Nr. 72 Erstes Blatt M. Jahrgang Mittwoch, 26. März 1950 Er Iche »nI lägtich, außer Sonntags und Feiertag*. Beilagen: Die Illustriert, Gießener FamilienbläUer Heimat im BUd Die Scholle Monats-Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger- lohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerRummern infolge höherer (BeroalL zernsprechanschlüsse anterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: $ran!furl am Main 11686. GktzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrttck und Verlag: vrühl'sche Univerfilätt-Vuch- und Zteindnlckerei «.Lange in Sieben. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulsttatze 7. Annahme van Anzeigen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher. Preis für I mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig, für Re« klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°, mehr. Chefredakteur: Dr Erhebt Wilh Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Wilh. Lange, für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für bett Anzeigenteil Max Filier, sämtlich in Gießen. Annahme der Agrarzölle und des Maismonopols im Reichstag. Widerstand gegen das Monopol innerhalb der Koalitionsparteien. - Der Reichsernährungsminister stellt das Ultimatum. Berlin, 25. März. (DDZ.) Auf der Tagesordnung des Reichstags steht die dritte Beratung der von den Regierungsparteien beantragten Fnitiativgesehentwürfc zur Aenderung der Agrarzölle. Es sind dazu verschiedene neue Anträge eingegangcm. Darin wird u. a. gefordert, daß den Arbeitslosen ein Teil ihrer Unterstützung in Form von Roggenbrotgutscheinen gegeben wird. Abg. J a ndrey (Dn.) führt aus: Die Landwirtschaft im östlichen Deutschlaitd stehe vor dem Zusammenbruch. Der Ernährungsminister gehe aber diesem Rotstand viel zu zögernd zu Leibe. Er werde von den Landwirten schon Dietrich E u n c t a t o r genannt. Der Minister müsse eine klare Antwort aus die Frage geben, ob er glaubt, daft durch die vorliegenden Entwürfe der gesetzlich festgelegte Preis von 230 Mark für Roggen und 260 Mark für Weizen erreicht wird. 3n Ostpreußen verlassendieLandwirte schon ihre Scholle und gehen ins Ausland. Die sagen: 3n einem Staate, der uns so gemein behandelt, können wir nicht bleiben! Die Der- zweiflunKsstimmung der Bauern ist nicht zu schildern. Die Verantwortung für das, was geschieht, fällt auf die Regierungsmehrheit. Der deutsche Bauer will die Knechtschaft der Sozialdemokratie nicht länger ertragen. (Unruhe.) Abg. S ch m i d t - Köpenick (Soz.) verlieft eine Erklärung der sozialdemokratischen Fraktion. Darin wird die Rotlage der Landwirtschaft anerkannt und betont, die Arbeiterschaft wolle nicht passiv der Vernichtung landwirtschaftlicher Eri- stenzen zusehen. Die Sozialdemokratie wolle die Interessen der Verbraucherschaft nicht zu Dauermaßnahmen werden lassen. Die jetzigen als Rotmaßnahme gedachten Vorlagen feien in den Vorlagen ausreichend gewahrt. Die Zollerhöhungen der letzten Jahre hätten nicht zu Preiserhöhungen geführt. Daraus ergebe sich auch, daß mit Zöllen allein der Landwirtschaft nicht geholfen werden kann. Abg. Dr. Zapf (D. Vp.): Wir haben die stärlsten Bedenken gegen das Maismonopol. Wir find gegen das Monopol. Wenn die Her- ren von rechts jetzt dafür sind, so fragen wir, ob sie denn ihre sonst so oft betonte Gegnerschaft gegen die Ausdehnung der öffentlichen Wirtschaft vergessen haben. Die ungeheure Einfuhr ausländischer A gr ar Produkte, die ;um großen Teil Luxuseinfuhr von Obst und Wein ist, muß endlich abgedrofselt werden. Ob die vorliegenden Entwürfe der Landwirtschaft dauernd helfen können, ist zweifelhaft. Sie werden aber die Landwirtschaft schützen vor dem Eindringen der Flut der ausländischen lieber« Produktion. Die Landwirtschaftskrise ist nur ein Teil der allgemeinen deutschen Wirtschaftskrise. Dauernde Hilfe kann nur kommen bei Herabsetzung der Produktionskosten durch Sanierung der Kasten, Herabsetzung der Zinsen und Senkung der Steuern. Abg. Dr. Hermes (Ztr.N Wir unterschätzen nicht die Bedürfnisse der bäuerlichen Derelen- dungswirtschaft, aber gegenwärtig steht die furchtbare Rotloge im Roggenbau so im Vordergrund, daß hier zuerst angepackt werden muß. Wir wünschen, daß nicht zu frühzeitig die Interessen der bäuerlichen Verelendungewirtschast gegen das Hilfswerk für den Roggen ausgespielt werden. Don dem Maismonopol sind auch wir nicht begeistert: aber bei der Unmöglichkeit einer andern Lösung müssen wir an vielem Kernstück der Vorlagen festhalten, weil sonst ein unvollständiges und stümperhaftes Werk geschaffen würde. Wir' wünschen, daß der Minister von den ihm erteilten Ermächtigungen p r o m p t und energisch Gebrauch macht. Es kommt darauf an. daß die Hilfe schnell geleistet und daß dabei ein versöhiüicher Ausgleich mit der 03er» braucherschast gefunden wird. Abg. langen (Dem.) weist darauf hin, daß die Agrarkrise eine Weltkrise sei und die Getreideüber- schußlänber am stärksten treffe. Da Deutschland Roggenüberschußland sei, befinde sich der Teil der Landwirtschaft am stärksten in einer Krise, der in diesen: Jahre unter den schlechten Roggenpreisen zu leiden hatte. Ein Irrtum sei es aber zu glauben, baß im Osten die gesamte Landwirtschaft darnie- berlicge. Ostpreußen sei beispielsweise Schweine- überfchuhgebiet und habe 1929 rund 665000 Schweine exportiert. Eine dauernde Beseitigung der Roggenfrife fei nur durch Verminderung der Anbaufläche möglich, indem man durch Erhöhung des Weizenzolls einen Anreiz zum Weizenanbau schosse. Ablehnen müsse seine Partei die Hebung des Rog- genpreifes auf dem Wege über die Futtermittel. Sie könne ba^er der Gerstenzollerhöhung nicht zu- ftimmen. Die Erhöhung der Futtermittelpreise werde unübersehbare Folgen haben. Auch das Maismono- pol lehne seine Partei ab. Von mindestens eben so großer Bedeutung wie die Zollfrage sei für die Landwirtschaft die Zins - und Sten er frage. Richt einseitige Getreidepreispolitik, sondern Bauern- politik müsse man treiben. Abg. Freybe (Wirtsch.) erklärt, bte Wcrt- schaftspartei werde den Anträgen der Deutsch- nationalen und der Vauerngruppen zustimmen. im Falle der Ablehnung dieser Anträge aber die Anträge der Regierungsparteien annehmen. Das Problem des deutschen Ostens sei gleichzeitig das Agrarproblem. Den ostdeutschen Bauern kann nicht allein geholfen werden durch Rezepte, die das Schwein zur Keuschheit verurteilen. Das Maismonopol lehnen wir ab, weil wir grundsätzlich Gegner solcher letzten Endes sozialistischen Experimente sind. Wollen wir der Landwirtschaft dauernd helfen, dann müssen die auf der ganze' Wirtschaft laftenben (Steuern* gemildert toe den. Abg. Dobrich (Ehr. Qlat) bedauert, daß nicht früher und schneller Maßnahmen getroffen worden seien, um der katastrophalen Verschlechterung der Lage der deutschen Landwirtschaft vorzubeugen. Bedenklich sei die bei Futtergerste und Roggen vorgesehene Kombination. Die Wirkung dürfe nicht eine Besserung der Roggenpreise, aber eine Mehreinfuhr von ausländischer Futtergerste sein. Das Roggenproblem sei keineswegs nur ein Problem des Großgrundbesitzes Unendlich vielen Bauern geht es heute viel schlechter als manchen Erwerbslosen. (Zuruf bei den Sozialdemokraten: „Run machen Sie aber einen Punkt!") Der Weg der Selbsthilfe ist so schwer, weil die Dauern schwerer zu organisieren sind als die Arbeiter. Mit der Standardisierung haben (vir Versuche genug gemacht, ohne daß damit der Landwirtschaft geholfen toerbe-n konnte. Reichsernährungsminister Dietrich: Ich höre, daß ein Antrag auf Beimah - lungszwan g von Roggen zum Weizen in Dorbereitung ist. Ich behalte mir vor, wenn in der Roggenfrage nicht eine Wendung eintritt, auch diesem Projekt näherzutreten. Der Weizenpreis muß selbstverständlich so gehalten werden, daß er einen Anreiz bietet, vom Roggenbau zum Weizenbau überzugehen. In ber Roggensrage behalte ich mir vor, beschleunigte Maßnahmen vorzuschlagen, sobald ein Heber- fall burch Auslandkonkurrenz, etwa burch Rußland, erfolgen folgte. Das Maismonopol mußte der Dorlage eingefügt werden, da uns keiner einen besseren Weg zeigen konnte. Hier ist immer die Forderung gestellt worden, den Schuh lückenlos zu machen. Wer das Maismonopol ablehnt, also den Schuh ablehnt auf einem Gebiet, wo wir keinen Zollschuh haben, der schafst gerade die Lücke, durch die die ganze Arbeit zerschlagen wird. Selbstverständlich sollen die Monopolerträge zur Stützung der Getreidemärkte verwandt werden. Dem Reichstag muß ich die Entscheidung überlassen, ob er aus dem Hilfswerk das Maismonopol ausbrechen will. Ich habe aber nicht Luft, irgendein Gesehgebungswerk zu vertreten, das durch eine solche Lücke unwirksam geworden ist. Jeder, der das Maismonopol ablehnt, muh die Verantwortung dafür tragen, darf aber nicht von mir erwarten, daß ich morgen diese unvollständige Vorlage vor dem Reichsrat positiv vertrete. (Bewegung.) Bei einer Ablehnung des Maismonopols werde ich die notwendige Ko n - sequenz ziehen und die Verantwortung jenen überlassen, die eine solche Entscheidung herbeigeführt haben. (Unruhe und Beifall.) Abg. Schiele (Dntl.) erklärt, das vorliegende Kompromiß sei ungeeignet, um der Landwirtschaft Jahresdurchschnittspreise von 230 Mark für Roggen und 260 Mark für Weizen zu gewährleisten. Dem Verlangen des Reichspräsidenten werde durch das Kompromiß in keiner Weise Genüge getan. Obwohl die Voraussetzungen für eine andere politische Grundlage zur vollwertigen Regelung der Agrarfragen gegeben waren, habe die Regierung die Rettungsaktion für das Landvolk den Rücksichten auf den Bestand ber Koalition geopfert. Die Deutlchnationalen würben daher die Reuregelung des Weizen-, Gerste-, Hafer-, Mehl- und Zuckerzolles ablehnen. Bezüglich des Maismonopols habe der Minister in seiner Erklärung die deutschnationalen Bedingungen im wesentlichen erfüllt. Da jedoch nicht die genügenden Sicherheiten für die Ausführung des Gesetzes gegeben seien, werde sich die deutschnationale Fraktion der Stimme enthalten. Für uns gibt es gegenüber sachlich unzulänglichen Regelungen nur ein klares Rein. Wir werden nicht ruhen, bis das Verlangen des Reichspräsidenten erfüllt ist. Der Kampf geht weiter. Das Landvolk wird in diesem Kampfe schließlich siegen müssen, ipeil es um sein Grundrecht kämpft: seine Scholle, feinen Hof, feine Familie. Damit schließt die Aussprache. Cs folgen die Abstimmungen. Das Maismonopol wirb mit 195 gegen 122 Stimmen bei 78 Stimmenthaltungen angenommen. Dagegen stimmten Deutsche Volkspartei. Wirtschaftspartei, Kommunisten unb einige Demokraten, barunter ber Abg. Tantzen. Die Deutschnationalen übten Stimmenthaltung. — Gegen bie Stimmen der Deutschnationalen, der Dauerngruppen unb ber Kommunisten werben bie Zollerhöhungen bei Weizen und Hafermit 273 gegen 123 Stimmen