Nr. M Erster Blatt 180. Zahrgang Dienstag, 26. August 1930 MtzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Eriche inl «oglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener FamilienblLtter Heimat im Dill» Die Scholle Ronati’Bejngiprtls: 2.20 Rerchsmark und 30 Deichspfennig für Träger» lohn, auch bei Dichter» scheinen einzelner Hummern infolge höherer Gewalt. Hernlorechanlchlutle ■nterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnach» Annahme oon Anzeige» für die lagesnummer bis zum Nachmrnag vorher. Preis für \ mm höhe für ?Inzeiqen von 27 mtn Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Playvorschrift 20* mehr. Chefredakteur Dr. Fnedr. Wilh. Langs. Derantwonlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Langes für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Ula[ Filte^ fämtlich in Sieben. richten: Anzeiger Hieben. Postscheckkonto: Lrankfunam Main 116O6. vntck vnd Verlag: vrLhl'lche Untversitülrvuch- Ustb 51ei«druckerei L Lange in Gießen. Zchristleitvng und Geschäftsstelle: Schulstraste 7. ■ pilsudski bildet das neue polnische Kabinett. Warschau, 25. August. (IDIB.) Vcr Staatspräsident hat heule das Lr- nennungsMrd unterzeichnet, In dem Marschall P 11| u b ' f i zumMinisterpräsidcnten and Nrlegsminister ernannt wird. Gleichzeitig hat der Staatspräsident auf Antrag des Marschalls Pilsudski u. a. folgende Minister ernannt. Oberst Beck. Minister ohne porle- feuille. General Sflabforoffl, Innenminister, 3 a I e f r l. Außenminister, LzerwInsk 1, Kultus- und Unlerrichtsminisler. Kwiatkowski, Handelsminister. Die Warschauer Nachricht von dem Rücktritt deS Kabinetts Slawek bedeutet eine vollkommene Aeberraschung. Niemand begreift so recht noch den Grund, man sieht auch die Triebkräfte, die sich hinter den Kulissen geltend gemacht haben, nicht. Daß in Polen nicht allcS zum Besten steht, ist ein öffentliches Geheimnis. Aber es ist nun schon seit Monaten so gegangen, und nichts hat sich ereignet, was von heute aus morgen eine Krisis auSlö^en mühte. Slawek. der Führer der Obersten-Partei, der .Klein Pilsudski in der Westentaschesollte der starke Mann sein, der die Opposition zu Paaren tr»eo. Gr hat den Sejm auch auscinandergejagt und diktatorisch regiert, freilich ohne allzu viel Erfolge. 3m Gegenteil, unter der Oberfläche hat sich eine Masse GrplosionSstoss angesammelt. Die Sozialisten haben sich gerührt, die Bauernpartei wollte eine Massenbewegung inszenieren, um die Einberufung des Sejm zu verlangen. Aber die parlamentarische Mehrheit hat sich bisher praktisch als so machtlos erwiesen, daß deswegen der Ministerpräsident nicht urplötzlich seinen Posten zu verlassen brauchte. Denkbar wäre das eine, daß er nicht mehr unbedingt der Mann des Dertrauens für Pilsudski gewesen und deswegen zurückgcpsissen wurde, denkbar ist aber auch, dah Pilsudski den Augenblick für gekommen hält, um nun selbst wieder auch nach außen hi n die Leitung zu übernehmen. Er hat sich in den letzten zwei Jahren stark zurückgehalten und alle Anzapsun- gen, die sich mit seiner Person beschäftigten, übersehen. Selbst in unterrichteten Kreisen ist denn auch die Dersion auSgcgeben worden, dah er ein totkranker Mann sei, beinahe schon seiner Auflösung entgcgengche, mindestens aber zu stark an Verfolgungswahn leide, um rwch eine aktive politische Rolle spielen zu können. 3etzt ist er plötzlich wieder da, und scheint alle Gerüchte Lügen zu strafen. Freilich, et hat zwei wichtige Jahre verloren und inzwischen viel von seiner Autorität ein- gcbüht, zumal da ja auchdie Legionen nicht mehr unbedingt auf seiner Seite stehen, sondern gerade innerhalb der Legionen ein starker Zer- setzungsprozcß für und wider Pilsudski im Gange ist. Mag fein, dah er den Boden unter den Füßen zu verlieren glaubt, wenn er noch länger zögert. Lein ganzer Charakter und seine ganze Entwicklung aber sprechen nicht dafür, dah er noch einmal den Versuch machen sollte, mit der Mehrheit deS Sejm sich zu verständigen, sie sprechen elgenlltch mehr für Kampf, einen Kampf allerdings, den Pilsudftt dann unter recht ungünstigen Bedingungen übernimmt. Er hat eine Zweidrittelmehrheit de s Sejms gegen sich. Die Sozialisten und die Bauern hassen ihn, während die Minderheiten bestenfalls Gewehr bei Fuh stehen. ES ist allo kaum anzu- nehmen. dah der Zauber seines Namens mittelbar oder unmittelbar noch auSreichen sollte, den Konflikt um daS Parlament zu lösen, llnd wenn es Pilsudski auf die letzte entscheidende Kraftprobe ankommen lassen will, dann wird er sich auf daS Militär vermutlich verlassen können. aber selbst im günstigsten Falle würde er Polen hart an den Rand deS Bürgerkrieges heranführen. Die Opposition gegen die Regierung der polnischen Mittelparteien seht sich zusammen einerseits aus den polnischen Rechtsparteien, andererseits auS den Sozialdemokraten und säst allen Vertretern der Minderheiten, die im Sejm von 440 Sitzen etwa 80 belegt haben. Restlos jur Verfügung steht der Regierung nur der sogenannte Pilsudsli-Block, der etwa 150 Abge- ordnete zählt. ES ist seit langem daS Bestreben der Polen, die parlamentarischen Röte dadurch zu beheben, baß durch eine Wahlrechtsänderung die Stellung der „staatS- treuen" Parteien gestärkt wird. Solche Wahl- rechtSänderung würde sich natürlich in erster Linie gegen bie Minderheiten richten. Die man durch eine andere Wahlkreiseinteilung um einen großen Teil ihres politischen Einflusses bringen möchte. Man muß übrigens bei den polnischen Minderheiten streng unterscheiden. Es gibt solche, die völlig loyal im Rahmen des polnischen Staats- wesenS mitzuarbeiten gesonnen sind und die lediglich die Wahrung ihrer kulturellen Rechte beanspruchen. Dazu gehören beispielsweise die Deutschen in Polen, bie durch ihre maßgebenben parlamentarischen Vertreter wiederholt im Sejm solche Loyalitätserklärungen abgegeben haben, ohne baß bie polnische Regierung sich baburch bewogen gefühlt hätte, ihre IlnterbrückungSpolitik auszugeben. Ncch in ber letzten Zeit haben sich in Polen toieber Fälle ereignet, bie Zeugnis davon oblegen, daß bie polnische Regierung nicht die gering st eRück- sicht auf die berechtigten Interessen der deutschen Minderheit nehmen will. Im Gegensatz zu dielen Minderheiten aber gibt cs andere, in erster Linie die Ukrainer, die im offenen Kampf gegen bie War - f ch.a uer Regierung stehen. DaS Ausland erfährt nur einen kleinen Teil aller biefer Vorgänge. Vor einiger Zeit würbe einmal bekannt, baß in Lemberg, ber Hauptstadt beS ehemalig österreichifchen Galiziens, in der bas ukrainische DolkSelement vorwiegt, eines Nachts burch einen Sabotageakt sämtliche Telephonleitungen zerstört worden waren. Lolche Vorkommnisse sind tn dem von Ukrainern bewohnten Gebietsteil Polens an der Tagesordnung Die Ukrainer, bie burch die Friedensverträge eigentlich dasselbe Schicksal erlitten haben, daS die Polen bei ber Teilung ihres Staates crbulben mußten, haben sich mit dem jetzigen Zustand keineswegs abgefunben. Sie stehen übrigens auch in Sowjet-Rußland in stänbigem, oft nur mühsam unterbrücktem Kampfe gegen bie fremden Machthaber. Die polnische Regierung läßt eS an den schärfsten Maßnahmen nicht fehlen, ohne indessen bisher eine wirkliche Beruhigung deS LandeSteileS erreicht zu haben. Zweifellos liegen hier schwere Ausgaben für den polnischen Staat, der darunter leidet, baß er ein Nationalitätenstaat ist. Wenn bie Polen aber jetzt ihre Versuche verstärken sollten, mit ben Mitteln bes politischen Terrors bie Minden heitenfrage zu .lösen", bann werden sie erleben, baß biefer Weg in ihrem Staate ebenso wenig wie anderSwo zum Ziele führt, auch nicht unter einer Regierung Pil- fubfh. Die Revolution in Peru. Militärjunta übernimmt die Regierung. Güdperu hält sich zurück. — Begeisterung in Lateinamerika. Oer Staatspräsident geflohen. — Eine Lima, 25. Aug. (WTB.) Staatspräsident L e • guia ist von seinem Posten zurückgetreten. Er flüchtete an Bord eines Kreuzers nach Panama. Die Regierung hat ein Militärkabi - nett übernommen, das unter dem Vorsitz des bisherigen Kriegsministers, General Sarmiento, steht. Wie es heißt, beabsichtigt er die sofortige Auf- lösung des Kongresfes, will aber die Per- sasiung aufrechterhalten. Die Menge versuchte, in die Wohnung des geflüchteten Staatspräsidenten Leguia einzudringen und dieselbe zu plündern, wurde aber durch Schüsse zurückgetrieben, wobei mehrere Personen getötet wurden. Auch das Haus des früheren Außenministers wurde ausgeplündert, und die Gebäude dreier Zeitungen, die als Organe des Staatspräsidenten galten, mit Steinen bombardiert. Ebenso kam es in dem Zentralgefängnis zu Revolten, da verschiedene politische Gefangene ihre sofortige Freilassung verlangten, die jedoch verweigert wurde. Auf die Gefangenen mürben mehrere Schüße abgegeben. In dem allgemeinen Tumult brach ein Feuer aus, wodurch mehrere Personen verletzt würben. Oberst Sanchez Gerro, der Führer der Insurgentenbewegung in Süd-Peru lehnte die Einladung der Militär-Junta, nach Lima zu kommen, ab. Die neue Regierung hat für alle Kabeltelegramme nach Süd-Peru die Zensur eingeführt. Nach Meldungen aus mehreren Staaten Lateinamerikas hat die Insurgentenbewegung Süd- Perus beifällige Ausnahme gefunden. El llniversal Graf ico (M e f i f o) beglückwünscht daS Dolk von Peru zum Sturz LeguiaS, der ein .befrackter Diener deS Weißen Hauses" ld.h. bet Vereinigten Staaten) gewesen sei. In Guayaquil (Ekuador) tourben bie Extrablätter mit ben Nachrichten über Leguias Sturz mitBegeisterung auf genommen. Durch ilnuügc würben die weiteren Nachrichten vom Fortschritt ber Revolution gefeiert. In La Paz (Dolivia) nahm bie Bevölkerung, bie kürzlich erst selbst eine Revolution burchmachte. die Nachrichten von der Erhebung Perus mit Begeisterung auf. Das Albeiisprograimn der Aeichsregiermig. Vorsichtige Aufstellung des Etats. — Weitere Ausgabendroffelung. Oie Vorarbeiten für Genf. Das Reichskabinett, das sich in seinen letzten Sitzungen mit den Richtlinien einer Finanzreform, einer Neuregelung des Finanzausgleichs und ber Aufstellung bes Etats 1931 befaßt, hat hofft diese Besprechungen morgen abschließen zu können. Der Etat für 19 31 soll auf Grund der Erfahrungen, die man bisher mit ben Steuereingängen und ber finanziellen Wirkung ber Notverordnungen gemacht hat, mit äußerster Vorsicht aufgestellt werden. Reichsfinanzminister Dietrich hat bereits in Aussicht gestellt, baß die Ausgaben im kommenden Jahre noch mehr gedrosselt werden sollen. Die Einnahmen sollen so eingesetzt werden, baß selbst bei einer Fortbauer der schlimmen wirtschaftlichen Konjunktur mit bem Eingang ber veranschlagten Summe gerechnet werden darf. Es handelt sich zunächst nur um die Festlegung der Grundsätze, nach denen bei ber Aufstellung bes nächstjährigen Etats verfahren werben soll. Die Ausarbeitung bes Haushaltsplanes soll banach im Reichsfinanzministerium erfolgen. Daneben muß bie Regierung sich aber auch mit lausenden Fragen beschäfttgen. und besonders mit der Vorbereitung der Genfer Dölkerbunbstaquna die diesmal ein besonderes Gericht durch die Driandsche Paneuropa-Attion er galt. <-d ut nicht anzunehmen. daß man in Gens schon jetzt zu irgendwelchen Beschlüssen oder SrgebniHen kommen wird, sondern man wird sich im Prinzip über bas Verfahren auszusprechen haben, mit bem bie ganze Angelegenheit in ber Zukunft behandelt werben soll. Auch ber ungewöhnliche Vorschlag Driands, der ein rechtzeitiges Eintreffen ber Delegationen in Gens erbittet, beutet barauf hin, baß man auf ber anderen Seite die großen Schwierigkeiten des Problems sieht und vor feinet offiziellen Behandlung durch den Bund eine gewisse ausgleichende Aussprache für notwendig halt. Weiter muß die deutsche Regierung sich in einigen Fragen ber Minderheiten Klarheit verschaffen. Es verlautet, baß auch die englische Regierung sich einiger Minderheitenfragen mit Entschiedenheit annehmen will. Don Mitte der Woche ab dürste die Regierungstätigkeit in Berlin auf ein Mindestmaß beschränkt werden, da fast sämtliche Minister von diesem Zeit- punkt ab von ihren Parteien ausgiebig f ü r Zwecke der Wahlpropaganda in Anspruch genommen werden. Immerhin wäre es erfreulich, wenn die Reichsregierung die letzten Wochen des Wahlkampfes noch benutzen würde, um durch die Bekanntgabe ihrer Reformabsichten Klarheit über die Aufgaben des kom- menden Reichstages zu schaffen. Allerdings kann kein Zweifel darüber bestehen, daß es mit den bis jetzt beabsichtigten Reformen nicht fein Bewenden haben kann. Man hätte gewünscht, daß in den letzten Wochen etwas schnellere Arbeit geleistet worden wäre, insbesondere daß die tjrage ber Preissenkung mehr gefördert wor- den wäre. Auch hat die Reichsregierung bisher das unaufschiebbare Problem ber Reichsreform noch nicht ernsthaft in Angriff genommen. Wenn der Regierung wirklich daran gelegen ist, im Volke eine einheitliche Stimmung für ein großzügiges Reformprogramm auszulösen, dann müßte in diesem Punkt bald noch Durchgreifendes geschehen. Oie unabhängigen Demokraten. Berlin, 24. Aug. (TU.) Die im Anschluß an die I Gründung der Deutschen Staatspartei von Profesior Ludwig 2 u i d d e gegründete „Unabhängige I Demokratische Vereinigung', die die linksdemokratischcn Kreise, die den Weg zur Deutschen Staatspartei nicht mitgegangen sind, umfaßt, hielt ihre erste Führertagung ab. Die Tagung war einmütig der Ansicht, daß man bei dieser Wahl nicht miteigenen Listen vorgehen könne. Die Mehrheit der unabhängigen Demokraten werde wohl der Sozialdemokratie ihre Stimme geben. Ein Ausschuß wird die Wahlparole enb- gültig festsetzen. Die konstituierende Tagung findet am oonntag nach den Wahlen in Berlin statt. Der flemeinfflme Wahlaufruf. Roch lcinc Ent ichcidunq über den Anschluß der Ttaaidparlei. Berlin, 25. Aug. (BB.) Wie wir von unterrichteter Seite hören, hat der Führer der Volks- Partei Dr. Scholz jetzt in einem Brief der S t a a t S p a r t e i auf deren letztes Schreiben in der Frage eines gemeinsamen Wahlaufrufes geantwortet. Es handelt sich habet um die Bedenken, die die Staatspartei beseitigt wissen wollte, ehe sie ihre Unterschrift unter einen gemeinsamen Wahlaufruf setzt. Scholz stellt dabei h feine prinzipiellen Gegensätze, die einer solchen gempinfamen Aktion im Wege sein könnten, bestehn. Zugleich wird aber auch betont, daß eS unmöglich sei. den vorgeschlagenen Test deS Ausrufes jetzt noch abzuändern. Die LtaatSpartet hat in ihrem Aktionsausschuß sofort mit der Besprechung des Lcholzschen Schreibens begonnen und wird entscheiden, ob man an den früheren Bedenken feftbält. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird aber die Staatspartei noch einmal die Fühlung mit dem volksparteilichen Führer auf- nebmen, da ihr gerade nach dem Vorgehen der radikalen Gruppen am vergangenen Sonntag die Frage einer Sammlung und einer gewissen g e - me infamen Haltung der bürgerlichen Parteien sehr wichtig erscheint. Man wird dabet auch den Vorschlag machen, im neuen Reichstag in einer loseren Form, also in einer Art Ar - beitSgemeinscha st, zusammen zu toirfen. Die Sammlungsbewegung darf unter diesen Umständen noch nicht als gescheitert gelten, wenn auch die Form, in der man sie letzt verwirkliche will, im Vergleich zu früheren Vorschlägen wesentlich lockerer und bescheidener ist. Deutsche Giaaispartei und Sozialdemokratie. Eine Wahlrede Koch-WeserS. Berlin, 25. Aug. (ENB.) Der Mitbegründer der Deutschen Staatspartei, K o ch - W e s e r , entwickelte in Augsburg das Programm der neuen Partei und kam hierbei auch auf oas Verhalten der Staatspartei zur Sozialdemokratie zu sprechen. Er führte dazu u. a. aus: Eine Vermehrung der sozialdemokratischen Stimmen kann die parlamentarische Situation nur verschlechtern. Der Sozialdemokratie kann nichts Unangenehmeres passieren, als mit Nationalsozialisten und Kommunisten die Mehrheit zu erlangen und radikale Anträge annehmen zu müssen. Sie ist auf ein Zu- fnmmengehcn mit der Mitte angewiesen. Trotzdem lehnen wir es ab, den Wahlkampf unter der Devise „Befreiung von roten Ketten" zu fuhren. D i e Mitte soll sich selb st stark machen, um sich nach rechts und links durchletzen zu können. Das ist die Hauptsache und der Anlaß zur Gründung der Deutschen Staatspartei. Reichsreform und Han- delsoertragspolitik lind auf die Dauer nur zu wachen, wenn sich die Mitte alle Koalitionsmoglich- ketten Vorbehalt. Die Sozialdemokratie gehört zu den staatsbejahenden Parteien. Die Gruppen um Hugenbera und Hitler und die Kommunisten ge- hören nicht dazu. Eine kraftvolle Hand gegenüber den terroristischen Akten der Radikalen ist notwen- dig. Das innerste Band, das uns zusammenhält, ist der Staatsgedanke. Wir sehen in dem Staat die erhabene Autorität, die uns unsere staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten zuweist. Unsere deutsche Jugend glaubt an den Staat. Sie gehört hinein in die aktive Politik. Das Dolk will den Staat hinter den Parteien sehen. Dolk und Staat müssen eins werden. Eine Wahlrede des Außenministers. Curltus spricht in Konstanz für die liberale Einheitsliste. Konstanz, 25. Aug. (WTB.) ReichSaußen- mintster Dr. EurtiuS, der Spitzenkandidat der Deutschen DolkSpartei Badens, sprach hier un überfüllten Konzüsaale. Nach kurzen Begrüßungsworten durch die Ortsvvrfitzenden der Deutschen DolkSpartei und der Staats- Partei führte der Minister unter stürmischem Beifall u. a. folgendes aus: DaS Reich ist in Aot, wirtschaftlich und politisch. Das Rettungs- Werk der Reichsregierung ist von Hugenberg und Hitler, den Sozialdemokraten und Kommunisten, verhindert worden. Die Reichsregierung ist entschloßen. es trotzdem durchzusetzen. Die appelliert an das Volk und ruft alle auf, die gegen Radikalismus und Phantasterei ohne neuen Umsturz und außenpolitische Abenteuer, durch besonnene Führung den abermals notwendigen Neubau des Reiches, die Wiedergewinnung seiner vollen Freiheit unterstützen wollen. Es geht heute allgemein um die Bildung Staatswillens, es gehs um Regierung und Führung als solche. Das Defizit muß gedeckt, her Haushalt ausgeglichen werden. Reich, Wirtschaft und Dolk hängen von der Ordnung der Reichsfinanzen ab. Die Reichsregierung mußt« daher noch einmal zu neuen Opfern. Steuern und Auflagen greifen. Die geht aber Zug um Zug an energische Sparmaßnahmen im Reich durch starke Kürzung des Etats, an Sanierung und Reform der großen öffentlichen Verwaltungen, insbesondere der sozialen Gesetzgebung, und an dis ReuordnungdesVerhältnisseszwi- schen Reich und Ländern. Sie bot gleichzeitig der Wirtschaft weitreichende Hilfe. Für geordneten parlamentarischen Kampf müssen auf feiten der bürgerlichen Parteien größere taktische Einheiten eingesetzt werden als bisher. Richt für alle, aber für viele Schäden der Vergangenheit, zumindest für die Verdrossenheit weiter Kreise ist die Zersplitterung des Bürgertums verantwortlich. Der Gedanke der Sammlung wird hinfort nicht wieder zurückzudrängen sein. Hat auch ein erster Anlauf zur Sammlung in Berlin zunächst nur Teilerfolge gezeitigt, das Ringen darum wird weitergeprn. Wir in Baden und Württemberg waren in der glücklichen Lage, vermöge der besonderen politischen Lagerung der hiesigen Ver- häl nisse einen energischeren Schritt zur Sammlung zu tun. Wir sind überzeugt, daß die Einheitsliste der Dolisparrtei und Staatspartei in Baden und in Württemberg ihre Anziehungskraft auf die weitesten Kreise des Bürgertums nicht verfehlen und alle die um sich scharen wird, die in der Vergangenheit wegen der Zersplitterung unentschieden und verärgert beiseitestanden. Für die Ueberwindung der wirtschaftlichen Krise steht ein in der ersten Wiederaufbauperiode gestählter und erweiterter Wirl- schaftsapparat zur Verfügung. 3n den großen nationalen Fragen unterstützt die überwältigende . Mehrheit des Dolles eine zielbewußte nationale Besreiungspolitik, d.e in organischer Fortentwick- lung der bisherigen Methoden zugleich der Verständigungsidee dient, eine Politik, die überall die deutschen Ledensnotwendigkeit zur Geltung bringt, aber auch den Mut zur Geduld besitzt. Alles das bietet Gewähr für die Möglichkeit, auch die gegenwärtige Krise in Wirtschaft und Reich zu überwinden, wenn wir nur wollen. Akademiker und Arbeitslosigkeit. Da amtliche Erhebungen über den akademischen Arbeitsmarkt nicht vorliegen, haben es die „Aerztlichen Mitteilungen" unternommen, die Berufsaussichten in den akademischen Berufen zu erforschen und die Auswirkungen der Arbeitslosigkeit auf die Akademikerberufe aufzuzeigen. Als arbeitslos werden dabei unter den Aerzten 3500 angegeben. Der Arbeitsmarkt der Philologen scheint durch Angleichung von Angebot und Rachfrage einigermaßen ausgeglichen zu sein. Auf dem Gebiet der technisch-wissenschaftlichen Berufe sind rund 4 0 0 0 Personen arbeitslos. 3n der juristischen Laufbahn dürfen rund 9000 Personen als stel- lungslos angesehen werden. Die Stellenlosigkeit der Chemiker wird mit 1 000 Personen geschätzt. Wenig rosig sehen auch die Berufsaussichten bei den Zahnärzten, Tierärzten, Diplomlandwirtcn und Forstbeamten aus. insgesamt werden schätzungsweise 16 000 [teilen- lose Akademiker errechnet. Oer Aufmarsch zu den Landtagswahlen in Braunschweig. B e r l i n, 26. Llug. (CNB.) Die für die Landtagswahlen angekllndigte bürgerliche Einheits- liste von der Staatspartei bis zu den Deutschnationalen ist im letzten Augenblick gescheitert. Es haben Listen eingereicht: die S t a a t s p a r t e i, die Volksrechtpartei, die Nationalsozialisten, die Sozialdemokraten, die Kommunisten. Ferner ist eine Liste „Nationale Mitte" und eine „Einheits- l i st e" eingereicht worden. An letzterer sind Christlich-Nationale Bauern, Deutschnationale, Stahlhelm und Zentrum offiziell beteiligt. Ergebnislose Verhandlungen über den Lohnabbau im Bergbau. Essen, 25. Äug. (TU.) In den Verhandlungen zwischen dem Zechenoerband und den Bergarbeiterverbänden über den Lohnabbau, der eine Preisermäßigung der R u h r k o h l e ermöglichen soll, forderte und begründete der Zechenverband eine Lohnsenkung um 10 v. H. Die Gewerkschaften lehnten die Forderung ab und verlangten demgegenüber eine Lohnerhöhung von 50 Pf. auf den tariflichen Schichtlohn. Eine Einigung zwischen den Parteien war nicht zu erzielen. Im Anschluß daran eröffnete der Schlichter die Einigungsverhandlungen. Mit Rücksicht darauf, daß beide Parteien noch weiteres statistisches Material vorbereiten wollen, wird der Schlichter zur Fortsetzung der Verhandlungen auf den 4. September einladen. Kriiische Lage in Indien. Bombenanschlag auf den Polizeichef von Kalkutta. London, 25. Aug. (Sil.) Gegen das Auto des britischen Polizeichefs in Kalkutta, Sir Charles Tagart, wurden im Europäerviertel zwei Bornben geworfen. Sir Charles Tagart blieb unverletzt, sein Chauffeur wurde durch einen Bombensplitter leicht verletzt. Rachdem die erste Bombe geworfen war, sprang der Polizeichef aus dem Auto heraus und feuerte auf einen de r beiden Attentäter, der auf der Stelle getötet wurde. Der zweite Attentäter ist anscheinend durch frühzeitige Explosion einer der beiden Bomben verletzt worden, er wurde von der Polizei verhaftet. Er trug einen Revolver und eine Bombe bei sich und gab an, Student der Rechte zu sein. Ein dritter an dem Attentat beteiligter Mann ist entkommen. Geheimpolizei und indische Soldaten nahmen im Laufe des Tages eine Anzahl Haussuchungen vor. ilm Mitternacht wurden in einer Studentenherberge fünf Studenten und zwei andere Personen verhaftet. In einem der durchsuchten Häuser soll eine Liste mit den Ramen der Mitglieder einer terroristischen Organisation gefunden worden fein, die Attentate in Kalkutta und Bengalen planten. Am Montag kam es in S a h a p u r im Bezirk Detul zu einem Zusammenstoß zwischen Po- lizei und einer großen Menschenmenge, als die Polizei den Führer einer Bande verhaften wollte, die die Waldgesehe verletzt hatte. Mehrere Polizisten wurden bei dem Zusammenstoß schwer verletzt. Gin Polizist wird vermißt. Auf Seiten bet Menge ist die Zahl der Verletzten ziemlich groß. Die Lage in Sahapur ist gespannt. Nankreichs hoffnungsloser Kamps um die Saar. Oie gestoppten Saarverhandlungen. — Kommt man in Paris zur Vernunft? Ursprünglich war beabsichtigt, im Oktober die zum Stillstand gekommenen Saarverhandlungen wieder fortzusehen. Wir gaben aber schon im Frühsommer der Ansicht Ausdruck, daß wohl kaum ernsthgft mit neuen ersprießlichen Verhandlungen gerechnet werden dürfte, weil die Franzosen nicht daran denken, von ihren überspitzten Forderungen abzugehen. Tatsächlich wird es auch vorläufig zu neuen Saarkonfe- renzen nicht mehr kommen, das Saarproblem wird aber nach wie vor Gegenstand von Betrachtungen und Erörterungen in der deutschen und in der französischen Presse bleiben. Lind da berührt es doch angenehm, wenn man von Zeit zu Zeit in französischen Zeitungen und Zeitschriften Anschauungen findet, die sich auch ein klein wenig mit denen politischer Führer decken dürften, die es nur zu gerne sehen würden, wenn die unterbrochenen Saarbesprechungen möglichst bald wieder fortgesetzt werden würden. Ein Pariser Blatt setzt nun seinen Lesern sehr nüchtern auseinander, daß die Situation für Frankreich denkbar einfach fei. Eine Abstimmung der Saarbevölkerung werde gegen Frankreich ausfallen. Es bliebe also nichts weiter übrig, als die Saargruben an Deutschland zurückzuverkaufen, wie das im Versailler Vertrag vorgeschrieben sei. Käme über den Kaufpreis eine Einigung nicht zustande, bann würde ein Schiedsgericht diese Angelegenheit regeln. Diese Möglichkeit könne aber zur Festsetzung eines recht niedrigen Preises führen. Es wäre unter diesen Umständen das beste, sich schleunigst mit Deutschland zu verständigen und nicht erst das Jahr 1935 abzuwarten. Das Blatt schreibt: Man führt die öffentliche Meinung mit dem dauernden Hinweis auf die sogenannten Rechte Frankreichs im Saargebiet irre. Diese Rechte beschränken sich auf die Möglichkeit für Frankreich, so vorteilhaft wie möglich, und zwar vor 1935, über das Eigentum der Saargruben zu verhandeln. Der Versailler Vertrag ist in dieser Hinsicht vollkommen klar. Wenn man schreibt, daß die Saarbevölkerung Deutschland feindselig gesinnt sei, so heißt das, sich einer törichten Illusion hingeben und sich auf ein peinliches Erw a chen vorbereiten. Die Würfel sind bereits gefallen; Vernunft und Umsicht gebieten, dem bereits jetzt Rechnung zu tragen. — Diese Verständigung haben wir immer angestrebt, aber in Paris keine Gegenliebe gefunden. Wir fönnen warten, Frankreich nicht, die Franzosen werden also über kurz oder lang doch wieder mit neuen Angeboten an uns herantreten, um nicht eines Tages gänzlich leer auszugehen. Flamenaufmhr in Oixmuiden. Zwischenfälle bei der Einweihung des flämischen Gefallenendenkmals. Brüssel, 24. Aug. (TU.) Am Sonntag wurde in Anwesenheit einer riesigen Menschenmenge das große Denkmal für die an der QJfer gefallenen flämischen Soldaten eingeweiht. 32 Son- derzüge sowie mehrere tausend Automobile hatten die Teilnehmer aus allen Teilen Flanderns zu dieser Feier auf dem alten Schlachtfeld heran* gebracht. Auf den deutschen, französischen, englischen, irischen und amerikanischen Gräbern wurden Blumen niebergclegt. Die Feierlichkeiten begannen mit einer Messe im Freien. Hierauf wurde ein Zug gebildet, dessen Vorbeimarsch mehr als zwei Stunden dauerte. Vor dem Denkmal fang die Menge die flämische Rational h y m n e. Dr. de Pillecyn, der Vertreter des Verbandes der flämischen Frontkämpfer, und Professor Dr. Daels hielten Ansprachen. Von den deutschen, englischen, französischen, ungarischen, irischen und amerikanischen Frontkämpfer-Vereinigungen wurden Kränze am Denkmal niedergelegt. Die ganze Feier erfolgte in größter Ruhe und großer Andacht, wie sie seit elf Jahren den flämischen Pilgerfahrten zu den Gräbern an der QJfcr eigentümlich ist. Plötzlich erschien ein von einem Flamengegner gelenktes Flugzeug, das in großen Schleifen das Denkmal umkreiste und zahlreiche Flugblätter und Flaggen in den belgischen Landesfarben abwarf. In den Flugblättern werden die früheren flämischen Frontkämpfer Deserteure und Verräter genannt, obwohl die belgische Armee an der Pser sich zu mehr als 80 v. H. aus flämischen Soldaten iusammensetzte. Ein anderer Zwischenfall ereignete sich einige Stunden vorher an der holländisch- belgischen Grenze, wo die belgische Kriminalpolizei dem Gesandtschaftsrat an der südafrikanischen Gesandtschaft im Haag, Dr. B o s m a n, den Uebertritt über die Grenze verwehrte. Dr. Bos- man wollte den in Dixmuiden versammelten Flamen ein in vier Sprachen verfaßtes Schreiben Südafrikas überreichen. Der holländische Vertreter, Leo Simons, Direktor der Weltbibliothek in Amsterdam, konnte aus dem gleichen Grunde nicht nach Dixmuiden kommen. lieber diese Zwischenfälle und insbesondere über den Abwurf der Flugblätter geriet die IHenge In große Erregung und zerriß auf dem Rückweg von der Feier die belgische Fahne. die über den früheren deutschen Stellungen gehißt war. Tausende von Kundgebern zogen dann auf den Marktplatz, wo neben zahlreichen flämischen Fahnen auch zwei belgische Flaggen gehißt waren, die eine am Rathaus, die andere an einem Dankgebäude. Vor dem Dankgebäude kam es zu Tumulten. Plötzlich erschienen zwei Schwadronen Gendarmerie und gingen mit gezogenem Säbel gegen die Menge vor Mehrere Personen wurden schwer verletzt, vier Verhaftungen wurden vorgenommen. Die Polizei mußte erneut vorgehen, als aus einem Cafe Stühle und Tische gegen die Deril- tenen geworfen wurden. Als die Lage immer ernster wurde, erschienen flämische Abgeordnete und veranlaßten den Kommandanten der Gendarmerie, mit seinen Leuten abzurücken und die Verhafteten wieder in Freiheit zu sehen. Dr. Dorms und Ward Hermans und andere Führer forderten die Menge zur Ruhe auf. Eine Vereinigung von Frontkämpfern aus West-Flandern beschloß, wegen dieser Vorkommnisse chre Vereinsfahne, die die belgischen Farben trug, durch die Fahne mit dem flämischen Löwen zu ersetzen. Mitten auf dem Marktplatz wurde die alte Fahne verbrannt, ohne daß die Polizei einschritt. Dann zerstreute sich die Menge langsam nach der Stadt. Frankreichs Rüstungspolitik. Nun kommt der Ausbau der Kriegsmarine an die Reihe. Paris, 25. Aug. (WTB.) Der französische Marineminister D u m e s n i l erklärte zur Frage des Ausbaues und der Modernisierung der Kriegsmarine, daß die Ergebnisse der Londoner Flottenkonferenz am französischen Flottenbauprogramm nichts änderten. Er bezeichnete als Kardinalfrage die Modernisierung der Marine. Die Marine sei eine große Dame, aber sie sei gestern noch eine alte Dame gewesen. Man habe sie modernisieren und die Methoden von A bis Z ändern müssen. Es genüge nicht nur, die Flottenein- heiten zu modernisieren, sondern man müsse auch die Häfen und die Marinearsenale völlig neuge ft alten und sie den Bedürfnissen der Kriegszeiten anpassen. Ein entsprechendes Programm sei gegenwärtig in der Ausführung bearif- en. Man müsse die wertvollen Traditionen der Marine bewahren, aber diese zu einem jungen Organ umge st alten, das den gegenwärtigen Verhältnissen angepaßt sei und unter B e - Nutzung aller Fortschritte der modernen Technik arbeite. Nur um diesen Preis werde man eine aktive, lebendige Marine haben und über eifrige und begeisterte Seeleute verfügen. Sorffefcung des Streiks in Nordfrankreich. Paris, 25. Aug. (WTB.) Die Textil- und Metallarbeiter von Roubaix und Tourcoing haben in Generalstreikoersammlungen die F o r t s e tz u n g des Ausstandes beschlossen. Sie erklärten die Vor- chläge der Arbeitgeber für nur scheinbare, aber keine tatsächlichen Konzessionen. Der Sekretär des Zentralstreikkomitees betonte, daß der Streik biszumäußersten durchgeführt werden würde. Die organisierten Arbeiter erhielten Streikprämien, die nicht organisierten würden von den sozialistischen Gemeindeverwaltungen unter st ützt. Aus aller Welt. Schweres Grubenunglück in Ostoberschlerien Ein schweres Grubenunglück ereignete sich auf dem Hildebrand-Schacht bei Antonienhütte in der Rähe von kattowih, als plötzlich mehrere Ifeiler ein stürzten. 