Nr. 277 Erstes Blaff 180. Zahrgang Mittwoch, 26. November 1930 Erich« in, logl'ch.autze, Sonntags and Feiertags Beilagen The Dduftriert« Cteöenei ^amtlienblittei Heimat im Bild Dir Schalle fflonafs Bejugsorets; 2.20 Reichsmark und 30 Relchspfennig für Trägev lohn, auch bet Nichterscheinen einzelner'.Hummern mfolg» höherer (Btroali Zernforechanlchlüste anterSammelnummer2251 fln|d)rift lür Drahtnachrichten Anzeiger Siesten. postfchecffonto: Kranlfvrt am Main 11686 GiehenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Dmrf tmö Verlag: vrühl'fche Untverfitüis-Vuch- unö Stetnönideret H. Lange tn Stehen. Schrtfttettvng und Geschäftsstelle: Schulttrahe 7. Annahme von Anzeigen für die lagesnummer bis zum Nachmitiag vorher. Preis für I mm höht für Anzeigen von 27 mrn Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» klameanzeigen von 70 m Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchnft 20" , mehr. Chefredakteur Dr Fnedr Wilh Lange. Derantwortlich für Politik Dr Fr Wilh Lange, für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumfchein und für den Anzeigenteil Max Filter fömtlich in (Biehen Die Wirtschastspartei rückt vom Kabinett Brüning ab. Oemiffionsgefuch des Reichsjustizministers Nr. Bredi. — Roch keine Entscheidung über sein Ausscheiden aus dem Kab.nett. Aber keine Folgen für die Politik des Reichskanzlers. Ner Beschluß der Wirtschastspartei Berlin, 25. Jloo. (TU.) Der Relchsaus- tchuh der wirlfchaflsparlei Hai im Einvernehmen mll dem Reichsjufiizminifler Dr. v r e d l heule einstimmig folgenden Beschluß gefaßt: „Bereits am 26. September 1930 hat der Reichs- ausfchuh beschlossen, daß sich die wirtschastspartei Reichsjustizminister Dr. B r e d t. an keiner Regierung im Reiche beteiligt, auf welche die Sozialdemokratie mittelbar oder unmittelbar Einfluß ausübt Die Ereignisse der letzten Zeit beweisen ab«, dah die Reichsregierung Brüning ihre Politik in Anlehnung an die Sozialdemokratie unter Preisgabe lebenswichtiger Interessen des deutschen Volkes und verdeutschen wirtschaft durchzuführen versucht. Rach Ansicht der wirtschastspartei können auf diese weise die großen Lebensprobleme des deutschen Volkes in der Innen- und Auhenpolilik nicht gelöst werden. Infolgedessen lehnl die Wirt- schaflspartei die weitere Unter st ü l - zung des Kabinetts ab.** Der von der Wirtschaftspartei gestellte Reichsjustizminister D r. vredl hat beim Reichs- kanzler Brüning bereits sein Rücktrittsge- f u ch eingereicht. Unmittelbar nach Eingang des vemissionsgesuches empfing der Reichskanzler den Parteiführer der wirtschastspartei Adg. D re- rn i h und den Abgeordneten Mollath (wp.), um mit ihnen über das Demissionsgesuch und seine Folgen zu verhandeln, Minister vredl selbst ist augenblicklich krank und von Vertin abwesend. Reichskanzler Dr. Brüning beabsichtigt, das Rücktrittsgesuch Dr. vredts erst nach einer persönlichen Rücksprache mit Dr. vredt an den Reichspräsidenten weiterzuleiten. Das dürfte voraussichtlich erst in der nächsten Woche möglich sein, da Dr. vredt erst dann nach Berlin zurückkehrt. Keine Konseguenzen. Kommt eine neue Notverordnung? Derlin, 25. QIod. (LU.) Das Rücktrittsgesuch des Reichsjustizministers Dredt hat nach Auffassung parlamentarischer Kreise die Tendenzen der Reichsregierung verstärkt, die daraus ausgehen, das Finanz- und Wirtschaftsprogramm durch Rotvcrordnung in Kraft zu sehen und den Reichstag vor vollendete Tatsachen zu stellen. Bekanntlich hat Dredt auf Wunsch seiner Partei schon einmal dem Reichskanzler feinen Rücktritt erklärt, war aber dann aus ausdrücklichen Wunsch des Reichspräsidenten geblieben. Dieser Vorgang dürfte sich diesmal kaum wiederholen, vielmehr rechnet man damit, daß der Reichskanzler den Rücktritt annimmi und daß das Justizministerium vorläufig unbesetzt bleibt, zumal es sich um ein unpolitisches Ministerium handelt, dessen Umbesetzung für die Gesamtpolitik der Regierung von verhältnismäßig geringer Bedeutung ist. Es ist deshalb wahrscheinlich daß der Kanzler dem Reichspräsi- uenten Vorschlägen wird, von einer Reubesehung ^.^Ministeriums durch einen Parlamentarier zunächst abzusehen und den Staatssekretär Joel mit der Leitung zu beauftragen, so daß also im Relchsjustizministerium derselbe Zustand geschaffen wurde wie im Rcichswirtschattsministerium. Die Erklärung der Wirtschastspartei verstärkt den Eindruck, daß die parlamentarische Durchbringung des Finanz- und Wirt- schaftsprogramms nicht möglich sein wird Die Besprechungen des Kanzlers sind zwar noch nicht abgeschlossen. Er hat heute die Abgeordneten Simpsendörfer und R i p p e l für die Christlich-Sozialen, Drewitz für die Wirt- fchaftsvartei und D ö b r i ch für die LandvolkPartei empfangen und wird die Besprechungen für die restlichen Gruppen morgen zum Abschluß bringen. Schon jetzt läßt sich aber erkennen, daß die Rotverordnung mit ziemlicher Sicherheit bis zum 3. Dezember zu erwarten ist. In Kreisen der Reichsrgeierung wird unterstrichen, daß die Abkehr der Wirtschaftspartei das Kabinett nicht von seiner bisherigen Linie abbringen wird. Der Kanzler wird das Sanierungs- Programm ohne jeden Zeitverlust in Kraft sehen, um so die Hand freizubekom- men für eine verstärkte Fortsetzung der Preissenkungsaktion. Sie wird durch das Ausscheiden der Wirtschaftspartei zum mindesten nicht erschwert. Gegenüber der Vermutung, daß eine ähnliche Tendenz wie bei der Wirtschastspartei auchbei der Landvolkpartei vorherrsche, wird übrigens betont, dah mit einem Ausscheiden des Ministers Schiele aus dem Kabinett nicht •3u rechnen ist. Nie Meinung der presse. Berlin, 26. Rov. (TU.) Das Zentrumsorgan, die „Germania", kommentiert den Ausbruch der Wirtschastspartei aus der parlamentarischen Regierungsfront mit auffallender Schärfe und Ironie. Das Blatt nennt die Begründung, die die Wirtschaftspartei ihrem Entschluß gegeben habe, eine glatte Unwahrheit. Gerade die Wirtschaft sei es, dje auf das Zustandekommen des Finanzprogramms dränge. Das Ausscheiden der Wirtschaftspartei sei ein Schwabenstreich, aber kein gefährlicher. Die politische Haltung der Wirtschaftspartei sei einfach grotesk. Der sozialdemokratische „Abend" nennt als Ursache des Ausscheidens der Wirtschaftspartei die Wut über den Preisabbau. Die „Bossische Zeitung" spricht von einer Flucht vor der Verantwortung. Me Führer der Wirtschaftspartei sähen die Rot- wendigkeit der Sanierungsmaßnahmen im großen und ganzen ein, hätten aber nicht den Mut, ihre bessere Erkenntnis vor dem Lande zu vertreten Aehnlich urteilt das „Berliner Tageblatt". — Die rechtsstehenden Blätter halten sich in ihrem Urteil zumeist zurück. Allein der „Lokalanzeiger" erinnert daran, daß früher amtlich versichert worden sei, niemand denke daran, das Steuerbewilligungsrecht des Reichstages, also das Grundrecht jedes Parlamentes, auszuschalten. Jetzt sei es bereits so weit, daß in aller Oeffentlichkeit davon gesprochen werde, die Regierung werde Artikel 48 erneut in Anspruch nehmen. Siädieiag und Preissenkung. Tatkräftige Mitwirkung von Handel und bewerbe. Berlin, 25. Rov. (TU.) Dom Deutschen Städtetag wird mitgeteilt: 3m Verfolg seines Strebens, mit allem Rachdruck an der Preissenkung aller Massenkonsumartikel mitzuwirken, hat der Deutsche Städtetag eine Besprechung mit Vertretern Dt*t Städten aus allen Teilen des Reiches abgehalten. So sehr es notwendig ist, in dieser Frage eine einheitliche Linie zu halten, so ist ein praktischer Erfolg letzten Endes doch nur durch individuelle örtliche Initiative und Arbeit sicherzustellen. Diese örtliche Aktion hat bereits jetzt sehr wichtige Ergebnisse gezeitigt. Unter voller Berücksichtigung der örtlichen Verschiedenheiten ist es nahezu überall gelungen, für Brot, Fleisch, Kartoffeln, Milch. Gemüse usw. zum Teil erhebliche Preissenkungen zu erreichen. Erfreu'icher- weise kann dabei hervorgehoben werden, daß die beteiligten Handels- und Gewerbekreise in zahlreichen Städten in voller Erkenntnis diese Aktion aus eigener Initiative mit gefördert haben. Ueberall sind weitere Verhandlungen im Gange. Auch das Zusammenwirken mit der Verbraucherschaft nimmt in den meisten Städten bereits feste Gestalt an. Von allen Seiten wird dabei jeder Gedanke an eine Zwangswirtschaft einmütig abgelehnt. Dafür muß aber anderseits für unbedingte Preiswahrhcit im Großhandel und im Kleinhandel gesorgt werden. Die Wiedereinführung des Preisaushangs bei Lebensmitteln ist unerläßlich. Agrarpolitik und Preisabbau. Eine Rede des Reichscrnährungs- ministers Lchiclc. Berlin, 25. Rov. (WTB.) Minister Schiele sprach im Rundfunk über das Thema „Agrarpolitik und Preisabbau" und betonte, daß man sehr zu Unrecht versuche, die deutsche Agrarpolitik gegen die Preisabbaubemühungen der Reichsregierung auszuspielen. Beide hätten vielmehr ein gemeinsames 3 i e l Der Preisabbau wolle verhindern, dah die notwendig gewordene Kürzung der Gehälter und Löhne die allgemeine Kaufkraft schwäche die deutsche Agrarpolitik habe als vornehmstes Ziel die Stärkung der Kaufkraft der deutschen Landwirtschaft. Der Minister wieS sodann darauf Hirt, dah der Index für Qlararftoffe bei 110 stehe, während die Meh- ziffern für die industriellen Fertigwaren und für die Lebenshaltung bei 145 und für Ernährung bei 139 lägen. Die 30 Punkte Spanne zwischen Agrarstofsen und den übrigen Mch- zifsem bedeuten, dah das organische Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Wirtschaftszweigen auf das schwerste gestört sei. Dies wiederum sei eine der Haupt- ursachen der Arbeitslosigkeit. Aus landwirtschaftlichen Kreisen ist befürchtet worden, dah letzten Endes die Bemühungen zum Senken der Handelsspanne auf Kosten der Landwirtschaft ausgetragen würden, indem die Senkung der Handelsspanne fortgepflanzt wird in einen Druck auf d i e Erzeugerpreise. Die Landwirtschaft handelt nicht nur im eigenen Interesse, sondern kämpft für den wirklichen Sinn der Aktion der Reichsregierung, wenn sie sich dagegen verwahrt, dah die Preisabbau - Maßnahmen z u ihren L a st e n gehen. Der Preisabbau darf nicht bei den Lebensmitteln allein stehen bleiben, er muh sich auf die gesamte Lebenshaltung er st recken. Reichsverkehrsministerium und Reichsbahn sind erfreulicherweise nach dieser Richtung hin nachdrücklichst bemüht. Aller dieser Arbeit liegt das Ziel zugrunde, die einzelnen Zweige der deutschen Wirtschaft dem Wohle der gesamten Wirtschaft einzuordnen, damit Gütererzeugung und Erwerbstätigkeit wieder ins Gleichgewicht kommen, und damit alle großen Derussgruppen sich als kaufkräftige Abnehmer gegenteilig fördern und ergänzen. Ein jeöer weiß, daß es sich dabei im ganzen nicht allein um innerdeutsche Fragen handelt, sondern daß diese innerdeutschen Fragen endgültig nur zu lösen sind im Zusammenhänge mit dem Reparationsproblem. Ader diejenige Regierung, die sieht, daß ihr Appell um Opfer und Mitwirkung vom Volke verstanden wird, wird auch mit besonderer Kraft das Ringen um die endgültige Befreiung durchzufüh- ren in der Lage fein. Abänderungswünsche der Christlich-Sozialen. Berlin, 25. Rov. (VDZ.) Reichskanzler Dr. Brüning empfing heute als Vertreter der Reichstagsfraktion des Christlich-Sozialen Volks- dienstes die Abgeordneten Rippe! und Simpfe n d ö r s e r, denen er den Wunsch der Regierung übermittelte, daß der Reichstag die vom Reichsrat bereits verabschiedeten Deckungsvorlagen beschleunigt erledigen möge. Der Christlich-Soziale Volksdienst, der in einer Fraktionssitzung den Bericht feiner Unterhändler entgegennahm, verlangt nicht die vollständige Aushebung der Rotverordnung, hat aber einige Aenderungswünsche. Er wendet sich vor allem gegen die bei den Krankenkassen neu ein» geführten Krankenschein- und Re^ept- gebühren. In steuerlicher Beziehung Ist der Christlich-Soziale Dolksdienst ein Gegner der Verzehr steuer, während er einer an der Quelle erhobenen verstärkten Bier st euer z u ft i m m e n würde Die Wünsche der Fraktion gehen weiter auf eine sozialere Gestaltung und Staffelung der Bürgersteuer hin. Der Generalkonsul in Kattowih berichtet. Erdrückendes Material für die Terrorpolitik der Polen in Ostob.rsch testen. Deutschland wird in Gent intervenieren. B e c Li n, 25. Roo. (ERB.) Der deutsche Generalkonsul in kattowitz Freiherr von Grünau ist heute früh in Berlin eingetroffen und hat dem Auswärtigen Amt einen Bericht über die polnischen Terrorhandlungen gegen die deutschen Minderheiten in Oberschlesien erstattet, wie wir von gut unterrichteter Seite erfahren, enthält der Bericht des Generalkonsuls ein derart umfangreiches und stichhaltiges Material über die polnischen Ausschreitungen, dah es möglich sein wird, auf Grund des Minderheilenabkommens und der deutsch-polnischen Konvention über Oberschlesien die entsprechenden Schritte beim Völkerbund s- ral zu unternehmen. Rach Artikel 72 der Genfer Konvention über Oberschlesien ist jedes Mitglied des v ö l k e r b u n d s r a t e s befugt, die Aufmerksamkeit des Rates auf die Verletzung der Verpflichtungen über den Minderheitenschutz hinzuweisen Der Völkerbundsrat ist weiterhin befugt, alle Mahnahmen zu treffen und Weisungen zu geben, die wirksam erscheinen, um weitere Verletzungen des Minderheltenabkommens unmöglich zu machen. Schluß mit einer Politik her Schwäche. Urbanck fordert .Kurswechsel in der Politik gegen Polen. Berlin, 25. Rov (CRB.) Der ßanbrat des Kreises Beuthen-Tarnowitz und frühere deutsche Abstimmun^skommi'sar Dr. Urbane k stellt in ter oberschl fischen Zentrumsprcsse fest, daz Polen mit den viehischen Ausschreitungen in Ostoberschlesien die offene Feindschaft eindeutig erklärt hat Urbanck stellt zwei Forderungen dazu auf: Keine Vergeltung an den polnisch denkenden deutschen Staatsbürgern, aber alle Energie nach außen, keine schwache Haltung zeigen. Wer jetzt Schwäche zeige, ermuntere die Polen zu neuen Greueln und mache sich mitschuldig, wenn uns unsere Volksgenossen von drüben ihre zerschlagenen Körper und ihre zerstörten Hütten zeigten. Urbanck stellt weiter fest, daß in Oberschlesien tiefe Unzufriedenheit über die Art und Weife herrsche, wie die Reichsregierung die letzten Jahre hindurch die oberschlesische Sache vertreten hat. „Wir haben durch unsere Schwäche" so sagt er u. a., „durch unser ständiges Zurückweichen die Polen herausge- fordert. Es handelt sich jetzt darum, grundsätzlich mit der Art und Weise zu brechen, wie unsere Dinge bisher angepackt worden sind" Urbaner wendet sich weiter an das Aus- w ä r t i g e Amt: Schonungslos müsse auf einer außerordentlichen Tagung des Völkerbundes i n Genf über die Scheußlichkeiten der Polen ge- sprachen und keine Begütigung dürfe zugelassen werden. „Wir sind es unserer Ehre schuldig hierauf nicht wieder mit Anbiederung und Ver- ftandigungsoerfessenheit zu antworten." Angesichts der abgrundtiefen Feindschaft, die das polnische Volk letzt dem deutschen Volk erklärt hat, oertritt Urbanef den Standpunkt, daß der Reichspräsident seine Mitwirkung zum Vollzüge des deutsch-polnischen Liquidationsoer- träges, der noch aus der Zeit der Illusionen stamme, nicht geben dürfe. Das deutsch-polnische Verhältnis sei durch die polnischen Scheußlichkeiten in Ostoberschlesien neu aufgerollt. Deutschland steht vor neuen Tatsachen und werde seine ganze Politik Polen gegenüber entsprechend einzurichten haben. Ein offener Brief an den präsidenien Calonder. Die obcrschlesischcn Verbände fordern Rückgabe Lstoberfchlesiens. G l e i w i h, 26. Rov. (TU.) Die Vereinigten Verbände Heimottreuer Oberschlesier, der Deutsche Evangelische Volksbund Oberschlesiens und der Oberschlesische Kulturverband haben einen offenen Bries an den Präsidenten der Gemischten Kommission, Calonder, gerichtet, in dem erneut schärfster Protest gegen den blutigen Terror, unter dem die deutsche Bevölkerung in Ostoberschlesien leidet, eingelegt wird. Es heißt darin u. a.: „Wir erwarten, daß Sie, Herr Präsident, als Vertreter des Völkerbundes alle Ahnen zu Gebote stehenden Mittel anwenden, damit die jeder Gesittung und Menschlichkeit Hohn sprechende Behandlung unserer Volksgenossen aufhört. Wir können uns damit nicht einverstanden erklären, daß Ihr Einfluß sich auf Vorstellungen beim Woiwoden Graczyns ki beschränkt. Wir machen diesen vor aller Welt für die Greueltaten mit verantwortlich, da er selbst Aufständischer ist und die Aufständischenverbände seines Schutzes versichert. Wir bitten Sie, beimVölkerbund dem entweder die Macht oder der Wille fehlt die Minderheiten zu schützen, dahin zu wirken, 'daß der Fehlspruch der Botschast.rkonferenz gutgemacht und O st o b e r s ch l e s i e n dem ihm ful- nrrcll, wirtschaftlich und national verbundenen Deutschland zurückgegeben wrde. Rur auf diesem Wege kann die in bedrohliche Rähe 2^-?