Nr. 302 (Elftes Blatt 180. Jahrgang Samstag, 27. Dezember 1930 Eriche»»! »aglich.crvtzer öoimtogs und Feiertag» Beilagen Dte DDuitrierte Siebener Familien Hätte» Heim ar tm Bild Die Scholle monati-Bejugspreti: 2.20 Reichsmard und 30 Netchspsenmg für Träger» lohn, auch bei Richter- scheinen emzelnerRummern infolge höherer Gewalt. 8ernfvrechanfchlüsie anterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnach- richten. Anzeiger Gieße». Polfdferffonto: $rc«*ffnrt am Main 11688. SiehenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Drud und Verlag: vrühl'sche Universitütr-Vuch- und Zteindruckerei TL Lange in Sieben. Schriftlettung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Snze.^en für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für | mm höhe für Anzeigen von 27 i»m ‘Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspfennig; für Ne» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig, Platzvorfchrift 20" , mehr. Chefredakteur Dr. Fnedr Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr §.Ibt)riot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in (Biehen Der Weg des deutschen Voiles. Don Reichsdankprasident Dr. Hans Luther. Spengler will uns glauben machen, wir stünden in den letzten Jahrhunderten abendländischer Kultur. So einfach und eindeutig wie seine Formeln ist das Geben sicher nicht, und neben Untergangserschei- nungen sprießt um uns junge Straft. Soll es bedeutungslos sein, daß wir endlich wieder lernen zu bauen? Und: warum soll eine zweite Kultur- blute nicht aus demselben 'Bolte erwachsen? Die Menschheit steht ja vor dem völlig neuen Sachverhalt, daß all ihre Teile untereinander sich in einer Weise ergänzen und wechselseitig befruchten, wie es vordem niemals war. Keine rückschaucndc Geschichts- Weisheit wird ableiten können, wie vor solcher ®e» staltung das Geben der Menschheit sich entwickeln mag. Manchmal kommt cs mir wirklich vor, als ob das deutsche Volk erst einige Jahrzehnte alt sei. Seine Geschichte trägt bisher alle Züge des immerfort Werdenden. Zeiten großer Kraftentfaltung nach außen wechseln ab mit Spannen geistiger Vertiefung und innerer Kraftsammlung, ja des Nichtstuns. Wie im Geben so vieler Menschen, aus denen Großes geworden ist, gibt es Fristen, in denen Jung-Siegfried fast zu verkommen scheint. Die Umwelt macht sich solchen Zustand stets zunutze, um einzubrechen, zu rauben und zu erben, was sich nur irgend mitnehmen läßt. Aber doch ist es niemals gelungen, auf eine längere Zeit über größere Teile Deutschlands eine Fremdherrschaft aufzurichten. Deutschland ist niemals wie andere Länder unter die Nachbarn geteilt worden. Mag sich auch gerade in Deutschland einer der seltsamsten geistigen Ueberpflanzungsvorgänge vollzogen haben, d i e Rezeption des römischen Rechtes mitten in ein bodenwüchsiges Rechtsleben hinein, so ist doch selbst unter dieser gewaltigen Woge das deutsche Derwaltungs. und Rechtsleben nicht etwa zu leeren Formeln erstarrt; sondern das fremde Recht ist langsam deutsch geworden und immer deutscher. Mag auch lange hindurch französischer K u l t u r e i n f l u ß deutsches Wesen überschattet haben, so ist doch unter solcher Befruchtung einer der geschichtlich Großen Deutschlands, der Alte Fritz, erwachsen, der bet all seinem französischen Parlieren der Deutschesten einer war. Freilich, cs ist nicht nur eigenes Urteil des deutschen Volkes, sondern Meinung der Welt, daß im deutschen Volk die Besonderheiten und Eigenwilligkeiten der einzelnen Volks- und Ganbeetcile weit stärker entwickelt sind als anderswo. Darf man schlußfolgern: Geschichtlicher Gängsschnitt und geographischer Querschnitt durch die deutsche Seele ergeben das Bild ungebändigter Kräfte, die im jugendlichen Gären noch nicht sich zur Persönlichkeit geformt haben? Jedoch, da tarn der A u f st i e g Preußens und Preußens Führerschaft im Reich. Was innerlich noch brodelte und miteinander rang, wurde zur Staatspersönlichkeit zusammengefaßt. Die Jugend schien beendet, und unter glückhaftem Stern begann ein Mannestum in klarer Ccbensorbnung. Aber das Schicksal hatte es so einfach mit bem deutschen Volke nicht gemeint. Das deutsche Volk war nicht eine Jahrtausende lange Geschichte hindurch gerüttelt und immer neu gemodelt worden, um nun mit einemmal im Hasen eines wohlbehüteten Staatsgebildes zu landen. Der Wettkrieg und die Ereignisse, die auf ihn folgten, zerschlugen das Staatsgefiige und das Volk war wieder ganz auf sich g c ft c (11. Unter dem Druck der Not hat das Volk die Probe bestanden. 1918 und 1919, die Jahre unseres Niederbruchs, haben das deutsche Volk ebensowenig auseinandersprengen können, wie der Währungszersall des Jahres 1923, der in einer Tiefenwirkung wohl ohne Vergleichbares in der Weltgeschichte ist. Ich schaue noch einmal zurück: Einstmals, im frühen Mittelalter, waren wir ein Reich, waren in Uebcrfpringung unserer eigenen Grenzen b i e Welt und lebten mit jugendlicher Inbrunst die Bilder, die in unserer Seele waren. Der jugendliche Sprung war zu wett angesetzt. Die neidischen Nachbarn erhoben sich wider uns, und nun Huben die Zeiten tiefen inneren Reifens an, scheinbar ohne Plan und doch mit Entfaltung jeder nur möglichen Kraft. Zuletzt kam die kurze Zeit des Seins als männliche Persönlichkeit im Rahmen des starken Staates. Nun ist das hochgezimmerte alte Haus verbrannt, aber wir haben gelernt, daß wir ein Volk sein können, und werden uns nicht wieder aufgeben. Diesem deutschen Unterfangen, Dolkspersön- lichkeit 3 u werden aus eigener Kraft, kommt der Gang der Weltgeschichte entgegen. Durch alles, was feit 1914 weltgeschichtlich geschehen ist, zieht sich bei vielem Gegensätzlichen der eine Gedanke hindurch, bah es entscheibend nunmehr auf bic Völker anfommt. Sicher werben die Staaten als solche nie verschwinden, und Staatsgesinnung wird immer bas stärkste .Kennzeichen bc* iahender Einstellung zum Gemeinschaftsleben bcs Volkes bleiben. In steigendem Maße aber wird die Form des Staates aus dem Stoff des Do 1 - k c s ihr Gesetz entnehmen. Unsere Naturanlage haben wir Deutschen sicherlich nicht verändert, wie das kein Gebewesen kann. Wir wollen auch unseren inneren Reichtum uns nicht verkümmern lassen. Ja, wir haben schon wieder begonnen, den anderen Völkern internationale Gedanken vorzudenken, und für manche Augen sieht es manchmal aus, als ließen wir den jungen Keim einer Volkspersönlichkeit wieder eingehen, weil unsere Seele schon wieder hinausdrängt aus bem eigenen Bereich. Mir aber will es scheinen, daß trotz einiger Oberslächenoor- gänge, die aussehen wie würdeloses Verleugnen des eigenen Ich, im Unterstrom das Bekenntnis des deutschen Volkes zu sich selbst wächst und wächst. Polen rüstet zur Ratstagung. Neue Llebergriffe gegen die deutsche Mmderheii. — Zynische Bemerkungen Zaleskis. Wer fuhrt den Vorsitz in Genf? England erwartet Sensationen. Die ,olenfragcn in Genf. Gondon, 24. Dez. (TU.) Der „Daily Tele- araph" berichtet, auf der nächsten Völkerbundsrats, fitzung könne man sensationelle Entwicklungen er- warten. Dr. Curtius, der eigentlich den Vorsitz aus der R a t s t a g u n g'führen müßte, beabsichtigte, von diesem Recht keinen Gebrauch zu machen, sondern wolle dem englischen Außenminister Henderson an feiner Stelle den Vor- sitz anbieten, während er wieder den Vorsitz i n b c r barauffolgenbcn Sitzung annehmen wolle. Der Hauptgrunb für biefe Entscheibung des Reichs- außenminifters fei darin zu suchen, daß Deutschland der hauptsächlichste und in der Tat sehr ernsthafte Beschwerdeführer auf der Januartagung hinsichtlich der Mißhandlungen der deutschen Minderheiten in Polen sein werde. Man könne ferner mit der Möglichkeit rechnen, daß sich die Aussprache über die Minderheiten auch auf die Forderungen Deutschlands nach einer Revision der polnisch - de u tschen Grenze erstrecken werde. Dies würde natürlich zu sehr delikaten Verhandlungen führen, deren Umfang und Ergebnis niemand voraussehen könne. Die europäische Diplomatie zittere zur Zeit vor einer solchen Möglichkeit. Der „Daily Telegraph dürste den Ereignissen vorgreifen, wenn er jetzt schon eine allgemeine Erörterung der Frage der deutsch-polnischen Grenze für möglich hält. England wird natürlich im Hinblick auf die gegenwärtigen Beziehungen zu Frankreich und im Hinblick auf fein starkes Interesse, das F l o 11 e n a b t o m m e n unter Dach und Fach zu bringen, auch nicht das geringste Interesse daran haben, sich für eine deutschpolnische Grenzrevision einzusetzen. Jedoch wird im Foreign Office ganz offen zugegeben, daß die Dinge sich „außerhalb der Kontrolle der Men- s ch e n h a n d" befinden, wie es non Henderson vor einigen Tagen in einem Rundfunkvortrag gesagt wurde. Neuer Vorstoß gegen die deutsche Schule. Tic deutsche Volksschule in Biala wird aus ihrem eigenen (Gebäude verdrängt. Biala, 26. Dez. (LNB.) Wie der Oberschlesische Kurier meldete, plant das Schulinspektocat von Biala einen Borstoß gegen die deutsche Volks- und Bürgerschule. Diese soll i n eine polnische Lehranstalt umgewan- d e 11 werden. Die bisherigen deutschen Klassen sollen in anderen Gebäuden unkergebracht werden. Diese Neuregelung soll mit dem Schulbeginn im neuen Jahre vorgenommen werden. Dieser angekündigte Vorstoß ist nunmehr b c - reifs erfolgt. Der Ortsschulcat beschloß, die Schule so zu teilen, daß einige deutsche Klassen i m Stockwerkaufbau des Feuerwehrdepots, andere im Gebäude desPolnifchen Schulvereins untergebracht werden, während die restlichen fünf deutschen Schulklassen vorerst noch in dem Gebäude belassen werden. Diese Verfügung widerspricht einem verbrieften Recht. Das Schulgebäude ist von den Deutschen mit deutschem Gelde errichtet worden, und es ist urkundlich festgelegt, daß das Gebäude, das der katholischen pfarrgemein be gehört, nur solange zu Schul- und Unterrichtszweckcu zur Verfügung gestellt wird, als d i e Unterrichtssprache die deutsche ist. Reichsdank an Oberschlesien. Eine Lpendc zur Zchnjahresfcier der Volksabstimmung. Gle iwitz, 26. Dez. (WTB.) Der Berliner Vertreter der oberschlesifchcn „Dollsstimme" übermittelte seinem Blatt ein Interview mit Reichsinnenminister Dr. Wirth, in dessen Verlauf Dr. Wirth mit- teilte, daß die Reichsregierung und die preußische Staatsregierung sich entschlossen haben, zur b e = vorstehenden Z e h n j a h r e s f e i c r der Volksabstimmung in Oberschlesien am 20. März nächsten Jahres den Dberpräfibcnten von Gaufcht man hinein in die Jugend, so hört man j Töne des Deulfchseins von überall her, gewiß mit verschiedenem Klang und verschiedener Stellungnahme zu den allgemeinen großen Menfchheits- fragen. Aber den letzten Ankergrund sucht die Sehnsucht nach neuen Zielen, wenn ich mich nicht täusche, überall im Gefühl des D e u t f ch s e i n s. Die einen haben es als Nationalgefühl im alten Sinne mit klarer Empfindung der Gegensätzlichkeit zu anderen Nationen. Andere aber fühlen es nur als die Selbstverständlichkeit der Zugehörigkeit zum eigenen Volk, ohne daß eine Gegensätzlichkeit zum Fuhlen anderer Völler mitfchwingt. Das letzte Gofungsmort dieser Entwicklung heißt Treue. In anderen Völkern überwiegt bas Gefühl eines selbstsicheren Jchsinns, ja bei manchen geradezu eines Berufenfeins als auserwähltes Volk. Oberschlesien mit einer Spende von 100000 Mark auszustatten, um besondere Hilfsmaßnahmen kultureller ober sozia - l c r Art als Reichsbank für bic Treue ber Ober- schlesier durchzuführen. Unter Bezugnahme auf seine kürzliche Oberschlesienreise bemerkte ber Reichsinnenminister Dr. Wirth: Mit großer Freude habe ich in Oberschlesien feststellen können, wie stark bas Gefühl ber Treue und Zusammengehörigkeit ist. Aus dieser Treue werden auch die besten 3u< kunstsmöglichketten für dieses hart geprüfte und gefährdete Grenzland ersprießen. Zuversichtlich glaube ich die Hoffnung aussprechen zu können, daß diese Treue zum Reich und unser aller Zusammengehörigkeitsgefühl, unterstützt durch die von der Reichrregie- rung getroffenen und noch zu treffenden Maßnahmen, in baldiger Zukunft ein friedliches Wiederaufblühen und Gedeihen Ober- schlesiens im Gefolge haben werden. Sine Weihnachtsansprache des Papstes. Gerechtigkeit die Voraussetzung wahren Vöckerfnedens. Rom. 24. Dez. (LU.) Papst Pius XL hielt am Mittwoch an bic Karbinäle, bic hohe Prälatur und den päpstlichen Hofstaat, bic sich im Konsisdoriensaalc versammelt hatten, um dem Papst durch den Kardinaldekan ihre Weihnachtsglückwünsche zum Ausdruck zu bringen, eine bedeutsame Ansprache. Der Papst wies auf die Weltwirtschaftskrise und vor allem auf die große Arbeitslosigkeit hin, die die 21 Otto e n b i g I e i t einer christlichen, f o - zialen Orbnung erheische, bic eine drüber-- liche Zusammenarbeit statt bes Kampfes ermögliche. Der Papst fügte hinzu, bic Befürchtungen, mit ber einige bic dichten Wolken am H o r izon t sähen, feien übertrieben, da die Wolken nicht immer Vorboten eines Sturmes seien und die Ehristen auf die Vorsehung vertrauen müßten. Eine große Gefahr liege in der Zunahme ber Unfitten und in der Duldung von Grundsätzen, die jedes Gesetz untergraben. Aach einem Hinweis auf Mexiko sprach der Papst von dem gequälten Rußland und dec Gefahr einer Propaganda, bic die Kultur ber Welt bedrohe. Der Stiebe Christi könne nicht erreicht werden, so lange bic Welt nur an materielle Güter denke. Friede fei kein konfuser Pazifismus. Ein weiterer Irrtum sei der Glaube, daß es einen äußeren Frieden gebe ohne einen inneren Herzensfrieden. Der Friede muffe nach einem Wort des Propheten Jesaias die Frucht der Gerechtigkeit sein und gehöre, wie der bl. Thomas ergänze, eher in das Gebiet der Charitas als ber Gerechtigkeit. Wenn bie Erhaltung des inneren Friedens bei den sozialen Gegensätzen schwer sei, so sei ein dauernder Friede zwischen den Völkern und Staaten noch schwerer, wenn nicht gar unmöglich, so lange an Stelle der wahren und ursprünglichen Vaterlandsliebe ein wilder und harter Qlatio- nalismus vorherrsche, der an Stelle des gegenseitigen Wunsches nach Wohlergehen Haß und A c i b sehe unb den Ehrgeiz nach Hegemonie u n b Vorherrschaft an Stelle der Wahrung unb des Schuhes der Rechte aller. Absolut unmöglich aber sei es. daß die Völker in Orbnung und Freiheit, bic das Wesen des Friedens ausmachen, jene Ruhe genießen, so lange sie im Innern unb von außen her Drohungen und Gefahren ausgeseht finb, denen keine genügenden .Verte t'digungs- und Vorbeugungsmaßnahmen gegenüberfteben. Wirtschastszahlen imNotjahr1930 Wechselproteste, Konkurse, Vergleichsverfahren. — produktionö- und Einfuhrrückgang. Wenn es auch verfehlt wäre, in einem Augenblick zu flagen, wo das alte ablaufcnbe Jahr allmählich in ein neues hoffnungsvolles Jahr übergeht, so muß! man doch gerade in diesem Augenblicke noch einmal rückblickend zusammen- ftel.cn, welche unendlichen Sch wierig- feiten auf dem Jahre 1930 lasteten, welche Röte die Grundfesten der deutschen Wirttchaft zu erschüttern versuchten und welches unendliche Leid sich in weiten Kreisen des deutschen Dolles breit machte. Es ist ein Jahr großer Sorge gewesen, einer Sorge, die an keiner nationalen Grenze Halt machte, die vielmehr die ganze Welk erfaßte unb in beängstigender Weise jede gesunde Entwicklung schon im Keime zu ersticken drohte. 15 bis 18 Millionen Menschen wurden zwangs- wette zur Arbeitslosigkeit verurteilt. Von Monat zu Monat stieg die Arbeitslosenkurve in Deutschland, um zum Jahresende die grauenvolle Höhe von vier Millionen zu erreichen. Leider wird damit noch nicht der Höhepunkt erreicht sein. Die Depression laftet ohne Unterlaß auf der Wirttchaft. Konkurse, Vergleichsversah- ren unb Wechselproteste sprechen nach dieser Dichtung hin eine beredte Sprache. Gegenüber bem Vorjahre ist eine Steigerung zu verzeichnen, ilnb nur die Wechselproteste konnten im Durchschnitt von 12 Millionen Mark auf 11,6 Millionen Mark im Werte bes Monatsburch- schnitts zurückgehen. Man rechnet aber immer noch für 1930 mit einem Gesamtbettag von annähernd 557 Millionen. Die Konkurse sind im Monatsdurchschnitt um rund 15 Proz. gestiegen unb bic Vergleichsverfahren haben ein Anwachsen von 30 Proz. zu verzeichnen. Dieser Entwicklung läuft selbstverständlich ein starkerRuckgang ber Produktion parallel. Die Steinkohlenförderung Wieder andere Völker sind erfüllt von einem Stolz auf sich selbst, ber jede kritische Bemerkung eines Ausländers als untragbar zurückweist. Des deutschen Dolles stärkste Scclenregung ist Treue. Nur war sie bislang, wie cs so die Eigenart der Jugend ist, Treue nicht schlicht zu sich selbst, zum eigenen Wesen und inneren Gebensgefetz, sondern zu etwas als außerhalb des eigenen Ich Vorgeftelttem, und wurde da manchmal zur Schwärmerei. Nicht ganz selten entftanb so in deutschen Herzen Treue zu fremden Staatsmächten oder fremdem Gebensgut. Sonst aber war es Treue zu deutschen Gewalten, Mannestreue zu den Fürsten oder Treue zum Reich in einer bestimmten Gestalt wie etwa zum Bismarck-Staat. Nun aber, wo mir beginnen, a I s Volksperfönlichkeit auszureifen, muß diese Seelenttast dahin neu werden, daß sie Treue zu verminderte sich um 11 Proz. gegenüber bem Vorjahre, bic Förderung ber Braunkohlen um 15 Proz., di- Rohstahlerzeugung ging sogar um 27 Proz. zurück, während die Roh - e i se n he r st e l lu n g um 25 Proz. sank. Äe Rot zwang darüber hinaus zu einer starken Einschränkung der Einfuhr, die in g an* besonderer Weise das deutsche Elend widerspiegelt. Machte der Wert der deutschen Einfuhr im Öanuar b. 3. noch runb 1,3 Milliarden aus, In- ging die Einfuhr im Oktober d. 3. auf 0,8 Milliarden zurück. Alle Anstrengungen, hier einen Wandel zu schaffen, scheiterten an der allgemeinen weltpolitischen Verwirrung, und es wird noch großer Anstrengungen bedürfen, um zu einer Besserung zu kommen. Diese Besserung hängt aber in allererster Lime von der Stabilisierung derpolitischen Verhältnisse ab. Gerade nach dieser Rich- hing hin ist es deshalb unbedingte Pflicht, alle Kräfte anzuspannen, um die politischen Voraussetzungen für die allgemeine Wirttchaftsgesundung zu schaffen. Die Well ist in ihrer Gesamtheit krank. Für alle Staaten war das Jahr 1930 ein ernstes Krisenjahr und selbst das in Gold starrende Amerika mußte an s einem eigenen Reichtum leiden. Das 'Rotjahr geht zu Ende. Welchen Weg wird das neue Jahr nehmen? Das ist bic Frage, die alle in diesen Tagen bewegt. Ihre Beantwortung ist schwer. Aber darin müssen wir uns alle einig sein, bah keine Rot so groß ist. daß sie nicht überwunden werden kann. Wenn wir im kommenden Jahre alle Kräfte anspannen, und uns in gemeinsamer Arbeit zusammenfinden, bann wird und muß es möglich sein, die erschütterten Grundmauern der Wirtschaft wieder zu feftigen und auf diesen Grundfesten einen Wieder- anftieg einer besseren Zukunft entgegen anzu- b ahnen. uns selbst wird, zu uns selbst als Volk. Das wäre die Erreichung des Mannesatters. Das wäre zugleich aber Einstellung des Volkes auf feine Gesamtheit. Damit hört das Volk auf, ein Gegensätzliches jum Staat zu fein, das zahlenmäßig zur Geltung gebracht werden soll, um die Uebermacht einer Minderheit, die den Staat beherrscht, zu brechen. Nun en'cheint das Volk als Persönlichkeit, die sich in sich selbst nach ihren Aufgaben und Geistungen gliedett. Hierfür die Form zu finden, ist Deutschlands große Zukunftsaufgabe. Im Schützengraben hat das Dollwerden begonnen. Aber auch die zweite Welle unserer Jugend, die den Schützengraben nicht mehr erlebt hat, wächst empor im Angesicht der geschichtlichen Tatsache, daß die deutsche Zukunft abhängt von unserem Zusammenhatten als Doll. Ein „normaler Entdeuischungsprozeß". Minister Zaleski leugnet die Terrorwahlen. Berlin, 27. Dez. (III.) Die „Vossische Zeitung" gibt eine vom polnischen Außenminister Zaleski dem Vertreter des Pariser „Matin" gewährte Unterredung wieder. Zaleski sagte dabei u. a., Deutschland werde wohl in Gens beweisen wollen, daß die deutsche Minderheit nicht in aller Freiheit habe wählen können. Als Gegenbeweis könne er anführen, daß 90 o. H. der Bevölkerung gewählt hätten, eine Beteiligung, wie sie wohl bei einer terrorisierten Bevölkerung nicht zustande gekommen wäre. Die „Beunruhigung und Wut gewisser deutscher Kreise" führt Zaleski darauf zurück, daß in den früheren deutschen Gebieten e i n „n ormaler Entdeutschungsprozeß" eingesetzt habe, gegen den anzukämpfen unnütz wäre. Nie polnische „pazifizierungS- att'vn" in Ostgalizien. Warschau, 26.Dez. (LU.) Der Krakauer „Illustrierte Kurier" weih angeblich auf Grund einer amtlichen Statistik über die Ergebnisse der „Pazifizierungsaktion" gegen die ukrainische Minderheit in Ostgalizien zu melden, daß den Behörden große Mengen von Waffen aller Art in die Hände gefallen sein sollen. U. a. seien 1138 Karabiner und Revolver samt einigen Tausend Patronen beschlagnahmt. Insgesamt wurden angeblich 342Personenver- haftet, von denen 272 den Gerichten zwecks weiterer Ermittelungen übergeben worden sind. Unter den Verhafteten befinden sich 52 Hochschüler, 15 Priester, 26 staatliche und private Beamte, 3 Lehrer, 6 Abgeordnete, 27 Rechtsanwälte, 30 Dauern, 177 Handwerker u. a. m. — So stellt sich das Ergebnis der sog. „Pazifizierungsaktivn" in Ostgalizien im Lichte des amtlichen Berichtes dar. Es ist ein Ergebnis, wie es die Behörden sehen und haben wollen. Südamerika und der Völkerbund. Drummonds Sircncnklänge verfangen nicht mehr. London, 24. Dez. (TU.) Der „Times"-Korre- spondent in Brasilien bringt seine Ueberraschung darüber zum Ausdruck, daß der Besuch des Generalsekretärs des Völkerbundes, Sir Eric Drum- m o n d, in Rio de Janeiro und anderen brasilianischen Städten so gut wie gar kein Interesse erregt hat. Die einzige Zeitung, die zu seinem Besuch Stellung nimmt, ist der „Diario da Rotte", der schreibt, die brasilianische Regierung müsse hin- sichllich der Frage eines Beitritts zum Völkerbund die öffentliche Meinung in Betracht ziehen. Wenn sie dies täte, so würde sie auf keinen Fall nach Genf z u r ü ck k e h r e n. Die