn - S t r a u ß - K ostzer t am morgigen HimmelsahrtStage, 20 Ahr in der Dolkshalle, begegnet in Gießen und in der Am- flegenb größtem Interesse. Es ist in der Tat auch keine Alltäglichkeit, eine Musikerschar wie das Wiener Strauß-Orchester hier musizieren zu hören. Dieses Orchester, daS sich den Wiederaus stieg deS Wiener Walzer- in ber Gunst des Publikum- zur besonderen Ausgabe gemacht hat und bei diesem Streben in vielen großen Städten Deutschlands und deS Auslandes bereits beste Erfolge crxiclte. vermag als Klangkörper von hoher musikalischer Qualität den Besuchern einen musikalischen Genuß besonderer Art zu bereiten. Strauß und seine Musiker sind von ihrem Konzert im vorigen Jahre in der hiesigen Volk-- Halle noch in der besten Erinnerung, woraus sich wohl auch die starke Rachfrage nach Eintrittskarten erklärt. Wie man unS mitteilt, ist trotz der großen Rachfrage de- Publikum» noch eine Anzahl Karten verfügbar, die Im Vorverkauf bi- morgen, 18 Ubr, abgegeben werden, während ein eventueller Rest von Karten noch an der Abendkasse zu haben sein wird. (Siehe heutige Anzeige.) •• Iustizpersonalie. Auf Grund deS Altersgrenzegesetzes tritt am 1. Juli der Amts- aerichtSdirektor beim Amtsgericht Bad-Rauheim Berthold Rausch in den Ruhestand. "Hohe Auszeichnung. Auf ber36. Wan« derauSstellung ber Deutschen Landwirtschafts-Ge- sellschaft, die vom 27. Mai bis l.Iuni in Köln ftattfinbet, wurde die Dampfmolkerei Gießen Gebr. Grieb für ihre Markenmilch, wie auch für Markenbutter mit je einem ersten Preis ausgezeichnet. Wenn Ihre Empfehtungsanzeige In der Freitags- oder in der Samstagsnummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung werben soll dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags In der Geschäftsstelle auf Sommerfest der Gießener Studentenschaft. Man schreibt un»: Die Gießener Studentenschaft veranstaltet am kommenden Sonntag, l.Iuni, in den Räumen der Volkshalle ihr diesjähriges Sommerfest unter dem Motto: „Rund um die Welt in einer Sommernacht". Die Veranstaltung wird In großem Rahmen stattfinden und den Besucher mit den Eigentümlichkeiten einiger Länder bekanntmachen. Texas, eine türkische Kaffeestube, Aegypt. Rauch- Basar, Origlnal-American-Bar, Weindorf, Münchener Oktoderwlese und viele andere Darbietungen werden neben dem Tanz auf riesigen Tanz- slächen bei ausgesuchter Musik zur Größe deS Feste- beitragen. Die künstlerische Leitung de» Abend- liegt in den Händen des Oberspielleiter- Tannert vom Gießener Stadttheater. Es jst gelungen, für künstlerische Darbietungen u. a. Fräulein Würzburger, Herrn Bä ulke, Herrn Kruger und Herrn R i e r e n zu gewinnen, so daß auch In dieser Hinsicht den Besuchern de- SommerfesteS ein genußvoller Abend versprochen werden kann. Rach den Erfahrungen, die der Wiener Praterabend im vorletzten und daS großartige Sommerfest im vorigen Jahre gegeben haben, dürfte auch diesmal die Beteiligung der Gießener Bürgerschaft und Studentenschaft voraussichtlich groß werden. Man beachte die Anzeigen in unserer gestrigen Ausgabe, sowie am nächsten Freitag und Sam-tag. ** Oberhessen amRhein! Am vergangenen Sonntag veranstaltete daS Hapag-Reise- burcau Loeb, Gießen, seine erste volkstümliche Rheinfahrt in diesem Jahre. Acber 300 Personen aus Gießen, Heuchelheim, Wieseck, Lang-Göns, Butzbach, Bad-Rauheim, Wetzlar und weiterer Umgebung nahmen an der Fahrt au einem Besuche des deutschen Stromes und seiner herrlichen Landschaft teil. In gewohnter Weise ging die Fay»t 6.30 Ahr früh in einem Sonderzug über Butzbach, Bad-Rauheim, Friedberg, Homburg, nach Mainz-Kastel, wo man um 8.30 Ahr ankam, Anter den Klängen einer rheinischen Musikkapelle .Muß i denn, muß i denn zum Städtlein hinaus" ging um 9.50 Ahr der Sonderdampser .Rheintreue" von Anker. In Rüdesheim angekommen wurde teils zu Fuß. teils mit der Zahnradbahn da- Riederwalddenk- mal besucht und entweder nach Rüdesheim zurück- gekehrt, ober über die Drossel nach AßmannS- hausen gewandert. Der Dampfer fuhr kurz nach 13 Ahr von Rüdesheim, nachdem er die vom Riederwalddenkmal zurückgekehrten Teilnehmer ausgenommen hatte, nach Aßmannshausen weiter. Rach a bermaligem zweistündigem Aufenthalt in Aßmannshausen erfolgte gegen 15.30 Ahr die Abfahrt nach Koblenz. Hier angekommen, wurde nach Besichtigung des Deutschen Ecks usw. um 20 Ahr die Heimfahrt mittels SonderzugS über Bad-Ems und Limburg angetreten und um 22.08 Ahr planmäßig Gießen erreicht. Auf der ganzen Fahrt herrschte die beste Stimmung. Die Musik spielte gut und fleißig die deutschen Rheinlieder und zum Tanze auf, alt und jung sah man da- Tanzbein schwingen. Die Fahrt, die in sorgfältiger Weise organisiert war, wurde dank der Um* sicht der Reiseleitung und der Gunst des WetterS zu einem schonen Erlebnis aller Teilnehmer und zu einem guten Austakt für bie im Juli ftatt- finbenbe zweite Rheinfahrt. •• Gin Diebespaar fest genommen« Der Polizeibericht meldet: Vorgestern wurden hier der Schlosser Otto Schäfer aus Kassel und seine Braut Margarete Kell aus Melsungen wegen Einbruchdiebstahls festgenommen. Die beiden haben in Adelhausen eine Jagdhütte und in Marburg ein Wochenendhaus erbrochen und Schmuck-, Kleidungs* stücke und Eßworen entwendet. Weitere cokalnachrichken Im 2. Blatt die wundervolle goldklare Haarwaschseife für jedes Haar, auch als Shampoon Denken Sie an Stoffe, Hennen Sie an L Bernard im 82. Lebensjahr. 03540 Gießen (Schottstraße 10), Friedberg, Warburg, den 26. Mai 1930. Wp Meier Die Beerdigung findet Freitag, den 30. Mai, nachmittags 2/2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. 4048V < 4058 im 63. Lebensjahre. Gießen, Berlin, Frankfurt a. M., Regensburg, den 27. Mai 1930. Die Beerdigung findet Freitag, den 30. Mal, nachmittags 31/, Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt 4060D Lieh, den 26. Mai 1930. 4041D 03532 Modehaus Nowack-, Grünberg, Groß-Umstadt, Langsdorf, den 27. Mal 1930. alter, vflegebebürf. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 29. Mai, nachm. 3 Uhr statt. 4046 D 03526 kaufen. Frau liefert 1490V 07, um • 9 Uhr B.-R. wD Schriftl. Angeb. unt. 03542 a. d. (Älen.Anz. In tiefem Schmerz: Hans Schweiger Maria Schweiger Martha Schweiger. Schwarze Mäntel Schwarze Kleider Schwarze Kleider-Stoffe Schwarze Seiden-Stoffe der Lebensmittelbranche, welcher bei der Bäcker- u. 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Klage des V Limburg gegc s^ss-n vertreten S 'M ä* „ahme von Kran Fröhlich- 4 Berufung w tenbergE d-s Steifti Du« an ansteckender -o Klage des Hemn« den hessischen M Der Provinzial teile zu W 3u 1. Der Ern aus Grund des § ■ vrdnung der Kle Die Kosten des D zur Last. Streike Zu 2. Mrtagun Zu 3. Die Klag gewiesen. Die Kos Kläger zur Last. Zu 4. Die Deru rückgetoiescn. Die dm JerusunMi Lfl en u Lonnenausganc 20.02 Uhr. - 0 Untergang 22.02 1500; der portu Diaz am Kap d - 1809: der $ Aanlenburg gebe Zechner Adolf 01 Säten iü Eonnenausaang 20.02 Uhr. - A Untergang 20.02 1 , 1265; der italu in Florenz gehör Orleans, »Zeamil bräunt; - 1640:. in Vnttih'tpen geft Mer und Schrih de Dvltaire in Maler Vincent v Arabant geboren Gietzenei Es kosteten a' Dutter 140 bis (10 Stück) 60 bu haut 8 bis 10 ! != re8. rote ! ?^^'lchkohl; Spargel 40 k Vornan t "rheber-Rechtsschu 23 Fortsetzung. A wurden l Er ft>ü. Sya Bot। tettete. L,°Vanze kam 'ÄV Sn "ZK *ng aS b- d'elleicht S eh] Sie schwur mH Nie Unb^ er er li* 6funA. X BSR Kb Kd। " ÄUt Entwickel« Kodieren Dergröherv in Shinben bei individueller Se- Handlung. 4031D Ruhl-Gieben Plockinatze 12. Verschiedenes 000 Mark auf I. Hypothek zq MZinsen geweht I Schritt!. Angeb. nnt iMV a.d.GielAnB, Erklärung. Die ÜmerzriMtr« nehmen hiermit bi« . gegendenWilhelm i Dechen und di, Luise Baulus m Alten-Buseck aub gesprochene Seiet- digung all unwahr , unter dem Ausdruck . d.ScdauernS zurück. Aiten-Kuleck, de« 26. L!at IM £, DMl. K. Wtiltt. I Vogel l-liil«. K. 8enlli|. , H.Sthrelnir.i.Vo|il MSB ^Schwarze, junge Kätzchen AbmarechW Mr'»tsscbM- jerCotftiw» Wer msiMiWfJ: Sonntag, l-v"“1' AeüammiWg mit Samilie Ich bin 1^° 0111 Babnboi »Aä & «hrs eowÄ« ; %%% HM Rr. 124 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefien) Mittwoch, 28. Mai (930 Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 28. Mai 1930. Provinzialausschuß-Sihung. Am Samstag fand im Regierungsgebäude zu Dießen unter dem Dorsitz von Provinzialdirektor Graes eine öffentliche Sitzung des Provinzial- auSschusses der Provinz Oberhessen statt. Es wurden folgend« Derwaltungsstreit- fachen verhandelt: 1. Flaschenbierhandel der Fritz Detter Ehefrau Ernestine geb. Horst in Gießen, An der Kläranlage 80; hier: Antrag des Kreisamts Gießen auf Alntersagung des Gewerbebetriebes. 2. Klage des Preuß. Dezirksfürsorgeverbandes Metzlar gegen den Landessürsorgeverband Hessen, vertreten durch den Dezirksfürsorgever- band des Kreises AlSfeld, wegen Erstattung von Pflegekosten für Johann Schoop. 3. Klage des Preuß. Dezirksfürsorgeverbandes Limburg gegen den Landessürsorgeverband Hessen, vertreten durch den Dezirkssürsorgever- band des Kreises Friedberg, wegen äleber- nahme von Krankenhauspflegekosten für Eduard Fröhlich. 4. Berufung des Heinrich Jüngling inOr - t e n b e r g gegen das Urteil des Kreisausschusses des Kreises Büdingen i. S.: Entschädigung für an ansteckender Blutarmut erkrankte Pferde; hier: Klage des Heinrich Jüngling in Ortenberg gegen den hessischen Minister des Innern in Darmstadt. Der Provinzialausschuh erkannte durch Urteile zu Recht: Zu 1. Der Ernestine Detter zu Gießen wird aus Grund des § 35 Absatz 4 der Reichsgewerbe- vrdnung der Kleinhandel mit Bier untersagt. Die Kosten des Dersahrens fallen der Genannten zur Last. Streitwert 500 Mark. Zu 2. Vertagung dieser Sache. Zu 3. Die Klage wird als unbegründet zurückgewiesen. Die Kosten des Dersahrens fallen dem Kläger zur Last. Zu 4. Die Berufung wird als unbegründet zurückgewiesen. Die Kosten des Verfahrens fallen dem Berufungskläger zur Last. Streitwert 600 M. n in m Tonners ag 9 .a- Sonnenaufgang 3.53 Uhr. Sonnenuntergang 20.02 Uhr. — Mondaufgang 4.15 Uhr. Monduntergang 22.02 Uhr. 1500: der portugiesische Seefahrer Bartholomen Diaz am Kap der Guten Hoffnung gestorben; — 1809: der Philosoph Oswald Spengler in Blankenburg geboren; — 1923: der Maler und Zeichner Adolf Oberländer in München geboren. Taten für Freitag, 30. Mai. Sonnenaufgang 3.52 Uhr. Sonnenuntergang 20.02 Uhr. — Mondaufgang 5.09 Uhr, Monduntergang 20.02 Uhr. 1265: der italienische Dichter Dante Alighieri in Florenz geboren; — 1431: die Jungfrau von Orleans. „Scanne d' Arc", wird in Rouen verbrannt; — 1640: der Maler Peter Paul Rubens in Antwerpen gestorben; — 1778: der französische Dichter und Schriftsteller Francois Marie Arouet de Voltaire in Paris gestorben; — 1853: der Maler Vincent van Gogh in Croot Zundert in Brabant geboren. Gictzener Wochcnmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 140 bis 150, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140. Wirsing 25 bis 30. Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 15 bis 20, gelbe Rüben 10 bis 12. rote Rüben 10 bis 12, Spinat 10 bis 15, Römischkohl 10 bis 15, grüne Bohnen 60 bis 70, Spargel 40 bis 85, Erbsen 35 bis 40, Misch- Konstanze. Vornan von Karl Heinz Doigt. Urheber-Rechtsschutz Verlag Oskar Meister. Werdau. 