Samstag, 25. Oktober 1950 180. Jahrgang Nr. 250 Erstes Blatt .n-H-V s DesGiahlhelmsAniworianHerve 9' her Saftenbefremng gerichteten Sanierungsprogramm auf bem rechten Dege isL beweist bas Echo des Auslands, und das deutsche Volk sollte die Mahnung des Kanzlers beherzigen, zu sich selber und seiner Regierung das g.eiche Vertrauen zu haben, wie es die ausländische nanz gezeigt hat, als sie bem Deutschen Reich den geforderten Ueberbrüdungstrebit zu normalen Bedingungen gewährte. Es ist schon so, ^^e „R e v 1 - sio^ns welle" geht durch die Welt. Selbst in Amerika, bem harten Glaubigerland, hat es sich herumgesprochen, daß die internationale Weltwirt- schaftskrisis nicht so ganz ohne Zusammenhantz sein könne mit bem ungelösten Problem ber interalliierten Kriegsschulden und der deutschen Reparationsverpflichtungen. Der frühere Relchsbankprasi- dent Dr^ Schacht hat sich drüben in Vorträgen vor der amerikanischen Finanz- und Hand^lswelt wie in Besprechungen mit den leitenden staats- männern Washingtons als ein beredter unb, wie es scheint, äußerst geschickter Anwalt ber wirtfd)aft. lichen Vernunft erwiesen. Das Ergebnis seiner Amerikareise für Deutschland ^-rd sich natürlich nicht von heute auf morgen Prak sich realisieren lassen, aber das eine steht heute schon W. ber Bann ist gebrochen, man spricht von dem --chulden- und Reparationsproblem als einem möglichen Hemmnis für die wirtschaftliche Gesundung der Welt, die für eine Revision notwendige internationale 2ltmosphäre beginnt sich vorzubereiten. _ Dr Schacht wandte sich in seinen Vortragen mit berechtigter Schärfe gegen eine 6°^ ®»> que deutscher Zeitungen, die nach den Wahl^i des 14. Sevtember nichts eiligeres zu tun hatte, als dem bestürzten Ausland den ^urge^rieg in Deutschland in allen Farven an die zu malen und damit dem deutschen Kredit s^were Wunden geschlagen hat. Die Wahrheit sei, daß ? pj*3 3 s- cs -5i rückgezogen. Es könne nicht ausbleiben, daß eines Tages iSinntreirf) allein die Aufgabe einer dauern den Niederhaltung Deutschlands zufalle. Das lverdc über feine Kraft gehen und einen Krieg unvermeidlich machen, der an Greuel den von 1914 weit in den Schatten stellen werde, für den jedoch Frankreich allein vor der Welt die Verantmortuna tragen werde, wenn es weiter sich beharrlich einer Revision des Versailler Vertrages widersetze. Diese Revision müsse Frankreich deshalb unverzüglich anbieten, und zwar eine ehrliche und gründliche, die endlich den Weg für eine aufrichtige Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland frei mache. HervS denkt sich, daß diese ain schnellsten und zu- verlässigsten durch eine Aussprache zwischen den deutschen und französischen Frontkämpserverbänden angebahnt werden könne. Aber er ist durch die Vermittlung des durch reichlich laute Betriebsamkeit etwas anrüchigen Arnold Rechberg nicht nur an Franz Seldte, den Bundesführer des Stahlhelm, sondern auch an fiugenberg und Hitler her- angetreten, um sie zu einer Stellungnahme zu seinen detaillierten Revisionsvorschlägen zu veranlassen. Sie enthalten Streichung der Kriegsschulden im Ausmaße der amerikanischen Nachlässe, Rückgabe des Saargebiets, Anschluß Oesterreichs, Rückgabe Kameruns und Togos, Rückgabe des polnischen Korridors gegen die Vereinigung Litauens und Polens und Rüstungsgleichheit mit Frankreich gegen ein deutsch-französisches Militärbündnis. Also im ganzen genommen ein umfassendes und tiefgehendes Programm, das sich ehrlich müht, dem Uebel an der Wurzel beizukommen. Nur eben schade, daß es nicht das Programm der französischen Regierung ist, wenn es auch immerhin als Fort- schritt gedeutet werden kann, daß ein Mann von der Stellung Herväs es wagen darf, mit einem solchen Vorschlag an die Oefsentlichkeit zu treten, ohne sich bei seinen französischen Landsleuten unmöglich zu machen. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, und Herr Gustave Hervä noch nicht die öffentliche Meinung Frankreichs, gewiß, aber die deutschen Politiker, an die Hero6 sich mit seinen Vorschlägen gewandt hat, werden ihm wohl eine Antwort geben, die ihm eine Fortsetzung seiner Propaganda zugunsten einer Revision ermöglicht. Scheitert dann die Verständigung an dem kurzsichtigen und reaktionären Machtwillen des amtlichen Frankreich, dann fällt jedenfalls nicht auf uns die Verantwortung für die unsagbaren Folgen einer solchen Politik. Der Berliner Melallarbeilerkonflikt. Ruhige Beurteilung im Reichsarbeits- Ministerium. (Berlin, 24. Okt. (CAB.) Die Lage in der Metallindustrie beurteilt man im Reichsarbeitsministerium absolut ruhig. Schon die Tatsache, daß die Verhandlungen der Kommission Anfang nächster Woche fortgesetzt werden, ist als ein Zeichen dafür zu werten, daß man aus beiden Seiten die Fäden nicht abreißen lassen, sondern zu einer Verständigung gelangen will. Die Schwierigkeiten liegen vor allen Dingen, in der psychologischen Seite der Situation. Die Gewerkschaften halten es offenbar für unmöglich, die Arbeiter ohne ein greifbares Ergebnis wieder in die Betriebe hineinzubrin- tgen. Dadurch wird ein Kompromiß, das eine Lohnherabsehung bringen würde, außerordentlich erschwert. Deshalb hat auch die Frage eines Schiedsgerichtes «ine große Volle gespielt, dem sich beide Parteien, ähnlich wie dem Spruch Severings für die Gruppe Rordwest von vornherein unterwerfen. Hiergegen bestehen die Hauptbedenken bei den Arbeitgebern, da sie befürchten, daß die Tendenz der Lohnherabsehung, die sie im Interesse der gesamten Wirtschaft für notwendig halten, durch einen neuen Spruch verwischt . werden könnte. Die Metallindustriellen sind der Ansicht, daß ihre Stellung aus Grund des vorliegenden Schiedsspruches sehr stark ist, zumal der Streik angesichts der gegenwärtigen Deschäfti- gungs- und Absatzmöglichkeiten für viele Betriebe keine Schädigung bedeutet. Es wird versucht, die Arbeitgeber für ein Schiedsgericht zu gewinnen, in dem ihnen Sicherungen fät die Durchführung ihres Standpunktes gegeben werden, während den Gewerkschaften durch zeitliche und soziale Staffelung des Lohnabbaues entgegengekommen würde. Der Schiedsspruch vom 10. Oktober würde dann durch den Spruch des Schiedsgerichts erseht und dieser verbindlich erklärt werden. Im gleichen Augenblick wäre wieder ein tarifmäßiger Zustand hergestellt, und die Gewerkschaften mühten, entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen, den Streik abbrechen, wenn sie sich nicht der Gekahr von Aegreßansprüchen aussehen wollen. Bundestag des Oerttschen Beamtenbundes. Der Bundestag des Deutschen Beamtenbundes nahm eine Entschließung zum Wirtschafts- und Finanzplan der R e i ch s r e g i e r u n g an, in der «S u. a. heißt: In Verkennung ihrer wirtschaftlichen Lage sollte der Beamtenschast ein besonderes drückendes Opfer auferlegt werden. Da die beabsichtigten Maßnahmen der Reichsregierung sogar eine Heranziehung hoher und höchster Privateinkommen außer Betracht ließen, rechtfertige sich schon hieraus eine Ablehnung der Gehaltskürzung, die überdies des notwendigen sozialen Einschlages entbehre. So sei weder die unbedingt erforderliche Freilassung eines bestimmten Gehaltsteiles, etwa in Anlehnung an die in der Einkommensteuergesetzgebung getroffene Regelung, noch eine ausreichende Bemessung der Freigrenze für kleine De- amteneinfommen vorgesehen. Unter Entlastung bestimmter Kreise und unter Vermeidung politisch vielleicht schwer durchzubringender Maßnahmen sollten für die Sanierung der öffentlichen Finanzen in erster Linie die Beamten herangezogen toer- ocn. Der Bundestag lehne die Tendenz des Planes ab. Außer der wirtschaftlichen fei auch die rechtliche Stellung der Beamten stark erschüttert. In steigendem Maße sei die Zurückdrängung des Berufsbeamtentums und der Ersah von Beamten durch Angestellte und Arbeiter zu beobachten. Der Bundestag nahm weiter folgenden Antrag an: „Das deutsche Derussbeamtentum hat kein Interesse an einem über das sachlich« Bedürfnis hinaus ausgebauten Derwaltungsappa- rat der öffentlichen Hand. Der Deutsche Beamtenbund erklärt erneut seine Bereitwilligkeit zur positiven Mitarbeit an einer gesunden Staatsreform und Verwaltunasvereinfachung. Schematische Maßnahmen, die ohne gleichzeitige Vereinfachung und Verringerung der Verwal- tungSaufgaben nur auf eine Dezimierung des Be- imfsbeamtenlmns abzielen. lehnt der Deutsche Beamtenbund erneut mit aller Entschiedenheit ab." Sin preußisches Arbeiisbeschassungsprogramm. Teilweise Streckung der Arbeitszeit. - Verlängerung der Schulpflicht. Ausschluß ausländischer Wanderarbeiter. Berlin, 24. Oft. (ERD. Amtlich.) Das preu- rische Staatsministerium befd)äftigtc sich mit Vor- chlägen zur wirksamen Bekämpfung der steigenden Arbeitslosigkeit. Die Beratungen gingen davon aus, daß die materielle und seelische Rot, in die Millionen deutscher Volksgenossen durch die langanhaltende Arbeitslosigkeit verseht werden, dazu zwingt, neben der Unterstützung der Arbeitslosen mehr als bisher die Frage der Arbeiterhaltung und Arbeit sbe- ch a f f u n g in 'den Vordergrund zu stellen. Dabei fand der Vorschlag einer allgemeinen Senkung der Arbeitszeit zur E r m ö fl- lichung von Reueinstellungen eine eingehende Würdigung. Man verkannte dabei die Schwierigkeiten und Bedenken nicht, die einer allgemeinen Durchführung eines solchen Gedankens entgegenstehen, und kam überein, der Reichsregierung die Prüfung der Frage zu emp- ehlen, ob nicht auf dem einen oder anderen Wirtschaftsgebiet eine vorübergehende Herabsetzung der Arbeitszeit ohne Schädigung gesamtwirtschaftlicher Interessen möglich sei. Alle Betriebe, die äu einer Einschränkung ihrer Arbeit gezwungen sind, sollen solange keine Verminderung ihrer Belegschaft vornehmen dürfen, als die von der Arbeitseinschränkung betroffene Delegschaftsgruppe bei einer Verminderung der Arbeitszeit noch mindestens 40 Wochenstunden oder fünf Tagesschichten Beschäftigung finden kann. Durch eine vorübergehende Verlängerung der Schulpflicht um ein weiteres Jahr soll ein Zuströmen von neuen Arbeitskräften auf den Arbeitsmarkt verhindert werden. Es wäre damit zu rechnen, daß mindestens 250 000 von den Ostern 1931 die allgemeine Schulpflicht beendenden Jugendlichen Arbeitsplätze in der Wirtschaft außerhalb der Landwirtschaft, für die diese Regelung n i ch t g e l te n soll, in Anspruch nehmen würden. Das weitere Schuljahr soll der Vorbereitung des Jugendlichen auf seinen künftigen Beruf dienen. Die erwachsenden Kosten sollen aus den vielfach hohen Ersparnissen bestritten werden, die bei der Arbeitslosen unter st ühung bei der Durchführung dieser Maßnahme gemacht werden. Ferner sollen im nächsten Iahre keinerlei ausländische Wanderarbeiter für die deutsche Landwirtschaft zugelassen werden dürfen. Dadurch tonnten etwa 110 000 deutschen Arbeitslosen Arbeit verschafft und dem unerträglichen Zustand ein Ende bereitet werden, daß bei einer solchen Arbeitslosigkeit von fast 3 Millionen Menschen über 100 000 Arbeitsplätze wieder von Ausländern eingenommen werden. Der Ginwand, daß genügend deutsche Ersahlräfte für diese Landarbeit nicht zur Versügung ständen, wird widerlegt durch die Feststellungen der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitswsenversicherung, nach der sich die fch'vn jetzt in der Landwirtschaft in erheblichem Umfang vermittelten berufsfremden Arbeitskräfte und namentlich die jugendlichen i m a 11 g c m e i n e n gut bewährt haben. Oie Tragödie von Alsdorf. 262 Todesopfer geborgen. - Oie amtliche Untersuchung schreitet fort. Vorbereitungen für die Traversier. Alsdorf, 24. Okt. (TU.) Im Laufe des Freitags wurde noch ein Bergmann im unterirdischen Betrieb tot aufgesunden. Ebenfalls wurde unter den Schuttmassen des eingestürzten Fördergerüstes noch ein weiterer Bergmann geborgen. Im Krankenhaus sind zwei weitere Bergknappen ihren schweren Verletzungen erlegen. Somit weist die Totenliste von Alsdorf nunmehr 2 6 2 Opfer auf. Unter den Trümmern des eingestürzten Verwaltungsgebäudes wurde Freitagnachmittag die Kartothek gefunden. Damit können allerdings genaue Angaben über die Zahl der Eingefahrenen nicht gemacht werden. In dem Verwaltungsgebäude befanden sich zur Zeit des Unglücks auch drei Bergleute aus der Rachlschicht, die vor der Lohnabteilung auf ihren Restlohn warteten. Zwei von ihnen sind jetzt unter den Trümmern geborgen worden. Auch wurden verschiedentlich Geldbeträge aufge- funden. Ein tragisches Bild bietet die Waschkaue von „Anna I", in der nunmehr alle Särge aufgebahrt sind. Vor dem großen Altar in der Mitte liegen schon viele Kranzspenden, darunter auch Kränze ausländischer Grubenverwaltungen. Auf jedem Sarg liegt ein Kranz des Eschweiler Bergwerkvereins. In einzelnen Gruppen, nach Gemeinden geordnet, sind die Toten hier auf* gebahrt. Die Angehörigen werden von Sanitätern hereingesührt und zu ihren Toten gebracht. Immer wieder brechen Frauen mit lauten Wehrufen zusammen. Da und dort läßt man die Deckel öffnen und betrachtet noch ein letztes Mal den toten Ernährer oder den verschiedenen Sohn. Das katholische Seelenamt wird am Samstag- Dormittag Weihbischof Dr. Straeter (Aachen) halten. Um 8.45 Uhr folgt eine von der Gemeinde veranstaltete Trauerfeier im Rathaus. Um 9.30 Uhr findet die erste Trauerfeier im Betriebsgebäude von „Anna l" statt. Hier werden Vertreter der Zeche und die Minister sprechen. Die Beerdigung schließt sich an. Die Opser aus Kellersberg und Schaufenberg werden auf den Friedhöfen in ihren Heimatorten beigesetzt. — Am Donnerstag fand man auf der 360-Metersohle einen Grubenhund, an dessen Wänden ein junger Bergmann folgende Abschiedsworte geschrieben hatte: 20. Oktober 1930. Ioses Fuchs, geb. 14. Iuni 1910. Wenn ich hier nicht mehr herauskomme lebend, dann grüßt mir den lieben Vater, Geschwister und auch meine lieben Verwandten und Bekannten. Ich gehe zur Mutter. Lebt wohl! Sieg der Revolution in Brasilien. Oie Truppen von 2Rio de Janeiro gehen zu den Aufständischen über. - Absetzung des Bundespräsidenten Washington Luiz. - Sin Militärkabinett übernimmt die Regierungsgewalt. Rio de Janeiro, 24. Okt. (TU.) Der Präsident der Bundesregierung Washington Lui) ist endgültig zurückgetreten und geflüchtet. 2tn feiner Stelle hat ein Utilitär- t ab ine II die Regierung übernommen. Washington Luiz trat erst zurück, nachdem die Garnison der Festung Copacabana, die über die stärksten Artilleriestützpunkte In unmittelbarer Röhe der Hauptstadt versügt zusammen mit dem 3. Infanterieregiment ; u den 'Uusständifchen übergegangen war. Die Kadettenschule in Rio de Janeiro, unter Anführung von höchsten Offizieren des brasilianischen Heeres, hat sich den Aufständischen angeschlosfen, desgleichen geht bereits der größte Teil der Flotte über. In JJernam- b n c o verkündeten Extrablätter den erfolgten Rücktritt des Präsidenten Luiz, woraus die Banken und Ladengeschäfte ihre Betriebe schlossen. Ueberall wird das bedeutsame Ereignis gefeiert. Es wurde in Rio de Janeiro ein aus drei Generälen und drei Admiralen zusammengesetztes 2H i - titärfomltce eingesetzt, das den General ZUenna B a r r e t o zum Schuhdiktator ernannte. Barrets soll die Regierungsgeschäste bis zur Durchführung der Reuwahlen führen. Er erließ sofort eine Kundgebung an das brasilianische Volk und ordnete die Demobilisierung der Truppen an. In einem weiteren Aufruf ermahnte er die Bevölkerung, die Ruhe und Ordnung zu bewahren. Rach der durchgreifenden Säube- tungsaktion des neuen Polizeipräsidenten ist d i e Ruhe in Rio de Janeiro wiederhergestellt worden. Sämtliche öffentlichen Gebäude und die Banken, insbesondere die brasilianische Staatsbank, werden von Waschinengewehrposten bewacht. Die provisorische Regierung hat ein großzügiges Reformprogramm bekanntgegeben. Danach sollen der Bundeskongreh und die Provinzkongresse a u f g e l ö ft und die Bersassungszusähe von 1925 wegen demagogischen Charakters ausgehoben werden. Ferner sieht der Entwurf die Sicherstellung der geheimen Wahl, eine oberste Justiz- und llnlerrichtsbehörde für ganz Brasilien mit dem Sitz in der Bundeshauptstadt und neue Einwande- r u n g ß - und Raturalisierungsbestim- mu ngen vor. Der neue Kongreß, dem die Aufgabe der Verfassungsänderung obliegt, wird aus je 12 Vertretern bet einzelnen Bundesstaaten bestehen. Die Bewegung, die mit dem Stur; der Regierung Luizendete,machte sich bereits in den frühen 211 o r g c n ft u n b e n bemerkbar. Um 10 Uhr vormittags drang die Wenge in die Straßen der Unterstadt ein. In den Mittagsstunden brach an verschiedenen Stellen der Unterstadt Feuer aus. Fünf Zeitungsgebäude einer Agentur, die die Regierung Lutz unterstützt hatte, wurden angegriffen und in Brand gesteckt. Infolge mangelnden Wasserdrucks war die Feuerwehr nahezu hilflos. Mehrere Brände wurden in der Rachbarschaft des Wolkenkratzers angelegt, in dem das amerikanische Generalkonsulat seinen Sih hat. Die Menge hatte freie Hand, sie plünderte u. a. Waffen- und Juwellerläden. Mil roten Fahnen zog eine Gruppe der Liberalen, ohne von der Polizei behindert zu werden, durch die Straßen. Jeder sonstige Verkehr hatte ausgehört. 3m Lause des Rachmittags, als die Ausschreitungen zahlreicher wurden, schritt die Polizei ein. Der zurückgetretene Bundespräsident Washington Luiz hat sich dem General Azevedo anvertraut, der die Verantwortung für die Sicherheit des gestürzten Staatsmannes übernommen hat. Washington Lui; wurde unter schwerer Bewachung nach dem bei Rio de Janeiro gelegenen Fort Copacabana gebracht, wo er gefangen gehalten wird. Der Kriegsminister, General de Passos, sowie der Vizepräsident des Senats, Azevedo, und der Senator Jrine Machado, sollen verhaftet fein. Die Bevölkerung, heißt es, habe die politischen Gefangenen befreit. Präsident Lutz soll mit feinen Kablnettsmit- gllebern wegen Unterschlagung von Staatsgeldern und Korruption vor ein Sondergericht gestellt wer- den. Der Bundesgeneral Barrov, der mit 100 000 Dollars Regierungsgelder flüchten wollte, wurde im letzten Augenblick verhaftet. Zahlreiche Gruppen von Bewohnern durcheilen die Straßen und jubeln den Soldaten zu. Zivilisten und Militär- perfonen haben roteBlumenundAbzelchen angefteckt. Ernste Zwlfchenfätte find bisher nicht gemeldet worden. Die militärische Bewegung ist aus keinen widerstand gestoßen, sondern hat die säst einmütige Begeisterung der Bevölkerung gesunden. Bestürzung in USA. Washlngton, 24. Okt. (WTB.) Rach Blättermeldungen hat der Sturz der brasilianischen Bundesregierung Im Staatsdepartement große B e ft ü rzung erregt. An dl« amerikanische Botschaft In Rio de Janeiro, die noch zwei Stunden vorher gedrahtet hatte, daß alles ruhig sei und nichts von einem Rücktritt des Präsidenten berichtet hatte, wurde eine telegraphische Anfrage gerichtet. Mangels einer amtlichen Bestätigung der Meldungen lehnte der Staatssekretär seMche Stellungnahme ab. Di« Rachricht von dem Rücktritt deS Präsidenten Luiz hat auch in Reuhork wie eine Bombe eingeschlagen, um so mehr, als die Washingtoner Regierung durch das Verbot von Waffen - und Munitionsverkauf an die Aufständischen die Regierung Luiz unterstützt hatte. Beamtenbesoldung und Finanzausgleich. Thüringen gegen eine Herabsetzung der Steuerübcrweisungen an die Länder. Weimar, 24. Okt. (TTl.) Der thüringische Staatsminister Baum hat an die Regierungen der anderen deutschen Länder ein Schreiben gerichtet, in dem auf die Absicht des Reiches hingewiesen wird, dem Reichsrat in Verbindung mit dem für die Reichsbeamten zu erlassenden Gehaltskür- zungsgeseh den EMtwurf eines Gesetzes zur Einschränkung des Personalaufwandes in deröffentlichenVerwaltung zu unterbreiten. Danach sollen die Dienstbezüge der Beamten der Länder und sonstigen öffrn tilgen Verwaltungen in g le ichem Ausmaße gekürzt werden wie die der Reichsbeamten. Hierdurch werde indirekt die Frage der A u s w ir - kung dieserKürzungenausdieSteu- e rü b e r we i s u n ge n d e s R e iche s andie Länder berührt. Es liege Grund zu der Annahme vor, daß das Reich beabsichtige, die künftigen Heberweisungen an die Länder im Hinblick auf deren Einsparungen bei den Personallasten herabzusehen. Einer derartigen Absicht müßten die Länder in ihrem eigensten Interesse zur Vermeidung schwerer Schädigungen ihrer Finanzen mit allem Rachdruck entgegentreten. Gin derartiges Verlangen des Reiches sei auch in keiner Weise zu rechtfertigen, denn das Reich habe anläßlich der Reuregelung der Beamtenbesoldung vom 1. Oktober 1927 ab den Ländern keine erhöhten Ueberwei- Jungen zukommen laßen, sondern im Gegenteil ständig erklärt, daß es ureigenste Sache der Länder sei, den durch die Erhöhung notwendigen! Mehrbedarf aus eigenen Mitteln aufzubringen. Außerdem würde das Reich mit einer solchen Maßnahme neben der Einsparung bei seinen eigenen Beamten noch einen weiteren Vorteil auf Kosten der Länder ziehen, "^ie thüringische Regierung glaubt dem Reichsentwurf nur dann zu» stimmen zu können, wenn die Sicherheit bestehe, daß die aus der Gehaltskürzung bei den Ländern und Gemeinden ersparten Aufwendungen auch diesen selb st zugute kommen. Die thüringische Regierung bittet schließlich die Landesregierungen um Stellungnahme, ob sie geneigt seien, sich dem lediglich von finanziellen Erwägungen getragenen Standpunkte Thüringens an- zuschließen. Hepp zum Wechsel im Landbundpräsidium. Limburg, 24. Okt. Reichstagsabgeordneter Hepp begründet in der „Rassauischen Bauernzeitung" seinen Austritt aus dem Präsidium des Reichslandbundes. Mit der Ablehnung seiner Forderung, daß je ein Vertreter des bäuerlich:n Besitzes im Westen und des Sroßgrundbesihes im Osten als gleichgeordnete Präsidenten des Reichslandbundes gewählt w r- den. Dieses System entspreche der ursprünglichen Satzung des Reichslandbundes und sei 1928 nur mit Rücksicht auf die Persönlichkeit Schieles verlassen worden, der eine „ungeteilte Verantwortung" für sich beanspruchte. Rach Aufhören dieses besonderen Zustandes habe er pflichtgemäß Veranlassung genommen, die Rückkehr zu jenem früheren FührungsTustand zu fordern. [4rei ■8 Abi zur Still! 