angenommen. — Die Entschließung ber Christlich-Rationalen auf Ausgabe von Roggenbrotgutscheinen an Arbeitslose wirb abgelehnt. — Die Zoll- änberungen bei Gerste werben mit 260 gegen 126 Stimmen bei 10 Enthaltungen angenommen. — Mit 273 gegen 54 Stimmen bei 78 Enthaltungen stimmt ber Reichstag dann den Zoll- änberungen bei Malz, Kartoffeln und Klei zu, den Zolländerungen bei Zucker mit 269 gegen 54 Stimmen bei 72 Enthaltungen. — Schließlich wirb ber Antrag ber Regierungsparteien auf Ausgleich von Härten infolge Erhöhung bes Kaffee- unb Teezolles angenommen unb bann in ber Schlußabstimmung gegen bie Kommunisten unb die Rechte die ganze Agrarvorlage. - Mittwoch: Rachtragsetat für 1929 und Rotetat für 1930. Berlin, 26.Mär;. (EBB.) Die Finanzsachoer- ständigen der Regierungsparteien beschäftigten sich am Dienstag in erster Linie mit dem Problem der Sanierung der Arbeitslosenversicherung. Es wurde, wenn auch in anderer Formulierung, wieder auf den schon früher erörterten Vorschlag zurückgegriffen, wonach die Darlehns- p s t i ch t d e s R e i ch e s für die Arbeitslosenversicherung aufgehoben und statt dessen ein be - st i m m t e r Zuschuß des Reiches in den Etat eingestellt werden soll. Die Votkspartei hält dabei an einer h ü ch st g r e n z e von 3,5 v. H. für die Bei träge fest. Die Sozialdemokraten erklärten, sich zu diesem Vorschlag erst nach Befragung ihrer Fraktion äußern zu können. Bei der Erörterung der Steuersenkungen wurde von der Volkspartei verlangt, daß winde st ens ZOORlillionen von der jetzigen Steuerbelastung fallen sollen. Reichs- sinanzmlnister Dr. Moldenhauer erklärte, daß er vor allem bei der G e w e r b e st e u e r eine wesentliche Senkung für möglich halte Die Kapitalertrags steuer könnte am 1. Januar 1931 aufgehoben werden, auch bei der K a p i l a l v e r k e h r s- st eu er könne eine Ermaß gung eintrelcn. Die Verhandlungen der Parteiführer beim Reichskanzler, die um 21 Uhr begonnen haben, dauerten bis VA Uhr. Sie haben noch nicht zu einer Entscheidung geführt, obwohl man in politischen Kreisen angenommen hat, daß der Druck, den das Zentrum in Aussicht gestellt hatte, die wochenlangen Verhandlungen heule abend nach der einen oder anderen Richtung zum Abschluß bringen Neu y o rk, 25.März. (WTB. Drahlmeldung.) Wie schon kur; gemeldet ist die „Europa" um 5.54 Uhr amerikanischer Zeit am Ambrose-Feuer- schisf gesichtet worden. Sie hat den Atlantik- rekord gebrochen. Die für die Ueberfahrt benötigte Zeit beträgt 4 Tage, 17 Stunden, 6 Minuten. Die „Europa" hat den Rekord der „Bremen" um 36 Minuten geschlagen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit b:r „Europa" betrug 27,91 Seemeilen gegen 27,72 Seemeilen des Damp'ers „Bremen". Die Wetterverhält- n i s s c, die der Dampfer bei seiner Jungfernfahrt anltaf, waren schwieriger als die bei der ersten Westfahrt der „Bremen", während der gan;en Reise wurde die „Europa" durch starke Gegenwinde und eine schwere See behindert. Um so höher ist die Rekordleistung des Dampfers ;u berochen. Das große Ereignis der Ankunft der „Europa" hatte trotz des niedergehenden Nebelregens große Menschen maffen an den Brocklyner Pier und an die Ufer von Staten Island gelockt. Zur Begrüßung hatten sich wit vielen anderen Persönlichkeiten Botschafter von Prittwih, Generalkonsul von Lewinski unb Konsul Schwarz eingefunden. Unter dem Sirenengeheul der Hasensohrzeuge glitt das gewaltige Schiss in den Hafen und legte gegen 10 Uhr früh am Brooklyner Landeplah an. Die Morgenblätter widmen dem Eintreffen der „Europa" im Neuyorker Hafen das größte Interesse. Die Berichte über den Fahrtoerlauf nehmen auf der ersten Seite einen hervorragenden Platz ein. In einem „willkommen .Europa'" überschriebenen Leitartikel der „World" heißt es, daß die „Europa" den Rekord der „Bremen" schlage, sei an sich weniger bedeutungsvoll als die Tatsache, daß es sich bei dieser Schöpfung In Gioß-Solmaen wieder ein Kommunist zum Oberbürgermeister gewählt. Solingen, 25. März. (WTB.) Rachdem die Wahl des kommunistischen Stadtverordneten Weber zum Oberbürgermeister von Groß-Solingen vom preußischen Staatsministerium nicht bestätigt worden war, hatte sich die Stadtverordnetenversammlung erneut mit dieser Frage zu beschäftigen. Beim ersten Wahlgang wurden folgende Stimmen abgegeben: Für Weber (Kow.) 19 Stimmen, für Bürgermeister Seynschr (Bürgerliche P.) 21, für Hermann Meyer (Soz.) 8 Stimmen, ferner vier weihe Zettel (Zentrum). Im zweiten Wahlgang erfolgte dann bte Wiederwahl Webers, der 26» Stimmen erhielt, während auf Seynsche wieder 21 stimmen entfielen; 5 Zettel waren unbeschrieben. würde. Talfächlich hat man auch den Eindruck, daß das Zentrum deutlich ;u verstehen gegeben hat, daß es gewillt sei, aus einer weiteren Verzögerung die Konsequenzen zu ziehen, d. h. nach der allgemein herrschenden Aufsassung den Rücktritt der Zentrumsminister vorzunehmen. Wie verlautet, ist auch der Reichskanzler der Auffassung, daß man nunmehr unter allen Umständen zum Abschluß kommen müsse. Wenn das in dieser Besprechung noch nicht möglich war, so hat es seinen Grund darin, daß nach Auffassung der Fraktions- sührer eine Entscheidung nicht möglich ist, ohne die Fraktionen noch einmal ; u hören. Cs scheint, daß auf den verschiedenen Geboten des Finanzprogramms, auch in der Arbeikslofenverfiche- rungsfragc, eine Annäherung zu verzeichnen ist, die aber noch nicht alle Punkte umfaßt. Unter diesen Umständen werden die Verhandlungen morgen beim Kanzler fortgesetzt werden, nachdem die Parteiführer bei ihren Fraktionen festgestellt haben, w'e weit noch ein gegenseitiges Rachgeben tragbar sein würde. Jedenfalls rechnet man in unterrichteten Kreisen damit, daß. die Entscheidung nun i m Lause des heutige iu2t bends bestimmt fallen wird. Soweit der Ausgang der Befprechung beim Reichskanzler eine Beurteilung zutäht, ist sie bei einem Teil der Beteiligten keineswegs ungünstig. Die Entscheidung liegt aber bei den heutigen Fraktionsberatungen. Rachdem sie einen Ueberblick gestatten werden, wird das Reichskabinett heute abend zusammentreten, um eine Entschließung zur Lage zu fassen. der deutschen Industrie der Rachkriegszeit um ein ganz unvergleichliches Schiff handele. Das „Diane Band", das jetzt der Rorddeutsche Lloyd durch die Rekordfahrt der „Europa" erneut an sich riß, hat eine lange Geschichte. Heute existiert allerdings der früher verliehene Wimpel nicht mehr; trotz alledem geht aber der Ehrgeiz der großen Reedereien immer noch darum, diese Auszeichnung zu erhalten. In der Zeit der Wool- Clipper entstand der blaue Wimpel als Auszeichnung für die Kapitäne. Aber erst viel später wurde daraus eine internationale Auszeichnung. Lange Zeit behielt die Cun ard-Line das Blaue Band des Ozeans in ihren Händen. Bis ihr in dieser Hinsicht von der American Collins und Inman Line Konkurrenz gemacht wurde. Damals wechselten noch sehr rasch die Besitzer. Einmal gelang es auch der Guion- Linie, das Blaue Band an sich zu reißen, das sie aber bald wieder an die Curiard-Line abgeben mußte. Bis auf weiteres blieb dann England im unbestrittenen Besitze des Schnelligkeitsrekords auf dem Ozean. Deutschland trat erst viel später auf den Plan, bind zwar gelang es dem Rorddeutschen Lloyd im Jahre 1897 mit dem Dampfer „Kai- serWilhelm derGroße" das Blaue Band zum ersten Male nach Deutschland zu bringen. Die Hamburg-Amerika-Linie löste sodann den Lloyd ab, indem sie im Jahre 1900 mit der „Deutschland" den Weltrekord brach. Aber schon im Jahre darauf konnte der Rord- deutsche Lloyd die Auszeichnung wieder an sich reißen, durch die Rekordfaßrt feines Dampfers „K a i s e r W i l h e l m 1 i'. Jetzt wagte sich erneut die Cunard°Line hervor, die unbedingt die Trophäe wieder nach England bringen wollte. Der 'Dierschraubendampser „M a u r e t a n i a“ war es. zu dessen Bau die englische Regierung Noch immer feine Entscheidung über den Reichsetat. Die „Europa" gewinnt das Maue Band Oie Rekordfahrt des neuen Lloyddampsers. - Stürmische Begrüßung in Neuyork. 30,7” at>ds Mayen. MM .horsha' ADtrdeei 3ud eine heule gezeis gemit De muri Ziga gehrt 40 2 fen e Lölvei «des Anzal wird tag, Prof 3n[fi Jüchi Porlr rrW pflicht Der, an d am l Stad 20 b bund Ober Dere .Kat Gold Stcn fomnv einem vvrer Habei Fuhv ilnle Rag- mege- Di oder bellen freien. heben mühun auf. 3 Kraft, Hoher wo ei gibt. Dan" ober i# Es S gierung und in öic Reg ierungs Fahren mit Wandern zu verbinden trachten, jedenfalls sind die Fußgänger noch in erdrückender Mehrheit, noch sind sie eine Macht, die sich die Wand zu drucken lassen Ein älterer volksparteilicher Antrag, der die Rückgängigmachung der Schulgeld- erhöhung fordert, wird mit allen Stimmen gegen Volkspartei und Volksrechtpartei a b gelehnt bzw. durch die Annahme des Kapitels für erledigt erklärt. Don Regierungsseite wurde ..... daß die Gestaltung des Voranschlags Darmstadt, 25. März. WHP. 3m Finanzausschuß des Hessischen Landtags ist eine Entscheidung über die Abbaumahnahmen an der Volksschule und den höheren Lehranstalten gefallen. Es blieb bei den im Staatsvoranschlag enthaltenen Abbaumahnah - men, die mit 7 Stimmen der Sozialdemokraten und des Zentrums gegen die Stimmen des Landbundes bei Enthaltung der Deutschen Volks- Partei, der Volksrechtspartei und des demokratischen Vertreters bestätigt wurden. Es ist also nicht gelungen, unter den Regierungsparteien eine Einigung zu erzielen, die Verstimmung bei den Demokraten ist groß. Für die morgige Sitzung des Ausschusses dürften daher von den drei Regierungsparteien „Erklärungen" über ihre Haltung zu erwarten fein. Unter Ablehnung aller Aenderungsanträge der Volkspartei und des Landbundes wurde Kapitel 53 (M inisterium für Kultus und B i l d u n g s w e s e n) mit 8 gegen 2 Stimmen bei 2 Enthaltungen angenommen. Annahme sand der sozialdemokratische Antrag, den Gewerbeschulrat im Ministerium auf 3nfjaber zu bewilligen. Kapitel 54 (Stellvertretungs-, Aushilss« und sonstige Verwaltung s k o ft e n) wird mit 10 Stimmen bei zwei Enthaltungen angenommen. Abgelehnt wird der volksparteiliche Antrag, an den sachlichen Kosten 10 000 Mk. zu streichen. Es bleibt auch dabei, daß für Schulausflüge im Etat nichts eingesetzt wird. Kapitel 57 (Volksschulen) wird mit 7:2 Stimmen bei drei Enthaltungen in der Regierungsfassung angenommen. Alle Anträge des Landbundes und der Volkspartei wegen der Gerne-ndebeiträge für die Volksfchulstellen, wegen des Abbaus an den Sonderklassen, auf Abbau einiger Schulratsstellen und Abbaumaßnahmen bei den Fortbildungsschulen sowie Aufhebung des Werkunterrichts, verfallen der Ablehnung. Ein deutschnationaler Antrag auf Wahrung der Parität bei Abbau wird der Regierung als Material überwiesen. Die Regierung wird ersucht, dafür zu sorgen, daß künftig der Landtag mit drei Mitgliedern in den Kuratorien der Seminare für Handarbeit und Hauswirtschaft vertreten ist. Kapitel 58 (Schul turn - und - s p o r t we s e n), Kapitel 59 (Taubstummenanstalten Friedberg und Bensheim) und Kapitel 60 (B 1 i n d e n a n st a ^t) werden ohne wesentliche Aussprache genehmigt. Heber Kapitel 61 (Gymnasien, Realgymnasien, Oberreal» und Realschulen und Pädagogische Seminare) mit 4,5 Millionen Einnahmen und 7,1 Millionen Ausgaben entspinnt sich eine längere Aussprache. ge schäfte einzu mischen, 2. sie haben es ferner zu unterlassen, sich in die Handhabung des bewilligten Haushaltsplans einzumischen, 3. sie werden bei der endgültigen Annahme des Haushaltsplans den Artikel 6 des Fi» nanzgesehes, betreffend Ueberschrei- Rappen den Wanderweg. 