Freitag, 28. März 1930 180. Jahrgang Nr. 74 Erstes Blatt Erschein« iflghd),nale in Deutschland nachträglich sehr zur Freude der Sowjetpresse zu bagatellisieren. Das deutsche Volk steht auf dem Standpunkt, dah die Tellnahme des bayerischen Ministerpräsidenten an einer Kundgebung gegen den Religionsterror in Rußland die russische Regierung gar nichts a n g e h t. Die ärztlichen Spitzenoraanisationen gegen die Gewerbesteuer. Berlin. 27. Märst. (ERB.) Die ärztlichen Spitzenorganisationen, der Deutsche Aerzte- vereinsbund und der Verband der Aerzte Deutschlands, haben heute eine Entschließung gefaßt in der u. a. gesagt wird, wenn der Preußische Landtag die Einbeziehung der freien Berufe und damit auch der Aerzte in die Gewerbesteuer (wie sie in Hessen bereits feit längerem besteht) endgültig beschließen sollte, so könnten empfindliche Rückwirkungen auf die wirtschaftliche Lage der heilungsbedürftigen Bevölkerung nicht ausblei b e n. Die Last einer solchen Besteuerung hätten insbesondere auch diejenigen Kreise zu tragen, die sich hartnäckig für eine derartige Reuregelung einsetzen. Dor allem aber wäre mit Sicherheit zu erwarten, dah das gegenwärtige friedliche Verhältnis zwischen Dersicherungsträ- gern und Aerzten aufs schwerste gefährdet würde. Die geplante Besteuerung müßte sich als eine Kranken st euer auswirken, die gerade die wirtschaftlich ungünstig gestellten Bolkskreise zu tragen hätten. Berlins Millionenverluste in Grund- fiücksgeschäflen. Berlin, 27.März. (ERB. Eigene Meldung.) Der Staatsanwaltschaft ist im Zusammenhang mit den Häusergeschäften der Stadt Berlin neues Material zugegangen. Wie die „B. Z." meldet, liegen der Behörde jetzt konkrete Angaben von Leuten vor. denen einzelne von den großen Geschäften bis ins kleinste bekannt sind. Erst darauf hin soll die Staatsanwaltschaft zur Erlangung des De- weismaterials die Haussuchung bei Stadtrat Busch veranlaßt, Akten und Geschäftspapiere beschlagnahmt hoben. Während in der Stadtverordnetenversammlung in erster Linie schwere Vorwürfe gegen Magistratsoberbaurat Z a n g e m e i ft e r, Direktor Brokat von der Berliner Verkehrs-A.°G. und Stadtrat Reuter vorgebracht wurden, handelt es sich jetzt um Anschuldigungen gegen Personen, die an den Geschäften der Stadt Berlin unverhältnismäßighohe Gewinne gemacht haben sollen. Zangemeister und Reuter sollen die Millionengeschäfte Leuten überlassen haben, die derartigen Geschäften weder kaufmännisch noch moralisch gewachsen waren. Eine oberflächliche Rachprüfung der Grundstücksgeschäfte der Stadt Berlin in den letzten 3ahren soll bisher schon als He6er- preis eine Summe ergeben haben, die sich um 10 0 Millionen Mark herum bewegt. Das „Berliner Tageblatt" will wissen, wie die Haussuchungen bei Stadtrat Busch zustandekamen und welches Material beschlagnahmt worden ist. Die Angelegenheit Busch wurde von feinem früheren Sekretär Günther ins Rollen gebracht. Stadtrat Busch ist neben seiner anderen umfangreichen Tätigkeit noch Direktor der Petrolea A. - G. Günther ist ebenfalls Angestellter der Petrolea und wurde von Stadtrat Busch in seinen persönlichen Arbeitskreis gezogen. Günther hat die Einblicke, die er in das Wirken des Stadtrates tun durfte, dazu benutzt, eine kurze aber inhaltsreiche Denkschrift herzustellen. Diese Denkschrift umfaßt 30 Seiten. Günther wollte dem Stadtrat Dusch seine Denkschrift unter der Bedingung zu eigen geben, daß ihm Busch für zede Seite 1 000 Mark Honora r auszahle. Busch sagte dem Mittelsmann, der ihm das Angebot Günthers überbrachte: „Günther wird, wenn er mm die Denkschrift bringt, nicht 30 000 Mark, aber 30 000 Backpfeifen kriegen!" Nach dieser unzweideutigen Ablehnung bot Günther seine Denkschrift, nachdem sich Stadtrat Busch nach Lugano begeben hatte, demMagistratvon Berlin zum Kauf an. Nachdem der Magistrat vier Wochen lang überlegt hatte, faßte er den vernünftigen Entschluß, das Günthersche Ängebot a n d i e Staatsanwaltschaft weiterzuleiten. Die Staatsanwaltschaft faßte zu und beschlagnahmte die Denkschrift, vermutlich im Bureau des Rechtsbeistandes des Sekretärs. Die staats- anwaltfchaftliche Untersuchung der Geschäfte des Stadtrats Busch hat durch diese neue Materialzufuhr einen kräftigen Impuls bekommen. Es ist für die nächsten Tage nicht nur mit einer großen Anzahl von neuen Vernehmungen zu rechnen, sondern man spricht davon, daß mehrere Verhaftungen bevorstehen sollen. Lmgle DoimgbeMte in der pariser Kammer. Briands Anwesenheit wird verlangt. — Tardien stellt die Vertrauensfrage. Vertagungsantrag abgelehnt. Paris, 27. März. (WTD.) Die Kammer begann heute vormittag die Beratung des Gesetzentwurfes betreffend die Ratifizierung der verschiedenen Haager Abkommen. 'Der Abgeordnete Douis Marin stellte zunächst die Vorfrage, weil der Voungpl.au die Räumung des Rheinlandes nach sich ziehe und infolgedessen die Sicherheit Frankreichs bedrohe. Das Verhalten Deutschlands sei nicht dazu angetan, Frankreich ausreichende Sicherheitsgarantien zu geben. Deutschland habe es darauf nb- gesehen, den Versailler Vertrag zu zerstören. Rach und nach habe es die finanziellen Klauseln vernichtet. 3etzt greife es die territorialen Klauseln an. Es sei äußerst ernst, dieses Pfand aufzugeben. Es bleibe jetzt nur noch das feierliche Wort eines Schuldners übrig, der schon oft sein Wort nicht gehalten habe. Marin bedauerte auch, daß die Rachbarvölker Deutschlands, und vor allem Polen keine neuen Garanti> n erhielten. Die durch den Voungplcm gegebene Garantie sei unzureichend an Bern Tage, an dem Deutschland seine Zahlungen einstelle, während Frankreich gegenüber Amerika und England sich verpflichtet halten würde. Für den Kammerausschuß für auswärtige Ange- legenheiten erstattete der Abgeordnete Soulier (Fraktion Marin) den Bericht über den ^oungplan. Der Bericht weist auf die Bedeutung der Deutschland gemachten Zugeständnisse, insbesondere der vorzeitigen Rheinlandräumung hin und erklärte, der Kammerausschuß habe die Sicherheitsgarantie kennenlernen wollen, die an die Stelle der bisherigen unbestreitbaren Garantien treten sollen. Hinsichtlich des juristischen Verfahrens, das in Frage komme, falls eine Verletzung des 2) oung- planes ftattfinde, erklärt der Bericht, daß der Ständige Internationale Gerichtshof im Haag an die Stelle der Reparationskommiffion getreten fei und daß die Haager Abkommen damit ein Verfahren des gemeinen Rechtes für die gerichtliche Feststellung des Falles geschaffen hätten, daß der Schuldner seinen Verpflichtungen nicht nachkommen wolle. Wenn diese CEoenfualifäf vom Stündigen Internationalen Gerichtshof festgestellt werden sollte, erkennen die Haager Abkommen den Mächten das Recht zu. ihre volle handkungs- f r e i h e i l wiederzuerlangen. Deutschland habe von vornherein die Rechtmäßigkeit dieser Handlungsfreiheit zugelafsen. Es fei klar, daß diese Freiheit im Rahmen des völkerbunds- ftatuts und des Vriand-Kellogg-Paktes sich auswirken könne. Es müsse für alle, die die internationale Lage aufmerksam geprüft hätten und gleichzeitig um die Einnahmen Frankreichs und um feine gegenwärtige Stellung in der Welt besorgt seien, schwierig fein, nicht für die Bewilligung der der Kammer unterbreiteten Abkommen zu stimmen. Wenn Amerika es momentan ablehne, in eine Gemeinschaft der Welt einzutreten, so könne es sich das dank seiner Lage jenseits des Atlantischen Ozeans leisten. Eine derartige Freiheit bleibe aber Frankreich auf Grund seiner diplomatischen und Parlamentarischen Traditionen, seiner geographischen Lage und der europäischen Solidarität versagt. Ministerpräsident T a r d i e u erflärte, daß die Regierung nur die eine Pflicht habe, die Vorlage so schnell wie möglich zu verabschieden. Wenn man die Mobilisierung der ersten Tranche unmöglich machen wolle, so würde man das gesamte Land in eine gefährliche Lage bringen. Da der Abgeordnete Marin seinen Antrag auf Stellung der Vorfrage nicht zurückgezogen habe, sei er gezwungen, die Vertrauensfrage zu stellen. Die von Marin gestellte Vorfrage wird hierauf durch Handaufheben abgelehnt. Rur Marin selbst stimmt dafür. Der radikale Abgeordnete Mayer begründete hierauf einen Antrag, di«? Debatte bis zur Rückkehr Briands aus London zu vertagen. Es sei nicht möglich, ohne ihn zu verhandeln. Briand würde auf zahlreiche Fragen Antwort geben müssen. Ministerpräsident Tardieu wandte sich gegen diesen Antrag. Der Außenminister fei durch die Londoner Flottenverhandlungen ferngehalten. 3n seinemRa- men ersuche er die Kammer, die Debatte zu beginnen. Der roeifere verlauf der Boungbebatfe gestattete sich außerordentlich stürmisch, als der Abgeordnete Meyer (Radikal) erklärte, daß er und seine Freunde von dem völligen Einvernehmen zwischen Tardieu und Briand keineswegs überzeugt seien. Gerade deshalb sei die Anwesenheit Briands erforderlich. — Tardieu erwiderte erregt, er sehe dieser kühnen.