Nr. U6 Erstes Blatt 180. Jahrgang Mittwoch, 25. Juni 1950 Gr|d)e tut tflgltd), außer Sonntage und feiertags. Beilagen: Die 3Quittierte (Siebener FamilienblLttei Heimat im Bild Die Scholle nionats Bejugspreti: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trüget» lohn, auch bei Richtet» scheinen einzelnerRummetn infolge höherer Gewalt. Hernsprechanschlüfte anterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnach» richten: Hnjelaer Liehen. Postscheckkonto: granffurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger Generaf-Anzeiger für Oberhefsen Vrvck und Verlag: vrühl'sche Universitülr-Vuch. und Zte'.ndruckerei H. Lange in Eietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulfttatze 7. Annahme von Injelgen für die Tagesnummer dis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm »reite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» hlameanjeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20', mehr. Chefredakteur: Dr. Friedt. Wilh. Lange, verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton l)r H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich In (Bieben. Zuspitzung der Lage im Mich. Roch immer keine Entscheidung über Moldenhauers Rachfolger. — Erhebliche Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Reichskabinett und der Volkspartei über das Deckungsprogramm. Am Freitag fällt die Entscheidung. Berlin, 24. Juni. (IDIB. Amtlich.) Das Reichskabinett beriet heute abend bis in die späten Nachtstunden unter Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Brüning über die gefamtpolitifche Lage. Vie Verhandlungen werden Mittwoch nachmittag zum Abschluß gebracht. Am vonnerstagfrüh wird sich der Reichskanzler zum Herrn Reich». Präsidenten nach Reudeck begeben, um über die Beschlüsse de» fiabinetts Bericht zu erstatten. Rach Rückkehr des Reichskanzlers wird alsdann am Freitag das Reichskabinett seine Entscheidungen bekanntgeben. • Allgemein war heute abend erwartet worden, daß das Reichskabinett in seiner Rächt» sihung, die sich bis gegen 1 Uhr erstreckte, au Beschlüssen kommen würde, durch die die politische Lage nach der einen oder anderen Seite geklärt würde. Das Kabinett ist aber noch nicht über die allgemeine Aussprache hinweggekommen, die das Ziel hat, ein Kompromiß zwischen dem Programm von Minister Dietrich und den Forderungen der Deutschen Volkspartei herbeizuführen. Do steht es jetzt jedenfalls fest, daß zu den Vorschlägen, die der Reichskanzler dem Reichspräsidenten unterbreiten will, auch die ErnennungDiet- richs zum Reichsfinanzmini st er gehören wird. Der sachliche Ausgleich zwischen den Auffassungen der Parteien muß jedoch noch gefunden werden. Eine Parteiführerbesprechung hat der Kanzler nicht in Aussicht genommen; dagegen ist wohl anzunehmen, daß bis zur morgigen Kabinettssihung nochmals mit der D. V. P. Fühlung genommen wird, um die Möglichkeiten einer Verständigung weiter zu überprüfen. Die Einzelheiten über den fachlichen Inhalt der Kompromißbemühungen werden naturgemäß geheim gehalten, um den Fortgang der Verhandlungen nicht zu stören und zunächst den Reichspräsidenten zu unterrichten. Das Deckungsprogramm Dietrichs. Als ReueS eine Bcrzestrftcuer. ' Berlin, 24.3unl. (CBB.) Das Finanzprogramm, das der bisherige wirtschaftsminister Dietrich, den man jetzt allgemein als den kommenden Finanzminister ansieht, durchsühren will, würde ungefähr folgendermaßen aussehen: Lin Rotopser für die Beamten, da» die kleinen Einkommen bis zu 2000 Mark freiläßt und aufwärts je nach der Höhe von 2 bl» 3 Prozent gc- staffelt ist; für die übrigen Einkommen erwartet man einen etwa zehnprozentigen Zuschlag zur Einkommensteuer; dazu kommt die Ledigen st euer und eine verzehr st euer, wie sie in anderen Ländern schon seit langem bestehe; sie würde sich auf einen Zuschlag auf das erstrecken, roa» im Restaurant usw. verkauft wird, vor allem aber besteht die Absicht, sehr starke Streichungen am Etat vorzunehmen, um damit schon da» Defizit zu vermindern. Das Zinanzprogramm der Volkspartei Berlin, 25. Juni. (ERB. Funkspruch.) Eigene Meldung.) Wie die „DAZ." mitteilt, unterbreitete der volksparteiliche Fraktionsvorsitzende Dr. Scholz im Auftrage seiner Partei Dienstagabend dem Reichskanzler Dr. Brüning folgende Einzeloor. schlüge: Ersparnisse und Ausgaben- scnkung in höhe von zusammen etwa 260 Millionen, nämlich 125 Millionen Abstriche an den Gesamtausgaben des Etats und 5 o. h. Herabsetzung der Länderüberweisungen. Erhebliche Mittet, nämlich eine Summe von weit über 100 Millionen, sollen durch Besteuerung der öffentlichen Betriebe erschlossen werden. Auf dem Gebiete der Arbeitslosenversicherung wird die Durchführung der Vorschläge des Vorstandes empfohlen, also die lediglich ^prozentige Beitragserhöhung, unter dem Drucke der geplanten Reform. Sollte die Deckung nicht ausreichen, so sollen in einem Rach- tragsetat im Herbst neue Mittel angefordert werden. hier ist die 2Nöglichkeit eingeräumt, etwa eine weitere J^projentige Beitragserhöhung vorzn- nehmen. (Eine Reihe weiterer von den Wirtschaftsverbänden schon vorgeschlagener Maßregeln auf dem Gebiete der Steuererhebung und der Verwaltung sollen etwa 80 Millionen erbringen. Auf jeden Fall soll dafür gesorgt werden, daß die Versicherungs- Pflichtigen noch im Lause des Ltatsjahres durch Herabsetzung der Srankenversiche- rungsbeiträge noch eine gewisse Entlastung erfahren. Außerdem soll die Beitragserhöhung in der Arbeitslosenversicherung bi» zum 31. März nächsten Jahres b e f r i fl e t werden. Letzter Punkt de» volksparteilichen Programms ist die Aufsorderung an die Reichsregierung auf eine allgemeine Senkung des Lohn- und Preisniveaus hinzuwirken und zwar durch Ankurbelung der Wirtschaft, Abbau der Arbeitslosigkeit und durch Senkung der Personal la sl en in Reich, Ländern und Gemeinden. Das Schreiben schließt mit der ausdrücklichen Feststellung, daß die Deutsche Volks- parkei keinerlei Steuererhöhungen oder gar eine einseitige Belüftung einzelner Volksschichten mltmachen könne, solange die von ihr aufgezeigten Möglichkeiten zur Bereitstellung anderer Einnahmen und zur Durchführung energischer Ersparnisse beschritten sei. Das Programm ist so abgeschlossen, daß es dem Reich etwa 6 0 0 Millionen an neuen Einnahmen bzw. an Ersparnissen sichern soll. Ob die volks- parlei mit ihren Forderungen durchkommt, ist vorläufig noch sehr zweifelhaft. Jedenfalls haben dle bisherigen Besprechungen zwischen Dr. Scholz und dem Kanzler noch keinen Anhaltspunkt für eine nahe Verständigung ergeben. Der Gegensatz zwischen dem Kabinett und der Volkvparlei besteht vielmehr unverändert fort. Unter diesen Umständen sieht man der parlamentarischen Entwicklung der nächsten Tage mit erheblicher Spannung entgegen. Die Haltung her WirlschastSpartei. Berlin, 25.3uni. 1LRB.) Die Wirtschafts- Partei hat, wie der „Berliner Lok.-Anz." meldet, für heute eine außerordentliche Fraktionssitzung einberufen, zu der auch der augenblicklich in Augsburg weilende Reichsjustizminister Dr. Bredt telegraphisch herbeizitiert ist. In einer Verlautbarung dazu betont sie, daß 1 00 Millionen Ersparnis bei einem Etat von elf Milliarden völlig unzureichend feien, daß sie sich jeder neuen steuerlichen Belastung, die direlt oder indirekt der Wirtschaft auferlegt werden soll, widersetzt und daß die Lösung des Arbeitslosenproblems von einer Hebung der Arbeitsmoral abhängt. Verschärfte Krisis. Das Zentrum droht. Berlin, 25. Juni. (XU.) Unter der ilcbcr- schrift „Verschärfte Krise" schreibt die „Germania" zu den letzten Verhandlungen um das Deckungs- Programm und der Erklärung der DVP., daß sie quf ihrem bisherigen Standpunkt beharre, u. a.: Durch alle diese Vorgänge habe die Krise der deutschen Finanzpolitik eine außerordentliche Verschärfung erfahren und wenn nicht unverzüglich und mit aller Konsequenz gehandelt werde, dann bestehe die Gefahr, daß man in naher Stunde von einer Krise der deutschen Politik überhaupt sprechen könne. Das Kabinett sei sich dieser Gefahr bewußt. Es sei zum Handeln entschlossen und man dürfe an- nehmen, daß seine gestrige Sitzung, in erster Linie dazu bestimmt gewesen sei, den Weg und die Methode dieses Handelns festzulegen. Wenn die Volkspartei aus der Regierung ausscheiden wolle, dann werde das Kabinett dies hinnehmen müssen, ohne außer Fassung zu geraten. Denkbar sei durchaus eine Regierung, die sich auch hierdurch nicht davon abhalten lasse, das zu tun, was im Interesse des Staates unvermeidlich sei. Die Regierung habe eine Aufgabe, die unter stärkstem sachlichem Zwang erfüllt werden müsse. Hier gebe es kein Au sweichen, mögen die parlamentarischen Verhältnisse im Reichsrat und Reichstag auch noch so schwierig liegen. Wenn jetzt zur Durchsetzung dieser Aufgabe die Frage eine- Ermächtigungsgesetzes und auch die Anwendung des Artikels 48 erwogen werde, so dürfe man nur hoffen, daß unS dieser Weg erspart bleibe, daß er mit all feinen Konsequenzen sorgsältig geprüft und keine Möglichkeit außer acht gelassen werde, die uns die Anwendung allerletzter Mittel erspare. Jedenfalls aber bestehe die dringende Rotwendigkeit, sehr schnelle Entscheidungen zu treffen, und es läge im gesamtpolitischen Interesse, wenn das Parlament sich ihnen nicht versagen würde. In der „Voss. Zig." heißt eS: Parlamentarier, die in direkter Fühlung mit dem Reichskanzler stehen, haben gestern versichert, daß der Kanzler entschlossen sei, sich durch die D.V.P. nicht in eine Regierungskrise hineintreiben zu lassen. Sollte die D.V.P. Dr. Curtius veranlassen, zurückzutreten, dann würde bei allem Bedauern über den Verlust dieses Freundes und Weggenossen Stresemanns die Regierung den Rücktritt doch hinnehmen. Das ReichSwlrt- schaftsministerium würde dann mit Treviranus beseht werden, der am 1. Oktober ohnehin sein Portefeuille verliert. Lieber die eventuelle Reubesetzung deS Außenministeriums find vorläufig noch keine Erwägungen bekannt geworden. Die 400* Jattfeier der Augsburgischen Konse'sion Augsburg, 24. Juni. (TU.) Die 400-Iahr- Feier der Augsburger Äonfeffion wurde heute abend durch einen feierlichen Begrüßungsakt cingeleitet. Der Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchenausschusses, D. Dr. Kapier, hielt die Begrüßungsansprache. Er verlas die Schreiben des Reichspräsidenten und des Reichsministers des Innern Dt. Wirth. Die neue Rcichsoerfassung, so sagte der Redner, habe den Grundsatz der Trennung von Staat und Kirche aufgestellt Dadurch hätten auch unsere deutschen evangelischen Kirchen, die übrigens schon seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts zumeist keine Staatskirchen mehr ge- wesen seien, ihre volle rechtliche Selbständigkeit gegenüber dem Staat erlangt. Aber sie hätten darum nicht aufgehört, B o l k s k i r ch e n zu sein, die sich mit der im Reich und Staat erfaßten Volksgemein- schäft innig verbunden, und zum Dienst an ihr berufen wüßten. Wie die Kirchen diesem ihrem Bewußtsein in der vaterländischen Kundgebung des Königsberger Kirchentages 1927 programmatischen Ausdruck gegeben hätten, so durfte man in der freundlichen Teilnahme der Reichs- und Staatsbehörden an der kirchlichen Feier ein Unterpfand dafür sehen, daß auch Reich und Staat die fortdauernde überragende Bedeutung der chirstlichen Kircheo und der von ihnen verwalteten religiösen Güter für die Volksgemeinschaft anerkennen und zu würdigen wüßten. Sodann hob Dr. Kapier die freundliche Aufnahme der kirchlichen Feiern durch die Stadt Augsburg hervor, deren Bevölkerung nur zum Teil der evangelischen Kirche angehöre, als einen Ausdruck des „geschichtlich begründeten guten Einvernehmens mit den evangelischen Äirchengemeinden". Unter den kirchlichen Gästen begrüßte Dr. Kapier besonders herzlich die anwesenden stammverwandten Brüder aus den dem Kirchenbund angeschlossenen deutschen evangelischen Gemeinden und Kirchen außerhalb Deutschlands, sowie zahlreiche Vertreter nichtdeutscher eoange- lischerKirchen,mit denen der Kirchenbund zu- sammenarbeitet. Die Teilnahme nicht allein lutherischer, sondern auch reformierter Kirchen an der Feier sei ein Beweis, daß auch sie sich des Segens, be." der gesamten evangelischen Welt durch das erste Bekenntnis der lucherischen Reformation zugefiosscn ist, dankbar bewußt sind. So habe die Feier ökumenischen Charakter. Der Redner schloß mit einem Appell, die geschichtlich überkommenen Lehr- und Bekenntnisgestaltungen hochzuhalten und, je stärker und unverhüllter die Feindschaft gegen das Evangelium auf den Plan trete, um so mehr die die protestantische Welt verbindenden Hauptartikel ins Herz zu fassen. Reicköjustizministee D. Cr. Bredt, übermittelte dann die Grüße des Reichspräsidenten und der Reichsregierung für den Evangelischen Kirchenbund. Der Minister zog Verbindungslinien zwischen der politischen Bedeutung der Augsbur- gischen Konfession und der Stellung des Protestantismus im politischen Leben der Gegenwart. Heute, wo an die Stelle des ehemals christlichen Staates ein gegenüber den Weltanschauungen neutraler Staat getreten sei, falle den evangelischen Kirchen selber die Ausgabe zu, dem protestantischen Glauben im Leben des Volkes den ihm gebührenden Platz zu erkämpfen. Ihre Stoßkraft aber hänge ab von der Geschlossenheit des deutschen Protestantismus. Ein innerlich geeinter Protestantismus werde auch in Zukunft im politischen Leben ein kulturell und politisch bedeutsamer Faktor bleiben. Für die bayrische Staatsregierung sprach Kultus- Minister Goldenberger, indem er seiner besonderen Genugtuung darüber Ausdruck gab, daß der Deutsche Evangelische Kirchentag zum ersten Male auf bayrischem Boden zusammengetreten sei. Rach einem kurzen Schlußwort des Augsburger Bürgermeisters kam die bayrische Kir- chenregierung in Präsident D. Veit und die Theologische Fakultät der Universität Erlangen in Prof. Dr. A11haus zum Wort. Den Reigen der Begrüßungen schlossen die Vertreter der ausländischen protestantischen Kirchen. In der St. Anna-Kirche wurde am Montagnachmittag die Ausstellung „Reue Wege ktrch- l i ch e r Ä u n ft" eröffnet, wobei Prof. D. Koch (D f f e n b a d)), der am Montag von der evangelischen theologischen Fakultät der Universität Mün- ft er mit der Würde eines Ehrendoktors ausgezeichnet wurde, einen Vortrag hielt. gez. von Hindenburg." Desgleichen hat der Reichsminister deS Innern Dr. Wirth in einem Schreiben an den Präsidenten des Deutschen Vvangelisch?n Kirchenausschusses für die Einladung zur Augs- buraer KonsesfionSfeier und xum Deutschen Evangelischen Kirchentage in Rürnberg namenS der Reichsregierung den aufrichtigsten Dank ausgesprochen. Das Schreiben deS Ministers fährt dann fort: „In Würdigung der hervorragenden Bedeutung, die den geplanten Veranstaltungen bei- zumeffen ist, hat das Reichskabinett beschlossen, daß der Herr ReichSmtnister der Justiz die Reichsregierung bei der Feier der Augsburger Konfession vertreten soll. Möge die Versammlung an historischen Stätten zu innerer Stärkung im Sinne des christ - lichenGemeinschaftsgedankenS führen und weit über den Kreis der Teilnehmer hinaus die Gewißheit festigen, daß die kulturelle Krise der Gegenwart nur dann überwunden werden kann, wenn über allem Trennenden hinweg d 1 e religiösen Ewigkeitswerte wieder zu dominierendem Einfluß gelangen und bei der Gestaltung der Zukunft über Konfession-- und DolkSgrenzen hinaus entscheidend mitwirken. gez. Wirth." Eine Botschaft Hindenburgs. Der Rcichoinncnminisicr Tr. Wirkst an den Tcutsch-Evangelischcn Kirchcnansschuß. Augsburg. 24. Juni. (TU.) Reichspräsident von Hindenburg bat anläßlich der Dicrjahrhundertfeier der Augsburgischen Konfession an den Deutschen Evangelischen Kirchen- ausschuß daS folgende Schreiben gerichtet: „Dem zur Feier deS 400jährigen GedächtniS- tages der AugSburgischen Konfession versammelten Deutschen Evangelischen Kirchenbunde und allen, die an dieser bedeutsamen kirchengeschichtlichen Gedenkfeier tcilnebmen, entbiete ich meine herzlichsten G r üßel Ich bedauere, daß es mir nicht möglich war. Ihrer Einladung zur Teilnahme an der Konfessionsfeier persönlich zu entsprechen, bitte Sie aber, versichert zu sein, daß ich, im Gei st e mit Ihnen verbunden. an diesem Festtage der evangelischen Lhristenheit. den Sie an historischer Stätte begehen, aufrichtigen inneren Anteil nehme. Möge die Erinnerung an daS reformatorische Bekenntnis von Augsburg dazu beitragen, christliche Gesinnung im deutschen Volke zu erhalten und zu stärken! Den Verhandlungen und Arbeiten deS Evangelischen Kirchentage-, der im Anschluß an die Augsburger Feier in Nürnberg stattfindet, wünsche ich von ganzem Herzen reichen Segen und Erfolg. Fortschreitende Räumung. Letzte Parade in Landau. Sanbau, 24. Juni. (WSR ) Rach einem Divisionsbefehl des Generals Mangin für den Rest der französischen Besatzungstruppen findet am 2 6. Juni in Landau noch einmal eine große Parade der noch anwesenden französischen Truppen statt. Anschließend werden die Truppen, die sich größtenteils aus dem 150. Infanterie Regiment zu- sammensetzen, um 6.40 Uhr nach Frankreich verladen werden. Der General selbst wird am Donnerstag dem Bürgermeister der Stadt Landau seinen Abschiedsbesuch machen, um alsdann mit seinem Generalstab als letzte Truppe die Pfalz zu verlassen. Wie wir auf Erkundigung bei französischen Stellen erfahren wird der Generalstab der französischen Armee in Mainz Mainz erst o m 3 0. Juni verlassen. In Sanbau würbe am Diens- tagoormittag von ben französischen Truppen auf bem Militärfriedhof noch eine Feier veranstaltet, wobei eine Anzahl Kränze niedergelegt wurde. Am Dienstag wurde die Städtische F e st h a 11 e , soweit sie noch beschlagnahmt war, das Militärlaza- rett und ein Teil der bis jetzt noch benutzten Ka. fernen übergeben. Aus Germersheim zog am Sonntagmorgen mit dem Straßburger Zug der letzte Rest der französischen Besatzung, fünf (fknbarme, fort, so daß Germersheim von der Besatzung völlig ge- räumt ist. Die Gendarmerie wurde vergangenen Freitag von einem General verabschiedet, der von der Gendarmerieabteilung vor ihrem Quartier mit präsentiertem Karabiner empfangen worden war. Das Gebäude wurde als letztes am 21. Juni der Reichsvermögensstelle zurückgegeben. — Gestern ist auch der Rest der Besatzung aus R e u ft a b t a. b. H. abgezogen. Ebenso sind die letzten Teile 'ber Be- sotzuna von Subwigshafen, etwa 100 Mann, über Kaiserslautern nach Frankreich abtransportiert worben. Die Franzosen haben jetzt auch aus D p* penheim, Frankfurt-Höch ft, Dberftetiu Idar, Türkismühle, Birkenfeld, Kirn, Bingen und Worms ihre Truppen, Gendarmerie und Polizei vollständig abtransportiert, so daß auch diese Orte vom