3n früheren Zeiten nahm die Landstraße gleich gastlich das Fuhrwerk wie den Zunftgesellen auf. Vor einigen 3ahrzehnten änderte sich das Bild. Den Wanderer zog es auf einfnmere Pfade, wenn möglich in die Höhe, auf der Straße tauchten der Radfahrer und in immer unheimlicher werdender Menge der Kraftwagen auf. Heute sind Radfahrer und Fußgänger auf vielen Straßen kaum noch ihres Lebens sicher. Vor Getute, Staub, Benzinduft und Kotsprihem ist der Raturgenuß dahin. Die nervengepeitschte Menschheit schätzte ein so zweifelhaftes Vergnügen nicht, sie bleibt lieber daheim und hütet Leben wie das sonntägliche Gewand fieber auf dem Sofa oder im nahegelegenen Kaffeehaus. Dabei stehen wir erst am Anfang der Kraftfahrerei. Was tun? Sollen die Verfechter des Wanderns schicksalsergeben zuschauen, oder ihre Begeisterung für das Pilgern durch die schöne Welt in Schimpfen und Fluchen gegen die Kraftwagen verpuffen? Das wäre zwar bequem, aber es wäre auch schlapp. Es dreht sich hier um eine Frage von größter Wichtigkeit. 3mmer lauter werden die Notrufe derer, die häufig hinaus- ziehen, schon jetzt die getoaltige De rkümme- rung der Rechte des Fußgängers emp- sinden und die weitere Entwicklung klar vor sich sehen. 3n vielen Gegenden ist der Wanderer fast ganz, in anderen mehr oder weniger auf die Benutzung der Landstraße angewiesen. Er hat darauf ein 3ahrhund«rte altes wohlerworbenes Recht. Das wird ihm jetzt in steigendem Maße genommen. Der Kraftwagen verdrängt ifyn. See Fußgänger muß sich zur Wehr setzen. Nicht durch Fordern von polizeilichen Maßnahmen gegen den Kraftwagen. Der Siegeslauf des Motors ist nicht zu hemmen. Also müssen wir versuchen, friedlich nebeneinander auszukommen. Dafür aber gibt es nur den einen Weg, daß Kraftfahrer, Radfahrer und Fußgänger möglichst verschiedene Wege gehen. Zwei Beine entfallen auf jeden Deutschen. Noch sind wir selbst beim Autobesitzer nicht so weit, daß er diese einzig für den Gang nach der Garage benutzen möchte. Es mehrt sich im Gegenteil erfreulicherweise stark die Zahl der Kraftfahrer, die selbst Natursucher sind und oft Berlin, 25. März. (SIL) Der Derwaltungs- rat der Deutschen Reichsbahngesellschaft hielt am Montag und Dienstag in Berlin eine regelmäßige Tagung ab. Es wurde hierüber ein amtlicher Bericht ausgegeben, in dem es heißt: Die immer noch fehlende, seit Sommer 1929 erstrebte finanzielle Entlastung seht die Reichsbahnverwaltung nicht in den Stand, für Erneuerung und Unterhaltung in dem erforderlichen .Umfange zu sorgen. Auch der am 8. Fe- beuar gestellte Antrag der Reichsbahn auf eine Erhöhung der Tarife ist bisher von der Reichsregierung nicht entschieden worden. Durch die schlechte Derkehrsentwicklung ist die finanzielle Lage derReichsbahn immer schwieriger geworden. Bis zum 23. März blieben die Einnahmen um 91 Millionen Mark gegen die an sich schon ni örigen entsprechenden Einnahmen des Vo^ayres zurück. Der Derwaltungsrat gab in Anbetracht dieser Lage im Interesse einer weiteren gesunden Wirtschaftsführung der Reichsbahn seine Zustimmung zu einem sofort durchzuführenden Einschränkungsprogramm trotz schwerer Bedenken wegen der Auswirkungen auf die allgemeine Wirtschaft. Durch Herabsetzung der Tagewerke des Personals, Entlassung von Arbeitern, und durch Unterlassung nötiger Arbeiten an Bauten und Fahrzeugen müssen solange weiter entsprechende Einsparungen vor- genommen werden, bis die Betriebseinnahmen wieder die notwendige Höhe erreicht haben. Die Mittel, die der Reichsbahn durch den Anschluß des Reichs an die M o b i l i s ie r u n g s an- lei h e zufließen sollen, können nicht für Ausgaben des laufendenBetriebes verwendet werden und entbinden die Verwaltung nicht von der Verpflichtung für den Ausgleich der Betriebsrechnung, durch Erhöhung der Einnahmen Sorge zu tragen. Die Reichsbahn schränkt ihre Arbeiten ein llm die Tariferhöhung. - Gin Ginsparungsprogramm. man sich vergegenwärtigen, daß die Personal- lasten der Reichsbahn durch Gehaltserhöhungen und Lohnerhöhungen in den letzten Jahren um etwa 780 Millionen Mark gestiegen sind, während gleichzeitig durch Tariferhöhungen ein nominaler Mehrertrag von 417 Millionen Mark erzielt worden ist. Man darf nicht übersehen, daß demgegenüber auch noch eine Steigerung der Sachausgaben bei der Reichsbahn steht und daß das Blld durch-die bekannte Konkurrenz des Automobils noch weiterhin zuungunsten der Reichsbahn verschlechtert wird. Das Defizit, das die Reichsbahn für 1930 erwartet und dessen Ausgleich unbedingt erforderlich erscheint, beläuft sich aus etwa 150 Millionen Mark. Zur Tarifgestaltung der Reichsbahn ist vielleicht auch die historische Erinnerung am Platze, daß im Jahre 1924, ehe die Reichsbahn-Gesellschaft gegründet wurde, mehrmals Ermäßigungen der Gütertarife, und zwar in Hohe von insgesamt 28 Prozent vorgenommen worden sind, die von der Reichsbahn im Hinblick auf die damalige relativ günstige Konjunktur zunächst übernommen werden konnten, weil man die inzwischen eingetretene Steigerung der Personal- und Sachkosten in diesem Umfange nicht voraussehen konnte. Man wird damit rechnen müssen, daß nunmehr eine baldige Entscheidung eintritt. Falls der Reichsverkehrsminister wiederum die Tariferhöhung a b l e h n t, wird man doch noch einmal die ernste Erwägung anstellen müssen, ob nicht die Betriebsrechnung der Reichsbahn durch die Rückvergütung eines Teiles der Befördern ngs st euer wieder ins Gleichgewicht gebracht werden kann, da die wirtschaftlich ungünstigen Folgen de» Tariferhöhung von keiner Seite verkannt werden. Der zu erwartende Verkehrsrückgang und die allgemeine Steigerung der Preise bilden zweifellos ein Argument, dem sich auch die Reichsregierung bei ihren Entschließungen nicht entziehen sollte, wobei sie allerdings um die Erhöhung der Einnahmen der Reichsbahn nicht herumkommt. ©wolkenlos 0nt ne/. onaio oedeckt ®woikio. e oeoecMt ♦ Schnee otraupem «Nebel ■ROew.t'jr.^wmdstme.x*» leichte- O$i ö masset' Südsüdwest Q stürmische- w die Piene theoen mit dem wmot Oie bei den biationeom"u"nie?{7 »i*««H# orn uno Tachomeiec sau neu, ganA wenig gefahr. mtt allem Zubehör äuß. vreisw. abzug. E. 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Lassen Sie mich also erzählen es dauert nicht lange Ich war in einem Jagdschloß zu Gast. Meine Beziehung zur Herrschaft schien ledoch den Übrigens zahlreichen Angestellten, den Dienern. Zofen Jägern, nicht genau bekannt, wenigstens begegneten sie mir mit einer seltsamen Vertraulichkeit. Ich selbst wiederum wunderte mich darüber nicht besonders und ließ miH treiben innerlich unbeteiligt zunächst, wie so oft im Traum, und so trieb ich auch auf einem Jagd- zug mit an dem die Herrschaft anscheinend nicht teilnahm. So ging es denn ein wenig wild und ausgelassen zu. etwa so, wie wir es aus alten vlämischen Bildern kennen, and plötzlich war ein vor Jahrzehnten verstorbener Onkel von mir unter den lärmenden Gästen, die kaum vom Jagdgefolgc zu unterscheiden waren, ein wohlbeleibter zu mancherlei Derbheit und Neckerei neigender Herr der sich wie zu Lebzeiten damit vergnügte mir zuzufetzen Insbesondere hatte er es auf einen Ring abgesehen, den ich trug, ein mir wertvolles Andenken an einen Freund und wollte ihn mir durchaus vom Finger ziehen Je mehr er drängte, um so mehr widerstrebte ich, und so wandelte sich Scherz in Ernst, daß ich zuletzt von den anderen der Svahverderberei bezichtigt keinen Ausweg sah, bis mir unvermutet einfiel hier könne und werde my die Frau des Hauses Ordnung schaffen. Bun wissen Sie ia. daß es im Traum keine zeitlichen und räumlichen Entfernungen gibt. Ich riß mich los rannte, mitten im Wald, ohne weiteres davon und war, von meinem Wunsch getragen, sofort im Schloß Da lief ich suchend durch Zimmer und Korridore und stürmte schließlich in einem kleinen, von warmer Dämmerung erfüllten Saal der Dame des Hauses, die dort in einem Sessel am Kamin sah, zu Füßen, ein Hilfeslehender, und barg meinen Kops in ihrem Schoß Zugleich sah ich - und fand nichts dabei mit geschloffenen Augen zu sehen —, daß Sie diese Dame waren Ich sah Ihre blonde Stirn sich über mich neigen, daß einige Locken nach vorn fielen, sah Ihre immer ein wenig angestrengten Augen gnadenreich aufleuchten, fühlte Ihre kleinen kühlen Hände begütigend über meinem Haar und sehen Sie, in diesem Augenblick fiel von meinem Herzen etwas ab wie die Last eines langen Lebens Was galt da noch ein Ring, als ein unbeschreibliches Gefühl der Erlösung, des vollendeten Glücks mich durchströmte. Mein Selbstgefühl schwebte auf den Wolken einer aromatischen Süße empor, es breitete sich um mich her eine Stimmung von solch erdenferner, ja beinahe hei'iger Erhabenheit, daß ich in Tränen ausbrach, in Tränen jener Art, wie sie aus unseren Augen treten, wenn uns ein Werk der Kunst erschüttert oder die edle Tat eines Menschen unseren verschütteten Glauben an das Gute wieder ins Licht hebt. In dieser ungemeinen Bewegung schwanden mir die Sinne und - der Traum war vorüber Ich wachte aus Es war noch lange Zeit bis zum Morgen. Während indessen die meisten Träume rasch verwehen oder doch nur ein paar kärgliche, rein bildhafte Spuren zurücklassen, hat dieser sich meinem Gedächtnis eingeprägt wie eine taghelle Begebenheit Ich denke manchmal, daß die Erlebnisse des Träumenden denen des Wachenden mindestens gleichwertig sind und gar nicht unterschätzt werden dürfen, denn im Schlaf sind wir doch eigentlich mehr bei uns selbst als im Wachen, wo unser Bewußtsein von einer Vielheit von Eindrücken zersetzt wird Einen Traum zumal wie diesen, dessen Spiegelungen offenbar zum festen Bestand meines Angedenkens gehören glaube ich nicht ernst genug nehmen zu können Ich weih nicht, wie Sie darüber denken, ob Sie lächeln oder ob Sie den Kopf schütteln aber Ihre Erscheinung im Traum stimmte so vollkommen mit Ihrer wirklichen Erscheinung überein, sie war. wenn Sie den Ausdruck erlauben mögen, so wenig traumhaft und in ihrer Wirkung fo mächtig über den Traum hinaus, daß mich nichts hindern kann, an eine