-unvorsichtigen und gefährlichen Behauptung ein formelles Dementi entgegen. Die Regierung verlange die schleunige Verabschiedung und stelle hierfür die Vertrauensfrage. Der Sozialist G r u rn b a ch betonte, daß die Sozialisten die Anwesenheit Briands verlangten, weil er der Außenminister sei. Die Sozialisten blieben Anhänger der Politik Briands. Ministerpräsident Tardieu warf in den immer größer werdenden Lärm den Sozialisten vor, daß sie zwischen ihm und Briand einen Zwiespalt schaffen wollten. Er könne ihnen aber erklären, daß Briand bereits die Regierungen von England, 3talien und Belgien auf die Rotwendigkeit hingewiesen habe, b i s zum 5. April den Poung-Plan zu ratifizieren, damit die erste Tranche mobilisiert werden könne. Er verlange also im Ramen Briands ebenso wie in seinem eigenen die Verabschiedung des Voung°Planes. Der radikale Abgeordnete Francois Albert erklärte, dah Briands Anwesenheit geboten feil denn wenn Tardieu auch» an seiner Stelle antworte, dürfe man nicht verkennen, daß Tardieu bisher Briands Politik bekämpft habe. Rach diesen Worten wird die Erregung immer größer. Es kommt zu lebhaften Auseinandersetzungen zwischen Regierung und Linke. Leon Blum meint, ob die Anwesenheit Briands etwa Mn Ztöeck habe, der Regierung einen Teil ihrer Mehrheit zurückzugewinnen? Der Ministerpräsident ist über diese Worte außerordentlich empört und verwahrt sich dagegen, daß man Briand eine illoyale Politik unterschiebe. Er betont nochmals, daß er durchaus mit Briand solidarisch sei. Leon Blum läßt aber in feinem Angriff nicht nach und deutet an, dah feine Freunde ihren Beschluß, für den Voungplan zu stimmen, möglicherweise ändern würden. Herriot unterstützte den Antrag seines Fraktionsgenossen Weher auf Vertagung. Es fetzt ein P u l t d e ck e l k o n z e r t auf beiden Seiten des Hauses ein, so dah der Präsident die Sitzung aussetzen muß. Rach Wiederaufncchme der Sitzung erklärt Herriot, wenn die Radikalen ihre Tlnterstützung bedin- gunglos und vorbehaltlos gewährten, so geschehe das doch unter der Bedingung, bah man eine Donnerstag lir Jan Mayen. "^5. •H ©wolkenlos 0neuer. c>naiv oeaecki 0wolkig. G Gedeckt • Regen * Schnee »Graupeln e Mehel K Gewit'rr.(g)WlndStllle. •O' xh# »eichte» on £ Tiassioe1 Südsüdwest q stürmische* lordwest fcie Piene fliegen mit dem wmot Die oeioen Stationen stenenoen Zahlen gehen die Temperatur an. Die Linien verbinden Orte mH gleiche* «ui Mecresniveau umoerechneten Luftdruck ELettervo raussage. Mit dem Rückgang des hohen Druckes gewinnt die neue Atlantikstörung langsam Einfluß auf die Wetterlage, welche durch ihre Südseite milde Luft nach Deutschland bringt. Nur östlich der Oder herrscht durch den Rückseiteneinfluß der abziehenden Polenstörung noch kühles Wetter, während im Westen die heutiaen Morgentemperaturen durchweg schon über 5 Grad lagen. Die Störung wird zunächst weiter mildes, meist wolkiges und dunstiges Wetter verursachen, jedoch sind verbreitete und stärkere Niederschläge vorerst nicht zu erwarten. Wettervoraussage für Samstag: Dunstig und bewölkt, mild, nur vereinzelt geringe Niederschläge. Lufttemperaturen am 27. März: mittags 10,7 Grad Celsius, abends 7,3 Grad: am 28. März: morgens 5 Grad. Maximum 12,3 Grad, Minimum 3,9 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 27. Märst: abends 7,1 Grad; am 28. März: morgens 5,4 Grad. — Sonnenscheindauer 4% Stunde», _ Diese so mit gewi Augenblick wünschen Personal ein Knai stimmten Schulsteu tätige Ak mal berat ganz weinen. 2Ibt auch nicht können sie Bcrussber politische S Die Wo vor allem b en - 21 bestimmte viele Tch wünsch, nach Aus ihrer url nickts mi unserer ( wünsch, etwa der - 93 6 angeblich bleiben; bibtntliä) her befam unterstütze, Vaugewer Knaben,! WeWnd ner Land lichen La günstigste viel bege eine gute mann bes „nur" 68 Borjahre llärung | Mg zur schulen- Schüler. manischen Zu den ta teil des f durste. - schlosser; berufen, aus Mg, können. Schulabo werden schon ai Schillern sen bes nen. - heben, b vollen r 1307 schiebene Kein 259 Wnen h UnX Ütea - onvei Witt 3. 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Berufswünsche der Bottsschüler Obei Hessens. Vom Arbeitsamt Gießen. Abt. Berufsberatung, wird uns mitgeteilt: Auf Grund der für die Berufsberatung an alle Volksschulen unseres Arbeitsamtsbezirks, der sich fast mit ganz Oberhessen deckt, hinausgegebenen Schülerpersonalbogen haben wir auch dieses Jahr wiederum die Berufswünsche der an Ostern zur Schulentlassung kommenden Knaben und Mädchen zusammengestellt. 12 21 Knaben äußerten auf die Frage: „Was willst du werden?" folgende 71 verschiedene Berufswünsche: Unbestimmt 269, Schlosser 99, Landwirt 93, Maurer 79, Maler und Weißbinder 75, kaufmännische Berufe 68, Schreiner 57, Autoschlosser 51, Metzger 42, Bäcker, Friseur je 40, Elektriker 33, Schuster 32, Schneider 21, Schmied 1& Spengler und Installateur 17, Zimmermann 16, Gartner 15, Knecht 12, Buchdrucker 11, Schriftsetzer 9, Konditor, Feinmechaniker je 7, Mechaniker, Küfer, Wagner je 6, Koch, Handelsschule, Lehrer, Musiker je 5, Dachdecker, Sattler, Förster je 4. Aufbauschule, Kellner, Schornsteinfeger je 3, ßaboraut, Uhr« macher, Polsterer, Dekorateur, Pflasterer, Fabrikarbeiter. Geometer. Buchbinder, Steinmetz. Lackierer, Verwaltungsbeamter. Schweizer. Arbeiter. Hei- zungsmonteur, bleibt zu Haufe je 2, Schriften- maler, Maschinist, Chauffeur. Steinhauer, Viehhändler. Brauer, Reichswehrsoldat, Fliesenleger, Vernickler, technischer Zeichner, Schweißer. leie- araphenbaulehrling. Werkzeugmacher^ Korb- und Stuhlflechter, Kriminalkommissar, Bandagist, Beamter, Former, Kürschner, Hutmacher, Plattenleger je 1. Diese so erfaßten Berufswünsche müssen natürlich mit gewissem Vorbehalt betrachtet werden. Diele Jugendliche kommen mit ganz anderen Berufs- wünschen zur Berufsberatung, als Jie auf dem Personalbogen angegeben haben. Richt selten Hot ein Knabe oder Mädchen nur deshalb einen bestimmten Berufswunsch, weil der Schulkamerad, die Schulfreundin, dasselbe werden will. Die gegenseitige Ansteckung von Berufswünschen ist manchesmal derart, daß selbst in größeren Schulklassen nur ganz wenige verschiedene Berufswünsche vorkommen. Aber wenn die angeführten Berufswünsche auch nicht den endgültigen gleichzustellen sind, jo können sie doch zusammen mit den Erfahrungen der Berufsberatung gewisse wirtschafts- und berufspolitische Aufschlüsse und Hinweise geben. Die Rot unserer berufssuchenden Jugend dürfte vor allem durch die große Zahl derjenigen (269 Knaben -- 21 v. H.) zum Ausdruck kommen, die keinen bestimmten Berufswunfch haben. Dazu kommen noch viele Schulabgänger mit zwar bestimmtem Berufs- wünsch, aber gan$ falscher Berufsvorstellung, die nach Aufklärung über den gewünschten Beruf von ihrer ursprünglichen „Berussneiaung" häufig gar nichts mehr wissen wollen. — An zweiter Stelle unserer Statistik steht der Schlosser als Berufswunsch. Die Anzahl dieser Berufswünsche dürfte etwa der Bedeutung dieses Handwerks entsprechen. — 93 Schulabgänger, also rund 7.6 v. H., wollen angeblich in der wohl elterlichen Landwirtschaft verbleiben; voriges Jahr waren es noch 9 v H Ein bedenklicher Rückgang, den die Berufsberatung bei der bekannten Leutenot in der Landwirtschaft nicht unterstützen darf — Trotz des Darniederliegens des Baugewerbes wünschen unverhältnismäßig viele Knaben. 154 = 12,5 v H.. Maurer oder Maler und Weißbinder zu werden. Meist sind dies Söhne kleiner Landwirte, die später bei Uebernahme der elterlichen Landwirtschaft einen baugewerblichen als den günstigsten Ergänzungsberuf betrachten. — Diel zu viel begehrt sind die kaufmännischen Berufe. Wer eine gute Handschrift hat. glaubt schon als Kaufmann besonders geeignet zu fein. Zwar beziehen sich „nur" 68 Berufswünsche (= 5,5 o. H.) darauf, im Vorjahre waren es noch 8 o. H Ein Jahr Aufklärung der Berufsberatung dürfte in diesem Rückgang zum Ausdruck kommen. Aber zu den Volks- ichülern gesellen sich noch viele Handelsschüler und Schüler höherer Lehranstalten, die gleichfalls kauf- mänischen Berufen zuströmen, so daß der Andrang zu den kaufmännischen Berufen bei weitem den Anteil des Handels an der Dolkswirtschaft übersteigen dürfte. — Auch die Berufe des Friseurs, Autoschlossers und Elektrikers gehören^u den sog Mode berufen, trotzdem die meisten dieser Berufswünsche aus Mangel an Lehrstellen nicht realisiert werden können. — Auffallend ist, daß nur ein einziger Schulabgänger Former und gar keiner Dreher zu werden wünscht. Die Berufsberatung hat auch da schon ausgleichend wirken und diesen unter den Schülern meist unbekannten, aber wichtigen Berufen des Metallgewerbes Nachwuchs zuführen können. — Als erfreuliches Zeichen ist noch hervorzuheben, daß der Wunsch, in ungelernte Arbeit zu wollen, nur wenig vorkommt. 