23 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Peter wurden Konstanzes Besuche bald unentbehrlich. Er spürte dumpf, daß sich hier ein letzter Halt bot, der ihn vor dem Versinken ins Bodenlose rettete. Konstanze kam in fein Atelier und es geschah, daß sie drei, vier Stunden lang still in einer Ecke sah und zusah. wenn er malte. Er schien nur noch in ihrer Anwesenheit schaffen zu können. — Es war dann ganz still in dem kleinen, lichtdurchfluteten Raume. — In Peters grauen Augen blitzten Eifer und Begeisterung. Er nahm seine halbvollendcten Arbeiten wieder auf. Zuweilen tauchte er einen Blick in Konstanzes große Augen. Das war ein Schöpfen neuer Kräfte aus einem unversiegbaren Bronnen. „Sie sind dazu berufen. Frau Konstanze", sagte er begeistert, „einen Künstler zum Höchsten zu steigern. Ihre Gegenwart inspiriert mich." Sie lächelte beglückt und dachte, daß Kurt Helbing einst etwas Aehnliches gesagt habe, vielleicht nur mit ein wenig anderen Worten. Sie sah Peters geschickten Pinsel über die Leinwand gleiten. Wenn er malte, war sein Blick in sich gerichtet. — Durchforschte er das wette Land seiner Seele? „Wann wird er sprechen?" fragte sich Konstanze und wartete ungeduldig auf die Stunde, da er sich offenbaren würde. — Einmal trat es ein, dah sie Peter nicht zu Hause antraf. „Herr Uhlstädt ist vor etwa zwei Stunden ausgegangen", sagte die Nachbarin mit unfreundlichem Gesicht. — Run, sie würde wie- verkommen. Auch am Abend war er nicht daheim. — »Hat er etwas hinterlassen?" fragte Konstanz« die Rachbarin. Sie verneinte und schlug bedeutsam hie Tür zu. Konstanze kam am nächsten Tag wieder. Er war nicht da. Abermals klingelte sie beunruhigt, völlig vergeblich an der Rebentür. — Sollte er krank sein? — Sie konnte kaum den nächsten Tag erwarten. — Endlich öffnete er ihr. — Das erste was ihr auffiel, war das seltsame Zucken in seinem Gesicht. „Ich war täglich da", sagte sie und ärgerte sich über den vorwurfsvollen Ton in ihrer Stimme. „Ich war ein paar Tage bei einem Freund in Dachau", sagte er und sah sie nicht an. „Ich freue mich, dah Sie da sind", versicherte er, indem sie den Hut ablegte. „Ich hat« eine ganz Gesetzliche Regelung der Trichinenschau in Hessen. Der hessische Inenrninister hat dem Landtag einen Gesetzentwurf zugeleitet, durch den auch in Hessen die Trichinens cha u gesetzlich geregelt werden soll. Während in anderen Ländern, beispielsweise in Preußen und Sachsen, die Trichinenschau schon lange (Preußen seit 1902) einheitlich gehandhabt wird, war sie in Hessen bisher den örtlichen Behörden überlasten. Außer den großen Städten schrieben für die gewerblichen Schlachtungen einzelne Kreise oder aber, wo diese sich nicht dazu entschließen konnten, auch kleinere Städte und Landgemeinden die Trichinenschau teils obligaw- risch, teils fakultativ vor. So bestehen in Hessen jetzt schon annähernd 3 0 Polizeiver - o Tönungen, die die Trichinenschau örtlich regeln und die ungefähr die Hälfte aller gewerblichen Schweineschlachtungen erfassen. Neuerdings laufen weitere Anträge auf Einführung der örtlichen Trichinenschau. Nicht zuletzt sind bie|c Bestrebungen auf die beteiligten Kcwerbekreise selbst zurückzuführen, die große Schwierigkeiten beim Absatz ihres Fleisches und ihrer Fleischwaren nach nichthessischen Gebieten haben, in denen die Trichinenschau eingeführt ist, die aber die Art der Trichinenschau, wie sie in Hessen durch Polizeiverordnung geregelt ist, vielfach nicht als genügend anerkennen. Aus wirtschaftlichen und gesundheitlichen Gründen wird deshalb eine für da» ganze Land einheitliche Regelung der Trichinenschau durch dieses Gesetz angestrebt. Die verhältnismäßig seltenen Fälle der Feststellung von Trichinen bei Schlachttieren dürfen über die außerordentlich große Gefahr im Einzelfalle für die gesamte Bevölkerung nicht hinwegzutäuschen, da durch den Genuß des Fleisches eines einzigen mit Trichinen behafteten Tieres erfahrungsgemäß Hunderte von Menschen an Trichinosis erkranken können, mit einem sehr hohen Prozentsatz von Todesfällen. Das Gesetz sieht die amtliche Untersuchung auf Trichinen nicht nur für Schweine, sondern f ü r alle Tiere vor, deren Fleisch zum Genuß für Menschen verwendet werden soll, und die als Zwischenträger der Trichinose beim Menschen in Be- tracht kommen können. Trichinenepidemien, wie sie erst in neuester Zeit, besonders in dem Stuttgarter Fall bekannt geworden sind, der einer großen Anzahl von Menschen das Leben gekostet hat, machen es notwendig, den Kreis derjenigen Tiere, die der Trichinenschau unterliegen, möglichst weit zu halten. Nach dem derzeitigen Stand der Wissenschait sind als solche Tiere zu bezeichnen: Wildschweine, Hunde, Katzen, Bären, Füchse, Dachse, Marder, Iltisse und Igel, sowie auch das Flußpferd. Da die Erkenntnisse der Wissenschaft sich aber im Laufe der Zeit an- dern können, soll die Bezeichnung dieser Tiere nicht durch das Gesetz, sondern durch Bekanntmachung des Innenministers erfolgen. Diese Bekanntmachung wird der Bevölkerung, soweit die Tiere überhaupt für den menschlichen Genuß in Frage kommen, als Warnung dienen können. Auch das nach Hessen eingeführte Frisch- ober zubereitete Fleisch dieser Tiere soll nach dem Gesetzentwurf fünftig der Trichinenschau unterliegen, sofern es zum Genuß für Menschen bestimmt und nicht bereits amtlich auf Trichinen untersucht worden ist. Die Höhe dek Gebühren für die Durchführung der Trichinenschau soll für das ganze Land ein- h.eitlich festgesetzt werden. Die Durchführung soll in engster Anlehnung an die Fleischbeschauorganisation erfolgen, da gerade die in Hessen hierüber bestehenden Vorschriften sich bcson- ders bewährt haben. Es ist beabsichtigt, in Bezirken mit gehäuften Untersuchungen nach Möglichkeit Kriegsbeschädigte mit der Trichinenschau zu beauftragen. Im allgemeinen wird die Trichinenschau von den bereits vorhandenen Fleischbeschauern übernommen werden. Es ist voraussichtlich damit zu rechnen, daß das Gesetz nach Verabschiedung durch den Landtag am 1. Oktober 1930 in Kraft treten kann. gcmuse 10 bis 15, Tomaten 60 bis 80, Zwiebeln 8 bis 12, Meerrettich 50 bis 70, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Rhabarber 10 bis 15, Kartoffeln 41/z bis 5 (der Zentner 3,80 bis 4 Mk.), Aepfel 10 bis 15, Dörrobst 30 bis 35. Kirschen 80 bis 100, Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120, Rüsse 50 bis 70 Pf. das Pfund; Tauben (Stück/ 70 bis 80, Eier 10, Blumenkohl 50 bis 100, Salat 10 bis 15, Salat» gurken 50 bis 80, Ober-Kohlrabi 20 bis 25, Lauch 5 bis 10, Rettich 20 bis 25, Sellerie 10 bis 40 Pf. das Stück, Radieschen Bd. 10 bis 15 Pf. *• Verkehrs- und Verschönerungsverein Gießen. Der in der jüngsten ordentlichen Generalversammlung gewählte Ausschuß des Verkehrs- und Derschönerungsvereins Gießen hielt gestern abend eine Sitzung ab, an der erstmalig auch Mitglieder des Vorstandes des früheren Verschönerungsvereins teilnahmen. Als wichtigster Punkt standen Wahlen auf der Tagesordnung. Durch einstimmige Wahl wurde der geschäftsführende Vorstand des Verkehrs- und Verschonerungsvereins wie folgt gebildet: Stadtratsmitglied Schwieder 1. Vorsitzender, Oberforstmeister Dr. Schütz 2. Vorsitzender, Derwaltungssekretär Maus Schriftführer, Kaufmann Loeb Rechner, Redakteur B l u m s ch e i n, Beigeordneter Dr. H.a m m, Forstrat Ricolaus, Hotelbesitzer S «chw a b und Kasfeehausbesitzer Schwarz als Beisitzer. Dieser Kreis von Herren soll neben der Erledigung der laufenden Geschäfte seine besondere Arbeitskraft der Derkehrswerbung widmen. Reugebildet wurde im Rahmen des Gesamtausschusses ein älnterausschuh für Verschönerungsfragen, der aus folgenden Herren besteht: Oberforstmeister Dr. Schütz, Forstrat Rico l a u s, Geheimrat Professor Dr. Witter- maier, Kaufmann und Stadtratsmttglied Wilhelm Horn, Steuerinspektor K l e m m r a t h , älhrmachermeister Marx und Hotelbesitzer Schwab. Dieser Unterausschuß soll seine Tätigkeit vor allem der Verschönerung unserer Stadt und der nächsten Umgegend widmen; er wird dabei im Rahmen des Gesamtvorstandes arbeiten. Wetter wurde der Beschluß gefaßt, in diesem Jahre wieder einen Blumenschmuckwettbewerb zu veranstzalten, an dem die Beteiligung für alle Bürger offen ist. Räheres wird in den nächsten Tagen noch bekanntgegeben werden. *’ Heeresfachschule für Verwaltung und Wirtschaft. Von der Heeresfachschule Gießen wird uns berichtet: Am 23. Mai fand die diesjährige Abschlußprüfung II unter dem Vorsitz von Oberfachschulrat Prof. Schneider aus Stuttgart statt. Alle drei Prüflinge haben bestanden. Am 24. und 26. Mai fand die Abschlußprüfung I unter dem Vorsitz von Fachstudiendirektor B o u ch h o l h statt. Es haben ebenfalls alle 15 Prüflinge bestanden. Rach- stehende Anstellungsbehörden hatten je einen Vertreter in den Prüfungsausschuß entsandt: Reichsbahn, Reichspost. Reichsfinanzverwaltung, Hessi- sches Ministerium für Kultus und Bildungswesen, Hessischer Städtetaa. Hessischer Landgemeindetag und di« Industrie- und Handelskammer. ee Reu« Beitra gsmarken in 6er Qln* gestelltenversicherung. Mit Wirkung vom l.Iuli ab werden neue zweifarbige Beitragsmarken der Angestelttenverslcherung auS- gegeben. Die Gülttgkeitsdauer der bisherigen Beitragsmarken läuft mit dem 30. Juni ab; sie dürfen also zur DettragSentrichtung für die Zeit nach dem 30. Juni nicht mehr verwendet werden. Die bisherigen Beitragsmarken werden von der Post nur bis einschließlich 30. Juni abgegeben. Wer nach diesem Zeitpunkte noch Beitrage für die Zeit vor dem 1. Juli zu entrichten hat, erhält nur noch die neuen Marken. ES ist ratsam, etwaige Beitragsrückstände noch vor dem l.Iull zu beseitigen. Unbeschädigte Stücke der bisherigen Beitragsmarken können, soweit zur DeitragS- entrichtung für die Zctt vor dem 1. Juli eine Verwendungsmöglichkeit nicht mehr vorhanden ist, bei der Post bis zum 30. September gegen neue Beitragsmarken der Angestelltenversicherung umgetauscht werden. ** Diebstähle. Entwendet wurden von einem Herrenrad, das im Dolksbad untcrgcfteUt war, eine Dynamolichtmaschine, Marke „Radsonne"; ein Paket mit Wurstwarcn aus einem Wagenabteil der Reichsbahn auf der Strecke Rödgen—Gießen und aus einem Personenkraftwagen eine Aktenmappe mit Inhalt, eine blaue Pserdeoorführdecke mit zwei Schnallen und weißem Besatz, eine graue und eine graugemufterte Wolldecke. Mitteilungen an die Krimmalpolizei erbeten. Tagung der Erwerbs- und Wkrtschastsgenoffenschasten. Am 23. und 24. Mai fand in Homberg a. d. Efz« der 6 7. Verbandstag des Verbandes Hessischer Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften e. D. mit dem Sitz in Kassel unter Leitung des Derbandsdirektors Letschert (Kassel) statt. Weit über hundert auswärtige Vertreter waren zu der Tagung erschienen. Die erste Versammlung am 23. Mai brachte u. a. den Bericht des Derbandsrevisors über die bei den einzelnen Genossenschaften vorgenommenen Revisionen. Die Ausführungen, die sich ins- besondere mit den Ausgaben der Dorttandsmitblieder und des Aufsichtsrats befaßten, ferner mit der Buchführung und Innenorganisation der Genosien- schäften, sowie mit deren Kreditpolitik, fanden die einhellige 3uftimmung der Versammlung. Im Anschluß hieran wurde über die Gründung eines Zweckoerbandes mH dem Wiesbadener und Darmftäbkr Revisionsverband und über die Satzung dieses Zweckverbandes beraten. Aufgabe dieses neuen -Zusammenschlusses soll der Ausbau der Verbandsgeschäfte und eine Vertiefung der Verbandsrevisionen sein. Die Versammlung stimmte der Gründung, sowie den Statuten zu. Die Entschließung des Wiesbadener Verbandes, an dessen Zustimmung nicht zu zweifeln ist, steht noch aus. Der Darmstadter Verband hat seine Zustimmung bereits auf seiner Tagung in Groß-Gerau am 11. Mai erteilt. Ebenso wurde eine Stützungsaemein- schäft der Kreditgenossenslhaften des Deutschen G e n o s s e n s ch a f t s o e r b a n d e s gutgeheihen. Am zweiten Derhandlungstaae erstattete Der- bandsdirektor Letschert tn Anwesenheit zahlreicher Staats-, Gemeinde- und anderer am Ge- deihen der Genossenschaften interessierter Vertreter den Geschäftsbericht. Er besprach die allgemeine schwierige Wirtschasts- seltsame Beobachtung gemacht. Ich kann nämlich kaum noch ein paar Tage ohne Sie sein." Er lachte und es klang unmelodisch und rauh. Sie fühlte sofort, daß in diesem Mann irgend etwas vorgegangen fein müsse. Seine Blicke waren unstet, und ein flackerndes Licht lohte im tiefsten Grunde seiner grauen Augen. — Der herbe Zug um seine Mundwinkel war vertieft. Sein Gesicht schien blasser. Seine Krawatte war nachlässig gebunden und die Manschetten waren nicht ganz sauber. „Würde er nun sprechen?" — Er blieb schweigsamer denn je. — — — Dann saß sie still da und er malte. Es waren die letzten Striche zu einem großen Gemälde, „Erlösung" betttelt- Konstanze kam langsam näher, er rückte die Staffelei in eine günstigere Beleuchtung und nun stand sie lange vor dem fast vollendeten Gemälde. Er empfand beglückt ihre verstehenden Blicke. „Dieses Werk ist Ihr Werk, Frau Konstanze", sagte er nicht ohne Pathos. „Run weiß ich, ich könnte ohne Sie nichts mehr schaffen." Er sah, wie sie sekundenlang schwärmerisch die Augen schloß, wie damals, da ihre Hand auf seinem Scheitel gelegen hatte, weißt du noch? Run würde er sprechen. Es würgte ihn in der Kehle und entriß ihm die Worte. Die Gegenwart dieser Frau beherrschte ihn. Ihre Blicke flössen zusammen, wurden eins in zärtlicher Vertiefung. Da nahm er fie ganz vorsichtig in seine Arme. Ein andachtsvolles Küssen war cs. — Da wurden die Stunden des Glücks in Klein-Giesow zur Wirklichkeit. — Es gab eine Auferstehung versunkener Liebe. Täglich kam Konstanze. Sie wartete noch immer auf Erfüllung ihres Wunsches, Peters Geheimnis zu erfahren. „Er hat kein Vertrauen", dachte sie traurig, ohne die Geduld zu verlieren. — „Ich werde ein paar Tage nicht da sein", sagte er einst. Er wich ihrem forschenden Blick aus und ergänzte: „Ich werde nach Dachau fahren zu meinem Freund." Er nennt nie den Rainen des Freundes, empfand Konstanze von leisem Mißtrauen gequält, aber sie unterließ es, mit weiteren Fragen in ihn zu bringen. — Sie konnte die Stunde nicht erwarten, da er zurück sein würde. — Morgen also! — Run, auch dieser Tag würde vergehen! — Als er ihr öffnete, erschrak sie. Seine Hände waren feucht und ohne jede Kraft. Er sah krank aus und seine Bewegungen hatten etwas Mn- beherrschtes. Er schien um Jahre gealtert tn den wenigen Tagen. 