Nr. 224 Erstes Blatt 180. Jahrgang Donnerstag, 25. September 1930 Erschein, täglich, außer Sonntags und Jeiertag* Beilagen Vie Illustriert, Gießener Familienblütter Heimat im Bild Die Scholle Monat» Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Neichspfennig für Iräger> lohn, auch bei Nichterscheinen emzelnerNummern infolge höherer ©eroalt Zenisprechanschlüss« tändnis für die NSDAP, geweckt werden soll, wohl besprochen worden, Aufträge seien in dieser Richtung nach der Erinnerung des Zeugen nicht erfolgt. Auf Befragen des Reichsanwaltes erklärt der Zeuge: Eine Beseitigung des Parlamentarismus auf parlamentarischem Wege ist nach unserer Ansicht möglich. Jedenfalls sollte, wenn das zum Ausdruck dient, gesagt sein, daß unsere Ziele auf legalem Wege wohl zu erreichen seien. Auf Vorhalt des Verteidigers Dr. Sack erklärt der Zeuge Hauptmann a. 2). Weiß weiter: Wir haben aber sicher gan zentschieden darauf hingewiesen, daß wir kein Interesse an einer Zersetzung der Disziplin in der Reichswehr haben, irgendwelche Aufträge nach dieser Richtung haben wir nicht gegeben. Vereinbarungen irgendwelcher Art sind nicht getroffen worden. Von der Staatsform ist nicht gesprochen worden, nur vom herrschenden politischen S y st e m. Wir haben auch Hitler nicht über die Unterredung mit den'Angeklagten berichtet. Hauptmann a. D. v. Pfeffer, der wegen seines Nichterscheinens am Vormittag in Strafe genommen worden war, erklärte, daß es je zu einer Verbindung zwischen ihm bzw. seiner Partei und Reichswehroffizieren gekommen sei. Sei schon deshalb völlig ausgeschlossen, weil es in der Partei ausdrücklich verboten fei, eine solche Verbindung anzubahnen. Selbstverständlich sei aber beabsichtigt, mit der Reichswehr zusammenzustehen, wenn die Nationalsozialistische Arbeiterpartei ihr Ziel auf dem legalem Wege erreicht habe. Dazu sei sie ja auf dem besten Wege. Irgendwelche Vereinbarungen mit den Angeklagten seien aber bestimmt nicht zustandegekommen, und Geld hätten sie natürlich ebenso wenig erhalten. Hitler erscheint als Zeuge. Leipzig, 25. Sept. (WTB. Funkspruch.) Der dritte Derhandlungstag im Reichswehrprozeß erhält eine besondere Rote durch das Erscheinen Hitlers, der als Zeuge geladen ist. Schon um 8 LIhr hat sich eine große Menschenmenge auf dem Reichsgerichts- plah angesammelt. Etwa 20 Minuten vor8 Uhr bringt der Transportwagew'd i e drei Angeklagten zum Reichsgericht. Laute Heil-Rufe tönen über den Platz. Reue Verstärkung der Schutzpolizei rückt heran, und es beginnt die Säuberung des Vorplatzes. Wenige Minuten nach 9 Uhr erscheint, von begeisterten Zurufen begrüßt, der Wagen Hitlers, in dem dieser mit Herren seines engeren Mitarbeiterkreises sitzt. Schnell fährt der Wagen auf die Rampe. Die Menge versucht, die Sperrkette der Polizei zu durchbrechen, doch der Polizeitruppe gelingt es bald, den Platz wieder frei zu machen. Die Zuschauer, die vor dem gegenüberliegenden Amtsgericht stehen, stimmen nationalsozialistische Lieder an. Mottas Minderheitenbericht angenommen. Genf, 24. Sept. TU. (Funkspruch.) Der Gnt- schliehungsentwurf des Schweizer Bundesrats Motta über die Stellungnahme des politischen Ausschusses zur Minderheitenfrage wurde im Ausschuß einstimmig a n'g e n o m m e n. 3n Anbetracht der tiefgehenden Gegensätze hat sich Motta mit einer anschaulichen, zusammenfassenden Darstellung der zutagegetretenen Auffassungen der einzelnen Regierungen begnügt und hieraus einige theoretische Schlußfolgerungen gezogen, ohne daß in dem Bericht irgendwelche Vorschläge oder Anregungen für die weitere Minderheitenpolitik des Völkerbundes gemacht werden. Der deutsche Entschliehungsentwurf wird in dem Bericht nicht erwähnt, da die deutsche Abordnung ihren Antrag nur als „Material für die Berichterstattung" erklärt hatte. Motta stellt fest, daß keine Einigung über die Frage zustandegekommen sei, ob der Dölkerbundsrat das Recht habe, das geltende Beschwerdeverfahren abzuändern. Eine Aen- derung des in Madrid geschaffenen Verfahrens sei jedoch auch nicht beantragt worden. Die Regierungen hätten vielmehr im wesentlichen gefordert, daß der Völkerbundsrat alle in dem Verfahren vorhandenen Möglichkeiten au«- schöpfen solle. Motta lehnt es sodann ausdrücklich ab, auf den polnischen Vorschlag einzugehen, daß die Minderheiten-Schuhverträge a u f sämtliche europäischen Staaten ausgedehnt werden sollen. Er halte es für unweise, jetzt auf die Ziele der Minderheitenschutzverträge einzugehen. Ohne Zweifel sei es aber eines der Ziele, die Schwierigkeiten zu beseitigen, die die Folgen des Weltkrieges in der Zusammenarbeit zwischen der Mehrheit und Minöerheitenarbeit geschaffen habe. Von besonderem Interesse ist, daß sich in bet Aussprache eine scharfe Opposition Frankreichs, Italiens und Spaniens gegen den Vo^chlag der polnischen Regierung auf Ausdehnung der Minderheitenschutzverträge auf alle Staaten zeigte. Sämtliche drei Regierungen gaben Einsprüche gegen einen derartigen Versuch zu Protokoll. Ferner hat die Schluhaussprache ergeben, daß die Regierungen der Kleinen Entente und Polens gegen den Bericht Rechtsvorbehalte angemeldet haben, in denen jede Möglichkeit einer Aenderung der bisherigen Minderheitenpolitik des Völkerbundes für die Zukunft abgelehnt wird. Demgegenüber wird von der deutschen Abordnung mit Befriedigung festgestellt, daß Bundesrat Motta in seinem Bericht, der nur nach langen und mühevollen Verhandlungen zustande kam und reinen Großstadtgeschmack entgegen. Sein neuestes Stück betitelt sich „E l i f a b e t h von England". Der geniale Könner zeigt, daß er auch außer großstädtischen Sexualproblemen wirklich ein Theaterstück auf größerer menschlicher Basis aufbauen kann, sogar mit dem Abstand der Historie. Die Uraufführung des begabten Roland Ziersch bringt ein Demetrius-Drama „Die Verwertung des Bettlers Grigor y". 2)as bekannte historische Drama „G n e i f e n a u" von Wolfgang Götz, das sowohl in Berlin als auch auf fast allen führenden Bühnen der Provinz starken Beifall fand, wird in dieser Spielzeit hier herauskommen. Es werden im Laufe des Winters noch andere aktuelle Schauspiele aufgeführt, die mit Absicht noch nicht angezeigt sind. Das Theater, das gerade in der kommenden Spielzeit aus Gründen des Existenzkampfes und der Existenzberechtigung mehr als je kulturelles Verantwortungsgefühl empfinden muß, wird nach außen hin mit stark kommerziellen, statistischen, reklamehaften Werbungen zu arbeiten gezwungen sein. Der innere Charakter aber einer modernen Bühne verlangt ausnehmend starke Disziplin in künstlerischen Dingen. Es handelt sich nicht darum, schon zu Beginn der Saison im dra- maturgischen Sinn anpreiserisch übers Ziel zu schießen, sondern zu versichern, daß unsere Bühne für das Publikum wiederum mehr denn je unentbehrliche Bildungsstätte joerben und ihm geistige Erholung bieten wird. Die Klassikergrundlagen werden durch Schiller, Shakespeare und Mo 1 iöre gegeben. Zu Schillers 125. Todestag sind „Kabale und Liebe" und „ F i e s c o" oder „Die Jungfrau von Orleans" vorgesehen. Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung", „Der verlorene Sohn von London" und Molieres „M i s a n t h r o p" werden herausgebracht. Eröffnet wird am 1. Oktober mit Zuck- rnayers „S ch i n d e r h a n n e s" (Spielleitung: Intendant Dr. P r a f ch). Dieses Volksstück bedeutet neben dem „Fröhlichen Weinberg" und neben „Katharina Knie" den größten Zuckmaher- Ersolg. Als besonders apartes Volksstück ist P a g n o l s „M a r i u s" gewählt. Bernhard Blumes „Feurio", das aus besetzungS- technischen Gründen im vorigen Jahre nicht gegeben werden konnte, wird ebenso wie „Dom lieben Augustin" (Diehenschmidt, Musik von Krenek) und „Die Freier" (Eichendorfs) in dieser Spielzeit herauskommen. An Schauspielen sind noch Tolstois „M acht der Finsternis" und Gerhart Hauptmanns „Rose Bernd" oder „Die versunkene Glocke" vorgemerkt. Die einmalig aufgeführte Posse von Re st roh, „Einen Jux will er sich mache n", ist für den Winterspielplan fest- gelegt. Oskar Wildes 30. Todestages wird man mit feiner bis jetzt noch fast unerreichten Dialog- Komödie „Lady Windermeres Fächer" gedenken. An Salonkomödien sind „Prinzessin und der Eintänzer" (Engel und Grünewald), „Soeben erschienen" (B o u r d e t) und an Lustspielen Gustav F r e h- t a g s „Journalisten" und „Vater sein dagegen sehr" (Carpenter) bereits zur Ausführung bestimmt; ferner „X Y Z“ (Kla- bund) und „Leinen aus Irland" von K a m a r e. Für den Rovember ist Arthur Schnitzlers neuestes Werk „Im Spiel der Sommerlüfte" zur Uraufführung vorgesehen. Den 3 on- sons „Vo 1 pone" (Deutsch von Zweig) ist als klassische Komödie in den Spielplan eingesetzt. Die 3ntendanz beabsichtigt im kommenden Winter durch Ensemble-Gastspiele besonders hochwertige Theaterabende zu bieten. Leopvldine Konstantin ist mit dem Ensemble des Derliner Künstlertheaters zu einem zweimaligen Gastspiel verpflichtet worden. („Wasserscheu" von Maugham.) Der ausnehmend starke Erfolg, den die bodenständige Kunst der „Thoma- Bühne" und der „Konrad-Dreher-Truppe" jetzt in Berlin gehabt haben, veranlaßte die 3nten- danz, beide Ensembles zu Gastspielen am Gießener Stadttheater zu verpflichten. Die Operette wird demgegenüber im diesjährigen Spielplan stark zurücktreten. Eines der ersten deutschen Ope- retten-Ensembles, das Dochum-Hamborner Operettentheater (Direktor Bachenheimer) wird einige Male hier auftreten. Die erste Darstellung findet bereits am Freitag, dem 3. Oktober, statt. Zur Aufführung gelangt „Land des Lächelns" von LEHar, der Operettenschlager der vergangenen Saison. Es wird dies die einzige Operettenvorstellung im Oktober fein. Durch eine grundlegend neue Zusammensetzung des Ensembles sollen neue Stück-Kategorien besonders berücksichtigt werden, die bisher nicht gegeben werden konnten. Dor allem Stücke größeren Formats, nicht nur im ernsten Schauspiel, fonbem auch in der Komödie und dem Salonlustspiel. werden herausgebracht. Dadurch soll einer tiefergehenden Theaterkunst wieder das Wort gegeben werden. Den Abonnenten 1930/31 wird dadurch möglichst starke Abwechslung sowohl moderner und modernster, als auch guter zeitgemäßer klassischer Theaterkunst geboten. Ein Geheimnis ans den Tagen des Sonnenkönigs. Eine überraschende Entdeckung wurde von Arbeitern gemacht, die einen Pavillon in einem großen Garten zu La Muette, einer Pariser Dorstadt, niederrissen. Linier dem Gebäude, das aufl dem 17. 3ahrhundert stammt, fand man einen ausgemauerten und gewölbten Raum, der vor vielen 3ahren als ein geheimer Llnterschlupf errichtet worden fein muh. Der Besitzer des Gartens, ein Gras, der an der Stelle ein Haus bauen lassen wollte, hat die Arbeiten einstellen lassen, bis das Geheimnis dieser unterirdischen Wohnung eingehend erforscht ist. Man gelangte zu dem Raum durch eine Falltür im Boden des Pavillons. Als man in das alte Gemäuer hinunterstieg, fand man es mit einigen Stühlen und einem Bett ausgestattet,- es muh früher einmal bequem eingerichtet gewesen sein; auch Lieberreste von Rahrungsmitteln wurden noch entdeckt. Linier Gerümpel fanden sich sechs tournuerfreffene Kisten, die mit Wappen aus der Zeit Ludwigs XIV. geschmückt sind. Eine Luftröhre, die in den Schacht eines alten Brunnens lief, wurde augenscheinlich vor langer Zeit verstopft. 3n eines der Kisten befanden sich Briefschaften, die vielleicht ein Licht auf dieses alte Geheimnis werfen. Sie wurden von einer Frau de la Motte-Ferney an einen Herrn de la Guamaudie geschrieben, bei ein Freund des berühmten Finanzministers Lud» wigs XIV., Ricolas Fouquet, war. Fouquet Hatto bekanntlich ein riesiges Vermögen zusammengebracht, bis er in Lingnade fiel und gefangen gesetzt wurde. Gr starb ungefähr 15 3ahre nach seinem Sturz, man vermutet 1680 im Schloß Pignerol. Aber die letzten 3ahre seines Lebens und sein Ende sind in Dunkel gehüllt, und es ist sogar die Behauptung aufgestellt worden, daß er der „Mann mit der eisernen Maske", der geheimnisvolle Gefangene in der Bastille, war. Vielleicht besteht ein Zusammenhang zwischen dem aufgefundenen Llnterschlupf und dem Schicksale Fouquets. Jedenfalls bemühen sich verschiedene Gelehrte, dieses Rätsel aus den Tagen deS Sonnenkönigs zu lösen. auf französischer Seite scharfe Kritik fand, dem Geist der deutschen Srflänmgcn und den deutschen Wünschen weitgehend Rechnung getragen habe. Lalonder zieht seine Demission zurück. ® e n f, 24. Sept. (WTB.) Der Vorsitzende der Gemischten Kommission für Oberschlesien, der Schweizer Talonber, hat seine Demission zurückgezogen. Lalonder entspricht damit einem einmütigen Wunsch des DölkerbundSraleS, der in diesem Sinne auf den wegen seiner unbedingten Objektivität hochangeschenen ehemaligen schwec- zerischen Bundesrat eingcwirkt hat. Wenn iSa« sondern jetzt seine persönlichen Gründe, tue ihn zu seiner Demission veranlagt hatten, zurück- gestellt hat. so hat er es nicht zuletzt deshalb getan. weil der deutsche undderpolnische Außenminister ihn in einem gemeinsamen Schreiben gebeten hatten, auf seinem Posten in Oberschlesien zu bleiben. Die französisch-italienischen Fotlenverhandlnngen gescheitert. Der französische Vorschlag unannehmbar Gens. 24. Sept. (ODIQ3.) 