1307 Mädchen äußerten folgende 23 Der« schiedene Berufswünsche Unbestimmt 463, Schneiderin 259, Hausangestellte 169, Verkäuferin 99. in eigenen Haushalt 77, in der eigenen Landwirtschaft 73. Bureauanaestellte 40. Friseurin 23 ungelernte und angelernte Arbeit 20, Weißnäherin 16, Kindergärtnerin 15, Kindermädchen ungelernt 12, Köchin 8, Büglerin 7, weiterer Schulbesuch 6, Krankenschwester 5, Kinderpflegerin 5, Handarbeitslehrerin 3. Hauswirtschaftslehrerin 2, Sportlehrerin 1. Lehrerin 1, Strickerin 1, Gärtnerin 1, Konditorin 1. Ausfallend groß ist die Zahl derer die keinen be stimmten Berufswunfch äußerten: der größte Prozentsatz dieser Schülerinnen stammt aus den Land kreisen, und es ist wohl mit Sicherheit anzunehmen, daß ein Teil von ihnen im elterlichen Hausl)all, ober in der eigenen Landwirtschaft verbleibt, so daß die dafür oben angegebenen Zahlen in der Praxis noch höher fein werden. Don allen Berufen ist nach der Statistik der Beruf der Schneiderin am begehrtesten. Diele Mädchen toollen diesen Beruf auch nur erlernen, um nach der Lehrzeit in der eigenen Familie das erlernte Handwerk verwerten zu können und um auf diese Weise die Kosten für eine bezahlte fremde Arbeitskraft zu sparen. Aus dieser Tatsache ist es wohl auch zum Teil zu erklären, daß von keiner Schülerin der Beruf der Putzmacherin gewünscht wird, trotzdem die Arbeitsart dieses Berufes viele Aehnlichkeit mit dem der Schneiderin besitzt. — Die kaufmännischen Berufe (Verkäuferin und Dureauangestellte) werden von den in den Städten wohnenden Schülerinnen außerordentlich stark begehrt. Allein 21,5 Prozent aller in Gießen zur Schulentlassung kommenden Dolksschülerinnen wollen Derkäuferin werden, manche von ihnen allerdings ohne sich bewußt zu fein/ welche großen Anforderungen dieser Berus heute an die geistigen und körperlichen Kräfte der jungen Menschen stellt. Ein erfreuliches Zeichen ist, daß nut ein geringer Prozent- fatz der Mädchen ungelernte Arbeit aufnehmen will. Alle stammen aus dem Landkreise Gießen und wollen zum größten Test in Zigarrenfabriken — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben. Heute, 20 Ahr, findet die Erstausführung des Lustspiels ..Leonce und Lena" und des Trauerspiels „Woyzeck" von Georg Büchner statt. Die Spielleitung beider Stücke hat Oberspielleiter Hans Tannert. Das Trauerspiel „Woyzeck", das nach der historischen Tragödie ..Dantons Tod" entstand, ist leider ein Torso geblieben, die Dollendung des Werkes verhinderte der allzu frühe Tod des Dichters. Im Lustspiel „Geonce und Lena" spielen Eduard Wesener und Ingeborg Scherer die Titelrollen, es sind ferner tätig die Damen: Doering, Jahn, Koch und Mewes und die Herren: Haeser, Hais, Heitzig, Linkmann. Ritter, Dolck und Zingel. Den Woyzeck spielt Peter Fassott, seine Partnerin Marie: Lieselotte Fuhrmann: als Gast wirkt ferner Frau Prasch-Grevenberg mit und die Damen Doering und Jahn: ferner sind beschäftigt die Herren: Arzdorf, Dommifch, Haeser, Hais, Heitzig, Linkmann, Ritter, Dolck und Zingel. Die Inspektion hat Anton Wahlen. Kapellmeister Cuj6 hat die musikalische Leitung übernommen. * * Fremdenvorstellung im Gießener Stadttheater. Man schreibt uns: Als Erstes Funkbild von der Ankunst der „Europa" in Veuyork Der deutsche Botschafter in Amerika von Prittwitz beglückwünscht den Kapltän der „Europa". Kommodore Johnson, zu seiner Rekordfahrt. eintreten. — Manche Berufe (wie Kindergärtnerin, Handarbeits» und Sportlehrerin u. ä.) werden genannt, die Wittel- und höhere Schulbildung verlangen und von der Dolksschülerm entweder einen weiteren Schulbesuch, oder Um« ftellung des Derufswunsches fordern. Oer Schulabbau in Gießen. Die Sparmaßnahmen der Regierung auf dem Gebiete des Volksfchulwesens werden sich in Gießen, soweit der zuständigen Gießener Stelle bis jetzt bekannt geworden ist, dahin auswirken, daß vier Lehrer st eilen eingehen und mithin auch vier V o l k s s ch u l k l a s s e n als in sich geschlossene Unterrichtsabteilun en verschwinden werden. Im neuen Schuljahr sind nun 6 0 Kinder m e h r zu erwarten, da dem Abgang eines schwäche- ren Jahrgangs die Ausnahme eines stärkeren Jahrgangs gegenübersteht Um der ungünstigen Gestaltung in der Volksschule, die aus diesen beiden Tatsachen zu erwarten ist, einigermaßen entgegenzu wirken, sollen von den jetzt bestehenden neun Sonderklassen einige aufgehoben und die Schüler auf andere Klassen verteilt werden. Es wird dabei besonders angestrebt, daß die Grundschuljahrgänge nid) allzu stark onwachsen Ueber die Durchführung dieser Maßnahmen werden bie_ näheren Anord- nungen getroffen, sobald die endgültige Entscheidung oorlicgt Von der Krastpostlinie Gießen- Kleebacbtal. Wir berichteten in unserer Nummer 67 vom 20 März über eine Besprechung auf dem Bürgermeisteramt in Groß-Rechtenbach wegen der Verbesserung des Verkehrs aus der Kraft- post l in ie Gießen — Kleebachtal. Wie wir nun erfahren, hat die Oberpostbirektion Darmstadt dem Anträge der Gemeinden Groß- und Klein- Rechtenbach auf Führung der Kraftpostlinie über diese Orte zunächst für die Dauer eines Monats stattgegeben Die neue Linie soll vom 1. April ab durchgeführt werden. Vornotizcn. — lagesfalenber für Freitag. Stadttheater: „Leonce und Lena", 19.30 bis 22 Uhr. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Katharina Knie" — Astoria-Lichtspiele: „Die Goldmine von Santa Pari" (mit Tom Mix) und „Variets-Sterne" Fremdenvorstellung bringt das Stadttheater am nächsten Sonntag, 30. März, zum letzten Male eines der besten und heitersten Lustspiele von William Shakespeare: „Wie es euch gefällt“. Gerade im jetzt beginnenden Frühling dürste dieses köstliche Lustspiel, echte Feiertagskunst, mit seiner graziösen Leichtigkeit und seinem neckischen Liebesgetändel am Platze sein. Mit hübschen, eigens für das Stück geschaffenen Kostümen nach Entwürfen des Obergarderobiers Curt Huber und den der luftigen Liebe ^Handlung poetisch angepahten Dekorationen von Karl Löffler hat das Lustspiel bei feinen bisherigen Aufführungen überaus herzlichen Beifall gefunden. Spielleitung: Oberspielleiter Hans Tannert. In den Hauptrollen wirken mit die Damen Scherer und Heß und die Herren Arzdorf, Tannert und Linkmann. Musikalische Leitung: Fritz Cuje. Beginn der Dorstellung 18 Ahr. Ermäßigte Preise. = Studienfahrt durch Hessen. Eine Ctudienfahrt nach Hessen veranstaltet in der Zeit vom 10. bis 19. April die Staatliche Stelle für Raturdenkmalpflege in Preußen. Die Reise beginnt in Kassel, führt nach Wilhelmshöhe, Amöneburg, Marburg und weiter nach Gießen, wo die Studiengesellschaft zweimal übernachten wird. Don Gießen aus werden der Gleiberg, Wetzlar, Braunfels und dann Münzenberg und Büdingen besucht. Die Fahrt endet in Gelnhausen. Im Vordergrund der Reise stehen fünft- und bau- geschichtliche Studien. Aber auch Beobachtungen naturkundlicher Art sollen daneben nicht zu kurz kommen. Die Hauptführung liegt in Händen von Prof. Dr. Bock von der Technischen Hochschule Berlin (Kunstgeschichte). Als naturwissenschaftliche Führer sind Prof. Dr. Schaefer (Kassel) und Lehrer Watz (Ehringshausen bei Wetzlar) gewonnen. *• Gießener Pädagogium. Der unter dem Dorsitz von Dekan Widmann, Gedern, am Mittwoch abgehaltenen Reichsverbandsprüfung unterzogen sich sieben Prüflinge, von denen einer nicht bestand. •* Goldene Hochzeit. Das Ehepaar Kaspar Herdt, Wiesecker Weg 28 wohnhaft, feiert am morgigen 29. März das Fest seiner goldenen Hochzeit. Beide Iubllare sind erfreulicherweise noch recht rüstig. *• Die Rehbockjagd imRegierungs- ! bezirk Koblenz. Der Bezirksausschuß in Koblenz hat den Schluß der Schonzeit für Rehböcke auf den 27. Mai festgesetzt, so daß der 28. Mai der erste Iagdtag ist. Stadtvorstand in Lauterbach. £. Lauterbach, 24. März. Der Stadt» Vorstand beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Walz zunächst mit der Vergebung der Arbeiten zur Herstellung der Adolf-Spieh-Strahe. Die Arbeiten wurden der Firma Ioh. Christian Ruhl in Angersbach zum Preise von 2226,50 Mark übertragen. Die Erbauung einer Eisen- betonbrücke über die Lauter zur Der- bindung von Müllers Weg und Bleichstrahe wurde der Firma Hermann Hardt in Lauterbach zum Preise von 9707,90 Mark in Auftrag gegeben. Die Fahrbahn der Drücke soll fünf dringt den deutschen Roggen wieder zuEhren! Meter breit werden. Zur Verstärkung der Stromfpannung im Elektrizitätsleitungs- neh des Rordbahnhofsviertels beschloß der Stadtvorstand, auf Empfehlung des staatlichen Gutachters, Oberingenieur Guder- n a t f ch, das jetzige Ortsnetz bestehen zu lassen und eine Gleichrichteranlage im alten Klärhäuschen auf der Au einzubauen, die automatisch eingeschaltet werden kann. Diese Gleichrichteranlage soll durch Kabel mit der dicht vorbeiführenden Bahnhofstraße verbunden und auf diese Weise eine ständige normale Stromfpannung erzielt werden. Die von dem Sachverständigen errechneten Kosten in Höhe von rund 23 000 Mark wurden bewilligt. Davon sollen 15 000 Marr auf das Rj. 1930 übernommen und der Rest in Höhe von 8000 Mark aus Betriebsmitteln des Elektrizitätswerkes vorgelegt werden. Die Errichtung der neuen Anlage wurde den Eiemens-Schuckert-Werken übertragen. Die Verhandlungen mit der Mitteldeutschen Hart- steinindustrie wegen der Wiederinbetriebnahme des Bilsteinbruches und des Daitsbergbruches konnten bisher noch nicht zum Abschluß gebracht werden, da der bevollmächtigte Vertreter der Hartsteinindustrie erkrankt ist. Es soll versucht werden, die Verhandlungen mit einem anderen Bevollmächtigten der Firma baldmöglichst zum Abschluß zu bringen, damit die zur Zeit beschäftigungslosen Steinbrucharbeiter wieder Arbeitsgelegenheit finden. Iagvhütten-Einbrüche. |Obertleen,27. März. (Gig. Drahtbericbt.) In die in der Rühe des Rapoleonsstockes gelegene Jagdhütte der hiesigen Iagdpächter wurde heute nacht ein schwerer Ein b r uch s d i e b - stahl verübt. Die Täter haben die Tür zu der Jagdhütte mit einer Axt aufgebrochen. Es wurden folgende Gegenstände gestohlen: eine Doppelflinte, ein Flobert, 10 Bettbezüge (Damast), 8 bis 10 Frottierhandtücher, 8 weiße Leinenbettücher, 45 Schrotpatronen, 20 Kugelpatronen, 6 Bestecke, Messer und Gabel, 6 Eßlöffel und etwa 20 Alpaka-Teelöffel. Der Wert des Jagdgewehres beträgt etwa 80 Mk., des Floberts 30 Mk., Wäsche und sonstige Sachen etwa 300 Mk. Der Verdacht der Täterschaft lenkt sich auf zwei junge, unbekannte Burschen mit Fahrrädern, die abends in Oberkleen gesehen wurden. Es wurden bei der Jagdhütte Fahrradspuren festgestellt. Die telephonisch herbeigemfene Polizei stellte am Datvrt sofort eingehende Ermittelungen an, die jedoch bis jetzt noch zu keinem Ergebnis geführt haben. Ein gleicher Einbruch wurde in derselben Rächt auch in die Jagdhütte in Griedelbach verübt, in die vor kurzem schon einmal eingebrochen wurde. Rheinhessen. WER. Worms, 24. März. Die kürzlich verstorbene Freifrau von Heyk hat durch letzt- willige Verfügung der Stadt Worms ihre gesamten Bücherschähe, über 2000 Bände an der Zahl, vermacht. Die Verstorbene hatte als Mitbegründerin des Mufeums und als Stifterin der Lutherbibliothek sich zeitlebens für die Interessen der Stadt Worms eingesetzt. Berliner Börse. Berlin, 28. März (WTB. Funkspruch.) Obwohl das Reichskabinett gestern abend in letzter Minute nun doch zurückgetreten ist, scheint die Situation im heutigen Frühoerkehr bxi den Banken nicht allzu ungünstig beurteilt zu werden. Man erwartet eine schnelle Regierungsneubildung, wahrscheinlich unter Herrn Dr. Brüning, und ist daher vorläufig nicht schwächer gestimmt Farben nannte man mit 169 Geld. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der 1 Schriftleitung.) I. H. W. W. Der Vater ist vor der Mutter zum Unterhalt der Kinder verpflichtet. Kommt er feinen Verpflichtungen nicht nach, so müssen Sie für die Kinder einen Pfleger bestellen lassen, der den Vater verklagt. Zuständig für die Pflegerbestellung ist das Amtsgericht seines Wohnortes. Das Erbrecht der Kinder bleibt selbstverständlich bestehen. Wenden Sie sich wegen weiterer Ratseinholung und Antragstellung an die Geschäftsstelle des dortigen Amtsgerichts, oder an das für Sie zuständige Bezirksjugendamt. Quäker Name:. Adresse: Bitte senden Sie mir kostenlos Ihre neue Bro* schüre „Quäker GesundheitssRatschläge“. AUSSCHNEIDEN! EINSENDEN! Quäker Nährmittel Gesellschaftm.b. H gten gmeinschast« Her wurde Ahucs appe. r Kinder- ' Kniestrümpfe und Söckchen in großer Auswahl Stier erteilt Bannonium- Dnterricht? Schrtstl. Angeb mit Preisangabe unter 25I4D a.d.Gleb.Anz. Msmeiser und 02105 Sokineoslonsen kommen nächsten Samstag nur dem Markt zum Berkaus. Vermietungen | 2 möoi. Zimmel iHerren- u. 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Der 8 tadtrat hielt heute, wenn nicht ganz unerwartete Ereignisse dazwischenkommcn, feine letzte Sitzung vor der Beratung des Voranschlags für 1930 ab. "Die alljährlich, so diente auch die heutige Sitzung dazu, mit den zur Jcit vorhandenen Vorlagen weitmöglichst aufzuräumen, damit für die nächste Sitzung möglichst breiter Spielraum für die Doranschlagsberatung verbleibt. Die Tagesordnung der heutigen Sitzung brachte keine besonders hervortrct.nden Angelegenheiten. Dem Verkehrs verein wurde in Anerkennung seiner Bemühungen um das Allgemeinwohl ein weiterer Zuschuß gewährt und auch der Volkshochschule ließ man eine Ausbesserung ihrer Finanzen zuteil werden. Wenig angenehm, * 6cr dennoch leider notwendig war eine gewisse Erhöhung der Müllabfuhrgebühren, damit die Müllabfuhr nicht zu einem Zuschußbetrieb wird. Sehr erfreulich war es, daß das Haus einen Betrag von 10 000 Wk. zur zusätzlichen Auszahlung an ausgesteuerte und in Fürsorge befindliche Erwerbslose, die für die Stadt Arbeiten verrichten, bewilligte. Ebenso erfreulich war die einmütige Zustimmung zu einer Vorlage, die den Betrag von 58 000 Mark zur Ausstat - tung von Schulräumen anforderte, da man von dieser Maßnahme die Erschließung von Arbcits- und Verdienst Möglichkeiten für unser heimisches Handwerk und Gewerbe erwarten kann. Die unter der gegenwärtigen Wirtschaftsnot besonders schwer leidenden Handwerkerkreise werden diese Entscheidung des Hauses sicherlich mit besonderer Genugtuung aufnchmen. Sitzungsbericht. Anwesend Bürgermeister Dr. Selb, der als Vertreter des beurlaubten Oberbürgermeisters den Vorsitz führt, die Beigeordneten Dr. Hamm und Iustizrat Dr. Rosenberg, sowie 33 Stadtratsmitglieder. Im Zuhörerraum haben nur einige Personen Platz genommen. Weiterer Hnschus; an den Bcrkehrsverein. Der Finanzausschuß beantragt folgenden Beschluß: „Dem Verkehrsverein Gießen wird zu den Stoffen der Herstellung je eines großen und kleinen Führers, von Stadtplänen und eines Hotel- und Gaststättenverzeichnisses für 1929 ein weiterer Zuschuß von 1000 Mark bewilligt." Als 'Ausschußberichterstatter weist Stadtratsmitglied Horn (Arbeitsgem. der Mitte) auf die eifrige und mühevolle Arbeit des Derkehrsvereins im Interesse der Stadt Gießen hin, die in erfreulicher Weise von Erfolg begleitet und für die Geschäftswelt förderlich sei. Stadtratsmitglied Schmieder (Arbeitsgem. der Mitte) berichtet aus seinen Erfahrungen als Vorsitzender des Verkehrsvereins über die Arbeit dieser O'ganisatwn und hebt hervor, daß unsere Nachbar- städte, insbesondere Wetzlar, große Anstrengungen auf dem Gebiete der Verkehrsverbung machen. Wenn Gießen da nicht Zurückbleiben wolle, müsse es gleichfalls in reger Weise werben. Die dafür verwandten Geldmittel seien gut angelegt, sie würden unserem Giehener Wirtschaftsleben gute Früchte bringen Notwendig sei es aber auch, daß dem Verkehrsvcrein immer mehr Mitbüraer beitreten, insbesondere auch noch aus der Geschäftswelt, die an den Ergebnissen der Fremdenverkehrswerbung stark interessiert sei. Das Haus stimmt dem Anträge des Finanzausschusses zu. Weiter r Zuschutz an die Volkshochschule. Der Finanzaustchuß beantragt folgende Beschlußfassung: »Der Volkshochschule Gießen wird für das Rechnungsjahr 1929 außer dem vcran- lchlagsmäßig bewilligten Beitrag von 1200 Mk. ein weiterer Beitrag von 1200 Mk. gewährt." Aus den Darlegungen des Ausschuhberichterstatters Stadtratsmitgl. Lcop. Mayer (Arbeitsgem. d. M.) geht hervor, daß von der Volkshochschule ursprünglich beantragt war, neben den voranschlagsmäßigen 1200 Mk. weitere 1700 Mk. zu bewilligen, ihr also für das Rj. 1929 insgesamt 2900 Mk. zur Verfügung zu stellen, gleichzeitig aber auch diesen Betrag für das neue Rj. 1930 zu gewähren. Der Finanzausschuß hat sich im Hinblick aus die Finanzlage und in Anbetracht dessen, daß die Doranschlagsberatung für 1930 eben erst noch in den Anfängen steckt, nur zu dem vorstehend wicdergegebenen Antrag verstehen können. Stadtratsmitgl. Ricolaus (Wirtsch. Vgg.) spricht sich namens seiner Fraktion gegen diese Mehrbewilligung aus, die Stadtratsmitgl. Horn und Fischer (Arbeitsgem. d. M.) treten für den Antrag des Finanzausschusses ein und betonen insbeiondere, daß eine Bewilligung für 1930 heute noch gar nicht mehr möglich sei, weil man auch nicht im mindesten den neuen Doranschlag übersehen könne, sich nach dieser Richtung alle Entscheidung Vorbehalte. Die Stadtratsmitgl. Dr. Gumbel und Mann (Soz.) sehen sich für das Ersuchen der Volkshochschule ein, schließlich schlagen sie im weiteren Verlaufe der Aussprache für das Rj. 1930 die Einstellung eines höheren Betrags als bisher in den Etat vor und kündigen einen dementsprechenden Antrag an. Der Antrag des Finanzausschusses wird gegen einige Stimmen der Wirtsch. Vgg. angenommen. Andere Krediterweiterungen Der im Voranschlag des Lyzeums für das Rj. 1929 für Reinigungszwccke eingestellte Kredit von 2600 Mk. wird um 383,28 Mk. erweitert. Für den städtischen Schlachthof wird der im Voranschlag 1929 vorgesehene Kredit für Wasserbedarf um 6500 Mk. erweitert. Diese Mehrausgabe ist auf einen Wasserrohrbruch zu- rückzuführcn, der hohe Reparaturausgaben er- sorderte. Der im Schlachthofetat 1929 vorgesehene Kredit für die unschädliche Beseitigung des untauglich befundenen Fleisches erfährt eine Erweiterung um 500 Mk. Der im Voranschlag 1929 für die S a n i t ä t s- wache auf dem V i c h m a r k t p l a h vorgesehene Kredit wird um den noch erforderlichen Betrag von 190 Hit. erhöht. Der zum Ausbau des Parkplatzes auf dem Viehmarltplatz am Güterba^nhof bewilligte Kredit wird um 3000 Mk. erweitert. Die Stadtverwaltung wird zur alsbaldigen Arbeitsausführung ermächtigt. Erhöhung der Müllabfnhrgcbühren. Auf Antrag des Finanzausschusses wird mit Mehrheit, gegen die sozialdemokratischen und einige weitere Stimmen, beschlossen, daß die Müllabfuhrgebühren ab 1. April 1930 von 0,92 Die gefiederte Schlange. Roman von Edgar Wallace. 11 Fortsetzung Nachdruck verboten Ella erzählte ihm kurz von Hugg, und er hörte mit wachsendem Interesse zu. »Hugg? Der Kerl kam wieder hierher?" Ella berichtete von den sensationellen Enthüllungen des Betrunkenen. „Das ist doch Unsinn!" rief er. „Lane ist tot! Ich habe ja feinen Totenschein." Aber seine Worte klangen nicht sehr überzeugt. „Seine letzte Erzählung ist ganz anders als das, was er dir zuerst mitteilte." sagte Paula ruhig. „Ich habe die ganze Zeit darüber nachgedacht. Erzählte er dir, daß Lane Plötzlich starb?" „Tot hingefallen." erwiderte Crewe. „Weißt du auch, daß Hugg selbst später im Hospital lag?