76 n ' o P— 5 k »Lorn ^4 2= q wolkenlos Gnnter. o nalt> bedecKL ® wolkig. % bedeckt •Regen. * Schnee a Graupeln ■ Nebel K Gewitvr,©Windstille. «Q-. sehr leichte« Osi ^5 massige« Südsüdwest £) stürmische« «tordWesl Die Piene fliegen mit dem Winde Die oeiden Stationen Menenden Zahlen geben die Temperatur an. Die Limen verbinden Orte mit gleichem. iuf Meeresmveau umgerechneten Luftdruck Wettervoraussage. Im Bereich des tiefen Druckes hat die Wil- tcrung Deutschlands ihren regnerischen Charal'er bctbehalten. Zwar flacht sich der Kern des Tiefs etwas ab, aber trotzdem liegen die Jsvbaren an der Rückseite ziemlich enger, was in lebhafter nordwestlicher Luftbewegung über den britischen Inseln zum Ausdruck kommt. Der Kaltluftvorstoß wird sich nach dem Festlande hindrängen und das Wetter wechselhaft gestalten. Wohl nimmt dabei das dichte Regengewölk schon ab und Böenwolken, welche Schauer mit sich bringen, ziehen vorüber. Die bereits eingesetzte Abkühlung schreitet fort und dürfte bei nächtlichem Aufklaren die Temperaturen bis in Gefrierpunktnähe bringen. Aussichten für Sonntag: Veränderliches Wetter, wolkig, dabei vorübergehendes Auf- tlaren, Regenschauer, weitere Llbkühlung, westliche bis nordwestliche Winde. Aus der Provinzialhauptstadt. (Bleßen, ben 25. Oktober 1930. Oer Treppenschritt. Don jReinbolb Äraun. Junge Rheinfahrer waren wir. überschäumend lustig, innerlich herrlich aufgebrochen zur Romantik des alten Stromes. 3n einer der kleinen Steil- städte, die userhin sich schmiegen, war's, wo wir zur Mittagsrast in einem bescheidenen Gasthofe einkehrten. Eine prächtige Stunde war es bei der alten Wirtin in der sauberen Gaststub'. Während wir aßen, setzte sie sich zu uns, und wir kamen ins Plaudern. Es war ein seines Gesicht unter einem schlicht gescheitelten, schlohweißen Haare, das sich köstlich mütterlich ausnahm unter unfern Grünschnäbelgesichtern. Ich weiß nicht, wie es kam, daß ich der lieben Alten erzählte, ich hätte leider auf der Reise schon mehr ausgegeben, als ich eigentlich in Anbetracht meines reichlich dünn- leib gen Geldsäckels hätte tun dürfen, und es bliebe mir nichts anderes übrig, als die schöne Fahrt vorzeitig abzubrechen. Das ist nun schon an die dreiunddreißig Jahre her. Die Worte der Frau sind mit mir in einer seltsamen Deutlichkeit durchs Leben gegangen. Das mag daran liegen, daß sie aus einer herzvollen Mütterlichkeit heraus gesprochen worden waren. »Junger Mann", sagte sie, „schaun's an, wenn Sie beim Heruntergehen auf einer Treppe, drei oder gar vier Stufen mit einem Male und recht überhastig nehmen, dann können Sie unten eher ankommen, als Ihnen lieb ist und vielleicht sogar mit zerschundenen Knochen! Oder umgekehrt, wenn Sie eine Treppe hinauf wollen und Sie springen sie hinan, ebenfalls in der Absicht, möglichst viele Stufen auszulassen, dann kommen sie leicht zu Falle. zum mindestens aber geht Ihnen der Atem vorzeitig aus. Das Beste bleibt alleweil: fein säuberlich Stufe für StufeI Dann schafft man fröhlich die steilste und längste Treppe, man behält guten Atem und heile Knochen. Und nun ziehen Sie die Lehr' fürs Geldausgeben daraus!" Es ist ein gutes, heilsames Wort gewesen, eben recht wie v^n einer Mutter, und ich hab' ihm einen bedeutsamen Platz in meiner Lebensh aus- Haltekunst gegeben. Und manchmal stand's ganz plötzlich und groß vor mir, und hinter ihm sah ich stets daS alte, liebe Gesicht der Rheinwirtin un- term schneeweißen Haar. „Das Wort vom Treppenschritt" hab' ich's für mich genannt. Ist s nicht so, daß man ihm zuweilen untreu werden will in aller Hast des Lebens und weil um einen herum die Menschen so gar nichts mehr von ihm wissen wollen, weil's ringsumher wie ein atemloses, stürzendes Treppauf, Treppab ist! Man wird beinahe belächelt, wenn man den Treppenschritt noch innehält! Aber kommt ein groß .Teil unseres Lebensleides nicht daher, daß man ihn nicht mehr in inneren und äußeren Dingen innehält! Daher zu viel vorzeitiges Altern, zu frühes Müdewerden! und Den-Atem-Derlieren, daher so viel Bruch und Sturz, so viel Tempo-Scheinblüte und -frucht! Si toenin Herzensfreude und erneuerte Kraft aus schöpfer sch n F: fern! D.r Treppenschritt! Wir wollen dieses Kron- Wort aus der inneren Wirtschaftskunst uns recht -ins Herz prägen! Es gibt Dinge des äußeren und vor allem des inneren Daseins, die lassen sich gleichsam nur im Treppenschritt ergehen, ersteigen! Bei aller Ungeduld gilt es, Stufe für Stufe sorgsam und bewußt zu schreiten. Das ist, symbolisch genommen, bei unserer Kraft Leibes und der Seele, bei Liebe und Freundschaft so, bei mancherlei Menschenbeziehung, bei echter Werbung jeglicher Art, bei Dingen des Wissens, der Weisheit, der Kunst, des Religiösen, des festlichen Elementes. In Trauer und Freude, in schicksalsvollen Augenblicken! Immer schreite der Mensch, der schön ist, von innen her! Um den echten Treppenschritt, ins Gleichnis gehoben, webt das Licht der wahren Stärke, der Vornehmheit, des Aufrechtbleibens, der edlen Ruhe und zuweilen der großen Andacht. Aber auch der Kunst des feinen Verharrens, des bewußten Stehenbleibens zur Um- und Aus-, und manchmal auch zur Cinschau!-- Mensch auf der Treppe ... Und einmal kommt die letzte Stufe ... Enteignung im Eichgärtengebiet. Wie das Kreisamt Gießen im neuesten Amts- verkündigunasblatt bekanntgibt, hat die Gießener Stadtverwaltung die Enteignung von Gelände im Eichgärtengebiet für den Ausbau der Zugangsstraßen zu der neuen Pestalozzi-Schule im Eichweg beantragt. Der Plan über das zu enteignende Gelände wird vom „Im unsere Hütter - für unsereZugend!" .Für unsere Mütter — für unsere Jugend!" Unter diesem Schlagwort wird ab 1. R ovem - der 1 930 der Postverkauf und der außerpofta- lische Vertrieb der neuen Wohlfahrtsbriefmarken 1930 zu Gunsten der Deutschen Rothitse beginnen. Die Erträge der Wohlfahrtsbriefmarken dienen zur Linderung materieller Rotstände im ganzen Reichsgebiet. In erster Linie soll der Erlös Verwendung finden für Mütter, Kinder und Jugendliche unter besonderer Berücksichtigung der CrhoUmgsfürsorge. Die verfügbaren öffentlichen Gelder reichen bei der jetzigen Mafsennot 'taurn aus, um die dringendste Rot auch nur einigermaßen zu beheben. Gerade die Mütter, Kinder und Jugendlichen find diejenigen, die am härtesten betroffen werden. Vielen Erholungsbedürftigen blieb eine Erholung versagt, da hierfür Mittel der öffentlichen Fürsorge nicht mehr xur Verfügung standen. Auch die schwerkämpfende oeutsche Wirtschaft kann wirksame Hilfe nicht allein leisten. Jeder einzelne, der noch in der glücklichen Lage ist, in Arbeit und Verdienst zu stehen, muß ein Scherslein beisteuern und mit- helfen, die allgemeine Dollsnot zu lindern. Durch Erwerb und Verwendung der neuen Wohlfahrtsbriefmarken wird jedermann hierzu Gelegenheit gegeben. Die Volkstümlichkeit der Wohlfahrtsbriefmarken nimmt von Jahr zu Jahr zu. Während bisher die Wohlfahrtsbriefmarken mit den Wappen der deutschen Länder versehen waren, erfolgt in diesem Jahre in der Zeit vom 1. Rovember 1930 bis 15. Januar 1931 die Ausgabe von 4 Wohlfahrtsbriefmarken mit Städtebildern in Querformat, ausgeführt in Stahldruck. Die postalische Gültigkeit der Wohlfahrtsbriefmarken zur Frankierung sämtlicher Postsendungen nach dem In- und Auslande erlischt am 30. Juni 1931. Zur Ausgabe gelangen: Wohlfahrts- Verkaufs- aufschlag preis eine 8-Pf.-Marke (Aachen, Dom und Rathaus) 4 Pf. 12 Pf. eine 15-Pf.-Marke (Berlin, Brandenburger Tor) 5 Pf. 20 Pf. eine 25°Pf..°Marke (Marien. werder Ordensschloß) 10 Pf. 35 Pf. eine 50 Pf -Marke (Würz. bürg, Mainbrücke und Frauenberg) 40 Pf. 90 Pf. Ferner wird eine amtliche Wohlfahrtspostkarte in künstlcr s er Ausführung (Radierung) mit eingedruckter 8-Pf.-Wohlfahrtsbrief- marte zum Verkaufspreis von 12 Ps. ausgegeben. Außerdem gelangen wiederum Marken Heftchen, enthaltend zehn 8-Pf.-Marken und vier 15- Pfennig-Marken, zur Ausgabe, die zum Preise von 2 Mk. verkauft werden. Die Auflage der Marken und Postkarten ist beschränkt; etwaige Restbestände werden nach Ablauf der Detriebszeit vernichtet. Von dem Abgabepreis fließt der reine Fran- kierungswert der Post zu. Der Reinertrag (Wohl- fahrtsauffchlag) aus dem außerpostalifchen Verkauf der Wohlfahrtsbriefmarken fließt der Deutschen Rothilse zu und wird folgendermaßen verteilt: 80 Prozent verbleiben zur Verfügung ber- jenigen örtlichen Organisation, die den Vertrieb übernommen hat, hier der Gießener Rothilfe. 10 Prozent erhält der Landesausschuß. Die restlichen 10 Prozent werden dem Ausgleichsfonds, |5 muiscHis'hlicH‘^5 in Vie neuen deutschen Wohlfahrtsbriefmarken sättig bi« Ad.Zont 1931 über dessen Verwendung der Reichsarbeitsausschuß verfügt, zug.führt. Für die G.eßenerRochilse übernimmt das Städt.sche Wohlfahrtsamt, Gartenstraße 2, Erdgeschoß, Zimmer Rr. 9 die Ausgabe der Wohlsahrlobriesmarken, einschl. der Markenheftchen, sowie der Wohl ahrtspost!arte. Rur von den bei dem Städtischen Wohlfahrtsamt bezogenen Wohlsahrtsbriefmarken und -Karten fließen 80 Prozent des Reinertrags (Wohlfahrtsausschlag) der Gießener Rothilfe zu. Ls geht daher die besondere Ditte an alle Gießener Firmen und Einwohner, ihren Bcbarf an Wohlfahrtsbriesmarken in erster Linie bei dem Städtischen Wohlfahrtsamt zu entnehmen. Rur dadurch trägt jeder Gießener Bürger auch zur Linderung der örtlichen großen Rot bei. Alle Gießener Firmen werden gebeten, während einer Woche oder einiger Tage in den Monaten Rovember, Dezember oder Januar ihre gesamte Geschäftspost ausschließlich mit Wohlfahrlsbriesmar- ken zu frankieren. An alle Bürger der Stadt ergeht die Ditte, für die Rächstzeit nur Wohlfahrtsbriefmarken durch Vermittelung des Städtischen Wohlfahrtsamtes zu verwenden, insbesondere sich ihrer bei Uebermittelung von Glückwünschen bei den kommenden Festen (Weihnachten, Reujahr und Ostern) zu bedienen. Auf die in der heutigen | Nummer erscheinende Bekanntmachung der Gieße- I ner Rothilfe sei verwiesen. 28. Oktober bis 11. Rovember offengelegt, zur Verhandlung über den Plan und die .Entschädigung wird ein Termin am 14. November abgehalten werden. Vornoti?»cn. — Tageskalender für Samstag. Stadttheater: „Magdalena", 20 bis 22 Uhr. — Volkshochschule: Eröffnungsabend, 20 Uhr, Großer Hörsaal der Universität. — Variete-Gastspiel der Sch erberschau, 14 Uhr: Fremden- und Schülervorstellung; 20 Uhr: Abendvorstellung; Cafe Leib. — DHV.: Filmvorführung „Masuren, das Land der tausend Seen", 20.30 Uhr. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Liebesparade". — Astoria-Licht- spiele: „Mcs.alma". — Tageskalender für Sonntag. Stadttheater, 15 bis 17.30 Uhr: „Liebes Leid und Lust'; 18 bis 20.15 Uhr: „Einen Jur will er s.ch machen". — Goelhe-Bund: Lichtbildervortrag „Das Wunderland Indien", 20 Uhr, Neue Aula. — Schterber-Variete-Schau: 20 Uhr, im Casö Leib. — Obst- und Gartenbauverein: Vortrag von Gartenbauinspektor Rehnelt, 15.30 Uhr, im Kaufrn. Dereinshaus. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, vorm. 11.15 Uhr: Kulturfilmvorführung „Tiere sehen dich an"; Abendvorstellung: Ltebesparade". — Astoria-Lichtspiele: „Messalina". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Am heutigen Samstag findet das Gastspiel der Ludwig Thoma-Bühne statt. Zur Ausführung gelangt „Magdalena" von Ludwig Thoma mit Loni Schultes in der Hauptrolle. Die Aufführung, die in Berlin mit größter Begeisterung ausgenommen wurde, dürfte auch in Gießen ein Erlebnis sein. Beginn 20 Uhr. — Am Dienstag die mit großem ‘Beifall aufgenommene Neuheit „Die Prinzessin und der Eintänzer". — Mittwoch Erstaufführung von Wolfgang Goetz' neuem Schauspiel: „Neidhardt von Gneisenau". — Freitag Zuckmayers Dolksstück „Schinderhannes" in der E rstaufsührungsbesehung. — Nächsten Sonntag als Fremdenvorstellung auf vielseitigen Wunsch und als einmalige Wiederholung „Das Land des Lächelns", Gastspiel der Vereinigten Operettenbühnen Bochum-Hamborn. — Die Volkshochschule leitet mit dem heutigen Eröfsnungsabend im Großen Hör aal der Universität, Beginn 20 Uhr, ihr Winterhalbjahr ein. Der Kurs beginn erfolgt ab Montag, 27. Oft. Die Montagskurse sind im heutigen Anzeigenteil besonders bekanntgegeben. — Der Goethe-Bund schreibt und: Arn zweiten Vortragsabend am morgigen Sonntag wird Professor Roy aus Indien, zur Zeit an der Universität Berlin, einen Vortrag mit zahlreichen einzigartigen Lichtbildern über „Das Wunderland Indien" halten und damit ein wichtiges Problem der Weltgeschichte unserer Tage behandeln. Professor Roy ist ein angesehener Wissenschaftler und ein berufener Kenner seines Heimatlandes. (Siehe heutige Anzeige.) — Der Gesangverein „Heiterkeit" veranstaltet am Sonntag, 2. November, in der Neuen Aula der Universität ein Konzert. Neben dem Chor unter der Leitung von Wilh. Schüttler werden noch Irmgard Heermann (Alt), Emst Schneider (Cello), Marie Eckhardt (Flügel! und ein Streichquartett mit wirken. Auf der Vorlragsfolge stehen Chöre von Suter, Kreutzer, Kelldorfer, Esser, Silcher, Schauß, von Mvellendorf und Buck, sowie Lieder von Schubert und Brahms, Musikstücke von Schubert, Grieg, Fischer, Dvorak. Die Veranstaltung sei den Freunden des Männergesangs und des guten Konzerts zum Besuche angelegentlich empfohlen. — ScherberS Darietö-Schau gastiert heute und morgen abend im Cafe Leib. Darbietungen auf dem Gebiete der Jongleurkunst, der Artistik, des Schnellrechnens, der Schnellmalerei und noch vieles andere werden die beiden Qlbenbc füllen. Näheres aus den Anzeigen. — Kasperltheater. Morgen, Sonntag- nachmitiag, findet im Katholischen DereinSbaus Kasperle-Vorstellung statt. Große und kleine Kinder können sich da ein paar Stunden an einem alten, echten deutschen Dolksspiel erfreuen. Wer die vielen hundert frohen Kinderaugen schon gesehen hat vor Kaspers bescheidener Bude, der weiß, daß das Puppenspiel heute eine Ausgabe hat. (Siehe gestrige Anzeige.) — Ein Filmvortrag über Seefischverwertung wird von der Gießener Elektro- Gemeinschaft und der HauS rauenberatungsftelle In Verbindung mit dem staatlichen Fischmarkt Cur- haven am kommenden Dienstagabend im Saale des Casö Leib veranstaltet. Bet dem Vortragsabend soll gezeigt werden, wie Seefische auf elektrischen Herden zuzubereiten sind. Der Erfolg der praktischen Kochvorführungen soll von den Hausfrauen an Hand von Kostproben beurteilt werden. Man beachte die heutige Bekanntmachung. •• Handelskammerwahlen. Die Industrie- und Handelskammer Gießen veröffentlicht im heutigen Anzeigenteil eine Bekanntmachung über Vrgänzungs- und Ersatzwahlen zur Industrie- und Handelskammer Gießen. Auf feinen Wunsch scheidet der Präsident der Handelskammer, Kommerzienrat Schirmer (Gießen), endgültig aus der Kammer auS, sahungsgemäß scheiden aus Bankdirektor Grießbauer, Kaufmann Rudolf N o w a ck und Fabrikant Wilhelm Poppe (Gießen), sowie Kaufmann Wilhelm L. Rühl (Großen-Duseck). Die Liste der Wahlberechtigten liegt vom 27. Oktober bis 5. November auf. * • Ober ft von Witz leben in Gießen, der — wie bereits berichtet — anläßlich seines 70. Geburtstages und \ MilitärjubiläumS von dem ehemaligen Kaisc. in Doom ein Bild mit eigenhändiger Unterschrift und Widmung erhielt, wurde auch von dem Reichspräsidenten von Hindenburg durch Uebersendung seines Bildes mit persönlicher Unterschrift ausgezeichnet. • * 8 3. Geburtstag. Herr Ludwig Klinge l h ö f e r, wohnhaft Crednerstraße 10, Veteran von 1870 71, konnte am Mittwoch feinen 83. Geburtstag feiern. Aus diesem Anlaß übermittelte Reichspräsident v. Hindenburg dem Jubilar fein Bild mit herzlichsten Glückwünschen und kan.c- radschaftlichen Grüßen. " Dchulpersonalien. Ernannt wurden: der Lehrer GcorgSchiefersteinzu Bettenhausen, der bisher kommissarisch den Schuldienst: in Collar versah, zum Lehrer an der Volksschule in Lollar; die technische Anwärterin Ottilie Schroder aus Darmstadt zur Handarbeitslehrerin an der Volksschule zu Bad-Nauheim. * * Die Museen und der Heidenturm sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr zu gewöhnlichen Preisen geöffnet. ee Stadttheaterabonnement. Die Stadtverwaltung fordert im heutigen Anzeigenteil zur Einlösung des zweiten Abschnitts des Stadttheaterabonnements auf. Die Interessenten seien auf die Bekanntmachung besonders hingewiesen. •* Offene Bürger meister st ekle. In unserem heutigen Anzeigenteil schreibt die Bürgermeisterei der Nachbarstadt Grünberg die Stelle eines Berufs-Bürgermeisters für die Stadt Grünberg zur Bewerbung aus. Jnterefsenten feien auf diese Bekanntmachung hingewiesen. (Schluß des redaktioncllen Teils.) Set Erkältungen auch an die Nerven denken! Eine Erkältung macht den ganzen Menschen elend. 