14 Bergleute, die ge- ade dort beschäftigt waren, wurden durch die Ge- teinsmassen abgeschnllten. Es wurden sofort Rettungskolonnen eingesetzt, die fünf Mann lebend zutagebrachlen. von den anderen ver- chütteten konnten inzwischen drei al» Leichen geborgen werden, die übrigen sechs gelten als verloren, da auf ihnen gewaltige Gesielns- massen lagern. Die Rettungsarbeilen werden indessen mit äußerster Anstrengung fortgesetzt. Schweres Segelbootunglück auf dem Stelliner Haff. Auf dem Stettiner Haff hat sich ein schweres Bootsunglück ereignet, bei dem der Boots- führet und sechs Marineschüler ertranken. Am Sonntagnachmittag war ein Segelboot des Marinevereins Torkelo zur Fahrt nach Ueckermünde ausgelaufen. An Bord befanden sich außer dem Führer sechs jugendliche Dereinsmitglieder im Alter von 15 bis 20 Jahren. Als draußen auf dem Haff starker Sturm einsehte, wollte man umkehren, um nach Tot- kelow zurückzufahren. Beim Wendemanöver schlug das Boot um und alle Insassen stürzten ins Wasser. Der Führer und die sechs Marineschüler unternahmen den aussichtslosen Versuch, schwimmend das Land zu erreichen. Nach mehrstündigem Kampf mit den Wellen gingen alle sieben unter. Nur einem jungen Mann, der als Gast an Bord geweilt hatte, gelang es, auf das gekenterte Boot wieder heraufzukommen. So trieb er vor Kälte und Nässe halb bewußtlos, die ganze Nacht hindurch aus dem Wasser. Am Montagmorgen bemerkte ein Fischer das treibende Boot in dek Nähe des Feuerschiffes „Rep- zin". Es gelang ihm, den Schiffbrüchigen in feinen Kutter aufzunehmen. Die Leichen der sieben Verunglückten sind bisher noch nicht geborgen worden. Beim Baden in Westerland ertrunken. Infolge der stürmischen Witterung am Sonntag stand auch noch am Montag am Strand von Westerland eine schwere See, so daß die Badenden ausdrücklich gewarnt wurden, sich nicht zu weit in die Brandung hinauszuwagen. Drei Herren ließen diese Warnung jedoch unbeachtet und schwammen ein ziemliches Stück in die wildbewegte See hinaus. Zuerst wurde der Berliner Rechtsanwalt Dr. Bendix von der Strömung erfaßt und abgetrieben. Oberstleutnant Elschner, der langjährige Leiter der Technischen Rothilfe in Berlin, versuchte, den Abtreibenden zu erfassen, geriet aber selbst in d ie Strömung und kam nicht wieder zum Vorschein. Dr. Dendix konnte von dem Dadewärter Hansen unter eigener Lebensgefahr gerettet werden. Der dritte Herr, der sich auch in großer Gefahr befand, konnte sich selbst in Sicherheit bringen. Die Leiche des Oberstleutnants Elschner, die nach Rorden abgetrieben wurde, konnte erst nach zweistündigem Suchen geborgen werden. Die Wiederbelebungsversuche hatten keinen Erfolg. Schwere Feuersbrunst im Dorf. In Elben (Kreis Wolfhagen) kam in dem Betrieb des Landwirtes Weinrich, wo man mit dem Ausdrusch von Getreide beschäftigt war, ein Feuer zum Ausbruch, das sich infolge der eng zusammenstehenden Gebäude so schnell ausbreitete, daß sieben Wohnhäuser mit Wirtschaftsgebäuden und Stallungen trotz angestrengter Bemühungen der herbeigerufenen Wehren niederbrannten. Das Vieh und das Inventar konnte großenteils gerettet werden, während große Ernteoorrate und Maschi- n en dem verheerenden Feuer zum Opfer fielen. Die Feuerwehren mußten sich auf den Schutz der anderen Dorfteile beschränken. Wie festgestellt wurde, hat der die Dreschmaschine bedienende Heizer die Maschine einen Augenblick ohne Aufsicht gelassen. Als er zurückkehrte, stand ein neben der Maschine liegender Strohhaufen b reits in Helle n Flammen. — Die obdachlos gewordenen Familien sind bei anderen Dorfeinwohnern untergebracht worden. Schwerer Aulozufammenstoh. In Wannsee wurde ein Lastkraftwagen von einem unbekannt gebliebenen Privatkraftwagen seitlich angefahren. Durch den Anprall wurden eine auf dem Lastkraftwagen mitfah- rende Frau und ihre achtjährige Tochter vom Wagen geschleudert. Sie erlitten beide so schwere Verletzungen, daß sie bald nach der (Einlieferung in das Krankenhaus ver starben. Die Minderheilenpolilik bet JL 3. E. Der Brüsseler Kongreß des Jnternakwnalen Studentenbundes hat in seiner letzten Sitzung die Auf. nahmgeseuche des kroatischen Universitätsver- bandes und der mazedonischen Studentenvereine endgültig abgelebt und das Bestehen der nationalen Vereinigung der südslawischen Studenten amtlich anerkannt, die allein berechtigt ist, die Studenten Südslawiens bei dem Bunde zu vertreten. Der Kongreß billigte einstimmig die Haltung des Vollzugsausschusses und der ersten Kommission in der deutschen Frage, wie sie von der Deutschen Studentenschaft gestellt worden war, lehnte also die Vertretung Danzigs und der Sudetendeutschen durch die Deutsche Stu- dentenschaft ab. Versicherungsgelder für Kasernen — in Polnisch-Oberschlesien. Die Invalidenversicherungsabteilung der L a n d e s v e r sich e r u n g s an * st a l t in Königshütte hat auf einen Antrag der Woiwodschaft sieben Millionen Zloty zum Bau einer Garnison in Königshütte und in Kattowih sowie zu einem Kasernenanbau in Bielitz bewilligt. Die polnischen wie auch die deutschen Gewerkschaften werden gegen diese mißbräuchliche Dewilliguntz P r o t e st erheben. „Fahri deutsche Fahrzeuge!" Wie wir erfahren, wirkt sich die Arbeit der „V e r- brauchergemeinschaft deutscher Kraft- sahrzeuge (VdK.)", die von dem Herzog von Koburg zum Schutz der heimischen Automobilindustrie ins Leben gerufen worden ist, langsam aus. Nachdem als erster vor Jahresfrist der Nationale Deutsche Automobilklub durch eine entsprechende Satzungsformulierung in seinen Mitgliederkreisen die Haltung ausländischer Fahrzeuge gedrosselt hat, veröffentlicht nunmehr auch der Präsident des AvD. unter dem Kennwort „Fahrt deutsche Fahrzeuge!" einen längeren Aufruf an alle angeschlossenen Lokal- flubs und Mitglieder. Vom Hilfsbund für die Elsaß-Lothringer im Reich. Der Hilfsbund für die Elsaß-Lothringer im Reich e. V., der in den Tagen schwerster Not des Reichs und rücksichtsloser Ausweisung Deutscher aus El- saß-Lothringen gegründet wurde, veranstaltet in den Tagen vom 19. bis 21. September d. I. seinen elften Vertretertag in Koblenz. Gegenstand der Beratung werden alle die Fragen sein, welche die Linderung der Not der Verdrängten, ihre dauernde Seßhaftmachung in der neuen Heimat und ihre Wiedereingliederung in das deutsche bürgerliche und wirtschaftliche Leben betreffen. Sprengstoffattentat auf einen Hamburger Kaufmann. Auf dem in Großensee bei Hamburg gelegenen Besitztum des Kaufmanns Schliemann wurde fest- gestellt, daß die Telephonleitung durchschnitten war. Bei einer Revision fand man unter dem Schlafzimmer Schliemanns einen von außen angebrachten Sprengkörper; die daran befindliche Zündschnur war erloschen. Außerhalb des Hauses waren weitere Sprengkörper gelegt. Als Frau Schliemann auf einen solchen Sprengkörper trat, explodierte dieser und zerriß ihr die rechte Hand. Sie mußte schleunigst nach Hamburg ins Krankenhaus gebracht werden. Schliemann hat vor einiger Zeit einen Erpresserbrief erhalten, in den, 25 000 Mark gefordert wurden. Schliemann sollte seine Bereitwilligkeit durch eine Zeitungsanzeige mit dem Stichwort „Ich komme" zu erkennen geben. Die Anzeige ist auch erschienen, jedoch ohne, daß es gelang, den Erpresser zu finden. Kunst und Wissenschaft. Eine Riehsche-Gedenkfeier. In Weimar fand im Rietzsche-Archiv an dem Vorabend zu Riehsches 40. Todestag eine stimmungsvolle Gedenkfeier statt. Die Schwester Rietzsches, Dr. h. c. @ 11 f a b e t h Förster- Rietzsche empfing eine Reihe von Gelehrten und Freunoen des Hauses. Der kürzlich an die Universität Jena berufene Professor Leise- gang gab eine Darstellung der geistigen Werte Friedrich Riehsches, der in seinem Drang nach Wahrheit über seine Freunde und seine Zeit hinaus wuchs und als Einsamer in Zarathustra das Bekenntnis vom Uebermenschen uns zur ewigen Wiederkunft schul. Joseph P e m b a u r spielte Chopin und Beethoven als Anfang und Beschluß dieser Feier, der sich am Montag im engsten Freundeskreis eine weitere Feier a n Riehsches Grab in Röcken anschliehen wird. 10. Internationaler Kongreß für Strafrecht und Gefängniswesen. In Prag wurde in Anwesenheit von vier tschechoslowakischen Ministern, Vertretern der Te- hörden und zahlreichen Abgeordneten sowie Ehrengästen der 10. Internationale Kongreß für Strafrecht und Gefängniswesen eröffnet. Auf dem Kongreß sind 34 europäische und überseeische Staaten mit 600 Teilnehmern vertreten, desgleichen auch die Internationale Kommission für Strafrecht und Gesängniswesen. Zu Vizepräsidenten des Kongresses wurden u. a. der Ehemalige deutsche Oberreichsanwalt Dr. Ebermayer und Jean Roux, Universitätsprofessor aus Straßburg, gewählt. Die Arbeiten des Kongresses werden je nach dem Fachgebiet in vier Sektionen behandelt. Zum Vorsitzenden der ersten Sektion wurde Reichsgerichtspräsident Dr. Bum ko (Leipzig) gewählt. Aus der Provinzialhauptfiadi. Dteheu. den 26. August 1930. Prof. Hoehsch über bie Ziele der Konservativen VolkSpartei. Di« ÄonlcrtHiUDe Dolk-partei griff am Sonntagabend in einer hart besuchten Wählervertamm- Lung im (kife Oeib in den Wahlkampf in Gceßcn ein. Der hessische Spitzenkandidat der Partei, Professor Dr Hoetzsch hob zu Beginn seiner Red« hervor, daß daL Kabinett Brüning mit feinen Notverordnungen Deich- und Dammarbeit zur Abwehr der schlimmsten Äefahrenslut geleistet habe Dr machte der Deutschnationalen VolkS- Partei den Dorwurs. daß sie zusammen mit den radikalen Parteien dieser Damm- und Deich- arbeit Schwierigkeiten bereitete. Bei der Reichs- tagtwahl am 14. September handle es sich um die Schaffung einer aktion-fähigen und sicheren Reichs laas-Mehrheit. mit der das vorläufige Rot- und Sanierung-Programm des Kabinett- Brüning ausrechterhalten und weiter durchgeführt werden könne. Darm mühten auch Die Besonnen begonnen werden, di« schon seit Jahren als notwendig anerkannt worden seien. Ueder die Stellung seiner Partei zu dem Staate von heut« erklärte der Redner, in diesem Staate der Gegenwart und für diesen Staat, unseren Staat, den Staat unserer Kinder zu arbeiten, sei die Pflicht einer verantwortungsbewußten positiven Rechtspartei. Diesen Grundsatz habe er schon in der Deutschnationalen VolkSpartei vertreten, und daran Halts er sest. Dagegen sei der Führer der Deutjci). nationalen Volkspartei immer mehr dazu über« gegangen, die grundsätzliche Ablehnung dieses Staa. les in den Vordergrund zu stellen. Durch positive Mitarbeit wolle seine (des Redners) Partei sich beteiligen an dem Aus. und Umbau des Staates nach dem Gedanken der konservativen Wirtschafts« und Gesellschastsanschauung. Das Wort „konservativ" sei aber nicht etwa als „reattionär" zu verstehen. Er suhle sich al» konservativer Demokrat: in dieser Synthese liege kein Widerspruch Von dieser Einstellung au» müsse der Ausbau der Wirtschaft erfolgen, nicht nach dem Gedanken der sozialistischen Massenherrschast, sondern durch Ueberroinbuna der großen Kluft zwischen Besitzenden und Nichtbesitzen, den, durch den sozialen Ausgleich. Eine konservative Partei werde sozial sein, oder sie werde nicht sein. Sie trete ein für die Anerkennung des Eigentums jedermanns, erkläre aber auch, daß Eigentum verpflichte im Dienste für die Gesamtheit. Der Redner begrüßte sodann die Inangriffnahme der Wahl« reform durch das Kabinett Brüning und forderte beschleunigte Arbeit an der Reichsreform, damit endlich unser großer und viel zu teuer arbeitender Apparat der gesamten öffentlichen Verwaltung gründlich reformiert werde Der Redner betonte bann u. a. weiter, baß ber Poungplan von uns auf bie Dauer nicht erfüllt werbe könne, weil seine Last so groß sei, baß unter ihr unsere Wirtschaft nicht zu arbeiten vermöge Die Revision de» Poungplane» sei mit aller Energie anzustreben. Er hält biefe Revision zu einem nahen Zeitpunkt für möglich, ja unabweisbar auf Orunb des allgemein in der Welt gestiegenen Goldwertes und der dadurch bedingten stärkeren Kaufkraft auch unseres Geldes Unsere Regieruna werbe unter bie- fern Gesichtspunkt schon balb an diese Frage Herangehen und bestrebt sein müssen, eine Herabsetzung unserer Leistungen herbeizuführen. Dazu seien aber ein geordnetes Finanzwesen und eine klare, feste Innenpolitik notwendig. Alle diese Aufgaben könnten nicht durch die berufsftänbische Gliederung des Parlaments gelöst werden, weil diese bas politische Leben materialisiere, sondern nur durch Arbeit nach weltanschaulichen Idealen. Seine Partei lehne e» ab, mit einem großen Katalog von Zusagen und Verheißungen dem Wähler schin zu tun, sie wolle aber nach den Richtlinien ihrer Grundeinstellung mitarbeiten in biesem Staat unb an seiner Verbesserung in wahrhaft konservativem unb sozialem Geiste zum Besten bes ganzen Volke». (Eine Aussprache über den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag wurde von ber Versamm- lung nicht beliebt. Wicßcncv Wochcnmarttpreise. E« kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt bas Pfund: Butter 160 di- 180; Matte 30 bi« 35; Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 10 bis 12; Weihftaut 6 biS 8; Rotkraut 10 bi« 15: gelbe Rüben 10 bi« 12; rote Rüben 10 bi- 12; Spinat 20 bi- 30; Römischkohl 8 bi- 10; grüne Bohnen 15 bis 20; gelbe Dohnen 20 biS 25; Anter-Kohlrabi 6 bis 8; Erbsen 20 bis 25; Tomaten 20 bis 25; Zwiebeln 10 biS 12; Meerrettich 50 bis 60; KürbiS 8 bis 10. Pilz« 30 bis 35; Kartoffeln 5; Frühäpfel 15 bis 20; Falläpsel 5 bis 6; Birnen 20 bis 30; Dörrobst 30 bis 35: Pflaumen 10 bis 15; ZWetschen 20 biS 25; Mirabellen 25 bi- 30; Reineklauben 15 bis 20; Honig 40 bi« 50; junge Hähne 120 bi« 130; Suppenhühner 100 bi« 120; Rüsse 60 bis 70; Pfirsiche 40 bi« 70; Brombeeren 40 bis 45. Preiselbeeren 40; da« Stück: Tauben 70 biS 80, Gier 12 bi« 13; Blumenkohl 30 bi« 70; Salat 10 bis 15. Salatgurten 10 bi« 25; Sinmachzurken 2 bi« 4; Endivien 10 bi« 20; Ober-Kohlrabi 6 biS 8; Lauch 5 bis 10; Rettich 10 biS 15. Sellerie 10 biS 20; das Bund: Radieschen 10 biS 15 Pfennig; der Zentner: Kartoffeln 4,50 Mart. tAornotncn. — Tageskalender für Dienstag Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Freundin des Mi« Nisters"; im Beiprogramm „Charlie Chaplin". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Am nächsten Sonntag wird die Aufführung von Shakespeares Lustspiel „Liebes Leid und Lust" auf der Waldbühne wiederholt werden. Es wird dies die vorletzte Vorstellung im diesjährigen Sommerabonnement jein. Damit können die Abonnementsblöcke noch ausgebraucht werden. — Eine W ä h l e r v e r s a m m l u n g der Deutschen Staatspartei findet am mvrgi« gen Mittwochabend in der Turnhalle statt. Es spricht der Kandidat Bürgermeister Dr Ehrhard aus Mainz. (Siehe heutige Anzeige.) *• 8erztkicher Fortbildungskursus. Die Medizinische Fakultät der Universität Gießen veranstaltet vom 6. bis 11. Oktober einen allgemeinen Fortbildungskurs mit seminaristischen Uebun. gen und praktischen Demonstrationen für praktische Äerzte. Zur Bestreitung der Unkosten wird ein Beitrag von 10 Mark erhoben. Vortragende sind die klinischen Fachvertreter, sowie die Fachoertreter für Physiologie und physiologische Chemie. Ein Ausflug findet nachBad-Rauheim statt mit Demonstrationen in dem neuerrichteten Lalncologischen Universitätsinstitut. Anfragen nach Prospekten, die das Nähere enthalten, und Anmeldungen sind an Prof. Dr. Georg Herzog, Gießen, Pathologisches Institut, Klinik- 1 trabe 32 g, zu richten. Gauliederiag in Gießen. Der Sängergau Gießen-Stadt und -Land i m He f f tf ch e n Sä n g e r b un d veranstaltete Svnntagnachmittag auf ber LiebigS- höhe seinen ersten Gau-Liedertag. der bei außerordentlich starker Beteiligung in bester Weise verlief ES nahmen an der Deranstaltung teil die Männergefangvereinc Eoncorbia (Dieben), Harmonie (Klein-Linden), Turn- und (Gesangverein (Lollar), GesangSabtellung der Polizeibeamten Tiehen, Germania (Burkhardsfelden), Eintracht (Trüningcni, Liederkranz (Trcis a. d. Lda.). Germania (Steinbach), Frohsinn (Gar- benteich), Arion (Klein-Liyden), Biftoria «Dar- benteich), Heiterkeit (Gießeck). Daucrscher Gesangverein (Giehen). Bei dem zunächst stattfindenden Ehrensin - gen wurde von den einzelnen Vereinen der aufgegebene Pflichtchor .Rur die Hoffnung fest- gehalten" von öurläult) gelungen, außerdem trug jeder Derein einen selbstgewählten Thor vor. Bei den Vorträgen wurden durchweg gute Leistungen geboten. Während deS Ehrensingen« übermittelte Beigeordneter Dr. Hamm die Grüße de- Oberbürgermeisters und der Stadtverwaltung. Er gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß beabsichtigt fei, derartige Veranstaltungen zu einer dauernden Einrichtung zu machen. Es fei erfreulich, daß durch die Pfege des deutschen Liedes dem BolkSempsinden gebührend Rechnung getragen werde. Anschließend an da« Ehrensingen sand eine kritische Besprechung der Dirigenten und Vereinsvorsitzenden über die gesanglichen Darbietungen der einzelnen Bunde-vereine statt. Rach einer kurzen Pause folgte eine ein» druck-volle Kundgebung sämtlicher Vereine tm Garten der .Liebigsdöde". Eingeleitet wurde diese durch den .Deutfchen Sängergruß", vorgetragen von mehreren hundert cangern Hieraus hielt der Gauoorsitzende E. Koch, Gießen, eine Ansprache, in der er zunächst die Vertreter der Behörden, der Prelle. dcs Hess. Sängerbundes, deS Provinzialverdanbes. der benachbarten Gau« und die zahlreichen Sänger begrüßte, um dann auf die Bedeutung der Veranstaltung für die Pflege de- deutschen Liedes hinzuweifen. Richt Rückgang, noch Rasten, sondern BorwärtSstreben und ständiger Ausbau solle die Losung de- Gaues sein. Denn alle 2kreine deS Gaues von diesem Gedanken durchdrungen feien, dann werde der Gau ein starkes Glied in der Volksgemeinschaft bilden, die fich das edle Ziel gesteckt habe, da» deutsche Lied al- das edelste Gemeingut der deutschen Volksseele zu hüten und au fördern. Anschließend an die mit «rr-hem Beifall angenommenen Ausführungen folgte da- bei dem Ehrensinaen als Pflichtchor gewählte Lied: .Rur die Hoffnung festgehalten" als Mas'enchvr. AIS Vertreter des Hess. Sängerbünde- sprach dann Dundesvorstandsmitglied Schönberger, Darmstadt. Sr erläuterte kurz den Zweck der Gauliedertage und betonte, daß die Gesangvereine ihre Arbeit bewußt in den Dienst des Vaterlandes stellen, im übrigen diene die Pflege deS Gesangs auch der engeren Heimat. Er hoffe, daß der Gau Gießen auch für die Folge vorbildlich wirke. Den Schluß der Kundgebung bildete ein weiterer Massenchor: .Deutschland, dir mein Vaterland". Hieran schloß sich al- Abschluß der Veranstaltung ein gemütliche« Beisammensein der Vereine. •• Auszeichnung eines Gießener Schülers. Die hessische Wanderausstellung für Gesundheitspflege und soziale Fürsorge hatte für sämtliche Schuler des Dolksstaats Hessen ein Preis, ausschreiben über die beste Besuchsschilderung der Ausstellung veranstaltet. Gleichzeitig wurde ein Wett, bewerb für das beste Diplom unter den Schülern angesetzt. Unter 681 Einsendungen aus allen Schulen wurde dem Schüler Otto Rabenau von der hiesigen Goetheschule der erste Preis in Höhe von 30 Mark für die beste Diplomzeichnung zuerkannt. •• Gießener Gaswoche. Morgen, Mittwoch, 20.15 Uhr, wird — wie au« dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich — die von der Ga-vcr- einigung und Hausfrauenberatung Dießen vom 27. August bi« 3. September im Cafö Leib veranstaltete (Siebener Gas-Woche nut einem Haus- frauen-Abenb eröffnet werden. Dipl.