Nr. 147 Erstes Blatt 180. Jahrgang Donnerstag, 26. Juni (930 Erscheint täglich,autzrr Sonntags und Feiertag» Beilagen: Dl« JUuftncrtt Gießener FamMenblätter Heimat im Bild Die Scholle Monatr-Vezuarpretr: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. 5ernsprechanfchlüsfe unterSammelraimmer2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sieben. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen vnick und Verlag: vrühl'fche Univerfi1ül5-Vuch- und Stetnöruderci 8. Lange in Gießen. Schriftleitung und Sefchästrftelle: Zchulftraße 7. Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer bl» zum Nachmittag vorher. Preis für l mm HSHe für 'Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärt» 10 Reichspfennig.- für Re- Klameanzeigen von 70 mru Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20" , mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.Tdyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in (Biegen. Einigung im Reichskabinett über bas Delkungspwgramm. Der Reichskanzler berichtet dem Reichspräsidenten. — Erst am Freitag Bekanntgabe der Vorschläge. Berlin. 25. Juni. (XU.) Das Reichskabinett trat am Mittwoch gegen 19 Uhr zusammen, hebet die Beratungen, die bis 23 Uhr dauerten, wurde folgende amtliche Mitteilung ausgegeben: „Die Aussprache des Reichskabinelts über die ge- famtpolitische Lage wurde Mittwoch abend unter Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Brüning — wie bereit» gestern in Aussicht genommen — zu Ende geführt. Die Beratungen führten zu völliger Einigung über die 3 u ergreifenden finanzpolitischen Mahnahmen. Reichskanzler Dr. Brüning wird im Lause des morgigen Donnerstages dem Herrn Reichspräsidenten hierüber Vortrag halten. Rach seiner Rückkehr ist am Freitag die Bekanntgabe der Beschlüsse der Reichsregierung zu erwarten." wie die Telegraphen-Union in Ergänzung der amtlichen Mitteilung über die Kabinettssihung vom Mittwoch erfährt, hat das Kabinett in Aussicht genommen, die Deckungsoorlagen am Samstag an den Reichsrat gehen zu lassen. Die Regierung ist entschlossen, zur Durchsetzung ihrer Vorlagen alle v e r f a s s u n g s m ä h i g e n Mittel in Anspruch zu nehmen. Man muh daraus schlichen, dah der Reichskanzler am Donnerstag den Reichspräsidenten ersuchen wird, ihm unter Umständen die Anwendung des Artikels 4 8 der Reichsverfassung zu ermöglichen, fall» etwa — bei dem zu erwartenden Widerstande im Reichsrat und Reichstag — das in Aussicht genommene Ermächtigungsgesetz nicht bewilligt wird. Heber den Inhalt des Finanzprogramms wird strengstes Stillschweigen gewahrt, bis der Reichspräsident unterrichtet worden ist. 3n politischen Kreisen gilt es aber als wahrscheinlich, daß das Kabinett sich auf ein R 0 t 0 pfer von 2,5 Prozent geeinigt hat. Ob auch die Privatangestellten in dieser höhe einbezogen werden, oder ob es bei dem zuletzt bekannt gewordenen Vorschlag eines äprozen- tigen Zuschlages auf die höheren Einkünfte der Richtbeamlen bleibt, ist angesichts der Vertraulichkeit der Beschlüsse nicht sestzustellen. Die Betonung der völligen Einmütigkeit in dem Bericht über die Ka- binettssihung läht darauf schliehen, dah auch Reichs- minifler Lurtius dem Ergebnis im wesentlichen jugeftimml hat. Jn politischen Kreisen glaubt man aber, dah in bestimmten Punkten eine gewisse Annäherung an die Forderungen der Deutschen Volkspartei und der Wirtschafts- Partei gefunden worden ist. wie sich die Fraktionen dieser beiden Parteien zu den Vorlagen stellen, läht sich aber erst erkennen, wenn die Beschlüsse de» Kabinetts bekanntgegeben worden sind. Völlige Einigung? Minister Lurtius und die Deutsche Bolkspartci. Berlin, 26. Juni. Tel.-Un. (Funkspruch.) Die der Volkspartei nahestehende ,.D. *21. Z." bezeichnet die Mitteilung über die „völlige Einigung" im Kabinett als eine äleberraschung. Zunächst stehe sie in unvereinbarem Widerspruch zu der Mitteilung der Deutschen^ Volkspartei, dah sie auf ihren eigenen Dorschlägen beharre. Die Reichstagsfraktion der D. D. P. habe den Reichsaußenminister Dr. Eurtius von dieser Stellungnahme ausdrücklich in Kenntnis gesetzt. Man nehme auch an, dah sich Dr. Eurtius im Sinne seiner Fraktion verhalten habe. Die endgültige Entscheidung über ihre gesamte Stellungnahme zu dem Deckungsprogramm und zu der künftigen Politik des Kabinetts wolle die D. D. P. am Freitag treffen, sobald sich offiziell herausgestellt habe, wie weit das Kabinett ihre Forderungen b e r ü ck s i ch t i g t oder Mahrcgeln ins Äuge gefaßt habe, die von der Deutschen Volkspartei nicht mitgemacht werden könnten. Für den letzten Fall seien alle Konsequenzen ins Auge gefaßt worden. Parlamentarische Gerüchte, die davon gesprochen hätten, dah der Parteiführer Dr. Scholz dem Reichspräsidenten in einem längeren Schreiben die Beweggründe zu der jetzigen Haltung der Deutschen Volkspartei unterbreitet habe, würden von unterrichteter Seite nicht bestätigt. Die „B ö r s e n - Z e i t u n g“ stellt fest, dah angesichts der Angaben, dah auch das neue Programm ein Aotopser der Beamten sowie einen fünfprozentigen Einkommensteuerzuschlag für alle Einkommen über 8400 Mk. vorsehe, die Frage an Bedeutung gewinne, wie sich der volksparteiliche Reichsaußenminister Dr. Eurtius in der Kabinettssihung verhalten habe. Entweder sei es nicht richtig, dah im Kabinett völlige Einigung erzielt worden sei oder aber Dr. Eurtius habe den strikten Weisungen seiner Fraktion nicht entsprochen. 3m letzteren Falle dürfte ein ernster Konflikt zwischen Dr. Eurtius und seiner Reichstagsfraktion zu erwarten fein. Aach dem gleichen Blatt hat außer Bredt auch Groener an der Parlaments- sihung nicht tcilgenommen. Die ..DAZ." will erfahren haben, dah dem Reichskanzler Brüning von führender Zentrumsseite nahegelegt Worden fei, sich auf keine weiteren parlamentarischen Verhandlungen mehr einzulafsen, sondern nunmehr auf sofortige Durchführung des Aotopfers auf dem Wege des Ermächtigungsgesetzes zu bringen. — Aach einer Aeuherung des „B. T." über die Frage der Anwendung des Artikels 48 liegen die Dinge in bezug auf den Reichsminister Diet- t i ch ähnlich wie bei Eurtius. Wir würden es nicht begreifen können, so sagt das demokratische Blatt, wenn der demokratische Reichswirtschafts- miniffet Dietrich unter diesen Umständen — nämlich unter Anwendung der Aotmahnahme des Artikels 48 — zur Liebern ahme des Reichsfinanzministeriums bereit wäre. Herr Dietrich müßte sich bewußt fein, daß er sich als Repräsentant eines Deckungsprogramms, das auf Grund des Artikels 48 durchgefetzt werden soll, in den Kreisen aller wirklichen Demokraten für die Zukunft unmöglich machen würde. Die Forderungen der Wirtschastspariei. 2tariere Ltreichungen am Etat Berlin, 25. Juni. (VDZ.) Die Reichstagsfrak- tion der Wirtschaftspartei hat dem Reichskanzlei Brüning in einem Schreiben ihre Stellungnahme zur Frage der finanziellen Sanierung mitgeteilt. Bor allem verlangt die Wirtfchaftspartei eine Senkung der Ausgaben weit über bie bisher bekannt geworbenen Strei« chungspläne hinaus. Sie fordert in diesem Zusammenhänge unbedingt eine Kürzung der Beamtengehälter, wobei sie betont, baß sie bie unoerschleierte Gehaltskürzung dem Wege über ein Notopfer vorziehen würbe. Gleichzeitig wirb ein Gesetz verlangt, bas den Ländern und Gemeinden die Pflicht auferlegt, die Gehalts- höhe und die Klassifizierung ihrer Beamten den Verhältnissen der Reichsbeamten anzupassen. In der Höhe der so erzielten Ersparnisfe sollen die Ueberroeifungen an die Länder ge • kürzt werden. Weiter wird verlangt eine reiche- gesetzliche Begrenzung der Real- ft e u e r n. Die Gemeinden sollen das Recht erhalten, entweder eine Kops st euer zu erheben oder die Betriebe in öffentlicher Hand zu besteuern. Bei Erfüllung dieser Forderungen würde die Wirtschaftspartei bereit sein, eine g e - ringe Erhöhung der Einkommen st e u e r in den höheren Einkommen stufen zu bewilligen; dagegen wird die in dem Dietrichschen Programm enthaltene Verzehr st euer von dev Wirtschaftspartei unbedingt abgelehnt. Das „Kreuz des Südens" überquert den Ozean. Geglückter Transatlantikflug in ost-westlicher Dichtung in 32 Stunden. Reuy 0 rk, 25. Juni. (2DIB.) Das von dem australischen Flieger Kingsford-Smikh geführte Flugzeug „Southern Croß“ hat heute früh um 5.21 Uhr (11.21 MEZ.) die Hafenstadt Harbour Grace auf Neufundland überflogen. Damit ist die Ueberfliegung des Rordatlantik von Osten nach Westen zum zweiten Male ^geglückt. Kapitän Kingsford Smith Da» Flugzeug „Southern Croß“ ist zur Ergänzung seine» Brennstoffe» auf dem Flugfeld von Harbour Grace gelandet. Die Landung gestaltete sich sehr schwierig, da über der Stadt und dem Landungsplatz ein dichter Rebel lag. Das Flugzeug mußte längere Zelt über der Stadt kreisen und Kingssord-Smith bat in einem Funkspruch die Leitung des Flugplatzes, ein Flugzeug über die Rebelschicht zu senden, das ihm den weg weisen könne. Der Funkspruch wurde van der Radiostation des Polytechnikums in South Darmouth im Staate Massachusetts ausgefangen und telephonisch nach Harbour Grace übermittelt. Jnzwischen war die „Southern Lroß“ jedoch um 5.53 Uhr früh (11.53 Uhr MEZ.) glücklich gelandet. Kapitän Kingsford-Smith erklärte, daß er bei seinem Fluge über den Ozean ungeheure Schwierigkeiten überwinden mußte, hinter Cap Race sei er derart schwerem Regen begegnet, daß er die Orientierung oollftänbig verloren habe, als der Kompaß versagte. Jm Morgengrauen hätte er sich wegen der schwindenden Brenn ft offooriäte entschlossen, notzulanden. Er unterstrich insbesondere, daß er ohne Funkanlage völlig hilflos gewesen wäre. Der Führer der „Southern Croß“ und seine drei Begleiter haben aber den Iransozeanflug g u t überstanden und befinden sich wohlauf. Die Transozeanflieger werden nach Versorgung des Flugzeuges mit Betriebsstoff ihren Flug nach Reu york morgen bei Tagesanbruch fort- fchen. Das Flugzeug hatte auf dem ganzen Fluge ideales Wetter, bis es sich Reufundland näherte. Cs hatte bei der Landung nur noch für vier Flugstunden Betrieb» ft off. • Damit hat nun also der Australier Kingsford Smith seiner erfolgreichen Hebcrquerung des Pazifischen Ozeans von San Franzisko nach Australien eine zweite fliegerische Glanzleistung folgen lassen, er hat mit seinem bewährten „Äreut des Südens" die Strecke Jrland-Aeufundland, also 3500 Kilometer, in 31 Stunden und 28 Minuten in raschem Flua bezwungen. Damit ist die Flugzeit Hermann Kohls mit seiner .Bremen" um rund zehn Stunden unterboten worden, aber Köhl flog in einer sehr stürmischen, fast winterlichen Jahreszeit, er hatte über dem Ozean sehr erhebliche Schwierigkeiten zu überwinden, konnte auch wegen des Fehlens von Funkanlagen Aebelbänken uno Stürmen nicht aus dem Wege gehen, während Kingsford Smith in jeder Beziehung wesentlich bessere Flugbedingungen vorsand. Dennoch ist seine Lieberquerung ein ebenso schöner Erfolg wie der Ost-West-Flug Hermann Köhls. Gerade in Deutschland, das vor mehr als \toev Jahren mit fieberhafter Spannung den Flug der .Bremen" verfolgte, weiß man die Leistung des .Kreuz des Südens" zu schätzen und zu würdigen. Angesichts dieser zweiten Ozean- überquerung vom europäischen zum amerikanischen Festland, der wesentlich gefahrvolleren Flugrichtung. Drängt sich wieder die Frage auf, ob das Flugzeug überhaupt Aussicht hat, jemals in Jr'anc/ Bremen ^Neuschotf/and Gibraltar Madeira Bermuda-JH. ^Washington KapHatferas MM Mars VBarcelona 'Valencia | Berlin Frdh] AMERIKA6 Ey. Paris L AFRIKA Kingsford Smiths Route hält sich etwas südlich von d.. der „Bremen", die vor zwei Jahren als erste den Flug bewältigte. Lindbergh hatte seinen West-Ost-Flug weiter südlich geführt, während der „(3raf Zeppelin“ wegen seines großen Brennstoffvorrats die gerade Luftlinie wählen konnte. den Dienst der Ozeanflüge gestellt werden zu können. Dorweg läßt sich daraus jedenfalls schon die eine Antwort geben, daß auch die dreimotorigen Apparate für Flüge dieser Art nicht die genügende Sicherheit bieten. ES müssen schon stärkere Flugmaschinen angesetzt werden. And da richtet sich unser Augenmerk auf das Riesenflugzeug Do X, das sich ebenfalls zu einem Amerikaslug rüstet und das nach allen oießeeigen Beobachtungen in seiner Leistungsfähigkeit an ein Luftschiff großen Ausmaßes vielleicht heranreichen dürste. Die AugSburgerKonsessionSseier Die Anteilnahme der katholischen Bevölkerung. Augsburg, 25. Juni. (WTD.) Zum Gedächtnis an die vor 400 Jahren auf dem Reichstag zu Augsburg erfolgte Ucbergabe der Augsbur- gischen Konfession versammelten sich heute in der Barfüßerkirche zu Augsburg die Führer der deutschen evangelischen Kirchen gemeinsam mit den Abgesandten des ausländischen Protestantismus zu einer feierlichen Erneuerung des Bekenntnisses von Augsburg. Präsident D. Kapler entbot der Festversammlung den Gruß deS Deutschen Evangelischen KirchenbundeS, dessen Abgesandte hierher gekommen seien zum Gedächtnis dessen, was der Gesamtprotestantismus nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt der Glaubensart Luthers und der Augsburger Konfession verdanke. Geheimrat Professor D r Rendth 0 ff (Leipzig) würdigte die Augsvur- gische Konfession als Die Botschaft der deutschen Reformation. Aach der Festrede traten die Vertreter protestantischer Kirchen de» 2tu»(anbe» vor und bekräftigten in feierlicher Form daS Augsburger Bekenntnis. Die schwedische Kirche war durch Domprobst Professor D. Dr. Dngve Drilioth (Lund) vertreten, die englischen Freikirchen durch Rev. Alerander Ramsah (London), der etwa 19 Millionen Christen umfassende amerikanische Kirchenbund durch Rev. Henry Leiper sAeuhork), der französische Protestantismus durch Pastor Brunnarius (Paris), die Evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Ungarn durch Baron Albert von Radvanszky (Budapest). 