-A^sgesahr. hervorg rufen durch die Aufständischen und ihre amtlichen Schützer be» fertigt werden." ' Das schlechte Gewissen. touUl 25 ?0D- (WTB.) Wie die polnische Presse heute meldet, sind derGemeinde- «-.0/ 9 e 1 und der polnische Schulleiter in Doyenbirken wegen der Terrorakte gegen die deutsche Bevölkerung ihres Amtes enthoben worden. Gegen sie wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Der Polizeikommandant wuroe auf dem Disziplinarwege verseht. Das Woiwcdschaftsamt hat für die Geschädigten vor- laufig 3500 Zloty zur Verfügung gestellt. Sie polizeilichen Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. Doch wurden bereits 13 Personen, die P.et Beteiligung an den Terrorakten beschuldigt find, fest genommen. Oer ©freit um die Verwaltungsratssitze der Reichsbahn. Oer ©taatsgerichtshof entscheidet zugunsten der Länder. Das Reich hat sich vor dem Staatsgerichtshof in seinem Verfassungsstreit mit Vaden, Bayern, Sachsen und Württemberg eine ziemlich peinliche Riedcrlage geholt. Kampfobjekt war dicBenennungvonVerwaltungs- rats Mitgliedern der Deutschen Reichsbahn, und der Staatsgerichtshof hat gegen das Reich für die Länder entschieden. Damit ist diese unerquickliche Angelegenheit, die nun schon seit Jahr und Tag andauert und die 1928 zum Rücktritt des Reichsgerichtspräsidenten Simons führte — weil das Reich am Tage vor dem Spruch des Etaatsgerichtshofes in aller Plötzlichkeit die freigewordenen Stellen im Verwaltungsrat besetzte — hoffentlich endgültig erledigt. Er hat nicht gerade dazu beigetragen, die Hochachtung vor der Weisheit zu erhöhen, mit der gegenwärtig die Beziehungen zwischen Reich und Ländern geordnet sind. Der ganze juristische Zusammenhang ist so ungewöhnlich verwickelt, daß der normale Staatsbürger ihn kaum begreift. Die Länder stützen sich darauf, dah ihnen in den Staatsverträgen, in denen sie dem Reich ihre Eisenbahnen abtreten, einen Sih im Verwaltungsrat zu gebilligt sei, das Reich redete sich darauf hinaus, das) diese Zusicherung nur für die ursprüngliche Reichsbahn gegolten habe, nicht aber für die spätere Reichsbahngesellschaft, die unter dem Dawesplan errichtet werden muhte. Die Zahl der Verwaltungsratsmitglieder sei damals von 30 auf 18 ermäßigt, von den 18 habe die Hälfte der Treuhänder zu besehen gehabt, so daß das Reich von den wenigen Sitzen, die ihm zur Verfügung standen, keine entbehren könne. Inzwischen ist ja durch den Voungplan der Treuhänder außer Kraft gesetzt, das Reich hat alle 18 Stellen zu besehen. Vier allerdings gebühren den Vorzugsaktionären, einen hat sich Preußen vor dem Staatsgerichtshof bereits erstritten. Die anderen 13 wollte das Reich sich Vorbehalten: mit dem Ergebnis, daß es davon jeht vier weitere an die Länder verliert. Der Ausgang hätte sich bei klügerer Taktik sicherlich vermeiden lassen. Es war nicht notwendig, eine Entscheiduna des Staatsgerichtshofes zu erzwingen. Das Reich hätte von sich aus viel klüger daran gehandelt, wenn es sich mit den Ländern verstän- d i g t e, indem es ihnen ^twa ein Vorschlagsrecht einräumte, denn das politische Recht ist zweifellos auf Seiten des Reiches. Der Verwaltungsrat soll in erster Linie eine wirtschaftliche Angelegenheit sein. Er soll die Finanzpolitik der Reichsbahn beaufsichtigen. Sein Zweck aber wird verfälscht, wenn hier Beauftragte der Länder nack- rein regionalen Gesichtspunkten ihre Stimme abgeben. Während nichts dagegen einzu- wenden märe, wenn die vom Reich aus gewählten wirtschaftlick-en Vertreter auch die Interessen der verschiedenen Länder nebenbei mit berücksichtigen könnten, so ist nun jedoch erreicht, daß ein Fremdkörper im Derwaltungsrat der Reichsbahn bleibt; und das alles nur zum Schaden der Sache, weil ein schlecht beratener Bürokratismus den Streit um eine juristische Interpretation in einen staats- politischen Prestigekampf umzumünzen verstand. Der Untergang der „Luise Leonhardt". Eine furchtbare ©chiffstragödie in der Elbmündung. — Oas Opfer des Orkans und der Untiefen der Nordsee. Hamburg, 25. Rov. (ERD.) Kleber den Untergang des Hamburger Dampfers „ßu t f e Leonhardt“, der, wie gemeldet, dem furchtbaren Orkan der Sonntagnacht In der Elb- mündung auf Groß-Vogelsand zum Opfer gefallen ist. erfährt das Hamburger Fremdenblatt in einer llnterrcbung mit einem Mitglied der Rettungsbesatzung, die dem Schiff auf seine SOS-Rufe zu Hilfe eilte, noch folgende Einzelheiten: Als der Bergungsdampfer „Hermes" der Bugsier-Reederei und Bergungs-AD., Hamburg, der auf Station in der Rordsee lag, am Sonntagabend kurz nach 8 Llhr die drahtlosen Hilferufe des in höchster Seenot befindlichen Dampfers „Luise Leonhardt" hörte, lief das Schiff sofort aus. 'Die Schiffsleitung des Hamburger Dampfers, der durch den Bruch des Ru - Dergeschirrs ein Spiel der Wellen wurde und gegen die Llntiefe trieb, telegraphierte bald nach dem Loswerfen des Dergungs- dampfers, daß die Seen die gesamten Deck - auf bauten einschl. der Rettungsbooteweggerissen haben, und daß sich die Schiffsbesahung in äußerster Lebensgefahr befinde. Die Rotrufe wurden immer dringender. Die schweren Grund'een schlugen in regelmäßigen Intervallen gegen das sinkende Hauch von Paris. Don Albert H. Rausch. X. Soiree de Paris: S^lect. Wir verlassen das Varictö erst kurz vor dem Schluß der Vorstellung. Eine ganze Skala der verschiedensten Empfindungen haben wir durch- laufen. Reugierde. Spannung, Verblüffung, Wehmut (als eine Russin Steppenlieder auf russisch fang und sie dann mit sentimentalen amerikanischen Schmarren aus dem Gedächtnis fort- drängte) — — aber vor allem haben wir gelacht. Run stehen wir auf der Straße, die mit Menschen überfüllt ist, und überlegen, wie wir den Abend beschließen werden. Run werden wir das tun, was Sie wollen, sage ich zu Georges. Wirklich? lächelt er. Bestimmt. Also dann werden wir nur noch ins Cafe Sölect gehen und plaudern. Lind einen Whiskv trinken. Es ist köstlich, die paar Schritte durch die milde Luft zu Fuß zu gehen. Es ist so warm, dah man kaum den Mantel erträgt. Das Innere aller Kaffeehäuser ist leer. Aber die Menschen drängen sich auf den Terrassen. Kein Stuhl ist frei. Wäre die Luft in Paris besser, ja wäre das Klima überhaupt erträglicher, so könnte dieses Leben im Freien eine ungetrübte Freude sein. Es ist nur eine sehr geteilte Freude: denn was man einatmet, ist nur eine halbe Luft. Lind diese Aft doll Ruß und Schmutz — ganz ohne Kraft. Im Sammer oft so dick, so schwer, dah man nach Atem ringt. Hier liegt die einzige — aber auch sehr gewichtige — Schattenseite von Paris. Will man in den Hundstagen wirklich atmen, so muh man schon recht weit ins Land hinaussahren — oder ans Meer. Wer von den Parisern Geld genug hat, tut es auch. Die Wanderungen (von Samstag bis Montagfrüh) nach Paris-Plage (wie sich der nächste Seeplatz am Kanal nennt) sind an der Tagesordnung, und sie beginnen oft schon zu einer Zeit, wo an Baden im Meer noch nicht zu denken ist. — Georges liebt es deswegen, mit mir am „S6lect" zu sitzen, weil er sehr neugierig ist. Da ich viele von den jungen Künstlern renne, die sich hier ein Rendezvous geben, kann ich ihm allerlei erzählen. Lind so wenig mitteilsam er in seinen eigenen Angelegenheiten ist, so gerne laßt er sich berichten. Man kann ihm auch berichten: Er wird keine Silbe weitertragen. Er weih, dah daS unbedingte Vertrauen, welches er einflößt, das A und O seines Lebens ist. Der Geschäftsführer macht mir zwei kleine Strohsessel an der Wand der Terrasse frei. Wir sehen uns. Georges bestellt sich eine „Infusion“. Das ist ein Lindenblütentee. Diele Franzosen schließen mit einem solchen Getränk ihren Tag ab. Es ist guter Stil, es zu tun. Ich will von diesem guten Stil durchaus nichts wissen und bestelle mir einen Black and White. Es herrscht ein großes Gehen und Kommen auf dem Boulevard Montpar- nasse, vor uns, und am Casü selbst. Wir nehmen die Parade ab — und ich erkläre: Svend - fen, dänischer Journalist, Deutschenhasser. Tut Schiff und zertrümmerten die Luken. Besonders schwere Brecher rissen das tief beladene Schiff in die Höhe, das einige Sekunden später wieder aufschlug. Der Funker gab ununterbrochen Auskunft über die immer verzweifelter werdende Lage des Schiffes. Als Wasser in die Räume drang und die Brücke schon fast weggeschlagen war, rlß eine gewaltige See das Schiss los und warf es auf die Untiefe. Die Besatzung rettete sich dann in die Masten. Inzwischen war der Ber^ungsdampfer so dicht herangekommen, daß die Flackerfeuer des unter- gehenden Schisses gesichtet wurden. Die See war derart aufgewühlt, dah ein Längsseitssahren an den Dampfer in der Nacht unmöglich war. Die g e • fürchtetfte Stelle der ganzen Nordsee, die Untiefe des Vogelsandes, wird bei stürmischem Wetter dadurch so gefährlich, dah die Grundsecn an dieser Stelle mit einer furchtbaren Wucht auftreten und alles zerschlagen, was hier angetrieben wird. Schiffe, die im Sturm hier auflaufen, sind in den meisten Fällen verloren. Der Bergungsdampfer konnte bis auf eine Seemeile an das untergehende Schiff herankommen und wollte dann, da augenblicklich Hilfe unmöglich, das Tages- licht abwarten. Die See und der Sturm waren der- sich immer wichtig, spricht laut ein schlechtes Französisch, hat immer Bücher und Zeitschriften unter dem Arm und klopft gerne Leuten auf die Schulter. Die Franzosen nennen ihn: La puce de Montparnasse: Floh von Montparnasse. Per- rin, junger Maler aus Genf. Sehr begabt. Aber das Kalvinistische kann nicht aus ihm heraus. Genf und Paris vertragen sich niemals. Es scheint nur so. Vielleicht würden sie sich vertragen, wenn es morgen auf der Welt keine Betschwestern und keine Freudenjungfrauen mehr gäbe. Perrin weiß nie, in welche dieser beiden Kategorien er gehört. Hahfurth, deutscher Berichterstatter. Gewichtig, schwerfällig, muffig. Richt mehr jung, aber ganz unausgeglichen, ücnia, seine Freundin, ist Russin (aus der Gegend von Saratow). Sie hat immer einen abscheulichen Dologneserhund bei sich, der nie gewaschen oder gekämmt wird. Sie ißt, so oft ich sie sehe, Welsh Rarebit. Landmann, deutscher Zeichner. In Breeches aus dunkelgrünem Lodenstoff, breitkrempiger Hut, gegen den Racken geschoben. Iovial, vielbeschäftigt, sehr bekannt, Hans Dampf in allen Gassen. Er zeichnet alles, was vor ihn kommt. Großindustrielle, Botschafter, Kokotten, Deputierte, Dichter, Gigolos, Zeitungsfrauen, Flics, Kellner, Prinzessinnen aus dem Balkan, Iockeys, Regergirls, Qlnnamitcn.... Er grunzt, trinkt, raucht (Toskanis) und zeichnet. Ein Kerl, der es geschafft hat. Wilson and Thimney, genannt: Oskars Enkel (les petits- fils d’ Oscar). Oscar = Wilde. Also zwei junge Engländer. Sehr elegant. Sehr vermögend. Orchideen im Knopfloch. Trfcs chichi (unübersetzbar). Sie könnten ihre eigenen Großväter sein. So waren junge Leute um 1890 (denke ich mir). Sie kommen nicht ins Caf6: sie treten auf. Gegen 1. Llhr früh. Sie sind oft im Frack. Man glaubt ihnen, daß sie auf einem Diner waren. Sie sprechen nie ein lautes Wort. Wilson sieht dem Prinzen von Wales ähnlich. Er soll sehr feine, aber sehr altmodische Strophen schreiben. Marion, eine Chilenin. Bildhauerin. Zarte, melancholische Frau. Sehr schön. Llnwahrscheinlich durchsichtige Hände. Evelyn, ihre Freundin. Irin. Blond, schwarze Brauen, graugrüne Augen. Teppichweberin (alte irische Muster). Rührend besorgt um Marion. In der Gesellschaft dieser beiden Damen ist oft ein schwedischer Tänzer, Seth genannt. Man nennt ihn auch: „das blonde Gift" — und erzählt phantastische Dinge über seinen Lebenswandel. Man kann sie nicht wiederholen. Aber sie sind sicherlich wahr. Er hat ein hartes, straffes Gesicht und eiskalte, hellblaue Augen. Sein Benehmen ist vollendet. Es sind immer* Frauen mit ihm und um ihn.... Craigworth, junger, amerikanischer Schriftsteller. Kommunist. Sehr klug. Schmutzig. Schlampig. Ohne Erziehung. Ein Kind. Er ißt immer Schokolade. Er las mir aus seinem Buch über Paris ein paar Seiten: ergreifend schön. Heimweh Amerikas nach Europa. Kondourdtis, griechischer CÖßrfen- mann. Hervorragende Erziehung, hohe Dildung, reich. Unglücklich durch seine Häßlichkeit. Rur art rasend, daß diese Nähe an der Untiefe schon eine drohende Gefahr für das Schiff und die Bergungsbesatzung bedeutete. Die Flackerfeuer und SOS-Rufe der „Luise Leonhardt" hörten bald nach 11 Uhr auf. Die Masten, auf denen die Besatzung Schuh vor den gewaltigen Brechern suchte, wurden durch eine einzige See über Bord geschlagen, von diesem Augenblick an war das Schicksal von Schiff und Menschen entschieden. Die Haltetaue hielten die schweren Masten längsseits des Dampfers und schlugen mit der See von Außenbord leck und zermalmten die Schiffbrüchigen, die sich an die Masten und das Tauwerk anklammerten. Drei Stunden hat der furchtbare Kamps mit der See gedauert. Kurz nach 11 Uhr war kein Licht und kein Lebenszeichen von den Leuten mehr zu beobachten. Als am Montagmorgen der Schlepper „Heros" und die Rettungsbapkaffe „Laisz" an die Unfallstelle eilten, war von dem Hamburger Dampfer nur noch ein kleiner Teil des Vorschiffes zu sehen. Der Malstrom und die furchtbare See hatten in den wenigen Stunden das Schiff und die Besatzung in die Tiefe gerissen. Wie mitgeteilt wird, soll die Leiche des Kapitäns Hoffmann bei Rieschen angetrieben sein. Eine Bestätigung der Identität des Kapitäns war noch/nicht zu erhalten. Der neue Prozeß gegen Konterrevolutionäre in Moskau. Die Angeklagten gestehen. - OemonstrationSzÜge fordern das Todesurteil. Moskau, 25. Rov. (WTB. — Telegraphenagentur der Sowjetunion.) Die Verhandlung vor dem Obersten Gericht der L1DSSR. in Sachen der sog. „Industriepartei" wurde heute eröffnet. Angeklagt sind Professor Ramsin und andere Professoren und Ingenieure wegen Organisierung von S ch ä d l i n g s a k t e n und Vorbereitung einer Intervention der Auslandstaaten. Der Verhandlung wohnen über 1000 Arbeiter sowie viele hervorragende Gelehrte, Ingenieure, Schriftsteller, Vertreter der Sowjetprefse und mehr als 70 Berichterstatter der Auslandpresfe bei. Die Verhandlung begann mit der Verlesung der Anklageschrift. Während der Sitzung durchziehen Demonstrationszüge mit Musik die Straßen. Der Zug endete beim Gewerkschafts- Haus, in welchem die Gerichtsverhandlung abgehalten wird. Die Demonstranten, deren Zahl eine Million überstieg, führten Plakate und Inschriften mit, wie „Die Vorbereitung der Intervention beantworten wir mit der Ausführung des Fünfjahrplanes in vier Iahren", „Wir verlangen Llnerbittlichkeit vom proletarischen Gericht" und dergleichen mehr. Rach der Verlesung der Anklageschrift begann der Gerichtshof mit der Vernehmung der Angeklagten. Professor Ramsin leitete seine Aus-, sage mit der Erklärung ein: „Ich will mich nicht verteidigen, denn meine Schädlings- und Verräter tätigtet! i ft klar. Ich möchte, daß durch diesen Prozeß die Richtigkeit konterrevolutionärer Versuche zutage tritt und der Widerstand eines gewissen Teiles der Ingenieure und der technischen Kräfte aufhort." Sodann berichtete Ramsin über die Organisierung des von Paltschinski geschaffenen Ingenieurzentrums und schilderte die Tätigkeit der gegenrevolutionären! Organisation, als sie sich bereits mit dem „Handels- und Industriekomitee" in Paris — einer Organisation russischer Weißgardisten — und mit einzelnenMitgliedernfranzösischer Regierungskreise zur Beratung der für 1928 in Aussicht genommenen Interventionspläne in Verbindung gesetzt hatte. «In jenen Zeit ging der Gedanke einer Intervention", wie Ramsin betonte,, „mehr von Regierungskreisen Frankreichs und Englands als voni Handels- und Industriekomitee aus. Während eine Anzahl von Mitgliedern den „Industriepartei", unter ihnen Fedotow und Sit- nin, auf Reisen waren, traf die Rachricht von Verhandlungen des Handels- und Industriekomitees mitPoincars und D r i a n d ein, die dazu dienten, die Intervention zu organisieren. Im gleichen Iahre überzeugten wir uns, d. h. Laritschew und ich daß die Frage einer Intervention in England und in Frankreich ernst gemeint wurde. In Paris fand dann eine Konferenz statt, an der außer mir und Laritschew die Mitglieder des Handels- und Industriekomitees teilnahmen. Ich und Laritschew berichteten über die Lage in der Sowjetunion, über die Tätigkeit der „Industriepartei" und besonders über die Lage der sowjetrussischen Oel- industrie. Die Mitglieder des Handels- und Industriekomitees betonten die dringliche Rotwendigkeit, die Intervention von innen vorzu - bereiten, denn die Vorbereitung von außen, die vom Handels- und Industriekomitee betrieben wurde, verliefe erfolgreich." Keine Nachricht von der deutschen Grönlandexpedition Was ist aus Professor Wegener geworden? (Berlin, 25.Rov. (WTD.) Seit fast zwei Monaten fehlt jede Rachricht von den Teilnehmern der deutschen Grönland-Expedition Prof. Wegeners, die seit Frühjahr dieses Iahres auf dem grönländischen Inlandeis mit wissenschaftlichen Forschungen beschäftigt ist. Die Expedition hatte auf der Mitte der grönländischen Eiskappe in 3000 Meter Höhe. 400 Kilometer von dem Ost- und Westrande entfernt, eine De- vbachtungsstation errichtet, in der der Hamburger Meteorologe Dr.Georgi feit Mo- noch in den schönen Dingen lebend. Monarchistisch bis zum Fanatismus.... Endlos geht die Reihe weiter.... Llnsere Fröhlichkeit ist dahin. Lind Georges findet das richtige Wort, als er im Aufstehen Maeterlinck zitiert: „O la tristesse de tout cela, o la tristesse.. (wird fortgesetzt.) Gießener Gtadttheater. Gerhart Hauptmann: „Rose Bernd". Es liegt, zeitlich und geistig, ein weiter Raum zwischen diesem Schauspiel von 1903 und dem jüngsten Buch Gerhart Hauptmanns; das ist ein dünnes Bändchen, „Die Spitzhacke" überschrieben, und führt nach mancherlei Umwegen zurück in das Kinderland feiner schlesischen Heimat, auf deren Boden auch die „Rose Bernd" gewachsen ist samt manchen anderen Werken, die später einmal stärker und überzeugender die dichterische Kraft Hauptmanns beglaubigen werden als so vieles, was er nach den Kampfjahren des Naturalismus geschaffen hat. Fünf Jahre nach dem „Fuhrmann Henschel", im April 1903, saß Hauptmann auf der Geschwo- renenbank im Schwurgericht zu Hirschberg, wo man cin°r jungen ledigen Mutter wegen Meineides und Kindesmordes den Prozeß machte. Diese Verhandlung, welche mit einem Freispruch endete, legte, unmittelbar anregend, den ersten Keim zu der alsbald niedergeschriebenen schlesischen Bauerntragödie, die mit einem hoffnungslosen menschlichen Zusammenbruch ihren aufwühlenden Abschluß fand. * Wie der Fuhrmann Henschel an der Niedertracht einer gemeinen Weibsperson zugrunde geht, so wird die Bauerntochter Rose von der Brutalität einer gewissenlosen Männlichkeit in die Enge getrieben, eingeschüchtert, verängstigt, gewürgt und gehetzt, bis sie in ihrer Verzweiflung jeden Halt und alle Besinnung verliert. So wird — wie der Henschel sich am Ende in einen freiwilligen Tod verirrt — das Mädchen zur meineidigen Kindesmörderin ... durch die Schuld ihrer Mitmenschen. * Und wie diese beiden schlesischen Schauspiele sich ergänzen und Gegenstücke sind in der Vertauschung und inneren Umkehrung ihrer dramatischen Fabel, so sind beide auch ihrer künstlerischen Form nach verwandt und benachbart: es ist mit Recht darauf hingewiesen worden, wie sehr gerade diese, auf den ersten Blick so völlig realistischen Stücke in ihrem inneren Stil und ihrem Ausbau schon über den Naturalismus hinaus gelangen, dem sie entwachsen sind. Sie finden wieder den Anschluß an eine Dramenform, die mit der damals jüngsten Richtung verlorengegangen schien oder vielmehr bewußt ausgeschaltet wurde: in ihnen ist die Zustandsschilderung nicht mehr ein über die Handlung triumphie- naten mit meteorologischen Messungen beschäftigt ist. Lim diese Station für den Winter mit Proviant zu versorgen, war der Leiter der Expedition Professor Wegener mit Dr. L o e b e. 13 Grönländern und einer entsprechenden Zahl Hundetransportschlitten Ende September aufgebrochen. Am 2. Oktober telegraphierte Wegener: Aus der vierten Hundeschlittenreise zur Zentralstation, mitten im Inlandeise trat plötzlich ein We 11ersturz ein, der enorme Kälte brachte. Von unseren Grönländern wollten neun nicht mehr weiter und kehrten zurück. Dr. Loebe und ich mit vier Grönländern weitergegangen. Dieses Telegramm, das von den zurückkehrenden Grönländern aufgegeben worden ist, ist die letzte renber Eigenwert und Selbstzweck; hier verläuft auch nichts mehr im Sande, wie man es, für die naturalistische Dramaturgie sehr bezeichnend, genannt hat; man kam vom „Milieu" wieder zur „Entwicklung"; hier ist wieder