geheimnisvolle, wahrscheinlich nie ganz ergrünöbare Beziehung zwischen beiden zu glauben Und eben aus diesem Glauben schien mir die Pflicht zu erwachsen, Ihnen diese Geschichte zu erzählen, darin Sie mir begegnet sind als ein Wunschbild jener jenseitigen Weiblichkeit, die uns ewig hinanzieht, oder als gestalteter Widerschein der Ausstrahlungen aller gütigen Weiblichkeit, die meinen Weg hienieden je gekreuzt hat. Was Sie aber auch von dieser Mitteilung halten mögen, und wäre es - nichts nehmen Sie sie. das Ungewohnte darin mit der Ihnen eigenen Milde vergebend, als eine Kundgebung des Dankes, der Dankbarkeit für ein innerstes Erlebnis von unvergeßlicher Lieblichkeit und von un- versieglichem Trost - für die wundertätige Berührung mit einem jener Geheimnisse, von denen wir alle umgeben sind, mitten in unserem Leben. Uraufführung in Frankfurt. Gestern abend fand im Frankfurter Schauspielhaus die Uraufsührung der dreiaktigen Tragikomödie „Schwingen über Europa" von Robert Nichols und Maurice Browne statt. Bei dem anscheinend chronischen Mangel an guten deutschen Stücken ist das Ueberhandnehmen fremder Dramatik auf unseren Bühnen kaum verwunderlich Besonders englisch« Stücke tauchen neuerdings überraschend zahlreich auf. Diese Tragikomödie ist in Reuyork fast anderthalb Jahre lang gespielt worden. Trotzdem ist sie ein gutes Stück. Cs handelt sich um eine Zukunstsphantasie aus dem Jahre 1940, übet die man lächeln konnte als über einen Theaterscherz, wenn nicht eine sehr ernste Idee dahinter stünde. Das Thema an lich ist sehr alt Kamps zwischen Materie und Geist Kampf des wegweisenden Propheten gegen die ungläubige und schwunglose Menge der andern. Die Ausführung - unter der guten Regie Sakheims, mit tüchtigen Darstellern wie Derboeven. Taube Engels und andern — war ein star'er Erfolg Es wird noch einiges über das Stück zu tagen fein. hth. Oer Absatz als Lebensretter. Jetzt erst wird in Verbindung nut dem letzten großen Bombenattentat in Chicago, dem das Haus eines Juweliers zum Opfer fiel, eine Episode bekannt, die, wenn sie nicht erfunden ist, uns wieder einmal mit Staunen über die Wege der Vorsehung erfüllt. In dieses Haus war zur Zeit des Attentats mit fingierter Unterschrift ein Mr. Leewson zwecks Abschlusses eines großen Geschäftes bestellt worden, in Wirklichkeit war es natürlich auf fein Leben abgesehen Nichtsahnend machte Mr. Leewson sich zu Fuß auf den Weg nach dem nicht sehr weit entfernt liegenden Hause und verlor unterwegs den Absatz des linken Stiefels. Aergerlich über diesen Zwischenfall suchte er sofort die nächste Schnellbefohlerei auf. um sich den Stiefel reparieren zu lassen. Da er nicht der einzige Kunde war, dauerte die Angelegenheit für ihn fast eine halbe Stunde, - und dieser Aufenthalt rettete ihn In derselben Minute fast, in der er die Reparatur bezahlte, ging das Haus, in dem er sonst schon längst eingetroffen wäre, in die Luft. Oie große Müielmeersahrt der Reichömarine. Was unsere blauen Jungens sehen werden: Oben links: Spanien, das Land der schonen Frauen Oben rechts: Santander, der bedeutende Hafen im Golf von Biscaya der von den Torpedoflottillen angelaufen wird Unten links Athen, das Ziel der Linienschiffe „Schleswig- Holstein" und „Hannover". Unten rechts: Der Felsen von Gibraltar, die englische Feste am Eingang des Mittelmeers, die von dem Geschwader passiert wird. Stalins Bremse. Don unserem dl.-Berichterstatter. Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten I Moskau, Ende März 1930. Unvoreingenommen betrachtet, spielt sich gegenwärtig in der Union der Sowjetrepubliken das gewaltigste Geschehen der Menschheitsgeschichte ab Einem zu 90 d. Sy agrarischen Staat wird von einet Minderheit eine fremde Idee aufgezwungen, wird ein Programm auferlegt, das die Industrialisierung in einem Tempo vorsieht, daß in fünf Jahren „die größten Fortschritte der anderen Industrieländer eingeholt, ja überholt werden sollen" Das riesige russische Reich wird in eine soziale und in eine Agrarrevolution, ja in eine Revolution aller feit Jahrhunderten überkommenen Einrichtungen gestürzt. daß es bis in seine Grundfesten erbebt Daß eine so unerhörte Umschichtung aller Werte unter Explosionen und weithin hörbaren Detonationen vor sich geht, ist unvermeidlich Man tut in Europa aber im ureigensten Interesse nicht gut daran, wenn man jedes Wetterleuchten der sowjetrussischen Erschütterungen, das nach dem Westen hinüberflammt, als ein Zeichen des Unterganges, als „den Anfang vom Ende" ansieht Dieser Anfang ist, wenn man will, erfolgt, als Lenin im plombierten Wagen nach Rußland zurückkehrte Aber das Ende?. 210(6 ist der Kommunismus an der Macht Roch ist ein Rach folger für die kommunistische Konkursmasse nicht zu sehen Und noch ist Stalin am Ruder, auch wenn seine persönliche Stellung, wie man sich zuraunt, durch die neueste „Schwenkung" leicht erschüttert sein soll, durch eine Schwenkung, die genau besehen nicht mehr und nicht Brief an eine Dame 23on Will Scheller. Ihre Augenbrauen, gnädige Frau, sind ein wenig zusammengezogen, ich weiß es. vor Verwunderung aber auch ich. warum es leugnen kann nicht umhin, etwas befremdet mir selber gleichsam über die Schulter zu blicken, auf dieses Papier das. nicht ganz eines gewissen Zögerns dar. mit Schriftzeichen bedeckt wird Sie wundern sich, daß ich Ihnen schreibe, ob wohl es doch so einfach und selbstverständlich wäre mit Ihnen zu sprechen Denn der Gelegenheiten dazu gibt es gewiß viele und mannigfaltige nicht nur wenn ich das Vergnügen habe Ihr und Ihres Gatten, meines Freundes. Gast zu sein oder Sie bei uns zu sehen, sondern auch, ost genug, nicht wahr im Theater, in einer Ausstellung in einem Konzert Ich aber, ich sehe mir befremdet zu. wie ich Ihnen schreib? wie ich im Begriff bin. Ihnen etwas zu erzählen, wovon ich noch gar nicht einmal weih ob sich s überhaupt in Worten lagen läßt ganz gleich, ob von Mund zu Mund oder auf einem Papier, bas erst auf dem Umweg durch viele fremde Hände zu Ihnen gelangt Aber reizt nicht eben das am meisten zur Erzählung was uns geheimnisreich, rätselhaft, ia am Ende unaussprechlich erscheint? Das mag indessen sein, wie es wolle ich habe erschrecken Sie bitte nicht, lächeln Sie. bitte, auch nicht allzu sehr - ich habe von Ihnen geträumt Nichts was das Licht scheuen müßte, o nein es ist schon sehr viel Licht dabei. Es ist etwas das Empfindungen von einer Seltenheit, fast mochte ich sagen Erlesenheit, wachgerufen hat. deren Nachhall mich nun schon tagelang geradezu verfolgt wie eine Mahnung Wenn ich sie diese Erinnerung, recht verstehe, zielt sie darauf hin. daß ich. sagen wir. kein Geheimnis vor Ihnen machen soll aus dem, was ich von Ihnen geträumt habe. Vielleicht irrt mein Gefühl. Ich weiß es nicht Aber wir wissen ja gerade dann am wenigsten wenn unsere tiefsten Erlebnisse laut zu werden suchen Wir sind tote iene Märchenfiguren, die. in eine Zaubertoelt geraten, das Beste zu ver- gelten pflegen, wenn sie wieder in die sogenannte Wirklichkeit zarückkehren. Ich möchte einmal versuchen, das Beste nicht zu vergessen, die Mahnung der Fee oder des Königs im weniger als — die Rückkehr zum Fünf- j a h r e s p 1 a n ist. WaS ist geschehen? Der Fünfjahresplan, der 1928 geschaffen wurde, ist, wie betont, in der Hauptsache ein Jndustrieprogramm und teilt, soweit aktive Reformtätigkeit in Frage kommt, der Landwirtschaft nur einen bescheidenen Platz zu Wan kannte den bäuerlichen Widerstand gegen den Konmunismus als Idee, als Religion, wie man ujn neuerdings predigt Aber ein Exempel sollte an dem widerspenstigen Bauern statuiert werden. Und man glaubte in Moskau, zwei Fliegen mit einem Schlag zu bekommen, wenn man in Erkenntnis der Notwendigkeit einer Hebung der landwirtschaftlichen Produktion Riesengüter auf der Grundlage der kollektiven Landbewirt- l ch a f t u n g schuf, die in ihrer Anzahl etwa 25 v H sämtlicher Bauernwirtschaften ausmachen sollten Stalin ging also dakan, das Programm Trotzkis, seines verhaßten Feindes, in die Tat umzusehen Aus der Einnahmenseite des Fünf- jahrcsplanes spielte der Bauer nach wie vor eine hervorragende Rolle Er hatte die enormen Steuern aufzubringen, feine Wirtschaftsmethoden zu rationalliieren, seine Anbauflächen zu erweitern und für Ekportgetreide zu sorgen, also für das Hereinkommen der edlen Valuta, die man zur Industrialisierung brauchte Aber der Bauer streikte Er lehnte es ab. mit seinem Schweiß das Defizit zu decken, das die sozialistische Industrie, der Staats- und Genossenschaftshandel und der enorme Lerwaltungsappa- vat alljährlich aufwiesen Er hatte das billige Brot durch über zehn Jahre für sündhaft teure, größtenteils untaugliche Ware in Tausch geben müssen Seine Geduld war zu Ende. Und Stalin sein ganzes riesenhaftes Industrialisierungs- Linienschiff „Schleswig-Holstein", das Flaggschiff des Dize-Admirals Oldekopp (Porträt links), der die große Mittelmeerfahrt letten wird, zu der am 2. April die Linienschiffe „Schleswig-Holstein". „Schlesien", „Hannover". „Hessen", der Kreuzer „Königsberg" und mehrere Tor- pedobootslottillen auslaufen werden. Projekt in nichts zerfallen, wenn der Bauer weiter bei seinem Widerstand beharrte. „Der Dauer will nicht? Als Arbeiter wird er wollen müssen, wenn er Hunger haben wirdl" Und gleichzeitig mit der Veröffentlichung des Programms für die verstaatlichte Industrie wurde die Sozialisierung von 25 d. Sy der Bauernhöfe verkündet, die schrittweise, langsame Sozialisierung, die gleichfalls in fünf Jahren, also 1933, abgeschlossen sein sollte. Man weiß, wie sich die weitere Entwicklung vollzogen hat. In dem Kulaken, dem Großbauern, erblickte man einen Gegner, einen grundsätzlichen Gegner jeder, auch der schrittweisen Kollektivierung Und ihm erklärte man den Kampf bis aufs Weiser, bis zur „physischen Vernich- tung" Daneben ging das Anziehen der Steuerschraube gegenüber den freien Wirtschaften (weil man Geld für die Industrie brauchte) sowie die Propaganda für den „freiwilligen" Beitritt zu den Neu zu gründenden Kollektivwirtschaften, denen man Steuererleichterungen. Klassenvorrechte und andere Privilegien gewährte. Der bäuerliche Widerstand verdoppelte sich — und damit der behördliche Gegendruck Jungkommunistische Stoßbrigaden wurden auf das wehrlose Land losgelassen. Widerspenstige wurden zu Tausenden als „Klassenfeinde" behandelt und hingemordet, und wehe dem, der sich bolschewistischer Gewalt widersetzte! Sämtliche Faktoren wirkten in ihrer maßlosen Ueberspihung zusammen Der Bauer — ob zu dem Eintritt in die zu gründenden Kollektivbetriebe auf gefordert ober unter die Steuerpresse gesetzt — sah sich am kürzeren Hebel, sah das Hungergespenst mit Riesenschritten auf sich zukommen Er unterschied nicht die Finessen des Fünfjahres- Plans für ihn handelte es sich