3m Auftrage der Gesamtkommission überreichte dann Pastor Dr. Lihmann (Berlin) dem Präsidenten des Deutsch-Evangelischen Kirchenausschusses die zu dem Jubiläum vorbereitete AeuauSgabe der reformatorischen Bekenntnisschrist. Vizepräsident und Domprediger D. Burghardt (Berlin) verlas zum Schluß die Hauptartikel der Augsburgischen Konfession. Die zahlreich versammelte Gemeinde bekräftigte dieses Bekenntnis durch den Gesang des Liedes „Ein feste Burg ist unser Gott". Die Stadt Augsburg veranstaltete im Goldenen Saal des Rathauses für die Mitglieder der KirchenbundeSorgane einen feierlichen De- grüßungsakt. Der erste Bürgermeister Dr. Bohl hieß die Erschienenen herzlich willkommen. ES komme ihm als katholischen Bürgermeister nicht zu, den Glaubensinhalt der Konfession vom Standpunkt der katholischen Konfession aus zu betrachten. Für den Bürgermeister der Stadt Augsburg, auf deren Boden diese- Glaubensbekenntnis verkündet worden sei und Wurzel geschlagen habe, für den Deutschen, der sein Vaterland über alles liebe, könne eS nur einen Standpunkt geben: „Dir haben es als Fügung göttlicher Vorsehung zu belrachken, daß sie uns Im Glauben getrennt hat, und wir haben dafür zu sorgen, daß wir über diese Glaubenstrennung hinaus nicht selbst uns noch trennen im christlichen Verständnis und der christlichen Liebe für einander und der Liebe für unser gemeinsames deutsches Heimatland." Augsburg habe aus dem zermürbenden Glaubenskampf seiner bewegten Geschichte die Erkenntnis der Fruchtlosigkeit solcher Kämpfe geschöpft und habe sich zu einer Stadt von traditioneller Toleranz entwickelt. Er sei als Bürgermeister stolz darauf, daß die Augsburger Bürgerschaft in ihrer Gesamtheit volles Verständnis für diese evangelische Feier bewiesen habe. Das Beispiel ungeteilter Freude berechtige ihn zu dem Wunsch, daß hiervon ein Strahl der Versöhnung, des Verständnisses und der christlichen Liebe unter den Konsessionen über Deutschland leuchten möge. — Im Rainen des Evangelischen Kirchenbundes und ferner Gäste erwiderte Geheimrat von Pechmann mit Worten herzlichsten Dankes, besonders auch an die katholische Bevölkerung der Stadt und ihren Bürgermeister, der in so wohltuender Weise es verstanden habe, der großen Feier gerecht zu werden. Er schloß mit dem Wunsch: Wöge es gelingen, die Zwietracht, die gegenwärtig im deutschen Vaterlande herrscht, durch Kräfte des Himmels und Kräfte der Liebe zu beseitigen. e er eine Mrlschastsdeballe im Hessischen Landtag setzten Gebietes angenommen. Die Regierung ob möge erneut die Abwässer der oberhessischen V mit Kombinationsgenie und kaltem Willen, ohne Romantik und Rerven. Hier log der Ansatz zu einer wirklichen Gestalt: ober sie entgleist, weil sie unglaubhaft angelegt ist, zu einer Lustspielmarionette, die gehorsam an den vorschriftsmäßigen Fäden tanzt. Wenn man so ein internationaler, skrupelloser Rapoleon ist, dann stiftet man keine Ehen in zweifelhaften Tanzdielen, man reist nicht ohne Grund in der Gegend umher, man ist nicht von heute auf morgen Pleite, man fällt auch nicht vor einer rausgeschmissenen Stenotypistin auf die Knie und man saniert sich nicht so im Handumdrehen. Abg. Lang (3.) fordert stärkere Fürsorge für das Handwerk. Minister Korell erklärt, er könne der Opposition wohl keinen schlimmeren Streich spielen, als wenn er morgen nach der Genehmigung des Etats das Ministerium auflösen werde. (Zwischenruf: Tun Sie es doch nur!) Ich glaube, so erklärt der Minister, daß eine Preissenkung ohne staatlichen Zwang nicht durchführbar sein wird. Bei den oberhessischen Kraftwerken werden neue Maßnahmen zur Beseitigung der Aebel- stände vorgenommey. Kro'twerke untersuchen lassen. Wenn Deutschland schon Reparationen leisten muß, sollten Frankreich nicht auch noch Arbeitskrä.te geliefert Werden. Abg. Donat (Dem.) wendet sich gegen die geplante Aenderung der Krankenversicherung^Die Arbeitslosenversicherung müsse sich wie jede Privatversicherung s e l b st tragen. Abg. Kunkel (D.B.) kritisiert die Einschränkung -des Wohnungsbaues. Rotwendig sei die Erstellung billiger Wohnungen. Ein freundlicher, glatter Erfolg im sommerlichen Kurhaussaal. Der Autor war durch Krankheit am Erscheinen verhindert. Statt seiner kam Tannert mit dem Ensemble an die Rampe, dankte und versprach, Rößlern ein Telegramm zu schicken, daß die Schlacht gewonnen sei. hth. Diese Tatbestände sind immerhin so kompliziert. daß es nicht ganz leicht ist. die Rosinen herauszupicken. (Die Handlung einfach nacherzählen ist fast immer langweilig, umständlich. Platz raubend, und sollte nicht in die Aufgabe der Kritik eingeschlossen sein.) Die Rosinen also: es handelt sich hei diesem Stück um die Geschichte einer großen Pleite, einer gesunden Fusion und zweier Verlobungen. Eine kürzere Formel steht unS heute nacht nicht mehr zu Gebote. Das Stück wäre besser, wenn e« klarer in der Linienführung und Szenenfolge wäre und wenn es weniger (und dafür wahrscheinlichere) Personen hätte. Man sieht da also vor allem einen starken Mann unserer geschäftstüchtigen Zeit, einen kleinen Rapoleon der großen Industrie, einen Gewaltherrscher über wuchtigen Aktienpaketen. Er hot keine Zeit. Sein Geschäft ist sein Gott, und eS duldet keine andern Götte» neben sich. Ain Kerl Uraufführung in Vad-Aauheim. Carl Rößler: ,Hch habe keine Zeit...!" Rößlers Verdienst waren — und bleiben — „Die fünf Frankfurter",... ein Stück mit Herz und Humor und mit Sinn fürS Theater. Dies letztere schloß nicht aus: mit einem Abglanz vom wirklichen Leben; lustspielmäßig natürlich, wie sichs gehört. Aber eben dieser Schimmer von Wirklichkeit, der zum guten Lustspiel gehört, ist es, was das neue Stück am wenigsten besitzt; hatte das alte Herz und Humor, so hat das neue Tempo und Witz; aber es macht vom überlieferten Vorrecht seiner Gattung — unwahrscheinlich zu sein —. mehr Gebrauch, als für eine gute Kritik wünschenswert wäre. Dies neue Stück handelt, wovon die meisten Lustspiele handeln: von Geld und Liebe. Richts Reues unter der Sonne und im Rampenlicht. Aebrigens, wie man hört, nach einer Idee vom allzusrüh verstorbenen Sling. An ihn erinnern die heiter eingestreuten Paragraphen des Strafgesetzbuches. Sonst kann man natürlich nicht wissen, was von Sling, was von Röhler ist; man muß sich an die Tatbestände der drei Akte halten. Allein bleibt, einsam, unverlobt, unbeweibt: der kleine Rapoleon. Angehört verhallt sein Ruf: „Eine Frau, eine Frau!", den der größere Rapoleon vor der Schlacht bei Marengo aus- gestoßen haben soll. Man versteht daS nicht recht und kann auch kein Mitgefühl aufbringen, wenn man bedenkt, wie leicht einem so mächtigen Manna ein so bescheidener Wunsch erfüllt werden könnte. Aber so ist daS Lustspiel. Es begnügt sich damit, daß der Mann ohne Zeit und ohne Frau geschäftlich wieder gesund geworden ist. Zwei junge Paar« und «tu prächtige» Konzern! daS ist daS Das Urteil Rach der Mittagspause wurde das psychiatrische Gutachten von dem Direktor der Landesheilanstalt Marburg, Professor Dr. Iahrmär- ker, abgegeben. Der Angeklagte habe in einem Dauer affett gestanden, der ihm die genügende ikberlegung im entscheidenden Moment geraubt habe. Der § 51 StGB, komme nicht in Betracht, jedoch seien wesentliche Wilderungs- gründe anzuführen. Der Vertreter der Anklage, Erster Staatsanwalt Ludwig, ließ die Anklage wegen Mordes mit Lieberlegung fallen und beantragte wegen Totschlags eine Gefängnisstrafe von vier Iahren mit Zuerkennung von mildernden Arnständen. Das Schwurgericht erkannte mit Zuerkennung mildernder Arnstände und Anrechnung der LIntersuchungshaft auf drei Iahre Gefängnis. Prokurist beim Rapoleon ist ein blutjunges Bürschchen (das kommt sogar in großen Betrieben vor) — der hat es mit dem rausgeschmissenen Tippfräulein. Lind er kriegt sie auch. Oder vielmehr: sie ihn. Rach bewährtem System: sie, „ein anständiges Mädchen", benimmt sich solange vorbei, bis dem jungen Mann die Geduld reißt. So ist das Leben. Kassel. 25.Juni. (WSN.) Dor dem Schwurgericht in Kassel begann unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Bachmann die Verhandlung gegen den 22 Jahre alten Polizeiwachimeister Wilhelm Wille aus Frankfurt a. M. Bekanntlich hat Wille am 9. Januar d. I. den Weißbinder Johan- nes Claus in Niedermöllrich erschösse n. Wille erklärt auf die Anklage, die ihm vorsätzliche Tötung vorwirst, daß er seit dem Tode seines Vaters am 5. September 1927, den der junge Heinrich Claus erschossen hatte, nicht mehr von dem Gedanken loskam, an dem alten Claus Rache zu nehmen. Cr habe mit großer Liebe an seinem Vater gegangen, weshalb es ihn außerordentlich erschüttert habe, daß cr den Familienstreitigkeiten bei Claus zum Opfer fallen mußte. Der alte Claus sei genau so schuld wie sein Sohn, weil er geduldet habe daß Waffen im 5) a u f e waren, und weil er sich geweigert habe, die Waffen herauszugeben. Er habe immer den Gedanken gehabt, cr müsse an Claus Rache nehmen. Am 3. Januar d. I. hatte er die Polizei in Frankfurt a. M. ohne Urlaub verlassen, inar am 9. Januar nach Kassel gekommen und am Abend nach Niedermöllrich gefahren. Im Hause des Claus hatte er nach diesem gefragt, und als der alte Claus im Türrahmen erschienen war, habe er, Wille, gerufen: „Jetzt rechnen wir miteinander ab! Darauf habe er die Pistoleaus der Tasche gezogen, auf die Brust des Claus gezielt und habe geschossen. Nach der Tat hab - große Ruhe empfunden. Er habe gedacht, daß das Geschehene nach dem Gesetz nicht richtig sei, von seinem Standpunkt aus sei es aber richtig gewesen. Nach der Tat begab sich Wille nach Gensungen, wo cr sich dem Oberlandjäger Mayer stellte. Berlin, 25. Iuni. (D. D. Z.) In der Mittwochsitzung des Reichstages wurde der Haushalt des Reichsernährungsministeriums nach weiterer Aussprache, in der die große Spanne zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreisen bemängelt und die Herabminderung des Einfuhrüberschusses an ausländischen Lebensmitteln gefordert wurde, angenommen. Der kommunistische Mihtraucnsantrag gegen Minister Schiele wurde gegen die Antragsteller abgelehnt. Es folgte die zweite Beratung des Haushalts des Auswärtigen Amts. Hierzu lag ein Mißtrauensantrag der Deutschnatwna- len gegen den Reichsaußenminister Dr. Curtius vor. Der Ausschuhberichterstatter Abg. von Freytagh-Loringhoven (Dntl.) teilt mit, daß der Ausschuß am Etatl85000Mk. gestrichen habe und daß der Minister sich verpflichtet habe, darüber hinaus 4 8 0 0 0 0 M k. im Personaletat z u ersparen. ReichSauhenminister Dr. Curtius Rapoleons schlimmste Konkurrenz, sein giftigster Gegner, sein intimster Feind, hat eine Tochter; die ist, wie man sich die Millionärstöchter (in Lustspielen) nachgerade vorzustellen gewöhnt hat: sie geht ebenfalls in obskure Lokale, sie hat das dringende Bedürfnis, sich und andere zu kompromittieren, sie macht sich an die Kon- "kurrenz ran und verlobt sich wahrhaftig mit dem schönen, armen Gigolo aus der Tanzdiele. Der war österreichischer Offizier, „als es noch hell war", und hört auf den romantischen Iean Paul-Ramen Wunsiedel. Besorgnis haben zu müßen, als am Lande. Denn die schwimmenden Ozeanriesen, die in unseren Tagen den Verkehr zwischen den Erdteilen vermitteln, tragen auch in ihrer medizinischen Einrichtung allen Eventualitäten sorgfältigst Rechnung, und während der „ewige Schiffsarzt" vergangener Zeiten in nicht eben erfreulicher Erinnerung lebt, lastet auf dem Dordmediziner eines modernen