imkert wMflnmtg, Ä L '■’ £ a&6l’r "SÄ’. ZSL Ä-’Kl k TeschäsWh-tt ^Mnbän-e Z ^Erstattung statt«* Avr .^Wen werden. e.1 Wt sich dafür Lln denen Entbin- IPrüste heb. “5. xDlllen 'id> die AMn und dahin iochnerin ihre heb. chmen kann. Weiter werden, dah die en erhöht werden, "enrof, Wilhelm J gewählt. Ferner wlitische Mohnah- msgestellt und vor >'m nvrtnt, das Inhall eines Pakeies Di. lenpulverMarkeSdiwan lendhei^em Wasser aul isse gut umführen und idi Erhallen werden S>e schöne, weiche, weihe lenvonausgeieidsnelet kJ Wasdikrah. Sie, dah Dr. Ihompson’s -lacke Schwan, von gw jalHäl und ungewöhnlich sompsons Seilen* ergib! 3 Pfund Wasdx ennig das Pfund. uh heule einen Versvdi( enpulver lSseldorl, übersenden ev1 ^eßrosdiureuAHerha misse". ___ Mt«! ---mkiolilebeo c>° leutet zu^te. $1» ErsPar°*S den Ht,bs käufcXef,edI6e0' ’ihoacb «T A D»G tsvä Nr. H8 Erstes Blatt 180. Jahrgang Freitag, 27. Juni 1930 Erscheint täglich, autzer Sonntags und fteiertagt. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Famllienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monatsvezugrpretr: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger- lohn, auch bei Nichterscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanfchlüffe anterSammelnummcr2251 Anschrift für Drahtnach« richten: »njeiger Sietzea. pofttchecklonto: Frankfurt am Main 11686. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnick und Verlag: vrühl'sche Untverfilälr-Vuch- und Zleindruckerei H. Lange in Stehen. Zchriftlettung und Geschäftrftelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeiaen für die Tagesnummer dis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re« Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Piahvorfchrift 20' „ mehr. Chefredakteur: Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Polttik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Ma^ Fist«, sämtlich in (Sieben. Dietrich zum Reichsfinanzminister ernannt. WTB. Berlin, 26. Juni. (Amtlich.) Oer Herr Reichspräsident hat nach dem heutigen Bortrag des Herrn Reichskanzlers in Reudeck den Reichsminister Dietrich unter Entbindung vom Amte des Reichswirtschafisministers zum Reichsminister der Finanzen ernannt und den Staatssekretär im Reichswirtschafisministerium Dr. Trendelenburg bis auf weiteres mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichswirtschasts- Ministers beauftragt. Der neue Mann. Hermann Dietrich wurde 1879 in Ober» prechtal im badischen Schwarzwald als Sohn eines Pfarrers geboren. Er studierte Rechtswissenschaften und wurde 1905 Stadtrechtsrat in Karlsruhe. Roch nicht ganz 29 Jahre alt, wurde er 1908 zum Bürgermeister von Kehl gewählt, wo er bis 1914 wirkte und dann Oberbürgermeister von Konstanz wurde. Politisch trat D. zunächst als einer der Führer der badischen Iungliberalen hervor und wurde als Mitglied der nationalliberalen Fraktion 1912 in die 2. badisch« Kammer gewählt, der er bis zu deren Verschwinden im Jahre 1919 angehörte. Bei Ausbruch der Revolution wurde er am 10. November 1918 als Minister des Auswärtigen in die alsbald gebildete „Provisorische Regierung" gewählt. 3n gleicher Eigenschaft gehörte er der ersten auf Grund der neuen badischen Verfassung am 2. April 1919 gewählten neuen Regierung an, bis am 4. August 1920 deren Umbildung und dabei die Aushebung des Ministeriums des Auswärtigen erfolgte. Inzwischen war D. 1919 in die Nationalversammlung gewählt worden, wo er sich der Demokratischen Partei anschloß. Im zweiten Kabinett Müller vom 28. Juni 1928 übernahm er das Portefeuille des Reichsernährungsministers, mit landwirtschaftlichen Fragen als Besitzer des Gutes Wildgutach im Schwarzwald, wohl vertraut. Es gelang ihm in dieser Stellung auch, nicht unwesentliche Erfolge zu erzielen. Nach dem Rücktritt des Kabinetts Müller übernahm er in dem neugebildeten Kabinett Brüning vom 30. März 1930 das Vizekanzleiamt und das Reichswirtschaftsministerium. Die Demokraken behalien sich freie Hand vor. Berlin, 26. Juni. (Tel.-Lln.) Am Donners- tag fand im Reichstag eine Besprechung der demokratischen Reichstagsfraktion mit dem ge- schästsführendcn Vorstand des Reichsbeamten» ausschusses der Partei unter Hinzuziehung namhafter Beamtenführer statt. -Zur Frage der Deckung des Finanzfehlbetrags des Reiches erklärten der Parteivorsitzend«. Abg. Koch-Weser, und der Vorsitzende der Reichstagsfraktion, Abg. Meyer, Berlin, die Fraktion halte an der Erklärung, dah sie ihre Zustimmung zur einseitigen Belastung der Beamtenschaft nicht gebe, unbedingt fest. Der Reichswirtschaftsminister Dietrich habe die schwere Bürde des AmteS des Rcichsfinanz- ministers trotz schwerster Bedenken der Reichstagssraktion auf eigene Verantwortung auf sich genommen. Es herrsche zwischen dem Minister und der Fraktion Liebereinstimmung in der Auffassung, dah eine Bindung der Fraktion zu seinen zu erwartenden Vorschlägen nicht bestehe und dah die Fraktion damit völlig freie Hand zur Wahrung ihrer Grundhaltung habe. Sie werde die Vorlagen im einzelnen prüfen und insbesondere der Sonderbelastung einzelner Schichten nicht zustimmen. Sie halte ferner an der Notwendigkeit einer g r ohen Fi nanz- reform mit gleichzeitiger Ausgabensenkung und Lastenverminderung fest. Erstes Echo der presse. Weitere Bemühungen um eine Verständigung mit den Parteien. Berlin. 27. Juni. (TLI.) Die Ernennung Dietrichs zum Rcichsfinanzministcr wird nur von wenigen Berliner Blättern besprochen, da sie erst die am Freitagabend zu erwartende Veröffentlichung des neuen Deckungs- Programms abwarten wollen. Die „D A Z." weist darauf hin, dah Dietrich einen auch per- sönlich großen Einsatz gewagt habe. Die Aufgabe erfordere eine glückliche Hand und einen energischen Willen. Das ..Berliner Tageblatt" betont, dah die erste Arbeit Dietrichs darin bestehen müsse, den Fehlbetrag des Reichshaushalts ehrlicher als sein Vorgänger in voller Höhe anzugeben und ihn mutiger als sein Vorgänger in voller Höhe zu decken. Sein Weg werde ihm nur dann Aussicht auf Erfolg bieten, wenn er ohne älmschweife auf das Ziel losstcuere, und wenn er. sich nicht durch die Furcht derjenigen beirren lasse, die immer nur für den nächsten Augenblick sorgten. Ob der Mut Dietrichs kein Liebermut gewesen sei, werde man beurteilen können, wenn man das Deckungsprogramm sehe. Die vorläufige Nichternennung eines neuen Rcichswirtschastsministers hat, wie die „DAZ." hört, den Zweck, dieses Ressort einstweilen der Volkspartei offenzuhalten. Ihre Haltung werde sich in den nächsten Tagen klären. Obwohl das Deckungsprogramm der Reichs- rtflienmg, wie es Reichskanzler Dr. Brüning dem Reichspräsidenten in Neudeck vorgetragen hat, weiterhin geheim geblieben ist, glauben doch mehrere Blätter der Hoffnung Ausdruck geben xu können, dah die Möglichkeit einer V e r ft ä n - öigungmit den in der Regierung vertretenen Parteien besteht. So erklärt das „D. T.": Im Reichstag verstärkt sich der Eindruck, dah die Bemühungen fortgesetzt werden, um eine Mitwirkung auch des mehr oder weniger unzufriedenen Teils der Regierungsparteien, also in erster Linie der Volkspartei, doch noch durch Entgegenkommen in Einzelheiten der Finanzgeseh- aebung zu ermöglichen. Das bedingt noch weitere Verhandlungen. Aehnlich äußert sich die ,Dör- sen-Zcitung", die im Anschluß an die Wiedergabe der gestrigen Acuherung der „Germania", die Regierung wolle zunächst alle parlamentarischen Mittel zur Verabschiedung der notwendigen finanziellen Maßnahmen erschöpfen, sagt: In Reichstagstrcisen glaubt man aus dieser Andeutung den Schluß ziehen zu können, daß auch das am Mittwoch beschlossene neue Deckungsprogramm nicht unabänderlich sei. sondern nur die Grundlage für weitere parlamentarische Kompromihverhand- l u n g c n darstclle. Auch der Demokratische Zeitungsdienst tritt für eine tragbare Erledigung auf parlamentarischem Wege ein. Die „Doss.Ztg." berichtet: Am Donnerstag herrschte der Eindruck vor, daß die Regierung auf eine normale parlamentarische Durchdringung der neuen Dek- kungsvorlagen rechnet und auch rechnen darf. Die Besorgnis, daß im Reichsrat und im Reichstag eine Mehrheit für die Deckungsvorlagen nicht aufzubringen sei, habe man im Augenblick nicht mehr, wenigstens nicht innerhalb der Regierung. Sie Hemmung der dritten Zone schrettei fort Die Pfalz besahungsfrei. Die letzte Parade in Landau. Landau. 27. Juni. (TTl. Funkspruch.) Die letzten französischen Truppen haben am Donnerstagabend Landau verlassen. Unter großem militärischen Pomp wurde die letzte Trikolore in der Pfalz von der Villa des Generals Mangin eingezogen. Ter General, der am Vormittag dem Regierungpräsidenten seinen Abschiedsbesuch abgestattet hatte, nahm sodann die letzte Parade der Truppen a b, die sofort in einem Sonderzug über Weißenburg nach Frankreich abtranspor- t i e r f wurden. Damit ist die Pfalz von einer sichtbaren Besatzung nach fast zwölf Jahren endgültig frei. Es verbleiben lediglich in den Garnisonen noch einige Offiziere in Zivil, die die Liebergabegeschäfte vornehmen werden. Namen der Bürgerschaft der ältesten Stadt Deutschlands ein erneutes Gelöbnis unwandelbarer Treue zu Reich und Volk ablegt. Kurz vor Abmarsch der französischen Garnison hat sich in Trier ein Zwischenfall ereignet. Det Schrottgroßhändler Marr aus Mülhausen, der die Versteigerung der Zeppelinhalle durchführen sollte, traf in Trier ein. Ingenieur Groß, der den Abbruch der Halle vornehmen sollte, hatte gegen Marx eine größere Geldforderung und einen dinglichen 21 r r c ft verwirkt. Auf Grund dieses Arrestes wurde das Auto von Marx beschlagnahmt. Dieser legte Beschwerde beim kommandierenden General P u t o i s ein, der beim Polizeipräsidenten protestierte und die sofortige Freigabe verlangte, was jedoch deutscherseits ab gelehnt wurde. Als weitere Versuche der französischen Besatzungstruppen scheiterten, holte ein französischer Gerichtsöffizier mit zwei Gendarmen Die letzte Parade: Die Fahne des abrückenden 25. Dragoner-Regiments wird bei dem Abmarsch aus Landau vor dem französischen Oberkommandierenden in der Pfalz, General Mangin, präsentiert. Auch Trier ist frei. Ein letzter llebcrgrisf französischer Soldateska. Trier, 26. Juni. (WTB.) Die letzten französischen Truppen, zwei Bataillone des 71. Infanterieregiments, haben heute nachmittag ihre Kaserne geräumt. An der Porta Nigra nahm der bisherige Kommandant von Trier, General P u t o i s, die Parade über die abrückenden Truppen ab. Das Militär nahm dann Aufstellung vor dem Gebäude der neuen Regierung. dem bisherigen französischen Hauptquartier in Trier, wo um ‘,,6 U$r unter den üblichen Feierlichkeiten die Trikolore eingeholt wurde. Abends 7.19 Mr verlieh der letzte Transportzug mit den beiden Bataillonen den Trierer Hauptbahnhof. Aus Anlaß der Einholung der letzten französischen Fahne hat Oberbürgermeister Dr. Weitz von Trier an den Reichspräsidenten, an den Reichskanzler und den preußischen Ministerpräsidenten Telegramme gerichtet, in denen er auf den geschichtlichen Augenblick der Befreiung von fast zwölf- jähriger DefatzungSnvt Hmweist und im das Auto, daß das deutsche Amtssiegel trug, aus dem Pfandgewahrsam und übergab es Marx. Oie Räumung von Kehl. Kehl, 26. Juni. (WTB.) Heute früh wurde von dem östlichen Pfeiler der Rheinbrücke Kehl- Straßburg der gallische Hahn, der seinerzeit vom Verein Pariser Presse gestiftet worden war, entfernt Die Räumung wird weiter durchgeführt. Die meisten Militärangehörigen haben die Stadt verlassen. Die Schilder, die auf die Besatzung hindeuten, sind verschwunden Der stellvertretende Kommandierende der Besatzungs- truppen Oberst D r i o u, hat dem Landrat und anschließend dem Bürgermeister von Kehl seinen Abschiedsbesuch gemacht. Gestern hat eine Kommission d i e Sprengungsarbeiten bei den früheren Kehler Forts befichtigt; das Abnahmeprotokoll wurde jedoch noch nicht unterzeichnet Der Sitz des Desatzungsstabes, das Amtsgericht wird heute nachmittag zurückgegeben werden. Das noch in Kehl liegende Bataillon des 170. Infanterieregiments wird Kehl am Samstagoormittag v e r- lafleiu Die Lhristlichnationale Sauern- und Landvolkpartei zur Finanzsamerung. Berlin, 26. Juni. (Icl.-Un.) Die Christlich- nationale Bauern- und Landvolkpartci befaßte sich mit den bisher aus der Presse bekanntgewordenen Finanz, und Steuervorschlägen der Reichsregierung. Sic ist der Auffassung, daß die augenblickliche schwierige Lage der Reichsfinanzen überwiegend durch Entlastung der A u s g a b e n s e i te , nicht aber, wie die Reichsregierung es beabsichtigt, überwiegend durch Steuererhöhungen zu beheben ist. Der von der jetzigen Reichsregierung cingeschla- gene Weg unterscheidet sich in nichts von den von der Partei stets bekämpften Maßnahmen früherer Regierungen. Sie ist auch der Auffassung, daß die Wirtschaft nicht wiederum mit unsicheren Versprechungen auf die Zukunft vertröstet werden darf. Sie vermißt in dem Regierungsprogramm den ernsten Willen zur Senkung der ösfent- lichen Ausgaben. So ist nicht einmal an die zur Erziehung zur. öffentlichen Sparsamkeit unbedingt notwendige Heranziehung aller Gemeindeangehörigen zu den kommunalen Lasten gedacht. Wird eine solche Maßnahme nicht schon letzt gesetzlich verankert, so wird sie höchstwahrscheinlich auch im Jahre 1931 noch nicht in Kraft treten. Die Christlichnationalen Bauern sind ferner seit jeher der Ansicht, dah die Losten des Beamtenapparates von der Wirtschaft nicht länger getragen werden können. Eine Besteuerung der Bezüge der Beamten z u • gunften der Fortführung der bisherigen untragbaren öffentlichen Ausgabenpolitik halten sie für abwegig, sie fordern vielmehr eine Anpassung aller von öffentlicher und privater Unternehmerseite gegebenen Gehälter und Löhne an die verminderte Leistungsfähigkeit der Wirtschaft. Das Ziel muß sein die Senkung des allgemeinen Preisniveaus in Deutschland und hierdurch die Sanierung der privaten und öffentlichen Finanzwirtschaft. Dieses Ziel wird durch die ständig sinkenden Rohstoffpreise wesentlich erleichtert und muß nunmehr durch die geforderte umfassende, d. h. auf Gehälter und Löhne ausgedehnte Maßnahme beschleunigt in Angriff genommen werden, notfalls unter Zuhilfenahme des Artikel 48 der Reichsoerfassung, der nur für auf notwendige große Ziele gerichtete Maßnahmen an- gewandt werden sollte. Den Artikel 48 für unorganische einseitige Steuererhöhungen ohne wirtschaftliches Ziel, die lediglich einer augenblicklichen Verlegenheit entspringen und höchstwahrscheinlich den Finanzapparat weiter belasten und vergrößern, anzuwenden, halten die Ehristlichnationalen Bauern für einen bedenklichen Mißbrauch der Autorität des Reichspräsidenten und der geringen zur Verfügung stehenden äußersten Notmaßnahmen der Reichsoerfassung. Die polfzeizuschüffe anThüringen Klage vor dem Ltaatsgerichtsßof. — Frick droht mit einer nationalsozialistischen Lchntzwchr. Weimar, 26. Juni. (WTB.) In der Be- grünbunfl der Thüringer Klage vor dem Staatsgerichtshof wegen Sperrung der Polizei- zuschüfse an Thüringen wird u. a. auS- geführt, daß die Ausübung der Polizeigewalt durch Besetzung und Berufung der Beamten Angelegenheit jedes Landes fei. Ebenso sei cs die Angelegenheit jedes Lande-, über die Besetzung und Berufung von Beamten innerhalb der Landesverwaltung zu bestimmen. Nichts anderes habe das Land Thüringen getan. Die Sperre könne sich nicht auf die Tatsache allein stützen, daß die in Aussicht genommenen Beamten Angehörige der Nationalsozialistischen Partei seien. Nach Artikel 130 der Reichs Verfassung sei allen Beamten die Freiheit ihrer politischen Gesinnung und die Dereinigungsfreiheit zugesichert. Es dürfe infolgedessen auch keinem Beamten ein Nachteil daraus entstehen, daß er der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei angehöre. Bei einer Gesamtstärke der thüringischen Polizei von rund 1700 Köpsen könne die Einstellung von zwei der Nationalsozialistischen Partei angeboren ben Beamten unmöglich den unpolitischen Charakter der Polizei als Ganzes irgendwie beeinträchtigen. Die thüringische Regierung fordert daher eine einstweilige Verfügung, dah die Polizeizuschüsse gezahlt werden. Anderenfalls werde, weil die Mittel demnächst erschöpft fein werden, das Land andere Wege suchen müssen, wie die Unterhaltung der notwendigen polizeilichen Kräfte verbilligt werden kann. Die einzige Möglichkeit hierzu wäre, den jetzt vorhandenen kündbaren Polizeibeamten zu kündigen und den Polizeischutz, den bisher die Landespolizei versah, zum größten Teil durch perfönlrch« S)ilfe nrchtbeamtete» Staatsbürgei! gemäß Artikel 133 der Reichsverfassung wahrnehmen zu lassen. Das aber Wohl könne kaum in der Absicht des Herrn Reichsinnenministers liegen. Nie Revolution in Bolivien. Buenos Aires, 27. Juni. (Havas. Funk« spruch.) Nach einer Meldung aus La Paz hat die Armee die Regierung gestürzt. Präsident Silos habe das Land verlassen. Dem Sturz der Regierung durch das Heer soll ein erbitterter Stampf vorausgegangen sein. La Paz sei isoliert, und es sei jeden Augenblick zu erwarten, daß die Haupt- stadt in die (Gewalt der Revolutionäre fallen werde. Der Oberbefehlshaber der bolivianischen Armee, General Kundt, habe sich an die Grenzgarnisonen um Hilfe gewandt. Zwei Regimenter haben sich angeblich geweigert, gegen die Rebellen zu kämpfen. Außenminister Medina habe in der argentinischen Gesandtschaft Zuflucht gesucht. 