3n unterrichteten italienischen Kreisen verlautet, daß die Verhandlungen zwischen Frankreich und Italien über die Flottenfragcn endgültig gescheitert sind, da in der letzten Phase der Verhandlungen die französischen Sachverständigen einen Vorschlag unterbreiteten, den die italienischen Sachverständigen ab gelehnt hätten. Die Italiener hätten erklärt, daß sie in diesem Vorschlag keine DerhandlungSgrundlage mehr sähen und daß eine weitere Fortsetzung der Verhandlungen zunächst z w e ck l o s sei. Sehr bezeichnend ist die Bemerkung des „Giornale b'ätalia", man gewinne immer mehr den Gin- druck, daß England ein Interesse daran habe, sich in die Verhandlungen einzuschalten, aber in negativem Sinne. Der letzte französische Vorschlag hielt das bisherige umfangreiche französische Rüstungsprogramm uneingeschränkt aufrecht. Frankreich erklärte sich nicht in der Lage, irgendwelche Abstreichungen an seinem bisherigen Rüstungsprogramm oorneh- men zu können und wies auf die Notwendigkeit für Frankreich hin, daß es aus allgemeinen militärpolitischen Gründen auf der Grundlage der dafür bewilligten Kredite uneingeschränkt weiterfortfahren müsse. Dagegen wurden der italienifchen Regierung Bedingungen gestellt, die der italienischen Forderung, zwischen der französischen und der italienischen Flottenrüstung ein gewisses Gleichgewicht hcrzustellen, in keiner Weise Rechnung trugen. Auch die bekannten politischen Forderungen Italiens waren mit keinem Worte erwähnt. Die Tötung des Studenten Wessel vor Gericht. -Schluß der BcweiHausnahme Berlin, 24. Sept. (GAB.) Im Prozeß wegen der Erschießung des Studenten Wessel gab der Angeklagte Drewinski zu, daß ihm Höhler übergeben worden sei. Er habe ihn über die Grenze gebracht und in Prag an Freunde ab- flCQgDen. Er habe aber nicht gewußt, wer Höhler sei und um waS es sich handelte. — Die Braut Horst W e t s e l «. die Schneiderin Erna Jaenicke. bekundete, Wessel habe nur noch röcheln können. .Arzt!" Eine Waffe habe Wessel nicht bei sich gehabt. Die Zeugin äußerte sich dann auch auf Befragen über die Mietzahlungen. Aach ihrer Darstellung waren sie nicht im Rückstand. Wessel wollte aber auSziehen. weil Frau Salm als streitsüchtig bekannt war und er ein Mann war, der keine Streitigkeiten liebte. — Die Gerichtsärzte Prosessor Strauch und Medizinalrat von Arnholtz begutachteten, daß der Schuß in horizontaler Richtung auf Wessel abgegeben worden sei. Die Behauptung Höhlers. daß Wessel ein kleiner Mann gewesen sei, entspreche nicht der Tatsache. Es sei daher unrichtig, wenn er betone, daß die Pistole sich beim Hör ausziehen entladen habe. Der Tod sei durch Blutvergiftung eingetreten. Aus aller Welt. Tagung de« Deutschen Roten Kreuzes. In Dresden wurde die Tagung deS Deutschen Roten KreuzeS durch eine erweiterte Mitgliederversammlung eingeleitet. Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, von Winter- seldt-Menkin betonte ausdrücklich, es sei heute nicht an der Zeit, die These von der Notwendigkeit der Verstaatlichung oder Kornmu- nalisierung aller Einrichtungen der freien Wohlfahrtspflege zu verfolgen. Das Rote Kreuz fei stet« bereit, die Hand zur Zusammenarbeit zu reichen, um mit vereinten Kräften an der Beseitigung der Rot zu helfen. Professor Dr. Kehler (Leipzig) bezeichnete es als daS wichtigste, daß die freie Wohl- fahrtSarbeit mit neuen und starken Kräften den Kamps gegen die Massennot aufnehmen müsse. Die deutsche Wirtschaftsnot der Gegenwart entspringe drei Wurzelns Dem internationalen Niederbruch der Konjunktur, der allgemeinen Verarmung Europas und der Aus- blutung des tributpflichtigen Deutschland. Eine rasch geweckte .deutsche Bewegung gegen die deutsche Rot" werde neue Geldmittel, namentlich auf dem Wege regelmäßiger Strahensammlungen getoirmen können. Professor Dr. Grote (Frankfurt a. Main) sprach sodann über die innere Ent- Wicklung der modernen Medizin. An Beispielen chronischer Erkrankungen zeigte er, wie sehr D e - Handlung und Fürsorge ineinander übergehen. häufig aber seien die bestehenden Sinrich- tunaen nicht elastisch genug, um den gerade bei solchen Zuständen zutage treteirden individuell höchst verschiedenen Erfordernissen der Dinzelfälle nachzukommen. Hier sei eS Aufgabe der freien Wohlfahrtspflege, diese Lücke auszufüllen. Zur Ausweisung Dr. Jrfigler«. Die Ausweisung des deutsch-böhmischen Arztes Dr. Irsigler (Hamm i. W.) aus dem Bereich des Freistaates Preußen hat In nationalsozialistischen Kreisen große Aufregung verursacht. Im „Westfälischen Anzeiger" veröffentlicht die Hammer Ortsgruppe der NSDAP, eine Erklärung, in der es heißt: Dr. Irsigler habe in Wahlversammlungen in besonders ruhiger und sachlicherWeise zur Diskussion gesprochen. Weiter heißt es im Hin- blick auf die Behauptung. Dr. Irsigler sei Tschechoslowake: „Wir sind dem Ausländsdeutschen, der auf feinem umstrittenen Posten um fein Deutschtum kämpft, ganz besonderen Dank schuldig und haben nicht das Recht, ihn voll Hohn als Tschechoslowake zu bezeichnen und ihn aus Preußen oder gar Deutschland auszuweisen, um ihn der Willkür der Feinde auszuliefern. Die tschechoslowakifche Regierung sieht Dr. Irsigler bestimmt nicht als Tschechen, sondern als Deutschen an." politische Schlägerei. In Düsseldorf wurde ein Nationalsozialist nachts von mehreren Kommunisten ü verfallen und zu Boden geschlagen. Passanten, die ibn sanden, brachten ihn in ein Lokal, von wo ihn mehrere Parteifreunde unter polizeilichen Schuh zu seiner Wohnung begleiteten. Der Trupp wurde aber auf der Straße wiederum von Kommuni st en bedroht. Die Aationalsozialisten zogen sich darauf zurück, wurden aber von den Kommunisten verfolgt. Al« der Polizist inzwischen Verstärkung erhielt, flüchteten die Kommunisten in ihr Parteibureau, daS von der Polizei durchsucht wurde. Dabei sand man mitNägelnbe- schlagens Stöcke, Bandeisen sowie sonstige Werkzeuge, die a l S Waffen dienten. Mehrere Kommunisten, die sich nach Angabe von Zeugen an der Schlägerei beteiligt hatten, wurden fest genommen. Schwere» Erdbeben In der Sowjetunion. (Ein starkes Erdbeben zerstörte in der Nähe von Stalinabad in Tadschikistan sieben Dörfer völlig und beschädigte weitere zehn Dörfer erheblich. Bisher wurden 17 5 Tote und über 300 Verletzte feftgestellt, an die 1200 Familien sind obdachlos. Ein Regierungsausfchuß ist zur Organisierung der Hilfeleistung abgereist. Rätselhafter Reichtum. Die Strafkammer des Landgerichts 1 verhandelte als Berufungskammer gegen die beiden Gebrüder Saß, die, wie erinnerlich, vor einigen Monaten wegen Haufriedensbruchs undSach- befchädigung zu je vier Wochen Gefängnis verurteilt worden waren. Die Strafkammer schloß sich in vollem Umfange dem erstinstanzlichen Urteil an und verwarf die Berufung der Angeklagten. Die Gebrüder Saß find im April festgenommen worden, als sie im Keller eines Hauses in der Ble- mingstraße ein Loch in den Lustschacht stemmten. Man vermutete in ihnen die Täter, die seinerzeit bei der Disconto-Gesellschast den großen Tresorraub verübt haben. Bei der Verhandlung fragte der Vorsitzende, wie die Angeklagten, da sie doch so oft arbeitslos feien, zu so eleganter Kleidung und zu einem so wertvollen Luxusauto kämen und sich so schöne Auslandsreisen leisten könnten. Erich Saß erklärte daraus, daß er darüber in der Oeffentlich- feit feine näheren Angaben machen wolle, er habe die Gelder von Verwandten befom- men. Mit strafbaren Sachen hängten diese Gelder nicht zusammen. Jack Diamond aus Philadelphia ausgewiesen. Der berüchtigte Neuyorfer Verbrecherföng Jack Diamond, der mit der „Hannover" aus Deutschland in Philadelphia eintraf, wurde dem Gericht vorgeführt Ihm wurde befohlen, die Stadt innerhalb einer Stunde zu oerlaffen. Die Polizei brachte ihn über die Stadtgrenze. Dollshochschuliagung in Bad'Nauheim. Der Landesverband der hessisch en Volkshochschulen, dessen Aufgabe die Förderung der DolkShochschularbeit In Hessen und die Interessenvertretung der hessischen Volkshochschulen ist. hielt am SamStag In Bad-Aau- heim unter dem Vorsitz von Studienrat Jacobs (Darmstadt) eine Sitzung ab. Der Vorsitzende erstattete zunächst den Bericht über den deutschen VolkShochschultag in Breslau. Dr. Acundörser (Offenbach) berichtete über eine Arbeitswoche im VolkShoch- schulheim Prerow auf dem Darß. W. He gar (Gießen) ergänzte die Berichterstattung hinsichtlich der politischen Fachsihungen des Volkshochschultages. AuS den Berichten wurde sowohl die notwendige Mannigfaltigkeit, wie die grundlegende Wandlung ersichtlich, der sich die DolkShochschularbeit auf einer Reihe von Arbeitsgebieten unterzogen hat. An die Berichte schloß sich eine lebhafte Aussprache an. In reger Erörterung beschäftigte man fich weiter u. a. mit der Frage der Erwerbs- losen-Bildung. Aach gründlichem Meinungsaustausch wurde schließlich angeregt, an der Klärung der psychologischen Voraussetzungen für die Srwerbslosenbildung weiter zu arbeiten und an die Stadtverwaltungen zwecks Ermöglichung von Versuchen heranzutreten. Eingehend besprochen wurde auch die außerordentlich schwierige Finanzlage der Volkshochschulen, wobei insbesondere die Vertreter Oberhessens lebhafte .Klage über die Unsicherheit der staatlichen Zuschüsse führten. Die im Vorjahre gewährten staatlichen Zuschüsse seien keineswegs ausreichend, um die organisatorische Krise der oberhessischen Dolkshoch- schularbeit zu beheben. Daher sei eine Eingabe an den Staatspräsidenten um Bewilligung eines regelmäßigen Iahrcszuschusse- gemacht worden, dessen Höhe auf absehbare Zeit wenigstens den dringendsten Bedürfnissen Oberhessens genüge. Oberhessische Krieasbeschädigtenlagung. • Lauterbach, 23. Sept. Der Verband der Kriegsbeschädigten undKrieger- Hinterbliebenen der Kriegerkame- r o d s ch a f t »H a s s i a" in Oberhessen hielt am vorigen Sonntag hier seine Provinzialtagung ab, die aus allen Teilen der Provinz zahlreich besucht war. Zu der Tagung waren u. a. Regierungsrat Dr. Braun (Gießen) als Vertreter der Provinzialdirektion und deS Kreisamts Gießen, der Leiter deS Dersorgungsamtes Gießen Regierungsrat Dr. P i e S k e, Vertreter der Kreis» ämter Lauterbach und Büdingen und Bürgermeister Walz für die Stadt Lauterbach erschienen. Der Furforgeleiter der Kriegsbeschädigten der „Hassia" in Oberhessen, Bonhard (Gießen), erstattete zunächst einen Bericht über die Der- bandstätigkeit in der Provinz Oberhessen und gab dabei den Obmännern praktische Hinweise für ihre Mitarbeit. Sodann sprach der Vertreter des Deutschen Reichslrieaerverbandes „Kyffhäuser", Regierungsrat Firnhaber über den n c u e ft e n Stand der Reichsversorgung. über die Notverordnung und die geplanten Aovellen zum Reichsversorgungsgesetz und zum Dorfahrensgefeh. Er erklärte u. a., daß durch die Notverordnung die Spruchbehörden entlastet. die Verwaltungsbehörden dagegen mehr Arbeit haben werden, msoirderheit die Hauptver- sorgungsämter und das Reichsarbeitsministerium als Beschwerdeinstanzen. Cs müßten bei diesen Behörden neue Abteilungen eingerichtet werden für die Bearbeitung von Kannansprüchen, die viel Arbeitsaufwand, Zeit und auch Geld kosten werden. Befonders müsse erreicht werden, daß der Beschädigte berechtigt ist, auf Grund der Derwundungsfolgen DersorgungSansprüche ohneFristbefchränkung geltend zu machen. Ferner müsse der Beschädigte berechtigt sein, bei Verschlimmerung seines anerkannten Kriegsdienstbeschädigungsleidens einen Rechtsanspruch auf Rentenerhöhung zu behglten, auch wenn er am 31. Juli 1930 für dieses Leiden eine Rente nicht bezogen hat. Weiter müsse erwirkt werden, daß ein Rechtsanspruch besteht auf Versorgung bei Vorliegen eines Leidens, welches mit einem anerkannten DienstbeschädigungSleiden in ursächlichem Zusammenhang steht, gleichgültig, ob für das anerkannte DienstbeschädigungSleiden am 31. Juli 1930 eine Rente bezogen wurde, ober nicht. Cs müsse ferner erreicht werden, daß die Frist für das Stellen von Clternrentenanträgen weiterhin als gewahrt anzusehen ist. Die Streichung dieser Frist bedeute eine außerordentliche Härte. Mindestens sei auf dem Wege deS Härteausgleichs großzügig und nicht kleinlich Elternrente ober Elternbeihilfe zu gewähren. Anschließend folgte eine eingehende Besprechung der sozialen Fürsorge, sowie Ser Invaliden- und ilnfallberentung. In einer Entschließung brachte die Dersammiung zum Ausdruck, daß die Finanz- not deS Reiches keineswegs dazu dienen dürfe, diejenigen vor anderen unter Sparmaßnahmen leiden zu lassen. Ne die größten Opfer fftr Mc Verteidigung des Vaterlandes gebracht hätten. (Grabungen in den Dillenburger <*>ch1oßgewölben. WSA. Dillenburg. 