nicht um den Sieg einer Idee, sondern um die Rettung des nackten Lebens. Und vor die Alternative gestellt: verhungern oder (wie er es auffahte) in der Kollektivwirtschaft versorgt, staatlich versorgt zu fein, — wählte er das letztere. Diese Entwicklung hat sich der Kreml selbst zuzuschreiben. Als die Dauern in den Gemein- Ichaftsbetrieben ihre Rettung zu erblicken begannen und die Kollektivwoge über seinem Kopf zusammenzuschlagen drohte, kam der Artikel Stalins und sodann der Beschluß des Politbureaus. Laut und vernehmlich wurde da Halt! gerufen. Denn der Fünfjahresplan, das ganze grandiose Projekt der Industrialisierung Rußlands, war in Gefahr. Man sah, daß die Landwirtschaft nicht nur das zur Investierung in die Industrie nötige Kapital nicht würde zur Verfügung stellen können, ja, daß sie selbst auf absehbare Zeit Zuschußbetrieb zu werden drohte. Denn von allen bestehenden Kollektivwirtschaften hat bisher — nur eine einzige Ueberschuh abgeworfen. Und nicht die „Schwenkung" Stalins ist _ das wesentliche an der Bremse, die er der ungestümen Kollektivierung angelegt hat, sondern die allerdings bange Frage, die sich heute Moskau vorlegt, ob es zur Umkehr, zur Besinnung auf den Plan noch nicht zu spät ist. Der „Fortschritt" der Kollektivierung hat sich im Sinne des Fünfjahresplans so unzweideutig als Rückschritt. ja als Bedrohung des ganzen Planes erwiesen, daß auf den Taumel der hundertprozentigen Sozialisierung eine böse Ernüchterung gefolgt ist. Was wird jetzt werden? Die Dekrete jagen einander. Und in der Sowjetunion ist heute der seltene Zustand eingetreten, daß man das Urteilsvermögen und das Augenmaß für die Vorgänge zu verlieren droht weil die Ereignisse tich in einer Hast überstürzen, die nicht mehr beschrieben werden kann. Was gestern noch neu war ist heute schon längst überholt, und die Zeitgesch.chte Rußland ist in eine Periode eingetreten, daß jedem, der nicht abseits steht (und das ist schier unmöglich, da man die Entwicklung täglich am eigenen Leibe verspürt), genau wie den Leuten im SXreml der Atem vergeht. — Wo wird das Geld Herkommen? Wer soll Steuern zahlen? Wer soll die Lasten der Verwaltung tragen? Was soll noch alles enteignet und „sozialisiert werden, wenn (wie es jetzt schon der Fall ist) nicht nur die Wohnungen, sondern auch schon die Wohnungseinrichtungen „verstaatlicht" sind? Was wird man noch alles beschlagnahmen, wenn lwie es schon heute geschieht) durch die Straßen Moskaus Mühen. Mäntel und selbst — Hosen spazieren geführt werden, die den Kuckuck der Pfändungsbeamten tragen? Diese Fragen interessieren den „Bürger" im gleichen Maße wie den Proletarier. Sie interessieren vor allem aber auch die Sowjetleute und werden maßgebend sein bei der Beurteilung der weiteren Aussichten des Fünfjahresplan. Dahinter steht aber die große Schicksalsfrage- wird es, auch wenn Stalin letzt die Rotwendigkeit einer Atempause zur „Untermauerung der bestehenden Kollektive anerkennt, möglich sein, diese Mammutwirtschaften zu qualitativem, ökonomischem Arbeiten zu erziehen, wird es gelingen, den Bauern auch für die Kollekttv- idee zu gewinnen? Auch nach Der Anlegung Der Stalinschen Bremse bleibt alles zweifelhaft und ungewiß, während jedem „Klassenfeind" auch weiter als letztes Mittel der Karabiner der GPäl-Leute droht, in dem die Kugel recht locker sitzt. Die ganze Radikalisierung des inneren Wirtschaftslebens wirkt sich auch natürlich auf die Wirtschaftsbeziehungen mit dem Ausland, mit England. Amerika und vor allem mit Deutschland aus. Oa, es find bereits so unzweideutige Anzeichen dieser zu- nehmenden Radikalisierung auch in dieser Hinsicht vorhanden, daß für Deutschland die dringende Frage unmittelbar auf der Tagesordnung stehen sollte, wie unter diesen Umständen überhaupt an eine Fortsetzung der Wirtschaftsbeziehungen zu denken ist. Zur Zeit ist eine Flucht der Deutschen aus der Sowjetunion im Gange, die von den deutschen Kolonisten nur eingeleitet wurde. 12 000 bis 14 000 deutsche Reichsangehorige leben noch auf den weiten Flächen Der Union verstreut, teils als HanDwerker. als Ge- toerbetreibenDe. als Bauern usw. Gegen sie geht man nicht weniger rigoros als gegen Die eigenen Bürger vor. Die Steuerwillkür, die von den vertraglich verbotenen Enteignungen beim besten Willen nicht zu unterscheiden ist. die Dekrete und Berordnungen Der verschicDensten BehörDen. das Verbot, privaten Handel zu treiben, und anderes mehr macht ihnen Das Leben zur Hölse. Das 1921 abgesch.ossene RieDcrlassungs- ablonimen ist bei Dem Vertragsabschluß 1925 nicht rcüiDiert worden, inzwischen aber Durch Die Verhältnisse in einem Maße überholt, Daß sein Bestehen heute nur noch ein Hohn auf Die wahre Lage ist. Was will Berlin tun, um Die Deutschen vor Dem Terror übereifriger Stalinanhänger zu schützen? Die „Oswestija" berichtete vor kurzem, daß die in Berlin zwischen Curtius und Krestinski stattgefundene Unterredung — sowjetistischen Beschwerden gegolten habe. Wer die hiesigen Verhältnisse kennt, muß das als einen Schlag in das Gesicht der hiesigen Deutschen auffassen. Der Fall Der Konzession Drusag. Der unter faDenscheinigem VorwanD übergroße Strafen zudiktiert tourDen und von Deren bevorstehenDen Aneignung Durch die Sowjetregierung man offen spricht, ist ein Beweis für sowjetrussische „Loyalität". Ist die „Frcund'ch. ft" Den sch . nds für die S w'ets wirk- lich so groß. Daß man Diese Sprache nicht versteht? Auch in Der neuen Aera Stalins wird fein Wort Geltung behalten' „Wir brauchen keine ausländischen Kapitalisten!" Die gefiedMe Schlange. Vornan von Edgar Wallace. 9 Fortletzunq Nachdruck verboten „Warum hat er Denn Ohren Rock gestohlen, wenn er nicht einmal Ohre goIDene Uhr mitgenommen hat?" fragte Der nüchterne Beamte. „Weil er keine Zeit hatte, ihn zu Durchsuchen." Ölber Der Sergeant war Damit nicht einverstanden. „Sie kennen Diese Kerle Doch genau so gut wie ich, Mr. Dewin. On Dem Augenblick, als er sich cntDedt sah. mußte er Doch zuerst an seine Flucht Denken, und es war Doch Dumm von ihm. sich mit einem Rock zu belasten. Sicherlich hätte er nicht Ohre Uhr un> Kette zurückgelassen, wenn er stehlen wollte." Später am Morgen wurde der Rock Denn auch tatsächlich von einer Polizeistreife in einem benachbarten Hof gcfunDcn. Man konnte sich Den UmftanD nicht erklären, Daß noch ein silbernes Zigarettenetui in Der Tasche war, obwohl Das Kleidungsstück grünDlich Durchsucht sein mußte. Peter hörte Diese Reuigkeit verwunDert an, aber Die Lösung Des kleinen Rätsels erhielt er erst, als er zufällig Das Kissen seines Bettes umdrehte und Die kleine Börse sah. Cs wurDe ihm plötzlich klar. Daß Der nächtliche Besucher nur nach diesem Gegenstand gesucht haben konnte. On seinen kühnsten Gedanken hätte er sich nicht eingebildet, daß Daphne Olroyd für diesen nächtlichen UeberfaU verantwortlich sei — und trotzdem war es so. 7. Daphne Olroyd hatte Peters Dersprechen ernst genommen, daß er sie besuchen wollte und hatte in ihrem Stuhl bis ein Uhr nachts gewartet. Dann schreckte sie plötzlich mit einem Kältegefühl auf und entdeckte, daß ihr Feuer aus- gegangen war. Sie war mit Recht auf Peter böse, und ihr Unwille über sein Verhalten überschattete die Erinnerung an den ereignisvollen Abend. Offenbar hatte er sie vollkommen vergessen. Cs war überhaupt absurd, ihn zu erwarten. Was für eine wichtige Mitteilung hätte es fein müssen, daß er sie noch um Mitternacht in ihrer kleinen Wohnung aufsuchen durfte! Sie nahm ihr Bad und schlüpfte gerade aus ihrem Schlafrock, als die Klingel ertönte. Hastig warf sie ein Kleid über und ging zur T^r, da sie glaubte, daß es Peter sei. Als sie aber das Licht andrehte und öffnete, starrte fie verwundert auf den Besuch. Es war Mr. Leicester Crewe. Sie erkannte ihn zuerst nicht, denn sein Gesicht war eingesunken und verzerrt. „Kann ich eintreten?“ fragte er unvermittelt. Stirnen, Sport und Spiel. Handball der Sp.-Dg. 1900. ö. Die erste H a n d b a l l m a n n s ch a f t der Spielvereiniäung 1900 vermochte sich am Sonntag im Rückspiel gegen Den T. - D. Garben- teich nicht erfolgreich Durchzusetzen. Sw muhte auch erfahren, Daß Den Garbenteicher A.-D.-^.- ßeuten auf eiger em Platz kaum beizukommen ist unD sich 5:3 genügen bekennen. Auf Dem schräg liegenden Platz spielten die 1900er zuerst bergauf und muhten dadurch den Einheimischen im großen und ganzen das Kommando überlassen. Das hätte aber bis kurz vor Halbzeit nicht zu drei Toren für den A.-D.-T.-Meister zu fuhren brauchen, wenn die Gießener Hintermannschaft nicht verschiedene Deckungsfehler begangen hatte. Die Garbenteicher waren besser auf der Hut und liehen nur 1900s Halblinken zum Erfolg kommen. Rach bem Wechsel erwartete man von den Gästen. daß sie den Spieß umdrehen würden. Erne Feldüberlegenheit war auch dank des besser werdenden Zusammenspiels festzustellen, jedoch ha- perte es vor dem Tore sehr, und manche gute Chance wurde durch die geringe Wurfsicherheit der Gießener Fünferreihe ausgelassen. Hier hätte sehr leicht der Sieg sichergestellt werden können. Die Garbenteicher gingen gegen Schluß noch einmal aus sich heraus und sahen chre Bemühungen ebenfalls durch zwei Tore belohnt. Das Spiel war hart — die Spielvereinigungsleute schienen anfangs nicht recht darauf geeicht — jedoch frei von unfairen Handlungen. Ergänzend fei noch bemerkt, daß die 1900er mit drei Mann Ersah gefahren waren, während Garbenteich seine vollständige Elf zur Stelle hatte. 