31t La Paz sollen die Truppen, erregt über die angebliche Äiedermehelung der Zivilbevölkerung durch die Polizei, diese und die Anhänger des Präsidenten Silos angegriffen und sie in die Flucht geschlagen haben. Zahlreick« Personen wurden getötet oder verwundet. Die revolutionären Truppen haben beschlossen, eine v o r - läufigeRegierung einzusehen, die sich auS Vertretern aller Parteien zusammenseht und Vorbereitungen für Neuwahlen treffen wird. Augenblicklich ist in La Paz alles ruhig. Aus aller Welt. Eröffnung des Deutschen Evangelischen Kirchentags. Der dritte Evangelische Kirchentag, die Gesamtvertretung der deutschen Landeskirche, wurde in Nürnberg durch vr.O. Kapier als Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchenausschusses eröffnet. Zum Präsidenten wurde einstimmig Graf Vitzthum von Eckstädt, der Präsident der sächsischen Landesshnode, gewählt. Zum Vizepräsidenten wurden 1^. Wolff- Aachen, der Präsident der rheinischen Landes- synode und Psarrer O. Luther-Berlin wiedergewählt. Am Abend versammelten sich die Kirchentagsmitglieder inmitten einer großen evangelischen Gemeinde in der St. Lorenz-Kirche, in der der Vischos der Hannoverschen Landeskirche v.Mar ähren« die Festrede hielt. Islands Tausendjahrfeier. Auf 3Sland nehmen die eigentlichen Festlichkeiten aus Anlaß der Tausendjahrfeier des Al- ting ihren Anfang. Am frühen Morgen hielten Studenten aus Dänemark/Norwegen, Schweden und Finnland, die gleichzeitig eine Tagung in Reykjavik abhalten, ihren Einzug. 3m Lause des Vormittag trafen dann das dänische König«- paar und etwas später der schwedische Kronprinz ein. Nach einem Festessen begaben sich die Gäste nach derThingvalla - 3nsel wo eine Zeltstadt mit 5000 Zelten errichtet worden ist. Als Vertreter deS Deutschen Reichstages nehmen an den Feierlichkeiten teil der ehemalige württembergische Gesandte Hildenbrand. und die Abg. Berndt und Hofmann, Ludwigshafen. Die Feierlichkeiten auf der Thingvalla-3nsel begannen mit der Festrede deS evangelischen Bischof- Helgasen. Nach dem Gottesdienst marschierten tausende von Festteilnehmern nach dem Berg auf, Thingvalla, wo da- Atting in uralten Wirtschastodebatte im Hessischen Landtag. WHP. Darmstadt, 26.3uni. Nack Eröffnung der Sitzung beginnt die Spezialdebatte bei Kapitel 75: Ministerium für Arbeit und Wirtschaft. Abg. Wesp (Z.) verlangt besseren Schutz der deutschen Automobilindu- st r i e gegen die Einführung ausländischer Automobile. Während sich Amerika durch Hochschuhzölle abschließe, werde die ungeschützte deutsche Automobilindustrie durch den 3mport nahezu erdrosselt. Zehntausende von Arbeitern werden arbeitslos. Bon allen europäischen Ländern hat Deutschland den niedrigsten Automobilzoll. Gerade sogenannte „nationale" Kreise kaufen ausländische Wagen und machen deutsche Volksgenossen brotlos. Abg.Reu ter (Soz.) verspricht sich von einem Zollschuh keine Hilfe, denn die Absahkrise liege in der verminderten deutschen Kaufkraft. Abg. Wolf, Effolderbach (Ldbd.) fordert zu Kapitel 83: Bodenverbesserung, Senkung der Feldbereinigungskosten, Vereinfachung der Arbeitsvorschriften und des Dteinsahes, Zinsfuß von höchstens 5 Prozent für Feldbcreinigungs- kredite. Abg. Dr. Niep o th (D. Vp.) fordert Zusammenlegung deS gesamten Vermessungswesens in einem Ministerium. Gin teuerer Unfug seinen die kleinen Ortsvermessungen. Die Kosten der Kulturbauämter müßten getrennt werden nach Material- beschasfungskosten und Beaufsichtigung der Arbeiten. Minister K v re l l: Feldbereinigungen wollen wir nach Möglichkeit weiterführen. Zahlreiche Anregungen decken sich mit den Absichten der Landwirtschaftsabteilung und sind oder werden noch durchgesührt. Abg. Weck le r (Z.) wünscht, daß nur Projekte mit gesicherter Rente durchgesührt werden, denen ein möglichst langer Rückzahlungsplan unterlegt werden müsse. Abg. Maurer (Soz.) stimmt einem Teil der Landoundan träge zu. Es dürfte nicht zugelassen werden, daß Siedler, die seit 3ahren Waldland gerodet haben, dann auf Waldwiesen gesetzt werden. Abg. Guß mann (Ldbd.) wendet sich gegen den zunehmenden Konsum au 8 ländischer Agrarerzeugnisse, die zu Schleuderpreisen abgesetzt werden. Abg. Späth (Zentr.) ersucht, zusammen mit der Reichsregicrung die ungesunde Preisspanne zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreisen abzubauen und die Derbraucherschaft gegen die Preispolitik der Syiidikate und Kartelle zu schützen. Ministerialdirektor Rößler stellt fest, daß in Zukunft der Flaschenmilchhandel kon- zelsionspflichtig sein wird. Die Milchkontrolle wird überwiegend in staatlichen oder tommu- nqlen Instituten vorgenommen. Minister Karell erwidert den Abg. Dr. W-r- jper (NS.) und Dr. Wolf (VRP.), daß gegen die Beschäftigung deutscher Arbeiter z. B. in Frankreich bann nichts einzuwenden sei, wenn ihnen anständige Lohn- und Sozialbedingungen gesichert sind. Schluß gegen 17 Uhr. Die Ankurbelung der Wirtschaft durch Preis- und Lohnsenkung. Eine Erklärung der Arbeitgeberverbände. Berlin. 26.3unt. (WTB.) Der Reichsverband der Deutschen 3 ndustrie und die Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände veröffentlichen zu den Besprechungen zwischen den Vertretern der Gewerkschaften und der Unternehmer eine Erklärung, in der es heißt: Die deutschen Unternehmer dec Schlüsselindustrien und der verarbeitenden 3nduslrien in vollerUebereinstimmung habenden ehrlichen Willen, gemeinsam mit den Gewerkschaften für das deutsche Volk einen Weg aus den gegenwärtigen Schwierigkeiten zu finden. Es entspricht weder dem Ernst der Lage, noch dem Geiste, in dem bisher die Verhandlungen geführt wurden, wenn nunmehr der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund (siehe „Vorwärts" Morgenausgabe vom 26.3uni 1930) den Versuch unternimmt, in einzelnen von der Wirtschaftskrise ausgelösten Vorgängen im Lande einen Grund zum Abbruch der Verhandlungen zu sehen, und wenn er gleichzeitig Mitteilungen über Einzelheiten der Besprechungen macht, die ein schiefes Bild vom Gange der Verhandlungen geben. Trotzdem würden sich die Unternehmer, angesichts des so tiefen Ernstes der Lage, über den sie sich völlig klar sind, einer Anregung der Gewerkschaften, die unmittelbaren Verhandlungen wiederauszunehmen, nicht versagen. Die Entwicklung der Wirtschaftslage, vor allem aber die durch die Arbeitslosigkeit hervorgerufene Not, macht es den in der Wirtschaft Tätigen zur Pflicht, praktifche Wege zu einer Erleichterung der Lage zu geben und zu beschreiten. Voraussetzung für eine Gesundung ist eine Umkehr auf den Gebieten der Finanz-, Wirts chafts- und Sozialpolitik. Eine einheitliche und sichere Gestaltung der öffentlichen Finanzpolitik und eine vollständige Ordnung der öffentlichen Finanzen kann nur erreicht werden, wenn eine Anpassung der öffentlichen Ausgaben an diejenigen Einnahmen herbeigeführt wird, die eine notleidende Wirtschaft und eine notleidende Bevölkerung aufzubringen imstande sind. Der für die Belebung der Wirtschaft unbedingt erforderliche Preisabbau verlangt die Senkung der Selb st ko st en der Produktion und der Ko st en der Güterverteilung. Die Senkung der Selbstkosten kann nur erzielt werden, wenn jeder einzelne ihrer Faktoren auf ein Maß zurückgeführt wird, das der inneren deutschen Fi- nanzkraft und den Forderungen einer richtigen Wirtschaftsführung entspricht. Das Ziel würde nicht erreicht, wenn hiermit aus die Dauer ein Unter- konsuin verbunden wäre. Vielmehr muß erstrebt werden, durch Senkung der Selbstkosten und der Preise den Konsum auf normale Höhe zu bringen und in der Folge zu steigern. Die Notwendigkeit der Selbstkostensenkung erfordert eine entsprechende Anpassung der Personalausgaben für alle in der Privatwirtschaft tätigen Personen, die leitenden Persönlich- feiten eingeschlossen, an unsere wirtschaftliche Notloge. Auch in der Sozialversicherung, deren Aufrechterhaltung grundsätzlich notwendig ist, muh in der praktischen Handhabung der Versicherung jede mihbräuchliche Ausnutzung verhindert, und es müssen die verwattungskosten auf ein Mindestmaß zurückgeschraubt werden. Auch hier sind durchgreifende Aenderungen der bestehenden Gesetzgebung unerläßlich. Nur durch eine entschlossene Umkehr kann eine weitere Verschlimmerung der Lage unseres Landes verhindert und das schwere Problem der Arbeitslosigkeit einer Lösung zugeführt werden. Oie Ermordung des Frankfurierpolizeiwachimeisters Kem Oer Schwerverbrecher Hoyer vor den Geschworenen. — Oer Staatsanwalt beantragt die Todesstrafe. - Oas Gericht erkennt auf 15 Jahre Zuchthaus. Oie Vernehmung des Angeklagten. WSN. Frankfurt a. M., 25. 3uni. Vor den Geschworenen steht in schwarzem Anzug ein schwarzhaariger mittelgroßer Mann, der in fast eintöniger Rede zweieinhalb Stunden lang seinen Lebensgang schildert. Es ist der des Mordes und unbefugten Waffenbesitzes angeklagte 34jährige Schlosser Hermann Hoyer. Die Ausführungen des Angeklagten lassen keinen Zweifel, daß er oft mit bitterer Not zu kämpfen hatte. 3n Wermelskirchen beteiligte er sich an einem Raubanfall auf die Sparkasse, wobei den Tätern 38 000 Mark in die Hand fielen. Hoyer hat etwa 10 Vorstrafen, darunter auch Zuchthaus. Zweimal schon ist Hoyer aus Strafanstalten ausgebrochen. Nie Tat. Nach einer kurzen Pause läßt sich Hoyer über die Tat aus. Er schildert, wie Schulle zuerst von dem ermordeten Polizeiwachtmeister Kern an- gehalten wurde, und wie Kern dann aufforderte, daß sie beide nach dem Revier mitgehen sollten. Hoyer will dem Beamten gesagt haben: „Ach Herr Wachtmeister, das hat doch alles keinen Zweck, lassen Sie uns doch laufen." Hoyer will aber die Absicht gehabt haben, zur Wache mitzugehen: 3ch bat nochmals, daß er mich laufen läßt. „Los, vorwärts, kommen Sie her und weisen Sie sich aus", sagte der Wachtmeister. 3ch sah, wie er Schulle am Aermel faßte und dann mir zurief: Sie kommen auch mit, lassen Sie 3hren Kollegen nicht im Stich 3ch habe dann die Pistole gezogen und wollte die Papiere wiederhaben. 3ch rief ihm zu: Hände hoch, Herr Wachtmeister, es passiert 3hnen gar nichts. Lassen Sie uns lausen, indem ich dies sagte, sprang Schulle den Wachtmeister an. Unmittelbar darauf bekam Schulle einen Stoß. 3ch hatte das bestimmte Gefühl, daß der Beamte die Pistole schon in der Hand hatte und da habe ich abgedrückt." Hoyer will die Waffe so gehalten haben, daß die Mündung unmittelbar oberhalb des Oberschenkels deutete. Danach mühte die Schußrichtung von oben nach unten gegangen sein, aber der Einschuß liegt nur um einen Zentimeter höher als der Ausschuß. Hoyer will gesehen haben, daß Kern sich nach dem Schuß wieder erhob. „3n dem Moment, wo der Beamte wieder hochsprang, hatte ich wirklich ein freudiges Gefühl, daß mein Schuß nicht die Folgen hatte. Daß der Schuß so in die Höhe ging, kann ich mir heute noch nicht denken. Der Hauptbelastungszeuge. Der Angeklagte Georg ist oft und schwer vorbestraft, will aber von den schweren Vorstrafen des Hoyer keine Kenntnis gehabt haben. Georg tut so, als habe er erst bei dem zweiten Besuch der Angeklagten erfahren, daß Hoyer auf einen Polizei beamten geschossen habe. Er bestreitet insbesondere, daß er die beiden Besucher in eines der oberen Stockwerke mit dem Bemerken gewiesen habe: „Geht da hinauf, da findet euch kein Schwein." Der Hauptbelastungszeuge Herbert Schulle erklärt u. a.: Es ist richtig, daß ich zunächst gesagt habe, Hoher habe erst dann nach der Pistole gegriffen, als Kern sich an der Pistolentasche zu schaffen machte. Diese Aeuhe^ rung habe ich deswegen getan, um Hoyer zu schützen. 3n Wirklichkeit hat Hoyer nach der Waffe gegriffen, als Kern noch nicht nach der Pistolentasche gegriffen hatte. DaS habe ich deutlich gesehen, nicht etwa geschlossen. Kern hat erst dann nach Der Pistolentasche gegriffen, als Hoyer „Hände hoch" gerufen hat. 3n diesem Augenblick war diePistole des Hoyer bereits auf die Brust des Kern gerichtet. Schulle bekundet bann, daß Kern, nachdem er getroffen worden war, zusammensank, sich wieder erhob und mit erhobenen Händen sortgelaufen sei. Nach der Tat habe er Hoyer gefragt, warum er geschossen habe, und Hoyer habe gesagt: ,3ch hätte den Beamten nicht geschossen, wenn er nicht nach der Pistole gegriffen hätte. 3ch lasse mich nicht festnehmen, ich habe es satt, ich habe schon einmal fast zehn 3ahre abgemacht, ich kriege dann noch einmal zehn 3ahre, das halte ich nicht aus." Nie Sachverständigen. Med.-Rat Dr. Kohl erklärt u. a.: Der Vater des Hoyer war ein starker Trinker mit jähzorniger Einstellung, so daß es in der Familie sehr häufig zu Konflikten kam. Hoyer ist ein etwas erblich belüfteter, sehr reizbarer, draufgängerischer Mensch. Für die strafbaren Handlungen ist er verantwortlich. Hoyer habe mit lieberlegung gehandelt. Schulle ist unehelich geboren, war in Fürsorgeerziehung und ist mittelmäßiger Schüler gewesen. Den Eindruck eines pathologischen Schwindlers mache Schulle nicht, aber es ist ihm auch nicht alles zu glauben, was er sagt. Aus dem Gutachten Prof. Dr. Popps ergibt sich, daß der Angeklagte eine Armeepistole Modell 08 mit Neun-Millimeter- Kaliber-Munition benutzte. Der Schuß ging ziemlich horizontal. Die Angabe des Hoyer, daß er auf den Oberschenkel bleit und der Schuß zufällig so hochging, Ist nicht glaubwürdig. Er hat also zweifellos als Ziel den Oberkörper und nicht den Oberschenkel genommen. Der Schuß konnte nicht ohne weiteres abgehen, denn der Abzug ist normal. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Albrecht beantragte gegen Hoyer wegen Mordes und unbefugten Waffenbesitzes dieTodes strafe und ein 3ahr Gefängnis, sowie dauernden Ehrverlust, gegen Georg wegen Begünstigung sechs Monate Gefängnis. Das Urteil. Nach etwa vierstündiger Beratung verkündete das Schwurgericht gegen 1 Llhr nachts folgendes ■Urteil: Hoyer wird wegen Totschlags und verbotenen Waffenbesitzes zu 15 3 ahren Zuchthaus und zehn 3ahren Ehrverlust verurteilt. Die Waffe wird eingezogen. Der Angeklagte Georg wird wegen Begünstigung zu sechs MonatenGefängnis verurteilt und der gegen ihn erlassene Haftbefehl auf geh oben. Zelten feine ersten Sitzungen ab gehalten hat. An der Spitze der Prozession gingen derKönig und die Königin von Dänemark und 3sland, der schwedische Kronprinz, die isländische Regierung, die Mitglieder des Alting und die fremden Regierungsvertreter. Der Präsident des Alting hielt eine feierliche Ansprache, in der er die Geschichte 3slands darlegte und auf den Ursprung des isländischen Staates zu sprechen kam. Die Rlesenunlerschlagungen beim Deutschen Sängerbund. Vor dem Schössengerlcht Eharlottenburg begann der Prozeß gegen den früheren Bundes- schatzmelster deS Deutschen Sängerbundes. richtsassessor a. D. Redlin, der beschuldigt wird, während seiner neunjährigen Geschäftsführung das Vermögen des Deutschen Sängerbundes um 916 000 Mark geschädigt zu haben. Redlin hat zugegeben, daß er 320 OÖO Mark für seine Briefmarkensammlung verbraucht habe, bann will er in ein Farbenfilmverfahren 250 000 bis 300 000 Mark hineingesteckt haben. Außerdem will er 100 000 Mark an „gute Freunde" ahne Quittung verborgt haben. Schlleh- lich will er auch 150—170 000 Mark zum Le- benSunterhalt für sich und seine Familie verbraucht haben. Nachdem die .Unterschlagungen entdeckt worden waren, bat Redlin seine über 30 Bände umfassende Briefmarkensammlung und eine Sammlung toertVuUec Trinkgläser. Kürzellantassen und Porzellanvasen, seine Beteilt- gungsansprüche an der Farbenfilmerfindung und an ein Filmunternehmen dem Deutschen Sängerbund abgetreten. Der Wert dieser Abtretungen ist jedoch bisher noch nicht endgültig festgestellt. Der Angeklagte wurde wegen fortgesetzter Untreue in teilweiser Tateinheit mit Unterschlagung zu einem 3ahre neun Monaten Gefängnis verurteilt. Der Antrag auf Bewilligung einer Bewährungsfrist wurde vom Gericht wegen der schweren Verfehlungen, insbesondere in Berücksichtigung des groben Vertrauensmißbrauches und der Höhe des angerichteten Schadens abgelehnt. Das „Kreuz des Südens" in Neuyork glatt gelandet. Das Flugzeug „Southern Croß" ist Donnerstag früh 5.05 Uhr ostamerikanischer Zeit (9.05 Uhr vormittags MEZ.) in Harbour Grace zütn^Weiterflug nach Neuyork aufgestiegen. Die „Southern Croß" erschien kurz vor 7 Uhr örtlicher Zeit zum ersten Male über dem Flugplatz Roosevelt- fielb, flog dann in großer Höhe weiter in Richtung Neuyork, umkreiste den Stadtteil Manhattan und flog bann in Begleitung von etwa 12 Flugzeugen nach Rooseveltsield zurück, wo die Landung glatt erfolgte. Eine taufenöföpfige Menschenmenge umsäumte das Flugfeld und begrüßte die Flieger mit begeisterten Zurufen. heuschreckenfchwarm in Niederösterreich. Bei Obereggendorf in der Nähe von Wiener^ Neustadt ließ sich um Mitternacht ein großer Heu« sckreckenschwarm nieder. Der Einbruch der Heuschrecken hat große Aufregung unter der Bevölkerung heroorgerufen. Kleinere Schwärme zeigten sich bereits vorgestern. Der Hauptschwarm von Millionen Heuschrecken ließ sich in den gestrigen Abendstunden auf den Bahngleisen und den angrenzenden Feldern nieder. Die Züge konnten, selbst nachdem der Bahndamm notdürftig von den Heuschrecken befreit war, meaen der schlüpfrigen Gleise nur sehr langsam fahren, so daß der Zugverkehr große Verspätungen erleidet. Außer der Freiwilligen Feuerwehr von Wiener-Neustadt hat sich die ganze Bevölkerung der Umgebung zusammen mit den Bahnangestellten in der Nacht an Ort und Stelle eingefunden, um die Heuschrecken mit Feuer zu bekämpfen. Auch Beamte der zuständigen Ministerien sind im bedrohten Gelände eingetroffen, um die Leitung der Arbeiten zur Vernichtung der Heuschrecken zu übernehmen. Vormittags fam- meltfn s i ch die Heuschrecken wieder und setzten ihren Weg in der Richtung nach Wiener- Neustadt fort. Es handelt sich übrigens nicht um Wanderheuschrecken, sondern um die gewöhnliche . Art der in Europa heimischen Feldheuschrecke. Zehnte Generalversammlung des Reichsverbande» Deutscher Hausfrauenvereine in Danzig. Der Reichsverband Deutscher Hausfrauenvereine hielt in der Zeit vom 24. — 26.3unl seine zehnte Generalversammlung in Danzig ab. Auf dem Gmpfangsabend begrüßte Fräulein Marie Meyer- Danzig ihre Schwestern aus dem Reiche. Die Vorsitzende des Verbandes. Frau Maria 3 e ck e r - Aachen, dankte für den festlichen Empfang und betonte, daß die deutschen Schwestern aus allen Gauen des Reiches zum Osten gekommen feien, um ihre Schicksalsverbundenheit mit den Schwestern der Stadt Danzig auch äußerlich zu bekunden. Staatsrat Dr. Ziehm hielt einen Vortrag „Danzigs Gegenwart". Der Redner ging vom Versailler Vertrag aus und beleuchtete das Schicksal Danzigs nach der Abschnürung vom Reich. Auf der Generalversammlung sprach nach Entgegennahme deS Geschäftsberichtes Frau Charlotte Mühsam- W e r t h e r über Derbraucherklagen in ihren volkswirtschastlichen Zusammenhängen. Oie Wetterlage. ,Mre iDtrdten- 18 5 BÖS1 -41 J——Paris' ©Woixenlos. O netter » naro oelstg^ X i«26roh Ä| iöÄ gS»** MW ^oVaa'i “i s,«7 »L "Ä*" unb ,ffl« V ilonbuna ft' ®*n. ° begrchr bit tifkrttld). ■ DOn Wiknrr» In * j)fU. Irut5 btr j)tu, !r btr StDölft. leigten sich km von Mil« > in den gtftn« en und ben an« konnten, von öen er wlüpfrlotn ? n. jo daß Der btt. Autzer btr r-^tchabt hat °Mtz iutammtn lcht an Ort unb ktn mit euer btr zuslbnbigen nbe cingtlro||en, Vernichtung btr mittags |am- c n wieder unb 9 nach Wiener« rigene nicht um die gewöhnliche . dheuschrcikt. Md)werbanbti In Danjlg. AauSsrauenver« 4. - 26.3unl in Danzig ab. M Stäultin 5d)totflcrn au« e« Verbandes, dankte für den ah die deutschen ü Reiches »um e Schicksalsver« der Stadt San- Staatsrat Dr. 'aiuiff^ Aeaen- Insallltt Der« Mat Danzsgi M der Vene« gcgennahme de« tc Mühsam« [lagen in ihren ingen. Ihrer Obhut anvertraut gind täglich viele Millionen der berühmten REEMTSMA CIGARETTEN OUA Aus der Provinzialhaupifiadt. Dieben, den 27.3unl 1930. Die Errichtung der Orthopädischen Klinik. Die Pläne für bte Errichtung der Orthopädischen Klinik in Diehen wurden in der Sitzung de» De- samtvorstande» de» Hessischen Jürforgevereins für Krüppel c. V. in Darmstadt nach Entwürfen des Stabtbaurats Dravert «Gießen) endgültig genehmigt und weiter beschlossen, daß mit dem Dau alSbalo begonnen wird. Die noch seylenden Mittel hofft man Aum größten Teil aus der jetzt überall im Lande Im Dange befindlichen HauSsamrnlung aufzubringen. Gleichzeitig wurde auch eine 'Abgrenzung der Tätigkeit der beiden In Hessen in der Krüppelsürsorge tätigen Verbände, de» Hessischen Landesvereins sür Innere Mission und des Hessischen Fürsorgevereins sür Krüppel, durch eine Vereinbarung mit dem Zweck gedeihlicher Zusammenarbeit erreicht. Während der Hessische Fürsorgcverein für Krüvpel seine seitherige Tätigkeit auf dem Gebiete der Hellfürsorge und der nicht attstaltsmäßlaen Derusseinfchulung Verkrüppelter beibehält. wird er auf dem Gebiete der Qln- stalt-sürsorge die klinische Arbeit in dem neuen Institut (älniversitätSklinik) in Dießen übernehmen und dort nur solche Lehrwerkstätten schaffen, die für den klinischen De trieb nötig sind, während der Hessische Landesverein für Innere Mission in seiner Anstalt in Rieder-Ramstadt in der Hauptsache die erzieherische Arbeit und die anstaltsmäßige DerusSeinschulung tätigt. So wird durch gegenseitige Unterstützung die Arbeit zum Besten der leidenden Menschheit gefördert werden. Aus den Lehrstuhl für Crtboixibie in Dießen wurde, wie srüher schon mitgeteilt wurde, durch den Minister für KultuS und DildungSwesen Professor Dr. Peter P i tz e n au» München berufen. Professor Pitzen war acht Jahre lang als Assistent und Oberarzt an der Orthopädischen Klinik In München tätig. In den letzten Jahren hat sich Prosessor Pitzen viel mit Problemen der mechanischen Orthopädie und mit dem Studium der Rönigcnbilder in der Orthopädie beschäs- tigt. Prosessor Pitzen hat inzwischen seine Tätigkeit ausgenommen und behandelt bis zur Fertigstellung der Klinik durch Dntgegenkommen Professor Dr. Popperts in der Ehirurgischen Klinik in Gießen. Der Hessische Krüppelsürsorgeverein, der sich seit Jahren um die Schassung des Lehrstuhls und um die Errichtung der Universität»- klinik bemüht und nun die Freude hat, das Werk reifen zu sehen, hat Professor Pitzen zu seinem stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Der neue Heller der Lande-universM. L U. Von der Pressestelle der Landesuniversl- tät wird mitgeteilt: Zum Rektor der Universität G i e st e n für die Zeit vom 1. Septbr. 1930 bis 1. Septbr. 1931 wurde der ordentliche Prosessor Dr. jur. Otto Oger gewählt. — Prosessor Oger hat bereit- im Amtsjahre 1922/23 die Rektorwürde bekleidet. Gommerfest des (hleibergvereins aus Burg Gleiberg. Din feines Fest war es, ein richtiges heimatliches Volksfest. Seit der Durghof durch Herrichtung'deS anschließenden GartenS zu einem zusammenhängenden Platz erweitert worden ist. besteht die Möglichkeit, größere Festlichkeiten auf dem Gleiberg abzuhalten. Unter schattigen Bäumen sitzt eS sich herrlich, und allein der Anblick der Ruine und deS Turmes und der Ausblick ins weite Land sind des Genießens wert. Und wenn sich in diesem Rahmen alljährlich im Sommer die Gleibergsreunde — und dazu sind nicht nur die Mitglieder deS Gleiberg- vereins zu rechnen — zu frohem Deisammen- sein ein Stelldichein geben, so geschieht es Im starken Bewußtsein der Heimatliebe. Der Gleiberg ist und bleibt ein prächtiges Fleckchen Orbe. Raturschönheit ist aber nicht nur Geschenk des Himmels, sondern auch eine Gabe, die Verpflichtung auserlegt. Aus diesem Gedanken heran« — nämlich die Burg und ihre Umgebung zu erhalten, wozu viele Mittöl nötig sind — soll daS Fest, neben der ideellen Betonung, auch ein wenig dem Geldbeutel deS Vereins, der große Opfer bringt, dienen Trotz sengender Hitze sah man am Sonntag- mlttag große Scharen festlich gestimmter Menschen die verschiedenen Burgwege hinansteigen. J” Pendelverkehr mit Postautos brachte zahlreiche Gießener herbei. Und wenn trotzdem der Besuch den Erwartungen nicht so ganz entsprach, so lag das in der Hauptsache daran, das» tu einigen umliegenden Orten auch Festlichkeiten ftattsanden. Auch mag der Fackelzug der Studentenschaft manchen am Erscheinen verbind«« haben Rührige Dereinsmttglleder in Gemeinschaft mit dein Burgwirt hatten den, Platz durch reich« Ausschmückung ein festliches Aussehen gegeben An dem rauben, um eine Luide gewimmerten Tisch konzertierten die Musikanten unb spielten auch zum Tanze auf. Wurf- und Schießbude sorgten für Abwechslung, wo bei den zu erlangenden Preisen u. a. ein Freislug nach Frankfurt vergeben wurde. Besonderen Spaß hatten die Ännoer, die nicht nut mit Vreheln und Würstchen bedacht wurden, sondern sich auch an den Darbietungen cmes Kasperltheaters erfreuten. Der Ausstieg eines Ballons und sein 2lbtreiben hielt erelne der von dem Deutschen Sängerbund ausgehenden, durchgreifenden Organisation. Durch den Zusam- menschluß der Tausende von deutschen Sängern au» allen Volksschichten des Reiche» ist diese Organisation zu einer großen VolkSgemeinschast geworden, die sich die hohe Ausgabe gestellt hat, Da« herrlichste Gemeingut unsere« Volke» und Vaterlandes, da» deutsche Lied zu erhalten, zu pslegen und zu förbern. Auch die vereinigten Gießener Männergesangvereine unter der Leitung ihre« Thormeister» Otto G 0 r l a ch werden diesen Tag in würdiger Weise begehen und um 11,15 Uhr zu einer Kundgebung aus dem Landgraf-Phlllppsplatz zusammentreten. Der Gießener Orchesterverein unter der Leitung feine« bekannten Kapellmeister« Hermann Weller wird durch feine Mitwirkung der 'Veranstaltung einen musikalisch wertvollen Charakter geben Die Gießener Bevölkerung sei auf die Veranstaltung besonder» hingewiesen. ♦♦ Da« Posaunenfest am nächsten Sonntag wird eingeleitet durch Q.borall>fafen am sruhen Morgen von den Türmen und auf verschiedenen Plätzen der Stadt. Dabei soll alte Turmmusik geblasen werden Dom Turin der Stadtkirche bläst der rühmlich bekannte Posgunen- chor Lang-GönS einen Turmsonatensatz au« Sonate 1 der hora dccima von Job. Pezeliu» (1070) Wett- versteigert worden waren, bekannten „Kirschenberg" die noch nicht völlig in der Reife stand. Anzeiger" wird die Wiederholung des bewerb» bekanntgegeben werden. bewerbe geltend macht, wird beabsichtigt. derartige Ausstiege zu wiederholen. Im „Gießener Oderheffen. Lanvkrcio (ließen. D a u b r t n g c n , 26. Juni. Nachdem vor einigen Tagen die Frühkirschen sand dieser Tage am b< Versteigerung der Spätkirschen ernte statt, zu der sich eine große Anzahl Liebhaber au» unserem Torfe eingesunden hatte. Der Ertrag der Bäume ist in diesem Jahre recht gut. Je nach der Dräße der Bäume und der Quantität und Qualität der Früchte bewegten sich die Preise zwischen 40 Pf. und 10 Mark pro Baum. Bon den Steigerern roiff« den die Kirschen Mort geerntet, obwohl da» Dbft \ V Grünberg, 2f Juni Der ßniHge Schweine markt zeigte wieder einen guten Auftrieb von Ferkeln e« waren 3A) Stück vorhanden folgende Peets« wurden setz-estellt: Sei kl bl» 6 Wochen alt 38 bl» 40 Mk.. 6 bis 8 Wochen alt 4> bi# 48 Mk. 8 bis 13 Wochen alt 48 bi« 55 Mk Tendenz sehr gut; Markt ausverkaust. Kreis,>ricdt»erg. pb. Butzbach. 26. Juni 3um heutigen Ferkel m a, r k l waren 499 Stück aufgetrieben E» wurden gezahlt für Ferkel bi# zu 6 Wochen 30 bl« 35 Mk. von 6 bis S Wochen 35 bl« 39 Mopk, von 8 bl» 13 Wochen 39—45 Mk. Der Handel ging floh, jedoch wurde der Markt nicht geräumt ) ( Münzenberg. 25. 3unL Rach altem Brauch fand gestern nachmittag die Sommer» taguug der Dekanatskonferenz des Dekanate# Hungen in unserem schönen Städtchen statt Sie wurde von Pfarrer Egel- baff. Griedel, mit Schriftlesung und Gebet eröffnet Der Leiter der Konsercnc. Dekan Engel. Obborndofen. begrüßte daraus den neu in» Dekanat eingelretenen Amtsbruder, Pfarre« Herder, Wölfersheim, und verabfchledete den leider aus dem Dekanat fcheldenden Pfarrer Weber, Holzheim, Rach Erledigung einer Reihe amtlicher Angelegenheiten hielt Pfarrer KÖdding. Oberflaot, einen Dor trag über öle Frage: . Was lernen wir Pfarrer für die Predigt und Serif arge und für die Verwaltung au« der taufendjährigen Entwicklung des Bauerntum« in der nördlichen Wetterau " Der Vortrag, der lotooßl aus eigenen Forschungen als auf solchen von Friedrich 0>aul aut gebaut war. sand sehr aufmerksame Zuhörer und mürbe wesentlich durch Aussührugnen des auf dem Gebiet der helmaikundlichen Forschung sehr tätigen Pfarrer Dr. H e h m a n n , Langsdorf, ergänzt. flrcU Biidinacn. Ridda 2«. Juni. Der bedenkliche Zustand der hiesigen Ortsdurchfahrten beschäftigte feit Jahren vefsentiichkest und Ortsvorstand man nahm eine abwartende Haltung ein, weit ee notwendig erschien, vor der Instandsetzung der Straßen die versäumte Kanalisation durchzuführen. Da bei der setzt herrschenden Finanzlage In absehbarer Zeit nicht an diese" kostspielige Projekt herangeireten werden kann, sollen wenigsten# die vrtsdurchfahrtsn a u o g e b e s s e r t und geteert werden. Die Stadt hat 2500 Mark aufzubringen. Die übrigen Kosten trägt die Provinz Kreis Scholten. • Helpershain, 2ö. Juni. Der hiesige Gemeindebulle, der gestern In einen anderen Stall gebracht werden sollte, riß sich plötzlich los imb stürmte dem Ausgang des Dorfe» zu, wo er Im sogenannten .Grund'' mit Mlstgalxln und dergleichen wieder eingefangen ivertwn konnte. 