24 Sept. Dieser Tage ist in den Gewölben deShiefigenSchl o f- f e S eine wertvolle Aufschließung zustande gekommen, Mc man als den Anfang zu bedeutenden weiteren Aufschließungen ansehen kann. Dar es feit den 70er Jahren gelungen, große Teile der auf drei verschiedenen Sohlen gelegenen umfangreichen Gewölbe der inneren Burg der Besichtigung zugänglich zu machen, so hatte man doch von weiteren Srschließungsarbeiten Abstand genommen. Erst in der letzten Zeit wurde der Gedanke. Mc unterirdischen Räume der einst au den größten deutschen Schlössern zählenden Burganlage der Oeffentlichkeit mehr als bisher zu erschließen, vorn Historischen Verein wieder aufgegriffen. So wurde nach mehrtägiger mühevoller Arbeit eine Reihe dickwändiger Räume von ungefähr acht Quadratmeter Doden- fläche und drei bis vier Meter Höhe frei- gelegt. Die Schießscharten lassen den Charakter als VertcidigungSwerke deutlich erkennen. In dem Deckengewölbe jede- einzelnen der nunmehr zugänglich geworbenen Räume beflnbct sich ein viereckiges Loch von 50 Zentimeter lichter Weite, das nach der darüberlieg enden gleichartigen Gc- wölbereihe führt, die demselben Zweck gedient bat Oie Wetterlage. Oslo, Paris -58 (®/>o Clermont (jenf © worttnlos. O ncito. ® n«m otdtcxt ® worxig. ® dcocch •RcflfH * Sehnte c Greupein e MtDci X 0ewitur.(§)windjlillc.«O xl» leichter Osi y -nissige- Sudsuowni Q stürmischer nordwcsl Ole Pfeile fliegen mH dem winde Oie oeioen Stationen Menenden Zai> len gehen die Temperatur an Pie Linien eerorndee Ort« mit gleicht® auf ncerunirtau umgerechneten Luftdruck Wettervoraussage. Von der Südseite der Nordmeerstörung ragte ein Niederschlagsgebiet mit über Deutschland, welches in den heutigen Morgenstunden, nachdem der größte Teil der Nacht vollkommen klar verlies, unseren Bezirk überquerte. An der Rückseite der Störung hat sich der Kaltlufteinbruch bis über die britischen Inseln durchgesetzt und nimmt seinen Weg entsprechend dem Lauf der Isobaren weiter nach dem Festlande. Infolgedessen bleibt der Witterungscharakter vorerst etwas veränderlich und mit stellenweisem Auftreten leichter Schauer ist noch zu rechnen. Allgemeine Abkühlung, verbunden mit Luftdruckanstieg, führt jedoch alsbald eine Beruhigung der Wetterlage herbei, so daß für das Wochenende schönes Herbstwetter in Aussicht steht. Dabei werden sich die Temperaturgegensätze zwischen Tag und Nacht stärker ausprägen. Aussichten für Freitag: Wechselnd bewölkt mit Aufheiterung, einzelne Schauer, kühler, westliche bi- nordwestliche Winde. Aussichten für Samstag: Ruhige-, vielfach heitere- Wetter, nacht- frisch, tag-über mild. Lufttemperaturen am 24. September: mittags 18,6 Grad Celsius, abend- 11,0; am 25. September: morgen- 11,6. Maximum 18,7, Minimum 8,9. Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 24. September: abends 17,1; am 25. September: morgen- 13,4. — Niederschlag 1,5 Millimeter. — Sonnenscheindauer 9'/< Stunden. ^AichtigA V xÄmwM 1QAnhionvvÄuv ÖUvx^ L -wavAOOW llk.^ Unsere Fohlen Mäntel G 8088 V Küchenschränke, ein Gießen Fahrrad-Er- Volkshalleplatz Ommer- September Nur Tage! Hergang Außerdem: kürztes Abend-Programm. Karten im Vorverkauf sichern! Zirkuskasse durch- SONDERZUGE ElHenbabn: 4.80 5.20 Zeitgemäß abgebaute Preise! Schärfste Kalkulation! 5946 A 5J1SE Seltersweg 85 Besonders preiswerte 40jähr. Erfahrung im Einkauf bietet Gewähr für die Auswahl bester Fabrikatel 1.50 1.80 3.00 4.40 bekannt, wc roßen Ate Freitag, den 26. 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Zweifellos in innerem Zusammenhang damit bat Reichswehrminister Gröner in Kissingen in einer Rede, mit der er die Manöver — die letzten unter Heve — abschloß, den Sah geprägt, daß eS in der Reichswehr keine putschlüsternen Generale gebe, daß von einer besonderen Außenpoli- t i f der Reichswehr nicht die Rede sein könne, weil die Reichswehr nichts Anderes sei alS e i n zuverlässiges Instrument der Reichsgewalt in der Hand des Reichspräsidenten. Das ist an sich eine Selbstverständlichkeit. Aber diese Selbstverständlichkeit müßte öffentlich ausgesprochen werden, um zu verhindern, daß der neue Ches der Heeresleitung bei der Hebemahme seines Amtes von vornherein mit Widerständen und Schwierigkeiten zu kämpfen hat. die ihm feine ohnehin nicht leichte Aufgabe unnötig erschweren. Die Zeit hat heute eine gewisse Aehnlichkeit mit den kritischsten Monaten deS Iahres 1923. Wir ft eben auch jetzt wieder vor Möglichkeiten der Erschütterung unseres StaatsgesügeS, bic in den kommenden Monaten der Reichswehr eine entscheidende Rolle als Trägerin der Staats- autorität zuweilen können. Da darf eS kein Mißtrauen geben, denn das Vertrauen in die absolute Zuverläss igkeit derReichs- wehr ist die erste Doraussetzung dafür, daß sie ihre Pflichten in vollem Umfange erfüllen kann. Cs ist deshalb aber auch kein Fehler, wenn gerade jetzt ein Aufsatz ausgegraben wird, den General von Hammer st ein vor einigen Monaten anonym veröffentlicht hat, damals, alS noch niemand wußte, daß er der kommende Mann war. Cr geht davon aus, daß die Führer der Reichswehr 1923 trotz mancher Lockungen nicht den Weg gewählt hätten, die Staatsleitung unter den Druck der bewaffneten Macht zu stellen und etwa als Staat im Staate die Politik maßgebend zu beeinflussen, und proklamiert als Programm, daß die Wehrmacht nicht Leiter, sondernWerkzeug der Staatsgewalt sein soll; sie soll im Staate nicht herrschen, sondern dienen. Das ist ein gutes Wort. "Niemand verkennt die Versuchungen, die in labilen Verhältnissen an den Chef der Wehrmacht heranr treten können. Es ist das geschichtliche Verdienst des Generals von Seeckt, daß er im entscheidenden Augenblick allen solchen Lockungen widerstand und damit da^u beitrug, daß daS Reich überraschend schnell über die schwere Krise von 1923 hinwegkam. Rach dem Bekenntnis des Generals von Hammerstein wird man das Vertrauen zu ihm haben dürfen, daß er, wenn eS soweit kommen sollte, ebenso wie Seeckt die Machtmittel, die hinter ihm stehen, nur a IS Diener des Staates einsehen wird. Aus der provinzialhauptstavt. Gießen, den 25. September 1930. Oanndressur. Don Dr. meb. Hans Kraus. Ieder Mensch weiß, daß er die in der Rahrung dem Körper cintxrleibien Stoffe nicht restlos verwerten kann, sondern daß stets ein bedeutenber Teil als Schlacke wieder ausgeschieben werden muß. Diese Rahrungssch lacke ist nicht etwa eine leblose, unveränderliche Masse, wie die Schlacke der Steinkohle, sondern ein Gebilde, das weitgehenden Veränderungen und Zersetzungen unterworfen ist. Verursacht werden diese Zersetzungen von einer Hnzahl von Bakterien, die im Darm jedes Lebewesens vorhanden sind. Die Zersetzung der Kotmassen im Darm ist für den Menschen eine durchaus nicht gleichgültige Sache. Das wissen die Aerzte leiber nur zu gut. Wie oft werden sie zu einem Kranken gerufen, der einige Tage keinen Stuhl gehabt hat und bei dem sie einen eingeklemmten Bruch ober eine verständlich! Mußt du doch mehrere Anweisungen auf einmal geben, weil du etwa selbst fortgehst oder deine Gehilfin einholen schickst, dann gib die Anordnungen wenigstens nicht im letzten Augenblicke. Wenn du diese Anordnungen in einer ruhigen Besprechung gibst, schon in einem gewissen Zusammenhänge und nicht kunterbunt durcheinander, wenn deine Gehilfin Zeit gewinnt, dieses Programm mit sich selbst in einen Zusammenhang z u bringen; dann darfst du begründete Hoffnung haben, daß die Anordnungen auch richtig ausgeführt werden. Schüttest du aber deiner Mitarbeiterin im letzten Augenblicke einen ungeordneten Haufen von Weisungen hin. die du schon nervös gibst und die deine Helferin nur noch mit halbem Ohre hört, dann wundere dich nicht, wenn es mit der Ausführung hapert. Also mit einem Worte: laß dir Zeit beim Befehlen, und je wichtiger es ist, desto mehr! Roch ein anderes: gib deine Weisungen klar und verständlich! Dazu gehört weniger ein schneidiger Ton, der dich unbeliebt machen kann, als baß b u selbst weißt, was b u willst, unb daß du auch sagen kannst, warum bu's willst. Das Zeitalter der unbesehenen Autoritäten ist vorüber: btiner Laune wirb man Wi- berftänbe entgegensetzen, beiner Pedanterie auch, deiner besseren Einsicht wird sich selten jemand verschließen. Zu deiner Einsicht gehört aber auch, baß du deine Helferin recht erkennst. Du kannst nicht gleichzeitig von ihr Selbständig- teit und die gleiche Beweglichkeit der Gedanken verlangen, wie du selbst sie hast, dann aber wieder alles bis ins einzelne selbst bestimmen und das Mädel nur als Instrument behandeln wollen. Wenn du eine Mitarbeiterin haben willst, mußt du ertragen, daß sie manches anders macht als du. Rur wenn du Freiheit und Selbstverantwortung gibst, wirst du verstehende Mitarbeit ernten. Wenn du dir nur eine Maschine abrichtest, wirst du dich bescheiden müssen, immer nur auf einen Knopf zu drücken, und du solltest nicht erstaunt fein, wenn das Hhrwerk auch bann gelegentlich versagt. Hochschulnachnchien. — Professor Dr. Heinrich Eymer, Vorstand der Hniversitäts- Frauenklinik in Innsbruck, ist vom 1. Oktober 1930 an zum ordentlichen Professor der Geburtshilfe und Gynäkologie an der Hniversität Heidelberg und zum Direktor der HniversUäts-Frauenklinik daselbst als Rachfolger des Geh. Hofrats K. Menge ernannt worden. Darmverschlingung feststellen müssen! Warum führen solche Zustände so rasch zum Tode, wenn nicht sofort operiert wird? Weil durch die veränderte Darmwand die Kotgifte und E/tbokterien in die Bauchhöhle u»d von hier ins Blut überwandern, so daß öer Kranke an allgemeiner Blutvergiftung sterben muh! Aber auch ohne so schwere Begleiterscheinungen ist eine Gtuhlverstopfung immer eine ernste Sache: denn tpcsn auch keine Bakterien ins Blut übergehen, so finden doch die Darmgase und giftigen Stoffe den Weg dorthin. Was für eine Menge von Kopfwehpulver, Magentropfen und andere Arzneien werden Jahr für Jahr eingenommen, wo in Wirklichkeit einzig ein Abführmittel am Platze wäre! Kopfschmerz und Schwindelgefühl, Llnlust zur Arbeit und Gereiztheit, Gemütsverstimmung, ja schwere Melancholie ist ost das Ergebnis der ^Nachlässigkeit in bezug auf diesen wichtigsten Teil der Magen-Reinigung. Damit Hand in Hand geht eine Blähung des Leibes, Ausstößen, übler Geruch aus dem Munde, Appetitlosigkeit und Brechreiz. Man nimmt ein Brechmittel ein, schön und gut — nur müßte man dem Wittel ein „Kehrt Euch" zurufen können, damit es in der anderen Richtung wirkt. So wird der Mensch matt, blaß und blutarm, verliert jede Llnternehmungslust und wird Hypochonder. „Da muh etwas geschehen", ruft endlich die besorgte andere Ehehälfte, und man einigt sich auf das neueste Wundermittel.. Unt> siehe, es wirkt Wunder, denn es ist ein — Abführmittel. So zeigt das Krankheitsbild der Stuhlverstopfung, wie wenig die Masse der Menschen zum Denken geneigt ist. Die Stuhlträgheit führt auch manchmal zu Darmkatarrhen, also zu Durchfällen: aber damit ist das Liebel nicht geheilt, der träge Darm wird damit nicht zu geregelter Tätigkeit erzogen. Katarrh ist immer eine Entzündung, und wenn diese Entzündung auf den Blinddarm und Wurmfortsatz übergreift, dann ist der Jammer groß und die drohende Lebensgefahr.kann oft nur durch sofortige Operation behoben werden! Wäre es da nicht klüger, wie für die Rahrungs- aufnahme, so auch für die Entleerung des Darms sich eine bestimmte Tageszeit festzulegen? Dann wären all die Krankheiten und Gefahren nicht entfernt so häufig, wie sie es jetzt sind. Auch hier ist es am leichtesten, die Darmuntätigkeit von vornherein zu verhüten. Wer sich gewöhnt, jeden Morgen nach dem Frühstück den Darm zu entleeren, der hat damit schon viel gewonnen. Lind wer sich schwer daran gewöhnen will, der kann die Sache fördern durch ein Glas kaltes oder warmes Wasser, das er beim Aufstehen nüchtern trinkt. Sollte auch das nicht genügen, so mag er eine Zeitlang etwas Karlsbader oder Bittersalz dem Wasser zusetzen, immer weniger, bis der Darm die richtige Dressur erlernt hat. Denn es ist in der Tat nichts weiter als Dressur und Llebung, eine Hebung, die dann sehr bald zur zweiten Ratur wird und an vielen Krankheitsklippen vorbeiführt. Moritz pasch. Gestern nachmittag wurde Geheimrat Moritz Pasch zur letzten Ruhe bestattet. Lange haben wir ihn den unseren nennen dürfen und doch werden wir ihn schmerzlich vermissen. Seiner hervorragenden wissenschaftlichen Leistungen ist an dieser Stelle und gestern an feinem Sarge gedacht worden, und sie werden von berufenen Fachgenossen gebührend gewürdigt teerten. 