Erfahrung habe gezeigt, daß der Völkerbund eine vollkommen wertlose und teuere Organisation sei, die von den europäischen Nationen, insbesondere von Großbritannien und Frankreich beherrscht werde. Die amerikanischen Mitglieder, die zunächst einige wich- tige Posten innegehabt hätten, seien nicht in der Lage gewesen, irgendwelche positiven Erfolge zu erzielen. Wo immer auch das Eingreifen des Völkerbundes notwendig gewesen wäre, sei die ganze Völkerbundsmaschine zusammenge- . brachen. Alle internationalen Fragen von groß- ter Bedeutung, die seit der Gründung des Völkerbundes aufgeworfen worden feien, seien stets außerhalb des Völkerbundes geregelt worden. Der Korrespondent erwähnt hierbei, daß Sir Eric Drummond vom Präsidenten Vargas die Versicherung erhalten habe, daß er der Arbeit des Völkerbundes „mit großer Begeisterung" zu- sehe. Der Kampf gegen Gott. Im kommunistischen Moskau am Heiligen Abend. K o w n o, 26. Dez. (TU.) Das Weihnachtsfest ist in Moskau sowie in der ganzen Sowjetunion i m Zeichen des Kampfes gegen die Religion verlaufen. Alle Betriebe haben am 25. und 26. Dezember wie üblich gearbeitet. Trotz der Hetze gegen das Weihnachtsfest waren a m Abend sämtliche Kirchen in Moskau überfüllt. Die Behörden hotten jedoch den Sängern der Staatsoper verboten, in den Kirchen zu singen. In Moskau haben am Heiligenabend etwa 10 0 antireligiöse Versammlungen stattgefunden, in denen die Vertreter der Kommunistischen Partei zum Kampf gegen die Religion aufforderten und die weitere Schließung von Kirchen verlangten. Das Arbeitskommissariat erließ zwecks Erhöhung der Arbeitsleistung neue Verordnungen, durch die strengste Disziplin in der Arbeitstätigkeit erreicht werden soll. Arbeiter, die die Disziplin systematisch verletzen, werden künftig fristlos und ohne Entschädigung entlassen und dürfen sechs Monate in keinem anderen Betrieb beschäftigt werden. Wenn die Verletzung der Disziplin in böser Absicht geschieht, werden die Arbeiter strafgerichtlich aur Verantwortung gezogen. Falls ein Arbeiter die Betriebsleitung nicht rechtzeitig davon unterrichtet, daß ein durch ihn heraestelltes Erzeugnis untauglich ist, verliert er den Anspruch auf Lohnauszahlung. Diese drakonische Verordnung wurde erlassen, um die möglichste Beschleunigung des Tempos der Erfüllung des Fünfjahresplanes durchzuführen. Der Stahlhelm fordert erneut Volksbegehren in Preußen. Berlin, 24. Dez. (TU.) Der Bundesvorstand des Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, hat folgenden Beschluß gefaßt: „Irofc des nationalen Erfolges des 14. September Hot sich erwiesen, daß in diesem zusammenbrechenden System von 1918 das deutsche Schicksal allein Partei- und p a r l a m e n t s p o l i - tisch nicht mehr zu meistern ist. In dieser Erkenntnis hat die Stahlhelmführung bereits in Koblenz zum Kampfum Preußen aufgerufen. Wer Preußen hat, hat das Reichl Jm Kampf des Stahlhelm um die Freiheit des Reiches und zur Abwehr der drohenden bolschewistischen Revolution werden wir die Auflösung d-s Reichsmimsiera.S. Är.Eduard Davidi'. Frankfurt a. 217., 26. Dez. (DJ SJt.) Der langjährige sozialdemokratische Reichslogsabgeordnete und ehemalige Reichsminister des Innern Dr. Dr.h.c. Eduard David ist am heiligen Abend in feiner Wohnung in Berlin-Zehlendorf gestorben. — Staatspräsident Dr. Adelung hat an die Witwe Dr. Davids folgendes Beileidstelegramm gerichtet: ,Zief erschüttert vom plötzlichen hinscheiden Ihres verehrten Herrn Gemahls spreche ich Ihnen und den Ihren auch im Namen der hessischen Regierung mein herzlich st es Beileid aus. Dr. David war mir seit Jahrzehnten ein Neber Freund und dem hessischen Volk ein treuer Anwalt und Führer. Sein wirken wird im Hessenlande stets in dankbarer Erinnerung bleiben." * Eduard David wurde am 11. 6. 1863 in Ediger (Mosel) als Sohn eines Kreisrentmeisters geboren. Er ging zunächst von 1881—83 in Berlin in eine kaufmännische Lehre, brachte dann aber in Bielefeld seine unterbrochenen Gymnasial-i studien zum Abschluß und studierte weiter in Gießen (1886—90) Geschichte und Germanistik. Als Student war er eifriger Burschenschafter, redigierte auch später einige Zeit hindurch die „Durschenschaftlichen Blätter". Rach dem Examen wurde er Gymnasiallehrer in Gießen. Da er sich aber inzwischen der Sozialdemokratie zugewendet hatte, schied er 1894 aus dem Lehramt aus und gründete die „Mitteldeutsche Sonntagszeitung" in Gießen. Don 1896 bis 1897 redigierte er die „Mainzer Volks- zeitung" und blieb seitdem Mitarbeiter der sozialdemokratischen Zeitschriften und Tagesblätter. Der sozialdemokratische Parteitag zu Frankfurt a. M., 1894, wählte David in die Agrarkommission, der die Aufgabe ward, die Agrarverhältnisse in Deutschland zu untersuchen und ein sozialdenrokratisches Agrarprogramm auszuarbeiten. Dr. David bearbeitete die landwirtschaftlichen Verhältnisse Südwestdeutschlands. Infolge dieser Studien übernahm er es, ein groß- angelegtes Werk über „Sozialismus und Landwirtschaft" zu schreiben. Dr. David vertrat darin eine von der marxistischen Auffassung abweichende Ansicht über die Entwicklung der Landwirtschaft und gehörte fortan zu den Revisionisten. Im Iahre 1922 erschien von ihm auch „Die Siedlungsgesetzgebung", wie er überhaupt der Archivar und Wissenschaftler seiner Partei war. Im Iahre 1896 trat Dr. David in d ie ZweiteKammerdesHessischenLand- t a g s ein; er gehörte ihr bis 1903 an. Zum Reichstag kandidierte er wiederholt vergeblich in Mainz. Schließlich wurde er 1903 gewählt und hat diesen Wahlkreis bis 1918 vertreten. Während des Krieges wurde er im Kabinett des Prinzen Max von Baden am 15. Oktober 1918 Unter st aatssekretär im Auswärtigen Amt. In dieser Stellung verblieb er zunächst auch nach der Revolution. Dann wurde er am 7. Februar 1919 zum Präsidenten der Rationalversammlung ge- ,wählt, trat aber infolge seiner Ernennung zum Mini st er ohne Portefeuille im Kabinett S ch e i d e m a n n am 13. Februar 1919 wieder zurück, worauf Fehrenbach Präsident wurde. Für Preuh, der mit Scheidemann und den Demokraten wegen der bevorstehenden Unterzeichnung des Vertrages von Versailles im Iuni 1919 zurücktrat, übernahm David im Kabinett Bauer das Innere, machte aber schon im Oktober wieder dem Demokraten Koch Platz. — Im Reichstag tritt an die Stelle des Verstorbenen der Gewerkschaftsbeamte Wilhelm Weber aus Offenbach. überständigen und dem Willen des Preußenvolkes nicht mehr entsprechenden Landtages durch ein Volksbegehren erzwingen. Die Verhandlungen mit den anderen nationalen Gruppen und den Parteien fetzen wir fort. Inzwischen wird sich der Stahlhelm zur Durchführung seiner selbständigen Freiheitspolitik einen Kampffonds schaffen. Ohne Opfer kein Sieg!" Frankreich das Land ohne Arbeitslosigkeit. Paris, 27. Dez. (WTD. Funkspruch.) Wie „3dum al" berichtet, hat Arbeitsminister Grinda nach Schluß des gestern nachmittag abgehaltenen Kabinettsrats erklärt, daß man sich auch mit der Arbeitslosenfrage beschäftigt habe. Rach der Statistik gebe es in Frankreich etwas über 10 0 0 0 Arbeitslose. Die Lage in Frankreich könne also in dieser Hinsicht nicht mit der der übrigen großen Länder verglichen werden, die Millionen von Arbeitslosen zählten. Llebrigens seien alle Maßnahmen getroffen worden, um eine Ausdehnung der Krise auf Frankreich zu verhüten. Kleine politische Nachrichten. Der Kirchensenat der evangelischen Kirche der Altpreußischen Union hat beschlossen, daß auch die Bezüge der im Dienste der Kirchengemeinden und kirchlichen Verbände stehenden Pfarrer, Beamten und Angestellten entsprechend den Bestimmungen der Verordnung des Reichspräsi- deuten zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen gekürzt werden sollen. * Von den am 31. Dezember 1930 aus dem Derwaltungsrat der Deutschen Reichsbahngesellschaft ausscheidenden Mitgliedern hat die Reichsregierung die Herren Geheimer Kommerzienrat Dr. K l ö ck n er , Reichsbahndirekttonspräsident a. D. Dr. Vitus v. H e r t e l, Staatssekretär a. D. Dr. Carl S t i e- l e r und Herrn. R. M. M ü n ch m e y e r wieder ernannt. Ferner sind die Herren Landrat a. D. Freiherr v. W i l m o w s k h und Ministerialdirektor Geheimer Rat Dr. Erich Klien neu ernannt worden. Hertel ist von der bayerischen Regierung, Dr. Stteler von der württembergischen Regierung und Dr. Klien von der sächsischen Regierung benannt worden. * Der Strafsenat des Oberlandesgerichts Kiel hat den Haftbefehl gegen den im großen Dom- benlcgerprozeß zu Zuchthaus verurteilten Herbert Volck wegen Haftunfähigkeit ausge- h o b e n. * Der Präsident des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes, Staatsrat Dr. Gustav o. Kahr, tritt am 1.Januar wegen Erreichung der Altersgrenze.in den dauernden Ruhestand. Dr v. Kahr war vom März bis September 1921 bayerischer Ministerpräsident, Minister des Innern und Minister des Aeußeren und vom September 1923 bis Februar 1924 Staats- kommiffar für Bayern. Oktober 1924 wurde er zum Präsidenten des Verwaltungsgerichtshofs ernannt. Ans aller Welt. Kommunisten stören den weihnachksgollesdienft. In Koblenz wurde am zweiten Feiertage von drei betrunkenen jugendlichen Kommunisten — einem Mann und zwei Frauen — in einer katholischen Kirche öie Frühmesse gestört. Besonders die Frauen taten sich durch Rufe,, von denen „Heil Moskau" noch der gelindeste war, hervor. Die Polizei wurde vom Küster herbeigerufen und nahm die drei Kommunisten fest. Es handelt sich um drei Geschwister, die früher in Fürsorgeerziehung gewesen sind. — 3n Bremen waren die von den Kommunisten für den Heiligen 2lbend angekündigten sog. „H u n- gerdemonstrationen" von der Polizei verboten. Richtsdestoweniger ereignete sich am Heiligen Ab erst) bei dem Gottesdienst im Dom ein Zwischenfall. Zu Beginn der Andacht verursachten drei bis vier jugendliche Burschen wüsten Oa r m. Es ertönten Schimpfrufe wie: „Hol' der Teufel die Kirche" und „Gebt uns Arbeit". Als die Polizei auf dem Plan erschien, waren die Unruhestifter nicht mehr zu ermitteln. — 3n Pasing bei München hatte der dorttge katholische Stadtpsarver einen kommunistischen Drohbrief erhalten, in dem ihm angedroht wurde, man werde ihn während der Christtnesse von der Kanzel Herunterschiehen. Der Bries wurde der Polizei übergeben, die Beamte in Zivil in die Christmesse entsandte. Während des Gottesdienstes drangen junge Kommunisten mit brennenden Zigaretten in dieKirche ein. Sie wurden aus dem Gotteshaus gedrängt und draußen vom Publikum gehörig verprügelt. — Der Berliner Dom war am ersten Feiertag schon lange vor Beginn des Gottesdienstes auch in den Gängen gefüllt, als plötzlich aus den ersten Reihen am Altar ein Mann crusstand und nach der Kanzel ging. Von hier aus rief er: „Ich bin ein Gesandter Gottes, mein Haus ist ein Bethaus. Ihr aber habt es zu einer Mördergrube gemacht!" Dann ging er zu den am Altar ausgestellten Cristbäumen, riß die elek- ttische Beleuchtung herunter und warf einen Daum um. Als die Kirchenbesucher den Ruhestörer entfernen wollten, leistete er heftigen Widerstand und schlug mit den Füßen imi» Fäusten um sich. Schließlich wurde er durch Polizei entfernt. Von der Weihnachtsfreude in den Tod. Am ersten Weihnachtsfeiertag ereignete sich i n Düsseldorf-Hamm ein tragischer Anglücks- fall. Die beiden Kinder der Familie Windhövel gingen morgens gegen sechs llfjr ohne Wissen der Eltern vom Schlafzimmer im Rachthemd in das eine Treppe tiefer liegende Wohnzimmer, um die Geschenke zu bewundern. Rachdem sie einigeKerzendesWeihnachtsbaums angezündet hatten unb sich über ihre Spielsachen freuten, kam das vierjährige Töchterchen einer Kerze zu nahe, so daß die Haare und das Rachthemd Feuer fingen. Auf das Schreien des Kindes eilten die Eltern herbei, hüllten das Kind in eine Decke und erstickten so den Brand. Das Kind hatte sich aber bereits so schwere Drandverletzungen zugezogen, daß trotz der sofortigen äleberführung ins Krankenhaus das bedauernswerte Kind noch am Rachmittag seinen schweren Verletzungen erlag. Beim Spielen tödlich verunglückt. In Oebisfelde ist durch fahrlässiges Spielen mit Karbid ein Knabe auf dem Bahnhof ums Leben gekommen. Drei Kinder füllten eine Flasche mit Karbidresten und gossen Wasser daraus. Dabei explodierte die Flasche, und durch die Glasscherben wurde demIungen die Halsschlagader aufgerissen, so daß er auf der Stelle verblutete. Auch die beiden anderen Kinder erlitten erhebliche Verletzungen. Schwerer Autoabsturz eines Kasseler Anwalts. Am Heiligen Abend stürzte der Kasseler Rechtsanwalt Dr. Oswald Freister bei der Abfahrt auf der nach der Wilhelmshöherallee führenden steilen Serpentinenstraße in der scharfen Kiirve infolge Vereisung der Straße mit feinem Auto den steilen Abhang hinab. Das Auto wurde nach etwa 30 Metern von den Bäumen aufgehalten, Freisler rollte noch etwa 20 Meter weiter bis zur nächsten Serpentine, wo er mit schweren Verletzungen blutüberströmt liegen blieb. Sechs Tiger zerreißen ihren Bändiger. In einem Zirkus in der Rähe von Toulon ereignete sich ein folgenschwerer Zwischenfall. Der Raubtierbändiger war am Morgen, wie üblich, in den Zwinger getreten, in dem sich sechs sibirische Tiger befanden, um mit Ihnen die Morgenarbeit zu beginnen. Plötzlich stürzte sich ein Tiger auf ihn und zerschlug ihm mit seiner Tatze das ganze Gesicht. Erblindet und blutüberströmt brach 6er Unglückliche inmitten der Tiger zusammen. Das Blut war das Zeichen für die anderen Tiere, sich ebenfalls auf ihn zu stürzen. Sämtliche sechs Tiger fielen über den Körper des Unglücklichen her und hieben mit ihren Tatzen auf ihn ein. Erst nach geraumer Zeit gelang es den Aussichtsbeamten, den vollkommen zerfleischten Bändiger in Sicherheit zu bringen. Er starb jedoch bald nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus. Der Tiger, der den Unglücklichen zuerst angegriffen hatte, hatte bereits vor zwei Iahren einen jungen Bändiger zerfleischt. Erdbeben in Argentinien. In der nordargenttnischen Provinz Salta ist die westlich von der Provinzhauptstadt liegende Stadt P o m a durch ein Erdbeben völlig vernichtet worden. Rach dem (Srbbebengebiet ist eine Hilfsexpedition entsandt worden. Bei dem Erdbeben sind 35 Personen getötet und 70 verletzt worden. Die Rot und der Schrecken der Heberlebenben des heftigen Erdbebens wurden noch durch sechs totUer« Erdstöße und durch starke Regenfälle erhöht. Hilfsmannschaften haben den zerstörten GebirgS- ort Poma nach einem Tagesmarsch erreicht. Sie sanden die Heberlebenben durchnäßt auf den Trümmern ihrer Heimstätten hockend vor. Infolge des Erdbebens sind zwei große Erdspalten entstanden, aus denen heißes Wasser hervorquillt. Eine Anzahl von Personen sind in diese Spalten gestürzt. Sie blieben verschwunden. Indianeruberfall auf Fords Gummiplantagen. Die im Innern des nordbrasilianifchen Staates Para gelegenen großen Gummiplantagen Fords sind von Indianern überfallen worden. Dabei sollen 21 Ansiedler getötet und mehrere verschleppt worden sein. Die Regierung des Staates Para hat ein amerikanisches Verkehrsflugzeug beschlagnahmt, um die auf der Plantage ansässigen Amerikaner in Sicherheit zu bringen. Nach den Plantagen sind Truppen entsandt worden, deren Eintreffen jedoch nicht vor Ende der Woche erwartet wird. Fortschritte im Fernsprechwesen. Das Fernsprechwesen im vergangenen Jahr stand im Zeichen des weiteren Ausbaus ber Selbstanschlußämter, dott denen 47 große Aemter dem Verkehr übergeben wurden, darunter in Berlin 7, in Hamburg 6, im Wuppertal 3, in Bremen, Düsseldorf und Mannheim je 2 und in weiteren 14 Städten je 1 Selbstanschlußamt. An diese Aemter sind 1542 Vermittlungsstellen ange- schlossen, die wiederum über 1040 000 Hauptanschlüsse verfügen. In Düsseldorf und Wuppertal ist der Uebergang zum reinen Selbstanschlußbetrieb vollzogen, während in vielen anderen Städten ber 8^.-Betrieb in Vorbereitung ist. Auch der Fernsprechverkehr aus weite Entfernungen ist im vergangenen Fahr erheblich ausgebaut worden, es stehen ihm jetzt 292 Leitungen gegen 220 Leitungen Ende 1929 gegenüber. Davon dienen 98 Verbindungen dem Fernsprechwesen innerhalb Deutschlands, 174 Leitungen vermitteln den Verkehr zwischen Deutschland und dem Ausland und 20 Leitungen sind für den Verkehr von zwei Auslands st aalen durch deutsches Gebiet bestimmt. Mit Esk land, Sowjetrußland und Australien ist ber Ferm sprechverkehr im Laufe bes Jahres aufgenommen worden. Die Wetterlage. tZ3E Toi O o >-6 © I O Berlin i-6 ' tanKf. -2/ 2S1'? O wolkenlos. O neiter. o naib owem ® woimo. • oeuetitl eReol» * Schnee ex Graupeln, s NeDei K Gewitter.® wmd5tilie.K>' sehr •eichte» Ost _p russige» Südsüdwest q stürmische» Hordwesl Oie Pfeile fliegen mit dem Winde. Pie oeiden Stationen stenenden Zat» •en geben die Temperatur an. Die Linien verplndeo Orte mit gleicht® aut neeresmveau umgerechnetea Luftdruck Wettervoraussage. Die Warmluft an der Südseite des starken brittschen Tiefs hat uns bereits im Laufe des gestrigen Rachmittags erreicht und bei ihrem Ausgleiten auf die vorgelagerte kalte Bodenluft zu starken Schneefällen geführt. Es hat sich eine geschlossene Schneedecke von etwa 10 Zentimeter gebildet, auch sind die Temperaturen in unserer Gegend und ebenfalls in Süddeutschland schon über den Gefrierpunkt gegangen, während in Rord- und Ostdeutschland bei östlichen Winden noch Frost herrscht. Lieber Westfrankreich und den britischen Inseln lagen die Temperaturen heute morgen über plus 10 Grad, was auf das Vordringen weiterer Warmluftwellen hindeutet. Somit dürften auch die Temperaturen bei uns um den Gefrierpunkt und auch darüber halten, wenn auch nachts noch leichter Frost auf tritt. Auch ist dabei weiterhin mit Riederschlägen zu rechnen, die teils als Schnee, teils als Regen fallen. Aussichten für Sonntag: Etwas milbe- res Wetter, vielfach bewölkt, vereinzelte Nieder- schlüge, teils als Schnee, teils als Regen. Aussichten f ü r Montag: Unbeständiges, wechselnd wolkiges Wetter mit vereinzelten Nieber-. schlügen. Lufttemperaturen am 26. Dezember: mittags — 2,1 Grab Celsius, abends —1,7 Grab; am 27. Dezember: morgens + 1,5 Grab. Maximum + 1,5 Grad, Minimum —10,1 Grad. — Erbtemperaturen in 10 cm Tiefe am 26. Dezember: abenbs — 1 Grab; am 27. Dezember: morgens —0,7 Grab Celsius. Amtliche Wintersportnachrichken. Vogelsberg, Hoherodskops: Rebel, — 2 Grad, 17 bis 18 cm Schnee, 8 cm Reuschnee, stellenweise verharscht, Sportrnögttchkeit gut bis sehr gut. — Herchenhainer Höhe: Klar, —3 Grad, 25 cm Schnee, 25 cm Reuschnee, Pulverschnee; Sportmöglichkeit sehr gut. Odenwald, Reunkircher Höhe: Tauwetter, 4-2 Grad, keine Sportmöglichkeit. Taunus, Kleiner Feldberg: Rebel, — 1 Grad, 16 cm Schnee, 6 bis 10 cm Reuschnee, Pulverschnee, Ski und Rodeln gut Sauerland, Winterberg: Leichter Schneefall, — 3 Grad, 14 cm Schnee, 2 bis 5cm Reuschnee; Ski und Rodeln gut. Rhön, Wasserkuppe: Sprühregen, — 2 Grad 25 cm Schnee, 1 bis 2 em Reuschnee, ver> harscht; Ski gut, Rodeln mäßig. Schwarzwald, Feldberg: Leichter' Schneefall, — 1 Grad, 30 cm Schnee, 6 bis 10 cm Reuschnee, Pulverschnee; SV und Radeln sehr gut. S«»rM 5)Wia«ltUtO' ,oit« iir««" z«} ;o Orlt ci'l «Kldt® 0 6^®= 5 -w EL-» EK ei tro'b * < *« Siufc. ^nflen. »““rben bS ®°fc troautt Men. b°°US bfr L« h! [Dtn. batunier upptttal 3, in tf£ luni) in 'Wu&flmt. An Hellen anqe. WtankMfte ’ertai ist ^betrieb voll, Stätten der 1 gern. M" nun. Wausgebouf *?Ä M: ieuWnb unb n M für den ■nbsftaalen imml. Mi, ßfa 1 ist der Fern« 1 aufgenommerr e. tc des starten im Laufe deS inh bei ihrem kalte Dodens rt Ss hat fid) etwa 10 3cnti‘ emperatum m Süddeutschland ingen, wagend östlichen M; Mftsrantrcich eL-mperMren d was auf Ben hindeut^ aturen bei S'S '«$**■ 9l 1 r-.mWJr 1 r-'SA 77«- .Telsius. »*."* M glicht 3 Krad, 5S.v: * «E ■»b>w* it . Leicht e">bis^ j Deufch"^ L«ich^ jiO* /O /o Mehrverdienst im nächsten Jahr >W ■■ ■ 1B! r Wichtige Neuigkeiten für jeden Geschäftsmann! wwrw'uwj Wer 1931 erfolgreich sein will, wer 1931 im Kon« j|Ä7i]r^ \ kurrenzkampf siegen will, • der muß für diesen MM KampfmitdenmodernstenMitteln ausgerüstetsein! Schnelle, sichere und zuverlässige Lieferung sind hierfür unerlässliche steht im umgekehrten Verhältnis zu dem gebotenen Wert, und die Arbeitsleistung der Blitz Lastwagen sorgt für hohe Verzinsung und schnelle Amortisation. 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Lebensjahr, nach kurzem schweren Leiden, aus einem wirkungs- vol en Leben, zu sich zu rufen. Die trauernden Hinterbliebenen: Katharine Grölz Wwe. Familie Friedrich Spuck Familie Ludwig Grölz Wwe. Familie Friedrich Moos Mainzlar, den 27. Dezember 1930. Die Beerdigung findet am Sonntag, dem 28. Dez., nachm. 4 Uhr statt. __8/75D Plötzlich und unerwartet wurde am 1. Weihnachtstag. nachmittags 3*/, Uhr, unser herzensguter, treusorgender Vater, Schwiegervater und Großvater Ludwig Klinkei IV. im 75. Lebensjahre aus seinem arbeitsreichen Leben und aus unserer Mitte gerissen. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Heinrich Schadeck Familie Armin Schön Lehrer Karl Becker und Familie. Ruttershausen, Wohnfeld, den 25. Dezember 1930. Die Beerdigung findet Sonntag, 28. Dezember, nachm. 1'/,Uhr statt. _____ 07940 EInWUMW EeWetu 5 Zimmer, 1 Mans., Kle niiciftaU, mttnr Obst- u. Gemüfegart zum 1. Februar au vermieten. Anfrage: LaU. Frankfurt a. BI. 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ZUM EIGENHEIM L vorteilhafteste Bedingungen führt der Weg über d I e Verlange umsonst ausführliche Prospekte zur Hauserneuerung und zur Ablösung teurer Hypotheken NEUE BAUSPARKASSE C.M.B.H, IN WÜSTENROT 42 WURTT. 8784 D Wieseck, 27. Dezember 1930. 8779V Geschäfts-Drucksachen bei Brühl, Schulstraße 7 Rechnungen Briefbititter Briefumschläge Postkarten Geschäfts karten Herzlichen Dank an alle, die sich beim Hinscheiden unserer teuren Entschafenen durch ihre Teilnahme in so Hebevoller Weise betätigten. Im Namen der Hinterbliebenen: Julius Bräutigam Gießen, den 23. Dezember 1930. Danksagung. Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme, die zahlreichen Kranz- und Blumen- spenden sowie allen denen, die unserem lieben Entschlafenen das letzte Geleit gaben, besonders Herrn Pfarrer Sattler für die trostreichen Worte am Grabe sagen wir auf diesem Wege allen unseren herzlichen Dank. Familie Otto Schäfer Unreines Gesicht Pickel, Mitesser werden unter Garantie . ,VFNIRlslärkcA|bcscill|rt durchVCmU 3 Preis 2.75. Gegen Sommersprossen (Stärke B). i938V Drogerie O. Wiuterboff, Kreuzplatz9/10 Hindenburg-Drogerie, Seitersweg 68a Ltudienres. erteilt Nachhilfe- unterricht in Mathematik.Scbr. Angebote unter Nr. 07938 a. d. Gien. Anz. MM als l.Htzvotbek auf erstklassiges Wohnhaus in d Stephan- strafte auö Privathand gesucht. (Vermittler auvgeschioss.i Schriftliche Angebote unter 87821 - an den Gien Anzeiger. XW Verloren am Mittwoch m der Ltebtgstt. He ronrlng mit gelbem Stein iTovaSi. Ehrt. Find, wird gebet., denseib. geg.Velotin.abz.meb. «öd) ^iebioftr. 891. Vereine ijd. SamStag abend: StommlifD Bootsbaus. 87 3D Sonntag abend: BdllMWsWt 1874-1924 Nenjabr OT68r Frühschoppen bet A K. Nobel. zur Lernt Kurzschrift Finanz- 8763D Nähere Auskunft erteilen die ämter. Gießen, Butzbach, Grünberg, den 27. Dezember 1930. Die Finanzämter. Aufforderung Einsendung der Sleuerabzugsbelege für dos Kalenderjahr 1930. Bekanntmachung. Betrifft: Steuerkarten für 1931 — Bürgersteuer 1930. Die Ausstellung und Aushändigung der Steuerkarten für 1931 ist beendet, und zwar sind die Steuerkarten, insoweit sie nicht durch die öffentlichen Kassen (für Beamte ober Pensionäre) oder durch die Arbeitgeber bereits abgeholt worden waren, den Lohnsteuerpslichtigen in die Wohnung überbracht worden. Soweit nun Arbeitnehmer noch nicht im Besitze einer Steuerkarte für 1931 sein sollten, wolle deren Ausstellung im Stadthaus, Bergstraße 20 — Zimmer Ar. 13 — beantragt werden. 8767C Persopen, die zur Zeit in keinem Arbeitsverhältnis stehen, werden darauf hin- gewiesen, die Steuerkarten sorgfältig auf- zubewahren, damit sie diese bei Wiederaufnahme einer Arbeit dem Arbeitgeber oorlegen können. Die Ausstellung von Ersatzkarten für verlorene, unbrauchbar gewordene oder zerstörte Steuerkarten kann bei der obengenannten Stelle nur gegen Entrichtung einer Gebühr von 1 RM. erfolgen. Lehrlinge und Lehrmädchen und weibliche Hausangestellte, die nach dem 10. Oktober 1910 geboren sind, find nicht bürgersteuerpflichtig; sie erhalten Steuerkarten für 1931 nur auf ausdrücklichen Antrag. Auf Seite 4 der Steuerkarte sind die Bestimmungen über die Bürgersteuer, deren Höhe und Erhebung aufgedruckt. Mit der Aushändigung der Steuerkarte gilt die Anforderung der Bürgersteuer als bewirkt. Es ließ sich nicht vermeiden, daß auch Personen eine Anforderung der Bürgersteuer erhielten, die einen gesetzlichen Anspruch auf Befreiung von der Bürger- fteuer haben. Ein solcher Anspruch besteht für Empfänger von Arbeitslosen- oder Krisenunterstützung, für Kleinrentner, Sozialrentner, Schwerkriegsbeschädigte und solche, die in taufender öffentlicher Fürsorge stehen. Für Sozialrentenempfänger gilt die Befreiung nur, wenn ihr gesamtes Jahreseinkommen 900 RM. nicht übersteigt. Sämtliche Voraussetzungen zur Befreiung von der Bürgersteuer müssen am Fälligkeitstage (10. Januar und 10. März 1931) vorgelegen haben. Es wird noch darauf aufmerksam gemacht, daß Einsprüche aus den vorerwähnten Befreiungsgründen zur Zeit noch nicht vorgebracht werden können. Die erforder- Eifenvahn- 3al)rüenimen-Dereln Gietzen. Sonntan. 28. Dez. d. I.. IG Uhr, im Beretntzlokal/,Stadl Wetzlar" I8787D Weihnacbtsteier mit Kinderbesche- runn. Konzert und komiirh.Vorträaen Wir bitten die Mil- fllieder u. Angehör. recht zahlreich zu er- fcheinen. Der Vorstand. Auf Grund der Verordnung des Reichs- Ministers der Finanzen vom 10. Dezember 1930 find dis spätestens 20. Januar 1931 einzusenden: 1. von den Arbeitgebern, die im Kalenderjahr 1930 die Lohnsteuer in bar oder durch Ueberweisung abgeführt haben, a) für die am 31. Dezember 1930 bei ihnen in einem Dienstverhältnis stehenden Arbeitnehmer Lohnsteuer- Bescheinigungen auf der Rückseite der Steuerkarte 1930 an das Finanzamt, in dessen Bezirk die Steuerkarte 1931 ausgeschrieben worden ift; b) für die im Kalenderjahr 1930 vor dem 31. Dezember 1930 aus dem Dienstverhältnis ausgeschiedenen Arbeitnehmer Lohnsteuer-rleberweisungsblätter an das Finanzamt, in dessen Bezirk die Steuerkarte 1930 artsgeschrieben worden ist. Vordrucke zum Lohn- steuer-Ueberweisungsblatt sind bei den Finanzämtern kostenlos erhältlich. Bei der Angabe der Höhe der einbehaltenen Steuer in den Lohnsteuer- Bescheinigungen und Lohnsteuer-Ueber- weisungsvlättern ist bei ledigen Arbeitnehmern auch der Ledigenzuschlag zu berücksichtigen. Lohnsteuer-Bescheinigungen und Lohnsteuer-Ueberwetsungsolät- ter sind getrennt nach Gemeinden und innerhalb der Gemeinden der Buch- stabenfolge nachgeordnet einzusenden. 2. von den Arbeitnehmern, bei denen im Kalenderjahr 1930 die Lohnsteuer durch Verwendung von Steuermarken entrichtet, die Steuerkarte 1930 und die Einlagebogen, die im Kalenderjahr 1930 zum Einkleben und Entwerten von Steuermarken verwendet worden find, an das Finanzamt, in dessen Bezirk der Arbeitnehmer am 10. Oktober 1930 seinen Wohnsitz hatte. Dabei ift die Nummer der Steuerkarte 1931 und die Gemeindebehörde, die diese ausgestellt hat, zu bezeichnen. Auf die Verpflichtung zur Einsendung der Steuerkarten und der Einlagebogen haben alle Arbeitgeber (auch wenn sie den Steuerabzug im Ueberweisungsverfahren durchführen) durch Anschlag in den Arbeite und Geschäftsräumen hinzuweifen. Montag, 5. Jan., 19 Ubr, eröffnen wir tn der Goetbeschule einen WSM- M« in der EinbenSkurz- schrisi iür Damen u. Herren uni. Veltunn eines ftaall. geprüft. Kittzscknilledrerö. Unterrtchtsg. 12 Mk. Weitere uric beginnen: 5. Januar, 19 Uhr: Fortbildung in der Berkehrsschrift 5. Januar. 2<) Ubr Nedeschri t für Anf.,- Diktat 00 80 S. 6. Januar, 19 Uhr: Prakt. Hebung i. d. Redeschrift: Diktat 1' 0,120 S. <>. Januar, 20 Ubr: Fortbildung in der Redeschrift. Diktat 140 S. und höbet. Anmeldg. u. AuSk. d. den 1. BorL Derrn Kranz Haustein, Wtlbelmüraße 6 II, oder zu Unterrichts- beninn. Karsschrlftverein v 1861 w. Damenabtlg. B. V. [8780D * lichen Anordnungen zur Regelung der Steuerbefreiungen werden zum gegebenen Hungen, Zeitpunkt noch veröffentlicht werden. Gießen, den 27. Dezember 1930. • Ser Oberbürgermeister. I. V.: Dr. Seib. Stadttheater Sonntag, 28. Dez^, von 15 bis 17 Ubr Gefchloss. Borstellng. iier Mann deo sein liewisseo trieb Schauspiel in drei Akten und cmem Vorspiel von Maunce Ronand. Sonntag, 28. Dez., von 18 btö 20 Ubr ttremdenvoriiellung Außer Abonnement Ermähtflte Vretse Der Mann den sein Gewissen trieb Schauiptel in einem Vorspiel und drei Akten von 'Maurice Ronand. Tienstag»^v.Dez., von 20 bis 22' 4 Ubr 12.5ien5ißg-2Iü.-hrfL Gewöhnliche Steife vleerfteAil^kW Komödie in 3 Akten von St.JobnErvine D.utsch v.Eltch^iav Mittwoch, 31. Dez. Stlveuer - Bot stellg. von 19'2biö 22' »Ubr i2.miniDod)*ni). bul Gewöhnliche 'Ltetfe Hoben bnoBertiüm Voise nut Gelängen und Tanzen in vier Abteilungen von Gustav Roeder. Donnerstag, 1. Januar 1031 iReuiahri von 18', b.21',.. Ubr Außer Abonnement Ermäßigte Operetten in eife Gastspiel der Per- einigten Cpetetten» ibeatet Bochum- Hamborn 8W2D Sie Otel mustetteie Ein Svtel aus romantischer Zen von gestern und beute von Rud. SchanAer und Ernst Welisch, Munk von Ralph Benatzky. Freitag, 2. Jam, von 19'/, bis 22'/, Ubr OvetetienDietfe 13. -reilag-Avn. vrfL Gaftsptel der Per- emiflien Cveteitetv tUcater Bochum- Hambottt Die Drei Ulustetiert um Spiel aus romantischer ..en von gestern und beute von Rud. Schonzeit und Ernst Welisch, Munk von Ralph Bcnatzty. Sonntag, 4. Jam, von 15 btö 17' .Ubr: '«Hübet Abonnement Klncervvrsteuung Ermätzigte Preise Goldmane u. Pechii'arif (Frau Ho le) Weibnachtsmarchett in ninr Alien von AloyS Brasch. Musik von Gustav Steffens. Sonntag, 4. Jan., v. 18* zb.flcn.21‘-, LlJ .siembcnuotflellunfl 21 über Abonnement Ermnntflie Opeteitenpreifc Me neSchweslei nodicl Munkal. Lustspiel - JaAAOperette - voll Robert Blum. Miisll u. Gefanflstexie öott Ralpb Benatzkn. Nr. 302 Zweites Blatt" siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gbecheffen)Samstag, 27. Dezember (930 - und Friede auf Erden... Don D Tlafban Soderblom, Erzbischof von tf fdla, Primas von Schweden. Copyright 1930 by Nordische Gesellschaft, Lübeck. Nachdruck, auch auszugsweise, verboten. Der verstorbene große Theologe Adolf von Harnack schrieb im Jahre 1925: .Wer noch von aufmunternden Wirkungen des Krieges zu sprechen wagt, ist entweder ein Verbrecher oder ein Narr." Aber jetzt wächst ein Geschlecht Heron, dos nicht dabei war. alS die Wachte der Hölle über unseren Weltteil los- gelassen waren. Die Jugend ist das Barometer einer Generation. Vielerorts zeigt cs keineswegs auf ruhiges und beständiges Wetter, sondern eher auf Donner und Sturm. Die Tugend, die von Taten träumt, hält sich zurück. Aber sie ist die Hofsnung für die Zukunft. Wir dürfen nicht von Geschichte und Frieden so sprechen, daß diese Jugend reagiert. Die Friedensliebe wird nicht dadurch ge'ördert, daß man den Gesang dieser .Generation im Ton herabstrmmt. Sondern der Sinn, zu wirken und zu dienen und zu gewinnen must auf wertvoll^ Ausgaben gerichtet werden. Gott sei ge- daokt für die Helden der friedlichen Tat! älnd wir dürfen uns niemals von vornherein dem beugen, was uns droht. Die freiwillige Unterwerfung unter eine vermeintliche Schick- salSbestimmung entspringt mehr als einmal der Scham. Aber cs ist der Glaube, der sieht, der Glaube, der nicht die Zügel schleifen lästt, sondern die äastersten Kräfte anspannt. Die Aussichten sind trübe. Die Abrüstung, welche die Menschheit gelobt hat, lästt auf sich warten. Wir können nicht die drohende Gefahr verschweigen, die über dieser kleinen europäi- fchen Menschheit schwebt. Mit Recht kann sie stolz sein auf ihre bisherige Stellung: aber sehr mit Unrecht bildet sie sich ein, einen ewigen Ehrenplatz und eine ewige Machtstellung auf unserem Planeten zu besitzen, obwohl diese Menschheit nun zwischen der Gefahr der Weltrevolution im Osten und dem jug endkräftigen Universalstaat Amerika eingeklemmt ist. 3n einem Vries, den ich kürzlich von einem mir unbekannten Manne erhielt, steht die Frage: „Oh, warum dieses scheustliche Angesicht der Menschheit?" Er spricht von der Erde, die allzu reich sei von Fluch und Verwünschungen und darum viel- sache Ernte an Elend und Greuel tragen werde. Worauf sollen wir unsere Hoffnung gründen? Friede bedeutet Beseitigung von Krieg und Blutvcrgiesten: aber dieses negative Ziel kann niemals erreicht werden, wenn nicht ein positives Friedensziel ausgestellt wird. Friede nsorbeit must gleichzeitig Aufbauarbeit se in. Man sollte eigentlich nicht zu Christenmenschen, die ihre Bibel kennen, so zu sprechen brauchen. Denn die Propheten haben über den Weltfrieden gelehrt und verkündet, dah er auf Gesetz und Recht gegründet sein solle. Feiern wir nicht jährlich Weihnachten die Geburt des Friedensfürsten mit Texten, die vom Frieden der Welt als eine Verkündung der Offenbarung und Hoffnung der Menschheit sprechen? Hier steht die Kirche vor einer unumgänglichen Wahl: Spricht sie hoffärtig und verächtlich von mehr oder weniger unvollkommenen Versuchen, die Rechtsordnung über die Grenzen der Nation hinaus zu erreichen, so hat sie damit zugleich die Lehre der Schrift verneint. Das Friedensstreben der Kirche wurde gerade in den Tagen organisiert, da der Krieg wie eine hämische Opposition in Europa auserach. Nun hat die Kirche aber doch in geduldiger Arbeit in bald vierzig Ländern Boden g wannen. Weiter hat diese übernationale christliche Einheit an Stärke und Umfang gewonnen durch den Ockumenischen Rat, der in Stoähelm 1925 gegründet wurde und nun auch in das öffentliche Leven, in den Wettstreit der Gcsellschaf sklassen und in die Beziehungen zwischen den Staaten die Grundsätze des Evangeliums hineintragen will. Unter der feierlichen Silhouette der Wartburg wurde in Ei'enach int Vorjahre dem Oekumeni- schen Rat eine Entschliestung vorgelegt, und in diesem Jahre ist etwas erfolgt, das vor den unsagbaren Schmerzen des Weltkrieges nicht denkbar gewc'en wäre. Der wesentlichste Punkt der Eisenacher Resolution ist von der weltumfassenden Dischofskonferenz der anglikanischen Kirche, der sog. Lambethlonfereiu, angenommen worden. „D.r sind überzeugt", so heistt es in der Cnt- schlichung, „dah die Zeit Ion men muhte, da jetzt geltende Traktate im Znteresse des Friedens revidiert werden müssen. Aber wir halten daran fest, dah alle Streitigkeiten und Konflikte zwischen den Völkern, welche Diplomatie ober Vermittlung nicht lösen können, durch Schiedsgerichte des Weltgerichtshofes oder irgendeines anderen von beiden Parteien anerkannten Gerichtshofes beseitigt werden." Es gilt hier nicht nur mit allgemeinen, groh- artigen, selbstverständlich aufrichtig gemeinten Worten Propaganda zu machen, sondern wir wollen eine Regel fixieren, die sich nach unserer christlichen Lehre als Notwendigkeit erweisen soll und in dein kritischen Augenblick einer Kriegsgefahr buchstäblich befolgt wird. Streitigkeiten gibt es und wird es immer geben zwischen den Nationen, ebenso wie es sie zwischen den einzelnen Menschen und Menschengruppen geben wird. Genau so wie das Gesetz die Blutrache und die ständigen Zwiste zwi chen den Stämmen und Provinzen beseitigt hat, genau so muh die Rechtsordnung auch dazu ausgenutzt werden, um zu verhindern, dast d:e Böller in ihrer Verzweiflung den Kr.cg als Ausweg wählen. Eine ürcrnationa.e Rechtsordnung ist im Werden. Bindende Verträge zwischen den Staaten, die sich, falls Streitiglciten entstehen, zu einem Vergleich oder Schiedsgericht an Stelle des Krieges verpflichten, sind der Anfang eines großen Gebäudes, das auf der Grundlage des Rechtes steht. Möchten die Völler und Staaten auf der Grundlage übernationaler Rechtsordnung, die, auf der christlichen Lehre beruhend, eine Fort- setzung des Schaf cns Gottes ist, w c i t e r b a u e n. Kabinettskriege gehören einer vergangenen Epoche an. Wollen wir aufrichtig sein, so müssen wir zugeben, dast die Gefahr für den Frieden jetzt nicht zum wenigsten in den Leiden des Volkes liegt, die der Masse wie auch dem einzelnen leicht die Gewalt der Selbstbeherrschung rauben. Nur in den Ländern, die über eine reife, disziplinierte und aufgeklärte Arbeiterorganisation verfügen, kann die Dolksgewalt als solche als Schutz des Friedens g:rcch.'.ct werden. 3m übrigen must jeder, der versteht, was unserer west ländischen Kultur droht, vor einer neuen Katastrophe erzittern, die der Selbstmord unserer Zivilisation werden müßte. Ach, dah wir doch mehr Männer hätten, die den Namen „Staatsmann" verdienten! Darum sollten wir beten. Cs ist sehr einfältig, ein Monopol für die Friedensbewegung für sich in Anspruch nehmen zu wollen, und vielleicht jemand zu verurteilen, der in anderen Gedankengängen und mit anderer Einstellung für den Frieden arbeitet. Der Friede ift eine schwierige Frage, allzu schwierig, um für Parteiinteressen ausgenutzt zu werden. Der Friede wird nicht durch Auflösung gewonnen. Nein, OrdnungundRecht gehören zu seinen besten Hütern. Wer die Ordnung erschüttert, öffnet der Gewalt die Tür. Daher muh das Gesetz auf dem Recht aufgebaut sein, so dah auch diejenigen Volksgruppen zu positiver Mitarbeit herangezogen werden, die jetzt unzufrieden sind und zu den Benachteiligten unserer Gesellschaft gehören. 3d) will einige Worte anführen, die mir neulich von einem Schwedisch-Amerikaner zugingen: .Die Sprache hat kaum dreihig Buchstaben, aber zusammengestellt wie Soldaten, wird daraus eine Armee, die stärker ist als die stärkste der Erde. Man bedenke, wenn jede Zeitung Tag für Tag zehn Zeilen und jeder Mensch zehn Wörter am Tage für die Engelsbotschast übrig hätte, die wir Weihnachten fingen: «Ehre fei Gott in der Höhe und Friede auf Erden.. / Panettone, cappone. capitone. Don Or. Gustav IS. Ebene n, Rom. Rom, an Weihnachten. Wer die Weihnachtsgans gern verdoppelt, den Karpfen im Plural und den Stollen am liebsten gestreckt sehen möchte, so lang wie die „weißen Nächte", der muß nach Italien gehen. Dort dauert nämlich der Festtag so lang. Er beginnt am 24. Dezember trib endet am 7. Januar. Natale, das ist ein süßer Roman in vielen Fortsetzungen: man feiert Weihnachten, Capodanno oder Reujahr, und den Drcitönigo» oder Epiphaniastag, kurz die „Befä" genannt,'ala ein einziges Ereignis. Wochenlang. Daher verschlägt es auch nicht viel, ob der Weihnachts- bäum nun am Heiligen 'llbenb oder erst nach Neujahr geschmückt wird, man kann ihn zu jeder Zeit kaufen und post festum, wo er anderswo nur noch das Holz gilt, kostet er genau so viel wie vorher. Uebrigeiis ist er als exotisches Gewächs von den Chauvinisten nicht gern gesehen und daher für das Volk von besonderem Reiz. Nur mit vollem Wurzelwerk darf er auf den Markt gebracht werden, als Topfpflanze oder Zuchtbäumchen, denn das Abschneiden von Bäumen aller Art ist seit dem Feldzug für die Aufforstung des Landes strengstens ver- boten. Unterwegs frieren natürlich die Wurzeln ab, denn es ist kalt in ihrer Heimat und ein weiter Weg bis Rom, folglich schneidet sie der Käufer, zu Haufe, ab. Das ist erlaubt. Oder man pflanzt den Lichterbaum nach der Plünderung im ©arten ein. Dort geht er dann ein. Nicht ohne das stolze Gefühl mit ins Grab zu nehmen, als eine Art Orchidee gefeiert, bewundert und bezahlt worden zu fein. Bevor der nordische Brauch des Lichtsymbols sich einbürgerte, war das Kennzeichen des Christfestes die Krippe. Sic kommt immer mehr ab, denn auch die Kinder des Südens, kleine wie große, finden cs fd)ön, etwas und möglichst viel unter den Baum zu legen. Man läßt sich auch zu Neujahr und vor allem zur Befä etwas schenken, um die Kette der leiblichen Genüsse nicht zu unterbrechen. Am 6 Januar erfüllt unendlicher Kinderjubel die Budenstadt auf der Piazza Navona, der einstigen Rennbahn des Domitian. Die Dinge, die um die Jahreswende auch in den Volksquartieren nicht fehlen dürfen, heißen panet- tone cappone und capitone. Das erstere ist ein Gebäck, das dem beutfdjen Stollen entspricht, eine rie- , sige, halbierte, oben etwas aufgeblätterte Kugel. j5d)on der Reisende, der in Mailand in die Bahnhofswirtschaft tritt, sicht sie dort zu Bergen aufge- türnit. Der cappone vertritt die Stelle der Weihnachtsgans: ein Kapaun, ein gemästeter Truthahn oder auch ein dick und fett gewordener Haushahn. Und für den Spiegelkarpfen haben wir den nidjt minder beliebten Aal, den capitone. Sein Auftreten ist wieder ein Fest im Fest, man hat ihm zu Ehren einen besonderen Markt geschaffen, einen nächtlichen! Der Aalmarkt ist für die Hausfrauen dasselbe wie der Budenmarkt für die Kinder. Und da man Damen nachts natürlich nicht allein ausgehen lassen kann, und die Kinder nicht allein zu Hause bleiben wollen, gibt es vom Aufleuchten der Karbidlampen bis zur Morgendämmerung eine schöne, rührende Familien- szene. Als gutes Bindemittel für die drei = one gilt Asti, der einheimische Schaumwein, den man in der guten allen Zeit vor dem Krieg für ein paar Groschen kaufen konnte. Jetzt weiß er erfolgreich mit französischem Sekt zu konkurrieren. Allerdings klettert and) der gewöhnliche Wein schon in schwindelnden Preisregionen herum. Und Löhne und Gehälter leiden an entgegengesetzten Neigungen. Muß man wirklich nqd) Nietzsche und Mussolini „gefährlich leben?" Nein, wenigstens das weihnachtliche Dauer- fest soll vergessen machen, und daher panettone, cappone und capitone! Briefpapier. Von Fram Hessel. Seltsam, baß es so etwas überhaupt noch gibt. Kurzes kann man doch telegraphieren, Längeres telephonieren. 3a, wenns schon ein Trief fein soll, es gibt jetzt, höre ich. einen Apparat. in den man hincinredet. und der Angeredete kann die Botschaft auf einer Grarnmv- vhonplattc sich vorspie.en, bekommt also zu dem Sendewort die lebendige Stimme der — nehmen wir an — geliebten Person obendrein geliefert. Aber noch immer wird Bütten handgeschöpft und Leinen zubereitet zu Schreibpapier, und das schöne Material verpflichtet den Schreibenden und den Empfänger, den Schreibenden zu cha- raktervollen oder artigen Buchstaben, den Empfänger zum Aufheben, Verschnüren, Sammeln Triefbogen im alten vierseitigen Format sind nun schon selten geworden. Die Frau von heute und von Welt hat ihren Briefblock, genauer zwei Blöcke, einen kleinen für die sparsamen Zeilen, die Gruß, Versprechen, Absage bringen. Auch wenn cs nicht Engelzungen, sondern nur unsere Zungen sind, so würden sie die Menschen beeinflussen und eine Macht schaffen, so gewaltig, daß kein älmsturz sie vernichten könnte." Aber hier ist mehr von Nöten als Wissen und Aufklärung. Die öffentliche Meinung muß erzogen werden. Wissen allein tut cs nicht, so unendlich wichtig es auch ist. Wie sollen die Menschen lernen, sich selbst im Zaum zu halten, ihre Leidenschaften zu zügeln, ihren Egoismus zu erziehen, sich selbst zu überwinden? Das ist letzten Endes das Geheimnis des Friedens, älnd das ist es, was die Ockumenische Bewegung erkennt und infolgedessen den Christen in allen Ländern einprägcn will. 3ft der Friedensgedonke nicht zu verwirklichen? Darauf können wir antworten, wie unser Erlöser seinen 3üngcrn antwortete. als sie. bestürzt über sein Wort und die Gefahr des Reichtums, fragten: „3a, wer kann denn selig werden?" 3esus aber sah sie an, und sprach zu ihnen: „Bei den Menschen ist's unmöglich: aber bei Gott sind alle Dinge möglich." (Matth. 19:26.) Es ist unser Menschenamt und unser Christenamt. getreu und geduldig für das scheinbar Unmögliche, für den Frieden, zu arbeiten im Glauben an Gottes Verheißung, gehorsam gegen sein Gebot. 