Nr. 49 Erstes Blatt 180. Jahrgang Donnerstag, 27. Hedruar 1950 Eriche,n> löglich,außer Sonntags und feiertags- Beilagen: Die Illustrierte Ciefjener Familienblätler Heimat im Bild Die Scholle Monalr-Bezugsprelr: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Richter- scheinen einzclnerNummern infolge höherer Gewalt. Hkrnsvrechanschlüsse anterSammclnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Liehen. Poftschectlonto: fironlfurl am Main 11686. MchenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrrck vnb Verlag: vrvhl'sche Univerfitälr-Vuch- und Ztelndruckerel TL Lanze in Stehen. Schriftleltung und Geschastrstelle: §chul^trahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig, für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20°, mehr. Chefredakteur: Dr Friedr Wilh Gange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Wilh. Gange, für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Tardieu wieder mit der Kabinettsbildung beauftragt Zwischen zwei Mehrheiten. Das Kabinett Chautemps hat d Ibe Schicksal gehabt wie das letzte Kabinett r • ti o t ; es hat seine Antrittsvorstellung ocr Kammer nicht überlebt, hat nicht einmal eine lange Debatte zu überstehen brauchen, bis es mit 15 Stimmen in der Minderheit b.ieb und demissionieren muhte. Herr Chautemps ist sich zweifellos nicht im Unklaren darüber gewesen, dah das Experiment, auf das er sich ein- lieh, nur sehr geringe Erfolgsmöglichkeiten in sich barg. Er hat sein Prestige in die Waagschale geworfen, weil er sich wohl sagte, dah man alle Kombinationen einmal durchexerzieren müsse. Allerdings wird er sich wohl auch verschätzt haben in der Einstellung der radikalen Linken, die gemeinhin als Gruppe Loucheur bezeichnet wird. Ein Drittel ihrer Mitglieder hat bei der letzten Abstimmung mit der Linken gestimmt und dadurch Tardieus Sturz herbeigeführt. Chautemps hat nicht nur Loucheur, sondern den Fraktionsvorsi^enden und noch einen weiteren Minister dieser Gruppe entnommen, hat es aber trotzdem erleben müssen, dah jetzt wieder die gesamte Fraktion gegen ihn stimmte, also den eigenen Fraktionsvorsitzenden im Stich lieh und dadurch eine Abwehrmehrheit bilden half, die nun auch wieder eine Linksregierung unmöglich machte. Als Ergebnis dieser Extratour ist festzustellen, dah ein Kartellkabinett ebenso wie ein Kabinett des bloc national bei den gegebenen Mehrheitsverhältnissen des französischen Kabinett i> sich nicht halten kann. Es bleibt also nur eine Konzen- tratio4i0regieru n g übrig, ungefähr auf der Grundlage, wie sie Tardieu geschaffen hatte, nur dah dafür die Ausfichten nicht gerade gün- st.ger geworden sind, denn die Radikalso - z i a l i st e n werden die Niederlage ihres Führers Chautemps als eine persönliche Blamage empfinden und nicht ohne weiteres bereit sein, sich nun wieder von Herrn Tardieu einspannen zu lassen. Ohne sie aoer kann Tardieu, auch wenn er seine Flanke noch so weit nach rechts^ verlängert, sich nicht halten. Die gegebene Lösung träte unter solchen Umständen wohl eine Kammerauflösung. Aber das ist ein Ausweg, den man in Frankreich seit 1876 nicht beschritten hat und wohl auch diesmal nicht beschreiten wird. Bleibt also nur das Kombinationsspiel, das die Gruppen der Mitte so lange durcheinander schüttelt, bis sie sich irgendwie zu einer Mehrheit verbinden. Tardieu und Poincars wären wohl die Persönlichkeiten, die ein solches Kunststück fertig bekommen könnten, zumal wenn Tardieu sich ent- schliehen sollte, den Radikalsozialisten sehr weit ent- gegenzukommen und ihnen ein Pflaster auf die Wunde Chautemps' zu kleben. Er selbst hält sich jedenfalls für den kommenden Mann, und in seiner starken Persönlichkeit sind auch in der Tat alle Garantien gegeben, die aus den Verlegenheiten der Kammerzerrissenheit herausführen können. Wir deuteten schon an, daß er vielleicht sogar seinen Sturz selbst gewollt hat, um der Kammer nachzuweisen, daß es ein anderes Kabinett als ein Kabinett Tardieu nicht gibt, aber die Empfindlichkeiten, die durch das kurze Zwischenspiel Chautemps' herbeigeführt wurden, sitzen doch wohl zu tief, als 'daß sie nicht auch dem nächsten Kabinett bei der ersten kritischen Gelegenheit noch unbequem werden können. Tardieus Auftrag. Paris, 26.Jebr. (TU.) Die Ereignisse im Elyf5e haben sich am Millwochnachmillag folgendermaßen abgespielt: Zunächst halte Doumergue den früheren Ministerpräsidenten Tardieu mit der Neubildung beauftragt Tardieu halte diese Beauftragung jedoch a b g e l e h n t mit dem Hinweis, daß er P o I n c a t e für geeigneter halte. Nachdem Poincars nun seinerseits die kabinettsildung mit der Begründung zurückgewiefen hat, dah sein Gesundheitszustand cs ihm unmöglich mache, nadj Lcm- don zu gehen, bleibt Tardieu automatisch weiter mit der Kabinettsbildung beauftragt, auf die er nur verzichtet hatte, um Poin- carä den Vorrang zu lassen. Tardieu Hal bereits Besprechungen zur Bildung eines Ko- binelts begonnen. Er verhandelt mit einigen seiner früheren ministeriellen Mitarbeiter, darunter Maginol, Flandin und Hennessy. Außerdem empfing er den Abg. Franklin Roullion, dessen kleine Fraktion, bestehend aus 15 Mitgliedern, erklärte, daß sie nur eine Regierung weitgehender Konzentration unterstützen werde. Ueber die Absichten Tardieus berichtet die Agentur haoss, Tardieu wolle ein Kabinett der republikanischen Konzenlralion bilden. Er werde daher mit den Vertretern der hauptsächlichen Fraktionen, n a - menlllch mit den Vertretern der Radikalen Partei, vor allem mit herriot, Chautemps und Daladier, verhandeln, um die Mitarbeit einiger radikaler Parlamentarier für das zu bil- dende Kabinett zu erhallen. P o i n c a r ä werde ihn hierbei unterstützen und sich persönlich bemühen, einige Führer der Radikalen Partei von der Notwendigkeit zu überzeugen, dem neuen Kabinett ihren Beistand zu leihen. Falls dieses Angebot abgelebt werden sollte, würde Tardieu ein Kabinett bilden, das im großen und ganzen die gleiche Richtung haben würde wie das voraufgegangene. Tardieu selbst erklärte weiter: Ich werde morgen meine eigentlichen Besprechungen zur Bildung des Kabinetts beginnen. Meine Verhandlungen können sehr langwierig werden, denn man muß ein dauerhaftes (Ergebnis erzielen, das der öffentlichen Meinung ein vollkommen klares Bild gibt. Die Radikale Linke und die Sozialrepublikaner der Richtung Briand—PainlevL haben ihren Wunsch nach Bildung eines republikanischen, laizistischen und fortschrittlichen Konzentrationskabinett zum Ausdruck gebracht. Oie Radikalen lehnen ab. Tardieu in der Tackgassc. Paris, 27. Febr. (WTB. Funkspruch.) Die radikale Kammer- und die Senatsfraktion hat gestern in einer gemeinsamen Sitzung die folgende Tagesordnung angenommen: Die vereinigte Senats- und Kammerfraktion der Radikalen Partei erklärt nach Prüfung der durch die gestrige Abstimmung in der Kammer geschaffenen Lage einmütig, daß sie an einem Kabinett unter dem Vorsitz von Tardieu nicht Mitarbeiten kann. Die Morgenblätter erklären, die Betrauung Tardieus mit der Neubildung eines Ministeriums führe Berlin, 26. Febr. (OB.) 3n parlamentarischen Kreisen mißt man der morgigen Kabinettssitzung, die schon um 10 Uhr vormittags beginnt, besondere Bedeutung zu, weil der Reichssinanz- minifter die Absicht hat, sich in dieser Sitzung die Ermächtigung zur Ausarbeitung der Vorlagen seines Deckungsprogramms geben zu lassen. Es sollen 4 7 5 Millionen ausgebracht werden, wovon 170 Millionen an UeberWeisungen für Länder und Gemeinden abgehen. Die restlichen 305 Millionen reichen aus, das Defizit zu beseitigen. Den hauptplah des Programms nimmt die Biersteuererhöhung auf 75 v. f). um 240 Millionen Mark ein (wovon 90 Millionen für die Länder bestimmt sind). Die E r - Höhung von Kaffee- und Teezoll, die bereits durch Verordnung geregelt ist, ist mit 50 Millionen veranschlagt. Dazu kommen 30 Millionen aus der Vorverlegung derHahlungs- termine für Steuern und Zölle, ferner 65 Millionen aus Benzol- und Benzinzoll. Dieser Punkt des Deckungsprogramms wird besonders lebhaft diskutiert, weil er eine erhebliche Belastung des gesamten Kraftfahrwesens, namentlich aber des Laftkraflwagenver- kehrs und damit der Wirtschaft bedeutet. Man plant die Heraufsetzung des Benzinzolls von 5,6 auf 10 Pf. und die Einführung eines Benzolzolls von 10 Pf. Dazu wird dann später eine Verbindung zwischen Betriebsstoffsteuer und der jetzigen Kraftverkehrssteuer treten. 3m Rahmen des akuten Programms soll dann die Mineralwasser st euer 40 Millionen erbringen. Schließlich sind noch 50 Millionen anzuführen, die dem Reich aus dem Verzicht auf die Herabsetzung der 3 n - Suffriebelaffung zugute kommen. Der Reichsfinanzminister hat erklärt, daß er das NoIopfer unter keinen 11 m ff ä n - den mitmache. Die Deutsche Volkspartei besteht außerdem auf ihrer Forderung einer Festlegung des Steuersenkungsversprechens in der höhe von etwa 600 bis 700 Millionen Mark für das nächste Elatsjahr. Als die schwierigste Frage des ganzen Beratungsstoffes der Kabinettssihung wird in parlamentarischen fireifen die Arbeitslosenversicherung angesehen. Es fragt sich hier, ob die Sozialdemokratie ihre Zustimmung zu dem Plan gibt, die Deckung von 100 Millionen des Defizits der Arbeitslosenoerficherungs- anftalt selbst zu überlassen. Moldenhauer ist hier zu feinem ursprünglichen Vorschlag zurückgekehrt, 150 Millionen in Vorzugsaktien der Reichs- bahn- zur Verfügung zu stellen, die weiteren 100 Millionen sollen eingefpart werden, entweder durch Erhöhung der Beiträge oder durch Verringerung der Leistungen. Oie Benzinsteuer. schwere Bedenken der Aulomobilindusirie. Berlin, 27. Febr. (SU.) Sn Kreisen der Automobilindustrie hegt man gegen die geplante Denzinsteuer die allerschwer st en Bedenken, weil man eine außerordentliche Schädigung der Sndustrie befürchtet. Der Reichsrat berät nämlich bereits über eine Erhöhung der K r a s t f a h r z e u g st e u e r, die um 15 D. Sy bis 20 v. H. erhöht' werden soll. Das heißt, dah diese Steuer, die 1929 etwa 210 Millionen ergab, voraussichtlich etwa 280 Millionen bringen soll. Die Kraftfahrzeugindustrie wird also bereits durch angesichts der Weigerung der Radikalen, an einem Konzentrationskabinett teilzunehmen, dessen Führung Tardieu hat, sofort in eine Sackgasse. Tardieu aber habe trotzdem die Absicht, das neue Kabinett zu bilden, und zwar noch in dieser Woche. „Matin" sagt: Man muß aus der Sackgasse herauskommen, sonst bliebe nur noch die Auslösung der Kammer übrig, hochstehende Persönlichkeiten und namentlich Poincare bemühen sich um eine Lösung. Sie hoffen, daß die Radikalen, wenn der erste Zorn verflogen ist, zu einer gerechtere nBeurteilungderLage gelangen werden. Wenn aber die Radikalen auf ihrem Standpunkt beharren, wird Tardieu dann verzichten, oder wird er bei seiner Kampfnatur mit den meisten seiner ehemaligen Kabinettsmitglieder vor die Kammer treten? Der Ernst der Lage wird übrigens gekennzeichnet durch die Betrachtung zweier rein politisch eingestellter Blätter. Das Organ Daladiers, „La Republique" schreibt: „Ein Kabinett Tardieu kann nur ein Kampfkabinett sein. Die Radikalen lehnen sich gegen ein solches Kabinett auf, sie sind zum Kampf bereit." Eine Kampfansage erläßt auch der Führer der Sozialisten, Leon Blum, im „Populaire". Blum sagt, der Starrkopf Tardieu werde ohne die Radikalen und notwendigerweise ohne Briand ein reines Rechtskabinett bilden, das erste, das Frankreich seit mehr als 50 Jahren erlebt habe. Der von ihm hingeworfene' Fehdehandschuh werde ausgenommen werden. diese Steuer jährlich mit 70 Millionen neuen Steuern belastet werden. Kommt die Benzinsteuer hinzu, so soll die deutsche Automobil- in.ustrie jährlich 14 0 b i s 1 60 Millionen mehr an Steuern zahlen, als dies bisher der Fall war. Eine derartige Belastung wird als unerträglich bezeichnet, weil damit der Automobilindustrie Abgaben in einer Höhe zugemutet werden, die wirtschaftlich nicht mehr als gerechtfertigt erscheinen, sondern geradezu als Luxus- (teuer bezeichnet werden müsse. Dem hält die Automobilindustrie wohl mit Recht entgegen, daß sie keinen Luxus, sondern ein notwendiges Berkehrselement darstelle, ohne das die Wirtschaft nicht $u arbeiten vermöge. Sn Kraftfahrerkreisen erklärt man, daß eine Benzinsteuer nur dann erträglich wäre, wenn die unzweckmäßige Kraftfahrzeug st euer abgeschafft oder bedeutend ermäßigt wird. Vor einem Vruch der Koalition? Pessimistische Prejsestimmen. Berlin, 27. Febr. (SU.) Der heutigen Kabinettssihung, in der über die Steuerpläne des Reichsfinanzministers verhandelt wird, wird von den Berliner Blättern besondere Bedeutung beigemessen. Der „Vorwärts" spricht sogar von entscheidender Bedeutung für das Kabinett Müller. Er meint, die Steuerpläne Dr. Moldenhauers seien von einer derartigen Einseitigkeit, daß man nicht einsehen könne, wie eine Mehrheit für sie mit der Sozialdemokratie hcrbei- geführt werden könne. Sn seiner Gesamtheit sei das Programm für die Sozialdemokratie u n - tragbar. Es bedeute eine wesentliche Der- schärkung der Lage. — Auch die „Boss. Z t g.“ hält die Lage für sehr ernst und schreibt unter der Ucberschrift „Bruch im Kabinett?" u. a., über die Steuerpläne des Reichsfinanzministers gingen die Meinungen innerhalb der Koalition so stark auseinander, daß vorläufig nicht zu erkennen sei, wo die mittlere Linie zu finden wäre, auf der sich die Koalitionsparteien doch zusammenfinden könnten, wenn der Bruch vermieden werden soll. Wenn Dr. Moldenhauer auf dec Durchiehung seiner Pläne hinsichtlich der Sozialpolitik und des Steuerprogramms bestehe, sei zu besorgen, daß es heute oder morgen im Kabinett zum Bruch komme. — Rach der „D. A. Z." rechnet man mit der Möglichkeit, daß eine Einigung im Kabinett nicht zustande kommt. Das Blatt meint, daß, selbst wenn dem Kabinett am Donnerstag eine Verständigung über das Deckungsprogramm geling:, der eigentliche Kampf um das Rotopfer- Projekt, an dem Zentrum und Sozialdemokraten nach wie vor festhalten, und um wichtige andere Fragen des Deckungsprogramms e r st im Reichstag beginnen werde. — Rach der „Bö rs e n ze i t u n g" rechnet man wegen der sich häufenden Schwierigkeiten immer stärker damit, daß das Zentrum schließlich doch auf die Voraussetzung einer substantiierten Finanzsanierung verzichten und sich mit einer prinzipiellen Erklärung der Regierungsparteien begnügen werde, die Finanzsanierung nach der Verabschiedung des Voungplans durchzuführen. Mehrere Blätter wissen übrigens mitzuteilen, daß Reichsfinanzminister Moldenyauer über seine Deckungsvorschläge für den Etat 1930 hinaus die Zustimmung des Reichskabinetts für ein großes Etatprogramm, das sich auf Sahre hinaus erstrecken soll, erreichen will. Dieses Etatprogramm sehe Ausgabensenkungen und auch Steuersenkungen von 19 31 ab vor. Durch eine gesetzliche Regelung sollen während der nächsten drei Sahre Kritische Sitzung des Reichskabinetts. Vor der Entscheidung über Moldenhauers OeckungSprogrannn. Ausgaben über den letzten Voranschlag hinaus nur möglich sein, wenn der Reichstag gleichzeitig durch Bewilligung höherer Reueinnah.nen für die Deckung sorgt. Das Steuersenkungsprogramm Myldenhaucrs soll von 1931 ab in einem Zeitraum von mehreren Sahren durchgesührk werden. Der „Vorwärts" spricht von einem geplanten Ausgabensenlung?gesetz, durch das Herabsetzungen der Reichs-, Länder- und Gemeindeaufwendungen bestimmt werden sollen. Die „Voss. Ztg." weist darauf hin, daß eine Ctatpolitik, wie sie der Reichsfinanzminister angeb.ich vorschlägt. nur durchzuführen wäre, wenn der Reichstag auf sein jährliches Budgetrecht freiwillig verzichten würde. Koalitionskonflikt in Preußen. Die Lbcrpräiidentenpostcn in Stettin und Kassel Berlin, 27. Febr. (ERB.) Es scheint beinahe, als ob sich aus dem Ministerwechsel im preußischen Unterrichtsmini st erk um noch weitere politische Folgen ergeben werden. Die Tatsache, daß der Kandidat der sozialdemokratischen Fraktion für diesen Posten, König, durch den Widerstand der demokratischen Fraktion zu Fall gebracht worden ist, hat in sozialdemokratischen Kreisen eine Karte Verstimmung ausgelöst, und in demokratischen Kreisen hat man, so erklärt das „Verl. Tageblatt", die Empfindung, als ob dieses Gefühl in einer Art Radelst ichpolitik gegen die Demokraten Ausdruck finden will. Ein Symptom für diese Entwickelung ist u. a. die Auseinandersetzung über die Rachfolger der zurücktretenden demokratischen Oberpräsidenten vo nH essen-Rasfau und Pommern. „Es scheint uns," so betont das demokratische Blatt, „im Snteresse der Koalition dringend geboten zu sein, die Auseinandersetzung über die Frage, die prinzipiellen Charakter hat, im Einverständnis aller Regierungsparteien zu schlichten." Das sei schon deswegen notwendig, damit die Zurückweitung der Angriffe auf die preußische Regierung, wie sie beispielsweise in dem am Freitag zur Abstimmung kommenden Mißtrauensvotum gegen Snnenminifter Gr'.esinsn enthalten sind, mitvollerGefchlossenheit aller Regierungsparteien erfolgen könne. Kardinal Berry del Val t. Rom, 26. Febr. (WTB.) Kardinal M e r r y del Val, der unter Papst Pius X. 1903 bis 1914 das Amt des Staatssekretärs inne hatte, ist heute nachmittag um 4 Uhr währendeiner Operation geftorben, der er sich infolge einer plötzlich aufgetretenen Blinddarmentzündung hatte unterziehen müssen. Raphael Merry del Val wurde 18H5 in Rom als Sohn eines spanischen Botschafters geboren. Merrn del Val studierte in London, Namur, Brüssel und Rom und wurde im Jahre 1887 päpstlicher Kammerherr. In dieser Eigenschaft nahm er 1888, in welchem Jahre er auch die Priesterweihe erhielt, als Mitglied der päpstlichen Gesandtschaft an den Bestattungsfeierlichkeiten für Kaiser Wilhelm I. in Berlin teil. 1897 erfolgte seine (Ernennung zum päpstlichen Hausprälaten, 1900 wurde Merry del Val Titular- Erzbischof von Nicäa. 1903 wurde er Staatssekretär und Kardinal. In dieser Stellung war er während des ganzen Pontifikates Pius )£. tätig. Der neue Papst Benedikt XV. ernannte 1914 an seiner Stelle den Kardinal Gasparri zum Staatssekretär. Merry del Val übernahm das Amt eines Sekretärs des Heiligen Offiziums. Keine Aendernng im Arbeitsprogramm derIlotienkonferenz London, 26. Febr. (SU.) Am Mittwoch fand eine Besprechung zwischen den Führern der Abordnung der Flottenkonferenz statt, über die folgender amtlicher Bericht ausgegeben wurde: „Die Abordnungsführer und der französische Botschafter in London als Vertreter Frankreichs haben am Mittwochnachmittag die Frage bej? Fortsetzung der Arbeiten der Konferenz erörtert. Es wurde vereinbart, daß das ursprüngliche A r b e i t s p r o g r a m m durchgeführt werden soll, sobald die Konferenz mit dem Wiedereintreffen einer französischen Abordnung ihre volle Arbeit wieder aufnehmen kann. Sn der Zwischenzeit werden die privaten Besprechungen zwischen den Abordnungen fortgesetzt. Die Arbeiten des ständischen Unterausschusses machen gute Fortschritte." Von amtlicher Seite wird ergänzend daraus hingewiesen, daß die Konferenzarbeiten auch weiterhin auf der Grundlage eines Fünf- mächte-Abkommens durchgeführt würden. Die in London verbliebenen Mitglieder der französischen Abordnung würden über alle laufenden Angelegenheiten befragt. Don einem Dreimächte- Abkommen sei bisher bei' keiner Abordnung die Rede gewesen. Man rechnet damit, daß es S a r - dieu gelingen werde, ein neues Kabinett zu bilden und daß er bereits Montag oder Dienstag in London wieder eintreffen könnte. Sanio Domingo in der Hand der Aufständischen. Santo Domingo, 26. Febr. (Associated Preß.) Die Aufständischen sind heute vormittag i_n d i e Stadt eingezogen und haben die öffentlichen Gebäude und die Zitadelle be- die amerikanische Gesandtschaft geflüchtet. wäre Gkandalszenen im polnischen Gejm. Warschau, 26. Febr. (WTB.) Im Sejm der Vizepräsident der Dominikanis^en Republik haben sich, wie gerüchtweise verlautet, in setzt. Die Einnahme der Stadt erfolgte ohne jedes Blutvergießen. Der Präsident und Berlin. 