-Ing Winte r b e r g, Berlin, wird eingangs über die zweckmäßige Gasvcrwcnduna in Küche und HauShalt referieren, Frau Dr Koeppe von der Haus« frauen-Beratung Gießen wird sodann über .Reue« vom altbekannten Einmachen" sprechen. Der Eintrittspreis ist mäßig, so daß jedem Interessenten die Möglichkeit deS Besuches geboten wird. E« sei noch bemerkt, daß für den morgigen HauSfrauen-Abend nicht mehr Karten ausgegeben werden, als Sihplähe vorhanden sind. "ZlrkusSarrasanlkommtnachGie- ß en. Anfang Oktober wird der weltbekannte Zirkus Sarrasani zu einem mehrtägigen Gastspiel nach Gießen kommen. Das Zirkusuntcrnehmcn, wohl das größte unserer Zeit, bat bekanntlich auf feiner großen Amerikafahrt außerordentliches Aufsehen erregt und ständig einen Riesenbesuch erfahren Nach seiner Rückkehr nach Deutschland bat Sarrasani seine Gast, spiele in großen Städten mit starkem Erfolg wieder ausgenommen. •* Die Bereinigung ehemaliger 168er, Gießen, veranstaltete am Freitagabend im Saale des ©af6 Leib einen gutbesuch- ten Vortragsabend. Rach kurzer Begrüßung durch Installateurmeister G. Eid mann hielt Oberstleutnant a. D. De iß, Darmstadt, einen interessanten Vortrag über die Schlacht bei Reu-Lhateau. Der Redner, der diese Schlacht als Führer der 4. Kompanie mitgemacht hat, wie« zunächst daraus hin, daß durch daS tapfere Verhalten der Hessen im Verband der IV. Armee das Rheinland und Hessen vor den Schrecken des Kriege- bewahrt geblieben seien. Hierzu hätten besonders die Kämpfe am 22. August 1914 beigetragen. Der Redner schilderte dann in eingehender Weise das Ausrücken des 18. Armeekorps mit dem 18. Reservekorps, den Aufmarsch der IV. Armee in Luxemburg, den Vormarsch in Belgien, sowie die Gruppierung zur Schlacht bei Reu-Thateau. Er erläuterte weiter den Aufmarsch und den ersten Angriff der Franzosen, die unseren Truppen überall in ilebermaebt gegenüberftanben, gab ein Bild von der Entwicklung der Schlacht upd dem aufopfernden Verhalten unserer Truppen, die gerade bei der Schlacht bei Reu-Ehateau schwere Verluste erlitten. Allerdings seien die Verluste des Feinde- wesentlich größer gewesen. Trotz der älebermacht deS Feindes habe biefer an fast allen Stellen ber Schlacht zurückgehen müssen. Der Rebner schilberte dann bie Ileberlegenheit der deutschen Infanterie; insbesondere habe sich bei bie'er Schlacht die bessere Schießausbildung unserer Truppen, sowie die neuzeitlichen Schußwaffen bewährt. Auch unsere Artillerie habe sich ber feindlichen überlegen gezeigt. In einer Reihe von Lichtbilbern illustrierte er bie einzelnen Bewegungen während der Schlacht, zeigte die praktische Ausnutzung deS Geländes, um zum Schluß die Auswirkungen unsere- Artilleriefeuers zu veranschaulichen Im übrigen wurde der Abend durch musikalische Darbietungen ausgeschmückt. Aufregende Jagd nach einem Zahrraddieb. WSR. Darmstadt. 25. Aug. Am Samstag hatte ein 24jähriger Wanderbursche au« Württemberg, ein Schuhmacher, der sich auf der Durchreise befand, auf dem Marktplatz ein Fahrrad gestohlen, mit dem er in feine Heimat fahren wollte. Der Geschädigte, ein Händler aus Griesheim, ertaimte das Rad in der unteren Waldstraße wieder, unb seine Braut nahm auf ihrem Fahrrab die Verfolgung bes FahrraddiebeS auf. Balb hatte sich bie Zahl ber Verfolger so vergrößert, bah ber Dieb in ber Reckarstrahe bas Rab wegwars unb in bet unteren Elisabethenstrahe von Hof zu Hof flüchtig ging. Zuletzt stieg er auf das Dach eines Haukes in der Elisabethenstrahe. Als er einsah. daß eine weitere Flucht zwecklos war, gab er sich freiwillig in die Hände seiner Verfolger. Er wurde verhaftet. Geheimrat Paul Wagner f. WSR. Darmstadt. 25 Aug. Heute morgen verschied im 88. Lebensjahr der Geheime Hof' rat Dr. phil., Dr. ing. h. c., Dr. agr. h. c. Paul Wagner Der Entschlafene wat am 7. März 1843 in ßiebenau < Hannover) geboren und hat in Erlangen unb Göttingen Pharmazie unb Ra- turwissenschaft ftubiert. In Göttingen promovierte er im Jahre 1869. Rach kurzer Tätigkeit als Privatbozent der Agrikulturchemie an dieser Universität kam er am 1. Oktober 1872 a!S Rachfolger Ernst SchulzeS an die am 1. April 1871 neugegrünbrte Landwirtschaftliche ilnterfu±ung«- unb Kontrollstation Darmstadt, die et länget als 50 Iah« bis zum 1. Oktober 1923 leitete. Paul Wagner hat eine außerordentlich fruchtbare Tätigkeit entwickelt. Durch seine Forschungen auf dem Gebiete der Pslan.^enemährung und -Düngung hat er die Lehren Liebigs weitet ausgebaut unb bie sicheren Fundamente für diese Wissenschaften gelegt, die auch heute noch fest und unverrückt stehen, unb auf benen noch toet- tergebaut wirb. Dor allen Dingen hat er bie Methobik ber Vegetation-- unb Feldversuche wesentlich Derbeffert In zahlreichen Vorträgen unb Schriften, von benen viele in frembe Sprachen übersetzt würben, sowie in Aufsätzen unb Abhandlungen in wissenschaftlichen unb landwirtschaftlichen Zeitschriften hat er seine Ansichten unb Lehren belanntgcgcben, bie heute Gemeingut ber gesamten Lanbwirtschast geworden sind. Die Entwicklung ber Äunftbüngerinbuftrie Deutschlands und bet Welt ist ohne die Pionierarbeit P. WagnetS überhaupt undenkbar. Zahl- «iche Ehrungen wurden ihm dafür zuteil. Er wat Mitglied einet Reihe wissenschaftlicher Akademien deS In- und Auslandes, u. a. auch ber französischen Akabemie ber Wissenschaft in Paris. Die Hessische Landwirtschaftskammer, viele landwirtschaftliche Ve«ine. vor allen Dingen die Deutsche Landw rtschaftsgefellschast haben ihn durch die höchsten Ehren, bie sie zu vergeben haben, ausgezeichnet. Gr war Dr. ing. h. c. ber Technischen Hochschule Darmstadt unb Dr. agr. h. c. bet Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin. Als er am 7. Mär^ 1923 feinen 80. Geburtstag feiern konnte, hat ihn bie hessische Regierung besonders geehrt, und der damalige Reichspräsident Ebert verlieh ihm den Adletschild deS Deutschen Reiches. Mit ihm ist ein großer Forscher, dem viele Erfolge im Leben beschießen waren, dahingegangen, dessen Rame für immer mit der Agrikulturchemie und der Landwirtschaft auf das engste verbunden fein wird. Die Unruhen in den Opelwerken vor Gericht. Darmstadt, 25. '2Iug. (WSN.) Vor Dem Er- wetterten Bezirksschöfjengericht begann heute die Verhandlung gegen die Teilnehmer an den U n • ruhen in den Ooelwerken am 12. 5ebruar. Der Angeklagte Junge war am 11. Februar fristlos entlasten worden, ging am 12. Februar wieder in bie Fabrik, wohnte den Versammlungen bei und wurde mit in bie Dampfleitung gewählt. Gewalttätigkeiten will er keine begangen haben. Der Angeklagte Sumpf sagt aus, daß er auf dem Holzhof ber Opelwcrke gesprochen unb durch verschiedene Abteilungen gegangen sei, ohne zur Rebe gestellt worden zu sein. Der Angeklagte Mauer war seit April 1929 Betriebsrat. Er habe nicht ge- beßt, sondern lediglich mit d.r Direktion verhandelt. Als man sich versammeln wollte, sei xum allgemeinen Erstaunen Polizei erschienen. Hieraus feien dann Verhaftungen vorgenommen worden. Der Angeklagte 2B ei bau er will von Gewalttätigkeiten auch nichts gesehen haben. Der Angeklagte Albus will gesehen haben, wie in ber Schreinerei ein Mann geschlagen wurde, weiß aber nicht von wem. Daß er selbst zugejchlagen habe, wie ihm die An- klage zur Last legt, bestreitet er. Der Angeklagte Greifs will aus purer Neugierde in die Betriebe gegangen fein, ohne zur Belegschaft zu gehören. Der Angeklagte Bickelhaupt bestreitet einen Meister bedroht xu haben. Der Angeklagte Hahn har. wie er auslagt, ermahnt, keine Unbesonnen- beiten zu begehen. Der Angeklagte Abgeordnete Oskar Müller verwahrt sich dagegen, daß er, w>e auch in Worms, hier eine führende Rolle gespielt habe. Er sei lediglich in die Opelwerke gekommen, um die Verteilung der Flugblätter zu kontrollieren. Regierungsassestor Machenheimer, Proku- rist bei der Firma Opel, gibt Auskunft über die Verhandlungen zwischen Kampfleitung und Direktion. Der nächste Zeuge, Handlungsbevollmächtigter der Firma Opel Bernauer, gibt Auskunft über über die Lohntarife der Opelwerke unb über bie Ursache ber Entlastung der Betriebsräte. Die Sranffurter Falschgeldfabrik. DSM Frankfurt a. M . 25. Aug Mit ber Aufdeckung der Zalschgcldsabrik in Frankfurt a. M -Höchst unb ber Verhaftung der Falfchmünzcr Böse. Engelhardt unb Jen» ber bat eine« ber größten .Unternehmen" auf dem Gebiete ber Falschmünzerei fein Ende gefunden. Die Falschmünzer haben anfänglich in einem leerstehenden Fabrikraum an der Breuer» wiesenstrahe in Höchst ihre Kunst probiert, mußten aber dort da» Feld räumen, da dem Hausbesitzer ihr Treiben verdächtig vorkam unb er sie unter dem Vorgeben, er benötige den Fabrik- raum selbst, zur Räumung veranlaßte. Da« Trio verlegte nun seinen Betrieb im Juli d. 3. in die am Wege HalterSheim-Hofheim liegende frühere B e h e r b a ch s ch e Mühle, bie zuletzt al« Fahfabrik betrieben wurde. Heber die näheren Am stände, unter denen die Polizei mit zerstörender Hand in da« .gutgehende Geschäft" ber drei Geldmänner eingrisf. gibt es verschiedene Lesarten. Rach ber einen sollen sie sich in Stuttgart badurch verdächtig gemacht haben, daß sie in allen möglichen Ladengeschäften Kleinigkeiten einkauften und stet« mit einem neuen Fünsmarkstück bezahlten, nach der andern LeSart hätten sie eine Autoreparatur. bie zirka 200 Mk. kostete, mit lauter neuen Zünsmärkern bezahlt unb fich daburch verdächtig gemacht. Bei Engelhardt fand man 7 00 Stück Münz platten au« Messing, die noch geprägt ux'rbcn sollten unb bereits in Paketen verschnürt waren, sowie weitere 500 Stück lose in einer Schachtel. Da« Trio befaßte fich bereit« feit Dezember v. 3. mit bet Herstellung de« Falschgelbes. Im Ianuar b. 3. würben bie ersten Falsifikate au«gegeben, und zwar zunächst in Frankfurt. Wie«baben, Mainz, Worin« unb anberen Orten im Rhein-Main- gebiet, später bann auch in westbeutschen unb südbeutschen Stählen. Die Falschstücke waren so gut hergestellt. daß sie sich kaum von den echten Stücken unterschieben. Berliner Börse. Berlin, 26. Aug (WIB. Funkspruch.) Heute am filqulbationstag konnte sich im Friihoerkehr noch kein Geschäft entwickeln. Die Spekulation wartete scheinbar ab, ob zum Ultimo noch Ware heraus- kommt, außerdem wirkten die schwachen Auslandbörsen weiter geschäftshemmend. Am Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 123,88, London gegen Mailand 92,98, London gegen Spanien 44,65 zu 44,70, London gegen Kabel 4,87, London gegen Berlin 20,3913. Kirchliche Aachrichien Mittwoch, den 27. August. Hungen. 6.30 Uhr: Messe. Die Wetterlage. ,CVo uw nemt>Q o 35$ 7.? -ft Ö / IQ 3^0 iv/. © vottcniot o aenn a n*ro Meern » vonuc • Besten e AegeH # Seance a Oriepcie • "ed« K V..iur (§)wi»d»liUc.-O KW •eichtet O51 y einige« Sufljoflwesi ’S jturmijrne» -org-esl b»e Piene fixgen rit dem wi«dt Oie oeee* Siebenen »teneadt» z«i> len gegen die femperetur in 0« Limen «trcnnflco Qeu an gicicnc^ <«f «•.£!/un,#e*a ungcftenneien LelUf*U tk-cttcrvorauosage. Zentraleuropa steht unter der Herrschaft hohen Drucke-, Dabei ist ber Kern, bet sich genern vergrößert, aber nicht weiter auSgebreitet hat. etwas ostwärts abgewanbert unb nimmt noch ganz Deutschlanb mit in seinen Bereich. Bei bet herrschenden Schönwetterlage werden die Temperaturen durch Ein- und Ausstrahlung bestimmt. Do steigen sie tagSübet bis über 20 Grad an, aehcn nachts schon wieder zurück bi« auf 5 und 6 Grad. 3m Bereich deS hohen Druckes bleibt auch morgen der herrschende Wettertypu« bestehen, und erst später bürsten langsam die Ausläufer bes neuen Atlantiktief« ben Hochdruckeins luh abbauen. Aussichten für Mittwoch: Weiterhin meist heiter, stellenweise Dunst ober Frühnebel, später auskommenbe hohe Bewölkung, noch wärmet. trocken. Aussichten für Donnerstag: Warm, zeitweise startet bewölkt, babei Reigang zu einzelnen getoitterartigen Rieberschlägen. Lufttemperaturen am 25. August: mittags 20,2 Grad Celsius, abends 12,1 Grad; am 26. August: morgens 11 Grad. Maximum 20,4 Grad. Minimum 7,7 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm liefe am 25. August: abends 20,6 Grad: am 26. August: morgens 14,4 Grad.— Sonnenscheindauer 10>i Stunden. Reifewetterdienst. Garmisch-Partenkirchen: 16 (9 rab, Südwind, heiter bis halb bedeckt. ffie ft erlaub auf Sylt: 16 Grad, Südwind, heiter. Bet übermäßiger Schweißabsonderung an Händen. Fühen unb m den Achselhöhlen, sowie DeruchLbeläsngung, be ander» dewähri Le«»form-< reme. Tube 1 Mart. 3a allen einchtägigen Delchäben erhältlich. KXffiS Gießener Gas-Woche ® ™ ■ ■ WR Einleitung: Dipl.-Ing. Winterberg (6asverbrauch-Berlin)i Täglich von 10 Uhr an Ausstellung Eintrittskarten zu 20 Pf. erhältlich bei den Mitgliedern der Gas-Vereinigung - Kostproben kostenlos! vom 27. August bis 3. September im Cafe Leib 5895D Das Gas im Dienste der Hausfrau V o r t r a g : Frau Dr. Koeppe (Hausfrauenberatung-Gießen): Neues vom altbekannten Einmachen Gestern vormittag 11V, Uhr entschlief sanft nach schwerer Krankheit unser innigstgeliebtes Horstchen im Alter von 1 Jahr. In tiefer Trauer: Ludwig Deibel u. Frau nebst allen Angehörigen. Wieseck, Speckswinkel, den 26. August 1930. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 27. d. M., nachmittags 3*Uhr, vom Sterbehaus, Wieseck, Lichtenauer Weg 16, aus statt. 5889 D Mate-Tee den Harnsäurefeind, gute Wirkung bei: Nieren-, Gallen- und Blasenleiden, Gicht, Rheuma, und Darmträgheit. Tägliches Hausgetränk, mild im Geschmack, vorbeugend gegen Krankheitskeime. [5894D Beachten Sie mein Schaufenster! Central - Drogerie, Schulstr. Bohnen 4 in die Eins, zwei, drei, im Handumdrehen haben Sie einen Korb Bohnen ohne Anstrengung geschnitten. So eine Bohnenschneidemaschine gehört einfach in Jeden Haushalt. Warum wollen Sie sich auch immer die Mühe machen, die Bohnen mit dem Küchenmesser zu schneiden und sich dabei die Hände verderben? Denken Sie auch an die kostbare Zeit, die dabei verlorengeht? Sehen Sie sich meine Bohnenschneidemaschine neuester Konstruktion an, lassen Sie sie sich im Gebrauch vorführen und ihre besonderen Vorteile erklären. Sie werden über die Leistung erstaunt sein. Meine Bohnen Schneidemaschine ist trotzdem nicht teurer wie weniger gute und ist mit ihrer Emaillelackierung ein Schmuckstück für Ihre Küche. 5516 A J. 8. HAUSER, GIESSEN AM OSWALDSCARTEN Das gute O-H-Brot aus der Brot- und Keks-Fabrik Osthafen in Frankfurt a. M. ist nun auch in unseren sämtlich. Gießener Filialen in bester, frischer Qualität zu billigen Preisen zu haben. 5668 c O-H-Mischbrot (Schlüchtern) 2-Pf-L. -.46 4-Pf.-L-.9O O-H-Mischbrot (Berliner). 2-Pt-L, -.44 4-Pf.-L-.87 O-H-Mischbrot (Rundbrot) 2-Pf.-L. -.44 4-Pf.-L-.87 0-H reines Roggenbrot.. 2-Pt-L -.41 4-Pf.