'Velin Austritt au« dem Stalle hatte er den neuen Pfleger, der Ihn von h*m seitherigen abbolen mollte, so stark wider die Wand gedrückt daß bem Manne m eh rr re Rippen brachen und der Pfleger jetzt schwer bamlebtr- llegt. Da das Tier sich al« zur Zucht untauglich erwies, wurde es am sell»en Tage geschlachtet. berliner Börse. Berlin, 27 Juni. (WTB. siunkjpruchj Aus gün|tlgcrc Beurteilung der politischen Lage nach her vollzot>enen Ernennung Dietrich» zum Mnanzminl» per, sowie auf die weitere Festigkeit Remiork», inachle sich Im heutigen Frühverkehr eine elina# sreundlichere Stimmung iKinerfbar. Da# (RrfdMft mar zunächst noch klein, die Kurse, die man Härte, waren leicht befestigt. Mrchliche Jlad)rid)fen. Jiraetttische Gemeinden. Israelitische Mellglonegrineliibe. Gottesdienst in der Synagoge (ötlbanlage). Samstag, den 28. Juni, 'Borahenb 7.45 Uhr: morgen» 8.30; abend» 9 und 9.40 Uhr. Israelitische Beligionsgesellschaft. Sabbatseier den 28. Juni. Freitag abend 7 4’> Uhr: Samstag vor« mittag R, nachmittag» 4; Sabbaiausgang 0.40. — Wocheiigottesdienst: morgen» 6.30; abends 7.15 Uhr. I >r. I ß q r I o t. fliegen übten Mundgeruch, nach längerer Mundruhe und nach dem Rauchen benutze man «um Desodorieren und dramatisieren bet Vltente eine Spülung mit dem herrlich ersrischenven ühlorodont-Mlindwaster. stlasch» 1^- Mk. als Vorspiel au dem solgenben FHoral Vom Turm der Iohannesklrche bläst der Thor von Klein-Lmden, der uns eben!all» kein Fremder ist, chu Sonatine — Allein Gott In der Höh' sei Ehr — aus .Bierundzwanzig Quatridnia* von Gottfried Reiche Reiche ist Job Seb Bachs hervorragender Trompeter gewesen. Diese alte Turm- tnuslk wurde in den letzten Jahren neu beraus- gegeben. E» lohnt sich der Mühe, diese« Stück alten Kulturgutes unseres Volke» wieder zu tv- leben Wo es seither versucht wurde, sand man größtes Interesse. ** Zumvllbe r I u blläum Gießens al« Regattaplatz Bootshaus und Dootsplatz der Gießener Ruder-Gefellschast 1877 landschaftlich einer der schönstgelegenen Plätze Gießens sieben tm Zeichen der am kommenden Samstag und Sonntag siattsindeitden Jubiläums-Regatta, über deren Meldeergedni« bereit# berichtet worden ist Die erforderlichen Baulichkeiten auf dem Regattaplatz sind fer'.lggestellt Auf der direkt aegenüberllegenden Schustlerichen Bleiche, ist auch hi diesem Jahre wieder der Lagerplatz sür die Khlreichen Rennboote eingerichtet, so daß sich reu Abfahrt und Ankunft vor den Augen der Regattabesucher abfpielen wird. Gs finden in»- aefamt 16 Vierer-Rennen. 6 Achter-Rennen und 4 Einer-Rennen statt, in denen durch bereits besten» erprobte Mannschaften fchöne fportliche Wettkämpfe in Aussicht stehen Die Ehrenpreise sür die ehuclnen Rennen, darunter eine Anzahl prächtiger Herausforderung»- und Wanderpreife, sind in den Gchausenstern de« Tepplchhaufes Hochstatter, VkäuSburg 5. ausgestellt Wie au« dem Inseratenteil ersichtlich ist, sind die Ein- trittSpreile zum Regattaplatz sowohl als auch Aur Schüßler scheu Vleict>e, mit Rücksicht auf die heutige ungünstige Wirtschaftslage, auf das Aeußerfte beschränkt, fo daß der Bevölkerung Gießen» eine günstige Gelegenheit geboten ist. durch recht zahlreichen 'Besuch ihr Interesse am schönen Rudersport zu bekunden und auch dem Äußeren Rahmen der Jubiläums-Regatta dadurch eine würdige Gestaltung zu verleihen. •• Ballon-Wettbewerb. Da« Fluaplatz- Easä hatte Ende Mai unb Ansang Juni vom Flughafen aus ein Wetlfliegen kleiner, mit Walferstoffga» gefüllter Ballone i'erQnftaltct. An diesem Wettfliegen ßaben sich nicht mir Kinder, sondern auch Envachsene beteiligt, da sür den Absender und den Finder des am weitesten geflogenen Ballon« Preise in Gestalt eines Frei- flug» von Gießen nach Frankfurt ober eines Buches, je nach Wahl, ausgefetzt waren. Die Ballone waren mit Vorgebruckten Karten versehen, auf denen der Finder Ort und Zelt der Auffindung ortsgerichtlich beglaubigt angeben mußte. Don den 77 Ballon», die hier auffiiegen, sind bi« Aum 21. Juni, dem Tage der Schluß- Meldung. 16 Ballone gesunden unb ordnungsmäßig gemeldet worden. Don diesen landeten die meisten in der Marburger Gegend, im Kreise Ziegenhain, bet Homberg a. d. Ohm und Alsseld. Die Streckenlängen schwanken zwischen 6 Kilometer bet Großen-Dnseck und 140 Kilometer (Ershausen, Kreis Hetltgenstadt). Der Ballon Ar. 70 legte die Srößte Flugstrecke mit 170 Kilometer zurück. ir landete auf Flur Obermehler Im Amts- gertchtsbezirk Schlvihelm in Thüringen. Gr wurde dort von August Kether gesunden. 'Der Absender in Gießen ist Karl Heinz Becker, Bahnhofstraße 16. Beide haben ein Anrecht aus einen Freislug von Gießen nach Frankfurt oder ein Buch, sie sind von der Aiuglettung in Kenntnis gesetzt worden. Da sich offenbar im Kreise der Bevölkerung lebhaftes Interesfe für solche Wett- trägt eine große Verantwortung. Echte Oricnt- cigaretten der höchsten Quahtatsstufe sind äußerst empfindlich und verlangen eine sehr gewissenhafte Behandlung. * o|oo|otf JJflancfien'tknuß- Dieses 25O-Gromm-St0ck kostet nur 35 Pfg. Gießener Ruder-Gesellschaft 1877 e.V Volkstümliche Sonderfahrt a. d. Nordsee 4660 D vom 10. bis 14. Juli 1930 Gleßen-Hamburg-Helgoland o. zurück nach Gießen Vorverkauf bei Herrn Ernst Challier, Neuenweg bis zum Freitagabend.) 4627 D Das Rheinlandmädel wenn nicht scharfe Waschmittel Locher in Ihre Wäsche und demzufolge auch In Ihren Geldbeutel rissenl Verwenden Sie darum nur NAUMANNS SEIFEI Sie greift Ihre Wäsche niemals anl Frische Wäsche — gute Wäschei hda APC Bnnöttoioiiiale GtneneruBg. 2(m Sonntag, dem 29. Juni 1930 MilienMsslug mit dem Kavallerie» Verein nach der Bergschenke. 3BWAUS£Äy«$fN AM OSWALDSGARTEN 18 Vereine - 26 Rennen - 85 Boote - 441 Ruderer Beginn der Rennen: Samstag 15.30 Uhr, Sonntag 14.30 Uhr der Vorrennen i Samstag 8 Uhr, Sonntag 7.30 Uhr (vormittags) Sonntagnachmittag: KONZERT auf dem Bootsplatz Eintrittspreise: Terrassenplatz (numeriert) für beide Tage Mk. 3. — ; Bootsplatz: Samstag Mk. 0.75, Sonntag Mk. 1.-, für beide Tage Mk. 1.50; Bleiche: Samstag frei, Sonntag Mk. 0.50. (Karten für beide Tage nur im WM lmögl. tätig), mit ca. 30 000 RM. gesucht. Schr. Angeb. i 04047 an den Gies; Anz, Gesamtpreis RM. 76.60 einschl. Eisenbahnfahrt 3. Kl., Dampferfahrt nach Helgoland und zurück, Unterkunft in bürgerlichen Hotels, Verpflegung 1t. Programm. Besichtigungs-Fahrten mit Dampfer und Auto. Trinkgelder, Steuern, Kurtaxen. Anmeldung umgehend durch Hapag-Reisebüro, Gießen, Seltersweg 93, Tel. 4197 Samstag, den 28. Juni und Sonntag, den 29. Juni 1930: 25. Ruder-Regatta Mim. gegen Sicherheit gesucht Schrtstlichs Angeb. unter 04046 an den Gieß. Anz, Geb. Dame miteigenerMaschms erledigt sorgfältig und raschestens Abschriften, Korrespondenzen und Diktat. Schr. Ang. u. 04055 a. d.Gß.Anz. Vereine | Verein Amicitia Samsmg. o. 28.D.HL, abends 8 Uhr: Abendtour mit Familie nach Annerod (Mühle). Treffpunkt Staifer« alles-Vtcher Straße. Um zahlr. Beteilig, bittet d.Vorstand^Hny EISII-Betten (Stahl u. Holz) Polster, Sdilafzimm^Stahlmatr. Kinderb.Chaisel. a.Pri- vate. Ratenzl. Katal. fr. Eisenmöbelfabrik So hl Verschiedenes! O/nteh und pünktlich soll das Essen auf den Tisch! Hier fängt das Hetzen an.VomEmkauf zurück quält man sich damit ab, das Feuer in Gang zu bringen. In einer Stunde soll das Essen fertig sein. Schnelligkeit Ist keine Hexerei. Doch wie bequem könnten Sie es haben, wenn Sie sich mit Ihrem alten Ofen, der doch selten richtig brennt, nicht mehr herumärgern brauchten und Sie hätten einen Gasherd. Sehen Sie sich doch heute gleich einmal unseren Roeder-Gasherd an und lassen Sie ihn sich vorführen. Sie werden überrascht sein über seine Vorzüge und werden sich bestimmt diesen praktischen Arbeitshelfer anschaffen. >2 A S C E Ä - e 61 C = ^2 6. P 4 P .5« ■6'c * E1“? * 'S ® = O = E 2 3 'eE®^ 2 — 1» ■*- ? ° E^:O j & »'S " »4 5 S -2.«» ee tu E t'U'T 5 5g C 5 : c Vfr _ i 51 ® , ‘5 2 E c 3 ! ? > 5: ■5 S b-1 W M. Biringer Nachf 20-50% Rabatt Seltersweg 63 04068 Ganz besonders billig Linoleumreste Stückware und Läufer Die trauernden Hinterbliebenen. Stoffreste Gießen (Weserstraße 19), den 26. Juni 1930. 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QI Id Friedrich der Drohe starb, soll seine grobe Uhr im Schlafzimmer in derselben Minute stehengeblieben sein ... Eine alle Schweizer Llhr hat einem Herren das Leben gerettet, der sich im Bergwerk befand, fieben Stollen tief unter der Erde. Die LIhr stand plötzlich still. Da er niemand traf, den er fragen konnte, lieh er sich herauffahren und kaum war er oben, als die furchtbare Explosion erfolgte, bei der fast alle Bergleute umkamen, die mit ihm unter der Erde zusammen gewesen waren. Seine älhr hatte ihn gerettet... Zufall? QHag sein .. Es gibt sonderbare, unaufgeklärte Zufälle... Blumen „leben". Ein Rosenstrauß entblätterte in einer stillen Mondnacht neben mir mit einem Seufzer, der mich weckte ... ilnö die Rosen lagen entblättert neben mir auf dem Tisch... Es gibt Möbel, deren Rähe uns ein Gefühl des Behagens einflöht, uns mit einem Heimatgefühl, einer Sicherheit umgibt, die so wohltuend ist wie die Gegenwart eines geliebten Menschen... Sie schauen uns an, und wenn wir sie berühren, ist's, als lebten sie... Es gibt alte Schränke, die Rachts leise krachen und stöhnen. Sie sind alt und müde, sie seufzen leise in der Rächt. Man gewöhnt sich an Möbel so, dah man sich auf das Wiedersehen mit ihnen freut, an die man denkt wie an Menschen, 8.03. an seinen Schreibtisch, sein Bett, eine alte Kommode, einen gern benutzten Sessel... Wir lieben sie nicht, weil sie zufällig uns gehören, wir sie geerbt haben, sondern weil sie so Diel mit uns erlebt haben und uns kennen. Sie sind unsere Freunde geworden. Ich habe Heimweh nach meinen Möbeln, sagte eine Dame, die von einer Weltreise zurückfuhr mit dem Schiff. Weshalb können sich Menschen oft nicht von stil- losen, hählichen, unbequemen Dingen und Sachen trennen? Weshalb trauert man verlorenen Gegenständen nach wie Qkrftorbenen?... Es gibt Porträts, die.leben", obgleich die gemalten Menschen längst zu Staub geworden sind. Böse Bilder, die abstohen und verwirren und solche, die uns anziehen mit ihrem Lächeln... Bilder, die uns mit ihrem Blick verfolgen. Wohin wir auch im Zimmer gehen, immer sieht das Bild uns nach, mit unvergehlichen Rügen... Wenn sich ein Bild plötzlich vom Ragel löst und zur Erde fällt, gilt das bei Abergläubischen für eine Warnung vor einem Unglücksfall... Ich habe es zweimal erlebt, dah ein Porträt von der Wand stürzte und kurz darauf der Porträtierte schwer erkrankte oder starb... Gewiffe Schmuckfachen bringen „Unglück".Es gibt Steine, vor denen die Horoskopdeuter warnen, Steine, die uns „nicht liegen", die jedem, der sie trägt, Unheil bedeuten. Wenn man aus Ringen, die wir täglich tragen, plötzlich einen Stein verliert, ist es, als gäben sie ein Lebenszeichen von sich... Schmuckstücke verschwinden spurlos, halten sich versteckt, um plötzlich wieder aufzutauchen an einem Ort, an dem sie niemand vermuten konnte... Wie sie dort hingerieten, weih niemand... Und die Bücher... Stehen sie nicht immer da und leisten unS Gesellschaft? Ihre Rähe beruhigt. Sie trösten, erheitern, unterhalten uns, lasten uns eine schlaflose Rächt erträglich werden, uns Sorgen ver- gesten. Eie berauschen und begeistern. Sie stehen geordnet da in Reih und Glied und warten, bis wir sie rufen. Dann sind sie für uns da... Sind das keine menschlichen Eigenschaften, meine Damen? Gibt eS einen verläßlicheren Freund als ein Buch? Einen, der sich nie verändert, uns nie ärgert, sich nie rächt, uns nie betrügt, und was er sagt, behält Geltung für immer. Es gibt unheimliche Zimmer und „tote Wohnungen", in denen eine drückende, schwere Luft steht, die von den Möbeln ausgeht, den Tapeten ... und strahlende Zimmer, Gegenden, in denen sich immerfort Unglück ereignet, Gegenstände, bei deren Anblick uns ein Schauer überläuft. Ich sah Maria Stuarts Kruzifix im Glasschrank in Walther Scotts stillem Schloß, hoch oben in Schottland. Sie trugs auf ihrem letzten Gang zum Schafott... Und Marie-Antoinettes letztes Hemd, ihre feinen Strümpfe im Musee Cama- valet, ihrer Schwägerin Elisabeth armseliges (Sefäng- nisbett, die grobe Serviette von Louis XVI., die er bei seiner Henkersmahlzeit benutzte. Daö blutdurchtränkte Hemd Gustav Adolfs im Rordischen Museum zu Stockholm, in dem er in der Schlacht bei Lützen fiel: und die Maske des.Theaterkönigs" Gustav III. von Schweden, der nach einem MaSkenfest in der Oper ermordet ward. Briefe haben etwas Menschliches, ihre Handschrift, ihre Art... Ihre geschriebenen Worte sehen uns an wie Totentafeln von Bekannten auf den Fried» Nr. H8 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) 5reltag, 27. Juni (95Ö Oie Kolonialfront der Komintern Reue welirevolutionäre Hochkonjunktur in Asien. Don unserem d«.-Berichterstatter. Eindruck, dah die Moskauer Machthaber einen zwar kleinen, aber zuverlässigen kommunistischen Apparat geschaffen haben, der nicht nur in China, sondern vor allen Dingen auch in D r i t i s ch - I n d i en und Französisch-Indochina funktioniert und Moskau über alle Vorgänge in diesen Ländern auf das genaueste unterrichtet. Denn intcreffanter- weise verfallen die Sowjets heul? nicht mehr in die plumpen Fehler, die die kommunistische Propaganda anfangs in Asien machte. Man treibt keine wilde Massenpropaganda mehr, sondern sucht sich die Objekte, die für die kommunistische Politik gewonnen werden tollen, von Fall zu Fall auf das genaueste aus und seht mit gröberer Propaganda nur dort ein, wo entweder in der Bauernschaft oder in dem Industrieproletariat durch wirtschaftliche Rot und Unruhen eine sichere Grundlage für die kommunistische Betätigung besteht. Auch dann hütet man sich jedoch, direkt für den Kommunismus zu werben. Man unterrichtet lediglich die Asiaten im europäischen Klassenkampf, d. bi lehrt sie es, Streiks durchzuführen, Gewerkschaften xu bilden, passiven Widerstand zu leisten und Demonstrationen so aufzuziehen, dah die Polizei ihrer nur schwer Herr wird, kurz nur daS, was uns als kommunistische Betätigung „legaler" Art in Europa bekannt ist. Es ist nicht xu verkennen, dah die Sowjets hiermit beträchtliche Erfolge erzielt haben. Die Be» richte aus Dritisch-Indien zeigen auf das deutlichste den Einfluh kommunistischer Schulung. Die Bildung von „Rothemden" an der afghanischen Grenze, die Durchführung des Boykotts europäischer Wareir, die Agitation für den Steuerstreik zeugen ebenso sehr für Moskau wie das gelegentliche Mitführen roter Fahnen, die die Embleme der Sowjet-Union, den Hammer und die Sichel, tragen. Die Berichte der französischen Presse, die davon sprechen, dah bei den letzten Zusammenstößen in Indochina die Aufrührer die Polizei unter Hochrufen auf die kommunistische Internationale entwaffnet hätten, lassen ebenfalls keinen Zweifel daran übrig, wo die Drahtzieher dieser ®ingeborenen-03ctt>egung sitzen. Und wenn schließlich in China dieser Tage eine chinesische kommunistische Partei ihren Jahrestag abhalten konnte, auf dem ein „Programm zur Bekämpfung des Imperialisten Tschiangkaischek" aufgestellt wurde, so ist auch das ein Zeichen dafür, dah die Mahnahmen der Ranking-Regierung nicht ousgereicht haben, um den Kommunismus an einer Wiederentfaltung feiner Tätigkeit zu hindern. Hat Losowski die Ereignisse in Indien als das Erfreulichste bezeichnet, was die Komintern auf der sogenannten Kolonialfront erzielt habe, so ist der Stolz, der hieraus spricht, also nicht gan^ unberechtigt. Allerdings wird man nicht verkennen dürfen, dah es sich zunächst wieder einmal, genau wie in den ersten Jahren kommunistischer Asienpropa- ganda, um Anfangserfolge handelt. Durchschlagendes ist bisher in Asien noch nicht erzielt worden. Damit rechnet man in Moskau vorläufig wohl auch noch nicht. Man hat gelernt, es zu ertragen, dah die kommunistische Q3etoegung immer wieder Rückschläge erleidet, ehe sie zu einem Erfolge führt. Aber gerade deswegen ist man diesmal um das Schicksal der kommunistischen Parteigenossen auch wenig besorgt. Fallen sie auf dem Felde des Klassenkampfes, so sind sie nach Moskauer Ansicht „Märtyrer, die die Weltrevolution vorbereiten helfen", und ein Aniah mehr, die Propaganda fortzusehen. Düs Menschenreservoir Asiens ist ja überdies so