26. Febr. (DDZ.) Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung der Novelle zur Reichshaushaltsordnung. Der Ausschuß hat die Regierungsvorlage in vielen Punkten geändert und vor allem die Kontrollbefug- nisse des Rechnungshofes wesentlich erweitert mit der Tendenz, daß möglichst sparsam gewirtschaftet wird. RetchLfinanzminister ®r. Mldenhauer stimmt den Acnderungen zu. 3m Ausschuß sei schon das Probierst berührt worden, ob das Aus gabenbew illi g un gsrech t des Parlaments nicht cingcsKränkt werden könne. Diese mehr verfaslungsrea)tli.,e Frage sollte bei der vorliegenden Novelle nicht entseyieden werden, damit der vorliegende Entwurf so schnell zur Verabschiedung kommt, daß er schon beim Etat für 1930 Anwendung finden kann. Abg. Heimann (Soz.) wendet sich gegen die im Ausichuh abgelehnten Anträge der Wirtschaftspartei und der Deuts^en Volkspartei, den Reichssparkommissar als eine mit großen Rechten ausgestattete unabhängige Instanz in das Verfassungs'eben einzusc^alten. Die Sozialdemokraten wollten i n Gegensatz dazu nicht das Dudgetrecht einschränken, sondern umgekehrt den Einfluß der Reichsregierung, des Reichsrats und vor allem des Reichstags st ä r k e n. um damit auch das Verantwortungsgefühl dieser Körperschaften im finanziellen Dienst zu stärken. Tatsächlich ist es gar nicht so, daß beim Geldausgeben immer der Reichstag der Sündenbock sei. Tatsächlich sind unter dem Druck der vergangenen Regierungen gegen den Widerstand der Sozialdemokraten wirtschaftlich nicht vertretbare Subventionen durchgeseht worden, die nicht weniger als 1,2 Milliarden betragen haben. (Hört! Hört!) Abg. Her g t (Dn.): Mit dec vorliegenden No- v lle wird nicht Ordnung in den Reichshaushalt gebracht. Es fehlt eben im Gegensatz zu früher jetzt dem Parlament der Wille zur Ordnung in der Jl- nanzwirtschasl. Das strenge veraniworkungs- bewuhtsein. das früher die Vureaukratie beherrschte, ist verloren gegangen und mußte verloren gehen im parlamentarischen System, bei dem der Winsler nicht mehr ein freier Wann, sondern der Exponent einer Partei oder einer politischen Koalition ist. Die Abhängigkeit von der Masse draußen muh ja zu übertriebener Dewilligungsfreudigkeit und dadurch zu finanzieller Einordnung führen. Ordnung in den Etat werden Sie niemals bringen, solange das übertriebene parlamentarische System besteht. Mit der Vorlage können wir einverstanden sein, wenn wir auch Bedenken nicht unterdrücken können gegen die darin dem Reichsfinanzminister gewährte Erweiterung der Befugnisse. Der Finanzminister ist unter dem jetzigen System ja ebenso politischer Minister wie der Ressortminister, den er hinsichtlich der Ausgabefreudigkrit kontrollieren soll. Abg. Schreiber (Z.) bezeichnet den vorliegenden Entwurf als eine formalrechtliche Schöpfung, die ihren Zweck nur erreichen könne, wenn dahinter die richtige politische Willensbildung steht. Der Reichstag hat mit dieser Vorlage das Schwergewicht der Macht von sich gegeben und in die Hände des Finanzministers gelegt. Der Finanzminister braucht nur Gebrauch zu machen von den Rechten, die ihm gegeben sind. Die Stellung des Reichssparkommissars'ist im wesentlichen eine Personlichkeitskrage. Wer daraus eine gesetzlich verankerte 3nstanz machen will, schafft tatsächlich ein zweites Finanzministerium uns ergänzt die grünen Tische durch einen neuen, der außerordentlich viel tastet. Abg. Dr. Cremer (D. D.): Für größere Sparsamkeit im Reichshaushalt haben alle Die Manzkonirolle im parlameniarischen System Der Reichstag berät eine Aende-ung der Reichshaushaltsordnung. abend die Mädchen zur Abreise versammelten, kam es zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Leiterin des Unternehmens. Die Angestellten der Agentin wurden von den Angehörigen bedroht, und es kam zu einer Schlägerei, der erst durch Schutzpolizeibeamte ein Ende gemacht werden konnte. Unter dem Eindruck dieses Vorfalles entschlossen sich drei Mädchen von der Abreise nach Buenos Aires Abstand zu nehmen. Die übrigen neun fuhren mit dem fahnplanmäßigen Zuge nach Hamburg. Es wurde auch bekannt, daß fast keines der Mädchen überhaupt den Inhalt des Vertrages nach Buenos Aires kennt. Die Kriminalpolizei nahm ein junges Mädchen in Gewahrsam, das den Eltern entlausen war. Die übrigen jungen Mädchen, die mit diesem verdächtigen Transport nach Südamerika reisen, konnten nicht zurückgehalten werden, da sie sämtlich mündig sind. Die Truppe, der von dem Berliner argentinischen Generalkonsul das Visum verwe i g e r t worden ist, reist ohne Visum zunächst bis Montevideo. Die Feriensonderzüge. Die Erfahrungen der Reichsbahn seit der Hm- Wandlung des Vierklafsensystems bilden gegenwärtig Gegenstand eingehender Beratungen über die Neufestsetzung des Ferienreiseverkehrs. Die durch die Verringerung der Preisspanne zwischen- den Fahrpreisen der dritten Klasse und den Fahrpreisen der Feriensonderzüge entstandene Preisangleichung bei der Benutzung der Feriensonderzüge hat zu den Erwägungen geführt, ob nicht ein beträchtlicher Teil dieser Sonderzüge aus fallen könne. Die schlechte Frequenz der Feriensonderzüge im vergangenen 3ahre hat zu diesen Erwägungen besonderen Anlaß gegeben. Es spielt infolgedessen auch die Erwägung eine Rolle, welcheLinien in diesem 3ahre a u s f a l l e n können. Tie Sparmaßnahmen. die auch bei der Reichsbahn mit Energie durchgcführt werden, dürften daher in diesem Jahre gerade bei den sonst so beliebten Feriensonderzügen empfindlich zum Ausdruck kommen. Maßregelung der Freien Kieler Studentenschaft. Der Senat der Universität Kiel hat der Freien Kieler Studentenschaft, die sich aus der Deutschen Studentenschaft entwickelt hatte, die Anerkennung als aka^d e m.i scher Verein entzogen. 3n der Bekanntmachung des Rektors wird die Maßnahme damit begründet, daß die Freie Kieler Studentenschaft bei der von ihr veranstalte- ten Reichs grün dun a sfeier dem ausdrücklichen Hinweis, ihr stehe das Führen der Unioerfi« es gestern abend zwischen Abgeordneten des Regie- rungsbtocks und Sozialisten beinahe zu Tätlichkeiten gekommen. Der sozialistische Abgeordnete Stanczyk wurde ständig von dem Abgeordneten des Regierungsblocks Kleszczynski unterbrochen. Dieser rief ihm u.a. zu: „Sie haben die Kultur eines Bandite n!", worauf Stanczyk antwortete: „Sie sind ein gewöhnlicher Lausbube, ich werde nicht mit Ihnen polemisieren. Zur Zeit, als die polnischen Sozialisten um die Unabhängigkeit kämpften, haben solch« Herren wie der Abgeordnete Kleszczynski die Stiefel der Zaren und Kaiser geküßt." D.ese Worte riefen bei den Abgeordneten des Pilsudski- Blockes einen Sturm der Entrüstung hervor. Kleszczynski sprang von seinem Sitz auf und stürzte zu seinem Gegner. Es wäre wahrscheinlich zu einem allgemeinen Handgemenge gekommen, wenn nicht der Sejmmarschall die Sitzung unterbrochen hätte. Abgeordneter Stanczyk erschien später auf der Tribüne und bat den Abgeordneten Kleszczynski um Verzeihung, da ihm nicht bekannt gemein sei, daß dieser in den Legionen gedient habe. Auch im Heeresausschuß des Sejm kam es zu erregten Szenen. Der Abgeordnete des Regierungsblocks, Professor Kozlowski, warf dem früheren Se'',n- und Cenatsmarfchall, dem ehemaligen Mitglied des Deutschen Reichstages, Trampczynski, vor, daß er von dem früheren deutschen Kaiser für Lakaien dienst« seinerzeit eine Anerkennung erhalten habe. Abg. L a z a r s k i (Regierungsblock) tief hierauf Trampczynski zu, daß er, der früher die Deutschen unterstützt hätte, sich jetzt mit der Toga der katonischen Lindester', lichkeit bekleide. Der nationaldemokratische Abgeordnete Dombrowski nannte hierauf Lazarski einen Dummkopf. Der so Beschimpfte sprang vom Platz auf und versetzte Dombrowski, indem er Trampczynski zurückwies, zwei Ohrfeigen. Die Sitzung wurde nach diesem Zwischenfall unter ungeheurem Lärm unterbrochen. Trampczynski soU erklärt haben, daß er m U dem Revolver geantwortet hätte, wenn er geohrfeigt worden wäre. Ciatsberatungen im Finanzausschuß. Die Besörsterung des Kommunalwalds. WHP. Darmstadt, 26. Febr. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtages begann mit der (Ein- zelberatung des Staatsvoranschlags 1930'31 bei den Staatsgütern, und zwar beim Kapitel „F o r st und Kameralgüter" (Forstoerwaltung). Dieses Kapitel sieht eine Einnahme von 11618 648 Mark vor, eine Ausgabe 8 805 170 Mk.. sch jetzt also mit einem Ueberschuß von 2 813 478 Mark ab. Der Ausschuß befaßte sich eingehend mit den Bei- trägen der Gemeinden zu den Kosten der Fqrstverwaltung. Doranschlagmäßig sind vorgesehen an Beiträgen aus Kommunalwald und beförstertem Privatwald (97 046 Hektar ä 14 Mark) 1358 644 Mark und aus nur unter Forstschutz stehenden Privatwäldern (21 075 Hektar ä 4 Mk.) 84 300 Mark, zusammen 1 442 944 Mark (im Vorjahre 1237 503). Wenn die Erhebung dieser Beiträge eine besonder« Härte betonten würde, so soll d« Regierung die Ermächtigung erhalten, ausnahmsweise auch den Grundbetrag von sechs Reichsmark bei den beförderten Wäldern je Hektar ganz ober teilweise außerAnsatz zu lassen. Das Zentrum beantragte dazu, diese Erleichterung auch auf das vergangene Jahr zu erstrecken. Die Aussprache im Ausschuß wurde jedoch heute noch nicht abgeschlossen. Die Regierung wurde ersucht, einen Weg zu finden, um die Beförsterungs- beiträge der Gemeinden, insbesondere der schwachen Gemeinden, herabzusetzen. Von sozialdemokratischer Seite wurde verlangt, daß nur die tat- sächlich aufgeroanbten Kosten für bie Forstverwaltung auf bie Gemeinben umgeschlagen werben sollen, baß ber Staatskasse also daraus kein Gewinn verbleiben soll. Der Lanbbund beantragte, b'e Beförsterungsbeiträge auf 12 bzw. 3,80 Mark zu bestimmen und auch den Orunbbeitrag entsprechend herabzusetzen. Teilweise Aufhebung des Oemonstrationsverbois. Berlin. 26. Febr. (lebUn.) Im Preußischen Landtag gab Staatssekretär Dr. Abegg zwei Erlasse bekannt, wonach bas Kunbgebungsverbot am 28. Februar anläßlich tot fünfjährigen Wiederkehr des Todestages des ersten Reichspräsidenten Ebert und für den 16. März aus Anlaß des vom Dolksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge vorgesehenen V o l k s t r a u e r» tages insofern aufgehoben wird, als Veran- stattungen unter freiem Himmel zugelassen werden, di« sich im Rahmen der Gedenkfeiern und Trauer- funbgebungen bewegen. Geschlossene An- und Abmärsche sind jedoch nicht gestattet. Aus aller Well. Verdächtiger Wädchenkranspork nach Südamerika. Auf dem Lehrter Bahnhof in Berlin kam es am Mittwochabend aus einem eigenartigen Anlaß zu schweren Skandalszenen. In der Vorhalle des Bahnhofs hatten sich 12 junge Mädchen im Alter von 20 bis 25 Jahren zum Teil mit ihren Angehörigen versammelt, die von einer südamerikanischen Agentur angeblich für zwei SarieUunter- nehmungen in Buenos Aires engagiert waren. Trotz der Bemühungen amtlicher Stellen, war es nicht gelungen, bie Mädchen von Der Annahme des Engagements zurückzuhalten. Die Agentin, bie schon im vorigen Jahre eine größere Gruppe Berliner Mädchen nach Südamerika ge- bracht hatte hatte jetzt wieder Verträge abgeschlossen, die ben Zweck des Unternehmens als keineswegs cinroanbfrei erscheinen lassen. Da die Polizei aber keine Handhabe zum Einschreiten hatte, mußte sie es mitansehen, daß Mittwochabend wieder junge Mädchen nach Hamburg abreiften, um von dort nach Buenos Aires au gelangen. Dor der Abreife waren aber mehrere Angehörige ber Mäbchen gewarnt worden, io daß sie Verdacht schöpften. Als sich am Mittwoch- Kreis« unseres Volkes Interesse. Sie gehen dabei nicht von verfassungsrechtlichen, sondern von wirtschaftlichen Gesichtspunkten aus. (Sehr wahr!) Das parlamentarische System wird nicht dadurch gefäyrdet, wenn wir nach dem Muster der älteren Demokratien in England als Parlament Dienstbeschränkung üben und die Ausgaben unter härtere Kontrolle steten. Unsere Finanzpolitik hat gelitten unter dem häufigen Winisterwechsel und dem damit verbundenen Kurswechsel. Unsere Anträge wollen den Leiter der Finanzpolitik bewahren vor dem parlamentarischen Wetterwechsel und wollen damit die dauernde konsequente Linie der Finanzpolitik sichern, die wir brauchen, um zu einer gesunden Finanzwirtfchaft zu kommen. Es ist einerlei, o3 wir dies« Persönlichkeit Spar- kommissar oder Haushaltsminister nennen. Der Reichstag würde besseren Einblick in das Ee- triebe der Vureaukratie gewinnen, wenn ihm der Haushaltsminister auf Verlangen jederzeit Auskunft geben muß. Aus den Berichten des Rechnungshofes ergibt sich, daß di« Sünden gegen die Sparsamkeit bei der (Bureau- fr a t i e mindestens so groß und zahlreich waren wie beim Parlament. Nicht nur im Reiche, sondern auch in den Lände rn und Gemeinden bedarf die Finanzpolitik einer gründlichen Reform. Abg. Dr. Bredt (Wirtsch.): Der Reichstag darf sich nicht darüber täuschen, daß man draußen im Volke niitsteigendemUnwillendi« Finanz- wirtschast unter dem parlamentarischen System verfolgt. Wenn jede Partei unb jebes Ressort Ausgaben verlangt, bann kann ber Finanzminister auch nichts machen. Die Vureaukratie hat bi« schwer« Schuld auf sich geloben, baß sie das Aufkommen aus den Steuern willkürlich in ton Etat eingesetzt und so bas Parlament über bie wahre Finanzlage getäuscht hat. Wie «in wirklich unabhängiger Sparkommissar wirkt, bas haben wir ja gesehen, als Reichsbankpräsibent Dr. Schacht mit seiner Forberung kam, bie wie ein Donmrschlag wirkte. Roch niemals saßen die Führer ber Regierungsparteien so betreten beieinander unb noch niemals sind sie so schnell gelaufen als damals, als Schacht ben Tilgungsfonds verlangte. Kaum hatte er ihn verlangt, da war er schon eingeführt. Bei dem jetzigen System geraten wir mit jedem Jahr« tiefer in ton finanziellen Sumpf hinein. Abg. Bernhard (Dem.): Die Finanznot ist nicht eine Folge parlamentarischer Luderwirtschaft. Das ist schon deshalb unmöglich, weil ja in den zehn Jahren mit wechselnden Mehrheiten regiert worden ist. Die Wirtschaftspartei hat freilich das Glück gehabt, immer von der Regierungsverantwortung frei zu bleiben. Wir halten es für notwendig, daß der Reichstag Einblick in die Geheimnisse des Verwaltungsapparates erhält. Trotz der Mängel des Rechnungshofes haben seine Berichte dem Reichstag schon große Dienste geleistet. Dabei haben wir mit Schaudern gesehen, daß h ö ch st b e d e n k- liche außer- und überplanmäßige Ausgaben die Zustimmung der jeweiligen Reichsfinanzminister gefunden haben. Daraus scheint doch hervorzugehen, daß auch .die Machterweiterung des Finanzministers keinen sicheren Schuh gewährt. Die Anklagen, die wir hier hörten, treffen nicht das jetzige System und nicht den Reichstag, sondern die politisch- verantwortlichen Persönlichkeiten, die Furcht haben vor der Konsequenz der Un- Popularität. Die Vorlage wird in zweiter und dritter Beratung in der Ausschußfassung gegen Kommunisten und Nationalsozialisten angenommen. Nächste Sitzung: Donnerstag. Aus d r Tagesordnung steht das Ministerpensionsgeseh neben kleineren Vortzagen. tätsfarben nicht zu, entgegengehandelt, überdies aber in einem Schre.ben an ben Rektor eine so wenig angemessene Haltung eingenommen habe, baß bie Beantwortung abgelehnt werben mußte. Politische Brandstiftung in Neukölln. Durch einen Brand ist in dem in einer großen Holzbaracke untergebrachten Erwerbslosen- bureau des Bezirksamtes NeuköUn in der Thomasstraße erheblicher Schaden angerichtet worden. Mehr als 20 000 Kartothekkarten für Frauen wurden Vernich» t e t. Das Feuer ist nach den bisherigen Feststellungen vorsätzlich angelegt worden. Die Tater konnten aber nocy nicht ermittelt werden. Die Kriminalpolizei hat eine Unter» suchung eingeleitet, da angenommen wird, daß der Brand von radikalen Elementen angelegt worden ist. Man wollte durch die Zerstörung der Akten und Unterlagen anscheinend Schwieri.teilen in der Abfertigung Hervorrufen, um dadurch unter den Erwerbslosen Unruhe hervorzurufen. Tragischer Unglücksfall. 2n Forst (Lausitz) wurden die 30 Jahre alte Frau Lieske und ihre beiden Töchter im Alter von eineinviertel und drei Jahren von dem heimkehrender. Ehemann in ber Küche tot aufgefunden. Tie polizeilich n Ermittlungen ergaben, daß es sich um einen Unglücksfall handelt. Frau Lieske war, durch Nachtwachen am Krankenlager ihrer Kinder stark übermüdet, eingeschlafen, ohne daran zu denken, daß a u f dem Gaskocher ein Topf mit Wasser stand. Das Wasser kochte über, brachte bie Gass lamme zum Erlöschen, das auSftrö- menbe Gas erfüllte in kurzer Zeit den Raum und führte so den Tod der drei Menschen herbei. Acht Todesopfer bei dem Brand einer Schule in Kanada. Die Croßlake-Schule, eine abgelegene Landschule für Indianer, wurde durch einen Brand zerstört. Eine Oberschwester und sieben junge Indianerschüler kamen in den Flammen um. Der Fall Meußbörfer. Zum Fall Meußbörfer verlautet von gut unterrichteter Seite. Eine Zurückziehung der Anklage gegen Kommerzienrat Meußbörfer kann nicht in Frage kommen, so lange nicht das endgültige Gutachten des Professors Dr..Fischer, Würzburg, vorliegt. Professor Dr. Fischer hat bekanntlich in feinem vorläufigen Gutachten ausgeführt, daß der Tod der Frau Meußdörfer durch Erwürgen eingetreten ist und daß Me Fesselung ber Hände erst vorgenommen wurde, nachdem der Tod bereits eingetreten war. Erfährt diese vorläufige Feststellung ihre Bestätigung, so können Schubert und Popp nicht die Täter sein, weil sich ihre Geständnisse damit nichts vereinbaren lassen. Der Widerruf des Geständnisses, den Fritz Schubert neuerdings seiner Ehefrau und seinen Geschwistern gegenüber abgab und von dem die Staatsanwaltschaft Kenntnis gab, ist dieser gegenüber bisher noch nicht erfolgt. Wklkenbrüche in Cnbifallen. Infolge heftiger Wolkenbrüche ereignete sich in San Giovanni in Fiore ein Erdrutsch, der zwei Häuser völlig zerstörte. Bis jetzt sind vier Tote und vier Schwerverletzte zu verzeichnen. Aus ganz Süditalien, namentlich Calabrien und Dizllien treffen weitere Mitteilungen über den Schaden ein, den das anhaltende Unwetter anr.chtete. Große Erdmas.en sind von den Bergen herabgestürzt. Ein« Wasserleitung wurde schwer beschädigt. Man. befürchtet, daß die Erd- und Felsmassen sich weiter bewegen und auch die Eisenbahn st recken verschütten werden. In anderen Teilen Süd- Italiens wurde durch Regengüsse und Hagelschläge an den Saaten und Obstbäumen schwerer Schaven angerichtet. 17 Todesopfer einer Schiffskatastrophe. In Miami (Florida) wird erst heute durch die Mitteilung von Reisenden bekannt, daß sich am 17. Februar auf der Höhe der zu den Bahamas gehörenden Insel Abaco ein schweres SchifsS- unglück ereignet hat. Dort schlug bie Schaluppe »Pretoria" infolge hohen Seeganges voll Wasser und sank. Don der 20 Mann starken Besatzung ist «s nach Angaben der Reisenden nur dreien gelungen, sich an den Strand der Insel zu retten, so daß 17 Todesopfer zu beklagen sind. Hochherzige Spende Deutscher in Bosnien. Angeregt durch den in deutschen Zeitungen veröffentlichten Aufruf des Herrn Reichspräsidenten haben einige deutsche Kolonien in Bosnien für die deutschen Flüchtlinge aus Rußland gesammelt und das Ergebnis im Betrage von 4640 Dinar an bie zuständige Stelle weiterge eitet. Man muß diesen Ausdruck des Solidaritätsgefühls der Deutschen in Bosnien um so mehr würdigen, als sie sich selbst in schwerer wirtschaftlicher Not befinden. ©io lOtrdeen- nam Klägern Thorsi Mittwoch. g 26. Februar 1930.7n abds ©woixemos. öneu«. ®naib Ofdecki.» woiRig. • oramt «Rrgen * lehnte atiraoptin a neoei K c>rwittfr.