Handlung, dramatische Handlung, aus Kraft und Gegenkraft gespeist, gesteigert, zugespitzt und zu einem sehr entschiedenen und endgültigen Abschluß gebracht. * Wir sehen -das Stück heute anders an, als man es zur Zeit der ersten Aufführung beurteilt hat; aber es ist schon früh und nicht mit Unrecht empfunden worden, daß dieses Schauspiel nicht nur menschlich ergreifend, sondern in manchen Szenen auch quälenb unb nervenzermürbenb wirke. Die Regie sollte also barouf bebacht sein, bas Drama so einfach unb so gemäßigt unb gemilbert spielen zu lassen, wie es ohne Vergewaltigung seines Schöpfers möglid) ist. Es ist ein Verdienst ber von Fafso11 geleiteten Aufführung, baß sie auf bie Herausarbei- tung ber menschlichen Umrisse bebacht war unb die naturalistischen Kraßheiten unb überscharfen Akzente tunlichst vermieb. Immerhin hätte ber letzte Akt, der an den Zuhörer doch erhebliche Anforderungen stellt, noch verkürzt, beschleunigt unb gebämpft werben können. Die Bewältigung bes Dialektes (ein schwacher Punkt in ben allermeisten Hauptmann-Aufführungen) bereitete auch hier mancherlei Schwierigkeiten; bie Lokalfarbe bes Dramas tarn nicht recht heraus. Ein entschiedener Höhepunkt gelang im dritten Akt, dessen szenische Spannung mit ber Gewit- terftimmung bes sommerlichen Landschaftsbildes harmonierte. (Dekorationen von Löffler.) * Die stärkste Stütze ber Regie war Hilde Schwend in der seinerzeit von Else Lehmann kreierten Rolle der Rose. Sie beherrschte die große Partie mit ökonomischem Ueberblick unb sparsamen Mitteln; sie begann mit einem ganz leichten, heiteren Akkorb, steigerte sich allmählich, ohne peinliche Theatralik, unb fand nach kurzer Sammlung im Mittelakt überzeugenben Ausbruck für ben menschlichen Zusammenbruch. Es war bei weitem bie beste Leistung, bie man bisher von dieser Schauspielerin zu sehen bekam. Von ben übrigen ist Bäuerle als Streckmann zuvörberst zu nennen, ber nicht nur als einziger dem Dialekt völlig gewachsen war, fonbern auch sonst eine ganz geschlossene Darftellung bot, obwohl er auf ben „schönen Mann" mit breitem Vollbart verzichtete, ben Hauptmann sich vorgestellt hatte. — Sympathisch unb männlich gab Hauer den Christoph Flamm. — Die bemitleidenswerte Erscheinung des August Keil wurde von Bruck (besonders im vierten Akt) treffend chargiert. — Maria Koch (Frau Flamm): ein wenig blaß; Fasfott als alter Bernd zu theatralisch im letzten Akt. ♦ Im Zuschauerraum herrschte, besonders gegen Ende, störende Unruhe. Auch wurde an den ungeeignetsten Stellen gelachr. Der Beifall zuletzt war verdient. hth. Nachricht von Wegener. Nach Meldungen von der Dfttüfte Grönlands wurden dort in Meereshöhe Temperaturen von 20 Grad unter Null festgestellt, für die Höhe des mittleren Inlandeises hat man solche von mindestens minus 50 Grad, wahrscheinlich noch darunter, errechnet. Wenn natürlich auch die Möglichkeit besteht, daß das Fehlen von Telegrammen aus Störung des Senders der Expedition zurückzuführen ist, und daß gleich- zeitig eine Motorbootverbindung zwischen Kamaru- juf, der Operationsbasis der Expedition, zur nächsten dänischen Senderstation durch ungünstiges Wetter unmöglich wurde, so liegt immerhin die Befürchtung nahe, daß die Führergruppe verschollen ist. Allerdings ist Professor Wegener einer der er- - fahrensten und erfolgreichsten Grönlandforscher der Welt: aber als ungünstiges Moment kommt hinzu, daß kein Mensch aus eigener Erfahrung die Winter Verhältnisse auf dem Inlandeise kennt, daß also Wegener einen Vorstoß in völlig unbekanntes Gebiet unternommen Hot. Auch die Ostgruppe hat keine Verbindung mehr mit den übrigen Teilen der Expedition, wie folgendes Telegramm an die Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft beweist: Oststation Nähe Nordostbucht des Scoresbysund im vollen Betrieb, Haben Verbindung mit Rundfunksendern und vielen Kurzwellensendern und hören Rundfunkprogramme brillant. Tt ut West- und Zentralgruppe jedoch keine Verbindung. Auch die dänische Funkstation Scoresbysund hat mit uns drahtlose Verbindung, jedoch nicht mit den anderen Gruppen. Wirths Streit mit Thüringen. Die Volkspartei fordert schnellste Erledigung des unerquicklichen Konflikts. Berlin. 26. Rov. (TU.) Zu dem Streit zwischen dem Reichsinnenminister und Thüringen um die Zuschüsse für die Thüringer Schutzpolizei schreibt die „Rattonalliberale Korrespondenz" u. a., man habe in Thüringen den Eindruck, daß sich das Reichsinnnenrninisterium alle Mühe gebe, um die Entscheidung vor dem Staatsgerichtshof künstlich zu verschleppen, ja, daß ihm an einer objektiven Erledigung des Streitfalles überhaupt nichts liege. Man müsse doch annehmen, daß dem Reichsinnenministerium bei der Sperrung der Zuschüsse Tatsachen bekanntgegeben seien, die eine solche scharfe Verfügung materiell rechtfertigten. Seit der Klageerhebung seien jetzt mehr als fünf Monate vergangen und noch sei ein Ende der Beweiserhebung nicht abzusehen. Dabei erfahre man, daß die ersten vom Reichsinnenministerium benannten Zeugen, die doch wohl sozusagen die erste Garnitur waren, kaum irgend etwas für die thüringische Regierung und ihre Polizei Belastendes bekundet hätten. Höchst merkwürdig berührten auch die Vorgänge, die über die beabsichtigte Vernehmung des thüringischen Ministers Dr. Frick in der thüringischen Presse mitgeteilt worden seien, und die allerdings den Eindruck verstärkten, daß das Reichsinnenministerium den Prozeß möglichst in die Länge ziehen wolle, um dadurch das Land Thüringen, das die erheblichen Ausfälle bei seiner Finanznot nur schwer tragen könne, gefügig zu machen. Vielleicht sehe auch das Reichsinnenmtnisterium jetzt schon ein, daß es sich in dem Prozeß möglicherweise ein« eklatante Riederlage holen könne und wünsche diesen blamablen Ausgang möglichst lange hinauszuschieben. Für die Rationalfozralisten in Thüringen sei das Verfahren des Reichsinnenministeriums nur Wasser a uf ihre Mühle. Wenn das Reichsinnenministerium etwa mit der Sperrung der Zuschüsse den Rationalsozialisten habe schaden wollen, so habe es sich gründlich verhauen: denn nichts habe in weitesten Kreisen in Thüringen die sonst nicht so übermäßig fest begründete Stellung des Herrn Dr. Frick mehr gestützt als das das ganze Land verletzende Vorgehen des Reichsinnenministeriums. Es würde dem Ansehen des Reiches und auch der allgemeinen politischen Entwicklung im Sinne der Reichsregierung in Thüringen von größtem Rutzen sein, wenn der Streit mit Thüringen schnell st ens in loyaler Weise aus der Welt geschafft würde. Oer preußische Etat für 1931. Der preußische Haushaltsplan für 1931 balanciert in Einnahmen und Ausgaben mit einem Betrage von 3 972 694 910 Mk. Einnahmen und Ausgaben sind damit um 384 264 110 Mk. geringer als die entsprechenden Summen des Etats für 1930. 3m einzelnen werden für das kommende Haushaltsjahr die laufenden Einnahmen auf 3778,7, die einmaligen Einnahmen auf 194 Mill. Mark angeseht, die dauernden Ausgaben auf 3693,9 und die einmaligen Ausgaben auf 278,8 Mill. Mark. Die Ersparnis ist bei den persönlichen und sächlichen Ausgaben wegen der Finanznot des Staates in sehr erheblichem Umfange durchgeführt worden. Wie dargelcgt wird, hat es sich nach Durchführung von Abstrichen schließlich darum gehandelt, einen Fehlbetrag von 141,1 Mill. Mark zu decken. Die Steuern könnten nicht weiter angespannt werden, weil sie bereits überspannt seien. Den Fehlbetrag habe man wie folgt gedeckt: 82,4 Mill, aus der 6prozentigen Gehaltskürzung der Beamten einschließlich der Kürzung der Diäten und der Ministcrgehälter, 17,1 Milk, aus Abstrichen bei den Geschäftsbedürfnissen und anderen sächlichen Ausgaben der Verwaltung, 40 Mill, durch Kürzung der einmalig en Ausgaben, wobei vor allem Bauten ufto. betroffen werden, etwas über 1 Million durch Kürzung der für persönliche Ausgaben bestimmten Unterhaltszuschüsse an nicht staatliche Körperschaften. Die Absicht des Reiches, für 1932 den Ländern die Einnahmen aus der Belastung von Bier und Branntwein zu geben und dafür ihre Beteiligung an der Einkommen- und Körperschaftssteuer herabzusetzen, stoße auf den einmütigen Widerstand der Länder. Rach Abzug der durchlaufenden Posten, d. h. vor allem der Beträge, die an die Gemeinden weitergegeben werden, verbleiben für den Staat an sich Einnahmen im Betrage von 2248,2 Mill., denen ein gleicher Betrag bei den Ausgaben gegenübersteht. Zu den Steuersenkungen betont der Etat, daß die vorgesehene Senkung der Hauszins steuer um 3 Proz. nicht genüge, sondern von 1932 ab eine erheblich höhere Senkung erfolgen solle. Die land- wir tschaftliche Grundvermögenssteuer wird um 10 Prozent gesenkt, und um etwa 20 Prozent soll die Gewerbesteuer geringer werden. Der für die Kommunen entstehende Ausfall soll vor allem durch die neuen Kommunal steuern nach der Rotverordnung des Reichspräsidenten gedeckt werden, die für Preußen 1931 etwa 200 Mill, erbringen sollen, planwittschafi bei den Aerzien? Die Aerzteschaft, die die Zukunft der 3ungärzte durch die Rovelle zur Reichsver- sicherungsordnung aufs schwerste bedroht sieht, wendet sich mit Forderungen an die zuständigen ©teilen, die die Besserung der Lage des ärztlichen Rachwuchses zum Ziele haben. 3m Vordergrund steht'dabei der Kampf um die Zulassung zur Kassenpraxis, wobei die Abfindung unbeschäftigter und alter Aerzte und die Freimachung der Kassenarztstellen für die 3ungärzte gefordert wird. Weiter wird die Vermittlung von Riederlassungsmöglichkeiten und nebenamtlichen Assistenten stell en durch Zusammenarbeit der Aerzteschaft mit den bestehenden amtlichen Stellen angestrebt. Dor allem hält die Aerzteschaft eine gewisse Planwirtschaft für notwendig, um eine örtliche und fachliche Verteilung der Aerzte nach einwandfreien Gesichtspunkten vorzunehmen, und um den uferlosen Zustrom zur freien Praxis einzudämmen. Anderseits soll dadurch dieRach- frage nach Landärz ten, die heute sehr groß ist, befriedigt werden. Zur Besserung der Lage der jungen Aerzte wird in erster Linie ihr organisatorischer Zusammenschluß in einer Rotvereinigung gefordert, da es eine Der- trehmg der wirtschaftlichen 3ntereffen für die noch nicht zugelassenen Aerzte bisher nicht gibt. Die Aerzteschaft steht auf dem Standpunkt, daß nur so eine die Interessen aller Aerzte gefährdende, jede Arbeitsbedingung aheptierende Demoralisation des ärztlichen Rachwuchses verhindert werden kann. Oie Vorgänge an der Universität Königsberg. Berlin, 25. Rov. (241.) Der preußische Kultusminister Grimme hat an Rektor und Senat der Universität Königsberg einen Erlaß gerichtet, in dem er sich gegen den Entschluß der Universität vom 21. Ro- vember wendet. Die akademische Freiheit sei durch Terror und Gewalt der Straße zerstört worden. Wenn die Polizei davon abgesehen habe, von ihrem unbestreitbaren Recht Gebrauch zu machen und die gestörte Ordnung im Innern der Universität wiederherzustellen, so habe sie vorauS- setzen müssen, daß die akademischen Kör- verschaften selbst imstande fern würden, innerhalb der Universität einen geordneten Zustand wieder herzustellen. Unter dem Zwange von Unruhestiftern habe sich aber der Senat bereitgefunden, die vom Rektor erlassenen Anordnungen zu widerrufen. Dadurch seien die Rechte der Selbstverwaltung empfindlich geschmälert worden. Die Selbstverwaltung wäre im vorliegenden Falle besser geschützt worden, wenn die staatlichen Organe rechtzeitig zur Wiederherstellung der Ordnung herangezogen worden wären. Rach geltendem Recht be'tünden keine Ausnahmenvon der allgemeinen Zuständigkeit der Polizei für die Ausübung polizeilicher Befugnisse imterhalb der Universität. — Zum Rachfolger des wegen der Vorgänge an der Al- bertus-Univer ität zurückgetretenen Rektors Prof. Dr. Andree wurde Prof. Dr. Alfred Mitscherlich, der Direktor der landwirtschaftlichen Institute, gewählt. Flamenkundgebungen in Gent. Brüssel, 23. Rov. (TU.) Der bekannte Führer der flämischen Rationalisten, Dr. Börms, hatte sich am Freitag vor dem Berufungsgericht in ©ent weg en Beleidigung von Gendarmen während einer flämischen Kundgebung zu verantworten. Das Gericht gab bekannt, daß die Urteilsverkündung erst in acht Tagen erfolgen werde. Als Börms das Gerichtsgebäude verließ, stimmte eine große Menge von Flamen, in erster Linie Studenten, den flämischen Rationalgesang dn und brachte Hochrufe auf Borms und Flandern aus. Diese Kundgebung wurde von im Gerichtsgebäude anwesenden Rechtsanwälten mit Hochrufen beantwortet. Schließlich bildete sich ein Demonstrationszug, der sich mit Borms in der Mitte durch das Zentrum der Stadt bewegte. Wettervoraussage. Die neue Warmluftwelle an der Südseite des umfangreichen Tiefdruckgebietes zwischen Island und Schottland ist bereits auf das Festland Dorgebrungen und gestaltet hier die Witterung mild und etwas regnerisch. Starker Temperaturrückgang über Irland läßt erkennen, daß an der Rückseite falte Luft nachfolgt. Somit dürften auch bei unS die Temperaturen zum Sinken neigen und unfreundliches und naßkaltes Wetter sich einstellen. Dabei wird die Wolkendecke sich zeitweise aufklaren. Aussichten für Donnerstag: Wech- felnbe Bewölkung mit vorübergehendem Aufklaren, kälter, vereinzelte Regen-, In höheren Lagen Schneeschauer. Aussichten für Freitag: Vorerst noch kein beständiges Wetter. Oie Wetterlage. losf 5 & 2----- r ydisQo1 Wien ' 0 woiktmos. O ntiier. q naiD oedecxt. a wolkig. • otoecm • ntge% * Schnee o Graupeln «Hebel K Oewit'rr.© windstille. sehe «eichte» Ost «ilssigv SOdsudwesi q stürmische» Hordtfesl Vie »teile fliegen mit dem wind«. Ole beiden Stationen Menenden Zafr- len geben die Temperatur an. Ole Linien verbinden Orte mit.gleichet» 2. Stellung für halbe oder ganze Tage. Schr. Ang b. u 07401 an d. Gien. Anz. erb. Aus Konkursmasse verkaufe ich 1 Kassen'chrank, 1 Ttsch, 1 Dezimalwaage mti Gewichien, 2 fL Regale, 1 Schränkchen, 1 grasten GlaS- schranksAussteUungsschrankl.l eisernen Schirmständer, 3 Stähle, oiv. Hut- Statt besonderer Anzeige. Nach langem schweren Leiden entschlief sanft heute vormittag 8 Uhr unser innigstgeliebter, guter Bruder, Schwager und Onkel Zrellog. ö. 28. noo., abends 8'/, Uhr, bei Hovfcld: Wroroemildje öouDtuetfommlung T.-O.: ^trandervlau 1931, anfchl. Schall- vlatienoorfährungen Sonntag, o. 30. üoo.: tÄteuen — Heuchelheim-Dorlar-Her- rnannstein-Astlar. 4'/, Ltd. 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November 1930, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im „Löwen", Neuenweg, dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: eine Schreibmaschine drei Büfetts, eine Vitrine, drei Spiegel, vier Sofas, einen Jnftrumentenschrank, eine Ladeneinrichtung, eine Berkel-Schnellwaage, sechs Wanduhren, drei Vertikos, fünf Schreibtische, zwei Diwans, sechs Nähmaschinen, einen Bücherschrank, ein Wirtschaftsbüfett, zwei Warenschränke, zwei Rauch tische, zwei Grammophone, einen Teppich, zwei Tische, neun Stühle^ einen Wäscheschrank, ein Klavier, eine Kredenz, vier Chaiselongues, einen Eisschrank, einen Gasherd, zwei Kassenschränke, einen Horch Personenwagen, sechs Kopfkissenbezüge, drei Bettüberzüge, einen Aga-Wagen, Kokos- und Roßhaarbesen, K rspiele, Puppenwagen, Kinderklappstühle, Holländer, Pferdchen. Fahr- und Wäscheleinen, Fruchtsäcke, Feld- und Klappstühle, 70 Dosen Obst- und Gemüsekonserven, 150 Flaschen Likör, Zwei Pferde. 7979D Bestimmt: eine Flurxwrderobe, zwei Tischdecken, sechs Handtücher, zwei Bettücher, drei Ueberzüge (neu). Dem Gerichtsvollzieher in Gießen Steinstraße 13 — Telephon 4101 uckerkranke 6680V Kem Hung. mehr nötig. Gr. Erfolge. Kosten!. Ausk.u.Tatiachenber. durch Ph.Hergert, Wiesbaden, Rückertstr. 266 «3 /x 'jji f. pro Tag ^"d.Pcrk. m.Tllr- und Firmenschilder iMetall» sow Bestecke und Haush.-Waren. Verk. an all. Ort. ges. Emil Klic, Patt fched.Kr Solingen. Kienes junges Mädchen das Lust bat, sich in der Lebenömiitel- branche zu betätigen, für sofort gesucht. Schriitl. Angeb. mit Lebenslauf unter 7948 D an den Gieß. AnAetger erbeten. ^8wl!eng68ueh6, Luche i. tücht^ brav., in jed. Weise zuverl. ISidbr. AürforneAÖn' lmg Stelle als Hans- bursche. Moitu.Vogid find neb. Berg. Bed Der VertrauenSm. d. Wohls.- u.Jugendamts Darmstadl Ernsi Jakob, Lehrer i. 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Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben unseres lieben Alterskameraden Herrn Veterinärrat Dr. Modde in Kenntnis zu setzen. Die Trauerfeier findet Freitag, den 28. Nov., nachm. 3 Uhr in der Kapelle des Neuen Friedhofes statt Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. Nr. 277 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhefjen)Mittwoch, 26. November (950 Oie Frau in der Wirtschaft. 2m Zusammenhang mit den einzelnen Ar- beitsprvblemen gebührt der Frage der Frauenarbeit im deutschen Wirtschaftsleben eine besondere Beachtung, umsomehr, als die Frauenarbeit nach dem Kriege überhaupt erst einen größeren Umfang annahm, und somit anderseits auch zu zahl- tosen sozialen Problemen wie der Mutterfürsorge und dergleichen mehr führte. Die Statistik hat sich deshalb auch sofort der Erfassung der erwerbstätigen Frauen gewidmet, und es erscheint angebracht, sich einmal die hierbei errechneten Zahlen zu vergegenwärtigen, zumal gerade in den Tagen der großen Erwerbslosigkeit, des wirtschaftlichen Rotstandes unb der Wirtschaftskrise solche Feststellungen zu ganz besonderer Bedeutung kommen. Die Gesamtzahl der Erwerbstätigen in Deutschland hat in den letzten 20 Jahren eine ganz gewaltige Steigerung erfahren, die auch dadurch nicht zurückging, dah durch den Versailler Friedensvertrag weite deutsche Gebiete abgetreten werden muhten. Dafür trat doch eine Rückwanderung der Auslanddeutschen ein, so dah der Ausfall sehr rasch wieder ergänzt und bald auch übertroffen wurde. Während man im Jahre 1907 nur 16,7 Millionen erwerbstätige Männer und nur 8,5 Millionen erwerbstätige Frauen errechnete, sind die Zahlen bis zur letzten Feststellung auf 20,5 Millionen erwerbstätigeMänner und 11,5 Millionen erwerbstätige Frauen gestiegen. Dabei wird es interessant sein, der Verteilung der Erwerbstätigen auf die einzelnen Wirtschaftsgruppen nachzugehen. 3n der Gruppe Land- und Forstwirtschaft ist'die Zahl der Männer von 4,6 Millionen auf 4,8 Millionen und die der Frauen von 4 auf 5 Millionen gestiegen. Die stärksten Zunahmen hat selbstverständlich die 3 n d u st r i e oufzuweisen. Hier stieg die Zahl der Männer von 7,9 Millionen auf 10,3 Millionen und die Zahl der Frauen von 1,9 auf 2,9 Millionen. Besonders auffallend ist auch die Zunahme der in der Wirtschaftsgruppe Handel und Verkehr erwerbstätigen Personen. Hier betrug die Zahl der erwerbstätigen Männer im 3ahre 1907 nur 2,6 Millionen, während sie im 3ahre 1925 schon auf 3,7 Millionen angewachsen war. Die entsprechenden Zohlen für Frauen sind 0,9 Millionen und 1,6 Millionen. 