Joch ber fremben Besatzung befreit sinb. Auch inMainz zeigt bas Straßenbilb roieber ein erfreulicheres Gesicht, nachbem bas Gros ber Truppen nach Frankreich abgerückt unb bie Trikolore von den geräumten Gebäuden verschwunden ist. Heber 6V- Milliarden Besahungskosten Berlin, 25.3unL (TU.) Aus einer amtlichen Zusammenstellung ergibt sich, daß die Kosten der Rheinlandbesetzung vom Inkrafttreten des Waffen- stillstandes bis zum 30. Juni 1930 auf rund 6,6 Milliarden Mark belaufen. In diese Summe sind n i ch t eingerechnet die persönlichen und sachlichen Aufwendungen des Reiches für die durch die Besatzung bedingten Reichsbehörden und sonstigen Zuwendun- gen des Reichs für das besetzte Gebiet, wie sie tn den Haushaltsplänen des laufenden und der oer- gangenen Jahre für kulturelle Fürsorge, Saar- gängerunterstützung, Westprogramm usw. vorgesehen sind. Oie Regierungsbil-ung in Sachsen. Die Nationalsozialisten scheinen keine Lust zu haben. Dresden, 24.Juni. (WTD.) Die deutsch- nationale und die Landvolkfraktion des neuen Landtages haben an alle Fraktionen mit Ausnahme der Sozialdemokraten und Kommunisten ein Schreiben gerichtet, in dem sie er- klären, bei der letzten Wahl zum Landtag habe das sächsische Volk den Willen nach einer marxistenfreien Regierung klar bekundet. Die Fraktionen wurden für nächsten Samstag zu einer Besprechung über die Regierungsbildung eingeladen. Bei der Besprechung der Ergebnisse der sächsischen Landtagswahlen weist der »Rationale Sozialist" darauf hin, daß rein rechnerisch eine antimarxistische Regierung unter nationalsozialistischer Leitung möglich sei, da sie mit 51 Sitzen von insgesamt 96 eine sichere Mehrheit hätte. Aber diese rechnerische Möglichkeit lasse wesenhafte politische Gesichtspunkte außer Acht. Denn gerade diedreiDemokraten bildeten das Zünglein an der Waage. Ohne sie hätte die antimarxistische Regierung mit 48 Stimmen nicht die notwendige Mehrheit, wobei noch immer Voraussetzung wäre, daß die beiden Mahraun-Leute vorbehaltlos mitmachen. Da Der alte Landtag gerade wegen der demokratischen Forderungen aufgelost worden sei, erscheine es ausgeschlossen, daß heute die Demokraten sich dem nationalsozialistischen Diktat beugen würden. Aus diesem Grunde dürste die »Große Koalition" die größere inner« Wahrscheinlichkeit für sich haben, die auch für ?,anz Deutschland die richtige Regierungsgrund- age bilde. Denn die Boung-Parteien, denen das deutsche Volk all seine Rot, seine Arbeitslosigkeit und seine Ausbeutung verdanke, sollen auch offen die Folgen ihrer Poung-Politik tragen, auf daß das deutsche Volk seine Feinde erkenne und mit ihnen abrechne. Generalstreik in Sevilla. Paris, 25. Juni. (WT2. Funkspruch.) In Sevilla ist ein Generalstreik ausgebrochen, der revolutionären Charakter anzunehmen droht. Äleich nach dem Bekanntwerden des Streites - versuchten die Behörden von den in der näheren Umgebung der Stadt gelegenen Bäckereien die für -die Sicher st ellung der Ernährung notwendigen Brote heranzuschaffen. Die Streikenden zogen jedoch in großen Trupps den Bäckern entgegen und zwangen sie zur Rückkehr. Die ersten am Morgen ausgefahrenen Straßenbahnwagen wurden von der Menge im Sturm genommen und mußten in ihre Depots zurückkehren. Um auch den Automobilderkehr unmöglich zu machen, hatten die Arbeiter große Steine und Rägel auf die Straßen gelegt. 2m Laufe des Rachmittags spitzte sich dann die Lage immer mehr zu, so daß sämtliche Cafes und Geschäfte geschlossen werden mußten. Starke Polizeiaufgebote patrouillierten durch die Straßen der Stadt und verhinderten Zusammenrottungen. Auf Befehl des Stadtgouverneurs muhten die Straßenbahnen am Abend den Verkehr wieder aufnehmen. Die Streikleitung hatte sich vor der polizeilichen Liebermacht in Sicherheit gebracht und fluchtartig die Stadt verlassen. „Graf Zeppelin" in Berlin. Oben: „Graf Zeppelin" auf dem Flugplatz in Staaken. Darüber der winzige Bruder des „Graf Zeppelin" das Kleinluftschiff D. P. N. 28. — Unten: Die Führer des „Graf Zeppelin : Kapitan Flemming, Kapltan Lehmann und Dr. Eckener. I Nister Korells Etatsrede im Landtag. Darmstadt, 24.Juni. (WHP.) Vizepräsident Blank eröffnete die Sitzung um 10.20 Uhr zur Beratung der 7. Hauptabteilung des Etats: Ministerium für Arbeit und Wirtschaft. Minister Korell führt in seiner Etatsrede u. a. aus: Der Etat des Arbeits- und Wirtschaftsministeriums für 1930 oer- sucht, die für den ganzen Staatshaushalt not- wendige Forderung der Sparsamkeit in eigener Initiative zu erfüllen. Ich habe in der Zentrale zwei Referenten und zwei Stellen in der Registratur auf Inhaber gesetzt. Der neuernannte Ministerialdirektor versieht im Nebenamt die Stelle des Vorstandes der Landwirtschaftlichen Versuchsstation mit. Insgesamt sind die Stellen von 15 Akademikern und 47 Nichtakademi- kern auf den Inhaber gesetzt worden. Auch bei sachlichen Einrichtungen habe ich die Reorganisation und Vereinfachung begonnen. Das Gewerbemuseum soll aufgelöst und an das Landesmuseum und die Landesoibliothek angegliedert werden. Das Landesgestüt wird — zunächst versuchsweise — in die Hand von Privaten und Genossenschaften überführt werden. Ein Gewerbeaufsichtsamt soll aufgelöst werden. Die Selbstverwaltungskörper der Wirtschaft habe ich ersucht, ihre Budgets zu prüfen, ob Sparmaßnah, men möglich seien. Das Jahr 1930 ist ein ausgesprochenes Krisenjahr. Sein Charakter drückt sich am deutlichsten in der Zahl von 214 Millionen Erwerbslosen, die wir mitten im Sommer haben, aus. Am 30. April 1930 entfielen im Bereich des Landesarbeitsamts Hessen auf 1000 Einwohner 28,6 Personen in Arbeitslosenunterstützung, in der Stadt Mainz 27,5, in Worms 27,6, in Gießen 13,6, in Offenbach 39,7, in Neu-Isenburg 47,1. Die Gründe für die überaus hohe Zahl der dauernd Arbeitslosen im Lande Hessen erklären sich, abgesehen von dem Ruhrkampf und der Besatzung, aus der besonderen volkswirtschaftlichen Konstruktur Hessens. Der Prozentsatz der Klein- und Mittelbetriebe ist in Hessen hoher als der Durchschnittssatz im Reich. Diese Betriebe leiden besonders in Zeiten finanzieller und wirtschaftlicher Schwierigkeiten. Die K a p i t a l b e s ch a f f u n g ist bei ihnen noch schwieriger als bet Groß- und Konzernbetrieben. Es kommt als wesentlich hinzu, daß in Hessen Industrien besonders stark vertreten sind, bei denen der Einkauf ihrer Erzeugnisse in Krisenzeiten als zuerst entbehrlich eingeschränkt wird. Eine Volkswirtschaft, die im wesentlichen aus Spezial- und Verfeinerungsindustrie und intensiver Landwirtschaft besteht, wird in Krisenzeiten besonders schwer betroffen. Die Rekonstruktion und der Wiederaufstieg der Wirtschaft in unserem Lande ist abhängig von Maßnahmen, die das Reich ergreift. Als besonders wichtig sieht im Vordergrund die neue Kapitalbildung und die Senkung des Zinsfußes, was den Zinsfuß anlängt, fo haben bisher im wesentlichen nur die Großbanken ihre Soll- und habenzinsen dem gesenkten Reichs- bankdiskont angepaht. Die anderen Geldinstitute, besonders die öffentlichen Sparkassen, vergüten heute noch für Rormalspareinlagen 6,5 Prozent, für Termingelder 7,5 Prozent, bereits bestehende Einlagen können sogar mit 8 Prozent verzinst werden. Entsprechend sind die Sollfähe, die auch heute noch zwischen 10 und 12 Prozent liegen. Die Sparkassen befürchten bei Senkung der Habenzinsen eine Abwanderung in die achtprozentigen Pfandbriefe. In einer Konferenz ijabe ich versucht, eine Vereinbarung über Senkung des Zinses herbeizuführen. Es ist damit zu rechnen, daß in Kürze eine Senkung der Hypothekenzinsen erfolgt. Auch der landwirtschaftlichen Genossenschaftskasse ist von der Zen- tralkasse eine Senkung des Zinsfußes nahegelegt worden. Wie neues Kapital zu bilden ist, darüber besteht unter Theoretikern und Praktikern Meinungsverschiedenheit. Die Kapitalbildung durch die Spareinlagen der breiten Masse der Bevölkerung wird oft als nicht ausschlaggebend bezeichnet. Die andere Meinung schiebt das Prinzip der Selbstfinanzierung der Wirtschaft in den Vordergrund. Hier kämen ganz andere Summen heraus, wenn man durch Senkung der Löhne und Soziallasten, verbunden mit einer Preissenkung, die Selbstkosten der Betriebe herabsetze und so den Jnlandkonsum und den Export steigerte. Es steht fest, daß die Selbstfinanzierung in den vergangenen Jahren viele Betriebe zu übergroßen JnveskititiLiren in ©e bäuden und überstürzter Rationalisie-Vng verführt hat. Hier liegt ein Teilgrund für die hohe Ziffer der Dauerarbeitslosigkeit. Es steht ferner fest, daß eine Summe von etwa 8 bis 9 Milliarden Mari in Deutschland verdienten Geldes nach dem Ausland gebracht worden ist, um sich der höheren Besteuerung in Deutschland zu entziehen. Während man Steuererhöhungen aller Art, indirekter und direkter, für die in Deutschland gebundene Art der verschiedensten Berufe für national notwendig erklärt, rührt man an die Kapitalflucht nicht einmal mit einem moralischen Urteil an. Könnte man jetzt nicht die Auflegung der Steuerlisten anordnen? Eine Senkung der Löhne und Gehälter mühte d e n R e a l l o h n. der in Deutschland nicht überhöht ist, und dessen Bedeutung für den 3nlanD- konsum nicht unterschätzt werden darf, erhalten. Ob das bei der Konstruktion der deutschen Warenverteilung möglich ist, d. h. ob eine Senkung der Preise nicht nur für die Kartell- und Markenartikelprodukte, sondern auch für den gesamten Lebensbedarf der breiten Masse möglich ist, unterliegt starkem Zweifel. Als weitere Teilursache der Erwerbslosigkeit wird ost die übertriebene Sozialpolitik in Deutschland angesprochen. Der Gießener Professor horneffer, von dem neulich hier schon einmal die Rede war. spricht von der deutschen Sozialpolitik als einem »Frevel am deutschen Volk". Er hat in seiner Schrift in der unwissenschaftlichsten Weise einzelne Begleiterscheinungen unserer Sozialgesetzgebung verallgemeinert und daraus den Schluß gezogen, daß »der sittliche Geist unseres Volkes unter dem Einfluß dieser Gesetzgebung schwere Einbuße erlitten hat". „Diese Sozialgesetzgebung ist ^offenbarer Kommunismus." Don der Beschränkung der Arbeitszeit sagt er: „Diel verheerender noch ist ihrö Wirkung in sittlicher Hinsicht. Dadurch ist die Arbeit als solche in Verruf geraten", und „daß der Arbeitswille in unserem Volke bedenklich Abbruch erlitten hat." 3n diesem Hause hat sich der Abgeordnete Professor Werner, der doch jetzt Mitglied der Rationalsozialistifchen Arbeiterpartei ist, vor Horneffer gestellt und hat ähnlich wie der Professor in einer Erklärung gegen mich es so dargestellt, als ob ich an die Lehrfreiheit des Herrn Horneffer rühren wolle. Richts liegt mir ferner als dies, der ich in meiner Vergangenheit selbst unter der Einengung der politischen Redefreiheit zu leiden gehabt habe. Doch kann mich das nicht hindern, zu wiederholen, daß ich es bedauere, daß ein Professor der Gießener Llniversitat in der Öffentlichkeit solche Kränkungen der deutschen Arbeiterschaft ausspricht, wie ich dies ebenso beim Abgeordneten Werner bedauere, daß er sich vor Horneffer stellt. Fraglos sind in der Sozialpolitik M i ß st ä n d e vorhanden, die in einem fo großen Apparat niemals fehlen werden. Die Freunde der Sozialpolitik haben alle Ursache, tatsächlich vorhandene Mißstände, soweit es sich nicht nur um aufgebaufchte Einzelfälle handelt, zu beseitigen. Das zur Sanierung der Arbeitslosenversicherung vorgeschlagene Rotopfer der Feslbesoldeten ist überwiegend leidenschaftlichem Widerspruch begegnet. Es ist meine persönliche Meinung, daß eine Leistung der Festbesoldeten, allerdings sozial gestaffelt, im Interesse der furchtbaren Not von Angestellten und Arbeitern sich verantworten läßt, solange andere Wege nicht gangbar sind. Der Ansturm gewisser Kreise und die Finanznot der Städte Zur Geschichte -er -rutschen Bienenzucht. Von Albin Michel. Ob die alten deutschen Völker schon gewiße Anfänge der Bienenzucht kannten oder ob sie den Honig, den sie zur Zubereitung ihres Rationalgeträn- kes, des Mets, brauchten, nur von den wilden Dienen nahmen, mag dahingestellt bleiben. Da die Bienenzucht bei allen Völkern, deren Kulturgeschichte wir genauer kennen, schon betrieben wurde, ist es durchaus nicht unmöglich, daß auch die alten Deutschen bereits etwas von Bienenzucht verstanden Mit einiger Sicherheit ist aber doch anzunehmen, daß belfere Kenntnisse über die Bienen und ihre Behandlung erst von den Römern übernommen wurden. Um die Zeit, da die germanischen Völker mit den Römern zusammenstießen, war die Hausbienenzucht in Italien allgemein bekannt. In der römischen Hauptstadt selbst wie.in den Gärten der Großen und Reichen draußen in den Provinzen waren überall Bienenstöcke in großer Zahl anzutreffen. Römische Legionssoldaten, die ja Diele Bräuche und Einrichtungen in fremde Länder brachten, mögen dann auch in Deutschland Bienenzucht betrieben haben. Freilich, die Bienenzucht, so wie sie bei den Römern bekannt war, paßte für ein fo waldreiches Land, wie es Deutschland damals noch war, nicht recht, und die Deutschen waren zu dieser Zeit auch noch nicht für eine solche Tätigkeit geeignet. So verwandelte sich die Hausbienenzucht bei uns in eine Wcüd- bienenzucht. Rur in den Klöstern wurde häusig auch noch Hausbienenzucht betrieben. Da man in der mittelalterlichen Zeit den Zucker noch nicht kannte, wuchs der Bedarf an Bienenhonig besonders mit dem Aufblühen der Städte und mit der Entstehung eines wohlhabenden Bürgertums immer mehr an, auch wurde von der Kirche in stündig steigendem Maße Wachs gebraucht, und ebenso waren Wachskerzen zur Beleuchtung bei den Vornehmen sehr beliebt. So entstand überall in Deutschland ein besonderer Beruf der Bienenzüchter oder dec Zeidler. Zeidlerstrahen, Zeidlergaffen und Zeidlerplätze erinnern in manchen alten deutschen Städten noch heute an diese alten Imker. 3n größeren Städten und auch in vielen Landgebieten waren die Zeidler zu besonderen Zünften zusammengeschloffen. Angehörige dieses Berufes waren privilegierte Leute, hatten das Recht, Waffen zu tragen, unterstanden einem Zeidelmeister und einem besonderen Zunftgericht, dem Zeidelgericht, das auch Strafen festsetzen konnte. Cs gab Zeidlerzünste, wie die in der Umgebung von Rürnberg, die ihre Privilegien unmittelbar vorn Kaiser hallen, die meisten Privilegien jedoch flammten von den Landesfürsten, von Bischöfen und von Klöstern mit großem Landbesitz. Für das Recht, die Wälder als Bienenweide zu benutzen, hatten die Zeidler an den kaiserlichen Hof, an die Höfe der Landesfürsten, an Bischöfe und Klöster eine bestimmte Menge von Honig und Wachs abzuliefern.Außerdem waren ihnen öfter Hilfsdienste im Krieg auferlegt. Eigene Zeidlerordnungen fchühten die Bienenzüchter vorLlbergriffen der Waldausseher und anderer Angestellten. Schon im 13. Jahrhundert war die Zeidlerei in Deutschland ein weit verbreiteter Berufszweig. Besonders stark waren die Zeidler außer um Rürn- berg im nördlichen Teil von Sachsen und in der Mark Brandenburg vertreten. 3n Berlin, im heutigenReu- kolln, in Zeuthen, Schmöckwitz, Rüdersdorf und vielen anderen Orten, überall wohnten große Scharen von Leuten, die im Frühjahr hinaus in die Wälder zogen, um ihre Bienenvölker zu betreuen. Damals erschien dieser Beruf sehr nützlich, jedoch der Schaden, den die Zeidler in den Wäldern an- richteten, war weit großer als der Ruhen. Aus der deutschen Wirtschaftsgeschichte wißen wir, daß nach dem Ausgang des Mittelalters überall große Sorgen über die verschwindenden Holzvorräte begannen. Diese immer wieder beklagte Verarmung der deut» schen Wälder war zu einem großen Teil durch die Zeidler verursacht worden, weil sie nach der ganzen Art ihres Betriebes jedes Jahr große Waldverwüstungen anrichten mußten. Die Wohnungen für die Bienen wurden nämlich in dieBaumstämme gehauen, und um den Dienen genügenden Sonnenfchein zu geben, muhten auch die Däume entwipfelt werden. Dot die Entfernung einer Daumspihe noch nicht genügend Sonne, so verloren auch die benachbarten Däume ihre Wipfel. So standen überall Baumstümpfe in den Wäldern, die abfterben und nach und nach verfaulen mußten. Häusig wurden von den Bienen» züchtern auch große Waldbrände verursacht. Besonders dort, wo die Zeidler in großen Maßen auftraten, waren die Schäden in den Wäldern groß. Einsichtige Regierungen sahen das auch ein, und so wurden den Zeidlern mehr und mehr die Privilegien entzogen. |3n der Mark Brandenburg scheint es zu Beginn des achtzehnten Jahrhunderts schon keine beruflichen Zeidler mehr gegeben zu haben. Wenigstens geht aus einer vom Jahre 1702 stammenden märkischen „Flecken-, Dorff- und Ackerordnung" hervor, daß nun jeder Bauersmann Bienen halten muhte. In dieser Verordnung hieß es: „Weilen das Bienenhalten ein nützlich Ding und hierzu diese Lande bequem sehend, so soll ein jeder Dauer zum wenigsten vier Stocke, ein halber Dauer zwei und ein Cos- säte einen Stock zu halten und derselben fleißig zu warten schuldig sehn." Alle Schulzen und Schoppen wurden aufgefordert, streng darauf zu sehen, daß diese Verordnung befolgt wird und dah Bauersleute zu bestrafen seien, die sich nicht an diese Bestimmungen halten. Mit der stärkeren Einfuhr von Rohrzucker hatte man Denn auch an den Hofen keinen fo großen Bedarf an Honig mehr, und die Bienenzucht ging sehr stark zurück. Erst leit der Mitte des vergangenen Jahrhunderts nahm die deutsche Bienenzucht wieder einen kräftigen Aufschwung, wobei oft üandpastoren und Landlehrer mit einem guten Beispiel vorangegangen sind. Heute gibt es in Der Land- wirtfchaftlichen Hochschule in Berlin eine besondere Professur für Bienenkunde und auch ein Institut für Vienenkunde, das für die gesamte deutsche Imkerei von Wichtigkeit ist. Unbefannfe Adressaten. Dor Jahren wurde mal jemand gefragt: „Waren Sie schon in der neuen Rembrandt- Ausstellung?" Worauf er erwiderte: Ranu? Malt Denn der immer noch?" Diese Geschichte tonnte passiert sein, sie ist in anDerer Fassung sogar vorgekommen. „ 3m Jahre 1902 toutDe auf Der DüßelDorfer Kunstausstellung Das berühmte Bild „Madonna im Rofenhag" von Stephan Lochner gezeigt, Der bekanntlich zwischen 1426 und 1451 in Köln gelebt hat. Einige Tage nach Eröffnung der Ausstellung traf ein Bries in Düsseldorf ein mit Der Aufschrift: „Herrn Stephan Lochner, DüffelDorf, Kunstpalast. Sehr geehrter Herr 13n Der Anlage übersenden wir Ihnen eine Rümmer unserer Zeitung, in welcher Sie einen Artikel über 3hr Bild finden,sder Sie bestimmt interessieren wird." Der Brief konnte ebenfotoenig bestellt werden, wie ein Schreiben, das soeben in Rürnberg eingegangen ist. Es kam aus Reu- horkund lautete: „Herrn Albrecht Dürer, Rürnberg. Sehr geehrter Herr l Würden Sie die Güte haben und uns ein Exemplar 3hres Reiseskizzenbuches zusenden. Wir danken 3hnen und empfehlen uns 3hnen mit vorzüglicher Hochachtung .. .