Ozeandampfers nicht geringere Verantwortung als auf seinen vielbeschäftigten Kollegen am Lande. Er muß gewtstermahen Facharzt für alle Krankheiten sein, denn er kann ja seine Patienten nicht einfach zum nächsten Spezialisten oder in die chirurgische Klinik schicken, sondern einzig und allein von seinem Können und seinen Entschlüßen hängt das ärztliche Wohl der Hunderte oder gar tausende ihm anvertrauten Mannschaften und Passagiere ab. So muh er über ein den Durchschnitt überragendes, universelles ärztliches Wißen verfügen, muß in der Unfallchirurgie bewandert fein, muh besonders gut mit Infektionskrankheiten und ihrer Bekämpfung vertraut sein, die bei dem engen Zusammenleben an Bord unter Umständen eine höchst gefährliche Rolle spielen können. Gr muh auch mit Tropenkrankheiten und ihrer sachgemäßen Behandlung Bescheid wißen, muß Frühgeburten und Geburten versorgen, Blinddarmentzündungen und Brüche operieren und tausend weitere ärztliche Verrichtungen ausüben können, für die dem Kollegen an Land Spezialisten und Krankenhäuser zur Verfügung stehen. Die Reedereien der großen Uberseelinien unterstützen den Schiffsarzt nach allen Kräften in seinem schwierigen und umfaßenden Beruf. Sie stellen ihm Assistenten, Heildiener und Krankenschwestern, alle« modernste ärztliche Rüstzeug, neuzeitlich zusammengestellte komplette Operationsausrüstungen, eine reichhaltige Apotheke, Höhensonne, Langwellstrahlapparate, Licht- und sonstige Bäder, auf den neuesten Luxusschiffen sogar schon komplette Röntgen- einrichtungen zur Verfügung. Und während man früher vielfach den bisweilen durchaus berechtigten Einwand hören konnte, der Schiffarzt könne doch nicht „auf der Höhe" bleiben, da er ja durch den fehlenden Konnex mit der Wissenschaft am Lande die Gelegenheit entbehre, sich weiter zu bilden, gehen heute die großen Reedereien dazu über, die Ärzte ihrer Ubersee-Paßagierschiffe nach einer gewißen Fahrzeit für einige Monate nach einer Universitätsklinik zu beurlauben, damit die seefahrenden Iünger Aeskulaps dort ihre Kenntniße auffrischen und daS inzwischen von der Wissenschaft neu Entdeckte hinzulernen können. Dr, G. V« aus sachlichen und finanziellen Gründen gerechtfertigt sei. Das hätten auch die Ausführungen des Ministers nicht widerlegt. Der Wirtschaft dürften für staatliche und soziale Ausgaben nicht mehr Mittel entzogen werden, als aus der Rente möglich fei, weil sonst die Sozialfürsorge sich selbst ihre Basis untergrabe, Erfreulicherweise ist jetzt zum erstenmal ausgesprochen worden, daß wir mit einer starren Rominal-Lohnpolitik nicht mehr durchkommen. Der steigende Ausfuhr beruhte zum großen Teil auf Zwangsverkäufen angesichts der gesunkenen inneren Kaufkraft. Durch Senkung der Preise und Löhne werden wir unsere Konkurrenzfähigkeit verbessern. In der sozialen Versicherung sollten wir das Moment des persönlichen Interesses stärker einschalten. Die Auswüchse in der Arbeitslosenversicherung seien doch nicht so vereinzelt, wie es der Minister darstellte. Die Rettung Deutschlands ist eine Frage der Zusammenfassung aller Kräfte ohne Parteipolitik und ohne Interessenpolitik. Abg. Dr. Werner (Rats.) fordert Verringerung der Zahl der Ministerien. Gerade rechts orientierte Reichsregierungen haben sich des be- feiner Gründung auf sich genommen haben. Sin großer Teil unserer künftigen politischen Aufgaben ist im Osten zu suchen. Erhebliche Beunruhigung haben in der Oesfentlichkeit die deutsch-volnis che n G r e n z z wischenfälle hervorgerufen. Mit Entschiedenheit müssen gewisse Auslandstimmen zurückgewiesen werden, daß solche Zwischenfälle von deutscher Seite systematisch provoziert würden, um die Aufmerksamkeit auf die Grenzverhaltnisse im Osten hin- zulenken. Wir haben es nicht nötig, solche Mittel anzuwenden, um Grenzverhältnisse zu beleuchten, über die sich jeder Verständige längst im klaren sein muß. Der Minister verteidigt dann den Handelsvertrag mit Polen und sucht die Bedenken hinsichtlich der Schweine- und Kohleneinfuhr zu zerstreuen. Die Aussprache. Abg. Dr. Breitscheid (Soz.) gibt gleich- salls seiner Genugtuung über die bevorstehende Rheinlandbesreiung Ausdruck. Deutschland brauche jetzt nicht mehr zu fragen, welchen Einfluß feine Schritte auf die Besetzung ausüben. Trotzdem dürfe in der grundsätzlichen Außenpolitik Deutschlands keine Aenderung eintreten. Kein (Staat habe mehr Interesse am europäischen Frieden als Deutschland. Der Redner tritt dann für größere Sparsamkeit im äußeren Dienste ein. Die Repräsentation werde oft übertrieben. Abg. Frhr. v. Freytagh - Loringhoven (DN.) erklärt, wenn man unsere Gcsamtvertrctun- gen mit denen Englands vergleiche, so koste die Vertretung in der Schweiz uns 661000, England da- gegen nur 336 000 Mk. Auch die vom Auswärtigen Amt angekündigte Denkschrift werde die Tatsache nicht aus der Welt schaffen, daß Deutschland mit alleiniger Ausnahme von Nordamerika in der ganzen Welt die größten Ausgaben habe. In Europa bilde sich immer deutlicher eine Front der Revisionisten und der Antirevisionisten. Es bestehe die Gefahr, daß wir uns in das Lager der letzteren abdrängen lassen. Hier sei vielleicht unsere letzte Chance, aber seine Partei habe nicht das Vertrauen zum Minister Curtius, daß er sie nutzen werde. Deshalb und wegen der verschwenderischen Wirtschaft des Auswärtigen Amtes bringe sie einen M ißtrauensantrag ein. Abg Ulihka (Zen.) betont, daß Deutschland das Zusammenwirken mit allen Völkern brauche, um die Weltwirtschaftskrise zu überwinden. Unter diesem Gesichtspunkt seh« seine Partei auch das Memorandum Briands. Ein engerer Zusammenschluß der Völker Europas wäre nur zu begrüßen. ' Man könne nicht von vornherein diese Vorschläge ablehnen. Mit Mißtrauen müsse man allerdings der Auslegung gegenübertreten, die Briand seinem Memorandum kürzlich in Genf gegeben habe. Aie Grenzzwischenfälle mit Polen' seinen bedauerlich, kämen aber nicht auf das Schuldkonto Deutschlands. Deutschland wolle seine Ostgrenze nicht mit Gewalt ändern. Es erwarte die Aenderung von der künftigen Entwicklung. Abg. l). Mumm (Dnl. A.-G.) begründet die Interpellation, die sich gegen die russischen Christenverfol gungen richtet. Es handele sich hier nicht um die Angelegenheit eines einzelnen Landes, sondern um eine Rot der gesamten Christenheit. Wie man dereinst die Stimme gegen die armenischen Greuel erhoben habe, müsse man jetzt auch Front gegen die Greuel in Rußland machen. Oie Blutrache des Schutzpolizisten Die Tat von Niedermöllrich. - Oer Angeklagte Wille zu drei Zähren Gefängnis verurteilt. Deutschlands neue Außenpolitik. Außenminister Curtius vertritt den Etat vor dem Reichstag. ** Endergebnis, über dem sich — mit einer hübschen Theatergeste — der Vorhang schließt. — * Es wurde sehr sauber und sehr animiert gespielt. Der Autor darf sich für die — unter schwierigen Verhältnissen — tadellose Aufführung Sanner 18 bedanken. Die Regie hat mit einem sprühenden Tempo dem Neuen Werk über manche Untiefen hinweggeholsen und vor allem den (besten) ersten Akt zu einem amüsanten und höchst wirksamen Schaustück entwickelt, das dem gutbesetzten und beif allssreudigen Hause sichtlich Vergnügen bereitete. Die wichtigste Rolle — den Dörsennapoleon — gab Herr Hais, der in großer Form war und die ihm sicher sehr liegende Aufgabe so ausgezeichnet bewältigt, daß die literarische Figur wirklich stellenweise ein wenig menschliche Umrisse bekam und jedenfalls an manchen Klippen mit Glück vorbeigesteuert wurde. Trude Heß stattete die Sekretärin mit großem Temperament und großer Toilette aus; We- sener als sympathischer Liebhaber; Arzdorf als armer Gigolo, lieb und fesch und treuherzig- wienerisch; Ritter in einer sehr drolligen Charge; Marianne Mewes gab elegant und schmissig den extravaganten Konkurren^goldfisch. Von den übrigen wären noch Hub, Iüng- ling, Koch und Volck zu nennen. — Die Zeugenvernehmung beginnt mit dem Kaufmann Levy aus Feldberg, bei dem der Angeklagte in Stellung war. Er stellte ihm als braven, gewissenhaften, pflichteifrigen Mann das beste Zeugnis aus. Der Angeklagte sei lediglich etwas verträumt und schwermütig gewesen. Bürgermeister Gunkel aus Riedermöllrich hebt besonders hervor, daß dreimal zu dem Oberlandjäger Wille, dem von Claus erschossenen Vater des Angeklagten, ge- Darmstadt, 25. Juni. Vizepräsident Blank eröffnet die Sitzung. In der Fortsetzung der Beratung des Etats des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft spricht Abg. Weber (Soz.). Je voll- kommener die technische Einrichtung der Werke werde, desto weniger menschliche Kräfte würden benötigt. Es bestehe keine Starrheit in der Lohn- festfetzung und einer dadurch bedingten Preishöhe. Durch di« Ansicht des früheren Reichspräsidenten, daß der Wohnungsbau nicht zu den werbenden .Anlagen, für die Auslandskapital genehmigt werde, 'gehöre, haben wir heute eine 50prozentige Arbeits- Glasigkeit auf dem Baumarkt. Leider stimmten viele Arbeitgeber heute den unsozialen Ansichten Pro- -fessor Horneffers zu. Ein Preisabbau dürfe nicht auf Kosten der Arbeitnehmerschaft gehen, wie dies jetzt von den Jndustrieverbänden versucht werde. Abg. Dr. M ü l (e r (Landb.) erklärt: Heute fließen 25 v.H. des gesamten Volksvermögens in die öffentlichen Kassen. An dem Rückgänge des Wohnungsbaues sei gleichermaßen der Baustoffwucher wie der übersteigerte Dauarbeiterlohn schuld. Jetzt endlich werde der Index der Agrarstoffe den übrigen Kennziffern für Jndustrieerzeugnisse angeglichen. Die Spanne zwischen Roggenpreis und La- denpreis für Roggenbrot weise die ungeheuerliche Steigerung von 109 o. H. auf, was einer Sabotie- rung des angestrebten Roggenmehrverbrauchs gleich- komme. Der Dreijahresplan der Koalitions- Parteien wird mit 45 gegen 13 Stimmen angenommen. Dagegen stimmen Landbund und sechs Volksparteiler. Die Aenderung des Finanz aus- gleichgesetzes mit der Schaffung des Ausgleichsbedauert zunächst die Ablehnung der Umwandlung der Gesandtschaften in den ABC-Staaten in Bot- schäften. Der Minister betont die Sparsamkeitspolitik des Auswärtigen Amtes und stellt fest, daß sich der Personalbestand des Amtes von 1330 Köpfen im Jahre 1923 auf 698 im Jahre 1930 vermindert habe. Gegenüber 1914 sei der Personalbestand nur um 111 Köpfen größer. Der Minister geht dann zur Außenpolitik über. An die Spitze stellt er die bevorstehende Rheinlandräumung. Er wolle heute nicht davon sprechen, ob eine andere Politik mit dem gleichen oder einem besseren Erfolg möglich gewesen wäre, sondern der Befreiung als eines Ereigniffes unserer nationalen Geschichte gedenken, das aller Herzen mit größter Freude erfüllt und den Anlaß gibt, allen Deutschen das Gefühl unzcr- trennlichcr Zusammengehörigkeit zum Bewußtsein zu bringen. Der Minister dankt der rheinischen Bevölkerung und gedenkt gleichzeitig des Ministers Dr. Stresemann, mit dessen Namen die deutsche Geschichte der letzten Jahre unlöslich verbunden sei. Wir werden danach streben müssen, die volle politische Freiheit und Gleichberechtigung Deutschlands zu erreichen. Wir werden uns mit allen Kräften für eine Evolution der Dinge einsehen, die den natürlichen und unverzichtbaren deutschen Lebensinteressen Genüge verschafft. Bei aUedern werden wir uns stets vor Augen halten, daß wir das höchste Interesse an der Sicherung des Friedens haben. Iede vorherige Festlegung von Einzelheiten verbietet sich gegenüber der künftigen Entwicklung von selbst. Die Saarverhandlungen werden jetzt mit besonderer Intensität geführt. So wenig wir die Volksabstimmung zu scheuen haben, wäre es doch ein erfreuliches Ereignis, wenn diese Frage durch freiwillige Vereinbarung mit Frankreich geregelt werden könnte. Der Völkerbund steht auch heute nach mehr als zehnjähriger Aktivität noch im Anfang seiner Entwicklung. Der Grundsatz der Gleichberechtigung ist noch nicht im notwendigen Maße zur Geltung gelangt. Die Menge der alljährlich verrichteten Einzelarbeit kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Kritik an den bisherigen Leistungen deS Völkerbundes auf den Gebieten der Abrüstung, des Minderheitenschutzes und der wirtschaftlichen Abrüstung berechtigt ist. Es ist die Pflicht Deutschlands, die im Völkerbund vereinigten Reiterungen immer wieder auf die fundamenta^n Verpflichtungen hinzuweisen, die sie bei schickt worden sei, damit er die Familien- streitigkeiten bei Claus beilege. Der Zeuge selbst hat ihn noch gewarnt, dahin zu gehen; sie sollten ihre Sache allem ausmachen. Der Oberlandjäger Wille habe erwidert, es sei s e i n e P f l i ch t, einzugreifen, da Heinrich Claus ein Gewehr in der Hand habe. Rachdem dieser den heimtückischen Schuß auf den Oberlandsäger Wille abgegeben hatte, was der Angeklagte aus nächster Rähe beobachtete, habe dieser einen wahren Tobsuchtsanfall bekommen. Er sei die ganze Rächt nicht zu beruhigen gewesen; mehrere Leute hätten ihn ständig halten müssen, damit er nicht über den alten Claus herfiel, weil er ihn für schuldig hielt. Rach der Tat war Wille zu dem Landwirt Iustus Wenderoth gekommen. Dieser schildert als Zeuge, wie Wille zitternd mit verzerrtem Gesicht in die Küche eintrat. Er habe ihm gesagt, daß er mit Claus abgerechnet habe. Rach einer halben Stunde habe Wille sich entfernt, um sich nach Gensungen zum Oberlandjäger zu begeben. Bürgermeister Gunkel bestätigt noch, daß der alte Claus wiederholt aufgefordert war, die Waffen abzugeben, was er jedoch nicht getan hätte. Richt lange danach sei die Bluttat des Heinrich Claus geschehen. ftoefes aus der 1,25-v. H.