3n dieser Stunde entdeckte Konstanze das erste graue Haar bei Peter. Er beherrschte nur schwer feine Erregung, zerbiß das Mundstück seiner Zigarette, spuckte dm beherrscht. Das Flackern in feinen Augen war geschwunden. Als sie gegangen war, stand er lauschend an der Tür. Rachdem ihre Tritte im EttegenhauS verhallt waren, eilte er zum Fenster. Dort ging sie über den schmutzigen Hof. Ein paar Männer standen vor dem Tor der Roßschlächterei und geftifulierten heftig. Der eine hielt eine Peitsche in der Hand und schien zu schimpfen. Peter sah, wie Konstante ihre Schritte beschleunigte. Run nahm sie der Torbogen, der nach der Straße führte, auf. Peter zog sich mit schnellen Griffen die Samtjacke aus, vertauschte sie mit einem dunkleren Rock. Den Lleberziehcr hängte er über den Arm. Dann stand et wieder regungslos und schien zu lauschen. Er setzte den Hut auf und verlieh die Wohnung. In dem Keller der „Leda Rhmskh" war das Spiel schon in vollstem Gang. Leda kam ihm freudig entgegen, wiegte den Kopf hin und her, so daß die unechten Perlen- vhrringe schaukelten und drohte mit dem dicken Zeigefinger, an dem einige Similiringe in schamlosem Geglitzer strahlten. „Sie waren lange nicht hier, Wertester? — Es ist alles in bester Laune heute." Peter fühlte einen Etel in sich hochsteigen. Mit diesem wenigen Geld konnte er nicht in den Bolton-Klub gehen, wo nur um höchste Einsätze gespielt wurde. Er hatte sich fest vorgenommen, diese dreihundertfünfzig Mark zu verzehnfachen. Wenn ihm das gelungen war, würde er gehen. — Er würde gewinnen! Es war Konstanzes Geld, und dieses Geld mußte ihm Glück bringen! „Es ist doch nichts zu befürchten?" fragte er die ihn führende Leda. „Sie können ganz unbesorgt fein, Herr Ahlstädt", flötete sie mit einer verdächtig freundlichen Stimme. „Wir haben die Wachtposten verstärkt. Die Polizei hat keine Ahnung." Am Ende des langen, feuchten und finsteren Ganges den sie entlang schritten, öffnete Leda Rhmsky eine Tür. Als Peter eintrat, fühlte er augenblicklich ein Dutzend glühender Augen auf sich gerichtet. Schon war man ganz bei der Arbeit". Die Karten flogen auf den Tisch. Scheine und hartes Geld wanderten über das grüne Tuch. „Wünschen Sie was zu trinken?" fragte Leda und spitzte die dicken Lippen. „Selbstverständlich! — Was ist da?" „Etwas ganz Vorzügliches. Wird nur an Stammgäste abgegeben. Pommerh de Rormandie." Eie legte die nicht ganz sauberen Fingerspitzen xufammen, küßte fie, verdrehte die Augen und sagte: .Einfach Puppe und billig. Fünfundzwanzig Mark." „Her damtt!" rief Peter und war froh, dies« Person endlich los zu fein. (Fortsetzung folgt.) Tabak aus und ging unruhevoll in dem dürftigen Raume auf und ab. Konstanze bemühte sich, gleichgültig zu fragen: „Wie war es in Dachau, Peter?" „Ich bin gern dort", antwortete er sehr schnell und riß sogleich das Wort an sich. „Was hast du erlebt in diesen Tagen, Konstanze? — Wie geht es Äurt?“ .Helbing meidet mich offensichtlich." „Ich weih, dah er dich liebt", sagte Peter und versuchte ein mühseliges Lächeln hervorzubringen. „Seine Liebe ist hoffnungslos." Sie umfing ihn mit einem zärtlichen Blick, in dem Besorgnis war. Er schien ihre Worte zu überhören, ging mit langen Schritten auf und ab und hatte ein kleines, törichtes Lied auf den Lippen. Schließlich griff er zum Pinsel, rückte die Staffelei zurecht, nahm die Palette. Plötzlich legte er den Pinsel fort. „Es geht nicht!" rief er verzweifelt und ohne Beherrschung. Er warf sich in einen Stuhl und starrte verstört vor sich hin. „Sprich! Schütte dieser Frau, die dich versteht, dein Innerstes aus", so raunte es in ihm. Er schüttelte untoUlig den Kopf und vertrieb diese Stimme. „Was ist es?" fragte Konstanze mit ganz milder Stimme und trat dicht vor Peter hin. „Ich bin ... Ich will dir erklären ... Es ist ... ein einziger geringfügiger Geldbetrag kann mich retten. „Ist es ba&?“ In der Frage lag Abwehr und Freude zugleich. Er nickte. Er wagte nicht, sie anzusehen. „Warte einen Augenblick!" Eie überlegte. „Wieviel brauchst bu'F* Er sah sie unsicher und voller Argwohn an. „Hundert Mark." »Du mußt warten. — Ich komme bald wieder. — Eine Stunde vielleicht." Schon war sie gegangen. — »Da ist Geld!" rief sie, als sie wenig später wiederkam. „Sieh an, eine stattliche Summe!“ Sie war glücklich und lachte mit hellen Augen. Er sah das Geld mit gierigem Blick. „Willst du mir nicht erklären, Konstanze .. .** „Ich habe mich von einem Ring getrennt.“ „Ich danke dir. Ich werde dir selbstverständlich das Geld bald toiebergeben. — Willst du einen Schuldschein?" Er schob die sieben Fünfzigmarkfdjeine mit einer gleichgültigen Gebärde, wie sie nur dem berufsmäßigen Spieler eigen ist, in fein Schubfach. »Du hast mir wirklich einen großen Gefallen getan, Konstanze. Ich hoffe, daß ich dir schon übermorgen das Geld zurückgeben kann." Sie beobachtete, daß sein ganzes Wesen ruhiger geworden war. Sein MieinuspÄ war wieder ,<4 läge und die Gründe dieses ungünstigen Zustandes. Trotzdem seien die Geschäftsergebnisse der im Verbände zusammengeschlossenen 27 Kreditgenossenschaften durchaus erfreulich. Nach der vorliegenden Statistik hat sich deren Umsatz von 1020,6 Millionen Mark in 1928 auf 1069,8 im Jahre 1929 gehoben; das eigene Vermögen ist von 7,6 auf 8,9 Millionen Mark angewachsen, die Einlage fremder Gelder von 38,4 auf 42,8 Millionen Mark. Die offenen Reserven betrugen statt 4,7 v. H. in 1928 im abgelaufenen Jahre 1929 = 4,9 v. H. der Gesamtbetriebsmittel, die flüssigen Mittel 32 v. H. der gesamten fremden Verbindlichkeiten und 77,8 v. H. der täglich fälligen Verbindlichkeiten (Spareinlagen). Der Bruttogewinn stieg von 2,5 auf 2,8 Millionen Mark, und die Unkosten den Zeitverhältnissen entsprechend von 0,154 d. S). auf 0,168 des Gesamtumsatzes. Die Durchschnittsdioidende betrug 9,7 o. H. Die Kredite in laufender Rechnung beliefen sich auf 33,6 Mill. Mark, die Wechselkredrte auf 10,2 Millionen Mark. Die Zahl der Spareinleger hat sich von 36 039 auf 40 039 erhöht. Der Berichterstatter wies darauf hin, daß die Genossenschaften aus die Sicherheit fremder Gelder größtes Gewicht zu legen hätten und daß von der Gewährung zu hoher Kredite Abstand zu nehmen sei. Die Liquidität einer Genossenschaft gehe ihrer Rentabilität vor. Noch mehr als bisher muffe sich der Einzelhandel und das Handwerk den Genossenschaften anschließen, in denen alle Stände und Berufskreise bereits vertreten feien. Die Gründung der oben erwähnten Stützungsgemein, schäft gewähre den Spareinlagen einen besonderen Schutz; sie soll das Vertrauen des Publikums zu den Genossenschaften besonders erhöhen. Das Ziel fei die Schaffung einer Einheitsbank. An Stelle des durch Krankheit verhinderten Deut- schon Genossenschaftsanwaltes Prof. Dr. Philipp £tein (Berlin) sprach Dr. Lang (Berlin), Mitglied der Anwaltschaft des Deutschen Genossenschaftsverbandes, über: Die Sicherung der Mitglieder und Gläubiger der Genossenschaft durch Revision des Aufsichts- rats und Verbandes. Er behandelte dabei die Rechtsbefugnisse von Vorstand und Aufsichtsrat und ihr Verhältnis nach innen und außen, sowie die vom Deutschen Genossen- schastsverlage herausgegebene Geschäftsanweisung. Der Vortragende beschäftigte sich weiter mit höchst- richterlichen Entscheidungen über die zivil- und strafrichterliche Haftung von Vorstand und Aufsichtsrat. Bankdirektor Dr. Bredenbreuker (Frankfurt o. M., Dresdner Bank) besprach in ausführlicher Weise „Die wichtigsten Bestimmungen des Depot- gesehes". Jede Genossenschaftsbank müsse über bankmäßig vorgebildete Beamte, die notwendigen Einrichtungen und die Kenntnis der gesetzlichen Bestimmungen verfügen, sofern sie sich mit Wertpapiergeschästen befasse. Direktor Burk (Berlin) besprach Organisa - tionsfragen unter besonderer Berücksichtigung der Verwendung von Maschinen zwecks Senkung der Unkosten. Aus Oberhessen nahmen an der Tagung Vertreter aus Alsfeld, Bad-Nauheim, Büdingen, Butzbach, Friedberg, Grünberg und Gießen (Handels- und Gewerbebank) teil. Tumen, Sport und Spiel. Bataillons-Sportiest. Vorschau auf die Wettkämpfe. Die Gießener Handballelf (Stadt- mannschaft), die im Rahmen der Bataillons- Wettkämpfe am morgigen Himmelfahrtstag (auf dem B. f. D.-Sportplatz ab 15,30 Uhr) gegen eine Handballmannschaft des Bataillons aufgesteUt ist. setzt sich aus Spielern aller Vereine zusammen. Ihr steht eine kombi- nierte Batls.-Mannschaft gegenüber, deren Spieler in letzter Zeit wiederholt Proben ihres Könnens abgelegt haben und durch zahlreiche Spiele Dallerfahrung sammeln konnten. Das Spiel schiedsrichtert Verbandshandballobmann Ientzsch. In den übrigen Wettbewerben finden wir neben einer Anzahl auswärtiger, durch ihre Leistungen bekannter Gäste die in den Wettkämpfen der D. T. und D. S. B. vielgenannten Leichtathleten des Bataillons. Sie konnten am Mittwoch voriger Woche im Mannschaftskampf gegen Spielvereinigung 1900 und Universität. V. f. B. und Mtv. einen guten 2. Platz in der Gesamtplacierung belegen. Die 100 Meter, sowie die 4x100- Meter-Stafette sollte ganz eine Qlnge- legenheit der 1. Kompanie werden, die mit W e i - .gand. Behren und Salz gut vertreten ist. Der frühere Divisions- und Württembergische ;; Meister Hägen sollte trotzdem knapp vor Weigand das Zielband zerreißen. Im 1500-Meter-La uf werden zunächst die hessischen Grenadiere unter sich sein, um den Aufstieg in die Rennmannschaft zu erkämpfen, während im Anschluß daran wohl das interessanteste Rennen über die verkürzte Meile in hervorragender Besetzung gelaufen wird. Der Thüringische Meister Stuckard (Weimar), der im Vorjahr bei der Deutschen Heeresmeister- schaft 4.09 lief, wird wohl das_ Tempo angeben. Es sind weiter im Rennen Schütze Reih (Marburg), Iäger Brehm (Kassel), Gefr. M e tz n e r (Meiningen), und Oberschütze Forster (Stuttgart). Dom Bataillon starten Büttner und Z i e r e s. Die lange Strecke wird in Form eines Mannschaftslaufes mit vier Teilnehmern und Wertung des 4. gelaufen. 2. und 4. Kompanie liegen hier aussichtsreich im Rennen, wenn die 1. nicht mit einem neuen Mann überrascht. Die Zeit sollte für einen Mannschaftskampf, der einer besonderen taktischen Ueberlegung bedarf, gut werden, da alle Teilnehmer durch ein planmäßiges Waldlauf training gegangen sind. Die Sensation des Tages dürfte neben einer kriegsmäßig gelaufenen Rachrichten st affel mit Meldehund, Blinktrupp und Fernsprecher die „Große Staffel" werden, an der alle vier Kompanien mit je 30 Mann teilnehmen. Hier gilt es den Stab über 1000 Meter zu einem Radfahrer zu bringen, der nach einem Spurt über vier Runden zwei S.-M.-G.-Schühen mit Gerät über Hindernisse schickt, die sich ihrerseits wieder nach Beseitigung einer Hemmung am M.-G. von einer feldmähigen S.-M.°G.-Bedienung ablösen lassen. Die Staffel setzt sich nun über Hindernisse auf verschiedenen langen Strecken im Sportanzug oder felümäßig fort, und wenn nicht allzu komplizierte Hemmungen unterwegs schon eine Mannschaft ins Hintertreffen bringt, sollten unter Llmständen die kameradschaftlichen Ermunterungen den Sieg • entscheiden. In den Sprüngen finden wir — abgesehen vom Weitsprung, der feldmätzig Lurchgeführt wird — bekannte Ramen, wie Steines, Ia - k o b. D e h r e n, zu denen sich von Süddeutschland Singer (£Um), aus Marburg Götsch, aus Meiningen 4S ü n h e l hinzugesellen. Im Hochsprung kann 1,70 Meter, im Stabhochsprung 3,30 Meter übersprungen werden, wobei die nicht sehr günstigen Sprunganlagen des V. f. B.-Platzes berücksichtigt werden müssen. 3m Kugelstoßen kann Mohl zeigen, daß sein HirschfeldÄraining von Wilnsdorf ihn an die 14 Meter gebracht hat, wenn die auswärtige Konkurrenz .vorlegt". Im Diskuswerfen wird der erste Platz nicht unter 37 Meter zu belegen fein, da das Bataillon allein drei Anwärter über und um diese Leistung hat. Als feldm. Wettbewerb unter den Würfen darf Handgranatenwerfen auf einem Truppensportfest nicht fehlen, eine herrliche volkstümliche Hebung, die das teure Speerwerfen besonders in kleinen Vereinen vollauf ersetzen könnte. 