** '6 ist gerne geschehen. Die volksmähige Formel, mit der man einen Dank ablehnt, und die landschaftlich (Elsaß) auch scherzhaft gebraucht wird: ich kann nix dervor, 's ist gerne geschehen, d. h. bedauernd: nicht mit Willen, spöttisch aber: absichtlich, bewahrt wie die Zusammensetzung Gemegroh das e des Umstandswortes, das auf althochdeutsch gemo mit Verlangen, mit Freude zurück- geht. Das Wort ist gleichen Stammes mit dem Zeitwort (be)gehcen; im Alt- und Mittelhochdeutschen gab es auch ein Beiwort gern begierig, z. B. mhd. niugem neugierig. Heute ist der Einsilber gern nicht nur schrift- Deutsch, auch im Sprichwort heißt es: wer am Freitag lacht, weint gern (= leicht) am Sonntag, Die guten Schwimmer ertrinken gern, junge Leute werden gern betrogen, so auch in der Koppelung gut und gern: In Der Zeit konnte ich gut unD gern hundert andere Bogen schreiben (Lessing), und in Der MunDart: ich krieg gern Halsweh, das Holz wird gern wurmig. Die Bedeutung lieb liegt vor in der oft fpöttisch gebrauchten Redensart einen gern haben: du kannst mich gern haben, verfchieden von: das habe, hätte ich (für mein Leben) gern. Heute ersetzt man Durch „lieber, am liebsten" die Steigerungsformen, die noch im 18. Jahrhundert üblich find. 3n Schillers Räubern 4, 3 heißt es: Hab' euch immer am gernften gehabt: Goethe schrieb 1779 (Briefe, 4, 58) ich schied ungerner: auch sagt man noch mundartlich', je un- gerner man was tut, desto mehr geschieht's einem. Aber noch bei Sudermann, Lit.-Gesch. 192, lieft man: Sie hat den Rachbar gern, um so gerner, feit ich weiß, dah er an ihr hängt- C. M. Rückwärts, rückwärts, Oon Rodrigo! Ein in Paris lebender Spanier ist auf den „ausgezeichneten" Ginfall gekommen, einen neuen Weltrekord aufzustellen. Angeblich um einem dringenden Bedürfnis abzuhelfen, wollte er von Paris nach Lyon mit seinem Automobil rückwärts fahren, und hatte auch schon eine recht beträchtliche Strecke zurückgelegt, als sich die Pariser Polizei auf die Beine machte. Da diese mit ihrem Wagen vorwärts fuhr, konnte sie den Weltrekordler bald einholen und die Fahrt wegen dringenden Verdachtes der Verkehrsgefährdung unterbinden. So sind wir also „leider" um einen neuen Weltrekord gekommen, doch man darf hoffen, dah der Spanier irgendwo anders eine Strecke ausfindig machen wird, wo man ihm kein Hindernis in den Weg legt! 'Ps ha^gt, dorüb« fr Dei. W?. «burt, N r JJ* ^trirbr UNK den st^^st» fahren dich fc L S*Ä KL: jungen all« ’1C m Deutsch Mm Denise rubrt man an \ kinem mora- W nicht die ■en anorbnen? Milet mühte M nicht übet- it ben Inland» bars, erhal» n bet deutschen • ob eine Sen» !e Karteti» M uch für den der breiten M Zweifel, rwerbslosigteit ■UolitUin -messet, 1 die Äede war, •oliti! als einem r hat in seiner n Weise einzelne >)ialgesehgedung Schluh gezogen, wlkes unter dem ere Einbuße er- ;ebung ist offener Deschränkuna etheerenher noch Msicht. Dadurch uf geraten“, und m Volke bedenk» ^geordnete Pro- it Mitglied bet tteiist.votHnt» lie bet Professor es so borgeftcllt, heit bes Herrn liegt mir lernet rgangenfcit selbst chen Redesreiheit n mich das nicht ch es bedauere, mivrrsM in d.r n bet beutschrn ich dies ebenlo Ere, bah er sch .... '00” 3 _ „ aus- w die men d^jneö^! sjtik Mihstand« >hen ülpparal nie- e her Soyalpolitil o^handcne M>»' um aufgebauschie igen. losenverficherung AcstbkMien n Widerfprnch be- Uleinung, baB«« »*SC antworten >°ß>. ° *»■ ., g£5 Rillen, fpöiti^ SsZ? nut schuft- S*-«KÄ «S***«!? Mundor'- «* n^.em-nurn"g- I der 0'7^ kannst n ^habe,bä-t- -"i-L^an durch le die noch ingcd ,se, 4, öo> . yti» fnun^oht,öeine0U Arsch-seil w urtb Gemeinden drängt immer heftiger auf E r» Höhung der Mieten und Lockerungder Wohnungswirtschaft. Einer di« Massen wirklich belastc.iden Erhöhung der Mieten werde ich für Hessen meine Zustimmung nicht geben. Abg Wesp (Zentr): Die christlichen Gewerk» schäften halten an dem vorübergehenden allgemeinen Notopfer fest. Wir müssen versuchen, die Kaufkraft auch ohne Steigerung der Löhne zu erhöhen. Einem Lohnabbau muh er ft die tatsächlich erfolgte Senkung der Konsumentenpreisc vorauegehen. Ohne Sozialversicherung stunde das deutsche Volk auf dem Aussterbeetat. Das Haus stimmt den Kaoiteln Hochbauwesen. Denkmalspflege, sowie den gesamten Iustizkapiteln tu. Sämtliche Abbauanträgc werden von r Koalition abaelehnt. Es folgt der Gesetzent- trf über di« Abänderung des Finanz» us g l e i ch s a e s e h e s. Abg. Dr. Leuch t genS (Ldbd.) lehnt, die Aendcrung ab, wenn er auch der Ueberführung der Mineralwassersteuer in einen Au-gleichsstock zugunsten besonders belasteter Gemeinden zu- stimmt. Aba.Lux (Soz.) stimmte der Dorlage zu, die eine weitere wirkungsvolle Maßnahme zur Linderung der Hot der Erwerbslosen und der schwer ringenden Industriearbeitergemeinden bar» stelle. Abg. Weck le r (3) fordert, bafi die IS Millionen nicht einigen betrieben zufliehen und in erster Linie die Ausgesteuerten wieder Arbeit erhalten. Abg. Scholz (D. D.) stimmt der Schaffung, eines Ausgleichsstockes auS der Mineralwassersteuer zu, nicht aber aus einem Abzug an den kommunalen Einkommens-. Körperschaft-- und Llmsatzsteueranteilen. Minister Ä o teil bedauert die Haltung der Deutschen Volkspartei. Hessen kann nicht mehr länger warten, bis das Reich hilft. Das Schiedsverfahren zwischen Staat und evangelischer Landeskirche. Wie der Evangelische Presseverband für Hessen mitteilt, ist am 16. Juni d. 3. das zwischen dem Staate und der evanaelischen Landeskirche vereinbarte Schiedsgericht im Gebäude bes DerwaltungSgerichtShofes zum ersten Male zusammen getreten, nachdem nach längeren Verhandlungen zwischen den Parteien eine Einigung über die Besetzung gelungen war. Den Vorsitz führt Präsident der Oberrech- nungSkammer und des VerwaltungSgerichtShofeS i. R. S u f f e r t ; die vom Staate berufenen Beisitzer sind Landgerichtsbirektor Müller unb LandgerichtSdirektvr Kleinschmidt: die von der Kirche berufenen Beisitzer sind Oberlandes- gerichtsrat i. R. Welcker und Professor deS öffentlichen Rechts an der Universität Frankfurt am Main Dr. Diese. 3m Anschluß an die Konstituierung deS Schiedsgerichtes fand in Anwesenheit der Parteien eine Aussprache statt, bei der über die Frage verhandelt wurde, wie am zweckmäßigsten die umfangreiche unb schwierige Materie bewältigt wirb, um im 3nteresse beider Teile zu einer baldigen Entscheidung zu gelangen. Hierbei wurde auch bie Gestaltung doS Verfahrens im einzelnen erörtert. — Die Finanzlage bet Landeskirche gebietet eS, daß wenigsten- über einen Teil der strittigen Fra- gen möglichst bald eine Entscheidung gefällt wird. Es fei hierzu darauf hingewiefen, dah die Landeskirche zur Aufrechterhaltung ihrer Finanzgebarung trotz der größten Bedenken zu außerordentlichen Maßnahmen hat greifen muffen: Reben schwerwiegenden Gehaltskürzungen und Aufrückungseinschränkungen muh zur Zeit etwa jede sechste und siebente Pfarr- stclle aus finanzieren Gründen von bet Kirche unbesetzt gelassen werden. Der preis- und Lohnabbau. Berlin, 24.3uni. (CNB ) Wie in politischen Kreisen verlautet, sind die direkten Verhandlungen zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern über das Problem der Preis» und Lohnsenkung, das trotz aller Schwierigkeiten bisher immer noch in der Schwebe gehalten wurde, nunmehr als beendet anzusehen. Es wurde heute vereinbart, daß der Reichswirtschaftsrat diese Frage weit«"-- behandlen soll. Damit sind also die direkten Verhandlungen g e f ehe i te r t. Ein« Erklärung der freien Gewerkschaften betont, daß weitere Befpre» chungen keinen Zweck hätten, weil sie nur in einer Atmosphäre des Vertrauens geführt werden tonnten, während die Arbeitgeber durch eine Reihe von Maßnahmen in der letzten Zeil starkes Mißtrauen geschaffen hätten. 3n Wirtschaftskreisen wird diese Entwicklung sehr bedauert, da man sich ursprünglich von direkten Verhandlungen einen besseren Erfolg versprochen hatte, als er nun vom Reichswirtschaftsrat zu erwarten fein dürfte. Oer Reichebund der höheren Beamten gegen das Rotopfer. Berlin, 23. 3uni. ($11.) Der Reich-bund der höheren Beamten veranstaltete am Montag eine Kundgebung gegen das Rotopfer. Am Schluß gelangte einstimmig eine Entschließung zur Annahme, in der eS heißt: Belastungen einzelner Berufsstände, deren Einkommen dem Zugriff besonders offen liege, seien ungerecht, unsozial und staat-gefährlich. Das Berufsbeamtentum dürfe nicht zum (Segenftanb solcher Experimente gemacht werden. Wer ein geordnete- Staatswesen wolle, bejahe damit auch die Rotwendigkeit einegesicherten, von Konjunkturschwankungen unabhängigen Berufsbeamtentums. Das Finanzprogramm sei unbeschadet einer steuerlich gerechten und wirtschaftlich tragbaren Steuerreform sowie einer lückenlosen Durchführung der Steuergesetze von der Ausgabenseite her zu lösen. Insbesondere sei eine Vereinfachung und Verbilligung der öffentlichen Verwaltung durch organische Maßnahmen unabweisbar. Sine solche, aber nicht ein schematischer unb willkürlicher Abbau, werde die Zustimmung und Mitwirkung der höheren Beamtenschaft finden. Aus der Provinzialhaupistadi. Dießen, den 25. Juni 1930. S00 Jahre Gchtffei.derg. Am 5. und 6. Juli findet, wie schon kurz berichtet, auf dem Schis jenberg di« 800-Fahrfeier der Gründung de» ehemaligen Kloster» Schiffenberg statt. Mehrere Ausschüsse, bw schon feit einigen Wochen eifrig an der Arbeit find, bereiten da» Fest vor. Es soll keine rauschend« Veranstaltung, lonbern eine schlichte Feier werden, die dem ürnfte der heutigen Zeit Rechnung trägt. Am Samstag, 5. Juli, soll auf dem Schlfsenberg eine Vorfeier stattsinden, zu der jedermann unentgeltlich Zutritt haben wird. Bei dieser Feier wird die Beteiligung sämtlicher Vereine von Gießen und au» den Orten um den Schlfsenberg herum erwartet. Die Darbietungen des Abends werden aus Gesanas» und Musikoorträgen bestehen, ferner soll zwanalose Geselligkeit mit uiu erhalten den Vorträgen usw. den Besuchern einige frohe Stunden bereiten. Die f) a u p t f e ie r am Sonntag, 6. Juli, wird nachmittag» die Aufführung de» von Oberspielleiter Tannerl unb unserem Heimatdichter Georg Heß, Leihgestern, verfaßten Festspiel» „Alte und neue Zeit" bringen. In diesem Festspiele wer- den die bedeutsamsten Ereignisse au» der Geschichte des Schisfenbergs jur Darstellung gebracht. Dabei finden historische Kostüme unb Uniformen, ferner die Hüttenberger Tracht usw. reiche Verwendung, so daß sich vor den Augen der Besucher ein farbenprächtiges Bild abrollen wird. Rach der Festspiel» aufführung soll srohgestimmtes Volksfest fein, bei dem Konzert unb auch Tanz im Freien bie Besucher unterhalten werden. Die Veranstaltung am Sonntag, einschließlich der Festspielaufführung auf dem Schiffenberg, soll gegen ein ganz geringe» Eintrittsgeld jedermann zum Besuche offen- flehen. Man hat das Eintrittsgeld absichtlich nur auf wenige Groschen festgesetzt, um unter den heutigen Verhältnissen auch den gering bemittelten Mitbürgern den Zutritt zu ermöglichen. Näheres hier- über wird in den Anzeigen noch bekanntgegeben werden. Zur Bewältigung des zu erwartenden starken Verkehrs sind weitgehende Maßnahmen in Dor- beremmg. Es ist ins Auge gefaßt, für den 6 Juli nachmittags einen Kraftomnibusverkehr der Kraftverkehrsgesellschaft Hessen zwischen Gießen unb dem Schisfenoerg mit weitgehendem Einsatz von Wagen und in kurzer zeitlicher Folge einzurichten. Diese Verbindung soll bis zum späten Abend ständig auf- rechterhalten werden. Auf der Strecke Gießen— Garbenteich—Birklar soll ein Kraftomnibusverkehr in verstärktem Maß« entsprechend den Verkehrs- bedürfnissen zur Durchführung kommen. Ferner wird eine stärkere Derkehrsverblndung auf der Strecke Gambach—Gröningen—Watzenborn-Steinberg—Schiffenberg geplant. Durch diese günstigen 7 ' merbinhungen soll den Festbesuchern der Weg nach l.’iu Schiffenberg angenehm und bequem gemacht werden Auf dem Schiffenberg selbst werden umfassende Vorbeveitungen getroffen, um den Besuchern den Aufenthalt recht angenehm zu gestalten. Daten für Tonnrrötafl, 26. Juni. 1583: der schwedische Staatsmann Axel Oxen» ftlerna auf Fano geboren; — 1824: der englische Physiker Lord William Thomson in Belfast geboren; — 1841: der Architekt Paul Wallot in Oppenheim am Rhein geboren; — 1918: der österreichische Dichter Peter Rosegger in Krieglach gestorben. t*ornoti,Kii- — Tageskalender für Mittwoch Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Tonfilm „Das Rheinland» mädel". — Vorn Konzertverein wird un- geschrieben; Alle musikliebenden Kreise feien nochmals auf das am Donnerstag, 26. b. M., 20 Uhr, in der Stadtkirche stattfindende Konzert hinge- wiesen. DaS zur Aufführung kommende Werk „Die Kunst der Fuge" von Ioh. Seb. Dach, das biS jetzt infolge seiner großen Anforderungen an Zahl und Leistungsfähigkeit des Orchesters nur in einigen Großstädten aufgeführt werden konnte, hat überall einen tiefen Eindruck hinterlassen. Wenn durch die Opferwilligkeit unb uneigennützige Hingabe von Dr. TemeSvarh unb feinem über 60 Köpfe starken Orchester bie Ausführung in Gießen ermöglicht wird, bann ist es eine Ehrenpflicht beS musikliebenden Publikum-, bem Konzert burch ein au-verkauste- Haus zu einem Erfolg zu verhelfen. Die Eintrittspreise sind sehr niedrig bemessen. — Stahlhelm-Hochschulgruppe Gießen Am Freitag, 27 d. M., 20 Uhr, spricht im „Postkeller" Dr. Stabiler (Berlin) in einer Studentenoersammlung über „Stahlhelm, National» sozialismus und nationale Front". (Dgl. bie heutige Anzeige.) ** Akadem i l ch erFestaktanläßlichder Augustana-gubelfeier. Die Theologische Fakultät ber Landesunioersität veranstaltet anläßlich der Augustana.Jubelfeier 1930 am Sonntag, dem 29. Juni, 11.30 Uhr, in der Neuen Aula der Universität einen Akademischen Festakt. Den Festoortrag hält Professor D. Bornkamm Die evangelische Bevölkerung ist zu der Veranstaltung eingeladen. (Dgl. die heutige Anzeige.) ¥e Zapfenstreich anläßlich der Rheinlandräumung. Auf Befehl d«- ThefS der Heeresleitung findet in allen Standorten anläßlich ber Räumung beS Rheinland«- am 30. b. M.. abend-, ein großer Zapfenstreich statt. Der Zapfenstreich be- 1. (Hess.) Bataillons Inf.-Reat. 15 marschiert um 22 Uhr von ber neuen Käfern« ab. Der Weg führt über bie Licher Straße, Ludwig-Platz, Dartenstraße. Sud- anlage, Seltersweg. Wa2torstraße. Ostanlage, Landgrafenstraße zum Landgraf-Philipp-Platz, wo um 22 30 Uhr ber Zapfenstreich stattfindet. Rach Beendigung deS Zapfenstreiche- findet ber Rückmarsch burch bie Landgrafenstraße, Ostanlage. Moltkestraße, Kaiferallee zur Kaserne statt. "Straßensperrung. Da- Hessische Doli- »eiamt teilt mit: Wegen ber 25. Gießener 3ubi- läumS-Regatta der Gießener Rubergesellschast 1877 e. V. ist bie Bvot-hau-straße zwischen bem Bootsbaus ber Gießener Rubergesellschast unb der Unterführung an der Gdertzraß« am 28. unb 29. b. M. von 14 bl» 19 Uhr. für bat Publikums- Verkehr gesperrt. " Der Gustav-Abolf-Zweigveretn Gießen hielt leim Jahresfeier am Sonntag- nachmittag in Steinbach ab. Sowohl ber Fest- gottesdlenst wie die Rachversammlung waren von Der Gemcinbe und zahlreichen auswärtigen Gästen stark besucht. Der Festprediger, Psarrer K a I b - Henn von Großen-Buseck. verstand es, im Anschluß an 1. Kor. 13.13 bie Herzen au erwärmen für bie große Arbeit des Gustav-Adolf-Vereins, indem er aus persönlicher Erfahrung von dem Werden junger Diasporagememden mit ihrem Innigen Gemeindeleben berichtete. In ber Rach- versammlung erstattete nach einem herzlichen Begrüßung-wort bes Ort-geistlichen, Pfarrer K r ä - m er, ber Schriftführer oe- Zweigverein-.Pfarrer Decker (Gießen) den 3ahre-b«richt unb wie- auf da- tapfere DekenntniS der Diaspora in der Geschichte hin. Psarrer Draubt (Lich) hielt bann, unter Zugrundelegung von Psalm 116, 12 di- 14, eine packende Ansprache über die religiöse Begründung aller Gustav-Adolf-DereinS- arbett al- Dank für die erfahrene Wohltat Gottes Wenn Ihre Empfehlungsanzeige in der Freitags- oder In der Samstagsnummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung werben soll dann geben Sie sie bitte spätestens Im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags In der Geschäftsstelle auf in Jesus EhristuS. Der Gotte-dienst unb bie Rachversammlung wurden bereichert durch schöne Ehöre des Männergesangverein- Germania, gute Musik de- PosaunenchorS Lich unb einige feine Lieder von Frau Pfarrer Steiner von Hausen. Zwischen Gotte-dienst und Rachversammlung waren die auswärtigen Besucher die herzlich aufgenommenen Gäste der Mitglieder des Frauenverein- Steinbach. SS war ein schöne- Fest, dessen Gelingen besonder- der guten örtlichen Vorbereitung zu danken ist unb besten Wiederholt bei den Bewuchern auch da- erfreuliche Resultat der Festkollekte mit 81,10 Mark zeigte, welche zu gleichen Teilen für eine hessische unb eine österreichische Gemeinde bestimmt wurde. •• 11. Bundestag des Hessischen Beamtenbundes C D. Man schreibt uns: Der Hessische Bcamtenbund L. B. (Spitzenorganisatlon von 10 000 hessischen Staatsbeamten, Polizcibeamten und Lehrern) versammelt seine Vertreter zum 11 Bundestage In Jugenheim a. d. Bergstraße Sonntag, 29. Juni. Professor Dr. Friedländer wird einen Vortrag halten über „Sparkommissar und Not- opfer der Beamtenschaft*. Angesichts der scharfen Angriffe auf die materielle und rechtliche Stellung de» Berufsbeamtentum» kommt dem diesjährigen Bundestage eine besondere Bedeutung zu. •• Reichsbahnpersonallen. Ernannt wurden: Zivilsupernumcrar Jünger von Gießen, xur Zeit in Ufingen, zum ReichSbahnober- fckretar, Reichsbahnafsistent Karl Sauer in Gießen zum ReichSbahnsekretär, Reservezugführer Haberfack in Stockheim «um Zugführer, Weichenwärter Jung in Lollar zum Stellwerk-- meister, Hilf-weichenwärter Port in Ehringshausen zum Weichenwärter, Hilf-ladeschafsner Küster und Reinstädtler in Wetzlar zum Ladeschaffner unb Hilf-zugschassner Blecher in Friedberg »um Zr^schafsner. Verseht wurden: Dahnhos-inspektor Drettnich, früher in Gießen, von Au (Sieg) nach Butzbach al- Leiter deS Bahnhof-, Reich-oahnoberfekretär Schneider von Limburg nach Gießen, Technischer ReichS- bahnoberinfpektor Wittlich von Lauterbach nach Wetzlar zum Reich-bahnbetrieb-amt Wetzlar, Technischer Reich-bahninspektor Ioh. Rothe von HerSseld nach Lauterbach, Reich-bahnober- sekretär B o r n h u s e von Selter- nach Weilburg unb Zugführer fitcamann von Friedberg nach Bad Homburg. In den Ruhestand versetzt wurden: Lokomotivführer Wilhelm Kober in Ridda, Weichenwärter Ioh. Jost Lang in Gladenbach und DahnhosSschassner Jost CD a g ne t in Gießen. ** Die Maul- unb Klauenseuche in Bauernheim (Kreis Friedberg) ist erloschen. Kirche und Schule. 