3d) möchte daher hier nur dem warmherzigen, lie» . benswerten Menschen einige Worte dankbarer '• Erinnerung widmen. 7 Jeder, der ihn auch nur flüchtig kennenlernte, mußte den Eindruck eines überaus liebenswürdigen Menschen gewinnen, ter so gar nichts aus sich machte. Hatte man das Glück, ihm näherzutreten und öfter mit ihm zusammenzukommen, so war man stets auss neue erstaunt über den feinen Humor, mit dem er über Menschen und Dinge sprach, ohne jemals zu verletzen. Das war um so bewunderungswürdiger, als er durch die zunehmende Schwäche seiner Augen ungemein gehemmt war, nicht bloß in seiner wissenschaftlichen Arbeit, sondern auch in jeder anderen Beziehung. Trotz ter vielen schweren Schicksalsschläge. die er noch im hohen Alter im engsten Kreise seiner Familie erleben muhte, behielt er seinen Kollegen und Freunden gegenüber imyrer dieselbe gleichbleibente Herzlichkeit. So wird sein Andenken bei allen fortleben, die ihn gekannt haben. Die Stydt Gießen kann stolz darauff sein, daß sie Moritz Pasch 60 Jahre lang als Bürger gehabt hat. F. Sngel. * Die Beisetzung des Geheimrats Pasch fand gestern nachmittag auf dem neuen Friedhof statt. 3u ter Leichenhalle ter Israelitischen Religionsgemeinte hatte sich eine zahlreiche Trauergemeinte eingefmrden, um dem Verewigten die letzte Ehre zu erweisen. Provinzialrabbiner Dr. Sander, ter mit dem Entschlafenen in langjähriger Freundschaft eng verbunden war, zeichnete in feinen Worten das Lebensbild des vortrefflichen Menschen, des sorgsamen Familienoberhaupts, treuen Freundes und hervorragenden Gelehrten, dessen Lebensschicksale vielfach ein wunderbares Heldentum offenbarten. Als Vertreter der Landesuniversität, der ter Entschlafene über 41 Jahre angehörte, sprach Se. Magnifizenz der Rektor Prof. Dr. Eger, ter u. a. hervorhob, daß Geheimrat Pasch durch seine Gelehrtenarbeit sehr wesentlich zu dem Emporblühen unserer Llniversität beigetragen habe. 3m Oiamen der Philosophischen Fakultät der Landes- universität sprach der Dekan Prof. Dr. Danse l o w, ter gleichfalls die hohe Bedeutung ter wissenschaftlichen Arbeit des Heimgegangenen hervorhob: beide Redner legten als äußere Dan- keszeichrn der Llniversität Kränze nieder. Sodann sprach ter Dekan der Naturwissenschaftlichen Fakultät ter Llniversität Frankfurt, der einen Kranz mit der Widmung „Dem Freunde, dem Vorbild" an der Bahre des Entschlafenen nieterlegte und dabei hervorhob, daß die Llniversität Frankfurt es sich zur Ehre anrechne, Pasch gelegentlich seines 80. Geburtstages jum Ehrendoktor ernannt zu haben. Hierauf gab tfjm die Trauergemeinte, in der man viele Freunde, Kollegen und ehemalige Schüler des Verblichenen bemerkte, das Geleit zu seiner letzten Ruhestätte, die er in dem Familienbegräbnis an der Seite seiner ihm im Tote vorausgegangenen Gattin gefunden hat. Daten für Freitag, 26. September. 1759: Graf Dork v. Wartenburg in Potsdam geboren: — 1815: Abschluß der Heiligen Allianz in Paris. Sarrasams Einzug in Gießen. Der Zirkus Sarrasani, der sein Unternehmen sonst auf eigener Achse von Stadt zu Stadt befördert, mußte zum Antritt seines Gießener Gastspiels diesmal die weite Strecke von der Schweizer Grenze zurücklegen, und zur raschen Bewältigung dieser großen Entfernung zwei Sonderzüge der Reich s b a h n benutzen. Wie man uns mitteilt, hatte jeder dieser Züge 130 Achsen (je etwa 65 Wagen). Die Kosten für diese beiden Svnderzüge belaufen sich nach den uns zugegangenen Mitteilungen auf rund 50 000 Mark. Der erste Sonderzug traf um 16.35 Llhr auf dem hiesigen Güterbahnhof ein. 3n den ersten Wagen befanden sich in bunter Zusammenstellung die Artisten, Angehörige zahlreicher Rationen, darunter Japaner, Chinesen, Indianer. Singha- lesen usw. Während sich diese Zirkusleute sogleich in die Stadt begaben, begann das Stallpersonal unverzüglich mit dem Ausladen der Tiere, deren Transport nach der Arbeitsstätte des Zirkus' auf dem Trieb von einer zahlreichen Menschenmenge betrachtet wurde. Das stärkste Interesse fand dabei der Clou der Tierschau, der Elefantentransport, zu dessen Unterbringung auf dem Zirkusplah das große Dtallzelt ter Elefanten mit schweren Bohlen unterlegt werden mußte. Geleitet von einem Heer von Wärtern und bestaunt von Tausenden von Einwohnern bewegte sich der Zug der Dickhäuter durch die Stadt nach dem Trieb und gab dabei «in eindrucksvolles Bild von der Gröhe des Sarrafani-Tierparks. Der zweite Sonderzug, der sechs Stunden nach dem ersten Zuge hier ankam, brachte das Cha- Pi t c a u (so nennen die Zirkusleute das große Rundzelt), die Siheinrichtung, die Requisiten und was sonst in vielerlei Gestalt noch zu einem Zirkusbetrieb gehört. Auf dem Platze an der Volkshalle herrscht schon seit gestern früh reges Leben. Seit dem Eintreffen der Tiere und Wagen kann man dort aber Hochbetrieb bemerken. In ter Telephon- zentrale Sarrasanis rasseln die Fernsprechglocken ununterbrochen, da geradezu eine Flut von Telephonanrufen zu bewältigen ist. Z. B. kommen von dem Landstraßentransport (neben den beiten Sonderzügen hat die Zirkusleitung noch etwa 50 moderne Autotransportzüge über die Landstraße nach hier geschickt) Fahrtberichte, weiter laufen Meldungen der Vorreisenten aus Bonn, der nach Gießen zu besuchenden Gastspielstadt, ein, vor allem aber melden sich viele Kartenbesteller, die sich in Erwartung einer großen Rachfrage nach Karten vorsichtshalber Plätze reservieren lassen wollen. Seit heute morgen ist in diesem gewaltigen Labyrinth ter Cirkusarbeit schon mehr Klarheit und mehr System sichtbar. Das große Rundzelt wird zur Zeit hochgebaut, etwa 90 Prozent aller Fahrzeuge sind bereits ein- getroffen, und der Fortgang ter Arbeit ist so flott daß man heute abend schon ein übersichtliches Bild von den vielseitigen Einrichtungen haben wird. Eine solche einzigartige Sehenswürdigkeit wie der Zirkus Sarrasani rechnet natürlich auch in starkem Maße mit dem Besuche aus den Provinzorten. Lim den Einwohnern in den kleinen Städten und in den Dörfern unserer Provinz den Besuch des weltberühmten Zirkusunternehmens verkehrstechnisch zu erleichtern, werden auf Veranlassung ter Zirkusleitung auf den Reichsbahnstrecken besonders günstige Zugverbindungen sowohl für Die Herfahrt, wie auch für die Rückkehr am gleichen Abend gefahren. Ferner sind auf den Kraftomnibuslinien Sonderfahrten vorgesehen, um die abseits der Bahnstrecke liegenden Orte bequem mit Sarrasani in Gießen in Verbindung zu bringen. Lieber diese Sonderfahrten sind Cinzelangaben aus einer besonderen Anzeige in unserem heutigen Blatte ersichtlich. Lieber die Verkehrszciten der Züge bzw. Kraftomnibusse erkundigt man sich am besten an Ort und Stelle. Aus der oberhessischeu Kommunalpolitik. Siädteauöschuß Zriedberg-Bad-Aauheim. Bad-Nauheim, 24. Sept. Der im vergangenen Jahr gegründete Städteausschuß Friedberg - Bad-Nauheim, der sich die Gemeinsame Lösung größerer kommunalpolitischer Aufgaben als Ziel gesteckt hat, hielt gestern unter dem Vorsitz von Bürgermeister Dr. Ahl hier eine Sitzung ab. Zur Besprechung stand u. a. die Frage der Errichtung eines gemeinsamen Schlacht- Hofes der Städte Friedberg und Bad- Nauheim, wozu die seit längerer Zeit aufgenommenen Vorarbeiten fortgeführt werden sollen. Weiter beschäftigte man sich mit der orts bau- planmäßigen Aufteilung des G e - l ä n d e s zwischen Friedberg und Bad-Nauheim, insbesondere mit der zukünftigen Bebau- ung der Kreis st raße, des kürzesten Verbindungsweges beider Städte. Der Städteausschuß erwartet dazu demnächst die Vorschläge der beiden Stadtverwaltungen. Anaeschnitien wurde auch die Frage eines gemeinsamen Sportplatzes, an dessen Schaffung man in Bad-Nauheim beson- ders interessiert gewesen wäre. Da aber Friedberg auf diesem Gebiet keinen Mangel aufzuweisen hat, besteht dort nicht das Bedürfnis nach Neuerrichtung einer gemeinsamen Sportanlage. Oer Wafferleitungs und Kanalisationsbau in Klein-Linden. g. Klein-Linden, 23. Sept. Wie schon kurz berichtet, hat ter Gemein de rat in seiner jüngsten Sitzung den Dau der Wasserleitung und Kanalisation mit Wasserleit ungsanschluh an das Retz der Stadt Gießen beschlossen und dafür einen Kostenaufwand in Höhe von rund 322 000 Mark genehmigt. Für die Entscheidung des Gemeinderates waren drei Gesichtspunkte maßgebend. Zunächst handelte es sich um die Bedürfnisfrage, die ter Gemeinderat bejahen mußte, da gegenwärtig nur ein Teil unserer Hausbesitzer Brunnen te* sitzt, von denen eine Anzahl übrigens kein einwandfreies Wasser liefert, während in einem anderen Teile unseres Ortes die Möglichkeit zur Erbohrung von Brünnen mit ergiebigem Wasservorrat nicht besteht. In diesem Zusammenhang ist auch auf den erheblichen Wassermangel im oberen Dors hinzuweisen und besonders zu beachten, daß bei Brandfällen ein genügender Wasservorrat nicht vorhanden ist. Ebenso zwingend wie die Schaffung ter Wasserleitung war nachgerade die Ausführung der Kanalisation geworden, da bei stärkeren Regenfällen in einem Teile des Dorfes ständig Lieberschwemmungen entstanden, weil das Regenwasser nicht genügend Ablauf hatte. Als zweiter Punkt war vom Gemeinderat die finanzielle Tragbarkeit der neuen Einrichtung zu prüfen. Auch in dieser Hinsicht konnte der Gemeinderat zu einem positiven Entschluß kommen, da die Ausführung der Arbeiten die Anerkennung als große Rotstandsarbeit erhielt, ferner ein Zuschuß von 30 000 Mark und ein verbilligtes Darlehen von 100 000 Mark bewilligt wurde, wodurch eine erhebliche Entlastung der Gemeindefinanzen gegeben war. Für den Zinsendienst und Wassergeld sind jährlich 27 780 Mark von der Gemeinde aufzubringen: auf die einzelne Familie umgerechnet, bei einem Stande von rund 500 Familien, ergibt sich im Jahre eine Belastung von je 55,56 Mark oder monatlich 4,63 Mark. Diese Belastung der Familien wurde als tragbar bezeichnet. Schließlich hatte der Gemeinderat noch die Frage der W i r t s ch a f t l i ch k e i t der neuen Einrichtung zu prüsen. Er kam hierbei zu dem Ergebnis, daß die Wasserleitungs- und Kanalisationsanlage nicht nur in hygienischer Beziehung ein großer Fortschritt sei, sondern auch die vermehrte Riederlassung von Gewerbebetrieben und größeren Zuzug von Einwohnern möglich erscheinen lasse. Aus allen diesen Erwägungen kam man zur Genehmigung der Dorlagen. Gemeinderat in Lich. D L i ch. 24. Sept. In ,ter jüngsten Sitzung des Gemeinderats wurde durch den stellvertretenden Amtsvorstand des Forstamts Lich ter Entwurf des städtschen Waldwirtschaftsplanes für 19 31 vorgetragen. Der Entwurf fand in allen Teilen die einmütige Zustimmung des Gemeinderats. Sodann beschäftigte man sich mit einer Einwendung gegen den städtischen Voranschlag für 19 30, die von dem Verein für Hantel und Gewerbe und dem Ortsgewerbrverein fristgerecht eingereicht worden war. Beite Vereine beantragten, das mit 30 000 Mk. vorgesehene Betriebskapital in Rubrik „Rechnungsrest auf 22 000 Mk. herabzusetzen. Der Vorsitzende nahm eingehend zu dem Einwand Stellung und stellte fest, daß dieser von zwei nicht rechtsfähigen Vereinen eingereicht und direkt an den Stadtvorstand gerichtet sei. Weiterhin seien beite Vereine im Sinne des Gesetzes nicht als Beteiligte anzusehen, da sic selbst zu den Gemeindeumlagen nicht beitrügen. Der Gemeinderat trat ter Stellungnahme des Vorsitzenden, die erhobene Einwendung als formell unzulässig zu erklären, einstimmig bei. Eine vorsorgliche Abstimmung über den materiellen Inhalt der Einwendung, der gleichfalls von dem Vorsitzenden eingehend beleuchtet worden war, ergab Ablehnung des Antrages mit 10 gegen 4 Stimmen. Durch die vor längerer Zeit erfolgte Llmspan- nung des elektrischen Ortsnetzes ist auch eine Lieberholung der S t r a h e n b e l e u ch - tungsanlage erforderlich geworden. Eine örtliche Besichtigung Durch den Gemeinderat habe vor einigen Tagen stattgefunten. Es wurde beschlossen, den Aenderungen zuzustimmen und den daraus sich ergebenden Kostenanteil auf die Stadt zu übernehmen. Sodann führte der Vorsitzende aus, daß in dem Gebiet zwischen Iahnstrahe und Kreuzweg entlang ter Gießener Straße durch Llmlegung mehrere Grundstücke baureif gemacht werten könnten. 3n das in Frage kommende Gelände teilen sich neben ter Stadt Lich noch zwei Eigentümer. Er legte einen entsprechenden Plan vor und erläuterte die beabsichtigte Aufteilung. Der Gemeinderat erklärte sich mit den Vorschlägen einverstanden und ermächtigte den Bürgermeister, mit den weiteren Eigentümern in entsprechende Verhandlungen einzutreten. Bornotizen. — Tageskalender für Donnerstag. Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: „Es gibt eine Frau, die dich niemals vergißt". — Astoria-Lichtspiele: „Die Präriefalle" und „Die Nacht nach dem Verrat". Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Käse 10 Stück 60 bis 1,40; Butter Pfund 1,60 bis 1,80; Matte 30 bis 35; Wirsing 8 bis 10; Weißkraut 6 bis 8; Rotkraut 10 bis 15; gelbe Düben 10 bis 12; rote Rüben 10 bl8 12; Spinat 15 bis 20; Bohnen 15 bis 20; Llnter-Kohlrabi 6 bis 8; Feldsalat 1,00 bis 1,20; Tomaten 10 bis 20; Zwiebeln 10 bis 12; Meerrettich 50 bis 60; Kürbis 8 bis 10; Kartoffeln 4 bis 41/,; Fall- äpfel 8 bis 10; Aepfet 20 bis 35; Birnen 15 bis 30; Dörrobst 30 bis 35; Zwetschen 20 bis 25; Pfirsiche 40 bis 70; Brombeeren 40 bis 45; Dreitzelbeeren 45 bis 50; Honig 40 bis 50: junge Hähne 1,00 bis 1,10; Suppenhühner 1,00 bis 1,10; Rüffe 50 bis 60; Tauben Stück 50 bis 70; Eier 13 bis 14; Blumenkohl 30 bis 70; Salat 10 bis 15; Salatgurken 10 bis 20; Einmachgurken 2 bis 4; Endivien 10 bis 15; Oier- Kohlrabi 6 bis 8; Lauch 5 bis 10; Rettich 10 bis 15; Sellerie 10 bis 20; Radieschen Bund 10 bis 15; Kartoffeln Zentner 3,50 bis 3,80. * •* Von de r Landesuniversität. Ernannt wurde der außerplanmäßige außerordentliche Professor Dr. Harald Geppert in Gießen zum außerordentlichen Professor für Mathematik an ter Landesuniversität Gießen mit Wirkung vom 1. Oktober an. •• Werbetag desStadttheaters. Aus dem Stadttheaterbursau wird uns geschrieben: Die 3ntendanz hat zur musikalischen Llmrahmung deS Werbetages des Stadttheaters Gießen am nächsten Sonntag den Orchesterverein Gießern unter Leitung von Dr. Temesvary gewonnen. Zur Aufführung gelangt der 1. Satz der Jupiter- Sy mphonie von Mozart und die Freischütze Ouvertüre von Weber. Die Veranstaltung beginnt um V212 Llhr. “ Straßensperrung, mitgeteilt vorn Ober hessischen Automobilklub, e. V., (21. v. D.), Gießen: Die Provinzialstrahe Mücke—Lau- bad) zwischen Flensungen und Stockhäuser Hof wird vom 27. bis 30. September für jeden Verkehr gesperrt. Umleitung erfolgt über Ils- dorf—Klein-Eichen. ** Die Gießener Herbstmesse (Iu- biläums-Herbstmarkt) findet vom 28. September bis 5. Oktober statt. 3n unserem heutigen Anzeigenteil laten die Schausteller zum Besuche ein. ** Preisgekrönte Gießener Tanz, paare. Man berichtet uns: Bei dem in Bad-Nauheim stattgehabten Tanzturnier um die Westdeutsche Meisterschaft konnte der Tanzklub „Not-Weiß" Gießen abermals zwei Erfolge in der E-Klasse erringen, und zwar Herr Laberenz mit Frl. Wehrum den 2. Prew Herr Kobel mit Frl. Schupp den 3. Preis. ** Karambolage zwischen Motorrad und Auto. Heute vormittag fuhr auf der Landstraße nach Krofdorf vor dem Llmspannwerk Wenn Ihre Empfehlungsanzeige in der Freitags- oder in der Samstagsnummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung werben soll dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags in der Geschäftsstelle auf «in Motorradfahrer auf ein Personenauto auf, das aus dem Grundstück des Llmspannwerkes herauskam. Bei dem Zusammenprall erlitt der Motorradler zum Glück nur leichte Verletzungen, weiteres Llnheil ist erfreulicherweise nicht entstanden. •* Einbruch. Wie der Landeskriminalpolizeistelle in Gießen gemeldet wurde, ist in der letzten Rächt in der Gastwirtschaft „Zur Sonne" in Vilbel ein größerer Einbruch verübt worden. Gestohlen wurden Zigarren, Zigaretten, Kleidungsstücke, eine Schreibmaschine und Bargeld. Rähere Einzelheiten über den Einbruchsdiebstahl sind zur Stunde hier noch nicht bekannt, da die Kriminalpolizei zur Zeit der Riederschrift dieser Zeilen noch mit den Ermittlungen an Ort und Stelle beschäftigt ist. ** D i e Hasenjagd in Preußen. Nach den Bestimmungen der preußischen Jagdordnung endigt die Schonzeit für Hasen am 30. September, so daß der 1. Oktober der erste Iagdtag ist. Die Jagdzeit (Schußzeit) endigt mit dem 15. Januar 1931. Sängertag -es Gaues Wetterau. r Friedberg, 23. Sept. Im Hotel Trapp Hierselbst sand am Sonntag der Sängertag des Gaues Wetterau statt, zu dem von den zugehörigen 46 Vereinen 37 Vertreter entsandt hatten. Der Gesangverein „Liederkcanz" Friedberg leitete die Tagung mit dem Deutschen Sängergruß und mit zwei Chören ein. Hierauf begrüßte der Gauvorsihende Schenk, Melbach, die zahlreich erschienenen Sänger, unter ihnen besonders den Vertreter des Hess. Sängerbundes, Rüdiger, Wetzlar. Anschließend erstattete er den Jahresbericht. Daraus ist besonders hervorzuheben, daß im letzten Halbjahre wieder drei Vereine neu beigetreten sind. Er gedachte in warmen Worten des verstorbenen Dirigenten Hildebrandt, Steinfurth, dessen Andenken in üblicher Weise geehrt wurde. Bei den größeren Veranstaltungen des Gaues (eine Sängerfahrt nach Vilbel und den Jubiläumsfeiern in Södel, Ostheim und Reichelsheim), die mit Wertungssingen verbunden einen guten Verlauf nahmen, konnten eine große Anzahl Sänger geehrt werten. Sodann erstattete ter Gaurechner, Gönner, Södel, den Kassenbericht, dem zu entnehmen war, daß der Gau sich in wohlgeordneten finanziellen Verhältnissen befindet. Rach dem Bericht ter Rechnungsprüfer wurde dem Rechner einstimmig Entlastung erteilt. Dann folgte eine Anzahl Anträge. Eine lebhafte Aussprache entfachte dabei der Antrag über Organisationsfragen. Der Jahresbeitrag wurde auf 1 Mark festgesetzt. Für Gauvorstands- mitglieder wurden Tagegelder angeseht. Der Buntessängertag des Hess. Sängerbundes tourte für das kommende Jahr nach Dad-Rauheim beantragt. In den Vorstand wurden wiedergewählt: Schenk, Melbach, als 1. Vorsitzender; Reichwein, Ober-Roßbach, als Stellvertreter; Gönner, Södel, als Rechner; Breidenbach, Hoch-Weisel, als 2. Schriftführer; L o 11 i g, Steinfurth, und Bingel, Grüningen, als Beisitzer. Reugewählt wurden: Michel, Friedberg, als 1. Schriftführer und Galle, Bad-Rauheim, als Beisitzer. Der nächste Gausängertag soll in Ost- Heim bei Butzbach ftaltfinten. Zum 75. Bestehen ter „Eintracht", Friedberg- Fauerbach am 14. Juni 1931 wird eine größere Gauveranstaltung in Gestalt von mehreren Massenchoren und einer Ansprache geplant. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Religionsgesellschaft. Sabbatfeier den 27. September. Freitagabend 5.45 Uhr; Samstagvormittag 8, Predi gt; nachmittags 4; Sabbat» ausgang 7 Uhr. — Wochengottesdienst: morgens 5.30, abends 5.30 Uhr. »euwfuroäkUHnach.dem SHELL-FÜHRER • fürdk Schmierung Z SHELL > AUTOOELE 1 spätestens Im 'Ziehungsweise :hifl88telle auf de* Sams^ nzeigers durch ►atzausstattung M- M 5 W’.gabfot* SS* <*«* [Vtilf . ii^4^ todbi,. au- **< L Ä !n«t In. p l*n 3. Ural? 5n »»iS A°°i im 'Um‘i>onnto^ Veiieroll. m 5M Ittpt) t 6ängttiQ8 ilt, zu hm von Z Vertreter Latin .Lirdrrkranz" it dem Scutslhan ren ein. sitzende Schenk, m Sänger, unter es Hess. Sänget- Anschließend er* cht. Daraus ifi im letzten Halb* beigetreten w- ten des verstör* nbt, Stemsurch, i|e geehrt wurde, ngen des Saues und den Iubl- n und Reiches verbunden einen i eine große 2n* chner, Sönner. , dem zu <™* x» dem Rechner «träge. $ne M der Antrag er Iahresbeckag ^Tauvorsta^ - angelet)1- Dad-Rauhtt-n be «"LÄkk fSw U ,u , , soll in 9^* ki SSÄ** rlontnaulo aus, pannverfes her^ I erlitt der M« e Derletzungen. »eise nicht ent* 'kriminalpoluei« ist in der letz* „3ur Sonne" ch verübt wvr« en, Zigaretten, chine und Darben Einbruchs« noch nicht be* ir Zeit der Tic- . lit den önnitt* ästigt ist. ußen. Nach den igborbnung endigt September, so daß ist. Die Jagdzeit nuar 1931. schob sich der Ansatz des Halses, auf dem ein Nachdruck verboten. 22 Fortsetzung. der Helene Chlodwigs Schuld und Sühne. Vornan von I. Schneider-Zoerfil. Urheber-Rechtschutz durch Verlag Oskar Meister. Werdau L Sa. ergebener Hilflosigkeit blickten die Artgen des Kranken zu Franke empor. „Möchtest du so gerne ein wenig an die Sonne, mein armer Junge?" .Wenn cs möglich ist, ja, Vater! — — Aber eS must nicht sein", setzte der Knabe rasch hin- zu. als er das Zögern desselben gewahrte. .SS ist auch so ganz erträglich." .Der Vollstuhl ist noch nicht gekommen", meinte Franke gedrückt, .aber wenn cs dir nicht zu große Schmerzen verursacht, trage ich dich hinunter. Die Großmama bettet dich in den bequemsten Stuhl im Dorten." „llnb Just darf sich mit seinem Bilderbuch zu mir setzen und die Schwestern mir ihre Handarbeiten zeigen? — 3a. Vater?" — „3a“. sagte Franke gepreßt, sah forschend in das Gesicht seines Aeltesten und fühlte die Wangen rot werden. Ahnte oder wußte Hubert, daß er um seinetwillen die Geschwister vernachlässigte und sie jeder Sorge und Liebe entbehren ließ, so dost nur noch die Großmutter ihre schützende Hand über sie breitete? Sorglich in Decken gehüllt, lag der Kranks in dem Duhestuhl, den ihm die Geheimrätin unter dos Geäst eines mächtigen Apfelbaumes geschoben hatte. Franke stand daneben und zeigte nach den Vergen, die in unnatürlicher, grünblauer Färbung herüber grüßten. Aber die Knabcnaugen irrten sehnsüchtig von den Vergen ab und suchten durch dos Gesträuch, das sich in der Umzäunung hinstrecktc. Als Franke ins Haus ging, um dringende Korrespondenz zu erledigen, lockte seine Stimme durch den Garten: „Irrst!" — Zwischen den Vüschen raschelte es. Gin dunkler Kopf lugte scheu nach allen Seiten. „3uft!‘7 lockte Huberts Stimme weiter „Lieber 3ust l" - Der Kleine kauerte noch immer zwischen dem schützenden Strauchwerk und äugte verschüchtert zu ihm herüber. „Komm!" bat eine tränenerstickte Stimme. Der schmächtige Körper kam vorsichtig über den Dosen herzugeschlichen. 3mmer wieder glitten die Augen noch dem House hinüber, wo die Fenster so lusthungrig weit offen standen. 3etzt war er ganz nahe. Zwei Aermchen klammerten sich um die Füße des großen Druders. „Vater darf mich nicht sehen, sonst schlägt er mich wieder!" „Hot er dich schon einmal geschlagen, 3ust?" „Schon oft! — 3ch — bin ja schuld — daß du — so krank bist! 3ch habe dich ja gebeten, meine Toten zu begraben." „3uft!“ Huberts Stimme war schreckgelähmt. „3ust!" stammelte er noch einmal, vom Uebermaß des Mitleids erschüttert. Dotlos sah der Kleine die herabperlenden Tropfen, die unaufhaltsam über die farblosen Wangen des großen Bruders rollten. „Wenn du weinst, schlägt er mich tot", warnte er verängstigt. „Ich hole mir ein -Taschentuch von Großmama. Das meine ist nicht mehr ganz sauber. Damit wische ich dich —" Weiter kam den strcnggeprögten Winkel des Mundes, über dem trotzigen Kinn in weißer Prägung stampfend die silbernen Sch-enen entlang. Helene schob die Kupeetüre auf und sah den Gong hinunter, erblaßte und trat wieder in das Abteil zurück. Die schwarze Kutte eines Mönches stand ein- acfeilt zwischen drei Herren am Fenster des Korridors. Aus dem hochgeschlossenen Kragen ruhte. Gs erschien ihr plötzlich etwas Ungeheuerliches, was sie zu tun im Begriffe war. Wenn Umbert ihr mit dem gleichen Gesichte, wie sie es jetzt vor sich sah, entgegentrat? — — Wenn er keinerlei 3nteresse mehr für sie aufwieS? Auch nicht für den Sohn, der feines Blutes war? Sie würde die Hände zu ihm aufheben und er würde ihr entgegnen, daß cs dos Kind des anderen fei, dem sie seit siebzehn 3ahren Weib war. Sie konnte doS Gesicht nicht mehr sehen. daS noch immer in steinerner Ruhe, den Blick geradeaus gerichtet, vor ih^er Tür stand. Ein Aufatmen hob ihre Brust, als Bewegung in die Masse kam und der Mönch nach vorwärts geschoben wurde. Eie stieg als letzte über das Trittbrett und gab dem nächsten Gepäckträger, der mit den Armen eines Polypen auf sie z'.-schoß, ihren Handkoffer und den Passagierschrin. Einen Tag wollte sie in Dom bleiben. Einen einzigen kurzen Tag! Sie fühlte nach der TraumwirmiS dieser Dacht und noch der Anstrengung der langen Deise doS Bedürfnis, sich für den Gang noch Sonklo dello Trovestorc zu stärken. Sie durfte nicht als eine halb Ohnmächtige, Geschwächte bei ihm versprechen. Was sic für den Sohn erbitten wollte, beanspruchte ihre ganze Kraft. Stark wollte sie sein, wie ein Berg, auf dessen Schultern man allcS häufen konnte, wenn dafür nur die Menschen, die in seinem Schatten wohnten, von jeglichem Unheil verschont blieben. Em Kraftwagen setzte sie zwanzig Minuten später vor dem Portal des Park-Hotels ob. Der Lift hob sie nach dem zweiten Stockwerk, vor dem dos Grün der Bäume geweitet lag. Abgehetzt, mit hämmernden Pulsen, fiel sie auf den Divan. Aber die Unruhe ließ sic nicht lange bleiben. Eie wusch sich, kleidete sich zum Ausgehen fertig und verließ noch einer Stunde daS Hotel, um in der großen Stadt etwas Zerstreuung zu suchen. Was das Morgen brachte, wußte sie nicht. Dur das Heute gehörte ihr. Doch log ein Dachmittag und eine ganze Dacht vor der großen Entscheidung, die sie wie ein Gotteswunder erwartete. * * * - „Vater, macht es dir sehr viel Mühe, wenn du mich etwas ins Freie bringst?" 