-L-.80 Klopferbrot, Felkebrot, Grahambrot Auch auf diese Artikel erhalten Sie 5%Rückvergiitung SCHADE & FüLLGRABE Bekanntmachung. Mittwoch, den 27. August 1930, von 15 bis 16 Uhr, findet in der Turnhalle der Schillerschule, Schillerstrahe 8, ein öffentlicher Impftermin statt, in welchem alle in 1929 und früher geborenen Kinder, für die bis jetzt der Nachweis der erfolgreichen Schutzpockenimpfung noch nicht erbracht wurde, dem Jmpfarzt vorgestellt werden können. 5807C Die Impfnachschau findet Mittwoch, den 3. September 1930, von 15 bis 15J4 Uhr statt. Die Kinder müssen mit reingewaschenem Körper und reinen Kleidern zur Impfung gebracht werden. Kinder aus Häusern, in denen übertragbare Krankheiten herrschen, sind nicht zum öffentlichen Impftermin zu bringen. Gießen, den 22. August 1930. Der Oberbürgermeister. I. D.: Dr. Hamm. Mittwoch, den 27. August 1930, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich dahier, Neuenweg 28, im „Löwen", zwangsweise gegen Barzahlung: Bücherschränke, Chaiselongues, Vertikos, Küchenanrichten, Sofas, Schreibtische, drei elektrische Ständerlampen, einen elektrischen Heißwasserapparat, eine elektrische Haarschneidmaschlne, eine Wolldecke, einen Gasherd, zwet Nähmaschinen, eine eichene Truhe, zwei Türportieren, einen Regulator, 900 Zigarren, eine Lederwalze, eine Nagelmaschine, einen Eisschrank, ein Herrenfahrrad, drei Grammophone, zwei Bohrmaschinen, eine Reifbiegmaschine, eine Blechwalze, einen Schweißapparat, eine Trägerschneidemaschine, ein Motor (5 PS), einen Horch-Personenkraftwagen, eine Vitrine, zwei Trumeauspiegel, zwei Diwans, zwei Fuchsstuten, drei Zimmerteppiche, eine Speisezimmereinrichtung, ein Klavier, zwei Schreibmaschinen, eine National-Registrierkasse, 416 Bände wissenschaftliche Bücher, 137 Bände Romane und Klassiker, einen Bilderschrank, einen Untersuchungsstuhl, fünf eiserne Bettstellen, drei Nachtschränkchen, eine Badewanne, ein komplettes Schlafzimmer, einen Aktenrollschrank. 100 Bände verschiedene medizinische Bücher. (5891D Sunkev Gerichtsvollzieher in Gießen Wiesecker Weg 16 — Telephon Nr. 3383 Bullenverkauf. Die Gemeinde Krofdorf-Gleiberg hat zwei schlachtreife, feile Bullen zu ver. kaufen. Schriftliche Angebote pro Zentner Lebendgewicht sind bis zum Freitag, dem 29. August, mittags 1 Uhr. beim Gemeindevorsteher einzureichen. 5890D Barzahlung bei Abnahme. Spätester Abnahmetermin der 1. September 1930. Krofdorf, den 26. August 1930. ________Der Gemeindevorsteher.________ AllgemeineOriskranken- kaffe Gießen-Gta-i Die rückständigen Beiträge zur Kranken-, Invaliden- und Erwerbslosenversicherung für den Monat Juli 1930 können noch bis zum 3. Sept. 1930 ohne Kosten bezahlt werden. Bach Ablauf dieser Frist erfolgt Beitreibung und Kostenberechnung. Die Einzahlung kann tägl. außer Samstags von 8—1 Llhr bet unserer Kaffe oder auf unfer Postscheckkonto Amt Frankfurt a. M. Ar. 10833 erfolgen. Gießen, den 26. August 1930. ______Der Rechner: $ in Her. 5892P Befchlagnabmesreie r-z-zwmr-WiW mit Küche von alleinsiehend. Dame alsbald zu miete« gesucht. Schriftliche Angebote unter 05230 an den Gießener Anzeiger erbeien.____________ Erstklassige Existenz bei einem monatl. Einkommen von BM. 600 und mehr bieten wir tüchtig. Landreisenden. Es handelt sich um Dauervost. Bew. unt. V.N. 2285 nnPoalnchließtach 7,Braunschweig s» Mittwoch und Donnerstag eintreffend: 6627A ff. Schellfische. Kabeljau und Scelachö im Ausschnitt Grüne Heringe, Bratichellstsche Friiche Fischfilets und K oteletts Frische Voll-Bücklinge das Pfund 0.45 die Kiste mit netto 5 Pfund 1.90 Frische schwedische VveiHelbeeven das Pfund 0.48, 10 Pfund 4.50 MMNMM Bahnhofstraße 27 — Fernspr. 3631 padio BRINKMANN Aeiteste Fachfirma ■ Telefunkendienst Größte Erfahrung ■ AUTORISIERTE VERKAUFSSTELLE Erste Bequeme Teilzahlung 5604 A ........ — $fir alle Zrauen und Mädchen über 78 Jahre Vortrag: Frauenglück / Frauenleid Eintritt frei! mit Ausstellung und Vorführungen am lebenden Modell (Thalysia-Hygiene-Rorsettschau) Zrauen-Vorttag: Wao jede Zrau und jede« junge Mädchen von ihrem »örper wissen sollte. Wie Hängeleib, «brust,Hüstenfett Lrampfadern, Leinschwell. Zußschmerz. verhüt, werden. Zragenbeantwort. und Hue« kunfterteilung durch die von Herrn Vr. med. H. (Barme auegebildeten Damen. Hygiene-Schau von der Jugend bis ine Alter gesund,norrnal-voll- schlank,beschwerdefrei und schönen Zorrnenschutz im Wachetumealteru.kritisch. Seit. Schöne Deine u.Züße Ohne Thalysia-System Mit lLhalvsla-Sxstem Vorführungen: trhalysta-Srstem zumSchutz und zur Wiederherstellung der guten Zigur u. desWohl- befindene, T h a I y ff a-Lon- struktionen ale einzigartige Original» Schöpfungen. verhind. vcrl. das reichill. Heft »Die gesunde grau* gegen 15 Pfg. postfrei durch Thalysta, Leipzig-S, 2tbL67 Donnerstag, den 28. fluguft 1950, im Egse ECtb XZTsuV/"' Wir warnen vor Hausiererinnen, die mit Bezug auf unsere Vorträge fremde Waren ale Thalysia-Zabrikate an bieten. | Vermietungen | Wohnung 5 Zimmer. Küche, Badez^ ÖJnrt., freie Lage, sofort z. verm. Schrift!. Angeboten. 05254 n. d. Gteff. Anz. In schönster Lage Gießens sind 2 Zimmer mit Küche u. Znbeh. anein-elneDameod. ält. Ehepaar z. verm. Schr. Ang. u. 05248 an den Gieß. Anzeig. Drei gut u. modern möblierte Zimmer evtl, mit Küchenben., auch unmöbliert, in guter Lage alsbald zu vermieten. Schriitl. Angeb. unt. 05241 a. d. Gieß. Anz. I Mietgesuche| Wohnung 3—4 Zimmer, bis zu 75 Mk. Mleie, gesucht. Gebe 500 Bik. Abstand. Schrift!. Angeb. unter 05253 an den Greff. Anz. | Stellenangebote | Kaufm. Lehrling zum Eintritt für 1 Okt. ges. 5826D Emil viskor vaivs. lüüli. MAN mit gründlich. Kenntnissen im Haushalt, v. zuverl. Charakter, bis 1. oder 15. Sept, gesucht. 2. Mädchen vorhanden. Guter ^ohn. Dauerstellung. Schrift!. Angeb. unt. 05238 a. d. Gteff. Anz. Verkäufe j ®Ult5 Olfluufflltut- ll. Woßrontea- fleWlt in lebhafter Landstadt unter günstigen Bedingungen abzu- geben. Schriftliche Anfr. unt. 05244 an den Gteff. Anz. erb. 1 satt neuer Smoking für 1,75 Mtr. grobe Stgur.foiöie elegant. Gesellschaftskleid, Gröhe 44, sowte fast neues Herrenfahrrad vreisw. zu verk. Zu et fr. t. d. Geschst. des Gieß. Anz. re«D Deutsche Staatspartei Erste öffentlidie 5897D am Mittwoch, dem 27. August, 20% Uhr, in der Turnhalle am Oswaldsgarten Es spricht der Spitzenkandidat des Wahlkreises Bürgermeister Dr. Ehrhardt aus Mainz Aus gutem Haufe nmzugsbalb. billig zu verkaufen: los?« 3 gröff. Wirtshaus- Tische, 3 Bürosessel, 1 Büro-Tischlampe, verstellbar, 2 eiserne Geld-Kassetten, eine Kristall-Bowle, reich geschliffen, eine echt Steinmarder Pelz- Krawatte, eine echt ©Üb.; Gebäck-Schale 1 Expand.-Turn-Av- parat, 1 Matratze für schmal. Bett. 1 groff. Schlasz.-Bild, oval. Goldr^ schöne kl. Radier. u. Bilder, viele Bücher, amiguarisch, 88erPhawla-Rollen. Nur diese Woche । 3u erfrag, i. der Geschst. d. Gieß. Anz. 105243 Piann indort. Gegend UOuv, ffehend. wenig gesv., weg. Nichtzahlung sehr günstig zu öerL um Rückfracht z. sparen. i)täb. Frank- fort a. M., Zeil 104 I. Lichtenstein. Gelegenheit! Neuer, ungebraucht. Photoapparat „Leica" billig gegen bar zu verkaufen 05239 Südanlage 19 11. Zwei Vettstellen mit Matratzen zu verkaufen. 05245 leimiger, Aulweg 40. Paddelboot billig zu verk. 05242 Anzuf. Bootsbaus. VereinRudersport Schöner, gut erhalt reich vernickelter Dwrirer umzugshalber sofort zu verkaufen 5887D Kaufgesuche Suche ält.mittelschw. Pferd für Landwirtschaft. Angeb. mit Preis an L. Svuck, Lollar, Bletchfir. 21. l«5»^S GlSlMk zu kaufen gesucht. Schriftl. Angeb. mit Preisangabe erb. u. 5888D a. d.Gieff.Anz Gut erhaltene, nutz- baumvol. Vitrine (ob. übnl.i zu kaufen ges. Schr. Ang. mit Preis u nt. 05240 ad. G. A nz. Verschiedenes Düngekalk sämtliche M75246 Cafe Astoria Der grobe Corty In seinen fabelhaften Leistungen 05255 Heute Abschiedsabend Lehrling mit höherer Schulbildung für industrielles Unternehmen zum 1. Oktober 4930 gesucht Bewerber muff foribildunysschulsret sein. Schriftl. Angebote unt. 5896D ___________a. d. Gießener Anzeiger erbet. WF D R CD RUCKSACHEN ■ ■ ■ I» B ■■Brühl'sche Druckerei Groß-Garage am Aulweg früher Nebenwerkstätte der Oberh. Eisenbahn Garagen für shgd Last- und Personenwagen Wagenpflege Wagenwäschen Nr. 198 Sweitez Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Dienstag, 26. August (930 Preisrevolution auf dem Weltmarkt! Don Professor Or. Hermann Levy, Serkin. 6eit den schlimmen lagen der Inflation bat man wohl bei uns nicht so viel Grund gehabt, sich mit der Preisbildung zu beschäftigen wie im Äugenblick. Freilich kommt diese- Mal der 2n- stoß nicht aus unserer eignen Wirtschaft-Misere— wenn diese auch eng mit Preisfragen aller Art verknüpft ist —. sondern von der internationalen Preisgestaltung far. Hier haben sich in den letzten Monaten Entwicklungen ungebahnt, die man In den Jahren 1928 29 nicht für möglich gehalten hat, eS ist hier aus den verschiedensten Gebieten ein Absturz der Preise eingetreten, den man nicht anders wie eine .Preisrevolution" zu nennen vermag Zunächst die Tatsachen: ein Blick auf die internationalen Getreldepreise zeigt die erstaunliche Tatsache, daß diese zu einem großen Teil auf das Dorkriegsniveau gesunken sind. 3n Reuyork kostete Hartwinterweizen am 30. Juli pro Dushel nur noch 93'/, Lent- gegen 104 Lents Im Jahre 1913; Roggen kostete in Lhikago pro Dushel SO'/. Lent- gegen 66 Lents im Zähre 1913. Del uns notierte Roggen ebenfalls mit'158 bi- 168 Mark pro Tonne nicht über Friedenspreis Die Daumwollpreife und W o l l p r e i s e zeigen ein gleiche- Bild. Baumwolle z. B. kostete loko Reuyork am 30. 3uli 12,45 Lent- pro engl. Pfund gegen 13,65 Lent- im 3ull 1914. Und von einer noch stärkeren Preis- beroute find die Metallmärkte ergriffen worden: Silber, Platin. Kupfer. Zink und Zinn find zum Teil erheblich unter den .Friedenspreis^ gesunken, ähnlich steht e- mit Kautschuk. Häuten, Äaffee, Holz, eine Preisbaisse aus der ganzen Linie weltwirlschastlich wichtiger Rohstoffe und Nahrungsmittel, welche teil- unter die ZriedenSpreiSbafts schon hinabgeht. teils an dieselbe heranreicht, während wir bisher gewohnt waren, mit um 50 bis 60 Proz. höheren Preisen als im Jahre 1913 zu rechnen. Forscht man nach der nächstliegenden, freilich den Preissturz zunächst nur charakterisierenden, nicht voll erklärenden Ursachen, so begegnet man überall der Auslassung, dah ein U e heran g e b o t vorhanden ist. dessen Absorbierung unmöglich erscheint. Um nur ein Beispiel herauS- xugreifen nach Angaben eine- englischen Fach- blatteS liegen heute in London zweimal so viel Zinn wie im 3uli 1929 und viermal so viel wie vor zwei 3ahrcn! Es ist bezeichnend, das; sich da- Ucberangebot überseeischer Nahrungsmittel und Rohstosfe (auch Genußmittil 5Ka’febaiflc) tn einer starken Derminderung der transozeanischen Frachttarlse äußert, da die importierenden Länder infolge ihrer auf gefüllten Lager natürlich mit neuen Einfuhren sehr zurück» halten. Auch die Frachtsätze auf den großen überseeischen Seerouten liegen heute unter denen de- Frieden-! Welcher Gegensatz zu den Ereignissen der letzten 15 3ahre. wo sie zuweilen um 5—600 Prozent und noch Häher über den normalen FriedenSsähen lagen. Man könnte meinen, daß ein Herabgahen der Nahrungsmittel» und Rohstosfpreise al- ein günstige- Symptom gedeutet werden könnte. Die ganze Welt, so hört man sagen, wartet ja auf dieses Herabgehen der Preise als der Grimmig von Krieg-- und Nachtricgsteuerung. Gewiß, wäre eine solche Deutung denkbar, wenn sich der neue Preissturz nicht unter ganz bestimmten und höchst bedenkltchen Begleitumständen vollzöge. Diesem Preissturz der Roh» erzeugnifse scheint nämlich keineswegs eine entsprechende Senkung der Warenpreis- zu folgen. Weder wir in Deutfchland noch andere Länder, wie etwa England, haben etwa- von einer Parallelbewegung der Rohstoff- und Fabrikatpreife bcmerlt. Rach dem 3nbci deS englischen Gcconomift vom 9. August 1930 ist z. B. Baumwolle um 31.4 Punkte gegenüber dem Dorjahre gesunken, während Baum- wollstosse nur 15.3 Punkte herabgegangen sind unb während der Preis von Häuten um 3,8 MWnis Jeldzug gegen den Vogelmord. Don unserem römischen Rom. August 1930. Sine Anzahl der HerkuleSarbeiten, die auch dem starken Manne 3talienS nicht erspart blieben, bat Mussolini schon hinter sich gebracht: Sizilien von der Massta zu säubern, die Bettler zu vertreiben, daS Bestechung-Wesen einzudämmen, da- Spucken zu verbieten, die Ausforstung deS Lande- vorzunehmen und so manche- andere. Aber die schwerste Arbeit steht ihm noch bevor, den Dogeimord au- zurotte n. Die Reinigung de- parlamentarischen Augia-stalles war ein Kinderspiel gegen den Dersuch, dem Dolke ein Rationalvergnügen zu nehmen, die Sing- v o g e I j a g d. Gin Won von Luch, o Duce, und 3talien — so beschworen ihn schon ausländische Koryphäen der Ornithologie und Nationalökonomie, der Land- und Forftwirtschast — wird der Garten fein, das Dogelparadies! Statt her Tieröde. die eS heute ist. 3agdlich betrachtet, muß daS ganze Land als ausgeschossen gelten. Rehe und Hasen. Wild aller Art finbet man nur noch in eingefriebigten Revieren Fasanen und Rebhühner sind höchstens Farmprodukte, wie in Deutschland der Silberfuchs. Ein bißchen Flugjagd auf Lagunen und Sümpfen, wie sie Puccini so liebte. daS ist alles. 3m Frühling gelten die vom Meere in der Morgendämmerung hereinstreichenden Wachteln als treibjagd- würdige Beute, und werden von langen, langen 3ägerfetten abgeknallt, fo daß kaum eine durchkommt. Bleiben für den Rest des 3ahres nur bie Singvögel, denen mit Schrotsprihen und Rehen nachgestellt wird, dah nur selten ein ilcber- lebenber sich noch zu piepsen getraut, wenn die Liebe über ihn kommt. Der Fang der Zugvögel ist auf den Hauptdurchzugsstraßen förmlich industriell organisiert. Es genügt aber schon, vor die Tore Roms zu gehen, um 3äger zu sehen, die sich Schuhhütten gebaut haben, das heißt. Laubverftecke, auS denen sie auf die Bögelchen knallen, die auf die Krumen zutrippeln und sich dabei in dem erdfarbigen Netz verfangen. Kleine, meist geblendete Käuzchen dienen dieser Art von 3ägem alS Zutreiber, doch ist jetzt wenigsten- daS Feilhalten der grausam ihres Augenlichtes beraubten Lockvögel verboten worden. ^-Korrespondenten. Die Fremden staunen, fast jeden Hirten, jeden Bauern auf freiem Feld mit einer Flinte bewaffnet zu sehen Pass. pass, überall knallt e S. und die Signori auS der Stadt machen am Sonntag sröhlich mit. Und was für Ziele: Rotkehlchen, Finken, vor allem Lerchen WaS wollen Sie? Erstens find das fliegende Zielscheiben, und auch die elegante Welt schicht ja zum Späh auf lebende Tauben. Zweitens wuhten schon die Alten ein Gericht auS Lerchenzungen zu schätzen. Tradition also. 3cder. der den Abzug lösen und für ein paar Lire ein Schiehpetent erstehen kann, ist .3ägcr“. Unb in diese- fröhliche Weidwerk will nun Mussolini aus andere Weise hineinknaslcn? Kühn, tollkühn! 3n einigen Provinzen sind bereit- Erlasse herau-gekommen, die mit Dogelschuh- beftimmungen unbedingt eine Aehnlichkeit haben. Das AuSnehmen von Nestern wird mit 200 bis 2000 Lire Strafe bedroht, die bei unmündigen Kindern die Eltern zu zahlen haben. 3n der Zeitung kann man rührende Aufrufe lefen: die Kinder müßten nicht nur zum Heldentum. sondern auch zur Düte erzogen werden, zu jenem Seelenadel, der die schönste und stärkste Acußerung großer Herzen sei. Die Tiere zu achten und zu Heben, besonders aber d i e StimmendesHimmels. die Gott geschasfen habe, um das Leben der Menschen lebenswerter, süßer und poetischer zu gestalten, das solle in den Schulen und von den Kanzeln gelehrt werden. Und so weiter in blühenden Wendungen. Leider, leider gehen diese moralischen Unterstützungen eine- gesunden DerboteS von den — 3 ä g e r n aus. also den Nutznießern geschützter Nester. Und das ist schade. Denn jeder Lausebengel sagt sich, toarum soll ich warten, biS die 3ungcn flügge sind und dem Dippo oder Peppo vor die Flinte kommen? Nein, so geht daS nicht. Der Duce müßte feine Pappenheimer kennen. Nicht den Kindern die Singvogeljagd verbieten, sondern die Herren Erwachsenen ersuchen, mit gutem Beispiel voranzugehen. Ohne Schuhverbot, wie es andere Länder haben, kann der Herkules 3taliens seine Aufgabe nicht lösen. Punkte tiefer ist als im Dorjahre, find die Lederpreife noch um 7.5 Punkte gestiegen. 