1900s erste Ougend fand in der gleichen Mannschaft des T. -B. Londorf nicht den erwarteten Widerstand und siegte leicht mit 7:1 (6:0). Handball im Turnverein 1846 Gießen. Die ziemlich ersatzgeschwächte 1. Mannschaft mußte in Friedberg eine 3:0-Rie- Derlage hinnehmen. Die erste Halbzeit zeigte verteiltes Spiel. Die Gießener waren mit ihren Torwürfen vom Pech verfolgt, Friedberg war in dieser Beziehung glücklicher und konnte zwei Tore vorlegen. Rach Der Pause lagen Di» Gastgeber mehr im Angriff, kamen aber nur noch zu einem Erfolg, Da Der jugendliche Gießener Torhüter im Verein mit der Verteidigung sehr Gutes leistete. Die 1. Ougend konnte die gleiche der Tg. Friedberg mit 8:3 abfertigen. Sie war den Platzbesitzern in jeder Hinsicht überlegen und siegte in dieser Höhe verdient. Die Schüler, die ein Rückspiel in Treis austrugen, verloren gegen den körperlich stärkeren Gegner 4:0. Faustball. Die 1. Mannschaft weilte ebenfalls in Friedberg und trug Spiele gegen Tg. Friedberg und Tv. Homburg aus. Während Homburg mit 39:25 Punkten hoch geschlagen wurde, verlor die Mannschaft nach gleichartigem Spiel gegen Den Gaumeister FrieDberg 27:30. Arbeiter-Turn- und Sportbund. Kreis-Futzballiag. On Frankfurt a. M. fand am Sonntag der ordentliche Kreisfußballtag des 9. Kreises statt. Nach Entgegennahme der Geschäftsberichte, die kurz erläutert wurden, setzte eine lebhafte Aussprache ein. Ganz besonders wurde hierbei auch das bestehende Kreisklassensystem einer Kritik unterzogen. Hierbei wurde ein Antrag angenommen, der die Aushebung der Kreisklasse und die Einführung der Einheits- klasse im Kreisgebiet bezweckt. Das Referat des Bundesspielleiters Riedel (Leipzig) über „Vergangenes und Gegenwärtiges" in der Arbeiter-Turn- unD Sportbewegung wurde mit lebhaftem Interesse aufgenommen. Dabei streifte er auch den Bundestag in Köln und die vom Bund dort vorliegenden Anträge. Die Wahl der Delegierten der Kreisfußballsparte zum Bundestag fiel auf Schmidt (Frankfurt), Klein (Dietesheim) und Kegel (Wetzlar). Nachdem noch der Kreisvertreter Bauer auf den ordentlichen Kreistag und das Kreisfest hingewiesen hatte, brachte die Neuwahl die einstimmige Wiederwahl des seitherigen Kreisspartenvorftandes. Einigung zwischen Turnen und Sport. Aus dem Vertrag. Die zwischen Der Deutschen Turnerschaft, Der Deutschen Sportbehörde für Leichtathletik unD Dem Deutschen Fußball-BunD vorbehaltlich Der Zustimmung Des am 12. und 13. April tagenDen Hauptausschusses Der D. T. gegründete A r - beitsgemeinschaft mit Dem EnDz el Des Zusammenschlusses Der Deutschen Turn - unD Sportverbände ist nach Dem jetzt vorliegenDen Wortlaut Des Vertrages vor- läusig auf Die Dauer von Drei Oahren geschlossen worden und tritt am 1. M a i d. O. in Kraft. Gemeinsame Durchführung der Meisterschaftskämpfe wurde bezüglich der Leicht- a^ h l e t i k und des Handballspieles beschlossen. Von den übrigen Bewerbern werden Die Sommerspiele (Schlagball, Faustball) von Der D. T., Die Fußballmeisterschaft von Dem DFB. allein veranstaltet, jedoch finD zu Diesen Spielen Vereine der anderen Verbände auf Antrag als Gastvereine zugelassen. Oertliche Freundschaftsspiele in Handball, Schlagball, Faustball, Fußball nach Beendigung der Pflichtspiele in Den einzelnen BerbänDen werden grundsätzlich freigegeben. Freundschaftsspiele während der Pflichtspiele bedürfen besonderer Genehmigung. Schwarze Listen werden gegenseitig ohne Rachprüfung für das gleiche Fachgebiet anerkannt. Gehört ein derart Bestrafter gleichzeitig einem anderen Ver- tragsverbande an, so entscheidet Der andere Verband selbst. Bei Verbandswechsel tritt eine Sperrfrist von sechs Monaten in Kraft, die mit Einverständnis des bisherigen Verbandes verringert werden kann. Bezüglich der Vertretung in den internationalen Verbänden zeichnet der DFB. für die FOFA. nach wie vor allein verantwortlich. Die internationale Vertretung in Der Leichtathletik unD im Handball soll Sache der Arbeitsgemeinschaft werden, jedoch behält die DSV. mit Rücksicht auf ihre bisherige ausschließliche Zugehörigkeit die internationale Vertretung für die Dauer Der ersten Drei Oahre Der Vertragszeit. Sieber Die Auswahl Der deu t- schen L ä n d e r m a n n s ch a s t e.n in der Leichtathletik und im Handball entscheidet der Sport- toart bzw. der Spielwart der DSB. unter Mitwirkung des Volksturnwarts bzw. Spielwarts der D. T. Zur Bearbeitung der gemeinsamen fachlichen Angelegenheiten in diesen Disziplinen werden zwei Ausschüsse, bestehend aus je zwei Mitgliedern von D. T. und DSD., dingeseht. Del den Handballern führt die D. T., beim Athletik- Ausschuß Die DSB. Den Vorsitz. Für alle Meinungsverschiedenheiten, die nicht auf Dem Wege unmittelbarer Verhandlungen beseitigt werben können, ist ein paritätisch zusammengesetztes Schiedsgericht zuständig, das sich einen unparteiischen Vorsitzenden selbst wählt. Kommt eine Wahl nicht zustande, so ist das Reichsministerium des Onnern um Benennung eines solchen Vorsitzenden zu bitten. Pfarrdienst-Iubiläum in Treis a. b. Lda. y. Treis a. d. Lda., 23. März. Heute waren es 25 Oahre, daß Pfarrer Böchner seinen Dienst in unserer Gemeinde antrat. Er ist mit seiner Familie während dieser langen Zeit und besonders in den vergangenen schweren Oahren mit Der Gemeinde auf Das innigste verwachsen. Allgemein bedauert wurde es deshalb, daß wegen Der Derzeitigen Erkrankung des»- Oubilars von Der beabsichtigten öffentlichen Ehrung im GottesDienst der Gemeinde abgesehen werden mußte. Trotzdem gestaltete sich Der stille Ehrentag zu einer freunDlichen unD ehrenden Kundgebung weitester Kreise. Das Lehrerkollegium, der Kirchenvorstand, Der evang. Frauenverein, der Kirchenchor, Der Gesangverein, die Konfirmanden und viele Freunde brachten mündlich oder schriftlich ihre Wünsche im Pfarrhause Dar, und viele Blumen zeugten von Der Liebe und Wertschätzung, die sich Der Oubilar in 25 Oahren treuer Arbeit erworben hat. Der Kirchenvorstand überreichte ein sinniges Geschenk, nämlich ein von einem Kunstmaler angefertigtes BilD der Kirche mit näherer Umgebung. Trauerfeier für Bürgermeister Or Kayser (Bad-Nauheim). 4 Bad-Rauheirn, 23. März. Heute mittag fand auf dem Friedhof Die Trauer feier für Den verstorbenen Bürgermeister i. R. Dr. Kay - s e r statt, an Der Die StaDtverwaltung, Der gesamte StaDtrat, Die Vertreter der BehörDen. Die Fahnenabordnungen der Vereine und eine große Trauergemeinde teilnahmen. Rach feierlicher Trauermusik aus Der Peer Gynt-Suite zeichnete Pfarrer Schäfer im Anschluß an Psalm 4, Vers 9 das verdienstvolle Wirken des Verstorbenen, Das alle z^r Tat im Dienste Der Stadt und der Allgemeinheit mahne. Bürgermeister Dr. A h l dankte feinem Amtsvorgänger für alles, was er in unermüdlichem Fleiß und vorbildlicher Pflichttreue für das Gemeinwesen getan habe, das unter seiner weitblickenden Leitung Die Entwicklung Der KleinstaDt mit noch stark dörflichem Einschlag zur Weltstadt vollzogen habe. Die Schulen ließen durch Ober* studiendirektor Dr. Molz und Rektor 'Stau* bad) ihrem väterlichen Freund den letzten Gruß entbieten. Für Vorstand, Aufsichtsrat und Beamtenschaft der Butzbach-Licher Eisenbahn sprach Medizinalrat Dr. Vogt (Butzbach), der Dem Verstorbenen für seine mehr als zwanzigjährige Tätigkeit im Aufsichtsrat Der Bahn herzlichen Dank sagte und ihn als einen Freund Der Verkehrshebung und den Vater Der Teilstrecke ©rieöel—Bad-Rauheim ehrte. Weiter legten Kränze mit ehrenden Rachrufen u. a. noch nieder: Pfarrer Knodt für die Kinderheilanstalt Elisabeth-Haus, Verwaltungsoberinspektor ©tarn in für Die städtischen Beamten und Angestellten. Oberamtsrichter i.R. Dr. Fuhr für Den Deutschen Osfiziersbund. AnschließenD erfolgte in Friedberg die Einäscherung der Leiche, später findet in Worms Die Beisetzung Der Asche statt. Die Kommunalpolitik Dr. Kaysers kann vielleicht in einer späteren Zeit voll getoürDigt werden, wenn Der bedeutungsvolle Abschnitt Der Wirksamkeit Des ersten Derufsbürgermeisters ©e- Da ihr im Augenblick Die Stimme versagte, nickte sie nur unD schloß Die Türe hinter ihm. Er fplgte ihr in Das Wohnzimmer. „Wo ist Die Börse?" Seine Stimme war rauh unD herausfordernd. Sie sah, wie seine Hand zitterte, als er sich über das Gesicht fuhr. „Die Börse?" Om Augenblick wußte sie nicht, was er meinte. Plötzlich besann sie sich aber wieder auf den kleinen Vorfall. „Meinen Sie die kleine Ledertasche, Die Mr. Farmer gehörte?" Er nickte nervös. „Es ist unmöglich, Ohnen Die ganze Sache kurz auseinanderzusetzen. Och dachte, ich hätte Das Täschchen Mrs. Staines gegeben, erst später fiel es mir ein, Daß Sie hinter mir standen. Wo haben Sie Die Börse?" Sie schüttelte den Kopf und sah Die Enttäuschung in seinem Gesicht. „Haben Sie Das Ding Der Polizei aus- geliefert?" fragte er mit heiserer Stimme. „Och gab es Mr. Dewin —“ „Dem Zeitungsreporter? Warum haben Sie das getan?“ fragte er ärgerlich. „Och bat ihn, Die Börse Der Polizei zu geben,“ sagte sie. „Och traf ihn Draußen vor Dem Hause. Hat er es nicht getan?“ Sie war so erregt, daß ihr GeDächtnis sie im Stich ließ. Ein tödliches Schweigen folgte. Leicester Crewe war sich ganz klar Darüber, Daß Die Börse Dem Onspeltor Clarke nicht übergeben toorDcn sein konnte, Denn er hatte gesehen, wie Der Onhalt Der Taschen Des Toten auf seinem Bibliothekstisch ausgebreitet und von einem Polizeibeamten ausgenommen wurDe. „Haben Sie — in Die Börse hineingesehen?" fragte er plötzlich. „Rein, ich habe sie nur Mr. Dewin gegeben. Aber ich nehme an. daß ein Schlüssel Darin war - ich fühlte es von außen. Auf keinen Fall hätte ich sie geöffnet, und selbst wenn ich so neugierig gewesen wäre, war Doch gar keine Zeit Dazu, Den Onhalt zu untersuchen." Seine Hand zitterte heftiger, und fein mageres, unangenehmes Gesicht zuckte vor Furcht unD Wut. „Wer hat Ohnen Denn gesagt, Daß Sie Die Börse Dem Reporter geben sollten? Es war ja eigentlich nichts von BeDeutung, nur... ich Denke Doch, Daß das mich zuerst angeht, Denn Farmer wollte sie mir zur Aufbewahrung übergeben ... Können Sie sich nicht auf meine Worte besinnen?" Sie wollte ihm schon sagen, daß er ihr Den Auftrag gab, Die Tasche ins Feuer zu werfen, aber sie gehorchte einer inneren Warnung unD schüttelte nur den Kopf. Die Lüge fiel chr um so schwerer, als er fie mit scharfen und mißtrauischen Blicken fixierte. „Wo wohnt dieser Dewin?" „Och weiß es nicht — ich denke, Sie können seine Adresse im Telephonbuch finden — er wohnt irgendwo in Kensington und hat eine eigene Rümmer." „Sie haben ihm doch nicht etwa gesagt, welchen Auftrag ich Ohnen gab — ich meine, daß Sie die Börse verbrennen sollten? Sie können sich doch tatsächlich nicht Darauf besinnen!" Der Mann war vollständig fassungslos und konnte weder logisch denken noch sprechen. Sie las in seinem Gesicht eine grauenhafte Furcht, und fein Schrecken teilte sich ihr mit. Als er sah, welchen Eindruck er machte, gewann er allmählich seine Selbstbeherrschung zurück und sah sich mit Verachtung in dem Zimmer um. „Hier wohnen Sie? Gerade nicht sehr repräsentativ!" sagte er in feinem arroganten Ton. „Och werde jetzt wieder gehen — es tut mir leid, daß ich Sie gestört habe, Miß Olroyd." Bis zu diesem Augenblick schien er sich nicht bewußt geworden zu sein, daß er eine Persönlichkeit vor sich hatte; aber jetzt blickten seine leeren Augen ein wenig menschlicher. „Cs ist kein Palast, in dem Sie wohnen, nicht wahr?" fragte er in seiner abgerissenen Art. „Sind Sie nicht doch zu der Ueberzeugung gekommen, daß es besser wäre, bei mir zu bleiben? Och gehe bald außer Landes — schon nächste Woche. Die Sache mit Farmer ist mir auf die Rerven gegangen, ich werde lange Zeit fort- bleiben. Wahrscheinlich bringe ich den Winter in Afrika zu. Durban ist eine große Stadt..." Sie machte der Unterredung ein Ende, indem sie aus dem Zimmer ging und die Tür öffnete. „Wahrscheinlich werde ich Sie morgen Wiedersehen", sagte er und ließ sich durchaus nicht ein- schüchtem. „Vermutlich werden Sie sich sehr wundern, daß ich soviel Aufhebens von einer so einfachen Börse mache, aber es handelt sich um.. Das Denken fiel chm schwer, und er konnte bn" Augenblick keinen glaubwürdigen Grund für seine Aengstlichkeit finden. Er murmelte noch etwas über wichtige Schlüssel und sensationshungrige Zeitungreporter, als sie die Tür schloß. Sein Wagen wartete vor Dem Hause, er stieg ein unD fuhr zurück. Als er in seine Bibliothek trat, fanD er Paula Staines und Ella Creed, die von den Aufregungen Der Rächt vollständig erschöpft waren. Paula lag halb schlafend auf Dem Sofa. Ella stand vor Dem Kamin und starrte Düster in die Flammen. Sie wandte sich um, als er eintrat. ,, „ „Hast Du Den Schlüssel?" fragte sie schnell. „Welchen Schlüssel?" knurrte er._ „Benimm dich doch nicht so närrisch, Billy", sagte die Schauspielerin ärgerlich. „Du bist doch fort gewesen, um Die Börse mit Dem Schlüssel zu holen! Hatte Daphne fie noch?