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Noch decken sich weitgehend die Begriffe Adolf Hitler und Nationalsozialismus, noch ruhen in der Hand dieses Mannes die Lose, die über die Frage entscheiden, ob cs gelingt, dem Nationalsozialismus in der Zukunft die Giftzähne auszubrechen und faine positiven Seiten für den Staat fruchtbar zu machen. Adolf Hitler ist jetzt 41 Jahre alt und bis heute unverheiratet. Er wurde 1889 in Braunau am Inn als Sohn eines Zollbeamten geboren, der Staatsangehörigkeit nach Oesterreicher, dem Blute nach zum niederbayerischen Stamm gehörend. Hitler war erst wenige Jahre alt, als sein Vater in das deutsche Passau auf die österreichische Zollstation versetzt wurde, von wo er kurze Zeit später nach Linz kam, um dort frühzeitig in Pension zu gehen und sich in der Nähe des oberösterreichischen Marktfleckens Lambach ein kleines Gut zu kaufen, das er selbst bewirtschaftete. Hitlers Vater war ein unruhiger, unsteter Geist, Sohn eines armen kleinen Häuslers; er lief als junger Bursche mit drei Gul- | den Wegzehrung von zu Hause fort, nach Wien, um ein Handwerk zu lernen, das ihn nicht befriedigte; nach 23 Jahren gelang es ihm glücklich, kleiner Beamter zu werden. Der Sinn seiner Mutter war ganz auf den Hausstand gerichtet, auf die Erziehung der Kinder, die es trotz der engen Verhältnisse zu etwas bringen sollten. Adolf Hitler selbst besuchte die Oberrealschule bis zu seinem dreizehnten Lebensjahr. Nach dem Willen seiner Eltern sollte er studieren und Beamter werden. Hiergegen sträubte er sich mit einer Energie, die feine Eltern schließlich zum Nachgeben brachte. Er wollte Maler werden, aber erst auf Grund eines schweren Lungenleidens durfte er die Realschule verlassen und die Akademie besuchen. Als er dreizehn Jahre alt war, starb sein Vater und zwei Jahre später seine Mutter. Von diesem Tage an erhielt seine Entwicklung einen scharfen Knick, der ausschlaggebend für ihn geworden ist. Mit einem Koffer mit Kleidern und Wäsche fuhr er nach Wien und fiel bei der Aufnahmeprüfung in die dortige Malerakadcmie durch mit der Begründung, daß feine Fähigkeiten vornehmlich auf dem Gebiet der Architektur' lägen. Zu einer Prüfung für die Bauakademie kam es nicht mehr. Durch den Tod der Eltern fah sich Hitler gezwungen, sofort sich selbst sein Brot zu verdienen. Es folgten fünf Jahre voll Elend und Jammer, ausgefprochene Hungerjahre. Hitler wurde Hilfsarbeiter und später kleiner Tüncher, arbeitete auf zahllosen Baustellen und löste sich sozial vollkommen von seiner bisherigen Welt, in der er aufgewachsen war. In den Jahren 1909 und 1910 verbesserte sich fein Los insofern, als er sich als selbständiger kleiner Zeichner und Aquarellist durchzuschlagen vermochte, wenn auch gegen kümmerlichen Lohn, immer noch in der Hoffnung, einmal Architekt werden zu können. Im Jahre 1912 siedelte er, 23 Jahre alt, endgültig nach München Über, nach der Stadt, die schon immer der Traum feiner Jugend gewesen war. 1914, während der Mobilmachung, trat er Der Münchener Korrespondent der volksparteilich orientierten „Deutschen Allgemeinen Zeitung" gibt im solgcnden auf Grund sorgfältiger Studien ein Lebens, und Entwick- lungsbild des Führers der nationalsozialistischen Bewegung, das auch für die von Wert sein wird, die dem Nationalsozialismus skeptisch und ohne Sympathie gegenüber- stehen. Denn uns deucht, nichts wäre in der heutigen Situation für das Bürgertum kurz- sichtiger, als sich über die politischen Stimmungen der Gegenwart unzureichend 31 terrichten oder gar den politischen G aus Unkenntnis zu unterschätzen. mit voller Absicht nicht in die österreichische, sondern in die bayerische Armee ein. Zum erslknmal sieht er den Rhein, als er mit den Freiwilligen des Regimentes List in die Flandernschlacht fährt. Hitler hat den ganzen Weltkrieg als Infanterist mitgemacht, wurde am 7. Oktober 1916 in der Somme- schlacht schwer verwundet, kam dadurch zum ersten- mal zurück nach Deutschland, ins Lazarett von Beelitz bei Berlin, und auf dem Umweg über das Ersatzbataillon in München Anfang März 1917 wieder zu seinem Regiment an die Westfront. Im Jahre 1918 machte er die beiden ersten und die letzte Offensive mit und ist erlöst, als der Stellungskrieg aufhört und endlich auch hn Westen der Angriffskrieg wieder beginnt. September 1918 kommt er zum drittenmal an die ^pernfront Am 14. Oktober 1918 erhält er südlich von Wervick an der Mer eine schwere Gasvergiftung und kommt nach Pasewalk in Pommern ins Lazarett, wo er die Revolution erlebt. Es war eine Gelbkreuzveraistung, die ihn längere Zeit blind machte, und ihm die Möglichkeit nahm, später wieder den Beruf eines Zeichners zu ergreifen. Im November 1918 kehrt Hitler nach München zurück, und nun beginnt bald feine politische Laufbahn, an die er erstmals im Jahre 1917 gedacht hatte, aus Empöruna darüber, daß seinem Gesühl nach der Krieg von Deutschland aus nicht energisch genug geführt und im Innern nicht streng durch- gegriffen wurde. Es kommt seine Bekanntschast mit Gottfried Feder, der dann die Grundlagen eines Parteiprogramms entwirft. Hitler wird im Früh- fahr 1919 „Bildunasoffizier" in der Reichswehr, er hält fturfe und Vorträge bei den Mannschaften ab; in dieser Eigenschaft soll er einen Abend der neu gegründeten „Deutschen Arbeiterpartei" besuchen, um über deren Ziele dienstlichen Bericht zu erstatten. Er entschließt sich dann bald selbst für die Partei, in der er ein geeignetes Wirkungsfeld für seine Ideen und Ziele sieht. Hitlers provisorischer Mitgliedsschein trug die Nummer 7. Er ist das siebente eingeschriebene Mitalied und reißt sehr bald die Führung an sich. Am 24. Februar 1920 findet die erste öffentliche Massenkundgebung der jungen Bewegung in München statt, die Ersola hat und zum erstenmal die Aufmerksamkeit auf Adolf Hitler lenkt. Dieser äußere Ablauf von Adolf Hitlers Leben bis zum Eintritt in die Politik läßt erkennen, daß er in zwei verschiedenen Welten ausgewachsen ist, daß er mitten in seinen Bildungsjahren gewaltsam von der einen in die andere versetzt wurde, und daß dieser scharse Bruch in seinem Leben entscheidend für feine Laufbahn geworden ist. Als Knabe begeistert er sich an dem Nürnberger Buchhändler Johann Philipp Palm der in seiner Vaterstadt Braunau 1806 auf Befehl Napoleons wegen Ver- breitung einer Flugschrift „Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung" erschaffen worden war. Als Gymnasiast im deutschen Passau und im österreichischen Linz werden die Freiheitskriege und der Deutsch-Französische Krieg seine Lieblings- leftüre, und schon damals wird ein großdeutsches Sehnen in dem Schuljungen wach, der zu beiden Seiten der deutsch-österreichischen Jnngrenze aufgewachsen ist, das Verlangen nach einer Ueberwin- düng der „Jnnlinie", nachdem 1871 mit der Bis- marckschen Reichsgründung die Mainlinie beseitigt worden war. Geschichte wird seine große Leiden- schäft. Er beginnt, das Habsburgische Kaiserhaus zu hassen, wegen seiner Slawenfreundlichkeit. Damals schon wird er Gegner der deutschen Bündnispolitik. Durch den frühzeitigen-Tod seiner Eltern folgt dann in seinem 15. Lebensjahre ein plötzlicher so- zialer Abstieg. Hitler kommt auf der Baustelle in Wien als ungelernter Arbeiter in engste Berührung mit dem Marxismus und mit sozialem Elend. Wenn er sich auch von den Vorstellungen seiner bisherigen bürgerlichen Welt während seiner harten Wiener Schule weitgehend lossagte, so feiten ihn doch seine Jugendideale vor allen marxistischen Versuchungen. Er stellt sich in Opposition gegen seine sozialdemo- kratischen Arbeitskollegen, verliert mehrmals seine Posten, wird Märtyrer und gerät in jene Haß- ftimmung gegen den „Marxismus", die ihm bis zum heutigen Tage treu geblieben ist. Wie in der Kindheit so auch hier ein ungeheurer Bildungstrieb oder besser Lerntrieb. Hitler verschlingt in hungrigen Nächten die ganze sozialistische Literatur und kommt zu der Ueberzeugung, daß der Terror der Sozial- demokratie nur gebrochen werden kann, wenn ihm ein noch größerer Terror entgegengesetzt wird, ein Grundsatz, der ja heute noch bei den Nationalsozialisten Geltung hat. Hier in Wien erst macht sich Hitler Gedanken über die jüdische Frage. Er kommt in Berührung mit Vertretern des galizischen Judentums, und an Hand dieser extremen Erscheinungen bilden sich die Wurzeln seiner Judenfeind- schast. In den täglichen Auseinandersetzungen mit marxistischen Arbeitern auf der Baustelle macht Hitler eine glänzende Schule der Beredsamkeit durch; schon damals beschäftigt er sich mit dem Problem der Massenbeeinslussung und Massensugge- stion, das ihn während des Weltkrieges nicht mehr losläßt, und das er heute so erfolgreich zu meistern versteht. Aber erst die Wut über die Revolution des Jahres 1918, die ihm fast die Besinnung raubte, ließ den Entschluß in ihm reifen, als Redner oder als politischer Führer den Kamps gegen die «ozial- demokratie als Lebensberus zu ergreifen, deren Führern er die ganze Schuld an unserem Unglück beimißt. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß Hitler mit Leib und Seele Soldat war, wie er Ja auch bewußt in die deutsche Armee eintrat und dadurch seine Staatszugehörigkeit verlor. Hiller schildert selbst, wie er vom Schützengraben aus alle politischen Vorgänge aufmerksam versolgte, aus den letzten Kriegsjahren stammt sein unversöhnlicher Haß gegen das Parlament. Von Hitler stammt das umstrittene Wort: „Ich weiß, daß man Menschen weniger durch das geschriebene Wort als vielmehr durch das gesprochene zu gewinnen vermag, daß jede große Bewegung auf dieser Erde ihr Wachsen den großen Rednern und nicht den großen Schreibern verdankt." Wenn auch Hitler bei seiner Eroberung der Massen vornehmlich, und ossentsichtlich nicht ohne Erfolg, nach diesem Grundsatz verfährt, so verwahrt er sich doch entschieden, nur als „Trommler" gewertet zu werden; er hält sich offenbar für fähig, als Staatsmann Deutschlands Los mit seinen Methoden zu bessern. Der Todfeind des Marxismus ist trotz des Widerstandes der bürgerlichen Welt emporgekom- men, mit der ihn im Innern noch viel verbindet, er ist lange Zeit von den bürgerlichen Parteien heftiger bekämpft worden als von der Sozialdemokratie. Sollte es nicht doch gelingen können, diesen Mann zur nutzbringenden Mitarbeit am Staate hcranzuziehen und die Energien und die nationale Begeisterung, die er in einer so begeisterungsarmen Zeit zu entfachen versteht, in vernünftige Bahnen zu lenken und für eine Besserung unserer Verhält- nisse einzuspannen? Arbeitslöhne und Warenpreise. Don Dr. Gustav Cassel, ehem. Professor der Nationalökonomie an der Universität Stockholm. Eine Herabsetzung der Geldlöhne in Zusammenhang mit dem starken Preissa11 auf dem Warenmarkt erscheint unter allgemeinen wirtschaftlichen Gesichtspunkten als eine Selbstver- ftändlichkeit, ihre Durchführung stößt jedoch auf starken Widerstand. Die Frage, inwieweit es möglich sein kann, trotz des gewaltigen Sinkens der Warenpreise seit Mitte vorigen Jahres die Geld- löhne aufrechtzuerhalten, ist in diesen Tagen Gegen- stand einer lebhaften Diskussion in der ganzen Welt, und es ist offenbar von außerordentlicher praktischer Bedeutung, daß der wirkliche Inhalt dieses Problems klargelegt wird. Die Forderung, daß die Geldlöhne unverändert aufrechterhalten werden sollen, trotz des Preisfalls auf dem Warenmarkt, ist in der Tat gleichbedeutend mit einer Forderung auf Steigerung der wirklichen Arbeitslöhne. Es ist also vor allem zu prüfen, ob d i e Voraussetzungen für eine allgemeine Steigerung der Reallöhne gegenwärtig vorhanden sind. Nach der kräftigen Deflation, die die Inflationsperiode der Nachkriegszeit zum Abschluß brachte, und die in der allgemeinen Senkung der Warenpreise in 1920/21 zum Ausdruck kam, lag ein ähn- liches Problem vor. Damals zeigten sich gewisse Möglichkeiten für eine Steigerung der Arbeitslöhne durch außerordentliche technische Fortschritte, besonders auf dem Gebiet der Maschinenindustrie, und durch organisatorische Verbesserungen in der Produktion und im Transportwesen. Die Arbeiter ernteten die Früchte dieser sogenannten Rationalisierung in der Form wesentlich gesteigerter Reallöhne. 'Es wäre indessen sehr verfrüht, sich vorzuftellen, daß ähn- liches jetzt ohne weiteres wiederholt werden kann. Ohne Zweifel wird die Produktionsfähigkeit der Welt immer noch weiter steigen. Die Fortschritts- geschwindigkeit wird sich aber aller Wahrscheinlichkeit nach innerhalb normaler Grenzen halten, und die außerordentliche Steigerung der Reallöhne im vergangenen Jahrzehnt wird als eine Einzel» erfcheinung dastchen, die nur unter Ausnahmeverhältnissen möglich war. Die Forderung nach einer Aufrechterhaltung der heutigen Geldlöhne ist, wo sie ohne Rücksicht auf vorliegende wirtfchaftliche Möglichkeiten hervortritt, ein r e i n e r. M a ch t o n s p r u ch. Die Auffassung der Lohnsrage als einer Machtfrage ist ja charakteristisch für den Sozialismus und feine wirklichkeitsfremde Einstellung zum Wirtschaftsleben. Von dieser primitiven Auffassung fort hat die Arbeiterbewegung einen langen Weg zurückzulegen, ehe sie darüber zur Klarheit kommt, daß die Lohnsrage int Grunde eine wirtschaftliche Frage ist, und daß die Höhe der Löhne entscheidend davon abhängig ist, wieviel die Konsumenten für Arbeitsleistungen, die sie in letzter Hand in Anspruch nehmen, zu zahlen bereit sind. In lokal geschützten Gewerben, die keine Rücksicht auf Konkurrenz zu nehmen brauchen, gibt es einen gewissen Raum für die Behandlung der Lohnfrage als einer Machtfrage. In hohem Grade gilt dies von den Arbeitern des Staates und der Gemeinden. Die Ausnutzung solcher Möglichkeiten hak in der Tat seit dem Kriege bereits zu einer sehr bedenklichen Erscheinung auf dem Arbeitsmarkt und in der Preisbildung geführt. In verschiedenen Ländern hat man die Lohnfrage zum Gegenstand eines Schlichtungsverfahrens gemacht und damit einen Weg eingefchlagen, der nur allzu leicht dazu führt, daß die Löhne diktiert werden anstatt von den Gleichgewichtsbedingungen der Wirtschaft bestimmt zu werden. Gegenwärtig treten die Gefahren einer solchen verhängnisvollen Behänd- lung des Lohnproblems besonders in Deutschland hervor. v . Treibt man mit Macht die Löhne über das wirtschaftlich zulässige Niveau hinaus, so muß die Folge notwendig Arbeitslosigkeit werden, gleichwie der Fabrikant mit seinen Waren sitzen bleibt, wenn er die Preise höher hält, als die Marktlage es ge- stattet. Die Erfahrung der letzten Jahre hat in einer Menge von Ländern diesen Zusammenhang zwischen Lohnansprüchen und Arbeitslosigkeit mit einer Deutlichkeit hervortreten lassen, die nichts zu wünschen übrig läßt. Gleichzeitig sind die sozialen Lasten in die Höhe getrieben worden, ja vielleicht noch schneller als die Arbeitslöhne. Wenn eine solche Steigerung des Preises der Arbeit parallel mit einer gewaltig steigen- den Arbeitslosigkeit geht, müßte jedermann sehen können, daß irgend etwas verkehrt ist, und daß man auf einen Weg gekommen ist, der sich Mit Knigge durch England. Don Or. Ferdinand Tau. In England grüßt stets die Dame zuerst. Gin Herr, der eine Dame zuerst grüßen wollte, beginge eine unmögliche Taktlosigkeit. Herren unter sich grüßen nie durch Hutabnehmen - höchstens der Heine Kommis seinen sehr hochgestellten Chef. Herren nicken sich zu oder winken mit der Hand. Der Herr, der eine Dame grüßt, lüftet leicht Den Hut, so wie man in Deutschland Den Portier grüßt. Tiefe Der- Beugungen losen bei Engländern größte Heiterkeit aus. Man verschlucke vor einer Englandreife ein Lineal. * Oluf der Straße wird links gegangen und links gefahren. Man weicht links aus und überholt rechts. Während in Deutschland die Dame stets auf der rechten Seite des Herrn geht, geht sie in England auf der inneren, also den Häusern zugewandten Seile des Bürgersteiges. Außen, nach dem Fahr- damm zu, geht Der Herr. In Theatern und Kinos wird die Garderobe nicht abgegeben. Man nimmt die Garderobe mit auf den Platz. Herren rollen den Mantel zusammen und legen ihn unter den Sih auf Den fast stets mit Teppich versehenen Fußboden. Den Hut hängt man an einen Haken, der sich gewöhnlich an der Rück- lehne des Bordersihes befindet. In fast allenTheatern und Kinos darf auch geraucht werden, ohne daß Deswegen Kinovorstellungen feuergefährlicher sind als in Deutschland. Man beschwere sich nicht, wenn im ersten englischen Hotel, in Dem man übernachtet, der Hausdiener hemdsärmelig,noch dazu in schwarzen Hemdsärmeln erscheint. Diese schwarzen Hemdsärmel gehören zur Uniform der Hausdiener und sind in ganz England und Irland üblich. Das englische Frühstück ist immer ziemlich reichlich. Aber entgegen einer vielfach in Deutschland verbreiteten Meinung gehören Hammelloteletts niemals zum ersten Frühstück. Es besteht vielmehr aus Por- ridge, einer Art Haferbrei, der mit Milch gegeßen wird, gebratenem Fisch oder Schinken mit Eiern oder gebratenem Speck mit Spiegeleiern, und der unvermeidlichen Orangenmarmelade mit Toast. In Restaurants und Hotels ist es üblich,Trinkgeld er zu geben. Allerdings meist nicht so viel wie in Deutschland. Im Lokal legt man es schämig neben Den Teller, ehe man den Raum verläßt. Ein Pence auf den Schilling genügt.. IDenn der Kellner den Gang zum zweiten Mal anbietet, so antwortet man nicht: „thank you“,toenn man nichts mehr will; man bekommt auf diese Ant- wort hin rettungslos noch eine Riesenportcon auf den Teller. „Thank you“ bedeutet nämlich .ja", das Gegenteil heißt: „no, thank you“. In jedem Hotel findet der Reisende auf dem Waschtisch ein neues Stück Seife. Man vermeide es aber, bei öfterem Wechsel der Hotels diese ©elfen- stückchen zu sammeln. Das ist shocking. Die Hotels pflegen die gebrauchte Seife neu zu kochen und zu formen. e Das englische Eßen ist im allgemeinen ziemlich eintönig. Ramentlich der Lunch. Der ruhende Pol in der recht mangelhaften Flucht der verschiedenen Speisen ist Der unvermeidliche Käse zum Rachtisch. Er wird nicht mit Brot gegeßen, sondern mit Keks. Manchmal hat man den Eindruck, als ob es in ganz England nur eine Sorte Keks gäbe. * Mit Bindfaden sind die Kaufleute sehr sparsam. Kleinere Pakete werden mit großer Fixigkeit geflegelt. Kaust man etwas Obst, so saßt der Berkauser die Tüte an Den beiden oberen Zipfeln und schleudert sie zum Entsetzen des europäischen Käufers zwei- oder dreimal um sich selbst, so daß rechts und links je ein wie ein Eselsohr abstehender Wickel entsteht. * Wenn man einen Laden betritt, so sagt man nicht ,Guten Tag". Daran ist der Ausländer sofort zu ernennen. Wenn man ihn verläßt, so grüßt man auch nur Dann, wenn es Der Verkäufer tut: sonst geht man ebenso stumm hinaus wie hinein. Herren behalten Den Hut im Laden stets auf. Der englische Sonntag ist für jemand, der nicht in eine Familie eingeführt ist, noch immer sehr langweilig. Die Lokale sind geschloßen und m Heineren Hotels bekommt man nur mit Mühe etwas zu eßen. Mittlere und größere machen natürlich eine Ausnahme. Auf den Eisenbahnen fahren kaum halb so viel Züge als an Werktagen. Ganz so 'chUmm ist es allerdings nicht mehr wie zu Bismarcks denen. Er hatte das Unglück, an einem Sonntag rn Eng- land zu landen, und als er vergnügt pfeifend das Land betrat, entrüstete sich ein englischer Polizist mit Den Worten: .Pfeifen ist am Sonntag verboten . Die englischen Dienstboten sind sehr freundlich, wollen ebenso freundlich behandelt fein und meiden die Arbeit, wo sie nur irgend können. Bessere Häuser behaupten, vier Dienstboten nötig zu haben, wenn sie vor Dem Kriege zwei hatten. Eine besondere Abscheu haben Dienstmädchen gegen Elieselpuhen. Bei einem Weg über regennaße Felder lehmig gewordene Stiefel stehen am nächsten Morgen unberührt vor der Zimmertür. Man packe daher Stiefel- Dürften ein. Politik macht feinen Spaß ... ... wenigstens bei uns nicht. Wir haben den Parlamentarismus. Aber kein Mensch ist mii ihm zufrieden. In England dagegen jedermann. Warum? Der bedeutende Anglist Prof. Dr. Wilhelm Dibelius gibt in einem Beitrag zum Rovernberheft von Delhagen & Kla - sings Monatsheften die Antwort. Er schreibt u. a.: ..Im Gegensatz zu Deutschland und allen anderen parlamentarisch regierten Staaten gibt es in England, dank einem andern Wahlrecht, in Der Regel nur zwei Parteien; mehr als vier sind es noch nie gewesen. Immer bilVt sich eine geschlossene Regierungspartei und eine geschloffene Opposition heraus. 3n Deutschland und anderen parlamentarisch regierten Ländern Dagegen ist es eigentlich immer nur zu Koalitionsregierungen gekommen. Eine solche ist aber stets verhältnismäßig schwach. Der leitende Staatsmann. der an Der Spitze der Koalition steht, ist darauf angewiesen, es mehreren Gruppen gleichzeitig recht zu machen, und dies wird gewöhnlich nicht lange gehen. Ein englischer Ministerpräsident ist eine sehr viel stärkere und einflußreichere Persönlichkeit als sein Kollege tn Frankreich oder Deutschland; wenn er eine politische Entscheidung gefällt hat, so braucht er nur selten einen Ausstand in feinem eigenen Lager zu fürchten. Eine politische Laufbahn, die eine so große Machtfülle bietet, reizt infolgedessen Die stärksten Talente des Landes viel mehr als eine ähnliche Laufbahn bei uns. Die so oft gehörte Klage, daß die tüchtigsten Menschen in Deutschland nichts mit Politik zu tun haben wollen, ist durchaus verständlich, und sie wird nicht nur in Deutschland, sondern auch in den meisten anderen Ländern mit vielen Parteien erhoben. Bon alters her hat dagegen in England die parlamentarische Machtfülle die all er stärkst en Menschen des Landes angelockt. Das dtoet- Parteiensystem hat noch andere Borzüge. Jede Partei ist natürlich stolz auf die großen Manner, die sie hervorgebracht hat, aber jede Partei muß zugestehen, daß die Hälfte der großen Männer der englischen Geschichte auf feiten der Gegner gewesen ist. Das gibt dem parlamentarischen Kampf eine besondere Würde. Der Ministerpräsident ist natürlich der erste Mann Im Staate, gleich hinter ihm kommt aber als zweiter Mann im Staate der Führer der Opposition, denn er ist bis vor kurzem Ministerpräsident gewesen und wird es sehr bald wieder sein; er ist der beurlaubte Herrscher. Beim Zweiparteiensystem kann daher Der Parlamentarismus niemals in das unglaublich häßliche und kleinliche Gezänk ausarten, das wir auf dem Kontinent so oft sehen." Lochschulnachrichten. Der ordentliche Professor des Maschinenbaues an der Technischen Hochschule zu Darmstadt, Dr.