3n dieser Diskrepanz — man fall sie „Preisschere" genannt —, diesem Mißverhältnis zwischen Rohstoss- und Fabrikatpreis liegt das „Revolutionäre", das Anormale dieser ganzen neuen Weltmarktpreis-Entwicklung. Ein Uebersluh ist gewiß erfreulich, wenn er zu rentablen Preisen untergebracht werden kann; wenn aber dieser Uebcrschuß auf einen Markt stößt, der überhaupt keine Konsum st eigerung mehr z u l ä ß t. wenn andrerseits die Kosten der Weiterverarbeitung auf Grund vieler feststehender oder nur langsam sich verringernden Delastungen, wie hoher Lohnausgaben, sozialer Lasten, hoher Mieten. hoher Steuern, immer noch au teurem Gelbe unbeweglich sind, so wirkt sich die ilcberfülle an Rohstoffen und Nahrungsmitteln nicht zugunsten der letzten Derbraucher, sondern nur zuungunsten der Erzeuger dieser Nahrungsmittel und Rohstosfe aus. Wie weit in dieser Beziehung die Unnatur der augenblicklichen Preisverhältnisse in der Weltwirtschaft gediehen ist. zeigt die Tatsache, daß in Amerika Stimmen laut werden, welche von den Wirkungen der übermäßigen Hitze, welche die Getreideerträge bis zu 60 Prozent des Dor- jahrcS verringert haben soll, einen Stillstand der verheerenden Preisbaifse „erhossen"; fo wird unter den desorganisierten Verhältnissen der Weltwirtschaft, das was bisher als höchster Wohlstand angesehen wurde, die gute Ernte, zur „Plage", — waS freilich eine ökonomisch sehr unliebsame Umkehrung fein dürfte, da eS dem Farmer lieber sein mühte, größere Mengen zu rentablen Preisen, als geringe Mengen zu etwa- höheren greifen loszuschlagen. Diel leicht ist diese außerordentliche Preis-Kalamität. die in diesem Jahre über die Weltwirtschaft hereingebrochen ist, ein Dlitzstrahl. der etwas Erleuchtung in die Finsternis der wirtschaftlichen Nachkriegszeit zu bringen vermag. Hauptschuld an der verhängnisvollen Ueberzeu- gung trägt bie geschwächte Kaufkraft der alten europäischen 3nbuftrie- l ä n b c r. Wenn man in Amerika lange Zeit geglaubt hat, ohne wesentliche Rücksichtnahme auf die europäischen Wirtschaftsinteressen auskommen zu können, wenn man meinte, den Derar- mungSproxeß Europas von der sicheren Warte des angeschwollenen amerikanischen Gvldarse« nals ruhig mitansehen zu können, so wird vielleicht die Not des amerikanischen Weizenfarmers. des amerikanischen Baumwollplantagen- besitzers oder des amerikanischen Kupfer-Erzeugers dahin belehren, dah die Kauffähigkeit Europas nicht nur eine europäische, sondern auch eine eminent „amerikanische" Angelegenheit sein kann. Man wird vielleicht sowohl in Amerika wie in anderen exportierenden Ländern zu begreifen anfangen, dah zirka 2,5 Millionen Arbeitslose in Deutschland ober 2 Millionen Arbeitslose in England nicht als eine nur vom Standpunkt dieser Länder bedauernswerte soziale Erfchei- nung zu begutachten sind, sondern dah diese Reichswehrmimster Dr 03 r o c n c r mit seiner Braut Frau Ruth Gluck geb Naeher nach Der Stauung in der alten Garnisonkirche in Berlin. Scharen in ihrer Kaufkraft entwerteter Konsumenten einen direkten Nachteil für alle diejenigen Erzeuger in der Welt bedeuten, welche ihre Nahrungsmittel und Rohstoffe zum Zwecke des auswärtigen Konsums abftoften müssen. Umgekehrt aber wirkt selbstverständlich auch die Notlage überseeischer Rohstofs- und Nah- rungsmittclerzeuger auf die europäischen Fa- brikatexportländcr zurück und verschärst Dort non neuem deren KrisiS, weil der überseeische Absatz von Fertigwaren durch die PreiSderouta in Nahrungsmitteln unb Rohstosfen verringert wirb, lieber die Erscheinung der Preise und der Preisbildung gelangt man auch hier immer wieder zu dem Grundübel der WeltwirtschastSlags von heute: die durch Krieg und Nachkriegsbürden erschlaffte Kaufkraft der Welt, ganz besonders Europas. Die neue, erschütternde unb noch gar nicht absehbare Preisrevolution kann daher sehr wohl mit einem erleuchtenden Blitzstrahl verglichen werden. Wird man dafür Sorga tragen, dah er nicht zündet? Ausbau der Reichs-Durchgaugsstraßen. Das ReichSverkchrsministcrium hat nach mühevollen unb langwierigen Verhandlungen mit den preußischen Provinzen unb mit ben Regierungen bet Länber eine ReichSdur ch g angS - strahenkarte ausgcarbeitet. Die Deröfsent- lichung soll schon in Siefen Tagen erfolgen. 3n ihr wird ein Netz von rund 25 000 Kilometer Länge — das ist etwa ein Achtel deS deutschen LandstraßennetzeS - al« für den Derkchr besonders wichtig klassifiziert. Den Wegebaubehörden wird empfohlen, diese Durchgangs- strahen bevor zu g t auszubauen und andere Arbeiten nach Möglichkeit zurückzustellen. Gleichzeitig werden Richtlinien herauSgegcben, welche alle die für den Bau von stärker belasteten Durchgangsstrahen wichtigen Fragen technischer Natur behandeln. ES handelt sich hier vor allem um die Art der Strahendecke. die Stärk« des Unterbaus, über die Breite der Straften, Redensarten. Ibn Kranz Hohen Die „Döse Sieben". Wer kennt sie nicht? Wo immer ein unholdes Weib den Mann bedrängt und ihm das Leben verbittert, ist man mit diesem Kosewort bei der Hand. Warum aber wählte man gerade diese Zahl? Wie vor einigen Jahrzehnten Picket und Whist viel gespielt wurden unb jetzt Bridge unb das unverwüstliche Dret-Männerfpiel, der Skat, überall verbreitet sind, so war im fünfzehnten, sech- zehnten und siebzehnten 3ahrhunbert in Deutschland cm Kartenspiel tm Schwange und stark volkstümlich. daS man heute nicht einmal dem Rainen nach mehr kennt, das Äamöffel- oder Karnuffelspiei mit achlundvierzig Karten, benannt nach den Awei Hauptkarten, dem Ober- unb Unterkamufsel, politisch-satirischen An p elungen auf Karbinal und Landslnecht. 3n diesem Spiel war die Trumps-Sieben die ausschlaggebende Karte, sie beherrschte das ganze Spiel und erschien alS ränkcvolles Weib - das ist die .Döse Sieben". Denn diele Bezeichnung ging bald in die Volkssprache über, wie überhaupt zahlreiche volkstümliche Redensarten dem Kartenspiel entstammen mit verdeckten Karten spielen, einem das Spiel verderben, einen übertrumpfen, einem in die Karten sehen, abgekartete Sachen usw — Erwähnt fei in diesem Zusammenhänge ein Äberj, den sich bei der letzten Dolkszählung ein Nürnberger Gemüsegärtner leistete Der Zahler fragte ihn in Gegenwart feiner Frau: .Wie stark ist 3pre Familie?" — Antwort: .Meine Frau und ich. macht zusammen — achtl" „Stein unb Dein." 3m Gegensatz zu unseren Gepflogenheiten wurde im Mittelalter der Eid weit seltener und nut bann gefordert, wenn cs sich um wirklich bedeutungsvolle Dinge handelte. Dann aber wurde der Schwörende in die Kirche und vor den Altar geführt und schwor dann unter Berufung auf „Stein und Dein". „Stein" war der steinerne Altar, unter „Dein" aber sind die Gebeine der Heiligen zu verstehen. Denn der Schwörende muftte die Gebeine entweder unmittelbar berühren oder doch bie Hand auf den Reliquienschrein legen, der jene barg. Die Sitte dieses feierlichen Eides ist verschwunden, die Redensart aber ist lebendig geblieben. Der Stein hat der Sprache noch zahlreiche andere Bilder gegeben; hier sei nur eineS der gebräuchlichsten noch erwähnt. Wir sagen: „Aus jemanden einen Stein werfen", d. h. ihn verdammen, verurteilen. Die Steinigung im Alten Testament wurde durch das ganze Dolk vollzogen, die Zeugen aber, deren Aussagen entscheidend für daS Todesurteil gewesen waren, muftten den ersten Stein werfen. Deshalb sagt Ehristus von der Ehebrecherin 3oh. 8.7: „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf fie!" DaS Kerbholz. Das Kerbholz, das schon im 13.3ahrhundert im Gebrauch war. war ursprünglich ein etwa fingerdickes Eschcnholzstäbchen. das der Länge nach fo gespalten war. daß die Schnittslächen einander genau deckten. Wenn nun zwei Personen auf Grund von Warenlieferung unb -empfang in einem laufenden Rechnungsverhältnis zueinander standen, so nahm jede von ihnen je eine Hälfte des Holzstäbchens an sich. So oft dann — gesetzt, es handelte sich um Brotbäcker und Hausfrau — eine bestimmte Menge Brot zur Ablieferung kam, wurden in Gegenwart beider Beteiligten die beiden Hälften des Stäbchens aufeinandergelegt und mit dem gleichen Schnitt eine Kerbe in beide Hölzer geschnitten. Am Ende der Woche oder des Monats ergab bann die Zahl der vollzogenen Einkerbungen die Summe der, entsprechend dem Wert der Einzellieferung. zu leistenden Zahlung. 3m 16. unb 17.Jahrhundert vertrat das Kerbholz auch bei den Gastwirten die Stelle der jetzt üblichen Kreide. Die Redensart, mit jemandem „in bie- selbe Kerbe hauen", d. h. das gleiche Ziel verfolgen. ist hergenommen vom Fällen der Bäume, wobei die Holzhauer am schnellsten zum Ziel kommen, wenn sie Schlag um Schlag in dieselbe Kerbe hauen. Zapfenstreich. Rach der Niederlage, die Wallenstein bei Lützen 1632 durch die Schweden erlitten hatte, machte sich unter feinen Truppen ein fo starker Rückgang der Manneszucht gcltenb, baft bem Heere völlige Auflösung brohte. Um vor allem ben wüsten nächtlichen Saufgelagen, die vielfach zu Ausschreitungen führten, zu steuern. lieft Wallenstein allabendlich um neun Uhr ein Signal blasen, bas für bie Marketender ben Beseh! bebrütete, ben Zapsen an ben Fässern zuzuschlaqcn. unb um zu verhinbern, daß das Faft nachträglich wieder geöffnet werbe, gingen bet Pro'oft unb feine Weibel — wir haben das Wort heute noch in »Feldwebel" —, deren Befugnisse etwa denen der späteren Feldgcndarmcrie entsprachen, von Zelt zu Zelt und zogen mit Kreide zwei breite Kreuzstriche oder -streiche über Tonne unb Zapfen, beten vorzeitige Entfernung mit strengen Strafen — bi« zum Galgen — bedroht war Das war der .Zapfenstrich" oder .Zapfenstreich". Allmählich aber wurde dann bet Dorgang zur Bezeichnung bes Signals, das die militärifche Polizeistunde anzeigte, zum .Zapfenstreich". Australiens totes Herz. Australien« .Großer Salzsee", der Lake Ehre, der auch .Australiens tote« Herz" genannt wird, ist jetzt zum erstenmal mit Hilfe des Flugzeugs erforscht woiden. Das mächtige Becken, das etwa 400 km von dem geographischen Miitelpunkt des Erdteil- entfernt liegt, ist das einzige Gebiet in Australien, das unter dem Meeresspiegel sich befindet, fein Ufer liegt fast 12 m unter dem Meer, das den Kontinent umgibt. .Der Eyre-See". heißt es in einem Bericht bet englischen geographischen Gesellschaft, .ist ein riesiges Salz decken, daS nur von Zeit zu Zeit mit wenigen Zentimetern Wasser bedeckt ist. Diese Wasser» mengen entstehen, wenn die TrockenheitSocrioden durch ungewöhnliche Regengüsse in den weit entfernten Ebenen vop Queensland unterbrochen werden; dann sind die gewöhnlich trocknen Flußläufe, die zu dem See hinführen, mit Wasser gesüllt. und etwa« davon bedeckt auch den See, verdampft aber raich. so daß die Oberfläche wieder trocken wird. Die Erforschung des Deckens wurde zunächst in Flugzeugen unternommen, von denen aus photographische Aufnahmen gemacht wurden. Später unternahm man auch eine Fahrt im Kraftwagen. In der Nähe der Küste fand man den See mit einer dünnen Salz» kruste bedeckt, unter der sich Sand befinbeL Weiter von dem Ufer entfernt nimmt die Salzkruste an Dicke zu, und diese beträgt in einer Entfernung von 20 km 43 cm. Diese Kruste wölbt flch, wenn fie trocken ist. und bricht, so daß Salzplatten aneinander gelegt flnd wie Kartenhäuser von Kindern. Eine überraschende Entdeckung auf dem Bell des Eyre-Sees war da-Dorhandenfein von großenAmeiferckolonien in einiger Entfernung von der Küste. Eidechsen non etwa 15 cm Länge schlüpfen über die salzige Oberfläche; fie haben genau dieselbe Färbung wie bie Salztruste. Am westlichen Rand des See- gibt eS .Hügel", bie augenscheinlich durch die artesischen Wasser hervorgerufen find, die sich in weiten Teilen Australiens befinden. Quellen steigen aus dielen unterirdischen Waflern hervor, die Blasen bilden und stark mineralhaltig sind. Durch diese Forschungen hat man auch die gänzlich unbewohnte und früher unbekannte Gegend nördlich de« Sees näher fennen- gelernt. Das Gebiet ist waflerloö und mit parallelen Sanöftügeln bedeckt, die sich viele Hunderte von Kilometern entlangziehen. Die Hügel sind zwischen 200 und 300 Metern hoch, und aus der einen Seite so steil, dah sie auch ein unbeladene« Kamel nicht erklettern kann Dom Flugzeug aus macht das Gebiet ben Einbruch als wenn eS mit riesigen Pflügen beackert worden wäre." Wo puccini begraben liegt. ©ine Wallfahrt von Pilgern au« allen Teilen der Erde wird jetzt nach Torre del Lago in Italien angetreten, wo die sterblichen Reste des Komponisten Puccini bestattet sind- Die Begräbnisstätte de« Schöpfer« der .ToSca" ist eine ter merkwürdigsten, die e« in der Welt gibt. DaS Grab befindet sich nämlich in dem Arbeitsraum der Dilla, die Puccint mit den Erträgniflen feiner ersten erfolgreichen Oper .Manon Lescaut" kaufte. An der Tür liegt dealte weißhaarige Terrier .Max", der Liebling de« Komponisten, der vergeblich auf ben Schritt feine« Herrn laufcht- Auf dem Tisch sieht der andächtige Besucher die Brille deS Meisters, die letzten Briefe, die mit der Bost für ihn eintrafen, em Buch mit indianischer Musik und ein unvollendete« Blatt au« bem Manuskript feiner letzten Oper .Turandot", das vom 1. August 1921 datiert ist. Hinter dem Klavier, dessen Deckel emporgestellt ist, befindet sich der Sarg, der in die Mauer eingelassen ist. und gegenüber eine Kapelle, deren Wände mit Mosaik ausgelegt sind unb die mit Marmorsiguren geschmückt ist. Die Marmorgestalten stellen drei Heldinnen seiner Werke dar: Manon, Madame Buiterfly und da« .Mädchen au« dem Goldenen Westen." In Den anstoßenden Zimmern befinden sich Iagdkrophäen deS Meisters; sein Hut hängt noch am Nagel an ber Wand, seine Schuhe stehen in einer Reihe, und fein Stuhl ist vor den Kamin gestellt fo, wie es bei fernen Lebzeiten der Fall war. Sommerwege, Lieberhöhung der Kurven und vieles andere mehr. Allerdin^ stellen dle aus- gearbeiteten Richtlinien des Reichsverkehrsministeriums zunächst nur Anregungen und Wünsche dar, doch darf man annehmen, daß sie d e r e r st e Schritt zur Schaffung einer Reichs- strohenverwaltung sind, deren Zweckmäßigkeit von allen Verkehrsinteressenten aner- lormt worden ist. Da die Ausarbeitung der Richtlinien im Benehmen mit den Länderinstanzen erfolgt ist und daher auch Wohl mit den bisherigen Finanzierungsprogrammen der Llnterhaltungspslichtigen parallel geht, ist anzunehmen, dah diese sich bei ihren künftigen Hm* und Ausbauarbeiten an die Vorschläge des Reichsverkehrsministeriums und an die bearbeitete Karte über den Ausbau der Reichsdurchaangs- strahen halten werden. Dies bedeutet auch nach Ansicht der meisten Derkehrsinteressenten den Anfang für eine rationelle Gestaltung des deutschen StrahenwesenS, wenn auch konkrete Berechnungen über die Grsparnismöglichkeiten, die durch die Richtlinien gegeben sind, einwandfrei noch nicht vorliegen. Gin Fahrrad-Wegebauprogramm Zahlreiche Derkehrsinteressenten und Verkehrs» vrganisationen, Wegebaubehörden und 3nt)u» striekreise sind augenblicklich mit einem großzügigen Plan beschäftigt, der die Schaffung von Radfahrwegen im ganzen Deutschen Reiche nach einheitlichen Grundsätzen und Richtlinien zum Gegenstand hat. Es ist beabsichtigt, abseits der großen Straßen des Verkehrs Fahrradwege anzulegen, die ausschließlich von den Radfahrern benutzt werden dürfen, und deren Finanzierung in erster Lime von der einschlägigen Industrie durchgeführt werden soll, allerdings unter nennenswerter Beteiligung aller Wegebaupflichtigen. Entsprechende Verhandlungen, an denen auch die Studiengesellschaft für Automobllstraßenbau, eine rein wissenschaftliche-technische Organisation ohne Interessentenbindung, interessiert ist, sind in der letzten Zeit mit den Wegebauvflichtigen mit guter Aussicht auf Erfolg geführt worden. Diese Verhandlungen haben zunächst zur Gründung eines Vereins für Radfahrwege geführt, der unter Führung des Vereins deutscher Fahrradindustrieller die Angelegenheit weiter behandeln wird. Diese Organisation ist augenblicklich bestrebt, zunächst ein Retz von Ausfallwegen' aus den Groß- st ä d t e n auszubauen und es ist z. B. in Berlin in den letzten Monaten bereits gelungen, besondere Radfahrwege zu errichten, die sich einer ständig steigenden Frequenz erfreuen. Regionale Verbände des Vereins für Radfahrwege sollen schon in allernächster Zeit in allen Teilen des Reiches ins Leben gerufen werden. Artisten des Verbrechens. Oie Hochschule der Taschendiebe. — Von 500 wird kaum einer gefaßt. — Wie man künstlich ein Gedränge schafft. — Magdinoff, der König der Taschendiebe. Von Karl Gillbrück. Die Kriminalität steigt bekanntlich überall in demselben Maße, in dem sich die Wirtschaftslage verschlechtert. Dementsprechend hat die Zahl der Diebstähle in der letzten Zeit sehr zugenommen. Aber die Diebe sind keine einheitliche Gruppe Bet Verbrecherwelt. Man findet unter ihnen rohe Gesellen, die mit der Brechstange arbeiten, es gibt dumme Kerle, die sich bei der gelegentlichen Aneignung eines verhältnismäßig