40 jähriges Bestehen des posaunenchors Lang-Göns. 4- Lang-GönS, 22. Juni. Vom schönsten Sommerwetter begünstigt konnte ber Lang-Dön- ser Posaunenchor, der weit über Hessen- Grenzen bekannt ist, am heutigen Sonntag das Fest seine- 40jährigen Bestehen - feiern. Rachdem am Samstagabend für geladene Gäste im evangelischen Gemeindehaus eine kleine Vorfeier abgehalten worden war, begann bie Feier am Morgen mit einem Konzert des Posaunen- chor- auf dem Kirchplah. In bem Festgotte-- dienst predigte Pfarrer Waldeck (Darmstabt). der früher hier in Lang-Göns al- Seelsorger wirkte. AuSgehenb vom Gleichnis vom Senfkorn erinnerte er zunächst an bie Wiederkehr deS TageS, an dem vor 400 Jahren bie Augsburger Konfession überreicht würbe. Sodann ging er auf bie Entstehung und da- Weiterwachsen des PofaunenchorS naher ein. Gegründet wurde der Chor vom Schäfer Bo Iler unb entwickelte sich aus kleinen Anfängen bis xur heutigen Höhe. Der jetzig« Leiter, zugleich Der- banb-leiter ber overhesfischen Pofaunenchöre, Weißdinbermeister unb Kirchenvorsteher Kari Boller, ist der Vvhn be- Gründer-. Umrahmt wurde ber Gottesdienst von Darbietungen bet Posaunenchöre Lang-Gön-, Gambach, Krein-Linden unb Gießen. Zum Schluß langen ber Gemischte Ebor, verstärkt durch Mitglieder der hiesigen Gesangvereine, und die Gemeinde unter Orgel- unb Polaunenbegleitung das Lieb .Herr Gott, dich loben wir!" Am Rachmittag schloß sich ein Mission-- ' an. Rack den unb gemeinsamem Liede sprach Dsarrer Kornmann (Rodheim a d. Horloff) übet die Aufgabe ber Mission. Daran schlossen sich Au-süh- rungen be- Missionar- Deckmann von der Doßnermission. der von seiner 23jährigen Tätigkeit in Indien erzählt«. Rach einer Kasseepauf« folgte eine Rachversammlung, aus der von Pfarrer Lenz (Dießen) unb Missionar Be ckm a n n weitere Ansprachen gehalten wurden. Unter den schattigen Linden unsere- Kirchplatze- sanden alle Besucher, auch aus den umliegenden Orten, besonders aus Holzheim waren zahlreiche Gäste erschienen, einen angenehmen Platz. Leider wurde da- Fest durch die vielen vorübersahren- den Auto- etwa- gestört. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt bie Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Der Andrang zu den höheren Schulen. In der Sitzung dc» Hessischen Landtag» nom 16. Juni wurde bei dem Kapitel „Höhere» Schulwesen" über den Andrang zu den höheren Schulen geklagt. Hierzu sei folgende» bemerkt: Wer ift schuld, daß der Andrang so groß ist? Warum wird heute für |cbe Art der Ausbildung im otaate», Gemeinde- und Privatdienst, auch Im Handwerk höhere Schulbildung verlangt? Bei der Beamtenlaufbahn mit Vorschrift der Odersekundareife werden nur iwch Leute mit Unterprima eingestellt, bei solcher mit vorgeschriebener Unterprimareife nur solche mit Abitur. Früher konnte jeder tüchtige Volkoschüler Beamter werden, jetzt ist das vorbei. Selbstoerständlich hat jeder den Drang, seine Kinder etwa» Tüchtige» werden zu lassen, wenn er jedoch die Einstellungs» bedingungen erfährt, so bedeutet da» für Zungen oder Mädchen die höhere Schulbildung. Da» ist zMI- dungswahn. der seyr viel zur Verteuerung beiträgt. Wieviel tüchtige Architekten, Ingenieure, Baumeister, Handwerker, Kaufleute, Beamten und Lehrer haben die Dolk»schule besucht! Warum geht die» heute nicht mehr? Einer au» der Dolk» schul«. Berliner Börse. Berlin, 25. Juni. (WTB. Funkspruch.) Der heutige Dormillag»verkehr liegt wieder außerorbent» lich still. Die erneut« Abschwächung in Neuyork Der» stimmt natürlich. Man wartet allgemein ab, ob die Deckungen zum Ultimo, die gestern zu b«obaAten waren, sich auch heute sortsetzen werden. Kukse sind nach nicht zu hören. Am Devisenmarkt nannte man London argen Kabel 4,86, Lodon gegen Berlin 20,3875, London gegen Mailand 92,77, London gegen Madrid 42,00 London gegen Pari» 123,78, Kabel gegen Berlin 4,1950. Oie Wetterlage. In Qi ’M O tz Val <7 uf m •4.5 / 7® @47-, O Oerlin O O q latent ©vortcniovO *enr- »wj **<9^*1 < Sger >u6$uo-en c< >tur*4vteu umpcrerbnairn lultdruci Wettervoraussage. Durch den weiteren Kaltlusteinbruch an der Südseite der nordischen Störung kam es auch aeftem wieder zu verbreiteten Gewittern mit Riederschlag, wobei dir Temperaturen einen Rückgang erfahren haben. Der Zustrom ozeanischer Lust hält zunächst an. so daß sich auch die Witte- rung noch etwa- wechselhaft gestaltet. Vorübergehend wird noch Bewölkung auftreten, die vereinzelt auch au gewitterartigen Schauern neigen wird; jedoch ist mit dem dauernden Zustrom kalter Luft Druckanstieg verbunden, so daß sich das Wetter allmählich wieder beruhigen wird. Die Temperaturen halten sich zunächst noch in mäßigen Grenzen, werden aber später unter dem Einfluß der Sonnenstrahlung wieder anftetgen. Aussichten für Donner- tag: Teil- heiter. tell- wolkig, zeitweise noch Rcigung zu vereinzelten Schauern, Temperaturen später wieder etwa- ansteigend. Au-sichten für Freitag: Etwa- ruhigere-, jedoch immer noch wechselhafte- Wetter. Weiße Zähne: Chloroclont Denken Sie an Stoffe, denken Sie an L Bernard ULTRASIN - Brillengläser behüten Ihre Augen vor Überanstrengung TRA Die evang Bevölkerung ist herzlich dazu eingeladen / D. BERTRAM E Ständige Muster-Ausstellung von zirka 50 Zimmer- u. 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Juni 1950 Oie Angestellten fordern Erfahkaffen. Don He.mich Auerbach Schon bei der im Herbst 1927 erfolgten Umgestaltung der Erroerbslosenfursorge in die Arbeitslosenversicherung sorderlen die Angestellten die Zulassung von Ersatzkosten, ähnlich wie in der Krankenversicherung, wo sich die Berusskasten der großen Angestelltenoerbönde bestens bewährt hoben. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo diese deruss- ständische Forderung und Selbsthilfe auch in der Arbeitslosenversicherung erfüllt werden muß. Denn immer deutlicher zeigt sich die Unholtbarkeit des jetzigen Ausbaues der rund 20 Millionen verschiedenste Arbeitnehmer ersassenden Arbeitslosenversiche- rung. Die Vorteile der Ersatzkosten liegen nicht nur auf Seiten der Angestellten, sondern ebenso sehr im Interesse der Gesamtheit. Der Staat, der heute ohnehin stark mit sozialen und anderen innerpolitischen Aufgaben überbürdet ist, würde entlastet und die Verantwortung in die Selbstverwaltung der davon Betroffenen gelegt. Im übrigen kann die staatliche Arbeitslosenversicherung den besonderen verufspolitischen Ansprüchen der Angestellten gar nicht gerecht werden, denn sie trägt den ausgesprochenen Charakter einer Arbeiteroersicherung. Das ist natürlich, da die Zahl der gewerblichen Arbeiter um ein mehrfaches höher ist, als die der Angestellten. Als besonders hart empfinden jetzt die Angestellten, soweit sie durchschnittliches oder überdurchjchnitt. lichcs Einkommen beziehen, daß sie in den höheren Lohnklassen zwar höhere Beiträge bezahlen müssen, aber, gemessen am Einkommen, wesent - l i ch geringere Unterstützungssätze beziehen, als die unterdurchschnittlich bezahlten Arbeitnehmer. In der Ersatzkasse aber können Beitrage und Leistungen den besonderen Verhältnissen des Berufsstandes angepaßt werden; die Leistungen z. B. hinsichtlich der Auszahlungszeiten und Wartesristen Beim Weggang aus einer Stellung verfügt b?r Kaufmannsgehilse normalerweise noch über ein Monatsgehalt, während er nach einer Stellenlosigkeit beim Neuantritt einer Stellung erst einen Mo- nat warten muß, bis er wieder Geld in Händen hit. Auch kommen die für die gewerblichen Arbeiter durchgeflihrten Notstandsarbeitcn für die kaufmännischen Angestellten durchweg nicht in Frage, da- gegen könnte eine andere Art der Arbeitsverpflichtung erfolgen, vornehmlich die berufliche Weiterausbildung. Hier könnten jüngere Versicherte zur Teilnahme an Bildungskursen usw verpflichtet werden, unter Androhung des Verlustes von Sei- ftungsanspruch bei Nichtteilnahme usw. Ferner betrifft die Stellenlosigkeit besonders die alteren kaufmännischen Angestellte viel länger, als durchschnittlich die aewerblichen Arbeiter. In einer Einheitskasse ist selbst beim Vorliegen triftiger sozialer und wirtschaftlicher Gründe eine besondere Bebandluna der Angestellten nicht möglich Die Nöte der nlt?ren stellenlosen Angestellten, die die deutsche Oeffentlichkeit schon längere Zeit beschäftigen. könnten durch die Ersatzkosten wenigstens gemildert werden. Aus all diesen Gründen wehren sich die Angestellten sehr stark gegen die geplante Erhöhung der A r b e i t s l o se n v e r s i che r u n o s b e i- träge auf 4'/- v H. und das um so mehr, weil sie trotz dieser sehr bedeutenden Beitragserhöhung eine weitere Leistungskürzung erfahren würden Da na* einer Erhebung im Februar 1929 bei 165 000 männlichen Kaufmannsrehilfen das monatliche Durchschnittsgehalt einschließlich oller Zulooen Gratifikationen, einmaligen Bezügen usw 267,63 Mark befräot, andererseits fast fin Viertel oller befragten Koufmonnsgehilfen unter Tarif bezahlt wird, so erscheint auch noch dieser Seite hin eine weitere finanzielle Belastung der Angestellten ohne Gegenleistung unerträglich. Es handelt sich nun nicht darum, daß sich die Angestellten durch die Ersatzkaste aus der allgemeinen Gesahrengemeinschast mit den übrigen Arbeitnehmern völlig herauslösen wollen und sich etwa als Sutes Risiko unter den Arbeitnehmern in dieser rage betrachten. Die Stellenlosigkeit gerade der kaufmännischen Angestellten ist gewaltig gewachsen. Nach den Feststellungen der öffentlichen Arbeitsämter waren Ende April 1930: 190 259 kaufmännische und BureaiiangesteUle als Arbeitsuchende verfügbar. Die Zahl ist inzwischen erheblich höher geworden. Den meisten, selbst berufs^üchtigen An- gestellten ist es heute überhaupt unmöglich, eine neue Stellung zu erhalten. Sogar die Ostern aus- gelernten Lehrlinge werden hiervon bereits betroffen. Um jedoch auch den Sä-ein einer bevorzugten Behandlung der Angestellten im Rahmen der Ar- beitskosenoersicherung zu vermeiden, würde es sicherlich genügen, die Ersatzkassen gegebenenfalls an den Kosten der Reichsanstalt zu beteiligen. Der Ruf nach Selbstverwaltung der einzelnen Berufsstände ist gerade in den letzten Jahren sehr laut erhoben worden. Hier bietet sich einer aufstrebenden Berufsschicht die Gelegenheit, diese Forderung in einem wichtigen Zweig der Sozialversicherung zu verwirklichen. Die Angestellten hätten kein 'Verständnis dafür, wenn man ans der Nachkriegsidee heraus, olles zwangsweise durch den Staat regeln und ordnen zu mollen, ihnen dieses Selbsir>erwalkungsrecht verweigern wurde. In der Krankenversicherung und auch beim Arbeitsnachweis Haden die großen Angestelllenveibände aus eigener Kraft mustergültig Selbsthilfe- cinrichtungen geschaffen. Sie Hoden also den Beweis geliefert, daß sie ohne Bevormundung des Staates ihre Berufsangelegenheiten auf wichtigen Gebieten selbst regeln können. Cs muß Deshalb erwartet werden, daß bei den bevorstehenden Beratungen im Reichstag über die Reform der Arbeitslosenversicherung den großen Angestelltenver- bänden die Denehmiguna erteilt wird, auch auf diesem Gebiet praktische Selbsthilfe zu üben. Turnen, Sport und Spiel. Wassersport-Verein Hellas Gießen. Am 21. und 22. Juni fand in Frankfurt a. 1 das erste diesjährige Treften der Q3cr- bandsvereine des Eüdd. Ruderverbandes statt. Don den Gießener Derbondsvereinen beteiligte sich der Wassersportverein Hellas in drei Einer- und einem Vierer-Rennen an dieser Regatta. 3m Anfänger-Einer vertrat Karl Decker die Farben seines Vereins. Ein Sieg war ihm jedoch nicht beschieden, er mußte sich sogar von dem Mainzer Skuller Leicht mit 6 io Sekunden auf den dritten Platz verweisen lassen. 3m 3ungrnann-Einer startete K. D e ck e r ebenfalls und mußte auch hier den Sieg dem favorifierten Offenbacher Kümmel überlasfen. Er belegte jedoch den zweiten Platz und konnte den Mainzer Leicht, welcher ihn im Anfänger- Einer auf den dritten Platz verwies, so weit hinter sich lassen, daß dieser die Erfolglosigkeit des Ruderns einsah und das Rennen aufgab. Dei weiterem intensiven Training wird Decker noch ein nicht zu unterschätzender Gegner werden. Tie Mannschaft W. Staffel, K. Lipp, Fr. Loh, K. S t r a ck, Steuer: A. Sch ö n- d o r f, bestritt am Samstag das Vorrennen zum ersten 3ungmann-Vierer gegen Alemannia, Frankfurt a. M. und tonnte sich mit einem Vorsprung von vier Bootslängen die Teilnahme am Hauptrennen sichern. Das Hauptrennen am Sonntag brachte der Mannschaft jedoch nicht den erhoff ten Sieg, sondern sie mußte sich nach hartem Kampf gegen Amicitia Frankfurt mit einer Länge geschlagen bekennen. Andine Höchst gab das Rennen bei 1700 Meter auf. Den schönsten Erfolg errang Albert S ch ö n d o r f vom Wassersport- Verein Hellas, indem er den in den letzten 3ah- ren siegreichen Mannheimer Skuller A. Gut- fr u ch t im ersten Senior-Einer überlegen schlug und damit dem Wassersport-Verein Vorwärts Mannheim, welcher in nicht weniger als 10 Rennen Sieger blieb, die einzige Niederlage beibrachte. Durch diesen Sieg hat er sich die erste Anwartschaft auf die Meisterschaft erworben, welche im August in Mainz ausgctragen wird. Zum 3nnior-Einer hatte Hellas ebenfalls Schöndorf gemeldet. Leider mußte dieses Rennen ausfallen, da kein Gegner gegen ihn antrat. Arbeiter-Turn- und Sportbund. Vorrundenspiel um die Kreissestmeislerschasl. 3. Bezirk — 6. Bezirk 4:1. In Heuchelheim standen sich am vergangenen Sonntag die besten Spieler genannter Nachbarbezirke gegenüber, um im ersten Vorrundenspiel zu ermitteln, welche Cif von Den weiteren Spielen zur Kreisfestmeisterschaft ausfcheiden sollte. In glühender Sonnenhitze stellten sich die Mannschaften 6. Bezirk (Blauweiß) und 3. Bezirk (Schwarzweiß) dem Unparteiischen. Vom Anstoß ab setzte ein temperamentvolles Spiel ein. In der zwölften Minute wird eine Flanke vom Mittelstürmer der Schwarzweißen zum Führungstor eingedrückt. Wenige Minuten fpatcr schon steht das Resultat 2:0 für den 3 Bezirk. Wohl kommt Der Sturm Der Blauweißen öfters vor das Tor des Gegners, doch die Verteidigung im Verein mit Dem flinken Hüter lassen keinen Erfolg zu. Halbzeit 2:0. Nach der Pause leitet her 6 Bezirk wieder wuchtige Angriffe ein, und bereits in her 4. Minute gelingt es ihm, ein Tor zu erzielen Auch weiterhin bleiben hie Blauweißen im Angriff, hoch fcheitern sie alle an her guten Abwehr. Nun kommt auch her 3 Bezirk wieher in Schwung. Der Rechtsaußen her Schwarzweißen umspielt einige Gegner, und mit wuchtigem Schlag landet her Ball im Netz. Noch gibt sich Blauweiß nicht geschlagen, ha muß wenige Minuten später sein Hüter zum oicrtcnmal^hns Leder aus den Maschen holen. Nun ist das Spiel entschieden, und hie Elf des 3. Bezirks hat sich hie Teilnahme am Zwischenrunhenspiel, bas am 6. Juli ftattfinbet, sichergesteUt. Staufenberg I — Dieseck Ib 0:8. In Staufenberg ftanben sich diese Mannschaften am Sonntagoormittag in einem Freundschaftsspiel gegenüber. Trotz aller Anstrengungen Der Einheimischen konnten sie den planvollen Angriffen her Gäste nur schwachen Widerstand leisten. Wieseck war im ganzen Spielverlauf überlegen und konnte bei Schluß mit obigem Resultat den Platz als Sieger verlassen. Vorher spielten die Iugendmonschasten beider Vereine. Hier konnten die Gaste gegen die sich tapfer wehrenden Einheimischen nur einen knappen 2:3- Sieg mit nach Hause nehmen. vodheim I — Kinzenbach 1 4:4. In Faunsbach ftanben sich am Sonntagvormittag bie obigen Mannschaften in einem Propaganba- spiel gegenüber. Die brürfenbe Schwüle unb her etwas hohe Grasboden ließen kein gehaltvolles Spiel auflommcn. Nach Verlauf einer Viertelstunde ging Rohheim in Führung, konnte auch nach kurzer Zeit auf 2:0 erhöhen, hoch bis Halbzeit hatte Kinzenbach her Ausgleich bereits hergestellt. Nach Seitenwechsel liegt bann Kinzenbach mehr im Angriss unb stellte nach einiger Zeit bas Resultat auf 2:4. Nun kommt auch wieder Leben in Rohheim. Kinzenbach muß sich mächtig wehren, kann aber nicht verhinbern, bah hie fünfen Robheimer bis Schluß ben Ausgleich wieher Herstellen unb so bas Spiel mit einem hem Spielverlauf entfpredjenhen Resultat sein Enbe finbet. Oie Erfolge des Turngaues Hessen beim Keldbergfest. Hervorragendes Abschneiden der Gießener Vereine. Rachstehend geben wir aus der sehr umfangreichen S i c g e r l i st e jeweils die ersten Sieger bekannt und anschließend die Preisträger aus unserem Heimatgau Hessen und einiger Vereine aus den Gauen Lahn-Dill und Kinzig. Der Gau Hessen war mit insgesamt 110 Meldungen zu den Einzelkämpsen und drei Staffeln stärker als in den Vorjahren bei der Veranstaltung vertreten. Er errang bei starker Konkurrenz der großen Vereine des Rhein-Maingebietes insgesamt 7 9 Siege, die sich wie folgt auf die beteiligten Vereine verteilen (M = Männer, 3 — 3ugendturner, A — Altersturner, Ti — Turnerinnen): Tgm. F r i e d b e r g 14 Siege (8 M, 3 3, 3 Ti); Tv. 1846 Gießen 13 (6 M. 23, 5 Ti); Mtv. Gießen 12 (4 M, 3 3, 5 Ti); Tv. 1860 Dad- Rauheim 9 (5 M, 2 3, 1 A, 1 Ti); T. u. Spv. Duhbach9(5M, 23, 2 Ti); Tv. Gro- ßen-Linden 3 M; Tv. Kirchhain 3 (2 M, 1 3); Tv. Wetzlar 3 M; Tv. Heuchelheim 2 (1 M, 1 3); Tv. Riede r-Wöll stadt 2M; Tv.Treis a. « Lda 2 (1 M, 1 3); Tv.Dorn- affenheim 1 M; Tv.Griedel IM; Tv. Kloster Haina 1 A; Tv. Hirzenhain 13; Tv. L i ch 1 Ti; Tv. Ridda 13; Tv. R a n - stadt 1 3. Rächstehend äleberblick und AuSzug aus der S i e g e r l i st e: Allersturner. Klasse 1, 35 biS393ahre(67 Dewerber. 56 Sieger): 1. Sieg Heinr. Will, Tgm. Schwan» heim, 89 Punkte; 2. 3os. Deuter, Tgm. Fulda. 88 P.; 3. F. Trischler, T. u. Spv. Rieder-Erlenbach, 87 P.; 5. Karl Heß, Tv. Draunsels, 81 P.; 28. Emil Denker, Tv. 1860 Dad-Rauheim, 56 P. Klasse 2, 40 3 ahre und älter (93 Dewerber, 80 Sieger): 1. Heinr. Koch, Tv Herborn. 92 P.; 2. H. Silbereis, Tgm. Unterliederbach. 90 P ; 3. 3. Drunner, Tv. Oggersheim, 88 P.; 12. Heinr. Koch, Tv. Herborn, 73 P.; 26. F. 3ünast, Tv. Herborn. 58 P.; 28. Ludwig Tusch, Tv. Haina, 56 P. Oie Sünde her Renale Mercandin. Poman von Fred TleliuS. 1 3 Fortsetzung Nachdruck verboten „Teufel ..." stöhnte Griebenow. Er erhob sich mühsam unter Aufgebot der letzten Kraft. Er fühlte qualvoll die Dedrängnis eines eng umstellten Tieres. Seine Augen wurden naß vor Scham und Wut. Seine Finger spreizten sich und zuckten nach der Kehle seines Gegenübers. Er fühlte, wie sich feine Kraft und jeder Wille löste, die Knie unter nickt zu widerstehender Gewalt der fremden Augen*sich beugten, der Körper in den weichen Sessel sackte. Auf Den feinen, scharfen Zügen drüben, die der Lampenschein erhellte, lag der Abglanz eines amüsierten Lächelns. „Wollten Sie denn jetzt schon gehen, mein Freund? Eie vergessen, daß Eie nicht mehr über sich verfügen können. 