-Ing. Enno Heidebroek, hat unter äußerst günstigen Bedingungen einen ehrenvollen Ruf an die Technische Hochschule zu Dresden erhalten. Es wird wohl kaum möglich sein, den ausgezeichneten Lehrer und Forscher der Darmstädter Technischen Hochschule in Anbetracht der Derhältnisse in Darmstadt zu erhalten. Prosessor Heidebroek, der 19 Jahre hindurch erfolgreich an der Technischen Hochschule gewirkt und sich um Die Hochschule und die Studentenschaft besonders verdient gemacht hat, wird dem Ruf an die Technische Hochschule Dresden zum 1. April 1931 Folge leisten. Der durch die Emeritierung von Pros. Dr. Julius Richter in der theologischen Fakultät der Universität Berlin erledigte Lehrstuhl für Missionswissenschast ist dem a.o. Professor daselbst, D. Dr. Johannes Witte, angeboten worden. Pros. Witte habilitierte sich 1921 in der Berliner Theologischen Fakultät für Missionswissenschaft und erhielt hier 1927 die Beförderung zum nichtbeamteten a. o. Professor. Die Jenaer Theologische Fakultät ernannte ihn 1917 zum Ehrendoktor. — Der Privatdozent an der Donner Universität, Gerichtsassessor Dr. Erich Schwinge, ist vom Kultusminister beauftragt worden, im Wintersemester 1930/31 in der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Kiel die zur Zeit unbesetzte Professur für Strafrecht in Borlesungen und Hebungen zu vertreten. f ------------ Rundfunkprogramm des ,u- >er SHELL AUTOOELE der Elektrizi - Wieseck, ist die wegen Reparaturarbeiten verhängte Straßensperre jetzt wieder aufgehoben ’• Aufgehobene Straßensperre. Auf der Provinzialstrahenstrecke, Ortsdurchfahrt Sie wollen sparen ? TankenSieAUTOOELausdemSHELLKABINEnl In der Diskussion über die Notwendigkeit der 1 Senkung der Arbeitslöhne hat der Z u s a in m e n° j hang von Lohnniveau und Kaufkraft der Arbeiter eine hervorragende Rolle gespielt. Man hat geltend machen wollen, daß eine Senkung der Arbeitslöhne eine derartige Senkung der gesamten Kaufkraft Hervorrufen müßte, daß der Ab- ( satz der Produktion erschwert und die Arbeitslosigkeit noch weiter verschlimmert wurde. In den Vereinigten Staaten ist dies Argument besonders in der von höchster Stelle geleiteten Propaganda für Wohlstand (prosperity) ausgenutzt worden. Es ist als eine besonders patriotische Tat bezeichnet worden, trotz des Falls der Warenpreise, die Arbeitslöhne aufrechtzuerhalten, um damit eine Senkung der Kaufkraft der Nation zu verhindern. Es ist bedauerlich, sagen zu muffen, daß diese Lehre ebenso zweifelhaft ist wie die übrigen Bestandteile der Politik, die ein boshafter amerikanischer Kritiker als „presidential prosperity“ bezeichnet hat. Eine Steigerung der Arbeitslöhne, die auf Kosten der Unternehmergewinne gewonnen wird, muß ja d i e Gesamtkäufkraft des Landes ebenso viel senken, wie sie dieselbe steigert. In einer Depressionsperiode wie der gegenroärtigen muß eine Steigerung der Arbeitslöhne in großem Umfang gleichbedeutend mit Verlusten für die Unternehmer sein. Daß dadurch die Gesamtkaufkraft der Bevölkerung nicht vermehrt werden kann, ist offenbar. Selbstverständlich ist es an und für sich in hohem Grade wünschenswert, daß die Arbeiterklasse eine so hohe Lebenshaltung erreicht, als die Verhältnisse es ermöglichen. Dies ist wünschens- wert in erster Linie im Interesse der Arbeiter selbst, ober auch die Gesamtheit einer Nation hat ein Interesse daran, über eine hochstehende Arbeiterklasse zu verfügen, chohe Löhne sollten unter diesem Gesichtspunkt verteidigt werden, nicht aber mit solchen Ouacksalberargumenten wie dem Bedürfnis einer Stärkung der Kaufkraft. Die Unternehmergewinne werden selbstverständlich zum Teil für den eigenen Verbrauch der Unternehmer verwendet und stellen insofern Kaufkraft für Konsumentenwaren dar. Zum großen Teil geht aber der Unternehmergewinn für die Verbesserung und Ausdehnung der Produktion drauf. Die Erziehung von Gewinn ist eine unerläßliche Bedingung dafür, daß die Unternehmungen Kredit von außen erhalten und sich somit weiter entwickeln können. Alle Erfahrung lehrt, daß der Uebergang von einer Depression zu einer aufsteigenden Konjunktur nur dadurch möglich ist, daß Mittel für eine Derrn e 6 rt e Produktion von Realkapital zur Verfügung gestellt werden. Die Kon- junkturverbesserung muh von den Unternehmungen selb st ausgehen und ist nur möglich, wenn diese lohnend werden. Die alles beherrschende Angelegenheit der Welt ist gegenwärtig, Beschäftigung für die Millionen von guten Arbeitern bereiten zu können, die besonders während des letzten Jahres in das Elend der Arbeitslosigkeit hinausgetrieben wurden. Dies kann nur bu rdi eine Stärkung des I n - teresses für Unternehmertätigkeit geschehen, und eine solche Stärkung ist nur möglich, wenn jedes Bestreben, das Lohnniveau über dem wirtschaftlich Möglichen zu halten, auf- gegeben wird. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 25. Oktober 1930. Ausschußsihung der Allgemeinen Ortskrankenkasse Gießen (Stadt). Der Ausschuß derAllgemeinenOrts- krankenkasseG ichen (Stadt) war gestern abend im Gewertschaftshaus zu.einer Sitzung zusammengetreten. um Stellung zu nehmen zu den durch die Notverordnung des Reichspräsidenten abgeänderten Bestimmungen hinsichtlich der Krankenversicherung. Der Vorsitzende des Ausschusses, Herr Bin de Wald, leitete die Verhandlungen. Geschäftsführer Fourier erläuterte die einzelnen Bestimmungen der Notverordnung und wies darauf hin, daß es für die Kassenverwaltung unbedingt erforderlich gewesen sei, vor der endgültigen Festsetzung des Beitragssatzes einwandfreies Material über die finanzielle Auswirkung der neuen Bestimmungen zu sammeln, um so mehr, als das Geschäftsjahr 1929 mit einem Fehlbetrag von rund 15 000 Mark abgeschlossen habe und trotzdem weder eine Beitragserhöhung, noch eine Leistungsminderung eingeführt worden sei. Die Wirtlichkeit habe aber auch an den für den Monat September 1930 ausgestellten ziffernmäßigen Unterlagen bereits im Oktober starke Veränderungen vorgenommen, so daß die Auswirkungen sich im Oktober für die Kass, ungünstiger gestalteten. Die vom Reichsarbeitsminister angenommene Beitragssenkung von 10 v.H. lasse sich "Fremdenvorstellung im Gießener Stadttheater. Aus d?m Stadttheaterbureau teilt man mit: Am Sonntag, 26.Oktober, findet um 18 Uhr wieder eine Fremdenvorstellung statt. Zur Aufführung gelangt die Posse mit Gesang und Tanz von Nestroy: „Einen Iux todl er sich machen“. Dieses Stück eignet sich besonders für eine Sonntagsvorstellung, da sein humorvoller Inhalt, der durch Musik volkstümlich untermalt ist, das Haus in bester Stimmung erhält. Einige Stunden ungetrübter Unterhaltung stehen dem Besucher bevor. Die Intendanz macht darauf aufmerksam, daß dies die letzte Vorstellung von „Einen Iux will er sich machen“ sein wird. Beginn der Vorstellung 18 Uhr, Ende 2Ö.15 Uhr. "SonntagsrückfahrkartenzumNe- formationsfest. Aus Anlaß des in diesem Iahre auf einen Freitag fallenden Reformationsfestes hat die Reichsbahn die Geltungsdauer der Sonntagsrückfahrkarten ausnahmsweise auf die Zeit vom 30. Oktober 12 Uhr bis zum 3. November 9 Uhr festgesetzt. Die Sonntagsrückfahrkarten können daher benutzt werden zur Hinfahrt vom 30. Oktober 12 Uhr bis 2. November und zur Rückfahrt vom 30. Oktober 12 Uhr bis 3. November 9 Uhr. m .. ** Landwirts chaftliche Schulen G r u n- b e r g undLich. Der Unterricht in diesem Winter- balbjahr an den beiden Anstalten beginnt am Montag, 3. November. Jeder Landwirt, auch wenn er nur einen kleinbäuerlichen Betrieb bewirtschaftet, sollte seinen Söhnen den Besuch einer landwirtschaftlichen Schule ermöglichen, damit sie die Grundlagen für richtiges und sparsames Wirtschaften beizeiten erhalten und dem Kampfe ums Dasein gewappnet gegenüberstehen. (Siehe heutige Anzeige.) Oderheffen. Landkreis Gießen. # Aus dem Lumdatal, 24. Okt. Die diesjährige Kartoffelernte ist auch hier zur Zufriedenheit der Landwirte ausgefallen. Die Preise für Speisekartoffeln sind in unserer Gegend sehr unterschiedlich und differieren oft um eine Mark. Das Angebot ist trotz niedriger Preise sehr groß. IndustrieI'artoffeln kosten durchschnittlich 2 bis 2,60 Mark pro Zentner. Die Aussaat des IDintergetreides konnte noch nicht in vollem Maße durchgeführt werden, da die zahlreich auftretenden Mäuse das Saatgut schwer schädigen würden. — Einen merklichen Rückgang haben die Preise für fette Schweine zu verzeichnen. Metzger und Händler bieten 58 Pf. und weniger für das Pfund Lebendgewicht. Die Preise für Ferkel sind ebenfalls zurückgegangen. Für sechs Wochen alte Tiere werden 18 bis 20 Mk. für siebenwöchige 20 bis 23 Akk., für acht Wochen alte Tiere bis zu 27 Mk. geboten und bezahlt: Läuferschweine kosten je nach Gewicht und Qualität bis zu 50 Mk. + ® r ü n b e r g, 24. Okt. Der Motorsport- Elub Grünberg-Laubach, Ortsgruppe des ADAC., veranstaltete am vorigen Sonntag seine Iahrcsschlußfahrt. Bei einer Beteiligung Die beiden Vorsitzenden, Herr Ottilie und Herr Direktor Bergen, bestätigten die Ausführungen des Geschäftsführers und bekundeten, daß der Vorstand e i n st i m m i g den Beschluß gefaßt habe, den Beitragssatz von 6,5 v. H. dem Ausschuß zur Annahme zu empfehlen. Iedoch solle von der Kafsenverwaltung weiteres Material gesammelt werden, um zu der Deitrogsfrage nach Ablauf des Iahres 1930 zwecks evtl, weiterer Senkung erneut Stellung nehmen zu können. Die Aussprache war sehr rege. Ein Antrag, die Durchführung der Notverordnung abzulehnen, fand keine Unterstützung. Darauf wurde der Beitrag auf 6,5 v. H. gegen eine Stimme der Arbeitnehmer und von den Arbeitgebern, einstimmig festgesetzt. Die Abstimmung über die Satzungsänderung fand gegen zwei Stimmen Annahme. Ebenso fanden die Vorschläge des Vorstandes über die Dienstordnung die Zustimmung des Ausschusses. Nach Erledigung einer Reihe interner Angelegenheiten wurde noch darauf hingewiesen, daß die Versicherten, um sich vor Schaden zu bewahren, gesetzlich verpflichtet sind, bei Erwerbsunfähigkeit den Krankenschein sogleich nach Empfang vom Arzt der Kasse vorzulegen. Bäckerhandwerk und Broigeseh. DDZ. Der Vorsitzende der Wirtschaftspartei, Neichstagsabgeordneter Drewitz, hatte gestern Mittag eine Besprechung mit dem Reichskanzler Dr. Brüning. Entsprechend den Beschlüssen des Gesamtvorstandes des Germania-Verbandes teilte Abg. Drewitz dem Reichskanzler mit, daß das Bäckerhandwerk jede zwangsweise Beimischung von Kartoffel - und Roggen- mehl, oder eines von beiden zum Weizenmehl energisch ablehne. Der Germania- Verband erkläre sich trotz der vielfachen Schwierigkeiten zur Durchführung des B r o t g e s e tz e s bereit, sofern es allgemein] ür alle ijer ft eilet von Roggen- und Mischbrot gelte und das Ausmahlungsmaß des Roggenmehls auf bis zu 70 Prozent erhöht werde. Das Bäckerhandwerk ist weiter damit einverstanden, daß Weizengroh- b r o t über 500 Gramm nur bei Verwendung von 20 bis 40 Prozent Roggenmehl gestattet wird. Es ist auch bereit, freiwillig eine deklarationsfreie Verwendung von Kartoffelstärkemehl zur 5)erfteUung von Weizengebäck und Kuchenwaren zu empfehlen. Schließlich verlangt das Bäckerhandwerk Einfuhrverbote für Auslandroggen und Roggenmehl, für Futtermittel und für Brot und Mehl im kleinen Grenzverkehr. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Kochbutter von 120 an; Butter 150 bis 160; Matte 30 bis 35; Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 8 bis 10; Weißkraut 5 bis 6; Rotkraut 8 bis 10; gelbe Rüben 8 bis 10; rote Rüben 8 bis 10; Spinat 15 bis 20; Unter-Kohlrabi 5 bis 6; Rosenkohl 30 bis 35; Feldsalat 80 bis 100; Tomaten 25 bis 50; Zwiebeln 10 bis 12; Meerrettich 40 bis 60; Schwarzwurzeln 40 bis 60; Kürbis 8 bis 10; Kartoffeln 3,5 bis 4: Aepfel 25 bis 50; Dirnen 15 bis 40; Dörrobst 30 bis 35; Honig 40 bis 50; junge Hähne 100 bis 110; Suppenhühner 100 bis 110; Gänse 100 bis 110; Nüsse 40 bis 60; das Stück: Tauben 50 bis 70; Eier 15 bis 16; Blumenkohl 30 bis 70; Salat 10 bis 15; Salatgurken 20 bis 30; Endivien 10 bis 15; Ober-Kohlrabi 6 bis 10; Lauch 5 bis 10; Rettich 10 bis 15; Sellerie 10 bis 50; baä Bund: Radieschen 10 bis 15 Pfennig; der Zentner: Kartoffeln 2,20 bis 2,50; Weißkraut 3,00; Rotkraut 5,00; Wirsing 4,00 Mark. rücksichtigt werden, daß die Einnahme im Monat September gegenüber den drei Vorjahren infolge der schlechten Wirtschaftslage ganz bedeutend x\ rückgegangen sei. Er schlug dem Ausschuß dah vor, den Beitrag auf 6,5 v. H. festzusehen * Büdingen, 24. Okt. Bei dem Einbruch in die hiesige Villa des Freiherrn von Berlepsch ( cgi. unsere gestrige DNeldung. D.Red.) sind oem oder den Einbrechern 105 Mark Bargeld in die Hände gefallen. Der oder die Diebe hatten eine Fensterscheibe ein- geschlagen, dann das Fenster von innen geöffnet und sich auf diese Weise Eingang in das Haus verschafft. Sie durchsuchten alle Räume und erbrachen den Schreibtisch, aus dem sie den erwähnten Betrag entwendeten. Weitere Sachen anden ihr Interesse nicht. Auf dem gleichen Wege, wie sie gekommen waren, verließen sie das Haus wiek^r, ohne dah die Bewohner von dem unerwünschten nächtlichen Besuch etwas gemerkt hatten. Die polizeilichen Ermittelungen sind im Gange. * Ortenberg, 24. Okt. Die Vorbereitungen - zum „Kalten Markt“ sind hier in vollem Gange. Auf dem erweiterten Marktplatz werden Buden und Zelte mannigfacher Schaustellungen aufgeschlagen. Auf der Straße nach Lißberg häuft sich die Zahl der aneinandergereihten Wohnwagen. Groh ist der Güterverkehr auf dem Bahnhof. Bis jetzt sind über 400 Pferde zum Pferdemarkt am Montag gemeldet. Die Gaststätten sind aufs beste gerichtet zum Empfang der Marktkesucher. Trotz der schlechten Wirtschaftslage ist mit einem günstigen Besuche des Marktes, der einer der wichtigsten Mitteldeutschlands ist, zu rechnen. Den Benutzern der Bahn sei im eigenen Interesse empfohlen, sich auf ihrer Abfahrtstation gleich mit Fahrkarten für die Rückfahrt zu versehen, da auf dem kleinen Bahnhof Ortenberg bei einem solchen Massenandrang tote an diesen Markttagen sonst mit einer erheblichen Stockung bei der Abfertigung am Fahrkartenschalter zu rechnen ist. Kreis Schotten. * Schotten, 22. Okt. Der geringe Ausfall der Obsternte läht den sonst lebhaften O b st h a n - del unseres Tales nur zu örtlicher Bedeutung kommen. Die kaum nennenswerten Mengen von Tafelobst werden zu a n se h n l ich e n P reisen gehandelt. Schöner von Doskoop kosten 30 Mk., Goldparmänen 28 Mark; Wirtschaftsäpfel (Schafnasen) werden mit 18 Mk., haltbare Winterbirnen mit 15Mk. je Zentner bezahlt. Auch der Heu- Ha n d e i zeigt flaues Geschäft. Bei geringer Nachfrage werden 2,20 Mark für den Zentner süßes Wiesenheu geboten. Das sehr gute Ergebnis der Hackfruchternte (Kartoffeln und Dickwurz) hat viele Landwirte gezwungen, große Mengen Dickwurz im Felde einzugraben, eine Maßnahme, die im Vogelsberg in den meisten Iahren kaum durchgeführt wird. * Cichelsdorf, 22. Okt. Am 1. April d.I. wurde die hiesige Gemeindeschäserei aufgehoben, nachdem die Zahl der Schafhalter sehr stark zurückgegangen war. Die seither als Schafweide dienenden Oedländereien unserer Gemarkung wurden an Kleinbauern als Viehweide verpachtet. Die wenigen Schafbesitzer mußten ihre Tiere in fremde Herden ein treiben (Rainrod, Ein- artshausen, Kaulstoß). Nunmehr hat der ehemalige Gemeindeschäfer Heinrich Link II. die Winterweide in unserer Gemarkung gegen Lieberlassung der Pserchgeldeinnahmen an die Gemeinde e r w o r b e n , so daß die im Sommer Heimat osen Schase wieder zurückgekehrt sind. Da in den meisten Iahren unsere Oedländereien als Viehweide kaum in Frage kommen, dürfte sich hier die Gründung einer Gesellschaftsschäferei empfehlen, die das Gemeindeödland als Grundlage ihrer Schafhaltung ausnuhen könnte, zumal die wirtschaftliche Lage des Bauern die Wolleerzeugung für den eigenen Bedarf dringend fordert. ch Glashütten, 24. Okt. Während der letzten Zeit konnte hier eine Milderung der Arbeitslosigkeit sestgestellt werden. Die Firma Heinrich Luft, die den Gemeindesteinbruch in Pacht hat, konnte einige Arbeitskräfte einstellen. Der Pslastererberuf, der in unserem Orte heimisch ist, hat in Anbetracht der bisherigen guten Witterung mehrfach Arbeitsgelegenheit. auf die Dauer als völlig falsch erweisen muß. Wenn in Deutschland seit 1925 die Steigerung der tarifmäßigen Arbeitslöhne um reichlich 50 Prozent, | und diejenige der sozialen Ausgaben der Arbeit- gehör pro Arbeiter ungefähr auf das Doppelte geschätzt werden, und wenn die Armee der Arbeitslosen von einem Durchschnitt im Jahre 1927 von 1,5 Millionen auf rund 3 Millionen für 1930 gewachsen ist und im bevorstehenden Winter weiter zu wachsen droht, dann hat Deutschland gleich dem Inhaber eines Monopols gehandelt, der den Preis seiner Ware ahne Rücksicht auf die wirkliche Marktlage herauszuschrauben sucht. Der Stevensonsche Plan für die Aufrechterhaltung eines hohen Gummipreises und die brasilianische Kaffee- Valorisation haben uns gelehrt, daß solche Experimente auf dem Gebiet des Warenmarktes in einer Katastrophe enden müssen. Muß denn nicht die unnatürliche Arbeitsvalorisation, die seit einigen Jahren in den Industrieländern Europas stattgesunden hat und die in außerordentlichem Grad durch die Forderung nach gleichbleibenden Arbeitslöhnen trotz starken Warenpreisfalls verschärft worden ist, zu einer ähnlichen Katastrophe bei der Ortskrankenkasse Gießen fStabt), ohne den Bestand der Kasse ernstlich zu gefährden, nicht durchführen. Zudem seien die Verhältnisse noch nicht genügend geklärt. Nach den für September als Stichmonat angegebenen Ziffern würden in einem Iahre die Ersparnisse etwa 75 338 Mark, die Nkehrbelastung 31 000 Mark betragen, so daß als Wenigerausgabe 44 338 Mark zu verzeichnen seien. Bei einer Beitragseinnahme von rund 840 000 Mark würde die Herabsetzung des Beitrags um 1 v. H. einen Einnahmeausfall von 120 000 Mark, bei 0,5 v. H. einen solchen von 63COO Mark bedeuten. Hierbei müsse außerdem noch be- 7.30 bis 8.30: Frühkonzert des Rundfunk- guintetts. 12.20: Schallplattenkonzert. 15: Vor- tragszvk us des Frauenverbandes Hessen-Rassau und Waldeck: „Die sachliche Beratung der Landfrauen“. 16: Brasilianisches Konzert. 17: Von Gießen: Militär-Konzrrt des Musikkorps des 1. Hess. Gren.°Datls. 15. Inf.-Regts. Gießen. 18.05: „Eine Sprechstunde in der Rechtsauskunftsstelle der Gewerkschaften“. 18.35: „Die Stadt Prag", Vortrag von Kirchenrat Profeßor Dr. Dr. Robert Zilchert, Prag. 19.05: „Künstlerisch-organisatorische und wirtschaftliche Fragen der Oper“, Gespräch zwischen den Intendanten Paul Belker, Edgar Klitsch und Professor Ioscs Turnau. 19.30: Lieder- und Arienabend Mariano Stabile. 21: Der Tyrann. Ein Akt von Heinrich Mann. 22: Sinfoniekonzert des Frankfurter Rundfunk- Orchesters. 23.10: Tanzuntcrricht. 23.40 bis 24: Tanzmusik. Dienstag, 28. Oktober. 7.30 bis 8.30: Frühkonzert auf Schallplatten. 12.20: Echallplaltenkonzer;: Volkstümliche Opern- Arien. 15: Hausfrauen-Nachmittag. 16: Nach- miitagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.05: „Südwestdeutschland als Wirtschaftseinheit', Vortrag von Professor Dr. Hans Trumpler. 18.35: „Vom alten Danzig“, Vortrag von Professor Dr. Erich Wunderlich. 19.05: Von Freiburg: „Musik und Publikum", Vortrag von Dr. Heinz Edelstein. 19.30: Mildner-Quartett, Wien. 20.30: Mamselle Nitouche, Poss- mit Gesang in 3 Akten. 22: Scherz und Humor Mittwoch, 29. Oktober. 7.30 bis 8.30: Frühkonzert auf der Kino-Orgel. 10.20 bis 10.50: Vom 600-Iahrfest der deutschen Sprachinsel Gottschee in Südslawien, Vortrag von Dr. Hermann Rüdiger, Stuttgart. 12.20: Schallplattenkonzert. 15: Stunde der Iugend. 16: Nachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.05: Besucherorganisation der deutschen Bühnen, Gespräch. Sonntag, 26. Oktober. 7: Von Hamburg: Hafenkonzert. 8.15 bis 9.15: Katholische Morgenfeier. 9.30 bis 10.15: Orgel- konz.rt, Konz.rtante Orgelmus'.k von Vorläufern Ioh. Seb. Dachs. 10.30: Stunde des Chorgesangs. 11.30: Stunde der Bühne. „Das Winterprogramm der Frankfurter Oper“. 12: Don Königsberg: Konzert. 14: Stunde der Iugend. 15: Stunde des Landes. 16: Von München: Konzert. 17.30: Vortragsstunde von Hans Reimann. 18: Stunde des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung: „Vorstoß des Theaters". 18.25: „Kirchen- musikalischer Aufbrach". 19.30: Konzert anläßlich der ersten internationalen Arbeits- und Festwoche für katholische Kirchenmusik. 22: „Hofthea- terstil und Dühnensprache". 23.20: Von Berlin: Tanzmusik. Montag, 27. Oktober. von 15 Motorrädern und 5 Autos fuhr man über Schotten nach Nidda, wo längere Rast gehalten wurde. Heber Hungen trat man den Rückweg an. — An der Gesellenprüfung des hiesigen Ortsgewerbevereins sind beteiligt: fünf Schreiner, drei Schlosser, ein Zimmerer und ein Weißbinder. Die praktische Prüfung wurde in dieser Woche abgelegt, während die theoretische Abschlußprüfung und die Überreichung der Gesellenbriefe anfangs November stattfinden wird. s. Aus der nördlichen Wetterau, 24. Okt. Untere Landwirte sind zur Zeit hauptsächlich mit dem Ernten und Verfrachten dev Zuckerrüben beschäftigt. Die Aktien- z u ck e r f a b r i k „W e 11 e r a u" in Friedberg hat: den Versand in der Weise organisiert, daß an vorgeschriebenen sog. Abnahmestellen, wie Berstadt, Echzell und Wölfersheim, die Ortschaften ihre Rüben waggonweise direkt vom Acker aus an festgesetzten Wochentagen anfahren können. Daneben ist es aber auch zulässig, daß größere Landwirte ihre gesamte Rübenernte in einen besonderen Waggon an jeder beliebigen Station verladen, in welchem Fall die Fabrik ebenfalls die Frachtkosten trägt. Die Ortschaften der näheren Umgebung Friedbergs fahren die Zuckerrüben per Achse in die Fabrik und erhalten in-lÜLiem Falle als Fuhrlohn die entsprechenden Frachtkosten vergütet. Durch genaue Einteilung wird einer ilcber- füllung des Betriebs vorgebeugt. Die prozentualen Gewichtsabzüge für anhaftende Ackererde, die im vorigen trockenen Herbst meist nur 7 bis 10 vom Hundert betrugen, belaufen sich in diesem Iahre infolge der Nässe bis auf 20 v. H. und darüber, soweit die Rüben unmittelbar vom Acker aus angeliefert werden. Die Ernte kann als sehr gut bezeichnet werden. Der Anbau, der schon im vorigen Iahre in den meisten Gemarkungen zugenommen hatte, hat sich in diesem Iahre noch bedeutend ausgedehnt, was auf die sinkenden Getreidepreise zurückzuführen ist. Außerdem sind die anfallende große Dlättermasse, tote die von der Fabrik zurückgelieferten Grünschnitzel bzto. Trockenschnihel als Futter sehr geschäht. Kreis Büdingen. 