grob, dab es auf Individuen nicht ankommt. Immer wieder finden sich neue Schüler, die nach Moskau pilgern, um hier die Lehren Lenins in sich aufzunehmen und Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Moskau, Juni 1930. In den auswärtigen Beziehungen der Sowjet- Union spielt die Propaganda der kommunistischen Internationale noch immer die Hauptrolle. Die Sowjetregierung leugnet das zwar offiziell immer toieber ab. Aber trotzdem ist eS eben doch eine Tatsache, dah das Qkrlangen nach Ausbreitung der Weltrevolution im kommunistischen Dusen xu groh ist, als dah Moskau derartige Bestrebungen unterdrücken könnte. Das letzte Kommunique über d i e deutsch-russischen Beziehungen, in dem^die Sowjet-Regierung sich verpflichtete, sich aktiver Einmischung in die Angelegenheiten Deutschlands zu enthalten, muh daher in der gesamten Welt entweder als unaufrichtig erscheinen oder als leere Formel angesehen Werder, der nicht mehr Glauben beizumessen ist als in früheren Jahren der Steuerung des Friedenswillens der zaristischen Regierung. Trotzdem wäre es illoyal, wenn man nicht anerkennen wollte, dah die Komintern zur Zeit dieser Versicherung der Sowjet- Regierung keine ernstlichen Schwierigkeiten zu bereiten wünscht, weil ihre Interessen auf anderem Gebiete liegen: in Ruhland glaubt man wieder einmal an den bevorstehenden Erfolg der Weltrevolution in Asien. Das erweckt die Erinnerungen an die Jahre, in denen Karachan in Asien tätig toar und persönlich die Hilfstruppen für den Bolschewismus warb. Bekanntlich sind diese Qöeftrebungen bet Russen jedoch seinerzeit gescheitert. Karachan, der sich schon als Vorsitzer des Rates der Volkskommissare Sowjet-Chinas sah, muhte dieses Land verlassen und die siegreiche Regierung Tschiang- kaifchekS rottete in den Jahren 1927,28 den Kommunismus in China mit Feuer und Schwert aus. Auch in den übrigen asiatischen Ländern waren der kommunistischen Politik so schwere Mißerfolge beschieden, dah selbst die parteioffiziöse Presse es in Rußland für wichtig hielt, zunächst einmal nicht allzu viel von Asien zu sprechen und neue Methoden für die Arbeit der Sowjet-Emissäre vorxuschlagen. Wenn es infolgedessen in den letzten Jahren den Anschein gehabt hat, als ob die sowjet- russische Propaganda in Asien nach den Mißerfolgen nachgelassen habe, so entspricht dies nicht den Tatsachen. Im Gegenteil, die Mißerfolge haben die Komintern zu um so größerer Tätigkeit angespomt. Rur hat Rußland die Methode gewechselt. Während man früher ein Bündnis mit irgendeinem bodenständigen, möglichst antiimperialistischen Faktor schloß, ist man in den letzten Jahren dazu übergegangen, selbständige kommunistische Zellen aus treu ergebenen und stramm proletarisch orientierten Parteigenossen in Asien aufzubauen. Das ging natürlich nicht auf einmal. Man konnte immer nur einige wenige Persönlichkeiten aus den asiatischen Ländern dazu bewegen, ihren Wohnsitz auf ein ober zwei Jahre nach Moskau zu verlegen, um sich hier in ben verschiebenen Instituten der Sowjetunion Kampfmethoden und Parteidisziplin des „kämpfenden Proletariats" anxueignen. Roch schwieriger war es erklärlicherweise, die so ausgebildeten Leute in bie asiatischen Länder xurück- gelangcn xu lassen. Japan, China, Britisch- und Französisch-Indien verbieten Kommunisten das Landen, und so muhte mancher der Parteiagitatoren in beschwerlichen Märschen durch Zentral- Asien hindurch und über die Pässe der Hochgebirge hinüber versuchen, an unbewachter Stelle die Grenze seines Heimatlandes zu überschreiten. Das ist aber anscheinend doch einer ausreichenden Anzahl von Agitatoren geglückt. QBer heute die Sowjetpresse verfolgt, gewinnt jedenfalls den dort von neuem zu beginnen, wo ihre Vorläufer scheiterten. Und hier versagt eben auch daS bisherige System der Abwehr, das die sogenannten impc- realistischen Mächte aufgerichtet haben. '5*ie Sowjet-Union lebt ja mit all diesen Ländern in Sieben. Infolgedessen können die imperialistischen Länder ben Handelsverkehr mit Rußland nicht unterbinden. Unter dem einen oder anderen Vorwand bleiben die Verbindungen zwischen Sowjet-Rußland und Asien bestehen, — womit auch die Wiederanknüpfung der Beziehungen zwischen den Kommunisten und den chiatischen Volkern möglich bleibt. Sowjet-Ruhland'ist eben in der Vorstellung der bürgerlichen Rationen ein WirtfchaftSfaktor, der nicht zu entbehren ist. Riemand hat den Mut, mit diesem Lande endgültig zu brechen, eine Einstellung, die, wie man sieht, durchaus nicht nur auf Deutschland beschränkt ist. Dann man mißversteht wie bei uns, auch in der übrigen Welt, das Sowjet-System gänzlich, weil man sich embilbet, daß eS rein wirtschaftliche Interessen kenne. Für den Kommunisten ist und bleibt aber die Ausbreitung der Sowjetlehre das A und O seiner Politik, und so sind die wirtschaftlichen Beziehungen der Sowjet- Union die Drücke, die immer wieder Qffiaten nach Moskau führt... Generalversammlung der Buhbach-Licher Eisenbahn A G Am 24. d M. fand die diesjährige Generalversammlung der Dutzbach-Licher- Gisenbahn - Akt.-Ges. im „HessischenHof" in Butzbach statt, der je eine Sitzung des Aufsichtsrates der Gesellschaft vorausging und folgte. Jur Tagesordnung standen: 1. Bericht des Vorstandes über die Wirtschaf t licheLage des Unternehmens: 2. Genehmigung des Geschäftsberichtes, der Bilanz nebst Ge- । toinn- und Verlustrechnung per 31. Dezember 1929 ; 3. Satzungsänderung: 4. Aufsichtsratswahl; 5. Verschiedenes. Rn Stelle des verstorbenen Dorsitzenben Medizinalrat Dr. Vogt leitete der stellvertretende Vorsitzende Oekonomierat Hofmann (Hof-Güll) die Tagungen. Vor Eintritt in die Tagesordnung begrüßte er die Erschienenen, insbesondere die Vertreter der beiden Kreise, Kreisdirektor R e ch - t h i e n (Friedberg) und Reg.-Rat Schmidt (Gießen). Dann gedachte er in warmen Worten des verstorbenen Dr. Vogt, dessen Andenken in der üblichen Weise geehrt wurde. Den Bericht über die beiden ersten Punkte der Tagesordnung gaben die Vorstandsmitglieder der Gesellschaft, die Regierungsbaumeister R o a ck und Semke. Wie man ja schon auS der Tatsache entnehmen konnte, daß die Bahn teilweise zum QIu tobe trieb für den Personenverkehr greifen mußte, um übergroße Okrlüfte zu vermeiden, ist die wirtschaftliche Lage der Bahn höchst prekär. Schon das Jahr 1928 schloß mit einem Derlust von fast 36 000 Mark ab, der sich in 1929 mit über 67 000 Mark erhöhte. Im Jahre 1929 war der Personenverkehr um rund 50 000 Passagiere zurückgegangen, während der ausschlaggebende Güterverkehr gegen 1928 einen Ausfall von über 63 000 Tonnen erlitt Schuld daran ist das Ausbleiben der Frachten aus den Basaltsteinbrüchen bei Ober-Dessin gen und Oueckborn, von denen der erstere ganz einging, während der andere längere Zeit still lag und auch heute nur ein unsicheres Unternehmen bildet Da auch noch andere srachtanliefemde Unternehmungen durch die wirtschaftliche Lage im Qlbbau begriffen sind, wird das Bahnunternehmen auf eine Besserung feiner Lage durch Erhöhung des Frachtverkehrs wenig Hoffnung sehen dürfen. Der Autoverkehr rentiert z Zt auch noch nicht Sollte er rentabel fein, so müßte er auf den Kilometer etwa 60 Pfennig eintragen, während er bisher nur 34 Pf. einbringen konnte. Qlber e« läßt sich — da dieser Betrieb erst seit einem Monat eingerichtet ist — noch kein abschließendes Urteil fällen. Die seitherige Höfen, bei deren Anblick vor uns daS Geficht besten erscheint, der den Rarnen trug... Es gibt Gegenstände, vor denen wir in Ehrfurcht stehen wie vor alten weisen Menschen. Vor den Schreibtischen berühmter Menschen, dem behag- lichen in Dickens HauS, dem Carliles, dem schwarzen „Shakefpearedeik" in seinem Häuschen in dem stillen Städtchen im „Shakespearelqnd", dem Schreibsestel in Form eines Pferderückens in Goethes Gartenhaus, dem armseligen eines Strindberg oder dem Schillers... vor der Wiege Bachs in Eisenach in dem engen Schlaf- zimmer neben dem Elternbett, vor dem letzten Feld- blumenstrauh in Schloß Paretz, den die schöne kranke Königin Luise pflückte, und der Flöte, die Friedrich der Große still weglegte, als er sie im letzten Jahr noch einmal versuchte — und es nicht mehr ging ... Briefe, die jemand kurz vor seinem Tode schrieb und die wir lesen, nachdem der Schreiber nicht mehr lebt, wirken wie eine Begegnung mit Gespenstern, wie eine Rachricht aus einer anderen Welt... Sie mahnen an etwas, das wir so gern vergesten, daß wir alle sterblich sind... wie jene Dinge, die so — menschlich sind... Oer Saturn. Don Professor Or. Küstermann. In der Rächt vom letzten Juni zum l.Iuli tritt der Saturn, der äußerste der mit freiem Auge sichtbaren Wandelsterne, in Gegenstellung, die sog. „Opposition", zur Sonne: dies bedeutet eine Art Höhepunkt seiner Sichtbarkeit: denn einmal steht uns der Stern dann am nächsten, was allerdings gerade beim Saturn nicht sehr ins Gewicht fällt, dann aber ist er alsdann die ganze Rächt sichtbar, weil er gerade mit Sonnenuntergang auf- und mit Sonnenaufgang untergeht. Die große Langsamkeit, mit der sich diese« Wandelstern bewegt, bringt es mit sich, daß sich seine Sichtbarkeit nur sehr langsam mit der Jahreszeit verschiebt. Rur um etwa zwölf bis dreizehn Tage verspätet sich von Jahr xu Jahr die Gegenftellung zur Sonne, und man kann sich danach leicht ausrechnen, daß er noch mehrere Jahre hindurch Sommerstern bleiben wird und erst etwa nach fünf, sechs Jahren beginnt, ein Herbststern zu werden. Vorläufig können wir chn also als eine Art alyährlichen Sommergast am Himmel auffassen. Das helle Licht, das der Jupiter und die Venus fast immer zeigen, und in dem auch der Mars zur Zeit seiner Gegenstellung immer erstrahlt, ist dem Saturn freilich versagt. Er leuchtet Minderbenutzung dieser Derkehrsangelegenheit läßt sich schon dadurch erklären, daß die an bet Strecke wohnende Bevölkerung durch die Häufung der landwirtschaftlichen Arbeiten nicht zu Reisen kommen konnte. Sehr drückend ist auch die Steuerlast, die auf dem Unternehmen liegt. Wenn es auch bisher noch nicht gelungen ist, daS zuständige Finanzamt zu einer Reuveranlagung zu bewegen, so scheint doch eine gerecht« Veranlagung nur einen Bruchteil der Steuern auf daS Bahnunternehmen legen zu können von der Summe, die eS jetzt tragen soll. In dieser Sache sind alle Maßnahmen unternommen worden, deren Ersolg davon abhängt, daß das zuständige Finanzamt endlich die Unterlage zu dem otcuerftreitDetfabrcn liefert Diese Lage der Bahn nahm der Vertreter deS HauptaktionärS, der Firma Lenz-Berlin, Dr. Stephan, zum Ausgangspunkt seines Ganic- rungSplaneS. nach welchem die Stredengemcinben, die beiden interessierten Kreise und der Staat um ihre Hilse zur Erhaltung der Dahn angegangen werden sollen. Während die Gemeinden ihre Hilfe in der Form leisten können, daß sie ihre Obligationen im Verhältnis von I zu I in Aktien umtauschen oder auf längere Zeit auf die Zinsen verzichten, werden der Staat und die Kreise um Zuschüsse angegangen werden. Wenn dieser Sa-, nierungsplan auf längere Zeit befolgt wird, so' wird auch die Butzbach-Licher Eisenbahn wieder auf eine feste Grundlage gestellt werden. Eine Kommission, bestehend auS dem Vertreter des Hauptaktionärs, dem Vertreter der beiden Kreise und dem Vertreter der Gemeinden wurde gebildet, die auf Grund ihrer Prüfung der finanziellen Lage der Dahn dann geeignete Vorschläge machen wird, die hoffentlich zur Erhaltung deS für die Gemeinden lebensnotwendigen Ver- kehrSunternehmenS führen werden. Auf jeden Falt steht aber fest, daß die ganze Bahn sehr gefährdet ist, und daß sie, wenn ihr keine Hilfe kommt, vor der Betriebsschließung stehen wird. Rachdem dem Vorstand und dem AufsichtSrat« Entlastung erteilt worden war, schritt man xur Beratung der Satzungsänderung, die durch die Angliederung deS AutobetriebeS nötig geworden toar. Rachdem auf Befragen von dem Vorstand ausdrücklich bestätigt worden toar, daß durch diese Satzungsänderung keine Aenderung bet Konzessionsurkunde bedingt werde, ftimmte die Generalversammlung zu. Die Reu wähl deS AussichtSrateS ergab, daß für die durch Tod oder durch den Turnus ausscheidenden Mitglieder Dr. Vogt (Butzbach). Altbürgermeister Dr. Kaiser iBad-Rauheim) und Dr. Jaffe (Berlin) gewählt wurden: RegierungS- baumeister S e m ck e, Dr. P u n o und Dr. Stephan (Berlin), neu hlnzugewählt wurden Bürgermeister Dr. Jansen (Butzbach), Bürgermeister Dr. Geil (Lich) und Beigeordneter Kling (Dad-Rauheim). Der Aufsichtsrat wählte dann Dr. Stephan zu seinem Vorsitzenden, während Oekonomierat Hofmann stellvertretender Vorsitzender blieb. Oer Darmstädter Etat verabschiedet. WSR. Darmstadt, 26. Juni. In einer zum Teil außerordentlich lebhaften Sitzung gelang es nach längeren Verhandlungen, in den Ausschüssen und unter den Parteien den im Darmstädter Haushaltsvoranschlag 1 9 3 0 verbliebenen Fehlbetrag von zirka 2 Millionen Mark auSzuglei- chen. Der Voranschlag der Verwaltung wurde mit 28 gegen 19 Stimmen angenommen. Dafür stimmten die Sozialdemokraten, die Demokraten, das Zentrum, die Deutschnationalen und die Handwerks- und Gewerbevereinigung. Der DeckungS- vorschlag der Verwaltung sieht u. a. vor ander Erhöhung der KronkenhauSta- rife 55 000 Mark, aus der Erhöhung deS Wassergeldes auf 35 Pfennig pro Kubikmeter 216000 Mark, aus der Erhöhung der Gebäudesteuer auf 42 Pfennig 562 000 Mk.. aus Entnahmen aus verschiedenen Fonds 230 000 Mark, aus der Gewerbesteuererhöhung nicht Heller als die hellsten Fixsterne und wirb sogar von einigen von ihnen an Glanz übertroffen. Aber dafür bietet er sonst deS Merkwürdigen genug. Da ist z. B. der Ring, unzweifelhaft eine« der sonderbarsten Gebilde des Himmels, und gleich reizvoll, von welcher Seite wir ihn auch betrachten. Dem unbewaffneten Auge bleibt er -war verborgen, aber bemerkbar macht er sich doch: denn die Helligkeit des SaturnS hängt in erster Linie davon ab, ob wir auf dem toeitgeöff* neten Ring ober nur auf feine Schmalseite sehen. Dieser ümftanb ist auf die Helligkeit von größerem Einfluß als feine Entfernung von der Erde, die sich nur unerheblich ändert. Richt minder merkwürdig ist dieser Ring, wenn wir ihn geschichtlich betrachten. Der grobe Galilei war ja her erste, der den Himmel mit seinem selbst- gebauten Fernrohr durchmusterte, und natürlich konnte seinem scharfen Auge nicht entgehen, daß der Saturn nicht die klare Scheibenform wie etwa der Jupiter oder der MarS zeigte. Aber er konnte die Abweichung noch nicht richtig deuten. „Den höchsten Planeten habe ich dreifach gesehen", berichtete er, und war äußerst bestürzt, als einige Jahre später die Anhängsel spurlos verschwunden waren, weil er nämlich jetzt auf die Schmalseite des Ringes sah. Erst dem großen niederländischen Mathematiker und Physiker Hu y g e n s gelang die richtige Deutung. Ratürlich hat auch die neuere Stern hm be ben Saturnring untersucht unb festgestellt, baß er aus einer großen Zahl einzelner Körperchen, also, wenn man will, aus vielen Tausenben oder Millionen von Zwergrnonben besteht. Während bet Saturn selbst von einer Lufthülle umgeben ist, ist bies beim Ring, ähnlich wie bei unserem Srbmonb, nicht bet Fall. Wir wissen übet ben Ring jetzt unzweifelhaft besser Be- scheib, alS manche Saturnbewohner selbst, wenn diese seine Polargegenb nicht verlassen fönnen. Dort ist nämlich der Ring nicht sichtbar, und man famt sich vorstellen, was solche Saturneski- moS für erstaunte Gesichter machen würden, wenn f ie bei einet Sübreife plötzlich dieses riesige Ding übet ihren Häuptern sähen, das schließlich ganz senkrecht über ihnen schwebt. Monde hat der Saturn nicht weniger alS zehn, ist also noch mondteichet als selbst ben Jupiter mit seinen neun Begleitern, unb ebenso wie bei diesem vollzieht sich bet Wechsel von Tag unb