'Denn die Menschen nichts gegen ihre Selbstherrlichkeit und ihre elenden Leidenschaften tun, dann kommen wir nicht vorwärts zum Frieden. Nur der schmale Weg. da der Mensch sich selbst nicht in Frieden läßt, sondern einen unversöhn- luhen Krieg gegen den alten 'Adam in sich selbst und in anderen führt, nur dieser Weg führt zum Frieden. So '' rieb vor 80 3ähren der französische Literarhisto. le: Ozanam: „Es gibt zwei Lehren über den Fo.schritt Die eine, die in der Schule der Sinnlichkeit gepflegt wird, wird den Leiden- schaslen gerecht und gelobt den Rationen ein irdisches Paradies am Ende eines blumenbe- ftreuten Weges: schenkt ihnen aber nur eine frühe Hölle nacheinem blrltigenWeg. Die andere Lehre, geboren und beseelt von dem Christentum, führt mit dem Sieg des Geistes über das Fleisch vorwärts. Diese Lehre, die nichts verfpricht, nur Gewinn aus jencm Streit in der Seele des einzelnen, ist der e i n z i g e W e g zum Frieden für das Volk." Deutschland, die Entente und die belgische Neutralität. Don Or. Gustav JRotoff, o. ö. Professor der Geschichte an der Universität Gießen. Zu den zugkräftigsten Beweisstücken gegen Deutschland gehurte in der Ententepropaganda stets der Vorwurf, daß Deutschland in frivoler Weise b i e belgische Neutralität verletzt und das geheiligte Derkragsrecht mit Füßen getreten habe. Die „moralische Schuld" schien hierdurch erwiesen, und Frankreich wie England konnten sich die hehre Aufgabe zuschreiben, bas Recht vor ber deutschen Gewalt schützen zu müssen und die ganze Welt zur Mitwirkung aufzurufen. Wie so mandjc mit der Entstehung des Krieges zusammenhängende Cinzelfrage ist auch dieses belgische Problem durch zahlreiche neu veröffentlichte Urkunden in ein neues Licht gerückt worden, und jene krasse Beschuldigung Deutschlands wird nur noch von interessierten Vertretern der Kriegsschuldlüge wie Poincars und Grey, aber nicht mehr von der ernsten Forschung wiederholt. Bei einer historischen und politischen Beurteilung der belgischen Angelegenheit sind mehrere Punkte zu unterscheiden. Zunächst: hatte Deutschland e i n formales Recht, in Belgien einzumarschieren? Hierauf muß man mit „N e i n" antworten. Belgien hatte ein verbrieftes Recht auf Neutralität, und Deutschland hat sich ber Verletzung biefes Rechtes schuldig gemacht. Der Entschluß zum Einmarsch ergab sich allein aus der strategischen Notlage, ber noch ber Ueberzeugung der deutschen Heeres- und Staatsleitung nicht anders begegnet werden konnte. Schon das sollte billig denkend von einer moralischen Anklage der deutschen Politik abhalten. Es war doch so, wie wenn ein friedlicher Wanderer durch mehrere Wegelagerer überfallen wird und in der Bedrängnis auf ein fremdes Grundstück springt, um hier Mittel zur Lebensverteidigung zu finden. Der Vorgang, daß neutrale Kleinstaaten durch kriegführende benachbarte Großstaaten in Mitleidenschaft gezogen werden, hat fid) überdies unendlich oft in der Weltgeschichte abgespielt, und schwerlich hat jemals eine andere Großmacht in ähnlicher Lage eine solche Schonung beabsichtigt wie Deutschland im Jahre 1914. Was die deutsche Regierung verlangte, reicht z. B. nicht entfernt an das heran, was England im Jahre 1801 und 1807 Dänemark und was die Entente feit 1916 dem neutralen Griechenland auferlegte: Deutschland begehrte nur das Recht des D u r ch z u g e s und versprack), allen etwa entstehenden Schaden zu ersetzen: die Entente verlangte die Teilnahme Griechenlands am Kriege und setzte sie mit den brutalsten Zwangsmitteln durch. Schon hieraus geht hervor, daß es der Entente übel ansteht, sich als Schätzerin der neutralen Rechte aufzuspielen, aber wir können den Angriff auf ihre den großen für al.'es, was man nicht fernsprechcn kann ober mag. (Wogegen einige Frauen ein* wenden, sic könnten pcr Telephon sicherer lügen als schriftlich!) Schön find die Farben der Drief- blöcke. Da kleidet die Dame ihre Worte in ein beigefarbenes, gelbliches, zartgraues Leinen, wie es im Sommer sie selber bekleidet. 3ntci:effant, was für Futter sie für den Umschlag wählt. Einfarbig muß es sein: aber wird es sehr schwärzlich fein, oder etwas rot Aufrichtiges oder grün Verheißungsvolles, lila Kompliziertes oder braun Landschaftliches haben, das ist die Frage. 3nitialen oder Namenszüge auf dem Triefiopf gibt es noch, aber nicht mehr die schmerzlich langgezogenen der weiland Backfische. De sind mit dieser Süßwasserwirbeltiergattung ausgestorlen. Beschäftigte Männer, gebt acht, daß ihr in eurem Posteinlauf die Briefe zarter Hand auf den ersten Blick von Geschäftsbriefen unterscheidet, um sie stürmischer oder auch genußsüchtig langsamer aufzumachen. 3etzt haben ja die Briese vieler „Häuser" dasselbe längliche, dreigefaltete Format wie die privatesten. Man sieht sie schmal aus dem Hausen vorragen, man hofft, greift, schneidet auf. sieht Maschinenschrift und ist enttäuscht. Ach. das Leben wird immer ähnlicher! Schließlich machen einem die schönsten Briefpapiere keinen Spaß mehr, und man hat seine Freude nur noch an Zufallszetteln, die eine liebe Hand irgendwo auf griff, um mit fleckiger Tinte, kritzligem Bleistift ober in äußerster Not — wenn nicht aus Ue.crmut — mit bem Lippenstift Holdseliges darauf zu schreiben. Oer Apachenkönig von Marseille. Kasimir Micheletti konnte mit Recht behaupten, sein bewegtes Leben sei interesianter als mancher Kriminalroman. Als Sproß einer altangesehenen italienischen Abelsfamilie lehnte er sich bereits als Achtzehnjähriger gegen die bürgerliche Wettorbnung auf und suchte Fühlung mit nihilistischen Kreisen. Aus bem Nichts kann man aber nicht gut leben, unb Kasimir, ber fanatische Bekärnpfer aller bestehenden Einrichtungen, war nun einmal an ein üppiges Leben gewohnt. Der Weg vom Nihilisten zum Apachen war nicht schwer. Die politischen Ideale schob man eben zur Seite, unb man wurde einfach ein sogenannter schwerer Junge. Allerdings nicht im alltäglichen Sinne. Micheletti beschränkte sich daraus, die Reichen auszuplündern, behelligte niemals kleine Leute unb achtete peinlichst darauf, seine aristokratischen Hände niemals mit Blut zu beschmutzen. Er betätigte sich in fast allen Staaten der Welt, beglückte audj Amerika mit einer ausgiebigen Geschäftsreise unb ließ sich vor etwa zehn Jahren in Marseille als Bandenführer der dortigen berüdjtigten Unterwelt nieder. Laut Angaben der Polizei belastete Kasimir der Unfaßbare fein Schuldkonto innerhalb eines Jahrzehnts mit nicht weniger als 379 Einbrüchen, Erpressungen, Entführungen u. a. m., ohne auch nur ein einziges Mal in direkte Berührung mit ber Behörde zu kommen. Um sein langgesuchtes Haupt spann sich die Legende, es sei unverwundbar; aus sämtlichen (nicht geringen) Kämpfen mit seinen Konkurrenten und aus persönlichen Duellen mit anderen Apachenführern kam er in der Tat als unverletzter Alleinsieger hervor. Nun ereilte ihn doch sein Schicksal: eine Salve feiner Feinde brachte ihn zur Strecke. Nicht weniger als 18 Revolverschüsse durchbohrten seinen Körper! Die Beerdigung des berühmten Apachenkönigs verlief — nach amerikanischem Muster — überaus prunkvoll; die Unterwelt wußte, was sie ihrem Häuptling schuldet ... Vorwürfe noch schärfer führen und den Beweis erbringen, daß die Entente Belgien vor dem Kriege- gar nicht als neutrales Land b e • trachtet, und daß Belgien s e I b ft sich gegen die mit ber Neutralität verbundenen Pflichten vergangen hat. Frankreich hat seit dem Bestehen Belgiens (seit 1830) danach getrachtet, das kleine Land in irgend einer Weise unter seine Herrschaft zu bringen. Nach dem Napoleons UI. direkte Annexionsbestrebungen gescheitert waren, hat die Republik seine 'Bemühungen in anderer Form fortgesetzt, wie zum ersten Male schon im Jahre 1917 durch eine sorgfältige Untersuchung von Paul D i r r (Belgien als fraji zosische Ostmark, Berlin 1917) unwiderleglich nachgewiesen worden ist. Private und öffentliche Vereinigungen aus Frankreich trieben eine rührige Propaganda in Belgien, uni Regierung unb öffentliche Meinung zugunsten Frankreichs zu beeinflussen unb gegen Deutschland einzunehmen; durch die Presse, Theater, Broschüren, Schulbücher, durch französifdie von der Pariser Regierung finanziell unterstützte Schulen, durch Reden von französischen Agenten unb Konsulatsbeamten auf Kongressen französisch-belgischer Vereine und ähnliche Mittel wurde die Anschauung verbreitet, daß Belgien sich als ein Vorland Frankreichs betrachten und an der Aus- führung des Revanchegedankens mithelfen müsse; 'Belgiens und Elsaß-Lothringens Schicksal, hieß es gelegentlich, sei unzertrennlich. Auch in den Gegensatz zwischen Wallonen und Vla- men mischte sich diese Agitation ein, Regierung und Kammer in Paris suchten sogar durch Drohun gen die Einrichtung einer vlämischen Hochschule in Gent zu hintertreiben. Daß solche Bestrebungen, Belgien der französischen Politik dienstbar zu machen, dem Gedanken der belgischen Neutralität und Unabhängigkeit ins Gesicht schlugen, braucht nicht weiter ausgeführt zu werden. Aber die Entente ging noch weiter und suchte Belgien sich auch mili'tärifdj anzugliedern. Man hatte das schon aus einigen Stücken des Brüsseler Archivs im Jahre 1914 erfahren, und vor wenigen Jahren sind aus intimen englischen Dokumenten hierüber neue höchst wertvolle Einzelheiten bekanntgeworden. In den Tagen, da sich die Marokko- nische Differenz zwischen Frankreid) unb Deutschland immer mehr zuspitzte und England und Frankreich sich immer enger verbanden (Anfang 1906), verhandelten der englische Militärattache Barnadiston in Brüssel und der Chef des belgischen Generalstabes, Duraxne im Auftrag ihrer Regierungen überbicBorbereitungeines gemeinsamen Krieges gegen DeutschHochschulnachn'chien. In Marburg ist nach kurzem Leiden der hier seit langen Jahren wohnhafte Nestor der deutschen Philosophie, Geheimer Regierungsrat Prof. Dr. Johannes Rehmke, gestorben. Der Ber- blichene, der in ungewöhnlicher Rüstigkeit unb Geistesfrische ein Alter von 84 Jahren erreichte, wurde in Elmshorn geboren. Er studierte in Kiel und Zürich Theologie und Philosophie und wurde dann Lehrer an der Äantonschule 3t. Gallen. Er habilitierte sich 1884 in Berlin und ging bann nach Greifswald, wo er 1898 99 Rektor der dortigen Universität war. Seit 1921 wohnte Geheimrat Rehmke in Marburg. . — 3n der Rechts- and Staatswissenschaf t- lichen Fakultät der Universität Marburg ist der Privatdozent für Volkswirtschaftslehre und Finanzwiisenschast Dr. rer. pol. Erwin Wisse- mann beauftragt worden, die Statistik, dieDer- kehrswifsenschaft und die Weltwirsa'ts lehre in Vorlesungen und Hebungen zu v'rlrrten. Amtlich wird die Versetzung des o. Prvf.ssors der Chirurgie Dr. Hans von Haberer von der Medizinischen Akademie in Düsseldorf in gleicher Eigenschaft in die Medizinische Fakultät der älniversität Köln als Nachfolger von Geheimrat Otto ZUnumn bestätigt. land und trafen eine „befriedigende allgemeine Abmachung", wie Barnadiston schreibt. Die Berab» redung bildete zwar keinen förmlichen Staatsoer- trag, enthielt aber eine stark moralische Bin - dungfürbeideTeile. Militärische Nachrichten aller Art wurden ausgetauscht, die Landungsplätze und die Etappen für den Einmarsch der britischen Truppen festgestellt, das Requisitionsrecht in Belgien wurde ihnen zugesagt, belgische Karten wurden nach London gesandt, dem englischen Generalstabe wurde die Erforschung des mutmaßlichen Kriegsschauplatzes gestattet und seine Spionage in den benachbarten deutschen Landschaften gefördert. Beide Teile, England wie Belgien, sündigten damit aufs stärkste gegen die international aufgerichtete belgische Neutralität. Diese erheischte nach der Uetzer- zeugung der maßgebenden Vertreter des Völkerrechts — deutschen, belgischen, französischen — ftrenge Unparteilichkeit der belgischen Regierung: „Der dauernd neutralisierte Staat", sagt ein französischer Gelehrter, „ist gezwungen, in Friedenszeiten, jede Verhandlung mit fremden Mächten zu vermeiden, welche direkt oder indirekt seine Neutralität im Kriegsfälle beschränken oder in diesem Falle seine Pflichten der Unparteilichkeit und der Enthaltung schwieriger gestalten könnten." (Gottschalk, Berliner Monatshefte zur Aufklärung der Kriegsursachen, Dezemberhest 1930). Die Rechtsverletzung war um so zynischer, als die englische wie die belgische Regierung überzeugt waren, daß Belgiens Neutralität nicht bedroht war, denn sie wußten, daß Deutschland keine militärischen Vorbereitungen traf. Daß die französische Regierung in diese Verhandlungen eingeweiht war und sie von Herzen billigte, ist selbstverständlich. lieber die Zeit nach 1906 haben wir dokumentarische Nachrichten von gleicher Ausführlichkeit nicht, man wird noch Veröffentlichungen aus den englischen und französischen Archiven abwarten müßen. Aber was wir jetzt schon wissen, zwingt zu dem Schluß, daß die englischen und französischen Absichten, Belgien in den Krieg hineinzuziehen, unverändert geblieben sind. Daß der Entente Respekt vor den Neutralitätsrechten kleiner Staaten fernlag, ergibt sich schon aus ihrem Verhältnis zu Holland. Da England im Jahre 1906 beschlossen hatte, Antwerpen zur Basis seiner Unternehmungen zu machen, so wollte es die Durchfahrt durch die holländischen Gewässer in der Scheldemündung erzwingen und alle holländischen Proteste beiseite schieben, und als einige Jahre später die Holländer damit umgingen, Vltssingen zu befestigen, um sich geaen eine solche Gefahr zu sichern, wurde dies Vorhaben in England wie in Frankreich lebhaft bekämpft und in der Tat hintertri eben. Der Plan, Antwerpen zu besetzen, bestand also fort. Selbstverständlich ging auch jene französische Propaganda weiter und verband sich mit militärischen Vorbereitungen. Südbelgien wurde vom französischen Generalstab systematisch erkundet, und belgische Kreise beteiligten sich unter Duldung ihrer Regierung an Spenden für das französische Kriegsflugwesen. Für den französischen Generalstab stand es, wie der General Percin bekannt hat, fest, daß Belgiens Neutralität in einem großen Kriege nicht bestehen könne. Weder Deutschland noch Frankreich, sagt er, konnten und wollten sie beachten, Frankreich insbesondere konnte seine große Armee nicht auf der schmalen Front gegen Elsaß-Lothringen aufmarschieren lassen. (Arthur Ponsonby, Lügen in Kriegszeiten. Berlin 1930.) Auf demselben Blatt steht, daß die englische Regierung sich von der belgischen das Recht erteilen ließ, die belgischen Flugplätze und Festungen zu besichtigen, was ohne Zweifel die etwaige Invasion englischer Truppen erleichterte. Um so weniger hätte hie Brüsseler Regierung auf diesen -Wunsch eingehen dürfen, als ihr die Absicht Englands, Belgien zum Kriegsschauplatz zu machen, l wohlbekannt war. Es steht also fest, daß die englische und franzo- ' fische Regierung Belgiens Neutralität als illusorisch betrachtet haben und entschlossen waren, im Falle eines Krieges einzumarschieren. Belgien selbst hat diesem Vorsatz durch jene militärisch-politischen Beziehungen und durch Duldung, ja Förderung der französischen Agitation in unerlaubter und speziell für Deutschland bedrohlichen Weise Vorschub g e l e i st e t. Es hat damit das Recht verwirkt, die Vorrechte, die ihm die garantierte Neutralität verlieh, anzurufen. Deutschland hatte zwar einen legalen Grund zum Einmarsch im Jahre 1914 nicht, da ihm die schwerwiegendsten Verfehlungen Belgiens nicht bekannt waren, aber politische Gründe hatte es reichlich, tatsächlich kam es nur einem französisch- englischen zuvor. Es war eitel Heuchelei, wenn die Entente sich als Schirmerin des internationalen Rechts hinstellte; sie plante dasselbe wie Deutschland, nur mit dem Unterschiede, daß Deutschland Belgiens Neutralität verletzte, um sich gegen einen Angriff auf sein Dasein zu verteidigen, die Entente dagegen Belgien in einen Angriffskrieg zur Zertrümmerung der Mittelmächte hineinziehen wollte. Kriegsbeschädigte und Kapita'abfindungen. Der Reichsarbeitsminister hat mitgeteilt, daß es die ungünstige Finanzlage des Reiches nicht mehr zuläßt, Kapitalabfindungen im lausenden Rechnungsjahr zu bewilligen. Gleichwohl sei ihm bekannt geworden, daß Beschädigte usw. vielfach Verträge über Erwerb von Grundstücken und Errichtung von Häusern abschließen, weil sie mit der Bewilligung der Kapital a b f i n d u n g in späterer Zeit rechnen. Da es sich zur Zeit nicht übersehen läßt, ob und in welchem Umfange künftig Mittel für die Kapitalabfindung bereitgestellt werden können, kann eine schwere Schädig un g und unter Umständen eine Gefährdung der wirtschaftlichen Existenz der betreffenden Rentenempfänger die Folge solcher Verträge fein. Die für Kapitalabfindung in Frage kommenden Versorgunasbevsch- tigten werden daher hiermit ausdrücklich gewarnt. Verpflichtungen zu übernehmen oder Bauvorhaben in Angriff zu nehmen, die nur mit Hilfe der Abfindung (Kapitalabsindungf der Rente erfüllt bzw. finanziert werden können. Cs kann keineswegs damit gerechnet werden, daß die aus voreilig abgeschlossenen Verträgen usw. entstehenden Schwierigkeiten aus Mitteln öffentlicher Stellen behoben werden können. Ebensowenig kann zugestanden werden, daß, falls später wieder Mittel für Kapitalabfindungen seitens des Reiches zur Cßerfügung gestellt werden, Anträge Versorgungsberechtigter auf Abfindung, die trotz vorstehenden Hinweises Verpflichtungen vor der Bewilligung der Kapitalabfindung übernommen haben und nachher in Schwierigkeiten geraten sind, denjenigen Anträgen auf Abfindung von Versorgungsberechtigten vorgezogen werden, die sich vor der Bewilligung der Abfindung nicht vertraglich gebunden haben. i Aus der Prvvinsialhaupistadt. G i e h e n, den 27. Dezember 1980. Verwandelte Landschaft. Alles ist verwandelt durch den Schneefall. Vom Berge nieder schau ich in das Land. Wie weich eingebettet liegt es da! Wo ist die Landstraße, auf der ich wanderte? Nur angedeutet durch einige Wagenspuren. Der Fluß zur Seite ist wie ein seidenes Band. Noch glänzt das Wasser, aber wie bald wird es auch still stehen und weiß überdeckt sein. Was ist das ein köstliches Wanderns Schier überreicher Glanz umfängt uns. Es ist ein Leuchten und Funkeln, wenn die Sonnenstrahlen die weiße Fläche treffen. Die Dörfer lagen warm zugedeckt. Hier und da steigt eine leichte Rauchfahne in die Luft. Die Glocken läuten. Weich und murmelnd kommen die Töne zu uns. Es ist, als ob der Schnee die Laute verschluckt. Hinter den Fensterscheiben stehen die ganz Heinen Kinder, drücken ihre Näschen platt und schauen mit verlangenden Blicken nach der schneeigen Pracht. Ihre größeren Geschwister tummeln sich schon auf der Straße', Schneeballen durchsausen die Luft, und geschenkt xu erhalten; rrnd vaS größte Vergnügen, das Geschenkte umzutauschen. Das ist für sie gewissermaßen noch ein Festtag, besonders dann, wenn eine gute Freundin bei dem Umtausch be-- hilflich ist. Schenken ist bekanntlich keine leichte Kunst, es kann für den ausübenden Teil eine fast zu ernsthafte Angelegenheit werden, wie ein Examen; und mancher ist am Heiligabend bei diesem heimlichen Rigorosum mit Pauken und Trompeten durchgefallen. Es gehört ein Talent dazu, zu schenken, aber auch sich beschenken zu lassen. Was am Heiligen Abend noch entzückte, tarnt am ersten Feiertage schon entbehrlich erscheinen und am zweiten sogar mißfallen. Ein tröstliches Wort aber gibt es für beide; die unglücklichen Schenker und die unzufriedenen Beschenkten: öer Umlaufd). Er hebt mit Raturnotwendigkeit am dritten Feiertage an und währt bis zum Schluß des alten Jahres. Er ist gewissermaßen des Weihnachtsgeschäftes zweiter Teil. Die Verpflichtung zum Umtausch ist eine etwas umstrittene Angelegenheit, die aber bei der großen Kulanz unserer Geschäftsleute nach Möglichkeit zur Zufriedenheit der älmtauscher gelöst wird. An- geneh-m aber ist dieser Teil des nachträglichen Was bietet der Gießener Anzeiger seinen Lesern? Werktäglich Das große Heimat- und Anzeigenblatt die führende Tageszeitung in dem Gebiet zwischen Frankfurt am Main-Kassel und Koblenz-Erfurt Wöchentlich zweimal Gießener FamJIenbllfter Wöchentlich Die Illustrierte des Gießener Anzeigers Heimat Im Bild Die Scholle In ständigem Wechsel Sonderselten des Gießener Anzeigers: Turnen, Sport und Spiel Für den Büchertisch Aus dem Reiche der Frau Aue Natur und Technik Jugend und Hochschule Aus der Welt des Films Das Recht im täglichen Leben Zeltfragen des Mittelstandes Jährlich zweimal Taschenfahrplan in Heftform Jährlich Künstlerischer Wandkalender dort wird ein Schneemann gebaut. Winterlust! Wie gern täten wir mit. — Wir wandern... Die Erde ist still, ganz still. Weit reichen die Blicke. Auch da, wohin unsere Augen nicht bringen können, ist das sanfte Auf und Nieder der Bodenwellen ausgeglichen und erscheint als eine einzige Fläche. Starr stehen die Baume. Die dunklen Aeste werden überdeckt von leuchtendem Weiß. Vom leisesten Windhauch fallen Schneeflocken zur Erde. Und wenn die Sonne mit ihrer Kraft die Schneemassen zum Schmelzen bringt, hängen am andern Morgen lange Eiszapfen an den Zweigen. Kommt der scharfe Ostwind, dann klingen diese Eiszapfen. Es ist ein gar wundersames Lied. — lieber die weiße Fläche ziehen sich lange blaue Schatten, ein leises Knistern und Knirschen klingt unter unferm Tritt. Schüchtern äugt ein Reh aus der Schonung. Da, wo es die Aeste berührt, riefelt Schnee herab. Es tritt wieder zurück in den schützenden Wald. Nur seine zierliche Spur ist noch zu sehen. Im weichen Schnee wanderst du fast lautlos weiter. Eine überwältigende Ruhe umfängt dich. Kein Käfersurren, kein Vogelgesang. Aufatmend stehst du still. Die Sonne hat den Nebel besiegt. Welches Farbenspiel bietet sich deinen Augen dar! Wie hell glänzende Edelsteine leuchten die Schneekristalle in tausendfältiger Farbenpracht. Wieder hat der Nebel die Sonne verschlungen. Eine weiche Dämmerung senkt sich über Wald und Feld. Himmel und Erde fließen ineinander über. „Unendlich dehnt sich die weiße Fläche..B. Taten für Sonntag, 28 Dezember. 