“ „Olein, nach feinem Bericht mußte ich annehmen, daß sich nichts Außergewöhnliches ereignete." Er suchte den Totenschein heraus und las zum erstenmal die Todesursache. „Schädelbruch infolge eines Unglücksfalles." „Ich wundere mich, warum er mich angelogen hat." Crewe biß sich aus Die Lippen und schaute nachdenklich drein. „Diese Vagabunden lügen doch immer I" „Selbst wenn cs gar nicht notwendig ist," sagte Paula. „Hat er dir gesagt, daß Lane manchmal im Schlas sprach?" „Weshalb redet ihr immer über Lane?" fuhr Ella ärgerlich dazwischen. „Wenn er im Schlas nichts Vernünftigeres gesprochen hat als im Wachen, dann hat es nichts zu bedeuten. Was wirst du nun wegen des Schlüssels anfangen, Billy?" Offenbar hatte er noch keinen Plan. „Ella, du könntest ihn vielleicht bekommen," sagte er gefaßt, nachdem er lange nachgedacht hatte. „Du kennst Dewin doch und könntest ihn wahrscheinlich berumbringen." „Wenn er nun aber den Schlüssel der Polizei übergibt?" fragte Paula. „Das tut er sicher nicht," sagte Ella gereizt. „Er will die Sache doch selbst aufklären - Joe hat mir «ehr viel von ihm erzählt. Der hat doch auch d>- Samimis lebenslänglich ins Zuchthaus gebracht. Die Polizei wußte noch gar nichts von Samsons Verbrechen, bis es alle Welt im „Poftkurier" las. Der gibt den Schlüssel nicht heraus." Paula reckte die Glieder müde. „Ich gehe jetzt nach Hause," sagte sie. „Ich werde dich mitnehmen, Ella, und bei deiner Wohnung absehen. Mein Wagen ist hinten in der Garage." Ella nickte, und alle drei gingen in die Eingangshalle. Es war inzwischen taghell geworden, und als Mr. Crewe die Haustür öffnete, kam die kalte Morgenluft herein. Sie zitterten vor Kälte. „Ich möchte —" begann er und brach plötzlich entsetzt mitten in seiner Rede ab. Er sah drei Karten, die mit Reißnägeln an die Tür gesteckt waren. Jede trug das Bild der gefieberten Schlange und darunter einen Hamen. Auf der ersten stand „Billy", auf der zweiten „Ella" und auf der dritten „Paula". Um die Karte mit dem Hamen „Billy" war außerdem ein Trauerflor befestigt. 8. Das Dienstmädchen berichtete Peter Dewin, daß eine Dame im Salon auf. ihn warte. Sobald er mit seiner Toilette fertig war, rannte er die Treppe hinunter. Das Bureau sandts sehr häufig schon früh am Morgen Briese durch junge Mädchen, und er war schon daran gewöhnt, daß die „Dame" in Wirklichkeit ein kleines Mädchen mit einer Stupsnase war, das ihm eine dringende Botschaft von seinem Redakteur brachte. Als er in das Zimmer trat, war er freudig überrascht. „Großer Gott, was tun Sie hier?" „Ich warte bereits eine Viertelstunde auf Sie," sagte Daphne und lächelte vergnügt über seine Bestürzung. „Ihretwegen hätte ich auch wohl die ganze Rächt auf Sie warten können — hoben Sie Mr. Crewe gesehen?" Er staunte, als sie ihm von Crewes Besuch um Mitternacht erzählte. „Crewe?" Es war doch unmöglich, daß der Dieb... „Haben Sie ihm gesagt, wo ich wohne?" „Das hätte ich ihm vielleicht gesagt, wenn ich .-H gewußt hätte. Aber es war mir nur bekannt, r-af) Ihr Harne im Telephonbuch stand, und ich dachte, es sei das Einfachste, daß er Sie wegen ber kleinen Ledertasche anriefe." »Ach, glaubten Sie, daß er mich antelephonieren würde?" sagte er nachdenklich. „Hein, das hat er nicht getan, wenigstens bilde ich mir das ein — ich glaube nicht, daß er es war." „Haben Sie die Börse der Polizei übergeben?" Peter überlegte schnell. „Ich werde cs heute morgen nachholen," log er ihr vor. „Tatsächlich hatte ich in der Hacht kolossal viel zu tun und bin deswegen heute morgen auch ein wenig später auf gestanden." Er schaute auf feine Uhr. Es war viertel zehn, und plötzlich erinnerte er sich, daß er am vorigen Pfennig für 100 Pf. Grundmiete auf 1,16 Pf. für 100 Pf. Grundmiete erhöht wird. Hach den Darlegungen des Ausschußberichterstatters Stadtratsmitgl. Goerz ist diese Erhöhung notwendig geworden, weil im laufenden Jahre infolge Lohnerhöhung für die Arbeiter und stärkerer Gebührenausfälle infolge von Reklamationen ein Minus von rund 10 000 Mk. entstanden ist. Da der Betrieb sich selbst tragen soll, war die Gebührenerhöhung zur Notwendigkeit geworden. Hoslcucrlatz für die LtudentcuhUfc Ein Gesuch der Gießener Studentenhilfe um Erlaß der Kosten der Pflasterung der Einfahrt zur Garage des neuen Studentenhauses in Hohe von 426,73 Mk. wird bewilligt. Bom Bcbnuungsplan. Die Ortsbau^ahung zum Bebauungsplan über das Schwarzlachgebiet wird genehmigt. Die in dem Bebauungsplan vorgesehenen neuen Straßen erhalten fotgene Bezeichnungen: Schwarzlachweg, Am Sandfeld und Werra- straße. Die Aenderung der Bau- und Straßenfluchtlinie im Ho11erweg entsprechend dem Plane des Vermessungsamtes vom Januar 1930 wird genehmigt. Ltratzcnrcinigungsgcbührcn. Durch einstimmigen Beschluß des Hauses wird die Ortssahung über die Erhebung von Gebühren für die Reinigung der Straßen und Plätze in Gießen im § 1 dahin erweitert, daß die Straßen- reinigungsgebühren auch dann erhoben werden, wenn zwischen dem Grundstück und der Straße eine öffentlichen Zwecken dienende Grundfläche (z. B. Anlagen, Böschungen, Gräben usw.) liegt. Tic Wasserversorgung r er Gemeinde Lindcnstruth. Der Wasserversorgung der Gemeinde Lindenstruth durch das Wasserwerk Gießen, nachdem der neue Wasserbehälter bei Annerod gebaut ist, stimmt man grundsätzlich zu. Die Gießener Wasserleitung von Queckborn geht bekanntlich durch Lindenstruth, so daß der Anschluß dieses Ortes an unsere Wasserleitung sehr leicht zu bewerkstelligen ist. Der Wasserkonsum Lindenstruths pro Jahr macht insgesamt so viel aus, wie Gießen an einem Tage verbraucht. Bcrgcbnng von Arbeiten und Lieferungen. Arbeiten am Hcubau eines Schalt- und Transformatorenhauses des Elektrizitätswerkes: Die restlichen Maurer-, Beton-' und Eisenbetonarbeiten werden der mindestfordernden Firma H. W. Rinn in Gießen zu ihrem Angebotspreis von 14 994,50 Mark übertragen. — Die Schlosserarbeiten werden entsprechend dem vom städtischen Hochbauamt vor- geschlagenen Verteilungsplan an Schlossermeister Kunz für 6446,93 Mark, an Schlossermeister Braun für 5105 Mark, an die Schlosservereinigung für 12 273 Mark vergeben. — Das Liefern und Einlegen der Riffelblechabdeckung wird dem Schlossermeister Wilhelm Ziegler zu seinem Angebotspreis von 3520 Mark übertragen. — Die Lieferung der stahlgepreßten Türen und Tore werden der mindestfordernden Abend Mr. Gregory antelephoniert und ihn um eine Unterredung gebeten hatte. Er war von dem Gelehrten zu heute morgen um zehn Uhr bestellt und sagte dies Daphne. „Dann können wir ja zusammen gehen — ich habe auch eine Verabredung mit Mr. Beale — ich bin nämlich seine neue Sekretärin. Ich zweifle allerdings, ob er mich schon so bald braucht." Er setzte sich hin und schaute sie groß an. „Sie wollen doch nicht etwa sagen, daß das die neue Stellung ist, nach der Sie suchten?" Sie nickte. „Dann haben Sie es gut — einer meiner Bekannten, der einmal vor Jahren für ihn gearbeitet hat, erzählte mir, daß er fürstliche Gehälter bezahlt und einer der liebenswürdigsten Menschen in der Welt ist. Sie sind aber von Crewe sehr plötzlich weggegangen." Cie zögerte. „Ja — ich dachte, es wäre besser, daß ich sofort ginge. Es war mir eine große Erleichterung. Ich hatte bereits Mr. Deale geschrieben, daß ich in der ersten Woche nicht kommen konnte, es ist daher leicht möglich, daß ich eine Woche lang Ferien habe. Können Sie mir sonst noch etwas von ihm erzählen?" „Er ist eine Autorität für gefieberte Schlangen." Cie sah ihn erstaunt an. ^Wenigstens sagt mein Rachrichtenredakteur so — und der weiß alles." Ein klarer, kühler Morgen lud dazu ein, im Park spazieren zu gehen, aber die Zeit war zu kostbar, und Peter bestand darauf, einen Wagen zu nehmen. Unterwegs gestand et ihr, daß et nicht die Absicht habe, den Schlüssel herzugeben. Er erzählte ihr aber nichts von dem Papier mit den Buchstaben, das er dabei gesunden hatte. Das war so seine Art. Er liebte kleine Geheimnisse. Aber in der frohen Stimmung, in die er durch ihre Gegenwart kam, wäre er doch beinahe seinen Prinzipien untreu geworden und hätte es ihr gesagt. Sie kamen mit dem Glockenschlag zehn vor dem schönen Hause von Gregory Beale an. Der ernste Hausmeister öffnete ihnen die Türe und führte sie in das Empfangszimmer. Mr. Deale ließ zuerst seine neue Sekretärin kommen. Sie sand ihn in der Bibliothek, wo er anscheinend ein einfaches Frühstück zu sich genommen hatte. Ein silbernes Tablett stand auf einem Seitentisch und eine halbleere Kaffeetasse auf seinem Pult. Er begrüßte sie mit einem liebenswürdigen Lächeln seiner blauen Augen. „Lagen Sie mir nur nicht, daß Sie Ihre Stellung nicht gleich antreten können." Sie erzählte ihm, daß sie gekommen fei, um mit ihrer Arbeit zu beginnen. Firma Karl Renner Rachsl. in LandeShut zum Angebotspreis von 7376 Mark übertragen. Die Lieferung der Heraklithplattcn nebst Zubehör für die Wohnungsbauten in der Schwarzlach erhält die Firma August und Philipp LÄüßler in Worms zu ihrem Angebotspreis von 4014,75 Mark. Mit der Lieferung der Schleudergußrohre zur Wasserversorgung der Gemeinde Heuchelheim wird der Deutsche Gußrohrverband in Köln zum Angebotspreis