(§)wind$tiiieo sehr «Khtt» Os» nassiqe» sudsuowesi q sturmscnei nordwest Oit »ttiir fliegen mn gern wmae 2it oeioen Stationen stehenden Z i» ■en gehen die Temperatur an Die Linien verpindeo Orte mit flicicncofr Wf netresmveau umdtrfeantitn Ujltdrvcx Wettervoraussage. Immer noch wird das östliche Deutschland vom Hochdruckeinfluß beherrscht, während der Westen im Bereich des französischen Tiefs liegt. Heiteres Wetter mit leichtern Nachtfrost im Osten, und mildes trübes Wetter mit Niederschlägen im Westen bestimmen infolgedessen ton Witterungscharakter. Der Einfluß des Tiefs bringt uns vorläufig noch Bewölkung, und die Temperaturen halten sich nachts weiter über dem Gefrierpunkt. Niederschläge sind jedoch kaum oder nur ganz vereinzelt, und bann in geringen Mengen, zu erwarten. Wettervoraussage für Freitag. Nebelig-wolliges Wetter, vorüber'-ehenb auch stellenwe.se Aufheiterung, Temperaturen toenig verändert, feine oder nur ganz geringe Niederschläge. Witterungsaussichten für Sami» t a g. Vorübergehend trockenes, teils mbelig-wol- kiges, teils aufheiterndes Wetter. Lufttemperaturen am 26. Februar: mittags 6,1 Grad Celsius, abends 2,7 Grad: am 27. Februar: morgens 2,3 Grad. Maximum 6,9 Grad, Minimum 1,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 26. Februar: abends 3 Grad; am 27. Februar: mottens 1,2 Grad. — Niederschlag 0,1 mm. — Sonnenscheindauer 1% Stunden. Amtliche Mnterfportnachrichten. Vogelsberg. Hoherodskopf: Schneeregen, 0 Grad, 16 cm Firnschnee, Sportmöglichkeit für Ski und Rodel noch gut. Taunus. Kleiner Feldberg: Bewölkt, minus 0 Grad, 14 cm Schnee, verharicht, Sportmöglichkeit für Ski gut, für Rodel mäßig. Sauerland. Winterberg: Leichter Schneefall, 0 Grad, durchbrochene Schneedecke, 1 bis 2 Zentimeter Neuschnee, Sportmöglichkeit für Ski unb Rodel nur stellenweise vorhanden. Schwarzwald. Feldberg: Leichter Schneefall, minus 1 Grad, 105 Zentimeter Schnee, 1 bis 2 Zentimeter Neuschnee, Pulverschnee, Sportmöglichkeit für Ski und Rodel sehr gut. Alpen-Garmifch-Partenkirchen: Bewölkt, minuS 1 Grad, 3 Zentimeter Schnee, Pulverschnee, Sportmöglichkeit für Ski unb Äobel sehr gut. Harz. Schierke: Bewölkt, minus 0 Grad, 18 Zentimeter Pulverschnee, Sportmöglichkeit für Ski unb Nobel sehr gut. Ar v DckLmhl hier et für T Wege Die He hing d Ohren-, ■Brüg Weir schini sotgl^ lange tret* turlich war " Qlbe: Dame» wenn1 fielt*0 Mi r 64 lag Sonnt, 1W'. geteilt schicken, veile fl ten Kr mcngch junge j bem Durschc nadjtie1 Hose a Zyündi Wir um gefallen um O Drei W) beites |i Imme tag rech am 2ß>e und ab hinter \ sah mir es wär Mantel Tua tr Marbu ein. P Mer b keiner, s es an b chrn. S (Bub“. Acht nicht eil halle. L großer iölumer Blümer eine K inügt ( ähren i Als ii lies mi Nanu? UJlantel' tlingelli baß es leid, ba[ oUerl/ani Sie Kt D Uni dti Für den S Pi» »le Ehi ■J 140, Wirsing 20 bis 35. 15, Rotkraut 15 bis 20, I«lbe Rüben 10 bis 15, Leib. I Astoria-Lichtspiele: E. v. M. allerhand unterwegs. j-l Herr Heinrich Rusch 1688D Die Giebener Burschenschaft Alemannia L A.: E. Diehl • (x,X)X I684D Katharina Dörr und Familie $ Frau Marie Wolf geb, Appel Steinbach, den 26. Februar 1930. 1O98D Gießen, den 26. Februar 1930. 01322 Ö Erdal 23. Hauptversammlung, 20.15 Uhr, im Hotel „Hindenburg". — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Symphonie der Liebe" und „Das süße Mädel (10 Stück) 60 bis Weißkraut 10 bis Für die zahlreiche und herzliche Anteilnahme bei dem Hinscheiden meines lieben Mannes, unseres guten Vaters sagen wir allen herzlichen Dank Beerdigung: Samstag, den 1. März, vormittags um 11 Uhr, auf dem Neuen Friedhof. Hausbesiherverein e. D. Gießen: von der Iazz-Dand". Museumsdirektor L R. Akt S. S. 68 Kenntnis zu geben spiel liegt in den Händen des Herrn Organisten Habicht Die Rednerin, welche zum erstenmal in Gießen spricht, ist die Begründerin der sog. „Heimglück'-Bewegung, die sich seit ihrem Bestehen schnell über ganz Deut chiand hin einen Kreis von Freunden und Mitarbeitern gewonnen hat. Die Bewegung, welche ihren Mittelpunkt im „Heimglück'-^)aus in Eisenach hat, strebt entgegen modernen Zeitströmungen eine innere Gesundung des deutschen Familienlebens an und möchte Einfluß auf weite Kreise gewinnen, will also für den religiös-sittlichen Rufbau wirken und ein Wiedererstarken der gesunden Kräfte im deutschen Volke fördern. So ist von der Bewegung auch die erste deutsche Dräuteschule in Eisenach eingerichtet worden, um junge Menschen auch praktisch in den Bereich ihrer späteren Pflichten einzuführen und den Crund zu einem wirklich gesunden, christlichen Familienleben nach jeder Richtung hin zu legen. Die Zahnzwischenräume als Sih übelriechender Speisereste reinigt man zweckmäßig mit der eigenS dafür konstruierten Chlorodont-Zahnbürste mit gezahntem Borstenschnitt in zwei Härte- Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgange meines lieben Mannes spreche ich allen Beteiligten auf diesem Wege meinen herzlichsten Dank aus. Besonderen Dank dem Herrn Plärrer tür die trostreichen Worte am Grabe. Reto har dshato, den 27. Februar 1930. 01339 Gießen (Kanzleiberg), Homberg-Hochheide, den 26. Februar 1930. Heilstätte Seltersberg. Die von dem Hessischen Landesverband zur Bekämpfung der Tuberkulose (Heilstättenverein) hier erbaute Heilstätte »Selters berg" für Tuberkulose der oberen Luftwege wird Anfang April betriebsfähig werden. Die Heilstätte steht bekanntlich unter der Leitung des Direktors der Llniverfitätsklinik für Ohren-, Rasen- und Halskranke. Professor Dr. Brüggemann. Die zur Verfügung stehenden 'für alle L Schuhe E— Kat MB Auskllmte InMlednc4«, Lirai-.iZaunl.'Anae- leaen^etten, Gesuche, Bernäge, Beobachtungen. Ueberwadig. und Ertnitilunaen oreiSw-streng dtokr. 11 an all. Orten ert tu erledigt Detektiv- Bnrean-n.Anekuttel Inh.K.Gerx.Bei-Nan- heie.Eoretr. 17. 138 I tritt«t iirMdo j GrV fÄ 5'Si “ 5» len. -INK an. «Wöl ittt e. )eutslhland oom »der L heiteres > t«n, und müW S5- $reitaa. gehend auch mturenWM bringe «üt Sami; •£ S'- Ä* 7- vCD Sonnen« Verwandten, Freunden und Bekannten die schmerzliche Mitteilung, daß unsere liebe Mutter. Schwiegermutter, Großmutter, Urgroßmutter, Schwägerin und Tante hnNnWgMh.geli.Wnr nach kurzem Leiden Im 71. Lebensjahre sanft entschlafen ist. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Familie Friedrich Wasenbach 1L FamLIe Jakub Schopp Familie h ilhelm Mattern. Alten Baseck. Gießen, Großen-Buseck, Wieseck, den 25. Februar 1930. Die Beerdigung findet Freitag, den 28. Februar, nachmittags 21', Uhr, in Alteu-Buseck statt. ______________________________________________________________ -6V21- Aus der Provinzialbauptstodt Gießen, den 27. Februar 1933. Mummenschanz. Wenn in früheren Jahren in der Fa- s ch i n g s z e i t durch die abendlichen Straßen sorglich vermummte Gestalten huschten, deren lange Mäntel abenteuerliche Kleiderpracht diskret verhüllten, fielen sie weiter nicht auf. Ra- türlich nicht. Eie waren ja .vermummt", also war nicht viel zu sehen. Aber nun denken Eie an die heutige Straßen- Damenmode: Wie wollen Sie sich vermummen, wenn der Mantel nur bis eben an die Knie geht? Da hilft nichts als einfache Llnbefangen- heit. Und die hat man ja heutzutage. Trotzdem fiel es auf, als eine junge Dame... Aber es lag auch nicht an der jungen Dam«. Es lag vielmehr an der Tageszeit; und an der Sonne, die nzit aller Deutlichkeit, mit der sie um 3 Llhr nachmittags zu scheinen Pflegt, oben angedeutete junge Dame beschien, die einen höchst schicken, kurzen Mantel trug, der abwärts in weite gelbseidene Pumphosen überging, die an den Knöcheln mit schwarzen Pompons zusarn- mengehalten waren. In der Hand trug die junge Dame einen schwarzen Zycknder, mit gelbem Band umschlungen, und als ein paar junge Burschen freudig erregt stehenblieben und ihr nachriefen: „Ha, Fräulein, Sie han aber feine Hose an“, schwenkte sie vergnügt grüßend ihren Zylinder und verschwand um die nächste Ecke. Wir sind eben zeitgebundene Geschöpfe. Rachls um Drei wäre die Dame keinem Menschen aufgefallen, denn wir leben im Fasching. Aber warum schablonenmäßig sein? Der eine fängt um drei älhr an, der andere hört um drei Uhr auf, beides sind frühe Stunden. Immerhin erschien mir unsere Stadt am Samstag recht wunderlich. Auf dem Kreuzplah ging am Abend eine Dame mit silbernen Schuhen auf und ab, die zwei lange grüne Rixenschleppen hinter sich her flattern ließ. In der Elektrischen saß mir ein Herr gegenüber, d. h. ich dachte, es wäre ein gewöhnlicher Herr; aber wie er den Mantel öffnete, war es ein richtiger Bayrischer Bua mit Lederhosen und nackten Knien. In der Marburger Straße stiegen zwei junge Matrosen ein. Pikfeine, in weißseidenen Extrauniformen. Aber bei näherem Hinsehen war wieder der eine keiner, sondern es war ein Mädchen. Man merkte es an der hellen Stimme und den kleinen Füßchen. Sonst wirkte sie ganz wie ein „herziger Bub". Nicht weiter ausgefallen wäre ein Herr, wenn er nicht eine so mertroürbige Kopfbedeckung getragen hätte. Leider nur in der Hand. Es war nämlich ein großer Blumentopf ohne Boden, mit künstlichen Blumen gefüllt und der Inschrift versehen: „Laßt Blumen sprechen!" Ich hätte nicht gewußt, daß es eine Kopfbedeckung war, aber er erzählte es vergnügt einer Dame, die gefragt hatte: „Ach, Sie ahren wohl auch zum Maskenball?" Als ich durch unsre stille, dunkle Straße heimkam, lies mir plötzlich Helles Schlittengeläut entgegen. Nanu? Aber es waren drei Mädels, die unter den Mänteln ganz aus Schellen zu bestehen schienen. Sie klingelten und läuteten und schwatzten und lachten, daß es nur so ein Vergnügen war. Da tat's mir fast leid, daß ich zu Hause angelangt war. Denn es war — Der Abend wird Gelegenheit bieten, die Gedankenkreise dieier begrüßenswerten Bewegung kennenzulernen; ein recht zahlreicher Besuch darf deshalb erwartet werden. (Räheres siehe heutige Anzeige.) — Allgemeiner Verein für Armen- und K r a n k e n p's l e g e. Am morgigen Freitag findet die Hauptversammlung statt. Näheres siehe heutige Anzeige. ** Abgrenzung und Besetzung von südwe st deutschen Schlichterbezirken. Der Schlichter für den Schlichterbezirk Südwestdeutschland, Dr. Kimm ich in Karlsruhe, wurde mit Wirkung vom 1. April auch zum Schlichter für hen Schlichterbezirk Hessen mit dem Dienstsitz in Frankfurt a. M. bestellt. Regierungsrat Dr. Kolla t h in Frankfurt, der zur Regierung in Wiesbaden versetzt ist, wurde zum stellvertretenden Schlichter für den Bezirk Hessen mit dem Dienst- sitz in Frankfurt a. M. bestellt. Regierungsrat Dr. Meyer beim Kreisamt Friedberg bleibt gleichfalls stellvertretender Schlichter für Hessen für die Durchführung der in Hessen anhängig gemachten Schlichtungsverfahren. Die nötigen Verhandlungen werden än Frankfurt a. M. stattfinden. ** Sitzung des Provinzial ausschus- s e s. Am nächsten Samstag, 1. März, vormittags 8% Uhr beginnend, findet im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes zu Gießen eine öffentliche Sitzung des Provinzialansschusses der Provinz Oberhessen statt mit folgender Tagesordnung: Antrag des Kreisamts Friedberg auf Entziehung der Erlaubnis des Adolf W 0 r e l in Rödgen zum Betriebe einer Schankwirtschaft; Klage des Wilhelm Tischer in Gießen gegen das Kreisamt Gießen wegen Versagung eines Wandergewerbescheins für 1930; Berufung der Gemeinde Usenborn gegen Urteil des Kreisausschusses des Kreises Büdingen oom 10. Dezember 1929 betreffend: Entschädigungsanspruch der Gemeinde Usenborn gegen die Gemeinde Hirzenhain für Wegeherstellungskosten aus Anlaß der Abtrennung des Gemarkungsteils Margarethenthal von der Gemarkung Usenborn und Zuteilung zur Gemarkung Hirzenhain. ** Dienstjubiläum bei der Reichsbahn. Der Rangieraufseher Ludwig Eckhardt, wohnhaft in Wieseck, beamtet beim Bahnhof Gießen, feiert heute sein 25. Dienstjubiläum bei der Reichsbahn. ** Dolksnationale Reichsvereinigung in Gießen. Vor einigen Tagen fand — wie man uns berichtet — im Hotel Köhler die stark besuchte Gründungsversammlung der Ortsgruppe Gießen der Volksnationalen Reichs- 0 k2' imd. 0 ' v) "00 -10 3 © Turnverein von 1846 Fastnachtsonntag, den 2. März 1930 ln derTurnhalle sSt einstraße) W5 lMkNMfltzkS So Wl Saalöffnung: 3 Uhr — Beginn 4.11 Uhr >v ieoi •P Gl Darum haben Sie Unannehmlichkeiten, leiden vielleicht auch unter Kopfschmerzen, Tränen der Augen, Schwindelgefühl usw. Eine (®-busch-ULTRAS IN-BRILLE würde Sie besser schützen, Ihren Augen die Freiheit der Blickbewegung, ein genaues Bild der Wirklichkeit und dazu noch Schutz vor den ultravioletten Strahlen des Lichtes gewähren. DRUCKSCHRIFT Nr 809 kostenlos von Ihrem Optiker oder von den Erzeugern NITSCHE & GONTHER RATHENOW EMIL BUSCH A.-G. Optische Werke A--G. Optische Industrie Dorverkaufstellen: E. Jung, Seltersweg; (Lhr. Spies, Neustadt £. 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Mörz, 8 Uhr, in der Iohanneskirche: Kamilien-Abend Dortrag von Frau Lina Lejeune-Eisenach: >6620 „Kreude als Quelle dev Änafi* Gesang von Fräulein Siglinde Buchhold-Nieber-Sschbach Begleitung: Herr Organist Habicht __________Eintritt frei!____________Alle Evangelischen willkommen! Allgemeiner Verein für Armen- und Krankenpflege Die Hauptversammlung findet am Freitag, dem 7. März, nachmittags 6 Uhr. in dem Evangelischen Schwesternhaus statt — Tagesordnung« 1. Jahresbericht 2 Rechnungsablags 3. Vorstandswahl. lfl80D Gießen, den 26. Februar 1930. Für den Vorstand; Ausfeld. fj Seltersweg 52 M Spe^ialßaus für fesdje Sport-, w Straßen• und ffesellsdjajts- Sßekleidung Sigene aß-Anfertigung $u mäßigen ^Preisen _________________________________________________________15'4A MenveM! Wer stellt jungen, tüchtigen Gehilfen ein. ber schon längere ZettsteÜenlos?Sehr beidjeib. Ansprüche. Schr. Angeb. u.167üD an d. Gten. Anz. erb. 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Die kommunistischen Machthaber im Kreml wissen ganz genau, welche Macht und welche Gefahr die öffentliche Meinung in der Welt bedeutet. Sie haben längst erkannt, daß sie gegenüber einer geschlossenen Front der übrigen Welt in der Religionsfrage über kurz oder lang die Waffen strecken mühten. Deshalb hat sich die Lage für Rußland gewaltig verschlechtert, seitdem auch die römisch- katholische Kirche die Versuche einer Verständigung als aussichtslos auf gegeben hat. Die Verfolgungen der Gläubigen in Rußland sind wiederum ein neues Beispiel für einen politischen Terror, wie er in diesem Umfang in der Welt bisher wohl noch nicht vorgekommen ist. Würde die gesamte Oessentlichkeit davon in der geeigneten Weise unterrichtet werden, dann wären die Folgen nicht nur für die direkten Beziehungen Rußlands zum Auslande verhängnisvoll, sondern dann würde auch die kommunistische Propaganda im Ausland, die stark mit vorgetäuschten Freiheitsbildern arbeitet, erheblich beeinträchtigt werden. Es war deshalb kein ungeschickter Schachzug, daß die Moskauer Machthaber die Oberhäupter dec russisch-orthodoxen Kirche dazu veranlaßt haben, in einem Interview an die „Jswestija" alle Rachrichten über Religionsverfolgungen in Rußland zu dementieren. Die Glaubensbekenntnisse seien vollkommen frei, und wenn Kirchen geschlossen würden, so erfolge das nicht auf Antrag der Behörde, sondern auf den Wunsch der Bevölkerung. Wegen der religiösen Heberzeugung werde in Rußland kein Priester verfolgt, wohl aber wegen regierungsfeindlicher Handlungen. Die Kirche habe eben das Mißgeschick, daß sie zu sehr in der früheren Zeit mit der monarchistischen Ordnung verwachsen war und sich nicht schnell genug umstellen konnte. Leider gebe, es immer noch viele Geistliche, die sich den Sowjctbehörden gegenüber nicht loyal verhielten. Für die Abhaltung von Gottesdiensten und Predigten seien keinerlei Beschränkungen vorhanden. Alle Meldungen über brutale Verfolgungen von Geistlichen entsprächen nicht den Tatsachen. Der Pferdefuß dieser Erklärung ragt an folgender Stelle deutlich heraus: „Wir (die Vertreter der obersten Kirchcnbehörde Rußlands) halten es für notwendig zu erklären, daß uns d i e jüngste Botschaft des Pap st es gegen die Sowjetmacht aufs höchste befremdet. Ter Papst betrachtet sich „als Vertreter Christi", doch litt Christus für die Unterdrückten und Entrechteten, während der Papst durch seine neue Botschaft in das Lager der englischen Großgrundbesitzer und der französischen G e l d s ä ck e gerät." Die Geschichte der katholischen Kirche sei eine ununterbrochene Kette von Verfolgungen Andersgläubiger bis zur Folterung und Verbrennung auf dem Scheiterhaufen. Der Papst wolle auch in diesem Falle seine Herde auf Rußland Hetzen und dadurch Scheiterhaufen zur Vorbereitung des Krieges gegen die Völker der Sowjet-Union in Brand steaen. Seine Botschaft sei überflüssig, da die griechisch-orthodoxe Kirche sich selbst schützen werde. Ebenso verdächtig seien die plöh.ichen Sympathie-Empfindungen der anglikanischen Kirche. „Das werktätige London be- trachtet die Rede des Erzbischofs von Canter» bury als eine Aktion, die nach Petroleum riecht." Dies ist etwa der Tenor der Erklärung, die die Unglück.ichen Oberhäupter der russisch-orthodoxen Kirche in dem offiziösen Blatt der Moskauer Regierung haben abgeben müssen. Diese russischen Kirchcnfürsten werden sich vermutlich sehr schnell darüber klar geworden sein, daß eine Verweigerung der Unterschrift s i e denselben Tor turcn ausgesetzt hätte, über die jetzt die ganze Welt entrüstet ist. Dabei ist die Stilisierung dieser Erklärung so ungeschickt, dah man ihr die Herkunft aus einem kommunistischenPropaganda- b u r e a u kilometerweit ansieht. Alle die Bosheiten gegen die anderen Kirchen, die die russische Regierung in ihrer Wut jetzt gern zur Kenntnis der Oessentlichkeit bringen wollte, leg. sie zwangs- weise den Führern der russisch-orthodoxen Kirche in den Mund. Dabei weiß man aus früheren Zeiten, daß die Führer der russischen Kirche durchaus die Anlehnung an die übrigen Kirchen gesucht haben und dah es ihnen ein Bedürfnis war, die christliche Oessentlichkeit der ganzen Welt für die Verfolgungen zu interessieren, denen das Christentum in Ruhland heute ausgesetzt ist. Eine plumpere Agilationsmache als dieses Interview, das angeblich die russischen Kirchenfürsten gegeben haben sollen, ist lange nicht dagewelen. Man wird in der ganzen Welt diese Kundgebung in ihrer wahren Bedeutung richtig einschähcn, das heißt man wird sie bewerten als ein Dokument russischer Fälschungskunst und sowjetistischen Kirchen- Hasses. Llnser Gast Mussolini. Don unserem römischen ^.