wertlosen Gegenstandes ertappen lassen, und es gibt schließlich gutausgebildete, geschmeidige „Professionals", Leute von Welt, die in Rom, in Paris, in Madrid, in Kapstadt oder in Rio de Janeiro nicht weniger zu Hause sind als in Berlin oder London, kurzum — Taschendiebe, die ihr Handwerk verstehen und Über ein hohes Einkommen verfügen, ohne jemals erwischt zu werden. Der bekannte Kriminalist H e i n d l berichtet z. D. über den großen Taschendieb Le - p r e u i I, von dem alle Polizeibehörden wußten, daß er sein Geld nur aus fremden Taschen holte, und dem dennoch während seines ganzen Lebens vor Gericht kein Diebstahl nachgewiesen werden konnte. Dieser Mann, der bei seinen Helfershelfern den Spitznamen „Die goldene Hand" führte, hat niemals eine ehrliche Beschäftigung gehabt und hat keinerlei Erbschaft gehabt: dennoch bezog er in seiner letzten Lebenszeit eine jährliche Rente von 300 000 Franken. Man braucht nicht zu fürchten, dah die Darstellung erfolgreicher und gewinnbringender Taschendiebstähle ohne nachfolgende Bestrafung zur Aachahmung aufreize. Wer sich gerade in Geldverlegenheit befindet und es vielleicht versuchen sollte, dieser mißlichen Lage durch einen gelegentlichen Griff in die Tasche feiner Rach- Harn zu entgehen, wird nicht schlecht auf die Kriminalisten schimpfen, die ihm eingeredet haben, daß Taschendiebe selten gefaßt werden. Dieses Handwerk will gelernt fein. Die ersten Hebungs- stunden macht der Schüler schon im Alter von sechs oder sieben Jahren durch. Vor etwa einem Jahr verhaftete man in Berlin einen alten Gauner, der ehemals von Taschendiebstählen lebte, aber nun, ungelenk geworden, fein Brot als Lehrmeister an einer Akademie der „Krebs e" verdiente, wie man die Langfinger in der Ver- brecherfprache nennt. Es wurde damit bewiesen, daß sich dieses edle Handwerk nicht nur vom Vater auf den Sohn vererbt: wenn der Vater ein schlechter Pädagoge ist oder aus einem anderen Zweig des Berufsverbrechertums stammt, kann er seinen Sohn zur Ausbildung auf eine solche Schule schicken, in der man nicht weniger lernt als in den Artistenschulen. Der Unterricht beginnt in altgewohnter Weise an einer Wachspuppe, die vollständig angekleidet ist. Der Anzug dieser Puppe wird von oben bis unten mit kleinen Schellen behängt, und nun erhält der Anfänger die Aufgabe, eine Geldbörse oder eine Brieftasche aus dem zugeknöpften Kleidungsstück zu ziehen, ohne daß eine Schelle zu klingeln beginnt. Allmählich werden die Finger gelenkig: das ist die Hauptsache, und auch der erwachsene Taschendieb hält fein wichtigstes Handwerkszeug durch Massage und durch eine Art gymnastischer Hebungen ständig geschmeidig. Dann muh der Schüler lernen, „Schere zu machen“. Zwei Finger sind mit einem einzigen scharfen Ruck, den das Opfer nicht merken darf, so zu ziehen, dah eine zugeknöpfte Weste auffpringt. Wer das kann, lernt die übrigen Sachen spielend. Mit einer Rasierklinge kann man im Gedränge Anzüge zerschneiden, ohne dah jemand den Vorgang beobachtet. Der Taschendieb weih, wo er eine Menschenmenge findet: auf den Bahnhöfen am Fahrkartenschalter, bei Demonstrationen, auf öffentlichen Festlichkeiten etwa bei der Los- verteilung. Aber die Aussicht, bei solchen Gelegenheiten einen „fetten Brocken" zu erwischen, ist doch nur gering. Am besten „dreht man das Ding", wenn man sich erst sein Opfer aussucht, von dem man weih, dah die Brieftasche mit Banknoten vollgestopft ist. Dann schafft man Wirble ins Leben! Roman von Anna Fink. Hrheber-Rechtsfchuh durch Verlag Oskar Meister, Werdau, S.-A. 30 Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Kommen wir denn heute gar nicht an die Luft?" fragte Barbara seufzend und lief zum zwanzigsten Male nach der schweren verschlossenen Tür, um durch das kleine Gitter zu spähen, das auf den Korridor herausging. „Datienza, Signora! Patienza — Geduld, ©e- buld", sagte eine Frau, die auf dem Rand ihres kleinen schmalen Bettes saß und die Hände im Schoß gefaltet hielt. ' Sie sah manchmal stundenlang so da und träumte vor sich hin, und ab und zu lieh sie einen kleinen Rosenkranz durch die Finger gleiten und betete leise zur Madonna. „O, es ist zu schrecklich!" seufzte Barbara und nahm ihre Wanderung durch die Zelle wieder auf. Cs ging nun schon in die dritte Woche, daß sie in dem italienischen Gefängnis war. Sie war mit mehreren Frauen in einem großen Raum untergebracht. Ein paar von ihnen hatten ihre kleinen Kinder bei fich, denn der Staat erlaubt es den Frauen, ihre Kinder bis 8um_ Alter von drei oder vier Jahren mit ins Gefängnis zu nehmen, um sie nicht in diesem zarten Alter von der Mutter zu trennen. Die ersten Tage waren schrecklich für Barbara gewesen. Man hatte sie in den großen Gefängnissaal gebracht, wo etwa vierzig Frauen beieinander waren, außerdem mehrere Kinder. Die Luft war infolge der vielen Menschen sehr schlecht. Das lebhafte Schwatzen und Schelten der Frauen, das Schreien der Kinder, all das machte Barbara Much, die gepflegte und an eine kultivierte Hingebung gewöhnte Frau, ganz krank. Sie blieb zwei Tage lang im Bett Liegen und vermochte nichts zu sich zu nehmen. Am dritten Tag kam der Arzt der Anstalt, ein jovialer, dicklicher Herr, der dem Aeuheren nach zu urteilen ebensogut der Tierarzt aus der Hmgeaend hätte sein können. Er hatte Barbara flüchtig untersucht und ihren Puls befühlt. Auf ihre Bitten, doch zu veranlassen, daß sie aus dem Gefängnis herausgelassen würde, hatte er sie mitleidig angesehen und ihr dann erklärt, er könne gar nichts tun, das ginge feinen behördlichen Gang. Er wolle aber ihr Los nach Möglichkeit erleichtern und dafür sorgen, dah sie in ein anderes Zimmer komme, wo nur wenige iSrauen seien und daS Essen etwas besser wäre. Sie hatte nur traurig mit dem Kopf genickt, ihr war alles gleichgültig. Roch am selben Tage war sie umquartiert worden. Außer ihr waren nur sechs Frauen in dem Zimmer. Die empfand es doch als Wohltat, denn es war viel ruhiger und die Luft wesentlich besser. Das Schönste vor allem war, daß der Raum ein grohes Fenster hatte. Dieses war zwar gleichfalls mit dicken Eifenstäben vergittert und auherdem noch mit einem Drahtnetz gesichert, aber man konnte, wenn man sich auf das Fensterbrett setzte, einen Blick ins Freie tun. Das Gefängnis muhte wohl auf einer Anhöhe liegen, denn man hatte einen Verhältnis» mäßig freien Blick auf ein paar Hügel und' eine Landstraße, die, aus der Stadt kommend, zwischen den Bergen verschwand. Barbara sah mit Vorliebe stundenlang auf der Fensterbank und sah auf diese Strahe. Sie freute sich über jeden Handelsmann, der da seines Weges zog, und gar ein Eselchen, das für feinen Herrn Lasten hinaufschleppte, war ein Ereignis in dem einförmigen Leben. Manchmal freilich wurde die Sehnsucht nach Freiheit so übermächtig in ihr, dqh sie sich auf ihr hartes Lager warf und stundenlang weinte. Die Frauen — es waren meist jüngere, sahen sich dann mitleidig an. Sie kannten das und verstanden Barbara nur zu gut. ..Es nimmt alles ein Ende, Signora", sagte die eine oder andere bann, wenn sie sich ausgeweint hatte, zu ihr. „Die Madonna hilft Ihnen auch. Wir beten alle zu ihr um Hilfe." Hnd mit einem schweren Seufzer wischte sich manche eine Träne ab. Barbara hatte genügend Zeit, sich mit ihren Schicksalsgenossinnen zu unterhalten und sich deren Geschichte erzählen zu lassen. Sie war erstaunt, wie viele von den Frauen da waren, ohne daß sie direkt ein Verbrechen begangen hatten. Zum Beispiel waren da zwei junge Frauen aus dem gleichen Dorf, die durch ihre Männer in politische Hnruhen mit hineingerissen worden waren. Sie sahen schon acht Monate in Hn- tersuchungshaft, und es war nicht abzusehen, wann es zu einer endgültigen Verhandlung kommen würde. Die eine von den Frauen — sie hieh Maria — hatte Barbara besonders ins Herz geschlossen. Sie bekam zuweilen von ihren Angehörigen Obst und Kuchen geschickt und schenkte Barbara immer etwas davon. Anfangs hatte Barbara nichts annehmen wollen, aber Maria hatte so bekümmert ausgesehen, dah Barbara ihr nie wieder etwas abschlug. Maria war eine sehr schöne Italienerin. Die war Mutter von acht Kindern, die alle schon größer waren, und hatte ein kleines Anwesen. künstlich ein Gedränge, und dazu gibt es Helfershelfer. 3m entscheidenden Augenblick muh man die Aufmerksamkeit des Opfers ablenken und es gegen eine plötzliche Berührung unemp- kindlich machen. Das Rezept ist sehr einfach. Der Dieb oder sein Kollege tritt einem Herrn auf den Fuß und entschuldigt sich dann sehr höflich. 3n diesem Augenblick hat der betreffende Herr sicherlich nur den Schmerz an feinem Fuß gespürt, und nicht die Berührung seiner Hosentasche. Oder man schlägt dem Opfer auf der Straße von hinten kräftig auf die Schulter, als ob man einen alten Bekannten begrüßen wolle. Auch hier wird schnell eine Entschuldigung gestammelt, der 3rrhim ist ja auch verzeihlich. Hat der Bestohlene etwas gemerkt, so werfen sich schnell die „Kollegen" zwischen den Dieb und das Opfer, um die Verfolgung zu erschweren. 3st die theoretische Ausbildung beendet, so nimmt der Vater den Sohn auf die ersten Iagd- expeditionen mit. Diele Ohrfeigen hat der künftige Meisterdieb erhalten, bevor er so weit ist. Aber noch immer kann etwas schiefgehen. Manchmal mißglückt der Griff und der gezogene Geldbeutel fällt zu Boden. Auch dieser Fall ist zu Hause vorbereitet worden. Der junge Bursche hebt die Börse aus, verbeugt sich und gibt sie dem Bestohlenen artig in die Hand. Meist wird er für seine Liebenswürdigkeit noch mit einem Geldstück belohnt, denn das Opfer hat nichts gemerkt und ist froh, keinen Verlust erlitten zu haben. Allmählich erlangt der junge Taschendieb dann große Sicherheit. Er ist em Axtist geworden, der als Taschenspieler in manchem Variete auftreten könnte. Mantel und 3adett des Opfers sind zugeknöpft: dennoch zieht der junge Dieb mit den langen Fingern, die wirklich zum Handwerk gehören, die Brieftasche aus der inneren Westentasche, ohne daß von dem Verbrechen etwas bemerkt wird. 3m Autobus, in der Straßenbahn kneift er die Hhren von der Kette, und die Deute wird sofort dem Helfershelfer zugesteckt, der abspringt und verschwindet. Anzeigen sind äußerst selten, und die Sachverständigen stimmen darüber überein, daß von 500 Taschendieb stählen kaum einer gesühnt wird. Vor Gericht entstehen neue Schwierigkeiten. Wenn das Diebesgut nicht bei dem Angeklagten gefunden worden ist, sondern auf der Erde gelegen hat oder von einem Kollegen schon über Seite gebracht worden ist, läßt sich der Diebstahl sehr schwer nachweisen. Dor allen Dingen bekommt man immer nur ein einziges Mitglied der Bande, nämlich den Burschen, der den Griff gewagt hat, aber nicht die Helfer. Taschendiebe gibt es in allen Ländern. In Europa arbeiten vorwiegend Taschendiebe aus Polen, Galizien und Ungarn. Es gibt dort Familien, die in vielen Generationen dieses „Hatzd- verk" geübt haben. 3hre Sprößlinge kommen in deutsche Städte, in denen sie ganz fremd sind. Aber sie haben schon in Warschau oder in Cernowih einige Adressen erhalten, und sie wissen etwa, in welcher Kneipe des Berliner Rordens sich Taschendiebe treffen. Cs gibt tatsächlich Stammlokale dieser Zunft, wo man auswärtigen Dieben Unterkunft vermitelt und lokale 3n- struktionen erteilt. Don einer Großstadt zur anderen, von Land zu Land beschafft sich der Taschendieb solche Tips, und wenn er auch keinem Derein angehört, so ist er doch Mitglied einer geheimen Weltorganisation, die ihm überall weiterhilft, und durch die er an jedem fremden Ort sofort Helfershelfer findet. So arbeitet wenigstens der gewöhnliche Taschendieb. Meister des Faches vermeiden es freilich, Kollegen zu beschäftigen und damit einen doppelten Hebelstand in Kauf zu nehmen. Sie müssen nämlich nicht nur den Gewinn teilen, sondern sie begeben sich auch in die Gefahr, „verpfiffen'" zu werden. 'Ein Meisterdieb, der als Einzelgänger sein unehrliches Gewerbe Obgleich sie nicht mehr ganz jung war, hatte sie ihre Schönheit nicht verloren. Wenn Barbara sie anfdjaute, mußte sie immer an die Frauenbildnisse Feuerbachs denken. Dann war da noch eine ältere Frau, von der es hieß, daß sie ihre junge Tochter an einen Mann verkauft haben sollte. Sie selbst bestritt es heftig und erzählte jedem von der Ungerechtigkeit der Welt. Für gewöhnlich schien sie sich ganz wohl und zufrieden in dem Gefängnisbetrieb zu suhlen, nur ab und zu bekam sie Verzweiflungsanfälle. Sie tobte und schrie dann wie eine Besessene, raufte sich die Haare und schlug mit den Fäusten gegen hie versperrte Tür. Man ließ sie gewähren. Rach einer Weile hörte sie von selbst wieder auf. Die Frauen gingen mit Barbara sehr zart und rücksichtsvoll um. Untereinander wurden sie manchmal ausfällig und zankten sich, aber zu Barbara sagten sie nie ein hartes Wort. Sie hatte ihnen erzählt, weshalb sie bei ihnen war, und gewann durch ihre offene Art aller Herzen. — Dom Gang her kam der Schritt der Aufseherin. Barbara seufzte befreit auf. Der tägliche Spaziergang von einer Stunde auf einem sehr großen, von einer Mauer umgebenen Söller war noch das Erfreulichste des Tages. Man promenierte auf und ab, haschte sich, um -ein wenig Bewegung zu haben. Am meisten taten ihr die Kinder leid, die hier hinter Gefängnismauern leben mußten, so lange, bis ihre Mutter wieder freikam. 3m allgemeinen konnte sie mit Kindern wenig genug anfangen. Das kam wohl daher, weil sie selbst keine Kinder hatte. Aber ein Kind war da, daS immer wieder ihr 3ntcreffe auf sich zog. Auch jetzt mußte sie es wieder anschauen. Es war ein kleiner 3unge von nicht ganz drei 3ahren. Seine Mutter sah reichlich schlampig und gewöhnlich aus. Die hatte tiefschwarze Haare. Auch jetzt hockte sie wieder mit ein paar Weibern an der Erde zusammen und klatschte. Der Kleine sah Ujr gegenüber wie ein Engel auö: Er hatte ganz goldolonde Löckchen, schneeweiße Haut und strahlende blaue Augen. Mit unendlicher Zärtlichkeit hing er an der Mutter. Er lief auf sie zu, um sein Köpfchen an sie zu schmiegen. Sie fuhr ihn ungeduldig an: „Geh spielen!" Gehorsam zog er sich zurück. Rach einem Weilchen versuchte er'8 noch einmal ganz behutsam. Mit e iner rührend bittenden Gebärde kam er mit ausgestreckten Aermchen auf die Mutter zu und zupfte sie leise am Acrmel. auSübte, ist z. D. M a g d i n o f f gewesen, der vor zwei 3obren in Düsseldorf'zu einer längeren Zuchthausstrafe verurteilt wurde. Dieser Mann von etwa 50 3ahren beherrscht sieben Sprachen. Er war Leutnant in der Zarenarmee und wurde dort vor 25 3ahren bei einem Diebstahl ertappt. Seitdem hat er Berlin, Prag, Wien, Zürich, Bern, Luzern, Rom, Florenz. Mailand, Reapel, Rizza und Paris unsicher gemacht'. Dor dem Krieg gelang es seinem Vater, einem russischen Hauptmann, ihm in Rußland eine Begnadigung zu erwirken, und ec wurde dann — Gefängnisdirektor in Sebastopol. Als Offizier machte er den Weltkrieg mit und kämpfte auch in der Wrangel-Armee. Aber dann fand seine bürgerliche Laufbahn wieder ein Ende. Seitdem ist Magdinoff von einer europäischen Stadt zur anderen gewandert — übrigens mit Frau und Kind — und hat überall seinen Lebensunterhalt auf den Straßen und in den Eisenbahnen zusammengestohlen. Die Laufbahn dieses Taschendiebes konnte verfolgt werden, weil man ihn ein paarmal erwischt hat, und weil er Geständnisse ablegte. Aber gewöhnlich sind die Taschendiebe Derbrecher, die die Gefängnisse und Zuchthäuser viel seltener bevölkern als Einbrecher oder Scheckschwindler — obwohl ihr Gewerbe viel häufiger ausgeübt wird. Oberheffen. Landkreis Gießen. "+• Hausen, 25. Aug. Schon lange wurde es als ein Mangel empfunden daß die Gemeinde über keinen Sportplatz verfügte. Nun ist man zu einer befriedigenden Lösung der Angelegenheit gekommen. Aus Anregung des Gemeinderats, unter Befürwortung des Kirchenvorstandes, hat das Landeskirchenamt in Darmstadt seine Genehmigung dazu gegeben, daß ein Pfarrgrundstück, das sich besonders zu einem Sportplatz gut eignet, gegen ein entsprechendes Grundstück der Gemeinde eingetauscht und als Sportplatz zur Verfügung gestellt wurde. Das Grundstück liegt am Anneröder Berg und ist in 10 Minuten vom Dorfe leicht zu erreichen. —r. Lang-Göns, 25. Aug. Der hiesige Cvang. 