18.35: Elisabeth Barret-Browning, Vortrag von Anna Bfos mit Rezitationen. 19.05: Die Züchtung der genialen Begabung, Vortrag von Professor Dr. Kretschmer, Mannheim. 19.30 nach Berlin. Zeitbericht: Politischer Auftakt in Frankreich - Tardieu in Älens^on. 20: Hugo-Wolf-Lieder. 20.30: Der G'wissenswurin, Gastspiel der Gang- hofer-Thoma-Dühne. Donnerstag. 30. Oktober. 7.30 bis 8.30: Frühkonzert des Rundfunkquin- tetts. 12.20: Schallplattenkonzert. 15: Stunde der Iugend. 16: Nachmillagskon^ert des Rundfunkorchesters. 18.05: Gesellschaftliche und wirtschaftliche Fragen des Schauspielhauses, Gespräch. 18.35: Theaterwoche des Südwestdeutschen Rundfunks: Wanderbühne und bodenständiges Theater, Gespräch zwischen Intendant Dr. P r a s ch, Gießen und Dr. Deigel vom Bühnenvolksbund. 19.05: Die Instrumente des Orchesters, 9. Vortrag von Hans Rosbaud: Die Trompete. 19.30: Das flämische Volkslied. 20: Klassisches Konzert. 21.30: Sagt „Ia" zum Leben, heitere Vorträge von Gustav Iacoby. 22.15 bis 23.45 von Karlsruhe: Konzert. Freitag, 31. Oktober. 7.30 bis 8.30: Frühkonzert auf Schallplatten. 12.20: Leichte Unterhaltungsmusik. 15: Persönliches Leben und Gruppenleben der Iugend, Vortrag. 15.25: Was die Eltern von der wirtschaftlichen und sozialen Bedeutung der Alkoholfrage wissen sollten, Vortrag. 16: Nachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.05: Szenische Oper und Rundfunkoper, Gespräch. 18.35 von Mannheim: Aerztevorirag über Krebskrankheit. 19.05: Ein- führungsvortrag zum 3. Vor- und Montagskon- zert: G. Mahler: Zwei nachgelassene Sätze aus der X. Sinfonie; Lied von der Erde, von Hans Rosbaud. 1930: Unbekannte Arbeiter-Dichter. 20 aus dem Stadttheater Saarbrücken: Die beiden Schützen, komische Oper in 3 Akten. 22.45: Schall- plattenrevue berühmter Schauspieler. Samstag, 1. November. 7.30 bis 8.30 von Gießen: Militär-Konzert, Musikkorps des I. (Hessischen) Grenadier-Bataillons, 15. Infanterie-Regiments aus Gießen; Leitung: Obermusikmeister Wilhelm Löber. 10.20 bis 10.50: Schulfunk — Französisch. 12.20 Schallplattenkonzert: Missa solemnis, D-Dur, op. 123. 14 30: Stunde der Iugend. 16: Nachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.05: Stunde des Frank- für ter Bundes für Volksbildung: Meine Erlebnisse unter Zigeunern, Vortrag von Dr. M. Block, Köln. 18.35: Spaziergang durch die Theatergeschichte, Vortrag von Dr. Franz Wallner. 19.05: Das Privattheater, Vortrag von Direktor Arthur Hellmer. 19.30: Aus klassischen Operetten. 20.45: Falschgeld im Umlauf von M. Dey. 22.30: Duette. 23 bis 24: Opernmusik auf Schallplatten. worden. •• Viehinärkte in Gießen. Am kommenden Dienstag findet in Gießen Rindvieh- (Nuhvieh-)Markt statt, dem am Mittwoch Schweinemarkt folgen wird. ** Unterbrechung tätsversorgung. Wie die Direktion städtischen Elektrizitätswerks im heutigen Anzeigenteil bekanntgibt, wird die Lieferung von elektrischem Strom am morgigen Sonntag von 9 bis 12 Uhr wegen dringender Betriebsarbeiten in der Schulstraße, Marktstraße, Marktplatz, Mäusburg, Maigasse und Wagengasse unterbrochen werden. Bekanntmachung. iSfadftheater-Abonnementl PfSmmel unser Handelsregister, Abteilung B, Die Einlösung des zweiten Abschnitts der Deerennbs(. , nm 21. Oktober 1930 bei der itirma Abonnements für Dienstag, Mittwoch und »eereilObSt sträucber beträgt 20 18 15 Der Oberbürgermeister. Z. V.: Klingspor. 72360 sahrtsamt Gießen. Gießen, den 25. 1490D liefen Grabgar- Bekanntmachung Lieferungsvergebung 72800 10 6 5 Der Oberbürgermeister. F. V.: Klings por. bis Be- ten vor der Leihgesterner her: 2. Flur I, Nr. 558*/io, 473 qm ^en-Linden 7252D Grabgar- Hohlläng Bekanntmachung einer freiwilligen Versteigerung. In unser Handelsregister, Abteilung B, wurde am 21. Oktober 1930 bei der Firma Freitag hat an der Theaterkasse — Johan- nesstraße 3 — crfolaen, und zwar: Dienstag, den 28. Oktober, für die Mill- wochs-Abonnenten. Mittwoch, den 29. Oktober, für die Freitags-Abonnenten ; Donnerstag, den 30. Oktober, für die Dienstags-Abonnenten in der Zeit von 10 bis 13 Uhr und 16 bis 18 Uhr. Nach Einzahlung auf Postscheck- konto „Frankfurt a. M. Nr. 37210, Kasse des Stadltheaters Gießen", erfolgt Ucbcr- für Neubauten. In» duitne u. Altbet'itz unter nüniilnen Be- dtnaungen durch <«„ 6.5(Dön. £1®. ^abnftrahe 10. 6-8000 Mk. als I. VDDOibet auf Vnnbroirifcti. ouSauI. Schriflt. Angeboten. 0H6O4 a d G'eß.Auz. werden können. Hungen, den 24. Oktober 1930. Bürgermeisterei Hungen. Fendt. unterbrochen: Schulstraße, Marktstroße, Marktplatz, Mäusourg, Maigasse, Wagengosse. Gießen, den 23. Oktober 1930. Direktion der Städtischen Elektrizitätswerke und Ueberlandanlage. S t o l t e. Bekanntmachung über die Revision der Vezirkssparkasse Gießen. Zn der Zeit vom 30. September 22. Oktober 1930 ist die Revision der Airkssparkosse Gießen gemäß Artikel 3, Ab- saß 3 des Hessischen Sparkassengesetzes vom 8- August 1902 vorgenommen worden. Katze, Wechsel, eigene Kurspapiere, Kun. dendepots und Bankguthaben stimmten mit dem Sollbestand überein. Die Fertigung der Probebilanzen im Aktiv- und Passivverkehr ergab Uebereinstimmung mit dem Sollbestand: die Darlehensurkunden waren vorhanden und entsprachen diese und die sonstigen Sicherheiten den gesetzlichen und satzungsmäßigen Vorschriften. 72510 Kochcndörför, Revisor des Hessischen Sparkassen, und Giroverbandes. Bekanntmachung. Der nächste viehmorkt in Gießen findet statt: Dienstag, den 28. Oktober 1930, Rindvieh- (Nutzvieh.) Markt: Mittwoch, den 29. Oktober 1930, Schweinemarkt. Auftriebszelt an beiden Markttagen von IVi bis 854 Uhr vormittags. Auf dem Es wird hiermit zur öffentlichen Kennt, nis gebracht, daß die der Firma Haubach L Lomp. i. £. in Gießen zu Eigentum gehörigen in der Gemarkung Groß' gelegenen Grundstücke: 1. Flur I, Nr. 5576/io, 837 qm 8-10000 mi. auf erste Hypothek, f. prima Objekt, onö Privatbank) gesucht. Schrill. Anaebote u 06598 a. b.Öteb. 21 nt. 1000 HM. auf lastenfreies Cb- ich n.o. Selbstgeber au leihen gesucht. i Lchrittl.Angebote u. 106640 a. b. Gteß.Anz. Bekanntmachung. Die Gemeinde Oueckborn hat einen dienstuntauglichen, noch jungen Lber, weil überzählig, zu verkaufen, desgleichen einen jungen Ziegenbock. 72530 Reflektanten wollen sich an die Bürgermeisterei wenden. Oueckborn, den 22. Oktober 1930. Bürgermeister Albert._______ 1 10000,- von Geschäftsmann nea bnv. Sicherheit aes.Schritl.Ang.nnt. 7-2760 a.d. Gieß. An», erbeten. sendung der Abonnementskarten. Die zu zahlende zweite Rate I für: Proszeniumsloge, Rangloge und 1. Rana (Reihe 1 und 2) 1. Rang (Reihe 3 und 4), Sperrsitz Reihe 1 bis 11) Logenrückplatz, 1 Rang Reihe 5 und 6), Sperrsitz (Reihe 12 bis 14) Sperrsitz (Reihe 15 bis 18), 2. Rang (Reihe 1) 2 Rang (Reihe 2 bis 3) Chemisches Caboralonum Dr. Eisenach L Lomp., Handelsgesellschaft mit beschränkter Haftung in Gießen folgendes eingetragen: An Stelle des Dr. H. Eisenach, Gießen, ist Dr. phil. Ernst Ellen- berget in Neuß a. Rhein als Geschäftsführer bestellt. 7262D Gießen, den 21. Oktober 1930. Hessisches Amtsgericht. Bekanntmachung. Die Stelle eines 7260D Berufs - Bürgermeisters bei der Stadt Grünberg in Hessen, 2362 Einwohner, soll sofort besetzt werden. Amtsdauer neun Fahre. Geeignete Bewerber, besonders solche, die über gute Kennt- nisse auf dem Gebiete der öffentlichen 93er- waltung verfügen, wollen ihre Bewerbungen bis zum 9. November 1930 unter Beifügung von Lebenslauf, beglaubigten Zeugnisabschriften und Lichtbild an die Bürgermeisterei Grünberg (Hessen), die auch nähere Auskunft über Besoldung usw. erteilt, einreichen. Grünberg (Hessen), den 25. Oktober 1930. Bürgermeisterei. I. B.: Keller.__ Die Gemeinde Garbenkelch verkauft einen abgängigen Lber. Angebote sind verschlossen pro Zentner Lebendgewicht bis zum Dienstag, dem 28. Oktober d. 3., nachmittags 2)4 Uhr, auf der Bürgermeisterei ein- zureichen, woselbst die Verkaussbedingun- gen bekanntgegeben werden. 7244D Bürgermeisterei Garbenteich. Burk. Rindviehmarkt wird sämtliches Vieh gegen Maul- und Klauenseuche schutzgeimpft. -.Oktober 1930. 7222C ten daselbst: 3. Flur XII, Nr. 928, 363 qm Hofreite am Münzenberger Weg: 4. Flur XII, Nr. 927', .n, 343 qm Grabgarten am Münzenberger Weg Mittwoch, den 29. Oktober 1930, abends 8 Uhr, im Rathaussaale in Großen-Linden durch den Vorsteher des Hessischen Ortsgerichts Großen-Linden freiwillig meistbietend ver- skeigerk werden. Betr.: Stromversorgung. Infolge Vornahme dringender Betriebs- arbeiten wird die Stromlieserung am Sonntag, dem 26. d. M., von vormittags 9 bis 12 Uhr, in folgenden Straßenstrecke^ Bekanntmachung. Betreffend: Ergänzungs- und Ersatzwahlen zur Industrie- und Handels- kammer Gießen. In Gemäßheit des Gesetzes über die Industrie- und Handelskammern finden Ende dieses Jahres Ergänzungs- und Ersatzwahlen statt. 7246D Es scheiden satzungsgemäß aus: im Wahlbezirk Gießen-Stadt die Herren Bankdirektor £. Grießbauer, Kaufmann Rudolf Rowack und Fabrikant Wilhelm Poppe, im Wahlbezirk Giehen-£and Herr Kaufmann wilh. £. Rühl-Grohen-Buseck. Die Ausscheidenden sind wieder wählbar. Außerdem hat für den endgültig aus- scheidenden Vorsitzenden, Herrn Kommerzienrat Heinrich Schirmer, eine Ersatzwahl stattzufinden. Es wird dies mit dem Anfügen bekannt- f macht, daß vom 27. Oktober bis ein- ließlich 5. November d. F. die Listen der ahlberechtigten für die Wahlbezirke Oie- ßen-Stadt und Gießen-Land auf dem Sekretariat der Industrie, und Handels- kammer Gießen, Lonystraße 7, in der Zeit von 10 bis 12 Uhr vormittags und 3 bis 5 Uhr nachmittags zur Einsicht offen liegen. Einwendungen gegen den Inhalt der Listen sind innerhalb der zehntägigen Frist bei der unterzeichneten Industrie- und Handelskammer schriftlich vorzubringen. Gießen, den 23. Oktober 1930. 3ndnskrie- und Handelskammer Gießen. Schirmer, Kommerzienrat. In der Zeit vom 1. November 1930 bis 15. Januar 1931 findet zur Linderung materieller Notstände im ganzen Reichsgebiet ein Wohlfahrtsbriefmarkenoerkauf statt, dessen Erträge „Unseren Müttern und unserer Jugend" zugute kommen wer- den. Die postalische Gültigkeit der Wohlfahrtsbriefmarken nach dem In- und Ausland erlischt erst am 30. Juni 1931. Es werden ausgegeben: eine 8-Pf.-Marke (Aachen, Dom und Rathaus) zum Verkaufspreise von 12 Pf., eine 15 Pf.-Marke (Berlin, Brandenburger Tor) zum Verkaufspreise von 20 Pf., eine 25-Pf.°Marke (Marienwerder, Ordensschloß) zum Verkaufspreise von 35 Pf., eine 50-Pf.-Marke (Würzburg, Mainbrücke und Frauenberg) zum Preise von 90 Pf., ferner eine amtliche Wohlfahrtspostkarte in künstlerischer Ausführung (Radierung) mit eingedruckter 8.Pf.-Wohlfahrtsbriefmarke zum Verkaufspreise von 12 Pf. Außerdem gelangen Markenhestchen, enthalten zehn 8 Pf.«Marken und vier 15-Pf.-Marken, zur Ausgabe, die zum Preise von 2 RM. verkauft werden. Für die Gießener Rothilfe erfolgt der Vertrieb der Wohlsahrtsbriefmarken durch das Städtische Wohlfahrtsamt, Garten- siraße 2, Erdgeschoß, Zimmer Nr. 9. Sie sind dort erhältlich während der Dienst- stunden, und zwar von 8 bis 13 Uhr und von 15 bis 18% Uhr, Samstags nur vormittags. Rur von den bei dem Städtischen Wohlfahrtsamt bezogenen wohlsahrtsbries- marken und -karten fliehen 80 v. h. des Reinertrags (Wohlfahrtsaufschlag) der Gießener Rothilfe zu. Es ergeht daher die besondere Bitte an alle Gießener Einwohner, ihren Bedarf an Wohlfahrtsbriefmarken in erster Linie bei dem Städtischen Wohlfahrtsamt zu ent. nehmen. Dadurch trägt jeder Bürger auch zur Linderung der örtlichen Not bei. Gießen, den 21. Oktober 1930. Für die Gießener Nothilfe: Der Oberbürgermeister (Wohlfahrtsamt). Auf dem Wege des schriftlichen Angebots soll die Lieferung von zirka 500 lsd. Meter gußeisernen Muffenröhren p25 mm L W.) nebst gußeisernen Formstücken vergeben werden. Angebote sind bis zum Samstag, dem 1. Rovcmber 1930, vormittags 10 Uhr, bei uns einzureichen, von wo auch die Leistungsoerzeichniffe kostenlos bezogen Damplsägewerk Lollar B. Niilrn, A. (st. limptetile Kölner Schwarzhro nefrbnitt, ausreinem Mionaenfdjrot, wohlschmeckend und leicht verdaulich bei Stoffwechsel, Darm-, 9)1 a* gen-ii.Zuckerkranken atAtl. cmpiobl. 7293D Bäckerei Carl Haas Bleiehitralo 21 2,Rang (Reihe 4 bis 5) Die Einlösung muh vor der 5. Abonne- mentsvorftellung erfolgt sein. 7222C Giehen, den 24. Oktober 1930. Der Oberbürgermeister. la Düngekalk stets vorrätig 6533D C- Nübiamcn. Aerntpr 3659. KurzneschnnteueS tairiliolz Zwangsversteigerung u® Am Donnerstag, dem 4. Dezember 1930, vormittags 9 Uhr, wird im Amtsgerichts- gebäude zu Gießen, Zimmer 112, das im Grundbuche von Gießen, Band 79, Blatt 4588, der Katharine Zick, geb. Wehrum, Ehefrau des Franz lauer Zick in Frank- furt a. M., zuqeschrtebene Anwesen Ka- plansgasse 19, 7242D Flur I, Nr. 680 - 116 qm Hofreite, Flur I, Nr. 681 = 19 qm ©rabgaiten, geschätzt auf 8550 Reichsmark, versteigert. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, zur Einsicht ausgehängt. Gießen, den 22. Oktober 1930. I. A. des Hess. Amtsgerichts Gießen. _______Leo, Ortsgerichtsvorsteher._______ Bekanntmachung. Betr.: Vertrieb von Wohlfahrtsbriefmarken 1930 zu Gunsten der Deutschen Nothilfe durch das Städtische Wohl- Himbeersträucher Brombeersträucher in beiten Sorten, au äußersten Bretten, jetzt beite Pstanizett. Gärtnerei Dönges (■ leücn Marburger Str. 67 Tel. 2321. IQ6611 Pianos oder Harmoniums werden ex Ml. u. vretsrv gestimmt n. repariert durch Erwin Zollinger Mlauictiedmtter u. gevr. Stimmer. Berkau! von neuen n.gebr. Bianos. (sticken. Seltern weg 79». Tel. 3616 Pr>ma Spelle- n. Saldi- Welo W. Hankel Neuen Baue 7."'D Televbon 2612 fisu Betten 'Stahl u.Holzl Polet., Stahl- matrjtlnderb..ChaimL. an )6ilon. Teiliahlg. Katal ’r ‘■.leenmltbelfebrlk SnhLTh. — Ilm MWW AuSkünlteinRechtv', Siras». Famtl.-Ange- leaenbeiten. Gesuche, Verträge. Beobachtungen. Ueberwachg und Ermittlungen vreiSw, streng dtokr. u. an all. 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Oktober 1930 06643 Jörg. 066'2 Bosch-Dienst - Akku-Dienst (rTnrSi Nachhilfestumlei] R., Hauptwachtmeister. Preis. 6681 A Lina Kümmel Adolf Dörr Der Unterricht beginnt: bei der landwirtschaftlichen Schule iSrünberg am Montag, dem 3. November, vorm. 9% Uhr bei der landwirtschaftlichen Schule Lich am Montag, dem 3. November, vorm. 10 Uhr Für die anläßlich unserer Vermählung erwiesenen Aufmerksamkeiten danken wir herzlichst Gießen (Äahnhofstr. s I), den 25. Oktober 1930 7247 D Professor Taracband Roy, Lahore (Indien) z. Z. Universität Berlin Eintrittskarten: Bundesmitglieder haben bis zu zwei Plätzen freien Eintritt aut Einlösung des Gutscheines Nr. 2 aus dem blauen Gutscheinhett gegen numerierte Eintrittskarten in der Musikalienhandlung Challier. Nichtmitglieder Karten zu Mk. 1.50. Studentenkarten zu Mk. 1. — gegen Ausweis im ’ Bad-Nauheimer Fichtennadel-Bad Heuchelheim, den 25. Oktober 1930 7284 D Nach dem erfolgreichen Werk von Paul Elpper. Ein Warkvon ganz eigenartiger Schönheit! Kleine Preise - Jugendliche haben Zutritt Landwirtschaftliche Schulen Grünberg und Lich JerZllsWMMMllUWMllD, als Sie denken. Schlechter Schlaf, gereizte Verven, Appetitlosigkeit ustv sind feine Vorboten. Beugen Sie dem vor. Trinken Sie täglich zu den Mahlzeiten eine Flasche , Köstritzer Schwarzbier-, und Sie werden bald wieder im Vollbesitz Ihrer körperlichen und geistigen Kräfte sein. - Vertretung: Emil Schmall. Fernsprecher 3883. am Dienstag, dem 28. Oktober 1930, abends 8 Uhr, im Saale des Cafö Leib, Gießen, Walltorftrafie Hierzu laden ein: Elektro - Gemeinfchaft und Hausfrauen - Beratung Gieben Propaganda-Abteilung des Staatl. Fifchmarktes Cuxhaven Die Zubereitung der Koftproben findet auf elektrlfchen Herden ftatt 72680 Fritz Weiß Luise Weiß, geb. ^sieuß Vermählte Ihre Vermählung geben bekannt Ehrhard Keil hessischer Forstasseffor und Frau 3lse, geb. Fritz $ür die uns anläßlich unserer Vermählung erwief-me Aufmerksamkeit danken wir herzlichst Robert Corner und Frau Minna, geb. Rinn Tagesordnung: 1. a) Geschäftsbericht, Vorlage der Bilanz, Entlastung der Gesamtverwaltung für das Geschäftsjahr 1929/30 b) Verlesung des Revisionsberichtes. 2 Beschlußfassung über die Verwendung der Erübrigung. 3. Ersatzwahlen für Vorstand und Aufsichtsrat. 4. Beratung eingelaufener Anträge. Anträge, die zur Beratung kommen sollen, müssen bis spätestens 30. Oktober 1930 im Büro, Schanzenstraße 16, eingereicht sein. (§ 33 Absatz 3 der Vereinssatzungen.) Aus dem Vorstande scheidet aus: Georg Beckmann Aus dem Aufsichtsrat scheiden auö: Frau Meier, Ernst Laudenbach, Hans Horst. Für die anläßlich unserer Vermählung erwiesenen Aufmerksamkeiten sprechen wir unseren besten Dank aus . Alfred Hofmann und Frau Emma, geb. Hahn Statt Karten! Wilhelm Großhaus Marie Großhaus, geb. Schnell Vermählte i Sonntag, 26. Oktober 1930, OOetne-DUna abends 8 Uhr, Neue Aulat Lichtbildervortrag - — Die deutfche Hochfeefifdierei und der Wert der Seefifdie als Nahrungsmittel in volks- und hauswirtfchaftlicher Beziehung, anfchließend Draht SeeiiM-Mmhihriin^n mit KoiMen Konsum-Verein Gießen und llmg. eingetr. Genoffenschast mit beschrankter Haftpflicht Wernigerode 25. Oktober 1930 V stärkt Herz und Nerven Erhältlich: Löwen-Drogerie. Seltersweg 79a „ H. Elges, Seltersweg 68a 130D Fehlt Ihnen die kaufmännische Ausbildung ? Dann verlangen Sie sofort kostenlos unsere aufklärende Druckschrift Neue Kurse; 3. November 1930 Vogtscfae Handelsschulen Gieben und Herborn Direktion: Gleisen. Goethestraße 32 Lichtspielhaus • Gießen Nur Sonntag, den 26. Oktober, 11.15 Uhr vormittags III. Kulturfilm-Frühvorstellung Tiere sehen dich an HAUS-STANDUHREN das beste Weihnachtsgeschenk Kaufen Sie nur direkt von der Spezial- Fabrik. Trotz billigster Preise weitere Preissenkung, von Rmk. 58.- an Angenehme Tellzahlg. über 20000 Kunden. 