3n der Wirtschaftsgruppe Verwaltungsdienst, freie Berufe und Gesundheitswesen steht der Zunahme der Frauen von 0,3 Millionen auf 0,6 Millionen eine Zunahme der Männer von 1.4 auf 1,5 Millionen gegenüber. Dagegen ist die Zahl der in häuslichen Diensten beschäftigten Frauen, wenn auch nur gering, z u r ü ck - gegangen, und zwar betrug ihre Zahl im 3ahre 1907 1,45 Millionen und im 3ahre 1925 1,44 Millionen. Von der Gesamtzahl der erwerbstätigen Frauen waren selbständig 1 093 100, davon 304 000 in der Landwirtschaft, mithelfende Familienangehörige 4 133 000, Angestellte und Beamtinnen 1 437 300, davon 337 200 in der (Industrie, 682 000 im Handel und Verkehr, 220 800 in der Verwaltung und den freien Berufen und 153 500 im Gesundheitswesen. Arbeiterinnen wurden 3 503 800 festgestellt. Dagegen waren von den erwerbstätigen Frauen 3,5 Allllionen, also rund 30 Prozent, verheiratet. Man sicht also, daß das Frauenkontingent außerordentlich groß ist, insofern als rund 50 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland Frauen sind. Die Frauenarbeit im deutschen Wirtschaftsleben hat deshalb eine Bedeutung gewonnen, die auch für die gesamte Arbcitspolitik von ausschlaggebendem Werte ist. £ £» Das Hochwasser des Rheins hat in Köln ganze Straßenzüge überschwemmt. Aus der Provinzialhauptftadt. Gießen, den 26. Rovember 1930. Schlachthofdirektor Or. Modde f. Gestern vormittag verstarb nach langer Krankheit der Direktor des Schlachthofes der Stadt Gießen, Stadl-Oberveterinärrat Dr. 3ohannes Modde, im 58. Lebensjahre. Mit dem Heimgang dieses Mannes verliert unser Gemeinwesen eine Persönlichkeit, die sich stets mit voller Hingabe und rastloser Schasfensfreude dem verantwortungsvollen und wichtigen Amte der Ueber- wachung unserer Fleischversorgung widmete. 3ohannes Modde war am 19. Dezember 1872 als Sohn des Stadtkämmcrers E. Modde zu Magdeburg geboren. Rach dem Schulbesuch in Magdeburg und Burg studierte er von 1895 bis 1898 an der Tierärztlichen Hochschule zu Berlin und an der dortigen Friedrich-Wilhelrn-Unioer» sität Veterinärmedizin und Raturwissenschaften: in Berlin erwarb er auch die Approbatton als Tierarzt. Hierauf wirtte er kurze Zeit als Volontär im städtischen Schlachthos in Magdeburg, bann war er Volontär und stellvertretender Tierarzt im städtischen Schlacht- und Diehhof in Plauen i. V., sodann zweiter Tierarzt und Schlachthofinspektor am Schlacht- und Viehhof zu Freiberg i. Sa. Durch Beschluß der Stadt- verordneten-Dersammlung vom 2. August 1906 wurde er mit Wirkung vom 29. September 1906 ab als Schlachthofdirektor beim städttschen Schlachthof in Gießen, als Rachfolger des Schlachthofdirektors Dr. Liebe, angestellt. Mit einer Doktor-Dissertation über das Thema „Untersuchungen über Rabelvenen-3nfektionen bei Kälbern" promovierte er am 4. 3uli 1914 an der Landes-Universität zu Gießen zum Doktor der Veterinärmedizin. Dom 10. August 1914 bis 1. April 1918 hatte er freiwillig die Vertretung des Kreisvetcrinärarztes übernommen, im Jahre 1920 legte er die hessische Staatsprüfung im Deterinärfach ab. Seit 20. 3uli 1925 führte er auf Beschluß der Stadtverordneten-Versammlung die Dienstbezeichnung Stadt-Oberveterinärrat. Reben seiner Amtstätigkeit als städtischer Schlachthofdirektor wirkte Dr. Modde seit dem Sommcrsemester 1919 auch im Rahmen der Lan- des-Universität. Das Landesamt für das Bildungswesen übertrug ihm 1919 einen Lehrauftrag für Fleischbeschaukurse, der vom Sommersemesrer 1922 ab auf den gesamten Unterricht in der Fleischbeschau und Schlachthoskunde erweitert wurde. Veranlaßt durch seinen stark geschwächten Gesundheitszustand gab er vor Beginn des Wintersemesters 1930/31 seinen Lehrauftrag zurück. Die Veterinär-Medizinische Fakultät der Landes- universität überreichte ihm in Anerkennung seiner Verdienste um die Ausbildung der jungen Dete- rinärmediziner eine Adresse, in der seine langjährige treue und bewährte Tättgkeit bei der Ausbildung der Studenten auf dem so überaus wichtigen Gebiete der .Fleischhygiene und seine stets bewiesene überaus liebenswürdige und echt kollegiale Hilfsbereitschaft bei der Gewährung von Unterrichts-, Forschungs- und Sammlungsmaterial für die Institute mit wärmstem Dank hervorgehobcn wurden. Der Verewigte hat sowohl als Schlachthofdirektor, wie auch als akademischer Lehrer eine segensreiche Tätigkeit zum Wohle unserer Dürger- gcsamtheit und zum Besten des veterinärmedizinischen Rachwuchses entfaltet. Reben seinen vortrefflichen beruflichen Eigenschaften, die seinem Schaffen große Fruchtbarkeit ermöglichten, zeichneten ihn vornehmer Charakter, unbedingte Treue im großen und im kleinen, Selbstlosigkeit, fowie große persönliche Liebenswürdigkeit aus. Bei seiner vorgesetzten Behörde, seinen Mitarbeitern und bei den Mitbürgern, mit denen er beruflich in Berührung kam, besaß er volles Vertrauen und große, Sympathie. Als Alter Herr der Landsmannschaft Merovingia und akademischer Lehrer erfreute er sich in den Kreisen der Universität und bei den Kommilitonen großer Wertschätzung, zumal er auch stets regen Anteil an studentischen 3nteressen nahm. Darüber hinaus verbanden )hn, der als Junggeselle durchs Leben ging, enge freundschaftliche Beziehungen zu zahlreichen Bürgern unserer Stadt und der Provinz Oberhessen. Ueberall schätzte man ihn als Mensch und als Berufspersönlichkeit hoch, und sein Andenken wird bei vielen in Ehren bewahrt bleiben. Konzert zum Besten des Studentenhauses. Die Schule für höheres Klavierspiel von Frl. Minna Körner wartete in ihrem diesjährigen Schülerkonzert mit einem sehr abwechslungsreichen Programm auf. Cs kamen ausschließlich russische Komponisten und dabei besonders solche der neurussischcn Schule Rim- sky-Korsakow's nicht nur mit Werken für Klavier allein, sondern auch mit Kammermusik, zu Gehör. Eine derarttge Programmgestaltung ist im Interesse einer fortschrittlichen und umfassenden Ausbildung der Schüler zu begrüßen, und so gewährte die Veranstaltung einen ausschluß- reichen und wertvollen Einblick in die zielsichere Unterrichtstätigkeit der Leiterin der Schule. Im ganzen betrachtet bewiesen die Darbietungen der einzelnen Schüler eine gründliche technische, musikalische und, was besonders wertvoll ist, rhythmische Durchbildung. Alle ohne Ausnahme spielten ihre Solostücke auswendig. Sehr gut machten ihre Sache Helmut Bruns, recht energisch, Margret Dill, leicht und elegant, und Horst Mehl mit bemerkenswerter rhythmischer Prägnanz. Elli und Martha Ludwig konnten mit ihrem vierhändigen Spiel ebenfalls durchaus überzeugen. Ilse Roll gab einem „Prelude" von Liadow klangliche Differenziertheit und intensiven Ausdruck. Erwin Müllers Spiel hat sich, wie übrigens bei allen anderen, die wir im vorigen Jahr Gelegenheit hatten zu hören, wesentlich entwickelt. „Impromptu" von Arensky, eine „Etüde" und „Mazurka" von Liadow und ein „Prelude" von Rachmaninow gerieten unter seiner Hand plastisch und bestimmt. Zwischen diesen Solowerken waren einige Kammermusikwerke eingeschoben. Hildegard G r o d e und Else S t u d t paßten sich in zwei Stücken für Cello und Klavier dem Solisten sehr gut und verständig an. Ebenso sicher und gewandt begleitete Lisbeth Koch, Grünberg, eine „Klage" für Violine und Klavier. Eine rhythmisch nicht immer leichte Aufgabe löste Erna E m m e l i u s bei der Begleitung von drei Stücken von Cäsar Cui für Violine, Flöte und Klavier in bester Weise, paßte sich aber auch dynamisch den beiden anderen Instrumenten gut an. Das gleiche gilt von ihrer Begleitung einer „Serenade" vcm Glazounow für Cello und Klavier. Marg. Muhl bewies inGlazounows „Grand pas des Fiancds“ für Violine, Cello und Klavier und in dem zweiten Sah eines Trios von Gretchaninow, daß fie sich anzupassen versteht, ohne dabei das Wesentliche ihres Klavierparts zu vernachlässigen. Von Erwin Müller, der den ersten und drittelt Sah des Gretchaninow-Trios spielte, muß dasselbe gesagt fein. Mit Sicherheit und Geschick begleitete Lisbeth A r n o l d zu einer Konzertfantasie für Violine und Klavier. 3m übrigen wirkten mit: Ludwig Hillenbrand t (Cello), der wie stets durch sein sicheres und gutes Spiel zum Erfolg des Abends beitrug. Frih S p u ck (Violine. Schüler von Frl. Maria Zimmer) und Gertrud Reumann (Violine. Schülerin von Franz Bauer jr.) zeigten eine gediegene und sorgfältige Ausbildung und spielten technisch sauber und mit schönem Ausdruck. Paul Köhler (Violine) bewies ebenfalls eine hohe Stufe von Können und Musikalität besonders in dem Trio von Gretchaninow. Schließlich sei noch Helmut Eger (Flöte) genannt, der mit großer Delikatesse und Sauberkeit den Flötenpart in den drei Stücke von Cäsar Cui spielte. Vornotizen. —■ Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater: „Kabale und Liebe", 20 bis 22,30 Uhr. — Lichtbildervortrag des Architekten Fritz Oer Dreizehnte. (Roman von Anny von ponhuys. Copyright 1929 by Verlag Rechthold, Braunschweig 12. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Sie sann erschreckt, betrog sie den Jugendfreund nicht, nachdem sie nun wußte, woran fie mit ihrem Herzen war? Sie erschrak bis ins 3nnerste. Sie patte sich von Hans küssen lassen, sie hatte sich von feinen Eltern als Braut willkommen heißen lassen und erst heute, vor knapp einer Stunde. Durfte urch konnte fie nun erklären, fie hätte« sich geirrt, fie liebe einen Mann, der einmal ein bißchen freundlich mit ihr gewesen, der aber längst verheiratet war? Rein, dazu fehlte ihr der Mut. Sie war froh, als fie sich erst wieder im eigenen Heim befand und fie ihre Züge nicht mehr beherrschen brauchte. Sie mußte weinen, bitterlich weinen. Wie eine Betrügerin tarn sie sich vor. weil sie mit der Liebe zu einem andern Manne vor den Altar treten wollte. Sie stöhnte laut und ihre Tränen brannten. Dann aber schalt sie sich eine Rärrin. Was wollte sie denn noch? War eine Ehe mit Harrs Felsen nicht wie ein Hafen des Friedens? War Nicht damit ihr Alleinsein zu Ende? Sie hatte doch Hans Felsen gern. Aber den andern, den Fernen, der wohl niemals an sie dachte, den liebte sie, das war ihr heute abend flar geworden, so überwältigend flar, daß sie darunter litt, denn sie hatte sich ja heute dem vertrauenden 3ugendfreund versprochen, ilnb sie würde nicht den Mut aufbringen, ihr Wort zurückzunehmen. 8. Am nächsten Morgen spannen die Rebelfrauen nicht mehr an ihren seltsamen zerfließenden, wogenden hellgrauen Tüchern. Leuchtende Herbstsonne lag über den Heinen, altmodischen Dillen der Drunnenstrahe, als Eva aus der Tür des Dorgärtchens trat, um an die Dahn zu gehen, wie jeden Alltagmorgen. Und Sonne ist immer etwas Köstliches, in jeder Stimmung. Mit ihren goldenen Strahlen sog sie alle die Bedenken auf, die Eva gestern noch die halbe Rächt hindurch belastet und gequält. 3hr ward wieder leicht und frei zumute. Sie schritt über die schmale Drücke der Schwärze und das sonst so dunkel und melancholisch dahinziehende Wässerchen glitzerte und blinkte heute. Man sah den weißen Sand des Grundes, als sei er sauber über Estrich hingefegt. Der Wald trat heute so scharf und klar in all die siegende Helle des Herbstmvrgens. Wie gut ausgeschlafene Soldaten, die zu einer Hebung ausrücken, standen die Däume und schienen auf den Befehl Marsch zu warten. Eva verharrte auf bet Drücke einige Augenblicke unb schaute sich nach allen Seiten um. Es war die alte Heimat, bie fie einmal für kurze Zeit verlassen und in der fie sich nun wieder völlig eingelebt. 3n der sie voraussichtlich bleiben würde, bis man auch sie auf dem kleinen Friedhof bettete, wo man auf allen Grabsteinen und Kreuzen die alten vertrauten Ramen las, bie zu bem Städtchen gehörten. Die vor vier Generationen genau schon so bazu gehört wie heute. Cs waren viele Ramen von vor hundert Jahren, unb es liefen auch jetzt noch bie Träger berfelben Ramen durch bie Straßen. 3n ber Maria-Magba- lenenkirche waren sie alle getauft, konfirmiert unb getraut, ober in ber kleinen katholischen Kirche der Schickierstrahe, gegenüber ber alten Mühle. Eva Hirtberg atmete leicht. Ihre Zukunft würbe nun in ruhig sichere Gleise einfahren, sie brauchte keine Angst mehr vor dem Alleinsein zu haben. Und das bißchen Fernenweh, das ab unb zu in ihr hochbegehrt, das duckte sich wohl von selbst, wenn sie Hans Felsens Frau geworden. Sie ging langsam weiter unb überhörte bie Schritte hinter sich auf dem weichen Sandboben, bis eine zärtliche Stimme „Evalein!" rief. Sie wandte sich. Hans Felsen lachte ihr einen frohen Morgengruß entgegen. „Ich habe vor deinem Hause gewartet, aber die alte Frida meldete mir vom Küchenfenster aus zu, du wärest schon fort. Ich wollte dich nämlich gern ein Stück Weges begleiten.“ Er bot ihr eine Rose. „Ich habe sie von Mutters Blumentopf gestohlen. Zum Dieb wurde ich für dich, Evalein." Sie nahm bie voll erschlossene bunfle Blüte unb lächelte ihn an: „Schäme dich, Dieb." Dann wanderten sie nebeneinander her unb Hans Felsen errichtete mit lebhaften Worten ben Dau ihrer gemeinsamen Zukunft. „Du mußt beine (Stellung in Derlin aufgeben, Liebste, bas vor allem, bann heiraten wir balb unb ziehen in bein Haus. Dater läßt es umbauen. Es wirb mit allen Bequemlichkeiten ber Reuzeit versehen werden unb in den trennenben Zaun muß eine Tür eingefügt werben." Er sah sie glücklich an. „Denke nur, ich habe mich nie an eine Aussprache mit bir herangewagt, solange beine Großtante noch lebte. Sie lag so lange krank, unb ich beobachtete, wie ernst du deine Pflicht als Pflegerin nahmst. Du hättest den Pflichten als junge Frau nicht mehr so nachkommen können." Eva ward es warm ums Herz, so glücklich war ber Gefichtsausdruck bes Mannes. Er brängte: „Künbige nur möglichst umgehenb Seine Stellung." Sie ertoiberte ein bißchen zögernd: „Ich bin erst so kurze Zeit in ber Stellung, es ist mir peinlich, schon um meine Entlassung zu bitten." Er lachte: „Wir wollen boch balb heiraten, Evalein." Sie nickte und dachte, mit dem Heiraten hatte es doch eigentlich gar keine besondere Eile. Aber das wagte sie dem Manne nicht in das strahlende Gesicht zu sagen. Er begleitete fie bis an ben Zug unb winkte lebhaft nach, als sie vom Abteilfenster aus grüßte. Eva sann, während ber Zug ber Hauptstabt ent- gegenfaufte, es war doch wohl gut, daß fie bie Frau des Iugendgefpielen werben würbe. Sie hatte ihn sehr gern unb bah sie gestern entbeeft, ihr Herz gehöre eigentlich Primo Duero, bas muhte sie vergessen. Das bürste sie nicht mit hineintragen in ihre Ehe. Sie war heute ein wenig zerstreut im Geschäft, weil ihre Gedanken immer wieder zu dem gestrigen Abend zurückgingen. Eine Dame erschien um die Mittagsstunde. Sie war hellblond, war stark gepudert unb trug ein Kostüm, das einem erstklassigen Atelier entstammte. Sie wünschte ben Cl ef zu sprechen. Albert Goldener dienerte aus dem Hintergrund heran. Er schien die Fremde erwartet zu haben, denn er zog sich sofort mit ihr in das hinter dem Geschäftsraum gelegene Zimmer zurück. Rachdem sie wieder gegangen war, rief der Chef seinen Reffen, und Eva hörte, wie er zu ihm sagte: „Cs ist noch ein zweiter Stein vorhanden von gleicher Qualität, ich denke, die beiden Steine kaust Fürst Därburg für feine Braut, er bat mich, etwas recht Apartes für fie aufzu- ftobern.“ Zwei Stunden später erschien die Fremde abermals und wieder verschwand Albert Goldener mit ihr in feinem Privatzimmer. Als es anfing zu dunkeln, kam Fürst Bärburg, ber telephonisch benachrichtigt worden war, unb Eva dachte, bie elegante Dame hatte dem Juwelier sicher etwas besonders Wertvolles und Schönes gebracht, das man nun dem Fürsten Bärburg für seine Braut zu verkaufen hoffte. Sie ward in das Zimmer gerufen. Ihr Chef wünschte, fie sollte ihm die Zeichnung eines Ohrgehänges bringen, die er im Verkaufsraum in seinem Pult liegen hatte. Sie holte das Gewünschte unb gerade, als fie eintrat, erklärte Albert Goldener dem Fürsten: „Die Steine stammen von einer italienischen Prinzessin, die — um gerade heraus zu reden — Geld braucht. Als Ohrgehänge werden die köstlichen Steine Furore machen, Durchlaucht." Ein flüchtiger Blick der Reugier aus Evas Augen suchte nach den Steinen, von denen ihr Ches fprach. Und sie entdeckte fie sofort. Da lagen auf bem Tische, zwischen bem Juwelier unb bem Fürsten, eingebettet auf eine kleine Unterlage von schwarzem (Samt, um bie Wirkung zu erhöhen, zwei haselnuhgrohe Brillanten von überwältigendem Feuer. Aber statt weißlich waren die leuchtenden Steine leicht bläulich, und Eva durchzuckte es wie eine Gewißheit, da vor ihr auf dem Tische lagen die sogenannten blauen Brillanten, die vor zwei Jahren von bem Mörber Dueros in Barcelona geraubt worben waren. Sie muhte sich sehr zusammennehmen, um bas nicht laut hinauszurufen. Aber sie vermieb jede Bewegung des Erstaunens. Schließlich beschwören hätte fie es nicht können, daß cs fich um bie gleichen Steine Han- beite. Cs bestand immerhin die Möglichkeit, es gab ähnliche Steine wie die blauen Brillanten, bie ber geheimnisvolle Clown mit sich genommen. Sie hatte bie Steine damals nur ein einziges Mal gesehen, aber fie meinte fie genau so zu sehen, wie damals. „Sie können wieder gehen, Fräulein Hirtberg", riß sie Albert Goldener ein wenig scharf aus ihrem versunkenen Schauen. Eva begriff. Ihre Gegenwart störte ben Chef. Aber als sie längst wieber braußen im Laden stand, meinte fie noch immer, die wundervollen (Steine vor sich zu erblicken, und es schoß ihn durch den Kopf, es wäre wohl eigentlich ihre Pflicht, etwas in der Angelegenheit zu tun. Sollte fie ihrem Chef erzählen, was sie wußte, sollte fie ihn darauf aufmerksam machen, es könne sich um die bei dem Mord gestohlenen Brillanten handeln? Es war immerhin eine heikle Sache. Wenn fie dagegen völlig sicher gewesen wäre, es waren dieselben Brillanten, würde sie nicht zögern, das zu tun. Aber es fiel ihr auch schwer, über das, was sie jetzt zu wissen glaubte, ganz einfach Hinwegzugleiten. Wenn Primo Duero bie Steine sehen könnte, ging es ihr burch ben Kopf, er würde wohl bestimmt sagen können, ob es die gleichen Brillanten waren, deren Abhandenkommen für ihn selbst mit einer so furchtbaren Erinnerung verknüpft war. Sie überlegte hin unb her unb bann tarn sie ju bem Entschluß, mit Hans Felsen barüber zu sprechen. Aber schon während ber Heimfahrt gab fie bie 3bec auf. Sie durfte zunächst zu niemand darüber etwas verlauten lassen. Der einzige, bem fic Mitteilung machen konnte, war Primo Duero. Und sie muhte es tun, wie eine Pflicht war bas. Sie schrieb ihm noch am gleichen Abenb, aber ale sie ben Brief in ben Postkasten gleiten ließ, klopfte ihr Herz so toll, als wollte es ihr die Brust sprengen. Am liebsten hätte sie den Brief nun wiedergehabt, sie bereute schon, was sie getan. Jetzt würde sie doch wahrscheinlich eine Antwort erhalten, unb bas, was fie hatte vergessen wollen, würbe immer lebenbiger in ihrem Gedächtnis werden. . — (Fortsetzung folgt) Höger (Hamburg). 