von 17 334 Mark frei Station Gießen beauftragt. Die Herstellung von Gas- und Wasserleitungsgräben im Rj. 1930 wird der Firma H. Weimer in Gießen zu ihrem Angebotspreis von 8093 Mark übertragen. Beim ersten Punkt dieser Arbeitsvergebungen entspinnt sich eine 'Aussprache über die Bedingungen, die bei diesen Vergebungen maßgebend sind. Stadtratsmitgl. Becker (Wirtsch. Vgg.) sordert die Beobachtung der Vorschriften der Reichs- verdingungsordnung, worauf Beigeordneter Dr. Ham m erwidert, daß das schon immer geschieht und Stadtratsmitgl. Horn (Arbeitsgem. d. M.) darüber seine Befriedigung äußert. Stadtratsmitgl. Launspach (Wirtsch. Vgg.) übt lehr scharfe Kritik an den Bedingungen des Bauamtes. Stadtratsmitgl. Coe ber (Arbeitsgem. d. M.) weist demgegenüber daraus hin, daß diese Bedingungen nach einer Aeußerung des Stadt- baurats Gravert schriftlich wohl so scharf gehalten seien, in der Praxis aber nicht so schlimm gehandhabt würden. Es sei aber eine Aenderung dieser Bedingungen zugesagt worden. Es sei auch zu begrüßen, daß die Kalkulationen der Handwerker, auch zu deren Ruhen, vom Dauamt sorgfältig nachgeprüft würden. Hierdurch fei schon manches besser geworden. Oft seien aber auch die Handwerker schuld, wenn sie Klage erheben. Stadtratsmitgl. Leop. Mayer (Arbeitsgem. d. M.) rät den Handwerkern, sich in Deschwerde- fällcn an ihre handwerkliche Organisation zu wenden, wenn die Bedingungen zu scharf gehandhabt würden. Der Stadtrat müsse vor allem an die Gesamtinteressen der Stadt denken. Beigeordneter Dr. Ham m betont, diese Bedingungen seien meist nicht da für den anständigen Handwerker, aber sie seien zustandegekommen auf Grund von Erfahrungen, die man mit weniger anständigen Handwerkern gemacht habe. Es sei bedauerlich, daß darunter auch die anständigen Handwerker mit zu leiden hätten. Er sei aber bereit, Milderungen dieser Bedingungen durchzuführen. Krcditbcwiliigungen. Für die Umänderung von zwei Türen in der Kapelle auf dem Alten Friedhof wird ein Kredit von 125 Mark zur Verfügung gestellt. Für das Wiegehaus mit Bedürfnisanstalt und Wiegemeisterwohnung „Hinter der Westan - läge" wird ein Kredit von 4000 Mark bewilligt. Zu In st andssetzung sarbeiten im Stadthaus, Bergstraße, wird ein Kredit von 500 Mark und zu Instandsehungsarbeiten im Stadthaus, Garten st raße, ein Kredit von 1000 Mark eröffnet. Für die Neupflasterung einer an die Blei djerei Fuchs verpachteten Geländefläche von etwa 16 Quadratmeter wird ein Betrag bis zu 100 Mark bewilligt. „Das ist ja famos, ich habe mir schon den ganzen Morgen überlegt, was ich mit meinen Sammlungen machen soll — sie müssen nämlich ^usgepackt und katalogisiert werden. Ich selbst habe nicht die nötige Ruhe zu solcher Arbeit, und nach dem, was ich heute morgen in der Zeitung gelesen habe, mochte ich recht bald wieder meine gefieberten Schlangen sehen." „Gefiederte Schlangen?" fragte sie. „Was meinen Sie damit?" Er mußte über ihre Frage lachen. „Sie brauchen sich nicht davor zu fürchten, ich bin kein Zoologe. Alle meine Sammlungsgegenstände sind Geräte oder kleine Bildwerke, die ich in den Ruinenstädten der alten Maya gesammelt habe. Meine gefiederten Schlangen sind kleine Tonfiguren, in denen das Auge des Laien weder eine Ähnlichkeit mit Federn noch mit Schlangen entdecken kann!" Er schaute hinter ihrem Rücken nach der Tür. „Ist der junge Mann, der mit Ihnen kam, ein Zeitungsreporter? Da habe ich ja zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen!" Er läutete dem Hausmeister. „Bitten Sie doch den Herrn zu mir herein." Als Peter den Raum betrat, kramte der Gelehrte in einer Schublade seines Schreibtisches. Endlich hatte er gesunden, was er suchte, und legte ein kleines, formloses Ding auf die Tischplatte, das allem Anschein nach aus gebranntem Ton bestand. Er begrüßte Peter durch ein Kopfnicken. „Also Sie sind der Zeitungsreporter, der etwas über gefiederte Schlangen wissen möchte? Run wohl, mein junger Freund, hier können Sie gleich eine sehen!" Peter nahm den Gegenstand neugierig in die Hand. „Seien Sie vorsichtig damit," warnte Mr. Deale. „Das kleine Ding hat einen Wert zwischen fünfhundert und tausend Pfund. Cs ist eine echte Maya-Figur, eine gefieberte Schlange — das einzige Exemplar, das jemals in einer Maya- Stadt gefunden wurde. Aus Mexiko haben wir zahlreiche derartige Funde. Ich habe mehrere von meiner Reise mitgebracht. Aber das ist ein kostbarer Maya-Fund, und deshalb muß man behutsam damit umgehen!" Peter erkannte nun auch, was es darstellen sollte. Cs war eine zusammengerollte Schlange mit kleinen Kügelchen auf der Oberfläche. Wie er richtig vermutete, sollten bai Federn sein. „Was bedeutet ege tlich die g.fieberte Schlange, Mr. Deale?" Der Gelehrte lehnte sich in seinen Stuhl zurück und legte die Fingerspitzen ineinander. (Fortsetzung folgt.) Fürforgearbeil für ausgesteuerte Erwerbslose. Für die Bereitstellung von Fürsorgearbeit für ausgesteuerte Erwerbslose wird ein Kredit von 10 000 Mark zur Verfügung gestellt. Es kommen rund 250 ausgesteuerte Erwerbslose, die in Fürsorge beim Wohlfahrtsamt stehen, in Betracht. Diese Leute sollen neben ihrer Unterstützung aus dem obengenannten Kredit als Gegenleistung f^ir die Fürsorgearbeit, die man zum Teil als Pftichtarbeit ansehen kann, eine Zulage von 2 bis 4 Mark pro Woche erhalten, wodurch sie ungefähr auf den Tariflohn kommen. Wer diese Arbeit leistet, wird sich also wöchentlich besser stehen als derjenige, der sie nicht leistet. Unabhängig davon werden Notstandsarbeiten gegen tarifliche Bezahlung ausgeführt. Verschiedene Arbeitsprojekte sind bereits vorgesehen. Für die Versetzung von Motoren, Erneuerung von Leitungen, Beschaffung einer neuen Schalttafel und Einrchtung einer Späneabsautzungsoorrichtung in der Lehrwerkstätte für Schreiner der G e - werbe- und Maschinenbauschule wird ein Kredit von 2750 Mark bereitgestellt. Ausstattung der Schulhäuser in der kirchstrahe und in der Schillerslrahe. Der Finanzausschuß beantragt: Der für die Ausstattung der Schulräume in der Kirchstraße benötigte Kredit in Höhe von 29 000 Mark wird zur Verfügung gestellt. Für die Ausstattung der Schi'llerschule wird gleichfalls ein Betrag von 29 000 Mark bereitgestellt. Die Kredite werden auf die Betriebsrechnungen für 1929 und 1930 gleichmäßig verteilt. Städtratsmitgl. Nicolaus (Wirtsch. Vgg.) erklärt im Namen seiner Fraktion, daß diese zur Bewilligung bereit sei, jedoch die Kosten und die Anschaffungen auf die Jahre 1929/30/31/32 verteilt haben möchte. Diese Verteilung auf vier Jahre, anstatt der vorgesehenen zwei, sei im Hinblick auf die Finanzlage dringend erwünscht. Er empfehle deshalb für die Jahre 1929/30 zunächst je nur 15 000 Mk. bereitzustellen und den Nest von je 15 000 Mk. auf 1931 32 zu veranschlagen. Bürgermeister Dr. S e i b erhebt gegen die Verteilung der Anschaffungen auf vier Jahre Bedenken und spricht sich namentlich im Hinblick auf die mangelnde Beschäftigung des Handwerks für die sofortige Anschaffung aus, damit der Not des Handwerks gesteuert werden könne. Den gleichen Standpunkt vertreten die Stadtratsmitglie- dec Horn (Arbeitsgem. d. M.), Fischer (Ar- beitsgem. d. 2IT) und Loeber (Arbeitsgem. d. M.), wobei sie als besonders bestimmendes Moment für die sofortige Bewilligung der Vorlage nach den Empfehlungen des Finanzausschusses geltend machen, daß einerseits schulische Erfordernisse dringend sind und anderseits die überaus große Beschästigungsnot des Handwerks die volle Bereitstellung der vorgesehenen 58 000 Mark ratsam erscheinen läßt. .Unter dem Gewicht dieser Vorstellungen zieht Stadtratsmitglied Nicolaus seinen Antrag zurück. Die Vorlage wird dann in der Fassung des Finanzausschusses einstimmig angenommen. Gewerbe- und Maschinenbauschule. Die Stadt Gießen übernimmt ab 1. April 1930 in jeder Zeit widerruflicher Weise die Trägerschaft für die bei der Gewerbe- und Maschinenbauschule bestehende Schuhmache r - f a ch s ch u l e unter der Bedingung, daß die bisher vom Neichsverband des deutschen Schuh- macherhandwcrks, der Hess. Handwerkskammer in Darmstadt und dem Hess. Schuhmachermeister- Innungsverband in Darmstadt gewährten Zuschüsse auch fernerhin in gleicher Höhe wie bisher gewährt werden, die Schülerzahl im Laufe eines Schuljahres nicht unter die Zahl 20 sinkt und daß der städtische Zuschuß den Betrag von 750 Mk. jährlich nicht übersteigt. Der von der Stadt Gießen zu leistende Zuschuß ist in den Voranschlag für 1930 aufzunehmen. Der bei der Schuhmacherfachschule tätige Lehrmeister ist im Angestelltenverhältnis auf Privatdienstvertrag zu beschäftigen und nach Gruppe V des Reichsange- stellten-Tarifs einzustufen. Die Stadt Gießen übernimmt ferner ab 1. April 1930 in jeder Zeit widerruflicher Weise die Trägerschaft für die bei der Gewerbe- und Maschinenbauschule bestehende Keramische W e r k st ä t t e unter der Bedingung, daß der bisher von der Hess. Handwerkskammer in Darmstadt gewährte Zuschuß in gleicher Höhe wie bisher gewährt wird, daß als Gehalt des Lehrmeisters nicht mehr als 1/5 bei der Keramischen Werkstätte verrechnet wird, und daß der städtische Zuschuß den Betrag von 500 Mk. jährlich nicht übersteigt Der von der Stadt Gießen zu leistende Zuschuß ist in den Voranschlag für 1930 aufzunehmen. Der bei der Keramischen Werkstätte tätige Lehrmeister ist im Angestelltenverhältnis auf Privatdienstvertrag zu beschäftigen und nach Gruppe V des Reichs» angestellten-Tarifs einzustufen. Anschaffung für das Elektrizitätswerk. Für die Beschaffung eines Durchgangsschalters ohne Nelais zum Preise von 820 Mk. und von vier Stationsschaltern zum Preise von 783 Mark pro Stück wird ein Kredit von rund 4020 Mk. zu Lasten des Elektrizitätswerkes für 1929 Nj. bewilligt. Die Lieferung des Durchgangsschalters ohne Nelais wird der Allgem. Elektrizitäts-Gesellschaft Gießen, die Lieferung der vier Stationsschalter den Bergmann-Elektrizitätswerken A.