-Korrespondenten. Rom. Februar 1930. Mein Rachbar Mussolini kann die Einladungen nicht leiden. Wenn ich abends an seinem Hause vorbeigehe, bann sind die Fenster niemals so festlich beleuchtet, wie das die Gesell- schoftsromane so mottenanziehend schildern, und wenn ich über die stillen Wipfel hinüberhorche, die meinen Garten von seinem Park trennen, die Steineichen und die Pinien, den Lorbeer nicht zu vergessen, dann ist keine Ballmusik zu hören. Rur ab und zu betritt ein Mann mit einem Geigenkasten unter dem Arm die Villa Torlonia. nur selten deckt Frau Rachele den Tisch für mehr Personen, als die Familie zählt. Der Duce gibt keine Empfänge und kommt zu keinem Empfang. Letzthin hat er sich abends einen wissenschaftlichen Expeditionsfilm vorführen lassen, da war niemand anders zugegen als seine Kinder. Wenn er einmal aus Staatsinteresse ausgehen muh. zum Bankett für einen illustren Mann aus der Fremde, dann berichtet die Weltpresse darüber. Sonst aber hält er es mit Einladungen fast wie der Papst. Er kennt nur eines: Arbeit. Und'daneben seine Familie. Er lebt nur für Volk und Heim. Er ist ein Volkstribun im modernen Sinne nnt> er ist ein trefflicher Familienvater vom alten Schlag. Muß man auf einen solchen Gast nicht stolz fein? Sollten wir uns nicht freuen, daß er doch einmal von seiner Regel abwich und unserer Abcndeinladung folgte und bis Mitternacht blieb? Es war sogar für die alte Roma ein Ereignis. Wir haben ja manches Mal große Männer zu Gast und dann ist das Haus immer voll von Geladenen, die kommen, den Besuch zu sehen. Es kommen gegen sechzig Leute, wenn der alte Haudegen, Quadrumvir und Kolonialsoldat De Bono bei uns den Tee nimmt. Es umringen den im Verhältnis blutjungen Außenminister G r a n d i wohl fünf Dutzend Herren und Damen, besonders Damen. Dem Gouverneur der Stadt, dem Fürsten Ludovisi Boncompagni. gehörte die Zuneigung von über einem halben Hundert Menschen, und wenn dieser Tage Schober die Häupter seiner Lieben gezählt hätte, wäre er auf die gleiche Summe gekommen. Sechzig Personen faßt unser Haus, und wenn es hoch- kommt, so sind es siebzig. Als aber Mussolini tarn, da waren es über dreihundert. Und es ist doch köstlich gewesen. Minister und Bundeskanzler, der Sekretär des Völkerbundes und der neue amerikanische Botschafter haben viel zu tun, sie können ihren Besuch unmöglich über eine halbe Stunde, wenn es ihnen besonders gut gefällt, über eine Stunde ausdehnen. Der Duce dagegen blieb und blieb... Er fühlte sich, ja, so sagte er, unterKollegen. Und nun werden Sie wohl, falls Sie nicht überhaupt schon selber, einmal in Rom an dieser gastlichen Stätte weilten, ahnen, welches Haus gemeint ist. Der Klub der ausländischen Presse nämlich. Irre ich nicht, so haben doch auch Sie. Exzellenz, und Sie, Herr Generaldirektor, Herr Verleger. Herr Bankier, Ihr Scherflein zur Verschönerung dieses Hauses beigetragen. von dem unser Präsident in seiner Begrüßungsansprache an Mussolini sagte, es sei ein Unikum auf der Welt? Sie sind vielleicht socio. Ehrenmitglied, auch wenn Sie keine Artikel schreiben, und dann hätten auch Sie das Recht gehabt, mit Ihrer Signora diese mit der Laterne zu suchende Gelegenheit wahrzunehmen: Mussolini zu sehen und zu sprechen. Wir ausländischen Iournalisten, die Gründer des Circolo della Stampa estera, vertreten fünfundzwanzig Rationen und vertragen uns. Wir find der Völkerbund der Presse. In unserer Derufsvereinigung, der Associazione della Stampa estera, der Urzelle des Klubs, haben wir einen Schweizer an die Spitze gestellt und einen anderen Schweizer zum Vizepräsidenten gemacht. Run, ich bin nicht dazu oa. unsere Verdienste zu preisen, nachdem es schon Mussolini damit getan hat, daß er eines schönen Tages sagte, die ausländische Presse müsse in Rom ein würdiges Haus haben. Das sagte er dann auch zum Gouverneur und der Gouverneur lieh seine Blicke über die Aemter des Landes schweifen, bis sie auf dem alten Steueramt haften blieben. Das liegt mitten in' der Stadt und hat sogar ein Fenster auf den Corso hinaus. Da quartierte er uns ein. Mussolini schenkte uns das Haus und wir, wir empfangen ihn nun dort als Gastgeber. Es war rührend. Die Wohnung mußte ausgeräumt werden, Tische und Stühle verschwanden, wir machten uns aus ein vollzähliges Erscheinen der Mitglieder gefaßt und, kaum glaublich, sie kamen tatsächlich alle, dreihundert und mehr. Lind die Damen holten das ganz große Abendkleid hervor und machten ebensolche Augen und rüsteten sich mit Mussolinibildem aus. Cs erschienen die Botschafter und Gesandten von ich weiß nicht wie vielen Rationen, es leuchtete der Scharlach der Prälaten und es warteten im Ehrensaal auch bescheidene Iournalisten, die sich ihr Brot sauer genug verdienen müssen. Mussolini weiß, wie das ist, er macht da feinen Hnterschied. Er kam. mit feinem gewinnenden Lächeln, er lieh sich willig in die Presse pressen und zuckte nicht einmal, als die Photographen die Scheinwerfer auf ihn richteten, die rücksichtslos abtaften und grell festhalten. So, meinte er, nun ist der Geschichte Genüge getan, Hnb hörte sich die Rede an und erwiderte mit solchen Worten, wie sie dann im Sperrdruck in den Zeitungen erscheinen. Riemand solle glauben, dah er von uns verlange, die Wahrheit zu retuschieren. Rein, wir sollten sie nur so darstellen, wie sie unseren Augen und unserem Verstand erscheine. Wir hätten ja das Glück, in einer ziemlich interessanten Periode der italienischen Geschichte zu leben... An diesem Manne, das sah man wieder einmal deutlich, ist kein Falsch, und wenn er, wie man hören kann, der größte Schauspieler Italiens wäre, so liegt ihm doch nichts schlechter als die Pose. Dor uns gab er jedenfalls keine Vorstellung und keine Verstellung. Er war wieder „Mussolini, der Iournalist". Rach der Begrüßung des Diplomatischen Korps lieh er sich als höflicher Gast sämtliche Räume der Wohnung zeigen und vernahm den leisen Unterton, dah wir sie gerne größer hätten. Er betrachtete die mehr oder minder witzigen Fresken an den Wänden und blieb vor unserem FerienBeim Raketenflieger von Prag Von Bruno Frei. In der Wassergasse in Prag, die jetzt Vo- dickova heiht, befindet sich zwischen Prunkhaften Geschäftsportalen eingekeilt ein unschnnbarer Laden mit Taschenlampen, Dctcktorenapparaten und Spiclzeuglolomotiven im Schaufenster. Kein Geschäft — ein Geschäftchen. Hinter dem Pult lächelt eine Verkäuferin. Ein großes Bild Ma- saryks und die farbigen Embleme der Republik an der Wand. Durch eine schmale Glastür quetscht man sich in einen Hinteren Raum, der so unverschämt klein ist, dah der Schreibtisch, der anzeigt, dah wir im Chefzimmer sind, ihn fast ganz ausfüllt. Der „Chef" ist ein Mann von ungefähr 50 Iahren, mit einem graumelierten Spihbart, mit stillen, zurückhaltenden, man muh schon sagen, verträumten Augen, die beim Gespräch die Steigung zeigen, über das unmittelbar vor ihnen Stehende hinweg in ferne Hnendlichkciten zu schweifen. Das ist Ingenieur Oeenasek, was auf deutsch soviel heiht wie „Vaterunscrchen". Ingenieur Oeenasek gibt bereitwillig Auskunft. Vor 14 Tagen hat er sein neuartiges Modell einer fliegenden Rakete einigen Prager Zeitungsleuten vorgeführt. Das Experiment ist selbstverständlich gelungen, hat er es doch vorher nicht wenig oft selbst ausgeprobt. Er, zusammen mit seinem Sohn, der Ingenieur bei den Skodawerken ist. Draußen in Smichow haben sie ein kleines Haus, dort arbeiten sie mit Kopf und Bleistift und in der eigenen Fabrik, in einer feinmechanischen Werkstätte, in der 60 Arbeiter beschäftigt sind, wird alles, was sie erdacht haben, sorgfältig ausgeführt und aus papiernen Berechnungen in hartes Metall um- gesetzt. Denn Ingenieur Oeenasek ist Erfinder. Richt erst seit gestern und heute, sondern seit 25 Jahren: und das Geheimnis seiner Flugrakete ist nicht sein erstes Erfindergeheimnis. Aber seit diesen 14 Tagen, seitdem er vor Prager 3our- nalisten seine erste Rakete in den Raum geschossen hatte, ist das Leben in dem kleinen Laden in der Vodickova schier unerträglich geworden. Denn aus der Prager Zeitung ist die Rachricht von der Weltraumrakete des Ingenieurs Oeenasek bald durch die tausendfältigen Kanäle der internationalen Presfeinformation in die Welt hinausgegangen und seither ist das Leben wie verhext. Täglich bringt der Postbote Stöße von Briefen aus allen Ländern der Erde, von Arbeitslosen und Abenteurern, von Gelehrten und von Phantasten. Richts ist gefährlicher als die Phantasie der Menschen zu erregen. Es ist, als ob unsichtbare Mächte den kleinen Laden in der Wassergasse zum Zielpunkt der fiebernden Menschheitsfehnsucht nach dem Wunderbaren erhoben hätte. Auf dem ausgebreiteten Schreibtisch liegen uneröffnete Briefe. Man liest: „An die Leitung des Weltraumschiffes, Prag", „An die Leitung der Mondexpedition, Prag". Der Ingenieur öffnet mit zitternder Hand einen Brief und wir lesen: Konstanz, den 26. 1. 1930. An die Leitung des Weltraumschiffes Prag. Detf.: Stellenwerbung. Auf' einen Artickle in der Konstanzer Zeitung haben feier ersehen, daß das Weltraumschiff steigen soll, so möchten feier anfragen, ob vielleicht zwei junge Deutsche als Arbeitskraft. Am Bord des Weltraumschiffes notig wären. Hnterzeichnet Hnterzeichnet Ergebenst Ergebenst Ahlaber Bernhard Hans Bähr Konstanz Konstanz in Baden Riedenburggasse Rr. 2 Hussenstr. 60 > (Germany). „Solche Briese", erzählt der Erfinder, „kommen täglich in Massen und vor allem aus Deutschland. Es scheint, es gibt dort besonders viel unbeschäftigte Hände. Einer schreibt, er wolle mitsahren, wohin ich ihn führe, wenn nicht zum Himmel, dann in die Hölle. Den Falschmeldungen, die diesen Briefsturm hervorgerufen haben, möchte ich entgegentreten. Ich bitte Sie vor allem, nachdrücklich zu erklären: Ich baue kein Weltraumschiff, ich rüste zu keiner Mondexpedition, ich studiere einfach mit wissenschaftlichen Mitteln das interessante Problem der Flug-Rakete und Ich glaube sagen zu können, daß ich Ergebnisse gesunden habe, die viel versprechen. Aber ich denke nicht daran, zum Mond zu fliegen." „Das wäre ja utopisch!" bestätigte ich. Die verträumten Augen werden noch verträumter, der in die Ferne gerichtete Blick noch ferner. „Rein, utopisch ist das nicht. Aber dort halten toir noch nicht. Jetzt sind wir bei den ersten Proben. Wir studieren drei Probleme: den Start, den atmosphärischen Widerstand und den Raketenbau." „Sind Ihre Versuche mit denen Professor Oberths gleichzusehen?" „Ich glaube, daß Professor Oberth sich große Verdienste um die Erforschung der Rakete erworben hat. Sein Platz in der Geschichte ist gesichert. Aber meine Versuche sind grundverschieden. Dor allem durch Dcrwendung anderer An- tricbsstoffe. Doch darüber kann ich nicht sprechen." „Was halten Sie von den Dersuchrn, die in Deutschland mit Raketenautos und Raketenmotorrädern gemacht worden sind." „Richts! Denn es ist die Eigenart der Rakete, daß sie nur in der Atmosphäre, also beim Fliegen ökonomisch „arbeitet“. Der Reibungs- Widerstand fester ilntcrtagen macht ihren Effekt unökonomisch." „Was ist Ihr weiterer Plan?" „Die Rakete, die ich vorgeführt habe, fliegt jetzt 1000 Meter. Man muh erreichen, daß sie 50 Kilometer fliegt, und sie muh so gebaut werden, daß sie wissenschaftliche Ap arate mitühren kann für Messungen und Registrierungen. So verträumt dieser Mann aussieht, so real und präzis ist das, was er sagt. Offenbar macht diese Mischung von Phantasie und Rüchternheit das Wesen des Erfinders aus. Der Herr Ingenieur wird in den Laden gerufen. Aus dem Erfinder, dessen kühne Pläne die Grenzen des Weltraumes streifen, wird der kleine Ladeninhaber in der Wassergafse. der für 6,50 Kronen eine Taschenlampenbatterie verkauft! Inzwischen schwärmt die Angestellte, die die Hebersehung des Gesprächs vermittelt hat, von dem „Herrn Chef". Sie zeigt eine große dicke Mappe, in der Zeitungsausschnitte aus 25 Iahren eingeklebt sind. Das Erfinderbuch ihres Herrn Chefs: angelegt im Iahre 1904; über verschollene Weltausstellungen, über vermoderte Fachzeitungen führt der Weg; da gibt es einen Explosionsmotor aus der allerersten Zeit des Motorenbaus, System Oeenasek; vorgeführt auf der Jubiläumsausstellung in Prag. 1910 hat, so unglaublich dies klingt, Herr Oeenasek aus der Prager Wassergasse, Aeropfan-Modelle gebaut; kürze Zeit nach den ersten Versuchen der weltberühmten Brüder Wright (1908). Er ist immer dabei: bei den ersten Anfängen einer neuen Sache. Beim Explosionsmotor, beim Aeroplan, bei der Rakete. Don keiner Behörde unterstützt, von der offiziellen Gelehrtenwelt totge» tier, der Seeschlange, ergriffen stehen. Lind schließlich, hm, schließlich setzte er sich in eine Ecke und ließ mit unfaßbarer Geduld über sich ergehen das. was so viele Menschen heute in der Welt vorhaben: Mussolini sehen wollen, ihm vorgestellt werden, seine Hand drücken... Wie kann man doch gelegentlich im Ausland lesen? Er lebe nur deshalb wie der Dalai Lama, weil er von einer schrecklichen Attentatsfurcht gepeinigt werde. Wirllich, ganz so sieht er aus, toie sich jetzt die großen Abendkleider an ihn herandrängen und die großen Augen ihn verschlingen, wie er seinen Ramen auf die hingereichten Ducebilder wirft, und während die gewöhnlichen Sterblichen vor Hitze und Eifer dazwischen mal ans Bufett eilen müssen, unermüdlich liebenswürdig ist. Liebenswürdig, so haben wir alle, fünfundzwanzig Rationen und Gott welß wie viele Parteien, unseren Gast Mussolini gefunden. Oberheffen. Pfarrer Th. Nebel-Laubach f. Am vorigen Sonntag ist der langjährige Seelsorger der Stadt Laubach, Pfarrer Th.Rebel, verstorben, nachdem er etwa 14 Tage vorher einen Schlaganfall erlitten hatte. Mit ihm ist eine markante Persönlichkeit aus der Laubacher Einwohnerschaft dahingegangen, die auf ein arbeitsreiches und erfolggekröntes Leben zurück- blicken konnte. Pfarrer Rebel war am 30. Oktober 1855 als Sohn des Kirchenrats Rebel geboren worden. Seinen theologischen Studien oblag er in Leipzig und Gießen. Rach seiner Dikarzeit war er 12 Jahre lang Pfarrer in der arbeitsreichen großen Pfarrei Höchst i. O., wo er sich mit Magdalene Moser verheiratete. 3m Jahre 1894 kam er nach Laubach, wo er bis zu seinem Liebertritt in den Ruhestand mit vorbildlicher Treue und Hingebung seines Seelsorgeramtes waltete. Reben feinen geistlichen Pflichten widmete sich der Heimgegangene auch der Erforschung der Heimatgeschichte, vor allem der von Dreieichenhain, seinem Geburtsort, und von Laubach. In geschichtlichen Schilderungen und kleinen Schauspielen, die mit Erfolg aufgeführt wurden, gab der poetisch begabte Mann Bilder aus der Vergangenheit. Ferner wirkte er nach besten Kräften mit zum Wohle der Allgemeinheit im Vorstand des Johann-Friedrich-Stiftes zu Laubach, dem er bis in die letzten Tage seines Lebens in eifriger Fürsorge diente. Weiter gehörte er als geschätztes Dor st andsmi tglied dem Elisabethen- Stist in Darmstadt an, er war Vorsitzender der alljährlich in Grünberg tagenden Lutherischen Konferenz für Oberheffen und einer der ersten und tätigsten Angehörigen des Evangelischen Pfarrvereins, zu dessen erweitertem Vorstand er gehörte. Seiner Tätigkeit verdankt der Pfarr- verein auch die Gründung der Sterbekasse, die in der Inflationszeit fast völlig unterging, von ihm aber wieder zu neuem Wirken aufgebaut wurde. Daneben war der rastlos schaffende Mann ein eifriger Mitarbeiter auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege. Pfarrer Rebel war eine starke, echtdeutsche Persönlichkeit von offnem und ehrlichem Charakter. Er halte etwa- von lutherischer Heber» zeugung und Kraft in sich, welche alle hoch schätzten, die ihm nahestanden. Hnverbrüchliche Treue gegen seine Freunde und Mitarbeiter, aber auch gegenüber seiner Lebensarbeit und Lebensarschauung ze chneten ihn au3. Dazu kam unermüdliche Tatkraft bei der Verkündung des Gotteswortes, die ihn auch veranlaßte, trotz feiner vor einigen Jahren erfolgten Pensionierung immer wieder zu predigen, sobald man ihn dazu begehrte. Ein gesegnetes Leben hat mit dem Heimgang Rebels seinen Abschluß gesunden. Möchten Kirche und Vaterland immer solche Männer finden.wie Rebel, dann kann unser Volt der Zukunft getrost entgegensehen. schwiegen, wenn nicht verlacht; auf seinen eigenen zähen Willen, auf die Funktion seines Gehirns allein gestellt, arbeitet er mit den finanziellen Mitteln, die ihm fein Laden und feine kleine Fabrik "bieten. Das Erfinden und Grübeln gehört zu Prag. Auf dem Hradschin lebte jener finstere Kaiser Rudolf, der der Alchimie ergeben war. Der hohe Rabbi Löw würde heute den Jngenieurtitel führen und sich, statt mit der Erschaffung des Golem, mit der Konstruktion des Raketenflugzeugs beschäftigen. Der Nervenschock des Elefanten. Mary heißt ein Elefant, der früher in den Zirkussen von Europa und Amerika einen großen und berechtigten Ruf genoß. Hnd weil er diesen Ruf durch einen Eifenbahnunfall verloren hat, klagt nun fein Eigentümer Rossi vor einem Pariser Gericht auf einen Schadeneriah von 60 000 Franks. Mary war sehr musikalisch. Die Mundharmonika, das Glockenspiel und das Jagdhorn boten ihr keine Geheimnisse; ja Mary sang sogar auf ihre Weise und tanzte gelegentlich mit einem Partner. Befand sich Mary nicht auf der Tournee, um ihre Künste dem staunenden Publikum vorzuführen, dann lebte sie bei ihrem Herrn zu Bois de Colombes in der Rähe von Paris. So verfloß das Leben dieses begabten Elefanten glücklich und harmonisch bis zum 14. Oktober des vergangenen Jahres. An diesem Tage befand sich Mary auf der Eisenbahn zwischen La Garenne und Aulnay und hatte das Hnglück, heftig gegen das Dach des Güterwagens geschleulect zu werden infolge einer plötzlichen Erschütterung, die der Zug erlitt. Don diesem Augenblick ging mit Mary eine vollständige Veränderung vor sich. Sie, die vorher so sanft und gelehrig gewesen war, wurde nun launisch, wütend, zeigte alle Formen der Reurasthenie. Ihr Besitzer machte diese für ihn so traurige Entdeckung, als Mary im Zirkus auftreten sollte. Sie weigerte sich, zu erscheinen, Musik bedeutete nichts mehr für sie, sie wollte nicht tanzen und stieß sowohl die Mundharmonika wie das Jagdhorn mit ihrem Rüssel heftig von sich. Der Rervenschock des Elefanten bedeutet für seinen Besitzer einen empfindlichen Verlust, und es erscheint nicht unberechtigt, dah er vor der dritten Kammer des Seine- Gerichts gegen die Bahngesellschaft auf Schadensersatz geklagt hat. postamisnevbau ttt Lauterbach. L Lauterbach. 25. Febr. Der Stadtoor - sta n d beschäftigte sich in seiner heutigen Sitzung zunächst mit der Frage der Erbauung eines neuen Postgebäudes. Bürgermeister Walz gab einleitend von den diesbezüglichen Verhandlungen mit der Oberpostdirektion Darmstadt Kenntnis. vie Verhandlungen haben nach den Ausführungen des Bürgermeisters zu folgender Vereinbarung geführt: 1. Die Erbauung des Postgebäudes erfolgt durch die Stadt Lauterbach. Die Baukosten, ausschließlich der Kosten des Bauplatzes, werden vom Tage des Einzuges von der Post verzinst und getilgt. Die Tilgungsquote wird so anaesetzt, daß die Tilgung in etwa 18 Jahren erfolgt ist. 2. Die Baugelder werden während der Bauzeit bis zur Vollendung und Bezug des Gebäudes von der Reichspost gestellt, und es wird eine Verzinsung für dieses Geld nicht gefordert. 3. Nach Bezug des Gebäudes ist das Baukapital von der Stadt zu stellen. Die Reichspost verpflichtet sich, den hierfür in Frage kommenden Geldgeber zu benennen und die Abrechnungen, wie Mieten, Zinsen und Tilgung mit der betreffenden Bank direkt zu tätigen. Steuern und Unterhaltung des Gebäudes trägt vom Tage des Einzuges die Post. 4. Der Bauplatz in Größe von etwa 1500 Quadratmeter in der Bahnhofstraße wird von der Stadt Lauterbach gestellt. Dafür ist die Stadt berechtigt, die Gebühren für das Selbstanschlußamt in Höhe von 60 Mark pro Telephonanschluß zu erheben. 5. Weiter stellt die Stadt das vor dem Neubau liegende Vorgartengelände in etwaiger Größe von 120 Quadratmeter, sowie das erforderliche Straßengelände noch abgegebener Lageplanskizze in Größe von etwa 300 Quadratmeter zur Verfügung. Außerdem stellt die Stadt die Bausteine, soweit Bruchsteine für Fundamente und Einfriedigung in Frage kommen, etwa 650 Kubikmeter zum Preise von 2,50 Mk. pro Kubikmeter ab Bilsteinbruch in Lauterbach. Die Dau-- unZ) Finanzkommission empfahl dem Gemeindcrat die Annahme dieser Vereinbarung. Der Stadtvorstand beschloß demgemäß; weiter beschloß er, daß bei der Ueberetgraing des Gebäudes an die Post sämtliche hierdurch evtl, entstehende Kosten von der Post zu tragen sind. Ferner wurde noch beschlossen, der Post aufzugeben, für den Fall, daß die Teilnehmer sich weigern, die Gebühren für das Selbstanschlußamt zu bezahlen, diese Gelder auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen einzuziehen und. an die Stadt abzuliefern. Der Bürgermeister tourte von der Versammlung ermächtigt, auf der Grundlage der getroffenen Bereinbarun« gen mit der Post weiter zu verhandeln. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß sich die Postverwaltung für den Bauplatz in der Bahnhofstraße entschieden hat. Die Kosten der Baureifmachung des Platzes betragen schätzungsweise 8000 bis 10 003 Mark, welche die Post- Verwaltung übernimmt, während die Stadt den Bauplatz mit 1530 Quadratmeter, sowie das Vor- gartLNgelände mit etwa 120 Quadratmeter und das Straßengelände mit etwa 300 Quadratmeter zur Verfügung stellt. Der eigentliche Bauplatz kostet rund 11 000 Mark. Dieser Betrag wird durch die eingehenden Gebühren für das Selbstanschlußamt gedeckt, so daß von der Stadt nach den Ausführungen des Bürgermeisters etwa 2500 bis rund 3300 Mark für die Errichtung des neuen Postgebäudes aufzubringen sind. Landkreis Gießen. • Watzenborn-Steinberg, 27. Febr. Gestern ereignete sich hier ein schwerer Unglücksfall. Der 58 Jahre alle Landwirt Georg Häuser stürzte bei Arbeiten in der Scheune ab und blieb mit schweren Kopfverletzungen und einem Bruch des Schlüsselbeins an der Unglückstelle liegen. Alsbald herbeigerufene ärztliche Hilfe widmete sich dem Verunglückten und veranlaßte die Ueberfüh- rung des bedauernswerten Mannes durch die Fret- Nie blonde Sklavin. ZRomon von Hermann Weick. 