20.15 Mr, tm Vortragssaal des Kunstwissenschaftlichen Instituts. — Deutsch- nationale Volkspartei: Oeffentliche Versammlung. 20.15 älhr. im Cafö Leib. — Lichtspielhaus. Dahn- hofstrahe: »Der Korvettenkapitän". — Astoria- Lichtspiele: »Das Schweiz erland". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute um 20 Uhr unter Spielleitung Walter Bäuerles im Mittwochabonnement Schillers Trauerspiel: „Kabale und Liebe" in der Besetzung der Erstaufführung. — Die Vorstellung im Freitagabonnement wird wegen der Vorbereitungen zur Erstaufführung von: „Meine Schwester und ich" auf den folgenden Tag verschoben. Die Spielleitung dieses musikalischen Lustspieles von Berr und Verneuil, zu dem der bekannte Komponist Ralph Benatzky Schlagertexte und Musik schrieb, hat Intendant Dr. P r a s ch selbst übernommen. — Die Exl-Bühne, vielleicht der ocdeutendste Vertreter österreichischer volkstümlicher Bühnenkunst, gastiert am 2. Dezember mit Schönherrs Komödie: „Erde" im Gießener Stadttheater. — Vortragsabend des „Hilfsbundes fürdieElsaß-LothringcrimRei ch". Am nächsten Sonntag wird Geschäftsführer G i l g vom „Hilfsbund für die Elsaß-Lothringer im Reich" im Hotel Köhler einen Vortrag halten über: „Die Aufgaben und Ziele des Hilfsbundes in Gegenwart und Zukunft". Die Berliner Geschäftsstelle des Hilfs- bundes lädt hierzu alle ehemaligen Elsaß-Lothringer in Gießen und Umgebung ein. Näheres in der An- zeige am Samstag? Daten für Donnerstag, 27. November. 1701: der Astronom Anders Celsius in Upsala geboren. ♦ ** Don der Landesuniversität. Der ordentliche Profesior der klassischen Philologie Dr. phil. Dr. med. h. c. Karl Kalbfleisch wurde zum korrespondierenden Mitglied der Fondation Egypto- logique Reine Elisabeth in Brüssel ernannt. ** Der Gießener Stadtrat wird sich in seiner öffentlichen Sitzung, die — wie gestern schon kurz berichtet — am kommenden Freitag (16.30 Mr beginnend) im Sitzungssaal im Stadthaus, Dergstrcche, stattfindet, vor allem mit Kre- diterw eiter ungen für den Voranschlag 1930, sowie mit der Bereitstellung der erforderlichen Deckungsmittel beschäftigen. Weiter stehen u. a. auf der Tagesordnung: Festsetzung der Hundesteuer für 1931, Aenderung der Ortssahung über die Erhebung der Diersteuer, diverse Arbeitsvergebungen und Kreditbewilligungen, Winter- beihilfe 1930/31 an die Fürsorgeempfänger des Wohlfahrtsamtes und andere Bedürftige. ** Das Hochwasser der Lahn und der Wies eck ging während des Montags und des Dienstags weiter zurück. Es hat wohl in vielen Gartengrundstücken Schaden anaerichtet, der jedoch meist nur von geringerer Bedeutung war. Während der Hochwassergefahr war auch die Müllersche Bade- anftalt an der Lahn nicht unwesentlich gefährdet, größerer Schaden wurde aber dadurch verhütet, daß der Besitzer rechtzeitig Maßnahmen getroffen hatte und alles in Sicherheit brachte, was gefährdet erschien. ** Eine Viehzählung in der Gemarkung Gießen und Schiffenberg findet am 1. Dezember, wie alljährlich, statt. Die Diehbesitzer haben den Zählern die notwendigen Auskünfte zu erteilen. Näheres in der heutigen Bekanntmachung. ** Der Dildungsverband der Deutschen Buchdrucker, Ortsgruppe Gießen, veranstaltete am Samstag im Haus des Gewerbevereins einen Vortragsabend, zu dem sich Überraschend viele Mitglieder eingefunden hatten. Der Vorsitzende des Kreises Frankfurt des ^Bildungs- Verbandes. Herr A l b i n u s , hielt einen Vortrag über das Thema: »Kleinschreibung als Zeit- Problem". Der Redner führte u. a. aus, daß wir uns in einem Zeitalter der Umstellung befänden, in dem alte Formen keinen Platz hätten, m dem Anpassungsfähigkeit an bestehende Rot- Wendigkeiten erste Forderung sei. Auch die Sprache müsse sich der Zeit anpassen, müsse sich aum Einfachen hin entwickeln, um so nicht das Eigentum eines engen Kreises zu bleiben, sondern das Eigentum eines ganzen Volkes werden. Unklarheiten in der Rechtschreibung, Doppelschreibungen, müssen entfernt werden, den Kindern, die zur Zeit sechs Alphabete lernen müßten (großes und kleines, deutsches und lateinisches, Antiqua- und Fraktur-Druckschrift) sei Erleichterung zu verschaffen und damit Zeit und Gelegenheit zu geben, sich anderen Kulturgütern au öffnen. Der Redner führte aus. daß die Kleinschreibung im Lesen keine Hindernisse bieten könne, da wir ja auch im Sprechen, in der Sterwgraphie und in der Telearaphie auf besondere Kenntlichmachung der in der Schrift durch Großbuchstaben gekennzeichneten Worte verzichteten. Rur ein gegnerischer Wille des Lesenden schaffe Widerstände, die in Wirklichkeit nicht beständen. Der Redner wies sodann auf geschichtliche Zusammenhänge hin und betonte, daß es seit der Zeit, da man Schrift tatsächlich „schreibe", Jahrhunderte hindurch keinen Großbuchstaben gegeben, und erst ein erhöhtes individuelles Geltungsbedürfnis den Großbuchstaben geschaffen habe. Man trage sich in neuerer Zeit auch in romanischen Ländern mit dem Gedanken der völligen Abschaffung des Großbuchstabens. Man dürfe sich einer Entwicklung nicht verschließen, wenn man sich nicht der Gefahr aussetzen wolle, von der Entwicklung übergangen zu werden. Die Schrift, die einheitliche Schrift (der kleine Antiquabuchstabe) sei eine nicht mehr zu übersehende Forderung der Zeit und stelle ein Mittel internationaler Verständigung und der internationalen wirtschaftlichen Vereinigung dar. Es gelte lediglich, das Hindernis der Umstellung zu überwinden, um der Vereinfachung unserer Schriftsprache die Wege zu bereiten. Dem Vortrag schloß sich eine lebhafte Aussprache für und wider die Kleinschreibung an. Eine Ausstellung von Drucksachen in Kleinschreibung sand kritische Betrachtung. ** Deuts che r Dankbeamtenverein, Zweigverein Gießen. Man berichtet uns: Gauvorsteher Decker (Frankfurt a. M.) sprach in einer sehr gut besuchten Versammlung über das Thema „Soziale Fragen im Dankgewerbe". Der Redner erntete mit seinen Ausführungen starken Beifall. Rachstehende Entschließung wurde einstimmig angenommen: „Die auf Einladung des Deutschen Bankbeamten-Dereins. Zweigverein Gießen, versammelte Gießener Bankangestellten- schaft protestiert mit größter Entschiedenheit gegen oen von den Dankleitungen verlangten llpro- zentigen Gehaltsabbau und gegen weiter geforderte Verschlechterungen des Tarifvertrages. Auch die Gießener Dankangestellten stellen fest, daß durch Streichung von älebertarifbezahlungen, Rückgruppicrungen und Erhöhung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung die Einkommen der Bankangestellten bereits eine starke Verminde- ntng erfahren haben. Ein erheblicher Teil der Dankangestelltenschaft bleibt in seinen Bezügen noch hinter den Friedenseinkommen zurück. Eine Herabsetzung der Gehälter muß daher abgelehnt werden, zumal eine fühlhare Preissenkung nicht eingetreten ist und das sowieso schon stack herab- gedrückte soziale Existenzminimum der Bankangestellten eine weitere Reduzierung nicht mehr verträgt." *• In den Astoria-Lichtspielen läuft zur Zeit ein Kulturfilm, der unter dem Titel »Die Schweiz" Bilder bringt, die außerordentlich gut gefallen. Der Film wurde nicht von einem Film- unternehmen hergestellt. sondern von dem Schweizer Oberingenieur Vogelsang, der in einer sechswöchigen Reise mit Bahn und Auto die schönsten Orte der Schweiz aussuchte und im Bilde festhielt. Man sieht den Thuner See mit seinen schönen Schlössern, fährt mit der Lötschbergbahn von Spiez durch die Alpen nach dem Simplon, und lernt dabei die Dergwelt und die Eigenheiten des Landes kennen. Man steht vor schäumenden Wasserfällen und dann wieder vor stillen Kirchen, blickt herab auf den Vierwaldstätter See und in das weite Tal der Rhöne; über riesige Viadukte, durch schier endlose Tunnels führt der Schienen» weg und überall bietet sich dem Auge des Beschauer Schönes und immer Reues. Mit dem Photographen überquert man im Auto den St. Gotthardtpah. Der Film bringt außerdem eine Reihe von Bildern von technischen Großtaten; man sieht Wasserkraftwerke und den Bau einer riesigen Schleuse, ferner die Glockengießer von Engelberg bei der Arbeit und bewundert dann wieder die Kühnheit, mit der die Eisenbahn durch die Berge geführt worden ist. Der letzte Teil des Films zeigt das Engadin und seinen Wintersportbetrieb in mannigfachen Bildern. Es lohnt sich, den Film anzusehen. ** Arbeitsgerichtstermine für rei - sendeKaufleute. Gemäß einem Anträge des Verbandes reisender Kaufleute Deutschlands hat der Preußische Iustizminister in einem Erlaß die Arbeitsgerichtsbehörden darauf hingewiesen, daß Termine in Sachen, an denen reisende Kaufleute beteiligt sind, tunlichst auf einen Montag oder Samstag gelegt werden, damit die reisenden Kaufleute ihre Reise so einrichten können, daß ihnen die Wahrnehmung des Termins ohne allzu große Opfer möglich ist. In ähnlichem Sinne haben sich auf die Eingabe die Justizministerien in Bayern, Sachsen. Mecklenburg-Schwerin, Baden. Thüringen und Hessen geäußert. Wirtschaft. 3484000 Arbeitslose im Reiche. Berlin, 25. Rov. (WTB.) Das Anwachsen der Arbeitslosigkeit. das regelmäßig um diele Jahreszeit einjetzt, ist nach dem Bericht der Reichsanstalt in der ersten Hälfte des Rodember annähernd in dem erwarteten Umfange eingetreten. Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeitslosenver- icherung ist um rund 100 000 auf 1 631 159 gelegen, während in der gleichen Zeit des Dor- ahres die Zunahme rund 124 000 betrug. In der Krisenunterstützung mit 537 613 Unterstützten ist ein Mehr von rund 27100 zu verzeichnen (im Vorjahre rund 6900). Damit haben diese beiden Unterstühungseinrichtungen zusammen eine Belastung von rund 2 200 000 erreicht. Wie erwartet, ist die Ueberlage- rung gegenüber dem Vorjahre zum erstenmal etwas zurückgegangen; sie beläuft sich jetzt auf etwa 1 000 000 gegen 1 050 000 Anfang Oktober. Die Zcchl der verfügbaren Arbeitsuchenden bei den Arbeitsämtern ist um mehr als 230 000 angewachsen. Es wurden am 15. Ro- vember rund 3 4 8 4000 Arbeitslose gezählt. Schweinemarkt in Gießen. Der heutige Schweinemarkt in Gießen war mit 295 Ferkeln und 2 Läufern beschickt. Cs kosteten pro Stück Ferkel bis 6 Wochen alt 20 bis 25 Mk., 6 bis 8 Wochen alt 25 bis 30 Mk.. 8 bis 13 Wochen alt 30 bis 40 Mk., Läufer 54 bis 60 Mk. Tendenz mäßig, geringer Ueberstand. * • Der Aktienindex. Der vom Statistischen Reichsamt errechnete Aktienindex (1924/26 — 100) stellt sich für die Woche vom 17. bis 22. Rovember auf 91,8 gegenüber 93,5 in der Vorwoche, und zwar in der Gruppe Bergbau und Schwerindustrie auf 86,9 (89,3), Gruppe verarbeitende Industrie auf 81,0 (82,4) und Gruppe Handel und Verkehr auf 115,0 (116,5). * Philipp Holzmann 21®., Frankfurt a. M. Wie WTB.-Handelsdlenst erfährt. hat die chilenische Tochtergesellschaft der Philipp Holzmann AG., die Compania General de Construcciones in Santiago, einen Auftrag auf Errichtung eines Irrigationsdammes am Aconcagua erhalten. Es handelt sich um ein Objekt im Werte von 25 Mill. Peso (---- etwa 12,5 Mill. Mark). Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 26. Rov. Tendenz: schwächer. — An der heutigen Börse neigte die Tendenz wider zur Schwäche. Die unklaren inner- politischen Verhältnisse, die meist schwächere gestrige Reuyocker Börse und die wenig günstig lautenden Monatsbilanzen der Banken verstimmten. Hauptsächlich trat der Rückgang der Deutschen Linoleum-Aktien, die gegen gestern abend 6 Prozent einbüßten und somit den Paristand erheblich unterschritten, in den Vordergrund und trug zur schlechteren Beurteilung der allgemeinen Lage bei. Im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Ultimo sollen auch einige Kundenorders an den Markt gekommen fein. Die Spekulation nahm daher ebenfalls Abgaben vor, so daß bei wenig lebhaftem Geschäft die ersten Kurse überwiegend 1 b l s 3 Prozent niedriger eröffneten. Durch einen größeren Kursverlust fielen noch am Kalimarkt Salzdetfurth mit minus 8 Prozent auf. Am Elektromarkt waren ziemlich einheitlich Verluste von 2 bis 3 Prozent festzustellen; Siemens standen dabei im Vordergrund. Am Markte der Kunstseideaktien gaben Aku 3 Prozent und Bem- bera 3,5 Prozent nach. Am Chemiemarkt lagen I.-G.-Farben bei nicht so großem Angebot 1,75, Echeideanstalt und Deutsche Erdöl bis 1 bzw. 1,5 Prozent schwächer. Der Montanmarkt hatte durchschnittlich Verluste von 1 Proz. Rur Gelsenkirchen mit minus 2,25 Proz. gaben etwas mehr nach Dheinstahl konnten sich leicht befestigen. Am Dau- unternehmungsmarkt lagen Zement Heidelberg weitere 2 Proz. abgeschwächt. Bis zu 2 Prozent verloren ferner Allgemeine Lokal- und Kraftwerke und die Mehrzahl der Bankaktien. Danat- bank minus 3,25 Proz. Am Anleihemarkt büßten Altbesih erneut 0,30 Mark ein; Schutzgebiete konnten sich um Bruchteile eines Prozents erhöhen. Don ausländischen Werten setzten Anatolier etwas höher ein. Rach den ersten Kursen kam das Geschäft fast zum Stillstand, doch hielten die Abgaben an, so daß gegen Anfang weitere Verluste bis zu 1,5 Proz. eintraten. Der Vfand- briefmarft lag still, bei wenig ve ä ckerten Ku fen. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 4 xp.o^-iu unverändert. Am Devisenmarkt lagen Devisen gegen Mark wieder fester, nachdem schon im heutigen! Vormittagsverkehr die Mark weiter fest lag. Schwach lag weiterhin die Schweiz. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1950, gegen Pfund 20,37, London gegen Kabel 4,8559, gegen Paris 123,61, gegen Mailand 92.78, gegen Madrid 43,40, gegen Schweiz 25,08, gegen Amsterdam 12,0660. Berliner Börse. Berlin, 26. Rov. Wie schon im heutigen Vormittagsverkehr zu erkennen war, neigte die Tendenz für Effekten auch zu Beginn der offiziellen Börse überwiegend zur Schwäche. Anscheinend hatten die durch die Haltung der Wirtschaftspartei gestern aufgetretenen neuen inner- politischen Schwierigkeiten im Ausland wieder Mißstimmung hervorgerufen und-neue 2T6gaben ausgelöst. Aber auch die Differenzen, die zum ■Ultimo zu regulieren sind, scheinen bei den heutigen Verkämen mitbestimmend gewesen zu sein, denn auch die Kulisse und die Börse selbst schritt meist zu vielleicht nicht immer freiwilligen Abgaben. Auch vorliegende Momente, wie das schwache Reuhork, weiter gestiegene Arbeitslosen- ziffem, wenig erfreuliche Monatsbilanzen be* Großbanken, die Ultimosorgen in Frankreich und die Stühungsversuche der Devisengruppe in Paris, der Kunstseidekonkurs in Belgien und Befürchtungen, daß die heutige Generalratssihung der Reichsbank eventuell Ueberraschungen bringen könnte, mahnten zur Zurückhaltung. Selbst ohne Berücksichtigung der heute auf den Kursen liegenden Reports per Ultimo Dezember waren 21b- schlägebiszu3 Prozent nicht selten. Darüber hinaus verloren Reichsbankanteile, Kaliwerte, Deutsche Linoleum bis zu 5 Prozent, und Ilse Bergbau verloren nach anfänglicher Minus- Minus-Rotiz erneut 7 Prozent. Die übrigen Montanwerte waren allerdings wieder gehalten, da die Gerüchte von einem eventuell bevorstehenden englischen Bergarbeiterstreik etwas stützten. Auch einige Nebenwerte, tote Gebrüder Körting, Siegen-Solingen und Chemische Heyden, lagen ziemlich widerstandsfähig. Deutsche Anleihen bröckelten weiter ab. Ausländer waren meist geschäftslos. Runiänen leicht gebessert. Der Pfandbriefmarkt war still. Reichsschuldbuchforderungen bei geringen Umsätzen wieder 0,25 bis 0,50 Prozent schwächer. Am Geldmarkt zeigte Tagesgeld eine leichte Anspannung; der Sah stellte sich auf 3,75 bis 5,75 Prozent, nur noch vereinzelt auf 3,5 Prozent; Monatsgeld auf 6 bis 7,5 Prozent, Warenwechsel wurden ziemlich nominell mit 5,13 bis 5,50 Prozent genannt. Im Verlaufe gingen die Kurse weiter zurück. Das Angebot war, besonders in Spezialwerten, ziemlich groß und hatte erneut Verluste von 2 bis 3 Prozent zur Folge. Kaliwerte waren besonders schwach und verloren bis 6 Prozent. Auch Farben konnten sich öem vorherrschenden Verkaufsdruck nicht entziehen und gingen abermals um zirka 2 Prozent zurück. Beachtung fand das Rachgeben der Danatbank-Aktie auf 144 Prozent und der Rückgang der AEG.-Aktie auf pari. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 26. Rov. Im Zusammenhang mit den schwächeren Auslandnotierungen war die Stimmung am Produktenmarkt lustlos. Größeres Angebot veranlaßte die Spekulation zu einer großen Zurückhaltung. Die Rachfrage war gleich Rull. Die zweite Hand kam mit niedrigeren Offerten an den Markt, aber hiervon erhielten die ausnehmenden Kreise keine Anregung. Die Preise waren anfänglich im allgemeinen gut gehalten. Das Mehlgeschäft war nach tote vor schleppend. Rur für Mühlenabfälle prompter Lieferung bestand weiterhin regere Rachfrage, bei erneut anziehendem Preise besonders für Weizenkleie. Später konnten auf dem ermäßigten Riveau in Roggen einige Abschlüsse erzielt werden. Auch Weizen war etwas nachgebend. Es wurden notiert (die Preise verstehen sich für Getreide je Tonne, für die übrigen Waren je 100 Kilogramm): Weizen (Hektolitergewicht von 74 Kilogramm) 265 bis 266,50, Roggen 167,50 bis 170, Sommergerste für Brau- zwecke 205 bis 210, Hafer, inländ. 152,50 bis 157,50, Weizenmehl, südd. Spezial 0 41 bis 42,25, Roggenmehl 26,50 bis 27,50, Weizenkleie 8,25 bis 8,35, Roggenkleie 8,25 Mk. Tendenz ruhig. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloßenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o H., Lombardzinsfuß 6 o. H. ^ranffurt a. M. Berlin Frankfurt a. m Berlin Datum «Schluß« furd 25 11 1«Uhr> Kurs 26 11 Schluß« für» 25 11 Ansaug. Kurs 26 11 Datum «Schluß, 1 für» । 25 11 l«ilhr, Kurs 26 11 «Schluß, 1 turS | 25 11 Anfang, Kurs 26 11 6% ©eutldif tReWanletbe von 1927 ......... 7% Deuts die RdcbeanletBe von 1929 ....... Deutsche Ant.-Ablöl.-Schulb mit 8lueloL-Med)ten . . DeSgU ohne AuStos.-Nechte . . 8% Hell. BolkSstaat von 1929 (rüdiablb. 102%)...... Oberheilcn Provinz • Anleihe mti Au«lo>.-Rcchien...... Den »che fromm. 6ammela6L Anleihe Serie 1 .... 8% Franks. Hvv.-Bank Goldpse XIII unfünbbar bk 1034 . . 7% Qtanlj. Hvp.-Bank Goldpse unkündbar bk 1932 ... 4%% Rheinische Vvv.-Vant fiiqu. Goldpse........ 8% Pr. Londe-piandbrtesanNalt, Pfandbriefe R. >9 8% Pr Sanbeflplanobrtefanftall, ÄomnuCbl. N. 20. . . 7% Pr. Landespiandbriesanüalt, Pfandbriefe tR 81...... AEG. abg. ®otirieg4.Obligationen. rückzahlbar 1932 . . *% OesterreickMche «Soldrente . . 