3ch werde 3hncn, wenn Eie wünschen, telephonisch eine Ehrenwache her- beordnen. Oder ... darf ich erst zu Ende reden? Eie gestatten ..." Er verneigte sich leicht. „Professor Doktor Mercandin. 3ch bin Rervenarzt. 3ch habe eine Rervenklinik in Derlin. Wie ...? Eie sagten? Richts? Eie gestatten also, daß ich weiterrede. Sehen Sie, Kollege, das Zusammensein zweier Menschen hat oft sonderbare Gründe. Manchmal baut sich eine Freundschasi für das Leben her Sympathie der Seelen. Manchmal ist es nur die Eigenart des Lächelns unb des Sprechens. Vielleicht auch nur der Schnitt des Anzugs und die Farbe der Krawatte. Tausend unsichtbare Fäden laufen über untere Sinne nach der Seele. Es besteht zum Deispiel eine feine Wechselwirkung zwischen Gehirn und Magen. Die Rede eines großen Staatsmannes kann die Welt in Drand setzen, nur weil ihm die Hummern am Abend vorher nicht bekommen sind. Genug. Warum sollen sich die Wege zweier Menschen nicht zusammenfinden, weil der eine die Pistole auf die 33ruft des andern richten wollte, um ihn zu berauben?" Griebenow begann die Fingernägel in die Haut zu drücken, um auf diese Weise sestzustellen, ob er wache oder Träume. Er empfand den Druck als leisen Schmerz. Er war wach. Angst und lähmendes Entsetzen stiegen zu seinem Herzen. Er dachte: Dieser Rervendoktor und Professor ist verrückt. Ohne Zweifel. Dor dir sitzt der Wahnsinn. „Sie wollten mich daran erinnern, daß ich zum Souper erwartet werde und Sie schlafen gehen möchten", sagte Mercandin verbindlich lächelnd. „3ch bin gleich zu Ende. 3d> möchte nur noch sagen, daß ich eventuell bereit bin, Sie vor Schande und dem Zuchthaus zu bewahren und mich ihrer anzunehmen. 3ch würde Sie vielleicht als Assistent in meiner Klinik brauchen können. Aber das sind Dinge, die wir später in Derlin besprechen werden. Vorerst etwas andercs. Sie sind mittellos." Griebenow hob seinen Kopf. Er schwieg. „Eie bleiben im Hotel für eine Rächt. Das Zimmer nebst Verpflegung werde ich für Eie bestellen und bezahlen. Sie erhalten morgen beim Frühstück eine Fahrkarte von hier aus über Mailand -München nach v - Außerdem dreihundert Franken. Sie reifen dann sofort. 3n Derlin erhalten Sie Wohnung und Verpflegung in meiner Klinik. Sie werden von mir angemeldet. Hier ist meine Karte und Adresse. Das ist alles. Haben Sie noch eine Frage?" Griebenow vernahm nur Worte, deren Sinn er nicht erfassen konnte. Alles Denken war verlöscht. Er gänte. „Wir sind fertig“, sagte eine Stimme, die aus weiter Ferne kam. „Rur noch eine Kleinigkeit, Herr Kollege. Warten Eie." Mercandin ging an den Schreibtisch. Setzte sich. Gr schrieb. Griebenow ergriff fein Glas unb stellte es mit starkem Anprall wieder duf den Tisch. Was um Gotteswillen soll das alles? dachte er mit letzter Kraft. Din ich denn verhext? 3d) habe nicht die Kraft, mich zu erheben und das Zimmer zu verlassen. 3rgend etwas lähmt mich. Stirn und Schläfen waren nah. Er faßte nach dem Rock, um ein Taschentuch zu suchen. Die 'Finger tasteten und fanden auf der linken 03ruft ein winzig kleines, dünnes Spitzen- etwas, dem unendlich süßer Duft entströmte. Griebenow bemühte sich, zu überlegen, wie dies kleine Tuch in seine Tasche kommen konnte. Es gelang ihm nicht. Eine Dame muhte es verloren haben. Ratlos drehte er es zwischen seinen Fingern. Endlich-steckte er es wieder in die Tasche. Da kam Mercandin. Mercandin hielt einen Federhalter in der einen eine Mappe in der andern Hand. Er schlug sie auf und schob sie auf den Tisch zur Rechten Er sagte ohnhin als ob es sich um eine Kleinigkeit handle: „Eie werden mir durch ihre Ramens- unterschrift bestätigen, daß ich das Hotel für heute nacht sowie die Reife nach Derlin, außer- dem dreihundert Franken in bar für Sie verauslagt habe. Ditte." Er reichte Griebenow den Federhalter. Griebe- rww ergriff ihn, um ihn wieder auf den Tisch zu legen „Rein 3ch werde nicht." QEercanbin fing an zu lachen. Dieses Lachen schnitt durch alle Rerven und erdrosselte in Griebenow den Atem. .Mercandin ging nach der Tür. Er legte seinen Finger auf den Klingelknopf und drückte ... Einmal ... zweimal ... dreimal ... Sturm! „Zweierlei geschieht jetzt in den nächsten fünf Minuten. 3ch habe eben, wie Sie sehen, nach dem Personal geklingelt. Man wird Sie. wenn ich es befehle, unverzüglich auf die Straße sehen. 3n- zwischen lasse ich mich telephonisch mit der Polizei verbinden. Sie haben mich im Park bedroht und mit der Waffe angegriffen. 3n einer unverzeihlich milden Regung meines Herzens habe ich gestattet, daß Sie mich hierher begleiten, um die Deichte 3hres Lebens anzuhören. 3ch wollte 3hnen helfen und Sie unterstützen Sie benutzten die Gelegenheit, um nochmals aggressiv zu werden. Schluß. Es ist genug. Sobald Eie das Hotel verlassen, wird man Sie verhaften. Guten Abend, Doktor Griebenow." Mercandin ging nach der Tür. Es klopfte. „Zum letztenmal also ... Soll ich Sie verhaften lassen ober ...?" Schattenhastes Lächeln, wilbes Zucken zerrte an den Lippen Griebenows. „Rein. Warten Sie." Der andere öffnete die Tür. Draußen stand der Kellner unb bet Page. „Die Angelegenheit hat sich erledigt", sagte Mercandin. 3ch spreche später mit dem Direktor persönlich. 3ch werde klingeln, wenn ich Sie noch einmal brauchen sollte. Danke." Mercandin ging an den Tisch zurück. „Eie haben sich dem Anschein nach darauf besonnen. daß es in den Zuchthauszellen weder Daunenpfühle gibt noch Dad unb eingebaute Waschtoiletten. Gut. 3d) bin ein Engel an ®e- bulb unb Langmut. 3ch rechne Darauf, daß Sie mich bereinft für meine Güte mit ber Friedens- Palme, an Dem weißen Dand zu tragen, dekorieren werden. Aber wenn Eie endlich unterschreiben wollten, Doktor Griebenow. Meine Zeit ist um.“ Griebenow ergriff den Federhalter und bemühte sich, die krausen winzig kleinen Hieroglyphen die vor seinen Augen tanzten zu entziffern Es gelang ihm nicht. Sein Gehirn war leer. „Vorwärts ...!“ sagte Mercandin Griebenow strich krampfhaft über Stirn und Augen, um bie Schleier wegzuwischen, bie den Blick umwölkten. Langsam wichen diese so weit, baß es ihm gelang, den Sinn der Sähe zu erfassen „Herr Professor Doktor Mercandin hat mir heute die Pistole aus ber Hanb geschlagen um ein Verbrechen zu verhüten 3d) bekenne ferner, daß ich meinen letzten Franken im Spiel verloren habe unb bah Professor Mercanbin in meiner schwersten Lebensnot bas Hotel für eine Rächt, das Fahrgeld nach Derlin außerdem dreihundert Franken in bar für mich bezahlt hat. Monte Corlo, 3. März 1929.“ Ein Chaos von Gedanken, das er nicht mehr ordnen konnte, überstürzte Griebenow. Er bemühte sich zu denken. Bezahlt nicht die Dank jedem, ber sein Gelb im Spiel bei ihr verlor, die Rückfahrt in die Heimat? Aber das ist jetzt zu spät. Unb bie blöde Sache, daß er mir die Waffe aus der Hand geschlagen habe, weil er ein Verbrechen ... Puh ... die Romanze schluckt kein Mensch. Auch das ist völlig gleich. 3ch werde diesem Kerl alsbald sein Geld mit Zins und Zinseszins zurückbezahlen, dafür den blöden Schein von ihm zurückverlangen. Damit sind wir quitt. Schluß. Kurz entschloßen schrieb er seinen Ramen auf den Schein: Gottfried Griebenow. • „Danke", sagte Mercandin. „3ch werde jetzt das Zimmer für Sie richten lassen. Sie finden den Fahrschein und die versprochene Summe morgen auf dem Frühstückstisch. Gute Rocht. Eie können gehen." Griebenow stand auf. Er fühlte, wie sich langsam die Gebundenheit der Muskin löste, wie Die Kette, die die Glieder an den Sih gefesselt hatte, abficl. Er verbeugte sich. Gerade so, daß er den Rak- ken senkte, keine Linie mehr. Er ging zur Tür. „Herr Doktor Griebenow!" Er hielt, wandte sich zurück, fühlte, wie die Dlicke Mercandis ihn wiederum umfaßten, hielten, banden. „3ch werde Sie zu finden wissen, falls Eie — etwa — mich nicht — finden — wollen." Die Lippen Griebenows verzogen sich zum Lachen. Es war ein fürchterliches Lachen, das den unvcrhüllten Hohn und Haß in feinen Falten trug. Er grüßte mit ber Hanb. „Gott erhalte 3hre Menschenliebe, Herr Professor., Griebenow verlieh bas Zjmrner. Er erwachte spät. Er blickte nach der Armbanduhr. Es war nach acht. Er sprang mit beiden Beinen aus dem Dett. 3n dem „stummen Diener" entdeckte er die Morgenzeitung. „Guten Morgen! Ties ist 3hre Zeitung" stand auf ihrem Kopf gedruckt. Darunter lag ein Kärtchen vom Hotel, das alle Frühstücksmöglichkeitcn verzeichneie. Tie Restaurants des Hauses waren Darin aufgezählt. Der Friseur empfahl sich, ilnb der Blumenhändler mahnte, seiner zu gedenken. „Sie sei Geliebte, Weib, Mutter. Rahe ihr mit Blumen. Der Blumenhändler befindet sich im Hause." Sonderbarerweiie dachte Griebenow beim Lesen dieser Worte wieder an die blonde Frau vom Restaurant Paris. Er mußte lächeln. Sie sei Geliebte ... Weib ... Richtig, ja, sie war dem Anschein nach die Frau---Professor Doktor Merccmdins. (Fortsetzung folgt) Männer. 6Z0 Bewerber, 490 Sieger: 1. W. Leichum, Tv. Deu°Isenburg, 93 P. (auch im Vorjahre 1. Feldbergsieger) ; 2. 3. 2L Reudecker, T. u. Spv. Klein- Auheim, 92 P.; 3. Otto Werner, Tv. Weilmünster, 91 P.; 12. Ernst Stengel, Tv. Großen-Linden, 77 P.; 13. Heinr. Dcchent, Tgm. Friedberg, Heinr. Lang, Tv. Kirchhain, 76 P.; 15. Erich Seyb, Mtv. Gießen, 74 P.; 17. W. Krick, Tv. 1860 Bad- Rauheim, W. Roth, Tv. 1860 Dad°Rauheim, 72 P., 18. Dr. Karl Hofmann, Tgm. Friedberg, 71 P.', 20. Heinz Rothermel, Mtv. Gießen, 69 P.'. 21. Ludwig Müller, Tv.Griedel, 68 P.; 22. Kurt Wertheim, Tv. Kirchhain, 67 P.; 23. Heinz Gerhardt, T. u. Spv. Butzbach, Fritz Gießler, Tv. Dillenburg, Ludwig Malkomesius, Mtv. Gießen, 66 P.; 24. K. Bernhard, Tv. Rieder-Wöllstadt, 3. Lerch, Tv. 1860 Bad-Rau heim, Wilhelm Loh, Tv. 1 84 6 Gießen, 65 P.; 25. Walter Loh, Tv. 1 8 4 6 Gießen, Franz Müller, Tv. Heuchelheim, Ehr. Ambron, Tv. Rieder-Wöllstadt, 64 P-; 26. Ernst Stern, Tv. Großen-Linden, Rudolf Spuck. Mtv. Gießen, 63 P.: 27. Karl Leinweber, Tv. Treis a.-d. Lumda, Albert Leun, Tv. Großen-Linden, Franz Richter, Tv. Dillenburg, Richard Künstler, Tgm. Friedberg, 62 P.: 28. Ludwig Schwab, T. u. Spv. Butzbach, K. Raab, Tv. 1860 Bad°Rauheim, Karl Ludewig, Tv. Wetzlar, 61 P.; 29. L. Lammert. Tv. Dillenburg, Heinr. Schm'.dt, Tgs. Büd.ngen, 60 P.; 30. A. Gör- lach, Tv. 1860 Dad-Rauheim, Richard Greb, T. u. Spv. Butzbach, Heinr. Dös, Tv. Dillenburg, W. Schott, Tv. 1 8 4 6 G i e h e n, Ernst Eh, Tv. Dorn- assenheim, R. Fleischer, Tv. Dillenburg, 59 P-; 31. Karl Pfeffer, Tv. 1 8 4 6 Gießen, Karl Ke- gel, Tgm. Friedberg, Herrn. Hartmann, Tgm. Friedberg, 58 P.: 32. Otto Alschwee, Tv. Wetzlar, Ludwig LIrff, T. u. Spv. Butzbach, Heinrich Rosenschon, Tgm. Friedberg, 57 P.; 33; Wilh. Reinhard, Tgm. Friedberg, Ludwig Gröhmanir, T. u. Spv. Butzbach, 56 P.; 34. Kurt Grieshaber, Tgm. Friedberg, G. Wolf, Tv-Wetzlar, 55 P.; 35. Otto Jüngst, Tv. 1846 Gießen, Willi Straub, Tv. 1846 Gießen, 54 P. Iugendturner. 412 Bewerber, 303 Sieger: 1. H. Loew, Tv. Weilmünster, 94 P.: 2. R. Kuntz, Tv. Kirn, 90 P.: 3. Gg. Hoymer, Tv. Eppstein, 88 P.: 10. Werner Langenohl, Tv. Heuchelheim, 80 P.: 13. Heinr. Göttin, Tv. Kirchhain, 77 P.; 14. W. Arnold, T. u. Spv. Butzbach, 76 P.; 15. Erich Ploch, Mtv. Gießen, 75 P.: 16. Fritz Debus, Tv. Dillenburg, Aug. Bender, T. u. Spv. Butzbach, 74 P.: 18. Fritz Mathrsius, Tv. Ranstadt, 72 P.; 19. Lindenstruth, Mtv. Gießen, 71 P.; 20. Heinr. Hettche, Tv. Treis a. d. Lda., Ernst Schmidt, Tv. Herborn, 70 P.; 21. Ernst Ostwald, Tgm. Friedberg, 69 P.; 23. Paul Rickel, Tv. Herborn, Otto Kern, Tv. 1 846 Gießen, 67 P.; 24. Kurt 3acob, Tv. Dillenburg, 66 P.: 25. W. Hühnermann, Tgm. Friedberg, 65 P.; 26. F. Sprengel, Tv. 1860 Dad-Rauheim, Karl Kley, Mtv. Gießen, 64 P.; 27. Willi Bolkheimer, Tv. Ridda, W. (Zehner, Tv. 1860 Dad-Rauheim, 63 P.; 29. Walter Trapp, Tgm. Friedberg, Heinz Fucker, Tgs. Düdingen, 61 P.; 30. Aug. Kranz, Tgs. Dü- dingen, 60 P.; 31. Wolfg. Drehm, Tv. 18 4 6 Gießen, 59 P.; 36. L. Hildebrand, Tv. Hirzenhain, 54 P. . Turnerinnen. 225 "Bewerber, 166 Sieger: 1. Anni Georgi, Tv. * Offenbach a. M., 87 P-: 2. Elfriede Möller, Tv. Frankenthal, Else Dickelhaupt, Mtv. G i e ß en, Ä P.: 3. Luise Schäfer, Tgs- Sachsenhausen, 82 P.; 7. Erna Althaus, Mtv. G i e ß e n, 73 P.: 10. Tilli Reinheimer, Tgm. Friedberg, 70 P.; 13. Elfriede Münnich, Tv. 1 8 4 6 Gießen, 67 P.: 14. Erika Röhring, Mtv. Gießen, L. Kreßmann,- Tgm. Friedberg, 66 P.; 15. Anna Schwarz, Tv. Dillenburg. 65 P.: 17. Elli Langbein, T- u. Spv. Butzbach, Else Lang, Tv. Dillenburg, 63 P.; 19. Charlotte Amend, Mtv. Gießen, 61 P.; 20. Minna Roth, Tv. 1860 Dad-Rauheim, Mathilde Koch, Tv. 1 8 4 6 Gießen, Ria Philipp, Tv. 1846 Gießen, 60 P.; 21. Tilli Espach, Mtv. Gießen, 59P.: 24. 3del Hauck, Tv. 1846Diehen, Emmi Maurer, Tv. Dillenburg, Anna Hieroni- mus, Tgm. Friedberg, 57 P.: 27. Erna Luh, Tv. 1 846 Gießen, 54 P.; 30. Frieda Ruppel, T. u. Spv. Duhbach, Helene Zimmer, Tv. Lich, 51 P. Die spannenden Mannschaftskampfe brachten die folgenden Ergebnisse: Bölsungenkampf (Mannschaftskampf im 100-Meter-Lauf, Weitsprung, Kugelstoßen, Schleuderball, 4xl00°Meter°Staffel, der nach Art der Bereinsmeisterschaften zum Austrag kommt): 1. Tv. 1860 Frankfurt a. M., 944 Punkte: 2. Tgs. Koblenz, 861 P.: 3. Tv. Reu-3senLura, 846 P.: 4. Tv. Kreuznach, 738 P-: 5. Tgm. Fulda 723 P.; 6. Tgm. Dockenheim, 669 P^ 3 a h n s ch i l d (5x 100-Weter-Pendelstaffel, 9 Bewerber): 1. Tgm. Fulda, 1,01 Win.; 2. Tgs. Offenbach a. M., l,Ol9/io Min.; 3. Tgs. Rödelheim. S ch m u ck s ch i l d (5xl00-Meter-Pendelstaffel, Unterstufe, 11 Bewerber): 1. Mtv.Gießen (Heinz Rothermel, Erich Seipp, Otto Lindenstruth, Ludwig Malkomesius, Richard Decker). l.OF/io Min.; 2. Tgs. Koblenz l,O2Vio Min.; 3. Tv. Weilburg, 1,02h.g Min. Drunhildenschild l4x75-Meter-Pendel- staffel für Turnerinnen, 5 Bewerber): 1. Mtv. Gießen (Tilli Espach, Charlotte Amend, Erna Althaus, Else Dickelhaupt), 423/io Sek.; 2. Tv. 1817 Mainz, 456/io Sek.; 3. Tv. 1 8 4 6 Gießen (Elfriede Münnich, Ria Philipp, Mathilde Koch, 3del Hauck), 458/io Sek. Arbeiter-Turn- und Sportbund. Handball. Krofdorf I — Wieseck I 1:3. Am Samstagabend standen sich auf dem Heuchelheimer Platze die Mannschaften von Krofdorf und Wieseck im fälligen Seriensviel gegenüber. Dem Unparteiischen stellten sich beide Mannschaften mit Ersatz. Es entwickelt sich ein flottes Spiel. Wieseck ist merklich im Vorteil, doch enden im Spieleifer alle Angriffe im Abseits. Auch eine Anzahl Strafecken auf beiden Seiten bringen keinen Erfolg. Erst kurz vor Halbzeit kann Wieseck in Führung gehen. Nach Seitenwechsel leitet Krofdorf schöne Angriffe ein, doch landen alle guten Würfe in den Armen des Torhüters oder gehen über die Latte. Wieseck kommt nun wieder auf. Ein schöner Wurf bringt ihm den zweiten Erfolg. Das Spiel wird schärfer. Ein Alleingang des Halbrechten bringt Krofdorf sein einziges Tor. Wenige Minuten später ist es der Rechtsaußen WIesecks, der durch prachtvollen Wurf das Resultat auf 3:1 und so seiner Mannschaft den verdienten Sieg stcherstellt. Erweitertes VezirkSschöffengericht Gießen. Gießen, 23. 3unt Die Schöfsengerichtssihung heute fand in der Bürgermeisterei von Wölfersheim statt, wohin sich das Gericht und der Vertreter der Staatsanwaltschaft begeben hatten. Angeklagt war ein Maurer von dort wegen fahrlässiger Tötung. Er hatte sich in der Reujahrsnacht mitten im./Ort damit beschäftigt, aus einer schweren Mehrladepistole, die ein Bekannter von ihm nach Kriegsschluh einem heimkehrenden Soldaten abgekauft hatte, scharfe Schüsse abzugeben. Da er von der Handhabung der komplizierten Waffe nichts verstand, hatte er einen Bekannten zugezogen, der sie ihm geladen hatte. Rach Abgabe eines Schusses wollte er die Waffe, die nach seiner Meinung schwer ging, dem andern reichen, da krachte ein Schuh und traf den in der Räbe stehenden, trotz vorhergehen, der Warnung durch Kameraden neugierig zusehenden Arbeiter Ulrich tödlich in den Leib. Die mehrstündige Hauptverhandlung, zu der außer einer Reihe von Zeugen ein medizinischer und ein Schieß-Sachverständiger geladen waren, lieh, insbesondere auch nach Besichtigung des Tatorts, keinen Zweifel an der Schuld des Angeklagten. Er erhielt an Stelle einer Gefängnisstrafe von zwei Monaten eine G e l d - strafe von zweihundert Mark. Wirtschaft. Ansichten über die Dauer der W rtschastslrise. Im Gegensatz zu anderen Stellen, die den Tiefstand der Wirtfchaftskonjunktur in Deutschland bereits für den Monat (Juni in Aussicht nehmen zu können glaubten, vertritt die Berliner Handelsgesellschaft in ihrem letzten Wochenbericht den Standpunkt, daß der Boden der Konjunktursenkung noch nicht erreicht ist. Nach einem Ueberblick über die starke Preissenkung für die wichtigsten Rohstoffe, Lebens- und Genußmittel, die vielfach den Vorkriegsstand unterschritten haben, unter Hervorhebung der Tatsache, daß noch in keinem der führenden Industrieländer eine entsprechende allgemeine Senkung der Preise für Fer- tiafabrikate erfolgt ist, wird im Einklang mit der allgemein von Unternehmerseite geltend gemachten Begründung auf die Starrheit der Lohntarife verwiesen, die in Deutschland und einigen anderen Industrieländern den natürlichen Ablauf der Weltwirtschaftskrise durch Preissenkung für Fertig- fabrikate gehemmt habe. Die Lohntarlfe wären zu einem Zeitpunkt festgelegt worden, in dem die strukturellen Schwierigkeiten der Wirtschaft vollstän- big verkannt worden feien. Dies gelte auch für die Beamtengehälter, die vor zweieinhalb Jahren in ziemlich groß, zügiger Weise und aum Teil ohne Begründung durch eingetretene Jnoexveränderungen auf Grund der damals günstigen Finanzlage des Reiches neu geordnet worden sind, wodurch dem Reiche, den Ländern und Gemeinden eine Mehrbelastung von rund 25 Prozent oder etwas über 1 Milliarde erwuchs. Der Lebenshaltungsindex sei im Herbst 1927, als diese Erhöhung beschlossen wurde, mit 147 genau so hoch wie heute gewesen. Zum Schlüsse ihrer Betrachtungen stellt die DHG. fest, daß mit einer Beendigung der Krisis und mit einem Einsetzen einer Aufwärtsbewegung erst dann gerechnet werden dürfe, wenn die Preissenkung sich auf der ganzen Linie durchgesetzt habe. Da bis jetzt Preisermäßigungen nur für Eisen und einige Glasfabrikate durchgeführt worden sind, kann aber, insofern nicht der Konjunkturauftrieb durch andere Faktoren begünstigt wird, mit der Beendigung der Wirtschaftskrisis allein durch Preis- und Lohnabbau in geraumer Zeit noch nicht geregnet werden. Aeue Baisse an der Neuyorker Börse. An der New York Stock Exchange, dem führen» den Wertpapiermärkte der Bereinigten Staaten, kam es am Dienstag zu einem neuen allgemeinen Rückgang der Kurse, der bei einzelnen Papieren bis 16 Dollar betrüg. -Eine ganze Reihe von Werten des Aktienmarktes ging auf einen neuen Tiefstand zurück. Der Umsatz erreichte allein in der letzten Viertelstunde des Börsenverkehrs rund eine Million Stück (Gesamtumsatz am Montag 3 832 000 Stück). Oie Aröeiismarktloge in Hessen und Hessen-Nassau. Während der Arbeitsmarkt in der zweiten Maihälfte immerhin um nahezu 3000 Arbeitsuchende entlastet worden war, sind ihm in der ersten 3unihäl^te 561 Personen mehr zugegangen. Die Belastung trifft vor allem die Berufsgruppen Metallgewerbe (vornehmlich Fahrzeugindustrie): über 1100, Ange- st e l l t e : 517, Schneider: 380, Tagelöhner (ohne Bauhilfsarbeiter): 357, Holz gern e r b e : 206, Lederindustrie (ohne Portefeuille): 190. Den Mehrzugängen standen aber in anderen Berufen beträchtliche Mehrabgänge gegenüber; besonders an Daufacharbei- tern: 1073 und Bauhilfsarbeitern: 791, ferner in der 3ndustrie der Steine und Erden: 306, in Landwirtschaft undGärtnerei: 169, in den häuslichen Diensten: 155 und im Gastwirt- schaftsgewerbe: 108. Die Zahl der Arbeitsuchenden ist insgesamt von 181.603 auf 182164 ge ft legen. Darunter sind 30 415 Frauen. 