60 Meter sind in Llnisorm schon eine beachtliche Leistung. Das Iagdspringen als Abschluß des Festes bringt die Maschinen-Gewehr-Kompanie auf den Plan. „Amazone", „Edelmann" und „Attila" werden hier getippt. Da nach den Fehlern aber auch die Zeit entscheidet, sollte St. Georg auf dem großen Parcours ebenso gut einem anderen seiner vierbeinigen Schützlinge hold sein. Das Patrouillenspringen mit je vier Reitern schließt die Sportwettbewerbr ab, nach denen die Sieger aller Wettbewerbe ihren Preis aus den Händen des Kommandeurs in Empfang nehmen werden. D. f. B. Das Samstagabendspiel gegen D. f.R. 1900 Offenbach konnte die Ligamannschaft nur mit dem knappsten aller Resultate, aber verdient gewinnen. Im großen und ganzen konnte das Spiel nicht erwärmen, da die von beiden Mannschaften gezeigten Leistungen recht mäßig waren. Besonders enttäuschten die Gäste, von denen man sich etwas mehr versprochen hatte. Was die DfB.-Elf bot, ließ ebenfalls viele Wünsche offen. Während ihr Zuspiel meist sehr schlecht war, oft sogar der Ball dem gegnerischen Spieler vor die Füße gespielt wurde, sah man nachher wieder einmal geradezu glänzende Kom- binationszüge. in deren Verlauf der Gegner nicht an den Ball kam. ein Beweis, daß die Mannschaft in der Lage ist. ein ansprechendes Spiel vorzuführen, wenn sie den ernsten Willen dazu hat. Dieser schien aber etwas zu fehlen, sonst hätte wenigstens das Tempo ein flotteres sein müssen, das mit Ausnahme von zwanzig Minuten der zweiten Halbzeit geradezu schleppend war. Vom Spielverlauf ist nicht viel zu sagen. In der ersten Halbzeit war keine Partei wesentlich im Vorteil. Beide hatten wohl einige Torchancen, von denen VfB. eine zum einzigen und damit zum Siegestreffen verwertete. Rach dem Wechsel beiderseits wieder temperamentloses Spiel, bis etwa nach einer Viertelstunde die Platzmannschaft das Tempo plötzlich verschärfte und etwas mehr Leben in die Spielhandlungen brachte. Offenbach lieh sich aber nicht überrumpeln und verteidigte geschickt. Dabei stand ihm das Glück insofern zur Seite, als die VfB.- 6 türm er nur ungenau schossen. Auch VfR. 1900 brachte verschiedentlich das Gießener Tor in Gefahr. Cs blieb aber beim 1:0 für VfB. Am Sonntag war die Ligamannschaft Gegner des D. f.A. 07 „Olympia" auf dortigem Platz und mußte eine 1:5-Riederlage hin» nehmen. Die Platzmannschaft zeigte eine ausgefeilte Technik und war Gießen auch im Zuspiel überlegen; nicht zuletzt war sie auch ein gutes Teil schneller. Trotzdem ist das Resultat dem Spielverlauf nach etwas hoch ausgefallen, ein 2:4 hätte ihm wohl eher entsprochen. Auch hier hätte der Sturm Gießens bei etwas mehr Durchschlagskraft und Schußsicherheit von den sich ihm bietenden Torgelegenheiten mindestens noch eine verwerten müssen, anderseits hätte auch die Verteidigung ein Tor verhüten müssen. Die Leistungen im Feldspiel waren nicht so verschieden wie das Resultat es vermuten läßt. VfB. zeigte diesmal bedeutend mehr Eifer, als am Vortag und begann mit einem vielversprechenden Elan. Auch rein spielerisch konnte man mit ihm zufrieden sein. Es gelang ihm sogar, in Führung zu gehen. Bis zur Halbzeit war das Spiel völlig verteilt, „Olympia verstand sich aber besser aufs Toreschiehen und führte bet der Pause mit 2:1. In der zweiten Spielhälfte zeigten sich bei der VfB.-Mannschaft Ermüdungserscheinungen, die sie zeitweise abfallen ließen. „Olympia wurde überlegen und konnte bis zum Schluß noch drei Erfolge hinzufügen, denen VfB. trotz eifriger Bemühung nichts entgegenzusetzen vermochte. Die Ligareserve konnte die im Vorspiel erlittene Riederlage in derselben Tordifferenz wieder wettmachen, indem sie Cappels erste Mannschaft mit 3:2 schlug. Beide Mann- schäften enttäuschten. Was DsB. in punkto Ballbehandlung und Zuspiel besser war, glich Cappel durch vermehrten Eifer einigermaßen wieder aus, ging aber dabei oft über die Grenze des Erlaubten; zwei seiner Spieler wurden deshalb des Feldes verwiesen, ebenso ein Spieler der Platzmannschaft. Das Ergebnis entspricht dem Spielverlauf und wohl auch dem tatsächlichen Stärkeverhältnis beider Parteien. Auch der dritten Mannschaft gelang es, mit umgekehrtem Resultat die Scharte vom Vorspiel wieder auszuwehen. Mit 3:2 blieb sie über die Zweite C appels Sieger. Wenn auch hier nicht allzuviel besondere Leistungen gezeigt wurden, so stand das Spiel doch auf einer anderen Stufe. Der Sieg der VfB.er war verdient. Rächt» mehreren Riederlagen ein Bombensieg der A. - H. - E l f. Sie überfuhr eine aus Aktiven und Alten Herren kombinierte Mannschaft Grünbergs mit 12:1. Trotz bewundernswertem Eifer tarnen die Gäste gegen die routinierten VfB.er nicht auf, die mühelos gewannen. Eine aus erste und zweite Iugendmannschaft kombinierte Elf konnte gegen L i ch s erste Iugend auf dortigem Platz nur einen 3:2» Sieg erringen. Spielvereinigung 1900 Gießen. pofalenbfpiel in Wetzlar. ö. Durch einen 3: 0-Sieg über den Sportverein Herborn hatte sich der Iubilar, Wetzlarer Sportverein, für das Endspiel gegen 1900 Gießen qualifiziert, das am Samstagnachmittag stattfand. Der bis zum Spielbeginn ständig niedergehende Regen hatte das Spielfeld in sehr schlechten Zustand gebracht, wodurch naturgemäß die das technisch bessere Spiel pflegende Gießener Mannfchaft außerordentlich litt, während die Schlag- und Laufspiel treibenden Platzbesiher weniger beeinträchtigt waren. Bei 1900 fehlte Henr ich. Schon gleich nach Beginn erhielt Gießen einen Elfmeter zugesprochen, den der sonst sichere Schütze Adelberger an den Pfosten schoß. Wetzlar kam durch riesigen Eifer mächtig auf, zu Erfolgen langte es aber nicht, obwohl sich der Gießener Mittelläufer zunächst auf dem glatten Boden nicht zurechtfand. Torlos wurden die Seiten gewechselt. Auch nach der Pause hin- und herwogender Kampf. Die Gießener gingen 15 Minuten vor Schluß durch Adelberger in Führung. Wetzlar glich aber einige Minuten später aus. Eine Verlängerung von zweimal 10 Minuten wurde Nötig. Direkt nach Wiederanstoß ging Wetzlar erneut in Führung. Dann Seitenwechsel, Anstoß und schon hatte 1900 erneut ausgeglichen. Drei Minuten vor Schluß fiel die Entscheidung. Der Wetzlarer Halbrechte | erzielte aus einer weiten Vorlage mit der Hand den Siegestreffer. Er bestritt zwar dem Schiedsrichter gegenüber das Handspiel, gab es alber | nach dem Spiel zu. Die letzten Minuten machte 1900 verzweifelte Anstrengungen, aber ohne Erfolg, und muhte sich somit 3:2 geschlagen bekennen. Bei den Blauweihen versagte der. Angriff, auch die Verteidigung war schwach. Schiede richter S p u r k (Butzbach) leitete das harte Spiel ausgezeichnet. Die Ligareserve der Spielvereinigung 1900 verlor gegen Riedershausen 6:0. Man lernte in den Gästen eine guteingespielte Elf kennen, deren Sieg verdient war, wenn er auch etwas zu hoch ausgefallen ist. Der Platzverein trat nicht komplett an, worin die Ursache für die hohe Riederlage zu suchen ist. Die 1.Iugend hatte ihr großes Spiel gegen die des Fuhballsportvereins Frankfurt. Allgemein rechnete man nyt einer hohen Riederlage der 1900er, doch ihr M>end anzuerkennender Eifer verhütete diese. Mit 4 Toren muhten die Frankfurter zufrieden sein, darunter war ein Elfmeter und ein Eigentor. 1900 verschoß einen Elfmeter, hätte aber immerhin ein Tor verdient gehabt. Die 2.2 u g e n d mußte auf eigenem Platz im Rückspiel gegen die 1.Iugend aus Weilburg eine 0:1-Riederläge einstecken, die verhütet werden konnte, wenn verschiedene Spieler nicht eigenmächtig ihre Plätze gewechselt hätten. Die Schüler weilten am Mittwoch in Wetzlar und verloren dort 0:2, konnten dafür aber am Sonntag die Weilburger Schüler mit einer 2:1-Riederlage heimschicken. Kegelsport. Bei dem 6.Bundesfest des Keglerbundes Lahn —Duseckertal wurden außer den gestern berichteten Erfolgen noch nachstehende Ergebnisse erzielt: Beim Vereinskegeln erhielten: 1.Preis Kegelklub Dahnfrei, Lollar, 129 Keael; 2. Kegelklub Gut Holz, Alten-Buseck, 125 Kegel; 3. Kegelklub Alle Reun, Wieseck, 123 Kegel: 4. Kegelklub Gut Holz, Krofdorf, 122 Kegel; 5. Kegelklub Alle Reun, Alten-Duseck, 120 Kegel; 6. Kegelklub Gut Holz, Lollar, 115 Kegel; 7. Kegelklub Dahnfrei, Wißmar, 112 Kegel; 8. Kegelklub Alle Reun, Grohen-Linden, 111 Kegel; 9. Kegelklub Alle Reun, Trohe, 108 Kegel; 10. Kegelkranz Vorwärts, Wieseck, 106 Kegel; 11. Kegelklub Gut Holz, Wieseck, 95 Kegel; 12. Kegelklub Gut Holz, Reiskirchen, 95 Kegel; 13. Kegelklub Alle Reun, Wißmar, 71 Kegel. Beim öffentlichen Preiskegeln erhielt: 1. Preis: Otto Benner, Grohen-Buseck; 2. Hch. Dech, Wieseck; 3. Wilh. Schäfer, Wieseck; 4. Heinr. Schneider, Wieseck. Deutsche LuMhrt-Werbewoche 1930. Unter dem Motto „Werbt für den deutschen Flugsport" wird die laufende Woche im ganzen Deutschen Reiche als „Deutsche Luftfahrt-Werbewoche 193 0" durchgeführt. An dieser Veranstaltung sind mehrere 100 Vereine, Werbe- und Jungfliegergruppen des Deutschen Luftfahrtverbandes e. D. (D. L. V.) beteiligt. Das für unsere deutsche Luftfahrtbewegung zum Mahnruf gewordene Losungswort „Luftfahrt ist not" möge gerade heute jedem Deutschen, gleich welcher parteipolitischen und sonstigen Einstellung, warm ans Herz gelegt sein. Welche Bedeutung, ja welche Berechtigung dieses Wort für unser Volk gewinnen mußte, beweisen die unübersehbaren Schwierigkeiten, mit denen selbst heute noch unser Luftsport zu kämpfen hat. Während alle übrigen Sportarten durch Reich, Länder und Gemeinden von Amts wegen gefördert werden, darf der kostspieligste Spvrt- zweig, der Motorflugsport, infolge internationaler Bindungen von öffentlicher Hand keinerlei Unterftüfcung erhalten. Ganz anders liegen die Verhältnisse im Auslande! Dort werden die dem Deutschen Luftfahrtverband e.V. (D.L.V.) entsprechenden Or. ganifationen nicht nur von privater Sette unterstützt, sondern auch ganz besonders aus öffentlichen Mitteln tatkräftig gefördert. Dabei weisen diese Verbände Mitgliederzahlen auf, die meift in die Hunderttausende gehen, teilweise sogar Millionenziffern erreichen. Aber selbst der volkstümliche Giert- und Segelflugsport, der innerhalb der Vereine, Werbe- und Iungfliegergruppen des D. L. V. eine besondere Pflegestätte gefunden hat, ist bei den ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnissen der Gegenwart in seiner Entwicklungsmöglichkeit stark beeinträchtigt. Dieselben Schwierigkeiten begegnen auch der Ausübung des F r e t - ballonsportes. Wenn es deutschen Männern trotz allen Hemmungen, die sich der friedlichen Fortentwicklung unserer Luftfahrt immer noch cntgcgenftellen, dennoch vergönnt war, Spitzenleistungen von Weltruf auf allen Luftfahrtgebieten — sei es Luftsport oder Luftverkehr — zu vollbringen, so wollen wir als Deutsche stolz darauf fein, daß unser Vaterland in schwerer Zeit 'dazu berufen ist, auf diesem Gebiet mit an erster Stelle unter den Völkern der Welt zu stehen. Den hohen Stand der deutschen Luftgettung in der Welt zu erhalten, die friedlichen Bestrebungen unserer Luftfahrt auf gemeinnütziger Grundlage und unter Ausschluß jeder parteipolitischen und gewerblichen Betätigung ohne Rücksicht auf die berufliche ober gesellschaftliche Stellung des einzelnen zu fördern — das sind die vornehmsten Aufgaben der im Deutschen Luftfahrtverband e. V. (D. L. V.) zusammengeschlossenen Luftfahrtvereine des Reiches. Ieder mache fich daher heute das Wort „L u f t- f al) r t i st not" zu eigen und trage sein Scherflein dazu bei, der im gesamten Reichsgebiet amtlich genehmigten Straßensammlung zu einem für unsere deutsche Luftfahrt würdigen Erfolg zu verhelfen. Die Erträgnisse der Sammlung sollen in vollem Umfange dem deutschen Luftsport zu- fliehen. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Donnerstag, den 29. Mai. Christi Himmelfahrt. Stadtkirche. 9.30 Uhr: Pfarrer Mahr. — 2ohan- neskirche. 9.30: Pfarrer Bechtolsheimer. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfarrer Lenz. — Elisa- belh-Kleinkinderschule. 9.45: Pfarrer Lic. Waas. — Klein-Linden. 11: Kindergottesdienst; 13.30: Hauptgottesdienst. — Wieseck. 9.30. — Kirchberg. 10: Kirchberg. — Hausen-Garbenteich. 10: Garbenteich; 13: Hausen. — Watzenborn-Steinberg. 10: Hauptgottesdienst; 11: Kinderkirche. — Llch. 9.45: Missionar Rottmann; 11: Kindergottesdienst; 15: Missionsfest in der Weilbach, Missionar Rottmann. — Kloster Arnsburg. 10.30: Stiftsdechant Kahn. katholische Gemeinden. Mittwoch, den 28. Mai. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Donnerstag, den 29. Mai, Christi Himmelfahrt. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 14: Vesper mit Segen. — Grünberg. 9.45: Messe mit Predigt. — Hungen. 8: Hochamt mtt Freitag, den 30. Mai. Gießen. 20 Uhr: Maiandacht. — Lich. 20.30: Maiandacht.____________________________ Sonntagsdienst d.Aerzte u.Avotbeken am 29.5.30 vr. Geyer. Or. Neumann-Svengel. Peltkanapolheke Zabnarzt: Dr. Haubach. *D Bedeutende Auslandoerkäufe bei Daimler-Venz. Die vorbildlichen deutschen Einrichtungen zur Feuerverhütung und Feuerbekämpfung, sowie dis hochentwickelten Spezialfahrzeuge und Geräte haben seit Jahren das Interesse des Auslandes gefunden. Das Ausland geht immer mehr dazu über, den Feuerschutz zu organisieren, was sich in einer günstigen Exportziffer der auf diesem Sondergebikt führenden Firmen auswirkt. So konnte in den letzten Wochen die Daimler-Benz A.-G., Gaggenau, eine Reihe von Feuerwehrfahrzeugen, wie Motorspritzen, Drehleitern, Mannschaftswagen, Tank- spritzen usw., an auswärtige Staaten verkaufen. 3475v Literatur C133 k, Elastischer Gang Erhöhte Anmut £ MAGG!S Suppen sind Qualitätsware Kennzeichen: Der Name MAGGI und die typische gelb-rote Packung Helfer für sparsames Wirtschaften a Minuten »H , BSfli schwach ^•mT8»*0 ÄfcjÄS n ist. ^Ne für großes 6bid ni Greins Ne. Mit iSt, L'LZ “I «it«n Uq ta |e^ aus Deii. «mfteden, die ' N'^eiene Svieler *JMlÄ Wt£ n .^tttvvch in Ah, Äw °bcr et ^uler mit einer •rf. ’A &c6 Reglet- durften 1 folgen noch nach. erhielten: IHrris !2d Segel; 2. W[. . 123 Segel; 4. Se- 122 Kegel; 5. Segel- t 120 Segel; 8. Se- 15 Kegel, 7. Segel- 2 Kegel; 8. Kegel- -luden, 111 Kegel; -vhr, 108 Kegel, 10. H 106 Segel; 11. < 95 Segel; 12. Se- en, 95 Segel; 13. Seat, 21 Segel. Preiskegeln er- mer, ®ro6en^W: ■ Klh. SchÄer, Meseck; ! IM. ;estätte gchmden Hai, rtichastlichen Verhall- .ner Enwickllmgsmög- Dielelben Schloieri^- Ausübung des Frei- nem trotz allen Hem- lchen gortentoidlung noch entgegen ftellcn, toitjenleiftrngoi W )rtackielen - V' es t - zu vollbringen, che stolz daraus sein, chverer W dazu beet mit an erster Stelle eit zu stchen. deutschen n, die fnedl'chm De hrt aus gemmmch er usschluß lebet Parte, fcn (Betätigung iN ^oder fleHWtt fördern - »Jj A her im DeuM D 2,(B.) zusarninengc- e'desLcich^ . SW sammlung r t gU , würdigen w»«n ass® .«ä‘Ä i diesem in den lt. So A^Gagaenau, -Benz A.-T-, . -^otDP sahrzeuge"'^ ÄÄI* •üge Staaten «ate ) Gegen Gicht, Rheuma, Gtein« und Stoffwechselleiden! - Ermäßigte pauschalturen: Oie ersten 3 Wochen (Mindestd.)-. Pauschalpr. Mk. 199.50, 4. Woche Dtt. 59.50. Bewilligung von Kreditkuren auf Antrag. Zm Kurhaus: Wochenpauschalpreis Mk. 34.—,- im Badehof: Wochenpauschale Mk. 105.-. Auskunft auch über Haustüren durch die Badeverwaltung. Hauvtntederlage für BontiaziuSbrunnen: Jean töeiiel, Sieben, Sonnenstrabe G, Televbon 88. MttV 20 Uhr Volkshalle Am Tage des Konierta trotz Feiertag Vorverk. bla 8 Uhr abds.; ab 7 Uhr Abendkaste —I Wiener Festkonzert , I anläßlich des 30jahr.Dlrlgenten-Jubiläume j I Wiener Walzer G Wiener Lieder J NEUES PROGRAMM _________________________________3796D Vorverkauf bei: Verkehrs-Verein, Selters- ■ weg, und Loeb, Bahnhofstraße I. Bataillon 15. Infant.-Regt. Am Uimmelfahrtetng, 29. Mal. 15.30 Uhr auf dem V. f. 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Stang Posaunenchöre, Gemischte Chöre. Jedermann ist freundlichst eingeladen. Rodheim an der Bieber. [4035D _______________I. A. Pfarrer Bömel. Schöner Ausflug für Himmelfahrt über den Flugvlatz—Stolzenmoraen nach m-Mmnl MeMöle ö. W Schöner Familienauienlhalt la Sveiicn und Getränke — Gartenkouzcrt — Niederlage und Au-schank Schlohbrän Vobt lBanern) 03528 Ng Gleldelll Am Himmelsahrtstage Garten-Konzert OmntbuSoerbindungen: 03529 1350 Nbr u. 14.50 Uhr ab OSwaldSgarten nach Bedarf mehrere Wagen. Meldungen zur Rückfahrt, für welche genügend Wagen zur Verfügung stehen, haben iewetls beim Burgwlrr zu ertolgen. Annerod „Zur Krone“ Gartenwirtschaft — Eigene Metzgerei und Aptelweinkelterei 31180 Besitzer: Karl Wallbott Autoverbindung ab Ludwigsplatz Groben Buseck Gastbaos zum Schwanen Bes. 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Die Verdingungsunterlagen liegen auf Hessischer Bürgermeisterei offen, wohin die Angebote verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen, postfrei bis zum Er- öffnungstermin am Donnerstag, 5. Juni 1930, vormittags 10% Uhr, einzureichen sind. Leistungsverzeichnisse können sowohl von uns als auch von der Bürgermeisterei Bernsfeld kostenlos bezogen werden. Zu- schlagsfrist drei Wochen. Freie Auswahl bleibt vorbehalten. Gießen, den 24. Mai 1930. Hessisches Kulturbauamt. 5). Steinbach, Negierungsbaurot. SOLBAD UND LUFTKURORT Wimpfen aN I hellt Aithini and Rheuma. »Ollerdem K*- tnrrhe. BroochlUl. Neuralgien. Frauenleiden. Kinder kranthellen. Moderne» Kumltld- hecn - AlthblorUche Sudt. Prorpekle durch die Kurve rwallun». Tel 711. laPortlandZement bester Qualität, unteY Syndikatspreis C. Rübsamen. Gießen ________Fernsprecher 3659. 17er» Bekanntmachung. Der in der Sitzung des Stadtrats vom 20. Mai 1930 festgestellte Voranschlag der Stadt Glesien für das Ri. 1930, ebenso die Voranschläge des Wohlfahrtsamts, der Elektrizitätswerke, des Gaswerks, des Wasserwerks, des Dolksbades, der Straßenbahn, der Studienanstalt, der Gewerbeschule und der Maschinenbauschule liegen vom Freitag, dem 30.2Hai 1930, ab während einer Woche im Stadthaus, Bergstraße, Zimmer Nr. 17, offen. Die Beteiligten können inner- halb der Ofsenlegungsfrift die Voranschläge einsehen und schriftlich oder zu Protokoll Einwendungen gegen ihren In- halt Vorbringen. 40500 Gießen, den 27. Mai 1930. Der Oberbürgermeister. I. V.: Qr. Seid. Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Hattenrod für Rj. 1930 liegt vom 30. Mai bis einschl. 5. Juni auf unserem Bureau zur Einsicht der Interessenten und evtl. Erhebung von Einwendungen offen. Es ist die Erhebung einer Umlage beschlossen, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. 40590 Hattenrod, den 26. Mai 1930. Bürgermeisterei Hattenrod. ___________________N e e b.___________________ Bekanntmachung. Die Voranschläge der Gemeinde Utphe und der Aeldgemarkung Feldheim für Rj. 1930 liegen vom 28. Mai bis einschließlich 3. Juni auf unserem Bureau zur Einsicht der Interessenten und Erhebung von Ein- Wendungen offen. Es ist bei beiden Voranschlägen die Erhebung einer Umlage be- schlosien, zu der auch die Ausmärker bei- zutragen haben. 40430 Utphe, den 27. Mai 1930. Bürgermeisterei Utphe: Dietz. Der Vorsteher der Feldgemarkung Feldheim: Dietz PFEIL TRIER MÖ1IIFABÄIK DARMSTADT ZEIGT SONDERSCHAU VON SCHLAFZIMMERN vom 30. Mol bi* !4. Juni • Unverbindliche Besichtigung des Auutellunghouiei, Dormitodt, WilhelminenitroOe 23, erbeten. Himmelfahrt, nachmittags 3 Uhr Christliches Waldfest an der Luhmühle bei Lützellinden 40490 Ansprachen, Lhorgesänge, posaunenvorträge. Jedermann ist herzlichst eingeladen. Z.A.: Pfarrer Koch, Lützellinden Billige 4044 D Turnverein „Gut Helt- Treis a. d. Lda. Der Iestwirt: H. 3. W. Will. gül Gesellschaftsreisen Hausbesitzer-Verein e.V.-Gießen Ab Freitag/den 30. Mai 4930 befindet sich unsere Geschäftsstelle Mceflraße 22, Mechaus Telephon 3453 Geschästsstundenvons'/Lbisi2^llhr Samstags geschlossen Das 25. Stiftungsfest bes lüraoetelas „Al öellMteis o.ö.£mnöa verbunden mit dem Be-irkSturnen des II. Bezirks. Gau Hessen findet am 31. Mai, 1. vnd 2. Juni statt. Sonntag, den l.Junt. morgen» fährt ein Sonderzug ab Gieße«: 8.15 llbr. Lollar ab 8.26 Uhr. Tret« a. d. Lda. an 8.41 Uhr. rvür Speisen und Getränke ist bestens gesorgt! ES laben herzlichst ein «bod 5.—17. Juni Thunenee und Jungfraugebiet..... Mk. 211,— 5.—14. Juni Pfingsten In Kandereteg.......... Mk. 195,— 10.—14. Juli Messenfahrt nach Hamburg-Helgoland Mk. 74,60 Ab 15. Juni Wöchentliche Sonderfahrten nach Hamburg-Helgoland-Weeterland..... Mk. 195.— Auskunft und Anmeldung durch: Hamburg-Amerika-Linie, Gießen Selters weg 93 iTorh&uschen) Telephon 4197 3373D ‘ ' > L-L4*m{ v£ <1 Kill a 1A au a ./» J a ’ r TT”” • F VW« Mr» ■ 1 ■ f — ’- • wese* w* i» WM ■ • f wwswrv 'RwvMtyMM* «teft towest ««4 WM» f L. «M» etUU*we>. Msm ÖHfiSÜS-® Idc.' nÄvw ppu mIsLL LL QAn ■ Tr I WVWvWW W wisil VDT* Sä*ta*<* L 5144** Seltersweg 46, Telephon 2627 MMV I M | M WM/« 1— sich hübsch machen. billig erkaufen... also zu Hefro gehen 0CU -Herber. 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Nämlich.- Künftighin lassen wir unsere sämtliche Wäsche waschen in der Großwäscherei Edelweiß / Gießen Adreßbuch x— Stadtplan und (Anwohner- und Gescha'stsverzeichniffen von 7 Städten und 74 Ortsgemeinden mlt etwa 1OOOOO Einwohnern nebst wertvollem Wirt- schafis- und kulturgeschichtlichen Sonderabschnitt / Preis 10 Reichsmark SberheMcher Adreßbuchverlag, Gießen, Schutfir. 7 MMWIikS tieffchwarz-wether und rein weißer Gartenkies neu eingetroffen. [3804 D Gebrüder Kahl Televbon 2287 Televb ou 2287 In jeder Preislage Reizende Neuheiten Tapetenhaus Ferd. Nennstiel Plockstraße 14 Fjcrtnanns( /& Fr oft j heim Nr. 124 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) Kür den Büchertisch. Deutsche Erzähler. — Herbert Galenberg : Der Opfertod. Sine Hofsmann-Erzählung. Mit einem autobiographischen Nachwort. Reclams ilniDer- sal-Biblwthck Nr. 7051. Geh. 40 Pf., geb. 80 Pf. (137) - 3m Mittelpunkt steht S. T. QL Hoffmann. der romantische Dichter, zu dem Eulenberg eine tiefe Wesensverwandtschaft fühlt. 3n dem ganzen Zauber seiner grotesken und doch tief menschlichen Persönlichkeit ersteht Hoffmann vor und, der Dichter und preußische Gerichtsbeamte, der hier in einem verwickelten kriminalistischen Fall auf seine Weise Schicksal spielL Rings um ihn die scharf umrissenen Gestalten der Beteiligten, die pittoreske Umwelt eines polnisch-jüdr- schen Städtchens. Der berühmte Verfasser der .Schattenbilder" hat dem Werk seine eigene literarische Silhouette beigefüat. — Stratz, Rudolph: Das deutsche Wunder. Roman. Neue Qlusgabe. Danz- leinenband 5,50 Wk. Verlag der 3. G. Eottaschen Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart. (73.) — Rudolph Stratz, der alle Länder bereiste und in den 3ahrcn vor dem Kriege Einblick in die Kreise der politischen und militärischen Kriegstreiber an der Seine, Themse und Newa hatte, hat das Werk schon mitten im Weltkrieg in großen Linien festgelegt, aber jetzt in jene neu« Form gegossen, in der es ein gewaltiges Rundbild des Deutschland umstrickenden Spieles mein- andergreiscnder, auf Vernichtung hinzielender Kräfte und zugleich ein Bild jener einzigartigen Tat deutscher Einheit und Wehr gibt, die der Dichter angesichts unserer nationalen Zersplitterung „Das deutsche Wunder" nennt. — Willy Seidel: Die magische Laterne des Herrn Zinkeise n. (Leinen geb. 8 Mk., Verlag Georg Müller in München. (733) Qlls beste Empfehlung ein Wort des Dichters selber: ,.3rgendwo in der Zeit (ach, schwer auffindbar nur, dreifach verbarrikadiert und mit edleren Siegeln versperrt) steht ein Ohrenstuhl unter einer verräucherten Decke. Eine Oel- lompe mit Schneuzdocht hebt sich griechisch aus Messing aus einer Kaskade vollgeschmierter Folioblätter. Eie wirft einen trübgoldenen Lichtstrom ins Gemach. Lind im Ohrenstuhl sitzt im geblümten Schlafrock eine gekrümmte Gestalt. Hektische und von beizendem Tabak polierte Augen starren in die finstere Ecke. Ein schmaler Mund, umrahmt von gekräuseltem, dunklem Backenbart, küßt sinnend einen neuen Gänse- lieL Brütende Produktivität liegt wie ein Fluidum über diesen Gegenständen. Lind bald wird« ein Männlein zugegen fein, der Dämon deS Schaffensdranges mit einer Papageiennase, und wird die letzten Spekulationen des Herrn Archi- varii Lindhorst (Adresse: Deutsches Herz, Romantische Gasse Numero Llnendlich) aus einer lächerlichen Aktenmappe ziehen. Kennt man dies .Milieu"? Dann kennt man auch die Heimat, die verschüttete, aller betriebsamen Herren von heute, die so rührende Versuche machen, populäre Anregung zu geben. Wenn es jemals jemandem vor Popularität grauste, so war cs der Dichterkomponist und Königliche Kammergerichtsrat E. T. QI. Hoffmann in jenem alten Berlin der Schwärmer und Salonsekten, der Gnom im Ohrenstuhl, der zauberische Beamte und Pseudojurist. Lind dann kennt man auch die Wahl- und Llrheimat der verschiedenartigen und in ihrem Realismus noch irgendwie ausschweifenden Geschichten, die ich in meiner .Magischen Laterne des Herrn Zinkeisen“ in den letzten 3ahren zu Papier brachte. Sie sind keine bewußte Protestaktion gegen das Heute. Eie sind lediglich von der Freude daran geboren, daS Außergewöhnliche zu erwischen und mehr oder minder gleichnishaft festzuhalten. 