4,80% Oeslerreichifche CUberrente 4% Oeüerreühtiche Einheitliche Rente 4% UngatW »olbttnte . . - 4% Ungarilche «Staatetenie v. 1910 4K% MflLDon 1918 4% Ungarilche Kronenrente 4% türfW Zollanleihe von 1911 4$^XÜrtiläe Bagdadbahn-Anl 4% be«gl. Serie » . - - - - - 6% Rumänische vereint). Rente von 1903 . - ■ 4M% Rumänische vereint). Ratte 4% Rumänische vereint«. Rad» - 86,5 98,25 52,2 5,65 88,5 50 50 98,5 92,75 85,75 100 97 97 95 26 23 17,75 19 1,55 3,4 3,275 13 6,475 || | || | | | | I 1 II | 1 1 1 ! 1 1 1 1 ££ 1 1 | 87,13 98,5 52,25 5,75 88,5 50 100 97 97 26,2 2,65 1,5 23 18 19,13 1,55 3,25 3,25 3,25 8,13 13 6,5 52,13 5,6 19 3J 3,25 3,2 13 6,5 Hamburg-Amerika Paket ... 7 Hamburg-Süham. Dampsschiss. 8 Hanta Dampsfchiff ... 10 Norddeutfcher Lloyd.....8 Allgemeine Deutsche Creditanki. 10 Barmer Bankverein ... 10 Berliner Handelsgesellschaft . 12 Commerz- und Privat-Bank. 11 Darmstädter und Nationalbant 12 Deutsche Bank und Dkconto-GeseUichaft, ... 10 Dresdner Bank ...... 10 Reichsbank....... 12 A.E.S............. Bergmann.........9 Eleltr Liefeningrgelellschast. 10 Licht und Kraft......10 Selten & Guilleaume ... 7% Gefeüichaft für Elekirifche Unternehmungen .... 10 Hamburger ElektrizitütS-Werke 10 dlbemllaje Elektrizität .... 9 Schiesiiche Elektrizität. ... 10 Gdjudert & (So. ...... 11 Siemen» & Halske ..... 16 TranSravto . ....... ,8 vabmenet & Go.......io Buderus . . . ....... b Deutsche Erdöl . ...... 6 diener Steinkohle ...... 8 Geilenkirchener ....... 8 Harpener ........ 0 Hoeich Elfen. ....... 6% Hile «Bergbau ....... 10 Köln-Neuellen. . . ..... 7 Mannesmann-Röhre» .... 7 Mansfclder Bergbau . .... 7 Cbcrldjlel Eilen de darf . . . . 6 Cberldilci Kokswerle .... 7 Phönir Bergbau .... 6% Rheinische Braunkohle» . . 10 Dheinstahl ...... 6 fttebed Startet ...... 7,2 67,5 68 98,5 100 125 110,5 147,5 108 108,5 214 103 119 86 in 118,5 160,5 49 83 77,5 65 64,25 59 154 67,5 109,25 144 106,75 106,75 101 117,13 108,75 116,5 157,5 56,5 80,75 63,5 58 68 67 148,5 120,9 68,25 98,5 100 126,5 110,25 147,5 107,5 108 215,25 10 123,5 108 118 86 110,13 103 118 105 117,75 161,5 120 122 49 57,65 82,5 76,5 68,5 169 65,25 77 64.25 38 38,5 65,5 59,25 154,25 67,75 67,13 147 120 67,25 96,25 100 125 109,25 140 107,25 107,25 211,25 101,25 122 108 117,75 109 102,75 103,5 115,9 157,5 49 57,5 82 77 68.5 162 66,5 77,75 63,75 36,5 65,25 59 153 68 Frankfurt a. Dl Serkin Schluß» kurS l-ilhr» Kurs Schluß« kurS Anfang- Kurs' Datum 25 11 26 11 25 11 26 11 Bereinigte Stahlwerks . . Ctaol Minen .... Kaliwerke Wfdiertleben . . Kaliwerke Westeregeln . . Kaliwerke Salzdetfurth . . I. ®. tzarben-Industrte. . Dynamit Nobel..... Goldschmidt...... RütgerSwerke...... Metallgelelllchakk..... PhiltVP Holzmann .... Zementwerk Heidelberg . Cemcntwerk Karlstadt. . . Wayb & ffteolag .... Schultheis Patzenhofer . . Ostwerke........ atu.......... ©em berg........ Zellstoff Waldhos .... Zellstoff Aichasfenburg . . Charlottenburger Wasser . Dessau er (Mai . .... Daimler Motoren . . • • Deutsche Linoleum ... Maschinenbau A.-Ä. ... Rat. Automobil . • • • Crenftein & Koppel ... Leonhard Tietz ..... Svenika .... frankfurter Maschine» . • Griyner ..... • Iunghan«....... Lechwerke........ Mainkrastwerke Höchst a. M Miag ..... (Bebt. Roeder . ..... Boigt & Harskner .... Süddeutsche Zucker ... 16'/. . 10 . 10 . 15 . 12 . . 6 • . v • . 5 • . 6 . . 8 . . 7 . 10 . 10 . . 8 . 16 . 12 . 18 . 14 18'/. . 12 • . 8 • . V • . 0 . * Ö • . o . . 6 . 10 • . 4 • . 6 • . 0 • . 6 . . 8 . . 8 . 10 • 10 . . V . 10 64,75 150 150,5 234 131,25 43,5 44 84 68.5 80 44,25 64,5 67 105 24 112 28 28 78 63 66 135,25 31,75 226 129,5 127,5 44 83,5 78 44 61 63,5 97 134,5 64,5 32,4 149 150,13 234 132 43,65 44 84,75 68 45 168,5 132,75 63,5 66,5 103,65 75,25 80 105 23,75 103 30,5 44,5 113 269 12,5 27,75 27^5 66 150 135 63,5 32,4 148 146 229 130., 43 44,5 83,5 67,5 166,5 131 61,25 65 102 75 80 104,25 24 98 30,25 111 270 27 Banknoten. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2TI. Äerlin, 25- November ®ti5 3rit| AmerikanHche Noten..... 4,181 4,201 Belgische Noten ....... 58,23 58,47 Säiilidie Noten ....... 111,78 112,22 Englische Roten . ....... 20,322 20,402 yranzüiiidie Noten ....... 16,43 16,49 Holländische Noten ....... 168,23 168,91 Italienische Noten........ 21,88 21,96 Norwegische Noten....... 111,78 112,22 Deutsch-Oesterreich, ä 100 Schilling 58,85 59,09 Rumänische Noten ....... 2,475 2,495 Schwedische Noten....... 112,20 112,64 Schweizer Noten........ 80,94 81,26 Spanische Noten ........ 46.41 46,59 Tschechoslowakische Noten..... 12,397 12,457 Ungarische Noten ..... 73,10 73,40 25 November 26 November Amtliche «Neid Notierung Snr Amtlich' Geld 'lontrung Lrtc Amst.« Nott. 168,56 168,90 168,63 168,97 Luen-'Atres 1,440 1,444 1,439 1,443 Brss. Antw 58,49 58,52 58,42 58,54 Christiania. 112,03 112,25 112,05 112,27 ÄoDenbngei 112,04 112,26 112,10 112,32 Stockholm . 112,44 112,66 112,47 112,69 Heksingfors. Italien. . . London. . . 10,542 21,92 10,562 21,96 10,545 21,93 10,565 21,97 20,342 20,382 20,351 20,391 Wcuijort . . 4,1895 4,1975 4,1910 4,1990 16,497 Pori-Z. . . . Schweiz . . 16,453 16,493 16,457 81,12 81,28 81,125 81,285 Spanien . 46,60 46,70 46,75 46,85 yapan . . Nio de ftan 2,078 2,082 2,078 2,082 0,398 0,400 0,400 0,402 Wien in D. Ccft. abgcii 58,965 29,085 58,995 59,115 Prag . . 12,425 12,445 12,43 12,45 Bclirad . 7,408 7,422 7,408 7,422 Budapest. Bulaarien 73,25 73,39 73,28 73,42 3,034 3,040 3,035 3,041 Lissabon 18.80 18,84 18,80 18,84 Danzig. . 81,37 81,53 81,39 81,55 Konst.ntin. 1,784 1,789 1,784 1,789 Athen. . 5,428 5,438 5,432 5,442 Canaba 4,196 3,297 4,204 4,196 4,204 Ilru not). 3,303 3,297 3,303 Cairo • » 20,87 20,91 20,87 20,91 beim Der Fremdenverkehr in Gießen efähr auf Beleuchte besser Du arbeitest besser.i i Meö&tfieb Sicht Auskunft Ober richtige Verwendung des elektrischen Lichtes erteilen die Osram- Verkaufsstellen, das Elektrizitätswerk und sonstige Elektro-Fachgeschäfte. Lleberfätte in Gießen vor dem Gchnellrichter Die allgemein verbreitete Meinung, elektrisches Licht sei teuer, ist falsch. Gutes, richtig angewendetes reichliches Licht ist produktiv. Das haben Versuche einwandfrei bestätigt. Lassen auch Sie Ihre Lichtanlage verbessern; es wird Ihnen Nutzen bringen. Ein Wink fürs Kaffeekochen Bohnen heller ausnutzen Natürlich mit _ er“-. s v-»- o.,-.ten Hal, die o a 0 l der Hebernachtungen aber ganz bedeutend zunah in. während in fast allen übrigen Städten und Badeorten lebhaft über starkes Nachlassen des Fremdenverkehrs geklagt wird. Diese erfreuliche Tatsache für unsere Stadt ist besonders bemerkenswert, weil in diesem Iahre keinerlei größere Beranstaltun r 25-Aov. 3n der Betrugs- jo($e Wacker vor dem hiesigen Schöffengericht wurde heute vormittag die Beweisaufnahme geschlossen, nachdem olle Zeugen vernommen und der gesamte Schriftverkehr verlesen worden war. Es folgten die Plädoyers. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft führte aus, daß gacker die vielen Mitglieder des Pavelecschen „Kreditschutzes" und der »Kreveawa" betrogen, oder doch zu betrügen versucht habe. Er ljabe ipncn vorgetäuscht, daß sie bestimmt und in kurzer Zeit die nachgesuchten Gelder bekommen wurden, während es ihm nur darauf angekommen sei, die Mitgliedsbeiträge zu erholtem Bon wenigen Ausnahmefällen abgesehen, hätten die Leute auch nichts bekommen. Hypotheken und zinslose Darlehen seien überhaupt nicht ausgc- zahlt worden: sie hätten auch nicht ausgezahlt werden können, da ja kein Geld zur Verfügung gestanden habe. Der Staatsanwalt beantragte Damit holen Sie alle Kraft und Würze aus den Bohnen. Sie werden Raunen, was das bischen ausmacht! «mcnei größere Veranstaltungen stattgefunden haben, die wesentlich zur Erhöhung an 5rcm- 21 ach her 0 i c 6 e n c r Fremdenverkehrs- " atistrk für die Zeit vom 1. April bis 30 September b. 3. weilten im Sommer- halbiahr 21 263 Fremde mit insgesamt 3 8 1 2 0 Hebernachtungen in unserer Stadt. 3n der gleichen Zeit des Vorjahres wurden hier 21 307 Fremde mit insgesamt 30 626 Hebernachtungen gezählt. 3m einzelnen entfallen von den vorgenannten Gesamtziffcrn 19 550 Fremde mit 23 277 Hebernachtungen auf die Zeit von ein bis drei Tagen (im Vorjahre 20 047 Fremde mit 24 509 Hebernachtungen von ein bis drei Tagen), 1713 Fremde mit 14 843 Heber- nachtungen auf die Zeit von vier und mehr Togen (1260 Fremde mit 6117 Hebernachtungen von vier und mehr Lagen). Bei einem Vergleich der diesjährigen und der vorjährigen Ziffern ergibt sich, daß sich in Gießen die Zahl der Fremden una dergleichen Höhe geholt Steinzeit lebte. Was über die körperliche De- schasfenheit des Hrmenschen ausocsührt wurde, erläuterte der Vortragende an zahlreichen Lichtbildern. Die Wissenschaft ist zu der Heberzeugung gekommen, daß der Mensch zwar mit dein Affen verwandt ist, aber nicht von ihm abstammt. Das Menschengeschlecht habe sich allmählich zu einer bestimmten Höhe entwickelt. So wie jede Tiergruppe eine Blütezeit erlebt und dann verschwindet, so sei auch mit Sicherheit anzunehmen, daß es dem Menschengeschlecht einst ebenso ergehen werde. Der ungemein interessante Vortrag wurde durch eine große Zahl guter Lichtbilder belebt. Die dankbaren Zuhörer spendeten lebhaften 23eifaIL Preußen. Kreis Wetzlar. * Wetzlar, 25. Noo. Wie der Deutschnationale Handlungsgchilfen-Verband mitteilt hat der Hande l s v e r e t n W e tz l a r den für den W e ß l a r e r Einzelhandel gültigen A n g e ft e ll t e n t a r i f, und zwar das Gehaltsabkommen sowohl wie den Manteltarif, zum nächstzulässigen Termin g e» kündigt. Sitzung der Hessischen Handwerkskammer. 20621 Darmstadt, 25.Nov. Die auf Grund der Handwirksnovelle neu gewählte Handwerkskammer hielt heute mittag ihre kon- stitulerende Sitzung ab. Die Kammer, die früher 36 Mitglieder umfaßte, ist nunmehr aus 45 Mi t- g lieber angewachsen. Don ber Negierung tourbc dem bisherigen Präsidenten der Kammer, 21 o h l, Darmstadt, für die geleistete Arbeit Dank ausgesprochen. 3n der darauf folgenden Wahl wurde 27 o h l wieder einstimmig zum Präsidenten gewählt. Die sieben Vorsitzenden der Handwerkskammer-Nebenstellen wurden ebenfalls in den Vorstand, wiedergewühlt, der durch jc einen 3nnungsmeister aus Oberhessen und Rheinhessen erweitert wurde. Die Versammlung befaßte sich dann mit den Ausschußwahlen und einigen kleineren internen Angelegenheiten. wurde alsbald von der Polizei festgestellt und erhielt heute vormittag für seine Roheit vom Schnellrichter eine Strafe von zwei Wochen Gefängnis bei sofortiger Verhaftung zudiktiert. Der Staatsanwalt hatte einen Monat Gefängnis beantragt. Der zweite Fall betraf einen Heberfall, der sich am Montagabend vor der Gastwirtschaft von Teigler am Diehmarktplatz ereignet hatte. Dort weilten in der Gastwirtschaft Teigler zwei Studenten mit einigen Arbeitern, d^ien sie mehrere Glas Bier spendeten, in friedlichem Gespräch beieinander, wobei man sich über alle möglichen Dinge unterhielt. Als die Rede u. a. auch auf die Politik kam, bat einer der Studenten, dieses Thema doch zu verlassen. Hnter den am Gespräch beteiligten Arbeitern befand sich auch der arbeitslose Arbeiter Karl Pitz, An der Kläranlage wohnhaft, der schließlich das Lokal verließ, gleich darauf aber wieder zurückkehrte und in höflichem Tone die beiden Studenten bat, doch einmal aus der Gastwirt- fchast herauszukommen, er habe ihnen etwas zu sagen. Die drei gingen, des starken Regens wegen, unter eine Halle des Viehmarktplahes dicht bei der Wirtschaft, wo P i tz plötzlich die beiden Studenten anschrie: »Ihr seid Nazi, Hände hoch oder ich schieße!" Der eine der Studenten sprang daraufhin fort, während Pih dem anderen mehrmals mit der F a u st ins Gesicht schmg, so daß er zu Boden stürzte und dann dem Heberfallenen, der wehrlos am Boden lag, noch mehrere Fußtritte versetzte: anscheinend infolge dieser Tritte trug der Student einen doppelten Knoche l b r u ch davon, der seine Aufnahme in die Ehirurgischc Klinik notwendig machte. P i h wurde von einem hin^ukommenden anderen Arbeiter von seinem Opfer weggerissen und begab sich nach Hause. Hier wurde er am Dienstagmorgen von der Polizei verhaftet und in Gewahrsam verbracht. Heute morgen verurteilte ihn der Schnellrichter wegen des rohen und gemeinen Hebersalles zu sechs Wochen Gefängnis und ließ ihn sofort in Haft abführen. Der Staatsanwalt hatte gegen den rohen Täter drei Monate Gefängnis beantragt, aber nur der Hmstand, daß Pih bisher noch unbestraft war, veranlaßte den Schnellrichter zu der oben bezeichneten gelinderen Strafe. Oberheffen. Landkreis Gießen. O Alten-Duseck, 25. Nov. Zum Spezial- wkar unserer durch den Tod von Pfarrer Hart- I mann verwaisten Pfarrei wurde vom Landeskirchenamt Pfarrer Sattler (Wieseck) ernannt. 3m Dienst an Sonn- und Feiertagen wird er durch die Geistlichen des Dekanats unterstützt werden. s. (Beuern, 25. Nov. Dieser Tage st a r b der hiesige Steinbruchsbesitzer 3 o h. Fuhr im Alter von 72 3ahren. Er hat im wirtschaftlichen Leben unserer Gemeinde eine bedeutende Rolle gespielt, dann mehrere 3ahrzehnte hindurch sind seine Dasaltlavabrüche eine Quelle des Verdienstes für den hier stark vertretenen Steinmey- beruf gewesen. Einen großen Teil der Abhänge an den östlichen Höhenzügen unserer Gemarkung hat er zur Gewinnung der heimischen Gesteinsort, des Lungsteins, durchbrochen und umgewühlt. Für eine große Menge öffentlicher Gebäude und Denkmäler Oberhessens wurden aus seinen (Betrieben die Dau- und Werksteine geliefert. Sein Leben lang von seltener Rüstigkeit, gab er erst im hohen Alter die gewohnte Tätigkeit auf.— Der Landwirt und Kaufmann Konrad Diet- t i ch erlitt, während er mit der (Behandlung eines erkrankten Stück Viehs beschäftigt war, einen Herzschlag und war sofort tot. Er hinterläßt eine kranke Frau. U Großen-Linden, 25. Nov. Am Samstagabend hielt Dr. Lotz (Klein-Linden) im Saale der Gastwirtschaft Schaum einen Vortrag über die Insel Island, auf der er verschiedene 2ahre tätig war. Am Sonntagvormittag sprach im gleichen Saale der Schriftsteller R e u t e r von Dornholzhausen über das Thema „®ang über die Schlachtfelder Frankreichs" und .Wie sehen unsere Kriegergräber heute im Feindesland aus?" Die 6d>ilberungen über das Gesehene und über die Betrügerische Oarlehnsgeschciste Wacker zu 3 Zähren Gefängnis verurteilt. vier 3 a bre Gefängnis abzüglich el Monate Hntersuchungshoft. fünf 3ahre Ehrverlust und Einziehung der Prospekte usw. Der Verteidiger bat um eine milde Strafe. 6r bestritt, daß Wacker sich in einer Reihe von Tüllen schuldig gemacht habe. 2Bacfcr selbst suchte in längeren Ausführungen feine Hnschuld dar- zutun, erbat aber zum Schluß auf Befragen mildernde Hmstände Das Gericht erkannte auf drei 3 ahre Gefängnis abzüglich elf Monate Unter- suchungshaft, fünf 3ahre Ehrverlust und Gin- ziehung der Krevcawa-Papiere. Es hielt für erwiesen, daß der Angeklagte durch die Vorspiegelung, er könne bestimmt und bald Geld verschaffen, und durch andere ähnliche Täu- schungshandlungen die Darlebensuchenden geschädigt habe, um die Mitgliedsbeiträge sich zu verschaffen, während er ganz genau wußte, daß seine Versprechungen nicht erfüllbar waren. der Fremdenziffer beitragen. 3nsgesamt waren in der Zeit vom 1. Oktober 1929 bis 1. Oktober 1930 in Gießen 41013 Fremde mit 66 470 Hebemachtungen zu verzeichnen. Trotz dieser erfreulich hohen Zahlen muß darauf hingewiesen werden, daß die zur Verfügung stehende Bettenzahl durchschnittlich nur bis zu etwa 30 Prozent belegt sind. Es ist also in Gießen, abgesehen von den Tagen, an denen der Diehmarkt stattfindet, die Möglichkeit gegeben, mindestens die doppelte 2 „..... den unterzubringen. Hm die'es Ziel zu erreichen, ist engstes Zusammenarbeiten nicht nur aller am Fremdenverkehr direkt, sondern auch der indirekt interessierten Kreise erforderlich, in erster Linie der Hotel- und Gaststättenbesitzer, des Handels und des Gewerbes und auch der gesamten Einwohnerschaft. Das städtische (Verkehrsamt und der (Verkehrsverein werben ständig durch Herausgabe vorzüglicher Prospekte, Zeitungsinserate und Zeitungsartikel mit nachweislich gutem Erfolge. Auch die Hniversität trägt in den letzten 3ahren durch Herausgabe von Drucksachen wesentlich zur Hebung des Besuchs der H. iversi ät i nd ter S adt Gießen bei. 3m Hinblick auf die Bedeutsamkeit des Fremdenverkehrs für ein Gemeinwesen und feiner Einwohner sei auch hier die Ditte ausgesprochen, die Tätigkeit des Verkehrsvereins durch Beitritt zu unterstützen. Erlebnisse auf seinen Reisen, die er im Auftrage bet Kriegsgräbersürsorge machte, hinterließen auf die Zuhörer einen tiefen Eindruck. # Grüningen, 25. Nov. Die Kapelle Weller-Einbrodt von Gießen veranstaltete am Samstag ein volkstümliches Orc^efter- fonjert in unserer Turnhalle. Hnfere Einwohner bekamen dabei gute Musik von Mascagni, Supp6, Meyerbeer, Bayer u. a. zu hören. Die Kapelle konzertierte ausgezeichnet und mußte sich zu mancher Zugabe entschließen. Leider ließ der Besuch zu wünschen übrig. Kreis Schotten. -r- Schotten, 24. Nov. Die »Arbeits- hilfe" für notleidende Frauen des Mittelstandes, die im Anschluß an die Inflation durch das Kreisamt ins Leben gerufen wurde, kommt jetzt durch den Alicefrauen- verein zur Durchführung. Die im Lause des Jahres angefertigten Strickwaren, tote Jacken, Kleidchen, Häubchen, Schals usto., werden, um einen raschen Absatz zu haben, verlost. Der Erlös ermöglicht die Weiterführung des Liebes- Werks, das vielen alleinstehenden Frauen Arbeit und (Berbienft gibt. Groß-Eichen, 24. Nov. Phantastische Gerüchte sinb hier im Umlauf über die K o st e n besneuenPfarrhauses. Nunmehr liegen die Rechnungen abgeschlossen beim hiesigen Gemeinderechner vor. Der Voranschlag betrug 25 000 2Nark. Die tatsächlichen Ausgaben belaufen sich auf 25 064,95 Mk. In dieser Summe sind enthalten 846,76 Mk. für die Umzäunung des Grundstückes, die im Voranschlag nicht vorgesehen und erst nachträglich genehmigt worden waren. Somit ergibt sich, daß der Voranschlag noch nicht erreicht wurde. Kreis Alsfeld. fr* Alsfeld, 25. Nov. Einen außerordentlich fesselnden Vortragsabend bereitete die hiesige Dürergesellschaf t ihrer Zuhörergemeinde durch einen Vortrag von Universitätsprofessor Dr. Harrassowitz (Gießen), ber über das Thema .Dom Urmenschen" sprach. Der Redner gab einen, von strengster Wissenschaftlichkeit durchdrungenen Ucberblicf über die Entwickelung des Urmenschen, der zu (Beginn der Großer Gelddiebstahl in Jranlfuri. WSR Frankfurt a. M., 25. Nov. Heute gegen 12 Hbr wurde in dem Bureau deS GDA. in der Hochstraße 48 dem Kassenboten der Finna Beer Sondheimer eine Aktenmappe, in ber sich 1200 Mk. Kleingeld in 1-, 2-, 3- und 5-Markstücken, 1000 Mk. in 10-Markschcinen und 6800 Mk. in 50-Markscheinen, also zusammen 9000 Mark befanden, durch unbekannte Täter entwendet und dafür eine Aktenmappe mit einem Ziegelstein und Papier gefüllt bin- gelegt. Die entleerte Mappe deS Dolen wurde kurze Zeit darauf im Hause Reue Rothofstr. 