17 Fortsetzung. Nachdruck verboten Eva wollte auffahren, Honnecker widersprechen. Dann aber wandte sie sich wortlos ab. Felix stand ihr viel zu hoch, als daß sie diesem Menschen gegenüber noch weitere Worte zu seiner Verteidigung verschwendete! „Ich habe mich in Berlin nach deinem Freund erkundigt," fuhr Honnecker nach kurzer Pause fort „Ich wollte doch wissen, mit wem du diesen geheimnisvollen Ausflug an die Ostsee machtest; Ich habe da allerhand interessante Dinge erfahren!" Er faßte Eva am Arme und zwang ihre Blicke in die seinen. „Weißt du, daß Schulhofs verlobt ist?" Eva fuhr zurück. „Das ist nicht wahr!" „Es ist wahr! Ich bin genauestens informiert! Seine Braut ist die bekannte Tennismeisterin Lu Horwitz!" Mit herabhängenden Armen stand Eva Witte da. Als habe ein Abgrund sich vor ihr aufgetan, war ihr zumute. Mit leeren Augen sah sie vor sich hin. Langsam schüttelte sie den Kops. „Das kann nicht sein ...“, sagte sie heiser. Mitleidslos blickte Honnecker aus die Gebrochene. Das hatte gesessen! Jetzt galt es. Eva vollends zu zermürben: dann würde sie willenlos mit ihm noch Berlin zurückkehren; davon war er überzeugt. „Fräulein Horwitz scheint von den Seiten- sprängen ihres ehrenwerten Verlobten Wind bekommen zu haben," sagte er lächelnd, als erzähle er einen Dchepz. ..Wahrscheinlich stammte der Bries, den er erhielt und der ihn zur sofortigen Reise nach Berlin veranlaßte, von ihr. Er wird es wohl kaum auf einen Bruch mit seiner Braut ankommen lassen, zumal ihr Vater mehrfacher Millionär ist!" Wie aus weiter Ferne hörte Eva Witte die Worte Honneckers. Sie begriff deren Sinn nicht. Was sagte Honnecker: der Brief, den Felix bekommen hatte, sei von seiner Braut gewesen? ... Felix hatte aber doch behauptet, daß der Brief von feinem Prokuristen stamme ... und daß er von geschäftlichen Dingen handle ... Ein Zittern befiel Eva. Es war chr eingefallen, daß Felix, als er von dem Dries gesprochen hatte, einen verstörten Eindruck gemacht hatte. Sie hatte Räheres von dem Inhalt des Brieses wissen wollen ..., aber er war mit beschwichtigenden Worten darüber hinweggegangen er wolle ihnen beiden den. willige Sanilatskolonne vom Roten Kreuz in Gießen nach der dortigen Chirurgischen Klinik. V Watzenborn-Steinberg, 24. Febr. Bei sehr gutem Besuch veranstaltete gestern abend der hiesige Evang.Kirchengesangverein seinen dieswinterlichen Familienabend. Die Chöre des Vereins, die mit gewohnter Exaktheit vorgetragen wurden, machten auf die Zuhörer tiefen Eindruck. 3n dem von Sänger Karl Jung ge- fvrochenen Dorspruch kamen in dichterischem Schwung vortrefflich Ziel und Sinn des Abends zu beredtem Ausdruck, so daß der Ortspfarrer in feiner Eröffnungsansprache das Gehörte nur zu unterstreichen brauchte, um dann auf das innere Recht zu solcher Veranstaltung unter den augenblicklichen schweren Zeitverhältnissen einzugehcm. Stürmischen Beifall lösten drei flott gespielte Einakter aus, darunter eine Lokaldichtung unseres um den Verein sehr verdienten Mitgliedes Lehrer Philipp, zur Zeit in Offenbach, „Lius läiwer Kirchechor". Die örtlichen Verhältnisse int Verein erfuhren eine treffende Beleuchtung und manche Wahrheit ivurte da in feiner Weise den Mit- glledern nahegebracht, deren Beherzigung nur von Segen sein könnte. Der Verfasser, der sich mit seiner Schwägerin Frl. Hilde Gorr in die prachtvoll gespielten Rollen teilte, bot im Laufe des Abends noch manche Probe feinen Humors. So verflogen rasch die Stunden, und der Pfarrer konnte in seinem Schlußwort allen Mitwirkenden für einen wohlgelungenen Abend danken, damit die Hoffnung verbindend, daß dem äußeren Verlauf die innere Wirkung entsprechen möchte. 6 Großen-Linden, 25. Febr. Am Montag war durch den Ortsausschuß der Volks - nationalen Reichsvereinigung (V. R.) ku einer öffentlichen Versammlung im Schaum- schen Saale eingeladen worden. Diese erste Veranstaltung der V. R. begegnete lebhaftem Interesse und hatte sich eines besonders starken Besuches zu erfreuen. Studienrat Dr. Gebhardt aus Gießen verstand es, in Inständiger Darlegung die Zuhörer in hohem Maße über die Ziele und den Zweck der neuen Volksbewegung zu unterrichten. Die anschließende Aussprache war sehr rege und verlief in harmonischer Weise. Die Versammlung hinterließ einen starken Eindruck, das in der Beitrittserklärung einer erheblichen Anzahl der Anwesenden zum deutlichen Beweise wurde. In aller Kürze gedenkt der Ortsausschuß wieder eine Versammlung einzu- berufen, um weiten Kreisen unseres Städtchens Gelegenheit zu geben, sich aber die Volksnationale Reichsvereinigung ein möglichst klares Bild zu machen. ch Alten-Buseck, 26.Febr. In den Freiherrn von Rordeck zu Raöenauchen Waldungen sand gestern eine Drennholzversteigerung statt, die stark besucht war- Die Preise waren niedriger als bei den letzten Versteigerungen. Es kosteten: 2 Raummeter Fichtenscheiter 18 bis 21 _ Mk., Eichenknüppel 12 bis 14 Wk., Kiefern- knüppel 11 bis 13 Mk., Fichtenknüppel 11 bis 12 Mk.: Schichthaufen (Fichten) pry Stück 7 bis 12 Wk-: Eichenreiser je 5 Raummeter 5 bis 8 Mk., Fichtenreiser. unaufgearbeitet, je Los 2 bis 4 Mk-: Derbstangen (Fichten) 1. Klasse pro Stück 2 bis 2,20 Mk., 2. Klasse 1 bis 1,50 Mk. v. Londorf, 25. Febr. Da bas seitherige Vorstandsmitglied der israelitischen Religionsgemeinde Londorf und Filialen, Julius Jonas (Londorf), seine im Januar erfolgte Wiederwahl nicht annahm, wurde bei der am vorigen Freitag oorgenommenen nochmaligen Wahl Kaufmann Markus Kares (Londorf) als Vorstands- Mitglied gewählt. — Am Sonntagnachmittag fand im Saale von Ludwig Lich eine Versammlung des Gewerbevereins Londorf und Allen- darf a. d. L d a. statt, um über den Sitz der Gewerbe schule, die in Londorf ist und auch von Allendorf beansprucht wurde, sowie über die Verschmelzung beider Ge w e r be v e re i n e schönen Morgen nickt verderben, hatte er gesagt, und darauf von anderem gesprochen ... Warum hatte Felix nicht offen mit chr geredet? Hatte es sich mit dem Brief wirklich verhalten, wie er sagte? ... oder ... hatte Honnecker recht: daß der Brief von seiner Braut stammte? ... und war deshalb Felix so verlegen gewesen? ... Eva Witte griff sich zum Kopfe. Wohin verirrte sie sich! Wie konnte sie solche Gedanken hegen, wie an Felix zweifeln! Alles war ja Lüge, was Honnecker gesagt hatte! Daß Felix verwbt sei, daß der Brief von seiner Braut stammte, daß er zu ihr nach Berlin gefahren sei .... alles war Lüge und von Honnecker nur vorgebracht, um sie an Felix irre zu machen. Aber dieses durchsichtige Spiel sollte dem Falschen nicht gelingen. Sie trat auf Honnecker zu und sah chn furchtlos an. „Du mußt dir für deine Lügen jemand anderen suchen!" sagte sie zornbebend. „Wenn Felix verlobt wäre, hätte er mir dies nicht verschwiegen!" „Meinst du?" erwiderte Honnecker gelassen. Er zog eine illustrierte Zeitschrift aus der Tasche, schlug sie auf und zeigte Eva ein Bild. „Vielleicht betrachtest du einmal diese Photographie!" Widerstrebend sah Eva Witte auf die Zeitschrift. Sie las etwas von internationalen Tenniskämpfen in Rizzo. Plötzlich riß sie das Blatt an sich. Auf einem der Bilder hatte sie Felix Schulhofs entdeckt. An seiner Seite stand, mit hochmütigem Lächeln, eine ungewöhnlich schöne Dame im weißen Tenniskleid, das Rakett in der rechten Hand. Evas Blicke verkrampften sich in das Blld. Die Gesichter darauf schienen gespenstisch zu grinsen, sie spöttisch anzulachen. Das Bild verschwamm vor Evas entsetzten Augen. Rur die Unterschrift lohte ihr wie mit Feuermalen entgegen: „Lu Horwitz, die deutsche Tennismeisterin, mit ihrem Verlobten, dem Berliner Architekten Felix Schulhofs." Ein furchtbares Stöhnen kam über Evas Lippen. Die Zeitschrift entfiel chren Händen. ..Run?" ... sagte Honnecker triumphierend. Mit leblosen Augen sah Eva vor sich hin. In ihr war alles tot; ausgelöscht jede hoffende Regung, jede Kraft zum Widerstand. „Fährst du mit mit nach Berlin zurück?" fragte Honnecker. Eva nickte zustimmend. Jetzt war ja alles egal .... ob sie hier blieb ... ober mit ihrem Peiniger wieder in das Gefängnis zurückkehrte ... XVIII. Erwartungsfreude beflügelte Felix Schulhoffs Schritte. Er hatte Eva von seiner 'Rückkehr nicht benachrichtigt, da er sie überraschen wollte. eine Aussprache herbeizuführen. Syndikus Röhr (Gießen) hielt einen Vortrag, in dem er besonders das Für und Wider hinsichtlich der Gewerbeschule in klarer, objektiver Weise darlegte. Nach ausgedehnter Debatte wurde von der sehr gut besuchten Versammlung der Beschluß gefaßt, die Schulfrage in Anbetracht der noch unklaren Maßnahmen der Regierung in allen Schulfragen zurückzustellen. Hinsichtlich der Verschmelzung beider Gewerbevereine war man allgemein dafür, jedoch soll in einer späteren Versammlung erst endgültig darüber Beschluß gefaßt werden, damit jeder Verein die Sache in einer eigenen Versammlung nochmals besprechen kann. -n- Ober-Bessingen, 23. Febr. Heute hielt der Gesangverein „Reue Eintracht" seinen Familienabend im Saale von Gastwirt Kell ab. Rach der Eröffnung durch den Vorsitzenden Heinrich Heinz und dem Gesang des Ehores „Mein Mütterlein" gab der Dirigent bekannt, daß die Veranstaltung ein „Oberhessischer Heimatabend" fein solle, wozu der bekannte Heimatdichter Georg Heß von Leihgestern gewonnen wurde. Vom „Mütterlein", der Muttersprache, den oberhessischen Sitten und Gebräuchen, ging der Redner dann kurz auf die oberhessische Heimat ein. Hierauf kam Herr Georg Heß zu Wort. Aus unerschöpflichem Born sprudelten ernste und heitere Dichtungen, launische Vorträge voll wunderbarem Humor und drastischer Wirkung. Man kam nicht aus dem Lachen heraus. Heß kennt das oberhessische Land- und Stadtleben. Ein gutmütiger, nicht verletzender Spott trifft den Städter wie den Bauer, zeigt die Licht- und Schattenseiten. Man wurde immer mehr in den Bann des vielseitigen Darstellers oberhessischen Volkslebens gezogen. Bald spielte er die Ziehharmonika zu alten deutschen Volkstänzen, darauf folgte ein Gedicht, plötzlich schmetterten Trompetentöne und kurz darauf faß er am Harmonium und spielte ein altes Volkslied. Auch der Gesangverein war nicht untätig. Hei- matchöre in gutem Vortrag füllten die Pausen aus. Es war nach Mitternacht, als der Dichter sein Abschiedslied vortrug. Der Gesangverein „Reue Eintracht" blickt auf einen Familienabend zurück, der einzigartig in seiner Dereinsgeschichte dasteh t. # Hungen, 26. Febr. Vor einigen Tagen verdarb Bergwerksdirektor i. R. Wilhelm S ch i f f m a n n. Der Verblichene war eine weit über die Grenzen unserer engeren Heimat bekannte Persönlichkeit. Neben seiner früheren Berufsarbeit als Leiter der Gewerkschaft „Friedrich" in Trais- Horloff fand er noch Zeit und Muhe zu Forschungen auf dem Gebiete der Archäologie. Daneben war er ein besonderer Kenner der einheimischen Pflanzenwelt. Die zahlreichen Ausgrabungen in der Umgebung sind auf seine Anregungen zurückzuführen: sie haben in gemeinschafllicher Arbeit mit dem Denkmalspfleger für die Provinz Oberhessen, Prof. Helmke (Gießen), wertvollen Aufschluß erbracht über die vorgeschichtliche Zeit unserer Gegend und das Oberhessische Museum um manches wertvolle Stück bereichert. Preußen. Kreis Wetzlar. —Ö— Lützellinden, 24. Febr. Bei einer dieser Tage hier stattgehabten Grund st ücksoer- p a ch t u n g wurden die zum Ausgebot kommenden Feld- und Wiesenflächen mit verhältnismäßig hohen Preisen bewertet. Für Ackerland in guter Qualität betrug das Höchstgebot je nach Lage bis zu 2,50 Mark Jahrespacht pro 100 Quadratmeter, während Wiesen mit mittelguten Bodenverhältnissen etwa 2 Mark je Ar kosteten. Die Pachtdauer erstreckt sich auf den hierorts üblichen Umfang von 9 Jahren. <> Niederkleen, 24. Febr. Hier hat sich eine neue Kosse gegründet, die den Namen „Vorschuß- und Kreditkasse" trägt. Der Kaste sind bis jetzt über 20 Mitglieder beigetreten. Run stand er vor dem schmucken Fischerhaus. Mit ein paar Sätzen sprang er die Treppe hinauf, er riß die Türe zum Wohnzimmer auf ... Das Zimmer war leer. War Eva ausgegangen? Er hatte auf dem Herweg mit seinen Dllcken den ganzen Strand abgesucht, sie aber nirgends entdeckt. Vielleicht war sie in die Dünen gewandert ... Er öffnete die Türe und rief: „Frau Dlunck!" Schleppende Tritte kamen den Gang her. Eine alte, weißhaarige Frau, die Besitzerin des Hauses, trat ins Zimmer. „Ist Fräulein Witte auSgegangen T fragte Schulhofs. Das runzelige Gesicht der alten Frau zeigte Erstaunen. „Fräulein Witte ist gestern abgereist.- Bestürzt sah Schulhofs die Alte an. „Abgereist? ..." „Gestern, gegen Abend. Ich dachte, Sie wüßten davon." Ratlos sah Schulhofs im Zimmer umher. Eva war abgereift! ... Was hatte das zu bedeuten? ... „Hat Fräulein Witte feine Rochricht für mich binterlafien?" fragte er dann rasch. Die Frau schüttelte den Kopf. „Fräulein Witte sagte nur, daß sie sofort Heimreisen müsse." Ein Gedanke tauchte in Schulhofs auf. Zweifellos war Eva nach Berlin zurückgefahren. Sie hatte wahrscheinlich das Alleinsein nicht länger ertragen, vielleicht auch befürchtet, daß er, Felix, länger als er dachte, in Berlin zurück- gehalten würde; da wollte sie in seiner Rähe fein. Ja, so verhielt es sich gewiß! älnd währeird er nun wieder an die Ostsee zurückfuhr, suchte sie ihn in Berlin ... „Ich habe mir Sorgen wegen Fräulein Witte gemacht," fuhr die alte Frau nach kurzer Pause fort. „Sie war ganz blaß und verstört: ich habe sie auch gefragt, ob ihr etwas fehle, sie hat mir aber keine Antwort darauf gegeben, als habe sie meine Worte nicht gehört." Sorge bemächtigte sich Schulhoffs. War Eva krank geworden? ... War sie darum abgereist? ... Die Frau trat zum Fenster. „Don hier aus sah ich sie durch den Vorgarten gehen. Sie konnte chren Koffer kaum tragen. Bei der Türe wäre sie beinahe gefallen: aber der Herr, der sie im Auto abhvlte, fing sie noch rechtzeitig auf ...“ Schulhofs stieß einen wilden Schrei aus. Er sprang auf die alte Frau zu und saßte sie am Arme, Zum Vorsitzenden wurde der Landwirt Wilhelm G l a u m. zum Kontrolleur der Landwirt und Zimmermann Louis Ulm und zum Kassierer der Landwirt Heinrich Ohly gewählt. Die Kass« ist gerichtlich eingetragen. Dornholzhausen, 23. Febr. Nachdem der Landrat die Wiederwahl des Gemeindevorstehers Watz sowie des Gemeindevorsteher- Stellvertreters Lotz bestätigt hat, wurden diese in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats durch Bürgermeister Dr. Reumann. Groß-Rechten- bach, in ihr Amt eingeführt. Maingau. F r a n k s u r t a. M., 26. Febr. (WSN.) Heute mit. tag ereignete sich in der Lindenstraße ein tödlicher Unglücksfall. Der 21 Jahre alle Stus- laufer Franz Hennermann beschäftigte sich a u f der Straße mit dem Kicken eines Fuß balle, als er von einer Autodroschke erfaßt und überfahren wurde. Er trug dabei so schwere innere Verletzungen davon, daß er bald nach der Einlieferung in das Krankenhaus verstarb. Die Lieberfatte auf Autos beiDarmstadt aufgeklärt. WSR. Darmstadt. 26. Febr. Die in der Rächt zum 22. Februar in der Rähe von Büttelborn verübten Heberfälle auf Automobilisten sind heute von der Darmstädter Kriminalpolizei und der Gendarmerie in Griesheim aufgeklärt worden. Als Täter kommen vier junge Männer aus Griesheim bei Darmstadt in Frage, die bereits eia Geständnis abgelegt haben. Rach den bisherigen Ermittelungen glaubt die Polizei, daß es sich mehr um ein R ohe i t s d e l i k t handelt, als um einen räuberischen Lieberfall in der Absicht, die Insassen der Kraftwagen zu berauben. Inzwischen hat sich auch ein Automobilist aus Wiesbaden gemeldet, der einen Schuß in den Arm erhalten hat. -------------------- ] Kleine Strafkammer Gießen. ® Gießen, 21. Febr. Im Juni vorigen Jahres war es in einem Dorfc im Kreise Gießen zu Reibereien zwischen Burschen aus diesem und dem benachbarten Dorfe gekommen, die schließlich in Tätlichkeiten aus arteten- Hierbei echiät der Zeuge W. einen derartigen Schlag mit einem Stück Holz auf den Kopf, daß er der Chirurgischen Klinik in Gießen zugesührt werden muhte. Hier wurde festgestellt, daß der Schädelknochen vorletzt war und das Gehirn freilag. Als Täter wurde alsdann der Angeklagte S- aus E. ermittelt und von dem Amtsgericht Laubach zu einer Gefängnisstrafe von einem Wv - n a t verurteilt- Er wollte von der Strafkammer freigesprochen sein, da er in Rotwehr gehandelt habe. Davon kann nach dem Ergebnis der umfangreichen und sehr eingehenden Beweisaufnahme keine Rede sein, doch sah die Strafkammer die Sache mllder an und ließ es bei einer Geldstrafe von 100 Mark bewenden. In der Plockstraße war es im Sommer vorigen Jahres zu einer Schlägerei gekommen, bei der ein Student erheblich verletzt wordeit war. Das Amtsgericht hatte drei an der Tat beteiligte Personen zu mehrmonatigen Eefängnis- strafen verurteilt. Zwei hatten sich bei dem Urteil beruhigt, während der Angeklagte St- Berufung verfolgte. In ilebereinftimmung mit dem Antrag der Staatsanwaltschaft wurde feine Strafe um einen Monat ermäßigt. Erfolg hatte auch die Berufung eines hiesigen Wirtes, der auf dem Schützenfest in Differenzen mit einem Schupobeamten geraten und wegen Beleidigung von dem Amtsgericht zu einer Geldstrafe verurteilt worden war. Die Strafkammer sprach ihn insoweit frei und bestätigte nur die von dem Amtsgericht ausgesprochene Strafe wegen Uebertrehmg der Verkehrs- Vorschriften. «Ein Herr war hier?... Ein Herr?..." „Er kam mit einem großen Automobil vors Haus gefahren, gerade als Fräulein Witte hinunterging. Ich glaube aber, daß er schon vorher hier bei ihr war; mir war, als hätte ich kurz zuvor eine Männerstimme unten gehört." In Schulhofs war ein Aufruhr der Gedanken. Er wollte den furchtbaren Verdacht, der sich ihm ausdrängte, nicht glauben; aber mehr und mehr wurde er ihm zur Gewißheit. „Wie sah der Mann aus?" fragte er, seiner Erregung kaum mehr mächtig. Die Beschreibung, die die Alte gab, paßte auf jenen Herrn, in dessen Gesellschaft er Eva vor kurzem in der Berliner Städtischen Oper gesehen hatte. Wahnsinniger Schmerz preßte Schulhofs die Brust zusammen. Eva war wieder in der Gewalt dieses Menschen! Hilflos war sie seiner Macht preisgegeben! Warum war er nicht dagewesen, um sie vor ihrem Todfeind zu schützen?... Wie gehetzt lief Schulhofs in dem Zimmer hin und her. Er fühlte seine Ohnmacht wie eine blutende Wunde. So hatte dieser Mann doch ihre Spur, die sic so geflissentlich verborgen hatten, entdeckt! In diesem einsamen, abgelegenen Dors hatte er sic aufgefunden. Wie war das möglich?... Schulhofs hielt in seinem ruhelosen Gang durch das Zimmer plötzlich ein. Starr sah er vor sich hin. Llnbegreislich war ihm, daß Eva sich ihrem Feind gegenüber nicht bis zum Aeußersten gewehrt hatte... sondern ihm wie eine Hörige gefolgt war! Stand sie so stark unter seinem Einfluß?... Hatte er so große Macht über sie?... Tiefe Riedergeschlagenheit bemächtigte sich Schulhoffs. Wie gebrochen sank er auf einen Stuhl. Er wußte sich keinen Rat. Ein neuer Gedanke jagte ihn auf. ^Vielleicht lag in Evas Zimmer ein Brief für ipn, vielleicht hatte sie ihn irgendwo verborgen, damit der andere chn nicht entdecken sollte. Er eilte in Evas Zimmer, durchsuchte die Kommode, den Schrank, auch in seinem eigenen Zimmer sah er überall nach; vergebens! Schulhoff wurde es mit einem Male zu eng im Zimmer. Wie von Furien gehetzt, hastete er draußen ziellos umher. Er warf sich in den Sand und stöhnte seine unermeßliche Rot hinaus. Zerbrochen lag das Glück, an das er geglaubt hatte. Ohne Abschied war Eva von chm gegangen... ohne ein Wort der Erklärung ... Sie war ihres Weges gegangen... mochte er sehen, wie er sich mit seinen Schmerzen, feiner Enttävlchung ab* sand... „ (Fortsetzung folgt) ' 'Mm 1-J UH haben der aadenbrS will'gst l niad)un0. schlagen ' (fließen, Gießen g iwj mN mW Meßen, L bruar, nad verfahren Vertrauen 3u ® ichusser s« 1. Herr kauf? Fran 2. Herr Dom Termin flkidjsoor Dann por öeni h wer N Der 2lni fahrens nt Achästssti mckraelee Sieben, Die ®ei M Am De mittags । gcbäube,. pon Gieß Steferftrat >21 dem S B gurlca Jlur II, geschätzt au Die am der Drtsta ousgehän; Gießen, S A. des ____Le 118ÖE5 Der Dedc l.Fleif 2. 