1908: großes Erdbeben in Unteritalien und Sizilien, Zerstörung der Städte Messina und Reggio. Oer große Llmiausch. Ein Dust von Tannenzweigen liegt noch in der Luft. Die weihnachtliche Ruhe wird noch aus- getoflet; aber schon eilen die Menschen mit ge° heimnisvollen kleinen Paketen über die Straße zu den Kaufhäusern. Für jede Frau ist es bekanntlich ein Vergnügen, in laufen; ein noch größeres Vergnügen, etwas Weihnachtsgeschäftes nicht, und deshalb sollte man von dieser Gelegenheit nur in dringenden Fällen Gebrauch machen. X. Neuer Gießener Ehrendoktor. Die veterinär-medizinische Fakultät der hessischen Landesuniversität ernannte den Geheimrat Professor Heinrich von Zügel in Qlturr» Hardt, „den großen Meister der Tiermalerei, der durch seine hervorragenden Werke die Eigenart und das Seelenleben der Haustiere in harmoni- scher Gestaltung mit Landschaft, Licht und Luft zur künstlerisch vollendeten Darstellung brachte, den Gründer einer S->ule schaffensfreudiger Künstler, die auf neuen Wegen in der deutschen Tiermalerei eine führende Stellung errungen hat", ehrenhalber zum Doktor der Veterinärmedizin. Verhütet Weihnachtsbaumbrände! Wenn in der Weihnachtszeit abends der Weihnachtsbaum brennt und die Weihnachtslieder erklingen, hört man häufiger als sonst von der Straße her Glockenzeichen oder Fanfarentöne: die Signale der Feuerwehr. 3n der Weihnachtszeit 1929 wurde z. B. die Berliner Feuerwehr achtundzwanzigmal bei Christbaumbräirden zu Hilfe gerufen. Da die Weihnachtsbaumbrände nicht nur erhebliche Sachschäden verursachen, sondern Personen dabei gefährliche Brandwunden erleiden können, ist es ratsam, sich nachfolgende Winke zur Vermeidung der Feuersgefahr zu merken: Frische Weihnachtsbäume sind ziemlich schwer entzündlich; stehen sie längere Zeit in geheizten Zimmern, so trocknen sie rasch aus und können dann sehr leicht an den brennenden Weihnachtskerzen Feuer fangen. Dieses vorzeitige Trockenwerden läßt sich bett)intern, intern man den Baum in ein mit Wasser gefülltes Gefäß stellt. Der Weihnachtsbaum ist standsicher aufzustellen. Am besten erreicht man dies, intern man die Spitze mit einem Bindfaden an zwei Stellen anbintet. Man soll den Baum niemals in die Rähe leicht brennbarer Gegenstände, wie Gardinen unb Vorhänge. stellen, da schon geringer Luftzug genügt, um diese an die brennenden Kerzen zu wehen und in Brand zu setzen. Eine weitere Gefahr besteht öarin, daß beim Anzünten und Auslöschen Personen den Lichtern zu nahe kommen und dabei die Kleider in Brand geraten. Dies läßt sich dadurch vermeiden, daß man beim Anzünden mit den obersten Kerzen beginnt. Auch ist darauf zu achten, daß die Kerzen nicht unmittelbar unter Zweigen und Baumschmuck befestigt werden. Größte Aufmerksamkeit ist ebenso darauf zu richten, daß die Kerzen nicht zu weit herunterbrennen, sondern rechtzeitig gelöscht werden. Ein in Brand geratener Daum steht im Ru in Flammen. 3m Entstehen bemerkte Brände können vielleicht von Anwesenden noch gelöscht werten, wenn geeignete Löschmittel, wie ein Eimer mit Wasser, oder eine wollene Decke, rasch zur Hand sind. Gelingt es nicht, das Feuer sofort zu löschen, dann ist unverzüglich die Feuerwehr zu alarmieren. Frauen sollten sich mit Rücksicht auf ihre leicht feuerfangende Kleidung an diesen Löscharbeiten nicht beteiligen. Oie Abgabe von Feuerwerkskörpern. Wegen des bevorstehenden Reujahrs sieht sich das Polizeiamt Gießen veranlaßt, auf die nachstehenden Bestimmungen über den Verkehr mit Feuerwerkskörpern hinzuweisen: Wer Feuerwerkskorper, Frösche, Schwärmer, Zündplättchen und dergleichen feilhalten will, muh beim Polizeiamt unter Angabe ter zu lagernden Gesamtmenge Anzeige erstatten. 3n Läden dürfen nicht mehr als 2,5 Kilogramm, im Hause außerdem nicht mehr als 10 Kilogramm vorrätig gehalten werden. Auf Rachweis eines besonderen Bedürfnisses kann ausnahmsweise eine Lagerung im Hause bis zu 15 Kilogramm zeitweilig gestattet werden. Dio Aufbewahrung muß in einem auf dem Dachboden (Speicher) telegenen, mit feinem Schorn- steinrohr in Verbindung stehenden abgesonderten: Raume erfolgen, welcher beständig unter Verschluß gehalten und mit Licht nicht betreten wird. Die Behälter müssen den Bestimmungen des § 6 Absatz 1 und 2 der Verordnung; den Verkehr mit Sprengstoffen betreffend, vorn 21. Ao- vember 1905 entsprechen und mit festgeschlossenem! Deckel versehen sein. Die Abgabe von Feuerwerkskörpern an Personen, von denen ein Mißbrauch derselben zu befürchten ist, insbesondere an Personen unter 16 Jahren, ist verboten. Diese Vorschrift findet keine Anwendung auf Spielwaren, die ganz Heina Mengen von Sprengstoffen enthalten. Verboten ist jedoch die Abgabe der vielfach in Spielwaren- und Papiergeschäften als Spielwaren zum Verkauf gelangenden sogenannten Knallkorken, du deren Sprengstoffinhalt die für Spielwaren zulässige Menge überschreitet. Oie Abführung der Bürgersteuer. Das Reichsfinanzministerium teilt mit: Nach deck maßgebenden Bestimmungen hat der Arbeitgeber die Bürgersteuer bei Lohnempfängern'in zwei gleichen Raten bei der ersten auf den 10. Januar 1931 und 10. März 1931 folgenden Lohnzahlung einzubehalten. Zur Erleichterung für die Ar-- beitnehmer hat der Reichsminister der Finanzen im Einvernehmen mit den Reichsratsausschüssen dio Arbeitsgeber ermächtigt, in den Fällen der Lohnzahlung für Zeiträume von nicht mehr als einer Woche den Abzug jeder der beiden Bürgersteuerraten auf die Lohnzahlungen in der Zeit vom 1 L bis2 4. Januar 1931 bzw. 11. bis 24. März 1931 zu vertellen. In den Fällen, in denen die Lohnzahlung wöchentlich am Freitag erfolgt, könnte, wenn von der Ermächtigung Gebrauch gemacht wird, die eine Hälfte der Bürgersteuerrate bei der Lohnzahlung am Freitag, dem 16. Januar, und die andere Hälfte am Freitag, dem 23. Januar, cinbehaltcn werden. Die einbehaltenen Beträge sind binnen einer Woche nach der letzten Lohnzahlung (in dem Beispiel bis zum 30. Januar) an die Gemeindekassq abzuführen. Weihnachtsfeiern in den Kliniken. Zur Weihnachtsfeier in der Klinik f ü f Ohren-, Nasen- und Halskranke versammelten sich am Sonntagabend Patienten, Aerztg und das gesamte Personal. Unter dem Weihnachtsbaum wurden gemeinsame Weihnachtslieder gesunq gen, und Pfarrer Müller hielt eine Ansprache. Oberschwester Martinius hatte mit Patienten, Kindern und Angestellten der Klinik ein Weihnachtsq märchen eingeübt, dessen Wiedergabe viel Freuds bereitete. Jedem Patienten und den Angestellten konnten kleine Weihnachtsgaben ausgehändigt werden. Der Direktor der Anstalt, Professor Dr. B r ü g* gewann, dankte in seiner Ansprache allen, btd zum Gelingen der Feier beigetragen hatten. * Am Montagabend sand auch eine Weihnachtsfeier in der chirurgischen Klinik ftatt Die Feier erhielt eine besondere Note durch dio Mitwirkung einiger Musikfreunde unserer Stadt» Frau Dr. Weyl (Gesang), Herr Schneider (Cello) und Fräulein F e 1 ch n e r (Klavier), die ihro Kunst in den Dienst der guten Sache gestellt hatten. Der Anstaltsgeistliche, Pfarrer Müller, zeichnete in feiner Ansprache die Weihnachtszeit als lebendige Zeit, als eine Zeit, da Licht und Leben die Herzen erheben soll. Für die schwerer Erkrankten wurde in den einzelnen Sälen der Christbaum angezündet und jedem Patienten und Angestellten mit Heber- reichung von Weihnachtsgeschenken eine besonder« Freude bereitet. Auch die Llniversitätshautklinik veranstaltete am Dienstagabend eine Weihnachtsfeier. Schwester Ruppertine hatte aus Patientinnen und Angestellten einen Mädchenchor zusammengestellt, der mit feinen Liedern viel Freute bereitete. Gedichtvorträge, ein Reigenspiel und eine kleine Weihnachtsaufführung, von Kindern wiedergegeben, schufen den Kranken eine Stunde, in der alles Leid vergessen werdens konnte. Lehrer Klein, Gießen, hatte für alle Stücke die Klavierbegleitung übernommen. Rach einem gemeinsamen Liede hielten Pfarrer Müller und Pfarrer Dr. Hemm es Weihnachts- ansprachen. Gegen die Verlegung des Darmstädter pädagogischen Instituts. Der Vorstand ter Ortsgruppe Gießen der Deutschen Staatspartei befaßte sich — wie man uns berichtet — in seiner Sitzung am 23. d. W., u. a. auch mit der beabsichtigten Verlegung des Darmstädter Pädagogischen Instituts und faßte nach eingehendes Besprechung folgende Entschließung: „Die Deutsche Staatspartei, Ortsgruppe Gie« Heu, hat mit Befremden von Der geplanten Der« IcQung des Pädagogischen Instituts von Darmstadt nach Mainz Kenntnis er- Salten. TS steht sest, daß die Verlegung deS In- ttitute vom Orte der Hochschule weg auf eine tzvSlösung von der Hochschule hinauSlaufen würde und damit im Widerspruch stünde mit einer zeitgemäßen Lehrerausbildung und den Forderungen einer fortschrittlichen Kulturpolitik. Sollte aus Ersparnisgründen die Verlegung des Darmstädter Instituts angezeigt erscheinen, so orm stellen können. Angebote v. Bewerbs wobnoaft in GeoSen-Linde« erbeten unter H. G. 2617 (8765V) an den Gießener Anzeiger. Augen auf? Reifevertreter? Wollen Sie begeisterte und überzeugte Kollegen kennen lernen, die wett über Durchschnitt verdienen? Reue, Ersparnis bringende Sache, Tagesverdienst über Mk. 30.— nachweisbar. Sowrt Bezüne. Erprobte werden schnell Generalvertreter. Uederzeuaen: Bet Schmitt, Bahnhofs» Hotel, wei kläglich ab Montag. 29. 12. 30. pünktlich 17*'- Uhr. 8667D Betr.: Konkursverfahren über das Vermögen der Firma Ih. Bruck, Gießen, Inhaber Th. Weineri, Gießen. Beschluß. An Stelle des seitherigen Konkursverwalters Herrn Kaufmann Adolf Schwarz, Gießen wird der durch die Gläubigeroer. faminlung vom 23. Dezember 1930 gewählte Rechtsanwalt Ludwig Cngisch von Gießen als Konkursverwalter bestätigt. Termin flur Beschlußfassung über die Be- stellung eines Gläubigerausschusscs und eintretendenfalls über die in § 132 der Konkursordnung bezeichneten Gegenstände und zur Prüfung der angemeldeten Forde■ rungen vor dem unterzeichneten Gericht Ziinmer 201, wird bestimmt puf 8781V Donnerstag, den 15. Januar 1931, vormittags %\'j Uhr. Gießen, den 24. Dezember 1930. __________Hessisches Amtsgericht,__________ Unterzeichnete Gemeinde ist Käuferin eines Zuchtebers (veredeltes Landfchwetn). Beützer wollen sich melden. 87716 Oueckborn den 24. Dezember 1930. Hessische Bürgermeisterei. Albert. Haben Sie offene Füße? Schmerzen? Jacken? Stechen? Brennen? Dann gebrauchen Sie die tausendfach bewahrte Ünlvereal-Heüsalbe ,,Genterin". Wirkung überraschend. Preis L50 u. 2.75. Depot in Gießen in allen Apoth. Haupt- niederlage: Engelapoth. Gießen. 230V uckerkranke „wv Stein Hung. mehr nötig. Gr. Erfolge. Kosten!. AuSku-Taifachenber. durch Pk.Hergert, Wiesbaden, RUckerUtr. 2M Bekanntmachung. Am 29. Dezember 1930 werden die Bu- reauräume unserer Hauptgeschäftsstelle in Gießen von Aaiserallee 3 nach Vahuhos- straße 90/92 (Haps Schwarz) verlegt. An diesem Tage ist die Geschäftsstelle für den Publikumsoerkehr geschlossen. 8719V Allgemeine 0ri»krankenkafse des Landkreises Gießen. SCHNEEKETTEN leicht angerostet verkaufen mit 30% solange Vorrat reicht Wilhelm & Albert Ruhl Vulkanialeranatalt Gießen. SOdanlage 7 iomd 8770D Hell Dunkel 871 SD Hotel Schütz 2hre Vermählung geben bekannt In sämtlichen Restaurationsräumen Silvesterfeier Tanz 0792? Gießen «0501 liefen 1490D 87<6D Drogerie Winterhoff Vermählte ee®ee®»eeeee Kreuzplatz 10 8783 A Lager. 6785 D 07934 CarlSchunck 9in<> besonders auch Kränkliche. zurückgebliebene unb 163D 487 V Weltkrieges: 8569 C Landgerichtsdirektor Ernst Eramer und Frau Äerta, geb. Gutscher Familien-Drucksachen Verlobungsanzeigen Vermählungsanzeigen Geburtsanzeigen bei Brühl, Schulstraße 7 Gießen, im Dezember 1930 Bahnhofstraße 65 b Aue, im Dezember 1930 (Kr. Wittgenstein) Meine Verlobung mit Fräulein Toni Cramer gebe ich hier, mit bekannt Oie Verlobung unserer Tochter Toni mit Herrn Forstreferendar Wolfgang Schmidt geben Vir bekannt Harmlose Feuerwerkskörper Rum, Arrak, Weinbrand Punsche, Sekt in preiswerter Auswahl Karl Beck vorm. 6g. 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Die Sicherstellung der Pfandbriefe ist eine dreifache, 1. durch erststellige innerhalb der mündelsicheren Beleihungsgrenze eingetragene Goldhypotheken; 2. durch das gesamte Vermögen und die Rücklagen der Nassauischen Landesbank; 3. durch die unbeschränkte Garantie des Bezirksverbandes des Regierungsbezirks Wiesbaden, der mit seinem Vermögen und seiner Steuerkraft, einschließlich der Steuerkraft aller Städte, Kreise und Landgemeinden des Regierungsbezirks Wiesbaden, für die Einlösung der Pfandbriefe haftet. Die Goldpfandbriefe der Nassauischen Landesbank sind an den Berliner und Frankfurter Börsen jederzeit veräußerlich und bei der Reichsbank lombardfähig. Außerdem sind sie für die Anlegung von Mündelgeld in ganz Deutschland zugelassen. Ausgabe in Stücken zu 100, 500,1000, 2000 und 5000 Goldmark. Die Stücke sind sofort lieferbar und können durch sämtliche Banken, Sparkassen und Kreditgenossenschaften sowie alle Niederlassungen der Landesbank selbst bezogen werden. Direktion der Nassauischen Landesbank. Auskünfte inRechtk-, Straf-, Fann l.-Ange- leaenvctten, Gesuche, Verträge, Beobachtungen. Ueberwachg. und Ermittlungen vreiSw^ streng dtskr. it. an all. Orten en. it. erledigt Detektiv- Bnrean-n. Auskünfte! Inh.K.Gerz,Bad-Nau- heim, Knratr. 17. Kurzgeschntttenes Anmachholz liefert «581D 3. Weller Zimmergefchäft, Ycibocitctn. Tel. Gr.-Ltnden 259. tlSU-Betten (Stahl u. Holz) Polster, Sdilafzimm.,Stahlniatr. Kinderb.Chaisel. ..Private. Ratenzl. Katal. fr Eisenroöbelfabrik Sahl Pianos oder Harmoniums werden cifttl. u. uretöw. gestimmt u. repariert durch Erwin Zollinger Mlrt uteri edmitcr u. gevr. Stimmer. Verkauf von neuen u.gedr. Pianos.^, («liehen, Selters- weg79a. Tel. 3610. Prina Suelfe- ii. Soioi- Mofleln W. Hankel 3keuenBäue 7.UQD Televbon 2612 Kurzgefchnttteneö Inmadiholz Köln, Äaffelstraße 31 Dortmund den 26. Dezember 1930 Nr. 502 Dritter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)Samstag, 27. Dezember lO3Ü von einem gereimien Augsburgischen dekennlms. Don Pfarrer Kornmann in Laubach. Das Jahr 1930 darf nicht zu Ende gehen, ohne daß der Tatsache gedacht ist, dah in dem alten Laubacher Gesangbuch von 1756 ein Augsburgisches Bekenntnis im Bersmah zu finden ist. 3m Solms-Laubachi- schen Gesangbuch, ..zum Gebrauch bey öffentlichem Gottesdienst wie auch zur Beförderung der HauS-Andacht, in gegenwärtiger Ordnung und 5c*m eingerichtet, und mit Landes-Herrlchaft- licher Genehinhabung zum Druck befördert von 3ohann Valerius Ludwig Bieder. Hochgräfl. EolmS-Laubachifchen Consistorial-Rath und Hof- Prediger". findet sich dieses Lied unter Ur. 993 — das Gesangbuch hat bezeichnenderweise 1000 Lieder! — Das Lied hat die Melodie ,.O Gott, du frommer Gott die ersten 21 Verse haben die entsprechenden Artikel des Augsburgischen Bekenntnisses zum Inhalt. Wir stellen — auswahlweise — ein paar Artikeln des genannten Bekenntnisses die entsprechenden Verse des Dolms-Laubachilchen Gesangbuches gegenüber, um einen objektiven Vergleich zwischen Bekenntnis und Lied, und eigne Llrteilsbildung des Lesers darüber zu ermöglichen. Zunächst der 1. Artikel: von Gott. Das Auasburgische Bekenntnis sagt dazu: „Erstlich wird einträchtiglich gelehrt und gehalten, ... dah ein einig göttlich Wesen sei, welches genannt wird und wahrhaftiglich ist Gott, und sind doch drei Personen in demselbigen einigen göttlichen Wesen, gleich gewaltig, gleich ewig, Gott Vater, Gott Sohn, Gott Heiliger Geist, alle drei ein göttlich Wesen, ewig, ohne Stück, unermessener Macht, Weisheit und Güte ohne Ende, ein Schöpfer und Erhalter aller sichtbaren und unsichtbare Dinge ..." Dieser 1. Artikel ist folgendermaßen gereimt: ..Wir glauben, dah Ein Gott, Dah aber drei Personen Gott Vater. Sohn und Geist In einem Wesen wohnen, Gleich ewig, weis' und gut. Don gleicher Ehr' und Macht, Die alles, was da ist. Aus nichts hervvrgebracht." Schon hier erkennt man die meisterliche Beherrschung des „Stoffes" — die ganz prächtige Knappheit und Kürze der Ausdrucksweise, die allem wesentlichen indes nicht den geringsten Abtrag tut. — Sehr fein ist z. B. auch der Artikel lX umgestaltet: er lautet im Bekenntnis: „Don der Saufe wird gelehrt, dah sie nötig sei, und dah dadurch Gnade angeboten werde: dah man auch die Kinder taufen soll, welche durch solche Taufe Gott überantwortet und gefällig werden..Im Lied lautet der entsprechende Vers: „Die Taufe ist die Tür Zum wahren Reich der Gnaden, Darinnen soll man auch Die kleinen Kindlein baden. Denn unser Heiland ruft: Bringt, bringt sie her zu mir, Sie sind mir lieb und wert, Das Himmelreich ist ihr." Bemerkenswert erscheint auch der XVI. Artikel des Bekenntnisses: „Von Polizei und weltlichem Regiment wird gelehrt, dah alle Obrigkeit in der Welt und geordnete Regimente und Gesetze, gute Ordnung, von Gott geschaffen und eingesetzt sind, und dah Christen mögen in Obrigkeit-, Fürsten- und Richteramt ohne Sünde sein, nach kaiserlichen und anderen üblichen Rechten Urteil und Recht sprechen. Uebeltäter mit dem Schwerte strafen, rechte Kriege führen, streiten. kaufen und verkaufen, aufgelegte Eide tun. Eigenes haben, ehelich sein usw. ...“ Hören wir, was das Lied daraus gemacht hat: „Die Obrigkeit hat Gott Verordnet und gesetzet. Daher wird sie mit Recht Der Ehre wert geschähet. Es kann und darf ein Christ In solchem Stande sein, Auch schworen, ehlich sein, Und mit zu Felde geh n." Und so liehen sich noch mancherlei Verse beibringen, um zu zeigen, was alte Zeit mit diesem Bekenntnis anzufangen wuhte. — Die Verse 22 bis 25 einschließlich sind scbarf antirömisch gehalten, was niemand überraschen kann. In diesen vier Versen sind die Artikel XXII bis XXVIII des Augsburgischen Bekenntnisses zusammengefaßt, — hier klafft also die Artikel- und Verseinteilung auseinander. Aber das tut i Xf Die Weihnachtsbescherung der Heilsarmee. der bedeutsamen Sache selbst keinen Abbruch. Der Vers 26 ist dann der Schlußvers, der das Gedächtnis dieses Bekenntnisses und Bekenntnis- liedes besonders einprägen möchte. Das Lied ist es wert, dah hier, wenigstens in Bruchstücken, ein kleiner Eindruck davon vermittelt und dah es damit der völligen Vergessenheit entrissen werde. Schade nur. daß der Verfasser dieses „Augsburgischen Bekenntnisliedes" nicht mehr zu ermitteln zu sein scheint: er verdiente, um des einzigartigen Versuches Witten, dem Bekenntnis wirkliche Volkstümlichkeit zu geben, unvergessen zu bleiben! Gießener Winckelmannfest. Das Archäologische Institut der Landesuniversität Gießen hatte zu einem Winckelmannfest in den Großen Hörsaal des Dorlesungsgebäudes geladen, der fast bis auf den letzten Platz gefüllt war. Zuerst wies Dr. Rudolf Herzog, Professor der klassischen Philologie, mit wuchtigen Worten auf die Bedeutung der Winkelmannfeste hin, die seit 100 Jahren von dem Archäologischen Institut in Rom, seit 90 Jahren in Berlin, jetzt am deutschen archäologischen Institut in Athen und an den meisten deutschen Universitäten — vor dem Krieg auch einige Male in Gießen — gefeiert wurden, um zu betonen,, dah der im Dezember 1717 geborene Begründer der antiken Kunstwissenschaft nicht nur der gesamten Altertumswissenschaft, sondern als Wegbereiter des Reuhumanismus dem ganzen deutschen Volk gehört. Hierauf zeichnete Dr. Victor, Professor für deutsche Philologie, in tiefschürfenden, fein geschliffenen Sähen das Bild Winckelmanns als Mensch und als deutscher Klassiker. Als Sohn eines armen Schuhmachers in einer Hütte aufgewachsen, setzt er es durch, dah er auf eine höhere Schule kommt und studieren kann. In Dresden bildet er sich zum Kunstkenner unter der Führung von Malern. Endlich kommt er nach Rom, um den Preis des Religionswechsels, als Bibliothekar des Kardinals Albani, dann als päpstlicher Antiquar und Oberaufseher aller Altertümer in Rom. Auf der Rückkehr von einer Reise in die Heimat wird er, 51 Jahre alt, ermordet, nachdem fein Werk vollendet war. Dieses Werk besteht vor allem in zwei unsterblichen Schriften, den „Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst" (1755), und in der „Geschichte der Kunst des Altertums" (1764). Die erste spricht den Grundgedanken aus, die andere stellt aus ihm heraus Geschichte dar. Ihr einziges Thema ist die antike Kunst, die Winckelmann als die einzige erlcheint, die ganz rein Wahrheit und Schönheit verwirklichte. Rur hier findet er große Gesinnung in schöner Form ausgesprochen. Winckelmann hatte keinen Sinn für das bewegte, aber formlose Pathos der Barockkunst seiner Zeit. Ihrem maßlosen Ausdruck, ihrer formlosen Leidenschaft stellte er das berühmte Wort entgegen: „Das allgemeine vorzügliche Kennzeichen der griechischen Meisterwerke ist eine edle Einfalt und stille Große, sowohl in der Stellung als im Ausdruck". Er sah hier den Gipfel der Kunst, weil hier der Gipfel des Menschentums war. Mit dieser Schönheitslehre wurde Winckelmann der erste deutsche Klassiker. In der Auseinandersetzung des deutschen Geists mit dem Geist des Altertums entfaltete sich der deutsche Idealismus, das neue Ideal von Größe, Geistigkeit und Statur. Das unvergleichliche Werk der klassischen Dichtung verdanken wir der heiligen Hochzeit von deutschem mit antikem Gent. Ohne Winckelmann wären das Werk Goethes, Schillers Hölderlins, Herders und Humboldts Kulturphilosophie und das Meiste der deutschen Romantik, die modernen Geschichtswissenschaften nicht das geworden, was sie sind. An die beiden Vorredner anknüpfend, betonte Frau Dr. Bieber, Professor der klassischen Archäologie, dah die Winckelmannfeste den Zweck hätten, im Sinne des Begründers unserer Wissenschaft einem weiteren Kreis Rechenschaft über dio Resultate der archäologischen Forschungen abzulegen. Die Wissenschaft bringt auf dem von ibnt gewiesenen Weg immer weiter vor. Er saßte die älteste Periode der griechischen Kunst bis Phidias als eine Einheit zusammen, wir scheiden heute in ihr eine ganze Anzahl von Kunstepochen, von denen die beiden der archaischen Kunst von etwa 600 v. Ehr. bis zu den Perserkriegen und dio frühklassische Kunst bis Pbidias in neu gefundenen Denkmälern mit herrlichen Lichtbildern vorgeführt wurden. Das erste Bild zeigte gleich einen unschätzbaren Reugewinn, eine vor zwei Jahren aus dem Meer geborgene überlebensgroße originelle Bronzeftatue, das älteste Bildwerk, da- die Idee einer überirdisch