-G. übertragen. Die Wohlfahrtsabrechnung für 1928. Die Nechnung der Kasse des städtischen Wohlfahrtsamtes für das Rj. 192 8 schließt in Einnahme mit 1 443 628,95 Mk., in Ausgabe mit 1438 354,19 Mk. ab. Nachdem der Berichterstatter, Stadtratsmitglied Reiber (Arbeitsgem. d. M.) Bericht erstattet hat, wird die Rechnung glatt genehmigt. Stadtratsmitgl. Reiber bringt bei dieser Gelegenheit zur Sprache, daß zahlreichen Kapitalrentnern bei der neuen Festsetzung ihrer Rente allzustarke Abzüge gemacht worden seien, und ersucht, nach dieser Richtung mehr Entgegenkommen zu bekunden. Bürgermeister Dr. Seid weist darauf hin, daß die Nachprüfung und Neufestsetzung der Renten nicht durch das Wohlfahrtsamt erfolgte, sondern von einem Ausschuß vorgenommen wurde, in dem auch Rentner mitgewirkt haben. Kleine Angelegenheiten. Das Haus genehmigte ferner ein Baugesuch von Heinrich Schmal! zur Errichtung einer Halle in der Boothausstraße, einen Vertrag mit dem Oekonomen Heistermann über die lieber» tragung der Vollen« und Eberhaltung, sowie 'die Verpachtung der seither an den Oekonom ©ottmann verpachteten Grundstücke, schließlich noch- eine Ergänzung zurK raftdroschken- orbnung. Tagesgeld mit 6 v. H. etwas angespannter. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,187750, gegen Pfund 20,3750, London gegen Kabel 4,86525, gegen Paris 124,27, gegen Mailand 92,8t, gegen Madrid 39,15, gegen Schweiz 25,13, gegen Holland 12,1240. Berliner Börse. Berlin, 28. März. Der trotz lange andauernder Krise gestern abend etwas überraschend gekommene Rücktritt des Reichskabi- n e 11 s bewirkte im Vormittagsverkehr eine starke Zurückhaltung der Spekulation, nachdem die Börse verschiedentlich etwas schwächere Kurse nannte, wenn auch die Stimmung durchweg als nicht pessimistisch bezeichnet toerben muhte. Die Börse verspricht sich von dem Regierungswechsel eher Vorteile für die Wirtschaftslage. Hinzu kam, daß durch die in letzter Zeit zu beobachtende Aktivität des Reichspräsidenten eine längere Regierungskrise und eine damit zusammenhängende Unsicherheit voraussichtlich wohl vermieden wird, unif- daß auf dem Auslande festere Börsen gemdbet wurden. Die Befürchtungen, bah zu ben ersten Kursen stärker Ware herauskommen würbe, bestätigte sich nicht, ja für einige Spezialwerte erhielt sich sogar etwas Auslanbinteresse. Cs kam bei ben Anfangsnotierungen zu etwa 2- bis 3.-V. H- Besserungen, während sich im übrigen bas gestrige Schluhniveau etwa behaupten konnte. Conti Gummi, Bemberg, A.-G. für Verkehrswesen, Oberbebarf, Akkumulatoren. Gesfürel, ^Daimler, Verger, Zellstoff Waldhof, Karstabt unb Svenska waren selbst bei Verücksichtigung bcr Reports etwas gebessert. Aus ber anberen Seite lagen Reichsbank, Siegen-Solingen, Stolberger Zink, Rheinisch-Westsälische VraunstoF, Stöhr unb Deutsche Atlanten etwas schwächer. Deutsche Anleihen ruhig. Auslänber meist unverändert. Türken unb Anatolier auf ben ergebnislosen Verlauf ber Verhanblungen schwächer. Der Pfandbrief" markt war noch unentwickelt. Gelb weiter an» ziehenb. Tagesgelb 6 bis 8 v. H., Warenwechsel etwa 5,25 v. H. 3m Verlaufe blieb bie Stimmung freunblich. Es kam meist zu weiteren kleinen Gewinnen. Vesonbers für Licht & Kraft, für die sich auf bie Elektrotrustkonvention Auslanbinteresse zeigte, bestanb Nachfrage. Die weniger günstigen Momente, wie ber Rückgang ber Ruhr» kohlenförberung unb bie Nichtbeteiligung ber Kunstseibekonvention, fanben heute keine Veach» tung. Schantungbahn zogen im Verlaufe bis 3 v. H. an, währenb Siegen-Solingen weiter schwach lagen. Später traten an einzelnen Märkten leichte Abbröckelungen ein, bie aber in ber Hauptsache auf bas Nachlassen bes Geschäftes zurückzuführen waren. Letzte Nachrichten., Dr. Brüning mit der Kabinettsbildung beauftragt. Berlin, 28. März. (IDIB. Funtspruch.) Der Herr Reichspräsident empfing heute vormittag ben Reichslagsabgeordneten Dr. Brüning (Zentrum) unb erteilte ihm ben Auftrag jur Jleubilbung ber Reichsregierung, hierbei brachte ber Herr Reichspräfibent zum Ausbruck, bah es ihm angesichts ber Schwierigkeiten ber parlamentarischen Lage nicht zweckmähig erscheine, bie künftige Reichsregierung auf einer foali- tionsmähigen Binbung aufjubauen. Dr. Brüning hat ben ihm in biefer Form erteilten Auf. trag angenommen. — Auherbem empfing ber Herr Reichspräfibent heute vormittag ben Reichs- tagspräfibenten Loebe zu einer Besprechung ber durch ben Gesamtrücktritt ber Reichsregierung ent- flanbenen politischen Lage. Der Herr Reichspräfibent empfing weiter auch bie beutschnationalen Reichstags- abgeorbnefen hugenberg unb Schiele. Diese Tatsache wirb in parlamentarischen Kreisen bahin gebeutet, bah auch ber Reichspräfibent versucht, ben Abg. Schiele zu bewegen, in bas Reichs- kabinettalsLrnährungsminifterein- 3 u t r e t e n. Sprechstunden ver Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen Für unverlangt eingefanbte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wirb keine Gewähr übernommen. Anzeigenaufträge sind lediglich an die Geschäfts st eile zu richten. Wirischast. * Von der Frankfurter Vörse. Am Gründonnerstag, 17. April, fällt die Abendbörse aus: ferner bleiben am Samstag vor Ostern, 19. April, die Vörsenräume für jeden Verkehr geschlossen. * PreuhischeCentral-Vodenkredit« A. - G. Die Zeichnung auf 8 000 000 Mark 8proz. Zentral-Goldpfandbriefe vom Jahre 1928 ist bereits am ersten Zeichnungstage alsbald nach Eröffnung geschlossen worden, da der aufgelegte Vetrag schon durch die eingegangenen Voranmeldungen erheblich überzeichnet wurde. * Schramm Lack- und Farbenfabrik A.°G. Offenbach a. M. Nach dem Geschäftsbericht beträgt der Reingewinn 168 000 (im Vorjahre 212 000) Mk., nachdem für Linkosten 980 000 (970 000) Mk. abgeschrieben wurden. Der Vortrag beträgt 175 000 (217 000) Mk. Der Reserve wurden. wie im Vorjahre, 20 000 Mk. zugeteilt. Für Abschreibungen wurden 67 000 (83 000) Mk. vorgesehen. Wie bekannt, wird für das Geschäftsjahr 1928'29 eine Dividendenreduzierung um 2 Prozent vorgenommen, "o daß also nwr 8 Prozent ausgeschüttet werden. Die allgemein ungünstige Wirtschaftslage und die Erschwerung des Verkaufs infolge des strengen Winters 1928/29 werden als Grund hierfür angegeben. Doch sei der Veschäftigungsgrad immer zufriedenstellend gewesen, trotz vorgenommener Einschränkungen. Die Generalversammlung findet am 4. April statt. • Rhein. Hypothekenbank, Mannheim. 3n der gestrigen Generalversammlung wurden die Anträge der Verwaltung genehmigt, so daß eine Dividende von 10 Prozent zur Ausschüttung gelangt, wobei die jungen Aktien zur Hälfte dividendcnberechti.gt sind, lieber die Verwertung der restlichen Vorratsaktien wurde berichtet, daß der Vanl ein Rückkaussrecht eingeräumt ist, so daß etwaige in den Aktien liegende Zukunftschancen für die Vank späterhin vorteilhaft verwertet werden konnten. * Maschinenfabrik Vadenia bleibt in deutschem Vesitz. Der WeinheimerVür- gerausschuß beschäftigte sich gestern in geheimer Sitzung mit der Frage des Verkaufs der Maschinenfabrik Vadenia vorm. Wilhelm Platz Söhne A.-G. in Weinheim. Das Angebot Dr. Malmanowsky, das namens einer englischen Gesellschaft abgegeben worden war. wurde abgelehnt, dagegen das Angebot der Weinheimer Firma Keller L Co. mit Zusätzen angenommen. * Ford Motor Company A. -G., Ver- l i n. Die Generalversammlung der Ford Motor Companv A.-G., Verlin, genehmigte den Abschluß mit 10 v. H. Dividende. Die Kölner Transaktion trete in der Vilanz noch nicht in die Erscheinung, da das Anwesen in Köln erst am 28. Januar 1930 käuflich erworben worden sei. Es sei zunächst der Vau einer Fabrik mit einer Tagesproduktion von 150 Wagen vorgesehen, die nötigenfalls auf 200 Wagen gesteigert werden könne. 3n der Verliner Fabrik könnten zur Zeit täglich 100 Wagen hergestellt werden. Die geplante Automobi^zollerhöhung fürchte man nicht, denn zur Zeit würden mindestens 60 v. H. aller Wagenbestandteile in Deutschland gekauft. Sodann wurden einige Ziffern über die Geschäftsentwicklung des laufenden Jahres mitgeteilt. 3m 3anuar 1930 seien 685 Wagen verkauft worden, gegen 625 Wagen im 3anuar 1929, im Februar 1004 (Februar 1929 — 300), im März 1500 (822) und im April schätzungsweise 1800 (981). Die Tagesproduktion in Verlin betrage augenblicklich 75 Einheiten. Sie werde ab 1. April auf 90 Wagen täglich gesteigert, da erhöhte Nachfrage vorhanden sei. Die volle Kapazität von 100 Wagen täglich hoffe man im 3uni zu erreichen. Die Verwaltung erwartet für 1930 eine Hmsahsteigerung um 50 bis 60 v. H. gegen das Vorjahr. • „D e m a g" - A. - G., Verlin. 