3n Der gleichen Zeit fiel der Bestand an Haupt- unterstühten in der Arbeitslosenversicherung um 2736 auf 91 623 (Vorjahr 43 910), vorwiegend infolge Aussteuerung. Die erheblichen Arbeiterentlassungen in der Berichtszeit gehen zum Teil erst während der nächsten Monate in die Versicherung. Die Krisenunterstuhung wurde in der Derichtszeit um weitere 1107 Mehrzugänge belastet. Sie hat jetzt 22 471 Hauptunterstühte gegenüber 15 180 am 15. 3uni des Vorjahres. • * 20 Millionen Reichsmark Kassen- krebit ber Stabt Frankfurt a. M. Die Stabt Frankfurt a. M. hat bei bem Bankhause Mendelssohn 8i Co., Berlin, und bei der Preußischen Staatsbank (Seehondlung) einen einjährigen Kassen- krebit von 20 Millionen RM. zu 6 v. H. aufgenommen. Die Stadt Frankfurt nimmt bekanntlich laufend Kassenkredite in Anspruch, hat sich aber diesmal im Hinblick auf die verhältnismäßig günstigen Bedingungen veranlaßt gesehen, einen Betrag in größerem Umfange als bisher üblich aufzunehmen. * Insolvenz. Die Rhein-Mainische Lack G. m. b. H., Frankfurt a. M., beantragt das gerichtliche Vergleichsverfahren. Den Passiven von etwa 190 000 RM. sollen laut WTB.-Handelsdienst etwa 50 000 RM. Aktiven gegenüberstehen. * Andreae-Noris Zahn AG-, Frankfurt a. M. Die Generalversammlung, in der zehn Aktionäre 1,67 Millionen RM. Stamm- und 3100 RM. Vorzugsaktien vertraten, genehmigte ohne Erörterung den Abschluß für 1929 mit wieder 10 o. H. Dividende auf die Stammaktien. Die turnusmäßig ausscheidenden Aufsichtsratsmitglieder wurden wiedergewählt. * Matheus Müller Komm. - Ges. a. 21., Eltville a. R h. Die GV. beschloß, aus dem einschl. 62 248 (62 880) Mark Vortrag sich ergeben« den Reingewinn von 132 874 (242 548) Mark die statutarische Dividende von 6 v. H. auf die 5000 Mk. Vorzugsaktien zu verteilen und den Rest von 132 574 Mark vorzutragen. Die 3 Millionen Mar? Stammaktien bleiben also ohne Sinibenbe (i. V. 6 v. H.). Nach bem Bericht trat 1929 infolge der schlechten Wirtschaftslage ein beachtlicher Rückgang des Sektabsatzes ein, der in feiner Auswirkung noch durch die Schwierigkeiten eines Teiles ber Abnehmer verstärkt wurde. Die Rationalisierung.« maßnahmen wurden fortgesetzt. Im laufenden Iah e seien bei der andauernden Geschäftsstille die 2Iu>« sichten noch wenig hoffnungsvoll. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 25. 3uni. Tendenz: schwächer. — Die Börse lag heute wieder stärker unter Druck, wozu in erster Linie die erneut schwächere gestrige Reuyorker Börse beitrug. 2lber auch die weiter ungünstige Arbeit slose n- ziffer und die noch nicht geklärten Fragen, d e im Zusammenhang mit der Reubesetzun g des Reichsfinanzministeriums stehen, verstimmten ziemlich stark. Cs wurden wieder Abgaben vorgenommen, so daß die Tender z der Börse zur Schwäche neigte, und infolge ixe geringen Aufnahmelust, die hauptsächlich auf eine nicht mehr zu überbietende Orderlosigkeit zurück- zuführen war, ergaben sich teilweise wieder Kursveränderungen m größerem Ausmaße. Der günstige Reichsbankausweis und die beabsichtigte Verteilung größerer Oluf trag i der Reichspost, die den Zweck haben soll, dem geplanten Wirtschaftsankurbelungsversuchs den Weg zu ebnen, und somit auch eine Verrinne- rung der Arbeitslvsenziffer herbeizuführen. Blieben auf der anderen Seite ganz ohne Einfluß. Weiter stark unter Druck standen am Sali« marktSalzdetfurth, die erneut 8 Prozent niedriger eröffneten. Am Elektromarkt kam ziemlich Material heraus. Licht & Kraft büßten 5 Prozent ein, Siemens verloren 5,75. Prozent, Schucker t 3 Prozent, G e s f ü r e l 3,5 Prozent, Felten 2,5 und AEG. ebenfalls 2,5 Prozent. Der Montanmarkt lag weiter still, doch blieben die Kursveränderungen, die nicht Über 1,5 Prozent hinausgingen, ziemlich klein. Schiffahrtswerte waren bis zu 2Prozent abgeschwächt. Am Dankenmarkt mußten Reichsbank mit minus 5,5Prozent ihren gestrigen Gewinn wieder hergeben. Von Chemiewerten lagen 3. - G- - Farben zur Eröffnung 3,5 Prozent schwächer. Die übrigen Werte dieses Marktes blieben dagegen knapp gehalten. Renten hatten weiter geringes Geschäft. Stark gedrückt waren Altbesitz, Schutzgebiete behauptet. 3m- Verlause erfuhr das Geschäft keine Belebung. Rachdern vorübergehend eine weitere geringfügige Abschwächung eingetreten war, ergaben sich später auf Deckungen der Kulisse, wobei die günstigen Momente etwas mehr Beachtung sanden, leichte Kurserholungen, so daß die Kurse etwas über Anfang lagen. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 2,5 Prozent unverändert. Am Devisenmarkt war die Mark etwas schwächer. Man nannte Mark gegen Dollar, 4,1955, gegen Pfund 20,388. London gegen Kabel 4,6603, gegm Paris 123,77, gegen Mailand 92,75, gegen Madrid 42,24, gegen Schweiz 25,0750 fester, gegen Holland 12,0813. Frankfurter Getreidebörse. Berlin, 25. 3um. Am heutigen Produktenmarkt war die Haltung allgemein recht schwach, im Einklang mit den schwächeren Auslandmel- dungen. 3n Brotgetreide ist das Angebot etwas größer geworden, so daß Weizen und Roggen je 2,50 Mk. niedriger notiert wurden. Auch am Mehlmarkt gingen die Preise bei kleinstem Geschäft zurück. Futtermittel waren kaum verändert. Die Preise verstehen sich für Getreide je Tonne, für die übrigen Waren je 100 Kilogramm. Gs wurden notiert: Weizen 307,50, Roggen 165, Hafer, inländ. 165, Weizenmehl, südd. Spezial 0 43,50 bis 44,25, Roggenmehl 24,50 bis 25,50. Weizenkleie 6,75, Roggenkleie 6,75 Mk. Tendenz flau. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Aranksuri a. 2)1. Lerlin Frankfurt a. M. Berlin Schluß- furd 1-Ühr. Ar# Schluß» furd Anfang- Kurs Schluß«! kurs | VUtjiT flurd Schluß- für«» Anfang« Kurs Datum 24 6 1 25 6 24 6 25 6 Datum 24 6 " 25 6 24 6 25 6 6% 4.tuua)c meia)=aiueu)t von 1927 ......... 87,75 —— — va«iourg«AmerUä 'liaiei . . • < Hainburg-Südam. Dampfschiff. 8 103.5 —- 103,25 167 101,13 165,25 7% Deutsche RetchSanleihe von 1929 .......... 104 _ 103,8 _ Hansa Dampfschiff.....10 Norddeutscher Lloyd.....8 104 — 139 103,75 137,5 102,25 Deutsche Anl.-W>lös.-Schuld mit Auslos.-Rechten....... 58,2 58,65 58,4 Allgemeine DeutscheCredttanst. 10 Barmer Bankverein .... 10 113 123.25 123,25 112.75 123,25 113,25 123.25 Desgl. ohne Auslos.-Rechte . . — «— 8.95 8,75 Berliner HandelSgeleUIckast . 12 161 —- 161 159.5 8% Hess. Bolksstaat von 1929 trückzahlb. 102%)...... 97 — 96 Commerz- und Privat-Bonk . 11 Darmstädter und Nattonalbank 12 142.25 210,75 141,75 142 25 211,4 141.75 209,5 Oberbelsen Provinz - Anleihe mV Auslos.-Rechten...... 57 —- —- Deutsche Bank und DiSconto-Gesellschasl, ... 10 134,6 _ 134,5 133,5 Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1...... 57,65 — 57,75 — Dresdner Bank......10 Reichsbank........12 134,25 263,25 133,25 258 134 263 133 258 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpse XIII unkündbar bi« 1934 . . 100,75 —- A.E.G............8 150,25 147,75 150,5 148,5 7% ffrankf. Hyp.-Bank Goldpse unkündbar bis 1932 ..... 95,5 — Bergmann .........9 Elektr. LieferungSgesellschast. 10 — — 179 139.5 175 137 iyt% Rheinische Hhp.-Bank Lian. Goldpse........ 89,3 — _ _ Licht und Kraft......10 gelten & Guilleaume . . . 7% 146 110 141 107,5 146 141 107 8% Pr. LandeSpsandbriesanstalt, Pfandbriefe R. 17...... 101 _ 101,25 _ Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen .... 10 143,5 140 143,5 139 5 8% Pr. LandeSpsandbriesanstalt, ftomm.-Cbl. 8?. 20. ..... 7% Pr. Landesplandbriesansiall, Pfandbriefe R. 10...... 96,5 _ Hamburger ElektrtzitätS-Werke 10 Rheinische Elektrizität .... 9 —, 133 145,25 132 145 95,5 _ 94,5 - Schlesische Elektrizität. ... 10 Schuckert L Eo.......11 — 162 150 165 146 161 S.E.G. abg. BorkriegS-Obligatio neu, rückzahlbar 1932 .... 98 _ - Siemens & Qalito ..... 16 Transradto . . ....... 8 217,5 211,75 218 116 212,5 114,9 <% Oesterreichtsche Goldrente . 26,65 26,8 Lahmeyer L Co.. ..... 10 158,5 — 70,75 158,5 70,13 4,20% Oesterreichtsche Stlberrenle 2.8 — 2,8 2,8 _ _ 91 90,13 4% Oesterretchi! che Einheitliche Rente........... — — Essener Steinkohle......8 Gelsenkirchener.......f _ _ 129,25 128 *% Ungarische Goldrente .... 23 — 23.2 >22 — —- 121 4% Ungarische Staat-r-nte v. 1910 20 — — 20 Hoejch Eisen........6’/s - 94,75 93.5 1'/,% deSgl. von 1913..... — —— — — 239 241 —- 4% Ungarische Kronenrente . . ■ 2,05 — 2 2 99 — 100,75 100 4% Türkische Zollanleihe von 1911 5,5 5,4 — 5,3 Köln-Neuefsen........7 —— 92,5 91,75 4% Türkische Bagdadbahn-Anl Serie ............ 5,5 — 5,5 5,3 Mannesmann-Röhren .... 7 ManSselder Bergbau.....7 94,5 94 95,25 68 94 67 4% desgl. Serie 11 . . ... • • 5,5 — 5,5 — Oberschles. Eisenbedars .... 6 — «—• —— —— 6% Rumänische veretnh. Rente von 1903 .......... 9,5 — 9.55 Oberschlei. KokSwerke.....'■ Phönix Bergbau......6'/, 88.5 — 102 -8,25 100,9 87,25 4'/,% Rumänische veretnh. Rente _ 16.5 Rhetntlche Braunkohlen . . lf Rhetnstahl.........6 Rtcbeck Montan ...... 7,2 216 110 108.5 1 - 217 110 213,5 109 4% Rumänische veretnh. Rente • 7,8 , — 7,8 i - Frankfurt a. M. 1 Berlin Banknoten. Schluß-! t-ilhr- Schluß-! Anfang- Berlin, 24- 3unl Geld ZJrlef lurcl | Kurs furt 1 Kurs Amerikaniiche Noten . . . 47177 4,197 1 Belgische Noten - . . . • • • 58.45 58,69 Datum 24 6 25 6 24. 6 25 6 Dänische Noten . . . . 111,93 112,37 Englische Noten . . . . . 20.33 20-41 Bereimgie Stahlwerke .... Olavt Minen......16'/. 88 — 88 87.25 Französische Noten . . . . 16,41 16,47 _ 46.‘ 45,5 Holländische Noten . . • • 68,28 168 96 Kaliwerke Aschersleben ... K 203 —— 204 200,5 Italienische Noten. . . . . 22 01 22,09 Kaliwerke Westeregeln . . . 10 207 — 208 203,25 Norwegische Noten . . . . 111,94 112,28 Kaliwerke Salzdetfurth ... 15 370 362 371,5 363 Deutsch-Oesterreich, 8 1OO Schilling 59 12 59,36 Rumänische Noten . . . . 2,47 2-49 y. G. Farben-Industrte. . . 12 Dynamit Nobel.......6 158,9 155,6 158,65 156 Schwedische Noten . . . . Schwerer Noten..... 112.43 81,17 112,87 81,49 —■ — 81 — Spanische Noten..... Ä • 48.45 48.65 Scheideanstalt........9 145 — — Tschechoslowakische Noten. « - 12,44 12,50 Goldschmidt ........b 58 — 58 56-6 ttnaadldw Noten .... 73,20 73,50 Rütgerswerke........6 59,75 59 60,13 60 Metällgeiellichaft.......8 114 113,5 114,75 114,5 Veoistnmarkt Berlin — 2 tranffud a. M. Philipp Holzmann......7 Zementwerk Heidelberg . . 10 Cementwerk Karlstadt. ... 10 Wayß ä ffreylag......8 90,5 — 91 89,5 24 3uni 25 3unl 74,25 — 74 Amtliche Geld | Notierung Srle Amtliche Kollerung Geld | 3riei «mit-W ott. 168-43 168,77 168,38 168,72 Schultheis Patzenhofer ... 16 — — 291 286 Buen.-Aire- Brss.-Antw. 1,530 58,47 1,534 58,59 1,526 58,465 1530 58,585 Ostwerke.........12 — — 238,5 233 112.19 112,41 112,17 112,39 Aku...........18 87,5 — 88,25 86 .RoD’nbaa?n 112,20 112,42 112,18 112 41 Bcmberg.........H —— —- 97,75 95,13 154,5 Stockholm . HelsingforS. Italien. . . 112,60 112.82 112,56 112,78 Zellstoff Waldhos .... 13'/. 157,5 — 157,5 10,552 10,572 10,55 10 57 Zellstoff Aschaffenburg ... 12 119 — 117,5 -- 21,97 22,00 21,96 22.00 Charlottenburger Wasser ... 8 —— —- 98,5 97,25 London. . . 20.367 20,407 20,304 20,404 Dessauer GaS........9 — — 152 147,25 Reut)ort . » 4,192 4,200 4,190 4.198 Daimler Motoren ...... O — 32,75 33,25 33,13 Partö.... 16,45 16.49 16,445 16,485 — — 203 198 Schweiz .. Spanien . 81,225 81,385 81,22 81.38 Maschinenbau ......0 —- — 46,5 46,25 48,68 48.78 48.35 48,45 Rat, Automobil ....... 0 — — 13,5 —— yapan . . . Rio de Ian. Wien in D - 2.069 2,073 2.071 2,075 Orenitein & Koppel.....6 — —- 69 67 0,473 0,475 0,476 0,478 Leonhard Tietz......10 146 —— — 147 SvenSka........... 303 — 303 301 Ceft. abgest 59,14 59,26 49.15 49,26 Prag . . . 12,439 12,459 12.435 12,455 stsranksurtsr Maschinen . < — 25,13 34 —- Belzrad . . Budav-ii. . Bulgarien 7,410 73,37 7,424 73,49 7,409 73,29 7,423 73,43 — 3.037 3,043 3,037 3,043 38,5 38,5 — Lissabon . 18.78 18,82 18,78 18,82 Leckwerke..........8 97,75 — — Danzig. . . 81.45 81,66 81,43 81,59 Mainkraftwerke Höchst a. M-- • 8 —» — Äonftatttüt 1,784 1,789 1,785 1,789 Miog...........10 113 113,5 Athen. . 5,425 5,435 5,425 5.435 Gebr. Roeder ...... 10 — I — Canada . . 4,191 4,199 4.190 4,198 Botgt L Haessner...... Süddeutsche Zucker . ... 10 150 1 — 150 Uru uat). 3,666 3,674 4.636 4.644 156,75 1 — 157,25 I — LÄrv . . 20,885 20,925 20,865 20 905 Lugend und Hochschule. (Eltern und heranreifende Kinder. Don Paula Messer-Platz, Gießen. Trotz aller Klagen über den Eigenwillen und daS Nichthörenwollen der Jugend gibt es doch noch manche Eltern, die es verstanden haben, in der richtigen Mitte zwilchen Erziehen und Dehenlassen ein Vertrauensverhältnis selbst zu ihren erwachsenen Kindern sestzuhalten. Wie schwierig daS gerade in unserer Zeit ist, zeigt sich daran, daß man dieses wirkliche Freundschaftsverhältnis zwischen Eltern und Kindern so selten sindet. Oester schon ein« gegenseitige Achtung und Liebe, aber fast nie jene- seelische SinSsein, dem eS Bedürfnis ist. auch über innerste Erlebnisse und Gefühle sich auS- »usprechen und beraten zu lassen. WaS man vielleicht^ einem ganz fremden Menschen anvertraut, wenn etwa Stimmung und Umstände dazu Helsen, da- würde man nie seinen Nächsten sagen. Oft hemmt nicht fo sehr Mangel an Vertrauen als eine Art Scham, seine Gefühle und seelischen Konflikte denen zu zeigen, mit denen man nachher doch die Alltäglichkeiten des Alltags durchlebt. Denn selbst, wenn eine vertraute Stunde unS zu letzter Ossenheit brachte, so empfindet es ein zartes — in den Entwicklungsjahren oft übersensiliveS — Gemüt vielleicht nachträglich doch peinlich, sich so ohne Hülle und Vorbehalt gegeben zu haben. Es gehört ein unendlich feiner Takt der Eltern dazu, dieses Schamgesühl nicht zu verletzen, selbst wo es ihnen übertrieben vorkommt und sie bemüht sind, eS abzuschwächen. Aus jeden Fall erreicht man dies nicht, wenn man aus das Gespräch einer vertrauten Stunde im Alltag zurückkommt oder auch nur es andeutungsweise heranzieht. Wan vergesse nie, das; zur Berührung dieser feinsten Dinge auch eine besondere Stimmung der Seele da sein soll und dah diese Stimmung auf b e i- den Seiten walten muh. Die Ausgabe der Eltern ist dabei am ehesten die: au spüren, wann das Kind nach vertrauter Zwiesprache verlangt, diese Zwiesprache scheinbar zufällig herbeizuführen und so dem Kinde über die Schwierigkeit des ersten Wortes hinweg zu Helsen. Lind sür die A r t solcher Aussprachen ist das jugendliche Gemüt äuherst empfindlich. Vielleicht gibt es hier überhaupt keine allgemein gültgie Regel, wie das Richtige getroffen werden kann. Wenn man z. D. immer wieder von der rich- gibt eS hier überhaupt keine allgemein gilltgie Ligen Weise der sexuellen Aufklärung liest, so muh man zuerst doch einmal bedacht werden, ob es überhaupt für alle Kinder eine, und;nur eine richtige Aufklärungswcise gibt. Se> wird etwa von bet Schriftstellerin Gertrud Prellwitz empfohlen, wenn die richtige Zeit gekommen, eine vornehm gehaltene, kurze Aufklärungsschrift in daS Zimmer seines Heranwachsenden Kinde- zu legen, stillschweigend, aber mit einem blühenden Zweig oder einer Blume daraus. Das entspricht gewih tiesem und seinem Empfinden und mag auch sür die Eigenart mancher Kinder das Richtige fein. Aber wäre eS nicht denkbar, dah gerade dieses — wenn auch noch so zarte und poetische — Betonen und HerauSheben peinvoll empsuuden wird, wo doch ohnehin seelische und körperliche Entwicklung des Kindes übermähig aus die sexuelle Sphäre hindrängen. Darum ist ja gerade die langsame, schrittweise und scheinbar von selbst sich ergebende Art der „Aufklärung" die beste, weil sie dem Heranwachsenden nicht plötzlich ein einzige- Wissensgebiet ganz anders aufschließt wie alle anderen, wie etwa Gehen und Sprechen, Rechnen oder Schreiben, Geographie oder Physik. Alles geht langsam, sozusagen natürlich, man läht dos Kind in jedes Gebiet hineinwgchsen. Rur in das seruelle Gebiet wird es hineinge- stohen. Ein zarter Stoß ist natürlich besser als ein grober, aber muh es denn ein Stotz sein? Warum soll das Kind nicht in einem so frühen Alter schon ganz ungezwungen von den sexuellen Tatsachen zu wissen bekommen, in einem so frühen Alter, datz ihm diese Dinge persönlich noch gleichgültig sind und in all dem Reuen, das etn Kind stündlich erlebt und erfährt, unbemerkt mit ausgenommen werden. Damit ist nicht gesagt, dah nicht durch ein geeignetes Buch in mehr zusammenhängenderer und vertiefter Art da- Wissen von sexuellen Dingen schliehlich geklärt werden sollte. Aber nicht dem außergewöhnlichen Apparat von aufrührender Feierlichkeit und Poesie, sondern so, dah etwa die Mutter bei passender Gelegenheit au Sohn oder Tochter sagt: „Mir scheint, du hast hier noch falsche Begriffe. Da, schlietze dir einmal meinen Bücherschrank auf und hole dir dieS bestimmte Buch." Freilich mutz es dann ein Buch fein, das nicht nur die naturhafte Seite der sexuellen Dinge klar und fachlich behandelt, sondern auch ihre hohe moralische Bedeutung. Schon darum wird ein Buch oft besser imstande sein, die obschlietzenden sexuellen Kenntnisse zu vermitteln als die Eltern, weil diesen häufig selber die Gabe fehlt, gerade mit ihren Kindern ruhig und unbefangen über diese Fragen zu sprechen. In der älteren Generation war ja die sexuelle Erziehung noch unfreier al- heute. Oberste- Gesetz hietz damals: vor den Kindern spricht man nicht über „solche Dinge"! Heute ist man sich schon eher klar darüber, dah dieses Gebiet auch vor den Kindern weder gemieden noch betont werden soll, sondern dah es nur daS eine nötig hat: mit vornehmer und reiner Gesinnung behandelt zu werden, wenn es im Kreislauf des Tages herantritt und Beachtung verlangt. Solch vornehme Gesinnung sollte aber nicht eine eigens für das sexuelle Gebiet aufgesparte Denkart sein — vermag die- ja auch gar nicht zu sein. Jede Frage kann auf eine feine und auf eine gemeine Weise besprochen werden. Gerade der Lehrer hat oft Gelegenheit. dieS zu fühlen. Er wird z. B. sehr bald merken, mit welcher Gesinnung zu Haufe vor den Kindern von der Schule gesprochen wird. Selbst Fehler und Mängel der Schule können vor den Kindern beredet werden, wenn eS nur nicht mit Gehässigkeit, Verdächtigung und Unverständnis geschieht. Die Kinder selber werden eS später dankbar empfinden. dah chnen die Schule nicht durch lieblose- Gerede verekelt wurde, wie sie eS sicher alS Erwachsene würdigen werden, wenn das sexuelle Gebiet ihnen rechtzeitig fo natürlich, langfam und ihrer Entwicklung gemäß aufgeschlossen wurde, wie jedes andere Wissen auch. Bei einer solch „unwissend" wissend gemachten Jugend entfällt von selbst die Schwierigkeit mancher Situation, der die Eltern sonst oft mit Beklemmung entgegenfehen. Die schwere Kunst, das Vertrauen des erwachsenen Sohnes oder der Tochter sich erhalten zu haben, ihrem AuS- sprachebedürfniS die Eltern als die besten Freunde erscheinen zu lallen, lohnt sich überreich besonders dann, wenn Erziehung, Beruf und Leben die Kinder räumlich auS dem Eltern- Hause wegnimmt. Es heiht dann nicht: „Die Kinder hergeben", sondern sie oft noch tiefer gewinnen. Denn der seelische Zusammenhalt mti dem Elternhaus und das Glück solcher Gemeinschaft wird den Kindern in der Fremde und in der äußeren Unabhängigkeit oft viel deutlicher sein, als es ihnen früher zum Dewutztfein kam. Deutschland als Gastgeber der ausländischen Studenten. Zweckvotte Kulturpropoganda. — Studentenhäuser in aller Welt. — Oie Weih geltun; der deutschen Wissenschaft. Don Dr. Walther Dötting. Dor kurzem übergab Staatssekretär Dr. L e w a l d das von amtlichen und privaten Stellen geschallene „Humboldt- hau-" in Berlin seiner Bestimmung', den ausländischen Studenten in Berlin als Heim zu dienen. Deutschland hat die Erkenntnis, datz ein Staat nicht nur Macht, sondern auch Sympathien besitzen muß, mit schweren Opfern erkauft. Auf der Höhe seiner Entwicklung vor dem Krieg, lag ihm der Gedanke an Propaganda völlig fern; damals genügte ihm das Bewußtsein, von den Völkern des Erdenrunds respektiert zu sein, über eine starke und schlagkräftig« Armee und Flotte zu verfügen und sich eines dauernd steigenden Wohlstandes zu erfreuen. 