mächtigen, unüberwindlichen Gottheit zum Ausdruck bringt. Unter den spätarchaischen Bildwerken ist die Sihstatue einer Göttin im Berliner Museum die Vertreterin der Hochblüte jonischer süßer Anmut und Reife. In die Frühzeit führt eine stehende Göttin in Berlin, ein altattisches Marmorwerk. Blockartigo geschlossene, ganz abstrakte, aber ungeheuer ausdrucksvolle Formen verbinden sich mit einzelnen, der Ratur entlehnten Zügen zu einem krassen, übertrieben lebendigen, urwüchsig derben, aber geistig hochstehenden Bild. Roch älter sind Sphingen, Gorgonen, Bestien, die in der allerältesten Zeit die Giebel und Dächer der griechischen Tempel füllten. So übersehen wir erst jetzt die starke Entwicklung, die in dieser von Winckelmann noch als Einheit gefaßten Periode vor sich gegangen ist: von unbeholfener Auseinandersetzung mit dec von Dämonen und Bestien erfüllten und gefürchteten Ratur, über urwüchsige Wucht zu naiver, dann immer bewußterer Fröhlichkeit und Verfeinerung. Aach den Perserkriegen verschmelzen Kraft, Frische, Strenge und Anmut dank der Schöpfungskraft der attischen Künstler zu der herben Große der Frühklassik, die sich dann erfti zu der eigentlichen Klassik abklärt, die Winckelmann als „edle Einfalt und stille Größe" gekennzeichnet hat. Die inhaltreichen Ausführungen der drei Redner wurden mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Wenn die kommenden Winckelmannfeste auf gleicher Höhe stehen, so werden sie eine Bereicherung des geistigen Lebens unserer Stadt bedeuten. Oberbeffen. Gemeinderat in Grünberg. + Grünberg, 23. Dez. Die Gemeinde- ratssihung am Montagabend war infolge des Fernbleibens von sechs Gemeinderäten nicht! beschlußfähig. Auf Grund des Artikels 104, Absatz III der Landgemeindeordnung hatte daher Beigeordneter Keller zu einer eiligen Sitzung mit der gleichen Tagesordnung auf Dienstagabend eingeladen. Laut Artikel 104 der Landgemeindeordnung ist eine derartige Sitzung beschlußfähig, auch wenn nicht die vorgeschrieben« Zahl von zwei Drittel der Gemeinderäte anwesend ist. Der Zuhörerraum war stark besetzt, da man allgemein auf das Verhalten der sechs Gemeinderäte gespannt war. Erschienen waren neun Gemeinderäte, da von den sechs fehlenden der vorigen Sitzung sich diesmal drei eingesunden hatten. Diese blieben aber nur während der Verhandlung der beiden ersten Punkte der Tagesordnung im Saale. Dann protestierten fie dagegen, daß der Beigeordnete nicht dem schriftlich ein gereiften Wunsche der sechs Gemeinderäte nachgekommen sei und auf die gestrig« Tagesordnung außer einer anderen Sache di« Dürgermei st erwähl gesetzt habe. Der Beigeordnete rechtfertigte sein Verhalten mit dec Erklärung, dah er absichtlich die Bürgermeister- Wahl nicht auf die Tagesordnung gesetzt habe, da zu dieser Zeit der Einspruch noch nicht erledigt gewesen sei und er in ein schwebendes Verfahren nicht habe eingreifen wollen. Hierauf verliehen die drei Gemeinderäte dio Sitzung. Heber die Beschaffung von Deckungsmitteln für im Rechnungsjahr 1930 bereits entstandene und noch entstehende W o h l - fahrtslasten berichtete der Gemeinderechner Arnold Mendelssohn. Zum 75. Geburtslage des Komponisten. Als ich vor einigen Wochen den Meister in Darmstadt auffuchte, hatte er gerade eine Zuschrift erhalten, in der die Frage aufgeworfen wurde, weshalb sein Schaffen unserer Gegenwart geistia so nahe stehe, obwohl man in Hinsicht auf fein Alter und die durchlebten vielfältigen Entwicklungsperioden der Musik eher geneigt sein könnte, das Gegenteil anzunehmen. Darauf feine Antwort: „Ich habe mein ganzes Leben lang quer gestanden: hätte ich mich der Zeit angepaßt, so hätte ich Schiffbruch gelitten; so aber lernt man und nimmt an.“ Das treffende Bekenntnis einer zielbewußten, in sich geschlossenen Persönlichkeit, die, mit offenem Blick für alles Gegenwärtige, an bestimmten als recht erkannten Grundsätzen unabänderlich festhält, ohne je der Mode etwa des Artistisch-Llebersteigerten, des Impressionistischen zu verfallen, und die in ihrem Heranreifen ihre eigene Erschließung findet. Der heutigen Jugend fühlt er sich besonders nahe, „in der Ablehnung jener gewissen Philisterromantik, die seiner Generation das „Schöne" bedeutete, ihm aber von jeher als verlogen tief verhaßt war". Damit fällt er das Urteil über alle, die ihn Irgendwie in eine Beziehung zur Romantik setzen wollen. Seelenschwörmerei, völliges Aufgehen im Subjektiv-Gefühlshaflen ist ihm fremd. Deshalb wirb man ihn auch nicht zu den sog. „absoluten" Musikern rechnen können: er braucht für fein Schaffen stets ein anregendes Medium; sei es im Worte gebundene Bildhaftigkeit, fei es eine begriffliche Bezogenheit. Aus dieser Veranlagung ist seine Hinwendung zur Dokalmusik zu erklären. Sein Vokalstil ist ein Verschmelzungsprozeß des bildhaft-symbo- lisch-geistigen Gehaltes des Textlichen mit organisch- logischer Gesügtheit des Musikalischen, ohne sich bei allem Eingehen auf die Bildhaftigkeit des Textes in abschildernder formal zerflatternder Programmmusik zu verlieren. Von dieser Einstellung aus erscheint für ihn das Problem der Form an sich bedeutungslos. Seine Dokalform erwächst auf organisch fundiertem Grunde des Textes als ein sinn- volles musikalisches Geschehen. — Selbst die Fuge, die man oft nur als einen formal-dynamischen Ablauf ansieht, wirb, bei ihm zu einem geistigen Ge- staltungsprozeß. as wissen Sie nicht?" — „Nein, das weiß ich nicht." — „Dann will ich es Ihnen sagen", meint der Kranke mit überlegenem Gesicht. „Wenn ich den Karren richtig halte, wie die anderen Idioten hier, ladet man mir auch Steine hinein, und ich muß mich damit abplagen. Aber ich bin doch nicht oettüdtr Sehringer, daß der im Doranschlag vorgesehene Betrag für Wohlfahrtspflege bereits setzt um 2080 Mk. überschritten sei und für den Rest des Rechnungsjahres schätzungsweise noch ein Betrag von 3700 Mk. benötigt werde, so daß mit einem ungedeckten Betrag von 5780 Mk. xu rechnen sei. Zur Deckung hierfür wird von der Bürgermeisterei die Einführung der Bürger ft euer in der Höhe der Landessätze vorgeschlagen, die nach den Berechnungen des Rechners zwischen 5000 bis 6000 Mk. erbringen wird. Mit 8 gegen 2 Stimmen wird die Einführung beschlossen. Der nächste Punkt der Tagesordnung betraf Arbeitsbeschaffung fürWohlfahrts- erwerbslose, Um Arbeitsgelegenheit zu beschaffen, wird dem Unternehmer O. Kühn das Drechen von 100 Kubikmeter Steinen zu seinem Angebot übertragen unter der Bedingung, daß er Erwerbslose zu dieser Arbeit einstellt. Die übrigen Punkte der Tagesordnung, meist kleinere Sachen, wurden nach dem Auszuge der drei Gemeinderäte glatt erledigt. Am Schlüsse der Sitzung dankte Beigeordneter Keller den ausharrenden Gemeinderäten und bemerkte noch, daß dies voraussichtlich die letzte Sitzung unter seiner Leitung gewesen sei, da anl Freitag, 2. Januar 1931, die Einführung des neuen Berufsbürgermeisters Dr. Mrldner erfolgen solle. Gemeinderat in Schlitz. ED Schlitz, 22. Dez. Der Gemeinderat beschloß in seiner jüngsten Sitzung u. a., die Hunde st euer nach den bisherigen Sätzen zu erheben. Der Bürgermeister teilte ferner mit, daß mit den Anliegern der Zinsserstraße eine Einigung wegen der Anliegerbeiträge erzielt worden sei. Ein Antrag auf Bewilligung von Mitteln für Kanalisotionsarbeiten, die als Notstandsarbeiten durchgeführt werden sollten, wurde grundsätzlich genehmigt. Durch diese Arbeiten, die bereits am 29. Dezemver begonnen werden sollen, erhalten etwa 25 Erwerbslose Beschäftigung. Die Durchführung ist an die Unternehmer Maurermeister Gg. Wilhelm Metzendorf und Maurermeister August G u n t r u m vergeben worden. Zum Schluß der Sitzung bewilligte der Gemeinderat eine Summe von 1200 Mark zur U n - terstützung der Bedürftigen der Stadt. Die Unterstützung soll nach individuellen Gesichtspunkten geschehen. Kirchenkonzert in Hungen. ± Hungen, 23. Dez. In der Stadtkirche in Hungen war am Sonntagabend ein weihnachtliches Konzert, das in Plan und Ausführung als wvhlgclungen b:z ichnet werden kann. Tie Altistin Käthe Gärtner fang mit Begleitung der Orgel, teils auch mit Orgel und Mo'ine. Eine gute Auswahl von Kompositionen 3. S. Bachs, Händels, Regers und von P. i£or- nelius zeigte, daß die Sängerin nur musikalisch wertvollstes Gut zu bieten sich bemüht. Ihr Gesang ist sicher, die Stimme gut beherrscht und von hervorragender Fülle. Angenehm berührte auch die für das Verstehen des gesungenen Worts so wichtige „genaue und doch nicht übertriebene Artikulation. Die Stimmung der verschiedenen Stücke war gut getroffen, doch kann man bei den der Sängerin zur Verfügung stehenden Mitteln noch eine weitere Steigerung der Suggestivkraft ihres Gesangs erhoffen. Frau Mendelssohn-Bartholdy hatte sich ebenfalls in den Dienst der Sache gestellt, indem sie gut ausgewählte und passende Gedichte vorlas. Eine angenehme, wo')lg übte Stimme, angemessenes, die Gefahr der Stilwidrigkeit meidendes Auftreten, schlichter und vornehmer Vortrag zeigten sie ihrer Aufgabe gewachsen. Die Begleitung der Gesänge wurde von den Herren P. B u ch w a l d ifltb stud. theol. W. Volz mit Geschick bewältigt. Besonders bei den beiden Kompositionen für Violine und Orgel (Dach und Händel) zeigte Herr D u ch w a l d gu'es mus.ka isches Verständnis, Moratorium ober Revision? un ^TratUcradl nsrar- 675 Mill. ~ 26 Mill. 'Millionv) Mark DEUTSCHLA Unsere Darstellung zeigt die Belastung Deutschlands durch den Youngplan und die Zahlungen der Siegerstaaten an Amerika bzw. England. Amerika ist der eigentliche Nutznießer des Doungplans, da ihm direkt und indirekt etwa 60 v. $). der deutschen Zahlungen zufließen. England erhält zwar einen beträchtlichen Teil der deutschen Zahlungen und auch von Frankreich große Summen, ist aber immer noch stärker an Amerika verschuldet. während Herr Volz fein Instrument mit unge- wchnlichem Können und sachgemäßem Vortrag meisterte. Landkreis Gietzcn. *Heuchelheim,23. Dez. Am Sonntagnachmittag fand in der Kirche die Weihnachtsfeier der Kleinkinderschule statt. Zahlreiche Erwachsene nahmen daran teil. Ein Choral leitete die Feier ein. Der Ortsgeistliche hielt eine kurze An- spräche, die Kleinen sangen gemeinsam ein Weih' nachtslied, und im Zwiegespräch behandelte Fräulein Steinberger mit ihren Zöglingen die Weihnachts- SGeschichte. Den Höhepunkt der Feier bildete die Be- cberung, die in besonders eindrucksvoller Form ge- chab. Danklied und das Schlußwort des Geistlichen beendeten die schöne Veranstaltung, um die sich die Schulleiterin Frl, Steinberger besonders verdient gemacht hatte. * Klein-Linden, 24. Dez. In seiner letzten Versammlung beschloß derTurnvereinKlein- L i n den (DT.) die Auslosung von 400 Mark Anteilscheinen, die seinerzeit beim Kauf seines Heimes gezeichnet worden waren. Am 7. Februar soll der übliche Familienabend im Turnerheim abgehalten werden. Für den 7. März ist ein größeres Schauturnen als rein turnerische Veranstaltung geplant. Die Turnstunden der Altersriege werden in Zukunft am Dienstagabend abgehalten. • Watzenborn-Steinberg, 24. Dez. Auf Einladung der hiesigen Landwirtschaftlichen Bezugs- und Abfatzgenossen- schaft sprach hier Rechtsanwalt Zimmer (Gießen) über die „Haftung des Tierhalters". An den Vortrag schloß sich eine rege Aussprache an, in der bet Redner eine Reihe Fragen beantwortete. * Langsdorf, 24. Dez. Heute vormittag verunglückte der 24 Jahre alte Dienstknecht Rau von hier dadurch schwer, daß ihm beim Jauchefahren, während er auf dem Gefährt saß, die Pferde scheuten und durchgingen, er dabei von dem Fuhrwerk abstürzte und überfahren wurde. Der bedauernswerte junge Mann trug erhebliche Kopfverletzungen und eine Verletzung der Wirbelsäule davon: durch letztere wurde er teilweise gelähmt. Die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in Gießen verbrachte ihn nach der Chirurgischen Klinik in Gießen, wo er ernstlich darniederliegt. * Dettenhausen, 25. D.z Der Geflügelzuchtverein der nördliche nW c 11 e r a u, Sih Dettenhausen, hält am 3. und 4. Januar 1931 seine erste allgemeine Geflügelschau in Det- renhausen bei Gastwirt K. Müller ab. Die Schau wird sehr reichhaltig mit Geflügel aller Art be- fdj.cft fein. Für die Aussteller stehen schöne Ehrenpreise zur Verfügung. Der Besuch der Ausstellung ist sehr zu empfehlen. L Queckborn, 24. Dez. Die Schule hatte die Eltern zu einem Elternabend, der als Weihnachtsfeier ausaestaltet war, cingeladen. Die jugendlichen Darsteller brachten mit viel Eifer und Geschick die Gestalten der Weihnachtszeit auf die Dühne. Der Bürgermeister sprach den ver- anftaltenben Lehrern den Dank der Gemeinde aus. Der gemeinschaftliche Gesang schöner Weih» nachtsl'.eder beschloß die eindrucksvolle Feier. )( L i ch, 24. Dez. Am Sonntagnachmittag fand in der Kirche die diesjährige Weihnachtsfeier der Kinderschule statt. Die Kinder fangen unter dem Weihnachtsbaum und sagten Gedichte auf. Pfarrer Staubt hielt die Ansprache. Eine schöne Weihnachtsbcscherung bildete den Abschluß der Feier. Der Mädchen- kranz veranstaltete im festlich erleuchteten Gemeindesaal ebenfalls eine Weihnachtsfeier. Gedichte und kleine Aufführungen wechselten mit gemeinsam gelungenen Advents- und Weih- nachts icbem ab. Zum Schluß hielt der Leiter, Stisis'^echant Kahn, eine Ansprache und überreichte jedem M'.tg'ied eine sinn'ge, Weihnachtsgabe. Auch in den beiden Frauenkränzen wurden wohlgelungene Weihnachts- und Ad- ventsfeiem veranstaltet. KreiS Friedverg. • Friedberg. 23. Dez. Die diesjährige 05et> bandsausstellung der KanarlenKuchtver- e l ne für Oberhessen, das Lahn- und Dillgebiet fand vom 18. dis 20. Dezember im „Ratskeller" zu Friedberg statt. Sie Prämiierung der 220 Sänger fand durch die Preisrichter Ehr. E - n st . Vad Homburg v. d. H., und Ehr. Gabtoein, Frankfurt a. M., statt. Das Prämiievungsergebnis war folgendes (E. — Ehrenpreis, ggM. = große goldene Medaille. kgM. — kleine goldene Medaille, asM. — große silberne Medaille, ksM. = kleine silberne Medaille): 1. Selb ft zuchtklasse 1 9 30: Hch. Schneider, Steinbach, Kreis Gießen. 336 Punkte, Verbandsmeisterschaft, Derbands- plakette, Verbandswanderpreis und Ehrenpreis der Stadt Friedberg. Phil. Müller Grünbera, 327 P.. C., kgM.; Georg Krug II., Lindenstruth, 324 P., E., kgM.; Konr. Simon, Friedberg, 321 V., E., kgM.; Oskar Müller, Wetzlar, 318P., E., kgM; Hch. Schmidt, Gießen, 318 P., E., gsM; Hch. Momberger, Gießen, 303P., ksM.; R. Fren- zel. Gießen, 297P., ksM.; K. Becker, Gießen, 297 Punkte, ksM.; K. Sude, Wetzlar, 294P., ksM.; K. Renkel, Ridda, 291 P., ksM -^.Allgemein e K l a s s e: Friede. Förder, Friedberg, 354 Punkte, E., ggM; Hch. Schmidt, Gießen, 345 P., E., ggM.; Fciedr. Förder, Friedberg, 336 P., E., kgM; Hch. Becker, Gießen, 315 P., E., ksM; Gg. Krug II., Lindenstruth, 315 P., E., ksM; Philipp Müller, Grünberg, 315 P., E., gM.; Paul Kluge, _ Dad°Rauheim, 312 P., E., ksM; K. Weitzel, Bruchenbrücken. 309 P., E., ksM; K. Renkel, Ridda, 306 P., E., ksM; Hch. Simon, Friedberg, 306 P.. ksM; Phil. Reu. Friedberg, 306 P., ksM. ch Butzbach, 24. Dez. Eine Weihnachtsfeier, die gleichzeitig im Dienste der dienenden und helfenden Nächstenliebe stand, hielt der Allce-Frauenverein im kleinen Saale des „Hessischen Hof" ab. Anter Musikklängen traten die geladenen Gäste, etwa 40 bedürftige, meist alte Leute, in den Saal und wurden an, weißgedeckten Tischen mit Kaffee und Kuchen bewirtet. Gedichtvorträge, gemeinsam gesungene Weihnachtslieder, Sologesänge, Ansprachen und Orchesterstücke ließen die Stunden schnell vorübergehen. Rach einer Kaffeepause fand die Be- fcherung statt. Kleidungs- und Wäschestücke, die von den Frauen und Mädchen des Vereins selbst angefertigt waren, wurden den Gästen zum Geschenk. Kreis Biidntgerr. WSR. Büdingen, 24. Dez. Der hiesige Gern e i n b c r a t beschloß in einer Sitzung am Dienstagabend mit allen Stimmen der bürgerlichen Parteien gegen die Stimmen der Sozialdemokraten die Anstellung eines Berufsbürgermeisters für unsere Stadt und genehmigte, ebenfalls gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, ein entsprechendes Ortsstatut. Wann der Posten zur Besetzung ausgeschrieben wird, steht bis jetzt noch nicht fest. 0 Büdingen, 24. Dez. In seiner jüngsten Sitzung beschloß der K r e i s a u s s ch u ß des Kreises Büdingen Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten Karl Bähr II. und Wilhelm Velten zu L i n d h e i m , nachdem die am 30. November vorgenommene Beigeordnetenwahl in Lindheim durch den Kreisoirektor beanstandet worden war. —w Stockheim, 23. Dez. Am Sonntag hielt der hiesige Turnverein seine diesjährige Weihnachtsfeier ab. Im Namen des Vorstandes sprach A. Ge r n a n d Worte der Begrüßung und gab einen kurzen Rückblick auf das vergangenen Dereins- jahr. Zwei Weihnachtslieder, gesungen von Frau Dr. Sieg er t, Gedichtvorträge, gemeinsam gesungene Lieder und eine Weihnachtsrede des Werbwarts Willy K e i d e l füllten die Stunden aus. X Hirzenhain, 24. Dez. Gestern abend brach in einer zu bem Hofgut Luisenlust gehörigen Scheune ein Schadenfeuer aus, bem bet ungebroschene Hafer von 60 bis70 Morgen und eine Dreschmaschine Die kleine Aicoletle. Vornan von paul Hain. 4. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Ah ja — der Aufwand! Fünf Personen Dienst- per onal im Hause! Warum? Warum? Aber jetzt war keine Zeit, über diese Dinge nachzudenken. Wit ruhiger Stimme sagte er zu der Zofe: „Schicken Sie die Damen hier herein —" Gleich darauf betraten diese, zwei jüngere, elegante Personen, das Arbeitszimmer. „Firma Dönhoff", sagte die eine lächelnd und nestelte aus der Handtasche die Rechnung hervor. Wördehoff nahm sie entgegen und las die einzelnen Posten durch. Seit einem halben Jahr hatte die Firma kein Geld bekommen — aber acht Tolletten und Straßen- und Sportkostüme waren geliefert worden. Die Endsumme war dementsprechend. Wördehoff sagte kein Wort. Er wandte sich der zweiten Dame zu: „Und Ihre Rechnung, bitte?' Sie ergab etwa das gleiche Bild. Er schloß ein Schreibtischfach auf, nahm aus einer Kassette das Scheckbuch. Schrieb zwei Schecks aus und überreichte fie den Damen. „Ditte schön." Rur ruhig sein — und lächeln, dachte er. Solange ich nicht hier allein bin. Lind erst als die Tür hinter den beiden zugefallen war, atmete er tief auf. Eine Weile starrte er vor sich hin. Wie gedankenlos. Dann schob er die Rechnungen mit einem Ausdruck des Widerwillens im Gesicht beiseite. Da hatte er eben eine Summe bezahlt, von der er allein wohl ein volles Jahr sehr gut hätte leben können! Ah — er allein nur? Sein Gesicht verzog sich. Wieviele Rechnungen mochten noch unbezahlt sein? Was er schon lange ahnte, es wurde ihm in dieser Stunde zur Gewißheit. Rorma war eine Dcr chwenderin! Eine Künstlerin auch — auf diesem Gebiet! Früher, in dem ersten halben Jahre feiner Ehe, hatte er die Eleganz, die spielerische kostspielige Großzügigkeit Rormas entzückend gefunden und hatte selbst kaum überlegt, ob dieser übertriebene Aufwand notwendig war oder nicht. Aber bann hatte sich langsam fein Blick geschärft. Lind nun — ach ja, es war eins zum andern gekommen! Lind das Erkennen war da: Früher, viel früher, war er allein gewesen mit einer dunklen Sehnsucht in sich. Lind jetzt, fai er zu Geld und Ramen gekommen war, war et wieder allein in all dem Glanz seines äußeren Lebens, und seine Ehe war nur noch eine Farce! Ein Dichter? Seine Frau sah nur den geld- verdienendm Schrck-steller in ihm, dcr Rechnungen bezahlen durfte, der eine gute, wirkungsvolle Staf.age für ihre eigene Persönlichkeit war. Ja — es war alles so einfach. — Quälend fielen von neuem die Gedanken über ihn her, und er suchte ihnen zu entrinnen, indem er zum Grünewald hinausfuhr, um durch das erste, lichte, keimende Grün zu wandern und Ruhe in der Stille der Ratur zu finden. — Als er am Rachmittag nach Hause kam, war Rorma gerade von einem Tee bei einer ihrer Vielen Freundinnen zurückgekvmmen. Sie hatte an diesem Abend im Theater nicht zu spielen. In einem leichten, aber in der pikanten Einfachheit des Schnitts nicht weniger kostbaren Hauspy^ama faß fie in einem Sessel des Salons und blätterte im neusten Mode- journal. 