Rächt in bet seht kurzen Zeit von etwa zehn Stunben. Auch die damit zusammen- hängenbe starke AbPlattuiP hat er mit benj Jupiter gemeinsam. V 122 000 Mark, aus Entnahmen aus dem Was - serwerkserweiterungsfonds 152 020 Mark und aus dem Rückkaufsfonds des Elektrizitätswerkes 1750C0 Mark, während an Einsparungen 136 000 Mark erzielt werden. Mit der Annahme dieses Deckungs- planes ist auch eine vierprozentige Mietssteigerung verbunden, für die die Zustimmung des Innenministeriums einzuholen ist. Ein Deckungsvorschlag der Volksvarlei, der die Gewerbesteuererhöhung vermieden sehen wollte, verfiel der Ablehnung. Strafkammer Gießen. Zwei junge Leute von Hanau fuhren im April 1930 nach Gießen, um in der Llmgegcnd angeblich Mottenkugeln zu verkaufen. Da ihnen das Geld ausgegangen war, verabredeten sie einen Diebstahl. Der eine stieg in ein Haus ein und entwendete dort verschiedene Sachen: der andere stand Schmiere. Mit Rücksicht auf ihre Vorstrafen erhielten sie 1 Iahr bzw. 6 M o - nate Gefän gnis. Ein wegen Diebstahls schon erheblich vorbestrafter Melker leugnete die Entwendung eines Fahrrads. Auf Grund eingehender Beweisaufnahme hielt ihn das Gericht für überführt und verurteilte ihn zu 1 Iahr 6 Monaten Zuchthaus. Ein Hausdiener war im Ianuar 1930 von dem Schöffengericht wegen Llrkundenfälschung, Diebstahls usw. zu einigen Wochen Gefängnis verurteilt worden. Seine in der Verhandlung behauptete Reue und sein angebliches Streben zur Besserung bewies er damit, daß er am Abend in einem Vereinshaus einen Herrenmantel stahl. Strafe: 6 Monate Gefängnis. Daten für Samstag, 28. Juni. Sonnenaufgang 3.46 Uhr, Sonnenuntergang 20.20 Uhr. — Mondaufgang 5.23 Uhr, Monduntergang 22.33 Uhr. 1865: der Dichter Otto Julius Bierbaum zu Grün- berg (Schlesien) geboren: — 1914: Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand von Oesterreich-Este und seine Gemahlin in Sarajevo ermordet. Wirtschaft. produkiionsverbilligung, ZinSabbau und Umschuldung. Wenn auch das Moldenhauersche Finanzprogramm aus taktischen Gründen abgelehnt werden muhte, scheint jetzt doch der Augenblick gekommen, wo das schon seit langem angekündigte Rotprogramm der deutschen Regierung zur Belebung der Wirtschaft zur Durchführung gelangen wird. Die Wirtschaft selbst hat bekanntlich von sich aus in letzter Zeit wiederholt Maßnahmen zur Durchführung gebracht oder vorbereitet, die zu einer Gesundung des Gemeinwesens geeignet erscheinen. Sieht man von den privatwirtschaftlichen Versuchen — erinnert sei an die Annahme eines relativ starken Lohnabbaues zur Inganghaltung des Betriebes beim Stahlwerk Decker — ab, so war das Signal für die generelle Verbilligung der Produktion der Oeynhausener Schiedsspruch mit seiner 7,5prozentigen Lohnkürzung und der gleichzeitigen Ermäßigung der Eisenpreise um rund vier Prozent. Dieser Schritt hat dann auch bald Rachfolger gefunden, wie z. D. in der Glasindustrie. Aber nicht nur von der industriellen Produktion her muh eine Senkung der Kostenfaktoren angestrebt werden, in erster Linie ist hierzu das Kreditgewerbe mit berufen. Diesen Wink haben denn auch die Spihen- ver bände der Danken, Sparkassen und Genossenschaften wahrgenommen. In einer am Ende der letzten Woche abgehaltenen gemeinsamen Besprechung hat man sich im Interesse der Förderung der Produktion in Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft für eine Senkung des allgemeinen Zinsniveaus ausgesprochen. In den Verhandlungen herrschte jedoch auch Klarheit darüber, dah neben einer Senkung des Sollzinses eine Ermäßigung des Habenzinssahes sowohl im langfristigen wie im kurzfristigen Einlagegeschäft Platz greifen müsse. Voraussetzung hierfür ist eine Beschränkung in der Zinsreklame mit dem Ziele gegenseitiger Wett- bckwerbsabkommen. Allerdings muß man dabei berücksichtigen, daß die deutsck^n Danken bei der Kreditgewährung nicht aus Eigenem schöpfen, sondern größtenteils auf den Kapitalüberschuh des Auslandes zurückgreifen müssen. Die günstigere Entwicklung, die das deutsche Geschäft in festverzinslichen Werten, veranlaßt durch die anhaltende Geldflüssigkeit, seit Deginn dieses Iahres genommen hat, wobei immer noch der achtprozentige Pfandbrief- thp das Standardpapier war, hat auch bei den Emissionsinstituten dieser Effektengattung endlich den Mut erweckt, es auch einmal mit einem niedriger verzinslichen Papier zu wagen. Dahn- brechend war hier das kürzlich neu geschaffene große Hhpothekeninstitut, die Preußische Eentral- boden- und Pfandbriefbank AG., die soeben eine 7,5prozentige Emission ankündigte. Dieser Schritt der wohl zunächst nur als Versuch zu werten ist, wird bei Destehen der Feuerprobe auch dem Realkredit zugute kommen können. Die Um* schuldungsaktien für die Landwirtschaft. die durch den Abschluß einer neuen 25-Mill.-Schweizer-Franken-Anleihe derDeutschrn Rentenbank-Kreoit-Anstalt einen Erfolg buchen konnte, wird hierdurch die zur Dehebung der dem Volksganzen schädlichen Agrarkrise beitragen können. * •• Reichs st euereinnahmen im Mai. Rach Mitteilung des Reichsfinanzministeriums betragen die Einnahmen an Steuern, Zöllen und Abgaben bei den Desitz- und Verkehrs- steuern 423,9 Mill. Mk., bei den Zöllen und Verbrauchsabgaben 205,7, Int ganzen 629,6 Mill. Mark. Gegenüber dem vergleichbaren Monat Februar ergibt sich bei der veranlagten^ Einkommensteuer ein Wehr von 4,5, bei der Körperschaftssteuer von 4,6 und bei der Umsatzsteuer von 2,7 Mill. Mk. Dagegen erbrachte die Vermögenssteuer gegenüber Februar eine Mindereinnahme von 36,5 Mill. Mk. Die Lohnsteuer erbrachte im Mai 110,1 gegenüber 104,9 Mill. Mark in dem vergleichbaren Monat Aprll, das Aufkommen aus der Kapitalertragssteuer war dagegen um 16,3 Mill. Mk. niedriger als im April. Die Einnahmen der übrigen Desitz- und Verkchrssteuern im Mai weichen nur wenig von den Aprileinnahmen ab. * Ueberzeichnung der Bodenkredit- Pfandbriefe. Die Zeichnung auf die 7,5-v. H- Goldpfandbriefe der Preußischen Zentral-Boden- kredit- und Pfandbries-Bank AG., Berlin, ist wegen Ueberzeichnung des aufgelegten Betrages geschloffen worden. * Besitzwechsel von Schäffer Hof-Bin- d i n g - A k t i e n. Laut „Franks. Ztg." ist ein größerer Posten Aktien der Schösferhof-Binding-Bür- gerbräu AG. in Frankfurt a. M. aus privatem Be- sitz an die Gruppe Braubank-Gebrüder Arnhold, die an dem Unternehmen bisher schon großes Aktien- interesse hatte, Übergebungen. Bei dem jetzt neu er- roorbenen Posten handelt es sich um etwa 10 v. H. des Aktienkapitals von 6,06 Millionen RM. Es wird dafür ein Kurs von 250 v. S). bezahlt, der etwa dem Tageskurs entspricht. * Uebergang von Mont Cenis auf den Farbenkonzern. Wie wir erfahren, ist die Stickstoffanlage der Zeche Mont Cenis in das Interessengebiet der J.-G.-Farbenindustrie übergegangen. Da unter den gegenwärtigen Umständen ein wirtschaftliches Arbeiten der Anlage allein nicht gegeben ist, hat man zunächst ein Zusammenarbeiten mit den Chemischen Werken „Lothringen" GmbH., Gerthe i. W., in Aussicht Genommen. Einer Verständigung über die Erledigung des seit Jahren schwebenden Prozesses dürfte damit nichts mehr im Wege stehen. Aufgetauchte Kombinationen über die Verwendung des Besitzes an Rheinstahl-Aktien bei diesem Geschäft sind unzutreffend. Der Besitz der J.-G.-Farbenindustrie an Rheinstahl-Aktien bleibt davon unberührt. . * Süddeutsche Form- und Stab-i etsenhändler-Dereinigung. Die Mitglieder der Vereinigung haben nach längeren Verhandlungen die Verlängerung des Verbandes auf 2V2 Iahre vom 1. Iuli ab beschlossen. Ueber die Quotenfrage und die Reufestsetzung der Preise sind Beschlüsse noch nicht gefaßt worden. * Portland - Zement Heidelberg- Mannheim - Stuttgart AG. Von der Verwaltung geht uns folgende Mitteilung zu: Die bereits in der außerordentlichen Generalversammlung vom 12. Juni 1929 beschlossenen Erhöhung des Grundkapitals um 5,1 Millionen Mark Stammaktien gelangt auf Grund eines Beschlusses des Aufsichtsrats jetzt zur Durchführung. Das gesamte Kapital beträgt damit 30,1 Millionen Mark, eingerechnet 100 000 Mark Vorzugsaktien. Die neuen Aktien werden von der befreundeten Bayerischen Portland-Zementwerke Marienstein AG., die neben dcr Zementfabrikation auch ein Kohlenbergwerk betreibt, übernommen. Die Gesellschaft hat sich verpflichtet, die Aktien auf beschränkte Zeit für Angliederungszwecke zur Verfügung zu halten. * Rheinisch-Westfalische Sprengst o f f - A G., Köln. Die Generalversammlung genehmigte debattelos den Abschluß mit 4,8 v. H. Dividende sowie 0,8 v. H. Donus auf Grund des Interessengemeinschaftsvertrages mit der I.-G.- Farbenindustrie. Reu in den Aufsichtsrat gewählt wurden Geheimrat Duisberg-Leverkusen und Kommerzienrat Denzinger, Mannheim. — In der anschließenden Generalversammlung der AG. Siegener Dhnamitfabrik Köln wurde die Der- teilung von ebenfalls 4,8 v.H. Dividende zuzüglich 0,8 v.H. Donus beschlossen. * Schuhs abrik Confluentia AG., Koblenz. — Dividendenerhöhung. Der Aufsichtsrat beschloß, aus dem nach Abschreibungen von 65 000 (L D. 94 000) Mark verbleibenden Reingewinn von 45 000 (40 000) Mark eine Dividende von 8 (i.D.7) v.H. in Vorschlag zu bringen. Die Generalversammlung findet am 23. Iuli statt. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 27. Juni. Tendenz: ruhig. Durch die inner politische Entspannung und die kleinen Erhöhungen an der gestrigen N e u- yorker Börse wurde die Börse im Vormittags» oerkehr etwas angeregt, und die Kurse wurden allgemein bis 1,5 o. H. fester taxiert. Da aber der Auftragseingang weiterhin minimal blieb, trat zu Beginn des offiziellen Verkehrtem erneuterRück. gang ein. Die Kulisse zeigte keine Neigung, Neu- engagements vorzunehinen, schritt vielmehr zu Abgaben, so daß die höheren Vormittagskurse nicht gehalten werden konnten. Obwohl der Ultimo als reibungslos überwunden galt, konnte auch hiervon keine Anregung ausgehen. Das Geschäft bewegte sich auf allen Märkten in kleinstem Rahmen. Gegenüber der gestrigen Abendbörse traten überwiegend größere Abschläge ein. Der R e p o r t a b s ch l a g war zu- meist schon wieder verloren. Am Elektromarkt eröffneten Siemens leicht gebessert, gaben aber gleich nach Festsetzung der ersten Kurse infolge des geringen Interesses für dieses Papier 2 v. H. nach. AEG. lagen knapp gehalten. Am Chemiemarkt büßten J.-G.- Farben fast 1 v. H. ein. Stärker gedrückt waren von Autoaktien Daimler minus 1,75 v. H. Am Momtanmarkt lagen R h e i n st a h l gut behauptet. Phönix besserten sich leicht, während Ma nnesmann leicht nachgaben. Schiffahrtspapiere waren wenig verändert. Von Bankaktien konnten Berliner Handelsgesell- schäft etwas anziehen. Reichsbankanteile wurden bis zu 2,5 v. S). schwächer taxiert. Am Ren- tenmarkt konnten Alt besitz etwas anziehen, N e u b e s i tz waren dagegen vernachlässigt. Von ausländischen Renten bestand für Mexikaner auf die günstigen Derständigungsaussichten hinsichtlich der Schulden Mexikos weiter Interesse. Auch Rumänen waren leicht erholt. Im Verlaufe war das Geschäft unverändert still, die Kurse blieben gegen Anfang jedoch zumeist behauptet. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 3,5 v. $). etwas versteift. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1957, gegen Pfund 20,391, London gegen Kabel 4,8605, gegen Paris 123,77, gegen Mailand 92,76, gegen Madrid 42,80 (schwächer), gegen Schweiz 25,0660 (leicht erhöht), gegen Holland 1 o HQ1 3 Berliner Börse. Derlin , 27. Iuni. Die Stimmung im heutigen Vormittagsverkehr war etwas freundlicher. da der feste Schluß der gestrigen Reuyorker Dörse, die steigende Förderung und die abnehmenden Feierschichten im Ruhrbergbau, die durch die Ernennung des Ministers Dietrich ~ zum Reichsfin anzm inister etwas geklärtere innerpolitische Lage und die Stellungnahme der Arbeitgeber zur Preissenkungsaktion eine Anregung boten. Auf der anderen Seite mußte jedoch die anhaltendeOrderlosigkeit und der für Derlin drohende Zwangsetat zur Zurückhaltung mahnen. Die Vorbörse zeigte ein ruhiges und abwartendes Aussehen: die Eröffnung des offiziellen Verkehrs brachte, bei Berücksichtigung des Reports, nur geringe Veränderungen. Das Kursniveau lag etwa behauptet. Lediglich Polyphon, Svenska, Ilse Bergbau, RWE. und Kaliwerte waren leicht gebessert. Andererseits gaben Reichs- bank und Klöcknerwerke zirka 2,5 bis 3 Prozent nach, während S a r o t t i sogar 5 Prozent verloren. Auch Kanada. Schlesische Zement und Miag büßten 1 bis 1,5 Prozent ein. ohne dah bei dieser Differenz der Report berücksichtigt ist. Deutsche Eisen- bahnverkeh rsmittel und Deutsche Erdöl notierten exklusive 7 Prozent Dividende. das heißt mit 6.3 Prozent Abschlag. Bei R ü t g e r s w e r k e ist ein Abschlag von 4,5 Prozent zu berücksichtigen. Deutsche Anleihen waren gut behauptet. Ausländer notierten eher etwas leichter. Der Pfandbrief m a r k t war unentwickelt. Beachtung fand die Reuausgabe der 7prozentigen Pfandbriefe durch die Preußische Pfandbrief- anstalt. Der Geldmarkt war zum Ultimo versteift. Tagesgeld 3,5 bis 5,5 Prozent: Monatsgeld und Geld über Ultimo 4 bis 5 Prozent: Warenwechsel zirka 3,90 Prozent. Im Verlaufe kam eine schwächere Tendenz z«m.L)urch- bruch. Die Angestelltenabbaumahnahmen in der oberschlesischen Schwerindustrie verstimmten. Die Rückzahlung einer amerikanischen Anleihe der AEG. wurde ohne Kommentar zur Kenntnis genommen. Siemens lagen trotz der gemeldeten Expansion einer Gesell- schaft in der Tschechoslowakei 3 Prozent schwächer. Wiking Zement und RAG. hatten Sonderbewegungen nach oben. Berliner Vrovnktenmarkt. B e r l i n. 26. Iuni. Die Stimmung des Marktes ist weiterhin in der Hauptsache von den Wetternachrichten beherrscht, und die Meldungen über weitere Riederschläge hatten wiederum eine Abschwächung zur Folge. Das Hauptmerkmal des Marktes bleibt aber stärkste Zurückhaltung von Verkäufer und Käufer, so dah Umsätze in nur sehr geringem Ausmaße getätigt werden können. Weizen zur prompten Verladung liegt wiederum schwächer, die Abgeber zeigen sich hier gegenüber Geboten zu größeren Konzessionen bereit. Alter Roggen wird weiter gestützt, viel Beachtung fand die Tatsache, daß eine andere Firma als bisher mit der Durchführung der Stützungskäufe beauftragt worden ist. In Brotgetreide neuer Ernte ist das Angebot auf Basis 6er hier erzielbaren Preise nach wie vor recht gering, aber auch die Rachfrage ist im allgemeinen sehr vorsichtig. Am Lieferungsmarkt lag Weizen, mit Ausnahme von Iuliweizen stetig, Roggen dagegen schwächer. Weizenmehl bei geforderten Preisen lebhafteres Geschäft. Hafer wiederum eher schwächer, Gerste ruhig. Es notierten (1000 Kilo): Weizen, märkischer, 287 bis 292 (fest). Iuli 285 bis 286 (Geld), Sept. 255,50 bis 257, Oft. 257 bis 259; Roggen, märt. 172 bis 177 (fest), Iuli 166 bis 169, Sept. 170,50 bis 173, Oft. 172,75 bis 175,50; Gerste 170 bis 186 (stetig); Hafer, märkischer, 148 bis 157 (schwächer). Iuli 160,50 bis 161,50, Sept. 163,50 bis 164,50, Oft. 167 bis 168,50. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Ruhestörender Lärm. Cs wäre nicht verwunderlich, wenn es hier in Gießen Menschen gäbe, die versucht wären, dem Beispiel von Grohstadtbewohnern folgend, einen Anti-Lärm-Verein zu bilden. Im allgemeinen stehe ich solchem Vorhaben durchaus fern, denn ich wohne in der Löberstrahe, die wenigstens meist nachts Ruhe hat. Eine ausgleichende Gerechtigkeit hat aber auch den Bewohnern dieser Straße ein gewisses Maß von nächtlichem Lärm zugedacht, der sich in Abständen in heftiger Weise wiederholt. Ein solcher Lärmstrom floh wieder einmal in der Rächt vom vergangenen Sonntag auf Montag von der Garten- zur Löberstrahe hin. Altbekannt als Lärmerzeuger sind ja in unserer Stadt die Iünger der alma mater. Diese betätigten auch in dieser Rächt die für den Besitzer erfreuliche, dem Zuhörer aber allen nächtlichen Schlaf raubende Eigenschaft in vollem Maße. Fast ununterbrochen von 23.30 bis 4 IHjr zogen in bunter Reihe laut lärmende Studentengruppen, hörbar angeregt von beträchtlich genossenen Alkohölmengen. durch die Gartenstrahe. Peinlich wirkt es, wenn die Betreffenden es für nötig halten, sich der Oeffent- lichkeit vorzustsllen, indem einige laut Vorschlägen: „Ieht gehn mer aufs ......Haus!" Bei solchem Lärm kann natürlich kein Mensch schlafen. Es ist hygienisch sehr bedauerlich, wenn am Tage angespannt geistig oder körperlich tätigen Menschen auf solche Weise die nötige Schlafmenge geraubt wird. L. D. Kurszettel her Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Frankfurt a. Ul. Serkin Frankfurt a. 271. Derlin Schluß«! kurs | 1-Uhr- Kurs Schluß- kurs Anfang- Kurs Gchluß- kurs 1-ilhr« Kurs Schlußkurs Anfang- Kurs. Datum 26 6. 27. 6. 26 6. 27. 6 Dalum 26 6. 27 6 26 6 27. 6 6% Deuyche Reuysamerye voll 1927 ......... 7% Deutsche ReichSrmleihe 87,75 103,95 58,2 8,75 96 57 57,13 100,75 95,5 90 101 96,5 95,5 97 26,8 2,8 23 2 5,4 9,5 7,65 || | || | | | | | | || | | | | 1 1 | 1 1 1 Sa. 1 1 87,9 103,65 58,4 8,75 95,9 57,4 101,25 26,8 2 23,13 20,75 1,95 5,3 5,25 5,3 9,5 16,5 7,65 'mb £ II 1 1 1 1 1 *o II | 1 1 1 1 1 1 1 1 I । Hamburg-Amerika Baler . . . '< Hamburg-Südam. Dampfschiff. 8 Hansa Dampfschiff.....10 Norddeutscher Lloyd.....8 Allgemeine Deutsche Credttanst. 10 Barmer Bankverein .... 10 Berliner Handelsgesellschaft . 12 Commerz- und Prtvat-Bank . 11 Darmstädter und Nationalbank 12 Deutsche Bank und Disconto-Gesellschaf^ ... 10 Dresdner Bank......10 RetchSbank........12 A.E.G............8 Bergmann .........9 Clektr. Lteferungsgesellschaft. 10 Licht und Kraft......10 Felten & Guilleaume . . . 7% Gesellschaft für Elektrische Untemehmungen .... 10 Hamburger ElektrizitätS-Wetcke 10 Rheinische Elektrizität .... 9 Schlesische Elektrizität. ... 10 Schlickert L Co. ...... 11 TranSradio ......... 8 Lahmeyer L Co.. ..... 10 Buderus..........J Deutsche Erdöl ..... 6 Essener Steinkohle......6 Gelsenkirchener ....... 8 Harpener.........- ° Hoesch Eisen. 6% 102,5 112,75 159,5 142 209 133,5 133,5 148,1 137,5 143,5 112 142,5 163,5 213,5 160 72 127 121 240 93,5 94,25 87,5 110 102,5 123 159,75 141,25 133,75 147,75 214 93,75 87,75 110 102 164 138 102,13 112,9 123 158,5 141,13 207,5 133 133 258,5 148,5 178 137 141,9 112 141,4 132 141,5 146,5 163 213,5 114,5 158,5 71,25 91,9 127 121 95,5 239 100 93,5 93,9 66,65 64 100,65 87 214 109,5 102,13 163,5 102,13 113,5 123 159,25 141,25 208,25 133,5 133,5 256 148,5 144 111,5 143 132,5 164 213 72,75 86,75 127,5 241,5 97 93,75 94,25 66,5 102 87,5 216 110,25 Deutsche AiU.-Wlbs^SchuId mit Q(p«In| .M-chten....... Detgl. ohne Aurlos ^Rechte . . . 8% Hess. BoWstaat von 1929 (tudiahlb 102%)...... Oberhessen Provinz • Anleihe mtl Deutsche Komin. Smnmelabl. 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpse. XIII unkündbar bi» 1934 . . . 7% Franks. Hyp^Bank Goldpse 4U% Rheinische Hyp^Ballk 8% Pr. Landespfandbriefanfialt, 8%^$r. Limderpsandbriefallstalt, 7% Pr. LandeSpsandbriesanstalt, Pfandbriefe R. 10...... 8.6.®. aßg. Borkrtegr-Obligatio. nen, rückzahlbar 1982 ..... 4% Oesterretchifche Goldrente . . 4,80% Leslerreichische Silberrente 4%^ Oetzerreichische einheitliche <% Ungarische Goldrente .... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4%% deSgl. von 1913..... 4% Ungarische Kronenrentt . . - 4% Türkische Zollarlleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anl. Klöcknerwerke ........ 7 Köln-Neuessen........7 Mannesmann-Rühren .... 7 Oberschles. Eisenbcdarf .... 6 Oberschles. KokSwerke.....7 Phönix Bergbau......6% Rheinische Braunkohlen . . 10 Rhetnslahl...... 6 Riebeck Montan......7,2 6% Rumänische veretnh. Rente von 1908 ... ....... 4%% Rumänisch« veretnh. Rente 4% Rumänische vereinh. Mente - Frankfurt a. M. 1 Derlin Gchluß- kurs l-Uhr- | Kurs 1 Schluß- kurs Anfang- Kurs Datum 26. 6 27. 6 26 6 27. 6 Berelnlgie Stahlwerke . 87,25 — 86,75 87 Olavi Minen..... 16'/. — — 45,25 45,75 Kaliwerke Aschersleben . • 10 198,5 — 198,5 201 Kaliwerke Westeregeln . • e 10 202 — 202 —— Kaliwerke Salzdetfurth . • » 16 368 — 367 369,5 I. G. Farben-Industrie . « - 12 157,9 157,13 157 157,75 Dynamit Nobel .... 6 —— — — —— Scheideanstalt..... ti 143,5 — — — Goldschmidt..... b 57 — 56,9 56,75 RütgerSwerke..... 6 61,25 — 61,25 47,5 Metallgesellschaft. . . . 8 —* 113,25 Philipp Hohmann . . . Zementwerk Heidelberg 7 10 92,5 91 — Zementwerk Karlstadt. . e • 10 — — — — Wayb & Freytag . . . . 8 73,5 — 73,5 — Schultheis Pahenhofer . e e 15 — — 287 289 Ostwerke....... 32 —• — 235 236 QI tu......... 18 86 — 85 86 Bemberg....... e e 14 91 —— 87 87,25 Zellstoss Waldhos . . . . 18'/. — — 154 1?4 Zellstofs Aschafsenburg . e e 12 — —— 118 Charlottenburger Wasser e e . 8 — — 97 98,5 Dessauer Gas..... e e . 8 — —- 150 150,75 Daimler Motoren . . . e e . o 32,5 31,4 30.5 32 Deutsche Linoleum . . 199 — 197,5 199 Maschinenbau A.-G- . . e e . V —— —— 45,5 47 Rat. Dutomobll . . . . . 0 — — 14 — Orenstetn & Koppel . . e e . 6 — — 67,5 Leonhard Tietz . . . 10 146 — 147,25 — SvenSka....... 302 — 300 304 Frankfurter Maschinen . * - . 4 — — 25,13 — Grihner....... • • . 6 — — 3Ü/5 — Heyligenstaedt . . . • . 0 — — FunghanS....... . 6 38 •— 36,5 Lechwerke....... . f — * Mainlraftwerke Höchst a. M.. . 8 — — — Miag......... 10 —— 112 110,5 Gebr. Roeder . . . . . 10 — —• Voigt & Haesfner . . . Süddeutsche Hücker . . ■ . . s 10 150 150 156,5 Banknoten. Derlin, 26. 3unl Geld Dries Amerikanische Noten...... 4,174 4,194 Belgische Noten. ....... 58,43 58,67 Dänische Noten ........ 111,93 112,37 20,332 20,412 Französische Noten ....... 16,43 16,49 Holländische Noten .•••••• 168,16 168,84 Italienische Noten........ 22,04 22,12 Norwegische Noten 111,98 112,42 DeutscL-Oesterreich, i 100 Schilling 59,15 59,39 Rumänische Noren....... 2,47 2,49 Schwedische Noten ...... 112,33 112,77 Schweizer Noten ........ 81,21 81,53 Spanische Noten........ 47,80 48,00 Tschechoslowakische Noten..... 12,42 12,48 Ungarische Noten........ 73,10 73,40 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. 26 Iuni 27- Iuni Amtliche Geld Notierung Srlel Amtliche Geld Dotierung 23rlc| Amst-- Rott. 168,48 168,82 168,53 168.87 Buen.-AireS 1,509 1,513 1,593 1,597 Brss.-Antw. 58,475 58,595 58,51 58,63 Christtania. 112,21 112,43 112,24 112,46 Kopenhagen 112,20 112,42 112,22 112,44 Stockholm . 112,59 112,81 112,61 112,83 Helsingfors. 10,551 10,571 10,545 10,572 Italien. . . 21,97 22,01 21,97 22,01 London. . . 20,37 20,41 20,374 20,414 Reuhork .. 4,1915 4,1995 4,192 4,200 Paris.... 16,445 16,495 16,46 16,50 Schweiz *. 81,20 81,39 81,25 81.41 Spanien. . 48,10 48.25 46,90 47,00 Japan . . . 2,043 2,070 2,073 2,077 $Ho de Jan- 0,471 0,473 0,469 0,471 Wien in D.« Oest. abgest- 49,175 49,295 59,165 59,285 Prag . . . . 12,44 12,46 12,44 12,46 Belgrad . . 7,416 7,430 7,416 7,430 Budapest. . 73,29 73,43 73,33 73,47 Bulgarien. 3,037 3,043 3,037 3,043 Lissabon . 18,80 18,84 18,80 18,84 Danzig. . 31,44 81,60 81,50 81,66 Konstantin. 1,784 1,789 1,785 1,789 Athen. . 5,425 5,435 5,425 5,435 Canada . . 4,191 4,199 4,191 4,199 Uruguay. 3,636 3,644 3,606 3,614 Cairo - • 20,88 20,92 20,885 20,925 Sie bei einen yj bn Gebiet kommende em Tage abteilunge schlossenen zusammen. Men aedanken l sollen her' aktiven S| insbesonoe.' lote man i danken der umleht. hast beft Lebensvoll Leder mo( Lewalo für Leibes sagt: »§re die Zeit n Lunge uni säumt, M Leben als1 auch die g< ihrer M' ihres Kör ein lraftt Erbgut fü Sport ertt - Leibest deutschen l Für 6en Verein hen die des stimme die vor $ leiterversa sportplay Wettkämp! gendspielto Fuhtvande Kameradsct tiefen und sich gegens unterscheid darin, daf oder Han Spiele un Art, und den Schiff trag über bergs und nommenem Nachmittag durch die i Etillauf c spräche T Klassen ai Hindernis- Werfen, Ni ballstaffeln ftattfinbent mannhafte und Wimp Nun l Obwohl Weise mit hat die l Leben Ire Straßen p schmuck. Tc Stadt, um gen zu we Der erste Machst den I-Mps.z betten erst Hax.Ms ren. Zweit« vpandau g Opel h, Ustwai ^eschri Ist ab$c - und &rem$et ml. der Lad Sfe Ihre ^agen Vefgleic den wir Markt . alle tec * den Zugendspieltag. SHe beiden Sportaroßverbänd« DFB. und D2B. veranstalten alljährlich in diesem Monat einen Iugendspieltag. für den diesmal Im Gebiet des Westdeutschen Spielverbandes der kommende Sonntag gewählt worden ist. An diesem Tage treffen die Äugend- und Schülerabteilungen aller dieser beiden Verbände ange- fchlosfenen Vereine an zentral gelegenen Orten zusammen, um durch Vorführung der verschiedensten Spiel- und Sportarten für den Sport- fiedanken zu werben. Die noch AbseitSstehenden ollen hereingeholt werden in die Reihen der aktiven Sportler, aber auch den Erwachsenen, Insbesondere den Eltern, soll gezeigt werden, wie man im DFB. und in der DSD. den Gedanken der Leibesübung pflegt und in die Tat umsetzt. Gs gibt wohl niemand mehr, der ernsthaft bestreiten möchte, das; der Sport eine Lebensnotwendlgkelt für das deutsche Volk ist. Jeder möge beherzigen, was Staatssekretär Dr. Lewald, der Vorsitzende des Reichsausschusses für Leibesübungen in wenigen Worten treffend sagt: „Freie Dahn dem deutschen Sport! Möge die Zeit nicht mehr fern sein, wo kein deutscher 3unge und kein deutsches Mädchen eS verabsäumt, sich in täglicher Leibesübung auf ihr Leben als Erwachsene vorzubereiten. Mögen aber auch die gereifte Frau und der erwachsene Mann ihrer Pflicht bewußt werden, durch stete Hebung ihres Körpers der Familie und dem Vaterland ein kraftvolles Glied zu fein. Kein schöneres Erbgut für die Kinder als die in Turnen unb Sport erworbene leibliche Gesundheit der Eltern. — Leibesübung muh zur LebenSgewvhnheit des deutschen Volkes werden." Für den Gau Giehen-Wehlar ist dem Verein für Bewegungsspiele Sieben die Durchsührung der Werbeveranstaltung des kommenden Sonntags übertragen worden, da die vor einigen Wochen abgehaltene Zugendleiterversammlung den ideal gelegenen Wald- sportplah als Austragsort für die volkstümlichen Wettkämpfe wählte. Seit Einführung des Zu- gcndspieltags findet erstmalig auch eine kleine Fußwanderung statt, die dazu angetan ist, die Kameradschaft zwischen den einzelnen zu vertiefen und die Vereine und ihre Zuoendführer sich gegenseitig näherzubringen. Das Programm unterscheidet sich von dem vorjährigen auch noch darin, daß für die Jugendlichen keine Fuhball» vder Handballspiele vorgesehen sind, sondern Spiele und Wettkampfe anderer volkstümlicher Art. und sieht folgendes vor: Wanderung auf den Schjffenbera. daselbst Feldgottesdienst, Vortrag über die historische Dedeutung des Schffen- bergs und Ansprachen Roch gemeinsam eingenommenem Essen aus der Feldküche Rückmarsch. Rachmittags Festzug von der Volkshalle aus durch die Stadt zurück nach dem Waldsportplatz. Stillauf aller jugendlichen. Rach einer Ansprache Beginn der Wettkämpfe, die in vier Klassen ausgetragen werden und in Tauziehen, Hindernis- und lOO-Meter-Laufen, Ballweitwersen, Reiterkämpfen, Mallaufen und Medizinballstaffeln bestehen. 3n der Pause des am Schluß stattfindenden Fußballspiels zweier Auswahlmannschaften (Senioren) findet die Siegerehrung und Wimpelverteiluug statt. Beginn her Deutschen Kampsspiele 1930. Obwohl die diesjährigen Kampfspiele in keiner Weise mit ihren Vorgängern zu vergleichen sind, hat die Veranstaltung doch dem allgemeinen Leben Breslaus ihren Stempel aufgedrückt. Die Straßen präsentieren sich in reichem Flaggenschmuck. Tausende kommen von auswärts in die Stadt, um Zeuge der kommenden Veranstaltungen zu werden. Der erste Tag brachte im sportlichen Teil zunächst den Beginn des Modernen Fünfkampfes, von dem als erste Hebung das Reiten erledigt wurde. Sieger blieb hier Oblt. Hax - Wilnsdorf mit 103 Punkten. 8:24 Minuten. Zweiter wurde Pol. Obwrn. Schräder- Spandau 9:02, 100 Punkten und Dritter von Turnen, Sport und Spiel. P l a t e n - WünSdors 9:06. 100 Punkten. Arn Rachmittag belegte die Breslauer Jugend daS Stadion zur Veranstaltung zahlreicher Staffellaufe mit Beschlag. Den Abschluß deS sportlichen Programms am ersten Tage bildete daS am Abend ousgelragene Fußballspiel zwischen einer Saarmannschaft und der Breslauer Städtevertretung, das mit 4:3 (2:3) von den Saarländern gewonnen wurde. 4000 Zuschauer bildeten einen schönen Rahmen. preisschießen des Gießener Schühenvereins. Am vergangenen Sonntag und Montag hielt betriebener Schühenverein e. D. fein alljährlich statfindendes Preisschießen ab, das mit folgenden Schießresultaten abschloß: I. F e l d - F e st s ch e i be „K ö l n" (300 Meter): 1. Konrad Dreyer, Gießen: 2. Willi Georg, Gießen: 3. Hermann Sauer, Gießen. II. Stand» Fe st scheibe „Mainz" (175 Meter): 1. Ernst Wagner, Gießen: 2. Otto Schönau, Gießen, 3. Willi Georg, Gießen: 4. Heinrich Detter Marburg: 5. Richard Koch. Gießen: 6. Wilhelm Hom, Gießen. III. Auflage-Fe st scheibe „Biedenkopf" (100 Meter): 1. Konrad Dreyer, Gießen: 2. Eduard Gondner, Gießen: 3. Willi Georg, Gießen: 4. Willi Bette, Gießen: 5. H. Hermann, Gießen: 6. W. Hahn, Lich: 7. Otto Schönau. Gießen. IV. Pistole-Meisterscheibe: 1. Dr. v. Bentheim. Gießen, 54 Ringe: 2. Willi Georg, Gießen. 51 Ringe. V. Laufend-Keiler-Meisterscheibe: 1. Phil. Rico!aus. Gießen, 30 Ringe: 2 August Pascoe, Gießen-Dutenhofen, 29 Ringe. VI. 100-Meter-Meisterscheiben: 1. Phil. Ricolaus, Gießen. 35 Ringe: 2. Hermann Dauer, Gießen, 34 Ringe: 3. Richard Koch, Gießen, 33 Ringe: 4. W. Hahn, Lich 33 Ringe: 5. Hans Happel. Gießen, 33 Ringe: 6. Willi Georg, Gießen, 33 Ringe: 7. Willi Bette, Gießen, 33 Ringe. Vll. Stand-Meisterscheibe (175 Meter): 2. Willi Georg, Gießen, 54 Ringe: 2. Konrad Dreher, Gießen, 52 Ringe: 3. H. Vetter, Marburg, 49 Ringe: 4. Hermann Sauer, Gießen, 49 Ringe: 5. W. Hahn, Lich 49 Ringe: 6. Richard Koch, Gießen, 49 Ringe. VIII. Feld-Meisterscheibe (300 Meter): 1. Emst Wagner, Gießen, 48 Ringe: 2. Willi Georg. Gießen, 47 Ringe: 3. H. Qktter, Marburg 46 Ringe: 4. Hermann Sauer, Gießen, 45 Ringe: 5. Adolf Möhl, Gießen. 45 Ringe. Siudentinnenlehrgang des deutschen Hochschulamtes für Leibesübungen. 17 deutsche Hniverfitäten schickten zu diesem Lehrgang je 2 bis 3 Teilnehmerinnen nach Berlin. Auf Dietzen entfielen 3 Vertreterinnen. Der Kurs fand statt im Deutschen Stadion in Berlin, das in den 14 Tagen den Teilnehmern auch als Wohnort diente. Er wurde geleitet von Lehrkräften der deutschen Hochschule für Leibesübungen. Zweck des Lehrganges war, die Studentinnen zur Mitarbeit am Hochschulsport heranzuziehen. Dies wurde auf theoretischem und praktischem Wege erreicht. Ein fester Plan gab dem Tag feine Einteilung: 2 Stunden Vorlesung, 5 bis 6 Stunden praktische Hebungen. Gegenstand der Vorlesungen waren Fragen wie: Leibesübungen der Frau vom ärztlichen Stand- punkt, erste Hilfe bei Sportunfällen. Gymnastik» systeme, Schrifttum der Leibesübungen der Frau. Zur Ergänzung dienten einige Lehrfilme. Grundsatz der praktischen Hebungen war der methodische Aufbau. Richt die Leistung war das Wesentliche, sondern das Verständnis für die Technik der Sportarten und damit die Befähigung zur Weitergabe des Erlernten. Die Hebungen erstreckten sich auf Körperschule, tänzerische Gymnastik, Leichtathletik, Geräteturnen, Bodenturnen, Sommerspiele und Handball. Auch eine Einführung in die Sportmassage wurde gegeben. Die Dchlußbesprechung zeigte, daß der Aufbau deS Kurses den allgemeinen Wünschen entsprach. Oie Faustballrunde an der Landesuniversität. Am Dienstag fand das letzte Spiel der Vorrunde um die HniverfitätSmeister- schaft statt. Die 14 gemeldeten Mannschaften waren in xtoci Gruppen geteilt worden, in denen nach Punkten je die beiden besten ausaespielt wurden. 