3n rührend Do» Kupee schaukelte sacht im Gleichest der Däder. Hinter der Riesenscheibe des Fensters lauerte die Tücke der Dacht. Gegen Morgen erwachten Stimmen. .Suren schoben sich auf. Füße schlürften dahin, treuer drückte Helene den Kopf zurück. Da» Hetzen der Maschine verringerte sich, während die Unruhe auf den Gängen zunahm. Man näherte sich Torviso. Wie oft war sie diesen Weg gefahren in lachender Lust neuen Triumphen entgegen. Heute glitt sie an Venedig vorbei, der Stadt der goldenen Gassen, hatte kein Auge dafür, wie die Lagunen sich mit dem Golde der aus- gehenden Sonne verbrämten. Lichter waren wie sprühende Ampeln weithin am Horizont aufgeregt. Todmüde von dem Hämmern der Gedankpn upb der Last deS feit Wochen abgehetzten Leibes schlossen sich ihre Augen. 3n wilder, jagender $aft tanzten die Träume einher. Petratinis Arm preßte wie Schrauben unb zwang sie, ihm zu willfahren. - Frankes Lippen glitten in sachter Liebkosung über sie hin, während Averfon ihr behutsam die Tränen von den Wimpern tupfte. Dazwischen klang das Lachen der Töchter unb da« Wildwestgeschrei des kleinen 3ust. — Und in all das hinein ein Stöbnen: „Mutter — wird das nun immer so bleiben?" Sin bleiche«, vom Schmerz gezeichnetes Kna- benantlih lehnte sich gegen ihre Schulter. Ein abgehärmter Leib drängte sich. Zuflucht heischend, an den ihren. „Mutter! — Ach Mutter, für wen büße ich solche Schuld?" Der schweißgebadete Frauenkörper schob sich zur Seite, um dem Sohne Platz zu machen, der sich hilfesuchend an sie schmiegte. Zwei weiße Hände tasteten inS Leere. „Hubert!" Helenes Lider taten sich auf. Ungläubig starrten die Augen in die glitzernde Helle, die durch die Fenster brach. Sie sah nach der Uhr an ihrem Handgelenk. Eine halbe Stunde noch, dann mußte man in Rom fein. 3n halber (Betäubung stellte sie die Füße zu Boden unb begann Toilette zu machen. Goldene Pfeile kamen durch die etwas verstaubten Scheiben geflogen und verfingen sich in ihrem Blondhaar, zitterten über den ovalen Spiegel hin, und spiegelten sich in den Ringen ihrer Hand, die eilig an dem Verschluß des Kleides nestelte. Draußen, in der Enge des Korridor«, schoben sich die Reisenden vorüber. Sprachen schwirrten durcheinander. Doch immer schaukelten die Räder und liefen durchgeistigter Kopf ruhte. Sie vermochte nur das Profil zu sehen. Den kühnen Schwung der Olafe, die schwache Duchtung der Wangen und er nicht Mit einem Laut des Schreckens Kef er über den Rasen zu den Sträuchern hin, verschwand und kam nicht mehr zum Vorschein. .Was ist?" Franke hob da« tränenüberftrömtc Gcficht seines Aeltesten mit sachter Hand empor. „Bist du so unglücklich mein lieber Junge?" .Ich möchte sterben, Vater!" DaS Männergeficht erblaßte jäh. .Vor Tagen noch sagtest du, es wäre dir höchstes Glück, bei mir zu fein.“ „Das war vor Tagen, Vater! — 3etzt möchte ich sterben. Du bist doch Arzt! Hast km kein Mittel, da« mich erlöst?" Aus FrankeS Stirne perlten die Tropfen. DaS Blut wich au« den Adern zurück nach dem Herzen unb ließ ihm die Finger in Eiseskälte erstarren. „Und ich? - An mich denkst du nicht?" „ES ist besser für dich wenn ich tot bin! Diel besser. Vater, glaub mir « doch!" Die Knaben- hände drückten sich verzwe.s:lt ineinander. „Sobald ich nicht mehr lebe, bat alles andere wieder» Wert für dich Aber solange ich atme, bin ich für dich nur Stein, der dich mit seiner Schwere zu Boden drückt. - 3st es nicht so?" „Dein, Kind! Du und ich, wir beide —" Die Stimme der Gcheimrätin rief aufgeregt herüber und ihr Winken mahnte zur Eile: „Helene ist am Telephon'" Franke lief ins Haus. Don der Ecke der Umzäunung spähten vier M^dchenaugen nach dem Bruder herüber. Zaghaft fetzten sich die Füße in Bewegung. „Er wird uns nicht fressen!" lachte Hella gequält. „Wie häßlich!" mahnte Sabine.. „Ich habe den Vater gemeint." Die Fünfzehnjährige warf den Kopf zurück und ging auf den Lehnstuhl zu. Dabei vermied sie es, nach dem Haufe zu sehen und hielt den Blick nur auf den Kranken gerichtet. „Geht es jetzt beff-'r. lieber Bert?" Sie neigte das schöne Gericht und legte cS gegen das verhärmte des Bruders. Ihre Hand strich zaghaft über seine blut- und fleischlos gewordene. Er fühlte, wie etwa- auf feine Wange, herabtropfte und hob den Blick zu ihr auf. „Weinst du um mich, Hella?" Sie nickte verzweifelt. „Hat dich Vater auch geschlagen, wie Just?" Sie schüttelte den Kopf und preßte das Schluchzen zurück. Sabine, die Jüngere, kniete im GraS und drückte das Gesicht gegen die Decke, die seine Füße umspannte. Ihr Mund koste darüber hin. Das Knabengesicht verfiel wie das eines 61er- benden. „Hätte ich mich doch zu Tode gestürzt." „Tert!" Sabines Hand klammerte sich um seine Schenkel und fühlte die Leblosigkeit derselben. In Grauen und Mitleid zugleich glitten ihre Finger davon ab. „Sag so etwa« nicht wieder! Die wieder. Bert, sonst wird uns daS Leben zur Hölle. Diernand hält e« mehr au8 bei ihm. Die Mutter ist auch nur deshalb gegangen, weil ihr daS Dasein unerträglich wurde." „Das wußte ich nicht", sagte er tonlo«. (Fortsetzung folgt.) _ --- - --------—-------------- ____ - —------——. —_ . . 1—___________ - VIM .säubert rasch das ganze Haus . - i X VIM streuet Glanz und Frische aus ! \ ' 1 \ DOPPELDOSE 50 PEG NORMALDOSE 30 SUNLICHT GESELLSCHAFT A.G. MANNHEIM - BERLIN £ 65c9D Das Personal der Firma Kaisermagazin. Gießen, den 25. September 1930. Am 23. September verschied plötzlich unser hochgeschätzter Chet Herr Karl Mahnkopp Er war uns stets durch seinen selbstlosen Charakter,, durch seine freundliche Anteilnahme ein leuchtendes Vorbild. Wir werden ihm für alle Zeiten ein ehrendes Gedächtnis bewahren. Er ruhe in Frieden. Sfflneltoiöi nimmt noch Kunden nn in und außer dem Hause. Zu ertragen L der Gefchst. deS Gß. «ni 05908 KleinerHund zugelaufen 05920 Kaiierallee 35. Zl5.Okt/\ I 1 Beginn neuer Kurse | Vogtsche \ Handelsschule Gießen \ Ooethestraße 32 i •tutzen Geringwertige Druckeechen eoheden meh. TH 05760 zeichneten Liaurdator melden. Tte Ziegelstein-Verkaufsstelle Gießen G. m. b. H. in Gießen ist gemäß Beschluß der Gesellschafter vom 6. 6.1930 ausgelöst. Tte Gläubiger wollen stch bei dem unter- Ad. Steinmetz, Liouidator der Ztegelstem-Verkaufsstelle Gteßen G. m. b. H« Westanlage 39. Nur die beste Drucksache neben der Zeitungsanzeige kann Ihre Werbung wirkeam untere Ist die billigste! Wir beraten Sie. Wir entwerfen. Wir drucken gut. BrOhl’sche Druckerei, Oleßen, Schulstraße 7, Anruf Nr. 2251 Verwandten, Freunden und Bekannten die schmerzliche Mitteilung, daß unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Ludwig Dech, Weißhindermeisler gestern im 68. Lebensjahre sanft entschlafen ist. Wieseck, Herborn, den 25. September 1930. Die trauernden Hinterbliebenen: Lina Dech Heinrich Dech und Familie Karl Dech und Familie Gustav Dech und Familie Wilhelm Dech und Familie Ernst Dech. Die Beerdigung findet Freitag, den 26. September, nachmittags SVi Uhr vom Sterbehaus, Wieseck, Kirchstr. 26 aus statt 6563 o Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: BaupOdWMNeh e. G. m. b. H. Einladung zur Hauptversammlung auf Snmwtag, den 4. Oktober 1930, abendR 8 Uhr, Im Gewerkechafte- hanse, Schanzenstraße. [6565D Tagesordnung: Satzungsänderung. Der Vorstand und Anfslchtsrnt. ProviüODSvertreler für den dortig. Bezirk von sehr lelstungS» fähiger Großhandlung in Dekorations-und Möbelstoffen, Drellen ufro. gesucht. Offerte unter E, 1814 an Ala Haasensteln A Vogler. Mannheim.16556V Bekanntmachung. Herr Karl Mahnkopp Inhaber der Firma Kaiser-Magazin. Frau Else Mahnkopp Oskar Mahnkopp. Gießen, den 25 September 1930. Die Beerdigung findet Samstag, den 27. September, vorm. 11 Uhr, auf dem Neuen Friedhof in Gießen statt Von Beileidsbesuchen bittet man abzusehen. Am 23. September verschied in Steinheim i. W. infolge eines alten Kriegsleidens plötzlich und unerwartet im 48. Lebensjahr mein innigst- geliebter Mann und treusorgender Vater, mein lieber Sohn, unser treuer Bruder, Schwager und Onkel 6566 65580 Allen A. H.. A. H. und Bbr, Bbr. die traurige Nachricht, daß unser Heber A. H. Prof. Br. Friedrich Scriha aktiv 1872—1874 in Darmstadt sanft entschlafen ist Stud. Reformverbindung „Adelphia" i. V. D. B. L A-d. C. Alfred Strack XXX Gießen, den 25. September 1930. ntJ Bei unserer Auswahl ist Ihnen jeder Einkauf leicht gemachtl Nur Qualitätsware ist billig I Nur Qualitätsware schönen Farben Mk. Jugendliche Tweedkleider F 2650 Mk. gemusterten Stoffen Mk. kragen, bis Größe 48 Mk. 1450 48°° same Machart Mk. füttert, moderne Farben Mk. 1975 Kragen und Manschetten Mk. 2975 liehe Form Mk. Abb. 3 Mk. 4.95 Mk. 6.90 Mk 7.90 Mk. 9.75 Abb. 1 HAN finden Sie Gießen 6653 A IM Kaufhaus Seltersweg (llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll ff. 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Oktober 1930 , 3.UM Schau- und BcrkausSmarkl (Messe), der diesmal auf ein lOjabrtfleö Bestehen Aurürfblirfen kann, sind ans C8- walddaarten folnenbe Geschäfte eingetroffcn Sluto Tunnclbabn, Russische Schaukel, Kinder Nadfabr- schulc, Dovvel-Karussell. Schtffschaukel, Schieffbuden, Variete, NllumonS- und Abnormitätenschan, Hivvvdrom, Lnstiae Tounen, Erotische Tierschau, Affen-Arena, Wassel- bätkerci. AlveubauS sowie Berkauiostände aller Art. Marktzeit: Werktaaövon U bis 22 Ubr Sonutaad von 14 bis 22'/, Ubr m L^^"^ussbudcn gelten die Bestimmungen über d.e Geschäftszeit der offenen Ladengeschäfte- an den Messe-Sonntagen ist die Verkaufszeit von 14 bis 19 Ubr festgesetzt 6% r-uijch, »on 1327 MA, tum 1929 WSo ■ÖSf l^-nlünl '« iuan|| süt Vimdn, 'XliiiL Elegante Damenmäntel rnnn aus prima Velour Longe, mit reicher Pelzgarnierung (wie Abbildung2), Mk. " V Reklame-Herbstmäntel nnnn aus allerb. Velour u.Marengo, neuste RH Verarb., m. gr. Pelzkr. (wie Abb.3), Mk. MM V Moderne Damenmäntel nQ75 Pelzkragen aus amerik. Opossum, »1 *1 ganz gefüttert (wie Abbildungl), Mk. W W in « 2lu Mchrich' stosst 21®. in1 einW den und Derlen dienst w zeichnet., oder tr beiden seien. ♦ ffie schelt & W niitz g< 500 ärbf die Entlc sie in bei Maßnahr Neichsbaf programn waren. 3 2300 Ma nicht geh eines,mi kommiisa Betriebs’ ♦ Ne deutsche Wehem Station 1 Kartoffellieferung. Die Lieferung des Winterbedarfs an guten, haltbaren, ausgelesenen, lagerfähig gen Speifekarloffeln, und zwar: 6481D 1 für die Medizinische, Frauen- und Haut- kliniken 800 Zentner; 2 für die Chirurgische Klinik und die Klinik für Ohren-, Nasen- und Halskranke 500 Zentner; 3 für die Augen- und Kinderkliniken 300 Zentner. 4 für die Klinik für psychische und nervöse Kranke 500 Zentner ist zu ö?n eben. Angebote nebst Mustern sind an die Verwaltungen der einzelnen Kliniken, woselbst auch die Lieferungsbedingungen ein. gesehen werde können, bis zum Montag, dem 29. September 1930, vormittags 11 Uhr, einzureichen. Die Lieferungen können auch geteilt vergeben werden Zuschlagsfrist drei Tage. Gießen, den 19. September 1930._______ Wissenscnaftliche Werke Sondergooiet uer Brühl'schen Druckerei ■- 0/ Abb. 2 Seltersweg 46 Telephon 2627 Reinigung Braubach sFischer Wir reinigen und färben Ihre Anzüge, Kleider,Gardinen,Teppiche usw. A und Sie sparen das Geld für Neuanschaffungen ■ Nr. 224 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für OberlMn) Donnerstag, 25. September (930 Wirtschaft. 'Arbeiterentlassungen in den We- sterwälder Quarzitgruben. Nachdem Die Ton- und Dasaltindustrie des Westerwald in ton letzten Monaten Arbeilerentlassungcn vor- genommen hatte, beginnen jetzt auch die Quarzitgruben dcS Wcsterwalees insolge Absatzstockung die Betriebe einxuschrLnkcn und Arbeiterentlassungen vorzuneymen. 3n t>erfä>ie^nen ^uat' zitgruben hat man bereit- den Arbeitern zum TeU gekündigt, in anderen Betrieben sollen die ganzen Deleglchaflen zur Sntlalsung kommen. Diele Maßnahmen sollen bereits am 1. Oktober in Kraft treten. • AuS dem Glanz st offkonzern. Line Nachricht, nach der die Werke der neuen Glanz- stosswerkc AG. in BrcSlau und der Spinnfaser AD. in Elsterberg, die durch Fusion aus die Vereinigten Glanzstossabriken ubergcgangen sind, wahrscheinlich ganz oder teilweise stillgelegt werden und starke Detriebseinschrankungen bei beiden Werken erfolgt seien, wird dem WTD.