2lls Wördehoff eintrat, blickte sie ihm lächelnd entgegen. Ihrer Schönheit sich bewußt. „Ah — das nenne ich mal eine Lleberraschung", sagte Wördehoff. „Richt wahr? Ich wollte dich auch überraschen, lieber Hubert, du lieber Trohkopf —" Sie erhob sich und ging ihm entgegen. Ihre roten Lippen schienen zu blühen. Das leichte Gewand ließ die Vollkommenheit ihres ebenmäßigen Körpers deutlich erkennen. Wördehoff stutzte. So schritt sie auch auf der Bühne, wenn eine Rolle Frauenlist und Heuchelei von ihr forderte. Das war die Geste, mit der fie Männer zu Rarren machte. Die Routine der großen Schauspielerin war darin. Lind er fühlte, daß auch jetzt diese Geste gespielt war, und daß fie eine wohlvorbereitete Szene agieren wollte, um ihn wieder in ihren Bann zu verstricken. Da sagte er: „Richt so, Rorma." Er ergriff ihre Hand, bevor sie den Arm mit koketter Anmut um feinen Hals legen tonnte, und zog sie an die Lippen, um sie mit kühler Höflichkeit zu küssen. Ihr Mund verzog sich ein wenig. „Roch immer Trohkopf?" Er ärgerte sich im stillen über die spielerische Leichtigkeit, mit der sie eine tiefe Meinungsverschiedenheit und seelische Verstimmung behan- delle. „Trohkopf!" „Ich beneide dich um deine Sorglosigkeit. Rorma. Ich kann dir das nicht nachmachen." „Leider — ich merke das seit Monaten", erwiderte sie und schmiegte sich wieder in den Sessel. „Lind es schmerzt mich." Er nahm ihr gegenüber Platz. Betrachtete sie in ihrer gewollt reizvollen Koketterie. „Rorma — ich habe heute verschiedene.Rechnungen für dich bezahlt —" Sie blinzelte mit den Augen. Schwieg. , „Rechnungen, deren Höhe mich ernstlich beunruhigt —“ Sie wippte mit dem Fuß. „Ich weiß. Dönhoff und Shrig." Roch lächelte sie. „Es werden noch einige weitere nachkommen." „So - so." „Ich denke, es wird dir ein Vergnügen sein, auch diese zu bezahlen, Hubert." Er riß sich zur Ruhe zuia.nmen. „Rorma, so geht das nicht weiter! Haft du dir schon einmal überlegt, wieviel unser Haushalt allein kostet?" ..In der Tat nein“, antwortete sie, und nun erlosch das Lächeln um ihre Lippen, „ich bin der Meinung, daß ich das nicht nötig habe, Hubert. Ich bin doch feine Beamtenfrau, wie? Lächerlich! Ich finde es höchst wunderbar, daß du — mir Vorwürfe darüber machen willst, ich — verbrauche zuviel! Was soll das?" „Das soll heißen, Rorma, daß auch wohlhabende Leute nicht über ihre Verhältnisse hln- ausleben dürfen. Auch sie müssen rechnen!" Rorma lächelte amüsiert. „Huber'. du vergißt wohl, wer wir sind?" ,.O nein. Du bist eine große Künstlerin! Aber das berechtigt dich nicht, mehr auszugeben, als deine hohe Gage dir gestattet. Lind — auf meinen Ramen Schulden zu machen!" „Ah - du!" „Lind ich bin der Schriftsteller Wördehoff, der früher sich über ein wohlgelungenes Gedicht mehr freute, als über die paar Mark, die er dafür bekam. Der wohl vom Glück verwöhnt wurde, aber immer noch nicht, Gott sei Dank, verlernt hat, das Geld zu achten! Im übrigen habe ich dir mein Bankkonto immer zur Verfügung gestellt. Du hast es so reichlich benutzt, daß nicht mehr allzuviel da sein dürfte. Die Tantiemen aus meinen Stücken fliehen nicht mehr so voll. Das ist nur natürlich — denn die Zeit geht darüber hin. Du weiht, dah die Provinzbühnen keine besonderen Geschäfte machen. Lind mein neues Stück — na —“ Rorma hatte sich in den Sessel zurückgelehnt. Ihr ebenmäßiges Gesicht blickte kühl. „Warum erzählst du mft das? Bist du nicht imstande, eine Toilette von ein paar tausend Mark zu bezahlen? Mach dich doch nicht lächerlich!" „Ich will dir in der Tat nicht erklären, baf) ich das nicht kann. Lind daß es nicht angeht, wenn du eine erhebliche Gage für — ja wofür — ausgibst? Ich weih es nicht." Rorma richtete sich auf. Ihre Lippen zuckten. „Rarrheit! Hubert, du bist doch törichter als ich jemals dachte! Ich bin Rorma Relson! Das scheinst du vergessen zu haben! Miß mich bitte nicht mit dem Maßstab des Philisters. Lind — du sprachst von deinem neuen Stück! Gut — wir sind lange genug darum berumgegangen! Warum läßt du es nicht auf führen? Dann kommt neues Geld — auf einen Schlag!" „Damit es für neue Rechnung draufgeht, ja", stieh Wördeboff bervor. „Genug!" rief Rorma aus. Ihre Augen funkelten drohend. Wördehoff bezwang seinen Zorn und sagte verhalten: „Lassen wir doch das, Rorma! Du weißt, warum ich das neue Stück hier nicht weiter proben lasse. Reden wir nicht davon!" „Warum nicht? Gerade darüber hatte ich gerne mit dir gesprochen, ich habe es Hollmann zu- gesagt." Sie legte ihm die Hände auf die Schultern. „Hubert, soll ich dir sagen, warum dir so viel an dem Stück liegt?“ „Run?" fragte er gleichgültig. Sie blinzelte spöttisch mit den Augen und sagte: „Ich kenne dein Geheimnis, mein Lieber." „Geheimnis? Ich wüßte nicht —" „Wirklich nicht? Sieh an!" Ihr Lächeln wurde voll Ironie. „Das Geheimnis deiner — heimlichen Liebe —" Er stutzte. „Du sprichst in Rätseln, Rorma Sie zog die Stirn kraus. „Die kleine Ricolette Kinna —", summte sie spottvoll. „Sie ist doch in der Figur der Helge vcrlörpert. Glaubst du, ich erriet das nicht? Oh, mein Lieber, mir machst du doch nichts vor. Dieses kleine, reizende Geschöpf spukt dir im Kopf." Wördehoff lachte auf. „Wundervoll! Haha. Rorma, gestatte, daß ich lache. Aber du irrst entschieden." Unbeirrt fuhr sie fort: „Es ist so. Lind darum liegt dir daran, diese romantische Liebe nicht von mir verkörpert zu sehen." Aergerlich unterbrach er sie. „Hör' auf, bitte! Das ist ja reiner Unsinn! Unsinn, sage ich! Kein Wort mehr darüber!" „Wie du willst, mein lieber Freund! Mich machst du nicht dumm! Ader die Geldsorgen werden dir schon die Feder in die Hand drücken, und du wirst dennoch tun, was ich will! Ich will in deinen Werken leben — kein anderer." Sie stand aufrecht, in lockendem Weibtmn vor ihm, und der Duft ihres lichten Gewandes strömte um ihn und drohte chn zu verwirren. Das war Rorma, das Weib, das lockende, berauschende» das ihre stolze, kostbare Schönheit ihm darbot. Rimm mich, du Rarr, schien alles an ihr zu rufen, und wirf alle dumme Sehnsucht nach eigenem Dichterruhm und alle Bescheidenheit von dir. Sei mein Geschöpf, und es wird dir gut gehen! (Fortsetzung folgt) zum Opfer fielen. Vie Feuerwehren von Hirzenhain, Gelnhaar und Usenborn waren gegen das Feuer machtlos, da die vorhandene Wasser- menge nicht genügte, um dem verheerenden Element Einhalt zu gebieten. Da die Scheune an den vier Ecken gleichzeitig brannte, wird Brandstiftung vermutet. £rei6 Schotten. Ober-Schmitten. 24. Dez. Sine hier stattgehabte Versteigerung von Liegenschaften beleuchtet« die wirtschaftlich« Notlage deS Bauernstandes, die sich in Geldknappheit und mangelnder Kauflust auSwtrkt. 2luf viele Parzel en wurde übrrhauvt kein Angebot abgegeben. Andere crzi:lien ein Höchstgebot von 20 bi« 30 Pfennig pro Quadratmeter, so daß kein Zuschlag erteilt wurde. In den Jahren noch dem Kriege waren hier Aecker und Wiesen sehr begehrt unb erzielten weit höhere Preise, als sie in der ganzen Umgebung üblich waren. Baugelände wird dagegen immer noch mit 3 Mark pro Quadratmeter bezahlt. I Obe r-L a iS, 23. Dez. Am vorigen Sonntag veranstaltete die hiesige zw Massige S ch a le im vollbesetzten Saale de« Gastwirt« Werner eine Weihnachtsfeier. Schüler beider Klassen führten, nach Alter und Können abgestuft, mehrere WeihnachtSspiele aus, die alle viel Beifall fanden. Zwischen die szenischen Darbietungen eingestreut waren Gediu)tvorträge, Musikstücke de« hiesigen MusikvereinS und gemeinsam gesungene WeihnachtS.ieder. Zum Schluß erfolgte die Verteilung der Geschenke, die bei allen Kindern Hellen Jubel au« äste. Alle D.schenk: für 79 Kinder waren in wochenlanger Arbeit unter Leitung der beiden hiesigen Le irrerfamilien von den Kindern selbst hergestellt worden. ch Babenhausen II, 22. Dez. Wie mitgetellt wird, ist nun die endgültige Entscheidung der Ober- postdireltton Darmstadt dahin gefallen daß vom 1. April ab die Vertröstung der Landpost für den hiesigen Bezirk zur Durchführung kommt. preutzen. KrciS Wetzlar. •&- Wetzlar, 22. Dez. Der Jahresbericht des Aieyocrficherungsoereins für den Kreis Wetzlar aus dem Geschäftsjahr 1929 dO zeigt Gegenüber dem Vorjahre erhebliche Mehrausgaben für befriedigte Schadenersatzansprüche der Mitglieder. t$ür diesen Zweck wurden insgesamt 130 170,26 Mark für 882 Schadcnfälle bezahlt. Die Zahl der versicherten Tiere betrug insgesamt 14 774 Stück. 0 Krofdorf, 24. Dez. Die Orgel unserer Kirche zeigte bisher starke Mängel, die ihre Ursache hauptsächlich in dem veralteten Blasebalg hatten. Nunmehr wurde ein elekt romotori- sche« Gebläse eingebaut, das die Störung'.n unb das anstrengende Dalgtreten in Wegfall kommen läßt. — Die hiesige Schule veranstaltete eine Weihnachtsfeier in der Turnhalle. Gedichte und Gesänge der Schuikinber, sowie gemeinschaftlich gelungene Lieder und zum Schluß ein Märchenspiel schufen weihnachtliche Stimmung. Der Vorsitzende des Sltcmbcirale« dankle in anerkennenden Worten der Lehrerschaft für ihre Mühe und wünschte Fortbestehen oes guten Verhältnisses zwischen Elternhaus und Schule. xy. Ovenhausen (Lahn), 23. Dez. Die hiesige Volksschule veranstaltete am Sonntag im Saale Klinke! eine stark besuchte öffentliche Weihnachtsfeier. Zur Darbietung gelangten Gesänge, Deklamationen und Weihnachtsszenen. Gemeinsame Gesänge der Teilnehmer umrahmten die Darbietungen. 3 Salzböden, 24. Dez. In der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung gab Gemeindevorsteher Bodenbender einen lieber- blick über den derzeitigen Stand der Gemeindefinanzen und über die in den Notverordnungen enthaltenen Vorschriften zur künftigen Gestaltung des Gemeindcsteuerwesens. Die Gemeindevertretung sah sich gezwungen, als 'Ausgleich für die infolge der allgemeinen wirtschaftlichen Notlage eingetretene außergewöhnliche Belastung für das Rechnungsjahr 1930 eine Nachtragsumlage in Höhe non 50 v 5). der Grundvermögens- und der Gewerbesteuer zu beschließen, sowie ab 1. Januar 1931 die Gemeindebiersteuer einzuführen. ---Lützellinden. 22.D:z. Di«hiesig«Kleinkinderschule veranstaltete am Sonntagabend ihre von Eltern und Freunden zahlreich besuchte Weihnachtsfeier in unfe.ee Kirche Gut ein- geübte Weihnachtslieder und -gedichte, von den Kleinen unter Leitung von Schwester Luise borge tragen, bildeten den Mittelpunkt der Feier, welche mit einer Ansprache les Ortsgristlichen und Darbietungen des Gemischten EhoreS eine sinnvolle Umrahmung sand. Die Kollekte wurde dem Diakonissenmutterhaus in Nonnenweier überwiesen. H Groß-Rechtenbach, 24. Dez. In unserer Gemeinde wurden für d i e notleidende Bevölkerung gesammelt: 28.05 Zentner Kartoffeln, 2,11 Zentner Gemüse, 15 Pfund Fleisch und 41 Mark Bargeld. Q Klein-Rechtenbach, 24. Dca. In der hiesigen Gemeinde wurden für die notleidend« Bevölkerung 14 Zentner Kartoffeln, 3 Zentner Gemüse, 1 Zentner Kohlrabi, 15 Pfund Koch- erbfen, 6 Pfund Wurst und Speck, 3 Pfund Schmalz, 3 Brote und 31 Mark Bargeld gesammelt. 00 Hörnsheim, 23. Dez. Die Sammlung für die notleidende Bevölkerung hatte in der hiesigen Gemeinde folgendes Ergebnis: 9,50 Mark Bargeld, 41 Zentner Kartoffeln, 9,15 Zentner Gemüse, 22.5 Pfund Speck, 9,5 Pfund Ktt, 12 Würste, 4 Töpfe Honig, 8 Brote, 180 Käse, 2 Bekleidungsstücke, 4 Meter Stoff für ein Kleid und Kolonialwaren. > Hochelheim, 24. Dez. Der Gemeinderat beschloß einstimmig, die Erhebung einer Nachtragsumlage für das Nechnungsjahr 1930 abzulehnen. <> Niederkleen, 23. Dez. In der hiesigen Gemeinde wurden für die notleidende Bevölkerung 30 Zentner Kartoffeln, 12 Zentner Gemüse, sechs Pfund Wurst. 8> t Pfund geräucherter Speck, 13i i Pfund frischer Speck. 6 Brote, 3 Eier und 8,90 Mark Bargeld gesammelt. 4- Niederkleen, 24. ‘Scj. 3n seiner jüngsten Sitzung beschloß derGemeinderat einstimmig, die Erhebung einer Nachtragsumlage für das Nechnungsjahr 1930 mit Rücksicht auf die große Notlage, in der sich die Larchwirtschaft befindet, abzulehnen. O Dornholzhausen. 24. Dez. Die in unserer Gemeinde vorgenommene Sammlung für die notleidende Bevölkerung hatte folgendes Ergebnis: 25 Zentner Kartoffeln, 476 Pfund Kraut. 4 Pfund Speck. 1 Pfund Butter und Wäschestücke. — 3n seiner jüngsten Sitzung lehnte der Gemeinderat die Erhebung einer Nachtrag-Umlage für das Rechnungsjahr 1930 a b. Gemeindevorsteher Watz hat das Amt als gewählte- Gemeinderatsmitglied niederaelegt. An seine Stelle ist bet Landwirt Wilhelm KlöS II. in den Gemeinderat eingetreten. Kreis Biedenkopf. T Rodheim a. b. Bieber. 22. Dez. Die hiesige Schule veranstaltete eine wohlg:lungene Ausstellung von Weihnacht-geschen- f e A, welche die Kinder im Handarbii.Santerricht für ihre Eltern angefertigt hatten. Arn Samstagabend wurde die Ausstellung mit einer Weihnachtsfeier eröffnet. Die Kinder trugen in Anwesenheit ihrer Eltern Gedichte vor. tanzten Weihnachtsreigen und zeigten ein kurzes Weih» nochtSspicl. Danach wurde die Ausstellung besichtigt. die sehr schöne Kissen, Kaffeewärmer. Klammerschürzen bis zum Waschlappen und Topf- anfasser von den Kleinsten zeigte. Alle Dinge waren mit großer Sorgfalt gearbeitet. Außer diesen Weihnachtsgeschenken zeigte die Ausstellung Produlte deS Zeichenunterrichts und Modelle von Apparaten, wie sie im Physikunterricht benötigt werden. Die letzteren waren in der Hauptsache von Zigarrenbrettchen gearbeitet und von den Knaben der ersten Klasse hergestellt. DaS EintrittSgeld foU dazu dienen, die Schulden abzu- tragen, welche durch die Anschaffung einer zweiten Nähmaschine für den DadelarbeitSunterricht entstanden sind. Maingau. WSN. Frankfurt a. TI., 24. Dez. In der Schwedlerstraße läßt die Stabt gegenwärtig durch Notstandsarbeiter alte Baracken ab- reißen. Heute morgen stürzte bei diesen Arbeiten eine etwa drei Meter hohe Mauer c i n und begrub den 44 Jahre alten Notstandsarbeiter Dintke unter sich. Er erlitt so schwere Schädetoerletzungen, daß er auf dem Wege zum Krankenhaus verstarb. Der Verunglückte war verheiratet und Vater von vier Kindern. WSN. (Kronberg (Taunus), 26. Dez. Am ersten Weihnachtsseiertag fuhr der 43jährige Brief- träger Denket von hier mit dem Fahrrad die stark abfallende Straße nach dem Bahnhof zu. Er glitt mit dem Rade aus, stürmte und erlitt einen doppelten Schädelbruch, an dessen Folgen er verstarb. Der Verunglückte hinterläßt Frau und zwei Kinder. Geschichten aus aller Welt. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Der Doppelgänger. — Paris. Jahrelang hat er seine Rolle ausgezeichnet gespielt: bald sah man ihn in London, bald in Paris, in Brussel oder Amsterdam auf einem großen Sportfest, auf einer Veranstaltung, bei der man wettete ober boch wenigstens in großer Spannung etwas beobachten mußte. Bill Humbert war überall, wo etwas los war. Die Grafen und Barone in Paris erhoben sich ehrfurchtsvoll von ihren Sitzen und grüßten tief. Die Belgier starrten ihn an und die Holländer machten noch größere Augen, wenn sie ihn bemerkten. Denn er sah aus wie der Prinz von Wales. Diese Tatsache bestimmte sein ganzes Leben von dem Augenblick an, als ihn sein Vater, der Stos.warenhändler Humbert in Manchester, aus dem Hause jagte. Die an sich lustige Tatsache, einem Prinzen auf das Haar zu ähneln, hatte eigentlich ja keine sehr tiefe Bedeutung, wenn Humbert sie ihr nicht gegeben hätte. Er tat es, indem er aus seiner Aehnlichkeit ein großartiges Geschäft gemacht, weil er merkte, wie leichtgläubig die Menschen wurden gegenüber einem Mann, der so aussah wie der Prinz von Wales. Außerdem hatte er sich beibringen lassen, wie man Taschendiebstähle ausführt, wie man unvorsichtigen Neichen die Brieftaschen zieht. Wenn man ihn in Paris oder London auf einen Ehrenplatz geführt hatte, wie er sogar einem „inkognito" hier weilenden Prinzen von Wales gebührte, bann hielt er gleich Ausschau nach seinen Nachbarn und stahl ihnen, was er konnte. Selbst den Vorstand e'.nrs großen englischen Klubs plünderte er. während er einem Franzosen, einem Inslationsgewinnler, viele 100 000 Franken ab- nahm, ohne mit der Wimper zu zucken. Mit Hllse einer eigenen Diät, durch die Unterstützung eines FriseurS und unter Benutzung unzähliger Bilder deS Prinzen von Wales steigerte er seine Aehnlichkeit mit ihm immer weiter. Schließlich ging er sogar dazu über, von dem Schneider, bei dem auch der Prinz von Wales arbeiten ließ, seine Anzüge zu beziehen. Dann aber hatte er seinen Höhepunkt erreicht. Eine zufällige direkte Intervention des Prinzen von Wales rettete ihn vor dem Zuchthaus. Aber in Paris verfolgten ihn drei Steckbriefe. Außerdem tauchte in seinem Hirn die fixe Idee auf — er sei wirklich der Prinz von Wales. In diesen Ideen verwirrte er sich so sehr, daß er schließlich Gift nahm und sich umbrachte. Die Polizei war einigermaßen erstaunt, kn ihm den berüchtigten Hochstapler, den falschen Prinzen zu finden. Auf Grund einer besonderen Bitte und einer speziellen Information der englischen Botschaft in Paris ist die Untersuchung In der Affäre Bill Humbert sofort eingestellt worden. Man wird also nie wissen, wie groß die Liste seiner Uebeltaten war. Große, ganz große Schandtaten, gemeine Verbrechen beging er nicht. Seine größte Schuld war, daß er aussah wie der Prinz von Wales. Dabei aber muß man hervorheben, daß er nie in seinem Leben zu jemanden gesagt hatte, daß er eS sei. Die anderen sagten es und glaubten es in ihn hinein —- und er lieft sie dabei — biS er eines TageS selbst daran glaubte und die Unwahr- ftafligteit dieses Gedankens nicht ertragen konnte. Das war das Ende deS Vill Humbert, des falschen Prinzen von Wales. Tic „Löwcnwüste" wird Nationalpark. (p) Mestiko - City. Zur Betrübnis aller, die hier eine Geschichte von Löwen und einer Wüste zu lesen hofften, muß gleich gesagt werden, daß diese Angelegenheit mit nichts von beiden zu tun hat, obwohl eS sich um eine Löwenwüste handelt. Aus der „Löwenwüste" wird ein Nationalpark, wo die Bäume wachsen und die Tiere leben dürfen wie sie Laune haben. Die Löwenwüste ist ein Kloster, oder, genauer gesagt, die weite Umgebung eines Klosters, das vor vielen hundert Jahren Kar- melitermönche bei Mexiko-Eity anlegten und zu einem Wunderwerk ausgestalteten. „El Desierto de los Leones" wurde im Jahre 1606 errichtet unter dem Protektorat des DizekönigS von Neuspanien, seiner Erzellenz Don Juan de Mendoza. Marquis von Mones ElaroS. Aus bisher noch nicht ermittelten Gründen ist eines Tages das Kloster geräumt worden. Und heute werden die weiten Anlagen als Sehenswürdigkeit vorgeführt. In diesen Anlagen findet man nämlich unterirdische Gänge, die sich kilometerweit hin- ziehen und kleine Zellen, über deren Sinn und deren Bedeutung man sich nicht im klaren ist. Heute neigt man beinahe zu der Ansicht, daft die Mönche hier auf Fundamenten aufbauten, die aus der früheren Indianerzcit stammten und daß hier schon einmal ein Palast oder ein Tempel gestanden habe. Während die Historiker die Gänge durchsuchen, werden draußen hohe Zäune gebaut, um den Naturschutzpark auch wirllich zu schützen — bis in fernerer Zeit wieder einmal andere Menschen kommen und hier bauen und sich wundem über die Gänge und die Geheimnisse dieser (Ruinen und sich ebenfalls nicht erklären können, weshalb nun eigentlich die Löwenwüste ausgerechnet Löwenwüste heißt. Jußball-Großbelneb an Weihnachten. Das Sportprogramm der Weihnachtstage zeigte in erster Linie einen großen Privatspiel, betrieb im Fußball. Ausländische Gäste in Deutschland, große inner- deutsche Spiele und Auslanbreisen deutscher Mannschaften waren an der lagecorbnung und daneben gab es sogar zwei wichtige Entscheidungen in den süddeutschen Punktespie - len. FC. Pforzheim sicherte sich durch einen nach Verlängerung erstrittenen 3:2-Sica über den D f B. Stuttgart den zweiten Platz Cer Gruppe Württemberg, in Baden wurde Phönix Karlsruhe zweiter durch einen 2:0-Sieg über 9t a ft a 11. Von den internationalen Spielen innerhalb Süd- deutfchland interessiert zunächst die Deutschlandreife der Wiener Vienna, die nach dem glänzenden Sonntagssiege gegen Bayern München nun auch den FV. Saarbrücken 1:0 knapper als verdient und die Mannheimer Städtemannschaft mit 6 2 besiegte. Der Wiener A C. führte sich am ersten Feiertage mit einem 6:2-Siege über Wacker München sehr gut ein, enttäuschte aber gegen Schwaben Augsburg und errang nur einen glücklichen 2:1° Sieg. Der F K. T e p l i g wurde am ersten Feiertag in Worms trotz besserer Leistungen 3:2 geschlagen, konnte aber am zweiten Tage gegen Mainz 05 mit 4:2 gewinnen. Hungaria Budapest war in Nürnberg in Hochform und gewann gegen den „Älub“ 2:0, besiegte aber auch den SC. Dresden am zweiten Tage mit 5:2. Trotz des Sieges ent- täuschend spielte Sparta Prag in München und gewann gegen 1860 mit 3:0. 9t o t ö ei 6 Frankfurt unternahm eine Reise nach Sachsen und kehrte mit zwei guten Ergebnissen nach Hause. Die „Mannen um Kreß" rangen Guts- mute Dresden «in 1:1 ab und errangen gegen den bestbekannten Chemnitzer BC. einen Sieg mit 4:2. VfL. Neu-Isenburg spielte im Hessen-Han- nooerbezirk des WSD. und erreichte nach einem LO-Sieg über Borussia Fulda gegen Spieloerein Kassel ein 1:1. 23 f 9t Fürth reiste nach Westfalen und gewann gegen Hüsten 09 mit 2:1. Der A C. Graz, seines Zeichens österreichischer Amateur- meister, gastierte in Schweinfurt und Würzburg. In Schweinfurt wurde er von einer Stabtmann- fchaft 2:1 geschlagen, er konnte aber gegen den FD. Würzburg mit 6:1 einen überlegenen Sieg erringen. Im Ausland weillen ebenfalls einige süddeutsche Mannschaften. Der Karlsruher FD. fpielte in Marseille und rang dort Olympique einen Sieg von 7:0 ab. Die Spieloereinigung Fürth befand sich in Italien und gab dort ein erfolgreiches Debüt. Am ersten Tage besiegte sie die italienische Spitzenmannschaft Juventus Turin mit 3:1. Allerdings mußten die Fürther am zweiten Tage vom FC. Milano Mailand mit 2:0 eine Niederlage hinnehmen. Oer übrige Sport an den Feiertagen. Wintersport. Auf dem Ri eß er fee herrschte an den Festtagen lebhafter Betrieb. Am ersten Tage fertigte der ST. Rießersee den Nürnberger THT. hoch mit 17:1 (6:0. 