3ch habe diese Abziehbildchen und ihren Regisseur, den biederen Herrn Zinkeisen, abseits der Tauentzien- straße in stillerem Winkel an meine private Wand geworfen und ein egoistisches Vergnügen daran gehabt, sie erzählend auszuschlachten. Wenn srch einige Eigenbrötler dafür erwärmen können — und in Deutschland gibt es ja Gott sei Dank noch viele Tausende — um so besser." — Hans Grimm, Der Richter in der Karu und andere Geschichten. Preis in Seinen 6 Mark. Verlag von Albert Langen in München. (134) Dies ist nach dem großen und berühmten Roman .Volk ohne Raum" das erste neue Buch des Dichters Hans Grimm. 3n den .Dreizehn Briefen aus Deutsch-Südwest- Afrika" und dem ..Deutschen Südwester-Buch" sprach der Politiker Hans Grimm zu dem Parlamente der Welt, hier aber hebt wieder der Dichter das Geschehen in jene kristallklare Atmosphäre, darin es ewig und zum Gleichnis wird. Hinreißende innere Leidenschaft unter der männlichen Strenge einer gemeißelten Sprache, ein Deutsch, von dessen Kraft und Reinheit wir überwältigt werden, — das kann uns heute kaum ein anderer Dichter so geben wie Hans Grimm. — Gottfried Kölwel: Der vertriebene Pan. Die Geschichte einer großen Liebe. Stuttgart 1930. Engelhorns Romanbibliothek. Band 1031. Broschiert 1 Mk.. Seinen 1,75 Mk. (93.) — Diese „Geschichte einer großen Siebe“ ist zugleich die Geschichte eines Versuches, ein Seben in eigenem Stil, in inniger Noturverbundenheit, zu führen. Wit Frau und Kind und Tieren haust ein Maler weltentrückt und erdenfroh in seinem Holzhäuschen, bis sich die Kleinheit der Mitmenschen zerstörend in sein Bergparadies drängt. — Gottfried Kapp: Das Soch im Wasser. Roman. Preis geheftet 3 Wk.. in Ganzleinen 4.50 Mk. Sammlung „3unge Deutsche". Verlag Philipp Aeclam jun., Scipzig. (62.) — Zwischen waldreicher niederrheinischer Landschaft und den eisernen Kammern modernen 3ndustrie- betriebet wächst der Proletarierjunge auf, dessen Schicksal der Roman in herber Gestaltung gibt. Der Zusammenstoß jener Welten in der Brust des zum Architekten Qlufgeftiegenen wird kompliziert durch das Verhältnis zur Tochter des Fabrikbesitzers, eine stolze und schweigende Siebe zweier einander bestimmter Menschen, die beide doch dem Gesetz ihrer Herkunft verhaftet bleiben. Wie im Verfolg« einer spannenden Handlung Glück und Schmerz dieser Siebe zum tragischen Ende führen, wie der Kampf zwischen gewachsener Landschaft und dem Moloch Zivilisation Menschenschicksale zerreibt, ist hier in einem realistischen und doch mythisch-großen Lebensbild« gegeben. — Alexander Gregory: Die P... kehrt zurück. Vier Novellen. Stuttgart 1930, 3. Engelhoms Nachf. Kart 4 Mk., Leinen 6 Mk., lbleder 9 Mk. (64.). — Die späte, zu seltsamen Igen führende Liebe einer russischen Sängerin ?u einem jungen Deutschen, das tragische Zu- atrmentreffen der in einem besonderen Sinne verwandten Geschicke eines Musikstudenten und einer Qlerjtin; die einem jungen Dirigenten sich enthüllenden LInzulänglichkeiten unseres öffentlichen Äunftlebenfl; das zwiespältige Dasein eines zwischen Beruf und Berufung Schwankenden: daS etwa finb die Hauptthemen dieser vier Novellen. Hier spricht ein Kenner der menschlichen Seele, ein scharfer Beobachter der 'Verhältnisse und Zusammenhänge, eine Persönlichkeit von Kultur und enger Vertrautheit mit künstlerischen Dingen. Hinter dem Pseudonym Alexander Gregory verbirgt sich eine in literarischen wie wirtschaftlichen Kreisen maßgebende Persönlichkeit. — D i e Drei aus Hollywood. Roman von Paul Rosenhayn. (Hugo Wille, Verlag, Berlin. Gebd. 3,60 Mk. — 461.) — Eine außerordentlich spannende Kriminalgeschichte, die in Neuhork beginnt und dann in den wechsel- vollsten Szenen über Berlin und Wien bis nach Budapest führt. Der Roman hält den Leser bis zur letzten Seite in starker Spannung, die Erzählerkunst Roscnhayns hat hier wieder einen starken Erfolg aufzuweisen. Aus fremden Literaturen. — Selma Lagerlöf, Die Silbergrube. Erzählungen. Preis geheftet 3,50 Mk. Verlag von Albert Langen in München. (110) — Wenn die alte Meisterin dort oben im Norden zu sprechen anhebt, werden wir alle wieder zu Kindern und drängen unS um sie und suchen jede Silbe und jede Bewegung der großen Erzählerin zu erhaschen und vergessen beinahe das Atmen vor Spannung! Sie muß ihre Kunst wohl den Müttern der Menschheit abgelauscht haben und verwandt mit den Nomen sein: sie spinnt ihr Garn, als wäre eS der Echicksals- faden ihrer romantisch gesehenen und doch so blutvoll lebendigen Menschen. Dem Zauber ihrer Geschichten in diesem neuen Buche können wir so wenig widerstehen, wie man, um ein schönes Bild der Dichterin selbst zu gebrauchen, „einem fallenden Stein zurufen kann, er solle stille halten und in der Luft schweben bleiben". 3hre Freunde und Verehrer werden besonders dankbar dafür sein, daß sie uns hier zuletzt von der Entstehung ihres „Gösta Berling" erzählt und dankbar und bescheiden, wie es die Art der wirklich Großen ist, Zeugnis davon ablegt, was Earlyle für sie bedeutet hab — Virginia Woolf: Orlando. Die Geschichte emes Geben«. Liebertragen von Karl L e r b S. 337 Seiten 8°. 3m 3nsel-Derlag zu Leipzig. (35) — Virginia Woolf gehört ohne Zweifel zu den eigenartigsten und interessantesten Erscheinungen der modernen englischen Literatur. 3hr „Orlando“ ist ein merkwürdiges Buch, das sich dem deutschen Leser nicht ohne weiteres erschließt und in das man sich schrittweise hineinfinden muh. Hat man sich erst einmal eingelesen, so wird man sich dem Reiz dieser Schilderung kaum zu entziehen vermögen. Die Handlung ist — über den sehr allgemein gefaßten Untertitel hinaus — kaum mit wenigen Worten ?u umreihen. Der Held, Orlando, ist ein eng- ischer Edelmann, Liebhaber, Dichter, Politiker und manches andere noch, dem auf der Höhe seines Lebens das phantastische und unbegreifliche Schicksal widerfährt, — in ein Weib verwandelt zu werden. Qln keiner Stelle ist das Buch so sehr „Roman" wie hier. Der Referent vermag eine „Erklärung" für diese Metamorphose um so weniger zu wagen, als die Autorin selbst sie kaum zu geben versucht. Es kommt auch nicht so sehr darauf an wie auf die im Laufe der Schilderung durchgeführte Aushebung aller in der Romanschreibung herkömmlichen Zeitmaße: das Leben Orlandos führt durch mehrere 3ahrhun- derte hindurch: im letzten Kapitel befindet man sich in der nächsten Gegenwart: und hierin beruht wohl der tiefere Sinn dieses sonderbaren Buches, das in der Gestalt seines Helden gleich- fam den Wandel der Seiten spiegelt und dennoch die Llnwandelbarkeit menschlichen WesenS allem Fortschritt, aller Entwicklung, allen Neuerungen zum Trotz zu verkünden scheint. — Der amüsante, nachdenlliche und manchmal fast groteske Roman ist von Karl Lerbs ausgezeichnet verdeutscht, ... vom Qkrtage mit liebevoller Sorgfalt ausgestattet worden. — — Nathan A f ch: Der 22. August. Roman. Einzig berechtigte Llebersetzung aus dem Amerikanischen von Hcrmynia Zur Mühlen. 301 Seiten 8°. Geh. 4, Seinen 6,50 Mk. Ernst Rowohlt Verlag, Berlin 1930. (107.) — Die Schilderung der wüst verbummelten Nacht eines durchschnittlichen, liebes- und lebensgierigen, aber ganz klar und durchaus nüchtern denkenden kaufmännischen Angestellten in Neuyork ergibt zugleich ein sehr interessantes und manchmal verblüffendes Blld vom Verkehr und dem Seben der Riesenstadt, von den kleinen Wünschen und Nöten der Millionen Menschen, denen im Lande der angeblich unbegrenzten Möglichkeiten allenthalben unübersteigbare, enge Grenzen um ihr alltägliches Dasein gezogen find. Das Buch hat das Tempo einer äußerst gekonnten Reportage aus dieser unserer Zeit und ist spannend zu lesen wie eine abenteuerliche Geschichte — auch für den überzeugten Europäer, der es längst auf- gegeben hat, dauernd mißgünstig oder erwartungsvoll oder gar bewundernd übers große Wasser nach Pankeeland hinüberzublicken. Wenn der Verfasser ein glaubwürdiger Beobachter und Schilderer ist (und diesen Eindruck macht das Buch jedenfalls allenthalben) —: dann find auf feinen 300 Seiten sehr wesentliche Ausschlüsse über Amerika und den Durchschnittsamerikaner der Gegenwart enthalten. Die zeitliche Begrenzung der Schilderung kommt der Substanz des Romans ungemein zustatten. Schlagzeilenmäßig find die Vorgänge von den Meldungen über Saeco und Vanzettt durchbrochen, die in der gleichen Nacht hingerichtet wurden. — Literatur- und Kunstgeschichte. — „Alte Meister der Basler Kunstsammlung". 70 Bilder, eingeleitet und erläutert von H. QL Schmid. Echaubücher VIII. Herausgeber Dr. Emil Schaeffer. Gebunden 3 Francs (2,40 Mark). Orell Füßli-Verlag, Zürich und Leipzig. (104). — Die Basler Kunstsammlung, deren Herrlichkeiten dieser jüngste Band der Schaubücher und in 70 sehr guten Abbildungen vor Augen führt, ist eine der wenigen städtischen Galerien nördlich der Alpen, die ein Heimatmuseum sind und zugleich ein Heiligtum der Kunst. Denn einen der größten Meister aller Zeiten, den jüngeren Hans Holbein, kann man in der ganzen Vielseitigkeit seines Genies nur in Basel kennenlernen. Konr. Witz, der, lange vergessen, im 15. 3ahrhundert zu Bafel gewirkt hat und uns zuerst „mit lauter Stimme die umstürzende Lehre einfchärfte, nicht die fachliche, sondern die optische Bedeutung eines Dinges entscheidet", auch dieser Große spricht nirgends so eindringlich zu uns wie in diesem Hause, wo auch Mathias Grünewald und Hans Baldung Grien mit charakteristischen Schöpfungen vertreten sind, und die bedeutendsten Schweizer Maler vom Beginn des 16.3ahrhunderts, Llrs Gras, Niklaus Manuel Deutsch und der Züricher Hans Leu, sie alle ausgezeichnet durch ihre Liebe zur Schönheit der heimatlichen Landschaft, — wir lernen sie recht eigentlich in Basel würdigen. Heinr. Qllsred Schmid hat diesen Q3anö, der jeden Kunstfreund entzücken muh, herausgegeben, und feinen Text, die Einleitung wie die Erläuterungen zu den einzelnen QBerten, werden Laien und Kunsthistoriker mit Nutzen und Vergnügen lesen. — L. Moholh-Nagy: Don Material zu Architektur. (Bauhausbücher Band 14). 244 Seiten mit 209 Abbildungen. Geh. 12 Mk., Leinen 15 Mark. Verlag Albert Langen, München. (2) — Dies Buch ist die Zusammenfassung der Vorträge, die der Qkrfaffer während seiner Lehrtätigkeit am Bauhaus (Weimar-Dessau) in den Fahren 1923 bis 1928 gehalten hat. Ziel dieses Buches ist es nicht allein, den Menschen mit den zeitgenössischen Lebensproblemen, wie sie im Bauhaus gesehen worden find, bekannt zu machen, sondern ihn vor allem zu eigenen Erlebnissen anzuregen. Moholy-Nagy geht davon aus, daß jede Handlung, jeder Ausdruck des Menschen sich aus verschiedenen Elementen zu- fammenfetzcn, die im biologischen Aufbau begründet sind, und daß jede feiner Aeuherungen eine Auseinandersetzung mit der Well und mit sich selbst ist und Aufschluß über feinen augenblicklichen Zustand gibt Fesselnde Versuche, unterstützt durch zahlreiche Qlbbilbimaen, berichten von Matcrialübungen (Tastübungen), die zu dem Erlebnis der Architektur führe» — Paul Wiegler: Geschichte der deutschen Literatur. Erster Band: Von der Gotik bis zu Goethes Tod. 730 Seiten Groß-8° mit 24 Tafeln. Ganzleinen 22 Mk. Verlag Llllstein, Berlin. (163) — Seiner „Geschichte der Weltliteratur" läßt Wiegler jetzt ein umfassendes Werk über das literarische Schaffen der Deutschen folgen, eine zweibändige „Geschichte der deutschen Literatur", von der der erste Band jetzt vorliegt Das QBcrf geht bei noch umfassenderer Gesamtanlage von derselben Grundabsicht wie die früher hier angezeigte „Geschichte der Welttiteratur" aus. Es will nicht totes Wissen geben, sondern die literarisch« Entwicklung im großen Lebenszusammenhang bar» stellen. Aus der Anzahl der überlieferten Namen ist das Schaffen derjenigen schöpferischen Persönlichkeiten ausgewählt, deren Gedächtnis heute noch im Bewußtsein oder Llnterbewuhtsein des deutschen Volkes lebt Diese Tendenz ist schon in der Behandlung der frühesten 3ahrhunderte erkennbar. Eie steigert sich in der Wiedergabe des 17. und 18. 3ahrhundcrts, der Erhebung der deutschen Literatur zur Höhe des Klassizismus. Keine Literatur weist soviel« problematische, zur Genialität sich durchringende Dichtercharaktere auf wie die deutsche. Das tritt in Wieglers Arbeit so stark wie kaum in einer anderen hervor. 