-HandelS- dienst von maßgebender Seite als unrichtig bezeichnet. Es lei nicht beabsichtigt, die Werke ganz oder teilweise stillzulegen, ebensowenig wie in beiden Werken Detriebseinschränkungen erfolgt seien. • Weitere Einschränkungen bei Hen- s ch e l & Sohn AG. Kassel. Der von Henschel & Sohn AG., Kassel, beim Demobilmachungskorn- missor gestellte Antrag aus Entlassung von weiteren 500 Arbeitern ist genehmigt worden. Zum Teil sind die Entlassungen bereits erfolgt, zum Teil werden sie in der nächsten Zeit durchgeführt werden. Diese Maßnahme ist darauf zurückzuführen, daß von der Reichsbahn Aufträge für den Rahmen des Jahres- Programms von 100 Lokomotiven nicht zu erlangen waren. Der jetzige Stand der Belegschaft beträgt 2300 Mann. Boraussichtlich wird auch dieser Stand nicht gehalten werden können. Zur Vorbereitung eines weiteren Antrags beim Demobilmachungs- kommiffar haben bereits Besprechungen mit dem Betriebsrat stattgefunden. • Neue Mehlpreissenkung. Die Süddeutsche Mühlenvercinigung hat den Preis für Weizenmehl Spezial 0 um 0,25 Mark per dz ab Station ermäßigt. frankfurter Börse. Frankfurt a. Hl., 25 Sept. Tendenz: schwach. Die Erholung des Kursniveaus war bereits gestern abend zum Stillstand gekommen. Die heutige Börse sah sich plötzlich wieder verstärktem Angebot gegenüber. Die Tendenz erfuhr eine allgemeine wesentliche Abschwächung. Die morgige Prämienerklä- rung veranlaßte die Spekulation zu Glattstellungen. Auch sprach man davon, daß verschiedentlich Exekutionen vorgenommen worden seien. Die weitere Besserung deutscher Werte an den Ausland- börsen konnte der Tendenz keine Stütze bieten. Das Fehlen jeder 3n.erventionstätigkeit und die allgemeine Aufnahmeunlust war die Ursache für Kursabschläge, die mehrfach über 5 ?) rozent hinausgingen. Starke Kursver- uste erlitten wieder Kaliwerte. Salzdetfurth büßten 13,25 Proz., Westeregeln 7,5 Proz. ein. Am Elektromartt waren Siemens stark angebolen und 7,5 Proz. schwächer. Cessürel gaben 1,5, Schildert 4 Proz. nach. Größere Kursverluste ha ten ferner Farben, die 4,5 Proz. niedriger eröffneten, Deutsche Linoleum, mit minus 6,5 Proz. und Karstadt, die 4,5 Proz. einbüßten. Am Montanmarkt lagen Gelsenkirchen 1,5, Rheinische Brauntohlen 3,5 und Rheinstahl 4 Proz. schwächer. Bankaktien verloren etwa 1 bis 1,5 Prvz., während Deutsche Erdöl, Rütgerswerke, Metallgesellschaft und Bemberg 2 bis 3 Proz. nachgaben. Deutsche Anleihen waren ebenfalls schwächer. Ausländische Renten still. Pfandbriefe waren überwiegend angeboten. 3m Verlaufe neigte die Tendenz bei stiller werdendem Geschäft zur Schwäche. Die verstärkten innerpolitischen Schwierigkeiten verstimmten. Die Kurse gaben weiter etwas nach. Tagesgeld war am Geldmarkt unverändert mit 2,5 Proz. notiert. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4.1990, gegen Pfund 20,414, London gegen Kabel 4,8608, gegen Paris 123,78, gegen Mailand 92,80, gegen Madrid 45,35, gegen Schweiz 25,0525, gegen Holland 12,0525. Berliner Börse. Berlin, 25. Sept. Rach den zwei Tagen der Beruhigung folgte heute eine Börse, die die letzten Erholungen bei den meisten Kursen wieder verloren gehen ließ. 3n der Hauptsache waren es innerpolitische Befürchtungen, die diesen Tenden»umschwung herbeiführten. Ferner verstimmten das erneut angewachsene Defizit des Reiches, der Beschluß des RcichSkabinetts, die Arbeitslosenversicherung auf 6,5 Prozent zu erhöhen, die Ausführungen Hitlers vor Dem Reichsgericht als Zeuge Im Leipziger Hoch- verratsprozeß und schwächere Auslandsbörsen. Der hcrannahende Ultimo blieb ebenfalls nicht ohne Einfluß, da man für die morgige Prämienerklärung noch Angebot erwartet' auch wurde die starke Abnahme der Gold- und Devisenbestände in dem heute erschienenen Reichsbank» auswciS für die dritte September-Woche stärker beachtet. Trotz eines Verlustes von Gold und Devisen in Höhe von 131,5 Millionen war aber auch noch eine geringe Entlastung um zirka 20 Millionen und eine leichte Besserung der Deckung sestzustellen. Ohne daß das Angebot einen anormal großen Umfang angenommen hätte und ohne daß überhaupt von einer lebhafteren Umsahtäligkeit gesprochen werden konnte, gingen die er st en Kurse noch erheblich unter die vorbörslichen Taxen zurück. 3m Durchschnitt betrugen die Verluste bis zu 3 Prozent, bei Werten wie 3.-G.-Farben, Deutsche Linoleum, Bergmann, Allgemeine Lokal- und Kraft, Echuckert, Schlesische Gas, Thüringer Gas, Siemens, Karstadt, Polyphon und 3ulius Berger bis zu 6,5 Prozent: bei den Kaliwerten und Schubert L Salzer bis zu 1,75 Prozent und bei Spritwertcn bis zu 20 Prozent. Bet letzteren sprach man wieder einmal von Exekutionen. Als Ausnahme mit leichten KurSbesferungen sind Gebrüder Körting (pluS 2 Prozent) und Wiking Zement (plus 1 Prozent) zu nennen. Am deutschen Anleihemarkt gingen Reubesih etwas zurück. Don Ausländern verloren Anatolier geringfügig. Am Pfandbriefmarkt bestand auch freute eher wieder Angebot. Am ®elb- markt versteifte sich Tagesgeld auf 3 bis 5 Prozent: die übrigen Sätze blieben unverändert. 3m Verlaufe erfuhren die meisten Papiere weitere Kursabschläge. Deutsche Linoleum, 3ulius Berger und Schubert & Salzer waren erneut bis 5 Prozent rückgängig. Frankfurt«, r Gktrcibcbörfc. Frankfurt a. M, 24. Sept. Infolge des hohen jüdifchen Feiertages konnten mangels Abschlüße Notierungen an der Frankfurter Produktenbörse nicht vorgenommen werden. Frankfurter Lchlachtvichmarkt. Frankfurt a. M., 25. Sept. Auftrieb: 10 Rinder, 621 Kälber, 406 Schafe, 516 Schweine. Es wurden bezahlt für 100 Psd. Lebendgewicht: Beste Mast- und Saugkälber 81 bis 84, mittlere 77 bis 80, geringe Kälber 72 bis 76; Schafe: Mastlämmer und jüngere Mastfrämmel, Weide- mast 48 bis 52, mittlere Mastlämmer, ältere Mastfrämmel und gut genährte Schafe 42 bis 47; Schweine nicht notiert. Marktverlauf: Kälber und Schafe rege, zum Schluß abflauend, ausverkauft. Beste Kälber über Rotiz. Schweine ruhig, aus- DerfaufL Ein Hilferuf der Reichsbahn. Oie Gesetzgebung sott den Kraftwagen-Wettbewerb bremsen. Organisatorische Vereinfachung. Berlin, 24. Sept. Der Ber waltungs- rat der Deutschen Reichsbahngesellschaft beschäftigte sich in feiner Tagung am 22. und 23. September eingehend mit der Wirtschaftslage der Reichsbahn. Der immer weiter zunehmende Wettbewerb des Kraftwagens verringert ständig die laufenden Einnahmen der Reichsbahn. Mit eigenen Maßnahmen kann die Reichsbahngesellschaft keinen wirksamen Schutz gegen den ungeregelten Kraftwagenwettbewerb schaffen, ber ernstlich die Aufrechterhaltung der billigen Rohstofftarife gefährdet. Eine Ordnung im Verhältnis zum Kraftwagen ist nur von gesetzgeberischen Maßnahmen zu erwarten, die durch Schaffung gleicher Wettbewerbsgrundlagen für alle Verkehrsmittel einem gesunden Wettbewerb Raum geben. Hm beschleunigte Durchführung dieser Maßnahmen ist der Reichsverkehrsminister unter Hinweis auf den Ernst der Lage angegangen worden. Der Verwaltungsrat genehmigte u. a. die Beschaffung von 300 Lokomotiven für die nächsten 3 Jahre. Der Verwaltungsrat hat beschlossen, daß die aus der Zeit der Staatsbahnverwaltungen entnommene Zahl und Einteilung der Direktionsbezirke den verkehrstechnischen und wirtschaftlichen Erfordernissen angepaßt werden muh. 3n Ausführung dieses Beschlusses wird der Bezirk der Reichsbahndirektion Magdeburg den benachbarten Direktionsbezirken, insbesondere Hannover und Halle, zugeteilt werden. Der Verkehrskontrolldienst verschiedener Direktionsbezirke wird in Magdeburg vereinigt. Gleichzeitig billigte der Derwaltungsrat die vom Generaldirektor unternommenen Schritte zu einer nicht mehr vermeidbaren alsbaldigen Vereinheitlichung der Re ich s b a fr n Organisation in Leipzig. Reichsbank und Gold. Die Vorgänge an den Devisen- und Geldmärkten in den letzten Tagen haben in weiten Kreisen des Publikums wieder einmal falsche Auffassungen hinsichtlich der Bedeutung des Goldes für die Reichsbank und die deutsche Währung aufkommen lassen. 3m voraus sei gesagt, daß die Goldabgabe eines Roteninstitutes das bequemste Mittel ist, welches der Regulierung der Wechselkurse dient und daß eine solche Goldabgabe, wenn sie sich in, verglichen mit dem vorhandenen Goldbestand, geringen Grenzen hält, ein durchaus natürlicher und ungefährlicher Vorgang ist. Die deutsche Reichsbank verfügt über einen im Verhältnis zu dem derzeitigen Notenumlauf sehr großen Bestand an Gold und Devisen, der sich nach dem letzten Ausweis auf etwa 3,4 bis 3,5 Milliarden RM. stellte. Die Reichsbank hat, selbst wenn sie tatsächlich in der letzten Woche etwa 150 Mill. RM. aus diesem Bestand abgegeben hat, wozu noch die eben getätigte neue vorsorgliche Gold- sendung im Werte von 70 Mill. RM. an die Bank von Frankreich tritt, einen im Verhältnis zum Ge- samtbestand gewiß geringfügigen Betrag zur Regulierung der Wechselkurse zur Verfügung gestellt. Denn man muß bedenken, daß der Notenumlauf in Deutschland durch Gold und Devisen bis zu 7 0 vH. gedeckt ist, während die gesetzlich vorgeschriebene Deckung nur 40 v. H. erfordert, wozu ein Betrag von etwa 1200 bis 1300 Mill. RM. an Gold und Devisen für den gegenwärtigen Notenumlauf nötig wäre. Die Währungsreserve der deutschen Reichsbank ist also eine sehr hohe, und da doch schließlich auch Gold, welches steril daliegt, Zinsen frißt, also Geld kostet, so hat die Reichsbank sogar ein Interesse daran, überflüssige Goldbestände aus geschäftlichen Gründen nach Möglichkeit abzustoßen. In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, daß noch im Frühjahr dieses Jahres die Reichsbank gezwungen war, den Diskontsatz wiederholt herabzusetzen, um unerwünschte neue Goldzugänge zu verhüten. Das wird heute vielfach übersehen, und man glaubt, aus ilntoiffeufreit in Goldabgaben der Reichsbank etwas die Öffentlichkeit Alarmierendes sehen zu müssen. 3m Gegenteil, die Reichsbank frat absolut keine Veranlassung, die m den letzten Tagen vollzogene Goldabgabe im Werte von 105 Mill. Mk. an die Bank von Frankreich als einen unerwünschten Vorgang zu bedauern. Auch die Sendung des Goldes an die 'Bank von Frankreich ist ein natürliches Ereignis, welches sich aus der Konstellation der 'Wechselkurse ergibt. Frankreich frat Frank-Gelder aus Deutschland plötzlich, wie man es bei der französischen Bankwelt bereits gewohnt ist. zurückgezogen, und da an sich der französische Frank international bereitet sehr fest lag, so trat am Berliner Devisenmarkt, der nun auf einmal keine Frank-Angebote mehr aufwies, eine erneute Festigkeit ein. Diese führte den Franken an den Golderportplätzen, d. h. an den Punkt, wo es für die internationale Arbitrage lohnend wurde, Frank über Dollar oder über Pfunde gegen Mark au bandeln. Infolgedessen entschloß sich die Reichsbank zu Goldtransporten und bezahlte ihre Franks mit Gold, wodurch der 'Frankkurs nach unten ging. Die Reichsbank wird, wie jedes andere Noten- inftitut, diese Methode immer anwenden, wenn ihre Devisenoperationen nicht mehr ausreichen, um die Wechselkurse auszugleichen. Das Ausland ist über solche Vorgänge am Devisen- bzw. Geldmarkt anscheinend besser unterrichtet; denn es sieht in den Goldabgaben der Reichsbank die starke Entschlossenheit des deutschen Noteninstituts, der Lage in jedem Falle Herr zu sein. Daß sie dies ist, beweist die inzwischen eingetretene Beruhigung. Bankierkon erenz zur Behebung der Weltwirtschaftskrise? Reuhork, 24. Sept. (WTB.) Man glaubt, daß die Direktoren deutscher, englischer und französischer Zentralbanken nächstens hier zusammenkommen werden, um Möglichkeiten zu erörtern, die Weltwirtschaftskrise zu mildem. Französische Gedanken über Luthers Amerikafahrt. Paris 25. Sept. (WTB. Funkspruch.) 3n einem Telegramm des Reutzorker Korrespondenten des „Petit Parisien" wird die bevorstehende Reife des Reichsbank- Präsidenten Dr. Luther nach Amerika besprochen. Als Ursache glaubt der Korrespondent anführen zu können, daß über die Verteilung des Goldes in der Welt und über das Anwachsen des Metallbestandes in Frankreich verhandelt werden würde, eine Frage, mit der man sich schon seit mehreren Monaten beschäftige Dr. Luther werde sich hierüber mit dem Gouverneur der Federal Reserve Bank von Reuhork, Harrison, unterhalten. Der Korrespondent hebt auch die Anwesenheit deS englischen Schatzsekretärs und Mitarbeiters Snowdens, Warren Fisher, in den Vereinigten Staaten hervor, glaubt jedoch, daß sie, wenigstens offiziell, in keiner Beziehung zu den bevorstehenden Verhandlungen stehe. Dagegen erwartet man noch den Besuch des Gouverneurs der Bank von England, Montagu R o r m a n , der seinen jährlichen Besuch in den Vereinigten Staaten diesmal noch nicht abgeschlossen habe. Reportgeldsatz erhöht. Berlin, 24. Sept. (WTB.) Der Report- ge ldsatz ist um l/< Proz. auf 5 Proz. erhöht worden. Briefkaften der Redaktion. (Rechtsgutachten find ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) K. P. in A. 3frte Bezüge aus der Fürforge- kasse für Gemeindebeamte, sowie die Altersrente sind einkommensteuerpflichtig nach § 40 des Einkommensteuergesetzes. Die Höhe des Steuerbetrags richtet sich nach 3frrem Familienstand und ergibt sich aus dem Steuertarif des Einkommensteuergesetzes. Fr. Dr. 11. Trotz vielfacher Umfrage konnten wir keine Adresse feststellen. Wir empfehlen 3frnen, das gesammelte Stanniolpapier doch einmal einem Althändler anzubieten. Sachsenhausen. Die oberschlesische Stadt Hindenburg führt diesen Hamen feit 1915. Bis dahin hieß sie Zabrze. Sprechstunden der Rcvattion. 11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr Samstag nachmittag geschlossen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lombardzinsfuß 5 o. H. Frankfurt a. M. Nerlin Schluß-> tur< 1-Uhr- Nur, Echluß- kur« i Anfang» Hur# Darum 24 9 25 9. 