6:0, 5:1) ab, dcr CSV. Füssen be- fiegte bie Nürnberger HG. 2:1 (1:0, 0:1, 1:0) und bcr EV. Tegernsee trennte sich von dem SV. Rosenheim mit 0:0. Am zweiten Feiertag besiegte der CSV. Füssen die HG. Nürnberg mit 6:0 (1:0, 2:0, 3:0). In dem bekannten Harzer Winter-Kurort 6L Anbreasberg tourben am zweiten Festtag bet alljährliche Sang Lauf über 12 Kilometer „Runb um ben St. Anvreasoerg" durchgeführt. bei dem in bcr Seniorllasfe F. Kraft mit 47,38 unb in bcr Klasse der Jugendlichen 3. Wicke mit 59,34 Win. erfolgreich blieben. In Schierke kam zwischen den Mannschaften von Zehlendorf-Westen unb SchLittschuhdrrein Schierke ein Eishockeyspiel zur Austragung, das mit einem 6:0-Sieg der Zehlendorfer endete. Vor 2000 Zuschauern führte der S k i k l u b Partenkirchen am ersten Feiertag die erste größere Winterspvrtveranstalwng in Bachern mit einem Skispringen bn Werdenfeller Land t den vorzubeugen. Die Einrichtung ist ba.nals allgemeiner Zustimmung begegnet, Wanderer unb Sportler haben sich gern eingefügt. ES wirb beShalb vön bee Bergwacht auch in b’.o em Winter versucht werben, am Fuchstanz den Aufstieg zum Feld, erg und bie Abfahrt nach Falkenstein, bzw. Eronberg ben Abstieg vom Kleinen Aldberg zum Fuchstanz, soweit m g ich, auch die Wege vom Sandplacken zum Selb berg, für Sllläuser, Rodler und Fußgänger möglichst ge.rennt zu halten, um eine gewisse Sicherheit und Bewegungsfreiheit für Futzwandercr und Sportler zu schassen. Hierzu ist wiederum die willige Einsicht unb Mithilie aller Winierspor.ler unb TaunuSwan- derer nötig. Wer nicht ganz abseits steht, weiß, baß an jedem Sonntag mit gu.en Schneeverhäll niffen in Eronberg eine wahre Völkerwanderung nach dem Fuchstanz und Feldberg einsetzt. Hier ist cs, wo sich die Skiläufer, Rodler unb Huß ganger vielfach auf gleichem Wege begegnen, so daß angesichts des Massenvertehrs die Winter- freude für den einzelnen ost zum Mißvergnügen wird. Austeilung der Ma! en unter williger Einordnung mühte die Parole sein. Der C -oöler hat kein Recht, bei der Abfahrt alle Fußwege für sich in Anspruch zu nehmen, ebenso wie ber Skiläufer meist schon von selbst im frischen Schnee bleibt. Der Fußgänger Hinwieberum Darf nicht bie Skiwege unsicher machen unb nicht auf Rodelbahnen zu Berge streben wollen. Jeder sollte guten Willens fein, de i Winter- sormtagen im Taunus zu glattem unb unfallfreiem Der laus zu verhelfen. Wo einsichtige Mahnung laut wird, sollte man ihr v'cht mit Gereizthett und Grobheit begeg en. Unö wo man Gefahr vor Augen sieht, darf man nicht blindlings auf ein llnglücf zusteuern. C s gibt nicht viel Wintersport- Unfälle, die nicht auf Leicht,eriigkeit unb übermütiges Selbstverschulben znrückzuführcn wären. Sv ergeht an alle Winter)portier und Taninus- Wanderer für die Hochflut de« Verkehr« an lom- inenden Wlnlerfoimtagen die ebenso ivoblgeinclntc wie brliiflcubc Mahnung, Einsicht und Selbstzucht Au üben. Die Freuden deS 'IBhüerlporl« und de« Wlnlertvaiider»« brauchen darunter nicht zu leiden, im Gegenteil, sie kennen in ungetrübtem Genüsse um so höhere sein. Kreisverbandsauetstellung der Kaninchenzüchter. -er. Homberg, 22. Dez, Der Kaninchen- znchtverei» Homberg veranstaltete im Saale de« Frankfurter Hose« hont 19. bi« 21.5k- ,imb verbau6•••■ au>■.st< 11 ung, die von den oberheffischen Kaninchen- und Geflügelzüchtern reichlich und mit gutem Material beschickt war Während bei früheren AuSstellun- gen Geflügel am stärksten vertreten war, legte man diese« Mal besonderen Wert aus die Ausstellung von Kaninchen. Folgende Aussteller wurden mit Preisen bedacht (E Ehrenpreis, Sp Siegerpreis): Kaninchen. Belgische Riesenkaninchen: U Obecle, Hombergs Q und 8. Vr.; Hch, Magcl, Homberg, 2. Pr ; Wilh. Seibert, Homberg, .! Hl Drive lliesenkaninchen Datier Aühl, Homberg, Sp und zweimal 2. Pr.; Gg. Schellhaa«, Gieften, ($, 2. und 3.Pr.! Gg. Fehl, Homberg, 3. Pr.; Otto Faust, Homberg, l. und 2 Pr.; H. Schmidt, Homberg, zweimal 3. Pr., H. Vambeh, Homberg, 3. Pr. Deutsche Riesensdecken: W. Eidman», Maar, 1 Pr. Französische Aiesen- ( Übetkaninch«n H Röcker, Homberg, fl und I hi Konr Rühl, Homo« । g ! Pt ®i ofi Thinchilla K i nlncben: Hch. Wilhelm, Homberg, lL u. 3. Pr.; Hch. i Merle, '.»Isfeld und Gg. Schlosser, Maulbach, 1. Pr. Aug Weicker? Leusel, 2 Pr . 3 L. Wilhelm, Hom- 1 berg, 2.Pt.; Gg. Schellhaa«, Glehen, 2. undztveimal 3. Pr.; A. Oberle, Homberg, 3. Pr. Blaue Wlener- Kaniitchen: Gg. Schellhaa«, Gieften, G, 1. und 3. Pr.; Hch. Krau«, Homberg, 2. Pr.; Will). AI- bach, Daubringen, 2. und 3. Pr. Weifte Wiener- Kaninchen: Karl Kirchner, Gieften ö„ 2. und 3. Pr.; 3oh. Merle, AlSseld, 2. Pr. Rheinische Schecken: Wilh. .Ullrich, Gieften, G und l.Pr. Hasen-Kaninchen. I. L. Wilhelm, Homberg, l.Pr. Kleln-lLhinchilla-Kaninchen: Fr. Dörner, Launs- bach, ö.; Han« Rinn, Launsbach, 1. und dreimal 3. Pr ; 5VorI Seim, Homberg, l. Pr.; Gg. Schlosser, Rlaulbach, l.Pr. Kleine Silberkaninchen: Otto Steil), Gieften, E; Hch. Wagenbach, Daubringen, 3. Pr. Schwarze-Loh-Kaninche»: Aug. Weicker, Leusel, (S und 3. Pr. Hermelin-Kaninchen: Will). Walther, Daubringen, (8 und 1. Pr.; Otto Steil), Gieften, 1. und 3. Pr.; Just. Bolz, Heuchelheim, 1. und zweimal 3. Pr.; H. L. Preis, Daubringen, 1. Pr.; Will). Fuchs, Daubringen, 3. Pr. Gastore)-Kaninchen. Will). Gidinann, Maar, G, 1. und 2. Pr.; 3. L. Wilhelm, Homberg, 3. Pr. Geflügel: H. Hosinann, Daubringen, auf Höckergänse Ghrenpreis uitb 2. Pr.; Will). Keil, Ettingshausen, auf Gampbell-Gnten 2. und 3. Pr.; Wilh. Keil, Ettingshausen, aus Orpington 1. und 2. Pr.; Emitz Walther, Daubringen, aus rebhuhnf. WhandotleS zweimal 3. Pr.; K. Stark, GttingShausen, aus Hamburger Schwarz C; L. Klinget- höser, Daubtlngen, aus schwarze Italiener 2. Pr.; Will). Walther XII., Daubringen, auf rebhuhnf. Italiener 3. Pr.; L. Kreiling, Gieften, aus Zwerg- Whandottc« (schwarz) E, 1. und 2. Pr.; L. Schä- ser, Daubringen, aut porzellansarblge Zwerge, G und 2. Pr.; H. Heibertshäuser, Daubringen, auf Deutsche Zwerge (rebhuhnsarbig) zweimal 3. Pr.; Karl Bogel, Daubringen, aus Bantam- Schwarz 3. Pr.; H. Pfalzgraf, Homberg, auf Brtister-Gelb l.Pr. Wirtschaft. Oie Arbeitsmarltlage in Hessen und Hessen Nassau. lieber die Arbeit-Marktlage In Hcs - s c n und Hessen-Aassau berichtet daS Landesarbeitsamt Hefen in Frankfurt a.M.: Der Arbeitsmarkt hit ich in der ersten Dezemberhälfte stärker ver ch lech tert al« in der vorigen DerichlSzeit. Die Zahl der Arbeitsuchenden nahm um 14 457 oder 6 Prozent zu und stieg damit aus 2 53 5 0 1. Die meisten Zugänge kamen au« den Aufteitberuseit, und zwar au« der Lohnarbeit wechselnder Art ( I 2102), auö dem Baugewerbe ( |- 2772), au« der Industrie der Steine und Erden ( 1 1297) und aus der Landwirtschast ( I 321). Im Metallgewerbe stieg die Zahl der Arbeitsuchenden um 1326; im Bekleidungsgewerbe nahm sie um 985, im Holzgewerbe um 726, und in der Leder- tnduslrie um 657 zu. In der Arbeitslosen- und Krisenunterstühung besanden sich insgesamt 118 933 Hauplunlerstühungüempsänger, da« find 10 877 oder 7,8 Prozent mehr als zu Ansang der BerichtSzeit. An 7235 Personen, die wöchentlich nur drei Tage und weniger arbeiten, wurde Kurzarbeiterunterstühung gezahlt. Wochenbericht vom Frankfurter Effektenmarkt. Die Börsenlage läftt troh der aufterordentlichen KurSzerriittung während der lebten Monate noch immer eine Abkehr von dem ungerechtfertigten PesftmiSmuS vertnifsen. Die Ansicht maftgebender Börsen- und WirtschaftS- kreise, daft die derzeitigen Börsenkurse ganz au« dem Gleichtakt mit dem tatsächlichen Stand der detitschett Wirtschaft geraten sind, vermag sich nicht durchzusehen, solange die Börse in ihrem erschöpftem Zustand immer auf« neue dem Ber- kaufsdrang von ausländischen InvestmenttruslS tind den zwangsweisen GngagementSlösungen der inländische» Vantkundschaft auSgeseht bleibt and von keiner Seite Unterstützung findet. Als verstimmende Shmptome wirkten in dieser Woche vor allem die meist weiter schwache Aeu- Dörfer Börse, die voraussichtliche Dividenden- reduktlon um 1 bis 2 Prozent bei Gesfürel der vollkommene Ausfall einer Dividende bei Gold- schwidt und erneute Bankinsolvenzen von angesehenen Bankbäusern in Amerika. Da auch aus dem Berliner Markt teiltvetse recht grafte ZwangSverkäuse vorgenommen wurden und auch da« Ausland erneut als Abgeber aufIrat, schritt auch die Frankfurter Spekulation zu weiteren Berkäufen, so daft teilweise wieder be- achtlict)e Verluste eintraten. Die lebte Börse vor den Feiertagen eröffnete dann in etwa« festerer Haltung, Da die Diskontsenkung In Aeuhork von 2,5 auf 2 Prozent und der feste Verlaus der dortigen Börse eine Anregung boten. Die Ilmsatz- tätigkeit bewegte sich jedoch in den engsten Grenzen, da anderseits das weitere Ansteigen der ArbeitSlosenzlsfern und die verminderten Steuer- einnahmen deS Reiches stärkste Zurückhaltung verursachten. Die Spekulation war etwas zuver- sichtlict)er. Gegeit Schluß der Börse wurden vereinzelt wieder Feiertagsrealisationen vorgenom- men, so daft die erzielten Gewinne, die etwa 1 bis 3,5 Prozent betrugen, nicht immer behauptet biteben. Gegen die Vorwoche ergaben sich teilweise Besserungen, so bei Kaliwerten, die bis 3 Prozent anzogen. Ilse Bergbau und Rheinische Braunkohlen lagen bis 5 Prozent höher. Unter Druck standen besonders Glektrowerte, da befürchtet wird, daft die für das atibgelaufene Geschäftsjahr noch befriedigende Dividenden im neuen Jahre kaum ausrechterhalten werden können. Daneben war auch die Schweiz stärker als Abgeber im Markt, so daft hier durchschnittlich Verluste biS zu 5 Prozent eintraten. I.-G.-Farben und der gröftte Teil der übrigen Papiere lagen bis 3Prozeitt niedriger. Für inländische Anlage- werte lag eher etwas Kaufneign tg vor, so daft kleine Besserungen zu verzeichnen waren. Tagesgeld war in dieser Woche etwas steifer; der Sah betrug immer 5,5 Prozent. Am Devisenmarkt lag die Mark gegen Pfunde und Dollar nreist schwächer. Wochenbericht vom Frankfurter produktenmarkt. Der Frankfurter Markt verzeichnete Infolge der Weihnachtsfeiertage nur einmal Markt in dieser Woche. Die Tendenz war stetig, und Preisveränderungen traten gegen die Vorwoche kaum ein. DaS Geschäft hielt sich in denkbar engsten Grenzen, da die Händler infolge der Feiertage keine Unternehmungslust mehr zeigten. Das Angebot hielt sich weiterhin in kleinem Rainen. In Weizen fanden lediglich einige Geschäfte in aliverzollter Ware statt, die immer noch 2 bis 3 Akt. billiger gehandelt wird, als sie zu dein heutigen Weltmarktpreis plus 25 Alk. Zoll zu beschaffen Ist. Auch das schwache Mehlgeschäft trug nicht zu einer Belebung des Markte« bei Der Preis konnte sich jedoch gut behaupten. Roggen hatte bei nicht drängendem Angebot ruhigen Markt, doch lag der Preis immerhin recht fest. In urteilsfähigen Kreisen geht die Ansichl dahin, daft infolge des Brotgesehes da« DurchschnitiSpreisniveau für Roggen sich, toenn auch nur in bescheidenem Mafte, heben wird. In die'er Woche blieb der Preis unverändert. Der Hafer absah bleibt In Anbetracht der groften Karlosselvorräte und der schlechten Lage des Fuhrgeschäftes weiter schwierig. Eine Veränderung der Preise trat nicht ein. Feinste Braugerste war vereinzelt sogar zu Preisen über Aotiz etwas weiter gefragt. Futter- g e r ft c batte kaum Geschäft. Der M e h l m a r k t lag fast vollkommen darnieder. Ilmfähe kamen nur für den notwendigsten Bedarf zuslaitde. Die Muhlensordertingen lauteten unverändert, desgleichen für Roggenmehl. Das Futter mittelgesch äst ist »ach den Slelgerungen der Preise und des lebhafteren Absahes der letzten Wochen wieder stark zurückgegangen. Die Preise blieben gegen die Vorwoche unverändert. Die Woche schloft zu folgenden Aotierungen in Mark (für Getreide pro Tonne, für die übrigen Waren pro Doppelzentner): Welzen 262,50 bl« 263,50, Roggen 175, Sommergerste für Brau- zwccke 212,50 bis 217,50. Hafer 155 bis 160. Weizenmehl (füdd. Spezial 0) 40,50 bis 41,75, Weizenmehl (niederrhein. Spezial 0) 40 bis 41,50, Roggenmehl 26,50 bis 27.50, Weizenkleie 9,10 bis 9.20, Roggenkleie 8,75 bis 9. Wochenbericht vom Frankfurter Schlachtviehmarkt. Infolge der Weihnachtsseiertage fand in dieser Woche nur einmal Markt statt. Der Austrieb war naturgemäft gegen die Vorwoche erheblich geringer, so daft sich an einzelnen Märkten noch etwas lebhafteres Geschäft entwickelte. So namentlich für Kälber und Schafe. Die Preise waren allerdings leicht rückläufig. Beste Kälber erzielten jedoch Preise über Aotiz. Auf dem R i n d e r m a r k t war der Auftrieb crbeblid) geringer, als in der Vorwoche, genügte jedoch der Aachsrage. Aach ruhigem Handel wurde ausverkauft. Die Preise hielten sich bei Ochsen, Kühen und Färsen auf der Höhe der Vorwoche, bei Bullen war jedoch ein Gewinn von 2 bis 3 Mark festzustellen. Der Export nahm etwa 45 Proz. Ware aus dem Markt. Auch auf dem Schweine markt war die Vefchickung wesentlich geringer. Bel ruhigem Geschäft wurde der Markt geräumt. Die Preise erlitten allerdings Rückgänge von 1 bis 2 Mark. Die Aach- frage richtete sich in der Hauptsache aus gute mittlere Fleischschweine. GeschäslShemmendwirkte weiterhin das stärkere Angebot von litauischen Schweinen. Am Kälbermarkt war das Geschäft mittelmäftig, doch konnte der Markt geräumt werde««. Die Preise gingen um 1 bis 2 Mark zurück. Aur beste Ware erzielte Preise über Aotiz. Am Schaf markt konnte infolge de« geringen Auftriebs keine Aotiz hergeftellt werden. Der Auftrieb bestand a»S 910 (1940) Rindern, darunter befanden sich 159 Ochsen, 44 Bullen, 387 Kühe und 275 Färsen, ferner aus 877 (2485) Kälbern, 87 (471) Schafen und 4123 (9830) Schweinen. Vezahlt wurden pro Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen al) 52 bis 55, a2) 47 bis 51, hl) 41 bis 46. Bullen a) 51 bis 55, b) 46 bis 50. Kühe a) 42 bis 45, b) 35 bl« 41, c) 30 biS 34, d) nicht notiert. Färsen a) 52 bis 55, b) 47 bi« 51, c) 41 biS 46. Kälber b) 73 bis 75, c) 68 bis 72, d) 60 bis 67. Schafe nicht notiert. Schweine a) 60 bis 62, b) 60 bis 62, c) 62 bi« 64, d) 61 bis 63, e) 60 bis 62. frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 27. Dez. Pendenz geschäfts- lae. Die Börse eröffnete nach der zweitägigen ("eschästüunterbrechuna in lustloser Haltuna. Der fchmache Schluft der Neuhvrker Börse von gestern bewirkte jedoch, daft die Kurse meist etma« niedriger eröffneten, obgleich kaum Material an deir Markt kam. Dao Geschäft bewegte sich in den denkbar engsten Grenze», zumal vor der Jahresultiinoliqui- dation vo» feite» der Spekulation keine Neigung bestand, Reuengagements oorzunehinen. Die Grund- stlnimung war indessen nicht unfreundlich und lieft eine gewisse Widerstandskraft nicht ver kennen. Da auch kaum anregende Monrerrte vor» lagen, wurden vereinzelt kleine Abgaben vorgenonr- irre», so daft gegen die Kurse vom Mittwoch aus ei» (Wine» Märkten kleine Abbröckelungen eintraten. Inr groften und ganzen war die Kuragestaltrmg nicht ganz einheitlich. Am Markte der Chemleaktie» gaben IG.-Farbe» und Metallgesellschast bis Zur Richtigstellung! In unserem Weihnachtspreisrätsel für Kinder ist infolge eines technischen Berschens ein bedauerlicher Druckfehler unterlaufen, den wir hiermit richtigstellen wollen: die letzte Silbe in der dritten waagerechten Zeile von oben soll „I a n“ heißen, nicht „lau“, wie in der Ausschreibung zu lesen mar. 0,5 v. Sy nach, während Schcideanstalt 1,5 v. H. gewannen. Bon Elekiroakticn verloren (9e|fürel erneut 1,5 v. Sy und AGG. 1 o. H. Licht und Straft und Siemens blieben gut behauptet. Montanwerte, Maschinen, Zellstoff usw. hatten heute kaum Umsätze zu verzeichnen. Am Bankenmarkt gaben Barmer Bonk ihren Gewinn von Mittwoch wieder voll her. Auch Reichsbankanteile eröffneten 1 v. H. niedriger. Im übrige» waren diese Werte nur wenig ver ändert. Am Schiffahrtsmarkt verloren Norddeutscher Lloyd 1,5 v. Sy Conti Gummi konnten 2,5 v. H. anziehen. Sehr schwach lagen dagegen von Warenhausaktien Slarftabt, die etwa 6 v. Sy einbüftten. Bon internationalen Werten zogen-Soenska 8 Mark an. Auch am Rentenmarkt herrschte fast vollkoin mene Geschäftsstille. Die Kurse lageck-meist knapp behauptet. Auch im Berlaufc hielt die lustlose Stimmung an, und Umsätze kamen kaum noch zustande. Unter dem Einfluß der Orderloslgkelt bröckelten die Kurse um Bruchteile eines Prozentes ab. Nur für Svenoka erhielt sich die Nachfrage. Am Geldmarkt war der Satz für Tagesgeld mit 5,5 v. H. unverändert. Man nimmt an, daß die Geldversorgung zum Jahresultimo keine größeren Schwierigkeiten machen wird. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,196750, gegen Pfund 20,39, London gegen Kabel 4,858750, gegen Paris 123,60, gegen Mailand 92,76^ gegen Madrid 45,60, gegen Schweiz 25,02, gegen Holland 12,0550. Berliner Börse. Berlin, 27. Dez. Der heutige Wochenschluß, der durch die Feiertagsunterbrechung etwas in der Lust gehemmt wurde, brachte hinsichtlich der Tendenz eine gewisse Enttäuschung. Wie schon erwartet, herrschte große G e s ch ä f t s st i 11 e; aber auch schon rein ftlmmungsmäftlg war die Tendenz eher schwächer, da der schwache Schluft der gestrigen Neuyorkcr Börse, der allgemein überraschte zumal man sich von der vorgenommenen Diskontsenkung mehr versprochen hatte, nicht ohne Elnfluft blieb. Besonders Kunstseide- afticn und Obligationen hatten drüben stärkere Kurs- einbußen erfahren, die hier nach anfänglicher Minus- Minus Notiz einen 5 v. 5).-Rückgang zur Folge hatten. Sonst gingen die Kursverluste nur bei einigen Werten, wie Dessauer Gas, Gesfürel und Salzdetfurth über 2 big 3 v. Sy hinaus; verschiedentlich konnte man auch kleine Besserungen im gleichen Ausmaße feft- ftellen. Ausgesprochen fest lagen Svenska auf Arbitragekäufe, die nach einem Anfangsgewinn von vier Mark sich um weitere fünf Mark im Berlaufe bessern konnten. Deutsche Anleihen waren kaum verändert. Auch Ausländer lagen kursmäßlg behauptet. Der Pfandbriefmarkt mar geschäftslos. Am Geldmarkt trat feine weitere Versteifung ein; die Sätze blieben unverändert für Tagesgcld 4 bis 6 v. Sy, für Mo- natsgeld 7 bis 8,5 v. Sy, für Warenwechsel etwa 5,5 v. Sy Auch die Ultimoregelung vollzieht sich in Berlin bisher in vollkommener Reibungslosigkeit. Es ist anzunehmen, daß die Geldversorgung zum Jahresende kaum noch Schwierigkeiten machen wird. Im Berlaufe wurde dann auch die Stimmung wieder eher freundlicher. Bon Stückemangel war kaum noch die Rede, und auch die Umsatztätigkeit vergrößerte sich nicht unwesentlich. Für Svenska hielt das Interesse an. Schlesische Gas, deren Anfangs- gewinn bei Mindestumsätzen zustande gekommen mar, gaben im Verlaufe diese 1,25 o. Sy wieder her und verloren noch 0,5 v. Sy dazu. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Aenderung der Hausnummern. Anwohner der Friedrichstraße erhalten von dem Städtischen Hochbauamt die freundliche Mitteilung, daß Ihre Hausnummern ab 1. Januar um einige Stellen geändert werden müsse», mit Rücksicht auf die Erneuerung des Feuerversicherungsbuches. Da in dieser Straße noch viele Hausnummern unbenützt frei find und ein dringender Grund zur Aenderung der Nummern kaum vorliegen kann, muß mau annehmen, daß bei der betreffenden Behörde Arbeits mangel herrscht, dem mit solchen Neuerungen abge Holsen werden soll. Es Ist dabei zu bedauern, daß die steuerzahlenden Bürger die Leidtragenden sind. B. Kurszettel her Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter ben popitre» angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlostenen Dividende an. — Reichvbankdlskont B o H.. Lombardzinsfuft 6 o. Sy IVranrfurl a. Dl. Vt rlln Frankfurt a. Dl. Berlin Sranffurl a. M Pedin vanknötcn. furrf Rur# rur.< fiurd S-chlu|>. Itirrf i-lihr. .(Viird S>chluft> tnrd Udftang» Schluß- 1-ühr» Schlug- Ulnfaiiß. ________Berlin*, 24 t>zem6er_______ SeiH •flrlef " Datum 24 12 27 12 ?4 |9 27 12 M h 24. 12 27 12 flurd «inerininnaje vcoicn . . Betuliche Noten. ... • • • ' sau 58,38 111,83 20,33 16,443 168,56 21,90 111.83 4,197 58,62 112,27 24 12 27. 12 ■Oalum 24. 12 27 12 24 12 27 12 Täiijldie Noten ........ von IU?7 .... 116,25 85,75 ttamburfl-tilmerita Puli t . . ßaniburfl.®Übiim. $amp|ldjl|| Hnnw ®nmpf|d)l||..... lHorbbcut|d)er Lloyd .... Ällflemeliir Tcutldiedrebltüiifl tllanner Bankverein ... Berliner Hanbel«ne|e»|cha» . Commerz, und Prlval-Bunk. Darmltüdter und flhilloiuilbanl Deutlche Ulnnt und Dtsconto v 6% Pk Vunbctpimiobtldanfian, floutm.-f bl. DL uo . 7% Pr 8anbf»Miniibbrte|anfialt, fyluiibbrtele iH Bl 78 78,5 79 Ulmfl.. iNotl. 168,91 169,25 168,98 169,32 — 100 97 97 Üntemebmunfleii .... Hamburger VtektrtzlttUS-Werke fllbclnlldie aieltrliftat . . . £ djleH|d)e ILleklrlzlldt. . . . Schildert & Uo. . ..... 10 10 . v 10 89,5 111 08 89,5 100 87,4 (r diullheie Pahenhofer . . . Ostwerte......... Ul tu.......... 15 1L 47,25 48 — 163,75 127,5 46,4 45,5 Bi,en--AireS Brss.-Antw Lhristiaiiln. 1,364 58,59 112,09 1,368 58,71 112,31 1,344 58.62 112.15 1.348 58.74 117,37 97 100 — Kleinberfl...... . . Hellftull UValbbof .... fiellfloH Uilchaslenbura . . . ISIiatlPttenbnroer UOalle* . . De||auer Olafl . . . . . . . U — 46,25 Kolvithngcn Stackholnt - 112.12 112,42 10,549 21,945 20,363 112,34 112,17 112,46 112,39 112.68 W.tf.ä». übo. «oniirfle-Cblloallo- ukn. lUitAiiblbur 10U9 .... 11 110,5 143,5 116 47,5 59 110,13 143,75 122 116,5 110 144.5 123.5 8‘/i 88 91 92 — - — Siemens »i Halok«..... Iranirablü . ....... Vabmeuer S l£u.... 1'1 . ► 11 143,5 12 . 8 . v 73 — 74 78 99,75 21,75 100,75 29.75 73.5 78 97.6 21.5 100 velliugforS. (ttalieu. . . London. .. 10,569 21,985 20.403 10.55 21,955 20,371 10.57 21,995 20,411 4% Orfii"nrld)l|d)r Wolbrrnte . . 4,80% 4>|lvnrichl|chk iSllbrrrrnk 4% Q-ltecrelchllche ÜlubelUld)r Wente f% Unoart|. 1010 4K% beifll. uun IV1B 4% llnoarildir fronrurrnte l% tüililrtif flollanlfll)# von 1011 4% I Örtlich? ÖaflbabbabnA’lnl 1 4% beloi 6*rte II ..... . 5% #uuii)n|ld)e oeretnb. Rente *%% tRumdnlld)# oeretnb. Rente von 1013 .......... 26,13 2.25 — 26 116 Daimler Motoren . . . . . . 0 21,5 100 — Nennork . . Parts.... 4,1925 16,468 4,2005 16.508 4.193 16.475 4,201 16.515 81.58 — Deutlche ÜrbOl . • . * . . . 41 59,5 47.25 58.5 Maldiinenban UL-tfl. . . • . flJal Uliitoiiu'bll . . t t t ■ 0 Schwel, . . 81,42 81,58 81.42 OMIencr Stetnkoble..... . 8 , o Spanten. 44.66 44.74 44.26 44.34 21,9 17,5 1,35 3,1 — 22 21.8 iMellenllrcbener ...... £>ari>ener . ...... . 8 41,4 74 54,5 — 82 01,75 Crenfiein K Koppel . • . • *1 104 266 13,5 31,9 28 75,25 62,5 64 82,75 147 116.5 — 43 104,5 266 ,3$1 104 270 Japan . . . 'N io de Jan. 2,081 0,401 2,085 0,403 2,081 0,399 2.085 0.401 18,5 1,3 4.15 17,4 10.25 ^oesch Ül|en. ....... wie Bergdaii..... . itlßdiicriuetle . ...... fttUn-Dlcuellen . ...... ey. IP . 7 . 7 — b2.25 166 53,9 67,5 62.25 (68 53,75 Svenöka ....... »Zranlsuner Maichtnen . • . tfripner ...... . . 4 . 6 — Wien in D-- Fell, abaeft Prag . . . . Bel irad . . Vudap.'sl . . Bnlaarleo. Lissabon . Manila. . . Konst., nrtn. Alben. . . Canada . . llrnquat). . Latro . • 59,05 12,444 7,430 73,42 3,041 18,81 81,44 1,784 5,432 4,184 3,027 20,875 59,17 12,464 7,444 73,56 3.047 18,85 81.60 1,789 5,442 4,192 3,033 20,915 59,05 12.443 7.430 73,42 3.041 18,81 81.46 1.784 5,433 4,186 3,027 20.89 59,17 12.463 ',444 73,56 3.047 18.85 81,62 1.789 t,13 8.9 3.25 3.2 8,8 iWannelniann.tJlfibmj ... Mausleldei Bergbau .... Oberfdilel Sllenvedarf . . . Cber|d)le| Itokowerkv.... Pddulz Bergbau ..... . 7 . 7 . 6 . 7 ol ,75 55,5 - 62 31,75 66 •'S,75 60.25 33,25 32 64.25 H'i 65,5 Heyllaenftaedl ...... nunnbane. . ....... Qcdmierfe......... Mainkrailwerke Hvchst a. M.. Miau ......... . 0 . « . 8 . 8 10 — 28,5 63,5 __ 12,9 6.9 Rheinische Braunko-Ien . . 10 150 148.5 Gebr. üloebet ....... 10 5,443 4.194 3.033 20.93 4% WfiimAntlAe heretnb Rente . fi.8 6.7 Übeln fiilbl........ Rleberf flaito ...... . 0 v.e 66,5 1'5.65 72.25 Boi,» Ä Haesfner . . . . . •übbeuIhDr Hurfer .... . V 10 — 148 '36 ; —