3edes Dichterleben wird unter Benutzung des Materials an Briefen, Tagebüchern, Erinnerungen erzählt, die Produktion wird auf die Zeugnisse verwandter Naturen der Mit- und Nachwelt bezogen. So haben viele Kapitel in ihrer packenden Prägnanz die Stimmung eines Ge- bensromans. 3ebcr, der am literarischen Schaffen interessiert ist, wird das Werk mit innerer Anteilnahme lesen. Es ist konzentriert, zuverlässig und mit geistvoller Beherrschung des Stosses geschrieben — ohne philologischen Ballast, aber sinnfällig belebt durch viele eingedruckte 3llustrationen, Faksimiles und Porträts. Die verlegerische Ausstattung ist gediegen und großzügig. Man ist nach dieser ausgezeichneten Leistung auf das Erscheinen des abschließenden, zweiten Bandes gespannt. — Zur 125. Wiederkehr von Schillers Todestag ist hn Verlag von Ad. Bonz u. Comp., Stuttgart die Neubearbeitung eines volkstümlichen Büchleins erschienen: „Friedrich Schiller" für Deutschlands 3ugenb und Volk dargestellt von Dr. Hermann Mofapp. 131. bis 140. Tausend mit 16 Bildern. 94 Seiten Preis 60 Pf. Das Werkchen gliedert sich in zwei Hauptteile: 1. Schillers Geben; II. Aus Schillers Werken. Es ist auf gutes Pavier gedruckt und wird bei dem niederen Preis sicherlich viel Anklang finden. Mittwoch, 28. mal (930 Geschichte und Politik. — BiSmarckS Bündnissystem und feine Lehren. Sechs Tafeln mit erläuterndem Text von Albrecht Graf zu Stolbcrg-Wernige- rode, M. d. R. Kart. 2,40 Mark. Verlag von D. G. Teubner in Leipzig. (170) — Der Verfasse« hat in sechs farbigen Tafeln das kunstvolle Bündnissystem BiSmarckS graphisch dargestellt, um den Nachweis zu führen, daß die verschiedenes Qterträge, die Bismarck mit den Nachbarstaaten Deutschlands geschlossen hat. die einzige Möglichkeit boten, Deutschland nach dem Kriege von 1870 71 zu sichern. Die graphische Darstellung ermöglicht ein schnelles und vollständige- Hineindenken in die Außenpolitik Bismarcks und gibt gleichzeitig ein klare- Bild davon, welche Lehren wir aus analogen Situationen für die heutig« Außenpolitik ziehen müssen. — Richard Bie, Karl Marx, Schicksal und Parole. Gekürzte Volksausgabe. R. Voigtländers Verlag, Leipzig. Preis 1,60 Mk. (132.) — Diese Volksausgabe erzählt von der marxistischen Revolution. Wir erfahren alles vom Führcrschicksal des Karl Marx. Blendend? Nebenfiguren aus der sozialistischen Bewegung sind die von Richard Die scharf beleuchteten Sozialisten Lassalle, bei dem zum ersten Mal« die Verbindung zwischen Nationalismus und Sozialismus austaucht, und Bakunin, der Anarchist in Christo. Bis in die ©egentoart führt Schilderung und Kritik dieses Buches. Lenin wird als Diktator, als kommuniftifcher Zar, als Vollstrecker des Marxismus gezeigt. Zum Schluß entwickelt Richard Bie aus dem persönlichen Lebensschicksal von Karl Marx und aus der kritischen Auseinandersetzung mit seinem Werk di- nationale Forderung. — Das Größere Deutschland — deutsche Zukunft. 3n Verbindung mit Ober- studiendirektor Dr. QI. Maier, Köln, und Lan- desfchulinspektor Dr. O. Bender, Wien, herausgegeben von Oberstudiendirektor Dr. F. Dehrend. Berlin. 3,80 Mk. Verlag Quelle & Meyer, Leipzig (545). — 3n dem vorliegenden Buche lernen wir die taufend 3ahre deutscher Geschichte und deutscher Kulturarbeit vom grohdeutschen Standpunkt aus kennen. Wir sehen hier, welche Bedeutung die Ausbreitung deutscher Sprache und Sitte, deutscher Wissenschaft, Kunst und Technik für die Erhaltung und Ausbreitung deutschen Volkstums gehabt hat. Aus dieser Detrachtungs- weise gewinnen wir die Lieberzeugung, daß der deutsche Kulturwille über alle Absperrungen und politischen Schranken hinweg jederzeit wirksam gewesen ist und auch heute noch wirksam bleibt. Diese Einstellung macht uns empfänglich für di« großen Aufgaben einer zielbcwuhten deutschen Kultur- und Bildungspolitik, wie sie der Herausgeber im letzten Abschnitt entwickelt. Religiöse Schriften. — Das Lukas-Evangelium der Greiner-DibeL Felsberg-Qxrlag. 3ugen- heim, 'Bergstraße. — Die tm Auftrage der Freunde der Greiner-Bibel vom Felsberg-Der- lag herausgegebene, illustrierte Bibel wird von Daniel Greiner mit Hollschnitten ausgestattet. von Wilhelm Lucken textlich revidiert und von Kleukens gedruckt. Don dem auf zwei Bände berechneten Lieserungswerk ist vor kurzem das Markus-Evangelium erschienen und an dieser Stelle angezeigt worden. Nunmehl liegt auch die das Evangelium Lukas umfassende zweite Lieferung (Seite 33 bis 52) mit zahlreichen Holz- schnittillustrationen Greiners vor. — Heinrich Fritz: Gottes Ruf für d a s K i n d. Verlag Emil Roth in Gießen. (89) — Man kann dieses Buch ein Anschauungsbuch für den Katechismus nennen, und zwar für den Teil des Katechismus, der für das Kind im Grundschulalter in Betracht fommt Der Verfasser hat mit großer Sachkenntnis und feiner Einfühlung in die Kindesseele das wertvolle Literaturgut zusammengetragen, das geeignet ist, die Gedanken des Katechismus zu illustrieren. Die Brüder Grimm, die Dolksschriftsteller Caspari, 3ohann Peter Hebel, Karl Stöber, Pestalozzi, Christoph von Schmid, die Dichter Storm, Gerok, Trojan, Dolkmann - Leander sind mit passenden Lesestücken vertreten, der Herausgeber selbst durch anschaulich und packend erzählte Geschichten. Mitunter fehlt dem Religionsunterrichte, wie er namentlich dem Kinde in den ersten vier Schuljahren erteilt wird, die Anschaulichkeit, dem Kinde werden Begriffe mitgeteilt, Lehrfähe vorgetragen, die es erst auf einer späteren Stufe ganz verstehen kann, es verlangt aber nach Greifbarem, Anschaulichem, Verständlichem. Das Buch des Offenbacher Lehrers und Erziehers eignet sich vorzüglich als Lesebuch für den Religionsunterricht, aber auch für den häuslichen Gebrauch; die Kinder werden so gern nach ihm greifen wie nach einem unserer besten, für das Kindesalter bestimmten Erzählungsbücher. 3n einem Anhang, der für die Erzieher bestimmt ist, entwickelt der Verfasser seine pädagogischen Grundsätze, zugleich gibt er hier Winke für den Gebrauch seines Buches. -- Paul Richter: Das singende Licht, Lieder in Gott. Verlag Adolf Klein in Leipzig. (186.) — Wenn man die religiöse Dichtung unserer Zeit mit ber teä 16. und 17. 3ahrhunderts vergleicht, so erscheint sie arm und dürftig. Luther, Paul Gerhardt sowie der im 3ahre 1640 im Alter von 31 3ahrcn verstorbene Arzt Paul Flemming waren als Dichter kraftvoll, innig und tief. Auch die spätere Zeit — man denke nur an den Grafen Zinzendvrs und an Matthias Claudius — hat uns manches wertvolle religiöse Lied beschert. Da das religiös« Empfinden sich heute nicht mehr m so hinreißenden Form regt wie im Ze.talter der deutschen QUiOrmation und im ejeitolter _ fceä Dreißigjährigen Krieges, so ist natürgemäh auch die religiöse Dichtung matt geworden. 3n Paul Richter aber begegnet uns ein Dichter von überragender Bedeutung. Dieser Dichter steht ganz auf der Grundlage der Bibel, aber er hat alles erlebt, was die Frommen der alten Zeit erlebt Hadem Gott ist ihm der lebendige, persönlchhe Gott, von dem er nicht lassen kann. 3esus in seinem Geben, Wirken und Sterben beherrscht sein Seelenleben. 3n originaler Form und mit packender Diktion spricht der Dichter von feinem Ringen um di« Well- anschauuna und seinem Kampfe um Gott. Der Verleger hat das wertvolle Buch auf das beste ausgestattet. Äerschie-enes. — 3m Buch- und Kunstverlag Carl Hirsch A. G.. Konstanz, erschien in Neubearbeitung (44. bis 46. Tausend) das Werk: Graf Ferdinand von Zeppelin, ein Mann der Tat, von 21. Vörnel. Preis 4 Mk. (693- — 3n diesem Buche wird das Leben des genialen Erfinders in einer Weise geschildert, die besonders unsere erwachsene 3ugcnd begeistern kann. Es rollt vor unserem Geiste das Leben eines heldenhaften Kämpfers ab, der sich niemals beugen lieh durch Schicksalsschläge, die sein epochemachendes Werk zu zerstören suchten. Der Verfasser selbst stand dem greifen Grafen und seiner Familie persönlich besonders nahe, was ihm bei Abfassung dieser lebenswahren Biographie zustatten kam. — Walter Kaps: Bridge nach den neuesten Regeln nebst allen Berechnungs« arten. (Ausgewählte Kartenspiele 5. Band.) Reclams Universal Bibliothek Nr. 7056. Geh. 40 Pf., geb. 80 Pf. (139.) — Das Werkchen kommt dem außerordentlichen Interesse für dieses beliebteste und mo- dernste Kartenspiel entgegen und ist in erster Linie für den Leser geschrieben, der das Bridgespiel von Grund auf lernen möchte. Der Anfänger kommt mit vielen Fragen, über die der Fortgeschrittene lächelt, deren Beantwortung aber für die Weiterbildung notwendig ist. Reclams „Bridge nach den neuesten Regeln" nimmt alles ernst und gibt dem Lernenden ein sicheres Fundament. Jedoch auch der fortgeschrittene Spieler wird Gewinn aus diesem Büchlein ziehen, denn es bringt noch manche Neuigkeit, so die amerikanische „Berechnung der Zukunft", die Vanderbilt-Rechnung usw. Zahressest der evangelischen Kirchengesangvereine des Dekanats Gießen. 0 Kloster Arnsburg, 26. Mal-- Am gestrigen Sonntag waren hier die K i r che nge- sangvereine des Dekanats Gießen zu Gast, um hier ihr diesjähriges Dekan ats- fest zu feiern. Die Bewohner der umliegenden Orte, bis weit in die Wetterau hinein, hatten sich eingefunden und bekundeten damit ihr großes Interesse an der Arbeit der Kirchengesangvereine. Schon im Laufe des Vormittags trafen die Festteilnehmer ein. Aach kurzer Hauptprobe begann um 14 Llhr in den Räumen der altehrwürdigen Kirchenruine der Gottesdienst. Eröffnet wurde dieser durch das Vorspiel der vereinigten Posaunenchöre von Lich und Klein-Linden: „Lobet den Herrn, ihr Heiden alle", einer Komposition von Melchior Vulpius (1609). Die Leitung der Posaunenchöre hatte, wie schon viele Jahre lang, auch diesmal wieder Kreisbaumwart i. R. Johannes Germer (Klein-Linden) übernommen. Gewaltig brauste der Gesang der rund 1500 Festteilneh- mer, begleitet von den Posaunen, durch die Ruine. Eine besondere Bereicherung erfuhr der Gottesdienst durch die Mitwirkung eines Massen- chores, bestehend aus den Mitgliedern der zehn anwesenden gemischten Chöre mit fast 500 Sängerinnen und Sängern, geleitet von Lehrer Römer (Großen-Linden). Auch die Frauenchöre von Alten-Duseck und Hausen bei Gießen wurden zu einem größeren Chore zusammengestellt, dessen Leitung Chormeister Konrad A i c o l a i (Gro- ßen-Buseck) übernommen hatte. Auch dieser Chor verschönte den Gottesdienst durch den Vortrag eines Liedes. Pfarrer Hartmann (Alten- Duseck), der den Altardienst geleitet hatte, hielt auf Grund des Psalms 100: „Jauchzet dem Herrn alle Welt..die Festpredigt. Seine Predigt klang aus in einem Aufruf an alle Gemeindemitglieder, zu helfen am Aufbau unserer evangelischen Kirchengesangvereine. Mit dem Aach» spiel der Posaunenchöre: „Allein zu dir Herr Jesu Christ", von Johann Sebastian Bach, fand der Festgottesdienst sein Ende. Aach der Kaffeepause traten die Vereine zum Singen an. Pfarrer S t a u b a ch (Watzenborn- Steinberg), der derzeitige Vertrauensmann der Dekanatskirchengesangvereine. überbrachte die Grüße von Pfarrer K ö d d i n g (Eberstadt) als dem Ortsgeistlichen des Kirchspieles, ferner von Dekan G u h m a n n (Kirchberg-Lollar), Oberkirchenrat Wagner, dem Superintendenten für Ober Hessen. Er forderte zur Gründung von Kirchengesangverelnen an jedem größeren Orte auf, auch gedachte er der Wiederkehr der Augustane. Am Singen beteiligten sich nachstehende Vereine: Frauenchor Alken-Duseck (Dirigent Aicolai), Kirchengesangverein Beuern (Lehrer Edelmann), Kirchengesangverern Burkhardsfelden (Cßürgermeifter Albach), Gießen und Großen-Linden (gemeinsam unter Leitung von Lehrer Römer), Frauenchor Hausen (Sommer- Watzenborn), Klein-Linden (Johannes Germer), Leihgestern (Musiker Köhler, Großen-Linden), Oppenrod (grau Lehrer Dr. Gröhmann), das zum erstenmal auf trat und gleich guten Eindruck hinterließ, Watzenborn-Steinberg (Musiker Sommer) und Aliendorf a. d. Lahn (Lehrer Kimmel). Die Leistungen der einzelnen Qkreine standen im allgemeinen auf guter Höhe und erregten bei allen Zuhörern Wohlgefallen. 