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Ruhe herrscht zwar und die Ordnung wird nur selten gestört: aber es ist ein Prinzrp, daß im Britischen Reich kein Gebiet exrstrert, das nicht irgendwie auch in den Ueberwachungsplan ein» gegliedert ist. So sind jetzt von Rorth Sidney aus zwölf Polizisten gestartet, die gar nicht mehr wie Polizisten aussehen, sondern wie Polarfahrer, die am Rordpol zu Hausen gedenken. Zwölf Policemen mit Schneeschuhen und Schlitten, mit großen Rationen an Tee und Kaffee und Spiritus sind aufgebrochen, um ihre allernördlichsten Polizeiposten im kanadischen Gebiet einzunehmen. Die Reise dauert einige Wochen. Lind erst in zwei Jahren werden sie zurückkehren. Bis zur letzten festen Poljzeistation gehen sie gemeinsam. Dann aber trennen sie sich in sechs Gruppen und ziehen je zu zwei in ihrer Richtung wetier. Rur mit dem Kompaß und dem »Sonnenmesser" bewaffnet. Irgendwo dort droben treffen sie Atoci Kollegen, die seit zwei Jahren da gewohnt haben in der Einsamkeit. Die lösen sie ab. Oft finden sie auch nur noch einen vor, wenn der andere vielleicht im Laufe der beiden Jahre umgekommen ist. 2a, manchesmal hat man nur noch die Schneehütte gesunden, in der sich kein Leben mehr rührte. Aber von diesen stillen Opfern der Arktis spricht man nicht gern. Sie sind die anderen Helden des hohen Rordens, wenn auch für die Rotwcndiakeit ihres Opfers nichts anderes vorliegt als die Pflichttreue und ein englisches Prinzip. Die beiden Policemen im Eise schneiden — das wird ihre erste Arveit sein — aus dem Eis große Blöcke heraus, die sie zu einem Hause, zu einem runden Gebilde formen, wie die Eskimos es bauen und in denen man vor den iln- billen des Wetters geschützt ist. Die Eskimostämme, die in der Rähe leben, werden besucht. Man sieht auf Ruhe und Ordnung bei ihnen — und nimmt je nach der 2lotwendigkeit die Uebeltäter gefangen und bringt sie — nach zwei Jahren also erst — zum nächsten Richter, sofern nicht vorher die Eskirnomstiz den Policemen einen Strich durch die Rechnung machte. Man behauptet, daß diese nördlichsten aller Polizisten alle als Sonderlinge wieder zurückkehrten, aber nach ihrer Heimkehr immer nur einen Wunsch äußern: wieder umkehren zu dürfen in die Stille des ewigen Eises — auf die nördlichsten Polizeistationen dieser Erde. Ter „lebende Leichnam". (k) Reval. Die Verfassung der jungen Republik Estland geht selbst mit Schwerverbrechern überaus human um; sie schreibt zwar die Todesstrafe vor, überläßt aber dem Deliquenlen die freie Wahl zwischen Galgen und Giftbecher. Der Mörder Sergej Vasilevsko hoffte nun, ein Gläschen Gift (womöglich mit Wodta gemischt) würde ihn schneller und vor allem schmerzloser ins unvermeidliche Jenseits befördern. Man reichte ihm wunschgemäß den Becher, er leerte ihn mit einem kräftigen Zuge, bekam Magen-, Bauch- und anderweitige Krämpfe und — blieb am Leben. Die Aerzte schüttelten ihre greifen Häupter, beteuerten, solch ein Raturwunder noch niemals erlebt zu haben, bewunderten den beispiellos widerstandsfähigen Organismus von Sergej, konnten aber auch nichts an der höchst unangenehmen Tatsache ändern, daß der „Hingerichtete" ganz vorschristsmäßig lebte. Sein Unwohlsein war bald überwunden und der „lebende Leichnam" sitzt jetzt quietschvergnügt in feiner Zelle. Die Dollzugsbehörde wartet aus den weisen Salomo, der ihr ben richtigen Weg weise, was mit dem Mann geschehen soll?? Wie kommt sie schließlich dazu, einen Toten za verpflegen? ... Eine zeitgemäße Einsiedlerin. (g) Rom. Die Gräfin BitaleSci, ein bekanntes Mitglied der ersten Gesellschaft von Rom, faßte auS unbekannten Gründen den ehrenwerten Entschluß, sich von der lärmenden Welt zunächst auf ein halbes Jahrzehnt zurückzuziehen. Um recht gemütlich und vor allem „standesgemäß" Einkehr halten zu können, ließ sich die Dame eine einfache Einsiedlerhütte in 2400 Meter Höhe erbauen. Auf dem Monte Generoso, an der schweizerisch-italienischen Grenze. Eine Drahtseilbahn verbindet die Hütte mit dem Lurushoiel im Tale, um die Gräfin Ditalesci mit Speise und Trank zu versorgen. Zentralheizung, Warmwasser, elektrische Anlagen und sonstige _ Bestandteile des ..zivilisierten Komfort" ergänzen die schlichte Ausstattung. Die Spesen verschlangen 56 000 Live. Eine Weltabgeschiedenheit in solchem Milieu muh eigentlich ganz erträglich fein... Harun al Raschid in Losia. B. Sofia. So wie der sagenhafte Sultan Harun al Raschid in der Verkleidung des einfachen Lastträgers die Stimmung des Volkes von Stambul zu erkunden versuchte, versuchte der bulgarische Poftminister die Höflichkeit und Dienstbeflissen- heit des Postpersonals sozusagen am eigenen Leibe auszuprobieren. Diel Freude hat cr_ bei dieser Arbeit nicht erlebt. An einem frühen Morgen begab er sich, gerade als die Schalter des Sofioter Postamtes geöffnet wurden, mit einem Einschreibbrief zum Schalterbeamten. Der sah hinter seinem Guckloch, studierte eifrig die Morgenzeitung, schlürfte seinen türkischen Kaffee und zog an der Zigarette. (An der Außenseite des Schalters hängt ein Schild „Rauchen verboten" — dem Publikum natürlich.) Der „Post- kunde" stand geduldig am Schalter, bescheiden sein Drieflein in den Händen drehend, zog den Duft des Kaffees und der Zigarette ein und fragte schließlich demütig, wann er auf Abfertigung rechnen könne. O weh, da tarn er schön an: — ein Mann Publikum, in aller Herrgotts- srühe, geschlagene drei Minuten nach acht und gleich solche Prätentionen, ob er's denn sooo eilig habe, daß er dem armen Beamten nicht mal seinen „türkischen" vergönne? Ein Wort gab das andere: der Beamte vertrat den Standpunkt der berechtigten Beamtengemächlichkeit, xumal bei dem mageren Gehalt, der Kunde am Schalter erläuterte, daß die Behörde für das Publikum da sei und nicht umgekehrt — und gab sich schließlich als Postminister zu erkennen. Ergebnis: strenges Verbot für Beamte im Dienst, türkischen Kaffee zu trinken, Zigaretten zu rauchen und das Publikum anzuschnauzen. Der Minister scheint auf dem neuen Wege fortschreiten zu wollen. Boshafte Zungen erzählen in Sosia^ seit Jahren, daß es nur einige bevorzugte Briefkästen in knr Stadt gäbe, die regelmäßig geleert würden, bei den anderen käme die Leerung allerdings auch ab und zu vor, aber durchaus nicht regelmäßig. Der Postminister schrieb daher einige Postkarten an sich selbst, aber unter vorsichtiger Weglassung des Ministertitels und warf die Karten zur fdben Stunde in verschiedene Briefkästen. Einige Karten erhielt er schon am nächsten Tag, dann folgten im Verlauf der folgenden zwei Tage die übrigen, und die letzte Karte kam mit drei Tagen Laufzeit an. Die darauf erfolgende Kontrolle in den Revieren und der Bestellgänge ergab den Beweis, daß die Zweifel der Sofioter über die regelmäßige Abholung und Zustellung der Driefsachen nicht ganz unberechtigt sind. Lalomonü Hasen wird wieder berühmt. (b) Jerusalem. Der moderne Mensch beschränkt sich nicht darauf, nur die Lieder Salomons des großen .Königs zu bewundern. Auch seine oft erstaunlich großartigen tcch- Nischen Ideen, denen er mit großen Bauten zum Leben verhalf, erregen heute unsere Achtung, auch wenn manches von diesen Dingen längst den Bieg alles Zeitlichen gegangen ist. In diesen lagen wird der berühmte Hafen Salomons, das biblische Elath, der alte Hafen im Toten Meer, wieder zu Ruhm gelangen. Einst fuhr Salomons Goldflotte von diesem Hafen aus, heute werden andere Goldwerte über diesen Hafen wandern: chemische Produkte, die die moderne Zeit aus dem Bereich des Toten Meeres geerntet hat. Elath heißt längst nicht mehr Elath, sondern die Araber haben es Akaba genannt. Dieses Akaba, ein bis jetzt ober und toter Platz, wird über Rocht ge- wisfermaßen zum Leben erweckt. Eine Eisenbahnlinie wird die Verbindung mit ber großen Welt schaffen. Die Konzessionäre, die die Erlaubnis zur Ausbeutung der Mineralfchätze in einem verzwickten Vertrag von der Regierung errangen, lassen bis jetzt ihre Ware mit Autokolonnen nach Jaffa oder Haifa bringen. Eine regelmäßige Zuglinie fall sie erfetzen. Diese Linie wird eines Tages auch bis nach Jcru- falem führen. Genau jener Straße folgend, dis einst König oalomon aussuchte. Die modernen Ingenieure und Techniker treten in seine Spuren. Salomons Hafen wird wieder berühmt. Magere Herren bevorzugt. (g) Madrid. Mit drakonischen Maßregeln will man in Spanien die Männerwelt dazu zwingen, auf die „schlanke Linie" zu achten. In Toledo wurden vor kurzem Flugzeugdroschken in Dienst gestellt. Für Damen beträgt der Rundflug anderthalb Peso. Im Gegensatz zu diesem Einheitspreis müssen die Kronen der Schöpfung ein Centavo pro Pfund „Lebendgewicht" bezahlen. Die Männer der schönen Stadt mit den allmaurischen Bauwerken und den berühmten Toledoklingen protestierten öffentlich gegen diese Bevorzugung ber „leichten" Damen. Woraus hervorgeht, baß bic meisten Herren über hundertfünfzig Pfund wiegen bürfen. SeiiWaM Mies und modernstes Zureauhaus Das Verwaltungsgebäude der I.-S.-Zarben in Frankfurt. WSR. Frankfurt a. M., 24. OIL Deutschlands größtes und modernstes Bureauhaus, das Verwaltungsgebäude der I.-G.-Far- b e n i n d u st r i e, ist fertiggestellL Der Riesenbau, der dem Beschauer einen überwältigeirden Eindruck aufzwingt, ist in der letzten Woche zum Teil bezogen worden. Auf einer kleinen Anhöhe errichtet, ist daö neue Heim der 2.-G. mit seinen neun Stockwerken ein beredtes Zeichen deutschen Schaffensgeistes und deutscher Technik. Es ist ganz als Stahlskelett ausgeführt und besteht aus sechs einzelnen Flügeln, die durchschnittlich 15 Meter breit sind. Insgesamt beträgt der Umfang des Baues 900 Meter, während der Flur, der auf der Rordseite sämtliche Flügelbauten durchläuft, allein schon die stattliche Länge von rund 250 Meter hat. Den modernen Anschauungen der I.-G.-Der- toaltung entsprechend, ist auch dieses Werk des Berliner Architekten Professor Dr. Poelzig nach modernen Gesichtspunkten zur Ausführung gekommen. Licht, Luft und Sonne haben zu den Mrbeitßräumen der 2000 Beamten, die künftig die Burcauräume beleben, ungehindert Zutritt, während die rund 2000 großen, lichten Fenster der Gebäudeansicht ein eigenes Gepräge verleihen. Auf irgendwelche schmückende Architektur ist vollkommen verzichtet worden, wie auch das Flachdach bis zur letzten Konsequenz zur Durchführung gekommen ist. Auch die Innenräume gipfeln in streng sachlicher Architektur. Das kubische Ausmaß des Gebäudes beträgt rund 240 000 Kubikmeter. Für die Herstellung des Stahlskeletts waren allein 5000 Tonnen Stahl notwendig und nahezu 5 Millionen Steine für Mauerwerk und Decken wurden verwendet. Für die äußere Verkleidung des Mauerwerks wurde Cannstatter Travertin, ein hellglänzendes Material, verwandt, das dem Gebäude ein vornehmes und doch schlichtes Aussehen verleiht. Insgesamt weist da» Gebäude eine nutzbare Bureaufläche von 25 000 Quadratmeter auf. 150 Kilometer elektrische Lichtleitung und 40 Kilometer Heizungsleitung durchziehen daS Haus. Das neue Verwaltungsgebäude wurde in der Zeit von Rovember 1928 dis Oktober 1930 mit einer viermonatigen Unterbrechung erbaut. Der Reu bau gab etwa 1000 Arbeitern pro Tag Arbeitsmöglichkeit. Die technische Oberleitung und örtliche Bauleitung lag in den Händen der Frankfurter Architekten Platner und Jack. Mit dem Verwaltungsgebäude in direkter Verbindung steht ein Laboratorium, in dem die Schaufärberei untergebracht ist, die den Zweck hat, Kundendienst zu verrichten. Hinter dem Hauptgebäude steht das Wirtschaftsgebäude mit dem Fernheizwerk, während weiter nördlich, hinter der Miquel-Allee, die neuen Wohnungen der I. -G. -Beamten erstanden sind. Interessant ist noch, daß die weite Vorhalle, zu deren Seiten zwei Freitreppen zum ersten Stock führen, sowie die große Empfangshalle künftig zur Ausnahme der Vitrinen und Schaukasten dienen, in denen sämtliche Erzeugnisse der I.-G.-Farbenindustrie zur Ausstellung gelangen sollen. Kapiialbilduna in der Hauswirtschaft. Weltspartaggedanken. Die Kapitalbildung in der Volkswirtschaft voll- ziebt sich zu einem ansehnlichen Teil in einer meist wenig beachteten Sphäre, nämlich im privaten Haushalt, im Bereich der Hausfrau. Die Hausfrau hat nicht nur für daS Wohl ihrer Familie zu sorgen, sondern ihr kommt auch im allgemeinen Wirtschaftsleben eine viel größere Bedeutung zu, als man gewöhnlich annimmt. Sie ist bic Verwalterin des Wirtschaftsgeldes WUM-rinNm Zfioman von Hans Friedrich. Urheber-Rcchtsj- uy durch Verlag Oskar Meister. Werdau L Sa. 14 Fortsetzung Nachdruck verboten „Richt so hitzig I" kommandierte Gutenberg. Sie glaubte die Hänge der „Hohen Oed" Im Sturm nehmen zu kennen, etwa so, als ob es sich um die Loschwitzer Höhe handelte. „Wenn cs nur nicht so heiß wäre! klagte sie. Die Zunge klebte ihr am Gaumen, und das Haar hing ihr wirr ins Gesicht. Wirklich, diese Hochtour war alles andere, als angenehm! In einer Senke fanden sie Schnee. Sie kühlten sich damit Gericht und Hä de. „Weiteri" drängte Gutenberg. Es ging bereits auf Mittag. Unglaublich, tote sich die Zeit hier oben verlief! Eine Stunde nach der andern — und kein Dorwärtskommen. 5>te Felsengipfel standen greifbar nahe: immer wieder lebte Hoffnung auf: In einer halben Stunde sind wir oben - und dann war es in zwei oder drer Stunden noch nicht geschafft. Die Malerin kletterte in einem verbcsfenen ^rvtz. „Ich muh den Rettenbachferner heute noch auf die Leinwand bekommen!" Ihr Begleiter sagte nichts dazu, aber an ein künstlerisches Arbeiten nach dieser halsbrecherischen Kletterei wagte er nicht mehr zu benfen. Sie hatten eine steile, fast senkrechte Lehne bezwungen und hielten nun für eine Minute Rundschau. Tief, tief unter ihnen duckten sich die Sennhütten der Haimrachalp als schwarze Punkte in die grünen Matten. Das rote Schlänglein im Winde war die Fahne der WirtschafL Und weiter rechts zimmerten die Handwerker am Dach des Wintersport- hanses, das Riml mit erheblichen Geldvpfern errichten ließ. ..Hier oben find wir auf verlorenem Posten. Hierher verirrt sich kaum einmal eine Gemse.. Mute hörte die Worte Gutenbergs wie aus weiter Ferne. Ihr Auge hing an dem Panorama der gegenüberliegenden Kogel und Ferner, Und sie dachte, daß sie zu einer Skizze dieser Schönheit nur drei Farben benötigen würde: Weiß, Blau und BioletL Sie hätte scch getraut, einen Schimmer von dieser titanischen unbeschreiblichen Ratur einzufangen. Stur einen Sch.mmer: denn cs gab keinen Menschen, keinen Künstler, der diese Großartigkeit auch nur annähernd nachbilden konnte. Der ungeduldige Gutenberg mahnte zum Aufbruch. „Kommen Sie, liebe Mute, wir haben noch viel vor uns!" mit als nach Sölden bringen. Sie kletterten weiter. Manchmal schien es. wären die Felsen in ihrer lotrechten Aufgetürmt- heit unüberwindlich Aber nach einigem Suchen fand sich immer wieder ein Riß, eine verwitterte Kante, wo die Hand oder der Ragelschuh angreifen konnten. Einmal stöhnte Mute auf. „Wir hä.ten doch einen Führer nehmen sollen. Ja, das sah Gutenberg auch em. Ihre Ausrüstung entsprach ganz und gar nicht einer solchen gewagten Sour. Aber nun war es zu spät. Ein Zurück gab es nicht, also vorwärts! Sie konnten sich jetzt nicht einmal mehr gegenseitig helfen. Ein jedes war auf die eigene Kraft angewiesen. Gutenberg dachte fluch.ig daran, daß dies sein erstes Erlebnis seit der Trennung von Trude war, ein Erlebnis, das sich seinem Gedächtnis für immer einprägen würde! Plötzlich ein Schrei hinter, unter ihm. Der Mann wandte sich entsetzt um, alles Blut gefror ihm in den Adem. "Ich kann nicht mehr..." weinte das Mädchen. Es halte den Kopf an den toten Fels gepreßt, wagte sich nicht mehr vor- noch rückwärts. „Mute - liebe Mute — ruh dich aus. halt dich fest!" schrie ihr Gutenberg zu. Ohne Wissen und Willen gebrauchte er das vertraute „Du. In höchster Rot entschlüpft der Mensch der Reifen Förmlichkeit des Alltags und findet sich selbst 8 Das ^Mädchen zeigte ein Gesicht so weiß wie der Wildkaarfemer. Gutenberg wußte, daß es das „Richt hinabsehen!' gebot Gutenberg, der selber nicht völlig schwindelfrei und die Strapazen solcher Gewalt touren nicht gewöhnt war. Er hielt das Mädchen im Arm, fest an sich gepreßt. Für diese gefährliche Partie fühlte er sich verantwortlich Es durfte nichts paifieren. Er mußte Mute wieder fjeil an allen Gliedern mit gefährlichste Stadium der Entkräftung war. Run hieß es handeln. „Patz auf, Mute: Ich reiche dir meinen Stock. An der Krücke hältst du dich fest. Mit dem rechten Fuß steigst du hier in diese Scharte. Ich ziehe dich herauf." Alle unnütze Zärtlichkeit war aus seiner Stimme gewichen. Die Rot der Stunde machte den Mann hart. Das riesige Trümmerfeld am „Schwarzen See" hatten sie überwunden und nun — zehn Me'er vom Grat - wo'l e Mute schlapp machen? Das durfte nicht sein! Es ging. Das Mädchen gewann nach einem Schluck Rotwein n?ue Kraft. Aber da m kaum fünf Meter vom Ziel, kam das Aergste: eine tiefe Fel- senspalte mußte umgangen toeroenl Da2 war selbst für den Mann zu Diel. Und doch blieb nichts weiter übrig, als auch dieses Wagnis in Angriff zu nehmen. Sie a jen den letzten Rest d^s Proviants auf und opferten dann die Ruasäcke. „Cs hilft nichts, Mute, wir müifen Bewegungsfreiheit haben, um das Leben zu retten...“ drängte Gutenberg. Sie barg das Gesicht in den Händen, klagte: „Meine Farben — ich wollte doch den Rettenbachferner --" Ihr Begleiter lachte rauh auf. „Schlag dir diesen Gedanken aus dem Kops! Wir werden uns beeilen müssen, wenn wir bis »um Einbruch der Dunkelheit wieder im Gasthof sein wollen." Und so geschah es. Schweren Herzens trennte sich die Malerin von ihren Farben, von Pinsel und Palette. „Das alles ist für wenig Geld zu ersehen", tröstete Gutenberg. Schritt um Schritt tarnen sie vorwärts. Einmal glitt Mute mit den Füßen ab. Da packte Gutenbergs Hand derb zu, riß sie am linken Arm zurück auf den Felsspalt. Er ging jetzt hinter dem Mädchen, um notfalls mit raschem Griff das Schlimmste zu verhüten. Zweimal tarn er selber in ernste Gefahr. Aber noch immer hielten feine Hände, wenn die Füße rutschten. Was tat es, daß die Finger bluteten, daß der Gesteinstaub in den Hautritzen und unter den Fingernägeln brannte? Was machten die paar Strammen an den Knien? Hauptsache blieb, daß man mit heilen Knochen zu seinen Mitmenschen ins Tal zurückkehrteI Diese gefährliche Kletterpartie war lehr- und heilsam zugleich. Wie ein Menetekel würde sie in der Erinnerung haften bleiben... Die beiden Menschen in Bergnot hatten kein Auge mehr für die Umwelt, vergessen waren die matarischen Motive, und nur das nackte Leben blieb Trumpf. Sie sahen nicht tief unten im Trümmerfeld das winzige wandernde Pünktchen. Das war Schwai- hofer. Bon Zeit zu Zeit blieb er stehen und hob Bis hierher war die Wanderung Anstrengung. Run begann das Risiko, der Kampf mit dem Berg, das Ringen mit dem Tode. Ein einziger Fehltritt, eine Sekunde Schwindel und Straucheln — jenfeits des Felsgrates gähnte die Tiefe. Mit den Bergstöcken war hier nich s mehr a.:zusangen. Man hatte sie auf die Rucksäcke gebunden. Mit Händen und Füßen ins Gestein oder ins lockere Erdreich verkrampft, schoben und zogen sich die beiden Menschen vorwärts, aufwärts, jeden winzigen Dor- sprung, jede Rarbe im Gestein als Hal. benützend. „Warten Sie - Mute — nicht weiter — ich reiche Ihnen die Hard!" Er zog sie mit zusa nmengebissenen Zähnen herauf zu sich auf eine Platte, die ihnen kaum Raum zum Stehen bot. Mute schloß die Augen als sie einen Blick in die grausige Tiefe wagte. Ihr war, als ob da unten der Tod riefe, sehnsüchtig die knochigen Arme nach den beiden Menschlein da oben am Fels streckte. (Fortsetzung folgt.) das Iagdglas an die Augen. Dann schüttelte er regelmäßig den Kopf, fluchte laut vor sich hin. „Max und Joseph — sind die beiden nit recht g'scheit, daß sie diese verflixte Selbstmordkletterung machen müssen?!" Auch ihm ging die Wanderung viel zu langsam vonstatten. Er mußte hinauf, er wollte den beiden helfen: denn er war ein erfahrener Alpinist, der die Riesen der Schweiz bezwungen hatte. Und sein einziges Gebet war: „Herrgott, laß mich nicht zu spät kommen!" Nun war er so froh, daß er allen Skrupeln zum Trotz diese Wanderung unternommen hatte. Vielleicht sollte er zum Retter für die beiden Menschen da oben werden? Rein, er sollte es nicht. Rach einer weiteren Stunde hatten Mute und Gutenberg den Grat erreicht. Run war die größte Gefahr überwunden. Wie hingefällt sank das Mädel an die Brust ihres Begleiters. »Heinz — hundertmal verdank ich dir heute mein Leven!" Er streichelte wortlos ihr wirres Haar. Und als ihm Mute den Mund bot, küßte er sie unbefangen. Es war ein Dank. Weiter nichts. Gegeben und genommen von zwei Menschen, die dem Tod ganz nahe ins Auge geblickt hatten. „Allein wär ich von der Sour nimmer zurück- gekommen.. Gutenberg streichelte ihre Hände. Alle Wanneszärtlichkeit war in der Geste und nichts vom Egoismus der Liebe. Aach solchen Stunden und in diesen Höhen schweigt alles Riedrige und Unlautere. Rur der Beobachter am Felsmasfiv färbte diese Szene nach seiner Art um. „Ah — dieser Art ist die Freundschast zwischen ihnen!" sagte er zynisch und brachte das Glas nicht mehr von den Augen. Rach einer Pause fuhr ec in seiner erkünstelten Entrüstung fort: „2llso me nen alten Herrn brauche ich deswegen nicht zu belästigen... Eine Erdmute Hansen heiratet man nicht..." Richtig hochdeutsch sprach er jetzt mit sich selber. „Das hätten die beiden einfacher und bequemer haben können. Da bin ich gestern gemütlicher zu meiner Serie von Busseln gekommen." Mit einer unwirschen Geste wandte er sich um, trat den Rückweg an, knurrte: „Und für so was steigt man auf die Berge, riskiert beinahe den Hals!" Mute und Gutenberg sahen jetzt den Rettenbachferner im Glanze der Rachmittagssonne. Wie ein Lamettafaden schlängelte sich der Rettenbach durch die tiefe Runzel, die er im Laufe der Jahrtausende ins Gebirge gegraben hatte, hinab ins Tal. und damit eines erheblichen Teiles unseres Volkseinkommens. Man nimmt an, daß in Deutschland durch die Hände der 1 1 Millionen Hausfrauen jährlich nicht weniger als etwa 16 Milliarden Reichsmark laufen. Damit bestimmt sie aber auch wesentlich Richtung und Art des Verbrauchs. Es bleibt ein großes Verdienst der Hausfrau, daß in den letzten Jahren unter dem Druck der wirtschaftlichen Rot der Gedanke des planmäßigen und rationellen Verbrauchs mehr und mehr Fuß gefaßt hat. Damit hat sich die Hausfrau mit Erfolg in die Front derer gestellt, die für vernünftiges Wirtschaften und den Spargedanken cintretcn. Der Spargedanke ist eine wertvolle Stühe und selbstverständliche Ergänzung des rechtverstandenen Verbrauchs. Sparen ist im Grunde genommen ja auch nur eine Art des Verbrauchs, denn das nicht aufgezehrte Einkommen wird planmäßig für künftigen Verbrauch in Rotfällen, im Alter oder für andere Ziele rechtzeitig stchergestellt. Trotz oder gerade wegen der schlechten Zeiten hat der Spargedanke in den letzten Zähren bei uns immer tiefer Wurzel gefaßt, wie der erfreulich schnelle Aufbau des kleinen Sparkapitals beweist. Wer glauben sollte, es komme auf das Verhalten des einzelnen in solchen Fragen wie der Kapitalbildu.ig nicht an, dem sei gesagt, dah die Milliardenziffern des Sparkapitals — allein die Sparkassen verwalten über 10 Milliarden Reichsmark — sich aus unzähligen kleinen Beträgen zusammensetzen. Das Beispiel der Hauswirtschaft lehrt, daß es nicht so sehr in erster Linie auf die Men^e und die Zahl ankommt, als aus die richtige Einstellung des Menschen zum Wirtschaften überhaupt. Der Weltspartag will auf diese lebenswichtigen Zusammenhänge zwischen Wirtschaft und Haushalt Hinweisen. Neues für Öen Büchertisch. — Reue Sprachgestaltung. Ein Handbuch für Sprachlehrer, für Forscher und Künstler, für Techniker und Werber. Von Hans Lorenz Stoltenberg, Privatdozent in Gießen. 