3n der Generalversammlung der „Demag"-A.-G. Duisburg, deren Hauptaktionäre die Maschinenbau- Unternehmungen A.-G. in Duisburg und die Vereinigte Stahlwerke- A.-G. in Düsseldorf sind, wurde beschlossen, für 1929 aus dem Reingewinn von 2 055 149 Mark (i. V. 2 022 731) auf das Aktienkapital von 38 Millionen Mark eine Dividende von wieder 5 Prozent zu verteilen und 118 149 (72 806) auf neue Rechnung vorzutragen, lieber den augenblicklichen Geschäftsgang wurde mitgeteilt, daß der Auftragsbestand der jetzigen Velegschast noch für mehrere Monate Arbeit sichere. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 28. März. Tendenz behauptet. In den ersten Stunden des heutigen Tages war man sehr pessimistisch, denn der plötzliche und nicht gerade erwartete RücktrittderReichsregie- rung wirkte deprimierend, und man hatte mit einer schwächeren Börse gerechnet. Doch war der Beginn des heutigen Marktes wider Erwarten eher freundlich. Man hofft, daß die Neubildung des Kabinetts nicht lange auf sich warten lassen wird, und man verspricht sich nach dem Zustandekommen der neuen Regierung größere Vorteile. Das Geschäft blieb aber an allen Märkten sehr gering, da nicht verkannt werden darf, daß durch die plötzliche Umgestaltung der Situation der Spekulation eine große Zurückhaltung auferlegt wurde. Aber auch der größere Auftragsmangel blieb nicht ohne Einwirkung auf die Geschäftsentwicklung. Die gestrigen Auslandbörsen lagen uneinheitlich, und auch der noch nicht überwundene Ultimo drückte etwas auf die Stimmung: doch wird von letzterem keine Schwierigkeit erwartet, da der Geldmarkt trotz der Ultimoanspannung unverändert günstig liegt. Erstnotizen kamen nur wenig zustande. Gegenüber der gestrigen Abendbörse, die etwas fester lag, ergaben sich vereinzelt kleine Abbröckelungen. Nur am Elektromarkt waren Siemens mit minus 2 v. H. etwas stärker gedrückt. Schuckert eröffneten gut behauptet. Lechwerke und AEG. lagen nur um Bruchteile eines Prozents schwächer. Am Farbenmarkt war die Kursentwicklung ähnlich. Am Montanmarkt lagen Buderus 1 v. H. fester, Mannesmann 1,5 v. H. ab- gefchwächt. Einiges Interesse erhielt sich für Bauunternehmungen, die teilweise etwas anziehen, konnten. Schiffahrtsaktien bis 1 0. H. höher. Am Bankenmarkt lagen Commerz- und Dresdner Bank leicht gedrückt, während Barmer Bank etwas anziehen konnte. Auch heute fanden Renten nur wenig Beachtung. Türken etwas niedriger. Im Verlaufe schrumpfte das Geschäft fast vollkommen zusammen. Die Spekulation verhielt sich abwartend. Unter dem Druck der Geschäftsstille gaben bie Kurse zumeist um Bruchteile eines Prozentes nach. Am Geldmarkt war Kurszettel her Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter ben Papieren angeführten Ziffern geben bie Höhe ber zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 v. H., Lombardzinsfuß 6 v. H. Frankfurt a. Vt. Nrrlln Schluß» j iure । 1 »Uhr- Kur- Schluß» iure Antanq» fiure Datum 27 d 78 d ii 3 /8 3 b% Deutsche tHeidieanieibe von 1027 87 _ 86,9 «% Teutfdje NeichSonleihe von 1929 99,2 _ 99 _ 2cutfd>e 'Jlnl.-älbtül.-Gdiulb mft Auslos.-Rechten 55,5 — 55,3 55.4 Defgl. ohne AuSlos.Rechte 9.5 — 9,5 9.6 8% Helt. BoMtacit von 1929 (rüdiablb. 102%) 90.65 — 92 CDerbeffen Provinz - Anleihe mit AuSIvi.-Rechten 52 — — Deutsche Ko in in. Gainmelabl. Anleihe Serie 1 53,3 — 53.65 53,6 8% nranlj. Hnp.-Bonl Goldpse. XIII unkündbar bis 1931 97.5 — _ 7% firanff Hnv.-Bonl Aoldple unkündbar bi3 1938 88,5 _ _ _ 4V3% Rheinische Hnp-Bank Stau. lMdvte. 84 — _ 6% Pr. Vanbeotdanbbrtefcmfialt, Pfandbriefe R. 17 97 _ 97 _ 8% Pr VanDc-M’fanbbdelanfiali, Komm.-Ldl. R. iß 94 _ 94 _ 7% Pr. Landespfandbriefanstalt, Pfandbriefe R. 10 89 _ 89 AEG- abg. BorkriegS-ebligatio- iien. tüdiahlbar 1932 . . . — — 4% Ccftcneidindje (Soldrente . . 1,20% Leiterrcichijche Sllberrente 30 29,75 29,75 5,5 .____ 1% Lekterreichtiche Einheitliche Rente _ 2,9 4% UnnariWie Goldrente 26,5 — 26,6 _ 1% Ungarilche Gtaatormtf v. 1910 — — iy2% deeo> oon. 1913 —- — 24.5 _ 4% Ungarische Kronenrente 3 3 z .95 4% Türkische Zollanleibe von 1911 -.4 —- 1.5 7,25 4% Türkische Bagvadbahn-Anl Serie 1 ',4 — 1.65 7.25 4% desgl Serie II — 6.95 7.65 7.13 5% Rumänische veretnd Rente von 1903 11,5 — 11,5 iyt% Rumänische vereint,. Rente von 1913 .......... 17,8 — 17.75 _ 1% Rumänische vereint,. Rente . 9,175 — 9,25 — Hranksun a. 2)1. Berlin Sch-Uß-l flirt? | t-llhr- kk rö Schluß-! furd | Anfang- Kurs Datum 27 3 28 3 27 d 28 3 ramvurg-Amerika Pakei . . 7 1'0.75 111 110 4 111 Hamburg-Südam. Dampsschiss 8 165 Hansa Dampsschiss . 10 - — 154,25 —- Norddeutscher Lloyd ... 8 105,9 >04 9 105.25 Allgemeine DcutscheCreditansi. 10 117,65, — 117 117.75 Barmer Bankverein 10 133 133,5 133 133 5 Berliner Handelsgesellschaft 12 172,5 — 171 5 172.75 Commerz- und Privatbank 11 >59.5 158.5 158.75 158.5 Darmstädter und Wattonalban! 12 236 — 234,75 235 Deutsche Bank und TiSconto-Gesellschast, . . 10 150.5 — 149,5 149,5 Dresdner Bank...... 10 153 152.5 152.5 152.5 ReichSbank ...... 12 287,5 — >86.25 384.25 A.E.G.......... . 8 '67.5 167.25 166.75 167 Bergmann........ . 9 205 — 203 5 — Etektr. LieferungSgelellichast 10 — — 169 170.5 Licht und Kraft 10 176 — 174.5 175 gelten & Guilleaume 7VZ 129 - 129.4 129,25 Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen 10 182 — 180.4 182.5 Hamburger ClektrizttätS-Werke 10 — — 134.5 —- Rheinische Clekrrizitat . . . . 9 • — 145 — Schlesische Elektrizität. . . . 10 —• — 167.5 168-25 Schuckert & Go. . ..... 11 — 193 192,5 193 Siemens & Halske ..... 16 255 253 254 254.5 Trant-kodio . . ...... . 8 — — 129,75 — Labmener & Go....... 10 166 — 165 - - . Buden,-?......... . c> 79 79,75 78.25 79 Deutsche Erdöl ..•••• . 6 — —— 102.13 102.25 Essener Steinkohle . • • • • . v — — — — . 8 141 — 140.65 141.5 Harpencr ...... . 0 131 — >29.5 130.5 Hocich Eilen . ...... 6Vi — — 111 — Ilse Bergbau . 10 — — 252 252 Rlodnerroerft . ..•••• . 7 104,75 — 104 25 — ffoln-Neuellen ..... . 7 —• - 108.25 108 75 Mannes mann-Röhren ... . 7 107 75 106.25 >06.4 106 Manefelder Bergbau . • . . 7 — — 106 106 Lberschlei. Eisendevarl . . . . 6 — — 69 71 Öberfchlel. kottwerke . . . . 7 — — ,03.25 103 5 Phönix Bergbau .... 6'/, 102,75 — 102 75 —— Rheinische Braunkohlen . . 10 — — 233,5 . 6 118 — 116,25 117.5 Ricbeck Moni« »••••• 7,2 — - Frankfurt a. M. Serlin Schluß- turS 1-ilhr- Kur> Echluß- lur- Ansa g- flurd Datum 27- 3 28 3 27 3 28. 3 Bereinigte Stahlwerke 96.25 — 95.4 96.25 Otavi Minen 1 5*/. — — 56,25 56 5 Kaliwerke Aschersleben ■ U 217,5 —— 215.4 214 Kaliwerke Westeregeln e e 10 219 — 217.13 217 Kaliwerke Salzdetfurth • • 15 372 — 371.9 371 I. G- irarben-Industrte * 12 170 169.25 168.9 169,25 . Dynamit Nobel . . . . 6 — 78.75 80 ScheideanstaU...» . 9 — Goldlchmidt .... . 5 69,5 — 69.25 68.5 Rütgeröwerke .... e e . 6 >9.25 79 78.75 79.25 Metcdlgeiclllchaft. . . • • . 8 109.75 109.5 108 - Phllivp Hofmann . . . 7 103 1035 101.75 102,75 Zementwert Heidelberg • • 10 >31.5 121.25 — — Gementwerk Karlstadt. ■ ■ 10 143 — — 'Qao6 & irren lag . 8 86,75 — 86 — Schultheis PaHenhofer 15 — - 276.5 276 5 Oiiwerke ..... 12 — 220,25 220.25 Situ ....... 18 101.26 - 99 75 100.9 Bemberg...... 14 153 — 150 154 Zellstoss Walddos . . • 3'/, 212.5 212 211 213 Zellstoss Aschaffenburg e e 12 156,5 — 155 — Gharlottenburger Wasser e e . 8 — — 101 102 Dessauer Gas ... . 9 — — 172.5 173 Daimler Motoren . . - e . 0 37,5 —— 37.13 38,13 Tcutfdie Linoleum . e ■ e . 247,5 — 247,5 248 . 0 —- — 48,13 48,9 9?al. Automobil . . • . 0 —- — 18 — Crenfteln & Koppel . . 6 — 73 75 75 Leonhard Tietz . . . ■ • 10 — — 153 154 Svenska ■ . • • 352 349 351 • .^rankfuner Maichtneu - r . 4 33,5 — 33.5 1 — Griyner . . . . 6 38.5 — 38.75 — Hevllaenllaedt . . . . 0 — — — — Zunghans - . . Lechwerke . . . 8 39 107 106.4 37,5 Mainkrattwerke Höchst < Di 8 '06,5 — — •W Miag - . . 10 133 130,25 131,5 Gebt. Roeder .... e • 10 — — 1 — . 9 218 — 218 1 - Süddeutsche Zucker , • • 1< 158,5 — 157,5 Banknoten. Derlin, 27- Mär, Gelb Dries Ämertlamiche Noten..... 4,172 4,192 Belgische Noten ....... 58,21 58,45 Dänische Noten........ 111,93 112» 37 Englische Noten........ 20,334 20,414 französische Noten ...... 16,37 16,43 Holländische Noten ...... 167,66 168,34 21,97 22,05 Norwegische Noten...... Deuisch-Desterr, ä 100 Kronen 111,85 112,29 58,82 59.06 Rumänische Noten...... 2,46 2,48 Schwedische Noten...... 112,28 112,72 Schweizer Noten....... 80.94 81,26 52,25 52,45 12,42 Tschechoslowakische Noten . . 12,36 Ungarische Notcu 72,85 73.15 beoiftnrnarfl Berlin - Frankfur a. M. 27. D-dn 28. Mär, ülmiliche Notierung <3elD | qriel Amtliche Notierung Geld ; Dries Amst--NoN. 167.93 168,27 167,86 168.20 Buen-'AireS 1.580 1584 1.589 1.593 Brn-'Antw. 58.37 58.49 58.355 58.475 Ehristiania. 112.04 112,26 112.03 112.25 Ropenbagen 112.11 112.33 112.06 112.28 Stockholm . 112,49 112,71 112.44 112.66 Helnngsors. Italien. . . 10.525 21.94 10,54 21.98 10,523 21.935 10.543 21,975 London. . . 20,358 20.398 20.349 20.389 Neunork .. 4.184 4,192 4,1835 4.1915 Paris. . . . 16.38 16,42 16,375 16.415 Schweiz .. 80.995 81,15 80.995 81.155 Spa tien. . 52,20 52,30 51.80 51 90 Hawaii . . . 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