5 gefunden. Dort sind zwei Personen, von denen die eine die Mappe bei sich trug, beobachtet worden. Gs handelt sich zweisellyS um die Täter. Aach dem Inhalt der zurückgelassenen Aktenmappe zu urteilen, handelt eS sich um internationale reisende Detrüger. Eine dieser beiden Personen ist etwa 36 Jahre alt, 1,70 Meter groß, kräftig, hat rundeS. glattes, bartloses Gesicht, hohe Stirn, schwarzes Haar und breites Kinn. Sie trug einen blauen Winterulster und hellgrauen Hut. Die andere Person kann nicht näher beschrieben werden. Sachdienliche Angaben, hauptsächlich über Personen, die sich durch große GeldauSgaben bemerkbar machen, werden vom Raubdezerirenten der Kriminalpolizei, Zimmer 403 des Polizeipräsidiums, entgegengenommen. Amtsgericht Gießen. Die Eheleute Otto W e n z , früher in Gießen, jetzt in DraunfelS wohnhaft, hatten sich wegen Beleidigung tm Sinne ber Paragraphen 185 und 186 vor dem hiesigen Amtsgericht zu verantworten. Die Nr. 3 des kommunistischen ..Gießener Echo" vom 2lprll d. 2. verbreitete, das Gerücht, der Stadtbausekretär Kaspar Becker in Gießen glaube die Zwangslage, in der sich seine untergebenen Arbeiter befänden, ausnutzcn zu können. Er sei der Frau eines bet ihm als Pflichtarbeiter beschäftigten Ehemannes tagelang nachgeyangen, habe sie mit Anträgen udorhäuft und fie 'in jeder Art und Weise belästigt. Insbesondere sei dies an ber städtischen Sandgrube an der LiebigShöhe geschehen. Der verantwortliche Redakteur des „Echo", ein gewisser OSkar M ü l l e r in Frankfurt a. M., konnte nicht zur Verantwortung gezogen werden, weil er als preußischer Landtagsabgeordneter nicht strafrechtlich verfolgt werden kann. Eine Hntersuchung ber Angelegenheit durch die städtische Behörde ergab die ganze Haltlosigkeit der Beschuldigungen. Da aber die Eheleute Wenz sich trotzdem nicht scheuten, die Behauptung immer wieder aufzustellen, mußte sich die Staatsanwaltschaft mit der Angelegenheit befassen. Vor dem Amtsgericht wurde durch umfassende (Beweisaufnahme festgestellt, daß an den ganzen Behauptungen ber Eheleute Wenz nicht ein einziges Wort wahr sei, und es wurde weiter festgestellt, daß die Ehefrau Wenz auch bezüglich anderer bei ber Stadt beschäftigter Personen gleiche unwahre Behauptungen verbreitet hat, wie über Herrn Becker. Während das Gericht bezüglich des Ehemannes Wenz den Nachweis nicht für erwiesen erbracht sah, daß er sich der Hnwahrheit ber Angaben seiner Ehefrau bewußt war, stellte es bezüglich dieser selbst fest, daß sie wider besseres Wissen von ihr frei erfundene Angaben schwer beleidigender Art in Die Welt gesetzt habe. Das Gericht billigte zwar beiden Angeklagten mildernde Hmstände zu und verurteilte daher den Ehemann zu einer Geldstrasevonsüns- z,i g Mark, hilfsweise zehn Tote Gefängnis, die Ehefrau wegen verleum. . ischer (Beiei» bigung zu 2 Wochen Gefängnis. Außerdem wurden den Angeklagten die gesamten Kosten des Verfahrens und die dem Nebenkläger Becker erwachsenen 2luslagen auferlegt. Das Gericht stellte ausdrücklich fest, daß an den Beschuldigungen gegenüber Decker auch nicht daS geringste wahr fei. Zioei Heber fälle, die sich in den letzten Tagen hier ereigneten unb bet denen die Täter sofort festgestellt werben konnten, fanden heute vormittag vor dem Schnellrichter beim Amtsgericht Gießen ihre rasche Sühne. Am Samstag gegen 22.30 Hhr standen bre« junge Leute friedlich im Selterswrg im Gespräch beisammen, als die Gebrüber W t l h e I m und Karl Keil, hier in ber Weidengasse wohnhaft, ben Selters weg passierten unb ohne jeben Grund sich gegen die jungen Leute wendeten. Wilhelm Keil schlug dabei ohne Anlaß einem ber jungen Leute, einem Schüler, wiederholt i ns Gesicht, wodurch der Mißhandelte schmerzhafte Verletzungen erlitt. Der Täter Für Kinderkleidung großer Posten Stoffe aller Art und Abschnitte RESTE entzückende Musterin LindenerWasch- samt, einfarbig u. bedruckt, prachtvolle Kinderschotten, einfarbige Wollstoffe, Sehenswerte Auswahl I Außerdem: Großer Posten Strapazierstoffe für Knaben-Anzüge, Knaben-Mäntel, Knaben-Hosen. Stoff, 150 cm breit, zu einem Knabenanzug 1.90 Mk. Benutzen Sie diese Gelegenheit! Die Preise sind aufsehenerregend billig FERBERS L .i Rösten FranKturt »■ *■__. Uieine uroenSie»«> » »• T.'-"'",."."-“ große VAa Pre\s 9 stattet u _ u9w. XreCd.rnd^ -"X 2b°, 380- ISS- 238- in ■,raun,n ^Sderem Besatz Reste-Geschäft Gießen, Mäusburg 4 7640A Werben Sie mittelst der Zeitungsanzeige und In geeigneten Fällen auch durch gute Drucksachen! 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Ohne Ueberhebung können wir wohl behaupten, daß wir zur Erreichung dieses Zieles die besten Schrittmacher in Gießen waren und auch fernerhin in diesem Bestreben nicht nachlassen werden. Die restlose Ausnützung aller Vorteile, die wir auf dem Warenmarkt genießen, werden wir, wie bisher, in erster Reihe im Interesse unserer verehrten Kundschaft verwenden. Wir werden so der Weiterentwicklung des Preisabbaues — ohne Einbuße der Qualität — nützen, uns selbst aber immer neue Abnehmerkreise erschließen. Am Donnerstag bleiben unsere Geschäftsräume bis '/r3 Uhr geschlossen, zwecks besonderer Vorbereitung für die im vollsten Umfange vorzunehmende erneute Preisumstellung in unserem Hause. Kaufhaus HANSA GIESSEN, Seltersweg 28 1967 A mann kaufen. 7541D 7939 A Bettkolter in ken! 7423 A Reichhaltige Auswahl bei billigsten Preisen Der Einkauf von versilberten Bestecken ist in hohem Maße Vertrauenssache, und deshalb sollte man derartige Artikel nur in Spezialgeschäften beim Each- Heyd L Sohn Seltersweg 12 Baumwolle Wolle Kamelhaar reicht Tapetenhaus Freie Innung der Uhrmacher ujGoldfchmiede (Ziehen und Umgegend. Fe rd. Nennstiel Plockstraße 14. HMNadiL Inh. Wilhelm Horn ör Sohn Tel. 2773 / Kreuzplatz 15 7419 A Bosch-Dienst - Akku-Dienst Instandsetzung sämtlicher Elektro- anlagen an Kraftfahrzeugen Ruhl & Fetzer Giefren, Schanzenitr.3 Telephon 2534 6911D Cocosläufer Restbestände, sehr billig 200 cm breite Ware, 8 Mk. per Meter. 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Kart. 3,50 mt, Ganzl. 5 Mk. (533.) - In unserer Zeit ist es nicht ganz leicht, sich durch das schwierige Problem der neuzeitigen Ernährungstheorien hindurchzufinden. Aamentlich die junge Frau, die bis zu ihrer Heirat im Berufsleben stand, steht diesen Fragen oft hilflos gegenüber. Ihr will dieses Buch Helsen. Auch auf den verzweigten Pfaden der Geselligkeit möchte es ihr Führer sein. Durch dieses Buch soll bewiesen werden, daß man auch mit bescheidenen Mitteln Freunde empfangen und bewirten kann. Zu allen Vorschlägen werden erprobte Speisezettel mit den dazu gehörigen Rezepten beigegeben. — Was koche ich heute? Illustrierter Kochkalender für das Jahr 1931. Verlag Ernst Reinhardt, München. 2,50 Mark. (552) — Der Illustrierte Kochkalender bringt für jeden Tag mittags und abends eine einfache Speisenfolge, ein neues Rezept und ein schönes Bild, das zeigen soll, wie eine Speise schön hergerichtet werden kann. Aus der Fülle der Speisenfolgen, die praktisch unendlich groß ist, kann die Hausfrau das, was ihrem Geschmack und ihrem Geldbeutel zusagt, herausgreifen. Der Kochkalender ist geeignet, der Haufrau die Arbeit wesentlich zu erleichtern. Darum seien auf dieses praktische Hilfs- mittel besonders die Ehemänner aufmerksam gemacht, die ein nützliches und gewiß hochwillkommenes Ge- schenk für den Weihnachtstisch suchen. Deutsche Erzähler. — Leo Greiner: Altdeutsche Rovel- len. (Singeleitet und herausgegeben von Siegmund Hirsch. Zwei Bände. (älniv.-Dibl. Rr. 7092 und 7093.) Geh. je 40 Pf.. In einem Tand zu- sammengebunden 1,20 Mk. Phil. Reclam jun, Leipzig (511). — Das deutsche Volksleben in der bunten Mannigfaltigkeit des Mittelal ers, in seiner Fülle auch an fremden, exotischen Gestalten wird hier in kleinen Ans chnitten lebendig, deren überzeugende Form der a.is wählenden und dichterischen Kraft Leo Greiners zu danken ist. Don der innigsten Zartheit, die den Sieg treuer Lieb« kündet, bis zur derben Schilderung handgreiflicher Dolkskur am bösen Weibe und am ungetreuen Ehemann, vom gutmütigen Spott bis zur schneidenden Anklage ist jede Tonart in den Erzählungen angeschlagen. — Carl Haensel: Die letzten Hunde Dschingis Khans. Roman aus der Türkei. 316 Seiten 8°. (Broschiertes Billig-Buch DBB). I. Engelhorns Rachf., Stuttgart 1929. (493) — Der Inhalt dieses merkwürdigen und aufregenden Buches wird gekennzeichnet durch eine Rotiz aus dem Baedeker, die als Motto vor dem Titel steht: „Opa, ein unbewohnter Marmorfels. wo 1910 die zahl- und herrenlosen Konstantinopeler Etrahenhunde ausgesetzt wurden, um auszusterben." — Leider ist die Broschur der wohlfeilen Ausgabe nicht sehr haltbar. — Robert Walter: Löffler. Roman eines Mannes. Ganzleinen 4,50 Mk. Verlag Philipp Reclam jun., Leipzig. (479.) — Aus Löfflers längst verschollenem Bericht gestaltet Robert Walter einen Roman, der strotzend von Begebenheiten menschlich ergreifend ist. Löfflers Leben ist eine Fahrt durch drei Erdteile und durch viele Möglichkeiten menschlicher Existenz: Bald Deutschmeister. bald Soldat, bald Exerziermeister und glücklicher Gatte. Ein Abenteurerroman, möchte man sagen, aber dieser Abenteurer wächst durch seine Erlebnisse zum Menschen des unerschrockenen Herzens und ungebrochenen Daseins empor: einer von jenen ewigen Deutschen, die in die Fremde stürmen, dem Fremden die Welt erobern und als Bettler heimkehren. — Peter Mendelssohn: Fertig mit Berlin? Roman. Ganzleinen 6,50 Mk. Verlag Philipp Reclam jun., Leipzig. (482.) Dieser Roman eines jungen Mannes, der seine Lehrjahre in Berlin verbringt, die Kreise der literarischen Boheme, des bewegten Durcheinanders auf- steigender und absteigender Schicksale schneidet — entrollt Bilder von Menschen und Ereignissen jenes Berlins, das zwischen der Kaiser-Wilhelm- Gedächlniskirche und dem Eity-Zeitungsviertel Tempo markiert. Das große anonym« Kollektiv der Weltstadt wird durchlebt in diesem Kampf eines aufgeschlossenen, bohrend ehrlichen Menschen. — Willy Seidel: Iossa und die Iunggefellen. Ein heiterer Roman aus dem heutigen Schwabing. Preis 5 Mk. Verlag von Albert Langen in München. (378.) — Da sitzt er, der Junggeselle ällrich von Llzbach, fünfundvierzig Iahre alt, Privatgelehrter, in seiner schwabinger Behausung, entweder bei mildem Lanpenschein im Sanctissimum, der fensterlosen Bibliothek, allwo er seine zwanzigbändige Grabbe-Ausgabe bearbeitet, umgeben von fünf- zehntausend Büchern, darunter unbezahlbaren Erstabzügen, oder er sitzt daneben, im Sanctum, auf dessen Mitteltisch wesentlich unwissenschaftlichere Arbeiten verfertigt wurden. Und zu diesem „Rou6" aus der Aera des Frou-Frou, zu diesem ausgekochten Hagestolz, findet sich eine moderne Eva, keck, ehrfurchtslos und aufreizend schön, Studentin zudem und wirtschaftlich selbständig. Das wird schlimm: zwei Generationen Platzen aufeinander. Sie weiß eigentlich gar nicht, warum sie gerade auf dieses Original „geflogen" ist, aber kühl entschlossen sucht sie aus dem fait accompli das Beste für sich zu destillieren. Dieser Roman ist eine Ueberrafdjung. Ein guter, aber starker Tropfen I — Dicki Daum: Zwischenfall inLoh- w i n ck e l. Roman. 322 Seiten 8°. Drosch. 3, Leinen 4.50 Mk. Verlag Ullstein, Berlin. (591) — Irgendwo in Deutschlaird liegt ruhig und verträumt, umgeben von Weinbergen, Loh- winckel. Dort lebt der Arzt Dr. Persenthciin mit Frau und Kind, dort leben die Honoratioren: Fabrikbesitzer, Kaufmann. Gutsherr, Apotheker, Rektor und Pfarrer, dort leben Arbeiter und Gymnasiasten, gehen ihrem Tagwerk nach. Sin kleines Ereignis genügt, um den Frieden des Städtchens zu stören, Gesetze des Lebens ‘ und der Moral, die unabänderlich schienen, zu erschüttern. Diese Bewegung, die alle in gleicher Weise ergreift, wird verursacht durch einen Auto- unsall, der einen Großindustriellen, eine Filmdiva und einen Boxer unfrcitoi.Iig in diese Abgeschiedenheit verschlägt. — Der neue Roman der geschätzten Autorin unterhält nicht nur, er erregt und stimmt nachdenklich. Kinderbücher und Zugendschristen. — Liederfibel 2.Teil. Kinderlieber inBil- demoten dargestellt von Heribert ©rüget, Bilder von Johannes G r ü g e r. Geb. 4,30 Mark. Ostdeutsche Derlagranstalt GmbH., Breslau. (537) — Dies ist eines der hübschesten und originellsten modernen Kinderbücher, die wir lenren. Lern Verständnis- und Vorstellungslre'.s der ersten kindlichen Lebens- und Dorschuljahre angemessen, bringt es eine Reihe der verbreitetsten und beliebtesten Reime und Lieder: mit Text und Roten auf der einen Seite und mit farbigen Illustrationen auf der andern, wobei der Rhythmus der Bilder dem Aus und Ab der Tonfolge zierlich entspricht. Die Bilder sind — worauf es hier ankommt — vollkommen kindlich gesehen und dabei durchaus künstlerisch empfunden. Hierauf beruht der besondere Wert dieser Fibel, di« wir allen jungen Eltern als ein vorbildliches Weihnachtsgeschenk empfehlen möchten. — Leider hat uns der erste Band des Bilderbuches mit Roten (der einen außerordentlichen Erfolg gehabt haben soll) nicht Vorgelegen. — Das Golden« Knabenbuch. Heraus- gegeben von Erich Georgi. Mit Beit ägen von A. Auswald H ll r, Ingen eur Pa il G. Ehrhardt, Prof. Dr. E. Fraas, Otfrid von Hanstein, Erich Laßwih, Ios. Iul. Schäp Sportschriftleiter Rich. Tschorn, C. von Wedelstaedt. 160 Seitei 8°. Mit a<±) t Kunst beilagen nach P hotographien. In Goldfolien Einband mit farbigem Ochuhumschlag 4.—. Levy & Müller, Stuttgart (500). — In diesem Band finden unsere Heranwachsenden Knaben, was sie heute vielfach interessiert. Der Herausgeber hat es verstanden, namhafle Fachschriftsteller zu gewinnen, die leicht verständlich, aber spannend zu erzählen und zu schildern wissen. Die Titel einiger Beiträge: I A 99 999, Pc ter wird Sportsmann, Im Luxusslugzeug Berlin — Australien, Das Kampfspiel, Fernsehen, Tage der Wunder, Gesprächige Lokomotive, Meine Faltbootreise auf dem Inn. — Das Goldene Geschichtenbuch. Herausgegeben von Frida Schanz. Mit Beiträgen von Ilse Manz. 160 Seiten 8°. Mit sechs farbigen Vollbildern von P. Leuteritz. Halbleinen 4 Mk. Levy & Müller, Stuttgart. (497) — Frida Schanz ist bekannt als feinsinnige Erzählerin für die Iugend. Zu dem vorliegenden Sam- melbond hat sie wieder eine Anzahl frischer, lebendiger Kindergefchichten beig. tragen, die kleine und große Erlebnisse aus der Kinderwelt darstellen, aber ganz neuzeitlich auf den Tat- sachensinn und das Interesse unserer heutigen Iugend im Schulalter eingestellt sind. Reben den Erzählungen von Frida Schanz enthält der Band noch einige der so beliebten Kurzgeschichten von Ilse Manz. — Margarethe Mi ltschinskh:Puppe Liesels Abenteuer. Mitvi rf r'igenBildern von Valerie May-Hü smann. 156 ©eiten 8'. Halbleinen 4,80 Mk. K. Thienemanns Verlag, Stuttgart. (596) — Eine allerliebst« Käthe-Kruse- Puppe erlebt hier wundersame Schicksale. Don fünf Müttern wird sie nacheinander betreut: von der blonden Träubel, dem stillen Reserl, der wilden Susi, der flinken Marie und dem ernsten Annerl, und mit jeder teilt sie Freud und Leid. Iedes kleine Mädchen, das an feinen Puppen hängt, wird an dieser Geschichte seine Freude haben. Einen hübschen Schmuck des Buches bilden Sie bunten Bilder von Frau Valerie May- Sülsmann. — Für Mädchen von 7 bis 13 ähren geeignet. — Sagen der Technik. Von Fliegern und Schiffern, Drücken und (Bauten, älhren, Glocken und Zauberspiegeln und wunderbarem Hausgerät nach alten Quellen berichtet von Prof. Dr. Oskar Ebermann. Mit 20 Bildern nach alten Originalen. Ganzleinen 4,80 Mk. Verlag Hegel & Schade, Leipzig C 1. (559.) — Technik und Sage scheinen völlig unvereinbar, da sich technisches und mythisches Denken widersprechen. Aber um so reizvoller ist es, der Sage nachzugehen, wenn sie sich einmal mit der Technik begegnet und uns den Zusammenstoß zwischen dem Reugestalter der Welt und den alten Göttern der Beharrung darstellt. Ieder, mag er di« technische Entwicklung unserer Tage mit Freud« oder Sorge verfolgen, besonders aber unsere technikfrohe Iugend wird in dem nach alten Originalen bebilderten Bande einen der alten Zauberspiegel wiedererkennen, der den Blick in eine gewünscht« Welt erschließt. Kalender und Almanache. — Hessen-Kunst 1931. Jahrbuch für Kunst- und Denkmalpflege in Hessen und im Rhein-Main-Gebiet. Begründet und herausgegeben von Christian Rauch, Professor der Kunstgeschichte in Gießen. Mit Dildschmuck von Felix K l i p st e i n, Laubach. 24. Jahrgang. Brosch. 2,50 Mark. R. G. Elwertsche Verlagsbuchhandlung. Marburg a. d. L. (398.) — Auf der ersten Seite findet man das kuriose Motto: „3m Lande Hessen gibt's hohe Berge und wenig zu essen, große Krüge und sauren Wein, wer möchte wohl em Hesse sein? Wenn Schlehen und Hagebutten nicht geraten, haben sie weder zu sieden noch zu braten." Im Geleitwort des Herausgebers aber heißt es: „... Der Reichtum unserer Lande an alter Kunst ... ist unerschöpflich. So möchten wir hoffen, daß das alte Schiff Hessen-Kunst nun wieder flott geworden ist für die Weiterfahrt durch das Jahrhundert." Die Mitarbeiter: Dr. Friedrich Dieibaum (. Kunstdenkmäler der Grafschaft Schaumburg"): Dr. Albrecht Kippenberger („Von den Glasfenstecn der Elisabethkirche zu Marburg, ihren künstlerischen Voraussetzungen und ihrer Rachsolge"): Dr. Werner Meyer-Dark- hausen, Gießen („Fachwerkhäuser des 16. Jahrhunderts in Wildungen"); Dr. Olga Bloch („Kasseler Fayencen"). Vortreffliche Graphik von Klipstein schildert Mensch und Tier, Landschaft und Architektur des heimatlichen Bezirks. Zahlreiche, tadellos reproduzierte Illustrationen begleiten und beleben den Text. Die verlegerische Ausstattung verrät gediegenen Geschmack. So wird auch der neue Jahrgang viele Freunde ftnden in Hessen und willkommen sein wie seine Vorgänger in früheren Jahren. — Velhagen L Klasings Almanach bringt in diesem Jahre eine Fülle ausgezeichneter farbiger Wiedergaben nach Gemälden neuer und alter Meister. Unter den Rovellen heben wir zwei von Clara Diebig und Axel Lübbe hervor. Friedrich Freksa erzählt Histörchen aus der Levante, Katharina von Kardorss ein Jagderlebnis. Der berühmte Marburger Prof. Dr. E. Kretschmer gibt den Grundriß einer modernen Physiognomik. Walther Dahms schildert galante Musik. Di« genannten Themen deuten die reichhaltige Füll« dieses amüsanten Almanachs an. Er ist, getreu dem Vorbild seiner Vorgänger, entzückend ausgestattet, das gegebene Festgeschenk für die Dame. (562) — Insel-Almanach auf das Jahr 19 31. (Insel-Verlag in Leipzig.) — 443 — Als Jubiläumsjahrgang erschien in diesem Jahr der Insel-Almanach: er ist der fünfundzwanzigste in der Reihe und zugleich der älteste aller neuzeitlichen Terlagsalmanache. Bezeichnenderweise trägt er das Goethesche Motto: Von Jahren zu Jahren Muh man viel Fremdes erfahren, Du trachte, wo du lebst und leibst, Daß du nur immer derselbe bleibst. Wiederum gibt er in Proben und Auszügen einen Querschnitt durch das vielseittge Schaffen des repräsentativsten deutschen Verlags. Reben den Autoren, die dem Insel-Verlag sein Gesicht gegeben haben: Hugo von Hofmannsthal, Rainer Maria Rilke, Stefan Zweig, Hans Carossa, Albrecht Schaeffer, Felix Timmermans steht eine Anzahl junger verheißungsvoller Dichter, wie Karl Heinrich Waggerl, Richard Dillinger und Martin Deheim-Schwarzbach. Ferner finden wir Auszüge aus den gelehrten Düchern des Verlags (Kühnemanns Goethe und Cortis Raucherbuch). Der Abschnitt aus dem Kin Ping Meh gestattet uns einen tiefen Einblick in die rätselhafte Welt Chinas. England ist durch die Ramen Aldous Huxley und Virginia Woolf, Frankreich durch Henry de Montherlapt vertreten. Zwölf Dilder erhöhen den Reiz des Buches. — Meyers Historisch-Geographischer Kalender 1 9 31. 