100 Seiten 8°. Kart. 3,50. Moritz Schauenburg KG., Verlagsbuchhandlung, Lahr (Baden), 1930. (448) — Wer eine wissenschaftliche Arbeit abfassen, eine Dichtung gestalten, höheren sprachlichen Unterricht erteilen, durch Bericht, Gesetz oder Werbsache wirken will, sollte alle Ausdrucksmöglichkeiten der Sprache beherrschen. Wege zu dieser Herrschaft weist, jahrelange Erfahrung von Wissenschaft und Kunst, von Llnterricht und Werbung in sa^emäher deutscher Sprache zum einheitlichen Ausdruck bringend, Stoltenbergs »Reue Sprachgestaltung", über die der Gießener Germanist Prof. Götze folgendes schreibt: „ ... Riem and wird die Sprachmeisterei Der alten Zeit neu herbeiwünschen. Aber fragen muh man doch: soll die Fortentwicklung dieser Kunstsprache, die noch nie rein organischen Kräften gefolgt ist, den ungeschulten Sprachgenossen ohne geschichtliche Kenntnis und ohne gebildeten Geschmack überlassen bleiben, oder sollen die geübten Kenner und Freunde unseres sprachlichen Lebens versuchen, Einfluß zu gewinnen und an ihrem Teil unsere sprachliche Zukunft mitbestimmen? Zn der Fremdwortfrage hat der Deutsche Sprachverein mit Entschiedenheit und Glück Stellung genommen, in Fragen der Sprachrichtigkeit tut es die Schule jeden Tag — kann dieses Gebiet erweitert werden und wie ist Einwirkung solcher Art zu denken und vorzunehmen? Harrs Lorenz Stoltenberg, der vor anderen die Kunst versteht, in vielbegangenen Gebieten neue Wege zu finden, hat diese Frage beantwortet und dabei die Tugenden, auf die es hier vor allem ankommt, Kenntnis, Takt und Geschmack, so hundertfältig Gewährt, daß mit keinem weiteren Wort seine Ausführungen vorweg genommen werden sollen, damit kein Leser in dem Genuß beschränkt werde, sie selbst aus Stoltenbergs ausgezeichnetem Buch kennen- zulernen.' — Paul Ernst: Erdachte Gespräche. Preis 10,50 Mark. München. Georg Müller Verlag. (375) — Ein philosophisches Buch. Fast alle großen Geister der Weltgeschichte erscheinen als wirtliche, namentliche oder symbolische Vertreter bestimmter Ideen und Gedanken, so dah man neben anderem in diesen Gesprächen eine geistige Weltgeschichte bzw. eine Darstellung des Geistes -der Welt, des sich ewig Wandelnden und dennoch Bleibenden des inneren Lebens der Jahr- hunderte und Jahrtausende vor sich hat ... von einem Dichter geschrieben und gestaltet, der alle ..Philosophie aus ihrem System (und uns, seine 'Leser mit) frei macht und erlöst aus allem nur "Henkerisch Beengenden zur geistig-seelischen Wirklichkeit. Die Philosophie dieses Buches ist, und wird wahrhaftes und eigentliches Leben, sie wird wirkende Gegenwart ins uns. Lind dann: Sind es nun allegorische Geschichten, Erzählungen. Legenden, sind es Essays, philosophische Diskurse, die uns in Gesprächsform, manchmal in dramatischer Steigerung und drängend zur Pointe, fesselnd, spannend und nicht ohne Witz gestaltet werden: immer sind sie interessant, wesentlich und erschöpfend, immer rückführend auch zu uns selbst, und also in die fernere Zukunft. — Toni Rothmund: Glas. Ein Buch von deutscher Sehnsucht. Roman. Ganzleinen 5,50 Mark. Verlag Philipp Reclam jun., Leipzig (340) Zn der rauhen Zeit des 17. Jahrhundert z, in Schwarzwälder Glashü ten beginnt diese Erzählung, die von der Geschichte, von der Seele des Glases handelt, beginnt mit einer zarten Kinderfreundschaft zwischen einem vernachlässigten Herrenkind und einem Glasbrennerbuben vom "Wald. Lieber der düsteren Kindheit und Jugend der beiden, in die Krieg, Rot und Mord ihre Schatten werfen, steht wie ein lockender Stern Venedig, die Wunderstadt im Meer, wo des Glases Heimat, und wo ein Glaskünstler so hoch geachtet ist, daß er feine Hand nach Ge- schlechtertöchtern strecken darf. Das Mädchen folgt dem fremden Glasherrn in feine Stadt. Die Glashütte im Schwarzwald geht in Flammen auf, der Jüngling zieht nach Rürnberg, um in seiner Kunst weiterzukommen. Das alte, reiche Rürnberg steigt vor uns auf. In das Leben der einst berühmten Oläfermaler. wird der Bub aus dem Schwarzwald verwickelt, reift zum Mann und zieht nach Venedig, um die Jugendfreundin aus schwerem Bann zu lösen. — Werner Riemerschmid, Das Buch vom lieben Augustin. Ein Roman vom unsterblichen Augustin, von der blonden Geliebten und dem Orünäugigcn, vom schwarzen Dämon, Vom Halbmond und von der Stadt am blauen Strom. F. G. Speidelsche Verlagsbuchhandlung, Wien und Leipzig. Leinenband 6,50 Mk. (381). Tas Buch ist durchleuchtet von der ewigen Symbolgestalt des Dudelsackpfeifers Augustin, der durch die magische Kraft seines Liedes jegliches Linheil übersteht und durch Jahrhunderte, durch Pest, Türkennot, Weltkrieg, Hunger und Zusammenbruch sieghaft dahinschreitet. — Eine große Wiener Romandichtung, die, jenseits alles selbstgefälligen Lokalspießertums, alle Symbol- fraft besitzt, ein heiter-ernstes Dokument dieser märchenhaften Stadt zu werden! — Hermann Sinsheimer: Der Schauspieler Peter Unglaub. Roman. 175 S. 8°. Kart. 3,80 Mark. Paul List Verlag, Leipzig C1. (331.) — Sinsheimer, selbst ehemaliger Theaterdirektor und Theaterkritiker, hat hier mit witziger Ueberlegenheit die Karikatur eines Menschen gezeichnet, der — typisches Mittelmaß — ein unheldischer Held unserer Zeit ist. Die Geschichte schildert die Karriere eines kleinen, gewitzten Genießers, der zufällig ein blonder Heldenspieler ist. Das Milieu des Theaters, des entwurzelten Bürgertums und einer wankenden Großindustrie geben dem Roman Farbe und Hintergrund. — Jack London: »Die Zwangsjacke". Llniversitas Deutsche Derlags-AG., Berlin W 50. Leinen 4,80 Mk. (329) — Diese Aufzeichnungen des zum Tode verurteilten Professors Darrell Standing sind so quälend, daß sie einen bis in den Traum hinein verfolgen, — seine geistige Hochspannung aber überwindet selbst diese Qual. Die mächtige Lebenskraft Jack Londons ist auch diesem Elend noch gewachsen und zeigt einen Weg ins Freie. — William Beebe: I m Dschungel d e r F a s a n e n. 183 Seiten mit 51 Abbildungen nach Aufnahmen des Verfassers. Geheftet 7 Mk., Leinen 9 Mk. Verlag F. A. Brockhaus, Leipzig. (367.) — Die Suche nach wilden Fasanen führte Beebe nach Ceylon, Kaschmir, Birma, hinauf in die Berge des Himalaja, hinab nach den Malaiischen Inseln und in das wilde Borneo, auf un- begangene Pfade, durch Llrwald und Dschungel, über Berge voll Eis und Schnee. Er stand auf der Wasserscheide zwischen China und Birma, angesichts von Mount Everest und Kintschin- dschunga verfolgte er die seltensten Vögel, zwischen kopfjagenden Dajaks lauerte er den scheuen Wildfasanen auf. Lieber diese Abenteuer berichtet fein neues Buch, und wieder staunt man, mit welchem Temperament, welcher Raturliebe, welchem Humor dieser Raturforscher schreibt. — Die Stadtkirche zu Darmstadt von D. Dr. Wilh. Diehl und Amalie S ch a e d e l, neu bearbeitet und ergänzt von H. Walbe Mit 19 Abbildungen. L. C. Wittich Verlag, Darmstadt. Kart. 1,50 Mk. (334.) — Die Geschichte der Stadtkirche ist eng mit der Geschick'« - Ser Stadt Darmstadt verknüpft. Die Kirche relch. in den ältesten Teilen in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts. Mißstände in praktischer Hinsicht heischten schon Jahre vor dem Kriege eine gründliche Instandsetzung. 1929 30 wurde sie unter Leitung von Geheimrat Walbe durchgeführt. Zur Erinnerung an den Llmbau legt jetzt der Verlag Wittich die vor Jahren herausgegebene Schrift über die Stadtkirche, von Geheimrat Walbe neu bearbeitet und besonders nach der baugeschicht- lichen Seite ergänzt, vor. — Lieber Gefährdung und Erneuerung der deutschen Liniversität. Von Professor Dr. Eduard Spranger. Geheftet 1,80 Mk. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. (360) — Professor Spranger geht aus von der Feststellung, daß die Liniversität den heute an sie gestellten Anforderungen durch traditionelles Festhalten an den alten Grundsätzen nicht mehr gerecht werden kann. Er führt die heute vielfach erörterte Gefährdung der Liniversität zurück auf drei Haupt- ursachen: den berftärften Andrang nicht wissenschaftlich eingestellter Studierender zur Llniversi- tät, die Veränderung der Wissenschaftslage und die Lieberlastung der Professoren. Für die Beseitigung der sich daraus ergebenden Mißstände fordert er in erster Linie eine Reform des Lini- vcrsitätscv-fbaues durch Einfügung einer College- artigen Stufe. — Das deutsche Wirtschaftsleben seit Beginn des neunzehnten Jahrhunderts. Von Prof. Dr. L. Pohle. Reubearbeitet und ergänzt von Prof. Dr. M. Muß. 6. Aufl. Geb. 4.80 Mk. (325). — Verlag von B. G. Teubner, Leipzig. Das Buch bringt in gedrängter Form das problemreiche deutsche Wirtschaftsleben in feiner Entwicklung bis auf unsere Tage dem Verständnis der Allgemeinheit nahe. Das Werden der deutschen Volkswirtschaft vom Beginn des 19. Jahrhunderts an wird aufgerollt; der erstaunliche Aufstieg bis zum Beginn des Weltkrieges, die zehnjährige Zerrüttung, die Ansätze zum Wiederaufbau werden knapp, aber mit sorgfältiger Erörterung aller wesentlichen Ursachen öargeftellt. Die Vorgänge der Kriegs- und Jnflationsjahre und des neuen Aufbaus haben in zwei neuen Kapiteln Platz gefunden. Taten für Sonntag, 26. Oktober. 1757: der Staatsmann Friedrich Karl Freiherr vom und zu Stein in Rassau geboren; — 1800: Graf Helmuth v. Moltke in Parchim geboren; — 1828: Albrecht Thaer in Möglin gestorben. Daten für Montag, 27. Oktober. 1728: der Forschungsreisende James Cook in Marton geboren; — 1760. der Feldmarschall August Graf Reithardt v. Gneisenau in Schildau geboren, — 1782; der Geigenkünstler Ricolo Paganini in Genua geboren; — 1858: der amerikanische Staatsmann Theodore Roosevelt in Reu- York geboren. Amtliche Gpieltermme für Sonntag, den 26. Oktober. Bejirfsliga. Süd. Sport Kassel — Spielverein Kassel; Kur- Hessen Marburg - Germania Fulda; Hessen Hersfeld — Borussia Fulda. Rord. Hessen- Kassel — SB. Göttingen; FC. Grone — ST. 03 Kassel; Großalmerode — Kurhessen Kassel. 1. Dezirksklasse (Gruppe Lahn). 1900 Gießen — Breitenbach. l.Dezirksklasse (Gruppe Hannover). Sp. Einbeck — Holzminden; Blau-Weiße Güttingen — Osterode; VfB. Rortheim — Weende; Lauterberg — Wihenhausen. Spie?e des VfB. VfB. — Wetzlarer Sportverein. Die Ligamannschaft ist am kommenden Sonntag verbandsspielfrei. Sie hat nun seit Beginn der diesjährigen Derbandsspielseri" fünf Spiele ausgetragen, von denen drei gewonnen und zwei verloren wurden. Bis jetzt hat f.d.; me Ligamannschaft recht tapfer geschlagen, wie überhaupt die drei Lahnkreis-Vertreter (VfB. Kurhessen Marburg, FD. Ockershausen und VfB. Gießen) sich in der obersten Spielklasse überraschend gut zurechtgefun- den haben. Den verbandsspielfreien Sonntag benutzt die Ligamannschaft zur Austragung eines Gesell- schaftsfpiels gegen den Wetzlarer Sportverein. Das Spiel hat in erster Linie den Zweck, Liga- spieler, die seither in der ersten Mannschaft nicht berücksichtigt -teerten konnten, zu beschäftigen. Es wird deshalb auch in der Halbzeit ein Austausch von vier Spielern stattfinden. Beide Gegner haben sich schon feit einer langen Reihe von Jahren Punkt- und auch andere Kämpfe mit wechselnden Erfolgen geliefert. Wetzlar spielt in der ersten Be- zirksklasse und hat dort einen guten Mittelplatz in der Tabelle inne. Lieber den Ausgang des Spiels kann man nichts sagen; eine Lleberraschung steht nicht außer dem Bereich des Möglichen. Die Ligareserve löst eine alte Rückspiel-Der- Pfichtung in Ettingshausen beim dortigen Sport- Club ein. SiS sollte wohl mit einem Sieg Heimkehrern Auf dem Waldsportplah trifft die dritte Mannschaft auf die erste von Steinbach. Hier wird es einen scharfen Kampf geben, der von der „Dritten" knapp gewonnen werden dürfte. Zn Butzbach tritt die erste Jugend der gleichen vom dortigen VfR. gegenüber. Die VfDer müssen wacker kämpfen, um Sieg und Punkte mit nach Hause zu bringen. SpielvereinLgung 1900 Gießen. Der Fußballderein Breidenbach (Kreis Biedenkopf) ist der Gegner des Sonntags für 1900s Liga im Kampf um die Punkte. Das Spiel findet auf dem Trieb statt. Wenn auch 1900 noch immer nicht die stärkste Vertretung zur Stelle hat. so müßte doch die aufgestellte Mannschaft einen knappen Sieg zu erringen vermögen. Vor allen Dingen hofft man, den Sturm durch Llmstellungen schlagkräftiger zu machen. Voraussetzung für einen erfolgreichen Kampf der Einheimischen ist ein Mehr an Eifer und Ernst. Die Mannschaft muß sich zu einer Energieleistung aufraffen, wenn sie nicht an Ansehen verlieren will. Breidenbach ist besser als seine Papierform und konnte am vergangenen Sonntag die Wiesenbacher 3:1 schlagen. Mit Ausnahme von „Germania" Marburg dürfte diesmal in der 1. Bezirksklasse der Gruppe Lahn kaum ein nennenswerter Stärkeunterfchiod feftzu- stcllen fein. 1900 ist als einziger in dieser Konkurrenz noch ohne Gewinnpunkte.. Spielleiter ist Dörr, Grünberg. Von den unteren Mannschaften spielt nur die dritte, und zwar gegen den schwersten Gegner der Spielgruppe. Die Gießener müssen schon gute Form beweisen, wenn sie die erste Elf der Spielvereinigung Leihgestern bezwingen wollen. Fußballklub 1926 Großen-Buseck. Der VfR. Butzbach, eine unter Leitung des bekannten Frantfurters Heinigll. stehende Liga- mannschaft, tritt derselben Mannschaft des FC. 26 Großen-Buseck am nächsten Sonntag gegenüber. Obwohl der Gästemannschaft die Verbesserung in der Tabellenstellung bis jetzt nicht gelungen ist, so muß sie doch als ernster Gegner betrachtet werden. Sollte der Platzverein das Spiel zu seinen Gunsten entscheiden können, so bleibt die Mannschaft weiter an der Spitze. Vor dem Spiel der Liga spielen die Reservemannschaften. $. <5 Teutonia Steinberg. Am Sonntag empfängt die 1. Mannschaft des Fußballklub Teutonia Steinberg die 1. Mannschaft des Sportvereins Rieder-Weisel zum fälligen Derbandsspiel. Steinberg muß mit zwei Mann Ersatz antreten, und sich deshalb doppelt an- strengen, um nicht zu unterliegen. Eigenartig ist, daß die Steinberger Mannschaft auf auswärtigen Plätzen stets gewann und auf eigenem verlor. Handball der Sp.-Vg. 1900. Am Sonntag kommen zwei Spiele, und zwar auf eigenem Platz, zum Austrag. Die erste Mannschaft empfängt die gleiche des Tv. Garbenteich zum Rückspiel, und den 1900er Schülern stehen diejenigen des VfL. Wetzlar gegenüber. 1900s erste Garnitur wird den ADT.-Leuten wohl in der Aufstellung des Vorspiels, das die Gießener vor 14 Tagen mit 3:1 im Vorteil sah, gegenübertreten. Cs wird zu einem harten Kampf kommen, den die Platzbesitzcr aber dann nur für sich entscheiden können, wenn sie sich eines genaueren Zuspiels befleißigen. Das Spiel der Schüler läßt keinen Schluß auf den Ausgang zu, da sich beide Mannschaften schon lange nicht mehr gegenüberstanden. Handball im Gau Hessen (£>. T.) Mtv. Gießen — T. u. Spv. Butzbach. Das erste Derbandsspiel der Rückrunde führt am kommenden Sonntag in Butzbach die ersten Mannschaften der beiden Vereine zusammen. Im Vorspiel konnten die Mtver den Gegner zahlenmäßig hoch besiegen, das Rückspiel wird die Män- nerturner allerdings vor eine härtere Aufgabe stellen, besonders deshalb, da der Butzbacher Platz schon manche Mannschaft straucheln ließ. Ein Sieg der Gießener dürfte allerdings zu erwarten fein, wenn auch nicht in der Höhe des ersten Spieles. Die zweite Mannschaft fährt zum Derbandsspiel nach Friedberg. Da die Mtver im Vorspiel knapp mit 2:1 verloren, ist der Ausgang des Spieles nicht sicher vorauszusagen. — Die erste Zugend- mannschaft empfängt auf eigenem Platze die gleiche des Turn- und Sportvereins Butzbach und dürfte, vorausgesetzt, daß sie in kompletter Aufstellung antritt, das Spiel knapp für sich entscheiden. Klein-Linden Jugend — AUendvrf. Dem Bericht über das Freundschaftsspiel Klein- Linden gegen Allendorf ist nachzutragen, daß Klein-Linden den Kampf nicht mit der ersten aktiven Mannschaft, sondern mit der ersten Jugend bestritt, und bis drei Minuten vor Halbzeit mit 1 ;0 in Führung liegen konnte. Beim ©Tärtfre von 1:1 wurde das Spiel vom Schiedsrichter abgebrochen. Allendorf trat mit 10 Mann an. 23 Gauturntag im Lahn - Oünsberg - Gau. Am Sonntag findet in Wieseck, pünktlich um 9 Llhr der 23. ordentliche Gauturntag statt. Auf der Tagesordnung stehen folgende Punkte: Genehmigung des Protokolls vom vorjährigen Gautag; Bericht des Gauvorsitzenden, sowie der Turn-, Spiel- und Sportwarte; Rechnungsablage für das Geschäftsjahr 1930; Wahl der Orte für das ©auturnfeft, das Bergfest 1931, das ©au- schillerwetturnen 1931, das Gerätewetturnen, den turntag; Bericht des Gauvorsihenden, sowie der Gausporttag und für die Gauwettschwimmen; Wahl des Gauvorstandes; Anträge des Gauvor- standes; Anträge der Gauvereine; Verschiedenes. Oer Sport im Reiche. Herbstnebel und Regen, die ärgsten Feinde des Freiluftbetriebes, haben ihr feuchtes Regiment angetreten. Für die am Sonntag angefetzten Rasenspiele sind aus diesem Grunde die Aussichten so trübe wie das Wetter selbst. — Im Fußball gehen trotz des Streites Amateur oder Profi die Punktekämpfe weiter. -- 3m Handball stehen in Pommern und Brandenburg die Spiele der Turner am Sonntag im Zeichen des Max-Heiser-Gedächtnis-Spieltages. Sonst werden in beiden Lagern die Pflichtspiele fortgesetzt. — Die Turner rüsten für die Großkämpfe der nächsten Wochen. Das Berliner Aus- scheidungsturnen für den großen und ältesten Dreistädtekampf findet Sonntag in der Turnhalle, Wrangelstraße, statt, das Hamburger Auswahlturnen in der Halle der Hamburger Turnerschaft von 1816, das westfälische Ausscheidungsturnen für Rheinland - Westfalen in Dortmund. In Hildesheim gelangt der Städtekampf Magdeburg- Kassel-Hildesheim zum Austrag und in Eßlingen stehen sich zum dritten Male die Turngemeinde Eßlingen und der Schweizer Turnverein Arbon gegenüber. — Das Ereignis im Schwimmen sind die internationalen Kämpfe im neuen Düsseldorfer Hallenbad unter Beteiligung der besten Schwimmer und Schwimmerinnen au-3 Deutschland, Frankreich und Holland. Gute Leistungen sind auch beim Rationalen in Mannheim zu erwarten. — Die Amateurboxer führen am Sonntag den Länderkampf Deutschland — Dänemark in Aarhus durch, wo unsere Vertreter einen knappen Gesamtsieg buchen dürften. Magdeburg zieht am Sonntag eine Fecht - gala auf, bei der Helene Mayer und Erwin Casmir im Rahmen des Städtekampfes Magdeburg - Berlin - Dresden - Hamburg - Halle - Hannover Proben ihres großen Könnens zeigen werden. — Im Radsport sind jetzt nur noch die Holzlatten der Winterbahnen Schauplätze der Veranstaltungen. Im Berliner Sportpalast herrscht ununterbrochener Betrieb. Die Breslauer Zahr- hunderthalle eröffnet die Winterrennzeit mit Zweistunden-Mannschaftsfahren. Louis Sterling, der Generaldirektor der Columbia Graphophone Co., London, Hersteller der berühmten Columbia Grammophonplatten, führt seine Erfolge auf tatkräftige Insertion zurück. Er erklärt: „Die Rekord-Zeitungsanzeigen haben Rekord- Verkäufe mit sich gebracht!“ Schöne weiße Zäh ne: Ch lorodont WW Große Handarbeits-Ausstellung » H 72 58 A Besichtigen Sie ab heute die aus der andarbeit Rudolf Rüdiger, Gießen Fernruf 2497 ■ Walltorstraße 35 Gesundheitstechnische Anlagen Große Ausstellungs- Räume 7118 A Zentral-Heizungen aller Art Be- und Entwässerungs-An lagen Elektrische Licht-, Kraft-, Klingel-, Radio- und Verstärker-Anlagen Bade- und Wasch-Einrichtungen Große Massen Kleiderstoff- RESTE eingetroffen I Unser Einkauf war diesmal besond. günstig. Kommen Sie und kaufen Sie diese guten modernen Stoffe zu fabelhaft billigen Preisen 1 Sie bekommen bei uns viel prachtvolle Ware für wenig Geld. 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Ott. ohne Kosten gezahlt werden. Dach diesem Tage eingehende Zahlungen können nur unter Berechnung der Mahngebühren angenommen werden -, außerdem setzen sich die Rückständigen der Zwangsbeitreibung aus. 7292V Zahlungen können an die in den Rechnungen genannten Zahlstellen, auf Post- scheckkonto Frankfurt a. M. Rr. 8875 oder täglich von 8 bis 1 Uhr nutzer SamS- tagS bei der Hauptkaste geleistet werden. Gietzen, den 24. Oktober 1930. Allgemeine Ortskrankenkasse des Landkreises Gietzen. Allere Grossofirma sacht an jed. Ort einig. Herren (Ben*/ e. Wohnsitt gleirhqült.), die sich nach entspr. fnstrukt. elg. Versandstellen für xugkr&fi. Schlag erartik. breitest. Massenbedarfs (ges. gesch.) einricht, voll. Besond. Gelegenh.^davonlJCrbfl trots Geldnot dir. spiel, vertrieb, in vielen Brands, gesucht. Reine Kassaeinn. Umsatz wird nach- gewies. Auch f. Niditfachm. od. Neuetablier. geeign. (Kein Vertretergesuch od. unbek. Neuheit.) Nur genaue Angeb. gescMftsgew. 