“ „Sie hat fie weitergegeben — Dewin — Dem Zeitungsreporter.“ Ellas Züge wurden hart. „Was? Dewin, diesem falschen Kerl?! Run sitzen wir aber schön in Der Tinte!" „Was gibt es Denn?" fragte Paula, die aus dem Schlafe auffuhr, als sie den Klang Der Stimmen hörte. „Hast Du Den Schlüssel bekommen, Billy?“ Ella Creed lachte bitter. „Die Olroyd hat ihn Dewin gegeben! Dewin! Mein Gott! Der arme, alte Ooe hat immer gesagt, daß er der schlimmste Spürhund für Verorechen in London ist und so viel heraus* bringt wie vier andere Detektive zusammen — und ausgerechnet der muß den Schlüssel haben!" „Sei ruhig", fuhr Leicester sie an und schaute vom Telephonbuch aus, in dem er Dewins Adresse suchte. „Wie sollte ich auch nur ahnen, daß Daphne hinter mir stand? Och dachte, es sei Paula." Ella sah ihn verächtlich an. „Och mochte wetten, daß diese Puppe für die gefiederte Schlange arbeitet. Du hättest fie langst hinauswerfen sollen — schon damals, als ich es dir vor Monaten sagte!" Leicester Crewe erwiderte nichts. Er fuhr mit bem Finger die Ramen einer Seite herunter. Plötzlich hielt er an. „Hier steht es. Peter Dewin,„ Oournahft, 49 Harcourt Gardens, Bayswater." Er schrieb die Adresse auf em Stuck Papier und klappte das Buch zu. „Was hast Du vor?" fragte Paula. Sie öffnete ihre HanDtafche und frischte ihr Gesicht mit einer kleinen Puderquaste auf. „Och werde Den Schlüssel wieder besorgen. Das ist "doch das Wichtigste, was jetzt geschehen muß." „Kannst du ihn denn nicht auswecken und ihn einfach danach fragen?" begann Ella. „Ohn aufwecken!" explodierte Crewe. „Was würde der wohl Clarke für eine Geschichte erzählen, wenn ich ihn wegen einer Börse, Die aus Ooes Tasche fiel, mitten in Der Rächt aus dem Schlafe störte? SlnD was würde Clarke mir sagen, wenn ich ihm berichte, daß die Börse nicht vorhanden ist?" Er verließ das Zimmer und kam nach zehn Minuten zurück. Onzwischen hatte er sich um* gezogen, er trug jetzt einen dunklen Anzug und ein schwarzes Halstuch. „Och weiß nicht, ob ich den Schlüssel wieder beischaffen kann, aber ich werde es versuchen. Ohr wartet am besten, bis ich zurückkomme, denn wir müssen irgendeinen Plan fassen. Wenn der Schlüssel in Die Hände der Polizei gelangt, kommt die ganze Geschichte heraus, und bevor Die Bombe platzt, mochte ich doch ein paar tausend Meilen zwischen mir und London wissen." (Fortsetzung folgt.) ■w 'S*s !i8x»S -'ne ciumdAwcht :tti«a.ö.£6Q, Us b 8ä£ Mr Sunb. *9'. Srauenderein 2 di« n£ 'Ä'en Endlich Marrhause dar ' der Liebe und \aVn? *n ■ Kirchendvrstanb Buo derKirche gekmchtt kauheich. ^rä' Heule mittag cauerseier füt l ' A. Dr. Kay. rlvaitung, der ge. -r der Behörden, Vereine und eine Men. Aach feier« Peer Gynt-Suile im Anschluß an slvolle Dirken des al im Dienste der ' mahne. Mrgcr« m Amtsoorgänger 'sichern Fleiß und das Gcineinvefen reitbliäenden Lei« linstadt mit noch Weltstadt voll« hen durch Ober« d Mlvr Stau« ) den letzten Gruß !lichtsrat und De- r Eisenbahn sprach Zuhbachs, der dem als zwanzigjährige :r Dahn herzlichen n Freund der Der« ter der Teilstrecie c. Weiter legten n u. a. noch nieder: erheilansta.'t L'tsa« nspeltor Stamm und AugesMeu, if)t für den Deut« tchend erso.gte in der Leiche, später eisetzung der Asche Kaysers kann Zeit voll gewürdigt svolle Abschnitt der zbürgermcisler^Ge« ^'^Dcwin^H alschen A-rl?.' 2un ,?Paula. die aus ?c den Klang £ sh» w"‘ r sie an 5 w 111 geeite *6t,t' Sev'N.,, '}0 “’gfW ^icr 58k* $nnn Ella- Gas rtäfs5 i ich fassen-^^gt, w? schichte geworden ist. Hier sei nur auf einige besondere Aufgaben hingewiesen, die Dr. Kayser gelöst hat: die neuzeitliche Kanalisation, der moderne Straßenbau der Badestadt. der An« schluh der Stadt an die Gruppenwasserversorgung des Staats, der vorbildliche Ausbau des Schulwesens, und in der Nachkriegszeit die Errichtung des Schwimmbades und die Behebung der Wohnungsnot durch städtischen Eigenbau und Förderung des Kleinwohnungsbaus. Auch die hervorragende Mitarbeit Dr. Kaysers im Hessischen Städtetag verdient besondere Erwähnung. Wirtschaft. Leichter Reichsbank-Ausweis. Aach dem Ausweis der Reichsbank vom 22. M ä r z hat sich in der dritten März« Woche die gesamte Kapitalsanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten um 147,4 auf 1653,6 Millionen Mark ermäßigt. 3m einzelnen haben die Bestände an Handelswechseln und Schecks um 134,7 Millionen auf 1504,7 Millionen Mark und die Lombardbestände um 12;7 Millionen auf 55,6 Millionen Mark abgenommen. Bestände an Reichsfchatz- wechseln sind wie am Ende der Borwoche nicht vorhanden. An Reichsban knoten und Renten- bankschcinen zusammen sind 174,2 Millionen Mark in die Kassen der Bank zurückgeflossen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbank- noten um 156.9 Millionen auf 4109,2 Millionen Mark, der Umlauf an Rentenbankscheinen um 17,3 Millionen auf 319,9 Millionen Mark verringert. Unter Berücksichtigung, daß in der Berichtswoche Rentenbankscheine in Höhe von 2 Millionen Mark getilgt worden sind, haben sich die Bestände der Reichsbank an Rentenbankscheinen auf 61,6 Millionen Mark erhöht. Die fremden Gelder zeigen mit 593,1 Millionen Mark eine Zunahme um 134,6 Millionen Mark. Die Bestände an Gold und deckungs- fähigenDevisen haben sich um 50 Millionen auf 2942 Millionen Mark erhöht. 3m einzelnen haben die Goldbestände um 11,3 Millionen auf 2491,8 Millionen Mark, die Bestände art deckungsfähigen Devisen um 38,7 Millionen auf 450,6 Millionen Mark zugenommen. Die Deckung der Roten durch Gold allein besserte sich von 58,1 Prozent in der Borwoche auf 60,6 Prozent, diejenige durch Gold und deckungsfähige Devisen von 67,8 Prozent auf 71,6 Prozent. Der vorliegende Reichsbankausweis rechtfertigt vollkommen die jüngste Herabsetzung des Diskontsatzes. Die mäßige Beanspruchung der Reichsbank kommt besonders in der Abnahme des Wechselbestandes auf den sehr niedrigen Stand von 1,5 Milliarden Mark zum Ausdruck, eine Ziffer, die noch unter der des leichtesten 3ahresmonats. des Februars, liegt. 3edensalls ist von einer saisonmäßigen Steigerung der Kreditansprüche aus der üblicherweise eintrctenden Frühjahrcbelebung nichts zu spüren. Während in normalen 3ahrcn der Ausweis der dritten Februarwoche der leichteste zu sein pflegt, ist es anormalcrweise in diesem 3ahre der vorliegende Ausweis, ein Beweis für die außergewöhnliche Entwicklung des Geldmarktes in diesem 3ahre. Auch der Zahlungsmittelumlauf zeigt eine weitgehende Entlastung und liegt erheblich unter dem Riveau des Vorjahres, allerdings ist diese Entlastung im wesentlichen Maße auf die hohen Rückzahlungen auf das Girokonto, zum weitaus größten Teil von Privatseite (Altirno- vorbereitungen), zurückzusühren. Es wäre aber verfehlt, wollte man auf Grund des vorliegenden leichten Reichsbankausweises bereits an die Möglichkeit einer weiteren Diskontsenkung denken: denn der Märzultimo, zugleich Quartalsultimo, kann immerhin eine nicht erwartete Beanspruchung bringen. Bemerkenswert ist die weitere Zunahme des Goldbestandes und die starke Erhöhung der deckungsfähigen Devisen, die dazu beigetragen hat, daß die Deckung für dieReichs- banknoten einen neuen Höchststand von 71,6 v. H. erreichte. Auslandgelder fließen also dem deutschen Geldmarkt in steigendem Maße zu: es ist anzunehmen, daß dieser Zufluß trotz der Ermäßigung des Reichsbankdiskonts auf 5 v. H. weiter anhalten wird. * * Der Altienindex. Der vom Statistischen Reichsamt errechnete Aktieninder (1924 bis 1926 — 100) stellt sich für die Woche vom 17. bis 22. März 1930 auf 118,3 gegenüber 118,5 in Die Schiffchrls Z.-G. Äoyd-Hapag. Erklärungen des Präsidenten Heineken vom Norddeutschen Lloyd. 3n der gestrigen Generalversammlung des Norddeutschen Lloyd, Bremen, ging Präsident Heineken nach längeren Ausführungen über die allgemeine Lage der Seeschifffahrt zu der Angelegenheit der Arbeitsg c- meinschast zwischen dem Rorddeutschen Lloyd und der Hamburg-Amerika- Linie über. Erfreulicherweise sei es gelungen, zu einer bereits durch die Aufsichtsräte beider Gesellschaften gebilligten Einigung zu kommen, die ohne Preisgabe der Selbständigkeit beider Gesellschaften und unter starker Betonung und Sicherung der 3nteressen der Heimathäfen eine gedeihliche Zusammenarbeit nach menschlichem Ermessen sicherstelle. Damit komme eine Entwicklung zum Abschluß, deren Rotwendigkeit schon vor dem Kriege vorauszusehen war. Wie man hoffe, fei nunmehr ein Werk geschaffen, dessen Früchte der deutschen Wirtschaft als Ganzes und schließlich auch der Welt zugute kommen sollen. Bei der Wichtigkeit der Angelegenheit wolle man die Abreden der Zustimmung der Generalversammlung beider Gesellschaften unterbreiten. Don beiden werde eine Generalversammlung auf den 15. April einberufen. Der Norddeutsche Lloyd und die Hapag haben in einem Vertrag von 50jähriger Dauer vorbehaltlich der Zustimmung durch die Generalversammlung beschlossen, ihre gesamte wirtschaftliche Betätigung unter Verzicht auf jedweden Vorrang in gegenseitiger Unterstützung und Förderung nach einheitlichen Gesichtspunkten und unter einheitlichem Zusammenwirken auszuüben. Beide Gesellschaften bleiben selbständig mit dem Sih in Hamburg und Bremen. Sie bewahren ihren bisherigen Charakter dadurch, daß sie sich getrennte Aufsichtsräte behalten, deren Mitglieder wie bisher in ihrer Mehrzahl in Hamburg bzw. Bremen ansässig sein müssen. Zur Besprechung gemeinsamer Angelegenheiten treten die Aufsichtsräte durch eine Anzahl ihrer Mitglieder zu einem Gemeinschaftsrat zusammen. Eine volle Bereinigung der 3nteressen erfolgt erstens in den Vorständen. Der V o r st a n d beider Gesellschaften soll aus den gleichen Personen bestehen. Dadurch ist eine Majorisierung für den Fall einer zeitweisen zahlenmäßig nicht gleichen Besetzung von beiden Seiten ausgeschlossen. Zweitens in der Verteilung des Iahresertrages ihres gesamten Geschäftsbetriebes. Beide Gesellschaften machen auf gleicher Grundlage ihre jährlichen Bilanzen auf. Die sich ergebenden Gewinne werden so verteilt, daß beiden Gesellschaften der gleiche