34. Jahrgang. 365 Tagesblätter mit genauen kalendarisch-astronomischen Angaben, mit je einem Bild (darunter monatlich eine ausführlich erläuterte Sternkarte), mit je einem Spruch oder Gedicht und mit Erwähnung vieler Gedenktage. Außerdem: farbiges Titelbild, Tierkreis mit Planetenuhr, sachlich geordnetes Verzeichnis der Bilder, astronomische Gesamtübersicht des Jahres und einführende Bemerkungen für den Gebrauch des Kalenders, auf dem Rückendeckel Jahreskalender. Als Abreißkalender eingerichtet. Preis 4 Mk. (555.) — Der 34. Jahrgang für 1931 ist besonders weltwirtschaftlich und aeronautisch betont. Man findet hier neben prachtvollen Raturbildern aus aller Welt, neben Porträts und Kunstwerken zahlreiche Flugzeugauf- nahmen, ferner Bilder aus den Ueberfeefjäfen, aus den großen Provinzen der Weltwirtschaft: Lateinamerika, Rußland, Drittfchem Weltreich. Stets sind kurze Erläuterungen mit statistischen Angaben usw. hinzugefügt, wichtige Gedenktage, Sonnen- und Mondphasen bei jedem Tag vermerkt. — Lahrer Hinkender Bote. 3m alten Gewände, aber neuen 3nhalte ist der 131. 3afjrgang des in ganz Deutschland und darüber hinaus gleich gut aufgenommenen Kalenders des Lahrer Hinkenden Boten erschienen. (Verlag von Moritz Schauenburg.) (320.) — 3eder- mann leicht verständlich, echt volkstümlich be- hcmdelt der .Hinkende" wie immer die Welt- begebenheiten bis zur Hälfte des laufenden 3ah- res. Eine stattliche Reihe bekannter Schriftsteller schildert das Leben und Denken, die Eigenart und Sitten deutscher Landesteile, teils in packender süddeutscher und pfälzischer Mundart, und kommt durch in den Text eingereihte Bilder dem Verständnis zu Hilfe. Ein ausführliches Marktverzeichnis, das nicht nur das Gebiet des Deutschen Reiches, sondern darüber hinaus die früheren deutschen Landesteile im Osten, sowie Luxemburg, umfaßt, dürfte allen wirtschaftlich 3nteressierten willkommen sein. — Alles in allem genommen eine kräftige, allen Lesern gut bekömmliche, geistige Kost. —E. Oer neue Timmermans. — Felix Timmermans: Di e Delphine. Eine Geschichte aus der guten alten Zeit. Aus dem Flämischen übertragen von Peter Mertens. 265 Seiten 8°. Mit vielen Zeichnungen des Dichters. Leinen 7 Mk. 3m 3nfel* Verlag zu Leipzig. (370.) — Abseits von der Zeitgeschichte, von den Sensationen und den wirtlichen oder vermeintlichen Aktualitäten deS Literaturbetriebes, schreibt der flämische Dichter Felix Timmermans seine schönen und stillen, heiteren und idyllischen Bücher: fast wie ein mittelalterlicher Mönch weih er geruhsam zu berichten und zu schildern und seine Phantasien mit farbigen Miniaturen oder Schwarzweih- zeichnungen sinnfällig zu begleiten und zu beleben. Dieses neue Buch scheint uns das reifste zu fein, was der Mann aus Lier feit langem gestaltet hat, und ganz aus der gefunden Blut- fülle seines Stammes hervorgewachsen. Das ist eine zarte, melancholische und beschauliche Geschichte. ein biedermeierliches 3dyll, überspielt von den mancherlei funkelnden Lichtern eines krausen und barocken Humors, wie wir ihn unter den Unfern etwa bei 3ean Paul oder bei E. T. A. Hoffmann zu finden gewohnt sind. 3n fünften Pastellfarben setzt der Dichter Szene an Szene, Bild neben Bild: der geruhsame Atem seiner Schilderung hat nichts gemein mit dem hämmernden Pulsschlag unserer aufgeregten Zeit. Man lieft dieses Buch bei der Lampe an stillen Winterabenden und verliert sich darein wie in ein längst verlorenes Paradies. Timmermans erzählt hier von den Stammgästen des Gasthofes „Zum Delphin" in der alten schönen flandrischen Stadt Lier, denen die Abende im „Delphin" zu einem Bestandteil ihres Lebens geworden sind. Viel Seltsames und Vergnügliches weih er von den Delphinen und ihrem Leben zu berichten, von ihrer Liebe und Kunst, ihren (Narrheiten und Leidenschaften, vor allem aber von dem Oberhaupt der „Philosophen von Lier", dem urwüchsigen Rotor Pirruhn und von feiner hartnäckigen Liebe zu Adelaide von Sint- 3an. Man kann diese zarte Geschichte voll naturhafter Bezauberung nicht nacherzählen. — Der 3nfel-Q3erlag hat dem Buch eine schöne unö noble Ausstattung gegeben; man muß wünschen, daß es bald als Geschenk auf vielen weihnachtlichen Tifchen zu finden sei. Biographisches. — Richard Wagner an Ma thilde Maier (1 862— 1 87 8 )her ausgegeben von Dr. Hans Scholz. Verlag Theodor Weicher, Leipzig. Ganzleinenband 12 Mark, Halblederband 16 Mark. (587.) — Diese Dries samm lang umfaßt die Diebricher, Penzinger, Münchener und Triebschener 3ahre sowie die Konzertreisen nach Ungarn und Rußland, also die gesamte musikalische Entstehungszeit der .Meistersinger". WagnerS tiefste Erniedrigung und höchsten Aufschwung. Reben höchst interessanten Ausschlüssen über deS Meisters äußeres Leben sind es namentlich die Deziehungen zur Adressattn, was dem Dache seinen großen Reiz verleiht. Mathilde Maier ist für Wagner viel mehr gewesen, als seine Autobiographie erraten läßt: hat er doch, bevor Cosima v. Bülow in fein Leben entscheidend eingriff, den Wunsch einer ehelichen Verbindung mit ihr ernstlich genährt, wie sich aus einem Brief an Mathildens Mutier, der einem förmlichen Hei- ratsantrage gleichkommt, unzweideutig ergibt. Mathilde Maier stand, noch lange nach WagnerS Tod, in engen freundschaftlichen Beziehungen zu Frau Cosima, di« ihr als Mutter seiner Kinder und Förderin feines Lebenswerkes heilig war. — 3akob Christoph Heer, Erinnerungen. Mit einem Bildnis. 3n Ganzl. 6 Mk. Verlag 3. G. Cotta, Stuttgart. (564) — Das ganze liebenswürdige, bei aller Männlichkeit doch zarte Wesen des vor fünf 3ahren verstorbenen schweizerischen Dichters, das ihm die Herzen so vieler Leser gewann, spricht auch aus diesen seinen nachgelassenen „Erinnerungen". Mit ihren Bildern auS der 3ugeni> und dem Vaterhause, mit ihren Ausschnitten aus dem oft sturmbewegten Lebenskämpfe, mit all den Offenbarungen und Bekenntnissen des liebe- und sehnsuchtsvollen Dichterherzens sind sie eine schön« Ergänzung zu HoerS autobiographischen Werken. Wovon Heer auch immer erzählt, von der versöhnend-schlichten Erscheinung feiner Mutter, von der (Natürlichkeit feiner jungen Herzenssreundinnen, von der wuchtig- getoitterhaften Gestalt seines Vaters, von der na h v Uen e nes Verlcgrrs Adolf Kröner, von der verständig-unverstänoigen Schar seiner Lehrer, von der Art, wie er seine Dichtungen konzipiert und ausgestaltet — alles dies hat Leben und Farbe, Wärme und Reichtum des Gefühls. — Das 3ofeph-von-Lauff-Buch. Herausgegeben von Carl Hanns Erkelenz mit 70 Abbildungen. Kart. 3,80 Mk., Leinen 5,40 Mk. G. Grote, Berlin. (554.) — Einen Spiegel nieder- rheinischer Welt, umwunden mit Geburtstagssträußen für den 75)ährigen Dichter, hat Erkelenz mit feinem Verständnis für Sache und Persönlichkeit geschaffen. Lausf, der Entdecker des Riederrheins! tönt es aus dankbar bewegten Worten rheinischer Dichter wie Drües, (Sulenberg und anderer. Der Dichter selbst führt den Leser entlang an seinem Lebensweg und Schaffen, dann tut sich in sorgsam aus den Werken ausgewählten Abschnitten ein rundes Bild niederrheinischer Landschaft auf, dann treten die Menschengestalten dieses Landstrichs mit ihrem heiteren Lebenssinn zu einem anmutigen Reigen zusammen. Drollige Zeichnungen von Lauff und Wiedergaben von Meisterwerken alter Holländer sind in den Barch eingestreut. — Kronprinzessin Cecilie, Erinnerungen. Zum Besten des Augusta-HofpitalS vom Roten Kreuz zu Breslau, Verlag von K. F. Koehler, Leipzig, Ganzleinen 9 Mark. (573). — Die ehemalige deutsche Kronprinzessin, öie sich nun entschlossen hat, ihre Erinnerungen der Oef- fentllch'eit zu übergeben, entstammt dem alten mecklenburgischen Fürstenhause der Obotrüen, das seit dem 19. 3ahrhundert enge Verwandtschaft vor allem mit den Hvheirzollern und dem Zaren- hause verband. So stammt die Kronprinzessin Cecilie sowohl väterlicherseits, über die Großherzogin Alexandrine, die eine Schwester bei alten Kaisers war, wie auch mütterlicherseits über die Kaiserin Charlotte von Rußland, ebenfalls eine Schwester Wilhelms I., von der Königin Luise ab, und diese enge verwandtschaftliche Verbindung macht es natürlich, daß die Kronprinzessin in ihren „Erinnerungen" der großen russischen Verwandtschaft und dem preußischen Königshause, dem sie später als Gattin des Thronerbe angehören sollte, besonderen Raum widmet. Aber ihre ganze Liebe bleibt ihrer mecklenburgischen Heimat, dem Jagdschloß Gelbensande mitten in der weltabgeschiedenen Rostocker Heide, der kleinen mecklenburgischen Residenz Schwerin und dem stillen Heiligendamm, an desien Steinstrand die schlichten Villen der meckben- burgischen Fürsten stehen. ilnö so einfach und zurückhaltend, wie das Leben der mecklenburgischen Prinzessin hier an der Ostsee und später mit dem kranken Vater und der schönen, sportliebenden Mutter zusammen an der Riviera, verlief, ist auch dieses Crinnerungsbuch, das sich damit sympathisch abhebt von mancherlei Veröffentlichungen ähnlicher Art, die uns die Nachkriegszeit als Konjunkturblüten beschert hat. Wer politische Sensationen oder gar höfischen Klatsch sucht, kommt bei der Lektüre dieses ganz schlichten und ehrlichen Buches nicht auf seine Kosten. — A. de Rora: Erinnerungen eines Arztes und Dichters. 248 Seiten 8°. Brosch. 4, Leinen 6 Mark. L. Staackmann, Verlag, Leipzig 1930. (489.) — 2m Plauderton beschriebener, unterhaltsamer Rückblick des 66jährigen Dichters der „Madonnen" und des „Giorgione" auf seinen Lebensweg, auf die Entwicklung aus Kinderparadies und Studentenjahren zur Mannesreife: ehrliches und ungeschminktes, von manchem Humor besonnte Bildnis seiner selbst. SJtxfpoit Spielplatz-Werbeiag 1931. Auf Grund einer an den Deutschen Reichs- ausschuh für Leibesübungen gelangten Anregung wird zur Zeit erwogen, ob im nächsten 2ahr der Spielplatz-Werbetag, der im Jahre 1925 mit großem Erfolg veranstaltet wurde, wieder aufleben soll. Unter anderem ist daran gedacht, den Veranstaltern einer solchen Kundgebung eine öffentliche Sammlung, wie sie durch die Ortsgruppe des DRA. in Breslau mit großem Erfolge durchgeführt wurde, zu empfehlen. Die öffentliche Sammlung ergab fast 7000 Mk., die zur Anschaffung von Spiel- und Sportgerät für bedürftige 2ugendliche verwandt wurden. 3n der gleichen Richtung geht ein Vorschlag des Vorstandes der Deutschen Turnerschaft. Danach sollen im Jahre 1931 an ein und demselben Tage alle Vereine der DT. zu einer Werbeveranstaltung veranlaßt werden. 3n Vorschlag ist der Geburtstag der DT., der 17.3uni oder der darauffolgende Sonntag, der 21.3unt, gebracht worden. Von feiten des DRA. war zunächst der Tag der Grohstaffelläufe, der 7.3uni, in Erwägung gezogen. Die nächste Vorstandssihung des DRA. wird sich mit diesem Gedanken zu beschäftigen haben: Auch die OT. spart. Der Vorstand der Deutschen Turnerschaft hat auf Grund eines Auftrages des Hauptaus- schusscs der DT. umfassende Sparmaßnahmen an 'dem Haushaltsplan für das 3ahr 1931 beschlossen: er hat Abstriche an dem und an für sich durch den Deutschen Turntag 1929 für das 3ahr 1931 festgelegten Plan in Höhe von rund 75 000 Mark vorgenommen. Darunter befindet sich eine Kürzung aller Tagegelder für Teilnahme an Sitzungen um 10 v. H. Oie deutschen weiter in USA. 3n Toronto konnten sich die deutschen Offiziere am Mittwoch nicht placieren. Die deutschen Teilnehmer schieden in dem Springen gleich den Amerikanern und Schweden aus. Sieger wurde Oblt. Malanotti, Ungarn. Körnig gegen Lammers. Die beiden Sprintermeister der DSB. und DT., Körnig (Charlottenburg) und Lammers (Oldenburg), werden sich beim Fest der Breslauer Sportpresse am 30. Rovember seit langer Zeit wieder einmal einen Zweikampf liefern. 3m leichtathletischen Programm des Abends wird außerdem noch Dr. Pelher (Stettin) mit seinem Klubkameraden Hellpapp und dem Breslauer deutschen Meister Krause an den Start gehen. Rausch-Hörigen bei Brüssels „Sechstage". Auf Grund ihrer ausgezeichneten Fahrweise beim Brüsseler Dreistundenrennen am letzten Sonntag wurden die Kölner Rausch/Hürtgen jetzt für das vom 30. Dezember bis 5. 3anuar stattfindende Brüsseler Sechstagerennen verpflichtet. Außer den Siegern des letzten Sonntags, den Belgiern Duray/Depauw, erhielten bisher noch Haemerlinck/A. Maes einen Vertrag. Das Herz derIugend. Don Or. med. Heinz Franzmeyer, Berlin. Voraussetzung für jede größere Körperleistung ist ein vollkräftiges Herz. Auch der Herzmuskel wird nur durch Betätigung ausgebildet und in seinem Leistungsvermögen gefördert. Verzichtet man hierauf, so muß er verkümmern. Werden dem Herzen regelmäßige, allmählich gesteigerte Aufgaben gestellt, so Paßt es sich dem an. Durch zu starke oder überlange Beanspruchung wird es dagegen leicht geschädigt. Jede Körperübung vermittelt Wachstumsreize, sowohl für die beteiligten Muskeln, als auch für das Herz. Diese Reize — seien es nun fördernde oder hemmende — sind besonders wirksam beim jugendlichen Herzen. Deshalb ist auch bei jugendlichen Personen nach richtig dosierten Leibesübungen die Gewichtszunahme des Herzmuskels, die ja normalerweise den Maßstab für sein Arbeitsvermögen bilden kann, wesentlich größer als bei älteren. Zunahme von herz- und Skelettmuskulatur gehen nicht immer parallel. Der Läufer z. B. schafft durch seinen Sport keineswegs dicke Muskelpakete der Beine — er bekommt vielmehr schmale, sehnig veränderte Muskeln — der Herzmuskel aber erfährt eine erhebliche Vergrößerung: es bildet sich dadurch ein großes, höchstleistungsfähiges Sportherz. Wie erklärt sich das? Bei kurzer Beanspruchung kann das Herz den Korperzellen genügend Blut liefern, indem es seine Schlagzahl vermehrt. Seine Größe wird dabei nicht verändert: die Fasern des Herzmuskels werden nicht gedehnt, und ein Mehrverbrauch an Energie tritt nicht ein. Anders bei den Dauerleistungen! Zu- ' nächst erfolgt auch hier eine Herzbeschleunigung. Sie allein schafft nicht genug Blut zu den Körperzellen. Die jedesmalige Dlutmenge beim Schlage des Herzens muh deshalb vermehrt werden. Die Hcrzwandungen und ihre Muskelfasern werden stark gedehnt. Dazu ist mehr Energie nötig, als bei einer nur kurzen Hebung. Nahrungsbedarf des Herzens und Nahrungszufuhr dahin steigen an; vermehrtes Wachstum, also Herzvergrößerung ist die Folge. Das jugendliche Herz zeigt dabei dem älteren gegenüber einen Unterschied: das junge Herz besteht nämlich fast nur aus Muskelfasern, die sehr dehnbar, aber wenig fest sind; das ältere Herz hat dagegen viele bindegewebige Einlagerungen, die mehr Festigkeit, aber weniger Dehnbarkeit bewirken. Aus diesem Grunde kann das jugendliche Herz für kurze Llebungen auch bei großen Leistungssteigerungen durch schnelle Zusammenziehungen den Körper noch gut versorgen. Das ändert sich aber, wenn seine Leistung eine länger dauernde sein soll. Da steigert sich die Pulszahl zunächst von 80 in der Ruhe auf etwa 160, selten auf mehr. Wird damit der Sauerstoffbedarf der Zellen trotzdem nicht gedeckt, so sucht das Herz durch Vermehrung der jedesmal in den Körper geworfenen Dlutmenge sich anzupassen. Das Herz, besser die Herzhöhle, vergrößert sich also; die Wandungen werden gedehnt; allerdings soweit der Herzbeutel das zuläht. Die stark gedehnten Wandungen werden dünn und erschlaffen bald, zumal die Blutgefäße der Wachsenden schon eine gewisse nervöse Spannung zeigen und der Herztätigkeit dadurch einen steten Widerstand bereiten. Spannungsarbeit, die ein Herz gerade für sein Wachstum besonders benötigt, ist ihm deshalb bei Dauerleistungen nur im beschränktem Maße möglich. Daraus ergibt sich: ~ —. Begrenzung körperlicher Leistungen — besonders in bezug auf Dauerübungen — ist für die Jugendlichen ein unbedingtes Erfordernis, soll nicht eine bleibende Schädigung des herzens die Folge fein. Es ist keineswegs selten, daß junge Menschen mit noch wachsendem Herzen ihre Krästeüber- schätzen oder die Folgen der Pleberdehnung des Herzmuskels nicht kennen, bzw. nicht beach!en und Höchstleistungen erstreben, zu denen sie noch nicht befähigt sind. Deshalb ist ein Hinweis darauf und eine Belehrung über diese Dinge unbedingtes Erfordernis. Sportärztliche Untersuchung stellt leicht Las wachsende Herz fest. Auffällige Formverschlechterungen und völliges Versagen bei jugendlichen Personen finden meist ihre natürliche Erklärung in dem Vorhandensein eines wachsenden Herzens, das bis dahin übersehen war. Jedenfalls müssen aus diesem Grunde der Unzulänglichkeit des wachsenden Herzens für Kinder und Jugendliche aus- gesprochrne Kraft- und Dauerubungen fortfallen; stattdessen ist Wert zu legen auf regelmäßiges kleben, auf systematischen Aufbau und ganz allmähliche Steigerung und Stilleistung. Immer weiße Zahne. „Ich möchte Ihnen Mitteilen, daß wir schon über 15 Jahre die Zahnpaste Chlorodont benutzen. Noch nie Hal sie uns enttäuscht! Wir hatten immer weitze Zähnq und einen angenehmen Geschmack im Munde, umsomehr, da wir schon längere Zeit das CHIorodont-Mundwasser benutzen. Auch benutzt die ganze Familie nur Chlorodont-Zahnbürsten." gez. 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November 1930. Der Oberbürgermeister. I. V.: Dr. Rosenberg. Der Maßschuh ist also im Tragen wirtschaftlich! 7975D Rechnung, hat lange Lebensdauer, beugt Fußleiden vor, behebt alte Fußleiden, ■ trägt dem persönlichen Geschmack / Ul'