3m Krieg hat sich dann gezeigt, wie schwer internationale Sympathien wiegen. Frankreich durfte der Unterstützung der ganzen Welt sicher fein, weil es von jeher verstanden hatte, sich in aller Welt Freunde zu sichern. Erfreulicherweise ist im neuen Deutschland auf diesem Gebiet gründlich Wandel geschaffen worden, und die Einweihung eines neuen Heims für d i e a u s- ländischen Studierenden in derReichs- hauptstadt ist deshalb mehr als ein bloßer gesellschaftlicher Akt; sie mag die Kundgebung eines Willens zu zweckvoller Kulturpropaganda und ein gutes Vorzeichen für die Zukunft sein. Denn wo könnte sich ein Staat mehr Freunde werben als unter Studenten, jungen Menschen, die, neuen Eindrücken aufgeschlossen, im entscheidenden Stadium ihres Lebens stehen, die bestimmenden Eindrücke für ihre Zukunft empfangen und, je nach der An dieser Eindrücke, für oder gegen ein Land optieren, das sie zum Gegenstand chrer Studien gemacht haben? Die Studenten, di« aus dem Ausland zu uns tommen, sind zwar nicht mehr so zahlreich wie in den Zeiten der Inflation! aber dieses Manko wird reichlich ausgeglichen, denn diese Fremden stammen aus einflußreichen und wohlhabenden Kreisen chrer Heimat und werden selbst einmal berufen fein, die Kenntnisse, die sie in Deutschland erworben, bad Wissen um Menschen und Dinge, die sie sich bei uns angeeignet haben, in führender Stellung zu Hause zu verwerten. Wenn Deutschland daher alles tut, um ihnen ihren Aufenthall so angenehm wie möglich zu machen, chnen chr Studium nach Kräften zu erleichtern und sie mit den Vertretern des deutschen öffentlichen Lebens bekannt zu machen, so ist daS nur zu begrüßen, und die Mittel, die dafür aufgewandt werden, werden sich in naher oder ferner Zukunft reichlich lohnen. Das neue Heim für die ausländischen Studierenden, daS nun im Berliner Tiergartenviertel seiner Bestimmung übergeben wurde, ist nicht die erste Gründung dieser Art; in den letzten Jahren diente das Alexander-von- H umb old t-Haus in der Fasanenstraße, unmittelbar am Kurfürstendamm, demselben Zweck. DaS jetzt cingeweihte Humboldthaus in der Klopft ockstraße, ehedem daS Heim des bekannten Orientmalers Körner, ist großer, weitläufiger als fein Vorgänger. Es wird daher feine Bestimmung noch besser erfüllen können. Wenn sich amtliche und private Stellen für dieses Werk eingesetzt und zu finanziellen Opfern bercitgefunben haben, so geschieht dies nicht zuletzt deshalb, weil in den wichtigsten Universitätsstädten des Auslandes ähnliche Einrichtungen geschaffen worden sind. Der junge Rocke feiler hat für diesen Zweck große Stiftungen gemacht, dank denen in Deuhork, Ehikago und San Francisco große Klubhäuser für die internationale Studentenschaft entstan- Oer Morgen des Schulkindes. Richtige Jeitorqanisativn einer nervösen Angelegenheit. Don Or. W. SchweiSheimer. Die Verven der Mutter sind die Glockenstränge. an denen die Kinder zu ihrem Vergnügen ziehen und hängen und schaukeln. Sie sind großer Beanspruchung gewachsen. Zuweilen ist «S aber doch geraten, die Belastung etwas zu vermindern, zum Vuyen von Mutter und Kind. Es läßt sich nicht leugnen: die Morgenstunde vor Schulbeginn hat nicht nur Gold im Munde. Die Mutter tut. was sie kann, um sie ruhig zu gestalten, aber die kleinen Frösche mit ihren unverbrauchten Verven sind die stärkeren, sie bringen bewegtes Gequirle in die Ruhe des Tages- beginncS. Es geht ganz munter an. freundliche Begrüßung, aber siehe da! plötzlich ist man fünf Minuten zu spät aufaestanden. schon beginnt der Trubel, die Zeit soll eingeholt werden, das Hemdchen hat sich unter einem Killen verkrochen, der eine Knopf geht nicht zu. wo ist der Schulranzen? Er gehört doch auf den Stuhl, gestern abend hat ihn das Kind selbst hingelegt, vor drei Minuten war er noch dort, sicher hat ihn die Mutter weggelegt, oder der B^ter bat den Stuhl gebraucht, nein. nein?, bann haben ibn Diebe geholt, denn sicher war er auf dem Stuhl, — da ist er! 3m Eßzimmer, ganz richtig, das Kind hat ihn doch gestern dort hingelegt, wo ist das Frühstück? Aber ein solches Taschentuch ist doch unmöglich! Endlich stürzt das Kind fort, jetzt hat es den Schulranzen vergessen, nochmal zurück, schon ist es zwei Minuten über die allerletzte Zeit, jetzt, natürlich, muß es unbedingt noch .hinaus". Und wenn auch das nicht gerade einem und demselben Kind an einem und demselben Tag zustotzen muß, so läßt sich doch die Möglichkeit theoretisch nicht ausschließen. Organisation! Organisation der Zeit ist nötig, wenn Vervenkraft gespart werden soll. Und zur richtigen Zeitorganisation gehört vor allem auch die Bildung von Reservezeit. Die wichtigste Vorarbeit ist schon am Abend zu leisten. Vur Kinder, die rechtzeitig zu Bett gehen und genügend Schlaf haben, können auch richtig aufstehen. .Rechtzeitig", d.h. daß sie bei einiger Gewöhnung von selbst zur nötigen Morgenstunde aufwachen. Wecken sollten darum im allgemeinen nicht nötig sein; wo es aber unvermeidbar ist, sollte diese zweifellos nervös machende Prozedur sanft und mit Freundlichkeit vorgenommen werden. 10 bis 11 Stunden Schlaf brauchen Kinder in den früheren Schuljahren noch. 3m einzelnen ist es frellich verschieden und wie in allen Beziehungen ist auch hier daS Verhalten des VachbarkindeS nicht maßgebend. 3m Schlaf entfaltet sich auch die Seele des KindeS. Das Einschlafen mit lieben Gedanken ist darum wichtig, sie bereiten den Boden, auf dem Schlaf und Traum sich freundlich entfalten. VichtS darum von Zank und Drohungen, nichts von unangenehmen Schulerwartungen unmittelbar vor dem Einschlafen. Was hier zu besprechen ist. das kann vorher geschehen, die letzten Minuten vor dem Schlaf müssen aber auf alle Fälle von Freud«, Liebe und Zärtlichkeit umdämmert sein. Manche Dinge lassen sich am Abend lchon vorbereiten. am Morgen wird dadurch Zeit gewonnen. Die Kleider werden schon abends her- gerichtet. Die Kinder werden es sobald als möglich lernen, sich selbst anzukleiben. 3m Notfall kann man ihnen aber ruhig helfen, die Mutter schafft sich damit selbst den besten Trost, sie wird denken: in einigen 3ahren können sie es ja doch, und fo rasch tote jeder, von selbst. Die große Waschung ober das Baden wird zweckmäßig am Abend vorgenommen. Morgens kann man sich bann auf bie nottoenbigen Handgriffe beschränken. Sie sind zusammen mit dem Reinigen der Zähne rasch durchgeführt. Der Schulbeginn um 8 Uhr ist richtig. Nur für Kinder der beiden untersten Volksfchulklallen ist das etwas früh. — nicht wegen des Aufstehens. das sich durch entsprechendes Schlafengehen ausgleichen läßt, aber wenn es in der kalten 3ahreszeit am frühen Morgen noch dunkel und rauh ist, wird dielen kleinen Kindern bei so frühem Fortgehen nichts Gutes getan. Das Frühstück sollte keinesfalls eine Quelle dauernder Verdrießlichkeit werden. Viele Kinder frühstücken gern und ausgiebig. Andere tun das nicht. Die Besorgnisse, die viele Mütter daran knüpfen, sind unbegründet. Was die Kinder am Morgen nicht essen, das holen sie beim zweiten Frühstück ober sonst im Laufe des Tages nach. Wie es bei Erwachsenen und Kindern Morgen- und Abendschläser gibt, d. h. Menschen, deren Schlaf am tiefsten und am besten gegen Morgen ober alsbalb nach bem Einschlafen ist, fo ist auch der Rhythmus beS Rahrungsbebürs- nisfes verschieden. Ein Teil der Erwachsenen frühstückt reichlich am Morgen, andere können morgens kaum etwas berühren, wieder andere betrachten das Mittagessen als ihre Hauptmahlzeit und nehmen abends nur wenig zu sich, andere dagegen wollen gerade am Abend ihren Hunger tüch'.ia ft Ilen. Und alle fühlen sich wohl dabei, wenn sie erst herausgefunden haben, was für sie am zuträglichsten ist. Bei den Kindern ist es nicht anders. Wenn bie meisten auch morgens gern ihre Milch, Milchkakao. Milchkaffee trin’en. so wollen doch viele noch nichts bazu elfen. Sie holen das in der Frühstückspause um 10 oder 11 Uhr nach, am besten mit einem Butterbrot, mit ober ohne Zutaten, mit Obst, unter Umständen auch einem Stück Kuchen. Sehr geeignet sind Milchausschankstellen in der Schale selbst, wo die Kinder um 10 Uhr frische Milch, kalt ober warm, erhalten können. Es gibt aber auch Kinder, die morgens gar nichts zu sich nehmen wollen. Ein Kind in der ersten Dolksschulklalle brach sich jeden Morgen auf bem Schulweg. Wir wollen hier nicht bie ganzen psychoanalytischen Möglichkeiten erörtern, bie solchem Vorfall zugrunde liegen könnten. Das Kinb war völlig gesund, nicht nervös (im üblichen Sinn), nicht gehetzt, genügenb Schlaf, keine Angst vor ber Schule, — jedmcglicher Einwanb kann abgelehnt werden. Aber es hatte absolut keine Lust, zu frühstücken. Man überredete es. doch wenigstens ein« Tasse Kakao zu trinken. Das lat es. aber bann brach es sich auf bem Weg ober kurz nach Eintritt in das SchulHaus, — so ganz nebenbei und leicht, wie sich kleine Kirrder eben brechen. Der Rat des Arztes, bem Kinb kein Frühstück zu geben, würbe lange nicht befolgt: bie Mutter wollte es nicht freiwillig bem Hungertod ausliefern, auch befürchtete man. bie .anstrengende" Schule würde bas Kinb nervös machen. Schließlich entzog man dem Kind doch das Morgenfrühstück. Es brach sich nun nicht mehr, seinen Kakao trank eS mit Heißhunger um 1 fll Uhr, nach Rückkehr aus der Schule, es gedieh vortrefflich. Es ist das nur ein Beispiel, wie bei aller Einordnung ins soziale Gefüge doch ein wenig Großzügigkeit nötig ist. Sonst wirb bie Essens- frage beim Kind zu einer Quelle ständiger Reibungen, — wozu überhaupt grundsätzlich die den sind. ScrfeEb« Rockeseller hat erst kürzlich 14 Millionen Mark für ein P a r i s e r Klubhaus gestiftet, in dem sich die Studenten aller Nationen zulammenfinden Iollen. In der Gte Univcrsitairc der französischen Hauptstadt sollen einzelne nationale Häuser entstehen, in denen rund 4000 Studierende Wohnungen finden können. Die meisten anderen französischen Hochschulen wollen diesem Beispiele folgen. Aehnlich« Einrichtungen finden sich in Madrid, und da» große Studentenhau- in Warschau enthält sogar 1200 Wohnzimmer, die ausländischen Studierenden zur Verfügung stehen. Den Aufwand für solche Bauten, so groß ihr ideeller Nutzen auch sein würde, kann sich da- verarmte Deutschland natürlich nicht leisten. WaS heute auf diesem Gebiet geschehen kann, steht im Zeichen notgedrungener finanzieller Beschränkung. Doch der Anfang ist gemacht, und man darf hoffen, daß der Gedanke, der hier verwirklicht worden ist. in hoffentlich nicht mehr fernen beffeteit Zeiten weiter entwickelt werden wird. Schon heute wird bei aller Not den studierenden Ausländern in Deutschland tätige- Interesse entgegengebracht Eine vor fünf Jahren gegründete Alexander - von - Humboldt- S t i f u n g verteilt jährlich an 120 ausländische Studierende Stipendien. Reich und Wirtschaft, beide gleicherweise an diesem Kulturexport interessiert, bringen die dafür erforderlichen Mittel auf. Aber nicht nur diese Stipendiaten, sondern auch die anderen Studenten, die aus der Fremde kommen, werden betreut; man sorgt für ihre gute Unterbringung, überläßt sie nicht ihrem Schicksal, sondern führt sie in die Kreise ein, in die sie ihre geistigen Interessen weisen. Seit Kriegsende ist in allen Teilen ber Welt eine bemerkenswerte Erscheinung feftuiftcUcn. Die Zahl ber Ötublercnbcn, bie inS Ausland gehen, wächst immer mehr, so baß man geradezu von einer studentischen Völkerwanderung sprechen kann. 3m Universitätsjahr 1928 29 besuchten 5917 Ausländer die Universitäten und Technischen Hochschulen Deutschland-, 5168 studierten in Großbritannien, 8932 in den Vereinigten Staaten, 11 159 an französischen Universitäten. Es ist hoch erfreulich, daß Deutsch- land wieder zu den meist besuchten Ländern gehört, und wenn auch Frankreich fast die doppelte Zahl von studierenden Ausländern aufnimmt, so bars nicht vergessen werben, daß der alte Anspruch von PanS, ein geistige- Weltzentrum zu fein, noch immer forttoirft, und daß ber billigere Lebensunterhalt in Frankreich naturgemäß einen sehr starken Anreiz auSübt. Wenn man die Dinge unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, so darf man hosien, baß bie Zahl ber ausländischen Studenten in Deutschland in den nächsten 3ahren mehr und mehr ansteigen wird. In ber ganzen Welt werben immer wieder Stimmen von Beobachtern laut, die Deutschland da- Land d e r wis senscha f 11ichen Le i stu n - gen, der unermüdlichen, von keinem wirtschaftlichen Rückschlag zu beirrenden Arbeit nennen, und die schon heute zugestehen, daß auf seinem Boden die großen, unblutigen Schlachten ber Zukunft geschlagen unb von ihm die entscheidenden geistigen unb wirtschaftlichen Entwicklungen auS- gehen werden. Ein Vergleich d«S Leben- in den verschiedenen europäischen Großstädten macht dies jebem Beobachter deutlich unb diese Erkenntnis wird sich auch in einem wachsenden Zustrom fremder Studenten auswirken. Es ist daher nur zu begrüßen, wenn im Rahmen des Mögsichen alles geschieht, um den Fremden den Weg nach Deutschland zu ebnen. Die in Deutschland studierenden Ausländer rekrutieren sich hauptsächlich aus den Nachbarländern mit deutschsprachiger Bevölkerung, aber auch aus allen Dalkanländern und dem ostlich-n Europa. Man yißlt allein ungefähr 400 Rumänen und fast 500 Bulgaren. Das wissenschaftliche Ansehen des Reichs ist auch in Asien sehr stark; es gibt viele chinesische, japanische, indisch«, persische syrisch«, türkifche und palästinensische Studenten. Wenn nur 23 Franzosen an deutschen Hochschulen studieren, während ungefähr 700 Voraussetzungen gegeben sind, weil alle Mütter meinen und Tn allen Generationen gemeint haben. ihre Kinder äßen zu wenig. In den traurigen Fällen, in denen bie Kinder aus sozialen Gründen tatsächlich von den Eltern nicht hinreichend ernährt werken können, werden Dchul- 1Peilungen einen Ausgleich bringen. Auch ist «S ben Kindern, die bas machen töimen, eine große Befriedigung, wenn sie einem weniger wohlhabenden Äameraben täglich ein Butterbrot mit* bringen dürfen. Der Schulranzen ist der einseitig belastenden Mappe weit vorzuziehen. Nicht selten ist er, mit Büchern gefüllt, für kleine Kinder aber zu schwer. Gieße sich da in den Schulen nicht eine Gelegenheit schaffen, um einen Teil ber Bücher, soweit sie nicht zu Hause gebraucht werben, in ber Schule unterzubringen. Der Schulweg gestaltet sich anregender, wenn Schulkameraden gemeinsam ben Weg au- rüdlegen. Die vielen Trambahnfahrer müssen besonders pünktlich ihre Abmarschzeit einhalten. In manchen Stäbten sammeln eigene Autobusie bie Kinber eines Stabtviertels, unb bringen sie in eine bestimmte Schul«, eine sehr emsehlenS- toerte Einrichtung. Von größer Bebeutung ist regelmäßige Darmtätigkeit schon beim kleinen Kinb. Man kann hier den Darm zur Orbnung erziehen. so baß er immer zur gleichen Stunde tn Tätigkeit tritt Es ist gleichgültig, wann batst. die Natur beS einzelnen läßt sich hier nicht immer lommanbieren. Am erwünschtesten ist natürlich regelmäßige Darmtätigkeit am Morgen, schon vor Schulbeginn, unb bie Reservezeit muß unbedingt so bemessen sein, baß barauf genügenb Rücksicht genommen werken kann. 3n Wirklichkeit ist das viel wichtiger als ein regelmäßiges Frühstück, das zu jeder beliebigen Zeit tagsüber nachgeholt werden fann. Bon allen Tätigkeiten am Morgen, einschließlich Waschen unb Frühstück, ist diese regelmäßige Entgiftung des Körpers am wichtigsten, ihr kann keine Zeit abgezogen werden. Es ist kein schlechter Trick, zur Erzielung einer Reservezeit, die Uhr um 5 Minuten vorzustellen. — das nützte selbst wenn alle es tDiffen, 3m übrigen wird man aus Gründen ber seelischen Hygiene die Kinder mit einem freundlichen ober scherzhaften Wort entlassen, — und kluge Lehrer werden sie in derselben Art begrüßen. . Bevor Ste einen [2186V gebrauchten n agen kaufen besichtigen Sie bitte zuerst unser Lager tieleitsstraße 2—10 Horehwerke ä.