D»etrag für Abschreibungen. Reservebildung und eventuelle Verteilung einer Dividende zur Verfügung steht, die künftighin für beide Gesellschaften die gleiche fein wird. Drittens in dem Schiffahrtsbetrieb. Sämtliche Dienste beider Gesellschaften werden einheitlich geleitet und führen eine auf den Ge- meinschastsbetrieb hinweisende Beflaggung. Die Fahrpläne werden gegenseitig so abgestimmt und vereinheitlicht, daß der größtmöglichste Ruhen erzielt wird. Die Schiffe werden auf den wirtschaftlich am meisten geeigneten Wegen angeseht. Die Ankündigungen der Gesellschaften, sowie ihre Reklame und Propagandamahnahmen geschehen für beide Gesellschaften gemeinsam. Fahrtausweise in den gemeinschaftlichen Diensten werden wahlweise auf Hamburg und Bremen ausgestellt. Erweiterung bestehender und Aufnahme neuer Schiffahrtsdienste. Ankauf und Bau von Schiffen usw. erfolgen auf gemeinsamen Beschluß. Das Gleiche gilt für das Verhältnis einer der beiden Gesellschaften zu Dritten. Die Annahme von Passagieren und Ladung erfolgt in Zukunft durch die Vertretungen der beiden Gesellschaften im 3n- und Auslande für die Schiffe beider Parteien. Beide Gefellfchaften übernehmen wechselseitig in ihren Heimathäfen die Abfertigung ihrer Schiffe. Sie stellen zu gegenseitiger Benutzung ihre Piers und Hafenanlagen im 3n- und Auslande den Schiffen der anderen Gesellschaft zur Verfügung. Unabhängig voneinander verbleibt jeder Gesellschaft die Bewirtschaftung der Schiffe, die in ihrem Eigentum stehen. Sinn und Zweck der Vereinbarung ist, den wirtschaftlichen Erfolg einer Fusion zu erzielen, ohne durch formelle Durchführung einer solchen auf die großen, sich auch praktisch auswirkenden Werte zu verzichten, die in den engen Beziehungen der Parteien zu ihren Heimathäfen, sowie in dem Eigenleben und in der Werbekraft ihrer altbewährten Organisation liegen. Dieser Zusammenschluß erfolgt auf der Grundlage absoluter und bleibender Parität. Die Parteien verzichten ausdrücklich darauf, während des Vertragsverhältnisses auf Kosten der anderen ihre Position in irgendeiner Weise zu stärken. Mit dieser Lösung ist dem seit 3ahrzehnien bestehenden Wettbewerb der 3ntercffen zwischen der Hamburg-Amerika-Linie und dem Norddeutschen Lloyd ein endgültiges Ende bereitet. Beide verzichten in der völlig gleichberechtigten Vereinigung ihrer 3nteressen auf jedwede Prestige- Politik gegenüber dem anderen. Sie werden ihre gemeinsame Kraft der Entwicklung ihres Arbeitsgebietes mit dem bisherigen Nachdruck widmen und sowohl den Wünschen der Reisenden, wie auch der Verlader durch eine die 3ntereffen aller Beteiligten berücksichtigende Politik zu dienen bestrebt sein. der Vorwoche, und zwar in der Gruppe Bergbau und Schwerindustrie auf 117,9 (117,4), in der Gruppe verarbeitende 3ndustrie auf 106,5 (106,8) und in der Gruppe Handel und Verkehr auf 138,4 (138,8). * D i e neue „Deutsche Beamt en Zentralbank 21.-®., Berlin" gegrünt) et. Die Deutsch-Gewerkfchaftliche Bank A.°G. Berlin beschloß laut „Berliner Lokalanzeiger" in einer außerordentlichen Generalversammlung die Umänderung ihres Namens in „Deutsche Beamtenzentralbank 21.-©.“ mit Sih in Berlin. Das Kapital wurde zunächst auf 70 000 Mark zusammen- gelegt und dann auf 500 000 Mark erhöht. Laut „Lokalanzeiger" hat die Oltajorität, nämlich 260 000 Mart, die Deutsche Bank und Disconto- Gesellschaft übernommen. Die restlichen 240 000 Mark entfallen zur Hälfte auf den Deutschen Beamtenbund mit einer Anzahl von 1 040 020 ^Mitgliedern und auf den Deutschen Deamten- wirtschaftsbund mit rund einer Million Mitgliedern. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 26. März. Tendenz: zurückhaltend. Auch heute lagen die Aktienmärkte infolge der sich wieder stärker bemerkbar machenden Qrderlosigkeit vernachlässigt. 3n Anbetracht des bevorstehenden Altimos schritt die Kulisse zu Realisationen und es ergaben sich bei sehr geringer Aufnahmelust gegenüber der gestrigen Abendbörse zumeist Abschwächungen bis zu 2 Prozent. Hinsichtlich der noch nicht beendeten Finanzprogrammberatungen machte sich allgemein größere Zurückhaltung geltend. Die Tendenz neigte zur Schwäche. Aber auch die zum Schluß schwächer gewordene Reuyorker Börse war nicht dazu angetan, eine freundlichere Stimmung aufkommen zu lassen. Die Geldmarkt- Verhältnisse lagen weiter günstig, dessenungeachtet blieb die Börse l u st l o s , da die 3nteresse- losigkeit des Auslandes und des Publikums als zu stark geschäftsheminend empfunden wurde. Dagegen erhielt sich das Geschäftsinteresse für die Rentenmärkte weiter. Besonders lebhaft gehandelt wurden wieder Türken. Aber auch Oesterreicher hatten gesteigerte Nachfrage aufzuweisen. Bagdad! und 11 waren ebenfalls stark gefragt, dieses Papier war 0,25 Proz. höher. Deutsche Anleihen lagen ebenfalls weiter erhöht. 2ln den Aktienmärkten lagen von Elektrowerten Bergmann 2,5 Prozent, AEG. 1 Prozent, Lahmeyer 1 Prozent, Schuckert 1,5 Prozent und Siemens 3 Prozent stärker gedrückt. Gut behauptet eröffneten Gesfürel und Lechwerke. Einiges 3ntereffe konnten dagegen Licht & Kraft au sich lenken. Von Chemiewerten waren Farben 1,5 Prozent abgeschwächt, Scheideanstalt dagegen etwas gefragt. Deutsche Erdöl minus 1,75 Prozent. Montanwerte fast ohne Umsatz. Die Rückgänge gingen hier bis zu 2 Prozent. Von Kaliaktien lagen Westeregeln mit minus 3,5 Prozent stärker unter Druck. Salzdetfurth und Aschersleben knapp gehalten. Am Bauunternehmungsmarkt war bei leicht gebessertem Kurse nach der gestrigen plötzlichen stärkeren Abschwächung Wayh K Freytag wieder etwas gesucht. Schisfahrtswerte leicht abbröckelnd. Banken bis 1 Prozent niedriger. Berliner Handelsgesellschaft verloren 2 Prozent. Tietz 2,75 Prozent abgeschwächt. Rach den ersten Kursen schritt die Kulisse vereinzelt wieder zu Deckungen, so daß bei etwas lebhafterem Geschäft Besserungen bis zu 1 Prozent eintraten. Auch Zellstofswerte, Die anfangs 3 Prozent niedriger lagen, konnten etwas anziehen. Tagesgeld mit 4,5 Prozent unverändert. Am Devisenmarkt toaren Devisen etwas fester. Man nannte 21larl gegen Dollar 4,1868, gegen Pfund 20,3860, London gegen Kabel 4,8691, gegen Paris 124,27, gegen Mailand 92,95, gegen Schweiz 25,1340. Berliner Börse. Berlin, 26. März. Trotz der heute an der Vorbörse herrschenden Geschäftslosigkeit lieh sich schon zu dieser Zeit für die Effektenmärkte ein leichtes Nachgeben der Kurse Voraussagen. Für die etwas schwächere Tendenz waren wohl maßgebend in erster Linie Kaufoperationen der Börse-, teilweise auch des Publikums, das Aktien abgab, um festverzinsliche Werte hereinzunehmen. Daneben lösten Momente, wie der matte Schluh der gestrigen Neuyorkcr Börse, die Heraufsetzung der 7ieui)orter Akzeptrate um 0,13 v. H., die Schwierigkeiten bei den Verhandlungen über das Finanzprogramm, die Betriebseinschränkung bet Mannesmann, eine gewisse Zurückhaltung aus. Die ersten Kurse lagen daraufhin im allgemeinen etwa 1 bis 2 v. H. niedriger gegen gestern Schluß. Stärker gedrückt eröffneten Daimler minus 2,13 v. H., Metallgesellschaft 2,5,23cm- berg 2,5, Bergmann 4,5, Rhein. Braunkohlen- 3,75 b. Sy, Hotelbetrieb 2,25 D. Sy, Aschersleben 2,5. Westeregeln 2,75, Schantungbahn 3 und Zellstoff Waldhos minus 2,40 v. H. Don Ausland- werten waren Svenska paritätisch mit 2 Mark höher festgesetzt. Deutsche Anleihen, besonders Neubesiy fester. Ausländer kaum verändert. Türken freundlich. Mexikaner leicht nachgebend. Der Pfandbriefmarkt war sehr fest. Geld bei dem herannahenden Ultimo anziehend. Tagesgeld 4 bis 6 v. H : die übrigen Sähe waren unverändert. Nach den ersten Kursen kam es anfangs weiter zu kleineren Abbröckelungen, später setzten sich aber an fast allen Märkten Besserungen durch, da tne Spekulation Deckungsneigung bekundete. Die Freundlichkeit der fest verzinslichen Werte regte etwas an, und außerdem wurde die Meldung, daß vorläufig keine Tariferhöhung bei der Reichsbahn vorgenommen werden dürfte, mit Befriedigung ausgenommen. 3m Verlaufe wurden Schubert & Salzer mit minus 3,25 v. H. schwach genannt, während Anatolier mit einem Gewinn von mehr als 1 v. H. sehr fest tendierten. Die Gewinne an den Hauptmärkten betrugen bis zu 1 v. H. Daimler konnten sich um 1,25 v. Sy bessern, auf angebliche Auslandkäufe. Fra:." rter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 26. März. Am Produktenmarkt konnte auch heute keine Geschäftsbelebung eintreten. Die Händler übten weiter große Zurückhaltung. Weizen war etwas mehr angeboten und niedriger. Nur für Futtermittel machte sich 3nteref|c bemerkbar. Mais für Futterzwecke lag bis 0,50 Mk. fester. Aber auch Roggenkleie konnte hiervon profitieren und anziohen. Weizenkleie dagegen abgeschwächt. Es wurden notiert: Weizen 27 bis 27,25; Roggen 17,25; Sommergerste für Brauzwecke 17,50; inl. Hafer 16; Mais 16,50 bis 16,75; Weizenmehl, südd. Spezial 0, 38,50 bis 39,50; Roggenmehl 24,50 bis 25,75; Weizenkleie 8,75; Roggenkleie 8,75 bis 9,— Mark. Tendenz: ruhig. Daten für Donnerstag, 27. März. 1820: der Maler Gerhard v. Kügelgen bei Dresden ermordet (geboren 1772); — 1845: der Physiker Wilhelm Konrad Röntgen in Lennep geboren (gestorben 1923); — 1871: der Schriftsteller Heinrich Mann in Lübeck geboren. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) K. St., Gieße». Die 3nvalidenrente des ver- ftorbeiicn Mannes kommt mit Ablauf des Sterbe» monats in Fortfall. Dafür hat dann die Witwe Anspruch auf Witwenrente, die 6'10 des Grundbetrags und Steigerungsbetrags der 3nvaliden- rentc des Mannes, zuzüglich des vollen Reichszuschusses, ausmacht. Der Antrag ist beim Städtischen Dersicherungsamt in Gießen zu stellen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 v. Sy, Lombardzinsfuß 6 v. Sy Frankfurt a. M. Berlin Frankfurt a. TU. Berlin Frankfurt a. M. Berlin • Schluß«! hird | 1-Ubr- Kurs Schluß-1 Anfang» ture 1 flurt Echluß»! für» | l»ühr» fiur» Schluß-, lur» 1 Ansaug- Kur8 Schluß.^ kur« | I-Uhr. ff r< Schluß»! furt I Anfang» ffurS Dalum 25. 3. 26. 3- 25- 3 26. 3. Datum 25 3 26 3 25 3 26 3 Datum 25. 3 1 26. 3 25. 3 26. 3 6% Deutsche Sietchrameihe Don 1927 ......... 7% Deutsche Relchianleihe DON 1929 ...... 2cuH Billig! Billig'. Billig! Blumenkohl 75^ Anerkannt sauberste Qualitäts-Arbeit Femsorecher 3659 176D ? 1946A Blockstraße 11« [2460D Modernisieren und Aufarbeiten alter Polstermöbel Rudolf Rüdiger Gießen, Walltorstraße 35 aller Art Inkasso Herrn. Kirchner Am Nahrangeberg 16 Fernruf4167. /waslMllenX ' Pslanzenkübel 3 Handwagen Ersatzräder Küferei Sommerkorn. vBleichftrabe / \ io V Für den Mjahpiilz Slektr. Staubsauger u. Bohner für halbe und ganze Tage zu verleihen Georg Appel, Seltersweg 56. bleret sich Herren und Damen mit neuem Auiseden erregendem Ber- iriebssysten, direkt an Privaie. 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