-Mineralwassersteuer und dem 1,25-v. H.°Abzua an den Gemeindeanteilen bei der Einkommens-, Körperschafts, und Umsatzsteuer wird mit 40 gegen 18 Stimmen angenommen. Abg. Scholz (D. V.) vertritt den volksparteilichen Antrag, das Ministerium sürAr - beit und Wirtschaft aufzuheben, was Aestulap an Bord. „Sie gehen nach Äbersee? Dann sehen Sie nur zu, daß Sie unterwegs nicht krank werden!" Diese und ähnliche Wünsche pflegte man früher demjenigen mitzugeben, der eine größere Seereise anzutreten im Begriff war. And diese Wünsche hatten ihre Berechtigung. Denn es ist noch nicht so lange her, daß z. B. eine auf hoher See auftretenbe akute Blinddarmentzündung sicheren Tod bedeutete. And heute? Heute kann man sich den großen modernen Aber- feedampfern anvertrauen, ohne vor irgendeiner während der Seereise sich einstellenden Erkrankung mehr Der preußische Landing verabschiedet den Etat. Berlin. 25. Juni. (035)3-) 3m preußischen Landtag fand am Mittwoch die mit Spannung erwartete namentliche Schlußabstim- mung zum Hau-haltSgesch statt. Wie erwartet, konnte die abermalige Beschlußunfähig- keit de- Landtage- vermieden werden, da die für die Beschlußfähigkeit deS Hauses notwendigen 226 Stimmen erreicht und überschritten tourten. Der Haushalt wurde mit 230 Stimmen der Regierungsparteien gegen 8 Stimmen angenommen, die von Abgeordneten der Deutsch-Hannoverschen Partei, der Volks- rechtSportei und deS Christlich-Sozialen Volks- dienste- abgegeben worden waren. Die übrigen Parteien hatten sich an der Abstimmung nicht beteiligt. — Mit den Regierungsparteien stimmten einige Christlich-Soziale für den Etat. Die von der kommunistischen Fraktion abgespaltene Opposition gab einige Reinkarten ab. Ang der provinzialhauptsiadt. Dießen, den 26. Juni 1930. Oer Zeldblumenstrauß. Jetzt ist die Zeit de- FeldblumenstrauheS wieder gekommen. 5Hc Wiesen stehen In vollem Wüchse, und Blumen oller Art locken mit ihren farbenfrohen Augen zum Schauen und Besitz- ergrcifen. Ihr Locken gilt aber mehr der geflügelten Kleinwelt der Insekten, der Bienen, der Schmetterlinge und Käser aller Art, die sie zu süßem Schmause laden, während der Mensch es möglichst mit der Augenweide genug sein lassen sollte. Gewiß ist da- eine Forderung, die mit der Wirklichkeit in denkbar größtem Widerspruch steht. Kinder und Blumen gehören einfach zusammen und wer sie trennen wollte, würde mit seinem Willen scheitern. Aber auch viele Erwachsene und unter ihnen besonders die Frauen können der Versuchung der bunten Freudenträger nicht widerstehen, und ein Spaziergang ohne Straußernte ist für viele in dieser Zeit kaum denkbar. Vielleicht mag man es als erwünscht bezeichnen, daß das Blumen-Llnkraut, da- es nun einmal für den praktisch-nüchtern denkenden Land- mann darstellt, durch die Zugrisfe der Wandernden ordentlich verringert wird. 5km Gedanken könnte man durchaus beipflichten, wenn nicht ein Umstand hinzukäme, der schwer ins Gewicht fällt. Das ist die leidige Tatsache des RiedertretenS großer Grosmengen bei dem ost rücksichtslosen Durchstreifen ganzer Wiesenslächen. Dabei neigt sich die Schale der Schadenstistung tief unter die des Vorteils der Llnkrautbcseiti- flung. Es sollten deshalb die Erwachsenen darauf achten und allgemein immer wieder mahnen, daß auch der Wiesenrand genug Blumen zum Pflücken darbietet, ohne daß volkswirtschaftlich große Werte gedankenlos zerstört zu werden brauchen. Auch für Kinder kann man die Tatsache, daß die Wiesen Quellgründe des deutschen Milchbrunnen- sind, recht gut dazu benutzen, sie zum Rachdenken anzuregen und zur Achtung vor dem Wachstum auf den Feldern, au- eigener Erkenntnis des allgemeinen hochwertigen Ruhens. So kann der Feldblumenstrauh zum Erlebnis werden. Daten für Freitag, 27. Juni. Sonnenaufgang 3.45 Uhr. Sonnenuntergang 20.20 Uhr. — Mondaufgang 3.59 Uhr, Monduntergang 21.58 Uhr. 1848: der Schriftsteller Heinrich Zschokke auf Blumcnhalde in der Schweiz gestorben. Gießener Wochcnmarktpreise. ES kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 140 bis 160 Pfennig da- Pfund, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 10 bis 15, Weißkraut 10 bis 15, Gelbe Rüben (Bund) 8 bis 12, Spinat 10 bis 15, Römischkohl 8 biS 10, Bohnen, grüne 30 bis 35. Spargel 40 bi- 65, Erbsen 20 ois 25, Tomaten 40 brs 70, Zwiebeln 10 bis 15, Rhabarber 10 bis 15, Kartoffeln, alte 41/2 bis 5, Kartoffeln, neue 10 bis 12, Dörrobst 30 bis 35, Kirschen 25 bis 50; Himbeeren 65 bis 70. Stachelbeeren 20 bis 25, Johannisbeeren 30 bis 35, Erdbeeren 50 bis 80. Aprikosen 50 bis 55, Pfirsiche 70 bis 80, Honig 40 biS 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120, Rüsse 60 bis 70; Tauben (Stück) 70 bis 80. Eier 10 bis 11, Blumenkohl 30 bis 70, Salat 8 bis 10, Salatgurken 20 biS 50, Ober-Kohlrabi 8 bis 10, Rettich 10 bis 15, Radieschen (Bündel) 10 bis 15 Pfennig; Kartoffeln, der Zentner 3,80 bis 4 Mark. Bornotizen. — Tageskalender f ü r Donnerstag. Gießener Konzertverein: Volkskonzert, IS. Bach, Die Kunst der Fuge, 20 Uhr in der Stadtkirche. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: Tonfilm „Das Rhein- lanbmdbei". ** Don der Frankfurter Straße. Am Südende der Frankfurter Straße, kurz vor der Einbiegung in den Viadukt der Main—Weser- Bahn, wurde vor einiger Zeit eine Warnungstafel angebracht. Sie sollte die aus der Stadt kommendere Kraftfahrzeuge auf die unüberfeh- lichen Kurven vor und hinter dem Eifenbahnviadukt aufmerksam machen. Längst haben ober böse Buben die Tasel als Zielscheibe für Steinwürfe benutzt und völlig demoliert, fo daß aus der Warnungstafel nichts mehr zu sehen ist als einige häßliche Rostflecken. Im Interesse der Sicherheit der die Straße passierenden Fahrzeuge und auch von ästhetischem Standpunkt au- wäre eS wünschenswert, wenn die Tafel wieder in ordnungsmäßigen Zustand gebracht würde. 6‘* Stiftung für Volksoorträge aus der deutschen Geschichte. Der zweite Bortrog von feiten der Stiftung wird am kommenden Sonntagnachmittag in Obersteinberg gehalten. (Zugang von der Grüninaer Straße.) Archiodirektor Dieterich aus Darmstadt spricht über „Gleiberg- Gießen-Schiffenberg" zur Vorfeier des Echisfenberg- festes. Bei dem ersten Vortrog am 16. Juni 1929 Hot Prof. Aubin über Entstehen und Vergehen der Römerherrschaft in Sudwestdeutschland gesprochen. Der Vortrag war damals von Hunderten aus den Ortschaften bis zur.Wetterau besucht. Bei schlechtem Wetter findet der diesmalige Vortrog in der Kirchenhalle des Schiffenberges statt. (Roheres in der heutigen Anzeige.» ** Sonderzug. Die ReichSbahndirektion Frankfurt a. M. hat genehmigt, daß aus Anlaß des 57. Gauturnfestes in Kirchhain in der Rächt von Sonntag, 6., auf Montag, 7. Juli, im Anschluß an den 0,05 in Gießen eintreffenden P. 784 ein Sonderzug von Gießen bis Friedberg mit folgendem Fahrplan geführt wird: Gießen ab 0.12, Großen-Linden an 0.21, Lang-Göns an 0.28, Kirch-Göns an 0.33, Butzbach an 0.42, Ostheim an 0.48, Dad-Rauheim an 0.57, Friedberg an 1.04. Die Festbesucher aus diesen Orten seien auf die günstige Fahrgelegenheit hingewiesen. •• D i e Altersvereinigung 1 86 5- 19-3 0 beging, wie wir hören, dieser Tage die Feier ihres 65. Geburtstage- durch einen Fest- kommers mit gemeinschaftlichem Abendessen, einem Frühschoppen und einem Gartenfest für die Familienangehörigen. Die Kapelle Topp spielte lustige Weisen, fröhliche Lieder erklangen in der Tafelrunde, und launige Ansprachen einzelner Mitglieder würzten das Mahl und verkürzten die Zeit. Mit dem Wunsche nach frohem Wiedersehen beim Siebzigsten trennte man sich in spater Abendstunde. Wiedersehensfeier der 118er. Die Wiedersehensfeier des Inf.-Reg. Rr. 118 findet am 12. und 13. Juli zum ersten Male seit Kriegsschluß in Worms statt. Alle ehemaligen 118er, ebenso wie die Kameraden der aus dem Ersatzbataillon des Ins.-Reg. 118 hervorgegange- nen Kriegsformationen sind hierzu eingeladen. Hauptversammlung des Hessischen Richtervereinel in Bad-Nauheim. Der Hess. Richterverein konnte bei seiner Hauptversammlung in Dad-Rauheim Iustizminister Kirn berget und Ministerialrat v. Ei ff in seiner Mitte begrüßen. Der Bericht des Vorsitzenden, Oberlandesgerichtsrats Dr. Schneider (Darmstadt-, verwies auf die Stellungnahme des Deutschen Richterbundes bei der Vertretertagung in Passau zur ,Reichshilfe" (Rotopfer), die sich entschieden gegen eine der Verfassung widersprechende einseitige Belastung der Beamten ohne Heranziehung aller anderen entsprechenden Einkommen wendet, und zur Gerichtshöfe, die — abgesehen von der Fürsorge für entlassene Gefangene — als richterliche Angelegenheit und nicht als Wohlfahrtssache zu behandeln sei; er berührte den Entwurf eines Beamtenvertretungsgesehes als für den Bereich der Justizverwaltung von verhältnismäßig geringer Bedeutung und das Gutachten des Hessischen Eparkommissars, in dem nur wenige Der- besserungsvorschläge zum Iustizetat gemacht seien. 3m diesjährigen Haushaltsplan seien auch keine durchgreisenden Aenderungen vorgesehen, es werde darin aber Setzung von zehn Richterstellen auf den Inhaber verlangt. Lieber die Tätigkeit de- jetzt unter Führung des Reichsministers a. D. Dr. Külz stehenden Reichsbundes höherer Beamten und dessen finanzielle Lage wurden nähere Mitteilungen gemacht mit dem Hinweis, daß der vom Bund beschlossene, auf drei Jahre befristete Rothilfebeitrag von 25 Pfennig monatlich eine selbstverständliche Stan- despflicht gegenüber den durch den Zusammenbruch der Reichsbundbank geschädigten Bcamten- kollegen bedeutet. Die Zuziehung eines Praktikers zum Fakultäts-Examen wurde mit Genugtuung begrüßt. Eingehende Besprechung fand die HeBertragung richterlicher Geschäfte im Zusammenhang mit der Denkschrift deS Bunde- Deutscher Iustizamtmänner. Der verstorbenen Mitglieder: Amtsgerichts- Direktor Dr. Haustädt und Geh. Iustizrat Dr. Fischer wurde in Anerkennung ihrer vorbildlichen Tätigkeit ehrend gedacht. LS schlossen sich an der Bericht deS Rechners, wonach der Beitrag an den Deutschen Richterbund nicht erhöht und der besondere Rot- hilsebeitrag für den Reichsbund von 3 Mark jährlich für daS erste Jahr 1930 durch bicenor- banbenen Mittel gedeckt ist und der Bericht des Schriftleiters der .Hessischen Rechtsprechung". Minister Kirnberger gab in seiner Ansprache der Freude über die Gelegenheit Ausdruck, mit den Richtern nähere Fühlung nehmen zu können, und erkannte an, daß die hessischen Richter in einer Reihe sehr schwerer Jahre voll ihre Pflicht getan hätten, ihren schwierigen Aufgaben ohne nennenswerte Beanstandungen gerecht geworden seien und daß sie trotzdem häufig gegen unberechtigte Angriffe in Schuh genommen werden mühten. Die folgende Aussprache, in die Iustizminister Kirnberger wiederholt etngriff und dabei sich zur Förderung fortschrittlicher Bestrebungen bekannte, beschäftigte sich u. a. besonders eingehend mit der Liebertragung richterlicher Geschäfte, ferner der dringend erwünschten Ausbildung von Richtern und Staatsanwälten in Kraftsahrzeugsührung. der Frage der Einführung des Polizeistrafbefehls für ilebertretungen. die vom Richterverein jedenfalls nicht abgelehnt wird; die alten Wünsche nach weitgehender Mcbertragung deS Gnadenwesens auf die Gerichte, nach Einführung von Gerichtskassen und Vereinfachung des Stempels- und Kastenwesens wurden wiederum ausgesprochen und auf die als höchst ungerecht empfundene, die höheren Iustizbeamten besonders schwer benachteiligende Kürzung der Vordienstzeit bis zu vier Jahren durch die letzte Desoldungsordnung hingewiesen. Zur Frage der Erhöhung der Altersgrenze der Richter auf 68 Jahre, evtl, unter stufenweiser Einführung, mußte die Stellungnahme dem Deutschen Richterbund überlassen bleiben. An «Sterte der von ihren