3ugendverein veranstaltete am Sonntag ein kleines Waldsest, das einen sehr schönen Verlauf nahm. 3n einem Festzug, voran der Posaunenchor marschierte die Jugend, mit Blumen geschmückt, nach dem nahen Wald „Heide". Daselbst gab Her Ortsgeistliche eine anschauliche Schilderung von der letzten Wanderfahrt in den Vogelsberg. Es schlossen sich Awei Theaterstücke an, gespielt von Mitgliedern des 3ugendvereins. Die Darstellung im Freien, mit den mächtigen Waldbäumen im Hintergrund, fand allgemeinen Beifall. — Maurermeister Heinrich-Schaub hat sein Amt als Gemeinderatniedergelegt. An feine Stelle trat Händler August Krämer in die Gemeindevertretung ein. §Daubringen,25.Aua. Am gestrigen Sonntag ereignete sich hier ein schweres Motorrad- Unglück. Ein hiesiger junger Mann kam von Lol-' lar gefahren, beim Etnbiegen in die Staufenberger— Daubringer Straße verlor er die Gewalt über sein Kraftrad, stürzte und blieb bewußtlos liegen. Neben stark blutenden Hautabschürfungen an Händen und Füßen erlitt er schwere Prellungen am Kopfe. Erst nach längerer Zeit erlangte der Schwerverletzte das Bewußtsein wieder. Das Kraftrad ist stark beschädigt. < Weickartshain, 25. Aug. Heute vormittag ereignete sich in dem Betriebe der Gewerk- schäft Louise ein schwerer Unglücksfall. Der Bergarbeiter Heinrich Gärnert war in der Eisenkaute mit dem Füllen der Förderkörbe beschäf- tigt. Hierbei löste sich eine größere Erdmasse los und verschüttete den bedauernswerten Mann zum großen Teil. Durch sofortige Hilfe einiger Karne- raben wurde der Verunglückte befreit und nach feiner Wohnung verbracht. Neben einem Beinbruch hat er anscheinend auch innere Verletzungen davongetragen. Die ungeduldige Frau, die gerade einer interessanten Schilderung ihrer Rachbarin zuhörte, störte das Kind. Sie gab ihm einen Schlag auf das hingehaltene Händchen: »Wirst du mich endlich in Ruh' lassen!" Der kleine Kerl zog fein Händchen zurück und begann so schmerzhaft und bitterlich zu weinen, daß es auch die Mutter bemerkte. Da sprang sie auf, nahm ihn ungestüm auf den Arm, preßte ihn an sich und bedeckte sein Gesichtchen mit Küssen. „Komm, mein Liebling, weine doch nicht so. O, ich schlechte Frau, ich habe dich geschlagen, du armes Kindchen." DaS Kind hörte säst auf der Stelle auf zu weinen. Selig lächelnd lehnte es fein Köpfchen an dis Schulter der Mutter und streichelte zart und behutsam ihre Wangen, als wolle er sie trösten. Diese Szene sah Barbara sich oft wiederholen. „Weshalb ist sie so zu dem Kleinen?" fragte Barbara ihre Freundin Maria. „Sie ist aus Sizilien, da sind sie zuweilen so hitzig und etwas roh. Hinterher tut's ihr leid. Das arme Kind ist krank, hat immerfort die Ruhr, das Essen hier verträgt es nicht. Cs wird wohl eingehen." Barbara schnitt es ins Herz, wenn sie das blasse, weiße Knabengesicht sah. Ihr eigener Kummer und ihr eigenes Leid kamen ihr geringfügig vor diesem Kinde gegenüber, das ihr wie ein kleiner Märtyrer erschien. Es klagte und jammerte nie nach Kinderart, sondern hatte immer noch ein sonniges Lächeln. „Heute kommt der Direktor der Anstalt, Signora Barbara", sagte eine der Frauen zu Barbara. Hnd eine andere fügte hinzu: „Er ist ein guter Herr, und man darf ihm alle Wünsche anvertrauen." Barbara seufzte auf. Sie kannte jede Fliese im Fußboden, sie wußte ihre Anzahl, sie hatte in den toten Stunden, die so schleppend dahinwankten, die Stäbe des Gitters gezählt und die Bäume der Landstraße. Die Untätigkeit machte sie manchmal beinahe verrückt. Was sollte sie dem Direktor sagen? Auch er würde sie nicht freilaffen können. Immerhin, es war eine Abwechslung im öden Einerlei des Tages. Barbara lag lang ausgestreckt auf ihrem Bett und dachte an Reginald ContiuS. Wo mochte er fein? Er dachte wohl kaum noch an sie. Die beneidet« die anderen Frauen, die alle ihre Männer hatten, nach denen sie sich sehnten, von denen sie sprachen und die den Tag nicht erwarten konnten, wo sie wieder mit ihren Frauen vereint sein würden. (Fortsetzung folgt.) I J für dieses I schon 1° kehren. Der I tzennnMe' und mit fein aniM jede Sie den Desu und Bäder hungskrast I nad erledx ,u erwarten Ser 2eM I >" veilen noch' * & I eifrige Ma unseres Dors als Kirchen, Rechneramt seinem Grabe seine Treue in den txrfd im christlicher 3n ehrenden Itenten wurde in denen Ser W für Ditin bekund J ßeberr Lihung fafjte Ocnbe Deschlü sähe für 191 Icke. An 11 Wben. - Zu, sahrtserw Kapital aufg tourte vom : schalt für di und He Dvhlfcchrise auf 3 Proze Mesagt. 2 hanöen, Di Wst zu be\ W entlpro |W der 3in Uen sollen Mijung der Hernie ist -^sausschuß ■ »W 1927 '«äB'"1" Ä,e- pt|y •Ms»? xjes? -tz-rr i:&^Ä>913 n fltllrigtn eonn-' * ÜRotorrab« inn tarn von Lol- e Staufenberg* r— (Btmall über fein Itos liegen. Reben i an Händen und i am flopfe. Erst tynerDtrlcfoU bat ftart defchöW. heule Doxmihaj der Tewerl. ilnglüdslolL lert mar in her irbertörbe beldjai- Trdmalie los und ertcn Mann zum se einiger flame- >it und nach feiner Beinbruch bat et en davongetragen. u cinei3 °«r W U- S-Ä *5 «gJK «ji?* ■ in 6t?? r Ä«**S , ' Laus. ? ötrhfgt ff1 2 Ws Mr «ungeübt wird. tt. »urte et : ®«^tinbe über M man Mnbttefi, unter ?- bat 8C1, ^ntljmiguns t,. Iutf- da, sich be- W. gegen et. e,no« k'ngeiaufcht 9 gefteHt mürbe. r «»g und ist in Neichen. P Der piefige ‘tanftaltete am dar einen lehr . Festzug. Daran ic Jugend, mit nahen Wald sgMlche ein« lcyken Don- 1 schlossen sich >n Mitgliedern m9 im freien, m Hintergrund, THautennttfict Ämt all ®e. An seine Stelle N bie @emeinbh rabt einer inter» chbarin zuhörte einen Schlag aus irst du mich end« ldchcn zurück un» erlich zu n*mrt in lingcM aus nS bedeckte lem - doch nicht so. fr gelchlagrn, w Steve aus 5“ Möpschen an N» *tTS « j, w« r«w LZE SäS Ä-K stauen zu D« «r ist 9^ Dünsche anve- b°^ ten (?!/' ä5 ** •n. iflt bbefl Cßctt jB ' ®wv KreiS Friedberg. WGN Friedberg. 25. Aug. 3m Verlaus f einer in der vergangenen Nacht entstandenen Schlägerei wurde der Melker Atrmann Schmidt aus Schneibbach im Allaäu so schwer verletzt, daß er im Krankenhaus verstarb. Kreis Büdingen. )( Bad Salzhausen. 25. Xig. Di« Kurdirektion veranstaltete am Freitagabend im Parksaal einen wohlgclungenen Lteder- und Artenabend, für den Kammersänger Nikola Deitze-Winkel Hochelheim. 25. Aug. In der jüngsten Sitzung des Gemeinberates wurde der Haushaltsplan f ü r 1 9 3 0 beraten. Wasserzins- und Kanalgebühren sollen in der bisherigen Höhe weiter erhoben werden. Zur Bestreitung der lausenden Gemeindebedürfnisfe soll — wie im Dorjahr« — auf di« staatlich« Steuer vom Grundvermögen, sowie auch bie Gewerbekapital- und -crtragücuer ein Gc- meindezufchlag von je 400 Prozent zur Erhebung kommen. Der Haushaltsplan wurde in Einnahme und Ausgabe mit 129 800 Mk. fest- gestellt. Kreitz Biedenkopf. C Bischoffen , 25 Aug. In Gegenwart de« Feuerlöschdtrektor« Spieß und de« Hrct«branb- meister« Achenbach sand hier die Abnahme der neuen Motorspritze statt E« wurde em Dauerprvbe von zwei Stunden veranstaltet, die )ur größten Zufriedenheit aller Anwesenden ou«fiel Mit der Anschaffung dieser Spritze steht unser« G«mcind« an dritter Stelle im Kreise taten für Mittwoch, 27. August. 1576: der italienische Maler Tizian In Venedig gestorben: — 1770: der Philosoph G W. Friedrich Hegel in Stuttgart geboren. Wirtschaft. • Sprechstunden über den Handelsverkehr mit USA. und mit der Türkei. Generalkonsul Fabriciu« aus Istanbul hält am 1 September Sprechstunden für die Firmen ab, die am Handelsverkehr mit der Türkei beteiligt sind Der Sachbearbeiter für Wirtschastssragen beim Deutschen Generalkonsulat in Neuyork, Dr. Becker, hält am 6. September bei der Außenhandelsstelle für da« Rhein-Moingebiet. Frankfurt a. W , Sprechstunden für bie Firmen ab, die am Handelsverkehr mit den Bereinigten Staaten von Amerika beteiligt sind. Firmen, die an den Sprechstunden am I. und 6. September teilnehmen wollen, werden gebeten, dies der Außenhandelsstelle sür das Rhein-Maingebiet, Frankfurt a. M., Börse, bis zum 30. August mitzuteilen, damit eine Der- teilung der Besucher auf die zur Verfügung stehende Zeit stattfinden kann. • Weiter« Stillegung von Wester- waldsteinbrüchen. Wie bas Arbeitsamt Limburg mitteilt, haben von den wenigen noch im Betrieb befindlichen Steinbrüchen des Westerwaldes drei den Antrag auf Stillegung gelegt, während ein anderer Steinbruch 70 Mann entlasten hat. Durch das gänzliche Fehlen von Lieferungsaufträgen für Pflastersteine ist die Zahl der erwerbslosen Kipper besonders hoch. • Deutsch-Amerikanische Schiffbau- 21 ufträge an deutsche Wersten. Die Deutsch - Amerikanische Petroleum - (Dapolin-) Gesellschaft hat neuerding« im Auftrage der Standard Shipping Tompanh in Neuyork Bauaufträge für sech« neue Motor-Tankschiffe von je 16 200 Tonnen, öle mit Dieselmotoren ausgerüstet werden sollen, im Gesamtbeträge von etwa 30 Mill. Mark an die Deutsche Werst in Hamburg, Bremer Vulkan in Degesack und Friedr.-Krupp- Germaniawerft in Kiel vergeben. Die Bauten »erben nicht nur zu einer Belebung der Tätigkeit auf den betreffenden deutschen Wersten, sondern auch in der Stahl-, Kohlen- und Motorbau- industrie beitragen. Die Tankflotte der Dapolin- Desellfchaft. welche fast ausschließlich auS Motor- schiffen besteht, umfaßt heute eine Tonnage von fast 300 000 Tonnen. Allein nach dem Kriege hat die Dapolin-Gefellschaft dreißig neue Schiffe im Auftrage der Standard Shipping To., im Werte von etwa 130 Millionen Mark, an deutsche Werften bestellt. iRinfrermorff in Gießen. Ruf dem heutigen Nutzviehmarkt in Dießen waren 1662 Stück Großvieh und 224 Källstr aufgetrieben. ES kosteten: Milchkühe oder hochtragende Kühe: 1. Qualität 600 bi« ZOO Mk.. 2 Qualität 350 bl« 550 Mk, 3. Qualität 200 bi« 350 Mk. Schlachtkühe 150 bl« 500 Mk. Rinder, Vt bi« 3 * * * * 8 .jährig. 100 bi« 250 Mk.. '/. bi« 2jährig 200 bi« 400 Mk. tragend 380 bi« 650 Mk.: je Pfund Lebendgewicht 50 bi« 65 Pf Ausgesucht« Tiere kosteten über Notiz. Der Handel war anfangs rege, zuletzt schleppend. Frankfurter Börse. Fra nkfurt a. M., 26. Aug. Tendenz abgeschwächt. — Die heutige Börse stand im Zeichen des Liquidationstages. Das Angebot war aus diesem Grunde nicht dringend. Auch wird im Zu- lammenbang mit der günstigen Verfassung des Geldmarktes mit einer reibungslosen Ueberroinbung gerechnet. Dl« Tendenz neigte zur Schwäche, do Die schwachen Auslandbörsen, besonders Amsterdam, be- premierenb wirkten. Dieser Umstand veranlaßte in der Hauptsache die Abgaben. 3m allgemeinen blieben gegenüber der schon schwächeren gestrigen Abendborie die Kursrückgänge ziemlich bescheiden pnd gingen nur in Cinzelfällen über 1.25 0. H. hinaus. Bei geringer Aufnahmelust hielt sich das Geschäft in kleinstem Rahmen Die Speku- lation verhielt sich stark reserviert. Stärker in Mitleidenschaft gezogen wurden von Kaliaktien Aschersleben. die 3 0. H. niedriger eröffneten; Salzdetfurth gaben 2 und Westeregeln 1,75 0 H. nach. Auch in Zellstoff Aschaffenburg war das Angebot etwas größer, bei einem Verlust von 3,25 v. H. Kunstseide- aftien büßten bis zu 1,5 v. H. ein. Am Chemiemarkt lagen 3G -Farben 1 n. niedriger, wahrend '.Rui- gerswerke nur leicht gedrückt waren. Auch am Clek- tromorkt waren die Kursgewinne gering. AEG. und Felten eröffneten bis 0,75 0. H. abgeschwacht. Licht und Kraft, schlickert, Siemens gaben bis zu 1,25 vom Hundert nach. Banken lagen uneinheitlich. Da- not- und Commerz Bank verloren je 1 v.H., Dagegen konnten sich Barmer Bank und Dresdner Bank leicht bestem. Schiffahrtswerte bis 1 0. H. schwächer. Montanwerte waren überwiegend vernachlässigt. Die Abschläge waren aber auch hier gering. Deutsche Anleihen im allgemeinen ruhig. Für Schutzgebiete und Reubesitz machte sich einiges In- tereste bemerkbar. Von Ausländern bestand bei leicht Sebeffertem Kurse für Mexikaner Interesse. Rur loldmexikaner lagen im Gegensatz dazu gedrückt. Auch im Verlaufe blieb die Umsatztätigkeit unver- ändert. Größeres Material kam kaum noch an den Markt, so daß die Papiere gegen Anfang zumeist gut behauptet blieben. Vereinzelt machte sich Rückdeckungsbedürfnis geltend. Einige Spitzenwerte konnten sich geringfügig bessern. Am Geldmarkt war Togesgeld mit 3,5 0. H. unverändert; Geld über Ultimo 4,5 bis 5,5 0. H. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1873, gegen Pfund 20,39, London gegen Kabel 4,8697, gegen Paris 123,37, gegen Mailand 92,98, gegen Madrid 44,80, gegen Schweiz 25,05, gegen Holland 12,0840. Berliner Börse. Berlin, 26. Aug. Wie zu erwarten war, hatte der Beginn der heutigen Börse unter der 111 timoliquidation zu leiden. Schon vormittags hatte man hauptsächlich auS diesem Grund« stärkst e Zurückhaltung geübt, obwohl einige Momente vorhanden waren, die für die Tendenz hätten anregend wirken können. So war die Aktienreform durch Ausführungen in der heutigen Morgcnprefse wieder mehr in den Dordergrund der Diskussionen gerückt; auch die Derhandlungen über daS Sparprogramm Dr D l e t r i ch S in der heutigen Kabinettssitzung versprechen interessant zu werden. Als die Spekulation merkte, daß, wenn auch nicht umfang- reich, Prämienware herauskam (bei der herrschenden GeschäftSstitte und der Umsatzlosigkeit wird schon ein Angebot von 30 Millionen als recht störend empfunden) hielt sie sich weiter zurück und zeigte wenig Bereitwilligkeit, das angebotene Material aufzunehmen. Al« verstimmendes Moment kamen ebenfalls einige neue schwache Meldungen von den AuSlandbörsen hinzu, auch die voraussichtlich« Dividendelosigkeit de« Hovadkonzerns überraschte. Daß bei den Derhandlungen im Ruhrbergbau keine Einigung erzielt werden konnte, verstimmte am Montanmarkt, wo auch weitere Stillegungsanträge beim Stahlvevcin und bei • Harpener ungünstig vermerkt wurden und auf die Kurse drückten. Es ergaben lieb durchschnittlich Kursrückgänge von 1 d i S 2 Prozent Rheinische Braunkohlen. Fahlberg Lift. Schultheis und Poivphon waren darüber hinau« bi« tu 3 Proz gedruckt. Svenlla verloren 3 Mark. Edadeakf.en 3,50 Mk. Demgegenüber waren die Papiere mit Kursgewinnen zu zählen Hamburg Süd zogen um 2 Proz. an, Bogel Telegraph. Rordd Eiscnhandel waren um etwa 2.5 Proz gebessert Am Rentenmarkt war Interesse für Altbesih seftzustcllen. Ausländer lagen rußig Der Piandbrietmarkt war still und eher schwacher Der Geldmarkt war bei unveränderten Sätzen leicht. Auch im Derlaufe lag di« Dorfe fast umsatzlo«. und die Kur!v6- für« irittr. e^iug. für# tlnfany Datum 75 k 76- 75 - #6 6. _ Oetum 25- «- /6 a • zL k Oatwm l5 «. 26 m. 25 -. 26. b. «tz £«unax Mcifitaiueux •en 19t7........ H ttuMdx fReitMaalrtN •ee 1W9 ......... Iturtfc «nl..»l6l.-€<6ulb ■« 87,75 101,75 66.05 7.95 93,13 59 59 101 M 37.025 101.25 51 97 91 LM 24,5 19,5 70.5 2,1 5 5,25 5.2 9,4 7,3 | I 1 1= 1 1 1 1 1 l 1 1 1 1 II 1 1 1 H 1 II 1 II M.1 102,1 60,13 7.9 93,1 51.9 101,25 9s 26.« 3 5 ,1:11 19,6 70.6 l:U 3,1 S.15 9,5 15,75 7.» i»i i ii i 1 i Ix-i l-I i i i i i i i i i 1 r»r» 1 i CeniSutg.Sfibem. tjapfltttfl . 6 Harri« tampflctlH.....10 fietbbeutittet Llovd.....8 ögemetne TeuridwarebtiedL 10 Pennet Fcnhxtnn 10 Betitort (xmbeltfltleQIMl U Beery und Srwät.PanJ . 11 tcreftiftet und «eitenalbanf 11 Teuritbe Bant unt rutoni^ttefeaittah, ... 10 treibner Bant......10 etetttSSanl........U ato............e Bafun . ........• iletn. 8U*mnte#flt*ni4>ch. 10 tiidil und trsfl......10 Stilen Ä •villMiitnt ... 7 % »efenid>ah f&ieetnW Untrrnr6etmeen .... 10 OeetSutSer (Erfm»:-lt*.»ette 10 Sttemtitte (HehrUufli . ... 9 L»:etliche teftrijHil. ... 10 Sdiutfen * 0». ..... 11 etemeni Ä Hatete.....16 XecxSceMe . ........ 8 84»eoet 6 6a.......10 §T IM 116.25 130 <01.5 124 123,75 246,5 139 136 141 156,5 43 221 Z0.5 <44 4 16,75 90,75 116,5 129 IM.5 >24 246 138,25 1» 105,25 149,75 189.5 Z z 84 85^5 91,75 ■3 106,4 116,25 '43.25 130 111 ■23,75 >74.25 247.25 139 '67,5 130 136 105.5 >40 130 136 151 '90.5 158 60,25 70.5 >09,5 99.5 78,25 82.25 64.5 54.75 :5 78.25 204,5 ■6.75 5T 154 126,5 91.13 106.25 116,5 143.25 129.25 180,5 123,75 124 246 138,5 165,5 136 104,9 139 130.75 129 136 149,6 180.25 70 108,5 98 84 223 77,75 62,25 83,9 53,5 51,75 84,5 202.25 85,5 t-emnifi« 6ta6U»ette . . . Ci cd Minen......u»/, •altmetft Nlchersleben ... 1< Sariwerte fSeftetrgein ... 10 Rariroerfe 6al4befrurtt) . . . 15 j. RazSen-OnBuftite . . . U ter cm Ii Sc bei.......6 Scheibe MiftaU....... .S »olMitmCbt ........8 OütgetStprtte..... 6 MeiLlloeieM chatt. ...... 6 f btitpp fctiB-srn......7 Zewennreri peideSerg . . in teairnroed RariQnM. ... 10 Beni» Rtrotne......8 Schnittes $c»eibefet ... 15 Ctoati...... U TT 192 199 314 150,4 138 56 52 105,5 82 103,75 62 <1.75 87 •32,5 11.5 180 130 282 n ,5 30 29 96 47,5 98.5 151,75 189 197.25 312 149,25 7 51.5 104 80 131/5 95.75 148 678.25 37.4 192 200 313,5 150,75 71.25 52 105 61,5 254 82 <5.25 132 <7,25 93.5 134.5 28.25 • 180 10,5 '9,75 213 22.25 28 79,75 66 151,75 149,5 77,75 37,25 190.75 199 312 149.6 70 51,75 104 80 251,5 201 80.75 s m”S 40.25 9,75 58,5 28 IhjI. ohne eu41ol..»r