3n der Di enS tag »Gruppe wurden Sieger: Landsmannschaft „Darmstadtia' und Tumerschaft V E. „Halso-Rafsovia": in der Samstag-Gruppe: 21. T D. „Rheinsranken" I. und die Freistudentenmannschaft. Diese vier Mannschaften werden nun am Freitag in einer Endrunde den Meister für das laufende ©ommexfemefter der Hniverfität ermitteln. Die meister SicgesauSsichten haben die beiden Sieger der Samstag-Gruppe, die in ihren Spielen ein gutes Können im Einzel- und Zusammenspiel zeigten. Aus den besten Spielern ollerMannschaften wird eine Hniversitätsmannschaft zusammengestellt, die einige Gesellschaftsspiele* gegen benachbarte Hochschulen austragen wird und die Hniverfität bei den Meisterschaften des Südwestdeutschen Hoch- schulkreises in Freiburg vertritt. Handball im Männerturnverein (O.T). Am kommenden Samstag und Sonntag kommen auf dem Sportplätze am ^chisfenberger Weg wieder vier Handball-Freundschastsspiele zum Austrag. Am Samstagabend trifft sich die erste Jugend- und erste Schujermannschast des hiesigen Männerturn- ocreins mit den gleichen Mannschaften des Turnvereins Wetzlar: die Gießener werden schon in stärkster Aufstellung antreten müssen, wenn sie gegen die Wetzlarer ehrenvoll bestehen wollen. Am Sonntagnachmittag empfängt die 1. Mannschaft des Männerturnvereins die gleiche des Turn- und Sportvereins Butzbach, lieber den Ausgang des Spieles kann im voraus nichts gesagt werden, da die Männerturner in stark geschwächter Aufstellung antreten müssen und außerdem die Gäste in letzter Zeit sehr an Spielstärke zugenommcn haben. Dor dem Spiel der ersten Mannschaften treten sich die ersten Schülermannschaften der beiden Vereine gegenüber. Handball im T. D. Großen-Buseck. Kommenden Sonntag empfängt Grohen-Bulccks erste Mannschaft die gleiche vom Turnverein 1816 Gießen zu einem Freundschaftsspiel. Wie in den Derbandsspielen wird man auch hier einen interessanten Kampf zu sehen bekommen, bei dem man 1846 die größeren Siegesaussichten geben muß. Da Großen-Buseck mit reichlichem Ersatz antreten muß. Arbeiter-Turn- und Sportbund Am kommenden Samstag und Sonntag findet in Wißmar das diesjährige Bezirksfest des 3. Bezir- kes im 9. Kreis des Arbeiter Turn- und Sporlbun- des statt. Die Beteiligung wird auch dieses Jahr wieder gut fein, haben doch annähernd 500 Wettkämpfer und Wettkämpferinnen ihre Meldung abgegeben. Bereits am Samstagnachmittag beginnen die Einzelkämvfe der Sportler und Sportlerinnen. Ab 20.30 Uhr findet nach einem Fackelzug auf dem Festplatz ein Begrüßungsabend statt. Nach den üblichen Begrüßungen werden Liedervorträge, turnerische und sportliche Vorführungen geboten, in deren Mittelpunkt die Tanzstudie „Donauwalzer" für Chor, Orchester und Bewegungschor, ausgeführt von den Turnerinnen Heuchelheims, stehen wird. Am Sonntagoormittag findet ein Weckruf statt. Um 7 Uhr werden die Sportler und Sportlerinnen mit den Mehrkämpfen auf dem Sportplatz beginnen. Mittags findet ein Feftzug statt. Anschließend werden die Tiaffenübungen für Männer und Frauen gemeinsam mit Musik vorgeführt. Sondervorführun- gen werden den Nachmittag ausfüllen. Gegen Abend findet die Bekanntgabe der Siegerliste statt. Zum Abschluß wird allgemeiner Tanz die Festbesucher noch einige frohe Stunden beisammen sehen. Möge nun auch dieses Fest seinen Zweck erfüllen und sich würdig den vergangenen anreihen. Bezirlsiurnfest des 4. Bezirks des Turngaues Hessen zu Laulerbach. Am Donaae fand im Beisein der staatlichen und städtischen Behörden ein Degrußungsadend statt. 5ur den 4 Bezirk sprach Bezirksvcrlrcter Guntrum (Schlitz), für Die elabt Lauterbach Bürgermeister Walz (Lauterbach). Die Bezirkswerberieae und die Damenabteilung des To. Lauterbach gestalteten den Abend zu einem Werbeabend im wahrsten Sinne des Wortes. Der Gesangverein Liederkranz verschönte das Fest durch Liederoorträge. Nach einem Fruhgoitesdienst, abgehalten von Dekan Schlösser, sand am letzten Sonntag das Wetturnen statt, woran über 350 Turner teilnahmen. Nachmittags bewegte sich ein großer Feftzug nach dem Festplatz. Dort sprach nach den allgemeinen Freiübungen, die unter der Leitung von Bezirksturnwart Bastian (Alsfeld) vorzüglich klappten, DezirksvertreterGuntrum herzliche Begrüßungsworte an den Dbergauturn» wart Will (Gießen), «dachte des verstorbenen Ehrenvorsitzenden des Sn. Lauterbach, Theodor f) c l f e n b e i n , dem der Verein wie der 4. Bezirk viel zu verdanken habe, und sprach über die Hohen Ziele der Deutschen Turnerschaft. Die Deranstaltuna hat aufs neue bestätigt, daß der -1 Bezirk es ernst nimmt mit der deutschen Turnsache. 42. Bundesfest des Radfahrerbundes Oberheffen in Lich. L i ch. 26. 3unL Rur noch wenige Tage trennen unS von dem in unserer Stadt am 28. und 29. d. M. stattfindenden 12. Bundesfeste des Radfahrerbundes Oberheffen in Verbindung mit der 10jährigen Jubelfeier des Radfahrervereins Edelweiß L i ch. Die in den letzten Wochen von dem CButv* desvorftande und den lokalen Festausschüssen geleisteten Festvorbereitungen fanden mit einer De» samtauSschußsihung ihren Abschluß. Die Mühewaltung, die diese Organe den Arbeiten ange- deihen ließen, läßt einen schönen Festverlauf erwarten. Sine große Anzahl von Vereinen trifft bereits am Samstag ein, für die über 200 Privatquartiere zur Verfügung stehen. Zu der am selben Abend in der Turnhalle stattfindenden Degrü- ßungs- und Jubiläumsfeier, bei der auch die Dorwettbewerbe der Bundes-Reigen» und Radballmeisterfchaften au-getragen werden, haben die hiesigen Männergesangvereine: Rothscher Männerchor, Säcilia 1838 und Einigkeit, die mit entsprechenden Chören die Feier verschönen helfen wollen, ihre Teilnahme zuae- sagt. 3m Rahmen der Feier konzertiert Sie hiesige Feuerwehrkapelle. Am Sonntagvormittag findet der Start zu dem 2. diesjährigen Bun - deSzuverlässigkeitsfahren statt, das in drei Klaffen die Orte Rieder-Bessingen, Münster, Grünberg, Lindenstruth, Reiskirchen, Gießen, Klein-Linden, Grohen-Linden, Lang-GönS, Kirch-Göns, Pohl-Göns, Butzbach, Gambach, Eberstadt, Dors-Gült: Garbenteich, Hausen und Steinbach berühren wird. RachmittagS bewegt sich ein farbenprächtiger Festzug mit über 50 Vereinen, bei dem der Standort und das Fahren der Radfahrervereine gewertet werden, Dom Dahnhofsplatz durch die Straßen der Stadt. Anschließend erfolgt die Austragung der B u n - deSmeisterschaften im Reigenfahren, Radball und Kunstfahren. Ferner: Volksbelustigung, Tanz und Preisverteilung. Die schönen Preise, die teils vom Radfahrerbund Oberhessen beschasft, teils von der Licher Geschäftswelt gestiftet wurden, sind im Schaufenster der Gebr. Goldschmidt, Hnterstadt, ausgestellt. ean Weisel, Gleiten, Sonnen strebe 6, Telephon Nr. MM Heflfrfiches Es kommt auch darauf an, WER ihn gebaut hat. Opel hat ihn gebaut — die größten Automobilwerke Deutschlands — lastwagenspezialisten mit langjähriger Erfahrung . . . das ist die ungeschriebene Garantie dieses 1s/4 Tonnersl Der 4 Zylinder Motor Ist absolut störungsfrei — unverwüstlich — unglaublich leistungsfähig — und doch sparsam im Betrieb! Getriebe — Schneckenantrieb — Bremsen — Federn — sind von überlegener Qualität. Radstand 3.85 ml — tiefliegende, große Ladefläche 3.20 x 1.70 m. (Auf die Größe der Ladefläche kommt es an!) 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Sie sind etwa vierzig Iahre alt. Vor dem Kriege also?" „Ich war Offizier." „Ah . . Wo?" „In Glriwitz." „Allem ...?" „2a, Herr Reugereuth." „Darum — Ich kenne Sie bereits dem Namen nach, Herr Doktor Griebenow. Durch — — — na, erraten Sie es Wohl? Durch meinen Sohn." Ein Blitz durchzuckte Griebenow. Heiliger Marcuse! dachte er. Also, das ist Reugereuth, der Geheimrat Reugcreuth! Der Vater meines lieben Bobby! Welch ein Dusel war das! Griebenow nahm unwillkürlich Haltung. Er verbeugte sich. „Ich hatte keine Ahnung davon, als ich herkam, Herr Geheimrat." „Der Zufall führt oft sonderbare Wege, lieber Doktor Griebenow. Sie sind mit meinem Sohn zusaminen eingetreten und Offizier geworden?" „Ia. Wir waren Freunde. Von der Fähnrichstube ab bis zu seinem Tode vor Iwangorod." „Sie werden recht bald meiner Frau und mir von diesen Zeiten erzählen, wenn Sie uns besuchen wollen. Lind nun Ihr Gesuch um eine Stellung. Hm .... schwer erfüllbar. Woll'n mal hören, was Sie leisten. Sind Sie Stenograph?" „Ia. Zur Rot." „Wie ist es mit der Schreibmaschine?" „Perfekt." „Sie "waren jahrelang im Ausland, wie Sie sagen. -Wo?" „Aegypten — Kairo. Später Rizza." „Sprachen?- „Englisch und Französisch." „Gut. Das ist schon was. Sehen Sie, mein lieber Doktor Griebenow ... eigentlich war ein Iurist gemeint, als wir an die Reubesehung eines Postens dachten. Immerhin ... manches ist an Ihnen, das empfehlen könnte. Stenograph, Maschinenschreiben, Sprachen. Das andere — was Sie mir persönlich nahebringen könnte, scheidet hierbei selbstverständlich aus. Ich überlege, wie ich Sie verwenden könnte--Etwa-- Korrespondenzen lesen, Briefdiktate, Kommissionen ... Sagen wir Vertrauensache. Wie?" Griebenow verbeugte sich. „Ich möchte es versuchen", sagte Reugereuth. Er machte eine Pause, währendder er mit dem Briefbeschwerer spielte. „Muh ich betonen, das; ein jedes, was Sie sehen und tun, hören und erfahren, selbstverständlich Dienstgeheimnis ist?" „Rein." „Bleibt noch das Gehalt. Zu Anfang müssen wir bescheiden sein. Sagen wir dreihundert — oder" — er verbesserte sich schnell — „dreihundertfünfzig Mark im Monat. Einverstanden?" „Selbstverständlich, Herr Geheimrat." „Sie werden Ihre Stellung hier wohl nur als Alebcrgang betrachten wollen, lieber Doktor Griebenow. Schließlich sind Sie Arzt. Ich weih wohl, wie unendlich schwer es ist, als junger Arzt die Krankenkassenpraxis zu gekommen. Alnd die gehört ja zu dem Aufbau Ihrer Existenz. Aber vielleicht kommt ein Zufall ... irgend eine Assistentenstelle. Hoffen wir! Sobald Sie irgendwelche Aussichten haben, sprechen wir uns aus. Alnd bis dahin wollen Sie mir Ihren Diensteid leisten?" „Von Herzen gern, Herr Geheimrat." Griebenow stand auf. Er ergriff die ausgestreckte Hand Reugereuths. Kräftig war sein Druck. „Auf gute Kameradschaft und gedeihliche Zusammenarbeit. Alnd nun kommen Sie. Sie sollen schnell noch einen Blick in das Getriebe werfen, dessen Rädchen Sie nun werden." Neugereuth war ausgestanden. Er öffnete die große Mitteltür und trat vor Griebenow in einen großen, langgestreckten Raum ... den Zeichensaal. Staffeleien standen dort, Zeichner arbeiteten mit Bleistift, Zirkeln, Farben oder Tuschen. Der Geheimrat grüßte und ging weiter in einen Raum, der aussah wie ein Saal in einer Kunstausstellung. An den Wänden hingen große farbige Kartone mit Zeichnungen von Kirchen, Villen, Rathausbauten und von Kaufpalästen. In der Mitte stand ein breiter Tisch. Auf ihm Modelle aus Kartonpapier und Gips. Der Geheimrat öffnete die nächste Tür. In dem weiten Zimmer modellierten Männer in weißen Kitteln. An den Wänden, aus den Schränken und auf Etageren standen kleine Bauten aller Art, Gipsmodelle, Ornamente, Karyatiden, Reliefs und Friese. Weiter! Reugereuth stieß eine Tür gegenüber auf. Schreibmaschinen klapperten, junge Mädchen lasen Stenogramme, spannten blaue Farbbänder. Iemand sprach ins Telephon. Ein Herr mit Spihbart und mit Brille diktierte einer Tippdame. Es war ein Chaos von Geräuschen und von Stimmen. „Buchhalterei und Sekretariat", erklärte Reugereuth. „Run noch schnell zur Kasse und dann Schluß." In dem Kassenraum mit eingebauten Safes und hohen Pulten faß der Prokurist mit seinem Stab. Der Geheimrat nickte freundlich. „Guten Morgen, Herr Kannemann." Er stellte, als der alte Herr von feinem Bock herunterkroch, die beiden vor. „Mein neuer Sekretär, Herr Doktor Griebenow ... hier Herr Kannemann, der Prokurist des Hauses Kleusch & Reugereuth." Beide reichten sich die Hand. Der Geheimrat ging zur Tür. „Alnd nun kommen Sie, Herr Doktor Griebenow." „So ..." Beide standen wieder in dem Allerheiligsten von Reugereuth. „Das wäre vorerst alles", sagte der Geheimrat. „Bleiben noch die Spitzen des Betriebes. Mein Sozius, Herr Kleusch, dann der Chef- sowie der Innenarchitekt. Ich stelle Sie den Herren bei Gelegenheit vor. Wann können Sie mit Ihrem Dienst beginnen, Herr Doktor Griebenow?" „Sofort." „Gut. Morgen früh. Wohnung?" Griebenow hob lächelnd feine Schultern. „Ich bin erst heute früh aus München angekommen, Herr Geheimrat." „Teufel", sagte der. „Das nenne ich Tempo. Also installieren Sie sich erst. Alnd dann ... morgen früh mit frischen Kräften an die Arbeit. Guten Tag." Reugereuth hob feine Hand. Griebenow verneigte sich. „Darf ich ganz gehorsam danken, Herr Geheimrat?" „Rein. Tun Sie Ihre Pflicht. Das genügt.“ Er umfaßte Griebenow mit einem Blick. Sein Auge wurde warm. „Ich habe in der letzten Stunde doch vielleicht an meinen toten Sohn und Ihren Freund gedacht, mein lieber Griebenow." Ich habe Glück ... ich habe Glück ... fang eine Silberstimme in die Ohren Griebenows. Alles fügte sich nach Wunsch. Er war in einem Pensionat der Martin-Lut- her^Straße abgestiegen. Die Pension war groß und elegant. Rur die besten Kreise pflegten dort zu wohnen. Man fand hier keine armen Künstler oder Künstlerinnen, keine Menschen, die nicht wohlgepflegt und wohlgefestigt ihre Lebensstraße zogen. Es tat wohl, sich in die Wärme und Behaglichkeit des Zimmers einzukuscheln. Der Kachelofen glühte. Seidekissen lagen weich bereit. Es gab Bücher. Man konnte seine Träume märchenfern spazieren führen. Am nächsten Morgen begann die Arbeit bei der Firma Kleusch & Reugereuth. Er gewann allmählich Einblick in das vielverzweigte Labyrinth eines moderen Alnternehmens. Manchmal, wenn er Briefe aufzusehen hatte — etwa an ein großes Marmorwerk in Südtirol, an irgend einen Maler, der den Freskenschmuck des Haupt- saals eines neuen Kinos übernehmen sollte, an einen Dresdner Architekten wegen des Museums- baus —, umspann ihn wie ein Wunder die Phantastik des Geschehens. Irgendwo in weiter Ferne — Wachtraum eher als Erlebnis — lag ein Tag ia- Monte Caelo, ein Verzweiflungskampf im öämmerüfauen Park, das Erinnern an zwei harte, grüne Mannesaugen, die den Willen banden und die Glieder lähmten. Spuk, der sich wie die Rebel vor der Sonne teilte, wenn die klare, kühle Stimme Reugereuths sagte: „Schreiben Sie, Herr Doktor Griebenow." Die Handbewegung, jede Geste dieses Mannes, die die Rot und Sorge aus dem Leben Griebenows fortgescheucht, hatten etwas Großes, Imponierendes. Reugereuth kam aus dem Staatsdienste, war vor Iahren als Geheimer Oberbaurat abgebaut und assoziierte sich mit einem reichen Grundstückspekulanten — Kleusch, der durch den Bau von Villen und Berliner Mietskasernen reich geworden war. Er kaufte ganze Häuserreihen, riß sie nieder, baute Proletarierhäuser nach den Regeln neuzeitlicher Hygiene. Wenn die Fenster- höhlen noch im Rohbau klafften, war schon jeder Winkel, von dem Keller bis zum Dachgeschoß, vermietet. War der Neubau aber erst mit Trockenbewohnem überall beseht, so verkaufte er das Haus. Das Geschäft war vorher ganz auf diese Art Verkäufe eingestellt gewesen; von der Skizze an bis zu den Mietsverträgen. Dann kam Neugereuth, durch ihn gelangte Großzügigkeit in die besonders kühne Atmrt dieses Großberliner Spekulantentums. Man erschloß Gebäude, baute ein Museum, ein Theater, Film- Paläste ... endlich eine Kirche--- Gleich am ersten Sonntag hatte Griebenow bei NeugereuthS Besuch gemacht. Man empfing ihn herzlich, Frau Geheimrat Neugereuth mit einem Ton von mütterlicher Wärme. Fäden liefen hin und her, die ihre Herzen banden. Auf der einen Seite knüpften sie sich an den Sohn, auf dev andern an den Freund, zwischen diesen beiden lag das Gleicherlebte. (Fortsetzung folgt.) 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