Aemtem zurück- tretenben Vorstandsmitglieder Landgerichtsrat Dr. Stoll (Mainz), unb Staatsanwalt Gil - m e r (Darmstabt), würben Lanbgerichtsrat Dr. D ö ck e l (Mainz), unb Amtsgerichtsrat Dr. Friebrich (Darmstabt), im übrigen der seitherige Vorstanb einstimmig gewählt. An die Tagung schlossen sich interessante Führungen durch die Anlagen des Weltbades an. Strafkammer Gießen. Gießen, 20. Juni. Am > Abend deS 7. April 1929 machte der Chauffeur eines auswärtigen Geschäftsmannes mit einigen Freunden, mit denen er in einer hiesigen Wirtschaft gezecht hatte, eine Schwarzfahrt. In Wieseck unb Lollar würben noch mehrere Lokale besucht, bis schließlich alle betrunken waren. Auf der Heimfahrt wurde ein vorschriftsmäßig fahrender Radfahrer von dem auf der linken Seite dahinrasenden Auto gestreift, so daß er Verletzungen davontrug. Der Chauffeur und seine Freunde wollen hiervon nichts bemerkt haben. Auf Grund einer umfangreichen Beweisaufnahme bestätigte das Berufungsgericht das Urteil des Amtsgerichts Gießen, das den Chauffeur wegen Körperverletzung au drei Wo eben Gefängnis verurteilt hatte; auf die Berufung der Staatsanwaltschaft hin wurde die Strafe noch um eine weitere Woche erhöht, weil die Strafkammer für erwiesen hielt, daß der Angeklagte sich nach dem Unfall der Feststellung seiner Person durch die Flucht zu entziehen unternommen hatte. Bei Umbauarbeiten in den Kellern einer auswärtigen Brauerei war ein Arbeiter auf der Suche nach einer Leiter in einen dunklen Gang geraten unb in den am Ende befindlichen tiefen Schacht gestürzt. Das Amtsgericht hatte die beiden Direktoren der Brauerei wegen fahrlässiger Körperverletzung zu je 50 Mark verurteilt. Die Strafkammer sprach sie frei, da sie ihrer Aufsichtspflicht genügt, insbesondere dafür gesorgt hätten, daß eine durchaus ausreichende Absperrung des Ganges vorgenommen worden sei, deren unbefugten Entfernung durch Unbekannte kurz vor dem Unglück ihnen nicht zur Last gelegt werden könne. Aus aller Wett. 7. Reichstagung der Hochschulgruppen der Deutschen DolkSpartei. Unter Teilnahme von 27 auf deutschen Universitäten oder Hochschulen bestehenden Hochschul- gruppen der Deutschen DolkSpartei — Hessen war durch Darmstadt, Gießen unb Dingen vertreten — fand auf der Burg Lobeda bei Jena die 7. Reichstayung statt. Ministerialdirektor Professor Dr. Richter vom Preußischen Kultusministerium sprach über „Di e deutschen Hochschulen in der Gegenwart". Ihm folgte der Reichsführer der RcichSgemeinschaft junger Dolksparteiler Frank Glatze!. Essen, mit einem Referat „Ziel und Weg der R.j.B". Rechtsanwalt Ding e l dey, M. d. R.. sprach über „Ql cue Fronten in der deutschen Politik". Er führte u a. aus. daß wie nach Qkfteiung der Rheinlande die Pflicht batten, wieder positive Außenpolitik zu treiben, d. h. wieder Forderungen a u f z u stellen, um unserem Volke die Geltung und die Lebens- möglichkerten zu verschossen, die es braucht. Selbstverständlich dürse man de-halb keinen Augenblick AÖgem. die Konsolidierung 0er Innenpolitik her- veizuführen. Die Frage der Reichsreform stände im Drennpunkt der TageSsragen. sie müsse unter Umständen mit Hilfe deS Volksentscheids gelöst werden, denn die langwierige Art der Zwischenlösungen, wie z. D. die Schaffung von Reichslanden nördlich des Mains unter Beibehaltung der süddeutschen Länder führe nicht zur großen Gemeinschaft des Volkes. Sine richtige Reform. d. h die Qlbfchaffung aller Einzelländer, sei notwendig. Staatssekretär Dr. K e in p n e r sprach über ..Der Reubau deS Reiche-"; am Abend sand in Jena eine öffentliche Kundgebung statt, in welcher der Vizepräsident deS Reichstags. Dr. v. K a r d o r s f eine von der stattlichen Verfammlung mit starkem Beifall aufgenommene Rede über „V o rn alten zum neuen Deutschland" hielt. Der Sonntag war der ordentlichen Vollversammlung des Reichsausschusses der Hochschulgruppcn Vorbehalten, in welcher GeschäftSbricht, Anträge entgegengenommen und die Reuwahlen vollzogen wurden. Jan Mayen :yd.5W Tnoown-gr Rinn, ADtrdt' "La Koruna rmUnl Oenl & 4 Die Wetterlage. run^O* o H • Wien 0Wof»enioi.O netter a naro oedeett e vonrig. e nedecu »irtgrt # Schnee a Oraupem • ncbcl X 0reiiittr.(§)windiliiie.-O' xh» leichter Oji y m|„ige' $ud$0dwe$i Q stureochet fiotdeteM Oie Pfeile fliegen mit gern wmdc Oie oeoen Stationen stellenden Zahlen geben die Temperatur an. Pie Linien eerbrndep Ort» mit glcicnco* 6l* Grundsolide Existenz! Gräbt. Verk.-Schlager. Erfind, ersten Ranges, D. R. V. a., Waschautomat, wäscht selbsttätig jed. Quant. Wäsche in all. vorh. Waschkesseln von 40 bis 200 Liter Inh. ohne elektr. Strom. Gröbte Schonung d. Wäsche. 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Preis im Klassen- und Hauptehrensingen mit 190 bzw. 288 Punkten, im Chrensingen den 2. Preis mit 98 Punkten. Den 2. Preis erhielt der Gesangv. Harmonie Eubach im Klassen- und Hauptehrensingen mit 168 bzw. 280 Punkten, im Ehrensingen den 3. Preis mit 94 Punkten. Den 3. Preis erhielt der Gesangverein Dorf-Güll im Klassen- und Hauptehrensingen mit 178 b;w. 278 Punkten, während ihm im Ehrensingen der 1. Preis mit 100 Punkten zufiel. In der 3. Klasse erhielt Konkordia Staffel den 1. Preis im Klassen- und Hauptehrensingen mit 184 bzw. 280 Punkten, im Chrensingen den 2. Preis mit 96 Punkten, ber Gesangverein Germania Ilbenstadt den 2. Preis im Klassen- und Hauptehrensingen mit 183 bzw. 277 Punkten, im Ehrensingen den 3. Preis mit 94 Punkten, der Gesangverein Loreley Oberlemp den 3. Preis im Klassen- und Hauptehrensingen mit 177 bzw. 275 Punkten, im Ehrensingen den 1. Preis mit 98 Punkten. Dirigenten-Preise erhielten in der 1. Klasse Gesangverein Gemania Großen-Linden mit 108 P. den ersten, Gesangverein Herbornseelbach mit 105 P. den zweiten und Sängerlust Aßlar mit 94 Punkten den dritten Preis. In der 2. Klasse erhielt der Männerchor Ober-Rosbach den Diri- genten-Preis mit 98 Punkten: in der 3. Klasse Konkordia Staffel denselben mit 93 Punkten. Am Sonntagnachmittag bewegte sich ein großer 5 e ft3 u g , an welchem sich etwa 40 auswärtige und hiesige Vereine beteiligten, durch die mit Fahnen und Girlanden geschmückten Straßen der Stadt nach dem Festplatz am Wetzlarer Tor, wo nach Eintreffen des Festzugs Pfarrer Linde n st r u t h von hier die Festrede hielt. frtrcie ^nMiißcn △ Ql i b ö a, 25. Juni. Am letzten Samstag und Sonntag veranstaltete die hiesige SchüHengesel lschaft ihr Haupt- und Königsschi e h e n, verbunden mit Kleinkaliberpreisschießen, das eine sehr starke Beteiligung von hiesigen und auswärtigen Schützen aufwies. Die Gießener Reichswehrkapelle begleitete die Aufzüge mit flotten Märschen und füllte am Schiehstand die Pausen mit Konzertstücken aus. Der Wettbewerb um die einzelnen Preise war sehr stark. Als besonderer Erfolg muß anerkannt werden, daß dle sämtlichen Preise für die schwierigste Scheibe. 75 Meter Fr ei Hand, von hiesigen Schützen errungen wurden. Als Sieger im Königsschießen ging Gastwirt Anton Stahlhofen hier mit 56 Ringen und als Sieger für Kleinkaliber W. QI a u m a n n aus Gettenau hervor. Sie wurden vom Vorsitzenden des Vereins, Steinbruchbesitzer Nickel (Ober-Widdersheim), herzlichst beglückwünscht. Die Preisverteilung fand abends in der Turnhalle statt, wobei Schühenmeister Vermes- sungsinspektor Wenzel von hier eine vortreffliche Ansprache über oie Bedeutrmg der Schützeir- sache hielt. Von den Siegern gebökk'wir nur je die fünf ersten bekannt, im ganzen wurden 75 Preise zuerkannt. Es errangen I. bei 175 Meter aufgelegt: 1. Preis Hahn (Lich) 56/20; 2. Gondner (Gießen) 55/20; 3. Wallenfels (Nidda) 55/17; 4. Nickel (Ober-Widdersheim) 54/18; 5. Dewald (Gießen) 52/15. II. 175 Meter, Festscheibe, Freihand: 1. Heinrich Struck (Nidda) 20 Ringe; 2. Karl Nickel (Ober-Widdersheim) 19 Ringe; 3. Ioh. Pfeiffer (Nidda) 19 Ringe; 4. Apotheker Schuster (Nidda) 19 Ringe; 5. Theodor Spanier (Nidda) 19 Ringe. HI. Glücksscheibe, 100 Meter: 1. und 2. Preis A. Listmann (Nidda); 3. K. Nickel (Ober- Widdersheim); 4. Jakob Weiß (Berlin); 5. Heinrich Struck (Nidda). IV. 100-Meter- Meisterscheibe: 1. A. Stahlhofen (Nidda) 58/20; 2. Diehl (Gedern) 58/20; 3. Nicket (Ober-Widdersheim) 58/19; 4. A. Listmann (Nidda) 58/19; 5. Hahn (Lich) 58/19. V. 'Festscheibe: 1. Gondner (Gießen) 40/39; 2. Nickel (Ober-Widdersheim) 40/38 ; 3. Pfeiffer (Nidda) 40/35; 4. Meier (Nidda) 40/32; 5. Diehl (Gedern) 40/32. VI. Kleinkaliber A, Freihand, 50 Meter: 1. Müller (Unter-Schmit- ten) 36; 2. Heulheck (Fauerbach) 35; 2. Apotheker Schuster (Nidda) 34/12; 4. Eckhardt (Unter-Schmitten) 34/11; 5. Leins (Nidda) 34/10. VII. Kleinkaliber B, aufgelegt, 50 Meter: 1. Theodor Spamer (Nidda) 34; 2. Hermann Kammer (Nidda) 34; 3. Diehl (Gedern) 34; 4. Frau Nickel (Ober-Widdersheim) 33; 5. Heinz Pfeiffer (Nidda) 33. Die ganze Veran- staltung hat gezeigt, daß der hiesigen Schützen- gesellschaft hier und in der ganzen Umgegend großes Interesse entgegengebracht wird, und daß der erst wenige Jahre bestehende Verein schon eine recht stattliche Zahl von Mitgliedern umfaßt. # Aus der mittleren Wetterau. 25. Juni. Die Aussichten für die diesjährige O b st e r n t e lassen sich nunmehr übersehen. Die Apfelbäume haben durchschnittlich recht knapp angesetzt, nur einzelne Lokalsorten, wie Herrn- apfel und Rotapfel, machen eine Ausnahme. Keinerlei Behang zeigen Goldrenette von Blenheim und Gelber Edelapfel. Die Maifrvste haben keinen Schaden angerichtet, wohl aber die Obstbaumschädlinge, vor allem der Apfelblütenstecher. Jetzt ist auch der Apfelwickler an der Arbeit und sticht die in Entwicklung begriffenen Früchte an. Auch tritt wieder die im Vorjahre allgemein bekämpfte Blutlaus an den Apfelbäumen auf. Gemeindeweise Bekämpfung wäre auch heuer das Beste. Obgleich die Birnbäume schon zwei Jahre hintereinander eine gute, teilweise sogar eine Rekordernte brachten, haben sie auch in diesem Jahre wieder gut angesetzt, besonders die Wirtschaftssorten. Leider wird infolge der Trockenheit bereits ein Teil der haselnußgrohen Früchte ab- gestotzen. Den besten Früchtensatz zeigt das Steinobst. Süß- und Sauerkirschen zeigen einen großen Behang, so daß die Früchte verhältnismäßig klein bleiben. Auch Mirabellen, Reineklauden, Aprikosen und Pfirsiche hängen gut voll, während Zwetschen einen ganz unterschiedlichen Fruchtansatz zeigen. — Infolge des heißen Wetters haben sich die Bienenvölker gut entwickelt. Leider wird der gute Honigertrag durch das Die Sünde der Renate Mercandin. Roman von Fred Nelins. 4 Fortsetzung. Nachdruck verboten Im gleichen Herzschlag war das Lächeln von den Lippen Griebenows verschwunden. Wie ein Blitz schlug des Erinnern Bresche in die Mauer des Vergessens. Mercandin! Der Teufel ... Llnd wieder lachte Griebenow. In der Tat, man würde diesen Engel an Geduld und Men- schengüte mit der Friedenspalme, an dem Weißen Band zu tragen, dekorieren müssen. Er badete. Er zog sich an. Er klingelte. Der Kellner kam. „Das Früstück", sagte Griebenow. Ein wenig später war der Tisch gedeckt. Blumen leuchteten vom Weißen Damast. In den Silberkännchen dampfte heißer Tee und Kaffee. Wiesenbutter, Jam und goldener Honig lockten neben frischem Backwerk. Der Kellner brachte kaltes Fleisch und weichgekochte Eier. Griebenow erbrach den Brief, den ihm der Kellner übergeben hatte. Er enthielt das Fahrscheinheft sowie dreihundert Franken. Griebenow fuhr über Genua nach Mailand und erreichte mit der Gotthardbahn Chiasso. An einem grauen Regenmorgen lief der Zug in Zürich em. Das Münster und das Stadtbild waren in den Schleier regenfeuchter Luft gehüllt. Traurigkeit und Schwermut lasteten auf allen Gassen. Kalte Winde mahnten an den Norden. Hagelschauer prasselten vom Himmel, als er abends spät in München eintraf. Die Straßen waren menschenleer. Nur die Autos surrten und der Sturmwind fauchte. Es war ein ilebergang, der Mark und Dein erschauern machte. Am nächsten Morgen war er in Berlin. Als er diese menschenangefüllten, grauen und versteinten Straßen wiedersah, als der Fieberatem des Erraffens und Verdienens und Ge- nießens aus ihn eindang, überfiel ihn ein Würgen, das den Atem stocken machte, die Erkenntnis seiner hoffnungslosen Lage. Wohin gehörte er? Er besaß noch etwa vierzig Mark in deutschem Geld. Er rechnete: fünf Tage leben. In diesem Zeitraum mußte er Verdienst und Stellung haben. Das war nicht leicht. Griebenow verschloß sich nicht den Schwierigkeiten, die sich der Erreichung dieses Zieles entgegenstellten. Trotzdem, ich muß vorwärts, sagte er sich selbst. Den Nacken steifen, nicht verzweifeln ... nicht den Mut verlieren! Erst den Hunger im Magen stillen