3-Milü 43aifi 5. an so (Del, len, 1 käse,! G.Keinii _ Soda Textil soll Im T für bas 5 »ergeben Die in ■winifterii Mingum Men uni "referuna- unb U.$ llhr, b bJ» An 80flen tot ?X Heinz', d'e Äedii Sie ein trennt P der ^reiben fein. ließen 9 N">vo- Ä ve JJ ein q| «h; ZÄ ft* t?« N §5rlUni Ä N- M nderM M D -Achten. £»*•< J efn fOb. 'aüe KUSl 'Sie sichre K« Ä.r* * ^ümffaöi Minder °us 2uu. 3 Takr lom. lusTrieS. Je beteits ei« benbMrigm ’M? r,d> handelt, als a d-r Wslcht. wauben. I„. Mobilist aas chuhlndeq 'Gicht», li dvngeu Iah- Kreise Tichvr aus diesem M ®- die schlich, fitctbet erhielt hlag mit eine i der Chirv. Verden muhk. bchädelkochm g- Als Täter i aas 6. er« t Laudach zu einem Wv« c Taaslawmer vehr gehandelt lebnis der Urnen Deweisaus- । die Slraslm- ch es bei einer rl bewenden. ; Sommer tiori- gekommen, bei |t wvrdeü war. der Tat beteilen Eefängnis- h bei dem Ur- igte 6t. Jern- mng mit tat wurde Win» aatz'rgi. urg eines hie- chensest in Sil« en geraten und Amtsgericht ju wrden war. Sie it frei und belicht ausgeipw z der Aerkchri- Herr?..." Momvbil von Llein Ditte 6to er schon vockr S hätte ich kurz gehört." . Sedamen. 6L der sich W nehr und mehr jagte er, sein« gab, pahte rft er Sva^ öx Oper E e SchuM * alt W M l« v°r em Zimmers .acht vre , Ohur, die sie ; entdeckt! rt hatte er sic M iem 6i»6?'" < jrief B er ^r'otitgtk * ,g*“ *2 aerbr-^ HM Sie char D Bekanntmachung. Am 1. Mär, 1930 findet eine Schweine ,wischen;ählung in den ©em. Gießen und od) ffenberg statt. Die Schweinebcsitzer haben den Zählern die notwendigen Angaben bzgl. ihrer Schweinebestände bereit willigst zu erteilen. Auf die Bekanntmachung des Kreisamts Gießen, onge- l'chlagen in den Aushängekasten der Stadt Gießen, wird besonders hinaewiosen. Gießen, den 26. Februar 1930. Der Oberbürgermeister. 1585C 1.33,: Dr. Rosenberg.______ Vergleichsverfahren. Heber das Vermögen des Drogisten (£rn|t Holl in Gießen, alleinigen Inhabers her Firma Kaiser-Drogerie Ernst Roll in Gießen, Lindenplatz Rr. 5, ist am 23. Februar nachmittags 4 Uhr, das Vergleichsverfahren zur Abwendung des Konkurses eröffnet worden. 1706D Dr. jur. Ruckelshausen in Gießen ist zur Lertrauensperson ernannt. Zu Mitgliedern des Gläubigeraus- ichujses sind bestellt: 1 fiert Seibert v. Firma Esüdro (©in. kaufsgenossenichaft südd. Drogisten, Frankfurt o.M., Speicherstraße 6). 2 . fiert Wirths v. Firma Esweo in Darmstadt, Feldbergstraße 36. Termin zur Verhandlung über den Der- gleichsvorschlag ist auf Donnerstag, den 20. wär; 1930 vormittags 81/? Uhr nor dem fiefsifchen Amtsgericht in Gießen, Zimmer Rr. 201, anbernumt. Der Antrag auf Eröffnung des Verfahrens nebst seinen Anlagen ist auf der Geschäftsstelle zur Einsicht der Beteiligten niedergelegt. Gießen, den 25. Februar 1930. Die Geschäftsstelle fiesf. Amtsgerichts. Zwangsversteigerung J29 Am Donnerstag, dem 6. Mär; 1930, vormittags 8% Uhr, wird im Amtsgerichts- Gebäude, Zimmer 112, dos im Grundbuche I Ton Gießen dem Karl Stark in Gießen, i Weserstraße 15, zugefchriebene Grundstück Flur 27, Jlr. 43 = 1944 qm Acker über dem Schäferbrunnen, geschätzt auf 1160 Reichsmark, Versteigert. HD Die ortsgerichtliche Verfügung ist an der . Lrtstafel, Bergstraße 20, zur Einsicht aus- ■ gehängt. Gießen, den 28. Dezember 1929. । I. A. des fiefsifchen Amtsgerichts Gießen. Leo, Ortsgerichtsvorsteher. Zwangsversteigerung 49/29 Am Donnerstag, dem 3. April 1930, vormittags 8'A Uhr, wird im Amtsgerichts- Gebäude, Zimmer 112, das im Grundbuche von Gießen der Ludwig Wagner Ehefrau, Anna geb. Helm in Gießen zugeschriebene ' Anwesen Weserstraße 17 Flur H, Rr. 59*/io = 1045 qm Grab- garten, Flur II, Rr. 60'/.° = 69 qm fiofreite, Seschätzt auf 11 282 Reichsmark, oerfte gert Die amtsgerichtliche Verfügung ist an 8er Ortstafel, Bergstraße 20, zur Einsicht ousgehöngt. 820J Gießen, den 27. Januar 1930. . 3 A. des fiefsifchen Amtsgerichts Gießen: ______Leo, Ortsgerichtsvorsteher.______ lanöE5-9eil-noö$flefleßnfiait Mn. Ser Bedarf an: 16860 1. Fleifchwaren, 2. Wurfb und Fettwaren, 3. Milch, 4. Backwaren (Brot, Brötchen ufw.), 5. an sonstigen Verzehrunasgeaenständen (Del, Essig, Zucker, Kaffee, Reis, Erb- fen, Linsen, Bohnen, Butter, fiand- käse, Margarine, Marmelade usw), 6. Reinigungs - Materialien (Kernseife, Soda usw.), 7. Textllwaren (fiemdenflanell, Druck- zeug usw.) soll im Wege des öffenttichen Anerbietens für das Rechnungsjahr 1930 zur Lieferung vergeben werden. Die in Anlage A des Erlaßes der fieff. Ministerien vom 16. Juni 1893, das 23er- Ungungswesen betreffend, enthattenen Äedingungen für die Vergebung von Ar- fetten und Lieferungen, sowie die hiesigen Lieferungsbedingungen liegen nur am 10. und 11. März 1930, vormittags von 9 bis 12 Uhr, bei uns offen. Die Angebotsformulare können gegen i Erstattung der Selbstkosten von uns belogen werden. Angebote sind verschlossen und versehen mit der Aufschrift: „Angebot zu der am 25. Februar ausgeschriebenen Lieferung" bis zum Eröffnungstermin: Dienstag, den 18. Mär; 1930, vormittags 10 Uhr, hierher einzureichen. In den Angeboten sind bie Bedingungen anzuerkennen. Die einzureichenden Warenmuster muffen getrennt von den Angeboten verpackt und mit der Aufschrift: „Muster zum Aus- chrciben vom 25. Februar 1930" versehen fein. Gießen, den 25. Februar 1930. Die Direktion ber Landes-fiett- u. Pflegeanstatt Gießen. Eber und Feuerspritze. Mittwoch, den 5 Mär; 1930, vormittags I 9 Uhr, werden auf hiesiger Sürgermeifte- rei ein abgängiger Lber und eine unbrauchbar gewordene Feuerspritze ver- iteigert. 16940 Allendorf a. d. Lda., den 26. Febr. 1930. fieff. Bürgermeisterei Allendorf a. d. Lda. ______________Rein.______________| Die Ruh- und Vrenhol;versleigernng' vom 22.1. M. ist genehmigt. Ausgabe der । Abfuhrscheine, Ueberweisung und erster ^ahrlag am 3. Mär; 1930, von 9 Uhr ab. Ablauf der Zahlfrist für nichtverbürgte | Schuldigketten am 16. Dlärz 1930. 17000 I Gießen, den 26. Februar 1930. Hessisches Forstamt Gießen. 1 Morgen beginnen die großen Serientage mit Einheitspreisen Gewaltige, kaum glaubhafte Kaufmögllchkeiten bieten sich Ihnen. Hunderte von praktischen Gegenständen werden Sie vorfinden, deren Qualität Sie als vorzüglich bezeichnen werden. - Nachstehend nur einige Beispiele: Weiße Wäsche Damenhemden, verseh. 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Ausführungen 50 Mhieu, Läufer............. 95 Stickereien 2.30,4.60 m...........95, 50 Spitzen, 5, 4, 3 m........... 50 Hemdenpassen ml Va.enciennespilzen vererb. 50 Aluminium Kasserolle, 14 cm.......... 50 Fle sentopf, 14 cm ......... 50 M.lcht pf, 11 cm........... 50 Schmortopf, mit Deckel, 16 cm 95 Mi catopf, 14 cm........... 95 Schmortopf, 20 cm......... 95 Topflappen od.ZwIebelbehälter 95 Kaiserolle, 18 cm .......... 95 Wäschesprenger.......... 50 Schmortopf m. D. 22 cm..... 195 lelschtopf, m. D. 20 cm.....195 Salatseiner, 26 cm.........195 Wasserkessel, 20 cm........295 Lakierwaren Zw.ebel- o. Topflappenbehälter 50 Kaffee- oder Z. ckerbüohse. . 50 Brotkasten, länglich Jur 2 Kilo 295 Brotkasten, rund, für 3 Kilo . 295 Kohlenfüller, groß........ 195 Zeitungsha ter, geh. Ausf. 95, 50 Briefkasten, gehämm. Ausf. 95, 50 Wäscheleinen, gute Quaiit.30m 95 Emaille Fleischtcpf, 20 cm ......... 95 Kehrschaufel............. 50 Naohuopf, weiß, 20 cm..... 50 chüssei, weiß. 26 cm ..... 50 3 Schüsseln,weiß, 18,20,22 cm 95 Kiffeekanne, weiß, 10 cm 50 Waschbecken, weiß, mit Napf, 32 cm ............... 95 Spülsc' Ussel, 36 cm ...... 95 E mer, gute Qualität, 28 cm 95 Fenstereimer ............ 50 K sserollen. 20 cm......... 95 Toiletteneimer ............ 195 Bunifo m. 26 cm........... 195 Wasserkessel............. 295 Holzwaren Beeleckkasten, 4teJig...... 95 Putzkaslen, gute Ausführung 95 Serv.erbretter.......... 95 Hakealelsten mit 3 Haken.... 50 Handtuchhaltrr ........95 50 10 Stück Kleiderbügel....... 50 Porzellan (kein Fehlporzellan) 3 Goldrandtassen mit Untert. 95 3 Goldranddessertteller. ... 95 3 Zwi belmustertassen .... 95 3 Zwiebelmuster-Dessertteller 95 4 Tassen, weiß............ 95 Ka.feeservice, 9teilig.......495 Glas Glasschüssel, groß u. 2 Teller 95 Wasserkaraffe............ 95 Wasserflasche mit Glas..... 50 2 große blaue Vasen........ 50 5 Kompo teller............. 50 2 Welng äser.............. 50 3 Bitroecher.............. 50 Haushaltartikel Isolierflaschen, gutes Fabrikat 95 Garnkrsprlize............. 50 Konfektspritze .......... 50 7 Hoi en Klosettpapier...... 95 Kokosbesen............. 50 Klosettbürste............ 50 Besen, exira groß.......... 95 4 Spülbürsten............ 50 5 verschiedene Bürsten..... 95 Schrubber und Scheuerbürste 95 Dessertbestecke,Galallthgrl.fe 50 Tortenheber.......... 50 Dessertbestecke, Silber, 830 gestempelt .......... 95 Tortenp alte, Messing, vorn... 195 Wandkaffeemühle........... 295 Küchenwaage ............. 295 Schoamtihle............... 195 Geschenkartikel Prachtv. Zusammenstellungen 50 Massenauswahl in Artik In zu 95 Krümmlgarnitur, Mess. vern... 95 Halsket en................ 50 Ras:ergamltur............. 95 Markibeutel, la Lodentuch ... 95 Zinkwaren Zinkeimer, la Q alität....... 95 Wannen, 40 cm, la Qualität... 195 Tel. 2417. flarktatraße 14 1694D zur Versteigerung: 52,8 36,5 25,4 102 rm rm rm rm rm rm 11,1 42,7 16,7 1830 31,2 7 290 75,9 22,1 19,1 26,2 18,0 13,0 1440 Wellen Buchen-, Eichen- und Fichtenreisig Kiefernschett 1. Kl. Buchenknüppel Eichenknüppel Kiesernknüppel 1. Ruhhol;. Ruhscheit: Buche 2 rm, Eiche 5 rm, Kiefer Zusammenkunft: Atter Steinbacher Weg (8. Schneise). B. Freitag, den 7. Mär; 1930, 9% Uhr beginnend, aus den Abt. 51a und b, 3 — Stol;enmorgen —, 19b — Philosophenwald —, 23, 27, 28, 38 und 42, Bezirk des Irennholzversteigerungen der Stadt Gießen. rm Buchen- und Eichenstöcke Fichtenderbstangen 1., 2. und 3. KL Das fiolz aus den Abteilungen 3, 19b, Försters Brück in Rödgen: Buchenscheiter 1. Kl. Eichenscheiter 1. und 2. Kl. und 2. KL rm Buchenknüppel rm Eichenknüppel rm Kiefern, und Fichtenknüppel Wellen Buchen- und Eichenreisig 2. und 3. KL rm Buchen- und Eichenstöcke Ficbtenderostangen 1. und 2. KL Ficytenderbstangen 3. KL (aus den Abt. 60, 61 und 62). Aus den Waldungen der Stadt Gießen ollen versteigert werden: 1585C A. Montag, den 3. Mär; 1930, 9% Uhr beginnend, aus den Abteilungen 100, 101, 103, 115, 116 und 120 des Sladtwalde», Bezirk des Försters Geisel in Gießen: 26,5 rm Buchenfcheiter 1. Kl. rm Eichenschetter 1. KL rm Kiefern- und Fichtenscheiter 1. Feinste Fisch -Filets von Kabeljau. Barsch. Schellfisch Seelachs, Silberlache [01357 Grüne Heringe, proB und miitetj -ischhaus Cuxhaven iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiit erhalten Sie sich Hl* UnnF schön und voll bei ■lafll täcl. Gebrauch des ■ Echten Brenn- ne*ee; haarwaewe r* nach llolaoo- iheker Schaefer. 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Aus dem Kreise Marburg nur, wenn eine Bescheinigung des Landratsamts Marburg oor- iegt, daß die in Frage kommenden Orte euchenfrei sind. Durch Ursprungszeugnisse, auf denen die Ortspolizeibehörden ausdrücklich bestätigen, daß die Tiere aus der Zucht desjenigen stammen, der die Tiere zum Markt bringt, ist die fierkunft der Tiere nachzuweisen. 1694V Der Auftrieb darf nur von 9 bis 94 Uhr stattfinden. Allendorf a. d. Lda., den 26. Febr. 1930. Hess. Bürgermeisterei Allendorf a. d. Lda. Rein. 23, 27, 28, 38 und 42 wird nicht vorgezeigt. Vorherige Besichtigung empfohlen. Zusammenkunft: Atter Anneröder Weg (11. Schneise, an der fiappelswiese). Gießen, den 26. Februar 1930. Der Oberbürgermeister. _____I. D.: Dr. Rosenberg.______ Bekanntmachung. Die Brennholzversteigerungen vom 1L, 14., 18. und 21. Februar 1930 (Rr. 10 bis 13) wurden genehmigt. Die Abfuhrscheine sind bis spätestens 1. wär; 1930 in Empfang zu nehmen. 1585C Gießen, den 24. Februar 1930. Der Oberbürgermeister. _____I. V.: Dr. Rosenberg. Rutz- und Brennholzversteigerung Am ZHonlaq, dem 3. wär; 1930, kommen aus den Waldungen der Stadl Allendorf an der Lumda nachstehende fiolzsorti° mente aus den Forst ten Raffer Strauch, Auf dem Berg. Winnereck, Eisenschade, Fichtewiese, fiahnenkamm, Obig den Rödern und Reuewald an Ort und Stelle J. Heilbronner Marktstraße 17 Rittergasse 8 Beachten Sie gefälligst meine 4 Schaufenster I 3 rm. Ruhknüppel: Fichte 6 rm. Derbstangen: Fichte 129 Stück. Reisstangen: Fichte 287 Stück. 2. Brennhol;. Scheit: Buche 114,9 rm, Eiche 4 rm, Kiefer 13 rm, Fichte 19,5 rm. Knüppel: Buche 64 rm, Eiche 30 rm, Kiefer 87,5 rm, Fichte 27 rm. Reisig: Buche 306 rm, Eiche 3 rm, Kiefer 15 rm, Fichte 125 rm. Stöcke: Buche 10,5 rm, Fichte 26 rm. Die Zusammenkunft ist vormittags 9 Uhr im Forstort Eisenschade. Allendorf a. d. Lda., 26. Februar 1930. Hessische Bürgermeisterei. Rein, Bürgermeister. V ll Haus izn von Gießen sein von Die Preise sind so fabel' Dieser großzügige Verkauf wird das Tagesgespräch Kommen Sie rechtzeitig und möglichst vormittags! Freitag, den 28. Februar, morgens */29 Uhr, beginnt diese große Verkaufs-Veranstaltung, die Ihnen bedeutende Vorteile bietet Mengenabgabe behalten wir uns vor Hunderte von praktischen Gebrauchs-Gegenständen aus fast allen Abteilungen unseres Hauses zum Einheitspreis von ....... haft niedrig, daß Sie viel Geld sparen, wenn Sie jetzt kaufen! M A R K Denken Sie daran, daß wir von 1-2 Uhr geschlossen haben A"tk-r Strümpfen. Handschuhe Waschseide in vielen mod. Farben, zum Teil mit Spitzferse.......Paar Seidenflor schwarz, beige und grau, ausprobiert gute Qualitäten-..Paar Mako schwere Strapazier-Qualität, in vielen Farben un i schwarz - - - Paar Flor mit K'seide plattiert in modernen Farben u.schwarz, Paar Haferlsocken für Damen und Kinder, reine Wolle und plattiert, Paar Kinder-Strümpfe reine Wolle, GröJe 1-9 . 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Farbige Knaben-Schürzen a aus gutem Zephir, für bis 5jährige, !•' Abteilung: Kinder-Bekleidung Kinder-Hemden A , für Knaben u. Mädchen, bis 6jährige J.» Kinder-Hemdhosen a fein gestrickt, für bis 8jährige J •' Kinder-Leibhosen a Normal, für bis b jährige Kinder-Russenkittel a Satin od. Zephir, für bis 4jährige-.• JV Kinder- Baskenmützen a reine Wolle, In allen Farben J.*" Kinder-Schlupfhosen a innen gerauht, alle Größen....Paar 1/ Abteilung: Decken Spitzen-Dedten -A . ovale Form, für Büfetts J * Mittel-Dechen gezeichnet. 60'60 od. A , 80 80, aus kräftigem Haustuch..... 1» Mittel-Decken kariert u. bedruckt. A . 100,1U0, in schönen modern. 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Votanische Exkursionen im Sommer sollen weitere Anregung und Anleitung vermitteln. 3n der Aussprache, an dH sich vorwiegend Studienrat Dr. Plank (Vad-Aauheim), Oberstudiendirektor Dr. Faber (Friedberg), Lehrer P o r t h (Vad-Aauheim) und der Redner beteiligten, wurde auch auf Fragen des A a t u r - sch utz es nähere eingegangen und eine Eingabe an das Kreisamt und das Innenministerium beschlossen. Darin wird der gesetzliche Schuh u. a. gefordert für die folgenden Aaturdenkmäler des Arbeitsgebiets: Münzenberger Moor, Wisselsheimer Salzwiese, Trvltius-Wiese bei Ockstadt und einige „pontische" Hügel. Studienrat Dr. K n i e r i e m erstattete dann kurz Bericht über den vor einigen Wochen in Vad-Aauheim stattgehabten geographisch- heimatkundlichen Einführungskur- s us. Auch hieran schloß sich eine rege Aussprache, die sich grundsätzlich mit der Kursus- fragc beschäftigte und zum Ausdruck brachte, dah die L»il«ahme an den Kursen des Kultusministeriums auch zur intensiven Mitarbeit in der Leitung der heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaften verpflichte. Angestrcbt wird die Schaffung einer Heimatkarte des Kreises durch Vergrößerung des Meßtisch- blattes. In einer Eingabe an die Geologische Landesanstalt soll um baldmöglichste Ql e u 6 e ar- fee 11 u n g des Vlattes Friedberg der geologischen Karte gebeten werden, weil Herbst in Apulien. Von Albert H. tausch. XI. Otranto — Galakina. Ich war mir lange nicht darüber schlüssig, ob wir in den südlichsten Teil Apuliens — den Absatz des Stiefels — fahren würden oder nicht. Die herbstliche Witterung hielt an, schwere Stürme, die im südwestlichen Mittelmeer und an der Aordküste Äfrikas toben mußten, sandten die Vorboten ihres Anmarsches über das flache Land herauf nach Lecce, der Wind seufzte und heulte des Rachts um die Fenster, oft scheuchte niedergehendes Regengeprassel aus dem Schlaf. '216er um Sonnenaufgang lichtete sich der Himmel, ein Spiel von fortjagenden Wolken und verfolgenden Qlubinfeuern begann über den Dächern — und gegen die neunte Stunde war das Firmament beruhigt. Ohne Strahlung zwar — aber manchmal dem Staub entrückenden Lichtsilbers die Durchsickerung gestattend. So beschlossen wir, auf die geplante Fahrt nicht zu verzichten, sie aber auf Otranto und Galatina zu beschränken. Wir fuhren in südöstlicher Richtung, bei heftigem Winde, gerade auf Otranto zu. Fahler Himmel, ödes Land, endlose, schnurgerade Straße, die ausgebessert wurde. Schweres, ermüdendes Fahren, Mnablässiges Qlusweichen vor den Steinhaufen. Die Landschaft war von quälender Melancholie. Ein einziges ist groß an ihr — und doppelt groß an diesem zugeschlossenen Morgen: die Weite. Die beklemmende Weite einer Steppe, bis in noch weitere Horizonte hinüber, bis in noch weiteres, uferloses Meer hinunter, das dort drüben beginnen mußte, wo Luft und Erde inein- anderflossen, wo sich, im raschen Anfahren an ihr Unbestimmtes, diese immer gleiche graue Änie immer gleich und grau von neuem schloß, lind hier sah ich den Blust des Mandelfrühlings? Hier wogte Flur und Rain von Margeriten-, Veilchenblüte? Hier stockte der Atem im kaum zu ertragenden Duft? Ich fühlte es w.eder: ich muß in einem frühen Frühling wiederkommen in diese füdapulische Süße, ich muh diese Ge- marfen zu Fuß durchwandern, in diesen rosenroten Dörfern, durch die wir hinfliegen, rasten, auf den schmalen Treppen die Dächer dieser eine neuzeitliche geologische Kartierung der Gegend nicht vorliegt und damit ein wesentliches Hilfsmittel für die Heimatforschung fehlt. Kreis Büdingen. * Dorsdorf. 