3n seinem Schlußwort dankte Pfarrer S t a u b a ch dem Grasen Laubach für die äleberlassung des Platzes, den Posaun enchörcn von Lich und Klein-Linden, allen Sängerinnen und Sängern und der Gemeinde für die Teilnahme am Fest. M eterhöhung in Mainz. WSA. Darmstadt, 27. Mai. Das Gesamtministerium hat durch Verordnung vom gestrigen Tage die gesetzliche Miete in der Stadt Mainz ab 1. April 1930 auf 124 Prozent der Friedensmiete festgesetzt. Reichsbank, Braubank und Elekir. Licht L Kraft mit je 1,75 v. H. abgeschwächt. Anderseits bewirkten günstige Rachrichten aus der Auto- industrie, daß diese Werte fester eröffneten. Bayrische Motoren, bei denen eine Dividenden- erhöhung anregte, bis 1,90 v. H. höher. Don Maschinenfabriken lagen Schubert & Salzer aus den bekannten Gründen 3 v. H. fester. Außerdem fielen durch Besserungen von 1 bis 2 v. H. Holzmann, Buderus, Thüringer Gas, Rheinische Elektrizität und Stolberger Zink auf. Bei Buderus wirkte der Fortfall der Akkordklausel im Schiedsspruch für die nordwestdeutfche Gruppe der Eisenindustrie anregend. Don deutschen Anleihen waren Altbesih etwas höher, Reubesitz dagegen leicht gedrückt. Ausländer waren nach beiden Seiten nur geringfügig verändert. Pfandbriefe uneinheitlich. Der Geldmarkt war zum Ultimo ettoaS steifer. Tagesgeld 3,5" bis 5,5 v. H.; Monatsgeld 5 bis 6 v. H.; Warenwechsel 4,50 v. H. 3m Verlaufe neigte die Tendenz weiter zur Schwäche, wobei die Verschiebung der Beschlußfassung des Kabinetts über die Art der Deckung der Fehlbeträge im Reichshaushalt lebhaft besprochen wurde. Die Kurse gaben bis zu 2 v. H. nach. Lediglich Schubert & Salzer tendierten anhaltend fest; dieses Papier gewann weitere 2 v. H. Vorübergehend erfuhren Farben auf lebhafteres Geschäft eine kleine Steigerung, die sich aber nicht behaupten konnte. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 28. Mai. Tendenz: ruhig. 3nfolge der schwächeren Auslandnotierungen war die Stimmung am heutigen Produktenmarkt wieder sehr gedrückt. Geschäft konnte nur schleppend in Gang kommen, da 3nlandware, hauptsächlich Roggen, angeboten war. Für Weizen machte sich jedoch wieder etwas Nachfrage geltend, bei anziehendem Preise. Roggen war im Preise stärker gedrückt. Sommergerste blieb bei minimalen Umsätzen gehalten. Hafer, inländischer, muhte erheblich nachgeben. Weizenmehl zog etwas an. Roggenmehl gut behauptet. Er wurden notiert: Weizen (Hessen und Provinz Hessen-Aassau), Hektolitergewicht von 78 kg 316 bis 317,50; Roggen (Hessen, Provinz Hessen-Rassau und Unter franten), Hektolitergewicht von 72 kg 171 biss 172,50; Sommergerste für Brauzwecke 200 bis 205; inl. Hafer 165 bis 167,50; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0, 44,75 bis 45,75; Roggenmehk 25,50 bis 26,75; Weizenkleie 6,90 bis 7,00; Roggenkleie 7,50 Mk. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Lin Vexierspiel. Liebe Gießener, Hurra! Freut Euch mit mir. Die Brücke zwischen Arnsburg und Gießen ist wieder ge- schlagen. Zwar die Buhbach-Licher Bahn gibt uns nun gänzlich preis als uneinträglichen Ballast. Dafür fährt wieder ein Auto — nein, dafür fahren zwei Autos! Sie werden sich gewiß prächtig ergänzen, denn soviel ich höre, stehen sie unter einer Regie. Also gleich Montag will ich Euch besuchen. Ich nehme das Auto 8.52 Uhr früh — halt, das fährt ja nur am Dienstag! Gut, also Dienstag nehme ich das Auto um 8.52 Uhr früh, fahre nach Gießen, bleibe bis zum Abend, fahre 6.42 Uhr heim, nehme in Lich das Auto 7.31 Uhr — halt, das fährt ja Montags nur. Also Dienstag kann ich hin und nicht heim! Dann eben Mittwoch. Mittwoch — ja, lieber Gott, da kann ich heim — aber nicht hin. Donnerstag? — Wahrhaftig, Donnerstags fährt fowohl das Auto früh 8.52 Uhr nach Gießen als auch das Auto 7.31 Uhr von Lich nach Arnsburg. Freitags kann ich hin — nicht zurück. Samstags kann ich zurück — nicht hin. Sonntag kann ich überhaupt nichts! Ach doch, sogar am Abend noch heim. Wenigstens ein Lichtblick. Und auch Ihr könnt heim, wenn auch nicht über Lich, sondern „direkt" über Steinbach—Albach. Und zweimal in der Woche können wir Kloster Arnsburger nachts um 10% Uhr in Lich eintreffen, um das dortige Großstadtleben zu genießen, wonach wir uns alle bisher vergebens gesehnt hatten. Ein Auto, das die Schulkinder zu dem 7-Uhr-Zug nach Oich befördert und die Arbeiter auch — das gibt es natürlich nicht, an keinem Tag der Woche. Lieber Gießener, wann D u hierher kannst und nicht wieder heim oder heim, aber nicht hierher, das sieh bitte selber nach! Mir schwirrt nämlich der Kopf vom Studium des Fahrplanes dieses neuzeitlichen „Verkehrshindernisses". Sophie Vigener. Wirtschaft. Schlimme Lage im Eisensteinbergbau. Die trostlose Lage der E i sen ste in gr uben im Sieg-, Lahn- und Dillgebiet hat sich in den letzten Wochen bedeutend verschärft. Die Lage auf dem Eisenmarkt hat sich derart verschlechtert, daß die Hochöfen ihre Produktion fast ausschließlich auf Lager legen müssen, so daß es an Raum fehlt, die weitere Produktion zu lagern. Weiter fehlt es aber aäch an Geld, um die auf das tote Geleis gelangte Produktion noch weiter fortzusetzen. Fast keine Woche vergeht, in der nicht über Arbeiterkündi- gungen auf den Gruben berichtet wird. Zu all diesen Schwierigkeiten kommt der älmstand, daß der Preußische Landtag in bezug auf die Hilfe für das Aotstandsaebiet im Sieg-, Lahn- und Dillkreis versagt hat. 3n der entscheidenden Sitzung der Etatsberatung vorn 23. Mai, in der die Beihilfe für das Sieg-, Lahn- und Dillgebiet für das am 1. April begonnene neue Etatsjahr zu bewilligen war, fehlten zur Beschlußfähigkeit des Hauses zwei Abgeordnete, so daß der Preußische Landtag vor den Psingstferien auseinanderging, ohne den Gruben die so dringend notwendige Hilfe gewährt zu haben. Die Folge ist, daß die regierungsseitig bewiUigte Beihilfe von 50 Pfennigen für die Tonne geförderter Eisenstein nun vorläufig in der Lust schwebt, und tatsächlich ist auch seit April dieses 3ahres die Beihilfe nicht mehr ausgezahlt worden. Diese Beihilfe beträgt bei normaler Förderung etwa 87 000 Mk. pro Monat, ging aber im Lause des 3ahres, da die Förderung erheblich eingeschränkt werden muhte, bedeutend zurück. Die Bestrebungen gingen nun dahin, dem Erzgrubenbergbau diesen Betrag trotzdem zu sichern, um in den Gruben Dor» richtungsarbeiten vornehmen zu können, um bei Beginn einer besseren Konjunktur mit einer größeren Förderung sofort beginnen zu können. Wann die Konjunktur auf dem Eisenmarkt wieder besser wird, ist noch nicht abzusehen und es besteht somit die große Gefahr, daß die Eifensteingruben im Sieg-, Lahn- und Dillgebiet vollkommen zum Erliegen kommen, wenn nicht schnellstens die Staatsbeihilfe zur Auszahlung gelangt. 'Der Aktienindex. Der vom Statistischen Reichsamt errechnete Aktienindex (1924/26 = 100) stellt sich für die Woche vom 19. bis 24. Mai auf 122,3 gegenüber 121,5 in der Dorwoche, und zwar in der Gruppe Bergbau und Schwerindustrie auf 120,3 (119,2), Gruppe verarbeitende 3ndustrie auf 112,2 (111,4) und Gruppe Handel und Derkehr auf 141,5 (141,0). • Zinsherabsetzung der Deutschen Rentenbank-Kreditanstalt. Die Deutsche Rentenbank-Kreditanstalt (Landwirtschaftliche Zentralbank) hat aus Anlaß der Herabsetzung des Reichsbankdiskontsatzes den Zinssatz für die Landwirtschaft mit Wirkung vom 20. Mai um 0,5 Prozent herabgesetzt. Der Höchstzinssatz, den der einzelne Landwirt für die aus Mitteln der Deutschen Rentenbank-Kreditanstalt gewährten Personalkredite zu zahlen hat, beträgt nunmehr 6,75 Prozent. Hierin sind alle Provisionen enthalten mit Ausnahme des Wechselstempels, welcher besonders belastet werden darf. Desgleichen ist eine Herabsetzung der Zinsen der bis 1933 laufenden Abzahlungskredite mit Wirkung vom 1.3uli d. 3. ab in Aussicht genommen, so daß alsdann dein Landwirt sämtliche Abzahlungskredite nicht teurer als 7,5 Proz. p. a. zu stehen kommen werden. • Arbeiterentlass ungen im Ruhr- bergbau. Auf den Schachtanlagen des Köln- Reuessener Dergwecksvereins sollen bis zum 15. 3uni 700 ArbÄter und auf zwei Zechen der Hoesch AG. insgesamt 410 Mann entlassen werden. * Deutfche>Srdöl AG., Berlin. Der Aufsichtsrat beschloß in seiner gestrigen Sitzung, die Ausschüttung einer Dividende von 7 Prozent gegen 6 Prozent im Dorjahre vorzuschlagen. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 28. Mai. Tendenz: freundlich. — 3m Anschluß an die zuversichtliche Stimmung der gestrigen Abendbörse war man auch im heutigen Dormitiagsverkehr freundlich gestimmt. • Da aber Anregungen und Aufträge nicht vorhanden waren, machte sich zu Beginn des offiziellen Marktes erneut eine stärkere Zurückhaltung bemerkbar. Die Tendenz neigte zur Schwäche. 3ndessen ergaben sich bei kleinster Unternehmungslust zu den ersten Kursen zumeist Abschwächungen bis zu 2 Prozent. Eine Verstimmung ging von der schwachen Deranlagung der Kunstseidewerte aus. Besonders Aku lagen im Angebot und eröffneten 5,5 Prozent niedriger. Auch an den übrigen Märkten kam daraufhin Material heraus, das nur schwerlich Aufnahme sand, aber die sonst bevorzugten Werte hatten unter dieser veränderten Situation am stärksten zu leiden. Don der schwankenden gestrigen Reuyorker Börse konnte keine Anregung ausgehen. Rach Feststellung der ersten Kurse machte sich von selten der Kulisse Kaufinteresse bemerkbar, und die Tendenz konnte sich etwas bessern. Die Stimmung war wieder freundlich, was aber noch nicht in der Kursgestaltung zum Ausdruck kam. Don Chemieaktien waren Deutsche Erdöl trotz der höheren Dividendeausschüttung 1,5 Prozent schwächer. Farben lagen knapp behauptet. Am Elektromarkt eröffneten Siemens mit minus 2 Prozent etwas stärker gedrückt. Dagegen konnten zu den ersten Kursen Kaliwerte leicht anziehen. Zellstoffwerte schwächer. Waldhof minus 1,5 Prozent. Schiffahrtswerte etwas gebessert. Montanwerte waren wenig verändert. Das Geschäft war ziemlich gering, nur Spezialaktien traten, wie schon erwähnt, später stärker hervor. Am Rentenmarkt waren Schutzgebiete leicht erhöht. Dagegen gaben Reubesitz im Kurse etwas nach. 3m Verlaufe gaben die Kurse, nachdem vorübergehend eine Besserung eingetreten war, wieder etwas nach. Gegen Anfang blieben jedoch die meisten Werte gut gehalten. Die Tendenz war schwächer. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 3,5 Prozent notiert. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar -f#1900, gegen Pfund 20,3650, gegen Paris 123,94, London gegen Kabel 4,8603, gegen Mailand 92,75, gegen Madrid 39,85, gegen Schweiz 25,1125, gegen Holland 12,0813. Berliner Börse. ■Berlin, 28. Mai. Während man im heutigen Dormittagsverkehr trotz des anhaltenden Ordermangels mit einem nicht unfreundlichen, zumeist gut behaupteten Börsenbeginn rechnen zu können glaubte, ließ die Stimmung an der Vorbörse schon etwas nach. Maßgebend für diesen Umschwung war vor allem die schwache Haltung der Kunstseidewerte, ferner die Mutmaßung, daß in der heute stattfindenden Pressebesprechung die Wahrscheinlichkeit eines Dividendenausfalls bei Aku, der in der heutigen Bilanzsitzung des Aufsichtsrates beschlossen werden kann, bekannt- gegeben werden wird. Ferner wirkte die Rach- richt, daß eine Dividendenerhöhung bei Rheinischen Brankohlen nicht stattfinden werde, und die Meldung von neuen Arbeiterentlassungen im Ruhrbergbau tendenzhemmend. Auch die gestrige Reuyorker Börse hatte schwach geschlossen. Die ersten Kurse zeigten überwiegend kleine Abschwächungen, die bis zu 1,5 v. H. gingen. Stärker gedrückt eröffneten neben Aku und Bemberg, die 4 bzw. 3 v. H. verloren, Siemens, Mansfeld, Aschersleben, Zellstoff Aschaffenburg mit je 2 v. H. Verlust; Berger minus 2,13 v. H., Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4,5 o. H., Lombardzinsfuß 5,5 v. H. Frankfurt a. M. »erlln Frankfurt a. 21. Lerlin Schluß« t tut» | 1'ilhr« Kurs Schluß«! für# ; Ansang« Kurs Schluß» kurs 1-Uhr« Äurt Schluß-1 kurs 1 Anfang- Kurs Datum 27 5 28 5 27 5 28 5 Datum 27 5 28 5 27 5 28 5 6% Deutsche ReichsarUethe vamburg-Amerika Paket . . 7 114,75 — 114.4 114 von 1927 88.25 — 83,13 — Hamburg-Südam. Dampfschifl # — — — — 7% Deutsche Relchsanleihe Hansa Dampfschiff 10 — — — — von 1929 105 — 105 — Norddeutscher Lloyd . 8 114.5 114,75 114,65 114,25 Deutsche Anl.«Ablöl.-SchuId mit Allgemeine DeutscheTreditanll. 10 115.25 — 115,25 115,25 Ausios.-Siechten 59,5 — 59,1 59,3 Barmer Bankverein 10 127 126,75 127 126,5 176.5 Desgl. ohne AuSlof^Rechle 11,13 10,9 11,1 11 Berliner Handelsgesellschaft 12 176 — 176,25 6% Hell. Bolliftaal von 1929 (ruchahlb 102%) Commerz, und Privat-Bank 11 152.5 —— 152,5 152,75 96,25 — 95,75 — Darmstädter und Nationalbanl 12 234,5 — 234,25 234 Oberhellen Provinz - Anleibe mit Deutlche Bant und 141,5 141.75 Ausloi.-Rechten — — — — Disconio-KeleUIchaft, . . 10 —— 141,5 Deutlche Komm, (sammelabl. Dresdner Bank ...... 10 143 - 142,5 142-5 Anleihe Serie 1 8% Uran kl Hyp.-Bank Goldvle. 58,65 —- 58,9 — Reichsbank ......12 298 169,25 296.5 170,5 295,25 170,4 XIII unkündbar bis 193-1 100 — — — SIEG. ...... 8 170,5 7% Frankl Hyp.-Bank (Bolbyte. unkündbar vis 1938 94,5 — — Bergmann ...... 9 Aektt. LieserungSgefeMchast 10 — — 186 156 —