und dann weitersehen. Er frühstückte in einem Cafö und versank in schwere Lethargie. Endlich nahm er eine Zeitung in die Hand und suchte. Stellenangebote. Es gab dies und das. Akquisiteure, Reisende, Chauffeure, Diener, Kutscher, Kohlentrimmer und so weiter. Alles Dinge, die für Griebenow fernlagen. Danach aber fiel fein Blick auf etwas, das vielleicht geeignet war, Interefse zu erwecken. Es war eine Anzeige. „Gesucht Herren besserer Stände für Dertrauen- stellung. Zu erfragen durch Müller, Oderberg- strahe 5, 4 Treppen." Griebenow beschloß, Müller, Oderbergstraße, sofort aufzusuchen. Er bezahlte und verließ das Caf6, um sich draußen auf den ersten besten Autobus zu schwingen. Er durchfuhr die Stadt und kam in Prole- tarstrstraßen. Griebenow sah schmutzige, geduckte Häuser, blasse Strahenkinder, freche Mädel, Höhlen von Destillen. An der Zionskirche stieg er aus. Hinten lag der Humboldthain. Griebenow ging bis zur Schwedter Straße, bog in die Choriner ein, endlich war er da. Das Haus, in dem Herr Müller wohnte, war ein alter, sinsterer Kasten. Es machte einen schmutzigen und ungepflegten Eindruck. Die Mauern sahen grau und abgeschunden aus. Die Fenster schienen nicht geputzt. Fetzen von Gardinen hingen vor den Scheiben. Das große Tor am Eingang war geöffnet. Don dem Hofraum her erklang das Surren von Maschinen. Vorne tag das Wettbüro des Alfons Sennewald. Der Laden war verqualmt und dicht gefüllt. Griebenow schritt durch den engen, finsteren Treppenflur und kletterte die Treppen aufwärts. Höher, immer höher. Türen, die vor Alter morsch und dürftig waren, mündeten auf einen schmierigen Podest. An der einen Tür hing ein Schild: Friedrich Müller. Eine Falle ... dachte Griebenow. Der sucht wahrscheinlich abgetragene Herrenkleider, aber keine Herren besserer Stände für Vertrauen- ftellung. Immerhin, er war nun da. Er drückte also auf den Klingelknopf. Nach einer Weile ging die Tür auf. Ein junges Mädchen, das sehr leicht gekleidet war, lächelte ihm zu. „Herr Müller?" fragte Griebenow. Jene in der leichtfertigen Kleidung wies auf eine Tür. „Bitte. Herr Müller ist zu Haufe." Griebenow ging also durch den Flur und klopfte. Niemand rief „Herein!". Die Tür war unverschlossen. Griebenow trat in ein Zimmer, das mit hohen Schränken ausgestattet war. Man vernahm das Klappern einer Schreibmaschine. Ein sehr junges, schlecht ernährtes und sehr ärmlich angezogenes Mädchen saß vor dieser. „Kann ich Herrn Müller sprechen?" fragte Griebenow zum anderen Male. „Wenn Sie, bitte, klopfen wollen." Griebenow trat in ein Zimmer, das mit dicken Tabakswolken eingenebelt war. Dor einem primitiven Schreibtisch saß ein Herr mit schwarzem Haar, mit Hakennase und glattrasierten Lippen. Dieser Herr nahm die Zigarre aus dem Mund, sah Griebenow aus großen, seltsam tränenschweren Augen an und wies auf einen Stuhl, „Bitte, nehmen Sie doch Platz, mein Herr." Behutsam ließ sich Griebenow auf einen Sessel nieder, unter dessen abgenutztem und zerschlissenem Stoff die Füllung vorquoll. „Sie suchen Herren der besseren Stände für Dertraucnstellung." Mit dem Rücken seines Zeigefingers rieb Herr Müller sich den Kummer von den glatten Lippen. Es schien, als ob er weinen wolle. „Na, suchen ... Ach, mein (Sott! Suchen ist vielleicht zuviel gesagt, verehrter Herr. Ich bin auf Wunsch bereit und in der Lage, eine solche Stellung nachzuweifen." „Also bitte. Müller sagte, daß er zwanzig Mark sofort und bei Antritt einer durch ihn nachgewiesenen Stellung zehn Prozent des ersten Monatslohnes als Provision verlange. Er bäte Griebenow, dies Formular zu unterschreiben. „So, so ..Griebenow verzog den Mund. Vierzig weniger zwanzig, blieben zwanzig. Er überlegte, ob er fich nicht lieber gleich erheben und den Tränenschweren seinem Schicksal überlassen solle. Mit einem Restbestand von zwanzig Mark in bar war Griebenow vielleicht dem Hunger und in einer von den nächsten Nächten dem Asyl für' Obdachlose ausgeliefert — falls er keine Stellung finden sollte. Er war schon wieder mal va banquc ... ähnlich wie in Monte Carlo. Immerhin, man hatte keine Wahl. Griebenow entschloß sich also, auf Müller zwanzig Mark zu sehen. „Wer bürgt mir aber dafür — wenn ich wirklich unterschreibe —, daß ich eine Stellung finde?" fragte Griebenow. Dumme Frage, sagte er sich selbst, nachdem er diese Worte ausgesprochen hatte. Und Müller kniff in der Tat die Augen zu und schüttelte den Kopf. Cs schien, als ob er seine Tränen nicht mehr länger hemmen könne. Er zog sein Taschentuch hervor und schneuzte sich. „Niemand selbstverständlich — niemand kann für Dinge bürgen, die sich vorher nicht mit Sicherheit erwägen lassen. Sie verpflichten mich durch Ihre Unterschrift und Vorschußzahlung, offene Stellen für Sie nachzuweisen. Das ist alles. Ich übergebe Ihnen eine Liste solcher Stellen, die für Sie in Frage kommen. Der Erfolg, das Angenommenwerden ist dann Ihre Sache. Leben Sie wohl, mein Herr!" „Erledigt" sagte Griebenow. Er unterschrieb. Er bezahlte zwanzig Mark und erhielt dafür eine Liste offener Stellen. Eine bunte Liste war das. Cs schien, als ob Berlin allein auf Griebenow gewartet hätte. Es gab alles, was man wünschte, vom Fabrikdirektor bis zum Flaschenspüler. Man brauchte nur das Beste für sich auszusuchen und sich anzumelden. Griebenow stand auf. Er bedankte sich und verließ Herrn Müller mit den Augen, die von ungeweinten Tränen glänzten. Griebenow fuhr nach der Friedrichstraße, wo das Baugeschäft von Kleusch & Neugereuth einen studierten Herrn — möglichst Doktorgrad — für P v ts kr tar a.Korres v lenken. Korn issionen usw. fuuyte. Der Name Neugereuth klang irgendwie vertraut. Gr erinnerte an ferne Freundschaft und an längst verklungene Zeiten. Griebenow stieg an der Ecke der Linden aus und ging die Fri edrichstraße aufwärts. Dor einem Haus, das breit und hoch mit der Berliner Renaissance der achtziger Jahre protzte, blieb er stehen. Er war zur Stelle. Rechts unten vor dem Eingang stand auf emailliertem Glasschild: Kleusch & Neugereuth. Auf fein Klingeln kam ein grünlivrierter Page, nahm die Karte Griebenows und ging zum Chef. Ein wenig später war er wieder da, führte Griebenow in einen kühlen Warteraum mit dünnen Möbeln und bestellte, der Herr Doktor möge sich gedulden. Griebenow ging hin und her. Die Tür zum Nebenraum war halb geöffnet. Man vernahm von dort aus abgerissene Sähe: „Bei mir Gedächtniskirche weeßte. Ick nehm' am Ersten meen Gehalt und sonst---“ „Kleusch hat gestern mit dem Alten wieder wegen der Stettiner Schauburg Krach gehabt. Die Sache ist zum fünftenmal kopiert. Ich mach' da nicht mehr mit. 2n Fragen des Ce^is ens---" „ Au. Was ist das wieder für ’ne Petite. Uebrigens das Neueste. Neugereuth hat jetzt in Dresden das Terrain bei Plauen---“ Eine Tür ging auf. Der Page kam herein. „Der Chef läßt bitten." Der Page führte Griebenow durch jenen Nebenraum, aus dem die Unterhaltung herkam in dem die Zeichner waren. In andern Zimmern sahen Schreiber über ihren Pulten. Er ging weiter über einen breiten G^kNg und klopfte. Jemand rief „Herein!". In einem hohem weiten Raum stand Griebenow. Er bemerkte den roten Perser- teppich, breite Sessel und ein großes Ledersofa. An dem schräggestellten Diplomatenschreibtisch sah ein Herr — blasser, schwerer Kopf, weißes Haar, Monokel in dem linken Auge. (Fortsetzung folgt.) öfrerljeffri 3n der Sihu: drvsclsor Dr. Mitteilung üfc ?? NaltgetS Ersuchung u & fi$ um handelt. ..Professor Dr engeren Licht, S dreiinona ten ÄVW von too erfolgte. Hüdwestde Der Gau S Danlbeam genen 6onn ö Seiet (8t® vor, daß ®k weitere crsrei Feststellungen mit g*J konnten m der land dem - Beitritte stnd zu verzeichnen ten-Derein tr 4800 Wgl'ec aller kausma Diese überrag lung kommt triebsvertrelm zählte der Dc sudtvestdeutschc den Betriebst zielte an D usw. insgesamt dungsarbeit e Wendungen. Dem mit gti schästsbericht s spräche an, Verbundenheit arbeit zum A wurde dem wärmster Dav der Gauvorst auch seine 1 stimmung tour genommen, d auch vom Re rung genehn schmelzun- hung wendet suche, die so, Leistungen der zuschränken. 2 Lohnabbau mü Haltung der 1 herabgedrückt I 3n seinem Decker aus n kussion ein uni tuation in wir ziehung, inden zu allen diesen stellte. Der § anttoortungsbei Julunstsgestaltz Redners xut t den sozialen? bei den Kons, dreifachen Hoc drucksvolle Ta mA AZA Ks ÄÄ; -Hrv- Ä!- 8a«b< i n 58,665 112.37 20 408 16.47 168 74 22.09 112.40 59.36 2485 112.84 81.49 46.26 12.49 73.40 e. W W ML * ä?. T bortreff, 22 to>r nut i, jen wurden § & 175 Det« MKSttui 2 Vbn-M. Okiflidd«, .” Öi&i I« 'N « Hingt. .^ckel (Ober» *6 (Berlin); 5. IV- 100.5ktn. 'Men Qlibba) A 3 Iilt[ «■ßiftmann 58/19. V/geft. to/39;2.aiidd .3. Pfeiffer dda) 40'32; 5. Äleinfalikr A, 'lUnter-Schmit^ ® 35; 2. Apo. • Eckhardt 2eUi (Hibbfli lekgt 50 Meter-. 34; 2. Hermann !hl (Tedern) 34; *im) 33; 5. ite ganze Heran- -iesigen Schuhen- anzen Umgegend St wird, und das» ibe Herein schon itgliebem umfahi/ n Detterau, die diesjährige jr übersehen Äc sich recht Kapp rten, wie Herrn- eine AMahme. mette von 2'en- Maiirvste haben )[ aber die Obst- Lpfelbllllenstecher. in der Arbeit und jenen Früchte an. orjahre allgemein Lpsäbäumen auf. re auch Heuer das schon zwei Jahre xt'fe sogar ci« • auch in Wem anders die Mrt- ge bei Trockenheit roßen Früchte ab- tz zeigt das Steinigen einen großen Atnismähig Um inellauden, 2pri- ut voll, wahrend hiedlichen Frucht' I heißen fMfcf er gut entvickest rtrag durch das Ke Sach«. Leben , Er unterschrieb^ und erhielt dafür “e bunte Liste.m allein auf , alles, tvas man bis zum Abscheu Teste für Üö) »» # «* N Augen, die w i Wf, für A llang £» Freundschast ■*.5> Sifins Die Tür Jjj rfal mit fr»*”* r-m ,Ä> Sl»E M-v Abstoßen von Schwärmen sehr geschmälert. — Die Zerkelpreise sind in letzter Zeit in Rückwärisbeteegung begriffen. Während seither der Kopf Z Wochen alter Jungtiere bi- zu 50 Mark befahlt wurde, ist das Stüd gleichen Alters jetzt schon für 38 bis 40 Mk. zu haben. Der Preisrückgang ist verursacht durch die rückgängigen Fettschweinepreise. Die Metzger und Händler bieten jetzt noch 50 bis 52 Pfennig je Pfund Lebensgewicht. Güdwestdeutsche Bantbeamientagung. Der Gau Südwestdeutschland im Deutschen Dankbeamten-Derein hielt am vergangenen Sonntag in Frankfurt a. M. seine diesjährige Vorstandskonferenz ab, zu der aus allen südwestdeutschen Bankplätzen in sehr großer Zahl Vertreter erschienen waren. AuS dem Geschäftsbericht, den Gauvorsteher Decker (Frankfurt a. OK.) erstattete, ging hervor, daß auch daS abgelaufene Geschäftsjahr weitere erfreuliche Fortschritte brachte. Diese Feststellungen erfüllten die Konferenzteilnehmer mit großer Genugtuung. 535 neue Mitglieder konnten in der Berichtsperiode in Südwestdeutschland dem D. B. B. zugeführt werden. Zahlreiche Beitritte sind in den letzten Wochen wiederum zu verzeichnen, so daß der Deutsche Bankbeam- ten-Bercin in Südwestdeutschland heute rund 4800 Mitglieder zählt und damit über 80 Proz. aller kaufmännischen Bankangestellten umfaßt. Diese überragende organisatorische Vormachtstellung kommt auch in den Wahlen zu den De- triebsvertretungen zum Ausdruck. Ende 1929 zählte der Deutsche Bankbeamtcn-Vercin in 131 südwestdeutschen Bankbetrieben 302 Mitglieder in den Detriebsdertretungen. Der Rechtsschutz erzielte an Gehaltsnachzahlungen, Abfindungen usw. insgesamt rund 182 000 Mk. Auch die Bil- dungSarbeit erforderte wiederum große Aufwendungen. Dem mit großem Beifall aufgenommenen Geschäftsbericht schloß sich eine recht lebhafte Aussprache an. in welcher der Geist kollegialer Verbundenheit und Hingabe an die StandeS- arbeit zum Ausdruck kam. Don allen Vertretern wurde dem Gauvorstand für feine Tätigkeit wärmster Dank ausgesprochen. Einstimmig erhielt der Gauvorstand Entlastung, einmütig erfolgte auch seine Wiederwahl. Unter lebhafter Zustimmung wurden zwei Entschließungen angenommen, deren eine sich mit der nunmehr auch vom Reichsaussichtsamt für Privatversicherung genehmigten PensionSkassenver- schmclzung beschäftigt. Die zweite Entschließung wendet sich mit Nachdruck gegen alle Versuche, die soziale Gesetzgebung und die Leistungen der sozialen Versicherung-träger einzuschränken. Auch der geforderte Gehalts- und Lohnabbau müsse abgelehnt werden. Die Lebenshaltung der Bankangestellten könne nicht weiter herabgedrückt werden. 