24. Febr. Gestern wurde hier der Bezirkstag der Kriegervereine des Bezirks Aidda im Gasthaus von I. Tiwi unter Leitung des Bezirksvorstehers Iustizoberinspektor i. R. Geiger aus Aidda abgeholten. Die Qkrtrctcr und Mitglieder der Dezirksvereine waren zahlreich erschienen. Ober« amtsrichter Krug von Aidda hielt zuerst einen interessanten Vortrag über dos Kriegsfürsorgc- wesen. Dersicherungsinspeltor Schrimpf von Vad-Aauheim sprach alsdann über die Vorteile, die den Mitgliedern desKriegerverbands„Hasjia" bei Versicherungen gegen Feuer, Unfall, Haftpflicht usw. gewährt werden. Zum Schlüsse wurden die Mitglieder August Koch aus Wallern- hausen, der Veteran von 1870 71 ist, sowie Bürgermeister K r o m m und Friedrich Lehmer. beide aus Kohden, das Ehrenkreuz der „Hassia" für Verdienste um das Kriegerve.einswesen mit entsprechender Ansprache des Vorsitzenden überreicht. Der hiesige Männergesangverein füllte die Pausen durch den Vortrag einiger passender Lieder in würdiger Weise aus. A Kohden, 24. Febr. Die hiesige Ortsgruppe des Obst- und Gartenbouvereins für den Kreis Büdingen hielt in der Gastwirtschaft von Heinrich Uhl ihre erste diesjährige Versammlung ob, die von den Mitgliedern und sonstigen Obstzüchtern von hier recht gut besucht war. Aachdem der Vertrauensmann unserer Ortsgruppe, Bürgermeister Kromm, die Erschienenen unj besonders den Referenten des Qlbends, Obstbauinspektor Metternich von Büdingen, begrüßt hatte, hielt Herr Metternich einen lehrreichen Vortrag über die Schäden, welche der vorige kalte Winter und seine Vorgänger an den Obstbäumen unserer Gegend verursacht haben und die erst jetzt völlig zur Auswirkung kommen. Er gab beherzigenswerte Ratschläge zur Heilung der Schäden und Milderung der Verluste an Obstbaumen. Für den beifällig aufgenommenen Vortrag sprach Bürgermeister Kromm dem Redner den Dank der Zuhörer aus. Zum Schlüsse fand eine Gratisverlosung von jungen Obstbäumchen bewährter Sorten, die sich besonders zum Anbau in unserer Gemarkung eignen, statt. ]:[ Binds ochsen, 24. Febr. Am letzten Samstagabend veranstalteten der hiesige Gesangverein „S ä n g e r l u st" sowie der Gemischte Chor, der dem Gesangverein an- gegliedert ist, den diesjährigen Mnterhaftungs- abend. Aach dem „Sängergruß" und einem Liede wurde Kaffee und Kuchen dargeboten. Reben den gut gelungenen Chören fand auch ein Theaterstückchen großen Beifall. ®ie_ Chöre beider Vereine wurden von Lehrer Hüner- g a r t h geleitet. Allen Mitwirkenden wurde reicher Beifall gezollt. Bei weiteren fröhlichen Darbietungen und Tanz bot man den Teilnehmern recht vergnügte Stunden. Kreis Schotten. Groß-Eichen, 26. Febr. Am vergangenen Sonntag hielt der hiesige Männergesangverein im Saale von Gastwirt Rahn seinen diesjährigen Mnterhaftungsabend ab. Im Mittelpunkt des Abends stand die Aufführung des „Meineidsbauern" von Anzengruber. Das Stück wurde flott gespielt, die Aufführung fand allgemeinen Beifall. -t- Ulfa, 23. Febr. Ein eigenartiger Hochzeitsbrauch, der in gleicher Form in weiter Umgebung nicht bekannt ist, ist hier noch gang und gäbe. Unmittelbar nach der Trauung nimmt baä Brautpaar im Hochzeitshaus die Glückwünsche der geladenen Gäste und — die Hochzeitsgeschenke entgegen. Mit Körben und Körbchen, Kartons und Kistchen rücken die Gäste an, ihr Geschenk vor dem Brautpaar aus, upack.m. Wer Geld verehrt, findet zwei Teller auf dem Tische, in die er seine Geldscheine und -stücke einlcgt. Es ist verpönt, sich zum Hochzeitsschmaus zu sehen, ohne das Brautpaar vorher beschenkt zu haben. Das Hochzeitsmahl ist im allgemeinen sehr reichlich, und die Gäste geben arabischen Häuser besteigen und das unermeßliche Blühen an mich nehmen wie nun die dürren, braunen Grasflächen, in denen nur die harte blaue Minze blühte und herben Ruches im W'nde duftete. Ich weiß nicht mehr, wie alle die rt- schaften heißen, durch die wir kamen. Ich weih nur, daß sie sich zum Verwechseln gleichen. Alle ihre Häuser sind an die Erde geduckt, ihre Straße kommt aus einer flachen Mnendlichkeit und läuft in eine andere hinüber ... von Oliven zu Oliven, von Mandeln zu Mandeln, von Trauben zu Trauben. Eine leichte Höhe: links plötzlich das Meer, schiefergrau von dem Silber der Lüfte angespiegelt, eine Senkung der Straße zwischen Pinien und Steineichen, mehrere Kehren — und schließlich Otranto. Sieht man es an einem wolkenlosen Frühlingsoder Sommertag, so ist es weih wie Monopoli, lodernd weih über lodernd blauem Wasser, hin- gestrichen auf das enge Rund seines heute kleinen Hafens. Kaum ein grüner Wipfel unterbricht das Ineinander und Aebeneinander der Häuser, die hinüberdrängen nach der griechisch-albanischen Küste oder nach Afrika. Uralte hellenische Siedlung, großer römischer Hafen (Hydruntum), dessen Bedeutung im Mittelalter noch wuchs, als der Handel mit der Levante in seine höchste Blüte trat, ist Otranto heute ein halbvergessener, weltentrückter Ort, dem der Aufschwung Baris jede Zukunft verschlossen hat. Und es käme wohl kaum jemals ein Fremder, wenn es hier nicht ein Kunstwerk gäbe, das nirgends auf der Welt ein zweites Mal zu finden ist: das Fußbodenmosaik des Domes, das von einem Priester, Pantaleone mit Qlamen, um 1160 — also zur Zeit des Ror- mannenkönigs Wilhelm I. — entworfen und ausgeführt worden ist. Es stellt die gesamte Tierwelt, die Monate, die Arbeiten der einzelnen Iah.eszeften, Heldenlegenden, Begebnisse der Heiligen Schrift und das jüngste Gericht dar. Alles dies in einer seltsamen Verschlingung und Anordnung zwischen dem Geäst eines Baumes, das sich, am Hauptportal beginnend, durch die gesamte Kirche weiterzieht. Die Farben sind matt, viel graugrün, blahbraun, taubengrau, rostrot. Alles Ausfällige ist gemieden, die Vornehmheit des Bildes durch diese Zurückhaltung gesteigert. Stundenlang kann man, ohne zu ermüden, Me Einzelheiten dieses Steingefüges entziffern, stundenlang sich freuen an der Frische des Empfin- sich Mühe, auf ihre Kosten zu kommen. Die Einheimischen bringen ihr Eßbesteck von Hause mit Schöffengericht Gießen. • Gießen, 26. Febr. Ein 30jähriger „Kaufmann" von Giehen hatte im vorigen Jahr ein Mädchen zu veranlaßen gewußt, ihm fein Sparkassenbuch auszuhändigen und eine Bescheinigung auszust eilen. auf Grund deren er 30 Mk. auf der Kosie abheben konnte. Er begnügte sich aber nicht mit diesem Betrag, sondern fälschte eine weitere Vollmacht, lieh sich den Rest der Ercharnilse des Mädchens mit etwa 70 Mk. auszahlen und verbrauchte das Geld. In einer Wirtschaft in Bad-Aauheim machte er eine Zeche von einigen Mark und verschwand, ohne zu bezahlen-, öhirl.ch machte er es in dem nahen Rödgen. Wegen Mrkundenfälfchung und Rückfallbetrugs erhielt er 1 Jahr Gefängnis. Am 8. Dezember 1929 waren 25 junge Leute aus Eichenzell auf einem Lastwagen einer Fuldaer Firma nach Witzenrod zu einem Fuß - ballwettsviel gefahren. Auf der Rückfahrt ereignete sich ein furchtbares Mnglück. Der Chaufserrr wollte den Kilometerzähler einstellen und bückte sich etwas darnach: als ihm das nicht gelang, versuchte es ein neben ihm sitzender Mitfahrer. Der Chauffeur sah dem zu und unterließ es infolange, fein Augenmerk auf die Straße zu r'chten. Das Auto kam von der gepflasterten Fahrbahn ab, geriet auf das aufgcweichte Bankett und fuhr mit heftigem Anprall gegen einen Baum, so dah es wider einen anderen Baum flog und die Insassen größtenteils herausgeschleudert wurden. Zwei von ihnen starben in kurzer Zeit: andere zehn wurden mehr oder weniger schwer verletzt. Wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung erhielt ter Führer 3 Monate Gefängnis, wobei insbesondere seine bisherige Mnbestraftheit mildernd in Betracht gezogen wurde. Kirche und Schule. Oekanaisiag in Schotten. (D Schotten, 24. Febr. Im hiesigen Rathaussaale wurde unter der Leitung von Dekan Widmann (Gedern) b:r diesjährige Dekanatstag des evangelischen Dekanats Schotten abgehalten. Rach alter Sitte wurde die Tagung durch einen Gottesdienst in der Stadtkirche eingeleitet, wobei Pfarrer Trapp (Ulrichstein) predigte. Dekan Widmann konnte bei den Verhandlungen im Rathaussaale feststellen, daß di» Abgeordneten fast vollzählig erschienen waren, ferner konnte er den Superintendenten der Provinz Oberhessen, Oberkirchenrat Wagner (Gießen), begrüßen. Den Jahresbericht des Dekanatsausschusses über den religiös-sittlichen Zustand der Dekanatsgemeinden im Jahre 1929 erstattete der Dekanftellvertreter Pfarrer Römer (Schotten). Hierauf folgten die Einzelberichte über die kirchlichen Vereine, wie De- kanats-Erziehungsoerein, Dekanats-Missionsverein, Zweigverein Schotten der Gustav-Adolf-Stisttmg und Evangelischer Bund. Einer Anregung in der Aussprache Folge leistend, wurde beschlossen, auf den künftigen Dekanatstagen auch über die Gemeinde- blatt-Arbeit zu berichten. Zur Wahl von vier weltlichen Mitgliedern des Dekanatsausschusses und ihrer Stellvertreter lag nur e i n Wahlvorschlag vor, nach welchem ohne weiteres gewählt sind als Abgeordnete Altbürgermeister V i e h l (Rainrod), Christian O b e r h e i m IX. (Gedern), Bürgermeister Rühl (Ober-Scibertenrod), Oberreallehrer i. R. Gerhard (Laubach), als Stellvertreter die Abgeordneten: Rechner Doll (Ulfa), Heinrich Bach VIII. (Ober-Seemen), Altbürqermeister Rühl (Ulrichstein), Lehrer D e b u s (Ruppertsburg). Pfarrer Romer (Schotten) hielt dann einen sehr lehrreichen Bortrag über „Der evangelische Kreiswohlfahrtsdien ft", der eine lebhafte Aussprache zur Folge hatte. Einstimmig angenommen wurde ein Antrag des Abgeordneten Lehrer D e b u 5 (Ruppertsburg), in den Kirchenvoranschlägen von jetzt ab statt des Beitrags für den nicht dens, das den Schöpfer beseelte, und dem natürlichen Sinn für Form, das ihn den überreichen Stoff in solcher Klarheit gliedern ließ. Die schonen Kapitelle der Dom-Krypta und die kleine byzantinische Kirche S. Pietro viesen uns die Jahrhunderte wach, in denen Ostrom hier herrschte, ehe die Sarazenen im neunten und die Normannen im elften Jahrhundert die Macht an sich rissen. Roch ein kurzer Spaziergang auf der Mauerstrahe am Meer, da es schien, die Sonne wolle die fahle Wolkendecke durchbrechen — und wir traten die Fahrt nach Galatina über Maglie und Cutrofiano an. Wieder dieselben schlechten Straßen, diese.be eintönige Ebene, derselbe bleierne Himmel. Rur der Wind hatte sich gelegt, der Regen konnte jeden Augenblick fallen. Breit in die Ebene hingegossen lag Galatina vor uns, als wir zuerst von einer leichten Anhöhe aus erblickten. Weißgrau auf braunem Hintergrund, seltsam belebt gegen die stumpfen Töne der Luft und des Bodens. Man hatte uns ein kleines Gasthaus empfohlen, das leicht gefunden war. Als der Wagen vor der Türe hiät, winkte uns aus dem oberen Stockwerk mit leutseliger Geste ein schwarzer Mann: der Wirt. Das Speisezimmer war eine Treppe hoch. Wir wurden wie alte Freunde empfangen, obwohl wir niemals in diesem Haus gewesen waren. Man bereitete uns vorzügliche Broccoli und eine Pastasciuta, deren wir noch lange gedachten. Dazu gab es fast schwarzen Rotwein, vino della casa. Die gesamte Familie stand um uns herum, als wir aßen, die jüngere Tochter, ein Mädchen mit un» faßlich schönem Kopfe, bediente uns mit viel Lächeln und viel Würde. Die Mutter strahlte. Auch sie mußte in ihrer frühen Jugend sehr schön gewesen sein. In ihren Augen war die Glut byzantinischer Mosaikgesichter. Ihr Mund war voll, gütig und sehnsüchtig. Ob sie jemals Rom oder Reapel gesehen hatte? Ob sie ahnte, was das Leben dieser Städte war? Wir sahen nach Tisch die berühmten Fresken der Kirche Santa Caterina. Rirgends in ganz Apulien gibt es Aehnliches. Man führt sie auf Maler zurück, welche Maria von Cnghien in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts nach Galatina berief. Die Kirche selbst ist von einem Grasen Balzo errichtet worden, um 1400. Ihr Hauptportal und die beiden Tore zu seinen Seiten sind den Portalen der romanischen Vorbilder aus dem 12. und Donnerstag, 27.5edruar 1950 mehr finanziell selbständigen Dekanats-Erziehungs» verein einen solchen für den evangelischen Kreis» wohlfahrtsdienst einzustellen. Weiter fand einstimmige Annahme ein Antrag von Dekan Widmann (Gedern), an die Kreis- und Dekanatsbevölkerung einen Aufnif zu richten, in dem gebeten werden soll, Vcreinsveranstaftungen nicht auf den Samstagabend zu legen, da nachge- wiesenermaßen hierdurch das gottesdienstliche Leben stark beeinträchtigt würde. Oberkirchenrat Wagner regte dazu noch an, außerdem noch mit den Vereinen direkt Fühlung zu nehmen. Zur Formulierung des Ausrufs wurde eine Kommission gewähll, die aus den 2ll>geordneten Dekan a. D. Bolp (Laubach), Pfarrer Wolf (Wingershausen), Lehrer D e ° bus (Ruppertsburg) und Oberreallchrer i. R. G e r- hard (Laubach) besteht. Schließlich erfolgte noch die Prüfung der Rechnung des Dekanatsmissionsvereins durch die Abg. Pfarrer Fritsch (Herchenhain) und Rechner D ö l l (Ulfa): da nichts beanstandet wurde, konnte dem Rechner Entlastung erteilt werden. Nachdem Pfarrer Trapp (Ulrichstein) noch Mitteilungen über den Dckanats-Erziehungsverein gemacht' hatte, richtete der Versammlungsleiter herzliche Abschiedsworte an die demnächst tsns Dekanat verlassenden Abgeordneten Pfarrer Fritsch (Herchenhain) und Lehrer Westrupp (Ober Scemen) und dankte ihnen für ihre treue Mitarbeit im Dekanatsverband. ■ Mit Schlußgebet durch Pfarrer Fritsch (Her» chenhain) wurden die Verhandlungen geschlossen. Oberhe.sische Oorfsirchenvorsiehertaoung. )( Ortenberg. 25. Febr. Gestern fand in unserem reich mit Fahnen geschmückten Städtchen der erste der diesjährigen Dorfkirchenvor- stehertage statt. Für unsere Gemeinde wurde er bereits am Sonntag durch einen feierlichen und sehr stark besuchten Festgottesdienst eingeleitet, in dem der langjährige frühere Geistliche der Gemeinde, Sliftsdechant Kahn, Lich, über Cvgl. Johannes Kap- 6, Vers 63 predigte, und der Gesangverein „ Frohsinn" durch den Vortrag von zwei Chören mitwirkte. Abends fand sich die Gemeinde zu einem gut besuchten Gemeindeabend im Gasthaus „Zur Post" zusammen. Im Mittelpunkt des Qlbends stand ein Vortrag von Dekan S c r i b a, Ridda, dem verdienstvollen Förderer der Dorfkirchensache in Oberhessen, welcher auf Grund von Römer Kap. 12, Vers 1—6 über die Frage sprach: „Wie kommen wir zu lebendigen Gemeinden?" Um die gesangliche und musikalische Aus- stattung des Qlbends machten sich der Gesangverein „Frohsinn" unter der bewährten Leitung von Lehrer Carl durch Vortrag von schönen Volksliedern und Forstassessor Bähringer sehr verdient, der unter Begleitung von Frau Dr. Löffler mehrere Cellovorträge bot. Der Ortsgeistliche, Pfarrer L e h i n g , begrüßte und dankte. Der gestrige Haupttag versammelte über 200 Kirchenvorsteher mit vielen Gemeindegliedern in der schön geschmückten Kirche, von deren Turm die neue Kirchenflagge wehte. Der Superintendent Oberhessens, Oberkirchenrat Wagner, Gießen, hielt im Anschluß an Iesaia Kap. 62, Vers 6 und 7 die Predigt über das „Wächteramt der Kirchenvorsteher". Der Gottesdienst wurde wesentlich verschönt durch die gesanglichen Darbietungen von Frau Pfarrer Adam, Büdingen, und einen Schülerchor. Während ter Mittagspause waren die auswärtigen Teilnehmer Gäste in den Familien Ortenbergs. Mm V»2 Mhr begann im Gasthaus „Zur Post" unter Leitung von Dekan Scriba eine Rachversammlung, in der Prälat D. Dr. Diehl, Darmstadt, auf Grund feiner reichen geschichtlichen Kenntnisse und Forschungen über das Thema sprach: „Wie kam es im 16. Jahrhundert zu lebendigen Ce- meinden und was können wir in der Gegenwart daraus lernen?" Der Vortrag fand reichen Beifall und weckte eine lebhafte Aussprache, an der sich besonders die Richtpfarrer beteiligten. Mm Vo5 konnte der Vorsitzende die außerordentlich stärk besuchte Versammlung mit Worte des Dankes an alle schließen. 11. Jahrhundert nachgebildet und weisen denselben Reichtum der Verzierungen auf. Ein Kaplan, den einige junge Leute — Schüler einer priesterlichen Laienfchule — begleiteten, begrüßte uns. Er hatte offenbar die Absicht — gerade bei unserem Eintritt in die Kirche — den jungen Menschen dies oder jenes zu erflären. Cs war vielleicht besser, daß es nun dazu nicht kam. Denn mir schien, daß dieser Jugend alles andere wichtig war, nur nicht der Bildertraum der Wände. Ihr war wichtig vor allem der Mmstand, daß da plötzlich Fremde waren, Menschen eines anderen Landes, anderer Sitten, anderer Sprachen. Menschen, die die Weite liebten und aufsuchten, Menschen, die vielleicht viel erzählen konnten. Ja, ja, Jugend von Galatina: wäre mir Zeit geblieben an diesem sich neigenden Tag: ich hätte euch alle mitgenommen, euch und euren Lehrer, in das kleine Cafe, oben an der breiten Piazza — und wir hätten viele Stunden lang zusammen geplaudert von allem, was euch am Herzen lag. Vielleicht ein anderes Mal. Seid nicht so ungeduldig, beklagt nicht, wie es einer von euch tat, euer Los, an diese heimatliche Scholle gebunden zu sein. Rur wer wurzelt, kann tarn Grenzenlosen standhaften. Rur wer wurzelt, tonn seines Lebens Schöpfer und Gestalter fein. Seid dankbar eurer Erde! Sie ist reich, sie ist schön. Dah sie ein wenig einsam ist, was bedeutet es? Ihre Einsamkeit bewahrt euch vor vielem, das euch nicht glücklich machen würde. Mächtiger als je ist in diesen aufgestörten Zeiten die Seele der Erde. ... ____________ Lochschulnachrichten. Die Bremer Wissenschaftliche Gesellschaft, in der alle wissenschaftlichen Vereine Bremens zusammengeschlossen sind, ernannte gelegentlich ihrer satzungsmäßigen Frühjahrstagung, die zu Ehren des großen Bremer Arztes und Astronomen Olbers-Sihung heißt, eine Reihe ihr seit Jahren nahestehender Herren zu korrespondierenden Mitgliedern. Cs sind: Geheimrat B r a n d i in Göttingen, Geheimrat Hermann Schumacher in Berlin, Oberbaudirek or Schumacher in Hamburg, Prof. Hermann W ä t} e n in Münster, Geheimrat Hermann Oncken in Berlin, Geheimrat Gustav Krüger in Gießen, Prof. Korff in Leipzig und Prof. K o f - fei in Kiel. K.N. irtschast. r < Starke Position der Reichsbank. Auch in der dritten Februarwoche hat sich die Entlastung im Status der Reichs- b a n k fortgesetzt. Die dritte Februarwoche pflegt Z>en Höchststand der in jedem Jahre saisonmähig auftretenden Geldverbilligung aufzuweisen. Ein Wechselbestand von etwas mehr als 1303 Mill. Mark, wenn man die etwa 300 Millionen Devisen öoti den mit 1620 Mill. Mark ausgewiesenen Bestand abzieht, ist ein Zeichen für die geringe Inanspruchnahme des Zentralnoteningituie^. Bon Mitte Januar bis Mitte Februar ist eine Schrumpfung von über 200 Mill. Mark einge-- treten, die Wcchselbeanspruchung ist in der Tat niedriger, als im Jahre 1929 zu der gleichen Zeit. Auch der Lombardbestand ist als verhältnismäßig niedrig anzusehen, bemerkenswert ist weiter die bedeutende Vermehrung der Giro- guthaben um mehr als 100 Mill. Mark, bei denen es sich zum Teil um öffentliche Gelder, zum Teil um Bankgelder handeln dürfte, deren Hinterbringung am Tagesgeldmarkt und Privatdiskontmarkt nicht möglich war. Seit Ultimo Januar haben die Goldbestände der Reichsbank um 113 Millionen Mark zugenommen, die Hälfte davon entfällt auf die Derichtswoche. Der Devisen- und Goldschatz der Reichsbank hat jetzt einen Rekordstand erreicht, aber er wird noch weiter steigen, da inzwischen wieder erhebliche Posten Gold bei der Reichsbank eingegangen sind. Auch im Geldumlauf zeigt sich eine weitere erhebliche Entlastung! er liegt mit 4,328 Milliarden unter dem zur gleichen Zeit des Vorjahres, (4,364). Der Reichsbankausweis der dritten Februarwoche bestätigt die Auffassung, daß von einem ins Gewicht fallenden Frühjahrsbedarf der Wirtschaft nicht die Rede sein kann, was ja angesichts der gegenwärtigen Konjunkturlage nicht verwunderlich ist. Infolge der durch die eingetretene Entlastung sehr stark gewordenen Position der Reichsbank, dre in einer Rotendeckung von 70,1 v. H. ihren beredten Ausdruck findet, ist natürlich die D i s k o n t f r a g e aktuell, zumal man weiß, daß der Reichsbank die starken Goldzugänge nicht angenehm sind, sie also durch eine Lockerung der Diskontschraube weiteren Zugängen Einhalt gebieten könnte. Die Reichsbank scheint jedoch in ihrer Diskontpolitik nach wie vor ihre abwartende Stellungnahme aufrechterhalten zu wollen, um zunächst den Einfluß der Mehransprüche, die sich Ende Februar bzw. Anfang März einzustellen pflegen, zu übersehen. Selbstverständlich ist es, konjunkturpolitisch gesehen, recht und billig, daß die Reichsbank, wenn sich die zu erwartenden Mehransprüche nur in mäßigem Umfange einstellen, eine weitere Verbilligung des Geldsahes herbeiführt. Hessische d.rgwerksdirettion Wöl'ershelm In diesen Tagen vollzieht sich der Heber- gang der Hessischen Bergwerks- Direktion an die Preußische Elektrizitäts-Aktiengesellschaft ( Preag) Berlin, die auheroe.n sämtüoze Akcken dec Hesrag erwirbt. Bergrat Dr. Sauer, bisheriger Direktor der Hessischen Staatsgruben in Wölfersheim, tritt n ich t den Dienst bei der H e f r a g in Wölfersheim an, da seine bisherigen Obliegenheiten als Amtsoorstand der Hessischen Bergwerks-Tirektion durch deren Hebergang an die Preag stark vermindert worden wären. Er hat vielmehr für zwei Jahre Hrlaub vom Hessischen Staat und der Preag erhalten, um einem Ruf als Berater und Gutachter beim A u f - schluß der mächtigen Braunkohlenlager in Rußland zu folgen. Dr. Sauer gehört neben Prof. Kleinlogel, Darmstadt (Betonbau), Geheimrat Tacke, Hambu g (Torfgewinnung), Prof. Schneideratus, Dessau (Bauhaus) und einigen anderen deutschen Technikern zu den ersten Staatsbeamten, die nach Rußland beurlaubt sind. Neue Fusion im Delsicherungsfach. In der gestrigen a. o. G. V. der Düsseldorfer Rückversicherungs A. G. wurde der Fusionsvertrag mit der Münchener Rückversicherungsgesellschaft ge. eh- migt. Hiernach geht oas Vermögen der Düsseldorfer Rückversicherungs A. G. als Ganzes an die Münchener Rückverächerungsgesellschaft unter Ausschluß der Liquidation in der Weise über, daß den Aktionären der Düsseldorfer Rückversicherungs A.G. für Aktien, auf die 1000 Mk. eingezahlt sind, je eine Aktie der Münchener Rückversicherungsgesellschaft im Rennbetrug von 200 Mk., die mit 50 v. H. eingezahlt sind, oder nach Wahl der Aktionäre für Aktien der Düsseldorfer Rückversicherungs A. G. mit einem ein» gezahlten Betrag von 2000 Mk. zwei solcher Aktien oder eine voll eingezahlte Aktie der Münchener Rückversicherungsgeseltschaft zu nominell 200 Mk. jeweils mit Dividende für 1929'30 gewährt werden. Die Münchener Dank verpflichtet sich, den Ausgleich von Spitzen au vermitteln. Die Kosten der Verschmelzung einschließlich Stempelsteuer trägt die Münchener Rückversicherungsgesellschaft. Der Vertrag gilt rückwirkend mit dem 1. Juli 1929. Rach Mitteilung des Vorstandes hatte die Düsseldorfer Rückversicherungs A. G. im vergangenen Jahr ein äußerst verlustbringendes Geschäft. Das Jahr 1929 gehörte zu den schwersten Drandjahren, welche das deutsche Geschäft betroffen hat. Es waren 31,5 v. H. mehr Schadenfälle gegenüber eines normalen Jahres zu verzeichnen. Das Feuergeschäft brachte allein einen Verlust von 600 003 Wk. Zuzüglich der Verluste in den anderen Geschäftszweigen war in dem vergangenen Jahr ein Gesamtverlust von 1 503 000 Mark zu verzeichnen. Fusion Lffener Steinkohle - Gelsenkirchen. In der gestrigen Aussichtsratssihung der Essener Steinkohlenbergwerke wurde beschlossen, die Fusion mit d.r G e l s en k i r ch e- ncr Bergwerks - A. - G. auf der Grundlage eines A^t'.entauschs Renuw.rt g g n Rennwert einer auf den 25. März einzuberufenden G.