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Oktober 1030 Wirtschaft Oie Arbeiismarktlage in Hessen und Hessen-Aassau. lieber die Arbeitsmarktlage in Hessen und Hessen.Nassau berichtet das Landes- arbeitsam! Hessen in Frankfurt a. TL: Mit der fortschreitenden Jahreszeit verschlechtert sich der Arbeitsmarkt immer mehr. In der zweiten Septemberhälfte war die Zahl der Arbeitsuchenden um 5557 gestiegen, in der ersten Oktoberhälfte vergrößerte sie "sich um 7069 auf 213 648. Aus dem Baugewerbe kamen 1836 Fach- und 689 Hilfsarbeiter hinzu, obwohl infolge des Arbeitsbefchaf- fungsprogramms der Reichsregierung eine größere Anzahl Sträfte vermittelt werden konnte. Die Ent- laffunaen zum Quartalschluß brachten rund 1300 arbeitsuchende Angestellte mehr an den Arbeits. markt. Auch die Metall- und Steinindustrie wurde stark belastet. Aus dem Gastwirtsgewerbe nahmen die Arbeitsuchenden um 14,2 v. H. zu durch Entlassungen aus der Fremdenindustrie und den Kur. betrieben. Sogar die Landwirtschaft, die sonst im Oktober noch gut aufnahmefähig war, stieß Arbeitskräfte ab. Eine leichte Saisonbelebung erfuhren lediglich die Leder-Industrie und das Bekleidungsgewerbe. Mit den Entlassungen nimmt auch die Kurzarbeit zu. In der letzten Septemberwoche wurde an 8405 Personen Kurzarbeiterunterstühung gezahlt, gegen 7614 in der letzten Augustwoche. Die Statistik erfaßt jedoch nur die Kurzarbeiter mit drei und mehr Ausfalltagen wöchentlich. Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung ist während der Berichtszeit um 2327 von 92 315 auf 94 642, in der Krisenunterstützung um 1572 von 29 857 auf 31 429 gestiegen, obwohl in beiden Unterstützungszweigen zusammen in den letzten vier Wochen rund 13 300 Unterstützte infolge Erschöpfung ihres Anspruchs aus der Unterstützung ausgeschieden sind. (Geringere Qua'iiäi ber Getreideernte 1930 in Preußen. Nach der Statistischen Korrespondenz ist mit der Erntevorschätzung im September und Oktober gleichzeitig die voraussichtliche Güte der Ernte festgestellt. Die Qualität ist bei Winterroggen. Winterweizen. Sommergerste und Hafer geringer als 1929. Geringerer Roggen wurde besonders viel in Schleswig-Holstein, der Rheinprovinz, in Brandenburg und in der Grenzmark Posen-Westpreußen geerntet. Auch die mindere Qualität in Winterweizen hat sich gegen 1929 um 10 Prozent vermehrt, lieber 15 Prozent mehr der Sommergerstenernte ist gegenüber dem Vorjahre minderwertig, so daß mit einem verminderten Angebot von Braugerste zu rechnen ist. Der Hafer hat ganz besonders durch dar schlechte Wetter der Erntezeit gelitten. Von den vier beurteilten Getreidesorten sind im Staat jeweils 37 bis 40 Prozent mit durchschnittlicher Güte geerntet worden. Bei Winterweizen. Winterroggen und Sommergerste übersteigt das gut Geerntete das gering Geerntete um 18,9 bzw. 6 Prozent. Bei Hofer dagegen beträgt die mangelhaft eingebrachte Menge 36 Prozent, die gut geerntet? Menge nur 27 Prozent. Preisherabsetzung für Zndustriebraunkohle. Das Mitteldeutsche und das Ostelbische Braun- kohlensyndikat haben beschlossen, mit Wirkung vom 25. Oktober einen Racklaß auf den Industrie- listenpreis für Brikett zu gewähren. Das Ausmaß dieses Nachlasses beträgt 6 Mk. für zehn Tonnen. Die Hausbrandpreise bleiben bei beiden Syndikaten unverändert. * * Betriebs st illegung. Wegen Auftragsmangel wird die Fahrzeug- und Maschinenfabrik Manderbach & Co. in Wissenbach (Dillkreis! den gesamten Betrieb vorübergehend schließen. 3n normalen Zeiten werden etwa 100 Arbeiter beschäftigt. • Das Anwachsen der Goldbestände der Bank von Frankreich Der Wochen- auSweis der Bank von Frankreich für die Zeit vom 10. bis 17. Oktober weist einen Goldbestand von 50 567 354 167 Franken aus. Gegenüber der Vorwoche bedeutet das eine Erhöhung um 1 119 323 230 Franken. Die Golddeckung der im ♦ e Umlauf befindlichen Banknoten beträgt 54,14 Prozent gegenüber 53,54 Prozent in der Vorwoche. Die gesetzlich vorgeschriebene Golddeckung beträgt 35 Prozent. Wochenbericht vom Frankfurter Effektenmarkt. Auch zu Beginn dieser Woche konnte sich die freundliche Stimmung erhalten, wozu in erster Linie die günstige Aufnahme der Red? Brünings im Reichstage Anlaß bot. Das Geschäft war ziemlich lebhaft, da sich das Ausland weiterhin stark für deutsche Werte interessiert hatte. Von Reuyork wurde zumeist schwächere Tendenz gemeldet, doch machte dies keinen Eindruck, denn die Abstimmung im Reichstage war ausschlaggebend und tendenzbestimmend. Daß die Regierung eine überwieg.-nde Mehrheit erhalten hatte, stimmte außerordentlich zuversichtlich und veranlaßte größeren Optimismus, wenigstens rechnet man mit einem Fortbestehen der Regierung Brüning und der völligen Klärung der innerpolitischen Streitfragen. Die Aufwärtsbewegung der Kurse schlug wieder raschere Schritte ein. Auch war daö Geschäft unter Beteiligung von Ausland- und Inlandkäufen zeitweise sehr lebhaft. Vielfach wurde vor einer starken Steigerung gewarnt, da die wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland immer noch keine Besserung erfahren haben und ebenfalls von ausschlaggebender Bedeutung für die Zukunftsgestaltung sein dürften. Anfangs hörte man jedoch nicht darauf. Eine Reaktion trat bald ein. die aber in erster Linie durch Gewinnmitnahmen verursacht wurde. Größere Abschwächungen waren vorläufig nicht zu bemerken, da das Angebot nicht dringend war und leicht untergebracht werden konnte. Das Geschäft hatte jedoch an Umfang erheblich eingebüßt. Das Ausland beteiligte sich nicht mehr so stark am Geschäft. Erst als der Wechsel im preußischen Innenministerium bekannt wurde, kam Material in etwas größerem Umfange an den Markt, da durch die Ernennung Severings zum Innenminister ein stärker zutage tretender Gegensatz zwischen rechts und links befürchtet wird. Material kam jetzt in größerem Umfange heraus. Anfangs wurden bei einem Vergleich gegenüber der vergangenen Woche Gewinne bis zu 10 Prozent erzielt. Zwischendurch war eine Beruhigung eingetreten, da der Wechsel im Innenministerin n und die Lage im Metallarbeiterstreik günstiger beurteilt wurden. Gegen Wochenschluß griff jedoch wieder Abschwäch ung Platz. Die erneute Abschwächung der Mark und eine Dankinsolvenz in Reuyork waren die Gründe hierfür. Das Angebot wurde dringender, und die meisten Werte hatten nach vorangegangenen Besserungen größere Verluste gegenüber der Vorwoche aufzuweisen. Deutsche Linoleum lagen 7Pzt. schwächer. Behauptet waren Aschersleben und Gesfürel. Rur Phönix lagen noch 2,5 Prozent fester. Am Rentenmarkt war das Geschäft nicht sehr groß: Veränderungen traten kaum ein. Am Devisenmarkt konnte sich Spanien gegen Ende der Woche erholen. Auslanddevisen lagen fest: die Mark war wieder schwächer. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 3,25 Prozent leicht. Wochenbericht vom Frankfurter Produktenmarkt. Arn Frankfurter Getreidemarkt blieb das Geschäft in der verflossenen Woche schleppend. Das Inlandangebot war angesichts des günstigen Wetters, das der Landwirtschaft in verstärktem Ausmaße Feldarbeiten ermöglichte, weiter gering. Anderseits lagen vom Mehlgeschäft keinerlei Anregungen vor, und die Unsicherheit bezüglich der weiteren politischen und wirtschaftlichen Entwicklung ließ allgemein nur geringe Unternehmungslust aufkommen. Angesichts der Enge des Marktes blieben die Auslandmeldungen nicht ganz ohne Einfluß. Der Roggenmarkt hatte zu Beginn des Berichtsabschnittes eine Sonderbewegung zu verzeichnen. Cs wurde bekannt, daß demnächst eine Vorlage eingebracht werden soll, der zufolge durch Gesetz eine Beimahlung von Roggen zu Weizen in einem Ausmaße von 15 bis 20 Prozent bzw. eine entsprechende Beimischung von Roggen- mehl zu Weizenmehl erzwungen werden soll. Obwohl die Meinungen über die Auswirkung' eine- solchen Gesetzes stark auseinandergehen. konnte sich jedoch zunächst eine nicht unerhebliche Preissteigerung durchsetzen. Auch die Klagen über schlechte Qualitäten und damit die Befürchtung bezüglich der Haltbarkeit der diesjährigen Ernte blieben nicht ohne Einfluß. Inzwischen ist die Beratung der Vorlage infolge der Vertagung des Reichstages nicht erfolgt, und über die Möglichkeiten einer Einführung durch Rotverordnung sind die Meinungen sehr geteilt. Der Handel legte sich große Reserve auf, da die an sich schon unsichere Lage noch weiter gestört wurde durch die Ungewißheit, ob der Mehlbeimischungszwang kommt oder nicht. Der anfänglich erzielte Gewinn ging daraufhin wieder verloren, doch war gegen die Vorwoche noch ein kleiner Gewinn zu verzeichnen. Weizen hatte infolge des ruhigen Mehlgeschäfts ebenfalls sehr ruhigen Handel. Der Preis blieb gegen die Vorwoche unverändert. Hafer hatte ruhiges Geschäft. In den geringeren Qualitäten war ein Preisabschlag von 2,50 Mark festzustellen. Gerste hat nach tote vor sehr stille Marktlage. Am Kartoffelmarkt war die Tendenz weiter flau; der Preis für den Zentner gelbfleischige Industriekartoffeln hiesiger Gegend war mit 1,80 bis 2,00 Mark jedoch unverändert. Die Woche schloß zu folgenden Rotierungen: Weizen 250 bis 252; Roggen 165; Hafer 152,50 bis 160; südd. Weizenmehl 39,50 bis 40,25; nieder- rheinisches Weizenmehl 39,25 bis 40; Roggen- mehl 26 bis 27; Wetzenkleie 6,20; Roggenkleie 6,75 Mark. Wochenbericht vom Frankfurter Schlachtviehmarkt. Rachdern in der vergangenen Woche die Preise beträchtlich nachgaben, war in dieser Woche eine leichte Reaktion festzustellen, deren Hauptgrund wohl in dem verminderten Auftrieb zu suchen sein dürfte. Der Handel war allerdings weiterhin sehr eng, da der Bedarf gegenüber den immer noch für die jetzige schlechte Wirtschaftslage großen Zufuhren sehr klein ist. Am Schweine markt scheint sich die Widerstandskraft weiter etwas zu verstärken, denn die Preise konnten sich um etwa 1 bis 2 Mk. bessern. Ob die leichte Erholung anhält, ist nicht sicher anzunehmen, da es namentlich von dem Auftrieb abhängt, der in dieser Woche mit 5617 Stück wesentlich geringer war. — Auf dem Rindermarkt war der Auftrieb wieder normal. Das Vieh war von mittlerer Qualität. Rach ruhigem Handel und zumeist anziehenden Preisen verblieb etwas Ueberstand. — Kälber und Schafe hatten meist ruhiges Geschäft. Der Auftrieb war in beiden Gattungen etwas höher, doch wurden die Märkte bei allerdings nachgebenden Preisen geräumt. Kälber und Schafe büßten je 2 Mk. ein. Der Gesamtauftrieb bestand aus 1446 Rindern, darunter 273 Ochsen, 138 Bullen, 495 Kühen und 435 Färsen, ferner aus 1287 Kälbern und 604 Schafen. Verglichen mit dem Austrieb der vergangenen Woche waren 306 Rinder und 658 Schweine weniger angetrieben, dagegen standen 162 Kälber und 7 Schafe mehr zum Verkauf. Bezahlt wurden pro Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen al )58—60, a2) 52-57, bl) 47-51; Bullen a) 53-55, b) 48-52; Kühe a) 46-48, b) 40—45, c) 35—39, d) 30-34; Färsen a) 58-60, b) 53-57, c) 47-52. — Kälber b) 75-79, c) 70-74, d) 65-69. — Schafe al) 46-49, b) 40—45, c) 35—39. — Schweine a) 57—59, b) 58—60, c) 59—61, d) 59-61, e) 57-59. Frankfurter Börse. Frankfurt a. TL, 25. Oft. Tendenz: freundlich. Im Anschluß an die festere gestrige Neuyorker Abendbörse war die Stimmung an der Wochen- schlußbörse weiter freundlich. Das Geschäft beschränkte sich jedoch auf ein Minimum, da der O r - dereingang sehr gering blieb. Bei der Kulisse war immer noch Zurückhaltung zu bemerken, und die schon bekannten ungünstigen Momente hatten jepes Vertrauen unterbunden. Die gebesserte gestrige Neuyorker Abendbörse gab der Händlcrschaft jedoch einen Anreiz, so daß bei den wenigen zustande gekommenen Erstnotierungen zum Teil Äursbeffe» r u n g e n um bis zu 2 o. H. gegenüber der gestrigen Abendbörse festzustellen waren. Etwas in den Vordergrund treten konnten am Clektromarkt Licht & Kraft, Felten und Chadeaktien, die 2,5 v. H. bzw. Mark höher lagen. Schuckert und Siemens zogen je 1 v. H. an. Am Chemiemarkt lagen Farben und Deutsche Erdöl (plus 1 v. H.) höher, während Metall- gesellschaft eher leicht angeboten waren und 1 v. H. niedriger eröffneten. Deutjche Linoleum gewannen 2 v. H. Auch heute war die Umsatztätigkeit am Man- tanmarkt sehr bescheiden. Die meisten Werte wurden zunächst hoher taxiert. Mehr Interesse bestand für Zement Heidelberg plus 3 v. H. Etwas schwächer lagen von Schiffahrtspapieren 'Norddeutscher Lloyd, die 1 v. H. verloren. Renten verkehrten in stillster Haltung Das Psandbriefgcschäst war sehr gering. Im Verlause wurde das Geschäft etwas lebhafter, später bei Gcwinnmitnahmen wieder etwas lang samcr, und die Kurse gaben gegen Anfang bis zu 1 v. H. nach. Anläßlich des Alsdorfer Grubenunglücks wurde als Zeichen der Trauer der Börsenverkehr von 12 Uhr bis 12.05 Uhr ftillgelcgt. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 4,5 v. H. unverändert. Am Devisenmarkt konnte sich die Mark weiter etwas erholen. Das Angebot von Ausland- d c v i s c n war wieder größer geworden. Spanien lag weiter fester. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1955, gegen Pfund 20,3890, London gegen Kabel 4,8594, gegen Paris 123,81, gegen Mailand 92,82, gegen Madrid 45,01, gegen Schweiz 25,0175, gegen Holland 12,0613. Berliner Börse. Berlin, 25. Oft. Schon der heutige Vormittagsverkehr ließ erkennen, daß die vorliegenden ersten Auslandmeldungen, besonders vorn 'Neuyorker Platze, und die weiter günstige Konstellation am Effektenmarkt ausreichen würden, um die bereits gestern durchgebrochene bessere Stimmung in E s f e k t e n zu erhalten. Eine kleine Abgabeneigung, die vielleicht auf Grund des erreichten höheren Kursniveaus oder zum Wochenschluß resp. vor dem Ultimo bestand, wurde mehr als ausgeglichen durch Kaufinteresse seitens der Privatkundschast. Stärker herangezogen wurden besonders Bankaktien, Karstadt, Salzdetfurth, Spritwerte und Ilse Bergbau, , die der Spekulation zu kleinen Deckungen Anlaß gaben. So waren Durchschnittsgewinnc von 1 bis 3 v. H. die Regel. Banken gewannen 3,5 v. H., da man vor Zusammentritt des Reick)staqes auf dem Wege der Notverordnung mit einer Siegelung des Bankgesetzes rechnet. Hackethal plus 3 v. Sy, Salzdetfurth plus 5 o. Sy, Deutsche Linoleum plus 3,25 v. Sy, Chadeaktien plus 6,5 Mark. Deutsche Anleihen waren wenig verändert. Auch Ausländer lagen gut behauptet. Pfandbriefe fast geschäftslos. Liquidationspfandbriefe meist nachgebend. Am Geldmarkt war Tagesgeld auf 3,5 bis 5,5 v. H. erhöht; Monatsgeld blieb mit 6 bis 7,5 v. H., Warenwechsel blieben mit 5,5 v. Sy und darunter unverändert. Der heute von den Banken festgesetzte Reportgeldsatz wird bis zu 1 d. Sy höher taxiert. Die Geldanspannung zum Zahltag war wohl mit ein Grund für die stärkere Devisenanspannung. Der Dollar ging im Freiverkehr jedenfalls auf 4,1950 zurück. Auch nach den ersten Kursen war es zunächst sehr ruhig, aber freundlich später trafen noch einige Kauforders ein, und die Tendenz konnte sich um 1 bis 2 v. H. befestigen. Licht & Kraft zogen um 2,75 v. H. an. Auf Beschluß des Börsenvorstandes wird der Verkehr heute in der Zeit von 12 bis 12.05 Uhr eingestellt, als Zeichen der Trauer für die bei dem Alsdorfer Grubenunglück ums Leben gekommenen Bergleute, deren Beisetzung heute stattgefunden hat. Im wei- ieren Verlause trat eine leichte Reaktion ein; die im Verlaufe erzielten Gewinne konnten sich nicht immer behaupten, und die Kurse gingen teilweise wieder aufs Anfangsnioeau zurück. Berliner Produktcnmarkt. Berlin, 24. Oft. Dir Erörterungen bezüglich einer Einführung deS Beimischungsztoanges auf Grund einer Rotverordnung standen auch heute im Mittelpunkte des Interesses der hiesigen Produktenbörse. Am Roggenwa lte machte daraufhin die Befestigung weitere Fortschritte. Der Lieferungsmarkt setzte bis 2 Mk. fester ein. 3m Promptgeschäft hat sich das Angebot, namentlich für Waggonware, verringert, auch für Kahnmaterial lauten die Forderungen wesentlich höher. Cs waren etwa 2 Mark bessere Preise als gestern zu erzielen. Das Weizenge'chäft bleibt weiter schleppend. Aus dem Inlande liegt keineswegs reichliches Angebot vor, infolge des unbefriedigenden Mehlabsahcs kaufen die Mühlen jedoch nur vorsichtig unter Bevorzugung der wenig offerierten guten Qualitäten. Der Lieferungsmarkt ist infolge einiger Realisationen um 0,50 bis 1,50 Mark ab» geschwächt. Weizen- und Roggenmehl hat unverändert kleines Geschäft. Hafer ist ausreichend angeboten und nur in feinen Qualitäten zu stetigen Preisen gefragt. Gerste ruhig Kurszettel her Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 v H., Lombardzinsfuß 6 v. H. Frankfurt a. Di. 33tr(in Frankfurt a. Ul. Berlin Schluß. 1-Uhr- (Schluß- Aniang- Schluß« 1-Uhr- Gchiuß- Anfang- Kure lur- fiur« fürs Rurfi ftirS Kurs Datum 24 10 25 10 24 10 25 10 Datum 24 10 25 10 24 10 25 10 6% Deutsche Reichranleihe Hamvurg.'.'lmerika Pakei .... Hamburg-Südam. Dampfschiff. 8 79,5 79 79,4 von lSe? .......... 87,5 87,25 — 163,5 7% Deutsche Reich-anleihe 97,75 Hansa Dampfschiff.....10 — 124,5 von 1929 .......... — 98,1 — Norddeutscher Lloyd.....8 Allgemeine TeutscheEreditanst. 10 80 79 79,25 79,5 Deutsche AnI.-Ablos.-SLuld mit — 99,9 100 Auoios.-Rechten....... 54,4 — 54,5 54,5 Barmer Bankverein .... 10 107 107,5 107 107.5 tMfll. ohne AuSIof.-Rechte . . 6,75 — 6,65 6,7 Berliner Handelogeielllckiast . 12 134 134,75 134,25 8% Hell. SollOftaal von 1929 (rüdtafjlb. 102%)...... 88,5 Corn men- und Privat-Bank. 11 121,5 121,75 121,5 121,75 — 89 Darmstädter nn? Nanonalbanl 12 159,25 — 158,5 160 Cbfrbcllcn Brovin, • Anleihe ml' Deutsche Bant und Aurlol.-Rechten....... 52 — — — Disconio Gesellschaft, ... 10 116 — 115,5 116,25 Ttutlrfic Komm. Sammelabl. Dresdner Bank..... 10 116 — 115,5 116 Anleihe Gerte 1...... 51,7 — 51,5 —— Reicheban- ......12 230 — 228,5 221 8% firaull. Hvp.-Bank Oolbpfe XJII unlünbbat ble 1934 . . . 98,5 — — Ä.E.G..........6 123 124 122,25 124,25 <% Frankl. Hnp.-Banl Gokdpse Bergmann.........9 138 138 unkündbar ble 1932 ..... 4fc% Rheinische Hyp.-Bank 93,25 — — — Eiektr Lieserungrgesellschaft. 10 — 118 120 Licht und Kraft......10 — 127,75 125,25 127,25 filqu. Soldpfe......... 85,13 — _ gelten & Guilleaume . . . 7J4 — 100 98 IOC 8% Br. LandeSptandbriefanstalt, Gesellschaft für Elektrische Pfandbriefe R. i v ..... ,00 — 100 — Unternehmungen .... 10 127,5 — 126,25 129 S% Pr Landerwian rbriesanllali, Hamburger EiektrizitäU-Werle 10 —- 117,25 118 flomm.-Cbl. Si. 20...... 7% Br. Canben|lanobrie,anQait. 97 — 97 — Rheinische Q.ehryität .... 9 CchlcMche Elektrizität. ... 10 127 — 127 120 122,25 Pfandbriefe R. >1 ..... 97 — 97 —— Schuckert & (So.......11 138,25 139 136,5 138.5 A-E.tr». abfl. Lonnes«-Obligatio- Siemens & Halske ..... 16 183 184 180,75 183,75 nen. rüdtablbar 1932 . . 94 — — Transradio ......... 6 vabmetjet & So.......1< 145,5 — 145 —— 4% £eftenetd)t|che Goldrente . . < -20% Oefterreichische Silberrente < % Oeilerreichilche Einheitliche Rente......... . < % Ungarische Goldrente .... <% Ungarische Staatsrente v. 1910 A Mumraux 25 * Kissen 12 A Wäsche wird abgebolt. Annahmestellen: Kraul. Schwan, Hamm- stratze 4 und Frau Bogel, Kaiserallee 6DIL den wurden durch die Starnmeskärnpfe auseinandergerissen, Angriffe auf Gemeinden und Schulen blieben nicht aus. Lehrer und Missionare wurden verfolgt. (Sin Arnschwang blieb nicht aus, da man immer mehr die Macht des kommunistischen Ungeheuers erkannte; aber die Greuel auf der einen Seite wurden mit Greueln auf der anderen beantwortet, das Morden wurde freigegeben. Systematisch wurden alle göttlichen Gebote außer Kraft gesetzt. Herrliche Proben von Treue auf scheinbar verlorenen Poften wurden hierbei von Christen abgelegt. Den noch gefangenen Missionaren ist nach den letzten Briefen körperlich: und geistige Arbeit gestattet. Mitten in den Röten des Bürgerkriegs zeigen sich wunderbare Erweckungen. Gott ist auch da am Werke, und solche Bewegungen sind für die Mission nicht umsonst. Der Vortrag hinterließ einen tiefen Eindruck; er bot einen Blick in eine Hölle, der die Missionsgemeinde verpflichtet. Rach Beantwortung einer Anfrage durch den Referenten schloß die Ver- sammlung mit Cho^algesang. Wein Don Prof. Dr. med. 2H. Vogel, Dresden. Würde man einer größeren Anzahl Menschen die Aufgabe stellen, anzugeben, was ihnen auf ein hin- geworfenes Wort zuerst einfällt, so wäre 10 gegen 1 zu wetten, daß auf das Wort „Wein" die meisten mit „Flasche", „Glas" oder ähnlichen auf das Trinken hindeutenden Ausdrücken antworten, nur wenige aber auf den Eßgenuß, auf die naturgegebene köstliche frische „Traube" verfallen würden. Das war nicht immer so! Früher aß man auch im Rheinland gern die süßen Trauben, die ein recht wertvolles Nahrungsmittel und ein von alters her hochgeschätztes Heilmittel darstellen. In den Mittel- meerlänbern werden nicht selten am Tage 2 Kilogramm und mehr verzehrt, das bedeutet bei dem 18—25 % betragenden Zuckergehalt der südlichen Weine 2500 Brennwerteinheiten (Kalorien) ober Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme bei dem Heimgang unseres lieben Entschlafenen danken wir herzlichst Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Else Müller, geb. Hebbel. undJhrbleibt gesund!