3n seinem Schlußwort ging Gauvorsteher Decker auf mancherlei Anregungen in der Diskussion ein und beleuchtete die gegenwärtige Situation in wirtschaftspolitischer und sozialer Beziehung, indem er den Standpunkt des D. B. V. zu allen diesen Fragen klar und deutlich herausstellte. Der D. B. V. wolle Mitarbeiten in verantwortungsbewußter Weise an der nationalen Zukunftsgestaltung Deutschlands. Der Appell des Redners zur weiteren entschlossenen Arbeit für den sozialen Fortschritt löste stürmischen Beisall bei den Konferenzteilnehmern aus. Mit einem dreifachen Hoch auf den D. D. D. fand die eindrucksvolle Tagung ihr Ende. Oberhessi'che Gesellschaft für Aaiur- und Heilkunde. In der Sitzung vom 19. Iuli berichtete zunächst Professor Dr. Harrassowitz in einer kurzen Mitteilung über merkwürdige helle Färbungen an Basaltgeröllen aus dem Klingelbach. Die Untersuchung unter dem Mikroskop hat ergeben, daß es sich um dünne Tieberzüge von Diatomeen handelt. Professor Dr. Hummel gab dann in einem längeren Lichtbildervortrag einen Bericht über seine dreimonatige Afrikareise im Sommer 1929, anläßlich des Internationalen Geologenkongresses in Südafrika. 16 000 Kilometer betrug der Weg der Reise. Sie führte durch das ehemalige Deutsch-Südwestafrika, Kapland, Transvaal. Ratal, Rhodesien, ehemaliges Deutsch-Ostafrika, von wo aus die Rückreise mit dem Schiff erfolgte. An Hand eines reichen und guten Bilder- Materials erläuterte der Vortragende zunächst die verschiedenen Landschaftsformen. Afrlla, speziell Südafrika stellt im Vergleich zu Europa einen fehr alten Kontinent Dar, der in den langen geologischen Zeiträumen verfestigt und versteift ist, so daß alle Gebirgsbewegungen und vulkanischen Tätigkeiten feit langer Zeit zur Ruhe gekommen sind. Letztere sinden nur noch im östlichen Afrika statt- Durch Gefamthebung deS Kontinentes und Abtragung durch Wasser und Wind ist Südafrika heute zu einem großen Tafellande geworden, das eine Höhe von durchschnittlich 1500 Meter hat. Die Tätigkeit des MeereS schuf an der Küste einen breiten Flachlandstreifen, von dem aus das innere Tafelland steil aufsteigt An der südlichen Spitze Asrikas ist dem Tafelland, getrennt durch die Karroo-Ebene. noch daS Kapgebirge vorgelagert, das an Ausdehnung und Gestalt den europäischen Alpen gleicht. Es ist aber nicht wie letztere durch große Aufsal- tuggen der Erdkruste entstanden, sondern verdankt seine Entstehung nur der Erosion. Die Flüsse kommen nicht vom Gebirge herunter wie in den Alpen, sondern aus ^dem Innern Afrika- und durchscheiden daS ganze Gebirge, sind also älter als dieses. Zeugen der Erosion im Innern deS Landes sind die Insel- und Tafelberge, die sich steil auS der Ebene erheben. Die harten Gesteine ihres GipfelS schützten sie vor der Abtragung. AlS weiteres Beispiel der gewaltigen Wirkungen der Erosion zeigte der Vortragende In eindrucksvollen Bildern Die Viktoria-Wasserfälle des Sambesi. Sie stellen heute gleichsam die weit in das Innere des Landes zurückverlegte Steilküste deS KontinenteS dar. Eine große Reihe weiterer vorzüglicher Bilder führte den Hörem die Beschaffenheit der Vegetation deS bereisten Gebiete« vor Augen: Im Küstengebiet Südwest-Afrikas große Sand- und Schuttwüsten und nach dem Landinnern zu. bei stetiger Höhenzunahme, eine ganz allmähliche Entwicklung der Vegetation — üoer Steppen, Savannen und Dusch Südafrikas bis zum Urwald Mittelafrikas. Der innerafrikanische Trvcken- wald erinnert in seiner äußeren Erscheinungsweise oft sehr an deutsche Wälder, obwohl die Daumarten völlig abweichend sind. Don einer mehrtägigen Fahrt auf dem oberen Kongo und von einer Besteigung des Kilimandscharo vermittelte eine weitere Serie von Bildern lebhafte Ein- drücke vom afrikanischen Urwald, sowie von den Kultivierungsarbeiten und Plantagenbau in Ostafrika. Reicher Beifall lohnte die interessanten Ausführungen des Dortragenden, der in einem Schlußwort betonte, daß man, um landschaftliche Schönheiten zu sehen, nicht von Deutschland nach Afrika zu reifen brauche. Was aber alle Afrika- reisenden immer wieder in diese« Land zurück- führte, fei feine Weite und Ruhe und feine ewige Sonne. R. N. Entspannung eingetreten, was die Börse tnt Gegensatz zu den ungünstigen Meldungen wieder etwas beruhigte. Die MlttagSblätter sprachen jedoch von Neuwahlen im Herbst. Am Farben- markt regle die Meldung von der Aufnahme der Zeche Mont-Tenis in den 3. • ®. • Farben-Konzern an. doch konnte sich der Kurs nur gering befestigen Spritwerte, Svenska, Reichsbank und einzelne 2 l e k- tro teerte, sowie Salzdetsunh konnten sich bis 3,75 Proz bessern. Montanwert« lagen ebenfalls, unter Führung von Rhein- stahl bis zu 3 Proz fester. Polyphon waren sogar bis zu 5L Prozent gebessert. Deut- s ch e Anleihen lagen unsicher Auch Ausländer zeigten minimale Umsätze Besonders fest waren aber Mexikaner auf Reuyorker Meldungen. Der Pfandbriefmärkt toar noch unübersichtlich Der Geldmarkt war in Anbetracht des Ultimo- steifer. Tage-geld erhöhte sich auf 2 bis 4.5 Prozent, Monatsgeld stellte sich auf 4.5 bis 5.75 Proz. Warenwechsel auf etwa 4 Proz. Reportgeld 4,75 bis 5.25 Proz. Rach den ersten Kurten ließ das Geschäft wieder nach doch konnten sich trotzdem noch Keine Kurs- befferungen ergeben, da an verschiedenen Märkten Materialmangel bestehen sollte. Später konnten sich die im Derlause erzielten Gewinne nicht überall behaupten, und gegen 12.45 Uhr lagen die Kurse meist bi- 1 Proz., bei Spritwer- ten. Polyphon und Bernde r g bis zu 2,5 Proz. unter Anfang. Frankfurter Lchlachtviehmarkt. Frankfurt a. M, 26. Iuni. Auftrieb: 64 Rinder, 998 Kälber. 62 Schafe, 852 Schweine. ES notierten: Kälber, beste Mast- und Saugkälber 74 diS 78, mittlere Mast- und Saugkälber 69 bis 73, geringe Kälber 60 bis 68; Schase. Mastlämmer und jüngere Masthämmel, Weide- mast, 48 bi- 53. Marktverlaus: Kälber ruhig, ausverkauft. Schweine ruhig, geringer Lieber st and. Letzte Nachrichten. Oie Voruntersuchung gegen die Lübecker Professoren emgeleitet. Lübeck, 25. Juni. (TU. Zunkspruch.) Der Oberstaatsanwalt beim Lübecker Landgericht hat auf Grund des vorliegenden Untersuchungsmaterial» in der Angelegenheit der Latmette luberkulosefchutz- impfungen, an deren (folgen bl» jetzt mehr al» 10 Säuglinge gestorben sind, gegen die Professoren Deycke und Klotz, gegen Dr. A11staedt sowie gegen die Laboratoriumsschwester de» Professors Deycke wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung die Voruntersuchung beantragt. Die Voruntersuchung ist vom Untersuchungsrichter eingeleitet worden. Nachdem in den letzten lagen eine gewisse Besserung bei den mit dem luberkutosepräparat gefütterten Säuglingen sestzustellen war, sind in der letzten Nach! von den fchwerkranken Kindern wieder zwei gestorben, so daß sich bie Zahl der Todesopfer auf 44 erhöht, krank sind nach dem Bericht des Gesundheitsamtes noch 69 Säuglinge. D=3ug überrennt einen Lastkraftwagen. Zwei Tote. Mainz, 26. Juni. (IDIB. Drahtbericht.) heule nacht um 1.25 Uhr überfuhr der O - Z u g 364 Dortmund—München an dem beschrankten Bahn- übergang bei Brücke 25 zwischen Gau-Algesheim und Ingelheim ein mit Mehl beladene» Caft- fraftauto au» Münster im Taunus, hierbei wurden die beiden Insassen de» Lastautos, Jean Herr au» Münster im Taunus und Adam Müller au» Hornau, durch Knochenbrüche und Brandwunden schwer verletzt, daß sie heute morgen im Krankenhause ihren Verletzungen erlagen. Der Chauffeur Eduard Hartmann wurde nur leicht verletzt. Der Schrankenwärter wurde vorläufig in haft genommen. »Southern Stoß" nach Aeuyork gestartet. Harbour Grace (Reufundland), 26. Iuni. (WTB. Funkspruch) Da« Flugzeug „Southern Troß" ist heute früh 5.05 Uhr ostamerikanischer Zeit (9.05 Uhr vormittags MEZ ) zum Weiterflug nach Reuhork ausgestiegen. Wirtschaft. Oie Arbeitsmarkt'age im Reich. In der ersten Hälfte des Iuni hat sich noch dem Bericht der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung und Arbeitsvermittlung für die Zeit vom 1. bis 18. Iuni 1930 der Rückgang der Sela ft ung des Arbeitsmarktes und der Arbeitslosenversicherung noch weiter abyeschwächt. Die Zahl der Hauptunterstützungsempsänger in der Arbeitslosenversicherung, die in der ersten Hälfte des Mai noch um rund 130 000, in der zweiten Hälfte um nichl ganz 80 000 abgenommen hatte, ist in der Berichtszeit nur noch um rund 45 000 geringer geworden. Dem steht nicht nur ein weiterer Z u - wachs der K r i s e n u n te r st ü tz t e n um rund 13 000 gegenüber, sondern auch die Zahl der Der- fügbaren Arbeitsuchenden hat zum ersten Male wieder seit Anfang März des Iahres eine geringe Erhöhung um etwa 12000 erfahren. Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger betrug nach den vorläufigen Meldungen der Arbeitsämter am 15. Juni in der Arbeitslosenversicherung 1505 804, in der Krisenunterstützung 351 984, die Summe beider Zahlen liegt mit annähernd 1858 000 um mehr als 900 000 über der entsprechende Summe des Vorjahres. Die Ueberlagerung der Unterstütztenziffern ist bis jetzt gegenüber dem Stande vom 1. Iuni (875 000) weiterhin, wenn auch langsamer, angewachsen. * GroßkraftwerkFrankenAG., Rürn- berg. Die Generalversammlung beschloß die Der- teilung von 9 v. H. Dividende auf die Stamm- und 6 v. H. auf die Vorzugsaktien. Der Antrag einer Opposition, die Dividende für die Stammaktien um 1 v. H. zu erhöhen und das Stimmrecht der Vorzugsaktien dem der Stammaktien gleichzufetzen und nur in ganz beschränktem Umfange ein mehr- faches Stimmrecht zu gewähren, wurde abgelehnt, wobei die Verwaltung betonte, daß es nicht angängig fei, eine Dividendenerhöhung auf Kosten der Zuweisung für den Erneuerungsfonds oorzunehmen. Eine Abänderung des Stimmrechts der Vorzugs- aftien bedeute eine Ungerechtigkeit gegenüber den alten Aktionären. Ein Aktionär wandte sich gegen die Höhe der Strompreise und beantragte an Stelle der von der Opposition gewünschten Dividendenerhöhung eine Nachprüfung oorzunehmen, wie man der Industrie bei dem Strompreise entgegenkommen könne. * Die holländische Kunstseidenaus- fußr Die holländische Kunstseidenausfuhr betrug im Mai 887 Tonnen im Werte von 2 562 000 hfl. gegen 786 Tonnen im Werte von 2 260 000 hfl. im April und 761 Tonnen im Werte von 2 458 000 hfl. im Mai des Vorjahres Die Ausfuhr nach Deutsch- land erfuhr im Mai 1930 eine ungewöhnlich starke Steigerung, sie belief sich auf 311 Tonnen im Werte von 967 000 hfl. gegen 183 Tonnen im Werte von 567 000 hfl. im Vormonat. Frankfurter Börse. Frankfurt a. W.. 26. Iuni. Tendenz: weiter etwas gebessert. — Im Anschluß an Die schon etwas freundlichere gestrige Abendbörse war die Stimmung au Beginn deS heutigen Marktes weiter erholt. Die Einigung im Reichs- fa bi nett und die so gut wie geregelte Besetzung des ReichSsinanzrninisteriums trugen einen wesentlichen Teil zur besseren Beurteilung der Lage bei. Hinzu tarnen noch Deckungen der Kulisse auS Anlaß des heutigen Liquidationstages, so daß sich das Kursniveau weiter heben konnte. Die Kursdifferenzen, die gerade in diesem Monat sehr erheblich sind, erfahren dadurch eine beachtliche Verringerung, so daß die Schwierigkeiten zur Lieberwindung des Ultimos auf ein Minimum herabgedrückt werden. Bei einigen Werten machten sich aber trotzdem empfindliche Kursunterschiede geltend Das Geschäft toar immer noch wenig umfangreich, da der Ordermangel weiter anhielt. Material kam aber kaum mehr an den Markt. Die Kursabschläge gingen in keinem Falle über 2 Prozent hinaus. Am Ehemie- markt waren Rütgers werke 1,5 Prozent fester, während I -G - Far be n»und Holzverkohlung gut gehalten waren. Am Elektro- markt waren A E G. und Licht & Kraft je 1 Prozent höher. Am Montanmarkt waren Rhemstahl weiter 1,75 Prozent fester, während Mannesmann leicht gedrückt eröffneten. Danken waren bis zu 1 Prozent gebessert. Schifsahrtswerte gehalten. Don sonstigen Aktien lagen Deutsche Linoleum etwa 2 Prozent abaeschwächt, Iunghans verloren 0.5 Prozent, Holzmann waren dagegen 1,5 Prozent höher. Im Verlauf war die Umsatztätigkeit weiter gering, ja schrumpfte auf ein Minimum zusammen; aus erneut vorgenommene Abgaben traten gegen Anfang kleinere Einbußen ein. Deutsche Anleihen waren leicht anziehend. Don Ausländem waren Mexikaner etwas gesucht und leicht erhöht Am Geldmarkt toar Tagesgeld mit 2,75 Prozent fest. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1954, gegen Pfund 20,3925, London gegen Kabel 4,8605, gegen Paris 123,77, gegen Mailand 92,77, gegen Madrid 42,09, gegen Schweiz 25,0760, gegen Holland 12,0825. Berliner Börse. Berlin, 26. Iuni. Rach den festeren Kursen des Vormittags- und des vorbörslichen Verkehr- brachte der heutige Börsenbeginn eigentlich eine gewisse Enttäuschung, wenn auch die Kurse durchweg 1 bis 2 Proz, vereinzelt 3,5 Proz. über gestern Mittag-Schluß lagen. Der heutige L i - quidationstag kann als überwunden gelten. Die Spekulation schritt noch zu Deckungen, doch bemerkte man wieder vereinzelte Abgaben. Die Reuyorker Börse von gestern konnte wenig Anregung bieten. Mit Befriedigung nahm man den guten Erfolg der neu aufgelegten 7,5- prozentigen Goldpfandbriefe der Preußischen Zentralbodenkreditbank auf. In der Innenpolitik ist zwar durch die gestrige Einigung im Reichskabinett eine gewisse Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben bie Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. ftronffufi a 1h. 25tr1m Schluß» für# l-tlhr. flrrt Schluß» hir# Anfang» flurü Votum 25 6. 