-G., Filiale Frankfurt M. Telephon Senckenberg 33996 und Senckenberg 31350. deutsche Studenten nach Frankreich gehen, so ist der Grund wohl hauptsächlich in der Abneigung des Franzosen gegen Auslandsreisen zu erblicken. Die ausländische Studentenschaft der Berliner Universität ist eine große Dölkerfamilie im kleinen, und ihre Mitglieder geben ein treues Abbild der politischen und sozialen Derhaltmsse des jeweiligen Landes. Zu den Wohlhabendsten gehören die A e g Y P t e r. Es sind vorwiegend Söhne reicher Baumwollpflanzer oder hoher Beamten. Aus vornehmen Familien stammen auch die Syrer und Türken. Aach Kasten und Religionsbekenntnissen, wie die Heimat, ist auch das indische Studentenkontingent geschieden. Man findet darunter Brahmanen aus Kalkutta, Parias aus Bombay, Mohammedaner aus Delhi. Die Inder studieren .übrigens vorwiegend an der Technischen Hochschule: viele von ihnen heiraten deutsche Frauen und siedeln dann in ihre Heimat über, wo sie zum Teil als Vertreter deutscher Firmen ihren Lebensunterhalt verdienen. Den Aeghptern und Indern gemeinsam ist die Abneigung gegen England. Aamentlich unter den Indern befinden sich viele, die wegen ihrer politischen Haltung von englischen Hochschulen ausgeschlossen worden sind und nun in Deutschland eine zweite Heimat finden. Die Studenten, die später wieder in ihre Heimat zurückkehren, behalten Deutschland in gutem Andenken. Besonders die Inder, die bei uns europäisches Wesen kennen und schätzen lernten, sehnen sich geradezu nach Deutschland zurück. Tun wir nur alles, um auch den anderen die Wahlheimat Deutschland teuer und wert zu zu machen. Oberheffen. Einweihung -es Laubacher Schwimmbades. □ Laubach, 24. Juni. Das städtische Schwimmbad in Laubach, zu dem bereits im vergangenen Herbst der Grundstein gelegt worden war, wurde am vergangenen Sonntagnachmittag unter starker Beteiligung der Einwohnerschaft Laubachs und der umliegenden Ortschaften seiner Bestimmung übergeben. Bereits eine Stunde vor Beginn der Feierlichkeiten setzte bei herrlichem Sonnenschein der Andrang zur neuen Schwimmanlage ein. Unter den Klängen der Laubacher Feuerwehrkapelle begann der Aufmarsch der Schwimmabteilungen des Turnvereins 1846 zu Gießen unter der vortrefflichen Leitung des Dau- schwimmwarts Sauer (Gießen) sowie einer Abteilung des Vereins für Leibesübungen „Rot- Weiß" in Darmstadt. Bürgermeister H ö g h begrüßte namens der Stadt Laubach die Festversammlung und dankte vor allem Sr. Erlaucht dem Grafen Georg Friedrich zu Solms für Me bereitwillige Lieberlassung des Geländes sowie allen Beteiligten, die an der Errichtung dieser schönen, von dem hiesigen Architekten Karl S i l ß entworfenen Schwimmanlage mitgewirkt haben. Auch den bei- - den auswärtigen Schwimmabteilungen galten herzliche Worte der Begrüßung. Den Schwimme- xinnen und Schwimmern — insgesamt 42 an der Zahl — war Gelegenheit geboten, den Festteil- - nehmern ihre Schwimmkunst zu zeigen und zu be° 'weisen, welch schöner und gesunder Sport das 7 Schwimmen ist. Mit der Vollendung dieses Schwimmbades ist ein langersehnter Wunsch der ' Laubacher Einwohnerschaft in Erfüllung gegangen. Zum Schluß betonte Bürgermeister HögY, daß das herrlich gelegene Schwimmbad zur Förderung, der öffentlichen Gesundheitspflege sowie zum Wohle der Heranwachsenden Jugend und der Laubacher Einwohnerschaft für alle Zukunft dienen möge. Hiernach begann das Aufschwimmen sämtlicher Abteilungen. Es war ein schöner Anblick, die Schwimmerinnen und Schwimmer in Reih' und Glied das 50 Meter lange Bassin durchqueren zu sehen. Reichen Beifall fanden die vorführenden Abteilungen beim Lagen- und Bruststaffelschwimmen sowie beim Gruppenspringen und den Tauchübungen. Der zweite Teil des reichhaltigen Programmes begann mit einem wohlgelungenen Reigenschwimmen, ausgeführt von zwölf Damen des Gießener Turnvereins 1846. - Sehr interessant waren auch die Rettungsvorführungen, wobei die Beteiligten ihr großes Können im Springen, Tauchen und Schwimmen zeigten. Auch die humoristische Einlage, das Hindernisschwimmen und das Figurenlegen fanden ebenfalls großen Beifall: bei letzterem > zeichneten sich die Damen des Gießener Turnvereins wieder besonders aus. Bei der nun folgenden Staffel überragten die Darmstädter Schwimmer. Auch im Kunstspringen wurde Hervorragendes geleistet. Besonderer Beifall galt hier dem noch jungen süddeutschen Meister im Springen. (Mitglied des Gießener Tv. 1846.) Den Schluß des ausgewählten Programmes bildete ein Wasserballspiel, welches zwischen der Gießener und Darmstädter Schwimmabteilung zum Austrag kam und mit 3:1 Toren zugunsten der letzteren endete. Alle Zuschauer — etwa 1500 — dürften befriedigt gewesen sein, diese interessanten und lehrreichen Darbietungen, die alle Gebiete der Schwimmkunst zeigten, gesehen zu haben, zumal das Können der beiden Schwimmabteilungen auf hoher Stufe steht. Möge den Laubachern und den Bewohnern der umliegenden Orte das schöne, neue Bad eine Quelle steter Freude und Erholung sein! 600 Jahre Bü-inger Markt. WER. Büdingen, 24. Juni. Büdingen feierte am Samstag und Sonntag die 6 0 0 j ä h - rige Wiederkehr der Verleihung der M a r k t r e ch t e an die Stadt durch Königs Ludwig von Bayern im Jahre 1330. Der Iubiläums- inarkt wurde am Samstagabend durch einen Kommers in der Festhalle eröffnet, bei dem Bürgermeister H i l d n e r in seiner Begrüßungsansprache auf den Wert und die Bedeutung der Märkte insbesondere in früheren Zeiten hinwies. Am Sonntagvormittag wurde die von den Bü- dinger Gewerbetreibenden veranstaltete Ausstellung eröffnet, die allseits große Anerkennung fand. Inzwischen waren viele auswärtige Gäste eingetroffen, die den historischen F e st z u g erwarteten, der die Geschichte Büdingens veranschaulichte. Auf dem Reuen Marktplatz begrüßte Bürgermeister H i l d n e r die Festzugsteilnehmer und sprach ihnen den wohlverdienten Dank aus. Rach einem Marktumtrunk hielt Lehrer H e u - sohn die Festansprache, in der er interessante geschichtliche Aufklärungen gab. Landkreis Gießen. f Watzenborn-Steinberg, 24. Juni. Zu einer eindrucksvollen Feierstunde gestaltete sich der sonntägliche Festgottesdienst zur Erinnerung an die 400jährige Wiederkehr des Augsburger Bekenntnisses. Musikalische und gesangliche Kräfte hatten in dankenswert selbstloser Weise sich in den Dienst der guten Sache gestellt. Rach der Einleitung sang Fräulein Gärtner (Gießen) das Lutherlied „Ein feste Burg", nach dem Sah von Lukas Oslander und als Ausklang der Predigt „Schaff's mit mir Gott" von Ioh. Seb. Dach. Die Künstlerin, die über eine ausgezeichnete Altstimme verfügt, brachte die Lieder in vorzüglicher Ausführung zu Gehör. Klangfarbe und Klangfülle der Stimme, sowohl im stärksten Fortissimo als auch im feinsten Pianissimo, eigenschöpferische Wiedergabe und Gestaltung der Lieder legten Zeugnis ihres reifen Könnens ab. Frl. Gärtner dürfte als besondere Kennerin vorklassischer Musik, die sie hervorragend zu interpretieren versteht, anzusprechen sein. Zur Einleitung des Gottesdienstes spielte Herr Klingelhöfer die Kirchenarie von Stradella und als Lieberleitung zur Predigt das „Ave verma“ von Mozart für Cello bearbeitet. Vermöge seiner guten musikalischen Begabung und weichen Bogensührung hinterließen auch seine Darbietungen einen tiefen Eindruck. Geschmackvoll und zurückhaltend wurden die Solisten von Gerichtsreferendar Harnisch an der Orgel begleitet. Die Festpredigt des Ortsgeistlichen über Iesaia 62, 6 und 7 war ein Aufruf zum Laienhelserdienst am Aufbau der Kircke nach dem Dorbilde der Väter. is. Steinbach, 24. Juni. Einen sehr schön verlaufenen Ausflug unternahm der hiesige Gesangverein „Eintracht" mit sämtlichen aktiven und einer Anzahl passiver Mitglieder nach Lletzhqusen (Kreis Lauterbach), um seinem langjährigen Dirigenten und jetzigen Ehrendirigenten Lehrer i. R. Ranz und dessen Familie einen Besuch abzustatten. Mit dem Frühzug fuhr der Verein nach Bad Salzschlirf zur Besichtigung und erfreute die anwesenden Kurgäste mit einigen schönen Liedern, die allgemein Beifall fanden. Rach kurzer Mittagspause ging es dann nach dem nahen Llehhausen, wo im Schulhof unter Leitung von Herrn Sommer ein Begrüßungschor vorgetragen wurde. Der Vorsitzende des Vereins gedachte noch in warmen Worten der Verdienste, die sich Herr Ranz in seinem letzten Wirkungskreise Steinbach als Lehrer und Dirigent erworben hat. Mit bewegten Worten dankte Herr Ranz für die erwiesene Ehrung. In geselligem Beisammensein erfreute der Verein die noch erschienenen Einwohner mit einigen schönen Liedern. wofür Bürgermeister Wahl im Ramen der Gemeinde bestens dankte. Kreis Büdingen. * Echzell, 24. Juni. Bei schönstem Wetter hielten die Gemeinden Echzell, Gettenau mit Heuchelheim und Bingenheim mit Bisses am letzten Sonntag ihr alljährliches evangelisches Volksfest, das diesmal zugleich das Iahresfest des Zweigvereins Ridda des Gustav- Advlfsvereins war. Es fand auf dem schönen „Echzeller Tanzplatz" im Walde unter hohen Eichen statt. Pfarrer Weihgerber (Bingenheim, begrüßte die zahlreich Erschienenen und wies sowohl auf den 25. Juni 1530 hin, als den Tag des Augsburger Bekenntnisses, wie auch auf den 25. Juni 1630 als den Tag, da der Schwedenkönig Gustav Adolf nach Deutschland kam. Darauf sprach Pfarrer T r a b a n d t (Herbstein) über den Dienst der Diaspora an den evangelischen Gemeinden und den Dienst der evangelischen Gemeinden an der Diaspora, die große Opferwilligkeit der Diafporagemeinden betonend und die Gemeinden zur hilfsbereiten Tat aufsordernd. Wie diese Ansprache aus eigener Anschauung der Rot und der Glaubensstärke der um die Erhaltung ihres Glaubens ringenden Evangelischen gehalten wurde, so kam auch die folgende aus eigenstem Erleben und wirkte deshalb noch ergreifender, weil die darin geschilderte Rot noch unvergleichlich größer ist. Pfarrer S i e l m a n n (Frankfurt a. M.), früher in Reval, der selber in russischem Gefängnis war, sprach von den Verfolgungen des Glaubens in Sowjet- Rußland und von der Lebendigkeit des Glaubens, wie sie sich unter diesen Verfolgungen äußert. Die Schlußcknsprache hielt der Vorsitzende des Zweigvereins, Pfarrer Laut (Ridda). Er dankte auch dem Musikverein und dem Kirchengesangverein Don Gettenau für ihre Mitwirkung bei dem Feste. Die Kollekte für Herbstein und für die evangelische Ruhlandhilfe ergab 54 Mark. Amtsgericht Gießen. Gießen, 20. Juni. In der Sitzung vom 27. v. M. waren zwei Verhandlungen zwecks Anstellung weiterer Ermittelungen auf heute vertagt worden. Diese haben inzwischen stattgefunden, vermochten aber an dem für die beiden Angeklagten ungünstigen Ausgang der Verhandlungen nichts zu ändern. In dem einen Fall berief sich der Angeklagte, der vorschriftswidrig auf dem Seltersweg mit einem Handwagen von der Wolkengasse aus nach dem Kreuzplatz gefahren war, bzw. seinen Gesellen zu einer derartigen Fahrt veranlaht hatte, auf angebliche einschlägige Abmachungen zwischen der Selterswegvereinigung und der Polizei, wonach folche Fahrten unter gewissen Llmständen gestattet seien. Abmachungen solcher und ähnlicher Art haben auch stattgefunden, ohne dah die Einzelheiten festgestellt werden konnten. Die Polizei bestritt, dah erstere im Fragefall zutreffend feien, hält auch die Annahme guten Glaubens auf Seiten des Angeklagten, der sich auch hierauf berief, um deswillen für ausgeschlossen, weil dieser vor Beginn der Fahrt von einem Polizeibeamten ausdrücklich auf das Straffällige seines Vorhabens aufmerksam gemacht worden war. Auf Grund der Beweisaufnahme steht dies richtig. Darnach war, ganz abgesehen von Rechtsgründen, die Annahme guten Glaubens ausgeschlossen, und der Angeklagte zu verurteilen. Er erhielt eine ganz geringe Geldstrafe. -k: In dem anderen Falle war der Angeklagte m seinem Auto über den Lindenplah durch die verbotene Ausfahrt an der Buschschen Musikalienhandlung nach dem Kirchenplah zu gefahren und an der Ecke mit einem Straßenbahnwagen zusammengestoßen. Seine heutige Behauptung, er sei schuldlos, da das Richtungszeichen damals Wohl an einem Maste angebracht gewesen sei, aber in einer Höhe, die das Erkennen durch einen Autofahrer ausgeschlossen habe, wurde kmrch die Beweisaufnahme widerlegt. Es befindet sich heute noch in gleicher Höhe. Aber auch abgesehen von dieser Feststellung war der Angeklagte schuldig, denn er hat infolge seiner Llnachtsamkeit keinerlei Rücksicht auf die Signale der Straßenbahn genommen, die der Führer wiederholt, bevor er die Ecke erreichte, abgegeben hat und von dem Angeklagten hätten gehört werden müssetz. Durch sein Verhalten wurde der Transport der elektrischen Straßenbahn offensichtlich gefährdet, mag diese auch bei dem Zusammenstoß gänzlich unbeschädigt geblieben fein. Eine Gefährdung genügt zur Anwendung des § 316 StGB. Der Angeklagte war daher auf Grund dieser Gesehes- stclte zu bestrafen. Eine Geldstrafe von 3 0 Mark schien angemessen. Kunst und Wissenschaft. Wilhelmholzamer-Feier in St Pötten. Kürzlich veranstaltete die Stadt Pölten in ihrer Urania eine erhebende Gedenkfeier für den frühverstorbenen rheinhessischen Dichter Wilh. Holzamer, der in Oesterreich schon eine'große Zahl von Freunden besitzt Dr. Adalbert Schmidt, der durch seine Veröffentlichungen und Vorträge über Wilhelm Holzamer bekannt ist, hat in Wien und Oesterreich eine stattliche Holzamergemeinde ins Leben gerufen. Er sprach nun auch in St. Pölten über das dichterische Werk Holzamers und fand bei dem zahlreich erschienenen Publikum freudigen Beifall. Nach Dr. Schmidts Vortrag las Regisseur Kurt S ch i m a n n (Wien) mit großer ' Feinfühligkeit des Dichters Novelle Pfarrcts Käthchen", und Dr. Herm. K i e s ( (St. Pölten) erntete für die prachtvoll vorgetragene Erzählung „Herbst" reichen Applaus. Gäbe es öfter solche wohlgelungene Veranstaltungen — auch im Reiche draußen —, bann brauchte uns um die Zukunft von Holzamers Werken nicht bange zu sein! (Schluß des redaktionellen Teils.) Verantwortlich für Lokales: I. V.: Dr. T h y r i o t. wer gut verdaut, hat mehr vom Leben; denn Sodbrennen, Magenbeschwerden usw., welche fast immer ihre Ursache in dem Uebermaß an Magensäure haben, wirken außerordentlich störend. Das millionenfach bewährte Kaiser-Ratron schafft Erleichterung, Linderung und Lebensfreude. 4599v Die erfahrene Mutter gibt ihrem Kinde f\ufeKe und frische M i I C n Gegen Gicht, Rheuma, Stein- und Gtoffwechsetteiden! - Ermäßigte Pauschalkuren: Oie ersten 3 Wochen (Mindesid.): Pauschalpr. Mk. 199.50, 4. Woche Mk. 59.50. Bewilligung von Kreditkuren auf Antrag. Im Kurhaus: Wochenpauschalpreis Mk. 84.-; im Badehof: Wochenpauschale Mk. 105.-. Auskunft auch über Hauskuren durch die Badeverwaltung. Niederlagen bei: Wilhelm Michel, Walltorstrabe 71, Tel. 2479, und Jean Weisel, Sonnenstrabe 6, ältestes Mineralwassergeschäft am Platze, Tel. 3888.3086v Gießen (Neuen Bäue 25 I), den 25. Juni 1930. 040)0 Die Beerdigung findet am Freitag, dem 27. Juni, 4 Uhr nachmittags, von der Kapelle des Alten Friedhofes aus statt. Im Namen der Angehörigen: Regierungsrat Dr. Robert Naumann Grethe Emmelius, geb, Naumann. Bekanntmachung die Nachwahl eines Vertrauensmannes zur Landwirtschaftskammer betreffend. (§ 21 der Wahlordnung.) Auf die Bekanntmachung in den Aus- hängekasten über die am 29. Juni 1930 stattfindende Nachwahl eines Vertrauensmannes zur Landwirtschaftskammer wird hierdurch verwiesen. 4615C Gießen, den 25. Juni 1930. Der Oberbürgermeister. I. V.: Dr. Hamm. Bekanntmachung. Die Voranschläge der Gemeinde (5rü- ningen und der Heinrich Benderschen Stiftung für Rechnungsjahr 1930 liegen vom Donnerstag, dem 26. Juni, eine Woche lang auf hiesiger Bürgermeisterei zur Einsicht offen. Zu den vom Gemeinderat beschlossenen Umlagen werden auch die 2Ius= märker herangezogen. 4634D Grüningen, den 24. Juni 1930. Hessische Bürgermeisterei Grüningen. Euler. Wirksame erbe - Drucksachen bei Brühl, Schulstraße 7 Photo- Entwickeln Kopieren Vergrößern in Stunden bet individueller Behandlung. 403 ID Ruhl - Gieben Krücke Seefische Mittwoch, Donnerstag und Freitag in la Qualität ein- treffend. [42170 Ferner empfehle Diverse ©ort. Si ä ic Jriickc Land- und Tafelbutter Frische Eier. Meintani Babnbosftrake 59, Telephon 38(16. Statt besonderer Anzeige. Gestern früh entschlief sanft nach schwerem Leiden im 79. Lebensjahre unsere liebe Mutter Ottilie Naumann geb. Wiekenberg Witwe des Geh. Hofrates Professor Dr. Alex. Naumann. Bekanntmachung. Betr.: Vergebung der Verkaufsplätze auf dem Wochenmarkt. Die Verkaufsplätze auf dem Wochenmarkt sollen für die Zeit vom 1. Juli 1930 bis 30. Juni 1931 an Ort und Stelle neu vergeben werden. Die Plätze werden am Samstag, dem 28. Juni 1930, vormittags VAX Uhr, auf dem Wochenmarkt, beginnend in der Marktlaubenstraße, freihändig vergeben. Bei mehreren Liebhabern für ein und denselbcn Platz erfolgt Zuschlag an den Meistbietenden. Die näheren Bedingungen sind aus dem Anschlag an der Standgelderhebestelle zu ersehen, sie werden vor Beginn der Platzvergebung im Hose des Turmhauses verlesen werden. Gießen, den 21. Juni 1930. 44260 Der Oberbürgermeister. 3.23.: Klingspor. der preiswerte V Motor-Eilwagen Nutzlast 5—6 Ztr. 4-PS-Motor Führerschein- und steuerfrei Dreiradbremse. Dreiradgetriebe Mit elekt. Beleucht, v. RM.1260 an Otto Faber Mühlstr. 22 Telephon 3096 4590D »MiS sowie sämtliche landwirtschaftliche Geräte Edgar Bormann, Gießen Bekanntmachung. Die Lieferung von etwa 2000 Zentner süßem Wiesenheu, beste Qualität, ist zu vergeben. 4637D Die Lieferung kann geteilt werden. Bedingungen liegen bei der unterzeichneten Verwaltung zur Einsicht offen. Angebote sind verschlossen und versehen mit der Aufschrift „Angebote für Heulieferung" bis zum 10. Juli 1930, vormittags 10 Uhr, einzureichen. In den Angeboten sind die Bedingungen anzuerkennen. Zuschlagsfrist fünf Tage. Gießen, den 24. Juni 1930. Verwaltung der Veterinär-Kliniken und -Institute. Donnerstag, den 26. Juni 1930, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im „Löwen", Neuenweg, dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: zehn Stück Anzugstoffe, je 3 Meter, ein Wirtschaftsbüfett, zwei Kassenschränke, einen Diwan, ein Sofa, zwei Wanduhren, ein Schrankgrammophon, einen Kleiderschrank, ein Fahrrad, sechs Wa- renschränke, eine Ladeneinrichtung, zwei Schreibtische, einen Vervielfältigungsapparat, einen Radioapparat, eine Nähmaschine, 92 Kinderspiele, 25 Kartons Schokolade, 150 Flaschen Likör, 90 Dosen Obst- und Gemüsekonserven, 100 Kvkosbesen, zwölf Roßhaarbesen, 15 Kinderklappstühle, fünf Holländer, zwölf Pferdchen, acht Puppenwagen, 40 Fahr- leinen, fünf Waschleinen, 24 Fruchtsäcke, 20 Feldstühle, fünf Klappstühle, 100 Kartons Christbaumschmuck. 4638D Oern Gerichtsvollzieher in Gießen Steinstraße 13 — Telephon 4101