24 9 25. 9 6% Deutsche 8»et — 32,5 32 Kaliwerke Aschersleben . Kaliwerke Westeregeln . 10 10 195.5 198 202 _ Kaliwerke Salzdetfurth . - 15 — 287 300,25 288,5 3. G. tzarben-Industrte . 12 140 135,5 141,5 137,5 Dynamit Nobel .... . 6 — 66 — Echeibeanslalt..... . 9 135,5 — — Goldschmidt..... . 5 47 45 47 45 Rütgerrwerke..... . 6 51,5 50 52 50,9 Metallgesellschaft. . . . . t 100.75 98.5 100,25 99 Philipp Holtmann . . . . 7 77 _ 76,5 76 Zementwerk peidelberg 10 — 101 — Leinentwerk Karlstadt. . • 10 119 — Wayb & Jreytag . . . • . S 54,5 54,4 54,5 — ©diultbeie Patzenhofer . 15 _ _ 205,5 _ Cftwetfe....... ■ 12 — 163 — Klu......... 18 72 71 72 70,5 Bemberg....... 14 — 77 80,25 76,5 Zellltosf Woldbos . . . 187. — — 126 122,5 Zellllosf Aschaffenburg . 12, — — 91 Gborlottenburget Walser ■ . k — — 86,25 85 Teltauer (Mas..... . 9 — —— 122,75 119 Daimler Motoren . . . e . U —— 25,25 26,75 26 Teutsche Linoleum . . • 158,5 150 158,5 154 Maschinenbau 2L-®. . . . 0 — — 37,5 36,75 Rat. Automobil .... . 0 — —- 12,65 12,13 Crenfteln & Koppel . . • . 6 — — 52,5 51 Leonhard Dietz .... 10 — - 124 Svens ko....... — - 300,5 297 Frankfurter Maschine« . . 4 — — Grinner....... . 6 31 30 — Hevligenstaedt . . . . . 0 — —• _ FunghanS....... ■ . 6 30 — 31,25 — Lechwerke....... . 8 95 —— Moinkrastwerke Höchst a. M.. . 8 78 — — Mtag......... 10 80 — — — Gebr. Roeder..... 10 — —- — —— Boigt & Haesfner . . . . 9 150 — 150 — Süd deutsche Zucker . . • 10 133 - 132,5 - Banknoten. Berlin, 24 Sepiember Gelb Ärlel Smenkanilche Roten..... 4,215 4,235 Belgische Roten ....... 58,33 53,57 Täni|d>e Roten ....... 112,05 112.49 Englische Roten ........ yronzoiische Roten....... 20,377 20,457 16,44 16,50 Holländische Roten....... 169,04 169,72 Italienische Roten. ....... Rorwegilche Roten....... 22,08 22,16 111,88 112.32 Deutsch'Lesterreich, i 100 Schilling 59,08 59,32 Siunwnllch.- Roten....... 2,475 2,495 Schwedische Roten ....... 112,53 112,97 Schweizer Roten........ 81,54 81,86 Spanische Roten ........ Dichrchollowakische Roten..... 44,26 44,44 12,42 12.48 Ungarische Roten ....... 73,22 73,52 DemK'umarfl Berlin — Jranffurl a M 24 September 15 (reptember VmN>chr )le lerunt amiudtt (Veto Dotierung Srie- »elb Br«p «rnft.-tHott. 169,07 169,41 169,16 169.50 Buen.AtreS 1,508 1,512 1,507 1.511 Brll-'.'lntw 58,445 58,565 58.465 58,585 Chriskianta - 112,17 112,39 112,23 112.45 Kopenhagen 112,23 112,45 112,26 112,48 Stockbolm - 112,64 112,86 112,69 112,91 HelnngforS. 10,555 10,575 10,557 10,577 Italien. . . 21,96 22,00 21,975 22,015 London. . . 20,381 20,421 20,387 20,427 Reuyork • . 4,1935 4,2015 4,195 4,203 Doris. . . . 16,465 16,505 16,465 16,505 Schweiz . . 81,37 81,53 81,395 81,555 Spa ten . 44,71 44,79 ^.00 45,10 Japan . . . Rio pean. Wien in T - 2,073 2,077 2.078 2.082 0,433 0.435 0,438 0,440 C eft abgest 59,195 59,315 59,205 59,325 Prag - . . . 12,45 12,47 12,455 12,475 Beltrad . 7,430 7,444 7,430 7,444 Budapest . . 73,41 73,55 73,42 73,56 Bulgarien . 3,039 3,045 3,039 3,045 Lissabon . 18,83 18,87 18,83 18,87 Tanzig. . 81,52 82,68 81,52 81,68 Konst ntin. 1,784 1,789 1,784 1,789 Htben. . 5,435 5,445 5,445 5,455 Canada . 4,196 4,204 4,199 4,207 Utu uat). 3,427 3,433 3,427 3,433 Cairo .. 20,90 20,94 20,90 20,94 Oberheffen. Landkreis Gietzen. 00 Klein-Linden^ 24. Sept. Die geringe Obsternte der Gemeinde gelangte heute zur Versteigerung. Virnen und Zwetschen waren überhaupt nicht vorhanden. Nur einzelne Bäume mit Aepfeln wurden ausgeboten. Infolge der vielen Liebhaber kam der Zentner am Daum auf 15 bis 20 Mark. Der Gesamtertrag der Versteigerung beläuft sich auf 118 Mark, gegen 1400 Mark im vorigen Iahr. cf. Heuchelheim, 24. Sept. Der Turnverein Heuchelheim hielt am vorigen Sonntag sein diesjähriges Abturnen ab, bei dem vormittags 82 Turner, Turnerinnen, Schüler und Schülerinnen zum Wettkampf antraten. Diese starke Teilnehmerzahl, sowie die guten turnerischen Leistungen bewiesen, daß die Arbeit des Turnvereins sich in anerkennenswerter auf- steigender Linie bewegt. Am Nachmittag marschierte der Verein in einem interessanten Festzug durch die Ortsstrahen, am Abend fand die Veranstaltung mit einer geselligen Feier in der stark besetzten Turnhalle ihren Abschluß. Der 1. Vorsitzende des Vereins, Ludwig Schmidt, ehrte dabei in einer Ansprache die Kreisfest- sitzger des Vereins. Ein Schauturnen sämtlicher Abteilungen bot einen eindrucksvollen Ausschnitt aus der turnerischen Dereinsarbeit. Bei der Preisverteilung wurden ausgezeichnet: Iugend- Oberstufe (Siebenkampf): 1. Artur Kehr, 135 Punkte: 2. Karl Rinn und Albert Römer, je 129 P.: 3. Erwin Reuschling. 127 P. Iugend- unterstufe (Zehnkampf): 1. Ernst Kreiling, 171 P.: 2. Otto Kröck, 168 P.: 3. Theo Hofmann, 147 P. Schüler-Oberstufe (Siebenkampf): 1. Karl Rinn, 115 P.: 2. Albert Gilbert, 112 P.: 3. Heinrich Unger, 106 P. Schüler-Unterstufe (Vierkampf): 1. Werner Schmidt und Werner Keil, je 78 P.: 2. Fritz Rinn, 71 P.: 3. Walter Rinn, 70 P. Turnerinnen-Iugendoberstufe (Zehnkampf): 1. Gretchen Kehr, 164 P.: 2. Elise Hofmann, 144 P.: 3. Henriette Pusch, 142 P. Turnerinnen-Iugend- unterstufe (Zehnkampf): 1. Lina Löber, 165 P.: 2. Gretchen Rinn, 124 P.: 3. Hedwig Leinberger, 118 P. Schülerinnen-Oberstufe (Fünfkampf): 1. Else Sack, 91 P.: 2. Irmgard Leinberger, 87 P.: 3. Hilde Arnold, 82 P. Schülerinnen-Llnterstufe (Dreikampf): 1. Elli Bach, 64 P.: 2. Anni Freitag, Irmgard Steidel und Emmi Volkmann, je 53 P.: 3. Gerda Volkmann, 51 P. • Lich, 24. Sept. Die letzten Arbeiten am hiesigen neuenPostgebäude wurden jetzt durch 1 öaS Anbrlngen des Reichsadlers ferkiggestellt. Der Adler wurde von Schlossermeister Fritz Schmidt dahier in Kupfer ongefertigt und von der Firma Leib in Gießen vergoldet. Ietzt läßt nur noch der neben der Post zu den Bleichen führende Weg zu wünschen übrig. Hoffentlich wird hier bald eine Aenderung vorgenvmmen. * M u s che nh e i m. 25. Sept. In einer ordentlichen Generalversammlu ng der hiesigen Spar- und Darlehnskasse G. m. b. H., in der 71 Mitglieder zugegen waren, wurde die Reuwahl eines Rechners vorgenommen. Von drei Kandidaten wurde das seitherige Vorstandsmitglied Landwirt und Beigeordneter Heinrich Kutt mit 42 Stimmen gewählt. Der seitherige Rechner, Lehrer Günther, hat sein Amt niedergelegt, da er versetzt worden ist. Der Aufsichtsratsvorsitzende Konrad Becker V. sprach dem seitherigen Rechner für die langjährige treue Arbeit im Dienste der Kasse herzlichen Dank aus und überreichte ihm namens der Genossenschaft ein Erinnerungsgeschenk. Kreis Büdingen. A Ridda, 24. Sept. Die diesjährigen städtischen Ob st ver st eigerungen ergaben gegen frühere Iahre einen ganz bedeutenden Wenigererlös, weil bei den Aepfelbäumen eine völlige Mißernte zu verzeichnen war. Während sonst die letzte Aepfel- versteigerung fast zwei Tage dauerte, nahm sie diesmal kaum einen halben Tag in Anspruch. Rur einzelne Bäume zeigten etwas Behang. Die Dirnen ergaben eine etwas bessere Ernte, waren aber auch noch nicht befriedigend. Tafelbirnen stellten sich auf etwa 12 Mark der Zentner, Honigbirnen auf 3 Mark. Von den Tafeläpfeln kam der Zentner auf etwa 18 bis 20 Mark. Gut bezahlt wurden die Walnüsse. Däume mittlerer Größe kosteten 9 bis 10 Mk. Am besten war in diesem Iahr das Steinobst geraten. Mirabellen und Sauerkirschen hatte die Stadtverwaltung durch städtische Arbeiter ernten und dann an die Haushaltungen zu mäßigem Preise abgeben lassen. Dies fand Anklang. weil dadurch die Hausfrauen stets frisches, gutes Obst zu annehmbaren Preisen zur passenden Zeit erhalten konnten und weiter die jungen Obstbäume beim Ernten geschont wurden. Für Zwetschen, die stammweise ausgeboten wurden, gingen etwa 650 Mark ein. Der ganze Erlös für Obst erbrachte in diesem Iahre der Stadt eine Einnahme von rund 1200 Mk., gegen normale Obstjahre einen Ausfall von etwa 4000 Mark. ch WenlngS, 24. Sept. Der K i r ch e n 'ch o r- verband Düdingen-Ridda-S ch o t ten wird hier am 28. d. M. seine diesjährige Tagung abhaltem Geplant ist ein Festgottesdienst, in dem ein aus den Kirchengesangvereinen des Verbandes gebildeter Massenchor geistliche Lieder darbieten wird. Am Rachmittag soll eine Rachversammlung stattfinden, mit Ansprachen und Einzelchören der Vereine. Kreis Schotten. X. Schotten, 22. Sept. Gestern wurden die an der Ameisenweide befindlichen neuen Schieß stände der hiesigen Schühenge- s e l l s ch a f t mit einem Eröffnungspreisschiehen eingeweiht. Von den Vereinen Laubach, Nidda, Gedern u. a. waren viele Schützen erschienen, die sich am Wettschiehen beteiligten. Bester Schütze auf der Ehrenscheibe blieb Bürgermeister H ö g y (Laubach). Abends fand in der „Krone" die Preisverteilung statt. Bürgermeister Menge! überbrachte die Wünsche der Stadt zur Einweihung der neuen Stände. Er überreichte auch eine alte silberne Schützenkette, die seither im städtischen Archiv aufbewahrt war. Die Kette soll alljährlich dem jeweiligen besten Schützen zufallen und ein Ansporn für gute Schiehleistun- gen sein. Die Schühenaesellschaft hatte geschmackvolle Denkmünzen anfertigen lassen, die ausge- schossen wurden. v. Schotten, 23. Sept. Am Sonntag fanden sich die Siebzigjährigen, also die im Iahre 1860 Geborenen, zu einer Wiedersehensfeier hier zusammen. In einem stimmungsvollen Gottesdienst wies Pfarrer B o rn- scheuer in der Predigt auf die Bedeutung und den schönen Sinn dieser Feier hin. Don den damals vorhandenen 60 Schulkameraden ist noch ein Drittel am Leben. Im „Hess. Haus" fand man sich zu einer Nachfeier zusammen. § Ulrich st ein, 24. Sept. Seit einiger Zeit werden auf dem Versuchsgut Selgenhof wichtige bauliche Veränderungen vorgenommen. Auf des am Nordrand der Hofgebäude liegende Wohnhaus der Arbeiterschaft wird ein zweites Geschoh aufgesetzt. Durch diesen Ausbau des Gebäudes werden vier gefällige, modern eingerichtete Familienwohnungen geschaffen, oder es kann auch eine entsprechende Anzahl von landwirtschaftlichen Eleven dort untergebracht werden, zu deren praktischer Ausbildung auf dem Versuchsgut dann die günstigsten Bedingungen vorhanden sein werden. Die Bauarbeiten werden von der Firma Keil in Ober-Ohmen ausgeführt, unter Hinzuziehung verschiedener Dauhän^tver^e- der näheren Umgebung. Das feuchte, neblige Wetter der letzten Wochen hat den Fortgang der Arbeiten wohl etwas behindert, man hofft aber bestimmt, sie vor Eintritt des Winters noch beendigen zu können. Kreis Alsfeld. =er. Homberg, 24. Sept. Die Kartoffelernte kann hier und in der Umgegend als beendet angesehen werden. Der Ertrag läßt an Quantität und Qualität nichts zu wünschen übrig. Preußen. Kreis Wetzlar. t Launsbach, 24. Sept. Der hiesige Obst- und Gartenbauverein veranstaltet vom 27. bis 29. September seine zweite O b st - und Gartenbauausstellung. Obst wird in diesem Iahre zwar wenig zur Ausstellung kommen, Gemüse aller Art und Konserven werden die Hauptrolle spielen. Falls es die Witterung erlaubt, werden Rosen und Blumen das Gesamtbild verschönern. Kreis Marburg. ][ Marburg, 24. Sept. In Amönau geriet gestern früh der Landwirt HerNttrnn Hoffmann so unglücklich in das Getriebe der Dreschmaschine, daß er schwer verletzt in die hiesige Klinik gebracht werden muhte. Heute ist er seinen Verletzungen erlegen. — In der hiesigen Klinik starb ein drei Iahre altes Mädchen aus Klein-Gladenbach (Kreis Biedenkopfs, das beim Spielen auf dem Felde einem Feuerchen zu nahe gekommen war. (Schluß des redaktionellen Teils.) Gestrichenen, lackierten, gewichsten, gebeizten oder gar polierten Möbeln neue Schönheit geben zu wollen, erschien bislang für die sorgsame Hausfrau als ein Wagnis. Heute aber vermag ein neues Erzeugnis der Vereinigten Wachs- warenfabriken-A.-G. in Ditzingen alle Bedenken zu zerstreuen. Mit der Loba-Möbelpoli- t u r wird der Hausfrau ein vollwerttges Produkt in die Hand gegeben, dessen verblüffend einfache, äußerst sparsame Anwendung ganz erstaunliche Erfolge zeitigt und jede Möglichkeit eines Verderbens selbst fein polierter Flächen au»- schließt. Auch Ledermobel und sonstige Ledersachen behandelt man vorteilhaft mit Coba* Politur. 2533 V Alles, 14/as zu einer fertigen Soße gehört, enthält MAGGI5 Bratensoße nur nocfj mjf Wasser zu kochen Ihre Verlobung beehren flch anzuzeigen Prospekt trel 25 27 Wesentlich herabgesetzte Preisei geben ihre Vermählung bekannt 35 35 Pf. Trohe, September 1930 55 55 220 220 6557 D den 40 PL Frau'Mütter 18 p. Pfd. 52,60 45,93 52,60 45,93 Studienassessor Wilhelm Pfaff und Frau Anna, geb. Seipp 30 40 28 28 45 48 48 32 24 20 34 38 32 34 36 Pak. ’/< n */, Pfd. 1/J Pak. V1 Pfd. p. Pfd. Steuerwerten: a) bis 7u00 RM. b) über 7000 RM Auf je 100 Mark Steuerwert MAGGI5 Bratensoße Mary Eisenbrandt Willi Deibel 76 40 62 78 40 65 35 45 Vi Pak. Pak. p. Pfd. '/l Pak. 6529C