26 6 25 b 26 6 6% A-iuiiipe duiiajwiueiijc von 1987 ....... 87,75 - 87,9 — 7% SeutfAe Sketch«anlewe von 1929 .......... 103,7 103.9 __ Deutsche Anl.-Lblöl.-Schuld mt, Buelos.-Sicchien....... 58,13 58,2 58.3 58.3 De«gl. ohne Au«lo>.-Rechte . . 8,7 8,9 8,75 8,8 8% Heil, «olttltaal von 1929 «rüchabtd. 102%)..... — _ 96 — Cbcrtjclkn Provinz - Auletbe mi Au«!os.-Rechtcn...... 57 — — — Deutsche komm. SammelabL Anleihe Serie 1...... 57,25 _ 57,25 8% yranks. Hyp.-Vank Soldpfr XJII unkündbar btt 1934 . - 100,75 _ — —- 7% Nranks. Hvv -Bank «olbpfe unkündbar bi» 1932 .... 95,5 _ — —- . ('amdurg-Südam Tampsschifs. S Hansa Tompsschiss.....10 «orbdeuticher Llovd.....8 LUgemetne TeukscheTredttani». 10 garmer Bankverein .... 10 Berliner Handelsgesellschaft . 12 kommen- und Privat-Bank . 11 Darmstädter und Rationalbank 12 Leutsche Bank und TtSconto-Vesellschaft, . . . io Treedner Bank......10 Reichrbank..... 12 «.e.®....... t Bergmann.........9 Lekrr. Lteferung4gesellschaft. 10 Ltckt und fltafl......10 .reiten &'®uiUeaume . . . 7H ®rkU|d)a|t für Elektrische Unternehmungen .... 10 Hamburger LtekrrUtkät»-Werke 10 Rhemtiche Eiektrnttäl .... 0 »chietische Lekrrrziiäl. ... 10 LchuckeN & Co. ...... 11 Liemens & Halske ..... 16 Transradto . . ....... 8 Lahmeyer S To.......10 Teutsche Erdöl ....... 6 A.jener Steinkohle......f Gelsenkirchener.......t WL.::::::::« I.se Bergbau.......Io Slöcknerwerke........• Söln-Reuessen........' Manneimaon-Röbren . - Mansselh« Bergbau.....7 Lberschles. Ohienbelxaf .... 6 Lberschles. «okswerke...../ Pböntr Bergbau......6h Rbeinische Braunkohlen . . 10 Rhein stahl........-6 Ätebed ............1.n- 102,5 103,25 113 123 159 141 209.5 133.25 133.5 258 147.75 i42,5 107 141 144 214 - 159 120 239 100 94,5 87,5 214 109,25 123 142 133.25 148,25 ,<31 72 — — 93.25 E m serlin Echluy» ture 51n|ü g» flur< 25 6 26 6 Datum 102.65 165.25 137,5 103.13 113 122.75 158.5 141.25 208.75 133 133 258.25 147,5 175 136,5 141 106,5 140 132 145 146.5 161 211.65 114.65 158.5 72 90,13 128 120.5 93.25 238 5 100 91 94,5 102,5 165 102.5 113 123 159.5 142 209 133.5 133 260.75 148,25 174 137,75 142.5 107.4 143,5 144 146.5 163.25 214,25 114.5 72,5 91.6 127,75 121,75 96,25 239 100 93,5 94,25 Bereinigte Stahlwerke . Ltaoi -Rinen......16'/» ftaltrocrlf SicherSIeben!... ic Kaliwerke Westeregeln ... 10 kaliwerte Salzdetfurth ... 15 0. Zcrben.InduSrte . . . 12 Tvnomit Rodet.......6 Scheide anstatt ....... .9 0o!d!chmidt ........ 6 Rüigerswerke..... 6 Metallgelelllchaft.......8 Zementwerk Heidelberg . . 10 lemenkwert Saristadt. ... 10 vaoh L Frrorag......8 Schulrdets Pahendoser ... 15 cstwerke.........12 atu.......... 1? Bem berg.........1< Zellstos, Waldbos .... 13'/, Zellstoff Mchaffenburg ... 12 Lharlotlenburger Wasser ... 8 Teliauer ffloi....... . 9 Daimler Motoren ...... 0 Deutliche Linoleum ...... Maschinenbau 2L-0. ..... 0 Rat. Lutomobil ....... 0 Lrenstein S Koppel ..... 6 Leonhard Tie- ...... 10 Sreusla........... Frankfurter Maschinen .... 4 Gritzner..... .... 6 Hevlrgenstaect.......C 66.25 101,65 87,75 214,5 108,4 67,5 64 101.5 87.25 213,75 111,75 Zungoan»..... 6 Lechwerke..........8 Mmnkraftwerkr HLchst o. 5L . . 8 Miag...........10 @ebr. Roeder.......10 Voigt Ä Haeffner ...... 9 Süddeutsche Zucker .... io .^ranffun a. 0. Balin Schluß-, turs 1-Üfir- flur# Echluß» turs Ansana- flur» 21 6 26 6 25 6 26 6 87,25 — 87 87 — - 45,5 45.75 202 200.5 202,25 205 — 204 — 370.5 — 366.5 369,5 158,25 157,75 156,25 157.75 — _ 80.13 — 143 _ — 56 — 56.75 — 60 61.5 60,4 61 113,5 111.75 >13.75 — 90 91,5 91 — —— — — 74 — - - 288 291 _ — 236 238 87 87,5 86 87,5 92 — 93 92.6 ■— — 154.4 155.25 119,5 119 119,5 — — — 97.25 97,75 — — 147,75 149,6 12,75 — 32.75 32 5 201 199,13 199.75 200.25 -— — 45,13 45.4 — — 14,13 — — 67.5 67 147 — 147.25 148.5 300 - 300 302.5 —> — 25,13 — —— - — — —»E — — 1 38.5 38 38.25 — — — — ■ — — — 112,5 112 — - — — 150 — 150 — 156,5 — 157,25 25 Ium /6 3imi Amtlich, Jlpfierung t»rlv | Arte timtl Xohtrung (MD | 8riei Ämft-Non. 168,38 168.72 168.48 168.82 Boen. Hörnsheim, 24. Juni. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats wurde der Antrag der Kleinsiedlungsgesellschaft für den Kreis Wetzlar auf Beitritt der Gemeinde als Mitglied wegen der schwierigen Finanzlage der Gemeinde, insbesondere wegen der durch den Wasferleitungsbau bevorstehenden hohen Ausgaben abgelehnt. — Als Ehrenpreis für das diesjährige Kreistierschaufest bewilligte der Gemeinderat den Betrag von 50 Mk. * Salzböden, 24. Juni. Am Montagnachmit- gtag ging über unser Dorf ein heftiges Gewitter nieder. Dabei schlug der Blitz in eine etwa 20 m hohe Pappel am Ausgang des Dorfes nach der Schmelze zu, so daß sie arg beschädigt wurde, und die Splitter in weitem Umkreise umherlagen. I Niederkleen, 24. Juni. Gestern nacht fuhr ein Radfahrer aus Pohlgöns auf der hiesigen Ortsstratze mit seinem Fahrrad in eine Gruppe Mädchen, welche von dem Radfah- rerfest heimkehrten und kam dabei derart schwer zu Fall, daß er bewutztlos auf der Straße liegen blieb. Aach erster Hilfeleistung durch den Arzt aus Lang-Göns, der eine Gehirnerfchütte- | rung und einen Schlüsselbeinbruch seststellte, wurde der Verletzte noch in der Aacht mittelst Sanitätsauto in die Chirurgische Klinik zu Gießen übergeführt. Kreis Biedenkopf. Z Fellingshausen, 25.Juni. Ein junger Mann von hier ist dieser Tage, als er auf einem Fahrrad nach seiner Arbeitsstätte, den Braunsleinbergwerken bei Gießen, fahren wollte, auf der abschüssigen Straße vor Rodheim mit einem Motorradfahrer zusammengestohen und so schwer verunglückt, daß er jetzt seinen Verletz u ng e n e r l e g e n ist. Der Motorradfahrer fuhr, von Rodheim kommend, auf der linken Straßenseite. Die ^lebersichtlichkeit der Straße ist an der ^lnfallstelle durch eine Kurve unterbrochen, und als der Radfahrer das Kraftrad plötzlich vor sich sah, wollte er links ausweichen. In demselben Moment versuchte auch der Motorradfahrer, die von ihm aus rechte Straßenseite zu erreichen, wobei der Zusammenstoß erfolgte. Der auf dem Weg zu seinem schweren Beruf so jäh ums Leben gekommene Bergmann hinterläßt eine Witwe und zwei kleine Kinder, denen die ganze Gemeinde zu dem schweren Verlust herzliche Teilnahme bekundet. Der Krastradsahrer mutzte sich auch in klinische Behandlung begeben, doch sollen seine Verletzungen leichter Art fein. ch Weidenhausen, 23. Juni. Gestern, Sonntagnachmittag 5 Ufrr brcrch in dem Holz- schnippen des Polizeidieners D a st i a n, hier, Feuer aus; der Holzschuppen, sowie das Wohnhaus fielen dem Brande zum Opfer. Dem sofortigen Eingreifen der Feuerwehr ist es zu danken, datz das Feuer auf seinen Herd beschränkt werden konnte. Die Ursache des Brandes ist noch nicht festgestellt. Maingau. * Frankfurt a. M., 23. Juni. Im Restaurant zum Faust fand gestern die Gründungsver- sammlung der Wahlkreisgruppe 33 (Volksstaat Hessen) der Volksnationalen Reichsvereinigung statt. Als Wahlkreisvorsihender wurde von den Kreisgruppenführern der drei die Llnabhängigkeit dieser volksgemeinschaftlichen Sammelbewegung von Interessengruppen gewährleistet. lü. Verbandstag derhessischen Hebammen. In Dieburg hielt unter dem Vorsitz von Frau Kern der hessische Hebammenverband (Sih Offenbach) seinen 16. Verbandstag ab. Vertreter der Regierung, des Kreises, der Gemeinde, verschiedene Kreisärzte, der Leiter der Mainzer Hebammenlehranstalt, der Geschäftsführer der hessischen Unfallversicherungsverbände, Vertreterinnen der Rachbarverbände waren anwesend. Bei den Begrüßungsansprachen bedauerte der Regierungsvertreter die Todesfälle in Lübeck und betonte, datz in Hessen das Cal- mettevcrfahren nicht angewende^ werden sei und auch nicht angewendet werde. Amtmann Strauch (Darmstadt) gab als Geschäftsführer der Hessischen Unfallversicherungsverbände für Städte und Gemeinden von dem Versicherungsschutz der Hebammen Kenntnis. Bei Erstattung des Jahresberichtes wurde bedauert, daß das Hebammengesetz noch nicht verabschiedet ist. Der Kassenbericht, der einen Ueberschuß von 1022 ausweist, fand Genehmigung. In Anträgen setzte sich der Verbandstag für die baldige gesetzliche Regelung des Hebammenwesens ein; eine neue Dienstanweisung soll geschaffen werden. Obcrmedizinalrat Dr. P u p p e l setzte sich dafür ein, datz an Krankenhäusern, in denen Entbindungen vorgenommen werden, geprüfte Hebammen angestellt werden. Auch sollten sich die Hebammen an die Regierung wenden und dahin vorstellig werden, daß jede Wöchnerin ihre Hebamme mit ins Krankenhaus nehmen kann. Weiter wird der Verband vorstellig werden, datz die Pauschalsähe der Krankenkassen erhöht werden, hessischen Provinzen Studienrat Wilhelm Schmidt, Gietzen, einstimmig gewählt. Ferner wurden organisatorische und politische Matznah- men beraten, ein Dienstplan aufgestellt und vor allem das Finanzierungsproblem erörtert, das 0 Pfund l für 30 rlennig pasle für 10 rl< lennig das Pfund. Machen Sie noch heule einen Versuch! Die Fabriken von Dr.Thompson’s Seifenpulver Für Besonders preiswertes Angebot in: Steppdecken Konsumverein GieBenn.« Der Vorstand. 4178A Sonderverkauf in Wäsche! Der Umtausch zum Einkleben der Marken in die Karten geschieht am besten vorher. Die Rückvergütung am Jahres- schluü bedeutet eine wirkliche Ersparnis. Der Konsumverein gibt Waren nur an seine Mitglieder ab; deshalb kommt auch nur den Mitgliedern der Ertrag aus dem Geschäftsbetrieb wieder zugute. Mit dieser Ersparnis lassen sich größere Einkäufe für den Herbst oder für Weihnachten erledigen. 1 Rakel Dr. Thompson's Seifenpulver für 30 Pfennig ergibt 3 Pfund Wasch- G. m. b. 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In der Veröffentlichung heißt es zum Schluß wörtlich: Die aufgeführten Versuche zeigen also, daß 1. „Idee-Kaffee“ im Coffeingehalt dem unbehandelten Kaffee gleichkommt, 2. das Coffein im „Idee-Kaffee“ ebenso leicht löslich bezw. nicht wesentlich schwerer löslich ist als im unbehandelten Kaffee, 3. die vielleicht etwas geringere Wasserlöslichkeit des Coffeins im „Idee- Kaffee“ durch die Notwendigkeit der Verwendung einer größeren Menge, um ein gleich vollmundiges Getränk zu erhalten, wieder ausgeglichen wird, 4. nach den hiesigen Beobachtungen der „Idee-Kaffee“ in seiner physiologischen Wirkung hinter gewöhnlichem Kaffee nicht zurücksteht und mit dem Kaffee Hag nicht auf eine Stufe gestellt werden kann, 5. nach hiesiger Ansicht, besonders unter Berücksichtigung der beobachteten Wirkung des „Idee-Kaffees“ ein Unterschied zwischen einer Coffeinwirkung und einer Kaffeewirkung nicht existiert, daß vielmehr die Kaffeewirkung auf das Allgemeinbefinden des Menschen durch die Coffeinwirkung hervorgerufen wird. Der „Idee-Kaffee“ kann also auf Grund der vorliegenden Analysenwerte, insbesondere der Wasserlöslichkeitswerte, eine besonders gute Bekömmlichkeit, etwa wie Kaffee Hag, nicht aufweisen. Er besitzt auch die ihm nach gerühmte gute Bekömmlichkeit nicht, wie hier durch eine coffeinempfindliche Versuchsperson festgestellt wurde. Die weitschweifige Reklame ist also geeignet, beim Publikum Irrtümer hervorzurufen, die zu bedenklichen Gesundheitsstörungen führen können. Es dürfte von Interesse sein, daß auch an anderen Untersuchungsämtern ähnliche Versuche durchgeführt würden. Solange eine Bestätigung der hiesigen Ergebnisse von anderer sachverständiger Seite nicht vorliegt, wird gegen den Hersteller des „Idee-Kaffees" von hier aus nur im Verwarnungswege wegen irreführender Bezeichnung vorgegangen werden Kaffee-Handels-Aktiengesellschaft (Kaffee Hag) Praktische Sparsamkeit 5 Pfund schöne weisse W.isch-P.iste Anweisung: Lösen Sie den Inhalt eines Pakeies Dr. Thompson's Seifenpulver MarkeSchwan in 1 V« Liter kochendheißem Wasser auf. Danach die Masse gut umrühren und stehenlassen. Nach Erkalten werden Sie im Topf 3 Pfund schöne, weiche, weifje Wasenpaste findenvon ausgezeichneter Reinigungs- und Waschkrafl. Hieraus sehen Sie, daß Dr. Thompson's Seifenpulver, Marke Schwan, von ganz besondererQualilälund ungewöhnlich billig ist. 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