-V. vorzuschlagen. Am gleichen Tage wird der Aufsichtsrat von Gelsenkirchen zwecks Defchluß- fassung über die Fusion zusammentreten. Die Ak.ionäre der Essener Steinkohle erha ten gegen Hingabe ihrer über je 700 Mark lautenden Aktien mit Gcwinnberechtigung ab 1. Januar 1929 den gleichen Rennbetrag Aktien von Gelsenkirchen mit Gewinnberechtigung ab 1. April 1933. Ein Banlenkonsortium hat sich verpflichtet, bei dem Hmtausch der Aktien, der unverzüglich nach dem Zustandekommen der Fusion erfolgen soll, eine Zuzahlung von 70 Mark auf die eingereichte Aktie der Essener Steinkohle zu leisten. Die für den Hmtausch benötigten Aktien von Gelsenkirchen stehen aus eigenem Besitz und durch Heberlassung von befreundeter Seite zur Verfügung, so daß eine Kapitalerh.hung bei Gelsenkirchen nicht erforderlich ist. Krediiverem Heuchelheim. ck. Heuchelheim, 24. Febr. Im Saale des Gastwirts Ludwig Schäfer fand am Samstag die ordentliche Generalversammlung des Kreditvereins He uche lbei m e. G. m. b. H. statt. Die überaus stark besuchte Versammlung wurde von dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates Hardtmann geleitet. Aus dem von Direktor Rinn erstatteten Jahresbericht ging hervor, daß die Kreditkasse, wie der ortsübliche Ausdruck für den Kreditverein hier ist, sich im abgelaufenen Geschäftsjahr trotz der angespannten wirtschaftlichen Lage gut weiterentwickelt hat. Die Spareinlagen haben sich von 533 633 auf 638 950 Mark erhöht, während sich das Geschäfts- guthaben von 100 823 Mk. auf 109644 Mk. und die Bilanzsumme von 837 358 Mk. auf 1040 429 Mk. erhöhten. Damit ist erstmalig seit Bestehen der Kasse die Million überschritten worden. Der Reingewinn beträgt 10835 Mk., gegen 3467 Mk. im Vorjahr. Die Verwe.ltungs- kosten beliefen sich auf 15 922 Mk. Der Aufwertungsstock beträgt in Aktiven 123 102 Mk., in Passiven 136 336 Mk. Am 31. Dezember 1929 betrug der Bestand der Kasse 10 437 Mk., baß Guthaben bei Banken und Postscheck 16 781 Mk., ter Bestand an Wechseln 33 206 Mk. Der M i t- gliederstand betrug Anfang 1929 393, Zugang im Geschäftsjahr 25, Abgang 8, Bestand Ende 1929 410. Die Gewinn- und Verlustrechnung schließt in Soll und Haben mit 73 832 Mk. ab. Von dem Reingewinn wurden 1300 Mk. dem Aufwertungsstock zugeführt, 4225 Mk. = 10 v. H. Dividende und Kapitalertragsteuer, die die Kasse trägt, was einer Dividende von 11 v. H. entspricht. Der Rest wurde dem Reservefonds und der Betriebsrücklage zugeführt. Bon dem Auf- sichtsrot schieden statutengemäß aus Wilhelm Hardtmann, Heinrich Sack III. und Heinrich 3t i n n I., ferner ein Mitglied, Heinrich Be p - ler, durch Tod. Reugewählt wurden August Engelhard, Louis Friedrich Reu schling, Ludwig K r o d IV. und Friedrich Sack II. Die Versammlung beschloß einstimmig den Wieder- beitritt zur Landesgeno'senschaftsbank. * * Frankfurter Genosse ns chafts- bank e. G. m. b. H, Frankfurt a M. Die Generalversammlung der Frankfurter G:n-ssen'chafts- bank genehmigte einstimmig den Bericht des Vorstandes und erteilte Vrrstand und Aufsichtsrat Entlastung. Der Vorschlag der Verwaltung, aus dem Reingewinn aus dem abgelaufenen Geschäftsjahr in Höhe von zirka 359 030 Mark eine Dividende von 10 v. H. zu verteilen, wurde ebenfalls einstimmig angenommen. Die Aufsichten der Bank für baä laufende Geschäftsjahr werden als günstig bezeichnet. * Badenwerk-Anleihe überzeichnet. Die in der Schweiz zur Zeichnung aufgelegte 6pro;entige Anleihe der Badischen Lan- deselektrizitätsverforgung A. G. (Badenwerk) im Betrage von 8 Millionen Franken ist so stark überzeichnet worden, daß die angemeldeten Beträge erheblich reduziert werden müssen. * 3lse Bergbau A.G., Grube Ilse. Der Aufsichtsrat beschloß, der auf den 3. April einzuberufenden G. V. bei Abschreibungen von 6 919 816 (6 095 440) Mk. von dem verbleibenden Reingewinn von 7 409 421 (7 193 505) Mk. eine Dividende von wieder 10 v.H. auf die Stammaktien und Genußscheine, sowie wieder 6,5 v. H. auf die Vorzugsaktien vorzuschlagen. Frankfurter Börse. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers" Frankfurt a. M„ 27. Febr. Tendenz: zurückhaltend. — Zu Beginn der heutigen Börse herrschte wieder starke Zurückhaltung, da der Auftragseingang weiter sehr gering war. Anregungen waren, mit Ausnahme der günstigen Veranlagung des Geldmarktes, auch nicht vorhanden, so daß der Kulisse jeder Ansporn fehlte. Die innerpolitische Lage wurde etwas ruhiger beurteilt, auch war die gestrige Reuyorker Börse fest. Die Grundstimmung des Marktes war daher nicht unfreundlich. Die Spekulation schritt zu einigen Deckungen, so daß sich in Svezialwe.ten gegenüber der gestrigen Abendbörse kleine Besserungen ergaben. Im großen und ganzen war das Geschäft jedoch nicht umfangreich. Siemens- bezugsrechte wurden mit 6 v. H. unverändert gehandelt, Siemens-Debenturs konnten sich weiter etwas bessern, so daß auch schon hiervon ausgehend eine günstige Beurteilung der Situation erfolgte. Auf der anderen Seite sind aber Zweifel entstanden, ob heute mit einer Diskontsenkung in London zu rechnen sei, doch konnte hiervon keine Verstimmung ausgehen, da die Tatsache bestehen bleibt, daß, wenn heute keine Reduktion vorgenommen werden sollte, immer noch bei der günstigen Geldmarkklage die Wahrscheinlichkeit für kommenden Donnerstag offen bleibt. Das Hauptinteresse konzentrierte sich wieder auf den Verkehrsmarkt, an dem A.-G. für Verkehrswesen nochmals 3 v. H. gewinnen tonnten. Eine Erklärung der Verwaltung lieh für dieses Papier größere Gewinnchancen erwarten. Am Elektro- markt waren Licht & Kraft und Schuckert je 1,25 v. H. fester. AEG. gewannen 1 v. H., Siemens waren nur geringfügig erhöht. Von Chemie- akkien konnten Farben 1 v. H. und Deutsche Erdöl 1,25 v.H. gewinnen. Am Montanmarkt waren die Hmsähe bescheiden. Es ergaben sich in der Hauptsache Besserungen bis 1 v. H. Rur Ilse. Bergbau waren stärker angeboten und 5,5 v. H. schwächer. Die Mitteilung, daß für das vergangene Geschäftsjahr eine Dividende von 10 v. H. zur Ausschüttung kommen soll, wurde ungünstig gebucht. Banken waren uneinheitlich. Im Verlaufe wurde das Geschäft wieder still, auf Glatt- ftellungen traten vereinzelt Leine Rückschläge ein. Die Grundstimmung blieb aber freundlich, da sich Interesse für Spezialwerte erhielt. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 7 v. H. unverändert notiert. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1900, gegen Pfund 20.365, London gegen Kabel 4,8600, gegen Paris 124,25, gegen Mailand 92,80, gegen Madrid 39,30, gegen Schweiz 25,19, gegen Holland 12,1205. Berliner Börse. Eigene Drahlrneldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 27. Febr. Schon während des Dormittagsverkehrs erkannte man die freundlichere Grund st irnrnung der Börse. Vorübergehend wurde es bann an dec Börse, da die inner) olitische Lage, die noch immer nicht geklän ist, a.s verstimmendes Moment angesehen wurde, unsicherer. D e Befürchtungen, daß dieser Hmstand auf die Kursgestaltung nicht ohne Einfluß bleiben würde, erfüllten sich nicht: lediglich die Hmsahtätigkeit wurde durch dieses Moment stärker gehemmt. Die Hoffnung auf eine Diskontermäßigung in London kam in den erften Kursen zum Ausdruck. Die Kurse waren fast durchweg gut behauptet, vielfach waren sogar Gew.nne von 1 bis 2 Prozent zu verzeichnen. Die feste gestrige Reuyorker Börse lieh eine Auswärtsbewegung der übrigen Ausland- borfen erhoffen. Die Beauftragung T a r d i e u s mit der Kabinettsbildung wurde ohne Stellungnahme zur Kenntnis genommen. Freundlich veranlagt waren insbesondere Zellstoffwerte, von denen Feldmühle und Aschaffenburger Ze7.stosf bis zu 2,5 Prozent gewannen. Auch A.-G. für Verkehrswesen und Elektrische Lieferungen zogen 3'/r bzw. 2,5 Prozent an. Durch Schwäche fielen Reichsbank und Draubank und vor allem Ilse Bergbau mit einem Verlust von 5.5 Prozent auf, wobei die unveränderte Dividende von 10 Prozent verstimmte. Essener Seinkohlen, die gestern auf die Meldung von der Fusion mit Gelsenkirchen stärker gesteigert waren, verloren heute 3 Prozent, da sich herausstellte, dah die Börse irrtümlich an einen Hmtausch 1:1 plus 10 Prozent geglaubt hatte, während es sich bei diesen 10 Prozent nur um Entschädigung an die Aktionäre für Essener Steinkohle für ausfallende Dividende handelte. Don Warenhaus- werten verloren Tietz 2 Prozent, auch Karstadt waren minus 0,5 Prozent notiert. Deutsche Anleihen unverändert. Ausländer geschäftslos. Der Pfandbrief markt war unentwickelt. Der Geldmarkt war weiter anziehend. Tagesgeld 7 bis 9,5 Prozent, Monatsgeld 6 75 bis 8 50 Prozent, Deld über Ultimo ebenfalls 7 bis 95 Prozent, Warenwechsel etwa 5.75 Prozent. Rach den ersten Kursen kam es an den Hauptmärkten zu weiteren. kleineren Kurssteigerungen von in der Regel 1 bis 1,5 Prozent. Bemberg plus 3 Prozent. Später lieh das Geschäft aber so stark nach, dah das Kursniveau sich etwas ermäßigte, bei einigen Werten sogar bis etwas unter die Anfangsnotierungen. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 27. Febr. Auftrieb: 132 Rinder, 1100 Kälber, 318 Schafe, 346 Schweine. Kälber. Beste Mast- und Saugkälber 70 bis 75, mittlere Mast- und Saugkälber 64 bis 69, geringe Kälber 53 bis 63. Schafe. Mastlämmer und jüngere Masthämmel, Weidemast 48 bis 51, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 40 bis 47. Schweine. Dollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 76 bis 79, von etwa 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 77 bis 80, von etwa 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 76 bis 80, fleischige Schweine von etwa 123 bis 160 Vfund Lebendgewicht 74 bis 73. Marktverlauf: Kälber langsam. Schafe mittelmäßig, gering. Schweine ruhig, Heberstand. Turnen, Sport und Spiel. Handball itp Männerturnverein (O.T). Tv. Burg-<3emünben I — Mio. Gießen II 3:5 (0:3). Am Sonntag trug die zw.ite Mannschaft des Gießener Männcrturnver.ins in Bu.-g-Gemünden gegen, die erste Mannschaft ds dort g n Turnvereins ein Handball-tzc u.idschast. s el aus. Die Vermutung, daß die Gießener ein n glatten Sieg erringen würden, traf voll zu, doch fiel er den Gießenern nicht so leicht, wie man erwartet hatte. Dies lag voll in erster Linie daran, daß die Mtv.-Mannscha.t wieder einmal nicht vollzählig antrten konnte. Die Gastg b:r traten zwar mit elf Mann an, hatten jedoch auch zwei Ersatzl.ute einst.l en müsf .n. Ti - P'atz- Verhältnisse waren infolge des schlechten Wett rZ der Vortage nicht gerade gut. Zum Spi lver auf kann folgendes gesagt w.rden: In der erst:n Halbzeit spielten die Mtv.er mit dem Wind und konnten das Spiel stark überlegen gesta t n, was durch das Halbzeitresu^tat von 3:0 für Gichcn 3um Ausdruck kam. Auch die zweite Halbzeit zeigte zunächst dasselbe Bild. Erst nachdem oie Gastgeber ihren ersten Erfolg buchen konnten und nun durch die Zuschauer mächtig anzespornt wurden, gingen sie etwas mehr aus sich heraus und konnten dem Gießener Tor einige Male gefährlich werden. Ten Bemühungen der Burg- Gemündener gelang eS schließlich, auch noch zweimal erfolgreich zu fein, denen die Mtv.er ebenfalls zwei Treffer entgegensetzen konnten. Das Endresultat entspricht dem Spielverlauf. Beide Mannschaften hinterließen einen sehr guten Eindruck. Banknoten. peoisenmarkt Berlin .65 5 10,8 10,9 117 O.M. 28.5 5.25 101,6 102,75 25,9 2.75 101 . 102 5 241 13 115,75 246 105,75 108.5 105 105,25 103,25 138 139 135,5 6,3 6.3 75 102-75 141 139 135.75 110,65 2515 105.5 107.75 >05.13 '05 29 ' 5.4 17 8,9 4% Cefterrctdindic fflolbrente . . 4,20% Ccfteneidilfdie Gtlbenente 4% Ceftencidiifdjr ttinbelUltbr Rente ... 4% Ungar iicke fflolbrente .... 4% Unflariidie Staatsrcntev. 1910 4%% oeflfll. Don 1913 4% Ungoriicke fironenrtnle . . 4% lürtlidw Zollanlecke oon 1011 4% lürttldir Bagdadbahn-Anl 2,75 25,65 22,5 4% heefll. Gerte II...... 5% Rumänilcke verefnh. Rente von 1903 ..... 4%% Rumänische vettinh. Rente von 1918 .......... <% Rumänische veretnh. Rente . 2,7 .4 16,75 8,8 Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 6 v.Lombardzinsfuß 7 v.H. Sranflun a. 2)1. Berlin <5u. uß«! t'Uvr» n rf (Schluß' fürs Anfang» Rur8 Datum 26. 2. 27- 2 26. i 27. 2. 6% Teuitcke Rcichranleihe von 1927 ........ . 87,5 87,. 7% Deutsche RelchSanleihc von 1929 ....... 97 97,25 Deutsche Ant.-AblSs.-Schuld mit Auslos..Rechten ...... Dl ,4 .4 _ 51.3 51,3 Desgi. ohne Auslol..Rechte . . . 8,3 8.4 8,4 8% Hell. Bolkvstaai von 1929 (tüdiablb. 102%)...... E6 86,4 Oberhehen Provinz • Anleihe ml Auvlol..Reckten..... 49,13 Deutsche Komm. Gammeiobi. Anieche Gerte i .... 49 _ 49 8% Franks. Hov.-Bank Goldvse XIII unkündbar bi« 1934 . £6,5 <% Franks. Hnp.-Bank Goldpse unkündbar bis 1932 . . 85,75 4%% Rheinische Hnp.-Bank Lian. Golvpse.. ..... 8% Pr. Landespf andbrtesanstai« Psandbrtrse R. 17 . . . . 82,15 97 _ 97 8% Pr Landespsandbriesanslalt Lomm.-Lbt. R. 1« . . . £4,5 S4 1% Pr. Landeepsandbrtesanstalt, Psandbrtrse R. 10 ..... A E G. abg. BorkrtenS-Obligationen. rückzahlbar 1932..... 89 _ 89 91 — — Tranftun o. 371. Berlin Schluß» iure l-Uhr« fiur (Schluß» •ur • An,a g» Kurs Datum 26. 2. n. 2. 26. 2. 27- 2. vanidurg-Amenlu 'batet . . 99 99,5 99.75 Hamburg-Südam. Dampsschiss 8 168.25 — Hansa Tamvsscklss .... 1( — — — Rorddeuticker Llohd .... 8 104,5 — 104.65 194,25 jUlgcmelne TeulscheCreditanst. 10 121 — 121,25 121,5 Barmer Bankverein . . . 10 129.25 129,5 129,25 129,5 Berliner Handelegelellsckast . 12 184,1 184 185 Eommerz und Privat-Bank . 11 156.5 156,5 56.5 156,5 Darmstädter und Nationalbank 12 237.5 237 237 Deutsche Bant und Tisronto-Gesellschast, . . . 10 149 — 149 149,25 Dresdner Bank...... 10 151 150,5 151 150,5 Reichsbank..... . . 12 290 290,6 291 289,5 A.E.G........... 8 164,25 165,25 1 4,65 165,5 Bergmann........ 9 203 dleltr. LieserungSgeiellschaft. 10 — — 162 164.5 Licht und Kraft...... 10 166,25 167,5 166 168 .reiten L Guilleaume . . . 7U 127 127.25 Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen .... 10 — — 170-5 171,5 Homburger Ewftri^ftüis-Werke 10 • — 131,13 132 Rhcmüche Elektrizilät . . . 9 — — 142.75 Gcklesische Elektrizität. . . . 10 — - 163,75 164,5 Gchuckeri & l£o....... 11 — 188,25 187 188 Giemen« L Halske ..... 16 >58 258,5 258,25 259,75 Transradio . ....... 8 — - LabmeverSEo....... 1( 166 — 164 — tranlrun a. " . Berlin Schluß» iurs 1-Uhr- Kurs Gchluß» n rt Pniong« Kurs Datum '26. 2- 27. 2. 26. /. 27. 2. Bereinigte «lahtwerte . 101.75 — 102 102,75 Llgvi Minen..... e 16'/. — 56.75 56,75 SlaliiDcrle Aschersleben . * U 209,5 211,5 210 Kaliwerke t esteregeln . e 11 213 214 —— Kaliwerke Latzdelkurtb . - 15 355 — 356.25 359,5 I. G. HarbewJndusme. • 12 163,75 164,6 163.75 164,75 Tnnamit Nobel .... . k Cckeideansiatt..... . 9 — — — Goldlckmidi..... . 5 69.5 — 70,13 71 RüigerSwerke..... e . 6 76 76,5 76-25 76,75 Meiallgelelllckast. . . . . k 107,5 108 110 Philipp Holzmann . . . . 7 _ _ 97,4 97 Zementwerk Heidelberg 1( 126 125,5 Eementwerk Karlstadt. . • 10 141 5 — * Wavb & Hreytag . . . . k 85.25 85,75 85,75 — Cckultbeis Payenhoser . 15 — — 269 269,25 —— — 21 u 210,25 Aku......... 18 111 111 111.25 110,25 Bemberg....... e n — 156,25 157 Zellitosf Waldhos . . . • 13'/. — — 205,25 205,75 Zellstoss Aickafkenburg . e 12 151 152,9 I49>25 151,5 Charlottenburger Wasser • . 8 — - 106 106,13 Dessauer Gas..... • . 9 • — 172.75 172,75 Daimler Motoren . . . . 0 • 38 38.25 38 Deutsche Linoleum . . 45,6 — 244.75 — . 0 — — — 44,9 Not. Automobil . . • . 0 — — — — Orenftein S Koppel . . e . fi — —- 74.5 — Leonbard Tietz .... 10 — — 160 158 Sveneka..... • • • • — — 336 338 frankfurter Maichme« . e . 4 <7.25 38 36,25 Gritzner .... e . 6 47 — 47 — Henligenstaedt . . . . • . 0 — _ Zunghan,...... e . 6 45 — 44 — Leckwerke....... . 8 105 105 _ Mainlrastwerke Höchst a. M. . 8 108 * — Miag........ 10 131 — 130 130 Gebr. Roeder..... 10 118,5 — Loigt & Haessner . . . . 9 217 — 218 __ Süddeutsche Zucker . . » 10 159,5 157,25 — Berlin, 26. Februar Geld Brief yiincnianiiroe V00 Kronen 58.80 59.04 Numänikche Noten...... 2.465 2.485 Schwedische Not-n . ... i . 112 03 112.47 Schweizer Noten....... 80,66 80 98 Spanische Noten....... Tsch.cho'lowakische Noten . . 51 85 52 05 12.34 12,40 Ungarische Noten ..... 72.94 73.24 26. Februar 27. Februar Amtlich. Jlotierung Amtliche Noilerung Geld Sri t Geld Briet ÄM't.-Nott. 167.82 168.1b 167,84 168,18 Bun.-AlreS 1,568 1,574 1,575 1.579 Brss.-Antw- 58.31 58.43 58,31 58.43 Cdristiania. 111.88 112.10 111,94 112,16 .Kopenhag.'n 112.05 112.27 112,05 112,27 Stockholm . 112.29 112.51 112,34 112,56 HeliingsorS. 10 525 10.545 10,527 10,547 ntalien. . . London. . . Neunork . . 21,925 21.965 21,935 21,975 20 342 20.382 20,35 20,39 4.1855 4.1935 4,187 4,195 Paris.... Schweiz .. 16.37 16,41 16,375 16,415 80.735 80.895 80,785 80,945 Sva im. 52,00 52.10 51,55 51.65 Japan . . . h'lo de ftnn Wien in D-- 2,057 2.061 2,057 2,061 0.470 0.472 0,470 0,472 Cefl. abgest 38,*35 59,055 58,94 59,06 Prag .... 12.397 12.417 12,399 12,419 Bel irad . . 7.369 7.382 7,373 7.387 Budavftt. . 73 13 73.27 73,14 73,.8 Bul arien 3.032 3.03. 3,037 3,043 Lissabon 18 83 18.87 18,85 18,89 Danzig. . . Konst ntiu. -1.34 81,50 81,365 81,525 1.783 1.787 1,778 1,782 Athen. . . 5,415 5.425 5,415 5,425 Canada 4.164 4.170 4,162 4,170 Uru uat). . 3.666 3 674 3,666 3,674 Cairo . . . 20,865 20.905 20,87 20,91 28,75 Buv-rus....... . . . 6 75 _ 5,45 Deutsche Erdöl . . • • . . . 6 104 Essener Steinkohle . . . . . . 8 — — Gelsenkirchener . . . . . . . 8 18,5 138,5 25,9 Harpener ..... . . . 0 135 — Hoesck Eisen...... . . 6!', — 24,5 y.se Bergbau..... . . 10 — 246 — Klockncrwerke..... . . . 7 — 6,75 Noln-Neueilen..... . . . 7 — — Mannesmann-Rbbren . . . . 7 105 — - Mansfelder Bergbau . . . . . 7 05,5 — — Lberschles. Silenbedarf . . . . 6 - Lbertckles. KokSwerke . ... 7 — — — Phünii: Bergbau - . . . 6 V, 102,5 — Rheinhche Braunlohlen . . 1Ö — Rhetnsiahl...... ... 6 115.5 116,4 Riebeck Montan . . . . . . 7,2